• Einzelpreis 30 Pfg. 3. Jahrgang Sonnabend, 25. Dezember 1920 Die Freiheit eridheint morgens und wadyanittags, Gonntage web Montage einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Buftelung ins Haus für Groß- Berli 10, M. im voraus zahlbar, von der Spedition felbft abgeholt 8,50 9. Für Bofts bezug nehmen fämtliche Bostanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland und Österreich 16,50 m., für das übrige Ausland 21,50 gugglich Baluta- Aufschlag, vez Brief für Deutschland und Österreich 30,- 2 Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin 2, Breite Straße 8.0. Nummer 550 Morgen- Ausgabe Se echtgefpaltene Rouparethegelfe aber beren Raum koftet 5,-. einfekti Seuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgebrucate Wort 2,-., febes weites Bort 1,50 M., einschließlich Teuerungszufchlag. Laufende Angeigen laut Tart Familien- Anzeigen und Stellen Besuche 3,20. netto pro Betie. Stellen Befade Wort- Anzeigen: des fettgedruckte Wort 1,50 M.. fedes weitere Wort 1, Serafprecher: Beutrum 2030, 2645, 4515, 4603, 4635, 4040, 4922 greiheit Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Nicht Glauben, lichen primitiv- fommunistischen Form, vermochte zwar den Pauperismus, die ungeheure Not der zahlreichen Armen zu lindern, es war aber nicht imstande und konnte nicht im Soziale Revolution herbeizuführen. sondern Erkenntnis! Stande fein, eine neue Produktionsweise zu begründen, eine Sieg des Bürgertums zugleich einen außerordentlichen Fort „ O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit." 99 Das Urchristentum war in dem Reiche der römischen Stlavenhalten und Latifundienbesizer eine revolutionäre Lehre, da es eine Umwälzung der Eigentumsverhältnisse, Nicht freudefpendend, sondern wie eine schneidende Aneine andere Verteilung des Besizes anstrebte. Aber der urflage flingen die Worte des Weihnachtsliedes in die trübe christliche Kommunismus fuchte sein Betätigungsfeld nicht in Gegenwart hinein. Frohsinn? Wer fennt ihn heute, mit ber Sphäre der Probuftion, sondern in der des Kon Ausnahme einer fleinen Schicht prassender Drohnen, die dem ums. Nicht die Bergesellschaftung der Erzeugung, nicht die Grundsah huldigen Nach uns die Sintflut!" Seligkeit und Schaffung einer vollkommeneren Produktionsweise war sein Gnade? Wer empfindet sie jetzt, mit Ausnahme jener wunZiel, sondern die Ausgleichung des Genusses, des Verbrauderlichen Käuze, die aus der düsteren Wirklichkeit in das Reich übersinnlicher Borstellungen und religiöser Mystitches. Dieser Verbraucher- Kommunismus" ist typisch für alle Zeiten und Länder mit unentwickelten Produktionsformen( so auch für den bolschewistischen Kommunismus in Ruß land). Er war deshalb nicht imstande, die soziale Frage der untergehenden antifen Welt zu lösen und das römische Reich vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Das Christentum verlor hierbei mehr und mehr seinen ursprünglichen fommunistischen Charakter. Es wurde zur Staatsreligion erhoben und in die starren Formen der offiziellen Kirche gepreßt. Diese jedoch wurde aus einer fommunistischen Anstalt, nach Kautstys Wort, die riesenhafteste Ausbeutungsmaschine, welche die Welt gesehen". flüchten. Es war immer eine fromme Lüge, wenn die Bertreter der Kirche, diese treuesten Diener der bestehenden Gesellschaftsordnung, die sozialen Leiden als gottgewollte" Dinge hin stellten und die Not und das Elend der unteren. Volksschich ten mit salbungsvollen Worten einhüllten. Die Priester logen, wenn sie die Lehre des Urchristentums, die Religion der Enterbten und Entrechteten, in eine Religion des Duldens und Entsagens umfälschten und sie in den Dienst der herrschenden gesellschaftlichen Sklaverei stellten. Doch wohl noch nie ist die offizielle christliche Lüge den breitesten Massen so deutlich zum Bewußtsein gekommen, wie in der heutigen Zeit, wo mit dem Zusammenbruch der überlieferten staatlichen und wirtschaftlichen Formen jene gewaltige Umwertung aller Werte" eingesetzt hat, die dem Aufbau einer neuen Gesellschaftsordnung, der Schaffung eines neuen, freien Menschenschlages vorausgehen muß. Schon einmal haben die Bölfer des europäisch- asiatischen Kulturtreises eine Krise durdgemacht, die der heutigen Strife der tapitalistischen Welt sehr ähnlich fieht. Es war por 2000 Jahren, zur Zeit des Verfalls des römischen Weltreiches, des Unterganges der antifen Kultur, die an ihren inneren öfonomischen Widersprüchen zugrunde ging. Die heutige Zeit zeigt dieselben Widersprüche und Verfallserscheinungen. Die tapitalistische Wirtschaftsform, die sich mehr oder minder in allen Ländern und Erdteilen durchgeseht und die Produktivfräfte zur ungeheuren Entfaltung gebracht hat, ist gegenwär tig nicht mehr imstande, die ihr gestellten Aufgaben zu bes wältigen. Die periodijchen Krisen, die der kapitalistischen Produktionsweise eigen sind, sind jetzt, verschärft durch den We frieg und die Zerstörung der Wirtschaft, umgeschlagen in ein latente Weltwirtschaftsfrise, die auf allen Gebieten des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens einen chronischen Krisenzustand bedingt. Nicht nur die besiegten Staaten, die mehr und mehr auf das Niveau von Bettlerstaaten herabsinken, auch die Sieger: staaten spüren in zunehmendem Maße die heraufziehende Krise der Weltwirtschaft. Absatzftodung und Produktions: einschränkung in den siegreichen Ländern ist die natürliche Folge der zunehmenden Berelendung der besiegten Länder. Erst jetzt zeigen sich die ökonomischen Folgen des Weltkrieges, mit seiner wahnsinnigen Güter- und Menschenvergeudung, der namentlich in den mitteleuropäischen Ländern den Ruin der Wirtschaft und des Staatshaushaltes herbeigeführt hat. Der Kapitalismus, der den Weltkrieg heraufbeschwor, iit unfähig, seine Folgen zu beseitigen. Alle dahinzielenden Versuche sind sowohl auf internationalem wie auf nationalem Boden zum Scheitern verurteilt. Auf internationalem weil die flaffenden Gegenfäge zwischen den imperialistischen Gruppen eine Zusammenarbeit unmöglich machen. Auf die Produktion zu steigern, noch willens und fähig, die Eris nationalem weil die Kapitalistentlasse weder imftande ist, stenz der großen Masse der arbeitenden Bevölkerung sowie die Existenz des Staates sicherzustellen. In der jetzt zur Neige gehenden Geschichtsperiode war der Kapitalismus eine den Bedürfnissen der gesellschaftlichen Entwidlung angepaßte Wirtschaftsform. Jest jedoch wird er nicht nur zum Hemmnis der weiteren. Entwidlung, jegt re belliert das Lebensinteresse der Gesellschaft gegen die Fortbauer dieser Wirtschaftsform. Das Gesamtinteresse der Ge sellschaft verlangt die Ausschaltung des fapitalistischen Profits und die Ueberführung der Produktionsmittel in ben Kampf um die religiöse Freiheit begonnen und ihn schließlich in der französischen Revolution als Kampf für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zum Siege geführt. Da der schritt der gesellschaftlichen Entwidlung bedeutete, erschienen Jeine Forderungen auch den anderen unterdrüdten Klassen der feudalen Gesellschaft, dem Kleinbürgertum, den Bauern und Arbeitern als allgemein gültig. Die bürgerliche Jdeo logie beherrschte so alle fortschrittlichen Kräfte der das maligen Gesellschaft, bis dann im Laufe der Revolution es fich sehr rasch herausstellte, daß die gleichen ideologischen Begriffe bei den verschiedenen unterdrüdten Klassen ganz verschiedenen materiellen Inhalt bedten. Beschränkte das Bürgertum seine Gleichheitsforderung auf die formale Rechtsa gleichheit, so meldete das Proletariat damals schon die ökonos mische Gleichheit als seine Forderung an und innerhalb der selben noch gemeinsamen 3deologie begann der Kampf um ihre richtige Auslegung", dem in Wirklichkeit das verschies dene Klasseninteresse zugrunde lag. Vor der Entbindung der Klassengegensätze in der revolua tionären Periode zeigte sich aber die Macht der hauptsächlich von der franzöfifchen Aufklärungsphilosophie geschaffenen beologie. Ueberall, wo politische oder soziale Kämpfe im Gange waren, beriefen sich die Kämpfenden auf diese Ideo Togie zur Verteidigung ihrer Sache. Absolutistische Herrscher, die wie Friedrich II. in Preußen oder Joseph II. in Defters reich die zentrale Staatsgewalt gegen die feudalen Privi legien festigen wollten, bekannten sich mit mehr oder weniger weitgehenden Einschränkungen zu den Gedankengängen, bie in ihrem Ursprungsland bestimmt waren, später als geistiges Rüstzeug zur Zertrümmerung des Absolutismus zu dienen Die re a le Rüdständigkeit Mittel- und Osteuropas hinderte die westeuropäische Ideologie nicht, zur allgemein herrschenden zu werden, fie bewirkte nur, daß die realpolitische Entwicklung trog gleicher Jdeologie sich ganz verschieden ges Heute steht die fapitalistische Welt vor derselben Schicksals frage, wie die untergehende Antike. Doch heute leuchtet den Millionen der Unterbrüdten und Ausgebeuteten ein anderer Stern als der Stern von Bethlehem. Es geht zwar dasselbe Sehnen nach Gleichheit und Freiheit durch die Welt wie vor 2000 Jahren, als Tausende von Männern und Frauen fich für bas neue Evangelium ber Menschheit opferten. Aber der Inhalt dieses Sehnens ist, in gesellschaftlicher Beziehung, nicht rüdwärts, sondern vorwärts gerichtet. Nicht vor. übergehende Linderung der Not durch Ausgleichung des Gestaltete. nuses, bei gleichzeitigem Rüdgang der Produktion, sondern größtmögliche Steigerung der Produktion durch ihre Ueber nahme in gesellschaftliche Verwaltung ist das Ziel des moder: nen Sozialismus. modernen die Lehren der französischen Enzyclepädisten bedeute, das be Was für das Jahrhundert der bürgerlichen Aufklärung deutete für das 20. Jahrhundert der Maryismus. In den industriell entwidelten Gebieten ist er nichts anderes als bas Selbstbewußtsein der Arbeiterklasse über ihre historische Aufgabe. Hier deckt sich das Klasseninteresse und seine wiffenes Phasen der Arbeiterbewegung, wo das dauernde revo lutionäre Ziel hinter den Gegenwartsintessen zurücktritt und zu einer reformistischen Umbeutung der revolutionären marristischen Lehre führt. Daß aber diese Umdeutung vo genommen und nicht etwa der Marrismus selbst preisgegeben wird, beweist, wie start und allgemein herrschend sein geistiger Einfluß geworden ist. Die gewaltige Steigerung der Produktiofräfte in der fapi talistischen Periode, die Fortschritte der Technik und die Ber herrschung der Naturfräfte durch den Menschen schufen die Vorbedingungen für die Verwirklichung des neuen gesell- chaftliche Formulierung. Aber selbst in diesen Gebieten gibt schaftlichen Ideals. Gleichzeitig entstand im Proletariat jene Macht, die allein imftande ist, jenes Ideal in die Wirklichkeit umzusehen. Das Proletariat schöpft seinen Antrieb zum Kampf nicht aus irgendeinem Wunderglauben, sondern aus der Erfenninis, die ihm der wissenschaftliche Sozialismus. verleiht. Es wartet nicht auf den Erlöser", denn die Geschichte der Klassentämpfe hat ihm die Ertenntnis eingebläut, daß es sich nur aus eigener Kraft zu erlösen vermag. War diese Kraft und diese Erkenntnis bisher nicht genügend entwidelt ober durch Rüdfälle in fleinbürgerlichen Reformismus gehemmt, so hat der Krieg wenigstens das eine Gute vollbracht, daß er den Blick des Proletariats für die sozialistischen Endziele schärfte und seine revolutionären. Energien steigerte, während andererseits die durch den Krieg heraufbeschworene wirt schaftliche und politische Krise vor der gesamten Gesellschaft schaft des römischen Weltreiches, in Barbarei zu verfinken, oder sich auf sozialistischer Grundlage neu zu gestalten. Die entscheidende Frage unserer Zeit ist, daß die Arbei: tezlasse die Kraft und die Fähigkeit aufbringt, der Trös ger der neuen Gesellschaft, der Baumeister der neuen Welt zu sein. Die Geschichte hat ihr, als der Totengräberin der alten Gesellschaft, diese Aufgabe zugewiesen. Von ihrer Entschloffenheit, ihrer Erkenntnis, ihrer geistigen und organisatorischen Reife hängt es ab, daß die Agonie den verfaulenden tapitalistischen Gesellschaftsförpers abgefürzt wird und die Menschheit endlich jenen Sprung wagt, der sie aus der Abhängigkeit von von ihr selbst geschaffenen Dingen befreit: den Sprung aus dem Reich der Rotschen Revolution bekannten sich fast alle politischen Intellet wendigkeit in das Reich der Freiheit". " Befits und die Berwaltung der Geſamtheit; es fest an die Der Kommunismus Stelle der fapitalistischen Anarchie die planmäßige sozialisti. sche Bedarfswirtschaft. Der Inhalt des Gesellschaftstörpers empört sich gegen die überlebte äußere Form, und aus dem Chaos der in Blut und Elend untergehenden fapitalistischen leuchtet als einziger Wegweiser in eine neue beſſere Zukunft die Idee des Sozialismus hervor. als Jdeologie Das zeigt sich noch deutlicher in öfonomisch rüdständigen Gebieten. Hier wird der Sozialismus zur Ideologie für alle unterbrüdien oder kämpfenden Schichten. Er hört auf, das Rüstzeug für die proletarische Opposition zu sein, und seine Losungen werden zu denen aller Unterbrüdten. Das ertlärt ich einerseits daraus, daß die sozialistische Opposition die wirklich gründliche, radikale Opposition gegen jede Unters drückung darstellt, weil sie mit der Beseitigung der Klassen herrschaft jeder Unterdrüfung von Menschen durch Menschen bäuerliche Schichten oder auch ganze unentwidelte Rationen fich unterdrüdt fühlen, find sie und insbesondere ihre Intelligenz gerade den radikalsten Gedanken zugänglich. Erst wenn sie siegen und infolgedessen aus beherrschten zu herra ichenden Schichten werden, zeigt sich der nur ideologische Charakter, den die sozialistischen Gedankengänge bei ihnen in Wirklichkeit gehabt haben. Das allgemein sozialistische Bes fenntnis wird verlassen zugunsten der Durchführung bes Schränkter Klasseninteressen. Schon in einer früheren Periode war diese Umwandlung des wissenschaftlichen Sozialismus zu einer allgemeinen pos litischen Ideologie deutlich erkennbar. Vor der ersten russi tuellen Rußlands zum Marxismus, Als aber die Revolution den akuten Klassenkampf entband und die verschiebenen Klassen vor die Verwirklichung ihrer wahren Ziele stellte, ba wurde der Marrismus sehr bald beschränkt auf die eigent fichen Wortführer des industriellen Proletariats, während bie bürgerlichen Intellektuellen meist nach einem furzen Gasts [ piel beim Revisionismus zum größten Teil seine heftigsten Bekämpfer wurden. do Der Sieg der zweiten russischen Revolution gab aber bent Marrismus als allgemeine revolutionäre 3beologie eine neue Verbreitungsmöglichkeit und Expansionskraft. In seiner wieder zu der Ideologie aller derer, die von einer Untera neuen fommunistischen Auslegung und Anpassung wird er Interessen erwarten. Dieser Kommunismus verliert jede Die materialistische Geschichtsauffaffung hat uns gelehrt. bie großen foaialen und politischen Jbeen nicht als selbständig wirkende Kräfte aufzufassen, sondern als Ziele, die sich die verschiedenen Schichten und Klassen ber Gesellschaft gemäß ihren ökonomischen Interessen geben. Jebe Klasse versucht Die christliche Legende erzählt von dem Stern von die ihr eigentümlichen besonderen Interessen als das Ge- ftützung der ruffischen Somjetmacht eine Förderung ihrer Bethlehem, der über ber elenden Krippe leuchtete, in famtinteresse der Gesellschaft darzustellen und es als ein allder Jesus, der Erlöser der Welt, geboren wurde. Für die gemeines, für alle verbindliches de al zu formulieren. Zu Beziehung zu der ökonomischen Basis, er hört auf, das pos untergehende Welt der römischen Sklavenwirtschaft war gleich verschwindet