Ur. 204. Abonnements• Zrdingunge»: «bonnemen»- Preis pränumerando: Dierleljährl- 3,30 SJlt, monatl. 1,10 Md, möchenlltch 28 Psg. frei ins HauS. Einzelne Nummer S Psg. Sonntag«- Nummer mit illustrirter Sonntag!- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 3L0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«- Preisliste für 1öS7 unter Dr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Erfchelul täglich»uster Montag». 14. Jahrg. Die Dnstrttons- Gebühr beträgt sür die sech«gsspaltsne Kolonelzeile oder deren Raum 40 Psg., für verein«- und Versammlungs-Anzsigeii, sowie Arbsit«marlt 20 Psg. Inserate sür die nächste Nummer müssen bi« 4 Uhr nachmittag« in der Expedition abgegeben werde». Die Expedition ist an Wochentagen bi« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bi« o Uhr vormittag« geöffnet. Devliner Volktsblakk. Ziernsprrchrr: vmk I, Dr. 1508, Telegramm-Adresse: «»vzialdrmokrak Srrlin". Zentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Wedaktion: 8V. 19. Neuly-Straße 2. Spedition: 8V. 19. Weuty-Stmße 3. Ein Evinklpvurh des WlniJVes. In Koblenz wurde nach der Denkmals-Einweihung Tafel für die Provinz gehalten und der Kaiser fügte seiner Montagsl rede, in der er jeden Einfluß und Einspruch auf die Armee ablehnte, eine weitere Rede hinzu. Wenn zwar auch dieser Rede keine weitere politische Bedeutung beigemessen werden kann, so ist sie doch von neuem charakteristisch für die ungewöhnliche Sinnesart des deutschen Kaisers und darum immerhin wohl mittheilenswerth. Nach einigen einleitenden Worten, welche an die Denkmalsenthüllung anknüpften, sagte der Kaiser: .. Und wahrlich, recht hat das Volk, ihm Denkmäler zu setzen und ihm seinen Dank zu beweisen. Und gerade in Koblenz insbesondere geht ein jeder solcher Festestou lies zu Herze». Wie der große Kaiser in der Zeit, da er in Koblenz rcsidirte, vorbereitend und vorschauend sür seine Armee die Reorganisation ausarbeitete, ebenso hat er auch auf dem Gebiete des Slaalslebeus und der Staatskunst Arbeiten geleistet, die ihren Erfolg gezeigt haben, als er im hohen Greisenalter den Thron besteigen durste. Er trat aus Koblenz, wie er auf den Thron stieg, hervor als ein a» s � geivähltes Rüstzeug des Herrn, als welches er sich be trachtete. Uns allen, und vor allen Dingen uns Fürsten, hat er ein Kleinod wieder emporgehoben und zu hellem Strahlen verholfen welches wir hoch und heilig halten mögen; das ist das K ö n i g t h u m v o n G o t t e s Gnaden, das Königthum mit seinen schweren Pflichten, seinen niemals endenden, stets andauern den Mühen und Arbeiten, mit seiner furchtbaren Ver a n t iv o r t u n g vor dem Schöpfer allein, von der kein Mensch kein Minister, kein Abgeordnetenhaus, kein Volk den F ü r st e n e n t b i n d e n kann. Dieser Verantworlung bewußt und sich als Rüstzeug des Herrn betrachtend, hat in tiefster Demuth dieser große Kaiser seinen Weg gewandelt. Er hat uns die Einigkeit und das Deutsche Reich wiedergegeben, und hier in dieser schönen Provinz sind seine hohen Gedanken entstanden und gereift; au dieser Provinz hat sein Herz gehangen, diese Stadt hat er geliebt, hat sein geweihter Fuß betreten, und mit dieser Provinz hat er gelebt und gelitten. Deshalb will nur das Herz übergehen, wenn ich au dem heutige» Tage j an dieser Stelle zu Ihnen, den Rheinländern, spreche und von Herzen Ihnen meinen Dank ausspreche für das, was Sie für meinen Herrn Großvater und sein Andenken gethan haben. Für mich soll es eine hohe Pflicht sein, in den Wegen zu wandeln, die der große Herrscher uns gewiesen, in der Fürsorge für mein Land meine Hand über dieses herrliche Kleinod zu halten, und in der überkommenen Tradition, die fester steht wie Eisen und wie die Mauern von Ehrenbreitstein, diese Provinz an mein fürsorgliches, landesväterliches Herz zu legen. Ich sehe i» ihr einen Diamant von zwei Smaragden gefaßt, und hoffe und wünsche von ganzeni Herzen, daß ihre Bevölkerung unter dem Schutz eines lange andauernden Friedens sich entwickeln möge, daß die Winzerlieder ungestört ans den Bergen hallen, daß der Hammer in der Schmiede wiedertöne. damit wir in der Friedensarbeit zeigen können, was wir im Deutschen Reiche und speziell in der Rheinprovinz leisten können. Von diesen Enipfindungen getragen und im Geiste meines hoch seligen Herrn Großvaters erhebe ich mein Glas und trinke von ganzem Herzen auf mein Rheinland, die Rheinprovinz und das schöne Weinland: Die Rheinprovinz lebe hoch! Nochmals! Zum dritten Male hoch!" Offenbar ist diese Rede des Kaisers eine wohl vorbereitete. Sie will dem Lande verkündigen, wie der Kaiser die ihm ge- wordene Herrscheraufgabe auffaßt und auszuführen sucht. Sie giebt diese Verkündigung in farbenreichen Wendungen und Äldern, wie sie derKaiser, der auch Künstler, Dichter, Maler und Komponist sein will, stets liebt, und mit einer Ueberschwänglichkeit des Aus drucks, welche mit den hochgehenden Auffassungen des Kaisers von seinem Berufe und seiner Größe und ebenso mit dem be geisteruugstrunkenen Urtheil über den Großvater durchaus harmonirt. Wilhelm I. gilt seinem Enkel als„der Große* und die höchsten Verdienste werden ihm beigemessen. Wohl ehrt die pietätvolle Ehrung des Vaters oder auch des Großvaters. Aber die Geschichte giebt Lehren, die weit abweichen von dem Urtheil des Kaisers. Sie zeigt bekanntlich, daß die Ausgabe, die Wilhelm I. nach Wilhelm's II. Auffassung„als ein ausgewähltes Rüstzeug des Herrn" vollbrachte, eher gegen Willen und Wunsch des ersten Kaisers durchgeführt worden ist. Und ebenso hoch wie das jetzige Reichsoberhaupt die Leistungen seines Ahnen stellt, ebenso hoch stellt es seine eigenen Aufgaben und Ziele. Auch dies ist sicherlich eine Eigenschaft, die dem Herrscher ebenso gut ansteht wie jedem anderen Menschen. Aber der objektive Betrachter weiß zu gut, daß kein einzelner, kein Fürst, kein König oder Kaiser so große Kräfte in sich birgt, daß er so großes leisten könnte, wie Wilhelm II. von sich verlangt. Ja, Wilhelm II. saßt offenbar seine Stellung in solcher Art auf, daß er sie sich dadurch selbst höchlichst erschwert. Er spricht von seinen schweren Pflichten, seinen andauernden Mühen, seiner furchtbaren Verantwortung, von der kein Mensch, kein Minister, kein Abgeordnetenhaus, kein Volk ihn entbinden könne. König Friedrich II. von Preußen, den ja auch die deutschen Monarchisten und Hohenzollernschwärmer als„einen Großen" hinstellen, sprach das Wort vom„ersten Diener des Staates". Der Staat aber ist im Grunde nichts anderes als die Volksgemeinschaft. Wenn also eine Persönlichkeit nun einmal die so schwierig geschilderte Aufgabe, Monarch zu sein, tragen soll, so sollte er sich doch an jenes Wort erinnern und nur ruhig die Wünsche und For- derungcn des Volkes zur Ausführung bringen, dann würde ihm gewiß die Schwere seiner Bürde alsbald weit leichter er- scheinen. Dann brauchte er sich auch nicht, um die Kraft zur Erfüllung seiner Aufgaben zu flnden, auf ein besonderes„von Gottes Gnaden" zu stützen. Wir können begreifen, daß die Selbst-Suggestion, von einer besonderen höheren Gnade be- gnadet zu sein, tiefe Wirkungen auf die menschliche Seele auszuüben vermag, aber eine Suggestion bleibt denn doch nur eine Suggestion und eine Fiktion. In dem demo- kratischen Bewußtsein unserer Zeit ist nun einmal der Niederste von gleicher Gnade— wenn man einmal diesen alternden oder schon veralteten Ausdruck beibehalten will— wie der Höchste. Aber jene Auffassung des Kaisers von der Art seiner Auf- �aben kann auch, ganz ohne seine Schuld, zu anderen sehr cdenklichen Konsequenzen führen. Auch von den Cäsaren Roms, den Kaisern von Byzanz und de» deutschen Kaisern des Mittelalters enipfand mancher kaum anders, als es aus den Worten Wilhelm's II. klingt. Wilhelm H. ist aber kein absoluter, sondern ein konstitutioneller Monarch, gebunden an die Verfassung, die dem Volke bestimmte Herr- schastsrechte übergiebt. Nun will selbstredend der Kaiser mit seinen Worten nicht sagen, daß er sich unter Umständen durch seine von ihm angenommene höhere Bestimmung für berechtigt halte, über des Volkes verfassungsmäßige und eidlich be- schworene Rechte hinwcgznschreiten. Wohl aber giebt es bei uns in großer Zahl jene Gewaltmenschen, welche die Volksrechte hassen und den Absolutismus, der ihnen Macht und Ehre schenken soll, wieder herbeizuführen bestrebt sind. Diese frechen und herrschaftsgierigen Gesellen werden leicht des Kaisers Worte zu spitzfindigen Beweisführungen benutzen, daß der Kaiser„im Nolhfalle" oder, wie es dann heißt,„zum Wohle des bedrohten Vaterlandes" sich nicht an Verfassung und Eid zu binden brauche kraft seiner höheren, göttlichen Mission. In solchen Zeiten wäre es vielleicht für die Entwickelnug der deutschen Verhältnisse günstiger, wenn die Rede des Kaisers, selbstredend nnbeabsichiigt, den Staatsstreichlern und Unistürzlern von oben nicht die treffliche Gelegenheit zu solchen Mißdeutungen gegeben hätte! Wir wollten uns der Mittheilung dieser neuesten Auslassung des Kaisers und einiger Bemerkungen zu ihr nicht ent- schlagen, da dieselbe sicherlich von der Byzantinerpresse wieder in allen Tonarten besungen werden wird. Wir vergessen dabei keineswegs, daß überhaupt alle solche Reden und Ver- kündigungen, sei es auch von„hoher" oder„höchster Stelle", in der Geschichte der Völker niemals eine ausschlaggebende Bedeutung haben können._ Politische Aebevstcht. Berlin, 1. September. Die konservatiden Parteiführer waren gar zu nn- tröstlich über die herben Worte, die ihr vergötterter Heros wider sie losgelassen hatte. Sie haben ihm eine Visite gemacht und ihren Janimer geklagt. Und Bismarck ist eine weiche Seele und hat erklärt, jene Aenßerungen seien nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt gewesen und es seien ja blos die Führer der Partei von damals gemeint gewesen, wo er aufs Alteutheil gesetzt und von seinen rabiatisten Verehrern preis- gegeben wurde. Darob Heller Jubel bei den Konservative». W i r sind gar nicht genieint, ganz anderen gelten des Alt- reichskanzlers Zornworte. Das komische dabei ist, daß die Parteiführer von heute auch die Parteiführer von damals waren und daß Bismarck überhaupt das Streberlhum der Konservativen ganz all- emein gegeißelt hatte. Freilich wurde es nun beiden eilen unangenehm, daß die wahre Meinung des Ober- juukers über seine Mit- und Unterjunkcr ausgeplaudert wurde. Aber der jetzige Abschwächungsversnch zeigt nur, wie tief dieser unversehens losgegangene Pfeil ini konservativen "leifch steckt und wie sehr er schmerzt. Bismarck konnte seine onservaliven recht wohl und von dem Bild, das er von ihnen gemalt, kommen sie nicht los.— Folgende Sensationsnachricht läßt sich die„Köln. Zeitung" aus Briissel berichten: „Unter dem Verdacht, einen Anschlag auf daS Leben des deutschen Kaisers zu plane»,»vnrde gester» hier ei» deutscher, bis vor kurzem in London ansässiger und erst i» der vorigen Woche von einer Reise nach Deutschland hierher zurückgekehrter Anarchist namens Gustav Dauben speck verhaftet. Die Verhaftung erfolgte auf grund einer Anzeige eines Deutschen, der durch Andeutungen eines Freundes des Anarchisten von dem Anschlage und der ursprünglich auf vorgestern Abend angesetzten Abreise des letzteren nach Deutschland Kenntniß er- halten halte. Wir erlauben»nS zunächst unsere gelinden Zweifel aus usprechen, daß es Herrn Daubenspeck möglich sein sollte, unbehelligt lieisen innerhalb der deutschen Grenzen zu»lache». Herr Dauben peck ist als Anarchist seit mindestens IS— 20 Jahren bekannt. Keine„grobe anarchistische Aktion" ist in den letzten 10 Jahren und seit länger in London arrangirt worden, ohne dab Dauben peck daran betheiligt gewesen wäre. Und gerade diesem Mann sollte die dentsche politische Polizei eine so geringe Auf- merksamkeit schenken, daß er unbehelligt in Deutschland reisen und eine„Anschläge auf daS Leben des deutschen Kaisers" verfolgen konnte. Wir schätzen gewiß die Fähigkeiten unserer politischen Polizei möglichst gering ein, und es fehlt uns wahrlich nicht an Beweisen, wie leicht es ist, einzelne ihrer Angehörigen über den Löffel zu barbieren, daß sie aber einen Daubenspeck unkontrollirt in Deutschland reisen und Kaiserattentate vorbereiten läßt, für so minderwerthig schätzen selbst wir unsere politische Polizei nicht«in. Unerwähnt wollen wir freilich auch nicht lassen, daß in Most's „Freiheit" Herr Daubenspeck bezichtigt worden ist, bei der Aus- lieferung Neve'S an die deutsche Polizei mit Ehren-Pcukert zusammen gearbeitet zu haben. Wenn an dieser Beschuldigung etwas Wahres wäre, dann be- käme die Nachricht der„Kölnischen Zeitung" allerdings einen besonders pikanten Beigeschmack. Vorläufig aber neigen wir zu der Annahme, daß an der ganzen Nachricht der Kölnischen nichts dran ist und es sich nur um eine Eule der Saurengnrkenzeit handelt.