Einzelpreis 20 Pfg. 3. Jahrgang Die Freiheit erfcheint morgens und nachmittags, Sonntags und Montags nur einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus für Groß- Berlin 10, M. im voraus zahlbar, von der Spedition felbit abgeholt 8,50 M. Für Boste bezug nehmen fämtliche Bostanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland und Österreich 16,50 m., für das übrige Ausland 21,50 m zuzüglich Baluta- Aufschlag, per Brief für Deutschland und Österreich 30, Redaktion, Expedition und Verlag: Berlin T2, Breite Straße 8. Freitag, 12. November 1920 Nummer 479 Abend- Ausgabe Die achtgefpaltene Nonpareillezette aber beren Raum koftet 5,-. einschließlich Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2, R., febes meitere Wort 1,50 M., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,20 m. netto pro Zeile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 M., jebes weitere Wort 1, Fernsprecher: Bentrum 2030, 2645, 4516, 4603, 4635, 4649, 4921 greiheit Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Die neue Stadtverwaltung endlich fertig? Einführung des Oberbürger meisters und des Magistrats Heute vormittag fand die Einführung des Obers bürgermeisters Wermuth durch den Oberpräsi denten der Provinz Brandenburg, Dr. Meyer, und danach die Einführung des neuen Magistrats durch den Oberbürgermeister statt. Dieser Aft war durchaus nicht auf einen feierlichen Ton gestimmt. Ueber dem Ganzen lag die Ge spanntheit der politischen Gegensätze, die durch den eben beendeten Elektrikerstreit noch bedeutend verschärft worden ist. Während man es seither gewohnt war, daß von bürgerlicher Seite den sozialistischen Vertretern in den Barlamenten öfter der Vorwurf gemacht wurde, daß fie die Würde der Versammlung und des Hauses nicht wahren, gibt jetzt bie bürgerliche Minderheit der Berliner Stadtverordnetenversammlung selbst das Beispiel einer Ver= rohung des politischen Anstands, die durch nichts mehr zu entschuldigen ist. Die sozialistische Mehrheit der Groß- Berliner Stadtverordnetenversammlung hat in einer bisher nicht gefannten Loyalitiät den Interessen der Minderheit Rechnung getragen. Die Handlung selbst vollzog sich ohne besondere Kennzeichen. Stadtverordnetenvorsteher Genosse Dr. Weyl eröffnete die Versammlung und beauftragte einige Stadtver ordnete, die beiben Bürgermeister und den neuen Magistrat aus dem Magistratssigungsfaal in den Bürgersaal zu ge leiten. Nach der Antunft im Sigungssaal richtet der Oberpräsident Dr. Meyer, folgende Ansprache an den Oberbürgermeister Wermuth: Die Stadtverordnetenversammlung hat Sie zum ersten Oberbürgermeister der neuen Riesenstadt Berlin berufen. Nach eben beendetem Kampf und Wirral übernehmen Sie Ihr Amt. Gie übernehmen schwere Lasten, die Ihre volle Arbeitstraft in Anspruch nehmen werden. Eine Fülle von Formen und Forde rungen, wie sie sich naturgema in einer Wohngemeinschaft von vier Millionen Menschen ergeben, macht sich schon in normalen Zeiten geltend. Um pieles mehr aber in unserer heuti gen Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs, der Arbeitslosigkeit, der Wohnungsnot, der Teuerung, der städtischen Finanznot. Alle diese Dinge bedrängen das neue Unternehmen. Aber dennoch gilt es, das Wert aufzunehmen, nicht nur als eine Pflicht, sondern als eine dringende nationale Aufgabe. Gie finden einen Schak fommunaler Betätigung und Erfahrungen vor, getragen vom Geiste der Selbstverwaltung. Dieser Geist der Objektivität, der Einordnung und Unterordnung unter das Allgemeinbedürfnis ist die zuverlässigste Grundlage der tom munalen Wirksamkeit. Genug Hindernisse werden Ihnen entgegenstehen. Wo es zum Kampf tommt, muß getämpft werden. Mit dem lebhaftesten Wunsche, daß Ihre Tätigkeit der Stadt und dem Vaterland zum Segen gereichen möge, übergebe ich Ihnen Ihr Amt." Die Antwort des Oberbürgermeisters Oberbürgermeister Wermuth dankt dem Oberpräsidenten aufrichtig für seine Worte. Er fährt dann fort: Mit dem heutigen Tage, mit dem Hinzutritt des Magistrats, schließt sich die räum liche Entwicklung Berlins vielleicht für immer. Wermuth stizziert furz und anschaulich die Entwidlung Berlins, bas unaufhaltsame Sinausdrängen Berlins über seine Grenzen. In der Verwirrung der Verwaltung, Vergrößerung hervorgerufen wurde, bie burch diese forttreiber war 3wedverband nur ein Rotbehelf. Jetzt hat uns die Not der Zeit ganz zusammengeschmolzen. Nun einmal die Bewegung in Fluß getommen ist, gibt es fein Zurüd mehr. Ich habe als nunmehriger Magistratspräsident die Altersgrenze bereits überschritten und meine Kräfte im Krieg aufgebraucht. Inmitten einer höchst gefährlichen Lebensmittelfrise ist mir die Persorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln der einzige Leite stern meiner Tätigkeit gewesen. Dennoch ist es mir eine Ehre, diese neue Aufgabe zu übernehmen und es ist mir weiterhin Pflicht und Genugtuung, die neu einzutretenden Magistratsmit gelobe herannt zu machen mit der Tätigkeit des Magistrats. Ich gelobe hiermit durch Handschlag, meinen Pflichten solange nachzufommen, wie meine Kräfte irgend reichen. Wermuth wendet sich nunmehr an die neuen Ma= gistratsmitglieder und führt diese mit folgender Anprache in ihr Amt ein: Wir bilden nunmehr eine durch schwere gelöbnis auf die Reichsverfassung ausbrüden müssen. ( Stürmische Heiterfeit im ganzen Sause erregt es, als der Reufommunist Stolf der Reichsverfassung die Treue schwört.) Stadtverordnetenvorsteher Genosse Dr. Meyl entbietet nunmehr im Namen der Stadtverordnetenversammlung dem neuen Magistrat aufrichtigen Gruß. Er bedauert nochmals, daß der neue Magistrat nicht bereits am 1. Ottober sein Amt antreten fonnte, sondern, daß durch politische Machenschaften dies verhindert wurde. Auch jetzt sei der neue Magistrat nicht vollständig. Er stellt unter lebhafter Zustimmung der linken Seite der Versammlung fest, daß die Mehrheit dieser Versammlung jede Nichtbestätigung als einen Schlag gegen die Selbstverwaltung empfinde. Genosse Weyl führt dann weiter aus: Auch der neue Magistrat wird seine Beschlüsse nicht in voller Freiheit fallen tönnen. Aber der öffentliche politische Kampf wird draußen auf der Straße ausgefochten werden. Der neue Magiftrat wird getragen vom Vertrauen der Mehrheit der Be ( Seftiger Widerspruch rechts. Lebhafter Beifall lints.) Die ihm volterung, die am 20. Juni ihre Stimme abgegeben hat. eingeräumte Macht wird er dazu benugen, etwas Borbildliches für die Unbemittelten und Minderbemittelten zu schaffen. Der neue Magistrat wird seine Ehre daran segen, ein sozia= listischer Magistrat zu sein.( Bravo und Widerspruch.) Die Sozialisierung des Magistrats darf und wird fein Experiment lein, sondern eine soziale Maßnahme, die organisch weiterwirkend fich ausdrücken wird. Der neue Magistrat tann ruhig in die 3u tunft sehen, wenn er sich vom Interesse der Gesamtheit leiten fäßt. Dieses Interesse der Gesamtheit war nicht vorhanden bei dem planlofen, in ieber Beziehung ungerecht. fertigten Streit, der uns beschäftigt hat und von dem die Arbeiter schnell wieder zur Besonnenheit zurückgekehrt sind. Verunglimpfungen hat der neue Magiftrat schon genug hinnehmen müssen, er wird gut tun, durch Jeine Tätigkeit die Gegner, die einer Belehrung nicht zugänglich sind, eines Besseren zu überzeugen. Er soll seine Tätigkeit ausüben im Interesse der Aerm ften, der Ausgebeuteten, für wirtschaftliche und persönliche Freiheit.( 3uruf rechts: So siehste aus! Heftige Entrüstung links.) frischer, erfolgverheißender Arbeit. Go entbiete ich dem neuen Magistrat ein herzliches Willkommen zu 3ischen rechts.) ( Lebhafter Beifall links. • Es folgt nunmehr die Einfekung einer Verwal tungsdeputation, die sofort die Organisierung der Bezirksversammlungen und Bezirkss ämter vorzunehmen hat. Die Deputation, die ursprünglich aus 15 Mitgliedern bestehen sollte, wird auf einen bürger ihrem Rechte tommen zu lassen. Diese Deputation tritt morlichen Antrag hin auf 25 erweitert, um alle Minderheiten zu gen früh um 10 Uhr im Zimmer 55 des Rathauses zufammen, um ihre Tätigkeit zu beginnen. Ein Borstoß der Rechten der Versammlung zwei Dringlichkeitsanträge zur Beratung Lebhaft wird es noch einmal, als von der rechten Seite tommen. Ein Antrag Dr. Schneider( Deutschnational) spricht der städtischen Berwaltung schärfte Mißbilligung aus über ihr Verhalten im Elektrizitätsarbeiterstreit und fordert die Bildung eines Untersuchungsaus= schusses von 25 Mitgliedern, der die strafrechtliche Verfol heute zusammentreten. gung der Urheber einleiten soll. Dieser Ausschuß sollte noch Genosse Mielig widerspricht der Beratung dieses Dringlichkeitsantrages wegen dessen Form und seiner Begründung. Einem anderen beutſchnationalen Antrag wurde ebenfalls vom Genossen Mielig widerSizung abgesetzt und die Sigung hierauf geschlossen. sprochen. Dadurch werden beide Anträge von der heutigen Der neue Magistrat und damit das neue Groß- Berlin fönnen nun nach den schwersten Hindernissen endlich ihre Tätigkeit beginnen. Darüber muß man sich von vornherein fäge in voller Schärfe zum Ausdrud fommen werden. Ließen das schon die vergangenen Wochen und Monate erkennen, der Kampf um Groß- Berlin selbst, um den Magistrat und um die Bürgermeisterposten, so zeigte sich das wohl am deutlichsten in der heutigen Feier. Die bürgerlichen Parteien verlangen sonst, daß bei solchen Gelegenheiten die politische Kampfstellung in den Hintergrund treten solle. dem Untergang bewahren, müssen wir alle unsere Kräfte Wollen wir uns vor Dieser Gebrauch wurde heute von ihnen selbst in einer Art rüdsichtslos einsetzen und gebrauchen. und Weise durch brochen, die geradezu empörend lammlungen und die Bezirksämter müssen so schnell als Die Bezirksver wirfte. Es gibt also teine Jilusionen. Der Armöglich zusammentreten. Wenn Sie iegt in dieser beispiellos Jozialistische Groß- Berlin zu verteidigen, beiterschaft erwächst daraus die Pflicht, geschlossen das Ichwierigen Zeit die drückende Bürde Ihres Amtes übernehmen, werden Sie den Ernst und die Größe der Arbeit ermessen. Dem gegen das die Angriffe der Reaktion ununterbrochen ges Scheidenden Magistrat spreche ich den Dant für seine Tätigkeit richtet sind. aus. Er wird nun ersetzt durch diejenigen, bie feit Jahr. zehnten vom öffentlichen Leben abgeschlossen waren.( Sehr richtig!) Run liegt es an Ihnen, diesen neuen Geist in Taten umzusehen. Ich bin überzeugt, daß Sie immer Schulter an Schulter arbeiten werben für das Wohl des neuen Groß- Berlins.( Unruhe rechts. Beifall links.) 4 Armeniens Notlage. Eine Mitteilung der armenischen Regierung vom 7. befagt, daß fie mit der Türkei einen Waffenstilstand unterzeichnet habe. Die armenischen Truppen würden das westliche Ufer des Arpanty räumen. Die Türken würden während der Friedensverhandlungen Alexandropol besetzt halten. Die Türkei verbürge die Aufrechterhaltung der Ordnung und den Schuh der Bevölkerung. Runmehr werden die besoldeten Magistrats: mitglieder von Oberbürgermeister Wermuth durch foldeten Magistratsmitglieder bas Treue- fun, um das Geles zur Ausführung zu bringer. Das Home- Rule- Gefeß angenommen. Das Home- Rule- Gesetz ist im Unterhaus in dritter Lesung mit 183 gegen 52 Stimmen antgenommen worden. Carfon erklärte, Ulster werde sein Bestes Die Thüringer Regierung Aus Thüringen wird uns geschrieben: Jn Thüringen scheinen nun endlich die politischen Vers hältnisse für die nächste Zeit eine etwas feftere Gestalt annehmen zu wollen. Das seit der Landtagswahl, also seit länger als drei Monaten bestehende Regierungspros visorium mußte verschwinden diese Auffassung herrschte in allen Parteien. Als der Landtag am 3. b. M. zusammentrat, sah er sich in genau diefelbe Situation vers Jetzt wie im September. Eine Mehrheit für eine ausge sprochene Rechts- oder Linksregierung fonnte nicht gefunden werden, weil die vier Mann starke demokratische Frattion halt- und ratlos hin- und herpendelte. Den bekannten Mindestforderungen unserer Partei sette das demo fratische Frattiönchen ein glattes Nein entgegen und die Hand zu einer extremen Reaktionsregierung wagte sie nicht zu bieten, während die rechtssozialistische Fraktion nach der Berliner Weisung handelte, einer über die Demokraten nach rechts hinausgehenden Regierung nicht beizutreten. Nun aber wurde von beiden Seiten zur Entscheidung gedrängt. Die Demokraten waren im Begriff, fich von ihren Bour geoisinteressen leiten zu lassen und das Bündnis mit Deutsch nationalen, Deutscher Volkspartei und den Bauernbündlern abzuschließen. Da haben sich die Demokraten noch in letzter Stunde, am Montag, Rat von der demokratischen Parteis leitung in Berlin geholt, der dahin lautete, daß eine Rechtsa regierung unter feinen Umständen mitgebildet oder unterstützt werden dürfe. Insbesondere sollen es die Minister Koch und Geßler gewesen sein, die gegen eine Mitwirtung der Demokraten in einer Rechtsregierung in Thüringen Front gemacht haben; fie fennzeichneten ein derartiges Thüringer Regime als eine strategisch- politische Bers längerung der bayerischen Orgesch. Die beiden Minister müssen in der Reichspolitit reiche Erfahrungen in bezug auf die Pläne der Reaktion gesammelt haben, denn anders läßt sich ihre Stellungnahme nicht erklären; schade nur, daß fie aus diesen Erfahrungen die Konsequenzen nur für das fleine Thüringen ziehen, nicht aber für das Reich. Die Situation hatte sich also plötzlich so gewandelt, daß von den Parteien der Linken ein gangbarer Mittelweg ge= funden werden mußte. Unsere Bartet mußte grundsätzlich lehnen, ganz abgesehen von ihrer Haltung gegenüber dem eine Revision ihrer Mindestforderungen ab. Leps). Schneller als zu erwarten war, ist auf der Linken neutommunistischen Grüppchen( Höllein, Geithner, Tenner, der zurzeit einzig mögliche Weg gefunden worden. die Bils dung einer Regierung aus zuverlässig linksgerichteten Bes amten, gestützt durch Rechtssozialisten und Demokraten; dieser Regierung ist auch die loyale Opposition der Neufommunisten in Aussicht gestellt worden, eine Tattit, die fich mit den Moskauer Direttiven über Parlamentarismus faum vereinbaren lassen dürfte. Die neue Regierung fieht folgendermaßen aus: Dr. Paulßen( Weimar), ein Durchschnittsdemokrat, der sich gern von der jeweiligen Situation tragen läßt- Demokrat nicht mehr und nicht weniger als die Petersen, Koch und Geßler. Staatsrat Dr. Beur( Meiningen), demokratischer Beamter, zweifellos mehr Beamter als Politiker. Freiherr v. Branden stein, Beamter, parteilos, der aber durch feine Vergangenheit seit dem 9. November 1918 den Beweis erbracht hat, daß er vielleicht der einzige politisch befähigte Kopf der Regierung ist. Brandenstein wurde nach der Novemberrevolution eriter Minister des Volksstaates Reuß und er hat von dieser Stelle aus die Thüringer Einigungsbestrebungen tatkräftiger als irgendein anderer gefördert. Er ist nicht nur überzeugter Republikaner, sondern er ist auch der Sache der proletarischen Revolution ergeben, wie die Kapp- Tage gezeigt haben. Brandenstein hat sich sehr schnell das Vertrauen der arbeitenden Revolteryna zu erwerben verstanden, weil er deren Interessen stets rücksichtslos vers griffe per Reattion, die lieber einen Rechtssozialisten in treten hat; dafür ist er heute der Mittelpunkt aller gehässigen ihre Ministerliste aufgenommen hätten als Brandenstein. Als vierter Minister tommt der Rechtssozialist Frölich ( Altenburg) in Betracht, ein Reformsozialist ohne besondere Eigenschaften, unter dessen Führung die Rechtssozialisten bis her alle Schwenkungen in der Reichspolitit mitgemacht haben. Dazu kommen die Staatsräte, und zwar der Rechtssozialist Sartmann, der Demotrat Dr. Krüger und Dr. Bielefeld als Beamter. Die Reaktion lief gegen diese Liste Sturm, fie präsentierte eine bürgerliche Liste, an deren Spize der Erzreaktionär v. Eichel- Streiber stand. In viereinhalbstündiger Debatte bemühten sich die Fraktionen der Rechten vergeblich, den Borschlag der Linten zu Fall zu bringen. Die Demokraten blieben diesmal fest, die Neufommunisten gaben eine Reutralitätserklärung ab und enthielten sich in der Abstimmung der Stimme, so daß die neue Regierung mit 26 gegen 23 Stimmen gewählt wurde. Die Unabhängige Sozialbemetratie hat sich in diesem Augenblid, ohne von ihrer grundsäglichen Stellungnahme etwas preiszugeben, von dem allein rich tigen, weil zwingenden Gedanken leiten lassen, das Zue tanbefommen einer Regierung zu verhindern, die die Herrschaft der Orgesch bedeutet haben würde. Die Gegenrevolution macht in Thüringen verzweifelte Anstrengungen, sich hier Machtpofitionen zu schaffen. Die geradlinige Verbindung zwischen der bayerischen und der norddeutschen Orgesch besteht in genügendem Umfange noch nicht, das rote Thüringen, das während der Kapptage die schönsten Pläne der Konterrevolution zum Scheitern brachte, figt der bewaffneten Staatsstreichorganisation auch heute noch wie ein Pfahl im Fleisch. Der Staat Thüringen ist unter seiner provisorischen Regierung schon dazu übergegangen, sich eine eigene Sicherheitspolizei heranzubilden, die nicht, wie die preußische Sipo, sich zufammensett aus reaftionären Elementen unter Führung gegenrevolutionärer Offiziere. Diese Sicherheitspolizei, abfolut republikanisch, ist heute unter der Leitung von Müller- Brandenburg im Entstehen begriffen und ihr wollte die Rechtsregierung zu allererst das Lebenslicht ausblajen, um auch in Thüringen die preußische Sipo un umschränkt herrschen zu lassen. Das sind nur die handgreiflichsten Gefahren, die mit einer extremen Rechtsregierung verbunden wären. Von beson berer Wichtigkeit ist noch die Tatsache, daß Thüringen noch feineswegs ein festgefügtes Gebilde ist, sondern lediglich ein lofes Gefüge von sieben 3wergstaaten. Eine Regierung der Reaktion hätte zweifellos alle partikularisti schen Bestrebungen, namentlich den Anschluk einzelner Teile an Preußen, gefördert. In Preußen erblidt die Thüringer Reaktion von Anfang an ihren besten Verbündeten, diejenige Macht, die kapitalistische und reaktionäre Gelüfte auf die Dauer am nachdrücklichsten schützt. Es bedarf feiner besonderen Betonung, daß die Reaktionsregierung mit all ben zahlreichen, wenn auch nur fleinen Errungenschaften, seit der Novemberrevolution radital aufzuräumen gedachte, eine agrarisch- reaktionäre Ordnung" nach bayerischem Muster sollte aufgerichtet werden. Da durfte unsere Partei nicht die Hände in den Schoß legen, und den Dingen ihren Lauf lassen. Sie hat sich bereit erklärt, diese Regierung zu unterstügen, solange fie teine arbeiterfeindliche Politit treibt. Jllusionen über Stärke und Dauer der neuen Regierung braucht man fich deshalb nicht zu machen und wir sind die allerlegten, die mun vielleicht annehmen fönnten, alle Stürme der Reaktion feien abgeschlagen. Nein, der eigentliche Kampfbeginnt erst und da muß sich erst die Ehrlichkeit und die Widerstandskraft der Demokraten zeigen. In der Abwehr der Orgesch stimmen wir augenblicklich mit diesen politischen Wetterfahnen überein, ob es aber in anderen bedeutungss vollen Fragen nicht zu den schärfsten Auseinandersetzungen tommt, steht dahin, ist zumindest sehr gewiß. Ein langes Leben möchten wir aus diesem Grunde der neuen Regierung nicht prophezeien. Sie hilft uns über die nächsten großen Nöte hinweg und damit muß man sich wohl oder übel abfinden. Demokraten, Rechtssozialisten und parteilofen Beamten gebildet worden. Unsere Genossen sind in die Res gierung nicht eingetreten. Jweitens hat unsere Parteileitung gegenüber der Regierungsbildung in Thüringen selbstverständlich jetzt denselben Standpunkt eingenommen wie früher, als noch Däumig, Stoeder, Koenen und Hoffmann dem Zentralfomitee angehörten, drittens find aber die Neufommunisten gar nicht so grundsagtreu, wie sie jetzt erscheinen wollen. Haben doch gerade Stoeder und Koenen die von der Partei bei der Regierungsbildung zu beobachtenden Grundsäge mit unseren Thüringer Genoen vereinbart und dabei zum Ausdrud gebracht, daß auch ein paar Bürgerliche als Fachminister in eine sozialistische Regierung aufgenommen werden können. Auf alle Fälle ist die Internationale" wieder einmal bei ihrer Bekämpfung unserer Partei gründlich hereingefallen. Die Anarchie in Ungarn Neue Mordtaten- Steigende Notlage der Arbeiter In Ungarn steigert sich die Anarchie, die von den weiß gardistischen Offizieren des Reichsverwefers Horthy hers gardistischen Offizieren des Reichsverwelers Horthy hers vorgerufen worden ist, von Tag zu Tag. Eine ganze Reihe von Mordtaten, von Offizieren verübt, haben sich in den legten Tagen wieder zugetragen. Der Terror richtet sich nicht mehr gegen Juden und Sozialisten, sondern die Of fiziersbanden wenden sich gegen alles, was nicht zu ihrer Vereinigung zählt. Am 10. November wurde in Budapest ein Polizist namens Solta von Offizieren ermordet. Jm Parlament brachte Suszar diese Vorgänge zur Sprache, er forderte strenge Maßnahmen gegen die Terroristen uno sagte, daß die Regierung feine 24 Stunden mehr unterstützt sagte, daß die Regierung feine 24 Stunden mehr unterstützt werden könnte, wenn sie der Staatsautorität nicht sofort Geltung verschaffen würde. Die Polizei, die über den Morb an ihrem Kollegen empört ist, hat sich eng zusammengeschlossen. Sie ist gewillt, bem Terror der Offiziere selbständig ein Ende zu machen. In der Nacht zum Donnerstag wurde in Budapest das Bolizisten ermorbet haben, von Polizei und InfanterieHotel Britannia, wo die Offiziere wohnen, die den Polizisten ermordet haben, von Polizei und Infanterietruppen um stellt. Das Haus wurde durchsucht; es gelang, 40 Personen zu verhaften, darunter den be rüchtigten Oberleutnant Seijas. Im Hotel wurde ein großes Waffenlager gefunden, darunter Maschinengewehre und auch Bomben. Der Ministerrat tagt in Bermanenz. Es ist möglich, daß die Offiziere einen Aufstand ins Wert sezen, um zur Alleinherrschaft zu gelangen. haftskrise durchschüttelt. Es ist ohne Kohlen. Der Ganz Ungarn wird inzwischen von einer heftigen Wirt. Eisenbahnvertehr wurde im ganzen Lande eingestellt. Die Arbeitslosigkeit ist ungeheuer gestiegen, von Stunde zu Stunde wächst bie Not des Proletariats. Wenn der allgemeinen Weltwirt gen, welche jedoch noch für die Dauer von sechs Monaten, von der Kündigung angefangen, in Gültigkeit bleibt." Diese Konvention wird dem Bölterbunde zur Kenntnis gebracht werden. Die lästige Konkurrenz HN. Amsterdam, 12. November. 1 „ Handelsblad" zufolge hat im englischen Unterhause ein Ab geordneter den englischen Handelsminister befragt, ob er wisse, daß eine große Einfuhr von Seidenstoffen aus Deutschland nach England infolge des niedrigen deutschen Valutastandes stattfindet, und daß die deutschen Preise wesentlich niedriger seien, als die Herstellungskosten in England. Weiter wurde gefragt, ob große Arbeitslosigkeit in der englischen Seidenindustrie herrsche und ob der Handelsminister mitteilen fönne, welche Politit er zu ergreifen gedenke, um eine Besserung der Lage herbeizuführen. Sir Robert Horne antwor tete, er wisse, daß die Lage der englischen Seidenindustrie unbe friedigend sei und daß gewisse Mengen von Seidenwaren aus Deutschland importiert würden. Diese Mengen seien aber nicht groß im Vergleich zu der Einfuhr Deutschlands vor dem Kriege. Der Interpellant erklärte noch, daß die Herstellungskosten von deutscher Seide gerade die Hälfte der englischen Herstellungskosten betragen. Krieg Sowjetrußlands gegen Georgien? TU. London, 12. Nonember. schidt, in dem sie die sofortige Beendigung der Berhandlungen mit Die Sowjet- Regierung hat ein Ultimatum an Georgien ges Wrangel, den Bruch der Beziehungen zur Entente und die unterlassung jeden Handelsverkehrs mit den Ententestaaten ver langt. Die Regierung Georgiens hat mit der Anordning der all gemeinen Mobilisation geantwortet. Die Viehlieferung an die Entente gierung aufgefordert, in einer in Paris am 15. November statt Der Wiedergutmachungsausschuß hat die deutsche Re findenden Sigung sich darüber zu äußern, in welchem Umfange Deutschland in der Lage ist, den von Frankreich, Belgien, Italien und Serbien auf Grund von§ 2 des Anhangs IV zu Teil VIII Abschnitt I des Friedensvertrages angemeldeten Ans Sprüchen auf Rindoieh, Pferde und Schafe zu entsprechen Die deutsche Regierung wird eine Kommission von Sachver ständigen zu dieser Sigung entfenden. Bisher hatten die alldeutschen Setzer die Deffentlichkeit wochens lang damit beunruhigt, die Entente habe die Forderung nach der Ablieferung von 810 000 Milchfühen gestellt. Die Aufforderung des Wiedergutmachungsausschusses zeigt, daß eine solche Behaup tung, wie wir wiederholt festgestellt haben, den Tatsachen nicht bie Zahl des abzuliefernden Viehs verhandeln will. Neukommunistischer Schwindelftslage sulammenhängt, lo ftet banene with entpricht, und daß die Entente mit der deutschen Regierung über In ber Internationale" wird der Nachweis versucht, daß unsere Partei von Stufe zu Stufe" auf das Niveau der Rechtssozialisten herabgleitet. Es werden zu nächst die ollen Kamellen, die wir längst widerlegt haben, über unsere Sozialisierungsvorschläge zum soundsovielten Male wiederholt; es wird weiter geschwindelt, daß wir uns zum arbeitsgemeinschaftlichen Zusammenwirten mit den Unternehmern in allen Fragen der Lohnpolitik und zugleich zur pofitiven Mitarbeit an der parlamentarischen Verschleie rung der Klassengegenfäße" entschlossen hätten. Und es wird Schließlich neu behauptet, daß unsere Genossen, damit rechnen müssen, daß sie demnächst Mitglieder einer Regierungspartei" werden. Angeblich soll uns dieser Segen" aus Thüringen fommen. " Diesem neuen Schwindel wollen wir von vornherein entgegentreten. Erstens ist es gar nicht wahr, daß unsere Genassen in Thüringen sich an der Regierungsbildung beteiligen. Was gestern bereits in allen Morgenblättern zu lesen war, muß die Internationale" natürlich ihren Lesern verschweigen. Die Thüringer Regierung ist lediglich aus Wenn ich zehn Mark hätte... Ein Beitrag zur Kinderpsychologie. Nach Niederschriften Berliner Gemeindeschülerinnen von Lehrer F. Mahlte. Zehn Mart ist sehr viel Geld. Dann brauchte ich teinen Hunger mehr zu haben und meine Geschwister auch nicht. Meine Mutter würde auch nicht mehr weinen. Dann würden mich die Leute auch nicht mehr ausschimpfen, weil ich nicht mehr betteln täme. Wenn ich groß bin, nehme ich von jedem Lohn zehn Mart, und ich suche mir eine arme Mutter und Kinder, die keinen Water mehr haben und schenke ste ihnen, daß es feiner weiß. Dann brauchen sie nicht mehr zu hungern; denn Hungern ist das Schlimmste auf der Welt. Ich habe keinen Bater mehr, bloß durch den Krieg. Er war immer so gut, und sie haben ihn doch totgeschossen. Wenn mein Bater doch noch einmal täme und mir über das Haar striche mit einer lieben Hand! Es müßte eine große Kasse im Lande geben, wo jeder einmal zehn Mark hineinlegt. Ich würde ein paar gute Menschen bitten, mir die zehn Mart zu schenken, daß Wenn dann wieder Krieg ich auch etwas hineinlegen tann. Wenn dann wieder Krieg werden will, müssen sie damit den Frieden erhalten, daß kein Kind mehr seinen lieben Bater verliert. Mit Geld tann man boch alles. " Kunstbericht so doch fest, daß sie durch bie Regierungsmethoden Horthys wesentlich verschärft wird. Die weißen Banden haben bei der Verbreitung der christs lichen Kultur" durch Mord, Totschlag, Raub und Erpressuna bas Land völlig zugrunde gerichtet, es ist zu einer Wüste ge= macht. Und dieses Land, diese Offiziere, fie werden von unseren Rationalisten als Vorbild gepriesen! Ein Abwehrbündnis Die tschechoslowakische Regierung veröffentlicht den Tegt der mit der südslawischen Regierung in Belgrad am 14. August 1920 abgeschloffenen Konvention. Es heißt darin: 3m Falle eines unprovozierten Angriffs feitens Ungarns gegen eine der vertragschließenden Parteien, ver pflichtet sich die andere, an der Abwehr der überfallenen Bartei mitzuwirken. Keine der beiden vertragschließenden Parteien tann eine andere Allianz mit einer dritten Macht ohne porherige Berständigung der anderen Partei abschließen. Diese Konvention ist für zwei Jahre, beginnend mit dem Tage des Austausches der Ratifikationen, abgeschlossen. Nach Ablauf dieser Frist barf jede der beiden vertragschließenden Parteien dieje Konvention fündides Verlages Neue Kunsthandlung( Band 4 der Graphiter ber Gegenwart") rühmt: Die geistige Durchsichtigkeit der Figuren und der Landschaften, die fiebernde Unraft und Betlemmung, die Hiobsnot und die große Klage, der helle Schauer bet Augen, das Berlorensein angesichts der außeren Dinge und der innige Zusammenhang mit einem Gotte, der um und um lauscht und schaut und redet bas tönnen wir heute jüdisch nennen und dies ganz anders noch als Malerei von Liebermann und Barry Deierlings fleine Landschaft in der Jsraels etwa. Sezeffion scheint mir zu beweisen, daß er sich endlich freigemacht hat von dem Rezept Kraustopf- Kohlhoff, das ein unerfreuliches Kompromiß zwischen Corinth und Kokoschka darstellt und das auch diesmal leiber den Ton angibt. Der Geschäftsausschuß des deutscher Aerzte- Vereinss bundes läßt eine Erklärung veröffentlichen, die mit der falschen Behauptung beginnt, daß unsere einde" die sofortige Ablieferung von einer Million Rindern, pavon 810 000 Milchtühen, verlangen. Es ist selbstverständlich, daß alles unternommen we den muß, um jede neue Schädigung der Volksgesundheit zu ver hindern. Unerhört aber ist es, daß der Deutsche Aerzte- Vereins bund zur Grundlage seiner Erklärung die deutschnationalen Lügenmeldungen nimmt und dadurch seine Hand dazu bietet, daß die Gegensätze zwischen den Völkern sich immer aufs neue ver schärfen. Beratungen über den Korridor. In Warschau ist die deutsche Delegation von Sachverständigen die die Verhandlungen mit ben polnischen Sachverständigen in der Angelegenheit der Ver bindung Ditpreußens mit dem übrigen Deutschland durch den pol nischen Korridor führen soll, angekommen. Die Arbeiten werden nach dem 12. November in Danzig fortgesetzt. Die polnisch deutsche Delegation wird sich dann am 22. November nach Paris begeben. nung" zusammengefaßt find, und zu denen Taut an einem Abe das Wort nahm. Vielleicht ließen sich aber die Preise für die Vorträge ermäßigen? Ich möchte nicht verfehlen, auf die Bilder Walter Dezels bei Gurlitt( Potsdamer Straße 112) hinzuweisen, deren feine, Stille, zarte Farben schön zusammenflingen, und auf die Gr phische Gesamtschau, die der Sturm"( Potsdamcz Straße 134 A) zeigt. Ihr eingehendes Studium sei denen empl ten, die den sicheren Weg über die Entwidlung" gehen wollen Adolf Behne. Beiftiger Claude Monet. Am 14. November vollendet der älteste Bets treter des französischen Impressionismus, der Landschaftsmaler Claude Monet, der aber nicht mit dem im Jahre 1883 ver storbenen Mitbegründer und Sauptmeister des Impressionismus Edouard Manet verwechselt werden darf, in voller Frische fein 80. Lebensjahr. In ungebrochener Schaffens fraft verbringt Monet, der fürzlich erst eine große Zahl feines Bilder der franzöfifchen Nation als Geschent überwiesen hat, aud heute noch den größten Teil des Tages vor seiner Staffelei. Einige neue Ausstellungsräume geben sich gegenüber dem älte zen Typ des Kunstsalons als sympathische Neuerung. Es han belt sich bei allen um sehr fleine Räume, in denen faum mehr als ein Dugend Bilder gezeigt werden können und zu denen der Eintritt frei ist. Die Galerie Nicolai( Bittoriastraße 26 a) ging voran. Ihre zwei fleinen 3immer sind mit einem gewissen Aufwand hergerichtet, der aber durchaus nobel im Geschmad ist. Auch das Hängen der Bilder geschieht mit großem Gejchid. Aber bei der Auswahl der Künstler tommt man mit Geschmad allein nicht zu den wesentlichen und schöpferischen. Gelten trifft man hier mehr als einen guten geschmadvollen Durchschnitt. Die jetzt ausgestellten Arbeiten von Wilhelm Schmid gehören zum Besten des bei Nicolai bisher Gezeigten, fommen aber von einem in der Einfühlung sehr starken Effettizismus auch nicht völlig Ios. Ganz neu ist die Ausstellungsgelegenheit im Antiquariatrischen Dichter Razl Spitteler augeteilt. Spitteleret Die Novembergruppe deutscher expressionistischer Maler erzielten mit ihrer ersten Ausstellung in Rom in der Casa d'arte großen Erfolg. Der bekannte Futurist Marinetti vollzog die Eröffnung durch ein Manifest für die expressionistische Kulturbewegung. Novembergruppe eröffnet wurde, in der neben Rudolf Frühling" berühmt geworden. Den Preis dieses Jahres erhielt Möller und Bernhard Klein Morig Melzer als der In der neuen Ausstellung der Berliner Segellion, beweglichste erscheint. Leider fehlen auch diesmal in der Novem Kurfürstendamm 232, ist der beitaus stärkste Maler Lovis bergruppe nicht ble total Ueberflüssigen, die sich im Besige einer bergruppe nicht die total Ueberflüssigen, die sich im Befige einer Corinth, dessen Parisurteil" sehr schönes malerisches Ma- modernen" Formel nach einem behaglichen Ruheplätzchen umterial zu einem Bilde enthält aber eben nur das Material. fehen. Der kleinste der neuen Kunstläden ist das Buch- und Corinths Sinnlichkeit, Temperament und Liebe zum Handwerk Kunstheim Twardy( Potsdamer Straße 12), bessen winzigen find ursprünglich und heben seine glüdlichsten Arbetten über das Raum Artur Göy mit fünstlerischem Tatt ausmalte. Was hier Artistische hinaus. Aber Corinth begnügt sich, das Wert anzu besonders erfreut, ist der Versuch, eine Gelegenheit zur Aus deuten. Die Gestaltung verläßt er, ehe te beginnt. Und doch sprache zu schaffen. Die ausstellenden Maler, Bildhauer, Architet. ist nur der Künstler, der die letzte Gestaltung unter einem inne ten, die Philosophen, Theologen, Historifer sprechen über ein ren Zwange ruhelos sucht. Auch diesmal überzeugen von dem aktuelles Thema und regen zur Diskussion an. Die Abende wirHünstlerischen Charakter ihrer Arbeit in erster Linie Magnus ten angenehm improvifiert und ohne Brätention. Wer tommt, 3eller und Jacob Steinhardt. Zeller, besonnen, streng muß die Enge und manche Unbequemlichtelt in Kauf nehmen. und effektlos arbeitend, verwirklicht mehr und mehr das Schid Aber beshalb tommen auch nur Menschen, die fachlich interessiert al, die Notwendigkeit, die hinter seinen in allen Gliedern Jtart gendwas allein das Rifito einer Distulfion erlaubt. Es liegt pannten Figuren steht. In seiner Liebe zu scharfen, tantigen und mertwürdigen Begegnungen ftedt etn Weltgefühl, bas zu fristalli her Ausprägung weitertreibt. In Steinhardts Bildern ift noch ein Rest von Zufälligkeit und manchmal auch von Effekt, der bie Formen danu flein und vergänglich werben fäßt. Aber feine Solzschnitte überzeugen durchaus von der reinen fünstlerischen Arbeit Steinhardts, ben Arno Rabel als einen neuen Typus des jüdischen Künstlers in einer sehr schönen fleinen Publikation hier ein schöner Anfang vor. Dieser fleine Kunstlaben in emer tarken Verkehrsstraße, ber mit Frische und ohne Schwur auf ein Dogma geleitet wird, ist wie geldhaffen, eine Art von unpapiere nem Journal zu werden, mit vielen Bortellen der Unmittelbar feit und Attualität vor ben gebrudten Kunstzeitschriften, deren Beiträge oft schon nicht mehr richtig sind, wenn sie nach Monaten erscheinen. Buz 3eit sind die Zeichnungen Bruno Tauts dort ausgestellt, die unter dem Titel" Die Erde eine gute WohDer Nobelpreis für Literatur, der im vorigen Jahre nicht verteilt wurde, wurde von der schwedischen Akademie dem schweize 75 Jahre alt und besonders durch sein großes Epos„ Olympischer der norwegische Schriftsteller Knut Samsun, dessen Roman Sunger" wir gegenwärtig abbruden. Der Nobelpreis für Hyjit wurde bem Direktor des internationalen Bureaus fil Maß und Gewicht in Breteuil, Charles Eduard Guillaume in Anerkennung feiner Verdienste durch die Entdeckung der An malien der Ridellegierungen zuerteilt. Der Nobelpreis für des Lehrstuhls für Chemie an der Helsingforser Universität, liehen werden. Professor Aschan ist durch seine Forschungen über die Herstellung von fünstlichem Kautschut bekannt geworden. ver Die Notlage der Künstlerschaft hat den Bund Deutscher Archi tekten, Landesbezirt Brandenburg, veranlaßt, alle Künstler verbände Berlins zur Veranstaltung einer Rundgebung, am Sonntag, den 28. November, einzuladen. Bortragsabend. Artur Bidler liest für die Boltsbühne am 18. November,( Donnerstag) abends 7% Uhr, im Gymnaftum zum grauen Kloster, Klosterftr. 74, aus eigenen Dichtungen Eintrittspreis 70 Big Der Maler Heinrich Vogeler aus Worpswede spricht am 12. November, abends 8 Uhr, in den Brachtsälen des Westens", Spichernstr. 3, über das Thema: Ros misches Werden und menschliche Erfüllung". Clara Braf gibt " am Sonntag, den 14. Rovember, im Klintworth- Scharwentafaal einen wolfstümlichen Liederabend Die verunglückte kommunistische Butschpolitik Die Leitung der Kommunistischen Partei erinnert zur Zeit einigermaßen an den Hund, der noch vorne bellt, weil er von hinten in den Schwanz gebissen wird. Die Leute von der K. A. P. D. und von der Arbeiterunion, die sich bekanntlich als weit raditaler und revolutionärer halten, als die Moskauer Kommunisten, machen diesen zum Vorwurf, daß sie nicht nur die Arbeitslosen im Stiche lassen, sondern auch im Elektrizitätsarbeiterstreik die Interessen des Proletariats verraten hätten. Es bleibt nicht nur bei Vorwürfen, sondern es kommt zuweilen auch zu Prügeleien, und wenn wir nicht über jede einzelne der widerwärtigen Szenen berichten, in denen sich die Kommunisten der verschiedenen Spielarten Schimpfworte und Biergläser an den Kopf werfen, so glauben wir im Interesse des Proletariats zur Berlegung dieser Christenpflicht gezwungen zu sein. Die Führer der Kommunisten aber helfen sich anders. Weil sie von ihren Freunden aus den anderen kommunistischen Fakultäten Prügel beziehen, so suchen sie nach einem Ableiter für ihre getränkten Gefühle und den glauben fie in den„ menschewistischen Rechtsunabhängigen" gefunden zu haben. In der heutigen Ausgabe der„ Roten Fahne" steigt Bau! Levi höchstselbst in die Arena, um über die Lehren des Elektrizi tätsstreits zu leitartifeln. Er belehrt uns zuerst darüber, daß der Streit der Elektriker fein Streit im gewöhnlichen Sinne sei, sondern daß alle Lohntämpfe im jezigen Augenblid Kämpfe seien, die durch den Zusammenbruch des fapitalistischen Gebäudes ausgelöst würden, und deshalb revolutionäre Kämpfe seien. Wenn erst die anderen Arbeiter mit darüber bestimmen sollten, ob ein einzelner Kampf geführt werden solle, so würden wir zu der HeilsTehre der gottseligen alten deutschen Sozialdemokratie zurückkehren. Darnach milßte man also annehmen, daß Paul Levi nicht nur das isolierte Vorgehen einer einzelnen Gruppe in diesem Falle billigt, sondern bereit ist, alle revolutionären Folgerungen daraus zu ziehen: nämlich die Massen der nichtbeteiligten Arbeiter mitzureißen" bis zum Generalstreit und darüber hinaus zum Kampf um die Eroberung der politischen Macht. Er müßte aber noch weiter gehen und auch jeder anderen Gruppe von Arbeitern das Recht zusprechen, zu jeber ihnen passenden Gelegenheit vorzustoßen und dann stets der gesamten Arbeiterschaft die Verpflichtung aufzuerlegen, solche isolierte Attionen als die Fan faren zu den legten revolutionären Kämpfen anzusehen. In diesem Augenblid fühlt aber der Führer der Kommunistischen Partei, daß er sich anf gefährlichen Boden begibt. Und nun biegt er als guter Advokat seine Logit um und sagt, daß es in der augenblidlichen Situation nicht zu einem Generalstreit hätte tommen dürfen. Er bemerkt unseren Brüdern von lints", daß es nicht genüge, die Parole Generalstreit auszugeben. Ein Generalstreit müsse geführt werden vom Proletariat: „ Generalstreit, ohne die gewaltigen Massen bes Proletariats hinter sich, ohne den Willen der Hundert tausende, ist tein Generalstreit, sondern eine Blamage; und vollends fann ein solcher Generalstreit sich niemals auswachsen zum Generalaufstand, der vielleicht in den vordersten Reihen ausgefämpft werden tann von einigen Tausenden bester revolutionärer Kämpfer, der aber getragen fein muß von der Sympathie und von dem Willen der großen Masse, it er das nicht, so fällt er zusammen, ehe er be gonnen hat. Wir denken, daß für diese Anschauungen die deutsche Revolution schon Beispiele genug gegeben hat. Daß diese Beispiele von der K. A. P. noch immer nicht verstanden worden find, und daß fie noch immer glaubt, der Generalstreit bestehe aus der Parole der Führer" und aus den begeisterten zurufen einer Versammlung, ist bedauerlich." Ausgezeichnet! Das istgenau dasselbe, was wir stets gegen über der Putschtaltit der Kommunisten betont haben und wofür wir oft genug von ihnen beschimpft worden sind. Auch was Levi weiter feststellt, trifft durchaus zu. Breite Massen des Proletariats lehnten einen Generalstreit in dieser Situation entschieden ab. Deswegen sei es töricht, den Generalstreif dadurch zu erzwingen, daß man Kolonnen in die Betriebe schide; vielmehr sei es notwendig, den Arbeitern begreifbar zu machen, den Kampf, den Bourgeoisie mit politischen Mitteln führen, mit denselben Waffen zu erwidern. Aus dieser Erkenntnis zieht Paul Levi aber Musik Wieviel Antrieb von außen her hat es gefoftet, bis Wilhelm Furtwängler zur Leitung der Symphoniekonzerte am Staatstheater berufen wurde. Besonders auch von den Orchestermitgliedern wird anerkannt, daß er seine Sache über alle Erwartungen hinaus hervorragend vertritt. Der Mann, der nächst Leo Blech als Operntapellmeister und nächst Wilhelm Furtwängler als Dirigent der Symphoniekonzerte für dies Saus in Frage tommt, heißt& rig Bush. Auf seinem erften diesjährigen Konzert mit den Philhar monifern hörte ich den letzten Satz der zweiten Symphonie von Brahms( D- dur), der von Naturtemperament Sprühte und mit Bollblütigkeit in jeder Stimme feftumrissen herausgemeißelt war, danach die Hiller- Bariationen von Reger. Persönlich durch geistige Phrasierung und die erdenklichsten Feinheiten der Dynamit jetzten alle Werte der Schöpfung in stärtste Beleuchtung. Frig Busch ist der unumstrittendste Regerbirigent. Maria Pos- Carloforti, eine spezifische Erscheinung des ariofen und tanzonen Schöngesanges, hat in vollem Umfange er füllt, was sie bei ihrem ersten bescheidenen Auftreten vor taum wei Jahren erwarten ließ. Die empfindliche Kultur ihres Atems, bie forgiame Pflege der Aussprache, der musikantische Sinn für alles Botal- Klangliche befähigen sie, eine 3eit in neuer Peripettive erstehen zu lassen, in der die Freude am leicht ahinströmenden Wohllaut noch färter ausgeprägt war als das Verlangen nach leidenschaftlicher, innerlich durchraster Gestaltung. Die Ent haltsamkeit von allen darstellerischen Effekten wirkt bei der abges fläkten Art ihrer ausgesprochen fantilenen Veranlagung besondes wohltuend und seelisch bannend. Schuberts Lieb Der Hirt auf dem Felsen", in dem ihre glodenhelle Stimme mit der obgli taten Klarinette( von Carl Eiberger gespielt) um die Wette jubiliert, war eine töftliche, seltene Gabe. Zu dem Kunst a bend des Männerchors Norden, in der Singakademie, den ich wegen der Berkehrshindernisse nicht selbst besuchen konnte, wird mir von fachkundiger Seite berichtet, baß die Sicherheit der Chordarbietungen durch die unzureichende Beleuchtung start beeinträchtigt war. Eine eifrige, flangliche Schulung in den einzelnen Stimmen ist noch sehr anzuraten. Einen wirkungsvollen Eindrud hinterließ die sechsstimmige Chor tompofition Sochamt im Walde". Die der Chormeister des Bereins Paul Kurz geschrieben hat. Das Frauenterzett Olga Fled, Mary Hahn, Adelina Sandow und die Celloporträge des Kammervirtuosen Willi Dedert brachten durch andächtig aufgenommene fünstlerische Sololeistungen Belebung in das Brog während der Geiger Otto Nititits nicht vollauf befriedigte. W. Die Staatsoper wird im Laufe des Winters im Sinne volts. tümlicher Kunstpflege außerhalb des Opernhauses in verschiedenen Stadtteilen einige Konzerte veranstalten. Das erste diefer Kon zerte, findet am Sonntag, den 14. b. Mts., vormittags 11% br im Saal der neuen Welt", in der Safenhelbe, statt. Das Programm enthält nur Werte Richard Wagners. Solistisch wirken mit Frau Hedmann- Bettendorf und die Herren Hutt und Kraus. Die musikalische Leitung hat Generalmusitoirettor Leo Blech über. nommen. Breife der Plage: 3,50 W, 4,50 M., 5,50. Die für gestern angesetzte Erstaufführung der beiden neuen Ballette im Opernhaus ist auf nächsten Montag verschoben worden. nicht etwa ben Schluß, daß das Proletariat in einer geschlossenen revolutionären Front gesammelt und dazu erzogen werden müsse, seine Attionen vom Boden des Klassentampfes mit allen Mitteln der ihm zu Gebote stehenden ökonomischen und politischen Macht durchzuführen, sondern er ruft seine Freunde auf, den Kampf nicht gegen die Bourgeoisie, sondern gegen die Gewerkschaften und die nichttommunistischen Parteien des ProIetariats zu führen. Und er gibt schließlich die Parole aus, den Verlauf des Elektrizitätsarbeiterstreits in den Mittelpunkt einer gewaltigen propagandistischen und agitatorischen Arbeit zu Stellen". Neue Zerstörungsarbeit, neue Spaltungsmöglichkeiten: das ist also die Lehre, die die Kommunisten aus diesem Streit ziehen wollen. Sie werden mit dieser Parole bei unseren Freunden von links" teine Verzeihung finden. Und auf der anderen Seite wird die Masse des Proletariats sich zwar in ernster und gründlicher Weise mit den Lehren befassen, die ihnen der Streik der Elektrizitätsarbeiter und die Katastrophenpolitit der Kommunisten gegeben haben; sie wird es aber noch energischer als bisher ab= Tehnen, sich zum Gaudium der Bourgeoisie noch weiter von den kommunistischen Konfusionären und Jllusionären ver wirren und schwächen zu lassen. Die kommunistischen Putschtaftifer mögen ihre Prügelszenen unter sich selbst ausiragen; das Proletariat wird seinen Rüden nicht dazu hergeben! Wieder eine unwahrheit Die„ Rote Fahne" behauptet in ihrer heutigen Ausgabe, daß die bürgerliche Presse eine Meldung der Freiheit" verbreitet habe, nach der die Kommunisten das Erscheinen unseres Blattes durch Abschneiden des elektrischen Stromes unmöglich gemacht hät ten, während die Rote Fahne" Strom erhalten habe. Beides sei nicht wahr, und wir hätten nur ungeschickt gelogen. Demgegenüber genügt die Feststellung, daß wir eine solche Melbung niemals verbreitet haben. Wir teilten lediglich mit, daß für irgend eine Druckerei, die wichtige Parteisachen" der Kommu nisten zu drucken hatte, Strom geliefert worden ist, wogegen die Herstellung eines Rotanschlusses für die Freiheit" verweigert wurde, weil wir nach der Meinung der Kommunisten nicht mehr zu den Arbeiterblättern" gehörten. Von der Roten Fahne" war in unserer Mitteilung überhaupt nicht die Rebe. Es ist fennzeichnend für das Blatt, daß es seine Informationen aus der bürgerlichen Bresse bezieht, um darauf seine Berleumdungen aufzubauen? Auf Umwegen Berbindlichkeitserklärung von Schiedssprüchen Ueber die Aufgabe der Demobilmachungskommissare in bezug auf die Verbindlichkeitserklärung von SchiedsSprüchen der Schlichtungsausschüsse sind wiederholt Zweifel hervorgetreten, zu deren Behebung der Handelsminister, wie den P. P.. mitgeteilt wird, die Demobilmachungskommissare( im allgemeinen die Regierungspräsidenten) erneut angewiesen hat. Danach soll der Regierungskommissar bei Gesamtstreitigkeiten nur dann zur Verbindlichkeitserklärung von Schiedssprüchen als dem legten Hilfsmittel schreiten, wenn er überzeugt wird, daß die im Schiedsspruch getroffene Regelung zweifellos der Billigleit entspricht, ein staatliches Eingreifen zur Aufrechterhaltung des Wirtschaftslebens unerläßlich ist und auch den ges wünschten Erfolg verspricht. In erster Linie tommen hierbei Gesamtstreitigkeiten in lebenswichtigen Betrieben in Betracht. Ein drohender Streit hingegen ist für sich allein fein ausreichender Grund, um die Verbindlichkeitserklärung auszusprechen. In welcher Weise sich der Demobilmachungskommissar Don ber Billigkeit der Schiedssprüche überzeugt, ist in fein pflichtgemäßes Ermessen gestellt. Bei Streitigkeiten über den Abschluß von Tarifverträgen ist die Entscheidung in der Regel nicht eher zu treffen, bis den Parteien Gelegenheit gegeben ist, in einer tontradiktorischen Verhandlung zu dem Antrag auf Berbindlichfeitserklärung Stellung zu nehmen. Inwieweit in anderen Fällen eine persönliche Verhandlung mit den Parteien angezeigt ist, wird von der Beurteilung des Einzelfalles abhängen. In allen zweifelhaften Fällen sind derartige Berhandlungen zwed mäßig. In der bisherigen Braris erfolgte die Berbindlichkeitserklärung von Schiedssprüchen in der Regel nur auf Antrag der ge= werffchaftlichen Organisation, also dann, wenn die Arbeiterschaft ein Interesse an der Ausdehnung der tariflichen Abmachungen auch auf die nicht in dem als Vertragskontrahen ten erscheinenden Unternehmerverband organisierten Betriebe hatte. Die Vorteile, die der Arbeiterschaft daraus erwuchsen, fallen nach dieser Neuregelung hinweg, denn in dieser Anweisung an die Regierungspräsidenten und Demobilmachungskommissare haben diese ein Recht, Schiedssprüche von sich aus dann für verbindlich zu erklären, wenn ihr pflichtgemäßes Ermessen"(?) ihnen ein staatliches Eingreifen zur Aufrechterhaltung des Wirtschaftslebens unerläich erscheinen läßt. Das heißt, fie brauchen weber dem Antrage einer Gewerkschaft auf Berbind lichkeitserklärung eines durch Schiedsspruch zustande gekommenen Tarifes zu folgen, noch brauchen Sie diesen Antrag abzu warten. Das bedeutet zweifellos eine Ausdehnung bes bureaukratischen Rechtes zum Eingreifen in die Lohnstreitigteiten. Ein völlig neues Prinzip wird Jomit plöglich in dieses Gebiet hineingetragen und zwar in einer für die Arbeiterschaft ungünstigen Weise. Wir finden es unerhört, daß der Herr Handelsminister durch eine Anweisung an seine Beamten in so einschneidender Weise in diese Dinge eingreifen barf, die nicht auf dem Wege der Verordnung, sondern nur durch die Gesetzgebung und erledigt werden dürfen. unter Mitwirtung der Arbeiterorganisationen erledigt werden dürfen. Will man etwa auf solche Art auf Umwegen der Streiffreiheit der Arbeiterschaft in den lebenswichtigen Betrieben zuleibe gehen? Wie tommt es, daß diese Berlautbarung gerade mit dem Elettrizitätsstreit zufammenfällt? Wie sie schwindeln In der zuletzt erschienenen Nummer ber Internationale" wirb rag auf Zuweisung des Bartelbureaus und der Parteieinrichtungen behauptet, daß die Nachricht, Däumig und Genoffen hätten ihren zurückgenommen, wie wir nach Rücksprache mit unserem Rechtsbeis tand dem Genoffen Dr. Herzfeld erfahren, abfolut unwahr" fei. Demgegenüber stellen wir fest, daß in dem Prozeß, den Dr. Her feld im Auftrag von Däumig und Genoffen auf Buwetfung des Partei bureaus und der Parteicinrichtungen gegen die Genoffen Crispien, Dittmann und Zieh angestrengt bat, bereits am 4. b. M. folgender Schriftsah dem Genossen Dr. Rosenfeld zugestellt wurde: Berlin, den 8. November 1920. In Sachen Däumig und Genoffen gegen Griepten und Genoffen nehme ich den Antrag vom 20. Ottober d. J. bier durch zurück. Dr. Hersfeld, Rechtsanwalt," Wir find begierig, was die Neukommunisten unnmehr sagen werden. Der franzhe Militarismus. Der Haushaltsentwarf bes französischen Kriegsministeriums fülr 1921 meift Ausgaben im Bea trage von 6546 875 210 Grants auf und steht an Truppen 696 000 Mann und 38 473 Offiziere vor, abgesehen von den dem Kolonialminifterium unterstehenden Truppen in Algier, Syrien und Matoffo. Aus der Wirtschaft Die deutsche Kohlenproduktion Die Kohlenproduktion ohne Saarrevier und Pfalz betrug vom Januar bis September: Steinkohlen Braunkohlen Summa: 1920 1919 95 736 770 To. 77 699 473 To. 81 192 346 To. 68 567 386 To. 176 929 116 To. 146 266 839 To. Danach stieg die deutsche Steinfohlenproduktion vom Ja nuar bis September 1920 gegen den gleichen Zeitraum im Jahre 1919 um 18 037 297 Tonnen. Die Braunkohlenproduktion m gleichen Zeitraum um 12 624 960 Tonnen, zusammen Stein- und Braunfohlenproduktionssteigerung im Jahre 1920( Januar is September) um 30 662 257 Tonnen. Das ist eine gewaltige Steis gerung der Kohlenproduktion in Deutschland, an der die deuts ichen Kohlentönige reichlich profitiert haben, obwohl sie troks dem über ihre schlechte Lage jammern. Jm Monat September 1920 allein betrug die deutsche Steintohlenproduktion 11 549 516 Tonnen, und die der Brauntohlen 10 102 551 Tonnen( ohne Saarrevier und Pfalz), zusammen 21 652 067 Tonnen. Legen wir den Monat September 1920 zu= grunde und rechnen die deutsche Kohlenproduktion für die Zus funft für ein ganzes Jahr zusammen, so haben wir da mit einer Jahrestohlenproduktion im nächsten Jahr in Deutschland über 260 000 000 Tonnen zu rechnen. Nach Lage der Sache wird bie Kohlenproduktion in den nächsten Monaten noch gesteigert werden. Im letzten Friebensjahre, 1913, betrug die deutsche Steinkohlenförderung 191 Millionen Tonnen und 87,2 Millionen Tonnen Brauntohlen. Saarrepier und Elsaß- Lothringen waren mit 17 Millionen Tonnen Steinkohlen an der Friedensförderung 1918 beteiligt, die jezt für Deutschland nicht in Frage lommen und auch für die Zeit von Januar bis September 1919 und 1920 nicht mehr aufgeführt worden find. Die deutsche Kohlenproduktion im Monat September 1920 verteilt sich auf die einzelnen Bergreviere wie folgt: Breslau- Niederschlesien Breslau- Oberschlesien Halle Clausthal Dortmund Bonn( ohne Saargebiet) Für die übrigen deutschen rung im September wie folgt: Bayern( ohne Pfalz) Sachsen Hessen Braunschweig Sachsen- Altenburg Anhalt Uebriges Deutschland Steinfohlen 359 109 To. 2757 385 Zo. 2929 To. 39 673 To. 7 512 170 To. 487 307 Tv. Länder stellt sich Steinfohlen Braunkohlen 448 337 To. 830 To. 867 536 To. 159 858 To. 935 Ta 2 834 523 To. die Kohlenfördes Braunkohlen 225 532 To. 7 629 To. 369 956 To. 708 002 Io. 41 278 To. 257 963 To. 484 265 To. 93 497 Io. 13 358 To. Es wird allerhöchste Zeit, daß dem Kapitalismus diese Natur fchäge entzogen werden. Dieses tann nur durch die Sozialisie rung des Bergbaues geschehen. Also, heran ans Wert! Die täglichen Zusammenschlüffe Im Bantwesen macht die Konzentration nicht geringere Fortschritte als in der Industrie. Kürzlich haben wir von den großen Fustonen gemeldet, die die Deutsche Bant vornimmt. Heute wird von einem weiteren Zusammenschluß im Bantwesen berichtet: Die Rationalbant für Deutschland, die ein Kapital von 150 Millionen Mart besitzt, gliedert sich die Sol. stenbank in Neumünster an, die ein Kapital von 7% Millionen Mart, acht Filialen und einen Einlagenstand von über 90 Millionen Mart besigt; ferner beabsichtigt die Nationalbant, die Bantfirma Bernhard Caspari in Hannover zu übernehmen und in eine Filiale umzuwandeln. Die Rationalbant für Deutschland hat sich erst vor kurzem mit der Deutschen Nationalbant in Bremen zusammengeschlossen und sich in letzter Zeit an vielen großen Finanztransattionen in der Industrie beteiligt. Maschinenverkauf an das Ausland Nach einer Meldung der„ Tel.- Union" tommt es in letzter Beit sehr häufig vor, daß gebrauchte Textilmaschinen ans Ausland verkauft werden, indem man behauptet, daß diese Maschinen nicht wieder so schnell in Gang gesetzt werden tönnten, um zur Aufrechterhaltung der Betriebe Verwendung finden zu tönnen. Tatsächlich aber wurde festgestellt, daß gewisse auss ländische Agenten den Versuch machen, diese Maschinen zu Schleuderpreisen für ausländische Fabriten aufzulaufen. Jn. Zukunft soll daher die Kontrolle über die Aus fuhr gebrauchter Maschinen wirkungsvoller gehandhabt werden. Wir sind der Meinung, daß die wirtungsvollste Kontrolle die der Betriebsräte sein tönnte. Die Arbeiterschaft hat das höchste Interesse daran, daß der Schamlosigkeit der Kapitalisten, die zur Befriedigung ihrer Profitgier nicht davor zurückschredt, bie Zukunft unserer Boltswirtschaft zu untergraben und den Ara beitern die Arbeitsmöglichkeit zu entziehen, ein Ende gemacht wird. Betriebsräte, wacht darüber, daß die Profits jäger euch nicht eurer Produktionsgrundlagen- berauben! Neuerliches Steigen des Notenumlaufs Nach einer fleinen Ruhepause von zwei Wochen ist der Noten umlauf in der letzten Oftoberwoche neuerlich gestiegen, und zwar um 1530 Min. Mart auf 63 596 Mill. Mart. Auch der Umlauf an Darlehnstassenscheinen ist etwas gestiegen, um 83 Mill. Mart auf 13 024 ill. Mart. Der Gesamtbetrag des umlaufenden Papiergeldes beläuft sich also bereits auf mehr als 76 Milliarden Mart allerdings eben nur Papiermart. Das Ernteergebnis in Preußen Das statistische Landesamt gibt das Ergebnis der Borschähungen der preußischen Ernte im Jahre 1920 bekannt. Danach wurden an Brobgetreide insgesamt 6 308 945 Tonnen( gegenüber 7.089 837 Tonnen im Jahre 1919 und 7272 118 Tonnen im Jahre 1918) geerntet, an Safer 3 273 860( 3 022 166; 2 681 697) Tonnen, an Kartoffein 20 435 947( 14 902 403; 17 218 163 Tonnen. Es ist also das Ernteergebnis an Kartoffeln beträchtlich ges ftiegen, aber um den Preis einer für die Arbeiterschaft empfind Itchen Preiserhöhung, und dennoch droht allerorten Kartoffel Inappheit, weil die hohen Fleischpreise, die uns die freie Fleisch wirtschaft beschert hat, es für den Landwirt noch rentabler machen, Brotgetreideernte weiter empfindlicher zurüdgegangen; angesichts feine Kartoffeln zu verfüttern. Andererseits ist der Ertrag der der Stidhoffwirtschaft erhoben werden, die von bet dieses Rüdgangs muß erneut die Forderung nach Regelung Interessenten, die in der Regierung gute Freunde haben, immer wieder hintertrieben wird. den Holland schwimmt in Butter Der Verband der holländischen Händler in Milchprodukten hat ich telegraphisch mit dem dringenden Ersuchen an den Landwirts chaftsminister gewandt, die Abgaben auf die Ausfuhr von Butter möglichst ganz in Wegfall fommen zu laffen, da die Ausfuhr unter den jetzigen Umständen unmöglich sei und die Borräte sich in bedentlichem Maße anhäuften. Auch für Käse erachtet der Verband die Aufhebung der Ausfuhrabgabe für notwendig, wenn ein Export überhaupt möglich sein solle. Italien stellt den Friedenszustand her Das Kabinett toltttt hat ble legten Ginlchrana gen, bie für die Einfuhr aus Deutschland und Destarzeich noch bestanden, aufgehoben. Man muß anertennen, daß 3tallen, nicht sum geringften infolge bes Drudes bes Broletariats, ben andern Entente staaten im Abbau des Kriegshafes und der Kriegsmaßnahmen immer voraus wor. Die Metallarbeiter zur Spaltung Einmütiger Widerstand der USPD.- Funktionäre Der Bezirksverband der U. S. P. D. Berlin- Brandenburg hatte am Sonntag seine Mitglieder, die Funktionäre des Metallarbeiter- Berbandes find, zu einer Sigung zusammenberufen. Troh des Verkehrsstreits war die Bersammlung, die im großen Saal ber Germania-& estsäre stattfand, gut besucht. Anstelle bes Genossen Joseph Ernst- Hagen, der am Erscheinen verhindert war, sprach Genosse Dr. Kurt Rosenfeld über das Thema: " Dürfen Partei und Gewerkschaften zertrümmert werden?" Der Redner gedachte des Jahrestages der russischen Revolution und hob hervor, daß die U. S. P. D. nach wie vor Sowjet- Rußland in feinem Kampf gegen die europäische Reaktion unterstügen werde. Dann wies er nach, daß die Arbeiterbewegung durch außen und innerpolitische Vorgänge in eine äußerst schwierige Situa tion gelommen sei. Die Entente warte nur auf den Vorwand, das Ruhrgebiet zu besetzen. Die Arbeitslosigkeit steige, die Berelendung greife immer mehr um sich, und durch die Bertlüftung des Proletariats ermutigt, trete die Reattion immer frecher auf. Das geschlossene Unternehmertum lasse teine Gelegenheit vorübergehen, dem Proletariat wuchtige Schläge zu Dersehen. Der Fall Borsig habe die Pläne des Unternehmertums erneut enthüllt. entstellt widergab. Die Generalversammlung der Berliner| melarbeitet wird in den nächsten Tagen Gelegenheit haben, über die Vorgänge innerhalb der Metallarbeiterorganisation Stellung zu nehmen Diese Versammlung hat in allen sachlichen Fragen das letzte Wort. Groß- Berlin Drohender Streik der Wohnhauspottiers Daß die Wohnhausportiers sich in außerordentlich fümmerlichen Verhältnissen durchs Leben hungern müssen, das ist jedem, der sehen will, bekannt, Der Deutsche Portier- Berband, Sektion 7 des Deutschen Transportarbeiter- Verbandes, versucht seit Monaten auf frieblichem Verhandlungswege Hausagrariern durchzusehen, aber ohne jeden Erfolg. Wir eine Besserung der Bezahlung seiner Mitglieder bei den fennen ja unsere Hauspafchas! Die Herren erklärten sich großmütig zu einer Lohnzulage bereit, wenn eine 75prozentige Mietzinssteigerung ihnen zuteil geworden sei, für deren Erringung die Wohnhausportiers mit eintreten follAlso einerseits sollten die Arbeitnehmer sich vor den Karren der Hausagrarier fpannen lassen und andererseits sollten sie die Hand dazu hergeben, daß der arbeitenden Bevölke= rung neue unerhörte Lasten aufgehasst werden. Dazu konnten sich die Wohnhausportiers unter feinen Umständen hergeben, sie lehnten natürlich diese Forderungen glatt ab. In einem Aufruf an die Mieterräte und Mieter schreibt der Portier- Verband u. a.: „ Der Herr- im- Hause- Standpuntt, den ja die Berliner Mieter und Bortiers zur Genüge fennen gelernt haben, hat nun in den Reihen unserer Organisationen so eine Erbitierung ausgelöst, daß bei einer Urabstimmung in 65 Bezirken Groß- Berlins mit übergroßer Majorität, der Streit beschlossen wurde. In dieser schwierigen Situation sei es heller Wahnsinn, wenn bas Proletariat in seiner Aktionsfähigkeit durch ein eitige Baten. tolen, von denen eine die andere jagt, altionsunfähig gemacht werde. Auf dem Parteitag in Halle habe sich keiner der Delegier ten prinzipiell gegen den Anschluß an die dritte Inter: nationale erflärt. Es hätte deshalb alles versucht werden müßfen, die Spaltung zu verhindern. Nach der vollzogenen Trennung tönnten wir aber mit großer Genugtuung feststellen, daß die Schwächung der Partei nicht den Umfang angenommen habe, wie es vielfach angenommen wurde. Der Parteitag, besonders die Reden Sinowiews und 2osowstis, hätten den Genossen deutlich gezeigt, wohin sie geführt werden sollen. Die übergroße Mehrheit der Mitglieder fei der U. S. P. D. treu geblieben. Unsere Genossen haben für die Forderung, die Selbständigkeit der Partei zu wahren, ebensoviet Berständnis bewiefen, wie sie auch Die 3ertrimmerung der Gewerkschaften ablehnen. Die fommunistischen Keimzellen, die in den Gewerkschaften eingerichtet werden sollen, müssen die Spaltung mit Naturnotmenbigfeit nach sich ziehen. Die Gewerkschaften sind aber die einzigen Arbeiterorganisationen, in denen alle wichtigen und maßgebenden Richtungen vertreten sind. Die Erhaltung der Einheit der Gewerkschaften ist deshalb eine Lebensfrage des deuts fchen Proletariats. Der Rebner verweist auf die Schlich tungsordnung, die dem deutschen Proletariat aufgezwungen werden soll. Der Kampf dagegen müsse aufgenommen wer ben, ez erfordere die Anspannung aller Kräfte. Deshalb werde gerade die U. S. P. D., die die Situation flar erkannt hat, alle Mittel aufbringen. um die Einheit der Gewerkschaften und damit ihre 9ftionsfähigkeit aufrecht zu erhalten. Der Redner erntete lebhaften Beifall. Auf Anregung des Genossen Schneider beschloß die Ver Sammlung gegen wenige Stimmen, daß an der Besprechung nur Mitglieder der U. S. P.D. teilnehmen können. Da Rusch nicht mehr Mitglied der Partei ist, sondern zu den Kommunisten ge hört. wurde er aufgefordert, den Saal zu verlassen. In der Diskussion zerpflückte Genosse 3ista die Moskauer Bedingungen und wandte sich mit aller Schärfe gegen die 3ersplitterungstaftit der Kommunisten. Folgende von ihm eingebrachte Resolu= tion wurde einstimmig angenommen: Infolge der verschiedenen politischen Ansichten der Mitglieder des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes, die gegenwärtig feiner politischen Richtung die geschlossene Mehrheit innerhalb der Berwaltungsstelle Berlin gibt, muß der politischen Auffassung aller Mitglieder, die auf dem Boden der Einheit der gewerkschaftlichen Organisation stehen, bei der Betätigung innerhalb der Organi fation Rechnung getragen werden. Voraussetzung für die übereinstimmende Arbeit ist die Anerkennung der Stuttgarter Vers bandsicgsbeschlüsse und die einheitliche geschloffene Front gegen die organisationszerstörenden Bestrebungen der Anhänger ber Mostaner Gewerkschafts- Internationale. Die Geschlossenheit der Organisation bedingt schärften Kampf gegen die Tendenz der kommunistischen Zellenbildung, sowie Ablehnung jeder von politischer Strömung beeinflußten Frattions bildung. Nur durch die stritte Befolgung dieser Momente tann die gewerkschaftliche Organisation vor der Spaltung und dem Zerschlagen bewahrt bleiben." Die Internationale" und die Rote Fahne" nehmen die Verfammlung der U. S. P. D.- Metallarbeiter zum Anlaß, diese in der unflätigsten Weise zu beschimpfen. Die Internationale" hält es für angebracht, die Besprechung dieser Zusammenkunft mit der Ueberschrift: Die gegenrevolutionäre Einheitsfront der Konterrevolutionäre im Metallarbeiterverband" zu versehen. Auf die vielen schmugigen Anrempelungen und Verdächtigungen gehen wir nicht ein. Es ist bezeichnend, daß die genannten Blätter auf den Vorwärts"-Bericht zurückgreifen, der, wie wir feststellen tonnten, einige wesentliche Aeußerungen des Genossen 3ista völlig Da nun das Verhalten der Hauswirte( Sausbefizer- Organifationen) jede weitere Möglichkeit, von Organisation zu Organisation zu verhandeln ausschließt, werden wir ab heute, Freitag. jebem einzelnen Hausbesiger unsere Forderungen vorlegen, und follten die Herren dieselben nicht anerkennen, von Sonnabend, den 13. November, in den Streit treten. Ueberall dort, wo bewilligt wird, sind unsere Mitglieder verpflichtet, die Arbeit wieder aufzunehmen, wenn die Unterschrift auf den vorgelegten Bertrag und Revers erfolgt ist. Mieter und Mieterräte in Häusern mit Heizung oder Marm wasser, wo Ihr den Kofs zu neun Zehnteln selbst bezahlen müßt, nebenbei bemerkt, auch eins der Millionengejchente, die durch Verordnung den Hausbesitzern gemacht wurden, die Verant wortung, daß Ihr talt sigen sollt, tragen nicht wir Portiers, macht Eure gefeglichen Rechte geltend, helft uns in dem schweren Kampf, den uns Eure und unsere Ausbeuter, die Sauswirte, aufgezwungen haben, damit auch die elende Portier, entlohnung besser wird. Des Dantes hungernder Frauen und Kinder seid Ihr gewiß. Alle Anfragen find an unser Bureau, Bayreuther Straße 31, Kurfürst 9832, zu richten." Der Solidarität der Arbeiter fönnen die Portiers in ihrem, ihnen aufgezwungenen Kampfe gewiß sein. Neuköllner Gartenarbeitsschule Die Gartenarbeitsschule der Stadt Neukölln hat im ersten Halbjahr ihres Wirtens über alle Erwartungen hinausgehende Erfolge erzielt. Abgesehen von den einmaligen Aufwendungen für den Hallenbau und die Errichtung der Kleinviehställe, Brunnen, Umzäunungen sowie den Vieh, Geräte- und Pflanzenanlauf, die rund 50 000 m. betragen, fommen für die laufenden Ausgaben pro Jahr 25 000 M. in Ansaz. Hierzu gehören u. a. die Besoldung des Schuldieners, Amtszulage für den Leiter Jowie die Kosten für Saatgut, Landpacht, Versicherung der Gebäude und für Instandhaltung der Geräte. Dieser Summe steht die Tats fache gegenüber, daß jedem der die Gartenarbeitsschule zur Zeit besuchenden 2000 Kinder ein etwa 10 Quadratmeter großes Beet zur völlig eigenen Bewirtschaftung zur Verfügung steht, deffen Erträgnisse auf einen Mindestwert von 30 m. veranschlagt werden können, das bedeutet eine Gesamtsumme von 60 000 M. Einen weiteren Erlös von 2000 m. werden wahrscheinlich die noch vorhandenen Gemeinschaftsgärten bringen. Von großer Be deutung dürfte die Einwirkung dieser Schule auf die Jugendpflege sein, wie überhaupt eine bessere und nachhaltigere Erzie hung der Großstadtfinder nicht gedacht werden fann. Fern von dem verderblichen Einfluß der Straße, gedeihen sie hier in reiner Luft, werden zu praktischen Menschen mit Gemeinschaftsgefühl und ernstem Willen zur Arbeit durch die Arbeit. Bahlreiche Gemeinden find in Würdigung dieser Tatsache bereits dazu übergegangen, die Einrichtung von Gartenarbeitsschulen nach dem Borbild Neuköllns in die Wege zu leiten. Arbeiterschaft den Jahrestag der Revolution. Abends versammel Bohnsdorf. Mit fast allgemeiner Arbeitsruhe feierte die hiesige ten sich die Genossen sehr zahlreich im Restaurant Ziebarth zu einer fleinen Feier. Genosse Tillig sprach in sehr eingehenden Borten über die Bedeutung des Tages und gab einen Rückblick über die zwei vergangenen Revolutionsjahre, und ermahnte zum einigen, gefchloffenen Zusammenhalten zur Erringung des ends lichen Sieges des Proletariats. Der Sängerhor Bohns dorf" verschönte den Abend durch Vortrag einiger Kampfes lieder. Ein Einbruch in den Wertheim- Palast am Leipziger Plaz rief gestern abend in der start belebten Gegend große Aufregung her vor. Plöglich, furz vor 9 Uhr, ertönte eine der großen Alarms gloden, das Reichen, daß ein Unbefugter sich in den Räumen des großen Kaufhanses irgendwie zu schaffen mache. Die Wächter Baumgarten und Schwarz durchsuchten sogleich mit ihren Hunden das Gebäude und stießen dabei auf einen Mann, der, als er sich entdeckt sah, die Flucht ergriff und gradenwegs durch eine Schaus fensterscheibe nach dem Potsdamer Platz zu davonstürmte. Bor her hatte er versucht, sich die beiden Wächter mit der Waffe vom Leibe zu halten. Als diese aber, dessen ungeachtet, auf ihn zus tamen. gab er aus einer fleinen Browningpistole zwei Schüsse cuf sie ab. Eine Kugel traf den Wächter Baumgarten am linken Unterschenkel. Der unverlegt gebliebene Wächter Schwarz sezte mit der großen Menschenmenge, die die Diebesjagd wahrgenom men hatte, die Verfolgung des Flüchtenden weiter auf. Dieser versuchte in ein Haus in der Linistraße zu verschwinden, wurde dort aber dingfest gemacht. Beim Einbruch erschossen wurde in der vergangenen Nacht ein 33 Jahre alter Wilhelm Koppler, dessen Wohnung noch nicht festgestellt werden fonnte. Roppler versuchte in der vergangenen Nacht gegen 3 Uhr bei dem Schlächtermeister Walter Simon in -Moabit 132 einzudringen. Der Meister erwachte und stellte den Einbrecher. Bei dem Zusammenstoß griff Simon in der Not wehr zur Waffe, schoß auf seinen Gegner und traf ihn so schwer, daß er starb. Zu der Bluttat eines Gewerkschaftssekretärs, über die wir aus Tempelhof berichteten, erfahren wir weiter, daß Frau Drener der Schußverlegung gestern nachmittag erlegen ist, ohne das Bewußt fein wiedererlangt zu haben. Die Ermittelungen der Kriminal polizei haben noch feinen Anhalt dafür gegeben, was den Ge mertidaftssekretär Schneider veranlafen tonnte, seine Wirtin und sich selbst zu erschießen. " Lehrfilmvorführungen in Lichtenbeng. In den im November auf der städtischen Jugendbühne stattfindenden Lehrfilmvor führungen für die Schüler der Lichtenberger Lehranstalten, die in den Vormittagsstunden veranstaltet werden, sollen folgende Filme zur Aufführung gebracht werden:„ Der Flachs und seine Beredlung". Salzgewinnung am großen amerikanischen Na tronsee". Aus dem Leben eines Schmetterlings". In einer Buschrift an die Lichtenberger Schulen wird durch Stadtschul- at Dr. Siggel der Besuch der täglich nachmittags 4 Uhr auf der Jugendbühne( Solteistr. 7-9) stattfindenden Vorstellungen des Dresdener Marionetten- Theaters" für die Schuljugend dringend empfohlen, da diese Darbietungen als besonders aut bezeignet werden können. Außer den bereits in den Spielplan aufgenomme nen Märchenspielen sollen noch Rotkäppchen",„ Die drei Wünsche und„ Kasperle als Portraitmaler" zur Aufführung gelanzen. Der Berliner Bolts- Chor( Dir. Dr. Ernst Zander) veranstaltet am 16. b. M., abends 7% Uhr, in der Neuen Welt, Hasenheide, einen Volkslieder- Abend unter Mitwirkung der Bläser- Kammers musikvereinigung der Berliner Staatsoper. 3m IV. Konzert der Boltsbühne, das am Sonntag, den 14. No vember, abends 7 Uhr, in der Garnisontirche stattfindet, werden Orgelwerte, Solotantaten und Motetten von Bach zum Vortrag gelangen. Mitwirkende: Walter Drwensti, Brofessor Albert Fischer, der Berliner Domhor unter Leitung von Pro fessor Hugo Rüdel. Zusammenschluß der gewefenen politischen Gefangenen und haftierten. Die gewesenen politischen Gefangenen und Inhaftiers zweds Erledigung ihrer Unterstügungsanträge. ten treffen sich Sonntag vorm. 10 Uhr in der Manteufelstr. 72 Der Ausschuß. Der Deutsche Transportarbeiter- Berband Transportarbeiter- Werband veranstattet im Neuen Volkstheater, Köpenider Str. 68/69, am Mittwoch, den 17. November 1920( Bußtag), abends 7% Uhr, eine Vorstellung Zur Aufführung tommt: Major Barbara( Komödie von Bernhard Shaw). Eintrittstarten 3 M. intl. Programm und Garderobe sind zu haben im Bureau, Engelufer 15 II, 3immer 33. Der Sportklub Fortuna 07( Mitgl. d. A. A. B. D.) veranstaltet am Sonnabend 7 Uhr in der Königsbant, Gr. Frankfurter Straße eine Sportvorstellung in Ringen und Boren. Sportfreunde und Gäste find willkommen. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Sonn abend. Ziemlich mild, zeitweise etwas aufflarend, jedoch über wiegend trübe und neblig, ohne erhebliche Niederschläge, bei mäßigen füdwestlichen Winden. Ver Berantwortlich für bie Redaktion: Emil Rabolb, Berlin. antwortlich für den Inferatenteil: Ludwig Komeriner, Karlshort Verlagsgenolenichaft Freiheit" e. Gm b. S.. Berlin. Drud der Freiheit" Truferoi 6 m. h. 5. Rorfin rotte trans an Die Stelle des Bürgermeisters der Stadt Saarbrücken ( Der Titel Oberbürgermeister ist beantragt) ist sofort zu bejegen. Die Wahl und Anstellung erfolgt auf 12 Jahre. Jahresgehalt 30 000 Mark, bagu Ortszuschlag, Kinders beihilfen und Ausgleichszuschlag nach staatlichen Grunds fäßen und die für das Saargebiet geltenden besonderen Bulagen. Bewerber, welche auf dem Gebiete der kommunalen und Staatsverwaltung besondere Fähigkeiten, Erfah rung und Kenntnisse besigen und die Prilfung für das Richyteramt oder den höheren Berwaltungsdienst abs gelegt haben oder in wirtschaftlichen oder technischen Betrieben an leitender Stelle tätig gewefen find, werden gebeten, ihre Meldung nebft Lebenslauf und Zeugnise abichriften bis zum 1. Januar 1920 einzureichen. Ferner find die Stellen zweier Beigeordnet der Stadt Saarbrücken fofort zu befchen... Die Wahl und Austellung erfolgt auf 12 Jahre. Sabresgehalt 20 000. unb 15 000 M. Ortszufchlag, tinberheihilfen und Ausgleichszufchlag nech staatlichen Grundfäßen und die für das Saargebiet geltenden besonderen Zulagen. In der Kommunals oder Staatsverwaltung, oder in wirtschaftlichen oder technischen Betrieben bereits tätig gewefene Bewerber werden gebeten, thre Meldung nebst Lebenslauf und Beugnisabfchriften bis zum 1. Januar 1921 einzureichen. Die Betätigung der Wah! der 3 su wählenhen Serren erfolgt auf Grund der rheinischen Städtes pronung durch bie Regierungskommiffion für das Saargebiet, Saarbrücken, ben 10. Movember 1920. Der komm. Bürgermeister. Genoffen! Abonniert die„ Freie Welt"! In einigen Tagen erscheint: Zum 100. Geburtstage Friedrich Engels' Engels als Denker Bon Friedrich Adler. Buchhandlung» Freiheit", Breite Straße 8-9. Stoffe für Herren- Anzüge, 2fter, Baletots, Damen- Roftlime, Meter 50.-, 100, 150.-, 200.- Mark. Nur langjährige Berbindungen mit altbewährten Fabrikanten birgen für preiswerte, gute Dualitäten. Koch& Seeland m b. H. Begr. 1893. Goriraudtanstr. 20-21. Begr. 1893.Botenfrauen Annahme in allen Speditionen bes Berlages Kleine Anzeigen Geschäftsstelle: Berlin 2, Breitestr. 8-9 Das Ueberschriftswort 2-9tk., jebes weitere Wort im Tegt 1.50 QRk. netto. Stellungsgesuche: Ueberschriftswort 1.50 9nk, jedes weitere Wort im Text 1.-M. Verkäufe Genoffen! 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