Einzelpreis 30 Pfg. 4. Jahrgang Die Freiheit erfcheint morgens und nachmittags, Sonntags und Montags nue einmal. Der Bezugspreis beträgt bet freier Zustellung ins Haus für Groß- Berlin 10,- m. im voraus jablbar, von der Spedition felbft abgeholt 8,50 M. Für Pofte bezug nehmen fämtliche Poftanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland und Österreich 16,50 m., für das übrige Ausland 21,50 m zuzüglich Valuta- Aufschlag, per Brief für Deutschland und Österreich 30,- M. Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin 2, Breite Straße 80. Freitag, 7. Januar 1921 Nummer 9 Morgen- Ausgabe De achtgespaltene Nonparelllegeile oder beren Raum koftet 5,-. einschließlich Seuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2, M., fedes weitere Wort 1,50 M., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gefuche 3,20 9. netto pro Beile. Stellen Gesuche in Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 M., jedes weitere Wort 1,-. Fernsprecher: Bentrum 2030, 2645, 4516, 4603, 4835, 4649, 4921 greiheit Berliner Organ ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Lärmszenen in der sächsischen Kammer Ein Volksentscheid Kommunistische Demagogie ( Eigene Drahtmeldung der Freiheit".) Dresden, 6. Januar. Die heutige Sigung des sächsischen Landtages benutzten die Kommunisten zu einer„ Sensation". Die B. K. B. D. hatte für die Zeit der Landtagseröffnung die Erwerbslosen zu einer Demonstration aufgerufen, die auch den Banntreis um das Landtagsgebäude berühren sollte. Die Polizei hatte im Verfolg des Reichsgesetzes und wegen der Zerstörungen, die bei einer Erwerbslosendemonstration in Blauen i. Bogil. vorgekommen sind, den Raum um das Landtagsgebäude abgesperrt. Bor Eintritt in die Tagesordnung verlangte der tommunistische Abgeordnete Sievert, daß ein Antrag seiner Fraktion, sofort eine Beihilfe von 400 Mart für Ledige und von 600 Mart für Berheiratete, sowie eine Erhöhung der Erwerbslosenunterstügung um 100 Prozent, an die Spitze der Tagesord nung gestellt werde. Um die Erwerbslosen für ihre Partei einzufangen, behaupteten die Kommunisten in demagogischer Weise, die U. S. P. D. und die S. P. D. hätten es abgelehnt, ihren Antrag überhaupt zu unterstützen, damit er nicht zur Verhandlung fomme. Die Vorsitzenden der beiden Fraktionen erklärten diese Behauptung für unwahr. Sie hätten den Brief mit der Aufforderung, den kommunistischen Antrag zu unterstützen, erst furz vor der Sitzung erhalten und hätten daher seinen Inhalt den einzelnen Mitgliedern der Fraktionen noch gar nicht bekannt geben können. Der Redner der U. S. P. D., der über die Absichten der Kommunisten auf anderem Wege Kenntnis erhalten hatte, erklärte, daß die Fraktion für den Tagesordnungsantrag der Kommunisten und auch dafür stimmen werde, daß eine Abordnung der Erwerbslosen gehört werde. Da aber alle übrigen Parteien gegen diese Anträge stimmten, setzten die Kommunisten im Berhandlungsfaale und die fommunistischen Zuhörer auf den Tribünen mit einem derartigen Lärm ein, daß die Sigung unterbrochen werden mußte. Während dieser Zeit wurde von den einzelnen Parteien mit einer Abordnung der Erwerbslosen verhandelt. Die tommunistischen Abgeordneten erklärten, daß sie nach der AbJehnung ihrer Anträge teine Lust hätten, an den heutigen Verhandlungen des Landtages weiter teilzunehmen. Sie fühlten fich nicht wohl in einem von der Polizei beschützten Hause und müßten deshalb den Verhandlungssaal verlassen. Nur ein einzelner Kommunist, der Abgeordnete Granz, nahm weiter an den Verhandlungen teil. In ihrem Frattionszimmer schienen fich aber die übrigen Abgeordneten innerhalb des von der Polizei geschützten Landtagsgebäudes wohl zu fühlen, fie laßen dort bis in die Abendstunden hinein. Die Flensburger Borgänge antwortete: heitspolizei den allzu billigen Vorwand für die Schießerei gab. Der Sturm auf die Kaserne ist ein Rüdfall in jene Putschtaftit, die seit zwei Jahren von gewiffenlosen Elementen der K. P. D. geübt wird und die die Arbeiterschaft von einer Niederlage in die andere gerissen hat. Wenn die Rote Fahne" in ihren theoretischen Artikeln von dieser Butschtaftit abrückt, fie aber, wenn sie praktisch in Erschei: nung tritt, verteidigt, dann wird sie auch in Zukunft die Verantwortung für alle derartigen Fälle zu tragen haben. Die Empörung der Arbeiter über die Erschießung Hoffmanns, wir betonen das noch einmal, ist der natürliche Ausfluß einer unerhörten Provokation. Wer aber diese Empörung ausnügt zu einer Teilation, deren Ausgang immer das Gesamtinteresse trifft, ist ein unverantwort licher Schädling, der ausgestoßen werden muß aus den Reihen der Arbeiterklasse. Minister Severing trägt jetzt die volle Verantwortung dafür, daß Major v. Plistow und der Schüze, Leutnant Dewald, zur Rechenschaft gezogen werden. Die vorläufige Außerdienstjegung der beiden Täter genügt nicht. Sie müssen sofort in Saft genommen werden, damit sie nicht, wie in allen bisherigen Fällen, Gelegenheit haben, die Spuren des Verbrechens zu verwischen, damit nicht wieder statt einer Untersuchung eine Justizkomödie mit gut verteilten und vortrefflich einstudierten Rollen aufgeführt werden fann. Eine amtliche Erklärung streben, den Fall Hoffmann als einen Mord aus politischen Amtlich wird mitgeteilt: Ein Teil der Presse zeigt das BeBeweggründen hinzustellen. Man spricht von einer Bluttat der Sipo, einer Mordtat der Realtion. Man spricht von den beteiligten Beamten als Mörder und dergleichen mehr. Demgegenüber ist es angezeigt, nachdrüdlich darauf hinzuweisen, daß das Ergebnis der fofort eingeleiteten Untersuchung bisher teine Anhalts puntte(?) dafür erbracht hat, daß es sich um einen Mord handelt. Die bisher nicht widerlegten Angaben der Beamten gehen dahin, daß sie den Verhafteten nachdrüdlich verwarn fen, daß sie bei einem Fluchtversuch Gebrauch von ihrer Schußwaffe machen würden. Trotzdem hat der Berhaftete sich unter Anschossen worden. wendung von Gewalt losgerissen und ist auf der Flucht erDiese Darstellung steht im vollen Widerspruch zu den Darlegungen, die Minister Severing gestern im Hauptausschuß der Preußischen Landesversammlung gegeben hat. Es flingt aus ihr sehr deutlich jene Melodie hervor, mit der bisher jede Mordtat, von der Soldatesta verübt, beschönigt wurde. Vierzehn Todesopfer Die Zahl der Toten bei den Unruhen anläßlich der Beerdigung des Kommunistenführers Hoffmann hat sich auf 14 erhöht. Der Verkehrsminister hqt den aus den Verhandlungen des Staatssekretärs Stieler mit den Gewerkschaften des Eisenbahnpersonals am 5. Januar hervorgegangenen Einigungss vorschlag über die Erhöhung der Teuerungszuschläge zu den Beamtengehältern und Arbeiterlöhnen gebilligt und der Reichsregierung zur Annahme empfohlen. Im Sauptausschuß der preußischen Landesversammlung p fanden gestern Beratungen über die Reorganisation Die Eisenbahnerbewegung der Polizei statt. Polizeipräsident Runge von Neukölln, ein Rechtssozialist, verlangte bei dieser Gelegenheit vom Minister Auskunft über die Flensburger Vorgänge. Herr Severing Der moralisch Berantwortliche für die traurigen Vorfälle in Glensburg jei der Denunziant, der von der Polizei nicht angestent, fondern freiwillig gekommen wäre, vielleicht in der Hoffnung, für feine Mitteilung Geld zu erhalten. Die Angaben dieses ehemaligen Bolizeibeamten feien so unwahrscheinlich gewesen, daß die Flensburger Bolizei abgelehnt hätte, fie weiter zu perfolgen. Aber der Kommandeur der Sicherheitspolizei, Plüs tow, habe ohne Fühlungnahme mit der Polizeiverwaltung Sausis fuchungen vorgenommen, die ohne Ergebnis verlaufen feien. Trogdem jei einer der angeblichen Hauptführer an der Verschwö rung verhaffet und gefesselt worden. Der gefesselte Mann sei bei einem angeblichen Fluchtversuche erschossen worden. Oberpräs libent und Regierungspräsident hätten sofort eine Untersuchung eingeleitet und Herrn von Plüstow und die beiden anderen beteiligten Polizeibeamten vom Dienste Suspendiert. Die spätere Verteidigung der Kaserne durch die Sicherheitspolizei billigt der Minister ausdrüdlich, sowohl was bas lange Zögern als auch den endlichen Gebrauch der Waffe anbetrifft. Braunschweigische Regierungskrise Minister Sepering gibt also zu, daß die moralische Schuld an den blutigen Vorgängen in Flensburg in erster Linie auf den Kommandeur der Sicherheitspolizei, Major v. Plüs tow, zurüdfällt. Er hat einem hergelaufenen Spitzel Gehör geschenft, einen völlig Unschuldigen verhaften lassen und da mit gezeigt, daß er seines Amtes nicht gewachsen ist. Die Erfchießung Hoffmanns auf der Flucht wird durch die Dare stellung des Ministers Severing noch unglaubhafter: Hoffmann ist gefeffelt abgeführt worden, er konnte sich also gar nicht zur Wehr sehen und ist mithin ohne jeden Zweifel einem Verbrechen zum Opfer gefallen. Darüber sind auch in der Flensburger Arbeiterschaft die Meinungen nicht geteilt. Die einmütige Protestfundgebung bei der Beerdigung des Opfers zeigte den Abscheu der Arbeiterklasse vor diesem Berbrechen, und es ist nur zu hedauern, daß sich im Anschluß an diese Demonstration ein Teil der Arbeiter zu dem unsinnigen Sturm auf die Kaserne hinreißen ließ und damit der Sicher Braunschweig, 6. Januar. 3 Der Landtag hat den Antrag her Rechtsparteien auf Ein fegung eines Kontrollausschusses für die Anstellung von Schutzpolizeibeamten, in welchem die Regierung ein Mi trauensvotum erblidt und weswegen sie die Vertrauensfrage entworfen hatte, mit 31 gegen 27 Stimmen abgelehnt. In der Gesamtabstimmung wurde dann die Regierungsvorlage wegen Vermehrung der Schußpolizei mit 30 gegen 28 Stimmen ebenfalls abgelehnt. Ein großer Schieberprozeß TU. Hamburg, 6. Januar. Vor der Straffammer des hiesigen Landgerichts begann heute ein großer Schieber- und Betrügerprozeß, der gewissermaßen ein Anhängsel zu der Affäre der Gebr. Stlarz in Berlin darstellt. Fünf Angeklagte werben beschuldigt, das Vermögen der Eintaufszentrale in Berlin, das Ernährungsamt in Crimmitschau und verschiedene Privatpersonen in einen Gesamtbetrag von über 800 000. geschädigt zu haben. Der Versuch, die Stadt Dresden um 6 300 000 w. zu schädigen, ist nicht geglückt. Die Stlarz- Angelegenheit spielt insofern in diesen Brozeß hinein, als Etlarz den Angeklagten Bop mit dem Einkauf von Lebensmitteln beauftragt und dafür Blanto- Ausweise ausstellte. Taujende von Dosen Pferdefleisch wurden eingehandelt und als Rindund Privatleute weiterverfauft. Für die Verhandlungen find fleisch mit großem Gewinn an die Truppen, an Stadtgemeinden 3 Tage in Aussicht genommen. in Bremen Von A. Hente, Bremen Kürzlich entschied in München die Bevölkerung, daß die sozialistische Stadtverwaltung im Amte bleiben solle. Das war wohl in Deutschland der erste Volksentscheid von dieser Art. Erfreulich an ihm war, daß er gegen den Wunsch und Willen der Reaktion ausfiel. Am 9. Januar soll im Stadtstaat Bremen ein Voltsentscheid über Sein oder Nichtsein des gegenwärtigen, rein bürgerlichen Senats entscheiden. Fällt der Entscheid gegen diesen aus, so wird ein neuer Senataus den Vertretern derfozialistischen Parteien zu bilden sein. Nach der Darstellung der bürgerlichen Parteien wäre das gleichbedeutend mit dem wirtschaftlichen Ruin Bremens. Um diese Darstellung glaubhaft zu machen, wird kein Mittel der Demagogie unbenutzt gelassen. Und welche Mittel stehen dem Reeder-, Handels-, Industrie- und Finanzkapital da nicht zur Verfügung! Bor allem das Mittel aller Mittel: Geld! " Die Ereignisse vom Januar und Februar 1919 besonders werden als Abschreckungsmittel benugt. Es kann ruhig zu gegeben werden, daß damals auf seiten der Revolutionäre manche Dummheit gemacht worden ist; wann wären in Revolutionszeiten nicht Dummheiten gemacht worden? Nichts leichter, sich darüber nachträglich zu mofieren. Selbst ein dem Sozialismus so verständnislos, ja feindselig gegenüberstehender Politifer wie der Bremer Demofrat" Dr. Mil. helm Böhmert muß aber in der Bossischen Zeitung" zu gestehen, daß die Revolution in Bremen verhältnis. ein erheblicher Teil der Arbeiterschaft schwer bewaffnet gemäßig glimpflich verlaufen" ist. Obendrein, obwohl wesen sei. Allerdings wurden die staatlichen Läger in den Häfen ziemlich radikal" aus. geplündert", schreibt Böhmert im Widerspruch mit der Wahrheit.