Einzelpreis 20 Pfg.• 3. Jahrgang Donnerstag» 21. Oktober 1920j Nummer 440 Abend-Ausgabe »EnifrU*«Hbttei■wft— nt»chwlnag». Esmcm«b tBa mL De» Vez»g»prei» bctrSot bH frrter Zvftellvug w» Hau» fik vrotz ja.— W. w,»mron« zahlbar, von bn Sprbitioa selbst«bgehoU T,S0 W. Für Post» dezvy nehme« fSnuttche Postanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen fflt Deatschle nd und Oesterreich lS,50 W.. für ba» Übrige Lusland 21.50 M. zuzüglich Valuta-ÜlufschlaG. p« Brief für Deutschland und Oesterreich 30,- W. ExpabttiO« sab tNrto«i tNtlt»€% Veeita Dteatz« Otze achtzgefpaNe« NanPareillezeNe»de? b»e» O«nn» baftet A»—«.«tznfchNestach Teuerungezuschlaz. Kleine Anzeigen; Da» fettgebruchte Wort 2,—«U!«»«* Wort 1,50 M.» einschliestlich Teuerung»zuschlag. Laufende Anzeige« laut Tartf. gamilien-Anzeigen und Stellen-Gesuche 3.20 M. netto pro Feile. Siellen-Gesuch« l Wort-Anzeigen: da» fettgedruckte Wort 1,50 Dl., jede» weiter« Wort l,—\aL Favvnta: iawu» soso, zeit, isio«oos. tost, itia, uzi. $erffner-Oiyan bpr Vnobfjänolgen syiatömioFMtfe S>eut/Wfan(>s Waffenruhe an der Ostsront Die Feindseligkeiten eingestellt Til. Warschau, 21. Ottober. Der amtliche polnische Heeresbericht vom 20. Oktober meldet: Am 19. Oktober. 8 Uhr abends, deutsche Zeit, ist die Einstellung der Feindseligkeiten erfolgt. Auf dem südlichen Abschnitt ver» h'elt sich der Feind bi« zum letzten Augenblick aktiv, indem er nndaucrnd versuchte, uns aus den besetzten Gebieten zu ver- ?ic AZasfenstillstandslinie umsaht die Orte Luzk. Era« „Z*! �lew'-ze. Olewek, Zwiahel. Chmielnit und Beroznia. «.„.ss..?! ���ichasten in unserer Hand bleiben. Die Beute des ln bci Aktion gegen Chorostqn ist auf 3100 Gr- »fif Drei Panzerzüge, ei« Eanitätszug. vier. i« unftre Hand �"�'"engemchre und 250 Gepäckwagen fielen Die Natiftkation polnisch-russtsche« Verträge TU. Warschau. 21. Oktober. 5 fand die erste Sitzung der Kom- dc« Angelegenheiten über die Ratifikation mit Sowi nt 4u brQ nbsDCI'taß«s und der Friedenspräliminarien kation wird �i-, U"b fcer Cowietukraine statt. Die Ratiii- der Urkunde» r 7r' p{to6ei erfolgen, damit der Austausch folgen kann der nächste« sechs Tage in Libau er- Streikbewegung in Indien HN. London, 21. Oktober. Die grof-e Streikbewegung in Indien dauert vngcschwScht fort. Der Poftstrcik in Bombay dauerte Z bis 1 Wochen. Bombay und Kalkutta sind noch immer fast ohne Gas. In Kalkutta droht ein Nroher Dockarbeiterstreik. Die Reise der Führer G h a n d t und der zwei Brüder A i d durch Mittel- und Obcr-Indien war vn Triumpfzug. In Lucknow prophezeite Ehandt, Indien werde das Aecht der Selbstbestimmung innerhalb einiger Jahre er- ' laugt haben, wen« es die Politik des Nichtmitarbeitens strikte : durchführe. Die Mobilmachung der Arbeiter Der Kampf um die Stelgerung der Produktion Der Allrussische Gewerlschaftsrat protestiert dagegen, dah die Hälfte der Arbeiter ihre Werkstätten nicht besuchen. Diese Zu- stände würden die Stockung jeder Produktion hervorrufen. Di« Armee wird weder Kleidung noch Ausrüstung erhalten. Die Flucht der Arbeiter aus den Städten und den staatlichen Unternehmun- gen fei absolut unzulässig. Eine gemeinsam vom Rat der Volks- kommisiare und dem Arbeits- und Verteidigungsrat erlassene Ver- ordnung stellt fest, dah das Versagen der Industrie jetzt, nachdem sich die Verpflegungsverhältnisie und. die Versorgung mit Heiz- Material und Rohstoffen gebessert hätten und die Produktivität der Arbeit gestiegen sei, vor allem durch den Mangel an Arbeits- kräften verursacht sei. Allein die Betriebe des Obersten Volts- wirtschaftsrates und des Kommissariats für Verkehrswesen brauchen für das kommende Winterhalbjahr 100 000 gelernte und 300 000 ungelernte neue Arbeiter. Infolgedessen sollen im Ok- tober die in den Jahren 1880 bis 1888 geborenen Bürger auf dem Wege der Mobilisation als Arbeiter eingezogen werden. Ferner sollen die gelernten Arbeiter, die sich in den Dörfern niedergelassen, haben, ermittelt und. unabhängig von ihrem Alm. den Äetricbeu zugeführt werden. Indem da» Zentralkomitee der Russtschen Kommunistischen Partei diese Verordnung bekanntgibt, fordert sie alle Parteimitglieder auf, für ihre erfolg- reiche Durchführung zu sorgen. Gleichzeitig veröffentlicht« Per- ordnungen verlangen die Anmeldung von sämtlichen Personen im Alter von 18 bis 30 Jahren, die jemals in der M e t a l l i n d u- st r i« und beim Bau von H o l z s ch i f f e n als Arbeiter tätig ge- wesen sind. Sie sollen registriert werden und bis auf weiteres bei ihren derzeitigen Arbeitsstätten verbleiben, dürfen aber diese ohne Genehmigung nicht wechseln. Personen, die sich vor der Registration und der nachfolgenden Einziehung drücken, sollen wie Militärdeserteure bestraft werden., Der Streik in England Widerstand der Arbeiterschaft den Vergarbeitern. Tausende von Arbeitern der grohen Eisen- wch Maschinenindustrie werden ohnehin durch den eintretenden �ohlcnmangel, vielleicht aber auch durch solidarische Aktiv- n e n d e r U n t e r n c h m e r. in die Bewegung hineingezogen, wie ichon berichteten. Weitere Meldungen lasten eine zunehmend« Unruh« unter den Eisenbahnern erkennen. DieEisenbahner !»?'?" d w a l e s und Liverpool haben bereits in den Eni- ichlichungen zahlreicher Versammlungen den sofortigen S y m p a- 'hie streik gefordert. Eine ähnliche Gärung ist unter den Transportarbeitern zu beobachten, deren Folge bereits stt. daß die Transportarbeiter eigene Lohnforderungen rlufstellen. Der Vorstand der englischen Transportarbeiter- Organisationen hat seine Mitglieder aufgefordert, sich für einen allgemeinen Streik bereit zu halten. Die Steigerung der Erregung in der Arbeiterschaft ist besonders darauf zurückzuführen, dah die Arbeiterschaft von den VerHand- lungen im Unterhaus maßlos enttäuscht ist. Die Führer der Or- Oaiiisationen teilen zwar diese Enttäuschung, mahnen aber auch litzt noch zur Zurückhaltung. Besonders bemüht sich Thomas, aie Eisenbahner vom Gedanken eines Sympathiestreiks abzu- wringen. Die englische Presse steht im allgemeinen nach wie vor ben Vergarbeitern unsympathisch gegenüber und fordert immer wieder Verhandlungen. Rur wenige Blätter mahnen angesichts der drohenden Haltung der Arbeiterschaft zum Einlenken. Die JSerüchte. dah die Regierung bereits Truppen in die Kohlengebietc dirigiert bat, und einige andere Nachrichten über die militäri- Ichcn Rüstungen gegen die Arbeiterklaste stellen sich als über- trieben, vielleicht aber auch nur als verfrüht heraus. Di« Legierung, die sich sehr optimistisch stellt, bleibt dabei, dah eine Lohnerhöhung abhängig gemacht werden müstc von der Steige- rung der Produktion. �2 ist nicht anzunehmen, dah die Arbeiterschaft auf einen der- Artigen Kuhhandel eingehen wird. Einstweilen ist die Bewegung ledensalls iniAnsteigcn und die Aufwärtsbewegung erfolgt an- Icheinend in sehr raschem Tempo. Der Höhepunkt ist noch nicht er- reicht und eine Beurteilung des weiteren Verlaufs ist zur Zeit Noch völlig unmöglich. Gelingt es der englischen Arbeiterschaft. b'o gestellten Lohnforderungen durchzusetzen, so ist das angesichts **0 scharfen Widerstandes der gesamten bürgerlichen Gesellschaft nnd ihrer Organe zweifellos ein E r f o l g. der das Ansehen der englischen Arbeiterbewegung von neuem stärken muh und nicht ohne Wirkung auf die Steigerung des Einflusses der Arbeiterklasse s auf die Geschicke Englands bleiben kann, selbst dann, wenn im ' Augenblick nur eine Lohnerhöhung um 2 Schilling ! herauskommt. London, 20. Oktober. In Arbeiterkreisen herrschte gestern die Ansicht, dah die Vor- schlüge im Unterhaus von A d a m s o n. dem Führer der Arbeiter- parte! eingebracht wurden, dah nämlich der Premierminister eine Konserenz des Exekutivausschusses der Grubenarbeiter und der Grubenbesitzer zulammenbermen werde, um über die Vorschlüge von dem Waliser Erubenarbeiterführer, B r o c e zu verhandeln, die Aus- ficht auf Wiederaufnahme der Verhandlungen bieten. Die gestrige Debatte im Unterhaus hat die Disferenzpunkte zwischen der Regie- runtz und den Grubenarbeitern deutlich ans Licht gebracht. Die Regierung wird vermutlich verlangen, dah die Konsercnz die all- gemeinen Vorschläge, die vom Premierminister ausgearbeitet wor- den sind, namentlich diejenigen, der Garantien über die erhöhte Produktion, besprochen werden. Im Zusammenhang damit könnten die Vorschläge von Brace besprochen.werden. Auf Grund der Vor- schlüge von beiden Seiten könnten vielleicht eine Grundlage für eine Regelung geschaffen werden. Braee hat u. a. vorgeschlagen, dah nationale und Bezirks-Ausschllsse ernannt