Einzelpreis 30 Pfg.• 3. Jahrgang Donnerstag 14. Oktober 1920 Nummer 434• Morgen-Ausgabe •h JJJtfM«*«fiJsflM m»rcraf m»«o�mHlag., eomria� imfc ratmtog« mt rtntioC$n Se�ugsptrlg brtrcgt bri firitt ZufteUun. in« Hau» für S»ub-Berl!N 10,— M. ta Sarau» zahlbar,»an tia Tprdiliun seldst adgrhol» 5,50 M. Für?oft» drplg nrhmrn sämtlich« Pastnnstaltrn Bestrllnngrn cnigegen. linier Strersdand bezage» sile Drntschlcnd und Oesterreich 15.50 M., ffie da« Ldrige Ausland 21 ,00 M, plzüglich Salut»«Ausschlag, per Arles für Orutschlaud und Oesterreich SO,— M. ■«bnÜHnm.«tpeMSUn ÜB» ArrUfll»artla«S, Orr«« Straß« 8.9. Sie»chtgesuasiner Siarrsarrillezesl« ad« derru«ana kostet 5,— ÜB.«tirschsteßstch loieruirgsjuschla». Klei»« Anzrizeu; Du» fetlgebnwül« War» 2,— Ol., jede» weiierg Wort 1,50 an., einschliestlich Tcurrung«, Uschlag. Lausende Anzeigen laut Tarts. «amilien-alnzelgen und Stellen»» esuche 3,20 Al. netta pro Zeile. Slellen-Desuch. 8» Warr-Anzeigcn i da. settgedrucht« Wort 1,50 jede, weitere War» l,— ZZ, Fmsimcha: Satw» Z0Z0. ZSti. tili UM. 4035. 4819. UM. $erßner Vrgm bpr Vnafiftänöfßeti Sctfalömtofmäe S>eatftdton&6 Der Weg zur Parteisekte Sinowjew weiß Bescheid! Vor einigen Tagen brachten wir die Meldung, daß der Sekretär der russischen kommunistischen Partei in einem Ar- tikel der„Prawda" die Feststellung machte, daß sich die Masse der Mitglieder von der Partei immer mehr entfremde. Kameradschaftliche Bande seien nicht mehr zu finden, die Disziplin beruhe nur nach auf äußeren Zwang, der proletarische Geist sei dauernd im Schwinden und das alles infolge des Ueberhandnehmens der B u r e a u k r a t i e, die die freie Willensäußerung der Massen unterbinde und ihnen die Lust an der Parteiarbeit nehme. Diese Fest- siellungen waren die schärfste.Anklage gegen die An- Hanger der Moskauer Bedingungen. Sie rechtfertigten glän- zend die Haltung der Anfchlußgegner, denn alles das, was diese bisher gegen den straffen Zentralismus ins Feld gefuhrt hatten, fand seine Bestätigung durch einen Mann, der die Wirkung jener Organisations f o r m, die jetzt den westeuropäischen Proletariat diktiert werden soll, aus eigener Erfahrung kennen gelernt hat. ?iunmchr hat sich auch E i n o w j e w über die bedenklichen Zcrsetzungserschelnungen innerhalb der kommunistischen Partei Rußlands geäußert. Er hat vor seiner Abreise nach ! eiJ,en über die„Sanierung der Partei" er- gefüh rt- Moskauer„Prawda"(Nr. 215) aus- S 1,1 hllta 1? lt s burfr oa m So« Toirlo« ao7..«o»o« l«.» r. r»» i oi... o?..» »>>' iiiiicrizaio per-parrei sjeioromcn ist. i;os v*nuaItomttee war der Meiiiuilsl. daß man den Verhandlungen über dicfe tirage nicht aus dem Wege gehen dürfe, und ist bereit, jedem praktischen Vorschlag entgegenzukommen, der die Möglich- leit gibt, den Gefahren vorzubeugen, die sich aus der gegenwärtigen Lage ergeben. Es wurde ein Ausschuß gebil- oet, der über die Mihständc in der Partei und ihre Sanierung beraten sollte. Eine eigentliche Opposition mit eigenem Pro- gramm gibt es in der Partei nicht, aber es gibt Strömungen der Unzufriedenheit, die zusammenfliessen und mit denen g-.rcch- net werden muß. Vor allem wird Mißstimmung und zwar nicht nur innerhalb der Partei allein, sondern auch bei oer ganzen werktätigen Bevölkerung dadurch erregt, daß der der ourchge- führten proletarischen Wirrschaftszentraiisatloil eine Willkürherr- ichast der einzelnen Zentralstellen besteht, die mit b u r c a u- kratiichen Methoden wirtschaften und selbst bei der Ver- teilung der vorhandenen Produkte oft versagen. Das Odium k t- kommunistische Partei, und init Recht, da sie für das Wirtschaftssystem verantwortlich ist. Ein zweiter Grund der Unzufriedenheit liegt in dem Beneh- wen einer ganzen Scktcht der Parteimitglieder, die t jetzige Krise in der Partei so außerordentlich vrrjcyar,» � Dann ging Erispien über zur kritischen Betrachtung d.: rmchfÄi« d«r nx»n u!» i st' j H e g 2nieZli«*i«' vorstach ab! n a l e, die Folgen eingehend schildernd, die deren An- nähme für die II. 6. P. zur Folge haben würde. Unter dem stürmischen Beifall der rechten Hälfte des Parteitages und unter betretenem Schweigen der Linken kenn- zeichnete er den Widerspruch in der Haltung der russischen Kommunisten, die die Gemeinschaft mit dem Armenier- schlächter Enver Pascha herstellen, mit kapitalisti- schen Regierungen„ergebenst" verkehren, ihre guten Ab- sichten entgegen den offensichtlichen Tatsachen anerkennen, gegen Bruderparteien aber Sudelschriften richten, die vor Unwahrheiten, Unterstellungen und Gemeinheiten strotzen. Wiederholt rief er Sinowiew selbst zum Zeugen gs- gen das von dem Exekutivkomitee unterschriebene und erst in letzter Stunde auf dem Parteitag verbreitete Pamphlet auf. Crispien schlog, wiederum unter dem stürmischen Beifall der rechten Seite und dem verlegenen Schweigen der lin- ken, mit einer großzügigen Darstellung der historischen Auf- gaben der U. S. P. Sie werde und müsse bestehen bleiben als revolutionäre Massenpärtei des deutschen Proletariats. Nie sei er zuversichtlicher gewesen wie gerade jetzt, wo die inneren Kämpfe das äußere Gefügc der Partei zu zerreißen drohen, wo aber die innere Stärke sich an der größeren Klarheit über taktische Problems festigen werde. Für die Zerstörung der Partei war auch dieser Tag wie der hergehende ein Tag der Abrechnung. In der Nachmittagssitzung sprach D ä u m i g. Wie dieser Vortrag von den Ausführungen Crispiens Däumig ist kein guter Redner. Aber dieses Mal wirkt feine Rede geradezu e r m fl d e n d auf die Zuhörer beider Rich- tungen und vergeblich bemühten sich Däumigs Freunds durch� ermunternde Zurufe die Stimmung zu beleben. Crispien hatte als der revolutionäre Kämpfer gesprochen. der sich in dieser Zeit der Verwirrung der Aufgaben be- wüßt ist, die die II. S. P. zu lösen hat. Däumig aber scheint selbst zu fühlen, wie unsicher seine eigene Stellung als Führer, wie haltlos die Lage seiner Richtung ist. Aber es kommt ja weniger auf die Form, als auf den I n h a l t der Rede an. und auch hierin versagte Däumig. Er begann mit der Berufung auf den„revolutionären „Marxismus", dem er eine Anerkennung der russischen Kommunisten anschloß. Dann gab er eine umfangreiche Wiederholung der Anklagen, die er seit längerer Zeit schon gegen die U. S. P. gerichtet hat. Wenig hörte man von ihm darüber, wie die ökonomischen Bedingungen Deutschlands und der anderen Länder beschaffen sind, aus denen man die Schlußfolgerungen für den politischen Kampf zu ziehen �-at. Er sieht nur, und zwar in völlig illusio- n ä r e r<5 o r m, die Entwicklung der Revolution in Ruß- land und glaubt, daß deren Formen auch auf Deutschland übertragen werden müßten. Die ökonomischen und politi- schen Verhältnisse der Westländer spielten in diesen Betrach- tungen überhaupt keine Rolle. Es bedurfte erst eines Zwischenrufs von Ledebour, der einen minutenlangen Lärm entfesselte, um Däumig zu veranlassen, sich mit den Aufnahmebedingungen zu befassen. Er behauptete wiederum, daß sie nichtfo schlimm ge- meint seien, und daß sie nicht den Anlaß zu den heftigen Auseinandersetzungen hätten geben dürfen. Aber sie seien in allen Einzelheiten zu erfüllen. Däumig erklärt« zum Schluß, daß er und seine Freunde mit Ruhe die weitere Ent- Wicklung der Ding- abwarten könnten. Das kam nicht sehr zuversichtlich und entschlossen heraus. Auch der Beifall, den die„Linke" dieser Rede spendete, war mehr gekünstelt de- monstrativ, als aus überzeugten Herzen heraus quellend. Dieser Tag schloß trotz allem, was vorausgegangen war, mit einer einmütigen Kundgebung des Parteitages gegen die NichtVerlängerung der Aufenthaltsbefuqnis der russischen Eewerkschaftsdelegation. In prak- tischen Fragen also herrscht Uebereinstimmung im ganzen Broletariat. trotzdem aber soll auf russisches Kommando ■y■<• II. S. P. gespalten werden! Die Lage der Lazarettinsassen lieber die Lage der beklagenswertesten Opfer des Massen- mordens, derjenigen Schwerverletzten, die bis heute in Lazarettbchandlung sein mußten, versendet das Reichsarbeitsmini st erium- folgende Darstellung an die Presse: Die Lazarettinsassen, die seit ihrem Ausscheiden aus dem MilUärv-rhältnis ununterbrochen in Hcilbehand- luna stehen, die sogenannten Ilebcrgangskranken. erhalten, so- lange sie sich noch in Anstaltspflege befinden, neben freier Wohnung und V erpslegungdie KrantenNeidung uud e,n Taschengeld, das. nach Ortsklassen abgestuft 4 M. bis tvio M. den Tag beträgt. Außerdem erhalten sie für ihreUweili- gen Mißerfolge an der Front würden dann ein Ende neh- men, die Sowjetarmee würde in den nächsten Tagen wieder die Offensive ergreifen können und nur dann würde ein dauerhafter Friedenszustand mit Polen eintreten. Streikdrohung belgischer Bergleute Brüssel, 12. Oktober. Die Bergarbeiter des Beckens von Charleroi haben be- schloffen, am 16. Oktober kollektiv die Streikandrohung zu übermitteln, im Falle der Taglohn nicht um fünf Francs erhöht wird. Die Senatskommission, die den von der Kam- mer genehmigten Gesetzentwurf über den Sprachengebrauch in der Verwaltung zu beraten hat, hat sich, geweigert, den Essetz- entwurf in der Fassung der zweiten Kammer anzunehmen. Man wird nunmehr in eine nähere Beratung eintreten, um den Ee- setzentwurf vollkommen umzuarbeiten. Hierzu liegt ein Entwurf des Gouverneurs der Provinz Vrabant vor. der den Kommunen und den Provinzen absolute Autonomie zusichern will, mit and> ren Worten, jede einzelne Kommune und jede Provinz soll über die Sprachenfrag« bejchlichen, was sie will. Das bedeutet die Rückkehr zu dem Zweisprachenmstem. das die Vlamen ablehnrn, »eil dadurch der Vlame kein« Sprache richtig lernt, weder das Französische noch das Vlämische. Das Abstimmungsergebnis in England DA. Pari», 13. Oktober. Der„Matin" berichtet aus London, daß die Abstimmung für oder gegen die Annahmo der Vorschläge der BergwcAsbesitzer, mit 18 673 Stimmen gegen die Vorschläge endete. Die Anzahl der Stimmen für die Vorschläge beträgt 18 215. Trotzdem hofft man, daß es dem' Exekutivausschuß gelingen wird, die Gewerk» schaftsmitglieder dahin umzustimmen, daß diese Frag: einem unparteiischen Schiedsgericht unterbreitet werde, da die Mehr- zahl der Bergleute zu einem Streik nicht geneigt sei. Oesterreichs Sieg in Kärnten Die Abstimmung in Kärnten(Zone A). auf die wir bereits gestern hingcwicfen haben, hat eine deutsch« Mehrheit ergeben: 21852 Stimmen für Oesterreich. 