Cinzelpreis 20 Pfg. • 4. Jahrgang Die Brethett erfcheint morgens und nachmittags, Sonntage and Montage einmal Der Bezugspreis beträgt bel freter Juftellung ins Haus für Groß- Berlim 10,-. tm voraus zahlbar, von der Spedition felbft abgeholt 8,50 m. Für Boe begug nehmen fämtliche Boftanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland und Österreich 16,50 m., für das übrige Ausland 21,50 suzaglich Baluta- Aufschlag, per Brief für Deutschland und öfterreich 30, 2 Rebektion, expedition and Berlag: Berlin& Breite Strake S Sonnabend, 8. Januar 1921 Nummer 12 Abend- Ausgabe Die achtgespaltene Ronparettfejeffe ober beren Raum koftet 5,-. einschließlich Seuerungszufchlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2, M., jebes weitere Bort 1,50 M., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien Anzeigen und Stellen- Befuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen Besuche En Wort- Anzeigen das fettgedruckte Wort 1,50.. tebes weitere Wort LFernsprecher: Zentrum 2030, 2645, 4516, 4603, 4635, 6648, 4922 greiheit Berliner Organ ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Reine Besetzung des Ruhrgebiets Eine französische Erklärung lichen Sinn der englischen und ameritanishen Aeußerungen wesentlich verändern. Kennzeichnend Wir haben bereits gemeldet, daß sich A merita in seiner dafür ist die Wiedergabe der Reuter- Meldung vom 4. JaStellungnahme zu der französischen Regierungsaktion in der nuar durch das Wolffiche Telegraphenbureau, das sich auf eine Entwaffnungsfrage scharf gegen die Belegung des Ruhr er Beröffentlichung des Journal de Paris" stüßte. Der genaue gebiets und die Zurüdbehaltung der Rheinprovinz ausge- ortlaut, wie er sich aus den englischen Blättern ergibt, zeigt, sprochen hat. Reuternote sehr viel härter bie Webereinstim Nunmehr hat die franzöfifche Regierung, wie„ Esteurope" meldet, der Regierung der Vereinigten Staaten eine Erflärung übersandt, in der es heißt, daß sie nicht die Absicht habe, das Ruhrgebiet zu belegen oder die deutsche Besetzungszone auszudehnen. Sie müsse sich aber das Recht vorbehalten zu verlangen, daß Deutschland seinen Verpflichtungen in der Ents nachtomme. waffnungsfrage im Sinne des Friedensvertrages Im Anschluß daran veröffentlicht das amerikanische Staatsdepartement eine Erflärung, in der es heißt, daß gegenwärtig feinerlei Mitteilungen über die Haltung der Bereinigten Staaten in dieser Angelegenheit erfolgen tönnen. Begrabene Hoffnungen Die entstellte Reutermeldung Die Soffnung auf die englische Unterstützung bei der Sabotage der Entwaffnung, die vor einigen Tagen die orgesch begeisterte bürgerliche Presse erfüllte, hat sich wie so viele ähnliche Hoffnungen als übereilt und trügerisch er wiefen. Die Meldungen, die uns durch die offiziösen Nachrichtenbureaus aus London und neuerdings auch aus Washington vermittelt wurden, suchten den Eindruck zu erweden, als ob Frankreich bei einem ernsthaften Konflitt in der Entwaffnungsfrage isoliert wäre. Hierzu schreibt nun die„ Bossische 3eitung": Wenn ein solcher Eindruck entstehen würde, so wäre das ein verhängnisvoller Jrrtum, der um so gefährlicher wäre, Austei bez telegraphischen Uebermittlung dieser Meldungen häufig Auslassungen und Zusammenziehungen erfolgen, bie ben wirt Um Weftungarn 3wischen Oesterreich und Ungarn herrscht seit einiger Seit unfreundliche Spannung, die sich in gegenseitigen Presseäußerungen und auch amtlichen Berlautbarungen fund macht. Ungarn weigert fogar die Ratifizierung des gegenseitigen Hanbelsvertrages. Es dreht sich um West ungarn, dessen deutscher Teil nach dem Frieden von Trianon Deutsch- Desterreich zugesprochen worden ist. Ungarn macht nun allerhand Räntezüge, um das Recht Desterreichs auf Westungarn zu bestreiten und die Her ausgabe hinauszuschieben. Dem hat die Botschaftertonferenz nunmehr ein Ende gemacht, indem fie in einer Note an den Präsidenten der ungarischen Frie bensdelegation erflärt, der Text der Friedensverträge, die Westungarn Desterreich zusprechen, stelle nicht für Cesterreich und Ungarn, sondern für die verbündeten Mächte Pflichten und Rechte bezüglich der Uebernahme und Uebertragung dieser Ge biete auf. Die Botschaftertonferenz habe daher beschlossen, daß Weftungarn zuerst der Entente zu übergeben sei, die es an Desterreich abtreten werbe. Die zweifache Uebergabe werde durch Vermittlung einer internationalen Rom mission, die sonst teine Verwaltungskompetenz haben werde, in Odenburg stattfinden. Diese Note begleitet die ungarische Regierung mit dem verlegenen Zugeständnis, daß es schädlich und übereilt war, unter bem Eindrud gewisser Tendenzmeldungen die noch nicht bekannte Ententenote als Ultimatum hinzustellen. Die Note sei fein Ultimatum, sondern eine Festlegung der Modalitäten der Uebergabe. Allerdings bringe sie eine für Ungarn gewissermaßen neue Rechtsauffassung zum Ausdrud. Neue Kohlenkrise in England EE. London, 8. Januar. England ist durch eine neue fchwere Kohlentrise bedroht. Die Bergwerts befizer verlangen die Aufhebung ber Staatstontrolle über die Bergwerte und eine Aenberung der für den Inlandsverbrauch bestimmten Kohlenpreffe. Gleichzeitig verlangen sie aber die Aufrechterhaltung ber finanziellen Garantien durch die Regierung, da sie die Lasten des Ablommens mit den Bergarbeitern nicht allein zu tragen vermögen. Wenn die Regierung eine Erhöhung ber Kohlenpreise für den Inlandsverbrauch bewilligen würde, lo müssen Unruhen unter der Bevölterung befürchtet merben, weil badurch die Lebenshaltung sehr verteuert werden würde. In der legten Zeit haben Besprechungen zwischen dem Sandelsminister Sornes, bem Kohlentommiffar Bridman und Vertretern der Bergarbeiter und Zechenbefizer stattgefunden. mung mit der französischen Auffassung betonte, als es nach dem Auszug schien. Jedenfalls liegt tein Grund vor, diese Aeußerung auch nur als ein schwaches Anzeichen beft zu betrachten, daß England wegen der Meinungsverschiedenheit über das Tempo der Auflösung der Einwohnerwehr irgendeine ernsthafte Aftion unternehmen würde." Auch die Frantfurter 3eitung gelangt auf Schluß, daß irgendwelche soffnungen auf englisch- französ Grund der ihr zugegangenen direkten Nachrichten zu dem fiche Meinungsverschiedenheiten völlig verfehlt sind. Das Blatt schreibt: In England bentt man jetzt wohl baran, uns weitere Fristen zu gewähren, oder auch, wie englische Blätterstimmen erkennen lassen, den Abbau progressiv zu gestalten. Doch auf das Berlangen nach einer schließlichen Auflösung müssen wir nach wie vor gefaßt sein, und zumal die Bayern werden gut tun, sich das vor Augen zu führen. Und was das Maß der Fristen oder den Abbaumodus anbetrifft, so müssen wir auch daran denken, daß die Engländer in dieser Hinsicht bisher kein einziges bindendes Wort gesagt haben." berechtigt unsere Stepfis gegenüber dem Triumphgeschrei der Die wiedergegebenen Neußerungen bestätigen erneut, wie Orgesch- Presse war, die sich in blinder Begeisterung von der fegne England" befehrte, bloß weil sie glaubt, daß die engBarole Gott strafe England" zur neuesten Parole„ Gott legne England" befehrte, bloß weil sie glaubt, daß die englische Regierung die weißgardistischen Kampforganisationen planmäßig gefördert worden. Sonst wäre es nicht denkbar dulden würde. Diefe Hoffnung ist von der Regierung gewesen, daß das offiziöse Wolfffche Telegraphenbureau die Notschrei aus Rumänien Uns wird geschrieben: Im Monat Oftober stellte die rumänische organisierte Arbeiterschaft an die Averescu- Regierung mehrere Forderungen politischer und wirtschaftlicher Natur. Die rumänische Regierung, an deren Spitze der General Ave rescu steht, empfing die Arbeitervertreter nicht, sondern waItstreich. Sie erklärte den Generalstreit, der ange beantwortete die Forderungen mit einem brutalen Ge fündigt worden war, wenn die Regierung die Verhandlun gen ablehnen sollte, für eine anarchistische Droh Streifende Arbeiterschaft an. Die Forderungen, die die Arung und fündete die schärfsten Maßnahmen gegen die beiterschaft stellte, waren im wesentlichen die folgenden: Zurückziehung des Militärs