— Graf Badcni erfreut sich des vollsten Vertrauens seines Kaisers und da nieint er va banque spielen zu können, er spielt mit dem Verfassungsbrüche, mit der Terrorisirung der Minorität des Rcichsraths, hofft mit Manlkorb-Gcsetzen und dem Polizeiknüppcl die Opposition im Abgeordnetenhause und im Landtage niederhalten zu können. Den in Wien ver- sammelten Vertretern der Rechten des Abgeordnetenhauses gab Badcni die Zusicherung, daß er sich auf die Majoritätspartcien rückhaltlos stützen wolle. Währeild der Streit der nationalen Parteien in Oester- reich auf die äußerste Spitze getrieben wird, bereiten die czechischcn und deutschen Genossen eine große nationale Friedens- demonstration vor, die am nächsten Sonntag in Prag statt- finden soll. Eine vorbereitende Konferenz, an der Arbeiter beider Nationalitäten theilnahmen, entwarf ein Friedensmauifest, das in entschiedenster Weise den Rasseiikampf und die nationalen Exzesse vernrtheilt, die Regierung und die Bourgeoisie beider Volksstämme für alle Exzesse verantwortlich macht und gegenüber dem Rassenkampfe die unerschütterliche Solidarität der Arbeiter beider Volksstämme und den proletarischen Klassenkampf proklamirt. Der Regierung Und der nationalen Bourgeoisie wird die Fähigkeit zur Herstellung des nationalen Friedens abgesprochen. Zur Äu- bahnung desselben fordert die Sozialdemokratie: die Erlaffnng eines Sprachengesetzes, die Beseitigung aller politischen Vor- rechte der besitzenden Klassen und das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht. Das Marnfest wird, in einer Massen- anflage in beiden Landessprachen hergestellt, demnächst zur Verbreitung gelangen. Den feindlichen Brüdern in der österreichischen Bonr- geoisie und insbesondere der Regierung und den Behörden ist dieses Vorgehen der Sozialdemokratie höchst unbequem. Schon jetzt haben unsere österreichischen Genossen einen großen moralischen Erfolg zu verzeichnen, auch die praktischen Erfolge werden bald zum Vorschein kommen.— Ter Sultan hat ans einen Glückwunsch, welchen Edhem Pascha namenS der lhessalischen Armee zum Thronbesteiguiigsfeste gesandt hatte, geaulwortet, daß er während seiner zwanzig- jährigen Regierungszeit noch niemals so glück« l i ch g e w e s e n sei, als jetzt. Doch dürften die armenische n Geschehnisse seine köstliche Laune etwas trüben. Mau bietet alle möglichen Maßregeln auf, um die Armenier niederzuhalten. So ist am 80. August eine Ver- ordnung veröffenllicht worden, welche allen kürzlich aus der Provinz angekouiineiic» Armeniern, oder solchen, die keine Familie haben, den Aufenthalt in Konstanlinopel untersagt. Die griechische Regierung hat den Mächten ihre Arrlworl ertheilt. Sie erklärt sich bereit, sür den Dienst der Kriegs- ciilschädigiiugsanleihe die Einnahmen aus der Stempelsteuer, deren jährlicher Betrag über 1t Millionen Drachmen ausmache, als Garantie zur Versüguiig zu stellen. Auf Kreta desteht das Ergebniß der zwischen de» Führern der Aussländischen und de» Flottenbefehlehabern gesnhrten VerHand- lungen darin, daß sich die Ausständischen in allen Punkten mit de» Vorschlägen der Admirale behufs s ch r i t t w e i s e r O r g a» i- s i r u n g der autonome» Behörden einverstanden erklärten. Dagegen wiesen sie jede Erweiterung der»eutrale» Zone bis zur eiidgiltigen Durchsührung der Autonomie zurück. Jeder Versuch der Türken, die Zone vor dem amtlichen Abschluß des Friedens zu überschreite», werde den Wiederausbruch des KampseS zur Folge habe». Zur Lage in Indien bestreitet die„Times" die Meldung, daß die AfridiS den Kohatpaß besetzt haben. Eine geschlossene Ab- theilung Kavallerie und Infanterie, von Matanni kommend, marschirte am Dienstag unbehelligt durch de» Paß. Mit dieser Verstärkung werde, so meint die„Times", der Brigadcgeneral Biags im stände sei», von Kohat aus die Offensive gegen die Orakzais, die ins britische Gebiet eingefallen sind, zu ergreifen. General Jeffrey's Brigade, die de» Marsch nach dem Adm» Khel-Lande begonnen hatte, wurde zurückberufe», da der Mullah von Hadda drohe, den Khan von Dir wegen seiner Freundschaft mit England anzugreifen. Aus Sim l a meldet das„Reuter'sche Bureau": Der Posten Gazarbund in Beludschista», welcher durch eingeborene Truppen besetzt war, wurde in der Nacht des 2S. v. Mls. angegriffen. Die Maiiuschafte» der Besatzung sowie andere Personen wurden getödtet. Der politische Agent verfolgt die Streitmacht, welche de» Posten überfalle» hat, mit Kavallerie. Die Situation ist also jedenfalls eine sehr ernste und jeder Tag kann interessante Meldungen bringen. Sehr bemerkenswerlh ist ein Telegramm ans Konstantin opel vom Mittwoch, welches besagt:„Der afghanische Würden- träger Seid Pascha, welcher einige Wochen als Gast des Sultans hier geweilt hat. ist heute mit seinem Gefolge von 28 Per- fone» wieder abgereist. Wie verlautet, übersendet der Sultan dem Emir ei» Handschreiben und kostbare Geschenke." Für die Engländer ist diese enge Freundschaft zwischen de» islamitische» Reiche», die beide mit ihm auf gespanntem Fuße stehen, sehr peinlich. «» Deutsches Reich. — Ueber die kaiserliche Rede, welche wir im Leit- arlikel besprochen, äußer» sich von den heutigen Abendblättern nur die„Nat.-Ztg." und das„Berl. Tagebl." Beider Blätter Aeube- rungeii sind recht bezeichnend. Die„N a t.- Z t g." läßt durchblicke», daß ihr zu oft wider« kehrend« kaiserliche Reden nicht recht gefallen; die Denkmalseiu- weihunften fonitn lieber pruukloZ vor sich gehen. Ten Trinkspruch hiilt die genannte Zeitung siir„hochpolitisch" und sie bemerkt zu der auffiilligen Stelle vom Gottes-Gmideuthum: „Es kann nicht ausbleiben, das; diese Worte in Beziehung zu den dedauerlicheu Gerüchten gebracht werde», welche kurz vor und nach dem Schluß der kehlen parlanieutarische» Verhandlungen über den demmichsligeii Gang unserer politischen Slngelegenheiten, über die angebliche Absicht in Nmlauf gesetzt wurden, Pläne, welche auf parlamentarischeu Widerstand gestoßen, ohne BerliSsichligiing desselben durchzusetzen. Die Koblenzer Worte des Kaisers nölhige» nicht zu einer Auslegung, wonach sie sich auf derartige Absichten beziehe» würden. Aber sie rufen, wenn dem nicht'so ist. die Frage nach ihrem Anlaß und ihrer Bedeutung hervor. Es ist vollkommen richtig, daß niemand eine» Fürsten von seiner Verantwortung entbinde» kann. Dieses Schicksal i heilen die Fürsten aber mit jeden, Mensche», dem in irgend einem Pflichlcnkreise eine nicht blos durch äußeren Austrag, sonder» durch die Natur seiner Aufgaben bedingte Verantwortung obliegt. Für die Fürsten wir für jeden Menschen findet die persönliche Verantwortung und die Be- sugniß, auf diese hin zu handeln, ihre unübersteigliche Schranke an den Pflichten und Nechte» und an der aus ihnen sich ergebenden Verantwortung anderer— im Staatsleben an der Verantwortinrg der einzelnen Faktoren desselben. Kein Minister darf vertreten, kein Parlament darf genehmigen, was sie für falsch und verderblich ballen. Dafür sind sie veraniwortlich: i» der Gegenwart, vor der Geschichte, vor dem Volke, um dessen Schicksal es sich handelt." Gegenüber dieser sachlichen Besprechung des nationalliberale» Blattes hebt sich das Verhalten des„liberalen"„Berliner Tage- blattes" recht eigcnthümlich ab. Es sagt lediglich: „Erfreulich ist an dieser Rede vor allem, daß der Kaiser die Fürsorge für sein Land und die ZlufrechterhaltUng des Friedens als seine ersten und vornehmste» Pflichte» betrachtet. In der That, die VeraNlwortung, die in diesen beiden Nichtuugeu auf dem deutsche» Kaiser lastet, ist eine„furchtbare", und erfreulich ist es, wen» ein Monarch sich derselben bewußt ist." Wie die Masse- und Levysohu- Gesellschaft sich nach oben an- zubieten sucht, ist einfach widerlich. — Zur K r i s i S i m Auswärtigen Amts wiirde der ..Munch-ner ANgeuieine» Zeilnng" von Berlin am 29. vor. Mts. geschrieben: „Frhr. v. M a r s ch a l l hat sich gestern nach niehrtägigem Aufenthalt hier aus sein Gut Neuershausen in Baden zurück- begeben. Er hatte hier mehrfach», i t dem st e l l v e r- tretende» Staatssekretär, Botschafter v. B ü l o w, konferirt, sonst aber ganz zurückgezogen gelebt. Sein Gesundheitszustand hat sich, den, Vernehmen nach, wesentlich gebessert, doch bedarf er zu seiner völligen Wiederherstellung noch einiger Ruhe und Erholung; er hat daher noch einen z.w e i in o» a t i g e n Nach- urlaub erbeten n n d erhalten. Nach zuverlässigen Millheilniigen unterliegt es keinem Zweifel, daß Herr v. Bülow noch in» Laufe deS Oktober definitiv zum Staatssekretär ernannt wird und Herr V.Marschall einen Auslands- Posten erhält." Die„Norddeutsche Nllg. Ztg." bestätigt die Richtigkeit dieser Information. Die„Köln. Volks-Ztg." freilich veriunthet, daß Herr v. Bülow nicht Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, sondern Reichskanzler und Frhr. v. Thielemann der eigentliche Nachfolger des Herrn Marschall v. Bieberstein werden wird. Wie könne» die Regelung dieser Persouensrage erwarten.— — Zur Wetterführung der Justizgesetzgebung schreiben die„Verl. Pol. Nachr.": Zu den Vorlagen, deren Fertigstellung im Bundesrathe schon i» einer nahen Zeil erwartet wird, gehören auch diejenigen, deren Erlaß noch nöthig ist. bevor das Bürgerliche Gesetzbuch in kraft treten kann. Im Einführungsgesetz zu», letzlire» ist bestimmt, daß es a», l. Januar IWv gleichzeitig mir einem Gesetze, betr. Aeudc- rungen des Gerichtsverfassungs-GesetzeS, der Zivilprozeß-Ordnung und der Konkursordnnng, einen, Gesetze über die Zwangsversteigerung Und Zwangsverwaltmig. einer Grundbuchordnung und einem Gesetz über die Angelcgenheite» der freiwillige,, Gerichtsbarkeit in kraft tritt. Alle diese Gesetz« müsse» also vorher verabschiedet sei». Nun hatte der Reichstag, nachdem er i» dem Tagungsabschnitte von ISüb/SS das Bürgerliche Gesetzbuch durchberathe» hatte, schon in de», folgenden von 1896/97 das Sttbhastalionsgesetz und die Grundbuch- ordnuug erledigt. Beide sind auch bereits Gesetz geworden. Von den vier im Einführungsgesetz zn». Bürgerlichen Gesetzbuch er- wähnte» Vorlagen würde» also noch die erste und die letzte zur Verabschiedung zu bringen sei». Ob indessen die erste, G e- richtsverfassungs-Gesetz, Zivilprozeß-Ordnung und Konkurs-Ordnung umfassende Vorlage schon in der nächsten Taanng dem Reichstage wird vorgelegt werden, ist doch fraglich. Bisher hat man stets angenommen, daß, ehe diese Vorlage an de» Reichstag gebracht werden wiirde, sie der Oeffentlichkeit zur Kritik unterstellt werden sollte. Ei» solches Verfahren hat sich bei einer ganze» Anzabl von Entwürfen, die im BundeSrathe be- rathen und dem Reichstag« noch nicht zugestellt waren, als durchaus praktisch bemährt, und es würde dies auch sicherlich hier der Fall sein. Nu» wird aber der Bundesrath vor Ende des lausende» Monat? sicher nicht, wahrscheinlich aber erst in der erste» Hälfte des nächsten«vieder zu seinen Plenarberathunge» zusammeiilreten. Erst dann würde also eine Beschlußfassung die in Rede stehende Vorlage in plono möglich sei». Ob»u» die dann»och für die öffentliche Kritik zur Verfügung stehende Zeit als genügend angesehen werde» könnte, ist recht zweifelhaft. Jedenfalls ist es, falls man anf der Absicht der vorherigen Publikation fortbesteht, nicht sehr wahrscheinlich, daß, selbst wenn der Bundesrath die Vorlage über GerichtSverfassnngs- Gesetz, Zivilprozeß-Ordnung und Konkursorduung recht bald»ach seinem Wiederzusammentritt erledigt, sie noch in der nächsten Tagung den Reichstag beschäftige» wird."— — Ein Erlaß des preußischen Justiz», in ist ers an die Oberlandesgerichts-Präsidenten veröffentlicht der„Bureau- A n g e st e l l t e", daS Organ des ZcntralvereinS der Bureau- Angestellte» Deutschlands. Derselbe lautet.' „Der I u st i z in i n i st e r. Berlin, den 21. Juli!ög7. Seit Jahren werden von den Vertretern der sogenannte» Bureaii-Angestelte»— der i» den Bureaus von Rechlsanwälle». Notare», Gerichlsvollziehern, Vernfsgenossenschafte» u. s. w. auf grund privatrechllichen Vertrages beschäftigte» Personen— Klagen über ihre BerufSverhältuiffe geführt. Dabei ist insbesondere hervorgehoben worden, daß die Angestellte» beim Mangel cnt- sprechender gesetzlicher Bestiniiliungei, zwar ihrerseiis in der Regel an eine monatlich« oder noch längere KündigungLfrist ge- bunde» seien, selbst aber jederzeit ohne Kündigung entlasse» werde» könnten. Hierdurch geriethen sie angesichts der Gefahr, jeden Tag brotlos werde» zn können, in ein entwürdigendes Abhangigkeits- verhältuiß. Ferner wird behauptet, die Besoldung der Bureau- Angestellten sei vielfach, auch wenn diese bereits i» vorgerückt, rem Lebensalter ständen, zum Lebensunterhalt ganz unzulänglich, die Arbeitszeit sei übermäßig lang. Sonntagsarbeit bilde die Regel und in vielen Fällen müsse durch Nebenarbeit, die zu Hause gefertigt werde, auf Kosten der Gesundheit die unzureichende Besoldung ergänzt werden. Auch würden für die in Rede stehende Beschäfti- gniig, da der Andrang befähigter Söhne armer Eltern zu dem Schreiberberuf sehr groß sei, in besonders großer Zahl jugendliche Personen als Lehrlinge aiigeuoinmen, diese aber würden dam, ausgenutzt, schlecht bezahlt und wem, sie in ein Alter gelangt seien, welches höhere Ansprüche a» Besoldung berechtigt erscheinen lasse, entlassen, um durch neue Lehrlinge ersetzt zu werde». Wenn auch die Klage» vielfach übertrieben und jedenfalls nicht für das ganze Staatsgebiet in vollen, Umfange zutreffend sein werden, so»löge,, doch die Bernfsverhältniffe der Bureau- Angestellten an großersn Orten in mancher Beziehung zu wünschen übrig lasse». Soweit dies der Fall, wird die Frage zu erwägen sein, ob sich eine Besserung der bezeichneten Berhällnisse ohne Beschreitung deS Weges dir Gesetzgebung herbeiführen läßt. In Veriretnug (gez.) Nebe. Pflugstaedt." Diestr Erläß zeigt wieder recht drastisch, wie mau bei »ns Sozialpolilik betreibt. Auf frühere Eingäben der vielgeplagte» Bureau-Angestellteji wurde ihlie» erwidert, nach der be- stehenden Gesetzgebung lasse sich»IchtS thun. DaS geht nun nicht mehr, und da wendet sich der Minister an die Ober-Landesgerichls- Präsidenten, die gennu so wenig von der Lage der Biireau-Angestellle» Wisse», wie der Miiiister selbst. Warn,», fragt das genannte Fach- blalt mit recht, befragt man die Angestellten nicht selbst? Warn», gab man de», Ersuchen nicht statt, durch die Reichskon, misston für Arbeiterstatlstik Erhebungen über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Branche vÖriiehnie» zu lassen? Die Ober-LnndesgerichtS-Prä- sidenteii werden sich»allirlich an die Arbeitgeber der Angestellten um Auskunft tvrndei, müssen, also an diejenigen, die an der Er- Haltung des jetzigen Znstandcs lebhast interessirt sind. JmiUerhii» zeigt der Erläß des Ministers, daß die Bewkgting der Burern,- Angestellte» nicht ohne Eindruck gebliebeit ist. Die Or- ganisalion muß dafür sorgen, daß anf dem betretenen Wege fort- gsschrltlen werde.