Einzelpreis 30 Pfg.• 3. Jahrgang Freitag, 15. Oktober 1920 Nummer 436• Morgen-Ausgabe W.«yirfVlT uWnui atatgcn nt sadrattttag*, B*b SBontag* tat rtratBu®CT Srtngsprr» btttigt brt ftrttt Anstellung w,«cn» f8i(PrJti�Sfrlm 10,— jn. i» Deren» jafilbür. von bn BptbiHon selbst»bgeboli 8�0 SB. Für Post. Q OimCäm—Ci�74m*m»L»■ fT..—■,,-«•..._»««J bezogen_____________ «uzllglich SelutaeSIttffdilag..,__________________ ««»»«Ug«aus««,«teil. Stallst, S.B. •h nSttgesenBene Menpnretllezeve ab« bemt Stenn baftei 5,— SB.«htfcbneSSA �mOT|»»dW)Iog. Ärtnt Au, eigen! Do« fettgebnnstte Wort Z,— SB., febre weil« ®0I!,.,,S£.? rtnfd",,SIis Hilferuf der armenifchen Sozialiften Der neue Tyrann Die armenische sozialistische Arbeiter-Partei erläßt folgen- den Aufruf an alle sozialistischen Parteien der zivilisierten Welt: »Die armenische Frage ist schon immer eins der schmerzlichsten nationalen Probleme gewesen. Während des Krieges hat das armenische Voll riesenhafte Opfer bringen müssen: durch den Sieg der russischen Revolution über den Zarismus und die Niederlage der Türken sah es endlich den Weg zu seiner Freiheit offen. Es gründete einen selbständigen Staat, dem durch den Friedensver- trag der Entente mit der Türkei überdies noch Teile der armeni- fchcn Türkei zugesprochen wurden. Ein laug gehegter Traum war endlich in Erfüllung gegangen: das rereinigte und unabhängige Armenien war Tatsache geworden. Die demokratische Republik Armenien führte während 2 Jahren einen fortwährenden Kampf auf Leben und Tod gegen die Ee- fahren, dir es von innen und auhen bedrohten. Einerseits war es die beispielslos« wirtschaftliche Destruktion des von den Türken geplünderten und zerstörte.: Landes, die furchtbare Hungersnot, die epidemischen Krankheiten, die Massen- sterblichkeit, die schwere Last der Unterhaltung der Flüchtlinge, der Waisen und Arbeitslosen, deren Ziffer in die Hunderttausende King, die die junge Republik vor diesen Ausgaben stellte; andererseits hatten die Angriffe der Türkei und ihres Nasellen, Azerbeid- la», eine Situation geschaffen, deren Ueberwindung wahrhaft heldenhafte Anstrengungen erforderte. Und jetzt, wo st-lz unser Volk schon im zweiten Jahr seiner po- lit'.schen Freiheit befindet, bedroht eine viel schwerere und tödlich« Gefahr sein« Unabhängigkeit und diese Gefahr kommt von«wer Seite, von der man fie am wenigste» erwarten sollte. Die Sowjetregierong, die mehr wie jede andere, Erklärungen und feierliche Versprechungen über das Selbftbeftimmungsrecht der kleinen Nationen und die Berteidigong ihrer Interessen gemacht hat, hat jetzt zu einem tödlichen Schlage gegen ein Volk ausgeholt, das das grötzte hlstori,che Recht hat. durch die Bildung eines selbständige« Staates fein nationales Problem zu lösen. Sowjet- Rohland, das mit Azerbeidjan, den türkischen Rationalisten, die in Anatolien operieren und de« Soldaten Mustafa Kemal Paschas verbündet ist, hat Armenien von allen Seften mit feind» lichen Kräften belagert und droht die Freiheft de« armenischen Polles und seine Unabhängigkeft völlig zu vernichten. Unter den Augen der zivilifierten Welt ist dieses furchtbar« Per- brechen, ein Berbreche«, wie es noch nie dagewesen ist, der Bollen- dung nahe. Ein Boll, das gerade dem Joch des Zaren und des Sultans entronnen ist. ist jetzt der Gefahr ausgesetzt, durch die politischen Führer der bslschewiftischen Partei erneut der Sklaverei ausgeliefert zu werden. Es ist selbstverständlich, dah die Führer dieser Partei und die Sowjet-Polftiker diese verbrecherischen Akte sorgfältig den Augen des europäischen Proletariats z» verbergen trachten. Das Zentralkomitee der sozialdemokratischen Arbetterpartei un- terbreitet die vorerwähnten Tatsachen dem Internationalen So» zialistischen Bureau und protestiert in der heftigsten Form gegen das Verbrechen, das Sowjet-Rnhland gegen das armenische Boll verübt." Der Aufruf schließt:„Rieder Ulkt allen Kräften, von«el- che» Seiten fie auch kommen und wie fie sich auch nennen, wenn fie die ehemalige Tyrannei wiederherstellen!" Ein Urteil über Brest-Litowsk Wer hat die Weltrevolution verraten? Die Alt- und Nsukommunisten, mit einem Wort: die pro- letarischen Ludendorffparteilcr erweisen der IX. S. P. öfters die Ehre, ihren Kampf für den Frieden als V e r- brechen und als Verrat anzukreiden. Wir wollen uns diesmal in keine lange Diskussion darüber einlassen, und auch nicht fragen, ob der Friede von Versailles eigentlich viel anders aussehen konnte, nachdem die B o l s ch e w i k i den Frieden von V r est geschlossen hatten. Was war aber dieser Friede von Brest? War das ein proletarischer, ein vorbildlich sozialistischer Friede? Bevor noch die Bolschewiki zur Macht gekommen waren, wurde bereits der Gedanke elnes russischen Sonderfriedens� mit Lndendorff von So- z i a l i st e n abgelehnt, die hoffentlich bei unseren Neu- kommunisten noch etwas gelten werden. Hören wir ein sol- ches Urteil: „Ein Sonderfricde wäre, wie anscheinend sämtliche sozia» listische Richtungen in Ruhland eingesehen haben, nicht eine Ve- endigung, sondern nur eine neue Entfachung des Welt- krieges. Zeder Sondersriede ist überhaupt schon ans dem Grunde nicht proletarische, sondern rein bürgerliche Politik, weil er auf eine einseitige nationale Lösung des«riegsproblems hinausläuft, weil er die Schicksal« des europäischen Proletariats im Ganzen a u h e r Acht läht. um nur«in einzelnes Land aus den Krallen des Krieges zu befreien. Will sich die russische Republtt etwa durch einen Sonderfrieden aus der Schlinge-d es Völkermordens ziehen, dann verrät sie das internationale Proletariat und die eigenen Schicksale an den deutschen Zmp«, rialismus." Diese Worte schrieb Rosa Luxemburg in den Spar- takusbriefen Nr. 6 vom August 1917, dieselbe Rosa Luxemburg, die wir als Verfasserin des Spartakusprogramms schon einmal als glühende Gegnerin der Moskauer Be- dinqunaen zitieren konnten. In dem Spartakusbrief Nr. 11 vom September 1918, der bezeichnenderweise„Die r u s s i- s ch e Tragödie" überschrieben ist, zieht Rosa Luxemburg Schlusifolgerungen aus dem Brester Frieden, die außer- ordentlich weitblickend waren. Rosa Luxemburg weist hier darauf hin was die Trennung Rußlands von seinen Rand- staaten durch diesen Frieden bedeutet: „Erstens Erdrosselung der Revolution und Steg der Konter. '.volution in allen revolutionären Hochburgen Rnhlands Abschnürung auch des grohruspschen Teils des tcw-TutiorLn Terrains vom Eetreidegebiet. Kohlengebtet, Crz- gebiet und g'aphtagrbiet, also von den wichtigsten wirtschaftlichen Lebens quellen der R-o-lution.(Ist das nicht alles genau so eingetroffen? � g' nntz Stärkung aller konter- Drr.tens: � innerhalb Ruhlands zum tatkräf- '.v°lut.on-,-n El-m-ntc wne � ihr. Mah. n�hm-,u(Ist das nicht ein- Prophezeiung der Koltfchak. Wran- gel und Konsorten?#�g?u'&ianiiS outfttc auch die Entente 3.T."»TÄ ÄÄ..«ch- Revolution im Endresultat des Brester Friedens von allen Seite» umzingelt, ausgehungert, erdrosiell." Das war das Urteil von Rosa Luxemburg über den Brester Frieden! Wir haben nicht die Absicht, aus dieser Kritik antibolschewistisches Kapital zu schlagen. Aber wenn die Reu- und Ältkommunisten diese Zeilen lesen und alle ihre bekannten Ausreden und Entschuldigungen, richtige und falsche, für den Brester Frieden vorbringen, sollten sie dann nicht wenigstens daran lernen, auch die Friedenspoli- t i k der U. S. P. etwas nachsichtiger zu beurteilen, nachdem ihre eigene von Rosa Luxemburg als„Verrat am internationalen Proletariat" so scharf gebrandmarkt wor- den ist? Der Kampf der Bergarbeiter Das endgültige Abstimmungsergebnis DA. London, 14. Ottober. Die bisher veröffentlichten Zahlen über die Bergardeiter- abstimmung lasten erkennen, dah die Angebote der Bergwerks- besitzer mit einer ungeheuren Mehrheit verworfen worden sind. Bon insgesamt Svv 000 abgegebenen Stimmen haben sich 418 757 Stimmen gegen die Annahme und 8l 203 d a f L r ans- gesprochen. Die noch ausstehenden Crgebniste werden wohl kaum eine Aenderung im Gesamtresultat herbeiführen. Das Exekutiv- komitee der Arbeiterschaften ist gestern in London zusammen- getreten und hat sich in dreistündiger Sitzung mit der Lag« be- schästigt. Amtlich wird mitgeteitt: Die Konferenz der Bergarbeiter hat befchlosten, dah die Streikankündigungen am 10. Oktober fällig werden. Genf fallen gelassen DA. Basel. 14. Oktober. Wie aus Paris gemeldet wird, ist man in französischen Re- gierungskreisen überzeugt, dah die Konferenz in Eeof nunmehr endgültig vereitelt wurde. Darin sieht man aber keinen franzö- fischen Erfolg, denn an die Stelle der Konferenz dürfte nach dem Ergebnis der Londoner Besprechungen Delacroix mit Lloyd George eine andere Zusammenkunft zwischen Mitgliedern der Wiedergutmachungskommission und den finanziellen Sachverständigen aller europäischen Staaten stattfinden. Die Engländer wünschen sogar, dah an dieser Konferenz auch Amerika vertre- ten sein soll. Die ftanzösische Presse ist mit dem Ergebnis der Londoner Besprechungen selbstverständlich nicht sehr zufrieden. Nur die offiziös angehauchten Blätter sprechen von einer vollständigen Einigung zwischen Lloyd George und Delacroix. Es scheint je- doch, dah der englische Ministerpräsident in der Frage der Ber- t r e t u n g Deutschlands auf der nächsten Besprechung der Wiedergutmachungsfragen unentwegt auf seinem Standpunkt ver- harre, wonach die Vertreter Deutschlands zu diesen Besprechungen eingeladen werden müssen. Graf Sforza zurückgetreten Rom, 14 Ottover. sStefani.) Der Minister de« Auswärtigen Graf Sforza ist zurückgetreten. Das entschleierte Bild Die gestrige Nachmittagssttzung des Parteitags begann mit einer großangelegten Rede des Vertreters des Kommu- nistischen Exekutivkomitees, Einowjews, die fai 4 S t u n d e n währte und die ganze Sitzung bis zum Schluß ausfüllte. Während der Rede kam es oftmals zu stürmische« minutenlangen Unterbrechungen der rechten Hälfte des Par- teitags, und ebenso oft zu stürmischen Beifallskundgebungen der linken Hälfte, die endlich in Sinowjew einen Vertreter ihrer Anschauungen fand, für die bisher Däumig und Stoecker nur den dürftig st en Ersatz geboten hatten. Rein rednerisch betrachtet, bot die Rede Sinowjews eins glänzende Leistung, und man kann es schon ver- stehen, daß die linke Hälfte des Parteitags dem Redner, be» sonders zum Schluß, zujubelte. Das darf uns aber nicht hin- der«, auch auf die großen Lücken und Schwächen dieser programmatischen Rede hinzuweisen, vor allem darauf, daß der Redner oft mit der Gewandtheit eines Kar- ' p l® 5 über die für ihn brenzlichen Fragen hinweg- glitt und sich auch nicht scheute, die gegen seinen sachlichen Standpunkt erhobenen Einwendungen durch völlige Per- schiebung des Kampsbildes aus dem Gesichtskreis der Zuhörer zu entfernen. Doch bei der Wertung der Rede Sinowjews kommt für die breite Parteiöffentlichkeit nicht diese oder jene positive und negative Eigenschaft in Betracht, sondern die gesamte T e n d e n z, die Art und Weise des Tons, die Methode der Einsetzung weltpolitischer und parteipolitischer Fragen, die gesamte Einstellung zu den Streitfragen, die das internatio-- uale Proletariat zerreißen. Zn dieser Beziehung bot die Rede Sinowjews einen praktischen Anschau- u n g s u n t e r r i ch t. wie wir ihn bester gar nicht wünschen können, um der deutschen Arbeiterklaste den Gegensatz auf- zuweisen, der zwischen der Ideologie des revolutio» n ä r e n S o z i a li s m us, wie er von der U. S. P. vertreten wird, und der Ideologie des Kommunismus, die be- herrscht wird von der Theorie und Praxis der russischen Kämpfe, klafft. Man kann diesen Gegensatz in folgende kraste Formel zu- sammendrängen: Der Standpunkt Sinowjews ist der des kommunistischen Parteiführers, völlig befan- gen von den geschichtlichen Bedingtheiten der russischen Revolution und von den praktischen Notwendigkeiten der russischen Politik, der ein sehr geringes Verständnis hat für die anders gearteten Verhältniste der westeuropäischen Revolution, und der deshalb die Aufgabe der westeuropäi- schen Arbeiterklaste hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt der nm Erhaltung ihrer Macht ringenden russischen Kommunisten betrachtet. Das soll kein persönlicher Vorwurf gegen Sinowjew sein. Ebenso wenig wie jeder andere Par- leiführer und Politiker, kann er aus seiner Haut heraus, und das umso weniger, als er. wie andere führende russische Kom- munisten, berauscht von seinen zeitweiligen Erfolgen an die Erfüllbarkeit seiner theoretischen Anschauungen und prakti- schen Kampfmethoden glaubt. Man muß hier an das Wort von Marx über die Be- ir Führer der bürgerlichen Revolutionen des Jahrhunderts denken, die die hinter ihrem Rücken wirkenden historischen Kräfte oftmals übersahen, und s i ch s e l b st als die S ch ö p f e r d e r E e s ch i ch t e wähnten, während fie doch nur die ausführenden Organe des großen ökonomischen und politischen Umwälzungsprozestes waren. Auch die russischen Kommunisten sind, ob sie wollen oder icht, lediglich die Testamentsvollstrecker