werden sollen, um die Erhöhung der Erzeugung durchzuführen. Heute hat Ashton. ein bekannter Führer der Grubenarbeiter in Manchester eine Rede gehalten, in der er sagte: Die Führer der Gruben- arbeiter wollen sofort alle Garantien für eine erhöhte Erzeugung geben, Brace habe aber seine Vorschläge auf eigene -zaust gemacht. Ashton gab zu verstehen, dah die Arbeiter- sührer bereit sind, neuen Besprechungen beizuwohnen. InzwisÄen bleibt die Haltung der Eisenbahner und Transportarbeiier un- sicher. Beide Parteien haben die Frage eines Sympathiestreiks besprochen, ohne jedoch zu einem Ergebnis zu gelangen. Die Ver- sammlung, wo die Entscheidung fallen sollte, ist verschoben worden. Japan besetzt chinesisches Gebiet HZ!. London, 21. Oktober. Eine offiziell« japanisch« Erklärung besagt: Japan hat be- schlössen,«ine Anzahl Truppen nach drei Städten in der öst- lrchen Mandschurei zu schicken, um seine dortigen Konsulate und das Leben und Eigentum seiner Untertanen zu schützen. Japan gibt zu, daß diese Besetzung chinesischen Gebietes ohne die Erlaubnis der chinesischen Regierung erfolgt. Die kritische « r t u a t i o n zwinge aber Japan, zu diesen notwendigen Maß- nahmen der Selbstverteidigung zu greifen. .D>e Flüchttlnge aus dem Korridor. Die Verhandlungen über die Rückführung der Soldauer Flüchtlinge haben zu einem deuisch-polmschon Abkommen geführt. Etwa zwei Drit- >el der. Flüchtlinge, nämlich 1426 Personen, können in bet Zeit Dom 18. bis 20. Oktober in ihre Heimstetten zurückkehren. Mißglückte Verteidigung Unsere Enthüllungen über den Werdegang des Reichs- ernährungsministers Hermes haben dem Strert um ihn eine breitere Grundlage gegeben. Es handelt sich jetzt nicht niehr aNein um die Frage, ob sein persönliches Ver- halten im Amte, insbesondere bei der Verwaltung der Stick- stoff-Ausgleichskasse, der Anschaffung des Autos und der Möbel einwandfrei war, sondern um die viel wichtigere, ob ein ungeeigneter Mann, den schlimmste Hinter- treppenpolitik zum Minister gemacht hat, noch länger auf diesem Posten bleiben kann.„ Die HaltunaderPressezu unserer Veröffentlichung ist verschieden. Die agrarische Presse schweigt zum größten Teil. Sie ist mit der Politik von Hermes so zu- frieden, daß ihr die Angriffe gegen ihn und die Erschütterung seiner Stellung recht unangenehm sind. Die liberale Wesse gibt ihren Lesern nur Kenmnis' von unserer Ver- öffentlichung und will das Ergebnis der Untersuchung ab- warten. Nur die„V e r l i n e r V o l k s z e i t u n g" zieht be- reits Folgerungen. Sie meint, es sei selbstverständlich, daß Hermes das Kabinett schleunigst zu verlassen habe, wenn die von uns veröffentlichten Schnststücke echt sind. An der Echtheit unserer Veröffentlichung aber wagt selbst die„Germania" nur sehr vorsichtig Zweifel zu hegen. Zweifel, deren Nichtigkeit ihr Parteifreund Hermes be- stätigen könnte. Es ist infolgedessen verständlich, dah die Ab- wehr der„Germania" unserer Enthüllung gegenüber sehr lahm ist. Sie sucht deshalb das Kampffeld zu verschieben, in- dem sie die von uns v o n j e h e r und in den letzten Wochen auch von den Rechtssozialisten an den Tag gelegte Gegner- schaft zu Hermes aus agitatorischen Gründen zu erkläre» sucht. Das geschieht aber ohne Berechtigung. Nicht agitatorische Gründe, sondern die dauernde Schädigung der Interessen der großen Masse der ver» brauchenden Bevölkerung baben uns von Anfang an zum schärfsten Gegner der agrarischen Politik von Hermes gemacht und uns gezwungen, nachdem eine Fülle unlieb- samer Mitteilungen aus seinem Amt an die Oeffentlichkeit gedrungen und nachdem Einzelheiten über die Art seiner Er- nennung zum Minister bekannt geworden sind, seine s ch l e u- nigsteBeseitigungzu fordern. Die„Germania" macht ja deshalb auch nicht einmal den Versuch, die von uns aus der Denkschrift zitierten An- gaben zu entkräften. Es bleibt infolgedessen dabei, daß lediglich aus Parteiinteresse ein seiner Aufgabe durchaus nicht gewachsener Mann zum Minister befördert wurde, weil seine Persönlichkeit den Zentrumsagrariern und Kapitalisten Gewähr dafür zu bieten schien, daß er unter dem Decknaittel des Katholizismus agrarische und großkapitalistische Wirt- schaftspolitik betreiben werde. Er hatte ja auch die in dem Rundschreiben außerdem ausgesprochene Hoffnung erfüllt. daß der Nachwuchs aus Zentrumskreisen in einflußreichen Beamtenstellungen untergebracht werde. In welche V e r l e g e n h e i t die„Germania" durch unsere Veröffentlichung gekommen ist. geht aber auch aus der Tat- fache hervor, daß sie diese Durchsetzung des Beamtenkörpers mit Zentrumsanhängeru als eiwas durchaus Natürliches und Notwendiges darstellte. Sie schreibt: „Dah das Zentrum die Verantwortung in der Regierung nicht dauernd übernehmen konnte, wenn es sich nur hätte auf den durchweg Zentrums,.reinen" höheren Beamtenstand und auf die neuen sozialistischen Beamtenkräfte stutzen können, versteht sich von selbst. Es war ein natürliches Recht, das unsere Parteifreunde geltend machten, wenn sie eine angemessene Berückst chti- gung auch ihrer Parteianhänger bci der Besetzung neuer Bcamtenstcllen verlangten." Das ist ein Eingeständnis, das wir uns merken wollen. Denn bisher haben alle bürgerlichen Parteien den Stand- punkt vertreten, daß der Beamtenkörper an sich unparteiisch sei, und von diesem Standpunkt ausgehend, haben sie stets mit aller Entschiedenheit die Forderung der Arbeiterklasse be- kämpft, die eine Aenderung in der Zusammensetzung des Be- amtenkörpers verlangte und die Vorrechte der Besitzenden zu beseitigen suchte. In Wirklichkeit ist ja auch der Beamten- körper niemals unparteiisch gewesen. Da die Beamten zum allergrößten Teil aus den besitzenden Bevölkerungsschichten stammen, sind sie stets eine Stütze des herrschenden kapitalisti« schen Systems gewesen und haben den Ansprüchen und Forde- rungen der Arbeiterklasse stets entschiedenen Widerstand ge- leistet. Unsere Bemerkung, wir hätten zu der von der Regierung angeordneten Untersuchung kein Vertrauen, glaubt das Zcn« trumsblatt nur aus unserer Furcht verstehen zu können, das sozialistische Agitationsbedürfnis könne dabei zu kurz kam- men. Das ist eine durchaus falsche Deutung. Wir und mit uns toohl der größte Teil der Oeffentlichkeit— können zu uchungsvcrfahren kein Vertrauen haben, oem jungen für die Ermittelung der Wahrheit und ...........'che Urteilsbildung vollkommen abgehen. Ems Untersuchung, die in den Händen von Ministern liegt, ijtetne Unrersuchung von- Vorgesetzten zu Untergebenen, a>ai)r- heit kann hierbei nie an den Tag kommen. �. Wir müssen aber auch ganz offen aussprechen, baß wir einen Zentrumsminister ebensowenig wie einen vollspartei». einem Unter die Voraus� die unparteii lichen Minister für unparteiisch Untersuchende halten können, insbesondere in dem vorliegenden Fall nicht. Denn aus der von uns veröffentlichten Denkschrift geht doch unzweifelhaft hervor, daß die Zentrums p a r t e i die eigentliche Ursache der Korruptionserscheinunaen ist. Mit welchem Recht erwartet man da von einem ihrer Führer«ine unparteiische Unter- suchung? DiellnabhängtgeFraktiondes Reichstages wird deshalb verlangen müssen, daß eine wirklich unparteiische Körperschaft dv? Untersuchung ir dieser Angelegenheit führt. S's hätte die Aufgabe zu erfüllen, den Herd der Korrup- tionserscheinungen vollkommen aufzudecken, denn der Fall Hermes ist keine Einzelerscheinung, sondern ein Symptom für die kapitalistischen Korruptionserscheinungen überhaupt. Mehr als zu irgendeiner anderen Zeit nützt das kapitalistische Bürgertum jetzt seine erschütterte Macht rücksichtslos aus, um offen und versteckt, auf gerade» oder auf Umwegen Sondervorteile zu erlangen. Nur diese Tatsache allein erklärt die Solidarität, die alle bürgerlichen Parteien im Fall Herme» an den Tag legen. Sie alle, die sie noch vor wenigen Monaten gegen Erzberger als angeblichen Unschuldsengel vorgegangen sind. fürchten, dah, wenn das Licht einmal in ihre dunklen Stätten hineinleuchten werde, Helle über manche Erscheinungen ge- hreitet wird, die sie jetzt der Oeffentlichkeit verbergen könne». Wie der.Lokal-Anzelger" mitteilt, hat gestern eine Kabinetts- ptzung sich gestern mit der Angelegenheit Hermes beschäftigt. Be-' zeichnenderweise wird über das Ergebnis dieser Veratungen nicht» mitgeteilt. denen sie nicht mitschuldig ist. Für die Arbeiterklalle Deutsch- Oesterreichs ist es unter solchen Umständen besier, einen offenen Kampf gegen die Front der Christlichsozialen und Erohdeutschen zu führen. Die Sozialdemokratie wird sich an der Koalition nicht mehr beteiligen, das hat jetzt auch der bisherige Präsident der Nationalversammlung, Eenosie S e i tz, in einer Versammlung in Wien erklärt. Der P a r- teitag, der am 5. November zusammentreten wird, wird diese Auffassung sicher einhellig gutheißen. Jules Guesde und die dritte Internationale eln Bielfach es. Der Ausbreitung entsprechen die Fortschritt« im inneren Ausbau der Berriniaung der Deutschen Arbeit« aeberoerbände. Es bestehen zurzeit lt bezirklich« Zusammenschlüsie» u Austauschstellen sowie 4 eigene Landesstellen in Dresden. Wei« mar. München und Königsberg. DieJSnteresfen der besetzte» R (Bebtet'«, für die»in besonderer Arbeitgeberausschllh besteht, werden in der Geschäftsstelle der Vereinigung durch ein eigene» Dezernat wahrgenommen. Dieser Macht werden die Gewerkschaften um so besier wider« stehen können, wenn man ste— zerstört. Oesterreich vor schweren Tagen Dr. Neuner über die Koalition TU. wie». 