— — Das Wiederau fnahnre-Berfahren im Prozeß Schröder und Genossen soll nochmals bxantragt werden. Die Stantsanivaltschnst in Essen machte gegen den WiedernnfnnhM- Antrag des Rechlsanwalls Dr. Niemeyer nämlich geltend, daß da? wesentlichste i» den beschworenen Aussagen der Beiuilheitten der zweite Stoß sei, den Munter nach Schröder geführt habe» sollt«; offenbar wegen ihrer Bekundung des zweiten Stoßes sei ihre Verurlheilnng erfolgt; deshalb seien die AUS sagen der neuen Zeugen, da dieselben über diesen Stoß nichts hätten beknuden könne», irrelevant. Auch die Beschlnßkammer, welche über de» Wiedermisnahnie-Antrag zu knlschiiden halt», machte sich die Ansicht des Staatsanwalts zu eigen und begründete damit auch die Ablehnung des Antrages. Nun habe» aber nach den Gcrichlsprotokollcu drei der Verurtheillen folgende eidliche Aussage gemacht. Beckmann sagt:„daß Munter den Schröder Uoch ein zweites Mal gestoßen hat, will ich nicht behaupten." Wilking:„daß 1 er Gendarm Münter den Schröder zum zweiten Mal hingeworfen hat, will ich nicht behaupte»." Thiel:„ich will nicht mit Sicherheit b e l u„ v e n, daß der Gendarm dem Schröder eine» zweiten Stoß versetzt hat." Ans grund dieser Widersprüche will man das Wieveransnahme- verfahren noch», als beantrage». — Beim Ordensregen im Rheinlande fiel anf den Freiherr» v. Stumm der Stern zu», königl. Kronenorde» zweiter Klasse. Die Höhe dieser Gunsibezenguiig z» ermessen fehlt n»s det rechte Maßstab. Zum»lindesten bedeutet er, daß sich im Verhältuiß des Kaisers zu unserem unermüdlichen Freunde nichts zum schlechte,, geändert hat.— — Ches der iieuei, Scharfmachertruppe in der„Post" soll ein Herr Wilhelm Kronsbei», z. Zt. ziveiter Redakteur des„Rheiiiischen Kurier", werden. Ueber sein Vorleben erfährt die„Franks. Ztg.": „Geboren, wen» wir nicht irren, in Bochum, war er zunächst als Sten ogra pH des weimarischen Landtags thätig und ver- diente sich seine journalistischen Spore» im Aufaiig der achtziger Jahre bei der„Bramischweigischen Landes- Zeitung", die mit konservativem und„ationalliberalem Gelde gegründet worden war, um ein Gegengewicht gegen das freisinnige„Braun- schlveiger Tageblatt" zu bilde». Bon da kam er 188-1 nach Kreuznach an daS Dortige„Tageblatt" und anfangs 1887»ach Wiesbaden zii»,„Ryeinisckei, Kurier". Als Politiker ist er eine Null»nd»,emalS hervot- getreten; seine Spezialität waren Reporterbesuche bei Hos und bei h o ch st e h e n d e>, P e r s ö„ l i ch k e i t e n. Die meisten größeren Zeitungsredaktionen werden seine» Name» dadurch kenne», daß er die Wiesbadener und Frankfurter Blätter ans- schlachtete und deren Nachrichten telegraphisch an deutsche und österreichische Blätter übermittelte, ein Berhällniß, das allerdings meist nicht von langer Dauer war. Außerdem war er eine Art Agent für die B ä d e r Kreuznach u n d L a» g e» s ch w a l- dach; er Halle sür sie während der Saison die Reklame- Waschzettel anzuferlige» und an die Zeilungen zu verseudeii, was häufig auch unier den, berüchtigten Hinweis auf Vergebung der Inserate geschah. Zn Herrn von Stumm scheint dieser industrielle Redakleur seit längerer Zeit Beziehungen»nierhalte» zu haben und diese», hat er wohl seine Berufung nach Berlin zu danke», die gleichbedeutend mit der A l l e i n h e r r s ch a f t des b e k a n» t e n Z e i t u„ g s- geheimraths(und Landtags-Abgeordnete» Frhr». v. Zedlitz) sein wird, die unter einer selbständigen Redaktion nicht möglich wäre. Dergleichen wird Herr Kronsbein bei der gute» Beköstigung, die ihm gewährt wird, gar nicht ambiren; er wird in der„Post" ein Amt aber keine Meinung haben." Das Ansiben der Berliner Journalistik wird durch die Neber- siedelung des Herrn Kronsbei» nach Berlin kein« Erhöhung finden. Koblenz, I. September. Während des gestrigen Feuer- werks gerieth durch herabfallende FeneriverkSkörper der Pracht- volle Kaiserpavillon in Brand und wurde zn», größte» Theile zerstört, doch gelang es der Koblenzer Feuerivehr bald, das Feuer zn löschen. Läßt sich da nicht ein Attentat kombinire»? Nach den krampf- hafte» Versuchen der letzten Tage halten wir nichts mehr für nn- möglich.— — Katholikentag in Landshut. In der Dienstag- Sitzung sprach Dr. Paasch über die„römische Frage". „Der Papst müsse frei sei», frei und unadbängig, nicht Unteriha,,. sonder» Souverän, Gott hat tbni die Regierung der Kirche über- trage», und darum darf seine Freiheit nicht bernhe» auf den lhönerne» Füßen des italienischen Garanticgesetzes. Der Papst ist nicht Papst der italienische» Nalion, sondern der ganzen Welt, und die ganze katholische Welt müsse deshalb die Freiheit des hl. Vaters fordern. Die Rechte des hl. Baters seien nicht die Rechte einer Nation und einer Dynastie, sondern die Rechte des ganzen kalholischen Volkes. Nationen und Dynastien können vergehe». aber die katholische Kirche kann nicht vergehen, sondern sie bleibt biS an das Ende der Tage, und darum wird die römische Frage immer wieder nach einer Lösung schreien, immer anf der Tagesordnung wiederkehren, bis die Lösung gesunde» ist. Der Papst braucht allerdings nicht die weit- liche Souverä»etät, um als gleichberechtigter Souverän angesehen zu werde,,, er ist der sührenbe Souverän; er braucht nicht die Souveränetät an sich, sondern zu de», Zwecke unbedingter Freiheil und Unabhängigkeit seines Amtes. Die deutschen Katholiken verlangen nicht, daß mit Waffengewalt Rom für den Papst wiedererobert werde, wie unsere Gegner lügen. Hätte man nicht durch den Dreibund die Dinge in Italien in gedeihlicher Weise ordnen können? Wir wiederholen unser, alt» Forderung immer wieder unter der Bitte, daß der liebe Gott die Tag« der schwere» Prüfnng de? h. Stuhles abkürzen möge." Sodan» sprach Rektor Huppert über Literatur und Presse. Er tadelte da» Lesen moderner Romane, deren Verfasser Gegner der katholischen Kirch« seien. Charakteristisch für den„Geist" in jenen Kreisen sind folgende Ausführungen: Wenn der hl. Vater den Katholiken gewisse Bücher verbietet, thut er dann etwas anderes als der preußisch» Kriegsminister, der den Soldaten die sozozialdemokratische Lektüre verbietet?(Bei- fall.) Müsse doch jeder Christ von selbst schon von jede», Roman« verlange», daß er von christlichem Geiste durchdrungen sei. Für Wahrheit und Schönheit schwärmen auch die Kalholikei,, aber ein wahrer Katholik nur dann, wenn die christliche Wahrheit, die christ» liche Schönheit die Grundlage der Unterhaltnngslektüre bilde. Mit de», Katholikentag hielt auch der„Katholische Volk?- verein", die anti-sozialdemokratische Gründung des Zentrums, feine Generalversammlung an, Dienstag ab. Der Vorsitzende. Fabrik- besiher Brandts- M.-Gladbach. begrüßte dt» Erschienenen und legte kurz die Zweck« des Vvlksvmins dar. Nach dem vom Generalsekretär Pieper erstatteten Jahresbericht zählte der Volks« verein am Ende des Vorjahres 179 327 Mitglieder, hielt gegen 500 Volksversammlungen ab»nd verthcilte LVe Millionen Druckschriften. Seine Bibliothek verlieh unentgelllich 1686 Bücher. Ter Verein zählt 24 Voltsbureaus. Ter bisherige Vorstand wtlrde wiedergewählt und durch Bürger- meister Spieß-Schlettstadt[und DoMvikar Groll-Miiiistet verstärkt. Mehret« Redner sprachen sodann über die Bedesttstna des Volks- vereins. Abg. Gröben stellte ihn als Mittel hin zur Bekämpfung der radikalen Idee» der Sozialdemokratie lind des Bauer,, bniwes; >» Würltembetg habe man ausgezeichnete Erfahnssgeii mit dem Bolksverciit gemacht. Abg. Lieber führte ans: „Jetzt, Ivo die Goitlosigkeit in die Massen gedrungen se>, müsse man sich auch zur Massenverlheidigüng der Religio» zusanmienihi»!. Der Äönsverein meine mit dem Worte„Volk", daß die Masse, das Ganze gesammelt werden müsse, von der höchsten Spitze bis zum letzten Mann der gesammtc» katholischen Bevölternng. Kalholikei, Deutschlands vereinigt Euch! Auch ist Niederbnyeiit brauche»im, tzetr Volksvcrein, wo die Banernbündler sich ebenso gegen die Geist- lichen richteten, wie die Sozialdemokrateii. Mit de» Psaffe» fängt man an, mit der Religion hört man auf.— Die Versannulung wurde mit einem Hoch a»s Papst, Kaiser und de» Prinzregeuten geschlossen-— — Zum Parteitag der Freisinnigen Volks- Partei in NimlberS, der vom 12. biS 14. d.M. stastfivden soll, veröffentlicht die �.Frelf. Ztg." die TageSordnnug und die gestelltcn Anträge, weiche sich, abgesehen von geschäftlichen Angekegtiiljellcn, mit der Agitation für die künsiigen Wahle» und das Berhäüiiiß zu anderen Parteien beschäftigen. Wir komme» darauf noch zurück. — De« Gesamnitvorstniid der Dentsch-sozialei, Reform Partei war an, Sonntag in Berlin versammelt. Er fehle für den vosti 9. bis 11. Oktober in Nordhausen statt- findenden Allgemeinen Parteiiag die folgende Taaesordnung fest: 1. Rechenschaslshericht über die Thätigkeil der Reichstags- Fraktion und der Parteileilung. Berichlerstalter: Rcickisiags- ülbgcordstcter Zimmermann. 2. Wahl der beiden Partei- Vorsitzenden. 3. Verathunz über die A r b t i t e r f r a g e. Bericht- erstaller: Herr Iiaab und Dr. Lindström. 4 Bericht det Landtags- Abgeordneten, des Schatzmcislers uiid der Kassenprüfer. 5. Wahl des Ausschusses zur Prüfung der Kasse. 6. V e s p r e ch st n g über die bevor st ehe n de» Wahlen. Benchterstallet: Reichsiags- Abgeordneter Liebermann v. Sonnenbcrg. 7. Verschiedenes, Anträge, die etwa einlaufeii.— TreSde», 1. September. Die sächsische Regierung will von der Einbernsung des Landläges zwecks Ordnung der Hochwasser- entschädignngen Nichts ivisjen. Aber leider hat man bis zur Slnnde noch nicht erfahre» können, w i e denn nun eigentlich die staatliche Hilfe beschaffen sein soll, welche die Regierung ohne Zststimmung des Landtages aus vorhaudeuen Mittel,, gewähren will. Bemerkens- wirih ist, daß jetzt in verschiedene» bürgerlichen und Amlsblätiern die Hilfe der Soloaien während»nd nach den, Hochwasser als ein erheblicher T h e i l der Staatshilfe bezeichnet wird. Wen» derartige Ausichlen elwa auch In RigierungSkreise» vorhanden sind, so kam, man sich ja ungefähr aiiSinalen, was nun noch tvinmen wird.— Mciiiinge», 31. August.(Eig. B-r.) Im ganzen Lande ist die Wahlbewegnng im vollsten Gange. In 11 von den 16 Wahl- kreisen sind sozialdemokratische Kandidaten aufgestellt worden.— Apolda, 1. September.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Im Landlagswahlkreis Apolda-Stadt wurden sämmlliche von»userer Partei aufgestellte» Wahlmäuner gewählt.— — Die G e s ä i, g n i ß z u st ä„ d e in Laufen. Die „Münchener Allgemeine Zeitung" schreibt: „Juftizmiuifler Dr. Freiherr v. Leonrod halt« i» der vor« letzte» Woche seinen Urlaub zum Zweck einer Inspektion der Ge- fnngeiiansialt Laufen unterbrocbe,,. Ueber das Ergebniß der In- spektion verlautet vorläufig»och nichts, da der Justizininister für die Veröffentlichung nur den Weg einer Erklärung im Landtag für geeignet erachtet." Dazu schreibt die„München et Post": „So hat er sich also doch endlich herbeigelassen, der Herr Justiz- »linister, höchstselbst eilimal nnchzusehen, wie die Dinge in Lause» stehen. Freilich aus de» Geheimakt«,, des Jnstizniiiiisterinms mußte er ja längst wissen, was die„Münchener Post" der erstaunten und aufgebrachten Oeffentlichkeit erst vor einem Monat»ulthdle» konnte. Auch hat sich der hohe Herr Zeit gelassen, die Jnspcllion vorzmiehme». In 14 Tage» kann allerlei beseitigt werdeii, was Anstoß erregen kann. Die Potemkiii'schen Dörfer wurden in viel kürzerer Zeit ge- macht. Jmnierhin scheint baS Ergebniß der Inspektion— wie voran?- zusehe»!— kein sehr rosiges zu sein, denn sonst würde man sich nicht hinter die Ausrede verschanze», daß„ver Justiz», inisler für die Aeröffentlichnng„ur den Weg einer Erklärung im Landtage für geeignet erachtet." — D n e I l ch r o n i k. Wegen«iueS PlstoleuduellS wurde,, in Breslau die RechiSkaudidaleu Max Philippslhal und Kasimir von Amrogoivicz vo» der Ferieustraskamnier des Landgerichts zu sechs Monaten Festung, der Sekundant Referendar Koiirad Rummler zu drei Tagen Festung verurlheilt. Die Ursache des Duells waren»alionale Slreiligkelle» a» dem Stammlifch eines Kaffeehauses.— — Chronik der MajestätSbeleidigniigs- Pro, esse. Innerhalb einer Woche wurden von der Düsselvorfer Slraskaminer zwei Verurtheillingel, wegen Majestälsbeleidignng ausgesprochen. Die zweite betraf«ine» Düsseldorfer Schachlmeister, gegen den aus drei Monate Gefängniß erkannt wurde. Bezrichnend ist, daß der eigene 14 j ä h r i g e Stiefsohn des Verurlheiiteu den Angeber machte.— Oestericich. — Zur Verstaatlichung der Miener Pferde« bahnen und zum Bau elektrischer Bahnen und allgemeiner Ein- sührung des elektrischen Betriebes will Lueger«ine Anleihe von 160 Millionen Mark aufnehmen.— Kran?reich. — Präsident Faure kann schon wieder ein Aiicnlat registrire». Aber wieder hat die fürchterliche Höllenmaschine nur geknallt und„ienianden verletzt. Der M i n i st e r r a t h beschloß, zablreiche von de» bürgerlichen „nd den militärtschen Gerichten Vemtheil« anläßlich der Reise des Präsidenten Faure„ach viußland zu begnadigen.— PariS, 1. Seplember. Der frühere Depnlirte Richard, welcher in letzter Zeil Steuereinnehmer>» Marseille war. soll sich nicht wegen der Pauama-Augelegenheit, sondern wegen jüngst verübler Veruntreuungen erschossen haben.