Einzelpreis 30 Pfg.• 3. Jahrgang Mittwoch 13. Oktober 1920 Nummer 432• Morgen-Ausgabe «•«fttriMt»«mtM an»—Ummagt, Zemnat*«»«Brorto» na ebnncL Da 0(lltg«pret> berrSgt bei(rrirr Arsttllmio in* Hau« für'Ht-r.-Bcrlin 10,— Ol. in toran» H-chlb«,»on der Spedition feidft»dgedoU S.ZÜ M. »nd«erla«! Aerli»«», Vaei»,«teah, 8»0. tt*«fttfHlMftrat(HonpaninnriU»?«>»«M'«.«iAs»a«b»ch Xnitnina*|iif(it(a{. Klein« Anzeigen! Do* fettgedrnnie Wo« 2.— M., fede, weiter» wo« l.so M., einschließlich Te>,ernng*,uichl-g. Laufende.«meige» ionl T-ris. Aamilien-Anz eigen und Siellen-Sesuche Z,20 M. netto pro Zeile. Stellen-chefuch» b> WorleAnzeigen: da» fettgedruöui Wo« 1,60 lebt* weitere Wort l,— Ab Smlpttch«: Satt» 2080. 2610, 4810 4601 4681 4641 4021 $erßner Vt�on bn Vna�Snolgen Sojmlömiofnttle S>eatrcf)fanösi Der Gewaltstreich gegen Litauen Die Stolle Frankreichs London, 12. Oktober. Der Sonderberichterstatter des„Manchester Guardian" in Riga meldet zur Einnahme Wilnas durch die Polen, die Lage in Litauen überschatte augenblicklich alle Ereignisse in Europa. Der Gedanke eines polnischen Korridors durch Weihruhland, der ohne den Besttz Wilnas undurchführbar sei, stamme von Frankreich. Auch sei der Angriff auf Wilna von Frankreich inspiriert. Frankreich kommandiere so- wohl an der Ostsee als auch in Südruhland. Es habe keinen Sinn, sich diesen Tatsachen zu oerschliehen. Der Be- richterstatter fragt, ob die britische Regierung sich mit dem Korridorplan einverstanden erklärt oder dagegen Einspruch er- hoben habe. Der„Manchester Guardian" trifft durchaus das richtige. Die ganze Haltung Polens wird erst verständlich durch die Unterstützung, welche ihm Frankreich gewährt. Daß Frank- reich seine Hände auch bei der Besetzung Wilnas im Spiele gehabt hat, kann als feststehende Tatsache gelten. Die Ziele der französtsch-polnischen Imperialisten sind mit der Be- setzung Wilnas noch keineswegs erschöpft. Das weiter ge- steckte Ziel ist die Bildung eines Korridors nach der Ostsee. Rußland soll von Deutschland völlig abgeriegelt werden. Die Friedensvorschläge, die in Riga gemacht worden sind und denen sich Rußland, dem Zwang der Ber- hältnisie gehorchend, unterwerfen will, schneiden bereit« Ruhland von einer Verbindung mit Litauen und damit von der Möglichkeit ab, durch dieses Land einen direkten Han- delsweg mit Deutschland herzustellen. Wenn auch die selb- ständigen Randstaaten durchaus den Wünschen der Entente- imperialisten entsprechen, so gelten ihnen diese Randstaaten doch noch nicht als der zuverlässige Schutzwall, den sie gegen Rutzland brauchen. Ein wehrloses Litauen unter der Ober- Rote an Polen statt, in der Warschau der Rat erteilt wird. sich ge mäh igt(?) mit Rücksicht auf Wilna zu benehmen. Angriff auf Armenien HR. London, 12. Oktober. „Daily Mail" erfährt au» Konftantinopel: die russischen Aufständischen und ein ruMch-tatarisch-bolschewistischev Heer unter Führung von Nury Beq. dem Bruder Enver Pascha», hat an fünf Stellen Armenien angegriffen. Die Ar- menier halten bis jetzt stand, obwohl die Angreifer ihnen über- legen sind.— Di« armenische Regierung hat Mustafa Kemal den Krieg erklärt. Georgien zieht Truppen zusammen, um Batum zu verteidigen. Hoheit Polens stehend und mit einem Zugang nach der Ost- see: das erste würde die Vorherrschaft der Polen an der russischen Westgrenze sicherstellen und auch den französischen Imperialisten jene Operationsbasis verschaffen, die ihnen zur Durchführung ihrer Pläne erwünscht erscheint. Es bleibt nun abzuwarten, welche Stellung der V ö l- k e r b u n d, der die Unabhängigkeit Litauens gewährleistet hat, zu dem Eewaltstreich der Polen einnehmen wird. Eine Note an Pole« HR. Paris, 12. Oktober. „Echo de Paris" meldet: Zwischen London und Paris findet ein Gedankenaustausch über die Entsendung einer gemeinschaftlichen Der Streik in Sachsen Beim Telegraphenamt in Chemnitz muh seit 10. Oktober vom Eintritt der Dunkelheit an bis 0 Uhr morgens der Telegraphen- und Fernsprechbetrieb infolge Mangels an elektrischem Strom und Gas ruhen, well wegen Streiks der dortigen Eemeindearbei- ter die Elektrizitäts- und Gaswerke ihren Betrieb eingestellt haben.— Wegen des Ausstandes der städtischen Arbeiter in Chemnitz find die Aerzte und Zahnärzte in den Abwehr- streik getreten.— Auch die Arbeiter der städtischen Gaswerke und des städtischen Elektrizitätswerkes in Plauen sind Dienstag früh in den Ausstand getreten. » Der Streik der Aerzte ist ein so verwerfliches Unter- nehmen, daß es nicht scharf genug verurteilt werden kann. Man kann über die Zweckmähigkeit eines Streiks in den Wasserwerken gewiss geteilter Meinung fein und auch die Arbeiterfchaft stimmt in der Beurteilung dieser Frage nicht über- ein. Aber über das Recht auch dieser Arbeiterkategorien zum Streik darf kein Zweifel bestehen. Wieweit von diesem Recht— wie gesagt aus Zweckmäßigkeitserwägungen— Ee- brauch gemacht werden soll, das kann allein in VerHand- l u n g e n von Fall zu Fall mitdenzu ständigen Eewerk- fchaften entschieden werden. Eine„Abwehr" durch einen Aerzt«streik ist daher völlig unsinnig. Eine neue Meldung besagt übrigens, dah die streikenden Ar- beiter in Chemnitz sich nach Verhandlungen bereit erklärt haben, den Strom für das Wasserwerk als Rot- standsarbeit zu liefern. Trotzdem beharren die Aerzte im„Abwehrstreik", ein Heller Wahnsinn und eine geradezu verantwortungslose Handlungsweise. Der erste Tag des Parteitages (Eigene Drahtmeldung der„Freiheit".) Halle. 12. Oktober. Durch den Saal zieht sich ein breiter Gang, der die S'tze inzweiHälften teilt. Dieser Gang ist dann Sinn- b,ld dieses Parteitages. Es sind zwei Parteien, die hier zusammengekommen sind, zwei Parteien, die ihre B e- Ichlüsseschongefaßthaben, bevor sie noch den Saal betreten haben. Die Entscheidung des Parteitags soll erst bei der Frage der Internationale fallen und deshalb han- delt es sich bisher nur um Vorpostengefechte, die m i t v e r- haltenerKraft geführt werden. Dieer st«Machtprobe wurde bei der Feststellung der Tagesordnung angestellt. Die Abstimmung ergab eine Mehr- heit dafür, daß zuerst der Geschäftsbericht des Parteivor- standes und dann die Frage der Internationale behandelt werden soll Vergeblich wiesen einige Genossen darauf hin, daß es sich doch um einen außerordentlichen Par- t e l t a g handelt, dessen Kernstück die Internationale sei, J,aA00tt cJ1" Beantwortung dieser Frage das künftige Schickfal der Partei abhänge. Alle Vernunftgründc scheiter- �u an der Wand der kompakten Majorität. Aber diese Mehrheit konnte ihrer vorher festgelegten Entscheidung nicht frob werden. Es wurde festgestellt, daß eine erheb- liche Anzahl von Stimmen mehr abgegeben worden waren, als Delegierte überhaupt anwesend sein konnten. So mußte schließlich aul Vorschlag des Vorsitzenden Dittmann der ganze Parteitag einer Verständigung zustimmen, ohne daß auf beson- deren Beschluß die Tagesordnung nach den Wünschen der Mehrheit festgesetzt wurde. Genossin Zietz, die bis zur Mittagspause den Geschäfts- bericht der Parteileitung gab, wurde mit Ruhe angehört. Sie schilderte erst die V e r h a n d l u n g e n, die mit den revolutionären sozialistischen Parteien der anderen Länder geführt wurden, und wies die Angriffe zurück, die von Moskau aus gegen die U. S. P. gerichtet worden silch. Dann schilderte sie die organisatorische und worden ist. geleistet hö bei wichtigen Anlässen agitatorische Tätigkeit, die Kassenführung und die andere Tätigkeit, die von der Zentralleitung geleistet Man mag wünschest, daß die Parteileitung mehr zätte, man kann der Meinung sein, daß insbesondere rößere Aktivität hätte ge- zeigt werden müssen. Aber immerhin findet man in dem Bericht doch eine gewaltige Summe von Arbeit wieder, die in der Berichtszeit ausgeführt worden ist, und wenn man jetzt die beiden Lager übersieht, in die sich der Parteitag fpattet, so graut einem vor der Feststellung, daß ein gut Teil dieser Kraft nutzlos vertan fein soll. Mit künstlich hergestellter Ruhe wurde noch der Geschäfts- bericht entgegengenommen. Lebhafter ging es am Nach- mittag zu, als die Diskussion darüber einsetzte. Von den Freunden der Bedingungen wurde vor allem behauptet, daß die Parteileitung in den entscheidenden Si- tuationen, insbesondere beim Kapp-Putsch versagt habe. Demgegenüber wiesen C r i s p i e n und D i ß m a n n nach, wenn der Parteivorstand nicht entschieden genug auf- treten konnte, so habe das daran gelegen, daß zu viel u n- fertige Elemente in die Parteiinstanzen hinein- geraten waren, die noch nicht das Einmaleins des Sozialismus und des Klassenkampfes begriffen hätten. An die Stelle von Kameradschaftlichkeit sei Treu- l o s i g k e i t getreten. So zog sich die Debatte bis zum Abend hin. Es waren vornehmlich Mitglieder der obersten Partei- körperschaften, die den Wortkampf gegeneinander be- stritten. Eine Protest-Rcsolution der Hamburger Genossen gegen die Ausweisung der russischen Gewerkschaftsdelegierten fand die einmütige Zustimmung des Parteitages. Zum Schluß der Sitzung stellte allerdings Genosse Dittmann nach Rücksprache mit dem Auswärtigen Amt fest, daß nach dessen Behauptung keine Ausweisung vorliege. Es liegen für Aiittwoch noch 20 Wortmeldungen zu diesem Punkt der Tagesordnung vor. Heute find die bürgerlichen Pressevertreter, die in großer Menge erschienen waren und auf S e n s a t i o n e n gewartet haben und besonders die Spaltung der Partei schon als sicher angesehen haben, noch nicht auf ihre Rechnung gekommen. (Sitzungsbericht in der Beilage.) Das Agrarprogramm der dritten Internationale Von Dr. Wilhelm Erumach. Der zweite Kongreß der dritten Internationale hat durch Aufstellung von Leitsätzen über die Agrarfrage diesen lange vernachlässigten wichtigen Gegenstand wieder einmal in den Bordergrund des Interesses aller proletarischen Par« teien geschoben und sich damit ein großes Verdienst erworben. Aber es kann doch sehr bezweifelt werden, ob das dadurch ge» schaffene Agrarprogramm wirklich internationale Geltung beanspruchen kann, d. h. auf alle Länder paßt. Und was viel schlimmer ist, es kann sehr zweifelhaft sein, ob das Agrar« Programm ein sozialistisches ist. Ein solches müßte zwei Fragen beantworten: 1. wie die Landbevölkerung für die proletarische Revolution gewonnen werden kann und 2. wie die Agrarverfassung in den Zustand des Sozialismus überführt werden soll. Fast nur mit der elfteren Frage be- schäftigen