in dieser Formulierung das beschränkte, litische System des Proletariats zu sein. Er wird zu einer beer Stern bas Symbol der Befreiung. In leidenschaft night einer angeicht oder Klasse angemessene Interene allgemeinen oppofitionellen Machtideolo licher Sehnsucht harrten die Millionen der Armen und un- zugunsten allgemeinen, möglichst umfassenden, alle Geterbrüdten, die Millionen der Sklaven des Erlösers, ber das ſellschaftsmitglieder verpflichtenden Idee. teen jonte. Doch das Christentum, in seiner ursprüng tausendjährige Reich der Gerechtigkeit und Liebe auf Erden errichten sollte. nur der besonderen So hat das Bürgertum in feiner ersten Epoche in der Regie. Türkische Nationalisten, die die Herrschaft der türki fchen Herrenklasse wieder qufrichten wollen, arabische Stämme, die gegen den Drud der westeuropäischen Mächte formation der Kampf gegen die feudalen Gewalten aankämpfen, indische Muselmanen und ägyptische Nationa te A ) rifleit, die die englische Herrschaft abschütteln wollen, sie alle suhlen sich solidarisch mit Sowietruhland und der Ausdruck dieser Solidarltat ist das Bekenntnis zum Kommunismus, zur Sowjetmacht zur Räterepublik, zur 3. Internationale... - liegen die Verhältnisse im Westen. Hier können wir vcobachtcn, daß gerade in den entwickeltsten kapitalistischen Mandern der Kommunismus in seiner russischen Ausprägung lehr bald am bestimmte Schranken stößt und die Erfahrung r? Zeit zeigt deutlich, daß. je entwickelter das -prole.arlat, desto geringer der Einfluß, den der Kommunis- mus gewinnt. Zugleich hat in diesen entwickelten Ländern der Kommunismus keine Aussicht, außerhalb des Proletariats irgendwie Einfluß zu gewinnen. Dazu sind die Klassengegen- satze bereits zu deutlich herausgearbeitet. Anders steht es rn jenen Eebieten, wo der Kapitalismus seine Entwicklung i!r•• 100 ne�en dem Proletariat andere sich unter- ü-. /uhlende Schichten im Kampfe stehen. Ist doch äußerst radikale Formulierung und Unterschätzung der sich entgegen- turmenden Schwierigkeiten überhaupt Kennzeichen jeder be- ginnenden proletarischen Bewegung. Der Beweis dafür läßt sich mit beinahe mathematischer Eenauigkeit an der Hand der letzten Wahlen für die j u g o- s l a v i s ch e K o n st i t u a n t e f ü h r e n. Die Kommunisten erhielten bei den Wahlen am 28. November von 417 Man- baten 58 und es ist nun recht interessant, zu sehen, woher diese Mandate kommen. Von den kommunistischen Mandaten entfallen: 17 auf das alte Königreich Serbien, 14 auf Mazedonien svon 23 Mandaten des Landes), 4 auf Montenegro(von 10 Mandaten des Landes). 3 auf Bosnien und Herzegowina (63), 2 auf Dalmatien, 5 auf Kroatien und Clavonien(von 08), 3 auf Vojvodina und 5 auf Slovenien. Die 17 Man- date Serbiens sind in der sozialen und ökonomischen Natur des Landes begründet und daher verständlich. Für die kommunistische Liste stimmten nicht nur die ganze Arbeiter- klasse, die hier in langjähriger ernster sozialistischer und or- ganrsatorischer Arbeit genügend geschult wurde, sondern auch die ungezählten Opfer der drei letzten Kriege: die Invaliden und Verelendeten. � Aber eine kommunistische Majorität in Mazedonien. m einem Lande ohne Industrie, mit brachliegendem Hand- werk, ohne Organisationen, ohne jede Tradition sozialistischer Werbearbeit! Mehr als drei Viertel, die da kommunistisch wählten, sind zweifellos nur Mitläufer, die der einzigen le- galen oppositionellen Partei des Landes ihre Stimme gaben: als Zrredentisten, als Kemalisten, kurzweg als Nation«- listen. Das gleiche Schauspiel bietet Montenegro! Kaum ein halbes Dutzend Werkstätten finden sich in diesem Lande, die mehr als zehn Arbeiter beschäftigen. Und dieses wirtschaftlich erstorbene Gebiet entsendet von den zehn Ab- geordneten vier Kommunisten. Dort sind es nicht nur Niit- läufer, sondern der ganze Heerhaufen der kommunistischen Wähler ist sozial fremdartig, der Ausdruck der erbitterten oppositionellen Stimmung, die sich in der Wahl der einzigen zulässigen Oppositionspartei des Landes, eben oer K o m m u- nisten, kundgab. Die eroberten Mandate in Dalmatien verdankt die Partei der noch ungelösten Agrarfrage und den zahlreichen deklassierten Intellektuellen und Kleingewerbe- treibenden. In Kroatien hingegen vermochten sich nur sechs Ar- bcitervcrtreter durchzusetzen. Weshalb? Weil dies der Stärke der Arbeiterklosse entspricht, wenn von den zahlreichen fremd» nationalen Arbeitern(ähnlich in der Vojvodina und in Bos- njen) abgesehen wird, die kein Stimmrecht besitzen, wobei 'überdies die Spaltung der Arbeiterbewegung in diesen Län- dern den Wahlausgang ungünstig beeinflußt hat. Ist also Kroatien rückständiger als— Mazedonien? Gewiß nicht. Aber die große indifferente, politisch unaufgeklärte Masse der Wähler fand außer der kommunistischen auch eine andere ebenso entschlossene Oppositionspartei, die Nadic-Partei, vor, die sie zum Siege führte. Oder sollte Bosnien mit seinen dreißigtauseud gewerkschaftlich Organisierten für die soziale Revolution weniger reis als Montenegro sein? Obgleich dort die Arbeiterbewegung im großen und ganzen ungespalten ist, vereinigte die Partei nur siebzehntausend kommunistische Stimmen und drei Mandate auf sich. Warum so wenig? Weil auch in Bosnien wie in Kroatien die großen verelen- deten Massen, die muslimanischcn Bettler und Deklassierten und selbst auch organisierte Arbeiter, eine gleichfalls oppo- sitionelle Partei vorfanden, mit der sie geistig inniger ver- bunden sind als mit der kommunistischen Partei: die Jugo- slavische Mohammedanerorganisation. In der Vojvodina(Banat, Bacska mit ihren großen Arbeitermassen) eroberten die Kommunisten und die Sozial- reformisten je drei Mandate. Dort sind große Massen deut- scher ungarischer und rumänischer Arbeiter politisch entrechtet und konnten daher nicht wählen. Dann sind noch viele ser- bisch-kroatische Arbeiter und Kleinbauern stark von der natio- nalen Ideologie befangen und dem Sozialismus noch nicht zugänglich. Dabei half der Terror der Behörden dem Siege der Bürgerlichen bedeutend nach, so daß das Wahlbild die proletarischen Kräfteverhältnisse ungünstiger erscheinen lassen, als sie in Wirklichkeit sind. Den reifsten politischen Charakter zeigen die Wahlen in Slovenien. Dort entrollte sich schon ein moderneres Bild. Die Arbeiter sind durch 5 Kommunisten, 5 Sozial- demokraten und 2 Nationalsoziale vertreten. Die übrigen Mandate oerteilen sich zwischen Demokraten(3), Bauern- Partei(8) und Klerikalen(15). So würde, wenn man die Wahlerfolge des Südens als Zeichen der politischen Reife gelten ließe, auch das industriereiche Slovenien in seiner Ent- Wicklung zur sozialen Revolution rückständiger als Monte- negro, Dalmatien und Mazedonien erscheinen. So zeigt sich innerhalb Jugoslaviens. daß, je rückständiger die soziale Entwicklung, desto stärker die prozentualen Erfolge der Kommunisten sind. Wobei man noch hinzufügen muß, daß innerhalb der serbischen Kommunistischen Partei sich eine immer schärfere marxistische Opposition geltend macht. der sicherlich die Zukunft der serbischen Arbeiterbewegung gehört. So deckt dieselbe kommunistische Flagge ganz verschiedenen sozialen»Inhalt. Und es gehört schon außerordentliche Leichtgläubigkeit oder Leichtfertigkeit dazu, den westeuropäi- schen Arbeitern vorreden zu wollen, daß es eine einheitliche kommunistische Bewegung gibt. Teleki zum zweiten Mal Aus Wien wird uns geschrieben: In Ungarn wurde nach einer Reglerungskrise von drei Wochen ein neues Ministerium unter dem Vorsitz des Grafen Teleki gebildet. Es ist eine zweite, veränderte, aber nicht oer- besserte Auflage des ersten Terrorministeriums des Pogrom- grasen Teleki. Die Regierung wurde gestürzt, weil die öffent- lichc Meinung des Landes, sogar unter dem Drucke des Terrors, die gesamte anständige Presse der Welt und die Partei der kleinen Landwirte, die agrarischen Demokraten einen Kampf gegen die Terroristen forderten. Der ander» Grund der Regierungskrise war die Königsfrage: die AntiHabsburger wollten eine Regte- rung, die die freie Königswahl auf ihre Fahne schreibt, wa» mit der Anerkennung der von der Revolution bewerkstelligten Ent- thronung der Habsburger gleichgekommen wäre. Das neue Mi- nisterium Teleki wird aber den Terroristen gegenüber ebenso machtlos sein, wie die alte. Als Svmbol seiner Hallung kann es dienen, daß der Professor der Philosophie an der Budapest»! Universität, Alexander Varjas, dessen mathematisch- philo- sophische Arbeiten von Bertrand Rüssel dem ungarischen Staats- anwalt als wissenschaftlich« Leistungen angezeigt wurden, zu 12 Iahren schweren Kerkers verurteilt wurde, während am Tage der Ernennung diese» Ministeriums der Mörder- und Räu- berhauptmann Baron Babarczy, der Anführer der Britannia- leute, der ungezählte Unschuldige ermorden, berauben, mißhandeln ließ, zu einem Monat Profosenarrest verurteüt wurde. Habsburg— oder frei« Königswahl— in dieser Frage ist da» neu« Ministerium Teleki ein Vorstoß der Karlisten. Der früher« KrUgsmtnist« Steter, gegen den die Karlisten dl« Anklage erhoben, daß er von der jugoslawtjchen Regierung gekauft gegen die Habsburger arbefte, wurde durch einen gewesenen k. und k. General(Belicska) ersetzt, der der politischen Gruppe von Stefan Tisza angehörte und heute der Vertrauensmann der legi- timistischen Generäle ist. Als Finanzminister trat auch ein alter Anhänger von Tisza, der führende Direktor der größten ungarischen Bank(Komerziellbank), Roland Hegedlls in die Regierung. Sein Eintritt hat die Bedeutung, daß dt« Regierung mit den retchen Juden einen Frieden schließen und nur die Armen oer- folgen wird. Der politische Gedanke dieser Regierung ist dt« Vorbereitung der Wiederherstellung de» vorrevolutionären Ungarn' auf der ganzen Linie. Sie wird sich daran machen, dt« demokratischen Grundlagen der Konterrevolution, das allgemein« Wahlrecht, das Einkamnirr- system, abzuschaffen und auf diese Weise die Rückkehr des Habs- burgers aus der Schweiz zu ermöglichen. Di« Karllsten haben aus den Ereignissen in Griechenland und aus der Rückkehr Konstantins aus Athen neu« Hoffnung geschöpft und ste wollen nach diesem Vorbild« vorgehen, in der Erwartung, daß die Entente, die kleine so gut als die große, die vollendeten Tatsachen einfach hinnehmen wird. Vorerst wollen sie aber die Königsfrage von der Tagesordnung absetzen und die mornuchisti- sch» Restauration durch ein« gewisse„Konsolidierung" der Eegen- Die heilige Nacht Eine Legende von Selm« Lagerlöf Als ick fünf Jahre alt war. hatte ich einen großen Kummer. Ick weiß kaum, ob ich seitdem einen größeren gehabt habe. Das war als meine Großmutter starb. Vis dahin hatte sie jeden Tag auf dem Ecksofa in ihrer Stube gesessen und Märchen �Ich weiß e« nicht anders, als daß Großmutter dasaß und er- zählte vom Morgen bis zum Abend, und wir Kinder saßen still neben' ihr und hörten zu. Das war ein herrliches Leben. Es gab keine Kinder, denen es so gut ging wie uns. Ich erinnere mich nicht an sehr viel von meiner Großmutter. Ich erinnere mich, daß sie schönes, kreideweiße« Haar hatte, und daß sie sehr gebückt ging, und daß sie immer dasaß und an einem Strumpfe strickte. Dann erinnere ich mich auch, daß sie, wenn sie«in Märchen er- zählt hatte, ihre Hand auf meinen Kopf zu legen pflegte, und dann sagte sie:„Und das alles ist so wahr, wie daß ich dich sehe und du mich stehst." Von allen den Geschichten, hie ste mir erzählt«, habe ich nur eine schwache unklare Erinnerung. Nur an eine einzige von ihnen erinnere ich mich so gut, daß ich sie erzählen könnt«. E» ist«ine kleine Geschichte von Jesu Geburt. * Es war an einem Weihnachtetag, alle waren wie zur Kirch« ge- fahren, außer Großmutter und mir. Ich glaube, wir beide waren im ganzen Hause allein. Wir hatten nicht mitfahren können, weil die eine zu jung und die andere zu alt war. Und alle beide waren wir betrübt, daß wir nicht zum Mettgesang fahren und die Weihnachtslichter sehen konnten. Aber wie wir so in unserer Einsamkeit saßen, fing Großmutter zu erzählen an.«- „Es war einmal ein Mann", sagte ste.„der in die dunkle Nacht hinausging, um sich Feuer zu leihen. Er ging von Haus zu Haus und klopfte an."„Ihr lieben Leute, helft mir!" sagte er. „Mein Weib hat eben ein Kindlein geboren, und ich muß Feuer anzünden, um sie und den Kleinen zu erwärmen," „Aber es war tiefe Nacht, so daß all, Menschen schliefen und niemand antwortete ihm. Der Mann ging und ging. Endlich erblickte er in weiter Fern« einen Feuerschein. Da wanderte er dieser Richtung zu und sah, daß das Feuer im Freien brannte. Eine Menge weißer Schaf« lagen rings um du» Feuer und schliefen, und ein alt« Hirt wachte über der Herd«. Als der Mann, der Feuer leihen wollte, zu den Schafen kam, sah er, daß dre» große Hunde zu Füßen de» Hirten ruhten und schliefen. Sie erwachten alle drei bei seinem Kommen und sperr- ten ihre weiten Rachen auf. al, ob sie bellen wollten, aber man vernahm keinen Laut. Der Mann sah. daß sich die Haare auf ihrem Rücken sträubten, er sah. wie ihre scharfen Zähne funkelnd weiß im Feuerschein leuchteten, und wie sie auf ihn losstürzten. Er fühlte, daß ein« von ihnen nach seinen Beinen schnappt« und einer nach seiner Hand, und daß sich»in« an seine Kehle hängte. Aber die Kinnladen und diit Zähne, mit denen die Hunde beißen wollten, gehorchten ihnen nicht, und der Mann litt nicht den kleinsten Schaden. Nun wollte der Mann weiter gehen, um das zu finden, wa, er brauchte. Aber die Schafe lagen so dicht nebeneinander, Rücken an Rücken, daß er nicht vorwärts kommen konnte. Da stieg der Mann auf die Rücken der Tiere und wanderte über sie hi» dem Feuer zu. Und keins von den Tieren wacht« auf oder regte sich." So weit hatte Großmutter ungestört erzählen können, aber nun konnte ich es nicht lassen, ste zu unterbrechen.„Warum regten sie sich nicht, Großmutter?" fragt, ich.„Das wirst du nach einem Weilchen schon ersahren", sagt« Großmutter und fuhr mit ihrer Geschichte fort. „Als der Mann fast beim Feuer angelangt war. sah der Hirt auf. C» war ein alter, mürrischer Mann, der unwirsch und hart gegen alle Menschen war. Und als er einen Fremden kommen sah. griff er nach einem langen, spitzigen Stabe, den« in der Hand zu halten pflegt«, wenn er sein« Herde hütet«, und warf nach ihm. Und der Stab fuhr zischend gerade auf den Mann los, aber ehe er ihn traf, wich er zur Seite und sauste, an ihm vor- bei, weit über das Feld." Al» Großmutter soweit gekommen war, unterbrach ich sie aber- mals.