— Portugal. Arbeiter- Kundgebungen. Am letzte» Sonntag fanden trotz deS polizeilichen Verbotes in Lissabon, Oporlo und vielen portugiesischen Provinzialstäbtei, große Arbeiter», nzüge statt, welche gegen die von der jetzigen Regierung erlassenen Verbote von Rrbtitervereiiien»nd sozialistisch- repnblikanischen Zeitungen denion- strirten. Die Führer erklärten, die Regierung benutze die Thalen ausländischer Anarchisten als Vorwand, um der gesammte» Arbdier- bevölkerung die gesetzliche Vertretung ihrer Interesse» nnmöglich zu mnchen; dadurch aber treibe sie gerade die Arbeitermassen dem bis- her in Portugal»och iiiibekaunten Anarchismus i» die Arme. Ver- Haftungen wurden während der Umzüge in großer Zahl vorgenomme»; doch vermieden die Demonstranten überall thätliche Zusammenstöße mit den Polizeimannschaften.— Petersburg, 27. August.(Eig. Bericht.) I» das Mostauer Gefängntß sind ca. 60 Personen wegen politischer Vergehe» aus Petersburg, Odessa. Jekaleriiioslaw, Wladimir, Lodz, Warschau zusaiiimeiigebracht worden, die zur Verbannung— meistens nach Sibirien— verurtheilt sind. Die Behandlung der Leute ist sehr schlecht. Die JekatnInoSlenvschen Arbeiter sind auf dem Wege nach Moskau gefesselt worden. Vlmnenschlich wurdey die Arbeiter von Lodz bebandelt; in der Nntersnchniigshast riß nia» ihnen den Schnurrbart aus, schlug ihnen die Zähne ei» und beging andere Grausamkeiten. So rverdeu iii Ruhlaud die Kämpfer sür Freiheit behandelt.-- Ans dem Nechenfchastsbericht des„Vereins für den Kampf hm die Befreiung der arbeitenden Klasse" in Petersburg hebe» wir nachfolgendes hervor: I. Kassenbestand am I. Dezeniber 139(5. a) Zur Verfügung des Vorstandes des„Vereins" 1372.72 Rubel d) In der Streikkasse.......... 1579.76 Summa 2952,48 Rubel II. Einnahmen in der Zeit vom 1. Dezember 1898 bis 1. April 1897. a) Zur Versligung des Vorstandes...... 4389,54 Rubel b) In den Streikfonds: 1. aus Rubland 5S3.4gRnbel, 2. vom Auslände') 2173,95 Rubel, gleich. 2782,41„ c) Im Unterst iitziiligsfonds")....... 1009,77. d) Iii der Arbe>le>kasse'")........ 58,80„ Summa 8(70,52 Liubel III. Ausgaben in der Zeit vom I. Dezember 1398 bis 1. April 1897. a) Für Literatur............ 1897,80 Rubel b) Für Organisatiovsthätigkeit....... 808,35„ c) Für Streiks............. 2384,00„ d) Für Nuierstützung der Verfolgten..... 1459,56„ e) Arbeiten.............. 195,00„ Suniina 6244,51 Rubel IV. Kassenbestand am 1. Apnl 1897. a) In Streikfonds........... 1928,17 Rubel b) In Arbeilerkasse........... 58,80„ c) Zur Verfügung des Vorstandes...... 2911,52„ Suniiuä 4898,49 Rubel Nuierika. »- Der Kommissar des Reiv-Aorker Einwände- r u n g s- B n r e a u s, F i t ch l e, hat von dem Generalkommissar in Washington, P o iv d e r l y, ein Schreiben des Inhalts be- kommen, daß der unlängst aus Frankreich ansgeiviesene spaiiische Anarchist Planas wahrscheinlich auf dem Wege nach den Vereinigten Staaten begriffen fei und daß ein französischer Anarchist, der vor einiger Zeit nach England übersiedelte, höchst wahrscheinlich denselben Weg eingeschlagen habe. Aus diesem Anlaß ist der Ltew-Norker Einwanderungsbehörde die strenge Ueberwachung aller aus Europa zureisenden Elemente und Zurückweisung der Anarchisten zur Pflicht gemacht worden. Des weiteren hat Powderly sämmt- liche amerikaiiischeil Konsuln in Europa, inbesondere in Deulsch- la»d, Frankreich, Spanien und Italien, telegraphisch an- gewiesen, ihre ganz besonoere Aufmerksamkeit der Aus- wandererbeweguug zuzuwenden und ihn sofort telegraphisch zu benachrichtigen, wenn ein Anarchist sich nach einem amerikanischen Bestimmungsorte einschiffe. Derselbe Powderly war bekanntlich Vorsitzender des Ordens der Knights of Labor, der Ritter der Arbeit. Ans der Parteikonferruz für den Wahlkreis Bochum er- klärten sich die Redner gegen die Betheilignng an der L a n d t a g s- w a h l im Kreise B o ch u m. Es wurden dann zwei Resolutionen anginoininen. worin die Parteikonferenz die Vitheiligung an den Landtagswclhlcn für aussichtslos erklärt, trotzdem aber den Parteitag ersucht, den Kölner Beschluß aufzuheben, um den Parteigenoffeii die uölhige Beweanngsfreiheit zu sichern; den Parteigenossen in den einzelnxn Wahlkreisen soll anHelm gegeben werden, eigene Wahl- Männer aufzustellen oder für die Wahlmänner der linksstehenden Parteien zu stimmen, wenn der Kandidat sich verpflichtet, für Einführung des allgemcineii direkten und geheimen Wahlrechts energisch einziitreten, und wenn er öffentlich der sozialdemokratischen Partei das Versprechen giebt, alle reaktionären Bestrebungen in Beziehung auf Vcretnsgesetz und Schnlivesen zu bekämpfen. Als Reichstagskaiididat für den Wahlkreis Bochum wurde einstimintg Genosse Lehmann aufgestellt, zum Vorort für die nächste Reichstagswahl B o ch n in bestimint und als Delegirter für den Parteitag in Hamburg der Genosse Ada m s gewählt. Be- schlössen wurde noch, der„Rheinisch-Westfälischen Arbeiterzeitung" die„Reue Welt" beizugeben; die Veröffentlichung der Gewiimlisten der preußischen Lotterie in der geiianuteii Zeitung soll eingestellt werden. DI« Koukerenz war von weit über 20 Orten mit 41 Delegirten beschickt, während die vorjährige Konferenz nur von 15 Delegirten besucht war. Die Parteikonferenz für den westfälischen NeichSiagS- Wahlkreis Minden Ltibbecke, die am Soniiiag in Rehme ab- geHallen wurde und von 24 Delegirten aus 12 Orlen besucht war, erklärte sich nach dem Referat des Genossen H o f f m a n n, dem Redakteur der Bielefelder„Volksmacht", einstimmig für Betheilignng au den preußischen L a n d t a g s w a h l e n in dem Sinne, daß 1. überall, wo es möglich ist, sozialdemokratische Wahlmänner aufgestellt werden, 2. dorl, wo es möglich ist, durch Kompromiß mit derjenigen linksstehenden Partei, die besliminte vom Parteilag auf- zustellende Mindestforderungen untcrschreibl, Mandate zu erringen gesucht werde», 3. dort, wo es nicht möglich ist, eigene Wahlmänner aufzustellen, diejenigen Wahlmänner linksstehender Parteien unter- stützt werden, die sich verpflichten, ihre Stimme nur demjenigen Kandidaten zn geben, der die von unserer Partei gestelllcn Mindest- forderungen unterschreibt. Als Delegirte für den Parteitag in Hamburg wurde Eggert ans Rehme gewählt, zum Kreis-Vertranensmann wurde wieder Zenker ernannt und zum Sitz des Reichslags-Wahlkomitees de- stimmt« man Minden. Als ReichStagSkandtdaten sind von unserer Seite definitiv aufgestellt: für Torgau- Lieben werda: Konr. Müller, Schkeuditz; für Delitzsch-Bitterfeld: Am Weißmann, Halle; für Halle u. S a a l k r e i s: Fritz Knnert, Berlin; sür Zeitz- Weißenfels: Ad. Thiele, Halle; sür N o r d h a n s e n: Glocke, Berlin. Für die Kreise Willeiibcrg-Schweinitz, Mersebnrg-Qliersurt und für die Mansselder Kreise sind die Kandidaten noch nicht bestimmt. Eine Partetversammkiing für de» sächsischen Wahlkreis Noffcn-Rostwrin, die am Sonntag in Döbeln abgehalten wurde, sprach unserer Fraktion im vteichstage volle Zustimmung zn ihrer Thäligkeit auS und stellte als Kandidaten für den Reichstag wieder den Genoffen Grünberg auS Hartha ans. Als Delegirter sür den Parteitag in Hamburg wurde der Genosse F i n d e iv i r t h aus Börigen gewählt. Als ein Zeichen für die Opferwilligkeit der Arbeiter im Wahlkreise Nosseii- Roßwein konnte angeführt werden, daß seit Milte Mai über 2000 M. an Slretkniiterstützuiig aufgebracht worden ist. Den Wahlkreis Zittau i. G. wird auf dem Parteitage zu Hamburg Genosse Wenzel, Schuhmacher in Zittau, ver- treten. Da ein Lokal z» öffentlicher Versainmlung nicht zur Ver- fügung steht, mußte die Wahl durch Sammeln von Uiiterschrislen vorgenommen werden. Ter Parteitag für daS Fttrstcnthum Neust j. L.. der am Sonntag in Gera abgehalten wurde, stellte als Kandidaten für den Reichstag einstimmig wieder den Genossen Emanuel Wurni auf und wählte als Delegirten für den P a r t e i t a a in Harn» bürg den Genossen B e t t e r l e i n, dem auch das Amt des Ber- *) Ans Belgien 273 Rubel. Aus England 1347,95 Rubel. -) Die Gelder sind für die von der Regierung verfolgten Sozialisten und ihre Angehörigen bestimmt. I» einzelnen Fällen braucht man diese Gelder auch zur Unterstützung der Streikenden. Diese Gelder sind nur von Arbeitern selbst gesammelt. tranensliianneZ wieder überlragen tbiftdt. Mitgetheilt koiittte werben, daß im vergangenen Berichlsjatzte die Opferwilligkeit der Partei- genossen außerordentlich groß gewesen ist. Indessen sind die Ans- gaben in einem Maße gewachsen, daß der Ueberschnß geriltger ist als in den früheren Jahren. Versaimnlüiigeil im Kreise sind— trotz des Loknlmangels— 30 abgehcilUn worden. Auf dem Parteitage waren 18 Orte vertretest. Die Landeskonferenz für daS Grostherzogthnm Hessen, die am Sonntag in Gießen vechandelte und von 66 Delegirten ans 62 Orten besucht war, sprach der L a n d t a g s- F r a k t i o n einstimmig ihre Anerkeniinng ans und verpflichtete die Delegirten, schon jetzt die Agitation für die nächsten Ländiagswahten zu be- ginne». Weiter wurde regste Agitation zur Reichstags wähl beschlossen und hinsichtlich der preußischen Landtags- ivahlcn die AnfhebUng des Kölner Beschlusses eiiipfohlen. Tic polnische Tozinldcniokratie von Galizien, Oester- r e i ch i s ch- S ch l e s i e n und der Bukowina hall am 5. Sep- tember in Lemberg einen Kongreß ab. Polizeiliches, Gerichtliches:e. — Ein heiterer Beitrag zu dem Kapitel Sächsische Polizei- wirthschaft wird uns ans Ernstthal geliefert. Der Volksverein für Hohcnstein-Ernslthal, der seinen Mitgliedern meist Vorlesungen wissenschnftltchen Charakters bietet, hatte eine Vorlesung ans Pro- fsessor Dr. Dodel's Merk„Aus Leben lind Wissenschaft" vernnslallet. Da in diesem Werk init Dr. Marlin Luther scharf ins Gericht gegangen wird, hielt ein mit anwesenber Gendarmcrie-Benmter das Buch für strafbar. Er forschte einige Tage daraus nach dem Verbleib der Schrift, ohne in deren Besitz zn kostllneti, nnb am nächsten Verclnsabetid durste selbstverständlich Nicht wieber daraus vorgelesen werden. Es sollte nun das Nansen' sche Werk„In Nacht »nd Eis" zur Vorlesung kommen. Da erhob sich derselbe Gendarincrie-Beainte und verbot die Vorlesung ans dem Buche des berühmten Nordpolfahrcrs. Großes Staunen der Mitglieder. Als dann ein Antrag kingcbracht war. gegen dieses Verfahren der Polizei Beschwerde zu erheben, da verbot der Beamte die Debatte und die Abstiinmuitg über diesen Antrag und fügte hinzu:„Denken Sie denn, ich setze mich hierher? Das fehlte noch!" Nach diesem Nustpruche scheint es, als wenn in der Ernstthaler Gegend die Staatsbürger wegen der Polizei da sind und nicht ningrkehrt die Polizei wegen der Staalsbürger. Das Verbot der Vorlesung ans dem Nanseii'schen Werk ist von der NiiltShaupimmiiischast in Glaucha» natürlich anfgchobe» worden. Dritte Getteitslose»>Niiierstntz»iig, referirl Froebe-Mainz und empsiehlt die Eiiisührniig derselben. Nach sehr ansgcdehiiter Diskussion, in welcher das Für und Wider lebhast erörtert ivNrds, fand ein Antrag, die Arbeitslosc>i-Uiite>si>'itznng einzuführen, einstimmige Nniiahme; der Vorstand wird bcanfiragt, Material zu sanlineln und uiiter Be- rücksichligung des gewoiinenni Materials in spätestens einem Jahre eine Nrnbfiiinmung vorzunehinei!. Es erfolgt nnnntchr die Statuten- berathiing.§ 6 erhält den Znsatz: Während der dreinionatlichen Reisedauer darf die Uiiielstützniig den Betrag von 50 M. nicht übersteigen._ Gemeelkscholftliches. Berlin inid Ningcbnng. Die Bibliothek des Verbandes der Textilarbeiter Filiale I befindet sich bei Kohl, Frnchtstr. 45, Sonntags 10—12 Uhr. Sichtung, chirurgische Branche? Nach dem Versammlungs- beschliiß vom 17. August 1897 tritt der Fachverein aller in der chirurgischen Branche beschäftigten Bernfsgenossoii mit dem heutigen Tage zum Deutschen Metnllarbeiler-Berband über. Das Umschreiben der Bücher geschieht jede» Abend von 7-9 Uhr int Lokal von Voigt, An der Slndlbahn 51(Spaudaner Brücke). Die Werkslellenkassirer werden ersucht, dies sofort zn erledigen. Die Liquidations- k o m m i s s i o ii. I. A.: A d o l f H e l l e r. Deutsches Reich. GehrlnibliildSprozeh in Oberschlefie». Zu dieser Sache erhalten wir folgende Zuschrift: Bezüglich der i» Nr. 201 des „Vorwärts" nuler obiger Spttzmarke euthaltene» Zuschrift ans Obcrschlesieii, enlnommen der„Sächsischen Arbeiter- Zeitung, bitte Ich im Juteresse der angeklagte» oberschlestschen Arbeiter um Auf- »ahme folgender Richtigstellung. Seit dem Jahre 1894, nachdem die Zahlstelle Z a b r z e des„D e u l s ch e» B e r g« u» d H ü t t c N a r b e i t er- B e r b a» d e s" polizeilich aufgelöst war, hat dieser in Oberschlesien keine Mitglieder, auch keine einzelnen, bei dem Hauptvorstand angemeldete, mehr. In Oberschlcsien giebt es nur Abonnenten der„Denlsche» Berg- und Hultcnarbeiter» Zeitung", denen der Verlag Rechtsschutz gewährt, ohne aber damit die Betreffenden in irgend eine Ver- biiidmig zu bringen mit dein oben genannten Verband. Unter- zeichueier ist llM die in Red- stehende Affäre schon wiederholt gc- richltich vernomine» worden und hat als Verleger der„Berg- und Hilltenardeiler-Zeilung" nichl anderes bekunden können, als wie es oben geschildert wurde. Wie mm der„GeheiinbnndSprozeß" entstehen kann, ist mir und dem Vorstand des„D. B.- u. H.