Einzelpreis 20 Pfg.- 3. Jahrgang Freitag, 22. Oktober 1920 Nummer 449• Abend-Ausgabe Gtz» m«WH�etHUnelle sd« dm«««*» t«t« J»—«- Te»er»»«»tuichlav. Kleine Anzeige« i Da» fengedeu litte Wo?» 2,— ted«» wenm CBon I.M M.. ewschliestlich Teuerungszuschlag. Laufende««I««« laut Tarif. StamtlieirFAnzeigen und Stellen-Gefuche 3,20 M. netto pro Zeile. Stellen-VefuchO tn Wort-Anzeigen- da» fettoedraÄte Wort 1,50 W.. jede» weitere Wort l,-- W» V«p»U»peet, deteSg, det frete, Zuftellu�tu» �au» flk Geod-Bertt, i0,—»d tw»»?au» zahlbar, oon de? Vpedin»,« seldft«dgedolt 8,50«i. j�ir Pof� de?»« nehme« sSmtlich» Vr ftanft-alte« VefteUuuge« entgeaeu. Unter fUrtifkanb bezöge« ffii Deutschlc ad and Oefteireich»8.50 M.. stlr da» üdriae Su»lan>o 21.50 M. zuzüglich Balu»a-A»itschlaG. p«, Vriei ttu Deutfcdlaad«ad OHtnrr ch 90,-. M. GUP«dM»« mm* Aartag) ftolte€ R, 9rtU» /ttrm%9 lUtt. gCHlmflnr. Scatnn 2030, 2645, i5U 4605, 4655. 4645.«UL berliner 4)rgon t>pr VmfiMmlsen Smüüömwfmfie S>eatßf)fan6s Klassenkampf in England Sympathiestreik der Eisenbahner— Außerordentliche Kommission der Unabhängigen Arbeiterpartei London, 2t. Oktober. Dfy Konferenz der Eisenbahner hat beschlossen, am Soiuitag um Mitternacht in den Streik zu treten, wenn nicht vorher die Verhandlungen zwischen der Regierung und drr« Bergarbeitern wieder aufgenommen werden. Es stellt stch immer deutlicher heraus, dost die Erregung !der Arbeiterschaft in England deswegen eine so groste gewor- iden ist, weil die Arbeiterschaft in der ausfallend schroffen Hal- �tung der Regierung bei den Verhandlungen, die dem Streik inoraufgingen, und nach Streikbezinn eine Herausfor- id e r ü n g'an die A r b c i t s r f ch a f t sehen. Die Folge davon ist, dag die streikenden BergarbeAer die n a ch d r ü ck l i ch st e Unter st ützung in der g-esamten Arbeiter- Hasse finden, eine Sympathie, We sich nicht nur auf Worte beschränkt, sondern bereit ist, d.ie ganze Macht der Organisationen für den Erfolg einzusetzen. Die Situation ist nicht unähnli« der Lage in Deutschland. »die bei uns das Unternchmerchim auf eine Gelegenheit warte», um durch einen starken Schlag gegen eine der großen Gewerkschaften der gefamt�n Ar�iterfchaft eine Niederlage beizubringen, so scheint die englfsche Bourgeoisie in diesem Konflikt mit den Bergarbeitern eine-solche Gelegenheit ge- i u n d�e n zu habe», obwohl die Lage in England immerhin noch ein wenig gemildert ist durch die allgemein herrschen- den milderen politischen Sitten. Durch diese aber lassen sich die Arbeiter nicht täuschen. Sie sind willens, die Heraus- forderung der Kapitalistenklasie anzunehmen. Die Rachricht, die gestern über Paris kam urjd etwas undeutlich klang, dag die Delegierten der Trade Unjons der Regierung ein Ultimatum von 24 Stunden gestellt habe mit der Drohung, sie würden den General st ue i k erklären, wenn die Forderungen der Bergarbeiter bis, dahin nicht erfüllt �cin würden, wird durch eine Privatmc/dung aus dem Haag bestätigt. Einzelheiten darüber fehlen, allerdings noch. Der Rationalrat der Unabhängigen englischen Arbeiterpartei betrachtet die'rage ebenfalls als kri- -tisch. Er hat erklärt, daß- er in der Haltung der englischen Regierung gegenüber den iGrubenarbcjitern eine ernste H e r- >a u s f o r d e r u n g der ganzen A r b e i t e r b e'w e- !guNg erblickt. Der Äationalrat hat die Korporationen der Arbeiterbewegung anfgeforderp. sofort eine außer- ordentliche Kommission sämtlicher angeschlossenen Verbände zusaminenzubermfen, damit jeder Schritt unter- nommcn werden kann, dar nötig ist, um den plötzlich auf- getauchten ernsten Schwierigkeiten zu Ucgegnen. Die ernsteste Warnung an die bürgerlichen Klaffen aber dürfte die oben wiedergegeben? Meldung von dem Streik- beschluß der Eisenbahner seßn. Auf der Konfe- renz der Ecsenbahner war ebenfalls eine Strömung gegen den sofortigen Eisenbahnerstreik vorhanden, aber sie ist. wenn diese Meldung zutrifft, was sehr wahrscheinlich ist, unterlegen. Diese Richtung erklärte einen Eisenbahner- streik für v e r f r ü h t, da innerhalb eines oder zwefer Tage ein Schritt zur Anbahnung neuer Verhandlungen zu erwarten sei. Die andere Aussaffung argumentierte sehr- glücklich damit, daß der Kohlenmangel ohnehin sehr schnell zu einer Einschränkung des Eisenbahnver- ke h r s führen werdch so daß es bester wäre, sich dem Streik sofort anzuschließen, um dadurch eine schnelle und erfolgreiche Beilegung zu erzielen. Zu alledem kommt, daß immer größere Scharen von Ar- heitern durch Stillegung von Betrieben in die Bewegung hineingezogen werden, eine Erscheinung, die die Erregung in der Arbeiterschaft selbstverständlich nicht mindert. So soll die Zahl der durch den ,Kohlcnstreik arbeitslos gewordenen Seeleute gestern bereits hunderttasend betragen haben. Wie diese überraschend schnelle Ausdehnung des Streiks und das willenskräftige Zusammenstehen der gesamten Ar- beiterklaffe auf die bürgerlichen Klassen und ihre Regierung wirkt, ist noch nicht zu übersehen. Hartnäckig wird'in den Meldungen über die Auffassung der Regierung wiederholt, die Regierung sei bereit, mit den Bergleuten erneut in Ber- Handlungen zu treten, sofern diese grundsätzlich damit ein- verstanden sind, daß eine Lohnerhöhung von der Zunahme der Produktion abhängig gemacht werde. Das würde be- deuten, daß die Regierung einstweilen bei ihrem Standpunkt beharrt, dte man, wenn man sie von allem drum und dran befreit, als eine schroffe Ablehnung der Bergarbeiterforderungen bezeichnen kann. Eine bisher unbestätigte Meldung besagt, daß ' oft mit der Frage einer ■... sich die Kohlenarbeiter in Frankreich ernsthaft mit der Frage einet S t) m p a t h i e b e ro e g u n g für die englischen Bergleute beschäftigen. Die französischen Bergarbeiter verbinden mit dieser Be- - wegung eigene Lohnforderungen in Höhe von 4 bis a Franken Zulage pro Tag. Der Deutsche Bergarbciterverband hat an die kämpfenden eng- tischen Grubenarbeiter nach dem„Vorwärts" folgendes Tele- gramm gerichtet: „?n Eurem schweren Kamps wünscht Euch guten und raschen Erfolg der Deutsche Bcrgarbeitrr-Verband. Husemann, Vorsitzender." Vergarbeiterkonferettz London, 22. Oktober. Eine Glasgow« Meldung besagt, die Führer der Berg- a r be i t c r seien aus den verschiedenen Distrikten nach London zurückberufen worden. Es wird erwartet, daß Freitag nach- . mittag eine Konferenz stattfinden wird. nzCTZ Staatsarbeiterstreik in Bremen (Eigene Drahtmeldung depc„Freihei t".) Bir e m e n, 22. Oktober. Da der Senat und der Schlichtungsausschug die Lohnfordc- ein, gen der Staatsarbeiter rundweg ablehnten, be- ichlog gestern abend eine stark besuchte Bcrsammlung der Staats- arbeiter mit 2413 gegen ltt Stimmen den S.trcik. Heut« morgen um 8 Uhr verliehen sämtliche Stoatsarbeiker die Betriebe. Die Notstandsarbeiten werden wusgesührt. Tie vom Strom abhängig- Industrie sciert. Der StraSienbnhnbctried ruht, desgleichen das Gas- und AKafferwerk. Die Zeitungen erscheinen hente nicht. Die Arbeiterschaft, der E.r o h b e t r i eb e hat einmütig den Beschlutz gesatzt, bei eventueller Herstellung des Stromes durch die Technisch« Nothiftc nicht zu arbeilen. Tie Bremische Bürgerschaft wird heut« nachmittag zufolge eines Dring- lichkeitsantragcs der U. S. P �Fraktion, welche geschlossen zur Richtung Crispien-Lcd.ebour Mht, zu der Lage Stel- lung nehmen. Es handelt sich um einen rein wirt- Ichastlichen Streik. Die Staatoarbeiter lehnen es Prikt ab, sich durch die Verführungsparoien der Alt- und Neukommunisten, welch« die Forderung der politischen Arbeiterräte und des N e g ie r n n g s st u r z e s in die Blasien werfen, um die Früchte ihres Lohnkampfes prellen zu lasten. Bremen, 21. Oktober. Die Forderung einer Kommission der Brbcitrrschast. welche heute »ormittag dem Senat übcrbrachl wurde, die 12—14 000 durch die Letriebsschlichung betrofsenrn Arbeiter sür den Lohnaussall zu rntschädigen. ist unter Hinweis daraus, dah beim Miederantritt d« streikenden Heizer die Arbeit überall sofort wieder ausgcnom- wen werden könne, abgelehnt worden. Di» Strastenbahn hat den Betrieb eingestellt. Der Frieden im Osten Sozialisierung und Klassenkampf In einer kurzen Betrachtung über den Parteitag in Kastel haben wir schon einmal die Bemerkung gemacht, es habe einen doppeldeutigen Sinn, wenn die rechts- sozialistische Partei beteuert, sie stehe auf dem Boden der Perfaffnng. Damit wird nicht allein gesagt, daß die Kaffeler keine Monarchisten, sondern bereit sind, die republikanische Verfaffung zu schützen. Diese oft und mit Pathos gebrauchte Wendung bedeutet zugleich, daß die Politik