„Großmutter, warum wollt« der Stock den Mann nicht schlagen?" Aber Großmutter ließ es sich nicht einfallen, mir zu antworten, sondern suhr mit der Erzählung fort. revolution vorbereiten. Die kleinen Landwirte haben die erste Regierung Teleki gestürzt, um den Ka.npf gegen die Terroristen führen zu können: es wurde eine Regierung eingesetzt, die mit der Unterstützung der Erwachenden Ungarn gebildet wurde. Die kleinen Landwirte haben die erste Regierung Teleki gestürzt, um eine antihabsburgische Regierung zu bilden. Die Armee übergeht mit dieser Regierung Teleki in die Hände der Karlisten. Es ist wahr- scheiplich, daß die kleinen Landwirte eingeschüchtert und mit hobs- burgischem Eelde in großem Maßstäbe gekauft wurden. Wenn sie sich auflehnen sollten, dann wird die Nationaloersammlung aus- gelöst, das allgemeine Wahlrecht durch ein Oktroi abgeschafft und die E r a f e n p a r t e i, die sich heut» noch etwas zurückhält, offen die Führung übernehmen. Die Unruhe und die konterrevoluiio- nären Intriguen in Mitteleu-opa, die grausame Unterdrückung im Lande selbst haben in der Neuauflage des Ministeriums Teleki ein etwas anders ausgehende», aber»>» Grunde g'nommen noch ge- fährlicheres Werkzeug erhalten. Stwnes und Brüssel Der„Temps" hat sich von Berlin dahin informieren lassen, daß die Stinnesgruppe die entgegenkommende Politik des Staatssekre- tärs Bergmann auf der Brüsseler Sachverständigenkonferenz bekämpfe. Stinne» und seine Freunde, deren Einsluß bis in die deutsche Delegation in Brüssel reich«, hofft, nach dem Pariser Blatte, dahin zu gelangen, daß die Konferenz ergebnislos bleibe. Diese Darstellung bringt die„Deutsche Allgemeine Zeitung�, von der man nie weiß, wann st- der deutschen Regierung und wann sie Herrn Stinnes dient, auf den Plan. Bergmann, so er- klärt sie, handele nach den Instruktionen des Berliner Kabinetts. Auch werde es Herr Bergmann ablehnen, sich das Zeugnis aus- stellen zu lassen, daß er in Brüssel eine Politik des Entgegenkam- mens übe, und werde mit der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" der Meinung sein, daß die Brüsseler Verhandlungen ohne jede Sentimentalität mit größter Offenheit und nüchternster Sachlich- keit zu führen sind, daß vor allen Dingen bei diesen Verhandlun- gen nichts versprochen werden dürfe, was nicht gehalten werden könne.„Im übrigen sei festgestellt, daß der Berliner Informator des„Temps" das Blatt glattweg angelogen hat. Wir haben es hier wieder einmal mit der von uns oft genug gekennzeichneten Hetze zu tun, die darauf abzielt, die deutsche Industrie zu treffen indem sie Herrn Stinnes hiskreditiert." Gut gebrüllt! Aber will uns die„Deutsche Allgemeine Zeitung' eine ehrliche und Ilare Antwort auf die Frage geben, warum die Herren V ö g l e r und Siemens, die beide— sagen wir einmal— von Stinnesschcn Einflüssen nicht frei sind, ihr Mandat für Brüssel in letzter Stunde niedergelegt haben, nachdem der demokratisch« Professor Bonn ebensalls zum Sachverständigen erwählt worden war? Gibt es wirklich keinen Zusammenhang zwischen dieser Ernennung eines im Verdacht vernünftiger Er- wägungen stehenden Mannes und dem Rücktritt der beiden Ver, treter der Großindustrie? Die internationale Reaktion Patzverweigerung durch die französische Regierung Den Delegierten der Unabhängigen Sozialdemokratie zum Kongreß der Sozialistischen Partei Frankreichs, den Genossen T r t s p i« n und Ledebour, sind von der französtjchen Regie- rung die Pässe verweigert worden. Genosse Leded-ur hat daraufhin am 24. Dezember ein Telegramm an den Kongreß unserer französischen Genossen in Tours gerichtet, das in deutscher Uebersetzung lautet: „Reise uns leider unmöglich gemacht. Wünschen Euch guten Erfolg für proletarische Gesamtbewegung. Da auch die Schweiz?- rische Regierung auf ihrem Kongreß im November keine revo- lutionären Sozialisten zulassen wollte, sollten die klassenbewußten Proletarier aller Länder aus dieser Zurückweisung unserer Ver- treter die Ueberzeugung gewinnen, daß die gleichartigen und ge- meinsamen Aktionen der kapitalistischen Regierungen gegen uns auch dem Proletariat ein Ansporn zu gemeinsamen Ak- tio'nen sein möchten. Nur da» gecinigte. nicht das zer» stückelte Proletariat wird die kapitalistischen Widerstände über» winden!" Legten«krankt. Der„Vorwärts" teilt mit, daß Legten schwe« erkrankt ist und sich feit einigen Tagen im Krankenhause be- findet. Er fügt hinzu:..Wenn auch ernste Besorgnisse über seinen Zustand bestehen, so bleibt doch die Hoffnung, daß seine kräftige Natur diese schwere Attacke überwinden wird. Wir schließen uns diesem Wunsche an. „Nun kam der Mann zu dem Hirten und sagte zu ihm:.Guter Freund, hilf mir, und leih mir ein wenig Feuer. Mein Weib hat eben ein Kindlein geboren, und ich muß Feuer machen, um sie und den Kleinen zu erwärmen." Der Hirt hätte am liebsten nein gesagt, aber als er daran dachte, daß die Hunde dem Manne nicht hatten schaden können, daß die Schafe nicht vor ihm davongelaufen waren und daß sein Stab ihn nicht fällen wollte, da wurde ihm ein wenig bange, und er wagte es nicht, dem Fremden das abzuschlagen, was er begehrte. .Nimm, soviel du brauchst', sagt« er zu dem Manne. Aber das Feuer war beinahe ausgebrannt. Es waren kein« Scheite und Zweige mehr übrig, sondern nur ein großer Elut- Haufen, und der Fremd« hatte weder Schaufel noch Eimer, wori» er die roten Kohlen hätte tragen können. Als der Hirt dies sah, sagte er abermals:.Nimm, soviel du brauchst!'' Und er freute sich, daß der Mann kein Feuer weg- tragen könnt«. Aber der Mann beugte sich hinunter, holte die Kohlen mit bloßen Händen aus der Asche und legte sie in seinen Mantel. Und weder versengten die Kohlen seine Hände, als er ste berührte, noch versengten ste seinen Mantel, sondern der Man» trug ste fort, als wenn es Nüsse oder Aejjfel gewesen wären." Aber hier wurde die Märchenerzählerin zum drittenmdl unter- brachen.„Großmutter, warum wollte die Kohle den Mann nicht brennen?" „Das wirst du schon hören", sagte Großmutter, und dann er» zählte ste weit«. „Als dieser Hirt, der ein so bös«, mürrischer Mann war, dies alles sah, begann er stch bei sich selbst zu wundern:.Was kann dies für eine Macht fein, wo die Hunde die Schafe nicht beißen, die Schafe nicht erschrecken, die Lanze nicht tötet und das Feuer nicht brennt?' Er rief den Fremden zurück und sagte zu ihm: ,Was ist dies für eine Nacht? Und woher kommt es, daß alle Dings dir Barmherzigkeit zeigen?' Da'sagte der Mann:.Ich kann es dir nicht sagen, wenn tut selber«« nicht siehst.' Und er wollte seiner Wege gehen, um bald «in Feuer anzuzünden und Weib und Kind wärmen zu können. Aber da dachte der Hirt, er wolle den Mann nicht ganz aus dem Gesicht verliere«, bevor er erfahren hätte, was dies alles bedeute- Er stand auf und ging ihm nach, bis er dorthin kam, wo d« Fremd« daheim war, � \ Eine letzte Warnung Die Forderungen der Arbeitslosen i Die Berliner Stadtverordnetenversammlung hat gestern |«lnstimmig den Forderungen für die Arbeitslosen zuge- stimmt, die von der Berliner Gewerkschaftskommission auf- gestellt waren. Damit haben auch die Vertreter derjenigen Parteien, die im Reiche Anträge auf Erhöhung der laufen- den und der einmaligen Unterstützung der Arbeitslosen und Bereitstellung von Mitteln für die produktive Erwerbslosen- fürsorge bisher stete abgelehnt haben, anerkannt, dajj eine sofortige und ausreichende Hilfe für die Arbeitslosen drin- gend notwendig ist. Wenn die Vertreter der bürgerlichen Parteien in der Stadtverordnetenversammlung glauben sollten, durch ihre Zustimmung zu diesem Antrage jeder weiteren Verpflichtung gegenüber den Arbeitslosen ledig zu sein, so befinden sie sich , in einem großen Irrtum. Ihre Zustimmung enthält die Anerkennung der Notwendigkeit der aus- � reichenden Fürsorge für die Arbeitslosen durch das Reich. In diesem Sinne müssen sie wirken. Und wenn sie sich nicht den Vorwurf der Treulosigkeit und des Bruchs ihrer Versprechungen zuziehen wollen, so müssen sie auch ihre Parteien, die sich bisher jeder ausreichenden Fürsorge für die Arbeitslosen widersetzt haben, zu einer Aen- derung ihrer Haltung zwingen. Für die Reichsregierung aber ist der Beschluß der Stadtverordnetenversammlung eine letzte Warnung. Unter dem unmittelbaren Eindruck des Elends und der ge- waltigen Erregung unter den Arbeitslosen ist dieser Beschluß der Berliner Stadtverordnetenversammlung zustande gekom- wen. Und sie hat nun die Pflicht, ihm n a ch z u k o m m e n. Es ist eine empörende Provokation, wenn gerade in diesem Augenblick die Rote des Auswärtigen Amts an die Entente veröffentlicht wird, die das Weiterbestehen von Einwohner- wehren und dergleichen mit der wachsenden Rot der Bevölke- rung zu rechtfertigen sucht. Es gibt kein besseres Mittel, NM Gefahren für die Allge- weinheit zu oermeiden, als die ausreichende Fürsorge für olle jenen zahllosen Unglücklichen, die als Opfer der kapital!- stischen Gesellschaftsordnung hungernd und frierend dem Ver- derben ins Auge sehen müssen. Wenn nur ein Teil der ge- waltigen Summen, die in Deutschland auch jetzt noch für den Militarismus ausgegeben wird, zur Fürsorge für Arbeitslose und Rentner Verwendung finden würde, so brauchten selbst angstliche Spießbürger nicht die geringste Sorge um ihr Wohlergehen zu haben. � Den drei sozialistischen Parteien erwachst aus dieser Sachlage aber die dringende Pflicht, unter Zurückstel- lung agitatorischer Momente die geschlossene Kraft der gesamten Arbeiterklasse in die Wagschale zu werfen, um endlich der unaufhaltsamen Verelendung von Hunderttausenden von Arbeitern Einhalt zu bieten. Eine reichsgefährliche Schiebung lT ige ner Bericht der„Freiheit"; München. 22. Dezember. i Kurz bevor der Landtag mit seinen Ausschüssen in die Weih. Nachtgfrrien«ing. hat di« tlirilal-Iunterlich« Stealtiou in Baqem noch die Gelegenh«»« denutzt, um«in« Schiedung«nie, das parlamentarisch« Dach zu bring«n. die man nach dem Meldung des klerikalen„Bayerischen Kurier" schon längst als«inen Streich gegen das Reich sorgsam vorbereitet hatte. Es handelt sich um den Ausbau des..Walchenseewerkes" und der „Mittleren Isar", asso v o n W a s s e r k r S f t« n. die laut Reichs- Verfassung dem Reiche anheimfallen! In der letzten Vollsitzung des bayrischen Landtage« vom 17. De- Zember hatte di« Regierung dem Finanzausschuß entgegen den klaren Bestimmungen der Verfassung di« Vollmacht zum Ab- ichluß einer ausländischen Anleihe erteilen lassen und dabei strengste Vertraulichkeit verlangt. Am 21. Dezember brachten die ..München« Neuesten Nachrichten" eine Meldung, in der es hieß. daß der bayrische Finanzminister Dr. Krausneck In der Schweiz weile, um-ine Anleihe zum Zwecke der Liefe- rung von Lebensmitteln aufzunehmen. Das war eine sichtliche Irreführung über den Gegenstand der„st r e n g vertraulichen" Regierung«- und Parlamentsschiebung! denn noch am gleichen Tage veröffentlichte die..Staatszeitung", also das Organ der Regierung, den d r i n g e n d« n Gesetzentwurf, � dem die Regierung am selben Tage streng vertraulich dem ständi- Da sah der Hirt, daß der Mann nicht einmal«ine Hütt« hat., »rn darin zu wohnen, sondern er hatte sein Weib und sein Kj„d' w einer Berggrott« liegen, wo es nichts gab als nackt», kalt- �teinwände. Aber der Hirt dacht«, daß da« arme unschuldige Kindlein viel- •cicht dort in der Grotte erfrieren würde, und obgleich« ein harter Mann war, wurde er davon doch ergriffen und beschloß Kinde zu helfen. Und er löste sein Ranzel von der Schulter �nd nahm daraus ein weiches, weiße« Schaffell hervor. Das gab dem fremden Manne und sagt«, er möge das Kind darauf betten. Aber in demselben Augenblick, in dem er zeigte, daß auch er barmherzig sein konnte, wurden ihm die Augen geöffnet, und er >°h, was«r vorhin nicht hatte sehen, und hörte, was er vorhin "'cht hatte hören können. Er sah, daß rund um ihn ein dichter �reis von kleinen, silberbeflügelten Engkein stand. Und jedes "vn ihnen hielt ein Saitenspiel in der Hand, und alle sangen "e mit lauter Stimme, daß in dieser Nacht der Heiland geboren wäre, der die Welt von ihren Sünden erlösen solle. Da begriff er, warum in dieser Nacht alle Dinge so froh waren, baß sie niemand etwas zuleide tun wollten. Und nicht nur ringe um den Hirten waren Engel, sondern er [Jl st« überall. Sie saßen in der Grotte, und sie saßen auf dem �«rge, und sie flogen unter dem Himmel. Sie kamen in großen Schoren Über den Weg gegangen, und wie sie vorbeikamen, blieben sie stehen und warfen einen Blick auf da» Kind. Es herrschte eitel Jubel und Freud« und Singen und Spiel. "nd das alles sah er in der dunklen Nacht, in der er früher nicht« gewahren vermocht hatte. Und er wurde so froh, daß sein« �ugen geöfnet waren, daß er auf die Knie fiel und Gott dankte." Aber alp di« Großmutter soweit gekommen war. seufzt« sie und lagte:„Aber was der Hirte sah. da« könnten wir auch sehen, denn b'e Engel fliegen in jeder Weihnacht-nacht unter dem Himmel. wenn wir sie nur zu gewahren vermögen." Und dann legte Grogmutter ihre Hand auf meinen Kopf und kagte:„Dies sollst du dir merken, denn es ist so wahr, wie daß ich b'ch sehe und du mich siehst. Nicht auf Lichter und Lampen kommt ** an, und es liegt nicht an Mond und Sonne, sondern was not H ist, daß wir Augen haben, die Gottes Herrlichkeit sehen «unen." gen Finanzausschuß vorlegt« und der auch von den Regierungs- Parteien und den Rechtssozialisten einstimmig angenommen wurde. " In diesem„dringenden" Gesetz, da« noch vor den Feiertagen durchgepeitscht wurde, heißt es. daß der bayrische Staat eine Aktiengesellschaft gründet, für die Wasserkraftwerke Schuldverschreibungen ausgibt und die Bürgschaft für die Verzinsung und Heimzahlung dieser Schuldverschreibungen übernimmt. Als Geldgeber für diese Schuldverschreibungen kommen amerikanische Kapitalisten in Frage. Eben« so für die Eroßschtsfahrtsstraße Main— Donau, hlnsschtlich deren die bayrischen Regierungsparteien ganz offen im ständigen Ausschuß sich für die Beteiligung ausländischen Kapitals einsetzten, wo- bei man nur einen Unterschied zwischen französischem und amerikanischem heucheln zu müssen glaubte. Als einziger wandte sich der Abg. Eareis(U. S.P.) gegen die Methode, mit der die Regierungsparteien eine so schwer- wiegende Frage behandelten. Er kennzeichnete dieses Gesetz der Klerikalen als einen Streich gegen das Reich und ver- langte eine Kapitalbeteiligung des Reichs, der Länder und der Gemeinden, im übrigen bei diesem Unternehmen eine Form, die eine Verwaltung durch die beteiligten Arbeiter sicherstellt. Es handle sich um einen Versuch, von den Ländern aus die wirtschaftliche Aufrollung der Sozialisierungsfront abzu- wenden und durch eine Auslieferung der Rohstosf.uellen des Reiches an ausländische« Kapital der allgemeinen Vermögensabgabe zu entgehen. Anders kann diese Gesetzesschiebung auch nicht aufgefaßt werden. Man nutzt die finanzielle Schwäche des Reiches aus, um die Scheunen des privaten, ob in- oder ausländischen, Ka- pitals zu füllen und die Arbeitermassen in Schach zu halten, die nach einer Vergesellschaftung der Rohstoffe des Reiches streben. Bei diesem löblichen Nationalverrat, der offen mit der Ohn- macht des deutschen Voltes und mit dem Versailler Friedens- vertrag begründet wird, gehen die Schwarzen, die Blauen und die Gelben Arm in Arm! Die Arbeitermassen werden den Landesverrätern der bayeri- fchen Reaktion gehörig die Leviten lesen müssen! Demokratische Mittelstandsreaktion Gegen die Sozialisierung Der Mittel st andsausschuß der Deutschen dcmokrati- schen Partei lD. D. P.) hat auf dem Nürnberger Parteitag unter Vorsitz des Neichetagsabgeordneten B a r t f ch a t Richtlinien de- mokratifcher Mittelstandspolitik einstimmig angenommen. Darin heißt es u. a.: „Um für dies« Entwicklung die Bahn freizumachen, erhebt der Parteitag der D. D. P. mit Nachdruck die Forderung der Ab- lehnung jeglichen versuche« der Sozialisierang oder Kommu» nalisterung von Handwerk, Handel und Gewerbe. Die Regie- gedanken und Zwangswirtschaft, insbesondere der kommunalen Verteilunggstellen. Bekleidungs- und Änichaffungsamter. Un- bedingte Schonung der dem produktiven Mittelstande zur vollen Entsaltung seiner Kraft erforderlichen Betriebsmittel der der Steuergesetzgebung." Erhaltung des wirtschaftlich reaktionären Kleinmeistertums ist also die Parole der Demokraten. Dem �Berliner Tageblatt' er- scheint diese Cache so wichtig, daß es den Wortlaut des sehr langen und ebenso reaktionären demokratischen Mittelstandsprogramms vollständig wiedergibt. Wir erwähnen das Programm, weil es die deutsche Demokratie trefflich kennzeichnet und