2t. Oktober. Dr. Renner äußert sich in einem Artikel im„Neuen Wiener Tag- blatt" über dl« aus den Wahlen sich ergebenden Aussichten u. Die Führung des Auswärtigen Amte« ist unter den Umständen, wie st« sich in der letzten Zeit entwickelt haben, für«inen Menschen von Charakter ausgeschlossen. E» ist wahr, daß ich seit geraumer Zeit die Einberufung des Auswärtigen Aus-| schusses nicht verlangt Hab«. Der Grund dafür war. daß ich der Geheimhaltung vor dem Ausland« nicht mehr sicher war. Oesterreich hat eln dominierendes außenpolitisches Znter- esse; da» ist die Einverleibung Deutsch-West- Ungarn«. Der Staatssekretär kommt dann auf die bekannten Doku- ment« der ungarischen Gesandtschaft in Wie« zu sprechen und erklärt, daß diese Dokumente vom Ersten bis zum Letzten«cht seien. Er fühle sich- oerpflichtet, seine Person jeder künftigen Kam« bination zu entrücken und wolle dadurch da» österreichisch« Volk vor den Dingen, die sich da entwickeln, warnen. In dem alten Polen gab es immer«in« schwedische, russisch« und preußische Partei. Das Ende war die Zerreißung des Lande». Da», was hier geschieht, ist der Anfang einer solchen Entwicklung. Der Staatssekretär spricht auch über da» Berhältni» zur Tschecho- slowakei und meint, daß unser« Beziehungen zur Tschechoslowakei immer«inen zwiespältigen Charakter habe« werden, den« dieser Staat ist zugleich«in Staat von drei Millionen Deutschen. Ein» steht fest, daß unser« auswärtige Politik bei der gefährlichen Lag« des Landes nie mehr solchen Erschütterungen ausgesetzt sei» darf, wie diejenigen, denen ste in den letzten Monaten unterworfen war. Er werde niemals fein« Zustimmung»n ir» gendeiner Koalition geben oder für sie ar- beiten, ehe dieser Punkt vor allem vollständig klargestellt worden sei. Die Anspielungen Dr. Renners beziehen sich auf die Per« bindungen. die dt« ungarische Konterrevolutlon mit den bür« gerlichen Parteien Deutsch-Oestcrreichs unterhält. Diese Verbindungen find in den letzten Monaten immer enger ge- worden, es kam sogar soweit, daß geheime Besprechungen in den parlamentarischen Ausschüssen an die unoarische Ge- sandschaft in Wien verraten wurden. Der Wahlausfall wird eine verstärkte monarchistische Propaganda zur Folge haben. Der direkte Einfluß der Sozialdemokratie auf die Regi«- Genosse IulesGuesde.der berühmte französische Vorkämpfer des Marxismus, hat soeben in einem offenen Brief, den er an den Führer der Sozialisten des französischen Nord- departements, den Genossen D e l o r y, richtete, Stellung ge- nommen zur dritten Internationale. Genosse Guesde, der schwer krank ist und seit Monaten sein Bett nicht verlassen kann, hatte sich bisher an den in der französischen Partei in der letzten Zeit ausgebrochenen Diskussionen nicht beteiligt. Die Worte des siebzigjährigen greisen Fübrers verdienen von der Arbeiterschaft der ganzen Welt gehört zu werden. Der Brief lautet: Mein lieber Delorq! Durch die Krankheit immer mehr zur Unbeweglichkeit ver- urteilt, kann ich Ihnen nur— für den„Cri" lRus) unseres lieben Nord— die Erklärungen bestätigen, die ich bei Gelegen- heit sowohl Ihnen als den Freunden Lebas und Inghcls gemacht habe. Zuerst, daß die Partei, ohne sich auf Bedingungen, dievonaußensta mm enunddieeinemwahrhaften Selbstmord gleich sein würden, einzulassen, das bleiben soll, was sie ist. und unter freier Wahl ihrer Mittel die politische und wirtschaftlich« Expropriation der kapita- listischen Klasse zur Befreiung der Arbeit und der Menschheit weiter befolgen muß. Dann, daß wir, nachdem wir aus der zweiten International« ausgetreten sind, nicht in eine dritte, wie sie auch sein mag. ein- treten können, ohne das Weltproletariat, seinen eigenen Interessen zuwider, tödlich zu spalten. Es ist Raum nur für eine ein- heitliche Internationale vorhanden, die aus dem Kontakt und der Verständigung aller nationalen sozialistischen Parteien hervorgeht: die Pflicht sowohl als die Ehre der fr an- zöfifchen Sektion würde darin bestehen, ste sofort zu einer vorbereitenden Konferenz einzuberufen, ohne einen Unterschied zu machen zwischen der russischen kommunistischen Partei, der Labour Party England«, der belgischen Arbeiterpartei usw. usw. Endlich, daß wir, ohne die Verantwortung zu übernehmen für das, was im ehemaligen Reich der Zaren geschehen mag, es uns selbst schuldig sind, aus allen Kräften jeder Intervention gegen das in der Revolution sich befindende Rußland entgegenzutreten, das allein über seine Gegenwart und seine Zukunft entscheiden soll. Das bleibt, mein lieber Delory. meine Ansicht, und ich wäre glücklich, wenn sie von den tapferen Genossen, von Roubaix bis Calais, mit denen ich während fast einem halben Jahrhundert den guten Kampf führte, geteilt werden könnte.> Herzliche Grüße Jules Guesde. Scharfmacher bei der Eisenbahn In der Berliner Metallindustrie spitzen sich die Gegensätz« immer mehr und mehr zu. Die Löhne der Metallarbeiter haben mit der Preisgestaltung für den Lebensunterhalt nicht Schritt gehalten. Hartnäckig weigern sich die Berliner Metallindustriellen, irgend welche Zugeständnisse zu machen. In dieser ihrer jedem sozialem Verständnis baren Haltung werden ste bestärkt durch bt» 1 hördliche Stellen. Die in den Waggonreparatur-Bctrieben de- schäftigten Arbeiter haben Lohnforderungen gl stellt und bei einige« Firmen ein geringes Entgegenkommen gefunden. Di« Antwort darauf gibt folgendes Schreiben der Eisenbahndirektion, „Berlin, den.....£3 Eeschäftsführende Eisenbahn- direktion Nr. S für Fahrzeugausbesserung in Privatwerken. An die Es i stzn unserer Kenntnis gelangt, daß von einigen Firme« höher« Stundenlöhne gezahlt werden»ei der Ausbesserung vo» Güterwagen und Perlonenwaaen, beim Zerlege« der Fahr« zeuge, sowi« beim Äufborden, al» nach dem Tarifvertrag, abgp schlössen zwischen dem Verband Berliner Metallinduftrieller und dem Metallarbriter-Berband. zulässig, ist. Die Ttsenbahnve� waltung vergütet nickt nur die Tariflöhne, sondern sie muß au« verlangen, daß unbedingt keine höheren Löhn« als diese gezahU werden. Sollte eine Firma höhere Löhne als dies« zahlen low nen, so ist dies eln Beweis dafür, daß die General, Unkosten viel zu hoch angesetzt sind. Wir ersuchen eroeberst, sich genau an die!« Lorschriften zu halten. Sollten wir seststellen müssen, daß: eti» Firma höher« Löhn- zahlt, so sind wir gezwungen, dieser Mrins die Instandsctzungsarbeiten zu entziehen..„ gez. Zinkelsen.' Die Eisenbahndirektion droht hier den Firmen, die höhere Löhgt zahlen, die Arbeit zn entziehen. Diese» Schreiben ken«« zeichnet den Geist, der in den amtlichen Stellen herrscht. Sie be« trachten e« al» ihre dringendste Ausgab«, den Hüter der Profi« Interessen der Unternehmer zu spielen. Die Arbeiterschaft b»" die Antwort hierauf nicht schuldig bleiben. Die Unternehmerorganisation rungsgeschäfte würde noch schwächer werden, während sie die ganze Last der Verantwortung für Dinge zu tragen hätte, an Etwas zum Nachdenken Die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände E. V. hielt am 7. Oktober in Berlin eine Lorstandssitzung ao, in welcher die Aufnahm« von 26 weiteren Verbänden genehmigt wurde. Damit sind der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände nach dem Jieutigen Stand« 191, große Bezirke und Industrien zusammen- ästende, Verbände unmittelbar angeschlossen, die sich wiederum in 1310 Arbeitgeberverbände teilen. Bon der Organisation find 191 399 Betriebe mit 6'/, Millionen Arbeitern erfaßt. Di« entsprechenden Zahlen am 1. Januar 1929 waren: 139 Verbände mit 575 Unterverbänden, 52 683 Betrieben und 4 921 942 Arbeitern. Der bisherige Zuwacks des laufenden Jahres übertrifft den vom Vors ach re bereits um Eisenbahnunglück in Süddeutschlaud Singe« am Hotzentwlel. 21. Oktober. Heute morgen 6 Uhr 89 Minuten ist ein-an Konstanz kommev der Güterzug entgleist, wobei ungefähr 14 Wagen Jck) beschädigt wurden. Soweit bisher festgestellt ist wurden tttt» 39Personen mehr oder weniger s ch w er»« rl etzt. Di. U- fache des Unfall, ist noch nicht mit Sicherheit aufgeklart. i Weil er für Löwenstein eingetreten»«. bat der Zentrums stadtverordnete Dr. Lammerich sein Mandat medergelegt. Er do gründet diesen Schritt in der„Germania" mit folgender ErkV' rung; „M keine Abstimmung in der „tivt-iiiMtum in i* xf*— Berliner amtlichen Lehrerkams�j vom 80. August dieses Jahres hat zu Mißdeutungen und Fol.� rungen Veranlassung gegeben, die mir heftige Angriffe feitt� ' WRMD einer Reih« von Pärtelmitglicdern eingetragen haben. Die � griff« haben sodann in einer Reih« zentrumsfcindlicher Zeiths ft*tt mm Ttit ftthitni nun P.cntrumslcutcn. ifire tei in den kommenden Landtagswahlkompfen au» meiner Stellung nähme kein« Unannehmlichketten erwachsen. Hab« ich mich schlössen, mich für die Zukunft von jeder Betätigung innerha� der Partei zurückzuziehen. Ich Hab« deshalb mein Mandat r Berliner Stadtverordnetenversammlung niedergelegt." �1 Durch diese Mandatsniederlegung tritt der nächst« Kandidat � Zentrumsliste. Herr Pfarrer Lichtenberg-Charlottenburg, in Zahl der Zentrumsstadtoerordneten Grotz-Berlins ein. Aha! von Ignaz wrobek. JO Bxlftt,, Streckt Nicht«!- Es gibt noch Richter in Berlin. Der Arbeitslose Friedrich Seidenreich klemmt«inen Trödler in der Grenadierstraße ein Paar alte Stiefel, weil sein« Zeugschuh« zerrissen und durchlöchert find. Neue kann er sich nicht taufen. Er wird erwischt, v«rhaft-t. vorgeführt, vernommen. Es kommt �Pon�diestnn� S�iaenblick an ist der Arbeitslose Friedrich Heiden- retch ein rechtloses'Objekt. Er hat beim Diebstahl ein Verschluß- brett an einer Wendeltrepp« herausgebrochen— da standen die Stiefel— und der Staatsanwalt hat schweren Diebstahl heraus. konstruiert. Paragraph 243. Also Strafkammer. Also ein Richter als Berhandlungsleiter und vier Beisitzer fauch Beischläfer ge- nannt). Ein Herr macht etwa» verglaste Augen, zweie erledigen Akten, einer Hort zu. Die ganz« Zeit spricht der Verhandlung-. leiter...„.. Es sitzt da auch noch ein Mann, ein kunger Assessor, der de» Staatsanwalt vertritt, aber er ist eigentlich ganz unnötig. Di« Geschäft« de» Staatsanwalts besorgt bei uns der Richter. Dem Friedrich Heidenreich wird e« langsam schwul: e» herrscht von vornherein ein« so stark ausgeprägte Stimmung gegen ihn. daß er nicht viel tun rann. Einen Verteidiger hat er nicht: es ist das dritte Mal. daß er wegen eine» Diebstahl» vor Gericht steht, und er kann keinen Verteidiger beantragen. Was soll er sagen? Er kann nicht viel sagen. Der Richter spricht. Der Richter ist ausgeruht, satt, gut ausgeschlafen, gewaschen und fühlt sich durch. LI Uli VtC. L.U U IU&1.. VI LI L U LI 17 k I V 1 VLI XU I L. I L. II V IL, VX I VX f w IL II I k LI I xx XI X X i»v«r �-"7 au» aus d« Höhe der Situation In Heid-nr-ichs Zelle sind Man- Sn. der Kübel stinkt, die Zelle ist kalt und da» Essen miserabel. ist nicht sehr komisch zu Mute. Was soll er sag-m? Wenn er etwa» sagt, bekommt er in einem niederträchtig ironischen und scharfen Ton zu hören:„Co? Sie haben also keine Arbeit bekommen? Ach! Na, ham S« sich denn auch drum bemüht?" Ja. bemüht hätte er sich, sagt Seidenreich: aber bei X- I. 1____ � u C« XX Of•< rfif•««**«« MA«*« f*i MV- 2 fk XXX-X! j; i. XXX st aT« n\ rtfLx bekommt die Akten vorgelegt und entscheidet, hopp hopp, hopp, ob eine Hauptverhandlung stattfinden soll oder nicht. Hier schon, bei diesen fünf Männern, die die Eröffnung der Hauptverhandlung beschließen, fällt uns der unerschütterliche Glaube an die unfehl- bare Autorität staatlicher Organe auf. Nun ist Tatsache, daß von ungefähr hundert Anzeigen annähernd 69— SO vom Staatsanwalt nicht weiter verfolgt werden, weil das Material nicht ausreicht. Die Befchluhkammer denkt nun also so: Wenn der Staatsanwalt uns diesen Kram vorlegt, wird wohl schon etwas dran sein. Diese Beschlüsse über Eröffnung einer Hauptoerhandlung. die außer- ordentlich rasch gefaßt werden, fallen also zumeist zu Ungunsten des Beschuldigten aus._ � Jetzt verschlimmert sich die Lage für ihn. Denn das erkennende Gericht ist seinerseits wieder von dem Glauben besessen, Staats- anmalt und Beschlußkammer hätten schon gewußt, warum ste es zur Hauptverhandlung hätten kommen lassen. Die Wage des An- geklagten sinkt immer tiefer. Weitaus am schlimmsten aber ist die Haltung der meisten deut» schen Richter im mündliche« Verfahren des Strafprozesses, weil sie fast alle glauben, der Angeklagte fei so ein Stück Feind von thnen. Ich habe hundert Mal im Zuschauerraum das Empfinden gehabt: Warum macht ihr überhaupt noch eine Verhandlung? Sperrt den Mann doch ein! Ihr seid doch schon beim Namens- aufruf der Zeugen, von der Schuld des zitternden Opfers voll- kommen überzeugt! Wo wird das Urteil gemacht? Im Be- mtungszimmer? Es steht in eurem Herzen vorher fest. Man muß erlebt haben, wie häufig in diesem Moabiter Fabrik- betrieb der Mann im Talar seinen mäßigen Witz an einen wehr- losen Angeklagten unter beifälligem Grienen der Zuschauerschaft übt.„Sie sind also vorgestern in der Stehbierhalle von Klamp- mann gewesen? Aha!"—„Ihre Mutter hat Jhwtn vorher ge- schrieben, daß Sie nicht nach Berlin kommen sollten, weil die Zeugin damals fchwanger�war? Ahal"—„Eie habcn.. Sie sind ...Aha!""— Aha!" Diese„Ahns" fallen wie die Beilhieb« auf den entblößten Kopf des Menschen hinter der Holzbarriere. Ich weiß sehr wohl, daß in dieser Aburteilungsindustrie den Kammern hau- der Tochter �yres yausrour«, yuvrnc �eiornreno»»"> unter die Haarspitzen rot. Ja. sagt er gedehnt, das fei richtig... ha! sagt der Richter. Sh°!" Dies.-..Aha" löscht da- letzt. FUnkchen Hoffnung Hridenretchs aus. Ist er geliefert? Ich absichtlich einen Fall dargest-llt. bei dem die strafrecht. lk-�e Schuld des Angeklagten eindeutig klar liegt. Und doch muß ich sagen, daß ich. de: ich viele solcher Heiden-eichschen Fall« mit- erlebt habe, jedesmal aufs neue die furchtbar« Grausamkeit des ftaatsanwaltlichen Richter» etnvitnde.„...,. Die Ding« liegen dock ja: Der Staatsanwalt hat dur» sein« Ermittlungen den Tatbestand eines Delikts festgestellt.(Wer die ausführenden Organe diefe» Ermittlungsganges kennt, wird pch leise bekreuzigen.) Ein« ander« Strafkammer als die erkennende. fig genug professionell« Verbrecher und ein Lumpenproletariat unter die Finger kommen, bei dem wirklich kaum noch etwas zu machen ist. Aber ich vermisse nicht nur das Verständnis für die sozialen Ursachen solcher Existenzen(sie sind die notwendig de- dingt« Kehrseite kapitalistisch organisierter Industrie und Land- Wirtschaft)'— ich vermisse vor allem etwas anders. Ich vermisse am deutschen Richter den Takt des Herzens. Daß dies« Richter heute das Volk überhauvt nicht erziehen, fei nebenbei erwähnt. Man fürchtet ihre Urteilssprüche, haßt sie. ver- sucht sich herauszudrehen— aber niemand nimmt sie tür ethisch vollweriig. Es ist eine Paragraphenlotteri«. Und in diesem wüsten Spiel um Freiheitsjahre von Menschenleben fehlt der Takt des Herzens. Was der deutsche Richter in politischen Prozessen zu interessiert ist, da» ist er in unpolitiscken zu kalt. Wa» soll diese Strafe? Bessern? Legt das Ohr an oie Gefängnismauern, und Ihr weroet ein Lachen zu hören bekommen, daß es euch kalt über den Buckel läuft. Abschrecken? Flausen. Und da» Recht zur Vergeltung wird wohl diesem Staat und dieser Gesellschaft heut« niemand aussprechen. Also was soll diese Straf,? Es ist«ine ma> Sckmicrkur im dritten Stadium. � Ich möchr: diesen Richtern auch in einem harmlos unpolitisch� Prozeß nicht in die Hände fallen. Wie soll ich mit Leuten Schuld und Unschuld, um Strafmaß und bedingt« Begnadig»?� kämpfen, wenn sie von ihrer pharisätschen Unfehlbarkeit und nem schwarzen Schurkenmm von vornherein überzeugt sind? stehe da mit entblößter Brust und au» der Sehne liegt, zum" schnellen bereit, der Pfeil: Aha!. Es ßilt. in Millionen von dentstfien Köpfen den immer fest wurzelnden Glauben an dtele Rtchterfchaft zu erschüttern. 