Sen , für Brü t den Ber sa it ischen mit und Tenen alten etrieb entl. eiten. Kons e 1 fen." riften toffen dem innen achts teils B. Di ent: a des sfeier. und ch zur Blide De, in ungs Weihs eftent, 1 Dor Tußer Biel öllner Gehör a abs , treu Stille reich Dendet und mit Einzelpreis 30 Pfg. • 3. Jahrgang Die Freiheit erscheint morgens und nachmittags, Gonntags und Montags wuz inmal. Der Bezugspreis beträgt bet freier Zustellung ins Haus für Groß- Berlin 10, M. im voraus zahlbar, von der Spedition selbst abgeholt 8,50 M. Für Poste aug nehmen sämtliche Boftanftalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bogen für Deutschland und Österreich 16,50 M., für das übrige Ausland 21,50 2. glich Baluta- Aufschlag, per Brief für Deutschland und Österreich 30,-. Redaktion. Expedition und Berlag: Berlin 2, Greite Straße&. Mittwoch, 29. Dezember 1920 Nummer 554 Morgen- Ausgabe De achtgespaltene Ronpareillegeile obez Beren Raum koftet 6,-. etnjahiteflie Teuerungszufchlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2,- M., febes weitere Wort 1,50 m., einfchließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien Ungeigen und Stellen- Gesuche 3,20 m. netto pro Zeile. Stellen Gefuchs Wort- Anzeigen: bas fettgedruckte Wort 1,50 m., febes weitere Wort 1, Bernsprecher: Bentrum 2030, 2645, 4516. 4603, 4635, 4640, 4921 greiheis Berliner Organ ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Berurteilung der ungarischen Boltstommiffare Unverantwortliches Spiel Die ausländische Presse läßt deutlich die unselige Wirkung erkennen, die die deutsche Note, die die Aufrechterhaltung ber Bier Personen zum Tode, sechs zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt Einwohnerwehren in Bayern und Ostpreußen_anDie ungarischen Senter haben ihr Wert vollbracht. Nachdem der lie in einer fast fünf Monate währenden Verhandlung gegen die themaligen Boltstommiffare nichts vorzubringen vermochten, was eine Berurteilung auch nur im entferntesten rechtfertigen tönnte. haben fie furzen Prozeß gemacht und den Budapester StrafBerichtshof ein Bluturteil fällen lassen, das überall in der ganzen Welt eine Welle von Wut und Empörung hochtreiben wird. Wie der„ Voffiichen Zeitung" aus Budapest gebrahtet wird, wurden Josef Haubrich, Beter Agoston, Defiber Botany und Karl Bantos lum Tode durch den Strang, die übrigen Angeklagten, Franz Bajati, Anton Dovejot, Josef Kelen, Heinrich Kalmar, Alexander Szabados und Georg Nnisztor, zu lebensläng ligem 3uthaus verurteilt. Die Senter haben wieder Ars beit, und die ungarischen Zuchthäuser, in denen tausende ges gelten fangener Freiheitstämpfer schmachten, werden zur Grabstätte der Tin. Roch nicht hingemordeten ehemaligen Boltstommiffare. t der mert ngen. tel ge g. Ro Die Richter, die das Budapester Bluturteil fällten, konnten den engeklagten zehn Boltskommissaren fein einziges persönliches Vers 6 sehen, feinen Mißbrauch ihrer Amtsgewalt zu persönlichen oder tens bis tigennügigen Zweden nachweisen. Sie vermochten auch die gegen brigens die Boltstommissare erhobene Anklage des Mordes nicht zu bes gründen, ba in der Verhandlung der schlüssige Nachweis erbragt wurde, daß die Angeklagten an den Maßnahmen der revolutios Bollvers en Gerichte nicht nur feinen Anteil hatten, fonbern mit allem te eine ihrem Einfluß alle terroristischen Maßnahmen bekämpft haben. Das Urteil tüßt sich deshalb vor allem auf die politischen Sigung Sandlungen der Volkskommissare. Bantos und Haubrich Str. 17, werden des„ Hochverrats" schuldig gesprochen, weil sie durch den tattons Anschluß der Sozialdemokraten an die Kommunisten den Auss erthor bruch der Proletarierbittatur vorbereitet und durch ihre weitere Tätigkeit an der Schaffung der Sowjetverfassung teilgenommen haben. Ferner wurden diese beiben, weil sie an der Vernichtung in det der Bürgerlichen Herrschaft teilnahmen, der Anstiftung zum Auftuhr schuldig gesprochen. Von den weiteren an den Haaren herbeis ng bes gezogenen Urteilsbegründungen( Anstiftung zum Mord" und zählig alimünzerei") fann abgesehen werben. In den Hauptpunkten Der Urteilsbegründung liegt das nadte Eingeständnis, daß die hemaligen Boltskommissare zum Tode durch den Strang resp. zu ethett lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt werden, weil sie für die Dittatur des Proletariats eintraten, an die Stelle des zusammengebrochenen bürgerlichen Staates den sozialistischen Staat jegen wollten. endor orft. Ber Sewinde Holy Dieses Urteil wird gefällt 16 Monate nach dem Sturze der Ungarischen Räteherrschaft. Es wird gefällt trotz der geschimt lich feststehenden Tatsache, daß die Rätemacht nicht infolge eines Butiches, eines Aufstandes ufw., sondern infolge bes Zusammen bruchs ber bürgerlichen Republik, die freiwillig abdanite, an bie Sigel Serrschaft gelangte. Die 16 Monate nach dem Sturz der Rätes Sammer macht sind ausgefüllt mit Blutorgien einer entmenschten Herren echbete laste, die in der mehrtausendjährigen Menschheitsgeschichte taum hrauber ihresgleichen haben. Was alles an Barbarei, Unmenschlichkeit, hthofe vichischen. Ausschreitungen gegen das Proletariat und die vers folgte jüdische Bevölkerung von den Bluthunden Horthys verübt morden ist, genügt, um die ungarische Herrentefte für immer mit dem Schandmal der Verachtung zu zeichnen. Sie ver bient dieje Berachtung in verstärktem Maße, nachdem sie nun, trotz des vor turzem erschienenen Protestes der besten Vertreter tätlich der europäischen Kulturwelt, das Bluturteil gegen die angeklagten Bolfskommissare der europäischen Kulturmelt ins Gesicht chleudert. 3607. etes e ich am rt habe, en fertigl nden die See und Die ungarischen Bolkskommissare Nachstehend geben wir einige furze Angaben über die verurteilten ungarischen Genossen: 1. Josef Haubrich, Sekretär des Metallarbeiterverbandes, seit 18 Jahren Mitglied der sozialdemokratischen Partei, gewesener Boltskommissär für Heerwesen und Stadtkommandant in Budapest, von Beruf Metallgießer. Mit eiserner Disziplin hat er während der Rätezeit die Ordnung aufrechterhalten, und ihm ist es zu verbanken, daß trotz des Bürgerkrieges in Budapest während der Rätezeit musterhafte Ordnung herrschte. In der nach der Rätediktatur gebildeten Regierung Beidl blieb er auf Wunsch der Entente auf dem Posten des Kriegsministers. 2. Peter Agofton, gewesener Volkskommissär für Justiz, Professor der Rechtsakademie, seit 21 Jahren Mitglied der sozialdemo tratischen Partei, Verfasser zahlreicher wissenschaftlicher Werte. In der Beidl- Regierung wurde er auf Wunsch der Entente zum Minister des Aeußeren ernannt. 3. Defider, Botanyi, gewesener Volkskommissär für Bolfswohl. fahrt, einer der Begründer der ungarländischen sozialdemokratischen Partei, seit 23 Jahren Mitglied des Parteivorstandes, Obmann der Gewerkschaftsorganisation der Bauarbeiter. Glänzender Redner, Berfasser zahlreicher Parteischriften. Der Name Botangi be beutet in Ungarn die Berförperung der Sozialdemokratie. Dbwohl Autodidakt, ist Bofanyi einer der bedeutendsten Sozialwissenschaftler in Ungarn. Die Arbeiterschaft hängt, mit findlicher Liebe an seiner Person. 4. Karl Bantus, Jeit 21 Jahren Mitglied der sozialdemokratischen Bartei, gewesener Parteisekretär, war Wolfskommissär für Landwirtschaft, hat die Organisation der landwirtschaftlichen Produktion geleitet. 5. Franz Bajati, gemesener Volkskommissär für Sozialisierung, Gefretär des Metallarbeiterverbandes, seit 19 Jahren Mitglied der sozialdemokratischen Partei, von Beruf Schlossergehilfe. Hat mährend der Rätezeit für die Organisierung der Produktion und Herstellung der Arbeitsdisziplin gewirkt. Seine Rede vor dem Gericht hat allgemeines Aufsehen erregt. 6. Anton Dovociat, Obmann des Metallarbeiterverbandes, seit 23 Jahren Mitglied der sozialdemokratischen Partei, von Beruf Metallarbeiter. In der Räteregierung war er Boltskommissär für Sozialisierung, hat sich nur mit organisatorischen Fragen ber Sozialisierung beschäftigt und an politischen Entscheidungen teinen Anteil genommen. Ist einer der besten Organisatoren der Arbeiterbewegung. In der Peidl- Regierung blieb er Minister für Handel und Industrie. 7. Jojej Kelen, ein verhältnismäßig junger Ingenieur, seit acht Jahren Mitglied der sozialdemokratischen Partei, war Boltstommissär für Sozialisierung. Er hat in dieser Eigenschaft nur die technischen Fragen der Sozialisierung geregelt. Relen war niemals Politifer, hat sich als überzeugter Sozialdemokrat und Anhänger des Gedantens der Sozialisierung nur für die technische Seite dieses Problems interessiert. Ein hervorragender Gelehrter, Verfasser von aufsehenerregenden wissenschaftlichen Schriften. Professor Einstein und andere Gelehrte haben seine wissenschaftliche Tätigkeit vor der Deffentlichkeit gewürdigt. 8. Heinrich Kalmár, seit 28 Jahren Mitglied der sozialdemo fratischen Partei, Rebatteur des Barteiblattes„ Boltsstimme", Führer der deutschen Sozialdemokraten in Ungarn, war in der Rätezeit Boltskommissär für Deutschmestungarn. Während ber Rätezeit hat er sich ausschließlich mit Kulturfragen der Deutschen in Ungarn befaßt. Das Budapester Urteil ist nicht nur ein Schandmal, es ist eine geschäft Serausforderung an das Gewissen der ganzen Welt. Die Banditen und Sadisten um Horthy und Heijas be Wana lunden damit, daß fie trotz aller Einsprüche und Mahnungen von Dou befreundeter diplomatischer Seite das Recht für sich in Anspruch gebund. nehmen, ihre politischen Gegner nach den Grundsägen Attilas und their ichingis- Chans hinzuorden. Sie pfeifen auf die Ratschläge der be 8-2 französischen und englischen Diplomatie ebenjo, wie auf die Pros Benoffe tefie der Ruiturwelt, denn höher als alle anderen Erwägungen einige Schriften von Marg und Engels ins Ungarische übersetzt. Nieme timme teht für diese Räubergesellschaft die Erhaltung ihrer natten Macht, die als Grundlage für die erstartende mitteleuropäische Konterrevolution dienen soll. Beg 9. Alerander Szabados, feit 27 Jahren Mitglied der sozialdemokratischen Partei, Sekretär ber Landesarbeiterfrankenkasse, von Beruf Jurist; war Boltskommissär für Unterricht, hat nur als Beamter fungiert und sich ausschließlich mit Kultur- und Kunstfragen beschäftigt. Szabados hat einige vortreffliche Broschüren 10. Georg Nyisztor, seit 24 Jahren Mitglied der sozialdemokratischen Partei, Sekretär der Organisation der Landarbeiter, war Volfstommissär für Landwirtschaft, von Beruf Landarbeiter. Hat sein Amt während der Rütezeit mit ausgezeichneter Fachkenntnis ausgeübt. Das Budapester Bluturteil macht das Maß der Empörung, die über die Greuel Ungarns im Herzen des Proletariats der ganzen Welt angewachsen ist, übervoll. Schon einmal haben die irciter Europas cine internationale Attion begonnen, um dem weißen Deutsch- helgische Wirtschaftsbeziehungen. Wie die Brüsseler Terror in Ungarn ein Ende zu bereiten. Dieser Versuch schlug fehl, weil dieser Bewegung die nötige Einheit und Geschlossenheit Zeitung„ Indépendance belge" meldet, wird in Antwerpen eine bot mangelte. Nun, nach dieser neuesten Provokation der nagarischen Delegation der deutschen Schiffahrtsgesellschaften und der deutBluthunde darf nicht länger gezögert werden, das Proletariat der schen Reeber erwartet, um über die Wiederanknüpfung der Beganzen Welt erneut gegen