stch die Leitsätze, und zwar in der Art, daß dabei der Sozialismus nicht nur zu kurz kommt, sondern sogar fast ganz geopfert wird. Zur Gewinnung der Landbevölkerung für die proletarische Revolution empfiehlt die dritte Internationale außer der selbstverständlichen Agitation unter den Landproletariern und den ihnen nahestehenden Halbproletariern, den Par- zellenbauern, die Gewinnung der Kleinbauern, derjenigen Landwirte, die schon von ihrem Boden zu existieren vermögen, und die Neutralisierung der Mittelbauern. Beides könne er« reicht werden durch die Aussicht auf Befreiung von der Zah» lung des Pachtzinses, Befreiung von Hypothekenschuld, von verschiedenen Formen des Joches der Eroßgrundbest�er ■_ (Wald- und Wicsennutzung) �__ Wirtschaft durch Ueberlassung von Maschinen, Gebäuden der und auf sofortige irgend etwas zu -rundbesttzer usw Häven diese Dinge mit Sozialismus ira schaffen? Sie sind„ B a u e r n f ch u tz wie er in den Pro« grammen der Antisemiten, Bauernbündler und anderer Mittelstandsparteien steht und wie er auf dem Parteitage von Breslau(im Jahre 1895) in den damals vorgelegten Agrarprogrammen von der Parrei glatt abgelehnt wurde. Und man kann sich z. B. in Deutschland von den angegebe« nen Mitteln auch noch nicht einmal einen nennenswerten Er- folg versprechen. Man schaue sich einmal die Verhältnisse der deutschen Klein- und Mittelbauern an: Die Pacht spielt bei ihnen nur eine geringe Rolle(16,6 Prozent Pachtland bei Kleinbauern, 9 Prozent Pachtland bei Mittelbauern) und hat keinen wucherischen Charakter: die hypothekarische Verschuldung war schon vor dem Kriege eine Fabel(41,4 Prozent der Klein- und Mittelbauern schuldenfrei) und ist ee durch den Krieg noch mehr geworden, ein„Joch" der Großgrund« besitzer für Wald- und Meidenutzung existiert nicht usw. Es ist, als kämen die Vorschläge aus einer anderen Welt. Und sie kommen in der Tat aus einer anderen Welt, der speziell russischen. Die bis dahin leibeigenen, an die Scholle gebundenen und kein eigenes Land besitzenden rufst- schen Bauern wurden im Jahre 1861„befreit", aber die„Be- freiung" brachte ihnen fast keinen Vorteil. Das ihnen als Eigentum gegebene Land war kleiner als das bisher von ihnen bewirtschaftete(3— 5 Hektar im Durchschnitt des Reiches): für dies Eigentum mußten sie eine hohe Ablösungs- rente zahlen, die ebenso wirkte wie eine hohe hypothekarische Belastung: wegen der zu kleinen Bodenmenge mußten sie vom Großgrundbesitzer Land zupachten und dafür einen wucherisch hohen Pachtzins zahlen oder diesen auf dem Herrenlande„ab- arbeiten": Wald- und Weidenutzung mußten sie gleichfalls „abarbeiten". Dieses Joch war allerdings drückend bis zum Zusammenbrechen der Bauern und die Befreiung von dem« selben sehr geeignet, sie für die proletarische Revolution zu gewinnen. In Deutschland und wohl auch in andern westeuropäischen Ländern ist die Aussicht dieser Mittel gleich null. Als ,. s i ch e r st e s M i t t e l. d i e B a u e r n s ch a f t für dieRevolutionzugewinnen", empfiehlt die dritte Internationale Aufteilung des Bodens der Großgrundbesitzer und einiger Großbauern unter die landbedürftigen Klein- dauern. Und für die Kolonien empfiehlt sie in den Eupple- mentthefen zur Kolonialfrage Aufteilung des Bodens der f laiuagenbesitzer unter die landbedürftigen Eingeborenen. n Deutschland wäre dieses„sicherste Mittel" für den ange- gebenen Zweck ziemlich aussichtslos, denn über zwei Drittel des Bodens befinden sich schon in den Händen von Bauern unter 50 Hektar. Dem Sozialismus aber und auch der sozia- listischen Aufklärung unter der Landbevölkerung schlagt diese Forderung geradezu ins Gesicht. Wie können wir den Bauern den Sinn für Gemeineigentum an den Produktionsmitteln beibringen, wenn wir durch eine solche Forderung ihren vc� kannten Eigentumsteufel stärken und womöglich ihn noch Kreisen ins Blut setzen, die noch nicht ganz davon besessen waren, den Landpröletariern? Ferner würden wir durch Aufteilung nur den Fortschritt der landwirtschaftlichen Tech- nik aufhalten. Das Entscheidende aber ist, daß wir mit der ______ JL..d......WM Auffassung ständigen bürgerlich-demokratischen Zustand der Agrarverfaß fang, was auch bt« Leitsätze(Leitsatz 5, Abs. 5 und These 9 der Eupplementthesen zur Kolon, alfrage) offen zugeben. Dieser Zustand besteht in allen westlichen Landern schon seit beinah« hundert fahren und wir würden ihn nur noch ver- breitern, also die Aararverfassung rückwärts entwickeln. Diese Emvichlung paßt also für die westlichen Länder nicht. Welchen Schaden wir aber dadurch der Entwickelung zum Sozialismus tun, ist klar. Man wird den Einwand machen, die Aufteilung von Land fei nur für die noch halbfeudalistischen Länder, etwa die südslawischen, empfohlen worden und für die auf noch tieferer Stufe stehenden Kolonien. In den kapitalistischen Ländern werde die Erhaltung des Großbetriebes mit sozialistischer Wirtschaft empfohlen. Das stimmt nicht ganz. Absatz 6 des Leitsatzes 6 sagt ganz allgemein:„In Ländern und Gebiets» teilen, wo der landwirtschaftliche Großbetrieb eine relativ geringe Rolle spielt, dagegen eine große Anzahl kleinbäuer- sicher Besitzer bestehen, welche danach trachten, Land zu erhalten, kann die Berteilung des Landes sogar das sicherste Mittel usw." Abgesehen davon, daß hier schon der Wunsch der Kleinbauern maßgebend sein soll, gilt dieser Satz offenbar für alle Länder, und die Voraussetzungen treffen für Mittel- und Süddeutschland zu, da hier der Großgrund- besitz nur«ine geringe Rolle spielt. Dann macht man sehr häufig den Einwand, das Land solle ja gar nicht den Bauern als Eigentum gegeben werden. Zwar sagen die Leitsätze darüber nichts, aber in Rußland, wo diese Maßnahme durchgeführt ist. ist zwar durch all, gemeines Dekret das Privateigentum an Grund und Boden aufgehoben und die Bauern dürfen das Land nicht verkaufen. aber sie genießen uneingeschränkt den vollen Ertrag des Bodens und geben Nahrungsmittel nur gegen Industrie- artikel, also durch regelrechten Kauf ab. Selbst das Erb» recht, im allgememen aufgehoben, ist durch besonderes Dekret für die Bauerngüter erhalten geblieben. Somit find sie tatsächlich Eigentümer des Bodens, wenn auch auf dem Papier etwas anderes steht. Alle diese Ratschläge gelten jedenfalls, abgesehen davon. daß sie unsozialistisch sind, nur der Gewinnung der Bauern für die Revolution. Von der Durchführung des Sozialismus in der Landwirtschaft sprechen nur der kleine Absatz 2 des Leitsatzes 6,«ine Anmerkung dazu und der Schluß von Ab« satz l des Leitsatzes 8. Leitsatz 6 und Leitsatz 8 empfehlen sozialistische Großbetriebe nach Art der russischen Sowjetwirt» schaften, die in Rußland zugegebenermaßen„nur in Aus» nahmejällen" gelungen sind, die Anmerkung zu Leitsatz 6 empfiehlt genossenschaftliche Zusammenfassung von Lauern» gütern zu Großbetrieben, sogen. Dorfkommunen. Die schlechten Erfahrungen damit haben den Sowjetkongreß von lSIS allerdings dazu veranlaßt, alle gewaltsamen Eingriff« in die bäuerlichen Verhältnisse auszugeben in der Einsicht,„daß der bäuerliche Kleinbetrieb noch lange bestehen werd«''. Das ist die vollkommene Kapitulation vor dem gewordenen bürgerlich, demokratischen Zustande. So auffallend es nun ist. daß die dritte International« solch einen bürgerlich-demokratischen Zustand empfiehlt und auf die Durchführung des Sozialismus fast gar kein« Rück- licht nimmt, des Rätsels Lösung ist in den speziell rusfischen Verhältnissen vor und während der Revolution zu suchen. In Rußland, dessen Bevölkerung zu über 80 vom Hundert eine bäuerliche ist, konnte nur eine solche Partei zur politi- schen Macht gelangen und sie behalten, welche die Sehnsucht der unglücklichen Bauern nach Land befriedigt. Die Bolsche» wisten"taten das, hofften jedoch, auf die oben angegeben« Weife die Umwandlung ins sozialistische Stadium weiter« treiben zu können. Da die Bauern dem widerstreben und die Sowjetmacht auf ihre Hilf« angewiesen ist. gelang ihnen b"? nicht. Andererseits sind die Bauern die mächtigste Stütze der Sowjetmacht, weil ihr Sturz Rückkehr des alten Joches und Verlust des Landes für sie bedeutet. Die Empfehlung desselben Vorgehens in den Kolonien wieder ist in dem Kampf der Sowjetmacht gegen den englischen Imperialismus begründet. Es soll das kein Borwurf gegen die russischen Genossen sein. Diese bürgerlich-demokratische Umwandlung, welche die kapitalistischen Weststaaten schon vor fast hundert Iahren überwunden haben, war für Rußland eine historisch« Rot» mendigkeit. die Geschichte bediente sich der Bolschewisten nur als der Vollstrecker dieser Notwendigkeit, denn bei dem Drama der Geschichte find die Menschen nicht die Verfasser. sondern«ur die Schauspieler und Statisten. Od die Bolschewisten ihre Rolle aber erkannt haben, kann zweifelhaft fein, da sie die Umwandlung auch für Länder empfehlen, welch- sie schon überwunden haben. Nur diesen Vorwurf kann man ihnen machen. Ferner muß betont werden, daß die geschilderten Maß» nahmen eine Anpassung an die dortigen Machtverhältnisse darstellen, d. h. opportunistisch sind. Und die Russen empfehlen diesen Opportunismus auch den Genossen anderer Länder. Dann aber haben siekem Recht, solche fremdländischen Genossen als Opportunisten ZU beschimpfen. die in anderen Angelegenheiten den derzeitigen realen Machtverhältnissen ihre» Laiides Rechnung tragen zu müssen glauben. Ich habe all diese Verhältnisse ausführlicher in.der letzten Nummer des„Sozialisten� aefchildert. Ich bin dort zu dem Schluß gekommen, daß das Agrarprogramm der dritren Internationale mindestens für Deutschland nicht paßt, da es aus speziell russischen Verhältnissen abgeleitet ist: ferner daß es. abgesehen von den darin empfohlenen, aber jedem Sozialisten längst geläufigen, Sowjetwirtschaften und ge- nossenschaftlichen Dorfkommunen, kein sozialistisches ist und den in Breslau abgelehnten Agrarprogrammen gleicht wie ein Ei dem andern, ja. durch die Empfehlung der rein liberalen Landaufteilung unter die Bauern sogar noch unterste heruntergeht. Die Srnähnrngskrife. Nach einer als zuverläffla anzufthenden Information der..Mllnchen.Zlugsburger Abendzeitung- beträgt der M i n d e r e r t r a g der diesjährigen Ernte im Reich 17,2 Prozent aegenüber dem Vorjahr. Für das neue Erntejahr ist be» reit» die"Weisung an die zuständigen Stellen ergangen, daß eine Aenderung des Mifchungsverhältnisies bei der Brotzube» r« i t u u g