15 098 Stimmen für Jugoslaoien. Damit ist praktisch die Entscheidung über das ganze Land zu Oesterreich» gunsten gesallsu. da die Abstimmung!n der nördlichen Zone nur stattfinden sollte, wenn die südliche gegen Oesterreich gestimmt Hätte. Der Segen der freien Wirtschast Gefährdung der ostpreittzischen Biehwirtschaft Aus Ostpreußen ist vor einigen Tagen eine Deputation in Bei« lin eingetroffen, bestehend aus Vertretern der Städte, der Ver- braucherkreise, der Gewerkschaften, Angestellten und Beamten, so- wie Vertretern der Handelskammern und �der Promuzialfleisch- stelle. Sic hat im Preußischen Staatskznjimssariat und der Reichs- fleischstelle die schwierige Wirtschaftslage Ostpreußens geschildert. die durch die gänzliche Isolierung vom übrigen Reiche bedingt ist. Besonders große Schwierigkeiten zeigen sich jetzt nach der Auf- Hebung der Zwangswirtschaft für Fleisch. Händler aus allen Teilen des Reiches kommen nach Ostpreußen und kau» fen dort Vieh in ungeheuren Mengen auf. Augen- blicklich ist der Abtransport noch dadurch behindert, daß der größte Teil des vorhandenen Wagganmaterials zur Beförderung der Kartoffeln gebraucht wird, die noch vor Eintreten des Frost- wetters abgehen müssen. Trotz dieser Hemmnisse ist der Sturm auf Eisenbahnwaggons für die Viehverladung bereits so stark, daß die Bevölkerung der Städte, und über den Kreis der Konsumenten hinaus noch andere Bevölkerungskmse, stark beunruhigt sind. Königsberg. Znsterburg, Elbing. sogar kleine Städte sind im Augenblick ohne Viehzufuhren für ihr« Schlachthöfe. Abhilfe ist deshalb dringend erforderlich. Di: Deputation hat nun euch noch im R-ichsministerium für Ernährung und Landwiitfchsft Vortrag gehalten. Di- Be- sprcck'ungen haben folgendes Resultat ekgeben. Alle Regierungs- stellen haben anerkannt, daß der Abtransport von Vieh aus Ost- preußen in m großem llmlange vermieden werden muß. Der Cchorakter der Provinz als eines der Viehrefervoire Deutschlands mutz erbalten bleiben. Folgende Maßnahmen wurden beschlossen: Einführung einer Kontrolle über die Zahlen des aus Ost- preußen hinausgehenden Viehs, die täglich durch Zusammenarbei» tcn des Dberprastdenten Oftpreußens mit der Eisenbahndirektion Königsberg festgestellt werden. Der Umfang der Friedensausfuhr soll ermittelt und Berechnun» pen über das Verhältnis der Friedensausfuhr zu dem damaligen Mehbestande und der heutigen Aussuhr zum augenblicklichen Be- stände angestellt werden. Auf Grund dieser Unterlagen soll dann über weiter zu ergrei- sende Schritte neu beroten werden. Schon im Laufe dieser Woche sollen die Beratungen mit allen beteiligten Kreisen Ostpreußens fortgesetzt werden. An die Vertretungen der Landwirtschaft soll eine Aufsorderung gerichtet werden, ihre Zusicherungen, die sie bei ihren Anträgen auf Aufhebung der Zwangswirtschaft gegeben haben hinsichtlich der Versorgung der Städte, zu erfüllen und entschieden einzugreifen. Kropotkw in 9iot! Im„Syndikalist" veröffentlicht di- G-schäftskom'nisWm der Freien Arbeiter. Union Deutschlands(Syndcka- Osten) folgenden Aufruf: An alle Eozialifte» der W-lt'. � Wie uns zuverlässig mitgeteilt wird, befmde sich unser Genome Kropvtkin in Rutzland in einer verzwei, elten Lage Er der sein ganzes Hab und Gut, sein Onnzes Lebmi für dw Interessen der Arbsiterklalls der notleidenden Menschheit, eingesetzt hat, leidet entsetzlichen Älangel in Bekleidung und Lebensmitteln. Bis- her hat die russische Regierung ,hm. ebenso seiner Tochter Sascha, einen Reisepaß verweigert. Wenn Kropotl'.n nicht sofort geholfen wird, stirbt er diesen Winter Hungerst Das darf nicht geschehen! Es ist notwendig, daß sofort eine Hilfsaktion in großem Stil eingeleitet wird. Unsere schwedischen und spanischen Kameraden wollen versuchen, Lebensmittel an Kropotkin gelangen zu lassen: hoffent- lich ist dieses mit Hilfe des„Roten Kreuzes" möglich! Im übn- gen muß von allen Seiten die Forderung an die jetzige russische Regierung gerichtet werden, dem Kameraden Kropotkin die Äusreiscerlaubnis nach der Schwerz oder Italien zu erteilen! Es wäre eine beispiellose Brutalität, wenn einem so verdienten Manne im hilfsbedürftigen Eeifenalter von.78 Jahren, die Reise zur Erholung verweigert werden würde. � Obwohl wir keilte sachlichen Gründe zur Sympathie mit unseren Syndikalisten haben, schließen wir uns diesem Hilfe- ruf für Kropotkin rückhaltlos an. Qllz Kommunistische Parteien Der Sekiencharakter der kommunistischen Partei wird durch die Verhältnisse in der englischen kommunistischen Bewegung beson- der» deutlich. Die englischen Kommunisten haben sich bekanntlich in Moskau geweigert, in die Labour Party«inzutreten, aber auf Befehl von Moskau haben sie ihren Beschluß zurückgenommen. Welch« Kommunisten nun eigentlich in die Labour Party ein- treten werden, ist noch völlig unklar, denn aus einem Artikel de« „Communist" über die kommunistisch« Bewegung in England (..Rote Fahne" Rr. 204) geht hervor...daß ieder einzelne Sozialist, (? Die Red.) der eine andere Meinung hatte wie ein anderer, sich genötizt fühlte, eine eigene kleine Partei zu gründen. Als die kommunistische Partei Anfang August ge- bildet wurde, glaubten wir. daß diese Zeit nun vorüber sei. Aber am letzten Sonntag wurde beschlossen,«ine schottische kam- munistische Arbeiterpartei zu bilden." Auch die kommunistischen englischen Gruppen, die gegen den Eintritt in die Labour-Party find, haben noch keinen Versuch ge- macht, sich untereinander zu verschmelzen. Moskau bat inzwischen alle bri(ischen kommunistischen Parteien zu einer Einigungskon- ferenz zusammengeblosen, und-war sind nicht weniger als 6)- kommunistische Par.'eien eingeladen worden, nämlich: 1. und"■ die zwei englischen, kommmii'iischen Parteien, 3. die Vertreter der Shov Stewardbewegun.g. 4. das schottische Axbeiterkom'tee, 5. die kommunistischen Bergarbeiter von Wales, 6. die Socialist Labour Party und 6';. den linken Flügel der unabhängigen Arbeiter- Partei(das sind die englischen Däumigs). Der Sektencharakter der englischen und aller anderen KommU' nisten wird durch keine Einigungskonfercnz aus der Welt geschallt werden. Wenn es schon die Engländer zu einer solchen Parteizer- splittecung gebracht haben,— was steht uns dann erst in Deutsch' land bevor! n 93 Orten des Mansfeldcr hindert werden. Eine Anmaßunz der Entente Der Bund der technischen AnZss stellten und Beamten erläßt eine Kundgebung, in der es heiß'' Dcr am 9. Oktober 1920 in Berlin tagende Ausschuß des B- 31. B. nimmt von der Forderung der Entente, alle in Deotschlan� befindlichen Dieselmotoren zu vernichten, mit Entrüstuaft Kenntnis. Die im 23. t. A. 83. organisierten Ingenieure unTechniker sind infolge ihrer beruflichen Tätigkeit ganz besonder» in der Lage, die katastrophalen Folgen einer solche'' Maßnehme für die gesamte deutsche Volkswirtschaft zu bcu» teilen. Der 83. t. L. B. fordert deshalb den Dundesvorstand atll' sofort an die maßgebenden Regierungsinstanzen heranzutreten� Um geeignete Abwehrmaßnahmen-in di« Wege zu leittW', / Der Parteitag in Halle lFortsekung aus der Beilage.) Crispien beschäftigt sich mit der letzten Veröffentlichung des kommunistischen Exekutiotomitees, das an die Parteimitglieder ging, ohne dem Zentralkomitee davon Mitteilung zu geben. D ä u m i g und S t o e ck e r werden hier zu bestätigen haben, was es mit dem Vorwurf auf sid) hat, das; die rechten Führer die Veröffentlichung des Sdjreibens der Kommunistischen Internationale verhindert haben. Wir brauchen nicht in unse- rer Parteipresse die Beschimpfungen und Ve- fudelungen unserer Partei abzudrucken, dafür ist der Raum zu schade.(Lebhafter Beisoll.) Eenosie St- nowjew, was würden Eie ist Rußland tun, wenn solche Hinter- hältigkcit in der russischen kommunistischen Partei zu verzeichnen märe? Das Exekutivkomitee erklärt es für eine Schande, daß man Dittmann und Crispien nack Rußland geschickt hat.(Leb- hafte Entrüstung und Pfuirufe.) Ich Hab«, nicht den Ehrgeiz, mit Enver Pascha in Wettbewerb zu treten.(Beifall.) Man wollte gar nicht mit uns verhandeln, man wollte uns brandmarken und herunterreißen. Das war die Rolle, die auch der K. A.P.D. zugedacht war. Haben Sie, Genosse Leoi, nicht ge- droht, den Kongreß zu verlassen, wenn die K. A. P. D.-Vertreter zngelasien werden, und find Sie nicht immer opportunistischer ge- morden und haben dann erklärt, wir treten nur aus dem Prost- biam. Und dann stellt man sich in Deutschland hin und fragt: Warum haben die K. A. P. D.-Vertreter nicht in Moskau ihre Meinung dargelegt? Für solche Verdrehungen habe ich lein Verständnis. Zur Verlegung des Parteitages möchte ich bemerken, daß uns die Rusien schon selbst überlassen müssen, darüber zu entscheiden und diese Verlegung des Partei- tages wird als„Gaunerei" bezeichnet. Wir werden beschuldigt. die Aufnahmebedingungen entstellt und gefälscht zu haben, wir haben die Manufkripte im deutschen Wortlaut aus Rußland mitgebracht, die Originale find in der Redaktion der„Freiheit" aufgehoben, weil ich meine Pappenheimer kenne. Was man schriftlich hat, kann man nicht nur getrost nach Hause tragen, man kann es auch nicht entstellen und ableugnen.(Sehr richtig.) Auf die Be- dingungen selbst gehe ich hier nicht ein. Es wird verlangt, nicht Erhaltung der U. S. P.. sondern Uebertritt in die K.P. D. Daran ist nicht zu rütteln. Da» Dümmste, was Ihr ton könnt, ist, der Masse zu sagen, wir nehmen die Bedingungen an, bleiben ll. S.P. und verhandeln über den Anschluß. Das ist eine Ehr- l i ch k e i t. die die deutsche Arbeiterschaft gebührend einschätzt. (Beifall.) Wir werden mit den Eenosien, die sich offen als Kom- munisten erklären, ohne die Konsequenzen zu ziehen, deutlich reden. Wenn dieser Parteitag beschließt,»ach Moskau pt gehe», so werden wir erklären, daß wir die Unabhängige Partei Deutsch- lands bleiben werden, bleiben müssen, weil das revo- lutionäre deutsche Proletariat«ine Vertretung braucht, die es ««der an den Recht»so,ialisten. noch an den Kommunisten hat. Eine solche Partei besteht in Deutschland nue in der Unab- hangigen Sozialdemokratischen Partei.(Beifall.) Wir«erden von diesem Parteitag einig und geschlossen gehen. Wir werden auch fernerhin die Interefien des Proletariat» zur Geltung bringen. Alles Dazwifchengerede rüttelt daran nichts. Die Unabhängige Partei wird auch weite» ei« Glied der International« bleibe», mit de« so- zialrevolutionären Parteien aller Länder. Mit uns find die Tatsache«, mit uns die Wirklichkeit. Wir werden die Front in Deutschland neu zusammenschließen, unsere ganze Kraft einfctzen, zufammenstehen als Brüder einer Klasse, als Kampfgeuofsen, allen Berfolguugen und Verleumdungen Trotz bieten. Wir werden siegen im Zeichen der Re« »»lution de» Proletariat«.(Langanhaltender, brausen- der Beifall.) Nachmittagssitzung. Als zweiter Redner zum Punkt 3 der Tagesordnung„Die Internationale" erhält das Wort Genosse Däomig: Zn den leidenschaftlichen Auseinandersetzungen dieser Tage ist mir sehr oft«ine Episode ins Gedächtnis gekommen, die fich im Jahre 1917 wenige Tage vor der Gründung der U. S. P. am IS. März im Reichstagsgebäude zugetragen bat. Wir saßen unter Borsitz des Genossen Haase zusammen, um die Gründung der U. S. P. vorzubereiten. Mitten in unsere Beratungen hinein kam ein Genosse, der uns den Beginn der russischen Revo- lution meldet«. Wir waren wie von einem Albdruck befreit und riefen aus:„Ex oriente lux!" Aus dem Osten kommt das Licht! Der Gothacr Parteitag stand unter dem Eindruck der Nachrichten aus Rußland, daß nun endlich ein Volk die Kriegs- suricn überwunden hatte. Und als wir dann im November 1917 die Meldung erhielten, daß die S o w j e t h e r r f ch a f t in Ruß- land aufgerichtet fei, da wußten wir, daß hier zum ersten Male der Grund zu einem proletarischen Staatswesen mit Aussicht auf Bestand gelegt worden war. Heute ist aus dem zi- ticrten Wort„Ex oriente croz" geworden:„aus dem Osten kommt das Leiden". Wir haben in der letzten Zeit soviel hören müssen über die brutale Gewaltherrschaft des bolschewistischen Regimes. Erst heute morgen haben wir aus dem Munde des Genossen Erispien wiederum vernommen, daß der Kommunismus mit den Erundanfchauungen der U. S. P. in Widerspruch stehe. Ich bin der Ansicht, daß das Aktionsprogramm, das wir uns in Leipzig gegeben haben, nicht mehr den Namen eines sozial- demokratischen Programms führen kann. Wir müssen uns nun mit dem Begriff des Kommunismus etwas näher beschäftigen. Karl Marx hat sein Manifest ausdrück- lich das kommunistische genannt, um klar den Unterschied von ollen kleinbürgerlichen Anschauungen zu bezeichnen. Heut«, wo mit dem Begriff der Sozialdemokratie«ine Verwirrungg- Politik getrieben wird, ist es notwendig, wiederum klar uuse- ron revolutionär-proletarischen Charakter zu bezeichnen. Die K o m m u n i st i s ch« Partei Deutschlands hat sich seit ihrem Heidelberger Parteitag unzweideutig auf den revolu- tionären marxistischen Boden gestellt. Vor dem Kriege steckten wir noch in dem Kindheitszeitalter der sozialistischen Bewegung. für welche die Agitation für die Demokratie Geltung haben mochte. Heute, wo wir in revolutionären Zeiten leben, wo die Dinge sich überstürzen, können wir die lleberschätzung der Bildungsarbeit nicht mehr anerkennen. Denn dahinter versteckt sich der Glaube, daß der Sozialismus erst verwirklicht werden könne, wenn alle Proletarier organisiert seien. Unsere Frage kann daher nicht mehr lauten: Wie leisten wir Bildung?