das Bild der reaktionären Front gegen die So z t a l i s t e ru n g vervollständigt. Kessel und der Staatsanwalt Regt sich doch noch ein Rechtsfunken? Der Oberstaatsanwalt beim Landgericht! teilt mit: „Die Einstellung des Perfahren» gegen den Hauptmann von Kessel ist von der Straftammer de? Landgerichts l gcgende n ausdrücklichen WiderspruchderStaats- a n w a l t s ch a f t erfolgt. Der Beschluß ist noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft hat dagegen Beschwerde eingelegt. Das Kammergericht wird darüber zu entscheiden haben, ob das Amnestiegesetz vom 4. August 1ii2>1 aus die dem Hauptmann von Kessel zur Last gelegten Straftaten Anwendung finden soll." Nach der bisherigen Praxis der Justiz im Falle Kessel erwarten wir von der Entscheidung des Kammergerichtes nicht das mindeste. Warum ist Kessel, als er„grippekrank" wurde, aus der Haft entlassen worden? Zeder andere Beschuldigte kommt, wenn er in Untersuchungshaft erkrankt, in die Krankenstation. Warum ist Kessel nicht wenigstens. nachdem ihn der Kapp-Putsch über Nacht gesund gemacht hatte, sofort wieder in Haft genommen worden? Was machte Kessel volle neun Monate in einem Sanatorium? Gegen Arbeiter, die des Meineids verdächtigt sind, verfährt die Justiz ganz anders. Wir sind auch fest davon überzeugt, daß Kessel mindestens nach zehn Jahre ruhig und gesichert in seinem Sanatorium hätte verweilen können, wenn nicht die famose Auslegung des Amnestiegesetzcs ihm die Möglichkeit gegeben hätte, in sein mit Blumen geschmücktes Heim zurück- zukehren. Und kein Staatsanwalt hätte nach ihm gefragt, immer wäre irgendein„Attest" aufzubringen gewesen, das Herrn Kessel bescheinigt hätte, daß er nicht vernehmungs- fähig sei. Wir haben zum Fall Kessel bereits das Erforder- liche gesagt. Die weitere Entwicklung dieser Angelegenheit wird bestätigen, daß nicht mehr die Empörung, sondern nur noch der Ekel übrig bleibt vor solchen Zuständen. Der Meineid Kessels» Aus dem Marloh-Prozeß - R e ch t s a n w a l t Grünspach: Herr von Kessel hat in der Voruntersuchung beschworen, daß er von dem Haftbesehl und der A b r e» s e M a r l o h s leine Kenntnis hatte? Ich bitte 'yn die» aus den Akten vorzuhalten. Vors.: Ich habe hier rechtliche Bedenken. Die Aus- sage darf nach dem Gesetz nicht verlesen werden. Auch eine Re- konstrultion ist gegen das Gesetz und illoyat 3t echtsanw alt Grünspach: Am Pfingstdienstag hat Wehm euer W» Pfarrer Rump gejagt, daß mit den Akten etwas geplant sei. � Vors.(zu Pfarrei Rump): Was war das? Pfarrer Rump: Muß ich darüber sprechen? Oberleutnant Mnrloh hat m»ch gebeten, aus sein« Vorgesetzten Rücksicht zu nehmen. Vors.: Wir haben hier keine Geheimnisse. Sprechen Sie nur. Rechtsanwalt Ktkath lerhebt sich): Im Interesse des Angeklagten können wir Herrn von Kessel nicht schonen. Pfarrer Rump: Nachdem Herr von Kessel meine und Wehmeyers Aussage gehört hatte, sagte er:„Eigentlich ist e« jetzt Zeit, dem Meyer die Akten zu Nauen, aber wir«ollen st» ruhig noch etwa» dicker werden lassen." Rechtsanwalt Grünspach: Ich bitte, den Herrn von Kegel zu j ragen, ob die Alten„geklaut" werden sollten. Kessel: Acht Monate lang habe ich mit Marloh und Weh» meyer Zimmer an Zimmer gearbeitet. Ich kann jetzt nicht be- schwören, daß ich diese Wort« gebraucht habe. Vors.: Die Sache ist so ungeheuerlich, daß ich daran noch gar nicht gedacht habe. Haben Sie vielleicht so etwas im Scherz gesagt?... Damit halte ich wohl die Sache für er« ledigt. Rechtsanwalt Grünspach: Da es sich hier um die Glaubwürdigkeit des Herrn von Kessel handelt, so bitte ich, weite« zu prüfen. Ich bitte. Leutnant Wehmeyer zu fragen, ob uüd wann die Aeußerung gefallen ist. Zeuge Wehmeyer: Die Redensart war wörtlich so. Vors.: Herr Leutnant Wehmeyer, war das nun Scherz oder Ernst von Hauptmann Kessel? Haben Sie mit der Tatsache ge- rechnet, daß Akten„geklaut' werden konnten? Zeuge: Jawohl. sBewegung.) Als ich Herrn von Kessel nach meiner zweiten Vernehmung ge>agt habe, daß ich es vorgezogen habe, manche Stellen meiner ersten Aussagen nicht zu beschwören. hat Herr von Kessel geäußert: „Das»erstehe ich nicht! Auch in meiner beschworenen Au»« sage ist manches unzutrefsend, ich habe es aber doch beschworen; wir müssen in dieser Affäre ja doch lügen, und da sehe ich nicht ein, warum wir es nicht auch beschwören wollen." Kessel: Ich habe meine Aussagen vorsichtig gemacht und aus- drücklich erklärt: Was auf dem Papier steht, kann ich beschwören, aber was nicht daraus steht, kann ich nicht beschwören. Angeklagter Marloh(erregt): Hauptmann von Kessel hat beschworen, daß er mich am 1. Juli nicht mehr gesehen hat. D a g st i m m t n i ch t. Ich bin am 1. Juli von Oberleutnant Hoffmann— dem damaligen Leutnant Hosfmann— ich wollte den Namen anfänglich nicht nennen, gewarnt worden, daß meine Berbaftung bevorstebe. Ich bin darauf zu Kessel gegangen und traf ihn vor seiner Bureautür. Kessel sagte zu mir:„Um Gotteswillen, was machen Sie dennhier? Machen Sie, daß Sie wegkommen." »»« So sieht Herr Kessel aus. den jetzt das Gericht außer Verfolgung gesetzt hat. weil er„in Abwehr eine» hochverräterischen Unter, nehmen?" gehandelt habe. Ges chäftskommunismus In derselben Nummer der„Roten Fahne", in der 6er Vor- sitzend« der kommunistischen Partei, Paul Levi, dem Moskauer Exekutivlomitee bescheinigt, daß es mit seiner Anerkennung der K. A. P. D. das Gegenteil von einem Geniestreich verübt habe, wird eine Abonnementseinladung an die Leser ver- offentlicht, in der diese aufgefordert werden, das„antibolsche- wistische Lügenblatt", die„Freiheit", die keine Existenzberechtigung mehr habe, aus den Wohnungen der Arbeiter zu entfernen. De- gründet wird diese freundliche Mahnung mit dem Hinweis, daß die„Freiheit" ihre vornehmste Aufgabe in der Bekämpfung Sowjetrußlands erblicke und noch neuerding« von den„putschisti- schen Plänen" des Moskauer Exekutivkomitees und dem dazu nötigen„Kanonenfutter" geschrieben habe. Wir haben den Versuch der„Roten Fahne", unsere Abwehr gegen Sinowjew zu demagogischen Zwecken umzulllgen, schon ein- mal zurückgewiesen. Daß das Blatt es nun wagt, dieselben An- griffe in verschärfter Form vorzubringen, ist eine Schuftigkeit sondergleichen. Wir haben volles Verständnis für die Nöte, die die„Rote Fahne" zu ihrem unehrlichen Abonnentenfang veran- lassen. Aber nur ein völlig verkommenes Subjekt kann es wagen, un, zu unterstellen, daß wir unsere vornehmste Aufgabe in der Bekämpfung Sowsetrußlands erblicken. Geradezu grotesk jedoch nimmt sich der Versuch aus, in demselben Augenblick, wo Paul Levi von der„revolutionären Psychopathie" der neuen Freunde des Moskauer Exekutivkomitee in der K. A. P. D. spricht, aus unseren Worten vom„Kanonenfutter" Sinojews eine Art Majestätsbeleidigung zu konstruieren. Wenn die Geschäfts- Kommunisten in der, Listen Fahne" eine Lügenkampagne gegen uns für notwendig halten, so sollten sie sich doch wenigstens ver- gewissern, was auf der ersten Seite ihres Blattes steht. So weiß anscheinend im kommunistischen Zentralorgan die Rechte nicht, was die Linke tut. Weihnachten für Beamte und Kriegsopfer Die erhabenen Herrscher im neuen republikanischen Deutschland haben ihrem Herzen einen Stoß gegeben. Sie lassen durch Wolffg Bureau folgende Christbotschaft verkünden: Ebenso wie die Be- amtengehälter dürfen auch die am ir Januar 1021 fälligen M! li t d r p e n f i o n e n, Renten und Hinterbliebe- ncngebllhrntsse— unter Berücksichtigung aller etwa ange- ordneten Abzüge— schon jetzt ausgezahlt werden. Die Postanstalten und die Zahlstellen sind mit entsprechender Anwei- suna versehen worden. Nun können die Damen und Herren mit vollkommen beruhigtem sozialen Gewissen ein üppiges Weihnachtsfest seiern. Sollte noch jemand zu klagen haben, lo kann das nur ein übler Hetzer sein. Di« Urheber dieser Botschaft aber waschen ihre Hände wie Pilatus. Aber: um Gottes willen, nicht die Abzüge vergesse»! Die Beamtenbewegung Die Front verbreitert sich Der Gesamtverband deutscher Beamten und « t a a t e a n ge ste l l t e n g e w e rk sch a f t e n hat sich auf den Boden der Forderungen der vereinigten Eisen- da h n e r o r a an i s a t i o neu gestellt. Der Eesamtverband hatte in seinen früheren Beschlüssen seine weiter« Haltung von den Ent- schließungen de« Reichstags abhängig gemacht. Nachdem der Reichstag die Forderungen des Gesamtverbandcs in wesentlichen Punkten nicht erfüllt hat, sieht sich der Eesamtverband veranlaßt, erneut mit seinen Wünschen an die Regierung und das Parlament heranzutreten. Die Haltung der bayerischen Eisenbahner TU. München. 24. Dezember. Di« Betriebsräte und Vertrauensleute der O r t s v e r w a l- tuna München des Deutschen Eisenba h nerv er- band«« beschlossen gestern auch ihrerseits, an der Forderung einer Erhöhung der Teuerungszulagen festzuhalten. Sollte die Reichgregierung den Forderungen der Arbeiter und Beamten nicht entgegenkommen, so sollen die Forderungen mit den letzten Kampf- Mitteln durchgesetzt werden. Drohende««isenbahnerstreik in Oesterreich. Gestern fanden die entscheidenden Verhandlungen mit den Sudbahn- angestellten statt, von denen e« abhängen wird, ob es zu einem S t r e i k auf der Südbahn kommt. Ein Ministerrat wird in dieser Frage beraten. 2ü'kne4 u. 7 IHK. mit Friedenskaufsdruk S Söhre sdirifilldie Garantie. Zahnziehen mit Befdubung bei Betlellung von ßeblssen groll». Kronen v. SO lllk. an. Spez.; Zahne ohne Säumen. Keine lmtuspreise Zahn-Praxis Hatvani. o«i»j9«r«reo* i. M. 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Montag bis Mittwoch 71: Flamme Donnerstag 7 Uhr: Beer Gynt Freitag 7 Uhr: Flamme Sonnabend 31.: Frau BarrensGewerbe 7% ube: Major Barbara 7 Uhr: Flamme Proletarides Theater Beethovenfaal, Stöthener Str. Sonntag, 26. Dezember 1930 Revolutionäre Weihnachtsfeier Staatstheater. Opernhaus Sonnabend 25. Dezemb., 5 Uhr: ( Außer Abonnement) Aida Sonntag, 26. Dezember, 5 1hr: ( Außer Abonnement) Tristan und Jiolde Montag, 27. Dezember, 7 Uhr: Mignon Schoniptelbaus Sonnabend, 25. Dezember 21, 11.: Fuhrmann Henschel 7 Uhr( ußer Abonnement) König Richard III. Sonntag, 26 Dezember 2.: Flachemann als Erzieher 7 Uhr: Kronprinz ( Außer Abonnement) Montag, 27. Dezember, 7 Uhr: Die Journalisten Sonntag 31.: Frau WarrensGewerbe Sonntag und Montag 7% Uhr: Flamme Trianon Theater An beiden Weihnachtsfeiertagen Der Roman einer Frau nachm. 4 Uhr, halbe Preise: Täglich: 7, Uhr: Kammermanfit Carl Clowing, Ergen Burg, Olga Limburg, Hans Albers. Residenz Theater Un teiden Weihnachtsfeiertagen nachm. 4 Uhr, halbe Preise: Die Freundin Täglich 7 Uhr: Tivoli SILVESTERSCHERZE Chausseestr. 25, direkt am Stettiner Bahnhof 2 Orchester 7 2 Bühnen Täglich ab 6 Uhr abends: Große Varieté- und Vaudeville- Schau- Kombination Zum ersten Malein Berlin gezeigt: Neu! Hamlet- Parodie Neu! Humoristisches Spiel Erich Carow Entree mit u. die neuen engag. Kunstkräfte, wie Berg's einzig dressierie Teddi- Bären, Edda Dellbrügger, Cläre Benary und FRED ROBBER Der Schrecken aller amerikanischen Kriminalisten Außerdem auf allgemeinen Wunsch Wiedereröffnung der ersten Etage am 1. Weihnachtsfeiertag, nachmittags 4, Uhr www Die Direktion Königlaot- Theater Alexanderstr.21 Bhf. Jannowitzb. B ettnässen Befreiung sofort. Alter und Geschlecht angeben. Gala- Sänger San- ins. Gg. Englbrecht 1. und 2. Feiertag 2 Borstellungen 3 Uhr 7 2hr Nachmittags auf allen Plägen 1 Kind frei. München B 72. 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Dezember 3 Uhr: Geschlossene Borstellung 71, Uhr: Friedrich Schiller, 7 Uhr: Gajar u. Kleopatra der Infant der Menschheit Montag, 27. Dezember 7 Uhr: Don Carlos Kammerspiele Sonnabend, 25. Dezember H: Die deutschen Kisinstädter Uhr: Er ist au allem schuld Bie. Spieler Der Heiratsantrag Sonntag, 26. Dezember 21, 21. Die Büchse der Pandora 7 Uhr: Der Scheiterhaufen Montag, 27. Desember Sonntag, den 26. Dezember 3 Uhr: Gefchloffene Borstellung 7%, Uhr: Ein vorsichtiger Mann Walhalla- Theater Täglich Kastelbinder 7% 11.: ( Alfred Läutner a. G.) Casino Theater An allen Feiertg. 2 Borstellungen 7 Uhr: Der Scheiterhaufen 3 Uhr: Eine fidele Che. Großes Schauspielhaus Karlstraße Dezember 21 Uhr: Danton( Auß. Aboun.) 7. Danton( Auß. Abonn.) Sonntag, 26. Dezember 2% Uhr: Julius Cäfer. ( Außer Abonnement) 7 Uhr: Julius Cäsar ( Außer Abonnement) Montag, 27. Dezember 7 Uhr: Danton Geschlossene Borstellung Theater i. d. Königgräger Str. Sonnabend, 1. Feiertag Machi. 3 Uhr: Rausch 8 Uhr: Rausch Drska, Dernburg, Riemone, Belotkirch 2. Feiertag: Nachmitteg 3 Uhr: Erbgeist( Drska) 8 Uhr: Salome ( Maria Drska, Ludwig Hartau, Conrad Beibt, RafeLiechtenstein, KonradFaerber, Ernst Dernburg) Montag: Calome Dienstag: Salome Mittwoch: Rausch Donnerstag: Calome Freitag: Enloeft r: Galome Neujahr: Salome Sonntag: Nausch Montag: Salome Komödienhaus An beiden Feiertagen: Rachmittags 3 Uhr:„ Sie Täglich: 18: Die Sache mit Sola mit Max Pallenberg Cofef. Dora a. G., Drtr. Wagner, Bicha, Behmer, Stieda, Kiper.) Berliner Theater An beiden Feiertagen: 3 Uhr: Der letzte Walzer 7 Uhr: Die spanische Nachtigall mit Frigi Masary Hans Wahmann, Ralph Irtur Roberts, Emmy Sturm, Reinhold Pasch, Olga Engl Deutsch. Künstl. Theater Sonnabend( 1. Feiertag) 3 Uhr: Bygmalion 74, Uhr: Die Scheidungsreise ( Max Adalbert, Trude Hesterberg) Sonntag( 2. Feiertag) 3 Uhr: Bygmalion 7, Uhr: Die Scheibungsreife Sontag und Mittwoch, 3 Uhr: Kindervorstellung: Figlifig Montag bis Mittwoch 7 Uhr: Die Scheidungsreile ( Max Adalbert, Trude Hesterberg) Donnerstag 2, Uhr Kinder Märchen Rechm. 3. B. d. Deutschen Stinderhilfe Bunter Tei!, Figling. 7, U.: Die Scheibungsreise Freinag 7 Uhr: Die Scheidungsreife Sonnabenb nnd Sonntag 3, Uhr: Pngmalion 9cbenblich 7 Uhr: Die Scheibungszelje 48 Uhr: Der Fehltritt einer Frau. Th. am Nellendorfplat 7 Uhr: Wenn Liebe erwacht 1. Liköre b beften, bekanntesten Firmen Borzüglicher Jmbik Men eröffnet! Thiel's Meu eröffnet! Restaurant und Café Bahnhof Hermanufte. Neukölln Siegfriedftr. 26,29 Angenehmer Familienaufenthalt. Täglich Künstlerkonzert. ff. Blore, Weine, Liköre. Solide Preise. Wo gehen wir heute hin? Münz Theater Bioskop Theater Münzstraße 10 Rosenthalerstr.54 Direktion Baumgarten Die Juwelen des Buddha Detektiv Genfation Abens teurer Film mit großem Beis programm. 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Bes kannten die traurigeNachricht, daß am Mittwoch, den 22. d.M., früh 1,9 Uhr, nach langem, fchweren, mit Geduld getragenem Leiden meine innigftgeliebte Fran, unfere herzensgute, treus forgende Mutter, Schwies gers und Großmutter Anna Schöne jeb. Rellitz im vollendeten 58. Lebenss jahre verschied. Um ftilles Beileid bitten Bruno Schöne u.Kinder Berlin, 24. Dezember 1920 Dubenarder Straße 31 Die Einäscherung findet am Dienstag, den 28.b.M., früh 9 Uhr, im Krematos rium, Gerichtstraße, statt. Kranzspenden lehnen dan kend ab. Alexander 1470 Die Verlobung unserer Kinder Alice Kotlarski Wilhelm Zolisch zeigen an H. Kotlarski nebst Frou C. Sänger nebst Frau Allgemeine Ortskrankenkass für den Stadtbezirk Röpenick Hiermit laden wir die Mi glieder des Ausschusses zu am Mittwoch, den 29. Dezem ber d. J., abends 61, Uhr, is Schloßrestaurant, Juh. Drange Berliner Str. 1, stattfindende ordentlichen Ausschuß- Sigung eitt. Tagesordnung: 1. Bericht des Borstandes übe den Stand der Arztfrage 2. Nach bewilligung der Bor anschlags Überschreitunges für 1920. 3. Wahl des Ausschuffes Prüfung der Rechnung de laufenden Jahres. 