voraussichtlich nicht erfolgen darf. Es bleibt also bei der bisherigen Qualität des Brotes. Unruhen in Z«gofla«i»n. In Kroatien haben sich groß« Dauerunruhen abgespielt: es kam zu rücksichtslosem Einschreiten der serbischen Truppen. Die Zusammensrope forbenen unt« den Bauern und Gendarmen zahlreiche blutig« Loser. Beson- der» von den Klerikalen wird in Kroatien und TlavonUn für die Habsburger«in« reg« Propaganda entfaltet. Di« amerikanischen Mi'chkiih« unterwegs. Der erste Transport amerikanischer Milchkühe ist unterwegs. Sachsen wird weaen seiner jchkchlcn Ernährungslaae besonders berllcküchtigt. Di» Milch der Kühe ist nur für HeimstSUe« und Kinder bestimmt. Die Wrangelfront Die Pläne der französtsche« Imperialisten Nachdem das polnische Abenteuer nicht zu einem vollen Erfolg geführt hat, find die französischen Imperialisten be- müht, ihr« ganz« Unterstützung dem Rebellengeneral Wrangel angedeihen zu lassen. Der Vormarsch, den er von der Krim aus anaetrelen hat. war nur möglich durch die Unterstützung der französischen Imperialisten. Sie erst haben das Rebellenheer ausgerüstet und operationsfähig gemacht. Räch den neuesten Meldungen aus Moskau gehen die Rü- ftungsarbeiten in der--Krim im verstärktem Maße weiter. Ein« große Anzahl weittragender Geschütz« soll in den letzten Wochen dort eingetroffen sein. Auf der Pere- kop-Landenge sollen französische Ingenieure drei Befestigungslinien angelegt haben, ähnlich wie dies bei Verdun geschehen war. Drei weitere Befestigungslinien sperren die Landenge vom Hinterlande ab. Große Artillerie- und Flugzeuapark» sollen dortselbst konzentriert sein, ferner Tanks verschiedenen Kalibers. An den Küsten der Land- enge kreuzt eine flachgehende mit weittragenden Geschützen bestückte Flottille. Der Versuch Wrangels, das Donezgebiet, jenes für die russische Volkswirrschaft außerordentlich wichtige Kohlen- gebiet, zu besetzen, scheint vorderhand mißlungen zu sein. Wie es heißt, befinden sich die Truppen Wrangels im Rückzug, auch der Vormarsch aus Odessa und Nikolajew verlangsamt sich, da die Rätetruppen an dieser Stelle hart- nackigen Widerstand leisten. Wrangel sucht inzwischen nach neuen Bundesgenossen. Die finnische Presse macht darauf aufmerksam, daß er die Unabhängigkeit Finnlands bisher noch nicht anerkannt habe, die Entente habe aber Schritt« unternommen, den Rebellengeneral zur Aenderung seines bisherigen Standpunktes zu bewegen. Wrangel wird natürlich keinen Augenblick zögern, dem Verlangen nachzu- kommen, sofern ihm daraus ein neuer Bundesge- n o f s e entsteht. Aber die Imperialisten der Entente und ihre Werkzeug« im Osten werden schließlich doch noch ihre Enttäuschung erleben. Wrangel kann versprechen, was er will. Die Frage ist die, ob er seinen Wechsel einlösen wird. Rußland ist mit den Räuberhauptmännern Koltschak, Denikin, Judenitsch fertig aeworden. Es wird auch dem von der Entente großgezüchteten Unternehmen Wrangels die Spitze zu bieten wissen. Wie weit die Absichten Wrangels gehen und welche Rolle dabei besonders Frankreich spielt, gehl aus einem Moskauer Bericht hervor, rn dem es heißt: „Bon Frankreich wurde eine Aktion gegen die Sowjetmacht an der Südküste Ruhland» vorgeschlagen,«ine Intervention. die auf die fruchtbarsten Gebiete der Ukraine abzielt. Der Angriff auf Petrograd ist mißlungen und die Gelegenheit, ihn zu wiederholen, scheint ungllüstig. da weder Finnen noch Esthen, noch Letten sich von der Entente ködern lassen wollen. Auch der polnisch« Marsch auf Moskau erwies ssch als mißlungen, da da» weiße Polen nicht imstande war.«in jolibes Unter, nehmen durchzuführen. Trotz der kriegerischen P-sse Pilsud»- kis wünschen viele einflußreich« Kreise �Polens den Frieden. Rur die von Wrangel geführten russischen KonterreoolutionSr« kZnnen sich mit der Sowjetregierung nicht verständigen. So setzen die sranzöfljch« Regierung und Bourgeoisie ihre Hofsnungen aus Wrangel. und ha sie in der Ukraine v'el« der Sowietmackt feindlich« Element« zu finden hoffen, sie. die zahlreichen ukrainischen Banditentrupp» auf ihr« Seit« zu ziehen. Wränget hat sogar versucht,«in«„ulrainische Regierung- zu bil- den. Die französischen Imperialisten wagen ein hohes Spiel, in» dem sie ihre Mittelmeerflotte und schwarze Truppen an die Schwarze-Meer-Küste schicken. So ist Sowjetrußland genügend gewarnt vor dieser neuen Drohung des französischen Im- perialismus. und es ist bereit, den Pariser Wuchern die nötig« Antwort zu geben." Ohne Rücksicht auf die kritische Haltung, die sich die west- europäisch« Arbeiterklasse Sowjetrußland gegenüber vorbe- � halten muß. wird sie wie ein Mann zusammenstehen, wenn es gilt, die Pläne der europäischen Reak.ion zum Scheltern � zu bringen. Sie weiß zu gut. daß Sowietruß'and ein Vor, ! Posten der Revolution ist und daß sein Fall einen Rückschlag i auf die gesamt« europäisch« Arbeiterbewegung ausüben j würde. Die Entwaffnungsaktion Die Reaktion bleibt gerüstet! In der Sitzung vom S. 10. 20 de, parlameniarifchen Beirats gab der Reichsetttwaffitungslommissar Peters Bericht über das bisherige Ergebnis der Entwaffnungsoktion. Cr ist von dem Ber- lauf der Enlwasfnung zufriedengestellt, da all« Schichten der Bevölkerung Waffen ablieferten: in manchen Landesteilen, de- sonders in Hessen, gaben hauptsächlich die Frauen Waffen ab. In gewissen Gegenden entfiel auf 200 Einwohnern«ine abgegeben-. Waffe; in Großberltn auf 2000 Einwohner. Besonders viele Was- fen seien in Württemberg abgegeben worden und in Münster. In Wetmar seien an einem Tage 1400 Gewehr« einzeln abgeliefert worden. In manchen Lande-teilen hätten Sckieber die Waffen restlos aufgekauft. In den Gegenden, die schlecht abgeliefert haben, sollen größere Entwaffnungsaktionen durchgeführt werden. Bisher sei ungefähr die Friedenebewafsnung von drei Friedens- armeekorps abgegeben worden: im ganzen etwa zj Millionen Waffen. An Prämien seien bereits etwa SO Millionen Mark-ussezahlt worden. Die Waffen der Einwohnerwehren und ähnlicher Organisationen seien bis 1. Oktober anzumel, den. lNicht abzuliefern, d. V.) Nur die schwere Be» «asfnung dieser Organisationen soll in den nächsten Tagen ringe- zogen«erden. sAljo können die Gewehr« behalten»erden, d. B.) Ein Widerstand gegen die Entwaffnungsaktion habe sich nirgends gezeigt. Auch der bayrisch« Minister von Kohr habe erklärt, daß er nicht daran denk«, da, Entwafsnung-gesetz nicht zur Durchführung zu bringen. Einzelne Regierungen gingen zu schnellvor.z.V. Braunschweig und Oldenburg. Dort habe der Reichskommissar bremsen müssen(!). Das E-setz werde durchgeführt«erden. Wo später noch Waffen gefunden werden. Hab- der Staatsanwalt einzugreifen. In schweren Fällen werde da» Gericht auch Zuchthaus st ras«»erhängen. Schlteßlich ver- wahrte sich der Reichskommissar gegen den Vorwurf der Rechts- presse', daß er mit Denunziantenmitteln arbeite und dadurch zur Berlumpung de« Lölkes beitrage. Er wolle nur da» Gesetz ausführen. In der Debatte«erlangte Genosse Dr. Rosenfeld«uskunst über die Bewaffnung der Orgesch und ähnlicher Organisatio- nen. Auch fordert« er energischere» Vorgehen zur Entwaffnung der Einwohnerwehren und ähnlicher Organisationen. Er fragte. wie viele Waffen diese Organisationen angemeldet hätten und wann sie endlich zur Ablieferung ihre,(Sewchre ausgefordert weichen. Graf Westarp wünscht« zu wissen, od auch die„rote Ar» mee" Waffen angemeldet Hab». Der Reichskommissar erwidert«: Bericht« über Waffen- anmeldungen der Selbstschutz-Organlsationen liegen im allgemei- nen noch nicht vor. Ausb dem Regierungsbezirk Potsdam hat z. B. die Einwohnerwehr veesto» S50 Gewehre, die Volkswehr in Zehdenick 84 Gewehre und«in Maschinengewehr angemeldet Auch die Orgefch unterliegt der Anmeldepflicht. Bon einet roten Armee weiß ich nicht». Abg. Berndt(Di!.) war besonders von den Mitteilung«« über die nichtbestehend« rot« Armee nicht befriedigt.„SB 4 notorisch der Sitz der roten Arme« ist. muß«ner« gifch zugegriffen werden". Ms Genosse Rosenfeld ih« darauf ersuchte, doch mit seinem Wissen nicht zurückzuhalten unt mitzuteilen wo die rote Armee„notorisch" ihren Sitz Hab« schwieg er. Dagegen rief er noch ein« lebhafte Debatte über deii Krieg hervor, worauf er von dem Abg. Hildenbrand(Soz.) und dem Genossen Rosenfeld gebührend zurechtgewiefeii wurde. Die Vertreter der beiden sozialistischen Fraktionen ver« langten die Durchführung der Waffenadlieferung auch in Ba y« e r n und auf den g r o ß e n Gütern. Die Arbeiterschaft werbt entwaffnet, das Land aber bewaffne sich mit jedem Tage mehr Auch dieser Bericht zeigt wieder, wie richtig unsere Vertretet im Reichstage handelten, als sie im Gegensatz zu den Rechtssozim listen das Entwaffnungsgefetz bekämpft haben. Es wird immet mehr eine Handhabe gepen die Arbeiterschaft zugunsten der Bous geoifie. Die Waffen der Großgrundbesitzer Nach den Ausführungsbestimmungen zum Entwaffnungsaeseij sind„für einzelliegende Gehöfte und Gemeinden vor ihrer End waffnung die zu ihrem Schutz erforderlichen Maßnahmen zu trest fen. Diese Bestimmung erweist sich niit jedem Taae mehr als ein Mittel, die Bewaffnung der Großgrundbesitzer immer mehr zu vervollkommnen. Hier zeigt die En-waffnungsaktion besonder» deutlich, daß sie sich gegen die Arbeiter richtet, dagegen die Herren Agrarier unbehelligt läßt. Es wird Aufgabe unjsrer Vertretet im Parlament sein, auf sofortige Aufhebung diese» gegen die städtische Bevölkerung gerichteten Ausnahmege« fetze, zu drängen. Die Aussperrung im Zeitungsgewerbe Die Situation ist weiter unverändert. Das Reichs» arbeitsministerium ist angeblich bestrebt, den Konflikt beizulegen. Es will sich bemühen, so schnell wie irgend mög- lich neue verhaudlungen zwischen den beiden Parteien anzu- bahnen. Mit der Leitung dieser neuen Verhandlungen ist Pro» fessor Dr. Brahm beauftragt worden, der es sich angelegen fein läßt, Arbeitgeber und Arbettncbmer ahne Berzvg an den Verhandlungstisch zu bringen. Ueber den Erfolg dieser Be» mühungen des Ministeriums ist noch nichts bekannt. Di« Arbeiter und Angestellten sehen der Entwicklung der Dinge mit Ruhe entgegen. LofowsKy n cht ausgewiesen Wie wir soeben erfahren, ist Genosse Lofowskq nicht au« Deutschland ausgewiesen worden. Die Regierung hat seineck Paß verlängert, um ihm Gelegenheit zu geben, die Sin« reiseerlaubnis nach Italien hier abzuwarten. Bei dieser Gelegenheit wurde er allerdings an fein Berfprechen, politisch öffentlich