„ Aber sonst geschah, abgesehen von unbedeutenden Requisitionen, niemand ein Leid. Und auch mit den Staatsgeldern(!) wurde fein nennenswerter Mißbrauch ge= trieben." Man fragt erstaunt: weshalb dann die demagogische Heze gegen eine fünftige sozialistische Regierung, unter der sich selbstverständlich nicht wiederholen würde und fönnte, was früher vorgekommen sein mag, dieweil gerade die Arbeiter schärffte Kritik an ihren eigenen revolutionären Gegner manches hinzugelernt haben? Handlungen zu üben pflegen und mithin inzwischen wie ihre Der Hauptgrund für diese Hezze ist der tödliche Haß der früher politisch einflußreichsten Elemente Bremens gegen den Sozialismus und die Demokratie. Knirschend vor Wut haben fich diese Elemente, wozu in erster Linie die, ehrbaren" Kaufleute gehören, nach der Revolution auf den famosen Boden der Tatsachen gestellt. Sie gehörten aber mit zu den ersten, die diesen Boden zu unterminieren und alles aufzu bieten suchten, vom Alten zu retten, was zu retten war. Was bis zum November 1918 in der Republit Bremen mittels eines Achtklassenwahlrechtes regierte, gehörte zu den konservativsten Klassen, die es in Deutschland gab und gibt. Prozig saßen diese Menschen auf ihren Geldsäden und widersetzten sich hohnlächelnd all den Ansprüchen der stetig anwachsenden und politisch wie gewerkschaftlich hochentwickelten Arbeiterschaft. Freilich, mit dem immensen Anwachsen dieser Arbeiterschaft wuchs die Aussicht auf den Zusammen bruch der bisher behaupteten Herrschaft. Die ehemalige Handelsstadt Bremen mit ihrer verhältnismäßig wenig zahl reichen Bevölkerung, der die„ tagenboren Bürger"( über die sich noch Friedrich Engels so herzhaft luftig machte, als er einen Teil seiner Lehrjahre in Bremen verbrachte) ein derb- komisches deutschen Kapitalismus in schnellem Tempo zu einer GroßGepräge gaben, wurde in der Sturm und Drangperiode des stadt mit überwiegend industrieller Bevölkerung. Da ber viberalismus in Bremen dominierte, die Arbeiterschaft also aus nächster Nähe, dessen Engstirnigkeit gegenüber aller Sozialpolitik und seine Feindschaft gegen den Sozialismus fühlbar tennen lernte, war es eigentlich selbstverständlich, daß die bremischen Arbeiter bis zum Kriege immer zum radikalen Flügel der Sozialdemokratie gehörten. Die Unmöglich. feit eines 3usammengehens mit dem Bürgera tum mußte hieram sichtbarsten werden. Um so unzweifelhafter wurde der bremischen Bourgeoisie, daß der Anfang einer proletarischen Herrschaft der Anfang vom Ende der kapitalistischen Herrlichkeit sein werde. Daraus erklärt es sich, daß die Reaktion wie in Bayern und Medienburg, so in Bremen gegenwärtig am frechsten ihr Haupt erhebt und am nachdrücklichsten der sozialistischen Gefahr sich zu erwehren sucht. Wie schon in der bremischen Nationalversammlung ge wissen Forderungen der Entente gegenüber die schärfsten Töne angeschlagen wurden, so wird jezt in Bremen der zäheste Widerstand gegen die Auflösung der Stadtwehr auss geübt. Diese Stadtwehr ist mit Hilfe der Mehrheitssozialisten geschaffen worden, nachdem mittels derselben Hilfe die Räteregierung" durch Rostetruppen beseitigt war. Golange die Mehrheitssozialisten überwiegend die bremische Regierung bildeten was nach ihrer Diftatur vom Februar 1919 ber Fall war, fonnte die Auflösung der Stadtwehr natür lich nicht erreicht werden. Die Wahl zur Bürgerschaft brachte ihnen aber gewaltige Verluste und deshalb mancherlei Besinnung. Mit ihren und unseren Stimmen und denen der Kommunisten wurde fürzlich die Auflösung der Stadtwehr von der Bürgerschaft beschlossen. Der bereits erwähnte Dr. Böhmert gibt übrigens zu, daß die Stadtwehr inzwischen start „ Derbürgerlicht" ist, was allein genügend erklärt, weshalb die Bürgerlichen von ihr nicht lassen wollen. Der Senat lehnte es ab, sich binnen acht Tagen zu dem Beschluß der Bürgerschaft zu äußern, wie diese forderte; das veranlaßte unsere Genossen, ein Mißtrauensvotum zu beantragen. Um der sicheren Annahme dieses Botums und den daraus entstehenden Folgen vorzubeugen, trat der Senat von seinem Amt zurüd und erzwang so gegen den Geist der Verfassung zwar den Bolfsentscheid, wobei er zweifellos mit sämtlichen bürgerlichen Parteien im EinverStändnis handelte. Sie Senat und bürgerliche Parteien; hie sozialistische Parteien mit Einschluß der Kommunisten; so stehen sich die Lager gegenüber. Deine Rede sei„ Ja“ oder„ Nein", heißt es am Sonntag für alle Wahlberechtigten in Bremen. Ergibt der Volksentscheid ein Mehr an Nein, so bleibt der Senat, es muß aber Neuwahl der Bürgerschaft eintreten; eine Mehrheit an Ja zwingt die sozialistischen Parteien zur Regierungsbildung, während die Bürgerschaft bleibt wie sie ist. Die Mehrheit würde sich aus 37 Unabhängigen, 22 MehrheitsSozialisten und 5 Kommunisten zusammenfegen; 120 Mit glieder zählt die Bürgerschaft. Die Situation ist also feines wegs erfreulich für uns; die sozialistische Regierung verspricht nicht von langer Dauer zu sein. Während aber nach der Bürgerschaftswahl die Regierungsbildung von unseren Genossen abgelehnt wurde, befinden wir uns nun in einer Zwangslage. Bremen wird seinen Kredit verlieren, wenn es eine fozia| in Rußland, Keime, aus denen ein Friede entstehen könnte. Wir in Rußland, Keime, aus denen ein Friebe entstehen fönnte. Wir würden sie zertrefen, wenn wir vom Frieden[ prechen. Das werde man deuten als Schwäche, und dadurch wacje in Rußland das Kraftgefühl noch einmal usw. Die Ziele, die die Alldeutschen verlangten, seien Unsinn."„ Ich denke nicht daran, sie zu verwirklichen. Belgien annettieren! Ein Land mit einer uns vollkommen fremden, auch sprachfremden Bevölkerung. Ich stelle mir vor, daß wir engere Wirtschaftsbeziehungen mit Belgien friegen fönnen, vielleicht auch Abmachungen militärischer Art. Und wenn es mir ges länge, die Grenze in den Vogesen ein wenig zu regulieren, die jetzt unterhalb des Kammes verläuft, dann wäre das hon von großer Bedeutung, ebenso, wenn man die Schleifung Belforts durchsetzen fönnte. An diesen Grenzen haben wir furchtbare Opfer bringen müssen." Saase und ich Sanse vor mir stellten mit Genugtuung fest, daß diese Darlegungen uns befriedigten, mindestens hätten hie mancherlei Befürchtungen zerstreut... Bethmann Hollweg wies dann auf unsere Genossen in England hin:„ Wenn Sie mit denen Fühlung nehmen fönnten, Jei das gewiß wertvoller, als wenn wir im Reichstage über den Frieden reben. Aber Ihre internationalen Freunde scheinen wenig friedlich gesinnt zu sein.".. Daß Bethmann Hollweg auf Haase großen Eindrud gemacht hatte, war unverkennbar. und seine Freunde, Molkenbuhr und Robert Schmidt, haben Stellen wir aus diesen Ausführungen fest: Scheidemann spätestens am 8. März 1915 erfahren, daß Bethmann Hollwegs Kriegsziele auf Eroberungen gingen.„ Eifig falt" ist es ihm laufen. Ttogbem also mindestens von diesem Tage an fein nach seinem eigenen Geständnis dabei über den Rüden ge= Mehrheit der Fraktion bis zum Zusammenbruch der Er 3weifel über den Charakter des Krieges bestand, hat die. oberungsregierung trene Gefolgschaft geleistet. Aus den Mits teilungen geht hervor, daß Scheidemann nicht nur die deutsche Arbeiterklasse bewußt in die Jrre geführt, sondern daß er im engsten Bunde mit der Kriegsregierung stand, der er sogar noch die Stichworte lieferte, mit denen das deutsche Volk belogen und betrogen werden sollte. listische Regierung erhält. Wegen der dann wieder einScheidemann verübt aber geradezu Grabschändung, wenn tretenden Unsicherheit für Leben und Eigentum wird Bres er Hugo Haase, der nicht mehr antworten fann, in sein Lügengetriebe hineinzuziehen versucht. Er behauptet, Haase men als Safen und Lagerplay gemieden werden. Das und habe vor ihm mit Genugtuung" festgestellt, daß die neuen ähnliches mehr behaupten die bürgerlichen. Parteien. Wer Darlegungen des Reichstanzlers uns" befriedigt hätten. Darlegungen des Reichskanzlers uns" befriedigt hätten. unter diesen Umständen am 9. Januar seine Pflicht zur Er- Das ist eine blanke Lüge. Am 9. März, das war der Tag haltung des gegenwärtigen Geschäftssenats nicht erfüllt, son- dieser Unterhaltung, wurde in der Reichstagsfraktion die dern lieber dem Wintersport nachgeht, verdient nicht nur, Etatsrede erörtert, die Saase halten sollte. Haase hatte, daß ihm die Sties um die Ohren geschlagen, er muß am trog des von Bethmann geäußerten Wunsches, nicht über den nächsten Later'nenpfahl aufgefnüpft wer den, schrie fürzlich die Weser- 3tg.". Nieder mit So benspaffus verlangt. Die Leute um Scheidemann, die Frieden zu sprechen, die Einfügung eines Frie atalisierung und Kommunalisierung! schreit sich mit Bethmann Hollweg auf Gedeih und Berderb verein anderes Blatt, das im bremischen Kleinbürgertum start bunden hatten, erklärten jede Kundgebung des Friedens Daß in Bremen noch nicht einmal die Straßenbahn tom- willens für verderblich; zweimal schon habe die Fraktion Dom Frieden gefprochen, ohne im feindlichen Auslande ein munalisiert ist; daß unter dem bisherigen Regime der Echo gefunden zu haben. Mit 57 Stimmen wurde schließlich Fehlbetrag im Budg'et auf 158 Millionen der Forderung von 5aafezugestimmt und Haase Mart anschwoll, so daß ohne die Hilfe des Reiches hat schließlich auch in der Sigung vom 10. März im Reichstag Bremen bereits dant den Folgen des Krieges bankrott ist; feine Ausführungen über den Frieden gemacht. daß endlich Freunde Bremens" ihre Waren Tabat z. B. lieber dem Schutz der Entente als dem einer sozialistischen Regierung anvertrauen, wird zwar verschwiegen, vervollständigt aber nur wahrheitsgemäß die Jülustration dessen, was gegenwärtig in Bremen ist. verbreitet ist. Es ist also eine bedeutungsvolle Machtprobe, um die es am nächsten Sonntag in Bremen geht, wobei sich zeigen soll, daß der Boden der Demokratie für diese Probe tragfähig genug ist. Geht es nach denen, die gegenwärtig in Bremen am Tauteen gegen den Sozialismus rasen, dann wird ein für die Bourgeoisie ungünstiger Voltsentscheid sofort durch einen Streich der Reattion tot= Jm Karigiert. Im anderen Falle würden alle Mächte des Ras pitals nicht zum wenigften auf dem Wege über die Reichsregierung mobil gemacht werden, um der Welt zu beweisen, daß eine sozialistische Regierung in Bremen eine Unmöglichkeit ist. Gleichwohl wird die bremische Arbeiterschaft fich am Sonntag einmütig und geschlossen darum zu bemühen haben, daß der Boltsentscheid in ihrem Interesse ausfällt! Scheidemann als Komplize Das ist die geschichtliche Wahrheit. Wenn Herr Scheidemann das Bedürfnis fühlt, sich seines Kriegslügenspiels auch fegt noch zu rühmen, so soll er sich in geziemender Entfernung von dem Grabe Hugo Haases halten! Die Entwaffnungsfrage Tagesordnung ber Allierten- Konferenz Die Konferenz der Alliierten, die am 19. Januar zusammentritt, um zu der Entwaffnungsfrage Stellung zu nehmen, wird folgende Tagesordnung beraten: 1. Zerstörung und Verminderung der Rüstungen Deutschlands. 