4. Gefchäftliches. Die Mitglieder des Ausschus erhalten noch besondere Ei Iqbungen. Röpenick, den 18. Dez. 192 Der Borstand Richard Bauch. Stellvertr. Borfigender Ortskrankenkaffe der Mechaniker, Ops tiker u. verwandten Gewerbe zu Berlin Am Mittwoch, den 22. d. m. verstarb unser Borstands mitglied Herr Oskar Reichnow nach kurzer Krankheit im 83. Lebensjahre. Seit 36 Jahren ununterbrochen der Kaffe und dem Bor ftande angehörenb, ist er 34 Jahre als Borsigender und Stellvertretender Borfigenber bis zu feinem Tobe in riftigster Weise für das Wohl der Kaffe und der Bersicherten einges treten. Seine Arbeitskraft und Pflichttrene werben wir fchmerzlichst permiffen und den aus unserer Mitte geschie benen ein dauerndes ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 28. b. M. nach mittags 21%, br, non der Leichenhalle des Dreifaltigkeits kirchhofs, Bergmannstr. 39-41 aus ftatt. Der Borstand. M. Gutsche, Borsigender.. ST 93 go ti 0 ri ti it 11 n L in d ft EREREADORES a to it e F. Hemann, Schriftführer 9 Deutscher Metallarbeiter- Berband Berwaltungsstelle Berlin. Qabil Todesanzeige Dex Kollegen zur Rachricht, daß unser Rollege, ber Former Willi Pohl 23 f କ୍ଷ t Neukölln, Kirchgaffe 1, am 21. b. Mts., verstorben tft. Die Beerdigung findet am Montag, ben 27. b. mis nachm. 2 Uhr, von der Reichenhalle des Meuen Jacoby Kirchhofes in Neukölln, Hermannstraße aus ftatt. Ehre feinem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Berband Verwaltungsstelle Berlin N. 54, Linienſtr. 83-8 Geschäftszeit von vorm. 9 Uhr bis nachm. 4 Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Sonntag, den 26. Dezember 1920, vormittags 9 2 ( 2. Weihnachtsfeiertag) Branchen- Konferenz sämtlicher Rohrleger- Monteure und-Helfer die auswärts auf Montage arbeiten, im Gewerkschaftsha us, Engelufer 15. Neugebauer Die Tagesordnung wird in der Berjammlung bekanntgegeben! Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. 128 Ecke Schillerstraße. Kein Laden. Harnröhren, Blasen, Geschlechtsfranfe Last euch rechtzeitig behandeln. Dann in Heilung möglich.. Berlangt Broschüre geg. 1.00. bistret ver chipsen ohne Ab cnber Beibwerden angeben. Aerztt. Seilanstalt Dr.med.Dammann Berlin 259 Potsdamer Straße 125 B. Spredlund: 9 10 11. 2 bis 4. Gonniacs 10 bis 11. .. Münzen Briefmarken 60 kauft Großmann, Johannisstr. 4. Norden 106 21. Bekanntmachungen Wasserpreta. Es fft Pflicht aller im Deutschen Metallarbeiter- Berband organi fierten Rohrleger- Monteure und Helfer, in dieser außerordentliches Branchen- Konferens pünktlich zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert! Sonntag, den 26. Dezember 1920, vormittags 10 Versammlung sämtlicher Außenmonteure Groß- Berlins n, Schulz' Prachtsälen", Königsgraben 2, am Tagesordnung: Alexanderpla 1. Bericht der Berhandlungskommiffion. 2. Freie Ausfprache in Monteur- Angelegenheiten. Bollzähliges Erscheinen der zur Zeit hier in Urlau Ebenfalls müffen die Betriebsräte der Firmen, in denen Dios teure beschäftigt werden, anwesend sein. Die Ortsverwaltung Deutscher Holzarbeiter- Berband Berwaltungsstelle Berlin Bureau: Berlin 80 16, Rungestraße 30 Fernsprecher: Amt Morigplay 106 23 und 3578. Dienstag, den 28. Dezember 1920, abends 5 h im„ Gewerkschaftshaus", Engeiufer 15, Großer Saal Branchenversammlung Tagesordnung: 1. Ergebnis der Berhandlungen Die Ortsverwaltung 5. Distrikt Auf Grund des Gemeindebeschlusses vom 19. No vember und 16. Dezember 1920 ist für das Ver- 2. Branchenangelegenheiten. forgungsgebiet der ans den bisherigen Gemeindemafferwerfen, nämlich den ehemaligen Berliner, Charlottenburger, Lichtenberger, Spandauer, Tegeler, Bantower, Reinidendor er, Hermstorfer, Rofenthaler, Nieder- und Hohenschönhausener, Cöpenicker Buffers U. S. P.D werken und dem Verbandswaffer wert Alt Gitenice, mit Wasser belieferten Teile der Stadtgemeinde Berlin der Preis für 1 Rubifmeter ans dem Waffer robrneg abgegebenen Waffers, beginnend mit der für das Bierteljahr Oftober Dezember 1920 auszu in ellenben Rechnung, einheitlich auf festgesetzt worden. 0,90 Mark Die neben dem Wasserpreis bisher erhobenen Ges bühren bleiben bis zur Einführung einheitlicher Wasserlieferungsbedingungen bestehen. U.S. P. D. Am Freitag, den 31. Dezember 1920 Gr. Sylvesterfeier den Gesamträumen des Gewerkschaftshauses, Engel- Ufer 11 Musik, Theateraufführung, Rezitation, Ueberraschungen Tanz in zwei Sälen Eintrittskarte 3.00 Mk. einschließlich Tanz Saalöffnung 6 Uhr Anfang 7 Die erhöhten Preise gelten zunächst bis 31. März 1921, silletts find bei den Funktionären und abends an der Berlin, den 23. Dezember 1920. Magistrat. F. V.: Ritter. außerdem bet Schweikardt, Alte Jakob- Straße 24 und Krig Waffertor- Strafe 41, zu haben. I ets en! 284333 I ass ck Enti bd Зел Enge nba be ragh Bo nge bet Ein 1924 Nr. 550 Der Wahnsinn Bon L. Martow Beilage zur„ Freiheit" Die Partei der Sozialisten- Revolutionäre hat neulich wieber erklärt, daß fie teine terroristischen Pläne gegen die bol des Terrorismus einzelner Gruppen oder für die Tätigkeit des Abenteurers schewistischen Führer hege. Kann sie für die Wirksamkeit und Kondottiere Boris Savintoff verantwortlich gemacht werden? Und wie polizeilich beschränkt muß man sein, um zu glauben, daß man durch Androhung des Niedermegelns von Unschuldigen einen Fanatiker oder gar einen faltblütig Verschwörer von einem Attentat abhalten tönne! mit dem Leben anderer spekulierenden weißgardistischen In Moskauer Zeitungen vom 30. November ist eine Befanntmachung der Sowjetregierung erschienen, die jeden mit Angst und Entsetzen erfüllen muß, der mit den russischen Verhältnissen vertraut ist. In dieser Bekanntmachung ers flärt die Sowjetregierung, daß die russische Konterrevolu tion, die in den Personen der Wrangel, Balachowitsch und Petljura erledigt wurde, sich nun entschlossen habe, in ihrem Kampf gegen die Sowjetregierung zu terroristischen Anschlägen zu greifen. Die Erklärung sagt weiter, daß zufolge den Berichten der betreffenden Organe der Sowjetregierung" ( d. h. der geheimen Polizei), sich die verschiedenen weiß gardistischen Organisationen, nämlich die Savintoff- Gruppe, die Tschernoff- Gruppe, die Gruppe des„ Nationalen und tattischen Zentrums", wie auch einige Gruppen von Wrangeloffizieren, zusammengeschlossen hätten, um eine Reihe terroristischer Anschläge gegen Vertreter der Regierung auszuführen. Die Ententeregierungen hätten den fonterrevolu tionären Mördern weitgehende Kredite eröffnet. Das alles soll die geheime kommunistische Polizei festge= Stellt haben. Nun ist bereits zu wiederholten Malen durch unanfechtbare Tatsachen nachgewiesen worden, daß die Leninsche Geheimpolizei aus genau so verlogenen, schmugigen Lumpen besteht, wie jede andere politische Geheimpolizei in irgendeinem bürgerlichen Staate, daß diese Leute sich nicht fcheuen, mit Fälschungen und Provokation zu arbeiten, und daß ihre Berichte an die Regierung anläßlich der von ihnen aufgededten Verschwörung" von rechts oder links von Entftellungen und Lügen wimmelten. " Auch diesmal ist es nicht anders, denn die vorliegende Bekanntmachung enthält ganz unglaubhafte Behauptungen, die jeder russische Politiker sofort als erlogen erkennen wird. Eine Gruppe Tschernoff" soll mit Wrangel, Savintoff und anderen Organisationen zum 3wede terroristischer Attentate tonspirieren! Es gibt in Rußland keine Gruppe Tschernoff", es gibt die Partei der Sozialisten. Revolutionäre, beren anerkannter Führer und Theoretiker Tschernoff ist. Daß diese Partei in der Person ihrer offiziellen Vertreter in eine Verbindung zweds gemeinsamer terroristischer Aktion mit Wrangel und ähnlichen weißgardistischen Gruppen eintreten fönnte, ist eine Annahme, die auch vielen Bolschewisten als eine ganz ungeheure Mißgeburt der Polizeiphantasie erscheinen muß. Aber der Zwed dieser Feststellung" geht flar aus der Warnung hervor, die die Sowjetregierung an alle ihre Feinde richtet: Die Sowjetregierung betrachtet alle diese Gruppen als durch follettive Berantwortlichkeit auf dem Boden des gemeinsamen blutigen Kampfes gegen die Arbeiter und Bauernregierung gebunden, und erklärt, daß fie sämtliche in ihren Händen befindliche Mitglieder der Gruppe Savintoff, der Sozialisten- Revolutionäre aus der Tschernoffgruppe, der Weißgardisten vom„ Nationalen und tattischen Zentrum", sowie die Wrangel- Offiziere als Geiseln behandeln werde. Im Fall eines Attentats auf bie Führer Sowjet- Rußlands werben die verantwortlichen Gesinnungsgenoffen der Organis fatoren des Aftentats schonungslos vernichtet werden." Wem der Text selbst nicht flar genug spräche, der soll sich Die blutige Erfahrung in Erinnerung bringen, die Sowjet- Rußland schon einmal gemacht hat. Im September 1918 nach der Ermordung des Leiters der Petersburger Polizei, urity, und nach dem Attentat auf Lenin hat die Sowjetregierung sämtliche in den Gefängnissen befind lichen Antibolschewisten als Geifeln für den Fall weiterer Attentate erklärt; aber zu gleicher Zeit wurden die lokalen Behörden angewiesen, als Antwort auf die bereits erfolgten terroristischen Anschläge in jedem Ort eine Anzahl dieser Gegner niederzuschießen. Bis jetzt ist die genaue Zahl der damals ermordeten Männer und Frauen unbekannt. Nachdem die ersten Listen der Hingerichteten veröffentlicht wur den, hat die allgemeine Entrüstung der Bevölkerung die Regierung veranlaßt, die weiteren Massenschlächtereien geheim zu halten. Aus den veröffentlichten Listen ist aber zu ersehen, daß in Petersburg 512 Personen erschossen wurden, in Pensa 152, in Nischni- Nowgorod 41, in Smolemt 30, in Mostau 29, in Moſchajet 6, in Morschanst 4, in Nischni- Lomow 7, in Schemlar 7. Den legten Nachtlang dieses Wahnsinnssturms bildete die im Februar 1919 erfolgte Erklärung der Außerordentlichen Kommission in Petroza wodit( Nordrußland), daß sie, um Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts Tob zu rächen, 14 Geiseln aus der Bourgeoisie hingerichtet habe. Gleich nach den erwähnten Attentaten auf Lenin u. a. hat die Partei der Sozialisten- Revolutionäre offiziell erklärt. daß sie mit ihnen nichts gemein habe. Das verhinderte nicht, daß man überall gerade die gefangenen Mitglieder der Partei wie Hunde erschoß. Einmal entfesselt, machte der terroristische Wahnsinn nicht zu große Unterschiede zwischen den einzelnen Kategorien der politischen Gegner: in Peters. burg erschoß man den Metallarbeiter Kratowsty, ber der russischen Sozialdemokratischen Partei angehörte, in Rybinst drei Mitglieder derselben Partei, die Leiter der lofalen Gewerkschaften( Romin, Sokolow, Levin), in Nischni Nowgorod den Gefretär unseres Partei- Komitees, den Genossen Ridnit. Die große Mehrzahl der Hingerichteten bestand jedoch aus Bürgerlichen, und zwar aus solchen, die sich politisch gar nicht betätigten, und die nicht wegen eines bestimmten Verbrechens, sondern bloß als„ Verdächtige" zum 3wede ihrer Isolierung verhaftet worden waren. Männer und Frauen, Greise und Jünglinge, alle mußten umgebracht werden, weil zwei ganz isolierte Sonderlinge aus politischem Fanatismus zwei kom munistische Führer ermorden wollten. Gollen wir nun zum zweitenmal dieses blutige Experiment, die Schande des Geiselmordens", erleben? 37 Wird man es auch diesmal zulassen, daß die Bolschewiftenpolizei ihre zynischen Drohungen in neue blutige Taten um wandelt? heute die Stimme des europäischen Proletariats rechtzeitig Bielleicht ist es jetzt noch nicht zu spät. Vielleicht wird noch denen in Rußland zu Ohren tommen, die schon des Terroris mus müde sind und bloß aus Mangel an Zivilmut es noch nicht wagen, ihre eigenen Parteiführer zur Ordnung zu rufen. Morgen wird es vielleicht zu spät sein. Und als die ersten sollen die europäischen Kommu= nisten ihre Stimme erheben! Sie sollen es einmal offen aussprechen, ob sie die Anwendung des vom Weltfriege wieder ins Leben gerufenen Geiselsystems, die Erschießung von Gesinnungsgenossen" billigen. Man muß Farbe be tennen! Bon Klara 3ettin und Däumig bis Marcel Cachin und Serrati, an alle richten wir diese Frage. Wer von ihnen wird zu feig sein, um auf sie eine offene Antwort schuldig zu bleiben? Und der revolutionären Arbeiterschaft der ganzen Welt sagen wir: Tua res agitur! Es handelt sich hier um deine eigene Sache! Nicht das ist die Hauptsache, daß wieder einmal einige Dugend russische Sozialdemokraten und Sozialisten- Revolutionäre bei einem großartigen Blutbade à la Sinowjew" ermordet werden. Nach den deutschen Erfahrungen ist man auch in Europa an derartige Nebenerscheinun gen des Bruderkampfes bereits gewöhnt. Die Hauptsache ist, daß das revolutionäre Proletariat versteht, daß die Schrecken des weißen Terrors in Ungarn, Rumänien, Irland usw., die Niederträchtigkeiten der erzaristischen Generale und erwilhelminischen Offiziere in verschiedenen Stadien des Bürgerfrieges, daß die ganze im Weltkrieg geborene und in den Bürgerkrieg hineingetragene Bestialität, wie sie in den Fällen des Marloh, der Marburger Studenten und ähnlichen Brozessen sich offenbart, daß wir das alles niemals über winden können, wenn wir nicht aus unseren eigenen Reihen jede Spur dieser militaristischen Bestialität schonungslos zu vertreiben wissen. Denn in dem großen historischen Ringen zwischen der alten und der neuen Welt wird der endgültige Sieg jener Klasse zufallen, die durch alle Klassentämpfe, durch alle Leidenschaften des Bürgerkrieges unbefleckt die Fahne der Humanität tragen wird! Tua res agitur! Durch einmütigen Ausdruck der öffentlichen Meinung der revolutionären Arbeiterschaft fönnen und müssen die Männer und Frauen in Rußland gerettet werden, deren Leben durch einen neuen Anfall blutigen Wahnsinns bedroht ist. Die Ghurkas von Berlin Eine Szene aus dem Marloh- Prozeß Marloh: zu der Instruktion bin ich gekommen durch den Schießerla Nostes, den Befehl der Gardeschützendivision und den amtlichen Erlag über die Matrosendivision, der in der Presse wiedergegeben war. Borsigender: Die Leute, die mit Waffen tamen oder fich widerlegt hatten, hätten Sie nach Ihrer Auffassung laut Rosteerlaß auf der Stelle triegsrechtlich behandeln fönnen? Marloh: Ich wollte die Leute nicht erschießen lassen. Rechtsanwalt Grünspach: Nach dem Nesteetlak, der ja auch den gemeinen Soldaten zum Richter über Leben und Tod machte, hätte der Angeklagte diese Leute ohne weiteres erschießen laffen dürfen. Ich bitte, dem Angeklagten die Frage vorzulegen, warum er das nicht getan hat. Marloh: Ich habe das nicht getan, weil das allgemeine Befehle von Noste waren, die mich nicht verpflichteten. Ich wollte die Leute nach Moabit bringen und meinem Vorgesetzten, Oberst Reinhardt, vorführen und ihn entscheiben lassen. Borsigender: Saben Sie diese Leute zu Anfang deswegen night richießen laſſen, weil sie befürchten mußten, daß bie späte ren Anfömmlinge durch das Knallen der Schiffe abgeschredt wors ben und nicht in die Falle gegangen wären? Marloh: Das war kein Grund für mich. Wenn ich die Leute hätte töten wollen, jo hätte ich sie ja geräuschtos durch Abschneiden der Rehle erledigen lassen fönnen. Borsigender: Ein solches Vorgehen war doch bisher dienst ich nicht üblich? Marloh( bestimmt): Ein solches Borgehen ist dienstlich ange wendet worden. Rechtsanwalt Grünspach: Wir glauben nicht, daß das Gericht Wert darauf legt, diese Vorgänge zu erörtern. Sollten die Angaben des Oberleutnants Marloh bezweifelf werben, die Angaben des Oberleutnants Marloh bezweifelf werden, o önnte die Berteidigung in die Lage lommen, Beweise für bie Richtigkeit dieser Angaben anzutreten. * Die Furcht vor der Aufdeckung der hier angedeuteten Scheußlichkeiten war es, die Herrn Kessel veranlaßte, namens seiner hohen Auftraggeber das Verfahren gegen Marloh zu verhindern. Deshalb schwor er seinen Meineid, weil auch, wie das Gericht, das ihn jetzt außer Verfolgung ge= feht hat, ganz richtig sagt, ebenso viele auf seiten der Regierung stehende maßgebende Männer der Ueberzeugung gewesen sind, daß die öffentliche Meinung nicht gerade in jenen Tagen durch eine Gerichtsverhandlung gegen Marloh erregt werden dürfe und ein solcher Prozeß hinausgeschoben werden müsse." Aber Mord bleibt Mord, und Meineid bleibt Meineid, auch wenn er im staatlichen Interesse liegt. Weil irgendwo in einer dunklen reaktionären Ede Attentatspläne gebrütet werden, sollen Tausende und Abertausende, die mit diesen Plänen nichts zu tun und von ihnen feine Ahnung haben, wochen- und monatelang sich jede Nacht Die Arbeit in den Butilow- Werfen. Nach Moskauer Melbuns gen nehmen nach Rückkehr der mobilisierten Arbeiter die Bu fragen müssen, ob es nicht ihre letzte Nacht sei? Weil vielleight morgen ein Attentat auf einen bolſchewiſtiſchen Fühilom- Werte die Arbeit in vielen Werkstätten wieder auf. Augenrer verübt wird, sollen heute tausende von Frauen, Müttern blidlich arbeiten in den Wertstätten 6000 Mann und Kindern für das Leben ihrer unglüdlichen Angehörigen Bittern? Dies alles im Namen des Sozialismus, im Namen der weltbefreienden Revolution! Berschiebung der Unterzeichnung des finnisch- ruffifchen Friedens. Die Abreise der finnischen Abordnung nach Mostau zur Unter zeichnung des Friedens zwischen Finnland und Sowjetrußland ift hinausgeschoben worden. Sonnabend, 25. Dezember 1920 Stillegung von Betrieben Aufgaben der Betriebsräte nach der Verordnung vom 8. November 1920 Uns wird geschrieben: Bisher war nach§ 74 BRG. der Unters nehmer verpflichtet, bei Erweiterung, Einschräntung oder Stillegung des Betriebes sich möglichst längere Zeit vorher" über Art und Umfang der erforderlichen Maßnahmen mit der Betriebsvertretung ins Benehmen" zu setzen. Diese Fassung hat sich in der Praxis als durchaus unzulänglich erwiesen. Nur wenn der Unternehmer überhaupt von dem§ 74 feine Notiz nahm war es möglich, Massenkündigungen durch Anlassen, weil der Unternehmer nicht seinen geseglichen Verpflich rufung von Schlichtungsausschüssen für ungültig erklären zu tungen nachgekommen ist. Sier soll die Verordnung vom 8. 11. 20 Wandel schaffen. Den Betriebsräten erwächst hieraus eine neue ebenso wichtige wie verantwortungsvolle Aufgabe. Es muß sich zeigen, daß unsere Betriebsvertretungen in der Lage sind, die Wirtschaftss führung so zu beherrschen, daß sie den Versuchen der Unters nehmer, die Produktion lahm zu legen, wirkjam entgegentreten tönnen. Die Verordnung sieht vor, daß die Unternehmer bei der De mobilmachungsbehörde Anzeige zu erstatten haben, wenn sie 1. Betriebsanlagen ganz oder teilweise abbrechen oder Maßnahmen treffen wollen, welche die Leistungsfähigkeit des Unternehmers wesentlich verringern, 2. wenn sie Betriebsanlagen ganz oder teilweise nicht be nugen und in Betrieben oder selbständigen Betriebsteilen mit in der Regel mehr als 20 aber weniger als 200 Arbeitnehmern zehn Arbeitnehmer oder bei in der Regel mindestens 200 Arbeitnehmern fünf vom Hundert der im Betriebe Beschäftigten, jedenfalls aber mehr als 50 Are beinehmer entlassen wollen. Sier ist zu beachten, daß diese Anzeige nicht erforderlich ist, wenn die Unterbrechung oder Einschränkung in der Betriebs führung durch die Eigenart des Betriebes bedingt ist. Es tann sich hierbei nur um Saisonbetriebe handeln, also z. B. landwirtschaftliche Großbetriebe, Brennereien, Zuckerfabriken, Marmeladefabriken und ähnliche. Die beabsichtigten Maßnahmen dürfen im Falle von Betriebs abbrüchen usw. nicht vor Ablauf von 6 Wochen, im Falle von Betriebsstillegungen nicht vor Ablauf eines Monats nach Ere stattung der Anzeige getroffen werden. Hierdurch ist eine Interpellation des Begriffs längere Zelf vorher" im§ 74 des BRG. gegeben. Müssen Entlassungen infolge unvorhergesehener Ere eignisse sofort vorgenommen werden, so ist die Anzeige späte ftens innerhalb 3 Tagen nachzuholen. Solche unvorhergesehenen Ereignisse können nur darin bestehen, daß infolge von Naturs ereignissen, Bränden, eine Möglichkeit der Weiterführung eines Betriebes nicht mehr besteht. Sierauf haben die Betriebsver tretungen ihr besonderes Augenmerk zu richten. Spätestens innerhalb von 3 Tagen nach Erstattung der Anzeige hat der Unter nehmer seine sämtlichen Borräte der Demobilmachungsbehörde mitzuteilen. Er darf innerhalb der Fristen beeinträchtigende Veränderungen der Sach- oder Rechtslage nicht vornehmen, Die Betriebsvertretungen haben nunmehr insbesondere darauf zu achten, daß die Verordnung nicht etwa dadurch umgangen wird, indem beabsichtigte Massenentlassungen nach und nach in einem Umfange vorgenommen werden. Alle Be triebe, welche unter diese Berordnung fallen, müssen von den Betriebsvertretungen daraufhin genau fontrolliert werden. Nach erstatteter Anzeige hat die zuständige Demobilmachungs behörde im Benehmen mit Betriebsleitung und Betriebs4 Dertretung zu prüfen, welche Hilfsmaßnahmen zur Behebung wirtschaftlicher Schwierigteiten des Betriebes an gezeigt erscheinen. Die Bertreter der Gewerkschaften sollen hinzugezogen werden. In dieser Bestimmung liegt die Hauptaufgabe des Betriebsrats. Hier müssen unsere Kollegen in Zusammenarbeit mit den Vertretern der Gemertfchaften es verstehen, dem Demobilmachungskommissar die wirte schaftlichen Verhältnisse so flar zu legen, daß nicht etwa die Ar gumente der Unternehmer den Behörden gegenüber die größere Durchschlagstraft befizen. Wenn es dem Demobilmachungskommissar nicht möglich ift innerhalb der gesetzten Fristen die notwendige Aufklärung ber Berhältnisse herbeizuführen, dann kann die Frist um einen Monat verlängert werden. Die Betriebsräte haben darauf erfolgt, da sonst, wenn dies nicht geschieht, der betreffende Unter zu bringen, daß in solchen Fällen eine Verlängerung der Frist nehmer in der Lage wäre, feine Maßnahmen ungehindert durche führen zu tönnen. Der Demobilmachungskommissar tann eine Beschlagnahme und bie Enteignung der in Frage tommenden Sachen und Rechte zugunsten des Landesfistus und die Uebertragung der Gegenstände an eine zu bestimmende andere Person aussprechen. Die Beschlagnahme darf nur innerhalb der vorgenannten Fristen erfolgen. Die Enteignung oder Uebers tragung muß spätestens 2 Wochen nach Ablauf dieser Fristen er folgt sein. Während der Beschlagnahme darf der Unternehmer eine Veränderung nicht vornehmen. Die Betriebsräte haben darauf zu achten, daß im Falle einer Beschlagnahme die Ent eignung oder Uebertragung fristgemäß erfolgt, da andernfalls nach Ablauf der genannten Fristen die Beschlagnahme selbsttätig aufgehoben ist. Wenn der Unternehmer seiner Verpflichtung zur Anzeige nicht nachtommt, so ist die Demobilmachungsbehörde an die Fristen nicht gebunden. Die Betriebsräte haben dafür zu sorgen, daß bie Demobilmachungsbehörde in Kenntnis gefekt wird, falls ber Unternehmer Veränderungen im Betriebe und in der Belegschaft vornimmt und nicht nachweisen tann, baß er die vors geschriebene Anzeige erstattet hat. Die Bestimmungen der Verordnung finden teine Anwendung, wenn der Abbruch oder die Veräußerung von Betrieben auf An ordnung oder mit Zustimmung einer dafür zuständigen Behörde oder mit behördlichen Befugnissen ausgestatteten Stelle erfolgt. In solchen Fällen hat die Betriebsvertretung genau zu prüfen, von welchen Körperschaften und mit welcher Begründung der artige Anordnungen getroffen werden. Bei Entlassungen ( Aussperrungen) infolge von wirtschaftlichen Kämpfen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, findet die Berordnung feine Anwendung. Es wird vor allem darauf ankommen, welche Stellung die Des mobilmachungsbehörden einnehmen, welche Maßnahmen dieselben zur finngemäßen Durchführung der Verordnung treffen und welche Körperschaften eventuell ihre Zustimmung zu Be triebsabbrüchen geben und dadurch die Verordnung aufheben Um hierüber burchaus einwandfreies Material zu erhalten, müssen die Betriebsvertretungen und die Ortsverwaltungen bez Gewerkschaften sämtliche Fälle, bei welchen die Berordnung zur Anwendung tommt und das Resultat, welches fich infolge bes Eingreifens der Demobilmachungsbehörde ergeben hat, sofast en ble gemertshaftligen Betriebsrätezentras Ien melden Bei der schwierigen Lage, in welcher fich Arbeiter und Angeftellte infolge der Wirtschaftsfrise befinden, müssen die Betriebsräte der Durchführung dieser Verordnung die größte Aufmertfamfeit widmen. Die geringen Befugnisse, die auch diese Berordnung den Betriebsräten und Gewerkschaften gibi, müffen mit Umsicht und Energie voll ausgenugt Berben. Groß- Berlin Der neue Militäretat Ein Weihnachtsgeschent für artige Kinder. Immer höher will mir scheinen Steigt im deutschen Bolt die Not. Milch und Pflege fehlt den Kleinen Und den Großen fehlt' s an Brot. Schieber mästen sich an Ferkeln, Und genießen nun erst recht, Daß das Bolt sich die Tuberfeln Aus dem Leibe ärgern möcht! Heberall herrscht rings ber Dalles, Uns're Kassen, die sind leer, Doch bewilligt gern man alles Für das„ te ure" Militär. Geld für Bomben und Granaten Und für Gäbel und Gewehr.Wer will unter die Soldaten, Braucht nicht Rot zu leiden mehr. Grau' unb grüne Reidsmehr liebt man, Das liegt in dem Deutschen drin, Für' nen neuen Kreuzer gibt man Gern den letzten Kreuzer hin. Tauben braucht man wie fte fagenFür die Briefpost obendrein, Diese Tauben, darf man fragen, Sollen's Friedens Tauben sein?? Doch ich preb'ge non ben Tauben, Wie ich fürchte, taubem Ohr, Weil ich lange schon den Glauben, Daß es besser wird verlor! Sätte man es sonst gebilligt In der Deutschen Republit Daß man so viel Geld bewilligt Für die Militär Musit? Geht dabei auch Deutschland flöten Mit der Reichswehr obend'rein, Geht mit Bauten und Trompeten In den Abgrund es hinein! Proletarische Kinder Weihnachtsfeier Nemo. Der Aufruf an die Genoffinnen und Genossen des 17. Diftrifis nicht vergebens gewesen. Emsig haben sie Geld und Geschenke aufammengetragen. Puppenwagen, Buppen, Bilderbücher, merts Bolle Bücher, darunter auch Klassiter, Dampfmaschinen, Kinderpiele für große und fleine Kinder, Schlittschuhe, auch Schuhe und Strümpfe. Was an den Spielsachen alt und abgegriffen war, murde neu aufgearbeitet und erstrahlte in verjüngtem Glanze Die Genofsinnen nähten Buppenfleider, Schürzen für die Kinder Genoffen, die von Beruf Schuhmacher find, reparierten bas Schuh. wert. Das Geld murde angelegt für Wepfel und Pfeffernise, und fo ausgerüstet, fonnten wir ben Kleinen unserer arbeitslosen Genossen eine wahre Weihnachtsfreude bereiten. Mehr noch als die Augen der Kleinen, erstrahlten die Augen der Mütter: bas Gemeinsamteitsgefühl verband alle, die an der Bescherung feine Ramen murben teilnahmen. Geber und Empfangende genannt bildete eine innige Gemeinschaft. Des Einen Schmerz taller Schmerz, des Einen Freud aller Freud, und so foll es Jein auf proletarischen Gesten. Eine Feier ging in der Schulaula Lütticher Straße der Be Scherung im 17. Diftritt vorauf. Das Programm murde vormie gend von Kindern bestritten. Eine furze Ansprache von einem Genossen unterm brennenden Weihnachtsbaum leitete die Feier ein. Für uns Broletarier ist jedes Fest ein Belenntnis zum Kampf für den Menschheitsfrieden", fagte der Genosse. Dann folgte bas Gedicht von Emma Dölz„ Die Jugend pricht", bas auch in einer Kampfansage an die heuchlerische bürgerliche Welt anstlingt. Dann sprach ein sechsjähriger Bub Des Arbeiters Beihnachten". Und wie er sprach! Mit Begeisterung flang es ans in einem Betenntnis für den Kampf um die Freiheit. Achtjähriger erfreute uns mit Violinspiel. Ohne 3meifel, dieser Anabe bemies es wieber, daß im Proletariat unendlich viel Kräfte schlummern. Sollen diese niemals gewedt werden? Ein Dann ein größeres Spiel, von 18 Kindern vorgetragen:„ Bin ter und Frühling" mit Vorspiel:„ Liese und Lotte mit viel Liebe von einem Genossen den Kindern einstudiert. Das Spiel so prächtig, Winterfreuden und Frühlingsfreuden verkündend, lebens bejahend. Auch über dieser Feier lag inniges Gemeinschafts. gefühl. Wenn fo unsere Feste unsere Kampfesfreudigkeit starten, bann wird der Kampf getragen sein von Begeisterung, die uns zum Siege verhilft, der den Proletarier teilhaftig werden läßt all der Freuben des schönen Lebens. Mit dem schönen Gedicht Wir feiern doch die Weihnachtszeit" von Robert Seidel schloß die prächtige Feier. Wir feiern doch das Weihnachtsfeft, meil mir der festen Zuversicht, bak endlich doch der stolze Rest ber Tyrannei zusammenbricht, baß über alles Unrecht siegt bie Freiheit und Gerechtigkeit und daß ein füßer Friebe liegt auf jedem Bolt in Ewigkeit! Cine fchöne Weihnachtsfeier veranstaltete der Ortsverein ber 1. G. B. D. Neukölln am 22. d. M. für die Kinder der arbeitsIosen Parteigenossen. Ein Männer- Doppelquartett und der Arbeiter- Kinderchor Neukölln bestritten den musikalischen Teil der Feier. Genosse Schneider hielt die Ansprache, in welcher er den Erlösergedanken der Kirche mit dem Erlösungsgedanken des Proletariats in Vergleich zog. Darauf folgte die Bescherung, bei welcher jedes Kind 20 M. in bar und Gebrauchsgegenstände, sowie Pfeffertuchen usw. erhielt. Die freudeftrahlenden Gesichter waren der schönste Dant, denn wer Kindern Freude macht, der ist nicht Geber, sondern Empfangender, denn strahlende Kinderaugen find Balsam für das traurige Dasein unserer Tage. Wenn er dabei wäre! Weihnachten weden Erinnerungen. Die Gedanken schweifen rüdwärts und lassen Altes, Vergessenes wieder wach werden. In vielen Familien entringt sich der Gattin, der Mutter, dem Vater der Sehnsüchtsruf: Wenn er doch heute dabei wäre! Und wenn es noch so knapp hergeht. Es ist noch ein Glüd", wenn der Wunsch, sie oder ihn dabei zu haben, einem Familienglied gilt, das zur Herstellung der Gesundheit sich in einer Heilanstalt befindet; man kann dann an den Weihnachstagen einen Besuch machen. Man wünscht fich Gesundheit, wenn man schon auf alles andere verzichtet. Tiefer geht der sehnsuchtsvolle Ausruf da, wo ein Fa milienmitglied durch den Tod eine Lücke gerissen hat. Konnte er heute nicht noch unter uns weilen? Mußte er schon so frühzeitig uns verlassen? sind die Fragen, die am Weih nachtsabend gestellt werden. Es trampft das Herz, es würgt an der Kehle, wenn die Gattin an den durch den mörderischen Krieg dahingerafften Gatten oder wenn die Mutter an ihren ihr für immer entrissenen hoffnungsvollen Sohn bentt und fragt: Mußte das sein? Konnte heute abend nicht auch er neben und mit uns am Tische sizen? Sie alle, die diese Fragen stellen, halten an sich, um die Tränen nicht in hellen Strömen fließen zu lassen. Und dann raffen sich Biele auf und richten den Blick in Die Zukunft. Schwer und düster liegt sie vor uns. Wir fönnen fie meistern, wenn wir wollen, wenn bas Proletariat es will. Es muß aber wollen im eigenen Interesse. Es fann es aber nur, wenn es mächtig ist. Mächtig muß es aber noch werben, obwohl es die Macht haben tönnte. Die Opfer, die der Krieg gekostet und die am Weihnachtsabend beweint werden, brauchten nicht gebracht zu werden, wenn das Proletariat seine Macht wuchtig zusammenfassen fönnte. Möge dieser Zeitpunkt nicht mehr fern sein! Das ist unser Weihnachtswunsch! Lohnfragen der städtischen Arbeiter Donnerstag fand unter Leitung des Stadtrates Koblenzer bie erste Sigung der Delegation für Lohn- und Arbeitsbedingungen ( Tarifamt) statt. Die vorgeschlagene Bezeichnung„ Tarifamt" wurde, um nicht eine irrtümliche Auffassung über die Zuständigteit hervorzurufen, in Tarifdeputation umgeändert. Die Depu tation hat die Aufgabe, sämtliche Vorarbeiten zum Abschluß von Tarifen und Ablommen zu erledigen, Beschwerden zu regeln, Streis tigteiten zu schlichten, die die Arbeitsverhältnisse der städtischen Arbeitnehmer betreffen. Die endgültige Entscheidung liegt in den Sänden des Magistrats und der StadtverordnetenversammLung. Die Deputation beschloß einstimmig, allen städtischen Arbeitnehmern, bie anfäßlich der legten Bewegung wegen Strommangel ihre Arbeit nicht verrichten fonnten, befommen diese Zeit bis zu ihrem Streitbeschluß bezahlt... Nach Streitbeschluß tann teine Zah lung erfolgen. Zur Erledigung der neueingerichteten Forderun gen und Abschluß eines Tarifes finden am 4. Januar Verhand lungen mit dem Kartell der Gewerkschaften und ber Afa und der neueingerichteten Untertommiffiont statt. Andere noch in Frage tommenden Vertreter sollen sich mit diesem Kartell in Verbindung segen. Die Deputation spricht die Hoffnung aus, daß auf dieser Basis ein für alle Teile befriedigendens Resultat erzielt wird. Die Arbeiter der Berliner Brennstoff- Beschaffungs- Gesellschaft sollen mit der Bezahlung nach dem Lohntaris der städtischen Ara beiter auch als solche anerkannt werden. Zusammensetzung der Bezirksämter Der Magiftrat hat ein Ortsgeleg über die Zusammenlegung ber Bezirksämter und die Besoldung ihrer Mitglieder beschlossen, welches demnächst in der Stadtverordnetenversammlung zur Be ratung fommen wird. Die Zahl der Mitglieder der Bezirksämter soll 9-17 betragen, und zwar wird grundsäglich die Zahl der besoldeten Mitglieder die der unbefoldeten übersteigen. Die Zahlen betra gen in den Verwaltungsbezirten: 7, 8 und 11 8 besoldete und 7 unbefoldete Mitglieder; 1-6, 12 und 17 7 befoldete und 6 un befolbete Mitglieder; 8, 15, 19 und 20 7 befoldete und 4 unbe solbete Mitglieber; 10, 13, 16 und 18 5 befoldete und 4 unbe feldete Mitglieder. Beamten der früheren Gemeinden im Bezirk der Stadt Berlin werden bei ihrer Wahl zu Mitgliedern eines Bezirksamtes die bisherigen Bezüge zugesichert. Auf die Gewährung von Ruhe gehalt für die Mitglieder der Bezirksämter finden die für die befolbeten Magistratsmitglieder geltenden Bestimmungen ber Städteordnung sowie die ortsgesehlichen Bestimmungen für die Anstellung und Pensionierung der Kommunalbeamten der Stadt Berlin Anwendung. Verbands- Bildungskommission Berlin Brandenburg Dienstag, den 28. Dezember, abends 7 Uhr, in ber Aula des Sophien- Realgymnasiums, Steinstraße, Konferenz der Mitglieder Seibel: Wie führen wir unsere Genossen in die Grundelemente der Bildungskommissionen in Groß- Berlin. 1. Vortrag des Gen. des Sozialismus ein. des Sozialismus ein." 2. Organisationsangelegenheiten. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Brekkommissions- Sihung, Montag, den 27, nachmittags 4 Uhr, Breite Straße 11 II. Pünktliches und vollzähliges Erscheinen not wendig. Der Leichenfund in der Blücherstraße ist jetzt ganz aufgeklärt. Auch die Leichenöffnung bestätigte, daß der Reiter Meinz Il selbst Hand an sich gelegt hat. Die Gerichtsärzte stellten die typische Berlegung von einem Nahschuß eines Selbstmörders feft. Auch die Ermittelungen der Kriminalpolizei ergaben, daß ein Selbst: mord vorliegt. Meinz hat, wie früher schon wiederholt, auch am pergangenen Sonnabend abend wieber seiner Braut gegenüber bie Absicht ausgesprochen, sich das Leben zu nehmen und ihr mitgeteilt, daß er bazu bereits einen Revolver getauft habe. Der Schauspieler Kliek hat die Anzeige unterlassen, weil er fürchtete, bak seine Reigungen im Sause befannt würben und er feine nes angenommene Anstellung verlieren werde. Eine Weihnachtsfeier im alten Stile ist am 22. Dezember fir die Berliner Schußpolizei in Gegenwart der gesamten dienstfreien Beamten veranstaltet worden. Die Polizeimanner wurden nach dem Dom geführt, wo der Pfarrer Döring, Wilhelms Leibprediger, eine Predigt hielt. Nur Wilhelm fehlte. Eine Weihnachtsfeier mit vorangehender Bescherung der Kinder der Arbeitslosen veranstaltet der 11. Diftrift am Montag, den 27. Dezember, abends 7 Uhr, in den Borussiasälen, Aderstr. 6-7. Für den fich auf hohem Niveau haltenden fünstlerischen Teil des Brogramms haben u. a. ihre Mitwirkung zugesagt: die Opern Sängerin Frau Irmgard Sander Lindern, Frau Anne- Marie Nitsch, Herr Leopold Lewinsti und Herr Feliz Stern. Billets zum Preise von 2,24 Mt. intl. Tanz sind in der Freiheitsspedition von Lohmann, Hussitenstraße, und bei den Bezirks- und Abteilungs führern zu haben. 6. Distrikt, Bildungskommission. Am 1. Weihnachtsfeiertag. vorm. 12 Uhr, findet im Bernhard Rose- Theater eine Matinee statt. Ansprache: Walded Manasse, Doppel Quartett, Rezitas tionen, Reft Langer, Kammermusit. Karten zum Preise von 3,50 Mart Freiheit Buchhandlung. Gallas, Barnimstr. 20 und Funktionäre. Der 17. Diftrift veranstaltet am 2. Weihnachtsfeiertage nach mittags 6 Uhr eine Beethovenfeier. Die fünstlerische Leitung hat Leo Kestenberg. Es wirken ferner mit Sibnen Biden, Gesang und Nitolas Lambinern, Violine. Die Feier beginnt pünftlich Der Besuch ist allen Genossinnen und Genossen, auch der anlie Uhr im Schillerlyzeum( Aula), Pantstraße Ede Böttcherstraße. genden Distrikte, zu empfehlen. Gewerkschaftliches Funktionäre des deutschen Holzarbeiter verbandes Generalversammlungsdelegierte, Betriebsräte, Betriebsobleute, Vertrauensleute! Am Mittwoch, den 28. Dezember, abends 6% Uhr, findet für die auf dem Boden der U. S. P. D. tehenden Funktionäre bes Deutschen Holzarbeiterverbandes im Bürgersaal bes Berliner Rathauses( Eingang Königstr.) eine Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit. Referent: Genosse Dr. Paul Herg 2. Was lehren uns die Borgänge im deutschen Metall arbeiterverband? Funktionärausweis, sowie Parteis und Gewerkschaftsbuch legie timieren. Bezirksverband Berlin- Brandenburg der U. S. P. D. Die Geschäftsleitung. 3. A.: Frig Shneider. Streit der Theatermusiker Wie mir hören, merden die sogenannten Musikalischen Büh nen", das find die Operetten- Theater, ab 1. Weihnachtsfeiertag wahrscheinlich ohne Mufit sein. Am 18. November hatten bie Theatermusifer Groß- Berlins Verhandlungen wegen Gewährung einer Teuerungszulage angeknüpft. Diese Berhandlungen wurden feitens der Direttoren in folch einem Schnedentempo geführt, dak ben Musikern jeht der Geduldsfaden gerissen ist. Sie verlangen Gewährung einer monatlichen Teuerungszulage von 300 M. und fofortige Auszahlung dieser Zulage für den Monat Dezember. Wird diesem Berlangen nicht entsprochen, werden die Operettets bühnen ab 1. Feiertag eben ohne Musik sein. Gewerkschaftsvorstände( Gewerkschaftskommission, Afa Oriss fartell) Jowie Obleute und Borsitzende der Angestellten und Bes triebsräte! Am Mittwoch, den 29. Dezember 1920, vormittags 11 Uhr, findet im Saal 4 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 15, eine Versammlung statt mit folgender Tagesord nung: Diskussion über Wirtschaftstrise und Arbeitslosigkeit. Für die Gewerkschaftsvorstände gilt als Legitimation die übersandte Einladung. Für die Betriebsräte außer Mitgliedsbuch auch die Betriebsräte- Legitimation bzw. eine mit Firmenstempel versehene Bescheinigung des Betriebsrats, daß fie Obleute bzw. Vorizende des Betriebsrats find.( Ohne diese fein Zutritt.) Afa Ortstartell Groß- Berlin. Gewerkschaftstommission Berlins und Umgegend. Aus den Organisationen 4. Diftritt. Arbeitslose Gentoffen, melde mindestens fejs Monats Mitglich, fechs Monate Abonnent her Freiheit und mindestens vier Wochen arbeitslos find, müffen fich bis 30. Dezember in ber Spedition Sinner melben. 9. Diftritt. Dienstag, abends 7 Uhr, Distriktskonferenz bei Scheibe, Pasteuts Straße 2. Ane Funktionäre müssen erscheinen. 18. Diftritt. Montag, 27. Dezember, abends 7 Uhr, Borstandssitung Bet Schürzmann, Stettiner Str. 11. Pünktlig und vollzählig erscheinen. Ligtenberg. 6. Viertel. Dienstag, abends 7 Uhr, Biertelsversammlung in Cäcilien- Lyzeum, Rathausstr. 8. Bezirk Lichtenberg. 5. Biertel Die Viertelsversammlung am Montag, bes 27. Dezember, fällt aus, ba teine Schulaula freigegeben wirb. Schöneberg Friedenau. Dienstag, 28. Dezember, abends pünktlich 7, Funktionärstzung im Neuen Rathaus, Zimmer 143. Erscheinen eines jeben Funktionärs ist unbedingt notwendig. Schöneberg- Friebenau 10. Bezitt. Montag( 3. Feiertag), abenbs 61 Wht, Weihnachtsbelgerung für die Kinder ber Arbeitslosen bei Mühlmann, Feurige trake 60. Steglts. Montag, 27. Dezember, abends 7 Uht, findet im Lofal von Rangt, Fichteftr. 4, Funktionärsigung statt. Tagesordnung: Landtagswahl. Die Funktio Eine neue Likörstube im Barterre des Etablissements Zielka, Eingana Friedrichfir. 59-60, wird heute am 1. Feiertag eröffnet. Die Liköre der bekanntesten und besten Firmen werden in dieser neuen, elegant cingerichteten Siförstube zu Originalpreisen geboten dabei auch die Gelegenheit zu einem vorzüglichen Imbis. Borzügliche, abwechslungsreiche Unterhaltung an beiden Feiertagen am Nachmittag und am Abend werden Zielka's Heitere Spiele" und die Künstler. orftellungen in Zielka's Margareten- Saal bieten. Das Programm ist groß und reichs haltig. Neben den großen Runfifterne, wie Gubrun Hildebrandt, den Blanks, biefen merkwü bigen Rollschuhläufern, den modernen Tanztünktlern Janos und Olivia wird eine Künstlerschar erften Ranges für beftes Amusement sorgen. Für Silvester werden schon jest bei Biella Borbereitungen getroffen. 9 Mu mit tion bie fam Self mer das Jam S fam tunf oder Des nich ich Mög uns Wer Slei elbi um U om infe D in ihr bote zieh Jah tan ma Leb geI anft Wie der einf Τι mu Mu Kin unb Geh in b mit bild Nat mir ang mut bild SU eine unt ber Tom reid für ri Dar jon A die tön bin bis 5. bie ένα ed a 5 u el a 111 51 t S for Ju ha w me ha im get lie ge KON ZINOT Die gute MASSARY Zigarette urteilen Sie selbst! MASSARY BERLINS POPULÄRSTE ZIGARETTENMARKE! be fid 食 1 tr B ch et ett 7. es te m OIL S= 8. ce 0 tb hs g Se. e et es et tte Te te ng ng ett ent no S es, प te pie 1.) eb, Los bet fat Dest ge 50, est enz ett *** 萬 Beihnachts- Beilage Unterhaltungsbeilage der ,, Freiheit" Die Mutter als Erzieherin Neue Aufgaben der Volkshochschule. Bon Johanna Martin( 3eik). bas Wir Mütter find die tiefften Quellen des Lebens! Was eine Mutter fühlt, was sie durchglüht, was und wie sie es erlebt wirft in erster Linie auf ihre Kinder, lebt also weiter in Generationen, ist Lebendigste 3 ufunft! Es sind die sittlichen Werte, bie wir in unsere Kinder legen und die so gestaltend an der Ges samtfultur mitwirten! Es ist nicht gleich, ab mir in rastloser Selbsterziehung als selbständige Kulturschöpferinnen Menschheitsmerte schaffen oder ob wir stumpfsinnig dahinleben, denn nicht nur das Einzelmesen, das Bolt, der Staat, die Kultur in ihrer Ges famtheit liegt in uns Müttern. Was wir schaffen helfen, was wir schaffen werden für die Gesamtheit, für die Zukunft, das schaffen wir für unserer Kinder 3u tunft! Es ist nicht gleichgültig für uns, was wir heute aufbauen oder nicht aufbauen, denn es wird Gegenwart für unsere Kinder. Deshalb müssen wir Mütter mit daran arbeiten. Es dürfen uns nicht die Gedanten aufkommen: Was tann ich dazu tun? Und ich erlebe es ja doch nicht mehr, daß es einmal anders wird. Mögen andere aufbauen!" Wer sind die anderen"? Jede von uns ist es und soll es sein, ausschließen soll und darf sich feine, Wer lebenslang in der engen Welt des eigenen Ich befangen bleibt, er tann gemeinsame Aufgaben nie recht erfüllen. Die elbstlose Singabe, bas Mühen nach Erreichung höheren Menschenums das ist unerläßlich. Und beshalb müssen wir Mütter mit baran arbeiten, indem wir om Staate fordern: Anseitige gründliche Ausbildung für inferen Mutterberuf. Da die Durchführung der weiblichen Fortbildungsschule in absehbarer Zeit wohl noch nicht restlos geschehen wird, da in ihr wohl mehr berufliche und hauswirtschaftliche Belehrung ge boten wird, da für die Erörterung der Fragen, die für die Ers ziehung eine besondere Rolle spielen, im Alter von 14 bis 17 Jahren wohl noch nicht die nötige innere Reife vorhanden ist, tann fie als Stätte der Schulung der Mutter als Erzieherin nicht maßgebend sein. Es muß aber endlich aufgeräumt werden mit ber ungeheuren Lebens- und Kraftverschwendung, die darin liegt, daß jebe ein seine Mutter am eigenen Kind aus Unkenntnis Versuche anftellt. Das ist eine Ungeheuerlichkeit, die in ihrer täglichen Wieberholung geradezu ein Verbrechen am Einzelwesen wie an der Gesamtheit des Boltes ist. Jeder Beruf, und sei er der allers einfachste, erfordert und erhält eine Ausbildung. Rur wit Frauen haben niemand, der uns sagt, wie man sein muß, was man wissen muß als Mutter. Alles noch so heiße Muttergefühl, alles noch so tiefe Bersenten in das J unseres Kindes macht das Wissen über die förperliche Pflege in gefunden unb franten Tagen nicht unnötig, über Bildung des Willens, des Gehorsams, der Charakteranlagen, über unser eigenes Berhalten in der Zärtlichkeit, im 3orn, im Strafen, kurz bei alle den Dingen, mit denen wir als Mütter zu rechnen haben. Diese fehlende Ausbildung, diese Salbbildung, diese Mißachtung des Höchsten, zu dem Natur uns schuf, die in alle dem lag, wenn man es auch abstreiten wird, ste machte stumpf, gleichgültig, gebantenlos, ließ uns nicht zur höchsten Entfaltung unseres Jch gelangen. Daß man unsere mütterlichen Fähigteien nicht ausbildete, unsere Seele nicht durchbildete, war und ist eine schwere Schuld. Als Rennerinnen und Rönnerinnen werben wir mit einem ganz neuen Glücksgefühl Wesentliches vom Unwesentlichen unterscheiden tönnen. Aus dem Wissen, Können und Meistern. der Pflichten ergibt sich eine umfassende Freudigkeit, die Sowohl der Familie wie auch ber Gesamtheit zum Borteil ge reichen wird, benn mir gewinnen daraus Zeit, Kraft und Frische für gemeinsame Aufgaben. Wir müssen aber sofort ben Weg gehen, ber uns heraus ringt aus all der Unwissenheit, in der wir befangen find! Es parf nicht nur bei der Ertenntnis der Notwendigkeit bleiben, jondern fie muß Tatbestand der Gegenwart werden! Darum müssen wir die Mütter erfassen! Darum müssen wir, die wir so unsäglich gelitten haben unter dem Wollen und Nichts tönnen, unter der brüdenden Last des Könnenmüssens ohne Vor bildung, ohne Ausbildung, nachzuholen versuchen, was man uns bisher entzog. Wir müssen lernen, bewußt erzieherisch tätig 5. Fortfesung) Ismer Erzählung von Julius Levin zu sein. Biele von uns haben noch Kleinkinder, andere stehen in dem Alter, daß fie die schulentlassene Jugend mit feinster Ers ziehungskunst umgeben müssen, damit sie start und sich selber treu die rechten Wege zu gehen vermögen; etliche haben an Entel. findern Erzieherinnenpflichten zu üben, alle bedürfen der Erziehungslehre. Aber auch die zufünftigen Mütter müssen teilhaben an den Belehrungen. Gie, deren Entwidlungsgang vom Kind zur Frau durch die martervollen letzten Jahre führte, sie werden freudig zugreifen, wenn es gilt, Neues in sich aufzunehmen. Denn ihnen war mehr als jedem vorhergehenden Geschlecht der Vater entfremdet, die Mutter entzogen, fie entbehrten in startem Maße die Erzieherhand. Ihnen wird die Eeziehungsbelehrung nicht nur etwas sein, das den Nachkommen zugute fommen soll, nein, fie wird ihnen eine traftvolle Anregung zur Selbsterziehung merden. Vor der Ehe sich in die Pflichten des neuen Standes vertiefen, sich mit ihren Ausführungsmöglichkeiten vertraut 25. Dezember 1920 Sozialistisches im alten China In den Kreisen der Arbeiterschaft dürfte wenig bekannt sein, daß schon in den ältesten Zeiten in China gewisse pazifistische sozialistische und demokratische Ideen zur Geltung gekommen maren, um deren endgültige Anerkennung wir noch lange ringen. werden. Die Chinesen haben eine Geschichte, die gut zehntausend Jahre zurückreicht und die ihren Gelehrten heute noch so bekannt ist, wie bei uns etwa die Geschichte der letzten hundert Jahre. Jn China gab es auch so wie in vielen andern Ländern einen Uts tommunismus. Die kommunistische Wirtschaftsform ging zwar auch in China wie in allen anderen Ländern unter, aber in feinem anderen Lande hat sich so wie in China die Erinnerung darauf noch im Feuilleton der„ Freiheit" ausführlich zurildan die Organisation des Urkommunismus erhalten. Wir werden tommen. Ein Tannenbaum im Schwarzwaldsteht politischen Jdeen den sozialistischen Menschheitszielen gekommen Bon Gottfried Keller Ein Tannenbaum im Schwarzwald steht, Der wächst schon manches Jahr, Sein Haupt empor ins Blaue geht, Da fliegt sein grünes Haar. Die Wurzel hat den Erdengrund Gar inniglich erfaßt; Und darum bleibt der Baum gesund Wie Süd und Nord auch rast. Doch alles, was auf Erden ist, Muß haben seine Zeit: Und auch der Baum zu seiner Frist Zum Fällen ist bereit. Dann schmüdt man ihn, dann führt man ihn Den grünen Rhein entlang, Auf Donau, Spree, nach Wien, Berlin, Mit hellem Sang und Klang. O Maienlust, o Freiheitsbaum! Go jugendlich und grün: Wie wirst du, alter Menschentraum, Dann ewig, ewig blühn. machen, bas ist der sicherste Weg zur Erfüllung dieser Auf gaben. Die Gemeinschaft der Ehe, das Aufeinandereinstellen, es erfordert die Einsegung der feelischen Kräfte in artem Maße, da es oft ungeahnte Konflitte mancherlei Art bringt. Die Sorge um den Haushalt, bie notwendige selbständige Gestaltung aller wirtschaftlichen Fragen sie nimmt einen breiten Rahmen in der Gedankenmelt ein. Da ist es eine ungemein hoch einzuschäzende Bes ruhigung für bie werdende Mutter, das Wissen und können zu besigen, das eine Erweiterung der Che zur Familie erfordert. www Es gibt eine Stätte bie Boltshochschule- an ber die allgemeine Schulung der Frau als Er. zieherin sofort möglich zu machen ist! Die Bolts. hochschule mill zur Selbsttätigkeit anregen. 