Nr. SYS AbomumMs- Hedingungeu: Abonnement!-PritS pränumerando: Vierleljährl. 8,30 Mr., monatl. 1,10 MI-, wöchentlich SS Psg. frei WZ Hau«. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag!- Nummer mit illustrirter Sonntag!- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: SLO Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zettung!- Preisliste für 1S97 unter Dr. 74S7. linier Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn S Mark, für da! übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Lrschrink täglich autzer Montag«. Derliner VolksblAkk. 14. Jahrg. Die Jnftrtwns- Gebühr betrögt für die sechsgespaltene Kolonel- zetle oder deren Raum 40 Pfg., für Beretns- und Bersammlungs-Anjelgen, fowte Arbeitsmarlt SO Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen btS 4 Uhr nachmittag! in der ErpedUto» abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bi! 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtage» bi! a Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher:»mk I, Nr. 1608. Telegramm-Adresse: „Solmldcmostrak Berlin". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. N-dutiti«»:»V. IS, Jmth.Stmh- S. Aul 1. September eröffnen wir ein neues Abounement auf den „Voruräeks" mit der illnstrirten Sonntags-Beilage „Die neue Welt". Im Unterhaltungsblatt beginnen wir am 1. September mit der Veröffentlichung eines Original-Romans: „Der Bauernftthrer" von Franz Kahler. Der Nomon spielt in der Gegenwart. Vom Fabrikschreiber „arbeitet" sich der„Held" zum Kohlenwerksbesitzer, zum Haupt- aklionär zweier Zlickerfabriken, zum Großgrundbesitzer, Amts- Vorsteher und Millionär empor, vor dessen gewaltthätigen Faust die ganze Gegend zittert. Und dieser ungebildete, aber reiche und"schlaue Gewaltsmensch fühlt plötzlich das Bedürfuiß, eine Rolle in der Oeffeutlichkeit, im politischen Leben zu spielen; er gründet mit Hilfe seiner ausgewucherten, von ihm ins Börsenspiel gehetzten Rübenbauern einen„Bund der Getreide- dauern", cutfacht eine Agitation durchs ganze Reich, wird Reichstags-Abgeordneter und Parteiführer. Schon steht ihm der Adel in Aussicht, schon träumt er von Ministerherrlich- keiten, da bricht er zusanuneu. Bei der Wahl zuni Reichstag haben die von ihm so geknechteten und verachteten Laudarbeiter seiner sozialen und politischen Gewaltsherrschaft ein Ende gemacht. Und wie der„Held", so sind auch alle andern in dem Roman auftretenden Personen aus dem Leben gegriffen: der konservative Bersammlungsredner, der sein Geschäft gewerbsmäßig betreibt, der witzige, mit allen Salben geschmierte freisinnige Reichstags- Kandidat, die verschiedenen Beamten von den Fabriken und Gütern, die Bauern, Tagelöhner u. s. w. Wir hoffen, auch mit dieser Arbeit den Beifall unserer Leser zu finden. Auf politischem Gebiet bereiten sich Ereignisse von größter Tragweite vor. Der„Vorwärts" wird nicht blos seinen Leserkreis stets auf dem Laufenden halten, er wird auch allezeit ein furchtloser Führer sein und unerschrocken die Wahr- hcit aussprechen. Daß der„Vorwärts" über den Weltangelegenheiten und den deutschen Angelegenheiten auch die Berliner Angelegen- heiten nicht vergißt, das haben wir nicht nöthig denen zu sagen, die den„Vorivärts" lesen. Wir erivarten von den Parteigenossen, daß sie für die weite sie Verbreitung des„Vorwärts" t h ä t i g sind. Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitnngsspeditenre sowie unsere Expedition, Bcnthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von I Mark 10 Pfennige frei ins HanS. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstaltcn Abonue- ments zum Preise von 1,10 M. für den Monat September entgegen.(Eingetragen in der Post-Zeitungsliste für 1897 unter Nummer 7437.) Nednktloit lt. Expedition des„Vorwärts". Die Todken. Am 28. August 1864 fiel Ferdinand L a s s a l l e vor der Pistole des wallachischen Junkers Janko von Rackowitz, und drei Tage später, am 31. August, starb er an den Folgen des Schusses. Ein drittel Jahrhundert ist heute seit diesem Todestage vaflossen, aber der Name Lassalle's lebt noch frisch im Gcdächtniß der deutschen Arbeiter. Und an vielen Orten— namentlich da, wo Lasfalle selbst aufgetreten ist, oder wo der elektrische Strahl seiner aus- rüttelnden Beredsamkeit noch zu seinen Lebzeiten gezündet hat — an solchen Orten hat sich unter unseren Parteigenossen traditiousmäßig die„Laffalle-Feier" fortgepflanzt, an der wir uns des großen Agitators erinnern und auch wohl Rückschau halten ans die Entwickelung unserer Partei vom Tode Lassalle's bis zur Gegenwart. Tie Partei steht ja heute nicht mehr auf streng lassalleanischcm Boden, das heißt auf dem Boden derjenigen Sätze und Forderungen, auf welche die Lassalle'sche Agitation bei ihren, Beginn sich stützte. Diese sind durch die Fortschritte der theoretischen Erkenutuiß, durch die. inzwischen erfolgte Eulwickeliing der politischen und ökonomischen Verhältnisse, als auch der proletarischen Entwicklung selbst überholt worden. Aber die Partei ehrt gern das Andenken des großen Agitators, der mit mächtigem Wort die deutschen Arbeiter aufrüttelte, als sie im Sumpf des vulgären Liberalisnms zu verphilistern drohen, sie feiert den Gründer des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins, den Mann, dessen flammende Schriften noch nach seinem Tode tausende und abcrtansende von Proletariern zum Klassenbewußtsein erweckten. Ter Mann, der das Wort von der„Verdammten Be- dürfnißlosigkeit" tief ins Herz der deutschen Arbeiter gegraben hat, verdient es auch noch heute, nach einem Dritteljahr- Kundert, gefeiert zu werden. In solcher Feier liegt ja keinerlei Zurücksetzung unserer anderen großen Todten. Doch was schreiben wir: Todten? Sind Karl Marx und Friedrich Engels wirklich todt? Ja, leib- lich sind sie gestorben, der erstere schon 1883, der andere vor zwei Jahren, am 5. Angust 1895. Aber der Geist dieser Männer lebt und wirkt so lebendig weiter, als ob die Träger dieser Namen noch selber an, Webstuhl der Zeit säßen und noch täglich persönlich in der Tagespolitik hantirten. Karl Marx, der den Sozialis, nus zur Wissenschaft erhoben und auf den granitenen Boden der Thatsachen gestellt hat, der Gründer der Internationalen Arbeiter- Assoziation, der Schöpfer des „Kapitals", als der geistigen Rüstkammer des modernen Proletariats! Friedrich Engels, der treue Mitdenker und Mitarbeiter von Marx, der Mitverfasser des Komm» „istischen Manifests, der Verfasser des Auti- Dühring, der bienenfleißige Vollender des„Kapitals"! Das Wirken und die Werke dieser Männer sind grundlegend geworden für den niodernen Sozialismus aller Kulturvölker. Und so, wie wir uns der von ihnen geschmiedeten Waffen noch heute täglich bedienen, so ist es auch gerade dieses geistige Rüstzeug, dessen Glanz die Ritter vom Orden der Sozialisteutödterci immer wieder verführt, ihre Lanzen dagegen einzulegen und— sich auf den Sand setzen zu lassen. Die deutsche Sozialdemokratie hat das Glück, daß die beiden größten Theoretiker, die die Geschichte des Sozialismns auf zuweisen hat, zwei Forscher von universeller Bedeutung, von weltumfassendem Wissen, ihr als Lehrer und Wegweiser zur Seite gestanden haben,— daß ein agitatorisches Talent ersten Ranges an ihrer Spitze gestanden hat. Die Partei ist dankbar für das Verdienst aller drei,— aber sie vergißt auch die treue Arbeit der vielen andern Todten nicht, die im Kampfe für das Proletariat dahin gesunken sind. Wir erinnern an Bracke, Hasenclcver, Jacoby, Reinders, Käufer, Jork, Kräcker, Geib, Dietzgc», Wedoe, Schnitze und viele andere, die bis zum letzten Athcmzuge ihre Kräfte der Partei gewidmet und ihre Pflichten treu erfüllt haben.— Und wer zählt die Namen der vielen, vielen taufende von Genossen, die aus dem Schlachtfeld der Arbeit oder des politischen Kampfes inS Grab gesunken sind, bevor sie den Sieg gesehen hatten? Wer zählt die treuen Gefährten, die in den zwölf Jahren des Sozialisten gesetzcs ins Eefängniß geworfen wurden, in Verbannung, Roth und Todt gerietben? Und wer wollte nicht auch derer ehrend gedenken, die jetzt, in der Gegenwart, fortwährend ans unseren Reihen gerissen werden, sei es durch Tod, sei es durch den Arm der staatlichen„Gerechtigkeit"! Konnten wir doch noch vor kurzer Zeit feststellen, daß allein in den drei Jahren 1894 bis 1896 über deutsche Sozial- demokratcn 227 Jahre Gefängniß verhängt worden sind! Von Anfang an bis ans den heutigen Tag ist viel Lebenskraft, Gesundheit und Mcnschcnglück aufgeopfert worden im Dienste unserer Partei. Belohnen läßt sich so etwas nicht. Aber dankbar anerkennen können wir die Opfer aller der Braven, und aussprechen können wir es, daß die Arbeit auch des ärmsten und bescheidensten Genossen im Dienste der Partei nicht weniger gilt und ebenso uothweudig ist, als das angestaunte, geistcSmächtige Wirken der Genies. Und noch eins können wir: n a ch st r e b e n und weiter- arbeiten. Vieles ist ja auf dem Wege, den uns unsere Pflicht zu gehen heischt, erreicht. Als Lassalle 1864 starb, hinterließ er eine an Zahl nur geringe Anhänger' schaft, die in ganz Teutschland nicht mehr als einige Tausend betrug. Selbst in Berlin verschwand die Handvoll seiner Jünger gegenüber der großen Masse der Ar- beiter, die noch im Banne der Fortschriltsphrasen lebten. Aber die Flanune, die er entfacht, brannte weiter, und vieles wirkten auch nach seinem Tode seine aufgezeichneten Reden. Bei der ersten Reichstagswahl im Jahre 1371 wurden schon 125 000 sozial- demokratische Stimmen gezählt. Zehn Jahre nach dem Tode Lassalles, 1874, stimmten 352000 deutsche Männer sozial- demokratisch. Es kam das Sozialistengesetz mit seiner Qual und seiner Unterdrückung; aber auch dies vermochte den Sieges- lauf des sozialen Gedankens nicht auf die Dauer zurückzuschlagen: 1884, also ein Jahr nach dem Tode von Karl Marx, wurden bei den Rcichstags-Wahlen 550 000 sozialdemokratische Stimmen abgegeben. Und wieder zehn Jahre später, bei den Reichstagswahlen von 1393, hatten wir alle anderen Parteien längst geschlagen und erzielten 1 787 000 Stimmen für die � Sozialdemokratie. Diesen Sieg bat Engels noch erlebt, ebenso den der sozialdemokratischen Arbeiterpartei bei den französischen und belgischen Kammer- wählen 1894, und die Siege der italienischen Genossen kurze Zeit vor seinem Tode. Er sagte damals:„Es giebt kein Land, keinen großen Staat, wo nicht die Sozialdemokratie eine Macht ist, mit der alle rechnen müssen. Alles was geschieht in der ganzen großen Welt, geschieht mit Rücksicht aus nus. Wir sind eine Großmacht, die zu fürchten ist." Diese Großmachtstellnng zu erringen, daran haben die Todten gearbeitet,— sie zu erhalten und zu erweitern, das ist unsere Aufgabe, die Pflicht der Lebende n. politische Mebeelrchk. Berlin. 30. August. Ueber de» letzten Sitziingstag des internationalen Arbciterschntz- Kongresses schreibt man uns noch aus Zürich: KirpedWon: SW. 19, Wettty-Slrnße 3. Die Tagesordnung des heutigen Tags birgt keine Konflikts- gefahren; und da dies der letzte Tag des Kongresses ist, wird dem ersten Internationalen Arbeiterschntz-Kongreß der Ruf parlamentarischer Ordnmig erhalten bleiben.' Die beiden zu verhandelnden Fragen:„Mittel und Wege zur Verwirklichung des Arbeiterschutzes", und„Jnter- nationales Amt für Arbeiterschutz" sind in der Sektion sehr ausführlich berathen worden, und die Referenten: D e- c n r t i n s und C u r t i haben alles Nicht selbstverständliche so gründlich und übergeuügend erklärt, daß eine Debatte im Plenum eigentlich überflüssig wäre. Judeß, es ist der letzte Tag, und wer immer etwas auf dem Herzen hat— und deren sind nicht wenige— muß es heute thun. Aber die Redezeit ivird fürsorglich von vorn herein auf fünf Minuten beschränkt, und so kann der Kongreß noch so zeitig geschlossen werden, daß die Dampferfahrt auf dem herrlichen Züricher See, die nach gethaner Arbeit die Kougreßtheilnehmer noch zu ge- meinsamem Vergnügen einigen soll, rechtzeitig stattfinden kann. Die Stimmung ist eine durchaus harmonische. Auf allen Seiten herrscht Freude, daß der erste Versuch, die Vertreter der verschiedenen Parteien zn dem großen Friedenswerk der Arbeiterschutz- Gesetzgebung zu gemeinsamer Arbeit zusammen- zuführen, so über alles Erwarten gelungen ist. Auch die englischen Delegirtcn sind heute in besserer Stimmung, als in den ersten Tagen; sie haben reichlich Gelegenheit gehabt, ihreAn- sichten zu vollem Ausdruck zu bringen und sich über die ab- weichende Meinung kontinentaler Delcgirten zn unterrichten. Trotzdem enthalten sie sich der Abstimmung über die Re- solntion betreffend die Mittel und Wege, die sonst einstimmig angenommen wird. Sie enthalten sich, weil ihnen die englische llebersetzung der Resolution nicht rechtzeitig zu- gegangen ist. Es muß jedoch festgestellt werden, daß hieran die englischen Delcgirten selber die Schuld tragen. Sie haben nämlich in der S e k t i o n s s i tz u n g gefehlt, wo die Resolution in ihrer jetzigen Fassung vereinbart wurde, und wo auch englische Uebersetzer anwesend waren. In bczug ans die H a u s i» d u st r i e haben die englischen Delegirtcn sich nachträglich überzeugt, daß sie im Jrrthnm waren, wenn sie glaubten, die Hausindustrie werde von den Delegirtcn des Kontinents vcrtheidigt; und sie haben auch be- griffen, daß eine Resolution, welche die Abschaffung der Haus- indnstrie dckretirt hätte, bei der Rolle, welche die Haus- industrie auf dem Kontinente, namentlich in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz noch spielt, ein Unsinn und eine Lächerlichkeit gewesen wäre. So stimmten sie denn gestern für die vermittelnde Resolution, die von deutscher Seite bezüglich der Hausindustrie vorgeschlagen war. Für die Engländer, deren kraftvolles Eintreten für ihre der Majorität vielfach entgegengesetzten Anschauungen ihnen große Sympathie erwarb, war dieser Kongreß jedenfalls von Nutzen. Es ist ihnen niemals so klar gemacht worden, daß sie, um nicht die Fühlung mit der internationalen Arbeiter- bewegung zn verlieren, aus i h r e r I s o l i r u n g heraus- treten und sich mit dem Stand der w i r t h s ch a f t- l i ch e n und p o l i t i s ch e n E n t w i ck e l n n g d e s K o n- t i n e n t s mehr vertraut m a ch e n m ü s s e n. Und an unseren englischen Frenuden ist die Lehre nicht verloren gegangen. Nach dieser Richtung hin hat der Internationale Arbeiterschutz- Kongreß wohl mehr gutes gewirkt, als irgend einer der früheren Internationalen Arbcitcrkongrcsse, den Lon- doner Kongreß mit eingerechnet— und zwar hauptsächlich des- halb, weil kein früherer Kongreß in gleichem Maße die Mög- lichkcit ruhiger Verständigung geboten hat. Ter ruhige, geschäftsmäßige, eine freie Aussprache ermög- lichende Verlauf dieses Kongresses bildet seinen Hauptvorzug und verleiht ihm, was auch immer das Resultat seiner Be- rathungen und Beschlüsse sein möge, einen hohen praktischen Werth. Das wird auf allen Seiten gefühlt und kam vor dem Schlüsse des Kongresses und auch nachher noch— während der Dampferfahrt nach Rappcrswyl an der Hnttcninsel U f n a n vorbei— zn lebhaftem und warmem Ausdruck! Daß die Herren K a t h e d e r s o z i a l i st c n und Sozial- reform-Prosessoren ans dem Kongreß durch Abwesenheit glänzten, hat dem Kongreß keinen Abbruch gethan, aber dem Ruf dieser Herren Professoren. War es Furcht vor König Stumm? Over professorale Hochnäsigkeit? Oder Mangel an Ernst? Nun— verloren ist nichts an den Herren. Der Arbeiterbewegung haben sie durch ihr Fernbleiben sicher nicht geschadet. Eher das Gegentheil. Recht bedauerlich ist. daß die Fkr a n z o s e n nicht kamen. Angesichts der Petersburger Knuten-Komödie wäre es doppelt im Interesse des französischen Proletariats gewesen, die inrer- nationale Solidarität zu betonen. Für unsere französischen Parteigenossen ist allerdings geltend zu machen, daß der französische Klerus, und zwar auch der sozialrcformatorische, mit dem Brot- vcrthenerer M e l i n e sich zusammengethan hat, um die Sozial- dcmokrntie zn erwürgen. Da ist es ja zn verstehen, daß unsere Genossen keine Lnst haben, mit solchen Elementen in eine in Kongreß zn sitzen. Sie hätten dieselben aber auch hier, gewiß nicht mit weniger Erfolg als in Frankreich,— bekämpfen können. Es ist nicht geschehen, und unsere französischen Genossen werden, so oder so, mit Herrn Mcline und der französischen Klerisei fertig werde». Was wird König Stumm, was wird das deutsche Zentrum zu diesem Kongreß sagen? Warten wir es ab. Unter allen Uniständen hat der Kongreß die Aufgabe, die ihm gestellt war, vollauf erfüllt; das Ende war gut wie der Ansang, und, wenn wir von parteipolitischen Gesichtspunkten absehe», so niuß nach einstimmigem Urtheil der Betheiligten das Zeugniß ausgestellt werden: in bezug auf O r g a n i- sation, Leitung und Ton war der erste Internationale Arbeiterschntz-Kongreß ein M u st e r k o n g r e ß. In Wonne schwimmt das offizielle Frankreich. Die Empfangsfeierlichkeiten für den aus Petersburg heimkehrenden Faure werden ganz im monarchischen Stile arrangirt. Pariser Depeschen nielden hierüber: Präsident Faure wird am Dienstag früh ln Dünkirchen und an demselben Tage abends 6 Uhr in Paris eintreffen. Fiir den Empfang werden großartige Vorbereitungen getroffen. Der Präsi» dent wird am Bahnhofe von dem Ministerium und anderen hohen Würdenträger», den Mitgliedern des Mnnizipalraths und der Generalräthe empfangen und im Zuge nach dem Elpsee geleitet werden. Auf dem ganzen Wege dorthin wird Infanterie Spalier bilden. An die Armen sollen am Dienstag seitens des Gemeinderathcs 100 000 Frks. vertheilt werden. Für die Ausschmückung der Pariser Boulevards und zur Er- richtnng eines Triumphbogen« am Opernplatze gelegentlich der Rückkehr des Präsidenten Faure hat ein Komitee von Pariser Kanslenten und Industriellen die Summe von 15 000 Franks ge< . spendet. Der Mariueminister und der Kriegsminister haben aus telegraphischem Wege den Kommandanten der Marine- und Feld- armee den Befehl ertheilt, nächsten Dienstag, anläßlich der Rück- lehr des Präsidenten Faure, die Kasernen zu beflaggen und zu tlluminiren. Der„Frankstirter Zeitung" wird aus Paris genieldet: Die Chauvinisten sind mit dem Programm für den Einzug des Präsidenten Faure unzufrieden und verlangen, Faure solle, wenn er auf dem Konkordienplatze anlange, den Wagen verlassen und vor der Straßburg-Statne den Hut ziehen. Das leitende Organ der französischen Bonrgcosie, der „Tenips", erhofft sich von der Petersburger Reise der Herren Faure und Hanotaux und der Ausbeute derselben durch die geübten Pariser Stimmungsmachcr eine starke Festiczung des hochschntzzöllnerischen und arbeiterfeindlichen Mimstenums Meline. Der Optimismus des Organs des Herr« Hanotaux kann bald Lügen gestraft werden. In den Jubeltaumel über die nun ausgesprochene Allianz werden bald die neugierigen Kritiker etwas Vernunft bringen. Nun wird das französische Volk den Juhalt des russisch-französischen Bündnißvertrages kennen lernen wollen, es wird sich nicht damit begnügen, daß ein Theil der Zeitungen daS Abkommen als einen reinen Defensiv-, der andere als einen Offensiv- und Defensiv-Vertrag bezeichnet. Größer aber als diese Schivierigkciten sind die aus der inneren Lage sich entwickelnden. Die Frage der Brodver- theuerung erregt dieMassen tief. AmSonntag hatten sich 10000 Arbeiter in Paris versammelt, um gegen die Regierung zu protestiren, welche mit den Händen im Schooß das Hinaus- schnellen der Brotpreise mitaugesehen hat. Unter den sich auf der Straße wiederholenden Rufen„Nieder mit Meline" ginge« die Theilnehmer der Versammlung auseinander. Vielleicht erfüllt sich der Wunsch dieser Demonstranten rascher, als es die siegestaumeluden französischen Staatsmänner für möglich halten. Wenn die französischen Chauviuisten erwarteten, daß daS Aussprechen des Wortes„Allianz" Europa und vor allem Deutschland in blassen Schrecken versetzen würde, so haben sich die Deroulödes gründlich getäuscht. Die Organe aller Parteien haben die Sache ganz kühl anfgeuommen. Freilich, auch das wird noch anders kommen. Wenn unsere Regierung weit mehr neue Kanonen und weit mehr neue Panzerschiffe verlangen wird, als der Deutsche Reichstag mit Rücksicht auf die bevorstehenden Wahlen bewilligen kann, dann wird ans der Versenkung das russisch-französische Gespenst in riesenhafter Vergrößerung auftauchen. Vielleicht spielt es auch bei unseren nächsten Wahlen wie der Boulanger Anno 1887 eine große Rolle. Dann wäre doch diese Allianz zu etwas nütze-- für unsere Marine-Enthusiasten!