Einzelpreis 20 Pfg.• 3. Jahrgang Freitag, 19. November 1020 Nummer 489• Abend-Ausgabe 10,— M. Im BOTUU« lalilbaT,»on dkl Spedition selbst ads«!>oL-------,. dkl«« Ukhmkn sämllich« PostanKaUkU BesteNuuzea kingeaeu. Uulr» etkkifdan» bqa.eu fLk Demschlaud nud tstcerelch l«>S0 A!.> fit da» Cbri.k tUwIaub 21,50 M, lojü.Iid) Valuia-Ausichla,, per»tief für Deutfchlaud und Cft eitel tf) JO,— SJL tlab.kHa«, Expedltl»» nmd Seit«. I Berlin C 1» Drelt» Dtrnf,» Sa*. ■k WwutwWwrtt» oder deren Ram Koket®-»d�chltehLch CMMMMMnftkl... Rlelue Anzeigen: Das feriaedruitllt Wort d,— dA., fede»»eu� tZO elnfchlledllch Teuerung», ufchla«. Laufende«n,»l�u l«t T-eR. rnilien-Anzeigen und Stellen-Gesuche 2.20 M. netto pro Aeil«. Stelle«�» es»�« Svort-AnHeigen: da»»tttgedruckte Wort 1.50 W.. jede» weitere Wort I,- VL. 8m zahl bayerischer bewaffneter Wehrmänner an dem Echiehen teilnehmen. Die Jnnsbrucker Arbeiterschaft wendet sich aufs schärfste gegen diesen Aufmarsch der monarchistischen Konterrevolution. Es sind Zujammenftiih« zu befürchten. Die sozialdemokratische Frak- tion des Tiroler Landtags hat einen Dringlichkeitsantrag einge- bracht, der von der Landesregierung ein Verbot des Lan- desschießens fordert. Genosse Dr. Grüner hat als Lan« dcshauptmann-Stellvertreter im Namen der sozialdemokratischen Fraktion an den Ctaatskanzler Dr. M e y e r in Wien ein Schrei- den gerichtet, in dem er sich gegen das Landesschiesien wendet und mit Recht die Tiroler Heimatwehr als Bestandteil der bayerischen Orgcsch bezeichnet. Es heiht in diesem Schreiben u. a.: ,T>ie Lan- desrcgierung Tirols hat gegen meinen Einspruch die Aner- Innung der Heimatwehren beschlossen. Wir haben gegen die Bewaffnung seit langem protestiert, mit eigener Bewaffnung»- oktion gedroht, ohye bisher einen Ausgleich erzielen zu können. Tie Arbeiterschaft hat es satt, länger zuzusehen. In der Ver- sammlung in Innsbruck am 12. November haben die Anwesenden Aufforderung, sich dem Aufmarsch zu widersetzen. sturmischen Beifall gespendet. Wir verwahren uns dagegen, dah ""e private Volksaufrüstung mit inneren und äuheren Zielen unsere Anerkennung fordert. Wir haben die Regierung gewarnt, c-Visier«,>g trägt die Verantwortung." Gscherich hat vor einigen Tagen dem Vertreter des..Man» tuester Guardian" erklärt, dah es sein Bestreben sei, die Or- i n t e r n a t i o n a l auszubauen. Schon heute reichen u*® Fäden der Verschwörung von Bayern über Tirol nach -lliien und Budapest. Die Tiroler Einwohnerwehren sind von Escherich ins Leben gerufen worden, Bayern hat sie aus - Bayern schickt Verstärkung— — Abwehrstreck der Eisenbahner seinen riefigen Geheimbeständen mit W a f f e n versorgt. Da» Landeeschiehen in Innsbruck soll, wie das Königsschiehen in München, ein« Probealarmierung sein. Escherich will sein« Mannen mustern, um zu sehen, wie weit die Schlag. f« r t i g k e i t gediehen ist. Die Tiroler Arbeiter» s ch a f t hat die Gefahren dieser monarchistischen Banden er» könnt. Sie wird nicht dulden, dah vor ihren Augen die Me» thoden erprobt werden, mittels derer sie eines Tages er» würgt werden sollen. JnJnnsbruckistdieArbeiter» wehrmobilisiert. DieStrahenundZugäng« zur Stadt sind mit bewaffneten Arbeitern besetzt. Die Eisenbahner sind in den Gene» ral streik getreten. Sämtliche Zugverbin» dungenvonundnachBayernsindstillgelegt worden. Die Abwehraktion der Tiroler Arbeiterschaft ist lebhaft zu begrüßen. Wenn es die bayrischen monarchistischen Banden wagen sollten, dennoch in Tirol einzudringen, so werden sie die Folgen eines solchen Treibens selbst zu verantworten haben. Und was geschieht in Deutschland? Auch hier sehen wir, wie vor den Augen der Regierung die Orgesch von Tag zu Tag herausfordernder auftritt, Trotz des Verbotes der Orgesch durch Severing hält sie sogar in B« r l i n regelmäßig Versammlungen ab. Wenn die Regierung nicht die Macht hat, den Gesetzen Geltung zu verschaffen, dann muß, wie in Tirol, die Arbeiterschaft handelnd auf' .,,.. den Plan treten. Der„Selbstschutz"organisation Escherich, bestehend aus Mo» narchisten und reaktionären Offizieren, muß die repu» blikanische Schutzwehr der Arbeiter entgegengestellt werden. Für diese Forderung müssen sich vor allem die E e» werkschaften einsetzen, denn das Versprechen der Re» fierung vom März 1920 ist noch nicht erfüllt. Aber es muß chnellstens erfüllt werden, wenn sich die Republik vor der tändig wachsenden Gefahr der Gegenrevolution zuverlässig schützen will. Die Vöckerbundstagung Polen erhstlt das Danziger Mandat Nach der offiziellen Mitteilung hat der Völkerbundrat den Be- richt des fapanischen Vertreters über dt- Verfassung und die poli- ssche Stellung der freien Stadt Danzig genehmigt. Der Ver- »«er Japans beantragte dir Streichung des Wortes "hanseatisch" in der amtlichen Bezeichnung der Freien Stadt Ranzig. In der Sprachenfrage soll im gleichen Artikel bestimmt werden, daß die amtliche Sprache die deutsch« i st, und «>8 die Gesetzgebung und die Verwaltung dem polniiib brechenden Teile der Bevölkerung die Freiheit seiner ,"Zonalen Entwicklung verbürgen und ihm insbesondere , n Gebrauch seiner Muttersprache in den Schulen, in der �ren Verwaltung und vor den Gerichten sichern muß. Fl�litärisch darf Danzig nicht als Militär» oder w�nb-si. dienen, auch keine Befestigungen errichten. biet f*>tions- oder Kriegsmaterialfabrikation auf seinem E«. wen �'«ten. Im Falle eines Angriffs gegen Danzig, besonders es k>" h��urch Polen bedroht ist, wird der Völkerbundrat. so weit ibm• vorauszusehen ist, sich an Polen wenden, um von bewaffnete Unterstützung für die Verteidi- 8 des Gebietes der Freien Stadt Danzig zu verlangen. buux" Polen durch irgend einen Staat, entgegen dem Völker- 0,5°°,"«°«. abgegriffen wird, wird der Völkerbundrat sich »"«igt sthen. die Mittel in, Auge zu fassen, um den Schutz der Ctadt gegen jeden Angriff zu sichern, der die Tätigkeit im dg-,?"er Stadt verhindern könnte, und es ist sehr wahrscheinlich, r«A» Mlkerbundrat Polen ersuchen würde, dieses Schutz- Ct-i».'u übernehmen, allein oder unter Mitwirkung anderer d e= u.nl?ie Mitglieder des Völkerbundes sind. Der Schutz fx-.vlkcrbundes erstreckt sich ebenso au ch a u f d i e »i n i � von Munition und anderem Kriegs- Fki»u.'°� Polen während der Dauer der bei" Seligkeiten. Di- pblnische Regierung schemt demnach > Afouw ers geeignet, um eventuell vom Völkerbund das halt.» S} Sicherung der Verteidigung der Freien«ladt zu er- ihn,". er lnefes Mandat darf nieckkals ausschließlich w...vertragen werden, und es wird ihm nur übertragen wer- burA�� uach Erwägung der besonderen jeweiligen Umstände blind uCn Pölkerbund selbst, um zu verhindern, daß der Volker- «n-i» � Beschützer der Freien Stadt, in einem ande«" Falle in Besij,,'vternationalen Kampf Partei ergreifen mügte, als ihn die nv'wungen des Völkerbund Vertrages vorsehen. das'»»,.Entscheidung des Völkerbundes bestätigt also, daß Polen volityche � militärische Mandat über die Freie Stadt Dan- zig erhalten soll. Der Völkerbund, der der Erhaltung des Frfe» den, dienen soll, sündigt somit gegen seinen eigenen Geist, indem er die d e u t s ch e Stadt Danzig den Polen überantwortet. Englisch-russisches Handelsabkommen Ein Beschluß der englische« Negiernng TU. London, 18. November. Lloyd George hat gestern nachmittag im Unterhaus« die Erklärung abgegeben, daß die englisch« Regieraag de» schloffen habe, ein Handelsabkommen mit Ruß» lond abzuschließen. Der Ministerpräsident fügt« hinzu, er hoffe, das Abkommen der Moskauer Regierung i» den nächsten Tagen zugehen zu lassen. Vom östlichen Kriegsschauplatz Aus Moskau wird gemeldet: Die Roten Truppen, die von zwei Seiten in die Krim eingedrungen sind, griffen die Zentralstation der Krim-Eifenbahn D s h a n k o i an und nahmen sie mit einer gewaltigen Beute in Besitz. In der Ukraine dringen die Bolschewisten trotz der heftigen Gegenwehr der ukrainischen Truppen immer weiter vor. Die Stadt Kamenetz-Podolsk ist von den Roten Truppen völlig eingeschlossen und steht vor der Uebergabe. Nach nichtamtlichen Meldungen soll auch K i e w von den Ukrainern geräumt sein. In einem Telegramm, das Tfchitscherin an Lord Cur» zon gerichtet hat, heißt es: Aus verschiedenen Quellen ist uns Nachricht zugegangen, daß die Absicht bestehe, englische Schiffe zu benutzen, um W r a n g e l s Heer nebst allen Gütern, die Wrangel sich in Süd- rußland angeeignet hat. aus der Krim wegzuführen. Unleugbar drückt die Teilnahme der britischen Marine an der Bewegung der Aufständischen, die gegen Rußland gekämpft haben. «ine feindlich«Haltung der britischen Regierung gegenüber der russischen Sowjetregierung und einen Bruch der Versicherungen aus, die uns die britische Regierung verschicdent- lich gegeben hat. Auch die B« l« tz u n g B a t u m» durch britisch« Truppen wird von Tschitscherin in einem Funkspruch an Turzon al» ein« ernst- liche Bedrohung der Räteregieeung betrachtet, die die entsprechenden Konsequenzen ziehen würde. General W r a n g e l hat dt« slldflawisch« Regierung um Unter» bringung russischer Flüchtlinge und Soldaten ersucht. Die Flucht- linge und Soldaten, die mit Wrangel Rußland verlassen haben. werden auf Griechenland, Rumänien, Bulgarien und S ü d s l a w i e n verteilt werden. Wo bleiben deine Steuern? Von Ignaz Wrobel Ii. � Wir haben hier voriges Mal betrachtet, welchen Anteil die Reichswehr an ihrem Fünfmilliarden-Etat hat. Stolz weht die Flagge fchwarz-weiß-rot auch über der Verfchwen- dungsfucht der königlich republikanischen Marine. Die Marine hat eine Haushaltsstärke von 14 920 Köpfen. Diese 14 000 Leute werden von 1111 Beamten verwaltet, so daß also auf je 14 Mann ein Schreiber kommt. Der allgemeine Werftbetrieb der Marine ist mit 78 283 480 Mk. veranschlagt. Sic Kosten für die Ad mir alt» tat(die der Heeresleitung entspricht) betragen allein 9 12 4 96 5 M» also annähernd ein Neuntel des Werftbe- triebes. Man muß aber sehen, was es da alles gibt: die paar Schiffe, die man uns gelassen hat. haben immerhin noch 8 Kontreadmirale, 3 Vizeadmirale und was sich alles in der Admiralität herumdrückt, ist nicht zu sagen. Der Ehef der Admiralität hat für geheime Auegaben einen schwarzen Fond von 50 000 M.-Welches Kap zum guten Spitzel umsegelt er damit? Die sogenannte geistig« Wohlfahrtspflege verschlingt 865125 M. Man muß die Klagen aus den Seegarnisonen und Hafenstädten kennen, um den tiefen Abstand, der zwischen Zivil- und Marine- Offizieren herrscht, zu ermessen. Rechnet euch aus, in welchem Sinne die Gelder für den neuen vaterländischen Unterricht verwandt werden! Der Eefamtetat für die Marine von 15 000 Mann beträgt 513 530 086 M., also über eine halbe Milliarde. Bei diesen Betrachtungen ist die Existenz der noch immer bestehenden Heeresabwicklungsstellen nicht berücksichtigt. Die kosten dem Staat abermals Hunderte von Millionen. Die Ehrfurcht des Deutschen vor jedem behördlichen Appa- rat ist riesengroß. Zweifellos halten alle diese unformier» ten und chargierten Arbeitslosen eine gewisse Dienstzeit ein:' Der Bureaukrat tut seine Pflicht... Sicherlich tun diese e, Vcrmessungsdirigenten, Oberkriegsgerichtssekretäre, Ober- stabsapotheker, Siachrichtenoffizicre, Ministerialräte sicherlich tun diese alle irgend etwas. AberesifteineArbeitinfich. Einer gibt immer dem andern zu schreiben und was dabei herauskommt, ist ziemlich dürftig. Der Tatbestand ist der: Die Entente hat dem Lande ein Heer von 100 000 Mann gelassen, das eine rein repräfenta» tive Rolle spielt. Für die internationale Krieasführung ist Deutschland koffiziell) entwaffnet. Aij.r die Ausrechter- Haltung der Perfassung nach innen ist dieses Heer wie jedes Heer nur für kleine Störungen von links zu verwerten, denn � wenn eine große Welle das ganze Volk erfaßt und es> der Wille des ganzen Volkes ist, zu stürzen und zu ändern. � so wird ein solches Heer mit Recht als nebensächlich weg» gespült. Und wenn der Putsch von rechts kommt, wird dieses, er auch keinen Widerstand leisten. Es wird entweder kräftig mitwirken oder sich auf den Boden der„gegebenen j Tatsachen" stellen. Und diese Institution kostet dem schulden» überladenen Staat augenblicklich fünf! Milliarden Mark jährlich. Für einen gewandten Vcrwaltungsbeamten— und weiter j sind diese Soldaten heute nichts— ist nichts einfacher, als die Notwendigkeit jeder einzelnen Stelle schriftlich ausfuhr» i lich zu begründen. Das besagt aar nichts. Der Verforgmuzs- wünsch ist der Vater all dieser Aemter, und wenn man keine Arbeit hat. dann macht man sich welche. Der Etat wäre � allenfalls für eine schlagfertige Armee eines bedrohten Lan- des verständlich— heute ist er nichts als der Schrei von hun- derttaufend Mann(und ganz besonders ihrer Offiziere) nach Versorgung. � m Es ist eine Herzenssache, die hier abgehandelt wird. Ver» hätschelt im Kriege, überzahlt, mit Spiritus und Butter ge» tränkt, von ton Frauen und den Reklamationsbedürftigen> überlaufen, können sich diese Kasinogötter und Etappen»! flotzen ihr Leben nicht mehr anders vorstellen, als so: bei! einem Minimum von wirtlicher nutzbringender Arbeit mit einem Maximum staatlichen Einkommens erhalten*u wer- j den. Es find bunte Drohnen..... I Ss sind aber auch gefährliche Drohnen. Das Militär hat sich, erzogen durch eine jahrhunderte alte Tradition, einmal geschlagen, und dann wieder aufgemuntert durchs Gustav! Roste, on eine Vormachtsstellung in Deutschland gewöhnt. � sielle sich nur einmal vor, daß irgend eine andere l öffentliche Einrichtung zum allgemeinen Besten— wie etwa| das Unfallwesen oder die viel wichtigere Feuerwehr so viel von ihrer Arbeit hermacht wie diese wenigen Soldaten. Was leisten sie denn? Dafür, daß sie ein ungestörtes Wacht» ftubenleben führen, aufgeschreckt nur durch die Echlkanen ihrer Vorgesetzten und durch die Angst, einmal ihre Stelle zu verlieren, werden sie sinnlos überzahlt. Dazu kommt, � daß sie ihr Amt mißbrauchen. Es ist nicht Sache des Militärs, den beut.> fchen Geist zu pflegen, denn das sind zwei unüber» j brückbare Gegensätze. Es ist aber ganz gewiß unehrlich, j wenn ein Teil dieser Reichswehroffiziere, nach wie vor stramm wilhelminisch gesinnt, von der Republik Geld nimmt, i um einen dreimal verfluchten preußischen Geist in den Ka- i lernen zu konservieren. Drangen diese bezahlten Re-.�.l. kaner n»cht alle heran?, die wirklich demokratisch sind? Wie wird der republikanische Fiihrerbund bedrückt! Der Neichs- wirtschaftsverband deutscher Berusssoldaten klagt und klagt — denn an einer st raffen berufsständischen Vertretung der Soldaten ist den Offizieren nichts gelegen. Laht euch nicht-von dem schnurrenden Apparat der Dienst- automobile, der AktenschrLnke, der Exerzierplätze, der Werft- anlagen betäuben! Hier wird keine für das Staatswohl irgend wie beträchtliche Arbeit geleistet. Hier ist nichts als eine schwammige, aufgeplusterte Masse von interessierten Reaktionären. Und wer bezahlt sie? Und da findet sich keine Mehrheit von gescheiten Politi- kern im Reichstag, die einen solchen Unfug glatt ablehnt? Da ist die Angst vor roten Armeen so groß, daß jede, aber auch jede sinnlose Verschwendung bei diesem Steuerelend glatt durchgeht? Das Geld ist herausgewor- fcn: denn wir haben keinen Nutzen davon. Das Geld ist schlecht angewandt: denn die republikanische Wehrmacht ent- wickelt sich langsam zum nationalen Kriegerverein. Bedenkt, daß demgegenüber das ungeheuerliche Elend der Kriegsverletzten steht, die bei voller Erwerosunfähiakeit 2000 M. jährlich weniger bekommen als ein unverheirateter Reichswehrsoldat— bedenkt die verzweifelten Kämpfe der hungernden Hinterbliebenen, die sie mit den Versorgung.-- amtern um jeden Groschen führen muffen. Mit den Ver« sorgungsämtern, wo entlassene Offiziere der kaiserlichen Armee, zu Regierungsräten befördert, hocken und alles �ntereffe daran haben, ihre Arbeit in die Länge zu ziehen, damit sie desto länger im Besitz ihrer Stellen bleiben. Be- denkt, daß dieser Fünfmilliardenetat von einem bankerotten Volke ausgebracht werden soll und daß sich um Lohnerhöhun- gen der Arbeiter die bittersten und schlimmste» Kämpft ab- spielen. Die da streiken nicht. Die sind unverwüstlich. Wenn wirklich einmal Philipp Ccheidemann. deffen Parteifreund Gustav Noske unter Zustimmung der Rechtssozialisten dieses neue System begründet, heraufbeschworen und geduldet hat. die Haltung der kostspieligen Reichswehr im Reich-.- tag bemängelt, hört sich das Herr Seeckt(denn 5>err Eeßler zahlt nicht) von der Loge aus mit glattem Dienltgestcht an, fäyrt mit feinen Leuten im Auto nach der Bendlerstr�e zurück und weiß: Er hat nichts zu befürchten. Denn unbeugsam, festgewurzelt, unverändert und uner- schütterlich ruht im Herzen dieses Volkes und seiner Vertre- ter die Liebe zur bunten Macht, die Liebe zu„Unserm Mili- tär"!___ Lakaien überall Das Schweineglück der Hohenzollern Es stellt sich heraus, daß der Bankier Erußer, der Finanz- Vertrauensmann der HohenzollerN, ein mit allen Wassern ge- ivaschener Schieber ist. lieber seine Manipulationen zur Siche- rung der Vermögen der Hohenzollernfamilie macht der„Vor- tvätts" einige weitere Mitteilungen. Die Beziehungen Grußers zum Hohenzollernbause waren so eng. daß Erußer einen Teil der Dienerschaft des Kaiierlichen Hauses, Chauffeure und Lakaien i n feine Dienste übernahm. Die Freundschaft ist also nicht neu. Es scheint danach, als hätten sich die Hohenzollern schon vor ihrer Flucht der Hilfe solcher dunklen Gestalten bedient. Auch der Adjutant des ehemaligen Kronprinzen, Herr von Reihen« stein, ging bei Gruher ein und aus. Sehr interessant sind die Methoden, wie Gruster die Vermögensschiebungen betoerl- �ypigte. Der„Vorwärts" berichtet darüber: „Eine seiner Methoden bestand darin, daß er seine Klienten in DcutiMand Waren jeder Art kaufen ließ, für die er Ans- fuhrbewillig ungen nach dem Ausland zu verschaffen wußte. Die Bezahlungen für die exportierten Waren kamen aber nicht nach Deutschland herein, sondern wurden Grußers Kunden in Amsterdam gutgeschrieben, womit der Zweck der Vermögcnsverschreoung erreicht war. Daß Erußer seinen Klienten die von ihnen gekauften Waren keineswegs billig anrechnete, versteht sich am Rande. Es gibt keinen Artikel, den' Grußer nicht ans dies« Sveise nach dem Ausland verschob. Saloarsnn. Sacharin, Spielwaren, Köster, alles das waren Gegenstände, in denen verkörpert die sürstltchen Vermögen die Grenze passierte n." Die„Sozialistische Korrespondenz" kann das Material erweitern durch Mitteilungen über weitere Schiebungen eines anderen Hohenzollernsproffen, des Prinzen Friedrich Leopold. Sie schreibt: „Vor einem Jahre hat das Preußische Finanzmini- st e r i u m in einem durch die Tatsachen nicht gerechtsertrgtcn Vertrauen aus die Anständigkeit der Gegenseite dem Prin- zen Friedrich Leopold erlaubt, eine große Menge Mc- bitten, Haushaltungsgegenstände, Tafelsilber. Porzellan usw., soweit es zur Einrichtung seines neuen damals in Lugano m- richteten Wohnsitzes nötig war, auf die Dauer van sechs Mo- naten nach der Schweiz auszuführen. Prinz Friedrich Leopold hatte die Verpflichtung übernommen, nach Ablauf dieser Frist die gesamten Gegenstände nach Deutschland zurückzubringen. Natürlich ist auch nicht ein Stück zurückgekommen, da» ganze Mobiliar befindet sich noch heute in Lugano. Statt deffen hat der Prinz durch einen Berliner Spediteur zwei weitere Möbelwagen mit wertvollem Inven- tar ohne Wissen der Regierung aus Glienicke fori- schaffen lassen. Ov sie über die Grenze geschoben worden oder wohin sie sonst gekommen sind, ist unbekannt. Endlich hat im Sommer d. Z. im Auftrage der Prinzessin Friedrich Leo- pold eine Dame ihrer Umgebung heimlich erhebliche Bestände der Silberkammrr aus Glienicke nach München gebracht, um sie dem Gewahrsam der preußischen Regierung zu entziehen und sie von dort aus ins Ausland zu sckmsfen. Da der Versuch ziem- lich ungeschickt angestellt wurde, sind die Wcrtgezenstände in München von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden." Allmählich wird auch Näheres bekannt über die Helfer Grußers, die ihm bei seinem Treiben zur Seite standen. In erster Linie wird ein gewiffer Böhme genannt, ein geborener Sachse. der aber sein etwas mongollsckies Aussehen benutzte, um sich alz einen Chinesen auszugeben. Er leistete sich sogar Visitenkarten mit dem Namen Pi-Mau. Mit ihm arbeiteten gemeinsam ein Regierungsrat A. Meyer und ein Herr von Adel, Herr von Fischherz. Die Hohenzollern haben doch ein Schweineglück. Nachdem sie ihr wertvolles Leben in Sicherheit gebracht hatten, setzten sie alle Kräfte daran, Vermögen und Vermögenswerte mitgehen zu heißen. Während sich rechtssozialistische preußisch« Minister bemühen, ihnen auf sozusagen rechtlichem Wege einen großen Teil ihres durch Ausplünderung des preußischen Volkes zusammengerafften Vermögens zuzuschanzen, stehen ihnen ge- übte Schieber zur Verfügung, um den Rest auf anderem, weniger „rechtlichem" Wege in Sicherheit zu bringen. Ileberoll finden sie auch heute noch Lakaien und— Vertrauen bei preußischen Finanzministern, allerdings„durch die Tatfachen nicht gerecht- fertigt", wie die S. K. sich ausdrückt. Wenn es so weiter geht, dann wird hier eine neue stinkende Kloake aufgedeckt wer- den, die kennzeichnend ist für die moralische Mentalität der vor- nehmen bürgerlichen Gesellschaft, nicht nur der paar Hohenzollern- sprößlinge allein. Eben dieser Vcrfilzung der ganzen Sippschaft wegen besteht di: Gefahr, daß Vertuschungsversuche ein- setzen werden, um das Bekanntwerden dieser Lorgänge in ihrem ganzew Umfange zu verhüten. E» wird notwendig sein, den mit der Untersuchung betrauten Beamten genau auf die Finger zu sehen. Die bürgerliche Presse zeigt sehr wenig Neigung, sich dieser Pflicht gegenüber der Oeffentlichkcit zu unterziehen. Die liberale Presse ist gräßlich verlegen und die reaktionäre Presse tobt. Nur in der Arbeiterschaft findet sich jenes sittliche Niveau, von dem aus diese Vorgänge in ihrer vollen Bedeutung gewürdigt werden können. Gruhev in Amsterdam TU. Amsterdam. IS. November. Wie der Amsterdamer Berichterstatter der„Telegraphen-Union" aus zuverlässigen BLrsenkreiseii erfährt, wohnt der flüchtig« Berliner Bankier Grußer in einem der vornehmsten Viertel Amsterdams. Prinz Joachim von Preußen war auf der Heimreise von seinem Besuch in Doorn kurz vor seinem Tode inkognito nach Amsterdam gereist und hatte hifst eine lange Unter» redung mit Grußer. Tim neuen belgischen Ministerium sind die Sozialisten durch Vandervelde sIustiz), D e st r e e lKunst und Wissenschaft), Wanter» sJndustrie, Arbeit und Verpflegung) und A n> e e l e söffentlichr Arbeiten) vertreten. Moral erster und zweiter Klasse Zweierlei Moralanfchauungen machen sich bei den Besol- dungssragen im Hauptausschuß der Preußenversammlung gel- tend. Die Kinderbeihilfen sollen gezahlt werden für eheliche Kinder„und für ehelich erklärte, auch an solche, die an Kindes Statt angenommen sind. Ferner steht die Vorlage die Hilfe für uneheliche vor. Bei den ersten drei Kategorien einigte man sich schnell, aber bei der letzten Gruppe platzten die bürgerlichen und sozialistischen Anschauungen aufeinander. Vom Zentrum und der Rechten wurde geltend gemacht, daß ein« I unverheiratete Lehrerin mit einem Kind unter keinen Umständen Lehrerin bleiben könne, und deshalb mußte di« vorgesehene Beihilfe gestrichen werden. Sie sogar g e s e, l i w festzuiegen, ginge nicht an. Dasselbe gelte auch für die Lehrer. Sie sollen nicht nur lehren, sondern auch erzieherisch wirken. Wenn der Beamtenbesoldungsausschuß gleichwohl die Beihilfen de« schlössen habe, so sei zu sagen, was der Beamte sich leisten könne» dürfe die Lehrerin noch lange nicht tun. Von sozialistischer Seite wurde auf die doppelte Moral hinge- wiesen und auf die sittlichen Defeckte der Offiziere alter Zeck. Herr H o l l m a n n-Lichtenberg fragte, ob es wahr sen daß in Lichtenberg eine Lehrerin ins Amt gekommen fei, die einen erwachsenen Sohn habe. Schrecklich! Schließlich wurden die Beihilfen für un- eheliche Kinder mit lZ gegen 16 Stimmen gestrichen, auger den beiden sozialistischen Parteien stimmten nur der Demolral K i m p e l für Beibehaltung. Die irische Frage Vorschläge der Arbeiterschaft zu ihrer Lösung Die irischen Eisenbahner kündigen an, daß sie den Eisen« babnoerkehr e i n st e l l e n werden, weil sie sich weigern, Polizei« Mannschaften. Militär und Munition zu befördern, die zur Unter- drückung der irischen Bewegung bestimmt sind. Eine Kons«« rcnz der Arbeiter von Südirland beschäftigte sich mn dieser Angelegenheit und beschloß, es den Eisenbahnern zu über- lassen, die Haltung einzunehmen, die sie für notwendig er- achten. Auch verpslichtete sich die Konferenz, die Eisenbahner nach Möglichkeit zu u n t e r st ü tz e n. Im übrigen werden die Arbeiter ihre bisherige Politik beib«« halte». Die Konferenz sprach sich für die Zurückziehung der eng«' schen Truppen und die Einberufung einer k o n st i t u i e r e n- den Versammlung aus, die nach den Grundsätzen der freien. geheimen und Verhältniswahl gewählt werden soll. Diese Ver« sammlung soll dann eine Verfassung ausarbeiten.� Die irische Arbeiterkonferenz hat sich da mit den Vorschlägen d« englischen Arbeiterpartei zur Lösung der irische» Frage angeschlossen. Die Grundlagen auch dieser Vorschläge ve- stehen in folgenden Punkten: �»«.•-- 1. Irland wird von den Truppen gerSumt; T tSs wird«in« noch den Grundsätzen der Gleichberechtigung gehalten« verfassunggebende Versammlung zusammen berufen. 8. Die*. fassunggebende Versammlung stellt einen� Grundsatz welcher zwei Bedingungen erfüllen muß. nämlich Schutz. Minderheiten und Ausschaltung der Möglichkeit, daß rorw Irland eine Bedrohung zu Lande-der zur See entsteht. Zu Mitgliedern des Ausschusses, der in Irland an Or und Stelle eine U n t e r f u ch u n g der Lage vornehmen sott, i,° die britische Arbeiterpartei Henderson. Lawfon u. a. stimmt. Der Ausschuß wird von militärischen Ratgebern w gleitet sein. SLdjlawijcher NationaNsmuv. In Belgrad wurde na� Protestversammlungen gegen den Vertrag von SaNt° Margberita der ZMnisterratspalast von einer mehr als if'. sendköpfige« Menge angegriffen, und vielfach beschädig Ein Zug gegen die italienische Gesandtschaft wurde durch NiiliM verhindert. Dabei wurden mehrere Schüsse abgegeben und fu»' Personen schwer verletzt.— Der Nationalismus hat überall da gleich« Gesicht. Ihm ist nichts gelegen an der friedttchen R-i.- lung strittiger Kagen, die natürlich immer beiderseckig Ei. schränkungen auferlegt. Trotz dieser nationalistischen Aussack tungen, denen ähnliche von italienischer Seite entgegenstehe> Kein» das Abkommen von Santa Maraherita. über das wir ! Tage berichteten, gesichert. Der italienische Ministerrat gen» migte nach Erklärungen Eiolittis über das Abkommen einen fetzeniwurf, der das Abkommen ratifiziert und die Angl derung der Italien zugesprochenen Gebiete kundgibt. Schlachthof Bon M«x Dort». � Früh um drei Uhr gehen wir durch nachtblauen Nebel. Di« Gsife liegt aus dem Buckel wie ein verreckter Hund: ihre grauen Häuserblocks sind wie aufgeblasene Kadaverbäuche. Wenn wir über die schwarz« Brücke gehen, dann sehen wir unten den siich- grauen Fluß wie ein Urweltrcplil im Schlaf liegen. Eigenartig ist dieses fischgrane'Riesenreptil: es hat leuchtende Bauchwarzen. Könnten da? nicht Mutterwarzen sein? Die Laternen der User- promenade täuschen uns mit ihrem Widerschein die rotgelb leuch- tenden Bauchwarzen im schlafenden sischgrauen Fluß. Wenn wir Metzgergcsellen früh um drei Uhr durch nachtblauen Nebel zum Schlachthof der Großstadt gehen, dann ist uns eigen- artig zu Mute. Wir sind wie herausgewlrbelt aus der menschlichen Gesellschaft. Brüllt im Hafen die Sirene eines mit der Flut früh abfahrenden Dampfers auf. dann hallt es in unser Herz wie der Hohnschrci glücksrcssender Rachtungehcuer. Wir sind früh um drei Uhr verängstigte Menschen. Unser Beruf weckt einen leisen und doch eindringlichen Abscheu in uns. Vor wem? Vor was? Das ist schwer zu sagen! Und doch ist ein Ekelgefühl da. Sprachtos schreiten wir nebeneinander her. Unsere Schrick« hämmern schallend die dunklen Häuserfronten. Verhängte Schaufenster sind wie Gewölk vor dem Mond. Und Eimer und Kasten mit Kehricht und ockergrauer Asche stehen am Rande her Trottoirs. Abfall! Letzte Reste! Wir gehen mitten hindurch. Und ein kleines Neidgesühl steht in unseren Herzen»ruf. W-n beneiden wir? Die Schlafenden. Alle die Schlafenden, denen der melancholische nachtblaue Novembernebel nichts anhaben kann. Dieser blaue Nachtnebcl ist giftig. Es gibt schöne, hortensienblaue, dustige Frühnebel: ini Mai. im Juni! Es gibt sanfte, adendfromme. fliederblaue Nebel, die sich schönfaltia als Nachtgewand inn den tofigen Körper der schlafengehenden Jungfrau Sonne schmiegen! elder dies« gttickweckcnden Vlaunebel haben nichts gemein mit den nachtblauen Novembernebcl.r. Sie sind säureblau l Sie sind blau- ätzend! Ä« sind scharf wie Znjektionsnadeln. Solches Fühlen geht durch unser Menschsein: wenn wir Metzger- gesellen früh um drei Uhr zum Schlachthof gehen! Und dann sind wir da! Hohe Gittertore haben un» herein- gelassen. Große glänzende Skachtenlen fliegen wie schreckzuckende Bogenlampen über die klebrigseuchten, leicht gewölbten Straßen im Sihlochthbfbezirk... Es gibt hier hunderte Gebäude. Kühlhäuser. Verarbeitung»- Häuser. Häuser— aus denen angstgetragenes, trauriges Gebrüll herausquillt: es ist kein Vorwurf-- aber irgendetwas in un» ahnt die Not dieies angstgetragenen Gebrülls der weißgrau- dampfenden Schlachttier«. Wir stehen schon im Kittel: fchmalliniert ist er: blau und weiß! Dumpf poltern di« Schläge/ Stirnknochen krachen. Di« Tiere fallen. Co stürzt eine Lawine zu Tal. So legt sich ein abge- sprengt» Felsblock ächzend auf die Seit«. Dann blitzen di« Messer. Seilrollen kreischen. Wasser plätschert. Acxtc sagen kurze schneidende Seufzer» wenn starte Hände sie auf die blutiibcrsvülten großen Schlachttische werfen, die wie riesige Hobelbänke erner Großschreinerei anmuten. Jetzt hängen die Tiere. Widerlicher Geruch umballt un». Wir sind naß. Bis über di« Knie hin mit Wasser und Bl»t durch- feuchtet. Der Schweiß, der uns heiß auf Buckel und Brust glühte — wird kalt--- ein Schauer weht über unseren Körper-- und doch empfinden wir nun das erste Elücksgefühl dieses frühen Arbeitmorgens. Die schlimmste Arbeit liegt hinter uns— wir haben etwas geschafft: etwas— das uns unangenehm ist: das ober den vielen hunderttausend Wohnern dies» Großstadt Nah- rung und Leben und tausendfache Arbeitsmcglichkcit gibt. Wir stihten: unser Werk ist Notwendigkeit! Wir fühlen: das muß ein! Und wir fühlen— klar und deutlich: das menschliche Wirt- chaftsleben ist ein ungeheures Radgezähn! Wir sind ein wichtiges Glied im Uhrwerk unserer Wirtschaft. Frühstück! Das schmeckt. Mit unseren großen blanken Messern hacken wir uns einen Fetzen Fleisch klein. Eine Zwiebel dazu! Und die Lehrbuben reichen katzenschwarzen, hundsgrau dampfen- den Kaffee. Arbeit lohnt! Es ist Tag geworden. Wir stehen nun in frischen, weißen Schürzen an den Zerlegtischen. Viele hundert Ochsenviertcl und Schweinehälften müssen zerteilt werden. Die Messer rutschen: sie bläntern wie Kurbelwirbeln im Maschinenraum eines Schnell- dampsers. Schlachierkuhrwerle fahren vor. Es wird aufgeladen. Und kommt die Hausfrau um zehn Uhr in den Metzgerladen: dann liegt die granatrote Handelsware appetitlich vor ihr. Handels- war« hat nichts Tierisches mehr an sich. Sie ist Nahrung! Wenn wir heimkehren, schmeckt uns ein Schnaps. Oder auch zwei! Die Stadt lebt nun. Sie donnert mit nervösen Auf- wallungen, wie die Brandung des Meeres an den roten Granit- felfen der grünen Insel Irland. Die Stadt wirbelt sich durchein- ander, wie der Sprühgischt der glasweißen Brandungswogen. Die Stadt lebt. Die Stadt zeugt. Die Stadt schöpft. Hunderttausend. fache Regung geht durch ihren nervösen und eilzitternden Körper. Dl« Stadt ist wie ein wogende? Meer, und einige ihrer Tropfen sind auch wir. die frühaufstehenden Metzgergesellen! „Die spanische Nachtigall" Fritz) Masfary ist die„spanische Nachtigall" der neuen Operette von L e o F a l l im B e r l i n c r T h e a t e r. Man pfeift auf die fpottschlechten Terthudeleien der„Hausdichter" Schanzer und Welisch, man läßt sich die gut instrumentiertc und spanisch- rhythmisierte Musik Leo Fall? gefallen und man bewundert die immer aufs neue sich offenbarende künstlerische Meisterschaft de: Fritzi Massary, die im Singen und Spielen, Schreiten und -i-anzen alles, aber auch alles üoerstrahlt. Sie brauchte nicht erst in diesem operettenhaften Gemisch von spanischem Zeitungsmädel. Gassenbübin und Chansonette mit ihrer Verliebtheit, ihrem Stolz und ihrer Verachtung den glänzenden Nachweis und das Probe- stück zu liefern, daß sie die„Carmen" von Bizet und Morimö ist, mit der jedes Opernhaus sich glücklich schätzen dürfte. Mit Hans Was) mann, der ihr als verkrachtes Theatergenie,«in sehr humorvoll charakterisierender Gegenspieler war lmanchmal fast ein o gerne schliddert. Emmy Sturm und Julius Brandt � orgten ihm besonder» den..Affentrott" sehr zu Dank. Als tenost' tischer Liebhaber kam in einer bläßlichen Rolle der stimmbegatss Erik Wirl diesmal nicht übermäßig zur Geltung. Aber dv Abend lcbt ja auch„nur" von der Massary. B. Die Volksbühne teilt uns mit: Diejenigen Mitglieder de* Voltsbühne, die infolge des Clektrikerstreikes um ihre Vorstellung gekommen sind, werden, soweit eine Nachholung der Vorstellung möglich ist. rechtzeitig durch Karten benachrichtigt werden. Wen» die Vorstellung nicht nachgeholt werden kann, behalten bereits!)«* klebte Marken für die nächste Vorstellung gleichen Betrags Gültig ieit. Die am 6. November im Staatlichen Schaufpielha»» ausgefallene Borstellung der Jugcndoolksbühne wird am Sonn' abend, den 27. November nachgeholt. Di« gelösten Karten b«« halten ihre Gültigkeit. � Im Central Ti ea-er. Alt« Jakobstraße, kommt Sonnabend un° Mittwoch nachmittag das Märchen„Firlefanz" von Efl»» H. Straßburger und Albrecht Brandt, Musik von Camilla HiO>� brand, zur Aufführung. Allabendlich:„Frau Bärbel". Das Deutscht KUnftler-Theater bereitet für Anfang DezcniM' die Aufführung eines Meihnachtsfpieles für Kinder u»» Erwachsene vor. Zur Darstellung gelangt Max Iungnick«>. Märchenspiel in 6 Bildern«Fttzlisitz der Himmel» schneide r". Im Lazarett Don Karl Kukutsch, SchwerkrieosdeschSdigter(j. Zt. sonlazarett Potsdam). Krankensaal. Arzt und Schwester, Warter,— Kranke, Kranke, Kranke. Zwischen Kissen hingewühlt, Liegen K»ochen, Knapp umgeben noch von Fleisch. Und das Fleisch gehört den Menschen, Die vorm Kriege noch so blühend, Angestaunt von den Verwandten, Ohne Wirren, sich nicht mühend, Sprangen, liefen, sangen. Heute, Eeisterbleich und voller Falten, Ohne Ausdruck das Gesicht, Liegt das Auge tief Und blau umrändert. « Und die Finger krampfen sich. Manche winden sich in Schmerzen» Stöhnend, keuchend, blutend. � Voller Sehnsucht sind die Herzen Nach Erlösung und die Seele schreit. Medizingeruch und Auswurf Füllt des Zimmers Atmosphäre, Und der Blick der Kranken Geht ins Dunkle und ins Leere..., Die Münzstraße als Sprengkolonne Die Masken fallen Wir haben das Vergnügen folgendes Dokument veröffent- l'chen zu können: Rundschreiben der geiverkschaftttche« Kommisston W. E. Der Parteitag hat beschlossen, dah drei Tage vor Stattfinden des Ei n i g u n g»- P a r t e i t a g e s mit der linken ll. S. P. D. eine Konferenz der in den Gewerkschaften und in den Betriebs- raten an hervorragender Stelle tätigen Genossen stattfinden soll. Auf dieser Konferenz soll Stellung genommen werden t. zu den Aufgaben der Gewerkschaften. Was haben die K o m m u n i st e n in den Gewerkschaften zu tun? l. Zu der Organisierung der kommunistischen Propagandatätig- keit in den Gewerkschaften. Auf Grund dieses Beschlusses des Parteitages haben wir sofort eine Verständigung mit den linken U.S. P. D.- G e- nassen, die auf diesem Gebiete tätig sind, herbeigeführt und find zu voller Uebereinstimmung über die Abhaltung der beschlossenen Tagung und der dort zu behandelnden Themen ge- kommen. Die Konserenz findet vorausfichtlich am ZV. November und 1. Dezember statt. An der Konferenz sollen teilnehmen: 1. aus jedem Zentralverband der deutschen Eewerkschaf- ten und aus der auf dem Boden der dritten Internationale stehenden Unionen mindestens je ein Vertreter; 2. aus jedem Parteibezirk mindestens ein Kommunist und ein Genosse von der linken U. S. P. D. Die Vertreter aus den Zentralverbänden sollen den Kern für zu bildende Nelchs» sraktionen abgeben. Die Vertreter aus den Bezirken sollen die Zusammenfassung der kommunistischen Propaganda in den Gewerlschastcn innerhalb der Partcibezirke übernehmen. Die Vezirkssekretariate müssen sich umgehend nach einem tüchtigen Genossen umschauen, dem man diese Arbeit an- vertrauen kann. Dieser Genosse soll delegiert werden. Desgleichen ist zu verfahren bei der Delegation von Genossen, die in den Be- triebs röten tätig find. Für die gewerkschaftliche Tätigkeit werden sich am besten Angestellte der Gewerkschaften eignen, weil diese die meiste Erfahrung und Zeit für diesen Zweck haben. Die Genossen müssen aber absolut zuverlässig sein. Die Adres- sen der ausersehenen Genossen(es können mehrere sein) sind spä- testens bis 20. November an die Gewerkschaftszentrale, Berlin, Münzstr. 24, einzusenden. Die Einladung zu, der Konferenz er- geht an die Genossen direkt. Die Finanzierung der Delegation sollte nach Möglich- keit im Bezirk vorgenommen werden, damit die Zentrale nur im Ausnahmefall zu den Kosten beizutragen braucht. Umgehend ist in den Bezirken Umschau zu hakten nach tüchtigen Genossen, in den einzelnen Orten und in den einzelnen Organisa- tionen, die die Leitung der Fraktion übernehmen. Vor allem müs- sen alle Adressen der oppositionellen Gewerkschaften gesammelt wer- den. Diese Adressen sind an die E e w e r k s ch a f t s z e n t r a l e, Berlin. Münzstr. 24, einzusenden, damit wir dix oppofitio- nellen Elemente der einzelnen Gewerkschaften über das ganze Reich miteinander in Verbindung bringen können. Laufende, wöchentliche Berichte über das, was an oppositioneller A r b e i t in den einzelnen Gewerkschaften, in den einzelnen Orten geleistet wird, bitten wir, uns gleichzeitig zu übersenden. Der Offensive, die der Allgemeine Erwcrkschaftsbund und die Afa gegen die Kommunisten, und vor allen Dingen gegen die komm». nistischen Zellen begonnen, ist sofort gröhte Slbwehrtätigkeit unserer- seits entgegenzusetzen. Das wird nur möglich fein, wenn wir schnell alle zuverlässigen Elemente zu gemeinschaftlicher Arbeit sammeln. Die Konferenz wird Richtlinien über die Tätigkeit der«ommu- nisten in den Gewerkschaften ausstellen und dem Parteitag zur Bestätigung vorlegen, aber bis zu ihrem Zusamnientritt muh schon eine Sammlung der revolutionären Genossen stattgefunden haben, damit eine organisatorische Grundlage für eine verstärkte und einheitliche kommunistisch« Propaganda vorhanden ist. Zur Erledigung der Zentralarbeiten ist ein gemeinsame« Komitee aus drei Kommunisten und drei Linksunabhängigen gebildet worden. Mit kommunistischem Gruh. Die gewerkschaftliche Kommission der K.P.D. und U.S.P. D. Damit ist die Maske gefallen. Die Ssiunzstraße verwandelt sich in die Sprengkolonne innerhalb der Gewerkschafts- bewegung, nachdem sie ihre Rolle als Sprengkolonne inner- halb der U. S. P. D. Ende gespielt hat. Sie bleibt der ein- zigen Aufgabe, die sie sich gesteckt hat und die allein zu er- füllen sie imstande ist, treu, indem sie sich an die Spitze der Bewegung stellt, deren Ergebnis die Zerreißung der Gewerkschaftsbewegung sein wird. Unsere Ee- nossen werden sich nicht dadurch irreführen lassen, daß sich diese Gesellschaft noch immer unter Fälschung des Sachver- Halts des Namens unserer Partei bedient. Wir fordern unsere Genossen auf. diesem Zustand nicht abwartend gegen- überzustehen, sondern überall mit aller Kraft gegen die Sprengkolonne aufzutreten. Finden sie Boden, so wird ihr wüstes Treiben jede fruchtbare Gewerkschaftsarbeit in kurzer Zeit unmöglich machen und damit eine Waffe der Arbeiter- schaft zerstören, die gegenwärtig unentbehrlicher ist, denn se zuvor. Rücksichtsloser Kampf gegen diese Schädlinge ist dringendes Gebot! Ein Prozeß gegen die Freiheit Die Ermordung Hugo Hasses vor Gericht Testern fand vor der achten Strafkammer des Landgerichts l eac»>..«.x.,— ii——..—...<.. x....... Der Anklage laa folgender Sachverhalt ,ugrunde: Auf d«m Parteitag in Leiona hatte Genosse Dittmann die IusttzdeHor- den wegen ihres Verhaltens in der Mordsache Voh. d-S ders un eres CScnollcn Suao Haase, scharf angegrrnen uniei Titel„Am Schandpfahl der G-sch'chte" gaben wir diese Rede w der Abendausgabe vom Donnerstag, den 4. Dezember 4919 ausüigsweife wieder. Di- Beleidigung wurde ans d« gesamten Tendenz des Artikels, wie aus folgenden wredergegebenen Rede- wendungrn Ditlmanns, ersehen: ..Ich klage die Justizbehörden an. dah sie keine Sand gerührt baden, fest, zustellen, mit welchen Personen der Tater ,n der ietzten Zeit vor der Tat verkehrt hat. daß sie weder die �dc"- geber noch die Arbeitstollegen des Täters vernommen haben. . Ich klage die Justizbehörden an, daß sie keinerlei Nach- forichungen angestellt haben, ob der Täter vorder mit zemanoem über die Tat gesprochen hat, ob ihm die Tat suggeriert worden ist. ob ihn semand zu- oder abgeraten hat, ob Spitzel oder agsnt.« nrovoeatsiir!, aus ihn«ingewirkt haben. Ich klage die Justizbehörden an. dasi sie keine Feststellungen getrosfen haben, wann, wie und wo der Täter in den Besitz des Revolvers gekommen ist, mit dem er den Mord verübt hat. Ich klage die Justizbehörden an, das, sie nur auf Anstotz von außen her. rein formal llntersuchungsverbandlv.ngen vorgenom- inen, dah sie aus eigener Initiative aber absolut nichts zur Aufklärung der Mordtat unternommen haben." Die Sache stand im Februar dieses Jahres bereits einmal vor b»r Strafkammer des Landgerichts zur Verhandlung. Genosse Melepp ist damal« meoei,~ ................ n«--c-i-fuiiumiig. Genosse Uelepp ist damals wegen Verstoß gegen 8 l8ö Str.E.B. zu "W Mark Geldstrafe verurteilt worden. Das Reichsgericht bat °""!m Revision santrag des Staatsanwalts statt- Mben und die Sache zur nochmaligen Beratung an das Land- M zurückverwiesen.,, im?" der gestrigen Verhandlung wurde nochmals erneut in die w 6 eingestiegen.. In der vielstündigen Verhandlung wurde �.JZanze Aktenmaierial des Mörders Voh geprüft. Nach be- Beweisaufnahme erklärte der Staatsanwalt in seinem -Piardoyer, dah es dem Angeklagten resp. der Verteidigung nicht gen toi v— m— i--... ,________ mngen sei. den Beweis zu erbringen, dah dem M' �uch sei -Orb tat von anderen Petioncn �ggeriert w der Tat b« Beweis, dah die Justizbehörden bei d« � die notwendige Sorgfalt angewandt h«irG.B. erfolgen. �"urieilung müsse deshalb auch nach ��Staatsanwalt in lö®*™� Rechtsanwalt Weinberg trat dah der „"«"en Ausführungen entgegen. Awn mu,,t ��kelschmbers Huaa Haa�e ein intlmer u Nomine, daß und der Redaktion der..Freiheit" gewef'N fei- � � Jn.d*m verflossenen Jahr viele Mordtaten.. nut an die Erl"?ngesühnt begangen worden!«i«n. t-r Eisners. Ermordung Rosa Luxemburgs. Karl Liedk' w �elen ande- �ogiches. Landauer, den 42 Matrosen und d �„tei der An- Schon die Tatsache, dah der Morder Vo» muhte provo- des versuchten Totschlags gestellt Sihebung der 4'»Knb wirken. Der Einwand, dah Hugo Haas � haben. Er Anklage noch am Leben war, könne keine w Erzberger .Innere nur daran, dah z. B. der Attentater.. Mordes �schössen hat. sosort unter die Anklag« des ver,u»i »«stell, wurde.£ mlorder Doh von .Es komme hinzu, dah der Glaube, dah d«r � den Mit- ou �rmännern zu der Tat benutzt worden-. Schluß be- «U'dern der U.S. P.D. nicht auszurotten, st. � Ange- -.utragt« Rechtsanwalt Weinbert die«xr'i'prcw «»„».»Zn. betont in ,,-D«r zweite Verteidiger,«Gncsse D r. ��...i�genden Frage oÄ�laidoqer. dah es our Beurtt, ung der v°rl'°� müsse viel- U-�ltig sei. ob Los, geisteskrank ist o?"».»i,'b-hö:°en in der ST?* di« �rag« gcprun werden, ob die Iuu Z Sachoer- H.?sdsach« dz« notwendige Sorgialt zur Ani.. � ch d e n E r- Z°Us an den Tag gelegt Haben. Die!«- m u s i e n°? mer- �bnissen der Beweisausnahme vern-rn den. In dieser Sache ist mit weniger Sorgfalt von Gerichts wegen gearbeitet worden, als es sonst bei Mordsachen üblich ist. Auch könne nicht bezweifelt werden, dah die Anklage auf ver- suchten vorsätzlichen Mord lauten muhte, da, wie aus den Akten ersichtlich ist, Voh selbst angegeben hatte, dah er dem Ab- geordneten Haase zwei Tage aufgelauert hatte, um das Attentat zu vollbringen. Genosse Bönheim plädierte ebenfalls auf Frei- sprechung. da unter allen Umständen Z 193 Str.D.B. in Anwen- dung kommen müsse. Nach halbstündiger Beratung verkündete der Vorsitzende, dah das Gericht den Angeklagten für schuldig im Sinne des S 188 (U e b l e Nachrede) halte. Es sehe von einer Eefängnisstrase jedoch ab, da der Angeklagte in Wahrnebmung berechtigter Znter- essen gehandelt habe. Der Angeklagte wird deshalb zu 1599 Mark Geldstrafe und den Kosten des Verfahrens verurteilt. Der Anklagebhörde wird die Publikationsbefugnis in der „Freiheit", im„Vorwärts" und in der„Vosfischen Zeitung" zu- gesprochen. Eine verfehlte Spekulation Genosse Martow schickt uns folgende Erklärung: Erst heute erfahre ich, dah die polnische Negierungspresse mein Interview, das in der„Freiheit" vom 17. Oktober und in der „Wiener Arbeiter-Zeitung" erschienen war, dazu ausgenutzt hat, um die Politik zu rechtfertigen, die die polnische Regierung gegen« über Sowjet-Ruhland betreibt. Ich betonte in meinem Interview eine gewisse Ermüdung und Desorganisation in der„Roten Armee" und zog daraus den Schluh, dag dadurch ihre Schlagsertigkeit gelähmt sei und dah aus diesem Grunde die Sowjet-Regicrung gezwungen sein würde, auch einen für sie peinlichen Frieden zu unterzeichnen und zu h a l t e n. Im Frühjahr könne allerdings eine„Neigung zum Kampf" von neuem wahrscheinlich werden. Das gab den polnischen Blättern den gewünschten Vorwand, mich als Kronzeugen dafür zu benutzen, dah die russische Regie- rung nur eine Pause haben wolle, um nach einigen Monaten den Krieg gegen Polen erneut aufzunehmen.(„Rzeczpospolita" Rr. 218 und„Robotntk" Rr. 293.) Durch diese Darstellung ist der Sinn meiner Ausführungen völlig entstellt worden. Ich ging von der Voraussetzung aus, daß Polen es war, welches in Erfüllung seiner imperia- listischen Ziele den Angriffskrieg gegen Rußland führte und dah Polen auch in dem Rigaer Frieden nur«in« Etappe zur vollen Durchführung feiner imperialistischen Ziele er- blickt. Mit dem Hinweis darauf, dah die Rote Armee die Krifis überwinden werde, wollte ich die polnischen Rationalisten von jeder Spekulation abhalten. Gerade deshalb sprach ich davon, dah zum Frühjahr eine gröhere„Neigung zum Kampf" in der Roten Armee wieder lebendig werden könnte. Und damit wollte ich den Herren um Pilsudsky deutlich machen, daß ein neuer Marsch gegen Smoleusk, Kiew oder Moskau nicht unbestraft bleiben würde. Wie scharf ich auch die Kriegspolitik der Sowset-Regierung nach dem Rückzug der polnischen Armee aus Litauen und der Uktaine verurteilt habe, fo weiche ich doch keinen Augenblick von der Ansicht ab, doh es vor ollem von den polnischen Machthadern abhängt, ob ein dauernder Frieden zwischen den beiden Rationen zustande kommt. Zn die Wolfsschlucht! Paul Lange, einer der führenden Kommunisten, ist wegen der Meinungsverschiedenheiten über die Gewerkschaftsfrage aus der Kommunisten-Partei ausgeschieden. Dafür erhält der bis gestern über jeden Verdacht revolutionären Schwachmutes Er- haben« seinen Lohn. In einem gleichzeitig in der„Internatio- nale" und der„Roten Fahne" erschienenen Artikel seines unge- ratenen Schülers Brandler heißt es. dah Lange mit seiner Stellungnahme„theoretisch und praktisch ins Lager der Dihman», und Legten" fällt. Die Epaltungsarbeit in den Gewerkschaften werde fortgesetzt werden,„wir müssen es nun ohne ihn tun, und wenn es nicht anders geht, gegen ihn". In die kommunistische Sprache übersetzt heiht die Zusammen« werfung mit Legien und Dihmann. dgh Lange nunmehr ein ebensolcher„Konterrevolutionär" sei wie Legien. Das hätte sich Paul Lange wohl niemals träumen lassen, von feinen eigenen Freunden und Schülern mit Legien in einen Topf ge- warfen zu werden. Aber das ist nun einmal das kommunistische Rezept. Wer nicht nach der offiziellen Pfeife tanzt, mag sie auch noch so unheilvolle Töne erklingen lassen, ist„objektiv konterrevolutionär". gehörtindieWolfsschlucht! Ein Erfolg des amerikanischen Imperialismus Vauderlips Vertrag mit Sowjetrujjland Der amctifanisthc Finanzmann V a n d e r l i p ist auf der Rück- recse von Moskau nach Amerika in Stockholm eingetroffen. Der Vertrag, den er im Auftrage eines Konsortiums, bestehend aus zwölf Direktoren leitender Finanzinstitute, mit der russischen Sowjet-Regierung abgeschlossen hat. stellt sich als der größte Eeschäftsvertrag dar. der jemals getätigt wurde. In einem Aufruf, den Vanderlip an das amerikanische Volk er- läßt, erklärt er, er habe von der russischen Regierung 499 999 Quadratmeilen fdas find etwa 299 909 Quadratkilometer) des nordsibirischen Gebietes östlich des 189. Meridians ein- schließlich der Halbinsel Kamtschatka gepachtet, ein Gebiet, reich an Oelen, Kohlen und Fischen. Diese Erwerbung gebe den Vereinigten Staaten die Kontrolle der Oelver- f o r g u n g a m S t i l l e n Ozean. Ruhland werde im Laufe des Jahres 1921 in den Vereinigten Staaten Waren im Werte "J. e'J1.* 1 Milliarde Dollar kaufen, die es in Eold, Piatin, Silber und anderen Waren bezahlen werde. Große Men» gen dieser Waren lägen zur sofortigen Verschiffung bereit. Die Quantitäten, die die Vereinigten Staaten nicht aufnehmen kön- nen, werden auf die Länder Europas verteilt werden. In weni- gen Monaten werde die undurchsichtige Lage im fernen Osten, w o Japan fast eine Monopolstellung inne hatte, ge- klärt sein. Der Handel werde in normale Bahnen gelenkt sein und die Güter, die in Amerika gehäuft sind, werden von allen Hafen der pazifistischen Küste über Ostchina und die sibirischen Eisenbahnen sowohl wie über die baltischen Höfen, die Murman- küste und das Schwarze Meer Ruhland erreichen. Alle Teile der Vereinigten Staaten werden, wie Vanderlip versichert, durch diese Wiederaufnahm« der Handesbeziehungen profitieren. Von Kalifornia bis nach Maine, von Washington nach Florida werden alle Fabriken beschäftigt werden. Wir müssen diese grohe Gelegenheit ergreifen, um den Frieden und den Wieder- aufbau der Welt einzuleiten. Den Grundstein hierzu bietet die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen zwi- schen den Vereinigten Staaten und der russischen Republik. Bestätigt sich diese Meldung, so ist es Ruhland gelungen, durch diesen Vertrag, falls er die Zustimmung der amerikanischen Regie- rung erhält, den R i n g der Blockade an einer wichtigen Stelle zu durchbrechen. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß diese Durch: brechung der Blockade ihre völlige Aufhebung und die Wieder- Herstellung der Beziehungen zwischen Sowjetruhland und der kapitalistischen Umwelt folgen wird. Andererseits ist aus der Darstellung Vanderlips allein nicht ersichtlich, ob und welche Garantien sich Ruhland vorbehalten« hat, um die reichen Naturschätze Ostsibiriens nicht vollständig der kapitalistischen Ausbeutung auszuliefern. Sollte die russische Regierung auf solche Garantien verzichtet haben, fo würde der Vertrag eine Preisgabe des foziali- strichen Prinzips, eine Kapitulation vor den kapitalistischen Mächten bedeuten. Es wäre ein Glied mehr in der Kette jener Konzessionen, die die Sowjetregierung unter Preisgabe sozialisti- scher Grundsätze machen muh. um ihre politische Herrschaft zu er- halten und die Wirtschaft vor dem völligen Zusammenbruche zu bewahren.,.., Vom amerikanischen Gesichtspunkt aus gesehen, bedeutet der Vertrag eine weitere Verschärfung des Gegen sa tz e s z u I a p a n, der in der kalifornischen Einwanderersrage oeutuch genug zu Tage tritt. Denn Japan betrachtet Ostsibirren. an dessen Ostrand es sich bereits festgesetzt hat. als feine Elnsluhlphore und soll angeblich auch schon gegen den Van�erlip-Vertrag Einspruch erhoben haben. Um den Mitellandkanal. Am l«. November dieses Jahre» hat in Berlin eine erneute Verhandlung unter den am Mittel landkanal unmittelbar b-te,l,gten Landern. Preußen. Sachsen. Anhalt. Thüringen, Vraunschweig sonne Oldenburg uno Bremen staitgesundea, in der über die Beseitigung der bestehen- den Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der/ roten wurde. Die von gegenseitigem Entgegeickommcn aller Lau der getragene Verhandlung hat den Weg lur das Zustandekomnie des Kanals, soweit das bei den Landern steht, geebnet, und zwar auf der Grundlage, daß die Wasserstraßenverbindung West-Ost und der Anschluß des mitteldeutschen Fndustriegeb.etes b i s Leipzig als einheitliche» Unternehmen behandelt wird. Die Arbeiten am Main— Donau-Kanal. Mit den Bauarbeiten an den Strecken des Main— Donau-Kanals am Main und an der Donau wild nunmehr begonnen werden. Schon ,n°ll«naq,l-r Zeit werden zwei Staustufen zwischen Knetzgau und Bamberg»n Angriff genommen; die Erunderwerbsverhandlungen sind einge leitet. Auch bei Würzhurg und Aichaffonburg sind Norarbeiten im Gang«; an der Donau sind bei Deggendorf die Niederwasser- regulierungen auf den Versuchsstrecken schon eingeleitet. Unterzeichnung der Tanztqcr Konvention durch Polen. P a- d c r e w f k i Haiden Vertrag zwischen Polen und der Stadt Dan- Zig unterzeichnet... �« Die Neuordnung in Griechenland. Der Entente, besonders Eng- land und Frankreich, ist das griechische Wahlergebnis äußerst unangenehm. Aus ihren Druck hin wurde wahrend des Krie- ges König Konstantin feines Thrones verlustig erklart und Vem- zelos herrschte seitdem ziemlich unbeschränkt. Serne Herrschast'st ollerdings nicht ohne äußeren Erfolg für Griechenland geblieben. Er hat das ersehnte„Groh-Griechenland" geschafsen. Aber er Y°t auch ein politisches Gewaltregiment mit allen Mitteln des u.er- rors ausgeübt, das ihm nur das Genick gebrochen hcU.— unstst land und Frankreich beraten sich nun. wie man sich schicklich au» der Affäre zieht. Nach den bisherigen Meldungen icheint es, als ob man gegen die Rückkehr König Konstantins formell protestteren, der Wahl des Kronprinzen Georg aber kein Hindernis eatgeg« setzen wird, außer„ernstlichen Garantien".— Der neue Minist«- Präsident R h a l l l s hat dem Regenten den E,d gelastet und hierauf den R ü ck t r i t t d e s R e g e n t e n verlangt. Die am>e- ren Kabinettsmitglieder werden der Königin Olga ven i.io leisten. Nchtzehnmonatig« Dienstzeit in Frankreich. Zwischen der R«. aierung und den Militärchcfs ist eine endgültige �b�stimmuna bezüglich des Prinzips der achtzehnmonatigen Dienstzett erzteit worden. Der Zeitpunkt des Inkrafttretens des neuen Gesetzes wird noch festgesetzt Sin Zeichen de.«ultuefortschritte«. Au« New Park wird g«. meldet, dah fortan jeder amerikanische Soldat mlt Eiftgasen ausgerüstet fein wird ! Groß-Berlin ......... r ■M tUiSU Eine Kohlendebatte hatt« di« gestrige Sitzung der Stadtverordneten aus Zlnlatz eines Antrages Weyl und Genossen, beim Reichskohlenkommissar dahin ÜU wirken, da» die Lieferung von Kohlen an Bars und Dielen unterbleibe. Der Antrag gab Genossen Uhrich Gelegenheit, die Notwendigkeit der Defchaffuna von Strom siir die Berliner Industrie durch rationelle Einrichtungen grotz�ügiger Art in die Wege zu leiten. Uhrich geitzelte die Kohlenverschwendung in dem grossen Bars und Dielen in einer Zeit, wo Tausende von Familien daheim in kalter. Stube sitzen mutzten. Es gehe nicht an. länger zuzusehen. wie die Schlemmer und Prasser in warmen Lokalen sitzen und arme Leute sich kaum ihr Mittagessen bereiten können. Die bür- gerlichen Parteien versprechen sich von der Annahme des Antrages keinen Erfolg, nur ein« Rednerin wollte die Kinos mitgetroffen wissen. Schmidt von den Neukommunisten verlangt« energisches Zu- areifen. Eine Berteilungsoraanisation miiss« geschaffen werden, in der die Betriebsräte der Kohlenstelle, die Gewerkschaften und die Stadtverordneten vertreten sein sollen. Auch müsse die Zwangseinquartierung in grosse Wohnungen mit Energie betrieben werden. Stadtrat Korten: Es mutz so schnell wie möglich geprüft werden, ob vom Leunawerk und von Heegermühle-Eberswalde noch Strom nach Berlin geholl werden kann. Dazu müsse man dw Deputation schleunigst einsetzen. Die Bekämpfung des Dielen- Wesens werde auf diese Weise nicht erreicht. -Bon den Stadtverordneten Dörr und Gen. sNeukomm.) wurde ein sechs Punkt« umfassender Antrag gestellt, der den Antrag Weyl noch wesentlich erweitert wissen wollt«. -■ Schliesslich wurde die Angelegenheit mit sämtlichen dazu ein- gegangenen Anträgen einem Ausschüsse überwiesen. ' Bau der Nord-Süd-Bahn««d eigene Regie Die städtisch« Tiesbaudeputation beschäftigte sich gestern mit der Vergebung des Lose» VH der Nord-Südbahn. Die Aus-' schrcibung hatte Preise ergeben, die nach Berechnungen des Bau- amtcg ausserordentlich hohe waren und über die tatsächlichen Kosten in ausserordentlichem Mass« hinausgingen. Aus diesem Grund« wurde zunächst ersucht, nach Aufhebung der Submission in persönliche Verhandlungen mit einzelnen Unternehmern zu treten, die zwar Herabminderungen der Angebot« um y, Million zur Folge hatten, aber es blieben immer noch Preis« übrig, die verhältnismässig hohe Gewinn« für die Unternehmer in sich schlos- seit. Aug diesem Grunde wurde der Frage nähergetreten, ob die Ausführung dieses Loses nicht doch in eigener Regie möglich wäre. Schwierigkeiten bestehen darin,, dah bei Ausführung der Arbeit in eigener Regie die Arbeiter nach den gültigen Ma- gistratsbefchlüssen die Löhne nach den geltenden Gemeinde- arbeitertarife erhalten müssten, während im vorliegenden Falle die Arbeiter die Facharbeilertarif« erhalten müssen, die sie auch heute schon von den Privatunternehmern erhalten. Dann müss- ten grosse Anschaffungen gemacht werden, die bei dem einen Lose nicht in kurzer Zeit abgeschrieben werden könnten. Trotz aller dieser Bedenken steht doch andererseits der Vorteil entgegen, daß die Stadt bei Ausführung der Arbeit in eigener Regie der schwierigen Verhandlungen enthoben sei, die bei den dauernd erhobenen Nachforderungen der Unternehmer entstehen. Nach alledem beschloss die Ttefbaudeputation mit 5 gegen 4 Stimmen, dem Magistrat vorzuschlagen, die Ausführung der Arbeit in«ige- ner Regte zu befchliehen. Allerdings muh der btsherig« Be» Mutz des Magistrat» aufgehoben«erden, wonach die Fach- arbeitertarife nicht berücksichtigt werden könnten. Der alt« Ma- gistrat, der gestern noch mit der Sache befaßt wurde, beschloß in Rücksicht aus dt« grosse Bedeutung der Sache, dieselbe an den Gross-Berliner Magistrat zu verweisen. Verwaltung»»«, tri 1». Sonnabend.« Uhr. Delegsertenkonferenz iin Sitzungssaal des Pankower Rathauses. Die Bezirksverord- neten treffen sich ein« Stund« früher Zimmer 17. Für Schwerhörige veranstaltet da» Pslegeamt für die wissen- chafiliche Weiterbildung der Schwerhörigen in der Urania, am Sonntag, den 21. November, vormittags 11 Uhr, einen Licht- bildervortrag über„Aegypten und der Nil". Die gesvrochenen Borte werden den Schwerhörigen durch einen elektrischen Viel- ,örer klar verständlich übermittelt. Am Leichenschauhaus««»schösse« hat stch gestern nachmittag et« unacr Mann von etwa 2« bi, 25 Jahren, dessen Persönlichkeit 'om festgestellt werden mutz. Er hätte ein« Kraftdroschke ge- iommen zu einer letzten Fahrt, die ihn nach der Luisen- und Kannooerschen Straß« führt«. In der Näh« des Schauhauses erschoß Generalversammlungsdelegierte des Deutschen Metallarbeiterverbandes Sonnabend, den 20. d. nachmittags 3 Uhr. in der Schulaula. Koppenplatz 12, Zusammenkunft aller Delegierten, welche auf dem Boden der U. S. P. D.(Crispien-Ledebonr) stehen. Tagesordnung: Die letzten Vorgänge im Deutschen Metallarbeiterverband. Partei- und Eewerkschaftsausweis legitimieren. Bezirksverband Berlin-Brandenburg U. S. P. D. Der geschäftsführcnde Ausschuh. I. A.: F r i tz S ch n e i d e r. er stch im Wagen. Der Führer, der den Knall hörte, fand seinen § ahrgast schon tot auf und bracht« die Leiche gleich nach dem chauhause.— Erschossen hat sich ebenfalls die 22 Jahre alte Wirtschafterin Hedwig Krebs aus der Elisatethstratze 57-Stz. Sie griff aus unbekannten Gründen in ihrer Wohnung zur Browning- pistole.— Zu dem vermeintlichen Selbstmord eines Fünfzehn- jährigen teilt uns der Vormund des Kaufmannslehrlings Fritz K. mit, daß sich der junge Mann, der in seiner Wohnung mit Gas vergiftet tot aufgefunden wurde, entgegen der ursprünglichen irr- tümlichen Annahme, keiner Unterschlagung schuldig gemacht hat. Der Verstorbene kann nur das Opfer eines Unglücks geworden sein. BolksbUdungoamt Neukölln. Am Sonntag, den 21. November 1320, abends 7 Uhr. wird die Vereinigung des Kirchen-Thors der Kaiier-Wilhelm-Eedächtniskirche unter Leitung des Musikdirektors Kießlich«in Konzert in der Aula der Realschule bringen Auch der Baritonist Karl Burckhard hat seine Mitwirkung zugesagt. Eintrittskarten zum Preise von 2 M. sind bei den durch Säulen- anschlag bekannt gegebenen Verkaufsstellen, im Bureau des Volks- bildungsamtes. Zimmer 218 des Neuköllner Rathauses und. so- weit vorhanden, an der Abendkasse erhältlich. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Sonn« abend. Zeitweise neblig, sonst größtenteils trocken und vielfach heiter, aber kühl bei mäßigen südöstlichen Winden. !?: Gewerkschaftliches Reichskongreh der Erwerbslosenräte In der Schlußsitzung des Kongresses berichtete die nach dem Neichsarbeitsministerium entsandte Delega- t i o n über die dort gepflegten Verhandlungen. Die Forderun- gen seien abgelehnt worden. In die Eeschäftsleitung des Reichsausschusses wurden Müller, Reinicke, Krisp,©riinle und Schönwald gewählt, de- neu ein Aktionsausschuh von 12 Mitgliedern aus allen Teilen des Reiches zur Seite steht. Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten wurde der Kongreß geschlossen. Geueralversammlung der Staats« und Gemeinde« arbeite» Di« Generalversammluna der Staat»- und Gemeindearbeiter am verganaenen Mittwoch, befaßt« sich eingehend nochmal» mit dem Schiedsspruch de» Einigungsamtes. Polensk« schildert« ein- gehend die verschtedenen Stadien der Bewegung und fordert« zum Schlüsse Anerkennung des Schiedsspruches unter gleichzeittger For- deruna neuer Verhandlungen. In der anschliessenden regen Aussprache teilte«tn Vertreter der Angestellten mit. daß die Funktionäre der Angestellten die Ablehnung des Schiedsspruches forderten, denn die Angestellten könnten wegen 20 Pfennig Zulage nicht das Odium auf sich laden, daß sie daran schuld seien, daß Wasser. Gas, Elektrizität usw. ver- tcuert würden. Ein Vertreter der Straßenbahner be- richtete, dah auch die Straßenbahner den Schiedsspruch ablehnen mühten. Im weiteren Verlaufe der Debatte wurde scharfe Kritik an dem Schiedsspruch, besonders an der Staffelung der Zulagen geübt. Schließlich wurde beschlossen, auf der Grundlage de» Entwurfes zum 6. Lvbntarif beschleunigt neu« Verhandlungen zu fordern. Privatwächter! Dt« Privatwachter haben beschlossen, überall da, wo bis Sonn- abend, den 20. November nicht der Tarifvertrag, der mit dem Verband der Geschäfts» und Industriehausbesitzer und dem Deut- schen Transportarbeiter-Verband(Sektion Vll) abgeschloss'n ist, nicht innegehalten wird, tn den Streik zu treten. Der Tariflohn beträgt rückwirkend ab 1. Oktober für Wächker ohne Kontrollstation 705 M. pro Monat— 183,50 M. pro Woche, mu Kontrollstation 830 M. pro Monat— 193,50 M. pro Woche.. Ausserdem ist eine Kinderbeihilfe von 6 M. pro Woche zu gewich' l ren. Die Arbeitszeit für Privatwächter beträgt laut Verem« barung 48 Stunden pro Woche. Das Zentral st reikburean befindet sich bei Wege ner, Seydesstr. 30. Alle streikenden Wächter Groß-Verlins mewe» sich zwecks Information am Montag, den 22. November, im Zei" tralftreikbureau, Seydelstr. 30. morgens 10 Uhr. Die Branchenleitung der Privatwächter Berlin W. 02, Bayreuth» Strosse 31. I. A.: Karl Leube. Eifenbahnerverband. Am Donnerstag, den 11. November, fanö in der Neuen Welt. Hasenhcide, die Generalversammlung d» Ortsgruppe Gross-Berlin des Deutschen Eisenbahner-Verbaiw» statt. Nach Erledigung des Geschäftsberichtes wurde zur Schal' jung eines neuen Ortsstatutes Stellung genommen und gelangt der vorgelegte Entwurf mit nur kleinen Aenderungen zur um nähme, ebenso einige andere Anträge. Eine geraume Zeit nayw die Behandlung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Eisenbahn- in Anspruch. Folgende Resolution gelangte zur Annahme: „Die am 11. November 1920 in der Neuen Welt, Kasenheidt, tagende Generalversammlung des Deutschen Eisenbahner-Ver�ban' des der Ortsgruppe Eroß-Berlin weist den Vorwurf— die qau'' heit, die hoben Löhne und Gehälter der Eisenbahner seien Schul« an dem Defizit der Eisenbahn— mit Entrüstupg zurück. Die©° neralversammlung verkennt nicht die tatsächliche schwierige Lag«- in welcher sich das Reich befindet. Die Eisenbahner aber warca stets bereit, das Reich vor schweren Erschütterungen zu bewahre» trotz ihrer eigenen trostlosen wirtschaftlichen Lage. Die General' Versammlung bedauert umsomchr, dag die Regierung den jetzige» wahnsinnigen Preissteigerungen nicht Einhalt 6� bietet. War bis dahin die Lage der Eisenbahner trostlos, so mu? diese grenzenlose Verteuerung der Lebensmittel zur Katastropo- führen. Die Allgemeinheit aber hat das Recht, einen sichereid zuverlässigen?'ehr zu verlangen, dieser kann aber von ein»» einigermaßen i zenloien Personal gestellt werden. Die Genera Versammlung fordert deshalb von ihrem Kauptvorst«"'� dag unverzüglich bei der Regierung vorstellig wird, s ein sofort auszuzahlenden Wirtschaftsbeihilfe.. Die Volksvertretung und die gesamte Oeffentlichkeit aber e- suchen wir, nicht achtlos an unserer berechtigten For rung vorüber zu gehen. Die Eisenbahner erwarten bestimmt>? Unterstützung." Bauarbeiter! Die Funktionäre des Deutschen Bauarbeit»' Verbandes, Bezirksverein Berlin, haben— einer Anregung v Vereinsvorstandes folgend— einstimmig besc'' ssen, den A- beitslosen eine Weihnachtsunterst jung zu g« währen. Zu diesem Zwecke wird eine Sammlung unter v" arbeitenden Mitgliedern vorgenommen, deren Ertrag den arbe'i' losen Kollegen zugute kommen soll. Sammellisten sow,e sprechende Marken zum Preise von 3 Mk. sind bereits an die triebsobleute zur Ausgabe gelangt. Mitglieder, die vereinze tt Arbeitsstellen beschäftigt sind können diesbezügliche W' stützungsmarken beim Vereinskassterer Kollegen er Engelufer 15, Zimmer 55, sowie beim Bezirks- bzw. Jrnuskalll' erhalten. Es wird erwartet, daß i-des arbeitende Verbands glied zur Unterstützung der Arbeitslosen beisteuert. Der vorstand des Deutschen Bauarbeiterverbandes. Verein Berlin. Aus den Organisationen 1.»ift-m. 1. nnb t. IttietlOTg.-rtr°,°hl-d«nd»IN SoiM-bi«».«.«-«ÄJ «S«nb» 7 Übt, bei Hägen. Sitaiauetbrfli!» 9.— S. unb 4. Bbieltang. Sonita e;irai|abiob«nb bei LStich.»uiNammetftt. 9., Up- 17. Nftettt. sst-neniitbeltk- imb KInbetlchuillommIM«». heute-benb 7 btingenb« Sitzung bei«»st z Der Bolfchewitmuf Ioon einem nöllls neuen SeWsmnll| wird behandelt in der Schrift von Iefimow vir 8l>il»Il>tzis i«! SoIzeliiBizwll! m Prei» 3.— Mark, UiBUtlte AsM für vrgwMiai 1 3M| nnitlnUnig„SteiielC Vnlii 62. bulle m.$-9 Lest die Schrift von Hilferdingl Die Sozialisierunq und die Machtverhältnisse der Klassen Preis 3.— Mark Angekürzte Ausgabe für Organisationen 1.— Mk. Buchhandlung„Freiheit", Breite Straße 8-� ................... Kleine Anzeigen fc-(Mb,)•»«•«Mltw* w,«tat JJ««Mta. tfMmmfB*!»**! 1 J50 SIIU„ I»»-» mrftrrt TO»rt ix» tn* 1�- Buk. '•tTttHTny ................. rii'iuiiiinmiiiaiiHwaiiiiiwJm Verkäufe 1 ----- ZI.-............. I nnb ringtttoffe* tn»nflbtt« troffBIft grofcct«»»wähl»on BOO Mb. an.»utgb«.»ri8« «»tu Ii. S«bi>>n< ettaft, 90. nom binbung Hattbufi fet«rB*». i,.a»an,il0«.»,bto»an. Ibg«,®mokittoan|ifl'> «uzllge.Wtnletpaletaio.mabnn, Ulf!« nnt an» btften Stieben». ftoffen. pritno Matzvetarbeitung, tfilmeife wenig gettagtn, tut. kaust seht rreieiBetl Schnapefc, Skalitzet eltatze 128. Vilhe Xsubufer Tat.,».>...... h. WarST«eH»»riia«t Deutsch ganb»»et«fT Sitatze IS. 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