-V." durchaus unerfindlich. Es müßte den» die oberschlesische Polizei das Lesen der„Bergarbeilcr-Zeitnng" als eine verbotene, zur „Geheiinhündelei" gehörige Thäligkeit ansehcn. Unmöglich ist eine solche Anffussung bei den Wächtern der Sicherhett i» Oberschlesien gerade nicht. Das Auftreten der dortigen Behörden, die in unglaub- ticher Weise aber auch jede gewerkschaftliche Regilngder Arbeiter bisher nninöglich gemacht habe», hat uns allerdings schon a» viele? gewöhnt. Bei der völligen Zuriickacbliebenhett der oberschlesische» Arbeiter tn polizeiliche» und gerichtlichen Dingen ist es nicht ausgeschlossen, daß etnzelue Rbonnenten der„Bergarbeiter- Zeilimg" in der That meinten, sie seien Mitglieder des Ver- bandeS und sich in diesem Sinne bei Ihrer polizeilichen oder gericht- lichen Vernehmlmg äußerten. D e» n n z i a n t e» werden bei der Geschichte auch eine Rolle spielen. Unbestrittene Thatsache aber ist. daß absolut lein orgauisaiorischeS Verhältniß der oberschlestschen Berg- nuv Hütienleuie zu unserem Verbände seit 1894 bestanden hat und der Vorstand desselben bei allen passenden Gelegenheile» darüber auch durchaus keine Zweifel walten ließ. Jos. Bcangenberg, Geschäfissührer deS„Verbandes der Berg- lmv Hüttenarbeiler" Bochum. Ergebnisse der Nrabstimniung im Verbände der deutschen Buchdrucker. Gan Erzgebirge- Vogtland. Frage 1: 275 Ja. 77 Net». Frage 2: 27S Ja. 74 Nein.— Gau Dresden: Frage 1: 634 Ja, 238 Nein. Frage 2: 612 Ja, 260 Nein.— Gau Bayern. Frag« 1: 1230 Ja, 426 Nein. Frage 2: 1219 Ja, 487 Nein.— Gau F r a n k f n r t- H e s s e n. Frage 1: 490 Ja. 134 Nein. Frage 2: 496 Ja, 134 Nein.— Gnu Hannover. Frage 1: 852 Ja, 133 Nein. Frage 2: 326 Ja. 159 Nein.— Gau Oberrhet». Frage 1: 895 Ja, 50 Nein. Frage 2: 399 Ja, 43 Nein.— Gan Ostpreußen. Frage 1: 254 Ja, 31 Nein. Frage 2: 246 Ja. 39 Nein.— Gnu SchleSw ig-Holste in. Frage 1: 253 Ja, 80 Nein. Frage 2: 251 Ja. 87 Nein.— Gau W e st p r e n ß e». Frag« 1: 95 Ja, 22 Nein. Frage 2: 94 Ja, 25 Nein.— Gan W ü r t t e»i b e r g. Frage 1: 706 Ja, 861 Nein. Frage 2; 750 Ja, 397 Nein.— Gan R b e i n l a n d- W e st f a l e n. d u st ri eller abgehalten, um über den vom Elsässische» Syndikat in Mülhausen gemachten Vorschlag einer allgemeinen Betriebs- einschränkung zu berathen. Der anwesende Vo» sitzende des Elsässischcn Syndikats lheilte mir. daß sowohl die Mehrzahl der elsässische» Weber, wie auch die Vereine der Weber von Ii h e i n l a n d und Westfalen, sowie der Verein der sächsischen Weber sich i» der Hauptsache für eine allgemeine Einschränkung erklärt habe». Bei der sehr eingehenden Besprechung wurde festgeslesit, daß bereits eine 10 bis IS pCt. betragende Einschränkung eingetreten ist. Die Versammlung, in der über die Hälfte der de», Verein angehörende» etwa 37 000 Webstühle vertrete» waren, erklärte einstimniig ihre Geneigtheit, eine weitere Einschränkung eintrete» z» lassen. Der Vereinsvorstand wurde beauftragt, mit den anderen Vereinigungen im Elsaß, Sachsen, Rheinland- Westfalen und Schlesien in weitere Verhandlungen einzutreten, um eine allgemeine Einschränkung der Erzeugung herbeizuführen. Zu weiterer Beschlußfassung soll An. sang Oktober«ine Zusammenkunft aller deutschen Weber in Stuttgart stattfinden. Sozitttes. Zu«nserem Bericht über den internationalen Ar beiterschutz-Kongreß in Zürich schreibt uns Herr Chr. Tischendörfer: Im„Vorwärts" vom 26. August steht, daß die Nationalsozialeu zusammen mit den Katholiken gegen die Resolution der Sektion, also gegen den unbedingte» Achtstundentag gestimmt hätten. Das ist nicht richtig. Ich habe ivohl in der Sektion den Antrag gestellt, darauf hinzuwirken, daß der Acht stundentag„zunächst für anstrengendere B e r n s s a r t c n eingeführt werde, aber dann, nachdem dieser Antrag gefallen, für den ganze» Sektionsantrag mit der Majorität gestimmt, auch gegen den Antrag Kulemann und Oberdörfer. Der Fabrikinspektor Bacntsch i» Mainz hält heute dort einen öffentlichen Vortrag über das Thema:„Wie ist der Arbeiterschutz entstanden? Worin besteht der Arbeiterschutz? Wie wird der Arbeiterschutz staatlicki durchgeführt?" Nach dem Vortrag ist freie Diskussion. Das Gewerkschaflskartcll forderte die Arbeiter zu zahlreichem Besuche der Versammlung auf. SluS Belgien gehen, nach Angabe der Negierung, jede» Sommer rund 49 000 Landarbeiter nach Frankreich Die Auswanderung beginnt im Februar, im November kehren die letzten nach Belgien zurück._ Gevi�zts""Rettung. Ein Hiimderlichcr Lehrer. Einem tiefgehenden Zwiespalt nnt dem Lehrer ihrer Tochter hatte die Vortosthändlerin Louise Grenz aus Halensee eine Anklage wegen Uebertretung der Vor schriften betreffend die äußere Heilighaltung der Sonn- und Festtage zu verdanken. Die Angeklagte lebt seit längerer Zeit mit dem Gemeindelehrer K r a u ß aus feindlichem Fuße. Der Lehrer hat einmal die Tochter der Angeklagten dermaßen gezüchtigt, daß nach der Behauptung derselben das Kind sechs Wochen lang das Bett hüten mußte. Die Mutter hat darauf die Ans schulung ihres Kindes beantragt, dieses aber inzwischen eigenmächtig von der Schule zurückbehalten, wofür sie eine Schulstrase nach der anderen, in Summa 29 M. zahlen mußte. Ferner ist die Frau au Antrag des Lehrers wegen Hansfriedensbruches und Beleidigung zu 39 M. Geldstrafe vernrtheilt worden. Dagegen hat die Angeklagte den Lehrer wegen Meineids angezeigt, den berselbe in der Sache bezüglich des Hausfriedensbruches geleistet haben soll. Es ist diesem halb ein Ermittlungsverfahren gegen den Lehrer eingeleitet worden, der nun wiederum die Frau wegen Sonntags-Entheiligung angezeigt hat. Derselbe beschwor gester» vor der zweiten Ferienstraskammer am Landgericht II, daß er gesehen, wie Frau Grenz am Sonntag den 2b. April d. I. vor Ablauf der Kirchenstundeii des Vormittags eine ? lasche Bier über die Straße verkaust habe. Die Angeklagte be anptete, daß dieser Verkauf erst um 1/2l2 Uhr stattgefunden habe und um diese Zeit sei der Verkauf freigegeben. Der Lehrer habe bis II Uhr in der Kirche zu thun gehabt. 10 Minuten nach II fei derselbe aus der Kirche gekonimen und habe sich an ihren Zaun gestellt, um auf sie aufzupassen. Zehn Minuten habe der Lehrer bereits dort gestanden, bis ein Arbeiter gekommen sei. der eine Flasche Bier verlangte. Sie habe demselben bedeutet, es fehlte» noch zehn Minuten an der erlaubte» Zeit und draußen stehe der Lehrer und passe auf. Der Kunde habe gewartet und die fehlenden zehn Minuten mit ihr verplaudert. Erst als die Glocke �/eI2 geschlagen, habe sie das Bier verkauft. Der Käufer bekundete auch, daß es seiner Meinung nach bereits VzI2 gewesen sein müsse. Da aber der Lehrer mit voller Bestimmtheit beschwor, es hätte» noch einige Minuten an II Uhr gefehlt, so fiel dessen Zeugniß schwerer in die Waagschale und die Berusungs- »stanz sah sich veranlaßt, ebenso wie die erste Instanz aus drei Mark Geldstrafe zu erkennen. Einen hartnäckige» Kampf um daS Recht führt der frühere Bureau-Vorsteher Timm in Charloltenburg, deffeu vor kurzem erfolgte Begnadigung Aussehen erregt hat. Timm war auf das Zeugniß einer Frau Valepp wegen Unterschlagung dreier Versäumniß-Urtheile vom Schöffengericht Charloltenburg zu 6 Monaten Gefängniß und I Jahr Ehrverlust verurtheilt worden. Die Zeugin halte damals unter ihrem Eide bekundet, daß Timm ihr die Forderungen zum Eigenthum für das Fallenlasse» einer Gegenforderung übertrage» habe; die drei Versäumnißurtheile habe sie ihm übergeben, iveil er ihr erklärte, es sei ihm bochzu interessant, Versäumnißurtheile zu lesen. Der Angeklagte focht die Glaubwürdigkeit der Zeugin an und machte uuler anderem gellend, daß sie mit dem Rillmeister Schieman» im Konkubinatsverhällniß gelebt habe. Die Zeugin verneinte das unter ihrem Eide. Die von dem Angeklagten eingelegte Be- wurde verworfen, dasselbe Schicksal hatte das Rechts- der Revision. Nachdem das Urtheil Rechl-krasl hatte, brachte Timm ei» Wiederaufnahme- Gesuch welchem Beweis dafür angetreten wurde, daß die Frau über 20 Jahre mit dem genannten Rittmeister im Kon- kubinat gelebt habe und daß diescrhalb ihre Ehe und diejenige des Schiemann geschieden worden sei; daß sie serner viele Jahre unter sittenpolizeilicher Kontrolle gestanden und daß sie niemals Ver- mögen besessen habe. Vom Landgericht II und Kammergericht wurden Wiederaufnahme- Antrag und Beschwerde des An- geklagten zurückgewiesen, weil mit dem Beweis- Antrage ein Meineid der Zeugin nachgewiesen werden solle und deshalb eine Verurtheilung der Zeugin ivegcn Meineids vorhergehen müßte. Timm erstattete darauf gegen die Galepp Strafanzeige wegen Mein- eids; diese Anzeige führte zu Ermittelungen, welche so viel belastendes Material ergaben, daß die Verhaftung der Galopp beschlossen wurde. Sie entzog sich jedoch derselben durch Selbstmord. Trotzdem wurden die von dem Verurtheilten eingereichten drei neuen Wiederaufnahme-Anträge resp. Beschwerden von den Gerichten mit der eigenthümlichen Begründung zurück- gewiesen, daß der Meineid nur bezüglich des Konkubinats eriviese» wäre nnd daß der Zeugin, selbst wenn dieser Meineid dem Gericht bekannt gewesen wäre, dennoch geglaubt worden wäre, sodaß also dieser Beweis für die Entscheidung unerheblich sei. Auch zwei fernere neue Wiederaufnahme-Anträge, in denen Aeußerungen der Selbstmörderin unier Beweis gestellt wurden, aus denen sich die Unwahrheit der übrigen von ihr beschworenen Bekundungen ergab, wurden von den Gerichten zurück- gewiesen. Trotzdem nun Timm auf ein von seiner Ehefrau eingereichtes Gnadengesuch und nach Prüfung der Akten durch den Justizminister der Rest seiner Strafe, von der er bereits 4 Monate in Plötzensee verbüßt hatte, erlassen worden ist, setzte er dennoch den Kampf um sein Recht fort und erhob gegen den letzten Beschluß des rufung mittel erlangt ein, in Galepp Landgerichts II Beschwerde bei dem Kammergericht. Letztere? hat nunmehr auch die Wiederausnahme für zulässig erklärt und die Ver- nehmung der in dem Schriftsatze vorgeschlagenen Zeugen durch das Amtsgericht Berlin II angeordnet. Das Telephon hat es verschuldet, daß der Koch Hans Julius Finger kurze Zeit unschuldig in Untersuchungshaft hat zubringen müssen. Er stand gester» unter der Anklage, dem Schlächtermeister Tiedges in Charlotteuburg 2007 M. unterschlagen zu haben, vor der I. Straskammer des Landgerichts I. Der Angeklagte hatte die Oekonomie im O f f i z i e r s- K a s i n o des Gardefüsilier-Regiments und rechnete mit der Kasino-Kommission monatlich ab. Da er von Gläubigern bedrängt wurde, trat er seine Rechte an die Kasino-Verwaltnng an den Schlächtermeister Tiedges ab, der ihm Fleisch lieferte. Es wurde«ine Art Schein- Zession zu stände gebracht, wonach Herr T. das dem Angeklagten zustehende Geld allmonatlich in Empfang nahm, seine Forderung für geliefertes Fleisch beglich und de» Rest dem Angeklagte» ablieferte. Am 1. Juli hatte T. eine Forderung von 2007 M. Er konnte an diesem Termin nicht ausgehen und schickte deshalb einen Lehrling mit der Monats quittung zu dem Angeklagten, der daraus hin das Geld von der Kasino-Verwaltnng abheben sollte. Der Angeklagte, der in- zwischen Schmiedel's Festsäle in der Alten Jakobstrabe ge miethet hatte, hatte vorher ein telephonisches Gespräch mit Tiedges gehabt und ihm darin mitgetheilt, daß er für das neue Unternehmen noch Geld gebrauche und das ein- kassirle Geld solange behalten möchte, bis er das ihm von einer Brauerei fest in Aussicht gestellte Betriebskapital erhalte» habe» würde. versichert, daß er die telcphonische Antwort des Herr» T. dahin ver- standen habe, daß dieser mit dem Plane vollständig einve, standen sei. Herr T. war aber sehr überrascht, als ihm der Lehrling an stelle des Geldes oder der Quittung eine» Brief überbrachie, in ivelchem ihm der Angeklagte seinen Dank für seine Freundlichkeit aussprach Herr T. eilte am nächste» Tage zu Herrn Bnrchardt. dem Besitzer des Central- Tbeaters und der Schmiedel'schen Festsäle, dieser wurde ängstlich, der Verlrag mit dem Angeklagten ging zurück und er mußte sein schon in das neue Lokal gebrachtes Mobiliar wieder wegnehmen Als Herr T. erfuhr, daß das Mobiliar zu einem Möbelspeicher ge bracht sei, eilte er dorthin. Der Besitzer des letzteren weigerte sich� den Aufenthaltsort des Angeklagten zu sagen und da Herr T. nun annahm, daß der Angeklagte vielleicht nach Amerika abgedampst sein könnte, machte er die Strafanzeige.— Die gestrige Verhandlung führte zu einer Freisprechung des Angeklagten..Es stellte sich heraus. daß dieser die telephonische Unterhaltung thalsächlich»ußverstande» und das Einversländniß des Herrn T. mit der Zurückbehaltung des Geldes daraus habe entnehmen können. Es bedurste deshalb nicht de> Vernehmung der vom Ltcchisanwalt Dr. Holz vorgeladenen Entlastungszeugen, vielmehr erfolgte ohne weiteres die Freisprechung. I» bejaniincrnöwcrther Verfassung wurde gestern der frühere Bürgermeister Emil Gustav Engen Gohr unter der Anklage der Unterschlagung ans der Lazarelhstatio» des Untersuchungs gefängnisses der I. Ferienstrafkanniier am Landgericht I vorgeführt. Am 19. Juli lief bei der Staatsanivaltschast eine Selbstbezichtigung des Angeklagten ein, die etwa wie folgt lautete:„Mittellos, ohne Vermögen, lahm, siech, ner venleidend, mit einem Schreibkrampf behastet— so kam ich vor einiger Zeit nach Berlin, um hier durch Errichtung eines Rechlsbureaus mich zu ernähren. Ich bin aus Kummer und Sorgen nicht herausgekommen, habe Tag für Tag gedarbt und zumeist Hunger gelitten. Ich habe mich aus Roth dazu verleiten lassen, die Kautionen dreier von nur als Schreiber angestellten jungen Leute für die Zwecke des Recht? burcans zu verwenden. Leider ist das Geld der jungen Leute ver- loren. Ich zeige mich selbst an, um mir die Möglichkeit zu nehmen, weiter zu sündigen. Ich melde ferner gehorsamst, daß ich nach Brandenburg fahre, um mir eine Schlafstelle zu suchen und werde anzeigen, wenn ich eine solche gesunden. Flncht verdacht liegt nicht vor. Selbstmord ist ausgeschlossen, weil ich auf streng religiösem Staut punkte stehe. Die Verhaftung würde nur eine Wohllhal sein." Ans grund dieser Selbstanzeige wurde der Angeklagte am 2v. Juli in Haft genommen und der Inhalt der Selbstanzeige fand durch die gestrige Verhandlung seine volle Be stätigung: der Angeklagte ist offenbar im höchsten Maße krank und siech und sowohl seelisch, wie körperlich arg herabgekommen. ist, wie er auf Befragen bekundete, verheirathet und Bater dreier unmündiger Kinder, war früher Bürger meister in Rogowo, Kreis Bromberg, ist aber vom Amte suspendirt ivorden, iveil nach seiner Behauptung infolge seiner Krankheit Unregelmäßigkeiten im Amte vorgekommen waren. Er wandle sich dann nach Berlin, um sich hier als Rechtskonsulent durchzuschlagen. Da er mit seiner verkrüppelte» Hand nicht selbst 'cbreiben kann, mußte er einen Schreiber annehmen. Die Roth pochte vernehmlich an seine Thür und so stellte er noch einen zweiten und dritten junge» Mann, die im stände waren, Kaution zu stellen, an, und verwandte deren Eigenthum zu seinen Sonder zwecken. Er hatte gehofft, durch eine ihm in Aussicht gestellte größere Summe diese Kantionen in Höhe von 180 M. wieder zurückzahlen zu können, die Hoffnung war aber eine trügerische und deshalb stellte er sich selbst der Staatsanwaltschaft.