der großen a g r a- i s ch e n U m w ä l z u n g, die sich in Rußland vollzieht, und die durch die kommunistischen Experimente der Sowjetregie- rung nichts an ihrem wesentlichen Inhalt einbüßt. Und noch weniger können fie darauf Anspruch erheben, daß jene politischen Schachzüge, die sie neuerdings auf dem Gebiet der Orientpolitik vollbringen, anders bewertet, werden, denn als Bestandteile jenes Machtkampfes, die die Sow» j e t d i p l o ni a t i e mit der Diplomatie Englands und Frankreichs auszufechten hat. Mit kraster Deutlichkeit treten diese Züge der kommunistischen Politik in den Ausführungen Sinowjews über die weltpolitische Situation und insbeson- dere über die Politik der Sowjetregierung in A s i e n zutage. Die Vorwürfe, die in den vorhergehenden Sitzungen des Parteitags gegen das Bündnis der Sowjetregierung mit dem Armenierschlächter EnverPascha erhoben worden waren, bewogen Sinowjew, besonders ausführlich auf diese Dinge einzugehen. Die gegen die Sowjetregierung erhobenen Vor- würfe vermochte er nicht zu entkräften. Doch in seinen Ausführungen über die Notwendigkeit der Aufrütte- lung der ausgebeuteten Völker des Ostens und ihre Kämpfe gegen den englischen und französischen Imperialismus zeigte er allerdings ein sehr gutes Verständnis sowohl sur die Psychologie der asiatischen Völker, wie für die praktischen Notwendigkeiten der Sowjetpolitik, die die Aufstandsbewe* gung der islamitischen Völker braucht. um Druck auf die englische Regierung ausüben zu könne«- Den Beweis blieb er freilich schuldig, daß die Unabhangigkelts» bewegung der asiatischen Völker für die Sowjetregierung mehr ist, als eine Figur auf dem htplomattfcheys J «ich rif Schachbrett, die sofort geopfert wird, wenn das diplo- inatische Spiel es erfordert. Bewies Sinowjew in diesen Ausführungen ei« gutes Ber- ständnis für die Psych« der asiatischen Wlker, die in ser Periode der bürgerlichen Revolution ein- traten, so zeigte er recht wenig BerstSndnis für die Denkart der deutschen Arbeiterklajse und für die ungeheuer kom- olizierten Verhältnisse Westeuropas, das am Vorabend der sozialen Revolution steht. Was der holländische Linkskommunist Eorter in seinem berühmten„Offenen Vrics" an Lenin vor kurzem in so treffender Weise ausge- führt hat, daß Lenin kein Verständnis habe für das auf seine eigene Kraft angewiesene und unter weit schwierigeren Per- Hältnissen kämpfende westeuropäische Proletariat— das zeigte Sinowjew nicht nur in seinen allgemeinen Ausfuhrun- gen über die Weltrevolution, über das Zusammengehen der Arbeiter mit den Bauern, über den Terror, über die Ein, Gliederung der„Gelben" in das Rätesqstem usw., das dewies er auch schlagend mit seinen unaeheulichen Worten, die einen minutenlangen Sturm auf der Rechten entfesselten: D a ß d i e Orgeschleute zwar keine sehr angenehmen Leute seien, daß sie aber nicht so gefährlich seien, wie die Leute von der gelben Amster- damer Eewerkschafts-Inter nationale. Wer unter der Hypnose dieser Redensart nicht völlig jedes Verständnis für den praktischen Kampf der deutschen Ar- deiterklasse verloren hat. konnte es durchaus verstehen, daß die seit Jahrzehnten in der Partei und in der Gewerkschaft tätigen und erfahrenen Genossen— die am eigenen Leibe die Annehmlichkeiten der Orgeschleute gespürt hatten— diese Worte Einowjews wie einen Peitschenhieb empfanden und minutenlang dagegen demonstrierten. Doch vom Stand- punkt der internationalen Kommunistischen Sekte, deren Haupt Sinowjew ist. waren diese Worte durchaus k o n s e- quent. Von diesem Standpunkt ist der Hauptfeind nichtdasBSrgertum.nicht die Orgesch, nicht die sich überall ansammelnde Macht des Kapitals, sondern als Hauptfeind gelten alle jene Oraanisationen der Arbeiterklasse, und alle jenen Arbeiterführer, die sich der Kommunistischen Sekte und Diktatur nicht unter- ordnen wollen, sondern die große sozial-revolutionäre Internationale als die Zusammenfassuno aller Kräfte der Ar- beiterklasse anstreben. Für Sinowjew jedoch ist der Stand- punkt der Kommunistischen Sekte, der auf die Zerschla- gung aller politischen und gerwerkschaftlichen Or- ganisationen hinausläuft, nach wie vor ausschlaggebend. Darauf gerichtet waren seine Worte bei Beginn seines Vor- trags:„Wenn Ihr keine Kommunisten seid, was habt Ihr dann in der Kommunistische» Internationale zu suchen?!" Und zum Schluß erklarte er als Quintessenz seiner Aus- führungen: Es handelt sich um eine grundlegende Partei- Umwälzung, es handelt sich um die Zusammenfassung aller kommunistischen Elemente der U. E. P., der K. P. D. und der K. A. P. D. zu e i n e r K o m m u n i st i s ch e n P ä r t e i Deutschlands. Mit diesen Worten hat auch Sinowjew das Problem klipp und klar gestellt: Allen nichtkommunisti- schen Elementen ist der E i n t r i t t in die 3. Internationale verwehrt. Diese soll und wird nur eine Internationale weniger Parteien und Gruppen sein, die sich voll und ganz auf den Boden des kommunistischen Programms stellen und mit den 21 Punkten auch die Unterordnung unter die M 0 s- kauer Diktatur akzeptiere«. Dagegen hat man in den«usfllhrungen Sinowjew« eine Antwort auf die Frage gesucht, wie er die 21 Punkte mit dem auch von ihm festgestellten Zerfall der Kommu- nistischenPartei in R u ß l a n d in Einklang bringen will. Man hat vergebens die Antwort auf die von D i t t- mann gestellten Fragen erwartet, wie man dem westeuro- äischen Proletariat Bedingungen zu bieten wage, deren Schädlichkeit und llndurchführbarkeit sich selbst auf russischem Boden gezeigt haben. lleber diese HauptfragendesTages ging Sinowjew mit einer eleganten Wendung hinweg, daß gerade sein Artikel in der„Prawda" beweise, daß die Kommunistische Partei Rußlands so stark sei, daß sie sich nicht scheue, ihr« Fehler und Schäden offen aufzuzeigen. Auf Naive kann dieses Fechterkunststück vielleicht Eindruck machen, auf die Masse des deutschen Proletariats wird diese Antwort wirken als Eingeständnis der geistigen Schwäche des Führers der Kommunistischen Internatio- nale. � Die Gewerkschaftsinternationale Fimmen weift die Moskauer Anwürfe zurück Aus Prag wird uns geschrieben: Bor den Prager Vertrauensleute« du Sewukschaften hielt Ichter Tage Genosse Fimmen, der Sekretär de» internatio- nalen Gewerkschaftsbundes«inen Vortrag, an dem et über die gewerkschaftliche International« und ihre nächsten Aufgaben sprach. Bisher, so führte er aus, war die Gewerkschaftsbewegung nur darauf abgestellt, für eine Verbesserung der Lohn- und Ar- beitsbedingungen zu kämpfen. Heute ist die Arbeiterschaft freier geworden und kämpft für die Eozialisierungder Pro- duktionsmittel. Wir bereiten für den Februar einen neue« Gewerkschaftslongieß vor, der sich mit der Behandlung der akuten Sozialisiemngsfragen, der Valutaprobleme sowie der internatio- nabin Verteilung der Rohstoffe beschäftigen soll. Heute vereinigt unsere Internationale 27 Millionen Mitglieder, gegen 18 Millionen vor dem Kriege. Das ist unsere international« organisiert« Eozialisierungsmacht. Unsere International«, fuhr Genosse Fimmen fort, ist reno- lutionsir und sozialistisch. Nicht in Worten, aber in Taten. Deshalb mußt« man uns auch in Washington respek- lteren. Unser« Internationale ging auch gegen den weißen Terror vor. Während die westeuropäischen Regierungen ebenso- wenig wie die S. International« etwas taten, haben wir den Boykott gegen Terrorungarn proklamiert. Und dafür werden wir jetzt als..gelbe" Internationale beschimpst. Unsere weitere Aktion geht gegen Polen zugunsten des revolutionären Ruh- land Dieser Aktion dient auch mein heutiger Besuch hier. Wir find heut« s- stark, daß. wenn»in Krieg ansdreche» sollte, wir imstande sind, ihn durch-ine« internationale»»«neralstreik ,» verhindern. Freilich will uns die Bourgeoisie zerreißen, weil wir ihr in positivem Sinne zu revolutionär find. Allein, ich glaube, daß wir nichts zu fürchten haben. Wir wollen den S 0- zialismus, aber dazu ist es notweistiig zu organisieren und die Arbeiter, die erst während de» Kriege« zu uns gekommen find, zu einem sozialistischen Bewußtsein zu«rzicha«. Die Revolution kann auch mit Analphabeten durchgeführt wer- den, sie zu h a l t e n, ist aber nur möglich mit einem ausgellärien, disziplinierten Proletariat. Unsere internationale Arbeit wollen wir gemeinsam mit den russische« Genossen leisten. Wir lämvsui für die Aufhebung der Blockade gegen Sowjetrußland, mir bieten den russischen Genossen unjere offene Hand und find gerne bereit, von ihnen zu lernen. M« bisher haben die russischen Genosse« unser« offen« Hand nicht genommen, sondern uns bsschnnpft. Sie wollen sich nicht unserer Internationale anschließen, sondern ste vernichten. Wir haben bisher dazu geschwiegen, an.» man uns aber den Kampf aufnötigt, so werden wir ihn, mit bluti- gem Herzen Mar, auch aufnehmen. In seinen weiteren Ausführungen deschwor Genosse Fimmen die tschechischen Gewerkschaftler, sich ihre Organisationen nicht schwächen und spalten zu lassen, weil davon nur das Bürgertum einen Vorteil hat. Im Kampf für die neue Gesellschaft, die sozio- listiiche Gesellschaft, aber ist unsere geschlossene Kraft vonnöten. Zur Kritik an Versailles Wirtschaftliche» nicht formale Gleichheit Das Abstimmungsergebnis in K ä r n t e n hat mit einem Siege der deutsche» Mehrheit geendet und reiht sich in dieser Beziehung würdig den vorausgegangenen Erfolgen im südlichen Teil von Schleswig-Holstein. in Ost- und Westpreußen an. Die Entente hat in diesen Ländern Abstimmungen zugelassen und dem Druck ihrer beutegierigen kleinen Verbündeten widerstanden. Auf diese Weise ist Unrecht verhütet worden, aber so sehr wir uns darüber freuen können, wir können und werden niemals das größereUnrecht vergessen, das durch Diktat am Selbstbestimmungsrecht der Völker geschaffen worden ist. Wir verweisen besonders auf die Angliederung Deutsch-Böhmens an die Tfchecho-EIowakei, auf die gewaltsame Trennung Deutschösterrcichs von Deutschland, aus die Annexion de» rein deutschen Südtirols nordlich des Trents durch Italien, auf die Unterdrückung des Selbstbestimmungsrechts von E u p e n und M a l m e d y und schließlich aus die schändlichste nationale Unterdrückung: Danzig und sein Hinterland. Von der Komödie mit der Türkei wollen wir schweigen, auch von der willkürlichen Beschneidung Bulgariens und von den, gewaltigen Länderranb in allen Erdteilen, den England verschluckt hat. Der Eewaltcharakter des Friedensvertrages von Versailles wird nun immer mehr auch von den Ländern und Staatsmännern erkannt, die fein« Nutznießer sind. Zwei beachtenswerte Aeußerungen des ftüheren italienischen Ministerpräsidenten R i t t i und des italienischen Senatspräsidenten T i t t 0 n i liegen gleichzeitig vor. Die Aeuhernng von Ritti haben eigentlich nur Bedeutung als Stimmungsjymptom, aber da sie von einem Mann in seiner Stellung stammen,»erdienen fie gelesen zu werden. In einem für die amerikanische Press« bestimmten Artikel:„Europa ohne Frieden" führte dieser Staatsmann aus: „Sehr häufig haben die Sieger nach dem Sturz der Zentral- mächte die gleich« Sprache geführt, die ste ihren Feinden vor- warfen. Gibt es überhaupt«och einige unter ihnen, die von Menschlichkeil rede«? Kein ehrlicher Mann kann die Verträge, die fie de« Besiegte« auferlegt haben, verteidige«. Niemand be- zweifelt, daß die Besiegten irgendeine Entschädigung be- zahlen müssen, aber können fie die absurden Entschädigungen bezahlen, die wir ihnen aufzulegen gedenken? Zweifellos waren einig« territorial« Abänderungen erforderlich, aber waren all«, die ste diktiert haben, wirklich notwendig?" Auf diese Frage Rittis können gerade wir Sozialisten mit einem energischen Nein antworten. Zweifellos, das sagen auch wir, entsprachen einige territoriale Abänderungen dem unzwei- deutigen Willen der Bevölkerung, so z. B. der Zusammenschluß des Trents mit Italien oder die Rückkehr von Elsah-Lothringea, deren ungeheure Mehrheit ohne Unterschied der Sprache franzSsi.ch gefinitt ist, nach Frankreich. Aber all« diktierten Aenderungen waren wirtlich nicht notwendig. Nicht die Annexio« des deutschen Eüdtirolz durch Nittis Vorgänger, und nicht alle die Vergewaltigungen, die wir oben aufgezählt haben. Wesentlicher find die kritischen Aeußerungen und prakti- schen Vorschläge Tittonis. Nach einem Telegramm der „Delltschen Allgemeinen Zeitung" teilt« Tittoni in Mailand den Vorschlag mit, den er bei der letzten Sitzung des Völkerbund- Rate» in San Sebastian eingebracht hatte und der bei der nächsten Zusammenkunft des Völkerbund- Rates be- handelt werden soll. Der Vorschlag fordert nicht» anderes, als den Artikel 28 de« Frieden svertrages tatsächlich durchzuführen oder ihn aufzuheben. Dies scheint der Sinn der unklaren oder vermutlich schlecht übersetzten Formulierung zu sein, die uns vorliegt. Artikel 28 fordert im Punkt e„«in« angemessene Behandlung de« Handel« aller Bandesmitglieder zu sichern und aufrecht zu erhalten." Tittonis Kritik setzt hier tatsächlich bei einem der wichtigsten Teile des Friedensvertrages ein. Nach diesem Punkte de» Friedensvertrages genießen alle Mit- glieder des Bölkerdnndes ein« gewisse wirtschaftlich« Gleichberechtigung. Diese Gleichberechtigung hat allerdings bei den ungleichen Wirtschaftskräften der Bundesmitglieder nur formalen Charakter. Darauf zielt Tittoni in seiner B e- gründung hin, in der es heißt:„Wenn man wirklich Flieden und Eerechtigleit will, muß man nicht nur die politische. sondern auch die wirtschaftliche Vorherrschaft einiger Staaten zum Schaden der andern unmöglich machen. Was gibt es für ein« lästigere und gefährlichere Bedrohung des Weltfried««», als de« Gegensatz von im Kriege bereicherten und verarmten Staate«, als de« Gegensatz zwischen aus- gebeuteten und ausbeutenden Staaten. Es kann keine politisch«nadhängigen Staate« gebe«, sobald fie sich i« wirtschaftlicher Knechtschaft befinde«.