Sorthy Ungarn aufzusichungen zu der Safenverwaltung zu verhandeln. Es handelt sich hauptsächlich darum, Anlegepläge für die age rufen. Nachdem der Appell an die Menschlichkeit der Budapester deutschen Schiffe zu erlangen und auch darum, Filialen der SchiffRichter mit einem hernasfordernden Bluturteil beantwortet fahrtsgesenschaften in Antwerpen zuzulassen. Bereits vor einigen Monaten jeten diese Berhandlungen angebahnt worden, fie feien worden ist, gibt es fein anderes Mittel, als alle Arbeiter aber damals gescheitert, weil die Deutschen Bedingungen gestellt en und Arbeiterinnen, alle ehrlich denkenden und empfindenden Menschen zum aktiven Rampi hätten, die die Antwerpener Stadtverwaltung nicht habe ongegen den weißen Terror in Ungarn aufzurufen. nehmen wollen. it. strebt, angerichtet hat. Während in Brüssel Verhandlun gen geführt werden, deren Ausgang für die ökonomische Zufunft Deutschlands entscheidend werden können, weiß die deutsche Regierung unter dem Diktat der bayerischen und militärischen Reaftion nichts anderes zu tun, als durch ver logene, die wirklichen Berhältnisse falsch darstellende Noten die Stimmung zu verderben und den Scharfmachern gegen Deutschland im Auslande ihr Spiel zu erleichtern. Wie sehr dies der Fall ist, geht sehr deutlich aus einem Artikel des ,, Temps" hervor, der flar ausspricht, wie sehr das Verhalten der deutschen Regierung allen Bestrebungen, um zu einem wirtschaftlichen Ausgleich zu gelangen, immer neue Hindernisse bereitet. Das die Regierungsstimmung in Frankreich widerspiegelnde Blatt sagt: In dem gleichen Augenblid, in dem der französische Ministerpräsident ein Programm für den europäischen Frieden formulierte, in dem Augenblid, in dem die Majorität der Rammer durch Beifall den Leiter der Regierung unterstüßte, aus der Herr Andree Lefèvre ausgeschieden ist, gerade in diesem Augenblick hielt die deutsche Regierung die Zeit für ge tommen, den Leuten, die zu unerbittlicher Gewalt gegen Deutschland raten, ein neues Argument zu liefern. Man hat in Berlin eine Note veröffentlicht, durch die Deutschland es zum zweiten Male ablehnt, die sogenannten Bürgerwehren Bayerns und Ostpreußens auf zulösen. Die erfte Weigerung batiert vom 9. Dezember, Seither haben die Sachverständigen der Entente in Brüssel mit den Sachverständigen Deutschlands tonferiert. Der gute Wille auf unserer Seite war wirklich so groß wie möglich. Run empfangent wir als Dant und Ermutigung diese Note aus Berlin! So II das wirklich weiter so fort gehen, wird sich wirklich jedesmal, wenn versucht werden soll, den Geist des Friedens in Europa wieder erstehen zu lassen, in Deutschland jemand finden, um den Geist des Krieges von neuem hervorzurufen, und gerade in der Zeit, von der es heißt Friede auf Erden?" Es ist nicht unsere Aufgabe, die innere Politit Deutschlands zu kritisieren. Aber dieser Vorfall verpflichtet uns noch einmal dazu. Beim Anblid dieser neuen deutschen Note sind wir gezwungen, zu fragen: In wessen Namen wird die Auflösung dieser monarchistischen Truppenförper verweigert? Im Namen des republikanischen Reiches und seines Reichstages, der nach dem allgemeinen Stimmrecht gewählt ist? oder spricht die Berliner Regierung im Namen bez bayerischen und preußia [ chen Reaktionäre? Wir sind geneigt, anzunehmen, daß bie legte Vermutung richtig ist." Der„ Temps" sieht nicht mit Unrecht in dieser neuen Note ein Manöver der Reaktion. Aus Besorgnis um die Einigfeit Deutschlands und selbst reaktionären Einflüssen zugäng lich, verweigert die republikanische Reichsregierung die Auflösung der Einwohnerwehren. ,, Die bayerischen und preußischen Reaktionäre wünschen sich Glüd dazu, einen neuen Streitpunkt zwischen der Entente und der republifanischen Reichszegic= zung geschaffen zu haben. Denn sie hofft, daß Frankreich und England nicht gleicher Meinung sein werden, wenn es sich darum handelt, Zwangsmaßregeln anzuwenden; daß der deutsche Patrio tismus, der langen Auseinanderseßung müde, sich gegen die republikanische Einrichtung erheben wird; und daß endlich Deutschland, befreit von ber republitanischen Regierung und gegenüber einem isolierten Frankreich eine Revanche vorbereiten fönnte, die aufs neue die Throne der Sohenzollern und der Wittelsbacher mit Ruhm bedecken fönnte. So sieht nach unserer Meinung dies Manöver aus." www.w Abgesehen von der wenig begründeten Sorge vor der Revanche unsere Reaktionäre ersehnen die Niederwerfung des inneren Feindes viel heißer als das Wagnis eines neuen Krieges hat der„ Temps" vollständig recht, wenn er in dem Kampf um die Erhaltung der Einwohnerwehren ein reaktionäres Manöver erblidt. Das Unverantwortliche der Haltung der deutschen Regierung liegt aber darin, daß die Begünstigung der bayerischen und ostpreußischen Realtion, die zunächst eine innere deutsche Frage ist, zugleich die außenpolitische Situation des deutschen Boltes außerordentlich verschlechtert und sehr leicht eine neue internationale Krise heraufbeschwören könnte. Dagegen gilt es denn doch mit aller Energie vorzugehen. Dabei erinnern wir uns daran, daß ja diese Regierung eine Minoritätsregierung ist, die von der inoffiziellen Unterstützung der Rechtssozialisten lebt. Nun findet zwar der„ Vorwärts" scharfe Worte gegen die Haltung der Regierung und fordert, worin mit ihm zustimmen fönnen, die Einberufung des Auswärtigen Ausschusses. Aber wir meinen, daß mit bloßen Worten gegenüber der Sartnädigkeit der Regierung menfg getan ist. Die Rechtssozialisten stnd durchaus in der Lage, die Regierung zur Aenderung ihrer Haltung zu zwingen. Sie find für die Existenz dieser Regierung durchaus mitverantwortlich. Die Regierung betreibt jetzt Orgesch-Politik. Die rechtssozialistische Partei steht vor der Entscheidung, ob ste ein Ministerium, das unter die Diktatur der Orgesch geraten ist, noch länger unter st ützen will. Stinnes und Brüssel Wir haben schon mehrfach über die Einflüsse gesprochen, die Herr Hugo Stinnes bei der Wahl der Sachverständigen für die Brüsseler Konferenz geltend gemacht hat. Di« ursprünglich aus- ersehenen beiden Großindustriellen Generaldirektor Vogler und Dr. von Siemens sollen auf seinen Wink die ihnen angetrage- neu Mandate nicht übernommen haben. Jetzt kommt auch das »Berliner Tageblatt" auf diese Angelegenheit zu sprechen. Nach- dem Theodor Wölfs schon in seinem Montagsartikel gewisse An- deutungen gemacht hatte, zitiert das Blatt nun eine Mitteilung des Pariser„Matin", nach der der Rücktritt der beiden genannten Personen damit zusammenhänge, daß der Potentat der west- fälischen Industrie die Verhandlungen in Brüssel scheitern zu sehen wünsche. Das„Berliner Tageblatt" möchte gern näheren Aufschluß dar- über haben, ob es wahr sei, daß Herr Stinnes die Brüsseler Konferenz sabotieren wolle,„wie er die Konferenz von Epaa sabotieren wollte, wo er die Besetzung des Ruhr.gebietes vorzog." Es nimmt dabei auf eine frühere Erklärung des Herrn Stinnes Bezug, die dahin ge- lautet habe, man müsse die Er ternationale annehmen könne oder nicht: er könne es nicht Blum verlangte, man solle fich, bevor man sich trenne, das W-ni geben, sich in Zukunft nicht wie Feinde zu behau' dein, die fich bekämpfen und beschimpfen müßten, sondern w>« Freunde, die augenblicklich voneinander getrennt seien, die ab«> vielleicht eines Tages wieder ein gemeinsames Heim mireinande« gründen könnten.( Nach Blum sprach R a p p a p o r t für den Anschluß an Maskat Komplikationen im Kaukasus Nach einer Havas-Meldung aus Konftantiuopel rückt die zweit« bolschewistische Armee gegen Georgien vor. An der Greith| werden starte bolschewistische Streitkräste zusammengezogen. Krieg um Fiume D'Annunzios hartnäckiger Widerstand gegen die Anerkennung des Vertrages von Rapollo hat nun, was längst vorauszusehe« war, die italienische Regierung veranlaßt, mit kriegerische« Mitteln gegen den Helden von Fiume vorzugehen. Seit den Wei? nachtsfeiertagen ist der Kampf im Gange, in dessen Verlauf es de« Regierungstruppen gelungen ist, bis in die Stadt selbst vorzudrin' gen. Bis jetzt zählen die Berluste der regulären Truppen eis« 3 0 Tote und 100 Verwundet«. Nach den bis jetzt vorliegende» Meldungen hat dÄnnunzio den ungleichen Kampf noch nicht auf- gegeben.— Im übrigen Italien, besonders in Rom, verfolgt man die E« eignisse in Fiume mit größter Spannung. In der Stadtratssitzunl in Rom gab der Bürgermeister der besorgten Stimmung der M völkerung infolge der Ereignisse bei Trieft Ausdruck und vor, die Sitzung zum Zeichen der Trauer aufzuh«' den und auf dem Kapital die Trauerfahne zu hissen: sein M trag wurde unter lauten Kundgebungen aus der Versammlu™ und von den Tribünen angenommen. Giolitti hat den Vertretern verschiedener Kammergrupp««' die über die Lage in Fiume Auskunft erbaten, erklärt, er ha«' befohlen, Blutvergießen möglichst zu vermeiden: er bestritt au» daß Artillerie auf Privathäuser geschossen hätte. Er legte da« man müsse das Vorgehen gegen Fiume befchleu n>' gen, um einem Einschreiten vom Auslande her zuvorzukomme« Die Abgeordneten erklärten nach dieser Unterredung, sie hielt«« das Verfahren der Regierung für gerechtfertigt. Ratifikation des deutfch-holländischen Abkommens. Am tag hat im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten>>« Haag die Ratifikation des zwischen den Niederlanden us� Deutschland abgeschlossenen Abkommens betreffend die Gewah«, rung von Krediten und die Ausfuhr von Kohlen stattgefund«'« Die Wilnaer Abstimmung. Wir berichteten gestern über Maßnahmen des Völkerbundes hinsichtlich der Boltsabstimmu«« im strittigen Wilnaer Gebiet.. Nunmehr verbreitet d«' „Ostdienst" zwei Noten des Völkerbundsrates an Paderewski u«« an den litauischen Vertreter, in»der Polen befragt wird, ob«« genügend Macht über Zeligowski besitze, um diese« zur Durchführung der Maßnahmen des Völkerbundes zu verai« lassen. Der Völkerbundsrat erinnert Polen daran, daß es? dieser Frage noch nicht Stellung genommen habe und wei darauf hin. daß er niemals ein Plebiszit gutheißen könne, dess« Bedingungen nicht beiden Parteien genügende Garantie' für die gerechte Abstimmung geben. Nach dem übrigen Jnha der Roten scheint das internationale Abstimmungskommaudo te« aufrechterhalten zu werden. Bevorstehende Ratifikation de» finmsch-russtscheu Frieden«. D>' finnische Abordnung zum Austausch der Friedensratifikation«« zwischen Finnland und Rußland ist nach Moskau abgereist. Annullierung der russischen Aufträge in Amerika. Die Sowj«� regierung hat die sämtlichen in Amerika untergebrachten Aufträg' im Betrage von 55 Millionen Dollar wegen der Ausweisung ihr» Vertreters Martens annulliert. Hungerstreik in Rumänien. Siebzig Sozialisten, welche weg«« des Attentats auf den rumänischen Senat in der Festung Jila»« interniert sind, haben den Hungerstreik erNärt. Eine englisch« Arveiterabordnnng in f>er Tschechoslowakei. Am das„Piano Lidu" meldet, trifft am 5. Januar unter Führung d«' bekannten englischen Eisenbahnerführers I. H. Thomas ei" Arbeiterabordnung aus England in Prag ein. um die sozial«« Verhältnisse in der tschechischen Republik zu studieren. An d» Reise beteiligten sich Arthur Henderson, Macdonald, W. Adams««' Führer der Arbeiterpartei im Parlament, Z. R. Eiynrs und A. bert Mansbridge, Vorsitzender der Morls Association for Adv» Adncation. Englische FinanzkommMon. JCaily Mail" meldet, daß Llo» George die Präsidentschaft der Finanzkommisston, welche sich"? Schöße des Ministerrats gebildet hat, angenommen hat. Blatt fügt hinzu, daß die von den Ministern des Krieges der Marine eingereichten Voranschläge beanstandet wurd«« mit dem Bemerken, sie a u f d i e H ä l f t e zu reduzieren. Angeblich« Regierungskrise in Eeovgien. Wie von der GesanV schaft der Georgischen Republik mitgeteilt wird, entbehren av Krisengerüchte über die Georgische Regierung der Grundlage. M llstitglieder der Regierung mit Ausnahme des Landwirtschaft« Ministers, der aus persönlichen Gründen seinen Posten verlasl«: hat. verblieben auf ihren Kosten. Unverändert bleibt auch v>' Politik der Regierung.. Die Eisenbahnerbewegung Die Wirkung des AntistreiKerlasses Wie die„Deua" aus Essen mitteilt, wurde in einer gester« abend abgehaltenen Vollversammlung der Reichsgewerlschaft der "Eisenbahner bekannt, dah weitere Verhandlungen zwischen der Regierung und den Eisenbahnerorganisationen zwecklos seien. »ls letzte Antwort wurde der sofortig« Streik gefordert. Es wurde mitgeteilt, datz die Eiscnbahnerorgani- sationen jetzt dazu übergegangen seien, durch eine» Zusammen- schlutz eine Einheitsfront zu bilden, und diese sichere den Erfolg eines Streiks. Angesichts der bedrohlichen Lage hat, wie die „Dena- weiter erfährt, der Eisenbahnminister an die Direktions- Präsidenten einen Erlatz gerichtet, in dem daraus hingewiesen wird. datz der Streik unvereinbar sei mit der Stellung der Beamten, und d-tz«ine Streikaktion unter allen Umständen aus den Eisenbahnbetrieben fernzuhalten sei. Der Eiseudahndirektionspräsident von Esten hat den Erlaß auf allen Dienststellen bekanntgegeben. Die Redner erNärten. dah sie ohne Rücksicht auf die Anweisungen des Eisenbahnministers ihre Bestrebungen fortsetzen werden. Es wurde beschlosten, datz in den drei nächsten Tagen im ganzen Be- ,irk eine geheime Urabstimmung stattfinden soll, in der die Eisenbahner selbst über den Streit zu entscheiden haben. Schließlich wurde einstimmig eine Entschlietzang angenommen, in der erklärt wird: Die Vollversammlung der Reichsgewerkschaft der Eisenbahner rnd der in tiner Arbeitsgemeinschaft mit ihr vereinigten son- tigen Beamten und Arbeiter der Eisenbahn verspricht, alle zewerkschastliche« Forderungen zu erfüllen und dem Ruf zur Anwendung der letzten gewerkschaftlichen Mittel, wenn notwendig, gewissenhaft und pünktlich Folge zu leiste». Wir haben bereits in unserer gestrigen Morgen-Ausgabe das Nötige zu dem Erlaß des Reichsverkehrsministers gesagt. Die Wirkung zeigt sich, wie nicht anders zu erwarten war. Die Eisenbahnbeamten und-arbeiter werden sich durch die Drohungen des Reichsverkehrsministers nicht einschüchtern lasten für sich dieselben Rechte in Anspruch zu nehmen, die jedem' anderen Beamten und Arbeiter zustehen. Auch aus anderen Bezirken wird die allgmeine Erregung über den Erlaß des Reichsoerkehrsministers gemeldet. Die Stimmung in den Kreisen des Deutschen Eisenbahner-Verbandes wird in einer Mitteilung eines Vorstandsmitgliedes des Verban- des wie folgt geschildert: Der Deutsche Eisenbahnerverband verurteilt den Streik« erlaß des Reichsverkehrsministers schon aus rein gewerk- schaftlichen Gründen, da der Allgemeine deutsche Gewerk- schaftsbund, dem auch der Deutsche Eisenbahnerverband antzehört, keinen Zweifel darüber gelösten hat, daß er für alle Be- amtenkategorien, also auch für die Eisenbahner und Post- beamtenschaft, das Streikrecht gewahrt wissen will. Diesen Standpunkt des Mgemeinen Deutschen Eewerkschafts- bundes hat seinerzeit auch der jetzt verstorbene Führer der deut- schen Gewerkschaften, Legten, in einer vor einigen Iahren gc- haltenen Rede genau formuliert. Der Allgemeine Deutsche Ee- werkschaftsbund hat auch darin bewiesen, daß er für die Aus- übung des Koalitionsrechts der Beamtenschaft ist, daß er die Beamtcnverbänd« fsinerzett eingeladen hat, sich dein Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund anzuschließen. Was aber den Deut- schen Eisenbahnerverband besonders betrifft, so ist er schon des- halb für das Streikrecht der Eisenbahnerbeamtenschaft, weil es ach hier um eine grundsätzliche. Frage der Ar. bciterbewegung handelt. Nach einer Entziehung des Streikrechtes der Beamtenschaft wäre es nicht ausgefchlosten. daß die Regierung nach diesem Erfolg daran gehen könnte, a u ch d i e Reckte der Arbeiterschaft zu verkümmern. Sollt« desKalb di« Beamtenschaft zur Erkämpfung des Strekrechtes evtl. in den Streik treten, so ist es zweifellos, daß die Eisenbahn» Arbeiterschaft sich mit dem Vorgehen der Eisenbahnbeamten solidarisch erklären, also ebenfalls zur Unterstützung dieler Forderung der Eisenbahnbeamten ,n den Streik treten wird. A-dr abaeieben von dieser rechtlscheo Se,te des Streikerlastes sei -.»amlall»»-»«»» Verhandlungen mit hei«.,>-,»»»»bei die Lohn- und Eehaltslage stehen und das ietz,ge Bekanntwerden b.« Streikerlastes geeignet sei, einen ruhigen Verlauf der e r h a n d l u n g e n in Frage zu stellen. Di- Deutsche Allgemeine Zeitung" fühlt sich bemüßigt, gegen die..Freiheit" sowie gegen den..Vorwart-" zu pole- mifieren, weil sie dem Erlaß des Reichsverkehrsministers die richtige Deutung gegeben haben. Das Stinnesblatt weiß indes nichts anderes zu sagen, als daß es sich auf die alte Mär von den kommunistischen Drahtziehern zurückzieht, gegen die allein der Erlaß gerichtet sei. Wie hin- fällig diese Behauptung ist. zeigt die Tatsache, daß in dem Gebrauch des Streiks als Kampfmittel zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage die großen Organisationen der Eisen- bahnveamten und-arbeiter geschlossen zusammen- stehen. Für den Geist, der so manchen Mann im Eisenbahnbetriebe erfüllt, ist ein Aufruf kennzeichnend, den der Eisen- bahndirektionspräsident in Erfurt erlassen hat. In diesem Aufruf heißt es, daß es für die Beamten k e i n R e ch t z u m S t r e i k g i b t. Ja, der Herr geht so weit, daß er zur beabsichtigten Urabstimmung sagt: Jeder Beamte, der aus dem Boden des Gesetzes sieht, ist ver- pflichtet, sein Stimmrecht auszuüben und gegen den Streik zu stimmen, wenn die«in gesetzwidriges Ziel verfolgende Ur- adstimmung wirklich zustande kommt. x Das ist so ziemlich der Höhepunkt der Unver- frorenheit. Viel Glück wird der Herr Präsident mit seinen Beschwörungen nicht haben. Auch nicht, wenn er am Schluß seines Aufrufes pathetisch verkündet: „Eine Beamtenschaft, die für sich ein Recht zum Streik in An- spruch nimmt, untergräbt damit die gesetzliche Sonderstellung der Beamten gegenüber den Ardeiter« und muß damit rechnen, daß sie die bisherigen Beamtenvorrechte(gesetzlich festgelegtes Gehalt, lebenslängliche Anstellung, Pension, Htnterbliebenenfür- sorge usw.) inZukunftverliert." Die Hinweise auj die gesonderten Interessen der Beamten gegenüber den Arbeitern ziehen nicht mehr. Den Beamten tut augenblickliche Hilfe not und die Notwendigkeit zwingt sie an die Seite der Arbeiter. Das ganze Gerede von der Sonderstellung des Beamten, die ihm den Streik verbietet, ist nichts als eine lügenhafte Aufwärmung altpreußischer Auffassungen und nach modernen Begriffen völlig haltlos. Die Regierung und die Eisenbahner Am gestrige« Dienstag nachmittag trat im Rrichstag der aus den Vertretern der Eifenbahner-Eroßorganisationen gebildete Sechzehner« Ausschuß zusammen, der zu der augenblicklichen Lag« und besonder» zu dem Streikerlaß de» Reichsoerkehrsministers Eröner Stellung nahm. Die Verhandlungen über den Streik- erlaß zogen sich bis gegen k Uhr nachmittags hin. Man einigte sich schließlich dahin, am Mittwoch morgen die Stellungnahme des Ausschusses zu formulieren und dies« Erklärung Minister Eröner zu übermitteln. Inzwischen hatten Verhandlungen zwischen dem Reichsfinanzministerinm und dem Deutschen Beamtenbund stattgefunden, und das Finanzministerium er- Närte sich bereit, die Forderungen und Wünsch« der Eisenbahner dem Reichsgutachteransschuß zu überweisen, in dem Vertreter des Allgemeinen Deutschen Eewerkschastsbundes, des Deutschen Be- amtenbunde» und de» Deutschen Sewerijchastsbunde» sitzen. De« Reichsgutachterausschoß wird voraussichtlich am Z. oder 4, 3« nunc in Berlin zusammentreten und da» gesamte vor- liegende Material prüfen.— Im Reichsgutachterausschuß werden, entsprechend seiner Zusammensetzung jedoch«ur all« die Eisen- bahn b« a m t e n angehende« Fragen erörtert«erden. Di« Wünsch« der Arbeite»«erden bereits in den am hentigen Mittwoch beginnenden Verhandlungen im Reichsverlehrsministe- riom ihre Erledigung finden. Die Beamtenforderungen Wie offiziös mitgeteilt wird, hat die Reichsfinanzverwaltung Anordnung getroffen, daß die nächste Gehaltszahlung an die Be- amjen Nicht erst Anfang Februar, fondern bereits vom 2 0. Januar ab erfolgt, damit nicht mehr als etwa ein Monat feit der vor Weihnachten erfolgten Zahlung des Januargehalts verstrichen ist. Wegen der von den Organisationen der Reichsbeamten und Reichsarbeiter gestellten neuen Forderungen soll unver- züglich nach Neujahr im Reichsfinanzministerium vor Eintritt in Verhandlungen eine Aussprache über die Gesamtsituation mit Ver- tretern der beteiligten Kreise stattfinden. Sonst verbreitete Nach- richten über angebliche Beschlüsse der Staatssekretäre der Reichs- Ministerien entbehren der Bearllnduna Kommunistische Bilderstürmer Aus Gotha wird geschrieben: Einen böswilligen, dabei dummen Streick leistete sich die kom. muinstische Mehrheit des Gothaer Gewerkschaftskartells. Auf An- trag des Kartelloorstandes wulrde beschloßen, das im Volkshaus hängend« Bild unseres hochoerdienten Genossen W. Bock ,» entfernen, da aus den Kreisen der kommunistischen Partei- genossen deswegen Beschwerden erhoben worden seien. Damit haben die Kommunisten eine„Tat vollbracht, wodurch sie ihre Gesinnung und ihren Charakter vor aller Oesfcntlichkeit dokumentieren. Der Kartelloorsitzende, der„Kommunist" Polenz setzte sich besonders energisch für den Amraa ein. daß man das Bild eines„Verräters" nicht länger'm Volkshause dulden dürfe Unser Genosse W. Bock ein Verräter? Worin besteht dieser Verrat, ihr Helden von der V. St P. D.? Etwa darin, daß unser Genosse Bock seit über fünfzig Jahren in selbstloser und aufopferndster Weise.»n der sozialsstlschen Bewegung in vorderster Reihe gekämpft hat? Genosse Bock ein Verrater. dessen Verdienste in der deutschen Partei jedem bekannt sind, der mit der Geschichte der Sozialdemo- k-atie vertraut ist? x„ Der Mann ein Verrater, der unter dem Sozialisten- g e s e tz freudig alles aufs Spiel setzte, der in diesen furchtbaren Jahren unerschrocken das Banner der Sozialdemokratie vorantrug, als noch Mut dazu gehörte, den von allen Seiten andrin- genden feindlichen Mächten zu trotzen? Genosse Bock ein Verräter, den das Vertrauen der Eothae� werktätigen Bevölkerung feit 1888 ununterbrochen in den Reichs- VSn„Verräter" haben die Eothaer Arbeiter der damals noch nicht durch die unseligen 21 Moskauer Bedingungen gespaltenen U S. P- D. auf ihrem Landesparteitag vor wenigen Mona- ten noch einstimmig zum Reichstagskandidaten a u f g e st e l l t und dann mit überwältigender Mehrheit gewahltl _.... zweiter, die man durch eine beispiellos verlogene or*'-r----------—' � /*<*« Seht Euch doch die traurtgen Heiden„ so verdienten Mann, wie den E-noNe»«' i?®a0«n, einem Wo waren die„Kommunisten" «itd des Weltkrieges, durch welche faiel i(J 1 und Hingabe für die Sache der Arbettcr bewi�n? Den Polenz kennt man kaum, niemand weiß, wie lange er der Partei angehört. Zu einer Zeit, als unser Genosse W. Bock unter den schwersten Gefahren, unter dem furchtbarsten Druck des Belaaerungszustan- des trotz seiner 70 Jahre unerschrocken die Gecm" oer verruchten Kriegspolttik sammelte und eine energische Propaganda gegen die Kriegsverbrecher für den revolutionären Sozialismus betrieb, da war der„Revolutionär" Hans Müller, der Sekretär der Vereinigten Kommunisten, kaiserlicher Feldwebel und betätigte sich als Rekrutenschinder. Das ihm für feine militari- schen„Verdienste" verliehene Eiserne Kreuz 1. Klasse trug der „Revolutionär Müller stolz auf seiner Brust. Und solche Helden, die in ihrem Leben noch nichts geleistet haben, die es bisher nur vormochten, die Arbeiterbewegung zu spalten und zu schwächen. die erdreisten sich, unseren Genossen Bock als Verräter zu ver- leumden? Dieser Vorwurf fällt auf seine Urheber zurück. Freilich, zu wundern braucht man sich üb« solche Dinge nicht mehr. Die Kommunisten handeln damit nur getreu der Weisung ihres Meisters Lenin, wenn sie im politischen Kampf Lüge. Ver- leumdung, Verschweigung der Wahrheit als Waffen benutzen. Genosse Bock wird es leicht verschmerzen, daß sein Bild aus dem Haufe entfernt wird, das erst durch feine tatkräftige Hilfe und Unterstützung Heim der Arbeiterschaft wurde. Für das Trei- den der Vereinigten Kommunisten wird jeder anständige Mensch nur ein kräftiges„Pfui Teufel" haben. Aus der Wirtschaft Reue Erweiterung des Stumm-Konzerns Der Vertrustungsprozeß in der Montan- und Schwereisen- industrie schien vor einigen Wochen zum Stillstand gekommen zu sein, aber es war nur eine Atempause vor neuen Taten. Die Gebrüder Stumm, die mit den Millionen, die sie aus der teilweisen Abstoßung ihrer saarländischen Unternehmungen erzielt hatten, innerhalb kurzer Zeit einen großen Trust aufbauten, haben >hrem Konzern ein weiteres Riefenunternehmen der Schwereisen- industrie angegliedert, das Eisenwerk Kraft, in dem sie sich durch Aktienerwerb„maßgebenden Einfluß" erworben haben. Di« Arbeiter-des Eisenwerkes aber-haben das angenehme Gefühl, sstatt von einem ausländischen wieder von einem inländischen Unter- nehmer ausgebeutet zu werden: denn die Aktienmehrheit des Eisenwerks Kraft war feit Sommer dieses Jahres im Besitz der Rotterdamer Firma William Müller u. Co. Zusammenschluß der Hypochekenbanken Während sich auf dem Gebiete der Kreditbanken eine stürmische Konzentrationsbewegung vollzieht, folgten die Hypo- thekenbanken bisher nicht dem Zug der Zeit, schon deshalb. weil gesetzliche und technische Hindernisse den Zusammenschluß er- schwerten. Aus diesem Grunde ist auch bei der letzten großen Bankverschmelzung. die kürzlich vollzogen wurde, vereinbart war- den, daß nur die Kreditabteilungen der beiden Banken— es handelt sich um die Bayerische V e r e i n s b a n k. die über ein Kapital von 72 Millionen Mk. verfügt, und die Bayerische H a n d e l s b a n k, die mit einem Eigenkapital von 44, b Millionen Mark arbeitet— vereinigt werden, während die Hypotheken- abteilungen, die 511 bzw. 445 Millionen Mk. Pfandbriefe im Um- lauf haben, getrennt bleiben. Nun aber beginnen auch reine Hypothekenbanken von der Kon- zentratlonsbcwegung erfaßt zu werden. Zwei mitteldeutsche Hypotheken, nftitute verschmelzen sich jetzt, und zwar die D e u t s ch e Grundtzneditbank in Gotha, deren Kapital 18 Millionen Mark und deren Hypothekenanlage 332 Millionen Mark beträgt, und die Schwarzburgische Hypothekenbank mit einem Kap, tal von 5 Millionen Mark und KN.18 Millionen Mark Hqpothekenanlcige. Die Deutsche Erundkreditbank wird zu diesem Zweck ihr Kapital um Millionen Mark erhöhen. Ferner ver- einigen sich die Bank für Grundbesitz in Leinzia(7 Mil- lionen Mark Kapital) und die Leipziger Immobilien- dank(5 Millionen Mark Kapital). Die Kommerz-- und Privatbank in Magdeburg übernimmt die erst vor einem Jahre gegründete Westfälische Bank in Buer und wandelt sie m eine Filiale um. Arbeiterentlasiungen im Ledergewerbe 15. August 1919 wurde die Zwangsbewirtschaftung für Haute, Leder und Schuhwerk aufgehoben. Die Preise schnellten sofort geradezu wahnsinnig in die Höhe, und der Kapitalismus in der Lederindustrie feierte Orgien. Die Nutznießer der freien Wirtschaft behaupteten stolz, es sei ihnen nunmehr möglich ge- worden, alle ,hre früheren Arbeiter einzustellen und zu beschästi- gen. Aber—„es fiel ein Reif in der Friihlingsnacht!" Mitte Marz 1929 begann ein Rückgang der Häute- und Lederpreife. Sofort war die Folge, daß die Lederkapitalisten ihre Betriebe einschränkten und die Arbeiter auf die Straße setzten. Die Ar- beiter bekamen nun Gelegenheit, den„Segen" der freien Wirt- schast im wahrsten Sinn« des Wortes am eigenen Leibe zu spuren. Im Sommer d..I. begannen sich wieder Anzeichen für eine starke Erhöhung der Preise in Häuten und Leder geltend zu machen. �—■---»••---- Preise äh beiterschaf. oesurazieren,. Reichswirtschaftsrat, die Frage prüfen zu lassen, ob sich zur Niedrighaltung und Stabilisierung der Preise ein Häute- Monopol durchführen läßt. Wie wichtig die Vermeidung der großen Schwankungen in den Häutepreisen im Hinblick auf vie Beschäftigung der Arbeiter ist. zeigen wieder die neuesten Porgänge. Seit einiger Zeit gehen nämlich auf den Auktionen die Preise für Häute zurück. Prompt suchen auch die Kapitalisten das Risiko von sich abzuwälzen und beginnen wieder damit, die Arbeiter auf die Straße zu setzen. So meldet die„Industrie- und Handels-Zeitung vom 15. Dezember d. Js. aus dem Schuhfabrikzentrnm Pirmasens: „In der Pirmasenser Schuhindustrie sind in der letzten Zeit einige Betriebseinschränkungen und Arbeiter- entlassungen erfolgt. In einzelnen Betrieben wurde die Arbeitszeit von 47 auf 39 und 24 Stunden in der Woche ver- ringert. Einige kleinere Betrieb« wurden stillgelegt." Auch die Pirmasenfer Zeitung meldet, daß bereits eine Anzckhk Schuhfabriken zu Betriebseinschränkungen und Arbeiterentlassun- gen geschritten sind. Notmaßnahmen zur Sicherung der Frühjahrsbestellung Angesichts der vollständigen Mißernte, die gerade einige der getreidereichstcn Gouvernements des europäischen Rußlands heim- gesucht hat, bemühen sich die Wirtschaftsorgane der Sowietrcpublik, den notwendigsten Saatvorrat sicherzustellen. Als vorbildlich wird dabei die Tätigkeit der Behörden bei der Winterroggenaussaat im Gouvernement Kursk bezeichnet, die in Nr. 249 der Mos- kauer„Iswestija" folgendermaßen geschildert wird: Da 75 bis 99 Prozent der Noggenernte verlorengegangen war. mußte das Saatgetreide durch äußerste Maßnahmen vor dem Verbrauch zu Rahrungszwccken durch die Bauern bewahrt werden. Sämtliche Roggenvorräte wurden als staatlicher Saatfonds erklärt, das Vsr- mahlen untersagt, die Mühlen versiegelt. Um die Be?Lung tatsächlich durchzuführen, wurden„außerordentliche" Kommissionen gebildet. Die Bauern verhielten sich diesen Maßnahmen gegen- über feindlich. Es wurden von den Feinden der Sowjet-Re- gierung Gerüchte in Umlauf gesetzt, daß die Kommissare den Roggen in Beschlag nehmen, um ihn nach England auszuführen. Laß die Kommunisten das Boll verhungern lassen wollen usw. Es sind auch. Fälle von Widerstand von leiten der Sowjetorgane vorgekommen, die in einigen Kreisen die Mühlen wieder in Be- trieb setzen ließen. Durch das scharfe Borgchen der Sowiet-Regie- rung sei es, schließt das Blatt, dennoch gelungen, einen erheblichen Teil der notwendigen Wintersaat in den Boden zu bringen. Der lästige Erntesegen Die hohen Eetreidepreise im vorigen Jahre hatten die ameri- konischen Farmer veranlaßt, ihre Anbaufläche zu erhöhen, das Wetter tat das Seinige dazu und so wurde Amerika in diefem Jahr mit einer Rekordernte gesegnet. Nach der amtlichen Statistik wurden in den Vereinigten Staaten geerntet: 581(im Vorjahr 732) Millionen Bushels Winterweizen. 899(299) Mill. Bujhels Frühjahrswelzen, 3332(2917) Mill. Bushels Mais, 1534 (1248) Mill. Bushels Hafer. 292(196) Mill. Bushels Gerste und 95(88) Mill. Bushels Roggen. Aber in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung verwandelt sich der Segen ig Fluch. Europa hungert, aber es kann infolge lemer Verelendung, die im tiefen Valutastand zum Ausdruck kommt, das Getreide Amerika«, des valutastärksten Landes, nicht kaufen. T»e Unterkonsumtion Europas bedeutet für Amerika Uebcrproduktton. Daher fallen die Getreidepreise in Amerika rapid so Weizen von 241 am 15. September auf 179, Mais von 133 auf 71. Aber die Farmer weigern sich, zu diesen nied�gen Preisen zu ver- kaufen: daher können sie ihren finanziellen Be�flichwng� nicht nachkommen, die Banken, die mit ihnen in geschäftlicher Verbt» dung stehen, geraten in Schwierigkeiten. So mußtm kurzlich i« Staate Norddakota 22 Staatsbanken und eine nationale Vanr fließen, in Oklahoma haben sieben Banken die Zahlungen eingestellt.— Aber Europa hungert weiter. Dem Beispiel der amerikanischen Baum wölk p f l an- er sind jetzt die ägyptischen gefolgt. Im englischen Unter- laus erklärte der Regierungsoertreter Harmswarth, die Anbau- fläche für Baumwolle in Aegypten fei a u f d i e H ü l f t e v e r- 1,...... v.»tvi. Vtoriit*(->),»,» ,,.-ouumrooue>»» v" V. ringert worden.— Sie Kapitalisten sorgen schon dafür, daß d,e Bekleidungsnot der breiten Massen nicht zu rasch aufhöre. Verringerung der englischen Kohlenausfuhr Der Unterstaatssekretär im Ministerium für Bergbau, Bridge. man, stellte im Unterhause fest, daß die Nachfrage nach engki- scher Kohle auf den ausländischen Märkten fühlbar nachge- lassen habe, besonders in grankreich und den skandinavischen Ländern, wo sehr bedeutende Borräte nichtenglischcr Exporikohle aufgehäuft seien. Der Preis-der Exportkohle sei daher gesunken. KON LINON Die gute MASSARY Zigarette urteilen Sie selbst! Theater und Bergnügungen Bolksbühne Leffing- Theater 7: Wallenfteins, T00 Dirckt.: Bictor Barnowsky Neues Volkstheater 7: Flamme R5penicker Str. 68. 7%, Uhr: Der Biberpelz Donnerstag: Bremière Umt Steinplag 456 ( Dorsch, Hartmann, Klein- Rogge Bröckl) Donnerstag 7 Uhr: Beer Gynt Freitag 7 Uhr: Flamme Sonnabend bis Montag 7 Uhr: Flamme MASSARY BERLINS POPULÄRSTE ZIGARETTENMARKE! Silvester- Scherzer Prosit her Neujahr Scherzkorken mit Schlange oder Sprühregen 1 M. Ver lobungs- Orakel 2 M. Zigarren mit Nießpulver 1 M. Knallende Schneeflocken 1 M. Rauchender Schornstein, rauch. Kerze 1 M. Stinkzigarren 50 Pf. Zigaretten mit Feuerwerk oder stinkend, Karton 10 Stk. 1 M. Schneefall 50 Pf. Rußfall 50 Pf. Scherzpralinee Karton 1,50 M. Fliegende Würste 1 M. Sterb. Schwein 1,50, 2,50 M. Ulkwürste, wie richtige, 1,50, 2 M. Giek. blei Dizd. 2., 3., 4. M. Staatstheater. Deutsch. Kiinfil. Theater Nasen, Masken, Mützen, Fächer, Girlanden, Lampions, Opernhaus 7 Uhr: Bohème Echenfpielhaus 6, Uhr: Peer Gynt ( Außer Abonnement) Direktion: Mag Reinhardt. Deutsches Theater 8 U.: Cafar und Kleopatra Kammerspiele 7%, Uhr: Der Scheiterhaufen Großes Schauspielhaus Karlstraße. 