Einzelpreis 30 Pfg. Dte 4. Jahrgang relbett erscheint morgens und nachmittags, Commtags and Montage WHE einmal. Der Bezugspreis beträgt bet freier Zustellung ins Haus für Groß- Berlin 10,- M. im voraus zahlbar, von der Spedition felbft abgeholt 8,50 m. Für Poft bezug nehmen fämtliche Boftanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland und Österreich 16,50 m., für das übrige Ausland 21,50 m. suzüglich Baluta- Aufschlag, per Brief für Deutschland und Osterreich 30,-. Redektise, Expedition und Berlag: Berlin C 2, Breite Straße& Sonntag, 9. Januar 1921 Nummer 13 Morgen- Ausgabe Die echtgespaltene Ronparetegette aber beren Raum koftet 8,-. einfchließlich Seuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2- M., jebes meitere Wort 1,50 M., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen Besuche in Wort Anzeigen: bas fettgedruckte Wort 1,50 m., jebes weitere Wort 1, Fernsprecher: Bentrum 2030, 2645, 4516, 4603, 4835, 4649, 4021 greiheit Berliner Organ Der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Vogels glorreiche Wiederkehr Imnestie für gemeine Verbrecher- Die Justiz und das Edenhotel- Runges Geständnis 2testnets Marber. Seit Ihr noch alle ba? Wie geht es denn mit der werten Gefundheit? Habt Ihr die Köpfe noch sben auf? Das ist recht. Gute Berrichtung das nächste Mal. Als furz vor Weihnachten das Moabiter Landgericht mit dem Geständnis herausrüdte, den Hauptmann v. Kessel, der wegen Meineids, Urkundenfälschung, Aftendiebstahls und Bestechung angeklagt war, auf Grund des Amnestie gesezes außer Verfolgung gesezt zu haben, schrieben wir, daß die Moabiter Herren auch dabei sind, einen geschickten Dreh zu erfinden, um den Mörder der Genossin Rosa Luxemburg, den Oberleutnant Kurt Vogel, die Möglichkeit zu geben, in die gesegneten Gaue Deutschlands zurückzukehren, damit er sich unter seinesgleichen der Gnadensonne erfreue, die im Lande Kants, Fichtes und Goethes allen Mördern und Verbrechern in Offiziersuniform so herrlich leuchtet. Dieser Fall ist jetzt eingetreten. Oberleutnant Kurt Vogel ist durch einen Beschluß des Land gezichts amnestiert worden und befindet sich bereits in Deutschland. Während sich die Richter mit Nägeln und Zähnen wehren, das Amnestiegesez auf Ars beiter anzuwenden, die sich eines politischen Vergehens schuldig gemacht haben, wenden sie das Amnestiegesetz ohne Bedenten für ganz gewöhnliche, ordinäre und gemeine Berbrecher an, mit denen in Berührung zu kommen, sich jeder anständige Mensch scheut oder sich eines Efels nicht erwehren fann, wenn ihm auch nur ihr Name ins Gedächtnis fommt. Stellen wir die Tatsachen fest: Oberleutnant Kurt Bogel gehörte zu jenen Kreisen von Offizieren, die während der Santuariage the Quartier im Eden Hotel aufgeschlagen hatten. Dort liefen alle Fäden zusammen, die zu dem Verbrechen, das an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht verübt wurde, führten. Von dort aus wurden die Spürhunde auf die beiden Arbeiterführer gehegt, dort wurde der Auftrag gegeben, sie zu verhaften, ins Edenhotel zu schleppen, wo die bereitgestellten Mörder der Opfer harrten. Oberleutnant Kurt Bogel war einer der Mörder Rosa Luxemburgs. Die Komödie der Untersuchung durch ein Militärgericht, die Tatsache, daß die Mörder monatelang auf freiem Fuße waren, um die Spuren ihres Verbrechens nach allen Seiten hin verwischen zu fönnen, die Justiztomödie, die statt einer Verhandlung im großen Schwurgerichtssaal zu Moabit aufgeführt wurde, das alles fonnte die Mitschuld Vogels an dem Verbrechen nicht verdeden. Auch nicht die Tatsache, daß sich unter den Richtern, die die Verhandlung gegen die zu einer Lügengemeinschaft zusammengeschweißten Mörder führten, einer befand, der die Vorbereitungen zur Flucht Vogels traf und beider Anfertigung der gefälschten Bapiere behilfich war. Bogel mußte zu zweieinhalb Jahre Gefängnis verurteilt werden, um wenigstens den Schein des Rechts nach außen hin zu wahren. Und nun ist dieser Bogel aus der holländischen in die deutsche Freiheit gesetzt worden. Er fann zusammen mit seinen Mord- und Spießgefellen auf neue Verbrechen finnen. Die Richter haben mit diesem Streich alle Schranken durch brochen, die durch Recht und Gesetz gezogen find. Die Ermor bung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts hatte mit irgendeiner politischen Handlung nichts zu tun. Es war der Aft einer durch den Krieg verrohten Verbrecherbande, die allerdings den Vorzug genoß, Achselstücke und kaiserliche Klunkerorden zu tragen. Gelbit wenn der fühl überlegte, feit Wochen genährte, von Großkapitalisten und Bankiers finans zierte Mord mit den Januartämpfen in Berlin in Verbin dung gebracht werden könnte, so steht fest, daß er vollzogen wurde zu einer Zeit, als in Berlin nach jeder Seite vollste Ordnung im staatlichen Sinne herrschte. Außerdem liegt ein flarer Beschluß des Reichsgerichts vor, dahingehend, daß die Januarfämpfe nicht als hochperräterisches Unternehmen gewertet werden könnten, weil sich diese Kämpfe nicht gegen die Regierung, sondern nur gegen einen bestimmten Kreis von Personen gerichtet hätten. Aehnliche Entscheidungen hat das Kammergericht getroffen. Wir wollen uns darüber, ob diese Entscheidungen gültig find oder nicht, hier nicht befassen. Sie liegen jedenfalls vor, das Gericht tannte sie und hat sich trotzdem bedenkenlos über sie hinweggefegt, ganz abgesehen davon, daß das Amnestiegesetz, wie es auch in politischen Fällen vom Reichsgericht oder Kammergericht ausgelegt werben mag, gegen Mörder nicht angewendet werden darf, es sei denn, daß man den flaren Rechtsbegriffen Gewalt antun und die Massen zu Aftionen herausfordern will, die einem gewissen Kreis von Politikern gerade in diesen Stunden nicht unangenehm wären. Der Streich der Moabiter Justiz ist wohlüberlegt. Er sollte. sich in aller Stille vollziehen, die Deffentlichkeit sollte nichts danoh erfahren, um den Widerspruch der Massen zu ver hindern, der im Falle Kessel den Oberstaatsanwalt zwang, gegen die Entscheidung des Gerichts Einspruch zu erheben. Dieser Schlag in das Angesicht des Rechts sollte erst bekannt werden, wenn die Einspruchsfrist verstrichen war, damit sich die Hintermänner der Mörder belustigen fonnten über die Empörung der Millionen, damit sie beruhigt waren durch das Gefühl: Protestiert so viel ihr wollt! Es gibt noch Richter in Deutschland, die es uns ermöglicht haben, den Mann in unsere brüderlichen Arme zu schließen, der bei der Beseitigung zwei von Euch geliebter und von uns gehaßter Menschen behilflich war. Dieser teuflische Plan muß sofort durchkreuzt werden. Die Millionen sozialistischer Arbeiter in Deutschland, die ganze Kulturwelt muß sich erheben und dokumentieren, daß sie die Amnestierung eines Mörders als ein Schandwerk empfindet, geeignet, das letzte Restchen Ansehen, das Deutschland noch besitzt, zu zerstören. und beim dritten Male, wenn er wieder zurüdfomme, folle ich sofort schießen; denn das sei das Zeichen. Ich hatte das Gewehr schon eingezogen, mir famen aber Bedenten und nahm es wieder ab und auch der Mann der„ Roten Fahne" tam zu mir und sagte, er hätte noch einen Auftrag zu erledigen. Er wurde in ein Zimmer geführt und beim Berlassen sagte ein Offizier zu einem Wachtmeister: Führen Sie den Mann ab und sorgen Sie dafür, daß nichts passiert." Ich ging dann wieder auf Poften zurüd und Dräger fagte mir:" Run, hast Du ben da oben wohl doch nicht erschossen, es hat ja so lange gedauert." Inzwischen waren die anderen zurüdgekommen und brüsteten sich: Liebknecht haben wir eine gebrannt. Es wurde eine Panne martiert und so die Flucht fünftlich herbeigeführt. Das hat mir auch Oberleutnant von Rittgen später in der Untersuchungshaft noch einmal gefagt, er sagte auch, er habe das Knarren der Pistolen gehört. Ueber Luxemburg hieß es:„ Die alte Sau schwimmt schon." Ueber meine Flucht habe ich folgendes zu sagen: Ich wurde anfangs im Eben- Hotel von allen beglüdwünscht und mir wurde gesagt, Ihnen passiert nichts, dafür werden wir schon jorgen. Sie tommen nach ein anderes schönes Städtchen und es wird für Sie gesorgt. Als ich eines Abends von Boften tam und durch den 300 ging, tam mir Leutnant Liepmann mit dem Jäger Friedrich entgegen. Leutnant Liepmann sagte zu mir: Ra Mensch, Sie suche ich schon lange. Sie müssen fort, Sie müssen flüchtig werben, Die Justiz soll sich über die Folgen ihres Tuns nicht täuschen. Die Geduld der Massen hat eine gewisse Grenze und diese fann eines Tages zerreißen und ein Strafgericht über jene heraufbeschwören, die mit Lift, Betrug und Rechtsverlegungen eine Gesellschaft zu stügen versuchen, deren Stunde ohnehin in der Geschichte geschlagen hat. Die Justiz soll sich auch nicht täuschen über die Wirkungen, die ihre Braris auf jene ausübt, die zu triminellen Verbrechen neigen. Denn die Tatsache, daß Mörder überhaupt nicht verfolgt wer den, wenn fie Offiziers uniform tragen oder durch einen Rechtstrid der Verfolgung entzogen werden, wenn fie gar zu eng in die Maschen des Gesetzes verstridt sind, diese Tatist nicht nur eine indirekte Aufforderung zu neuen Mordtaten sache, die durch Hunderte von Beispielen belegt werden kann, an politischen Gegnern, sie muß verwahrlosend und entsittfichend auf das ganze Bolt wirten. Wenn fich Raub, Mord, Sujatenregiment Nr. 8. 3 le loriage und wurde fo Diebstahl, Einbruch und Verbrechen häufen, so ist dafür mit. verantwortlich eine Justiz, die durch zweierlei Maß sich jeder Achtung beraubt und jenen Zustand schafft, der nicht etwa den Verbrecher, sondern jeden, der Ehrgefühl und sittlichen Anstand besitzt, sagen läßt: Lege die Binde ab, Dame Justitia. Wir tennen Dich. Dein Name ist Schamlosigkeit. Ein Brief Runges Dem Jäger Runge, der von den Offizieren des Edenhotels den Befehl bekommen hatte, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht mit dem Kolben niederzuschlagen, war versprochen worden, daß er seine Gefängnisstrafe nicht abzubüßen brauche. Er nahm des halb die Hauptschuld verabredungsgemäß auf sich, zumal er auch durch größere Geldbeträge beftochen war und weitere. materielle Silfe in Aussicht hatte. Runge ist aber später von seinen Hintermännern in Stich gelassen worden, das hat ihn ver anlaßt, vor einem Jahr in einer Berliner Militärarrestanstalt, wo er damals untergebracht war, ein schriftliches Geständnis abzuTegen. Es liegt im Original vor uns, ist vom 6. Januar 1920 batiert und hat folgenden Wortlaut: Das Geständnis Am 15. Januar 1919 wurde ich abends zwischen 7 bis 9 Uhr als Bosten vor das Hauptportal des Eden- Hotels zusammen mit dem Jäger zu Pferde Dräger fommandiert. Gegen 9 Uhr wurde alles laut und fam in Erregung, weil es hieß, Liebknecht und Luxemburg Jeien eingeliefert. Ich erhielt sofert mehrere Befehle Bande das Eden- Hotel nicht wieder lebend verlassen dürfe. Don Offizieren und Wachtmeistern und es murde bemerkt, daß dieje Was die Sache Liebknecht anbetrifft, hatte ich stritten Befehl von Offizieren, diesen Lumpen niederzuschlagen mit dem Kolben an der Stelle, wo er herauskommt. Ich war neu und konnte die Offiziere nicht erkennen, sah aber nachträglich, daß es meist meine Mitangeflagten waren. Was die Luremburg anbetrifft, tamen Offiziere zu mir und sagten, ich geben Ihnen den Befehl, daß die Luxemburg das Eden- Hotel nicht mehr lebend verläßt, merten Sie sich das! Kapitänleutnant von Pflugt Hartung schrieb sich meinen Namen auf und jagte zu mir:„ Sie wird Ihnen ja durch den Oberleutnant Bogel in die Arme geführt, so daß Sie nur zuschlagen dürfen." Als Luxemburg ins Auto gezerrt wurde, sprang beim Abfahren noch einer hinten auf und schoß Frau Luxemburg eine Kugel in den Kopf, was ich genau in der furzen Entfernung sehen konnte. Er sprang dann ab, und ging von der Nürnberger Straße ins EbenHotel zurüd. Gleich darauf fam ein Offizier vor das Portal zu mir und sagte, ich folle sofort nach oben 4 Treppen gehen und da Ordnung Ichaffen. Mit denen da oben ist nichts los, das sind Scheißer. Da ist auch der von der„ Roten Fahne", ich gebe Ihnen ben Befehl, ihn sofort zu erschießen. Auf der Treppe fam mir ein Vizewachtmeister entgegen und sagte, ich solle sofort nach oben tommen und Ordnung schaffen. Sie haben den Befehl, den Redakteur von der Roten Fahne" zu erschießen. Ich sagte ihm, daß ich schon meine Befehle hätte und woher er den seinen habe. Da antwortete er mir: Die Befehle lommen von Sauptmann Babit. Oben angefommen, stand ein Mann an der Wand, einer sak daneben. Ein Wachtmeister befahl mit, das Gewehr zu euthichjern Sonst fliegen wir alle ins Zuchthaus." Auch meine sämtlichen Borgelegten vom Jägerregiment zu Pferde brangen auf mich ein, daß ich flüchtig werden müsse. Leutnant Liepmann brachte mich dann vom Werbebureau aus zu dent verständigte auch da sofort meine Vorgelegten eingehend über die Mordfache so fort als ein Seld angesehen, Eines Tages im Januar oder Anfang Februar 1919 war ich mit dem Reinigen der Gulaschtanone beschäftigt. Es tamen zwei Kinder auf den Hof, wo die Gulaschkanone stand und sagten: Susar Runge soll auf die Straße zu einem Soldaten tommen." Ein Unteroffizier tam mir entgegen und fagte:„ Runge, ich bin auf Befehl hierhergeschickt worden vom Adjutanten der 8. Husaren, Freiherrn von( Name unleferlich im Briefe. Die Red.). Er hat den Haftbefehl gegen Dich, Du sollst verhaftet werden, das darf nicht sein. Sier ist die Abschrift vom Saftbefehl." Er gab mir 240 M. und einen Militärfahrschein nach Köln.. Ich setzte sofort meinen Rittmeister davon in Renntnis, wurde gelöhnt und der Rittmeister Weber sagte, ich soll machen, da ich forttomme, mich aber im Eden- Hotel noch einmal melden Was ich auch tat. Im Eben- Hotel ging die Sache weiter, es wurde mir gesagt, der Saftbefehl wird nicht eher losgelassen, Bis Sie fort find. In meine Wohnung wurden mir 4000 M. gebracht und ein Bettel, ich solle nach Prag fahren und mich auf dem deutschen Ronsulat bei dem Konsul Schwarz( der später in das famoje Staatsfommissariat für öffentliche Ordnung tam! D. Red.) zur weiteren Beschäftigung melden. Das verweigerte ich, weil ich teinen Auslandspaß hatte. Ich wurde dann 4 Tage in der Woh nung des Leutnants Liepmann in der Kurfürstenstraße gefangen gehalten, bis es den Leuten auffällig wurde. Dann erhielt ich einen Militärfahrschein nach Flensburg und falsche Papiere, die mir bei meiner Verhaftung abgenommen wurden. Die Untersuchung ist eine Komödie gewefen. Ich sprach mit Kriegsgerichtsrat Jörns wiederholt privat und er sagte mir: Nehmen Sie ruhig alles auf sich, 4 Monate werden es nur und Sie können sich dann immer wieder an uns wenden, wenn Sie in Not sind." Die Zellentüren standen stets offen. Sämtliche Angeklagten machten den Richter, ich mußte den Angeklagten spielen, und es wurde immer wieder gesagt, wenn ich meine Aussagen nicht richtig einlernte, läge mal eine Sandgranate im Bett, wenn ich schlafen ginge. Ich wurde auch beeinflußt zu der Aussage, daß ich die falschen Papiere, die mir die Offiziere gaben, von Spartatiften in der Weinmeisterstraße getauft hätte. Die Offiziere haben oft bis 12 Uhr nachts ihren Damen besuch in den Zellen gehabt, mit Musit, und der Wein ist geflossen. Mit dem Stab des Eden Hotels stand ich öfters in telephonischer Verbindung. Ich mußte ihm von meiner Flucht genau angeben, mit welchem Zuge ich nach Flensburg fahre und wenn ich dort antomme. Susar Otto Runge. Zur Demonstration der Kommunisten Zur Demonstration der Kommunisten bringen wir ernent in Erinnerung, daß für unsere Parteigenossen die Erklärung bes Berlin Brandenburg Bezirksverbandes anjerer Partei Geltung hat, die wir in der geftrigen Morgens ausgabe veröffentlicht haben. Unsere Berliner Barteileitung bringt darin zum Ausdrud, daß die Kommunisten ihre Demon stration am Sonntag zu Zweden auszunuzen versuchen, die das Gesamtinteresse des sozialistischen Proletariats schädigen Und sie ersucht darum die Mitglieder der U. S. B. und die mit unferer Partei sympathisierende arbeitende Bevölkerung Großs Berlins, der geplanten fommunistischen Demous Rration im ustgarten fernzubleiben. Der Drgeschdemokrat Die Einmischung des Herrn Koch, des mit Refpeft zu fagen demokratischen Reichsministers des Innern, ist eine Unverschämtheit sondergleichen. Die Bremer Boltsvertretung hat die Aufhebung der Bremer Stadtwehr, einer reaktionären Selbstschutzorganisation beschlossen. Dazu war die sozialistische Mehrheit absolut berechtigt. Der Senat, d. h. also die Regierung, wollte diesen Beschluß verhindern und provozierte den Bolfsentscheid, der heute stattfinden wird. Nun mischt, sich zur Beeinflussung des Voltsentscheids der Herr Koch ein mit der frechen Drohung, sonst von Reichswegen einzuschreiten. Dazu ist zunächst zu sagen, daß man daraus wieber einmal ersehen kann, mit was für Sorte von„ Des motraten" wir behaftet find. In dem Moment, wo eine sozialistische Majorität von dem Grundrecht der Demos fratie, von der Selbstverwaltung, Gebrauch macht, schreit die Bourgeoisie nach Polizei. Die ersten, die zu reaktionären Gewalteinmischungen aufrufen, find bann die Herren Demofraten. Und wenn sie selbst Minister sind, sind sie wieder die ersten, die unbefümmert um die selbstverständlichsten demokratischen Grundsäge die Staatsmacht in den Dienst ber nadtesten bürgerlichen Klasseninteressen und der reat tionären Herrschaftsbestrebungen stellen. Das Vorgehen des Herrn Koch ist umso herausfordernder, da dieser famose Hüter der Verfassung natürlich beide Augen zudrüdt, wenn die Verfassung von der Reaktion mit Füßen getreten wird und die Arbeitermassen die Leidtragenben sind. Herr Koch weiß, daß die Aufrechterhaltung des Ausnahmezustandes in Bayern verfassungswidrig ist. Er weiß, daß in Bayern noch hunderte politischer Gefangener, darunter unser Genosse Toller, in den Ges fängnissen festgehalten werden, weil die banerische Regie rung die Anwendung des Amnestiegefeges auf Bayern verhindert hat. Da wagt der Mann aber nicht zu mudsen. Da ist alles in Ordnung. Wenn aber eine überflüssige, die Ruhe und Sicherheit der Bremer Arbeiterschaft ständig gefährdende reaktionäre Wehr durch den Beschluß der allein zuständigen Bolfsvertretung endlich aufgehoben werden soll, bann droht berselbe Mann mit Gewalt! So erweist er sich als Schüter der Orgesch und als würdiger Kumpan der bayerischen Demotraten, die die Regierung Kahr unterstützen, die die bayerische Orgesch fördern und verteidigen, die die Aufrechterhaltung des Ausnahmezustandes billigen und sich in nichtsinklusive des monarchischen Bekenntnisses von den Deutschnationalen unterscheiden. Das hindert natürlich nicht, daß sie nach wie vor Mitglieder der Deutschen demofratischen Partei find, Herr Koch ist also ein durchaus würs biger Repräsentant dieser Partei in der Fehrenbach regierung. Herr Koch fennt aber nicht einmal die Reichsverfassung. Er hat nämlich zu seinen Drohungen nicht das geringste Recht. Der Artikel 48 der Reichsverfassung gibt nur dem Reichspräsidenten, nicht aber der Reichsregierung oder gar einem beliebigen Koch, das Recht, wenn im Deuts schen Reiche die öffentliche Sicherheit und Ordnung erheblich gestört oder gefährdet wird, die zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung nötigen Maßnahmen zu treffen, erforderlichenfalls mit Hilfe der bewaffneten Wacht einzugreifen." Kochs Einmischung ist also eine trasse Verfassungsverlegung, ganz abgesehen davon, daß von irgend einer erheblichen Gefährdung der Sicherheit in Bremen gar feine Rede ist. Ein Minister des Innern aber, der sich in solcher Weise über Verfassungsbestimmungen hinwegsetzt, ist ein Standal Die Auflösung der Bremer Stadtwehr hat aber auch eine außenpolitische Seite. Die Entente hat bei ihrer Forderung ber Auflösung der Einwohnerwehren ausdrücklich auch die Beseitigung der Bremer Stadtwehr verlangt. Herr Koch aber droht mit der Reichsexekution, wenn die Auflösung erfolgt. Das ist ein neuer Beweis dafür, daß in der Regierung Fehrenbach Minister sitzen, die für die Beibehaltung der Orgesch eintreten, nicht weil ihre Auflösung angesichts ber banezischen und ostpreußischen Widerstände unmöglich wäre, sondern weil sie die Beibehaltung der Orgesch wollen. Und wieder ist es bezeichnend, daß dieser Orgesch mann ein De motrat ist, wie Herr Geßler ein Demofrat ist, der aus der Reichswehr ein unbedingtes Werkzeug in den Händen reaktionärer Offiziere schaffen läßt. Es zeigt sich eben immer wieder ber reaftionäre Charakter diefer angeblichen Demofraten. In der Wirtschaftspolitik sind sie die lautesten Rufer nach Der freien Wirtschaft eines schrankenlosen Kapitalismus. In der Steuerpolitik verbindet sich Herr Dernburg mit Selfferich und Stresemann zu gemeinsamer Oppofition gegen die rasche Einziehung der Vermögensabgabe. Und in der Entwaffnungsfrage werden sie zu Selfershelfern der beutschnationalen und monarchistischen Reaktion. Weiß ja auch das„ Berliner Tageblatt" nichts anderes, als sich immer wieder zur Verteidigerin der Orgeschpolitit des Ministeriums Fehrenbach herzugeben. Was aber Herr Koch sich jetzt herausgenommen hat, übersteigt doch das erträgliche. Es ist eine grobe Verlegung selbst der einfachsten Gebote der Unparteilichkeit. Es ist die Proflamierung eines Ausnahmezustandes gegen die Arbeiterschaft. Das fordert die schärfte Abwehr heraus. Der Vorwärts" nimmt gegen diefes Borgehen scharf Stellung. Aber es muß immer wieder gefagt werden, daß die Regierung Fehrenbach nur von der Unterstügung der Rechssozialisten lebt. Für ihre Taten sind die Rechtssozialisten voll und ganz verantwortlich. Es wird eine der wichtigsten Aufgaben der fommenden Parlamentstagung sein, diese Verantwortlichkeit vor dem ganzen Lande festzustellen. Den Rechtssozialisten muß Gelegenheit gegeben werden, zu zeigen, ob sie dem Orgeschkurs der Reichsregie rung, ob sie der Ausnahmepraris gegen die Arbeiterklasse noch länger ihre wohlwollende Unterstützung leihen wollen. til at bas Bürgertum einen unerhört schmuhigen Rumpf Begen die Führer der sozialisti ien Parteien begonnen, und ist dabei vor feinem Mittel der Lüge und Verleumdung zurückgeschreckt. Das Bürgertum hat einen Riesenaufwand an Reflame und Stimmungsmache entfaltet und zwar mit der deutlichen Absicht, die Einigkeit der Arbeiterschaft zu stören und den Spießbürger gegen links wild zu machen. Wie groß die Verlegenheit der Bourgeoisie ist, ist daraus zu ersehen, daß in der legten Stunde sich der Reichsminister des Innern Roch einen groben Eingriff in den Wahlkampf erlaubte. Er hat auf Drängen der Bremer Reattionäre eine Erflärung veröffentlicht, die scharf gegen die Beschlüsse des bremischen Parlaments Stellung nimmt und fälschlicherweise bavon rebet, bak bie Debnung in Bremen nicht gewährleistet sei. Auch bie bürgerliche Breffe ift tagelang vor dem Boltsentscheid mit Meldungen versehen worden, in denen in Iügnezischer Weise ein Lints putsch als bevorstehend angezeigt wurde. Daß man sich auf der rechten Seite auf das äußerste vorbereitet, geht daraus hervor, daß heute in Bremen eine Rams pagnie Reichswehr mit Waffen und Munition eingetroffen ist bereit zum Sonntag ist. und daß der„ Bund Stahlhelm", eine Orgesch- Organisation, alarmBremen ist also ein wichtiger Borpsften in dem sich immer mehr zufpitzenden Kampf der sozialistischen Arbeiterschaft gegen die von Tag zu Tag frecher werdende Reaktion. Es ist zu erwarten, daß die Bremer Arbeiterschaft bei der Wahl ihre Bflicht erfüllt und der Reaktion die verbienie Niederlage bereitet. Der Flensburger Mord Wie steht es mit den Schuldigen? des Kommunisten Hoffmann in Flensburg wird wieder Die Untersuchung gegen die Schuldigen an der Ermordung mit jener schon längst bekannten Nachlässigkeit geführt, die auf eine glatte Dedung des Verbrechens hinausläuft. Der Major o. Bliskom, bet einem hetgelaufenen Spigel Gehör schenkte und den bestimmten Erflärungen der erfahrenen Polizeipraktiker zuwider die Verhaftung Hoffmanns anord nete, ist zwar seines Dienstes enthoben, befindet sich aber noch auf freiem Fuße, so daß er seine Mitschuld an dem Verbrechen verdunkeln fann. Ebenso befindet sich der Leutnant De. alb, der die tödlichen Schüsse abgegeben hat, noch in Freiheit. Gleichzeitig arbeitet der amtliche Dementierapparat mit allen erdenklichen Mitteln, um die Oeffentlichkeit irres zuführen und die Spuren des Verbrechens zu verwischen. Während Minister Severing im Hauptausschuß der preußischen Landesversammlung ben Major Plistow bloßstellte und ihn für die Erschießung Hoffmanns verantwortlich machte, behauptet eine sogenannte„ amtliche" Darstellung aus Flensburg, die Erschießung sei zurecht erfolgt, denn Soffmann sei vorher nachbrüdlichst verwarnt" worden. Gegen diese Lügenwirtschaft muß Front gemacht werden. Hoffmann wurde gefesselt abgeführt, war von einer Schar Schwerbewaffneter umgeben, er fonnte fich nicht wehren, ein Fluchtversuch war angesichts der ganzen Sachlage völlig ausgeschlossen. Soll das Verbrechen aufgeklärt werden, dann müssen die Täter und Mitschuldigen sofort in saft gelegt werden. Geschieht das nicht, dann tragen die mit der Untersuchung beauftragten Behörden die Mitschuld an der Verdunkelung eines Verbrechens. Dann sind sie mit dem Sehler, und die Hehler sind schlimmer als die Stehler, eigentlichen Täter in eine Linie zu stellen, dann sind sie die benn fie ermöglichen den Verbrechern erst das Handwerk. Wir verlangen Aufklärung darüber, aus welchen Gründen Plüstow und Dewald noch nicht in Saft genommen worden find. Beide tragen neben dem Verbrechen an Hoffmann auch die moralische Schuld an den blutigen Vorgängen vor Erschießung Hoffmanns. Wir haben fie scharf verurteilt, weil der Kaserne. Denn diese waren die unmittelbare Folge der es unüberlegt, gemeinschädigend, leichtfertig und dumm war, die Kaserne zu stürmen. Denn dadurch wurde es den realtionären Führern der grünen Polizei allzu leicht gemacht, die Flinten auf die Arbeiter richten zu lassen, dadurch bekommen die Orgefchleute im ganzen Reich die willkommene Gelegenheit, ihren Butschschwindeleien einen realen Anstrich zu geben. Aber von dem leichtfertigen und unverantwortlichen Streich der kommunistischen Führer abgefehen, waren es doch gerade Major Plüstow und seine Helfer, die durch ihre Tat die Arbeiter in jene leicht entzündbare Erregung versehen. Sie sind schuldig und wir verlangen ihre Ver. haftung. Der Lügenapparat arbeitet Die Telegraphen- Union verbreitet aus Flensburg folgende Meldung: Der Minister Severing hatte im Sauptausschuß der Breußischen Landesversammlung Auskunft über bie trawalle in Flensburg gegeben. Diese Erklärung bedt sich aber night mitben Tatsachen. Es ist falsch, daß die Haussuchung bei dem Kommunisten Soffmann ohne Ergebnis war. Es find Bapiere und Rotizbücher belastenden Inhalts gefunden und beschlagnahmt worden. Ferner ist es unrichtig, daß Soffmann bei seiner Flucht gefellelt wurde. Es ergibt sich Saraus, daß die Darstellung des Ministers nicht auf die Berichte der Flensburger Untersuchungsbehörde beruhen tann." Mer führt die Untersuchung?" Wir verlangen die sofortige Bekanntgabe des Inhalts jener angeblich beschlagnahmten Papiere und Rotizbücher, damit der Schuldigen und ihren Hintermännern jebe Möglichkeit genommen wird, ihre Komödie glüdlich zu Ende zu führen. Wohnfragen im Reichswirtschaftsrat Konferenz der Finanzminister Am 7. und 8. Januar tagte in Bamberg eine Konferenz der deutschen Finanzminister. Im Vordergrunde der Beratungen stand das Landessteuergesetz mit seinen wichtigen Fragen der Beteilia gung der Gemeinden an dem Steueranteil, die Ueberweisung der vorläufigen Einkommensteuer an Länder und Gemeinden, die 3inserstattung für die von Ländern und Gemeinden aufgenom menen Kredite und sonstige kleinere Einzelfragen des Landesa steuergesetzes. Außerdem wurde auch zur Frage der Beamtenbesoldung und der Erwerbslosenfürsorge Stellung genommen und zur Frage des Ausbaues der den Ländern verbliebenen Ertrags steuern. Endlich wurden auch noch die Wohnungssteuer, die Errich fung eigener Landesfinanzorgane und andere kleinere einschlägige Fragen erörtert. Die Beratungen, die sich am ersten Tage bis in die späten Abendstunden hinzogen, waren angeblich von einer geschlossenen Einmütigkeit getragen. Anwesend waren die Finanzminifter der Staaten Bayern, Hessen, Mecklenburg, Sachsen, Württemberg, Baden und Groß- Thüringen. Anfangs nächster Woche werden sich die sämtlichen Finanzminister mit ihren Res ferenten zur Fortsetzung der Beratungen nach Berlin begeben. Die Beamtenbewegung Die bürgerliche Bresse macht immer wieder den Versuch, die Frage der Beamtenbesoldung als durch das Ergebnis der bisherigen Verhandlungen gelöst hinzustellen. Daran ist nur soviel richtig, daß die mit den Verhandlungen beauftragten Delegationen des Deutschen Beamtenbundes sowohl wie der Eisenbahner. verbände sich zur Befürwortung eines Teiles des Einigungsvorschlages bereit erklärt haben. Aber selbst zwischen ihnen und der Regierung ist ein Differenzpuntt bestehen geblieben. Der Deutsche Beamtenbund z. B. fordert eine wesentlich bedeutendere Erhöhung der Zulagen in den unteren Ges haltsstufen und damit eine Angleichung dieser Gehälter an die Gehälter der höheren Beamten. Die Regierung lehnt das ab, weil sie feine Uneinigkeit" zwischen den unteren und oberen Beamten hervorrufen mill. Außerdem aber ist die Bewegung der Eisenbahner und der übrigen Beamten um deswillen noch nicht als erledigt anzusehen, weil die Bundesleitung des Deutschen Beamtens bundes noch nicht zu dem Ergebnis der bisherigen Berhandlungen Stellung genommen hat. Auch die Stellungnahme der Zentralinstanzen der Eisenbahnergewertschaften steht noch aus. Ferner sind ja selbst die in den Berhandlungen in Auss ficht genommenen Zulagen vom Reichstag noch nicht bewilligt. Die Bertreter der Regierung hatten verlangt, daß die Beamten fich bis zur Entscheidung des Reichstags jeder weiteren Attion enthalten sollten. Ein bindendes Versprechen solcher Art ist indes von sämtlichen Beamtenvertretern ausdrüd lich abgelehnt worden. Die Vertreter der organisierten Bea amten werden nicht verfehlen dürfen, noch einmal für eine starte Erhöhung der Teuerungszuschläge der unteren und mittleren Be amten einzutreten, denn es machte sich bereits bei den bisherigen Berhandlungen bemerkbar, daß sich die Abgeordneten dieser Gruppen in Oppositionstellung befanden. Mit vollem Recht, denn sie sind arg mishandelt worben. General Nollets Bericht DA. Basel, 8. Januar. Wie die Schweizer Blätter melben, haben die Aus führungen des Generals Rollet über die Entwaffnungsfrage in Deutschland auf die Botschaftertonferenz und die Pariser Re Gutachten bahin ab, daß die deutsche Regierung in der Eins gierung ihren Eindrud nicht verfehlt. Der General gab jein wohnerwehrfrage und der Frage der Auflösung der Sicherheitss polizei feinen guten Willen gezeigt habe. Ganz bes fonders richteten sich seine Bedenken gegen die Einwohnerwehren, bie er in seinem Vortrage als eine völlig reaktionäre Organisas tion bezeichnete. In Pariser diplomatischen Kreisen glaubt man, daß die Pariser Konferenz, die am 19. d. M. zusammens treten wird, auf Grund des Gutachtens des Genrals Nollet die deutsche Regierung auffordern wirb, innerhalb einer bestimmten, furz bemessenen Frist die Entwaffnung der Einwohnerwehren burchzuführen. Man glaubt in diesen Kreisen nicht daran, daß England ein Interesse daran hätte, für die Aufrechterhaltung der Einwohnerwehren in Bayern und Ostpreußen einzutreten, Jondern daß die Botschafterkonferenz einen endgültigen Beschluß fallen wird. Die Besetzung des Ruhrgebiets SN. Washington, 8. Januar. Das Auswärtige Amt hat halboffiziell burch Bers mittlung der französischen Botschaft bie Nachricht erhalten, daß Frankreich eine Belegung des Ruhrgebietes überlege, ba Deutschland den Bestimmungen der Entwaffnung nicht nachgetommen jei. Ueber die Haltung, die die Vereinigten Staaten einnehmen ift, werden, wurde Frankreich selbst teine Mitteilung gemacht. Aber halboffiziell verlautet, daß das Auswärtige Amt der Ansicht eine berartige Attion würde inopportun sein und nicht dazu beis tragen, bie zukünftigen Beziehungen zwischen den Aliierten und Deutschland zu verbessern. Horthy begnadigt DA. Budapest, 8. Januar. Wie die„ Dena" erfährt, steht die Begnadigung der zum Tode verurteilten tommunistischen Boltstommisare unmittelbar bevor Des weiteren dürfte für alle zehn Boltskommissare, die in bem großen Prozesse verurteilt worden find, bas Amne stiegefes angewandt werden. Der Grund für die Nachgiebigkeit der ungas rischen Regierung liegt wohl vornehmlich in der russischen Drohung, breißig ungarische Offiziere hinrichten lassen au wollen, die als Geiseln in Sowjetrußland zurüdbehalten worden find. Eine Warnung an Ungarn TU. Wien, 8. Januar. Die Vertreter der hiesigen Entente mission haben bem ungarischen Gesandten, Dr. Gray, eine Note übergeben, in welcher bie Entente Ungarn vor Retorsionsmaßregeln gegenüber Defter reich im Zusammenhang mit der westungarischen Frage warnt und erklärt, daß sie jede derartige Maßnahme als einen un freundlichen Att gegen die Entente selbst betrachten würde, auf den auch sie mit Retorsionsmaßregeln gegenüber In der Sigung des Siedlungs- und Wohnungsausschusses des Reichswirtschaftsrates am 7. Januar 1921 wurde über einen Antrag Kröger verhandelt, der lautete:„ Die Beschlagnahme von Räumen fann ein Wohnungsinhaber abwälzen, wenn er a) entwebez für jeden Raum( 5-10 000 M.) einer gemeinnügigen Baugenossenschaft, die Kleinwohnungen errichtet, stiftet, b) oder wenn er in einem geeigneten Hause auf seine Kosten eine entsprechende Kleinwohnung einwandfrei einbauen läßt, deren Mietertrag dann bem betreffenden Hausbesizer zufließt, wobei aber die Miethöhe der Genehmigung unterliegt." Der Vertreter des Reichs: Die Kraftprobe! arbeitsministeriums erklärte, daß er den leitenden Ge= danken des Antrages in einem Rundschreiben an die Länder auf( Eigene Drahtmeldung der Freiheit".) nehmen werde, worauf der Antrag zurüdgezogen wurde. Bremen, 8. Januar. Ein Antrag Dr. Schwarh, bei Wohnungslutussteuern Der Wahlkampf um den am Sonntag, den 9. Januar, stattfin bie Notlage berer zu berücksichtigen, die aus großen Wohnungen benden Boltsentscheid über die Frage, ob der Stadtwehr heute nicht ausziehen können, weil sie teine kleine Wohnung finSenat zurüdtreten soll, ist mit der größten Erbitterung geführt den, wurde gleichfalls abgelehnt, ba bie Mehrheit des Auss worden. Während die geschlossen vorgehenden sozialistischen Bar- schusses der Ansicht war, daß das eine Unwirksamkeitserklärung für die ganze Steuer wäre und Härten dadurch beseitigt werden, teien mit fachlichen, durchschlagenden Argumenten arbeiten fonn ten, hat das unter der Fahne des reattionären Bürger. daß Inhaber solcher Wohnungen überflüssige Räume dem Mas ausfulles vereinigte Bürgertum, bas feine Pofitionen bebroht giftrat zur Verfügung stellen können. Die Absicht der Steuer geht ficht, alle Minen springen lessen. In Ermangelung fachlicher Beeben dahin, Räume frei zu bekommen, die sonst nicht zu erfassen sind. Bojten zu bleiben. Ungarn vorgehen müßte. Eine Ente. Die durch die Presse gehende Nachricht, der deutsche Botschafter in Paris, Dr. Mayer, sei amtsmüde, trifft nicht Paris zu bleiben; er hat sich aber auf Vorstellungen der. Reichs regierung aus vaterländischen Gründen entschlossen, auf seinem Die Tränen von Tours Von Rudolf Hilferding Von allen Parteispaltungen ist die französische zugleich die traurigste, die dümmste und die gewaltsamste. Man muß sich die politische Situation Frankreichs flar vor Augen stellen, um den ganzen Wahnsinn dieser Spaltung zu begreifen. Frankreich ist ein Land mit überwiegend agrarischer Bevölkerung. Es ist eine zum großen Teil perhältnismäßig wohlhabende, mit Land gesättigte mittlere Bauernschaft, die den Hauptteil der Landbevölkerung bildet. Noch ist in ihr die Tradition der großen französischen Revolution lebendig, und sie ist deshalb politisch demokratischer, als die Bauernmassen vieler anderer Länder. Aber auch der französische Bauer ist sozialreaktionär, fürchtet die Ausdehnung des Arbeiterschutzes auf das ländliche Proletariat und ist fanatischer Anhänger des Privateigentums. Während des Krieges haben sich die Bauern start bereichert, ihre Schulden abbezahlt und sind politisch starf nach rechts ins nationalistische Lager abgerüdt. Der Einfluß der soziali stischen Partei hat gerade in den ländlichen Departements, wie die letzten Wahlen gezeigt haben, start abgenommen. Diese Bauernmasse bildet zugleich den Kern der Armee. Sie ist unter der Einwirtung der Invasion start nationalistisch geworden, und die antibolschewistische Agitation findet bei ihr den fruchtbarsten Nährboden. Innerhalb der städtischen Bevölkerung spielt mitt. leres und fleines Bürgertum sowie das Rentnertum eine weitaus größere Rolle als etwa in England oder in Deutschland. Die eigentliche Schwerindustrie und damit auch die Busammenballung großer proletarischer Massen war verhält nismäßig weniger entwidelt. Erst der Hinzutritt Elsaß- Lothringens wird der großkapitalistischen Entwicklung in Frantreich neuen Aufschwung geben. Die Arbeiterschaft in den zahlreichen Luxus- und Fertigindustrien ist viel zersplitterfer, viel weniger fonzentriert als die der großen deutschen oder englischen Industriezentren. Dazu fommt noch die außerordentlich schwere Organisterarbeit der franzöfifchen Arbeiter, die fich teils aus diesen sozialen Verhältnissen, teils aus der historisch politischen Tradition erklärt. Es war die ungeheure Leistung Jaurès, diese Arbeiterschaft, die sehr start unter syndikalistischen, anarchistischen und kleinbürgerlichen Einflüssen aller Art stand, schließlich zu einer Partei zu vereinen. In einer allmählichen Entwicklung setzten sich, nicht zuletzt unter dem Einfluß der internationalen sozialisti fchen Kongresse und dank der außerordentlichen Einsicht und Hingabe von Jaurès, in dieser Partei die politischen Methoden des Marrismus immer mehr durch. Der steigende Einfluß der Partei führte auch das ein rnvergängliches auch das ein unvergängliches Verdienst von Jaurès auch allmählich zu einer Annähes rung an die Gewerkschaftsorganisation, die von einer synditalistischen, der politischen und parlamentarischen Betätigung abholden Jdeologie beherrscht war. Da tam der Krieg. Ein großer Teil der Partei, nicht nur Thomas und Renaudel, sondern ebenso Cachin und Frossard, machten die Kriegspolitik mit. Sie waren in der demokras tischen Jdeologie befangen, es gälte den deutschen Imperialismus und Militarismus abzuwehren im Interesse der Erhaltung der Republik und zur Herstellung eines dauernden, die Abrüstung verwirklichenden Friedens. Es war eine JIlufion, weil verkannt wurde, daß Kriege des Imperialismus nur fapitalistische und imperialistische 3iele verwirt lichen fönnen. Es war aber eine demokratische Illu fion, und das unterscheidet die französische Partei von den deutschen Rechtssozialisten, die vor dem nadten Imperialismus und Militarismus fapituTierten. Auch in der französischen Partei begann dann die Oppofition gegen die Kriegspolitik. Sie erstartte, je länger der Krieg dauerte und schließlich gelang es der von Longuet und feinen Freunden mit großer Umsicht geführten Opposition, der sich auch, wenn auch feineswegs als erste, Cachin, Frossard und andere der heutigen Kommunisten angeschlossen hatten, unter Wahrung der Einheit der Partei die große Mehrheit und damit die Führung der Parteipolitik zu erringen. fischen Partei an Moskau rechnen mochte, in seinem Brief| entlassen fönnen. Die Methode der Kurzarbeit ist doch ure an Lenin: " In Frankreich wird die Partei mit den„ Wenn", den„ Aber" und den„ Vielleicht" von Frossard aus Anstand den Anschluß an die dritte Internationale vollziehen. Aber vergebens wird man von ihr eine entscheidende Aktion zu unserer oder anderer Unterstützung erwarten. Die Partei ist zahlenmäßig und politisch in Anbetracht der politischen, nationalen, vollständig reaktionären Um= gebung unbedeutend." Führer, als ob namentlich Ca chin, dies nicht genau wüßEs wäre falsch, zu meinen, daß die neufommunistischen ten. Die Tränen, die bei der Trennung in Tours geflossen find, galten nicht nur dem Abschied von den Kampfgenossen, deren Einsicht, Treue und Hingebung für die proletarische Klasse die Spaltenden sehr gut tannten und anerkannten, sondern auch der traurigen Zukunft der neuen Partei und der französischen Arbeiterbewegung. Denn Cachin hat uns in Luzern und hat auf dem Kongreß der Internationale in Attion in Frankreich in absehbarer Zukunft dargelegt. In Moskau selbst offen die Unmöglichkeit einer revolutionären Wirklichkeit kann die Kommunistische Partei Frankreichs, wenn sie nicht, was allerdings zu fürchten ist, unter dem Bersuche verfällt, gar keine andere Taftit treiben, als sie Einfluß der von ihr jetzt geweckten Illusion in putschistische Longuet und das Zentrum vorgezeichnet, haben. Aber indem die Kommunisten die Partei gespalten haben, haben sie nicht nur sich selbst zur völligen Bedeutungslosigkeit verurteilt, sondern auch die sozialistische Partei in unverant wortlicher Weise geschwächt. Zugleich haben sie das schwache Parteien wieder zerrissen. Band zwischen Gewerkschaftsbewegung und sozialistischen Und das alles in dem Lande, das heute gerade vom internationalen Standpunkt die größte Bedeutung hat. In dem Lande, wo gegenüber der geschlossenen Reaktion die Einigfeit des Proletariats und feine kluge und umsichtige Füh rung ein Lebensinteresse des gesamten Proletariats bedeutet. Das schwerste Verbrechen ist dadurch an dem rusfischen Proletariat begangen worden. Von Frankreich gehen alle Versuche der Intervention in Sowjetrußland aus, in Paris laufen alle Fäden der russischen Konterrevolution zusammen. Kaum ein zweiter hat mit größerer Energie als Longuet, aber darin unterstützt von allen, auch den rechtsstehenden Parteigenossen, die russische Revofution gegen alle Angriffe der französischen Reaktion verteidigt. Und diese Partei, die geschlossen den schwersten Stand hatte, die auf dem schwierigsten Posten der Vorfämpfer des russischen, der Vorfämpfer des Proletariats aller besiegten Länder gewesen ist, diese Partei wird von den wahnsinnigen, machtverblendeten, die westeuropäischen Verhältnisse ignorierenden Fanatifern in Mostau unter dem Freudengeheul der Berliner kommunistischen Jgnoran= ten in Stücke zerschlagen! Es ist die traurigste und dümmste Spaltung von allen, und die Tränen von Tours find wahrlich mit Recht geflossen! Die Not der Arbeitslosen Verschleppung der Berliner Forderungen geschrieben: Vom Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission wird uns sprünglich eine Konzession an die Forderungen der Gewert shaften. Damit wurde der 3wed verfolgt, die Zahl der völlig Arbeitslosen so viel wie möglich herabzumindern. Wir verkennen durchaus nicht, daß auch die Kurzarbeit den Arbeiter in eine außer ordentlich schwierige wirtschaftliche Lage bringt, aber die Soli darität verpflichtet den von der Kurzarbeit Betroffenen, dieses Opfer zu bringen, damit nicht der Zustand eintritt, daß ein Teil der Belegschaft vollständig arbeitslos wird, während ein anderer in Arbeit bleibt. Wie jede Forderung, die durchDerartige Forderungen rufen nur für die Arbeiterschaft Situation zusetzen der Arbeiterschaft die Macht fehlt, so ist auch die Forderung der Bezahlung des vollen Lohnes an die Kurzarbeiter verfehli nen hervor, in denen sie immer wieder neue Niederlagen das voniragen wird. Die Arbeiterschaft muß sich angewöhnen, bei jeder Attion, sei es im einzelnen Betrieb, sei es im Beruf, Rücksicht zu nehmen auf die Gesamtlage des Proletariats und auf die Kraft, die die gesamte Arbeiterklasse im Augenblick des Kampfes zu entfalten vermag. Wir erinnern nur daran, daß ähngroßen Aktion der Stuttgarter Arbeiterschaft geführt liche Vorgänge in den Daimlerwerken bei Untertürkheim zu jener hat, die ebenfalls mit einem Siege der Gegner der Arbeiterklasse ausging. Gewiß erfolgt die Stillegung der Betriebe oder die Einnehmertum und ist nicht immer in der wirklichen Lage des Be führung von Kurzarbeit noch immer eigenmächtig durch das Untertriebes, sondern oft in bestimmten Gewinnrüdsichten der Direktionen begründet. Aber dieser Zustand kann nicht geändert werden durch unbesonnene Einzelaftionen der Bes gewerkschaftlichen Organisationen. Wir fürchten daher, daß auch triebs- Belegschaften, sondern nur durch planmäßiges Vorgehen der die Vorgänge in der Fabrik von Löwe der beteiligten Arbeiters schaft nur zum Nachteil gereichen werden. Die Bergarbeiterverbände warnen vor Unbesonnenheiten Streik bei Thyssen In der Thyssenhütte in Hamborn ist vor einiger Zeit ein Teilfftreit ausgebrochen, der die Direktion des Werkes nunmehr nach bekannter übler Manier veranlaßt hat, den gesamten Betrieb zu sperren. Es hat den Anschein, als sollte die Bewegung größe ihrer heutigen Morgenausgabe, daß sämtliche Zechenräte von ren Umfang annehmen. Die Rote Fahne" berichtet bereits in Rheinland- Westfalen am Sonnabend in Essen zusammentreten und feitung von Samborn habe an die Konferenz die Aufforderung zu der Lage in Hamborn Stellung nehmen würden. Die Streitgerichtet, sie mit allen Mitteln, auch mit dem Generalstreit, attiv zu unterstützen. Der Bevölkerung von Hamborn hat sich starte Erregung bemäch den, wobei die Führer der Demonftranten auch die Belegschaft an tigt. Gestern haben im Orte Demonstrationen stattgefunderer Betriebe zum Eingreifen in die Bewegung aufgefordert haben, Der ursprünglich in der Thyssenhütte ausgebrochene Streit fand nicht die Billigung der Gewerkschaften. Die 4 Bergarbeiter. verbände, die befürchten, daß durch die Hamborner Aktion die Rheinisch- Westfälische Arbeiterschaft zur Unzeit in eine große folgenschwere Bewegung hineingezogen werden könnte, erlassen einen Aufruf, in dem sie vor der Beteiligung an dem Sym pathiestreif warnen. Die Arbeiter der Thyssenhütte seien zus nächst durch ,, unverantwortliche Personen" in den Streit getrieben worden, der von den maßgebenden Gewerkschaften nicht gebilligt werde. " Jett", fährt der Aufruf fort, sollen die Bergarbeiter folgen, Not und Elend sollen in noch größerem Maße in die Arbeiterfamilien einziehen, nur um die politischen Absichten jener Leute zu erfüllen. Die unglaublichsten Gerüchte werden von jener Seite verbreitet, um mit aller Gewalt die Bergarbeiter in den Ausstand zu treiben. Bald sollen die gesamten Eisenbahnen still liegen, bald soll die Einführung der verlängerten Schichtzeit beabsichtigt sein. Ja, es wird sogar behauptet, daß die unters zeichneten Bergarbeiterverbände einer Verlängerung der Schichts zeit zugestimmt hätten. Das ist nicht wahr, Kameraden! Laßt Euch nicht täuschen. Die Absichten jener dunklen Ehrenmänner find zu durchsichtige. Nicht auf wirtschaftliche Besserstellung der die die Versammlung der Obleute und Borsigenden der Die Forderungen zur Linderung der Notlage der Arbeitslosen, sofort sowohl dem Magistrat wie der Reichsregierung unterbreitet Betriebsräte am 20. Dezember 1920 beschlossen haben, sind. worden ist, zu diesen Forderungen sofort Stellung genommen und worden. Der Magistrat hat, wie durch die Presse bekannt ge= die Mittel, bie zur Erfüllung Dieſer Forderungen notwendig sind, Bergarbeiter tommt es jenen an, jebe praktische Arbeit überläßt mit der Reichsregierung Verhandlungen angebahnt, damit bereitgestellt werden. Wir hatten die Reichsregierung ersucht, uns Gelegenheit zu geben, durch mündliche Verhandlungen die Forde rungen der Arbeitslosen zu vertreten. Bis heute ist uns diese Gelegenheit noch nicht gegeben worden. Dafür haben wir vom Reichsarbeitsministerium die Nachricht betommen, daß die Forderungen dem preußischen Minister für Volkswohlfahrt, da es sich um eine Berliner Angelegenheit handele, zur Erledigung überwiesen worden seien. Wir hatten eine schnellere Erledigung der von uns eingereichten Forderungen erwartet. Aber in den Kreisen der Regietung scheint man es nicht allzu eilig zu haben. Ob man dortfeits der Meinung ist, daß die Arbeitslosen warten könnten oder ob man wirklich des Glaubens ist, daß die Not derselben noch nicht Irrtum. so groß sei? Dann befindet man sich in einem sehr großen Die Arbeitslosen haben ein Recht, zu fordern, daß ihrem VerDie Wahlen tamen. Sie brachten der französischen Baitei zwar einen Zuwachs an Stimmen, der aber start hinter dem Wachstum der sozialistischen Parteien in den be fiegten Ländern zurückblieb. Sie brachten auf der anderen Geite eine außerordentlich reattionäre und nationalistische Kammer. Die französische Partei bildete im Barlament nur eine schwache Minorität, und sie hatte auch im Lande faum ein Drittel der abgegebenen Stimmen erreicht. Die Situation der Arbeiterklasse war also politisch und Blonomisch schwierig. Sie stand einem fiegesbewußten, zur Gewaltpolitit geneigten, geschlossenen Gegner gegenüber. langen auf dem schnellsten Wege entsprochen wird. Denn es liegt Die Tattit der Partei war durch diese Berhältniße jeltii nicht nur allein im Interesse der Arbeitslosen selbst, daß ihre Not ganz eindeutig bestimmt. Es galt, die Arbeiterflasse durch gelindert wird, sondern ebensosehr im ureigensten Interesse der eine flare sozialistische Politit fest aufammenzuhalten, Allgemeinheit. Die Arbeitstraft des arbeitenden Boltes ist das Selbstvertrauen zu erfüllen, fie andererseits aber vor unkostbarste Gut, das der ganzen Volksgesamtheit erhalten bleiben besonnenen Verzweiflungsaften zu bewahren. Es galt, fie muß, wenn nicht unabsehbarer Schaden für die Zukunft daraus für größere politische Aktionen dann bereit zu halten, sobald entstehen soll. Wir fordern darum von den zuständigen Stellen, die Kriegswirkungen allmählich die Ernüchterung weiterer bag zu den Forderungen der Arbeitslosen nicht nur schnellstens Kreise bewirkten und damit eine neue günstige Situation Stellung genommen, sondern daß sie auch erfüllt werden. geschaffen hatten. Es galt, den Bankeroit des sozialen Reformismus ebenso zur Festigung einer grundsäglichen marri tischen Politit, wie die Krise der anarchistisch- syndikalistischen Ideologie, die die Gewerkschaften erfaßt hatte, zur Herstellung eines engen Bündnisses zwischen Partei und Gewerkschaften auszunügen. Das war auch im wesentlichen die politische Aufgabe, die Conquet und seine Freunde sich stellten und deren Löfung sie mit Glüd in Angriff nahmen. Ihre Politik setzte Rich in der Partei umso leichter buza, ba fie bie einzige war, die den realen Machtverhältnissen entsprach. durch, da Da tam die tommunistische Agitation und die Spaltungsforderung aus Mosfa u. Der Bartelstreit begann. In Frankreich hatte der Streit selbst schon weitaus verheerendere Folgen als anderswo. Die Gewerkschaftsbewegung ging im Gegensatz zu allen anderen Ländern unter der Wirkung eines von den„ Radikalen" versuchten Generalstreits rapid zurüd. Die mühsam aufgebaute politische Organisation litt außerordentlich. Die Bourgeoisie, anfangs über die tommus nistische Agitation einen Moment lang bestürzt, spielte den lachenden Zuschauer. Cachin, seit seinem Aufenthalt in Moskau ebenso enthusiastisch und blind für den Anschluß an die Kommunistische Internationale eintretend wie früher für die Kriegspolitik, suchte wenigstens entgegen den Moskauer Bedingungen das Zentrum mit Longuet zunächst noch in der Bartei festzuhalten. Vergebens! Mostau blieb unerbittlich. Sinowjew schiďte noch eine jener berüchtigten Extommunitationen und die Spaltung vollzog sich. Die Folgen find absolut tlar. Schon vor mehreren Wochen schrieb Serrati, der Führer der italienischen Kommunisten, der damals noch mit dem Anschluß der ganzen franzöBetriebsschließung bei Löwe In der Firma Ludwig Löwe u. Co. A.-G. arbeitet seit etwa brei Monaten infolge Arbeitsmangels etwa ein Sechstel der Belegschaft mit gefürzter Arbeitszeit. Die Arbeitszeit war teils auf vier, teils auf drei Tage wöchentlich herabgesetzt. Im neuen Jahre sollte von der Verkürzung der Arbeitszeit ein größerer Teil, etwa ein Biertel der Gesamtbelegschaft, betroffen werden. Der Arbeiterschaft hatte sich infolgedessen eine begreifliche Unruhe bemächtigt. Die Gewerkschaften veranlaßten Berhand. Iungen mit der Firma, wobei sich die Werksleitung bereit erflärte, die Arbeitszeit nicht unter vier Tage zu verkürzen. Firma den Kurzarbeitern den vollen Lohn zu zahlen habe. In Demonstrationen, die in den letzten Tagen wiederholt im Hofe der Fabrik stattgefunden haben, wurde diese Forderung erhoben. Ferner erschienen die Kurzarbeiter weiterhin an den Tagen des Aussehens in den Betrieben und setzten die Maschinen in Gang, worauf die Betriebsleitung furzerhand den Betrieb ge= schlossen, die Arbeiter entlassen und die Angestellten be urlaubt hat. Ein Teil der Arbeiterschaft stellte indes die Forderung, daß die Wir halten dieses Vorgehen der Arbeiterschaft zum mindesten für außerordentlich ungeschickt, denn es gab der Betriebsleitung den vielleicht gewünschten Vorwand zur völligen Stillegung des Betriebes. Und das in einer Zeit so schlechter Konjunktur, daß nicht den nötigen Widerstand entgegensetzen fann. Die Arbeiterschaft sollte in solchen Fällen zunächst bedenken, daß es den Fabritanten ja viel lieber ist, wenn sie die Arbeiter vollständig die Arbeiterschaft einem solchen Vorgehen der Betriebsleitung man gern andern. Kameraden! hört auf Eure gewertschaftlichen Organisationen. Lehnt grundsäglich ab, in einen Streit einzu treten, der nicht von den gewerkschaftlichen Verbänden veranlagt ist." Auch uns will scheinen, als sei das Uebel in Hamborn durch eine unbesonnene und unvorbereitete Ausbreitung der Bewegung nicht zu bessern. Es wird die Aufgabe der Gewerkschaften sein, die in Hamborn anscheinend wieder mit mehr Lärm als Ueberlegung eingeleitete Bewegung so schnell wie möglich zu einem guten Ende zu führen. Forderungen der Bergarbeiter DA. Bochum, 8. Januar. Die Organisationen der Bergarbeiter richteten an das Reichs. arbeitsministerium eine Eingabe, in der sie die Mitverwaltung des Fonds für die Sonderzulagen an die Bergarbeiter fordern und begründen sie mit der Erregung, die in der Bergarbeiterschaft durch die Mitteilung hervorgerufen worden sei, daß die Preiſe für Wurst und Fett erhöht werben und die Frischwurstzulage in Wegfall tommen soll. Die Erregung sei noch dadurch gesteigert wor den, daß die Organisationen nicht in der Lage waren, über Einzels heiten Auskunft zu geben. Aus diesem Grunde sei es drin gend notwendig, daß das Reichsarbeitsministerium alsbald die nötigen Maßnahmen zur Mitbeteiligung der Berg arbeiter an der Verwaltung des Fonds in die Wege leitet. In einer weiteren Eingabe an das Reichsarbeits ministerium und den Reichstohlenrat haben die Bergarbeiterorganisationen gebeten, eine Ausfuhrabgabe für Kali zu erheben und den Erlös zu sozialpolitischen 3weden, besonders zur Linderung der Notlage der Knappschafts rentner, zu verwenden. Umfangreiche Waffenschiebungen aufgedekt. Große Waffenfchie bungen wurden von der Erfurter Kriminalpolizei aufgedeckt, wobei ein geheimes Lager von Gewehrteilen und Munition ausgehoben wurde. Der frühere Waffenmeister der ehemaligen Waffenfabrit Erfurt Keil und der Betriebsmeister des Werkes Erfurt der Deutschen Werte König, sowie eine Anzahl Gewehr= fabrikanten aus Schmalkalden und Zella- Mehlis wurden verhaftet. Stimmberechtigte Oberschlesier, die sich noch nicht in die Stimmliste eintragen ließen, mögen sich sofort bei der Geschäftsstelle der Bezirksgruppe Groß- Berlin, der heimattreuen Oberschlefier, Schöneberger Str. 9, 3 Tr., Anruf Kurfürst 2819, melden. Die Geschäftsstelle wird am Sonntag vormittag von 9-1 Uhr geöffnet sein. Die schwedischen Staatsschulden betrugen Ende 1920 1 496 600 000 Kronen. Die Verminderung der eigentlichen Staatsschulden stellt sich auf etwa 70 000 000 Kronen. Im Jahre 1919 wiesen die Staatsschulden einen Zuwachs von mehr als 500 000 000 kr. auf. Z ähne 4 u. 7 mk. mit Friedenskautschuk 5 Jahre schriftliche Garantie. Zahnziehen mit Betäubung bel Bestellung von Gebissen gratis. Kronen v. 30 Mk. an. Spez.: Zähne ohne Gaumen. Keine fruxuspreise Zahn- Praxis Hatvani, Danziger Straße 1. 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Deutsches Theater 21%, Uhr: Die Spieler Der Heiratsantrag Er ist an allem schulb 71, Uhr: Cajar u. Kleopatra Montag 7 Uhr: Don Carlos Kammerspiele 21, U: Frühlings Erwachen Uhr: Florinbo hierauf: Der Abenteurer u. Die Sängerin Montag 7, Uhr: Stella Allabendlich 7, Uhr: Die Smeldungsreife ( Max Adalbert, Trude Heaterberg) Mittwoch und Sonnabend 3 U.: Kindervorstell.: Figlifig Trianon Theater Heute nachm. 4 Uhr, halbe Breise: Der Roman einer Frau Täglich 7, Uhr: Kammermusik Lustspiel von Heinz. Jlgenftein ( Carl Clewing, Eugen Burg, Oiga Limburg, Hans Albers) Residenz Theater Heute nachm. Uhr, halbe Preise: Die Freundin Täglich 7%, Uhr: Rose- Theater 71, Uhr: Schneider Wibbel Theater am Kotibuser Tor Rottbuser Ett. 6-7 Täglich 7, u. 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In einem Klubfeffel fist Emil Birron, feich, diftinguiert wie immer und lieft etwas gelangweilt in einem violetten Brief. Die charmante IIt reith beiẞt eben herzhaft in ihr Frühstücksbrötchen, als plößlich draußen wilde Hörner eines Autos die Ankunft Silbe örners anzeigen. Ein paar Sefunden später tritt fie felbft, blond und üß, ein, thr Zufpätkommen lachend mit einer Filmaufnahme entschuldigend. Bromme it wütend. Bo bleibn Ste denn? Wiffen Sie denn nicht, daß schon am Sonnabend, den 15. Januar, Bremiere in? Wir müssen gleich anfangen." Gemacht mein Echaz", ruft Bilde Wörner, wir werden's schon schaffen. Ich bin doch Dein Mascottchen. Inspiztent gibt das Zeichen. Die Probe beginnt Der Theobald Tiger- Peter Panter Ignaz Wrobel- Kaspar Hauser Vorlesung aus eigenen WerkenKt.20.- bis 8.-. Steger b Bete& Beck, A. Wertheim Gültig bis 16. Januar 1921 AUSSCHNEIDEN! Sondervergünstigung für die Leser der Freiheit" Residenz- Theater Sonntag, 9. Jannar, 4 Uhr: Die Freundin littrench, 12. 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Dezember eine Besprechung mit dem Reichsverkehrsminister der Groener zustande, 3. Januar eine Aussprache im Reichsfinanzministerium folgte. An dieser Besprechung nahmen auch Vertreter des Deutschen Beamtenbundes teil. am = Der Sechzehnerausschuß der Eisenbahner legte gegen die geplante Sinzuziehung anderer Organisationen zu Sen Verhandlungen über die Forderungen der Eisenbahner Protest ein, weil er darin mit Recht eine Verschleppungstaktik erblickte. Dem Protest wurde stattgegeben. Am 5. Januar fonnten endlich die Verhandlungen über die Forderungen der Eisenbahner beginnen. Das Berhand lungsergebnis ist vollkommen ungenügend, soweit die große Masse der schon immer ungenügend bezahle ten und deshalb, sowie durch die Anstrengungen des oft schweren und unregelmäßigen Dienstes bei Tag und Nacht, bei Wind und Wetter förperlich und gesundheitlich herunter gelommenen, vielfach von Wäsche und Kleidung nahezu entblößten Arbeiter und Beamten in Frage tommt. Anders liegen die Verhältnisse für die höheren Beamten. Es muß festgestellt werden, daß der vorliegende Vorschlag für den größten Teil der höheren Beamten nicht nur einen vollen Erfolg darstellt, sondern ihre fühnsten Erwartungen um 100 Prozent übertrifft, während von den für die unteren Gruppen eingereichten Forderungen nur in der Ortstlasse A 50 Prozent für die Besoldungsgruppen I und II bewilligt wurden. Zum besseren Verständnis der nicht in alle Einzelheiten des verzwickten Gehaltssystems eingeweihten Leser sei hier ein kurzes Beispiel angeführt. Es erhält ein Beamter der Besoldungsgruppe II nach dem vorliegenden Vorschlag bei einem bisherigen Durchschnittseinkommen von 11775 M. in der Ortsklasse A eine Zulage von 20 Prozent = 2360 M., während ein Beamter der Gruppe XIII bei einem bisherigen Durchschnittseinfommen von 32 000 M. ebenfalls eine Zulage von 20 Prozent 6000 M. erhält. Um einen Vergleich zwischen den gemeinsamen Forderungen der Eisenbahnerorganisationen und dem jezt vorliegen den Verständigungsvorschlag anstellen zu können, ist es notwendig, etwas näher auf die Dinge einzugehen. Der Vorschlag der Organisationen sah für die Arbeiter eine allgemeine Erhöhung der bereits nach Ortstlassen abgestuften beweglichen Teuerungszulage um 1 M. die Stunde vor. Für die Beamten wurde eine Staffelung mit fallenden Sätzen für die höheren Gruppen der bis jetzt einheitlich auf 50 Prozent vom Grundgehalt und Ortszuschlag festgesetzten Teuerungszulage nach 40 Prozent bei den niedrigsten Gehältern, um in Abstufungen von je 5 Prozent bei den höchsten Gehaltsgruppen eine Erhöhung der Gehaltsläge um 10 Prozent zu erreichen. Diesem Vorschlag stellen wir das Verhandlungsergebnis gegenüber. Es soll demnach bewilligt werden: a) für Beamte eine Erhöhung des Teuerungszuschlages in Ortsklasse A in Ortsklasse B in Ortsklasse C auf 70 Prozent auf 65 Prozent auf 60 Prozent und in Oristlasse D und E auf 55 Prozent a) für die Lohnempfänger soll die Teuerungszulage in Ortsklasse A um 50 Big. in Ortsklasse B um 40 Pfg. in Ortsklasse C um 30 Bfg. in Ortsklasse D um 20 Pfg. in Ortsklasse E um 10 Big die Stunde erhöht und daneben für Orte mit besonders hohen Industrielöhnen ein mäßiger Ueberteuerungszuschlag gezahlt werden. Die in Betracht kommende Mehrausgabe beträgt für die Beamten rund eine halbe Milliarde Mart. Ungefähr ebenso hoch ist der Betrag für die Arbeiter, so daß also die Mehrausgabe für die Eisenbahner allein ungefähr eine Milliarde beträgt. Den übrigen Beamten und Arbeitern des Reichs und der einzelnen Länder muß naturgemäß das gleiche gegeben werden, so daß die Mehrausgabe insgesamt 24 MPIliarde beträgt. für die Beamten eine Kombination zwischen Gehalts- und Ein Kompromißvorschlag der Verhandlungstommission, Ortsklassen vorzunehmen, wurde entschieden abgelehnt. Die hier vorgesehene Regelung ist äußerst ungerecht, der bestehende Vorsprung der höheren Beanten wird noch vergrößert, burch die totsicher noch folgende weitere Entwertung der Papiermart wird die große Masse Wenn schon feststeht, daß die vorgesehene Regelung in den Beamtentreifen sehr wenig Befriedigung ausgelöst hat, so ist nur noch notwendig, zu sagen, daß dies bet den Arbeitern noch viel meniger der Fall ist. Die Organisationsleitungen ins por Ichwerwiegende Ent scheidungen gestellt. Die verantwortlichen Körperschaften fönnen und dürfen sich natürlich nicht von Stimmungen und nom Gefühl leiten lassen. Sie müssen fühl und nüchtern mit flarem Verstand unter Berüdsichtigung der Kräfte verhältnisse das tun, was die Stunde erfordert. Die Organisationen nehmen in diesen Tagen zu dem Verhand lungsergebnis Stellung. Der Vorstand des Deutschen Eisenbahner- Verbandes hat den erweiterten Vorstand auf Sonn tag, den 9. Januar, einberufen, der seinerseits zu bestimmen hat, was weiter geschehen soll: Ob die Forderungen ange nommen, abgelehnt oder ob die Verbandsmitglieder durch Urabstimmung über Annahme oder Ablehnung entscheiben Jolien. 1. Beilage zur„ Freiheit" sich gewerkschaftlicher Mittel zu bedienen und dabei die Vorteile geschlossenen, solidarischen Handelns zu genießen. Es steht zu hoffen, daß die bis jetzt troh großer wirtschaftlicher Not bewiesene Selbst disziplin ber Eisenbahner aufrecht erhalten bleibt, um den legten Widerstand zu überwinden und die Bewegung einmütig und geschlossen zum guten Ende zu führen. Das letzte Wort hat in dieser Angelegenheit der Reichstag zu sprechen, der hoffentlich das bis jetzt vorliegende Ergebnis zu gunsten der hoffentlich das bis jetzt vorliegende Ergebnis zu gunsten der großen Masse der Eisenbahner forrigiert. Auf jeden Fall dürfen die Eisenbahner, wollen sie sich nicht unnük großen Gefahren aussehen, nur dem Ruf ihrer gewerkschaftlichen Organisationen Folge leisten. Die Kommunisten und die Eisenbahner Die„ Rote Fahne" ist verlegen wie ein ertappter Verbrecher. Unseren Leitartikel von gestern früh, in dem wir das Wesen der tommunistischen Taktik am Beispiel des Verhaltens dieser„ Polititer" gegenüber der Eisenbahnerbewegung gekennzeichnet haben, beantwortet das Blatt der Schädlinge und Bersplitterer mit einem wüst tobenden, sensationell aufgemachten Artikel in der Abendausgabe vom Sonnabend. Entschält man den Kern dieses Gebrülls seines Beiwertes an faulen Ausreden und dummen Bemertungen, so bleibt als Rest die stehende Rebensart der Kommunisten: Verrat. Es ist immer dasselbe. Wenn diese gewissenlosen Gesellen durch plumpes Eingreifen eine notwendige und gut angelegte Bewegung einer Arbeitergruppe auf eine Bahn gedrängt haben, auf der die Gefahr des Scheiterns der Bewegung taum noch abzuwenden ist, so daß die berufenen Führer der Organisationen alle Mühe aufwenden müssen, um zu retten, was zu retten ist, dann brüllen diese Sirnlosen Berrat. Mehr wissen sie nie zu sagen. Aber es bleibt dabei: verderblicher für die Arbeiterklasse, schlimmer als offener Berrat ist das völlig verantwortungslose Gebahren der Kommunisten. Und zum Geschrei über Verrat tommt als zweites ewig gleiches Mittel im Kampfe der Kommunisten die Verleumdung. Unsere Haltung zur Bewegung der Eisenbahner erkläre sich das durch, schreibt die„ Rote Fahne", daß wir in Gemeinschaft mit der Gewertschaftsbureaukratie den Eisenbahnern ein Kompromiß mit der Regierung auf der Grundlage des bei den Verhandlungen herausgefommenen Einigungsvorschlages, aufzwingen" wollen. Müssen wir uns solcher Dummheit gegenüber verantworten? Unsere Haltung seit Beginn der Bewegung der Beamten und Eisenbahner zeigt deutlich, daß wir den Eisenbahnern garnichts aufzwingen" wollen allerdings auch nicht den Kampf. Wir überlassen die Entscheidung über die Tattit in diesem Kampfe den Eisenbahnern, wir haben aber auch nicht versäumt, unser Mißfallen über das schäbige Angebot der Regierung fofort zum Ausdrud zu bringen. Das gleiche tat die Berliner Ortsverwaltung des D. E. B., um die es sich hier allein handeln kann, wenn von Gewerkschaftsbureaukratie die Rede ist. Und ferner mahnten wir zur Disziplin- und das ist es, was den Kommunisten nicht paßt. Eine erfolgreiche Be wegung disziplinierter Massen unter Führung von Gewerkschaftern ist ihnen ein GreueL Sie brauchen das Tohuwabohu, fie brauchen den Putsch. Darum bohrt die„ Rote Fahne" und das ihr verwandte politische Gelichter Tag für Tag, dann zum allgemeinen Brand zu steigern wäre. Der Fimmel des damit irgendwo spontan ein Teilstreit ausbrechen möge, der Mitreißens der Massen plagt diese Geister. Sie haben doch das große Aufräumen versprochen und empfinden es nun peinlich, daß fie hilflos dastehen und der Gang der Weltgeschichte seine Entwidlung nimmt ohne sie. Darum ihr Eingreifen in die Eisenbahnerbewegung mit gefährlichen Sonderattione n. Und darum wiederholen wir unsere Mahnung zur gewerkschaftlichen Disziplin um so dringender! Abrüden von diesen Gefellen! Nur dem Ruf der Gewertschaft folgen! Geschieht es anders, bann graben die Eisenbahner ihrer großen Bewegung selbst das Grab. Zur Krise im Werkmeisterverband Eine Düsseldorfer Walze Wir haben fürzlich darüber berichtet, daß einige reaktionäre Elemente in der Leitung des Düsseldorfer Wertmeisterverbandes versuchen, den Verband vom Afa- Bund loszulösen, um ihn wieder in die bürgerliche Angestelltenbewegung zurückzuführen. Der Afa- Vorstand hat in einigen ruhig, aber bestimmt gehaltenen grundsäglichen Aufklärungsschriften erklärt, daß alle Versuche, ihn von seiner freigewertschaftlichen Grundauffassung und dem daraus folgenden Bekenntnis zum Sozialismus abzubringen, vergeblich wären. Auch wären die Mitgliedschaften des Wertmeisterverbandes nicht bereit, den freien Gewerkschaften abtrünnig zu werden. In Ermangelung fachlicher Argumente hat nunmehr die Düsseldorfer Leitung des Wertmeisterverbandes eine wüste poli. tische Seke gegen den im Afa- Bund tätigen Genossen Aufhäuser in Szene gefeßt. Der Erfolg ist nicht ausgeblieben. Die reattio nären Tageszeitungen, vor allem die Stinnesblätter und die Unternehmerorgane sprechen sich bereits recht lobenb über die reumütige Wandlung der Wertmeister- Berbandsleitung aus. Dagegen find bie Mitglieber bes Berbandes nicht gewillt, fich, so wie früher, wieber als Schustruppe des Kapitalismus mißbrauchen zu lassen. In seiner Bedrängnis beschwört nun der Borstand des Wertmeisterverbandes die Geschäftsstellenleitung unter Androhung der Entlassung, in den Kampf gegen den Afa- Bund einzuspannen. Er stellt ihnen in einem der vielen geheimen Rundschreiben" fertige Referate gegen die Afa- Politit zur Verfügung und gibt ihnen für die zu haltenden Vorträge folgenden zarten Wint mit bem Jaunpfahl: " Bei dieser Gelegenheit möchten wir jedoch nochmals auf §7 des Dienstvertrages hinweisen, der allen Geschäftsstellenleitern die Verpflichtung auferlegt, sich bei ihren Maßnahmen nach den vom Verbands oor stand gegebenen Richtlinien zu richten, also sie auf jeden Fall verpflichtet find, selbst wenn fleine(?) Meinungsverschiedenheiten nach der einen ober anderen Richtung bestehen, die Interessen des Verbandes rüdhaltlos zu vertreten." Sonntag, 9. Januar 1921 | schaften verpflichten zu wollen. Eine derartige Verpflichtung fann auch nach bürgerlichem Recht aus teinem Dienstvertrag abe geleitet werden, denn sie widerspricht den guten Sitten. Diefes Rundschreiben ist aber gleichzeitig ein schlagender Beweis für die schwache Position dieser Verbandsleitung Man vergißt völlig, daß es neben den Düsseldorfer Bortrags- und Vertragswalzen, mit denen laut Dienstvertrag die Ge schäftsstellenleiter nunmehr im Lande umherreifen müssen, auch noch Mitglieder im Verbande gibt, deren Ueberzeugung sich nicht überwalzen läßt. Eine recht deutliche Antwort haben in dieser Hinsicht die Dresdner Wertmeister auf die Austrittsgelüfte ihres Verbandsvorstandes erteilt. Sie ließen im Afa- Ortskartell Dresden erklären, „ daß fie auf alle Fälle am freigemerffchaftlichen Ges banten festhalten und im Verbleiben im Afa- Bund die einzige Gewähr erblicken, daß die Interessen der Wertmeister wie überhaupt aller Angestellten richtig gewahrt werden. Sie befennen sich nach wie vor zu den freigewerkschaftlichen Grundsägen und den folgenden Richtlinien und versprechen, das hin zu wirken, daß alle Merkmeister diese Grundsäge und Richtlinien sich zu eigen machen: 1. Anerkenntnis, daß die Ziele der freien Gewerkschaften in ber heutigen Wirtschaftsordnung nicht restlos erreichbar sind; 2. Erstrebung der vergesellschafteten Wirtschaft gegenüber der privatkapitalistischen Gewinnwirtschaft; 3. Anerkennung des Klassentampfes; 4. Die Gewerkschaften sind berufen, Mitträger der Gemeinwirts schaft zu sein. 5. Ablehnung aller mittelständlerischen Gedankengänge; 6. Bekenntnis des Anschlusses an den Internationalen Gewert schaftsbund Amfterdam." Nach den uns vorliegenden Berichten stehen die Mitgliebe schaften des Werkmeisterverbandes an den übrigen maßgeben den Industrieotten auf demselben Standpuntt, ben ihre Dresdner Kollegen zum Ausdrud gebracht haben. Der Versuch, diese Massen von Mitgliedern durch befoldete Verbandsfunktionäre, die auf Grund ihres Dienstvertrages verpflichtet werden, nach einer in Düsseldorf angefertigten Walze aus der Afa- Bewegung heraus zuloden, fann aber für den Wertmeisterverband recht gefährlich werden. Aus der Wirtschaft Krise und Kredite Wir haben schon öfters darauf hingewiesen, daß die Ursachen ber gegenwärtigen Weltfrise in der Berelendung der trieg führenden tontinentalen Länder und dem durch sie bewirkten Tief stand ihrer Kauftraft zu suchen seien. Eines der Mittel zur Ueberwindung der Krise allerdings um den Preis dauernber tapitalistischer Herrschafts- und Knechtschaftsverhältnisse zwischen ben einzelnen Staaten ist der Versuch, den verarmten Ländern durch Krebite fünstlich Kauftraft einzupumpen. Darauf lief auch der einzige positive Vorschlag der Brüsseler Finanztonfe renz hinaus: Es jolle eine Organisation geschaffen werden, die die Kreditgewährung international regele, und zwar auf Grund von Garantien, die der treditnehmende Staat zu geben hat. Auf dieser Grundlage beginnen bereits die valutastarten Staa ten, Kredite gegen Garantien zu gewähren, um selbst möglichst rasch aus der Krise herauszutommen. So bietet die Entente Desterreich Krebite an, aber unter Bedingungen, die dieses unglüdliche Land ganz in die Gewalt des Auslandes geben, es zu einer Kolonie machen würde. Wir berichteten ferner, daß amerikanische Kapitalisten den Vorschlag machten, Deutsch= land einen hohen Kredit einzuräumen, der als Sicherheit das beschlagnahmte deutsche Bermögen in Amerita haben sollte. Nach einer anderen Meldung steht der Ausführung dieses Planes noch das Hindernis entgegen, daß der Friede zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland noch nicht geschlossen ist. Run melden die Times" von einem ähnlichen Plan der füb afritanischen Regierung. Danach sei eine Kommission nach Deutschland entsandt worden, um eine Untersuchung über die Möglichkeit der südafrikanischen Woll ausfuhr nach Deutschland anzustellen. Es bestehe der Plan, das in Südafrita unter öffentlicher Verwaltung stehende deutsche Eigentum im Werte von 10 Millionen Pfund Sterling, als Sicherheit für die Bezah lung der von Deutschland in Südafrika getauften Wolle zu be nugen. Der kapitalistische Wahnsinn 3 mei Ausschnitte aus einer Nummer der Ti mes" vom 8. Dezember 1920. Der englische Handelsminister Sir R. Horne erklärte im Unterhause während einer Debatte in der Frage der Farbstoffeinfuhr: Die Tegtilindustrie verdiente feit dem Waffenstillstand mehr als je zuvor seit ihrem Bestande. Ihre Ausfuhr hat sich in fast unglaublichem Maße atSteigert." Eine Seite weiter heißt es: Der Bürgermeister von Birmingham erflärt: Es sind in unserer Stadt 40 000 Arbei ter in der Textilindustrie arbeitslos. Die Arbeite rinnen müssen ihre Trauringe verpfänden, um nicht Hungers gu Sterben." Nußbarmachung von Debland Ein im Auftrage des Oldenburgischen Staatsministeriums be arbeitetes Projekt einer Kanalverbindung von der Ems bei Dör pen zur Unterweser( Linie Dörpen- Kampe- Oldenburg- Els fleth) ist hier foeben veröffentlicht worden. Es wird barin ber Ausbau des feit Jahrzehnten geplanten Küstentanals vorgesehen, wobei ber vorhandene Hunte- Ems- Kanal benugt und verbrei tert werden soll, während nur ein Stüd von 40 Kilometer noch neu zu bauen wäre. Der Kanal erschließt etwa 70 000 5 ettar Dedland, ermöglicht die Sebung der Schäze an Torf in jenen Mooren und schafft schließlich Siedlungsmöglichkeit für Zehn tausende. Vor allem erhält die Unterweser durch ihn die dringend notwendige Kanalverbindung mit dem rheinischwestfälischen Industriegebiet. Den Gesamtbautosten pon 392 Millionen Mark würden direkte Einnahmen aus dem beim Bau gewonnenen Torf in Höhe von mindestens 120 Millionen Mart gegenüberstehen. Der Stand der russischen Naphtha- Industrie Die jetzt vorliegenden amtlichen Berichte über die Lage in der russischen Naphtha- Industrie ergeben folgendes: Während des Jahres 1920 wurden über Astrachan nach Sowjet- Rußland 148 508 489 Bub Naphtha ausgeführt, neben 452 480 Bud, die nach Kraßnowobst und 1423 279 Bud, die nach Petromst gingen. Ber Bahn wurden 2 179 974 Bub nach Rußland versandt, so daß sich als Gesamtkonsum Rußlands an Raphtha bie Summe von 160 559 000 Pub ergibt. Zu diesem Konsum Rußlands tritt ferner noch eine Menge von 291 313 Bud Naphtha, die nach nichtrussischen Häfen exportiert wurden. Die zurzeit auf Lager liegenden Borräte betragen zirka 210 000 381 Bud. Für das Jahr 1921 ist der Boranschlag auf 250 Millionen Bud gemacht, für deren Transport die vorhandene Flotte bereits einer gründlichen Reparatur unterzogen wird. Wir haben Verständnis dafür, daß eine Gewerkschaft Disziplin und Wahrung der Verbandsinteressen verlangt. Wenn aber einige Gewerkschaftsbureaukraten in Düsseldorf selbstherzlich beschließen Arbeitszeitfürzungen. wollen, den Wertmeisterverband leichtfertig aus der KampfgemeinDie Bewegung der Eisenbahner, an der 370 000 Beamte fchaft der freien Gewerkschaften zu entfernen, ohne auch nur die und 70 000 Arbeiter beteiligt find, gilt wirtschaftlichen Zustimmung des Verbandstages für diesen radikalen RichForderungen, sie hat sich bisher purchaus im Rahmen tungswechsel einzuholen, dann ist das eine sonderbare Wahgewerfichaftlicher Regeln bewegt. Die Eisen- rung der Berbandsinteressen. Es ist aber auch reichlich naiv, die bahner haben damit den Beweis erbracht, bak fie fehr schnell, Geschäftsleiter des Berbandes auf Grund ihres Dienstvertrages zur ohne langjährige Erfahrung und Schulung, gelernt haben, öffentlichen Rechtfertigung dieses Berrats an den freien Gewert worden, Die Birmasenser Suhindue strie ist von der Absaktrise schwer betroffen. Viele kleinere Unternehmungen mußten ihren Betrieb ganz einstellen, weil sich die Fertigerzeugniße anhäufen, in einer Reihe von Betrieben ist die Arbeitszeit verfürzt worden, es wird statt 47 nur 36 bis herunter auf 25 Stunden gearbeitet. In der Krefelder Samiindustrie ist die wöchentliche Arbeitszeit auf 24 Stunden beschräuft Gewerkschaftliches mun erfolgten Abstimmung entschied sich die. Arbeiterschaft mit neun Zehntel Majorität für den Streit. Man hatte auf der Gegenseite teinen Maßstab, die bewiesene Langmut der Arbeiterschaft zu bewerten. Schließlich ging am anderen Tage die Stellungnahme des Demobilmachungstommissars bei der Organi sation ein, aber nicht durch Boten zu versprochener Zeit, sondern Achtung, Vertrauensleute und Betriebsräte der U. S. P. D.! hübsch langsam durch die. Post. Auf Rüdfrage unsererseits wußte Transportarbeiterverband der Dem.- Komm. sich dieses nicht zu erklären und gab zu verstehen, Am Montag, den 10. Januar, abends 7 Uhr, findet im Dresser wäre von seinem Boten hinters Licht geführt".( Wer lacht da bener Kasino, Dresdener Str. 96, eine äußerst wichtige Zusammenfunft der auf dem Boden der U G. P. D. stehenden Funktionäre des Deutschen Transportarbeiter- Verbandes statt. Solzarbeiterverband, Musikinstrumentenbranche Am Dienstag, den 11. Januar, abends 7 Uhr, findet im ArbeitsLojensaal, Rungestr. 30, eine äußerst wichtige Funktionärversammlung der Branche der Musikinstrumentenarbeiter statt. Metallarbeiterverband Am Montag, den 10. Januar, abends 6 Uhr, findet in der Schul- Aula, Koppenpiaz 12, eine wichtige Konferenz der U. S. P.Funktionäre statt, zu der jeder Betrieb durch den Betriebsobmann und zwei Betriebsratsmitgliedern vertreten sein muß. Buchbinder und Papierverarbeiterverband Am Mittwoch, den 12. Januar, nachm. 5 Uhr, treten im Gaal 1 bes Gewerkschaftshauses die U. S. P.- Funktionäre zu einer Besprechung zusammen. Da der Saal nur bis 7 Uhr zur Verfügung steht, wird um pünktliches Erscheinen ersucht. In allen Versammlungen legitimiert Mitgliedsbuch der Partei und Gewerkschaft. Bezirksverband Berlin- Brandenburg ber U. S. P. D. Die Geschäftsleitung. J. A.: Frig Schneider. Der Metallarbeiterstreit in der Eisenindustrie( Landbetriebe) von Groß- Hamburg Die Metallarbeiter der Landbetriebe Groß- Hamburgs befinden fich seit dem 2. Januar d. J. im Streit. In Frage kommen 7-8000 Beschäftigte, deren Zahl sich täglich erhöht. Die Gebuld der Arbeiterschaft wurde durch die monatelange Verschleppungstaftit der Unternehmer auf eine harte Probe gestellt. Von vornherein lehnten die Unternehmer jebe Lohnerhöhung mit der Begründung ab, daß sich die Arbeiterschaft durch Erhöhung ihrer produktiven Leistung ihre Verdienste steigern fönnte. Erwähnt sei noch, daß in den Landbetrieben die Belegschaft 97 Prozent Affordarbeiter sind. Die Wirkung dieser Vorschläge unter den Belegschaften fann Fich jeder ausmalen. Nachdem die Verhandlungen sich zerschlagen hatten, wurde das Schiedsgericht angerufen, welches folgenden Spruch fällte: Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahre 20 Bfg. pro Stunde Zuschlag, Jugendliche von 18-20 Jahren 40 Pfg. pro Stunde Zuschlag, Meltere 60 Pfg. pro Stunde zu Schlag. Diese Säge verstehen fich unterschiedslos des Geschlechts. Trotzdem dieser gefällte Schiedsspruch bei weitem nicht dem enisprach, was die Belegschaften gefordert hatten, stimmten diese bem gefällten Spruch zu. Der Verband der Eisenindustrie ( Landbetriebe) lehnte diesen gefällten Schiedsspruch ab. Die Arbeitnehmer wandten sich nun an den zuständigen Demobilmachungstommissar Hamburgs, um den Spruch verbindlich erflären zu lassen. Es haben auch daraufhin 2 Verhandlungen vor dem Demobilmachungskommissar stattgefunden. Schließlich ertlärte der Demobilmachungskommissar, daß er sich nicht für zu ständig halte, da ein erheblicher Teil der Betriebe auf preußischem Gebiet liege und in diesem Falle habe er die Sache an den Reichsarbeitsminister verwiesen. Dieses Verhalten des Demobil machungskommissars ist doch etwas eigenartig, da er in anderen Gruppen, wo die Verhältnisse ebenso lagen, anders gehandelt hatte. Die Belegschaften erblickten in diesem mehr als eigenartigen Gebahren des Demobilmachungskommissars eine Verschleppungstattif. Der Demobilmachungstommissar, nachdem er mit den Barteien verhandelt hatte, versprach, ihnen Antwort zukommen mau lassen. Auf diese Antwort haben die Verbände bis zum 29. Dezember, abends 6 Uhr, gewartet. Um diese Zeit nun setzte sich der 2. Bevollmächtigte der hiesigen Verwaltungsstelle des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes mit dem Demobilmachungskommissar telephonisch in Verbindung und ersuchte ihn bringend, dem Metallarbeiter- Verband bis zum 30. Dezem ber abends schriftlich durch Boten Nachricht zukommen zu lassen. Der Demobilmachungstommissar sagte dem zu, der Bote mit der Antwort jedoch blieb bis zur entscheidenden Stunde aus. Am selben Abend fanden 2 start besuchte Versammlungen der in Frage kommenden Belegschaften statt, um zu den Dingen Stellung zu nehmen. Nach eingehender Berichterstattung, wobei das Verhalten des Demobilmachungskommissars nicht un erwähnt blieb, stieg die Erbitterung der Versammlung bis aufs Sächste und die Geduld der Arbeiterschaft war erschöpft. In der cb solden Verhaltens?") Der Kampf ist da! Die Arbeiterschaft der Landbetriebe geht ihren Weg und wird den Kampf trotz aller Verschleierung der Gegenseite zu führen wissen. Die Arbeiterschaft hat eine lange Geduldsprobe hinter sich. Die Unternehmer sowie der Dem.- Komm. hätten es verhindern können, und tragen die Verantwortung. Wir bitten befreundete Zeitungen um Abdrud unseres Artikels und uns in unserem berechtigten Kampfe unterstügen zu wollen. Die Streilleitung. Wandlungen im Wertmeister- Verband Da die Notiz, die unter dem 6. Januar d. J. unter„ Gewerkschaftliches" erschienen ist, den Anschein erweckt, daß die Berliner Kollegenschaft des Deutschen Wertmeister- Verbandes in irgendeinen Zusammenhang mit dieser Veröffentlichung gebracht werden tönnte, sieht sich der unterzeichnete Bezirts- Borstand gezwungen, nachstehende Erklärung abzugeben: ,, Die im Deutschen Wertmeister- Verband organisierten Kollegen des Bezirk X lehnen jede Identifizierung mit der in der Nummer 8 der Freiheit" erschienenen Veröffentlichung ab. Die Mitglieder betrachten es als ihre eigene Angelegenheit, bei Ausbruch von Streitigkeiten durch die ihnen sagungsgemäß zustehenden Rechte und Instanzen ihren Willen zur Durchführung zu bringen und bedauern es, daß eine derartige Zersplitterungspolitik in der freien Angestellten- Bewegung durch Veröffentlichung von Artikeln in den Tageszeitungen gefördert wird, noch dazu, wenn derartige Artikel den Stempel der Einseitigkeit flar erkennen lassen. Der unterzeichnete Bezirtsvorstand gibt zu, daß seit einiger Zeit Mighelligteiten zwischen Afa- Vorstand und Sauptvorstand des Deutschen Wertmeister- Verbandes bestehen, muß es aber ablehnen, bevor eine endgültige Klärung erfolgt ist, anderen Organisationen sowie einzelnen Personen das Recht zugestehen, sich in unsere internen Angelegenheiten zu mischen, ohne genügend über die Vorgänge aufgetlärt zu fein. Der Bezirksvorstand glaubt, daß sowohl er als auch die Mitglieder Mannes genug sein werden, den Gedanken der freien Angestellten- Bewegung der Verwirklichung zuzuführen und dementsprechend sich auch bei ihrem Hauptvorstand durchzusehen. Die bisher geschlossene Einheitsfront der Wertmeister steht sowohl dem Bezirksvorstand als auch den Mitgliedern des Bezirks X als Der Vorstand des Bezirks X verurteilt höchstes Ziel vor Augen. es daher auf das Schärfste, wenn derartige Anlässe dazu benutzt werden, die Einheitsfront der freien Angestellten- Bewegung zu zerDer Bezirksvorstand des Bezirk X. Gethte." stören. Ein Ausnahmegesetz gegen ausländische Arbeiter. Zu diesem Thema, das wir schon vor einiger Zeit in einem längeren Artikel behandelt haben, wird uns noch von einem Tertilarbeiter geschrieben: Das Reichsamt für Arbeitsvermittlung hat einen Entwurf betreffend Verordnung über die Beschäftigung ausländischer Arbeiter" fertiggestellt, welcher bis jezt nur den Arbeitgeber= Verbänden zur Stellungnahme übersandt wurde. Da auch die Arbeiterschaft ein ganz besonderes Interesse an diesem famosen Entwurf haben muß, so soll vorläufig unsere Kritit bei dem§ 1 einsehen, welcher lautet, daß ausländische Arbeiter, welche nach Deutschland reisen wollen, um zu arbeiten, eine Einreisegenehmigung von dem zuständigen Landesarbeitsamt porzeigen müssen. Also soll die Freizügigkeit nur für diejenigen Arbeiter be Jeitigt werden, welche nach Deutschland reisen wollen, um zu arbeiten. Wir müssen befürchten, daß man die sozialistische, die organisierte Arbeiterschaft in der Freizügigkeit beschränken wird. Wissen wir doch aus Erfahrung, wie man im wilhelminischen Deutschland die bedürfnislosen Proletarier aus Galizien, Polen, Rußland und Desterreich, ganz besonders Textilarbeiter, heranlodte, um der deutschen Arbeiterschaft Konkurrenz zu machen. Deutsche Jutefabriten lieferten den besten Beweis dafür. Gab es unter den hergelodten Arbeitern welche, die enttäuscht waren oder fich ihrer Lage bewußt wurden und sich mit den deutschen Arbeitern gemeinsam organisierten, so erschien die Polizei mit dem Ausweisungsbefehl. Die Gerechtigkeit hätte es erfordert, daß man die Arbeitgeber, die unter falschen Vorspiegelungen fremde, Arbeiter nach Deutschland lockten, bestraft hätte. 12 Der§ 2 verlangt auch die Genehmigung für die ausländischen Arbeiter, welche bereits in Arbeit stehen und in Deutschland schon ansässig sind, zur Fortsehung der Arbeit. Wenn dieses Monstrum Gesez werden sollte, so würden sicher auch im Auslande folche Geseze geschaffen werden, dann könnten die Ausweisungen flott vonstatten gehen. Deutschlands Untertanen fonnte man in der ganzen Welt finden, aber in teinem Lande sind soviel Ausweisungen gegen ,, lästige Auswanderer" vorgekommen wie eben in Deutschland. Als stummes Arbeitstier war hier der Ausländer recht angenehm; aber wehe der Familie, deren Vater sich irgendwie gewerkschaftlich betätigte, von einer politischen, sozialistischen Betätigung tonnte erit recht keine Rede sein. Schreiber ist selbst von vier deutschen Behörden als läftiger Ausländer verfolgt worden, ohne daß aber die gewünschte Auss weisung erfolgen fonnte. Es war im Jahre 1893-1894, wo die millionenreiche Textilfirma Chr. Dirig, Oberlangenbielau, in den ärmsten Gegenden Desterreichs Weberfamilien suchte. Agenten und verlogene Briefe Lodten unter allerhand schönen Versprechungen die Ausländer herbei, nur um den ansässigen Langenbielaueru Konkurrenz zu bieten. Diese Firma zahlte Löhne fiz Männer 9-14 Mart, Frauen 6-10 Mart pro Woche. In den Versprechungen war von 18 Mart pro Woche die Rede usw. Wir waren eine ganze Anzahl nach dem Eldorado gekommen, um gleich eine große Enttäuschung zu erleben. In einer öffentlichen Textilarbeiter- Versammlung brachte ich so einen Brief zur Vorlesung mit der nötigen Kritik dazu. Die überwachende Polizei nahm natürlich sofort Notiz davon und einige Kollegen erhielten furz nacheinander ihre Ausweisung. In Reichenbach in Schlesien erlebte ich selbst zum zweiten Male das gleiche Schichal. So ging es noch ein paarmal, und so wird es uns wieder gehen, wenn der geplante Entwurf Gesetz wird. Die Gewerkschaften werden daher ernsthaft gegen dieses Gesez Front machen müssen. Maßregelung in der Metallwarenfabrit Reichswert Spandau. Am 29. Dezember 1920 wurde der Werkzeugschlosser B. bei der Eingangskontrolle zur Metallwarenfabrik von dem kontrollierens den Angestellten P., weil er seinen für die Inventurarbeiten bes stimmten Ausweis vergessen hatte, in herausfordernder Weise pro Doziert, trotzdem der Angestellte genau wußte, daß B. im Belize eines Ausweises war und diesen nur vergessen hatte. In dem nach folgenden erregten Wortwechsel, bei dem B. eine geradezu drohende Haltung einnahm, erinnerte ihn B. an die Worte: Den Ar beitern geht es noch zu gut, sie haben noch zu viel 3u fressen", welche der Angestellte B. in einer deutschnationalen Versammlung bei Seiz äußerte. Nachdem nun B. von dem Angestellten immer heftiger provoziert wurde, antwortete B., daß er ich vor seinen Vorgesetzten nicht als Knierutscher, Schmierer, Schmarozer usw. herunterlasse, sondern als freier Arbeiter bas fage, was feine Pflicht ist, wenn er nicht als Mensch behandelt wird. Hierauf meldete der Angestellte den Vorfall der Direttion und der Werkzeugschlosser B. wurde nach 5 Tagen fristlos entlassen. Der vom Betriebsrat erhobene Einspruch wurde von der Direktion abgelehnt, so daß sich B. nun auf andere Weise sein Recht suchen muß. Bei den Verhandlungen im Bureau der Diret tion äußerte ein ebenfalls die Kontrolle ausübender Angestellter, daß, wenn er die Kontrolle bei dem Werkzeugschlosser B. aus geführt hätte, es zu einem derartigen Vorfall überhaupt nicht ge tommen wäre. Es ist nun Pflicht der gesamten Ar beiterschaft der Reichswerte, gegen diese unerhörte Maßregelung geschehen im Jahre 1921 geschlossen Protest einzulegen, da das, was dem Werkzeugschlosser B. jezt passierte, morgen jedem einzelnen Arbeiter zustoßen kann. In allen Versammlungen der A. E. 6. ist in legter Zeit eine Propaganda für eine allgemeine Versammlung der in den A. E. 6 Werten beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen gemacht wor den, die sich mit dem in Aussicht stehenden Streit der Eisenbahner beschäftigen sollte. Diese Versammlung war von den kommunisti schen Mitgliedern des Betriebsrates der A. E. G.- Turbinen- Fabrit vorbereitet und propagiert worden. In den letzten Tagen find nun in den Werken der A. E. G. Handzettel verbreitet worden die zum Besuch einer Bersammlung für Sonntag, den 9. Januar 1921, in den Kammersälen auffordern. Als Unterschrift tragen die Bettel: Die gewerkschaftlichen Vertrauensleute des A. E. 6. Konzerns. Dem Deutschen Metallarbeiter- Berband, Ortsverwal tung Berlin, ist von einer solchen Veranstaltung der Bertrauens Teute unserer Organisation nichts bekannt und hat die Veranstal tung mit unserer Organisation nichts zu tun. Wir machen der Kommunistischen Partei feine Vorschriften über die Veranstaltung ihrer Versammlungen, erwarten aber, daß sie dann auch flipp und flar ihr Firmenschild unter ihre Handzettel setzen. Wir er fuchen unsere Kollegen im A. E. G.- Konzern von dieser Notiz Kenntnis zu nehmen. Die allerbesten Nachmittag- und Abendunterhaltungen in Zielka's Heiteren Spielen" und Zielka's Margaretens Saal, Leipziger Straße, Ede Friedrichstraße. Tanzvorführungen allerersten Ranges von berühmten Tanzkünstlern, luftige Vors träge, amüsanteste Komik, überraschende Illusionsvorführungen Gesang, allerlei Heiteres, Konzert usw. NIsrael GEGR 1815* KONIGSTRASSE SPANDAUER STRASSE BERN HARD Inventur- Ausverkauf Damen- Kleidung Bluse aus weißem oder farbigem Waschstoff. 19.75 Frühjahrs- Mäntel aus haltbaren Stoffen........ 69.- 98.- 135.Kleid aus reinwollenem Stoff 275.Herren- Kleidung Sakko- Anzüge 290.- 465.- 690.Winter- Ulster 490.- 690.- 890.Sommer- Ulster.......... 220.Herrenstoffe Mtr. 45.- 68.- 98.Kinder- Kleidung Mädchen- Mäntel 60-75 cm 47.- 80-100 cm- 59.Mäntel für junge Damen, Größe 38, 40, 42.. 68Damen- Wäsche Taghemd mit Stickerei- Einsatz und Langetten 35.. Taghemd im Rumpf gestickt 36.Nachthemdm.Stickerei- Einsatz, und Langetten. 72.Herren- Wäsche Farbiges Oberhemd 49.50 mit Klappmanschetten. Weiß. Oberhemd m FaltenEinsatz und Klappmanschetten 69.Tischwäsche Frottierhandtuch weiß Kräuselstoff, 50x100 Stubenhandtuch cm, St. 16.75 Jacquardgewebe, 48 × 100, St. 19.75 Tischtuch Reinleinen, 130x160 cm,........ Kleiderstoffe Bestickt. Batist farbig mit gleichfarb Stick., 115 cm Mtr. 14.50 Reinw. Kammgarnserge marine u. schwarz, 105 cm, Mtr. 65.Reinseidener Taft schwarz u. farb. doppeltbr. Mtz. 69.Wirkwaren Herren- Beinkleid wollgemischt, normalfarbig... 36.Damen- Hemdhosen weiß Baumwolle, feingestrickt..... 33.Kunstseid Kragenschoner glatt oder gestreift..... Lederwaren Aktenmappe 27.Rindleder mit Handgriff 78.Leder- Handtasche St. 79.50 für Damen.... 43. Nr. 13 Groß- Berlin Bezirksorganisation Berlin- Stadt Am Dienstag, den 11. Januar, abends 6% Uhr, findet in Büttners Festsälen, Schwedter Str. 23, die Bezirisgeneral versammlung statt. Tagesordnung: 1. Die politische Situation und die Landtagswahlen( Referent Genosse Rudolf Hilferding); 2. Aufstellung der Kandidaten. DeTegiertenkarte und Mitgliedsbuch legitimiert. Die Geschäftsleitung. Jugendliche Räuber" Das„ Acht- hr- Abendblatt" vom Mittwoch meldet unter der Ueberschrift:„ Jugendliche Räuber" die Taten von drei jungen Menschen, die auf Abwege geraten find. Mit latonischer Kürze beginnt die Meldung: 2. Beilage zur„ Freiheit" Beispiel Herr Dr. S.: Im großen und ganzen fann ich mich der Wahrnehmung nicht verschließen, daß der Ernährungszustand der Kinder, besonders der Mittelstufe, fich bet Entkleidung in einer großen 3ahl von Fällen allmählich als zurüdgegangen erwies." Vergessen wir zum Schluß Herrn Dr. Wolff nicht, der das Folgende zu sagen weiß: Beichen von Unterernährung famen nur n vereinzelten Fällen vor; dann lag es aber an den Müttern, die aus 3eitmangel oder auch aus sorgten." Es fehlt nur noch, daß einer der Herren die Arbeiter Gleichgültigfeit nicht in gehöriger Weise für ihre Kinder finder beschuldigt hätte, daß sie aus Boshett oder Begehrlichkeit verhungerte Gesichter schnitten, um den Feinden des Landes VorSchub zu leisten. 3m ganzen bieten die Berichte für den, der fie richtig zu lesen weiß ein tieftrauriges Bild: Sungernde Kinder, in Ichwerer 3eit von ihren berufenen Anwälten elend im Stich gelassen! Wenn eine Wenderung der hier in Frage kommenden Verhältnisse dazu Gelegenheit gibt, so sollte man sich an den betreffenden Stellen der paar Schulärzte erinnern, die ehrlich über die ihrer Obhut anvertrauten Rinder berichtet haben. Die andern freilich sollte man, in einem anderen Ginne, auch nicht vergessen! Wohnungsfürsorge in Charlottenburg Schlechte Familienverhältnisse, mangelnbe Aufsicht und Schundliteratur hatten drei jugendliche Taugenichtse im Alter von 13 bis 15 Jahren zu einer richtigen Räuberbande zusammengeschlossen, die eine Zeitlang den Schrecken der Geschäftsinhaber und Laubenkolonisten von Schöneberg und Wilmersdorf bildete und sich durch Einbrüche die Mittel zu einem angenehmen Leben verschaffte. Die Bur schen stahlen, was ihnen unter die Finger tam: Nahrungs- Wohnzweden nugbar gemacht werden. Ferner wurden 124 Bamittel, Geld usw." In den drei Anfangsworten sind mit aller münschenswerten Deutlichkeit die wesentlichsten Ursachen für viele, viele solcher Vortommnisse ausgedrückt. Betrachten wir sie näher. Schlechte Familienverhältnisse. Der ältere Bruder, der von seinem Lohn mit abgab, daß die Familie genug zum fümmerlichen Proletenleben hatte, im Felde gefallen. Der Vater seit Monaten arbeitslos, die Mutter trant. Die ganze Familie hauft in einem elenden Loch von Wohnung", aus dem sich der jüngere Bruder ftündlich heraussehnt und fortstiehlt, wenn er nicht darf. Nicht satt zu essen, tein Berständnis für die seelische Be Schaffenheit des jungen Menschentindes im Alter der genannten ,, jugendlichen Räuber", im Alter des Sin- und Hergeworfen werdens im Inneren, im Alter der beginnenden Geschlechtsreife. Die erste Vorbedingung für das, wie sich die, ach so moralische! bürgerliche Welt ausbrüdt, Auf- bwege- geraten ist gegeben. Mangelnde Aufsicht. Das hängt mit dem ersten zu= sammen, ist aber falsch, nämlich zuchthausmäßig ausgedrüdt. Ein junges Menschenfind braucht teine Aussicht", keinen Drud von außen, sondern eine Stärtung seiner seelischen Widerstandstraft von innen! Braucht Eltern, die ihn über die Vorgänge in seinem Körper belehren können; denn nicht ein Moralisieren, nicht ein Befehlen überzeugt, sondern ein verständnisvolles Aufflären. Das erfordert aber weitgehende Kenntnisse der Eltern, die nach der Klassenlage des Proletariats zwar von einzelnen Arbeitern er worben, aber nicht von den Arbeitereltern in ihrer Gesamtheit gefordert werden können. Schundliteratur. Dieses hängt wieder mit dem zweiten und ersten zusammen. Welche Eltern fönnen ihre Söhne dieses Alters literarisch beraten, welche tönnen ihnen Lesestoff nennen, der für die Jugend ebenso anziehend, aber von guten Wirkungen ift? Gerade beim Kapitel Shundliteratur zeigt sich aber auch bie ganze Ohnmacht der tapitalistischen Gesellschaft, ihre eigenen Schäden zu beseitigen. Was für ein Kampf ist nicht von Lehrern und Reformern gegen diese Erscheinung geführt worden! Ergebnis jedes Stampfes gegen jeden Schaden der göttlichen Weltordnung gleich Rull, solange noch ein Kapitalist aus diesem Sahaben Profit schlägt. Schlechte Familienverhältnisse, mangelnde Aufsicht und Schund literatur. Wie viele junge Menschenkinder werden diese drei Schicksalsschweren Folgeerscheinungen unserer famosen Weltordnung noch ins Elend stoßen? Rinderelend und Schulärzte Bon Rinderelend und hungernden Kindern hört man jetzt dauernd sprechen. Auch in den Beröffentlichungen des Reichs gefundheitsamts kann man von hungernden Kindern lesen, freis fich erst seit Neujahr 1919. Borher las man es ganz anders. In ben Beratungen des Hauptausschusses hat im Reichstage der Genosse Kunert darauf hingewiesen, daß der Präsident des Reichsgesundheitsamtes noch im Jahre 1918 im Barlament sich dahin äußerte, Deutschland tonne ben Krieg ohne Erschütte rung der Boltsgesundheit überstehen. Damals sollen amiliche Stellen die Aerzteschaft angewiefen haben, den Kranten zu eröffnen, daß nach neueren Feststellungen der Wissenschaft Eier und Milch dem Körper eher schädli als zuträglich[ eien! Es gibt leider noch andere Bertreter der öffentlichen Gesundheitspflege, die sich damals anscheinend im Sinne solcher Art Wissen schaft verhalten haben und die gleich dem Herrn Präsidenten Dr. Bumm als moralisch erledigt gelten sollten. Bor mir liegt der Bericht über die Tätigkeit der Berliner Schulärzte im Jahre 1917/18. Man vergegenwärtige fich die Zeitvers hältnisse: Stehschlangen" vor den Roßschlächterläden; am Viehhof standen die einzelnen Glieder von Arbeiterfamilien abwechselnd von sechs Uhr abends an, um am nächsten Mittag eine Bezugs tarte für Freibantfleisch zu erhalten; in den Markthallen ber Arbeiterviertel lange Reihen von Frauen vor den Kohl- und Rübenständen; aus so vielen Gesichtern grinste der Hunger; Eſſen und Nahrung find der allgemeine Gesprächsstoff Wer aber diesen Jahresbericht der Berliner Schulärzte durchlieft, bem drängt sich fast der Einbrud auf, als ob ausgerechnet der Dr ganismus der Kinder gegen die Schrecken jener Zeit gefeit gewesen sei. Von den einundvierzig Berichten wissen zwölf von einem Einfluß der sonst mehrfach fonstatierten schlechten Ernährungsvers hältnisse überhaupt nichts zu sagen. Wenn man als Lehrer o Tag für Tag das Elend vor fich fab und in der Schularbeit feinen hemmenden Einfluß foüren mußte, wie herzerfrischend mutet es da an, einen Schularzt über jene Zeit also beginnen zu hören: Der Schulhof einiger Saulen ist asphaltiert und darüber mit Kies bestreut, der natürlich bald zu feinem Mehl getreten wird." Ja, ja, das feine Mehl! Leider nur Ktesmehl! echzehn Berichte sprechen fich in günstigem Sinne über den Ges Nicht weniger als sundheitszustand der Kinder aus. So Herr Dr. B.:„ Der Gesundheitszustand der Kinder war im Berichtsjahre recht befriedis gend." Serr Dr. U.:„ Troß der schwierigen Ernährungsverhält nisse des 4. Kriegsjahres bewahrten die Kinder meistens ein ge= sundes, wohlgenährtes Aussehen." bewahrten fie es nur bis zu den Novembertagen 1918! Warum Seltsamerweise wohl, Herr Dr. U.? Herr Dr. H., der im Berliner Often mit seiner Arbeiterbevölkerung zwei Schulbezirke verfah, tezeichnet den Gesundheitszustand der Kinder als durchschnittlich befriedi gend" und im zweiten Berichte gar als durchweg günstig". Die Schulärzte unterstehen der Städtischen Schulbeputation. Deren Vorsitzender, Herr Dr. Fischer, beruhigte damals das bürgerliche Gewissen im„ Berliner Tageblatt" mit dem Hinweis auf die träftige Kost der Kindervollstüchen- und Massenspeisung" Diesem Verfasser von Religions- und Erbauungsbüchern hätte immerhin etwas mehr Mitgefühl leidenden Mit menschen gegenüber angestanden. Er selber dürfte ja wohl auf diese kräftige Kost" nicht angewiesen gewesen sein. Rur dreizehn Berichte fennzeichnen den Einfluß der Ernährungsverhältnisse als ungünstig, zum Teil allerdings in recht porsigtiger Form. 3um Das Charlottenburger Wohnungsamt veröffentlicht einen Be richt über seine Tätigkeit im verflossenen Jahre. Danach wurden zur ersten Linderung der Wohnungsnot 331 Notwohnungen in Privathäusern und städtischen Gebäuden( Schulen, Bureauhäusern) geschaffen. Vorübergehend mußten sogar Schultlassen radenwohnungen, 128 Wohnungen- Halbmassivflachbauten in der Mollwig und Sömmeringstraße und 136 Wohnungen Massivflachbauten in der Niebuhrstraße errichtet. An Massivdauerbauten konnten nach Verhandlungen mit Privaten und Baugesellschaften der Rohbau Nordhausener Straße 10 mit 25 Kleinwohnungen vollendet und die Siedelung Neu- Westend, nördlich des Bahnhofs Heerstraße, mit 48 Einfamilienhäusern erbaut werden. hofes Heerstraße, die 52 Häuser für Beamte und Lehrer schaffen Der Bau der Siedelung Heerstraße, südlich des Bahnwill, wurde in Angriff genommen. Hier handelte es sich aber nicht um klein wohnungen für Minder bemittelte, sondern um Eigenheime für vermögende Beamte und Lehrer mit großen Zuschüssen der Stadt, weshalb die Unabhängige Franttion sich seiner Zeit auch gegen die Ausführung dieses Projekts in der Stadtverordnetenversammlung ertlärte. Für 3 wangseinquartierungszwede wurden 1545 fi als für eine Aufteilung geeignet, während in einer größeren übergroße Wohnungen besichtigt, ein Teil von ihnen zeigte Anzahl von Fällen die Zuweisung von wohnungsuchenden Familien oder Einzelpersonen einer Wohnungsteilung vorzuziehen war. Eine beträchtliche Zahl von Teilwohnungen ist bereits von der städtischen Hochbauverwaltung fertiggestellt. 47 Wohnungen wurden aus privaten Mitteln als Ersatz für entzogenen Wohnraum geschaffen. Insgesamt sind seit Jnangriffnahme der Wohnungen fertiggestellt. nungsbeschaffung durch das Wohnungsamt 909 neue Woh Es gelang außerdem, trog ungenügender Unterstützung durch die Reichs- und Landeszentralbehörben, rund 2200 Räume von Behörden und Kriegsgesellschaften für Wohn amede frei zu machen. Weiter wurden 1630 leere Räume, 56 möblierte Zimmer und 25 polizeilich geschlossene Bars und Dielen beschlagnahmt und Wohnungsuchenden oder Gewerbetreibenden zugewiesen. Die öffentliche Bewirtschaftung von Wohn- und Geschäftsräumen machte die Wohnungszuweisung von einer besonderen Prüfung dez Dringlichkeit abhängig. Von rund 16 000 Antragstellern fonnten einschließlich der 2100 vom Wohnungsverband Groß- Berlin überwiesenen Flüchtlinge und Beamten 5500 in die Dringlichkeitsliste aufgenommen werden, auf Grund deren dann 2500 Wohnungen zugewiesen wurden. Im Interesse der Wohnungspflege wurden 820 Wohnungen tober ist das Charlottenburger Wohnungsamt mit seinen rund untersucht und das Erforderliche veranlaßt. Seit dem 1. Ot 140 Beamten und Angestellten zu einem Bezirkswohnungsamt von Berlin geworden. Die Neuorganisation ist aber über das Stadium der Vorbesprechungen noch nicht hinausgekommen. Auch dieser Bericht gewährt einen Einblid in das große Wohtämpfung. Ganz besonders ungenügend ist das Ergebnis der nungselend und die unzulänglichen Mittel zu seiner Be Zwangseinquartierung. In Charlottenburg gibt es eine Unzahl von übergroßen Wohnungen, hier scheint mit viel zu fanfter Hand vorgegangen worden zu sein, so daß die ungenügenden Ergebnisse nicht Wunder nehmen. Das muß jet anders werden. Die Wirtschaftlichkeit der Straßenbahn Der Verwaltungsrat der Berliner Straßenbahn hat sich unter dem Borsiz des Herrn Stadtbaurats Dr.- Ing. Adler in seiner legten Sigung erneut mit der Wirtschaftslage der Berliner Straßenbahn beschäftigt und die Frage einer weiteren Tariferhöhung erörtern müssen. Es handelte fich zunächst nur um eine Borberatung, bei der verschiedene Tarifmöglichkeiten besprochen wurden. Erörtert wurden die folgenden: 1. Einheitstarif für Fahrten auf dem gesamten Nek für 1, M, jedoch mit der Maßgabe, daß für alle Fahrten, die auf den außer halb des Eisenbahn- Vollringes liegenden Streden begonnen und beendet werden, der Fahrpreis nur 80 Pf. beträgt. Daneben wären Umsteigefahrscheine mit einmaliger Umsteigeberechtigung zum Preise von 1,30 M oder 1,50 M auszugeben. 2. Die zu 1 vorgesehene Ermäßigung für Fahrten in den Außen bezirken wäre lediglich auf die Streden er bisherigen Spanbauer, Copenider und Heiligenseer Bahn sowie auf die noch hinzutommenden Teltower Kreisbahnen zu beschränken. 3. Eine Umsteigeberechtigung wäre nicht zu gewähren, sondern lediglich die unter 2 vorgesehene Breisermäßigung für Fahrten auf den bisherigen Außenbahnnetzen zuzulassen. Die Mitglieder des Verwaltungsrates übernahmen es mit ihren Fraktionen, wegen der verschiedenen Tarifmöglichkeiten Fühlung zu nehmen, so daß die in her nächsten Woche zusammentretende Berlehrsdeputation in der Lage sein wird, fich endgiltig vorbehaltlich der noch erforderlichen Beschlußfassung des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung schlüssig zu machen. Eine reinliche Hauswirtin Uns wird geschrieben: „ Die Ehefrau des Händlers Hermann Steinert, Frau Hen riette Steinert, Eigentümerin des Hauses Kiautschoustr. 1, steht mit allem, was irgendwie mit Hygiene oder sauberen Ver hältnißen in ihrem Mietshause zu tun hat, auf dem Kriegsfuße. In diesem Hause wohnen 38 Familien, die sämtlich pünktlich ihre Miete entrichten; verschiedene davon zahlen Zuschläge von meit über 20% der Friedensmiete. Man Lönnie also der Auf faffung sein, daß in diesem Hause zum mindesten von den laufenweitem nicht der Fall. Im Gegenteil läßt diese Dame die ein den Müllentleerungen usw. alles erlebigt wird. Das ist aber bei Sonntag, 9. Januar 1921 fachsten und notwendigsten gesundheitlichen Einrichtungen volls tommen verfallen. Nicht einmal die Entleerung des Mülltastens wird vorgenommen! Seit Monaten liegt der Schmu auf dem Hofe, in den immer ein Loch nach dem anderen ges graben und angefüllt wird. Es ist tein Wunder, wenn der Hof des Grundstücks zu einem Bazillenherd schlimmster Ordnung ge worden ist. Die gnädige Frau stört das allerdings nicht, da sie porn wohnt. Umjomehr leiden darunter die Familien, in deren Fenster die lieblichen Gerüche steigen. Das geschieht natürlich nur, damit die Sausagrarierin das Abfuhrgeld sparen tann. Diese Schweinerei, so tann man es wohl ruhig nennen, genügt aber der Dame noch nicht. Sie bezahlt auch das Wassergeld nicht, wovon die Folge ist, daß das ganze Haus schon mehrere Tage ohne Wasserzufuhr bleibt. Drei Tage hat man sich das mit angesehen, aber jetzt, wo mehrere Krankheitsfälle find, muß jeder Mieter nach dem Nordhafen gehen, um dort Wasser zu holen. Denn die Straßenpumpe in der Tegeler Straße liefert nur ganz unbrauchs bares gelbes Wasser. Ebenso geht unter den Mietern das bei einer solchen Handlungsweise der Hauswirtin verständliche Gerücht um, daß auch der Schornsteinfeger nicht mehr fegen fommt." Wir wollen hoffen, daß es genügen wird, wenn diese im wahr. ften Sinne des Wortes reinliche" Hauswirtin öffentlich an den Branger gestellt wird. Es scheint fast, als ob der Uebermut der Sausagrarier, der höchstens noch durch ihre Profitfucht übers troffen mird, gar feine Grenzen mehr fennt. Es sind heute durch Unterernährung und durch die ganzen sozialen Verhältnisse, in benen die Bewohner der Mietstasernen zu leben gezmungen find, schon alle Vorbedingungen für die Berbreitung epidemischer Krant heiten gegeben. Um so mehr müßten sich Mittel und Wege finden, um derartig gewissenlose Hausverwalter mit allem Nachdruck zu zwingen, den selbstverständlichsten gesundheitlichen Anforderungen nachzukommen. Arbeitersport Spiele der Märkischen Spielvereinigung am Sonntag, den 9. Januar, nachmittags 2 Uhr: Brandenburg 02: J.B.C. in Lichtenberg, Hauffftr. Schöneberg: Herta in Schöneberg, Jugendheims play. Weißensee: Oberspree in Weißensee, Rennbahngelände. Vittoria Pantow in Tempelhof, Kaiser- Wilhelm- Straße. Germania: Fichte in Weißensee, Rennbahngelände. Astania: FrischFrei in Copenid, Marinstraße. Minerva: Rüstig in Borsigwalde Teutonia: Allemania in Berlin, Schönhauser Allee( Ererzier play). Alt- Glienice: Jahn- Treptow in Alt- Glienide, Kiesberge. Lustig- Fid: Neu- Zittau in Rudow, Köpenider Str. Senzig: Gr schulenweg, Fichteplak Groß- Berl. Straßb.: Teutonia in Berlin, Besten in Senzig. Fichte 14: V. F. B. Lichtenberg in BaumTempelhofer Feld. Fichte GOV. F. B. Friedrichshagen in Baumschulenweg, Fichteplak. Eintracht 15: Lichtenberg II. in Baumschulenweg, Forsthaus- Allee. Kaulsdorf: Treptom- Süd in Raulsdorf. Mahlsdorf: Fredersdorf in Mahlsdorf, Grunower Straße. Ludens Dabendorf: Lantwit in Dabendorf- Alt. walde III: Stern in Ludenwalde, Berfenbrüder Str. Fichte Süb: Potsdam, Tempelhofer Feld( Einsame Pappel). M. S. C.: Teltow- Zehlendorf in Mariendorf, Kaiser- Ece Rathausstraße. Brandenburg: Steglitz in Brandenburg a. 5., Musterwiese. Lichtenrabe: Trebbin in Lichtenrade, Leopoldstr., vorher Spiele der II. Mannschaften. Frau Dr. Went fährt Auto. Einen höchst bedauerlichen Unfall, der sich bei einer Autofahrt eines städtischen Autos zugetragen hat, benußt die bürgerliche Presse zu einer ebenso albernen als unberechtigten Hege gegen die Stadträtin Genoffin Dr. Weyl. Es heißt in der Korrespondenz, aus der diese Meldung entnommen ist, daß die 68 Jahre alte Puhmacherin Möbius aus der Lübbener Straße 2 am Heiligabend an der Stralauer Allee von einem Straftwagen erfaßt und überfahren worden sei. Gię trug so schwere Kopfverlegungen davon, daß sie auf der Rettungsstelle in der Warschauer Straße starb. Wie uns in dieser Angelegenheit befannt geworden ist, bedauert selbstverständlich auch die Genossin Dr. Weyl diesen Unfall auf das lebhaftefte. Sie hat aber das Magistratsauto mit zwei anderen Amtspersonen benutzt, um zu einer Weihnachtsfeier zu gelangen, der fie in ihrer Eigenschaft als Stadträtin beiwohnen mußte und deren Beginn sie sonst nicht mehr erreicht hätte. Die Genossin Dr. Meyl hat den Wagen des Mas gistrats mit demselben Recht benutzt, wie ihn früher und jetzt an Dere Magistratsmitglieder benutzen. Es entspricht ganz der geis stigen Verfassung der bürgerlichen Presse, aus diesem bedauerlichen Bortommnis eine derartig geschmacklose Seße zu machen. Heizkostenanteil. Das Wohlfahrtsministerium teilt mit: Ente gegen anders lautenden Meldungen wird mitgeteilt, daß nach dem Beschluß des Wohnungsverbandes Groß- Berlin, der von den Vermietern zu tragende Anteil an den Kosten für Heizung und Warmwasserversorgung ein Zehntel beträgt. Eine Abänderung dieses Beschlusses, die durch den Magistrat Berlin zu erfolgen hätte, ist bisher nicht bekannt geworden. Echöneberg- Friedenau. Montag, den 10. Januar, abends 7% Uhr, Neues Rathaus, Sigung der Bezirks- und Stadtverord neten mit der Komm. Kommission. Waffenfuche am Kurfürstendamm. Im Westen Berlins wurde gestern vormittag erneut eine Durchsuchung von Häusern nach Waffen veranstaltet. Ein großes Aufgebot von Beamten der Schußpolizei umstellte um 9 Uhr morgens den Häuserblod, d non dem Kurfürstendamm, Olivaerplay, