Nr. 196. Abomumeitts-ZedingMgtll: SbonnenienIS- Preis pränumerando! «lerteljährl. 3,20 Ml., monatl. 1,10 Ml., wöchentlich LS Pfg. frei in? Hau!. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- Nummer mit tllustrirter Sonntag»- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zettung»- Preisliste für 1SS7 unter Er. 7437. Unter llreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich«uAer Montag«. - Berliner VolKsblnkk. 14. Jahrg. Dt« Insertions-MMIlfr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- i«ile oder deren Raum 40 Pfg., für verein»- und oerfammlungZ-Anzetgen, sowie Arbettimarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag» in der Srpeditton abgegeben werden. Die Erpedttton ist an Wochenlagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 6 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Sink I, Er. ISOS. Telegramm-Adresse: «Sozialdrinoltrat verlin". Dentmlorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 8V. 19. M-uly-Straße 2. Dienstag, den 34. Angnst 1897. Kikpedltton: SW. 19, Uettty-Straße 3. Die kaiferliNzen Evlalle vom 4. Fedeimv 1890. Hätte man uns vor Monatsfrist gefragt, ob noch jemand im Deutschen Reiche ernstlich die Durchführung der kaiserlichen Erlasse vom 4. Februar 1890 ins Auge saßt, so hätten mir spöttisch den Kopf geschüttelt. Wir hätten gesagt, die Gedanken dieser Politik sind von ihren früheren staats männischen, parlamentarischen und pul" vergessen oder verrathen worden. Die Aktenstücke, die nie mehr waren als Aktenstücke,"sei ein ab genutzter agitatorischer Kniff des kleinen versprengten Häufleins bürgerlicher Sozialpolitiker geworden, die noch überdies durch Zugehörigkeit zu verschiedenen Konfessionen und politischen arteien wenig zu imponiren vermögen. Die Sozialdemokratie, die das Bethenern monarchischer Gesinnung Bernunfts-, Erziehungs- und Bernfsmonarchisten überläßt, kann, so sehr sie den Stillstand der Sozialreform im Interesse des ausgebeuteten Proletariats bedauert, vom poli� tischen Gesichtspunkte aus mit der Entwickelung der Dinge seit dem 4. Februar 1890 recht zufrieden sein. Das wissen die erbittertsten Gegner jeder Sozialreform� daS ebenso kurzsichtig-bornirte wie kleinlich egoistische Groß- Unternehmerthum vom Schlage Stumm's nur zu gut, sie fühlen den Widerspruch ihrer Betheuerungen hingebungs vollster monarchischer Gesinnung und ihres systematischen Kampfes gegen das kleinste fußbreite Vorrücken der Sozial- reform. Besonders unangenehm muß dies den Wortführern dieser Richtung sein, weil sie in einer gerade für wirkliche Monarchisten überaus peinlichen Art nnkontrollirbare angebliche Aeußerungen, Telegramme:c. des Monarchen im Interesse ihrer i speziellen Großunternehmer-Jnteressen zu gebrauchen suchen so konnte den Vertretern des Fabrikfeudalismus nicht leicht etwas unbequemeres passiren, als die Thatsache, daß sich eine Gesellschaft zusammengefunden hatt die für die Durchführung des in den feierlichen kaiserlichen Erlassen vom 4. Februar 1890 festgelegten sozialpolitischen Programmes zu wirken bereit ist. Wer im ionrnalistischen Dienste des sich treu monarchisch gebenden rheinisch-westfälischen Großnnternchmerthnms steht und da jeden Befürworter sozialpolitischer Maßregeln am liebsten mit den Vertretern der Propaganda der That in einen Topf werfen möchte, wer als Wortführer dieser Richtung den so sanftmüthigen und bis in die Knochen gouvcrnementalcn Schmoller in össeiit licher.Parlamentssitznng als gefährlicher für die heutige Ordnung erklärt, wie Bebel, all' denen muß es höchst unwillkommen sein, wenn eine Gruppe von Männern gerade innerhalb des Rahmens der vom regierenden Monarchen erlassenen Bot- schaften für soziale Reformen praktisch wirken will. Und wenn dies nicht irgend welche Hungerleider, Schriftsteller, Privatdozenten, Pastoren und dergleichen Volk, sondern leib- haftige Exzellenzen und schwere Millionäre sind, so ist dies doppelt peinlich. Der unangenehme Eindruck, den das Hervor- treten dieser neuen Organisation auf die patentirten Ver künder und Ausleger der jüngsten kaiserlichen Aeuße- rungen macht, kann garnicht verstärkt werden durch die Leistungen dieser neuen Gesellschaft. Ihre Bildung und Zusammensetzung ist das bitterste für die um Stumm. Da ist der vom Kaiser speziell für Durchführung der kaiserlichen Erlasse nach Berlin berufene Schwiegersohn des reichsten preußischen Bergwerksbesitzers, der Staatsminister Freiherr v. Berlepsch an der Spitze der Gesellschaft; ihm zur Seite steht der Schwiegersohn eines vielfachen Dollars-Millionärs, Herr v. Rotlenburg, früher der speziellste Vertrauensmann des ersten Reichskanzlers und als solcher Chef der Reichskanzlei, der Mann, der nachher an die Spitze der nun im Entschlafen be- griffenen Reichskommission für Arbeiterstatistik gestellt wurde; dann Leute, die, so man von den reichsten Männern des Deutschen Reiches spricht, mit den Stumm und Krupp zugleich genannt werden, wie der klerikale Brandt und der national- liberale Siegle, Leute, die in ihren Parteien sich der größten Sympathien und eines sehr bedeutenden Einflusses seit langem erfreuen; Vertreter erster deutscher Buchhändlerfirmen und andere Personen, die sicherlich ebenso himmelweit wie die gc- nannten von einer theoretischen Erörterung der Aufhebung des Privateigenthums an den Produktionsmitteln entfernt sind, treten zusammen, um für die Ausführung des in den Erlassen vom 4. Februar 1890 klar niedergelegten Programms ein- zutreten, um sich Aufgaben zu widmen, die von Reichs- kanzler, Staatssekretären, Ministern und den bekannten Ver- tranensleuten des Monarchen seit langem vernachlässigt wurden und werden. Wie unangenehm diese Thatsachen von der Umgebung des Schloßherrn vom Halberg empfunden werden, ersieht man deutlich aus dem folgenden Meisterstücke von Sophistik, das sich die„vom Freiherrn v. Stumm subventionirte"„Deutsche Volkswirthschaftliche Korrespondenz" leistet: „Ei» Konsortium, an dessen Spitze der verflossene Minister für Handel und Gewerbe Freiherr v. Berlepsch und der als Unterstaatssekretär ebenfalls außer, aber als Universitätsknrator noch im Dienst befindliche Herr v. Roltenburg stehen, hat eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung gebildet und die„Soziale Praxis" übernommen und will sie i» den Dienst der„Forlführung der Sozialreform auf grund der kaiserlichen Erlasse von ISSO" stellen. Als Redakteur wird Dr. Francke fun- giren, der bisher den„Hamburger Korrespondenten" zu einem Tummelplatz aller möglichen und unmöglichen Schrullen in solchem Grade gemacht hat, daß sich nicht nur die Hamburger, sondern auch andere Leute oft genug gefragt habe», wie diese Haltung des „Korrespondenten" mit de» Ansichten und Interessen der gerade in Samburg maßgebenden Kreise zu vereinbare» wäre. Wenn von ozialpolitik auf grund kaiserlicher Erlasse die Rede ist, so denkt zunächst jeder an den Rovember-Erlaß Kaiser Wilhelm I. von I8S1 und allenfalls noch an die mahnenden Erlasse des ersten Kaisers, die dem Reichstage ans Herz legten, endlich doch mit den soziale» Bersichernngsgesetzen zu stände zu komme», weil der greise Monarch solchen gute» Abschluß noch gern erlebe» wollte. An jene Erlasse denken aber Herr v. Berlepsch und Herr v. Rottenbnrg offenbar nicht, wenigstens spricht die den Zeitungen übermittelte Reklamenotiz nur von den l 890er Febrnar-Erlassen, welche den Hintergrund für jene soziale Polizeimechanik hergeben mußten, durch die die Aera v. Berlepsch charakterisirt wird. Glauben nun die Herren v. Berlepsch und v. Rottenburg und einige andere, es sei ihre Aufgabe, für die Fortführung ihrer Sozialpolitik journalistisch zu wirken, und wollen Sie diesem Zweck ihr gutes Geld opfern, so läßt sich dagegen gewiß nichts einwenden." Da dieser Erguß einer schönen Seele so deutlich für sich spricht, können wir uns auf recht wenig Randglossen be- schränken. Gleich in den ersten Zeilen findet sich eine liebliche De- nunziationsblüthe gegen den noch„im Dienste befindlichen Herrn von Rottenburg". Sollte gar das monarchische Gefühl bei den Schreibknechten des Königs.Stumm schon so sehr gesunken sein, daß ihnen das Eintreten für freilich sieben- einhalb Jahre alte kaiserliche Erlasse kaum genügend gesühnt erscheint mit der disziplinarischen Entsetzung aus dem Amte, mit der Peters für seine Schandthaten gebüßt wurde. Eiir den Tiefstand des monarchischen Gedankens bei den andlangern der Stumm scheint freilich die ver- sichtliche Manier zu sprechen, mit denen die sozialpolitischen Erlasse des regierenden Kaisers im Gegensatze zu denen seines Großvaters erwähnt werden. Hierfür konimt auch in betracht, daß die„Fortführung der Sozialreform auf grund der kaiserlichen Erlasse vom Jahre 1890" als die Fortführung der so despektirlich behandelten Sozial- Politik verächtlicher Leute wie Berlepsch und Rottenbnrg be- handelt wird, obgleich doch gerade d i e Leute, die dies heute thun, im Frühjahre 1890 stets betonte», daß die kaiserlichen Erlasse vom 4. Februar jenes Jahres das ureigenste Werk des Kaisers waren, daß sie von diesem im Gegensatze zu dem für die Politik des Reiches einzig und für die Preußens in erster Linie verantwortlichen Staatsmanne erlassen wurden. Spaßig ist es, wie die Herren, die im Landtage und im Hcrrenhause noch vor wenigen Wochen und in ihrer Presse noch heute dafür„unentwegt" ein- treten, daß das gesammte Vereins- und Versammlungswesen in Preußen dem diskretionären Erniessen niedriger Polizei Organe überantwortet werde, sich entrüsten„über jene soziale Polizeimcchanik, durch die die Aera von Berlepsch charakterisirt wird". Doch weit mehr als all' diese Einzelheiten enthüllt der ganze Ton in den oben wiedcrgegebencn Auslassungen der„Deutschen Volkswirthschaftlichen Korrespondenz" den schweren Aerger der Auftraggeber dieser Leute über die Gründung einer Gesellschaft zum Zwecke der Fortführung der Sozialrcform ans grund der kaiserlichen Erlasse von 1890. Obgleich wir mit keinem Mitgliede und keinem Förderer dieser Gesellschaft auch nur das mindeste geniein haben, und obgleich unsere Sympathie» weder diesen Zerren noch ihren uns viel zu wenig weit gesteckten ffclen zugewandt sind, und obwohl wir auch diesen estrebungen keinerlei Erfolge in Aussicht stellen können, so liegt es uns doch fern, die politische Bedeutung leugnen zu wollen, die die Bildung einer solchen Gesellschaft haben muß. Sie ist ein Protest gegen das, was von den Miquel, Brefeld, Thielen, Podbielski und was sonst noch zu diesen gehört, für sozialpolitisch ausgegeben wird; sie erschüttert selbst in den von Slumm geleiteten Kreisen die Autorität dieses Mannes, der meint, nicht blos das Zeug zum Fabrikpascha, sondern zum Pascha des Deutschen Reiches zu haben; sie ist endlich eine stete Plahnung an die Regierenden, daß ein offiziell anerkanntes Schnldverhältniß zivischen dem Deutschen Reiche und der deutschen Arbeiterklasse existirt, in dem die Acrmsten die un- befriedigten und getäuschten Gläubiger waren und bleiben. polikifche Mebevsschk. Berlin, 23. August. Der Präsident der französische» Republik ist in Petersburg eingetroffen. Wie wir vorausgesagt haben, wurden zu seinen Ehren im wesentlichen die gleichen begeisterten Artikel von der russischen Presse veröffentlicht und verlief der Empfang in den gleichen zeremoniellen Formen wie vor wenigen Tagen der Empfang des deutschen Kaisers. Die Bedeutung des Besuches des Herrn Fanre für die franko- russischen Beziehungen kann nur zu leicht überschätzt werden, ebenso wahrscheinlich ist aber, daß die Wirkung des Besuches auf die neuere Politik des Zarenreiches unterschätzt wird. Die Thatsache, daß der freigcwählte Vertreter eines sich selbst regierenden Volkes, ein Mann, der nicht einmal die bescheidenste Uniform sein eigen nennt, mit kaiserlichen Ehren empfangen wird, kann das russische Volk mit der Zeit auf Gedanken bringen, die dem Zaren höchst unangenehm an die Festtage dieser Woche erinnern würden.— Zum internationalen Kampfe gegen den Anarchis- mus schreibt die„St. Petersburger Zeitung", die nicht wagen wird, anderes zu sagen, als der russischen Regierung gc- nehm ist: „... Man wird Meinnngsaustansch der Kaisers) und ihrer ist, welche Mittel sich ewiß annehmen dürfen, daß in dem errscher(des Zaren und des deutschen athgeber nicht unberührt geblieben bieten, um den europäischen Staaten die Sicherheit zu schaffen, daß ihre höchsten Beamten und ihre Bürger nicht wehrlos dem Mordsinn eines revolutionären Desperado und seiner Genossen preisgegeben sind. In der That handelt es sich um eine Kulturaufgabe von hervorragender Bedeutung. angesichts der Thatsache, daß inner-' halb iveniger Jahre der Präsident der französischen Republik und der spanische Ministerpräsident solchen Attentaten zum Opfer gefallen sind, daß König Humbert das Ziel einer solchen gewesen ist und daß zahlreiche Männer, Frauen und Kinder, die den politischen Dingen ganz fern stehen, durch anarchistische Bomben zerschmettert worden sind. Es ist unmöglich, vor der Sprache, die solche That- fachen rede», die Ohren zu verschließen; die Herrscher und Staatsmänner, die für den inneren Frieden in ihren Reichen, für die Sicherheit ihrer Staatsangehörigen verantwortlich sind, können und dürfen es nicht, und auch die Volksvertreter können und dürfe» es nicht, wenn anders sie die Erhaltung gesitteter Zustände wollen. Wenn man daher, wie gesagt, annehmen darf, daß in den St. Petersburger Er- örterungen auch die Frage nach den Mitteln, die hier zur Anwendung kommen könne», nicht unbe- rührt geblieben ist, so wird aber doch mit gleicher Bestimmtheit angenommen werden dürfen, daß man eS dort keinen Augenblick verkannt hat, wie der zu bekämpfende Gegner zwar ein g e m e i n s a m e r i st, der K a>» p f s e l b st aber nicht auf internationalen! Wege schablonen mäßig, sondern je nach den be- sonderen Verhältnisse» deS einzelnen Landes mit sehr ver- schiedenen Mitteln geführt werden muß. Auf inter- nationalem Wege kann nur eine Verständigung über wirksame U eberw ach ungS maßregeln der revolutionären Elemente herbeigeführt werden. In dieser Beziehung ist in der That jeder Staat dem an- deren gegenüber, gleichviel wie seine Versassnng geartet ist, zu H i I f e l e i st u n g u n d U n t e r st n tz u n g ver- pflichtet." Der Wiener„Pol. Korr." wird zu dem gleichen Thema ans Madrid gemeldet: In dortigen unterrichteten Kreisen wird bestritten, daß die spanische Regierung den anderen Mächten einen Vorschlag betreffend internalionale Vereinbarungen zur Bekämpfung des Anarchisinns habe zugehen lassen. Wenn man auch an den maßgebenden Stelle» in Madrid eine derartige Verständignng für wünschenswerth erachten würde, so halte man es doch infolge der Ueberzengung, daß eine solche Aktion nicht den Anschluß aller europäische» Mächte finden würde, für zwecklos, mit einer Initiative in dieser Richtung hervorzutreten. Ganz unglaublich klingt die Nachricht der gut kon- servativen„Schlesischcn Zeitimg" aus Berlin, daß das Staatsministcrium für die Ueberschwemmten in Schlesien ganze-- 500 000 M. bewilligen wolle; also die Hälfte von dem, was Berlin's Stadtvcrtrctung allein ohne jede Debatte votirte. Dem Miquel sieht das schon ähnlich.— Die sozialdemokratische Fraktion des sächsischen Landtages hat unterm 20. d. M. folgendes Verlange» an die sächsische Regierung gerichtet: An die kgl. sächsische Staatsregierung zu Händen des Herrn Justizininisters Dr. Schurig, Ex. Die sozialdemokratische Frakten der 2. Ständekammer stellt an die kgl. Staatsregierung das Ersuchen 1. die Arbeiten behufs Ermittelung des durch die Ueber- schwemmüng am 29. Juli und der folgenden Tage verursachten Schadens möglichst zu beschleunigen; 2. eine außerordentliche Sländeverfammlung behusS Be- willigung einer Staatsanleihe zur Unterstützung der vom Hochwasser Geschädigten znsammenzuberuse». Begründung: Das Hochwasser, welches in den letzten Tagen des Juli und anfangs August ausgedehnte Gebictstheile unseres Landes heimgesucht hat, versetzte einen bedeuleuden Theil der Be- völkeruug in außerordentliche Roth. Die durch private Wohl- thäligkeit gesammelten Mittel reichen bei weitem nicht aus, den Rolhstand abzuhelfen. Es ist Pflicht des Staates, den durch dies» außerordentlichen und unverschuldeten Ereignisse ins Elend Gc- rathenen zu helfen. Die Größe der Roth und die große Zahl der Beschädigten erfordern Geldsummen, welche die Regierung aus den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln in ausreichendem Maße . nicht zu bewilligen im stände ist. Deshalb ist die Aufnahm« einer Staatsanleihe unerläßlich. Es treten demnach die Be- stimmungen des Z 105 der Verfassung urknndig in kraft, wonach, „wenn in außerordentlchcn, dringenden Fällen schleunige finanzielle Maßregeln erfordert werden, zu welchen an sich die Zustimmung der Stände nolhwendig ist, eine außerordentliche Stände-' Versammlung einzuberufen ist." Aus diesen Gründen erwartet die sozialdemokratische Fraktion, daß ihrem Ersuchen statt- gegeben wird. Gohlis bei Dresden, 20. August 1897.» Hochachtungsvoll im Auftrage der sozialdemokratischen Fraktion der 2. Ständckammee. Aug. Kaden, Mitglied der 2. Kammer. Wir sind sehr begierig, wie sich die Regierung aus der unangenehnien Situation herausschlängeln wird.— Die Ausgleichspolitik des Grafen Badem ist gescheitert, bevor seine Ausgleichskonferenz nur eröffnet wurde. In Pilsen und in Asch kam es zu schweren Konflikten zwischen Czechen und Deutschen bezw. zwischen den Polizeibehörden und den Deutschen. Aus Pilsen wird telegraphirt: Aus Anlaß des gestern hier gefeierten SokolfesteZ fanden den ganzen Tag über Zusammenstöße zivifchenCzechen und Deutschen statt. Abends nahmen dieAusschreitungen einen so bedrohlichen Charakter an, daßJnfanterie und K a v a l l e r i« einschritt und dabei von der blanken Waffe Gebrauch machte. Drei Personen wurden durch Bajonettstiche schwer verwundet,«ine Dame überritten und lebensgefährlich verletzt. Es erfolgten über lS0 Verhaftungen. Aus Als ch liegen folgende vom Sonntag datirte Depeschen vor: Da die Einberufer der heutige» Versammlung er- klärten, den von der Behörde gestellten Bedingungen nicht entsprechen zu können, wurde die Abhaltung der Versammlungen untersagt. Im Laufe des Vormittags fanden nur veremzelte Ansammlungen statt. Kleine Trupps begaben sich nach dem jenseits der österreichischen Grenze gelegenen Dorfe Wildenau; kehrten jedoch, da sie von den bayerischen Be- Hörden zurückgewiesen wurden, am Nachmittag wieder zurück. Diesseits der österreichischen Grenze wurde Halt gemacht; niehrere Reden wurden gehalten. Mit Rücksicht ans das aggressive Bor- gehen der Menge gegen die Beamten der Statthalterei rückte die Gendarmerie vor. ohne bisher von den Waffen Gebrauch zu machen. Ein von Eger rcqmrirtes Bataillon Landwehr ist hierher abgegangen. Heute Abend wurden die Fenster der Bezirkshauptmannschaft «ingeschlagen. Die vor derselben angesammelte johlende Volks- menge wurde zerstreut; zahlreiche Verhaftungen wurden vor- genommen, und der Platz sowie die anliegenden Straßen durch Militär und Gendarmerie besetzt und abgesperrt. Ueber die Stellung der Deutschbürgerlichen zu den Ausgleichs- Verhandlungen liegt aus Prag folgende Meldung vor: Bei der heute staltfindenden Partei-Konserenz der Deutschen Böhmens wird ein Beschluß gefaßt werden, die Wiener Konferenz nicht zu beschicke«. Gleichzeitig wird eine Resolution des Inhalts beschlossen werden, bevor nicht die Sprachenverordnung auf- gehoben sei, weder mit der gegenwärtigen noch mit der kommenden Regierung in Verhandlungen zu treten. Wie die„N. Fr. Presse' mittheilt, wird der Vertreter des verfaffungstreuen Großgrundbesitzes, Graf Oswald Thun, gleich zu Beginn der Ausgleichskonferenzen erklären, daß er. nachdem aus den Vorlage» der Regierung zu ersehen, daß dieselben nur im Juteresse der Czechen liege», sich an den weiteren Ar- beiten nicht betheiligen werde. AuS dem czechisch-burgerlichen Lager wird berichtet: Der Prager Bürgermeister sandte an den ehemaligen Chef der Pariser Patrioten-Liga telegraphische Glückwünsche zur»euer- lichen Befestigung der franko-rnssischen Union. Rarodny Listy, daS Hanptorgan der Jungczechen kundige» an, daß Graf Badem nach der Delegationswahl, welche die Deutschen nicht hindern können, den Reichsrath sofort auflöse» werde, falls sich Vorfälle wie die in den letzten Tagen wieder- holen sollten. Dann werde eine Regierung gegen die Deutschen, oder besser gesagt, ohne die Deutschen erstehe», und wenn es auch dieser Regierung nicht möglich fein werde, konstitutionell zu regieren, so werde eben ohne Parlament regiert werden. Die Verfassung, sagt das sich selbst demokratisch nennende Jungczechenblatt, sei kein heiliges Sakrament, vor dem man sich beugen und das man anbeten müffe. Ueber die Absichten der Regierung wird aus Wien noch gemeldet: Die Regierung soll angesichts der fortgesetzten nationalen Exzesse und nachdem die Aussichten ans ein Zustandekommen der Ausgleichskonferenzen sich vermindert haben, den feste» Entschluß gefaßt haben, mit den schärfsten Maßregeln vorzugehen. Eventuell soll über Böhmen der AuSnahmez»stand ver- hängt werden.— Der österreichisch- bulgarische Konflikt ist nach einer Er» klärung des bulgarischen Ministerpräsidenten von der österreichischen Regierung sür beigelegt erklärt worden.—> *• Deutsche* Reich. — Di« I st« i n n a h m e an Zöllen und Verbrauchs- steuern in den erste» vier Monaten des Etatsjahres hat die Summe von 230,1 Millionen oder 1,5 Millionen weniger als im gleichen Zeitrannie des Vorjahres ergeben. Die Zölle haben ein Plus von 2,3 Millionen erbracht, auch bei den übrigen Verbrauchs- abgaben sind klein« Mehrerträge zu verzeichnen gewesen, die Zucker, steuer hat jedoch ein Minus von nahezu 6 Millionen anfzuweisen und demgemäß das Gesammlergebniß ungünstig beeinflußt.— Von den übrigen Einnahmen hat die Börfenstener zwar noch einen etwas geringeren Ertrag als im gleichen Zeiträume des Borjahres ergeben, jedoch belänft sich das Minus jetzt nur noch ans etwas mehr als 30 000 M. Die Post- und Telegraphenverwaltung verzeichnete ein Mehr von 7,7 Millionen, die Reichs- Eisenbahn- Verwaltung ein solches von 1 Million. — Ueber das gegenseitige Verhältniß von L a n d w i r t h s ch a f t und Industrie in D e n t s ch l a n d veröffentlicht der Professor L u j o Brentano in den„Münchener Neuesten Nachrichten" einen sehr beachtenswerthen Artikel, in dem er beweist, daß die Zeiten, da Deutschland ei» Agrarstaat war, unwiederbringlich dahin sind. Die Jndustriebevölkerung überragt heute der Zahl»ach die landwirthschaflliche; sie liefert auch dem Lande die meisten Soldaten und die meisten Steuern. Ueber die Steuerleistungen der Jndustriebevölkerung heißt es z. B.:»Lange bevor die Mehrheit der Bevöllerung von der Lnndwirthschast zu Industrie und Handel überging, hatten die größeren Erträgnisse, welche diese abwarfen, die Folge, daß sie schärfer zur Sleuerzahlung herangezogen wurden. In dem Maße, in dem Industrie und Handel die Mehrheit der Bevölkerung � an sich zogen, wurde es selbstverständlich, daß sie auch die gröbere Hälfte der indirekten Steuern bezahlten, und was die direkten Steuern angeht, so hat die Steuerreform der letzten Dezennien fast in allen deutschen Ländern die Landwirthschaft so sehr auf Kosten der übrigen ErwerbSzweige entlastet, daß heute die direkte Steuer- last nahezu ausschließlich von diesen getragen wird. Ueber das Bechültniß, in dem Industrie und Landwirthschaft aufeinander angewiesen sind, äußert sich„Neuland' folgendermaßen: Früher habe es richtig geheißen:„Hat der Bauer Geld, hat's die ganze Welt.' Heute habe sich das Berhältniß umgedreht. „War die Zahlungsfähigkeit der ländlichen Bevölkerung früher maßgebend für den Absatz der gewerbliche» Pro- dukte, so liegt die Zukunft unserer Landwirthschaft nun- mehr in der Z a h l n n g s s ä h i g k e i t unserer industriellen Arbeiterbevölkerung, in der Entwickelung ihrer Bedürf- nisse, in der damit Hand in Hand gehenden Sieigernng ihrer Leistungsfähigkeit, die sie in Stand setzt, diese» steigenden Bedürfnissen zu genügen, und in der Anpassung der landwirthschaft- lichen Produktion a» die gesteigerten Bedürfnisse der gewerblichen Arbeiterklasse.— Das Interesse der Landwirthschaft erscheint unter diesen veränderten Verhältnissen somit unmittelbar als ein zwei- faches. Sie hat 1. das Interesse, daß in unmittelbarer Nähe der landwirthschaftlichen Produktion möglichst viele industrielle Zentren entstehen, an die sie Fleisch und andere landwirthschaflliche Produkte, bezüglich deren sie der Konkurrenz von Außen gar nicht oder weniger ausgesetzt ist. absetzen kann. Nichts kann vom Standpunkte der Land- wirthschast thörichter sein als die in agrarischen Kreisen vielfach noch heute so verbreitete Abneigung gegen neue gewerbliche An- siedelungen. Weit entfernt, daß sie dem landwirthschaflliche» Interesse abträglich wären, beruht angesichts der Lage des Welt- Marktes auf ihrer Vermehrung vielmehr die Zukunft der deutschen Landwirthschaft. Die Landwirthschaft hat 2. das Interesse, daß den in den gewerblichen Betrieben beschäftigten Arbeiter» hohe Löhne gezahlt werden. Die Landwirth- schaft hat ein Interesse, daß den gewerblichen Arbeitern so hohe Löhne gezahlt werden, daß sie in Stand gesetzt werden, an stelle des verhältnißmäßig noch so wenig entwickelten deutschen Fleischkonsums der deutschen SIrbeiterbevölkerung«ine stetige und wachsende Nachfrage nach Fleisch zu entwickeln, so daß die Landwirthschaft in einem Massenabsatze animalischer Pro- dukte Ersatz finden kann für ihren durch die Lage des Weltmarktes verminderten Absatz an Cerealie». Sie hat ein Interesse daran, daß der Zuckerkonsum der deutschen Arbeilerbevölkerung sich auf das Maß deS Konsums der amerikanischen oder wenigstens der englischen steigere, damit der deutsch« Rübenbau in einem gesteigerten Zuckerkonsnm der Massen Ersatz finde für den Absatz deutsche» Zuckers nach Amerika und England, der für die Zukunft alS aufs äußerste bedroht erscheint. Sie hat ein Interesse, daß die Lage der städtischen Bevölkerung eine so blühende werde, daß diese für alle jene qualifizirten landwirthschaftlichen Produkte, bezüglich deren die deutsche Landwirthschaft einer aus- wärtige» Konkurrenz gar nicht oder nur unerheblich ausgesetzt ist, eine Nachfrage zu entwickeln vermag. Durch alle derartige Steige- rungen des Reallohns der Arbeiterbevölkernng entsteht eine Steige- rung ihrer Leistungsfähigkeit und damit eine Sicherung und Steigerung des Absatzes ihrer Produkte. Durch alle derartige Steige- rnngen des Reallohns der gewerbtreibenden Bevölkerung entsteht der Landwirthschaft ein unentreißbarer gewinnbringender Absatzmarkt in der Nähe.— Die VoranSsctzung aber, daß der gewerbtreibenden Bevölkerung dieser hohe Reallohn zu theil werden kann, ist die Sicherung und Zunahme des Absatzes ihrer Produkte nach außen. Nicht nur die Industrie, in nicht minderem Maße auch die Landwirthschaft hat also das größte Interesse an der Steigerung der Ausfuhr deutscher industrieller Produkte." — Deutsche Zeutralstelle für die Vorbereitung von Handelsverträgen. In einer heute Hierselbst im Kaiserhof unter Vorsitz des Kommerzienraths Dr. I. F. Holtz statt- gehabten Versammlung von Vertretern freier wirthschastlicher Vereine wurde behufs Wahrung gemeinsamer wirthschaftlicher Interessen insbesondere in Fragen der Zollgesetzgebung und des Abschlusses »euer Handelsverträge die Bildung einer„Deutschen Zentralstelle für die Vorbereitung von Handelsverträgen' beschlossen. Zum pro- visorische» Vorsitzenden ivurde Kommerzienrath Dr. I. F. Holtz gewählt und zu weiteren Vorstandsmitgliedern mit dem Rechte der Kooptio» folgende: Fabrikbesitzer Ernst Borsig-Berlin. Kommerziell- rath Collenbafch-Dresden, Kommerzienrath v. Dreyse-Sömmerda, Geh. Kommerzienrath Goldberger-Berli», Kommerzienrath Herms- dors-Chemnitz. Kommerzienrath E. Jacob-Berlin, Generaldirektor Knhlow- Halle a. E.. Koinmerzienratd March- Charlottenbnrg, Dr. Martins-Berlin, Generaldirektor Rösicke-Berlin und Kommerziell- rath Wirth-Berlin. — Ans ihrer letzten Konferenz in Fulda solle» sich, wie»erlautbart, die preußischen Bischöfe in erster Linie mit Fragen sozialer Nätnr beschäftigt habe». Es foll beschlossen worden sei», an die Diözesengeistlichkeit Anweisungen er- gehen zu lassen, in welcher Weise die Pfarrer je. einerseits auf Verbesserung der materiellen Lage ihrer Vemeiildeiuitglieder. soweit es in ihrer Macht liegt, hinwirke», andererseits aber auch die sozial- demokratische Agitation bekämpfen sollen. ES dürften hierin indirekte Winke für die näckisten Reichstagswahlen enthalten fein. Besonders neu dürften diese Winkenicht fein. Ihre Ankündignng jagt uns nicht inS Bockshorn.— — Die Sinekure eine? Domherrn a in Hoch st ist Brandenburg ist dem früheren Reichskanzler Grafen v. Caprivi zu teil geworden. Mit der Stelle ist bekanntlich ein Einkoiinnen von mehreren Tausend Thalern verbunden. Dieselbe Stelle hatte bisher der verstorbene General v. Albedyll inne. Die Domherren in Brandenburg haben keine Funktionen auS,uüben, die ihrem Titel entsprechen. Es sind meist hohe Beamte und Osfiziere; so sind der frühere Ministerpräsident Graf Eulenburg, der Ehren- Präsident der Ober- Rechnungskammer v. Wolff und der General der Infanterie von Hahnke Mitglieder des Brandenbnrger Doni- kapitels.-» Die Stimmung gegen den so plötzlich entlassenen zweiten Reichs- kanzler muß sich in der letzten Zeit geändert haben, sonst hätte er diese werthvolle Ehrenbezeugung nicht erhalten. Graf Caprivi war anch in der letzten Woche einige Tage in Berlin. Die Agrarier sind darüber schon recht nervös geworden, zumal gleichzeitig der ganz fürchterliche Marschall von Bieberstein gleichzeitig in Berlin zu sei» gewagt hat. So wenig besorgt auch die Agrarier zu sein brauchen, so begreiflich ist es, daß sie in die Stetigkeit des Kurses deS Staats- fchisses kein übergroßes Vertrauen haben.— — Die E ch w e tz e r Reichstag? wähl wird für einige der Betheiligten in der am 20. September d. I. beim Landgericht Graudenz beginnenden Schwurgerichls-Periode ei» ernstes Nachspiel erhalten. Wie seinerzeit von uns ausführlich derichtet, wnrd« bei der Rückfahrt von dieser Wahl in einem Eisenbahnabtheil IV. Klasse auf der Bahnstrecke Schwetz- Terespol der Lehrer und Botaniker G r ü t t e r von einigen Mit- reisenden schwer mißhandelt und am andere» Morgen t o d t am Bahndamm liegend aufgefunden. Der That dringend ver- dächtig wurden bald darauf vier Arbeiter fe st genommen, die sich auch gegenwärtig noch in Haft befinde». Die Unter- s u ch u n g gegen dieselben ist nunmehr abgeschlossen. Sie werden sich nunmehr wegen Körperverletzung mit tödt- l i ch e in Ausgange vor Gericht zu verantworten haben.— — v. Carnap, der frühere Distriktskonimissar in O p a l e n i tz a, welcher, wie kürzlich mitgetheilt, gegenwärtig bei der Straßenbahn in Köln a. Rh. als Beamter angestellt ist, wird demnächst die Leitung einer Kreisbahn im Regierungsbezirk Düsseldorf übernehmen.— So einen Mann darf man sich auch nicht entgehen lassen.— Dresden, 21. August.(Eig. Ber.) Ein Strafmandat von 10 M. hat der Genosse erhalten, dem in Sebnitz eine sozialdemo- kratische Sammelliste für die vom Hochwasser geschädigten Arbeiter weggenommen worden war. Gerichtliche Enlscheidiing ist natürlich beantragt worden. Bemerkt sei noch, daß nachträglich auch noch der auf der Liste gezeichnete Betrag in Höhe von 3,46 M. der Frau des Betreffenden abverlangt und von dieser anch ausgehändigt worden ist. Auf Listen deS Bund«? der Landwirlhe wird lustig weiter gc- sammelt.— — Zur sächsischen Landtags wähl nahm in Meißen der Landesverband der Hansbefltzer im Königreich Sachsen Stellung. ES wurde beschlossen, von dem zu unterstützenden Kandidaten zwar zu fordern, daß derselbe das Wohl des Mittelstandes, zu dem sich auch die Hansbesitzer rechnen, gegen das Drängen von oben und von unten bestens zn wehren verspricht, dagegen wurde von der weiteren Forderung, daß der Kandidat versprechen solle, die Bildung einer Miltelstandspartei zu fördern und dieser letzteren beizutreten, Abstand genommen. Die Leitung des Verbandes und die führenden Personen sind zumeist waschechte Nationalliberale und so ist dieser Befchluß als zu gunste» der Nationalliberalen gefaßt zu betrachten. Die Nationalliberalen wiegeln ab, damit sie bessere» Spielraum bei der Wahl haben.— — Miquel'SRuf zur Sammlung hat nun einen Er- folg zu verzeichnen, wenn auch freilich nicht in Preußen, sondern bloS in— Gotha. Von dort meldet daS sozusagen freisinnige„Berliner Tageblatt" triumphirend, daß die beiden freisinnigen Par- teien. Nationalliberale und Konservative übereingekommen find, als Kandidaten für die nächsten Reichstagswahlen den Gothaer Ober« bürgermeister Liebetreu aufzustellen. Genosse Bock, der den Kreis zur vollsten Zufriedenheit der Bevölkerung vertritt, braucht selbst diese Kartellkandidatur nicht zu fürchten. Er ist schon bei den letzten Wahlen im ersten Gange ge- wählt worden. Er wird bei den nächsten Wahlen unzweifelhaft sofort wieder mit Mehrheit in den Reichstag entsendet werden. Dafür bürgt der Eifer und die tressliche Schulung der Gothaer Genossen, daS Ergebnis der letzten Landtagswahlen und die Erfolge und die vorzügliche Haltung unserer Fraktion im Gothaer Parla- mentchen. Unser Gothaer Parteiblatt bemerkt zu dieser Meldung;„Der nächste Wahlkampf wird sich also auf dem reinen Boden des Klassen- kampfes abspielen. Ein gutes Zeichen der Entwickelung und des Fortschrittes und für uns ein günstiges Feld."— Karlsruhe i. B., 23. Aug.(Franks. Ztg.) Di- Wahlkomitees der deutschen Volkspartei und der sozialdemokrattschen Partei ver- breiten ein Flugblatt, in welchem die Frage beantwortet wird „Warum gehen wir bei den Landtagswahlen, zusammen?' Ein- leitend wird darauf hingewiesen, wie die dominirende national- liberale Partei sich mit einer das Volk auf das tiefste verletzenden Rück- sichtslosigkeit über die etnmülhigen Wünsche des Volkes in bezug auf das direkte geheime Wahlrecht hinweggesetzt habe. Das Flugblatt er- innert sodann an die Wahlansetzungs-Debatte der Landtage von 1K93— 169ö, in denen die Nationalliberalen ihre Macht benutzten, um sich die Majorität zu sichern. Wieder naht die Enlscheidungs- schlacht; werde in dieser nicht die Macht der Nationalliberalen ge- brochen, so würden nicht nnr auf Jahre hinaus die Wünsche des Volkes ans eine freiheitliche Ausgestaltniig der Verfassung un- erfüllt bleiben, es bestehe auch die weitere Gefahr, mit einer Reihe rückschrittlicher Gesetze beglückt zu werden.— Straßburg i. E., 22. August.(Eig. Ber.) Sie berichten heute daß der Kommandeur des 137. Infanterie- Negis., Oberst Freiherr v. E y ii a t t e n, der den Matre deS nahen Städtchens Barr und dessen Gemeinde-Angehörige durch Ausdrücke wie„Schweinigel", „dreckige Kerle' ec. in der unerhörtesten Weise beleidigt hatte, seinen Dienst beim Regiment wieder angetreten habe und daß damit die Skandalaffäre für denselben ohne weitere unangenehm« Folgen erledigt sei. Dies« Mittheilung ist thalsächlich richtig. Zn ergänzen ist da- bei nur, daß derselbe Herr v. Eynatten in demselben Städtchen Barr vor einigen Tagen abermals Quartier bezogen hat. nachdem daS Jnfanterie-Regiment l37 dahin ins Manöver ausgerückt war. Der rücksichtsvolle Herr ließ dabei allerdings die Vorsicht wallen. auf der Tafel, welche das Quartier deS Reginientsoberstcn zu be- zeichnen pflegt, den Namen„v. Eynatten' zu beseitigen, so daß darauf nnr noch die Bezeichnung.Kommandeur des Infanterie- Regiments 137" zu lesen ist. Diese zarte Rücksichtnahme des Herrn Obersten wird zweifellos sehr viel dazu beitragen, die erregten Gemüther der beleidigten Gemeinde zu beruhige».— Am 24. und 25. August findet dahier die Hauptversammlung des Deutschen ApothekervereinS statt. Auf derselben wird u. a. anch der Antrag eineS KreisvereinS zur Berathmig gelangen, nach welchem der Deutsche Apolhekerverein mit Rücksicht auf die im preußischen Apothekerrath zur Erörterung stehende Frage der Zulassung von Frauen zum Apothekerbernf erklären soll, daß den Frauen der Zutritt zum Apothekerfach zu gestalten ist, sofern sie die gesetzlich vorgeschriebene wissenschastliche Vorbildung besitzen und im einzelnen Falle anch körperlich besähigt erscheinen.— — Zum Scheitern der Expedition deS Dr. PeterS theilt nun die„Bonner Ztg." mit: Die deutsche Finanzkraft, die die Peters'sche Expedition nach Afrika sinaiiziren wollte, war Geheimrath Krupp in Essen. Zwischen diesem. Dr. Peters und dem Engländer Dr. Swist wurde ein Kontrakt vereinbart. Krupp erklärte sich bereit, zu dem Unternehmen 500 000 M. herzugeben. Nachdem aber der Prozeß gegen Peters vor dem Disziplinarhof die bekannte für Peters ungünstige Wendung genommen hatte, und gleichzeitig zwischen den beiden Führern deS Unternehmens, Dr. Swist und Dr. PeterS, Streitigkeiten ausgebrochen waren, erklärte Krupp den Kontrakt für gelöst und zog die Zusage, 500 000 M. zu zahlen, zurück.— Frankreich. -»» Prinzenduell und Prätendententhum. Im „Jntransigeant giebt Henri Rochefort seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß«in d'Orlöans nichts umsonst thut und daß die monarchistischen Blätter das Duell deS Prinzen Henri als willkommeuen Borwand benützen werden, um dessen Kandidatur für die D e p u t i r t e n w a h l e n von 1393 aufzustellen. So hat die Familie den jungen Lebemann auf Reisen schicken müssen, spottet der Chefredakteur des„Jntransigeant", damit dieser Sprößling der jüngeren Linie in einigen Monaten Vertreter von Paris werde. Denn da? fei nnzweifelhaft, daß irgend ein Reaktionär der Hauptstadt dem Prinzen seinen Sitz abtreten wird. Was wird dann aber aus dem anderen Vetter, dem Due d'Orlöans, Oberhaupt des tauses Frankreich und Erben einer Krone, die sein Verwandter chm, ilie um Lilie, wegreißt? Sind doch die Royalisten so dumm, daß, wenn man ihnen nur einen Kops zum Krönen giebt, sie sich damit zufrieden gebe», unbekümmert darum, wem er gehört.— Norwegen. — Durch die Neuwahlen ist bisher die Wiederwahl deS demokratischen Odelsthings-(Unterhaus) Präsidenten im äußersten Norden des Landes gesichert worden. Die Neuwahlen haben am 14. d. M. begonnen und werden bis in den November hinein fort- dauern. Die Ursache dieser langen AuSdehuuiig liegt an den ver- schieden«» klimatischen Verhältiiisseii des weitausgestreckten Landes. in dessen nördlichstem Theile Wahlhandlungen überhaupt nur im Sochsommer möglich sind, während um dies« Zeit das Landvolk im üden mit der Ernte beschäftigt ist und erst nach deren Beendigung wählen kann.— Italien. — lieber das Prinzenduell äußert sich„L'Osservatore Romano", das Sprachrohr de- Vatikans, folgenderiiiapen: „Dieses Duell ist eine skandalöse Beleidigung der göltlichen Gesetze, eine eynische Vergewaltignng der Gesetze des Landes,«ine kindische Veriheidignng gegen die Anklagen des Prinzen d'Orleans. an die ja doch ein jeder nach wie vor glauben kann. Es ist ferner eine Verletzung der militärischen Disziplin, ein schlechtes Beispiel für die ganze Armee, eine Anfachung des Hasses zwischen den beiden Schwesteriiationen."— Spanien. Madrid, 22. Anglist. Einem amtlichen Telegramm« auS Manila zufolge griff der Häupiling Agiunaldo Sau Rafael an. wurde jedoch mit beträchtlichen Verlusten zurückgeschlagen. In mehreren Zusammenstößen hatten die Spanier 5 Todle und 24 Ver- wundete, die Aiisständifchen 37 Tobte. I» den Hospitälern befinden sich 3149 Kranke.— —„La barbarie gu b e r n em e n t a 1 enEspana" (Reglernngs- Barbarei in Spanien), ist der Titel einer Schrift von 204 Seiten, die in der Druckerei von EI vesportsr in Brooklyn- New-Uort erschienen ist und die aktenmäßige Tarstellung deS An- archisleuprozesses von Bareelona und der Folterung der Gefangeneu auf Montjuich bringt. Einem Auszüge aus dieser Schrift, den wir in der„Franks. Ztg." finden, entnehmen wir das folgende:„Infolge des Attentats vom 7. Juni 1896 sind bekanntlich gegen 400 Acr- dächtige in Gewahrsam gebracht worden, von denen mau in- dessen bald eine Anzahl wieder ans freien Fuß setzen mußte. Die übrigen stellte man vor ein Militärgericht. Da sie frei- willig nichts wesentliches aussagte», suchte man sie durch Folter- quälen, die an die Grenelthaten eines Torquemada erinnern, zu zwingen, ein Geständniß abzulegen. Die eine» ließ man Stunden, ja Tage lang. ohne ihnen Nahrung zu reichen, unanshörlich in ihrem Gefäiigniffe umgehen und den Schlaf so lange entbehren, bis sie besinnuiigSloS zusammenbrachen. Andere» gab man mehrere Tage nichts als gesalzenen Stockfisch zu esse» und versagte dann den vom Durst Gequälten jeglichen Trunk. Einigen trieb man hölzerne oder eiserne Sliftchen zwischen Fingernägel und Fleisch oder riß ihnen die Nägel überhaupt ab. Mit Borliebe wandte man ein Marterinftrumenl an. mit Hilfe dessen den Aermsten die Lippen auseiiiandergerisseii, das Gesicht fast bis zur Uukennllich- keit entstellt und der Schädel selbst in einer Weise zusammengepreßt wurde, daß den Gemarterten Hören und Sehen verging u. dgl. m. Daß Luis Müs infolge dieser Prozedur den Verstand verloren hat, ist so gut wie erwiesen. Schließlich brachte man Ascheri und zwei seiner Gefährten so weit, daß sie erklärten, die Bombe geworfen zu haben, und daß sie auch noch eine Reihe von Mitschuldigen nannten, von denen sie einige überhaupt noch nicht gesehen hatten. Di« aus so brutale Weise erpreßten Aussagen der Gefolterten, die diese in Augenblicken heroischer Selbstbeherrschung vor Gericht widerriefe» Ascheri auch in einem ergreifende» Abschiedsbriefe an ferne Mutter— bilden die Grundlage des gerichtlichen BcrfahrenZ gegen die Unglücklichen. Vergebens protestirten diese gegen die nreder- trächtig- Behandlung von Seiten ihrer Peiniger, uuter denen sich namentlich der Richter Marzo und der Lieutenant Portas durch unbeschreibliche Gefühllosigkeit auszeichneten. Am Schlüsse des Verfahrens, währerrd defien sich viele der Gefangenen den Tod gewünscht hatten, der in der That mehrere von ihren Qualen befreite, beantragte der öffentliche Ankläger für LS die Todesstrafe, für die übrigen Zuchthaus- strafen bis zu 20 Jahren. Dem Antrage wurde jedoch nicht ent» fprochen, die Akte» vielmehr nach einander verschiedenen Instanzen überwiesen, bis schließlich nach mannigfachen Wandlungen im Urlheil 5 Angeklagte zum Tode, 20 ihrer Gefährte» zu Zuchthaus- und Kerker- strafen verurtheilt, 63 freigesprochen, aber des Landes verwiesen wurden. Anfangs wollte man sie nach Rio de Oro, einem von Flebern heimgesuchte» Landstriche an der Rordküfte von Afrika deportiren, und znmr auf yrund eines Gesetzes, das erst nach der Katastrophe in der Calle de Cambios Nucvos und unter dem Eindrucke desselben geschaffen war. Aber hiergegen erhob sich, namentlich in Frankreich und England, ein so allgemeiner Sturm des Unwillens, daß man sich schließlich damit begnügte, die Freipelassenen bis an die Grenze deS spanischen Königreichs zu befördern. Freunde einer gesetz- mäßigen Handhabung der Justü haben nun den Hergang des Pro- zesses in der oben erwähnten sehr beachtenSwerthen Schritt nach den Aussagen der Gefangenen und den verbürgten Mittheilungen, die an die ausländische Presse gelangt sind(der spanischen war bekannt» lich Schweigen anferlegl) dargestellt und so ein Material geliefert, das allem Anschein nach aus Zuverlässigkeit unbedingten Anspruch machen kann. Vielleicht sind hier und da unter dem unmittelbaren Eindruck deS schrecklichen Verfahrens Uebertreibungen mir nnter- laufen, in den wesentlichen Punkte» stimmen aber alle Mit- theilungen überein, und danach ist sicher eine ganze Anzahl von Unschuldigen hingerichtet und ein krasser Justizmord begangen worden. In diesem Sinne spricht sich auch die in Lissabon erscheinende Zeitung»O Secolo" aus. Diese läßt sich aus Paris berichten, daß der wahre Attentäter, ein Franzose auS der Nähe von Bordeaux, jetzt in London wohne und auf dem Wege dahin in Paris mit Drumont, dem Direktor der„Libre Parole", eine lange Unterredung gehabt habe, derzufolge von den Ver- urtheilten keiner an de in Verbrechen betheiligt gewesen seil Das ganze Gerichtsverfahren wirft ein ungemein trübes Licht auf die spanischen Verhältnisse; denn traurig muß es um einen Staat bestellt sein, dessen Regierung in so unerhörter, jeglicher gesetzlicher Grundlage entbehrender Weise gegen wehrlose Gefangenen vorgeht. Mit solchen Gewaltthaten wird man den Anarchismus schwerlich aus dem Wege räumen.— — Di« Carlisten scheinen ihr« Zeit für gekommen zu halten. AuS Valencia wird gemeldet, daß in Chelva«ine bedenkliche carlistifche Agitation herrsche. ES finden, u»ter den Augen der Regierung, große Versammlungen statt, so daß der Gouverneur und der Generalkommandant sich veranlaßt sahen, scharf« Vorsichts- maßregeln zu ergreifen und die Truppen.kriegsbereit" zu hallen. ES heißt sogar, die Carlisten hätten 10 000 Gewehre und die dazu gehörigen Patronen in Chelva eingeführt, und dieses Gerücht scheint nicht ganz unbegründet zu sein, da dt« Regierung sich nicht einmal «u einem Dementi aufschwingen kan». Chelva liegt in der Provinz Valencia, die von den carlisttschen Bewegungen früher nie ernstlich berührt war.— Rnstlaud. — FS, die russischen Zustände bezeichnend ist «in« Meldung auS Warschau, wonach laut tiner Verfügung deS Ober-PolizeimeisterS Grcsser am Tage des Einzuges deS russischen Kaiserpaares sänimtliche Fenster und HanSthore an den Feststraßen geschlossen sein müssen.— Türkei. Konstantinopel, 21. August. Bei einer gester» Abend vor- genommenen Haussuchung in Pera entdeckte die Polizei zwei Bombe». Zwei Armenier wurden verhaftet; dieselben gestanden(vor oder nach der Folterung?) ein, der Trochakgruppe (einer revolutionären Bereinigung der Armenier, die ihren Sitz in, Ausland« hat) anzugehören.— Koustantinopel, 22. August. Heut« wurde in allen arme- nifchen Kirchen ein Hirtenbrief de? Patriarchen verlesen, in welchem die letzten Attentate streng verurtheilt und die Armenier zur Ruhe ermahnt werden.— Koustantinopel, LS. August. 22 Mohamedaner, welche wegen Theilnahme an den letzten Unruhen in Tokat von der Unter- fuchungSkommiffion zum Tode verurtheilt worden waren, wurden durch ein Jrade zu lebenslänglichem Kerker begnadigt. Die Vcrurtheilung von 44 anderen Angeklagten zu verschiedene» FreihettZstrafen wurde bestätigt. Die Mehrzahl der Sträflinge wird in Tripolis internirt werden.— Asien. — AuS Indien endlich eine für die Engländer beruhigende Nachricht! Nach einer Meldung der„Times" ans Simla vom 20. d. M. ist während der letzte» Woche in ganz Indien, mit Aus- nähme der Distrikte von Bombay und Deccan, reichlicher Regen niedergegangen. Die Ernte verspricht eine auSnahuis- weis reichliche zu werven.— Afrika. Prätoria, 21. August. Der Volksraad der Südafrikanischen (Transvaal) Republik beschloß einstimmig, über einen Antrag zu berathen, welcher die Regierung der Südafrikanischen Republik auf- fordert, über die jüngsten Erklärungen C h a m b e r l a i n's im eng- lisch«» Parlamente Auskunft zu gebe». Mehrere einflußreiche Mit- glieder des Volksraad erklärten. keine auswärtige Macht habe das Recht der Suzeränität über Trans- v a a l.— Das„Neutcr'sche Bureau" meldet hierzu vom gestrigen Tag« aus Kapstadt: Die Erklärung Chamberlain'S in der Sitzung des englische» Unterhauses am 4. d. M., daß der Vorschlag. Streitig- ketten zwischen dem Suzerän und dem untergeordneten Staate dem Schiedssprüche einer fremden Macht zu unterbreiten, ohne Beispiel dastehe, bildete den Gegenstand einer erregten Debatte im Volksraad. Ter Prästbcnt Wolmaraus verneinte daS Bestehen irgend eines SuzeränetätsverhältnisseS. Diese Erklärung veranlaßte in an- betracht der Stellung(?) des Redners in Kapstadt vielfach« Erörte- rungen.—__ Fttkevnstionttlev Nongretz fuv KUbeitevfchiitz« Zürich, den 22. August lSS7. Der Kongreß, der am Montag in dem großen Saal« der Tonhalle seinen Anfang nimmt, wird von über ö00 Delegirten und Gäste» besucht sein. Zu bemerken ist dabei, daß die Gäste das Recht haben, in die Diskussion einzugreifen und Anträge zn stellen, aber kein Stimmrecht besttzen. Heute ist die Mehr- zahl der Delegirten bereits emgeiroffen, nur die Franzosen. Engländer und Belgier werden erst mit de» Abendzügen ankommen. Unsere Genoffen werden nnter den Delegirten etwa Vi Majorität haben. Wer von Vertretern der bürgerlichen Parteien zum Kongreß zekonnnen ist, wird sich erst morgen übersehen lassen. Ziemlich stark werden die Klerikalen vertreten sein, sehr schwach die National- sozialen. Die sozialdemokratischen Delegirten und Gäste traten bereits heute Mittag in der„Eintracht" zn einer Vorbesprechung zusammen, die von Liebknecht einberufen war, eröffnet und geleitet wurde. Die Deutschen, Oesterreicher, Schweizer, Polen und Russen waren fast vollzählig erschienen. Bebel, Grilleuberger und Molkenbuhr repräsentirten im Verein mit Liebknecht die sozialdemokratische Reichslagsfraktion. Wollmar vertritt die Sozialdemokraten deS bayerischen Landtag?, Kloß-Stuttgart die deutschen Holz- arbeiter Dr. Q u a r ck die Gelverkschaften von Frankfurt a. M. Klara Zelkin die deutschen Arbeiterinnenvereine. Unter den Gästen waren Dr. Heinrich Braun, Frau Lilt Braun, Frau v. Vellmar und Frau Dascynska anwesend. Dr. Victor Adler, Engelbert Pernerstorffer und Nemec hat die österreichische Partei entsendet, außerdem sind noch zahlreiche Vertreter der österreichischen Gewerkschaften erschienen. Der Pole Dascynski rcpräsentirt die Fraktion des österreichischen Reichsrathes. Von den Schweizern sahen wir Greulich, Jean Sigg, Brandt, Bürkli, Witt. Die russischen Arbeiter vertreten Axelrod, Kalzow und Plechanow, Schweden der Abg. Branting. Von den Engländern bemerken wir Belfort-Bax. Liebknecht sagt in seiner kurzen einleitenden Ansprache, daß er von den schweizer Genossen zur Einberufung dieser Vor- Versammlung aufgefordert worden sei. Es sei selbstverständlich, daß bei einem Kongresse, auf dem alle Parteien vertreten seien, jede Partei eine Vorbesprechung hallen müsse. Es sei nothwendig, sich über die Geschäftsordnung und ander« vorbereitende Aeußerlichkeite» zu verständigen. Greulich« Zürich theilt alS Eektretär deS OrganifationS- komiiees die Geschäftsordnung mit. Es sollen folgende Gegenstände zur Berathung stehen: I. Sonntagsarbeit. 2. Arbeit der Kinder und jungen Leute. 3. Arbeit der Frauen. 4. Arbeit erwachsener Männer, ö. Nachtarbeit und Arbeit in gesundheitsgefährlichen Be- trieben. 6. Mitlel und Wege zur Verwirklichung des Arbeiter- schutzes. 7. Internationales Amt für Arbeiterschntz. Die erste Frage sei nun die, ob die Delegirten mit dieser Tages- ordnung einverstanden seien. Während alle anderen Gegen- stände noch in Nationen vorberathen werden sollen, Hab« das Organisalionskomite« geglaubt, den ersten Punkt„SonntagS- arbeit" ohne Vorberathung zur Erörterung stelle» zu können. An der Berathung in den Sektionen könue jeder Delegirte oder Gast theilnekmen. Die zweite Frage sei die der Bildung des Bureaus. DaS Organisationskvmitee habe den Kantonsralh Heinrich Scherrer- St. Gallen zum Präsidenten und die Nationalräthe C. DecurtinS« Truns und Th. Sourbeck-Bern als Vizepräsidenten vorgeschlagen, und er, Redner, halte den Vorschlag für durchaus akzeptabel. Er schlage vor, auf die sogenannten Ehrenpräsidenten ganz zu verzichte», denn es müßte sonst nickt nur jede Ration, sondern noch jede Parteirichtung innerhalb der einzelnen Nation berücksichtigt werden, was kaum möglich sein werde. Die schweizerische» Katho- liken wollten auch auf das„Brimborium" der Ehrenpräsidenten verzichten. Die dritte Frage sei die, ob die Geschäftsordnung gut- geheißen werde. B e b e l ist mit der Tagesordnung einverstanden, er bittet die Versammelten nur eine Kommission zu wählen, die sich über die Anträge, die zum 1. Punkt der Tagesordnung gestellt werden sollen, verständigt. Die Resolution, welche der Referent zur Sonntags- arbeit gestellt habe, müsse z. B. schon modifizirt werden. Dr. Q u a r ck- Frankfurt empfiehlt, die Gewerbe-Juspekiion als besonderen Punkt der Tagesordnung zu bebandeln, erklärt sich aber aus eine Bemerkung Dr. Adler's hin damit einverstanden, daß diese Frage gelegentlich der Verhandlung über den 6. Punkt der Tages- ordnung mitbesprochen werde. Die Versammlung beschließt im Sinne Greulich's und Bebel'S und akzeptirt daS vom OraaiiisationSkomitee vorge- schlage»« dauernde Präsidium. Ferner wird auf Vorschlag Bebel's beschlossen, daß bei jeder Abstimmung das Präsidium Stimmen- znhler zu ernennen hat. Dr. Adler- Wien wirft die Frage auf, ob es möglich sein wird, da nach der Geschäftsordnung alle Anträge in den Sektionen vorberathen werden sollen, einen Antrag zur Abstimmung zu bringe», die um den Achtstnndenlag kämpfenden englischen Maschinenbauer in einer Resolution zu begrüßen. Ei» solcher Antrag fei noth- wendig, um den Kongreß' einen bestimmten Typus zu geben. Greulich erwidert, in der Geschäftsordnung sei nur von An- trägen die Rede, die mit der Tagesordnung in Zusammenhang stünden. Wegen anderer Anträge müsse sich der Antragsteller mit dem Präsidium ins Einvernehme» setze» und er zweifle nickt, daß daS Präsidium auf derartige Anträge eingehen würde. Eine beim Genossen Adler ja selbstverständliche Voraussetzung sei, daß solche Anträge taktvoll geHalle» seien. Bebel ist auch der Meinung, daß die Geschäftsordnung nur das allernothwendigste umfasse. daß im übrige» aber der Kongreß souverän sei und jede» außerhalb der Tagesordnung liegenden An- trag beHandel» könne, wie er wolle. Greulich erörtert noch die Thalsache, daß nach Köpfen ab- gestimmt wird. Die Sozialdemokraten würde» in der Mehrheit sein, er empfehle aber de» Genossen, deshalb nicht Majorisirungsgelüsle bekommen, sondern den neutralen Charakter des Kongresses wahren zu wollen. Die Gegner solle man durch größte Sachlichkeit für sich zu gewinnen suchen und lieber solle man auf eine zu weitgehende Forderung verzichten, als die Minorität niajoristten. Eine länger« Debatte entspinnt sich schließlich darüber, ob man dem Vorschlage des Organisationskomitces beitreten und den Beginn der Sitzung auf früh 8 Uhr beibehalten soll. Die knappe Majorität entscheidet sich nach langem Für und Wider für 3 Uhr morgens. Nachdem die Nationen die Kommission zur Vorbereitung der Resolution für den ersten Punkt„Sountagsarbeit" gewählt hat, erklärt Liebknecht die Sitzung für geschlossen. Eine zeitlang mußten die Verhandlungen übrigens unterbrochen werde», iveil unten auf der Straße Festinufik ertönte. ES waren die in Zürich lebenden italienischen Genossen, welche unter klingendem Spiel, mit fliegenden Bannern zum Frieseuberg hinauszogen, wo sie heute ihr Waldfest frier». Die Delegirten T u r a t i und Enrico F e r r i werden ihnen draußen die Festreden halten. Ein anderer Berichterstatter schreibt uns: Für den ersten Punkt der Tagesordnung: Sonntagsarbeit wurde sofort eine Kommission erwählt, die eine Resolution auszu- arbeiten hat. Von deutscher Seit« sind in dieselbe gewählt: Bebel, Grillenberger und Kloß. Nach Schluß der Konferenz traten die verschiedene» Nationalitäten zusammen, um diejenigen Mitglieder zu bestimmen, die ver- p f i ch t e t sind, den Sektionssitzungen beizuwohnen. Von deutscher Seite wurden gewählt: Molkenbuhr und Brinkmann für„Arbeit der Kinder und jungen Leute"; Frau Zetkin und Segitz für„Arbeit der Frauen"; Vellmar nnd Grillenberger für„Arbeit erwachsener Männer"; Segitz und Quarck für„Mittel und Wege zur Ver- wtrklichnng des Arbeiterschutzes"; Bebel und Quarck für„Jntcr- nationales und für Arbeilerschutz". Jeder Delegirte hat aber das Recht, an den Berathungen der Sektionen theilzunehmen. Die Franzosen sind heute noch sehr schwach; die Belgier haben sich auf der Fahrt verspätet und kommen erst Abends an. Heute Nachmittag um 4 Uhr halten auch die Katholiken eine Konferenz, und zwar in dem Vereinslokal der katholischen Gesellen- vereine. So weit eS sich jetzt überblicken läßt, scheint in n»L sonst gegnerischen Kreisen eine dem Gelingen deS Kongresses günstige Stimmung zu herrschen. � � Zürich, 23. August.(W. T. B.) Die erste Sitzung des internationalen Arbeiterschutz-Kongresscs ist heute Vormittag in dem großen Saale der neuen Tonhalle eröffnet worden. Es waren 300 Delegirte und ew zahlreiches Publikum anwesend. Der Präsident des schweizerischen Vorstandes, Heinrich Scherrer, hielt die Eröffnungs- rede. Zum Prästdenten wurde Heinrich Scherrer-Sl. Gallen gewählt, zu Vizepräsidenten die Nationalräthe DecurtinS und Sourbeck, zun» Generalsekretär Areulich-Zürich. Zürich. 23. August.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Scherrer, der Borsitzende de? schweizerischen Organisationskomitee?, eröffnet den Kongreß bei Anwesenheit von 300 Zheilnehmern,»ifftr denen sich die offiziellen Vertreter der schweizerischen Regierung, der Arbeitsämter Belgiens und Frankreichs befinden. Die Sozial-; demokraten haben die knappe Majorität auf dem Kongresse. Vor l der Tagesordnung beantragte Viktor Adler, einer der Vertreter der österreichischen Sozialdemokratie, daß der Kongreß den im Kampf um den Achtstundentag ringenden englischen Maschinenbauern alS den beste»| Vorkämpfer für den Arbeiterschutz seine volle Sympathie für ihre gegenwärtig« Bewegung ausspreche. Gegen zwei klerikal« Stimmen wurde der Antrag angenommen. Der Professor der Theologie an der katholischen Universität Freiburg in der Schweiz, Dr. Beck, hielt hierauf ein entschiedenes Referat zu gunsten der Sonntagsruhe. Hierauf beantragte Pernerstorfer eine schärfere Aeußerung der Resolution, welchem Wunsche der Referent Beck entgegennahm, wo- raus die Resolution in der n«uen Fassung fast einstimmige Annahme fand. An der Diskusston hatten flch sonst noch bethetltgt der ehemalige Deulschkonservative Dr. Rudolf Meyer, der Freund von RodberluS und Wagener, dann der frühere nationalliberale Reichstags- Abgeordnete und! jetzt für den National-Sozialen neigende brauufchweigifche Landes- gerichtSrath K u l e in a n n und einer der Vertreter der englsschen sozialdemokratischen Fcderation Queich. Am Nachmittage ver- die Kommission für den Schutz der Kinderarbeit.— Clus der Brandenburger Parteikonferenz wird, wie die „Brandenburger Zeitung" Hinte mitzuiheilen weiß, neben Genossen L e d e b o u r noch«in anderer Genosse über die Frage der Be- theiligung der Partei an den Landtagsivahlen sprechen. Wer das Korreferat übernehmen wird, sei noch nicht beftimmt; ei schweben darüber Verhandlungen. Ter deutsche Arbeiterverein„BorwitrtS" in Kopenhagen macht hierdurch den reisende» Parteigenossen bekannt, daß sich sein Vereins- und Berkehrslokal vom 1. September an Kompagnieftraede Nr. 21 im Restaurant Christensen befindet. Der deutsche Arbeiterverein„Vorwärts" ist der einzige deutsche Verein in Kopenhagen, der sozialdemokratische Tendenzen verfolgt. teden Sonnabend 3 Uhr ist im genannten Lokal Versammlung. er„Vorwärts".„Wahre Jacob" die„Buchbinder"«,„Steinsetzer"- und„Steindruaer-Zeitnng" liegen daselbst auf; ferner steht ein«, die neneste» Werke der modernen Arbeiterliteratur enthaltende reich- haliige Bibliothek zur Veriügung. Gäste sind willkommen. Zn- gereisten Parteigenossen wird mit Rath zur Seite gestanden. Ferner wird Auskunft über Arbeitsverhältnisse erlheilt. Alle Anfragen»rnd Sendungen sind an de» 1. Vorsitzenden Paul Benther, Gothers- gade 47, 1. Saal, zn richten. Diejenigen ZentralvorständederGe werkschafte», die uns ihr Fachblatt noch nickt zum Auslegen im Verkehrslokal zu- gesandt haben, ersuchen wir dringend, dies zu thnn. Es ist für die! betreffenden Gewerklchaslen doch gewiß nur von Nutzen, wenn die biestgen Kollegen stets von den Vorgängen daheim in Deutschland unlerrichlet werden, z. B. bei Streiks. Dem Berein ist es nicht möglich, ans alle Fachblätler zu abonniren. Die Zeitungen find nicht mehr nach dem Cafö Boulanger, soudern an die ob« be- zeichnete Adresse zu senden. Der Vorstand. Polizeiliches, Gerichtliche»:c. — Zwei Parteigenossen aus Harburg verbreiteten elneS Sonntags in T o st e d t lozialistische Schriften, natürlich nicht an öffentlichen Orten und auch nicht während der Kirchzeit. Dennoch wurde» die Personalien der Genossen von der Polizei notirt und die Schriften konfiszirt. Beide Genossen erhielten ei» Strafmandal über 3 M. ans grund der hannönerschen Sabbathordnung Das Schöffen- aericht in Tostedt hob die Strafe ans und erkannte aus kostenlose Freisprechung. Die Slalsanwailschaft legte Berufung beim Land- gericht in Stade ein, weil durch die Schrifteiiverbreitung mehrere Einwohner„belästigt" worden seien. Die geladenen Belastungszeugen hatten jedoch unsere beiden Genossen gar nicht gesehen, sondern nur> bei einer anderen Gelegenheit und von anderen Personen Kalender bekommen, ohne sich dadurch„belästigt" gefühlt zn haben. Das Landgericht erkannte auf kostenlose Freisprechung. — In F r e i s i» g in Oberbayern wollte ReichstagS-Abgeordneter Birk aus München in einer Versammlung, die mangels ejnes große» Lokals in einem GastwirthschastS-Garteu unter freiem Himmel tagen sollt«, über das Thema sprechen:„Die allgemeine lvirthschastliche> Entwicklung und die dadurch«ntstehendeu Verhältnisse". Die Ver- sammlung wurde jedoch vom Magistrat verboten, weil ihre Ab- haliung die öffentliche Ordnung und Sicherheit gefährde und weil wegen der Art des Lokals es sehr schwer sei, Frauen, Kinder nnd Minderjährige vom Besuche der Versammlung abzuhalten. Der>ie»fiihrige französische Kergarveiter- Kongreß tagte in Earmaux vom 17. bis 21. Augnst. ES waren vertreten� die Reviere PaS de Calais. Nord, Loire, Aveyron, Tarn, Allier.i Jsöre nnd Gard. Die Abstimmung erfolgte wie auf deninteruationalen Bergarbeiter-Kougressen,»ach der Zahl der von jedem Delegirten vertretenen Arbeiter. Es wurden folgende Beschlüsse gefaßt: Achtstundenarbeit über und unler Tage, i» letzterem Falle vom Zeilpunkt des Älbstiegei bis zum Zeiipmikt deS Aufstieges gerechnet.— Die Haftpflicht der Unternehmer für Unfälle soll in allen Fällen gelten nnd die lebenslängliche Entschädigung s,'3 des Lohnes bei gänzlicher Arbeilsunsähigkcit und>/» bei theilweiser Arbeitsunfähigkeit betragen, ohne dabei je uuler 600 Franks (480 Mark) jährlich sinken zu dürfen.— Für die staatlich besoldeten und von den Arbeitern gewähtlen Bergarbeiler-Delegirte», die mit der Sicherheitsinspektion betraut sind, wurde die Belheitigung an de» Hilfs- und Altersversorgungslassen gefordert. Ferner sollen die Uniernehmer a» die A l t e r s t a s s e n 6 pEt.(4 pCt. für den Mann und 2 pCt. für die Frau) und an die H t l f§ k a s s e n 4 pEt. zahlen. Schließlich soll der von de» Arbeitern gewählte Berwaltungs- anSschnß für die Kassen berechtigt sein, die von Unternehmern vor- gelegten Rechnungen zu konlrolliren, und sollen die Unregel- Mäßigkeiten in der Auszahlung der Hilfsgelder gesetzlich straf-, bar sein. Dabei hätten die Vertreter der Gewerkschaft daS Recht, alle zn ihrer Kenntuiß gelangten Verletzungen der Kassenstatnten zu denünziren. Di« Regierung wurde aiifgefordert, erstens für dl« strenge Durchführung des Unfallgesetzes zu sorgen, da die Kompagnie- Aerzte vielfach die Bedeutung und die Folgen der Ber- letznngen absichtlich abschwächen, und zweitens eine» Gesetzentwurf, betr. Einführung von G e iv e r b e g e r i ch t e n in der Berg- iverksindnstrie, schleunigst einzubringen. Das aktive und passive Wahlrecht wäre dabei den Angestellten, d. h. den Agenten der Kom- pagnie vorzuenthalten. Der Beschluß, betr. Nation alifation derBergwer k« wurde damit begründet, daß die profitsüchtigen Unternehmer niedrige Löhne zahlen nnd mitunter, wenn die Dividende nicht hoch genug ist, die Bergwerke ganz schließe». Die Deputirtenkammer wurde aufgefordert, schleunigst die vom Bergarbeiter-Abgeordneten Basly eingebrachte Vorlage über Be-. strafung der Verletzungen des K o a l t t i o n s r e ch t s zu votiren. Aus BaSly's Vorschlag erklärte sich der Kongreß für die Er« höhnng des Kohle nzolls zwecks Beseitigung der Konkurrenz der ausländischen(namentlich englischen) Kohle. Der Ertrag des Zolles wäre, wie der bezügliche Gesetzentwurf Basly's bestimmt, den AlterSversorgungskaffen der Bergarbeiter zuzuwenden. Der Eitz des Vorstandes der Bergarbeiter-Föderation wurde von LenS(PaZ-de-EalaiS) nach Earmaux verlegt und zum Generalsekretär der gemaßregelte ehemalige sozialistische Bürger Meister von Carniaux, C a I v i g n a c, gewählt. Der nächste Kongreß wird in St. Etienne tagen.— GemerlijÄzAfiliiszes. Berlin nnd ll»igcb»»g. Der Streik bei der Firma R ö s s e m a n n u. K ü h n e in a n n ist heute beendet. Folgende Forderungen sind von der Firma beivilligt: 1. Was bisher mit 3,60 M. bezahlt wurde, wird in Zukunft ebenso bezahlt. 2. Was bisher mit 3,90 M. bezahlt wurde, wird in Zukunft mit 4 M. bezahlt. 3. Minimalpreis für Piano platten auf Haud beträgt 2 M. 4. Preis für Pianoplatten au Maschine bleibt wie bisher. 5. Aus Nilthrollen, Schraubgabeln und Wangen wird ein Lohnaufschlag von 15 pCt. gewährt. 6. Die Sätze für Lohn- und Akkordkernmacher bleiben wie bisher. 7. Kern eisen werden nicht bezahlt, Scheere» werde» geliefert oder bezahlt nach vorhergegangener Vereinbarung. 8. Nach der vierten Woche wird eine Krankennnterstützung aus der Strafgelderkasse gezahlt: s.) Wenn der Kranke Ve Jahr bei der Firma gearbeitet hat; d) wenn die Kommisston einstinimig für die Unterstützung ist; c) wenn seitens der Firma kein Widerspruch erhoben wird. 9. Akkordarbeiter werden eine Stunde vor den Lohnarbeitern gelöhnt, also um 5 bezw. 6 Uhr An die Maurer Berlins und Umgegend! Kollegen. Zum zweiten Mal sind die Kollegen auf der Gasanstalt Fichtestraße gezwungen gewesen, die Arbeit niederzulegen, da ihnen der Stunden- lohn von 60 Pf., welcher ihnen im Streik bewilligt wurde, seit langem nicht mehr gezahlt wird. Die Arbeit führt die Firma Lauenburg ans. Arbeitgeber ist der Magistrat der Stadt Berlin, Um hierzu Stellrmg zu nehmen, findet am Mittwoch Abend in Sanssouci eine große Versammlung statt. Hierzu werden sämmtliche Stadlverordnete geladen werden. Außerdem stehen noch andere wichtige Punkte zur Berathung. Darum ist reger Besuch erforderlich Die L o h n k o m m i s s i o n. Bo» der Innung: Bund der Bau-, Maurer- nnd Zimmer meister zn Berlin, Kochstr. 3, werden wir mit einem Anschreiben beehrt, in welchem sie uns mittheilt, daß heute(den 21. August) ein Rundschreiben an die„in betracht komnienden Baugeschäfte" ver fandl wird. Dieses Rundschreiben ist dem Briefe beigelegt zur eventuellen Verwendung in unserem Blatt.„Das vorliegende Zirkular— so heißt es wörtlich weiter— ist ebenso wenig„ge heim", wie das vom 20. Juli a. c.; die Kommission für den Ar beitSn achweis hat eben in dieser Sache durchaus keine Ge heimnisse." DaS„geheime", nach der Innung nicht geheime Zirkular vom 20. Juli haben wir seinerzeit im Wortlaut abgedruckt. Es enthielt dieselben Redensarten von dem guten Zweck des Nachweises, der „im Interesse der Allgenieinheit" errichtet worden sei. In der gleichen Art wurde auch damals gegen die„hetzerischen Agitatoren" gezetert, die in die„persönliche Willensfreiheit arbeitsuchender Gesellen" Ein- griffe zu machen versuchen zc. Aus diesem Grunde können wir es uns diesmal schon versagen, den ganzen Reklamezettel für den Jnnnngs Nachweis zum Abruck zu bringen. Verwahrung müssen wir nur dagegen einlegen, als ob die „sozialdemokratische Presse" diese„Wohlfahrtscinrichtuug" unter allen Umständen schmähte, um sie bei den„Arbeitern zu diskretiren. Wir selbst haben nur auf die Angriffe der Innung der Lohn- kommisston Raum gegeben zu ihrer Vertheidigung. Diese aber hat in der unzweideutigsten Weise den Herren von der Innung zu ver- stehen gegeben, daß sie sie durchaus nicht unter allen U m ständen bekämpfen will. In den Versammlungen der Maurer sowohl als auch der Zimmerer ist nur das berechtigte Verlangen zum Ausdruck gebracht worden, daß die Arbeiter zur Verwaltung des Arbeitsnachweises mit heran gezogen werden sollen. Wollen also die Meister, daß ihrem Institut von seilen der Arbeiter mehr Vertrauen entgegen gebracht werde, dann mögen sie nach dieser Richtung hin Reformen herbeiführen. Einstweilen scheint die Innung wohl selbst wenig Freude an ihrem Nachweis zu haben, sonst wäre das ewige Mahne» an die Arbeitgeber, ihn fleißig zu benützen, doch nicht nölhig. Achtung, Korbmacher! In der Korbwaaren- Fabrik von E. Schlesinger, Neue Jakobstraße 6(Prinzenstraße 71) habe» sämmt liche Korbmacher wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist fernzuhalten. Achtung, Bau- und Erdarbeiter! Die Verkehrslokale sind folgende: Für den Osten: Wilhelm Scheider, Gubenerplatz 1; für den Südosten: Schütz, Wrangelstraße- und Görlitzerufer-Ecke; für den Norden: Wilke, Liebenwalderstraße 43. Verband aller im Handels- und TranSportgcwcrbe bc- schäftiate» Arbeiter. Um Jrrthttmer zu vermeiden, lheileu wir den Kollegen mit, daß die für heute angezeigte Versammlung nicht von unS einberufen worden ist. Unsere nächste Versammlung, in der voraussichtlich Reichstags- Abgeordneter Zubeil sprechen wird, findet am Dienstag, den 7. September, in den Arminhallen statt. Der Vorstand. Deutsches Reich. An die Kessel- und SchiffSschmiedc Deutschlands! Seit 2. August befinden sich die K e s s e l- nnd S ch i f f s s ch in i« d e auf der K o ck n m' s ch e n Schiffswerft und dem damit ver- bundenen Eisenwerke in M a l m ö in Schweden, an Zahl ISO Mann, im Streik, weil die Direktion die verlaugte» Lohnerhöhungen nicht bewilligen will. Die Kockum'sche Aktien- gesellschaft, bekannt wegen ihrer niedrigen Arbeitslöhne, hat schon verschiedene für Zuckerfabriken bestimmte halbfertige Arbeiten nach Deutschland geschickt, um sie dort serligmnchen zn lassen. Es wird erwartet, daß die deutschen Kollegen,' wenn sie davon Renntniß erlangen, daß sie Arbeiten für Malmö verrichten sollen, gegen die schwedischen Fachgenossen Solidarität üben werden, obwohl es wahr- scheinlich heißen wird, daß die Bestellungen direkt von den Zucker- sabriken aufgegeben wären. Näheres bei M. P. N o r s n, Södra Förstadsgatan 100 in Malmö, Schweden. Ter Streik der Hafenarbeiter nnd Seeleute in Hamburg. Darstellung der Ursachen und des Verlaufs des Streiks, sowie der Arbeits- und Lohnverhältnisis der im Hafenverkehr beschäftigten Arbeiter. Von C. L e g i e n. Mit einer Karle des Hamburger Hafens. Verlag der Generalkommission der Gewerkschaften Deutsch- lauds.(C. Legten, Hamburg 6.) Preis 30 Pf.— Von dieser Schrift ist die erste Auflage, die in Höhe von 10 000 Exemplaren er- schien, bereits vollständig abgesetzt nnd nun eine zweite Auflage herausgegeben worden. die um 1 Bogen stärker ist als die erste. In der Eisenachcr Fahrzengfabrik sind Differenzen aus- gebrochen. Bis zur Regelung derselben wird um Vermeidung des Zuzugs gebeten. Neber den Stand deS MaurcrstreikS in Leipzig theilte der Leiter desselben, Beyer, in einer Maurerversammluug mit, daß 900 Maurer zu den neuen Bedingungen nnd 600 zu den alten arbeiten, daß 1400 abgereist sind und 670 noch im Streik stehen. Nebe» der strengen Fernhaltung des Zuzugs ist jetzt auch finanzielle Hilfe uöthig. Im„Vorwärts" wurde schon darauf hingewiesen, daß die Maurer Leipzigs immer eine offene Hand hatten, wenn es galt, kämpfende Arbeiter anderer Berufe zu unterstützen. Die deutsche Arbeiterschaft wird daher, deß sind wir sicher, alles was in ihren Kräften steht, thun, um den Maurern Leipzig? den Kamps zu erleichtern. Die verhafteten Mitglieder des Streikkomitees, die Genossen Jacob, Ornth und B e r t h o l d, sind immer noch nicht frei- gelassen. Ein vom Montag, den 23., datirtes Schreiben ans Leipzig theilt mit, daß die Haft der drei Mitglieder des Strcikkvmitec's noch immer nicht ausgehoben ist. Die Jnhaftirung, so heißt es weiter, ist umso auffälliger, als Jacob und Ornth hier verheirathet sind und Berthold schwer krank ist. Daß die Polizei alles andere als die Unterdrückung des Streiks erreicht hat, dürfte daraus hervor- gehen, daß die Gesammtarbeitcrschaft sich jetzt der Maurerbewegung annimmt und wahrscheinlich der Streik zu einer Machtfrage ausi geworfen werden wird. In Miinchcu hat die S ch n h m a ch e r> I n n u n g einen Lohnlarif aufgestellt, der für die Gehilfen eine Verschlechterung der durch den Streik errungenen besseren Verhältniffe bedeutet. Die Ge Hilfen lehnten den Tarif daher ab und sollen nun durch Entlassung aus der Arbeit mürbe gemacht werden. Bis jetzt sind, wie die „Münchener Post" mittheilt, von 4 Meistern 41 Gehilfen ausgesperrt. Die auswärtigen Schuhmacher werden deshalb um strenges Vev meiden des Zuzugs ersucht. Ausland. lSOOv Maurer und Tagelöhner in Budapest beschlossen am letzten Sonntags, in den Ausstand einzutreten, da ihre Forde- rungen nicht bewilligt sind. Von der Zlchtstnndenbewegnng der englischen Maschinen- baner. In dem Schiffsbauhof von Elswick bei Newcastle wurden am Sonnabend Nachmittag 700 Maschinisten, Zimmerleute nnd andere Arbeiter beschäftigungslos, weil das Geschäft wegen der Lohn streitigkeiten im Maschinenbauwesen sehr still ist. Der englische ArbeitSmarkt hat nach den Meldungen, die das Arbeitsamt(Labour Departement) in der„Labour Gazette" ver-, öffentlicht, im Monat Juli den gleichen guten Stand aufzuweisen gehabt, wie im vorhergehenden und ist als noch besser zu bezeichnen, als im gleichen Monat des Vorjahre?. Dabei ist allerdings der gegenwärtige Kampf im Maschinengewerbe unberücksichtigt geblieben, und die nachstehenden Zahlen, soweit sie sich auf die Arbeitslosen beziehen, schließen die durch denselben in Mitleidenschaft gezogenen Arbeiter aus. Die Zahl der Arbeitslosen betrug bei den 113 Gewerk- schaften, welche für den Monat Juli Berichte an das Arbeitsamt einsandten, und die über eine Mitgliederzahl von 465 S61 verfügen, 12 371 oder 2,7 pCt. gegen 3,1 pCt. im Juli 1896. Für diese Periode hatten 109 Gewerkschaften mit 427 441 Mitgliedern sich an den Erhebungen betheiligt; im Juni 1897 war der gleiche Prozentsatz der Gewerkschafter als arbeitslos gemeldet. Neue Konflikt« zwischen Kapital und Arbeit wurden ge meldet 65, bei denen 46 539 Arbeiter betheiligt waren, gegen 66 Konflikte mit 15 871 im Juni und 85 mit 19 000 im Juli 1893. 16 Konflikte betrafen das Baugewerbe, 12 die Bergbau- und Stein- bruchindustrie, 9 die Maschinen-tund SchiffSbau-Jndustrie, 4 andere Metallbranchen, 4 die Textil-, 3 die Bekleidungsindustrie, 4 das Transport- und 13 verschiedene andere Gewerbe. Von den 79 alte» und neuen Konflikten mit 12 380 Arbeitern, welche im Monat Juli als beigelegt gemeldet wurden, endeten 35 mit 242S Arbeitern erfolgreich für diese, 19 mit 4829 theilweise erfolg- reich nnd 25 mit 5122 erfolglos. Sln den Veränderungen der Lohnhöhe waren 32 200 betheiligt, die mit Ausnahme von 700 eine Lohnerhöhung erreichten; die durchschnittliche Erhöhung betrug pro Kopf und Woche 1 Schilling. Nur bei 3100 Arbeitern war die Erhöhung des Lohnes durch Streik erzwungen worden; 20 000 hatten sie erreicht unter der gleitenden Lohnskala; der Rest erhielt sie durch Vergleich, Schicds- sprnch u. s. w. Pauperismus. An einem bestimmten Tage der zweiten Woche des Juli erhielten in 35 Gemeindebezirken 315 241 Personen A r m e n- U n t e r st ü tz u n g. DaS macht 201 auf je 10 000 Ein- wohner oder 3 weniger als im Juli des Vorjahre?. Sozwlos. lieber die Zahl nnd die Sterblichkeit der nnehelichen Kinder hat man im Königl. Preußischen Sialistischen Bureau für das Jahrzehnt>881/90 eine Znsammenstellung gemacht, die nament- lich unter dem Gesichtspunkte der Beleuchtung oft el bisch er Zu- stände recht bezeichnend zusein scheint. Bekanntlich sind eS unsere preußischen Junker und Agrarier, die unentwegt die angeblich größere Sittlichkeit der Landbevölkerung im allgemeinen und ihrer oft- elbischen Provinzen im besonderen anpreisen, und die ferner nicht Worte genug des Lobes finden für die angeblich günstige wirlhschaft- liche und gesundheitliche Lage ihrer landwirlhschaftlichen Arbeiter- bevölkerung. Die folgenden Ziffern beweisen von dem allen aber das Irikte Gegcntheil: Die Zah der unehelichen Geburten ist im Sinne der offiziellen Moral der Junker doch gewiß ein Merkmal für die größere oder geringere„Uusittlichkeit". Die Zahl der unehelichen Geburten war aber am größten in den oft elbischen Pro- v i n z e n, allerdings mit Ausnahme von Posen(wo die polnische Bevölkerung stark dominirt. die danach„sittlicher" zu 'ein scheint als die deutsche) und mit Hiiiziirechnung der Provinzen Sachsen und SchleSwig-Holstein, die ebenfalls starke Landwirthschaft haben. Ueber dem Etaalsdurchschnitt standen hinsichtlich der un- ehelichen Geburten: Ostpreußen, Westpreußen, Berlin, Brandenburg, Pommern, Schlesien, Sachsen und Schleswig- Holstein. Und wenn große Kindersterblichkeit ein Symptom ist für ungünstige wirthfchaftliche Verhältnisse, so sind diese wiederum am u n- günstigsten in O st e l b i e n. Die Sterblichkeit sowohl der ehe- lichen wie der unehelichen Kinder stand über dem Staatsdurchschnitt in Ostpreußen, Westpreußen, Berlin, Brandenburg, Posen, Schlesien nnd Sachsen. Unternehmerprofite. Die Industriellen pflegen Lohnforderungen der Arbeiter mit der Begründung abzuweisen, daß die Industrie eine derartig- Belastung nicht tragen könne. Trotzdem werden fortgesetzt recht ansehnliche Gewinne aus der Industrie herausgeschlagen, wie nachstehende Stichproben aus Berichten über die finanziellen Er- gebnisse von Aktiengesellschaften beweisen. Eine im Verhältnib zu anderen Uiiternehmuiigen immer noch bescheidene Höhe erreichten die Dividenden der„Braunkohlen- und Briquetfabriken„Eintracht" Berlin" mit 8Vs pCt, auch die Mechanische Treibriemen- Weberei und Seilfabrik Gustav Kunz, Ä. G." zu Treuen i. V. brachte nur 9 pCt. Dividende zur Ver- theilung. Die Aktionäre der �lensburger Schiffsbau-Gesellschaft" und des„Vulkan, Bremen-Vegesack" konnten schon 10 pCt. einheimsen. Der Gewinn der„Flensbnrger Schiffsbau- Gesellschaft" erscheint um so höher, wenn man erfährt, daß dieselbe im verflossenen Geschäftsjahr 1500 Werftarbeiter aussperrte, weshalb die Arbeil auf dieser Werst über 3 Monate fast gänzlich ruhte. Die Geschäftsleitung erklärte damals, daß sie nicht im stände sei, den ca. 350 am schlechtesten entlohnten Arbeitern den geforderten Stundenlohn von 30 Pf. zu bewilligen, was eine jähr- liche Mehrausgabe von 7—8000 M. erfordert hätte. Der Lohnkampf kostete de» belheiligteu Arbeitern 80000 M. an Unterstützungsgeldern. Die Werft machte den Arbeitern schließ- lich einige Zugeständnisse, die das Ausgabenkonto der Gesellschaft um 3—4000 M. erhöhten. Jetzt hat die„Flensburger Schiffsbau- Gesellschaft" an Dividende 314 153 M. verlheilt. Rechnet man hiervon die Summe ab, die zur Erhöhung der niedrigsten Stunden- löhne auf 30 Pf. erforderlich war. so stellt sich heraus, daß die lOprozentige Dividende noch nicht um V-pEt. ver- mindert worden wäre. Also wegen dieser geringfügigen Schmälerung des Profits läßt man es auf einen inonatelaugen Kampf mit den Arbeitern ankommen!— Ein ebenso gewinn- bringendes Unternehmen ist die„Kattowitzer Aktiengesellschaft für Bergbau und Eisenhüttenbetrieb", die ihren Aktionären eine Divi- dende von 10 pCt. in Aussicht stellt. Die„Sächsische Glas- fabrik" zu Radeberg, die„Deutsche Jutespinnerei und Weberei" zu Meißen, die„Hannoversche Zentralheizuugs- und Apparate- Bau- Anstalt, Hannover- Hainholz", und der „Kölner Bergwerksverein" erzielten 12 pCt. Dividende. Für den „Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation" wird die Dividende auf 10 pCt. und für die„Wissener Bergwerks- und Hüttengesellschast" auf 12 pCt. geschätzt; letztere Gesellschaft reservirt außerdem einen beträchtlichen Theil ihres Gewinnes zu einer neuen Tiefbau-Anlage. Die„Dresdner Gardinen- und Spitzen- Manufaktur A.-G." erzielte einen Reingewinn von 211493 M., wovon 126 000 M. als 14prozentigs Dividende zur Bertheilung kommen. Recht gute Geschäfte hat auch die„Mechanische Zwirnerei Heilbronn vorm. C. Ackermann" gemacht, die bei einem Reingewinn von 478 963 M. den Aktionären eine Dividende von 15 pCt. geben konnte, während die Aktionäre der„Frankfurter Transport-, Unfall- und Glasversicherungs-A.-G. Frankfurt a. M." und der„Corona Fahr- radfabrik" zu Brandenburg a. H. sogar 16 pCt. einstecken werden. Den Bergarbeitern im Zeitz-Weißen felser Revier wurde bekanntlich, als sie kürzlich eine geringe Lohnaufbesserung verlangten, von den Grubenverwalliingeii erklärt, daß eine Lohnerhöhung mit Rücksicht auf die Geschäftslage unmöglich sei Diese „Unmöglichkeit" wird durch folgende Beispiele treffend illustrirt: An demselben Tage, wo die Erhöhung der Bergarbeiter- Löhne ab- gelehnt wurde, beschloß die Geueralversammlung der Wreschen- Weißenfelser Braunkohlen„A.-G." die Vertheilung von 18 pCt. Dividende außer reichlichen Abschreibungen. Die„Friedensgrube" bei Meuselwitz zahlt 40 M. und die A-G.„Glück auf" zu Kriebitsch 75 M. Dividende per Aktie, das sind 25 pCt. Ein sehr gewinn- bringendes Geschäft ist auch die„Sangerhauscr Aktieu-Maschinen- fabrik und Eisengießerei", denn sie konnte ihre Aktionäre mit der fetten Dividende von 22>/, pCt. erfreuen. Am ergiebigsten aber gestaltet sich im Zeitalter des Militarismus die Herstellung von Kanonen, Flinten nnd sonstigen Mordwerkzeugen. Die Verwaltung der„Deutschen Gußstahlfabrik" hatte eine Dividende von 25 pCt. vorgeschlagen, die Geueralversammlung beschloß aber, 30 pCt. zu vertheilen. Die„Waffenfabrik Mauser in Oberndorf" erzielte bei einem Koinmanditkapital von 2 Millionen Mark einen Reingewinn von 1 727 043 M., also 86 pCt. So wandelt sich der harte Druck, den der Militarismus auf die Steuerzahler ausübt, zum reichen Segen für wenige Aktionäre. Die„Maxhütte", ein großes Eisenwerk in der Oberpfalz, konnte ihre Aktionäre mit der horrenden Dividende von 35 pCt. beglücken.> Einen recht ansehnlichen Gewinn, nämlich 18 pCt., warf die „Sächsische Gußstahlfabrik" ab. Die„Aktien-Malzfabrik" zu Sauger- hausen zahlte nach reichlichen Abschreibungen 15 pCt., die„Rositzer Braunkohlenwerke" 12 pCt. und die„Montangesellschaft Lothringen« Saar" 10 pCt. Dividende._ Sozwse Mechkspftvge. Wegen Nichtbeachtung der gesetzlichen Kündigungsfrist i war die Näherin R. von ihrer früheren Arbeitgeberin vor das Gewerbegericht zitirt worden. Die Klägerin, Modistin Krai, be- anspruchte gemäß Z 124b der Gewerbe-Ordnung eine Entschädigung in Höhe des ortsüblichen Tagelohnes für eine Woche. Fräulein R. rechtfertigte die plötzliche Aufgabe der Arbeit damit, daß ihr die Klägerin am Montage heftig« Vorwürfe gemacht habe, weil sie Sonntags nicht zur Arbeit gekommen sei. Beleidigende Ausdrücke sind dabei nicht gefallen. Der Gerichts- hos verurtheilte die beklagte Näherin, an die Klägerin 9 M. zu zahlen. Sie hätte die gesetzliche Frist inne halten müssen, da über die Lösung des Arbeilsverhältniss-s nichts vereinbart sei und da in den Vorwürsen ihrer ehemaligen Arbeitgeberin ein Grund zum, sofortigen Verlassen der Arbeit nicht liege. VezreMeir und letzke Auchvichiken. Eisenach, 23. August.(W. T. B) Gestern Vormittags 9 Uhr begann die Hanptversammlnng des deutschen Privatbeamten-Bereins, zn welcher 119 Delegirte für ungefähr 11000 Mitglieder erschienen waren. Der über die beiden Jahre vorgelegte Geschäftsbericht weist ein Wachsthum des Vereins und seiner Versorgungskasse auf. TreSd-n, 23. August.(W. T. B.) Amtlich wird gemeldet: Vom 22. d.M. ist auf der Linie Pirna— Berggieshübel derGesammt- verkehr wider aufgenommen worden. Vom 25. d. M. ab wird aus der Linie Hainsbera— Kipsdorf zwischen Hainsberg und Rabenau der Personen- und Güterverkehr wieder aufgenommen. München, 23. August.(W. T. B.) Wie über den Eisenbahn- Unfall bei Freilassing amtlich bekannt gegeben wird, ist nach den vorläufigen Erhebungen der Lokomotivführer des Münchener Schnell- zuges beschuldigt, zu schnell und zu unvorsichtig in die Station Freilassing eingefahren zu sein, auch die Zugbremse nicht vorschrifts- mäßig bedient zu haben. Von den Schwerverletzten sind Direktions« adjuukt Bcyll aus Wien und seine Gattin gestorben. Außer diesen beiden beträgt die Zahl der schwerverletzten Reisenden noch vier, die der leichtverletzten fünf. Ferner wurden vom Zugpersonal zwei Kondukteure verletzt. Budaprst, 23. August.(B. H.) Heute sind 15 000 Maurer sammt den Hilfsarbeitern in den Ausstand eingetreten. Man be- bauptet, daß der Streik im geheimen von den Ziegelwerksbesiyern unterstützt wird, da die letzteren wegen des jetzt beendeten Ziegel- arbeiter-Ausstandes ihre Lieferuiigsfristen nicht einhalten können und deshalb große Konventionalstrafen zu gewärtigen haben. Budapest, 23. August.(W. T. B.) Tie Zahl der ausständigen Maurer nnd Tagelöhner mag sich auf etwa 20 000 belaufen. Heute kam es zwischen den Streikenden und der Polizei zu mehrfachen blutigen Zusammenstößen. Zahlreiche Personen wurden verhastet. Bern, 23. August.(B. H.) Auf der Berninastraße in Gran- bünden scheuten die Pferde eines Wagens und gingen durch. Die Insassen wurden herausgeschleudert, wobei die Gräfin Hoyas aus Wien schwere Verletzungen am Hinterkopfe erlitt. Bern, 23. August.(B. H.) Im hinteren Feythale(Grau- bänden) ist ein Tourist, Naineus Greitz, der mit seinem 22jährigen Sohn Edelweiß suchte, abgestürzt und ladt liegen geblieben. Storlicn, 23. August.(W. T. B.) Gegenüber einem Ver- treter des schwedischen Blattes„Oestersundsposten" theilte der Chef der aus dem Dampfer„Expreß" besindlichen Expedition Dr. Lerner's, Meisenbach, mit, daß der„Expreß" nach den Aiiweisniigeii A n d r e e' s das Depot Nord'en-kiölds in der Mofselbay(Spitzbergen) infpizirt und in Ordnung be- funden habe. Später wurde ein Proviantdepot auf der llloßiusel, der nördlichsten Insel der„Sieben Inseln", eingerichtet. Während der ganzen Reise des Dampfers„Expreß" herischten westliche Winde. ebenso in den nächsten Tagen nach dem Aussteigen Andree's; Meisenbach nahm deshalb an. Andre« sei in Sibirien niedergegangen. Konstantinopel, 22. August.(W. T. B.) Es verlaute!, daß infolge eines Geständnisses der Bombenwerfer die Haiiptinitglieder der Koiistantinopelcr Gruppe des armenischen Komitecs in ihren Versammlungen verhaftet und viele Schriftstücke beschlagnahmt seien. Die Hinrichtung der fünf Ucbelthäter soll dieser Tage erfolgen. Die Vorbereitung der Anschläge soll in Varna erfolgt sein; die Pforte hat deshalb Schritte in Sofia imternommeii. Verantwortlicher NedaNcnr: Anglist Jaeobey in Berlin. Für den Jiiseratcntheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage u llnterhaltnngoblatt. gr. 196. i4. mm. Ktilllge des Dmiilts" DeMer Mlksdlatt. � 21« 1897 �üv die Gpkee dev �ortzwÄ�ev-' Vstkalteoptzen sind ims ferner die folgenden Beiträge zugegangen: Ges. in der Maschinenban-Ablheilung v. C. Schöning. User- siraße 12/13 durch Stoof 12.35. Lübbener Schweizer am Stamm- tisch bei O. Schneider 2,35. Staatssekretär I,—. Gesannnelt bei der Firma Ehestädt n. Robert 5,45. Personal der Buchdrnckerei Liebheit n. Thiesen 7,05. Von einer amerikanischen Auklion bei 51a»Isch 1,50. Rothe Kaffeegesellschaft Treptow— ,80. Schlosserei von O. Nachtigall 8,—. Schöneberger Lauben vis-ä-vis Drnckenmüller 2,50. Malerwerkstatt F. Baars, zur Geburtstagsfeier bei Brand, Uhlandstraße, Wilmersdorf 14.—. Gesellenfeier Buch« druckerci Unger 5.—. Von den Arbeitern der Buchbinderei von Huriin 4,75. Summa 04,75. Bereits quittirt 2386,94. Gesammtsnmme 2451,09. Weitere Beiträge nimmt unsere Expedition entgegen. Div neue DAnpolizei-Vevovdnung füv Vevlm. i. Eine neue Baupolizei-Verordnung für Berlin ist unter dem 15. August d. I. mit Giltigkeit vom 20. August d. I. erlassen worden. Wie die Einleitungsformel der Verordnung sagt, geschieht der Erlaß, trotzdem der Magistrat von Berlin seine Zustimmung versagt hat. Diese Zustimmung ist durch Beschluß des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg und der Stadt Berlin unterm 9. August ergänzt worden. Die Baupolizei-Verordnung gilt für den Stadtkreis Berlin. Es tritt hiermit die bisher geltende Baupolizei-Verordnung vom 15. Januar 1887 außer kraft. Durch wenige andere Polizeimaßnahmen werden so viele und so einflußreiche Interessen derührt und theilweise verletzt, wie durch eine Baupolizei-Verordnung für eine große Stadt. Auf der einen Seile stehen die Interessen der städtischen Grundbesitzer und unter ihnen nicht zum wenigsten der Spekulanten und Spekulation� gesellschakten, die das noch nicht bebnuie Land in der nächsten Umgegend des Ortes seit lange in ihre Hand gebracht haben, um daran möglich viel Geld zu verdienen. Sie wollen in der Bebauung ihres„Eigenthums" möglichst wenig beschränkt sein, es möglichst hoch verwerthen können. Sie empfinden jeden Eingriff der Behörde in die fchrankenlose Bebauungssreihcit als einen Eingriff in ihr Eigenthumsrccht und befürchten davon eine Schmälerung ihres Verdienstes. Sie erheben also, weil ihr Profit bedroht erscheint, sofort ein großes Geschrei und bieten ihren ganzen nicht unbedeutenden Einfluß auf, um den Eingriff der Behörden ganz zu verhindern oder ihn mindestens auf das kleinste Maß zu beschränken. Der Einfluß dieser Kreise auf die städtisch« Verwaltung ist um so größer, als nach unserer Städte- Ordnung den Grund- b e s i tz e r n ein unverhältnißmäßig großer Einfluß in der Stadt- verordneten-Versammlung gestattet ist. Aber auch über diese Kreise hinauf, weit höher hinauf reicht der Einfluß. Er wird unterstützt durch die Kurzsichtigkeil der Bauunternehmer, besonders natürlich der Jnnungsmitglieder der Banhandwerke, die, wenn auch ohne stichhaltigen Grund, von jeder Beschränkung der Bebauungsfreiheit einen Rückgang der Bauthätigkeit befürchten. Dazu kommt, daß auch die städtische Verwaltung ein Interesse daran hat, die Baubeschränknng in gewissen Grenzen zu hallen. Die gute Erhaltung der Straßen und Plätze, der öffentlichen Gebäude, soweit sie der Stadt gehören, die genügende Ausbildung der dieGe fundheit der Bürger schützenden Anlagen und Einrichtungen und alle städtischen Wohlfahrts- Einrichtungen lassen sich nur in ge nügender Art herstellen, erhalten und ergänzen, wenn die Last von einer genügenden Anzahl Bürger getragen wird. die zu dem Umfange der Stadt in einem guten Ver> hältniß steht. Viele dieser Lasten wachsen mit der räum lichen Ausdehnung des Ortes. Einschränkungen der Bebauungs- fähigkeit der Grundstücke, die die Dichtigkeit der Bevölkerung der Stadt erheblich vermindern würden, könnten also zur Steuerüberlastnng oder zur Vernachlässigung und Verwahrlosung der fürs öffentliche Wohl und die Gesundheit nothwendigen Anlagen führen. Diesen Interessen stehen die Gefahre» gegenüber, die auS dem zu engen Zusammenwohnen in ungesunden, schlecht gelüfteten, ungenügenden Raum gewährenden Wohnungen besonders für die ärmere Bcvölkernng sich ergeben. Bewirken die schlechten Wohnungs Verhältnisse dann Entsittlichung, Krankheiten und andere Nolhstände, so wird die ganze Gemeinschaft der Bürger schwer bedroht. ES ist also ohne Zweifel ein großes öffentliches Interesse vorhanden, daß die bei uns dafür verantwortliche Polizeibehörde rechtzeitig durch Baupolizei» Verordnungen einschreitet. Es ist aber auch ganz klar, daß sie dabei jedesmal einem heftige» Kampf, einem zähen Widerstand begegnen wird, vor dem weniger energische Naturen wohl zurückschrecken könnten. Man ist früher wirklich von feiten der Polizeibehörde diesem doch zuletzt unvermeidliche» Kampfe viel zu lange ausgewichen. Bis zum Erlaß der Bau-Ordnung von Berlin im Jahre 1837 bestanden für Berlin, abgesehen von einigen feuerpolizeilichen Baw Vorschriften keine anderen Bestimmungen, alS wie für jede kleine Landstadt. Auch als Berlin im Anfange der sechziger Jahre und schon etwas früher seine Glieder zu recken und zu dehnen begann, wie ei» junger Riese, nachdem es das sogenannte Köpnicker Feld mit seinen Bauten und Straßen zu bedecken begann, den Raum innerhalb der alten Stadtmauer ausfüllte und feine Polypen- arme nach allen Himmelsrichtungen über diesen zu enge gewordenen Gürtel hinausschob, wo sich nicht unübersteigliche Hindernisse entgegenstellten, verblieb der Zustand der Bauwillkür in gesund- heitlicher Beziehung unberührt von jedem regelnden Eingriff der Behörden. Fünfundzwanzig Jahre, u spät begann die Polizei- behörde sich ihrer Pflicht zu erinnern, und die unter den in Berlin bestehenden Zuständen sehr langwierigen Verhandlungen zur Her- stellung einer zweckmäßigen Baupolizei-Verordnung wurden eröffnet. Der Widerstand der oben gekennzeichneten Kreise war ein wüthender und die Energie der Behörde nicht genügend vorhanden. Es dauerte also sehr lange, bis endlich die Sache durch alle hier mitwirkenden Instanzen gegangen war, und der Entwurf der Bau- polizei- Verordnung fertig dem Magistrate vorlag. damit er seine Zustimmung gebe. Er fand hier durchaus keine freundliche Aufnahme, die ja auch dem neuen Entwurf nicht geworden ist, aber zuletzt hätte sich, wie diesmal, doch das Zustandekommen der nothwendigen Verordnung nicht verhindern laffen. Da— verschwand der Entwurf mit den ganzen, ihn begleitenden Akten. Er ist. so viel wir wissen, bis heute nicht wieder aufgefunden worden. Die ganzen langweiligen und zeitraubenden Verhandlungen mußten von vorne beginnen. Abermals wurden Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt,»m die Behörden einzuschüchtern und von dem Erlaß der Baupolizei- Verordnung abzuschrecken. Der bekannte „Baumeister" Fetisch drohte im Namen der Bauunternehmer sogar mit einem Generalstreik der Bauunternehmer, man suchte von dieser Seite die Maurer und Zimmerer aufzuhetzen und z» Kundgebungen zu veranlassen, um den unerläßlichen Eingriff der Behörden abzu- wehren. Glücklicherweise ließ sich die Behörde weder durch Bitten, noch durch Drohungen beirren. Die Baupolizei-Verordnung vom 15. Jauuar 1887 wurde veröffentlicht, nachdem auch damals die Znstimung des„Gemeinde-Vorstandes" versagt und durch den Oberpräsidenten verhängt war, ganz wie diesmal. Das Geschrei und das Toben der Grundstücks-Spekulante» ver- stummte allniälig, man begann sich auf die neuen Verhältnisse ein- zurichten. Die Baukrisis für Berlin, die bald darauf eintrat, ließ sich beim besten Willen nicht auf die Baupolizei- Verordnung zurückführen. Die Bau- und Grundstücks- Spekulation erlitt so gut wie gar keinen Schaden. Die schwersten Ucbelstäude in bezug auf ungesunde Wohnungen wurden durch sie wenigstens einiger- maßen beseitigt. Der Grundgedanke der Bauordnung von 1887 war der, daß die Bebauungsfähigkeit der Grundstücke ein- geschränkt wurde. Wenn schon früher in Bezug auf Höhe der Baulichkeiten gewisse Regeln galten, und wen» man auch dafür gesorgt hatte, daß Durchfahrten, Höfe, Brandmauern, Treppen und Zugänge vorhanden sein mußten, so war dabei doch nur die Rücksicht auf das Berliner Feuerlöschwesen maßgebend gewesen Die Baueinschränkungen mit Rücksicht ans die Gesundheitspflege, auf die Eehallung eines genügenden Luftraumes trat erst mit der Baupolizei-Verordnung von 1887 auf Sie bestimmte, daß bisher nicht b e b a u t e'G r u n d st ü ck e bis auf z w e i D r i t t e l, bei Veröffentlichung der Baupolizei- Verordnung b e r e i t s b e b a» t e G r n n d st ü ck e bis auf drei Viertel ihrer Grundfläche bebaut, beziehungsweise wieder bebaut werden dürfen. Den bis dahin schon bebauten Grundstücken war dadurch ein Vorrecht eingeräumt aus Kasten der Gesundheit der Berliner Bevölke- rung. Man konnte mit Grund sagen, wenn es mitten in der eng bebaute» Altstadt mit ihren iheilweise sehr engen Straßen genügt, daß nur ein Viertel des Grundstückes sreibleibt, warum verlangt man denn an den breiteren Straßen der neuen Stadtlheile, daß ein Drittel unbebaut bleibt? Ein Nebclstand blieb, das war die Möglichkeit, die Grundstücke in ihrer ganzen Tiefe von der Straße ab mit Wohnhäusern zu be- bauen. Es entstanden dadurch Grundstücke mit einer ganzen Reihe von Hösen hintereinander, die in sich die ganze Bevölkerung einer kleinen Stadt aufnahmen. Trotz der sreibleibeuden Grundfläche waren hier die früheren gcfundheilsgefährlichen Zustände nicht gebessert. Die Höhe der Gebäude, der Vorderhäuser wie der Seitenflügel und Hinterhäuser, wurde in der Bano>d»u»g von 1837 von der Straßenbrcite abhängig gemacht, was auch einen Forlschritt be- deutete. Die Bestimmung, daß niemals mehr als fünf zu dauerndem Aufenthalt für Menschen bestimmte Geschosse augelegt werden dürfen und daß der Fußboden des obersten Geschosses dieser Art nie mehr als 17,50 Meter über dem Bürgerstcig liegen dürfe, sowie daß be- wohnte Keller höchstens 0,50 tief unter dem Erdboden und nur unter besondere» Umständen, wenn sich an der Frontwand ei» mindestens einen Meter breiter Lichtgraben befindet, ein Meter unter dem Erdboden liegen dürfen, brachte bemerkliche Besserungen für die Kellerwohnungen, und die elenden Mansarden- und Dach- wohunngen als sechstes und siebentes Geschoß verschwänden. Die Bauordnung von 1337 war eine Besserung gegenüber den früheren Zuständen, das war auch durch unsere Presse anerkannt. Wir vereiielten die Wirkung der Hetzereien der Berliner Bauinnung, die die Arbeiter gegen die Bauordnung zu Demonstrationen verleiten wollte. Aber als genügend für die gesnudheitlichen Verhältnisse von Berlin haben wir diese Bauordnung niemals betrachtet. Sie hat zehn Jahre in Wirksamkeit gestanden und daS neue Berlin mit all seinen noch sehr erheblichen liebeln ist unter ihr entstanden. Nun wird sie durch eine neue abgelöst, die einige Fort- schritte bringt, aber auch noch lange nicht dem gesundheitlichen Be- durfniß genügt, die auch noch zurückschreckt davor, dem Kapital ernste Zugeständnisse abzuringen. Wir werden sie, soweit sie neue? bringt, in einem folgenden Artikel prüfen. Dem VevmnltungsvevMto der Jnvaliditäts- und Zlltersversicheruttgs-Anstalt Berlin für das Jahr I8S<» entnehmen wir folgende Angaben von allgemeinem Interesse: Die Zahl der im Jahre 1890 bewilligten Altersrente» betrug 333, die der Invalidenrenten 930. Zusammen sind 1203 Renren im ver- gangenen Jahre zugesprochen worden. Seit dem Bestehen der Ver- sicherungsanstalt(1391) wurden bewilligt 3350 Altersrenten und 3423 Invalidenrenten, zusammen demnach 0773 Renten im Jahres betrage von insgesammt 900 475,40 Mark. Durch Tod oder aus anderen Gründen sind in Summa 82 l Alters- rentner und 1029 Jnvalidenrentner bis Ende 1890 aus- geschieden, sodaß der Altersrentenbestand am Jahresschlüsse sich aus 2529, der Jnvalidenrentenbestand aus 2394 belief. 13 Aklersrentnern ist ivegen Eintritt? der Invalidität im Jahre 1890 die höhere I» validenrente zugebilligt worden. Nach Berufszweigen vertheilen sich die 3350 Altersrenten Empfänger aus folgende Gruppen: Land- und Forstwirthschast 27 Männer, 1 Frau; Industrie: 972 Männer, 182 Frauen; Handel und Verkehr: 222 Männer, 13 Frauen; Lohnarbeiter wechselnder Art: 1010 Männer, 490 Frauen; Staats- und Gemeindcdienst: 93 Männer, 5 Frauen, und Gesindedienst: 85 Männer und 233 Frauen. Von den 3423 Jnvalidenrenten-Empfängern gehörte» an: der Land- und Forstwirthschast 20 Männer und I Frau, der Industrie 1251 Männer und 177 Frauen, Handel und Verkehr 409 Männer, 33 Frauen, Lohnarbeit wechselnder Art 747 Männer und 247 Frauen. Staats- und Gemeiudedienst 102 Männer und 8 Frauen, während im Gesindedienst standen 29 Männer und 393 Frauen. Unter den Jnvalidisirungsursachen kam am häufigsten in be. tracht die Lungentuberkulose mit 24,81 pCt. bei den Männern und 13,21 pCt. bei den Frauen. Es folgten anderweite Lungen erkrankungen mit 12,93 pCt. bei Männern und 0,79 pCt. bei Frauen, alsdann Entkrästung.Blutarmuth, Altersschwäche. Gelenkrheumatismus und Gicht. Für Rechnung der Versicherungsanstalt Berlin sind im ver- floffenen Jahre 278 144,34 M. an Altersrente und 215 733,55 M. an Invalidenrente, zusammen 498 883,39 M. an Renten gezahlt worden. Die Summe der seit dem Jahre 1891 überhaupt von der Berliner Versicherungsanstalt ausgezahlten Renten belief sich auf 1 838 590.09 M. Der Verwaltungsbericht der Jnvaliditäts- und Alters- Versicherungsanstalt Berlin für das Jahr 1890 meldet ferner, daß sich das von der genannten Anstalt in Gütergotz eingerichtete Sanatorium einer wachsenden Beliebtheit in den Kreisen der Berliner Arbeiterschaft erfreut. Die Zahl der Aufnahmegesuche ist im vergangenen Jahre eine höhere und beständigere gewesen als im Jahre 1395.- Das Sanatorium bietet Raum für 03 Patienten. ES werden nur männliche Personen aufgenommen. Ausgeschlossen Ind. außer den weiblichen Personen, ferner Personen, ivelche an ansteckenden Krankkeiten oder an Lungenschwindfuchl leiden. Im Jahre 1890 kamen 227 Personen zur Aufnahme, während 214 aus der Behandlung entlassen wurden. Von letzteren waren 113 geheilt, 81 bis zur Erwerbsfähigkeit gebessert und nur 20 ungeheilt und erwerbsunfähig. In Prozenten bellef sich die Zahl der Heilungen danach auf 53 pCt., die der Besserungen auf 30 pCt.. während II pEt. ungeheilt blieben. Es konnten mithin 91 pCt. der Patienten im Jahre 1890 alS erwerbsfähig entlassen werden. In den Monaten Juni. Juli und August überstieg die Zahl der Aufnahmegesuche dauernd die Zahl der Vakanzen und es mußten in diesen Monaten beständig Vornotirungen stattfinden. Das Sanatorium hatte inSgesammt 22 302 Verpflegungstage, die AuS- gaben stellten sich auf 30 271,30 M. oder pro Tag und Kopf eines Kranken auf 3,00 M. Unter den zur Behandlung gekommenen Krankheiten überwogen solche der Haut. Knochen und Muskeln mit 33 pCt., darunter meist Gelenkrheumatismus, es folgten Nervenkrankheiten, zumeist Nerven- schwäche. Die durchschnittliche Verpflegungsdauer für einen Fall belief sich auf 92 Tage. Die Mehrzahl der Anfgenoinmenen waren zwischen 30 und 39 Jahren alt, 3 noch nicht 20, 12 über 60 Jahre. Von den ent- lassenen Pfleglingen waren 41 ledig, 103 verheirathet, 9 verwittivet, 1 geschiede». 119 Patienten bezogen bei der Aufnahme noch Kranken- geld, 95 waren ausgesteuert, darunter 79 Vcrheirathete. In 07 Fällen wurde den bedürftigen Familien der Kranken während der Dauer des Aufenthalts der Ernährer im Sanatorium wöchentlich geringe' U n t e r st ü tz u n g e n in Höhe von 3 bis 7 M. von der Versich«- rungsanstalt gezahlt. Das ist zum Saltessen zu wenig und zum Verhungern vielleicht zu viel, doch muß in betracht gezogen werden, daß die Schuld an der Minderwerthigkeit dieser sozialen Beihilfe nicht dem Versicherungsinstitut sondern dem Gesetz zufällt und den maßgebenden Gewalten, die daS Gesetz ungenügend gestaltet haben. Außer für die in» Sanatoriuin in Gütergotz behandelten Patienten wurde im Jahre 1390 noch für 42 Versicherte zur Abiveudung der Invalidität die Krankenfürsorge übernommen und zwar für 23 Männer und 19 Frauen. Die be- treffenden»vurden zumeist in den hiesigen öffentlichen und privaten Krankenhäusern und in den städtischen Heimstädten bei Berlin, wie Malchoiv, Blankenburg, Blankenfelde, ferner in der Volksheilstätte des rolhen Kreuzes am Graboivsee bei Oranienburg und in der Anstalt des Dr. Weickers in Görbersdors i. Schl. auf Kosten der Bei sicherungsanstalt behandelt. In einigen Fällen bestand die Fürsorsorge in Gelvährnng orthopädischer Apparate, Bäder ic. und in ambulanter Behandlung. Bei diesen 42 Patienten überivoge» Krankheiten der Respirations- organe, es folglen Krankheiten der Haut, Knochen und Muskeln. Die dnrchschnitlliche VcrpflegungSdauer für einen Fall stellte sich auf 01 Tage. Die Versichernngsaustall beabsichtigt, da sich das Sana- lorium Gütergotz als zu klein eriviesen hat, mit Rücksicht auf die Nothwendigkeit einer ausgiebigeren Fürsorge für Frauen und Lungenkranke demnächst eine bedeutend größere Ein» richtnng als es Gütergotz ist. Die ersten Schritte zur Verwirk- lichuug dieses Projektes sind bereits vom Vorstande gethan. ZfcKkrtes. Die Lokalkommissionsmitglieder werden aufgefordert, all« A e n d e r u n g e n der Lokalliste bis spätestens den 29. Augnst an Unterzeichneten einzusenden»nit Ausnahme der Orte des Kreises' Teltoiv-Becskoiv,»velche die Liste an Genoffen John, Oberschöne- weide, Eiemensftr. 7, einsenden wollen. O s k. Mahle, Prinzen« straße 8, Seitenfl. 1 Tr. Zur Lokalliste. Am 29. August veranstalten sechs Berliner Gesangvereine in der Philharmonie ein Fest und suche» unter den! Arbeitern dazu Billets abzusetzen. Da die Philharmonie(sowie das Konzerthaus in der Leipzigerstraße und Kroll's Thealer) als Kunst- instilut>mr für den persönlichen Verkehr frei ist, Vereine also nicht Veranstaltungen dort treffen können, werden die Arbeiter besonders ersucht, solche Billets zurückzuweisen. Die Lokalkommission, I. A.: Osk. Mahle. Tic Freie Volksbühne eröffnet die Wintersaison am Sonn» tag, den 12. September, mit einer Novität im Friedrich Wilhelm» städtischen Theater. Zur Ausführung gelangt ein Hamburgisches Drama von Karl Mönckeberg: „Illusionen". Dieses Drama setzte bei seinem Erscheinen so- wohl die Presse wie die literarische Welt Hamburgs in Aufregung »nd wurde bereits von der Hamburger„Freien Volksbühne", dem Bruderverein der hiesigen, mit außerordentlichem Beifall ausgenommen. Wir mache» diejenigen Genossen, welche Mitglied der„Freien Volksbühne" zn werden wünschen, auf das heutige Inserat der „Freien Volksbühne" in dieser Nummer besonders aufmerksam. DaS� Eintrittsgeld beträgt, sowie der Monatsbeilrag 00 Pf. Das Drama „Illusionen" wird am 12. September für die erste, am 19. September für die zweite und am 20. September für die dritte Abtheilung zur Aufführung gelangen. Mitglieder können bei rechtzeitiger Meldung in allen Zahlstelle» durch den Vorstand aufgenommen werden. Der Beginn der Vorstellung ist auf 3 Uhr nachmittags festgesetzt, die Ver« loosnng der Plätze beginnt um 2 Uhr. Der Garten steht den Mit« gliedern zur Verfügung. Vom Kriege zwischen dem Magistrat«nd seine» Unter« beamten wird berichtet: Der Hilssarbeiter G r u n s k e, der eine Reihe von Jahren im städtischen Dienst beschäftigt und dann bei eingetretener längerer Krankheil entlasse» war, beanspruchte nach seiner Genesung wieder eingestellt zu werden. Bevor jedoch� seinem Ersuchen stattgegeben wurde, mußte er ein Schriftstück unterzeichnen, laut welchem er auf alle Rechte gegen» über den» Magistrat verzichtet und dem An« spruch auf Beanttencharakter und den daraus resultirenden Vortheilen entsagt. Aehnlich liegt die Sache bei dem Magistrats« Hilfsarbeiter K a s s u l l e, der nach lOjähriger Dienstzeit im Februar d. I. ohne besondere Entschuldigung entlassen wurde. Die in AuS» sichl gestellte Klage auf Fortzahlung des Gehaltes bezw, Pensionirung bewirkte, daß Kassulke eines Tages vor einen Sekretär des General« bureaus geladen wurde, wo man ihm eröffnete, daß er in den Genuß eines Jahrgeldes treten könne, wenn er schriftlich auf alle Rechte verzichte. Dieses Ansinnen wurde mit der Motivirung zurückgewiesen, daß der Fall erst reiflkch erwogen werden müsse. Wäre es nicht endlich an der Zeit, geordnete Zustände zu schaffen? Nach de» bisherige» Bestimmungen erfolgt die Anstellung von Lehrern und Lehrerinnen an Genieindeschulen, sofern dieselben nicht bereits ein Jahr im städtische» Dienst beschäftigt ivaren, mit dem Vorbehalt des Widerrufs binnen Jahresfrist. Dieser Vorbehalt wurde der Bestätigungsformel vom Provinzialschulkollegium in der Vokation beigefügt. ES hatte nur in sehr seltenen Fällen von ihn» Gebrauch gemacht werden müssen, er war aber für diejenigew Lehrer drückend, welche vor ihrer Berufung an hiesige Schulen außerhalb endgiltig angestellt waren. DaS Provinzial« Schulkollegium hat nun dem Magistrat mitgetheilt, daß es sortaw den Vorbehalt des Widerrufs nur dann der Bestätigung von Voka« tionen beifügen werde, wen» es sich um die Anstellung von Lehrern oder Lehrerinnen handelt, die bis dahin nur in Privatschulen unter- richtet haben. Der Magistrat wird demgemäß den Vorbehalt auch nur bei solchen Lehrern und Lehrerinnen eintreten lassen, die vor ihrer Anstellung nur an Privatschulen unterrichtet haben.— DaS Berliner Elend hat ein Mann nicht finden können, der ich eigens von Rom aus auf die Suche gemacht hat. Der Herr wißt Evangelisti und ist Redakteur der römischen„Tribuua". Nirgendwo in Berlin eine Spur von Elend zu finden. Schließlich erklettert Eignor Evangelisti— so schwer es dem etwas gewichtigen Kollegen wird— die 450 Stufen des RathhanSthurms, um von dort oben auS vielleicht irgend ein Quartier deS Elends zu ent« decke».— Der Wächter nimnit ihm 50 Pfennig ab und schickt ihn »ach der... Müllerstraße, wo er finden wird, was er suche. Aber ach! die Müllcrstraße war für ihn eine neue Enttäuschung.„Ich fand dort— klagt unser DiogeneS— allerdings viele barfüßige kleine Knaben und Mädchen, aber alle waren so reinlich gekleidet, daß sie mir mit ihren bloßen Füßen nur Kneippianer schienen. Unter den tausthüren kein einziges Weib ohne Hemd, mit ungekämmten Haaren. er Mann verdient, in Berlin liberaler Stadtverordneter oder zum niindesten Armenkommissar zu werden. Scdanfeier und Menschlichkeit. In einem hiesigen MontagZ- blatte wird folgende Frage zur Diskussion gestellt:„Wie wäre es, wenn Deutschland diesmal seine Sedanfeier sozusagen im Halb- trauer beginge und alle privaten und offiziellen Aufwendungen für die Zwecke der Festfeier den von der Wetterkatastrophe Heimgesuchten zugewiesen würden? Der Sedantag für die Uebcrschwemmten— wäre das nicht eine echt patriotische Feier?" Kennt der Mann den Patriotismus und seine hauptsächliche» bürgerliche» Stichen, die Geschäftpatrioten, schlecht I Auch ei« Beitrag zmn SanitiitSwesen. Ein Leser schreibt uns: Am Sonntag Nachmittag ging ich mit meiner Familie in der verlängerten Schwedterstraße zwischen Nordbahnhof und dem großen Exerzierplatz spazieren. Der Fußweg wird rechts vom erwähnten Platz durch einen Stacketenzauu getrennt. Ungefähr in der Mitte des Platzes drang mir ein pestartiger Geruch in die Nase. Die Ursache war ein dicht hinter dem Zaune liegender todter Hund von beträchtlicher Größe,«ine Anzahl Kinder machten sich das zweifel- hafte Vergnügen, den Kadaver an einen, Strick hin und her zu schleifen. Der Gestank, welcher uns umgab, war kaum anszuhalten; das Thier muß längere Zeit an dieser Stelle gelegen haben, obgleich ans dem Platze selbst sich ein Wächter befindet. Wie ist es nur möglich, daß daS Thier in diesem gesnndheitsgefährlichen Znstande so lange an dieser belebten Stelle liegen bleiben kann? Kürzlich erst ist doch eine Frau an einem Insektenstich zu gründe gegangen; dieselbe Gefahr liegt hier vor. Ein paar Spatenstiche würden die Gefahr beseitige». Zwei Millionärin««»» ermordet. Ein Doppel-Raub- mord an zwei alten alleinstehenden Frauen, der schon vor 14 Tagen begangen sein muß, ist am Montag früh um g Uhr entdeckt »vorden. Die Polizei ließ um diese Zeit den Keller des Hauses Königgrätzerstr. SS, neben dem Habsburger Hof, am Askanischen Platz, durch einen Echlofserlehrling gewaltsam öffnen. Im Keller nach der Straße fand die Polizei die HanSwirthin, die 71 Jahre alte Wittwr Anna Schnitze und ihre Lljahrige Tochter ermordet in e i n e r K» st e unter altem Gerümpel und Schlltt in einer Ecke liegend. Ein L e i ch e n g e r u ch, der in der Nachbarschaft sich schon mehrere Tage bemerkbar machte, hatte zur Entdeckung der Leiche» geführt. Die beiden alten Dame», bekannt unter dem Namen „ G i p S- S ch n l tz e n", weil sie bei Sparenberg in der Mark große Gipsbrüche besitzen, wurden schon seit 14 Tage» verniißt. Es wurde von den Hansbewohnern, welche die eigenthümlichen Lebensgewohn- Heitel, der Frauen kannte», angenommen, daß sie verreist seien. Erst als sich der Leichcngeruch bemerkbar machte und die Nachfragen»ach den Vermißten wuchsen, benachrichtigt« man die Polizei. Der Ver- dacht, den Mord begangen zu haben, lenkt sich aus einen Schuh- macher aus Oesterreich. Dieser, ein gewisser Josef Goluczi. hat in dem Hause einen Laden gemiethet, i» dem sich früher eine Kneipe befand. Goluczi ist aber nicht zugezogen, obgleich er de» Lade» mit seiner Firma u. s. w. versehen hat, er ist ebenfalls verschwunden und soll sich nach dem Auslände begebe» habe». Die Polizei hat sofort die Kriminalpolizei benachrichtigt, die schnell erschien„nd die Staatsanwaltschaft von dem Raubmord in Kenntniß fetzte. Diese ließ nachmittags nach Aufnahme eines Protokolls die halbverwesten Leichen fortschaffen. In der Wohnung der Frauen lagen die Möbel und Betten bunt durcheinander. Allem Anschein nach hat der Mörder alle Behälter genan durchsucht. Ob und was geraubt worden ist, ließ sich noch nicht feststelle». Die Frauen, die noch niehrere Häuser in Berlin besitze», sollen zehnfache Millionärinnen gewesen sein; sie lebten sehr einfach, hatten weder Dienstmädchen, noch eine dienstbare Person um sich. Der Schuhmacher soll zu Hansbewohner» geäußert haben, sein« Frau sei mit den alte» Frauen verwandt, diese »vürden»ach einen, Vorort ziehe» und er die Verwaltung über» nehmen. Es fiel deshalb nicht weiter ans, als G. eine Fuhre Sand in den Keller unter seinem Lade» schaffen ließ, unter den, die Leichen jetzt gesunden sind. Die Frauen find erdrosselt, was jedenfalls erst in de», Keller geschehen ist, wohin G. die Frauen wahrscheinlich unter dem Vorwand gelockt hat, daß er mit ihnen eine bauliche Veränderung bespreche» wolle. Die Krimiiialpolizei giebt folgende Darstellung der Mordlhat: Die 71jährige Wittwe Schultz« n»d ihre S1 jährige Tochter, König- grätzerstr. SS wohnhaft, wurden seit 14 Tagen nicht mehr gesehen. Man nah», an, daß sie verreist seien. Die Frau war sehr wohlhabend, besaß bedeutende Gipsbrüche, anscheinend auch mehrere Häuser, galt aber als geizig. Sie hatte z. B. den Portier entlassen und Haus- und Hosreinigung selber besorgt. Beide trauen ginge» höchst selten aus und unterhielten keinerlei erkehr, weder mit Hausbewohnern„och sonst irgend jemand. Vor einiger Zeit hatte ein S ch u h w a a r e»- H ä n d l e r Laden und Keller in» Hanse gemiethet, war aber noch nicht eingezogen, sondern hatte blas die Ladeneinrichtung besorgt. I» einer Kellerstube unter diesem Lade» wurden heute die Leichen der beide» Frauen in Wachstuch eingewickelt und in Kisten ver- packt vorgefunden. Die Kisten waren mit schwarzer Erde bedeckt. Die vorläufige Untersuchung der«inen Leiche ergab, daß der Schädel derselben zertrümmert und der Unter- kiefer zerschmettert war. Die Erde soll vor acht oder zehn Tagen angefahren und von der Straße ans durch Arbeiter un- »nlltelbar in das Kellerfenster geworfen sein. Es wäre wunschens- »verth, wenn sich der Lieferant, welcher die Erde geliefert, und die Arbeiter, welche dieselbe angefahre» und in den Keller hinab- geschaufelt haben, auf der Polizei meldeten. Bon anderer Seite wird noch berichtet: Die Kunde von der Mordthat hatte hnnderte von Neugierigen herbeigelockt, die das stille HauS Nr. 35, welches au das Hotel Habsburger Hos grenzt, um- standen. Die Jalousien des Schuhwaarengeschäfls waren herab- gelassen, während in dem gleichfalls zum Hause gehörigen Restaurant der regste Verkehr herrschte. Der Mörder scheint mit dem größten Rasfinement vorgegangen zu sein, das von ihm eingerichtete Geschäft besteht nur aus Mobiliar und leeren Pappkartons. Vom Treppenflur aus führt unter der Treppe eine Stiege zun, Keller, in welchem die Leiche» aufgefunden wurden. Die Kiste, i» welche dieselben gezwengl waren, war mit Erde so dicht bedeckt, daß der Schlosser, welcher auf Anordnung der Kriminalpolizei die Thür geöffnet hatte, diese nicht zu sehen vermochte. Erst als die Beamte,, aenau liachforschten, stießen sie auf dieselbe, und entdeckten dann die furchtbar verstümmelten Körper. Am Tage„ach dem Morde zeigte der angebliche Hausverwalter die s ä m m t l i ch e n Schlüssel der Schultze, was sofort den Hausbewohner» auffiel, er be- gründete deren Besitz mit langjähriger Bekanntschaft und entfernte Verwandtschast zu den Ermordete». Inzwischen hatte die Polizei daS HauS in weitem UmkrciS ab- gesperrt, sodaß das Publikum ferngehalten wurde. Gegen �/eS Uhr nachmittags fuhren die Droschken vor. in denen die Mitglieder der Gerichtskommisfion Platz genommen hatten. Es begann eine genaue Durchsuchung sämmtlicher Räume des Hauses. Der Schlosser mußt- sämmtliche Behälter öffne», damit festgestellt werden konnte. waS der Mörder geraubt hatte. Bisher ist dies« Feststellung noch nicht abgeschlossen, sie ist auch mit erheblichen Schwierigkeiten verknüpft, weil die Ermordelen niemandem Einblick in ihre häus- lichen und Vermögensverhältnisse gestattet hatten. Ueber den Ver- bleib des nluthmaßlichen Mörders wußte niemand e t w a S a n z u g e b« n. Er hat sich aller Wahrscheinlichkeit sofort in Sicherheit gebracht, nachdem er sich davon überzeugt hatte, daß die Slusfinduiig der Leichen so schnell nicht erfolgen konnte. Der muthmaßliche Thärer, ein kleiner schmächtiger Man».»»,: schwarze», Haar und schwarzem unten auseinandergestrichen-,, Voll- bart und dunklen stechenden Augen, stammt auS Ungar» und spricht Deutsch, mit starker ungarischer Beton«, ig. Er wohnte mit seiner Frau und einer Stieftochter seit ungefähr einem Jahre i» einem neuen Hause Mühl-nftr. 4/5, in dem er im»weiten Stock ein- elegant eingerichtete Borderwohnung von 3 Zimmern mit Zubehör und an der Straße in, Erdgeschoß«inen emsenstrige» Schuhwaarenladen hatte. Di« Stieftochter war lange Zeit verreist, angeblich nach Dresden, und erst in der letzten Zeit alS Verkäuferin thätig. Gönczi hatte ei» außerordentlich freundliches Wesen. Gemeldet war er als Werkmeister, in der letzten Zeit ging er jedoch als Reisender mit eine», Musterkoffcr umher. Seinem Hauswirth Tabbert ist er einen Theil der Miethe schuldig. Im Hanse hat man sowohl ihn als auch seine Frau feit mehreren Tage» nicht mehr gesehen. Die Reinemachefrau Praatz sah ihn znletzt im Anfang der vorigen Woche. Es siel ihr auf, daß er damals einen eleganten dunkle» Anzug trug, während er sonst stets hell gekleidet ging. Die Stieftochter war, wie einige Hansbewohner gesehen haben wollen, noch gestern Mittag im Laden. Gestern Abend war der Laden geschlossen, die Dame war, wie es hieß, mit drei Herren weggegangen. Auch die Wohnung Gönczis war verschlossen. Das Ehepaar hat, bevor es nach der Mühlenstraße zog, in der Köpnickerstraße gewohnt. Ter fleißige Stadtbaurath. A»S dem Rathhause wird be- richtet: Stadtbanrath Hoffmann ist von seinem vierwöchentlichen Urlaub zurückgekehrt. Den größten Theil dieser Zeit hat er zum Studium der alten Ziegelrohbauten i» Lübeck, Lüneburg, Ratzeburg, Wismar, Rostock, sowie in Dänemark zugebracht. Ter Berliner Hcrbst-Jahrmarkt findet diesmal wieder im Südwesten Berlins, in» sogenannten„Halleschen Thor-Bezirk" und zwar in der Gneisenan-, Do,k- und den angnnzenden Straßen von, Mittwoch bis Sonnabend dieser Woche statt. Die schwarz-wciß-rothc» Briefkasten der früheren Berliner Verkehrsan stall werde» nun doch enlfernl werden. Es hat sich ein Althändler gesunden, der die Verpflichlnng übernommen hat, die Entfernung der Kasten wenigstens„ach und nach zu bewirken. Ein Postdieb wurde am Sonntag in üagrsnti ertappt. In letzter Zeit gingen ans dem Postamt XI in der Anhalter Bahnhof« straße verschiedene Reklamationen über das Verschwinden resp. die Beraubung von Pofipacketen ein. Die daraufhin angestellten Re- cherche» ließen keinen Zweifel aufkommen, daß der Dieb„»ter de» Angestellten zu suchen>var. Da auch Unschuldige in den Verdacht käme», konstituirte sich unter den Beamten ei» Ueberwachnngskomilee, dem es auch gelmigen ist, den Uebellhäler in de», Moment zu er- fassen, als er fich eben anschickte,«inen mit geräucherten Aalen ge- füllten Korb mitgehe» zu heißen. Der Dieb war der Posthilssbote Loose; er wurde verhaftet und in Unterfiichnngshast abgeführt. Die erste» Erntefeste dieses JahreS wurden gestern Nach- mittag in den Laubenkolonien zwischen der Warschanerstraße und der Frankfurter Allee und an der Landsberger Allee veranstaltet. Die ganze» Kolonie» prangten im Festschmuck. Die heiterste Stimmung herrschte unter Alt und Jung. Gaunerfrcchheit. Den Inhalt der Ladenkasse hat fich ein Gauner in einem Geschäft der Köpnickerstraße durch einen mit großer Frechheit ausgeführten Ueberfall angeeignet. In das Mehl- geschäft von Kerfien, Käpnickerstr. Sä, wo die Frau des Inhabers allein anwesend war, kam ei» junger Mann, der ohne weiteres hinter de» Ladentisch trat und die Kasse öffnete. Fran Kerstcn war angesichts dieser nnerhörtei, Dreistigkeit iso starr, daß sie für «ine» Augenblick kein Wort herausbrachte. Als sie schließlich den, Gauner, der sich inzwischen, was er an Geld vorfand, ohne Rücksicht auf ihre Gegenwart eingesteckt hatte, zurief, was er denn eigentlich mache, antwortete dieser mit größter Ruhe, daß sie das ja sehe. Einen Versuch, ihn aufzuhalten, beantwortete der Strolch mit eine», Faustschlag, de» er gegen den Kopf der Frau K. führte. So gelang es ihm, obgleich die Straße sehr belebt war, zu entkommen. Ans der Straße ist am Montag Vormittag der 57 Jahre alte Buchhalter Otto Stolberg plötzlich gestorben, der Verwalter des Grundstücks Usedomstr. 17 der Berliner Lagerhof-NktiengeseNschaft war. Ans dem Heimwege vom Arzte brach er vor dem Hause Usedomstr. 35 zusammen„nd war bald todt. Eiu Schutzmann des 19. Polizeireviers(Lietznmnilstraße), der jedenfalls glaubt, daß auch er sen» Tbeil zu dem zeilgemäßc» Kampf gegen de» Unglauben beitragen müsse, sagte zu der Frau eines Dtssidenten, als sie für ihr am 14. d. M. verstorbenes Kind einen Todtenschein vom Polizeibnreau holen wollte:„Sie sind dissideutisch? E i n M e n s ch. der k e i» e n G l a n b e n hat, i st wie ei» Stück Vieh!"— Das Publik»», ist ja, was vielfach den Verkehr mit Schutzleuten betrifft, gewiß nicht durch besondere Höflichkeit der- selben verwöhnt, aber eine derartige in, höchste» Grade verletzende Bemerkung übersteigt denn doch alles Maß. Es darf wohl mit recht erwartet werden, daß ein Beamter in» amtlichen Berkehr mit den, Publikum seine private» Ansichten über Glauben»nd Unglauben nicht i» so verletzender und beleidigender Form zum Ausdruck bringt. Würde ein Arbeiter auch nur i» einer annähernd so schroffen Weise in entgegengesetzter Richtung Kritik übe», da»», könnte er einer strengen Bestrafung sicher sein. Ei» Schadenfeuer brach am Sonntag Morgen in den Ge- schäftsräumen der Baumivollenwaaren-Handluug von Bann»„»d Moskien'icz in der Kiosterstr. 84 ans. Der alarmirten Feuerwehr gelang es bald, den Brand ans seinen Herd zu beschränkeii.— Ein erheblicher Bodenbrand fand am Montag Vormittag 11 Uhr i» der Deimmnerstr. 81 statt. Gegen Mittag war das Feuer. dessen Eiitstcbuiig nicht bekannt ist, bewältigt. Der Brand hatte eine gewaltige Zuschauermeiige angelockt. Im Wahnsinn. Eine unheimliche Szene spielte sich am Sonntag Nachmittag gegen 1 Uhr i», dritten Stockwerk deS Hauses Philippstr. 2 ab. Dort wohnt seit einigen Jahren als Chambregarnist bei de», Kaffenrendanten CullieS der in den dreißiger Jahre» stchende Geheime Kalkulator Bartels vom Justizministeriu»,. Seil einigen Tagen trug B. ei» auffallendes Wesen zur Schau. so daß man eS für»öthig hielt, seine Mutter, die in Halle lebt, zu be- nachrichtigen. Die Frau eilte sofort hierher, und als sie eben bei ihrem Sohne in der Wohnung war, versuchte dieser plötzlich. nur mit de», Heinde bekleidet, aus dem Fenster hinabzuspringe». Noch i», letzten Augenblick hielt ihn Herr Cullies von dem tödtlicken Sprunge zurück. Der Kranke schrie ans LeibeSkräften un» Hilfe, so daß die ganze Nachbarschaft alarmirt wurde, sprang dann i» inächtigeii Sätze» die Treppe hinab und lief, so wie er war, die Loniseiistraße hinunter„ach der Spree zu. Erst a» der Schumann- straße gelang es. ihn anznhalte». Mit einem Privatwagen nach Hause gebracht, wurde er angekleidet iind von seiner Mutter und «inigen Hausgenosseii einer Anstalt zugesührt. Unter schancrlichcu Umständen suchte an, Sonntag früh der 32 Jahr« all« Dachdecker Waldemar Dieter, an, Weinbergsweg wohnhaft, sich das Leben zu nehmen. Er wurde»»gerecht be- schuldigt, sich an einer 80 jährigen Frau schwer vergangen zuhabe», und scheint uns Furcht vor Nachstellungen, die man ihm deshalb bereitete, wahnsinnig geworden zu sein. Ii» der Nacht zum Sonntag zertrümmertc er seinen ganzen Hansrath, einen Regulator warf er zu», Fenster hinaus. HänSbewohner drangen in die Wohnung ein und fanden hier den Insassen mit einem Schnitt im Hals« erhängt vor. Man schnitt ihn ab, brachte de» noch Lebenden in ein Kranken- Hans, wo er hoffnungslos daniederliegt. Erschossen hat sich im Schloßpark von Nieder-Schönhausen am Sonnabend Nachmittag gegen 5 Uhr der 39 Jahre alte Manrer Lange ans der Dunckerstr. 14. Lange war leidend und konnte schon feit einem halben Jahre nicht mehr arbeiten. Keine Stätte, um ihr Haupt zu betten. Polizeilich wird berichtet: In der Nacht zum 22. d. M. wurden an mehreren Stellen des Stadtgebiets Streifen auf im Freien nächtigende Personen ab- gehalten. Ein„erhebliches" Ergebniß hatte nur die i» der Um- gebung des Humboldthafens, bei der 23 Männer aufgegriffen wurde», von denen 22 als Wohnungslos eingeliefert wurden. Ertrunken ist am Sonntag Vormittag der Former Böttcher aus der Cuvryftr. 2, als er«in Boot unkundig auf der Oberspre« führte und gegenüber der Stralauer Kirche mit einem Sterndampfer »usammeiistieß. Sein Begleiter, der Tischler Schulz, wurde gerettet. Bei einer Schlägerei in Friedrichsfelde erhielt der Arbeiter Andreas Menzel ans Ka, Ilsdorf einen Messerstich in den Rücken. Ihren Verletzungen erlegen ist die Arbeiterfrau Ida Hille. die sich vor einigen Tagen a»L ihrer Wohnung auf den Hof hmab- stürzte. Durch Ueberfahreu wurde vorgestern Abend die vie, jährige Tochter des Tischlers Rudolf Lemke in der Grünanerstraße gerödtet. Das Kind lief gegen einen vorüberkommenden Wagen der elektrischen Straßenbahn, wurde überfahren und an, linke» Oberarm sowie am Kopf so schwer verletzt, daß der Tod bald darauf eintrat. Straßensperrung. Die Müllerstraße von der Ulrechter- bis zur Seestraße wird dehufS Uinpflastenuig vom 23. d. M. bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Im Passagc-Panoptik»», soll ein vollständiges indisches Dorf cnt- stehen, worin wir das Leben seiner Bewohner in allen Zügen werden belauschen können. Bereits in den nächsten Tagen wird die aus etwa 30 Personen, Männern, Frauen und Kindern, bestehende Truppe in Berlin eintreffen. Orgelkonzert. In der Marienkirche findet Mittwoch, den 23. d. ausnahmsweise kein Oraelvortrag statt. Nächster Vortrag Mittwoch, den 1. September, mittags 12 Uhr. Mitwirkende sind Fräul, Marie Wiemann, Frl. Frieda Dumke und Herr Schwicffelmann. Theater. Die Neu- Auffühnliig des Faust, I. Theil, welche das ..Deutsche Theater" am nächsten Sonnabend giebt. sind zum großen Theil die Dekorationen und Kostüme neu angefertigt worden. Die Dichtung wird in den Hauptrollen von den Damen Luise v. Poellnitz, Helene Stagls, Eule Steinert, Alwine Wiecke und von den Herren Paul Äieusseld, Hans Fischer, Ferdinand Grcgori, Joses Kainz, Bruno Köhler, Hermann Müller, Hermann Nissen, Max Reinhardt, Rudolf Rittner, Guido Thielscher, Hans Waßinaim zur Darstellung gebracht.— Im Schiller- Theater wurde der Spielplan dahin abgeändert, daß Grillparzer's„Weh dem, der lügt", hcnte und nlorgcn in Szene geht, und die für morgen angekündigte Aus- sührung von Bauernfcld s Lustspiel„Bürgerlich und Romantisch" aus nächste Woche verlegt wurde. Stils de»» Nrtchl'ium'teii. Zur Keuiizcichiiuug deö Kampfes, der in Z e h l e n d o r f vou amilicher Seite gegen die Sozialdemokratie geführt wird, mag folgender Beitrag dienen: Zum Sonntag hatte der Gesangverein„E ch o", der beim Amtsvorsteher M i l i n o ,v s k i im Verdachte der Sozialdeiuotralie steht, a» amtlicher Stelle ein Garten- konzert angemeldet, das im Dohrina»,»'scheu Lokale stattsinden sollte. Die Gemeindekasse erhob hiersür am 16. August drei Mark Ver- gnügungssteuer. Am 20. August erhielt der Buchdrucker Bach- m a» i,, der das Konzert angemeldet hatte, solgenden Bescheid: „Das von Ihnen angemeldete Fest, welches am Sonntag, den 22. August, im Dohrinann'schen Lokal stattfinde» soll, ist nicht als eine gelegentliche Festlichkeit anzusehe», zu welcher es nur der vor- gängige», Anzeige an die Ortspolizeibehörde bedarf." Das hieß in deutliches Deutsch übertragen, daß auch gegen dieses Fkst, wie bei früheren Gelegenheiten schon, mit den all- gewohnte» Scherereien vorgegangen werden sollte. Der Knnipj für Ordnung, Religio,, und Titte gestaltete sich»in» folgendermaßen: Am frühen Morgen des Sonntage, gegen halb sieben Uhr, erschienen zwei Gendarmen und«iu Potizeidiener beim Wirthe Dohiman,» und konfiSzirten aus dessen Keller sämm tliches Bier, im ganze», 6'/« Tonnen. Selbst da? am Hahn befindliche Bier wurde losgeschraubt. Dann eröffnete man allmälig de» Kampf gegen die Veranstalter deS Konzerts. In der Nähe des Lokals hatten sich bald»ach Mittag etwa 15 Gendarmen zusammengezogen; zivei von ihnen drangen gegen de» Eingang vor n»d gingen trotz des Hinweises, daß eine Privatsestlichkeit stattfinde, in den Garten hinein. Ein Gendarmerie-Wachtuieister erklärte sodann den, Genossen Bachman», daß er abgeführt würde, wenn er sich getraue,„och irgend ein Wort zu erwidern. Die Kunde von diesen Vorfällen hatte sich natürlich wie ein Lauffeuer in der Gegend verbreitet, und so kam es, daß die Arbeiter- schast vo» Zehlendorf und den umliegenden Orten es alS eine Art Ehrenpflicht betrachlete, den Besuch des Konzerts so imponirend zu gestalten wie nur möglich. Wohl über tausend Personen beiderlei Geschlechts waren bald in dem prächtigen Garten versammelt. ES Ihat der festlichen Stimmung der An- wesenden auch nicht im geringsten Abbruch, als nunmehr ein Gendarm das Mnsiziren und Singen verbot und sogar mit Konfiskation der Instrumente drohte, als die Mnsiker dennoch Miene machte», ihrer iontraktlichen Verpflichtung nachzukommen. Die bewährte Taktik einiger Parteigenosse,, hatte natürlich inzwischen auch dasür zu sorgen gewußt, daß trotz der an. Morgen erfolgten Massenkonfiskation auch gutes Bier in genügender Qu an tilät vorhanden war. Die agitatorische Wirknng dieses Festes muß als eine, geradezu glänzende bezeichnet werden; trotz alledem und allede», ertönten kräftige Arbeitergesänge laut durch den Garten, und alS die Abend- dämmerung des herrlichen Sonntags hereinbrach, war, imponirender ats ein Auf wie DonnerhaU, über gaiiz Zehlendors ein brausendes Hoch auf die internationale Sozialdemokratie zu höre». Der Aintsvorsteher des Ortes aber war gewiß stolz ob seines Erfolges und seiner Verbote, deren eines selbst in der amtlichen Weigerung bestanden halte,«ine Liste zum Besten der U e b e r s ch w e»i>» t e„ im Garten zirknlircn zu lassen. Es ist aber trotz des anttlichen Verbots«in namhaster Betrag für dies Werk ver Menschenliebe zusammengekommen. Bemerkt sei noch, daß die geschilderten Szenen in trefflichen M o ,» e n t p h o l o g r a p h i e„, die demnächst in den Handel ge- langen, verewigt worden sind. Die Parteigenossen aus Berlin sowohl wie aus Zehlcndorf und Umgegend werden gewiß dafür sorge», daß de», Wirlh Dohrmam», Machnowerstr. 40, hinfort möglichst wenig Schade» aus de» polizei- lichen Unaniiehmlichkeiteii erwachse, die er als Besitzer des emzigen größeren Lokals am Orte, welches der Arbeiterschast zur Verfügung steht, zu ertragen hat. Wegen Wcchselfälschnng wird nunmehr von der hiesigen Staatsauwaltschasl am Landgericht II der 4Kjährige Sattlermeister Franz Neinhold Troitzsch aus Charlolteuburg, der sich vor längerer Zeit seiner Verhaslung durch die Flucht entzogei, hat, steckbrieflich verfolgt. Der Flüchtige, welcher zuletzt in der Wilmersdorferftr. 13 wohnhaft gewesen und früher eine Zeit lang das Amt eines Stadt- verordneten bekleidete, hatte zu Pfingsten eine Vergnügungsreise unternommen, vo» der er„vorsichtshalber" nicht wieder zurück- gekehrt ist.>_ Gevickzks Wegen Pergehens gegen die!Kg 153, 153 der Reichö- Gewerbcorduiing hatte sich gestern der Arbeiter Echloms vor der 133. Abtheilung ves Amtsgerichts I zu verautworten. Der An- geklagte arbeitet t» Gemeinschaft mit seinen Kollegen Lucas, Birk iinb Gerlich in der Fabrik vo» Eberhard Nachfolger. Lucas ver- langte«ineS Tages vo» de», Chef eine Lohnerhöhung, die ihm jedoch nicht bewilligt wurde. Der Chef sagie vielmehr in, Hinblick darauf, daß LucaS am Tage vorher angetrmikei, gewesen sein soll:„Gestern war er betrunken und heute will er Lohnerhöhung." Infolge deS Mißerfolgs deS Lucas erklärte sich der Angeklagte und'Birk mit ihm solidarisch»nd die drei legten die Arbeit nieder, während Gerlich sich ihnen nicht anschloß. Am Mittag desselben Tages trafen die drei mit Gerltch in einem Restaurant in der Brücken-Allce zusammen, sprachen mit ihm über den Borfall und der Angeklagte fragte, ob Gerlich sich ihnen nicht anschließen wolle. Dieser war dazu jedoch um so »veniger bereit, als ihm der Chef doppelte» Lohn versprochen halte, biS Ersatz geschafft war. Nach Gerlich's Beknndung soll einer der Angeklagte,, im Anschluß an diese Mittheilung geäußert haben: „Di, gehst nicht'ran, sonst könntest Di, abends Deine Knochen sühlcii." Gerltch will dadurch in Schrecken versetzt worden sein; in der That hörte er auch am Nachmittage, nach Rücksprache mit seinem Chef, zu arbeiten auf. Der Angeklagte war, wie er be- hauptet und auch Gerlich betont, zur Zeit des inkrtlniilirtei, Gesprächs stark angetrunken. Der Staatsanwalt hielt die Voraus- setzunge» deS tz 153 der Reichs- Gewerbe- Ordnung in Verbindung mit§ 152 derselben für erwiesen und beantragt mit Rücksicht auf die starte Angetrunkenhcit des Angeklagten 3 Tage Gefängniß. Der Gerichtshof erkannte nach dem Anlrage. Dncllpriiglcr. Wegen Zweikampfes mit tödtlichen Waffen wurden von der Strafkammer in Göttingen zwei Stndirende aus Frankfurt a. M. bezw. Magdeburg und vier Bergakademiker aus Clausthal a. H. zu je drei Monaten F e st u n g s h a f.t ver» urtheilt. Der Gaftwirth!k. in Bockswiese, sowie dessen Ehefrau, welche ihren Enal zur Pankerei hergegeben hatte», wurden mit je 23 T a g e n F e st u u g s h a s t bestraft. Vevfswmnlnnjaen» Der Streik bei Nössemanu n. Kiihncmanu bildete den Gegenstand der Erörterung in einer am Sonntag im Luisenstädtischen Konzerthause abgehaltenen Versammlung der Former und Berufs» genossen. Müller empfahl den Streikenden, die Arbeit wieder aufzunehmen unter den Bedingungen, die nach Verhandlungen einer Fabrikantenkoinmisston mit den Vertretern der Streikenden festgesetzt und in der Sonntagsnnmmer des.Vorwärts" abgedruckt sind. Man könne zwar einwenden— meinte der Referent— daß verschiedene der ausgestellten Forderungen hierbei nicht berücksichtigt würden, dagegen seien aber die Hauptforderungen: Bezahlung des ohne Schuld der Former entstandenen Ausschusses und Stellung von Hilfsarbeitern zum Pfannentrage» anerkannt. Betreffs der Lohnforde- rungen sei ebenfalls eine befriedigende Regelung in Aussicht gestellt. Die- jenigcn Punkte, welche in den vorliegenden Einiguugsbediugungen nicht bewilligt worden sind, hätten nur untergeordnete Bedeutung, und empfehle es sich nicht, um deretwegen den Kampf fortzusetzen und es auf eine allgemeine Aussperrung ankomme» zu lassen. Selbstredend hätten die Arbeiter darauf zu achten, daß Herr Kähne- mann die gemachten Zugeständnisse auch durchführe; andernfalls würden sie die Arbeit niederlegen. Härtung und K l i k s hielten die Bewilligungen für zu unbedeutend. Es werde durch dieselben an den bisherigen Zuständen nichts geändert, und, da die Ursache des Streiks fortbestehe, solle man auch den Kampf energisch weiterführen und die Arbeit nicht aufnehmen. Demgegenüber betont« Rüther, daß man bei ruhiger Prüfung der Angelegenheit zu der Ansicht kommen müffe, daß hier von einer Niederlage der Streikemdcn gar keine Rede sein könne. Da es sich nicht um Erringung wichtiger prinzipieller Forderungen handle, und die hauptsächlichste» Bedingungen der Streikenden erfüllt würden, so sei es nicht rathsam, wegen der übrigen untergeordneten Punkte einen Kampf zu führen, dessen Opfer in gar keinem Verhältniß zu dem stehen, was dabei erreicht werden kann. Ein nicht gering anzu- schlagender Erfolg sei eS, daß gerade Herr Kühnemann de» Arbeitern gegenüver nachgeben und deren Organisation au- erkennen inutzte, ganz gleichgiltig, wie viel oder wie wenig bei der Gelegenheit bewilligt sein mag. Man möge sich bei den gemachten Zugeständuisseu beruhigen, es würde ohnehin in nächster Zeit wieder Konflikte in anderen Gießereien geben. Nachdem noch einige Redner zur Aufnahme der Arbeit gerathen, Härtung und Kliks aber ihren entgegengesetzten Standpunkt vertreten hatten, beschloß die Versammlung mit großer Mehrheit: Die Streikenden nehmen die Arbeit wieder auf unter der Boraussetzung. daß die Firma Rössemann u. Kühnemann die gemachten Zngeständ- nisse innerhalb einer Woche zur Durchführung bringt. Ferner wurde mitgetheilt, daß bei Borstg de» Formern Abzüge an den Akkordlöhnen gemacht worden seien und daß es aus diesem An- laß vielleicht in den nächsten Tagen zu einem Ausstand der Borsig- scheu Former kommen könne. Eine Regelung dieser Streitfrage zwischen de» belheiligten Arbeitern und der Fabrikantenkommission soll zunächst versucht werden. Briefkasten der Redaktion. Wir dllten, bei jeder Anfrage eine Shtffr«(zwei Buchstabe» oder eine gahl) auiugcbe»,»nler der die Aittwart erthetlt werden soll. Die juristische Sprechstunde fällt bis Ende August anS. Im Briefkasten werden juristische Frage» auch weiter beantwortet werden. A. M. 39. Schutzleute sind königliche Beamte, die Stadt hat nur die Ehre, die Unterhaltungskosten der Polizei zu bestreiten. H. M. 99. 1. Wenn gegen einen Zahlungsbefehl Widerspnich er- hoben ist, so ladet der Gläubiger selbst(nicht das Gericht) zum Verhaud- lungstermiu. 2. Nein. I. R. Rumuielsburg. 1. Beide Arten Unter- schrtst sind zulässig. 2. Die Gcburtsurlmide genügt. A. H. 1. Ja. 2.-4. Nein. Ein Anspruch auf Zurürkcrstattung nach dem Gesetz geleisteter Klebebeiträgc bestellt nur in 3 Fällen: 1) Mädchen, die eine Ehe cingeheu, bevor sie in dem Genuß einer Rente gelangt find, können innerhalb drei Monaten nach Eheschluß die Hälfte der geleisteten Klebebeiträge zuräckver- langen, 2) die Wittwe und, falls solche nicht vorhanden ist, die hinterlassenen ehelichen Kinder unter IS Jahreil haben in gleicher Höhe einen ErstattiiiigS- anspruch, falls der Ehrmanu beziehungsweise der Vater verstorben ist, ohne w dem Genuß einer Rente gelangt zu sein; 3) verwaiste Kinder unter IS Jahren haben einen Erstatwngsanspruch in gleicher Höhe hiustchtlich der von ihrer Mutter'geleisteten Beiträge, falls die Mutter nicht in den Genuß einer Rente gelangt und später als ihr Ehemann verstorben war. ®.®. 100. Die Genehmigung des Ehemannes ist erforderlich. D. 132. Im allgemeinen 6 Monate lang. R. Wille 100. Nein. A. P. 6. Da würde nichts zu mache» fein. E. M. — E. K. Die Ansicht, daß in jährigem Dienst Belohnungen seitens eines Vereins erhalten, ist eine irrthümliche. Der Sachverhalt ist vielmehr folgender: In Berlin muß jeder Dienstbote de: Lösung des polizeilichen Dtenstschetns i. SkaliUcrstrnßc. Ist nicht der Fall. Berlin die Dienstboten nach zehn- und bei jedem Dienstwechsek SO Pf. zum Fonts der„Belohn ungs- und' UnterstützungSanstalt für das Gesinde in Berlin" zahlen. Diese Anstatt soll: „Personen des Gefindestandes in Berlin, welche in redlicher Pflichterfüllung� durch hohes Alter und zerrüttete Gesundheit oder infolge außerordentlicher f Dienstleistungen oder unverschuldeter Unglücksfälle dtensMnfähig geworden sind, für ihre übrigen Lebenstage die Aussicht aus eine ihren Ver-' Hältnissen angemessene sorgenfteie Existenz eröffnen". Zur Er- reichung dieses Zweckes können nach dem Statut monatliches Unterstützungen in Höhe von höchstens zwölf Mark an dienstu<ähig gewordene Dienstboten gezahlt werden, die entweder bei einem Alter von! 60 Jahren die letzten 20, bei einem Mter von SS wenigstens die letzten IS, bei einem Alter von 00 Jahren wenigstens die letzten 10 Jahre ununter- brochcn in Berlin als Gesinde gedient haben oder durch„außerordentliche Dienstleistungen, als Rettung ihrer Herrschaft oder deren Kinder aus Feuers- und Waffersgcfahr, Vertheidlgung gegen gewaltsame Angriffe, aufmerksame und treue Pflege und Wartung in ansteckenden und langwierigen Krank- bette» und dergleichen mehr, oder sonst auch nur während des Dienstes, jedoch nicht durch eigene leichtsinnige Handlungen..... unheilbare mnere 1 Uebcl oder äußere Beschädigungen sich zugezogen haben.". Der Belohnungs- � und Unterstützuiigsfoiids dient ferner dazu, Dienstboten in einem Dienst- boten-Hospital Aufnahme zu gewähren. Das ist alles. Das Dienstmädchen, welches heirathet, hat aber nach dem Jnvaliditätsgesetz das Recht, spätestens innerhalb 3 Monaten nach Eheichluß den Antrag auf Rückerstattung der Hälfte der für sie geleisteten Klebemarken bei der Jnvalidttäts-Anstalt zu stellen.- 1000. Nein.- W. 1. 1S00.- A. K. 1. Ja. 2. New.: SSiiieniiiüßlibersicht vom 23. Augnst 1897. Stativ»«». Sivinemnnde Hamburg. Verlin.. Wiesbaden. München. Wien... Hnparanda, Petersburg. Cork... Abecdeen.. Paris.,, 7?.2� . i« ä s j" S-H 5es§ ä?«"« CO « a & s i «J Ol «-i -o„ e o Weiler ZÄB « LZ» i-e» wga 755 755 756 758 759 756 748 757 752 759 WSW SW W NW Still O WNW SW halb bedeckt heiter wolkig wolkig Regen wolkenlo? Regen wolkig halb bedeckt halb bedeckt 15 14 16 14 11 1« 13 14 12 14 Weiter-Prognose für Dienstag, den 24. Angnst 1897. Zeitweise heiler, vorherrschend wolkig, mit etwas Regen, mäßigt» südwestlichen Winden und wenig veränderter Temperatur. Für den Inhalt der Inserat« Übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlci _ Berautwortung._ Mlzrtttev. D i e nfft a g, den 24. August: Neues kgl. Qpcrntheater(Kroll). Cannen. Anfang 71/2 Uhr. Schauspielhaus. Die Braut von Messina. Anfang T/s Uhr. Deutsches. Die versunkene Glocke. Anfang 71/2 Uhr. Berliner. Der Veilchcnfresier. Lessing. Die Geisha. Westen. Der Freischütz. Neues. Der Stellvertreter. Anfang T/, Uhr. Unter de» Linden. Herr Beaudeau. Ansang 71/2 Uhr. Schiller. Weh' dem, der lügt. An- fang 8 Uhr. Zentral. Ein stdeler Abend. Anfang 71/2 Uhr. Friedrich- WilftelmftädtischcS. Zwei Tage Millionär. Oftend. Unsere Reichspost. Anfang 8 Uhr. Nlcxanderplatz. Faust. Belle-AIliance. Spezialitäten. An- 4 Uhr. Apollo. VenuS aus Erden. Anfang 7,/, Uhr. Paffage-Panoptiknui. 80 Kinder der Wüste. Ui rania Tanbenstrasee 48—49. Naturkundl. Ausstellung tagst: geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50 Pf.— Wissensohaftl. Theater abends 8 Uhr. Castan's■lia Fanopticum. Friedrichstr. 166. Bärenweib die grösste Sehenswürdigkeit des ablaufenden Jahrhunderts ist wieder da!!! NPH! Italienische Kapelle nCU. dos Maestro Libertd, 5 Herren, 2-Damen. Passage-Panopticuni. Schillev-Dheakor (Wallner-Theater). Dienstag, abends 8 Uhr: Weh' dem, der lügt. Mittwoch, abends 8 Uhr: Bürgerlich und Romantisch. Doimerstag, abends 3 Uhr: Papa Ritsche. Luisen-Theater 34. Reichenbergerstraßc 34. ErOlTnnnKB- Toratellnnf: Mittwoch, den 1. September. Zum 1. Male; Geschwister Fiebig. Modernes Volksstück in 3 Akten von Oscar Wagner und Hugo Haßkerk. Musik von Fritz Krause. BiNctvcrkauf im Jnvalidendank, Unter den Linden 24 und tui Theater- dureau. Osteitd-Theater. Gr. Franlsnrterstr. 132. Dir. E. Weift Unsere Reichspost. Anfang 8 Uhr. Im Garten: Anfang bt/z Uhr: Austreten sämmtlicher Spezialitäten. Hag« Schiiis:. Panla Origattl. Henriette Ferry. Lebende Photographien. Prof. Alfredi. Sonnabend: Gr. Sommernachtsfest. Blaue Grotte von Oaprl. Else Kriminal- geschichte. 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Entree 39 Pf< Reserv. 30 Pf. Ventl'sl-Iliestkl' Alte Jakobstr. 30. Direktion Bichard Scbnlta. Dienstag, den 24. August 1897: Letzte Woche: Emil Thomas a. G. Zum 97. Male: g« Wer Ahend. Burleske dramatische Revue in einem Vorspiel und 3 Bildem von Julius Freund und Wilhelm Mannstädt. Musik von ver- schiedenen Metstem, arranatrt vom Kapellmeister Julius Einödshofer. Anfang-/-« Uhr. Morgen und die folgenden Tag«: Ein stdeler Abend. sibtoria-Srauerei I.tttzow- Strasse 111/112 nahe Potsdamer Platz. («arten resp. haal)I TUelich: Steiliner Sänger (Meysel, Pieiro, Britto,,. Steidl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) W. Noaek's Theater nriinneu-Strasso 10. Täglich: Konzert. Theatervorftettntlg. Spftililitättjlküllstl.I.Rangeß Nie»! Sien! 1 Rosen aus dem Süden. I Original- Burleske mit Gesang von W. G erickc. Jeden Sonntag, Montag, Zum Schluß: Strampelbrtider. Ensemble von Meysel. Anfang 8 Uhr. Enttee 30 Pf. Billets a 40 Pf. und Familien- Billets a 1 M. nur im Vorverkauf. (Siehe Plakate.) 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Ibeaiei', TurnenolZllen Aufführungen, GelÄngs�VovlvÄgen deS Gesangsvereins„Vereinte Sangesbrüder Moabits". Herren, die Im Saale:'Tanz. daran theilnehmen, zahlen 50 Pf fcnnige nach. HM- Die Kasfeeküche-WS® steht den Damen von 3 Uhr an zur Verfügung. Anfaug des Konzerts 4 Uhr nachmittags. SlUets 20 Pf. Zu recht zahlreichen Besuch ladet ein 220/13 Das Komitee. Deutsch. Metallarbeiter-Verband (Tcrwaltnnffsstellc Berlin). Mittwoch, den 85. August 1897, abends S1/- Uhr. in der Kronen� Brauerei. Alt-Moabit 47—49: Lrsnvhen»Versammlung füv Llovdsovlkett unv WloAbik. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genosten Holfmann über:„Glaube und Vernunft". 2. Diskusston. 3. Verbands-Angelcgenheiten und Verschiedenes. Mittwoch, den 85. August, abends 8Vz Uhr, in den Arminhallen, Konimandantenstraste Nr. 89: Beairks-Versammlung für den Süden und Äenkeuin. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genosten Dr. Alfred Bernstein über: Berufskrankheiten in der Metall-Jndustrie. 2. Diskusfion. 3. Berbands-Angelegen- heitcn und Verschiedenes. Ilm pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird ersucht. DM- Wir machen sämintliche Kollegen darauf aufmerksam, daß in Zukunft Handzettel nicht mehr verbreitet werden. Die Bekanntgabe der Versammlungen geschieht durch die„Metallarbeiter- Zeitung" und dem „Vorwärts". Den Mitgliedern des bisherigen Berliner Verbandes, welche ihre Uur- fchreibung in den„Deutschen Metallarbeiter- Verband" noch nicht voll- zogen, machen wir bekannt, daß dieses bis 1. September geschehen muß, anderenfalls verlieren dies« ihre Rechte. 160/7 Die Ortsverwaltnng. iWug! Putzer. Den Mitgliedern des Dentral-Verkandes dentschcr Manrer (Filiale Berlin I, Putzer) sowie den Mitgliedern des Cesllllgv. Cemüthlillikeit zur Nachricht, daß das Mitglied Gustav Müller aus Friedrichsberg am Sonntag, den 22. August gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 25. August, nachmitt. 4 Uhr, vom Krankenhause am Friedrichs- Hain nach dem Lichtenberger Kirchhof statt. fl35/5 Uin zahlreiche Betheiligung bittet Tic ortliche Verwaltung. Acht««»! Köpenick. Acht««»! Donnerstag, den 89. August, abends 8 Uhr, im Saale des Herrn Goleelel(Kaiserhof): Große öffentl. VoUis-VeOmmlung fiir Männer«nd Frauen. Tagesordnung: 1. Betheiligen wir uns an der im Herbst stattfindende» Ergänznngswahl zu demStadtverordneten-Kollegium? Referent: Theodor Metzner. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 205/9 Zur Deckung der Unkosten 10 Pf Entree.__ Der Vertrauensmann. Zur Aufklärung. In Nr. 177 des„Vorwärts" vom 1. August 1�97 wird mir von der Freien Vereinigmig der Zivil-Berufsmusiker Berlins und Umgegend der Vorwurf gemacht, daß ich mit den Musikern Streitigkeiten gehabt und es abgelehnt habe, der Einladung zu einer eine Einigung bezweckenden Sitzung folge zu leisten. Da dieser Vorwurf geeignet ist, mich in meinem Berufe zu schädigen, sehe ich mich zur Richtigstellung und Klarlegung des Sachverhalts veranlaßt: Am 1. Pfingstfeiertag veranstaltete bei mir ein Verein ein Tanzvergnügen, welches bis 5 Uhr früh dauern sollte. Freitags zuvor erklärte mir der Dirigent der zu diesen: Vergnügen engagirten Kapelle, daß diese um 3 Uhr morgens aufhören müßte, um des Morgens um 4 Uhr ein Friihkonzert zu geben. Als ich unter diesen Umständen auf die Kapelle überhaupt verzichten wollte, erklärte mir der Dirigent, eine ebenso organisirte Kapelle zu stellen und diejenigen zu entlassen, welche nicht bis 5 Uhr früh spielen könnten. Dies geschah auch so. Ich erklärte nrich um so eher mit diesem Vorschlag einverstanden, weil ich das Vergnügen meines Vereins in meinem Lokale nicht stören wollte. Aus dieser kurzen Darstellung kann ein Jeder ersehen, daß ich mit den Musikem überhaupt keine Streitigkeiten hatte und falls solche vorgekommen sein sollten, dies nicht meine Schuld, der ich das Interesse meines Vereins im Auge behalten mußte, sondern vielleicht Schuld des Dirigenten oder seiner Musiker war. Ich stand nur mit dem Dirigenten, nicht aber mit den einzelnen Musikern in einem RechtSverhältniß. Aus diesem Grunde habe ich auch die an mich ergangene Einladung der Mufiker ablehnen zu müssen geglaubt. Bernhard Xieft, Weberstrafie 17.__ B. Günzel, Lottringerstr. 52. ssSStSKÄ?" Lassalle, Marx:«. in Cigarrenspitzen, Pfeifen, Nadeln, Brachen, Knöpfen, Büsten, Buldern u. dgl., sowie jede Drechslerwaare u. Repar.(Man Verl. Preiskurant.) Am 21. d. M. entschlief nach langem Leiden mein lieber Mann, der Schneider Alois Priller. Die Beerdigung findet am 24. d. M., nachmittags um 5 Uhr, in Nieder- Schönhausen statt. 1566 Die tranemde Wittwe Maria Priller, geb. Schulz. Danlisagnng. Allen Verwandten und Bekannten, sowie sämmtlichen Vereinen, welche am Begräbniß meines lieben ManneS theilgenomurcn haben, spreche ich hier- mit meinen herzlichsten Dank aus. 1166b Wittwe Neuendorff geb. Hercht. KranzMnderel n. Blumen handlnng von 16438* Rohert Meyer, \o. 2. Marlannenstr. Xo. 2. Widmungs-Kränze, Gnirlanden, Ball- sträußchen, Bouquets zc. werden sehr geschmackvoll und Preiswerth geliefert. Mlnmenhandlung *0 P. Abromeit,»ÄÄ: Krünze, Bonqncts, Topf gcwllchse. Gnirlanden etc. Billigste(Markthallen-) Preise bei geschmackvoller Ausführung. Johaimislieerweiii 1 10 Liter Weinglas 1D Pf. Eugen Neumann& Co., Obst- und Beerenweinkelteiei. Damit ein geehrtes Publikum sich von der Güte und Vorzüg- liohkeit unserer Fruchtweine überzeugen kann, haben wir einen Ausschank errichtet und zwar Kommandantenstr. 67. Künstl. Zähne in tadelloser AuS- jllhrung v. 3 M., Plomben v. 2 M. an. Schmerzlos. Zahnziehen initt. Cocain, Clorethyl, Chloroform nnd Lachgas unter Leitung eines prakt. 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Diejenigen Mitglieder, die bis zu diesem Tage Ihre Beitrüge nicht entrichtet haben, müssen eventuell einer anderen Abtheilung als Ihrer bisherigen überwiesen werden. Acne Mitglieder haben das Eintrittsgeld OO Pf. und den September-Beitrag(mindestens 00 Pf.) bei den Zahlstellen zu hinterlegen gegen Quittung und erhalten die Mitgliedskarten nach der Aufnahme eingehändigt. Diejenigen Personen, welche dem verein beizutreten beabsichtigen, werden gebeten, sich sofort in den nachstehenden Zahlstellen zu melden, falls sie in den ersten Abtheilungen Aufnahme finden wollen. M. ErnstBeyer, Cigarren-Handlung, Veteranenstr. 13. H. M e h n e r t, Cig.-Handl., Diedenhofenerstr. 3. M. Winkelmann, Cig.-Handl., Ackerstr. 154. A. Hintze, Cig.-Handl., Pankstr. 13. H. Vogel, Cig.-HandL, Demminerstr. 32. C. Becker, Cig.-Handl., Lindowerstr. 25(Müllerstrasse). E. D i e k e, Restaurant, Ackerstr. 123. A. T i e t z, Cig.-Handl., Invalidenstr. 124(Stettiner Bahnhof). MO. Franz Niomeyer, Cig.-Handl., Weberstr. 19. J. E e u 1, Cig.-Handl., Barnimstr. 42. O. F. W: 1 k e, Restaurant, Andreasstr. 26. MaxKothe, Cig.-Handl., Koppenstr. 90. E. Böhl, Restaurant, Frankfurter Allee 74. A. Ho ff mann, Buchhandlung, Blumen- Strasse 14. �„?0,'. � a u 1 Nicolas, Cig.-Handl., Skalitzerstr. 107, G. B ö h 1 e r t, Cig.-Handl., Mariannenstr. 5. L. Tolksdorf, Restaurant, Görhtzerstr. 58. Karl Scholz. Glaserei. Wrangelstr. 27.'' 8. J. Gaedioke, Cig.-Handl., Gräfestr. 93. Gottfried Schulz, Cig.-Handl., Admiralstr. 40a. W. B ö r n e r Cig.-Handl., Eitterstr. 15. H. B a a k e, Buchhandlung, City- Passage, Dresdenerstr. 52/53. H. Schurig, Restaurant. Dresdenerstr. 128/129. „. SW. G. Kassler, Cim-Handl., Junkerstr. 1. A. 0 o h s, Cig.-Handl., Lmdenstr. 59. A B ö 1 1 g e r, Cig.-Handl., Zossenerstrasse 21. W. Werner, Restaurant, Bülowstr. 59. A.Fall er. Restaurant, Pallasstr. 16. Fr. Reddemann, Seifen-Geschäft, Pritzwalker- strasse 3. . 4*~ w e n b e r g, Cig.-Handl., Neue Schönhauser- Strasse 18. P. H o r s o h, Cig.-Handl., Gipsstr. 27. B. Scheit- üauer, Musikalienhandlung, Rosenthalerstr. 64. Rlxdorf. Ph. Thomas, Restaurant, Bergs tr. 162. Charlottenbnrg. A.Sellin, Cig.-Handl, Wilmersdorferstrasse 115/116. _. Der Toratand. PA.: Gustav Winkler, Berlin-Rixdorf, 231/12_ Kirchhofstr. 46, 2 Tr. r. Stralau. Empfehle meinen werihen Parteigenossen zum Stralauer gelegentlichst mein M?- Bier-Xokal""�BS zur gefl. Benutzung. Emil Olrblg, Stralau, Dorfstr. 17. an- 23668* Htzgirnische Urichrit. Telephon• Mnndschützer Von Bolz& Co■) Berlin S. 59, Amt IV. 2398. per Dutzend Mt. 6,—._ Wiederverkäufer erhalten Rabatt. [161b Arbeitsmrtt. ZiW m Amnern, te- nach der Firma Kössemann Kühnemann ist streng feruz«, halten.__ Die ßormr nnd Aermnachtr der Firma IUP Borsle"HWU haben Montag, den 23. d. M., wegen Lohndifferenzen die Arbeit eingestellt. 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