7 Uhr: Julius Cafar ( Außer Abonnement) Theater i. B. Königgrätzer Str. 8 Uhr: Salome ( Drska, Hartau, Liechtenstein, Beibt, Faerber, Dernburg) Sonnerstag: Salome Silvester: Salome Meujahr: Salome Ssantag: Salome Komödienhaus Täglich: 18 1: Die Sache mit Lola mit Max Pallenberg Berliner Theater 7 Uhr: Die fpanifche Nachtigall mit Frizi Maffarn Trianon Theater HM Heute nachm. 4 Uhr Kl. Preise Struwelpeter Täglich: 7%, Uhr: Kammermusik Carl Clewing, Eugen Burg, Olga Limburg, Hans Albers. Donnerstag 4 Uhr kleine Breise: Mar u. Morig Residenz Theater N Beute nachm. 4 Uhr, kl. 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Dezember, nachm. 2 Uhr, von der Leichenhalle des St. Georgens kirchhofes in Weißenfee aus ftatt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß folgende Rolegen verstorben find: Der Dreher Hermann Schumacher Berlin, Lazarethkirchstraße 41, am 15. b. Mts. Der Drücker Otto Griesche Adlershof, Augufte Viktoriastraße 44a, am 2. b. mts. Ehre ihrem Andenken! Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Berband Berwaltungsstelle Berlin N. 54, Linienftr. 83-85 Geschäftszeit von vorm. 9 Uhr bis nacim. 4 Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Hente, Mittwoch, den 29. Dezember 1020, ab ends 7 Uhr im Berbandshaus, Linienfstraße 83-85( Sigungsfaal) 11:56. Konferenz der Bertrauensleute und Betriebsräte der Wagen- und Karosseriebranche. Die Ortsverwaltung. Man meibe Nachahmungen! Reichel's Selbst. Hustenhofen Hilfe Der kleine Samariter dient zur Selbsthilfe bei leichteren Krankheiten und gibt Berhaltungsmaßregeln bis 8. 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Jede nue denkbare Krankheit wird eingehend beschrieben in ihrer Entstehung und ihrem Berlauf und dafür eine entsprechende Kurvorschrift angegeben. Besonders eingehend find u. a. bie Rapitel Nervens und Lungenleiden, Grippe, Frauen und Wochenbettkrankheiten, Gebärmutterkrankheiten, Kinderkrankheiten, Geschlechtskrankheiten, Schwangerschaft usw. behandelt. Gerabe unfere Frauen leiben heute schwer, aus falichem Schamgefühl verheimlichen fie ihre Leiden und Schmerzen und führen ein Dasein ohne wahre Lebensfreude. näffende Flechte freffende Flechte Behandelt find auch die fo gräßlichen Hautkrankheiten, wie: Schuppenflechte Lippenflechte Gürtelrose und Sarofulofe. Buchhandlung U. M. Feller, Hermsdorf bet Berlin. Poftscheckkonto Nr. 28524 Berlin NW 7. Su off. Briefe Bestellschein umschl. f. 10 p. An die Buchhandlung aus der Freiheit. M. M. Feller, Hermsdorf bei Berlin Bestelle hiermit Bilg' Naturheilverfahren 2 gr. Prachtbände à 105.- Mk. mit monatlich nur 20.- 9k. Erfüllungsort Berlin. Name: Stand: Drt:. 1 Nr. 554 Auf die eigene Kraft gestellt! Es ist kein schlechtes Zeichen für die Bedeutung und für die Stärke der Unabhängigen Sozialdemokratie, daß sie sich der heftigsten Gegnerschaft ebenso von links wie von rechts zu erwehren hat. So kurz die Geschichte unserer Partei auch ist, so ist sie doch eine Geschichte»nunterdrochene« Kampfes und ununterbrochenen Wachstum». Was uns das Vertrauen der breiten Massen des revolutionären Proletariats eingetragen hat, das war unser unbe- stechliches Festhalten au den sozialistischen Grundsätze«, unser unbe- irrbares verharren auf dem Bode« de» proletarischen Klassen- kämpfe». Ein weiteres hervorstechendes Merkmal der Entwicklung unserer Partei ist ihre feste Verwurzelung mit den proletarischen Massen, deren Selbsttätigkeit Grundlage und Ziel unserer Arbeit ist. Diese Selbsttätigkeit der Massen hat die Unabhängige Sozialdemokratie aus einer kleinen Gruppe in wenigen Iahren zur stärksten Partei de» deutschen Proletariat» gemacht. Sie wird auch die Scharte auszuwetzen vermägen, die ihr durch die frivol heraufbeschworene Spaltung zugefügt worden ist. Nirgends ist energische Mitarbeit der Massen der Parteigenossen augenblicklich so sehr notwendig, wie auf dem Gebiete der Berbrei tung unserer Presse. Unsere Zeitungen sind in der gegenwärtigen Situation unsere schärssten Waffen. Ihnen die weiteste Verbrei- tung zu oerschaffen, ist im Hinblick auf die immer frecher auftre- tende Reaktion und auf die bevorstehenden Preutzenmahlen ein Selbsterhaltungspflicht des revolutionären Proletariats. Lei dieser Arbeit sind wir unabhängige Sozialdemokraten ganz auf unser« eigene Kraft gestellt. Uns scheint weder die Sonne der behördlichen Gunst, wie der bürgerlichen und der rechtssozialisti- schen Presse, noch stehen uns die reichen Geldmittel zur Verfügung, die den kommunistischen Organen von der Eowjetregierung zuflie- hen. Unser Standpunkt ist unveränderNch der, dah eine Bewegung «« dann wurzelfest und siegesficher ist, wenn sie sich aus eigener Kraft, gestützt auf die Ueberzeugungstreue und den Opfermut jede» einzelnen Genosse« durchzusetzen vermag. Dies« wahrhaft proletarischen Tugenden haben sich bisher glän- kend bewährt. Sie müssen sich auch ferner bewähren. In der Werbearbeit für unsere Organisationen, in der Agitation für unsere Presse hat insbesondere das Berliner Proletariat zu be- weisen, daß es in seiner Masse den Weg sozialistischer Erkenntnis auch künftig gehen wird, der ebensowenig in den reformistischen Sumpf von rechts wie in die putschistisch« Verwirrung von links führt. Gerade in dieser Zeit, in der die körperlich« und geistige Ber- fassung der Arbeiterklasse die schwersten Belastungsproben auszu- halten hat, muß das revolutionäre Proletariat Berlins so treu »i« nur je zu seine« Platte, der»Freihett", stehe«. Es genügt aber nicht, das Errungen« festzuhalten, es muß weiter gebaut werden, bis wir unser Ziel, die Verwirklichung de» Soziali»«»«, erreicht haben. So habe« wir die Gewißheit, daß auch der bevorstehende Quar- talswechsel von unseren Parteigenossen zum Anlaß genommen wird, ihrem Blatt«, der„Freiheit", eine große Zahl neuer Leser zuzuführen. Und jeder Leser ein Kämpfer! In der Fabrik, in der Werkstatt, bei der Erholung, überall, wo Proletatter zu- sommenrommen.«üssen unsere Parteigeuosse« für ihr Platt, die „Freiheit*,«erben. Die weiter««u»g«stalt»ng de,„Freiheit* wird die Möglichkeit bieten, manchen Wunsch zu erfüllen, der bisher nicht befriedigt werden konnte. Ein« Reihe von Mitarbeitern ist neu gewonnen worden, um den politischen Teil de» Blatte- nicht nur sozialistisch unterrichtend, sondern auch allgemein politisch aufklärend »u bereichern. Dem Niustlerischen und unterhaltende« Teil des Platte» wird künftig besondere Aufmerksamkeit zugewandt wer- den Di«„Freie Welt* die vom 1. Januar ab allwöchentlich der Beilage zur„Freiheit" „Freiheit" beiliegen wird, soll eine besondere Gabe für die Leser bilden. Und nun frisch an» Werk! verlaßt Euch nicht auf Hilfe von außen, achtet nicht der Widerstände, überwindet sie durch die volle Entfaltung Surer eigenen Kraft und Eure» fteien Willen». Zeigt, daß die Unabhängige Sozialdemokratie das bleiben will. was sie durch ihre bisherige Arbeit geworden ist: die stärkste Pattei de» revolutionären Proletariat»! Ueberflüsfige Menschen Von Artur Crispien il. Zn der Frage der �Übervölkerung stoßen wir auch in Arbeiterkreisen— nicht nur in bürgerlichen— immer noch auf die Thesen von Malthus. Soll die Frage der Ueber- völkerung richtig beantwortet werden und wollen wir eine klare Stellung zu ihr, und damit zur sozialen Frage im all- femeinen, gewinnen, so müssen wir uns zuvor über ihre llr- achen und über ihr Wesen unterrichten. Nach dem englischen Nationalökonomen Thomas Ro- bertMalthus(1766— 1834) vermehren sich die Menschen rascher, als die Lebensmittel zunehmen. Sind zu einer be- stimmten Zeit mehr Menschen als Lebensmittel vorhanden. dann tritt eine Epoche des Mangels und des Elends ein mit Geburtenrückgang und erhöhter Sterblichkeit. Die Zahl der Menschen nimmt ab. Die Menge der auf den einzelnen Menschen entfallenden Lebensmittel wird infolgedessen ständig größer. Die Menschen atmen auf und leben wieder besser. Die Geburtenziffer steigt, die Sterblichkeit nimmt ab. Wir haben eine Epoche des Wohllebens, bis dann wieder zu- viel Menschen vorhanden sind und eine neue Epoche der Ber- elendung folgt. Ein fortwährendes Auf und Ab nach einem ewigen Naturgesetz. Der Glaube an dieses Naturgesetz äußert sich immer wieder in allerlei politischen und sozialen Maßnahmen. Im Mittelalter war Europa gut bevölkert. Dann kamen harte Zeiten. Zn Spanien nach der Zeit der Araber. Im Osten durch Mongolen und Türken. Zn Deutschland durch den 30jährigen Krieg, der hier die Bevölkerung um 50 Pro- zent verminderte, von 25 Millionen im Zahre 1618 auf 12 Millionen im Zahre 1648. Zn der zweiten Hälfte des 18. Zahrhunderts machten Landwirtschast, Handel und Zn- dustrie bedeutsame Fortschritte. Die Entwicklung war vor allem in England günstig. Zn den einzelnen Landern bil- deten sich industrielle Zentren. Das Kapital verlangte nach Händen. Der Merkantilismus erreichte seinen Höhepunkt. Die Merkantilisten nahmen an, daß der Reichtum eines Landes auf den Besitz von Geld beruhe. Darum Bau und Ausbeutung von Gold- und Silberbergwerken, Ber- mehrung der produzierenden Kräfte und Förderung des Han- dels und der inländischen Produktion. Man bemühte sich, die Zahl der heimischen Arbeiter durch Zuführung ausländi- scher Arbeiter zu vermehren und zu gleicher Zeit Rück- und Auswanderungen vorzubeugen. Das Gell» sollte im Lande bleiben. Durch Begünstigungen von Verheirateten wurden die Menschen zum Schließen von Ehen ermuntert. Das Zeugen von Kindern durch Prämien auf Kinderreichtum an- geregt. So waren die führenden Bourgeois bestrebt, für Lohnarbeiter zu sorgen und der Mehrung der Be- völkerung Borschub zu leisten. In dieser Gesinnung trat in der zweiten Hälfte de» 18. Zahrhunderts ein Umschwung ein. Das rasche Wachsen der Bevölkerung, besonders in den Städten und Industrie- Zentren, die ständige Vermehrung der Arbeitermassen er- füllte die besitzenden Klassen mit Furcht und Unbehagen und mit Sorgen vor einer llebervölkerung. Das war die Zeit, in der die Malthus-Theorie Geltung bekam. Von dieser Theorie ausgehend, versuchten Weltverbesserer durch Anpassungen an das von Malthus aufgestellte eherne Mittwoch, 29. Dezember 1920 Naturgesetz das gesellschaftliche Leben der Menschen zu regu« lieren. Es kam den Menschenfreunden darauf an. das an- genommene Mißverhältnis zwischen der Zahl der Be- völkerung und der Masse der Lebensmittel durch eine aus« geklügelte Bevölkerungspolitik zu beseitigen. Sie wetterten aus rassenhygienischen Gründen gegen eine falsche und schäd- liche Armenpflege, die nur unselbständige und krankhafte Zn- dividuen künstlich erhalte und einer übermäßigen Ver- mehrung der Menschen Vorschub leiste. Die Freiheit der Niederlassung wurde beschräntt, das Schließen von Ehen er- schwert. Das war das Extrem gegenüber den Bestrebungen jener Bevölkerungstheoretiker des Merkantilsystems bis in die Mitte des 18. Zahrhundetts, für die Mehrung der Be- völkerung zu sorgen. Jetzt bemühte man sich um ihre Ver« Minderung. Aehnlich wie heute. Die Malthus-Theorie wurde für bürgerlich« National- Ökonomen zur Grundlage des vielgenannten und viel- umstrittenen ehernen LohngeseJjes. Aber nicht nur bürgerliche Nationalökonomen, auch Marx und Engels sprachen von einem ehernen Lohngesetz, L a s s a l l e übrigens ebenfalls. Zm Kommunistischen Manifest heißt es darüber: „Der moderne Arbeiter dagegen, statt sich mit dem Fortschritt der Industrie zu heben, sinkt immer tiefer unter die Bedingungen seiner Klasse herab. Der Arbeiter wird zum Pauper und der Pauperismus entwickelt sich noch schneller als Bevölkerung und —-vJ• I»» v D** seiner Klasse herab. Reichtum." Lassalle führte in seinem OffenenTntwortschrei» b e n aus: „Das eherne ökonomische Gesetz, welches unter den heutige« Verhältnissen, unter der Herrschaft von Angebot und Nachfrage nach Arbeit, den Arbeitslohn bestimmt, ist dieses: daß der durch- schnittliche Arbeitslohn immer auf den notwendigen Lebensunter- halt reduziert bleibt, der in einem Volke gewohnheitsmäßig zur Fristung der Existenz und zur Fortpflanzung erforderlich ist.'