— Sächsische Regierung«ud Verfassungstreue. Das preußische Wiinister-Trifolium Miquel-Stecke-Schönftedt hat bei Gelegenheit des Vereinsgesetz-Entwurfs gezeigt, wie man es unter Umständen in den„leitenden Kreisen" versteht, die klarsten Bestimmungen der Verfassung de? Staates un- allsgeführt zu lasscu. Aehnliches spielt sich jetzt in Sachsen ab. Die„Sächsische Arbeiterzeitung" veröffentlicht folgende Antwort, welche die sozialdemokratische Landtagsfraktiou auf ihren Antrag behufs Zu samm e u b e r ufun g eines außer- ordentlichen Landtages erhielt: Dresden, den 26. Angnst 1897. Auf Ihre unter dem 20. d. M. an die königliche Stnals- regierinig gerichtete Eingabe wird Ihne» unter Bezugnahme ans eine im heutigen„Dresdener Journal" enthaltene amtliche Notiz zn erkennen gegeben, daß seitens der Staatsregicrung ivege» Ge- Währung entsprechender Entschädigungen ans Staatsmitteln an die bei Gelegenheit der Hochflut h am 60. v. M Geschädigten das Nöthige bereits eingeleitet worden ist und daß es zur Flüssig- m a ch>i ng der dazu nöthigen Mittel der bea». t r a g t e n Einberufung eines außerordentlichen Landtages nicht bedarf. Gesammtin inisteritim. v. M e tz s ch. In der angezogenen Notiz des„Dresdener Journal" j ist zu lesen: „Se. Exzellenz der Herr Staatsmluister stellte dagegen eine ausgiebige staatliche Unlersltitznng für die den Gemeinden zn- fallenden Wiederherstelliingsarbeiten und für den privaten Im- mobiliarschaden in der sicheren Erwartung in Aussicht, daß der im nächsten Herbste ziisanimenlretende Landtag die vorläufig z» bewirkenden aiißerordentlichcn Aufwendnngen gutheißen und nachträglich genehmigen w e r d e." Nun aber macht unser genanutes Parteiorgan darauf ausmerksam, daß dieses Verfahren der Regierung, wenn es thatsächlich von ihr eingeschlagen werden sollte, eine V e r- l e tz u n g von V e r f a s s it lt g s b e st i m m u n g c n be- deuten würde. Der Z 105 der sächsischen Verfassung besagt nämlich: „Wen» in außerordentlichen, dringenden und iinvorhergesehenen Fällen schleunige finanzielle Maßregeln erfordert werden, zu welchen an sich die Zustimmung der Stände nothwendig ist, s o ist eine außerordentliche Ständeversammlung einzuberufen. Sollten jedoch die Verhältnisse eine rechtzeitige Einberufung oder auch den Zusammentritt der Kaminern durchaus unmöglich machen, so darf der König, unter Verantwortlichkeit der ihn hierbei berathenden Vorstände der Ministerialdepartements, das zur Deckung des außerordentlichen Bedürfnisses unumgänglich Nöthige provisorisch verfügen, auch erforderlichen Falls ausnahms- weise ein Anlehen aufnehmen; es sind aber die getroffenen Maß- regeln so bald als irgend möglich der Ständeversamm- lung, und spätestens bei dem nächsten ordentlichen Landtage, vor- i zulegen, nin deren verfassungsmäßige Genehmigung zu bewirken, auch ist selbiger über die Verwendung der erforderlich geivesenen Snmnken Nachweisung zn geben." Von der Unmöglichkeit einer sofortigen Einberufung des Landtages kann aber selbstredend gar nicht geredet werden. Wie will die sächsische Regierung ihre Absicht, deren Durch- führnng das Budgetbewilligungsrecht des Landtages verletzen würde, nlit der Verfassung in Einklang bringen? Und wie mag es kommen, daß die sächsische Regierung solche Wege zu gehen sich anschickt? Sollte es ihr vielleicht unangenehm sein, noch einmal vor den aufgrund desgleichen, nun zerstörten Wahlrechts ge» wählte» Landtag zu treten und sich der Kritik der vollzähligen sozialdemokratischen Vertretung auszusetzen? Ein solches gewiß begreifliches Gefühl könnte aber ein Abweichen von den Vorschriften der Verfassung natürlich nicht ent- schuldigen!— Die Behandlnng politischer Gefangener in Sachse» wurde vor einigen Wionaten auf's lebhafteste besprochen, als unser Parteigenosse Steiger gefesselt durch die Straßen Leipzigs transportirt wurde. Die allgemeine Entrüstung ver- anlaßte selbst die sächsische Regierung, der sonst nicht leicht ein Mittel gegen die Anhänger der Sozialdemokratie zu scharf ist, jenes Vorkommniß zn mißbilligen und die Schuld daran einem Unterbeamten zuzuschieben. Trotzdem ist jetzt schon wieder ein ähnlicher Fall wie der Steiger'sche zu verzeichnen. Der frühere Redakteur der„Sachs. Arbeiter-Zeitung" Schulze wurde am letzten Sonnabend Vormittag mit einer Kette an der rechten Hand ltlld a m Leib gefesselt d.urch die Straßen Dresden's transportirt.' Der betreffende Genosse wurde von Hoheneck, wo er iv e g e n P r e ß v e r- g e h e n s eine längere Strafe verbüßt, zu einem Termin vor das Dresdener Landgericht geführt. Wie uns von kundiger Seite mitgetheilt wird, ist die Schuld in diesem Falle keineswegs auf den transportirenden Unterbeamten, der etiva instrtlktionswidrig gehandelt hätte, zn schieben. Vielmehr trägt das betreffende A in t s g e r i ch t, welches den Transport zn besorgen hat und während der Zeit des Transports für den Gefangenen verantwortlich ist— hier das Amtsgericht S t o l l b e r g— die Schuld. Dort besteht die Bestimmung, daß die Gefangenen, wenn ein Transport mit ihnen vorziinehmen ist, gefesselt werden sollen. Von einigen anderen Gerichten ist uns bekannt, daß sie diese Bestimmung auf schwere Verbrecher beschränkeu und politischen Gefangenen gegenüber auch die Rücksicht üben, sie durch einen Zivilbeamten und gesondert von anderen Gefangenen transportiren zn lassen. Das Amts- gcricht Stollberg jedoch scheint die Fesselung rücksichts- los in allen Fällen anzuwenden. Diesem Gerichte aber nnterstehen gerade zahlreiche solche Transporte, da in seinem Bezirk die eine der großen �Landes- Strafanstalten liegt. Nur wenn der Transportenr selbst die Gehässigkeit dieser Methode fühlt, bleibt sie zuweilen einem politischen Gefangenen erspart. Man sollte meinen, daß durch den Fall Steiger, der damals die Empörnng über diese sächsischen Zlistände selbst tief in bürgerliche Kreise hineingetragen hat, das Ministerium veranlaßt worden wäre, gründliche Abhilfe zu schaffen. Das i st jedoch, wie man sieht, bis jetzt nicht ge- s ch e h e n! Wir nehmen an, daß a»lch die bürgerliche Presse über diese Behandlung eines politischen Gefangenen von neuem ihre Mißbillignng zu erkennen geben wird, wenn es sich auch nicht ntil eine in literarischen Kreisen so bekannte Persönlichkeit wie in dem früheren Falle handelt. Den sächsischen Regiernngs- Herren muß bedeutet iverden, daß die öffentliche Meinung der- artige Dinge nicht ruhig hinnimmt. Tie Kricasciitschädignilgöfragc erscheint noch Immer höchst schwierig. Die griechische Regierung hat den Mächten eine be- stimmte Antwort aus ihre Forderungen versprochen, sobald sie von der Kammer ein Vertraiieiisvotin» erhalten habe» wird. Wie ver- lautet, werde die Regierung als Garantie für die Kriegs- cnlschädigiings- Anleihe die Einnahmen ans der Tabak- und der Sleinpelstcuer anweisen und erkläre», daß sie es aiinehme, daß die Vertreter der Mächte i» Athen eine Ueberwachung ans- üben, welche den Zweck hat, die genaue Erfttlliiiig der Bedingungen des Anleihevertrages zu sichern. Mit der Erlangung eines Vertranenkvotnm« von feiten der Kammer will es jedoch nicht gelingen. Am Sonuabend war die Kammer nicht beschlußfähig, weshalb die Sitzung aufgehoben werde» iiinßte. Falls am Montag auch die zur Beschlußsähigkeit erforderliche Zahl von Abgeordneten nicht zusammen kommt, so beabsichtigt das Ministerium seine Entlassung einzureichen. Ans Kandia wird vom 23. d. M. berichtet: Die am 24. d. M. zufammengetreten« Nationalversaiinnlung hat sich in zwei Parteien gespalten. Zwölf Mitglieder auS de» östlichen Distrikten, darunter der Vorsitzende, wollten die Annahme der Autonoiiiie vertagt wissen; ferner solle die Zurück- ziehnng der türkischen Truppen bis zur Regelung der griechisch- lürkischen Frage erbeten werden. Die übrigen 00 Mitglieder waren für die sofortige Annahme der Autonomie, jedoch gleichfalls für die Zurückziehung der Truppe». Die letztere Resolution wurde an- genommen, worauf die zwölf Mitglieder die Sitzung verließen. Ein Memoranduin hienber wurde an die Adwirale abgesandt. »» Deutsches Reich. — Haben wir noch eine» bieichskanzker? Diese Frage stellten unlängst einige linkslibcrale Blätter. Mit ungewohnter Promptheit antivortet heute die hochosfiziöse„Norddeutsche Allgem. Zeitung": „Seine Durchlaucht der Reichskanzler, Fürst zu Hohenlohe- Schillingsfürst, wird am Freitag Abend hier(!�L. von seiiiem Gute Wclki in Rußland. Red. d.„Borw.") eintreffen und sich als- dann nach Homburg begeben. Na also! So haben wir doch einen Reichskanzler! Gepriesen seist Du, beglücktes deutsches Volk!— — Das Handelskammer-Gesetz wird heute in der Gesetzessammliing veröffentlicht.— — Ueber die Frage der Belheiligung an den preußischen Landtags mahlen theilen die„Sozialistischen Monatsheste" noch einig« auf ihre Umfrage eingegangenen Er- widernngen zn den frnberen mit. Wenn wir von den Aeußeriingen einiger ausländischen Parleigenossen absehen wolle», so sind die Meinungen der Anlworterlheiler schon bekannt geworden. Genosse Aller erklärt sich, wie schon früher in diesem Blatte, gegen Auf- stelliing eigener Wahlmänner»ind für Unterstützung der bürgerlichen Opposition. Schönlank ist gegen jede Wahlbetheiligung, v. Elm wünscht Uiiterstützuiig solcher Wahlmänner, welche bestiiiiiuie Forde- nmgen zu vertrete» verspreche». Der freisinnige Abg. Rickert hält es nicht für zweckmäßig, in die Diskussion«iiiziigreifen. In der„Nation" hat sich der freisinnige Abg. Th. Barth über die Betheiligungsfrag« ausgesprochen. Derselbe erwartet von einer Betheiligung der Sozialdemokratie an den preußischen Landtags- wählen, daß zahlreiche Nichl-Sozialdemokraten, die sich bisher nicht entschließen kouuten. auch nur in der Stichwahl einen sozialdemo- kratischen Kandidaten zn nnterstütze», dann zn dem Entschlüsse kommen: lieber ein Sozialdemokrat, als ein Junker und Junker- genösse! Abg. Barth schließt seine Darlegung folgendermaßen: „Wahrscheinlich wird sogar diese Wirkung bei den Reichstags-. wählen viel bedeutsamer werden, als die Wahlhilfe der Sozial- demokratie bei de» nachfolgeuden Landtagswahle». Sodann kommt aber noch etwas Weiteres hinzu. Eine bei den Landtagswahle» den Liberalen gewährte Wahlhilfe, wenn sie auch von den bei der Wahl Unterftützlen nicht erbeten und von der anderen Seile im wohl- verstandenen eigenen Interesse gewährt ist, legt dem Liberalis» m u s die st a r k e m o r a l i s ch e B e r p f l i ch t u n g auf, das ver- rottete Dreiklassen-Wahlsystem mit in e h r Nachdruck als b i s h e r z u b e k ä m p f e u. In demselben Maße, wie die Sozial- demokratie politisch reifer wird, erscheint der Znsland skandalöser, daß eine Partei, die unter dem allgemeiiien Wahlrecht beinahe über ein Viertel der Wählerstimmen deS Deutschen Reichs verfügt, in Preußen vermöge des„elendesten aller Wahlsysteme" auch nicht einen einzigen Abgeordneten ins Parlament bringen kann." Ob der Liberalismus sich zu einer solchen Haltung, wie sie Herr Barth empfiehlt, aufzuraffen im stände sein wird, wird abgewartet werden müssen.— — Die 44. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands wurde am Sonntag Abend eröffnet. Am Montag be- gann die erste geschlossene Bersammlnitg. In derselben wurde ein Schreiben des Papstes an das Lokalkomitee verlesen, i» welchem der Papst der 44. Generalversammliiiig den Segen ertheilt. Die Wahl des Bureaus ergab folgendes Resultat: Erster Präsident; Dr. Bachem-Köln, erster Vizepräsident: Baron Hermann v. Rnffeß, zweiter Vizepräsident: Fabrikbesitzer Brandts- München- Gladbach. Es mnrden Huldigungstelegramme a» den Papst, de» Prinz-Negeiite» und an den Kaiser abgesandt. Es liegen der Berfaininlung eine Fülle von Auträaen vor, die aber insgesammt betrachtet einen weiten Gesichtskreis veriiiiffen lassen. Bemerkenswerth erscheinen die Anträge ans Wiederherstelinng der territorialen Souveränelät des Papstes und ans Verbot, aller Zweikämpfe im RetchSheer sowie Empfehlung der Aiisschließung der Duellanten von allen öffentlichen und Gemeiiideämtern. Ein Antrag von Dr. Littgens verlangt Sonntagsruhe für die Beamien der Post, Telegraphie und Eisenbahnen. Mehrere Anträge bcschäsiigen sich mit dem Kampf gegen unsiltliche Bücher, Bildwerke tc. .— Der XVIII. Parteitag des Vereins der deutschen Volkspartei sindet, wie wir schon früher berichtet haben, am 18. und 19. September in Mannheiiii slalt. Außer den geschäftlichen Punkten steht auf der Tagesordnung: Mittheilnng der Komiiiisston für den Antrag betr. die Versicherung gegen Arbeits- losigkeit(Berichterstatter Leopold Soniicinanii) und die bevor- stehenden Reichstags-Wahlen(Berichterstatter Dr. L. Quidde.)— — Untern eh m«rwünsche. DaS Kommerz» Kollegium in Altona, das die Funktionen eilier Handels» kaminer ausübt, berührt in seinem soeben erschienenen Jahresbericht auch die Arbeiterstreiks. Der Bericht verbreitet sich u. a. über die während des Hafeiiarbeiter-Ansstandes gegen Arbeitswillige verübten angeblich„offenbar planmäßigen überaus zahlreichen Gewallthätig- keilen", welche die Polizeibehörden nicht verhindern konnten, und welche auch das Strafgesetz nur ganz linznreichend zu sühnen im stände sei. Der Bericht stellt in dieser Hinsicht eine ganze Reihe von Behauplmigen auf, welche»nfer Hamburger Partei-Organ als nicht richtig und unwahr zurückweist, lind er gipfelt alsdann in folgendem Wunsche: „Insbesondere würde es sich dann unseres Erachlens empfehlen, in die Hand der höheren Verwalliingsbehörden die alißerordentliche Machtbefngniß zu legen, bei Verübniig massenhafter Gewaltthaten der geschilderten Art das Vereins- und V e r s a m m l u n g S- recht der a u S st ä n d i s ch e n A r b e t l e r auf bestimmte, n i ch t z u lang bemessene Zeit zu s u s p e n d i r e n." Mit diesem Wunsche zeigt sich daS Kommerz. Kollegiuin von Altona, dessen Vorsitzender der durch sein arbeiterfeind- liches Anstreten im Herrenhause bekannte Oberbürgermeister Dr. G i e s e ist, als würdige Jnteressenvertreiung des rücksichts- losesten Kapitnlistenlhnms. Die Herren Handelsbarone von Altona, die ausständigen Arbeitern das Vereinigiingsrecht gerade dann »ehmen wolle», wenn sie es am meisten brauchen, geben wirklich den Junkerii Ostelbiens an Bescheidenheit und Arbeiterfrcundlichkeil nicht im geringsten nach.— — Das Eisen bah nun glück bei Celle beschäftigt noch immer die Oeffentlichkeit. Die Entgleisung ereignete sich aus dem östlichen Geleise, der kaiserliche Hofzug fuhr aus dein westlichen; mehrfach wurde min, um die Attentatsgerüchte aufrecht erhalten zu köiiiien, behauptet, der Hofzng habe nnr ivegen Reparaturen am östlichen Geleise das westliche ansuahmsmeise benutzt. Aber auch dieser schwache Trost fällt jetzt fort. Die königliche Eisenbahn- direktion Hannover theilt einem hannoverschen Blatt mit, „daß der erwähnte Sonderzug im hannoverschen Bezirke überall ans dein für die von Hainburg nach Kassel fahrenden Züge der be- stehenden Vorschrift e»tspreche»d regelmäßiglzii bemitzeudeii, in der Fahrtrichtung rechts gelegenen, westlichen Geleise befördert worden ist."— Das ist recht bitter für die Stumm undKonsorteii, deren dmiklePiäne sich am leichtesten erfüllen lassen, lvilin sie Attentate und Attentaisgerüchle als Trümpfe ausspielen können.— Ein Hamburger Blatt schreibt zu der Angelegenheit:„Angesichts der krampfhasten Aerstlche, das Gespenst des Anarchistenattentates an die Wand zu malen, sei der preußischen Bahnvmvaltung der ernste Rath erlheilt, sich erst griind- lich mit der Frage zu beschäftigen, wie weil etwa überlriebene Sparsamkeit und daraus sich ergebende Mangelhasligkelt des Bahnmaterials an dem schrecklichen Unglückssall die Schuld tragen können. Jedermann weiß, wie unangenehm das Besahren der Strecke Hamburg-Hannover infolge des hestigen Schüttelns der Wagen an manchen Stellen der Strecke ist. An der Uiiglncksstelle sollen Maschine und Wagen geradezu gehüpft haben. Das legt doch den Gedanken nahe, daß nicht alles im Bahnunterbau so ist, wie es sein soltte." —„Der Scharfmacherei ziveiter Theil." Unter dieser Spitzmarke schreibt heute die„Volks-Zeiliing":„Nachdem der frühere Chefredakteur der„Post", Dr. Kayßler, vor ca. drei Jahren durch Herrn C. Groddeck ersetzt worden war, wird, wie wir hören, im September ein abermaliger Wechsel in der Chefredakleur- Stelle der„Post" vorgenommen. Die bisherige Hattniig der„Post". obwohl das Blatt im„Scharfmachen", t» dem Rufen nach l!l»L- nahmegesetzen je, daS Menschenmögliche geleistet hat, scheint dem Besitzerkoiisortiuin, in dem Herr v. Stumm den vorherrschenden Einfluß hat, noch inimer nicht zn geniigen. SIls Nachfolger des Herrn Groddeck dürste ein erzreaktionärer süddeutscher Journalist in die„Post" eintreten. Dieser hat schon früher durch«ine sozialistc»- fresserische Broschüre, in der auch an dem allgemeinen Wahlrecht lein gutes Haar gelassen wurde, das besondere Wohlgefallen des Herr» v. Stunim erregt. Die mit jenem Sozialistentödler gepflogene» Verhandlungen wegen des Eintritts in die„Post" haue» sich jcdoch damals zerschlage». Jetzt, nach dem neuesten Wechsel, wird also der „große Schleifstein" mit einem Plus von mehreren Dutzend Atmosphären Daiiipfdrnck gedreht werden. Das wird voranssichttich für die llinstehenden sehr amüsant werde»." Nach Misere» Jnformatioiicii ist trotz des Uebereifers der Brüder Groddeck und trotz des sehr schwer lösbaren Vertrages deS Chefredakteurs Groddeck der gesammten Redaktion mit Ansnahifte der Kunstreferenteii gekündigt worden. Die künftige Liedakiion der„Post" wird bemüht sei», noch verlogener die Arbeiter- bewegiiiig zu bekämpsen und noch zynischer die Jiitcressc» des Großkapitalismiis zu vertrete». Ob dies« Bemühungen glucken, hat blos psychologische, nicht politische Bedeutung. Dasselbe gilt davon, was Herr Groddeck senior künftig anstellen wird. Vielleicht wird er wieder demokratischer Journalist. Zahlt»lau ihm gehörig, so schreibt er vielleicht auch noch sozialdemokratisch. Freilich so dunim lvird niemand sein, sich einen Redakteur der„Post" zu kaufen.— -- Noch einmal Herr v. Köller. Die so laut ans- posaunte Beleidigiiiigsgeschichle vom Bahnhofe in Belgard schruinpst nun in sich selbst zusammen. Das pommersche Blatt, das die Bcl- garder Bahuhossgeschichte in der sensatioiiellften Form gebracht hatte, sieht sich genSlhint, das folgende ihm vom Oberpräsidenten v. Köller zugesandte Telegramm abzudrucken:„Schleswig, 27. August. Ihre Notiz in Nr. ISS über inich ist von Anfang bis zu Ende unwahr. Ich bin überhaupt nicht am 23. in Belgard gewesen, bitte auf grnnd des§ 11 des Prebgesetzes um Berichtigung, v. Köller. Staats- minister und Oberpräsident." Außerdem erhält das Blatt von dem Bahnhofswirlh, dessen Gattin als eine Lauptbetheiligte an dem Borgang hingestellt worden war, folgende Zuschrift:„Meine Frau ist mit dem Herrn, der sich später als Herr v. Köller legitimirte, in gar keinen Wortwechsel geralhen. Meine Frau hat dem Herrn in aller Ruhe bestätigt, daß der Zug nach Berlin ordnungsmäßig ab gerufen sei. Die Worte:„Sie sind ja ein ganz impertinenter Mensch" sind nicht gefallen."— Ferner wird in dem Schreiben noch bemerkt, daß weder der betreffende Bahnhossbeamte, noch der Kellner Strasantrag stellen würden.— — Der Landrath Jacobs, Mitglied de? preußischen Ab geordnetenhauses für Landsberg-Soldi», ist am Montag früh ge storben.— — Dresden. 28. August.(Eig. Ber.) Ans allen betroffenen Th!len Sachsens liegen jetzt zahlenmäßige Nachrichten der Behörden und Abschätzungs- und Untersuchungs-Kommissionen über den durch das Hochwasser angerichteten Schaden vor. Danach beläuft sich der Schaden von Privaten und Gemeinden an 10 442 844 M. Unter Zurechnung des Schadens an Staatseigenthum ergiebl sich als Gesammt-Schädigungssumme 16 29S 000 M.— — Gegen den ambulanten Gerichtsstand der Preffe, welcher diese bekanntlich außerordentlich beschwert, hat sich recht ver» nünfligerweife ein bayerisches Gericht ausgesprochen. Die„Münch Neuesten Nachrichten" berichten hierüber:„Der nmbnlante Gerichts stand der Presse, d. h. jene durch eine Rechtsprechung äußerst anfechb barer Art eingeführte Gepflogenheit, wonach die Redaktion einer Zeitung nicht lediglich, wie es dem gesunden Menschenverstände und den aus den Verhältnissen sich ergebenden Folgerungen entspricht, am Orte deS Erscheinens der Zeitung verklagt werden, sondern vor das Gericht jedes beliebigen Orte?, wohin auch ein Exemplar der Zeitung gelangt, gezogen werden kann, hat eine erste Durchbrechung erfahren durch das prinzipiell wichtige Urtheil eines bayerischen Gerichts, weshalb wir dieses Zwischen falls in einer sonst belanglose» Klagesache hier erwähnen müssen Gegen den verantwortlichen Redakteur unseres Blattes war Klage erhoben beim Amtsgericht in V i l s e ck. Der Rechtsbeistand unseres Blattes erhob dagegen in ausführlicher Begründung de» Einwand der Inkompetenz, und das genannte Gericht eignete sich diese Be gründung an und wies die Klage„wegen Unzuständigkeit des k. Amtsgerichts Vilseck" zurück. Wir hoffen zuversichtlich, daß diese Entscheidung, welche eine spitzfindig herausgetnftelte und ganz haltlose Interpretation verwirft und gesunden Rechlsanschauungen, sowie den Verhältniffen des praktischen LebenS Rechnung trägt, nicht die einzige bleiben wird."— Diese zuversichtliche Hoffnung des Münchener BlatteS theilen wir kaum, da die Presse sich im all gemeinen bei den Männern der Justiz leiner besonderen Liebe er- freut'- — Der bayrische Landtag ist auf den 28. September einberufen worden. Er wird sich zuerst mit der Budgetberathnng beschäftigen. Sodann werden ihm Gesctzesvorlagen über die Er leichterung und allmälige Beseitigung der Bodenzinslast, über die Reform der direkten Steuern und bezüglich der Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches zugehe». In bezng auf letztere sind mehrere Vorlage» zu erwarten, die successive eingebracht werde». In der Steuerfrage will die Regierung eine erhebliche Heranziehung der Großgeschäfle, der Bazare, Waaren- und Versandthänser, Filial geschäfte vorschlagen. Auf diesem Gebiete gehen die Meinungen bei den großen Parteien, insbesondere beim Zentrum sehr auseinander. ES wird auch von der Regierung keine glatte allgemeine Einkommen steiler vorschlagen, sondern eS werden die bestehenden direkte» Stenern beibehaNen und nur umgearbeitet. Daneben wird daran wohl noch eine besondere Ausgleichssteuer mit einigen Anklängen an eine allgemeine direkte Steuer vorgeschlagen werden. Auch die Ab Snderung bei Vereinsgesetzes im Sinne der im Reichstag gemachte» Zusage wird den Landtag beschäftigen.— — DaS bayerische Zentrum, welches durch die Agitationen der Bauernbündler und anderer Abtrünniger sich in keineswegs angenehmer Lage befindet, wird auch durch die etwas mildere Haltung bei Bauernagitators Dr. Heim nicht besonders getröstet werden. Dr. Heim befindet sich zur Zeit in seinem Wahlkreise und entwickelt in den verschiedenen Ortschaften sein Programm. Unlängst war er sin Neustadt a. W.-N. und hielt dort eine längere Rede, wobei er sich nach dem„Reg. V." u. a. äußerte:„Ich werde zum Zentrum treten, denn es ist besser, in der Partei die Wasser in die rechten Wege zu leiten, als außerhalb der Partei zu stehen und nichs auszurichten. Oben würde man es freilich gerne sehen, wenn ich das Zentrum sprengte und eine neue Fraktion bildete. Aber ich werde beim Zentrum bleiben. denn das Zentrum hat ein gutes Programm. Es hat auch schon viel gethan für daS Volk.... Ich werde darum das Programm der Zentrumspartei annehmen, mir aber in der T a k t i k freie Hand vorbehalten." Befragt, waS die letztere Wendung bedeuten solle, erwiderte Dr. Heim:„Ich meinte damit: Oft giebt es Meinungsverschiedenheit, da werde ich dann meiner Ueber zeugung folgen und mich nicht leithammeln lassen. Ich werde in der Fraktionsfitznng meine Meinung offen aussprechen und begründen. Geht man mit mir, so ist es recht, geht man nicht mit mir, dann gehe ich meine eigenen Wege. Uebrigens weiß ich, daß viele Herren im Landtage ans mich warten, denn sie möchten eine» haben, der lange Stiefel an hat und vorausgeht. Nun gut, den Hannemann mit den langen Stiefeln will ich machen."— — Chronik der Majestätsbeleidigungs- Prozesse. Die Bromberger Strafkammer verurtheilte den Restaurateur Seifer in der Vorstadt Schleusenau wegen Majestätsbeleidigimg zu sechs« monatlichem Gesängniß. Der Verurtheilte wurde sofort verhaftet; seine eigene Ehefrau hatte ihn denunzirt. Schweiz. Basel, 80. August. Der hier tagende Zionisten-Kongreß hat»ach langer Debatte in sder heutigen Vormittags-Sitzung das Programm der Bewegung folgendermaßen formulirt: Der ZioiiismnL erstrebt für das jüdische Voll die Schaffung einer rechtlich ge- sicherten Heimstätte in Palästina. Zur Erreichung dieses Zieles nimmt der Kongreß folgende Mittel in Aussicht: 1. zweckdienliche Förderung der Besiedelung Palästina'S mit jüdischen Ackerbauern und Gewerbetreibenden. 2. Gliederung und Zusammenfassung der gesammten Judenschaft durch geeignete örtliche und allgemeine Veranstaltungen auf der Grundlage der Landesgesetze. 3. Stärkung des jüdischen Nationalgefühls und Volksbewußtseins. 4. Vorbereitende Schritte zur Erlangung der für die Erreichung des zionistischen Zieles noth- wendigen Zustimmnng der Behörden. Zur Schaffung dieses Judcustaates fehlen, wie unlängst ein geistreicher Schrifsteller sagte, blos der Staat und d i« Juden, die ihn bilden wollen. Niemandem kann die zionistische Bewegung erwünschter sein, als den Antisemiten, denn die zionistische Minderheit der Juden- schaft belhätigt da mir die Grundanffaffmig der Antisemiten, daß die Juden ein fremdes, in den anderen Völkern, unter denen sie wohnen, nicht aufgegangenes Volkselement seien. Diese Voraussetzung des eiomSmuS erklärte es, daß die Vertreter derer, die sich noch als »den fühlen, die sich aber wohl fühlen in unseren Landen, so die Rabbiner, sich in den schroffsten Gegensatz zu den Zionisten ge- stellt haben.— Oesterreich. Prag, 30. August. Die Sozialdemokraten beschloffen als Vor- läuser zu einer Friedensdemonstration die Massenausgabe eines Manifestes in beiden Sprachen, worin alle Schuld betreffs des Sprachenstreites der Regierung und der Bourgeoisie beider Nation«- liläten zugeschrieben wird, und beider zur Schlichtung der Differenzen für unfähig erklärt werden. Ferner wird in dem Manifest die Be- seitigung aller politischen Rechte der besitzenden Klasse und der Er-� lasse des Sprachengesetzes sowie die Einführung de! gleichen direkte» Wahlrechts gefordert. Paris, 29. August.(Eigener Bericht.) Die sozialistische Agitation gegen die Brottheuerung wurde von Meline und seineu Preßkosaken mit der üblichen Wahrheitsliebe für eine künstliche Mache erklärt. Die gestrige Massenversammlung im größten Pariser Saale des Tivoli-Vauxhall wird den Herren endlich vielleicht die Lust benehmen, die Evidenz zu leugnen. Das große, an die 8000 Personen fassende Lokal war beinahe bis auf den letzten Platz gefüllt. Etwa 1000 Personen mußten umkehren, weil die Polizei in herausfordernder Willkür von S'/z Uhr an„EinladungS karten" zu fordern begann, als ob in Frankreich österreichische ß 2- Versammlungen existirten. Sämmtliche Redner, Vertreter aller sozialistischen Organisationen und Richtungen ohne Ausnahme, geißelten unter dem einmülhigen stürmischen Beifall der versammelten Proletarier und Kleinbürger die schutzzöllnerische Aushungerungs Politik Meline's, sowie dessen reaktionäre Politik im allgemeinen. Genosse Gsrault-Richard, der Vorsitzende der Versammlung, betonte, daß die Getreidezölle einzig den Großgrundbesitzern und den Getreide- Spekulanten zu gute kämen, während der Kleinbauer unter hohen Getreidepreisen ebenso sehr leide, wie der ländliche und städtische Proletarier, da er in einem Mißjahr an den hohen Brot! preisen mehr verliert, als er an den hohe» Getreide� preisen gewinne.— Nebenbei streiften mehrere Redner das Ereigniß de? Tages, die franko-russifche Allianz, in abfälliger Weise. Der sozialistische Abg. Chanviere denunzirte die Allianz, die von der opportunistischen Regierung mit dem Zaren geschlossen wurde,„um die Völker zu bedrücken". Das sozialistische Gemeinde. rathsmitglied Berthaut meinte, Faure's Reise wäre nur dann nütz! lich, wenn er aus Rußland einige Schiffsladungen zollfreien Ge. treides mitbrächte. Genosse Turot, Mitarbeiter der„Petite Re publique", schloß seine Rede unter tosendem Beifall mit den Worten:„Nein, Herr Meline, wir sind einstweilen keine Musckiks, und wenn man die Knute in Frankreich einführt, dann werden es die Sozialisten fein, die sie am Griffe packen, um damit den Aushungerer zu peitschen." Zwei Resolutionen im Sinne der gehaltenen Reden wurden ein- stimmig angenommen unter den Rufen:„Nieder mit Meline! Nieder mit dem Aushungerer!" In der ersten Resolution wird die Schäd lichkeit der Brotverthenerung auch für die Kleinbauern und die Land- arbeiter betont, sowie die Nothwendigkeit der politischen und gewerkschaftlichen Klassenorganisation des Proletariats zum Zwecke seiner endgiltigen Befreiung durch die Vcrgesell. schaftlichung der Produktionsmittel. In der zweiten Reso lution werden als vorläufige AbHilfsmittel gegen die Brot- theuerung folgende Forderungen aufgestellt: Getreidehandels-Monopol der Gemeinden oder des Staates; Schaffung von kommunalen Getreidemühlen und Bäckereien zwecks Brotlieferung zum Selbst- kostenpreis; das Recht der Gemeinden, die Verpflegung der Ein. wohner zu sichern und die Getreidespeknlation zu verhindern.— Die Ver sammlung ging auseinander unter dem Absingen der Carmagnoleunddes Kehrreims:„Bespucket Meline! Bespucket ihn!" Eine Straßenkundgebung wurde, wie üblich, durch das Massenaufgebot von Polizei und Militär verhindert. Man sieht, die endlich erlangte Bezeichnung der franko russischen Beziehungen mit dem Namen Allianz hat Herrn Meline beim Pariser Volke nicht beliebter gemacht. Dagegen rechnet der herrschende Klüngel auf eine ernstliche Beeinflussung der nächsten Kammerwahlen in der Provinz durch den Allianz- Trinkspruch. Die be- und verrufensten Organe der Großbourgeoisie, die„Temps" und die„Döbals", beuten offener denn je die Zarenfreundschaft im Partei-Jnteresse aus. Einzig die vom Kabinet Meline gelieferten „Beweise der Weisheit und der Reife" hätten nach dem„Temps" den Hochbedeutfamen Allianz-Trinkspruch möglich gemacht. Man müsse daher auf diesen Punkt die Anfnierksamkeit der—„französi scheu Wähler" lenke». Die„Döbats", die auf auswärtigem Gebiete die Allianz recht nüchtern auffassen, indem sie darin für Rußland eine Periode der ruhigen Expansion in Asien und für Frankreich eine Periode der Vollendung seiner kolonialpolitischen Unternehmungen erblicken, legen das Hauptgewicht auf die innerpolitischen Folgen der Allianz. Die nächste Kammer müsse eine geschlossene kapitalistisch-reaktionäre Mehrheit enthalten, solle anders die Allianz nicht erschüttert werden. Diese bei der heruntergekommenen französischen Bourgeoisie nicht mehr ver- wundernden Aeußerungen vorrathen wohl einen der Beweggründe, der den Petersburger Chef der europäischen Reaktion endlich zur huldvollen Proklamirnng der Allianz bewogen hat.— Brest, 30. August. Der christlich-soziale Abbö Gayraud, dessen Mandat von der Kammer für ungiltig erklärt worden war, ist wiederum mit starker Majorität zum Dcputirten gewählt worden.— Marseille, 30. August.(B. H.) Gegen die Verlheuerung der Brotpreise hat gestern hier eine große Manifestation von der Prä- fektur stattgefunden, und zwar unter Leitung des Maire und des sozialistischen Gemeinderaths. Die Versammlung forderte Herab- fetzung der Getreidepreise.-- In Toulouse wurde eine ähnliche Manifestation inszenirt. Belgien. — Gegen die Ausweisung de? englischen Arbeiterführers Ben Tillet aus Antwerpen hatte die englische Regierung bei der belgischen Protest erhoben. Nunmehr ist das Gesetz veröffentlicht worden, welches das belgische Ministerium ermächtigt, diesen Konflikt durch schieosrichtcrlichen Spruch aus zugleichen. Beide Regierungen haben einen französischen Juristen als Schiedsrichter gewählt.— England. London, 30. August. Wie ans Simla gemeldet wird, sind mehrere Regimenter Infanterie und Kavallerie, sowie mehrere Kanonen nach den bedrohten Festungen bei Kurruin abgegangen. DaS Fort Lundicotal ist infolge Verraths vom Feinde eingenommen worden. London, 30. August. In der gestern hier abgehaltenen großen Versammlung der Mechaniker wurde eine lliesolulion an- genommen, laut welcher den Streikende» Geldmittel bewilligt werden ollen. Türkei. Konstantiiiopel, 30. August. Eine von der Polizei vorgenommene Zählung, durch welche festgestellt werden sollte, wieviel Armenier Ich in jedem Hanse befänden, rief unter den Armeniern lebhaste Beunruhigung hervor. Die Polizei erklärte ihr Vorgehen damit, daß sie die zwei noch nicht zur Haft gebrachten Theilnehmer an den kürzlich verübten Altentaten suche. Die übrigen neun Attentäter sind verhaftet, der Prozeß gegen dieselben beginnt in der nächsten Woche.— Afrika. Tanger, 28. August. Rußland beabsichtigt in Tanger eine Gesandtschaft zu errichten und wird schon in nächster Zeit einen Vertreter dahin entsenden. Auch dieser Schritt Rußlands zeigt, wie 'ehr sich dieser Staat für afrikanische Angelegenheiten zu interefsiren begonnen hat.— Ans der Parteikonferenz für den Wahlkreis Prenzlan- Aiigcrmiindc, die am 29. August in F r e i e n w a l d e a. O. ab- gehalten wurde, waren 16 Delegirle anwesend, ferner der Reichstags- Kandidat des Kreises, Genosse Thierbach, sowie je ein Vertreter der brandenburgischen Agilationskomniission und der Presse. Be- chlossen wurde, die„Brandenburger Zeitung" überall im Kreise einzuführen. Nach einem Referat Thierbach'S, der entschieden cde Betheiligung an den Landtagswahlen verwirft, fand eine längere Aussprache für und wider statt, woraus mit 2 Stimmen Mehrheit befchlossen wurde, für Aufhebung des Kölner Parteitags- beschlusses auf der Provinzialkouferenz einzutreten. Zu derselben wurden die Genossen Brüsch, Strasburg und Lasse- renzlau delegirt. Der bisherige KreiS-Verlrauensmaun Robert »ünterberg in Schwedt a. O. wurde wiedergeivählt. Prenstische LandtagSwnhlen. Der Parteitag für den Reichs«: tags-Wahlkreis Calbe- Aschersleben, der am 22. August in � Quedlinburg tagte und von 12 Orten mit 18 Delegirten be- schickt war, nahm einstimmig folgenden Antrag des Redakteurs Adler aus Halberstadt an: Der Hamburger Parteitag möge be- schließen: Der Kölner Beschluß wird aufgehoben, die Partei be- theiligt sich offiziell nicht an den Landtagswahlen, sondern überläßt dies den einzelnen Wahlkreisen. Bedingung hierzu ist jedoch, daß der etwa zu unterstützende gegnerische Kandidat sich auf gewisse, von einem Zentral-Wahlkomitee aufgestellte Forderungen ver- pflichtet. In demselben Sinne beschloß ei», Parteiversammlung in H a l b e r st a d t. Der Adler'sche Antrag wurde dort jedoch nur mit SO gegen 33 Stimmen angenommen._ Die Parteikonferenz für den Regierungsbezirk Merse» bürg, die am letzteni Sonntag in Halle tagte und von Torgau, Liebenwerda, Delitzsch, Bitterfeld, Zeitz, WeißenfelS, Naumburg, Eis- leben, Nordhansen, Querfnrt, Wittenberg, Schweinitz, Merseburg und Halle-Saalkreis mit 26 Delegirten beschickt war, faßte nach dem Referat des Reichstags-Abgeordneten Fritz K u n e r t einstimmig auf dessen Vorfchlag folgenden Beschluß:„In Beziehung� auf die preußischen Landtagswahlen dahin zu wirken, daß der durch die allgemeine sozialpolitische Lage unhaltbar gewordene, Parteitagsbeschlnß von Köln— wonach es„Pflicht der Partei- genossen sei, sich jeder Belheiligung an den Landtagsivahlen unter dem jetzt bestehenden Wahlsystem zu enthalten"— beseitigt werde.> Die Genossen in Preußen haben dadurch die Möglichkeit, die Be- theiligungsfrage nach eigenem Ermessen in jedem einzelnen Falle für Stadt- oder Landkreise zu entscheiden. Es erscheint schließlich dringend nöthig, daß mindestens die allgemeine Direktive für die Art der Wahlbetheiligung oder die stellenweise Nichtbetheiligung in ganz Preußen von dem diesjährigen sozialdemokratischen Parteitag in Hamburg ausgeht." Die„Rheinische Zeitung" in Köln schreibt: Die praktische Erledigung der Frage wird unseres Trachtens die sein müssen: Der Parteilag beschließt, ob die Kölner Resolution über die Landtagswahlbetheiligung aufgehoben werden soll. Fällt dieser Be- schluß, was zu erwarten ist, bejahend aus, dann ist es Sache der preußischen Parteigenossen, sich über die Betheiligung, ob und wie, schlüssig zu werden. Das mag am besten in einer im Anschluß an den Parteitag abgehaltenen Konferenz der Delegirten der preußischen Wahlkreise erledigt werden. Die„ V o l k s st i m m e" in Magdeburg beharrt auf ihrem Vorschlage, daß der Parteitag in Hamburg sich lediglich mit der Aufhebung oder Belassung deS Kolner Beschlusses befassen soll. „DieS ist", sagt die„VolkSslinune",„nach einem einleitenden Referate sehr bald geschehen. Nicht so schnell lassen sich unserer Meinung nach die übrigen Fragen regeln. Und die kostbare Zeit aller De- legirten hier zu vergeuden, halten wir eben für zwecklos. Wir haben zunächst die Einsetzung eine? Zentral-WahlkouiileeS im Auge. dem die Gesammtleitung der etwa zu beschließenden Wahlbetheiligung auferlegt werden muß. Diese Zentralstelle halten wir für unum- gänglich nolhwendig. Nicht etwa, daß sie in die Entschließung der einzelnen Wahlkreise eingreift, insofern es sich um die Entscheidung über die Wahlbetheiligung handelt, sondern daß diese Zentralstelle die Direktive übernimmt. Um dem heillosen Wirrwarr zu begegnen, der unbedingt entsteht, wenn den einzelnen Wahlkreisen belassen bleibt zu entscheiden über die dem Gegner zu machende» Konzessionen, ist nothwendig die Festlegung jener Forderungen, aus die wir die von uns zu unterstützenden bürgerlichen Kandidaten ver- pflichten. In verschiedenen Kreisen werden bereits Stimmen laut, die bürgerlichen Kandidaten nur dann zu unter- stützen, wenn sie sich außer für Aufhebung deS Dreiklassenwahlrechts noch für die Aufhebung der Gefinde- Ordnung erklären; in gewissen Wahlkreisen wird das Bergrealrecht in den Bordergrund gestellt. So sehr wir die Regelung dieser beiden Fragen wünschen, glauben wir, sie in diesem Falle nicht befürworten zu können, da wir sonst nicht in die Lage kommen, auch nur einen einzigen bürgerlichen Kandidaten zu unterstützen. Unserer Meinung nach können die bürgerlichen Kandidaten zunächst nur daraufhin von uns verpflichtet werden, daß sie im preußischen Abgcordnetenhnnfe die Aufhebung des Dreiklassen- Wahlrechts beantragen und hierfür eintreten. Alles übrige findet sich dann später. Beschließt der Parteitag in diesem Sinne, dann ist der „Korruption" und„Stegmüllerei", die infolge der Wahlbetheiligung befürchtet wird, ein Riegel vorgeschoben. Alle diese Fragen sind nicht kurzerhand zu erledigen; sie benöthigen einer sachlichen Aus- spräche. Und da hieran zumeist die preußischen Delegirten belheiligt find, wird der allgemeine Parteitag entlastet, wenn die preußischen Delegirten in besonderer Konferenz zusammentreten."— Für den dritten Hamburger ReichStagS-WahlkreiS wurde seitens der Vertrauensleute der bisherige Abgeordnete des Kreises, Genosse W. Metzger, für die kommende Reichstagswahl wiederum als Kandidat ausgefiellt. AlS Telcgirtcr zum Parteitag in Hamburg wurde für den ReichstagS-Wahlkreis Ca lbe-Aschers leben der Parteigenosse G r e i n e r, als dessen Ersatzmann Trautewein gewählt. Für de» Regierungsbezirk Merseburg beschloß die bereits erwähnte Ko»ferenz zu Halle die Errichtung eines Zentral- W a h l k o m i t e e s, das seinen Sitz in Halle hat. Ferner wurde das„Volksblntt für Halle" als Parteiorgan des Regierungsbezirks anerkannt, ausgenommen den Kreis Sangerhansen-Eckartsberga, der zum Bereiche der„Thüringer Tribüne" gehört. Von der Agitatiou. Gegen 130 Parteigenossen aus Düffel d o r s verbreiteie» am vorvergangenen Sonntag in ca. 25 Orten des Wahlkreises Nenß-Grevenbroich annähernd 10 000 Flug- blätter und Broschüren. Polizeiliches, Gerichtliches«. — Die wegen angeblicher Majestätsbeleidigung erfolgte Beschlag» »ahme der Nr. 201 der M a g d e b u r g e r„ V o l k s st i m m e" ist wieder aufgehoben. Die konfiszirt gewesenen Exemplare sind der Expedition bereits zurückgegeben worden. Wieso die Behörde in der betreffenden Stelle überhaupt eine Majestätsbeleidigung er- blicken konnte, ist uns thatsächlich unbegreiflich. Die Notiz war lediglich eine Todsünde wider den g u t e n G e s ch m a ck, was wir im Interesse des publizistischen Ansehens unserer Partei leider feststellen müssen. — Reichstags-Äbgeordneter W i l h e l m S ch m i d t in F r a n k- furt a. M. sofite als Redakteur der„Volksstimme" durch Ver- öffentlichnng einer Notiz über den Tod eines Soldaten eine Hauptniannsbeleidiguug begangen haben. DaS Landgericht erkannte jedoch ans Freisprechung, da die Notiz nichts Beleidigende? enthielt. — Auf eine polizeiliche Vorladung, die ihm ohne Angabe dar- über, ob er als Beschuldigter oder als Zeuge fnngiren solle, während der Tagung des ßleichstages zugegangen war, richtete Genosse Schmidt seinerzeit eine Anfrage an daß Polizeipräsidium, die er. um die schroffe Fassung der Vorladung zu krilisiren, mit dem Worte „ N a ch l a d u n g" überschrieben halte. Die„Nachladung" ist dann nebst einer sarkastischen Einleitung in der„Volksstimme" veröffent- licht worden. Dadurch fühlte sich der Polizeipräsident beleidigt. Das Landgericht erblickte in der„Nachladnng" eine Verhöhnung dieses Beamten und erkannte gegen Schmidt ans 100 M. Geldstrafe sowie ans die üblichen Nebenslrafen. — Um ein gegebenes Versprechen zu erfüllen, hatte in Rock- winke! bei Bremen ein Arbeiter beim Leichenbegängniß eines Parteigenossen einen Kranz mit rother Schleife mitgesührt, obwohl die Familie des Verstorbenen dies nicht wünschte. Dadurch sollte er sich des„groben Unfugs" schuldig gemacht haben. Er erhielt vom Landherrenamte eine Strafversügung über 5 M., aber bevor das Gericht, das er anrief, darüber entscheiden konnte, hob das Landherrenamt die Strafverfügung wieder auf. — Der Parteigenosse Schöpflin, Redakteur der„Volks- stimme" in Burgstädt i. S.. hielt in Meerane in einer öffent- lichen Textilarbeiter-Versammlung einen Bortrag über die Lage der Textilarbeiter. Als er dabei auf die dortige Kamm- gar n- Spinnerei zu sprechen kam, entzog ihm der über- wachende Beamte das Wort. Auf die erstaunte Frage nach d» Ursache erfolgte die Ertttirung!„Ueber die Kammgarn- S p i n n e r e i d a r f nicht gesprochen werden." Als ein anderer Redner die Kmnmgarn-Spiinierei erwähnte, wurde diesem ebenfalls das Wort entzogen. Dieser Redner durfte aber wenigstens in der Diskussion noch einmal sprechen, nur nicht über dieKmm»gar»-Spi»nerei. Schöpflin durste aber auch wahrend der Diskussion nicht rede». Erst als er sich zur Geschäftsordnung ums Wort meldete, konnte er wieder sprechen. Er forderte die Textilarbeiter zum Anschluß an die Organisation auf; als er hierbei sagte:„besonders die Arbeiter der Kammgarn-Spinnerei"— wurde ihm flugs das Wort wieder entzogen und als Schöpslin dagegen proteftirte, verfiel die Versammlung der Auflösung. Gegen das Verfahre» des Beamten wird natürlich Be- schwerde geführt. In der Kammgarn-Spinnerei hatten die Arbeite- rinnen einige Tage vor der Versammlung eine Lohnforderung ein- gereicht; das scheint der„Grund" zu sein, weshalb der Polizeibeamte über die Kammgarn-Spinnerei nicht sprechen lassen wollte. GemevkfchAf'kliches. Berlin ittib ttingcbnng. Große Nnkenntniß t>ou der Gcwerbe-Ordnnng scheint bei der Firma Feising jun. n. Löhause», Maschineubau-Anstalt, Blumen- straße 70, vorzuherrschen. Dort wurden am Sonnabend eine Anzahl Arbeiter entlassen wegen„angedrohten Streiks". Dieser Vermerk ist auch einem jeden in das Abgangszeugniß geschrieben worden. Selbst- verständlich werden die sämmtlicheu Betroffenen bei dem Gewerbe- gericht klage» auf Ausstellung eines anderen Zeugnisses. Deutsches Reich. Ergebnisse der Nrabstimiiiuna im Verbände der deutschen Buchdrucker. Gau Leipzig. Frage 1: 1133 Ja, S89 Nein. Frage 2: 1110 Ja, 612 Nein. Gau Schlesien Frage 1: 682 Ja, 119 Nein. Frage 2: 675 Ja, 126 Nein.— Gau Hamburg: Frage 1; 640 Ja, 171 Nein. Frage 2; 573 Ja. 233 Nein. Die Frage», worüber abgestimmt wird, lauten: 1. Halten Sie die auf grnnd der Beschlüsse des Leipziger Pfingstkougrcsses ent- wickelte Thätigkeit der sogenannten Opposition gegen das Verbands- interesse gerichtet? 2. Wünschen Sie, daß seitens der Verbands- leitnng gegen die Verbandsschädiger nach Absatz a und b im s 5 des Statuts vorgegangen wird? DaS Breölancr Gctverkschaftökartell hat sich in seiner Sitzung am 26. August mit der Agitation in den Gewerkschaften Breslau'S beschäftigt. Es wurde bemerkt, daß die Gewerkschafts- beweguug»och sehr viel zu wünschen übrig lasse, denn bei einer Arbeiterbevölkerung von mehr als 72 000 Personen seien in 40 Ge- werkschaften nur 3000 Arbeiter und Arbeiterinnen organiflrt. Nach lebhafter Debatte wurde einstiinniig beschlossen: Das Gewerkschafts- kartest ist der Ansicht, daß die Agitation in den Gewerkschaften Breslan's unbedingt energischer noch als bisher zu betreiben ist. denn nur starke kampfcsfähige Organisationen können ihre Ausgabe: Erringung möglichst günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen, ersüüeu.— Der Vorstand des Kartells erhielt den Auftrag, die geeigneten Maßnahmen zu treffen. In dem letzten halben Jahre ist voii dem Gewerkschaftskartell die Gründung von fünf neue» Organi- salionen beziehentlich Zahlstellen veranlaßt worden. Die Flensburger Glasarbeiter ersuchen ihre Kollegen, den Zuzug nach dort vorläufig fernzuhalten. Sie stehen in Unter- Handlung mit der Direktion der Flensburger Glasfabrik um die Bewilligung eines Lohnzuschlags von 10 Pf. pro 100 Stück Flaschen. Ferner fordern sie Abschaffung des Lagerbruchs, Abschaffung des AuSleerens. Die Direktion scheint die Verhandlungen i» die Länge ziehen und mittlerweile von auswärts Arbeiter heranziehen zu wollen. Ter Gtreik auf dem Emaillirwerkc von Thiel». Söhne in Lübeck hat rund 56 853 M. gekostet. Eingegangen sind rund 57 047 M., davon 14131 M. von auswärts. Unter den Ausgabe» befinden sich 1463 M. Gerichts- und Anwaltskosten. Der Zimmererstreir in Dortmund ist an, 27. August für beendet erklärt worden. Ueber zwei Zimmererplätze wurde die Sperre verhängt. Zum Leipziger Manrerstreik wird gemeldet, daß das Streik- koinitee sich noch immer in Hast befindet. Ein Antrag ans Eut- lassnng ist vom Landgericht abgelehnt worden und letzteres will noch mehr Delikte dem Streikkomitee zur Last legen.— Das Schöffen- gericht verurtheilte das Mitglied des Streikkomitees, Maurer Hironymus O r n t h, weil er dem Maurer Leibnitz, der sich erst zum Streik gedrängt»nd dann die Arbeit wieder anfgenonimcn hatte, als er ihn ans der Straße traf, die Worte zugerufen hatte: Moritz, Du Stromer, wie kannst Du denn arbeiten. Du wärst werth, daß ich Dir ein paar in die Fresse haute!— zu vierzehn Tagen Gefängniß. Ausland. Im Arbeiter-Konsnuivercin in Wie n haben sämmtliche Angestellte, 30 an der Zahl, die Arbeit eingestellt, weil ihre Forderungen, die sich übrigens nicht auf Lohnhöhe, sondern ans die übliche Verabfolgung von Naturalien beziehen, vom Vorstand nicht genügend berücksichtigt wurden. Die Wiener„Arbeiter-Zeilung" be- klagt diesen Vorfall; in derartigen Geschäfte» seien für die Arbeiter außer dem Streik gewiß noch andere gangbare Wege vorbanden, «m zu ihrem Rechte zn gelangen. Andrerseits tadelt sie das Ver- halten des Vorstandes, durch dessen taktische Fehler es wahrscheinlich zu einer Einigung nun nicht mehr kommen wird. Ten Bndapcstcr Maurern war durch ihre Vertreter in einer gemeinsamen Sitzung mit den Unternehmern von dem an den Ver- Handlungen theilnehuiendcn Gewerbe.Jnspektor der Vorschlag gemacht worden, sie möchten zunächst die Arbeit sofort wieder aufnehmen. Dann wolle er in einer Eingabe an den Hnndelsminister die Ausdehnung des Wirkungskreises der Geiverbe-Jnspektion auf die Bauindustrie befürworten. Es ist nicht zu verwundern, daß die Arbeiter auf dieses„Zugestäuduiß" sich nicht einlassen wollen, sondern be- schloffen, den Streik bis aufs äußerste fortzuführen. Heute meldet der Telegraph von weiteren Zusammenstöße» zwischen Streikenden»ud Streikbrecher», wobei 41 Maurer verhaftet sein sollen.— In alle» Budapester Fabriken und Werkstätten wnrden am Sonnabend umfangreiche Sammlungen für die Streikenden veranstaltet. Ju dem großen Konflikt der Metallarbeiter Dänemarks ist nun ein Veriniltelungsvorschlag auf grund von Verhandlungen der beiden Vorsitzenden des Arbeitgeber- und des Arbeitnehmer- Verbandes zn stände gekommen. Die Vorstände der vereinigten Fachvereine habe» den Vermittelnngsvorschlag angenommen, die Fabrikanten werden sich in den nächste» Tagen schlüssig mache». Die Streitigkeiten in Odeuse nud Slagelse, welche die Ursachen bildeten für den gegenwärtigen Kampf, sollen durch ein Schieds- gericht entschiede» werden. Tie Londoner Gciverkschaftcn hatten am gestrigen Sonntag im Hydepark eine große Demonstration veranstaltet zn gunsten des Kainpfes der Maschinenbauer. Ueber den Verlaus der Demonstration ist näheres noch nicht bekannt; dagegen sind wir in der Lage den Text der Resolution wieder zu geben, die von 8 Platt- formen herab zur Annahme empfohlen werden sollte:„Die Bersammlung spricht ihr vollstes Einverftänduiß aus mit dem Vorgehen der Maschinenbauer und den mit diesen verbundenen Gewerkschaften, das darauf gerichtet ist, den Achtstundentag, der bereits in de» Regiernugswerkstätten»nd in der Mehrzahl der Londoner Maschinenfabriken sich bewährt hat, zur Durchführung zu bringen. Sie erklärt ferner ihre wärmste Synipathie mit den Arbeitsbrüdern der Provinz, die von den Unternehmern, welche die Organisationen der Arbeiter zu vernichten suchen, ausgesperrt wurden, ohne daß Differenzen bestanden. Alle Arbeiter des ver- einigten Königreichs werden aufgefordert. den Kämpsenden siuaiizielle und moralische Unterstützung zuzuwenden." Berantwortlicher Nedakteur: Nngnst Jacoben in Berlin. kkür den 9 Sozittlrs. I» einem Steckbrief» den die Staatsanwaltschast in Hagen im Amtsblatt der königlichen Regierung zu Köln veröffentlicht, heißt es von der verfolgten Person, einer Dienst magd:„Besondere Kennzeichen: Eine Schramme an der rechten Nasenseite und Backe, freches, ihrem Beruf entsprechendes Aeußere." So berichtet ein rheiuifches Blatt. Es ist noch in frischer Erinnerung, daß ein Staatsanwalt in einem Steckbrief erklärt, die verfolgte Person habe das Aussehen eines Schauspielers oder Zuhälters. Die Justizministerien werden gut thun, die Staatsanwaltschaften anzuweisen, ihre Steckbriefe endlich in einem ordentlichen Deutsch abzufassen, damit kein Anlaß zn Mißverständnissen gegeben wird._ Gevickzks Eine Privatbeleidigniigs-Klage des Schankwirths Schöning gegen den Schankwirth L a in p r e ch l und den Tischler A h r e n s wurde am Montag vor der Berufungs- Straf- kammer verhandelt. Die Angelegenheit, welche schon mehrfach Vereins- und Partei- Schiedsgerichte beschäftigt hat, ist folgende: Ahrens hat in einer Versammlung des Vereins zur Wahrung der Interessen der G a st- u n d Schankwirths den Kläger Schöning beschuldigt, seinen Kollegen Lamprecht wegen ttebertretung der Polizeistunde dennnzirl zu haben. Ein daraufhin von dem genannten Verein eingesetztes Schieds- gericht entschied, daß die von Ahrens ausgesprochene Beschuldigung unwahr sei. In zwei Veröffentlichungen im „Vorwärts" wandten sich Lamprecht, Ahrens und andere gegen den s-pruch des Schiedsgerichts und hielten die Beschuldigung, Schöning habe Lamprecht denunzirt, ausrecht. Wegen dieser Veröffent- lichungen hat Schöning gegen Lamprecht und Ahrens wegen verleumderischer Beleidigung geklagt, das Schöffengericht hat aber die Augeklagten freigesprochen, da es den Wahrheilsbeweis für erbracht ansah. Schöning hat gegen das Urtheil Berufung eingelegt. — Nach dem Ergebniß der Beweisaufnahme stellte sich die Be- rufungskammer in allen Punkten auf den Standpunkt des Vorder- richtcrs und verwarf die Berufung des Klägers. Eine lärmende Szene wurde gestern vor der sechsten Ferien- Straskammer durch de» Architekten R o g g e verursacht, der sich so aufgeregt benahm, daß er zweimal in eine Ungebührstrafe genominen werden mußte. Der Angeklagte hatte das Unglück gehabt, wegen eines heftigen Auftritts mit einem Gerichtsvollzieher zu Freiheitsstrafe ver- urlheilt zu werden. Er beruhigte sich nicht hierbei, sondern legte Be« rufung ein und vertheidigte gestern sein vermeintliches Recht mit un- gewöhnlichem Nachdruck. Der Vorsitzende hielt es für angebracht, ihn wiederholt zurecht zu weisen; als dies aber nicht half, der An- geklagte vielmehr in derselben herausfordernden Art seine Ver- theidigung iveiter führte und gegen den Staatsanwalt sehr persöulich ivurde, beschloß der Gerichtshof, dem Angeklagten wegen ungebührliche» Benehmens eine Ordnungsstrafe von 100 M. aufzuerlegen. Aber auch diese Warnung halte keinen Erfolg. Der Angeklagte wurde nun noch viel ausgeregter und als er wieder zur Ruhe verwiesen werden mußte, lehnte er sich mit lauter Stimme gegen den Gerichtshof auf:„Sie denken wohl, Sie können mich hier mnndtodt»lachen? Mit Ihren Ordunngsstrasen erreichen Sie bei mir nichts! Der Deutsche fürchtet Gott und s o n st nichts in der Welt! Hier habe ich zu reden, dazu bin ich vorgeladen und der Vorsitzende hat zu schweigen, wenn ich rede. Das ganze Verfahren ist eine Kette von Siechtsverletzungen, die ich später öffentlich geißeln werde. Hier ist doch keine Urtheils- fabrik, hier soll ßiechl gesprochen werden. Wenn Sie meinen, Sie können mich einschüchtern, dann irren Sie sich!" Der Gerichtshof mnßle sich nochmals zurückziehen, um weitere Maßnahmen zu be- schließen. Die Zwischenzeit benutzte der Älngcklagte, um in lauten Ansprachen an das Publikum seinem Umnnlhe Lust zu machen und jedermann aufznsordern, sich bei ihm als Zeugen zu melden, wenn ihm Böses widerfahren sollte.„Ich bin der Architekt Rogge und wohne Lynarstraße 2!" Der Gerichtshof verurtheilte den Angeklagten wegen erneuter Ungebühr zu einer sofort zu verbüßenden Haft- st r a f e von 48 Stunden. Die Verhandlung wurde vertagt, und der Angeklagte wanderte in Arrest, rief aber beim Verlaffen des Saales dem Gerichtshofe noch drohend zu:„Das soll den Herren schlecht bekommen!" Eine kleine Szene anS„Berlin bei Nacht" fand gestern ihr Nachspiel vor der siebeuten Ferien-Straskmmner des Landgerichts I. In der Nacht zum 15. Juni gegen 2 Uhr morgens hielt in der Lehrterstraße eine Droschke, welcher drei Insassen— ein Mann und zwei Frauenspersonen— entstiegen. Ein dort patronillirender Schutzmann, der die Nachtschn'ärmer im Auge behielt, glaubte wahrzunehmen, daß der Mann mit der einen Frauensperson in schamloser Weise sich gegen die öffentliche Ordnung verging, er eilte hinzu, in demselben Augenblick ließ aber die zweite Frauens« person, die auf dem Damme Wache hielt, einen warnenden Pfiff ertönen. Als der Schutzmann das Pärchen aufforderte, ihm zur Wache zu folgen, trat ihm das zweite Frauenzimmer kühn in de» Weg und bedachte ihn mit einer unendlichen Kette von Schimpfworten. Auch sie mußte deshalb zur Wache folgen. Unterwegs raffle die noch immer Schimpfende plötzlich die Röcke zusammen und suchte zu entfliehen. Der sie verfolgende Schutzmann nahm wahr, daß das Fraueuzimmer sehr große Schritte nahm und offenbar männliche Beinkleider trug; er bekam die Flüchtige wieder in seine Gewalt und auf der Polizeiwache stellte sich heraus, daß die angebliche Frauensperson ein verkleideter Mann— der schon mehrfach vorbestrafte Kommis Franz Louis M e ch h o l d— war, der irgend welchen nächtlichen Abenteuern nachgegangen war. Er wurde zu sechs Monaten Gesängniß verurtheilt. Bor länger als 1t Jahre», im Februar 1886, erregte die Flucht des Kaufmaniis Ernst Schreiber, welcher als Knsstrer bei der Aktiengesellschaft„Berliner Spediteurverein" angestellt war, Aussehen. Schreiber hatte den Baarbesland der ihm anvertrauten Kasse, etwa 6 bis 7000 M., mitgenommen. Er war nach England geflüchtet und von da nach Amerika gegangen. Im Juni d. I. ent- deckte die Behörde, daß Schreiber zurückgekehrt war und sich in Frankfurt a. M. niedergelassen halte. Er war in dem Glanben befangen gewesen, daß die von ihm begangene Straslhat verjährt sei, dies erwies sich aber als ein Jrrthum; der hinter ihm erlassene Steckbrief hatte noch Giltigkeit, Schreiber wurde verhaftet und nach Berlin gebracht. In völlig gebrochenem Zustande wurde er gestern der ersten Ferien-Straskammer deS Land- gerichts I vorgeführt. Der Vorsitzende Landgerichtsrath Haberstroh ermahnte den Angeklagten zu einem rückhaltlose» Geständnisse und unter Thränen kam der letztere der Mahnung nach. Er erzählte, daß man ihn damals förmlich dazu gedrängt habe, den mit 1500 M. dotirtcn Kassirerposten anzunehmen. Es sei ihm bekannt gewesen, daß das schwierige Abrechnungswesen in einem großen Speditionsgeschäft nie ohne Fehlbeträge zu bewerkstelligen ei und daß seine Vorgänger unter diesem Ucbelstand gelitte» hatten. Er habe den Posten annehmen müssen, da man ihm zn verstehen gegeben habe, er scheue sich ivohl vor der nicht zu vermeidenden Mehrarbeit. Bei den Revisionen habe sich denn auch jedesmal ein Fehlbetrag herausgestellt, aber so geringfügiger Art, daß die Direktion kein Gewicht darauf gelegt habe. Im Februar 1886 sollte wiederum eine Revision stallfiude». Er habe bei einer oberflächlichen Durchsicht zu seinem Schrecken ent- deckt, daß diesmal der Fehlbetrag gegen 2000 M. betrug. Nun habe er de» Kopf verloren. Ohne daran zu denken, daß die Gesellschaft durch die von ihm hinterlegte Kaution gedeckt war, habe er alles baare Geld zusammengerafft und sei geflohen. Der Staats- anwalt beantragte mit Rücksicht darauf, daß der Schaden nachträglich von der Mutter des Angeklagten gedeckt worden ist, eine Gefängnißstrafe von drei Monaten. Der Verlheidiger, Rechtsanwall Vicbig. führte ans, daß nicht Diebstahl, sondern nur Unterschlagung vorliege, und in dieser Beziehung trat ihm der Gerichtshof bei. Es wurde aber für die Unterschlagung auf eine Gefängnißstrafe von sechs Monaten erkannt. iseratentheil verantwortlich: Dh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Vevskrmmlungen. Tie VerwaltniigSstelle deS Verband der TranSport- «nd Handelsarbeiter hielt am 23. d. M. eine für Hausdiener und Packer einberufene Versammlung ab. In der nächsten General« versauimmlung soll eine Sektionsleitung für die Hausdiener und Packer gewählt werden. Nachdem verlas der Bevollmächtigte auf allgemeinen Wunsch den Beschluß der Generalkommission, welcher dahin geht, daß der Zentralverband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter als vollberechtigt anzusehen sei und daß die Gründung desselben keineswegs wider die Halberstädter Beschlüsse gehe. Nachdem der Bevollmächtigte noch auf das am 4. September stallfindende Stiftungsfest aufmerksam gemacht, schloß derselbe die Versammlung. Die Bäcker Berlins waren am 24. d. M. versammelt, um den Bericht vom sechsten deutschen Bäckerkongreß entgegenzunehmen. Bericht erstattete der Delegirte H ö p f n e r. An der darauffolgenden Diskussion, in welcher die Streitigkeiten zwischen Verband und Fach- verein wieder mit erörtert wurden, sprachen B as i li en, Schlüter, Hetzschold im Sinne der Kongreßbeschlüsse, während Schneider (lokaler Richtung) sich gegen verschiedene Punkte derselben wandte. Die Versammlung nahm schließlich eine Resolution a», in welcher sie sich mit den Kongreßbeschlüsseu voll und ganz einverstanden er« klärte. Hierauf erstattete der Vertrauensmann H ö p f n e r den Kassenbericht vom 1. Februar 1837 bis 1. Juli. Derselbe wies eine Einnahme von 268.33 M. und eine Ausgabe von 230,50 M. auf, bleibt somit Bestand von 33,33 M. Die Revisoren erklärten den Bericht für richtig befunden zu haben, worauf dem Kassirer ein- stimmig Decharge ertheilt wurde. Höpfuer bedauerte die vor- handenen Streitigkeiten unter den Kollegen Berlins, weshalb auch die Bewegung statt vorwärts, rückwärts gegangen sei. Redner hofft, daß eine Einigung bald wieder zu stände kommen möge. Als Ver- trnuensmäuner wurden einstimmig Schlüter und Höpfner wiedeisgewählt. zu Revisoren die Kollegen Lehm ä n n und M e r k l e. Der Bericht von der Gewerkschasts- Kommission konnte nicht gegeben werden, da der Delegirte nicht erschienen war. Der Vorsitzende gab dann noch bekannt, daß die regelmäßigen Mit- gliederversammlnngen des Verbandes der Bäcker und Berufs- genossen Deutschlands jeden zweiten Dienstag im Monat bei Röllig, Roseuthalerstr. 11/12 stattsinden. Maurer. Eine Wanderversammlung für Moabit der Zahl- stelle II des Verbandes deutscher Maurer tagte am Sonntag, den 23. d. M. M e w s hielt einen beifällig ausgenommeneu Vortrag. Au der Diskussion betheiligteu sich Ii a b e und S i l b e r s ch m i d t. Unter Gewerkschaftlichem wurde gerügt, daß die Kollegen auf einzelnen Bauten nicht richtig handelten, wenn sie Kollegen zurückwiesen, denen die letzten beiden Marken fehlten, trotzdem sie wußten, daß die betreffenden stets auf dem Posten wären. Außerdem wurden noch einige interne Zlngelegcnheiten erledigt. ' Dcr Verband der Textilarbeiter hielt am 23. August eine Mitgliederversammlung ab. Dcr angekündigte Vortrag des Herrn Dainaschke mußte wegen dessen Erkrankung bis zur nächsten Versammlung vertagt werden. In Erinnerung wurde gebracht, daß die Bibliothek des Vereins Sonntags von 10 bis 12 Uhr geöffnet ist. Angeregt wird, in Zukunft ein Streikreglement zu schaffen, um zu vermeiden, daß die Indifferenten immer nach Beendigung des Streiks der Organisation wieder den Rücken kehren.» Köpenick. Der Sozialdemokratische Arbeiter verein für Köpenick und Umgegend, der gegenwärtig 110 Mitglieder zählt, hielt am 16. d. M. seine Generalversammlung ab. Aus dem Bericht des Vorstandes ging n. a. hervor, daß der Verein ein reiches Arbeitsjahr hinter sich hat, denn außer seinen acht Vortragsabenden hielt er noch vier Lese- und Diskutirabende ab. Genosse Noack, der als Kassirer thätig war, berichtete über die Kasseuverhältnisse; er konnte mitlheilen, daß ein Bestand von 102 M. 55 Pf. vorhanden ist. Dem Gesammtvorstand wilrd« Decharge erlheilt. Folgende Genossen wurden in den neuen Vorstand gewählt: tilliges als erster, Hein als zweiter Vorsitzender, Noack alZ asstrer, D a m k e als Schriftführer und M ö s e r als Beisitzer. Als lltevisoren wnrden bestimmt die Genossen Becher, C. Rade- mach er und Kegel. Zum Schluß seiner Sitzung bewilligte der Verein einem kranken Genossen 10 Mark Unterstützung. Rixdorf. Tim 17. August d. I. tagte hier eine Versammlung des Deutschen Holzarbciter-Verbandes, in welcher K o tz k e einen Vor- trag über:„Die Arbeiterschutzgesehgebung" hielt. In der Diskussion prach Rosenbaum im Sinne des Referenten. Zu Punkt 2: Wahl von vier Beitragssammlern, wurden G. Schindler, Schwiege. Saß und L u s ch gewählt. Zn Punkt 3 gab der Bevollmächtigte bekannt, daß sich Hagen um Rechtsschutz an ihn gewandt habe. Nach Anhörung des Sachverhalts wird demselben der Rechtsschutz gewährt. Sodann wird noch bekannt gegeben, daß in Sachen des Klubs„Zufriedenheit" am 6. Oktober d. I. Termin anberaumt ist. Vreschen und letzte Mttchvichtetr« Frankfurt a./O.» 30. August.(W. T. B.) Heute Mittag fand unter starker Betheiliguug von allen von dem Wasser- schaden betroffenen Kreisen des Regierungsbezirks Frankfurt a./O. eine Versammlung statt, welche über Maßnahme» zur Linderung der Roth im Regierungsbezirk Frankfurt a./O. berathen wollte. Wie aus dem Bericht der Deputirle» sowie aus den Mit- theilungen des Dezernenteu der königlichen Regierung hervorging, erweist sich der Schaden als ei» ganz ungeheurer und Ü b e r st e i g t die s ch l i m m st e n B e s ü r ch l u n g e u, er darf mit zehn Millionen eher zu niedrig als zu hoch veranschlagt sein. Exzellenz v. Levetzow«heilte mir, daß der Pro- vinzialausschuß zur Herstellung dcr Deiche— es haben gegen 150 Deichbrüche stattgefunden— sowie der Brücken 500 000 M. bereit- gestellt habe. Zur besseren Verbindung des Bezirkes mit dem Berliner Zentralkomitee zur Linderung der Roth in den Ueber- schweunniingsgebicten wurde ein geschäftssührender Ausschuß gewählt. An Hilfsgeldern sind bisher 24 000 M. eingegangen, von denen 18 000 M. bereiis verlheilt sind. Graz, 30. August.(B. H.) Gestern wurde Ostsleiermark von einem furchtbaren Wolkeubruch heimgesucht. Die Kulturen sind zum größte» Thcile vernichtet. Budapest, 30. Augnst.(B. H) Vorgestern drang die Gen- darmerie in die rumänische, von dem bekannten Agitator Lttkaeiu gegründete Walsahrlskirche in Lacfaly und verlrieb die anwesenden Gläubigen aus dcr Kirche. Bei dieser Gelegenheit soll es zu einem blutige» Zusammenstoß gekommen sei». Budapest, 30. August.(B. H.) Zwischen den streikenden und arbeitenden Maurer» kam es zu Konflille», wobei mehrere Maurer schwer verwundet wurden. Lemberg, 30. August.(B. H.) Das Schloß des StallhalterZ Fürst Sanguszko in Podgorce ist von bisher noch nicht ermittellei» Slrolchen geplündert worden. Die Kasse wurde geraubt, ferner fehlen viele iverthvolle Waffen. Paris, 30. August.(B. H.) Gelegentlich der Eröffnungsfeier einer neuen Eisenbahnlinie, der u. a. auch der Justizminister bei- wohnte, stürzte in Craponne ein Balkon ei», auf dem 30 Personen plazirt ivare». Zwanzig Personen erlitten Verletzungen. Paris, 30.'August.(B. H.) Ei» furchtbarer Hagelschlag ging gestern in Perpignan nieder. Der Materialschaden ist um so be- deutender, als jetzt gerade die Weinlese stattsindet.I Loudon, 30.'August.(B. H.) De»„Times" wird aus Wien und lltoiu telegraphirt, daß der Vorschlag Lord Salisbnrr>'s, England/ Frankreich und Rußland sollten die Kriegsentschädigungs-'Anleihe garantiren, gescheitert sei. Tie französische Regierung sei nicht geneigt gewesen, eine so schwere Verantwortlichkeit ohne die Gc- nehmigung der Kammer zu übernehmen. Uebrigens sei auch die hartnäckige Opposition Deutschlands an dem Scheitern schuld. Londou, 30. August.(B. H.) In Skibbereen richtete gestern ein schweres Unwetter großen Schaden au. Petersburg, 30. August.(B. H.) Aus Pultawa wird ge. meldet, daß dorr das Sladllhcater bis auf de» Grund nieder- gebrannt ist. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Max Bading in Berlin. Hierzu 1 Beilage u Ilntcrhaltiiugsblatt Hr. 202. 11. Iahrgllltg. ftilaje Ks JotiDirls" Krim lolbUntt Dirnstag, 31.|iip|) 1897.- Inkc vn skiottolev fi,v IrvbeikevsrHutz. Zürich, den L8. August 1SS7. VIll. Der Vorsitzende, Nantonsralh Scherrer, eröffnet die Ver- k>a»dl»»ge» gegen 9 Nhr. Auf der Tagesordnung stehe» die beiden letzten Punkte, mit denen sich der Kongreß zu beschäftigen hat: Mittel und Wege zur Verwirklichung des Arbeiterschutzes und Internationales Amt für Arbeiterschntz. Das Referat über den ersten Punk hält Nationalrath C. D e c n r t i n s- Tnrns. Er sagt etwa folgendes: In der modernen Knlturivelt vollzieht sich eine fortwährende Umgestaltung von nalionalen Anschauungen und Rechtssätzen zu internationalen Gestaltungen. Trotz aller Zoll- und Militärgrenzen nehmen alle Kulturvölker gemeinschaftlichen Antheil an den fortschreitenden Er- findnugen und dem sie begleitenden, wirthschafllichen Fortschritte. Das Recht aus dem Gebiete des Handels und Verkehrs ist vielfach zu einem internationalen Rechte geworden. Soweit die Eisenbahn und das Dampfschiff geht, gilt ein in den großen Grundsätzen ein- heitlichcs Transportrecht. Der Wechsel, ein Produkt des europäi« schen Handelsrechts, wird seinem Wesen»ach in Japan und Australien von den gleichen Normen beherrscht wie in Deutschland, der Schweiz und Frankreich. In den Goldfeldern von Transvaal ist das Rcchtsgebilde der Aktien- gesellschaft durch das Großkapital eingepflanzt und zur rechtlichen Geltung gebracht worden, wie von den neuen Eisenbahnlinien der Mongolei. Sogar der Krieg, der rechtslose, hat sich in die Schranken völkerrechtlicher Sätze banne» laffen.— Auch die Arbeit ist längst eine internationale Waare geworden, wie irgend ein kaufmännischer Artikel. DaS ist ja das Zeichen des Großindustrialismus und Kapitalismus, daß er die Arbeiterwelt von der heimischen Scholle los- gelöst und international gemacht hat.„Der Proletarier aller Länder" ist nickt nur einer hetorische Eprachwendung, sondern eine konkrete That- fache. Die Bedingungen der Verwerthung der Arbeilskrast werden vom internationalen Arbeilsmarkt aus geregelt. Die großen Trusts und stiinge, die wahre Nibelungenschätze in ihren Händen vereinigen, die die ganze Kultur in die Tiefe zu ziehen drohen, sie schreiben de» internationalen Arbeitnehmern die Löhne vor. Man spricht heute von einem internationalen Sackenrecht. Warum nicht von einem internationalen Menschenrecht? Ein inleriiationales Zlrbeiterrecht muß geschaffen werden. Was können wir daz» ihun? In erster Linie muß für den Gedanke» eine lebhafte Agitation in Wort und Schrift entfaltet werden. Die öffentliche Meinung Europa's ist eine gewaltige Macht, vor der sich auch die höchsten Personen beugen müssen.(Lebhafter Beifall.) Ziveitens müssen die Arbeiterparteien in den verschiedenen Ländern in ihrem Programm ein internationales Arbeilerrecht fordern. Die Arbeiter der verschiedenen Richtungen sind stark genug, in den Parlamenten eine Majorität zusammenzuschweißen, wenn sie ihre Stimme jedem Kandidaten verweigern, der nicht für diese Forde- n, iigen eintritt. Drillens wäre es gut, wenn Sie von sich ans ein Komitee einsetzen wollten, das auf neulralem Boden steht. Das Komitee hätte die Literatur und die Fachschristen zu verfolgen und die Arbeiterführer und Agitatoren mit dem nöthigen Material zu versehen. Es hätte das Ganze zu überwachen. Nnter Leitung unseres vortrefflichen Vaters Greulich könnten es die Führer der sozialistischen, evangelischen und katholischen Arbeiter mit Literatur versorgen und ihnen Winke zur Agitation geben.(Bravo!) Welche Forderungen sollen wir nun sür das internationale Arbeitcrrecht zunächst ausstellen? Wir waren uns einig, daß wir uns auf einige wenige beschränken müßten. Nur bescheidene Forderungen haben Aussicht durchzudringen. Wenn wir auf dem Gebiet der Kinderarbeit, der Nachtarbeit, der Arbeit in gesundheitsgefährlichen Betrieben, der Frauenarbeit etwas inter- national erreichen, so ist viel gewonnen, denn dann ist der Weg ein- mal betreten. Ohne Zweifel ist viel gcthan, wenn wir die Kinder- arbeit und Ausbeutung verhindern, wie sie am gräßlichsten in den Schwefelgruben Siziliens betrieben wird.(Lebhafter Beifall.) Die soziale Frage wird in Reih und Glied nnsgefochtcn Es ist auch das beste, praktische Christenthiim, die Erfüllung des Wortes des Herrn: Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst, wenn wir sür den Arbeiterschntz eintreten.(Lebhafter Beifall.) Dieser soziale, christ liche Zug, den auch die akademische Jugend begreift, muß inter- national werden. Vor hundert Jahren sprach man zum ersten Male vom Menschenrecht. Heutzutage hört man bei unseren oberen Zehn tausend garnichts mehr davon. Als überzeugter Katholik und Christ erinnere ich daran, daß die alte christliche Idee nur eine ganze Christenheit, eine religiöse Kulturwelt kennt, ohne Klassenunterschiede. Marx hat den vierten Stand den Träger der Kultur genannt. Wir schauen zu den Arbeitern empor, als zu jenen, von denen eine neue, bessere Zeit kommt.(Stürmischer Beifall.) Was unserer Zeit droht, das ist jene Kluft, an der das Alterlhum zu gründe gegangen ist, weil es die Interessen der Arbeit und die Interessen der Kultur nicht vereinigen konnte. Der tolle Genuß- tanmel wird die oberen Zehntausend bald an denselben Rand gebracht haben, wo die Antiken standen. Eine schöne Aufgabe der Christen und Menschen ist es, dafür zu sorgen, daß die Güter der Kultur allen Aibeitern, die sie erzeugen, zu theil werden.(Stürmischer Beifall.) Das Referat über den zweiten Punkt— Gesuch an den Bundesrath— hält TheodorZ Curti, Regiernngsrath in St. Gallen: Schon in der Instruktion, welche die schweizerischen Delegirten zur Arbeiterschutz-Konserenz in Berlin erhielten, war der Satz enthalten:„Für die Zentralisation der Aiiskiinftsertheilnng, regel- mäßige Veröffentlichung statistischer Angaben und die Besorgung von Vorarbeiten für Konserenzen ist ein besonderes Organ in Aussicht zu nehnien." Die Konferenz hat sich aber darauf beschränkt, eine Reihe von Wünschen über die Maximen auszusprechen, nach denen die Arbeiterschutz- Gesetzgebung in den ein- zelnen Staaten ausgebildet werden soll, ohne zu untersuchen, wie ein zwischen den Regierungen vermittelndes Organ im Sinne jener Instruktion beschaffen sein müßte. Sie empfahl nur, daß die Staaten sich gegenseitig von den Berichten über die Aus- führniig der Arbeiterschntz-Gesetze, von statistischen Erhebungen, welche periodisch vorzunehmen wären und von den auf den Kinder- schuh bezüglichen gesetzgeberischen Akten und Verwaltnngsmaßrcgeln einander K-nnlniß geben, sowie daß die gemeinsamen Berathnngen wiederholt werden möchten.— Die Konferenz ist jedoch ein zweites Mal noch nicht einberufen worden und Schritte hierfür wurden erst gcthan, als die schweizerische Bundesversanimluiig dem Buudesrathe im Juni 1895 den Austrag ertheilte,„die «erhandliingrn bezüglich einer internationalen Regelung der Arbeilerschutzfragen wieder aufzuiiehmen. Es hatten sich nämlich die Koinmisflonen der beiden Räthe mit einigen Fragen des Arbeilerschntzes zu beschästigen, wozu ihnen besonders auch die Resolutionen, welche an den Maifeiern der Arbeitervereine gefaßt worden sind, Anlaß gaben. Das schweizerische Fabrikgesetz hat den elsstündigcn Normalarbeitstag festgesetzt; statt desselben wurde an den Maifeiern bekanntlich die Einführung der Acklstiindenardeit ge- fordert; in den Eingaben an die Räthe indessen begnügte man sich. die H-rabsetznng auf zehn Stunden zu verlangen. Die Kommission des Nationalraihes glaubte nun aber auch dieses Begehren nicht unterstützen zu können; sie wies darauf hin, daß zahlreiche Industrien bereits eine Verringerung der Stundenzahl bis zu 9 und 8 Stunden vorgenommen hätten, daß aber andere das gleiche Verfahren nicht einschlagen konnten, weil sie. sobald die Gesetzgebung ihre Arbeits- zeit ans zehn Stunden beschranken wollte, nicht mehr mit dem Aus- lande zu koukurriren vermöchten. Wohl gab es Stimmen, welche die Berechtigung des letzteren Einwandes anzweifelten; einstimmig aber waren die Kommissionsmitglieder verschiedener politischer Richtung darin, daß bei dem internationalen Zusammen- hange der gcsnmmten Produktion die Fabrikgesetzgebung eines einzelnen Landes keine durchaus autonome sei und sich nicht beliebig frei bewegen könne. Die Kommission stellte deshalb den Au- trag, daß der schweizerische Bundesralh die Verhandlungen über eine inlernalionale Regelung der Arbeiterschutzfragen wieder aufnehme, und in diesem Sinne beschlossen National- und Ständeralh. Ich habe nun öffentlich den Vorschlag gemacht, daß die künftige Arbeiter- schutz-Konsereiiz der Staaten ein internationales Bureau für den Arbeiterschntz, ein Arbeiterschutzamt, einsehe.— Das ursprüngliche Postulat der internationalen Fabrikgesetzgebung konnte auf der Berliner Konferenz nicht erfüllt werden— es zielte zu hoch— während umgekehrt die Wünsche der Konferenz, die nicht verbindlich sind, wohl eine ethische Bedeutung besitzen, den Arbeiterschntz aber nicht ausreichend förder». Dazwischen liegt ein mittleres, das Zlrbeilerschiitznmt, weläies den Vorzug hätte, daß es sich sofort verivirklicheu ließe und die Fortentwickelung der Arbeiterschntz- Gesetzgebung ungemein bc- günstigen müßte. Ich verstehe uuter der Thätigkeit eines solchen Amtes zunächst die S a ni m l u n g und Heransgabe aller aus den Arbeiterschntz sich beziehenden Gesetze und anderen wichtigen Publikationen durch eine Zentralstelle. Alle Texte müßten in englischer, fran- zösischer und deutscher Sprache mitgetheilt werden und darüber hinaus in ihrer Ursprache, wenn diese keine der drei genannten ist. Aufgenominen sollen werden alle Gesetze überF a b ri k polizei, insbesondere über den Schutz der Minderjährigen und Frauen; über die Sonntagsruhe sowohl der Fabrik- arbeiter als der in W i r t h s 6; a f t en und Ladengeschäften arbeitenden Personen beiderlei Geschlechts; über schützende Maß- regeln für die in der H a u s i n d u st r i e Beschäftigten; über die Arbeitszeit, Nacht- und Sonntagsruhe in den S t a a t s w e r k- st ä t l e n und Verkehrsanstalten(Post, Eisenbahnen, Schiff- fahrt, Trambahnen, Fnhrhallern, Telegraph, Telephon) über die H a s t p f l i ch t in Fabriken, Gewerben und Berkehrsanstalten; über das L e h r l i n g s w e s e n; über A r b e i t e r w o h n u n g e n, über die Versicherung industrieller und ländlicher Arbeiter gegen Unfall, Kiankheit, Invalidität, Alter, Arbeilslosig- keil und über den Arbeitsnachweis. Um einen Kommentar zu den Gesehen zu geben, müßte das Amt ferner die Botschafter der Regierungen und Kanimerdebatlen resnmiren, die Verordnungen und Regulative Über den Vollzug dieser Gesetze sammeln, das Wesentliche aus den Berichten der Ver- waltungen, der Fabrikinspeltoren, der Arbeitersekretäre heraus- ziehen und belangreiche Entscheidungen der Gerichte und Ver- waltiingsgerichlshösc, die wichtige Jnterprctaiionen geben, zusamuien- stellen. Damit in Verbindung stände die Pflege der Arbeite r- st a t i st i k, der Sozialstalistik überhaupt. Eine weitere Aufgabe des Arbeiierschutz-Amtcs wäre die Abfassung eines Jahres- berichtes über die ganze von Gesetzgebung und Verwaltung für die Fortbildung des ArbeiterschutzcL entwickelte Thätigkeit. Diese Publikationen müßten allen Regierniigen»nd Parlamenten, allen Fabrik- iuspektore», Zlrbeitersekrelariaten und statistischen Aemtern zugestellt und in de» Buchhandel gebracht werde». Weiter könnte das Amt praktisch als Anskunfts- und Bermittelungsstelle dienen. Wenn ein Staat etwa ein Haftpflichtgcsetz erlassen wollte, so könnte ihm das Amt das vergleichende Material liefern. Schließlich hätte das Amt jedes Jahr oder alle zwei Jahre den Miltelpunlt eines Kongresses zu bilden, auf denen Delegirte, Amtspersonen und Parlamentarier ihre Ansichten und Erfahrungen über Arbeiterschntz mit einander austauschen könnten. Natürlich würden diese Kongresse diejenige» der Arbeilervertreter nickt überflüssig machen; sie sollen auch den sich periodisch erneurrnden Znsammentritt der Staatenkonserenz ersetzen. Das wäre etwa die Arbeiisiphäre des internationalen Arbeiterschutz-Amtes. Die Kosten würden jährlich etwa 190 909 Fr. betragen, nicht viel, wenn mehrere Staaten zusammentreten. Als Ort kämen etwa Brüssel oder Zürich in betracht. Die Hamlet- Frage ist nur: werden die Siaalen das Amt einrichten oder nicht? Die Anfrage des schweize- rischen Jndnstriedepartemenls durch die Gesandten der Eidgenossen- schaft an alle Regierungen(Juni 1899) ergab als Resultat: Ein Großstaat erklärte, daß er die Anregung beifällig aufnehme, ein kleiner ist geneigt, sich zu betheiligen(Oesterreich- Ungar» und Belgien), zwei verhalte» sich eher wohlwollend als ablehnend zu dem Projekte (Deutschland und Italien). Vielleicht bringt dieser Kongreß den Stein ins Rollen:— Der Arbeiterschutz ist der kategorische Jmperaliv des Zeitalters! Folgen ivir seiner Stimme und wir werden die rechten Baumeister der Zeit sei»!(Slürmischer Beifall.) Folgende Resolutionen liegen vor: „Zur Verwirklichung des vom Kongreß geforderten Arbeiter- schutzes sind nolhiveudig: I. Eine einheitliche G e w e rb e-I n sp e k t i o n, die sich auf Groß- und Kleinindnstrie, Bergwerke, das Gewerbe, die Hans- indnstrie, den Handel. Verkehr»nd die Landivirthschnft, soweit in dieser maschineller Betrieb ftatlsindel, erstreckt, deren Beamte mehr als bisher aus sachverständigen Kreisen,»nd deren Gehilfen»nd Gehilfiniien aus Arbeiter- und Angestelltenkreisen genommen werde»,— die so zahlreich vorhanden sein sollen, daß sie jede» Beirieb mindestens einmal halbjährlich besichtigen könne»,— die mit dem Vollzngsrecht ausgestattet und»nabhängig gestellt sind. Die Jahresberichte dieser Beainten und Beamiinnen sollen sofort »ach Ablauf des Berichtsjahres amtlich veröffentlicht und z»»i Selbstkostenpreise an jedermann abgegeben werden. Für die Landwirlhschaft sollen besondere Inspektoren bestellt werden. Zur Aussicht über die Durchsührung der Vorschriften, die Franenarbeit betreffend, sind vom Staate zu besoldende Jnspek- torinneu anzustellen, die zum theil ans den Kreisen der Arbeiterinne» zu wählen sind. 2. Völlig freies Koalilionsrecht für alle Arbeiter, Arbeiterin»?» und Angestellte», insbesondere offizielle Anerkennung aller zur Kontrolle des Arbeilerschntzes von Arbeiter» geschaffenen Kommissionen, Kammern, Sekretariate, sowie der Geiverkschasten und ihres Auf- sichtsrechtes. Die Verletzung dcs K o a l i t i o n s r e ch t e s ist strafbar. 3. Einführung des allgemeinen, gleichen, direkte» und geheimen Wahlrechtes sür die Wahlen in alle Vertretnngskörper zur Sicherung des der Arbeiterklasse gebührenden Einflusses auf alle Parlamente. 4. Lebhafte Agitation sür den Arbeiterschntz durch die gewerk schafllichen und politische» Organisationen und Vorträge, Schrifie», Presse, Versammlungen und vor allein i» den Parlamenten. 5. Zur Förderung der nationalen und internationalen Arbeiterschntz-Gesetzgebung sind periodische internationale Kongresse zu veranstalte» und solle», soweit möglich, gleich- lanten'de gesetzgeberische Vorschläge, nach vorausgegangener Ver ständigung unter den Vertretern des Arbeiterschutzes, in den ver schiede»«» Parlamenten gleichzeitig eingebracht werde». 6. Die internationale Arbeiterschiltz-Gesetzgebung soll sich vor- züglich erstrecken aus die Aufstellung eines AltermininiumS für die in den Fabriken beschäftigte» Kinder und junge» Leute, auf das Verbot der Nachtarbeit für die in den Fabriken beschäftigten Frauen und jungen Leute, ans das Verbot der Frauenarbeit in den gesundbeitsschädlichen Industriell, das Verbot der Sonntags- arbeit, die Aufstellung eines allgemeine» Maximal-Arbeitstages. 7. Die Thcilnehmer des Kongresses werde» aufgefordert, in der Presse und in de» Parlamenten die Regierungen zur Er- richtung eines internationalen Arbeiterschutz-Amtes ein- zuladen. Als dessen Aufgaben werden in Ausficht genommen: a) Die Sammlung, Herausgabe und Mittheilung an die interessirten Amtsstellen, sowie die Verbreitung durch den Buchhandel aller auf den Arbeiterschutz sich beziehenden Gesetze. und anderen wichtigen amtlichen Veröffentlichungen zugleich ich englischer, französischer und deutscher Sprache und ferner in ihrer Aussprache, wenn diese keine der drei genannten ist. b) Die international vergleichende Bearbeitung der Arbeiter- statistik(oder Sozialstntistik überhaupt). c) Die Abfassung eines Jahresberichtes über die von de» gesetzgebenden und Verwaltungsbehörden sür die Fortbildung des Arbeiterschutzes entwickelte Thätigkeit. d) Die Erlheilung von Auskunft und die Mittheilung orienlirendcr Literatur. e. Die Veranstaltung von Kongressen zur Bsrathung über den Fortgang der Arbeiterschutz-Gesetzgebnng. 8. Ter Kongreß spricht den Wunsch aus, daß das inter- nationale Arbeilerschutznmt errichtet werde» soll, sobald drei Staate» sich hierzu bereit erklären. Fiir das Gesuch aü den schiveizerischen Bundes- r a t h wird folgende Fassung vorgeschlagen: „Der internationale Kongreß für Arbeiterschntz spricht seine Anerkennung aus sür die wiederholten Bemühungen des. schiveizerischen Bundesraths um das Zustandekommen einer inter- nalionalen Arbcilerschutz-Gesetzgebung; er spricht de» Wunsch ans, es möchte» diese Bestrebungen mit allem Nachdruck in nächster Zeit ivicder aufgenomine» werden, und er ladet sein Bureau ein,> diesen Wunsch dem schweizerischen Buudesrath i» geziemender- Eingabe zur Kenntniß zu bringen." Die Diskussion wird eröffnet znnächst über Mittel und Wege zur Erreichung des internationalen Arbeiterschutzes. Oberstlieutenant a. D. v. Egidy- Potsdam bringt dem- Kongreß für. Arbeiterschutz die Grüße dcs Friedenskongresses, der in der vorigen Woche in Hamburg getagt habe. Die Bestebnugen des Friedenskongresses seien mit den Bestrebungen für internationalen ülrbeiterschutz eng verknüpft, denn jeder internationale Arbeiterschntz höre auf, wen» die Völker sich bekriegen. Frau B o n» e v i a l- Paris spricht sich für die Einsetzung von Kommissionen, die vom hygienischen und schulmännische» Standpunkt für de» Schutz der Kinder eintreten solle». Dri Qnarck-Franksurt a. M. fordert de» Kongreß auf, in die giesolntion noch einzufügen, daß gerade im Hinblick auf die Bengung des foriuellen Rechts der Koalition der Arbeiter energisch die Gciverbe-Ülussicht und alle die anderen Schutzbestimmungen sür die Arbeiter gefordert werden. A x e l r o d- Zürich erklärt im Namen der russischen Dele- girten. daß die Resolntio» die rechtlose Lage der russischen Arbeiter nicht genügend berücksichtigt habe. In Rußland hätte» die Arbeiter »och kein formeNes Koalitionsrecht, auch keine Preßfreiheit. Die russische» Delegirten hätte» von der Stellung einet besondere» Re- folntion Abstand genommen, er wolle aber hier die Wünsche der rnssischeu Arbeiter mitiheilc» und die geplante Resolulio» verlesen. Die lltesolutio» besagt: In Erwägung daß iuteruationale Mittel und Wege zum Schutze der Arbeiter zur uothwendigen Voraus- setzung, Koalitionsfreiheit, Vereins- und Versaiinnlungssreihcit und Preßfrciheit habe», in Er>väg»»g, daß dieser gesetz- liche Boden von der zarischen Gesetzgebung und Ver» waltung den Arbeitern dcs größten Reiches Europas völlig entzogen ist, ferner in Erwägung, daß der Kapilalisnins i» Rußland reißende Forlschritte macht und zwar nicht zum geringsten Theile dank dem Zuflüsse europäischer Kapitalien und unter Mithilfe des Unternehmungsgeistes der europäischen Kapitalisten, wodurch mit naturgesetzlicher Nothivendigkeit der proletarische Klassenkampf er- zeugt ivird, ein Kampf, der unter dem stets wachsende» Einflüsse der von der westeuropäische» Arbeiterschaft getrageneu Ideen- bewegung nach den ihm adäquate» Formen ringt— erklärt der inlernalionale Kongreß sür Arbeiterschntz im Inter- esse des internationalen Arbeiterschutzes und der gesammte» Kiillurentivickelnng Europas es für dringend geboten, daß der kulturell widztigsten und bei weitem mächtigste» sozialen Be- wcgung der Jetztzeit der Arbeilerbeivegilng im größte» Staate Europa's freie Bahnen einer gesetzmäßigen und friedlichen Ent- Wickelung eröffnet werde», und fordert alle Arbeiterorganisationen »nd Arbeilerfreunde der zivilisirten Welt ohne Unterschied der Partclrichliing auf, mit alle» Mitteln und mit aller Kraft im Sinne dieser Erkeiintniß und dieser Resolution zu wirken. Außerdem giebt die russische Delegation folgende Erklärung zu Protokoll:„Es ist selbstverständlich, daß da, Ivo den Arbeitern die Mittel zur Bertheidigung ihrer Rechte, welche alle Kulturuationcn ihnen einräume», fehle», sie nicht auf de» Weg des Gesetzes ver» ivicse» werden können." Die Generaldisknssion wird geschlossen, eine Spezialdiskussion findet nicht statt. Die Resolution wird unter Stiiiiiiieulhallung der Engländer«iilstinimig nngenomme». Zur Resolution über das internationale Komitee und Arbeits- aint nimmt Sonne in a» n- Frankfurt a. M. das Wort. Er macht darauf aufiuerksam. daß eS eine» viel größeren Eindruck machen würde, wenn die Ausforderung zur Bildung eines inleruationalen Arbeitsamtes von dem Schweizer Bundesralh ausgehe» würde, und stellt deshalb de» Zusatzautrag:„den schiveizerischen Bnndcsrath zu ersuchen, die Einlavung zur Bildung des iuternationalen Arbeiter- schutzamtes an die verichiedenen Regiernngen zu richten." Pater S t o j a l o w s k i(Galizien): Wir werde» alle aus voller Ueberzeugnng für das internationale Arbeiterschutzamt st st» in en. Es soll unsere» Arbeiten hier sozusagen die 5krone ans» setzen und ihnen eine gewisse Fortdauer sicher». Wir haben auch zu dem intcrnaliouale» Komitee, das hier gebildet werden soll, das größte Vertrauen. Die Behandlung der Fragen ist in größter Sach- lichkeit und Objektivität erfolgt; das war das nützlichste, ivas für die Arbeitersache geschehe» konnte. Wir Christlich-Sozialen Galiziens kämpfen mit den Sozialdemokraten gegen de» gemeinsanien Feind» den Manimou. Wir sind mit ihnen in de» Prinzipien nicht ein- verstanden, finden uns aber als Freiheitsfreunde im Kampfe gegen das goldene Kalb zusaminen und huldige» dem Worte: Die beiden großen Heerschanren werden de» Feind besiegen. wenn sie auch getrennt marschiren, aber vereint schlagen.(Beifall.) Der Antrag Sonneinann wird einstinimig angenommen. Weiter wird die Bildung eines internationalen Komitees, das auch weitere Arbeiterschntz-Kongresse einzuberufen hat, beschlossen. Das Koulitee soll sich aus dem Organisationskomitee dieses Kongresses bilde»»nd das Recht der Kooptation haben. Ohne Diskussion einstimmig angenommen wird folgende schon in der Sektion angenommene Resolution Adler-Wien: „Der Kongreß erklärt, daß da? Vestreben, internationalen Arbeiterschntz zu erreichen, niemals ein Mittel der Ver- schleppung der Fortschritte im nationale» Arbeiterschutze werden darf. Er giebt vielmehr der Ueberzeugnng Ausdruck, daß internationale Bercinbarungen um so leichter zu erreichen sein werde» je mehr der Ausbau des Arbeiterschutzes in den ein- zeluen Ländern vorschreitet. S o l d i- Mailand begründet folgende von. ihm und Per»«- storfer gestellte Resolution: „Der Kongreß protestirt auf das Energischste gegen alle die- jenigen Bestrebungen und Akte von Regierungen, die uuter den verschiedenste» Vorwänden darauf ausgehen, durch Auflösung be- stehender oder Nichtgenehmigung neu zu gründender Arbeiter- organisationen einer wirksamen Arbeiterschntz- Gesetzgebung. die innner in erster Linie auf der Bewegungsfreiheit der Arbeiterschaft beruht. Schwierigkeiten in den Weg zu legen, er protestirt ins- besondere dagegen, daß häufig solche Auslösungen»nd Verbote mit angeblicher Staatsgefährlichkeit begründet werde», er protestirt schließlich ausdrücklich gegen das Verbot der internationalen Ver- bindung der Arbeiter zur Wahrnng der Arbeiterinlereffc»»nd verlangt die volle Freiheit der Person, der Presse und der Versammlung zu dem Zwecke, jedem Arbeiter den Genuß seiner bürgerliche» Rechte zu verschaffen. Auch dieser Antrag wird einstimmig angenommen. Einstimmig wird sodann beschlossen, daß alle Abgeordneten und Vertreter von Gemeinden die hier gefaßten Beschlüsse in die Wirklichkeit zu übersetzen versuchen sollen. Die ans dem Kongreß gefaßten Beschlüsse und Resolutionen sollen den einzelnen Regie rungen eingesendet werden. Damit sind die Arbeiten des Kongresses erledigt. Es erhält das Wort der Abg. Li eb k n e ch t: Eine große Anzahl von Parteigenossen aus den verschiedensten Nationen hat mich} beauftragt, hier einige Worte zu sagen. Ich glaube aber, daß ich im Namen von allen hier Anwesenden sprechen darf. Ich habe dem Organisations- komitee, dem Bureau, den Referenten und den Uebersetzcrn für das §ustandskon»nen und die Leitung des Kongresses zu danken. Ein � rtheil über den Kongreß zu fällen, ziemt mir nicht, das wird die öffentliche Meinung thun. Aber das kann ich sagen: der Kongreß ist musterhaft verlaufen, wir haben fleißig und gut gearbeitet. Nicht zum wenigsten danken wir daS der trefflichen Leitung»nd der vor- züglichen Vorbereitung deS Kongresses. Auf unserer Seite, wie auf der andere», flnd alle Gehässigkeiten vermieden worden, man ist mit dem Bewußtsein hingekommen, daß der, Arbeiterfchutz doch ein Gebiet ist, wo die verschiedenen Parteien, mögen sie sich im politischen Leben noch so sehr be- kämpfen, ein Stück znsannnenarbeiten können. Zunächst hat, wie das natürlich ist, wohl auf beiden Seiten ein gewisses Mißtranen geherrscht. Es war nicht berechtigt. Uebcr dem Kongreß schwebte sozusagen, um einen mittelalterlichen Ausdruck zu gebrauchen, so «ine Art Gottesfriede.(Beifall.) Die Waffen ruhten für eine Zeit lang. Noch einen Dank habe ich auszusprechen. Allen schweizer Freunden sei Dank dafür, daß sie uns den Aufenthalt in Zürich so angenehm gemacht haben. Wir alle scheiden von der Schweiz mit vermehrter Liebe zu ihr, die durch ihre freiheitlichen Institutionen die Nationalitätenfrage gelöst hat, an welcher andere Länder unterzugehen drohen. Die Schweiz ist uns ein Vorbild im Kleinen des großen Zukunftsstaates, der nicht «ine Fat» Morgana ist, sondern sich auf Erden verwirklichen läßt durch die Verbrüderung aller Völker auf der Grundlage der Freiheit «nd Gerechtigkeit.(Einmüthiger begeisterter Beifall.) D e c n r t i n s: Am Schlüsse des Kongresses erlauben Sie mir einen kurzen Rückblick. Unser Kongreß ist einzig in der Geschichte der modernen Arbeiterbewegung, den» er vereinigte zum ersten Male die Vertreter aller bedeutenden Richtungen. In dem Lande, wo Sie tagen, haben die verschiedenen Arbeiterparteien und ihre Ver- treter seit mehr als einen: Jahrzehnt gemeinsam berathen und gekämpft. Daß aber ein ähnliches, internationales Zusamniengehen beim ersten Versuche einen so glücklichen Erfolg hätte, wie auf unfern: Kongreß, hat wohl niemand zu hoffen gewagt. Nein, der Kongreß hat unsere kühnsten Erwartungen übertroffen!(Bravo!) Wenn wir die Ruhe und Objektivität, mit der die Diskussion von Männern so verschiedener Anschauungen geführt wurde, mit den Verhandlungen in unseren Parlamenten zusammenhalten, so fällt der Vergleich für- wahr nicht zu Ungunsten der Arbeiter aus.(Bravo!)— Haben wir uns auch nicht über alle Fragen geeinigt, so haben wir doch bei allen Besprechungen die gegenseitige Memung achten und verstehen gelernt.— Es war ein feierlicher Augenblick, als ein Vertreter der änßersten Linken unseres Arbeiterparlamentes erklärte, man möge unter der Fahne des kommunistischen Manifestes oder der Encyklika „Rerum novarnm" in den Kampf ziehen, die nächsten Ziele blieben für lange Zeit doch dieselben!(Bravo!)— Der A r b e i l e r s ch n tz auf nationalem und internationalem Boden war der Verhandlnngs- gegenständ unseres Kongresses. Manch fruchtbare Anregung hat die Debatte ergeben. Bei aller Anerkennung der großen Bedeutung der staatlichen Arbeiterschntz-Gesetzgebung, verlangten die Vertreter aller Parteien die volle Freiheit der auf dem Boden des Gesetzes stehenden Arbeiterbewegung, inden: sie mit recht in den Organi- sationen das beste Mittel sehen, die Arbeit zu schützen. Nur in: Sonnenlichte der Freiheit kann die Arbeiterschnh-Gesetzgebnng zum Baume werden, unter dem die Arbeiter aller Nationen sich sammeln. (Bravo!) Es wäre aber ein Jrrthuin, zu glauben, die Arbeiter- schutz-Gesetzgebung wäre das Endziel unserer Bestrebungen; nein, sie ist auch nur Mittel, um jenen Tag herbeizuführen, wo das letzte Sklavenmal von der Arbeit fällt, wo das Wort zur Wahrheit wird: Die Arbeit ist es, die adelt!(Stürinischer Beifall.) Hierauf hält Präsident S ch erre r die Schlußansprache. Mit großer Ausdauer haben Sie au den Verhandlungen theilgenominen. Ich spreche Ihnen dafür meinen Dank aus. Sind die Beschlüsse auch nicht alle einstimmig gefaßt, so steht doch eine starke, aus den verschiedensten sozialen Richtungen gebildete Mehrheit hinter ihnen. Und auch die Minderheit hat diese Beschlüsse nicht direkt verworfen, nicht grundsätzlich bekämpft, sie ist nur aus durchaus achtungswerthen Gründen nicht so weit gegangen, wie die Mehrheit. In der Grund- fordernng eines wirksamen Arbeiterschutzes sind wir alle einig. Daß die Fortentwickelung des nationalen Arbeiterschutzeszum internationalen ein absolutes Bedürsniß ist, haben wir alle anerkannt. Aufgabe späterer Kongresse wird es nun sein, positive internationale Vereinbarungen zunächst für einzelne Industriezweige anzustreben. Niemand ist hier in seinen Gefühlen verletzt worden und das eine oder andere kräftigere Wort wird gewiß niemand übel genonnnen haben. Gut. daß wir uns offen und frei ausgesprochen haben. Wir haben uns verstehen und achten gelernt und werden uns in Zukunft noch besser verstehen lernen. Wir werden hoffentlich alle zun: zweiten Kongreß für internationalen Arbeiterfchutz wieder erscheinen«nd viele Freunde der Arbcitersache mitbringen. Mit diesen Worten erkläre ich den Kongreß für geschlossen." MW dw Opfcv dev NAtApfvophen sind uns ferner die folgenden Beiträge zugegangen: Von: Vorstand der Orls-Krankenkasse der Schuhmacher 6,—. Hilfsarbeiter der Druckerei M. Babing 10,—. Von den Tischlern der Siebert'sche» Werkstatt. Manteuffelstraße, 2,80. Schneider in Sabaden I,—. Von d.Silberarbeitern d.FirinaFranzMoska:i,Mark:lsstr.50 10,—. Vom Fabrikfouds der Filzschnhfabrik von Silberstein S,—. Personal Lüderitz u. Bauer, Buchbinderei 24,—. Personal und Chef der Firma G. Vethge, Sebastianstr. 73 1S,7ö. Kollegen der Tischlerei Hanke::. Kaber, Weberstr. 52 10,45. Summa 85,—. Bereits quittirt 2562,24. Gesanuntsumme 2647,24. Weitere Beiträge nimmt unsere Expedition entgegen. UoKttwS. Die Parteigenossen deS dritte« Wahlkreises werden auf die heute Abend in Brochnow's Salon stattfindende Volksversamm- lung aufmerksam gemacht. In derselben wird Genosse V o r ch e r t über„Ferdinand Lassalle und seine Bedeutung für die Arbeiterbewegung" sprechen. DaS Zentralkomitee für die Ueberschwemniten hielt gestern unter Vorsitz des Polizeipräsidenten v. Windheim eine Sitzung ab, in welcher derselbe zunächst konftatirte, daß bis heute Vormittag bei der Hanptstiftungskasse an Gaöen 703 174 M. eingegangen seien. Darauf erstalteten die in den Ueberschwemmungsgebieten entsandt gewesenen Delegirten Bericht und konstatirten übereinstimmend, daß nirgend zur Zeit ein augenblicklicher dringender Nothstand be- stehe(Nanu!) und wo ein solcher bestanden hat, von den betreffenden Lokalkomitees:c. behoben worden ist. Dies ließe jedoch nicht darauf schließen, daß ein großer Nothstand überhaupt nicht vorhanden sei, vielinehr würde derselbe sich in: bevorstehenden Winter und Frühling in fühlbarer, starker Weise geltend machen, der ganz außerordentliche Mittel erforderlich machen würde. Sodann bewilligte das Komitee die vom Neunerausschuß beantragte Summe, die wir bereits mit- getheilt haben, und außerdem noch 100 000 M. zur Disposition des Ausschusses, um eintretendenfalls sofort helfend einzugreifen Auf Antrag deS Bürgermeisters Kirschner wurde mit Rück sicht auf eine diesbezügliche Petition aus}Marschendorf in: Anpathal in Böhmen und mit Rücksicht darauf, daß Marschendor eine reine deutsche Bevölkerung hat, nach Prüfung der Verhältnisse auch dort eventuell helfend einzugreifen, obwohl die betreffende Ort schast außerhalb der deutschen Grenzen liege. Oekonoinieralh Greb nahm Veranlassung, für die Hochherzigkeit, welche die Stadt Berlin bei dieser Gelegenheil gezeigt, in warmen Worten den Dank für ganz Deutschland auszusprechen.— So der Bericht aus den: Rath- hause, der denn doch etwas sehr rosensarben gemalt zu sein scheint. Gegen das Pilsencr Bier wird gegenwärtig Krieg geführt. In Böhmen sind vor kurzem die Deutschen bieder, fromm und stark von czechischen Guminischlanchbütteln niedergeknüppelt worden. Diese Gemeinheit hat in Preußen und Sachsen, allwo prügelnde Polizisten bekanntlich eine ganz unbekannte Erscheinung sind, böses Blut erregt— vor allem in antisemitischen Redaktionen. Das Geschrei nach Rache würde möglicherweise zu ernsthaften Verwickelungen geführt haben, wenn, dank den: Dreibund, der Deutschen prügler Badem nebst seinem kaiserlichen Herrn nicht znfällig mit Deutschland durch die Bande ganz besonders inniger Freundschaft verbunden gewesen wäre. Da denn kein Blut fließen konnte, beschloß man, zum wenigsten seinen Groll an den Sorte» Pilsen erBier auszulassen, die der Sage nach von Czechen gebraut werden: Das Bürgerliche Branhans wurde b o y k o t t i r t. Der Kampf verlief vorab insoweit recht befriedigend für die tapferen, nationalgesinnten Blätter, als das Bürgerliche Brauhaus in Pilsen mächtige A n n o u c e n bei ihnen einrücken ließ, in der Direktw» und Aufsichisrath männiglich ihre Unparteilichkeit in: gegenwärtigen Rassenkampf betheuerten. Diesen komischen Zustand schildert dre„Wiener Arbeiterzeitung" in einer vortrefflichen Skizze: Es ging eines Tages ein germanischer Jüngling in der Nähe des Bürgerlichen Brauhauses in Pilsen spazieren, und er hörte, wie zwei Mälzer sich gegenseitig bei einer in dem verhaßten czechischen Idiom geführten Unterhaltung als „Vaclav" und„Honsa" anredeten. Wohlgemerkt: Vaclav und Honsa— und nicht Willen: und Hannes! Darob erzürnte der Jüngling in seiner zottigen Brust und schwur bei seinem gerniaui scheu Kamisol, fortan keinen Tropfen echtes Pilsener Bier trinken zu wollen. Und von Mund zu Mund ging das Gelöbniß: Wir Deutschen fürchten den russischen Zar und sonst nichts auf der Welt! Wir werden, wenn es also bestimmt ist, de» Krieg nach zwei Fronten hin führen: gegen die Prager Schinken und gegen das Bier aus den: Pilsener Bürgerlichen Brauhanse. Eher soll uns die germanische Zunge an den Gaumen anwachsen, bis wir uns berauschen an dem Saft, den ein Vaclav und ein Honsa bereiten helfen!— Eitles, kindisches Unterfangen! Fünfzig Jahre fließt die ruhmreiche Pilsener Bierqnelle, 250 Pilsencr„Patrizier" sitzen, iudeß ein Heer von Arbeitern für sie robotet, an dieser Quelle und fäckeln mit unendlicher Grazie die Hunderttausende, die Millionen ein, die ihnen Abgesandte aller Völker und Zonen als Tribut bringen, um ans der Quelle schöpfen zu dürfen! Und diese Großmacht getrauen sich ein paar Germanen zu stürze»? Und die Herren fühlen sich wirklich stark genug, daß sie sich in Zukunft mit 5iulmbacher und Spaten- bräu am Leben erhalten wollen? Das muß denn doch abgewartet werden. Gar zu tragisch nimmt das glorreiche Brauhaus, das 250 Pilsener Bürgern gehört und diese und ihre Familien mit allen Gütern der Erde versorgt, den Boykott mit Nichte». Aber ein Manifest erlassen immerhin die edlen Patrizier, worin sie erklären, ihre Liebe und ihr Bier ströme frei und ungehindert der ganzen Welt, allen Völkern und allen Rassen— ohne Unterschied der Geld- Währung. Und damit der gerechte Sinn der Patrizier in hellstem Lichte erstrahle, wird angeführt, wie viel Auguste, Leberechte, Wilhelme, Gottfriede, Hermanne:c. unter dem Arbeitspersonal den Wenzeln, Borivoj, Svatopluk, Mecislav w. entgegenstehen. Doch, wie gesagt, das geschieht mit einer milden Ueberlegenheit, in der Art etwa, wie man trotzige Kinder beschwichtigt. Die Große Berliner Pferde-Eisenbahn-Geseflschaft be- absichligt eine Bahnverkehrs-Verbindung zwischen der Schönhauser Zlllee und Prenzlauer Allee im Zuge der Danzigerstraße herzustellen. Demnächst soll die Linie Nollendorfplatz— Kastanien-Allee durch die Danzigerstraße bis zur Prenzlauer Allee weiter geführt werden. Unter Ueberreichung des bezüglichen Projekts hat die Gesellschaft neuerdings beim Magistrat die Genehmigung zur vorgedachte:: Bahnverbindung nachgesucht. Alle, ivelchc daran interesfirt sind, daß dem Volke die Religion„erhalten" werde, haben gewiß ihre innige Freude an folgenden:.„Unter dem Protektorat Seiner Hoheit des Herzogs Ernst Günther von Schleswig-Holstein" findet, wie lang und breit in:„Kleinen Journal" des christlichen Herrn Dr. Leipziger mitgclheilt wird, am Sedantage ein Gartenfest im Sporlpark Friedenau statt, dessen Ertrag den Ueberschwemmien zu gute kommen soll. Zur Aufführung kommt:„Der geschundene Raubritter oder: Kuno, Ritter von C o h n st e i n oder: Wenn auch der Bosheit Schlangentückt Die Unschuld oft erzittern macht, Doch es lebt noch ein Gott Und eine Vorsehung wacht." Es ist sicher darauf zu rechnen, daß alle, die das Fest besuchen, fromme Christen sind, die in ihrer Rechtgläubigkeit schon einen kleinen Ulk vertragen können, ohne an ihrer Seele Schaden zu nehmen. Das geht schon daraus hervor, daß der christliche Chefredakteur in anbetracht des guten Zweckes nicht in: mindesten an den: Cohn- stein Anstoß nimmt, der dem Goi in den so leicht betretenen jüdischen Kreisen gewiß als Antisemitismus nachgetragen wird. So werden denn„Reichsbote",„Kreüz-Zeitung" und„Volk" ebenfalls Toleranz übe», und sich auch nicht an den: kleinen Scherz stoßen, der auf der so respektabel protcg:rtcn Festlichkeit mit den: Gotle getrieben wird, dessen Name bekanntlich nicht mißbraucht werden soll. DaS Wenden zu Rad. Mit der ungeheuren Ausdehnung deS Radfahreus hat die Ausbildung der dasselbe Betreibenden nicht Schritt gehalten; die durchschnittliche Fahrsicherheit ist vielmehr ganz wesentlich gegen frühere Jahre zurückgegangen. Man sieht dies sehr deutlich bei manchen an sich sehr einfachen Sachen, zum Beispiel auch bei dem Umwenden. Der englische Tonrenfahrer und Sport- schriftsteller Bidlake äußert sich hierüber solgenderniaßen: 00 pCt. aller Radfahrer steigen ab, wenn sie eine volle Umdrehung auf einer Straße zu machen haben; 9 pCt. stümpern an der Wendung herum, und nur 1 pCt. vollführt die höchst einfache Drehung ganz korrekt. Die Radfahrer sind so sehr daran ge- wöhnt, nur Wendungen im rechten Winkel auszuführen, daß sie nicht in: stände sind, die Wendung noch weiter fortzusetzen und da- her umkippen. Und doch ist die Bewegung sehr leicht ausführbar. Das ganze Geheimniß ist dies: Halte das Vorderrad doppelt so lange zur Seite gewendet, als Du es bei rechtwinkeligen Wendungen, d. h. wenn Du um eine Straßenecke fährst, zu thun pflegst. Natür- lich muß das Tempo sehr langsam fein, da sonst die Drehung nicht aelingt. Die Breite der Straße muß berücksichtigt und es muß so scharf gewendet werden, daß mindestens die Hälfte der Wendung vollzogen ist, wenn man sich auf der Mitte der Straße befindet. Dann darf man auch nicht vergessen, die Pedale in regelmäßigen: Gang zu erhalten. Oftmals mißlingt einem Fahrer die Wendung nur, weil er— ganz von der Steuerung der Maschine in Anspruch genommen— versäumt hat, dieselbe anzutreiben! Da eine volle Wendung(d. h. nach turnerischen Begriffen eine halbe Wendung, d. i.„Kehrt") auf Durchfchnittsstraßen au der Seite beginnen muß, so ist ziemliche Antriebskraft nölhig, um die Maschine auf die Höhe der Straße zu bringen.— Wer von uuseren Neulingen die hier ge- gebenen Punkte beachtet, wird sich mit dem Wenden bald abgefunden haben. Monarchenreisen im Interesse deS Volkes. Bei einen: Diner, das zu Ehren des Königs von Siam stattfand, hat der deutsche Kaiser, wie hiesige Blätter berichten, seinem Gast zu allen den Reisen, die er im Interesse seines Volkes unternahm. Glück und Gedeihen gewünscht. Das Gerücht von einem Dampfernngliick auf der Oberspree verbreitete sich am gestrigen Spätabend in Berlin. Der der Krahn- gesellschaft gehörige Dampfer„Germania" befand sich gestern Abend gegen ffzio Uhr mit etwa 400 Passagieren, Mitgliedern der Neuen freien Volksbühne, die er von Hessenwinkel geholt, in der Nähe von Neptunshain, als plötzlich dicht vor Backbord die Signallichter eines stromaufwärts fahrenden Sterndampfers sichtbar wurden. Die Kapitäne beider Fahrzeuge ließen zwar sofort Kontredampf geben. doch konnte der Znsammenstoß nicht mehr verhindert werden. Der Anprall war zieinlich heftig, doch wurde glücklicherweise niemand verletzt. Die beiden Dampfschiffe, die nur leichte Beschädigungen erlitten, konnten ihre Fahrt fortsetzen. Sehr bedenklich ist das fortgesetzte Verschwinden solcher Fleischtheile aus dem städtischen Schlachthofe, welche von feiten der Behörde als gesundheitsschädlich und zur menschlichen Nahrung ungeeignet der Vernichtung überwiesen worden waren. Es hat sich herausgestellt, daß nicht nur Fleisch und Fett, sondern selbst die Markknochen kranker Thiere in den Handel gebracht und dem Konsum zugeführt wurden. Zur Ergreifuug der Diebe und deren Hehler, die inan unter den zahlreichen Winkelschlächtern der Vororte vennuthet, sind Maßnahmen getroffen worden, die es erhoffen lassen, daß es endlich gelingt, diesem gemeingefährlichen Treiben ein Ende zu machen. Z»r Mordthat i» der Küniggrätzc: straffe. Wie das Polizei- präsidi»»: millheilt, ist die Spur des flüchtigen und steckbrieflich ver- folgten Goeuezy'schen Eheleute bis Hameln verfolgt worden. Sie sind am 19. d. M. früh um 6 Uhr von Frankfurt a. O. über Koltbns nach Halle und von dort mit den: um 1 Uhr 33 Minuten mittags abfahrenden Schnellzuge nach Hildesheim weitergefahren. In Halle wollten sie Fahrkarleu nach Brüssel lösen, erhielten diese aber nur bis Hildesheim. während ihr Gepäck bis Brüssel befördert wurde. In Hameln haben sie um 5 Uhr 57 Minuten den Zug ver- lassen und sind wahrscheinlich in der Richtung über Altenbecken und Soest nach Köln gefahren. Den weißen Spitzhund hatten sie bei sich. Angesichts der in letzter Zeit sich in Berlin in beängstigender Weise häufenden Kapitalverbrechen, erscheint es von Interesse, ein Urtheil wiederzugeben, welches vor einiger Zeit ein höherer Polizcibeainter über Organisation und Leisiungs- fähigkeit unserer Kriminalpolizei fällte.„Die zahlreichen Mißerfolge derselben", so führte der Fachmann in einer Gesellschaft aus,„sind nicht auf die bei uns eingeführte Organisation der Kriminalpolizei zurückzuführen, sondern einzig und allein auf das Systein, nach welchem wir unser Personal nur dem Militär- an wärt erstände entnehmen dürfen. Die Londoner, die Pariser, die New-Dorker Sicherheitspolizei rekrntirt sich nur aus Leuten, die aus Neigung sich diesem Berufe widmen. die Zahl der sich zun: Dienst anbietenden Personen ist so groß, daß sich die zuständige Behörde nach ihrem Ermessen diejenigen Leute aussuchen kann, welche sich vermöge ihrer Eigen- schasten und Fähigkeiten für den mitunter ein großes Maß von Scharssinn und Geschicklichkeit erfordernden Posten eines Kriininal- Unterbeamten eignen. Nach einer abzulegenden Probezeit erhalten diese Leute, falls sie sich als verwendbar erwiesen haben, bcdeulend weitergehendere Vollinachlen als unsere Kriiniiialschntzleulc, sind deshalb nicht in dem Maße an den bureankratischen Instanzenweg gebunden und können, was manchmal für die Auskläruna eines Verbrechens von größter Wichtigkeit ist, infolgedessen viel selbst- ständiger, rascher handeln als unsere Beamten. Wir dürfen uns unsere Unterbeamten nicht nach Maßgabe ihrer Fähig- keiten aussuchen, sondern wir müssen den uns zugewiesenen Kommiß-Soldaten, den Militär- Anwärter nehmen, gleichviel ob derselbe geeignet ist oder nicht! Die Presse glaubt mit ihre» Resormvorschlägen die Polizeibehörde zu belehren, wir wissen aber ganz allein, worin das zeilweise Versagen unserer Kriminalpolizei seine Ursache hat, aber w i r sind außer stände Wandlung zu schaffen." Der Mord liefert noch fortwährend Gesprächsstoff. Von de» Wunderlichkeiten der ermordeten„Gips-Schultzen" weiß, der eine noch diesen, der andere jenen Zug zu erzählen. Hier noch eine bezeichnende Episode. Vor mehreren Jahren wohnte in: Hause der„Gips-Schultzen" in der Königgrätzerstraße 35 im ersten Stock der Schauspieler Joses Kainz. Bald nach seinen: Einzug nahm die Hauswirthin die Treppenläufer weg und verschloß die Waschküche. Ans seine Vor- stellungen erhielt der Miether nur die Antwort, er wohne noch viel zu kurze Zeit im Hanse, als daß er schon ein Anrecht ans Treppenläufer und Waschküche hätte. Während des Prozesses, der sich»in diese Angelegenheit entspann, begegnete Kainz der Wirthin einmal auf der Treppe und benutzte die Gelegenheit, ihr wieder Vorhaltungen zu machen. Die„Gips-Schultzen" beharrte auf ihrem Standpunkte und wandte Kainz mit dem Abschiedsgruß:„Sie oller Faxenmacher!" den Rücken. Der Schauspieler gab das Kompliment mit einem „ollen Hökerweib" zurück. Wie wir erfahren, wird sich auch die Steuerbehörde noch mit dem Nachlaß der„Gips-Schnlzen" zu befassen haben. Der Klassen- steuer-Betrag, den sie jährlich entrichtete, stellte sich auf 60 M., eine Summe, die angesichts des nach Millionen zählenden Vermögens der Dame bedenklich gering erscheinen muß. Allerdings muß in be- tracht gezogen werden, daß die unleidliche Prozeß- und Händelsucht der Frau sowie ihr Grundsatz, lieber die Wohnungen leer stehen zu lassen, als sie billiger zu vermiethen, viel dazu beigetragen haben mag. daß ihr Einkommen ans den beträchtlichen Werthe» geschmälert wurde. Durch eine» heimtückische» Ueberfall, der einem Kriminal- beaniten galt, ist am Somiabend der Pfervcbahnschaffner Rossow schwer verletzt worden. R., der am Sonnabend freigehabt und infolge dessen sich in Zivil befand, begab sich gegen 12 Uhr abends nach dem in der Müllerstraße belegenen Bahnhos der Großen Ber- liner Pferdebahn, um seinen Dienst für den folgenden Tag fest- zustellen. Als sich R. in der Nähe des Depots befand, wurde er lötzlich von 4 Strolchen überfallen und durch Schläge mit stnmpfe» tustrumente» zu Boden geschlagen. Mit Stiefelabsätzen und Schlag- ringen hieben die rohen Patrone ans den Wehrlosen ei», bis einer der Strolche durch den Ruf„das ist er ja garmcht" darauf aufmerksam machte, daß man sich geirrt habe. Ein durch die Hilfe- rufe des Ueberfallenen aufmerksam gemachter Pferdebahnbeamter be- merkte noch die Fliehenden und erkannte einen derselben als einen 19 jährigen Burschen, namens Goltschrink. Der am Sonntag Fest- Senommeue, der auch seine Komplizen verrielh, gestand ein, daß cer iebersall einem Kriminalschutzmani: des 57. Polizeireviers gegolten hat, an den sie sich wegen erlittener Freiheilsstrasen rächen wollten. Rossow ist durch die Schläge der Burschen übel zugerichtet worden. Ei» Hochstapler hat in der letzten Zeit siebe» verschiedene Möbelhändler im Norden der Stadt zum theil um erhebliche Snmmei: geschädigt. In den Geschäflen stellt« sich ein Mai»: als „Dr. Schwarz" ans der Elsafserslraße IIa mit seiner Braut, einem„Fräulein Anna Weißbanch" aus der Chansseestr. 39 vor, um«ine Wohiiuiigsciiirichliliig für die bevorstehende Gründung eines eigenen Herdes' zu kaufen. Beide waren elegant gekleidet und traten icher ans.„Dr. Schwarz" wählte eine Einrichtmig von 500 bis 600 M., zahlte 75 bis 100 M. an lind füllte einen Vertrag aus, wodurch er sich zu monatlichen Abschlagzahlungen verpflichlele. Die Zusendung verlangte er für den nächsten Tag nach einem näher bestimmten Orte. Sobald er dani: in den Besitz der Möbel gelangt war, stand ihm ein Helfershelfer bereit, sie zu„verschärfen". Einen Theil des ersten Erlöses legte er bei einem zweiten Händler an, dem ein„Schlepper" ihn zuführte. So hatte er schon siebe» Ge- chäfte geprellt, als endlich die Frau des Möbelhändlcrs M. aus der Elsasserstraße stutzig wurde. Der Frau fiel es ans, daß der Schlepper", der sonst erst später wiederzukommen pflegt, um seinen Lohn für die Zuführniig eines Kunden in Empfang zn nehmen, da- blieb, um die Provision gleich zu bekommen. Man stellte nun Nachforschiliigen nach dem„Dr. Schwarz" und dem Fräulein Weißbruch an nnd fand, daß sie in den von ihnen angegebene» Wohnungen nicht wohnten. Ei» Hans Elsasserstraße IIa gicbt es gar nicht, nnd ans dem Grundstück Chaiisscestraße 39 stehe» nur Fabrikgebäude, aber kein Wohnhaus. M. begegnete bei seinen Nach- orschnngen einem Leidensgefährten, der feine Einrichtung schon vec- loren hatte»nd sich nun zu spät erkundigte. Der Hochstapler ist noch nicht ermittelt. Die Todesursache der an der Holzmarktstraße auS der Spree gezogene» Leiche eines Mannes hat durch die Obdnklion nicht festgestellt werden können. Die vorgefundenen Verletzungen können»ach dem Gutachten der Zlerzte auch nach dem Tode ver- ursacht worden sein. Ei» gefährliches Schadenfeuer wüthet« gestern Morgen auf dein Grundstück Wienerftrahe Nr. SO. Zins demselben hat die Möbel- sabrik von Rückwarih u. Riegel ihre Werkstätten eingerichtet. In- folge einer unvorsichtigen Hantirnug beim Leimkochen entstand gegen '/zg Uhr morgens ein Brand der Sägespähne, welcher stch mit Blitzesschnelle über die ganze Etage ausdehnte. Bereits zehn Minuten später waren drei Löschznge thätig, um dem gefährlichen Element seine Verbreitung in den oberen Etagen abzuschneiden. Nach zweistündiger energischer Arbeit konnte die Feuerwehr wieder abrücken. Bo» einem Hund« übel zugerichtet wurde am Sonntag Abend der Kaufmann Berchtold ans der Bülowstrahe. Derselbe fuhr mit einem Zweirade von Wilmersdorf nach Charloitenbnrg und wurde anf dem schlecht beleuchteten Wege in der Nähe des Kursurstendammes von einem großen Hunde angefallen, der ihn nöthigte, abzusteigen. Anfangs gelang es dem junge» Manne, sich des wüthenden Thieres durch Fußtritte zu erwehre», sobald er aber aufsteigen wollte, erhielt er von dem Hunde einen furchtbaren Biß in die Knieknehle, als er gleich darauf noch einmal i» de» Ober- schenke! gebissen wurde, zog er seinen Revolver und tödtete das Thier durch zwei Schüsse. Ein des Weges per Droschke passirendes Ehepaar brachte den Gebissenen nach seiner Wohnung, wo er jetzt bedenklich krank darniederliegt. Der Besitzer des Hundes ist noch nicht ermittelt. Nach Iluterschlagniig eines Geldbriefes mit S600 M. ist der 30 Jahre alte Postassistent Franz Karl Wagner ans Barten- stein in Ostpreußen flüchtig geworden. Seine Spur ist bisher nicht gesunden. Auf seine Ergreifung ist eine Belohnung in Höhe von 300 M. ausgesetzt. Als Kennzeichen werden eine abgeschundene Nase und ein grüner, wohl von einem Falle herrührender Fleck im Gesicht angegeben. NahrungSsorgcn haben den SS Jahre alten Böttcher Georg Koch aus der Solduierstr. 96 in den Tod getrieben. Koch war seit !>/» Jahren bei dem Böltchermeister Weltz in der Dragonerstr. 46 in Stellung und hatte als gnter Arbeiter einen leidlichen Verdienst. Da aber seine Frau lungenleidend ist, so kam er trotzdem in seinen wirthschaftlichen Verhältnissen zurück. Bei seinem Meister hatte er schon soviel Vorschuß, daß er ain letzten Sonnabend keinen Lohn bekam. Als er nun am Sonnabend Nachimttag ohne Geld nach Hause kam, hatte er einen iZInstrilt mit seiner kranken Frau. Er kehrte nun abends nach der Werkstatt in der Dragonerstraße zurück, und als der Meister am Sonntag Morgen in die Waschküche kam fand er dort den Gesellen als Leiche wieder. Koch war nach Mitternacht in den Arbeitsraum eingestiegen und durch dieseu in die nebenan gelegene Waschküche gelangt. Hier hatte er einen Nagel eingeschlagen und sich daran in knieender Stellung erhängt. Er hinterläßt seine kranke Frau mit zwei Kindern im Alter von 12 und 2 Jahren in großer Roth. In der Rächt zum Sonntag kam eS in der Weberstraße zwischen dem Arbeiter Richter und zwei Brüdern Kasemau» infolge vorangegangener Streitigkeiten beim Kartenspiel zu einer Schlägerei, bei der Richter durch Messerstiche erheblich am Arme und seine Gegner ebenfalls durch Stiche, jedoch anscheinend nur leicht am Kopf verletzt wurden. Schwer verbrüht worden ist am Sonnabend Abend gegen 7 Uhr der 21 Jahre alte Hausdiener O t l o S ch w a r z, der bei Aschinger in der Scharrenstr. 23 beschästigt war. Während Schwarz im Maschinenhause zu thnn hatte, öffnete der Maschinenmeister einen Hahn und ließ heiße» Dampf ausströme», der den Hausdiener traf Schwarz wurde an beiden Beinen arg verletzt und mußte in ein Krankenhaus gebracht werden. Beschlagnahmte Gegenstände. DaZ Polizeipräsidium macht bekannt: Bei einer wegen gewohnheitsmäßiger Hehlerei in Haft ge nommene» Person wurde eine Anzahl sehr werthvoller Teppiche— Smyrnaer-Teppiche— gefunden, die zweifellos ans Diebstählen her- rühren, welche im Anfang dieses Jahres bis etwa April begangen sind. Rekognoszenten können sich im Polizeipräsidial-Gebände in den Vormittagsstunden 9—1 Uhr Zimmer 332 zweiter Stock melden.— Eine goldene Damen-Remoutoir-Uhr ist von der Kriminal- Polizei in einer Ermittelnngssache wegen Unter- schlagung, J.-Nr. 4361 IV./lO. 97 beschlagnahmt und kann im Zinimer 249, S Tr., vormittags zwischen 9 und 12 Uhr behufs Rekognitio» in Augenschein genommen werden. Auf dem Hinteren Golddeckel der Uhr, deren vorderer Golddcckel fehlt und welche die Gehäusenummer 124339 hat und an unechten Chatelainen befestigt ist, ist eine Landschaft mit drei Engel» eingravirt. Gefunden ist die Uhr angeblich Ende Mai oder Anfang Juni v. I. in der Oranienstraße in der Gegend des Moritzplatzes.— Bei einer wegen Taschen- diebstahls festgenommenen Person sind vorgefunden ein ziemlich abgetragenes braunledernes Klapp Portemonnai mit 1,30 M., einer Haarlocke und 3 Freibilleis zum Schwarz'schen Sommer-Theater in Lichtenberg, sowie ein bereits stark abgenutztes schwarzes Klapp- Portemonnaie mit 11,30 M. Das erstere ist angeblich auf der Fest- wiese in Stralau am 24. d. M., das zweite Portemonnai am 21. d.M. einer Dame vor dem Wertheim'schen Geschäft, Rosenthaler- straße 27/29 gestohlen. Eigenthümer wollen sich melden im Polizei- Dienstgebäude. Alexanderstr. 3—6, Zimmer 97, vormittags. Anf seltsame Weise ist der Schlosser Paul Lang aus der Jerusalemerstraße 62 schwer verunglückt. Lang war in der Nacht zum Montag um halb 12 Uhr Zeuge, wie ein Schutzmann des zweiten Polizeireviers einen anscheinend angeheiterten Droschken- kutscher nnt seinem Gefährt vor dem Hanse Friedrichstraße 60 fort- wies, weil dort kein Halteplatz ist. Um dies Straßenbild hernin hatten sich Zuschauer angesammelt, zu denen auch Lang gehörte. Als der Droschkenkutscher nun Anstalten traf, der polizeilichen Weisung nachzukommen, wurde der Gaul plötzlich bockig, schlug und biß um sich und traf dabei Lang mit einem Huf an den Kopf. Dem Neugierigen wurde das Nasenbein zertrümmert und eine Wunde am Schädel beigebracht. Der Schutzmann nueßte sich seiner annehmen und ihn»ach einem Krankenhanse bringen. Theater. Im Deutschen Theater nahmen die Abonnements- Vorstellungen für das neue Spieljahr am Donnerstag, den 2. September mit der Aussührung des„Faust" ihren Anfang.— Die Aufführungen von „Unsere Reichspost" im O st e n d- T h e a t e r sind in das Stadium der vorletzten Woche getreten, da kontraktliche Verpflichtungen Direktor Carl Weiß zwingen, gleich nach der 1. Ausführung eine Novität zu bringen— Das Schiller- Theater bringt als nächste Neu-Aufführung Anzen- gruber's Bauemkomödte„Die Kreuzelschreiber" mit Frl. Barth und den Herren Pategg und Neuert in den Hauptrollen. Heute findet noch eine Wiederholung von Grillparzer's Lustspiels„Weh dem, der lügt" statt. Orgelkonzert. Der Orgclvortrag in der Marienkirche am Mittwoch, den 1. September, mittags 12 Uhr, bei welchem Fräulein Marie Wiemann, Fräulein Frieda Dumke und Herr Robert Schwicsielmann mitwirken, ver- spricht Kompositionen von Bach, Händel, Mendelssohn, Fischer, Merkel, Albert Becker und Otto Dienel, von letzterem eine Andante mit Variationen in G-ärrr, den 55, Psalm und das Vntcrmiser. Der Eintritt ist frei. Sltts de» Nachbarorten. AuS Spaudan wird uns gemeldet: Am heutige» Tage findet hier eine Ersatzwahl zur Stadtverordneten-Versamm- lung i» der dritten Abiheilung statt. Als Kandidat der sozial- demokratischen Arbeiterpariei ist Tabakarbeiter Wilhelm Pieper anf- gestellt. Die Ergänzungswahlen für die Stadtverordneten-Bersamm- lung stehen für den November d. I. bevor. Die heutige Ersatzwahl wird von den bürgerlichen Parteien als eine Krasiprobe für die bevorstehenden Ergänzungswahlen betrachtet.— Die Polizei- Verwaltung hat für eine verlängerte Beschäftigungszeit für alle Zweige des Handelsgewerbes am Sonntag, den 19. September d. I. die Stunden von Il/e bis 7 Uhr nachmittags besonders freigegeben. — Ueber Zunahme der Bettelei und Bagabondage wird in der hiesigen bürgerlichen Taaespresse jetzt vielfach Klage geführt, und solle», wie hinzugefügt wird, es nicht immer die arbeitsunfähigsten Leute sein, die ans diesen Pfaden betroffen werden. Die bürgerlichen Blätter scheinen nicht zu ahnen, welche scharfe Bernrtheilung sie der heutigen„Ordnung" in diese» ivenige» Worten zu theil werden lasse», einer Ordnung, vermöge welcher arbeiisfähige und arbeitswillige Männer betteln und„vagabondiren" müssen.— Gegen die Polizei- Verordnung, welche das Austragen der Backwaaren (Frühstück) durch Schulkinder verbietet, beabsichtigt die hiesige Bäcker-Innung bei den städtische» Behörden vorstellig zu werden, um wenigstens eine Milderung der Verordnung zu erreichen dergestalt, daß die Beschäftigung von Schulkindern zu dem gedachten Zwecke von 3 Uhr morgens ab gestattet werde. Das gänzliche Verbot der Kinderarbeil veranlaßt die Bäckermeister zu eieglschcn Heulmeiereien. Sie fühlen sich dadurch bedeutend geschädigt, indem sie behaupte», daß erwachsene Personen einen Lohn beanspruchen, den die Meister in den meisten Fällen nicht zu zahlen vermöchien. Auch bestreite» die Bäckermeister, daß die Schulkinder durch das Frühstückauslragen sittlichen Gefahren ansgesetzl >v erden und daß der Schulunterricht dadurch benachtheiligt würde. Dem letzteren— allerdings bestrittenen— Uebelstande vermeinen sie dadurch mit Leichtigkeit abhelfe» zu können, daß sie vorschlagen, nur solchen Schulkinder» die Erlaubniß zum Frühslück- anstragen zu criheilen, welche in der Schule zu keinerlei Klagen Veranlassung geben, d. h. also den fleißigsten, befähigsten und sich am besten führenden Schülern bezw. Schülerinnen Am meisten steifen sie sich natürlich anf die traurige Thatsnche, daß viele arme Familien anf den Miterwerb sogar der Schulkinder angewiesen sind und jetzt die Einbuße des geringen Verdienstes infolge des Polizei- Verbots„schmerzlich" empfinden. Welchen Erfolg die Innung mit ihrer Vorstellung bei den städtische» Behörden haben wird, bleibt abzuwarten. Die Namcnlostgkelt zahlreicher Straffen«nd Plätze in Charlottenburg ist zu Ende, nachdem jetzt die Genehmigung deS Kaisers vom 30. Jnli für die 13 zuerst vogeschlngenen Name» ein- getroffen ist. Für de» Berliner ist besonders wichtig die neue Bleibtreustraße, welche senkrecht auf der Längsachse des Bahnhofs Savignyplatz steht. Unweit des Bahnhofs Thiergarten befindet sich die Gntenbergstraße. Die vielbesprochene Sesenheimerstraße, die wegen deS unsittlichen Vsrhältniffes nicht Friederikenstraße getauft werden durfte, verbindet die Goethe- Schiller- und Bismarckstraße nahe dem neuen Karl August-Platz, anf dem jetzt— wie ginge es auch anders?— eine Kirche gebaut wird. In der Nähe der physi- kalisch- technischen Neichsanstalt befindet sich die Gnericke« straße, welcher der Name des Charlottenburger Geistlichen Dressel zugedacht war. Die Windscheid-, Leonhardt-, Rönne», Fried- berg-, Holtzendorff- und Snarezstraße liegen, wie billig, in der Nähe des neuen Amtsgerichtsplatzes, nur daß im Amtsgericht kein allzu großer Ueberfluß von dem Geist zn finden sein wird, der diesen Männern eigen war. Die Mollivitz-, Soor- und Königin Elisabeth- straße befinden sich bei Westend, wo die neue Kaserne des Königin Elisabeth-Garde-Grenadier-Regiments Nr. 3 errichtet worden ist. In der Gegend des Wilhelmplatzes unweit der Flora liegt die Havelstraße; neu benannt sind außerdem der Branitzer und der Gnstav-Adolf-Platz. Zu diesen jetzt glücklicherweise benannten Straßen und Plätze sind freilich inzwischen wieder über einviertelhundert neue namenlose Straßen hinzugekommen. Ter Kaufmattn Biitow ans Rixdorf, der seinen Verlänferinnen angeblich beleidigende Zumuthungen gemacht habe» soll und diesert- wegen verhastet wurde, ist nach erfolgter Zengenvernehmung sofort wieder aus der Haft entlasten worden. I» der Nähe der Rndersdorfer Kalkbcrge fand gestern ein Sommergast die Leichen einer weiblichen und einer männlichen Person, welche beide im Alter von 3ö— 40 Jahren sein mochten. Man nimmt an, daß beide sich durch Gift getödtet haben. Der Mann war bekleidet mit braunkarrirtem Jaquetauzuge, braunen Strümpfen, schwarzen Lederstiefeln und steifem Filzhut; die Frauens- person mit rother wollener Blouse, schwarzem Rock, schwarzen Strümpfen und braunen Lederschuhen, im Grase lag ein brauner Strohhut und ein schwarzer Regenschirm stand am Baume. Die Leichen müssen aller Wahrscheinlichkeit 3—6 Tage schon dort ver- borgen gelegen haben. Groffe Miffstimmnng herrscht zur Zeit unter den Bau« Wucherer» und Grundstücksspekulanten. Die Regierung hat die Bau- Ordnung für die Vororte Berlins veröffentlicht, und diese Verfügung setzt der Profitwuth einige Schranken. Schrecklich, daß in Friedenau keine Schwindelbauten nach Berliner Muster errichtet werden können! VevfÄMmInngen. Die Freie Vereinigung selbständiger Barbiere, Friseure ZC. hielt am 23. d. M. im Engl. Garten, Alexanderstr.'27c, ihre Monats- Versammlung ab. Z» Punkt 1 gab Kappe Bericht über die Kranken- kassenanlräge, Saalmann berichtete über die übrigen Anträge und W e i s f l n k gab ein Gesammtbild deS Kongresses. Punkt 2 wurde, da die Gesammtabrechnung noch nicht erfolgt war, von der Tagesordnung abgesetzt. Punkt 3 fand seine Erledigung dadurch, daß der ans de» Kollegen Kappe. D« u t s ch m a n n und Schrolle bestehende» Kommission aufgegeben wurde, mit den Vertreter» der Gehilfenschast zusammen die erforderlichen Schritte zur Errichtung eines Arbeitsnachweises zu thun. Bei Punkt 4 gab der Vertreter der Gehilsenschaft, Starosson, bekannt, daß die hiesigen Gehilfen ein eigenes neues Blatt gründen wollen und bat um materielle Unterstützung der Freie» Vereinigung, dieselbe wurde zugesagt. Aufgenommen wurden zwei neue Mitglieder. ,.««««>»«", Berew für volMhümlich- WNsenschaft. DIensfag. den»l. Aug., abends 6'/« Uhr, bei H. Hensel, Brunnensir. l7S. Bortrag de« Herrn Gertcke über:„Neschichilichcs ans d-m Mittelalter." Dtslüssion und BerschiedeneS.«äst- '"'''llcnt'fi-eie«oltisbiiti»-. Dienstag, den St. August, abends Bjllhr, Alte Salobfir. 37, tm Louis-nstädtlfchen Konzerthanse: Austerordentttche Mitglieder- oersammlnng. Tagesordnung: i. Wichtige«ereiiisintllheilungen. 3. Slatulreotsio». 3. BerschiedeneS._ Vermifchkes, Dr. Rurdt soll, wie der„Boss. Ztg." aus München berichtet wird, in eine Nerveu-Heilanstalt untergebracht worden sein.-» Briefkasten der Redaktion. Wir bille», bei jeder Anträge eine Chiffre lzwet Buchstaben oder eine Zahl) aningeben. unter der die Antwort erlheilt werde» soll. Die juristische Tprechstiinde findet vom Montag, de» SV. Zlugnst ab am Montag, Dienstag und Sonnabend von k bis 7V, U h r statt. R. K., Herne. Die Stenographie durch Bücher(Selbstsiudium) zu er- lenlen, empfiehlt stch nicht. Die Erlernung durch einen Lehrer(w Steno- graphenvereinen) ist ilbrigenS ganz billig. Damit sind auch die anderen Fragen erledigt. F. K., AiidreaSstraße. Die Erwiderung erfolgt besser durch ein Partei- blatt Thiiriiigens._ SvcUcr-Prognose flle Dienstag, den 31. Angnst 1807. Etwas wärmer, bei mäßige» südlichen Winden und veränder« licher Bewölkung; keine erheblichen Niederschläge. Berliner W e t t e r b u r e a u. Sojialdmoliriitisider Itzulilmeiit siir den 1. Bftliiitt Reichstligs-Wahlltllis. Donnerstag, den 2. Septbr., abends 8I/2 Uhr, im Lokale des Genossen Mörschel, Jlldenstr. 35: Grotze Versaminlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen l'Utzscl, über:„Rassen- oder Klaffen- kämpf." 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Nene Mitglieder werden anfgenommen. ver- Vorstand, Sonntag, den 5. September, in den„Armin-Hallen", Kommandantenstraße 20: Grosses Gartenfest und Sommernachts-Ball. Vokal- und Instrumental• Konzert unter Mitwirkung deS Gesangvereins„Solidarität", Dirigent Herr Lange. Kaffeekiiche von 3—6 llhr geöffnet. Anfanff 4 Uhr. Entreo SO Pf. Garderobe 10 Pf. Btlletö sind in allen mit Plakaten belegten Handlungen und bei den Vorstandsmitgliedern zn haben.__ Umto der Berlim DiiWMkr «nd MistMer. Billets zu der am Sonntag, den L. September, mittags 1 Uhr, im Theater der„Urania", Taubenstraße, stattfindenden Vorstellung„Das Wunderland" sind noch im Bureau der Buchdrucker, Ritterstraße 88, zum Preise von 36 Pf. zu haben. 35/12__ Der Torstand. 6 liefert 16452* Albrecht's Ddekerei, Wrangelstr. 8. Laugestr. 26. Falilenstetnftr. 88. Lausitzerstr. 2, Kl. Seifengeschäft sof. od. 1. Okt. billig verkäuflich. Preis 436 M. Blücherstr.»6. sllllb* Glühkörper für Installateure. 221b Ntederwallstr. 22. 3. WaWDreis. Uollw- Uerfammlmtg Dienstag, den SI. Angnst, abends S'/j Uhr, im Lokale des Herrn Krochnow» Sebastianstr. 39: Tages-Ordnung: Vortrag des Genossen.Alfons llorchardt über: Die Bedeutung Ferdinand Laffallc's für die Arbeiterbewegung. 213/16 Rege Betheiligung erwartet Die Bertraucnsperson. Soiillldmokratlscher Mahlveretn fm den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Dienstag, den 31. Angnst, abends 8'/, Nhr, im Saale der Kronen-Brauerei, Alt-Moabit Nr. 4�—40: PF* Versammlung. Tages-Ordnung: I Vortrag über:„Ferdinand Lasfalle»nd seine Zeit." Referent: Genosse J. Aner. 2. Diskusston. 3. Vereinöangelegenheiten. _ Gäste haben Zutritt. Zahlreiches Erscheinen erwartet_ 246/14* Der Borstand. Zestralverein der Bildhauer. Verwaltnngrsstclle Berlin. Dienstag, den 31. August, abends 8�, llhr, Köpnickerstrast« 62: JH'rl'ammUma. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Bericht des Kassirers vom Sommerfest. 3. Holz- bildhauer-Angelegenheiten. 4. Verschiedenes. 22/10 Der Torstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband (Berlin). Brauchen Versammlttttg"HW der Drechsler, Kammmacher u. Bürstenmacher am Mittwoch, den 1. September, abends 8 llhr, Im leobale des Herrn Ziminrrniann, Grtiner Weg 89. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Denser. 2. Branchen- und Werkstatt- angelegenheiten. 3. Ergänzungswahl der Werkstatt-Kontrollkommisston. Es ist Pflicht der Kollegen, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. j2S2/I4 Iffiai Schuhmacher. MImw] Dienstag, den 31. Angnst, abends S'/i Uhr: Gr. öffentliche Versammlung im Lokale„Königsbank". Große Frankfnrterstr. 117. Tages-Ordnung: 1. Fortsetzung der Diskussion über den Streik bei der Firma Wetze! U. Co. 2. Wahl eines KasstrcrS zur AgitationS-Koimnission. 3. Verschiedenes. 188/10 Die Agltatlons-Honmilsslon. Cliarlottenburgf. Achtung! Dil tut t' et». Achtung! Mittwoch, den 1. September, abends 8'/- Uhr: Große öffentliche Versammlung im Lokale„Bismarckshöhe", WilnierSdorferstraße 3». Tages-Ordnung: 1. Bortrag über:„Das Koalttionsreckit der Arbeiter." 2. Unsere jetzige Lage der Lohnbewegung. 3. Gewertschastliches. Ilm zahlreichen Besuch sämmtltcher Kollegen bittet 296/2_ Der Tertranensinann. M. lirnger's Spoifo V e t n ö l ist daS anerkannt beste. Zu haben in allen Kolonialwaaren- und Borlost- Geschäften. Engros-Lager: Berlin, Skalitzerstraffe lvS. Billigste und beste Bezugsquelle für Srivate, Händler und Wiederverkäuscr, Zigarren von 1,70 M. an. 1S0b Z.Doews Rachf.. Stallschreibcrstr.32. gieisokoffer. Regulatoren, , Kleidungsstücke, Opern- gläser, Wäsche, Gardinen spottbillig Pfandleihe Neanderstr. 6. 83/7 Möbel in jedem Stil und jeder Holzart, äußerst billig, auch auf Theilzahlung. Gr. Lager gebrauchter und verliehen gewesener Möbel,(22871, Schicheustr. 2* Materialgeschäft, 25 Jahre bestehend, krankheitshalber sofort zu verkaufen. Sl7b R- w a l d. Strelitzerstr. 13. Zu verüäleihen per sofort oder später Brunnen» straße 163 große helle Räume, passend zu Konfektion und anderen leichten Gewerbebetrieben. 207b SQ. liisenstrasse 84. 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Zum erste» Male: Novität! Novität! BeHiusn kakrtvii. Burleske Ausstattungspossemit Gesang und Tanz in 6 Bildern von Julius Freund und Wilhelm Mannstädt. Musik von Jul. Einödshofer. Borverkauf sinket an der Tageskasse des Central-Theaters von Mittwoch, den I. September ab von 10—2 Uhr statt._ Ostend Theater. Gr. Fralirfnrtcrstr.132. Dir.(T. Weist. I Vorletzte Woche! Vorletzte Woche! Zum 39. Male: Unsere Neichspost. Volksstück mit Gesang in 4 Akten! von R. Kneisel. Musik von C. Schüler. Ansang 8 Uhr._ Pulilmanns Vaudeville-Theater Schölihanser Allee 148. Dienstag, den 31. August: Wr. Jubilänms- it. Wohlthätig- keits- Borstellung zum Beste» armer Kinder der Stadtbezirke 237, 240—243. Zum 50. und letzten Male: ImUtiche derAreiie».! Auftret. d. ganzen Künstler-Pcrsonals. Aiifang 4�/2 Ahr« Gntrce 30 Pf. unl! Xoiiierl-liai'len. Friedrichstr. 218. Dir. S.«litolr. Zum letzte» Male: Uunns auf Erden und letztes Auftreten des Komiker-Trio Otto Reutter, llob.Steidl, Henry Bender. Kasseucrössiiliug O'/s Uhr. Ans. 8 Uhr. Mitttvoch, den l. September: ErölsllUllgijtt'Willter-Taison. Vollständig nencs Programm. IL Debüts. Concerthaus Eelpzigrerstr.Xo.48. igr Täglich: im, Hofftnann's Quartett und Humoristen. Anfang Wochentags 8 Uhr. Entrce: Saal und II. Rang 30 Pf., Sperrsitz 50 Pf., Losten u. I. Rang 1 M. 8ch«ei?sr Karte«. Am Königsthor.(Haltestelle der Pferdebahn.) Am Friedrichshai», Neues Riesen-Progranim Ein S|»ort-Fest in Wusterhausen. Gr. Ausstattungs-Operctten-Burleske. Sarrasani's urkomisch dressirte � Thier-Fomilic. Im Saale: Orosscr Ball. Volköbelustigungen aller Art. Anfang S Uhr. Entree 30 Pf> Sy Im September ist nur noch ein Sonunbend zu vergeben. Deutscher Dolzarbeiter- Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern zur Kenntnist, dast der Kollege Willi, Boclt am Sonnabend plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 1. September, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle der Zions- gemeinde in Weifiensee statt. Um rege Betheiligung ersucht 292/15 Tie Ortöverwaltung W. Noack's Theater Branncn-Strasse 16. Täglich: Theater- u.SPezialitäten- Borstellung. X-Linsblen. Schwank tu 1 Alt von E. F e l s ch. Der Watzerkönig. Posse in 1 Akt von Mätzsch. Grosser Erfolg! Grosser Erfolg! Rosen ans dem Süden. Original-Burleske mit Gesaug von W. Gericke. SW Jeden Sonntag. Montag, Dienstag und Donnerstag: im Saal: C>ro««er Ball. Zentral-KrblNld der Thser, Ziegler il.Berils'sgtn. Deutschlands. (Filiale Berlin.) Den Mitgliedern zur Keuntniß, daß unser Mitglied 190/10 Anton Hüdebrandt am Sonntag nach kurzen aber schweren Leiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am 1. Sep- tember, nachm. 2 Uhr, vom Charitee- Kirchhof, Müller- und Seestrassen- Ecke, auö statt. Um rege Betheiligung ersucht Der Borftnnd. Thiele. Maedr's VÄriöte-Tlleater Oranienstr. 24. Dienstag, den 31. August: Du sollst nicht hassen. Obcrbaierisches Volksstück in 2 Akten. Hierauf: Im Niunderschönen Monat Mai. Liederspiel in 1 Akt. Danksagung. 310b Den Herren Tischlergescllen der Irma A. Stavcnow, Berlin W., illlowstr. 57, spreche ich hiermit für die schöne und kostbare Bluinenspcnde, ivelche meinem lieben, entschlafenen Mann, d. Bildhauer Barl bliiraeh als letztes Zeichen der Liebe u. Vcr- ehrung gewidmet wurde, meinen innigsten und wärmsten Dank aus. Wwe. Elise Görsch, geb. Pursch, Berlin W., Bülowstr. 57. Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Genossen, sowie dem Lehrer und Mit- schülcrinnen, insbesondere dem Gesaug- verein„Gemüthlichkctt" für die zahl- reiche Betheiligung u. Kranzspende bei der Beerdigung unserer Tochter Mar- garethe sagen wir hiermit unseren herzlickistcu Dank. 31Kb Die trauenide Familie Kelpin. Louisenstädt. Konzerthaus Alte Jakobstrasse 37. Altrenommirtes Bercinslokal. Ich empfehle meine neurcnovirtcn Festsäle m. feststehender Thcaterbühne, bis 600 Personen fassend, zu Vereins- fcstlichkeitcn, Hochzeiten, Kommersen u. Versammlungen zu den koulantesten 1___ Bedingungen. J. Bernstein. I Ich nehme hiermit die Beleidigung Mü/ees Gesellschaftshaus,§. ÄÜ-SU'S X., Bohcnstrafie 12. I soll. J. Frank. 322b Empfehle meinen renovirtcn Saal, bis 400 Pers. fassend, zn Bersamm- l«ngen n. Festlichkeiten jeder Art: desgl. Bcreinszimmer, 50 Personen fassend. Einige Sonnabende sind noch zu vergeben. Jeden Sonntag: Ball. _ 1*. Weyer. Ich warne hiermit jedermann, meiner Frau Marie Flachshaar etwas zu borgen, da ich für nichts aufkomme. 222b Herrn. Flaehshaar. Viktoria-Brauerei Eiitzoiv- Strasse 111/112 nahe Potsdamer Platz. («arten resp. Saal)! Tligrlleh: Stettiner Sänger (Mehscl, Pietro, Britto», Steidl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Zum Schluss: 8 t r a in p e 1 b r>i d e r. Ensemble von Mchsel. Anfang 8 llhr. Entrec 30 Pf. Billets ü, 40 Pf. und Familieu- Billets 5. 1 M. nur im Vorverkauf. (Siehe Plakate.) __ Donnerstag, de» 2. September(am Sedantng): F.est- Solr<5e. Einmalige Aufführung WWiMMW von Teaer8teIa'°Tezt8SIe Tülcohstrasso 75 Grosse und kleine 8i»le zu Versammlungen unentgeltlich� sowie zu Sommer- u.Wintorfesthoh- keiten b. koulanten Bedingungen. Iteiclihnltige Abendkarte zu solid. Freisen. Filsener und Bötzow-Bier. Keugen gesucht! 3096 Die beiden Herren, die am 17. Mai, vormittags 10 Uhr, an der Blllow- und Potsdamerstrassen- Ecke gesehen haben, als der Droschkenkutscher II. Klasse(5221), dessen Pferd ein Mädchen sollte umgestossen haben, dass es nicht an, solidem ein Ende vor der Pferdebahn- Haltestelle war, bitte ich ihre Adesse schriftlich an mich einzu senden Auslagen werden vergütet. Gustav Höhne, Droschkenbesitzer, Schöneberg, Erfutterstr. 12 a. Beim bevorstehenden Monaksweiszsel empfehlen sich folgende Partei-Speditionen: Berlin vierter IVahlkrels O.: Robert 2B eng eis, Frucht- fl rosse 30, Hof I.— SO.: Fritz Thiel, Skalitzerstr. 35 v. pgrt.— Sechster 4Val,lkreis(Hoabit): Karl Anders, Salzwedeler- strasse 8, pari, im Laden.— Wedding und Oranienburger Vorstadt: Emil S t 0 l z e n b u r g, Wiesenstrasse 14.— tüesuud- brunnen: Wilhelm Gass mann, Grünthalerstr. 64.— Rosen- thnler Vorstadt und Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Kastanien- Allee 95/96.— Charlottenburg: Gustav Scharnberg, Pestalozzistr. 34, Quergeb. pari.— Beutsch-Wllmers- dorf: Frau K übler, Sigmaringenstr. 34 und Frau Heinemann, Sigmaringenstr. 35.(Hier ist auch die„Braudeuburgische Volks-Zeitung" zu erhalten.)— Kisdorf: O st e r m a n u, Jägerstr. 70, II.— Schöneberg: Wilhelm Bäumler, Velzigerstr. 59, Seitenflügel part.— Johannisthal-Xleder- und Obcr-Schöneweide; Otto John, Ober-Schöneweide, Siemensstrasse 7, Zigarrengeschäft. Annahme- stellen: Nieder-Schöneweide: Karl Weber, Zigarrengeschäft. Johannis- thal: Senftleben, Restaurateur.— Friedenau-Steglitz: H. Bernsee, Kirchstrasse 15 in Friedenau. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppelstraße 8, und Fr. Schellhase, Ahorn- strasse 15a. Ausserdem ist sämmtliche Parteiliterotur, sowie alle wissenschaftlichen Werke dort zu haben. Auch werden Inserate für den„Vorwärts- entgegen genommen. Unl g v n tt u v Angabe der Adresse wird dvitt�ond gebeten._ Echt Patzenhofer, 0.4 Ctr. IO Ff. Weissbier und Schnaps empfiehlt Fr. Heining, 3455b] Grün ff raste 14/15. Raufmann's Variete Direktion A. n. D. Herrenfeld. Nur K Auf- noch mr'*"»S füh- rungen des während des ganzen Sommers fast an jedem Abend ausverkauften u. mit Beifall überschütteten grossen Zug- und Kassen- stückes des i. Original-Budapester Possen- u. Operetten- Theaters DM- zum 96. Male:"IMG! „Himmel auf Erden!' Sonnabend, 4. September: Zum Besten der üeberschwemmten zum 100. und letzten Male: „Himmel auf Frden". „In flagrantls". Sonntag, den 5. Sept. 1897: Oeffentl. Generalprobe von „Ein Abend im Wintergarton" und„Im Atelier"(bei gewöhnlichen Kassenpreison.) IHontag, O. September Eröifmmg der Haupt-Saison und PremiÄre von „Ein Abend im Wintergarten" und Im„Atelier� Konzerthaus Sanssouci, Kottbiiserftr. 4a, Jnh. H. Pierr». Hente Dienstag, den 31. August 1897: Auf Wunsch: I>v»' ISiKvimSi'. Anfang 8 llhr. Entree 30 Pf. Passe-partouts gelten. Bereiilszmlner /mfÄÄ Abende zu vergeben im«/ui-Aus- schaut Stralauerstr. 55, JoliannishBerwein 1'lO Liter Wein glas 10 Pf. Eugen Neumann& Co., Obst- und Beerenweinkelterei. Damit ein geehrtes Publikum sich von der Güte und Vorzüglichkeit unserer Fruchtweine überzeugen kann, haben wir einen Ausschank errichtet und zwar Kommandantenstr. 67. Kranzbindcrel n. Blnmen- hnndlnng von 1643Q* Robert Meyer, Xo. 2. Harlanncnstr. Xo. S. 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Schon immer lagen Herr Niest und Sohn, welch letzterer im eigenen Lokal Tanzmaitre ist, mit der Hauslapelle, den Musikern, an dereit Leistungen nichts auszusetzen war, in Fehde. Bei geringer Bezahlung wurden an sie außergewöhnliche Aufordeningen gestellt und sie von obigen Herreit mit groben nnd rohen Schimpfworten traktirt, so daß der Dirigent und die Musiker (Mitglieder der Freien Vereinigung) beschlossen nach Pfingsten aufzuhören. Dieses kaut Herrn Niest durch den Dirigenten, welcher sich eincL anderen besann, um sich wieder anztivettermicheln, zu Ohren. Der Umstand, dass die Musiker am 2. Pfingstfcicrtage ei» Frühkonzert um 5 Uhr spielen wollten (nicht um 4 Uhr, wie Herr Rieft gehört haben will), war ihm Grund genug, dieselben kurz vor Pfingsten zu entlassen, weil das Vereinsvergnügen am 1. Pfingstfeiertage, welches schon nachmittags um 6 Uhr begann, gestört werden könnte. Die vom Wirth vermuthete Störung trat nicht ein. das Vergnügen war früher zu Ende, da viele Gäste auch Theilnehuicr deS Früh- lonzertö waren. Wie besorgt die Herren Saalbcsitzer um die Vergnügungen ihrer Gäste sind. Ivenn es gilt die Musiker gegen dieselben auszuspielen; die Vergnügungsstörungen ihrerseits durch vorzeittges Gasauslöschen und sonstige Manipulationen hüten sie sich wohl, zu envähucn. Auf das Rechtsverhäliniss, in welchem die Musiker zu dem Saalbesitzer Niest standen, kommt es hier garnicht an; wir fanden es einfach für selbst- verständlich, uns mit den dortigen Zuständen näher zu befassen. Die Musiker verlangten anständige Behandlung, das war ihr gutes Recht, sie wurden auf die Strasse gesetzt. Wir erklären das Lokal von Rieft für organiftrte Musiker für gesperrt. Dalelbst sind jetzt nur unorganisirte beschäftigt. Organisirtc Musiker sind für eventuell schon abgeschlossene Festlich- ketten bei Rieft nur im Arbeitsnachweis, Rosenthalerstr. 57, zu haben. Zt. 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