3ft es nicht auch Wissen, was wir wollen, wenn es auch nicht Wissenschaft ge nannt wird? Ist es nicht auch Geistiges, was wir erstreben, menn es auch mit Praktischem verknüpft sein muß? Wollen wir nicht auch die schöpferische Tätigkeit weden, seelische Bertiefung erringen? So lagt sich also dieses Ausbildungsfeld mit Leichtig feit hineinnehmen in das Aufgabenreich der Boltshochschule, ohne ihrer inneren Wesensart zunahe zu treten. Der äußere Aufbau der Boltshochschule ist gleichfalls passend für unsere Bedürfnisse. So muß die Volkshochschule allen lern und wissenshungrigen Mädchen, Frauen und Müttern eine öffentliche Stätte für die freie Gemeinschaftsschulung zum Mutterberuf werden. Wir müssen dieser Forderung zur Wirklichkeit verhelfen, sowohl da, wo Boffse hochschulen find, wie auch dort, wo sie überhaupt noch nicht ins geben gerufen wurden. offizier tönnte es sehen. Kameraden eilten ihm zu Hilfe, und bald lagen die meisten Belgier teils tot, teils verwundet im Grase, das von der Augustsonne ausgefogen, unter dem Drude der Körper zu Filz gepreßt schien. Borwärts!" tam das Kommando. ar, wie der Unteroffizier Schlemte meinte. Bier Wochen, anfing. Das Geratter und Geschnurre des Motors brachte Die man unbedingt nehmen mußte, weil sonst die Es ging, wie es hieß, nach Lüttich zu, einer starten Festung, echnete Schlemfe, werde die Kiste mindestens dauern, wenn an Lüttich umging, was aber ein schwerer Fehler wäre, wie fich bald zeigen würde. Biele tausende Automobile wurden aufgefahren, um die oldaten so schnell wie möglich an Ort und Stelle zu bringen. uch Ismet bestieg eins. Das war das zweite Mal in seinem eben, außer die Male, die er im Kraftomnibus gefahren ar, bie aber nicht für ihn zählten, da er den Kraftomnibus ur als einen Ersatz für die Elektrische ansah, wenn er auch hneller lief; dafür roch er. Schon auf dem Wege begann der wirkliche Krieg. Die Belgier schossen, und aus vielen Häusern, an denen die raftwagen vorbeisauften, pfiffen die Kugeln der Freis hügen. 3smer blidte in das Getriebe, bas so ganz anders war, als t es sich ausgemalt hatte. Als Kameraden fielen, machte s ihm den Einbrud, wie wenn sie sich frant melbeten. Er onnte fich anfangs nicht recht vorstellen, daß die luftigen Jungen, die eben noch fo prachtvoll gesungen und gescherzt hatten, nun im Ernst hinfielen und gar liegen bleiben wollten.„ Der Tod, der Tod!" so scholl es plöglich in s. mers whr, ohne daß er recht wußte, wer es ihm hineingerufen Noch ehe er sich dessen versehen konnte, war Jsmer selbst im Handgemenge. hatte. Belgische Soldaten waren plöglich aus den Feldern auf liefen den Angreifern entgegen. Jsmer stieß bald mit einigetaucht. Die Deutschen stiegen von den Kraftwagen und gen von ihnen zusammen. Jsmer sprang in einen der letzten noch dastehenden Krafts zu arbeiten smer bald zu seinen Gedanken zurüd. Sie wollten fich nicht beruhigen. Täuschte er sich nicht, so hatte er es mit wenigstens vier Belgiern aufgenommen, bie nun sehen fonnten, wo sie blies ben. Daß Sanitätssoldaten kommen würden, um fie aufben. Daß Sanitätssoldaten fommen würden, um sie aufzuladen, das fiel ihm gar nicht ein. Uebrigens war er mit feinen Kameraden bald davon überzeugt, daß alle Feinde, mit denen gekämpft worden war, umgetommen sein mußten. Das war gewissermaßen Ehrensache. Bald hieß es, man war nahe an Lüttich. Man würde stürmen. | Heute veröffentlichen wir die folgenden fleinen Stüde des chie nesischen Philosophen Mong Dsi, der vor 2200 Jahren gelebt hat. Sie zeigen uns, mie nahe dieser edle Philosoph mit seinen ist. Die beiden Stüde merden daher sicher unsere Leser lebhaft interessieren, besonders da aus ihnen hervorgeht, daß Mong D nicht privat theoretisiert hat, sondern als Ratgeber des Königs in diesem Sinne wirken konnte. Wann darf man einen Staat annettieren? Der Staat Tsi hatte den Staat Vän angegriffen und besiegt. Da befragte der König den Mong Di und sprach:„ Die einen raten mir, den Staat Vän nicht zu annettieren, die an bern raten mir, es zu tun. Wenn ein Staat mit 10 000 Kriegss wagen einen anderen gleich starten Staat angreift und ihn in fünfzig Tagen vollkommen in der Hand hat, so ist das ein Erfolg. der durch Menschentraft allein nicht zu erreichen war. Annettiere ich ihn nicht, so wird sicher Unheil vom Himmel über mich lommen. Wenn ich ihn nun annettiere, was dann?" Mong Di erwiderte:„ Wenn das Bolf von Yän mit der Annegion einverstanden ist, so mögt Jhr ihn annettieren. Auch im Altertum tam diese Sandlungsweise vor. König Wu ist ein Beispiel dafür. Wenn das Volk mit der Annegion nicht ein= verstanden ist, so annettiert ihn nicht. Im Altertum fam auch diese Sandlungsmeise por. König Wu ist ein Beispiel dafür. Ihr habt mit einem Staat von 10 000 Kriegsmagen einen gleich starten Staat angegriffen, und seine Einwohner brachten Speise in Körben und Suppe in Töpfen Eurem Heer enigegen aus feinem anderen Grunde, als weil sie hofften, durch Euch von einer Rot befreit zu werden, so schlimm wie Wasser und Feuer. Wenn Ihr nun noch tiefere Wasser und noch heißere Feuer über sie bringt, so wird die einfache Folge sein, daß fie auch von Euch sich abwenden." 1 Milbes Regiment ist wie Regen auf dürres Land Mong Di trat vor den König von Liang. Als er wieder heraustam, sagte er zu den Leuten: Jch blidte nach ihm: er sah nicht aus wie ein Fürst. Ich nahte mich ihm: aber ich entbedte nichts Ehrfurchtgebietendes an ihm. Unvermits telt fragte er Wie tann die Welt gefestigt werden? Sie wird gefestigt durch Einigung, erwiderte ich. Wer fann fie einigen? Wer feine Luft hat am Menschenmorb, ber tann fie einigen, ermiberte ich. Wer kann da mittun? Ich erwiderte: Es gibt niemand auf der Welt, bet nicht mittun mürbe! Sabt Ihr, o König, schon das spros sende Korn beobachtet? Jm Sochsommer, wenn es trocken ist, da Stehen die Saaten melf. Wenn dann am Himmel fette Wolfen auf ziehen und in Strömen der Regen herniederfällt, so richten sich mit Macht die Saaten wieder auf. Daß es also geschieht, wer fann es hindern? Nun gibt es heute auf der ganzen Welt unter ben Hirten der Menschen feinen, der nicht Luft hätte am Menschenmord. Wenn nun einer fäme, der nicht Luft hätte am Menschen mord, so würden die Leute auf der ganzen Welt alle die Hälfe reden und nach ihm ausspähen. Und wenn er wirklich also ist, To fallen die Leute ihm zu, wie das Wasser nach der Tiefe zue fließt, in Strömen. Wer fann es hindern?" fonnte. Der General Brialmont hatte gesagt, die Türme ber Forts wären nicht zusammenzuschießen. Alle lebenden Granaten, wie groß fie auch wären, müßten sich an den Panzerplatten und dem Beton die Zähne ausbeißen. Aber es sollte anders kommen. Der General Brialmont hatte eben nicht daran gedacht, daß es noch etwas geben fonnte, was er nicht wußte. Aber. das gab es nun gerade. Der Krupp in Essen hatte sich mit dem Cranz und dem Rausenberger aus Berlin zusammengetan und Kanonen ge= baut, bie viel stärker waren, als der General Brialmont fich vorstellen fonnte. Die waren 42 3entimeter breit und fchoffen alles turz und flein, wie sich bald zeigen sollte. Jsmer hatte Angst, als er zum ersten Male, wenn auch nur ganz von weitem, hörte, wie die dice Berta brummte. Aufzupassen, ob und wann der Schuß losgehen sollte, zus sammenzufahren, wenn man das Ahu Ahu Ahu hörte, die Beit bis zum Explosionstrache zu berechnen, das wurde für Jsmer eine Art Beschäftigung in Ermangelung einer an deren. In der Zeit, wo nicht gefeuert wurde, dachte er an Emilie. Was sie wohl jetzt tat? Ob sie zu Hause blieb? Ob sie Geld hatte? Ob der Frizze felddienstfähig war? Jezt werde man etwas machen, was schon lange nicht das gewesen sei: eine unbeschossene Festung berennen. Die vor erſten Kameraden haben schon begonnen, und wenn die Geschichte nicht gar so wild wäre, fönnte man beinahe barüber lachen. Der Kommandant der Festung soll schon in der Zi tabelle gefangen genommen worden fein. Gerabe, als er Am Ende hatte Emilie müssen eine Aufwartestelle an ärgerlich Ruhe befohlen hätte, da er glaubte, bie Belgier machten Lärm, während in Wirklichkeit die Deutschen einnehmen, womöglich bei einem einzelnen Herrn. Das fehlte 30gen, hätte man ihm erklärt, er sollte sich nicht weiter auf- noch. regen. Es wäre schon alles in ber schönsten Ordnung. Der General von Emmiah habe das Ding gedreht, und bald werde man auch alle Forts haben. Ismer war bald in der 3itabelle, die von dem Sieges geſchrei der Kameraden widerhallte. Er war einer von den bleiben, da man die Absicht hatte, die Geschichte gründlich zu bürsten", wie der Unteroffizier sagte, der sich schon von vorneherein für die unbedingte Notwendigkeit der Einaufnahme Lüttichs ausgesprochen hatte und fich jetzt sichtlich etwas Bieles darauf zugute tat, der obersten Seerführung in erfolgreicher Weise die Wege gewiesen zu haben. Man wollte von der Zitadelle aus die Forts beschießen, die sich nicht ergeben wollten, weil ihre Kommandanten sicher zu sein glaubten, daß der General Brialmont sich night irren legten und befam mit diesen bald den Befehl, dort zu Er wußte nicht mehr, wie er sich ihrer erwehren sollte. Die Bajonettfechtfunft war eine gute Sache gewesen bem Uebungsplate und im Manöver. Auch jezt schien sie fich bewähren zu wollen. Aber bald merkte smer, daß er Leben bleiben wollte. Das brachte ihn aus der Bassung, und er hatte beinahe Angst davor, der Untere Unterstützung mußte fie ja bekommen. Und ein bischen was war ja auch noch da. Aber vielleicht fonnte es nichts schaben, wenn er einige Mart nach Hause schidte. Das mußte auf Emilie ganz gewiß Eindrud machen. Am Ende rührte fie das sogar... Bei Emilie war fein Ding unmöglich. Und überdies, wenn sie Geld bekam, dann hatte sie nachher keine Ausrede. Schlau muß man sein!" Das war Jsmers letter Schluß. dessen Aufkommen er mit einem vor der Geburt ersticktem Lächeln begrüßte, und dessen Wirkung nachhaltig genug war, daß er, sobald er tonnte, fünf Mart nach Sauſe ſchite. Fünf Mart, bas war so richtig. Nicht zu wenig, so daß Emilie sich nicht ärgerte, und nicht zu viel, so daß sie sich nicht allerlei einbilden konnte. ( Fortjekung folgt.) näre haben pünktlich und vonzählig zu erscheinen. Mittwoch, 29. Dezember, abends 8 Uhr, Mitgliederversammlung bei Schellhase, Ahornstr. 15a. Lages ordnung: Stellungnahme zur Landtagswahl. Mitglieder werden gebeten, pünkt lich und vollzählig zu erscheinen. Saal ist gut geheizt. Wilmersdorf. Zum Besuch der Urania, Laubenstraße, am 1. Weihnachtsfeier tag, nachmittags 4 Uhr, treffen fi die Mitglieder des Arbeiter Sportfartells, auch Gäste, im Turnerheim auf dem Turnplay der freien Turnerschaft in der Württembergischen Straße, nachmittags 3 Uhr. Vorzugstarten au halben Preisen find daselbst noch zu habent. Potsdam 4. Diftrift Niederbarnim- Oft. Mittwo, 29. Dezember, abends 6 Uhr, in Stralau, Cafe Bellevue, Distrittstonferenz. Tagesordnung: Unsere näch ten Aufgaben im Wahlkampfe und Aufstellung von Kandidaten. Jeder Ort muß Bertretung entfenben. Am 2. Feiertag im Vereinshaus, CharlottenBurger Str. 120. Saalöffnung 5 Uhr. Mitgliedsbuch oder Karte legitimieren. Weißenfee. Weihnachtsfeier. Vereinskalender Deutscher Wertmeister- Berband. Betriebs, Obe und Vertrauensfente per Fac gruppe Metallindustrie" versammeln sich Dienstag, den 28. Dezember, abends 6% Uhr, in den Musikersälen, Kaiser- Wilhelm- Straße. Tagesordnung:„ Kündi gung des Rahmentarifs". Betriebsräte, Betriebsobleute, welche Mitgliebez bes Branche, Geftions- und Verwaltungsausschusses find, am Dienstag, den 28. Dezember, abends 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Saal 3, wichtige Zusammen funft. Bortrag über Rätebildung und Schule. Transportarbeiter- Berbaub. Zentralverband ber Maschinisten und Seizer. Dienstag, 6 1hr, in Oberschöne weide, Wilhelminenhofstr. 41 bei Bamp, außerordentliche Bezirksversammlung des Bezirks Oberschönemeide. Donnerstag, 30. Dezember, abends 6 Uhr, im Ges wertschaftshaus, Saal 4, außerordentliche Generalversammlung. Deutscher Portier- Berbanb( Gettion 7 des Deutschen Transportarbeiter- Berb.). Dienstag, den 28. Dezemben, vormittags 10 Uhr, im großen Saal bes Gemert schaftshauses, Engelufer 15, große beschlußfaffende Mitgliederversammlung ber im Streit befindlichen Bortiers und Hausreinigerinnen. Mitgliedsausweis ist mit zubringen, ohne diesen fein Eintritt. Arbeiter Samariterbund. Abt. Schöneberg: Lehrabenb am 30. Dezember fällt aus. Nächster Lehrabend Donnerstag, 6. Januar, Schule Rubensstraße. Abt. Chat Tottenburg: Montag, 27. Dezember, Vortrag über Arzneimittel" bei Thelen, Kaiser- Friedrich- Str. 456. Freitag, 30. Dezember, Fortbildungsabend für Mitglieber daselbst. Soz. Proletarierjugend, Gruppe Adlershof. Dienstag, abenbs 7 Uhr, in ben Baraden ber Hufladstraße, Weihnachtsfeier. Wir bitten bie Genossen der Partei, uns ihre schulentlassenen Kinder zu dieser Veranstaltung zu senden. Berliner Arbeiter- Schachtlub. Der freie Schachnerfehr Michaelfirchstr. 20d fällt am 1, und 2. Feiertag aus. Sonst findet derfelbe jeben Sonntag, vorm. 9-1 Uhr im obigen Lotal statt, wozu jedermann freien Zutritt hat. Die Qualitätsmarke Haematogen Marke ,, Dreistern" jetzt wieder in altbewährter Friedensqualität Fragen Sie Ihren Arzt. Das bestekräftigungsmittel für schwächliche Kinder Lungenkranke, Blutarme und Rekonvaleszenten. 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