.. Der Arbeitslohn kann sich nicht dauernd über diesen Durchschnitt erheben— denn sonst entstände durch die leichtere, bessere Lage der Arbeiter eine Vermehrung der Arbeiterehen und der Arbeiter- fortpflanzung, eine Vermehrung der Arbeiterbevölkerung..... Der Arbeitslohn kann auch nicht dauernd tief unter diesen not- wendigen Lebensunterhalt fallen, denn dann entstehen— Auswanderungen, Ehelosigkeit, Enthaltung von der Kinderzeugung und endlich eine durch Elend erzeugt« Verminderung der Arbeiter- zahl." Marx und Engels und Lassall« ließen allerding« nicht, wie bürgerliche Nationalökonomen, ewige Naturgesetze gelten, die sie dann ohne weiteres auf die Gestaltung der sozialen Ver- Hältnisse der Menschen zueinander übertrugen, sie formulier- ten ihre Verelendungstheorie als Ausdruck ge ellschaftlicher Verbältnisse der Menschen zueinander, bestimmt durch da» kapitalistische Privateigentum an den Produktionsmitteln. Später hat Marx das eherne Lohngesetz überhaupt preisgegeben und im ersten Band des Kapital» das elastische Lohngesetz der kapitalistischen Gesell- schaft nachgewiesen: „Das Gesetz, das die industrielle Reservearmee stet» mit Umfang und Energie der Akkumulation im Gleichgewicht hält, schmiedet den Arbeiter fester an das Kapital als den Prometheus die Keil« des Hephöstos an den Festen. Es bedingt ein« die Akkumulation von Kapital entsprechende Akkumulation von Elend. Die Akku- mulation von Reichtum auf dem einen Pol ist asto zugleich Akku- mulation von Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Unwissenheit, Bru- talisierung und moralischer Degradation aus dem Gegenpol, da« heißt auf der Seit« der Klasse, die ihr eigene» Produkt als Kapi- tal produziert." Hier deckt Marx auf, daß nicht die Bewegung der Bevölke« rung, sondern die Bewegung des Kapital» be- stimmend ist für die Bewegung des Lohne«. Darüber hinaus führt Marx den Nachweis, daß auch die B«- wegung der Bevölkerung nicht von Naturgesetzen bestimmt wird, sondern daß bei den Menschen für jede ge- schichtliche Epoche jeweils ein bestimmtes Bevölkerungsgesetz wirksam ist. Zede Epoche der Menschheits- gefchichte hat ihr besonderes Bevölkerungs- g e s e tz, das abhängig ist von den Arbeitsverhältnissen der Ismer Erzählung von Julius Leui« k». Settsetz»»») Den Tag darauf bekam seine Kompagnie plötzlich den Be- fehl, nach dem eigentlichen Kriegsschauplatz abzurücken. ' Zsmer war froh, seiner Untatigkelt entrissen zu werden, die zu weiter nichts diente, als lhm traurige Gedanken zu �Mit großer Freudigkeit beteiligte er stch an dem Gesänge der Kameraden, die jetzt schon wußten, was es heißt, im Kriege zu stehen. i_ Als Zsmer beim Truppenteile ankam, öffnete stch ihm ein neuer Ausblick. Da war er. der kleine Teil des großen Ganzen, das er in seiner Gewalt noch nicht gesehen, sondern nur geahnt hatte. Jetzt wollte er sich aufraffen. Was waren das auch für unselige Gedanken gewesen, die er da gehabt hatte, als er ausruckte! Fallen, sickerlich fallen! Das war ihm als das unentrinnbare Los erschienen. Aber das war ja alles nur von Emilie und dem Fritzen hergekommen. Jetzt lag die Sache anders, ganz anders. Emilie hatte geschrieben, und so geschrieben, daß gar kein Zweifel an ihrer Liebe sein konnte. Jetzt gab es da zu Haufe, in„Preußisch-Berlin". jemanden, der an ihn dachte. der auf ihn wartete, der an ihn schrieb, und dieser Jemand war nicht nur ein Jemand so schlechthin, so ein fremder Jemand, der sich nur so für die Kriegszeit zugefunden hatte. sondern es war seine Frau, seine gute, vortreffliche Frau, die noch überdies so hübsch war, daß es ihm mit Gewalt ans Herz kam, sie bei"*——"nh wenn es auck, nur für eine einzige------—.... Morgenruf, die im Sommer so schnell aufeinander folgen. "" wie'" rnnr ferner Mi» UOt CU IW I U— Herz kam, sie bei stch haben zu wollen, und wenn es auch nur ine eiyziye kurze Nacht war. zwischen Zapfenstreich und nruf, die im Sommer so schnell aufeinander folgen. So wohl, wie bei diesem Gedanken, war Jsmer schon lange nicht gewesen. Er hatte doch eigentlich allen Grund. sehr glücklich zu sein, und da er es jetzt war, fehlte es ihm an Bezweiflungsfähigkeit, um nicht daran ZU glauben, daß r es eigentlich immer gewesen war, und daß nur seine ver- fluchte Natur ihn verhindert hatte, es ganz einzusehen. Er hatte da sehr viel versäumt. So viele Nächte, wie er sie sich letzt ausmalte, hätte er haben können, und noch viel schönere vielleicht, wenn er nicht in seiner Verblendung sich selbst darum gebracht hätte. Aber das war nun einmal so. „Mit Gewalt läßt sich der Bulle nicht melken", pflegte der lange Emil zu sagen, der, wie es hieß, bereits schwer ver- Eundet war und, wie Zsmer glaubte, womöglich schon nach erlin abtransportiert war von wegen Operation usw. Zsmer glaubte sich vorwerfen zu müssen, für die Richtig- keit des Emilschen Satzes einen neuen Beweis erbracht zu haben. Aber er nahm stch wiederum vor, sich zu ändern. Wenn schon Emilie sich etwas vorzuwerfen gehabt hätte, was bei seiner angeborenen Niedertracht, an ver ja die Eltern vor allem schuld waren, begreiflich gewesen war. so wollte er doch jetzt, wenn möglich, alles daran setzen, seine Frau so zu behandeln, daß sie schon der böseste Racker von der Welt sein mußte, um ihm auch nur in Gedanken untreu zu werden. Um aber das zu können, durste er durchaus nicht fallen. Nein, er mußte jetzt leben! Leben um jeden Preis! Gewiß durfte er feine Pflicht nicht versäumen! Und das wollte er auch nicht. Er war Soldat, zum Donnerwetter auch! Die Belgier oder die Franzosen, oder die Engländer, die Zuaven, die Ghurkas sollten nur kommen! Einzeln oder alle zusammen! Aber er wollte alle Deckungen suchen, wie es übrigens auch Vorschrift war. Das bloße Draufgehen macht es nicht. Das hatte er schon an den Belgiern gesehen, die so furchtbar hinweggefegt worden waren, daß es ihm selbst zuweilen leid tat. Das er sehr bald ins Gefecht kommen würde, war Jsmer klar. Es empfahl sich daher doppelt, die Grundsätze festzu- legen. Davon abzuweichen, würde sich noch genügend Ge- legenheit bieten. Das wußte er wohl. Uebrigens könnte es jetzt kommen, wie es wollte! Denn er hatte ja Emilie so gut geantwortet, daß es auf sie gewiß einen bleibenden Eindruck machen würde. Einen Eindruck, der auch vorhalten müßte, wenn der Tod das Band trennte. das sich jetzt wieder geknüpft hatte, das Jsmer aber un- auflöslich zu machen entschlossen war, wenn das Geschick ihm das Leben schentte. Und da er jetzt wieder recht an das Leben dachte, erschien es ihm fast selbstverständlich, daß es ihm erhallen bleiben würde. Und als er beim Truppenteil angelangt, zum erstenmal auf Wache zog, freute er sich schon darauf, singen zu können: ..Steh ich in finstrer Mitternacht ganz einsam auf der stillen Wacht, dann denk ich an mein fernes Lieb, ob mir'» auch treu und hold verblieb." Als er abgelöst war, legte er sich schlafen, und als er er- wachte, brachte man ihm eine Karte von Marie, die ihm mitteilte, daß der Fritze auch ausgerückt war. Nun war alles gut. Zsmer lag im Schützengraben, ohne recht zu wissen, wozu? Denn der Feind, der mit der vorigen Mannschaft oft und scharf angebunden hatte, verhielt sich mit einem Male ganz ruhig, und die drei Tage, die Zsmer außerhalb des Quar- tiers lag, vergingen ihm allzu langsam. Ja, sie wären un- erträgli� gewesen, hätte er sich nicht an den Gedanken er- freuen können, daß Emilie nun aus allen Fährlichkeiten war und sein Verhältnis zu ihr auch. Während er an der Böschung lag und aufpaßte, ob nicht ein Franzose frech genug war, den Kops zu erheben, oder ob nicht mehrere wagen wollten, aus dem Graben heraus- zukommen, mußte er sich zusammennehmen, um nicht zer- streut zu werden. Wenn Emilie ihn so sehen könnte! Das hätte ihr riesig imponiert. Da wäre sie einmal dahinter gekommen, was für einen Mann sie eigentlich hatte. Nur durchhalten, wie der neue Leutnant sagte, durch- halten! An ihm sollte es nicht liegen, an ihm. Zsmer! Die Sache wollten sie schon klein kriegen, er und die Ka- meraden, unter denen sich gewiß viel brave Leute befanden: denn wenn es lauter alte gewesen wären, so hätte Zsmer für sie sofort die Hand ins Feuer gesteckt. Ader es waren eben neue hinzugekommen... Ansehen mußte man sie sich doch wenigstens... Es kam noch vor Abend zu einem kurzen Schießen ins Blaue. Etwas Wirkliches unternehmen wollte der Feind offenbar gar nicht einmal. Es schien, daß e« ihm in den Händen kribbelte. Der Franzos war„nervös", wie der Herr Unteroffizier sich ausdrückt«. Zsmer und seine Käme- raden schössen auch und lachten, wenn die Kugeln m die Böschung schlugen. Plötzlich hörte Zsmer eine Stimme, die rief:„Uffs Ja«» jiebt det Bohnensalat ohne Essig und O— el. Es war die Stimme des langen Emil. Er war also nicht verwundet«ach Berlin verschleppt und operiert. - Wae doch nicht alles geredet wurde... Inzwischen dunkelte«» tiefer und tiefer, und die ersten Sterne gingen auf. während noch in der Richtung des Feindes das letzte Rot von der untergehenden Sonne her den Himmel oerfärbte. Es mußte bald der Augenblick kommen, wo die Ablösung aus den Quartieren heranzog, und Jsmer selbst mit seinen Kameraden auf drei Tage Ruhe abrutsche» konnte. (Fortsetzung folgt.) i Menschen und das sich mit den Arbeitsverhältnissen entwickelt und verändert. Je nach dem jeweiligen Stand der Entwick lung der Produktivkräfte, in welchem Maße Naturfröfte in den Dienst der Arbeit gestellt sind-, je nach der jeweiligen Beschaffenheit des gesellschaftlichen Produttanntlich die Stadt Berlin beteiligt ist. Die Grundstücksverwaltionsprozesses der Ergiebigkeit der Arbeit je nach der jeweiligen Art, wie die Lebensmittel den Menschen zugänglich gemacht werden Verteilung oder Warenhandel je nach der jeweiligen Form der Eigentumsverhältnisse- privates oder gesellschaftliches Eigentum je nachdem regelt sich jeweils das Bevölkerungsgesetz. Damit wird von Mary auch die Frage der Uebervölkerung grundsätzlich beantwortet. Groß- Berlin Berlin ohne Inlandsbutter Die Belieferung der Berliner Bevölkerung mit Inlandsbutter soll gänzlich aufhören. Soweit hat es die Politik der Reichsstellen gebracht. Und seit der Stadt Berlin Jnlandsbutter zur Verteilung nicht mehr in Aussicht gestellt werden konnte, blieb der Fettstelle Groß- Berlin feine andere. Möglichkeit, als zur Auflösung zu schreiten. Sie fonnte es nicht verantworten, zur Verteilung von Auslandsbutter zu einem Preise von 35 bis 36 M. pro Pfund eine Organisation aufrechtzuerhalten, die von den bürgerlichen Gegnern zur