2. Frage der Reichswehr. 3. Frage der Sicherheits- und Ortspolizei. 4. Frage der Einwohnerwehren, Orgesch und anderer Freiwilligen- Formationen. 5. Beschränkung der Armierung der deutschen Festungen. 6. Auslieferung der Geheimnisse bezgl. der Erzeugung von Explosivstoffen und giftigen Gafen. Der Londoner Korrespondent des Matin" erklärt dazu, England sei überzeugt, daß sich die Verminderung der deutschen Rüstungen im allgemeinen befriedigend vollziehe, doch gäbe es Bethmann Hollwegs noch immer verborgene Waffen. So fet vor allem eines Mißglückte Verteidigung und Beschuldigung Philipp Scheidemann veröffentlicht, zugleich als Reflame für ein demnächst von ihm herausgegebenes Buch, einige Erinnerungen an Bethmann Hollweg, Wenn man bisher noch annehmen konnte, daß Scheidemann und seine Gefinnungsgenossen im guten Glauben die Kriegspolitik der beutschen Regierung unterstügt hatten, so werben wir jetzt endgültig eines anderen belehrt. Mit naiver Offenheit befennt Scheidemann, daß ihm die Eroberungsabsich ten der Wilhelminifchen Regierung bekannt waren, und daß er trotzdem alles getan hat, um diese Regierung zu stügen. Aber nicht genug damit; Scheidemann wagt es, an das Anbenten eines Mannes zu rühren, dessen Name, wenn über politische Gradheit und Einsicht gesprochen wird, mit dem feinigen nicht zugleich genannt werden dürfte. Wir hören Scheidemann über Bethmann Soll wegs Kriegsziele folgendes: Dont Am 8. März 1915 hatte der Reichstanzler vor den Vertrauensmännern der Fraktionen über seine Kriegsziele gesprochen und gejagt: " Wir wollen Sicherung, größere Bewegungsfreiheit und Entwidlungsmöglichkeit für ein tärteres und größeres Deutschland. Mir liefs eisig falt über den Rüden, und als er die Wendung von bem größeren Deutschland zum zweiten Male gebrauchte, ba schauten wir vier uns an: Moltenbuhr, Robert Schmidt und ich sehr verstimmt, Haase offenbar sehr angenehm berührt. Er hatte der deutschen weittragenden Geschüye noch nicht abge liefert worden und auch keine von den Kanonen, die bei Kriegsende fonstruiert worden seien, täme zum Borschein. Bezüglich der Sicherheitspolizei erfülle Deutschlandleine Verpflichtungen nicht. Wohl habe Deutschland das Recht, zur Aufrechterhaltung ber Ordnung im Innern seine Bolizei ein zurichten, doch habe Deutschland eine wahre Azmee orga nisiert, die Maschinengewehre, Kanonen und sogar Flugzeuge befize. England fehle es zwar augenblidlich noch an genaueren Mitteilungen. Sobald aber nachgewiesen werden könne, daß die Sicherheitspolizei tatsächlich eine Armee bilde, werde England ebenso energisch wie Frankreich für die Auflösung dieser Polizei eintreten. Der Widerspruch zwischen England und Frankreich besteht nur in der Frage der Orgesch. England glaube, daß Europa im nächsten Frühjahr durch den Bolichewismus bedroht sein werde. Deutschland müsse daher die Möglichkeit haben, dem bolichewiftlichen Ansturm nach dem Westen abzuwehren. Aus diesem Grunde sei és unmöglich, die Orgesch sofort aufzulösen. Man tönnte eine Frist von neun Monaten festlegen. Innerhalb dieser Zeit sollen von drei zu drei Monaten Orgesch und Einwohnerwehren aufgelöst werden. Die englische Regierung scheint sich nach dieser Vorstellung volltommen den Standpunkt der deutschen Reaktion zu eigen gemacht zu haben. Der wahre Charakter der Orgesch richtet sich nicht gegen die bolichemistische Gefahr". Das ist nur ein Botwand, bestimmt, den wahren 3wed, die Befestigung der militaristinun, was er gebrauchte, das Stichwort für den„ Eroberungstrieg". fchen Reaktion, zu verschleiern. für den wir unmöglich noch Kredite würden bewilligen fönnen Auf dem Heimweg begann ich Haase gegenüber zu erörtern, daß Bethmann Hollweg nach allen einen jonftigen Darlegungen un möglich ein durch Gebietszuwachs größeres Deutschland gemeint haben könnte; das erscheine mir ganz ausgeschlossen... Diese Konferenz hatte immer noch unter der Rücksicht auf die relativ große Zahl der Teilnehmer gelitten. Der Reichstanzler hatte aber, wie Dor allen solchen entscheidenden Reden, den Wunsch, sich ganz vertraulich mit der Sozialdemokratischen Partei vorher auszu [ prechen. Das beweist mein Tagebuch- Eintrag vom 9. März: Früh um 8 Uhr kommt ein Bote aus der Reichskanzlei und bittet mich um 10 Uhr zum Retchstanzler. Ich ahnte: Er will uns noch einmal zulegen, damit von einer Rede im Plenum Abstand genommen wird. Ich bin fuzz entschlossen, Saase die Waffe aus der Hand zu schlagen, die ihm Bethmann Hollweg am gestrigen Abend burch eine mißverständliche Wendung gegeben. Ich rufe Wahnschaffe an, daß der Reichstanzler in der bevorstehenden Unterredung auf Jein Kriegsziel zurüdtommen müsse, aber so, daß daraus unter gar feinen Umständen Eroberungsabfichten herausgehört werden fönn ten, wie das gestern abend der Fall gewesen wäre. Absichten, von nicht habe. te ich überzeugt sei, daß sie Bethmann Hollweg ja auch gar Wahnschaffe verstand mich sofort, nachdem ich ihn auf unsere Grundsäge aufmertjam gemacht hatte.... 3m tiefften Vertrauen -jonit habe niemand Kenntnis davon- Barte Reime priehen Um die Einwohnerwehren Die bayrischen Orgeschleute entfalten gegenwärtig eine lebhafte Tätigkeit, um auch diejenigen Länder, die bisher noch keine offiziellen Einwohnerwehren haben, dafür zu gewinnen. Sehr start ziellen Einwohnerwehren haben, dafür zu gewinnen. Sehr start ist das Liebeswerben um die Gunst Badens. In diesem Musterländle hat sich die Orgesch bisher noch nicht durchzusehen vermocht, und als neulich der Kappist Watter den Berfuch dazu unternahm, schickte ihm die Regierung einen Sted brief nach. nunmehr soll die badische Zentrumspartei in den Bau gelockt werden. Die bayrischen Orgeschorgane reden den Zentrums männern ein, die babische Regierung trage dem rein sozialisti schen Standpuntt" zu start Rechnung, fie müsse fich mit Bayern in eine Front stellen, um dem Ausland zu zeigen, bas bie Saltung Bayerns in der Frage der Einwohnerwehren teine bayrische Lotalfrage sei, sondern einmitig von allen Regies rungen der deutschen Einzelländer geteilt werde. Der„ Babische Staatsanzeiger" hat sich lezthin dahin geäußert, day Bayern nachgeben müsse, wenn es nicht ganz Deutschland in eine Katastrophe stürzen wolle. Ob Baden diese Stellung bei behält oder sich doch noch von Bayern einfangen läßt, wird im wesentlichen von der Haltung der Rechtssozialisten abhängen. Das Kohlenabkommen Berlin, 6. Januar. Das Ergebnis der bisherigen Verhandlungen zwischen der deutschen Delegation und der Reparationsfommission über die Regelung der deutschen Kohlenlieferungen nach Ablauf des Spaa- Abkommens ist nach Mitteilung von zuständiger Stelle durchaus unbefriedigend. Die Reparationstommission hat in einer Note vom 27. Dezember 1920 der Deutschen Kriegslastenfommission als von ihr in Aussicht genommene Regelung folgen. des mitgeteilt: 1. Mit Rücksicht auf die Transportschwierigkeiten bestehe die Wahrscheinlichkeit von Rädständen in den deutschen Kohlenliefe rungen auf Grund des Spaa- Abkommens. Sie sei damit einvers standen, daß diese Rückstände in den Monaten Februar und März mit je 250 000 Tonnen je Monat ausgeglichen würden, die in diesen Monaten ohne Anrechnung auf die sonstigen Lieferungen vorweg zu liefern jelen. 2. Für die Monate Februar und März 1921 solle Deutschland außer diesen Rüdständen 2,2 Millionen Tonnen monatlich liefern. Derjenige Teil dieser 2,2 Millionen Tonnen, der von Deutschland trog aller Bemühungen aus irgendeinem Grunde nicht abtransportiert werden fönne, solle zur Verfügung der Reparationskoms mission gelagert und später nach den Wünschen der Kommission beschleunigt abtransportiert werden. Geschehe das, so werde das einer Erfüllung der Lieferungen in den Monaten Februar und März gleichgeachtet werden. Staatsfeftetar Bergmann hat darauf auf Anweisung der Deutschen Regierung der Reparationsfommission mitgeteilt, daß die Deutsche Regierung nicht in der Lage sei, sich mit dieser Regelung einverstanden zu erklären, vielmehr ihren, der Reparationss tommiffion in eingehenden Berhandlungen dargelegten Standpunkt, daß die deutsche Leistungsfähigkeit nicht einmal an die in Spaa festgelegten Mengen heranreicht, aufrechterhalten müsse. Sie werde bis spätestens Mitte Januar eine zusammenfassende Darlegung ihres Standpunktes übermitteln. Die Klagen der deutschen Industrie, namentlich der Metall- und Tertilindustrie, der chemischen Fabriten usw., über, unzureichende Versorgung dauern trok der gestiegenen Förderung und der erfolg reich durchgeführten Umstellungsmaßnahmen auf Rohbrauntohle an. Dabei wird die Aufrechterhaltung dieser erhöhten Förderung burch die andauernd ungünstige Ernährungslage der Bergarbeiter ernstlich gefährdet. Die Deutsche Regierung wird alles versuchen, um auf Grund eingehender, fachlicher Darlegungen die Alliierten davon zu überzeugen, daß die jetzt von der Reparationstommission aufgestellten Forderungen weit über das Maß des Möglichen und Bernünftigen hinausgehen. 1 Die Kohlenförderung Effen, 6. Januar. Nach vorläufigen täglichen Anfchreibungen stellte sich die Kohlenförderung im Ruhrgebiet( einschließlich der linksrheinischen Zechen) im Monat Dezember in 25% Arbeitstagen auf 7,99 Millionen Tonnen. Da fich die vorläufige Schägung erfahrungsgemäß bei den endgültigen Feststellungen allgemein um etwa 200 000 Tonnen erhöht, so wäre mit einer Förderung von etwa 8,2 Millionen Tonnen oder arbeitstäglich mit etwa 324 750 Tonnen zu rechnen. Jm Monat November war in 24% Arbeitstagen eine Gesamtförderung von 8 031 711 oder eine arbeitstägliche Förderung von 831 205 Tonnen zu verzeichnen. Da die Gesamtförderung des Ruhrgebietes im Jahre 1920 bis Ende November 80 Millionen Tonnen betragen hat, so ist die Gesamt- Jahresförderung auf etwa 88 Millionen Tonnen zu veranschlagen. Die russische Wirtschaft Russische Anerbietungen an deutsche Fachleute Ein Moskauer Funfspruch meldet: 3ur Unterstützung der russi fchen Industrie ist eine intensive Vorbereitung zur Heranziehung von Spezialisten aus Deutschland in die Wege geleitet. Es wird beabsichtigt, aus Deutschland 5000 Spezialisten anzufordern, davon 4000 für die Metallindustrie und 300 für das Boltskommissariat für Gesundheitswesen; ferner sollen Spezialisten für die übrige Industrie und für das Landwirtschaftskommissariat herangezogen werben, von denen 100 landwirtschaftliche Organi fatoren sein sollen. Um für die Zentralbehörde der landwirtschaftlichen Sowjetbetriebe vorbildliche Musterkommunen im Mostauer Bezitt zu organisieren, sind 200 Mann angefordert. Aus Ame rita werden außer den bereits eingetroffenen Emigranten, von denen die Mehrzahl schon an der Arbeit ist, weitere größere Transporte erwartet, für die eine Unterkunft für 4000 Mann be reitgestellt ist. Aus den vorher Eingetroffenen ist eine Gruppe von 150 Bergarbeitern für das Donezbeden zusammengestellt worden. Es ist eine Gruppe von Spezialisten für das Motorwesen im Bergbau gebildet worden, in die Arbeiter der amerikanischen Automobilfabrik Ford Aufnahme gefunden haben. Der Nachfolger Trottis als Verkehrskommissar Anstelle Trogfis, der bisher infolge der bauernden Abwesen heit Krassins das Verkehrsiommissariat vertretungsweise vers waltet hatte, ist Emschanow an der Spitze eines Kollegiums zum Volkskommissar für das Berkehrswesen ernannt worden. Emschanow war früher Borfizender des Zentralfomitees für das Transportwefen. In einer Unterredung mit einem Mitarbeiter der Petersburger Brawba" erklärte der neue Verkehrstommiffat, daß er die Berkehrspolitik Trottis fortfehen werde, und zwar in engster Zusammenarbeit mit ben Genossenschaften, was aber feineswegs einen Verzicht auf die Militarisierung der Arbeit bedeuten dürfe. Aus Angaben, die ein Vertreter der Arbeiter und Bauerninspektion über die Zustände im Berkehrsfommiffariat der Aras naja Galeta" gemacht hat, geht hervor, daß sich der Personalbestand des Verkehrstommissariats gegenüber den Jahren 1913-16 verdreifacht habe. Die Arbeitsergeb nisse dagegen leten um das Dreifache gesunken. Auf 10 Ausführende fämen 3 Disponierende. Die brüstungsfrage. Nach einer Reutermeldung aus Washington hat der Ausschuß für auswärtige Angelegen heiten des Senats einen Antrag des Senators Borah beraten. der fich für Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten. Japan und England zum 3wede einer Einschränkung ber Marinebauprogramme ausspricht. Der Ausschuß habe feine Entscheidung aufgeschoben, doch habe sich im Laufe der Dis fuffion die Ansicht geltend gemacht, Frankreich und Italien zu den Berhandlungen hinzuzuziehen. Neue Kohlenforderungen der Entente. Nach einer Barijer Melbung hat der Wiedergutmachungsausschuß ein neues tommen über die deutschen Kohlenlieferungen ausgearbeitet, das nach Ablauf der Bereinbarung von Spaa am 1. Februar in Kraft treten soll. Die sehr unflare Meldung behauptet, daß Mehrlieferungen von 200 000 Tonnen monatlich vorgesehen seien. Gegen die Reichsstelle für Gemüse und Obst, die sich im Abbau befindet, wird in einem Teil der Bresse eine heftige Propaganda entfaltet, deren Wirkungen sich in lester Linie nur gegen die dort bas Allgemeinwohl so besorgten Presie nicht um Sensations beschäftigten Angestellten wendet. Wenn es dieser angeblich un hascherei zu tun wäre, würde sie wohl taum zu solchen Ans griffen lommen, deren Berechtigung ihr selbst wohl zweifelhaft ericeinen müßte. Agrarische Drückeberger Uns wird von einem Mitglied der Feststellungskommission des Kreises Querfurt geschrieben: Um den Getreideschiebungen zu be gegnen, wurde Ende November 1920 von der Regierung angeordnet, daß die Feststellungsfommissionen sofort ihre Tätigkeit in verschärfter Weise wieder aufnehmen sollten. Mit was für Widerwärtigkeiten aber diese Kommissionen zur Feststellung der vorhandenen Brotgetreidebestände zu rechnen haben, soll an nachstehenden illustriert werden: Der größte und einflußreichste Stadtgutsbesiker Ed= mund Koch in Freyburg a. Unstrut, versuchte in ganz raffinierter Weise sich um seine Ablieferungspflicht au brüden. Herr Koch spielte der Kommission gegenüber den Unwissenden, er war z. B. am 22. 12. 20 nicht in der Lage, seine Anbaufläche genau angeben zu können. Ebenso war es unmöglich, über die abgelieferten Getreidemengen Aufschluß zu erhalten. Die Ablieferungsbescheinigungen der Kommissionäre wollte er angeb lich nicht aufgehoben haben. Ja, er wußte noch nicht einmal, wieviel Geld er für das abgelieferte Getreide erhalten hatte. Aber als es galt, die Deputate und Selbstversorgerbezüge festzustellen, die von dem Ablieferungssoll in Abzug gebracht werden, rechnete Koch der Kommission ½ Dugend Deputanten mehr heraus, was für ihn zirka 50 3 entner Getreide bedeutete. Als die Kommission Herrn Koch ein Ablieferungsfoll von rund 200 Zentner auferlegen wollte, lachte er geradezu heraus und erklärte, im ganzen überhaupt nicht mehr geerntet zu haben als ungefähr 200 3entner. Auf die Frage, was er denn abzuliefern gebente, nannte der Herr eine Zahl, die auf seine Anbaufläche berechnet, 1 3entner pro Morgen ausmachte. Also einen 3entner Brotgetreide pro Morgen wollte der ehrenwerte Herr Stadtgutsbesizer Koch aus Freyburg a. Unstrut gnädigst der Allge= meinheit überlassen." Das alles war aber nur Vorspiel. 9 das Als die Kommission nun zur Feststellung und In- Augenscheinnahme der noch vorhandenen Erntebestände schreiten wollte, traten neue Hindernisse ein, die Scheunen- und Getreideboden schlüssel fonnten nicht aufgefunden werden, und nur die ganz energischen Drohungen, vom Schlosser die Türen öffnen zu lassen, brachten die Schlüssel wieder zum Vorschein. Das Ergebnis in den Scheunen und Böden war ein geradezu überraschendes. Statt der angegebenen 8 Fuber unausgebroschenen Weizen waren mindesten 30 vorhanden, genau so lag es beim Roggen. Auf einen von ihm gepachteten Getreideboden lagen 75 3entner verheimlichter Weizen, außer ansehnlichen Mengen anderer Getreidearten. Der Weizen wurde sofort beschlagnahmt und unter polizeilicher Aufsicht gesadt, gewogen und sofott abgefahren. Diese Arbeit fonnte erst 48 Uhr abends bei Laternenschein beendet werden. Wer nun glauben sollte, Herr Roch wäre hierdurch überrascht worden, bet irrt sich, denn er ers tlärte schlankweg, das Getreide gehört seiner Schwägerin. Auch Frau Koch bestätigte dies. Durch jofortige Feststellung bei der Frau Schwägerin, stellte sich alles als frecher Schwindel heraus. Was diese Beschlagnahme für Koch bedeutet, geht daraus hervor, daß der Schieberpreis für Weizen 200-240 Mart pro Bentnet beträgt; denn das Koch den Weizen verschieben wollte, geht doch aus dem ganzen Gebahren hervor. Bereits einige Tage vorher ist eine Fuhre Getreide mit einem Ochsengespann des Nachts abgefahren worden. Wäre die Kommission 24 Stunden später erschienen, hatte sie das Nachsehen. Nach den durch die Kommission angestellten Berechnungen muß jezt Roch anstatt der auerft angenommenen 200 Bentner Weizen 300 Bentner Itefern und der weitere Ausdrusch darf nur unter Kontrolle vorgenommen werden, so daß sicherlich noch mehr het austommen wird. Die Produktionsfabotage Die Arbeiter und Angestellten der Spandauer Reichswerte haben, wie eine Lokalforrespondenz meldet, eine neue Broteftbewegung gegen eine beabsichtigte Schließung der Spandauet Reichswerte eingeleitet. Im verflossenen Monat fand furz vor Weihnachten eine Besprechung zwischen Vertretern des Reichsschahministeriums, der Direktion der Spandauer Reichs werke und dem Betriebsrat statt, in der man sich über die wirtschaftliche Lage der Reichswerte aussprach, die bekanntlich wenig günstig ist und in der den Arbeitervertretern die Zusiche rung gegeben wurde, daß eine Schließung der Reichswerte nicht beabsichtigt fet, zumal man auch im Frühjahr mit einer Besserung der Wirtschaftslage in den Reichswerten rechnete. Unlängst wurden jedoch von der Direktion der Metallwarenfabrit 100 Arbeiter gefündigt, da feine Aufträge vorlagen. Der Betriebsrat erhob auf Grund der Zusagen, welche im verflossenen Monat gemacht worden waren, gegen die Kündigung Protest und erreichte auch tatsächlich, daß die Entlassung aufgehoben wurde. Seitdem herrscht unter den Arbeitern und Angestellten der Reichswerte, zur Zeit noch etwa 11 000 Personen, beträchtliche Erregung, da man annimmt, daß die Schließung des Betriebes sich nicht ver meiden lassen wird. Der Betriebsrat hält der Direktion vor, daß Sie nicht genügend Initiative zeige und daß die Leitung der Werte verwaltungstechnisch, nicht aber aufmän nisch durchgeführt werde. Der Betriebsrat beruft sich darauf, daß die Direktion aufeine Anfrage der Arbeitervertreter versichert habe, die Werte hätten Aufträge für 270 Millionen Matt, wäh renb tatsächlich erheblich weniger Bestellungen vorgelegen hätten. Weiter behauptet der Betriebstat, bak zahlreiche Aufträge zu ridgezogen würden, da die Verwaltung die vereinbarten Lieferfriften nicht einhalten könne. Der Betriebsrat verlangt nun, daß einige feiner Mitglieder Siz und Stimme in der Direttion erhalten, um Einfluß auf den Geschäftsgang zu gewinnen. Der Polizeietat Im Sauptausschuß der preußischen Landesversammlung wurde in der Nachmittagsligung die Aussprache über den Polizei etat zu Ende geführt. Sie ergab die Uebereinstimmung, daß die Polizei jede militärische Organisation und jeden militärischen Schliff unbedingt vermeiden soll. Minister Gevering betonte, daß die Polizei in der Lage sein müsse, in gelloffenen Berbänden zu fämpfen, wie sich das bei den jüngsten Wider ständen gelegentlich der Getreideablieferung als Notwendigkeit erwiesen hat. Die Abstimmung wurde ausgefeßt, weil noch feine Einmütigkeit darüber bestand, wieweit die Landesversammlung die Organisation der Berwaltung festlegt und wieweit sie den Minister nur ermächtigen soll, fie provisorisch zu ordnen, um dem tünftigen Landtage die endgültige Entscheibung vorzubehalten. Die Aussprache wandte sich dann der Forderung des Nachtrag: etats von 50 000 Mart für die Universität Frankfurt zu. Staatssetretär Beder erklärte, daß ohne Hilfe des Staates die Universität Frankfurt geschlossen werden würde. Trotzdem stellten fich die Rebner der Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei und des Zentrums auf den Standpuntt, daß man es darauf an tommen lassen müsse. Es lägen in der Südwestede des Reiches genug Universitäten und die Stadt Frankfurt müsse selbst nach dem Rechten sehen. Gabe der Staat erst einmal Geld, werde er die Unterstützung dauernd gewähren mufen. Sozialdemokraten und Demokraten betonten demgegenüber die unbedingte Notwendigkeit der Aufrechterhaltung des geistigen Lebens im allgemeinen und ber Universität Frankfurt im besonderen. Der Antrag wurde an< genommen. Neue Lärmszenen im Stadtparlament Sizungsbericht Bei Eröffnung der ersten Sizung im neuen Jahre sprach der Borsteher, Dr. Went, die Erwartung aus, daß die Versammlung im neuen Jahre tatkräftig an der Förderung des geistigen und leiblichen Wohles der Groß- Berliner Bevölkerung mitarbeiten werde. Bei der Wahl des Stabtverordnetenvorstehers, wozu Genosse Dr. Weyl wieder vorgeschlagen wurde, wurde vont den Demokraten gegen die Wahl durch Zuruf Einspruch erhoben. Bei der nunmehr vorgenommenen Zettelwahl entfielen auf Genossen Dr. Wenl 101 Stimmen, 58 Zettel waren unbeschrieben, 10 Stimmen waren zersplittert. 