der Partei sich jedem revolutionären Vorwärtsschreiten über die Weimarer Verfaffung, für die sie mit verantwortlich zeichnet, hinaus zum Sozialismus widersetzt oder doch zum mindesten nur mit Widerstreben anschließt. Wie einst im November! Das Verlaffen der verfaffungsmäßigen Bahnen erscheint den Scheidemännnern und Co. vor allem aber bei der Auswahl der Kampfesmittel der Arbeiterklasse in ihrem Ringen um den Sozialismus bedenklich und nicht rat- sam. wenn nicht gar unerlaubt. Der Verlauf des Kaffeler Parteitages hat das von neuem erkennen laffen. In seinem Mittelpunkt stand wohl die Wirtschafts-� d e b a t t e, das Duell Wiffell-Schmidt, bei dem nur Schmidt von Sekundanten unterstützt wurde, während Wiffell allein auf weiter Flur kämpfte. Es ging um die Frage der Plan- Wirtschaft oder— etwas anderes, was nicht so genau gekenn- zeichnet wurde. Immerhin führte die nicht unintereffante Auseinandersetzung zu einem konkreten Resolutions- e r g e b n i s: Ter Parteitag entschied sich in der aktuellen Frage der Sozialisierung der Kohleuwirtschaft f ü r d e n d i e sofortige V o l l s o z i a l i s i e r u n g fordernden Vorschlag I der Sozialisierungstommission und versprach, die Sozialisierung überall dort„tatkräftig zu fördern", wo die Voraussetzungen gegeben sind. Wiffell wurde geschlagen. Das war nicht anders möglich. Die Entscheidung des Parteitages ist keine positive Leistung für den Sozialismus, sondern zunächst nur eine brennend notwendige Aktion zur Erhaltung der sozialistischen Reputation der Partei— oder des Nestes ihrer Ne- putation. Wie man will. Wiffells Planwirtschaft, mit der wir uns mehrfach beschäftigt haben, ist nicht nur unsozia- listisch, sondern geradezu antisozialistisch. Schmidt sagte seinem Gegner, daß man sich gegen die Planwirtschaft gewehrt habe, um nicht den Vorwurf zu verdienen, man habe zur Befestigung des Kapitalismus beigetragen. Bauer glaubte Wiffell daran erinnern zu müssen, daß er sein System empfohlen habe, weil es geeignet sei, die So- zialisierung überflüssig zu machen. Und der „Vorwärts", der bis dahin den Wiffellschen Plänen sehr ge- wogen war, schrieb in den Kongreßtagen, Wissest komme von der Idee der Planwirtschaft aus. dazu, auf die Ausschaltung des Kapitals zu verzichten, selbst dort, wo sie möglich ist. Aus diesem scharfen Kampfe gegen Wiffell geht hervor, daß er, der wo er ging und stand Planwirtschaft predigte, der- Partei unbequem geworden war. Man mußte endlich in der Oeffcntlichkeit und vor allem bei der Arbeiterschaft die Vorstellung zerstreuen, die Konstruktionen Wiffells, der aus tausend Kongreffen als wirtschaftlicher Referent und erster Sachverständiger erschien, seien d i e wirtschaftliche Theorie der Partei. Die Planwirtschaft anerkennen, heißt den So- zialismus aufgeben. Das ging nicht so weiter, und darum muß"" M» SB Ot schon, 22. Oktober.(Horas.) Die Kommission des polnischen Landtages für ausmärtige Slngclcgendeiten prüfte gestern das in Riga nntcrzeichnete Wassenstill st ands- und Friedrnsadkommen. Tie Regierung wird heute dem Landtage ein« Vorlage unterdr-iten zur Ratifizierung dieses Uebereinkommens. Die Frage W i l n a wird heute nicht zur Erörterung gelangen. Polen und Litan-n London, 22. Oktober.(Reuter.) Die polnische Antwort auf die englisch-sranzösische Note gibt dem Bedauern Ausdruck über das Vorgehen der Truppen, die W i l n a besetzt haben und dadurch dem Wunsche der polnischen Regierung, die Streitfrage mit Litauen aus fried- lichem Wege zu lösen, in den Weg getreten sind. Die Rote besagt weiter. Polen sei entschloffcn, dem Wunsche des Völkerbundes nachzukommen und sei bereit, den Versuch, die Wilnafrage auf der Grundlage unparteiischer Gerichtsbarkeit zu regeln, zu unterstützen. Seligers Bestattunq Teplitz, 21. Oktober. Unter ungeheurer Beteiligung der organisierten Arbeiterschaft, •ab« auch der Bürgerschaft von Teplitz fand heute das Leichen- begängnis Joses Seliger?, des Führers der deutschen Arbeiter- bewegung in der Tschechoslowakischen Republik statt. An dem Leichenbegängnis nahmen außer den deutschen auch tschechische Politäker teil. Am Grabe hielten u. a. der Präsident der Ratio- naltvrsammlung T o m a s e k, der Führer der tschechischen Sozial- demvkratie R e m e c und der Führ« des linken Flügels der sozial- bsnVitral'.schen Partei S m c r a l Ansprachen. Vorstellung ist, sondern zugleich Ausgangspunkt einer Politik der Gemeinsamkeit von Kapital und Arbeit. Wiffell will die Gesellschaft zu einer einzigen großen„Ar- beitsgemeinschaft" ausbauen. Er gebraucht dieses Wort selbst, und wir wiederholen es, weil sich die Arbeuerschaft, die jene anderen in den Novembertagen 1918 entstandenen und vom Vorstand des Allgemeinen Deutschen Eewerkschaftsbundes heute noch gepflegten Arbeitsgemeinschaften kennt und zu be- urteilen weiß, durch einen Vergleich zwischen ihnen und den Konstruktionen Wiffells am besten eine Vorstellung machen kann vom Wesen und von den Wirkungen der sogenannten Planwirtschaft. Die Verwandtschaft zwischen bewcn Erscheinungen besteht nicht nur im Wort, sondern in der Tat. Wiffells Vorschläge laufen hinaus auf eine Zusammenkoppe- lung der beiden im kapitalistischen Produktioiwproacg gegeneinander wirkenden sozialen Faktoren: o u r- goisie und Proletariat, für- die er ein g e ntc i n Itttnejj Interesse erfindet, das in der S t e> g e r u n g der Produktivität bestehen soll. Genau>o haben es die Gewerkschaften in den Arbeitsgemeinschaften bereis>n die Praxis umzusetzen versucht, nur daß die Planwirtschaft- lichen Körperschaften Wiffells mit weit größeren und damit schädlicheren Befugnissen ausgerüstet sc n sollen als die bestehenden Arbeitsgemeinschaften. Wenn st- bisher kümmerliche, nahezu bedeutungslose Gebilde gebUeiensind. so darum, weil sich allen Arbeitsgemeinschaften zum Trotz l�r Gegensatz Zwischen Kapital und Arbeit be, tandig durchsetzt. Wenn wirklich«in gemeinsames Interesse an der �gieoig keit der Arbeit besteht, so sind um so weniger gememsam die Mittel, mit denen dieses wünschenswerte Ziel erstrebt wird. Die eine Seite, die Unternehmerklaise, wtlh die Produktivität steigern durch die Ausbeutung der Arbeitskraft, woran keine planwirtschaftliche oder ar- beitsgemeinschaftlichc Macht der Welt sie hindern wird, so lange der Privatbesitz an den Produktionsmitteln unan- g e t a st e t bleibt. Tie Arbeiterklasie muß diesem Vestreben entgegentreten durch die gewerkschaftliche Arbeit und durch den Kampf um die Aufhebung des Privateigen- t u m s, woraus etwas entsteht, was man von altersher Klassengegensatz nennt und was nur überwunden werden kann durch den K l als enkampfdesProleta- r i a t s. Die Lekonomie des Proletariats bedarf des Klasien- kampfes. nicht der Gemeinsamkeit, rief Hilferding auf dem Betriebsrätekongreh Wissell entgegen. Aua) daß Wissell dort noch einmal seine Theorie vertreten konnte, veranlaßt uns, auf das Problem zurückzukommen. Plan- Wirtschaft wie Arbeitsgemeinschaft bedeu- ten in ihrer konsequenten Auswirkung Preisgabedes Klassenkampfes. Hat man das auf der Kasseler Tagung erkannt? Ist man sich über die Verwandtschaft dieser beiden Erscheinungen klar geworden, die so innig ist, daß man sagen kann, die Ar- beitsgemeinschaften von Legie» und Cohen sind die Keim- Zellen der Planwirtschaft. Davon war kein Wort zu hören. Es stand niemand auf, um dem Parteitag zu sagen, daß der Ablehnung Wissells die Ablehnung der Ar- beitsgemeinschaften folgen müsse. Zm Gegenteil: die stärksten Gegner Wissells waren alte Gewerkschaftler, die mit heißer Liebe an ihren Arbeitsgemeinschaften hängen. Das zeigt, daß sich der Parteitag nicht nur für unzuständig für das Thema Arbeitsgemeinschaften hielt und deshalb schwieg, sondern daß er dem Problem mit Absicht a u s d e m Wege ging. Eine andere Frage knüpft sich an die Kasseler Ent- schcidung. Will man für die mit der Vergesellschaftung der Kohlenwirtschaft sofort zu beginnende stufenweise Sozia- l i s i e r u« g wobei die einzelnen Schritte nicht gerade in allzu gemächlichem Tempo einander zu folgen vrauchen— die ganze Kraft des Proletariats aufwenden, die aufgebracht werden kann, wenn sich alle seine Organisationen mit b e- wüßtem Willen zum Klassenkampf für das Ziel ein- setzen? Oder wünscht man, sich auch hier auf dem g e e b n e- ten Boden der Verfassung zu bewegen? Deutlich hat sich der Parteitag über diese taktische Frage nicht aus- gelassen, aber«in verdächtiges Symptom ist zu ver- zeichnen. Der Abgeordnete Hoch hat die schnurrige Idee vertreten, man müsse den Weg des Volksbegehrens beschreiten, wann im Reichstag