aus allen Fabriten, Werken und Werkstätten. Suspendierung des Streitgesetzes bis zur Herstel lung eines anderen Gesetzes, welches die mit vielen Opfern era vollständige Aufhebung bes worbenen Rechte der Arbeiter respektiert. Effettive und Aufhebung des Belagerungszustandes und der 3 en jur durch: a) Anerkennung der vollständigen Assoziations-, Bersamms Iungs- und Pressefreiheit, b) Auflösung der Militärgerichtshöfe und Ueberweisung aller politischen und Pressedelikte, soweit sie 3ivilisten betreffen, an die Zivilgerichte, c) Entfernung der Armee aus der Zivilverwaltung ber an geschlossenen Gebiete, Einstellung der Ausweisungen und Coafuierungen. Wiederherstellung der Autonomie ber Bezir! stran. tentassen in Siebenbürgen und im Banat, sowie Aenderung des Versicherungsgesetzes im alten Königreiche auf Grund des Prinzipes der Autonomie und unter Heranziehung der berufe nen Vertreter der Arbeiterflasse. Am 21. Oftober wurde der Generalstreit über ganz Rumänien proflamiert. Die Regierung machte ihre Drohungen wahr und was nunmehr an Verfolgung der Arbei schah, übertrifft alles auf diesem Gebiete bisher Erlebte! ter und an Unterdrüfung der Arbeiterorganisationen geten Werkstättenvertrauensmann wurden verhaftet, in Die Arbeiterführer vom Abgeordneten bis zum schlich Retten gelegt und auf das bestialischste mihan. Reuter- Meldung vom 4. Januar in so entstellter tenbenziöser Form wiedergegeben hätte. Zu dem Standal delt. In Gruppen hat man harmlos herumstehende Arder Orgesch- Noten des Herrn Simons tommt nun beiter eingefangen und in die Gefängnisse gebal bet bewußten 3rteführung berffent- fchleppt, bort von abends bis früh mißhandelt, ohne Nahlichen Meinung in Deutschland. Eine Entscheidung ist noch nicht erfolgt. Die Regierung wird jedoch mindestens in einem Punkte nachgeben und längstens bis Ende März die Kontrolle über die Kohlenförderung fallen lassen müssen. Keine Räterepublik in Georgien TU. Paris, 8. Januar. Es ist den Bolschewisten nicht gelungen, wie in Armenien und Asserbeidschan, so auch in Georgien eine Räterepublit zu errichten. Wegen der Belegung der neutralen 3one durch Rote Truppen find die diplomatischen Beziehungen zwischen Georgien und SowjetRußland abgebrochen. Der bolichemistische Geschäftsträger hat Tiflis verlassen. Die Mostaner Regierung hat die Ostgrense Armeniens fest gelegt. Die Stadt Kars fällt an Anatolien. Die Regierung in Angora verzichtet auf die Rechte auf Batum. Der„ Feindbund" Man sollte eigentlich annehmen, daß, nachdem mehr als ein Jahr nach Jnirafttreten des Friedensvertrages verflossen ist, allmählich auch die Regierungsbehörden von dem Friedenszustand Kenntnis genommen hätten. Herr Groener, ehemaliger Eisenrung und Heizung gelassen und ihnen selbst die von ihren Angehörigen gestellten Deden entzogen, um sie so dem Vers derben preiszugeben. Die nach ihren Angehörigen forschenden Gattinnen, Mütter, Kinder usw. wurden auf das gröbs lichste behandelt. Frauen, ja selbst Kinder von solchen Ges nossen, die sich infolge der unbeschreiblichen barbarischen Verfolgungen versteckt hielten, wurden als Geißel für den geflüchteten Mann oder Vater verhaftet und einges Sperrt, bis der Genosse, der von dieser unerhört rohen Tat erfuhr, fich freiwillig stellte. Was dann mit einem solchen Genossen geschah, erhellt aus der Tatsache, daß man den Genossen Trajan Rovat( Bezirksparteisekretär in Temesvar) so mißhandelte, daß er ins Gefängnistrantenhaus überführt werden mußte. Ein anderer Genosse( Bea bries, Sekretär der Eisenbahnerorganisation) ist so zugerich tet worden, daß er nach 30tägigem Krantenlager operiert werden mußte. Das beliebteste Mißhandelungsmittel bei den Knechten der Inquisition ist das Schlagen auf die Fußsoh Len, und es dürften nicht viele Genossen unter den Hunder ten in Kertern Schmachtenden sein, die diese Tortur nicht eriragen mußten. Genosse Szöke( Maschinenmeister) erhielt nicht weniger als 100(!) Schläge auf die Fußsohlen, weil er als Druder ein Flugblatt gedrukt hatte.. Er wurde dann noch mit dem Kopf gegen die Wand gestoßen und auf die Soden(!) geschlagen! Mit diesen schärfsten Maßnahmen" ist es gelungen, die niederzuschla Arbeiterbewegung ganze gen. So wurden die Arbeiterheime sistiert, die Gewertwertschafts- und Parteigelber beschlagnahmt, die Arbeiterpresse auf Wochen verboten und die verhafteten Genossen vor das Militärgericht gestellt. Infolge dieser unerhörten Maßnahmen find Hunderte von Familien der inhaftierten Genossen in die schlimmste Existenzlage geraten, da ihnen von den zerstörten Organisationen teinerlei materielle Un terstützung gewährt werden fann. Aus den Eisenbahnbetriebswerkstätten der Stadt Temesvar find allein 170 Ara beiter entlassen worden, die zum Teil heute noch im Gea fängnis schmachten. bahnchef der Obersten Heereslettung, späterer Generalquartier- fchaftsorganisationen aus ihren Räumen gesetzt, die Ge meister und jetziger wohlbestallter Berkehrsminister, befindet sich noch immer im Kriegszustand. Ueber den Oktober 1918 hat er seine geistigen Kräfte noch nicht hinüberretten tönnen. In der Beantwortung einer Reichstagsanfrage spricht er von den KohTenlieferungen an den Feindbund", womit er schein bar die Vertragsmächte des Friedensvertrages meint. Biels leicht macht der Reichstagspräsident einmal den Herrn Groener darauf aufmerksam, daß wir inzwischen mit diesem Feindbund Frieden geschlossen haben. Zum Landeswahleiter für die preußischen Landtagswahlen ist der Präsident des Statistischen Landesamtes Geh. Oberregierungsrat Dr. Saenger, zu seinem Stellvertreter Regierungs- und Boltswirtschaftsrat Dr. So epter ernannt worden. Die Bereinigung Badens und Württembergs. Eine Konferenz der rechtssozialistischen Partei beiber Länder behandelte die Frage der Bereinigung Badens und Württembergs. Die Notwendigkeit der Bereinigung in wirtschaftlicher und finanzieller Sinficht wurde anerkannt. Die bürgerlichen badischen Parteien stehen dem Projett noch ablehnend gegenüber. Sie sollen gewonnen werden. Die Folgen von Tours. Die sozialistische Gruppe des Pariser Gemeinderates hat sich aufgelöst. Dies ist eine der Folgen des Kongresses von Tours. Gleich zu Beginn der Verfolgungen wurde die Immu nität der sozialistischen Abgeordneten aufgehoben! So wurde der Abgeordnete von Temesvar. Genoffe Franz Geistlinger, mit einer Eskorte mit aufgepflanztem Bajonett als Zeuge bei einer Verhandlung in Bufarest im Verhandlungssaale bewacht. Bei dieser Verhandlung wurden Urteile himmelschreiender Art gefällt. Da wurden sieben un serer Besten( darunter der bekannte alte Genosse und Ab. geordnete von Bukarest, Moscovici) zu fünf Jahren Es ist dies derselbe 3wangsarbeit verurteilt! Moscovici, der während der Verhandlung den Minister präsidenten Averescu dadurch bloßstellte, daß er demselben praktischer Natur, welche den Verlauf der ganzen Aktion im Reiche nicht in Frage stellen sollten, trieben dazu, zumal der erweiterte Vorstand in dieser Frage erst Stellung nimmt, um über weitere Schritte zu beraten. vorhielt, er hätte ihn( Moscovici) ersucht, die rumänische, prattischer Natur, welche den Verlauf der ganzen Attion im Reiche Dynastie stürzen zu helfen, wofür ihm der Ministerpräsi bent mehrmals Ministerposten angetragen habe. Averescu läuft nicht nur noch frei herum, sondern ist sogar der Ministerpräsident des von ihm zum Sturze ausersehenen Regimes. Die gestern abend im Gewerkschaftshaus tagende Funktio närkonferenz stellte sich aber entgegn allen von uns vorgebrachten Gründen in überwiegender Mehrheit auf den Standpunkt, die Demonstration doch stattfinden zu lassen. Wir erklären, daß wir gegen eine politische Demonstration nichts einzuwenden haben; aber wir müssen unter den gegebenen Verhältnissen die Berantwortung für den Beschluß der Funktionär fonferenz unter allen Umständen ablehnen. Zumal die erwei terte Ortsverwaltung auf Antrag der Funktionäre zu der Frage Stellung nahm und mit 13 gegen 12 Stimmen bei einer Stimmenthaltung den Beschluß der engeren Ortsverwaltung gutgeheißen hat. In Großwarbein wurden die mißliebigen Genossen von der dortigen Behörde einfach ausgewiesen, und zwpar über die Grenze nach Ungarn den Horthyfnechten ausgeliefert. Einen Redakteur der Temesvaer Arbeiterzeitung hat man 30 Tage eingesperrt gehalten wegen Artikel, die lange vor dem Streit erschienen waren. Das Unternehmers tum benutzte die Gelegenheit, um die Arbeitslöhne um 15 bis 25 Prozent herunterzusehen, verbot die Zugehörigkeit der Arbeiter zu gewerkschaftlichen Organisationen, was es dadurch am wirksamsten erreichen zu fönnen glaubte, daß es die abgeschlossenen Einzel- sowie Kollektivverträge mit der Arbeiterschaft selbstherrlich brach und das Vertrauensständen mit den niedrigen 3ugeständnissen der männersystem ausschaltete. Die Militärbehörde in Temesvar hat in den Betrieben einen Aufruf folgenden Inhalts aushängen lassen: Aufruf! Es wird sämtlichen Arbeitern und Beamten zur Kenntnis ges bracht, daß im Falle eines Streits nachstehende Maßnahmen getroffen werden: 1. Alle jene, die einen Einberufungsbefehl erhalten werden, find der nämlichen Behandlung unterworfen, wie mobilisierte Militärpflichtige and zwar: a) denjenigen, die sich zur Arbeit freiwillig melden und die Arbeit flaglos verrichten, wird es gestattet sein, in ihrem Heim zu schlafen und sich selbst zu verpflegen. Ihre Bezah lung werden sie genau wie vordem von ber Direktion des Unternehmens erhalten; b) diejenigen, die zwar zur Arbeit erscheinen, dieselbe jedoch nicht flaglos versehen, die übrigen Arbeiter zum Verlassen ber Arbeit aufwiegeln, werden täglich unter militärischer Eskorte in die Kasernen geführt, von dort früh zur Arbeitsstelle gebracht, disziplinarisch bestraft oder vor das Kriegs gericht gestellt. Diese Arbeiter erhalten bloß die ihren mili. tärischen Rängen entsprechende Besoldung; c) alle, die ihre Arbeit schlecht versehen, von der Arbeit fehlen oder nicht gehorchen, werden wie Militärpflichtige bestraft. 2. Alle jene Streifenden, die feinen Einberufungsbefehl erhalten ober dem Befehle teine Folge leisten: a) erhalten weber für fich selbst noch für ihre Familie Brot; b) ihre Familien werden aus den Wohnungen ausquartiert, wenn sie in Staats-, städtischen, Fabrits oder Betriebsgebäuden wohnen und durch den Streit die Arbeit verlassen. Temesvarer Garnisonstommandant: General Gavanescu. So hauft die herrschende Klasse in Rumänien. Der ver folgten, niedergeschlagenen rumänischen Arbeiterschaft bleibt nur übrig, fich an die Kulturwelt zu wenden und die rumänische Barbarei vor vor der gesamten Arbeiterschaft anzu flagen und an den Pranger zu stellen. Die Arbeit der rumänischen Sentersknechte ist ein würdiges Gegenstück zu dem Wüten des weißen Terrors in Ungarn. Die Reaktion nimmt in allen Ländern überhand. Sie fann nur international abgewehrt werden, und deshalb ist es geradezu ein Verbrechen, wenn die Arbeiterbewegung von fommunistischer Seite dauernd zerspalten und damit attionsunfähig gemacht wird in demselben Augenblick, wo die Bildung einer geschlossenen Kampffront bas dringendste Gebot Her Stunde ift. Die kommunistische Zersplitterung Die Ortsverwaltung des Deutschen Eisenbahner- Berbandes" schreibt uns: Wir ersuchen Euch höflichst um Aufnahme von folgendem: Infolge der Unternehmung der B. K. B. D. am Sonntag, ben 9. Januar 1921, sah sich bie engere Dttsverwaltung bes D. E. V. nach langen reiflichen Ueberlegungen genötigt, ihren Beschluß, eine Demonstration am gleichen Tage stattfinden zu lassen, aufzuheben. Maßgebend waren zum Teil die Gründe, welche in dem Artikel Schädlinge und 3ersplitterer" in der Morgennummer 11 der Freiheit" veröffentlicht wurden. Auch Gründe Nachwort zum„ Reigen"-Prozeß Ein gutes 3iel- Ein unmögliches Mittel Die Entscheidung im Kampf um die sogenannte Sittlichkeit ber Aufführung des Schnißlerschen ,, Reigen" ist gefallen. Das Kultus ministerium hat eine juristische Niederlage erlitten und zugleich, was faum bezweifelt werden fann, eine moralische. So begrüßens wert es ist, daß wir vor einem Gerichtsentscheid bewahrt worden Find über eine Frage, die vor Theater- uno Kunsttritifer gehört, aber nicht vor preußische Richter, so bedauernswert ist es, daß das tul tusministerium es durch seinen ganz falsh angelegten Kampf bazu hat tommen lassen, daß legten Endes jene Profitgier, die tünſtlerische Werte mißbraucht, den Sieg über ein Jozialistisches Ziel vorläufig errungen hat. Es ist deshalb nach Beendigung des unmög lichen Prozesses an der Zeit, die Dinge noch einmal zu überschauen. Der Theatersaal der Hochschule für Mufit, der den Aufgaben des Instituts dienen sollte, war bis zum Mai 1919 an Herrn Beerisch verpachtet. Schon damals ergaben sich allerlei unerquidliche Strettigkeiten daraus, daß Herr Beerisch nur als Generalpächter fungierte und die Bühne mehrfach weitergab. Es ist zwedlos, fich im einzelnen in die damit verbundenen Theatermanipulationen zu ver= tiefen, die das Ministerium gegen eine weitere Verpachtung einnahmen. Jm Ministerium wurden gleichzeitig die befannten Pläne zur Reform der Hochschule für Musfit bearbeitet. Es war klar, daß ein Ministerium, das als letztes Ziel die Sozialisierung ber Theater anstrebte, sich nicht damit einverstanden ertlären tonnte, baß auch noch die wenigen vorhandenen staatlichen Theaterräume in die Sände tapitalistischer Theaterunternehmungen ges raten sollten. Ebenso flar war es, daß bei den Plänen für die Reform der Hochschule für Mufit an eine Benugung des Saales für eigene Arbeiten in der Opernschule gedacht worden ist. Che jedoch zwischen dem Ministerium und der alten Verwaltung der Hochschule der richtige Kontakt gefunden worden war, hatte der frühere Hochschuldirektor den Theatersaal an Frau Eysoldt für 170 Mt. pro Abend bis zum Mai 1922 verpachtet. Das Ministerium beabsichtigte damals bereits, den Pachtvertrag anzufechten, und nur die Rüdsprache mit Frau Eyjoldt veranlagte bas Ministe rium, davon Abstand zu nehmen. Als nämlich der Frau Eyjoldt Wir erklären ferner, daß wir uns unter feinen Um= Regierung einverstanden erklären können und werden an der Mindestforderung, die der Deutsche Eisenbahner- Verband gestellt hat, festhalten und mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln für die Durchführung unserer Forderungen eintreten. Mit sozialistischem Gruß: Paul Klibor. Ein neuer Trick 197 Die unsinnige Rabaupolitik und verbrecherische Butsch tattit der Bereinigten Kommunistischen Partei öffnet immer breiteren Kreisen der Arbeiterschaft die Augen über die verderbliche Taftit der kommunistischen Führer. Deshalb sucht die Zentrale nach immer neuen Witteln, mit den Arbeitermassen, die von den Kommunisten nichts mehr wissen wollen, in Fühlung zu bleiben. In der täglichen Paroleschmiede, der ,, R. Fahne", veröffentlicht sie eine Einladung an alle möglichen Arbeiterorganisationen, vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund bis zur Freien Arbeiterunion, von den Rechtssozialisten bis zur K. A. P. D. zu gemeinsamen Attionen zur Durchfegung einiger an sich sehr wünschenswerten tonkreten Forderungen zur Verbesserung der Lebenshaltung der Arbeiter. Dieses Ablenkungsmanöver ist ebenso durchsichtig wie lächerlich und hat nur die eine Bedeutung, daß es den vollständigen Konturs der sogenannten tommunistischen Massenpartei ohne Massen enthüllt. Es ist das Eingeständnis, daß diefe großmäutigen Prahlhänse, die sich nach Halle gebrüstet haben, innerhalb furzer Monate die Revolution zum Siege zu führen und die Diktatur zu errichten, völlig unfähig sind, allein auch nur die Kleinste Reform durchzusehen, weil die Arbeiter von dieser Führung nichts wissen wollen. Es ist weiter das Eingeständnis, daß es eine bewußte Lüge der fommunistischen Führer gewesen ist, die Unab hängige Sozialdemokratie begehe Verrat, weil sie für einzelne bestimmte Forderungen die Arbeiterklasse zum Kampf aufrief. Jetzt rufen die Kommunisten zu solchen Kämpfen mit viel begrenzteren Zielen, als es zum Beispiel der Kampf für die Verwirklichung der Sozialisierung des Bergbaues ist. Ebenso entlarven sie sich als bewußte Lügner und SchwindTer, inbem fte alle diejenigen zu gemeinsamen Handeln mit ihnen anflehen, die sie ununterbrochen im Jargon Sinows jews als Agenten der Bourgeoisie und als fonterrevolu tionäre Schurten beschimpfen. Diese Einladung brandmarkt sie als elende Berleumder. Es ist aber flat, daß es diefen Leuten in Wirklichkeit nicht im geringsten um die Durchsetzung der aufgestellten Forderungen zu tun ist. Sie wollen die Parteien und die Gewerkschaften, die sie eben erst als Weißgardisten, schlimmer als bie Orgeschleute, beschimpft haben, als Vorspann für ihren stedengebliebenen Parteifarren benutzen. Ist der erst wieder flott geworden, so werben sie sehr rasch, wie sie es stets getan haben, ben mittämpfern in den Rücken fallen. Den Kommunisten ist es niemals um die Aktionen, die sie vorschlagen, wirklich zu tun, sondern sie möchten sich nur neues Material für eine demagogische Hetze gegen die Arbeiterorganisationen verschaffen. Die jüngsten Vorgänge in Flensburg und in Berlin haben gezeigt, daß die Kommunistische Partei alle Grundsäge haben gezeigt, daß die Kommunistische Partei alle Grundsäge von Treu und Glauben innerhalb der Arbeiterbewegung mit Füßen tritt und ihre Hauptangriffe nicht gegen die Bourfez Pläne in der Lage sein würde, blieb sie bei ihren Versicherun gen, so daß bas ministerium den Vertrag vorläufig anerkannte. Eine gewisse Sicherung war in dem Vertrag für das Ministes rium geschaffen worden, das war der Paragraph, in dem Frau Ensoldt sich verpflichtete, moralisch, politisch oder religiös an stößige" Stüde in diesem Saale nicht zu spielen. Es ist flat, daß bei der Beurteilung der Stüde weder Ducmäusertum noch Moralschnüffelei gelten burfte, sondern daß allein nach fünstlerischen Gefichtspunkten gewertet werden sollte. War von diesem Gesichtspuntt aus schon jeder Pachtvertrag äußerst ungünstig, so reichte dieser Kautschutparagraph feinesfalls hin, um der Direktion der Hochschule die nötigen Sicherheiten zu gewähren. Der erste Fehler des Ministeriums war der Vertrag, der zweite die unglückliche Formulierung dieser Eicherheitsklausel, der dritte bie Annahme, daß ein fleines Privattheater unter den heutigen Theaterverhältnissen ein ideales Programm überhaupt durchführen könne. " Frau Ensoldt begann ihre fünstlerische Erziehungsarbeit" gleich mit einer Aufführung der Büchse der Pandora", die im Laufe der Wiederholungen naturgemäß immer schlechter wurde und nur noch als sexuelle Spekulation weitergespielt wurde. Auf die ,, Büchse der Pandora" folgte„ Die unberührte Frau",„ Die Pfarrhaustomödie",„ Der Floh im Panzerhaus",„ Die Kindertragödie" und schließlich„ Die Chelei". Die meisten Stücke sind künstlerisch absolut wertlos, aber fast alle enthalten eine ganz flare Spetulation auf die erotischen Instinkte der auf dem Kurfürstendamm wohnenden Kriegsgewinnler- Sippe. Jetzt beging das Ministerium seinen vierten Fehler. Anstatt der Direktion mitzuteilen, daß diese Sorte Theater feineswegs der geplanten Hochschulreform entspreche, Tieß es zunächst gewähren. Erst als Schniglers Neigen" auftauchte, erhob das Ministerium Einspruch. Man verfuhr zunächst forreft, indem bei der Direttion am 15. Dezember Einspruch gegen die Aufführung des Reigen" erhoben und die Absetzung des Stüdes gefor bert wurde. Das war nun höchst diffiztl, Es lag allzu nahe, ein Eingreifen des Ministeriums als Zensur zu deuten, und gerade bafür war ein Dichter wie Schnitzler eigentlich zu gut. Andererseits war es verständlich, daß diejenigen, die für die fünstlerische Bildungsarbeit an der Hochschule verantwortlich find, nicht untätig zufehen fonnten, wie das Theater dem Residenztheater und den | geoisie, sondern gegen die eigenen RIaffengen nossen richtet. Sie haben ferner gezeigt, daß fie in vers antwortungslosester Weise mit dem Leben und den Inters effen des Proletariats spielen und durch ihre ganze Haltung die Interessen der gesamten Arbeiterklasse auf das schwerste schädigen. Eine solche Partei bietet nicht die Gewähr der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Ihre bisherige Taftit muß vielmehr das größte Mißtrauen ers weden. Es unterliegt feinem Zweifel, daß es sich auch bei ihrem neuesten Vorschlag um nichts weiter handelt, als um einen betrügerischen Trid, der die Aufmerksamkeit der breiten Massen von ihrem eigenen Bankrott ablenken soll. Der Monarchist Trimborn Eine Bestätigung rechtssozialistischer Schuld Auf der 50. Jahrseier der Essener Zentrumspartei hat der Zentrumsführer Trimborn eine Rede gehalten, in der er sich auch mit den Novemberereignissen des Jahres 1918 beschäftigte. Er meinte, das Zentrum habe die es verurs damalige Staatsumwälzung verurteilt, und teile sie auch heute noch mit derselben Enta schiedenheit. Es bleibe aber fein anderer Weg übrig, als sich auf den Boden der gegebenen Tatsachen zu stellen. Er stelle ausdrücklich fest, daß das Zentrum der Monarchie bis zum allerletzten Augenblid treu geblieben sei, und er selbst neige der monarchischen Staatsform zu. Hätte das Zentrum damals den Rechtssozialisten und der U. S. P. das Feld überlassen, so wäre unweigerlich die Rätediktaturgetommen. Die Sozialdemokraten seien zwar die Todfeinde des Zentrums, aber in der Politik entscheide nun einmal nicht das Gefühl, sondern der Verstand. Den fozialistischen Staat befämpfen wir mit aller Entschiedenheit." Schließlich führte Trimborn noch aus, daß man bei einer Sozialisierung der privaten Initiative Bewegungsfreiheit lassen müsse. Er ist also in Wirklichkeit für die Stinnefierung der deutschen Wirtschaft. Im Gegensatz zu seinem Düsseldorfer Parteifreunde Marr, der vor einigen Wochen Herrn Ebert als die von Gottesgnaden eingesetzte Obrigkeit anerkannt hat, ist Herr Trimborn nur aus 3wedmäßigkeitsgründen Republikaner. Und ohne Zweifel spricht Trimborn die bei den Klerifalen wirta lich herrschende Auffassung aus. Es ergibt sich ferner aus feinen Ausführungen, daß das Zentrum die Koalition mit den Rechtssozialisten nur deshalb eingegangen ist, weil es die Verwirklichung des Sozialismus ver hindern wollte. Das ist den Klerifalen denn auch vorläufig geglüdt. Die offene Darstellung des Zentrumsa führers zeigt wiederum mit aller Deutlichkeit, welche Schuld gegenüber der Arbeiterklasse die Rechtssozialisten auf sich ge= laden haben. Sie haben durch ihre Politif den Zusammenschluß der Arbeiterklasse zur gemeinsamen Aktion verhindert und damit die Wege zur Verwirklichung des Sozialismus versperrt. Sie haben durch ihr Bündnis mit den bürgerlichen Parteien dem Kapitalismus wieder auf die Beine geholfen und dadurch den schlimmsten Verrat an der Arbeiters flasse verübt. Wenn sie uns jetzt zurufen, daß wir die Vers gangenheit vergessen und nur an die Zukunft denken sollen, so ist das Spiegelfechterei. Nicht nach dem, was eine Partei verspricht, sondern nach dem, was sie bisher getan hat, ist sie zu beurteilen, und so muß die Arbeiterklasse erwarten, daß auch fünftig die rechtssozialistische Partei lieber mit den bürgerlichen Parteien an der Erhaltung der fapitalistische Wirtschafts- und Staatsverfassung arbeiten, als daß sie sich endlich dazu entschließen wird, vom Boden des Klassenfampfes aus den allen Proletariern gemeinsamen Feind des Kapitals zu bekämpfen. Wir erwarten deshalb auch nicht von der rechtssozialisti schen Partei eine Abkehr von ihrer bisherigen Politik, sondern wir vertrauen darauf, daß die wirtschaftliche und poli tische Entwicklung ben rechtssozialistischen Arbeitern endlich die Augen darüber öffnen wird, wo sie ihren Plaz einzunehmen haben. Wiederaufnahme der Arbeit bei Opel. Der Ausstand in bet Automobilfabrit von Opel in Rüsselsheim ist beendet. Die 3200 Arbeiter nahmen mit Ausnahme von drei Mann die Arbeit ges schloffen wieder auf. Die Zahlung einer Wirtschaftsbeihilfe lehnte die Firma ab. Theaters von der Büchse der Pandora" über die„ Unberührte Frau" zur Ehelet" war Beweis genug, daß die Aufführung des Reigen", die natürlich fünstlerischen Motiven entspringen fann, in diesem Fall nicht aus fünstlerischen Motiven, sondern aus geschäftlichen entstanden ist. Der nächste Fehler des Ministeriums war, diesen Standpunkt nicht tlar zur Darstellung zu bringen, und so wäre es zu wünschen gewesen, daß man sich nach dem Echeitern des gütlichen Einspruches im Ministerium zu einer ruhigeren Behandlung der Angelegenheit entschlossen und zumindest die Aufführung abgewartet hätte. Es if aber das alte Unglück, daß ein solches Ministerium feine einheits liche Meinung besitzt, sondern sie sich aus zehn widersprechenden zusammenstellt. So tam es zu einer unmöglichen Attion, die die guten Ziele bes Ministeriums völlig verdedte. Das Kultusministerium hat eine Niederlage erlitten und wird gerade von uns, die wir den„ Sittlichkeitsprozeß" so scharf bekämpft hoffentlich aus dieser eine Lehre ziehen. Die Aften sollen aber haben, nicht ohne die Feststellung geschlossen werden, daß die richtige Absicht und das bessere Ziel beim Ministerium waren. Nur die behördliche Ungeschidlichkeit hat es fertig gebracht, daß sich Bortämpfer für das Recht auf fünstlerische Freiheit schüßend vor ein fapitalistisches Unternehmen stellten, das unter anderen Um ständen dieses Aufgebot nicht wert gewesen wäre. Maximilian Sarden bittet uns, festzustellen, daß sein Gutachten über den Reigen" mit Muderei nicht das Allergeringſte zu tun hat, einen Symnus auf das Recht der Sinnlichkeit vors stellt und sich nur gegen die Servierung des Stiides vor Schie bern aussprach. Er wird es nunmehr veröffentlichen. Tilla Durieux schreibt, daß gerade ihre Erfahrungen mit der Freundin von Sudermann sie gelehrt haben, daß solche Stüde nicht vor einem wahllos zusammengesetzten Bublitum ge spielt werden sollen. Wir geben diese Richtig.ellung wieder, ba es uns natürlich fernlag, Sie Sachverständigen als Personen anzugreifen. Namentlich Tilla Durieur, die ihre Kunst stets in den Dienst der Arbeiterschaft gestellt hat. im Ministerium erklärt wurde, daß man den Saal zu wichtigen meisten anderen Berliner Sensations- und Spekulationstheatern das Wrad des alten Schauspielhauses zerschlagen und eine neue fünstlerischen Zweden, vor allem zur Heranbildung der jungen Echauspieler und Mufiter- Generation brauche, erklärte sie, daß das ganz ihren Zielen entspreche, daß ihre selbstgestellten Aufgaben völlig den Zielen des Ministeriums glichen, so daß eine enge Zusammenarbeit zwischen der Hochschule und ihrem Unternehmen möglich sein werde. Selbst als Frau Eysoldt darauf auf etiam gemacht wurde, daß sie taum zur Durchführung die Wir wollen heute teinittliches" Urteil über den Reigen" fällen. Es muß aber darauf aufmerksam gemacht werden, daß es ein großer Unterschied ist, ob ein Theater gelegentlich und dann mit vollem Recht erotische Stüde, eventuell auch den„ Reigen", aufführt, oder ob es daraus eine Spezialität macht, was beim Kleinen Schauspielhaus zweifellos der Fall ist. Die Entwidlung dieses Im staatlichen Schauspielhaus wurden gestern„ Die Stezne von Hans Müller aufgeführt. Mußte das sein? Jegner hat Bühne auferbaut. Wir hätten erwartet, daß er auch Müller be feitigt hätte, nicht weil Müller ein Lieblingsdichter Wilhelms war, sondern weil er ein Theatermacher von jener Sohlheit und Verlogenheit ist, die die Kennzeichen der wilhelmini schen Epoche waren. Wir sind nicht so theaterfremd, von einer Bühne täglich hohe Kunst zu fordern. Das gab es nie( auch nicht unter der Theaterdirektion Goethe) und wird es nie geben. Das Und dennoch Gewerkschaftszerstörer Die Arbeiter- Unionen von Moskau anerkannt Kaum ist die Einheit der fommunistischen Bewegung mit Paukengedröhn und Fanfarengeschmetter verkündet worden, da ist auch schon ein neuer Sorgenquell entsprungen, der die gerühmte ,, Klarheit" der fommunistischen Tattit und Zielsetzung in neue heillose Unordnung zu bringen droht. Seitdem die Kommu= nistische Arbeiterpartei von den Hohenpriestern in Mos tau zur sympathisierenden Partei im Rahmen der dritten Internationale geweiht worden ist, sind die ordentlichen Kommunisten über diese außerordentlichen Bundesbrüder teils von heftigem 3orn erfüllt, teils sind sie in Verlegenheit über das Verhältnis, das sie zu ihnen einnehmen sollen. Gegenüber den Gewerkschaften haben die Kommunisten das System der 3ellenbildung proklamiert, und unsere Anflage über die Tendenz zur Zersplitterung der Gewerkschaften, die dieser Zellenbildung innewohnt, ist von ihnen mit mangelhaft gespielter Entrüstung zurückgewiesen worden. Brandler und einige seis ner Freunde haben es sich sogar noch geleistet, die Arbeiter= Unionen zur Rüdtehr in die Gewerkschaften zweds Verstärfung der kommunistischen Spaltungsteime aufzufordern. Die Delegierten der K. A. P. D., denen es in Moskau gelungen ist, die Erlaubnis zu erhalten, mit einem Bein auf dem Boden der Kommunistischen Internationale zu treten, bringen nun aber aus Mostau eine ganz andere Parole zur Gewertschaftsbewegung mit. Die Kommunistische Arbei ter- Zeitung" berichtet in ihrer Nr. 157 über das Ergebnis der Mostauer Reise. Lenin habe weder die Broschüren- Literatur noch die Zeitungen der K. A. P. D. gekannt, und so müßte ihm cist ein Bild der Anschauungen dieser Parteien entworfen werden. Lenin sieht nach dem Bericht gleich der K. A. P. D. in der Ge= wertschaftsfrage eine der für Westeuropa entscheidensten". Und er hält, fährt der Bericht fort, die Methode der Zellenbil dung vorläufig für die richtige, gibt aber die Möglichkeit eines Weges, wie ihn die Union geht, zu. Man müsse den Erfolg abs warten". Die Leute der K. A. P. D. erbliden in dieser Aeußerung Lenins mit Recht ein weitgehendes 3ugeständnis an ihre Tattit, die ehrlich auf die Spaltung der Gewerkschaften abzielt. Aber sie haben damit doch nur eine verhältnismäßig unsichere Stütze für ihre Anschauungen, denn Lenin sowohl wie seine deutschen Anhänger würden nicht zögern, biefes Wort abzuIeugnen, wenn es ihnen unbequem werden sollte. Die„ Kommu nistische Arbeiter- Zeitung" legt darum auch mit Recht wenig Wert auf die Resolutionen, die in Mostau gefaßt worden sind, und auf bie Mahnungen, mit denen man die Vertreter der K. A. P. D. nach Deutschland zurückgeschickt hat, sondern sie erklärt, sie sehe das Entscheidende in der Anerkennung der K. A. P. D. Die gleiche Anerkennung, die in der Zulassung der Partei zur dritten Internationale, sei es auch nur als sympathiFierende Gruppe, ausgesprochen worden ist, wurde der Ge werts schaftstattit dieser Leute zuteil durch die Aufnahme der freien Arbeiter- Unionen in die Rote Gewerkschafts- Internatio nale. Stolz schreibt die„ Kommunistische Arbeiter- Zeitung": „ Sierin, wie auch in der soeben erfolgten Aufnahme der freien Arbeiter Union in bie Rote Gewert. schafts Internationale erbliden wir die ersten Anzeichen dafür, daß sich die dritte Internationale auf den Weg ber Prinzipien der R. A. B. D. begibt." Das Blatt hat vollkommen recht. Nachdem man die frete ArBeiter- Union in die Rote Gewerkschafts- Internationale aufge nommen hat, ist man gezwungen, auch anderen Absplitterungen von den Gewerkschaften die gleiche Anerkennung zuteil werden zu lassen. Es wird also lediglich von dem größeren oder geringeren Geschick oder Ungeschid, wie man willber Führer der kommunistischen Propaganda in den Gewerkschaften abhängen, ob es früher oder später zu Spaltungen in den Gewerkschaften tommt. Nachdem die abgesplitterten Teile die fichere Aussicht haben, in den Bund der Brüder aufgenommen zu werden, haben sie gar keinen Anlaß mehr, mit ihren legten, einstweilen noch verborgenen Absichten zurüdzuhalten. Der Weg ist offen, und man schickt sich an, ihn zu beschreiten. Die 3 ellen bildung schreitet rüstig voran. Die nahezu von der letzten Ratte verlassene Betriebsräte 3entrale in der MünzStraße hat unter Beibehaltung ihres Charatters bereits ihre Firma geändert, und hat sich, wie wir schon vor längerer Zeit mitteilen = Publikum soll ruhig im Theater leichte Unterhaltung finden, aber unter feinen Umständen Hans Müller, der alle titschigen und ver logenen Instinkte mit seinen prasselnden Dramen aufrüttelt und an einem Abend mehr verdirbt als ein ganzer Winter Kunsterziehung wieder gutmachen kann. Wie alle Oberprimaner dramatisiert Müller gern berühmte Perfonen. Sein neuestes Opfer ist der große Galilei, der vor dem Bapst seine naturwissenschaftlichen Erfenntnisse abschwört, um nicht verbrannt zu werden. Hei, wie da die Kulissen wadein! Müller schmeißt vier gut gebaute Atte auf die Bühne, von denen jeder mit einer tnalligen Szene endigt. Sowas fann Müller machen; das geben wir zu. Aber die Geistlosigkeit des Dialoges und die Verkitschtheit und Leere einer jeden Figur und den pinchologischen Schwindel macht ihm auch niemand nach. Aus Rollen dieser Art haben alle großen Mimen ihre etschütterndsten Menschengestaltungen geschaffen. Bassermann hat ben Galilei allerdings nicht voll vermenschlichen tönnen, vielleicht weil der Figur jene Rührszenen und Episoden fehlen, aus denen sonst die großen Schauspieler ihre Effekte holten. Die Hauptszene ist die Abschwörung vor dem Bapste. Hier hat Basser. mann eine Größe, die padt und es doppelt schmerzlich macht, daß dieser hinreißende könner dem hohen und modernen Drama so sehr verloren gegangen ist. Kraußned als Bapst hatte Wucht und Würde. F. St. Die Stuttgarter Boltsbühne. Im umgebauten Deutschen Theater in Stuttgart wurde die vor turzem geschaffene Volks bühne mit einer erfolgreichen Aufführung, des„ Don Carlos", eröffnet. Ein zaristisches Märchen Jm zariftischen Rußland soll sich während des Aufstandes, der nach dem russisch- japanischen Krieg ausbrach, folgende Geschichte zugetragen haben: " Ein Leutnant( dessen Name hier feine Rolle spielt) bekam ben Befehl, die in seiner Sand befindlichen gefangenen Aufrührer" zu bezimieren, um ein Beispiel bafür zu liefern, mit welcher Liebe und Anhänglichkeit der Zar seinem Bolte zugetan sei. Da Leutnants sich im allgemeinen von ihren übrigen Volksgenossen in nicht unerheblichem Maße abheben, fühlte besagter Leutnant weiter feine Gewissensbisse, wählte furzerhand ein paar Duhend aus der Zahl der gefangenen Verbrecher" aus und ließ sie standrechtlich erschießen; wobei er die Bemerkung nicht unterdrüden konnte, daß das doch eigentlich ein sehr schöner Tod sei. Durch die Nochforschungen der Frauen und Kinder der Ermorbeten tam der Tatbestand langsam ans Licht, und wurde dem Baren berichtet; der 3ar ordnete in seiner nicht enbenwollenben fonnten, als 3entrale bes fommunistischen Ketma zellenbetriebes etabliert. In allen Gewerkschaften spürt man bereits die Leitung der kommunistischen Verwirrung von zentraler Stelle aus. Und nun haben diese Kreise auch ihr 3entralorgan, das sogar ein wissenschaftliches" sein soll. Der Arbeiterrat" ist an der in der Bewegung der selbständigen Betriebsräte- Zentrale graffierenden Schwindsucht eingegan gen. Er benutzt seinen letzten Atemzug, um zu verkünden, daß er unter dem Titel„ Der kommunistische Gewerkschafter" seine Auferstehung feiern werde. Ernst Däumig hält sich für gut genug, dem„ Arbeiterrat" ein Abschieds- und Geleitwort und dem neuen Organ ein Begrüßungswort zu schreiben. Das neue Blatt werde sich widmen dem„ Suchen und Forschen nach den geeignetsten Organisationsformen". Woran, wie nur nebenbei bemerkt werden soll, erkennbar ist, daß man sich über die erstrebten Organisationsformen feineswegs flar ist, so daß es nicht unmöglich ist, daß man eines guten Tages die Form der Freien Arbeiter= Union" als die richtige erkennt. Gerade die Kreise, die in Däumig und seinem„ Arbeiterrat" feit jeher ihren Mittelpunkt Däumig und seinem Arbeiterrat" feit feher ihren Mittelpunkt sahen, haben ähnliche Anwandlungen schon früher gezeigt, bevor fie als Fremdkörper aus unserer Partei ausgeschieden worden sind. Der Riese Arbeitertlasse aber muß sich erheben, um dieses Ge= zücht zu zertreten, bevor es ihm gefährlich werden tann. Der kapitalistische Außenhandel Dumping- Bill, Key- Industrie Nach Kanada ist jetzt England an der Reihe. Der Handelsminister hat bereits angemeldet, daß er dem Parlament nach Reujahr den Entwurf einer Dumping- Bill unterbreiten will. Von ,, Dumping" spricht man, wenn die Produzenten unter ihren eigenen Produktionstofben ans Ausland verkaufen. Dumping ist also Bertauf zu Schleuderpreisen. Die inländische Sache einfach. In der Praxis aber muß ein Gesetz gegen das Industrie fordert Schutz gegen diese Methode. Soweit ist die Dumping" den Außenhandel unendlich erschweren oder ihn sogar unmöglich machen. Die vom Ausland verschickten Waren müssen bei der Ankunft daraufhin geprilft werden, wieviel fie im UrSprungslande gekostet haben. Ein solches Verfahren selbst wenn es ehrlich und in guter Absicht durchgeführt werden sollte, woran garnicht zu denben ist fann nur den Erfolg haben, daß die Verkäufer, in Unsicherheit darüber, ob ihre Ware nicht als zu Schleuderpreisen gelieferte zurückgewiesen wird( wie fann man denn auch im Auslande festestellen, wie hoch die Herstellungskosten waren?) teine firen Verträge schließen tönnen; es tommt somit eine allgemeine Unsicherheit in den Welthandel. Die Länder mit schlechter Valuta, also z. B. Deutschland gegen welches die Maßnahme in erster Reihe gedacht wäre. verkaufen an das Ausland in ihrer Valuta ausgedrückt zu billigen Preisen; die schlechte Baluta ermöglicht bekannterweise den Export zu billigen Preisen. Wie tann man denn nun feststellen, ob die Verkaufspreise wegen der schlechten Baluta niedrig sind oder aber weil die Waren unter den Herstellungstosten verkauft wurden? Es handelt sich nur darum, daß die englischen Kapitalisten den deutschen Wettbewerb sehr einschränken oder womöglich ausschalten wollen. Und hier Jetzt der Streit der Kapitalisten untereinander ein, welche Jndustrien diesen Schutz" gegen die fremde Industrie beanspruchen tönnen, eine wahrhaft göttliche Komödie. Es ist der Begriff auf getaucht: Ken- Industrie", auf deutsch Schlüsselindustrie, diese soll geschützt werden. Weiches sind aber die Schlüsselindustrien? Die, welche lebensnotwendige Produkte herstellen. Nun soll man die Entscheidung treffen über die lebensnotwen bigen und nicht lebensnotwendigen Industrien. Die Frage ist überhaupt nicht zu beantworten, man fann mit gutem Recht von fast allen Industrien behaupten, daß sie lebensnotwendig find, es gibt fein festes Kriterium für deren Beurteilung. Ein Gesetz gegen die Farbeneinfuhr ist unlängst verabschiedet worden, mit Hinsicht darauf, daß die Farbenindustrie eine Schlüsselindustrie set. Ist sie aber eine solche? und wenn eine Industrie tatsächlich lebensnotwendige Produfte erzeugt, warum führt man sie nicht in den Besitz der Gemeinschaft über, warum läßt man sie in den Sänden der profitgierigen Privattapitalisten? Einstweilen wird der Kampf der Interessenten darüber entscheiden, welche Industrie als Schlüsselindustrie bezeichnet werden soll, wobei wir auf die tomische Episode hinweisen möchten, daß sogar die englischen Spielwarenfabrikanten einen gesteigerten Schutz gegen die deutsche Spielwareneinfuhr verlangt haben, indem sie beschädigte beschäftigt, eine Schlüsselindustrie sei! haupteten, daß ihre Industrie, welche mitunter auch KriegsbeDie Wiederherstellung Europas hängt in erster Linie von dem freien Austausch der Produkte auf dem Weltmattt, Don der Belebung des gegenseitigen Warenaustausches ab. Dafür geschieht aber nichts. Statt Gerechtigkeit eine sofortige Untersuchung gegen ben Mörder an, die aber zu feinem Ergebnis führte, weil die Richter den Leutnant nicht auffinden fonnten. 3ufällig wurde er jedoch einige Monate später erkannt und dem Gericht zur Aburteilung übergeben. Da die Richter selbstverständlich von jeder Befangenheit frei waren und feinerlei Klassensolidarität mit dem Leutnant empfanden, wurde der Prozeß mit vorbildlicher Wahrheitsliebe zu Ende geführt und der Leutnant( wegen Massenmordes) zu 30 Mart Geldstrafe verurteilt. Im Laufe der Verhandlung hatte sich herausgestellt, daß der geistige Urheber der Mordtat ein Hauptmann gewesen war ( dessen Name jedoch hier ebenfalls teine Rolle spielt). Dieser Hauptmann hatte erstens die Tat angestiftet, zweitens dem Leutnant, als das Gericht nach ihm fahndete, zur Flucht verholfen, und drittens diverse Meineide geleistet, um sich vor der drohen ben Zuchthausstrafe zu bewahren. Wegen dieser Verbrechen wäre er sicher von dem Gericht verurteilt worden, wenn ihm nicht ein glüdlicher Umstand zu Hilfe gekommen wäre. Die era regte Masse hatte nämlich turz vorher dem 3aren ein Amnestiegesetz abgerungen, in welchem Straffreiheit für die Aufrührer zugesagt wurde. Mit bewunderswerter Jongleurkunst brachten es nun die gerechten Richter fertig, dieses Amnestiegesetz nicht auf die Aufrührer anzuwenden, sondern auf diejenigen, welche beim Niederschlagen des Aufruhrs Verbrechen auf Verbrechen gehäuft hatten; und so wurde denn auch jener Hauptmann nicht verurteilt, sondern man verstand es, seine Verbrechen, obgleich sie mit Politit nichts zu tun hatten und rein trimineller Natur waren, unter die Amnestie und damit unter den Tisch fallen zu lassen. Wodurch wieder, wie so oft, die Objektivität und schöne Gerechtigkeit des russischen Richterstandes dokumentiert wurde. natürlich unmöglich. Da werden erstens von Offizieren teine In der demokratischen deutschen Republik find solche Fälle Morde begangen; zweitens sind diese Offiziere viel zu mutig, um sich ber gerichtlichen Verfolgung zu entziehen; und drittens gibt es in der deutschen Republit immer noch Richter, die bereit find, Berbrecher, auch wenn sie Offiziere sind, zu verurteilen. F. C Waldfriedhof erhalten, für den unter Albert Geßner, Regierungs Der Waldfriedhof für Dahlem. Berlin- Dahlem Joll einen und Baurat Geßner, Prof. Heinrich Straumer und Gch.- Rat Bestelmeyer ein engerer Wettbewerb ausgeschrieben war. Reg. und Baurat Geßner in Potsdam hat soeben den Preis erhalten. Tages= Notizen 註 Broletarische Beranstaltungen von Reukölln. Am 9. Jan. Rammermafi abenb. 16. Jan. Lichtbildervortrag Das Redartal" von rl. Stottmann. 23. Jan. Rezitationsabenb. 30. Kan. Konzert ber Großen Boltsopez, der neuen Worte, die unserer schwer geprüften Zelt nottun, Hören wir Worte wie„ Dumping" und Ken- Industrie", Worte des Sasses, der Absperrung, geboren aus dem Geiste des Kapitalismus. Serabjehung des amerikanischen Heeres. Der Senatsausschuß für Heeresangelegenheiten beschloß die Herabsetzung des amerita nischen Heeres von 220 000 Mann, die Amerika unter den Waffen hält auf 175000 Mann. Die Totenliste der Sinnfeiner. Die Sinnfeiner veröffentlichen die Namen von 76 jungen Leuten, 6 Frauen, 12 Kindern und 60 Greisen, die von den Engländern im Jahre 1920 getötet wurden. Groß- Berlin Das Siedlungsamt Die Arbeiten des Wohnungsverbandes, der am 10. Januar b. Js. aufgelöst wird, gehen mit dem 11. Januar auf dem Gebiete des Siedlungswesens auf das Siedlungsamt der Stadt Berlin über. Die Verwaltungsgeschäfte des Siedlungsamtes und des mit ihm räumlich verbundenen Kleingartenamtes werden in ben bisherigen Geschäftsräumen des Wohnungsverbandes und des 3wedverbandes im Hause Klopstockstr. 24 erledigt. Der für den Aufgabenkreis der beiden Aemter von der Deputation des Stedlungs- und Wohnungswesens gebildete gemeinschaftliche Ausschuß berief unter dem Borsiz von Stadtrat Stolt in zwei Sigungen die Sagungen und legte die Organisation der Aemter fest. Bemerkenswert hierbei ist, daß dem Ausschuß als begutachtende Organe je ein Beirat für das Siedlungsamt und für das Kleingartenamt zur Seite stehen werden. Diese Beiräte sollen aus Bertretern solcher Körperschaften und Verbände bestehen, von deren Mitarbeit sich der Ausschuß mit Rücksicht auf ihre Erfahrun gen auf dem Gebiete des Siedlungs- bzw. Kleingartenwesens eine Förderung seiner Tätigkeit verspricht. Die Wahl der Beiratsmitglieder wird nach Eingang der zu erwartenden Anträge der interessierten Kreise erfolgen. Die Aufgaben des Siedlungsamtes werden zentral bearbeitet werden, während zu den Obliegenheiten der Bezirke im wesentlichen lediglich die Ausführung der von der Zentrale beschlossenen Entwürfe sowie die Verwaltung der Siedlungsfolonien gehören wird. Auf dem Gebiete des Kleingartenwesens wird das Haupts gewicht der Betätigung dagegen bei den Bezirken liegen, die Zentrale beabsichtigt vornehmlich Richtlinien zu geben, Grundsätze aufzustellen und das Kleingartenwesen durch Veranstaltung von Ausstellungen, Wettbewerben, Schaffung von Dauergärten und burch Vermittlung beim Bezug von Bau- und Rohstoffen zu fördern. Den Bezirken bleibt es überlassen, nach Bedarf Kleingartenämter ihrerseits einzurichten. Die Bearbeitung der Kleingartenangelegenheiten in den Bezirken 1-6 mird jedoch unmittelbar bet der Zentralstelle erfolgen. Verkehrsverbesserungen auf der Stadtbahn. Die Vollringzüge hatten in Halensee bisher nicht immer Anschluß an die Stadtbahn. Bom 17. Januar d. J. ab werden die Züge vom Potsdamer Bahnhof nach Halensee eine Beschleunigung erfahren, um den um 10 Minuten früher liegenden Anschlußzug an die Stadtbahn zu erreichen. Es werden soviel Anschlußzüge Halensee- Stadtbahn eingelegt, so daß bis kurz vor Mitternacht jeder Vollringzug Anschluß nach dem Stadtinnern findet. Vom gleichen Tage ab werden nachmittags eine Reihe von Stadtbahnzügen, die bisher auf dem Schlesischen Bahnof endeten, von dort über Stralau- Rummelsburg nach Lichtenberg weitergeführt, um in Stralau die Anschlüsse an den Ringverkehr zu ermöglichen. Auf der Stadtbahn werden zwischen 10 Uhr und 11,30 Uhr nachts fünf Züge in jeder Richtung neu eingelegt, um den ständigen Andrang in den späten AbendStunden besser bewältigen zu können. Vier Züge werden auf der Strede Westend- Potsdamer Bahnhof in der Zeit von 5,00 bis 7,00 Uhr neu gefahren, durch diese Verbesserungen im Stadt- und Ringbahnverkehr will man im neuen Jahre dem starken Andrang Rechnung tragen, der durch die Abwanderungen von der Straßenbahn, die durch die erhöhten Tarife verursacht worden sind, zur Stadtbahn fich vollzogen hat. Beschränkung der Haftpflicht der bahnamtlichen Rollfuhrunters nehmer. Wie wir hören, hat die Eisenbahnverwaltung vom 1. Januar d. J. die Haftpflicht der bahnamtlichen Rollfuhrunternehmer für Verlust, Minderung und Beschädigung der Güter bei der Anfuhr zur Bahn auf den Betrag von 20 M. für das Kilo gramm beschränkt. Die Bahnspediteure haben sich jedoch verpflich tet, höherwertige Güter auf Wunsch gegen das örtliche Risiko zu versichern. Sie werden dafür mit 3uftimmung der Eisenbahn eine Versicherungsgebühr von 1 vom Tausend des angegebenen Wertes berechnen. Bei der Abfuhr der Güter von der Bahn bleibt es bei den bisherigen Haftungsbestimmungen. Goldene Cheringe Gegenstände des täglichen Bedarfs. Goldene. Cheringe find Gegenstände des täglichen Bedarfs. Diesen Grundfaz teilt jegt das Reichswirtschaftsministerium allen Behörden und Stellen mit, die mit dem Preisprüfungswesen befaßt werden. Das Reichsministerium stüßt seine Stellung auf die Rechtsprechung und das Schrifttum. Gegenstände des täglichen Bedarfs sind folche, für die größere Bevölkerungstreise Bedarf haben. Für die Begriffsbestimmung unerheblich sei die Frage, ob bei der jetzigen wirtschaftlichen Lage sich weite Kreise solche hochwertigen, aber entbehrlichen Gegenstände, nach denen sie Bedarf zu haben glauben, leisten dürfen. Während des Krieges sahen zwar erhebliche Teile der Bevölkerung von goldenen Cheringen ab, um das Gold der Reichsbant zu erhalten. Sie schafften sich Ersah aus anderem Metall an. Seit Beendigung des Krieges habe aber dieser Brauch nachgelassen, wenn er nicht ganz geschwunden ist. Ein Kriminalwachtmeister erschossen. Auf offener Straße et fchoffen wurde in der vergangenen Nacht der Kriminalwachtmeister und Diensthundführer Albert Sente. Er wurde heute früh um 8½ Uhr vor dem Hause Weidenweg 41 tot auf dem Bürgersteige liegend aufgefunden. Die unbekannten Täter, die den Beamten durch einen Brustschuß getötet haben, sind unerkannt entlommen. Billige Waren für Neuköllner Kriegsbeschädigte und Kriegs hinterbliebene. Die Wirtschaftsstelle des Kriegsfürsorgeamts in Neukölln gibt folgende Waren zu ermäßigten Preisen ab: Waschund Toilettenseife 2,95 M. pro Stück, Spaten 6,50 M. pro Stid, Bigarren zu 50, 60 und 70 Pf., Zigaretten zu 20 und 25 Pf., Tabat zu 3,50 und 4,90 M. pro 100 Gramm, Herrenhemden zu 40 M., Damentritothemden zu 16 bis 22,50 M., Kindertrikothöschen zu 8 M., Stridjaden zu 17 und 40 M., Damenröde zu 55, 70, 