6 ist unbestechlich, das ist wahr. Aber sie tst nicht gut.... Woher fellte sie es fein? Warum soll ich an die politisch« voreingenommenyei.' und warum loll ich vor allem an den schen Wert von Menschen glauben, die ich bis zum Augenblick in*' Erennuna als Gymnasiasten. Studenten. Referendare und Assw rcn ungestraft als das habe bezeichnen dürfen, was ste was? als einen schlechten Teil des Deutschtums? Die Schule, die U' versität, der Amtsrichterstammtisck der kleinen Stadt und die vT, vaigespräche im Staatsanwaltszimmer: welch ein« Welt!" das richtet?" Jeder sechste Mann in Denischland ist bestraft. Müde gepttlflK Sunde bekommen eine Lederhaut. Sie stunGfen ab. Wir soü'i, heute so weit sein, daß«in verständiger ja nicht die Tam"J einer erfolgten Bestrafung zum Anlaß nimmt, einem Mitmenl»� fein Mißtrauen auszusprechen. Di« ocutsche Kriminalstraf«"u A** f»<4t« l\Ä\ AA« A««C rt t•*!-kf«xm-x darauf, noch nicht bestraft zu sein. Es ist ZufaÜ..g Machts umgekehrt. Richtet ihr. Und wenn euch einer er fei in Rot gewesen und wieder in Rot und habe gestohlen wieder gestohlen, um zu essen und um zu leben, und man babe' hartherzig zu Gefängnis verknackt und wieder zu Gefängnis, denkt an die preußischen Zimmer, in denen das geschehen ist. d«". an die Richter, dl« kalten Herzens solche Urteile aussprechen» sagt:„Aha!" .Grisekda".(Kleines Theater.) Ein« in vielen S-Zx verpfuschte Aufführung eines vom Dichter und von den Bühnen � nachlässigten Werkes. Gerhart Hauptmann gab i, jetzt eine wenlg gelllckte Lustfpielfassung. Auch durch nt*V brüchige Stell« strahlt Märchenhaftes. Der Graf, der die Bauernmagd erst wie ein Stück Vieh vergewaltigt und dann P'y zefsinnenhaft ehelicht, der als zärtlich liebender Gatte ihre j bettnöte hysterisch miterleidend selbst in den„Wehen liegt""j ihr au» Eisersucht den Neugeborenen stiehlt, um am Sckluß »yi au» ciieiiunji oen sleugeoorenen itteytt, um am ewiup söhnltch alles mit der Kindertlapper zu i«zn«n, ist ein«dens» v:'� spruchsvolles Gebilde, wie diese ganze Dichtung. Der Rahmen � ihr im„Kleinen Theater" viel zu eng gespannt, nichts steht yj richtig im Raum, dU Dekorationen sind stilwidrig, da» Ensem� L I Stimmen der Parteipresse Bremer Arbeiter-�eitwng Nach qualvollen Wochen eines heftigen Kampfes, der fast kberaU jich m den hauiich|Un gotiueu verstieg, nel endlich am Sonnabend, den 17. Oktober— einem nunmehr historischen Tag in der Geschichte der Arbeiterbewegung— die schwerwiegende Entscheidung. Sie wirkte natürlich nicht als Ueberraschvng, nach keiner Seite hin: denn sie ergab sich mit unerbittlicher Logik aus der Fragestellung Moskaus zu den aufwühlendsten Problemen der Gegenwart. Sie war vorgeschrieben nicht erst vom zukälligen Mehrheitsverhältnis de» Parteitages(bei umgekehrter Mehrheit wäre das Ergebnis das gleiche gewesen), sonoern schon von der Stund« an, in der in Moskau uoei Delegierte der Partei, D ä u- m i g und S t o« ck e r. sowohl ihren Genossen Crispien und Ditt- mann als auch dem Leipziger Parteiiagsbejchluh, der Verhandlun- gen mit Moskau nur unter Ausrechterhaltung der Autonomie der Partei forderte, in den Rücken fielen und sich zum bolsche- wistischen Programm bekannten. Der Rih. der somit mitten durch den Parteivorstand ging, ging auch mitten durch die Partei. Die beiden Hälften, die sich seit der Bekanntgabe der 21 moskowitischen Bedingungen aus das heftigste bekämpften, sielen am 16. Oktober auseinander— ledoch nicht schmerzlos. Kein einziger Teilnehmer des Parteitages war sich vom ersten Tage an im tlnklaren darüber, dah ein Zusammenhallen oder gar künstliches Zusammenkitten dieser beiden Hälften ein Ding der Unmöglichkeit sein würde. Nur den anwesenden Gästen und dem grausamen Spiel der linken Mehrheit, die mit einem bureaakra- tisch programmatisch verlaufenen Parteitag prunken wollte, war es zu verdanken, daß die Trennung nicht schon am zweiten Tage ein- trat. Denn im Noltspark zu Halle tagten in Wirklichkeit zwei Parteitage nebeneinander, die gegenseitig aneinander vor- betredeten. Was dem einen»sin llhl", war dem anderen„sin Nach- tigall"! Selten applaudierten oder mißbilligten beide das gleiche Wart, geschweige denn den gleichen Gedanken. Aber auch ein„d r i t t e r P a r t e i t a g" tagte unsichtbar im gleichen Saal: der russisch. kommunistische„Katholi- kentag"! Die Hallcner Eenosien waren im voraus so sicher, daß das Aufgehen der U. S. P. D. in die K. P. D. erfolgen wurde, daß alle Aeußerlichkeiten diese Hoffnung nährten. Sowjet- flaggen. Bolschewikisterne, kommunistische Literatur im Garten und auf den Tischen, kommunistische Jünglinge auf allen Stufen, die „Rote Jahne" in allen Ecken. Kommunisten als Beherrscher des Saales, der Kommiinisienhäuptling Levt als Inspirator des l in ken Flügels, stets in nächster Nähe der Geyer, Koe- nen, Remmele, Stoecker. Däumig. Russische Kommunisten als Hauptredner— kurz Moskau in Halle! Man ließ sich wider- sp�uchslos alles materielle wenigstens gefallen, bis schließlich die Unverfrorenheit der russischen Methoden, alles zu verunglimpfen, was nicht„ortodor-bolschewistisch" ist. die Genossen, die nicht knechtisch und kritiklos alles gutgläubig hinnahmen, zur energi- schen Abwehr aufrüttelte. Die Mot der Arbeitslosen Folgender Notschrei eine» stellungslosen Handlungsgehilfen geht uns mit der Bitte um Leröffentlichung zu: Heute stellte sich im Auftrage de, Magistrats Charlottenburg eine p e l z v« r- Srämte Dame bei mir ein.(Falls die Dame nicht„ehren- amtlich" diese Tätigkeit ausübt, könnte schon wieder ein Arbeits- loser in dieser Stellung untergebracht werden, denn wer soviel Pelze tragt, hat doch«inen Erwerb gar nicht nötig.) Sie er- klarte mir, wegen der Etellenlosenunterstühung zu kommen und nützliche Ratschläge, die ich ja ohne diese«luge » 50n. � aber von deren Ratschlägen ich leider mqt leben kann.— Denn 54 Mk. Unterstützung erhalt« ich für mich und meine Mutter und soviel gebe ich bald für Porto auf Znserate� und für Fahrgeld wöchentlich au».— Ferner ließ sie sich rf," äußerst..geistreichen" Bemerkung hinreißen:»Wer so ge- sund ist, wie ich, müßte doch arbeiten." Ich hatte mich nun ge- freut, daß dieselbe daraufhin«ine Anstellung beim Magistrat ad» irgendeiner Behörde hervorziehen wird.— Aber weit gefehlt! Denn dann müßte ja eine» von de« 16- oder 17jährig«n Mab- che«, welche e» zwar nicht so nötig haben, aber billiger arbeiten, entlassen werden, od» aber eine von den Beamten töchtern, welche dort herumlungern, deren Väter schon einträgliche Posten bei d» Behörde inne haben. Aber wo sollte« dann dies« Töchter ihr Taschengeld für-- Praline» hernehmen. Ich war 4 Jahre im Felde und jetzt erhält man den berühmten Dank de» Vaterlandes.— vor 4 Wochen habe ich beim Magistrat Charlottenburg mich um einen Posten beworben. Nach zwei Wochen erhielt ich einen Fragebogen mit zirka 60— 76 Frage« brächen bisweilen in« Opernhafte und konnte sich nicht recht aus- parodiftifch. Hans M a r r geriet bei feinen lachenden Krastaus- wirken. Lueie Höflich hat noch immer die rechte Natur für die „Grifelda" als scheuernde Magd und brokaten« Gräfin, aber auch sie konnte sich in dieser allzu engen Aufführung(die weit hinter der früheren Otto Brahms mit Elfe Lehmann im„Deutschen Theater" zurückblieb), nur in«inigen Szenen voll entfalten. Sonst machte sich nur He» K a i f e r als alter Vau» günstig bemerkbar. Der Rest ist Schweigen. Geihart Hauptmann wurde gerufen. _ E.B. Russisch» Abend de»„Anbruch". Wenig» das chaotisch Herauf» dämmernde kündet sich in den junggerichteten Veranstaltungen der „Anbruchsmufiler" als vielmehr die erst« Kraftentfaltung de» ausbreitend Fühlbargewordenen. Der Vormittag der Entwicklung ck ihr Wirrungsgebiet,— Werte kultivierend, nicht au» den Tchcßen grabend. Eelmar Meyrowttz dirigierte das 1. ordentliche Konzert. Er verausgabt« sich an Temperament in Skoriabis S. Symphonie, einem klassisch anmutenden Werk von sinnfällig lyrischem Cha- raller, erlahmend in der Linie bei zu weit gesponnener Stim- munaseinheit. Ein harter Kontrast zu der herben Plastik de» Rachmaninoffschen Klaoiersatzesl Das 3. Klavierkonzert ragt von abschüssigen Gewalten, die karge Melodik ergießt sich rirnh. Margaret« Wit gab sich technisch und geistig als Mestterin, sie versuchte mit ganzem Körper zu gestalten, wo die physi che Kraft ihr« Arme versagte.— Hock» über der Kuns? d» Zeit kreist der Rhythmus der Rasse. Borodines„P o l o w e k e r Tänze' atmen Klima und Scholle, in ihrem Temperament glüht zeitlos jung Dolksblut. Meywik Ichlug Flammen. Wlndisch. Große Volksop» Berlin. Am Mittwoch, den 3. November. nehmen die von der S. V. O. geplanten eigenen Opernvorstellun- gen in der„Reuen W e l t". Hascnheide. ihren Ansang. Für die erste Aussühruüg ist als Beethoven-Gedenlfei»„Fidelio' angesetzt. Für die musikalisch« Leitung ist Generalmusikdirektor Leo Blech gewonnen. Else Lehmann ist von der Direktion de, Rose, Theaters für Anfang November zu einem Gastspiel verpflichtet worden, Renb Cchickele« neues Schauspiel„Am Glockenturm", da» bei der Uraufführung in Saarbrücken stark« Wirkung geübt hat, ist als Buch im Berlage von Paul Caisirer»schienen. Richtigstellung. Di« Bür germeist erst«chter, die g«. sehen haben will, wie der Forstrat E> ch e r t ch im Wald« von Bialowles blutige Schlachten schlug und die sich dann bei einem Nachtmahl aus sein« Irutzvill« durch Bug« von Radieschen, Kommisbrot. Butt« zznd träfiig«tngebeizte Hirschkculen aß: diese Bürgermeisterstocht« heißt nicht Ilse Blick«, sondern Ilse Reick«. Wir bitten um Entschuldigung, daß d» Druckfehler- teufel versucht hat, den Ruhm der Bürgermeisterstocht« vor d» Nachwelt zu verdunkeln und beeUen uns, den Schaden schleunigst zu reparieren. zum Ausfüllen.(Nebenbei Fragen, die mit kein» Tätigkeit etwa» zu tun haben.) Nach wiederum 2 Wochen erhielt ich den Bescheid: Hilfskräfte werden augenblicklich nicht eingestellt. Also warum nicht bald diese Antwort. Warum die ganze un- nötige Arbeit und Ungewißheit. Also Sie sehen, es wirkt immer aufreizend, wenn man Damen mit ausgesuchter Eleganz zu notleidenden Arbeitslosen schickt. So was nennt man„Steine statt Brot". Man sieht daraus, wie unbegründet die Vorwürfe gegen die Arbeitslosen sind, daß sie nicht arbeiten wollen, und ferner, in welcher Not sich gerade stellungslose Handlungsgehilfen befinden. Es ist deshalb sehr verständlich, daß sie besonders dadurch in Er- regung versetzt werden, daß in den Behörden Posten vielfach nicht nach Leistung, sondern nach Gunst oergeben werden. Einig im Kampf gegen die Sozialisierung Die Deutsche Volksxartei läßt verbreiten, daß alle Gerüchte über Meinungsverschiedenheiten in der Partei aus der Luft gegriffen feien. Die parteioffiziöse Kundgebung sagt: „Ueoer die Stellung, die von den Vertretern der Deutschen Voltspartei im Kabinett zu dem Sozialist'rungsbeschluß der Regierung eingenommen wird, herrscht volles Einver stand- n i s zwischen ihnen und der Fraktion. Ebenso ist man sich inner- halb der Fraktion selbst in den Grundfragen der Sozialisierung vollkommen einig, so daß die Sozialisierung des Bergbaues sowohl von der Fraktion selbst, wie zwischen der Fraktion und den Mit- gliedern der Deutschen Voltspartei im Kabinett keine Veran- lassung zu irgendwelchen grundsätzlichen Meinungsverschieden- heiten bietet." Daran hat die auf dem Boden des Klassenkampfes stehende Arbeiterschaft n i e g e z m e i f e l t. Wenn es anderen so schien, als ob es Meinungsverschiedenheiten zwischen den volksparteilichen Mitgliedern des Kabinetts und der volks- parteilichen Fraktion gegeben habe, so nur deshalb, weil sie so naiv waren, den Angaben der Minister Glauben zu schenken. Deren Stellungnahme aber war stets nur diktiert von dem Bestreben, der Oeffentlichkeit Sand in die Augen zu streuen und die offene Feindschaft gegen die Sozialisierung zu vertuschen. Kinder w Not! Im Sloveinber diese» Jahres soll im ganzen Reiche«ine Samm- lung unter der Parole„Kinder in Not veranstaltet werden. Dem Elend, das d» Weltkrieg als einziges und handgreiflichstes Erbe hinterlassen hat. unterliegen'die noch unentwickelten Körper unse- r» Kinder naturgemäß am ehesten. Geradezu grauenhaft sind die Zahlen, die bisher von Aerzten über den Gesundheitszustand der deutschen Kind« veröffentlicht worden sind. Schon auf dem vor acht Monaten in Genf stattgefundenen Internationalen Kongreß für Kinderhilfe erklärte Frau Adele Schreiber, daß in Deutsch- land 2}i Millionen Kinder in den nächste« Jahren dem Untergänge geweiht und daß weitere 6 Millionen»nstllch gefährdet sind, wenn nicht sehr rasch Hilfe gebracht wird. Seitdem ist aber für die Kin- der nicht nur nichts Nennenswertes getan worden, sondern Not und Elend haben einen noch weiteren Kreis gezogen. Zmmu weitere Taufende von Arbeitern sind arbeitslos auf die Straße gesetzt wor- den. Immer höher kletterten die Prxise für Nahrungs- und Be- kleidungsmittel. Diese entsetzliche Teuerungswelle gefährdet in hohem Maße die bisher bestehenden sozialen Einrichtungen. So sind, wie die„Voss. Zeitung" meldet, 32 v. H. aller bestehenden Siedlungsheime, 21,3 o. H. all» Mütterheime. 12.2 v. H. der Säuglings-Krankenanstal- ten, 6,2 o. H. der Entbindungsanstalten in ihrem Bestehen ae- f ä h r d« t. Die Tuberkulose, der schlimmste Feind der Her- anwachsenden, ist bei den Kindern von 1 bis 5 Iahren um das Dreifache, im Alter bis zu IS Iahren um da» Vierfach« gestiegen. Eine Milliarde Mark fei heute zur Rettung der Kinder notwen- dig. Wenn dies« nicht aufgebracht wird, könne Deutschland zu- gründe gehen! Was sollen angesichts solch» hmzernißend» Rot freiwillige Sammlungen bezwecken können? Hofft irgendein Mensch im Ernste, eine solch« Summe mit dem Klingelbeutel aufzubringen? Die Ergebnisse der letzten Wohltätigkeitsveranstaltungen sollten doch solche Illusionen von vornherein ersticken. Die deutschen Be- sitzenden interessieren heute nur noch die Kurs- und Dividenden- tabellen. Sie prassen mit ihren mühelosen Gewinnen in über- schwenglichem Luxus und lassen ihre Nebenmenschen in Gelassen- heit verkommen. Nein, hier ist andere Hilfe notwendig. Die Re- gierung muß die notwendigen Mittel bereitstellen. Sie hat hier- zu die Pflicht und kann sich dieser unter keinem Vorwand entzie- hen. Die gewaltigen Dividenden-Ausschüttungen der letzten Zeit weisen hier klar den Weg, auf welchem die erforderlichen Mittel zu erlangen sind. Sie sind ja nur der verzweifelten Not des Pro- letariats abgerungen. Außerdem muß daran erinnert werden, daß man im Kriege ohne Bedenken im besetzten Gebiet zur B e s ch l a g- nahm« von Villen geschritten ist. um sie als Kommandostel- len, Kasinos oder Lazarette dem Kriege dienstbar zu machen. Soll man jetzt, wo es der größten Gefahr zu begegnen gilt, der eigenen Kinder willen vor Beschlagnahme von Villen des eigenen Landes zurückschrecken? Jede gebotene Hilfe soll angenommen werden, ab» die beabsichtigte Sammlung„Kinoer in Not" muß von uns abge- lehnt werden, weil sie die Regierung von ihrer eigenen Verant- Wartung ablenkt und dadurch falsche und gefährliche Hoffnungen geweckt werden könnten. Nach Moskau. Wie die„Dena" erfährt, soll von den Neukom- munisten als deutsches Mitglied in die Exelutiv« d» 3. Jnter- nationale auf Grund der in Halle ausgesprochenen Einladung Einowjcrts Adolph Hoffmann delegiert werden. Er wird sich voraussichtlich in etwa drei Wochen nach Moskau begeben. Aus der Partei 18. Distrikt Unsere Genossen im 18. Distrikt hatten zn gestern Abend eine Versammlung nach der Aula in der Grllnthaler Straße etnberusen. Die Moskauer hotten am Tage zuvor ihr« Versammlung gehabt, die von unseren Anhängern nicht besucht wurde. Wir hotten keine Neigung, uns in unserer aufbauenden Arbeit stören zu lassen und hatten deshalb ausdrücklich nur dik Gegner der Bedingungen ein- geladen. Di» Neukommunisten dagegen wollten sich durchaus noch weittt an unsere Rockschöße hängen und hatten einem gefaßten Beschluß zufolge, ihre Sprengkolonnen in unser« Versamm- lung dirigiert. Bei Beginn der Versammlung richtete der Leiter an diejenigen, die ungebeten»schienen waren, die Aufforderung. den Saal zu verlassen. Das wurde mit Hohnlachen und Skandal beantwortet. Daraufhin schloß der Vorfitzend« kurzerhand die Versammlung. Nun ging es nach der Aula d« Schule in der Thristlaniastraß«. die in kurzer Zeit von unseren Anhängern überfüllt war. Alle» atmet« auf, daß wir nun endlich zu wirtlicher Arbeit kam- men können. Di« Vorgänge in den letzten Verfammlunaen haben eine groß» Anzahl unserer Genossen s« angewidert, daß sie»klärt hatten, solch« Sk«ndalszene« nicht mehr»leben zu wollen. Selbst Genossen, dt« f ü.r die Bedingungen gestimmt haben, erklärten setzt, bei un» zu bleiben, sie mit der Krakehlergesellschast nichts zu tun haben wollen. Di« Verssammlung verlief in bester Harmonie. Der Distrikt wählt« sich sein« Distrikt». leitung. Di« Genosse» Kies«, und Rooak wurden Vorsitzende. der bisherige Kassier» Metzulat Verwalter unser« Finanzen und Genosse Hermann Rück'ert Mitglied der Preßkommission. Dann erstattete Genosse Leid den Bericht vom Parteitag, der vom Genossen Kiefer ergänzt wurde. Einmütig sprach die Ver« sammluna den Delegierten ihr Vertrauen aus. Außerdem wurde ein scharfer Protest gegen die Ausweisung Sinowjews und Lo» fowskys angenommen., ri, Am Freitag finden Abteilungsversammlungen statt. zu welch» unsere Genossen recht zahlreich erscheinen wollen. Ar- beitssreude kehrt wieder, um wieder gut zu machen, was die Zer» trümmer» der Partei zerschlagen haben. Die neue Gewerkschaftsoppositio» Genossin Else Beck schreibt uns: „Auf meine in der„Freiheit" vom 36. September erschienene Erllärung bringt ein U. E. P.