3u Borsteher- Stellvertretern wurden durch Zuruf wieder gewählt: Schwarz( D. Bp.), Bruns( S. P. D.), Fabian ( Dnatl. Bp.). Als Beisiger wurden wiedergewählt: Genoffin Demmning, Frau Schmit( S. P. D.), Frau Fromm( D. VBp.). Gegen die Wahl des bisherigen vierten Beisigers, Merten( Demokrat), wurde durch Zuruf von einem Vertreter der Unabhängigen Frattion Einspruch erhoben und Genosse Gottfried Schulz vorgeschlagen. Die Zettelwahl ergab die Wahl von Schulz. Nach der Wahl der vier Beisigerstellvertreter und der Wahl der Ausschüsse und Deputationen wurde beschlossen, daß sich Mit glieder von Kuratorien, Deputationen und Ausschüssen im Behinderungsfalle vertreten lassen tönnen. Vor der Abstimmung über den Antrag Gäbel und Genossen( B. K. P. D.) betr. Maßregelungen anläßlich des Elettrizitätsarbeiterstreits, beantragten die Kommunisten, daß eine Deputation der Elektrizitätsarbeiter zu den Verhandlungen der Stadtverordneten zugelassen und einem Bertreter der Elektrizitätsarbeiter das Wort erteilt werde. Der Antrag wurde aber nicht zur Abstimmung gebracht, da er gegen die Geschäftsordnung der Stadtverordnetenversammlung und die Städteordnung verstößt. Hirsch( S. P. D.) stellte feft, daß die Kommunisten feine Ars beiterpolitik freiben, sondern lediglich Parteipolitit. Wer bes haupte, daß die Rechtssozialisten für Maßregelungen eintreten, fet, wenn er es außerhalb der Stadtverordnetenversammlung bes haupte, als gemeiner Lügner zu bezeichnen. Nawrodi( V. K. P. D.): Die Rechtssozialisten haben das Recht verwirkt, sich Arbeitervertreter zu nennen. In der namentlichen Abstimmung wurde der Antrag der Koms munisten mit 110 gegen 81 Stimmen der U. S. P. und V. K. P. D. abgelehnt.( Pfuirufe auf der Tribüne.) Zwei weitere Anträge der Kommunisten zu dieser Frage wurden mit derselben Mehrheit abgelehnt.( Lärm auf der Tribüne. Zuruf: Ihr Rechts sozialisten tommt auf die Guillotine. Hirsch, wir holen Dich heute, Du Schuft!) Vorsteher Weyl: Die Tribüne muß geräumt werden. Nach dieser Erklärung wurde die Sigung unterbrochen. Neuer Lärm auf der Tribüne brach aus. Die Zuhörer, meistenteils Kommunisten, machten teine Miene, die Tribüne zu räumen, sondern riefen:„ Hierbleiben, hierbleiben!" Ein mit dem Sowjetstern geschmüdter Besucher rief:„ Los, hinunter, wirholen uns gleich den Hirsch heraus, was wollen fie uns machen?" Ein anderer schrie in den Saal:„ Ihr braucht teine Angst zu haben, wir arbeiten jetzt umsonst, ihr könnt dann für zwölfe fressen, ihr Strolche und Halunken!"„ Schlagt den Juden tot!" Der Aeltestenausschuß zog sich, da die Zuhörer feine Miene machten, die Tribüne zu räumen, zu einer Sigung zurüd. Nun wurde der Tribüne die Zeit zu lange und einzelne 3u hörer angen die Internationale". Den Refrain sangen die andern Zuhörer mit. Als das Lied zu Ende war, setzte ein furchtbares Geschimpfe und Gegröhle ein. Die Bezeichnung „ Schweinehunde" war das gelindeste Schimpfwort, mit dem diese sonderbare Sorte von Klaffenfämpfern die im Saal verbliebenen Stadtverordneten bombardierte. Der Stadtverordnete Leupold( B. K. P. D.) vertrieb sich die Zeit nach Schusterjungenmanier und pfiff sich laut einige Gassenhauer vor. Als sich die Tribüne etwas beruhigt hatte sämtliche Stadts verordnete bis auf die Kommunisten hatten den Saal verlassen fangen sich auch die neugebadenen fommunisti= war der Kontakt zwischen Tribüne und Saal hergestellt. Ad. Hoffmann sagte den Tribünenbesuchern, daß, wenn erst die Kommune da fet, fie dann im Saale fizen würden. Bet begründete in seinem Schlußwort den tommunistischen Antrag, durch den der Magistrat beauftragt werden soll, den Beschluß der Stadtverordneten, daß Maßregelungen anfäßlich des Elettrizitätsarbeiterstreits zu unterbleiben haben, restlos durchzuführen. In Konsequenz dessen soll der Magistrat die Wertsdirettoren anweisen, beim Schlichtungsausschuß anhängig ge machte Verfahren zurückzuziehen. Der Redner wandte sich scharfen, Stadtsäter" Die Internationale" vor. Run gegen die Werksdirektionen. Wer gegen den kommunistischen Antrag stimme, stimme für die Reaktion. Außerdem seien neue Konflitte mit den Elettrizitätsarbeitern zu er warten!( Beifall auf der Tribüne und Zurufe:„ Jawohl, sicher!") Stadtrat Weise ertlärt namens des Magistrats: Die Arbeitnehmerorganisationen haben, gestützt auf& 20 Absaz 1 des Tarif vertrages, Einspruch gegen das anhängig gemachte Schlichtungsausschußverfahren gegen die 32 Elettrizitätsarbeiter erhoben. Der Magistrat hat in seiner gestrigen Sigung dem stattgegeben. Es sollen sofort Verhandlungen mit den Arbeiterorganisationen eingeleitet werden. Bis zum Abschluß dieser Verhandlungen ist das Schlichtungsausschußverfahren zu unterbrechen. Hirsch( S. P. D.) und Dove( Dem.) protestieren dagegen, daß Lez noch ein Schlußwort erhielt. Bei der anschließenden, längeren Geschäftsordnungsdebatte griff bie dichtbesetzte Tribüne wiederholt mit Zwischenrufen: Sache",„ Kinderei", Blödsinn" usw., ein. 3ur In der durch das Eingreifen des Magistrats wieder eröffneten Debatte führt Hirsch( S. P. D.) aus, der erfte Teil des Antrages sei überflüssig. Seine Freunde seien gegen jede Maßregelung in gewerkschaftlichem Sinne. Gegen Leute, die Sabotage getrieben haben, müsse der Magistrat einschreiten.( 3urufe von der Tribüne: Schieber, Berbrecher, Berräter usw.). Vorsteher Dr. Went( U. S. P.): Mir wird mitgeteilt, daß die Tribüne durch Zwischenrufe die Versammlung stört.( 3urufe von der Tribüne: Jst nicht wahr! Heiterkeit.) Wenn nochmals Zwischenrufe von der Tribüne gemacht werden, bin ich gezwungen, die Tribüne räumen zu lassen. Hirsch( fortfahrend): Wir erwarten, daß sämtliche Magistratsmitglieder sich in ihren Erwägungen nicht vom einseitigen Barteistandpunkte leiten lassen, sondern vom Standpunkte des Allgemeinwohls. Wir stimmen gegen beide Teile des fommunistischen Antrages. Dörr( V. K. P. D.) tritt Hirsch entgegen.( 3urufe auf der Tribüne:„ Juden hinaus!") Jm November vorigen Jahres find Sie mit einem blauen Auge davon gefommen, treiben Sie die Elektrizitätsarbeiter nicht zum Aeußersten. Die Rechtssozialisten feien also für Maßregelungen. Die Totengräber ed Die Frankfurter Beitung" schreibt über den Erlaß Eberts, det die Pflege der alten Traditionen" in der Armee anordnet: die er Zeit ihrer ersten, noch unsicheren Anfänge die 1 ftematis Die deutsche Republit gräbt sich selbst ihr Grab, wenn sie in iche Rüdtehz des Offiziertorps au den alten Traditionen duldet und durch Sanktionierung mit dem Namen ihrer verantwortlichen Führer noch unterstigt.... Nach bem wir fett einmal ermelzeichen haben, gegen die fachlich in Wirklichkeit gar nichts einzuwenden ist, erfolgt die Rüdkehr zu der alten Tradition eben nicht aus fachlich- techni chen, sondern aus politischen Gründen. Und es handelt sich eben nicht um einen Schritt, sondern um ein daucendes Rüdchreiten immer auf dem gleichen Wege. Der Reichstag follte sich einmal sehr ernsthaft mit der Frage beschäftigen, wie weit seine Mehrheit diese Rückkehr zu den Traditionen der alten Armee billigen und unterstützen will." Ein kommunistischer Idealist Aus Braunschweig wird uns geschrieben: Nach der Abdantung des früheren Herzogs, der bekanntlich vor turzem das Land durch unverschämte Forderungen zur Ader lassen wollte, wurde August Merges zum Präsidenten des Freistaates Braunschweig gewählt. Ueber seine Amtstätigkeit wollen wir Schweigen. Er trat sehr bald in einen Gegenfag zu den Grundfäßen der U. S. P., die Uebertragung der russischen Verhältnisse auf Deutschland erschien ihm das einzig erstrebenswerte Ziel. So schwentte er naturgemäß zum Spartatusbund ab und landete chließlich bei der kommunistischen Arbeiterpartei. An eine Ehrlichleit und Ueberzeugungstreue glaubten die Braunschweiger Arbeiter aber ganz fest. Dieser Glaube ist nun schwer erschüttert worden. Merges hat, wie jetzt bekannt wird, burch einen Vertrauensmann an den Geheimrat note. den Ber waltungschef des Hauses Cumberland, einen Brief schreiben lassen, in dem er dem früheren Herzog das Original der Abban fungsurtunde anbot. Et spricht in dem Briefe davon, daß er die Urkunde nicht ins Ausland gehen lassen wolle und hoffe, Nawrodi( V. K. P. D.): Leupold hat am Bräfidium schon den Platz für den Sowjetffern ausgesucht. Nun machte ein Tribünenbesucher gegen die Pressevertreter scharf. Wenn diese Lügenhelden nicht mehr wären, ständen die Arbeiter anders da. In erster Linie müßte man den Breffevertretern die Jade vollhauen. Schindler( V. K. P. D.) riet davon ab, denn die Preglulis würden tein Geld mehr verdienen, wenn sie feine Lügenberichte schrieben. Nawrodi erklärte dann die Frattionssihung der Kommunisten" für geschlossen. Währenddem fich die Kommunisten und ihre Freunde auf der Tribüne im Stadtverordnetensaal amüsierten, hatte der Aeltestenausschuß beschlossen, im Bürgerfaale weiter zu tagen. Bei der Weitertagung der Versammlung im Bürgersaal erhoben die Kommunisten( welche nur durch Dörr und Gäbel vertreten waren) durch den Stadtv. Dörr Einspruch gegen die Verlegung, da der Aeltesten- Ausschuß eine Körperschaft ist, die fein Recht hat, irgendwelche Beschlüsse zu fassen. Demgegenüber wies Gentoffe Mielig nach, daß es ja gerade Adolph Soffmann war, der es für notwendig hielt, daß nach Vorgängen, wie bei der letzten Sizung, immer erst der Aeltesten- Ausschuß zusammentreten soll, um über zu treffende Maßnahmen zu beraten, der ja auch versprach, sich dafür start" machen zu wollen, daß auf den Tribünen Ruhe herrsche. Der Einspruch des Kommunisten Dörr wurde abgelehnt. Die Abstimmung über die Anträge der Kommunisten, betreffend die Maßregelung der Elektrizitätsarbeitet, wurde mit den Stimmen der Rechtssozialisten abgelehnt. Jm Eilzugstempo wurden einzelne Borlagen an Ausschüsse geges ben, die Steuervorlagen fonnten noch nicht beraten werden. Alsdann trat man in die geheime Sigung ein. Schluß der Versammlung gegen 11 Uhr. St. Soheit einen nicht vergebenen Dienst zu leisten. Das Dofument selbst ist noch nicht zur Stelle gebracht worden. Die bisher unzweifelhaft festgestellten Tatsachen werfen aber ein grelles Licht auf den" Jdealismus" des Kommunisten Merges. Boris Zeitlin- Baturski Am 5. Dezember starb in Witebst( Nußland) an Fledtyphus einer der angesehendsten russischen Sozialdemokraten, Genosse Zeitlin- Baturfti. Seit den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in der revolutionären Arbeiterbewegung tätig, mit den zaristischen Gefängnissen und sibirischen Berbannungserien gut be tannt, spielte Genosse Batursei eine hervorragende Rolle in der Krantentassen- und Arbeiterversicherungs- Bewegung und war langjähriger Redakteur der Zeitschrift Die Arbeiter- Versiche rung". Eine Zeitlang war er auch Mitglied des Zentralvorstandes der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands. Während der letzten zwei Jahre hielt sich Genosse Batursti vom politischen Leben fern und beschäftigte sich ausschließlich mit feinen wissenschaftlichen Arbeiten. Das hinderte jedoch die fommunistische politische Polizei nicht, thn während der legten Wahlen zum Sowjet zu verhaften und in den berüchtigten Witebster Gefängniss feller zu werfen. Dort ertrantte er an Flecktyphus, wurde aber, trog aller Bemühungen seiner Freunde und einer Reihe Betriebsräte, erst dann( unter Bürgschaft von Kommunisten!) in ein Spital gebracht, als die Krantheit einen sehr ernsten Charakter angenommen hatte. Am 5. Dezember starb er im Alter von 45 Jahren. Ueber 3000 Arbeiter nahmen an dem Zeichenbegängnis teil. Biele Betriebe ftreiften. Landfriedensbruch. In dem Brozek vor der Görliger Straf tammer wegen Landfriedensbruch in Verbindung mit den Vor gängen in Hoyerswerda vom 16. April 1919 wurde heute das Urteil gefällt. Von den 33 Angeklagten wurden 23 des Landfriedensbruches für schuldig erachtet, die übrigen 10 freigesprochen. Die Strafen bewegen sich zwischen zwei und neun Monaten Ges fängnis. Inventur- Ausverkauf Billige Manufakturwaren Ein Hemdentuch 1090 Posten kräftige Qualität ...... Meter Meter Roh- Nessel 1190 ca. 80 cm brett, schwere Qualität........ Meter Renforce 10r Leibwäsche ... 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Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeindes Kirchhofes in Weißensee, Falkenberger Straße, aus ftatt. Der Monteur Paul Rieger Freiligrathstr. 8, am 4. b. Mts. Die Beerdigung findet am Sonnabend, ben 8. Januar, nachmittags 22 Uhr, von der Leichenhalle des Rath. Kirchhofes, Neukölln, Mariendorfer Weg, aus ftatt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Kollege, bez Schloffer Richard Dorow Charlottenburg, Pestalozziftr. 12, am 29. Dezember 1920 verstorben ist. Chre ihrem Andenken! Bei Husten Heiserkeit, Asthma u.Lungenleiden find San.- Rat Dr. Wegscheiders fpekt fiber hygienische Artikel, Brust- Tee fachgemäe Frau B. Koopmann, Berlin 218, Be Beratung. Ausverkauf nach beendeter* Inventur. Herren- Ulster M. 500, 375. 285| Herren- Paletets M. 590. 490. 375 Herren- Anzüge M 800. 325. 245 Herren- Hosen M. 170, 120, 80, 65 Sportpcize mit echt engl. Beztigen 1600 Jackeits u. 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Mts., mittags 12 Uhr, auf Gemeindefriedhof, Mariendorfer Weg ftatt. dem Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Leinenkragen verkleiner Born, Reichenberger Str. 7. Spezialarz für Syphilis, Harns, Frauenleiden, Schwäche, Behandlg. schnell, ficher n. schmerzlos in Dr.Homeyer & Co. konz. Labor. Bluts unterf. Fäden i. Harn usw. Friedrichstr.81 gegenüber Panoptik. Spr. 10-1,5-8, Sonnt. 10Teilzahl. Separ. Damenz Gewerkschaftsangestellter firm in Raffenwefen und Buchführung gesucht. Bedingung einjährige Rugehörigkeit zu einem der Afa angeschlossenen e bande. Befähigung zur Abhaltung kleinerer Referate erwünsch da Stellung entwicklungsfähig. Offerten mit Lebenslauf, haltsansprüchen und Eintrittstermin erbeten an Allgemeine Berband, Ortsgruppe Berlin, Franzöfifche Straße 2 Briefmarken:: Münzen kauft Großmann, Johannisstr. 4 Zugang v. b. Friedrichst.( Kr.108) Norden 106 21 Stück 3.50 Lanolin- u. Badefeife, Doppel- Riegel M. B. Kiwi, Berlin SW 68, Friedrichstr. 204. MASSARY BERLINS POPULÄRSTE ZIGARETTENMARKE Nr. 9 Groß- Berlin Verbands- Bildungskommission Die Sigung fällt in dieser Woche aus. Elternbeiräte Sonntag, den 9. Januar, vormittags 10 Uhr, in der ArbeiterBildungsschule, Breitestraße 8-9, Hof parterre, Eingang 6, Sigung der Obleute der Distrikts- Elternbeiräte, auch die Orte, die jezt Groß- Berlin angeschlossen sind, müssen vertreten sein. Parteimitgliedsbuch legitimiert. Berbands- Bildungskommission. Besserung der Kartoffelbelieferung Berlins Die Kartoffelzufuhren für Berlin haben sich in den letzten Tagen infolge des anhaltend milden Wetters etwas gebessert. Immerhin ist es noch nicht möglich gewesen, allen Anforderungen zu genügen und so herrscht in einigen Stadtteilen noch immer Knappheit an Hadfrüchten. Der Magistrat hat seine Verfügung, daß vor dem 10. Januar feine Kartoffeln verabfolgt werden, auf gehoben und für diese Woche drei Pfund pro Kopf freigegeben. In der nächsten Woche soll das Quantum an städtischer Ware, falls der Handel bis dahin nicht größere Mengen Kartoffeln herausDie Zufuhren aus der Mart bringt, noch vergrößert werden. Brandenburg und der Laufiz sowie aus der Provinz Sachsen dürften in nächster Zeit wieder größer werden, Aus den Verwaltungsbezirken Bierter Berwaltungsbezirk( Prenzlauer Tor). Die Bezirksver. ordneten- Versammlung des Prenzlauer Torbezirkes bestätigte in ihrer ersten diesjährigen Sigung geschäftsordnungsmäßig den bis. herigen Vorstand für das tommende Jahr. Die Kommunisten hatten eine Reihe von Dringlichkeitsanträgen vorbereitet, welche die Arbeitslosenfürsorge, Belieferung mit Lehrmitteln usw. be trafen. Anträge, deren Berechtigung an sich fein Mensch bestritt, die jedoch der Bezirk zwar besprechen, aber nicht lösen kann, da er ja so wenig wie die anderen Bezirke über Mittel dazu verfügt. Die Dringlichkeit der Anträge wurde von bürgerlicher Seite bes ftritten. Sie fommen geschäftsordnungsmäßig auf die Tagesord nung der nächsten Sizung. Zu Szenen, wie in der Stadtverordnetenversammlung oder im Halleschen Tor- Bezirk tam es aus AnTaß der Bertagung nicht. Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete die Frage der Beschaffung von Räumen für das Bezirks: amt. Hierüber berichtete der Genosse Böter. Von allen Projeften sind nur zwei übrig geblieben. Einmal die Bureauräume der Brauerei Pfefferberg, deren Betrieb eingegangen ist, nachdem sve in den Besitz der Schultheiß- Brauerei fam. Diese Räume sind beschlagnahmt. Die Schultheiß- Brauerei hat aber gegen die BeSchlagnahme Verwahrung eingelegt. Als weiteres Projekt tommt die Benugung eines Schulneubaues in der Danziger Straße in Frage. Dieser Bau ist seinerzeit ohne besondere Bestimmung begonnen worden und blieb dann in der Kriegszeit zurück. Er soll eventuell zur Aufnahme des Sophien- Realgymnasiums dienen, für dessen Unterkunft nach Annahme der Bezirksversammlung aber anderweit gesorgt ist. Beide Projekte gelten als Provisorien, das erfte für fürzere, das letztere für längere Zeit. In beiden Fällen soll für Umbauten nichts verschwendet werden, damit nach Schaffung von endgültigen Räumlichkeiten die Baulichkeiten ihrem urSprünglichen Zwed wiedergegeben werden können. Die Verfammlung wählte dann noch eine Kommission zur Serbeiführung einer gleichmäßigen Geschäftsordnung für die Bezirksversamm lungen und eine Beschwerdekommission für das Wohnungsamt. Ebenso wurden Ausschüsse zur Vorbereitung der Wahlen der Ehrenbeamten des Bezirkes und zur Vorbereitung der Wahl der Bezirksamtsmitglieder eingesetzt. Die Abstimmung über den leg teren Ausschuß gab einen interessanten Einblick in die Majoritätsverhältnisse der Bezirksversammlung. Unsere Genossen hatten einen Ausschuß von neun Mitgliedern vorgeschlagen. Die Vers jammlung beschloß mit einer Stimme Majorität einen 15 gliedrigen Ausschuß. Es tommt also auf jede Stimme an. Zwei der Bochumer Millionenräuber in Berlin verhaftet Ein Millionenraub in der Bochumer Gegend, bei dem drei Ueberfallene ihr Leben verloren und 1680 000 m. geaubt wurden, ist jezt aufgeklärt. Beamte der Dienststelle A III der hiesigen Kriminalpolizei stießen bei der Fahndung auf Geldschieber auf zwei feingefleibete Man ner, die versuchten, größere Summen deutschen Papiergeldes in Bethafteten wieſen ſich aus und leugneten jede Schiebung. Den Kriminaloberwachtmeistern fiel es auf, daß jeder ungewöhnlich ( 14. Forilekung.) Ismer Erzählung von Julius Levin 3um zweiten Male tam Jsmer zu fich als er in das Etappenlazarett eingeliefert war. Sein ganzer Körper schmerzte ihn. Aber er empfand es schon. Der Arzt fam zur Visite und fragte, wie er sich fühlte. Jsmer war es eine Lust zu boden. Er antwortete nicht. Der Arzt, ein gutmütiger Mann, fragte nochmals:„ Sind Sie noch zu schwach?" Ismer biß sich nur langsam ein" Ja" Los. Mo es besonders fehlte? Jsmer Schwieg darauf wieder. Fünf Sefunden später fing er zu weinen an. Der Arzt ging weiter, mit Kopfschütteln. Die Wärter fümmerten sich um 3smer nicht besonders. Er schien im wesentlichen einem Heimatslazarett vorbehalten zu fein. In acht bis vierzehn Tagen würde man ihn transpor: tieren fönnen. Damit betrachtete man ihn als schon dem eigenen Bereich entfremdet. Er war zwar ein nach mittelschwerer, aber nicht sonderlich aufregender Fe Jsmer selbst schlief die meiste Zeit. Man brachte ihm eine Menge Karten, besonder von Marie, auch einige von Emilie. Er legte die Karten weg, da er glaubte, sie nicht lesen zu können, und denn auch nicht lesen wollte. Zuweilen bekam er Luft zu refen. Aber fie hielt nicht lange vor. Sobald er der Buchstaben wirklich anfichtig wurde, warf er die Karten fort, freilich nur so weit, daß er sie, wenn er wollte, wieder zusammenraffen konnte. Er spielte mit ihnen wie ein Kind und sah mit Genugtuung verschaffender Gleichgültigkeit, daß ihre Zahl anwuchs, wenn auch sein Spielen dadurch keine höhere Abwechslung erfuhr. Diese Zeit, obwohl von förperlichen Schmerzen erfüllt, war eigentlich die glüdlichste für Jsmer. Seine Gedanken existier ten zwar und brangen auf sein Bewußtsein ein, es war aber noch zu weich und nachgiebig, um sich von ihnen verwunden zu lassen. An Emilie zu schreiben, das brachte er nicht fertig, ja nicht einmal die Bitte auszusprechen, daß jemand an seiner Statt ihr Nachricht gebe. Beilage zur„ Freiheit" viel Einmarkscheine hatte. Zudem wies die Mundart der Beiden auf den rheinisch- westfälischen Industriebezirk hin, und so tam man auf den Bochumer Millionenraub. Aus der Anzeige ersah man, daß den Räubern eine große Menge Einmarkscheine in die Hände gefallen waren. Wegen der Teilnahme an diesem schweren Raube wurden von der Bochumer Kriminalpolizei ein Chauffeur Henjeler und dessen Bruder verhaftet. Die Kriminalbeamten trieben zunächst„ Sagemoser" so in die Enge, daß sie ihm endlich die Teilnahme an dem Raube auf den Kopf zusagen konnten. Er ge stand denn auch ein, einer der gesuchten Räuber zu sein, und zwar ein Schlosser Heising aus Warendorf. Nach Seifing legte auch „ Helmbach", der sich als ein 33 Jahre alter Montageschlosser Aler Kler aus der Hedwigstr. 30 zu Bochum entpuppte, ein Geständnis ab. Der eine hatte sich durch Färben des Kopfhaares untenntlich gemacht. Der andere hatte sich den Schnurrbart abgenommen und nur den Spizbart stehen lassen, so daß man auch ihn nicht wiedererfannte. Außerdem hatten sich beide durch elegante Kleidung fehr verfeinert". Nach dem Geständnis der Berhafteten fundschafteten sie mit einem noch flüchtigen 32 Jahre alten Reisenden und Agenten Wilhelm Müller die Gelegenheit zu dem Ueberfall aus. Am hellen Nachmittag um 1 Uhr des 24. August v. J. fuhren die Räuber dem Geldwagen an die Seite und sprangen dann plöglich ab. Seifing fiel dem Pferde in die Zügel und schnitt die Stränge durch. Kler schlug die Scheibe des Wagenfensters ein, erhielt von einem der Insassen einen Schuß, der ihm in den Körper eindrang. Nachdem schoß Henseler durch die eingeschlagene Scheibe in den Wagen hinein, tötete den Bureauvorsteher Friedrich Kesten und den Bureaubeamten Bachwinkel und verlegte den Buchhalter Koch durch einen Armschuß. Dann erschoß er hinterrüds auch den Kutscher Frizz Breudmann. Die Räuber brachten nun das Geld, 1 680 000 M., nach der Wohnung Müllers in Sicherheit. Henseler erhielt für sich und seinen Bruder 600 000 M. Müller, Seising und Klen teilten sich in die restliche Million, und verließen zusammen die Gegend. Ueber Rheinland, Hannover und Thüringen tamen sie nach Ostpreußen und von dort endlich nach Berlin. In vielen großen und fleineren Städten hielten sie sich auf, überall jedoch nur ein paar Tage. Seit sechs Wochen waren fie in Berlin, sie wechselten alle paar Tage ihren Aufenthalt in Privatlogis und Pensionen, weil sie stets fürchteten, daß ihnen die Kriminalpolizei auf der Spur sein tönnte. Um für alle Fälle einen Schlupfwinkel zu haben, mieteten sie sich in Treptow eine Laube, in der fie fich auch einen scharfen Wachhund hielten. Um nicht allzuviel Geld bei sich zu haben, weil besonders die vielen fleinen Scheine lästig jeder 150 000 m. in eine Blechtiste tun jolle, die er dann irgendwo waren und auffallen fonnten, machte Müller den Vorschlag, daß pergraben wolle. Wie die beiden Verhafteten hehaupten, geschah das denn auch. Müller reiste auch mit der gefüllten Blechtiste ab, fehrte aber nicht wieder nach Berlin zurüd. Unterschlagungen von Geldern für Kriegsverlegte. Eine Lotalforrespondenz meldet, daß tommunistische Vertrauensleute in dem Lazarett Tempelhof Unterschlagungen von Geldern, die für Weih nachtsspenden eingegangen waren, verübt hätten. Angeblich hätten gerade solche Kriegsverlegte, die mit der Auflösung des Lazaretts einverstanden waren, von diesen Spenden nichts bekommen. Die Kranken schöpften Verdacht und verlangten von ihren Vertrauensleuten" eine Abrechnung über die eingelaufenen Spenden. Troß wiederholter Aufforderung tamen die Vertrauensleute Maaß und Weber diesem Verlangen nicht nach, sondern verschwanden unter Mitnahme von 6000 M. auf Nimmerwiedersehen, nachdem sie vorher noch die Listen über die eingegangenen Spenden vernichtet hatten. Die Lazarettverwaltung hat die Angelegenheit dem„ Reichsbund der Kriegsbeschädigten" übergeben, der eine Untersuchung der Angelegenheit in die Wege ges leitet hat. Wir erwarten, daß diese Untersuchung die notwendige Aufklärung schaffen wird. Zu dem Fall in der Friedrichsfelder Straße. Wir brachten in Friedrichsfelder Straße 15 ein 23jähriger Erich B. bei einem unserer gestrigen Morgenausgabe eine Meldung, wonach in der niedergeschossen worden sei. Wie jetzt die Mutter des Erschossenen Einbruch ertappt und von einem Beamten der Schutzpolizei uns mitteilt, handele es sich dabei nicht um einen Einbrecher. Wir geben nachstehend einige Angaben der Mutter des Erschossenen, die diese Sache auch dem Gericht übergeben wird, unter Vorbehalt wieder: Am Montag, den 3. Januar, begab ich mich mit meinem Sohn nach der Friedrichsfelder Straße 15 in die Wohnung meiner Mutter, um dort Sachen meines Vaters abzuholen, Zeugen dafür sind vorhanden. In dieser Wohnung bekam ich Streit mit meinem angehenden Schwiegersohn, der in Tätlichkeiten ausartete. Mein Sohn Erich( es handelt sich nicht, wie im Polizeibericht an gegeben, um einen 23jährigen Erich B., sondern um den 27jährigen Erich H.) verteidigte mich gegen den Angreifer und diese gene erzeugte natürlich Lärm. Es erschienen pret Sicherheitsbeamte, die sofort ihre Schußwaffen bereit hielten. Ich erklärte Wenn wieder einmal eine der nichtssagenden Karten anfam, die Emilies Schriftzeichen trugen, legte er sie zu den übrigen. Wie er sich jetzt zum Gedenken an Emilie stellen sollte, das zu überlegen, ging noch über seine Kräfte. Aber er fühlte ein deutliches Unbehagen bei dem Gedanken, daß er der Beschäftigung mit ihr nicht dauernd aus dem Wege zu gehen imstande sein würde, und das Unbehagen nahm in dem Maße zu, in dem feine Kräfte wuchsen. Er fürchtete zuweilen seine Wiederherstellung mehr, als er sie herbeisehnte, denn er merkte, ihr Nahen vertrieb ihm die Entschuldigung vor sich selbst, daß er Emilie von fich fernhielt. Solange er sich schwach fühlte, durfte er es vor sich selbst vertreten, daß er weder zu ihr zu fommen trachtete, noch etwas dazu tat, daß sie zu ihm fam. Die Schwäche gab ihm seine Stärke. Und je mehr die Schwäche abnahm, um so geringer wurde seine Stärte. Was sollte aus ihm werden, wenn er gesundete? Daß der Frige tot war, erschien ihm, Jsmer, jetzt als eine wahre Bestrafung für die Sünde, die an ihm, Jsmer, begangen war, und da er, Jsmer, nur eine schwere Verwundung bavongetragen hatte, schien fich der Schluß zu rechtfertigen, schwerer belastet war. daß der Frige im Schuldbuche der Gerechtigkeit erheblich Jsmer war sich aber zuerst dunkel, dann immer flarer bewußt, daß die Genugtuung über diese Erkenntnis nicht sehr groß fein fonnte. Denn, war der Frize so sündhaft, wie es eine Bestrafung vermuten ließ, so war auch Emilie so schwer schuldig, daß sie sich nur durch ein volles Geständnis einigermaßen hätte reinigen fönnen. Und würde seine Kraft ausreichen, ein solches Geständnis entgegenzunehmen? Eigentlich war es ganz überflüssig, daß Emilie noch etwas sagte. Sie war auch ein hartherziges Mensch, bei dem man auf Ergüse selbst dann schwer rechnen fonnte, wenn ihm das Wasser an das Herz stieg. Und Jsmer wurde es ganz unver ständlich, wie er Emilie, deren bloßes Bild ihm jetzt das Liebesfieber durch den Leib jagte, verhören sollte. Zu einem solchen Geschäfte brauchte man etwas mehr Kaltblütigkeit, als ihm zueigen war, schon in gewöhnlichen Zeiten, ges schweige denn gar jetzt, wo er dem Leben wie durch ein Wunder wiedergegeben war. Alle Nöte und Entbehrungen, die Qualen seiner Verwundung und Behandlung schienen ihm ein Recht auf Entgelt zu verleihen, dessen wesentlichster Bestandteil Emilies Liebe sein mußte, wenn er nicht gar einzig und allein aus ihr bestand. Jsmer überlegte sich, Freitag, 7. Januar 1921 den Beamten, daß es sich um Familienstreitigkeiten handele, vor allem möchten sie meinen mich verteidigenden Sohn Erich in Ruhe lassen, da er infolge einer erlittenen Verschüttung im Felde sehr leicht erregbar sei. Es erschienen aber weitere drei Beamte und unter ihnen hat der Wachtmeister Sauf meinen Sohn Erich auf der Treppe niedergeschossen. Der Schuß ging durch das Beden und trat am Rücken wieder heraus. Ein anderer Beamter zerrte mich gewaltsam aus der Wohnung meiner Mutter hinaus und schleifte mich die Treppen hinunter, trotz der Bitten meines Sohnes, der schwerverwundet auf der Treppe lag. Ein Beamter schlug meinen Sohn derartig ins Gesicht, daß ihm das Blut aus der Nase floß. Der diensthabende Arzt von der Unfallstation Solzmarktstraße, Herr Dr. Samuel, wird bezeugen können, daß ich meinen Sohn dort erst das Blut abgewischt habe. Die Beamten schleppten meinen Sohn troz seiner schweren Wunde nach der Wache, während der Beamte, der mich verhaftet hatte, mich auf der Treppe wie auf der Straße wiederholt ins Gesicht schlug. Ebenso heftig wurde ich auf der Polizeiwache mißhandelt, so daß ich jetzt noch das Bett hüten muß. Meine Bluse wurde mir buchstäblich in Fezen vom Körper gerissen. Trotzdem höhere Beamte zugegen waren, wurde den mißhandelnden Beamten kein Einhalt geboten. Für die Vorgänge auf der Wache kann ich noch einen Zeugen benennen, es war dort ein junger Mann anwesend aus der Fruchtstraße 40, bei seiner Pflegemutter, Frau Schreiber, wohnhaft." Wir haben schon wiederholt feststellen tönnen, daß Beamie der Sicherheitspolizei sehr rasch mit der Schußwaffe bei der Hand waren. Wenn die Angaben der Frau zutreffen, dann scheint auch in diesem Falle ein sehr rascher Waffengebrauch vorzuliegen. Da die Mutter, des Erschossenen die Sache dem Gericht übergeben will, wird ja hoffentlich eine genaue Untersuchung dieses Falles erfolgen, so daß dann ein Urteil über das Berhalten der Polizeibeamten, auch was die von der Frau angeblich erlittenen Mizhandlungen betrifft, gefällt werden kann. Aus Not in den Tod. Gestern nachmittag wurde am Plänterwald in der Nähe des Alten Eierhäuschens durch Beamte des Reichswasserschutzes die Leiche des 45 Jahre alten Buchbinders Mar K. aus der Wolliner Straße aus der Spree gelandet und nach der Halle des Neuen Friedhofes in der Kiefholzstraße gebracht. K. hat die Tat aus Not begangen. Mit vorgehaltener Pistole vergewaltigt wurde gestern ein junges Mädchen im Treptower Part. Die 17jährige hatte mit ihrem Bräutigam in einem Saal in Treptom ein Vergnügen mitgemacht. In der eiften Stunde machte sich das Paar auf den Heimweg des Mädchens nach Neukölln. Im Treptower Part setzte es sich für einen Augenblid auf eine Ruhebant, da standen zwei unbekannte Männer mit gezogener Pistole vor den erSchrockenen jungen Leuten. Der eine gab sich für einen Kriminalbeamten aus und forderie den jungen Mann auf, ihm nach der Wache zu folgen. Der Bräutigam mußte, weil er den Schußwaffen gegenüber wehrlos war, folgen. Der falsche Beamte führte ihn auf verschiedenen Wegen in den Bart und ließ ihn laufen. Unterdessen vergewaltigte der andere unter Todesdrohungen das junge Mädchen. In der Dunkelheit verschwanden die beiden Unholde. Ein beraubter Flüchtling. Der ous dem Often geflüchtete 35 Jahre alte Prediger Arnold Henne zeigte in dem Lotal in der Alten Schüßenstraße 1 seine Brieftasche mit 15 000 Rubel Jnhalt. Der 50 Jahre alte Paul Krawczed entriß Henne plötzlich das Geld und entfloh damit nach dem Nebenhause Nr. 2. Hier wurde er von einem Polizeibeamten festgenommen. Das geraubte Geld tonnte dem Eigentümer zurüdgegeben werden. Fleischanmeldung. Wer für die Zeit vom 17. Januar bis 13. Fes bruar 1921 städtische Fleischwaren beziehen will, muß sich in der zugelafenen Zeit vom 10. bis 13. Januar 1921 bei einem Fleischverkäufer, deren Geschäfte durch die bekannten Magistrats= platate fenntlich gemacht sind, unter Vorlegung der Lebensmitteltarte mit den Abschnitten 81-84 anmelden. Der Magistrat teilt mit: In nächster Zeit wird versuchsweise bei einem Teil der städtischen Fleischverkäufer, Pökelfleisch zum Preise von 10,20 Mart für das Pfund( ohne Knochen) martenfrei zum Verkauf gelangen. Die Abstimmungslisten für die oberschlesischen Wahlen werden für Groß- Berlin am 10. Januar abgeschlossen. Abstimmungsbes rechtigt find alle im Abstimmungsgebiet gebürtigen Personen beis derlei Geschlechts, welche am 1. Januar 1921 das 20. Lebensjahr vollendet haben. Diejenigen, die ihre Meldung bisher unterlassen haben, haben sich bei der Bezirksgruppe der Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier, SW. 11, Schöneberger Str. 9, in der Nähe des Anhalter Bahnhofs, Fernzuf: Kurfürst 2819, zu melden. Die Geschäftsräume der Bezirksgruppe sind bis auf weiteres ununterbrochen von 8 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags ges öffnet, und jede auf die Abstimmung bezügliche Auskunft wird bereitwilligst erteilt. daß er ihm entgehen mußte, wenn Emilie sich schuldig sprach und fic offen als ein ehrvergessenes, ehebrecherisches Weib hinstellte. Und, tat sie es nicht?... Ja!... Was war dann? Sätte er es fertig gebracht, dieses Geschöpf wieder an sich zu ziehen, ohne jemals die Empfindung los werden zu fönnen, daß eine unverschämte, verstoďte Lügnerin in