keine Mehrheit für die Sozialisierurtg der Kohlenwirtschaft zu bekommen sein sollte. Diese Taktik wäre das beste Mittel, der Sozialisierung das Genick umzudrehen. Freudig würde die Bourgeoisie Arm lh Arm mit Herrn Hoch diesen Weg gehen, gäbe er ihr doch tue Möglichkeit, die ganze gewaltige Masse der teils uninter- essierten. teils sogar sehr gegen die Sozialisierung eingenom- menen. aus jeden Fall aber völlig unvorbereiteten und dem Problem gänzlich fremd gegenüber st ehen- �" �"'"fderechtigten nach gründlicher Bearbeitung durch dre bürgerliche Press« gegen die Sozialisierung J"*1 Treffen zu führen. Hinter diesem Vorschlag steckt der Gedanke, daß man im«freien Volksstaate" kämpfen muß auf verfassungsmäßigen Boden und mit verfassungs- mäßigen Mitteln, ein für den Klassenkampf des Proletariat« verderblicher Gedanke, dm von vornherein mit äußerster Scharfe ent g e a e.n g e t r e t e n werden muß. Will die Ar- beiterklasse die Sozialisterung erreichen, so muß sie sie e r» kämpfen mit r e v o l» ti o n S r e n Mitteln. Nicht mit der in ihrem Charakter oben gekennzeichneten Masse der beim Volksentscheid Stimmberechtigten, sondern (legen sie muß das Proletariat hier seinen Willen durch- etzen, wenn es not tut. Der Rückzug auf die verfassungs- müßigen Mittel ist ein faules Ausweichen, vor dem wir die Arbeiterschaft warnen müssen. Wenn wir von der Diktatur des Proletariats sprechen, so gehört dazu die Forde- rung, daß die Arbeiterklasse in diesen entscheidenden Fragen ihren Willendurchsetzen muck im rücksichtslosen Kampfe und mit den ihr zu Gebote stehenden sozialen Machtmitteln. Der Kasseler Parteitag hat mit seinem Wortbekenntnis für die Sozialisierung der Arbeiterklasse ein V e r f p r e ch e n gegeben. Wird die Politik der rechtssozialistischen Partei das gegebene Wort einlösen? Leipzig steht fest zur II SP. (Eigene Drahtmeldung der„Frelhei t".) Leipzig, 22. Oktober. Gestern abend fanden in Groß-Leipzig sieben Mitglieder-Ber- sammlungen statt, in denen Bericht vom Parteitag gegeben wurde. Die Neukommunisten hatten sich in allen Versammlungen mehr oder minder stark eingefunden. Indes hatten unsere Genossen in den gut besuchten Versammlungen überall die Mehrheit. So wurde z. B. im Südosten in der von mehreren Hundert be- i suchten Versammlung die Resolution, die sich mit dem Vechluß des Parteitages einverstandeu erklärt und das Ausscheiden der Reukommunistcn konstatiert, gegen acht Stimmen angenommen. Im„V o l k s h a u s", im Zentrum Lcip-igs war das Be<-l!"is ahnlich.— Im Westen waren die Reukommuniiten stärker ver- treten. Sie haben dort die Abstimmung über die Resolution durch Lärm verhindert. Indes war die Mehrheit auch dort auf unserer Seite. Die Amateurstrategen Scr Krieg ohne Soldaten und Waffen In der neuesten Nummer der. Wcltbühne" beschäftigt sich ein Stabsoffizier mit den kommunistischen Amateurstrategen, die in den letzten Wochen in der von Moskau redigierten deutschen Arbeiterpresse einem neuen Krieg mit der Entente das Wort redeten. Der Stabsoffizier macht sich zu- erst über die Heimknegcr lustig, die während des Weltkrieges am Stammtisch die deutschen Heere aufmarschieren und„ent- scheidende" Siege über die Gegner erfechten ließen. Tann schreibt er: „Augenblicklich blüht wieder einmal der Weizen der wilden Strateaen.„Daß die Situation für den Kampf des deutschen Pro- letariats an der Seite Sowjet Rußlands gegen den deusscheu Kapitalismus und gegen den Entente-Militarismus noch nie so günstig war wie jetzt", verfügt der S ch r e i b t i s ch h e ld der Hamburger Volkszeitung". Wenn eben nur nicht auch gelernte Soldaten, die sich gewiß nicht beim ersten Schuß reklamieren ließen, den Unfug mitmachten! Sie gebären geradem gigantische Pläne. Arm in Arm mit Rußland greifen sie die Entente an, natürlich nach Niederwerfung von Bolen. Millionenarmcen werden heroorgestampst, indem einfach den Beoillkerungszifsern einige Nullen abgestrichen werden. Bewassnet und ernährt werden die Heere aus dem Nicht»— das sind Kleinigkeiten, über die nachzudenken des Strategen unwürdig ist. Ein« besonders schöne Phrase dieser Leute lautet:„Wir müssen Rußland die Hand reichen." Das klingt so brüderlich und rundet die Resolution irgendeiner Versammlung hübsch ab. Bei so unheilvoller Verwirrung in den Köpfen der Kommunisten wie der Alldeutschen, der Militärs wie der Zivi lsten, die nicht acht Mann über den Rinnstein führen könnten, aber aus dem geduldigen Papier mit Millionenhceren operieren— da lohnt es wirklich, diesem Problem einmal näher auf den Leib zu rücken. Zum Krieg- führen gehört, gleichgültig, ob es sich um eine rote, weiße oder grüne Armee handelt, nicht etwa n u r V e l d, wie der selig« Montecuccoli meinte: e» gehöre» dazu in erster Linie Menschen. die ausgebildet, beNeidet, ernährt, bewassnet,«ingetcllt sein wolle« und müssen. Um beweglich zu werden, brauchen die Truppen: Fahrzeuge»nd Pferd«! die Armeen: Chaussee» und Bahnen: dt« Heeresgruppen: Eisenbahnlinien, die täglich und stündlich den Riesenbedarf der Heer« an Menschenersatz, Per- vslcgung. Munition. Nochschub aller Art heranschasien. Zur Leitung der Riesenheere wird das modernst« Gerät, Flieger, Funker, Telegraph«nd Fernsprecher benötigt. Hundert« von Fa- b r i t e n haben Tag und Nacht ,u tun, um den Bedarf der Heere zu decken. Ja, sagt der Amateurstratege, das ist mir alles nicht neu. das haben wir ja alles schon einmal grbabt: wir brauchen ia bloß die Leute wieder heranzuholen, wie es Lenin mit Brussilow getan hat. Das Ganze ist eine Frag« der Organisation, und ein Diktator bringt das alles schnell wieder in Ordnung. Nichts hinkt aber mehr als der Vergleich mit Lenin. Der Russe kann sich heut« noch, wie zur Zeit?kapoleon» des Ersten, in sein weites Land zurückziehen: ihm dorthin zu folgen, ist beinah« unmöglich wegen der Läng« der Etappenlinien, wegen des Mangels an Eisenbahnen und Wagen. Rußland als Welt» macht ist unerschütterlich, dank seiner Größe. Es hat fast nur un. glückliche Kriege gesührt und sich doch dauernd vergrößert. Der alte Vizekönig Li-hung-tschang hat es einmal treffend mit einer großenSchüsselRets verglichen, deren Oberfläche sich sosort wieder glättet, wenn jemand einen Löffel voll herausnimmt. Was soll der fremde Eindringling in Moskau und Kasan anfangen al» überlegen, wie er mit Anstand wieder aus dem Riesenlande her- auskommt, das keine Armee der Welt auf die Dauer zu besetzen vermag! Rußland konnte«och lS2li mit Kavalleriedioistonen O'scnslven unternehmen, die zusammenbrachen, als sie aus modern« Wallen wie Tanks und Fkieoer stießen." Der Stabsoffizier fetzt dann weiter ausetnander, daß ein. Krieg mit der Entente nicht am Rhein, sondern in Mittel«' deutschland ausgetragen werden würde. Er weist darauf bitv daß auch die K L st e n st ä d t e von uns nicht gehalten werden: können, weil wir keine Flotte baben, daß sämtliche Städta sofort noch der Kriegserklärung Fliegerbesuch erhalten, daß die Blockade von neuem verhängt wird, daß der Hunger zum Munitionsmangel und der Munitionsmangel zum Hunger kommt. Kurz: er führt den Nochweis, daß der Kriez ein völlig aussichtsloses Unternehmen ist, das nicht nur uns, sondern auch Nußland nur noch tiefer in den Ab« grund schleudern würde. Was der Stabsoffizier ausführt, ist durchaus nichts Neues, es müßte jedem Arbeiter geläufig sein. Aber daß gerade heute das Einfachste immer wieder gesagt werden- muß. zeigt uns. wie sebr die Begriffe vorwirrt sind und wie notwendig es ist, Klarheit in die Köpfe zu tragen, damit die Arveiter- klass: vor gefährlichen Katastrophen bewahrt bleibt. Die Hetze gegen den R.«?. B. Die reaktionäre Presse entfaltete in den letzten Wochen eine ge- steigert« Hetze gegen den Republikanischen Führerbund. Die Oesientkichkei, weiß, warum. Das Heer soll zu einem politi« s ch e n Machtinstrument allererst-» Ranges gemacht werden. De«« halb muß jeder Einfluß von außen her auf die Soldaten gebrochen werden. Die Soldaten sollen nicht an ihren E i d, nicht daran erinnert werden, daß sie im Dienste der Republik stehen und dieser die Treue zu wahren haben. Die Führer, die Gegner der Republik, sie wollen herrschen, sie wollen aus der Armee ein willfähriaes Werkzeug der Monarchie machen. Eie sind es auch» die die Hetze in der reaktionären Presse gegen den Führerbund' näbren. Und der Reichswchrminister Dr. Ee hl er? Er wagt es nicht, dieser Hetze offen entgegenzutreten. Wenn aber der Führer- bund bei ihm anfragt, wie er sich zu den reaktionären Treibereien stellt, dann antwortet er salomonisch. Dann schickt er eine Antwort wie dies«: Der Reichswehrminister. Berlin W. 10, den 2l>. Okt. 1920. H. L. Kr. 299. 