Diskreditierung der Kommunalisierung und zur Versorgung einer bemittelten Schicht der Bevölkerung dienen würde. Immerhin besteht aber die zwangsweise Erfassung der Inlandsbutter noch zu Recht, nur Butter bekommen wir nicht, sie wird zu Schleichhändlerpreisen verschoben, obwohl es Städte gibt wie Altona, in denen Inlandsbutter verteilt wird, während wiederum Hamburg es ebenso wie Berlin ergeht. Die Reichsstellen haben mit ihrer Ernährungspolitik vollkommen versagt, insbesondere haben sie die Erfassung der Produkte beim Erzeuger mit einer Lagheit gehandhabt, die als eine starke Begünstigung der Erzeuger und als eine schwere Benachteiligung der Konsumenten bezeichnet werden muß. Dazu kommt, daß gegen die Reichsstelle schwere Vorwürfe erhoben werden, daß sie große Mengen Butter habe verderben lassen. Ja, es wird behauptet, daß 100 000 Zentner Butter durch unsachgemäße Behandlung verdorben seien. Man spricht von einem Schaden von 40 Millionen Marf. Die Reichsstelle soll zugegeben haben, daß ,, nur" 2000 Fässer verdorben sein sollen. Das wäre ein schwerer Frevel an der Bevölkerung, und die Verantwortlichen müßten nicht nur zum Teufel gejagt, sondern auch haftbar gemacht werden. Unterdessen warten wir darauf, wann wir in Berlin wieder einmal Inlandsbutter bekommen. Es entsteht die Frage: Wo bleibt die Jnlandsbutter, die von der Zwangswirtschaft erfaßt wird. Was macht die Reichsfettstelle mit den erfaßten Mengen? Reformen bei den Berliner Straßenbahnen In der Verwaltung der Berliner Straßenbahnen sind ange sichts des erheblichen Defizits, mit dem die städtischen Straßenbahnen in diesem Jahr abschneiden, eine Reihe von Reformen geplant, die sich zunächst auf die kaufmännische Leitung der Unternehmungen, dann aber vor allem auf den technischen Betrieb erStrecken. Der Monat Oktober hat der bisherigen Großen Berliner Straßenbahn eine Unterbilanz von 15,4 Millionen Mart gebracht. Diese außerordentlich hohe Ueberschreitung der Ausgaben gegen über den Einnahmen erklärt sich daraus, daß die Berwaltung allein in diesem Monat 6 Millionen Mart für Bekleidung ihrer Angestellten ausgegeben hat, obwohl der Gesamtetat für 1920 nur 3 Millionen Mart für Ausrüstung des Personals vorsah. Im Monat November betrug das Defizit zirka 9 Millionen Mart, und der letzte Monat des Jahres dürfte kaum eine Verminderung der riesigen Untoften bringen. Allerdings hofft man, daß die Finan zen sich im nächsten Jahr bessern werden, wenn der Fahrpreis auf eine Mart erhöht wird. Bei den jezigen Berkehrsziffern be deutet die Erhöhung des Fahrgeldes von ursprünglich 70 Pfg. auf 1 M. eine monatliche Mehreinnahme von rund 7 Millionen. Sollte jedoch die jezt angestrebte Erhöhung des Lohnes für die städtischen Arbeiter um 30 Prozent Wirklichkeit werden, so würben sich die Löhne und Gehälter, die jetzt monatlich 14,3 Millionen betragen, um 4% Millionen erhöhen und der verbleibende lleberschuß aus den Fahrgeldern würde zum größten Teil zur Dedung der Betriebsuntoften verwendet werden müssen. Angesichts dieser nicht gerade rosigen Aussichten will die Berwaltung durch Ersparnisse an allen Orten ihr Budget zu erleichtern suchen. Vor allem soll der Betrieb in den Werkstätten gründ lich reformiert werden. Man will nach dem Leitjat arbeiten, mit der gleichbleibenden Arbeit des einzelnen den höchsten Nutzeffekt zu erreichen. Die Straßenbahn leidet daran, daß der Betrieb in den Werkstätten sich nicht so normalisieren läßt, daß man Gerienarbeiten herausbringen fann. Die zahlreichen Systeme er fordern meist individuelle Bearbeitung des einzelnen Wagens und verteuern so die Reparaturen. In Zukunft soll bei der Verteilung der Triebwagen auf das Straßenbahnnetz Rücksicht auf die Frequenz der Linien genommen werden. Die am meisten beanspruchten Linien sollen die stärksten Triebwagen erhalten, die meniger befahrenen die älteren zweiachsigen Wagen, die bisher fehr start barunter litten, daß sie entsprechend ihrer schwachen Motorentraft zu start überlastet wurden und deshalb viel zu häufig in Reparatur gebracht werden mußten. Man hofft so, bie jest außerordentlich hohen Reparaturkosten herabmindern zu fönnen. Weiterhin soll nach Möglichkeit an den Stromfosten gespart werden, die jetzt fast 85 Millionen Mart betragen. Hier auf die Fahrer eingewirkt werden, die angeblich zu wenig die bestehenden Fahr- und Schaltbestimmungen beachten. Weiter will man Ersparnisse durch Neuorganisierung des Stromzuführungsnetzes machen, das jetzt von einem besonderen Fachmann auf seine Anlage hin geprüft wird. Daneben sollen dem Fahrpersonal in seinem namentlich im Winter niht leichten Dienst gemisse Erleichterungen geschaffen werden, um nach Möglichkeit eine Uebermüdung und damit verbundene unsachgemäße Behandlung des Wagenmaterials zu verhüten. Aus diesem Grunde will man die jetzt bei etwa 200 Wagen probeweise angebrachte Sihvorrichtung einführen, die bei den Straßenbahnen anderer Länder schon feit längerer Zeit besteht, und man will auch auf den älteren Triebwagen eine Art Schuhvorrichtung aus Glas oder Cellon anbringen, die den Wagenführern Schutz gegen Wind und Regen gewährt. Falls sich die Untosten nicht allzu hoch stellen, soll dieser Schuh über die ganze Plattform ausgedehnt werden, um auch die Fahrgäste vor den Ünbilden der Witterung zu bewahren. Große Gorgen machen der Verwaltung die Erneuerungsarbeiten am Bahnkörper, die längst dringend notwendig sind, die aber ungeheure Mittel erfordern. Ein Grundstüdsamt der Stadt Berlin Für die einheitliche Verwaltung derjenigen Grundstüde im Gebiet der neuen Stadtgemeinde Berlin, die nicht besonderen 3weden dienen, und zum Aufstellen von allgemeinen Grundsägen für die Grundstüdsverwaltung soll, wie wir erfahren, als eine Abteilung der zentralen Deputation für Finanz- und Steuerwesen ein Grundstücksamt errichtet werden. Zu den Aufgaben dieses Grundstüdsamts gehören ferner die Vorbereitung des Anund Verkaufs von Grundstüden durch die Gemeindebehörden, die Genehmigung zum Abschluß von Miet- und Bachtverträgen auf mehr als 6 Jahre, die Aufstellung des Haushaltsplanes der städ tischen Grundstücksverwaltung nach den Entwürfen der Verwal: tungsbezirke, die Führung des Gesamtlagerbuches, die Aufstellung eines historischen Grundbuches, die Bearbeitung sämtlicher Steuerangelegenheiten der neuen Stadtgemeinde für den außerhalb des Groß- Berliner Weichbildes belegenen Grundbesitz und die Angelegenheiten des Kalksteinbruches Rüdersdorf, an dem betung in den Bezirken erstredt sich auf die Bermietung und Verpachtung der in den Bezirten gelegenen bebauten und unbebauten pachtung der in den Bezirken gelegenen bebauten und unbebauten Grundstücke, die Führung der Heberegister, die Einrichtung besonderer Lagerbücher und die Einrichtung eines historischen Grundbuches nach dem Muster Alt- Berlins. Zu dem An- und Verkauf von Grundstücken haben die Bezirke die Zustimmung der zentralen Gemeindebehörden einzuholen. Für die Verwaltung Ausschuß eingesetzt werden, der sich aus einem Stadtrat, dem des Grundstücksamts soll nach dem Vorschlag des Dezernenten ein Stadttämmerer oder dessen Stellvertreter, 7 Stadtverordneten und 2 Bürgerdeputierten zusammensetzt, die auf dem Gebiete des Grundstückswesens besondere Erfahrung besigen. In dieser Regelung ist einbegriffen, daß die alte Stadt Berlin an die Verwaltungsbezirke Charlottenburg, Neukölln, Lichtenberg und Treptow ihren bisherigen auswärtigen Grundbesitz zur Verwaltung abgibt. Eine fühlbare Lüde hat der Tod des Genossen B. Jante dem 17. Distrikt gerissen. Jante, der als Krankenkassenangestellter tätig war, war auf dem Wedding ein äußerst rühriges Parteimitglied. Rastlos und unermüdlich wirkte er für unsere Sache. Im ehemaligen 6. Kreise gehörte er bald zu dem alten Stamm der Bezirksführer, die nie müde wurden ihre Parteipflichten zu erfüllen. Und als die Spaltung tam, hielt Jante uns die Treue und war nach wie vor der Tapferen einer, die nie versagten, auch dann nicht, als die Arbeit auf nur wenigen Schultern lag. Jm 17. Distrikt als Bezirksführer, dann als Schriftführer und zuletzt noch als Revisor tätig, gab er ein Musterbeispiel eines pflichtgetreuen Parteigenossen. Die Genossen, die ihn kannten, werden seiner ehrend gedenken. 9 Die Deputation für Tiefbau beriet in ihrer legten Sigung über die Fortführung der Arbeiten der Nordsüdbahn. Es sollen insbesondere die Arbeiten der nördlichen Strede jo betrieben werden, dag die Inbetriebnahme der Teilstrede Seestraße- Stadtbahn in Jahresfrist gewährleistet ist. Auf den Neuköllner Anschlußstreden find die Arbeiten, soweit technisch vertretbar, einzuschränken, da die Inbetriebnahme dieser Streden vor Fertigstellung aller übrigen Arbeiten nicht erfolgen fann. Die Deputation für Arbeit und Gewerbe( Arbeits- und Ge= werbeamt der Stadt Berlin) hat sich in ihrer ersten Sigung eine Sagung gegeben. Die Deputation hat 27 Mitglieder, darunter 5 Magistratsmitglieder, 16 Stadtverordnete und 6 Bürgerdeputierte, und sie zerfällt in eine Allgemeine Abteilung und 5 besondere Abteilungen: Arbeitsnachweis, Erwerbslosenfürsorge, Arbeitsbeschaffung, Berufsberatung, Gewerbe- und Betriebskrankentasse. Der Arbeitsnachweis, die Erwerbslosenfürsorge, die Arbeitsbeschaffung und die Berufsberatung fönnen je einen Beirat erhalten, deren Zusammenlegung durch Beschluß der Deputation festgesetzt wird. In den Bezirken find Deputationen für Arbeiter und Gewerbe zu bilden. Beschwerden über Beschlüsse und Maßnahmen der Wohnungsund Mieteinigungsämter. Die täglich steigende Zahl der Beschwerden über Maßnahmen und Beschlüsse der Wohnungs- und Mieteinigungsämter, die sowohl bei dem Minister für Boltswohlfahrt als auch. bei dem Oberpräsidium unmittelbar eingehen, machen es notwendig, darauf hinzuweisen, daß solche Beschwerden zweckmäßig bei dem im einzelnen Fall zuständigen Magistrat oder Gemeindevorstand anzubringen find. Dieser ist in der Lage, die Berechtigung der Beschwerde nachzuprüfen und als bald entweder Abhilfe zu schaffen oder aber die für die Beurteilung notwendigen Feststellungen zu treffen und sie bei Weitergabe der Beschwerde an die Aufsichtsinstanz dieser gleichzeitig mitzuteilen. Für lektere erübrigen fich hierbei die sonst in jedem einzelnen Fall erforderlich werdenden, die Entscheidung ganz wesentlich verzögernden Nachfragen. 3wedfos ist es auch, ein und dieselbe Beschwerde gleichzeitig bei mehreren Instanzen anzubringen. Stedende Kartoffelversorgung. Bielfach wird Klage darüber geführt, daß die Kartoffelhändler feine Kartoffeln vorrätig haben, und es wird dem Magistrat schuld gegeben, der den Händlern feine Ware zur Verfügung stelle. Hierzu ist zu sagen, daß der Kartoffelhandel ja jegt freigegeben ist und der Magistrat nur die Aufgabe hat, in Notfällen von seinen aufgespeicherten Reserven Teile herauszugeben. Aufgabe des freien Handels ist es, den Berliner Martt ausreichend mit Kartoffeln zu versorgen. Der Magistrat hatte erst in der vorigen Woche erhebliche Quanti täten zur Verfügung gestellt, tann aber das nicht immer schnell hintereinander tun, weil sonst die Reserven in ganz kurzer Zeit aufgebraucht sein würden. Da aber um diese Zeit in jedem Jahre eine Kartoffelknappheit ist, wird, voraussichtlich in der nächsten Woche, also vor dem 15. Januar, wieder vom Magistrat mit der Kartoffelausgabe begonnen werden. Man sieht, daß der freie Handel durchaus nicht die Kartoffelversorgung so glatt durchführt wie man das versprochen hat. Und noch stehen uns die schwersten Zeiten bevor. Hätte der Magistrat nicht durch Reserven für alle Notfälle vorgesorgt, wäre die Versorgung noch weit schlechter. Silvfter- Polizeistunde- 1 Uhr nachts! Wie im vorigen Jahre wird auch in diesem Jahre der Betrieb in den öffentlichen Schantund Gastwirtschaften, soweit er ordnungsmäßig geführt wird, bis 1 Uhr nachts stillschweigend geduldet werden. Um 1 Uhr allerdings müssen jedoch alle Betriebe ihre Pforten schließen. Das Geständnis des Moabiter Mädchenmörders. Gestern vormittag wurde der Dreher Willi Birkholz, der nach den Aussagen zahlreicher Zeugen allein als Mörder der fleinen Ilse Heimann aus der Perleberger Straße in Betracht tam, nochmals eingehend vernommen. Nach anfänglichem Leugnen legte er schließlich ein Geständnis ab. Er hat sich an dem Kinde in der Küche seiner Mutter vergangen und als er erkannte, daß die Kleine fein Lebenszeichen mehr von sich gab, sie in eine Wolldede gepadt und auf den Boden gebegt in der Hoffnung, daß das Kind wieder zu fich fommen werde. Am Heiligen Abend hat er die Leiche in dem Obstforb aus dem Hause geschafft. Das zweite Mäntelchen, was bei ihm gefunden wurde, stammt von einem kleinen Mädchen, das er ebenfalls zu sich lockte. Er tam aber nicht zur Ausführung feines Verbrechens, da es der Kleinen im letzten Augenblid ge= lang zu entfommen. Die gestern Nachmittag vom Gerichtsarzt Prof. Dr. Strauch vorgenommene Obduktion der Leiche des ermordeten Kindes hat ergeben, daß die von dem Sittlichkeitsverbrechen herrührenden Verlegungen so schwer sind, daß durch diese allein der Tod des Kindes schon eingetreten sein tann. Außerdem aber zeigen fich am Salle starke Würgemale. Auf der rechten Wange der Kleinen zeigte sich eine Bißwunde, die noch die Zähne des Unmenschen martiert. Bei der Mordkommission haben sich im Laufe des gestrigen Tages noch eine ganze Reihe von Zeugen gemeldet, die in dem Berhafteten einen Menschen wiedererkennen, der in der legten Zeit an verschiedenen Stellen gesehen worden ist, wie er kleinen Mädchen nachgestellt hat. Wiederholt hat er auch Kinder mit in Säufer genommen und versucht, sie nach den Böden oder dem KelTer mitzunehmen oder auf der Treppe, sich an ihnen zu vergehen. Die Kleinen haben jedoch immer laut aufgeschrien dadurch Leute aufmerksam gemacht und den Wüstling gezwungen, von seinem Vorhaben abzusehen und die Flucht zu ergreifen. Von einem solchen Sittlichkeitsaftentat rührt auch das Kindermäntelchen her, das in seiner Wohnung gefunden worden ist. Am 22. ds. Mts. hatte sich der Unhold in der Glasgowstraße an das Töchterchen eines Kaufmannes herangemacht, und dieses in ein Haus verschleppt. Dort hat er der Kleinen den Mantel ausgezogen und versucht, sich an ihr zu vergehen. Das Kind wehrte sich jedoch und schrie, fodaß er wieder flüchten mußte. Dabei nahm er den Mantel mit. Diesen verpackte er dann in seinen Koffer in der Wohnung der Mutter, wo ihn die Kriminalpolizei bei einer Durchsuchung vor gefunden hatte. Nach Aussagen anderer Zeugen hat der Wüst ling sein Unwesen schon seit längerer Zeit und auch nicht nur in dem Stadtteil von Moabit getrieben. So hat er bereits im Seps tember ds. Js. in der Oderstraße zu Lichtenberg zwei kleine Mädchen in ein Haus verschleppt, das eine dann fortgeschickt und mit dem anderen unfittliche Handlungen vorgenommen. Auch dieser Zeuge tennt den Verhafteten als den gemeingefährlichen Kinderfreund bestimmt wieder. Das Hehlernejt in der Mariannenstraße. Eines der größten Hehlernester Berlins ist von der Kriminalpolizei in der Mari annenstraße ausgehoben worden. Es handelt sich um Galizier, die alles tauften, was an gestohlenen Waren nur zu haben wat Die Galizier zahlten den Einbrechern gute Preise, da sie mit ihrer Ein Beute einträgliche Exportgeschäfte nach Polen betrieben. ,, Autogeschäft" führte jetzt zur Entdeckung. Dem Kaufhaus Adam in der Leipziger Straße wurde ein Privatkraftwagen aus der Garage gestohlen. In der nächsten Nacht suchten Einbrecher das Lager des Kaufhauses heim und stahlen für ungefähr 300 000 M Stoffe. Kriminalbeamte stießen bei einer nächtlichen Streife in der Elsasser Straße auf einen Mann, der sie fragte, ob sie nicht ein Auto faufen möchten. Der Mann führte die Beamten, die zum Schein auf das Angebot eingingen, auf den Hof eines Grund ftüds, auf den der verkäufliche Wagen gleich darauf angefahren tam. Die Beamten holten sofort den Chauffeur, einen Mann namens Michel vom Bock, und die beiden Insassen des Wagens namens Bonzfi und Schmidt aus dem Automobil und nahmen alle drei fest. Durch ihre Vernehmung erfuhren die Beamten, daß der Wagen in einem Quartier in der Mariannenstraße ge standen hatte. Sie begaben fich dorthin und überraschten sechs Galizier, die Inhaber des Quartiers, die gerade dabei waren, Waren aller Art in große Kisten zu verpaden, die nach Lodz be stimmt waren. Die Hehler wurden festgenommen und mit ihrem ganzen Lager nach dem Polizeipräsidium gebracht. Hier ergab fich bald, daß ein großer Teil ihrer Ware aus dem Einbruch bei Adam herrührte. Als Haupttäter bei dem großen Einbruch wurde ein gewisser Füllert ermittelt und festgenommen. Revolverspielerei. Der 18jährige Erwin Fehlbus, der bei einer Familie Pischel im Hause Wittstocker Straße 4 zu Besuch weilte, zeigte hier einen Revolver. Blöglich entlud sich die Waffe und die Kugel drang der 13jährigen Tochter Minna in den Hals. Das schwerverletzte Kind wurde nach dem Krankenhause Moabit gea bracht. 6. Verwaltungbezirk.( Sall. Tor.) Kommunale Kommission, Stadt- und Bezirksverordnete. Die in Aussicht genommene Ver jammlung fann nicht am Donnerstag, den 30. Dezember 20, sondern am Mittwoch, den 5. Januar 21 stattfinden. Gewerkschaftliches Ein seltsames Weihnachtsgeschent Die Inhaber bzw. deren Vertreter der Möbelfabrit Albert Gleiser, Berlin, Markusstraße 18( bekannt als Möbeltaufhaus gleichen Namens am Alexanderplat), und der Möbelfabrit Hönnide u. Jankowiad, Inhaber Hönnide, Berlin, Manteuffel Straße 22, haben ihren Arbeitern eine Weihnachtsfreude" be reitet. Beide Firmen haben dem Worte ,, und Frieden auf Erden" ihren Arbeitern gegenüber dahin Geltung verschafft, daß die Ar better genannten Betriebes entlassen wurden. Mit dem aust geprägtesten Klassenstandpunkt der Arbeitgeber wurde von den Arbeitern beider Betriebe verlangt, daß die Arbeiten, welche bisher in Lohn angefertigt wurden, nur noch in Atford auszuführen Teien. Die Firma Gleiser wollte dieses durch eine Arbeits ordnung, welche eine wesentliche Verschlechterung der vertraglichen Bedingungen bedeutete, erzwingen, während die Firma Hönnide u. Jantowiad diesen Umweg nicht benutzte, dafür aber verlangte, daß die in Atford zu verrichtende Arbeit zum Teil um die Hälfte bes Gelbwertes, den dieselbe Arbeit in Lohn tostete, angefertigt werden sollte. Beide Firmen find Vertragsfirmen und wurde von den Arbeitern verlangt, daß die Streitfrage der zuständigen Schlichtungskommission der Holzindustrie resp. dem Schlichtungss ausschuß Groß- Berlin zur Entscheidung vorgelegt werden sollte. Dem dort zu fallenden Spruch wollten sich die Arbeiter beider Betriebe unterwerfen. Diesen nach dem Reichstarifvertrag der Holzindustrie und nach dem Betriebsrätegesetz vorgeschriebenen Weg zur Beilegung derartiger Differenzen lehnten die Vertreter der Firmen ab. Ein Bermitteln unseres Organisationsvertreters war ohne Erfolg, trotzdem auch dieser auf die vertraglichen und gesetzlichen Bestimmungen aufmerksam machte. Es erfolgte die Entlassung der Arbeiter. Beide Betriebe sind für organisierte Arbeiter und Arbeiterinnen gesperrt. Deutscher Holzarbeiter- Verband, Verwaltung Berlin. Krantenfaffen- Angestellte Berlins Mittwoch, den 29. Dezember cr., nachmittags 3% Uhr, findef im Lotal von Brasser, Michaelfirchstraße, Ecke Wusterhausener Straße, eine Versammlung statt. Tagesordnung: Vortrag: 1. Die U. S. P. D. und die Gewerkschaften. 2. Stellungnahme zur Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. Die Verhandlungen mit den städtischen Arbeitern und Ange stellten. Nachdem bereits jetzt zwischen Vertretern des Magistrats und Beauftragten der Organisationen der städtischen Angestellten und Arbeiter Vorbesprechungen über die neuen Forderungen der Städtischen Bediensteten stattgefunden haben, sollen am 4. Januar die offiziellen Tarifverhandlungen beginnen. An den Besprechungen werden Vertreter des Verbandes der Staats- und Gemeindes arbeiter, des Verbandes der Kopf- und Handarbeiter, des Metallarbeiter und Transportarbeiter- Berbandes und des Verbandes der Heizer und Maschinisten, sowie des Gärtner- Verbandes teilnehmen. Inzwischen wird die Tariftommission des Magistrates die von den einzelnen Verbänden eingebrachten Tarifentwürfe, die zum Teil recht erheblich voneinander abweichen, prüfen. Die Berhandlungen dürften etwa 8 Tage in Anspruch nehmen. Aus den Organisationen 5. Diftritt. Bildungsfommission. Donnerstag, 30. Dezember, abends 7 Uhr, Sigung bei Schweifarbt, Alte Jakobstr. 24. 10. Diftritt. Die Abteilungstaffierer werben ersucht, Die Kämpferin" vont Genossen Kud abzuholen. Arbeitsloje, die Anspruch auf Lieferung der Freis heit erheben, haben sich bei ihren Spebiteuren zweds Kontrole bis zum 3. Januar 1921 zu melden. 12. Distrilt. Donnerstag 7 Uhr engere Vorstandsfizung bei Soffmann Lychener Straße 8. Charlottenburg. Kommunale Kommission. Donnerstag, 30. Dezember, abends 7 Uhr wichtige Sigung. Erscheinen aller Kommissionsmitglieder bringend ers forderlich. Wilmersdorf, Schmargendorf, Grunewald. Donnerstag, 30. Dezember, abends 7 Uhr, Funktionärßigung bei Schilling, Lauenburger Straße. Bezirtstaffteret 14 Stunde früher zum Abrechnen. Erscheinen aller unbedingt erforderlich. Friedrichsfelbe. Heute Mittwoch abend 7% Uhr im Lotal von Walter Herrmann, Caprivi- Allee 42, wichtige Bezirksversammlung. Copenid. Donnerstag abend 7% Uhr bei Rose, Borgmannstraße, Funktionär Fgung. Landtagswahlen und Kommunales. Erscheinen Pflicht. Bereinskalender Dentscher Transportarbeiter- Verband( Bezirk Groß- Berlin). Branche: Ein faffierer und Kaffenboten sowie Holzindustrie. Am Mittwoch, 29. Dezember, abends 7 Uhr, findet im Lokal von Müller, Stralauer Str. 153, eine wichtige gemeinsame Bersammlung aller bei den Berliner Kreditgeschäften tätigen Ein faffierer, Kutscher und ausbiener statt. Tagesordnung: Bericht der Verhand Tungstommiffion betr. Lohnerhöhung. Zentralverband der Malchinisten und seizer( Geschäftsstelle Groß- Berlin). In folge der Aufbahrung der Leiche bes Genossen Legien im Saal 4 des Gemertfchaftshauses müssen wir unsere Generalversammlung, welche am Donnerstag, ben 30. Dezember, abends 6 Uhr, stattfindet, nach den Zentralfestsälen, Alte Jakobstr. 32, verlegen. Es ist Pflicht aller dienstfreien Kollegen, pünktlich zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. Ber Berantwortlich für bie Redaktion: Emil Rabolb, Berlin. antwortlich für den Inseratenteil: Ludwig Romeriner, Karlshort. Verlagsgenossenschaft teiheit" e. G. m. b. S., Berlin. Drud der Freiheit Deuderei 6, m. b. 5., Berlin C, 2, Breite Straße 8-0.