seinen Armen lag, und, während sie sich ihm hingab, etwa daran dachte, wie schön es mit dem andern gewesen wäre? Manch mal war Jsmer sich selbst darüber nicht flar, ob Emilie niederträchtiger gewesen wäre, wenn sie den Frigen ganz pergeffen, als wenn sie ihm wenigstens ein fleines Andenken bewahrt hätte. Kameraden, die neben Jsmer lagen, befamen von ihren Familien Briefe, Karten, Liebesgaben. Einige hatten sogar schon Angehörige bei sich gesehen. Glückliche Leute! Er lag da wie ein verlassener Hund, der sich seiner selbst schämt. Er mieb nicht die Unterhaltung der Kameraden, aber er suchte sie auch nicht. Denn alle sprachen von den Ihren, Frauen, Kindern, Bräuten, Liebchen, weiß der Hima mel moron?, mit dem man in mehr oder minder zärtlicher Beziehung stehen fonnte. Beziehung stehen konnte. Als man ihn einmal fragte, zu wem er denn gehörte, und er nicht ausweichen fonnte, era zählte er halb mürrisch, halb hilflos, er habe eine Frau, die wäre aber frant und fönnte deshalb nicht schreiben, gea schweige denn gar zu ihm fommen. Als dann wirklich einmal eine Karte von Emilie kami, furz und nur von allgemeinstem Inhalte, und Ismer fie lesen mußte, war er noch gezwungen, so zu tun, wie wenn er sich freute, daß es bei Emilie schon besser zu gehen anfinge, und sie schon imftande wäre, ein paar 3eilen aufs Papier zu bringen, während sie bisher sich strengste Schonung hätte auflegen müssen. Und, um die Sache, die dem einen oder anderen etwas seltsam vortam, glaubwürdiger zu machen, gab er noch, wie um seine Freude deutlicher finds zutun, von den Zigaretten, die er sich von seiner armen Löh nung abgespart hatte, an die anderen ab, die sie auf das Wohl und die baldige völlige Wiederherstellung der lieben Kranken aufrauchten. Wie wohl Emilie die Dinge auffaẞte? Wie mochte sie jetzt leben? ( Fortsetzung folgt.) Gewerkschaftliches Falsche Wege Der Zentralverband der Angestellten hat in Samburg 9 tommunistische Mitglieder ausgeschlossen, Die Rote Fahne" teilt nun mit, daß vier dieser Ausgeschlossenen, die bei der Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumnereine angestellt waren, durch diesen Ausschluß auch ihre Stellung verToren haben, weil in dem Tarif zwischen dem Zentralverband und der Großeinkaufsgesellschaft ein Passus enthalten ist, nach welchem in den Betrieben der Konjumvereine nur freigewert schaftlich organisierte Mitglieder beschäftigt werden dürfen. Wie uns scheint, hat hier der Zentralverband in seinem Kampfe gegen die fommunistische Zersplitterertaftif in ganz unperant wortlicher Weise über das Ziel hinausgeschossen. Es geht wirklich nicht an, daß dieser Kampf mit dem Mittel der Brotlosmachung der Arbeitsgenossen geführt wird. Am allerwenig ften ist es angängig, eine solche Maßnahme gegen Kommunisten auf Grund eines Tarifvertrages durchzuführen, zu einer Zeit, wo die Gewerkschaften durch die Entwicklung des Tarifwesens gezwungen find, gemeinsam mit christlichen und HirschDunderschen Verbänden Tarife abzuschließen und demgemäß christlich und blau Organisierte neben den freigewerkschaftlich organifierten Arbeitern in den Betrieben zu dulden. Der Kampf der freien Gewerkschaften gegen die kommunistischen Keimzellen hat nur solange Berechtigung und Sinn, wie er gegen die Gefahr der 3erstörung der Einheit der Gewerkschaften geführt wird. Im Rahmen dieses Kampfes sind mithin nur solche Maßnahmen zulässig, die dieses Ziel verfolgen. Die Methoden des Zentralverbandes dagegen scheinen uns die Gefahr der ZerStörung der Gewerkschaftseinheit direkt heraufzubeschwö= ten, und wir möchten daher dem Zentralverband dringend empfehlen, bei der Großeinkaufsgesellschaft vorstellig zu werden, da= mit die Entlassung rüd gängig gemacht wird. Und alle übrigen Gewerkschaften möchten wir dringend vor dem Betreten ähnlicher Wege warnen. Betriebsobleute, Betriebsräte, Vertrauensleute und Funktionäre sämtlicher Branchen des Deutschen Transportarbeiter- Verbandes Am Montag, den 10. Januar, abends 7 Uhr, findet im„ Dress bener Kasino, Dresdener Str. 96, eine äußerst wichtige Zusammenfunft der auf dem Boden der U. S. P. D. Stehenden Funktionäre des Deutschen Transportarbeiter- Berbandes statt. Partei- und Gewerkschaftsbuch legitimieren. Bezirksverband Berlin- Brandenburg. Geschäftsleitung: J. A.: Friz Schneider. Die Betriebsversammlung der Reichsbruderei am Sonntag, den 2. Januar, in der Neuen Welt, beschäftigte sich mit dem Konflikt zwischen der Direktion und dem Betriebsrat. Zu dieser Versamm Iung waren die drei sozialistischen Parteien und die Berufsorganisationen eingeladen. Auf Antrag der Kommunisten wurde beschlossen, daß die eingeladenen Organisationsvertreter sich nicht an der Debatte beteiligen, sondern nur Angehörige der Reichs: druckerei sprechen sollten. Das einleitende Referat hielt der Obmann des Betriebsausschujjes. In sachlichen flaren Ausführungen schilderte er den Kampf, den der Betriebsrat mit der Direktion um die Rechte der Arbeiterschaft zu führen hatte. Die Rede flang um die Rechte der Arbeiterschaft zu führen hatte. Die Rede Klang die Arbeiter und Angestellten der Reichsdruckerei geschlossen hinter aus in der Aufforderung, der Direttion soll gezeigt werden, daß dem Betriebsrate stehen. Der große Beifall bewies, daß die Versammelten mit dem Redner einverstanden waren. In der Distussion gaben die Vertreter der drei sozialistischen Barteien folgende Erklärungen ab: Die U. S. P.:„ Wir erkennen in dem Rüdtritt des Betriebsrates bie notwendige Folge des unerhört provozierenden Verhaltens der Direktion und des Reichspostministers. Wir billigen diesen Schritt und sprechen dem Betriebs rat das Vertrauen aus und sind entschlossen, durch Wiederwahl B. K. P. D.:„ Nach unserer politischen Auffassung hat der Bebem Vertrauensvotum schärften Nachdrud zu verleihen." Die Fragen, u. a. der Produktionskontrolle, des Elektrizitätsarbeitertriebsrat in seiner bisherigen Zusammensetzung in verschiedenen streites, des Steuerabzuges und der Arbeitslosenfrage nicht unferen Anforderungen entsprochen. Wir halten deshalb eine Neuwahl für geboten. In der Frage des Rücktrittes erklären wir uns mit dem Betriebsrat solidarisch." Die S. P. D.:„ Vor allen Dingen ist es notwendig, die Einigkeit der Arbeiterschaft einber Direktion zu dokumentieren. Wir sind deshalb für Neuwahl schließlich der Angestellten durch die Berurteilung des Vorgehens ratswahl nicht eingehalten wurden. Solange wir nicht auf fretdes Betriebsrates, weil die Abmachungen bei der letzten Betriebsgewerkschaftlicher Grundlage die Kandidaten aufstellen, sind wir leider gezwungen, die Parteien sprechen zu lassen. Die Kritik der Kommunisten an dem Betriebsrat ist Auffassungsfache." In der weiteren Debatte vertraten die weiteren Redner den Standpunkt ihrer politischen Auffassung. Es wurde sodann beschlossen, den Betriebsrat neu zu wählen. Die Frage der Kurzarbeit. Eine überfüllte Betriebsversamm lung der Firma Ludw. Loewe u. Co. A. G., Berlin NW., Huttenstraße, beschäftigte sich mit der Frage der Kurzarbeiter. Nach ausgiebiger Diskussion erklärte sich die Betriebsver sammlung mit der Forderung der Kurzarbeiter einstimmig einverstanden, und zwar forderten dieselben in puntto Eintommen Gleichstellung mit den Bollarbeitern. Die Orga= nisationsvertreter pom Metallarbeiter- und Transportarbeiterverband erklärten, daß die Organisationen hinter diesen Forderungen der Kurzarbeiter stehen und diese mit allen Mitteln unterstügen werden. An den Verhandlungen mit der Direttion sollen fie laut Beschluß der Betriebsversammlung ebenfalls teilnehmen. Zimmerer! Laut Beschluß der Zahlstellenversammlung vom 4. 5. M. haben sich alle arbeitslosen Zimmerer im Nachweis Gormannstr. 30, vorn 2 Trp., vom 10. Januar ab dort zu melden. Vom 15. Januar ab hört jede Vermittlung durch den Arbeitsnachweis des Zentralverbandes, Engelufer 15, endgültig auf. Von da ab wird nur vom Arbeitsnachweis Gormannstraße die Arbeit vermittelt. Ebenso haben sich die Arbeitslosen am ersten Tage der Arbeitslosigkeit dort ihre Arbeitslosenkarte zu fordern, resp. sich INVENTUR VERKAUF Küchenhandtücher 590 grau mit Kante, gos. u. geb....... Stück Tischtücher mit blauer u. roter Kante, 130/190 cm...... 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Die Spruchlammer stand einmütig auf dem Standpunkt, daß dies nach dem Wortlaut des Tarifvertrages unmöglich ist und merksam machte, daß Fernsprechgehilfinnen überhaupt nur nach wollte ablehnen, als der Angestelltenvertreter Klepp darauf aufs Gruppe I gehörten und er es mit seinem Gewissen nicht vereinnach Gruppe II gutzuheißen. baren könne, die von der Dienststelle angeordnete Tarifizierung So entschied die Mehrheit mit Herrn Klepp die Tarifizierung nach Gruppe I, obwohl Dienststelle und Angestelltenvertretung sich über Gruppe II bereits einig waren. Ein Registrator, der selbständige Registraturarbeiten erledigte und hierbei französische und englische Sprachkenntnisse verwenden muß, tam Dank Herrn Klepp nach Gruppe III und fünf Minuten später wurde ein Registrator ohne Erfordernis der artiger Sprachkenntnisse auf besonderes Befürworten des Herrn Klepp von Gruppe III nach IV eingereiht. Das warme Eintreten des Herrn Klepp für den letztgenannten Registrator wird man begreiflich finden, wenn man hört, daß der Vertreter des Beschwerdeführers Mitglied des Klenpfchen Deutschnationalen Handlungsgehilfen- Berbandes ist.- Kommentar überflüssig. Aus den Organisationen. 14. und 15. Diftritt. Elternbeiräte, deren Schulen von Behözben usw. belegt find, wollen ihre Abreise der Streifleitung der 82.190. Gemeinde- Schule, z. 5. des Genossen Th. Krampe, Beufelftr. 66, übermitteln. Die Mitglieder des Ausschußes der Kinderschingtommiffion von Groß- Berlin werden für Freitag, ben 7. Januar, nachmittags 4 Uhr, nach Rathaus, Zimmer Nr. 339, Eingang Königstraße, eingeladen. Briz. Sonnabend abend 18 Uhr, im Lokal von Schröter, Chaussee- Ede Franzs Körner- Straße, Sigung sämtlicher Funktionäre und Unterführer. Schöneberg- Friebenau. Heute abend 7 Uhr, Mitgliederversammlung im Wil helmshof, Eberstr. 80. Bortrag des Genossen Dr. Herz über Wirtschaftspolitik. Sozialisierung. Bereinskalender Zentralverband der Angestellten. Fachgruppe 2a u. b( Gemeinde- Angestellte): Deffentliche Versammlung am 7. Januar, abends 6% Uhr, im Lehrer- Vereinshaus, Aleranderstr. 40-41. Fachgruppe 15e( Osram- Konzern): Seffionsversammlung am 7. Januar, abends 7 Uhr, in den Mufiterjälen, Kaiser- Wilhelm- Str. 31. Fachgruppe 171 a- n( Nahrungs- und Genußmittel- Industrie und Handel): Fathe gruppenversammlung am 7. Januar, abends 8 Uhr, im Nationalhof, Bülowstr. 37. Freireligiöse Gemeinde Berlin- Nieberschöneweibe. Deffentliche Bersammlung Freitag, den 7. Januar, abends 6½ Uhr. in der Schulaula. Thema: Reaktion in Schule und Kirche. Referent: Genosse Adolph Hoffmann. Soz. Proletarierjugend. Kommissionsligung findet nicht statt. Geschäftliches Musverlauf bei ben Riciberwerfen Baer Sohn, Chauffeeftr. 29-30. Nach bes endeter Inventur sollen die Bestände zu spottbilligen Breifen geräumt werden. 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