95 und 98 M., Blusen zu 50, 95 M., Kostüme zu 265 und 400 M., Herrenanzüge zu 350 bis 525 M. und Reis zu 4,90 M. pro Pfund. Das Scala- Theater wartet mit einem guten Großstadt- Pro gramm auf. Erfreulich ist, daß Komiker mit abgeschmackten nationalistischen Phrasen in diesem Monat nicht über die Bretter gehen. Glänzend sind die Tanzvorführungen der ungarischen Pris madonna Balloy mit ihrem Ballett. Die 5 Anirotts und die 5 Carra's warten mit ihren gut durchgearbeiteten artistischen Kunststücken auf. Ferner müssen die Rollschuhläuferinnen Mir und Gerti erwähnt werden. Für Humor und Stimmung forgen Morgenstern, der Retruten schleift( wie zu Wilhelms Zeiten), die Schwarz Co. in ihrer Lustspielpantomime Der zerbrochene Spiegel", und vor allen Dingen Je- Ka- Fi( Jeder tann filmen). Jeder, der das Zeug in sich fühlt, eine neue Henni Porten usw. zu werden, tann es hier nicht nur tostenlos ver reiheit Buchhandlung Foreiheit 2 Breite Straße 8.9 Bis 6 Uhr abds. geöffnet/ Sonnabends bis 4ühr Juchen, sondern noch 5000 M dazu gewinnen. Das Publitum tommt babei auch auf seine Rechnung. Lachen ohne Ende. Die Bor führungen von Carl Braun in seinen Meisterdarstellungen berühmter Komponisten werden vom Publikum sehr beifällig aufgenomen. Boraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Sonn tag. Etwas wärmer, zunächst größtenteils bewölft, mit fleinen Regenfällen und mäßigen, südwestlichen Winden. Später zeitweise sufflatenb. Gewerkschaftliches Kommunistische Dunkelmänner Bom Deutschen Metallarbeiterverband wird uns geschrieben: n auen Versammlungen der A. E. G. ist in letzter Zeit eine. Gropaganda für eine allgemeine Versammlung der in den E. 6- Werten beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen ge= macht worden, die sich mit dem in Aussicht stehenden Streik der Eisenbahner befdáftigen sollte. Diete Versammlungen waren von ben tommunistischen Mitgliedern des Betriebsrates der A. E. G. Turbinenfabrit vorbereitet und propagiert worden. Heute find wun in ben Werfen der A. E. G. Handzettel verbreitet worden, die zum Besuch einer Versammlung für Sonntag, den 9. Januar 1921, in den Kammerfalen auffordern. Als Unterschrift tragen die Zettel: bie gewerkschaftlichen Vertrauensleute des A. E. G.- Konzerns. Dem Deutschen Metallarbeiter- Verband, Ortsverwaltung Berlin, ift von einer solchen Beranstaltung der Vertrauensleufe unserer Organisation nichts bekannt und hat die Veranstaltung mit unserer Organisation nichts zu tun. Wir machen der Kommunistischen Bartei teine Vorschriften über die Veranstaltung ihrer VersammLungen, erwarten aber, daß sie dann auch klipp und flar ihr Firmenschild unter ihre Handzettel sekt. Wir ersuchen unsere Kollegen im A. E. G.- Konzern, von diefer Notiz Kenntnis zu nehmen. Die Zimmerer der Zahlstelle Berlin und Umgegend des Zentral verbandes der Zimmerer hielten am 4. Januar d. J. ihre Zahlstellenversammlung ab. Der Vorsitzende machte die Delegierten mit der Absicht des Magistrats Berlins bekannt, ab Januar eine Einheitsarbeitslosentarte einzuführen. Nachdem er die Vorgänge bei früheren Verhandlungen mit den Unternehmern zweds Einführung eines paritätischen Arbeitsnachweises schildert, aus denen au ersehen ist, daß die Einführung eines solchen bisher an dem Verhalten der Unternehmer gescheitert ist, geht er dazu über, die Borschläge des Magistrates bei Benuzung des städtischen Arbeitsnachweises zu beleuchten. Benada glaubt, daß auch die Unternehmer, sobald sie sehen, daß im Baugewerbe ernst gemacht wird mit der Einführung eines Arbeitsnachweises, ihren Standpunkt ändern, und sich dem anschließen werden. Er bittet die Delegierten im Interesse der Sache, diese Borlage anzunehmen. Nach einer regen Diskussion, in der viele Bedenken gegen den Arbeitsnachweis in dieser Form vorgebracht wurden, beschlossen die Zimmerer, die Einheitsarbeitslosentarte einzuführen, und sich dem Arbeitsnachweis der Stadt Berlin, Gormannstr. 30, 2 Trp., ab 10. c. M. anzuschließen, die Auszahlung der Städtischen Ererbs Iolenunterstügung im Berbandsbureau zu belassen. Hierauf berichtet Bena da von den Verhandlungen mit den Unternehmern über unsere Lohnrevision. Grogen- Unwillen löften seine Ausfüh rungen aus, als er bekannt gab, daß der unparteiische Vorsitzende erklärt habe, nicht eher in neue Verhandlungen treten zu können, als bis die Ortsgruppe Berlin des Reichsverbandes für das Tiefbaugewerbe, an der Verhandlung teilnimmt. Die Zimmerer befürchten, daß die Verhandlungen, die am 6. Januar vor dem provisorischen Bezirkslohnamt stattfinden, und bis zum 8. Januar beendet sein sollten, wieder fünftlich in die Länge gezogen werden. Alle Diskussionsrebner drückten ihre Unzufriedenheit über die Willfür und Unternehmerfrechheit in starten Worten aus. Bei dieser Gelegenheit wurde auch das fonderbare Berhalten des Stabb Nachdem die Ver fämmerers Böß besonders scharf tritisiert. " sammelten noch beschlossen hatten, im Januar eine Versammlung mit dem Thema Mostau oder Amsterdam" abzuhalten, in der beide Richtungen zum Mort tommen sollen, wurde die Ver sammlung geschlossen. Aus den Organisationen 7. Diftritt. Funktionärtonferenz, Montag, 10. Januar, 7 Uhr, pünktlich, bel Koblenz, Borhagener Str. 17. 7. Diftrift, 9. Abt. Gemeinschaftlicher Zahl abend, Mittwoch, 7 Uhr, in der Schule Bromberger Straße. Vortrag des Genoffen Leid. 16. Diftrift. Sonntag, vormittags 9 Uhr, Vorstandssigung bei Barleben. Montag, abends 7 Uhr, öffentliche Frauenversammlung in der Schulaula, Müller, Ede Iriftstraße. Referent: Genosse Dr. Moses:„ Schiebertum unb Maffenelenb". Nentään, Brig. Budow, Radom,( 14. Verwaltungsbezirt). Lanbagitations fommission, Sonntag, 9. 1. 1921, nachmittags 3 Uhr, Sigung bei Meßtat, Budow, vis- a- vis Krankenhaus. Dienstag, den 11. 1. 1921, abends 47 Uhr, Bollversammlung bei Cenkt, Neukölln, Hermannstr. 213. Pünktliches Erscheines notwendig. Charlottenburg. Seute abend, 7 Uhr, gemeinsame Sigung der Funktionäre mit bem Aftionstat, im Rathaus, Zimmer 1. Bightenberg. Unsere Delegierten zur Bezirks- Generalversammlung, Potsdam 4 am Sonntag, ben 9. Januar, pünktlich, vormittags 9 Uhr, bei Tempel, totes Zimmer. Sigung ber 3eitungstommission am gleichen Tage, Bo mittags 10 Uhr, bei Stelch, Scharnwebet, Ede Finowstraße. Vereinskalender Wertmeister- Berband, Bezirksverein Berlin 25. Sonntag, ben 9. Jannat, 9 „ Germania- Brachtfäle Dormittags Uhr, Extra Mitgliederversammlung Chauffeestr. 110. Generalversammlung, Dienstag, den 11. Januar, abends 6% Uhr, in Haverlands Feitfälen, Neue Friedrichstraße. Sozialistische Proletarier- Jugend, Gruppe Süden- Südwesten. Sonntag Wande rung nach Königswusterhausen. Treffpunkt: 7 Uhr Görlizer Bahnhof, Sanitäts wame. Verantwortlich für die Rebattion: mit Rabolb, Berlin. Ber antwortlich für den Inseratenteil: abwig Romerinez, Rarishorit. Verlagsgenolienibait reiheit" e. 6 m 6 S.. Berlin. Drud der Freiheit". a Porfin Belts Cleats an Pamunity A Damen- und Kinder Konfektions- Haus grössten Stils Strassenbahn: 6, 68, 69, 70, 71, 76, 77, 78, 79, 92, 168 Politischer Redakteur NUR ZEIT!. KURZE nvenfur- Verkauf tichtige Rraft, für möglichst fofortigen Antritt für Magdeburger Bolkszeitung" gesucht. Bewerbungen find mit der Auffchrift Politischer Redakteur" und mit der Angabe der Gehaltsansprüche bis spätestens 20. Januar an ben Borfigenden der Breßkommiffion der Magdeburger Bolkszeitung Genossen Karl Beck, Magdeburg- Suben burg, Westerbüferftr. 38, 1. Cing. I., zu richten. Reisende auf den Einkaufspreis haben wir den größten Teil unserer bedeutenden Ohne Rücksicht Läger in fabelhaft billigen Serien zusammengestellt Serie! IV Mark Mark Mark Mark Mark Mäntel Mark und Sportjacken für Winter und 48 79 79 98125 175 285 Frühjahr Mäntel In Astrachan, Plüsch wsw.... Kostüme einfarbig und gemustert .. Kleider für Tans und Sommer..... Kleider Wolle, Seide, Samt usw:( darunter Modellgenre) 250 450 650850 1050 1250 85 145 195 285 475 695 58 78 98125 185 265 98185 285 385 485 685 Blusen 1975 28 42 65 94 165 Wolle, Seide, Flanell usw. 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