nicht hervorzutreten, erinnert. Auch dieser Maulkorb«rscheint uns unwürdig. Immerhick müssen wir betonen, daß wir die Nachricht von der Aufenthalte beschränkuna bis zum 14. Oktober von Lofowsky und Eene z« l o p i t f ch selbst in persönlich unterzeichneten Briefen erhal» ten haben. Vergewaltigung sozialistischer Lehrer Un» wird geschrieben: Wie im zweiten Iabr« der-bertinlschen Republik reaktionäre Regierungen mit sozialistt chen Lehrern um- springen, mußte Genosse Lehrer Ritterbufch in Blumberg erfahren. Seit einem Jahr hat derselbe unter den Berfolgunge» der reaktionären Kreise feines Orte», welch« von den Echulbehörden lebhaft unterstützt werden, zu leiden. Es gelang aber trotz aller Winkelzüge nicht, den Genossen Ritterbufch au» dem Amte zu dringen oder von feiner Stelle zu entfernen. Nun hat die Re- gierung in Merseburg zum entscheidenden Schlage aus- geholt und Ritterbufch einfach„im Interesse des Dienste»- ver- setzt. Da» ist«in Akt der brutalsten Gewalt und Versetzung im Interesse der Reaktion wäre der richtige Ausdruck dafür. Dabei mutet man Ritterbufch zu. innerhalb sechs Tagen mit Familie umzuzlchen. ineineStelle.dieeinunverheirateter Lehrer aufgeben wollte, weil er sich oerheiraten will. Die Elternschaft von Blumberg, die in ihrer Mehrheit hinter Ritterbu ch steht, verlangt, daß er unbedingt in Blumberg bleibt. Sie hat in einem Telegramm den Kultus- minister, die'e Angelegenheit zu untersuchen und bis zur Entscheidung die Versetzung zurückzustellen. Es sind 14 Tage verflossen, »ndderHerrMinisterhatnoGnichtgeantwvrtet. Montag, den 11. Oktober 1920 trat die Elternschaft in den Schul- st r e i k ein. Run hat der Herr Minister das Wort, oder will er sozialistisch« Lehrer schutzlos den reaktionären Regierungsräten ausliefern? Basteleien im Bergbau Vorläufiger Reichvwirtfchaftsrat Der wirtschaftspolitisch« Ausschuß des Reichswirtschastsrat» stimmte einem Antrage Zmbusch-Hu« zu. der die Regie» rung ersucht: Durch sofort einzusetzende technisch« Kommissionen die Verhältnisse in den verschiedenen Bergrevleren und auf de« einzelnen SBcrken vnlfen zu lassen und auf ein« Einführung aller «in« Erhöhung der Förderung versprechend» Aenderungen zu drin- «n. Insbesondere ist zu prüfen, oh nicht durch Einlegung wei. terer Förderschichten und eine besser, Organisation der Betriebe. die einen größeren Prozentsatz der Arbeiter an direkt produktive Arbeit bringt, höhere Förderziffern erreicht werden können. Um dem notwendigen Anreiz zur Bergarbeit zu schal- fen und zu erhalten, auf ein richtige, Verhältnis zwischen den Löhnen der Bergarbeiter und denen der Arbeiter in anderen In- dusirien und Gewerben hinzuwirken. Die Bergardeiterbevölkeruna so ausreichend mit Lebens» mittel» zu versorgen, daß sie die von ihnen gewünscht« Arbeit auch leisten kann. Znsbesonder« ist auch eine rechlzeitig« und aus- reichende Belieferung(Einkellerung) mit Kartoffeln durchzu- führen. Di« in den Tarifverträgen festselegt« Dckuer der ordent- lichen Schicht gesetzlich zu sicher« und dadurch den Bergleuten die Befürchtung zu nehmen, man«oll« ihnen aus dem Umweg« über die Ueberschichten«in« dauernde Ber- längerung ihrer ordentltchen Cchichtzeit aufzwingen. Der«eitere Ausbau de, Knappschastswesen» ist den Wünschen der Bergleute entsprechend mit möglichster Be- schleunigung durchzuführen, insbesondere sind die Krankengelder und Pensionen den heutigen Geldwerten anzupassen. Der Kampf der Bergarbeiter Vi»her eine Mehrheit für de« Streik vonda». Ist. V«»»«. Gestern begann die Abstimmung unter den Bergleute« übe» die Annahme oder Verwerfung de» Angebots der Grubenbesitzer. Die ersten bekanntgewordenen E.»-«-"'-«v» Abstimmung reisen «in« stark««ehrheit für dir Ablehnung de» Angebet»« aus- Der Parteitag in Halle (Fortsetzung aus der Beilage.) Bertha Braunthal: Genossin Z i e tz hat hier erwähnt, daß viel zu wenig für die Frauenagitatio« geleistet worden sei. Da ich für diese als Sekretärin angestellt bin, mutz ich mich dazu erklären. Meine Anstellung ist trotz eines Veschluncs des Leinziger Parteitages, eineSekretarin anzustellen, erst im März erfolgt. Seitdem hat eine starke Agitation ein- gesetzt. Im allgemeinen kann ich bemerken, dag das Interesse der Frauen nicht so gering ist. Die zahlenmätzige Stärke der Mitglieder beträgt durchschnittlich 20 Prozent. Refercn- tinnen für besondere Frauenfragen werden stark verlangt. Unter meiner Leitung sind wissenschaftliche Kurse für Frauen eingerichtet worden. Wenn wir alles zusammenfassen, dann wird man einsehen, datz der indirekte Vorwurf, den die Genossin Zietz mir gemacht hat, nicht zutrifft. Weiter ist mir unterschoben worden, datz ich geäuhert hätte, die Mansfelder Berg- arbeiter würden den Parteitag mit Knütteln auseinandertreiben. Ich stelle fest, datz diese Behauptung eine Lüge ist.(Hört, hört.) Scholem-Halle: Wir werden es rmmer als eine Ehre ansehen, wenn Leute, die sich für eine gute Tat ins Zeug legen, unseren Ton auf die Wage stellen. Wir möchten feststellen, datz der Ur- Heber der Aeutzerung über die Mansfelder Arbeiter Genosse Dittmann ist. Darum legen wir Wert darauf zu erklären, datz der Lorwurs. die Mansfelder Bergarbeiter würden den Parteitag auseinandersprengen, völlig aus der Luft gegriffen ist. Die„Freiheit" hat unfere Erklärung nicht gebracht, fondern sie hat uns weiter zu denunzieren versucht, indem sie den Unsinn ausstreute, der Vorsitzende der Hallenser Organisation hätte ge- äutzert, von dem Zentralkomitee dürfe niemand aus H lle heraus- gelassen, die rechten Mitglieder mutzten sämtlich totgeschlagen wer- den.(Die Erklärung der Hallenser Parteiorganisation ist in unserer Montagausg be abgedruckt. D. R. d...F."1 Da» ist die Kampfesweise der Genössen, die heute als Anstandspudcl auf- treten. Wenn die Auseinandersetzungen in den letzten Wochen von uns scharf geführt worden sind, so nur. um die Partei m der einmütig zielbewuhten und klaren zu machen, wozu uns der Parteitag verhelfen mutz. Vorsibender Genosse Dittmann behauptet gegenüber der Genossin Braunthal und dem Genossen Schalem, datz der Parteitag die P'licht hätte, den ruhigen Verlaus des Partei- tages zu garantieren. Die Hallenser Genossen hatten zuerst be- schloffen, die Parteitagsdelegierten nicht durch Urwahlen zu wählen und es verlautete, datz die Mansfelder Bergarbeiter nach Halle kämen, um die Anerkennungder Mandate zu erzwingen. Es war unsere Pflicht, diesen Dingen ndchzuaeben. Adolf HoNmann zur Geschäftsordnung: Es gebe nicht an, datz der Vorsitzende nach reder ibm nicht passenden Ausführung lange Repliken halte. Er habe sich ebenfalls in die Redner- liste einzuzeichnen. Dittmann weist dies« Ansicht zurück. Er sei zu dieser Feststellung verpflichtet gewesin. Koenen: Es ist be-eichnend, datz die Genossen der Rechten an der gestrigen Bearsstz'maofe'er als Eostge�er nicht tAlaenommen haben. Das»eugt Wür. was von dem Gerede der Rechten über Anstand zu halten ist. Man hat uns volitische Unreif« vorgehalten, datz wir kein Verständnis für politische Situationen hätten. Dagegen ist-u sagen, datz ich bereits am ersten Tage des Kapp-Putsches in München Parolen formuliert« und mich sofort nach Berlin als nach der gefährlichen Stelle begeben hatte, einer«Umag m't der K P.D. gelang es am eilen Ab-nd. Einmüt'ofeit über d''e eimu- schlagend« Taktik zu erielen. Eine sol�e Tätigkeit ist wertvosser, als ngchber. wenn die Aktion iniola« der hemmenden Rechten nicht Mfchgeführt werden konnte bäm'sch«'"emertunaen iider unier« Fehler zu machen. Genosse Koenen schildert die damalige Hal- »Uilg des Zentralkomitees. Am Doni'-'stag diei«' Woche lag 1-11 lOl"* auf der Strafte. mA»t die Rechte war un- lang und trat danmls noch nicht für Be Wandlungen mit L e g i en ein. sondern erst sväter. nachdem Seaien dm Verrat verübt batte. Wir rechneten es uns zur revolattonärennd».t. datz afp Reschfntz-nstapt.. fa�,. Il'sara bra„"s'b-'.i- gtl�en GanaN»„ daN-n par NNa-ata� ei„ NsniNro-nitz 1 � d a n R«cht«so»iaktN,� üd»? � p,ri: derrs� dah«.iz ra>N rma'ndtS«,�� gtarfal ttS*f i« ner»knNa»iq nrf, _""t M»rd» dah dan Vant— r»a-,t4»s an d'» sao>>>>,» ött»ntst>e>» aärkköruna r>�»»>>q -fen. fang. T�t«?ta-t-t biW tjf. r''" r-r'ariai'at'�ns. ot'ch d?a de'-tk�-e Nr.. � � lra»— är.7�.„ N-iz �tr-a M—-at d�» an—aks�z ZtZrr-,'r'n ,",S a«n»«m � n-.ikaN> — aa— sr r" or-faTtr�ts-t na» VI» rtn Sla »Taat»»!»« n»nV»4 fW«« N* V»» W.-r.---nV,»«NanaN» SS(44, dl# Sa»„»<»„«!tk,4 -(»:«»•(*<», nan d»» M.C»>,»». �.>r. V!»t»� ,„.>!� n-v V.1»,„4 ..""" k"'*'4-— V-4. V-, m..4»!4»„ VI.t.„ N ' b r>!» r!„ 4««»Na d-a«r>.*»«*t da-a,.». T-n*4» f&Xitfn* r".«»..»„4# Inj 1Trn.-Vf»»ft»tn4c 4.- flwlv T,»V»n n„, b»..'4-, 4n,«"-urenn-nf n.n.n V-. «i-'-k-irf»»-n».4»„n»„„,n.„™4-!>!» t,« Tv Vn-l»»T«.t#in#«".»»«»In,,..#;n 4.4.4. 44!.,„»1»„na »n.,.�..„.n v"-*'—"--«—»--.rt v„ A- n- <«-yl.:».„»nlt»4!.n n- v:» C. n 4, n» f»; 4„„„ I«.. v..„ 4».„„ n r V J f V>.>r V,.» k.(». ':r'l>*»n m.»l t..S�n.4 n.t-1. V.(»„,»»»l.«l»*« �l.-nin« Jn-N.4»»4!>4.»—>-4„..414»4»r#„4#n, "•-♦•»Int»'«S V»n«■».(»fin« 4*».(i cmt, r.»«»n In ««T»n v»- 0.n4y..-.,4„„„ �„4«4 IT-?»-» "V-»»,.!f,4(»„ 4„«,»nt�l,8 Uhr- Der lastte Walzer mit Frist« Mass-r,,. Äönigst «Jan adt» Theater sIannowitzbrilcke) Täglich 7« Mala» Sänger Im Ballsaal- T» n» Kammer-Tanzspiele Bülowstr.«, am Nollendorfplatz Tägl. 7'/« Uhr- Orientalisches Ballett Kilri«tami Bei,. v.8 Folies Caprice-/.s Vnrnle-Knrung gngnn SUndrnolt mit Ferd. Mriinecher. Berliner�Theater. Freitag. IS. Oktober. l', 8 Uhr: Zum 250. Male: WWW« Musill von Oskar Straus mit Fritzi Maffary Otto Storm, Olga Engl, Robert Scholz, Alfred Kühne. Berthold Reihig, Paul Prügel, Paul Rehkopf, Wally Koch, Charlotte Ander, Irm Schloß, Anna Elle«, E»»r. Callehn, H. Molle. e h i 1 1 <> w Castno-Theater Kaorp's sel. Mwe Stg.Ztj, u.! Der Hausdrache Apollo- Theater Friedrichftr. 21» VI* allabeaW VI* Harems-Nächte Sonntags 3*/2 U. 1 Kind frei. Direkt.: Victor BarnorvOky 8M-Theater Heute und Donnerstag l'l, Uhr: Das Gelübde l«»»lt»n>In, 1.0°,.«löpfsr, l-lnil) Freitag 7 Uhr: Peerint >I.oa«, grllnlag, lu>»Z»aZ DevM. Mstl-Thealer Allabendlich 7>>, Uhr: Sie SKMtivgsrelie lelisv ttsstvedveg) Msidenz- Theater Bahnhof Iannowitzbrücke Untergrundbahnhos.«losterstr. Täglich V,S Uhr: Die Freundin Mlla Durienz, Toelle, Dilbt, Alder», Ballenlins Hrn-e 4 Uhr: Tchneeniittche» Tri«-Theater Bahnhof Frirdnchstraße Täglich'//t Uhr: N l»« fm Sämiltche ll> SZnnden!, m h3 Minnten--- Fast erblindeter Grnaffe empfiehlt sich alsAIavicrstimmcr. Halselbach, Neukölln, Rlem-n- strage 10. 