Einzelpreis 30 Pfg. 3. Jahrgang Pretbett ritm morgene ant semtttage, Gommage and Rontage mus etamal. Dr Beangsprets beträgt bet freler Ruftellung ins dous für Greg Berlin 10.- porene jablba: von be pebition felbit at gebolt 9,50 m Für Balb begug nehmen fämtliche Boftenftalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutfcble ab und Defterreich 16,50., für das brige Ausland 21,50. magic Balsta Murichleg. De Brief fis Deutschland und Desterreich 30,- 2. Relektion Crebuie sab Berlag Berlis& Grette Straße 8-8. Sonnabend, 30. Oktober 1920 Nummer 462 Morgen- Ausgabe Ste achtgefpaltene Monpareillezetle obrt beren Raum hoftet 5,-. einfchitektid Eenerungszufchlag. Kleine Anzeigen; Das fettgedruckte Wort 2,- M., jebes meiters Wort 1,50 M., einfchließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen Gefuche 3,20 m. netto pro Zelle. Stellen Gesucht in Wort- Anzeigen: bas fettgedruckte Wort 1,50., jebes meitere Wort 1, Zernsprecher: Bentrum 2030, 2645, 4518 4603, 4635, 4048, 4921. greibeir Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Eine sozialistische Rede Unsere Forderungen Schluk ziehen, daß er wie fein anderer die Ermartungen der fapitalistischen Klassen auf die Re gierung erfüllt habe. Die Agrarier üben Eabotage an den Interessen der Verbraucher, sie halten mit ihren Lieferungen zurüd und als Belohnung dafür hat man die Zwangswirtschaft auf wichtigen Gebieten aufgehoben und dadurch die Preise ins Unerträgliche gesteigert. Satten die Rebner der Regierung und der Parteien in der bisherigen Etatsdebatte versucht, die Probleme zu Derschleiern und die Interessen der faritalistischen Klasse hinter flingenden Reden zu verste fen, so unternahm Genosse Crifpien als Vertreter der Unabfängigen Gozialdemokratischen Partei in der gestrigen Sitzung des Crispiens Rede war eine Abrechnung mit der Bourgeoisie und eine flammende Anklage gegen das fapitalistische EnReichstages die Aufgabe, die brennenden Fragen der Gegenstem, ein Gammelruf an die Arbeiterklasse und eine Warwart vom lozialistischen Standpunkt aus zu beftem, ein Cammelruf an die Arbeiterklasse und eine Warleuchten. Scheinbar, so führte er aus, sei die Macht der Arnung an die Eachwalter der Reaktion in der Regierung wie beitorflaffe zurüfgedrängt worden. In Wirklichkeit aber im Lande. Sie wird Widerhall finden in den Reihen des fönne das Proletariat nicht darauf verzichten, seine historirevolutionären Proletariats Deutschlands und den Auftakt sche Mission zu erfüllen und es werde der Bourgeoisie nicht bilden für die großen Kämpfe, die fommen müssen und in gelingen, es von der Erfüllung dieser Aufgabe abzudrängen. benen die Arbeiterklasse Sieger sein wird, wenn sie die geschlossenen Kolonnen ihrer Massen einmütig in das Feuer Die Entwiflung auf wirtschaftlichem, gesellschaftlichem und politischem Gebiet ist mit uns, und der jezige Banfrott führt. ber Staatswirtschaften aller Länder ist in Wirks lichkeit ein Bantrott ber tapitalistischen Wirtschaft. Wenn die Regierung meint, einen Teil der Mrheiterschaft mit Drohungen zu erfchreten, so müse fie willen, daß das ganze Proletariat geschlossen zusammenstehen wird, um alle Anschläge auf ihre Rechte abzuwehren. Genosse Crisvien zeigte in aroken 3ügen. welches die Früchte der der tapitalistischen Gesellschaft find. Die Verelendung, nicht nur des Proletariats, sondern auch die Hinabdrängung weiter Echichten des Kleinbürgertums in das proletarische Dasein. Mit allen möglichen Mitteln versuchen die fapitalistischen Regierungen das bisherige System wieder aufzurichten und sie wollen damit die Welt glauben mochen, als ob nur auf diese Weise eine Gesundung der Volkswirtschaft herbeige führt werden könne. Es gäbe aber fein anderes Mittel, um die Völker aus ihrem jetzigen Elend wieder zu hefreien, als die Produktion auf eine ganz neue Grundlage zu stellen, die Arbeiterklasse muß selbst die Produktion unter Ausschaltung der kapitalistischen Klasse in die Hand nehmen. Statt dessen wälzt die Regierung als die Beauftragte der bürgerlichen Klassen die Aufbringung der ins Ungeheure gestiegenen Staatslasten auf die arbeitende Bes völferung ab. Sie erhebt in Form des Lohnabzugs den Blutzehnten vom Proletariat. Sie steht tatenlos der ungeheuren Arbeitslosigfeit gegenüber. Millios nen von Arbeitern, die arbeiten wollen, aber nicht fönnen, werden in die fümmerlichsten Verhältnille hinabgestoßen, weil die bekenden Klassen nur für ihr Profitinteresse fors gen. Wenn Sie feine Arbeit schaffen fönnen, jo rief Crispien den Vertretern der fapitalistischen Klasse zu, dann treten Sie ab und überlassen den Ars beitern das Feld! Die Fülle neuer Gesetze, die fekt angekündigt werden, richten sich wiederum in der Hauptsache gegen die ar beitenden Massen. Was das Proletariat von ihnen zu erwarten hat, das zeigt besonders deutlich der Entwurf zur Schlichtungsordnung, durch die der Versuch unternommen werden soll, die Streits der Arbeiter unmög= lich zu machen. Und daran haben die Rechtssozialisten mits gearbeitet! Gegenüber der fapitalistischen Bankrottwirt schaft haben wir unseren Fuf nach der Sozialisierung in die Massen geworfen. Wir wissen, daß die Sozialisierung unter den Feutigen Verhältnissen noch nicht die Verwirklichung des Sozialismus bedeutet. Aber sie muß ein Schritt zur Vergesellschaftung der Probuftions: mittel werden. Vor allem müssen die Echätze der Erde, die Kohlen in den Besig der Allgemeinheit überführt wer den. Nur im Kampf tann diese unfere Forderung durch gefekt werden. nicht aber in einer Arbeitsgemeinschaft mit der Bourgeoisie. Und in diesem Kamrf gibt es nur ein Siegen oder Unterliegen. In diesem Barlas ment wird die Frage nicht en schieben werden. Die Straße, das Aufgebot der Masse des Bolles hat das lette Wort dazu. Genosse Crispien zeigte an einer Anzahl von Einzel. heiten, wie der Militarismus aufs neue offen und geheim rüstet, um feine alten Stellungen vollständig wieder zu erobern. Ueber die Citgrenze werden große Mengen ron Menschen und Material befördert. Man fertigt Spigel. berichte über die U. G. P. und die Kommunisten an. 3ur Wrangelregierung werden die besten Beziehungen unterhalten und überhaupt zeigt sich gerade in diesen Tagen die Borliebe der bürgerlichen Klasse für die weißgardistischen Führer in Rußland, Dann wandte sich Crifpien der Ernährungspoli= tit zu. Durch die Tätigkeit des Herrn Hermes hat ich die Ernährungstrife noch verschärft. Gerade hierbei zeigt es hoe Sie Behauptung, diese Regierung sei eine Regies ting des Bolles, eitel 2ug und Trug ist. Unfer Redner gab Einzelheiten aus der von der Freiheit" eröffent Lichten Tentschrift über den Minister Hermes wieder. Er tonnte dann aus der Tätigkeit dieses Ministers den " Welchen Ausblick gaben uns die verschiedenen Regierungsvers treter und die Vertreter der bürgerlichen Barteten? Sie wijen feinen anderen Ausweg, als daß wir Sparsamteit über müssen. Im gleichen Augenblick aber scheut sich die Regierung nicht, der Arbeitertiasse den offenen Kampf an zusagen. Wir wissen, daß diese Kampfanjage nicht allein gegen die Kommunisten gerichtet ist, sondern daß man den Sozialis. mus, die gesamte Arbeiterklasse damit treffen will. Dieser Kampf wird auch vor den Rechts ozialisten nicht Salt machen. Es wird der Augenblic tommen müssen, wo dann auch diese Partei ihre Politit der Arbeitsgemeinschaft wird aujgeben müssen. Wir haben gestern auch den Grafen Westarp sprechen hören, der sich als Arbeiterführer aufgespielt hat. Bauen Sie nicht auf die augenblickliche Zersplitterung der Arbeiterschaft. Sobald Cie auch nur den leiesten Versuch machen, schlossen da. Wohin haben uns denn die Vertreter des alten das alte Eylem wieder aufzurichten, steht tie Arbeiterlasse ge Systems gebracht? Das heutine Trümmerfeld ist ber an flagende Reuae Ihrer Herrschaft. Es gehört zu den Tendenzca der tonitalistischen Wirtschaft, daß sie immer neues Maj: senelend schafft. Durch die Entwidlung und Vervollkomm nuna des Arbeitsprosesses wird ein stetes Anwachsen der indu Seer der Arbeitslosen herbeigeführt. Bringt dies schon die normale Entwidlung mit sich, so wird heute diese Tendenz der Volksverelendung durch di planmäßiae Cabotage und Niederlegung der Betriebe noch über alle Notwendigkeiten hinaus gesteigert. Und eine solch Wirtschaft hat noch die Dreiftigkeit, sich„ chriftlich" zu nennen. Mas haben die Kapitelisten aus den Menschen gemacht? Die Ihnen zugegangenen Bilder des Roten Kreuzes zeigen Ihnen das am besten an. Aber neben dem namenlosen Elend der Arbeiteztlasse fließt ein unendlicher Etrom von Gewinnen in die Taschen des Kapitals. Man braucht nur die lehten Be. triebsabschlüsse der deutschen Unternehmerschaft flüchtig zu betrachten. um den Segen, der augenblicklich trotz der Not des Abschlüsse selbst noch nicht einmal ein wahres Bild der wirtlichen Boltes den Besitzenden erwächst, zu erkennen. Dabei geben die Gewinne. Diese werden in den Bilanzen größtenteils vers stedt gehalten. Die Unternehmerorganisationen sind bedeutend gemachfen. Vor Crispien hatte zuerst der Minister des Aeußeren, Simons, eine zweistündige Rede gehalten, die sehr ins Ginzelne ging und dadurch an Wirkung verlor. Er beschafftriellen Re, ervearmee, dieses tigte sich mit der Ausführung des Friedensvertra ges und warnte davor, allzu große Hoffnungen auf die konferenz von Genf zu setzen. Wenn die Entente von Deutschland jo ungcheure Opfer verlange, so müsse sie auch Deutschland jo ungcheure Opfer verlange, so müsse sie auch dafür sorgen, daß der deutschen Wirtschaft die Betriebsmitdafür sorgen, daß der deutschen Wirtschaft die Betriebsmits tel zugeführt und daß die unerhörte Belastung des deutschen Bolles durch die Besagungsarmee beseitigt werde. Er besprach dann unser Berhältnis zu den einzelnen Länbern. Bemerkenswert waren seine Mitteilungen, daß die interalliierte Kommission in Oberschlesien eine Umfrage darüber erlassen hat, was die oberschlesische Industrie im Falle der Abtretung an Polen tun werde. Ohne Zweifel stellt das einen Uebergriff der interalliierten Stoms mission dar. Der Minister warnte bei dieser Gelegenheit die nationalistischen Kreise, die deutsch- polnische Spannung auf deutscher Seite nicht noch zu vermehren. Eine Gewaltpolitik gegen die Polen dürfen wir nicht führen. Die Res gierung billige nicht den Uebertritt von Mann= schaften und die Verschiebung von Material nach Litauen, doch mußte auch Herr Simons zugeben, daß diese Uebertritte und Verschiebungen nicht ganz unbeträchtlich seien. In feiner Weise zu billigen find seine Bemerkungen gegenüber Sowjetrußland. Er meinte, die Regierung sei jest mißtrauisch gegenüber den Zusagen russischer Vertreter geworden, daß sie nur als Sachverständige nach Deutschland fämen. Sie werde sich alle Vertreter der Sowjetregierung doppelt genau ans sehen, bevor sie die Einreiseerlaubnis erhielten. Wenn das auch die Beziehungen zu Rußland erschwere, so erkenne die deutsche Regierung doch an, daß die Sowjetregies rung in dem größten Teile Rußlands die Wacht ausübe und sie habe nicht die Absicht, andere Michte, die gegen die Sowjetregierung auftreten, anzuerkennen. Der Außenminister schloß seine Rede init der Versicherung, daß seine Politit darauf ger htet sei, aus der organischen Entwidlung des Verhältnisses der Völler, ueinander eine neue Rechtsordnung aufzubauen. Nicht die Selbstbehauptung des einzelnen Volles gegenüber dem anderen sei das letzte Wort, sondern die soziale Gemeinschaft. Das flingt sehr schön, und Aehnliches hat wohl auch Wilson während des Krieges oft genug und viel ausführlicher dargelegt. Aber dieses schöne Programm stößt mit den Interessen der kapitalistischer Wirt schaft zusammen und deshalb wird es so lange nicht ausge führt werden, so lange überhaupt noch der Kapis talismus die Welt beherrscht. Außerdem sprachen die Abgeordneten Stresemann und Heim. Die Rede des Genossen Crispien Seit den Tagen der Revolution ist die Bourgeoilie an Macht und Selbstbewußtsein wieder g wachsen. Sie beherrscht sie Verwaltung, die Reichswehr, die Einwohnerwehren. furz, S ganzen militärischen Organe befinden sich im Besitz der Konter revolution. Die Arbeiterklasse ist wirtschaftlich) v zelenbct. woran zu einem großen Teile die rechtssozialistische Bolitik jaid trägt, und wozu auch die Revolutionsspielereien der Kommunisten beigetragen haben. Aber die augenblidliche Schwächung der Arbeiterklasse ist doch nur scheinbar. Sie wird niemals auf ihre Ansprüch verzichten, sondern sich allen bürgerlichen Parteien entgegen: stellen zu einem Kampf, worin es teinen Vertrag gibt mit bem Kapitalismus. Wir sind teineswegs niedergeschlagen dur die jüngsten Borgänge innerhalb der Arbeiterschaft. Wir wissen. dah die Entwidlung mit uns ist. Die Ausführungen des Reichs haft, sondern zugleich auch des gesamten Kapitalismus. Dieser fanzlers bedeuten nicht nur den Bankrott der deutschen Mitts Bantrott ist das Resultat der kapitalistischen Wirtschaft selbst. Die Wirtschaft ist durch den Krieg zerrüttet. Da die Regierung nicht Vertreter des Voltsganzen, sondern der tapitalisti schen Klasse ist, so muß auch sie von dieser Krise aufs tiefste erfaßt werden. Darin stimme auch ich dem Finanzminister zu, wenn er erklärt, daß von der Geldseite der heutigen Krise nicht mehr beizukommen sei. Aber mit der empfohlenen Sparsamkeit wird man ihrer nicht Herr werden können. Sparsamteit ist eine Tugend, wenn sie zur rechten 3eit angewendet wird. Aber wo wird denn heute auch noch gespart? Roch immer bestehen zahllose Abwidlungsstellen. Wozu brauchen wir auch einen Reichspräsidenten? Womit will man eine solche Einrichtung eigentlich begründen? Tie Inflation ist ein Erfolg der Finanzpolitit aus der Kriegszeit, die insbesondere von Selfferich betrieben worden ist. In England sind schon während des Krieges die Ausgaben durch Steuergesete abgetragen worden. Je mehr der Geldwert sinkt, desto höher steinen die Warenpreise. Das führt zu einer wilden Flucht vor der Mart, die sich in einer Sucht nach allen nur denkbaren Waren ausdrückt. Die Rezepte des Finanzministers tönnen teine Besserung bringen. Auch das Reichsnotopfer ist ja in seiner heutigen Form bestenfalls nur ein Zusatz zur Eintommensteuer und nicht dazu angetan, die finanzielle Krise zu mindern. Es bleibt fein anderer Weg, als daß in der Produktion neue Grundlagen geschaffen werden. Das kann nur geschehen durch Sozialisierung unter völliger Ausschaltung des Privatfapitalismus. Die Steuerhinterziehung der Besigenden wird durch die Regierung noch begünstigt. Man schafft Geseze gegen die Kapital flucht, aber die Besitzenden sind viel zu gerieben, um sich davon beengen lassen nu fönnen. Singegen wird aus der Arbeiterklasse alles nur mögliche herausgepreht. Ich erinnere nur an das Blut geld des zehn und fünfzehnprozentigen Lohnabzugs. In der Lebenshaltung der Arbeiterklasse ist eine absolute Verschlechterung eingetreten. Trifft dies schon auf die Vollbeschäftigten zu, so in viel ungeheuren Ausmaßen auf das Seer der Arbeitslosen und der Kurz arbeiter. Die Fürsorge für diese Rotleidenden ist eine der dringendsten Aufgaben des Staates. Wir fordern, daß ihnen eine das Eristenzminimum gewährleistende Unterstützung zuteil wird. Wenn Sie teine Arbeit schaffen fönnen, dann räumen Sie das Geld und überlassen Sie dies der Arbeiterklasse. Hierzu gehört auch die Fürsorge für die Invaliden und Opfer des Weittrieges. Als man während des Krieges die Arbeiterklasse zu dessen Führung gebrauchte, da hat man sie mit großen Versprechungen erfüllt und ihnen den Dant des Baterlandes in Aussicht gestellt. Es ist ein entsetzliches Bild, das man heute in den Straßen Berlins erblidt, wo Kriegstrüppel um Almosen betteln müssen. Das ist eine Schande für diesen Staat. Der heute herrschenden Wohnungsnot fann nur durch Kommunalisierung von Grund und Boden und Sozialisierung des Baugewerbes abgeholfen werden. Air fordern die Kontrolle der Produktion und eine Erweiterung der Rechte für die De lege» MM Sems Sitzung des Haushattsausfchuffes In der gestrigen ersten Sitzung des Kaushaltsausschuste» des Reichstages gelangten die gegen den Reichsernährungsminister Kermes erhobenen Vorwürfe zur Erörteruna. Gegen den Vor- schlag des V o r s i tz e n d« n, zunächst lediglich die Borwürfe über unrechtmäßige Verwendung von Geldern aus der Preisausgletchs- kaffe und den Fall Augustin zu verhandeln, erhob Genosse Kertz Einspruch. Er erklärte, dah die gegen Kermes erhobenen Vor- würfe damit nicht erschöpft find. Rötig fei nicht nur diele Aus- spräche, sondern vor allem die gründliche Untersuchung d« rgesam- ten gegen die Geschäftsführung von Hermes gerichteten Vorwürfe. Deshalb sei es nötig, einen Üntersuchungsauvschuh ein- zusetzen. Bemerkenswert war. daß bereits in diesem tztadium der Ber. Handlungen der deutschnationale Abgeordnet« Mumm»eine Ab- Neigung gegen die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses er- klärte und zwar mit der auffälligen Begründung, der Reichstag und die Abgeordneten feien so überlastet, es gäbe auch schon so viele Untersuchungsausschüsse, dah es nicht zweckmäßig sei, noch einen neuen Untersuchungsausschuß einzusetzen. Er verstieg sich sogar zu der Behauptung, dah im Falle Augustin möglicherweise die Schuld weit mehr bei den leitenden Beamten des preußischen Landwirtschaftsministeriumg liege, als beim Reichsministerium. Sodann erstattete Reichsjustizminister Heinz« Bericht über das Ergebnis der von ihm und dem Finanzminister vorgenommenen Untersuchung. E? handle fich insgesamt um 4 Fälle, drei davon betreffen die nichtetatmäßige Verwendung von Geldern. Anschaffung von Möbeln und Auto«, und der vierte Fall ist der de« Geh. Rat Augustin. Bezüglich der ersten Fäll« bestätigte der Minister die bereits aus den Veröffentlichungen der Presse bekannten Tatsache«. Aber auch die beiden Minister find zu dem Urteil gekommen, daß die Verwendung der Gelder nicht zulässig war. Reu war sein« Mit- teilung, daß der Ministerialsekretär Funke bei seiner Verneh- mung erklärte, daß er sofort Bedenke« qege« die Berwendanq ber Gelder der Preisaosgleichskass« für Möbel»ad Autos geäußert habe, daß ihm aber trotzdem»onA»gosti«dieAnwetsu»g zur Gewährung des Darlehns»ab de» Deckung der Rosten für den Betrieb ber Autos erteilt worden jei. Aus den ferneren Dar- legungen des Reichsjustizmnisters ging hervor, daß auch das Finanzministerium es abgelehnt hat, Gelder für das Auto zur Verfügung zu stellen, und daß dem Finanzministerium damals oerschwiegen worden ist, daß das Auto bereits angeschafft war. Beide untersuchende Minister mißbilligen deshalb dies« Handlungen. Der Minister schildert sodann den Fall A u g u st i n. gegen den jetzt ein Strafverfahren schweb». Richtiger wäre e» gewesen, wenn Hermes seinerseits das Strafverfahren«ingeleitet hätte. Hermes habe ab« rauf Anraten seines Staatssekretärs Milde walten lassen, obwohl sich August in zweifellos strafbar gemacht habe. Der Ernährungsminister Hermes bestätigte km«esentNche» die Darlegungen des Vizekanzlers Heinz«, und wies nach, daß da» Datum des Briefes von Ramm an ihn falsch sei. Zntereffant für sein« Auffassung war die Schlußbemerkung seiner Ausführungen. Cr erklärt«, es sei ihm unerwün'cht gewesen, die Sache an die groß« Glocke zu hängen, besonder» da ein gleiches Verfahren auch in den anderen Ministerien angewendet«erde. Genosse Hertz oerwies auf de« Gegensatz zwischen de» jlmfang der ursprünglich angeordneten Untersuchung und dem späteren Ergebnis, das sich lediglich mit der Feststellung der nicht angezweifelten persönlichen Ehrenhafligkeit des Minister» Hermes begnüg«. Herme» Handlungsweise sei der Ausfluß einer politischen Korruption, und die Haltung der Reichs» regierung erwecke den Eindruck, als wenn sie diesen klare» Sach« »erhalt verdunkel» wolle. Es fsi nicht möglich, zu einem Urteil zu kommen, wenn zwei Fragen aus dem Zusammenhang gerissen werden, dem Gefamturteil dürfe deshalb nicht vorgegriffen wer« den. Es fei dringend nötig, aufzuklären, ob Augustin die An» weifung an Funke aus eigenem Ermessen oder mit Wissen, Villi- gung oder gar auf Veranlassung von Hermes erteilt habe. Die Milde im Fall Augustin fei auffällig und unverständlich, den« sie sei ein Anreiz zur Korruption überhaupt. Es müsse dringend gefordert»erde«, daß die Regierung die Feststellungen der beiden untersuchenden Minister im Wortlaut verössentlicht«. Hätte sie das bereits getan, so wäre die Oefscntlichkeit wahr» scheinlich zu einem anderen Urteil gekommen. Hermes Verhalte« sei nur aus feinem Aufstieg und seiner Politik zu erklären. Ein Mann, der auf so unzulässige Art ins Amt gekommen fei, haba nicht, die moralische Autorität, fich seinen Beamten gegenüber durchzusetzen. Die politische Korruption fei deshalb die unaus» bleiblichc Folge eines solchen Ausstiegs. Vizekanzler Heinze verwahrt- die Regierung gegen den Vor» wurf des Abgeordneten Hertz, daß das Kabinett den ganzen Vor- gang nerichoben hätte. Ebenso betont« der Reichskanzler F e h r e n» b a ch. daß das Kabinett nur die angegriffene Ehrenhaftigkeit de»| Ministers zu prüfen gehabt hätte, nicht aber die politische Seite der Sache. Zu der von Hertz angedeuteten Art der Ernennung von Hermes zum Minister meinte er, Hermes fei seinerzeit von der Zentrumspartei als Fachmann für das Landwirtschafts- Ministerium vorgeschlagen worden, weil Landwirt« ihn hier- für geeignetgehaltenhötten. Daß er damit ungewollt «inen Teil der gegen die Geschäftsführung von Hermes erhobenen vorwürfe erklärt-!, dürfte ihm kaum zum Bewußtsein gekommen � sein. Abgeordneter Hoch wandt« fich äußerst scharf gegen die et-»' widrige Verwendung von Geldern und erklärte feine(Sentian� die gegen Hermes erhobenen Borwürfe vom politischen»ranv- punkt aus eingehend zu prüfen. Nachdem noch ein«»»saht weiterer Redner gesprochen hatten, wurden die ZZerhanoi- ir Arbeiterklasse «nd der Tag wird kommen, da Ihr« Macht für immer zerbrochen wird. Ausfuhrmonopol' Unsere Fraktion hat im Reichstag solgend« klein« Anfrage «ingebracht: Ist der Rrichsregieruna bekannt, daß dem Hartmann- Konzern«in Monopol für die denffch« Papierausfuhr mit Hilfe von gesetzlichen Maßnahmen geschaffen werden soll? Was gedenkt die Reichsregierung zu tun um da» Entstehen dieses privatkapitalistischen Monopols zu verhindern? Die Mörderzentrale Verhanvlung im bayrische« Landtag (Eigener Drahtstericht der �Freiheit".) '"aü. CLoia." Arn Schluß der heutigen Landtägefitzung gab die Regierung zn der durch die ll. S. P. uud S. P. D. aufgerollte» Frage der Mörderzentral« i« der Polizeidirektion«in« Er« klarung ab, in der st« die ganze Angelegenheit vollkommen«nt» stellt»nd den Reichvwehrsoldaten Dobner, der ei« Woche lang von Polizeispitzeln»eefolgt wurde,«l»«ine» de« Mordes verdächtigen hinstellt. Sie erhebt schwer« veschuldignnge« gegen ei« Mitglied der Entente«tssion. bezeichnet de« Hauptgewähraman« als Erpresser»nd will einen Polizei- agenten, der«ine wichtig« Rolle bei der ganzen Sache spielt, garntcht kennen. Di« Regierung geht darauf au», dl« Oessentlich- keit zu beeinflussen, bevor die Arbeiten de» Unter» fuchuugsausfchufsrs beendet find,»nd will»ufere Genossen, die die Mordplän« aufgedeckt haben, zn Augeklag- te« stcmpel«. Rachdem der Abgeordnete Tim« feststellt«, daß die Regierungserklärungen grobe Entstellungen enthielte», er- klärte» die Vertreter der bayerische« Bolkspartei und der Deutsch- nationalen, ans de« Untechuchungsansschnß auszutreten, weil dort vereinbart worden fei. im Landtag über die Sache nicht zn sprechen, eh« nicht die Arbeiten de» Untersuchungsansschnssev b«° endet seien. Sit zeige« damit deutlich, daß sie große» Interesse daran haben, die Feststellnng der Wahrheit zn»er, hindern. In der Rachmfftagsfitzung de« Havshaltsansschnffe» gelang e» der bayerischen Bolkspartei»nd den Deutschnationalen. die weiter« Verhandlung der Angelegenheit zn verschleppen. Der Abgeordnete Timm erklärte, wenn im Landtag verhindert «erde, die Wahrheit festzustellen, werde et ander« Mittel und Weg« dazu finden. Anscheinend will man voa seit«« der Dentschnationale»«nd der Klerikalen Zeit gewinnen bis zum nächsten Zusammentritt des Plenum» am S. Rooember. um in der Zwischenzeit»i« dunkle Angelegenheit der Rörderzentral« ,« verschleiern. Wo bleibt der Staatsanwalt? In der Sitzung des Volkswirtschaftliche« Ausschusses vom 39. wurden solch« Petitionen behandelt, zu welchen Regierungsver- treter zugezogen wurden. Bei der Beratung einer Petition über die Ausfuhrabgaben und Außenhandelsstellen kam Genosse Si- mon auf den auch von der„Freiheit" erwähnten Fall der Lederaußenhandelsstelle zu sprechen. Bekanntlich hat der Leiter der Lederaußenhandelostelle, Herr Görrig, etwa SOOVOO M L eingegangener Gebühren bei feinem Abgang für sich behalten und außerdem auch die Akten der Außenhan- delssielle, darunter Geheimakten, mitgenommen. Genosse Simon stellte an den anwesenden Regierungsvertreter die Anfrage, ab nun endlich der Staatsanwalt mit diesir Frage beiatzt sii, da feiner Meinung nach ein« glatte Unterschlagung vorliege. Der Regierung» vertret-r erklärte, dah die Rechts- Verhältnisse sehr unklar lägen. Es fei, als die Außenhandelsstelle für Leder gegründet wurde, die rechtliche Unterlag« für deren Bestehen nicht einwandfrei festgestellt gewesen. Der Leiter der Außenhandelsstelle, Herr Körrig, der auf Veranlassung der Lederindustrie auf diesen Posten berufen worden sei, habe nun, als die Stell« dem Herrn Regierungsrat Schuhmann übertragen wurde, auf dem Standpunkt gestanden, daß die Regierung kein Recht habe, ihm zu kündigen. Er habe einen größeren Betrag der eingegangenen Gebühren an sich genommen, um seine Geholtvforderung sich«, z» stellen. Di« Rechtslag« j sii ung-tlärt. Görrig habe Recht-gutachten. wonach er zu fernem Vorgehen berechtigt sei. Sobatd die Rechtslage geklärt fei. werde die Regierung entsprechend vorgehen. Simon gab darauf seiner Verwunderung darüber Ausdruck, dotz die Regierung nicht sofort den Stoatsanwält mit der Frage belaßt habe. Es wäre Sache dös Staatsanwalts g-ioefen, die Rechtslage� prüfen, keineswegs aber dürfte die Regierung fich darauf einlassen, den Zivilrechtsweg zu beschreiten, er müsse das Vorgehen der Regie- rung in diesem'Falle als leichtfertig bezeichnen. Die Wahlen in Oesterreich In einem Artikel der Wiener„Arbeiterzeitung- über da« Endergebnis der österreichischen Nationalratswahlen wird mitgeteilt, daß für die Sozialdemokraten eine M llion (gegen 1,2 Millionen im Vorjahre), für die Christlichsozialen 1,1 Millionen(gegen ein« Million im Borjahre), für die Groß- deutschen 333 000(gegen 422 000 im Vorjahr«), für die Kommu» nisten Zb 840, für die Bauernpartei 72 000 Stimmen abgegeben wurden. Das Stimmenverhältnis zwischen Sozialdemokraten und Chrittlilbfozialen hat sich demnach annähernd umgekehrt. Di« Christlichsozial« Partei ist von der zweiten an die erste, die So« zialdemokratische Partei von der ersten an die z w e i t« Stell« getreten. 1 � Der Streik in England Einzelheit«» über das Abkomme»— Abstimmung am Dienstag v» n d o«, 20. Oktober. Die Blätter bezeugen allgemein ihr« Zufriedenheit mit den Bedingungen für«ine Regelung de» Kohlenftreikes und stelle« fest, daß die Einigung«inen gnte« Frieden darstell». Mo« empfindet, daß da» Land eine Regelung«L.'cht«, die die Gruben» arbeite« befriedigt« und deshalb dauerhaft fein werde, und ms« begreift, baß die Aussicht, daß es Frieden in der Srnbenindustrie geben wird, ungeheuer wichtig sür die national« Wohlfahrt ist. Im Unterhaus« hat Sie Robert Horn« gestern diz Vedingnnge« anssührlich besprochen. Er setzte auseinander, daß, wie die Pro« duktion zwischen dem hentige« Tage und dem Ianaar auch lei« »ird, die Grubenarbeiter jedenfalls ihre ErhöhnaS »« 2 Schilling pro Tag erhalten werden. Räch de« S. Ja« »»«»ird die Erhöhung allein von der Prodnktlo« abhänge«- Dann setzte Horn, auseinander, wie die Regelung,«ach der Vi« Löhn« van der Höh« der Produktion abhängig sind, vor sich geht. Wen« die Produktion uo» 348 Rillianru Tonnen im November und Dezember erreicht wird, wird die Lohnerhöhung um 2 Schll« ttng beibehalten«erde», wenn aber z.«. die Produktion ans U* Millionen Tonnen heruntergeht, würde die Erhöhung im Ianuat ans l Schilling« Pencr» beschränkt bleiben. Für jede Erhöhaug der Prodiktion um 4 Million«« Tonnen werden die Grube«' i «rdeitee noch de« Z. Januar 8 Pencr extra erhalten. Ein Maxi' «»« ist nicht festgesetzt worden. Hörne lenkte schließlich die Aick« merksamkrit auf die Tatsache, daß drei Punkte des neuen Ab» komm«»» besonders wohltätig für dir«emrinschaff und sür di« Industrie find: 1. daß das Prinzip, nach dem die Löhn« vo« des Höhe de» Produktion abhängen, fest vreaakert ist. 2. da» das Abkommen«ine»»erbinblichrn Charakter trägt und(«in« V Raum»ehr für»eitere Beunruhigung«« läßt» 3. baß jede Partei da» gleiche Intrresse daran hat. daß die Produktion erhöht wird,»nd bereit ist. z« diesem Zweck sammen z« arbeiten. Di« Grubenbesitzer haben sich dam» einverstanden erklärt, daß ihre Gewinne mit den Löhne» d«s «nibenarbeffer auf.»nd abgehen,»nd zwar in dem Falle. d-I, dir sistgesetzt« Produktionshöhe nicht erreicht wird.— Di: �' stimmung der Grubenorbetter wird am nächsten Die»»t«< stattfinde,»«d da» Ergebnis»ird am Mittwoch in der »«"»» Grnb« nur bette, deiegierren belount gegeben wud««-! Deutscher Reichstag a 24. Sigung Freitag, ben 29. Dtober 1928. Am Regierungstijd: Simons, Wirth, Koch, Braun 3 Beginn ber Sigung erfolgte die Beantwortung von 34 fleinen Anfragen, bie bie ganze erste Stunde ausfüllte. Unter anderen erteilte über die Behandlung ber bolichewistischen Internierten( nicht Kriegsgefangenen) im Laget von meln und ihrer angeblichen Beziehungen zu den deutschen Bol fchemisten ein Bertreter bes Auswärtigen Amts Austunft Zur beffezen Beaufsichtigung und zur Berhütung ber in der Tat versuchten Bropaganda wezbe die Sälfte der Inter nierten demnächst in ein anderes Lager überführt werden. Auf eine Anfrage bes Abg. Frhrn. v. Lersner( D. Bp.) über die Heimführung der noch in Sibirien befindlichen Kriegsgefangenen erflärte Reichstommijjar Studien, daß bez Abtransport in vollem Gangs fet. Eine 3ensur des Briefvertebrs von und nach dem Auslande aus politischen Grünben wurde. wieber einmal ausdrücklich in Abrede gestellt. Auf die Frage der Abgeordneten Schiffer und Frau Dr. Lübers über bie Beschlagnahme deutschen Aderlandes im Rheinlanb zur Errichtung franzöfifchez leugzeughallen berich tete ein Regierungsvertreter eingehend über die bisher völlig vergeblichen bentschen Gegenvorstellungen. Abgeordneter Thiel( Foz.) verlangt, baß die Arbeiterrüf fahrtarten auch für die Angestellten ausgegeben werden. Ihm wird erwidert, daß die Frage zurzeit in einem Ausschusse geprüft wird. De die geschäftsordnungsmäßige Zeit für die Erledigung von Heinen Anfragen abgelaufen ist, wird mit ber Beantwortung ab gebrochen und die Interpellation Schiffer( Demofra) iber Eupen- Malmeby an einem der nächsten Tage behandelt. Der Rotetat wirb barans enbaültig angenommen. In der Fortfehung der politischen Aussprache ergreift der Minister des Aeußeren, Dr. Simons, das Wort. Minister Dr. Simens: Der Standpunkt des Grafen Weßtarp, dag ber Friebensvertrag von Bersailles unter falschen Vorausfegungen erschlichen morben jei und deshalb für ble beutsche Regterung als nicht existierend zu gelten habe, tann von uns un möglich afzeptiert werben. Wir haben unter Zustimmung der meitüberwiegenden Mehrzahl der Rationelversammlung dieser Vertrag unterschrieben und wir müssen bie eingegangenen Berpflichtungen einhalten unb nach Möglichkeit ausführen. ( 3 ftimmung fints.) Minister bes Asswärtigen Simons: Ich habe mich entschließen müssen, nicht erst bei meinem Etat, fonbern schon jetzt zu fprechen weil die Ausführungen einzelner Rebnez aus dem Haus zum Widerspruch Anlaß geben. teils, weil eine der Interpellationen noch eine Antwort erheischt, und teils auch, weil bie außenpolitische Lage fich derart gestaltet hat, bak bie Beleuchtung einiger biefer Borgänge angezeigt erfheint. Graf We starp stellt sich auf den Standpunkt, der Versailler Bertrag als Ganzes lei erzwungen und erschlichen und infolgebeen exiftiere er nicht für uns und dürfe behandelt wer ben, als wäre er nicht vorhanden. Für die beutsche Regierung ist diefez Stanbrunt: unmöglich. Die deutsche Regierung, die der gegenwärtigen vorausgegangen ist, hat den Vertrag unterschrieben, und zwar unter 3timmung der weit überwiegenden Mehrheit bez Rationalver jammlung. Sie hat ihn unterschrieben, obwohl die Drohungen der Gegner noch nicht in die Tat umnelegt worden waren. Infolgedeffen gibt es für uns nur die Möglichkeit, die unterschriebes Ren Verpflichtungen als internationale Berbindlichkeiten anzu erkennen und soweit wie möglich auch auszuführen. Wenn wir nicht durch ehrliche Ausführung ber uns auferleg ten Bestimmungen, soweit es nur möglich it ben Nachweis ber Unmöglichkeit des Bertrages führen, bann bleibt uns nichts Abrig, als ber Appell an die Gewalt. Ein solches Borgehen würbe unweigerlich zu einem nenen Arieg führen, während bas Vorgehen der Regierung vielleicht an einem neuen Frieben führen wird, Ich habe schon in Spa barauf hingewiesen, bah Tolange bas zerstörte Gebiet nicht wiederhergestellt ist, eine offene Wunde am politischen Leib Europas vorhanden bleibt. Die immer wieder von neuem Gefühle bes Safes ermedt. Es lient infolgebeffen in unferem eigensten Interesse, diese Wunde zu schließen; das hätte auch den Vorteil, daß wir unsere Arbeiter beschäftigen und unfere. Industrie mit Aufträgen versehen onnten. Dieses Interesse allerdings tritt vor bem hohen fittlichen 3ntereffe jurid. Leider hat gerade über ber Aufgabe der Wiebergutmachung ein Unftern gewaltet. Unsere Boriläne find immer wieber abnelehnt worden. Ich wünsche, daß wir über die Mißverhält niffe endlich hinweg und endlich zu einer Bezständigung tommen, Ich möchte in diesem Zusammenhang einer Tats de gebenten, die in der Oeffentlichkeit viel erörtert worden ist. Es ist bie Forderung der Gegner nach Auslieferung von 809 000 Milchfühen. Es ist nigt rigtig, baß die Zahl von 800 000 milchrühen bereits feftaefekt, geprüft und eine bereits geftellte For berung ist, sondern fte stellt nur die Summe der angemel beten Schäben bar. Ich stelle fest, daß die deutsche Regies rung diefe Forderung noch nicht anerkannt hat, und daß auf fie angerechnet werden muß bie Zahl jerer Rihe, bie mit hereits à Konto ausgeliefert haben, und deß schließlich von der Wieber: gutmachungsfomminion nicht mehr verlangt werden fann, als bie Leiftungsfähigkeit Deutschlands zuläßt. Der Wunsch nach der Herstellung eines Berständigungswillens bei unseren Gegnern entbindet bie deutsche Regierung aber nicht von der Pflicht, jene Gewaltmaßnahmen abzuwehren, die über ben Friebensvertrag hinaus angewendet ober angebroht perben. Zu diesen Gewaltmaßnahmen rechne ich auch alle Zerstörungen ür die zweifellos im rtebensvertrag feine rechtliche Grundlage orhanden ist. Unzulässig ist es, daß die Entente- Kommission Segenstände, die sie für zerstörungspflichtig hält. ihrerseits felbft erstört. Mir ist neulich von einwandfreier Seite mitgeteilt orben bag in einzelnen Universitätsstädten Entente- Offiziere sertvolle optische Instrumente eigenhänbia zerschlagen haben, nter der Angabe, bah fte zum Kriegsmaterial gehören. Das darf atürlich nicht geschehen.( Rufe im ganzen Sauje: Hört! Hört! oheit!) Sierher gehört auch die Interpellation über bie geforberte Zerstörung der Dieselmotoren. le Interalltezie Marinetomm'ion hat schon im April dieses ahres die Forderung nach Zerstörung aller Diesel- Motoren hoben, die bei Schluß des Krieges in deutschen U- Booten ein jebaut ober zum Einbau bestimmt waren. Die Erreguna im seutschen Bolle ist aber vielleicht doch etwas über das Ziel hin ausgeschossen. Auch die Marine- Kommission in Berlin hat nur ie Zerstörung soweit gefordert, als es sich um U- Boot Mos toren handelt. Die deutsche Regierung hat am 1. Ottober bet der Botschafter Konferenz einen förmlichen Protest erhoben. Diele hat am 3. Oftober die Forderung nach Zerstörung der Diefels Motoren für berechtigt erklärt. Die Kontroll- Kommission in Berlin hat den 11. November als Termin für die Zerstörung beftimmt. Inzwischen hatten wir in Parts Rettsverwahrung ein gelegt und infolgedessen hat die Kommission in eine Sinaus fchiebung des Termins gewilligt. Die Botschaftertonferenz, die wir auf die wirtschaftlichen Folgen aufmerksam gemacht haben, die sich aus der Zerstörung ergeben müssen, hat sich bereit erklärt, zu warten, bis unsere Rote eingelaufen fet. Die Nachricht, daß die interalltierte Kommission ihr Berlangen auf Zerstörung der Dieselmotoren in wichen zus ridgezogen habe, trifft nicht zu.( hört! Hört!) Die Berliner Kontrollkommission hat nur die Erklärung abge jeben. es liege nicht in ihrer Absicht, die Herstellung der Dieselmotos ten in Zutunft zu unterlagen. Die Forderungen der Marinetom million ließen sich nur rechtfertigen. wenn der schnellaufende Diesel- Motor als Krieg s malaine an sich für rein gewerbliche 3wede nicht verwenbbar wäre. Das Gegenteil ist der Fall. Die schnellaufende Mashine ist ihrer Art nach für Friedenszwede bestimmt. Daß sie auf UBooten verwendet wurde, macht sie nicht zu einem Kriegsgerät. Die Forderung ist aber geradezu widerfinnig vom zein wirtschaftlichen Standpunkt aus. Am schwersten fällt ins Ges wicht daß man Deutschland zumuten will, die Werkzeuge zu zerschlagen, die es zum Aufbau notwendig braucht. Ein großer Teil diefer Motoren ist iegt im Gebrauch in induft teffen Betrieben. in der Schiffahrt, in der Landwirtschaft. Das ist um so bedeutfamer. als wir steigendem Kohlenmangel gegenüberstehen. 1 milliarden Mart, ihre Zerstörung, der Umbau der Betriebe Die gesamten Maschinen haben einen Wert von mindestens und der Erlag durch andere Mashinen würden mindestens dasfelbe. Poften. Der Verlust der Diesel- Motoren hätte auch indirekt schwerwiegende Wirkungen für Deutschland, benn der Ersatz dieser Maschinen ist ungeheuer schwer. Das Kohlenabtommen ist nur durchführbar, wenn alle Kraftquellen Deutschlands bis zum äußersten in Anspruch ges nommen werden. Durch eine Erklärung der Diefel- Motoren als Kriegsmaterial würde eine weitere Herstellung von Diesel- Motoren unmöglich sein. Unsere Industrie würde jede weitere Entwidlung durch die Zerstörung der Diesel- Motoren unmöglich gemacht werden. Die deutsche Regierung fann gegenüber dieser Forderung der Entente nur ein entschiedenes Rein haben.( Zustimmung im ganzen Haufe.) Wenn die Renierung aber einerseits entschlossen ist, gegenüber folchen Maßnahmen eine entschiebene Abwehr zu zeigen so er tennt sie auch anderseits an, was auf ber positiven Seite zu buchen ist. Nach dieser Richtung hin hat die deutsche Regierung bie erfreuliche Mitteilung zu machen, daß die englische Regie: rung sich entschlossen bat, auf das Recht der Beschlagnahme des beatschen Privatvermögens im Falle der Richterfüllung der Berpflichtungen aus dem Bersailler Bertrag zu verzichten. Borauslegung einer normalen Verkehrspolitik ist die Unan tastbarkeit des ateigentums. In Geni werden wir mit der Entente hoffent!! endgültig die Frage der Wiederguts maung lösen. Im Interesse der deutschen Finanzwirts ihaft, fa, im Interesse der wirtschaftlichen Gefundung Europas muß gefordert werden, daß wir in der Wiebergutmachung zu einer schnellen Berständigung gelangen. Dazu ist unter anderen die genügende Zufuhr von Rohstoffen und Lebensmitteln unbedingt notwendig. Wir müssen die Frage des Eintritts in den Völkerbund prüfen und zwar auch in breiterer Oeffentlich. tett. Eines der schwierigsten Kapitel unserer auswärtigen Bofittt ist Bolen. In Paris werben jegt über Danzig die Würfel geworfen, wobei es doppelt wichtig ist, erneut zu betonen, daß Danzig durch und durch deutsch ist. In Paris führen wir fest Berhandlungen mit Bolen. In einigen Buntten ist auch bereits eine gewisse Einigung erzielt. Der wichtigste Gegenstand der Berhandlungen in das allgemeine Birth af is a blommen, das wir mit Bolen schließen wollen. Die oberschlesische Frage ist eine europäisch- politische Frage. Ganz Europa ist daran interessiert was aus der oberschle= schen Kohle, der oberschlesischen Industrie wird. An sich ist es überhaupt unrichtig, in Oberschlesien eine Abstimmung zuzulasen. Ein Verzicht auf die Abstimmung wäre das Beste. Kein Tag vergeht, ohne Klagen über Uebergriffe und Gewalttaten in Oberschlesien. | richtig! bei der Deutschen Boffspartei und im Zentrum) Wille zur Arbeit und Autorität nach innen find netmen ig um zu einer geordneten Zukunft zu gelangen.( Beifall bei der D. R- V) Es folgt die Rebe bes Genossen Crisplen, die wir an anderer Stelle zum Abdruck bringen. Schr Dr. Heim( Bayr. Boltsp.): Es gibt feine Partei und fein: n tarten Mann, der das heilmittel für die internationalen Röte der gegenwärtigen Zeit hätte. Auch das Ausland fann uns dabei nicht helfen. In der Politik ist die Zeit der geballten Fauss vorüber. Was das Ausland fürchtet, ist nicht Deutschland, sondern Preußen. Redner verteidigt dann in längeren Ausführungen den von ihm vertretenen Föderalismus. Es ist höchste Zest daß ein systematisches Wiederaufbauprogramm vorgelegt wird. Mit Schlagworten, wie Eozialisierung ist da nicht geholfen. Ge rabe an der Kohle, diesem wichtigsten Urprodukt, dürfen feine Experimente gemacht werben. Allerdings muß gefagt worden, daß gerade im Kohlenbergbau fich die Kapitalisten auf den 3103 Iterstuhl und auf die Bajonette gestigt haben. Hier mu unftrettig ein Wandel eintreten. Der Gewinnanteil der Arbeiter schaft in Form einer fleinen Attie tonn hier nicht helfen. richtia. lints.) Der Anteil des Arbeiters muß dauerhaft, unveräußerlich, unübertragbar sein, erg mit der persönlichen Ars beitsleistung verbunden, und freudige Anteilnahme erzielen. Reds ner gibt dann eine Anhi Maßnahmen an, die geeignet sind, die landwirtschaftliche Produktion zu heben. Die äußerste Rechte hat mit der äußersten Linten die Brutalität und bie Unter hägung der ideellen Werte gemeinsam. Nur ein Zus fammenarbeiten aller Gutnesinnten tann uns helfen.( Belfill.) Reichskommiffar für die Entwaffnung Dr. Peters stellt nenens über einer Behauptung des Borrebners, wonach eine Waffen fendung im Werte von einer Mion beswegen oerichrottet wor= ben ei, well die Waffen Hoheitszeiten aufwiesen scft. day die Ware überhaupt nicht verschrottet wurde, sondern nur in Hamburg beschlagnahmt wurde, ba die geplante Ausfuhr vers hindert werden mußte. Das Haus vertaçt lich. In persönlichen Bemerkungen erffären die Abga. v. Gräfe und Grof We starp( Dnt.), daß sie in Hannover nicht den Res vanchelrieg prononiert hätten.. Sonnabend 10 Uhr Forthegung ber Debatte. Aus der Wirtschaft Ein politischer Handelsvertrag Aus Prag wird uns geschrieben: Nach längeren Verhandlungen soll der Abschluß des fran zösisch tschechoslowatischen Handelsvertrages realisiert werden. Seine wesentlichen Bestimmungen bringen eine Ermäki gung des höchsten Zollinges für bestimmte Waren, die zur Einfuhr gelangen. Aus Französi ch- Nordafrika sollen Phosphate und an Seze Düngemittel eingeführt werden, nach Frankreich werden 24 Waggons Rotationspapier und 1200 Waggons Holz geliefert. Frankreich hat sich die Einfuhr folgender Waren vorbehalten: 3000 Automobile, 700 Tonnen Seide( aanz Desterreich- Ungarn impor tierte vor dem Kriege jährlich 196 Tonnen), 5000 Tonnen Geise, 100 Tonnen Parfümeriewaren, 10 000 Tonnen landwirt chaftliche Maschinen, 40 000' Hektoliter Wein usw. Weiter verlangt Frant reich den Beitritt zur Madrider Konvention über den Martenschus, hauptsächlich darum, um die Produktion von Spirituosen unter dem Nomen Cognac zu verunmöglichen. ute Der Vertrag ist ein Polititum ersten Ranges. Es ist doch in der Regel so, daß bet Sandelsverträgen ein Staat barauf achtet, das einzuführen, was er braucht und auszuführen, was er im Uebermaß produziert. Nun ist die Tschechoslowatet ein exportierenbes Industrieland, weil sich der grüßte Teil Eine Represalienpolitik dagegen ist aber gefährlich. In dem brohenden Kriege zwischen Polen und Litauen ist für uns die un parteifiche Reutralitat ebenso geboten, wie beim Kampfe zwischen Rußland und Bolen. In Zukunft werden wir uns die Leute zweimal ansehen, ble über die raffische Grenze nach Deutschfand einreifen wollen. Wenn mir bisher die Regierung des Geder Industrie der alten Monarchie. in ihrem Gebiete vereinigt nerals Wrangel und der Ukraine nicht anerkannt haben, so ist das auf Unberichtliteit ber Berhältnisse begründet. Ueber Amerifa au sprechen, halte ich im Hinblid anf bie un mittelbar bevorstehende Bräsidentenwahl nicht für taftvoll. Die Selbstbehauptung darf im Leben der Völker nicht das legte Wort sein. Deutsch Jein ist so lange nicht genug, so lange bie Deutschen nicht einen Gebanken verförpern, der über das deutsche Reich hinausgeht.( Widerspruch rechts.) Wir müssen auf ben alten. Gebanten ber beutschen Genossenschaft zurüdtom: men. Als zweiten Gebanken möchte ich den der deutschen Rechtsordnung. vertreten. Das Urrecht unseres Boltes und bez an beren. Böller, bas im Friedensvertrag von Versailles in vielen Buntien mit Füßen getreten worden ist, das wird uns in der Welt mehr Freunde haffen, als es jemals die Gewalt vermochte. Nach diesen Gesichtspuntien werbe ich auch weiterhin die beuische Außenpolitit richten( 3uftimmung links und in der Mitte. Widerspruch rechts.) Abg Stresemann( D. V. P.): Mit der außenpolitischen Saltung bes Ministers Simons find wir einverstanben. In der Frage der Wirtschaft find wir durchaus der Meinuno, daß neue Wege eingeschlagen werden müssen. ns Die private Spekulation zu muß eingedämmt werden, der Unternehmergeist aber muß erhalten bleiben. Alle Bläne müssen von dem einen Gedanken der Produktivität geleitet sein. Das englische Beispiel zeigt nus, daß diese Frage das Kernproblem ist. Wir sind durchaus für eine engere Anteilnahme bez Arbeiterschaft an ben Gefchiden bes Wertes, nur glauben wir, daß dics am besten erreicht wird, durch die Kapitalbeteiligung der Arbeiterschaft, die an gesichts der heutigen hohen Löhne leichter als früher möglich ift. An Stelle der Berstaatlichung oder einer anderen Form von Bergesellschaftung, die die Initiative des Unters nehmers ausschaltet, schlagen wir die Zusammenfassung von Wirtschaftsprovinzen vor.( Lebhafter Beifall.) großen Unternehmungen- Rohle, Gas, Wasser, Vertehr Die Vorschläge Lederer, respettive Rathenau sind für nnannehmbar. Die mechanische Durchführung des Acht- Stunden Tages hat auf die Reichsfinanzen einen tragischen Einfluß ausgeübt. Wir müssen mehr leisten und Mehrleistungen mit einer außerordentlichen Bezahlung vergüten. Die Inflation müssen wir mit einer größeren Produktion und Ausgleichung der Mehreinfuhr durch Mehrausfuhr bekämpfen. Sparsamteit ist erstes Gebot. Nach dem Zusammenbruch der Zwangswirtschaft müssen wir den Weg zur freien Wirtschaft weitergehen, auch wenn wir legt die Krankheiten der Uebergangszeit ertragen müffen.( Sehr richtig!) In der Landwirtschaft wehrt man fich bereits gegen die hohen Breise der Aufläufer.( Lachen links.) Der Preisabbau darf nicht bet den Löhnen und Gehältern, sons bern er muß von oben bei ben aroßen Gewinnen beginnen. Für bie Oberschlesier hätte mehr getan werden tönnen. Der Empfehlung des Grafen Westarp, ben ei mari hierenden Bolen mit bewaffneter Sand entgegenzutreten, tann ich mich nigt anschließen, das würbe nur zur Besetzung des Ruhrgebietes führen. Dem Wutonomiegesez stimmen selbst die o'er Schlesischen Barteifreunde des Grafen W starp zu. Den Angriffen gegen die Reichswehr fönnen wir nicht zustimmen. Die Orgeich verdient Anerkennung, benn fie will die Orbnung und Ruhe schützen und stellt sich jeder Regierung zur Verfügung, die den Bestand des Staates gegen Angriffe von rechts ober fints schützt. Uebrigens hat das Guts achten des Reichsjuftizmini'eriums entschieden, daß teinerlei rechtliche Handhaben für ein Einschreiten gegen die Organisation gegeben find( hört! hört! rechts). Der Abgeordnete Scheibes mann hat gefordert, daß bet der Besetzung des auswärtigen Dienstes nur Republitaner in Frage kommen. Wie tann er es dann rechtfertigen, da er feine Dienste einmal dem Kaiser zur Verfügung gestellt hat.( Unruhe bei den So.) Die Steungnahme der Deutschnationalen Bollspartet läßt manchmal die Rücksicht auf die schwierige Lage Deulslands vermissen.( Sehr findet. Umgekehrt braucht sie Lebensmittel und Rohitoffe. rants retch aber ist in genau der gleichen Lage und fann deshalb logis cherwelle den wirtschaftlichen Bedürfnissen des tfcheolowalishen Außenhandels nicht genügen. Die Ausfuhr von Papier tellt gemisfermaßen noch eine Konzession an Frankreich dar, es bliebe also einzig die Holzausfuhr, die etwas. aber auch nur etwas ins Gewicht fällt. Die Bemilliung der Einfuhr von Automobilen, Feide, Parfümeriewaren, Weinen und sogar von landwirt chefts lichen Maschinen in einem Wugenblid. da die gesamte tschecho= flowakische Industrie, die sich mit der Herstellung des größten Teiles bieser Waren beschäftiat, unter einer außerordentlichen Krise leidet, bedeutet durchaus feinen Vorteil für die Wirtschaft tief s Staates. Der gewinnende Teil bei dem Vertrag wird einzig Frankreich sein und die Sache ist inter fant für die immer noch bestehende Abhängigkeit der Tschechoslowakei von Paris. die offenbar unter der neuen Regierung wieder zu neuer Glorie et Stehen foll. Die Regierung hat sich mit den Bronofitiouen des Sand Iss ministeriums be chäftigt, ein wenig Kritik geübt, te aber im aroßen ganzen atentiert. Der französi chen Freundschaft" zu liebe werden also die" rbeiter der Tschechoslowatet die Geik I beg Arbeitslosigkeit zu verspüren haben, wenn sie nicht die Regierung vor der Ratifizierung des Vertrages noch eines Bcise ten belehren. Die Kohlenförderung im Ruhrrevier Den gesteigerten Anforderungen an die Wagengestellunn, wel he bie verhältnismäßig günstige Förderung der letzten Woche in Gefolge hatte, vermochte die Eisenbahn bei der gegenwärtigen Berkehrslage nicht gerecht zu werden. Trotzdem fich die wertiag liche Wegengestellung von 19 889. auf 20 800 Wagen hob, blieb die Zahl im Durch chnitt um 966 hinter dem tatsächlichen dark zurüd. Die Lagerbestände erfuhren eine Rubuße von 100 54 Tonnen bis einschließlich 26. Oftober. Die Kipoleistung in den Duisburg- Ruhrorter Häfen fant von 32 420 Tonnen auf 31 091 Tonnen täglich. während sich der gesamte Brennstoffumschlag auf ben Kanal echenhäfen um 1000 Tonnen werttäglich aünstiger stelte, als in der Borwoche. Das Angebot an Kahnraum ging ebenfalls zurüd. Die Krise in Frankreich Die aanze fapitalistische Welt wird von einer schweren Wirts schaftstrise er chüttert, auch die Länder, in denen der tapitalistiiche Anparat noch ganz intatt geblieben ist. Aus Nord- und Südamerifa und aus England fommen unaufhörlich Rachrichten von Breisstürzen, Zahlungseinstellungen Leiner und großer Häuser, Betriebsverrinnerungen und wachsender rbeitslooteit. Wie schmer aber erst die fontinentalen Staaten Europas von der Krise betroffen werden. zeigt eine Meldung aus Frankreich, wonach bort die Arbeitslosigkeit une heure Dimensionen angenommen habe. Vor allem sei die Lage sehr ernit in den be= freiten Gebieten. In den Mebereien des Nordens frien ble usfperrungen sehr bedeutend. Im Feine- Departement fiern 40 Prozent der Arbeiter der Tutomobil- Industrie, eben viel im Remerbe und 75 Prozent in der Lederindustrie Wybie Konfektion und Bijouterie ist fhmer betroffen. Im Loire- Gebiet erleiden die Ei enindustrie und die Seidenwebereien, im Rhonegebiet die Automobil- Industrie dasselbe Schid al Die Sühne für Scapa Flow. Die Wiederautmachung stommission hat die Ergänzungsziffer zu den von Deuts land bereits geforder ten 180 000 Tonnen, die als Entschädigung für die Versenkung der Flotte bei Scapa Flow zu liefern find, mit 83 000 Tonnen fest. gesetzt. England, Belgien und Deathland. Auf eine Anfrage teilte Llond George im Unterhause mit daß Großbritannien nicht pers sprochen habe, Belgien beizustehen, falls es neuerlich von Deutsch land angegriffen würde. Theater and Bergnügungen Volksbühne 7 1hr: Paul Lange und Tora Parsberg Nicu s Volkstheater Ropen der Str. 68 7: Mejor Barbara Etaatstheater Opernhaus 7 Uhr: Mignon Schanipielbaus 7 1hz: Leffing Theater Direkt Victor Barnowsky Heure bis Montag 71, Uhr: Flamme ( Doric), Grüning, GB. Pröck) Deutsch. Kini. Theater Alabendlich 7, 2hr Die Scheidungsreife Max Adalbert, Truce Hesterberg) Apollo Theater Friedrichstr. 218 Der Marquis von Keith 2½ allabendlich 7 Direktion: Mar Reinhardt. Deutites Theater Uhr: 2rfauft Kammerspiele 11: Die deutschen Kleinstädter Großes Schauspielhaus Sarlitrake Mur: rius Cafaz ( Außer Abonnement) Theater 1. d. Königgräger Str. 18 Uhr Rausch Orska. Abel, Riemann, Richard, Belbtkirch, Dernburg, Römer) Sonntag: Rausch Montag Erdgeift ( Drska, Steinrück) Komödienhaus 8 U.: Die Sache mit Lola mit Max Pallenberg ( Sosefine Dora a. G., Emmy Sturm, Picha, Hashel, Stteda, Kiper) Berliner Theater 18 Uhr: Ter legte Walzer Walhalla- Theater Tagl. 7 und Stg. nachm. 31 06 „ Der luftige Wilmer" Rose Theater 31%, Uhr: Schneewittchen 7 Uhr: Harems- Nächte Sonntags 3% 11. 1 Rind frei. 368 Casino Theater 8 3 Plur noch bis 4. November Knorps jel. Witwe Stg. 3. U.: Der Hausdrache Königstadt Theater ( Jannomigbrücke) Tegl. Galasänger 3.2 Boritetungen 7011. Bur Nachmittagsvorstellung 1 Kind frei 3m Ballfaal: Tans. Walhalla Rosenthaler Pl. Täglich 7 Uhr: Sonntags 3, n. 7 Uhr Wilhem Hartstein Mur noch bis einschließt. Sonntag, b. 31. Oktober Der lustige Witwer u. das große Programm A Montag, d. 1. Rev.: Die neue, große Ausstattungsburleske Kater Lampe Je toller, Trianon- Theater g Bainhol Friedrichstraße Uhr: Mag und Mortg Heute und täglich 8 Uhr: Der Roman eine Frau ( Sba Waft, Burd, Limburg, Baletti, Falkenstein) Residenz Theater ( Bahnhof Janno migbrücke, Untergrundbahnhof Klosterstr.) Heute und täglich 8 Uhr: Die Freundin ( Tilla Durieuz, Toelle, Bildt, Albers, Ballentin) Renes Operettenhaus Direktion Jean Kren 11hr: Die( sikósbaroness Operette in dret Akten nach einem Motiv Betöfis Don Fritz Grünbaum. SCALA LUTHERSTR 22-24 BIE 3100 SE numerierte Sitzplätze von 3man Eröffnung FREIE WELT Sentider Metallarbeiter Verband Die Sitizen der Republik Jean Jaurès Mörder zweimal vor Gericht Parlamentswahlen In Oester reich Dienstag den 2. 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Den Kollegen gur Nachrich, bab folgende Mitglieder gefiorben sind: Der Werkzeugmacher Fritz Riemer Berlin, Reinickendorfer Straße 77, am 24. b. ts. Die Einäscherung findet am Montag, den 1 November, Dormittags 10 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Der Schlofferlebtling Willi Schulz Hermsdorf, am 27. b. Mis. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 31. b. Mrs., nacam. 3 ihr, von der Leichenhalle des Gemeinde- Fried hofes in Sermisfelde aus katt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachrut. Den Kollegen gur Machricht, daß folgenbe Mitglieder geftorben find Der Bohrer Paul Kiepert Berlin, Gelmftraße 2, am 24. b. Mts. Der Schloffer Alfons Schumann Suttenftr. 5, am 27. b. Mts. Die Arbeiterin Erna Jäger Lichtenberg, Lehnbachstr. 17, am 25. b. t. Die Arbeiterin Alma Haack Liebenwalder Straße 16, em 22. b. Mito, Die Arbeiterin Marianne Borrack Hohenlohejte. 13, am 23. b. Mts. Chre ihrem Andenken: Danksagung. Allen Parteigenoffen unb Kollegen, sage ich hierdurch Br bas mir anläßlich der Beerdigung meines lieben Mannes, des Stadtverordneten Willi Now: kowsk Beiletd ausgesprochene meinen beften Dank. Neukölln, Weifeftr. 8. Eisabeth Nowakowski und Kind. Faft erblindeter Genoffe empfiehlt sich als& lavieritimmer. Haffelbach, Neukölln, Memes Atraße 10. Die Ortsverwaltung. Unferm Genoffen Oswald Goes nebe Frau& mma geb. Bota die herslichten Glück wünsche sur Silberhochzeit U. J. P. Fredersdorf. Unmeffen Ihrer Herrens garderobe Dollständig übers flüffig. Jm Erfaz- Magverkauf nur Abalbertstraße 91, Station Conbuser Tor, finden Sie elegante, fertige, in eigener Werkstatt hergestellte Herrens garderobe bis 50°, billiger wie bisher DOT. Sackettansfige auch blan, Jünglingsanzüge, Eutawananzüge, Witer, Mas rengopaletots, Streifhofen. Bere haufszeit 8-8, Sonntags 8-10 Innungs' ranker kasse der Tischler- Innung zu Berlin Kaffenlokal: Michaelhirchstraße 15. Bu der am Dienstag, ben 9. November 1920, abends 6 Wr Holzarbeiter Verbandshaus, Rungefte. 30, 8of part. links, im Sigungsfaal stattfindenden im außerordentlichen Ausschußsizung werden die Herren Bertreter der Jnnung und der Kaffenmitgliebez hierdurch eingeladen. Tagesordnung: Befchinßfaffung über die Abänderung der Dienstordnung. Der Borstand. Otto Gronan, Borfigender. Achtung! Po nische Sozialister! 1m 30. d Mts. findet im G sangssaal des Humboldtgymnasiums. Gert astr. 25 der Vortrag des ien. Dr. Bole law Drobner aus Krakau über Die gegenwärtige polfische Lage in Polen" tatt. Nach dem Vortrage freie Aussprache. Eintritt 50 Pfennig. Anfang 6%, Uhr. D'e Einberufer. Blige Möbelangebot Kompl. bunte Rüden 575 m. Bunte Etoffruhebetten 315 m. Bettstellen von 315 M. an Möbel the Auswahl Kredit an Alle! Biefere auch nach auswärts. 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Eeiser, Longer Straße 67, Nr. 462 Ein Hereinfall Die Klage der Neukommunisten abgewiesen Wie wir bereits mitgeteilt haben, fand am Freitag Bormittag vor bem Landgericht I auf Antrag des neufommunistischen Bartei vorstandes ein Termin gegen die Genossin 3ich und den Genossen Dittmann statt. Die Klage war von Schwent und Edfert und außerdem von dem sogenannten Zentralfomitee der Neufommunisten angestrengt. Die Kläger wurden von Rechtsanwalt Dr. Herzfeld, die Beklagten von den Genossen Dr. Rosen= feld und Dr. Bönheim vertreten. Außerdem war als Ver treter der Kläger Koenen und von den Beklagten Genosse Dittmann erschienen. Dr. Herzfeld stellte im Auftrag seiner Mandanten den Antrag, eine einstweilige Verfügung zu erlassen, durch welche der Genossin Zieh und dem Genossen Dittmann die Verfügung über das Parteiguthaben bei der Diskontogesellschaft und bei der Firma Carsch, Simon u. Co. bei Bermeidung der höchftzulässigen Strafe für jeden Fall der Zuwiderhandlung entzogen werde. Gegenüber einem Einigungsvorschlage des Gerichtsvorsitzenden bemerkte Genosse Rosenfeld, daß seine Auftraggeber jetzt, nachdem die Gegenpartei sich einmal an die bürgerlichen Gerichte gemendet und nunmehr den Klageweg beschritten habe, eine ge= richtliche Entscheidung verlangen. Dr. Herzfeld machte dem gegenüber geltend, daß die Antragsteller keinerlei Berfügung über das Parteivermögen haben, anders dagegen die Antragsgegner. Runmehr wurde in die Berhandlung eingetreten. Dr. Herzfeld gibt eine längere Begründung seines Antrags, aus der her vorzuheben ist, daß, nach Meinung der Antragsteller, die Be flagten von dem Zentralfomitee der U. S. P. D. einen Auftrag jur Berwaltung der Parteigelder bekommen haben, der ihnen jezt durch Beschluß des neuen Zentraltomitees( Däumig u. Gen.) entzogen worden sei. Er geht dann auf die Vorgänge auf dem Parteitag in Halle ein und präzisiert die Auffassung seiner Freunde dahin, daß die Beschlüsse der Mehrheit des Parteitages Geltung haben. Genosse Dr. Rosenfeld erhebt namens des Genossen Ditt mann Einspruch gegen die Zuständigkeit des Gerichtes. Die Klage sei zu Unrecht bei dem Landgericht I erhoben. Wenn die Kläger sich auf die§§ 22, 27 der Zivilprozeßordnung fügten, seien sie im Unrecht, da das Gericht des Sizes der Verwaltung eines Bers eins nach diesen Gefeßesbestimmungen nur für Klagen des Vereins gegen seine Mitglieder als solche und gegen aus geschiedene Vereinsmitglieder als solche zuständig sei. Sier flagten nicht ein Verein, sondern zwei Serten, an die ein angebliches Zentralfomitee seine angeblichen Ansprüche abgetreten habe. Außerdem sei die Klage nicht gegen Mitglieder der U. S. P. als solche, sondern gegen Mitglieder des Zentral tomitees gerichtet. Die Kläger hätten sich an ein falsches Gericht gewendet, und die Klage sei daher ohne weiteres ab zumeifen. Genosse Dr. Bönheim schließt sich für seine Manbantin, Ge nossin Zieh, dem Protest gegen die Zuständigkeit des Gerichts an. Er beantragt ebenfalls sofortige Abweisung der Klage. Es tommt hann zu längeren juristischen Auseinandersehungen, in deren Ber lauf Dr. Herzfeld den Nachweis zu erbringen versucht, daß das Parteiprogramm der U. S. P. D. schon mehrere Male ge ändert worden sei, ohne daß dagegen Einspruch erhoben wurde, und daß auch die Hallenser Beschlüsse( Annahme des Antrages Däumig- Stöder über die Internationale) das Wesen der 1. S. P. D. nicht verändert hätten. Die Genossen Dr. Rosen feld und Dittmann traten diesen Ausführungen entgegen. Nach den Bestimmungen unseres Parteistatuts darf keine Körperschaft, also auch nicht der Parteitag gegen die Bestimmungen des Statuts nerstoßen. Das sei aber durch die Annahme der Moskauer Bedingungen geschehen. In diesen Bedingungen wird flar und deutlich verlangt, daß die der Moskauer Internationale ange schlossenen Parteien die Beschlüsse des internationalen Kongresses und auch des Eretutinkomitees der dritten Internationale unbe dingt zu befolgen hätten. Dadurch würde aus einer selbständigen Landespartei eine unselbständige Seftion einer internationalen Bartei. Das bedeute eine völlige Veränderung der organisatorischen Grundlagen der Partei. Der Antrag, der das bezmedie, hätte nach§ 32 des Organisationsstatuts der 1. S. P. D. minde tens fünf Tage vor dem Parteitage veröffentlicht werden müssen, ober aber mindestens dreiviertel des Parteitages hätten sich für die Beratung erklären müssen. Da die Anhänger der Mostaner 181 EB Hunger Roman von Knut Samfun. Die Sonne schien in mein Fenster, unten hörte ich die Pferde ihren Safer fauen. Ich saß und sog an meinem Solzspan, vergnügt und heiteren Sinnes wie ein Kind. Una aufhörlich hatte ich nach dem Manuftript gefühlt; ich trug es nicht einmal im Gedanken, aber der Instinkt fagte mir, daß es existiere, mein Blut erinnerte mich daran. Und ich 80g es hervor. Es war feucht gemorden, deshalb breitete ich es aus und legte es in den Sonnenschein. Dann begann ich in meinem 3immer auf und ab zu gehen. Wie niederdrüfend alles aussah! Auf dem Fußboden rund umber fleine Ueberbleib jel von Blechplatten, aber fein Stuhl zum figen, nicht einmal ein Nagel an den nadten Wänden; alles war nach Onfels" Keller gewandert und verzehrt. Auf dem Tisch ein paar Bogen Papier, die eine dide Staubschicht trugen das war alles, was mir gehörte; die alte, grüne Dede anf dem Bett hatte Hans Pauli mir vor einigen Monaten ge= borgt... Sans Pauli! Ich knipse mit den Fingern. Sans Bauli Pettersen muß mir helfen! Und ich befinne mich auf feine Adresse. Wie hatte ich Hans Pauli vergessen tönnen! Er würde gewiß sehr böse sein, daß ich mich nicht sofort an ihn gewandt hatte. Schnell sege ich meinen Sut auf, sammle das Manuskript zusammen, stede es in die Tasche und laufe die Treppe hinunter. Sör mal, Jens Olaf," rief ich in den Stall hinein, ich glaube ganz bestimmt, daß ich dir heute nachmittag helfen fann!" Vor dem Rathause angelangt, sehe ich, daß die Uhr über elf ist, und so beschließe ich, sofort in die Rebaftion zu gehen. Bor der Bureautür blieb ich stehen, um zu sehen, ob meine Papiere nach der Seitenzahl geordnet lägen; ich glättete sie forgfältig, stedte fie wieber in die Tasche und flopfte an. Mein Herz schlug hörbar, als ich eintrat. Der Mann mit der Schere ist wie gewöhnlich zur Stelle. Ich frage ängstlich nach dem Redakteur. Keine Antwort. Der Mann sigt und bohrt die Lokalnotizen aus den Provingblättern heraus. Ich wiederhole meine Frage und trete weiter vor. Beilage zur„ Freiheit" Bedingungen über diese Mehrheit nicht verfügten, sekten fie sich furzerhand über das Parteistatut hinweg. Aus diesen und anderen Gründen haben die Anhänger der Moskauer Bedingungen demokratischen Partei Deutschlands aufzuspielen. das Recht verwirkt, sich als Vertreter der Unabhängigen Sozial Dr. Herzfeld und Koenen versuchten nochmals diese Auffassung zu widerlegen, ganz besonders mit dem Hinweis darauf, daß es der Minderheit des Parteitages frei gestellt war, diesbezügliche Anträge zu stellen. Das haben sie aber versäumt und haben turzerhand den Parteitag verlassen. Nach längerer Beratung verfündete der Vorfizende, daß die. Kläger to stenpflichtig mit ihrer Klage abgewiesen seien, da das Gericht sich nicht für zuständig halte. Darüber hinaus vertritt das Gericht die Auffassung, daß die Klage an sich unzulässig ist. Aus der mündlichen Begründung heben wir nur folgenden Saz hervor:„ Die jetzige Antragstellerin zu 3( das Zentralfomitee Däumig und Genossen) als Rechtsnachfolgerin des früheren Zentralfomitees der U. S. B. D. anzusehen, ist nach dem Vers eins und Gesellschaftsrecht des Bürgerlichen Gesetzbuchs un möglich." Damit haben es die Neufommunisten non ben bürgerlichen Gerichten, die sie angerufen haben, schwarz auf weiß bekommen, daß ihr Zentralfomitee" nicht die Rechtsuachfolgerin des Zentral fomitees her U.S. P. D., mithin auch ihre neue Bartei, die U.S. P. D. nicht ist. Selbst nach bürgerlichem Recht steht damit fest, daß unsere Partei allein die U. S. B. D. ist. 舍 Und abermals menden sich die Neutommunisten an die bürgerlichen Gerichte: Das angebliche Zentralfomitee der U. S. P. D. mit Däumig an der Spike, hat jetzt bei dem Landgericht I Berlin eine neue einstweilige Verfügung beantragt, durch welche den Genoffen Crispien, Dittmann und Luise 3ies sofort verboten werden soll, die Bureauräume am Schiffbauerdamm zu benutzen, bei Vermeidung der höchsten zulässigen Strafe für jeden Fall der Zuwiderhandlung. Auch mit diesem Antrag haben Däumig und Genossen natürlich feinen Erfolg gehabt. Das Gericht hat lediglich Termin anberaumt und am 4. November wird über den Antrag entschieden werden. Selbstverständlich werden Däumig und Genossen eine neue Abfuhr erleben. Denn wenn man sich schon an das bürgerliche Gericht mendet, muß man wenigstens eine gewisse Kenntnis bes bürgerlichen Rechts haben. Danon aber läßt der Antrag Däumig und Genossen nicht das geringste verspüren. 3mar erklärt die Rote Fahne" in ihrer Nummer vom 29. b. M., daß der Kampf um ein flares politisches Ziel zu führen ist und nicht in einen juristischen Kleinfrieg umgebogen werden darf. Unsere Neufommunisten aber zeigen mit der Fülle von Klagen, die sie über uns ergießen, daß sie gerade diesen juristischen Kleintrieg wollen. Da fie uns bazu zwingen, werden wir ihn führen. Wir wissen: das Recht ist auf unserer Seite! Gewerkschaftliches Eine reaktionäre Außenhandelsstelle In der Außenhandelsstelle für Metallerzeugnisse schaltet die Reattion in unübertroffener Weise. War es möglich, schon vor einigen Wochen zwei Angestellte, die sich megen ihrer Zugehörig feit zum Zentralverband der Angestellten mißliebig gemacht hatten, mit Silfe eines erzreattionären Betriebsrates auf die Straße zu sehen, so hat sich jetzt ein Stüdlein ereignet, bas verdient, der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten zu werden. Ein Angestellter, natürlich auch wieder Mitglied des Zentralverbandes, befaß die Kühnheit, dem ungefegmäßigen Betriebsrat etwas auf die Finger zu guden, dessen 2. Borsigender im Telephonbuch als Dis reftor aufgeführt ist. Die Folge dieser Bermessenheit war eine Denunziation des Betriebsrates bei der Leitung, die ohne Nach prüfung der Angaben des Betriebsrates dem Angestellten wegen hegerischer Rebensarten fündigte und ihn sofort nom Dienste suspendierte. tungsausschuß wurde, wie es nicht anders zu erwarten war, die In der fürzlich stattgefundenen Berhandlung vor dem Schlich dieser Berhandlung erfuhr der Betriebsrat die gebührende Würdi Wiedereinstellung der betreffenden Angestellten entschieden. Bei gung seiner hinterhältigen Handlungsweise und auch von dem organisatorischen Aufbau der Außenhandelsstelle wurde von dem Sonnabend, 30. Oktober 1920 Vertreter der Leitung in naiver Offenherzigkeit eine interessante Schilderung gegeben. Es murde festgestellt, daß die Entlassung nur auf die Beschul digung des Betriebsrates hin erfolgt ist, ohne daß die Leitung sich die Mühe genommen hatte, diese Denunziation zu untersuchen. seine hegerischen Reden" feine Arbeit auch nur im geringsten vers Es fonnte nicht festgestellt werden, daß der betr. Angestellte durch nachlässigt hätte. Dahingegen wurde von dem Bertreter der Zei tung ausgeführt, daß der Personalchef, Herr Hahn, nicht in der Lage sei, die Arbeit ber einzelnen Angestellten zu übersehen oder durch Unterorgane übersehen zu lassen. Bermutlich liegt das daran, daß Herr Hahn, der einem„ on dit zufolge als Personalchef ein Gehalt von rund ME. 70 000 beziehen jolt, neben diesem fürstlichen Einkommen ein Infratives Papier geschäft betreibt, das seine Gedanken wohl sehr in Anspruch nimmt. Es wird Aufgabe der gesetzlichen Instanzen sein, sich diese Per sonen einmal näher anzusehen, die eine derartige Doppeleristenz führen, während tausende von Arbeitslosen auf der Straße lies gen und taum ein Unterkommen finden. Sache der Angestellten der Außenhandelsstelle ist es aber, einen Betriebsrat, der sich zum Büttel der Direktion macht, der seine Sigungsprotokolle der Direktion zur Verfügung stellte, damit sie in den Schlichtungsausschußverhandlungen gegen die Arbeitneh mer vermendet werden können, einen solchen Betriebsrat, der nicht Angestelltenvertretung ist, sondern Angestelltenverrat übt, megzuräumen. Eisenbahner- Fachschule und Betriebsrätekurjus Der Betriebsräteturjus beginnt am Montag, den 1. November 1920, abends 6 Uhr, im Askanischen Gymnasium, Halleschestraße, am Anhalter Bahnhof. Betriebsräte, welche sich noch nicht haben einschreiben lassen, werden ersucht, am vorgenannten Datum da selbst ihre Anmeldung zu bewirten. Die Kosten betragen 40 Hörgebühr und 1 M. Teilnehmerkarte und sind die Betriebsräte berechtigt, für diesen Betrag an dem Kurfus der Eisenbahnerfach schule teilzunehmen. Nach Beendigung des Betriebsräteturjus er hält jeder Teilnehmer, melcher den Unterricht bis zum Schluß be fucht hat, von der Organisation 20 M. zurück vergütet. Deutscher Transportarbeiter- Verband, Bez. Groß- Berlin. Am Mittwoch, den 27. Oftober 1920, abends 6 Uhr, fand bei Fen fara, Melchiorstr. 15, eine Gruppenversammlung aller Betriebsräte der Eisen-, Röhren-, Werkzeugmaschinen-, Alt metall, Glas, Keramit, Kurz- und Galanterie- und Spielwaren branche statt. Der neu gewählte Branchenrat abiger Branchen stellte sich der Bersammlung vor. Gewählt wurden: 1. Borsigender: Georg Adler, Kurz, Galanterie; 2. Borsigender: Hermann Mileng Eisen; Schriftführer Carl Schulze, Export; Paul Bläntner, With. Altmetall; Franz Mildebnath und Schent, Glas; Ernst Janders, Eisenbranche; Karl Vollmer, Eisenbranche; Carl Otto, Eisenbranche. Die Versammlung nahm hiervon Kenntnis. Den Bericht vom Betriebs tätetongres erstattete Murams fy. Er gab einen turzen Bericht, der die der die Versammlung im allgemeinen nicht befriedigte, und als er ent- leiste, als er Dif mann und Graßmann angriff, erhob sich ein Sturm der Entrüstung in der Bersammlung. Als erster Diskussionss rebner ergriff Kohlschmidt vom D. T. A. B. das Wort. Er erflärte, es sei eine Schande und eine Beleidigung für jeben deutschen Transportarbeiter, daß Losowsky sich in so niedriger und gemeiner Weise über die Gewerkschaften geäußert hat und erklärte, mir fönnten solche Redensarten nur weit von uns weisen; er fand allseitigen Beifall. Es wurde dann folgende Resolution vom Kollegen Funte übergeben und zur Berlesung gebracht: Die Betriebsräte der Eisen-, Glos, Kurz-, Galanterie pp. Branchen haben den Bericht vom bsrätetongreß ents gegengenommen. Sie erklären sich mit en Beschlüssen des Kongresses einverstanden. Die Versammelten ver. werfen jede Aktion, die sich offen oder heimlich gegen die Ges schlossenheit der freien Gewerkschaften richtet. Sic, halten nac Lage der Verhältnisse die freien Gewerkschaften als gegenwärtig einziges Bollwert gegen die Reaktion und geloben, eifrig für die Gewerkschaften zu wirken. Sie erwarten allerdings, daß die Gewerkschaften die Politik der Arbeitsgemeinschaf ten verlassen und wieder zu Kampforganisationen des tassen bewußten Proletariats werden." Mit großer Mehrheit wurde dieser Resolution zugestimmt. Reichslongreß der Erwerbslosenräte. Am 14. bis 16. November 1920 findet in Berlin, in Haverlands Festfälen, Neue Friedrichstr. Nr. 36, ein Reichstongreß der Erwerbslosenräte Deutschlands mit nachstehender Tagesordnung statt. 1. Stellungnahme zum Ar beitslosenversicherungs- Gesez. 2. Stellungnahme zur Erhöhung der Reichsunterstützungssäge ab 1. November cr. 3. Neuwahl des Reichsausschusses und Stellungnahme zur evil. Berlegung des selben. 4. Verschiedenes. Reichsausschuß der Erwerbslojenräte Deutschlands. Der Redakteur sei noch nicht da, sagte er endlich ohne| örebrot im Fenster gesehen, das größte Brot, das für den aufzusehen. Wann er fäme? Ganz unbestimmt, wirklich ganz unbestimmt. Wie lange das Bureau geöffnet sei? Sierauf erhielt ich keine Antwort und mußte gehen. Der Mensch hatte während der ganzen Zeit nicht einen Blid auf mich geworfen; er hatte meine Stimme gehört und mich daran erkannt. So schlecht bist du hier angeschrieben, daß man es nicht einmal der Mühe wert hält, dir zu antworten, dachte ich. Ob das wohl auf Befehl des Redakteurs geschieht? Allerdings hatte ich ihn, seitdem er mein berühmtes Feuille ton zu zehn Kronen angenommen, mit Arbeiten überschwemmt, hatte ihm die Türe fast täglich mit unbrauchbaren Dingen eingerannt, die er hatte durchlesen und mir zutüdgeben müssen. Dem wollte er vielleicht ein Ende machen, feine Vorsichtsmaßregeln treffen... Ich begab mich auf den Weg nach Homandsbyen hinaus. Sans Pauli Pettersen war ein Bauernstudent, der im Hof fünf Treppen hoch in einer Bodenkammer wohnte: Hans Pauli Pettersen war also ein armer Mann. Wenn er aber eine Krone hatte, so würde er sie hergeben. Ich würde fie so sicher bekommen, als ob ich sie schon in der Tasche hätte. Während des ganzen Weges freute ich mich auf diese Krone, - so gewiß war ich ihrer. Als ich an die Haustür fam, war sie geschlossen und ich mußte läuten. Ich möchte Student Pettersen Sprechen," sagte ich und wollte hinein. Ich kenne sein Zimmer." ,, Student Pettersen?" wiederholte das Mädchen. Ob es der gewesen, der in der Bodenkammer gewohnt? Der sei ausgezogen. Wohin, wisse sie nicht; seine Briefe hatte er Schiden lassen, und bann nannte sie die Nummer. sich aber hinunter nach der Toldbodgade zu Hermansen Boll Glauben und Hoffnung gehe ich die ganze Toldbod gade hinunter, um Sans Baulis Adresse zu erfragen. Dies war der letzte Ausweg, und ich mußte ihn ausnügen. Un terwegs fam ich an einem Neubau vorüber, vor dem zwei Tischler standen und hobelten. Ich griff in den Haufen hinein, nahm ein paar blanke Späne heraus und steckte den einen in den Mund und den andern für später in die Tasche. Dann fegte ich meinen Weg fort. Ich stöhnte vor Sunger. In einem Bäderladen hatte ich ein wunderbar großes Zehn Preis überhaupt zu haben war. „ Ich tomme, um mich nach Student Pettersens Adresse: zu erfundigen." Ob ich ,, Bernt Anters Gade Nr. 10, Dachwohnung. hinaus wolle? Na, ob ich dann so gut sein wolle und ein paar Briefe mitnehmen, die für ihn angekommen? Ich gehe hinauf in die Stadt, denselben Weg, den ich ges tommen, gehe wieder an den Tischlern vorüber, die jetzt mit ihren Blechtöpfen zwischen den Knien dasaßen und ihr gutes Dampffüchenmittagbrot aßen; passiere den Bäderladen, wo das Zehnörebrot noch an seinem Plaz liegt und erreiche endlich halbtot vor Ermattung Bernt Anters Gade. Die Tür war offen, und ich stieg die vielen beschwerlichen Treppen nach der Dachwohnung hinauf, ziehe die Briefe aus der Tasche, um Hans Pauli gleich mit einem Schlage in gute Laune zu versehen, wenn ich bei ihm eintrat. Er würde mir diese Gefälligkeit gewiß nicht abschlagen, wenn ich ihm die Verhältnisse auseinandersetzte, ganz gewiß nicht. Hans Pauli hatte ein so edles Herz, das hatte ich ihm so oft nachgesagt An der Tür fand ich seine Karte: 5. P. Pettersen, stud. theol. - nach Hause gereist." Jch letzte mich, setzte mich auf den falten Fußboden, dumpf, mübe, gebrochen. Ein paarmal wiederhole ich mechanisch: Nach Hause gereist! nach Hause gereist!" Dann bin ich ganz still. Keine Träne in meinen Augen, tein Gedanke, fein Gefühl. Mit anfgerissenen Augen saß ich da und starrte auf die Briefe, ohne irgend etwas zu unternehmen. Es ver gingen zehn Minuten, vielleicht zwanzig, oder mehr; ich saß beständig auf demselben Fled und rührte feinen Finger. Dieses dumpfe Brüten war beinahe wie ein Schlummer. Jezt höre ich jemanden auf der Treppe; ich stehe auf und Sage: Ich suche Student Pettersen, hier find zwei Briefe für ihn. Er ist nach Saufe gereist," antwortet die Frau.„ Aber nach den Ferien tommt er wieder. Wenn Sie wollen, fann ich die Briefe an mich nehmen." 99 Ja, danke, das ist mir sehr angenehm," sagte ich, dann findet er sie, wenn er zurüdkommt. Es könnte was Wichtiges drin stehen. Guten Morgen!" ( Fortsegung folgt.) Groß- Verlin Freigabe weiterer Kohlenkartenabschnitte Das Kohlenamt Berlin teilt mit: Auf Grund des§ 38 Abs. 2 Der Verordnung des Kohlennerbandes Gro- Berlin über die Kohlenverteilung vom 6. März 1919 wird hiermit angeordnet: Vom 1. November 1920 ab werben zur Entnahme und Abgabe von Kohlen folgende weitere Abschnitte freigegeben: Abschnitt 7 der 12-3entner- Kochkarte, Abschnitt 17 der 16- Zentner- Rochiarte, Abschnitt 27 der 24-3entner- Koch'arte, Abschnitt 37 der 32-3ents ner- Kochtarte. Die Rechtartenabschnitte 7, 17, 27, 37 find statt mit Zentner mit 1 ganzen Zentuer zu beliefern. Ferner find zur Abgabe und Entnahme von je ½ Zentner Rohlen ab 1. NoDember 1920 die Abschnitte 15 und 16 der Sonderfarte freigege= ben. Bevorzugt zu beliefern sind die bereits früher freigegebenen Abschnitte der Koch, Dfen-, Rofs- und Sonderkarte, sofern sie nicht für verfallen erf.ärt sind. Die Reichswehr als Privatunternehmer Nach von uns gemachten Feststellungen hat in wiederholten Fällen die Reichswehr mit den eigenen ihr zur Verfügung stehenden Gespannen, Führleistungen für Private, u. a. für die Firma Böhm( Fuhrgeschäft), an der Buttligbrüde 6, sowie für die Rohlenfirma Baul Dorff gegen Entgelt ausgeführt. Im Intere der großen Zahl der Arbeitslosen im Fuhrgewerbe hatte vir unter dem 10. Juli 1920 eine Eingabe an den Reichswehrninister gemacht, in welcher wir um Zurüdziehung der militär chen Gespanne baten. Eine Antwort hierauf ist uns bis heute noch nicht zugegangen. Nach wie vor werden von einzelnen Truppenteilen die Gespanne für Privatzwede zur Verfügung gestellt und dadurch die Arbeitslosigteit gefördert. Wir sind der nicht, daß ein Eingreifen der militärischen Gespanne in priva mirtschaftlichen Betrieben bei der geringen Arbeitsmöglichkeit richt notwendig ist. Die Vermutung liegt nahe, daß die durch die Gestellung der Gespanne erzielten Einnahmen nur zur Füllung ron Kantinen oder sonstigen Fonds der einzelnen Truppentetle, nicht aber im Interesse des Staates Verwendung finden. Delon mischer wäre es, die überzähligen Gespanne zu verkaufen. Boi den heutigen hohen Unterhaltungskosten tönnen wir uns den Lugus auf Kosten der Ilgemeinheit nicht erlauben mehr Ge panne als wie unbedingt benötigt werden, zu unterhalten. Soweit wir unterrichtet sind. erhalten die Coldaten als Gefnannführer an den Tagen, an welchen sie mit den Gespannen für Private Dienste leisten, zu ihrem Sold 10 M. extra gezahlt. Dadurch verhilft man den Leuten zu einem doppelten Verdien, t, während andererseits den Arbeitslo en die Verdienstmöglichkeit genommen wird und diese mit ihren Familien von der farge Erwerbslosenunterstützung ihr Dasein fristen müssen. 8 51. Der Jagdschein Der§ 51 bes Strafgesetzbuches besagt, daß Geistestrante wegen Berstöße gegen die Gesetze nicht bestraft werden. Das ist auch ganz richtig. Ein Geistesfranter gehört nicht in die Strafanstalt, sondern in eine Jrrenanstalt, falls er gemeingefährlich ist. Int anderen Fällen in sonstige Obhut. Nun wird der§ 51 gewöhn lich, nur nicht immer dann angewandt, wenn es sich um einen tatsächlich Geistestranten handelt, sondern oftmals zu dem 3wede, Ber onen aus den Kreisen der Begüterten vor Strafe zu schützen, wenn diese sich irgendeines Vergehens schuldig gemacht haben. Eo soll es der vor einiger Zeit wegen Geldfälschung inhaftierte Dr. Max Steinberg fertig bekommen haben, sich einer Seits auf Grund des§ 51 außer Berfolgung zu sehen. Obmoh! nach allem, was uns mitgeteilt wird, ein Grund dafür nicht por liegt, insbesondere dessen Ehefrau, wie dem Staatsanwalt mitgeteilt worden ist, auch in Gesprächen feinerlei Sehl daraus ge= macht hat, daß ihr Mann eine Krankheit nur vorschützt, um fich der Verfolgung zu entziehen. Es handelt sich in diesem Falle ohne Frage um einen Kapitalverbrecher, dem das Handwert gelegt werden muß. Wir hoffen, daß die Zeugen, die dem Staatsanwalt namhaft gemacht worden sind, vernommen werden, und durch einwandfreie Gutachten tatsächlich festgestellt wird, wieweit der Dr. Max Steinbera berechtigt ist, sich auf diese Weise vor einer Bestrafung zu schützen. Antisemitische Hege in den Gemeindeschulen Uns liegt ein Flugblatt vor, welches handschriftlich in einer hiesigen Gemeindeschule verbreitet wird und in übelster Weise unter Zuhilfenahme der üblichen deutsch- nationalen Redensarten zur Judenhezze auffordert. Es wird darin gleichzeitig zum Beitritt für einen Deutschnationalen Schülerbund geworben. Aus bem Inhalt sei namentlich hervorgehoben, daß darin von der Einöffentliche Betanntmachung). Die Kohlenstelle Groß- Berlin teilt mit: Wegen grober Br stöße gegen die Verordnung des Kohlenverbandes Groß- Berlin ist dem Kohlenhändler Richard Petrid, Berlin, Petersburger Str. 82, der Fortbetrieb des Kohlenhand bels untersagt worden. richtung eines Detektivbureaus die Rebe ist, das die Mitglieder| amtlichen Teil der heutigen Nummer dieses Blaties erfienens beobachten soll, ob sie nicht mit Juden reden. Dann heißt es: Folge uns und nicht den verfluchten Judenhunden!" Zum Schluß wird mit groben Echimpfworten gegen einen bestimmten Juden gehetzt, der elender Lump, Betrüger, Schuft, Schweinehund, Schie ber und Mörder genannt wird. Das Blatt zirkulierte in der Oberstufe der 31. Gemeindeschule in Alt- Moabit, Ede Wilsnader Straße. Es ist dies dieselbe Schule, in welcher ein sozialistischer Lehrer seiner Gesinnung wegen dauernd den ärgsten Drangsalierungen ausgesetzt ist. An der Spige der Schule. steht Rektor Weiße, ein Mann von ausgesprochen reaktionärer Gesinnung. Ferner tut sich ein Lehrer namens Siewert besonders bei der reaktionären Heze hervor. Es ist die Vermutung nicht von der Hand zu weisen, daß diese Herren bei der Bildung der Vereini gung, von der das gedachte Flugblatt ausgeht, nicht unbeteiligt find. Jedenfalls haben sie nichts getan, um derartigen Hegereien, die geeignet sind, das findliche Gemit zu vergiften und mit Saß zu erfüllen, in irgend einer Weise entgegenzutreten. Jugendvorführungen in Reukölln. In neuerer Zeit häufen sich die Klagen darüber, daß in den sogenannten Kindervorstellungen der Kinos der Jugend sehr häufig Machwerte niedrigster Art, die man schlechthin als Schund" bezeichnet, vorgeführt werden. Um der Schuljugend Gelegenheit zu geben, wirklich einwandfreie Rinovorstellungen zu besuchen, sieht sich das städtische Jugendamt Neukölln veranlaßt. jeden Mittwoch und Sonnabend, nachmit tags 3% Uhr, solche Vorführungen zu veranstalten. Aber nicht nur das Kino, sondern auch Marionettentheater, fünstlerische Musit- und Gesangsvorträge, Märchen mit Lichtbildern werden unserer Jugend Gelegenheit geben, ihr Unterhaltungsbedürfnis zu befriedigen und gleichzeitig ihr fünstlerisches Empfinden zu fördern. Die Vorstellungen beginnen am Sonnabend, den 30. Oktober, nachmittags 3 Uhr, im städtischen Lichtspielhaus, Bergstraße 147. Der Eintrittspreis beträgt 50 Pf. Der Kartenvertrieb erfolgt durch die Schulen. Von der Bevölkerung darf erwartet werden, daß sie das Bestreben der städtischen Behörden, den Schund von der Jugend fernzuhalten, unterstüt Diese Beranstaltungen sollen auch in nächster Zeit auf die schulentlassene Jugend ausgedehnt werden. Der Luftmord an der 15 Jahre alten Tochter Margarethe bes Justizwachtmeisters Elfe aus der Bahnhofstraße 6 zu Lindow in der Mark beschäftigt noch immer die Kriminalbehörden. Die Untersuchungen zur Aufklärung des scheußlichen Verbrechens sind iegt in ein neues Stadium getreten. Die Leiche des jungen Mädchens wurde in einem Kornfeld aufgefunden. Da nur mit einem Lustmord gerechnet werden konnte, benachrichtigte die Staatsanwaltschaft zu Neuruppin die Berliner Kriminalpolizei. Deren Nachforschungen führten zu dem dringenden Berdacht, dah der 43 Jahre alte Vater der Ermordeten die eigene Tochter nach voraufgegangenen schweren sittlichen Verfehlungen ums Leben g bracht habe. Dieser wurde daraufhin verhaftet. Nach Aussagen cines Untersuchungsgefangenen, der mit Elfe in Saft war, hat er diesem die grauenvolle Tat eingestanden. Danach soll die Ehefrau des Elfe Mitwisserin des Verbrechens sein. Das Zehlendorfer Eisenbahnunglüd. Die sofort nach dem Unfall eisenbahnseitig eingeleitete Untersuchung ist zur Stunde noch nicht abgeschlossen. Bisher steht fest, daß der Fahrdienstleiter des Bahnhofs Zehlendorf sich eines ganz groben Berstoßes gegen die Fahrdienstordnung schuldig gemacht hat. Er hat, ohne sich davon zu überzeugen, daß der erste Blod nach Reu- Babelsberg frei t ben Arbeitszug abgelassen und hat es aleichzeitig unterlajjen, den Lokomotivführer des Zuges den in diesem Falle vorgeschriebenen schriftlichen Befehl zu erteilen. Als zweiter ist auch der Lotomotivführer des Arbeitszuges von der Schuld nicht ganz freizus Sprechen, da er ohne diesen schriftlichen Befehl von Zehlendorf nicht abfahren durfte. Die Prüfer des Demobilmachungsausschusses find sämtlich durch eine grüne, mit Lichtbild, Stempel und unter: fchrift des Magistratsdezernenten versehene Ausweiskarte legitimiert, die auch. einen Abdrud der Vorschriften enthält, die die Brüfer berechtigen, Auskunft zu verlangen. Es wird gebeten, Personen, die ohne Vorweisung eines solchen Ausweises Aus: fünfte verlangen, festzustellen, und wegen unbefugter Amtsanmaßung der Polizei oder dem Demobilmachungsausschuß zu metden. Die echten Prüfer find bei Vermeidung gerichtlicher Strafe zur Geheimhaltung der ihnen gemachten Angaben verpflichtet. Nene Fürsorgestellen für Erwerbslose in Neukölln. Die Zunahme der Bahl der Erwerbslosen macht die Eröffnung dreier neuer Geschäfts- und Zahlstellen am 1. November d. Js. in Neukölln nötig. Diese neuen Geschäftsstellen werden belegen sein: Nr. 3, Saalestraße 16, part., Nr. 6, Weisestraße 61, part., Nr. 7, Reuterstraße 34, Hof 2 Treppen. Die bisher Lenau- Ede FriebelStraße untergebrachte Zahlstelle 1 befindet sich vam gleichen Zeits punkte ab Reuterstraße 34, Sof 1 Treppe( au vgl. auch die im Bahle hente Sonnabend Bafandfälle Kupfer Platinbruch Mart 161% feſt Goldbruch Silberbruch Quecksilber, 3 hngebie Pla'in, Gold, Silberbruch Alte 3ahagebiffe weit über Tairspreis Quecksilber Brunnenstr. 11 kauft zum höchften Tag.skurs Beusselstr. 29 Bortal 1, nahe Invalidenstraße Fennstr. 48 John, Chauffeestraße 110, p. 1, Schubert, Bärwaldstraße 53, nahe Blücherstraße. Metalle! Preiserhöhung! Weidenweg 72 pro Gramm ab morgen freibleibend. Golds und Gilberbruch obg. Breis entsprechend, bis Mark 40.- bzw. Mark 1.50 Köpenicker Landstraße 146, hochpaterre. ( 1 Minute vom Bahnh. Baumschulenweg) Linie 83, 84 ufm. Bogler Gold, Silber-, Platinante jeben Poften Ringe. Münzen, Zahngebije, Brennstifte Kupfer, Messing, Blei usw. kauft Cilberzentrale Binn! Pötzinn! Ganz Berlin staunt Gotzkowskystraße 13 Weißmet., Blei, Kupfer! Meffing! Fink! 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Bezirksverordnete, Stadtverordnete des 3. Verwaltungsbezirks Wedding( Richtung Crispien- Ledebour). Sonnabend, 30. DI tober, pünktlich 6 Uhr, im Konferenzzimmer der Schule Banjir Nr. 20-21, Ede Wie enstraße, Frattionssigung. Borstandsmi glieder 5 Uhr. Die Obleute der kommunalen Kommission der in Frage kommenden Distrikte sind eingeladen. 5. Verwaltungsbezirk( Friedrichshain). Stadtverordnetes Bes zirksverordnete und Borsigende der kommunalen Kommission am Sonntag vormittag 10 Uhr, Cigung bei Falt, Rüdersdorfer Str. Nr. 18. Vollzähliges Erscheinen dringend notwendig. Bei den 28 Annemeinen Ortstrantenfaffen von Groß- Berlin find zur Zeit nur 900 000 Mitglieder vorhanden, darunter nur 376.000 Männer. 520 000 Frauen und Mädchen, davon sino rund 803 000 versicherungspflichtig und etwa 92 000 versicher berechtigt. Arbeitsstätte Schönhauser Borstadt. 15. Gemeindeschule, Ra. stanien. Allee 81. 3. Borirag über Schul- und Erziehungsfragen, Den neu hinzukommenden Sörern werden die leitenden Gedanken, der ersten Borträge noch mitgeteilt. Kursusbeitrag 3 Mt. Beginn 7 Uhr. Schauspielhaus Neukölln. Nachdem die erste Aufführung von Gerhart Hauptmanns Fuhrmann Henschel" mit großem Berfall aufgenommen wurde. tommt das Boltsbildungsamt dem allge meinen Wunsche nach, nochmals mit einer Aufführung mit erft tlassiger Belegung aufzurarten. Zu der am Montag, den 1. Nos vember, in der Neuen Welt"( Neuer Saal) stattfindenden Aufführung sind noch Karten zum Preise von 3 M. in den befannten Stellen zu haben. Aus den Orannikationen 4. Dirift( Crispien- Bedebour). Sonnabend, 30. Oftober, 7 Uhr, bet List, Naun nitr. 9, Verwaltungsfitung. Die Abteilungsführer haben bestimmt zu ers Icheinen. Arbeitslose Cenoffen, die mindestens fechs Monate Mitglied, fes Monate Abonnent der Freiheit" unb bez vier Wochen arbeitslos find, haben fich beim Cenoffen Sinner in der Erebition zu melben. 9. Diritt. Umständehalber muß die für heute abend festgelegte Funktionär Figung ausfallen. Dafür findet diese Sigung Montag vor dem Extrazahlabens um 6 Uhr, Alfensteiner Str. 23, ftatt. Die Abteilungsleiter werben ersucht, bie, Zahlakenblokale telephonisch der Freiheit" Redaktion zu melden. 11. Siftrift( Crispien- Lebebour). Abteilungsobleute der BildungsCommission. Sonntag, vormittags 10 Uhr, Sigung bei Dahms, Ehlegelstr. 9. Pünktliches Er fheinen notwendig. Renton. Gikung der Frauen und Kinderschuh- Rommiffion heute Abenb 7 Uhr, im Jdealfafino. Mitgliedsbuch mit grüner Einlage legitimiert. Weißenfee. Sonnabend, abends 7 Uhr, Lichtbildervortrag über Montesories Erziehungsmethoden in der Aula des Realgymnasiums. Eintriit frei! Genoffinnen and Genossen, erscheint vollzählig. feitung. Reinidendorf West. Montag, 7 Uhr, 5. Gemeindefule Generalversammlung ( Crispien- Ledebour). 1. Bericht Dom Borteitag. 2. Reumahl der Geschäfts Die Bibliothet befiabet Fá bet bem Genoffen Gomidt, Echarnweber Fraße 61. Ausgabe ber Bücher findet vorläufig nicht statt. Ausgeliehene Bücher erbitten fofort zurüd. Ablershof. Heute Sonnabenb, abends 8 Uhr, im Feuerwehrdienstgebäude Frat tionshigang. Erscheinen aller Funktionäre und arbeitsfreudigen Genoffen note wenbig. Vereinskalender Vortragender: Zentralrerbarb der Angestellten. Rurfus für Rechtstunde. Kollege Felgentren. Beginn Montag, den 1. November, abends 7 Uhr, im Ber bandslofal, Belle- Alliance- Str. 7-10. Transportarbeiter- Berband. Handelshiffsarbeiter unb arbeiterinnen aus allen Betrieben ber herrenwäschebranche. Seute, nadm. 4 Uhr, bei Fenfara, Melchiore frage 15, wichtige Gruppen- Versammlung. Technische Angestellte im Einzelhandel( auch Waren und Kaufhäuser). As Sonntag, den 31. Ottober, findet im Schultheih, Reue Jalobftr. 24-25, eine Bere femmlung aller Meister und technischen Angestellten, die im Einzelhandel tätig find, statt. Berantwortlich für bie Sebaftion: Emil Rabolb, Berlin. Ber antwortlich für ben Injeratenteil: abwig Romeriner, Karlsbork. Verlagsgenoffeniaft Freiheit" e. 6 mb. 5. Berlin. Drnd der Freiheit" Druferei. b.. Berfin Breite Strife on Die Sozialisierung und die Machtverhältnisse der Klassen Preis 3.- Mark Ungekürzte Ausgabe für Organisationen 1.- Mark Buchhandlung Freiheit", Breite Straße 89 Erhöhte Preise Metallverwertung kauft Kupfer Eigene Rotguß Smelze Meffing Biel, Zink. Binn für Gießereien Weißenburger Str. 11 Köpenicker Str. 121a Reinickendorfer Str. 107 Gipsstr. 47, vorn 1 Treppe Oberberger Str. 31, Eche Bernauer Str. Lothringer Str. 47, s. i. Keller. Die Neuköllner MetallEinkaufs- Zentrale Rottbuser Demm 66, am Hermannplay, kanft Rotguß Messing Kupfer, Messing, Zinn, Weißmetall, Bici etc. Die höchsten Preise zahlt ftets Weißmetall, 3inn WIEMER und alle anderen Metalle hauft Pascalstraße 3 und Helmäsigftr. 11. 1 Beibes Engrospreifen. Neukölu, Steinmeßstraße 18. an der Gogkowskybritcke. 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