-Cenosse in der„Roten Fahne" vom 7. Oktober eine Erklärung, die ich bisher infolge Zeitmangels noch nicht beantworten konnte. Ich sehe mich jedoch gezwungen, auf einige Bemerkungen in dieser Erclärung einzugehen. Der Genosse behauptet, daß die Opposition des Zentralverbandev der Angestellten bisher über einen inhaltlosen Phrasenschwall nicht hinausgekommen sei, und erklärt im gleichen Atemzuge, daß» vielen Sitzungen der Opposition beigewohnt habe. Es ist doch recht bezeichnend für die geistige Höhe des betref- senden Genossen, daß er die Gelegenheit feiner Anwesenheit nie benutzte, um der oppositionellen Bewegung den Inhalt zu geben, den sie nach seiner Meinung haben müßte. Er ist aber auch dazu gar nicht in der Lage, denn aus dem ganzen Inhalt der Erklä- rung und aus mir bekannten Tatsachen geht hervor, daß» nur eine vorgeschobene Person ist. Wenn er sich doch wenigstens bei seinen Hintermännern hätte eine anständige, literarische Erklä- rung zurechtmachen lassen. Selbstverständlich steht dieser Genosse auf dem linken Flügel der U.S. P.D., glaubt nur seine Oxposi- tion führen zu können durch Produktionskontrolle, Auftläruna und Radikalisierung der Mitglieder. Weiter behauptet er, daß nicht Leitungen zu stürzen unser Ziel sein kann. Er scheint sich die Moskauer Bedingungen und Thesen nicht genau durchgelesen zu haben. Damit es ihm und denen, die auf der gleichen geistigen Höhe stehen, leichter wird, sich üb» die Dinae, von denen sie bisher nichts verstehen, ein Urteil bilden zu rannen, weise ich sie auf die Thesen der 3. Internationale hin: „Die Gewerkschaftsbewegung, die Betriebsräte und die 3. Jnter-. nationale". 1. Teil Nummer 4(abgedruckt in der„Freiheit" vom 29. August 1929, Morgenausgabe), wo es ausdrücklich heißt:- ,,.... Nur auf diese Weise wird es möglich sein, aus den Gewerkschaften die opportunistischen Führer zu entfernen, nur auf diese Weise können die Kommunisten an die Spitze der Ge- werkschaftsbewegung treten und ste zu einem Organ des revo- lutionärcn Kampfes für den Kommunismus machen." Das ist es ia gerade, weshalb ich mich gegen die verlogene Art der kommunistischen Opposition gewandt habe. Sie und besonders ihr geistiger Führer Lange wenden sich gegen die bisherige Oppo« sition, die sie einmal verschwommen und ein andermal als ver» bandsschädigend bezeichnen. Dabei saß ein Teil dieser Herr- schaften in der bisherigen Opposition. Dort spielten sie aber eine sehr traurige, stumme Rolle und haben sich recht wenig um die Fortentwicklung des Opposttionsgedankens gekümmert. Nun auf Kommando von Moskau geht plötzlich der Kampf los, und da war es von mir wohl berechtigt, zu fragen, welche Rolle ihr geistiger Führer Paul Lange nun dabei spielt. Bei dieser Gelegenheit will ich darauf hinweisen, daß die Moskauer Bedingungen auch sonst innerhalb der Opposition ver- heerend gewirkt haben. Der in der„Freiheit" erschienene Artikel von Fritz W o l s f ist hierfür schon der klarste Beweis. Die Moskowiter in der Opposition des Zcntralverbandes der Angestellten glauben vielleicht moralisch das Recht auf ihrer Seite zu haben, weil in einer Versammlung von ca. 36 Anwesen- den sich 26 auf ihren Standpunkt stellten und in einer späteren Versammlung mit ca. 16 gegen 9 Stimmen mir ein Mißtrauens- votum für meine Haltung ausgestellt worden ist. Die Leute treiben tatsächlich mit den»nstesten Dingen Spott. Wie traurig, daß das gerade in der jetzigen Situation geschieht. Die„Asa" hat die willkommene Gelegenheit ergriffen, sängt an, sich von allen Kommunisten in ihren Organisationen zu reinigen und wird wohl nun auch vor Paul Lange nicht haltmachen können. Uebcr dies« Spaltungsversuche der„Asa" muß noch ein- gehend geredet werden. Ich will da heute nicht vorgreisen und nur betonen, daß ich jede Verdrängung der gewerkschaftliche» Opposition auf da» schärfste bedaure. Die aus der„Asa" her» ausgeworfenen Kommunisten werden zu Schädlingen der Ange- stelltenbewegung gerade dann, wenn man sie herausgeworfen hat. Die Unterbindung der freien Meinung, die durch diesen Beschluß herbeigeführt wird, finde ich empörend. Da sollten aber auch die Oppositionellen, vie sich d» Diktatur der 3. Jnter» nationale unterwerfen, wenigstens so klug sein und be« denken, daß sie eine hoffnungslofe Minderheit sind, wenn ihr Kampf um das Verbleiben im Verband nicht von all den Elementen unterstützt wird, die«in Gefühl für Recht in sich tragen. Hier heißt es jetzt bekennen, wer man ist. Unsere bisherige Opposttionsbewegung wird von niemand, der ehrlich ist, anders als eine ideelle bezeichnet werden können. Der Kampf, der zum Hinauswurf der sechs alten Führer führte, ging um ein markantes, klares Prinzip. Den Kampf, den die kommunistische Opposition und deren zukünftiger Anhang führt, ist nichts weiter, als ein Kampf um verfchwommen« Gebilde. Meinen bisherigen Oppositionskollegen sollte meine erste Er« klärung den rechten Weg weisen. Sie sollte ihnen sagen, daß es nicht darauf ankommen kann, in jedem Falle Opposition zu machen, sondern daß die Einheit der Bewegung geschützt werden muß. selbst wenn noch unsähigere und verlogenere Führer an der Spitze stehen. Die Zerschlagung der Bewegung durch eine noch unsähigere und noch verlohn»« kommunistische Opposition be» deutet eine noch größere Gefahr, weil durch das Auftreten dieser Elemente die ganze Bewegung in Frage gestellt wird. Ei« weiterer Schritt z«r Einheitsorganisation im „Deutschen Verkehrsbund" Der auß«ordentliche Berbandstag de» Zentralverbande» deutscher Post- und Telegraphen-Bedien steten faßte auf seiner Tagung vom 18.-29 d. M. in Berlin einstimmig den Beschluß, zwecks Schaffung d» Einheitsorganisation für das gesamte Transport- und Verkehrs aewerbe unter dem Namen„Deut» ich» Verkehrsbund" sich am 1. Januar 1921 dem Verband des Post- und Telegraphenpersonals, Reichsabteilung im Deutscheu Transportarbeiter-Vcrband. anzuschließen. Der„Deutsche Verkebr-» bund", der sich aus dem Deutschen Transportarbeiter-Verband und dem Deut'chen Eiscnbahner-Verband zusammensetzt, umfaßt bt» teils heut« üb» 1K Millionen Mitglieder der staatlichen und privaten Verkehrsbetriebe einschließlich der Betriebe der Reich»- Post- und Telegraphen-Verwaltung. Durch diesen Beschluß bat sich da» gesamte Post- und Telegraphenpcrsonal einen Macht» faktor geschaffen, der bei den künftigen Kämpfen um bessere Ein- kommen»- und Dienstverhältnisse, sowie zum Schutze ihrer Recht« eine ausschlaggebende Bedeutung erlangen dürfte. Die der Ein- heltsorganisation noch fernstehenden Kopfarbeiter(Beamten) z ähne4 u. 7 lük. mit Frledenskoufschuli 5 Söhre•ctfirtbllckie Soronfle. ZahnrJehen rnlf Beffluhung bei Bestellung von SeWssen gratis. Krcnen«. 30 lllk. an Spez.: Zflhne ohne Säumen. Keine tnnuspreis«. Zahn-Praxis Hatvani« o»nnig»n»rso. t, «erden jetzt hoffentlich auch zu der Erkenntnis kommen, daß ihre Interessen und Rechte nur an der Seite der Arbeiterschaft wirksam vertreten und gewahrt werden können. Mögen die Delegierten des jetzt tagenden Vcrbandstagcs des Rcichsverbandes der Post- und Telegraphen-Veamten ebenfalls durch Beschlutz den ernsten Willen bekunden, sich dem Deutschen Verkehrsbund anzugliedern. Machtvoll und mit Erfolg kann nur die Einheitsorganisation in «n-n wirtschaftlichen und beruflichen Fragen für das gesamte Telegraphe--- sichtspunkten des gegenwärtigen Teuerungs- Verhältnisses erfolgen soll.« allen Post- und Lelegraphenpersonal auftreten. Die Berufsgenosicnschaftsangestellten beschäftigten sich in einer im Saale der Bockbrauerei tagenden iüfentlichen Versammlung mit der Revision des Reichstarifes. Drenke vom Hauvtvorstand des Zentraloerbandes der Angestellten gab ein klares Bild der Tarifverhandlungen. Die Stimmung der Versammlung war ausgezeichnet. Die Diskussion b.ewegte sich im Tinns des Referates. Den Vertretern des Z. d. A. wurde das werkschaftlichen Mitteln den Kamps aufzunehmen. Tarifbewegimg im Buchdruckgewerbe Ja einer außerordentlichen Generalversammlung des Vereins Berliner Buchdrucker und Schriftgi etzer gab der Vorsitzende Massini einen Bericht über die demnächst stattfindenden Tarifoerhandlun- gen für das Buchdruckgcwerbe. Die Verhandlungen des Tarifaus- schusses beginnen am 2a. Oktober in Berlin. M a s s i n i beschränkte sich darauf, die von den Unternehmern gestellten Anträge kritisch zu beleuchten und die Stellung der Buchdruckerorganisation darzulegen. Die Unternehmer haben elf Antrage gestellt, die als Grundlage zu dem Aufbau des neuen Tarife» gelten sollen. Besondere Beachtung verdient, daß die Unternehmer verlangen, daß die wöchentliche A r b'e i t g- zeit 48 Stunden beträgt, was im Gegensatz zu der bisherigen Auffassung, daß die tägliche Arbeitszeit acht Stunden betragen soll, zu der Annahme berechtigt, daß die Unternehmer die Ein- teilung der Arbeitszeit iu ihr eigenes Ermessen stellen wollen. Auch wollen die Unternehmer mit dem Prinzip des Wocheulohnes brechen, der bisher für das Buchdruckgewerbe üblich war. Die Lohnzahlung fall vielmehr im Stundenlohn er- folgen, auch soll eine unterschiedliche Entlohnung für Verheiratete und Ledig« vorgenommen werden. M a j j r n i bezeichnete es als eine grundsätzliche Frage, daß bei Abschlutz des neuen Tarifes das Prinzip des Wochenlohnes beibehalten werden mutz, ganz beson- ders aus dem Grunde, weil die Unternehmer mit einem alten Prinzip brechen wollen, woraus sie sich allerlei Vorteil« versprechen. Dag geht besonders aus ihrem Antrag 7 hervor. Dieser besagt, daß Ueberstunden nicht verweigert werden dürfen. jedoch find Ueberstunden nur solche Arbeitsstunden. die über die 4 8stii nd i g e w ö ch e n't l i ch e Arbeitszeit binansgehen. Womit gesagt wird, datz erst die 49. Arbeits- stunde als Ueberstunde zu gelten hat. Diese Zumutung der Unternehmer wurde von den Funktionären mit großer Heiterkeit auf- genommen. Am Schluß seiner Ausführungen erklärte Massini, daß die Tarrfkommisfion alles tun wird, um für das Buchdruckgewerbe einen Tarif zu erzielen, der für die Arbeitnehmer annehmbar ist. Handlungen ihr Bestes im Interesse der Arbeitnehmer zu tun. Weite: wurde einem Antrag zugestimmt, der verlangt, datz die Regelung des Lohnverhältnisses im neuen Tarif nach den Ge- Proletarische Feierstunde« Am Sonntag, den 24. Oktober, vormittags 11 Uhr, im Großen Cchauspielhause, Karlstratze, unter Mitwirkung von Frau Durieux. Rezitation: Herr Schey. Gesang: Herr Konzertmeister Wittenberg, Violine; Herr Drwenski, Orgel; Genosse Felix Stöfsinger. An- spräche. Eintrittskarten a 2,59 TO. sind zu haben»u unserem Bureau, Breite Str. 8/3, in der Buchhandlung„Freiheit", Breite Straße, in den„Freiheit"-Speditlonen: Klische, Vankstr. 67. Götze, Treskowsiratze, Ecke Diedenhosener Straße. Wutzki, Johannis- stratze g. Lorenz, Charlottenburg, Wallst:. 68, im Parteibureau, Neukölln. Neckarstr. 3, beim Genossen Kaufmann und am Sonn- tag im Theater. Gegen die Tuberkulose Die schlechten Ernährungsverhältnisse der letzten Jahre haben die Tuberkulose nicht vermindert. Es fällt nun auf, datz die Heil- stätten, die von den Landesversicherungsanstalten mit lungen- und neroenleidenden Patienten belegt werden, nicht voll ausgenutzt werden. Es wird berichtet. datz An- tragsteller, die in eine Heilstätte aufgenommen wer- den wollen, abgewiesen werden mit der Begründung, die Heil- stätten seien überfüllt. Uns wird berichtet, daß die Heisstätte Beelitz nur mit 799 Patienten belegt ist, während 1299 Betten vor- handen sind. Die Patienten in Beelitz teilen uns mit. datz es bei gutem Willen möglich sein mutzte, die Bollbesetzung der Anstalt zu erreichen und dadurch die Wartezett abzukürzen. Auf die Vorstellung der Vertretung der Patienten bei der Lan- desVersicherung wurde erwidert, datz die Geldmittel und auch die zur Verfügung stehenden Lebensmittel nicht ausreichten, die Voll- belegung vorzunehmen. Man wolle sich aber mit den übrigen An- stalten im Reich in Verbindung setzen und eine Erhöhung der Beiträge in Erwägung ziehen. Dem Wunsche der Patienten, die Voll- belegung der Anstalt herbeizuführen, können wir uns im Interesse der Versicherten nur anschlicgen. Wenn diese bei geschwächtem Körper ihre Arbeitskraft wieder voll erhalten sollen, müssen sie die Möglichkeit bekommen. Diesen Umständen scheint heute weniger denn je Rechnung getragen zu werden. Menschenleben steht heute niedrig im Kurs. Wohnungsnot Uns wkrd geschrieben: Man sollte meinen, daß bei der heutigen Wohnungsnot es überhaupt nicht mehr möglich ist, wohnbare Wohnungen zu be- kommen. Wer das denkt, der irrt stch. Im Haufe Winsstr. 16, vorn 2 Treppen, bewohnt ein Ehepaar und ein Dienstmädchen zwei nebeneinander liegende Wohnungen. Sllso sechs Zimmer', zwei Kuchen, zwei Speisekammern, zwei Mäd- chengelasse. In demselben Hause ist eine Familie feit einem Jahr unter„dringend" in der Wohnungsinspetrion eingetragen und kann keine Wohnung bekommen, weil keine da ist. Nach Befragen bei einem Prüfer der 7. Wohnungsinspektion wurde geantwortet, datz dem Ehepaar die eine Wohnung nicht weggenommen werden könnte, da dieselben seit dem Jahre ISIS darin wohnen. Zwei tZdllche Eisenbahnunsälle ereigneten sich gestern an ver- schiedenen Stellen. Am Osthafen war der 73 Jahre alte Arbeiter I Julius Bedeck damit beschäftigt, dt« Gleise«nd die Zwisch«- räume von umherliegendem Papier zu säubern. Als nun eine Rangiermafchine einen Wagen abstieh, überhörte der Greis, der an Schwerhörigkeit litt, die Warnrufe und das Herannahen des Wagens und geriet unter die Räder. Er wurde überfahren und so schwer verletzt, datz er auf der Stelle verschied.— Der 45 Jahre alte Bahnwärter Gustav Schulz aus der Andreasstr. 36 wurde beim Begehen der Strecke vom Lehrter Bahnhof zum Bahnhof Vellevue von einem vorübergehenden Zuge, dem er aus einem nicht feststellbaren Grunde wohl nicht genügend weit auswich. crfatzt und am Kopfe tödlich verletzt. Er starb schon auf dem Wege zum Krankenhau'e Moabit.— Bon einem Kraftwagen über- fahren und getötet wurde der acht Jahre alte Schüler Kurt Bei« ger aus der'Mirbockstr. 24. Er geriet in der Nähe der elterlichen Wohnung, als er den Fahrdamm überschreiten wollte, unter die Röder und fand auf der Stelle den Tod. Freikonzert der Arbcitersänger. Am Sonntag, nachm. 8 Uhr, veranstaltet bei günstigem Wetter der bekannte Arbeiter-Gesang. verein„Kreuzberger Harmonie". M. d. A. S.-B., eine öffentliche Eesangsaufführung auf dem Mktoria-Park. Um regen Zuspruch wird gebeten. Cbarlottenburger Stadtverordnetenfraktion. Freitag, abends 7 Uhr. Sitzung im Rathaus, Berliner Str. 394. Erscheinen drin» gend notwendig. 4. Kommunalwahlkreis Prenzlauer Tor. Freitag, abend» 7 Uhr. Stadt- und Bezirksverordnete bei Hoffmann, Lychener» stratze 8. Borauesichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Freitag. Nachts etwas neblig und leichter Frost, auch am Tage ziemlich kühl.' überwiegend heiter und trocken bei mätzigen südöstlichen Winden. Aus den Organisationen Vereinsbalender void der ttchnilch«««uqeNrtttln»nd B«!>»ttn. ftieiloj TOtjllebrtwtrJamJ»» tunfl(Brauereien), abends 7 Uhr. in den Mutzker-Festialen, Kaiser-Wilhelni« Etranc 31, Derlammlunaen der südlichen»nd westlichen Lrlsverwalinngen de« B. t.«. B. in der Hoben�ollernschule, Martin-Lutber-Etr. 22-23. abend» 7» Uhr. Bersammluna der Obmänner und?ertrauen»männer der siemcnsbetried« in der SchlokUau!« nachm. t'? Uhr.........„ «nti-Beparatxr-Bei'iebe. Die flunttionärichung findet am Freitag, S. Ll- tober. abends 7 Uhr, im Restaurant Fastqsrr. 7, statt._ Verantwortlich für die Rcdaklion: Emil R a b o l d,"«* t f». Cer» oniwortlich für den Inferatenteil: Ludwig ft a m e r i n e r Karlehonr.— Berlaasaenosienichait.Freiheit" e. CS m 6-s Berlin.— D-uck der.Dreibein» Druter-i CS. i». 6. B-rlin(f». Breiie ctraste«-» Soeben erschienen! ___________________ Soeben erschienen J Die Soziologie des Bolschewismus Mit Bezugnahme auf da? Problem der Jute, nationale. «on 2U. 3cfimou>. qSr.l» 3 Mar Ungekürzte Ausgabe für Orga«r,attvnLn 1 Marl!, Bestellungen ricbte man sofort an die „FREIHEIT" Berlin C.2, Breite Str.«». DIR MIETERSCHUTZ Beste gemeinverständliche Darstellung des Mieterschutzes und der Höchstmietenvcrorduung Bou Vr. Paul Hertz u. Rcchtsauw. Dr. Kurt Boeuhetu: Unentbehrlich für jeden Mieter Preis 4 Mark Preis 4 Mark Bestellen Sie sofort bei der MHMW„Meli-, belli« 62 Mpvrteme t für Q5ftfominIu«(iS»ttka»t der Pro schüre { Lenins 21 Punkte> I sofort tri hohem stiabatt grsucht. ÜMdMM M. U!A Kciserstr. 10, II. -- Achtung. Felle !*!5 irrrr Vtnuklyme In mMtn Spedklsne»»e*«erto**» Kleine Anzeigen �«rsÄ.. De« U«btrfd)rtfr»n)ort t.— Mb, frdr» weiter» Wort Im Ter« 1.00 Mb. nett», etellnngszcfuche: Ucberfchriftswort 1.30 Md., jede» writrr« Wort i« Text I•— Md. 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Auabild n»t beginnt. Kandgba, Ateedtuh' strafte 21. >........ ii.. wwwwimiiwfitWl !. Ansiedelungen 1 * T.|| ntr� Selbs�b�u « Parzelle» teil» eingezavm' ' Fredersdorf, Aoscntbal. 1 bäume. Ätrinc AnzahluNS' l Hülfen, Steglitz, TieitschkeM