— Der Gerichts- hos ersah aus den Verträgen, die der Angeklagte mit den 3 jungen Leuten abgeschlossen, daß darin von der„Verzinsung" der hin- gegebenen Gelder die Rede war. Danach mußte der Gesichtspunkt der Unterschlagung fallen, der Gerichtshof meinte aber, daß sich der Angeklagte bei dem Engagement des zineilen und dritten Schreibers mindestens des Betruges schuldig gemacht babe und vcrnrtheilte ihn zu z w e i M o n a t e n Gefängniß. Ein Monat ivurde für verbüßt erachtet. Als eine unglaubliche Tchivelncrci bezeichnete der Vorsitzende der 139. Zlblheilnng des Schöffengerichts die Handlungsweise, ivelche dem Schlosser Johann V l e r g u tz und dem Musiker Friedrich König zur Last gelegt wurde. In der Nacht zum 19. Juli be- ande» sich die beiden Angeklagten nach einer Bierreise auf dem peiinwege. Sie gingen an einer im Keller befindlichen Bäckerei vorüber. DaS nach der Straße zu gelegene Fenster war . eöffnet und das Auge der Vorübergehenden fiel auf eine statte voll frischgebackener Brötchen, welche zum Abkühlen vor das ! ienster gestellt war. Die Angeklagten verdarben das Gebäck. Die inauseilenden Bäckergesellen ergriffen die Uebeltkäter und brachten ' zur Wache. Es soll dies nicht auf die sansteste Art geschehen ein. Der Gerichtshof war mit dem Staatsanwalt der Ansicht, daß de» Angeklagten eine exemplarische Strafe gebühre, sie wurden zu einer Gesängnißstrafe von je 14 Tagen verurtheilt. VerlÄmmluttsen. Eine Konferenz für die Provinz Brandcnbnrg des Vereins graphischer Arbeiter nnd Arbeiterinnen Teutschlands fand am Sonntag, den 29. d. M., bei Neumann, Brunnenstr. 150, statt. Vertreten war Berlin durch 2, Brandenburg durch 2 Delegirte, die Chemigraphen Berlins durch I, Frankfurt a. O. durch I, Rixdorf durch 2, Sleliin durch 2, der Vorstand des Vereins durch 2 Delegirte. Neu-Ruppin hatte von der Beschickung abgesehen und sprach sich bricf- lich gegen jede Sonderbestrebung derLithograpben ans und fürBeitrags- erhöbung von 20 auf 40 Pf. mit Arbeitslosen-Nnterstütznng. Schöpke rcferirte über die Lohnbewegung pro 1396; nach langer Diskussion wurde anerkannt, daß trotz der angeblichen Fehler vieles erreicht wurde, selbst in Berlin seien nach der Statistik mehr Vor- theile als Nachtheile zu verzeichnen und im übrigen Deutschland sei der Erfolg zufriedenstellend. Ueber die Sonderbestrebungen der Lithographen referirte der Lithograph Schräder- Nixdorf; nach eingehender Diskussion verwarf die Konferenz jede Sonderbeslrebung nnd empfahl eifrige Agitation für den Verein, in größeren Städten können Lilho- graphen-Filialen zugelassen werden. Borisch-Bran den bürg sprach über Beitragserhöhung mit Arbeitslosen-Unterstützung; selbiger zeigt, wie die Organisationen mit Arbeitslosen-Unterstützung nicht den KampfeScharakter verlieren, sondern noch kampfestüchliger werden; nach eingehender Diskussion stimmten außer einem Delegirte» sämmtliche für eine Beitrags» erhöhung mit Arbeitslosen-Unterstützung. Ter Beitrag soll von 20 ans 40 Pf. pro Woche erhöht werden. Braun-Brau den bürg sprach über Agitation, welch letztere in unserem Verein zu wenig gepflegt wird; dem Vorstand wurde das weitere übertragen. Nachdem noch einige Punkte unter Verschiedenem erledigt, wurde die Konferenz mit einem Hoch auf die Organisation ge- schloffen. Eine öffentliche Bersaiumlnug der Vergolder und Ver- goldcriuucu beschäftigte sich am 30. August mit der am 4. August wegeii ungenügender Lieferung von Material erfolgten Arbeits- eiustellnng der Vergolderinneu der Firma ttd. Werkmeister. Schnorre erstattete Bericht über die gegenwärtige Situation. Diesem Bericht zufolge hat Herr Werkmeister durch seinen Werkführer in einer am 23. August stallgefundeuen Kommissiousberathnng erklären lassen, daß er geneigt sei, den Arbeiterinnen das geforderte Quantum Material zu geben. Bei Wiederaufnahme der Arbeit am 24. August machten jedoch die Aubeiterinnen die Entdeckung, daß mit dem Material, welches sie zur Verarbeitung erhielten, die geforderte Arbeit nicht, herzustellcn ist. Trotzdem der Vertreter des Herrn Werkmeister den Zlrbeiterinuen in der Kommissioussitzung gutes Material, von ivelchem er einige Proben bei sich führte, zur Verarbeitung versprochen, hielt es derselbe dennoch für geboten, den Arbeiterinnen inyiderwerlhiges Material zu geben Zu diesen, Verhalten des Herrn Werkmeister habe nun die Bersamnilnng Stellung zu nehmen. � In der hierauf folgenden lebhaften Diskussion ivurde die Handlnngsivcise des Fabrikanten einer scharfen Kritik nnterzogen und als ein Akt echt kapitalistischer Willkür bezeichnet. Während andere Unternehmer bewilligte Forderungen Monate und Jahre lang festhalten, halte es der größte der Goldleisten-Fabrikante» Berlins für gerathen, innerhalb weniger Stunden sei» Wort zu ziehen. Die einzig richtige Antwort ans eine solche Hand- lungsweise sei eine Arbeitsniederlegung der sämmllichen dort beschästigte» Arbeiter. In anbelracht der nicht besonders guten Ge- schästskoiijnnktur im Vergoldergewerbe und mit einem Hinweis auf die Kündigung des denlsch-englischcn Handelsvertrages, von welchem gerade die deutsche Goldleistensabrikation hart betroffen werde, nahm die Versammlung von einer allgemeinen Arbeitseinstellung Abstand, dagegen fand eine Resolution, in welcher für eine besondere Leisten- forte 5 Schlag Metall verlangt werden, einstimmige Annahme und legen die Vergolderinneu bei Nichlbeivillignng dieser Forde- rung die Arbeit nieder. In der Diskussion wurde über Löhne von 3—14 Mark bei den Versiberern bei llstündiger Arbeitszeit geklagt, ferner glaubt man befürchten zu müssen, daß bei der Rückkehr des Fabrikanten, welcher sich gegenwärtig in Eng- land auf einer Geschäftsreise befindet, weitere Lohnreduktioncu bevorstehen, wie dies öfter zu geschehen pflegt unter dem Vorwandc, er zahle zu hohe Preise. Unter Verschiedenen, wurde eine Lohn- rednktion, von welcher die Versilberer>der Goldleisten-Fabrik von O. Scholz, Lottumstraße, betroffen wurden, besprochen und mit Utttersuchung dieser Angelegenheit die Agitalionskommission betraut Depesrfzen und letzke LlKchvirhken. Ein Mord und Selbstmord hat sich am gestrigen Abend in der Koblankstraße zugetragen. In einen, Hause derselben wohnte seit etwa zwei Monate» die Wittwe Rohde mit ihren beiden Töchtern. Die jüngere, die 21 jährige Amalie, hatte schon seil Jahresfrist ein Verhältniß mit den, 2Sjährigen Arbeiter Hermann Lehel, derselbe galt als ein höchst brutaler Mensch. Seit einem Jahre verkehrte L. mit Amalie R. und das Verhältniß war nicht ohne Folgen geblieben. Gestern Nachmittag 4 Uhr kam der L. in einer Droschke vorge- fahre», um die allein befindliche Amalie zu besuche». Lange Zeit war es, wie die Nachbaren erzählen, ganz still in der Wohnung, plötzlich rief die R. ganz laut:„Du bist ein Hund in meine» Augen", worauf L. laut lachte. Als die ältere Schwester gegen 3 Uhr abends von einem Ausgange zurückkehrte, fand sie die Korridorthür verschlossen und, da ihr auf wiederholtes Klopfen nicht geantwortet wurde, ließ sie einen Schlosser holen, der die Thür gewaltsam öffnet«. Hier fand man die R. lodt mit durchschnittener Kehle aus dem Sopha liegen, während der Mörder, das blutige Messer in der Hand, sich aus gleiche Weise entleibt halle. Gegen 10 Uhr abends traf die Staats- anwallfchafl am Thatort ein. Köln, 1- September.(B. H.) Die„Köln. VolkSztg." kommt in einem Berliner Bericht nochmals ans den angeblich bevorstehenden Rücktritt des Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe zurück und sagt, der Fürst iverde sich nach der an, Freitag zu erfolgenden Rückkehr aus Rußland sosort zu vergewissern suchen, ob er noch länger im Amte bleiben kann. Ter Streit um die Mililär-Strafprozeß- Ordnung zwischen dem Militärkabinet und dem preußischen Ministerium drohe, wie wohlnnterrichtete Kreise erklären, sich zu einein Konflikt zwischen dem Kaiser und dem Kanzler zu- zuspitze». Der Kaiser sei seit der Erklärung in der„Nordd. AUg. Zig." auf den Reichskanzler nicht mehr besonders zu sprechen, und es sei die Hoffnung gering, daß der Kaiser seine Bedenken gegen den Entwurf überwinden werde. Frankfurt a. M., 1. September.(B. H) Der„Frankfurter Zeitung" wird aus Strnßburg i. Elf. gemeldet: Der in Metz er- cheineuden„La Lorraine" zufolge ist der Typhus unter den Sol- baten des 9. Dragoner- und 145. Jnfaulerie-Negiinents ausgebrochen. Um eine weitere Verbreilnug der Epidemie zu verhüten, sind Baracken errichtet worden. Leipzig, I. September.(W. T. B.) Heute wurde innerhalb der sächsisch-ihnriugischen Industrie- und Geiverbe- Ausstellung eine Gartenbau- Ausstellung uuler entsprechenden Feierlichkeiten er- öffnet. Dieselbe ist reich beschickt und dauert bis zum 15. Sep- tember. Wien, 1. September.(W. T. B.) Wie das„Fremdenblatt" auS Bozen meldet, ist der Tourist Franz Schlüter aus Dresden vom Gipfel des Rosetta abgestürzt. Schlüter wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus geschafft; der Führer erlitt leichte Berletzungeu. Budapest, I. September.(B. H.) Der Landes-Studentenverband wurde wegen Demonstratioiien gegen den Minister des Innern aus- gelöst. Budapest, I. September.(B. H.) Zwischen dem Sektionsrath im Unternckitsministerium Sznirccsiuskyi. Leiter der Sektion für Kunst und Wisseuschast, und dem Maler Kinuach fand ein Säbel» duell statt, in welchem der rrstere c, heblich verletzt wurde. Budapest, 1. September.(W. T. B.) Heute Vormittag wurde di« Telephonliuie Budapest— Berlin mit einem Gespräche zwischen den Chefs der beiderseitigen Telegraphen-Verivaltungen eröffnet. PariS, 1. September.(B. H.) Die Radfahrfabrik„Globe" in Neuilly ist in der letzten Nacht uiedeigebrannt. Drei Feuerwehr- lente kamen bei den, Brande zu Schaden. Rom, 1. September.(B. H.) I» der Finanzinteiidantnr der Lottodirektion wüthete heute früh ein furchtbarer Brand. Das Dach kürzte ein und durchschlug zwei Stockwerke. Der Schade» ist vor- läufig ein unberechenbarer, da in der Kasse sich Papiergeld im Betrage von mehreren Millionen befand. Mehrere Personen sind bei dem Brande ums Leben gekommen. Athen, I. September.(B. H.) Hiesige Bauken und Bankiers verständigten die Regierung, sich an der KriegSeutschädigungsanleihe von 25 Millionen Franks zu betheiligen. Da die Beschaffung der restlichen 75 Millionen bei», Ausland keinen Schwierigkeiten mehr begegne, dürfte die internationale FinauzkontroNe gegenstandlos ge- worden sein. Ncw-Pork, I. September.(„Franks. Ztg.") Die Zeitung Most's„Die Freiheit" ist eingegangen. Most übernimmt die Redaktion der„Arbeiter-Zeitung". Aehnliches ist auch früher schon gemeldet worden, ohne Bestätigung gefunden zu haben. Bneuos Aires, 31. August.(W. T. B.) Der Senat der Provinz Buenos Aires hat in erster Lesung das auf die Regelung der äußeren Schulden der Provinz bezügliche Gesetz angenommen. Verantwortlicher N-dakteur: August Jacobcy in Berlin. Für den Jnscratentheil verantwortlich: Dh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage u. Nuterhaltnngsblatt 8t. 204. 14. Itildjt dts„Pmiitts" Ittliiift NcksM»-»»->--«».»i»« �nv die Opfer der HochniAstrv-- Vakastrophen sind nnS ferner die folgenden Beiträge zugegangen: Elatklub R. I.—. Gesammelt von Arbeitern der Kartonfabrik Ed. Jacobsoh». Landwehrstr. II IS,—.„Deutsche Warte" 16,10. Null—,40. Ertrag von der Matinee des Männer-Gesangvereins „Namenlos" am 22. August in Keller's Festsälen, Koppenstrab«, unter gütiger Mitwirkung der Hauskapelle I32,S0. Erlrag vom Unterhaltungsabend am 29. August des gesell. Vereins Die lustigen Brüder durch F. Wille 11,90. C. Barby in Lichtenberg 1,— Summa 177,90. Bereits quittirt 2647,24. Gesammtsumme 2825,14. Weitere Beiträge nimmt unsere Expedition entgegen. UoKsles. Ten Parteigenossen des Wahlkreises zur Beachtung, daß ersten Berliner Reichstags in der am Heuligen Donnerstag abends 8>/z Uhr. bei Mörschel, Jüdenslraße 35, stattfindende» Wahlvereins-Versammlung Genosse P ö tz s ch über das Thema:„Rassenkampf oder Klassenkampf" referiren wird. Neue Mitglieder werden in der Versammlung aufgenommen. Nächste» Sonntag, den 5. September, siudet in den Armin hallen, Kommandanteustraße 20, ei» großes Gartenfest mit Sonimernachtsball stall uuter Mitwirkung des Gesangvereins „Solidarität"(Dirigent Herr Lange). Familien- Kaffeekochen von 3 bis 6 Uhr. Anfang 4 Uhr. Enlree 20 Pf. Garderobe 10 Pf Billets sind bei allen Vorstandsmitgliedern und in de» Zahlstellen zu haben. Die Zahlstellen de? WahlvereinS, welche sämmtlich neue Mit glieder aufnehmen, befinden sich bei Mörschel, Jüdenstr. 35. Preuß, Neue Friedrichstr. 20. Moll, Klosterstr. 101. Sommer, Grünstr. 