- Wir wollen zunächst einmal feststellen, daß Tittoni hier nicht als Anwalt Deutschlands, sondern al« Anwalt Italiens spricht, denn er fordert die praktische Durchführung eines Artikels des Friedensvertrages, der sich auf Völkerbundsmit- glieder bezieht, zu denen Deutschland noch licht gehört. Di- Gedanke« aber, die er ausspricht, treffen den Friedensvertrag als Ganzes. Sie weisen auf die Unmöglichkeit hin. wirtschaftliche Gleichheit zwischen wirtschaftlich Ungleichen zu ickaffen. und auf das wirkliche Völkerbundsziel, diese wirtschaftliche Ungleichheit aufzuheben. Tittonis Kritik stellt'en ungeheuren Segensatz dar, der besonders das rohstoffarme I'alien von seinen rohstoffreiche« Verbündeten in erster Linie England-Amerika. in zweiter Frankreich, trennt. Tittonis Ziel kann allerding» nur durch«in« soziall jtische Dorch- organifierung des Völkerbundes erreicht werden. Auch in Deutschland ist dieser Gedanke bereits erkannt worden, und selbst die Pazifisten haben auf ihrem Braunschweizer Kongreß die Grundsätze von HarryGraf Kehler angeiwmmen, die darauf hinauslaufen, den formalen Völkerbund in einen wirisch«ftlichen zu»erwandeln. Auch wir haben diese» Ziel. Ab« wir täusche« uns darüber nicht, daß nur da» Proletariat die gegenwärtigen Macht- staaten zwingen kann, die bloße formale Gleichheit, wie fie in den Bourgeoisstaaten und dach« auch zwischen den Bourgeoiste- staaten herrscht, in«in« wirtschaftliche, sozialistische zu verwandeln. Bestechliche Beamte. Zu den Ausführungen des preußischen Mi- nisterpräfidenten auf dem Parteitag in Cassel über die B e st e ch- lichteit einesBeamten des Reichsernährungs-Ministeriums wird bemerkt, daß der betreffende Beamte sofort beurlaubt worden ist, nachdem die Angelegenheit zur Kenntnis der Behörde gekommen war. Räch Prüfung des Sachverhalt» ist sein Aus- scheide« ums de« Reichsdienst veranlaßt»«d bereits erfolgt. Die polnische Hölle Noch dem Rückzug der Russen begann in Polen ein wilder Feldzug gegen alle Bürger, die während der insstschen Ollupatio» Mitglieder der lokalen revolutionären Komitees waren oder i« irgendeiner Richtung zu den Bolfchewisten standen. Sie werde» obne weiteres den Feld- und Standgerichten übergebe» und in der Regel zum Tode verurteilt. Auf diese Weis« sind bereits tausende ums Leben gekommen, der größte Teil natür- lich ganz unschuldig, infolge von D e n u n z i a t i 0 n e n. die von gewissen politischen Parteien jetzt bejonders gepflegt werden. So hat die national-demokratische Partei am 28. August einen Aufruf erlassen, in welchem fie ihre Mitglied« auffordert, „den Behörden zu helfen, ein Verzeichnis aller derer, die den Bol- schewisten gut gesinnt waren oder mit den Bolschewisten abgezogen sind, herzustellen, damit die Schuldigen bestraft und ihr Vermöge» konfisziert wird." Ms Opker solcher„Hilfe" fallen in«st« Linie die Jude» und die Sozialisten. Dies« beiden Kategorien Bürger wer- den erbarmungslos durch die Standgerichte„ausgerottet". Aus der ganzen tragischen Chronik sollen nur hier 2 Fälle aus den letzten Tagen hervorgehoben werden. Der Sozialist Sin» d a l s k i, der nur einen Tag Mitglied eines örtlichen„Sowjets" war, wurde in sein« Wohnung von 5„Patrioten" überfallen und ermordet, sein« Leiche wurde in bestialischer Weise geschändet, die Schuldigen wurden nicht festgenommen. Der Sozialist Kasimir Tomaszewski,«in ßtjjähriger Greis. Milglied der ersten polnischen revolutionären Organisation„Proletariat", der 15 Jahre in der Katorga verlebte, wurde jetzt mit seiner SOjährigen Frau zum Tode verurteilt. Das geschieht unter einer Regierung, dessen Vizepräsident und Seele der„Sozialist" Daszynski ist! Deutschland und Lettland Zwischen der deutschen und der lettländischen Regierung ist ei» vorläufiges Abkommen getroffen worden, das im wesentlichen ■ die Grundlagen schaffen soll für die gegenseitigen Handels- beziehungen. Lettland ist bisher von der Entente noch nicht anerkannt worden, deshalb trägt das Abkommen nur vor- läufigen Charalt«. In dem Abkommen verpflichtet sich i Deutschland, den von deutschen oder unter deutschem Befehle stehenden Truppenteilen aus lettländischem Gebiet angerichteten Schaden zu ersetzen. Es handelt sich um die Räubereien der � Valtikumtruppen. für die jetzt das deutsche Volk die Kosten tragen muß. Bemerkenswert ist an dem Abkommen noch, dag die Gleichstellung der deutschen Reichsangehörigen in Lettland mit den Inländern lettlscherseits nicht zugestanden wer- den konnte, da die neue lettländische Regierung grundsätzlich den Erwerb von Grundbesitz durch Ausländer untersagt. Die deutsche« Soldaten ,die sich in Lettland ansiedeln wollten, sind also gefallen. Die Schuldigen sind die betrügerischen LfN' z i e r e und die deutsche Regierung, vor allem Ro»t� Sie haben das Baltikumabenteuer bis zum letzten Sugend.ick begr...ax. Vom Reichskohlenrat In ein« am Donnerstag zusammengetretenen von 51 Mit» gliedern besuchten Vollversammlung de» Reichskohlenrats, er- stattete Generaldir.ktor Kongeter Bericht über die Lage der deutschen Kohlenwirtschaft und die Durchfuhrung des S p a» Abkommen«. Während im Monat August, dem ersten Per» tragsmonat, die durch das Spa-Abkommen Deutschland auferlegten Kohlenlieferunssen voll ausgeführt werden k muten, feie» im September bei den westlichen Kohlenvereinen ein kleiner Rückstand eingetreten. Da» Spa-Abkommen Hobe groß« Rück- Wirkungen auf die eigene Kohlenversorgung. So hätten die dcut» schen Eisenbahnen nur die laufenden Bedarfsmengen er- halten können. In Norddeutschland befitzen ste nur f ü r 26 T a g« Vorrat. In Süddeutschland etwas mehr. Die Bestände der deutschen Gasanstalten find gegen de« 1. August um 40 000 Tonnen zurückgegangen. Die Groß- Berliner Gasanstalten»«fügten am 1. Oktober über ganze 47 000 Tonnen, die für etwa acht bis neun Wintertage reichen. Die Hausbrandliefernng.auf Grund der Bezugschein« beträgt im ganzen Reich« 105 Prozent des Belieferungsstandes zur gleichen Zeit im Borfabrc. Di« Versorgung ist also dieses Jahr nur unwesentlich gebessert. In Deutschland muß nach"'ie vor bei den von der Ste'.nkohle abhängenden Elektrizitä- s- werken die Stromabgabe scharf rationiert, neue Anschlüsse, selbst wichtiger Betrieb«, können nicht vorgenommen werden. Meh rcren großen, für die Landwirtschaft wichtigen Ueberland- zentralen haben die Sonderzuwcisnngen an Frühdrusch-Kohlen nicht oder nur erheblich gekürzt zugeführt werden können. Auch der groß« Mangel an Schmiedekohlen auf dem Lande hat. sich wieder stark verschärft. Der Redner schloß mit der Versiche- rung, daß es an den nötigen Anstrengungen, um auch im Winter . zwei Millionen Tonnen monatlich zu liefern, nicht fehlen werde, daß allerdings die Durchführung der vollen Lieferung wesentlich von der Gestaltung der Transportverhält» i>s« abhält gen dürfte. Schuldschieber an der Arbeit Uns wird geschrieben: Es ist eine stets wiederkehrende Erscheinung, daß nach irgend» welchen politischen Ereignissen oder Aktionen, die nicht gerade zum Vorteil der Arbeiterklasse ausliefen, nach denjenigen ge- fahndet wird, auf die man billiger Weise glaubt all« Schuld ab- wälzen zu können. Und jo sehen wir denn auch heut« wieder, daß, nachdem das neue Gesetz Groß-Berlin kurz vor seinem Inkrafttreten von der bürgerlichen Mehrheit des Preußenparla- ments eine nachteilige Abänderung erfuhr, gewisse Kreise bestrebt sind. Instanzen oder Personen ausfindig zu machen, die für alles verantwortlich gemacht werden können. In den am letzten Sonntag in Groß-Berlin abgehaltene» D e- monstrationsversammlnngen waren es ausgerechnet Mitglieder d« U. E. P. D„ die ihren mehr od« wenig« kommunistischen Herzen Lust machten, indem sie auf alle nur igendwie in Frage kommenden Genossen und Körperschaften los- wetterten. Bald mutzte die„Freiheit", bald die städtischen Ar» beiter, bald auch d« geschästssührende Ausschuß und der Zentral- vorstand der Berlin« Parteileitung herhalten, um für.die mehr od« weniger unmotivierten Redeüvungen eine Grundlage abzo- geben. Demgegenüber muß mit all« Deutlichkeit festgestellt werden. daß die Aktion incht am bösen Willen dies« Instanzen gescheitert ist. sondern daß man dafür gerechterweise die Schuld— soweit von ein« solchen überhaupt die Red« sein kann- auf ganz andere Schultern abwälzen muß. Der geschäftsführende Ausschuß der Berlimr Parteileitung hatte sich von Anfang an bereit erklärt, jede Aktion d« u�iuchen Arbeit« zu unterstugen. Daß es zu «in« solchen nicht gekommen ist. dafür find in erster Linie die E. P. D. mit ihrer Zaudertaktik. dann die K. P. D. mit ihrer unklaren und verworrenen Parole der Wahl politischer Ar» bei terra te, die doch mit dieser Aktion gar nicht» zu tu» hatten und schließlich auch die Betriebsrätezentral« in der Münz» strnße mit ihrer..Reserviertheit" verantwortlich zu mackien. Die Port« und aucki die..Freiheit" haben sichln dieser Frage ihrer Aufgabe völlig gewacksen gezeigt. Es steht deshalb einigen radikalen Versammlungsrednern schlecht an. die wahrhaft Schul- digen zu decken und die Schuld für das Versagen auf diejenige» abzuwälzen, die et« durchaus korrektes Benehme« a« de« Tag 1 legt habe«. sollen. U. S.T Der Parteitag in Halle fCigenet Drahtbericht der„F r« i h e i t".) Eortjekung aus der Beilage.) Rachmittagssitzung Räch Eröffnung der Rachmittagssitzung erteilt Vorsitzender Braß dem Genossen Sinowjew, dem Vorsitzenden des Exekutivkomitees der dritten Internationale, das Wort. Genosse Adoloh Holtmann bringt ein dreifaches Hoch auf die kommunistische Internationale aus, in das die Linke des Partei- tags begeistert einstimmt. Einowjew bringt einleitend seine große innere Bewegung zum Ausdriut. daß er hier unter den Venretern des klassenbewußten Proletariats Deutschlands reden kann, des Proletariats, von dem die Russen so viel gelernt haben, das die Namen Bebel und Lieb- knecht aufzuweisen hat. Der Redner fährt dann fort: Wir wissen sehr genau, daß es in Deutschland heut« keine Stadt gibt, in der nicht Proletarierblut für dis Revolution geflossen ist. Wir wissen wohl, daß wir noch sehr viel von der Arbeiterilasse Deutschlands lernen tonnen. Aber auch wir haben große Erfahrungen- in der Revolution gesammelt, die ich Ihnen mitteilen werde. Der heurige Parteitag erinnert lebhaft an den Parteitag, den wir ge- meinsam mit den Menschewiki im Zahre 1907 gehabi haben. Ge- nassen, wir sind davon überzeugt, und die Diskussion hat es be- wiesen, daß in dieser Partei zwei Tenden.,en und vielleicht sogar drei Richtungen vorhanden sind. Jetzt, wo die entscheidende Stunde schlägt, lassen sich die Gegensätze nicht mehr überbrücken, die.sich kurz als Reformismus und Kommunismus bezeichnen lassen. Es ist hier von verkappten Kommunisten gesprochen worden. Wir hoben uns bisher immer als Kommunisten gefühlt, und wer sich nicht als Kommunist fühlt, hat nichts in einer kommunistischen International« zu suchen. Der Kommunismus ist bereits so stark, daß wir die Bourgeoisie schon morgen stürzen könnten, wenn wir einig und geschlossen handelnd auftreten würden. Wenn wir bisher noch nicht weiter in der Welirevolu- tion vorwärts gekommen sind, so liegt das an der verfluchten bürgerlichen Ideologie. Wer rettet überall die Bour- geoifie? Niemand anders als die Reformisten. Das Problem der Befreiung der Arbeiterklasse der ganzen Menschheit ist die Frage unserer eigenen Orientierung. Es ist unsere Ueverzeugung. es gibt bei euch prinzipielle Unterschiede in d« Auffassung der weltproletarischen Probleme. In den Reden von C r i s p i e n und D i t t m ann hat man nichts von der Weltrevolution ge- hört. Als unsere revolutionäre Bewegung im Jahr- 1905 niedergeschlagen war, wurde die Formel geprägt:„1817 oder 1819!" Das will sagen: Befinden wir uns noch vor der revolutionären Umwälzung oder ist diese bereits erledigt? Und wir geben die Antwort: Nein, die Revolution ist noch nicht erledigt. Sie steht uns noch bevor. Und so liegen die Verhältnisse auch für Deutsch- land. Aucki hier ist die Revolution nicht, wie die rechten Führer der U. S. P. annehmen, erledigt. Darum vermissen wir in den Referaten von Crispien und Dittmann das Wort von der Welt- revolution, deren Bortrupp die Kommunistische Internationale sein will. Niemand will versprechen, daß die Weltrevolution in eini- gen Jahren zur Auswirkung gelange. Wer das tun würde, wäre ein Scharlatan. Niemals werden wir verlangen, daß Sie die Revolution morgen„machen" sollen. Was wir fordern, ist nichts weiter, als daß Sie sich auf die Wcltreoolution vorbereite« fLanganhaltender Beifall.) Wir haben die Presse der •S.P.. das mächtigste Werbemittel der Partei, verfolgt und zur Ueberzeugung gekommen, daß sie die Revolution nicht oropagjxrt, sondern hemmt.