'THEAren KurfUr»sendsmm 217 Täglich 7'/,«hr- Die neue Aeou«: Text: Feist«vrllnbaane. Einlag.: Theobald Tlge» Mnfit von Rudolf Nelson. LireuZ Deutsches Theater Mittwoch, 7 Uhr: Wslüve Vevslhe» Donnerstag, 7 llhr: Tee lebend« Leichnam sAIerander Moisfi) Freitag, 7 Uhr: Romeo nnd Fnlta Ale;. Moisfi, Ioh. Termin M-ttwoch, H Uhr: Die Ärandstätte Donnerstag, 7>/, Uhr Stella Freitag, 7>/, Uhr: m ixulffr« KleteftAln Großes Schauspielhaus Mittw., 7 U.sauß.Abonn.) Donnerstg. 7U.,, FretijJU.�VÄM�bfc.) Kammer-Tanzspieie Bülowstr, 6. Am Nollendorfplatz Telephon: Lützow 2306, Täglich?>/« Nhr SrieMjslhes Welt «l» SWWlmze 7 und'1,9 VTzr CABIRI A Der Kampf um die _ Weltherrschaft_ Die heilioe Simpilcia Filmlegeade to 6 Akten ooa Tfäecs von Harbou Der xwelte May- Regle-Melsterülm ST Eva May Alfred Oeraacb com Burvl.iejter Vier J». Wo eise WtillecHapel Regie: E. A. Duponl Hauplddrtteller. Mlerendorfif Orl. Hegesa ?. Wodse Sumurun Emst llubltlcls Hauptrollm Pola Negrl Uraufführung U. T. NOLLENDORFPLATZ Donnerstag, den 14. Oktober T u. S*3 Uhr PUTSCH- � LIESL Lustspiel oon Erich Sdiönfelder u. TyllUbl REGIE: ERICH SCHÖNFELDER Ha u p I r o l I* a: OSSI OSWALDÄ Josephine Dora /Hermann Tb im ig Viktor Janson/ Albert Paulig FMO 1 ----- älln Kai«..Fri(drieh-Str. «m l-sibgl.PrMdlm. 7"i, Uhr: Bfletmarken. Hunzen kauft Grossmann, Johannisstr. 4 Ncrdaa 10421. ir- der Berr des Todes. Richard Oswald- Lfcbtsplele Kanf�trasse 183 Scliati«plci In R Akten von Hnns vn Hof'onsthal Hegte Rudolf HsupücHei Lotte Neumchnn Reingefallen ß. H Lustspiel in 2 Akten mit Arnold Riede Manolescu wird durch die Siede einer reiueu Frau gebessert so schreibt er in seinen Memoiren ..Vtt gllMdl'S?" Sehen Sl» sich ManolesetTs Memoiren den ttcueficn Richard Osnsald- Film«tu Der Henker von St. Marlen Künstlerische Oberleitung: Joe May Verfasset und Regisseur: Frlf3 Frclslcir Hauptrolle r Eva May Gl Die Tarantel Seosationsfilai oou Karl Flgdor Regle: Rudolf Blebraeh Das Valufamifdel mit Ossi Oswalda -Wodsenfags ab 7 Ubr Sonntags Beginn 4 Ubr föfl Heim Aeuzer ZWüte als Manolescu Begt». istichard Oswald Einlast-».40, B.SO Uhr von Leo Tolstoi IM Seiten Äld. 1.80 Puchhaudluug.Freiheit" Breite Str.«-» Mflg skr SWkellk! Sie suchen gutgehende Ärtikel zum Verkauf. Wir fabrizieren 3 täglich für den Haushalt un- entbehrliche Gebrauchsartikel. Besuchen Sie uns bitte, es lohnt sich für Sie. Ulftm, Werke Hönisch t Co, Berlin SW t l. Anha!:str.7.Gesch.-Zeit 8— Ulhr. Achtung! Achtuv� Habe abzugeben einige 1000 Aollen, 1000 Meter, 10— ZOOMet�« feldgra� Garne, Zwirne» StoHe, Sch-reidcrzutaten zu [ preisen. 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Alles lei- det unter dem Zusammenbruch des Kapitalismus. Die Notwen- diakeit einer politischen Internationale wächst durch diese Auf- gäbe. Zwingende Ziotwendigkeiten haben die frühere Ein- berufung des Parteitages begründet. Wir können nicht wirksam arbeiten, bevor wir nicht Klarheit über die Ziele und Wege der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei innen- und außenpolitisch, national und international schaffen. Deshalb ist der Hauptpunkt unserer Tagesordnung: Die Kommunistische Internationale und die Aufnahmebedingungen. Nicht wir, son- dern die Russen haben uns vor diese sZstage gestellt: Wollen wir als Unabhängige Partei bestehen od« in der Kommunistischen Partei ausgehen? Beweis dafür ist Punkt 17 der Aufnahmebedingungen und die Bestimmung des Statuts. Crispien zitiert die in Betracht kom- Menden Stellen, aus denen diese Frage gezogen werden muß. Crispien verweist auf das neue Pamphlet des Moskauer Exekutivkomitees, das erst am ersten Sitzungstage den Delegier- ten zugängig gemacht wurde, trotzdem es schon tagelang vorliegt. Auch aus dieser Kundgebung des Exekutivkomitees zitiert Crispien die entscheidenden Stellen, die klar und deutlich bewel- sen, dass es allein aus die Spaltung der U. S. P. D. und die Krästevermehrung der K. P. D. abgesehen ist. Wir werden auf diese Frage antworten, offen und«nzweideu- tig. Klar und deutlich werden wir entscheiden, ob die Unabhän- gige Sozialdemokratie ihre Misfion erfüllt hat und ob fie weiter zu bestehen hat. Ich zweifle nicht daran, dass die Partei auch au» diesem Kampfe fest und geschlossen hervorgeht. lBeifall.) Nach Beendigung der Eeschäftsordnungsdebatten nimmt zur Erstattung de» Geschäftsbericht» das Wort Genossin Zieh. Sie bedauert«inleitend, dass fich das Interesse des Parteitages vornehmlich auf den dritten Punkt konzentriere und dass fie sich deshalb kurz fassen müsse. Der Leipziger Parteitag gab der Zentralleitung den Auftrag, mit den sozialrevolutionären Parteien aller Länder zusammenzu- trete» zur Schaffung einer revolutionären Internationale. Wir haben sofort nach dem Parteitag alle Schritte dahingehend unter- nommen, die ja in Ihrer aller Kenntnis find. Eenoffin Zietz schildert eingehend alle Mahnahmen, die die Parteileitung er- griffen hat. Statt einer Antwort kam von Russland eine um- fangreiche Anklageschrift, die ab« nicht» andere« enthielt, als die Bersammlungsredensarten der deutsche» Kam» munisten. Dieses Jahr ist ein Jahr opferreicher Kämpfe gewesen, in denen die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Führerin ge- wesen ist. Genossin Zietz weist auf den rücksichtslosen Kamps gm gen das Betriebsrätegcsetz hin, der sofort nach Beendigung des Leivziger Parteitages einsetzte. Sie erinnert an den blutige» Zwischenfall vor dem Reichstag«, der von Heine und Noske rnszeniert wurde, sie erinnert weiter an die verlogene Darstel- lung der Bauer und Heine, die dem entsetzten Bürgertum das Märchen von einer Bartholomäusnacht vorerzähl- ten. Unsere Partei war auch bei dem Kapp-Putsch die erste, die zum Generalstreik aufrief, nicht nur gegen Kapp-Lüttwig, son» d«n auch gegen die gewalttätige Regierung Bauer-Roske. Es ist hier mitzuteilen, daß die K. P. D. keinen allzu großen An- hang in der Arbeitermasse gehabt hat: denn ihrer Parole der Richtbeteiliaung am Generalstreik folgte niemand. Auch in Mittel-Deutschland. in Thüringen, im Ruhr- r e v i e r kämpfte das Proletariat einen ungleichen Kampf gegen dag Bürgertum und den Militarismus. Di» Rednerin skizziert kurz alle Vorgänge und Massnahmen während der Kappzeit und stellt fest, daß für die Räterepublik damals kein« Ausficht war. Auch die Kommunisten sagten dasselbe. Unsere Verhandlungen mit der Regierung führten zu Abmachungen, die von der Regierung nicht emgehalten worden find. Die Bewaffnung der Arbeiter war eine Hauptfrage, aber an eine Erfüllung die- �urch die bürgerlich-rechtssozialistische Koalition war U'cht.iu denken. Es tauchte der Plan einer rechtssozialistisch- SImfsrSi8 �°alrti°»»r«gierung auf. der. auch von den Koni- WG.rl-«Di¥?£l�cnbet Loyalität" betrachtet werden ti!»irflrf D» r w3� ra.Iiften �nden sich bald zur alten Poli- �ruck. Der Wahlkampf, der bald darauf einjetzte, Hunger Roman von Knut Hamsun. «s .Mit diesen Empfindungen fabulierte ich lange, vielleicht eine ganze Stunde. Ein kleiner, alter Mann nahm das andere Ende meiner Bank ein: als er fich setzte, vustete et Mig nach dem Marsche und sagte:„Ja. ja. ja� ja. ja. ja ia. ,a, ja, wirklich!" Wie ein Sturmwind fegte es durch meinen Kopf, als ich M»ne Stimme hörte; ich lieh Schuhe Schuhe sein, und schon war es. als ob die wirre Eeelenstimmung. deren Beute ich r~jen noch gewesen, fich aus langst entschwundener Zeit «„it.' vielleicht schon ein oder zwei Jahre zurück lag und bereits begann, in meinem Gedächtnis zu verlöschen. Ic.. fmg an. den Alten zu betrachten. wag kümmerte mich dieser Neine Mann? Gar nicht! Nicht iuLß�5.,.Lnß5fn' iiiur dah er eine Zeitung in der Hand hatte. eine alte Nummer, die Annoncenseite nach aussen: es schien "was darin emaewickelt zu sein. Ich wurde neugierig und Blick von der Zeitung abzuwenden; die bemächtigte fich meiner, es könne eine " rb i3e Zeitung sein, einzig in ihrer Art; meine E'ch begann auf der Bank hin und her ." l? Z konnten Dokumente sein, gefährliche Akten- Inr Ve gestohlen. Mir schwebte etwas vor vonhe. che» Traktaten, Verschwörungen. . Der Mann>ah still und dachte nach. Weshalb trug er seme Zeitung denn nicht, wie jed«r andere Mensch eine Zei- o?!' rl"~ lr. vach aussen? Was waren das für Ranke. Er schien fem Paket nicht aus der Hand lassen zu wollen um kemen Pre,s der Welt; er wagte vielleicht nicht einmal es semer eigenen Tasche anzuvertrauen. Ich hätte mem Leben wetten mögen, dah etwas dahinter steckte. Ich sah vor mich hm. Gerade die Unmöglichkeit, in diese mystische Angelegenheit einzudringen, machte mich halb ver- ruckt vor Neugierde. Ich durchsuchte meine Taschen nach etwas, was ich dem Manne hätte geben können, um mit ihm ins Gespräch zu kommen; ich satzte mein Barbierabon- nement. lieh es aber wieder los. Plötzlich verfiel ich auf eine unerhörte Frechheit, ich schlug auf meine leere Brust- rasche und sagte: *S>arf ich Ihnen eine Zigarette anbieten?" wurde von uns mit vollster Grundsätzlichkekt geführt. Der ausserordentlich« Wtrfstcrfolg ist bekannt, trotzdem unsere Organisation unzulänglich und die Kasse schlecht fundiert war. Aus«iaener Kraft haben wir diesen Sieg«rungen,«i» glim- zender Beweis unfuer zlelklaren Politik. Nach den Wahlen kam Die Agitation, namentlich unter den Frauen, hat ausser- ordentlich viel zu wünschen übrig gelassen. Die von uns heraus- gegebene Broschüre für die Frauenagitation wurde ganz wenig angefordert. Auch in der Jugendbewegung wurde nicht so gearbeitet, wie es zu wünschen war. Die„Kämpsuin" hat 72 000, die„Proletarierjugcnd" 12 000 Auflage. In der Organisationsarbeit bleibt ebenfalls noch viel zu tun übrig und besonders die Bildungsarbelt bedarf sehr der Steigerung. In dieser Zeit der Menschenverdrängung durch die Maschinen hat die Bildungs- und Schulungsarbeit noch eine ungleich grö- ssere Bedeutung als früher. Die Begeisterung allein macht es nicht. Der Tinblick in die politischen und sozialen Zusammen- hänge, die Dreieinigkeit von Wissen. Können und Wollen, muß erreicht werden. Wir hatten Mitglieder am Cchluh des Berichtsjahres 8SZ02Z. darunter 135 104 Frauen. An Pfliidtbeiträaen sind eingegangen vom 1. April ISIS bis 81. März 1920 Ml. 897 251,54, das ist ausserordentlich wenig. Insgesamt sind eingegangen im Berichts- iahr 856 26547 Mi. Dieser Summe stehen Ausgaben von insge- samt Mk. 834 548.74 gegenüber. Am 31. März 1920 bestand eine Kasse von Mk. 42 733.20. Genossin Zietz macht dann Mitteilung über die Zuwendungen, die die einzelnen Parteigenossen von der Parteizentrale erhalten haben. Genossin Zietz kommt nunmehr auf die Verhandlungen über die Waflen- und Munitionskontroll« zu sprechen, an der alle drei sozialistischen Parteien und die Eilenbahnbetriebsräte beteiligt waren Unser gemeinsamer Auf- ruf ist von allen Arbeiterorganisationen mit Freuden begrüßt worden. Wir bezweckten zuerst einmal, die Arbeiter im allgemei- nen auf diese Dinge aufmerksam zu machen, zum zweiten wollten wir einen Druck auf die Regierung ausüben. Auch die Arbeiter der Entente-Mächte sollten aufgerüttelt werden. Was geschah? Am Tage nach diesem gemeinsamen Ausruf«schien der Aufrns d« K. P. du un» des Burats bezichtigt und uns mit den Rechtssozialisten zusammenwarf, nnd diese Beschimpfungen gin- gen fortgesetzt weit«. Das verfloss kämpft sozia_.______________ n.- die Partei des deutschen revolutionären Proletariats über alle Kämpfe hinweg. Die Partei wird sein und bleiben das. was sie war: Für die Eroberung der politischen Macht, für den So- zialismus!(Lebh. Beifall.) Für die Kontrollkommission erstattet Genosse Bock den Bericht. Kasse uiw Kassenbücher sind in bester Ordnung. Die Zahlung der Beiträge an die Hauptkasse ist außer- ordentlich mangelhaft, und es wurde festgestellt, wieviel Delegierte auf Grund der gezahlten Beiträge erscheinen konnten. Das ergab z. B. für Bayern nur einen Delegierten. Nach der Ausschreibung der Wahlen für den Parteitag auf Grund der Lrganisationsbestimmungen liefen auf einmal die Beiträge«kn. Sonst war alles in bester Ordnung, und ich kann nur wünschen, daß die Unabhängige Partei auch finanziell sich ihrer äußeren Macht und Größe nähert.(Bravo.) Hieraus tritt die Mittagspause ein. Nachmittagssitzung Um 3� Uhr eröffnet Genosse D i t t m a n n die Verhandlungen. In der Debatte üb« de» Geschäftsbericht nimmt zunächst das Wort Koenen: Als Mitglied des Zentralkomitees halte ich mich für verpflichtet, den Bericht der Genossin Zietz zu berichtigen und ihm noch einiges hinzuzufügen. Im letzten Jahre hat sich das Bedürfnis herausgestellt, ein engeres Zufammenar- b e i t e n zwischen der Zentrale und den Bezirken zu ermöglichen. Infolge immer erneuten Drängen» ist es z. B. auf dem Gebiete des Kaffenabrechnungswesens, das Genossin Zietz er- wählte, besser geworden, aber wir sind noch nicht über den Berg. deshalb treten wir auch für eine straffere Zentralisation ein. Wag bisher geschehen ist, war durchaus nicht geeignet, ein« klare Politik auf der Grundlage des Leipziger Aktionsprogramms zu treiben. Wir bedauern, daß es dem Zentralkomitee nicht gelun- gen ist, zi e l b e w u ß t e Parolen herauszugeben. Was über- Haupt herausgebracht wurde, konnte nur in stundenlangem Rin- gen gegen die rechtsstehenden Mitglieder des Zentralkomitees durchgesetzt werden. Das hat sich ganz besonders beim Kapp» futsch gezeigt, zumal als die rechten Mitglieder für den treikabbruch eintraten. Eine andere Frage des politischen Konflikts liegt auf dem Gebiete der Transportkon- trolle. Es ist Ihnen suggeriert worden, als ob wir den Krieg gegen Frankreich propagierteil. Wir haben indes lediglich Ein- spruch vagegen erhoben, dag die Angelegenheit unter die Ee- werkschaftsdirektiven der Eraßmann und L e g i e n gerät. Wir haben erklärt, daß wir diese politische Frage gegen die Regierung zu behandeln haben. Dag wir bis zu einem ge- wissen Grade den Friedensvertrag anerkennen müssen, dar- über besieht kein Zweifel, aber die Anerkennung darf ckein Hei- ligenschein sein, unter dem man alles verstehen kann. Diese An- ficht legt man so ans. als ob wir auf den Krieg gegen Frankreich hinarbeiten, dagegen erheben wir entschiedenen Protest. Genosse Ludwig-Hagcn: Was ist Schuld an der Unzufrie- denheitderMitglieder, die sich auch in unseren Sitzungs- saal überträgt? Schuld ist unser eigenstes Unvermögen, die Tau- sende, die zu uns geströmt sind, zu schulen, Schulung der Ee- nossen und Schulung uns« selbst wäre nötig. Somit wird es nicht mözlirb sein, den großen Tag der Auseinandersetzungen zu bestehen. Alles Schöne und Gute, das wir durchführen wollen. ist nichts, wenn der Unterbau fehlt. Die Mängel unserer Organisation sind ja bekannt und sck'on geht man daran, sie zu fällen. Wir brauchen zu diesem Zweck die straff«« Zentrali« sierung von unten auf. Das ist die Vorbedingung für ein gutes Arbeiten. Auch die Beitragsfrage muß anders geregelt werden. Zum Kapp-Putsch bemerkt Ludwig, daß im Ruhr- revier alle»dret Parteien einig waren und wenn heute Kom» munisten und selbst einige U. S. P,-Eenossen im Lande den Kapp- Putsch gegen uns ausschlachten, muß festgestellt werden, daß alle Beschlüsse mit Zu stimm ung von Levi und Pieck gefaßt wurden, und zwar bis zum Abschluß der Aktion. Ich kam damals scgleich nach Berlin und sagte, sorgt dafür, daß die Arbeiter wieder in die Betriebe kommen, denn da war im Ruhrrevi« die Aktion zu Ende und kein Generalstreik konnte mehr Helsen. Verhandelt haben auch Levi und Pieck mit den Reaierungsorganen und jetzt stellt man Rosenfeld in der„Roten'Fahne" auf den Scheiterhaufen, weil er in der Transp«tsrage mit der Regie- rung verhandelt hat. Hätte Stoecker verhandelt, so wäre er viel- leicht heute auf den Scheiterhaufen gestellt worden,(Widetwrnch Stoeckers.) Ludwig weist an den Aeusserungen kommunistischer Zeitungen und Führer nach, wie in den Märatagen die Kom- munisten dasselbe getan und gesprochen haben. Zum Sckluß siMl- dert Genosse Ludwig die schwere Stellung unserer Parteigenossen im Saarrevier und nimmt sie gegen die Angriffe im Preu- ßisckien Landtag in Schutz. Richard Müller(Teltow-Beeskow): Die Genossin Zietz hat in i�fm Bericht Bezug genommen auf ein an das Zentralkomitee anläßlich des Kapp-Putsches aus dem Ruhrrevier gerichtetes Te- legramm, worin gesagt wurde, man solle mir den Mund st o p f e n, da ich die Räterepublik ausrufen wollte. Ich überlasse es dem Parteitag, darüber zu urteilen, daß mir dieses Telegramm bisher nicht bekannt gegeben wurde, sondern hier auf den Partei- tag verle en wird. Genosse Müller geht aus die Märzkämpfe ein und ucht die Haltlosigkeit der gegen ihn erhobenen Angriffe nachzuweisen. Weiter erscheint mir notwendig eine Kritik an der Haltung des Zentralkomitees zur Durchführung der Leipziger Be- ichlüsse. Ich erkläre, daß die Beschlüsse von Leipzig von einem Teil der rechtsstehenden Mitglieder der Partei nicht nur beachtet, sondern offen sabotiert worden sind. Das gilt besonders für die Stellung zum» Rätesysiem. Die Parteigenossen, die gleichzeitig Gewerkschaftler find, haben sich gegen die„selbständige R ä t e o r g a n i s a t i o n" gewandt. Der Genosse Ludwig meint, daß man die Parteigenossen schu- len muß. das kann man aber nicht, wenn man sich ein Aktions- Programm gibt und nachher auffordert, die Beschlüsse des Partei- tages nicht zu beachten. Eine Partei, die solche Personen in ihren Reihen d u I d e t, ist aktionsunsähig. Deshalb muß dieser Partei- tag erklären, dass es lo wie bisher nicht weitergehen kann, damit die Partei wirklich Führe rin und Bannerträgerin im revolutionären Kampf des Proletariats wird.(Starker Beifall und teilweiser Widerspruch.) Biehl-Hattingen: Genossin Zietz hat behauptet, dah auch U. S. P.-Eenossen den Einmarsch der Reichswehr in das Ruhr- gebiet verlangt haben. Das trifft nicht zu. Wenn solche schwerwiegenden Behauptungen ausgestellt werden, müssen sie auch m i t Rainen belegt werden. Bock-Baden wendet sich gegen die Kompromißpolitik in d« Steuerfrage. Als der S t cu e r a b z u g auf die Taschen des Proletariats begann, flamnrten überall Bewegungen auf, denen Danke; der Mann rauchte nicht; er hatte aufhören müssen, um seine Augen zu schonen, er war beinahe blind. Besten Dank übrigens! Ob er schon lange an den Augen leide? Dann könne er auch wohl nicht lesen? Nicht einmal die Zeitung? Leider nicht mal die Zeitung. Der Mann sah mich an. Die kranken Augen waren von einer Haut überzogen und sahen verglast aus; fein Blick war stumpf und machte einen widerlichen Eindruck. „Sind Sie hier fremd?" fragte er. Ja.— Ob er nicht einmal den Titel der Zeitung lesen könne, die er in der Hand hielt? Kaum. Uebrigens habe er gleich gehört, dah ich fremd sei; etwas in meinem Tonfall habe es verraten. Sein Gehör sei so fein; nachts, wenn alle schliefen, hörte er die Leute im Nebenzimmer atmen...„Was ich sagen woMe, wo wohnen Sie?" Ich hatte sofort eine Lüge berett. Ich log unfreiwillig, ohne Vorbedacht und ohne Hintergedanken: „St. Olafs-Platz Nummer 2." Wirklich? Er kenne jeden Stein auf dem St. Olafs-Platz. Dort fei eine Fontäne, ein paar Easkandelaber, einige Bäume, er könne sich sehr gut darauf besinnen...'.„Welche Nummer wohnen Sie?— Ich wollte der Sache ein Ende machen und stand auf. von meiner fixen Idee in bezug auf die Zeitung zum äuhersten getrieben. Dag Geheimnis muhte aufgeklärt werden, koste es was es wolle. „Wenn Sie die Zeitung doch nicht lesen können, wee- halb.. „In Nummer 2. meint ich, hätten Ske gesagt?" fuhr der Mann fort, ohne meine Unruhe zu beachten.„Seiner Zeit kannte ich alle Leute in Nummer 2. Wie heiht Ihr Wirt?" In aller Eile erfand ich einen Namen, um ihn los zu werden; machte ihn mir im Augenblick zurecht und fchleu- derte ihn hin, um meinem Plagegeist Einhalt zu tun. ..Happolati« sagte ich. „Happolati. ja," nickte der Mann; ihm entging auch nicht eine Silbe dieses schwierigen Namens. .. glimmt sab ich ihn an; er sah sehr er, ist mit nachdenk- licher Miene da. Kaum hatte ich diesen dummen Namen ausgesprochen, der mir so plötzlich eingefallen war, als der Mann sich auch schon damit zurecht fand und tat. als ob er ihn bereits früher gehört habe. Inzwischen hatte er sein Paket neben sich auf die Bank gelegt, und ich fühlte, wie meine Neugierde all meine Nerven durchzitterte. Jetzt be- merkte ich, dah ein paar Fettflecke auf der Zeitung waren. „Ist Ihr Wirt nicht Seemann?" fragte der Mann ohne die geringste Spur von Ironie in der Stimme.„Ich glaube, ich erinnere mich, dah er Seemann war." «Seemann? Entschuldigen Sie, das muh der Bruder fein, den Sie kennen; dies ist nämlich I. A. Happolati, Agent." Ich glaubte, dies würde der Sache ein Ende machen; aber der Mann ging willig auf alles ein; wenn ich einen Namen wie Barabas Rossnknospe erfunden hätte, so würde das fei- nen Argwohn wahrscheinlich auch nicht geweckt haben. „Er soll ein tüchtiger Mann sein, wie ich gehört habe." sagte er und versuchte sich weiter.— „Oh, ein schlauer Kerl," antwortete ich,„ein tüchtiger Geschäftsmann, Agent für alles mögliche, Preiselbeeren aus China, Federn und Daunen aus Ruhland, Felle, Holzmasse. Schreibtinte...." „He-he, zum Teufel noch mal!" unterbrach mich der Alte im höchsten Grade belustigt. Dies fing an, interessant zu werden. Die Situation ging mit mir durch, und eine Lüge nach der andern entsprang meinem Hirn. Ich setzte mich wieder, vergah die Zeitung. die wichtigen Dokumente, geriet in Eifer und fiel dem an- dern ins Wort. Die Leichtgläubigkeit des alten Zwergs machte mich frech; ich wollte ihn rücksichtslos anlügen, ihn grohartig aus dem Felde schlagen und ihn vor Erstaunen zum Schweigen bringen. Ob er von dem tiektrischen Gesangbuch gehört habe, das Happolati erfunden hatte? „Wie,— elek...." Mit elektrischen Buchstaben, die im Dunkeln leuchten! Em ganz grohartiges Unternehmen, ungezählte Millionen von Kronen im Umlauf, Gießereien und Druckereien im Betrieb, Scharen von festbesoldeten Mechanikern beschäftigt, wie ich gehört, gegen siebenhundert Menschen.„,,. � „Ja, sag ich? nicht!" sprach der Mann vor sich Hrn. Mehr sagte er nicht;«x glaubte jedes Wort von dem, was ich er- zählte, und geriet dennoch nicht in Erstaunen, �ch war ein wenig enttäuscht darüber, denn ich hatte erwartet, ihn durch I meine Erdichtungen ausser fich geraten zu sehen. (Fortsetzung folgt.) b!c Gewerkschaften nicht gewachsen waren. Hier wäre«ine gute Gelegenheit für tws Zentralkomitee gewesen, in eine Aktion gegen den Abzug führend voranzugehen, möchte schon setzt die Er- Wartung aussprechen, dah die künftige Zentralleitung es besser versteht, Massenbewegungen zusammenzufassen und zu führen. Crispien: Wenn die Kritik an der Zentralleitung von den Wunfcheausgeht. Nutzen zu stiften, fo ist fie zu begrüßen. Wenn sie aber dazu benutzt wird, angegriffene Genossen noch mehr herunter- zurritzen, so zeigt das blast das Niveau an, auf dem wir in- zwischen angelangt find. Wenn man ehrlich überprüft, was. gelkiste' worden tsi. in mutz man anerkennen, das- getan wurde, i mao menschenmöglich ist. Nun. wo wir eine Macht aufgc-! baut haben, wo wir politisch wirken können, beginnt das Zertrümmerungsweek. Das. beweist, datz«in Teil der Genossen kein Gefühl für den Bestand und die Machtstellung der Partei hat.(Beifall.) Wenn ep nicht so klappt, dann liegt es an der mangelnden Schulung und der Unklarheit vieler Genossen.(Lebhafter Beifall.) Dann lag es daran, datz in Leitungen Leute genommen wurden. die überhauot keine sszinlittische Politik treibe« konnten, dt« jede kommunistische Porole aofgrilfen and uns aufzwinge« wollten. (Seit richtig.) In den stundenlangen Debatten, in denen wir tznlerc Darlegungen machten, forderten wir die anderen Mit- glieder auf. ihre Stellung zu bekunden. Wir haben aber nichts vernommen.(Lebhaftes Hört! Hört!) Wenn Genossen diese in- timfien Verhandlungen breiitreten. ihre Vertrauens- stellunaen mißbrauchen, so überlasse ich die Beurteilung der Masse der Parteigenossen. Ich gratulier« der K. P. D. zu solche» Zuwachs.(Lebhafter Beifall.) Crtfpien unterstreicht zu den Schilderungen der Märzvorgänge die Ausführungen des Genossen Ludwig und stellt fest, daß die jt P. D. in 2k Stunden Die Aussperrang bei der„Viktoria" Die am Montag ftattgefundenen Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Direktion der Versicherungs-Aktien-Geicllfchaft„Bik- torin' zeitigten dos Ergebnis, dast nach unterschriftlicher Voll- ziehung der nachstehenden Erklärung des Betriebsrats der Be- trieb wieder geörfnet werden solle, wenn auch die beteiligten vier Verbände dieselbe Erklärung anerkannt haben würden. Der Betriebsrat tnachie«eine Ilnterfchriit davon abhängig, datz erst die Kollegenschaft-n einer Betriebsoersommlung hierzu Siel- luug rtehmen müsse. Die Erklärung lautet: Nachdem dle Direktion erklärt hat. datz sie ein Zunickgreifen auf die Vorkommnisse bis zunz»2. Oktober in dem Sinn«, datz eine Teilnahme an de» Demonstrationen Entlassungen nach sich zieht, nicht beabsichtigt, erklärt der Betriebsrot folgende?.' „Er verurteil: die Teilnahm? an passiver Resistenz oder so»- siiger Arbeitsverweigerung in einer der painven Resistenz«nt- fveechenoen Form, sowie an Demonstrationen. Er wird tun, was in feinen Kräften steht, um paisivc Resistenz, sonstige Ar- beusoerweigerung in einer der passiven Resistenz entsprechenden Form und Demonstrationen zu verhindern. Fall? e? ihm im Einzelfalle nicht mögl-ch sein sollte,«nt- qeoenstehenden Handlungen rechtzeitig vorzubevoen. wird er die Direktion bei der Durchführung der gesetzlichen Bestimmungen unterstützen." In der nun am Dienstag in den Kommersälen stattgefundenen zitaiion,' Frau Ida Harth zur Rieden: Gesang: He« Godiried Zoe lande?: Violincello: Herr Drwensiy: Orgel: Genosse Felix Stöistnger: Ansprache. Eintrittskarten zu 2,50 Mk. sind zu haben in unserem Bureau. Breite Str. L-9. in der Buchhandlung„Freiheit", Spedition Wutzki. Iobannisstr. S. bei den Parteisunktionären. im Partes bureau Sieukölln, Neckarstr. 3. Sprechcho? für die proletarische« Feierstunde« Neue Wege im proletarischen KÜnstschaft'en werden beschritten dural di: Gründung des Sprechchens. Eine Dichtung von Ernst Toller, eigens für diesen Zweck geichrieben, wird von einem Chor: Männer, Frauen und Jugendlichen gesprochen als Einleitung Zst den jeweiligen Feierstunden. Tic Teilnehmer an diesem Eh?� bcauchen nicht Sänger zu sein, wie vielfach angenommen wird: Die Teilnehmerzahl mutz aber noch erheblich grötzer sein. D-e ttächste Usbung findet am Donnerstag, abends S llhr, in der Viktoriapr. 35 statt. Einleitend wird Genosse Keftenbcra einen Vortrag halten über:„Die Bedeutung unserer Teilnahme an Werken zeitgenössischen Kunstschaffens". Alle Beteiligten und neu« Teilnehmer bitten wir. pünktlich zu erscheinen.-. Zuristische Sprechstunde von heute ad wieder von VjB di? X8 Ahr abends in unseren Redaktionsräumen. Breit« Strohe 8-9. Petroleumpreis«. Die Kleinhändler dürfen bei der Oktober- Versammlung aller Ausgesperrten wurde die Abgabe dieser Er-! klärung durch den Betriebsrat mit allen gegen K Stimmen von- 5?. pW L!? ir,? tt' Lr*„iA* hat. dreimal ihre Parole gewechselt Zur Auslegung des Programms erheb« ich die Frage: Wollen wu etn« Räteorgan, iktio« zue Spaltung der Partei und vewcrk- ichaste» oder«ine revolutionäre Räteorganisotion zur Erringung der politischen Herrickaft? Die!« Frage mutz«rü beantwortet werden. Werdet Euch selbst erst mal klar über den Klassenkampf und seine Notwendigkeiten.(Leb- hoiter Beifall.) Ditzmana-Frankfurt a. M. tritt der Darstellung Koenens entgegen. Seit dem Leipziger Parteitag haben wir keicren rich- tigen Zusammenhalt im Zentralkomitee mehr gehabt. Im Kapp- Putsch hat die Zentralleitung kein Rtchinesblatt geerntei. Das lag an der inneren Zerrissenheit, an dem gegenseitigen Miss- trauen. Wenn damals der Allgemeine Gewerkphoftsbund und die Afa nicht zum Generalstreik ausgervfe», wäre di« Einheit des Pra- letariais nicht hergestellt worde». Beim Abschluh waren alle der Meinung, datz der Allgemein« deutsche Gewerkschaftsbuitd und die Afa mit ihren neun Millionen Mitgliedern den Druck auf die Regierung ausüben konnten. Dieser Meinung waren all« Rechtssozialisten. Unabhängigen und Kommunisten mir Dr. Leon. Damals mar man froh, sich au die Rocksckötze des« Großen Schaujvielhaus, Karlstraße. sind in der Filiale Pank- st r a tz c 99 zu haben. Verloren am 11. Oktober in der Generalversammlung des Verbandes der Buchdrucker bei Kliem, Halenheide, ein gummier- ter lleberzug. Do Verlierer ersatzpflichtig, wird um Abgabe au Haberwilski. Putbuserstr. 1«, gebeten. Sprachenkurie sind au in dem neuen BorlektmaSverzeichntp der Lichienbetger BolkSkochschole(BerwaltungSdezirk 17) vorgesehen. Sie iindeu in Ächtenbetg und Karlshorsi stall und fallen Keuntume in der englischen, fr atizösi scheu und russischen Sprache für Anfänger und Geförderte vermitteln. Als Dozenten für Eng- lisch sind die Sindieuräie Dr. Köüler-Lichteuberg. Heuke-flcrlShv'ft. Dr. 21. Friede» berger. Lichtenberg. Bergmann-Bertiu und Dr. Dornig. Lichtenberg, für Französisch die Stndienräte Lindmüller Berlin, Dr. Scygu-Llchienbera. Dr. Gerlck.-Lichteuberg. ssriwr Dr. Rofeuberg KarlShotst und Dr. L nschner-Lerliu, für Ru'si'ch der Lehrer am Seminar für orlcutalische Sprache». A. Cosack. g-wounen worden. Die Hargebührcn belrageu kür Kurse von 19 Abenden 7,ö9 Mk., ln? solch« von 2V ZlbendeU 15 Mk. Teilnehmer unter 18 Jahren werden auch für Sprachkurse nicht zugelassen, außer, wenn sie nachweisen. dab sie einen früheren Kursus foristben wollen. Die neue Nummer der..Freien Welt" bringt mehrere erschui.- ternd« Bilder von den unglücklichsten Opfern des Krieges. Das stno jene, die noch heute in den Lazaretten sind und zum zwanzig- ften. dreitzigsten, vierzigsten Male operiert werden müssen. Itzr Verieidiai leine Ablebnuna aeaenube» dreien, Belchlnd Es! wterauoeirreo« uoer� o,e ungieiaie wingruvrnernng. o'- nen, oreimgiten, vlerztgnen wiaie operier- weroen mujien. ow „((. kes"nstellen' Die rechtslozia�Uicke Bolitik mifd ille die' c",tr ailt 26-«epiember d. stattgefundenen Branchenkonferen.z Gesicht, manchmal der halbe Kopf, wird künstlich aus Fleisch und . u)• 3' trittsche Pottttl wttS t t« die, morde bierrn Ktellnni? aenammen und kienklullen. aeaen die rn den Ännckieri die iiinen o»a den, einenen Ä'iiene? dernn�nei-dnitten mrr* wnrde hierzu Stellung genommen und beschlossen, gegen die in den Betrieben vorgenommene Unterteilung Einspruch zu erheben. Des- gleichen wurde durch Beschluß festgelegt, datz in allen Betrieben, in denen Kranführer und Anbinder Beschäftigung finden, sofort Der- Handlung«:! mit den Betriebsleitungen nachzunichen find, um«ine Aenderuna herbeizuführen. Dies« Verhandlungen können jetzt als abgeschloiien gelten und über die erzielten Resultate werden die Betriebskommissionen am Sonntag, den l?. Oktober, vormittags S}* Uhr im Volgttheater. Badktr. 58. Bericht erstatten.— Soweit i Heftes 60 Pfennig. Knochen, die ihnen aus dem eigenen Körper heransgeichnitten werden. neu«fetzt. Die Bilder sind furchtbar, aber gerade die sozio- listische Presse ist verpflichtet, die Wahrheit rücksichtslos zu sagen. auch wenn sie nicht schön aussieht. Die Nummer enthält ferner einen ill»stri«ten Artikel„Berliner Rummelplätze",«in Gedicht und ein Bild des großen anicrikaniuhen Dichters ZLolt Whltinaiu den„Arbeiter-Bücher-Tilch". die Cchächrubrlk. ÄstdeMId«: von Roman, eine Karikatur und weitere Textbeiträge.— Preis de» ipeitere Schritte in dieser Angelegenheii sich notwendig erweisen sollten, wird diese Versammlung erneut Beschluß zu lassen haben.— Zu bemerken ist feiner, dah in den Berliner Metallbeirieben an- ?l«s de« Cemeinden Mariendarf. Die letzte Gemeindevertretersitzung, die zugleich Pflicht getan. Manchem Genossen sind nicht dingungen bekannt gemacht worden. Wenn der Genosse Trifpien die Schuld an den Miherzolgen im Kapp-Putsch der Ä. P. D. zuzuschieben versucht, so meine ich. daß man nicht mit Steinen werfen solle., wenn man im Glashause sitzt. Wenn irgend«ine Körperickast beim Kapp-Putsch oerjagt hat, so war es das Zeit« tralkomitee.(Beifall.) (Fortsetzung im Hauptblatt Z. Seite.) Gewerkschaftliches HS Der.Flampfrnf" auf dem Lügeupfade Der„Kampfruf". Organ de: Allgemeinen«rbetttt-llnion, hat in feiner Nummer 22 wieder einmal einige Proben»einer lügen- haften und demagogischen Kampsesweis« abgelegt. Nach der Num- mer 22 des„Kampfrufs" betragen die Einnahmen der Berliner Gewerkschaften tm Iabre 1919 über n Millionen, die Ausgaben 9430 900 M. Diese Zahlen sind glatt erlogen? Wei ter ftihrt der Artikel aus. Die Elsmftllonenrechnung sieht s« aus: Für Streikunterstützung.»j>00 M.: für Arbeitslolcuunterstützvng <60 000 M.: für Krankenunterstutzung i 159 999 M.: für Verw.- Beamte und Sonstig« �468 W9 M.: für Reservesosids 5 990 0«> Mark, zusammen 11139 999 M. 1. Erempel: 51799 �!- aui 47 Verbände oerteilt, macht pro Verband l-WO M.»chluhlolgerung: Demnach ist verdammt menia für den Klassenkampf" angewendet worden. 2, Eremvel: Ausgabe f'lr Krankenunterstützung 1 lsgggg M. Ausgabe für Arbeitslose und«trcik 811000 M.. das mach» eine Mehrausgab« für Krankenunterstutzung von 3Z8?99 M. Schluß- foigerung: Demgemäh waren die Verbände uberwiegend Kranken. unierstützungskassen. nähernd 1209 Kranführer und Altbinder Beschäftigung finden und, die Schlutzsitzung des Gemcindeparlaments überhaupt war. datz bisher für diete Gruppe keine Unterteilung und kein Lohn- I brachte, wie fast jedesmal vorbei, heftige' Zusammenstöße unserer unterschied bestand. Diele neue Maßnahme gilt zweifellos als«ine f Vemciet mit dem Gemeindevorsteher, seinen rechtssozialistische« Verschlechterung des bisherigen Entlöhnungszustandes.; Genossen und bürgerlichen �Vertretern. �Wurde�ioch versucht, �di» Arbeftslose Feiseue«. Freitag vormittag f-zlv Uhr Versamm-'"*' J"' lung im Eewerkschafishaus. Referent Kall Meier: Der Vor- band und die Arbeitslosenvertretung. Wahl der Vertreter. jtptruie tmn§. Nchtvve: lT£IRria=5lBEft«fP€rri«I Die fuj Dsnners.'a«. 8 Nh» �»üh. aep V<72'ki>a!mvz avs. ÄSHeres den BcrsammlAKzen. D!« TT. TT. Groß-Berlin 1 'J£ uu U£ Ei» Stiefkind der Magistrats letzt« Sitzung zu mißbrauchen, um noch eine Reihe von Beför- derungen und Pensionierungen vorzunehmen, sowie den ausschei- benden Schöffen eine Gratifikation von 1k>99 M. zu geben. Unsere Vertreter machten durch all diese Pläne einen Strich, was zur Folge hatte, daz die Gegner, einscoließlich der Rechtssozialiste«, oersuchien, durch persönliche Angriff« unsere Genossen heradzu- setzen. In Ermangelung von Tatsachen, suchte man sich mit Er- findungen auszubelsen. Zum Schluß der Sitzung sprach Genosse Küter als Vertreter der stärksten Fraktion im neuen Bezirksparlament einige Ab- Ichiedsworte. Er"wies darauf hin. daß wir, wie schon bei der Etatsbcratung im vor'gen Jahre von unserem Fraktionsredner gesagt, nicht viel erreicht haben, daß aber Dank der zähen und unermüdlichen Arbeit namentlich der Genossen Richter und Arbeiterkleidung. die nicht an den Mann gebracht werden kann, besitzt die Stadt Berlin in großer Menge. Nicht etwa, daß sich i Günther, das Kinderheim als«in dauerndes Denkmal unabhängi- keine Abnehmer dafür finden, nein, diese komme« in großer i ger Kommunalpolitik in Marlendorf ausgebaut wurde, trotz der ? I „ Exempel: Gesamtausgaben 6 Millionen 439 099 M.. davon a» Kranken-, Streik- und Arbeitslosenunterstützung 1 981 790 Mi, ßfcüjen 4<68 300 M- für persönliche, sachliche und sonstig« Ber- waltungsi'osten. Hinzu kommt der Kampf- res?. Reservefonds von 8999 000 M. Schlußfolgerung: Somit sind die Gewerkschaften terstützungskassen �, 0nqur5lLSfeuet C 0« Wahrheit führen im nachfolgenden die im 9;-,ck>ästshericht der Eetverkschastskomtr.ission Berlins und Um- aeaatb für das Jahr 1910 niedergelegten Zahlen an: Die Ein- vabmon betragen für 1919 62 263 716 M.. die Ausgaben 52 760 005 sifntf Dies« verteilen sich wie folgt: Streikunterstützung ->'. ZlZ7>916 M. Matzregelungsunterstiitzitng 199 423 M.. Reiie- ,7n�M»ttitq SS Wä M. Arbeits'okemtnterstützung 7893319 TL Ktt-erF�'� Sterbeunteritützung 280364 ,60005 SL ■. z...o„Kannp.afs" aus den Z hlen des GtschSft«- berichts für 1919 gezogenen Erempel und Schlußwlgerungen. er- weifen sich hiernach als purer Schwlstdd, schamlose Verhetzung der Arbeiter und gemeine Verleumdapa der Berliner Eewerk- stbasten. GoVerksMft'.'kommissi'.m Herftn t!?ch Nmgegrlid. Anzahl, nur können sie infolge mangelnder Verkaufsräume nicht abgefertigt werden. Durch die Setriebswerlftätten der Stadt Berlin werden alte Müitärsachen und Wäsche wiederhergestellt und zu mäßigen Preisen zum Verkauf gebracht. Ein Mantel kostet ca. 100. ein, Hose ca. 49.«in Joppe ta. 80 Mark, auch gibt es Kinderanzüge, die preiswert sind. Die BctriebswerkstStten der Stadt Berlin sind eine neuere Einrichtung. Es ist zu wün- scheu, daß diese noch weiter ausgebaut werden. Di« zur Ver- fügitng stehenden Räume find für die große Anzahl der Befchäf- »Ken viel zu eng. Dadurch besieht auch bei diesen noch immer die Beschästiaunss von Heimarbeiterinnen(ca. 791'). Es fit zu wünschen, daß für die Betnedswertstätten sofort entsprechende ausreichende Arbeits- und Lagerräume befchufit werden. Ganz unhaltbar aber ist der Zustand in der Verkaufsstelle, dies« ist in einem kleinen Raum untergebracht, in dem unter normalen Perbältnissen kaum drei Mann arbeiten können, der aber zur Abzertigung des kaufenden Publikum-! völlig ungeeignet ist. infolge des Bedarfs an preiswerter Arkeftertleidung ist de: An- drang groß. Aber es können nur immer sechs Käufer in den Raum, di« sich beim Anpassen der Sachen behindern, die anderen müssen auf dem Hol anstehen. Es werben schon jetzt Rumern ausgegeben, da nicht alle abgefertigt werden können. Dem Personal wird damit die Arbeit außerordentlich erschwert, die Käufer werden unnötig belastigl, da sie bei den bestehenden Berbältnissen manchmal unobgefertigt gehen müssen,.'.er bc- rcchftgte Mißmut der Käufer kehrt sich dann oft recht unberechtigt gegen das Personal. Uns wird zwar versichert, daß man be- i«t. ander« Räume zu beschaffen, aber daß bisher alles ver- gcouch gewxien ist. Unseres Erachtens fit man aber dom nicht so energisch daran gegangen wie es nstwendia wäre, denn sonst x a Jn3,Ve'nen Ausweg gefunden. Für die Mafie'njpeifung sind doch Turnhalle« bereit gestellt worden, sollte das nicht auch für den Verkauf von Kleideng an Massen möglich sein? Arbeiter»Bild»«gssch«le USP. - �dNNlagsvormittags.Veranstaltungsn im Grossen Schau- sptelhause!» der Karlsiratze:»Pevletarfiche Feiersiuaden" baden J>V"— 7. V* s 7. O«» viti« vwUCVCrt miiv höheren praletarlchen.nnltnr icetbr-n hier vie Massen Zusammen gefühlt. Musik, Gesaug. Ansprache und die Vc'nrausknn:: von Fntn Durieux bereiten uns diese Feirrsrunden. Die nächste Peranstaliuna findet statt: am Sonntag, de« 17.. Oktober, twrmütafls 11 llhr, im Großen S-hiu-spiel.hanse in. der Kgrlfftaße. Unter Mfirurfttitg«p Frau T'N» Wnevr: R<. offenen und versteckten Widerstände, die hauptsächlich von einigen Mitgliedern der S. P. D. geleistet wurden. Der Abschied von der Gemeindevertretung fällt uns deshalb sehr leicht, weil dieses Parlament schon längst, nicht erst seit dem 29. Juni, seine Eristenzberechtiaung verlöre» hatte. Nach diesen Worten verlas der stellvertretende Gemeindevor« stehe? seine Abschtedsrede. Beiß. Eine stark besuchte öffentlich« Versammlung protestiert« am Montag abend gegen den Gewaltstreich der preußische» Landes- Versammlung. Gen. Rosenkranz schilderte ausführlich die Schwierigletten bei der Bildung dcs Magistrats in Berlin und di« Vorgänge in der Preußenversammluna. Er forderte die ge- fchlosseue Front der gesamten Arbeiterschaft gegen die immer frecher auftretende Reaktion. Gen. Ä. Schröder berichtet« über die„Britzer Reaktion" und kennte mitteilen, daß die besoldeten Gemetndeoorstandsmitglieder sich einen„giften Abgang" yer« schafften, indem fie hinter dem Rücken der Gemeindevertretung mit Hilfe des Kreisausschusses sich ganz beträchtliche Gehaltszulage» i-y letzten Augenblick bewilligten. Ob dies Lerfabren gesetzlich zulässig und wie dies möglich war. dazu soll eine außerordentliche Sitzung der Eemeindevertretv.ng Stellung nehmen. Aus den Organisationen ».»iz-iet. XiederlchutztMlueW»». ssretos. Hl Str�urfu,«tu»- S. Dlferift. 5?wdek«andelu«g ohne«liern(Alte? 0—14 Zahr,) a«, 17. Oktadee. WMl»«v"........——. ßelMrtt Trösel'., rn» ü>i!trii?ge». Tr-stpruckl' jt" <>ah:i»as> CO Cifl. Air.brr ohi.e Ä-'.nixHilBiiB. Tin« -f-attcnti: Aast««?rlnrb»ch«r. EZn-sii! wo? Tsi'r-a anil Unr, ka!s«:.?!7i«dr!ch-PIr. 8.?i>N lN.«. AdtrUuujs. 5.«»!«, 7 Uhr. z«m»Iftari«r ZahtaHirt Ht Fritz, Seimen-aulcaftt. r,l. It. Wjwilt. Tl«lr»t!»kari«» ffi die l>r«leiari|Ä«n �«ikihanH» am Tmmie»' 17. L-N-r-r. Mid in d«r.-«ckütios 0:etf, Trtffaatr. rt, ju haben. 1».«tttmaniiiiMiitr. Am Tnnnrrzing.«i-ta»* V,8 Uhr. in bet t, ckmmninde-, iAelf;* Ifnpt'.n«!, Arikdrich-Aiil�stia->57« W«e»eitzras!, eichlhUHrnsrlieO'' .i::« AÄeit!' schule". i H.. tS. D-ZrUt•>««h»»I»tt«»t,,?. Bitdum>-l'>>M,!>iüan. Ter jrr�!«»«�� tag, it» 1 �rud J| n"?itzr>li. Ä« V-ntzhnuz der SSildn'ujsksmmiM, iintmi nicht am Dm- jandete am zeirinideud, Hü Ifi. Cftodn, o Uhr aHtiH. b»i ftl«!4» C�HraiSetUs. 2«, ÖStt.'.„.,„ «ZlixUlii-tnag- tet Zahlab«»» de, 4.««jiita itt 5. totu«* sivH« im S«* Coier.Htftt. 1«_ m.l iitaliba.»vi Ii. CHfliO. t Uhr. cilsaa der uxtn uai eilen U. 6. Siaflie« im Hai'-Mt?, ÖcrUiitr aivesie,«.•hmasiaat 10?. laze-erdnung. Konjmtz riflch�JelXichifl. Manla«, 18., ofc'iij 7 Uhr. 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