21 Der Borstand. Wahlverci» d-S 3. Berliner Reichstags- Wahlkreises Sonntag, den 5. September: Familienau- flug»ach Pserdebucht bei Köpenick. Rege Betheiligung erwartet der Vorstand. Der Pastor in der Schule. Den Rekloren unserer Gemeinde schnlen ist unter dem 17. v. M. eine Verfügung der städtische» Schuldeputation zugegangen, die die Beaufsichtigung des evangelische» Religionsunterrichts durch die weltlichenLokal-Schulinspektoren und die delegirten Geistlichen von neuem regelt. Danach ist die bis dahin giltige Verfügung des Provinzial- Schulkollegiums vom II. Januar 1375 durch Verfügung vom 28. Juni 1897 dahin ergänzt worden daß hinfort die folgenden Bestimmungen Platz greifen:„Da die Volksschule Staatsanstalt, die Lokal-Schulinspektion ein staatliches Amt und der Religionsunterricht ein obligatorischer Lehrgegenfiand ist, so ist der weltliche Lokal-Schtilinspektor berechtigt, wie dem gesammten Unterricht der Elementarschule, so auch dem Religions Unterricht jederzeit beizuwohnen und darüber zu wache», daß der genannte Unterricht in den bestimmten Stunde» und nach dem Lehrplan ertheilt werde. Der delegirte Geistliche ist be fugt, 1. dem evangelischen Religionsunterrichte in den für diesen Lehrgegenstand angesetzten Stunden in allen Klaffen beizuwohnen und sich nach Befund der Umstände von de» religiösen Kenntnissen der Schulkinder durch eigene Prüfung zu uberzeugen; 2. er kann beanspruchen, daß ihm der Lehrplan für den Religionsunterricht und der bezügliche Theil des Pensenbuches zur Einsicht vorgelegt werde, wie die Religionslehrer auch ver- pflichtet sind, ihm erforderlichenfalls in Beziehung auf den g* nannten Unterricht Auskunft zu ertheilen und auf seinen Wuns ch in seiner Gegenwart den Unterricht auf bestimmte, im laufenden Halb jähr durchgenommene Abschnitte zu richten; 3. dagegen hat er selb ständige Anordnungen nicht zu treffe», etwaige Ansflellungen viel mehr der städtischen Echuldeputation einzuberichten" Rezept gegen Nnznfriedenheit. Als vor einigen Tagen wieder einmal irgendwo ein Denkmal für den große» Wilhelm«in geweiht wurde, hielt ein Fürst zu Wied eine Enthüllungsrede, in der nach den Berichten bürgerlicher Blätter folgende Slelle vor- kommt: „Wenn jeder von uns in seinem Herze» ein Denkmal seiner herrliche» Tugenden pflanzen und seinem Borbilde nach eifern würde, dann gäbe es bald, so weit die deutsche Zunge klingt, keine Unzufriedenheil mehr." Hoffentlich fangen alle unzufriedenen Patrioten, die»othleidenden Agrarier eingeschloffen, ernsthast an. bei sich selber die Probe aus das Exempel zu machen. Ueber die Wirkung des Rezepls könnte vielleicht nach Jahresfrist berichtet werden. Dem Scharfrichter Rcindel, der in Magdeburg das Fest der goldenen Hochzeit feierte, ist vom Kaiser die silberne Ehejubttäumsl medaille verliehen worden. Die Knust unter Polizei-Aufsicht. Die Neue freie Volksbühne hat fortgesetzt mit der Mißgunst der Polizei zu kämpfen. So wird jetzt, wie am Dienstag in außerordentlicher Mitgliederversammlung mitgetheilt wurde, ein Verbot jeder Vor� stellung angedroht für den Fall, daß der Vorstand noch kurz vor Beginn der Aufführung neue Mitglieder aufnimmt. Sie verlangt die satzungsmäßige Festlegung einer Frist zur Anmeldung von mindestens zwei Tage»; wer nicht mindestens innerhalb dieser Zeit die Anmeldung und Aufnahme bewirkt, darf der nächsten Theater Vorstellung nicht beiwohnen. Die Versammlung erklärte sich ans Antrag des Vorstandes damit einverstanden, daß der polizeilichen Anforderung stattgegeben werde. Prolctavicr-Havanua. Nach einer in den Amtsblättern veröffentliäiten Bekanntmachung des Finanzministers ist infolge eines Beschlusses des Bundesralhs vom 2. Juli d. I.„die Berwen« düng von Huflattichblättern bei der Herstellung von Tabakfabrikaten von den Zolldirektivbehörden widerruflich gestattet ivorden". Der Bnndesralh scheint wegen der infolge der Aufstände auf Kuba und Manila eingetretene» Knappheit in „Havannas" und„Manilas" so nachsichtig und weitherzig geworden zu sein. Wir sind der Meinung, daß die Huflattichsabrikanten das Publikum über de» Ursprung ihres Krautes unterrichten müsse», wen» sie sich nicht wegen Lebensmittelverfälschnng strafbar mache» wollen. Ob gegen diese Fabrikanten nicht am Ende wegen Gift- Mordversuches oder Körperverletzung vorgegangen werden kann, das ist eine Frage, über die sich unsere Juristen angelegentlichst die Köpfe zerbrechen sollten. Louisenthcater. Da? Volkstheater in der Reichenbergerstraße hat ei» feines Meublement erhallen. Die Biertische sind aus dem Parterre völlig verschwunden und stilvolle Parkellreihen senke» sich jetzt juft wie in ordentlichen Theatern zum Orchester hinab. An beiden Seiten stolziren rothausgeschlagene Logen, in denen die ganz vornehme» Leute sitze». Das ist aber noch nicht alles. Auch die Bübne bietet ivas neues; die Direktion Anger, die sich im vorigen Jahre an Robert und Bertram genügen ließ, kriegte zur neuen Saison Herr» Oskar Wagner bei», Schlafittchen, und der Dichter der Lninpenfusanne mußte sich hinsetzen und ei»„Volksstück" ausbrüten. Er nahm dabei den Schauspieler Haßkerl vom Zentral- lheater zur Hilfe. Während dies geschah, wurde das Bolkstheater nobel zum„Louisen-Theater" umgetauft. Was da nun zur Eröffnung der neue» Spielzeit gegeben wurde, überraschte tmnierhin. Das Stück hieß„Geschwister F i e b i g" und handelte von dem brave» Mädchen, das sich redlich ernährt und einen braven Former zum Liebsten hat. Dieser aieständigen Jungfrau steht gegenüber die Schlumpe, die mißrathene Schwester, welche nachts nach zwölf in Herrenbegleitung durch den Thiergarten fährt. Die Unanständig- keilen dieser Berliner Pflanze kommen natürlich bald ans Sonnen- licht; und der alte ehrliche, etwas rheumatische Vater exmiitirt sie. Die Mutter aber, eine zur vollen Reife ausgelragene alte Milleri», zieht mit zum sauberen Baron und von der Gesellschaft dieses Thiergartenwüstlings wird die moralische Schwester auf ein Haar auch ins Verderben gezogen. Es bedars eines be- trächllichen Rumors, um soviel Aergerniß wieder ins Ge leise zu bringen, aber schließlich siegt denn doch die ge fährdete Tugend und das Laster erhält seine wohlverdiente, exemplarische Strafe. Das Ungewohnte und Ueberraschend? an diese», neueste» Werke Oskar Wagner's ist nun eben die unbändige Moral, die es zu einer Auf>ührung im evangelischen Jünglingsverein qualifizirt, und der sehr fühlbare Mangel an Witz. Nur im erste» Akt blitzt zuiveilen ein Fünkchen von der alten Schlagfertigkeit dieses Berliner Lokalpoeten hervor. Ist Herrn Wagner am Ende gar der Schreck durch die Glieder gefahren, als die Polizeizensur sich ans Gründen angeblicher Sittlichkeit das Aufsührungsverbot leistete, oder hat der Dichter aus dem verschnittenen Werke alle Rosinen zu späterer Verwendung herausgepiekt, weil er sich sagte, daß ein Polizeiverbot auch de» Erfolg eines minder», erthige» Stückes garantirt? Schade um de» Mann, der die Trockenwohner und die Lumpensufann« zuwege brachte. Das Stück wurde flott gespielt. AlS ausgezeichneter Komiker bewährte sich wieder Herr Reif, der die Episoden, olle eineZ Droschkenkutschers gab; auch die Damen Milbitz und Reinecken hielten sich wacker. Im Passagc-Panoptiknm sind zur Zeit die Bewohner eines hinteriudischen Dorfes ausgestellt. Die Leute stammen aus Ober- Birma und haben sowohl ihre ländlichen Hütten, als auch eine Reihe von Stickereien, Musikinstrumenten, Filigran- und Webe arbeilen mitgebracht, welche ein benchtenswerihes Zeugniß indischer tandsertigkeit bilden. Daß die neuen Gäste sich auch in mancherlei eziebung nnt Fug als Künstler bezeichnen könne», zeigten die vielseitigen Produktionen, in denen sie zum tbeil staunenswerthes leisteten. Ihre Tänze bestehen aus de» wunderlichsten Verrenkunge» des Körpers und werde» von einer Musik begleitet, die trotz ihrer Fremdartigkeit nicht unschön genannt werden kau». Unerklärlich ist aber die Fertigkeit der Jongleure, deren hervorragendstes Mitglied der Künstler Monng Toom ist. Die Spiele, die derselbe mit einer Kugel ausführte, sowie seine Balancirkünste werden jeden Liebhaber von Svezialitätcnleistnnge» auf das höchste befriedige». Auch ei» Boxerkamps zwischen zwei Jndiern dürfte selbst bei denen, die sonst nicht für derartige Kraftleistnngen eingenommen sind, Interesse erregen. Zum Schluß wurde ein indisches Drama auf geführt, das zwar wenig an die klassische Dichtkunst erinnert, aber doch durch die erlauchten Personen der Menschen- und Gdsterivelt, die in ihm anflreten, sowie durch die Geschicklichkeit, mit der die Aktoren am Schnürchen gehalten werden, lebhast fesselte. Eil« Sittenbild. Man schreibt dem„Hannov. Kurler" aus Berlin: I» einem seinen Hause des von de» obere» Zehntausend am meiste» bevorzugten Theckes de� Thiergarten-Viertels wurde vor etwa einer Woche eine verblüffende Entdeckung gemacht. Die Dame des Hanfes hatte seit drei Jabre» eine Kanin, erjungfer, die sich der vollsten Zufriedenheit ihrer Herrin erfreute. Auch sonst hatte sich niemand im Hause über sie zu beklagen, bis sie vor einiger Zeit daS Mißtrauen des gestrengen oder vielleicht nicht allzu gestrengen Hans- Herr» erregte. Dieses Mißtraue» beivegte sich nach einer ganz be- stimmte» Richtung, und die einige Woche» fortgesetzten aufnierk- famen Beobachtungen führten zu dem Resultat, daß das Mißtraue» des— eifersüchtig gewordenen Herrn Gemahls sich als berechtigt herausstellte. Es zeigte sich nämlich, daß die Kammerjungfer ein bildhübscher junger Mann ist, der die Rolle des weibliche» Dienst- boten seit drei Jahren mit bewundernswerlher Geschicklichkeit und Treue gespielt hatte, allerdings— nicht ohne Vorwisfen der Herrin, gegen welche bereits von ihrem Gatten die Ehescheidungsklage ein- geleitet sein soll. Das Ehepaar halte getreunle Schlasräume.— Das rächt sich allemall Einen deutschen Heldenjiingliug wandelte gestern die Lust an, sich eine Kraftprobe seines patriotischen Mulhes z» leisten. Im Vollgefühl seiner Stärke durchschritt der Jüngling die Manteuffel- straße und gar bald hatte er sich ein würdiges Obzekt in der Person eines arnien Slowakenjnngen ersehe», der keuchend unter seiner Mansefallenlast uach Hanse schritt. Mit kräftiger Faust und ohne jegliche Ursache versetzte er dem ahnungslose» Frsmdling eine» Schlag ins Gesicht, so daß der wehrlose Knabe laut vor Schmerzen aufschrie. Dann schritt der Jüngling gehobenen Mnthes und siegesbewußt weiter die Straße. Zum Glücke fand sich auf der Stelle eine Korrektur solchen Heldennnithes; ein Schuhmacher, der die feige Flegelei des Burschen beobachtet hatte, diente dem Bengel prompt mit einer derbe», aber gut gemeinten Maulschelle. Nun rief der deutsche Jüngling aus vollem Halse nach der Polizei, und das Ende des Vorganges war. daß die Geschichte, die gar bald eine ansehnliche Menschenmenge herangelockt hatte, auf dem Revierbnreau das übliche Nachspiel fand. Hoffentlich ist aber der Heldenjüngliug von der Sucht kurirt, sein« Rohheit an wehrlose» Slotvakenjungen auszulassen. TaS Loos der OffizierSburschc» soll bekanntlich nach An- gäbe derer, welche sich berufe» fühlen, alle Einrichtungen unseres herrlichen Kriegsheeres als unübertrefflich zu preise», ein so beneidens werthes sein, daß die junge» Leute im Waffenrock mit dem größte» Vergnügen den Dienst in der Haushaltung des Offiziers ver- tauschen. Die Soldaten, welche beim Hauptmann Marlini, zur Zeit an der Festungs-Banschnle zu Westend, Burschendienste verrichte» mußten, sind dagegen anderer Meinung. Hausgenossen des Herrn Hauptmanns erzählen, daß sie fast täglich höre» können, wie derselbe seine Bursche» mit nicht wiederzugebenden Schimpfworten bedenkt. Einer der Burschen des Hauptmanns Martini war durch die ihin zu theil werdende Behandlung so niedergedrückt, daß er anderen Leuten gegen über die Absicht bekundete, sich das Lebe» zu nehmen, und es einer eindringliche» Ueberredung bedurfte, um ihn von seinem traurigen Vorsatz abzubringen. Als eine wohlhabende Nrme hat sich die Wittwe Seelig auS der Ansbacherstr. 