0. 20 I. 1 m. v Zum dortigen Schreiben»981. 9. 29 beehre ich mich dem Bund« mitzuteilen, daß ich nach wie vor die A n s i ch t vertrete, daß erst. das Reichswehrgesetz über die Stellung der Bünde in der Wehrmacht entscheiden wird, und daß bis dabin die bloße Zugehörigkeit zum R. F. B. oder der Besuck feiner Ber- sammlungen keinen Grund zur Maßregelung eine» Angch<*'»� d* Wehrmacht bildet. � g,.ich.m-»rministe-. Dr. S« ß l« r. Herr Dr. Gcßler ist also der„Anficht". �«in Cnhangei de, Führerbunde- nicht gemnßregelt«erd«', darf. Geeckt und d Seinen find andern..Ansicht. Da 2' l* General Seeckt in der Reichswehr herrscht, kümmert sich um d,e Anficht" Dr Geßlers niemand. Es wird weiter gemaßregelt, weck Di OHjIet wohl Ansichten äußern darf, sonst aber nichts zu sagen hat. Ein« kümmerliche Erscheinung, dieser Bürgermeister au» Nürnberg! Nene Industriefuflonsn Der Konzcntrationsprozeß in de: deutschen Industrie schreitet unausttaltsam vorwärts. Wie das„Berliner Tageblatt" mitteilt, sind jetzt Verhandlungen über eine Interessengemeinschaft zwischen der Deutsch-Luremburgischen Vcrgwcrksgesell- schaft und den Adlerwerken vorm. Heinrich Klemer i« Frankfurt a. M. im Sange, deren Zusammens bluß den großen Montantrusts tu Deutschland einen neuen, sehr kapital- und pro- duktionslröftigen hinzufügen würde. In den bisherigen Verband- langen zwischen den Vertretern der beiden Unternehmen ist die grundsätzliche Geneigtheit zu einer Interessensemem- schaft bereits auf beiden Seiten festgestellt. U-ber den Abschlug der Verhandluugen, die wahrscheinlich eine Kapitalsbeleiligung Deutsch Luxemburgs bei den Kleyerwerken ergeben werben, ist noch nichts bekannt. 'z Amsterdam Von Salomon Dembitzer. Die erste Nacht, als ich in meinem Hotelzimmer lag. hat mich dos singende Klingen einer Glocke geweckt. Durch das Fenster schaute die Finsternis und von weitem ertönte der Schall einer Glocke, bevor die dritte Stnn.dc der Witternacht ausklang. Es war ein närrisch eintöniges Liedche« uick, mir kam dann plötzlich alles so seltsam vor. Noch lang nach seinem AusUmgen hielt ich die Augen aus und schaute in die«sinsterni» hinein... Und dann Hab ich plötzlich Furcht bekommen und der Gedanke stieg in mir aus: JBenn du in diesem einsamen Hotelstubchen sterben solltest, wird kein Hahn nach dir krähen." Dann wurde auch mein Gewissen unruhig und ich fuh.te, wi« es in meinem Innern kochte:„So, so plagt man sich erst ab in dieser Welt... Leidooll strebt man. ttaumt man und hat tau.end Hoffnungen, dann fährt man fort in e,n fremdes Land, rn«in lleines armes Hotelstübchen. um dort feine Seele Zurückzulassen... Ich schloß mein- Augen und plötzlich schien m,r. es risse jemand an meiner Tür... Man hört einige stimmen. lemand fchrett- „Ist der Gast aus Nummer 11 gestcrben?"... Ein paar rooe, starke Hände berühren meinen Körper... �mand horcht an meiner Brust... eine Frauenhand zieht die Drtejtasche heraus, die unter meinem Kopfkissen liegt... dann gehen alle rückwärts hinaus und lassen mich allein.—, Ich Hab die Augen wieder aufgemacht, meine Stirn war mit Schweiß bedeckt. Draußen begann schon der Tag zu grauen, eine trübe graue Nächtigkeil schaute herein. Mir wurde dadurch schon etwas leichter, aber doch verflucht« ich da» Schicksal, das mich während mciner besten Jahr« in fremden Ländern herumwarf und mich Nächte in solch traurigen Hotelzimmern verleoen ließ. JL Die» all» ist Amsterdam! Ein Dutzend Erachte, von denen sich einige lang hinziehen und aus welch« die Amsterdamer sehr stolz lind. Ein Dutzend Erachte, schmutziges Wasser, auf denen eine Welt»on Staub liegt, herein- geworfene Stücklein Scherben und Acstlein. Stroh und andere Kleinigkeiten, und dann verschiedene große und kleine Schisie und Motorboot«, in die den ganzen Tag lang Fässer, Kästen. Säcke, anncfüllt mit Ware, Bretter und andere Sachen verladen werden. Und manchmal im Vorbeigehen schlägt uns ein nicht sehr ange- nebmer Geruch entgegen... Und die anderen Schiffe, auf denen man keine Ware verlädt, sind mit allerlei Wä ch«. mit rotcn und blnien Unterhosen und Hemden, halbzerrissenen Röckchen und Hosen behängt, die manchmal im Winde flattern und ihre Grüße zu den an beiden Selten stehenden Häuschen schicken. Manchmal, bei Nacht, wenn keine Ware aufg'ladcu wird, liegt die ganze Gracht in tiefer Ruhe. Der blau« Himmel schaut auf die kleinen Eeschäftchen, die an den beiden Seiten der Gracht zu- sawmengedrückt stehen, und ihr« kleinen Lamplei» spiegeln sich im Wasser. So. ins Wasser schauend, steht man die Reihen der Ee- schäste entlangziehen, mit ihren Giebeln nach unten... Es scheint dann, daß die Gracht von Amsterdam» onstigen Zeiten träumt. In stille und tief« Trauer eingehüllt bangt st« nach ihrer Kindheit. Zeitweise steht man auf ihr ein oenrrt-s Schifflein vorbeifahren. Still und schwer steht auf ihm ein alter Mann, der mit der Schaufel arbeitet. Still und schwer zieht er die lange Gracht entlang... Und je weiter das Schiff sich ent- kernt, um so undeutlicher wird die Gestalt des Alten... Eine stille Müdigkeit umhüllt die Seele, und sie will mit dem Alten an traend ein End« der Welt fliehen, dortbin, wo keine Waren mit Schisien, keine Läden mit Krämern vorhanden sind, dort, wo dt« müde, ausgequölte Stirn der Stiefkinder dieser Welt geküßt wird von der ewigen Stille! III. „Merkwürdig, in jeder Stadt dasselb«!" �An den Abenden spazieren sie in den Hauptstraßen, ihre Augen blitzen wie Feuer, ihre Wangen sind blühend rot, ihr Gelächter klingt so heimisch und süß und weckt im Herzen des einsam Vorübergehenden die bereit» eingeschlafen« Eitelkeit und Hoffnung." Ein milder Abend. Die Kclverstraat»lebt sich schmal und lang hin. an beiden Seiten sieht man nur Geschäft«. Ueber tausend verschiedenen Auslagen glitzern kleine und groß« elektrische Lampen und die ganze Straße badet sich in helle angenehme Nächtigkeit. Ein Strom Menschen, junge und alte, spaziert lang'am hin und zurück, und e» begegnen sich manchmal Blicke, jene Blicke, welche die geheimste Leidenschaft ausdrücken, die vom Jüngling zum Mädchen zieht... Und die, zufammen mit dem schönen Abend. diese schöne lange Straße noch tiefer und funkelnder machen. Und es scheint, daß diese glänzenden Auaen die ganze Ordnung und Einrichtung dieser West anklagen wollen: Oh. warum bindet man uns mit tausend Stricken... Wir junaen Menschen wollen un» herzen und küssen mitten auf der Gasse... Oh, Ordnungsbüter, i�r älteren Vorübergehenden, babt ibr nicht auch einmal dieselben Träume aebabt? Hat euch nicht auch einmal der Frühling seine schönsten Geheimnisse zugeflüstert? Ihr geht mit haßerfüllten Blicke» vorbei, n warum haßt ihr die blühend« lachende Iuaend!?... Und stört unjer höchstes Glück und unsere heiligste Freiheit?"— Und im Vorbeigehen begegnen sich die Blicke und heften sich ineinander, und die jungen Herzen schlössen stärker, und der Wind streichelt die immer röter werdcndcn Bäckchen. Und merkwürdig, in ieder Stadt trifft man sie zu gleicher Zeit, mit denselben Träumen und Hoffnungen, mit denselben blitzende» Augen, welche dir manchmal deine ganze Rnbe und Selbständigkeit rauben. Ich habe mich unt�r sie gemischt in der Koloerstraat. Es war in der Dämme stunde. Nach und nach sind mehr und mehr elektrische Lamnen in den Schaufenstern erlen worden. Ich schaut« in die Gesichter von Hollands schönen Töchtern, welche schmeichelnd« Worte redeten in einer Sprache, du fremd in meinen Ohren klang. Doch mitunter legten sich ihre lungen Töne so süß auf mein Herz und weckten dort Erinnerung meiner einstigen Jugend.», beim Anblick von anderer Glück und Schönheit sing mein Herz an, sich nach etwa» zu bangen... Und es uwrdc mir plötzlich f» schwer... Und beim Weitergehen schien es mir. daß der Blick eines vorübergehenden Jungen Mädchens mir deutlich sagt«:..Di« suchen wir nicht, dich nicht." Und ich berührte meinen Kopf und merkte plötzlich, daß schon bald olle mein« Haare ausgegangen waren. Gleichzeitig erinnerte ick mich, daß vor einigen Tagen ei» � junge, Mädel, dem ich vorgestellt worden war. mich auf 11 Iabr« geschätzt- hatte, obgleich ich 12 Jahre iünger«ar. Da plötzlich schreckte eine mir bekannte Melodie mich aus meinen Gedanken. „Das war in Schöneberg im Monat Mai, Ein kleines Mägdelein war auch dabei"... Das Echo klaug lang noch in mir nach. Ein paar Mädche* hatten es Im Vorübergehen gesummt; ich ging ihnen gleich nach und suchte sie. konnte sie aber nicht mehr finden. Und mir wurd« noch schwerer danach... Es fiel mir dann ein, irgendeine Ae- kanntsbaf« ni machen, vielleicht würde das drückend: Gelühl dadurch vergehen. Und als ich dann ein ein'ames Mädchen oot einer Auslage stehen sah. ging ich zu ihr und fragte sie in deul« scher Sprache: „Darf ich Ihnen Gesellschaft leisten, liebes Fräulein?" „Versta niet." Ich nahm all mein« holländischen Sprachkcnntnisse znsamme» und kragte sie: „R-illt mit mal een btttje wandeln?" „Versta niet", antwortete sie wieder.„ „Eein bittfe Ease... Konzert?.. stammelte ich, mit d-n Händen verzweifelt auf ein nicht weit entfernt liegendes, große' (Tak� weisend. Aber sie antwortete nur gelassen schmeichelnd: ..Versta niet." Mit Bedauern ging ick von ihr. denn sie hatte ein edles EeM und ein paar klugen Augen. In ihren Bäckchen befanden r* jene Zwei Grübchen, welche so viel Reiz geben. �.. Mich weiterscbleppcnd. befand ich mich plötzlich auf dem brandt Plein, einem runden Markt mit einigen Kaffees, denen im Freien an kleinen Tischen viel« Menschen saßen. von innen au» de» Kaffees börte man grobe Musik klin� Mitten auf dem Markt war ein kleiner Park mit einigen vor denen da, Denkmal Rembrandts stand. Zu den tstgenuv«' liegenden Kaffees schauend, schien es aufmerksam auf jene ro? Kafseebaustöne zu horchen... Mechanisch setzt« ich mich auf eine der Bänke in den Park, � Denkmal bc trachtend und mich in Gedanken vertiefend... Auf einmal bemerkte ich auf derselben Bank d'c Gestalt eim jungen Mädchen sitzend. Ilir Gesicht konnte ich nickt mehr erkenne«, da der kleine Park schon in stille Dunkelheit war. Dock ich überlegte nicht lang und, zu ihr heranrücke� fragte ich in deutscher Sprach«: ..Vielleicht darf ich Ilnei, ein bißchen Gesellschaft l-isi� Wollen Sie nicht in ein Kaffee mitgehen?" �Daat zal ntet gaan. meneerl" hörte ich ein quietsche»� Stzmmche» antwarten. und mit einem jung lustigen Sela«� lüf sie von der Bank fort.., in den bekannten Lokalen Prostitution der Presse Aus Wien wird uns geschrieben: Obwohl aus den veröffentlichten Akten der Wiener ungari- schen Gesandtschaft, deren Echtheit nach anfänglichem dreisten Ableugnen jetzt nun von der ungarischen Gesandtschaft auch zugegeben wurde, klar hervorgeht, dah die ungarische Regie- rung in Wien.und Deutschösterreich eine ganze Reihe von Zeitungen kaufte und mit Zeitungen und Iour- nalisten anderer Länder auch ganz merkwürdige Ber- biudungen anknüpfte, hat sich die bürgerliche Presse der gan- zen Welt verschworen, die schmutzige Angelegenheit tot zu schweigen und auf diese Weife die internationale Solidarität der Käuflichen in der ganzen Welt recht drastisch vorzuführen. Es verlohnt sich also, einen kurzen Ueberblick über die Blätter und Journalisten zu geben, die in den verschiedensten Ländern in Horthys Dienste traten. 1. Dem führenden Organ der Ehristlich-Sozialen in Wien wurde von einem hohen„ungarischen geistlichen Würden- träger" eine ANEion..geschenkt". 2. Die grotzdeutschen und christlichsozialen Zeitungen in Wien...Reichspost"...Deutsche Tageszeitung". „Deutsche V o l k s z e i t u n g". erhielten eine Zuwendung von 2 Millionen Kronen, um monarchistische und den An- schlutz Deutschösterreichs an Deutschland bekämpfende, die So- zialdemokratie verunglimpfende Annoncen zu bringen. 3. Die Blätter der Elbemühl-Aktiengesellschaft(„Der Neue T a g",„Allgemeine Zeitung".„M ittags- b la t t",„Extrablatt") erhielten eine Jahressubven- tion von 240 0«) Kronen von der ungarischen Gesandtschaft, um horthyfreundliche Nachrichten abzudrucken. 4. Der Direktor dieser Aktiengesellschaft, Armand Erdös, erhielt 60 000 Kronen und 30 000 M., um dieselbe schmutzige Arbeit zu besorgen. Aus den Akten geht hervor, dah Herr Erdös nach Berlin fuhr und dort mit einigen Blättern Abmachungen schlotz. Die Identität dieser Blätter könnte leicht festgestellt werden, denn in dem Berichte heißt es, daß Direktor Erdös nach Berlin fuhr und dort mit den betreffenden Blättern die Vereinbarung traf, vier Tage nach der Unterfertigung des ungarischen Friedensvertrages, die am 4. Juni 1920 erfolgte, ungarnfreundliche Artikel zu bringen. 5. Der Redakteur des„Reuen Wiener Journal", Leopold Mandl, erhielt von der ungarischen Regierung einen Monatsgehalt von 10 000 Kronen und„seine ausgezeichnete, mit grosser Hingabe" geleistete Arbeit wird in einem Ge- sandtschaftsbericht noch besonders hervorgehoben. 6. Das militaristisch-antisemitische Wochenblatt„Volk,. st u r m" erhielt eine Subvention von 40 000 Kronen von dem ungarischen Gesandten. 7. Ein Redakteur der„Reuen Freien Presse". Philipp Geiger, gab eine Quittung von 8000 Kronen der un- «arischen Gesandtschaft, erklärt aber dieselben nicht für poli- tische Dienste erhalten zu haben, den Bezug des Geldes gibt er aber zu. 8. In der Slovakei kaufte Horthy eine ganz« Anzahl flei- nere und größere ungarische, deutsche und slovakische Zei- tungen. 9. Von„Le Journal" heißt es in dem Berichte des Pressechefs der Wiener Gesandtschaft, daß es sich der ungari- schen Regierung zur Verfügung gestellt hat. 10. Von dem angeblichen holländischen Journalisten. Sosro Kartono, von indischer Herkunft, wird berichtet, daß der ge- dungene Mandl ihn der Gesandtschaft zuführte und er sich erbötig machte, die ungarische Sache in der ausländischen Presse, wo er große Verbindungen haben soll, zu vertreten. 11. Der Redakteur der in der Schweiz erscheinenden„F r i- bourger Nachrichten", Paucharo, kam mit einem Empfehlungsschreiben von Prangin, wo sich bekanntlich der Exkaiser Karl aufhält, nach Wien, um mit Empfehlungen der Gesandtschaft nach Ungarn zu reisen. 12. Mussolini, der Redakteur des„P o p o l o d'J t a l i a". schloß mit dem ungarischen Ministerialrat Eeza Hcrczeg, nach dessen Bericht an die ungarische Gesandtschaft, eine Vereinbarung, sein Blatt den Horthy-Nachrichten, die aber nicht in offizieller Aufmachung erscheinen und Herrn Mussolini nicht von einer amtlichen Stelle zugeschickt werden sollen, zur Verfügung zu stellen. 13. Der in Mailand lebende ungarische Spion soll mit dem Quästor von Mailand. Commandatore Eesti, in Verbindung stehen und ihm die geflüchteten ungarischen Emigranten denunzieren, die dann Commandatore Eesti ausweisen läßt. 14. Der in Wien lebende Berichterstatter der Madrider „A. B. C.". Anicto Sardoy Vilar. wird vom ungarischen Ministerium des Aeußeren der Gesandtschaft als besonders horthyfreundlich angelegentlichst empfohlen. Es ist natürlich nicht die ganze konterrevolutionäre Presse- Verschwörung mit diesen Angaben aufgedeckt, denn nicht das ganze Archiv der Gesandtschaft kam durch die mutige und aufopferungsvolle Tätigkeit eines Menschen, der von den Treibereien der Horthy-Leute angeekelt wurde, in die Oeffentlichkeit. Aber diese Angaben geben ein gutes Bild sowohl von der Käuflichkeit der bürgerlichen Presse der ganzen Welt und von der Solidarität, die die Bourgeoisie aller Länder mit dem schändlichen Regime der Hängechristen und dek, Totengräbern der Republik in Deutschösterreich und in der Tschechoslovakei verbindet. Es ist recht traurig und bedrückend, daß die Macht der republikanischen Kräfte und des deutschösterreichischen Staates so gering ist. daß die fran- zösische Unterstützung Horthy-Ungarns so mächtig ist. daß der ungarische Gesandte nach diesen Enthüllungen nicht abge- schaben wurde und daß anscheinend auch die Regierung der Tschechoslovakei nichts gegen die Weißgardisten zu unter- nehmen wagt. Als zur Zeit der ungarischen Rätcdiktawr der ungarische Sowjetgesandte in Wien, der Genosse Czobel, der seit einem Jahre in Horthys Gefängnis schmachtet, von der Wiener bür- gerlichen Presse und der Wiener Polizei beschuldigt wurde. daß er seine Hand in der Wiener kommunistischen Agitation habe, wurde von der deutschösterreichischen Regierung erklärt, daß Czobel als Gesandter ihr nicht mehr genehm sei, und er wurde tatsächlich abberufen. Run wartet man vergebens darauf, daß dem Herrn Eratz und seinem Pressechef die Passe zugestellt werden. Horthys bewafsnete Truppen stehen zwei Stunden weit von Wien, auf einen Vorwand lauernd, das rote Wien zu überfallen, dessen Bewaffnung aber von den- selben Ententeoffizieren verhindert wird, die nichts gegen eine Ausstellung der großen ungarischen Armee haben. Auch mit ein Beitrag zur Erstarkung und immer zunehmen- den Dreistigkeit der Weltreaktion. Frankreichs Kohlenversorgung In der deutschen Presse waren vor einiger Zeit im Anschluß an eine Rede des französischen Ministers Le Troquer einige Zahlen über die Kohlenversorgung in Frankreich wiedergegeben worden, die erkennen ließen, daß sich die Versorgung der französischen In- dustrie, der Verkehrsanstalten und der Privaten in letzter Zeit durchaus günstig entwickelt hat. Eine Havas-Note bestreitet nun die Nichtigkeit der Angaben. Aber selbst die in dieser Note wiedergegebenen Mitteilungen lassen erkennen, daß die Kohlen- Versorgung Frankreich» außerordentlich viel Lang blieb ich noch fitzen und erzählte in stummer Sprache dem Denkmal des großen Künstlers von meinen ewigen Enttäufchun- gen. von meinem verbitterten Herzen, von meiner Fremdheit und tiefen Einsamkeit.... „George Groß" schon wieder beschlagnahmt. Nachdem bereits am g. September die politische Mappe„Gott mit uns" von Georg- Groß beschlagnahmt wurde,«rscksienen am 15. Oktober abermals drei Herren des Polizeipräsidiums Berlin, Abteilung 1», dieses Mal auf Anordnung des Oberstaatsanwalts beim Landgericht II. Sie hatten den Auftrag, etwaige vorhandene Mappen, sowie die Steine und Platten mitzunehmen. Si-�begnügten sich indessen nicht damit, sondern beschlagnahmten außer dem Nestbestand a» Mappen noch sieben Originale von George Groß, zum Teil solche. die nicht in der Mappe.Gott mit uns" veröffentlicht sind. Der Staatsanwalt der Republik kann mit diesen reaktionären Gewalt- maßnndn'-n die anHmil'taristisch-antikan'WbU'V Der politisch-Ltze�den Zeichnungen des Künstlers George Groß doch n'�t abmu'ki-n! Studentenhilfs. Ein Aufruf zur Linderung der Notlag« der Studierenden wird von einer großen Anzahl führender Personen aus Kunst und Wissenschaft mit dem Kultusminister an der Spitze erlassen. Es heißt darin:„In augenfälliger Weise tritt der Notstand unter der Studentenschaft in der Stadt Berlin hervor, da hier die Lebensbedingungen durch die in ungewöhnlichem Grad« erhöhten Wohnungs-, Lebensmittel- und Fahrpreise ganz besonders er- schwere sind. Hilfe tut dringend not. an erster Stelle für Ernäh- rung, Wohnung und Kleidung. Tausende von Studierenden an den Berliner Hochschulen können sich nur einmal in der Woche«in warmes Mittagessen beschaffen. Daher geht unser Bestreben dahin, nach Art der Quäkerspeisung M i t t a g t i s ch e für Vedürftige Stu- deuten zu errichten. Zahlreiche Studierende verfügen über keinerlei Wohn- oder Echlafräume und sind genötigt, die Nächte aus Bahn- hosen und ähnlichen Zufluchtsstätten zuzubringen. Eine weitere Aufgabe ist sonach, Unterkunstsmoglichkeitenzu schaffen. Bei der Nutzbarmachung öffentlicher Gebäude zu Wohnzwecken wird darauf Bedacht zu nehmen sein, daß auch den Studierenden Räume zugewiesen werden. Wer sich in der Lag« sieht, durch den eigenen Haushalt zu helfen, der möge Studierenden kostenlos oder zu niedrigem Preise und bei Selbstbedienung einen Schlafraum zur Verfügung zu stellen oder einen Freitisch gewähren. Sodann besteht bei einem außerordentlich großen Teil oer Studentenschaft «in Notstand hinsichtlich der Bekleidung. Wer dazu imstande ist. wird herzlich gebeten, durch Hergäbe von Leibwäsche, lieber- kleidern oder Schuhwerk auch dieser Notlage zu steuern. Ferner muß danach getrachtet werden. B ü ch e r zu beschaffen. Tatlrästsg sind in dieser Hinsicht amerikanisch« und englisch« Professoren vor- 0 lÄllung auch nur der bitterster Not stnd sehr erhebliche Summen erforderlich, die nur ausgebracht werden können, wenn alle Kreis« des Volkes bei diesem Hilfswerk einmütig zusammen- stehen und tatlräsug mitwirken. Zm Interesse von Wissenschaf: und Kunst, deren Bestehen und FortbUdun» gesährdet find» und da, mit im Interesse der deutschen Nation wenden wir nns, über den Parteien stehend, an die Oeffentlichkeit mit der dringenden Bitte, den Studierenden der Berliner Hochschulen ihre Hilfe nicht zu versagen. Die Verwaltung und Verwendung der eingelaufenen Beträge liegt in den Händen eines Kuratoriums, dem außer den derzeitigen Rektoren der Berliner Hochschulen weitere Vcr- treter der Wissenschast und Kunst sowie von Industrie, Handel und Landwirtschaft angehören sollen." Professor Charles Nichet, der berühmte französische Gelehrte, beschäftigt sich in letzter Zeit mit Forschungen über den Gebrauch antisevtischer Mittel, ein Gebiet, das weiteste Kreise interessiert: denn jeder kommt in die Lage. Antiseptika zur Auswaschung von Wunden oder zur Hautdesinfektion zu gebrauchen; ja. sie werden sogar täglich bei der Toilette angewandt. Richet hat die seltsame Entdeckung gemacht, daß sich die Mikroben, die man töten will, nach und nach an ein antiseptisches Mittel gewöhnen, und daß sie nach einigen Generationen(die Mikroben vermehren sich mit großer Schnelligkeit) dem Mittel völligen Widerstand enigegenfetzen. Es ist dem berühmten Phrstolegen gelungen, go- wisse Rassen von Mikroben heruistellen, die gegen ein bestimmtes Mittel widerstandsfähig sind. Eine Wunde, in der Streptokokken- leben,— eine der häufigsten Mikrobenarten— wird, wenn man Sie z. B. mit einer Lösung von Phenol auswäscht, am ersten Tage ast vollständig sterilisiert sein ohne daß man jedoch alle Mikroben und ihre Spuren zerstören konnte. Wenn man nun mit der gleichen Dosis fortfährt, so stellt sich nach einigen Tagen heraus, daß die Wunde nicht mehr sterilisiert ist. und daß die Strepto- kotken umherwimmeln, als ob nichts geschehen sei. Und man kann die Dosts nicht vermehren: denn das würde dem Zellgewebe schaden. Au« dieser Tatsache und aus anderen ähnlichen schloß Professor Nichet. daß man das Antiseptikum, mit dem man arbeitet, oft wechseln muß. auch bei der inneren Medizin, z. B. bei der Tuber- kulose, damit den Generationen von Mikroben keine Zeit gelassen wird, sich dem ersten Mittel anzupassen. Ein Flammneion-Indiläum. In Baris wurde vor eivlnen Tagen ein Fest zu Ehren Eamille Flammarions, des populären französischen Astronomen, gefeiert, der nunmehr vierzig Iabre wissenschaftlicher Tätigkeit hinter sich hat. Das Fest wurde im Park des Observatoriums von Iuvisy gefeiert, wo Flammarion seine aitronomssche Tätigkeit ausübt. D« Staatsoper strahlt blauer Himmel, seit stch das Mllnche- ner Singvogelchen Maria Ivogün zu einem kurzen Aufenthalt in diesen Räumen niedergelassen hat. Wie Schlichtheit und Affekt tn ihrem Wesen zum reinsten Ausdruck zusammenvibrieren, hastet als nachklingendes Erlebnis. Alle Grellbetten frllhverdischer Arien- bravour dampfen sich unter Ihren ätherischen Fittichen»u seelischen Werten. Ihre Gestaltung der Gilda(im Rigoletto) gebiert dynamisch ganz neue, verinnerlichende Schattierungen. Ibr Atem trägt die feinsten Nuancen.- Sie»st d, e Mimt der Pucc, nischen «»Hein«. Jeden Zug tn»«entimentale weiht sie menschlich ergreifend. In ibrem unirdisch krankhaftzarten Singen verdäm- inert erschütternd das Herz der kleinen, ermattenden Blume. Bon rhren Lippen strömt Novalis-Romantik. F. F. jß. besser ist als die Deutschlands. Di« Eisenbahnen habe» danach Vorräte für 28 Tage. Der Vorrat für die Gasversorgung von Paris betrug 160 ovo Tonnen. In den ersten sechs Monaten 1320 ist die Kohlenbelieserung von Paris mit 78 Prozent gedeckt worden. Der gegenwärtige Vorrat der Stadt Paris beläuft stch auf 130 000 Tonnen und reicht für 15 Tage bei einer Zuteilung von% des üblichen Bedarfs. Die Landwirtschaft verfüg« gegen- wärtig über 370 000 Tonnen, eine Menge, die gerade für de» Aus- drujch ausreiche. Selbst wenn asso diese Angaben und nicht die damals von dem Minister Le Troquer angegebenen richtig sind, bestätigen fie, daß die Kohlenoer'orgung Frankreichs weit günstiger ist als dt« von Deutschland. Es unterliegt ja auch kaum einem Zweifel, daß der gewaltige-Tribut Deutschlands an Frankreich durch die Kohlen» lieserungen nicht nur von dem Bedürfnis Frankreichs nach besserer Versorgung mit Kohle, sondern auch von der Absicht, auf diesem Wege einen Vorsprung im industriellen Leben zu erlangen, diktiert ist. Die Machthaber Frankreichs find kein« Philantropen. sonder« Kapitalisten, die sich nur von kapitalistischen Er« wägungen leiten lassen. Nüssische Konterrevolutionäre �In der seit einigen Wochen tn deutscher und französischer Sprache erscheinenden„Polnischen Korrespondenz"(Nr. S) findet sich ein interessanter Bericht über die Treibereien der russischen Konterrevolutionäre in Polen, die von hier aus eine neue Front gegen Sowjetrußland aufzurichten suchen. Es heißt in diesem Bericht: In der seit einigen Wochen in deutscher und französischer Sprache erscheinenden„Polnischen Korrespondenz"(Nr. 8) befindet sich ein interessanter Bericht über die Treibereien der russischen Konterrevolutionäre in Polen, die von hier aus eine neue Front gegen Sowjet-Nußland auszurichten suchen. Es heißt in diesem Bericht: � Polen wird zur diplomatischen Zentrale der russischen Konter» revolution. Das seinerzeit hier gebildete„Russische politi- sche Komitee", an dessen Spitze Sawinkow steht, zieht fortwährend neue Kräfte von allen Seiten heran und entfaltet eine immer regere Tätigkeit. Jetzt stnd in dasselbe auch der frü» hcre Minister für russische Angelegenheiten in der Ukraine, Professor Ldyniece, und der Kiewer Rechtsanwalt lllanicki eingetreten. Beide sind tätige Mitglieder des..Auferstehungsbundes", einer Organisation, die bankerotte Sozialisten und Republikaner zum Kampfe gegen die Sowjet-Ordnung in ihren Reihen vereinigt. Wie„Ruh Preß" mitteilt, führt zur Zeit Sawinkow auch lebhaft- Verhandlungen mit P e t l j u r a. Sawinkow, Filososo«, Odyniec, Ulanicki, Dikhof, Derenkhal, Mereschkowsti und Bulanow haben in der in Warschau erschei- ncnden„Swoboda" eine vom 4. d. Mts. datierte politische Er- klärung veröffentlicht, in der sie mitteilen, daß sie die Regierung des General Wrangel anerkannt haben, und ihren p�ltti- schen Standpunkt formulieren. Dieser gipfelt in der Versicherung, daß die Gewähr eine» er- folgreichen Kampfes mit den Bolschewisten ein enges Bündnis zwischen Polen und dem„demokratischen Rußland", d. h. mit ihnen, bildet. Sie seien für die Verteilung des Grund und Bo- dens unter den Bauern, natürlich— mit einer Entschädigung der jetzigen Besitzer Die Höhe derselben soll eine Konstituante fest- setzen, die auch die neue Staatsordnung in Rußland zu destim- men haben wird. Sie erkennen endlich die Selbstbestimmung der Völker an und bestreben eine Föderation Rußland» mit Estland, Lettland, Litauen, Georgien und der Ukraine. Das Plebiszit dieser Völker soll aber erst nach der Aufrichtung einer„legalen" russischen Regierung stattfinden, damit deren Knute ihnen als Wegweiser diene. Heber Polen schweigen fie sich vorläufig aus. Sie find nicht so naiv, um jetzt schon, wo fie seine Hilfe unbedingt nötig haben, mit ihren„Ein- verlelbungs"aspirationen hervorzurücken. Zur Vcrwirllichung seines Programms hat das Russische Ko- mitce neben Wrangel mit Unterstützung der polni» schen Regierung eine eigen« Armee aus rufst- schen Kriegsgefangenen in Polen geschaffen, die dessen oberster Heeresleitung untersteht und den General Bolachowicz zum Führer hat. Sie ist gegenwärtig über 15 000 Mann stark und soll in einem Monat doppelt so viel haben. Auf Grund eines Vertrages mit Polen besitzt fie das Recht, im Falle des Friedens- schlusses Polens mit Sowjet-Rußland,„sich in das Innere Ruß- lands zu werfen oder zu Wrangel zu gehen". Diese Armee hat bereits ihre ersten glorreichen Heldentaten vollbracht. Es find dies blutige Pogrome an der jüdischen Bevölkerung. Greise und Kinder nicht ausgenommen, in Kamieniec-Kaszelsk, Pinsk und anderen Orten(siehe„Nasz Kurf er" Nr. 236). In diesen Tagen war auch Graf P a h l e n in Waffchan. Nach Verständigung mit Sawinkow hat er stch dem Russischen Komitee untergeordnet. Er organisiert In Lettland eine antibosschewistische Armee, in die Abteilungen der früheren Arme« Zudenicz aufgenommen werden. Die rasche Sammlung aller dieser Kräfte ist hauptsächlich dazu berechnet, gegen Eowjetrußland im Falle einer endgültigen Niederlage Wrangel» einzuspringen, die von Sawinkow mit Ve» stimmtheit vorausgesehen wird, wenn es in Riga zum Frieden kommen sollte. Die sozialistische Bewegung in Italien Das Agrarproblem TU. Rom, 22. Oktober. Auf derTagungdersozialistischenPartetleitung in Florenz erschienen Vertreter der Eisenbahn, des Verbandes der Seeleute und der Anarchisten. Sie forderten, die Partei solle die Verhaftung der Anarchisten mit der Proklamation des General' streit» in ganz Italien beantworten. Die Parteileitung ent- schied sich jedoch gegen den sofortigen Generalstreik und de- schränkte sich auf die Veröffentlichung eines drohenden Manifestes. — Die Gefahr der S p a l t u n g der sozialistischen Partei ist naher gerückt, da die Kommunisten noch vor dem allgemeinen Florentiner Parteitage eine Sonderkonferen, nach I m o l a einberufen haben. S e r r a t i und G e n n a r i von der Parteileitung reisen nach Berlin. �<. Das Verfahren zur Austeilung unvelauter oder schlecht oevaukee Ländereien wird durch ein Dekret verotnfacht. beschleunigt und für Sizilien zentralistert. Besondere«estimmungen finw« d*» Melioration de» Ageo Romano, tn dem verpachlössigtc Ländereien den Meliorationskonsortien nicht wie bisher vorüber-' gehend anvertraut, sondern«udgültig abgetreten werden. > J rrrr Gewerkschaftliches Afa und Internationale Der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände ersucht uns um die Veröffentlichung nachstehender Erklärung: Die Delegiertenversammlung aller an die Afa angeschlossenen Verbände hat kurzlich in einer Kundgebung grundsätzlich zur Frage des internalionalcn Zusammenschlusses der freigewerkjchastlichen Arbeiter- und Angestelltcnorganisationen Stellung genommen und sich für den Anschlug an den Internationalen Kewerk- sch a f t s b u n d bekannt. Da es bei uns Erundiatz ist, in jeder «ltuation und ohne Rücksicht auf Popular?iät der Angestelltenschast restlos jede notwendige Aufklärung zu geben, so würde in einer Entschließung die 5iampfstellung der Afa gegen das Eewerk- fchaftszertriimmerungs-Direktoriat in Moskau mit aller Deutlichkeit festgelegt. Einige in Demut vor Moskau fast erstorbene Phrasenrevo- k u t i o n ä r e denutzen den Rest ihrer Lebenskraft, um in Ver- jammlungen der Angestellten möglichst oft zu behaupten, die Afa hatte beschlossen,� Kommutiisten auszuschließen. Ein solcher Beschluß ist und konnte niemals gefaßt werden. Es wäre für eine geistige Bewegung, wie sie in der Afa gegeben ist, un- erträglich, politische oder sonstige Besinnungen verbieten zu wollen. Sl?ir sind aber auch keineswegs der Auffassung, daß die Welt- anschauung des Kommunismus identisch wäre mit einer Erfüllung uner Zerstörungsardeit in den Kewerkjchaften, wie sie von den sogen,„k o m m u n i st i s ch e n Zellen" geleistet werden soll. Der Afa-Beschluß besagt, daß für Mitglieder, die solche in den Moskauer Thesen vorgeschriebenen gewerkschaftsfcind- liche Handlungen begehen, innerhalb unserer Organisatio- nen kein Platz sein kann. Bei Auslegung der Entschließung ist entscheidend, daß Hand- langen des Mitgliedes gegen die Gewerkschaft vorliegen müssen, die von den in den Satzungen vorgesehenen Körperschaften unter- sucht werden. Um die politische Gesinnung unserer Mitglieder werden wir uns nach wie vor nicht kümmern. Vielleicht versuchen die Berliner Untertanen von Moskau ihre gestrengen Herren zur Anerkennung desselben Grundsatzes z» bewegen. Sofern sie aber in den Versammlungen der Afa bei Auslegung unserer Beschlüsse s ch w i n d e l n, muß ihnen auf die Finger geklopft werden, wenn- gleich nach dem Moskauer Katechismus in der Nieder- ringung der„freie gelben" Gewerkickaften Lügen und jedes andere Mittel ausdrücklich erlaubt sind. Zum Streik in der Berliner Herrenwäsche-Branche Die Arbeiterschaft dieser Branche nahm in einer Versammlung am 18. d. M. Stellungnahme zu dem gefällten Schiedssvruch. Dieser Schiedsspruch sollte der Arbeiterschaft eine Lohnaufbesserung von 15 Prozent bringen. Die Arbeitgeber haben diesen Schiedsspruch abgelehnt und machten ein Unterangebot, um so den Schiedsspruch zu umgehen. In der Versammlung wies der Leiter dieser Branche, Kollege O. Salcwsky. darauf hin. daß die Kollsgenschaft selbst entscheiden tonne, ob sie den Schiedsspruch oder das erneute Angebot der Ar- Zeitgeber annehmen wolle. Die Abstimmung ergab: 1502 Stimmen sur den Schiedssvruch und 236 Stimmen für das Angebot der Ar- Ä er. Mithin war der Streik beschlossen. Die in dieser Branche gezahlten Löhne sind wahre Hungerlöhne. beträgt doch der Lohn für Zuschneider 196 M., für Näherinnen. Plätterinnen und Zuschneiderinnen 12ö M. pro Woche. Diese Löhne bestehen schon seit Januar d. I. Eine im März d. I. eingeleitete Lohnbewegung endete mit einem Mißerfolg, indem auf Grund der traurigen wirtichaftlichen Ver- Hältnisse, welche im Frühjahr herrschten, die Macht auf Seiten der Arbeitgeber lag und diese davon rücksichtslos Gebrauch machten. Ein Schiedsspruch, weicher im Mai d. I. gefällt wurde, wurde seitens der Fabritanten abgelehnt. Nachdem sich nun die Ver- Hältnisse gebessert hatten, ging die Arbeiterschaft dazu über, erneut Lohnforderungen zu stellen. Ausgang Juli wurde dem Arbeit- gcberoerband eine neue Forderung unterbreitet. Diese betrug K) Prozent auf die bisherigen Tariflöhne. Die Verhandlungen, welche mit den Arbeitgebern geführt wurden, zeltigten kein Rcsul- tat. sondern erboten sich dieselben, ausnahmsweise eine Mrtschafts- beihilfe zahlen zu wollen. Dies mußte natürlich abgelehnt wer- den. Daraufhin wurde seitens der Arbeiterschaft der Schlichtungs- nusschuß für die Bekleidungs-Jndustrie angerufen und der oben er- wähnte Schiedsspruch, der eine Lohnaufbesserung von 4S Prozent bringen sollte, gefällt. In den bürgerlichen Zeltungen wird nun die Nachricht ver- breitet, daß die Führung der Arbeiterschaft diesen Streik provoziert abe aus reinen Machtgelüsten heraus. Sie verschweigen ab« den !escrn dieser Zeitungen die Tatsache, daß sie, die Arbeitgeber, den Schiedsspruch abgelehnt haben. Wir wollen hier einmal der gesamten Arbeiterschaft Groß- Berlins vor Augen führen, wie niedrig die Entlohnung gegenüber den Berkaufspreisen der Wäsche ist. welche in den Schaufenstern der Detailgcschäfte und Warenhäuser ausliegt, um selbst feststellen zu können, wie hoch der Profit ist, den die Arbeitgeber resp. De- taillisten in ihre eigene Tasche stecken. Ein Musterbetrieb. Bei der Firma F. V. Wilke, Automobilbau. Turmstraße 72 und Reinickendorf, Blankestraße 5, ist die gesamte Arbeiterschaft am 6. 16. 1626 in den Streik getreten. Dieser Be- trieb ist eine wahre Hölle für Arbeiter, Angestellte und deren Ber- tretungen geworden. Der Betriebsrat, welcher gezwungen ist, fast täglich Differenzen der Betriebsleitung mit den Arbeitern zu ichlichten, war wiederholt den gemeinsten Beschimpfungen des Firmeninhabers, lowie dessen Betriebsleitung ausgesetzt. Eine sachliche Verhandlung war mit dem Betriebsinhaber nicht möglich. Dauernd setzte Herr Witte sein provokatorisches Auftreten fort. Die letzt- Verhandlung des Betriebsleiters mit dem Betriebsrat wegen der Bezahlung der ausgefallenen Arbeitsstunden vom letzten Elek- trizitätsarbeiterstreik gestaltete sich sehr erregt. Der Obmann wurde von dem Betriebsleiter vor die Brust gestoßen. Als er sich eine derartige Behandlung energisch verbat, wurde er sofort entlassen. Als nun die übrigen Mitglieder des Betriebsrats sich'eine der- artige Behandlung ihres Obmanns verbalen, wurde noch ein weiteres Mitglied des Betriebsrates entlassen. Daraufbin hat dann die Arbeiterschaft die Arbeit niedergelegt und ist fest ent- schlössen, die Arbeit nicht eher aufzunehmen, bis genügend Ea- rantw geboten ist. daß derartige Pr�v-ckutionen nicht mehr vorkommen können, die Entlassung des Betriebsrates rückgängig ge- macht und denselben, wie allen Beschäftigten eine menschenwürdige Behandlung garantiert wird. Wir novellieren dieserhalb an die gesamte Kollegenschaft der Metallindustrie, in dem aufgezwungenen Kampf mit allen Mitteln der Solidarität die streikenden Kollegen zu unterstützen. Proletarische Feierstunden Am Sonntag, den 24. Oktober, vormittngs 11 Ubr, im Großen Schauspielhause. Karlstraße, unter Mitwirkung von Frau Durieur, Rezitation: Herr Schey, Gesang: Herr Konzertmeister Wittenberg, Violine! Herr Drwenski, Orgel: Genosse Felix Stöjsinger, Ansprache. Eintrittskarten ä 2.50 M. sind zu haben in unserem Bureau, Breite Str.?-?. in der Buchhandlung„Freiheit", Breite Straße, in den ,.Frciheit"-Speditionen: Klische, Paukstr. 67, Götze, Treskowstraße, Ecke Diedenhofencr Straße, Wutzki, Johannis- straße 9, Lorenz. Charlottenburg. Wallstr. 68, im Parteibureau, Neukölln. Neckarstr. 3, beim Genossen Kaufmann und am Sonn- tag im Theater. Selbständigkeit Das nennt man den großen Vorzug der kapitalistischen Welt, daß sie die Welt der Selbständigkeit sein soll. Aber diese Auffassung von der Seldständigkeit zeigt uns, aus welch niedrigem sittlichen Niveau die kapitalistische Weltausjassung steht. Selbständig will der kapitalistische Mensch sein. Und das nennt er dann Persönlichkeit. Dabei ist dieser wirt- schaftliche Herrscher dennoch nicht selbständig, sondern ab- hängig, abhängig von seinen Verhältnissen, ein Knecht seiner Konkurrenz, ein Sklave der Gunst seiner Kundschaft. Inner- lich unehrlich, sich selber untreu muß er immer wieder sein, wenn er seine wirtschaftliche Selbständigkeit wahren will. Er ist ein Wirtfchaftssklave ohne jeden Persönlichkeitswcrt. Die Persönlichkeit ist die Selbständigkeit der sittlichen Welt. Innerlich etwas Volles, Ganzes sein, innerlich stark und aufrecht und gerade und ehrlich. Er selber sein, das ist selbständig sein: das ist Herr sein. Selbständig sein heißt: Mensch sein. Und diese Selbständigkeit, diese Persönlichkeit. trägt tausendmal mehr der Proletarier in seiner Brust als der Wirtschaftsherr. Während der Herr, seine Persönlichkeit verachtend, sein wirtschaftliches Herrentum zu sichern sich be- müht, geht der Arbeiter in aufrechtem Stolze durch das Leben. Er will er selber sew, Mensch. PerfbnNchkett. Mk er kann er selber sein in dem stolzen Bewußtsein, daß seine Klassengcnossen jederzeit mit ihm bereit find, seine Menschenrechte zu schützen. Nur das Gemeinschaftsleben ermöglicht das frei« Men« schentum: nur die Befreiung aller Einzelmenschen von den Wirtschaftsbanden, das Heini die Befreiung vom Kapitalis« mus, schafft eine innerlich selbständige, stolze, freie Menschheit. Ein Milchamt für Groß-Berlin. Zum Zwecke ein« geordneteN: und gleichmäßigen Versorgung der Bevölkerung der neuen Stadt» gemeinde Berlin mit Milch hat der Magistrat in Jüusführung der ihm vom Oberpräsidenteu übertragenen kommissarischen Wahr- nehmung der Geschäfte des Magistrats der neuen Stadtgemeind« dem„Milchamt Berlin"(Fettstelle Groß-Berlin) zu seiner bis- herigen Ee chäftstätigkeit die Regelung der Milchveriorgung aller Ctadtgemeinden und Gutsbezirke, die feit dem 1. Oltob« lSZll zur neuen Stadtgemeinde Berlin gehören, übertragen. Die Teilnahme an der Charlottenburger allgemeinen EpetfunK, steht künftig für alle Einwohner der neuen Stadt» gemeinde Verlin offen. Die Speisenausgabe findet statt in der Ausgabestelle Kantftr. 146 werktäglich von ll— 3 Uhr und s» l. JISrlH. UnnfUonJi» Rl-ht-naen. SonnoRenb« Strt, 6«m« M Züchter, Dantzgcr Stt. 45, 7 lOji. Zahlülend(n ben btfannt.n L»kale», 18. TRtIH. S'cetfiooen-g.iet anläßlich bts 150. Geb»rts«a«-s S«tb««n» S«*«» ton, den 24. Cfto'er. rorm, II Uhr, im fiumbotbi-Äino, Badiir, 19. glnirU» 2,50 M, inll, Steuer. Kutten sind Usch in der.Fteihdr-eepeditioii. Sono«."»► bei EUe'che, zit Huben. Der»eMeinsum« Bildun»»-«-��.,� 18. 3M!t->!t. 21 He noch in Sünden der einzelnen.runttionSre beider« befindliche Einlnhfnrten zur Veetdoven geier°nt 24. Llto� � xctri». .Ireitag, den 22. Cftotcr, abends von 0-0 Uhr. beim Sen-Ii-n tfti°,u>- cwui«, Soldiner Str. 26 d. 2 It., abgerechnet werden. Vere�nsKalender „s». a";.'.' fn. wvs. SSS8%» Zierlauoaenolten'ibnit.Tirelhei t«.>g»<,esuchet Ilrli-rschrist»»««» 1.60«II,., jede, mtiterr SD»rt im 7" ■ lest I.—«IIb , Miinnereesüiigvettin.Namiilos" M.d. B.-k.-P. I Am OTtmtau, b. 18. b. 591., verstarb nach nur iünstägigein Aranitenlalier unser langjähriges Mitglied und Sangeudruder Karl Bock Lichtenberg, MühUschstrahe 30. Ehr« feinem Anven den! Wer klug ist, kauft 1.�'fWuns. Schulden untergraben ftrieb» und©ISrfi unbHelnU Das Engraslager W. R.lnicK®, EW.. Katsbach- •tr,aP" as- 0«» Private reelle, dre.leilige Matratzen mit I f V. n— E-ahlmatr-tzen mit Untcriedrr ISO.-, Reib. j btttstcOen ,0.—, Metall- und Kinderdenstellen. Dort kaufen Sie — aus erster Hand 1 1 Wiizeii BriestMe» kauft Oroßmann, Joliannlsstr. 4. Norden KKiäL Amtliches. Bekanntmachung. Für den vom Kreise unkcrkaltenen Arbeitsnachweis � -l.r Neuorganisation und Lei'.ung des Arbeitsnachweises befahtgter Verwalter gesucht. Derselbe muß mit allen das �libeitsnachweiswescu betreffenden V'-csetzen und Bestimmungen sowie m:t den Angelegenheiten der tlrwerbslosensürsorge genau vertraut sein. Es ist beabsichtigt, Um Verwalter evtl. noch andere mit dem Arbeitsnachweis zusammenhängende Ausgaben zu übertragen. Lewerbe?, welche den vorstehenden Anforderungen entsprechen. wollen Gesuche mit Lebenslauf und Zeugnisadschriftcn bis zum K». November bei mir einreichen. Skeurnppln» den IS Oktober 1S20. Der Vorsitzende des Kreis wohlfahrtAM« Spiralbohrer» 10"/, übS 600,—, Metall betten 250,- bis Tagespreis zahlt Installations- 2000.—, weiße Schlafzimmer Meicke. Augustitr. 22h. Ouob. SRödel» Wohnzimmer, Schlafzimmer, Speisezimmer, Herren- zimmer Kücken, einzelne M3bel- stücke, Preise dedeutend herab- gefetzt, auf Wunsch Zahlung»- erleichterung, Mäbclhaus SnisensMdt. Küpen ck r Str.77 78 Ecke Brückenftr. nahe Zanuo- witzbrücke. ,-iü. ■■■ ff!" Kaufgesnche Vuitarre» Mandoline, Gei- e.-nkasten kauft Ricke, Schiff- bnnerd-mm 37. �srnis. Schellaißt, Leim. Bieiweiß, Terpentin kft. Hendl. ....... r______________ chc.n. Produkte. 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