- arbeit, sondern wie bekommen wir den Sozialismus? Und diese Uebcrzeugung kommt theoretisch im Leipziger Aktionsprogramm zum Ausdruck. Für Rußland lautet die Frage: Wie erhalte ich die proletarische Diktatur? Run kommen Genossen, die sagen wie kann vom Osten der Sozialismus kommen? Der Kampf u m d i e M a ch t. der erst die Umstellung der kapitalistischen Wirt- schaft in die sozialistische bringt, wird in den Ländern des Westens schwerer werden, als es in Rußland gewesen ist. Das Jahr 18S9. das Geburtsjahr der zweiten Internationale. zeigt uns den Kapitalismus in voller Blute, zeigt uns die starken Regungen des I m p e r i a l i s m u s. Die zweite International« trägt daher unter Berücksichtigung der Kräfte hüben und drüben reformistischen Charakter. In der weiteren Entwicklung bei der Verschäriung des Klassenkampfes zwischen Bourgeoisie und Broletartat zei-tt es sich, daß die werte Autonomie, die die zweite Internationale' bot. nicht ein Instrument zur Führung des prole- tariicken Klailenkampfes war. Sie trat besonders beim Aus-' brü� d'es Weltkriegs furchtb« i» Erscheinung. Daher wissen wir, daß die neu- Internationale die Fehler der zweiten Internationale nicht mehr haben darf. Es ist«ine historische Tatsache, daß in Rußland im November 1917 das Proletariat sich zum Träger der Staatsmacht gemacht hat und die ernsthaftesten Versuche anstrebt, so- zialistische Wirtschaflsformen durchzuführen. In den Sowjets waren die bolschewistischen Elements zunächst nur zu 13 Prozent vertreten, aber die Kcrenskiperiode hatte schon nach sechs Monaten abgewirtschaftet. Sie mußte die Führung den Bolschewistcn überkasien. die den richtigen Weg eingeschlagen hatten. Es ist nicht auf die Agitation von ein paar Kulis von Moskau zurückzuführen, daß der Ruf„Anschluß an Moskau" immer stärker wurde. Die Millionen Proletarier nahmen die Verwirklichung der proletarischen Staatsmacht zum anfeuernden Beispi-k. worauf das starke Hindrängen nach Moskau zurückzuführen ist. Wenn diese Massen orcllcicht nicht einmal mi! dein Kommunisn- schen Manifest vextraut sind, so spielt hierbei doch ein wi-btiger psychologischer Faktor eine Rolle, der nicht zu unter- schätzen ist. Ausgabe de: Murrsstcu sollte es sein, dieses instinkrive Drängen in bewußte klare Bahnen zu lenken. Die russische Kom- munistische Partei hat in dem dreijährigenBiirgerkrieg große Erfahrungen gesammelt, die zum Teil nur für rup.iche Per- hältnisse zutreffen können, aber auch eine Fundgrube für die revo- lutionäre Eatwickelung bei uns und in den westlichen Ländern werden können. Der Niederschlag dieser Erfahrungen befindet sich in den Leitsätzen des zweiten' Kongresses der kommunistischen Internationale. Es fragt sich nun. ob auch bei uns die Voraussetzungen für die revolutionäre Umwälzung gegeben sind. Die Verschärfüng der Gegensätze in Deutschland ist in ein solches Stadium eingetreten. daß sie sich auf allen möglichen Gebieten bemerkbar macht. Alle ungelenken Aeußerungcn sozialer Unruhen beweisen, daß wir dem Endkampf entgegengehen. Es ist die Zeit, in der jeder Marxist zum Kom- munisten werden muß. Von den Gegnern der Bedingungen wird nun eingewandt, daß die Art der verlangten Oraanisienmg jedes Leben und jede Bewegung in der Partei vernichtet. Das ist nicht der Fall. Dafür lassen sich Belege aus dem von den Gegnern so gern zitierten Buch von Lenin„Der Radikalismus" anführen. Bei der Gründung unserer Partei standen all« d'e h-ut? trennenden Fragen noch nicht im Vordergrund. Unsere Partei hat sich orga- nisiert als eine Abwehr gegen die dumpfe Atmosphäre des Krieges. Die Parole lautete damals: Krieg dem Kriege. Es fanden sich demokratische Elemente und Sozialpazislsten zusammen. Wir schlössen November 1918 mit 70 000 Mitgliedern ab. Diese Mitgliederzahl schwoll nach den Novembertagcn gewaltig an. Ge- miß ist diese Masse nicht allgemein sozialistisch ge- schult. Aber die Schwächen, die historisch durchaus verständlich, aber revolutionär äußerst hemmend sind, hätten sich vermeiden lassen, wenn die leitenden Köpfe in der Partei eine einheitliche Meinung vertreten hätten.(Starker Beifall.) Wie oft hat man nicht in der letzten Zeit in den Versammlungen gehört: Wir wollen den Bürgerkrieg nicht. Aus das Wollen kommt es hierbei nicht an, sondern wir haben uns bewußt auf den Bürgerkrieg einzustellen. Und weil die 3. Internationale in ihren Leitsätzen gezeigt hat. wie der Kampf geführt werden muß. deshalb bin ich für den Anschloß an di- kominsnistische Znter- »wtionale.(Beifall.) Bei der gestrigen Debatte hat der K a p p- P u t s ch eine große Rolle gespielt. Wo sich damals der Generalstreik zum bewaffneten Ausstand auswuchs, da war das auf lokale Initiative zurückzuführen, nicht auf eine zieMare Führung der Partei. Diese Erkenntnis hat mich belehrt, daß solche Situationen uns nicht mehr u n v o r b e r e l t e t treffen dürfen.(Beifall.) Es war ein Fehler, daß am 18. März in Verhandlungen mit Legte, l einge- treten wurde, denn das bedeutete einen Verrat an den ent- brannten Kämpfen. Zum mindesten hätten zunächst S i ch e r u n- gen geschaffen werden jnüssen. Wer aber denkt heute noch a» die berühmten 8 Punkte. In den Kreisen der Proletarier war damals das Bewußtsein vorhanden, daß durchgehalten werden müsse. Nicht etwa, bis die Räterepublik ausgerufen fei. Genossen, hören Sie doch endlich mit diesem alten Ladenhüter auf. Die Räterepublik ruft man nicht aus, die erkämpft man.(Beifall.)(Genosse Lede- bour ruft dazwischen: Sprechen Sie doch zu den Bedingungen!) In diesem Zusammenhang geht Däumig auf die Rätesraqe ein und erklärt seine bekannte Ausfassung in dieser Frage. Sodann geht Däumig aus einzelne Bedingungen ein und behandelt die Agrarfrage. Die Vedingnngen, die gestellt worden sind, greisen stark in das Gcfüge der Partei ein. Das bedeutet aber nicht, daß wir eine Vertretung Richlands werden sollen. Ohne disziplinarische Not- wendigkeiten giTTt es nun einmal keinen Zusammenschluß von Per- sonen und Körperschaften. Man macht den Russen den Vor- wurf, däß sie die deutschen Verhältnisse nicht kennen. Das trifft keineswegs zu. Denn die Genossen, die für die Bedingungen in Betracht kommen, haben sich nicht hinter einer chinesischen Mauer abgeschlossen. Andererseits haben sie unsere Verhältnisse in fahr- zehntelangcm Exil kennengelernt. Weiter haben sie zum größten Teil bedeutende Leistungen vollbracht. Viel weniger dürfen wir uns anmaßen, über die russischen Verhältnisse abzuurteilen. Dennoch gewannen wir aus unserer eigenen Anschauung in einem Lande, das drei Jahre im Bürgerkrieg steht, die klare E r- kenntnis, daß die UiS. P. in die 3. Internationale eintreten muß. Die Bedingungen, die in den letzten Wochen diskutiert war- den sind, werden die Scheidung der Geister bringen, sie werden aber auch den Zusammenschluß des wirtlichen revolutionären Pro- letariats in Deutschland fördern, so daß es dann keine weiteren Spaltungen des revolutionären Proletariats mehr gibt. In dieser Erkenntnis treten wir ein für die Bedingungen und den sofortigen Anschluß an die 3. Internationale.(Starker Beifall bei der Mehr- heit des Parteitages.) Ledehour teilt mit, daß sich der Fraktionsvorstand sofort mit dem Auswärtigen Amt in Verbindung gefetzt habe wegen der Ausweisung der russischen Gcwerlschastsdclcgation aus Deutschland. Es handelt sich für die russischen Genossen um den Erhalt italienischer Pässe. Die italienische Regierung Hot mit- geteilt, daß dies erst am 18. Oktober geschehe. Die Wariefrist in Deutschland geht nur bis zum 14. Oktober. Der Genosse Lofowsk? hat heute ein Telegramm des Auswärtigen Amtes erhalten des Inhalts, daß die Frist nicht verlängert werden könnte. Ich gebe dem Genossen Losowsty den Rat, dies nicht zu beachten und hier unter uns zu bleiben. Ledebour legt einen Antrag vor, in dem die Entscheidung des Auswärtigen Amts als unverantwortlich gekennzeichnet und festgestellt wird, daß die russische Delegation n o ch n i ch t a m 14. O k t o b e r a b r e i s e n k a n n. da sie erst an« 18. Oktober von Italien Nachricht über die Einreise erhält. Der Parteitnq ver- langt, daß dieses Aufenthaltsoerbot aufgehoben und den russischen Genossen die Möglichkeit gegeben wird, ihre gewerkschastliche Mis- ston zu Ende zn führen. Lebebour bittet um einstimmige Annahme der Resolution.(Bravo.) Dieser Beschluß wird einstimmig angenommen. Vorsitzender Genosse Braß verließt ein Bearüßungstele- gramm der dänischen Links soziallsten, in dem ein günstiger Beschluß des Parteitages für das revolutionäre Prolc- tariat gewünscht wird und mit den Worten schließt: Es leb« di- S. Zntcrn>iti>nale! Das Telegramm wird mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Darauf wird der Parteitag auf Donnerstag vertagt. ..�'ischkö Gold in Frankreich. Ein Paris erscheinendes russi- fches Blatt meldst, daß sine Pariser Großbank für 80000 000 Franks EoQ von den Boychsmisten erhallen Hab«. Der Ber- � band zur Wrhrv"g der französischen Interessen in Rußland hat ■ dem iranzösischen Ministerium des Aeußeren hiervon Mitteilung gemacht. Die CKfisler Musikanten Die ersten Tage der rechtssozialistischen lparteiparads find recht belanglos, wenn man sie nach ihren positiven Ergebe nissen beurteilt. Sie sind indes wichtig— als Charakteristik für die Partei. Die Debatten über die Berichte des Partei- Vorstandes und der Fraktion bieten, wie die Berichte selbst. ein Bild vorgeräuschter Sicherheit und Ruhe. Nirgends zeigt sich eine Haltung, nirgends sichere Ee- sichtspunkte. Ueder die zukünftige Politik der Partei fehlt jede Klarheit, an der Vergangenheit rührt keine Kritik. Kein Hauch von der E r k e n n t n i s ist zu spüren, daß die Politik der Partei mehrfach— wir erinnern nur an den Kapp- Putsch— Fiasko gemacht hat. Der Parteitag ist absolut solidarisch im Verschweigen. Wichtige taktische Fragen, so die Frage der Teilnahme an der Regierungs« bildung, werden so erledigt, daß den Herren der Partei freie Hand bleibt, falls ihnen nach den hohen Sesseln in den Ministerien' gelüstet. Hier herrscht eine Füh- rergruppe in bösestem Sinne des Wtwes, umgeben von treuen Trabanten und braven Bürgern der deutschen Repu- blik. Es hat einen doppeldeutigen Si-n, wenn die Rechtssozialisten immer wieder beteuern, daß sie fest auf denr Boden dieser Republik stehen. Und sicher wurde die Brust aller Teilnehmer der Tagung von edlem Männcrstolz ge- schwellt, als der gut? alte Pfannknch erklären konnte, man sei in der Lage, zweiehemaligeNeichskanzlorzu Präsidenten des Kongresses zu wählen, Müller und Scheide- mann. Eewiß werden diese guten Bürger, die aus Ueberzeugungs- treue über den Eingang des Tagungslokals schreiben könn- ten: Hier herrscht Ordnung! mit Nasenrümpfen auf die bewegte Tagung in Halle blicken. Sie haben ja nie das Cärcn in den Tiefen verftonden, das wohl gewisse, dem Ord- nungsphilistcr unsympathische Züge zeigt. Aber wir halten es dennoch mit den drängenden Massen der Revolution — in der Gewissheit, daß die Zukunft des Proletariats trotz alledem bei ihnen liegt, bei der U. S. P.. wie sie war und wie sie wieder sein wird, wenn der klärende Sturm vor- über, nur bewußter, geschlossener und stärker als zuvor. Herr H e i l m a n n ist es wiederum, der den Augenblick für passend hält, sich an uns zu reiben. Wir haben allerlei von ihm gehört. Aber wenn heute Hcilmanns Korrespon- denz behauptet, die 1l. S. P. habe überhaupt nicht existiert, sie sei stets nur eine Atrappe, ein Bluff, ge- wesen und wenn in dieser selben Korrespondenz gar noch be- wiesen werden will, daß der„Betrug, der unter der Maske der U. S. P. getrieben wurde, das deutsche Proletariat um die Früchte der Revolution geprellt" habe, dann überschreitet dies doch alle bisher von der Heilmann-Korrespondenz ge- wohnten Niederträchtigkeiten. Auf solche Anwürfe auch nur mit einem Worte einzugehen, hieße die Urteilsfähigkeit selbst der rechtssozialistischen Leser zu niedrig einschätzen. Herr Hcilmann und die Seinen mögen die Zeit abwarten. W i r sind unserer Sache diesen Leuten gegenüber ebenso sicher wie nach der anderen Seite hin. Wir sind keinen Augenblick im Zweifel, daß ein st das Prole- tariat, wenn es seine Geschlossenheit wiedererlangt hat, feststehen wird zur Po- l i L i k der U. S. P. Jetzt nähern sich die Verhandlungen den konkreten Ee- aenwartsfragen, so der Sozialisierung. Es wird interessant sein, ob das Tasten und Eiertanze njltu» dabei vorherrschend bleibt.'■' m Sitzimgsbericht (Eigene Drahtmeldung der„F reihet t".) Cassel, 13. Oktober. In der fortgesetzten Debatte fordert Bieser für die Arbeiter des S a a r g e b i e t s die Hilfe der deutschen und französischen Genossen, damit das Willkür- und Ge- waltrcgiment der Franzosen aufhöre und sie eine gesetzliche Ver- tretung bekommen. Otto Braun erklärt im Namen der p r e u ß i s ch e n D e l e- gierten, daß sie die gestrige Erklärung Auers für die Ei n- heitsrepublik begrüßen und sich damit solidarisch erklären. Die allgemeine Debatte wird geschlossen. Man kommt zum zweiten Punkt: Allgemeine Wirtschaftspolitll. Als erster Referent spricht Wissell: Die Reichstagsfraktion muß handeln. Ob sie den Vorschlag eins oder zwei der Sozialisierungskommission annimmt, ist weniger wichtig. In den Wirtschaftsziveigen, wo die Soziasi- siernng noch nicht möglich ist, müssen Zwischeniormen zwischen Kapitalismus und reiner sozialistischen Wirtschaft ge- schassen werden. Der vorige Parteitag bat dafür Richtlinien auf- gestellt. Aber vier Wochen später war nach dem Ausscheiden Wissells aus der Regierung alles vorbei. Nichts ist g e- schehen. Der Wirtschaftsm, nister Schmidt hat. trotzdem er elf Monate Zeit hatte, nicht einmal die S o z i a l i s i e r u n g der Elektrizitätsindustrie fertig gebracht. Die jetzige Vorlage stammt von einem bürgerlichen Minister uiid ist nur Fiskalisierung. Mit keinem Wort ist vom Mitbestimmungsrecht der Arbeiter die Rede.� Die überflüssige Luxuseinfuhr ist nicht unterbrochen. Die Sozialist«- rung der Braunkohlenerzeugung nicht in Angriff ge- nonimen, weil Schmidt es für unmöglich hielt, den I n t e r- e f s e n t e n die Preise für die Aussuhr vorzuschreiben. Erst im Dezember 1919 wurden die Außenhandels st ellen einge- richtet, was ich schon fünf Monate vorher wollte. Selbstverwnl- tungstörper für die Wirtschaft sollten eingerichtet, Sparsamkeit sollte erzielt, Luxuswaren auch im Inland verboten werden. Das lind die Gedanke» meiner Planwirtschaft.� Statt dessen hat man Zickzackkurs getrieben. Die Wirtschaftspolitik hat uns das Zutrauender Wähler gekostet. Die Schuld der kl. S. P. ist allerdings noch größer, weil sie nie zn Taten bereit war. Man starrte immer aus das Endziel und überl'eß das Gebiet der Wirt- schaft dem Kapitalismus. Robert Schmidt als zweiter Referent wirst Wissell vor. daß er viel von Planwirtschast gesprochen, aber ihre Organisation nicht dargelegt, sondern sie als Gcheimmittel behandelt habe. Wenn nicht alles ausgeführt wurde, was der Weimarer Parteitag beschlossen hatte, so lag das an der K o a l i t i n s r e g i e r u n g, an den Bestimmungen des Friedensvertrages und a» dem Dar- niederliegen der Wirtschaft. Ich bin nicht gegen Regelung>n der Wirtschaft, sondern warne nur davor, darauf große Hoffaungen zu setzen. Es sind eben nur bedeutungsloieHilfsmittel. Die Kohlenwirtschaft ist ein Stück Planwirtschaft. Sie hat die Bergarbeiter enttäuscht. Die Sozialisierunz der Braun« kohle war in so kurzer Zeit nicht möglich. Sie Sozialisterung der E l e k t r i z i t ä t s i n d u st r i e ist von enormer Bedeutung. Das abgetretene Kabinett kann stolz darauf sein, disses Gej-cj vorbereitet zu haben. Ich mußte mich gegen Wisiclls Plan auf Einschränkung des Konsums wenden. Wissell hielt die Erhöhung des Brotpreises bis zum Weltmarktpreis fuc notwendig.(Hört, hört!) Das Brot kam« dann oas Kilo Olli 30 Mark. Wissell will die Krise durch K»d!te an die In. dustrie für Rohstosseinsubr lösen. Schon� jetzt bat die.�ig.rie Riesengewinne. Solche Ltebesgaben-PolitU wuroc die Arbeite« erbittern. Wissell« Planwirtschaft-.st cm°p�a'rst>. scheu Prinzip. Der Kohlenbergbau ist für. die B oll» Sozialtsierung reif. Die Hand u nd K o pfarbeiter müssen sich zum Aufbau vereinen Die Sitzung wird geschlossen, (Starker Beifall.) WM« Volksbühne 7 Uhr: Kabale u. Liebe Nms Giiistheater Köpenick er Str. ÜL. 7>/,Uhr: Nora VOH'*'! H- fenheide 13 Tin lS. Oktober, abds. 7 Uhr: Gege» Jen weißen SiSrcdicn— Sit Similet-Rns!ls?i!>. Staatstheatsr Ovunfieus «>/, Uhr: Mm mrä Schauspielhaus 7 Uhr; Set kmmiV «inktton: Mar-Ü-lnhardt. . DevWs Theater 7Uhr: Der lebende Lrich»a« Mtmerssiele 7'/, Uhr: Stella Trskes Slkaiispielhinls Karlstrabe 7 Uhr� Danton (Auster Abonnement Direkt.: Dietor Barnorvsky LeWs-IM Das Gelübde tlkonttsniin. U,o«, Xlöpsbi-, Freitag 7 Uhr: Peer Gynt ll.00S, Lrön'ng, l.o»»»a) Sonnabend bisWr'ntag7>/,Uhr: Das Gellibdo. DeaA. M?lst!.-D;eater Alladendüch?>., Uhr: Sie ZKeiSMsiMise lüliaxA�jdLrt, 7eu6o tivstsedeeg) Äönigstadt t Theater (Ianno witzdrücke) Taglich 7� Gala- Sänger __ Int Ball'aa!: T a n k Kalnmer-Tanzspiele Bülowstr. 6, am Nollendorfplatz Tägl. 7*U Uhr: orientalisches Ballett Stitil Stlami Ben. Vollbier Die Brauereien Groß-Berlins beginnen mit dem Ausstoß ihres VollblereS in Gebinden und Flaschen am Freitas« ÄS?? 1Z. Oktober d. J. Die Berliner Vollbiers sind nach StammWÜrzegebaSt« und EsSLbMSCk den MQnchener und sonstigen auswärtigen Vollbieren durchaus sleichwertiSU %h Fs!.es CsMce � Vorsicherung gagen Ehebruch mit Ferd. GrEnetker. 'us COio-Theater«/„s Ktlarps sel. Wikve Stg.Z'i, U.: Der Hansdrache sekts s�? dlm Plakat©»Vollbiar SS itiiiiuiiiMiniiiin/iiiiiiHiiiNfiiiiKiuiiiiiiiiiiiuvM'rijiiiiiiiiiHiitiii'niiKiiiiiuMiiiHiiiiiitiMiimiiiiiiitiiMiiiiiiiHrtKUMUiiniiiiiiiiuii UIUIlll!!lll!l!UII!!l!lllillllll>l!lllll>lllllillllllllllllilllliiilflliiiii!iilitillliiiiiii i■ Verein der Brauereien Berlins und der Umgegend. Satsches Theater Sonntt.tQB, 7 Uiir: Der lebend« Leichnam" (Tllfjanbct Mviffi) Fernlag, 7 Uhr: Romeo und Iull«— «lex. ÜN-'ifsi.Zoh.Trrwm Bonnabrnb, 7 Uhr: Dlnsame Menschen; Kamersplelc Donnerstag. 7's, Uhr Strlla Rteiiog. 7',, Uhr: Die destschen KleiustSdter Sonnabend 7'/, Uhr: Frühlingserrvachen SrotzesSlhausptelhm! Donnerstag. 7 Uhr: lauhrr Abonnement) Freiig. 7U il7.Ahl.l.Abd.> onmon Sonnabrnd 8 Uhr: jedermann(oiih. Ah.) Apollo- Theater Friedrichs,?. 218 Vh Mbendlich VI* Harems-Nächte Zonntago y/j U. 1 Äinb frei. Theater i. d. Königgrätzer Str. .»I.s Uhr: m Elsr Hrüns.Slllsncr.Riemarm. Brandt. Pröckl. Bchmer. Freilag: Rausch �iaria Orska, A fred Abel, ohannes Riemann, Frida 'ichard, Rose Deldrkirch, Ernst Dcrnburgl Sonnabend Rausch Sonnlag: Rausch Montag: Erdgeist ottaria Orska, Alben Ste'.nriilK) Komödienhaus SerAttMlllster mit I«-,X ps'tendsrg Berliner Theater Täglich',,8 Uhr: Fritzi ZUassarg als Pcra Lisaroeta �in Der letzte Walzer Residenz'TtzeM Bahnhof Iannowitzbrücke Untergrundbahnhof Klosterstr. Heute nachm. 4 Uhr, kl. Preise Schueeniittchcn Heute und täglich%8 Uhr: Die Freundin .Tilla Durieur, Toelle, Bildt, Albers. Valleulin) Morgen Freitag, 4 Uhr, kl.Preif« Struioelpeter TriMN-Tdeater Bahnhof Frirdrichstraste Heute nachm. 4 Uhr. kleine Preise Nlax und Moritz Heute und täglich V�S Uhr: Dil Biir ElSSf ftiS lIda Möst. Büro, Limburg, Daletti, Falkcnstein) Morgen �re tag, 4 Uhr, dl.Preis« BlUhM' Hegter TZgl. 7>/„ Sig. nachm.»>', und abends Vi, Uhr: Eastspirl RZilhel!» Harlstcin in ,Drr Stolz der Z. Kompagnie". Rose-Theater vi, Uhr: Kater Lampe Sienes öperetlentzails Direktion Jean Kren ? Uhr: l HHnss Operette in drei Akten nach einem Motiv Petöfis von Fritz Grünbaum. MMMMWlilÄes - Theater- vi, Uhr: Hoheit die Tänzerin XlKOAteea i4.oubas.'i o. TW MontzpUt* 14854. Tag;!' 7Vt u. MonntUK nftchm. 8 Uhr: Iit6>sanger Ul fitheen> Ktueil orrk. 11- i<4 a. i— kU Tanzpalast Köniostaut- Kasino HolzmarktstraOa 72 am Bhf. Fannowig drücke TBgllch Ball Wochentags V„ Sonntag« 5 U. u. d. gr. Oktober-Programm vis S llsflev'» Marga u. F. Cure Charl. Montrell K. Edier u. Nick! Die 4 Eüner's Mewu????? 2 Nachmittagsoorstllg. ungekürzt wie abds. Erm. Preise. THsATen Kilrfürsiendgmm 217 Täglich?'/, Ahr! Die neue Revue: Text: Fritz Grünbanm. > Ginlag.: Theobald Tiger Mufik von Rudolf Nelson. Depot: vergsie. S4, Kord. 6822. Für Händler billigst Haushalt, ZtMWlljksMW!! Goldschmidt. N.Königstr.42,Hfll Uraufführvn g U. T. NOLLENDORFPLATZ deute, den 14. Oktober T u. 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Kleines toerLiekendes fsbl-ikgedäulte »aar»anaUga USuma, geeignet Me Einci�iung einer Metallschmelze und eines leta Nager», möglichst mit Anschluhgelei, und Wasserweg, in cderschöaeweidc.Oderschöneweidr.Rummelsbuig, Trepiow, Neukölln. Britz usw. gelegen, sofort ,b pachten gesucht. Etfl. ausführliche Angedole unier ü 57..Freiheit», Breite enatze g-s. Großes Schaufpielhaus Sonntag, den 17. Oktoder, 2'/. Ilör Tiußer Pffonnement Tjadte T/reife Danton von'Romain 7? 0(fand Regie: Tffak Reinhardt Treife der TLBfye: JUk. 3 öis Ulk. 42 Riflets:- Z/jeaterkaffe, R. WertQeim und im Jnvafidendank i Mönzstr. 24 • Erste Etage Papiergeschäft 2 echulrn, mit Herr!. Wohnung, 2 Stuben, Küche U.Bad, für testen Preis 2i0«>M.ohnrWohnungs- tausch ,u orek. Scherenbcrgftr. 5. Hof wohnung 2 Stuben u. Küche sofort beiUederuahme der kompl. Einrichtung. Elser, «--O, Eisenbabustraße>8. a 000,00 Mark I»«gru vom VIVVPWu«*! 17. Quaiitats-Seifen »u honkurreurloseuPreiseu llesert Ullnc.i t co. Neu» Promcoade ö. 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November iiCO, sie hat in der Zeit vom 13. bis 16. Oktober 1920 bei einem der z::g-Iaff-n-n Fl-iichoerkäufer unter Porieguug der Lebensmittelkart« ja erfolgen» Beiirseri werden in den fünf Wochen vom 18. Oitiodcr bi. 2t. November 1020 nacheinander dir Abschnitt« 61, 81, 82, 64 uud 63. Der Flcischverkänscr hat die Anmeideahschniite ab. zutrennen und an sich zu nehmen, sowie die ersoigtr Anmcidung durch Aufdrücken sein-- Deschästsstempeis aus sSnrilech« zu de» Anmeideadschniiteu gehörend- Derkaussadschnctte zu desto.!, gen. Di- Anmeldeabschnitte find in Bündeln zu KW Stück am 1,.06» lober, vormittag» 8 Uhr, an die Abteilung für Fleischvers orgung, Raihau», Zimmer 46, adzutiefern. Die Boraumeldung hat die Wirkung, dast dt? Angemeldete für die genannte Zeit städtisches Fleisch, sowie städtische Fleische waren von demjenigen Fleisch Verkäufe?, bei dem er sich an* gemeldet hat, zu entnehmen berechtigt ist. Art und Menge de? Belieferung wird für jede Woche besonder». bekannt gemacht werden. Charlottenburg, den 12. Oktober lsi20. _ Dee Prince-AIbert.Velvet, Tuxedo Dose 9 50 Echte T& B, Goldflake, Matocoo and andere bekannte Marken ra«lleräußersten Engros-Preise« Gold-Sh�g, Rauchtabak—————— SchÖiiebcrger Ufer 23* Telefon Nollcndorf 3708 «joiu-ojrso, OBER SEEPIN CKERT. Drahtwort Überseepincke t BERLOWITZ Münzstr. 24 Erste Etage Nr. 434 Vellage zur„Freiheit" Donnerstag, 14. Oktober 1920 At MlUwUle IUI»m WlüW Der Sitzungsbericht (Eigener Drahtbericht der Lireiheit".' Halle, 13. Oktober. Bormitiagssitzung. Dittaunm: Wir kommen nun zum dritte» Punkt der Tagesordnung: Di« konunmustisÄ« Internationale und die Aufnahmebedingungen und erteile dem Genossen Crispien das Wort. Genosse Crispien verweist darauf, dag die inneren Partei» kämpfe, die heute in allen Länder« akut stnd. sich b e- deutlich verschärft haben nach dem Kongreg der Z. Znter� Nationale. Diese Auseinanderjetzungen. deren Berechtigung ich anerkenne, hätten nie diese Formen annehmen können, wenn die Neu-Kommunisten erklärt hätten, Genossen, wir sind nicht mehr Eurer Meinung, wir können nicht mehr bei Euch bleiben. lWider- spruch.) Wer das nicht anerkennt, den vermag ich freilich auch n,cht dar- über zu belehren: durch die Berächtung und Veschimpftmg find diese Kämpfe vergiftet worden. Die U.S. V. soll sterbe», das schreiben die bürgerlichen Zeitungen, das schreiben die rechts- sozialistischen, das schreiben die kommunistischen und das schreiben Blätter, die noch zu unserer Partei gehören. Der Triumph des Bürgertums über die Krifis des Marxismus drängt auch in weite Volkskreise. Wir wissen, dag der Marxismus die« i n z i g e M ö g- lichkeit des Answeas aus Not und Elend bietet. Die Rechtssozialisten machen sich die Sache einfach, indem sie erklären. es gibt nur zwei Probleme, entweder Demokratie oder Diktatur, die Kommunisten find für die Diktatur, die Rechts- sozialisten für die Demokratie, somit hat die U. S. P. keine De- rechtigung mehr.(Sehr richtig.) Wer hier sehr richtig ruft, der beweist, daß er die Grundlage der Partei nicht einmal be- griffen hat. Genosse Crispien wendet stch gegen den„Vor- wärts", der aus Eeschäftsgründcn mit hämischer Freude die Vorgänge in unserer Partei verfolgt und kein Empfin- den für die tiefgehenden Kämpfe hat. die die so- zialistischc Bewegung durchlebt. Die Rechtssozialisten stnd im wesentlichen eine Resormpartei geworden, sie trennen sich grundsätzlich von uns. � Tie IL 3. P. D. erklärt in ihrem Lermiger Programm, das völ- lig aufrechterhalten wird noch jeder Richtung hin, daß der grundsätzlich« Klassenkampf die revolutionäre Räteorganisation.di« Aktion der Massen unsere Waffe find. Daraus geht die grundfätz- liche Verschiedenheit mit den Rechtssozialisten hervor. Wir ziehen nach wie vor mit aller Rücksichtslosigkeit den Trennunas. st ri ch zwischen uns und den Rechtssozialisten.(Sehr richtig.) Tie augenblickliche Aufwärtsbewegung, das ist nur das Produkt der Selbstzerfleischung des revolutionären Proletariats. Wie kommt es. daß in Deutschland nach sechs Jahrzehnten Klos- senkampk. wie ist es möglich, daß wir jetzt einen solchen Znstand haben, daß die revolutionäre Front ins Wanken geraten ist? Wir müsse« hier die wirkliche Totsach« prüien, um Schlüsse, ziehen zu können und nicht in Irrtümer zu verfallen. Genosse Crispien gibt eine Siizze des hiftonjchen Werdens der Ärbeiterbewegunq mit Einbezug des Krieges, der Revolution und dem dadurch bedingten Prozeß der natürlichen Menschwerdung und setzt dazu im Vergleich den Arbeiter, der in seiner Entwicklung all« Phasen durchläuft. die die Arbeiterbewegung als ganzes hinter sich Hot. Diesen Pro- zcß der Entwicklung des Arbeiter» vom Armen zum klafsenbewnfiten Proletarier können wir vcrsölgen auch bei uns. So erklärt es sich, daß bei Ausbruch de? Krieges die übergroße Majorität der Arbeiter nationalistisch- kapitalistisch ist. Das alles müssen wir verstehen, wenn wir den jetzigen Zustand begreifen wollen. Tie Kommunisti'che Partei Deutschlands hat es soweit gebracht, daß gan� in Vergessenheit geraten ist, daß es einen Todfeind de» Proletariats gibt, den Kapitalismus, und sie hat einen neuenTodfcutd entdeckt, die Unabhängige Sozialdemokratie. Genosse Crispien geht dann ausführlich auf die grundsätzlichen Fragen ein und unterzieht zuerst da» Agror Programm der KoinmunistischenJnternational« einer scharfen Kritik. Wen» wir in Deutschland die Verteilung des Bodens propagieren, dann leisten wir Arbeit für die Konterrevolution. Es ist eine Illusion, zu glauben, daß man die Bauern für die Re- volution gewinnt, indem man ihnen Land verspricht. Durch eine j solche Agrarpolitik würden wir die Millionen Landarbeiter gegen «ns aufbringen.(Sehr richtig.) In Deutschland kann es nur so gehen, daß die Landarbeiter die Verwalter des sozialistischen Staates werden im vergesellschafteten Großbetrieb. Das Agrar- Programm der Kommunisten steht dem der R e ch t s s o z i a! i st e n sehr ähnlich. Kleinbetrieb und Siedelung bedeuten einen Ruck- schritt gegen die deutschen Verhältnisse.(Sehr richtig.) Mit dieser Annasiung stehen wir in Deutschland nicht allein. Auch Ee- nosse Serratr erklärte in Moskau, jawohl, ich gehöre wohl zu eurer Internationale, aber euer Agrarprogramm kann ich nicht anerkennen, es ist viel zu opportunistisch. Auch wir erklären: Wir können eure Leitsätze nicht annehmen, wir wollen eine revo- lutionär« Politik in Deutschland treiben.(Lachen und llebh. Beifall.) Auch über die Frage des Rötssystems müssen wir uns unterhalten. Wir bringen in unserem Programm zum Aus- druck, daß da» Rätesystem feine Vollendung erfährt nach Eroberung der politischen Macht. Wir wollen die Masse« unmittelbar zur Geltung kommen lasse». Sie sollen von unten aufbauen. Dazu brauchen wir eine Masse, die nicht die militärische eisern- Disziplin in sich trägt, die nicht vom preußischen Unteroffizlersgeift beseelt st. Jeder einzelne soll ein kritisch denkender Mensch werden, mit V e r a n t- wortlichkeit angefüllt gegenüber' der proletarischen Masse. Solch eine Masse brauchen w-.r, die ist aktiv, die kann ihre Aufgaben erfüllen im Klassenkampf und nach Eroberung der poli- tischen Macht. Deshalb müssen wir die Bedingungen ablehnen. die die eiserne Disziplin fordern. Dabei wende ich mich besonders an die Rätsgenossen. In Moskau Hab« ich mich diebisch gefreut, als die Kommunisten über das RLtesvstrm sprachen wie die rechten Führer der Unabhängigen. Allerdings, die Leitsätze lauten ja wieder anders. Müller und Daum ig wollen mit christlichen und gelben Arbeiter» gemeinsame Politik machen. Darin ist der Genosse D iß man« viel revolutionSrer. Im Aktionsprogramm steht: Partei. Räte und Gewerkschaften müssen den Kampf rühren. Wir müssen die anderen herausholen aus dem b ärger. lichen Lager und in unsere Reihen bringen. Also auch in der Rätefrage trennen wir uns gru-r-statzlich von den Kommunisten. Auch die Fr»ge de« Xmats»nd der Gewalt will ich grundsätzlich beleuchten. Es geht nicht so. wie das die Kommunisten wollen. Terror und Gewalt n l s e i n s zu bezeichnen. Wir all« wissen, daß der Endkamvf nicht ohne gewaltsame Mittel geführt werden kann. Wir wissen aber nicht und können nicht voraussehen, welch« Mittel und i» welchem Umfange Gewalt angewendet werden muß. Wir werden jedes Mal die Mittel anwenden, die sich au» der Situation ergeben. Wollen wir uns heute verpflichten auf den Terror? Wollen wir den T e r r o r gegen die eigenen Parteigenossen? Wir leiden schon so stark unter der Diktatur de» Bürgertums, daß wir die Arbeiterklasse nicht unter die Diktatur einer Partei stellen können. (Beifall.) Wir können das nicht in Deutschland, wo die Arbeiter lesen und schreiben können. Auf Zuruf des Genossen Adolph Raff mann erklärt Genosse Crispien, daß er stch während des Krieges zur Gruppe der International« bekannt und an den Spartakusbriefen mitqewirkt hat. Er erklärt weiter, daß er noch heut« stolz sei auf diese Tätigkeit und schildert, daran anknüpfend, sein« Arbeit in Württemberg in Ansang der Revo- lution. als dort der Anschluß der Unabhängigen an die Kom- munistisch« Partei auf der Tagesordnung stand. Auf dem März- partettag. auf dem unsere grundsätzlichen Forderungen zur An- nahm« gelangten, verschmolzen wir erst eng mit der Unabhängigen Partei. Braucht man sich etwa zu schämen,«ine solche Entwicklung durchgemacht zu haben?(Beifall.) Crispien zitiert das von der Genoisiu Luxemburg entworfene Spartaknspro- g r a m nt. das die glänzendste Rechtfertigung für die Haltung der Unabhängigen Partei in der Frage des Terrors bilde. Als Stoecker in Moskau sich auf diese« Passus gegenüber den Russen berief, antwortete man ilzm. ach das ist kleinbürgerlich. damit kommt man nicht zur Kommunistischen Internationale. (Hört, hört.) Wir erklären, daß wir die Diktatur de» Proletariats als vorübergehenden Zustand anerkennen, als Uebergang»om Kapitalismus zum Sozialismus. Sie bedeutet die besimaen«, be- wußte planmäßige, so« sozialistischer Sittlichkeit ausgeübt« poli, tische Macht. Das verstehen wir unter Diktatur des Proletariat. Nun kommt noch dazu, wasuns trenntoonderTaktik der Kommunisten. Hierher gehört auch die neueste Kriegohetz«. Wir find auf die Anerbieten der alldeutsche« Kriegstreiber nie eingegangen, aber die kommunistische Zkriegstteiberei steht der alldeutschen verflucht ahnlich. E» war uns sogar«»möglich, einen Aufruf gegen die Krieastteibercien herausgehen zu lassen, weil im Zentrolkomitee ähnlich« Meinungen laut wurden. Wir haben uns nie als Garanten des Friedensvertrages be- zeichnet. Aber der Vertrag kann nur wirksam bekäpft werde« durch gemeinsam« Aktionen des Proletariats der Entcnteläuder mit d. m der Zentralmächte.(Sehr richtig.) An dieser Stelle sage ich: hätten die Russen ihre weltgeschichtliche Sendung erfaßt, dann hätte von ihrem Kongreß der Ruf an alle Proletarier zur gemein- samen Arbeit unter brüderlicher Duldung gehen müssen. sLeb> haster Beifall.) Diese Aufgabe haben die Russen nicht erfüllt und so werden m i r alles tun. um den internationalen Zusam- menschluß mit der S. Internationale herbeizuführen. Lenin sagt, die Auffassung der Rirqtanerkeiutung des Persailler Vertrages sei kleinbürgerlich und sei die Auffassung der Kautsky und Hil- ferding. Sie ersehen daraus, wie gut die Russen über die Vor- gänge in unserer Partei unterrichtet sind. Was Geyer, Stoecker und Däumig sagen, wird Kautsky und Hilferding unterschoben. Genosse S i n o w j e w hat uns selbst in Petersburg erklärt, daß die polnischen Genossen nicht ihre internationale Pflicht begriffen haben und nationalistisch sich betätigen. Das beweist, daßbdas Proletariat über Rückfälle in national! st is che Gedanken noch nicht hinaus ist. Können wir in diesem Augenblick in Deutschland eine Sowset- Republik errichten? Wir könnten uns auf bis Dauer nicht be- haspten. Wir selbst bekämpfen uns ja auf? heftigste. Es ist ja nicht einmal möglich, die Arbeiter dafür zu gewinnen, keine Mordwerkzeuge anzufertigen oder die Transport- kontrolle durchzuführen. Crispien verweist auf D a n z l g und Wittenau.(Widerspruch.) Ich biete ihnen die Beweise an, von allen Seiten wird dag bestätigt. Deshalb ist es ei« Un- sinn, Genossen aus der Partei herausdrängen zu wollen, mit denen wir johrclang gekämpft haben, wenn solche Aufgaben der Sammlung und Rerolutionierung der Massen uns noch bevor- stehen. Mio auch in der Kriegsfrage stehen wir grundsätzlich auf einem anderen Standpunkt. Nationalitätenfrage. Crispien verweist auf d-e Vorgänge in Asien und erinnert an den Kongreß tu Baku, an das Bündnis mit Eaver Pascha, des Vertreters der Jungtürken, einer autoritären Offizierskaste. Er ist einer der Hauptanstister der Artnenierjchlächtrmen. Von zwei Millionen Armenier sind nach amtlichen Dokumenten, die hinter der Wirklichkeit noch zurückbleibet!, rund eine Million Männer. Frauen und Kinder hingeschlachtet worden.(Lebhaftes Pfui!) Es gehört schon eine große Weitherzigkeit dazu, icktt einem solchen Mann ein Bündnis zu schließen. Hier ist die Bund- nispflicht Zum Schaden des Kommunismus weit überschritten worden. Aber unsere Parteigenossen sind„kleinbürgerliche Schur- reu. �0, sie sind wahrlich zu gut, um mit einem Enver Pascha in einem Äündnisverhältnis zu stehen. �Wir sind der Meinung, die internationalen Grundsätze und Verpflichtungen können mchi von der Partei eines Landes auf» gestellt werden, sondern wir stellen uns vor. daß nian in gemeinsamer Beratung dazu kommt. Die innere Entschei- dung über eine Aktion kann nur der Partei selbst bleiben. Der Meinung war auch Däumig und Stoecker vor Maskau. Erst als man sie in Moskau Tag für Tag prügelte, wurden sie anderer Meinung. Diese Genosse, r, die so die Disziplin gebrochen haben. haben kein Recht, die strengste Disziplin zu f 0 r d e r n. Sie haben schlimmsten Parteiverrat geübt.(Ledh. Beifall.) Der Vorsitzende Genosse Braß weist wiederholt die Veifälle und Mißfallenskundgeoungen von Pressevertretern zurück und verweist darauf, daß die Presse Eastrecht genieß!. Crispien tritt oer Sensation entgegen, die nlit der neuesten Veröffentlichung des Exekutivkomitee» beabsichtigt war. Er sagt. daß er sogar dankbar dafür fei, aber die Veröffentlichung beweis« nur, daß er und Dittmann in Moskau alles getan baben, «w den Anschluß herbeizuführen. Däumig und Stoecker haben sich auch gegen den oerschärsenden Lenin-Antrag gewehrt und er- klärt, niit Namen dürfen wir nicht nach Deutschtanb kommen. Ja. Stoecker erklärte mit Heldenpos«: Für Hilferding breche rch eine Lanze.(Lebhaftes Hort! hört!) Ja. das war noch so ein Stück alter guter Parteisolidarität, die jetzt gänzlich in die Brüche gegangen ist. Wir sagten: Leber alles ist die Möglichkeit einer Per- ständlgung noch vorhanden. Wir wollen euere Ideen in Deutschland propagieren. Rur da» Eine sagten wir, Dittmann and ich, müßt ihr zuerst erfüllen: ihr müßt die Zetträmmeruagstaktit gegen unsere Partei aufgeben und müßt uns als Partei brüderlich anerkennen. Auch die Rolle Wilhelm Herzogs in Moskau unterzieht Crispien einer scharfen Kritik. Ich habe in Moskau erklätt, wenn ihr so arbeiten wollt, daß ihr d i« Masse« geaendie F ü h- r e e hetzt, werdet ihr an den Widerstand des veutfchen Prole« tariats elend scheitern.(Lehaster Beifall.) Die augenblickliche Mehrheit ist kein festes G«> füge.(Beifall.) Mir sehen, daß auch in Frankreich, in der I t 1 Hunger Roman von Knut Hamsun. Ich«sann noch ein paar desperate Lügen, ging aufs Ee- ratewahl darauf los, sprach davon, daß Happolati 9 Jahre Minister in Persien gewejcn sei.„S>e ahnen wohl gar nicht, was es heißt. Minister in Persien sein?" fragte ich. Das fei viel mehr als König hier zu Lande, ungefähr so viel wie Sultan, wenn er wisse, was das sei. Happolati sei aber mit allem fertig geworden und nicht einmal auf Erund geraten. Und dann erzählte ich von Plajali, seiner Tochter, einer Fee. einer Prinzessin, die dreihundert Sklavinnen hatte und auf einem Lager von gelben Rosen ruhte, das schönste Wesen, das ich je gesehen, bei Gott ich hatte in meinem ganzen Leben nichts Aehnliches gesehen! „Wirklich? So hübsch?" sagte der Alte mit abwesendem Eeiichtsausdruck und starrte zu Boden. Hübsch? Sie sei schön, sündhaft, reizend! Augen wie Rohseide. Arme wie Bernstein? Ein einziger Blick von ihr sei verführerisch wie ein Kuß, und wenn sie mich rief, traf ihre Äimme wie ein Wcinstrahl in den Phosphor meiner Seele! Weshalb sollte sie nicht schön sein? Hielt er sie etwa für einen Kassenboten oder für irgend etwas beider Feuerwehr? Sie fei ganz einfach eine Himmelspracht, rönne ich ihm sagen, ein Märchen. „Ja. ja!" sagte der Mann ein wenig verdutzt. . Seine Ruhe ärgerte mkch' meine eigene Stimme hatte Mich aufgeregt, und ich sprach in vollkommenem Ernst. Die gestohlenen Archivsachen, der Traktat mit dieser oder jener fremden Macht waren vergessen: das kleine, flache Paket lag zwischen uns auf der Bank, vnd ich hatte nicht mehr die geringste Lust, es auf seinen Inhalt zu untersuchen,.zm mar ganz mit meinen eigenen Geschichten beschäftigt, dw feltfcmc Bilder an meinem Blick vorüber trieben: das Blnt fo�g mir zu Kopf, und ich lachte aus vollem Halse. Ätzt schien der Mann gehen zu wolle«. Er erhob stch. > Und um«übt allzu kurz abzubrechen, sagte er .Er sog? wohl kolossale Besitzungen haben, dieser Hap. Polati?"., - Wie durfte dieser blmdr widerliche«reis mit jenem Namen, de» ich erMade«« nmgehen, als fn es«W tanz gewöhnlicher Name, der auf jedem Krämerschild der stadi zu lesen stand? Er stolperte über keinen einzigen Buchstaben und vergaß auch nicht ein« Silbe: dieser Name hatte sich in seinem Gehirn festgebissen und sofort Wurzel geschlagen. Ich wurde ärgerlich: eine Erbitterung bemäch- tigte sich meiner gegen diesen Mann, de» nicht« in Verlegen- heit zu bringen und mißtrauisch zu machen vermochte. „Das weiß ich nicht," entgegnete ich daher rasch,„das weiß ich absolut nicht. Ich sage Ihnen übrigens ein für i allemal, daß der Mann nach seinen Anfangsbuchstaben zu I urteilen Johann Arendt Happolati heißt." ,„Johann Arendt Happolati," wiederholt der Mann ein ! wenig erstaunt über meine Heftigkeit. Dann schwieg er. „Seine Frau hätten Sie sehen sollen," sagte ich fäst 1 rasend,„eine dickere Person... Na, Sie glauben am Ende > wohl gar nicht, daß sie besonders dick war?" ' Doch, das wolle er durchaus nicht bestreiten, so ew Mann ! konnte möglicherweise eine ziemlich dicke Frau haben. Sanftmütig und nchig antwortere der Alte auf all meine Ausfälle und suchte, dabei nach Worten, als fürchte er, sich zu vergehen und mich zu reizen. »Zum Teufel nochmal. Mensch, glauben Sie denn, daß ich �hnen hier die Haut voll lüge?" rief ich außer mir. „Glauben Sie am Ende gar nicht mal. daß es einen Mann namens Happolati gibt? In meinem Leben habe ich nicht so viel Trotz und Bosheit bei einem alten Mann gesehen. Was Teufel fällt Ihnen ein? Sie haben vielleicht oben- drein noch gedacht, ich fei ein ganz armer Mensch, der hier m seinem besten Staat sitzt und kein Etui mit Zigaretten m der Tasche hat? An solche Behandlung bin ich nicht ge- wohnt, will ich Ihnen sagen, und ich lasse sie mir bei Gott auch nicht gefallen, weder von Ihnen, noch von sonst jemand! Damit Sie, nur wissen?" Der Mann war aufgestanden. Stumm and mit offenem Munde stand er da und hörte meine» Ausbruch mit an. bis er zu Ende war. dann nahm er hastig fein Palet von der Bank und ging oder lief vielmehr mit trpnelnden. greifenhaften Schritten den Weg hinunter. Ich blieb zurück und sah seinen Rücken an, der nach und nach verschwand und stch immer mehr zu krümmen schien. Ich weiß nicht, wie es kam, aber plötzlich war mirs, als hätte ich.nie eine«»«ehrlichere«, lasterhafteren Stücken'ge- sehen als diesen, und ich bereute durchaus nicht, daß ich de» Menschen ausgescholten, bevor er mich»erließ.... Der Tag ging zur Neig«, die Sonne sank, der Wind fuhr leise durch die Bäume, und die Kindermädchen, die weiter unten haufenweise an der Balancierstange saßen, fingen an, ihre Wage» nach Haus« zu schieben. Mir war wohl und ruhig zu Mute. Die Erregung, in der ich mich soeben noch befunden, legte sich nach und nach, ich wurde matt und be- gann schläfrig zu werden: die Unmenge Brot, die ich ver- zehrt, blieb auch nicht ohne Wirkung auf mich. In der be- hoglichsten Stimmung lehnte ich mich zurück, schloß die Augen und wurde immer schläfriger: ich schlummerte und war nahe daran, in festen Schlaf zu fallen, als ein Park- aufseher mir die Hand«ruf die Schulter legte und sagte: „Sie dürfe» hier nicht schlafen." „Nein," sagte ich und erhob mich augenblicklich. Und mit einem Schlage stand mir meine traurige Stellung wieder lebendig vor Augen. Ich mußte irgend etwas tun, auf dies oder jenes verfallen! Eine Stellung zu finde» war mir nicht geglückt; die Empfehlungen, die ich vorzeigte, waren alt geworden und stammtcu von allzuwenig bekannten Per- fönen, um kräftig zu wirken: außerdem hatten mich diese fortwährenden abschlägigen Bescheide während des ganzen Sommers etwas verzagt gemacht. Nun— unter allen umständen war meine Miete fallig, und ich mußte irgend ci»e:i Ausweg finden, um sie zu beschaffen. Mit allem übrigen hatte es»och Zeit. Unwillkürlich hatte ich wieder Rapier und Lleifeder zur Hand genommen und schrieb ganz mechanisch die Jahreszahl 1848 in alle Ecken. Wenn doch nur ein einziger brausender Gedanke mich gewaltig packen und mir die Worte m vcn Mund legen wollte! Es war früher schon passiert— es war wirtlich passiert, daß Momente über mich gekommen waren, wo ich ohne Anstrengung lange Abschnitte und obenorel« noch außerordentlich gelungene geschrieben hatte. Da sitze ich nun auf der Bank und schreibe Dutzende von Malen 1848. schreibe diese Zahl kreuz und quer in allen möglichen Fassons und warte, daß mir eine brauchbare Idee einfällt. Ein Schwärm loser Gedanken flattert mir im Kopf umher, die Stimmung des sinkenden Tages macht mich mißmutig und sentimental. (Fortsetzung folgt.) Schweiz, in Italien sich der Widerstand erhebt gegen die, die das, was hier oben steht(er weist auf die Zilschrift: Proletarier aller Länder vereinigt k:uch) herunter rcifi-n.(Brausender Beifall.) Wir hatten so nach unserer RiZSlehr uns gemeinsam zusammenzusetzen und zu beraten über alle Dinge und uns selbst zurückzu- halten in der Ocffentlichkeit. Aber kaum waren wir angekommen, hatte Daum ig eben einen Artikel on die„Freiheit gegeben, der unbedingten Anschluß forderie und den Ausschluß recht- fertigte. Die Folge war natürlich die, dag wir au6i sofort scharf losschlagen mußten. Was wollen die ruisischen Kommunisten? Die alten Füh- rer der Partei ausmerzen und die Massen zu sich herüberziehen. Die Russen wollen nicht nur die rechten Führer stürzen, sondern klle 11. T. P. D-Funkticnnre, die überhaupt selbständig denken. Man braucht in Deutschland Werk, zeuge der russiicheu Revolution. Wir brauchen Führer, die selbst wihen, was in Deutschland und international möglich und not- wendig ist. Auch Levi sagte in Moskau, so lange das Exekutiv- komitee in Rußland hinter Mauern sitzt, haben wir keine iniernationale Exekutive, sondern ein Exekutivkomitee der Kommunistischen Partei Rußlands. Levi hat sogar dort«inen dahingehenden Antrag gestellt. Die Kommunisten zerstören selbst die Hoffnung auf jede Be-ständigung. (Fortsetzung im Hauptblatt 3. Seite.) Die deutschen Delegierten zum Internationale» Gewerkschaftskongreß In der am 4. Ottober abgebaltcnen Sitzung des Bundesaus- schusies wurde die Wahl der Delegierten zum Internationalen Es- werlschaftskongreß vorgenommen. Die Wahl geschah nach In- dustriegruppen und hatte folgendes Ergebnis: Für die. Gruppe Baugewerbe, keramische und Glasindustrie P o e p l o w (Bauarbeiterverband), Stcllveiireler Streine(Malerveroand)! Nahrungs- und Genußmittelindustrie, Fabrikarbeiter Schmidt (Landarvciterverband), Stellvertreter Brey(Fabrikarbeiter- verband); Graphische Gewerbe, Papierindustrie, künstlerische Bs- rufe S e i tz(Buchdruckerverband). Stellvertreter Haueisen (Buchbinderverband): Bekleidungs,- Textil- und Lederindustrie Simon(Schuhmachervcrband). Stellvertreter Z a ck e l(Textil- arbeiterverband): Handels- und Verkehrsgewerbe. Gemeinde- und Staatsarbeiter Schefsel(Eisenbahnerverband). Stellvertreter Urban(Angestelltenverband): Bergbau, Metall- und Holz- industrie D iß mann(Metallarbeiterveröand) und Hue(Berg- arbeiterverband), Stellvertreter Klebe(Maschinisten- und Heizerverband) und Tarnow(Holzarbciterverband). Delegiertenversammlnng des Ientraloerbandes der Angestellten Am lt. Oktober fand im„Deutschen Hof" eine Delegiertenver- sammlung des Zentralvsrbandes der Angestellten statt, die sich mit' einem von der Opposition herausgegebenen Flugblatt befaßte. Der Vorsitzende Cohn erklärte einlei- tend. daß die Berliner Orisverwaltung in diesem Flugblatt eine verbandsschädigende Handlung sähe und mit allen Mitteln gegen die Verfasser und Verbreiter desselben vorzugehen beabsichtige. Genosse �ntz Wolfs sprach für die Oppositmn. Er erklärte, daß das Flugblatt erst die Antwort auf eine Veröffentlichung des ßauptvorstandes im Nachrichtenblatt sei, in dem die„söge- nannte" Berliner Opposition angegriffen, beschimpft und vor- leumdet worden war. Er kritisierte die Veröandspolitik des Hauptvvrstandes und der Ortsverwaltnng, sowie die Asa-Politik ' in der Betriebsrätefrage. Er konstatierte eine immer größer werdende Cntjremdung zwischen Arbe.tern und Angestell- ten und wandte sich scharf gegen die InstanzenpoliNk, wie sie «�wieder im letzten Manifest der Afa zur Inter- WMnat Zonale zum Ausdruck komme. Das bedeute in der Konsequenz Ausschluß aller kommunistischen Mit- glieder aus den Gewerkschaften. Dagegen müßten ' auch alle Richtkommumsten Front machen. Wolff bestritt dann die von der Ortsverwaltung dem Flugblatt gegebene Auslegung, ols ob die Opposition die Beitragssperre propagiert«: sie mache nur von dem selbstverständlichen Recht jeder Opposition Ee- brauch, eine geforderte Beitragserhöhung abzulehnen. Diese Ausforderung könne sich nur an diejenigen richten, die ein Recht zur Ablehnung hätten, nämlich die Delegierten. Der Vorstand mfache nur absichtlich eine Aufforderung zur Beitragssperre zu lonstruieren. um gegen die unbequeme Opposition vorgehen zu können. Die Opposition werde die Antwort darauf nicht schuldig bleiben, sondern diese Machenschaften in einem neuen Flugblatt aufdecken. Wolff ging scharf mit Fritz Schmidt ins Gericht, dem er den Vorwurf der.azerbanoss-bädigenden" Handlungen an Hand von einigen Beispielen, anläßlich seines Verhaltens bei verschie- denen Gelegenheiten ebenfalls nachweisen zu können glaubte, und er warnte vor einem erneuten Hinauswurf weiterer Mitglieder der ' Ovposition. der nicht die Opposition treffe, wohl aber den Der- band ungihcuer schädigen würde. Fritz Schmidt verlangte, daß mit der bisherigen Duldsamkeit gegenüber dem„oerbandsschädigenden" Treiben der Opposition Schluß gemacht werden müsse. Der Passus über die Beitrags- krage bedeute die glatte Aufforderung zur«eitragooerweigerong. Wolffs Behauptung, daß die Instanzen ohne Mitglieder arbeiten, sei eine Unwahrheit. Hinter der gesamten Oppositiousbe- wcgung stehe nur die B e t r i- b s r ä t e» ent r a l e die er scharf anaritt Schmidt erklarte, dag die Afa nicht dw Dummheit be- neben würde, alle kommunistischen Mitglieder auszuschließen, son- dern die Am wcnd-t sich gegen die Bildung kommunistischer Zellen, und diese Zellen würde man ausschließen.. �., Närpel verlangt ebenfalls, daß nunmehr rücksichtslos der Trennungsstrich zwischen allen, die hinter dem Flugblatt und hinter der Opposition stehen und der Organisation gezogen werden müsse. Er verteidigt die Afa gegenüber der Betriebs- rätezentrale, der er nur noch ein kurzes Leben prophezeit. Er betonte— im Gegensatz zu Schmidt— daß die Gewerkschaften dazu übergehen müßten, alle. Kommunisten auszuschließen, da diese ja verpflichtet seien, nach den Moskauer Richtlinien in den Gewerkschaften zu arbeiten, was diese sich nicht gefallen lassen "Kollegin Sehn er vermißte den grundsätzlichen Charakter des Kampfes bei der Opposition... �.„ B u o l i tz und zwei weitere Redner wandten sich ebenfalls gegen diese. Der Vorsitzende Cohn teilte nunmehr mit, daß die Ortsverwaltuna bezüglich des Vorgehens gegen die Opposition konkret beschlossen habe, beim Haapivorstand den Antrag auf Ausschluß der Kollegen Mfrsd Fritzsche, Fritz Wolfs und Hans Sachs zu stellen. Infolge der vorgerückten Zeit wurde ein Antrag aus Berta- gung angenommen: die Debatten sollen in der nächsten Dele» giertenvedsammlung fortgesetzt werden, wozu ein Antrag der Opposition auf Mißbilligung des Ausschlußoeriahrcns gegen weitere Mitglieder der Opposition vorliegt. Mit einer Soli- darii-itskondgebung für die ans2«s?eriten Angestellten der Zei- tungsb«triebe und des Bersicherungsgewcrbes schloß der Vor- sitzende die Versammlung. Die angenommene Resolution lautet: ,Lio am 11. Ottober 1920 versammelten Delegierten des Zen- traloerbandev der Angestellten sprechen den im Streik befindlichen Kollegen des Zeitungsgewerhes und de: Nzisfeilen-Genossenschai! ihre vollste Sympathie aus. Die Versammelten fordern die streikenden Kollegen auf, im Kampfe um ihre Existenz zu osr- harre« und erklären, baß sie gewillt sind, ihnen jede Unter» stützt'nq zuteil werden zu losten. Die Delegierten erwarten von den nicht am Kamvr« beteiligten Mitgliedern st ä r k st e Betei- lignng a n der Sammlung zum Kampfschatz des Zen- tralve'bandes der Angestellten. Die Delea'ertenversammlung spricht de« Gewerkschaftsbünden(Gelben) wegen ihres ver» rüterifchen Treidcns im Kampf gsgen das Zeitui'-gskaptial thre schärfsteVerachtung aus." Wie es nicht gemscht werden darf Heber den Streik In Heegermühle wird uns von der Verwaltungsstelle Eberswalde des Metallarbeitervcrban- des geschrieben: Im Märkischen Elektrizitäts-Werk. Kraftstatton Heegermühle, sind 97 Arbeiter beschäftigt. 8 2 gehören dem Heizer- und Ata- schinisten-Berband, 14 der revolutionäre a Betriebsorganisation an. Kam eine Lohnerhöhung in den der Vereinigung der Me- tallindustriellen angegliedcrteit Betrieben durch, so wurde die- selbe auch für das der Vereinigung nicht angehörende Elektrizi- täts-Werk automatisch wirksam. Die letzte Lohnerhöhung wurde ab 1. September mit 35, 19 und 59 Pf. pro Stunde Zulage be- willigt. Die Arbeiter des Elektrizi tüts-Wcrks erhielten tue Zulage am 21. September rückwirkend vom 1. 9. Bereits aber am 10. 9. erklärte der Vetriebsobmann dem Direktor, daß die Arbei- tsr damit nicht zufrieden seien, sondern Berliner Löhne und 1599 Mk. Wirtschaftsbeihilfe fordern. Der Direktor erklärte, außerstande zu sein, dies bewilligen zu kön- nen, da kein Gold da fei und er eigen mächtig darüber nicht ent- scheiden könne. Er verlangte aber die Löhne anderer Werke von Eberswalde und Umgegend zugestellt, wo angeblich höhere Löhne als im Elcktrizitäts-Werk gezahlt wurden. Die erste Verhandlung hierüber fand am 30. 9. statt, welche ergebnislos vertagt wurde. Ohne eine weitere Verhandlung abzuwarten, beschloß eine am 1. 19. stattgcfundcns Betriebs- Versammlung, falls die Direktion bis Montag, den i. 10.. vormittags 10 Uhr, nicht dir im M e j- si n g w e r k gezahlten Löhne und eine Wirtschaft?-' bei Hilfe von 000 MI. bewilligt, in den Streik zu treten. Ter Direktor des Wertes kam kun nach 10 Uhr ans Berlin nach Eberswalde zwcäs Verhandlung. Diesiilbe konnte aber nicht stattfinden, da sich km Werk Heegermühle vereirs eine Vetriebsversammlung mit den' gestellte« UÜimatum beschäftigte. Daselbst wurde durch Handhochheben mi- 99 gegen 0 Stimmen der Streik beschlossen. Da die anderen Werke von der StromUe- ferung abhängig find, waren sie auch in Mitleidenschaft gezogen. Die Vertreter des Heizer- und Maschinisien-Verbandes und Me- tallarbeiter-Verbandes im Verein mit den Obleuten dieser Be- triebe setzten sich daraufhin mit der Direktion des ElektriziWs- Werks in Verbindung. Der Direktor Warrclmann erklärt«, e r fei unter allen Umständen verpflichtet, den Be- trieb aufzunehmen, gleich viel, unter welchen Umständen. Wir rieten ihm, einstweilen hiervon Abstand zu nehmen, da abends eine Betriebsversammlung stattfindet. Er betonte, daß durch den Stromausfall die Krankenhäuser und die Landwirt- schast zu leiden hätte, folglich schnell gehandelt werden müsse. Vor dem Stattfinden der Betriebsversammlung traten die Ob- leut« der einzelnen Werke und die Berbandsvertreter zusammen und entschieden, in die Betriebsversammlung zu gehen und den Streikenden die Wiederaufnahme der Arbeit und die Fortführung der Verhandlung zu emp- fehlen. Bei unserem Eintritt wurde uns von der Streiklei- tung bedeutet, wir sollenlo lange draußen bleiben, bis die Versammlung zu Ende sei. Erst auf unfexen energischen Protest, daß dies nicht nur eine Sache der Streikenden, sondern der gesamten Arbeiter- s ch a f t sei. ließ man uns zu Worte kommen. Gegen den Wider stand der Leitung wurde auf unseren Vorschlag über die Weiterführung des Streikes geheim avgestimmt. 5 6 stimmten gegen, 2 7 für den Streik. Gleichfalls wurde beschlossen, die Arbeit sofort zur Nachtschicht aufzu- nehmen. Als aber am nächsten Morgen die Streikleitung zur Arbeit wollte, beging die Direktion die Torheit, ihnen den Zutritt zur Arbeitsstelle zu verwehren. Als dies bekannt wurde, zogen an 1990 Arbeiter zum Elektrizitätswerk und zwangen die Arbeitenden, die Arbeit einzustellen. Alle Werke wurden dadurch in Mitleidenschaft ae- zogen: aber selbst da, wo gearbeitet werden konnte, wurden die Arbeiter von den B et r>«b s o rg o n isa t i o n s- Mitgliedern zur Arbeitsniderlegung gezwun- gen, teilweise taten si« die» aus Sympathie für die Gemaßregel- ten. Am Mittwoch, den 6. 19., Zollte«ine Verhandlung zwischen der DireNion einerseus und den Gewerkschasts Vertretern und Obleuten der Betriebe anderseits stattfinden. Da aber die Direktion jede Verhandlung mit den nicht ge- setzlichen Betriebsräte» ablehnte, das heißt mit der Streikleitung, lehnten auch die Eewerk- schaftsvertreter und Obleute jede VerHand- lung ab. Am Donnerstag, den 7. 10., vormittag, rückte darauf- hin die technische Nothilfe in Begleitung von ungesähr 700 Mann der Sicherheitswehr ein. Denselben Abend fand wiederum eine Versammlung der Strei- kenden statt: der Kommandant der Truvpe hielt seine Udr hin und erklärte, wenn innerhalb einer Viertelstunde die Arbeit nicht aufgenommen wird, rücken wir ein in den Betrieb. Während man vorher den Gewerkschaftsvertretern den Eintritt zum Versammlungslokal verwehrte, holte man sie jetzt heran. Aber kurz fassen, hieß es jetzt, die Zeit drängt! Es wurde aber die Weiterführung des Streiks be- schlössen und die technische Nothilf« zog in das Werk ein. Den nächsten Tag wurde der Streik aufgehoben und alle kehrten zur Arbeit zurück, mit Ausnahme der Streiklei- tung, welche nicht eingestellt wurde. Am Sonnabend vormittag wurde auch die Sicherheitswehr zu rückfze zogen und alles hat wieder das alte Aussehen. Die lleberradikalen wollten zeigen, wie es gemacht werden soll, haben aber dabei ein klägliches Fiasko erlitten. Leider ließ sich ein Teil der Arbeiter betören, zu ihrem Schaden. »er V-ichsw-rle Spreda». Da e!» Teil der sür»iiu r-mmeiiten itollegcn M bei iäerjcdjnanu der Lammen ._ ,,t warden, he« sich nl" noltnctiMti erwiesen, nachmalz «In« Beriammlnnü starisinden zn lapea. Dleseldi finde« am Donnerztas,. den 14. Ottabcr, abenda ß lldr, in btt Aula der!!i. Eeiileindeschal«, Lcrlin Ä, Paavtr. 47, statt. Lnschliestend daran am grcttag, den 15. und SannoBonb, den 10. Lllader, abend» v»n 0—0 Uhr im Lokal von Mecklenbarg, Ravenestr. 0, weitere Ballmachis-rlläruilg-n abgeben.. Gibt es wirklich Kohlennot? Die Behörden saget es und demnach müßte es wahr sein. Ab 15. Ottober darf m Berlin mit dem Heizen begonnen werden. Anders im Reichswirtschaftsmini st- ri um, Kur- fürftendamm 193. Dort kann man sich schon seit einigen Tagen an der Dampfheizung die Finger verbrennen.— Was soll nun eigentlich das Gerede von der Kohlennot?— Bei dieser Gelegenheit möchten wir die Aufmerlsamkeit des Woh- nu ng samts auf die empörende Vergeudung von Wohnraum in diesen Ministerialräumen richten. Die Halste der Dienst- räume ist sofort in Wohnungsräume umzuformen und auch dann sitzen die Herrschaften noch sehr bequem! Volkshochschule und Kirchenpolitik Unaufhaltsam sieht dir Geistlichkeit ibren Einfluß auf die Volks- schule und damit auf einen großen Teil der Berliner Bevölkerung schwinden. Auch di« Kirchen werden immer leerer— gib: es denn leinen Ausweg, um die alte Macht aller Aufklärung zum Trotz aufrechtzuerhalten? D i e K l r ch e lä ß t nichts unversucht -_.. 1 X V. rt CT? AT'et:" — wie wäre es mit den Volkshochfchuli Da ist in Schöne» borg eine Volkshochschule, die in steigendem Maße das Vertrauen der Arbeiterschaft gewinnt, da die Vertreter der Arbeiterschaft es errungen haben, ein, den Bedürfnissen der Volksgeineittscyaft entsprechendes Programm zu gestalten. Sie haben ferner für dieses Programm zum größten Teil Dozenten genommen, die Per- srändnis für die historische Aufgabe des Proletariats haben, denen darum auch das Proletariat seinerseits Vertrauen entgegenbringt. Diese Schöneberger Lehrstätte fängt also an eine Schule des Proletariats zu werden. Das läßt die Geistlichkeit nicht richen. Ein Pfarrer an der spitze, gründet eine Vortragsgemeinschast, in der, neben einer Reihe das Deutschtum verherrlichenden und«inigen Füllseloor- tiägen, Zyklen über:„Stellung des Christentums zu Staat und Politik",„Charakterbilder aus der Religionsgeschichte",„Christentum und Kultur'' gehalten werden. Mn erbittet für diese Vorträge die Schöne» dergcr und Friedenauer Schulräume— wie die Volkshochschule. Man nennt sich selbst Volkshochschule des Südwestens oder Volkshochschule Friedenau. Und dann setzt man den Preis für diese chriitlich-nationale Erbauung um eine Mark bil- liger an wie die Schöneberaer städtische Volkshochschule! Run werden dock? die Arbeiter nicht widcrjrchen— meint die Kirche! Was kommt's ihr darauf an. die Idee der Volkshochschule zu mißbrauchen, wenn sie nur einen Ausweg findet, von neuem Seelen- fang zu treiben: Ja, es wäre ein Ausweg, wenn die erwachte � k-....?> � C<. v. V Y �.. fj4Tnt f. SI KMcrt nueit Hochschule belegen. Programme sind erhältlich in den Buchhandlungen Doerwnld, Behziger Str. 27 und Bahnsir. 13, sowie beim Inftallaieur Herrmann. Innsürucker Str. 39, Ecke Hauptstr. Ein L-tchent-ilsnnd im Landwehrkanal. Ein grausiger Fund wurde gestern vormittag in der Nähe der Belle-Alliance-Brüaa gemacht. Ein Signalwächte? landete vor dem Grundstück Eil- ichinersir. 109 einen Fleischfetzen ohne Knochen. Der Gerichtso.rzt, der den Leichenteil einer genaueren Untersuchung unterzog, kam dabei-u der ileberzeugung, daß es sich um den Teil einer Frauen- iuche bandelt, und zwar um Stück Rücken. Nicht ausgeschlossen ist es, daß es sich um eine Fraucnsperfon handelt, die ihres Zu- standes weg.n eine weife Frau aufgesucht hat und bei einem verbotenen Eingriff verstorben ist. Vollbiez: der Berliner Brauereien. Auf Grund amtlicher Ver» ordnnngen ist der Höchststammwürzegehalt der bayrischen und hiesigen Biere in Zukunft der gleiche. Die Ausschaukpreise für. Vollbier werden um ein Geringes erhöht. Bis auf weiteres wird jedoch euch Bier mit dem jetzigen«tammwürzegehalt zum der- ztiiigen Preis verkauft werden. Im Flaschenhandel wird der Verkaufspreis an das Publikum für die Flasche des bisherige» Bieres 7b Pf. und für die Flasche Vollbier 1 M. betragen. Die ersten Sitzungen der ucneu Kreistag« der Nestkreise Teltow und Niederüarmm werden voraassichtlich Anfang November statt- finden. De: Niederbarnimer Kreistag dürfte wahtscheinlich zum Sonnabend, den 6. November, einberu,en werden. Nachdem nun- mehr auch in Altlandsberg die Kceistagswahl entschieden und dort durch das Los 1 Sozialdemokrat gewählt worden ist, zählt der 11 Mitglieder umfassende Niederbarnimer Kreistag 21 bürgerliche und 20 sozialistische Abgeordnete. Hiervon sind: 7 Deutsch« nationale. 9 Deutsche Volkspärteiler, 3 Demokraten, 2 Parteilose, 11 Sozialdemotrate» und 9 Unabhängige.— Im neuen Teltowcr Kreistag, der 40 Abgeordnete zählt, steht, wie schon mitgeteilt, einer bürgerlichen Mehrheit von 2t ein sozialistische Minderheit von 16 Abgeordneten gegenüber. Kommunal« VoUsdildungsausschuß, Reinickendorf. Der Kur» sus„Verwaltungskunde" von Kail Rudolph beginnt am Donners« tag. den 14. Oktober, abends 8 Ahr im Cesangssaal des hiesigen Realgymnasiums, Berner Straße. Nähe Bahnhof Reinick:ndors bzw. Rosenthal. Die Vorträge gliedern sich wie folgt: t. Avenv: Die Einrichtung des Vcrwaltungsapparats einer Gemeinde unter besonderer Berücksichtigung der Groß-Berliner Verhaltntsfe-- 2. Abend: Bureauwesen und Verwaltungsteck)nlr.-aoend. Die Gliederung des kommunalen Arbeitsf-lde».». Äoend: �.e Finanzwirtschast, das Etat-, Kassen- und Rechnungswesen der Ee- mcinde.— ö. Abend: Di- Städteordnung und im Zusammenhang« hiermit das Gesetz betreffend die Bildung einer neuen Stadt- oemeinde Verlin. � 6. Abeitd: Die Landgemeinde. Kreis- und P'-cvinzialordnung.— 7. Abend: Die Verwaltungsbehörden und ihre Zuständigkeit.— 8. Abend: Die Iustizgesetzgebung in de- Kommunalverwaltung. Zeugen gesucht! Alle Personen, die am vergangenen Freitag, nachmittags 4 Uhr, im letzten Wagen für Reisens« mit Gepäck im Tegeler Vorortzug beobachteten, wie eine ältere Frau«inen Nt'ckfack abfetzte und stehen ließ und der fnnge Mann, der den Rucksack am Bahnhof Gesundbrunnen obgab. werden um Angabs ihker Adresse an Sperendiano, Berlin N. 20, Bastianstr. 3. gebeten. Der abbanden gekommene Rucksack enthielt Ersparnisse und Wert- fachen einer armen Witwe. Zeugen gesucht, welche gesehen haben, wie ein Knabe von 7 Iahren am Dienstag, den 12. Oktober d. I.. mittags 12 Uhr, in der Elbinger Straße nahe der Olivaer Straß« von einem Droschkenauto überfahren wurde. Eefl. Nachrichten erbeten an die Eltern, Carl Krause, Ebelingstr. S, Ouergeo. 4 Tr. Brieftasten: Auskunft über Auswanderung erteilt die Haupt- auskunftsstelle de» Reichswandcrungsamts in Berlin, Wilhelm« straße 71. Aus den Organisationen 7.»ift»i». S. und». Abteiluim. Sitzu«» der pelitischea N-»missI»n«il D»aiie»«-g. 7 Uhr, bei Krummbach, Warlchaller Etr. Ol. 17. Sijl'llt. 2. Aitellung. Heule, 7 Uhr, tlbteUuuzeversammluua iu W* Schulaula. Lülticher Sir. 47-18. lagesoxdnung; Nenwahl des Abteilunasfüdrer«- 2. Irr neue iwagiftral. 18. Sito«!. �oim-rstag, aJend» 8 llhi,««rfta»d-!sii»»g bei«tut. llf-rstr-t« Ecke tkierzierftrak«. 18. Tiiiiilt. Elternbeirite. Donnerslag. 7� Uhr. bei Weiß,«ellcrmannstr.»?> ci�ung der Obleute der Elierubeirülc. Wlchiige lagecoiduunz. Vereinskalender Zeutraluerbaud»er ilnz-ItelUea. Facht- upr» 17 1(M2blenaagest«tlt-z: Ä xltedervers. am 14. lv., abend,« Uhr. ltlerbandslalal.»elle-. lllauce-Str. 7-10., llacharuppe 10 1 u. 2(Lelleidung-», T-Ull-�ndustrie u. Erohhaudeln Sktlraue»* leub.ihung am 14. 10., ÖU Uhr. Re-e' Pbill>aim-n!e,«öp-ni.tcr Str. 90.97. siachgruppe 14b(®a?., Sljafltt. und gcniralhdjJings-Jlnlagcn): Mttglteder-E samniluna am 14. Lltober, abends 7 Uhr. Haw�rland, Festtäle. Neue Sriedrifl" tlrafee 35.— F-ch-rupp- 14«(<Ü>I:»rgi«»«cha»ik und Beim.)! iMtaliederzL lammlunq am 14. Lklrder, abends 7>l> Uhr. Zlaseiilhaler H-s.»t-Ienihaler Nr.»12.— Nachqruaxe 4a l�rivaturrNcherunal: CSlculcoeiiurnnlüng<■' 15. Lklober, nach-,. 4ll Uhr, 2?«rl>»ndstoial. Lelte-Ätlianre-Str. 7-10.—. Srudpe 4c(Bc-ussn-nössemcholi-n): Mi!ali«der?«rlammluag am Ii. Lltss--' nachm. 8 Uhr S«iluiau-rci. Fldicinsir.— Fach-,-upp« 06 sSpedittan,-»«- (lcsteL'fe): Lessent ich« Verlammlunq am 15. Lktober. abend? 71� Uhr. Nem Philharmonie, llöpeniiier Sir. 98-97.— Zachiiiuppc l4c lllilenkonnrutiiA' Ciehereien. Maschinen- und ZUerk�ugbauz: Miloliedcrrerininmlwia am 15.££ lober. abends 7 Uhr Holen thaler Hof. R-s-nibaler Str. 38.— nacharup?«- tOtrnin.Konzein): MUglledeioeilamiulung am Ib. Qltober, abend, 7 U7«> Eonhlcnsäl«, Sophlenstr. I7-l8. «erband joital. L«h-rr. Donneritaq, 5 Uhr. vorl>-inds?t>nni>. eehervereinshae?' Lcriard de? Sattler, lopexicrer»ad!!!->, teseutller. tonnelilag, 7 Uhr, Soctsts Nesl'iilen.Weberftr. 17, auhcrordentllche Sencralorrsammluna. FarlledU»» der Dtikulston und Keschl.iklallvng über die Roichsarbeltsaemsinlchalt.... Friede'iübund de« N'ceAstellnenmer. Bezirk.-lbrar»» Äardwe'l Leute. .........,-H................ J ganan Wrobet vor. Eijic wiiltamui-� vertond �ollasriaubheit. Heule, z-iS Uhr, in dar Niederwailstr. 12, r'orU" des lbenogen Hauntmann: Naiur und Nullur. � � SV»., S. v 3- Donnersiaz, 7 Uhr. Scncralacrlammlnng. Thc>- Stellungnahme zur Wahl des Vorstandes. Erscheinen ist Pslicht. Lebensmittelkalender V«-Nn. 2lm 14. Oktober fJUTt dl« Bellelernna der r,-LIler.Nrankenkart« ,...... �.,..... 3....__________ S-tcifc von 11 M. per Pfunddos«. Leberwurst zum Preise von ll>st>9 St-~ Pfnndda!«»erabsalgt. Ii« Ausgabe ersosgi ab Freliag, de» 15. d. M. � vernntw örtlich illr si; Redatlis»: Leo L l e d l ch 9 st Berlin-zrledavim. onlw-rtlich sur den gnseratenteili Ludwig Nomeriner. garsshoch.-i Perlegsaenossenichatt.»reiheil-«.$ n b. S- Settin.— Pru« der �iretstN ?nik-r»i K m«>«b P-rli- f?"-> AAA AAAAAAAAAAAAAAIAAAAAAAAAAS.AAAAJ,AAAA**S Eoc öwn ervchiwr.vn I Scebon•raeM*»*0 Die Soziologie des BolfchelvismttS MU Bezugnahme ans das Problem der Jutetnottonale. Bvu Ski. Iestveva». Preis'J Warb.- AgUationsausgabe für Organisationen 1 Elä* veslelkunaeu riifitt man sofort an die. Nizckksnaluvs„fttzKlNZW Barlin C. 9, Sr«Ns Sir« ir.