47 zu Charlottenburg entpuppt, die im Alter von 67 Jahre» für sich allein lebte und zu ihrem Lebensunterhalt die Hilfe der Armenbehörde in Anspruch nahm. Niemand ahnte, daß ich die Alle einer geivisse» Wohlhabenheit erfreut. Durch eine» »»glücklichen Zufall sollte die Wittwe Seelig selbst zur Verrälherin ihres Reichthuitis werden. Sie zog sich ans der Straße einen Bein- bruch zu und mußte am Montag r» das jüdische Krankenhaus nach Berlin gebracht werde». Aus Besorgniß, es möchte ihr Vermögen nicht sicher in der Wohnung sein, wandte sie sich selbst an die Polizei mit der Bitte, ihre Papiere einer Durchsicht zu unterwerfen und die Sichcrstellnng zu bewirken. Der Vorstand des zuständigen ersten Reviers begab sich daraufhin in die Wohnung der Armen und fand zu seiner Ueberraschung acht- bis zehnlausend Mark in Papieren vor. Selbstverständlich ist die Summe sichergestellt, indeß so, daß �rau Seelig selbst nicht die volle Summe im Hinblick auf die er- lalteuen Armengelder zurückerstattet werden kann. Ein Sohn der „reichen" Armen wohnt als Kaufmann im Westen Berlins. Einer der Kouipliceu des KreditschwiudlerS Bliefenick ist in der Person eines'Agenten Müller ernlittelt und festgenommen worden. Die Gauner hatte» sich Guninlistenipel hiesiger bekannter AuskunftsbureauS. wie Salamouski u. Co., Schimmelpfcnnig u. s.w. anfertigen lassen, verschafften sich ebenfalls in verbrecherischer Weise Auskunftsforiuulare der betreffenden Firmen und füllte» sich die- elben nach Gutdünken aus. Bltesenick wurde in den Formularen als eine gewissenhafte, solide Persönlichkeit bezeichnet, ivelcher ein Mindestkredit von 6000 M. zu jeder Zeit eingeräumt werde» könne. Auf grund dieser Kreditscheiue bestellte dann der Gauner Weine. Tuchivaare», Baumaterialien, kurz alles, was er nur zu erlangen vermochte und verlauste diese Maaren zu Schleuderpreisen. Der so den verschiedenen Firmen zugefügte Schaden soll außerordentlich be- trächtlich sei». Seit einiger Zeit wurden in Berlin Ackermann'sche Nähgarne zu auffällig billigen Preisen vertrieben. Dem hiesigen Vertreter der Firma gelang es nun, festzustellen, daß in der Reichshauptstadt für ca. 20 000 M. Garne zu niedrigeren als Originalpreisen verkaust worden sind. Die Firma verständigte hiervon die Staatsanwalt- fchaft, und letztere veranlaßte eine eingehende Untersuchung. Wie sich nun herausgestellt hat, sind die Garne bei einer bedeutende» Posamentirwaaren-Firma in der Königstadt muthmaßlich gestohlen und es solle» bei de» Veruntreuungen eine größere Anzahl Personen des betreffende» Geschäfts betheiligt sei». Es haben dcmentsprecheud schon zahlreiche Vernehmungen stattgefunden. Die Weidendammer Brücke ist nun endlich dem Verkehr ganz übergeben worden. Bei dem Versuche, einen Selbstmörder zu reiten, zog sich vorgestern ein Pserdebahu-Kutscher erhebliche Verletzungen zu. Der i» der Mühlenstraße i» Pankoiv wohnende Gastivirth Schröder machte den Versuch, sich in seiner hinter dem Laden gelegenen Wohnung zu erhängen, als der Pferdebahn- Kutscher Schulz die Gaststube betrat. Da der Beamte nicht viel Zeit hatte, so wollte er sich in die Privatwohnuug begeben, um de» Wirth zu rufen. Da erblickte er durch die Glasscheibe der verschlossene» WohniingSlhüre Schröver an eiuein Spiegelhake» hängen. Der Kutscher zertrümmerte die Scheiben nnt den Hände» und verschaffte sich so Zugaug zu der Wohnung. Es gelang ihnr auch, den Gastivirth aus der Schlinge zu befreien und«in inzwischen hinzngcrufener Arzt verinochte auch den Gastivirth ins Leben zurückzurnfe». Schulz hatte jedoch bei dem Zertrümmern der Fenster erhebliche Schnitlivunde» an beiden Arme» erlitten und mußte ebenfalls ärztliche Hilfe in Anspruch nehnien. Die beiden Leichen, welche zwischen Seebad Rüdersdorf und WolterSdorfer Schleuse am 29. v. M. aufgefunden worden sind, konnten inzwischen rekognoszirt werde». Die Tobten waren An- gestellte der Firma A. Hesekiel u. Ko., hier, Landsbergerftraße 32, Gustav Junker und die unverehelichte Ida Paetzold a»S Berlin. Junker, welcher seit vier Jahren verheiralhet war und zwei Kinder halte, von denen das jüngste erst sieben Wochen alt ist, knüpfte mit der Paetzold ei» Liebesverhältniß a», welches nicht ohne Folgen blieb. Eine GaScxploston hat vorgestern Abend in der Schaukwirth- schaft vou Neubauer, Naunyustr. 3, staltgesunde». Der Geschäfts- inhaber hatte das Lokal unter Mitnahme der Einrichtung Heiiniich verlassen und war nochmals zurückgekehrt, um die Gasarme ab- zllschrauben. Hierbei hat er anscheinend die Absperrung des Haupt- habns unterlassen und dadurch die Explosion herbeigeführt, bei der er jni Gesicht und an den Hände» schwer verletzt wnrde, so daß seine Ueberführnng in die Charilee erforderlich wurde. Ein sehr gefährliches Feuer entstand durch Fahrlässigkeit während der veiflosseue» Nacht in der Bilderrahmeu-Fabrik von Lion, Sebastiaustraße 61, und zwar in, Seiteuflügel des ausgedehnten Gebäudes. Nur durch die Aufmerksamkeit der Hansbewohner und daS schnelle Eingreifen der Feuerivehr hat das Feuer größere Di- mensioue» nicht geivonnen. Jni erste» Stockiverk, daß mit großen Vorräthe» an Holzrahme» attgefüllt ist, so daß man sich in den Räumen kaum umwcnden kau», bräunten Tische und Pappe, die durch glühende Grndeöfen in Brand geralhen waren. Die Oefen solle» vorschrifismäßsg auf Steinen stehen, statt dessen waren sie auf �alztische gestellt, die mit Pappe belegt waren. Diese fahrlässige mstelluug dürfte noch ein gerichtliches Nachspiel herbeiführen.— Uni 2 Uhr nach Mitternacht stand der Dachstuhl des Hanse? Joachimstraße 11 in Flammen. Nach einstiindiger Thätigkeit war die Gefahr beseitigt. Tie Herren Rückwerth und Riegel au? der Wiener- straße 50 theile» uns zu den, vorgestrigen Fenerbericht mit, daß der Brand in ihrem Hause nicht beim Leimkochen, sondern aus uner- klärlichen Ursache» entstanden ist. Tödtlich vernuglückt ist in seinem Beruf der 25 Jahre alte Arbeiter Karl Ziehe, der als unverbeirntheter Mann in dem Hause Möckernstr. 105 wohnte und im Raugirdienst auf den> Anhalter Güter-Bahnhof Verwendung fand. Am Dienstag Vormittag, zivischen 9 und 10 Uhr kam er aus den Schienen zu Fall, während sich ihm ein Wagen näherte. Die Räder gingen ihm über den Unterleib und das rechte Bein. Sehr schwer verletzt, aber noch lebend, wurde er in einem Tragekorb nach dem Elisabeih-Kranken- Haus gebracht, war aber aus dem Wege dorthin den Verletzungen erlegen. Die Leiche wurde später zur gerichlsärztlichen Feststellung des Thatbestandes abgeholt. Bei der gestrigen Stadtverordueteuwahl in Spandau hat unsere Partei einen glänzende» Sieg davongetragen. Der von der 'ozialdemokratischen Arbeiterschaft aufgestellt« Kandidat, Zigarren- arbeiler P i p e r erhielt 412 Slimnien, wogegen der von den ver- einigten bürgerlichen Parteien nomittirte Herr Feller, der in der königliche» Geschoßwerkstatt das Amt eines Werkmeisters bekleidet. nur 244 Stimmen aus sich vereiuigte. Briefkasten der Redaktion. Wir bltte», dtl leder«»frage ein« Chiffre fzwel vuchflaben oder ein» Saht) on»»gebe«. unier der die«mworl ertheilt iverden fall. Die juristische Sprechstunde findet am Montag. Dienstag und Sonnabeitd von V biS 71/, Uhr statt! I! R.®t. in W. Nur eine Tochter, keine Söhne. W. D. 41. Wenden Sie sich an die Generalkommtsston in Hamburg (Adresse: C. Legten, Hauiburg, Marktstr. 15, 13). Strafienabonnent. 1 und 2. Bestimmtes hierüber ist noch nicht be- kannt. 3. Als Koulprouiißkandtdat, aber nur zu dm badtschm Landtags- wählen. L. K. IL. Die Stecklinge der Kamelie können gleich in Erde«setzt werden und zwar in eine Erdmischung, die aus Laub-, Haide- und Rasen- erde zusammengesetzt ist und der etwas Flußsand und seine Hornspäne beigemengt wird. 91. Roack 158. 1. Ja, aber wo nicht» ist, dahat nicht nur der Kaiser sein Recht verloren. 2. Erzeugt ein Mann mit demselben Mädchen �wei Kinder, so hat er selbstredend für beide Kinder zg zahlen.— 9999. Nein. WikieruugSIIbersicht Pom 1. September 4397. E l a t t o»«„. £ i§f i-s|| Sgss »1«* 767 758 769 763 767 754 757 758 751 762 Kwlnemünde Hamburg. Verlin.. Wiesbaden, München, Wien.., Hnpnrandn. Petersburg. Cork... Abecdeeu., Paris... Weller-Proguose �________ Zunächst ziemlich heiter bei mäßigen südwestlichen Winden.� kühler Nacht und steigender Tagestemperatur; nachher Trübung und etwas Rege». �Berliner Wetlerbureau. Ria- de» Inhalt der Inserate iibernimmt die Redaktion dem Pnbliknm gegenüber keinerlei _ Verantwortung._ Thenkev. Donnerstag, den 2. S e p t b r. Neues kgl. Lperntheatcr tKroll). Die Hugenotten. Ansang 7 Uhr. Schausptelhaus. Die Hermanns- schlacht. Anfang 7r/, Uhr. Deutsches. Faust. Ansang 7%, Uhr. Berliner. Kaiser Heinrich. Ansang 7Vz Uhr. Lessiug. Abu Seid. Das zweite Gesicht. Neues. Der Stellvertreter. Anfang 7 V2 Uhr. Unter den Linden. Boccaccio. Ans. 7-A Uhr. Schiller. Papa Nttsche. Anfang t- Uhr. Luise». Geschwister Fiebig. Anfang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Das vierte Gebot. Thalia. Luftballets Grigolatis. Borher: Tonbisson's Hochzeit. Ostend. Unsere Neichspost. Anfang 8 Uhr. Alexanderplah. Verbotene Früchte. Hierauf: Eine tolle Prinzeß. Anfang 8 Uhr. Belle-Zllliance. Spezialitäten. Ans. 6 Uhr. Apollo. Venus auf Erden. Anfang 8 Uhr. Passage- Panoptikum. Indisches Dorf. Sch kz e tttev (Wallner-Theater). Donnerstag, abends 8 Uhr: Papa Nitsche. Freitag, abends 8 Uhr: Die Ge- schwister. Hierauf: Clavigo. Sonnabend, abends 8 Uhr: Deutsche Schwanke ausvierZcitaltern. Lnisen- Theater 34. Reichenbergerftraste 34. Donnerstag, de»». September, abends 8 Uhr: Zun« 3. Male: Geschwister Fiebig. Modernes Volksstück in 3 Alten von Oscar Wagner und Hugo Haßkerl. Musik von Fritz Krause. Preise der Plätze: Prooceniumsloge ö M., Orchester- löge 4 M., Parquetloge 3M., Orchester- Fauteuil 3 M., Parguet-Fauteuil 2 M., Mittelrang-Fauteuil 2 SfL L Parquet, I. Rang Fauteuil 1,60 M., I. Rang Sperrsitz 1,60 M., II. Parquet und I. Rang Balkon 1 M., Tribüne 75 Pf. Centrai-Theater Alte Jakobstr. 30. Direktion Bichard Schalte. Sonnabend, den 4. September 1897: £nill Thomas a. A. Zum ersten Male: Novität k Novität! Berliner Fahrten. Burleske AuSstattungspossemitGcsang und Tanz w ö Bildern von Julius Freund und Wilhelm Mannstäd t. Musik von Jul. Einödshofer. Vorverkauf findet an der Tageskasse des Eentral-TheaterS von Mittwoch, den 1. September ab von 10—2 Uhr statt. Ostettd-Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Dir. fif. Weis,. Vorletzte Woche! Borletzte Woche! Zum 41. Mal-: Unsere Reichspost. Volksstück mit Gesang in 4 Akten von R. Kneisel. Musik von C. Schüler. _ Anfang 8 Uhr. Concerthaus IjcipzlgcrHtr.Xo.48. LM- Täglich:-MGf Hoffmann's Quartett Md Humoristen. Anfang Wochentags 8 Uhr. Entree: Saal und II. Rang 30 Pf., Sperrsitz 50 Pf., Logen u. I. Rang 1 M. Yiktoria-Brauerei Lützow- 8traHHo 111/11 8 nahe Potsdamer Platz. Beate: der Btettiner Sänger (Mehsel, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Nur Zum Schluß: einmalige Aufführung: „Vor Z3 Zehren". Ensemble von Meysel. Anfang 8 Uhr. Entree 20 Pf. Billets 5 40 Pf. und Familien- Billets st I M. nur int Vorverkauf. Nach der Soiree: I'aaz-Brftazcheii. Freitag, 3. September: Zum Schluß; Strampelbrüder. Urania Taubenstrasso 48—40. N aUirkundl. Ausstellung tägl. geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50 Pf.— Wissenschaftl, Theater abends 8 Uhr. Passage-Panopüeum. Indisches Dorf mit dem bedeutendsten Fussball- Künstler der Welt ■oang Tool. Vorst. 12, 5, 7 und 9 Uhr. Castan's™ Panopticum. Friedrichs tr. 105. Bärenweib die grösste Sehenswürdigkeit des ablaufenden Jahrhunderts ist wieder da!!! Ha.. I Italienische Kapelle HCIl. des Maestro Liberti, 5 Herren, 2 Damen. Apollo-Theater und Konzert-Garten. Friedrichstr.«18. Dir. J.«Ittck. VröüilililgHerWiilter-Tllisoil. Vollftäudig neues Programm. IL Debüts."W Kaffeneröffnung 6Vj Uhr. Auf. 7Vj Uhr. Entree 1 Mark. Drei grosse Extra- Yorsteilungen stehen in Kaafmann's Varietö f. d. I. Original-Budapester Possen- u. Operetten- Theater (Direktion Gebr. Herre nfeU) bevor, und zwar: 1. Sonnabend, 4. Septbr.: Gr. Wohlthätigkeits- Vorstellung zum Besten der Ueberschwemmten zum 100. und letzten Male: „Himmel auf Erden" 2. Hontag, den 6. September: Erölfnnng d. Vinter-Saison Premistre von Ein Abend Im Wintergarten. Original- Lustspiel von Gebr. Herrnfeld. D�- Im Atelier."VS Oi iginal-Gelegenheitsscherz in 1 Akt. W. Noaclcs Theater Brunnen-Htraase 10. Täglich: Theater-«. Spezialitäten- Vorstellung. X-Ltlpsblen. Schwank in 1 Akt von E. Felsch. Der Walzerkönig. Poffe in 1 Akt von M ä tz s ch. Großer Erfolg! Großer Erfolg! Rosen aus dem Men. Original- Burleske mit Gesang von _ W. G e r i ck e. DM- Jeden Sonntag, Montag. Dlenstag und Donnerstag: im Saal:€ir<>N«er Ball. Weddwg-Vark Mullerstrasie 178. <*r. Garten-Iiokalitlitcn, verdeckte Sommer-Kegelbahnen, Franz. Billards, Belustigungen aller Art. Kaffeeküche täglich geöffnet. Jeden Donnerstag: Gr. Vindrrfept mit Gratisverloosung. Jeden Sonntag: s2942L* Frei-Konzert und Ball. M?ttw°ch- kesellsWsabend. Auftreten des Konzertsängers Herni Kroll, sowie des Konzertpianisten Herrn A. Patsch.— Entree ft-el. _ Wilhelm Trapp. Aehtiing! Maurer. Achtnng! 2. Diskussion. Die Eohnkommlssion. Dounevstag, deu s. September, abends 8'/- Uhr, in Cohll's Festsäleu, Beuthstraße SS: Grobe öffentliche Versammlung der Maurer Berlins und Umgegend. Tagesordnung: 1. Die nächsten Aufgaben der Gewerkschaften im Bangewerbe. 3. Bericht über unsere jetzige Lohnbewegung. 4. Verschiedenes. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen ist erforderlich. Fee»-Palast.-«ZÄ. Direktion R, Vinkler u. V. Fröbel. Sonnabend, 4. September 1894; Wiedereröffunng der renovirten Riesen-Räume. WohWtiMs-Msttlluilg zum besten der IJeberschweminten. Graftes Eoneert(20 Musiker). Gala-Toristellnngbeä aus 50 Künstler bestehenden Spcclalitätcn-Pcrsonals. P Ansang 71/j Uhr. Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. bis 1 M. 50 Pf. Maehr's Yari6t6-Theater Orauieustr. 24. Tiiglilh: Theatervorßellllng. Auftreten Specialitätenkiinstler 1. Ranges. Der GaleerenatrKlIlnA. Volksstück mit Gesang. Neu! Die Mutter der Kompagnie. Schwank. Die internationalen Original-Ver- wandlungs-Duettisten ohne Concur- renz! Gelsehw. Bohrer. Senf.! Mr. Bill, Nigger-Excentrio u. A. Alles Nähere die Tageszettcl. Feuerstein 8 Festsäle Alte Jakobstrasse 75. Grosse und kleine 8äle zu Versammlungen unentgeltlich! sowie zu Sommer- u.Winterfesthch- keiten b. kulanten Bedingungen. Reichhaltige Abendkarte zu solid. Preisen. 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Der Parteitag zu Hainburg. Reserent: Reichstags-Abgeordneter Arthnr Stadthagen. 5. Diskussion. 6. Wahl der Delegirten zum Hamburger Parteitag. Mit Rückficht auf die Wichtigkeit und Reichhaltigkeit der Tagesordnung ersucht die Genossinnen und Genossen um möglichst pünktliches und zahl- V« reiches Erscheinen Der Vertranensmann. Achtung! Achtung! Mum, anabend, der Vereint! Sonnabend, der 18, Ottober, ist nocki zu vergeben. 2913L» Etablissement 8vcdterftt.6, II. Mtige Ajirschnerzehilsrn ßnden lohnende und danernde Be- schästtgnng bei 344b 44. W ollf. Burgttr. 29. Tüchtige Pektrinen-Stilisirmilntn finden lohn. u. dauernde Beschäftig, bei 345b 11. Wo IN". Biirgstr. 29. Setzer- Faktor, erste Kraft, sür größere Druckerei Berlins zum 1. Oktober gesucht. Off, mit Gehaltsanspriichen unter B. S an die Erpcd. d. Ztg._ 3426* 1 StockpolirerS Farbiginacher ges. Wafferthorftr. 4«. Verantwortlicher Nedaktenr: Angust Jacobey in Berlin. Für de» Inserat, nlheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin.