Einzelpreis 30 Pfg.• 3. Jahrgang Dienstag, 19. Oktober 1920 Nummer 442» Morgen-Ausgabe »ywfllrt»*»orf"" nrt««tmWoi«, eomtai«„» fHmttaji mn «taaat So St|iitch, Pastanftallo, BeftelIu»go> ongegoi. U«o Soeifba». bqvgo, M«So»schl»»b m,b vcheokich 15,50 W., fa« b«, 5bng, Auslanb 21.50 M. |B|S«Itd|«atola�IiiffaiUi»,»o»riH Hb Sol-Ichlaab nxb Offltrrrtd) n. ■«taMlM,«nribttle««ab«ntoai«Jrrlht« V ertttt etra|* 8,3. «f aAtt(f*aftnt WaabanlVqrit«•*« bor»«an»«»»#«« 5,— OL HnschNeßach Seuoungtiuschlaa. Ältiar Sa« frttjfbtucM« War» 2,- W., Irbr» rorüo» «Dort 1,50 W. n«»»»ro Zrilr. Strllrixsbrsuch. s> Wort-«n»eigr»: da�frilgebruchre«or» 1.50 M.. irbo writo« War» 1,— Ol. zml-nch-r: Zatw» ZV».-Itl.»51»»»03.»MS.»819. 4921. $erltnpr■Organ i>pr VnofifiSnolgen Styinlöemofmtie Seatrißtanös Das Ringen der englischen Bergleute Eine Solidaritätskundgebung der U. S. P. D. Der große Streik in England, der von der Gruben- arbeiterbewegung ausgegangen ist und bereits weitere In- dustriezweige in seinen Kreis gezogen hat, ist von ungeheurer Bedeutung nicht nur für die fernere Gestaltung der wirt- fchaftlichen und politischen Berhältnisie in England, sondern auch weit über die Grenzen des Jnsclreichs hinaus. Hier steht eine geschlossene, glänzend disziplinierte Arbeiterschaft mit klaren Kampfzielen der Regierung und dem Bürgerrum gegenüber. Es ist noch nicht abzusehen, welche innerpoliri- schen Wirkungen, neben den rein wirtschaftlichen, von dieser Bewegung ausgehen, der die englische Regierung schärfste Gegenwehr angesagt, hat. Die Bedeutung dieses gewaltigen Kampfes fand ihren Widerhall auf dem Parteitag der Unabhängigen Sozial- demokratischen Partei Deutschlands. An seinem letzten Ber- Handlungstage wurde folgende Sympathieresolution für die englischen Bergarbeiter beschlossen: Der Parteitag der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands verfolgt mit gespanntem Interesse die Ent» Wicklung Eures großen Kampfes. Er entbietet Euch seine briiderliche Sympathie und die Bcrficherung seiner unoer- brüchlichen Solidarität. Hodges über den Bergarbeiterstreik TU. London. 18. Oktober. Der Führer der kkohlcnnrbeiter, Hodge», sandte der Presse ein« Mitteilung, in ntrlcher er behauptet, die Haltung der Regierung habe den Kohlenarbeitern keine andere Alternative übrig gelassen. Er führt die lanahingezogenen Berhandlunaen als Beweis für den Wunsch der Arbeiter nach Frieden an und recht- fertigt die Forderungen einer Lohnerhöhung mit de« tSglich steigenden Preisen aller Bedarssartikcl. Di« Arbeiter könnten sich nicht darauf einlassen, die Lohnsraaen einem Schiedsspruch zu unterbreite», das selbst bei voller Unparteilichkeit den Ardeitern keine Garantien bieten könne. Tatsache sei eben, daß die Kohlen- arbeiter jeg liches Bertrauenzu der Regierung ver- lorenhätten. Sie wären sich wohl bewußt, welche Opfer der Streit ihnen selbst, ihren Familien und der Allgemeinheit aufer- legen würde, aber die Haltung der Regierung lasse ihnen keinen anderen Ausweg. Englisches Kohlenausfuhrverbot lieber die allgemeine Lage meldet„Hollands Niewsbureau" aus London: Am Montag fand eine Konferenz zwischen dem Vollzügsausschuß der Arbeiterpartei und den parlamentari- schen Arbeitervertretern statt. Man ist der Ansicht* daß sich morgen bei der Debatte im Unterhaus die friedliebenden Elemente geltend machen werden. Es heißt, die Regierung wünsche nichts sehnlicher als die Wiederaufnahme der Unterhand- lungen zu erleichtern. Man erwartet, daß Lloyd George morgen an der Debatte teilnehmen wird. C l y n e s erklärte. wenn beide Parteien zusammengebracht würden, sei ei» lleber- einkommen innerhalb einer Woche möglich. Bei allen Eewerk- schaften bestehe die Neigung, eine versöhnende Atmosphäre zu schaffen. „Daily Chronicle", das Regierungsorgan. sagt: Bis jetzt haben die Bergarbeiter ihre Angelegenheit allein behandelt. Man hat die Vermittlung der anderen Organisationen nicht verlangt und sie sogar als unwillkommen angesehen. Die Entwicklung der Krise aber hat die Gewerkschaften gezwungen, ihre passive Haltung aufzugeben und inden Vordergrund zu treten, um über den toten Punkt hinwegzuhelfen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß vor Ende der Woche neue Versuche gemacht werden, um die Kluft zwischen den Parteien zu überbrücken. Die britische Gelandtschaft teilte dem holländischen Auswärtigen Amt mit, daß infolge des Kohlenarbeiterstreiks kein Schiff Kohlen laden könne. Bunkerkohle werde nur denjenigen Schiffen gegeben, die unentbehrliche Dienste leisteten. Smillies Haltung Lo'ndon. lS. Oktober. Wie gemeldet wird, glauben die Bergleute imstande zu fein, den Streik mindestens sechs Wochen lang durchzuführen. Smilli« begründet seine vor Abbruch der Verhandlungen «ingenommen« Haltung in einer Erklärung, in der es heißt, das Scheitern der Einigungsverhandlungen fei durch die Hart- näckigkeit der Regierung verschuldet, die doch eigentlich hätte wissen müssen, daß noch weitergehende Forde- rungen begründet gewesen seien. Die Wahlen in Oesterreich Am Sonntag fanden in Dcutschösterreich die Parlaments- wählen statt. Sie zeigten dieselbe Erscheinung, wie die Wahlen zum Deutschen Reichstag am 6. Juni. Obwohl das endgültige Ergebnis noch nicht vorliegt, steht doch schon fest. daß die sozialdemokratischen Stimmen zurückgegangen sind. Auch in Oesterreick fühlten sich nach der Revolution klein- bürgerliche Bevolkerungsschichten zur Sozialdemokratischen Partei hingezogen. Sie glaubten, daß nach dem Zusammen- bruch die Sozialdemokratie in der Lage sei. auf den Trüm- mern des Weltkrieges blühende Gärten zu errichten Diese Wählerschichten wandten sich nun zum Tei lwieder von der Sozialdemokratie ab, weil ihre Wünsche nicht in Erfüllung gingen. Sie glauben nunmehr, daß die bürgerlichen Par- teien in der Lage sein könnten, die früheren„gesegneten Zu- stände" wieder herzustellen. Auch diese Hoffnung wird"sich sehr bald als ein Trugbild erweisen. Einen großen Reinfall haben bei den Wahlen die K o m- m u n i st e n erlitten. In Wien, wo sie sich schon als die Alleinherrscher betrachteten, brachten sie ganze 14 000 Stimmen auf. Es wird ihnen nicht gelingen, in ganz Oester- reich auch nur ein Mandat zu erobern. Nach den bisherigen Feststellungen sind 51 Sozialdemokraten, 62 Ehristlichsoziale und 12 Großdeutsche gewählt. Die Sozialdemokratie, die in der Nationalversammlung die stärkste Partei war, ist damit an zweiter Stelle gerückt. In Wien haben die Sozial- demokraten 28 Mandate erhalten(3 verloren), die Christlichsozialen 16 erhalten(5 gewonnen), die Eroßdeutschen 5 er- holten(1 gewonnen). Genoffe Seliger gestorben �Eigener Drahtbericht der.Freiheit".) Te plitz. 18. Oktober. Heute abend um 7'Ahr starb an den Folgen einer Blutver- gistung der Vorsitzende der deutschen sozialdemokratischen Ar- beiterpartei der Tschechoslowakischen Republik, Genosse Joseph Seliger, im S«. Lebensjahre. für sofortige Aushebung der Ausweisungsverfügungen und für die Beseitigung der Gesetzesbestimmungen Sorge zu tragen, auf Grund deren Ausländer als„lästig" ausgewiesen werden können." Damit hat die Unabhängige Fraktion zum Ausdruck ge- bracht, daß sie trotz der wüsten Beschimpfungen der U.S. P. D. durch Sinowzew und Losowsky nach wie vor auf dein Standpunkr steht, daß das Asylrecht gegenüber jedem Aus- läsider zu wahren und sie bereit ist, es für jeden Ausländer zu verlangen. Sinowjew und Losowsky sind als lästige Ausländer aus Prcu- ßen ausgewiesen worden. Beide dürfen ihre Wohnung nicht ver- lasten und sind unter Bewachung oiniger Polizeibeamten gestellt. Ein telephonischer Verkehr mit der Außenwelt ist beiden nicht gestattet. Gegen die Ausweisungsverfügung haben sowohl Sinow- jew wie Losowsky Einspruch erhoben und Rechtsanwalt Dr. Kurt Rasens eld ihre Vertretung übertragen. Genosse Rosenfeld hat gestern mit den beteiligten Ministerien verhandelt, und wir erwarten bestimmt, daß die Regierung alle weiteren polizeilichen Scherereien aufgibt und die Ausweisungsbefehle zurücknimmt� Losowsky ist übrigens die Einreiseerlaubnis nach Italien nicht er- teilt. Er sowohl wie Sinowjew haben ohnedies die Absicht, so schnell wie möglich nach Rußland zurückzukehren. Gegell die Ausweisung Sinowjews Antrag der Unabhängigen Fraktion Die Unabhängige Fraktion des Reichstags hat folgenden schleunigen Antrag eingebracht: Der Reichstag wolle beschließen, gegen die auf Beschluß der Re'ichs-eaierung erfolgte Ausweijung Sinowjews und Losows- kys Protest zu erheben und die R-ichsregierung»u ersuchen. Schutz den Gehetzten und Verfolgten Eine Amnestieforderung der U. S. P. D. Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei hat auf ihrem Parteitag in Halle am Sonntag folgende Resolution Barth- Rosenfeld einstimmig angenommen: „Zn der Erwägung, daß noch zahlreiche politische Gefan- gene in Deutschland hinter Kerkermauern schmachten, daß die blutbefleckten Reaktionäre Ungarns, Polens und Ruh- lands hier ungehindert für die Reaktion tätig sind, daß jedoch die Opfer des weißen Schreckens aller Länder von den deutschen *'' f• 1 8 1, gehetzt, ausgewiesen und ausgeliefert �"teitag der U.S. P.D. in Halle im Ok- tober 1820, die Rrichstagsfraktion zu beauftragen, mit aller Kraft l"' Ä*•* I»«««llrr politischen«e- «!.? V"9«,®'"1,"*'"nft p-litische» Gefangenen sicher- ?l P"ttit»g»wartet von der Fraktion der u. S-P. 35,»aß si. alle» tun wird, um die Annahm« dieser Ee- Kerkermauera schmachtenden Re- »»dirtat d»«""."-t?-*e�LWe" politischen Flüchtlingen entbietet de* Parteitag seine« Gruß und»erpflichtet die Partei- genossen, überall U n t e r st ü tz u n g, k. m m i,, i.. e n ins Leben zu rusen. die sich aus Bsrtretern aller Arbeiterparteien iu- fammensetzea."' Das Ergebnis von Halle Die bürgerliche Presse des In- und Auslandes hat den Verhandlungen unseres Halleschen Parteitages ein größeres Interesse entgegengebracht, als sie es sonst gegenüber den sozialdemokratischen Tagungen bekundete. Maßgebend war hierbei weniger der grundsätzliche Inhalt der Auseinander» fetzung, als die Erwartung, daß es zu einer Spaltung der Unabhängigen Sozialdemokratie, der revolutionären Partei des deutschen Proletariats kommen werde. Die Mächte der bürgerlichen Reaktion sind auf ihre Rech« nung gekommen. Das Werk der Parteizertrümmerung, das die verkappten Kommunisten seit Monaten in eifriger Minierarbeit in unserer Partei begonnen und durch die An« nähme der 21 Punkte vollendet- haben, kann das Bürgertum aller Länder mit Freude und Genugtuung erfüllen. Genosse L o n g u e t hatte vollkommen recht, als er in seiner Rede aus dem Parteitag erklärte, auf diesem Kongreß werde es keine Sieger geben, aher wenn es zur Spaltung käme, dann sei die deutsche Arbeiterklasse die Be- siegte. Die Spaltung ist nun eine vollendete Tatsache ge« worden. In unheilvoller Verblendung sind die Anhänger des Anschlusses an Moskau auch vor der Spaltung der Partei nicht zurückgeschreckt. Sie wußten, daß die Annahme ihres Beschlusses die Spaltung der Partei bedeutete. Sie wußten, daß sie durch die bedingungslose Annahme der 21 Punkte den organisatorischen Zusammenhang mit der Partei lösten, da diese Punkte das Aufgehen der Unab- hängigen Sozialdemokratischen Partei in der Kommunisti» schen Partei fordern und damit eine Selbsfaufgass» der Partei bedeuten. Die Minderheit des Parteitages bat es mit ihrem Ge« wissen und mit ihrer Partsipflicht nicht zu vereinbaren ver« mocht, den von ihr geforderten Selbstmord der Partei mit« zumachen und die Massen der Parteigenossen, ohne deren vorherige Einwilligung einzuholen, auf dem Umwege über Moskau" in die Reihen der Kommunistischen Partei hinein zu bugsieren. Wäre die Frage vor dem Parteitage klar und offen-so gestellt worden, daß es sich um die V e t« s ch m e l z n n g der Unabbängigen Sozialdemokratischen Partei mit der Kommunistischen Partei handele, so hätten die Parteigenossen diese Frage mit der gebotenen Gründ- lichkeit und Sachlichkeit prüfen können. Der Trick der Parteizertrümmerer bestand aber darin, daß sie die Massen der U. S. P. D.. ohne daß diese sich dessen be« wüßt waren, durch di? Annahme der Anscklug« bedingungen über Nacht in Mitglieder der Kommunistischen Partei verwandeln wollten. Die Verhandlungen auf dem Parteitage, das Schreiben des Exekutivkomitees und die Er« klärungen Sinowjews haben dieses unehrlicke Spiel»nt- hüllt. Und die Gegner des Anscklusses haben nur dxr elementarsten Pflicht der S-lbsterbaltung der Partei Genüge getan, als sie durch die vom Genossen Cr i spien am Sonnabend verlesene Erklärung feststellten, daß jene Dele- qierten, die für die Resolution Däumig-Stoecker stimmten. aufgehört hatten, Mitglieder der U. S. P. D. zu sein. Die Feststellung dieses Tatbestandes ist zunächst notwendig. um den oraanisatorischen Nahmen der U. S. P. zu um« grenzen. Wer mit der Resolution Däumig- Stoccker solidarisch ist. hat ebenso wie icne Delegierte, die auf diesem Parteitag für d i e s e R e s o l u t i o n st i m m t e n, a u f g e h o r t, M l t« glied unserer Partei zu sein. Für ibn ist im Rahmen unserer Organisation kein Raum. Er muß m Erfüllung der 21 Punkte der Kommunistischen Partei beitreten, und keine noch so spitzfindige Auslegung der 21 Punkte und kein talmudistischer Kommentar Sinowjews wird ihm das Recht verleihen, auch weiterhin den Namen der Unab- bängigen Sozialdemokratie für die Zwecke der Kommunisti- schen Partei zu mißbrauchen. lieber diese Feststellunq hinaus, die für das Verhalten unserer Genossen in den Organisationen richtunggebend sein wird.- bedeutet die Abspaltung der neukommvnistischen Elemente von unserer Partei einen Vorgang von weit- tragender grundsätzlicher Bedeutung. Der Zwiespalt, der unsere Partei von Anbeginn an in ihrer Entwicklung hemmte, wird, nun durch das Ausscheiden der offenen uno verkappten Kommunisten, denen die Partei nur ein schützen- des Dach und ein Objekt für ihre Minierarbeit war, aus der Welt geschafft werden. Alle jene Elemente, denen un- sere Partei immer nur als Zielscheibe für gehässige Angriftc und unwürdige Treibereien, als Rahmen für geheime tion« ventikel und„kommunistische Zellen" mit deutlich aus- geprägtem Spaltung scharakter diente, können nun gemäß ihrer Ueberzeugung ihr Wirkungsfeld in die meiyen der Kommunistischen Partei verlegen, Partei, die fest auf dem Boden des Leipziger Aktlonsprogra mms steht und sich in den bisherigen Kämpfen als<5"&" r" schen Proletariats bewährt hat. wird durch das Ausscheiden dieser Elemente nur an innerer Geschlossenheit und Äktions- fähigkeit gewinnen. �, Gewiß ist es bedauerlich und niederdrückend, daß dies« . Ilmgruppierung, der. proletarischen Kräfte,, die- mit- eine» i I zektweisen Schwächung ihrer Stellung verbunden ist, vor» fenommen werden muß im Angesicht der erstarkenden Real» ton und der Befestigung der politischen und wirtschaftlichen Organisationen der Bourgeoisie. Und noch bedauerlicher und niederdrückender ist es. dah die ParteiWse, die wir durch- leben, weniger der Tatsache zuzuschreiben ist, daß in unserer Partei zwei gegensätzliche Tendenzen miteinander stritten, als dem Umstände, daß das Sprengpulver von außen her in unsere Partei hineingetragen wurde. Die gegen- sätzlichen Tendenzen in der Partei wären im Prozeß einer normalen Entwicklung zweifellos überwunden worden; doch die brutale Faust Moskaus hat diesen Assimilicrungs- prozeh, der im Interesse der gesamten proletarischen Ent- Wicklung gelegen wäre, unterbrochen und die Frage so ge- stellt, wie sie heute steht: entweder Selbstmord der ll n ab hä n g i g e n S oz i a ld e m o k ra t i e oder scharfe Tr e n n u n g s l i n i e zwischen Unab, hängigen und Kommunisten! Dieser Vorgang gewinnt im Rahmen der gesamten poli- tischen Entwicklung eine Bedeutung, die auf die i n t e r- nationale Arbeiterbewegung und die inter- nationale Politik zurückwirken wird. Was sich auf dem Parteitag in Halle abspielte, war keine innere deutsche An- Sozialismus der vorgeschrittenen kapitalistischen Länder. Es war ein Kampf zweier Weltanschauungen, zweier Methoden proletarischer Politik, und zugleich der erste Versuch gewalt- samer demagogischer Einwirkung der bolschewistischen Dilta- toren auf den Gang der deutschen Arbeiterbewegung und der deutschen Politik. Wir brauchen es nicht zu bedauern, daß diese offene Aus- einandersetzung in Halle stattgefunden hat. Die Deklarativ- nen des Kommunistischen Exekutivkomitees und noch mehr das selbstherrliche Auftreten S i n o w j e w s und L o- l o w s k y s haben zahlreichen deutschen Arbeitern die Augen geöffnet. Solange der Bolschewismus als Repräsentant des zur Tat gewordenen Sozialismus galt, war er für den deutschen Arbeiter ein Heiligtum. Man übersah geflissentlich seine Schattenseiten, man unterdrückte jede Kritik, man opferte dem Solidaritätsempfinden mit dem kämpfenden russischen Proletariat auch die Einwendungen des eigenen sozialistischen Gewissens. Als jedoch der Bolschewismus in schrankenloser Selbstüberhebung, in dünkelhaftem Unfehl- barkeitsfanatismus feine Methoden auch auf den Boden Westeuropas übertrug, als»r den natürlichen Entwicklungs- prozeß der politischen und gewerkschaftlichen Organisationen des westeuropäischen Proletariats bedrohte und feine primi- tive, rückständige Denk- und Kampfart vor aller Welt ent- hüllte, erst dann bäumte sich das sozialistische Bewußtsein der marxistisch geschulten Massen gegen ihn auf, erst dann offen- barte sich die tief« Kluft, die zwischen den sich sammelnden Kerntruppen der sozialen Revolution Westeuropas und den kommunisch frisierten Aposteln der russischen Bauernrevo- lution besteht. Scheinbar haben diese Apostel in Halle einen„Sieg" er- fochten. Doch dieser Sieg ist für sie ein Pyrrhussieg geworden, denn mit der Abspaltung des kommunisttschen Flügels von der U. S. P. D. haben sie weder den Aufbau der dritten Internationale noch das Interesse der'russischen Re- volution gefördert. Nach den Borgängen in Halle, die die Zertrümmerungspolitik des Moskauer Exekutivkomitees so deutlich offenbart haben, wird die Abkehr des westeuro- päifchen Proletariats von der dritten Internationale, in ihrer jetzigen Form noch schneller als bisher vor sich gehen. Und sür die russische Revolution war die Redeschlacht in Halle nicht viel weniger als eine Marneschlacht, denn jene Einheit und Geschlossenheit des proletarischen So- lidaritätsempfindens, die für Sowjet-Rußland so ungeheuer wertvoll ist, hat durch die Selbstherrlichkeit und Unvernunft der russischen kommunistischen Führer einen Sprung bekam- men, der kaum sobald zu reparieren ist. Im Interesse der russischen Revolution hätten wir ge- wünscht, daß es nicht zu dieser Auseinandersetzung gekommen wäre. Doch im Interesse der deutschen Revolution, im Inter- esse des fortschreitenden revolutionären Prozesses in den westlichen Ländern begrüßen wir es. daß nun endlich über die Methoden der russischen Revolution klar und ohne Um- schweife gesprochen wrrd. Wir begrüßen es, daß sich endlich das Bewußtsein des marxistisch geschulten Teils der deutschen Arbeiterklasse aufbäumt gegen die Bevormundung der bol- schewistischen Diktatoren, und daß er in Erkenntnis seiner eigenen Aufgaben daran geht, ejn festes Zentrum für prak- tische revolutionäre Arbeit auf deutschem Boden und für den Zusammenschluß des internationalen Proletariats ,u schaffen. Wir wissen, daß die Arbeit, die unserer Partei bevorsteht. nicht leicht sein wird. Wir werden anzukämpfen haben gegen den verbohrten Fanatismus von links, wie gegen den kurz- fichtigen Parteiegoismus und die fpießbürgerltchs Beschranktheit von rechts. Wir werden manchen Strauß auszufechten haben mit dem wirklichkeitsfremden Utopismus politisch un- geschulter, von Arbeitslosigkeit und Rot gequälter Prole- iariermassen, wie mit dem kleinbürgerlichen Reformismus jener rechtssozialistischen Schichten, die sich an die formen der bürgerlichen Demokratie klammern und in ihnen die Ver- wirklichung der Demokratie schlechthin erblicken. Wir wissen, daß unser Kampf nicht leicht sein wird, und daß wir nicht nur die Gerissenheit rechtssozialistischer Geschäftspolitiker und die Skrupellosigkeit bolschewistischer Agenten, sondern auch die Stimmung breiter proletarischer Massen zeitweilig gegen uns haben werden. Doch im Bewußtsein unserer revolutio- nären Pflicht und unserer Verantwortung für die Zukuint der deutschen Arbeiterbewegung schrecken wir auch vor Un- Popularität nicht zurück. Wir wagten es. unpopulär zu sein, als in den Augusttagen 1914 die nationalistische Welle alle Schranken des sozialistischen Bewußtseins niederriß und wir nur als kleines Häuflein dem allgemeinen Sturm gegenüber- standen. Wir wagen es auch letzt, uns der Hypnose der Moskauer Diktatoren entgegenzustellen, denn nur aus eigener Kraft, nur gestützt auf eigene klare Erkenntnis und geleitet von den Grundsätzen des wissenschaftlichen Sozialis- mus wird unsere Partei, die Unabhängige Sozialdemo- kratische Partei Deutschlands, ihre historische Mission er- füllen als Massenpartei des deutschen Proletariats den Co- zialismus in Deutschland zum Siege zu führen. DieDiktaturüberdasProletariat Gewaltmaßnahmen gegen Arbeiter Die Moskauer Buchdruckergewerkschaft war die letzte ge- werkschaftliche Organisation, die sich bis vor kurzem ihre Selbständigkeit bewahren konnte. Sic war deshalb dauern- den Verfolgungen durch die Sowjetbebörden ausgesetzt. Als im Sommer die englische Arbeiterdelegauon in Rußland weilte, hielten die Moskauer Buchdrucker eine Versammlung ab, die von 4000 Arbeitern besucht war. Dabei wurden den englischen Delegierten einige Klagen über das terroristische Regime vorgetragen. Das hat die Kommunisten sehr auf- gebracht. Der Genosse Z a ch a r e f f, der eine Resolution gedruckt haben sollte, die in der Versammlung angenommen worden war, wurde verhaftet, es setzte eine Bearbeitung der öffentlichen Meinung ein und schließlich schritten die Kommu- nisten dazu, die ganze Buchdruckerorganisation zu zerstören. Das ist ihnen auch gelungen. Tie kommunistische Presse meldete vor einigen Wochm, daß die russischen Buchdrucker sich geschlossen für die Konimunistische Partei erklärt hätten. Wie dieser Beschluß zustande kam. darüber unter- richtet ein Aufruf, den die Buchdruckergewerkschaft an die Ar- beiter der ganzen Welt richtet und in dem es yeißt: Während annähernd eines Monats bearbeiteten die Kommu- nisten mit Hilfe ihres Monopols die öffentlich« Meinung. Sie logen und verleumdeten ohne Scham. Endlich o e r h a f t e t e n sie in der Nacht vom 17. auf den 18. Juni alle Mitglieder der Lerwaltungszentrale der Erwerischast und alle diejenigen, die verantwortungsvolle Posten innerhalb der Gewerk- schast inne hatten, mit Ausnahme von densenigen, die noch Zeit hatten, stch zu v e r b e r g c n. Am Morgen des 18. Juni wurden die. Räume der Gewerkschaft von bewaffneten Regie- rungsfoldaten besetzt und alle diejenigen, die aus irgend- einem Grunde den Kommunisten mißfallen hatten, wurden ver- haftet. Gleichzeitig wurden Haussuchungen in mehreren Privatwohnungen der Angestellten der Gewerkschaft vorgenom- men. Dieser neue Gewaltakt gegen die Arbeiterklasse hatte ein« heftige Erbitterung unter den Moskauer Buchdruckern hervorgerufen. Sie wußten sehr gut.daß die Verwaltungszentrale der verfolgten Vuchdruckergewerkschaft nicht nur ein Vollzugs- organ der Mitglieder der Gewerkschaft ist. sondern daß er d i e wahpe Vertretung der Drucker ist. weil er. im Gegen- satz zu anderen Eewerkschakten und Regierungsinstituten, auf Srund von Urwahlen gewählt worden war. Ein Teil der Arbeiter hatte die Arbeit niedergelegt und verlangt« die Befreiung der Verhafteten. Di« herrschende Partei griff darauf zu einem Mittel gegen die strei» kenden Arbeiter, wie es die Bourgeoisie aller Länder niemal» wagen würde zu gebrauchen. Den Streikenden wurden die Lebens« mittelkarten entzogen, eine Maßnahme, die unter den in Ruß- land herrschenden Verhältnissen die grausamste und unzu- lässigste ist, die hätte ergriffen werden können. Gleichzeitig wurde die Verhaftung der Kollegen vorgenommen, die zum Streik auf- gefordert hatten. Diese beiden Maßnahmen erreichten ihr Ziel: dir Streikende» mußte» wieder znr Arbeit, und unter dem Druck der Maßnahmen wurden die Arbeiter gezwungen, für ein« Resolution zu siim» wen, in der der früheren Zentralverwaltnng da» Mißtrauen (wörtlich:„die Verachtung") ausgesprochen wird. Die streikenden Buchdrucker wenden stch an die international« Arbeiterbewegung und erklären: sie sind zusammengebrochen unter dem Druck der rohen phnsischen Macht und ihnen ist nur ein» ge- blieden: aus die moralische M a ch t der internationalen Ar- beiterbewegung zu hoffen. Di« streikenden Drucker erklären, daß das Recht auf ihrer Seit« war, und nicht auf Seite der Kommu- nisten. Sie erklären, daß die neue Zentralverwaltung ihrer Ee- werkfchaft, welch« ihnen mit Gewalt aufgezwungen w u rb e, keinen Einfluß und kein Ansehen bei ihnen besitzt, daß im Gegenteil alle ihr« Sympathien, all ihre Liebe auf Seite derer ist, die im Gefängnis sitzen, auf Seite der alten Führer ihrer Gewerkschaft! Die verhafteten Mitglieder des Zentralkomitees sind in- zwischen zu Zwangsarbeit von sechs Monaten bis zu zwei Jahren verurteilt worden. Das Urteil wurde auf administrativem Wege verhängt, das heißt: es fand kein Prozeß statt, die Verurteilten hatten nicht die Möglichkeit, sich zu rechtfertigen. Und nun fragen wir die deutschen Ar- beiter, ob sie derartige Methoden gutheißen können und ob w i r nicht im Rechte sind, wenn wir uns gegen die Ueber- tragung der russischen Methoden auf Deutschland mit allen Mitteln wehren? Ein Brief des Genossen Serrati Serrati ausschlußreif? In einem an die„Human itü" gerichteten Brief schreibt Genosse S e r r a t i. der Chefredakteur des„Avanti": „Wir sind alle für die Moskauer Punkte. Jedoch gehen unsere Auffassungen hinsichtlich deren Anwendung auseinander. Ich trete dafür ein daß die Partei von schädlichen Elemenmn gesäubert werden muß und ich habe den Ausschluß von T u r a t i beantragt, aber wir dürfen die Massen der Gewerkschaften und Senossenschasten nicht verlieren. Die andern»vollen eine radikale Scheidung. Da» ist der Unterschied... Meine Auffassung in diesem Augenblick ist die. daß sich dt« italienische sozialistische Partei so wtnig ivie möglich spalten darf, wenn sie auch alle °us ihrem Clboße entfernen muß. welche sich im volligen Gegensatz zur 3. Internationale gestellt haben. Wir haben hmter uns die Gewerkschaften, die Genossenschaften und werden Ende des Monats mindestens?000 Gemeinden in uufercr Hand haben. Es wäre wahrlich eine Verrücktheit. KUcn lljmic wegen preiszugeben, die überdies nicht einmal marxistisch ist." Genosse Serrati setzt sich in denselben Widerspruch wie Genosse F r o s s a r d. Beide erkennen die Moskauer Be- dingungen theoretisch an. setzen sich aber durch ihre Stellungnahme zu den Gewerkschaften praktisch in einen ganz bewußten Gegensatz zu Moskau. Bei strikter Anwendung der Moskauer Bedingungen wären beide schon dadurch dem Ausschluß verfallen! SinowZew lacht Ein schmedifche« Liebeswerk für die deutschen Kinder. Das Schwedische Rote Kreuz hat das Sanatorium Eonnenstein in Bad Sulza in Thüringen gekauft und will es als schwedisches Kinderheim zur P lege unterernährter deutscher Kinder verwen- den. Der schwedische Reichstag bewilligt« hierfür öv ggg Kronen und hax Schwedisch« Rot« Kreuz 100 tM Kronen. Das Sanato. xtorn wird den Namen„Prinz Karl von Schwrdcn-Stiftu.ig" � erhalten. i Das deutsche Proletariat hat am Sonnabend in Halle eine seiner dunkelsten Stunden erlebt. Die starke Partei der revolutionären Arbeiterschaft wurde gespalten durch das Diktat von Moskau. Wer die Augenblicke des Auszugs der Delegier- ten der Unabhängigen Sozialdemokrati chen Partei Deutschlands aus dem Parteitagslokal«lebt hat, der wurde gewaltig erschüt- tert, der wurde bis in die Tiefen der Seele von dem schweren Ernst dieser Stunde, die das Proletariat so schwer geschwächt hat, getroffen.- Einowjews Aufgabe war erfüllt. Die ll.E.P.D. hatte nicht durch die Bourgeoisie die schwerste Niederlage erlitten, sondern hatte sich selbst auf Antrieb von Moskau durch ihren inneren Zwiespalt besiegt. Auch die Befürworter der Bedingungen sahen dem Schauspiel mit größter Erregung zu, aber Sinowjew la''te... Und als die aus der Partei Ausgeschiedenen zurückgeblieben waren, da erhob er sich, um den Triumph in seiner»olle» Süße auszukosten. Derselbe Mann, der zwei Tage vorher die Gegner der Bedingungen gefragt hatte, welche Vorschläge sie zu ihrer Abänderung zu machen hätten, der den Anschein zu er» wecken gesucht hatte, als ob er zu neuen Verhandlun» gen bereit gewesen wäre, dieser Mann wußte im Augenblick nichts anderes zu tun, als aufs neue feine Register voa Beschimpfungen zu ziehen. Nicht nur, daß er Erispien mit Scheidemann auf eine Stufe stellte, daß er die Mitglieder und Delegierten der U.S. P.D. als bürgerliche und halbbürgerliche Elemente bezeichnete, er wagte es auch, zu behaupten, daß die Mitglieder der U. S. die den Saal verlassen haben, in die bürgerliche Gefell» s ch a f t sich zurückgeiunden hätten. Aber nicht genug damit, Sinowjew verkündete auch, daß nun» mehr die Spaltung weitergehen und aus andere Länder übertrage« werden soll. Was in Halle begonnen hat, das soll nunmehr in Frankreich, in Italien, in anderen Ländern, wo das Proletariat um die Befreiung vom Kapitalismus ringt, fortgesetzt werden. Der Sonnabend war ein Trauertag für das internationale re» oolulionärc Proletariat. Sinowjew aber lachte! Bayerns äussere Politik Wie sehr sich in den letzten Monaten der bayerische konterrevolu- tionäre Parlikularismus gestärkt hat, beweisen die letzten Ler- Handlungen im bayerischen Landtag über das Ministerium des Aeußern. Nachdem die Negierung Hoffmann sich im Einver- nehmen mit den Parteien bereits entschlossen hatte, das Ministe» rium zu liquidieren, hat die Regierung Kahr-Eschsrich, unterstützt von den bürgerlichen Parteien, es abgelehnt, diese Liqui« dierung jetzt vorzunehmen- Sie hält dies« Maßnahme„im Augen» blick" gerade nicht für opportun. Die Aufgaben des Ministeriums des Aeußern haben sich nach Kahr unerwarteterweife„vermehrt und vertieft". Dies trete äußerlich schon dadurch in Erscheinung. daß Sachsen, Württemberg und das Reich in München diplomatisch vertreten sind. Die Zahl der Konsulat« habe zugenommen, pnd die Bayerische Negiernng müsse die Vorgänge in der auswärtigen Politik„verfolgen", um den bayerischen Einfluß auf die Reichs- Politik aufrechtzueryalten. Daß die Reichsoerfassung die äußere Poli'ik einzig und allein dem Reiche zuweist, interessiert Herrn Kahr natürlich nicht, denn die Reichsverfassung ist in Wei» mar gemacht worden, und das ist für Bayern Ausland. Der einzige Ausweg Die technischen Angestellten«nd Beamte« für Sozialisierung Der Bund der technischen Angestellten und Beamten teilt mit. Der Brandenburgifche Gautag des Bundes der technischen-in- gestellten und Beamten, die Vertretung von über 20 000 Teq- nikern, stellt fest, daß alle bisherigen«ersuche, zu einem Aufbau Deutschland» zerrütteter Wirtschaft zu kommen, fehlgeschlagen sind. Aus der einen Seite st e i gt d er Lux u s der befitzenden Klassen ins Ungemessen«, wahrend die Masse des Vol- kes tiefer und tiefer im Elend versinkt. Der einzig« Weg zur Rettung ist die aus der Bedarfsdeckung be» ruhend« vergefellschastete Wirtschast. Angesichts des in greisbare Nähe rückenden allgemeinen Zusammenbruchs muß ohne Berzug da» ganz« Wirtschastogetricbe in den Dienst der Allge» nuinheit gestellt«erden. Die technischen Augestellten denken nicht daran, sich mit einer Scheins« ziakisierung abzu- finden und fordern als Mindestmaß dessen, was in der aller» kürzesten Zeit zu verwirklichen ist, die Bollfozialisierung des ge» samten Bergbaus nach Vorschlag I der Sozialisierungskommifsion. Sie fordern ferner die Sozialisierung der anderen wichtigsten Grund- und Rohstoffe und den sofortigen Beginn der Vorarbeiten für die Sozialisterung der lebenswichtigen Industriezweige. Der Gautag ruft deshalb alle Gewerkschaften auf, wer und wo sie auch seien, ihre ganze Kraft in die Verwirklichung dieses Zieles zu setzen. Di« Angestellten und ihre Vertretungen müssen den Betriebsräten das Material zur Uebernahme der Pro- duktionskontrolle verschaffen. An alle aber richten sie die For- derung, auf die Parteien sowohl als auf die Regierung mit den schärfsten Mitteln einzuwirken. Werden diese Forderungen nicht erfüllt, und zwar in allerkürzester Zeit, so bleibt als einziger Weg nur die von den Gewerkschaften getragen« Selbsthilfe der ge» samten Arbeitnehmerschaft. In dem Manifest, das die Unabhängige Sozial» demokratische Partei Deutschlands auf dem Parteitag in Halle beschlossen hat, wird gesagt, daß im Vordergrund der Kämpf« um die Eroberung der politischen Macht die Verwirklichung des Sozialismus stehen m u ß. Das Manifest fordert deshalb die proletarische Massenaktion zur Durchführung der Sozialisierung in den entscheidenden Wirtschaftszweigen. Borangestellt wird der Kampf um die Sozialisterung des Bergbaues. Hier ist eine Basts geschaffen, auf der sich das gesamte Proletariat zusammenfinden muß. Wir begrüßen deshalb den Beschluß der technischen Angestellten und Beamten und hoffen, daß die Gemeinschaft der Kopf- und Handarbeiter die zersetzen- den Einflüsse der Jllusionspolitiker recht bald überwinden wird durch ihren Kampf um praktische, reale Ziele. Sturmlauf gegen die Sozialisterung Der Eturmlauf des Unternehmertums gegen die Sozialisterung der Bergwerke verstärkt stch immer mehr. Nunmehr hat auch der Reichsverband der deutschen Industrie die bereits vorliegenden Proteste um eine Resolution vermehrt. In dieser wird über die beiden vorliegenden Soziolisierungsentwllrfe ausgeführt: „Beide Vorschläge entsprechen nicht den Haupter'ordernissen. daß durch sie die Hebung der Förderung mit Sicherheit erreicht und auf jeden Fall die Erzeugnisse der deutschen Volkswirts�ast vor fremdländischer Beeinflussung geschützt werden. Der Reich». verband der deutschen Industrie hält dafür, daß durch die Vera- tung der Frag« in den lachverständigen und zuständigen Körper- N'aften des Reichewirtschaftsrate» und des Reichskohlenrates Grundlagen für«ine Ausgestaltung der Kohlenwirtschaft gefunden werden können, die vor allen Dingen den für die deutsche Volks- Wirtschaft unerträglichen Kohlenmangel in kürzester Frist abzu- hcff-n geeian-t sind." Die Industriellen ahnen sehr wohl, daß eine Sozialisierung der Bergwerke nur der«che tastende Schritt aus diesem Wege darstellen würde. Sie wollen unter dem Vorwand einer Hebung der Pro- duktion das Privatmonopol an dem Boden beibehalten, trotzdem sie genau wissen, daß gerade dieses einer Mehrung der Produktion im Wege sieht. Es braucht hier nur daran erinnert zu werden, daß das groß« Bergbaukapital in der Vergangenheit viele Schächte hat versaufen lassen, lediglich, um sich deren Konkurrenz vom Halle zu schaffen. Es scheint, daß man diese Verbrechen des Ka- pitals heute geflissentlich verlchweigt. Dt- Holllieferung««. In diesen Tagen haben in Parks Per» üaiid klingen begonnen, in denen über die Holzlieferungen an di» Entente auf Grund da Friedensvertrages beraten werden wird. Ein Zentrumsminister Die Stellung des Reichsernährungsministers Hermes ist erschüttert. Er hat seit Beginn seiner Amtstätigkeit eine agrarische Politik betrieben. Er hat dem Drängen der Agrarier nach fortgesetzter Erhöhung der Preise und Be- seitigung der behördlichen Zwangsmahnahmen ebenso nachgegeben, wie dem Bestreben des Handels, die wucherische Ausbeutungsfrciheit wieder berzustellen. Unter seiner Amtszeit ist die landwirtschaftliche Erzeugung weiter erheb- lich zurückgegangen und die Ablieferung der behördlich be- wirtschafteten Waren noch wesentlich geringer geworden als früher. Die Preise aber sind fortgesetzt weiter gestiegen, so daß die Not und das Elend der Masten sich unausgesetzt ver- mehren mußten. Wir haben deshalb die Politik des jetzigen Ernährungs- Ministers von Anfang an entschieden bekämpft und die agrarische Liebedienerei, von der sie getragen war, rück- sicht?los enthüllt. Wir haben aber auch bereits vor Monaten, nachdem zuerst durch einen unabbängigen Ab- geordneten dem Minister im Volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstages die Möglichkeit gegeben war, sich von den gegen ihn erhobenen Vorwürfen gegen sein persönliches Verhalten zu rechtfertigen, er dazu aber nicht imstande war, auch in aller Oeffentlichkeit die Angriffe gegen ihn erhoben. Wenn diese Angriffe gegen sein persönliches Verhalten stärker und stärker geworden sind und sein sofortiger Rück- tritt jetzt unausbleiblich ist, so ist das für den Kenner des Aufstiegs dieses Ministers keine Ueberroschung. Ob die gegen sein Verhalten gerichteten Angriffe in jedem ein- zelnen Punkt stichhaltig sind, wollen wir nicht entscheiden, i Die Tatsache aber, daß sie fortgesetzt unwidersprochen er-! hoben werden können und zum mindesten in einem erheb- lichen Maße vollkommen zutreffend sind, zeigt die UnHalt- barkeit des Verbleibens dieses Mannes im Amt. Eine Seite der Angelegenheit aber ist bisher in der Oeffentlichkeit noch nicht besprochen worden, obwohl gerade sie zu den fortgesetzten Angriffen gegen Hermes erheblich bejg-'tragen haben dürfte. Das ist nämlich die Art und Weise, wie in Deutschland Minister st e l l e n geschaffen und Minister p o st e n besetzt werden. Im Jahre 1919 ist aus sachlichen Gründen das Reichs- ernährungsministerium mit dem Reichswirtschaftsministe- rium vereinigt worden. Es war dies notwendig, weil r-*°V°uisatorische Trennung der beiden Aufgaben erheb- uche Kosten verursachte und die Gefahr der Zerstörung der Einheitlichkeit der Wirtschaftspolitik heraufbeschwörte. Nach dem Kapp-Putsch im März 1929 aber wurden die beiden Ministerien trotzdem wieder getrennt und dos Reichs- Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft in die Hände des Zentrumsmannes Hermes gegeben. Die Reichs- raste wurde dadurch mit einer Millionenausgabe überflüssig belastet. i �La rum wurde dieser Schritt getan? Zweier- «t Gründe haben vorgelegen. Der ein« war die Hoffnung Agrarier, in einem selbständigen Ministerium der Er- nabrung und Landwirtschaft, das losgelöst ist von der Er- levigung der allgemeinen wirtschaftlichen Angelegenheiten. & K" 2"t-ressen leichter durchsetzen zu können. �'st ja auch in Erfüllung gegangen. Der "Nir, daß die Zentrumspartei einen ihrer An- trJlf!*'n willfähriger Diener der Zen- rrumspolttlk fft. zum Minister machen wollt«. Diese Behauptung Ist so ungeheuerlich, daß wir für sie genaue Angaben machen wollen. End- des Jahres 1919 haben drei sehr einflußreiche Zentrums- abgeordnete dem preußischen Ministerpräsidenten als auch dem damaligen Finanzminister Erzberger eine Denk» s ch r i f t überreicht, die von dem letzteren„zur Berücksichtigung" weitergegeben worden ist. In dieser Denk- schrift wird Dr. Hermes, der im Dezember 1919 noch Sektionsleiter im Reichswirtschaftsministerium war und zu dieser Zeit vor der Ernennung zum Ministerialdirektor stand, aufs wärmste als künftiger Unterstaatssekretär im Reichswirtschaftsministerium empfohlen, und zwar mit fol- Sender höchst eigenartigen Begründung: «Abgesehen von den allgemeinen Eigenschaften, die von einem «eainten in der exponierten Stellung eines Unterstaatssekretär« ia f0"8' werden müssen, ist für diesen Posten im Reichswirt- ichaflsministerium unerläßliche Vorbedingung repräsentative Er- nwming, Redegewandtheit und diplomatische Beweglichkeit. Gerade auf diese Eigenschaften ist besonderer Wert zu legen." Von Dr. Hermes wurde behauptet, daß er diese Eigen- gasten besitze. Den Kernpunkt dieser merkwürdigen Denk- chnft bildeten aber folgende Sätze, die als entscheidend 'afur angeführt werden, daß Hermes zum Unterstaats- «retär gemacht werden sollte: »Endlich muß aber auch Wert darauf gelegt werden, daß de, UnterstaatssekretSr im Reichswirtschastsministerium Katholik nnd Zentrumsmann ist. Bereits seit langem wird es in katholi- Ichen Kreisen unangenehm empfunden, daß es der Zentrumspartei "otz ihres ausschlaggebenden Einflusses in der jetzigen Regierung noch nicht gelungen ist, Katholiken in einflußreichen»Stellungen hm Ministerien unterzubringen. Bisher dürfte, abgesehen von °/n parlamentarisch besetzten Regierungsstellen, noch kein kath», sscher UnterstaatssekretSr im Amte sein. Es muß aber auch der Zentrumspartei daran liegen, hervorragend tüchtige Kräfte der *'Bcn«n Partei in Stellen der beamteten Unterstaatssekretär« unterzubringen, damit einmal der Einfluß der Partei gestchrrt bleibt, auch wenn sie selbst vorübergehend infolge anderer politi- Icher Konstellationen von der Regierung ausgeschlossen sein sollt«, Mrner um da» Ansehen der Katholiken überhaupt z» hebe« und u>e»t»rbin am die Nnterbri-munq de« Rachmchle« in«nts-rechen- ®«n Stellen sicherzustellen. Gerade der einflußreiche Posten Unterstaatssekretär-, im Retchswirtschaftministerium dürfte Ulerfür besonders geeignet sein, zumal den katholische« Kreisen vadurch Gelegenheit gegeben würde, auch in Einzelsragen«aß. Erblichen Einfluß ans da» deutsche Wir!scha't,leben auszuüben." Es hxjßt weiter in der Denkschrift alck Argument zur Beförderung von Hermes zum Unterstaatssekretär: »Trotz Drängens des Unterstaalssekretärs von Moellendorff hat vermes als einzigster Srktionsleiter des Reichswirtschafts- uiinisteriums es durch diplomatische Geschicklichkeit "erstanden, die Uebertragung de, gebundenen Planwirtschaft uuf die Landwirtschaft und die mit ihr eng zusammenhängende« ZUduftrien lStickstoss, Futtermittel usw.j zu vemriden." .Dieses Dokument zeigt die vollendete Heuchelei "er bürgerlichen Parteien, die stets behaupten, daß die Re- Kierung über den Parteien stände, und daß in den ein- Zelnen Ministerien nur sachliche Gründe ausschlaggebend seien. Die Denkschrift liefert den unwiderleglichen Beweis, P"- gerade die bürgerlichen Parteien unter Preisgabe aller '-glichen En>de ihre ego'stiscken PorleNnieressen stet« ?°ser stellen als die allgemeinen Interessen, zeigt, daß. wl» tn anderen Fällen die Deutschnationalen oder dl« Stinnes« teute, in diesem Fall die Zentrumspartei alle Hintertreppen..ch: �«si, Gliche Reichswehr nur unnütziges Blutvergießen ver« 1 benutzt hat, um kritiklose, willenlose und unfähige Partes anhänger in einflußreiche Stellungen zu bringen, um dann sowohl die Wirtschaftspolitik den Parteiinteresten dienstbar zu maAcn. als auch für die Unterbringung anderer ge- treuer Anhänger zu sorgen. Daß Dr. Hermes nicht einmal für den Posten eines Unter» staatsfekretärs die ausreichende Befähigung hatte, geschweige denn die für den Posten eines selbständigen Restortministers, zeigt die Tatsache, daß der Unterstaatssekretär in der Reichs- kanzlei Albert an den Rand dieser Denkschrift folgende Worte schrieb: „Dieser Mann ist nach den Schriftstücken ein Juwel, nach meiner Kenntnis und Information hat er nicht das erforder» li che Ausmaß. Bor allem fehlt ihm die Erfahrung in der Staatsverwaltung und die Kenntnis ihres Apparates. Dieser Mangel kann durch die katholische Konfession wohl nicht ganz au- geglichen werden. Die Kag- didatur wird auch zu heiß betrieben. gez. Albert." Trotz dieses Urteils wurde Hermes nach dem Kapp-Putsch Minister. Dieses von seiner* artei so überaus gefördert? schnelle Avancement eines für diese Aufgaben durchaus un- geeigneten Mannes mußte von vornberein«ine lebhafte Kritik feiner Tätigkeit wachrufen. Das ist denn auch ge- scheben, ebenso wie die Zahl seiner Neider größer und größer wurde. In dieser Situation scheint Hermes zu dem Ausweg gegriffen zu haben, ihm ergebene Personen dauernd an sich zu fesseln. Denn was feit geraumer Zeit über die Willkür- liche Art von Beförderungen in diesem Amt an die Oeffent- lichkeit gelangt, läßt nur schwer eine andere Deutung zu. Trotz dieser Tatsachen wagt die Zentrumsparteikorrespon- denz die Behauptung, daß die gegen Hermes gerichteten An- schuldigungen nur parteiegoistischen und parteitaktischen Zwecken dienen. Das trifft zu. aber nicht für feine An- greiser, sondern für seine Verteidiger, die wie die Zentrumspartei ihn erst auf Hintertreppen in das Amt ge- schoben haben, damit er dort unter dem Deckmantel des Katbolizismus agrarische Politik betreibe. Wenn nun demgegenüber vor«inigen Tagen gemeldet wurde, daß die Untersuchung der gegen Hermes erhobenen Anschuldigungen vom Reichskanzler im Einvernehmen mit dem Kabinett dem Reichsjustizminister und dem Reichs- finanzminister übertragen worden ist, so müssen wir offen erklären, daß wir zu dieser Untersuchung nicht das geringste Vertrauen besitzen. Denn es handelt sich nicht allein um die Feststellung, ob Hermes persönliches Verhalten angreifbar ist, sondern auch um die Tatsache der politischen Korruption der bürgerlichen Parteien. Hier sitzt die Wurzel des Uebels, ein« Wurzel, die untrennbar ist vom bürgerlichen Parlamentarismus. Fraktion Eichhorn Zu Montag hatte die Unabhängige Reichstagsfraktion eine Sitzung einberufen. Zu dieser Sitzung waren die An- hänher der 21 Bedingungen nicht mehr erschienen. Statt dessen prangte im Vorraum des Reichstages an der Tafel eine Einladung für eine Sitzung der Fraktion U. S. P. D, (Eichhorn) zu Dienstag mittag 12 Uhr. Danach ist die Scheidung der Geister auch in der Reichs» tagsfraltion bereits vollzogen, und zwar durch den frei» w i l l l g e n A u s t r i t t der Moskauer Anhänger, die da- mit anerkennen, daß sie, nachdem sie aus der Partei der U. S. P. D. ausgeschieden sind, auch nicht mehr der Frak- t i o n der ll. S. P. D. angehören können. In welcher Verlegenheit aber die 22 Moskauer Anhänger sind, zeigt die Tatsache, daß sie entgegen dieser Tatsach« künstig im Reichstag unter Beibehaltung des Namens U. S. P. D. als„Fraktion Eichhorn" firmieren. Sie werden diesen Namen aber nicht lange behalten können, ersten» weil es nicht zwei Fraktionen„U. S. P. D." geben kann und weil die Neukommunisten ja in Bälde den Anschluß an die Kommunistische Partei vollziehen und damit zur Dil.» dung einer Kommunistischen Fraktion schreiten müssen. Zur Fraktion Eichhorn gehören die folgenden 22 Reu- kommunisten: Bartz, Berthele, Braß, DLumig. Düwell, Fries, Geyer sen., Geyer jun., Herzfeld, Koenen. Malzahn, Plettner, Reich, Remm? Wcndelin Thomas. Frau Wackwitz. Eckardt, Eichhorn, .Hoffmann, Höllein, ■ �'osck-r, Teuber, Beratungen der Unabhängigen Reichstagsfraktion Die Unabhängige Reichstagsfraktion hielt gestern nachmittag eine Fraktionssitzung ab. Nach Kenntnisnahme de» Austritts der 22 Neukommunisten au» der Fraktion der U. S. P. D., die jetzt aus 59 Mitgliedern besteht, nahm die Fraktion Stellung zu einigen politischen Fragen. Ei» beschloß u. a. die Einbringung des an anderer Stelle abgedruckten schleunigen Antrags auf Zurücknahme der Ausweisung von Einowjew und Losowsky und bestimmt« als Redner zu dem in der heutigen Sitzung zur Berhandlung stehen- den Gesetz über die Kapitalflucht den Genossen Bogtherr. > Redaktionswechsel in Halle Aus Hall« wird gemeldet, daß gestern morgen um» Uhr die Reukommunisten das Hallesche Parteisekretariat der ll. S. P. D. und die Redaktion des..Volksblattes" besetzt haben. Dem Parteisekretär, Genossen Bei wand, wurde der Zutritt zum Bureau verwehrt, ebenso durften die beiden bisherigen politi- ichen Redakteure de« Blattes, Paul Hennig und- Carl Bock, die Redaktionsräum« nicht mehr betreten, weil sie Gegner der Moskauer Bedingungen sind. Daß diese Entwicklung in Halle beginnen würde, war voraus- zusehen. Sowohl der Genosse Hennig als auch der Genosse Bock hatten sich tn den letzten Tagen mit erfrischender Deutlichkeit auf die Seit« der Gegner der Bedingungen geschlagen, als der von ihnen unternommene versuch, die Einheit der Partei durch eine vermittelnd« Haltung zu retten, an dem Wunsch der Neukom- munisten. nach dem Moskauer Diktat die Partei unter allen Umständen zu spalten, gescheitert war. Zum Nachfolger Hennigg ist Dr. Bittor Stern destimmt war- den. Er gehört zu jenen Neukommunisten. die während ihrer kurzen Tätigkeit in der deutschen Arbeiterbewegung einen großen Mangel an veraniwortungsgefühl an den Tag gelegt haben. Stern, der bls»um Kapp-Putsch unser Essener Parteiblatt leitete, konnte später nicht nach dort zurückkehren, weil sein. Haltung wahrend de? Kampfe im Ruhrgebiet größte Erbitterung gegen ihn geschaflen ha-le. Er hatte, als all««i..stcht«»oll-n Genossen iahen, daß«in Weiterkämpfen gegen die sich in starker Leber- Ursachen mußte, die Parole ausgegeben: Es gibt kein Anrückt Kampf bis zum letzten Blutstropfen! Als aber dann die Reichs« wehr anrückte, zog er sich auf ein« rückwärtige Stellung zurück und überlieh wie die alldeutschen Kriegstreiber die praktisch« Auswirkung seiner Parolen— den anderen. Neinlichc Tcheldtmg auch in Neukölln Der Ortsverein U. S. P. Neukölln hatte gestern abend seine Generalversammlung. Dieselbe war überfüllt Bei ihrer Eröff- nung erklärte der Borsitzende Genosse Harnisch, daß infolge der in Halle erfolgten Spaltung nunmehr zwei Parteien sich im Saale befinden. Er sehe sich daher genötigt, die Generalversammlung zu schließen und für die Mitglieder der alten U.S.P. eine neue Generalversammlung einzuberusen. Die reichliche Hälfte der Ber» sammlung verlieh daraus den Saal unter Abfingung des Sozia« listenmarsches. Die zurückgebliebenen tagten darauf weiter. Die Lage an der Ostfront Obwohl der Borfried« in Riga abgeschlossen ist, gehe« die Kämpf« an der rusfisch-polnischen Front weiter. Die Polen setzen den Vormarsch aus die Linie fort, die sie nach den Waffenstill- standsbedingungen einnehmen können. Dabei kommt es noch zu äußerst blutigen Kämpfen. Die Polen melden große Kriegsbeute und brüsten mit hohen Gefangenenziffern. An der ukrainischen Front hat eine bolschewistische Gegenoffensive begonnen. Die Russen wollen dabei Erfolge erzielt haben. Die Ukrainer behaupten, die Angrifft abgewehrt zu haben. In den letzten Tagen ist auch ein Vorstoß auf Minsk erfolgt. Wie jetzt aus Warschau gemeldet wird, ist der Vorstoß von den russischen antibolschewistischen Truppen des Generals Bulak-Balachowitsch ausgeführt worden, die bisher dem Berbande der polnischen Armee angehörten. Der Vorstoß hat den Zweck, für die russischen Formationen eine Operations- b a s i s östlich der Demarkationslinie zu schaffen und auf diese Weis« die weitere Aktionsfähigkeit der Streitkräfte auch nach dem polnischen Friedensschluß zu sichern. Die russischen For- mationen in Polen werden von Sawinkow. dem früheren Kriegsminister im Kabinett Kerenski organisiert und stehen unter seiner politischen Führung. Sie werden vorwiegend aus gefange« nen Soldaten der Roten Armee rekrutiert. Auf Grund eines von Sawinkow im Namen des russischen Komitees in Warschau abge- schlossenen Vertrages wurden sie bisher vondem polnischen Oberkommando ausgerüstet und versorgt, und die Kosten de« Aufwandes sollten Polen als Rußlands Schuld gut- geschrieben werden. Nor einiger Zeit hat Sawknkow sich Wrangel untergeordnet und ein Antwortstelegramm Wrangels erhalten, der ihn zu seiner Tätigkeit beglückwünschte. Polen scheint asso zum Aufmarschgebiet einer neuen antibolsche» wistlschen Front auserkoren zu fein. Der Rebellenführer Sawin- low will sich noch vor Inkrafttreten des Waffenstillstand«« östlich der Demarkationslinie eine Operationsbasis schaffen und von dort aus gegen Rußland vorgehen. Auf dieser Basis würde er bald zugrunde gehen, wenn Polen die ernste Absicht haben würde, den Frieden mit Rußland zu wahren. Denn woher sollte sich Sawinkow versorgen? Rur Polen könnte für den Nachschub in' Betracht kommen. Das aber bedeutete Bruch des Frie» d e n s. bedeutet«, daß Sowjetrußland gezwungen werden würde, auch Polen als Feind zu betrachten. Die Sensationsmeldungen, aus ganz bestimmter Quelle ge» nährt, nehmen inzwischen überhand. Letzthin hieß e«. der Reiter- � general Budjenny habe sich von der Roten Armee getrennt und Z sei zu den Gegenreoolutionären übergegangen. Wie uns ein Funkspruch aus Moskau meldet, ist diese Nachricht erfunden, ebenso die Behauptung, daß Kiew von Ausständigen genommen wor- den set. Rechtlosigkeit der Angestellten der Entente-Kommisfionen Im Reichstag ist von der Unabhängigen Fraktion folgende An- frage eingebracht worden: Ist der Reichsregierung bekannt, daß das Auswärtige Amt einen Spruch des Cchlichtungsausfchusses, der«ine auf Grund ge» werkfchastlicher Betätigung zu Unrecht ausgesprochene, durch die Berliner Ententekommission erfolgte Entlassung als unzulässig er- klärte, ausgehoben hat? Das Auswärtige Amt vertrat hierbei den Standpunkt, daß die Kommissionen nicht dem Verfahren vor deutschen Schlichtungsausschüssen unterstehen. Was gedenkt dl« Reichsregierung zu tun, um diese, durch da» Auswärtige Amt ausgesprochene völlige Rechtlosmachung aller bei den Ententekommissionen in Deutschland Beschäftigten zu ver- hindern? Waffensunde in Mecklenburg Fortgesetzt werden in Mecklenburg geheime Waffendepots auf» gehoben. So konnte am Donnerstag ein Revierförster im Moiden- tiner Holz 2 Maschinengewehre, 12 Jnfanteriegewehre und 1209 Schuß scharf« Munition ausgraben. Waffen und Munition find von drei Großbauer», Mitgliedern der„Oegesch", versteckt worden. Mitglieder des Landardeiterverbandes brachten den Fund zur Ablieferung. Obwohl unlängst bereits vergrabene Waffen der Orgesch gefunden wurden, läßt die von den Rechtssozialisten unterstützte bürgerliche Regierung die Orgesch unbehelligt. Den Besitzern der Waffen ist bisher, obwohl st« dem Gerichte be- kannt find, nicht» geschehen. ______ i Der italienische An«rch«st Malatefia verhaftet. Auf richterlichen Befehl wurde der bekannte Anarchist Enrico Malatcsta in Mai- land verhaftet. Die Festnahme erfolgte aus dem Bahnhof, wo Malatesta von Bologna eingetroffen war. Aus der Parteiprefjr Di« neu« Nummer der„Freien Welt" bringt im attuelle» Bilderteil eine Aufnahme von Riazanow in London, die Rück- kehr tschechischer sozialistischer Soldaten aus Sibirien, Tor iar- t �.'."L in"M Gegend von Berlin, a m e r t k a n r Ich e©«* werkfchaftspaläste. Ein reich illustrierter«rtckek„Mo- deine revolutionäre Kunst" macht die Arbeiter m» politischen, proletarischen Werken der modernen Kunst bekannt. Winke für die Hausfrau, Bilder von der Obsternte 1929 und aus Eornedbeef-Fabriken werden die Leserin- nen interessieren. Ein satyrisches Gedicht„J u b e l g e s an ad«- Bürger», der Roman, Karikaturen, das Notizbuch, die humo- risttsche Ecke ergänzen das Hest.— Preis der Einzelnummer 60 Pfennig. « G-iass« Bogtherr ist aus der Redattton der„Hantburger Bol/ozeitmia" aasget roten und wird die Redaktionsleitung unso» res vraunschweiger Parteiblatts JSfreiheit� übernehmen. Hellet- ktWm nach erfolgter Geschäfts-Uebernahme und Neueinrichtung sämtlicher Läger Stetris nachm. 3 Uhr Unsere Läger sind jetzt mit vorteilhaften Waren neu ausgefüllt Unsere Sortimente sind groß/ Unsere Kalkulationen niedrig Unsere Preise die denkbar billigsten Gmige Beispiele unserer Billigkeit: Nohnesiel Molton Manufakturwaren Hemdentnch........ Louifianatuch für Bettwäsche Gestreifter Hcmdenbarchent Meter Meter Meter Meter __________..... Meter Graue Handtücher........ Stiict Inlett.............. Meter Blusenflanelle, Halbwolle..... Meter Kostümstoffe, 130 cm bieit..... Meter Blusenpopeline in schönen Farben. 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Römeri üHitnov Daumeister Solneh iNldertSteinriick.criliaGlLbnei) Donneratag: iNausch Freilag: Mirandollus m.Elie Inr.mi, Saliner, Rirmanii, Brandt, PrSchl, Achmer. Komödienhaus 1/«Uhr: Der Herr Minister Mi' Max Psllrnbrr» Sonnabend: Zum ersten Male Vis eslSe mit Mi Schwand oon iRudolf®cr« rancr u. Rudolph Echan, er Hauplrolle: Ml WMSerg Berliner Theater � uhri Der letzt.«>al»� MM.MillN SvUhelm Hartsteru>>> ,»cr Scol, der 3. Ztompaznu. Lessillg-Thcalet Mreln.: Bictor Varnomskq A/.uhe-. Liebe (l.o,sen, vötr, I.00») Mittwoch 7'/. U\)r: Da» Veliibde (Konstantin, Loos, Klopfer, Und) Donnerstag 7 Uhr: Peer Gynt (1.008, grünlnp, Lossen! Freitag 7';, Uhr; Da» Gelllbde Sonnebend 7 Uhr: Zun« U ffHaU Flamme (Dorsch, Grüning, Götz. Brock!) Deutsch. Ki!usil.-?hellter Allabendlich 7>, Uhr-. Sie SlheiSiiWSleise aoaldart. TpuieHeete.-bergl Rose�-Theater Uhr: Der Anti Christ Trilmon- Theater Dahnhos Friidrichstraße Heute und taglich'/z8 Uhr: N 1« iti Fl ,Ada Wüst, Burg. limdurg, , Daleiri, Faibenftrin) �Wdeaz- Thealer � (Bahnhof Jannowihbrürke Unterglundbahnhaf jclosterfir.) Henie und iiiglich ,,Vi Uhr: Die Freundin (Sma Duricuc. Toelle, Bildt, Albers, Bällenlin) Mrich-WilhelinstMlsche; - Thealer- 7'.', Uhr: Hoheit die Tänzerin Mes Speretteohaus Titekticn Iran Ären 7 Uhr; W KWil« Optretle in drei Akren nach einem Moli» PelSsi» von �rig Erllnbaum. -Beater./.8 Mrp's sei. MtU Zlg.r'', u.: Jtr H»u-d»«che , rlre dcarrd»».-rei IVl.MoriUpl.ti I«8!t. Tlgl: 7% a. Hnnacac nechB. S Uhr Slit&Säuger Uiathgen•Konrrn ■oiTk-u-itu-i-tia. Königstadt- Theater (Iannowitzbr»-lcke) Täglich 7-� (Sola- Sänger 5m Ballsaal: Tanz Apollo- Theater Friedrichstr. 2tS Vh«Mich VI* Harems-Nächte ( Sonntag« SVa u. 1 Kind frei. Kammer-Tanzspiele Bülowstr. 6, am Nollendorfplatz Tag!. 7»,. Uhr: Orientalisches Ballett Kiki Kian»i Beq. 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Ab?r die Gesundung wird kommen, denn das deutsche sozialistische Proletariat ist lebendig und vom historischen Geschehen zur lebendigsten Rolle erkoren in � seinem eigenen und im Befreiungskämpfe des Weltproletariats. Das deutsche Proletariat wird wieder oktionsfähig werden. � Seine beste Partei kann wohl krank sein, aber nicht sterben. Die U. S. P. i st nicht am Verenden, nein, sie lebt und wird bald genug wieder das aktive Instrument für den kämpf- bereiten Sozialismus fein! Der Parteitag ist Tiefstand der Zersetzung und Höhepunkt der Kiisis zugleich. Wenn erst die unsittlich qualvollen Tage über» wunden sind, wird der Aufbau einsetzen— so oder so. Und die U. S. P. wird da? schwere Werk der Läuterung der Partei des � deutschen sozialistischen Proletariats in Angriff nehmen. Lauterkeit, Sachlichkeit und Vertrauen unter den Part:!« genossen wird wieder zum Untergrund der Arbeit werden. Und dann wird das deutsche sozialistische Proletariat auch den Weg zur großen, befreienden Internationale der Tat sindcn: Es lebe die Organisation des deot'ch:n Proletariats, es»cb« die Unabhängige Sozialdemokratische Partei! uljjzt Der Parteitag der ASP. 6. Bcrhandlnngstag. (Fortsetzung aus der gestrigen Abcnd-Ausgabe.) In der Debatte über das Referat und das Manifest nimmt zuerst Genosse Theodor Liebknecht das Wort. Die ganze Politik der 21 Bedingungen, die uns auferlegt waren, entspringt dem Geiste der russischen Revolution. Der Ausgangspunkt der russi- schcn Deduktion ist die Annahme, wir Deut'chcn befänden uns gegen» wörtig im Stadium der Kcrcnskiperiode. Das ist eine. »ollkommen falsche Auffassung. Liebknecht weist eingehend nach. dah Deutschland unter ganz unteren Umstünden in die Revolution getreten ist. Noch Abichluh eines Wasfenstillstandes mit völlig intaktem Heer, bereit für die Aufrrchterhaltung der Ordnung zu Hunger � Roman oon Knut Hamsun. Ich wanderte unter den Leuten am Stortorv umher und hielt mich meist in der Nähe der Weiber, die Topfpflanzen au verkaufen hatten. Die schweren roten Rosen, deren Blät- ter blutig und roh in dem feuchten Morgen schimmerten machten mich begehrlich, führten mich in die sündbaste Vcr- suchung. eine zu stehlen, und ich fragte nach dem Preise nur um den Blumen so nahe wie möglich kommen zu können Wenn mir Geld übrig blieb, wollte ich sie kaufen, komme was da wolle: ich konnte ja hie und da etwas von meiner Lebensweise absparen, um dann wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Es war zehn Uhr, und ich ging hinauf in die Redaktion. Der Mann mit der Schere durchwühlt einen Haufen alter Zeitungen: der Redakteur ist noch nicht da. Auf seine Auf, forderung gebe ich mein grosses Manuskript ab. lasse den Mann ahnen, dah es von mehr als gewöhnlicher Bedeutung sei und binde ihm dringend auf die Seele, es dem Redakteur persönlich zu übergeben, sobald er kommt. Später am Tage würde ich mir selbst Bescheid holen. „Gut!" sagte der Scherenmann und fing wieder mit sei- nen Zeitungen an.— Mir kam es vor, als ob er die Sachs zu gleichgültig nebme: aber ich sagte nichts, nickte ihm nur gleichgültig zu und ging. Jetzt batte ich wieder Zeit. Wenn es sich doch nur aufilä- ren wollte! Es war ein elendös Wetter, ohne Wind und ohne Frische, der Sicherheit wegen hatten die Damen Re- gcnschirme aufgespannt, und die Wollmützen der Herren sahen flach und trübselig aus. Ich ging noch einmal über den Markt und sah mir den Grünkram und die Rosen an. Plötzlich füble ich eine Hand auf meiner Schulter und drehe mich um. Die„Jungfer" sagt mir guten Morgen. „Guten Morgen," antwortete ich ein wenig fragend, um sofort sein Begehr zu erfahren. Die„Jungfer" gefiel mir "'kr bückt neugierig auf das grosse nagelneue Paket unter meinem Arm und fragt: Was tragen Sie da? Ich war bei Semd und habe mir Stoff zum Anzug ge- kauft" antwortete ich in blasiertem Ton.„ich mag nicht länger so schäbig umhergeben: man kann auch zu knauserig gegen seinen äusseren Menschen sein." Er siebt mich an und stutzt. „Wie geht-s übrigens?" fragt« langsam. „Ueber Erwarten gut." „Haben Sie jetzt also eine Beschäftigung?" „Beschäftigung?" entgegnete ich sehr verwundert,„ich bin ja Buchhalter bei der Erosshändlerfirma Christie." „Ach so!" sagt er und tritt ein wenig zurück.„Gott, wie ich Ihnen das gönne! Wenn man Ihnen jetzt nur nicht das Geld, das Sie verdienen, abbettelt! Guten Morgen!" Gleich darauf kehrt er wieder um und kommt zurück; er deutet mit dem Stock auf mein Paket und sagt: „Ich kann Ihnen meinen Schneider empfehlen. Sie be- kommen keinen besseren Schneider als Jsaksen. Sagen Sie nur, dah ich Sie schicke." Dies war mir denn doch zu viel. Was hatte er seine Rase in meine Angelegenheiten zu stecken? Was ging es ihn an, welchen Schneider ich nahm? Ich wurde wütend; der An- blick dieses leeren, ausgeputzten Menschen erbitterte mich, und ich erinnert« ihn ziemlich brutal an zehn Kronen, die er mir abgeborgt hatte. Noch bevor er antworten konnte, bereute ich. ihn gemahnt zu haben; ich wurde verlegen und sah ihm nicht in die Augen; als in demselben Augenblick eine Dame vorüber kam, trat ich schnell zurück, um sie passie- ren zu lassen und benutzte dann die Gelegenheit, um mich davon zu machen. Wohin nun. während ich wartete? Mit leeren Taschen konnte ich nicht ins Cafö gehen, und ich wusste auch keinen Bekannten, zu dem ich mich um diese Tageszeit hätte begc- ben können. Jnstinktmähig schlenderte ich die Stadt hinauf, verbrachte ziemlich viel Zeit auf dem Wage vom Markt bis an die„Grenze", las die..Abendpost", die soeben ausge- hängt war, ging die Karl Johann-Strahe hinunter, kehrte dann um und ging geradenwegs nach dem Erlösersriedhof. wo ich eine ruhige Stelle auf einem Hügel neben der Ka- pelle fand. Dort sah ich in Frieden und träumte in der feuchten Luft. schlummerte und fror. Und die Zeit verging. War es denn auch ganz sicher, dah mein Feuilleton ein kleines Meister- werk inspirierter Kunst war? Weiss Gott, ob es nicht hie und da einen Fehler hatte! Wenn's dazu kam, wurde es am Ende nicht einmal angenommen, ganz einfach nicht angenommen? Es war vielleicht mittelmäßig oder geradezu schlecht; was bürgte mir dafür, dah es in diesem Augenblick nicht schon im Papierkorb lag?... Meine Zuversicht war erschüttert, ich sprang auf und stürmte vom Friedhof herunter. Unten in Akeregaden(juckt« ich durch ein Ladenfenster und sah, daß es erst wenig über zwölf war. Das machte mich noch verzweifelter, ich hatte so sicher gehofft, daß es weit i über Mittag sei, und vor vier Uhr war es zwecklos, den Re« dakteur aufzusuchen. Das Schicksal meines Feuilletons er» füllte mich mit düsteren Ahnungen; je mehr ich daran dachte. desto unglaublicher schien es mir. dass ich so ganz plötzlich etwas Brauchbares geschrieben haben sollte, beinahe im Schlaf, das Hirn voll von Fieber und Träumen. Natürlich hatte ich mich getäuscht und war während des ganzen Mor-i gens wegen nichts und wieder nichts vergnügt gewesen! Na- türlich!... Ich ging schnell Ullcvoldrejen hinauf am St. Hanshaugen vorüber, kam auf offene Felder, denn in die engen, wunderlichen Kassen an den Cägcmühlen, über Bau- platze und Aecker, und geriet zuletzt auf einen Landweg/ dessen Ende ich nicht absehen konnte. Hier blieb ich stehen und beschloss umzukehren. Ich war erhitzt vom Marsch und ging langsam und sehr niedergeschla- gen zurück. Mir begegneten zwei Heilwagen; die Führer lagen oben platt auf der Fuhre und sangen; beide waren barhäuptig, beide hatten runde, sorglose Gesichter. Ich ver» mutete, dass sie mich ansprechen, mir irgendeine Bemerkung zuschleudern oder einen Scherz machen würden, und als ich nahe genug war. rief der eine mich an und frogre. was ickj� unterm Arm trage. „Ein- Bettdecke," sagte ich. „Wie spät ist es?" fragte er. „Ich weiss es nicht genau, ungefähr drei, glaube ich." Da lachten beide und fuhren vorüber. Im selben Augen« blick fühlte ich den Schmerz eines Peitschenhiebs auf dem einen Ohr und mein Hut wurde mir vom Kopf gerissen: die jungen Kerle konnten mich nicht vorüber lassen, ohne mir einen Streich zu spielen. Ein wenig betäubt griff ich nach dem Kopf, suchte dann meinen Hut von der Grabenkants auf und setzte meinen Weg fort. Unten am St. Hanshaugen be- gegnete mir ein Mann, von dem ich erfuhr, dass es über vier Ueber vier? Die Uhr war schon über vier! Ich schrUi lief beinahe zur Stadt hinunter, bog ab und eilte nach der Redaktion. Der Redakteur war vielleicht schon lange dort gecwsen und hatte das Bureau wieder verlassen? Ich ging und lief abwechselnd, stolperte, rannte gegen Wagen, lieg alle Spaziergänger hinter mir, nahm's mit den Pferden aur. mühte mich ab wie ein Wahnsinniger, um zur rechten c,elt zu kommen. Ich stürzte zur Haustür hinein, die Treppen iiz vier Sätzen hinan und klopfte an. Keine Antwort. Er ist fort! Er ist fort! denke ich. Ich fasse dls Klinke, dl«. Tür ist offen, ich klopft noch einmal und trete ein. (Fortsesung folgt.) kämpfen,� In Nußland dagegen ein vöMg zusammengtbrochtner da oit noch mitten in dem revolutionären Geschehen stehen, un» deuipralisiertex Heereoorgamsmus. ein Kampf um den Frieden und desjen KoliW, der der Oktsber-Nepolutinn ihre Stärk« verlieh. Genosse Liebknecht stellt die putschistische Taktik der Kommunisten fest, die geflc« von Rat Ihrer Führer Kämpfe inszenierten. Tie Situatwn ist heut« piel»ehr der ähnlich v«n!»lt. Es reflierj das Militär, das Erohdürnertum. Daraus ergibt sich »iiz uns eine ganz ander: Taktik, als»i« die Russen fordern. Mx dürfen uiism Leute nicht zu Angriffen gegen ausländische MWe aufreizen, das s»brt zur Stärkung de» Militarismus. Di«!« VaH- tii wird sowohl van der deutschen Regierunq al» auch von den Kommunisten betrieben. Co darf aber auch fei»,«anäherunz an die Rechtssozialisten vorgenommen werden. Liebknecht spricht sich auch gegen die russische Ostpolitik aus, die«in« Stärkung unserer Gegenrcoalutipn bedeute. Er schließt mit dem Satz«: Sa«v», futioKor die Mosta.« Bedingungen klingen, s» rraktianär sind ihr« Wi-lungr». sLebhaftes Bravo.) kenolss Kunert: Man darf bei Beurteilung aller poxhergegan» genen Ding« nicht an die Schale rühren, sondern man muh den Kern erkennen. Und so wird es sich zriqcn, daß über alle« dies unsere seit über 50 Jahren erprobt« Taktik des revolutionären Sozialismus wieder vorherrschend werden wird. Daß ich mich von meinen �aUeschen Bartes? und Kampsnenosien trennen muß. das s,t die Schuld pon Moskau. Genosse Kunert unterzieht da» Aus- treten und die Ausführungen S i n a w l» w s einer scharfen Kri« L hat kein« Ahaung von deutschen Parteiv-rhält. nisien, Er behauptete, daß auf der rechten die Kredltbewilliper säßen, dabei hat die Rechte— gegen welch« Bezeichnung ich mich wehre— den einzigenMann unter sich, der nie«inen Pfennig Kredite bewilligt hat. Di« Massensuagestion, die auf Gefühlen und dem Erlösungsbedürfnis beruht, ist kein« Wissenschaft, sie muh Schiffbruch erleiden. Nicht nur die Gewerkschaften hat man als Gelbe bezeichnet, son« der« auch die politisch« Arbeiterbeweaung recht» von Stöcker und Däumig hat Sinowjcw al»„gelb" beschimpft. Da, ist eine freche Beleidigung, die zurückgewiesen»erden muß. Wir haben die Auffassungen über die sozialistisch: Internations!« feit l8S? mit aller Entschiedenheit hochgeholten. sBravo.) Theorie und Praxis trennen uns gleichermaßen von Moskau. Wir sehen in Rußland ein Minimum an Sozialpolitik,«in Minimum an ge? sellschaftlicher und persönlicher Freiheit, ein Minimum an Grund» Prinzipien des Sozialismus. Mir verkennen nicht die tragische Lag« Rußland», aber wir müssen feststellen, daß das, was un» von Rußland geboten wird, ein« Kareikatur de» Marei»mp» ist. Ich Hab« mich um die Eiuhcit der Partei bemüht, es ist nicht gc- -unzen Wir wollen den Kampf, der nun beginnt, sachlich und in riücrlichim Geiste führen. Wir wollen den Kampf führen gegen den Aber- und Köhlerglauben, gegen das moskowitische Dogma. (S«bha,t«r Beifall.) Genosse Ledebour tritt der Befürchtung des Genosten Liebknecht entgegen, als könne die Partei zu weit nach«cht» getrieben»er? den. Gewiß bestehen Meinungsverschiedenheiten i« Eiuzelfragen bpr Ueverelnstimmung in den Crundsäßen. Das ist nicht nur un- »ex meid sich, doz ist erfreulich. lEehr richtig!) Wäre es anders. kamen mir zur Sekte. Wir unterscheiden uns auch in be?ug auf denimmt« Einzelfraaen imn den Kommunisten und Renkommu- miteiu Eine der wesentlichsten Difscrcnzen ist die Ausübvna der � I.tatur des Preletariot». Wir sind keine demütigen Christen, wir werden uns lelbstverständlich unserer Haut wehren, wenn man uns angrdit. Das haben wir jq dem Moskauer Diktat gegen- Uder bewiesen, �.errorismus ist die ungerechtfertigte Anwendung pon Gewalt zur Riederhaltunq anderer Meinpnaen,»ur Beiseite» schasiung von Gcsangcnen. Ledebour tritt der Sinowjewschen B«> wejsuihrung für die Berechtiguna des Terrorismua unter au», fuhrlicher Begründung entgegen. fBeifgll.) bi-r folgt die Red« des Genasten Hilfeetzing, dje wir an anderer vtell« dieses Blatt«» wiedergeben. Goncsf« Berger geht auf dt« Sleußerunaen der bllraerlichen Press« über die Parteisnaliung«in und ftellt unter Beifall de» Partoiwaes fei«, daß jegliche Auinohmebestimmungeq gegen Reukommuntsten enischieden abgeletznt werden. Er vesiwirst jede Annäherung an die Rechtssozialisten und schließt mtt dÄ> Aufforderung, die Grundsätze der Unabhängigen Cozialdenw» kratie hochzuhalten. Genosse Lreitscheid macht auf die schwören Kämpfe aufmerksam. die uns im Innern bevorstehen. Wie wir ein« Kriegspsychose hatten, so haben wir jetzt xjne bolschewistisch-russische Psychose. Aber lrotzdem müssen wir unseren Weg gehen. Unser« Zeit ist nickt die allernächste Zukunft, sondern die Zeit der Depression von den Illusionen. Wir müssen endlich dazu übergehen, die Kritik an Sowjet.Außland zu»den. die v»m Standpunkt de» Wissenschaft liche» S-zialismu» an» not« «endig ist. Diese Linie muh mit alter Entschievenhett festgehalten werden, auch gegenüber den Alt- und Reurommunisten und den Rechtssozia listen in Deutschland. Wir bleibe» da», was wir waren. Die Diktatur de» Proletariat» ist»eine Methode de, Er- kZmpsung der politischen Macht, sondern ihrer Behauptung. Wir müssen positiv arbeiten, und zwar so, al,«,nn di« Reoosution noch fernliege, ab-r auch so. al, wenn sie moraen schon vor der Tür stehe.(Sehr richtig!) Wir brauchen zunächst«in« Berständt- (jung mit de» westeuropäischen Parteien, um«in, Grundlage ,u finden für eine spätere Verbindung mit der dritten Internatio. nas:. wenn dort bw Ernüchterung gekommen ist. Brettscheid«en- det sich entschieden gegen die rechtssoztalistilche Taktik, die die fran. zösischen Sozialisten verdächtigt, daß sie nicht? tun im Kamps gegen die Bourzeotste.(Lebhafter Beifall.) E» wird Schluß der Debatte beschlossen. Genosse Criopien verzichtet auf sein Schlußwort, da keinerlei Einwendung«» gegen seine Aussührungen und gegen da, Moni- fest erhoben worden seien. Das Manifest wird hieeauf einstimmig vom Parteitag ongenomme«.(Bravo.) Ein« Resolution Barth-Rosenfeld, welche die Reichstagsfraktton beguftraot. mit aller Kraft darauf hinzuwirken, daß«in« Amnestie aller politischen Gefangenen sowie das Asylrecht alle» politrsch Perfolgien sichergestellt wird, und die allen hinter Kerkermauern schmachtenden Revolutionären und allen politischen Flüchtlingen peu löruß des Parteitages entbietet, wird einstimmig an» genommen. Zum fünften Punkt der Tagesordnung: Organisationvfragen spricht Eeuosse Lipinski. Er verliest und erläutert di««lnzelnen Brstimmungen des Entwurfs der Organisationskoinmisslon. Ge- vosse Ludwig-Hagen beantragt einig« Abänderungen zu diesem Entwurf. Der gesamte Entwurf wird mit den WLnbernngen einstimmig angenommen. Ebenso«instimmig wird«in Antrag Löw-nstein angenommen auf Schassung einer Bildungszentral«. Nunmehr wird da» Ergebnis de« Borstandswahl hekenntgegeben: Zu Vorsitzenden mit gleichen Rechten sind die Ge, paffen E-ispten und Ledebour mit je W Stimmen gewählt, gl» Sekretäre der Genosse Dittmann und di« Genoffm Zieh, als Bei filier di« Genossen Brühl,«Lnftlrr, Msfeo, An«, Remitz. KiseKfr'b, Schneider-Neukölln, Mathilde Wurm. In den Beirat wurden gewählt dt« Senosien»iß««»«, Donalie». Henke. Knaus. Kürh». Lipinski. Ludwig. Toni Sender, MMlM» In dl« Kontrsllkommission: vor««gue«.«a«, Fuchs« Magdeburg. Güth-Kiel. Karsten-Pein«. Schwarz-Mannheim. Rvb�t Wengels. Alle dies« Wahlen sind« i n st i m m i g erfolgt. Genosse Henk» gedenkt des englischen Berga, bejterstreiks und schlägt eine Lnmpathteresolution sür di« englijchen Berg- ardeiter vor. Dies« Resolution wird« t n fti m m t a angenommen. Der Vorsitzende Genosse Dittmann schließt darauf mit folgenden Worten drn Parteitag: Unser« Pariei. bei den Reichstagswahlen noch di« stärkste Parte«, ist ietzt gespalten nmrden. Wir stehen nach wl« vor auf dem alten Boden, der Teil aber, der auggetreten ist. hat diesen grundsätzlichen Boden, dir un, mit ihm»«»' einte, verlassen. Soweit die prol-rorffchcn Massen in kommen, kann dt« Abwanderung NU, ein»»orSberztheick« Msschei« nnng sein. Der ungeheure Zustram an Mitgliedern macht««S NN», möglich, sie all« zu geschulten Sozialisten zu mächen. Auch wir wollen dt« Eroberuno der politischen Macht, auch wir wollen, dag da» Proletariat die Alleinherrschaft übernehmen soll, um den Es» ztalismu» durchzuführen. Wir müssen Klärung schaffen im deut- scheu Prol-tariot. Lossen&» uns alle geloben, daß wir den Kampf, der uns jetzt beporsteht. sachlich führen. Aus diesen Kämpfen wird die Konterrevolution neue Kräfte saugen und Ire wird versuchen, sich wieder in den Sattel zu letzen. Dan» werdeu wir wieder Schulter an Schulter kämpfen mit denen, die unz eben »erlassen habe».(Bravo.) Wir wollen dafür sorgen, daß die Sammlung des revolutionären Proletariats unte.r unserem Banner sich vollzieht. Genosse Dittmann schließt mit einem begeistert auf- ?enommenen Hoch auf die Unabhängige Sozialdemokratisch« Par- et Deutschlands, Damit ist der Parteitag geschlossen. Die Tagung der Nenksnummifteu Hall« a.«„ IT. Oltober. Braß eröffnet die Sitzung um*/ti0 Uhr. Praß verliest«in« Proklamatts«, in der«s heißt, daß di: Zeit de» Bruderzwiste, vorüber sei. Di« Vereinigung aller revolutio, nären Element« zu einer kommunistische« Massenpertei steh« UN» mittelbar bevor. Jetzt müsse der Kampf gegen die Todfeinde de, Proletariats aufgenommen werden. Es geb, nur eine« Ausweg, die sozial« Revolution. Die Prptlamation schließt: Erwartet die Kampsparolen. Es lebe die Kommunistisch« Internationale, es leb« di: Weltrevolutton. In einem zweiten Aufruf heißt«»: Nach der Entscheidung de, Bärteitaae, habe«in« rechtsstehende Gruop« den Parteitag ver- lassen uns die Partei zenisjen. Wa» Scheidemann getan habe, das sei jetzt pon Hilferding, Erispirn, Dißmann wiederholt worden. Der rechte Flügel wende setzt schlimme« Methoden an als di« Eberl und Genossen. Sie betrachten die Einrichtungen der Partei als ihr persönliches Eigentum und versuchen die akiioen Element« au, der Partei zu drängen. Sie haben«ine heimtückische Borper- legung de» Parteitage» und«ine überstürzte Urwahl vorgenom» men und ein« demagogisch« Herrschaft über die Parteipress« aus- «eübt. Sie wollten die Spaltung. Ein« Gruppe rechtsstehender lübrer unternehme e» jetzt, die Front der revolutionären Arbeiter zu spalten. Sie haben aber nicht mehr da» Recht, im Zlamen der Partei zu sprechen, sie sind nicht mehr alg zur Partei gehörig zu betrachten. Bedhg« bemängelt an dem zweiten Aufruf, daß darin nicht der Weg zu einer gemeinsamen Aktisn mit den Kommunisten gezeigt werde, man werde in den örtlichen Organisationen auf die Ver, einigung drängen. E, soll« darauf hingewiesen werden, daß erst ein gemeinsamer Parteitag mit den Kommunisten entscheiden soll«, vorher dürfe örtlich nichts unternommen werden. Braß sagt dazu, was Bcdhge wolle, werde besonders behandelt «erden. Mon solle jetzt über dies: Frag« nicht diskutieren. Di« noch verbliebene» vier Mitglieder der Mandatsrnrüfungs- kommission geben ein« Erklärung ab, wonach ein Herr Habenichts au» Hannover gestern zur Nbstimmuna zugelassen worden fei, Habenichts fei aber schon vorher au» der Partei ausgelchlossen worden. Es wird deshalb gegen die Teilnahm« von Habenichts an der Abstimmung Protest' erhoben, sie müsse für ungültig er- klärt werde». Braß: Diese Erklärung ist ganz überflüssig und nicht für ein» Debatte geeignet. Ich bitte darüber nicht mehr zu sprechen. Däumi«: hält daraus«in etwa«tnstündig«? Schlußwort, da, ziemlich eintönig vorgetragen wird, auf die Delegierten ermüdend wirkt, Wi-derholt muß der Porsttzend« mit der Glocke zur Ruhr mabne«. Däumig führt au»: Mit dem Parteitaq von Halle vor M Iahren habe«in« neue Geschichte der alten Partei begonnen. Bon dem Parteitag« 1S20 de« U. S. P. werde man dasselb, sagen, aber die Zeit«« hab«n sich leltd«m g»änd««t. Damals lonnt«n nock kein« Paralen für den Endkampf ausgegeden werden. In» zwischen sei der Weltkrieg gekommen, di« kapitalistische BV.rtichaft«- ordnuna I«l erschüttert worden. In. der bürgerlichen Press« bis hinein in di« de? II. 6, P. werde man diesem Parteitag di« Zcn- sur auestellen, daß«r ein Parteitag der Zertrümmerung gewesen sei. Man soll« sich' dadurch nicht irre macht» lassen. In kurzer Zeit werde die Konsolidierung de» revolutionäre» Proletariats kom, men und zum Auegangspunkt für eine größer« Aktivität der Massen werden. Ueber die Wirkungen der nächsten Zeit hinaus müßten die Richtlinien für die revolutionären Aufgaben heraus» gearbeitet werden,«te aus keinem Parteitage zuvor habe die groß« internationale Perspektive im Mittelpunkte der Verband- lungen gestanden. Seihst frühere international« Kongresse hätten »einen so hohe» geistigen Inhalt gehabt. Dem Press«kämpf und den Angriffen der nächsten Tage sehen wir mit de« größten Rub« entgegen. Wir werden vielleicht schon in der nächsten Zeit»ur Aktion bereit lein. In der Frage der Ar- � deiislosen und der Kontrolle der Produktion werden mir in Kon, slitte mit der«ewerffchaffsbureaukratie geraten. So schnell«i, möglich«ilßten die Moskouer Leitsätze durchgeführt werben. Run, mehr müssen die Mitglieder mehr wie bisher für die politische Aktion geschult«erden, di, organisatorischen Fragen und der Kleinkram müssen zurückstehen. Das Bekenntnis zur dritten Inter, national« stellt an unsere Mitglieder ganz ander» Anforderungen als bisher, und die Beschlüsse«erden das gegenrevolutlonär« Lager zusammenschließen, daher müssen wir zur Aktion bereit sein. Der Anschluß an die kommunistische International« sei vollzogen, nunmehr müsse an da» Proletariat aller Länder appelliert wer- den daß sie uns nachfolgen. Dieser Parteitag hob« sein« Beschlüsie nach allen Regeln der proletarischen D«mokratte gefaßt. Die ander« Seit« werd« alle» versuchen, um sich in den Besitz des Par« teiapparat, zu halten, ader wenn ihnen das auch gelingt, so wer, de? sie noch schneller abwirtschaften, als di« Rechtosozialisten. Di, «roßt« Schwierigkeit besteh« in der Verpflichtung der Ausnahme» Bedingungen, ei«, einheitlich, Sektion der komvuniitischen Inter- natlonnl« zu schaffen. Bevor«» zur Verschmelzung kommt, werd« es noch ein« Menge von Reibungen geben. Der Partetegoismus dürr« aber dabei kein« Rolle spielen. Di« Selbständigkeit der U. S. P. müsse bi? zur endgültigen Regelung erhalten werden. Unter der Lettvng ein,» Vertreter, der Moskauer Ex«tllttve müßten seßt di« Berhonblungrn mit de» K. P. D. geführt werden. um Richtlinien zum Zusammenschluß aufzustellen. Der Schlußpunkt könne nur durch«inen gemeinsam, n Parteitag gesetzt«erden. Für polltisch« Aktionen könne schon jetzt eine Derständigunq herbei- geführt werden, außerdem seien lokal« Akttonsgemeinschaften zu bilden. In dem bevorstehenden Kampf der Meinungen solle man die oersönlich« Seite nicht in den Bordergrund stellen, denn auch bei den Gegnern der Bedinaungen seien viele Kamvfgenossen. die man noch gewinnen könne. Däumig schloß seine»u»führungen mit einem Hoch auf di« kommunistisch, International«. Aus Antrag von Remmele werdeni di« vom Leipziger Par. tettaa eingesetzten Kommissionen sür dt« Organisation und für da» Programm fllr aufgelöst erklärt, da jetzt di« brutig« ProNa. «ation, sowie die Bedingungen und Thesen du dritten kommuni« stischeu International, allein als Programm zu gelten hätten. Hiuauf schlicht Braß di« Berhondlunaen um �12 Uhr. Die Vertreter der Dezirk« halten noch«in« besondere Sitzung ab. Erhöhung der Erwerbslosenunter- stützuug Da, Reichsarbeitomtnisterium hat folgendes ver- fügt: Zur Anpassung an di« besonderen Bedürfnisse de» Wintere können di« Gemeinden(Gemeindeverbände) in der Zeit vom 1. November 1020 bi» LI. März 1021 di, Unterftützungs- sähe für Srwerbolos« übe* die in A 0 Abs.{ und 5 der Verordnung über Grwerboloseitfürsorg» in der Fassung der Verordnung vom S. Mai 1980(Reichs-Gesitzblatt 6. 871) festgesetzten Höchitsätze hinau»«»höhen. Dt« HIchMtzg, W« danach in dem angesehenen Zeitraum zu- vffia sind, betrage«:- in den Ortender Ortsklasse« � L Damenstrümpfe 16« 26» Damenslrümpfe woiie.««h*........ 25» 42» Herrensocken««*«».«»«a« qmw«, 8» 1 0» Herrensocken..... 9" 11» Herrensocken 16» 27» lÄÄSfe............... 14« 16« MS Oetlwisch® Kissenbezüge sw«.....*«>* 24» 34» 42» Kissen bezügem-HoMMo«,!«)* 32» 36» 39» Deckbeltbezüge 135» 165» 190» Bettlaken kramg« qmw«....... sw* SS03 HO50 125» Inlett-Kopfkissen........«a* 52» 78" 97» Inlett-Deckbett........�188» 266" 350» Elegante Stsckerel-Bettwäsdie Uberiakenj Plumeaux und Kissen In grosser Auswahl der Zuständigkeit des„Schlichtungsausschusses Groß-Berlin" in der Klagesach« eines Betriebsobmanns gegen«in« Filmfirma auf Feststellung dahin, daß diese verpflichtet sei, den Filmtarif anzu- erkennen, erörtert, zumal im Hinblick auf verschiedene Entscheidun. gen des Herrn Demobilmachungskommissars. arlch« die Zuständigkeit des„Schlichtungsausschusses Groß-Verlin" für solche Fest- ftellungeklagen verneint hallen. Der»Cchlichtungsausichuß" hat die Pflicht, seine Zuständigkeit in jedem Stadium des Verfahrens zu prüfen. Es ist unrichtig, daß.chas den Inhalt der Klage bildend« Thema nicht genügend besprochen und daß nicht versucht worden sei, eine Schlichtung der Angelegenheit herbeizuführen. Ebenso u n r i ch t l g ist es, daß der Vorsitzende Dr. Friedmann. der im Interesse der Aufarbeitung des sehr umfangreichen Ter- Minszettels und im Interesse der noch wartenden Parteien aller- Vings leine Uhr auf den Verhandlungstisch gelegt hatte,„es sehr eilig hatte, fortzukommen". Das Thema ist vielmehr in allen Teilen erschöpft, die um 9 Uhr vormittags begonnene Verband- lung überaus eingehend geführt worden, sie hat sich sogar bis in die späten Nachmittagsstunden hingezogen! Eine Schlichtung scheitert« jedoch an der Ablehnung der beklagten Firma. Da festgestellt wurde, daß die Beklagte Mitgsted des„Arbeitgeber- verbände? der Deutschen Filmindustrie" ist, so ist die Kammer daher nach Bejahung ihrer Zuständigkeit zur Derurtei- lungderBeklagten nach dem Klageantrag gelangt. Die Angriffe auf die Kammer 70 und ihren Vorsitzenden sind völlig unverständlich, sie werden hiermit auf das entschiedenste zurückgewiesen. Echlichtungsausfchuß Groß-Verlin. Kammer 70. Die Arbeit. geber- und die Arbeitnehmerbeisitzer vom 24. August 1920. An die Organisationen der U. S. P. D. Samtliche Nnlündigungen der Barteioroanisationen find von heute ab dem Bureau des Bezirksoerbandes Berlin- Brandenburg. Breite Straße 8/S, zu Händen des Genossen Meier, einzureichen, der sie an die Redaktion der»Frei- heit" weiterleiten wird. Bon telephonischen Uebermittelun- gen bitten wir Abstand zu nehmen. Die Heilsarmee als tzaaspascha Ein Leser unserer Zeitung schickt« uns folgende Zeilen. Welch rückständiger Geist in jener religiösen Gesellschaft, die sich Heilsarmee nennt, besteht, möge durch folgendes illustriert wer- den. Die Heilsarmee besitzt in der Büfchingstrahe 4 ein Haus, in dem st« feit Iahren ein Männerheim eingerichtet hat. Die Be- wohner desselben, wovon einige schon seit Jahren hier wohnen. haben pro Woche 7— 9 Mark Wohnungsmiete zu zahlen. Geschenkt bekommt keiner etwa», sondern alles, auch soweit Speisen und Getränke verabreicht werven, muß eben so gut bezahlt werden wie in anderen Lokalitäten. Trotzdem nun die meisten Bewohner wohnamtlich und polizeilich gemeldet und zumeist Arbeitslose und Kriegsbeschädigte stnd, glaubt die Hellsarmee als Hausbesitzer entgegen allen gesetzlichen Vorschriften ihr mißliebigt Personen zu jeder Zeit und Stunde, selbst bei Nacht und Nebel, kurzerhand aus die Straße setzen zu rönnen. Auf den Hinweis, daß st« kein Recht dazu besitze, sondern sich erst an das Mieteinigungsamt zu wenden habe, wird einfach erklärt, in diesem Hause hat kein Woh- nungsamt und Magistrat was zu sagen, sondern hier bestimmt die—„Heilsarmee" ganz allein. Ja, ein Offizier der Heilsarmee, der anderorts vielleicht m großen Reden die christliche Nächsten- liebe preist, besitzt selbst soviel christliche Nächstenliebe, daß er kurz und bündig erklärt: wer hier nicht so will wie wir wollen, der kann ja wo anders hingehen, der kann ja nach der Palme gehen. Das also ist die praktische Seite dieser Heilsarmee-Offiziere. daß sie die Aermsten der Armen, wenn sie nicht so tanzen, wie die Herren so wollen, einfach auf die Straß« setzen und sie zum Etädt. Asyl verweisen, in dem Glauben, daß sie solchen Leuten zu jeder Zeit die Miete zurückerstatten könnten. Da sich nun einzelne da» gegen wehrten, glaubt solch ein Herr Offizier von Aufwiegelung usw. im alten Offizierston reden zu können. Doch mußt« sich die- s« ante Mann von jemand, der selbst einmal der Heilsarmee an- gehört hatte, sagen lassen: daß die Herren zumeist nur bei der Heilsarmee seien, weil sie zu faul zum Arbeiten wären. Twtzdem das Dezernat des Wohnungswesens angerufen war und den Be- scheid gab, daß die Heilsarmee absolut nicht berechtigt sei, ohne Anrufung des Mieteinigungsamtes wohnamtlich Gemeldet« auf die Straße zu setzen und die Hausverwaltung von diesem Bescheid in Kenntnis gesetzt war, maßte sie sich dennoch wiederum das alt« Sauspascharecht an und rief sogar die Polizei telephonisch um Hilfe, ohne sreilich damit Erfolg zu haben. Wer denkt nicht bei solcher Handlungsweise an die Worte des Nazareners, da er von den Pharisäern in Schafskleidern sprach, welche inwendig reigcnde Wölfe feien, oder an die übertünchten Gräber, inwendig uosi_ Modergeruchs. Auch die Heilsarmee wird noch erkennen müssen, daß wir im Jahre 1920 leben und nicht im Ansang des achtzehnten Jahrhunderts. Tief bedauerlich aber ist es, wenn man sehen muß, wie gerade au« den Arbeiterkreisen der Eammel» teller für jene immer wieder gefüllt wird. Wieviel besser wäre es, wenn diese ihre Spenden ihren notleidenden Mitmenschen selber gäben. In dieser Beziehung sprach vor kurzem ein Kenner der Heilsarmee die inhaltvollen Worte:— sie schlucken Elefanten und geben dafür Fliegen. Mißstände in der Staatsfabrik für künstliche Glieder Durch die sich ständig häufenden Klagen der Kriegsbeschädigten über die äußerst mangelhasten Raumverhältnisse in der Be- fchaffungsstelle Eroh-Berlin und der in den gleichen Räumen be- findlichen Staatsfavrik für künstliche Glieder, Berlin RW.. Götz, kowskystr. 20, sahen sich die in Frage kommenden Kriegsbeschädig- ten-Organisationen und Eewerffchaften veranlaßt, eine Klärung der Sachlage herbeizuführen. Nach genauer Einsicht der An. gelegenheit gewann man die Ueberzeuoung, daß die eingelaufenen Beschwerden noch lang« nicht alle vi« llnzutcäglichkeiten ent- halten, die bei näherem Hinsehen sick ergaben. Als Warteraum für durchschnittlich ca. 70 Kriegobeschädiate dient ein schmaler, ungeheizter Korridor, der außerdem infolge dieser unsozialen Verhältnisse ständig als Durchgangsraum für Krieftsvsrletzte. Angestellte und Arbeiter benutzt wird. Für die zur Maßnahme, Anprobieren usw. erscheinenden Kameraden ist nicht einmal ein Auskleideraum zur Verfügung, so daß sie gezwungen sind, sich in den Fabrikräumen zu entkleiden. Nicht zu übersehen wäre die Folge, die bei evtl. eintretender Feuersgefahr sich ergeben würde! durch das Lagern leicht vcrbrennbarer Gegenständ« in unmUtol. barer Nähe des offenen Feuers der Schmied«. Alle diese Miß- stände haben es bisher nicht vermocht, das Retchsarbeltomim, sterium zu einer Verlegung dieser beiden Dienststellen in besser geeignete Räume, die im Interesse der Beschädigten am günstig. sten im Innern der Stadt zu suchen stnd. zu bewegen. Es ist eine nur zu berechtigte Forderung, wenn man den Wünschen der An« tragsteller in dieser Angelegenheit volles Verständnis entgegen- bringt. Das Reichsarbeitsministerium verfolgt das Projekt der Verlegung nach dem Garnisonlazarett in Tempelhof. welches im Interesse aller Kriegsbeschädigten unbedingt zu verwerfen ist. Für den ersten Augenblick fällt schon die weite ungünstig« Lage ins Augs. Zu diesem Zweck hat sich eine Einheitsaktion, he- stehend aus dem Reichsbund der Kriegsbeschädigten, dem Inter- nationalen Bund der Kriegsopfer, der Wirtschaftlichen Vereini, gung der Kriegsbeschädigten, der Arbeitsgemetnschast freier An. Sestelltenverbänds, des Gewerkschaftsbundes der Angestellten, de? iewerkschastbundes kaufmännischer Angestellten und des Deut- schen Metallarbeiter-Verbandes gebildet, die geschlossen die For- dcrung vertreten: � Legi diese für die Kriegsverletzten sozialen Dienststellen ins Zentrum der Stadt, damit sowohl den Kriegsbeschädigten, als auch dem Staat finanzielle Opfer erspart bleiben. Zur Fortführung der Untergrundbahn Die Demonstration von Neuköllner Arbeitslosen vor dem Ber- liner Rathaus« am letzten Mittwoch hat dem kommissarischen Ma- gistrat der neuen Stadtgemeinde Verlin Veranlassung gegeben, die Frage der Fortführung der Neuköllner Untergrundbahnbauten in besonderer Sitzung eingehend zu prüfen. Das Nachrichtenamt teilt mit: Zunächst wurde festgestellt, daß aus den für Notstands- arbeiten verfügbaren Mitteln weiter« Beträge an Neukölln nicht abgegeben werden können. Die Bauleitung der Nordsüdbahn wird sich jedoch bestreben, bei der Fortführung ihrer Arbeiten und namentlich bei dem Vau des Abschnitts Bahnhof Gnetsenaustraße auch Neuköllner Arbeitskräften Gelegenheit zur Beschäftigung zu bieten. Außerdem soll schleunigst bei der Staatsregierung unter Klarleaung der Verhältnisse die Hergabe einer Beihilfe an die neu« Einheitsgemeinde für die Weiterführung der Neuköllner Untergrundbahnbauten deantragt werden. Dem Magistrat Neukölln ist jedoch mitgeteilt worden, daß er verpflichtet war. unbedingt aus dem ihm für Notstandsarberten neuerdings zur Verfügung gestellten erheblichen Betrage von 20.533 Millionen Mark einen der Sachlage entsprechenden Teil dex Fortführung der Untergrundbahnbauten zuzuführen, nachdem tm-ts Uebergangsausfchuh in Gegenwart des zuständigen 9l£uköllnaa� Dezernenten die Bereitstellung besonderer Mittel für diese Ausführung abgelehnt worden war. Im gleichen Ausschuß war übrigens auch beschlossen worden, bei der Berechnung der den ein- zelnen Bezirken und Gemeinden für Notstandearbeiten zufallenden Betrüge ausschließlich die damalige Erwerbslol-nziffer zugrunde zu legen, und den weitergehenden Antrag Neuköllns abzulehnen, auch ine Arbeitskräfte bei dieser Berechnung einzuschließen, welche zur Zeit daselbst bei den in der Ausführung oegriffenen Notstands- arbeiten tätig stnd. Die Demonstration hätte sich daher erübrigt, wenn die Arbeiterschaft von Neukölln von den dortigen zuständigen Stellen ent- sprechend der Sachlage unterrichtet worden wären. Erwerbslosen-Fiusorge im September. Di« Zahl der Erwerbs- losen in Berlin ist im Monat September nicht wesentlich gestiegen, auch am Ende des Monats wurden rund 47 000 Er- werslose unterstützt(davon 37 500 männliche und 9 S00 weibliches. Der Abgang an Erwerbslosen im Laufe des September betrug rund 12600(davon 9000 männliche und 3600 weibliche), der Zu» gang rund 13000(davon 10 000 männliche und 3000 weibliche). Handschuhe Kinder- Handschuhe graa.g«tricKt............. 3" Kinder- Handschuhe>»»1»«» o»»»,,,.. 5» Damen-Handschuhe im«*, Dnie�api...... 790 Damen-Handschuhe ÄÄ,;..r..T 14" Herren-Handschuhe 15" Herren-Handschuhe�..�..�.�24» Kinder-Fäustel«•« wo«,.................... 6» Trikotagen 60»b..6S» 51»bu 54» 23» 30» 40°° 66» 56» 60» 28» 35» 45» 82» Damenwäsche Taghemden«»n, m«»>*««1..................... 3750 Taghemden 48* Beinkleider Km,!«™.>»«!«. non„n sndur«*........... 27* Bein k 1 eider«br gut« SloH. w» SUdterel-Em. und-Aniolz 57k Nadithemden wer aoH. R«mpi«-m»!............... 6950 Nadithemden Batist-Hemden 59� Batist-Nachthemden m« lei««$pii«n... 95� Unterröcke m« bmicr sikkerei........................... 47» Garnituren Dot-Jtj und Herrenhemden«-onntmiiew,» creo««...... Herrenhemden Herren-Belnklelder ÄU"*.r: Herren-Beinkleider Herren-Beinkleider«ong-mb-t».�.»»«,, Damen-Sdilupfhösdien ADK» Damen- Reformbeinkleider Bnumwoll*, marin«; stark« Quolliat......................»«,» Korsette Korsette wurlarbe»» fester Stoff, mit Nlcktlmocb.. Longette...... 45» Korsette mo �_ f« X W«__ V „Palais de danse" im Februar d. Z. an. Der Wefnhändler. der kein Jude ist, lächelte über diese Redensarten, aber im nächsten Augenblick sprang ihm der Herr Reserveoffizier an die Kehle. würgte ihn und schlug auf ihn ein mit dem Rufe:„Wenn Sie den schaftigte Der deut . sich am Eonnabend das Schöffengericht Berlin-Mitt«. er deutschnationalc Rowdy wurde zu 0 Wochen Gefängnis ver- urteilt. Di« Anzeig« gegen diesen arischen Hohlkopf war, wie be» reits seinerzeit berichtet, plötzlich verschwunden. Erst nach Be» schwerde des Rechtsanwalts Dr. Grahmann taucht« si« wieder aus. Der Rittergutsbesitzer scheint demnach bei behördlichen Stellen sich recht„beliebt gemacht zu haben. Di« Firma Rauck ki Hartman» al» Zeus»». Der Betriebsrat der Firma Rauck& Hartmann bittet unter Bezugnahme auf den Artikel in Ihrer Zeitung vom l(5. d. M. um Ausnahm« folgender Erklärung: Das Plakat der Arbeits-Gemeinschaft freier Ange» stellten-Verbänd« wurde im Laufe dieser Woche bestellt. Der dies« Bestellung entgegennehmende Angestellte war im Zweifel, ob der Text des Plakates in dieser Fassung an die Säulen gebracht werden konnte und befragte deshalb den juristischen Betrat der Firma. Herrn Dir. Keiser. Dieser lehnte den Anschlag unter Be- zugnahme auf das Prehgesetz von IfiSl ab. Bon dieser Ange- legenheit ist dem Betriebsrat kein« Mitteilung gemacht worden. Hätte der betreffende Auftraggeber aus dem vergangenen Streik im Zeitungsgewrbe auch nur etwas gelernt, zumal hier auch Buchdrucker in Frage kommen, so hätte er sich nach dem Be« triebsrat erkundigt und zweifellos wäre die Sache in andere Bahnen gelenkt worden. Dies zur Beachtung für die Zu» kunft. Der Betriebsrat: Schwirz, Lemke. Ein« Schmesternstatio« bat die Gemeinde Treptow-Baum- s chu lenweg in der Eckehardtstrahe 6 untergebracht. Der an- lestellt_ >flege ob. Anträge an die Schwesternstation zu richten ober durch den Kinderhort in gestellten Gemeindeschwester liegt die Armen- und Siechenkrankcn» pflege ob. Anträge auf Hilfeleistung sind entweder unmittelbar Baumschulenweg, der telephonisch unter Oberschoneweid« Nr. 408 zu erreichen Oft. zu übermitteln. Ferner nehmen Aufträge«nt, egen die aufsichtsführenden Bürgerinnen: Frau Furcht. Storm krasse l. Frau Wissell. Plessersiratze 2. Frau Hornig, Martentaler- "rage 13. Frau Freigang, Gratzstrag« 24. Ueber Kiechenpolitik und Bollshochschale wird am Dienstag, dcn lg., abends 8 Uhr, Genosse Seidel im Helmhsltzgymnasium, Rubensstrah« in Schöneberg, einen Vortrag baltcn. Es handelt tck darum, dass die Volkshochschule für den Bezirk die genügende lnterstützung findet. Aus den Organisationen t. WtihtBÄ, h««». Cflrttt.«»«ifc« 7 OTt: DnnftliÄ, U\«amtifatl cmciiette SaiFtairksfiffUM füt ettc ttftrU:sfii»i>t«»ä»«, kl« f!ch k«n Sus(ane( ®ebi*ffun«e» nicht nntMerbnt*. l». Sijirtlt. An ktt chenkralnertnnnnlung. ki« h«»t« n»n d«T kl?z«izen DiTtrlktslkitnnn nach k«« Phalnslile»«inbenthn ist, nehmen ansere kenagen nicht mehr«eil. l7. Dlltitlt, i. Cht Nsmmnnale««Tmnigle» lienalnz 7 llhr Ettinna bei grell, !. Abi. S-mmunal« gemmigie» Dienstag 7' Utrechter Str.!l. bei ! gilcher. Müll«ist,,»l. t». DUt-Ilt. Mittwech aienk 7 Uhr Dlliriltsoerlamnilung all Tgen onk kenalftnnen, k!« Segner der Bedlngunge, sink, in irossen thaler Str. 5. hr Eltzanz aller der jenigen Sie. _________„ r tn der Aflrt. chrün- J. Bericht nom Parteitage 2. plTg.:nisat�»N5' lageaarknang:____ aebeiten. An de« healigcn Gen«ralee:sam»:lu7.z»ihmen k>« pegner der De« dingungen nicht teil. SaTlatienkura. 7. Gruppe. Dienzlag 8 Uhr Z-Huna der De.zirlss-Hrer. Mitt- , ke» 20. tUabe», 7 llhr, Eptra-Znhlabenk bei lhunack, Wtelanklir. t. ZStlmeeakars-Schmergeakars-chrnnemalk. Heute abend« Uhr Irntiianasitzung her Bezlrksaerorkneten tn her gretheit-Spekttian. D-rptaw-vaumschul«»»«,. Dienetag. 7 Uhr. bei Gerhark. Saumschulrnsir. 0. t. Partraa»an h. Meger.Aikalable« Lber ,X>e wirtschaftlichen Dacaussetzungen kee Sazialismu»". U. 3. z>. D.'izraftt», lO-I-Nstischk, Lehr«. Dienst-, 4 Uhr. Sinter ktt Sur- ttisanfircht, Wichtiz« Tagesordnung. Achtung! »iltngs\! Bereinskalender «AÄbind«rre-Sand?«chtonH!«m fctiiett, den 22. Cfioter, naä< mittags\5 llhe. findet im Saal j des Gieioetf ciftejffdaujes, Engeluser 15, ein« Sitzung der in Luchbindereie«, Luchdruckereien und Seschäftsbiichersabrik d«schLftigo ten Vetriedsräte und Vertrauenspersonen ftatt. Zeatealloeeband de» v»se?elltea. Fachgruppe Is. 2 fVekleidungo- und Textil« induKri« vnd Großhandel). MitgNedetnersammlang am iS. Oktober. 0V2 Lhr» im «asenihalet ß-f. Rotsentholer Sir.««,— llachgrupN« 4» fK«u«oS-ffaii- Anaesiellies. Fachziuppenuersammlung ai, 20. Oktaber, 4 Uhr, Koni, stakt- Äostua, HalMarktftr. 72. Zentral««ha»k wirt'chafta- unk 2. S Üh«, Aula des griekrich-Zvilhelinstäl gruppe- h sSpekttiansangrftellte). gu abenk» 7u lGtsen- unk gemeine Mitgliekeruarsammlung Tovhienlir. 17-38, Dan-iften-Serei».Sie Antnrsrennk«».«bt. Parken. D« für Dienstag, ken lg. Vktaber. im SchiNer-Lnzeum. Panl-, ESe Sätlgerftt., ungefehte«artrag über �t!»«unk im Hankwerl sinke« nicht ftatt.__.... Znternettanaler«unk k««rtezsapser sSäk-We?>. ZINttwach V? Uhr i» .«ahcnhafci" Mkieinßr 2, Generalversammlnng.. �, Deutscher Trnnspartarhetter-Aertank, veitrl Srae-Be-ltn, Seltiaa 5, Znkuftrls» artetter. Mitima», den R. tllobe:, abenk» 5'i Uhr. Im Geweilschafrshau,. Engel user l4.>2, Saal l. allgemeine g-nNianärfontere-z� aller Setrieb»-«««- aon BaeSrr, Zpebersir.!7,«nahe«ranchenperlnrnmlung. Lebensmittelkalender Bern». Am Dienrtag. de» lg. k. M., wirk einmalig auf k!e zi-Liter-Nrunken» karte nur Liter Milch urrnnsgabt. Dreptow-Baamschnlenweg. Wir machen hierkurch belankers tcram enfmerf- lam, kah kie bisderigen Srasi-Äerliner Lebensmittelkarten nicht etwa zu ver» Nichten, sankern nach meiterhin aufiubewabren sink.____ Tra.pelhaf. 250 Eramm Linien für 1.75 M». sl«funk 2,50 ATT.] aus Abschnitt(t der Lebrnsmittelkarie der Gemeinde ZZerliu-Teinptlhas. 2.-0 Gramm öbs blchuitt 52 de.' Lebrnsmittelkarte de» tkreisez Teltow. 125 Gramm Kinder- gerltenmehl für 0.55 Mk.(1«funk 220 Ail.s aus Abschnitt 52 ker Leben», Mittolkart« für guaenklich«.— 250 Gramm Stjuid für 1/0 Sß.l.(1«funk 2,60 Mk.) unk 250 Gramm Kunsihanig für 2.60 Mk. fAusüichworel, 1«funk 7.20 Mk.. 2.05 Ml.?«uketware). 1«funk 7.20 V.l. aus Abschnttt 66 der Leben-inirielkart« der Eemeink« Berl!n-a.«mpelhaf. Geschäftliches DI» ftirma Zvarei�gu,?uliv» Laewenberg u. Da.. Swtnemünker Ttr. 22, Iß heule in den Leüh de» ältesten»nk bekeutenksten Warenliaul-, Leipzig». llr» Geörlcher. Lbergraannen die ii unter ker alten girma weiterfiihrt. Durch gemeinsame» Uintaus mit 25 atesten irlrmen Soch'enp unk Zlarkkeutich- «erantwartlich für die Arkaktian: Emil A S b» l b, Berlin. Der» unlwartlich sür den liuserutruteil: Ludwig Kameriner. Karlsbarft.— VerlagsgeueOenIchaft., Treidelt"«Gm h. kr. Arriig.— Druck der.ssreihrit-- & m h Mi lands ist die Leistnngssähigkeit der IS heutige Inserat. S a? c F" irnra außerordentlich.— Wir verveise« Hühneraugen Hornhaut-, Schwielen u-Warxen beseitigt schnell, sfcher» o. schmarzloa Ktikirol loooooofacnocwahrt Preis M. 3,-Jn Apotheken Deogerien eohältlich Vbrsirtf vor Nachahmunüsn. Kukirol steht einzig da. DkiltM MMMM-BekliM «»enx-rtnngssteae«eeli«. b-z salgend««alle,«» Den Kallrge» zur dk-chricht, «estarbon sind: Der Farmer Wilhelm Windelband otrubSün, FietOenst?. 81, am 14. b. W. Sie Serrdigung finber am Sienslaa, den 18. b. Mts., »achmllta«, I«;, lllrr, B-'n der Lricheuball« des Kemeii.de- friedhaf«, in SieuteiliT, Murlrnkarfer Weg, au» statt. Dir Kchrnubenkreherin I4se»a Srnorslnshv Eam-rlterttr. 1«, am 14. k. ZNt». Sit Einäscherung fhikti am Mütmach, ken 20. obtaber, nnchivütag« J Uhr, vam Jtcemoiarbua in Baumschulen wea -u» putr." Der Üvichler Uerrnann Usrbaeh Türmst?» tt. om l«. d. Wts. Die Beerdigung findet am Wittmoch, de» 20. d. «achmittago.'.Uhr,»on d« Leichenhalle de« St. Johannis- At?chhoses in PlStzensee aus statt. Der Schlosse? Otto Wadsack Zw'nglipr. 14, am l?. d. DUs. Die Beerdiguna findet a« Mittwoch» den 29. d. Atta., aachmiuägs Z IIa?» von der Leichenhalle des Heilands- Kirchhofes ix PlSgexfee ans statt. Strße Beteiligung wird erwartet. Veiitfchik Piwvöeitkt- Vntni(fertig Setö») Den Mitgliedern mir Nachricht» hast de? Kollege August Pudeike «Bezirk Osten l) am Iti. Ost od« verstorben ist. Ehre feiuem Tndenken? Die Beerdigung findet «tn Mittwoch, den 2». OK- tober. nachmittags S", Uhr, von der Halle der Pius-Gem-!nde in Wil- helmsderq aus statt. De» 3>orftd«sfe. i Alte Gebisse,|kupfer ] euch einzelne Zahr.e St 6 2WM.> MSSStvg, 0161 U.UOK | PUfla, Geld*«. Silberbrach htoft cu des hftelst. Tefeepreiseo SCHARF, Elaasser Str. 7«, Im«ü® SMWrW WWW Wer weist»i-Akrest.»an eisRer frÄhrr Masch.-Maat, S. Minen- suchhfi.? Bitte sofort«tu. ,S?.604 an Erveditton fssteiheit mitteilen. S X Seide. jedes Quantum tt» kaufen gesucht KIdM?v«VVk«, Grüner Weg 100 Kaufe laufend ju höchsten Mä eisen .. Altmetalle Kupfer, Messing, Zinn. Quecksilber, Notguh, Blei sowie SAatorr, walk»». Stlkeabrnit«, Platin SCnuaUX», aerlle, Xemle-stresse SS am Bahnhof S�esundvrunnsn Telepho«: Amt Humboldt H44. über die Breis« «Ankaufsstek ! Ehnrlottendnrg, Wallst?. 52, welche die Metalls ttaebru? Den ckkallege» zu: lilachelcht, dah falgenke Anllegr» uer»! starben find: Der Arbeiter Willi Bochow Deltower St?. 14, am 8. b. M. Die Arbeiteriu Srete tterlng «veüne» Weg II, am 1». k.M. Der WrchaTri.ier Ott« sattes richtenber», Fluawstr. 22, am 4. k. Ml,. 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Dagraarknung: Di» VtiizSpt krr Priniiaale btaar» ftehenke» Tarifkeratung. 3» ktrser«ersammlu,, find»uster den Delegierten die«er» trauenalrute unk Drr'chereikafsterer eingeiaken.- Dhne Legiti. «»«ton dein Ei.talt«!«anaarstairk. Deiitsihn MctMbkiter-Mlllld PemMcgsstelle Vttliv N. 5t. Lioieilstr. 8Z-85 GeschSstzzeii von vom. S W«« noch». 4 Ustr. Telephov: V«! Norde» l«S. 12ZS, i»«?,»7lt. Dl« DamNeratag. ke>» 2l. Otrtaber 10S0, abenk«« Uh», i» ken PhaanafSlen, Mtillerft». 142 Branchenversammlung der Former, Berufsgenosfen und Genossinnen Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. DMF" Ohne aNttgttedebnch kein Zutritt.'-ßV Die kapitalistische Welt und Die kommunistische Internationales 32 Seite« Preis 1 M. Zu bcztihc» durch die Arbeiterbuchhandluns, Delkin. Rnnei siraß« l. Ml.« zsmSMslMlSmlh dah»« höchste Preis» speziell fit» Hiinkler beaar S-e a erkaufen rusen Sir a» Alexander SSS» «r«ve Fr-Mikln Sllitze Iii (an der Ankreaastrastei. Ärmeepistolen »*k Sagkraaffs«»»«t'» 5. 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Rud. «Aj Drei:sche,d herausgegeben?» iwabhängigen sozial- WÄ demokratischen Wochenschrift»Wer Sozialist« e»t- hSit folgende Beitrage: I» de« Spure» Vakunins von Eugen Prager:«eu olutlouIre Heimkrieger von Emil Stabold: Dir Soziattsierung de» Kohle»- derskdue» von V?unv �sch; Dlktdtur u»d Demokratie ve» L. Maeto«: Reoolutioale» rung des proletarische» Delsted von Richard Waane?: Der Aouteakt»o» Aar! Berg. »Der Sozialist� erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buchhandlungen, durch die Post oder durch de» Verlag T Breitscheld. Berli» V i». zu« Preise von viert elf ährlich M. lä.—, tuimmer W. I.W, 5» beliehen. BHHHnHHaSÖ