(Beifall) Wir haben auch hier >mmer wieder hören müssen, daß die ökonomischen Borbedingun- 3*" für die Revolution erfüllt fem müssen. Ich frage Sie, ob die �,'brechend« weltpolitisch« Lage und die ökonomischen Borbedin- {jungen für die Revolution vorhanden find? Darauf kann es doch nur«ine Antwort aeben: Sie find vorhanden. Die, die vor einer Revolution zurückfmrecken. mögen fa von guten Beweggründen geleitet werden. Sie wollen das Volk vor den Zuständen de- wahren, die wir heut« in Rußland haben, aber wir müssen ver- stehen, daß es i«tzt in der Epoche der schärfsten Krise durch den Wellkrieg keinen anderen Ausweg mehr gibt. Und da kommt derselbe Kautsky, der vor dem Kriege schrieb: Die proletari- sche R-volution kann niibt früh genug kommen und sagt jetzt, Ihr wollt die Revolution zu früh durchführe«. Die ökonomischen Nor- tcdingungen für die proletarische Revolution stnd also da. Was dns fehlt, ist die geistige Orientierung. Denken wir an die Erziehung die der bürgerliche Staat uns gegeben hat. Weil die Bourgeoisie es so glän'end verstanden hat. uns geistig zu rneckiten und zu verwirren, deshalb bat ste uns bisher zu beHerr- siben vermögt. Wir müssen dafür sorgen, dgß wir geistfg kest und einheitlick, werden.«ofiatfen Sie hier eine kleme Ab- Weisung. Die Gewerksckigftsinterngtiongle von Amsterdam ist ein Stück der zweiten Internationale. Sie ist da« Bollwerk der internationalen Bourgeoisie. (Sehr wahr!) Wer sind die Führer dieser Eewerks�gstsinter- nationale? Da« sind die L c g i e n und I o u a u r. die Aoen- ten de« Kaoitals. Und mit diesen Kräften wollen Sie nicht brechen? Sie haben mir darin beigestimmt, daß die geistig« Orien- tierung im Augenblick die Hauvtsgche ist. und dann wollen Sie im Bunde mit derselben Gewerks�aftsinternationale bleiben? Ge- wiß find die Weik-aardisten. die Mannen von der Oroe-ch.»«in« lebe anae-ebmen Leute, aber«b bebanpt«, sie sind niibt lo««- fäbrlich wie die Leute von der aelben GewerNcha'tsinternationäle. (Siurmisiber Beifall, minufenlonge groß� Unnibe auf der Rech- tens) Sinowiew erklärt, daß die Rechte nur so lärmi, weil das wohe ist. Crisri«« ermabnt. den Redner rubig anzuhören. Sin-'wtew fortfahrend: Genossen, Sie dürfen es mir ui>bi als oin« Maiestätsbeleldigung auslegen, wenn i-b sage, die Eowerk- llbaiiqinternationale von Amsterdam ist ein fVmmnis der prole- iaris�en Revolution, und icki wette, in ein-m holbcn Jahre werben Sie dasselbe sagen wie i>b. Da sehen Sie schon, was es mit der aeMigen Orientiernnq auf si-b hat. Der Pa�feitaa in f5-,il«, der in der Arbeiterbewegiivg e-ne aeost« Roll,(vielen wird, sollte fi-h auch mit d-r weltpolftUchen Laar «ina-ii.nd beslbästigen. Seben �ie nach I t" 1 i e n, wo vor eini, gen Wonet. bedeutet bereits d»n hiiegeelichen Regierung. So war es auch-»"ö-hst in �"ßland Wir haben voller auch B-rtranon den renolnik-",öeen �owegnnaen in den Ländern, an d-ren Svitze beut- die Men, s ch--n i f! stehen. In Italien kracht«->. Der B a 1 f a n ist reif fgr die nrol-torÜ�« Renofvtien und ich denke au-b in Deutf-b- land w die«epalntion eingesetzt. D-bex verlangen wir auch ein- aeiltia« Ginstelluna auf die AMt-ern-lntson. und davon habe., wir in der bisherigen Taktik der 11.6.95. nichts gemerkt. Ferner find Sie uns auf diesem Parteitag eine Antwort über die Demokratie schuld!» Visber haben sich die rechten Führer der U k der Demokratie gestellt. Daiiir ist der «-?ier°"Kau?sk? d-7 Ä B-we's. der°- U der Wortführer Rechten bleiben w-rd(?ebr«sb« Z «9«rnng die üeoebeno historisch- �«r�.kwtu� d- Pr� Sinn �-'u wie sie da- rnssich, B'-le- '"'int ��nnd da. den-ch. �oleiariat und da« nnaa� wahr, daß wir die Revolution machen wollen, wenn Moskau auf den Knopf drückt. Aber in den Grundfragen, die ich als die entschei- denden bezeichnet habe, huldigen die rechten Führer den Refor- mismus. Crispien hat behauptet, daß das Agrarprogram« i» Wirklichkeit die Konterrevolution unterstützen würde. Die unga- rischen Genossen haben so doktrinär gehandelt, wie einige von Ihnen heute wünschen. Sie wollten den Bauern kein Land geben. Das war ein schicksalsschwerer Fehler. Die Reserven der proletarischen Revolution konnte man nicht in die Hände be- kommen. Und wenn der Genosse S e r a t i dem Agrarprogramm nicht zustimmen wollte, so hat die ungarische Revolution doch der Kommunistischen Internationale Reckt aegeben. Dos haben wir bei der letzten Bewegung in Italien erlebt. Wir sind bisher stets der Ansicht gewesen, daß es auch in Deutschland ohne Bauern- r 8 t e nicht acht. Wenn die nroletarisck- Revolution siegt, dann werben wir die Bauern neutealifieien müssen.(Sehr wahr.) Da- ber ist die Forderuna des Agrarp-ogramms durchaus im Sinne der vosi-tarifchen R-si�pung. wenn auch nicht im �inne des Er- fnrtot Prooramms. Wenn man das nickt einsiebt, so ist das der hefte B-m-is, daß man noch gar nicht an die proletarische Revolu- tion denkt. Nun komme ich zur Nationalitätenfrage. EnverPascha war in Baku anwesend, er war aber kein Teil- nehmer am Kongreß. Das Wort wurde ihm auf meinen Antrag nicht erteilt. Ihm wurde lediglich gestattet, eine Erklärung ad- zugeben. Darauf nahm der Kongreß eine Entschließung an, aus der hervorgeht, daß die Russen Enver Pascha gesagt hätten, daß er der Armenierschlächter sei. Sie betrackten die Rationalitäten- frage auch reformistisch, wir haben in unseren Bedingungen zum Ausdruck gebrackt. daß die erste Internationale nur eine Jnter- nationale von Proletariern weißer Hautfarbe sein wollte. Darauf haben wir ausdrücklich erklärt, daß die Kommunistische Internationale eine Internationale der Unterdrückten aller Haut- färben ist. Wir holten die hundert« von Millionen in Asien not» wendio. wenn die Welteenoluti-'n sieaen soll, denn in Asien woh» nen 80Ö Millionen Menschen, viermal mehr als in Europa. Ich komm« fetzt zur Frage des Terrors. Das ist meines Er- achtens nickt die entscheidende Frage, aber immerhin eine sehr wichtige. Sie wollen einen Unterschied machen zwischen Gewalt und Terror. Das ist falsch. Nach unserer Anstckt ist der Terror nur eine verstärkte Form Gewalt, wie der Bürgerkrieg eine verstärkte Form des Klassenkampfes ist. Ich beziehe Mick auf die Auslassung unserer Genossin Lux'em bürg, von der Sinowjep das Wort zitiert, daß der Kampf um den Sozialismus den ge- waltigsten Büraerkrieg in der Weltgeschichte darstellt. In der Praxis waren wir in der Revolution keine Theoretiker. Wir lie- ßcn die festgenommenen konterrevolutionären Offiziere auf ihr Ehrenwort, daß sie nicht mehr gegen die Revolution kämpfen wer- den. frei, was uns das Blut taufender unserer Brüder gekostet hat Wir Kommunisten waren so gutmütige Burschen, das war eine naive Jugendzeit unserer Revolution, in der wir glaubten diese Leute würden sick fügen, wenn die Mebrbeii des Polles doch gegen ste war. So war es auch in Finnland. Leitland. Ungarn, so ist es nickt zuletzt auch in Deutschland. Die Gutmütigkeit der Revolutionäre ist eine internationale Schwäche. Daher sollten wir aus den Erfahrungen lernen und auch hier in Deutsch- bind sollten Sie nicht, wenn die proletarische Revolution sich auf Leben und Tod verteidigen muß, in de« Friedensdusel verfalle«. (Ledebour ruft, das hängt von der Situation ab.) Wenn es Ihnen ernst ist mit der proletarischen Revolution und der Dikta- tur des Proletariats, dann müssen Sie das in den Kauf nehmen, nicht durch unsere Schuld, sondern durch die Schuld der verfluch- teu Bourgeoisie, die noch einmal bereit ist, zwanzig Millionen Menschen für ihre Privilegien abschlachten zu lassen. So liegen die Brhältnisse in der Frage des Terrors. Sinowiew erklärt dann, wie mau auch zum Terror gegen sozialistisch« Parteien koinmea kann, wenn dies« als ergänzend« Konterrevolutionär« auftreten, wie es zum Beispiel in Rußland gewesen sei. Ich wünsche nicht, daß e» hier in Deutschland so weit kommen möge, wenn es aber fein muß, dann darf man vor der verschärften Form, d. h. den Terror, nicht zurückschrecken. Und nun zur Rätefrage. Ich bin durchaus der Ansicht, daß man die sogenannten Gelben zu den Räten hinzuziehen muß. Es ist der Fluch unserer Klasse, oaß ein Teil unseres Proletariats gegen eigene Brüder kämpft. Daher müssen wir auch die rückständigen Arbeiter haben, damit wir ste belehren können. Das Sowjetsvstem ist ein so gewaltiger Magnet, der auch die rückständigsten Arbei- ter anziehi. Wie oft hat hier August Bebel zur Eewerk- schaftsfrage gesagt, wir müßten sehr vorsichtig gegen die christlich organisterten Arbeiter sein, wir inuhten Toleranz gegen sie üben, das heißt natürlich nicht, daß wir die christlichen Führer schonen müssen. Gestatten Sie mir noch einige Ausführungen zu den A r t i k e l n D i i i m a n n s. Sie wisse« ja alle, wie die Agitation gegen die Bolschewisten durch Dittmann gewirkt hat. Dittmann hat Ma- tcrial ungeprüft veröffentlicht, das durchaus nicht zutreffende An- Saben enthält. Wenn Dittmann z. B. sagt, von der Kommunisti- hen Partei seien 318 000 Mitglieder Sowietbeamte. so ist das eine völlig falsche Behauptung. Gewiß steht es in Rußland schlecht. Es fehlt an Heizmaterial, die Wohnungen sind dürftig, aber wir müssen auch die Ursachen, den sechsjährigen Krieg berück- sichtigen. Das hat Dittmann nicht getan. Und Sie können sich denken, wie die Artikel Dittmanns bei den russischen Arbeitern ge- wirkt haben. Aber ich weiß auch, daß ste von weiten Kreisen der deutschen Arbeiter mißbilligt werden.(Sehr richtig und Beifall.) Ich will noch hinzufügen, daß gesagt worden ist, daß die antibolschewistische Liga die Artikel Dittmanns verbreitet hat. (Zuruf: Auch Lenins Reden sind von der antlboljchewistische« Liga verbreitet worden.) Was heute morgen hier zitiert worden ist, trifft zu. Ich habe vor einigen Wochen in Moskau ein« Rede aehalien, in der ich verschiedene Mißstände in der Partei getadelt hab�. Aber ich habe noch mehr gesagt. Wir haben einen großen Teil unserer Parteigenossen an der Front verloren, denn wir hatten schwere Kämpfe gegen eine große Zahl kapitalistischer Regierungen zu führen. Die proletarische Revolution ist eben nicht billig zu er- kaufen. Wir wollen nicht verhehlen, daß bei uns manches schlecht ist. Trotzdem ist unsere Partei im Kern gesund. Daher haben wir keine Ursache zu verbergen, daß wir den Genossen, die sich nicht als Kommunisten aufführen, den Kopf waschen. Wir haben schon die schwersten Zeiten überstanden und werden über den Berg kommen, denn wir haben ein an und für sich reiches Land, daß ein Sechstel des Erdballs ausmacht. Und nun will ich wieder zu den Bedingungen übergehen. Man konnte fa sagen, daß überhaupt keine Bedingungen notwendig waren. So war es in der zweiten Internationale, die jämmerlich zusammengebrochen ist. Nicht aus Bosheit oder Dummheit, son- dcrn aus den Notwendigkeiten der Revolution stnd die Bedin- gungen gelioren. Sodann verliest Sinowjew die erste der Bedin- gungen und kommentiert sie. Wir hatten die Pflicht des Miß- ß696" a?e' in die Kommunistische Internationale «Ä! sollen. Jeder soll klar Farbe bekennen. Mit Z�' t die Bedingung 21 auf Antrag des italienischen Genossen »,,l« Ä-«""den. Wenn noch ein.» B«. dielen»onoe.� �'dma damit Recht hatte, lo brauchte««k den aickeren Lände'rn�ommem � � mirb � grelles den hu�mV011 d" Erekutive. den Teil des Kon- G üaTnZnMStineUn*n unannehmbar find, aufzufor- cf®«?«<,9cn!fn9 nn den Bedingungen unannehmbar erscheint. .5 niogen deutlich formulieren, unter den und den Bedingungen 6?™' kur den Anschluß an die dritte Internationale. �>ie Ringen über die?ii>nmmensetzung der Exeluttve sind ein Rück- fall in nationalistifche Vorstellungen. Die anderen Parteien haben 1« Bertreter in der Exekutiv« cht« Bolschewisten surrt- Wenn es uns möglich wäre, die Exekutiv« nach rinem and«r«n Land« za verlegen, etwa nach Deutschland, dann wären wir die ersten, die dafür eintreten würden. Wir wollen den Sozialisten nicht ein Diktat aufzwingen. S» ist unerhört, daß es so dargestellt worden ist, als ob wir Deutick land in den Krieg mit Frankreich hineintreiben wollten. Wir sagen, die Arbeiter müssen die Macht in Händen halten, ehe der Bersailler Vertrag überwunden werden wird. Daher wiederhole ich nochmals, daß wir ganz entschieden ablehnen, von Euch den Krieg gegen die Entente zu fordern. Die Exekutive ist eine Orga- nisatwn, wie wir ste in der Internationale noch nicht gehabt haben, eine Organisation, in der 17 kommunistische Parteien mit- arbeiten. Ohne Zentralisation, ohne Disziplin ist keine Jnter- nationale der Tat. die Sie doch wünschen, möglich. Weshalb kommen Sie da mit den Phrasen von der russischen Knute? Es wurde wiederholt an den Parteiegoismus appelliert. Es wurde gesagt, die U. S. P. soll zerstört werden. Wir verlangen aber lediglich, daß die Partei sich reinigt von den Elementen, die keine Kommunisten sind, sie soll sich umstellen zv einer wirklich kammunisti'chen Partei. Ich bin der Hoffnung, daß die deutsche Arbeiterklasse aufgetlärt genug ist. daß sie sich einer Partei, die von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg gegründet worden ist, nicht zu schämen braucht. Daher emi fehlen wir für Deutschland den Zusammenschluß aller kommunistischen Elemente in ein« ein» heitliche Partei, die einen Teil der kommunistischen International« bildet. Lassen Sie mich schließen mit dem Wunsche: Es lebe die einheitliche Kommunistische Partei, die alle kommunistischen Ee- Nossen zusammenfaßt, es leben ebensolche Parteien in den anderen Ländern, es lebe unsere dritte kommunistische Internationale? (Starker Beifall b. d. Anhängern der Bedingungen.) Diese bringen ein dreifaches Hoch auf die dritte Internationale aus und stim- men die Internationale an. Darauf werden die Verhandlungen auf Freitag vertagt. Gesinnungslos! Wir sind keine Freunde persönlicher Kampsesweise. Wir haben es deshalb vermieden, die persönlichen Schwächen unserer zahlreichen Gegner öffentlich zu enthüllen, obwohl wir dazu zwingend« Per- anlassung gehabt hätten. So haben wir beispielsweise einen Ar- tikel von Krätzen über Stoeckers Tätigkeit als Kriegs- berichterstatter nicht veröffentlicht, obwohl zahlreiche Genossen seinen Abdruck dringend verlangten. Wenn wir heute von dieser Regel abweichen, so deshalb, weil es sich um einen Mann handelt, der sich gebärdet, als ob er a l l e i n «in revolutionärer Kämpfer wäre und insbesondere stets konse- quent die Rechtssozialisten und ihre Politik bekämpft hätte. Wir lesen über einen solchen Mann im„Vorwärts": Paul Schwenk, der neukommunistische Vorsitzende der„Frei- heit"-Pretzkommisston, hat für die Anhänger der Dritten Jnter- nationale der U. S. V. ein Mitteilungsblatt herausgegeben. Er vergleicht darin die letzige Situation oer„Freiheit" mit der Si- iuation des„Vorwärts" im Jahre 1916 und prägt dabei folgende radikalen und revolutionären Worte: «Auch damals war es das enq versippte Parteibonzentum, das den revolutionären Geist abschwor, zum feilen Schleppenträger der mord- und raublüsternen Imperialisten wurde und sich da- durch die Gunst der herrschenden Militär- und Regierung«- mächte erwarb." Wir müssen natürlich annehmen, daß Paul Schwenks sittliche EnirLfiun» über den ,.Vorwärts"-Raub nicht erst feit gestern da- tiert, sondern schon 1916 eingesetzt Hot. Dabei bern!,rt es frei- lich einigermaßen merkwürdig, daß Paul Sckwcnk seine sittliche Empörung, solange der Krieg dauerte, im tiefsten Kämmerlein seines Herzens verschlossen hat und sich von den„feilen Schlep- penträgern der mord- und raublüsternen Imperialisten" bis zum November 1918 als Berichterstatter des„Vorwärts" die Kriegsunterstützung für seine Frau hat auszahlen lnssen. Als Schwenk dann Ende November 1918— natürlich immer tiefste Eni- rüstung im Herzen— aus dem Felde zurückkam, trat er wieder ganz rubig als Berichterstatter beim„geraubten"„Vorwärts" leinen Dienst an. Während seiner vielfachen Tätigkeit in der Redaktion hat er keinem Kollegen etwas über sein gekränktes moralisches Bewußtsein gesagt, sondern war emsig bestrebt, durch fleißig« Arbeit für die„feilen Schleppenträger der mord- und raublüsternen Imperialisten" sich nützlich zu erweisen. Erst Mitte Januar 1919 bemerkte Schwenk, daß er in den„Vorwärts" nicht mehr passe, und ging zur„Freiheit" über. Ob fein Gewissen damals„schon" erwacht wäre, wenn die„Freiheit" nicht be» standen hätte?! Nach dieser Pergangenheii scheint Schwenk am allerwenigsten berufen, andere Leute als„feile Schleppenträger" zu bezeichnen. Das Wort paßt gar zu gut auf ihn selber. Wir find weit davon entfernt, irgendeinem Menschen aus der Tatsache einen Vorwurf zu machen, daß seine Anschauungen einem Wandel unterlegen sind, und wir machen auch niemand einen Vorwurf aus der Tatsache, daß seine Bedürftigkeit ihn zwang, während des Kriege« Unterstützung zu beziehen. Wav'man aber von jedem Menschen verlangen kann. ist. daß seine Handlungen mit seinen Worten in Einklang stehen. Und dieser Paul Schwenk, der„feilen Schleppenträgern" ininoe» stens Monate nach der Revolution und Jahre nach dem Raub der rechtmäßigen Besitzer ergebene Dienste geleistet hat. der will jetzt Genossen, die während des Krieges und nachher ihre Schuldigkeit getan haben, Genossen, die u. a. mehr ois drei Jahr» zehnte im Dienste der Arbeiterbewegung stehen, die zum Teil wegen ihrer Gesinnung mehrfach aus ihren Siel- lungen herausgeworfen find, mit Gewalt au« ihren jetzigen Siellungen herauswerfen. Dieser Mann, der selbst ohne Gesinnung war. wagt es. anderen vorzuwerfen, sie würden an ihren Stellungen kleben, obwohl sie, wenn sie an ihren Stelle« kleben würden, nur dieselbe Gesinnungslosigkeit an de« Tag zu legen brauchten wie Paul Schwenk. Wir können nicht anders, als ehrlich zu erklären: Wir sind stolz darauf, von solchen Leuten gehaßt zu werden und unendlich froh, die Gemeinschaft mit ihnen endlich losgeworden zu fein. Bestrafter Entwaffnungseifer Das Münchener Schöffengericht hat einen Chemnitzer Schneider Karl Wagner zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil er der Münchner Entente-Kommisston verborgenes Kriegsmaterial „verraten" hat. Und welchen Paragraph hat man dazu gebraucht? Nicht lachen—„Verrat militärischer Geheimnisse!" Ein hübsches Eingeständnis. Also verborgen« Massen ge- hören dem Militär. Das Militär hat mehr Kriegsmaterial als ihm zusteht und versteckt es. Und diese Methoden deckt ein beut« sche« Gericht! Sehr hübsch. Nächstens werden noch die So» z i a l i st e n, die den Mord an Liebknecht aufgedeckt haben. wegen Verrats militärischer Geheimnisse verurteilt werden. I« Horthy-Vayern ist alles möglich. Erschießungen«»« Sowjei-Beamten. Aus Grund«ine« Urteils des Petersburger Reoolutwnstribunals ist der Chef de» Ressorts für Zwangsarbeiten Judin wegen Veruntreuung von vr er Millionen Rubel erschossen worden. Weiter« vier Sowltt» Beamte desselben Ressorts sind wegen Spekulation und» ar lichkeit zu Zwangsarbeiten verurteilt worden. � Hühneraugen Honnhaurn, Schwielen bescll-igt soCinell.sichfi-«»chmerzioa Kukirol lOOOOOOfeen bewährt Pitls M.3,-Jr> Apotheken u. örogfien enhältlfcf» Vörsttht vor Hichibrrfunqtn. Kykiool zt«bt einzig dä- A Wert heim Jßd&sjnt&mvsMsfö Leipziger 3frosse Kön/g Strasse PosenthoJer Strosse Morifzpfafz Rotkohl Holländer.. Pfund Wirsingkohl Holländer Pfd. Blumenkohl____ Kopf von Mohrrüben....... Pfund Sellerie.......... Pfund Grünkohl......... Pfund Spinat........... pfund Maiskolben...... Pfund Goldparmänen.. Pfund Tiroler Tafeläpfel pwn«, Tafeibirnen...... Pfund Neue Felgen____ Pfund Maronen......... Pfund 30 pf. 45 Pf. 125 an 25 Pf. 75 Pf. 45 pf. 50 Pf. 25 Pf. -f20 -po 60 480 35O Große Salzheringe stek. 65 Pf. Fettheringe...... stock 120 Sauerkohl......Pfund 70 pf So w»It Vor rati Weißkohl.... Zwiebeln..... Kochäpfel...... P«und 85 Pfund 25 Pf. Pfund 7 5 Pf. Pf. SS Bücklinge, pommersche Pfd. S Fllindem, pommersche Pfd. S00 50 Junge Gänse �11°° 12 Junge Enten...Pfund 10°° Hühner..... p� 10°° II50 Krammetsvögel st** 15° Ganseklein....... stock Gänsekeulen____ Pfund Gänse-Keulenstücke Pfund Gänse-Stückenfieisch Pfund Gänsehautfett. Gänseliesen.. . Pfund . Pfund Landkochkäse...Pfund Goudakäse...... Pfund Holländer Käse. Pfund Edamer Käse... Pwnd Marmelade m. 5o%zuckerPfd. Kunsthonig...... Pfund 16 80 19°° 18°° 11°° 18°° 23°° 670 12°° 138° 19°° 420 y ao Frische Schellfischepfd.2S038° Grüne Heringe...Pfund 27° Lebende Karpfen p�nd 13°° Unentbshplich für Jeden Haushalt ist Mit freiem SchS&sselabonncment echter Hoost-Dreibohnenkafffee M. Hoest, Berlin C25, Prenzlauer Str. 4® Keibel-StraBe 11»» Alexander 1470 rnimmnmmmmmr» �teilet utiü BMiMget Volksbühne 7'/» Uhr- Paul tiieüBil Tara ParsSeri WkS AlliStheM Köpenick« Efr. V8. 7>/,uhr! Nora Hasenheide 13 Heute, abends 7 Uhr: . ,7H bei!»eijien strecken— Fiir SWjet-MWn!'. Stcatstheater Opernhaus 41/, Uhr- GötterKWiMSllivg Schauspielhaus 7 Uhr- FchkivWii öeMtl HHtMdMiMtt Direkt.! Victor Varuotuskq 7 Uhr Peer Gynt ll.oos, LrUning, l.053vn) Sonnabend bis Montag 7'/, Uhr: Das Gettikde. (Konstantia, l.v03, Klöpfor, l-lnä) Teiitslh. MM-Theater Wllabendlich 7>j, Uhr! Sie MeiduziWreiie (IRax Adalbert/Trudo Hesterberp) DenWs Theatzr: Freitag, 7 Uhr: ♦ Romeo tenb Antta T Mex.Moissi. Ioh.Terwin, 5 NZilh. Diegelmann, Nau- f lange, Margarete Knpfer. 5 Sonnabend, 7Vz Uhr:{ Einsame Mensthrn Z Else Lehmann. Agnes Traub» Hans Marr, Peter Esser, Auguste Pünkoski, Oskar Hofmeister. Sonntag, 71/> Uhr: Einsame SNen scheu Ksmmerspiele Freitag.?>/, Uhr: �■ Me üeiitsihNl Kieinftiidte: ' � Emil Rmneau, Sophie �' Pagay, Else Wagner, Auguste Punköski, Kate Revill. Paul Hartniann, f' Fritz Richard, Fritz Rast. Sonnabend TVa Uhr: Frtthttngssrmachen Ernst Deutsch._ Großes CAuspieihavs; Wilhelm Dieterlc, Werner Kraus, Hans Vchiveikard: Paul Günther, Charlotte Hagenbruch, Thea Kasten, AugustePasch Gräscnberg . Sonnabend 8 Uhr: � Jedermann(auß. Ab.) •* Alexander Moisfi» Werner Termin, Gertrud Eisold, Wilhelm Dieter!?. Sonntag, 7�'z Uhr König Oedipus (autzer Abonnement) Alexander Molssi, Joseph Klein, Helene Senken, Friedrich Kühne, Emil Aameau. Nachm. 2'/zUhr(antz.Ab.) Danton AMli-DMr Bahnhof Frirdrichftrahe Heute und täglich'/ß Uhr! öA kl« Ml füll (Ida Wüst, Burg, Limburg, Baletti, Falkenstein) Heute nachm. 4 Uhr. kleine Preise AeWiz- Theater Bahnhoi-Ianno.oihbrZckr Unlcrgriinddahnhos Klosterstr. Heutt und laglich 7,8 Uhr! Die Freundin (Tilla Durieux, ToeLe, Bildt, Albers, Vallentin) Heute nachm. 4 Uhr, kl. Preise StrnivelpLter Theater t. d. Königqrätzer Str. 7./, uhr- igausch Maria Orska, A frcd Abel, Zohaunco Rieiuanu. Frida Richard. Aase Beldtkirch, Ernst Dcrnburg) Sonnabend: Rausch Sonntag: Rausch Montag: Erdgeist Mari- Oroka. Aldcri Steinrilck) Komvdienhaus ,-'-uh.-IttSettWWN mit blax Callenberg Berliner Theater 2/x8 Uhr: Zum 230. Wale Fritzi Wafsary als Bera Lisaiveta in Der letzte Walzer 'THEATSR Kurfürstendamm 217 Täglich 7'/, Uhr: Die neue Revue: ! Text: Fritz«riindauut. \ Tinlag.: Theobald Xlgcr{ Musik von Rudolf Nelson. CircuS WIHM-Mler Tagl. 7»/«, Stg. nachm. 2»/# und abends TV-» Uhr-. Gastspiel Wilhelm Hartstein in „Der Stolz der 3. Kompagnie". Rose-Theater 7>-, Uhr: Kater Lampe Wes HeretteOaus Direlilion Icau«rc» 7 Uhr i Kais.-FrMricH.Str. •n Pollnl-Pratidlna. 7»/, Uhr; r- der Herr des Todes. Op-retI- in drei?lkten nach einem Motiv PetSfis von ihrih chrünbaum. -/-8 Fvlies Wrice-/-« Vvruiaitsrung gvgan Skoliptiok mit Fcrd. Griinechrr. '/.8 Cgfikv-Theater'/«8 Kitsr?'s sel. Mwe St«. IN, u.: Der Hausdrache j Tanzp&iast Könkstadt-Kasino HoIzittarSttstraSo 72 am Vhf. Zannowigdrückc Q--II «oodeniag» 7>I„ Sonntag, S U. Apollo- Theater Friedrichstr. 2l» Vh MbeMich Vh Harerns-Nächta Sonntago Wi U. l Kind frei. AMrlAen«lli lim ZSklZkerviirl! m MWliSmiliilekMW Bin?« SBS Im Theater i d. Königgrätzer Straße � am Soiruadend die Neueinstudierung von Strindbergs Schauspiel„RNNfkh" statt, da» bei seiner Erstausführung in der Saison 19U/15 den Spielplan beherrscht«. Wie damals spielt auch diesmal Maria Orska die.Henriette-. gär den.Wanriee' ist Alfred Abel, der berufene Bertreter für Strinddergschr haradtere, gewonnen worden. Neu find serner Johanne» Rieutan» als .Adolphe', Rose Arldtkirch als.Ieanne' und Ernst Drruburg als.Abbt'. Ebenfalls wie im Jahre lSl4 gibt Frieda Richard eine ihrer«lanöleistunzrn. die»Frau E-therine». die sürsorgliche H-rdergsmulter der Künstl-rkneipe, unter deren«nge» fich die spannende Handlung abspiele.— Von den«uloren. die ferner noch in der ersten Hülste der spiel, eil im Theater t. 6.«Snigpräger Strohe )U Woet« Kommen soffen, seien hier Noch genannt Frank RZedekind,«ugusi Striudberg, Heinrich Älaun, Leoni» Andrejew und P. Mcreschkorvslii. Im PerUlttT Thrater erlebt-tu heutigen Freitag die noch immer führen de S-ifsnoperette ICtztC SBälZCt" ihre 250, Auf- sührung tust Frttzt SHitffNr� als»Vera Lifaweta». Die übrigen Haupl- rolle» find wie in der Premiere belegt mit Otto Storni vom Theater an der Wie», Olga Engl, Robert Scholz, Alfred«llhnr, iverthold Rettzig. Der Komponist Oocar Strau» wird dieser Anfführung persönlich beiwohnen. 3» Komödienhaus ist t*- zeitgemäße Lustspiel„Der Herr Älltti�ier� von Paul Schirmer nach längerer Pause anläßlich 921(1$ "iJJflllCUbcrstS Tugagementantrilt- i inen worden. Für diesen Künstler, der i am Komödienhauo wieder ansgenom. ____________„________________ sich soeben durch elneu inetzr. jilhrigei, Vertrag ansschliestlich dem Komödienhanse verpflichtet hat, um im Rahmen des 2omödienhausrepertoire» feine volkstümlichen Meister- gestalte» darjustellen, wurden«in« Anzahl von Tchwilnken und burlesken Luft- spielen angenommen. Gegenwärtig finden die Proben zu der Novität 0(?.d)C mit SolftM statt, einem Sitnationoschwank aus der �eder zweier erfolgreicher Berliner Humoristen.'Die D-rsafier, denen beim Schreibe« de» Stücke» die einzigartige Kunst Pallenberg» vorschwebte, bead- fichtigten für den größten Tharakterkomiker Deutschlands eine Rolle zu schaffeu, die ihm im wahrsten Sinne de» Wortes.auf den Leib geschrieben" ist und in der er durch tansend Augenblicksflruarioncn und Derlegenhciten die Möglichkeit hat, alle Register seine» Genies spielen zu lasten. Für die Darstellung der weiblichen komischen Hauptrolle wurde Iosefiue Dora vom Staatstheatcr d-urlaudt, fi« keher an die Stätte ihrer ftüheren großen Erfolge gaftweis« zurück. Sämtlich- L-stspielkräft- der Meinhard-Bernaner�Lüh-en sind in.Die Sache mit Lola- außerdcni beschäftigt. Die Erstausführung findet noch im Laufe dieses Monats statt. ■j&Pr' i 2. wociser 7 un«l Vs® UlUf CABIRIA Der Kampf um die Weltherrschaft 2. Woche Die Heilige Simplicia »so Theo von Hnrbou Sc',' Eva May AHrcid OeiNastihi 2. Wocfio Mojr : oos H. von Uollensa&nl Regie: Rudolf Blebrncb Heup'jvtle: Lotte Neumonn 3. Wocbe Wlitleehiapel Regie: E. A. Dupoitt Haupidjrsteller; Mierendorff Orll Hegest Martyrium oon Franz Rauda Regle: Paul Ludwig Stein Sep:'' Pota Negrl iQ3- Pulsclrllesl Lustspiel oco E.r2cJi SehiSii� felder und TyU UM Regie: Crldi Scftitfnfclder Hauptrolle: Ossi Oswalda Die Dame In Sclawarz 2. Joe Deebs Film Reale: Victor JanMm Joe Peeb«/ Kurt Ooeft TH.avtr a KoubaaTor m Uorl�SusuT Tfigl: n. Honatas 1 naclira. 8 übr: WoUagu Bintkaeo-Kenrert orrtll— m a.L-80. FrieM-MelnWMs -- Theater- • Uhr:„ iScdheit die Tänzerin u. d. gr. Oktober-Programm vis 5 fierlsy'» »llpgs o. f. Oure Charl. Monlrell K. Erfler ii. Nicki Die 4 Eilner's Ri.-wa????? 2 Bstrdi NachnnttagsvorMg. ungekürzt:oic abds. Erm. Preise. Soede»«rgeki«»: 1 Carl Ludwig Schleich DAS PROBLEM DES TODES GEE.M6-SO,GEB. M 10- Der Verfasser schreitet kühn zur naturwissenschaftlichen' Analyse»on Tod und Lebe». Der Beweis einer körperliches Unsterblichkeit wird hier auf biologischem Wege überzeugend erbracht Zu beziehen durch alle Buclihandlungen oder direkt durch ERNST ROWOHLT VERLAG BERLIN W is SS Kammer-Tan, spiele Bülowstr.», am Nollcndorfplatz Tägl.7-,,UHr: Orientalische» Ballett dtUti«iami S-y. Königstadt- Theater (Jonnow'ltzbrücke) Taglich 7» Gala o SLager Im Ballsaal: T a r a laCOLRk «.ildlliiirA®»! lE3.aE 21 Unter den Linden 21 SM ZreiW. IS. MM M Uraufführung Drama in 5 Akten Hauptrollen: cur! Vsspsrmsnn, curt ekrlv, 5saja Sarrsli Regie: nsnn» nonning 700 Beginn 830 tr 8. Woctae Sumurtm Regie: Emst L.ublttbh . Heuptrollea: Pola Negrl Jenny Hasselcrulat Aud Egede Nissen Paul Wegener Harry LIedlRe Carl Clcwlng Wochentags ab 7 l)br Sonntags Beginn■* Cbr Uraufführung U. T. KURFÜRSTENDAMM Meute den tS. Oktober 8 30 Uhr Martyrium von Franz Rauch REGIE: PAUL LUDWIG STEIN Hauptrollen: POLA NEGRI Ed. von Winters/ein/ Ernst Stahl' Nadibaur/ Emst Hofmann * % BrisimutHenJini� kauf» Grossmann, Johannisstr. 4 Kord«« tvb«. Nr. 436 Beilage zur„Freiheit" Freitag, 15. Oktober 1920 Sie Mm«« ms Um WM Der Sitzungsbericht (Eigener Drahtbericht der„Freiheit".' Halle, 14. Oktober. Vormittagssitzung. Dittmann fährt in keinem Referat, dessen Abdruck wir in der z-strigen Abendausgabe begonnen haben, fort. Er beweist an zahlreichen Beispielen, wie dre A r b e i t i m Z e n t r a l k o m i t e e vor sich gegangen ist. Er bestätigt ebenso wie Crispien, dag es immer D ä u m i g und S t o e ck e r gewesen sind, die bei allen Anlässen, � in allen schwierigen Situationen, geschwiegen haben, brs Dittmann und Crispien ihre Auffassung dargelegt hatten. Und der Streit ging nie um Hauptfragen, sondern um Nebenfragen. Die Aktivität ging immer von Crispien und Dittmann aus. Wenn es ging, mit den anderen politischen Mächten oder mit der Regierung au verhandeln, suchte man immer Crispien und Dittmann in diese undankbare Rolle hincinzudrängeln. In Moskau war es ebenso. Genosse S i n o w j e w sitzt ja hier und kann es bekunden, dag er in Moskau gesagt hat:»Ja. die Däumlg nnd Stoecker sagen immer, das) hinter ihnen die Masse des revolutionären Proletariats steht und hier schweigen sie Mn.cr, hie, reden nur die„rechten Führer Crispien und Dittmann". Und es bedurfte erst der unzweideutigsten Anzapfungen, bis Däumlg und Stoecker aus ihrer Reserve hervortraten. Das ist die Taktik, die die anderen tun und reden läßt, nur immer frei zu sein, für eine solch« Politik bedankt sich das deutsch« Proletariat. (Lebhafter Beifall.) Dittmann streift dann die Moskauer Verhandlungen. Crispien und ich haben uns in Moskau ernstlich bemüht, eine Linie zu sin- den, auf der der Anschlutz an die dritte Internatio- n a l e vollzogen werden tonnte. Aber wir waren uns auch nicht im Zweifel über die Taktik, die man uns gegenüber einschlug. aber wir sind ja auch kundige Thebaner, die sich ihr kritisches Gefühl bewahrt haben. Allerdings habrn wir die russischen Ee- nossen nicht verhimmelt, sondern mit ihnen als mit Kampfes- genossen� verhandelt. Dittmann kommt auch auf die Veröffent- lichungen der„Roten Fahne" zu sprechen über die Moskauer Der- Handlungen, die keineswegs stenographisch aufgenommen sind. Deshalb läßt man uns auch Dinge sagen, die wir nie aus- gesprochen haben. Wir waren uns bewußt, daß wir in Moskau nicht als Privatpersonen, sondern als Beauftragte der Partei waren.(Lebhafter Beifall.) Uiid ich hätte gewünscht, daß Däumig und Stoecker sich ebenfalls dessen bewußt gewesen wären. Wir brauchten nicht erst in Moskau die Notwendigkeit einer Prasser«« Zentralisation einzusehen, wir waren längst überzeugt und willens, diele in der Partei durchzuführen. Aber auf den militärischen Kadaver- gehorsamsboden treten wir nicht, diesen Ueberzentralismus, den man auch noch als„demokratischer Zentralismus" bezeichnet. Dittmann zitiert die Aeußerungen Preobaschlenskys, des Sekretärs der Kommunistischen Partei, über den Niedergang der Kommunistiichen Partei, der aus der überstraffen Zentralisierung resultiert und in denen festgestellt wird, daß die Par- *ei von streberischen Elementen durchsetzt ist und der pro- letarische Geist immer mehr verschwindet. Dieses Urteil, wenn ich das geschrieben hätte, der„Konterrevolutionär" Dittmann, wie Mt« man mich da verschrien, auch Ecirosse Sinowicw hat sich aynlich uiid noch viel eindeutiger in der Moskauer„Prawda" ge- auf(«rt. Dittmann verliest die entscheidenden Sähe dieses Ar- ,elnc grüßere Freiheit der Kritik fordern. Die Verlesung des Zitats, das in der gestrigen Morgenausgabe der„Freiheit erschienen ist. wird von häusigem Beifall der rech- ten«eite des Parteitags begleitet. Das ist das Produkt der Zentralisation, die in Rußland Bankrott gemacht hat und die man uns jetzt aufzwingen will. lLebhafter Beifall.) Wir wissen selbst, was in Deutschland nötig ist, wir brauchen keine Erleuchtung aus Mos« kau. Dittmann zitiert unter dem stürmischen Beifall der rechten Seite Aeußerungen Wilhelm Herzogs, die eine vernichtende Kritik des Botichewismus darstellen. Wenn Däumig sagte, es gäbe in unserer Partei Soztalpazifisten, Tolstoiancr. so will ich das gar nicht bestreiten. Dittmann beweist wiederum an einem Zitat Ernst Däumigs, wo in Wahrheit die Sozialpazifisten und Tclstoianer in der Partei sitzen. Wenn Däumig gegen den Unsinn redet, immer und bei jeder Eeleaenheit die Räierepu- b l i k in den Vordergrund zu stellen, so soll er sich damit an seine eigenen Parteigenossen wenden, speziell an Kurt Geyer. Meine Freunde und ich bedürfen dieser Mahnungen nicht. Nun ist Genosse Sinowjew hier und ich oerfall« nicht in den Wust von Beschimpfungen und Verunglimpfungen, die in dem von ihm unterzeichneten Schreiben gegen uns ent- halten sind. Erst sagte man, die Bedingungen und die Thesen find klar und eindeutig, jetzt braucht man schon eine Erläuterung. Dittmann gibt weiter eine eingehende Schilderung der Kommissionsoerhandlun gen in Moskau, und sagte, daß es sich gezeigt habe, daß bei ElnmLtigkeit unserer Delegation es wohl möglich gewesen wäre, vernünftig m,t den russischen Ge- nossen zu reden. Es zeigte sich dort auch, was uns scheidet. Die Russen haben erklärt, sie bleiben lieber allein, als mit der Nechten und dem Zentrum unserer Partei zusammenzukommen. Wir sind der Meinung, daß man nicht zersplittert, daß man nicht spaltet, nicht ausstößt, sondern sammelt, schult, aufklärt. das ist die Ausgabe einer revolutionär«« Partei. Haben wir nicht die Erfolge der russischen Taktik an der deutschen K. P.D. erlebt. Wenn Sic dazu ubergehen, das Tischtuch zwischen sich und uns zu zerschneiden, dann will ich ein- mal sehen, welche Erfahrungen das deutsche revolutionäre Prole- tariat mit ihrer revolutionären Vorhut macht. Viele, die heute für die Bedingungen sind, werden es ablehnen, ln die Kommu- nistische Va-tc! einzutreten.(Beifall) Wir werden Euch zwingen. überall und offen Farbe zu b«ke,inen. Glaubt nicht. Euch in dieser Zwitterstellung halten zu können. Stellt Euch nur vor, wie Die�Mass�verlangen von Euch Aktionen. Ihr könnt den Mafien acaenübcr das nicht ablehnen, dann wird man euch eben. lolls als Bremser, ansehen, die Massen werden sich von Euch abwenden Die Konterrevolution kann sich freuen und es wird aller Wachsamkeit bedürfen, daß die Konterrevolution aus dieser �Wi�sind st?lz"°Ä�wi?'in innerem geistigen Ringesl unsere die Unabhängig. Partei Führeri. nnd B-nnerträg-rin �Als nahnt_ffieno� StnirfJ Der Kampf um die Anschlußbedingungen ist Stöger das Wort Der*anu!tUrf)et Bedeutung um die FÜ.i5°b�omm? das deutsche Proletariat eine große revolutionär- w 0?*; oui den Kampf um die Diktatur des Partei, die st'b �ellt i„ Artikel Erispiens schloß mit merkung wurde der sachNche Kampf eröffnet. Es erübrigt sich. auf all den Schmutz einzugchen, der im Verlaufe des Meinung?- kanipfes geschleudert worden ist: inan braucht nur den Gipfel- punkt zu bezeichnen, die Meldung der„Freiheit" über die Mörder- zentrale gegen Ledebour. Wenn Crispien sich gestern über das Gerede wegen des Nadelhandels verbreitete, so möchte ich dem ent- gegenhalten, daß durch einen Freund der Rechten in Württemberg die Meldung verbreitet worden ist. daß Crispien in Rußland abgemurkst werden sollte. Wenn Dittmann hier die ausge- zeichnete Broschüre Lenins, die„Kinderkrankheit des Kommunis- nins", zitiert hat, so möchte ich ihm sagen, daß er sich in der Adresse geirrt hat. Lenins Schrift richtet sich an niemanden anders als an die K. A. P. D. Dittmann hat von dem„Häuflein Unglück" in-, Zenirnlkomitee gesprochen, ich kann Ihnen versichern, daß das „Häuflein Unglück" ihm noch mancherlei zu schaffen machen wird. Crispien hat bei seinen Darlegungen sich auf den wissen- schaftlichen Marxismus berufen. Hinter dieiem wissen- schaftlichen Mäntelchen verbirgt sich nichts anderes als Passi- v i t ä t. Und die rechtsstehenden Führer haben, wo immer sie dazu Gelegenheit hatten, den revolutionären Marxismus verfälscht. Wir sind allerdings der Ueberzeugung, daß in der neuen Internationale nur die wirklich revolutionären proletarischen Parteien zusammen- gefaßt sein sollen.(Starker Beifall.)„, Wenn Crispien von dem Zusammenschluß des gesamten Prole- tariats in den> einzelnen Ländern gesprochen hat, so dedeutet das für unser Land durchgeführt den Zusammenschluß mit den Rechtssozialisten. (Stürmische Unterbrechung. Ledebour geht erregt gegen die Linke vor, große Unruhe.) Gerade weil die Vereinigung aller Arbeiter nicht einmal in einem Lande möglich ist, da die Ansichten über die einzuschlagende Taktik auseinandergehen, kann die Parole heute nur lauten: Revolutionäre Proletarier aller Länder, vereinigt Euch! Nun einige Worte zu den Ausführungen Erispiens über die Aufnahme der Bedingungen. Ich wiederhole nochmals, was ich auf der Reichskonferenz gesagt habe, daß die Thesen über die Agrarfrage durchaus nicht in Widerspruch mit unseren An- sichten stehen. Denn es heißt ausdrücklich in den Leitsätzen, daß in den westeuropäischen Ländern der Großgrundbesitz nicht z e r- schlagen werden darf. Es bliebe übrig oie orientalisch« Politik, Uber die sich Genosse Sinowjew äußern wird. Dies« Punkte sind das einzig Grundsätzliche, was Genosse Crispien gegen die dritte Internationale vorzubringen hat. Nun find aber Hilferding und feine Freunde grundsätzliche Gegner der Bedingungen, und zwar deshalb, weil sie im Inneren ihres Herzens Menschewiki find. Bezeichnend für die Anschauungen der Freunde der Rechten sind die Ausführungen Erispiens. daß wir uns heute in der Partei und in der Internationale in einer ähnlichen Situation wie nach 1848 befinden. Damals war eine Zeit, wo Marx und Engels sagten, daß die weitere Entwickelung verhältnismäßig friedlich verlaufen werde. Heute aber stehen wir in einer revolutio- n ä r e n Situation, in der wir uns bewußt auf die bevor- stehenden schweren Kämpfe vorzubereiten haben. Die Partei wird sich einstellen müssen auf den Kamps um die Diktatnr de» Proletariats. Wenn die Partei das bisher nicht getan hat, so nur, weil über den Begriff der proletarischen Diktatur in unserer Partei noch immer die verschiedensten Auslegungen herrschten. Es gibt ja noch heute in unserer Partei EHrment«, die die proletarische Diktatur überhaupt ablehnen.(Zuruf wer denn?) Darauf braucke ich bloß den Namen des Dr. Erdmann zu erwähnen, der noch heute in unserer Partei ist. Die Genossen der Rechten sind in der größten Zahl noch in demokratischen Gedankengängen befangen oder sehen Sic die proletarische Diktatur für einen nebelfernen Zustand an. Für dies« geistige Einstellung sind die langatmigen menschewisti- schen Ausführungen Crispiens(die Stoecker zitiert) der beste Belag. Ich will Ihnen kurz mit den Worten Friedrich Cngel» sagen, was die Diktatur des Proletariats ist. Die Diktatur des Proletariats ist die Gewaltherrschaft des Proletariat» über die Bourgeoisie. Die rechtsstehenden Genossen glauben nicht an die soziale Revolution und schelten uns deshalb Syndikalisten und was nicht alles. Aber hat man nicht auch Karl Liebknecht eine» Anarchisten genannt und Tollhäusler?(Sehr richtig.) Hilferding ist stolz darauf, daß er in seinem Finanzkapitel bereits die Diktatur des Proletariats gefordert habe. Allerdings lautet ein einziges kurzes Sätzlein m dem Ivo Seiten starken Buch Hilferdings darauf hin. In der Tat ist er aber für die Ratio- nalverjammlung und die formale Demokratie eingetreten. Sepp O e r t e r benennt allerdings die Diktatur des Proletariats einen bürgerlichen Begriff. Er möchte dieses Wort von Karl Marx durch die„Herrschaft des Proletariats" ersetzt sehen. Dies ist allerdings bezeichnend für die Geistesverfassung des Genossen von der Rechten. Die Frage der Gewalt wird in den kommenden Kämpfen «ine große Rolle spielen, es ist daher unsere Pflicht, den Massen zu sagen: ihr müßt in den kommenden Kämpfen dieselben Mittel anwenden, die von der Bourgeoisie und der Konterrevolution noch immer angewandt worden sind.(Gtoßer Beifall.) Aus marxistischer Erkenntnis heraus müssen wir den Ar- beitern das sagen, da wir vielleicht schon in wenigen Wochen oder Monaten vor einem neuen Kapp-Putsch stehen können. Wir sehen nicht ein, daß die Klasse, die berufen ist, uns aus dem Elend herauszuführen, sich die M i t t e l von der Bourgeoisie, die das Proletariat noch immer getreten und gedrückt hat. vor- schreiben lassen soll. Die Genossen Ledebour und Hilf er- ding haben auf dem Leipziger Parteitage den Terrorismus als unsittlich verworfen. Wir aber wissen, daß wir die Bourgeoisie nur besiegen werden, wenn wir dieselben Mittel anwenden, wie die Bourgeoisie sie gegen das Proletariat richtet.(Langanhalten- der Beifall.) Wir können es wohl verstehen, daß die Russen zur Anwendung des Terrorismus gekommen sind. In Moskau habe ich gesagt, daß wir. wenn wir in eine ähnlich schwierige Situation wie die russischen Bolschewiki gerieten, zweifelsohne ebenfalls zur Anwendung der von den Bolfmewiki angewandten Mittel kommen würden, das ist auf einen Zwischenruf des Genossen Ledebour zu lagen, gegen den Stoecker polemisiert. Wer sich aber darüber klar ist, daß eine proletarische Dittatnr in Dentschland noch viel schwerere Kämpfe zu bestehen haben wirb als m Rußland und dann Folgerungen nicht ziehen will, der will eben nicht die Diktatur des Proletariats. Und die ganz« bis- herige praktische Politik war ja auch nicht auf die Verwirklichung des Leipziger Aktionsprogramms gerichtet. Zahlreich« Beispiele lägen nahe: ich will nur auf die schwankende Haltung in der Außenpolitik verweisen, in der mit dem Begriff der Neu- tralität große Verwirrung angerichtet wurde. Wir wissen alle, daß es in den Kämpfen der Bourgeoisie gegen Sowjet-Ruß- land für uns keine Neutralität geben kann, sondern nur unbedingte Solidarität mit unseren Klassengenossen.(Starker Beifall.) Unser Kampf, den wir in der � aufrichten gegen die refor- N-SÄ M ln"""" Ä&'Lt® XÄJai Äl' Äl nur auf den Kampf um die Diktatnr Proletariats einstellt sondern auch alle ausscheiden, die ihm hemmend«ntgrgenstehen. Daher verlangen wir auch den sofortigen Anschluß an die komm«« nistische Internationale.(Starker Beifall.) �. Trotz aller angewandten Kniffe hat sich die überwiegende Mehr« zahl der Mitgliedschaften für uns entschieden. Was Sie(zur Rechten) in Württemberg und am Rieo d e r r h e i n unternommen haben, ist eine glatte Verhöhnung der Demokratie. Und was Sie jetzt in Leipzig unternehme» wollen, ist wieder die Diktatur einer Minderheit über die Mehr- heit.(Beifall.) Wir werden die Mafien des Proletariats in un« imn Reihen sammeln: in dem verschärften Kampf zwischen Bour« geoisie und Proletariat ist kein Platz für eine schwankende pro« letarische Partei. DerüorigbleioendeRestderPartei wird in den kommenden Kämpfen zwischen de« reformistischen Scheidemannpartei und der ziel« klaren revolutionär-proletarischen Partei zer« rieben worden.(Langanhaltender Beifall.) Wir werden den Kampf führen gegen alle, die sich gegen uns stellen. Wer nicht mit uns ist, der ist wider uns.(Großer Beifall.) Ich begrüße es daher, daß die Gruppe Rosenfeld Schiffbruch erlitten bat, denn nichts wäre schlimmer gewesen,«ls eine erneute Berkleiste- rung.(Beifall.) Wie die Mutter ihr Kind unter Wehen gebärt» so geht es auch unserer neuen Welt, dem Uebergang der kapitalisti- schen Gesellschaftsordnung zum Sozialismus. In der Er« kenntnis der Notwendigkeit dieser gewaltsamen Auseinandersetzung schließe ich mit der alten Kamvfparole: Völker höret die Signale, auf zum letzten Gefecht! Die Internationale erkämpft das Menschenrecht.(Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Genosse Braß gibt ein Telegramm der Berliner Gewerkschafts- komm! sion bekannt, dessen Inhalt sich gegen die Verleumdungen der„Roten Fahne" in Sachen der russischen Gewerkschaftsdelegatio wendet und den klaren Sachverhalt richtig stellt. In derselben Sache wendet sich guch Genosse Dittmann gegen die Rote Fahne, die ihm vorwirft, daß er die Ausweisung ge» billigt habe. Genosse Dittmann rekapituliert noch einmal genau, wie er in dieser Sache am ersten Kongreßtage verfahren ist. Gr« nasse Losowski bestätigt durch Kopsnicken die Richtigkeit der Ditt« mannschen Darstellung. Darauf wird die Verhandlung auf den Nachmittag vertagt. (Fortsetzung im Hauptblatt S. Seite.) Die reaktionäre Schweiz. Der Schweizer Bundesrat hat die Zu« stimmung zu einer Entscheidung des Iustizdepartements beschlos- sen. den Russen, die zur Teilnahme am Züricher Ge- werkschaftslongreß in die Schweiz kommen wollten, die Einreise- erlaubnis zu verweigern. Der Mittagsgang— ein Betriebsunfall Das Reichsverficherungeamt hat in einer grundsätzlichen Ent« scheidung festgestellt, daß der Unfall eines Hausdieners, der sich während eines Geschäftsganges in fein« Wohnung zum Mittag- essen begeben wollte und dabei verunglückte, als Betriebsunfall anzuerkennen sei. Der dieser Entscheidung zugrunde liegende Fall hängt mit den März-Unruhen 1V19 zusammen. Der Hausdiener K. tn Berlin erlitt am 12. März 1919, als er sich während eines Geschäftsganges zur Einnahme des Mittagessens in seine in der Näh« gelegene Wohnung in der Koppenstraße begeben wollte, dadurch einen Unfall, daß er durch ein abirrendes Geschoß am rechten Arm getrossen wurde. Die Berufsgenossenschaft lehnte eine Entschädigung ab, weil der Unfall sich auf dem nicht in die Versicherung fallenden Heimweg ereignet Hab«. Aus die Berufung des Hausdieners hat das Oberoersicherungsamt die Berufsge- nossenschaft zur Entschädigungsleistung verurteilt und der Rekurs- jenat des Reichsoerstcherungsamts hat den Rekurs der Berufs- genossenschaft zurückgewiesen. Da dem Hausdiener gestattet war, während der Geschäftsgänge, ohne daß eine bestimmte Tischzeit für ihn festgesetzt war. sich in seine Wohnung zum Mittagessen zu begeben, sei dieser Fall ebenso zu beurteilen wie der, wo ein« versicherte Person sich auf einem Geschäftsgänge befinde und dabei vorübergehend zur Befriedigung leiblicher Bedürfnisse ein Wirts- haus besucht. In einem solchen Fall sei eine Loelösung vom ver« sicherten Betriebe nicht eingetreten. Richtliuieu betr. Wahl der Arbeitslosenräte Der bisher bestehende Arbeitslosenrai hat durch das Borgehen des sogenannten Aktionsausschusse» seine Tätigkeit eingestellt. Es ist außerdem dringend notwendig, daß die Neuwahl der Arbeits- losenräte aus ordnungsmäßiger Grundlage vorgenommen werden muß. Als leitender Grundsatz für die Vornahme der Wahl muß daran festgehalten werden, daß es sich für die Erwerbslosen nicht um politische Vertretungen, sondern um Wahrnehmung Wirtschaft« licher Interessen handelt. 1. Zu diesem Zweck wird im Einverständnis mit der Erwerbs» losenfürsorge Eroß-Berlin die Eewerkjchaftskommission Berlins und Umgegend mit der Vorbereitung und der Durchführung der AZahl betraut. 2. Die Wahl erfolgt gesondert nach Berufsgruppen für jeden Er- werbslosen bei seinem zuständigen Ärbzitsnachweis oder Kontroll- stelle und findet zeitlich und örtlich im Anschluß an die Erfüllung der Stempelpilicht an einem noch zu bestimmenden Tage statt. Z. Die Wahl ist geheim nach dem Prinzip der Verhältniswahl. 4. Die Ausstellung der Kandidaten geschieht einheitlich für Groß-Berlin und erfolgt für gewerkschaftlich organisierte Erwerbs- lose in den von den Organisationen einzuberufenden Versamm- lungen. Nichtorganisierte haben für die Ausstellung ihrer Liste selbst zu sorgen. Die Listen sind zur Vorbereitung der Wahl dem Wahlausschuß der Eewerkschaftskommission Berlins und Umgegend einzureichen. S. Wahlberechtigt ist jeder Erwerbslose, welcher fich durch den Besitz seiner Stempelkarte ausweisen kann. Aufgestellt und gewählt werden kann al» Arbeitslosenrat nutz, wer wahlberechtigt ist. 6. Um«ine doppelte Ausübung des Wahlreibt» durch den Cr» werbslosen zu verhindern, muß die Stempelkarte desjenigen Er« werbslosen, der sein Wahlrecht ausgeübt hat, durch den betr. Ar» beitsnachweis einen Stempel„gewollt" erhalten. 7. Die Zahl der Arbeitslosenräte für Groß-Berlin beträgt 198. Außerdem find ebensoviel Ersatzleute zu wählen. Ein Drittel der gewählten Arbeitslosenräte scheiden allviciteljährlich durch Aus- losung aus, mit der Maßgabe, daß beim dritten Auslosungstermin der Rest der erstmalig gewählten auszuscheiden hat. Wiederwahl ist statthaft. Das Mandat eines Arbeitslosenrats erlischt außerdem durch Zu- Weisung von Arbeit durch den Arbeitsnachweis, durch Verlust der. Wahlberechtigung, durch freiwilligen Rücktritt. An seine Stelle tritt der in der Wahlliste nächstfolgende Vertreter. Die Neuwahl der turnusinäßig ausscheidenden Arbeitslosenräte erfolgt durch die betreffende Berufs- bzw. Industnegruppe. Krise im Hotel« und Nestaurations-Gewerbe Bei der im Frühjahr d. I. stattgcfundenen Lohnbewegung im Hotel- und Eastwirtsgewerbe machte sich die Zusammenfassung aller freigewerkschaftlichen Arbeitnehmer- Organisationen not- wendig. Es entstand das..Kartell der im Gastwirtsgewerbe oetttetenen Arbeitnehmer- Organisationen", das nahezu 88 000 schaftlich organisierte Hand- und Kopfarbeiter zahlt und somiliche in diesem Gewerbe tätigen Berufsgruppen umfaßt. ____ hr a trag, ein einheitliches Tarifrecht für die ganze Branche zu schaffen. Beim Ablauf der einzelnen Berufsgruppen-Berträge wurde des- halb vom Kartell allen Arkeitgeber-Verbänden der Entwurf eines für sämtliche Arbeitgeber uno Arbeitnehmer des Gewerbes gültigen Tarifvertrages vorgelegt. Unter Benutzung fadenscheinige: Argumente weigerten sich jedoch einzelne Arbeitgeber-Organisatronen. das Kartell anzuerkennen. Sie lehnten zentralgeführte Tarifverhandlungen ab. Um kein Mittel einer friedlichen Verständigung unbenutzt zu losten, wurde das Reichs-Arbsitsministerium vom Kartell um seine Vermittlung angegangen. Am 11. Oktober haben unter Mitwirkung des Reichs-Arbeits- Ministeriums Verhandlungen zwischen den Parteien stattgefunden, die sich jedoch.zerschlugen. Di« namhaftesten Arbeitgeber-Organisationen waren bereit, mit dem Kartell einen Verträy zu tätigen, und auch die Vertreter der übrigen Arbeitgcber-Verbänve liehen sich schließlich nach den Ans iiihrungen der Kartell-Sprecher und der Regieningsverireter dazu bewegen, die Kartellsrage nochmals ihren Vollversammlungen zur Beichluhfastuna zu unterbreiten, knüpften aber an diese Zusage die Bedingung, dag auch die nicht jreigewerkichaftlichen Arbeitnehmer Organisationen mitverhandeln sollten. Dies wurde vom Kartell rundweg abgelehnt. Es ist Pflicht eines jeden fteigewerklchaftlich organisierten Ar- beitnehmers. auf Reinlichkeit zu halten. Es geht nicht an, gelben .hausvereinen, Rovembcr-Gemerkschaften und Streikbrecher-Or- ganisationen, die nur von Arbeitgeber-Geldern ihr Leben fristen. die Steigbügel zu halten und ihnen zu einem Tarif-Abkommen zu «rhelfen. Der wichtigste Arbeitgeber- Verband in unserem Gewerbe beginnt bereits in einigen Tagen mit den Kartellverhandlungen über den Abschluß eines Eefamt-Tarifes. Die Maßnahmen gegen die anderen Arbeitgeber-Organisationen, die sich gegenüber dem Kartell-Gedanken ablehnend verhalten. sollen Gegenstand kommender Erwägungen sein. Die Arbeitnehmer in den Betrieben werden zu dieser Frage in allernächster Zeit Stellung zu nehmen haben. Das Kartell wird Mittel und Wege finden, den Arbeitern und Angestellten zu ihrem Recht zu verhelfen. Wir fordern alle Kopf- und Handarbeiter dsr ganzen Branche auf, nur auf Mitteilungen zu achten, die vom Kartell-Borstand unterzeichnet find und verbreitet werden. Alle anderen Bekannt- machungen sowohl von Arbeitgeber- wie von Arbeitnehmer-SeUe sind für die Kollegenlchaft nicht bindend. Der Vorstand de» Kartells der im Gastwirtsgewerbe vertretenen Arbeitnehmer-Organifationen. Schröder. Gottwald i. Die graphischen Hilfsarbeiter zur Beitragssperre Eine am Sonntag, den 10. 10. M in. der Brauerei Königsstadt überfüllte Mitgliederversammlung beschäftigte sich mit den An- trag der Reichsdruckerei � Aussprache über die Beitragssperre. Koll. Thiska von der Reichsdruckerei geht auf den Antrag näher ein. er erklärt, daß nicht wir Berliner Kollegen die Gcserk- sruartszeriplitterer sind, sondern jene Seite, die mit demagogischen Mitteln versucht, uns zu entrechten. Der Beschluß aes Verbanos- tvges. über die Zusammensetzung des Hauptvorstandes, ist nicht aufrecht zu erhalten, er muß unbedingt geändert werden. Der Beirat hat sich in seiner Sitzung nicht dazu entschließen können, unseren Wünschen in der Denkschrift näher zu treten. Bekommen wir keine Zugeständniste, dann müssen wir den Antrag durchfüh- rem Kollege Borluvp aus Leipzig überbringt der Versammlung d,e herzlichsten Grütze von der Kolleqenfchafi der Gaue 5, 6, La. Die Angelegenheit, welche zur Debatte steht, berührt uns er sich niemals zwingen lasten wird, zu irgend etwas' feine Zu- stimmung zu geben, was nicht seine innerste er würde andernfalls lieber sein« Konsequenzen daraus ziehen. Wenn wie hier Bericht gegeben wird, wundert es mich nicht, daß solche Entrüstung vor sich geht. Wir haben Berlin gebeten, Vor- schlüge zu inachen, welche Kollegen in den Hauptvarstcmd gewählt werden könnten. Meine innerste Ueberzeugung ist es. daß der Berbandsvorstand nickt so bleiben kann, ebenso trat� der gesamt« Beirat dieser Ansicht bei, die Znsammensetzung iniiste schnellstens geändert werden. Eine gesunde Opposition muß in unserem Verbände sein, die Propagandakommission ist überflüssig. Wenn Sie die Bettragssperre beschließen, sägen Sie den Ait ab an dem Ausbau der Organisation, ferner stellen Sie sich außerhalb des Verbandes. Genoste Müller und Genosse Sabath oeruneilen ebenfalls die Zusammensetzung des hauptvorstandes, ersuchen jedoch die Versammlung, da der Beiraisoorsitzenoe, Kollege Schmidt, die Zusicherung gegeben hat. eine Aenderung in der Zusammensetzung des hauptvorstandes vorzunehmen, den Antrag zurückzuziehen. Es setzt eine lebhafte Geschäftsordnnngsdebatte ein. da der Bevollmächtigte, Kollege Eloth den Antrag stellte, über die Beitragsjperre abzustimmen, nachdem der Antrag be- reits zurückgezogen war. Die Versammlung lehnte die Abstim- mung mit Entrüstung ab. Sie forderte vom Kollegen Pucher. Hauptvorstand, eine Erklärung, ob es noch möglich ist, die:;5 000 Mark, die für ein Denkmal der verstorbenen Kollegin Paula Thiede beschlossen sind, zurückzuziehen. Kollege Pucher gab darauf ausweichende Antwort, demzufolge wurde einem Antrag zug«- stimmt, den hauptvorstand zu beauftragen, eine Summe auszu- werfen zur Unterstützung für ausgesteuerte arbeitslose Kollegen. Achtung! Erwerbslosen-Räte Groß- Berlin, heute, mittags 2 Uhr, Vollversammlung, Klosterstr. 92. Dringende Tagesord- nung. Anwesenheit aller erforderlich. Reichsausschuß der E.-U.-Räle. lleberzeugunng ist. Ei» SchandurteU des Berliner Universitätssenats Wie erinnerlich, veranstalteten die Berliner sozialistischen S:u- denten im Juni eine Versammlung in der Berliner Univerglät, in der L e d e b o u r und Prof. Nicolai sprachen. Die Versammlung hatte wegen der starten Beliebhm der beiden Referenten einen. ungeheuren Massenbesuch hinzuweisen, besonders auch aus Arbeiter- kreisen. Tausende mußten wieder abziehen. Der Maiienbe uch und der ungestörte Verlauf der Rieienveriammlung wurmte die deutsch- nationale Elique in der Studentenschaft und ihre Vertreter im Senat, war doch sogar Einwohnerwehr aufgeboten worden, die mit Stinkbomben die Versammlung sprengen sollte. Nun bat der hohe Senat der Universität geiorochen. Er hat den Vorsitzenden der„Pereinigung sozialistischer Stüde, Uen" mit einem Verweis und der Androhung der iofortigen Entfernung von der Universität bestraft, weil er mir dieser Veranstaltung„eine höchst gefährliche Störung der Sitte und Ordnung des akademischen Lebens" beganzen habe. Dieser Tendenzspruch hat unter den sozialistischen Studenten und lliiinersitätslehrern die größte Entrüstung hervorgerufen. Ist es doch bekannt, daß in der Berliner Universität fast tagtäglich deutsch- nationale Versammlungen, ja sogar öffentliche Wadloermmm- lungcn stattgefunden haben, alles unter der Aegide des Kapp- Meyer. �„. Und nun wagen es diese frechen Provokateure, eine Versamm- luna. die anstelle von Offizieren und Kriegervereinsvorsitzenden auch einmal einfache Arbeiter in die Universität gebracht hat, als gefährliche Störung der Sitte und Ordnung des akademischen Lebens zu bezeichnen.. � � Freilich, das Sauf- und Raufleben der Gesinnungsfreunde der Marburger Studentenmörder mag durch solche Versammlungen gestört werden, den breiten Volksmasfen Nsgt aber daran, daß dl« Leute, die ihnen nachher als Aerzte, Lehrer und Richter vorgesetzt werden, auch einmal in sozialistischem Sinn« aufgeklärt werden. Das Urteil gegen den Genossen h a r t w i g isi absolut unhaltbo, und schließt sich dem Schandurteil gegen den Pros. Nicolai würdig an. Noch immer keine Heizerlaubuis Der Reichskohlenrat sPresie-Abie'lung) teilt uns mit, daß keineswegs mit der Aufhebung des Heizungsverbots ab 15. d. M. "■'..... Ird viele in Jndustriehäufern große Enttäuschuna bringen, da schon recht zu st»! zu rechnen ist. Dieie Mitteilung wird viele in Jndustriehäufer und Fabriken Beschäftigten eine große Enttäuschung bringen, d sie die Kälte in den letzten Tagen schon recht zu spüren hatten. Tt..'.' � fT' ClJ«« /->-r dv«<• Vsf Rcichskohlenrat spürt wahrscheinlich die Kälte wenige ■ auch nicht infolge Unterernährung so leicht empfindlich sein wie die große Masse der Arbeiter und Angestellten. Vielleicht können diese Herren auch am Mittag im Sonnenschein spazieren gehen und beurteilen danach die Notwendigkeit. Wenn der Reichs- kohlenrat seine Bureauzeit in den frühen Morgenstunden oder des Abends hätte, würde er wahrscheinlich zu einem andere» i Schluß kommen und wenigstens den Betrieben die Heizerlaubnis I erteilen, die gezwungen sind, bis in die späte Nacht zu arbeiten. � Wir empfehlen dem Reichskohlenrat sich bei den Berliner Aerzte» ! nach dem Stand der Erippeerkrankungen zu erkundigen. t dann dürfte er vielleicht einsehen, wie schädlich fein Beschluß wirkt. Behörven-Bureankratismus In welch unerhörter Weise St. Bureaukratismus noch in ein» zelnen Behörden vorherrschend ist, beweist ein Vorfall, der sich Anfang dieser Woche auf dem Fernsprechamt Steinplatz abspielic. «lm Montag, den 11. d. M. gegen mittag brach eine Postaus, Helferin, die im obigen Fernsprechamt beschäftigt war, zusammen. Während die Kolleginnen sich um sie bemuhten, lief eine derselben an den Apparat, um einen Arzt telephonisch herbeizurufen. Sie mußte aber, um der Formalität zu genügen, erst zur Aufficht gehen, um Erlaubnis zum Teleohonieren zu erhalten; diese Ober» ouzsicht. in deren kleinen Gehirn anscheinend die Jnnehaltung der Formalitäten einen überirdischen Werl hat. schickt: die Betreffend« drei Treppen tiefer zum Direktor, da sie selbst nicht befugt war, die Erlaubnis zu erteilen. Der Direktor erlaubte dann gütigst, telephonisch einen Arzt herbeizurufen. Inzwischen war das jung« „ otze vorkommen können" die Möglichkeit vorhanden fein, ohne Um« stände einen Arzt herbeizuschaffen. Wir richten an den zentrümlichen Reichspostminister Glesbert die Frage, ob auch ihm die Erhaltung eines bureaukratischen Zopjcs mehr wert ist als ein junges Menschenleben. Mnseumsführuvgen für Erwerbslose Um Erwerbslosen Gelegenheit zu geben, in ihrer unfreiwillige» Musezeit die Kunstschätze der Staatlichen Museen näher kennen zu lernen, finden vom ,S,'Oktober ab an jedem Mittwoch und soniw abend. 10—11 Uhr. bei genügender Beteiligung. unentgrtUlch Führungen durch Direttorialbeamte abwechselnd in verschtedenen Kunstsammlungen statt. Je nach Bedürfnis werden sie vermehrt. „__________ Mittwoch, 27. Oktober, Zeughaus. Sonnabend. 30. Oktober, Museum für Völlerkunde. Führungen im November; Mittwoch, 3. November, Kaiser-Friedrrch-Akuseum, Neuere Bildwerke. Sonnabend, 6. November, Neues Museum. Kupferstichkabinett. Mittwoch, 10. Ro- oember, Museum für deutsche Dollstunde(Klosterstr. 36). Sann- % Die finden Sie bei nnn(n Hülle und Fülle.— Schöne mollige Wintermäntel, die den Körper warm halten und durch die Pracht ihrer Aufmachung und Güte ihren Stoffes Auge und Herz erfreuen« Und dabei zu unseren Immer wieder Staunen erregend niedrigen Preisen I Ju�cndl. Wlntcrmanicl wu venagliAer. amiMtuurHger Vm. •i«einen bleu, und jrOnNthen Farfe Nhutngen,«u&erst feidi und sehr Kleid- mb> mfl idunotter. andersfarbiger Faspelgernlernng 2TO 2. Hochmodern. Manfel in hervorragend guter Venrbeflong au» dem>n!inkmon«n de: Abteilange», Sonnabend, lv. Oktober, abends 7 Uhr,»et Schwarz. Keibefstr. s. Dijttiit. Programm zu den am Sonnabend, lb. Okiober, abends 7 llbr» staitjindcnden Musikabend iBolkollederabeildf?»- Dt' Schnlaula tesA Cecilt:»- i'Uicnm«. Lichtenberg sind noch llin Sonnabend bei« tbenossen Wittichllb. Peieru- bürge- Ätr. b und abends am Eingang der Schulaula zu haben. Die Abrechnung: für die Btldungskommiffion-milglieder jindet am Freitag, abends 7 Uhr, bei Arbeiter-Efternbünd.' Moabit.' l»ecte'abead 7 Uhr. öffentliche Elrernoeriommiung in der Aulo. lurnrnr. b2.„.. >7. ZNezirk. Heute abend 7 llbr, bei Aodhamef. Thomas- Elke Bodestrag« Le- zirksverlammlung. Stellungnahme zur Keneralverfammlang. Eba-lotteabarg. Z. Erupge. D«>. 27 Zur Teilnahme an der Seerdigung de« kenofsen Enstao Schwiehke, iresfen sich die Venosten Sonnabend nachmittag, 2 llhr, bei Liro-e. putlenltrahc._ Wilmerodars. r.cu!« abend 7 llbr. im Rrstanrant Urban, ISerlinrc Sir. 48, .Sitzung der politischen und Altionskommistion. Vereinskalender Teanoportsrbeiter-Berbaad. Sektion 5, Zaduirriearbeiier.»ranführer und An- binder aNer stieliieb« der vrog-Serliner Metallindnfrris. Sonntag, vormittag:. Z'.; Uhr. im Boigtlheoter. Badstr. Z«. allgemeine Kranführer- und Anb:ndei-ZZa:> sammlung. Sonntag, l7. Oktober, vormiirags ZS Uhr. im vewerr'chasishaas, Engelafer li-15 (Snol 1), grohe Versammlung. Tagesordnung: Kricgsdes>hi>digte und Arbeits- iiicliung. Ref.: Koll. An Nordmann. Sentschcr SIZerlmrister-Verband, Bezirk 17. Freitag, nachmitlags ä llhr, ipe, neraloersammlung im Slierandriner. llllgenicine Kranken- und Sterbekaste der Metallarbeiter, Filiale Berlin 8. Mit- glii-derocrinmmlung Sgnnadcad, 7-. llhr, bei Thiel, Rückerhr. 7. Sozialisiische Proleiarieriugeno. viuope Süden, yeale 7 llhr, pünktlich.� hirup» . enabend in der 112. vemcindeschalr. Waste 1•"" tiche willkommen. penabend in der tt2. vemcindelchalc. Wasscrtorstr. ZI, Klassenzimmer I». Zagend» "che willkommen.. � � Märtische Spielvereintgung, Orlsknrtell N-inlckendars. Am M-niag, den 18. Ok- _ rg-vobe Varoribobahoi.(Baste willkommen..... Berliner Schwimm. Union. Tie llebungsstunden stnd letzt ieden Montag, von 5U bis Sfa llhr und jeden Freiing reseroiert»oa bis ÄS llhr IN der Vndo- anstatt Schillingoi-ücke._ Lerentwortlich sfit die Redaiiioa: Emil Na bald, Berlin. Ver» anrwortlich für de» Znseratenteil: Ludwig? t r l>:« r, Karlshorst." Verlagsgenoneaschait.ü/reiheit" e. Ä m b. t).. Berlin. True der reihert• Druter-i 6. w. b. m. verlin S.S. Breite Eiraste S-L. S Zllsolge I der zu emartende«! 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Deutschlands und die Diktatur des Proletariats./ Internationale./ J» Reed: Die revolutiorSr« Beweg Bewegung in Rumänien, f J. Marchlewski(Karski): Polen und die Jahre ökonomischer Diktatur des Proletariats ia Roüiand./ A. Lwi--—-- �',, Denkmäler d-i» Alterteeae./ hL Gerki: Die Intif i nahouale der Intellektuellen./ Korrespondenzen der . Xommunlstischeu InternaVonste-, f Dokumente der Internationalen Kommaniatiscfcen Bewegoeg. I Von der Tätigkeit des Exekutivkomitee» der Kommunistischen Internationale./ Helden und Märtyrer der proletarischen Rerolution,/ Ab« der internationalen kommunistischen Presae. I Berichte und Chronik. in Amerika./ K- Arbori-Ralli» Die sozialistische Weltrevolution./ W. Milutln: Zwei Ä. Lunatschaxekl: Die Sowjetmacht und che 275 Seiten. Preis Mark 6,—. Auslieferungsstelle für Deutschland: MWMMW etil HM MM., Ä»is etWey. HMW. WMiMMMMlilWIIIIllM eilte billige Ausnahmepreise heute billtge -«pptnsleisch SiilasS Tehiillites 12 Mb. -s In 1 Stimde befrit. Sie mit. 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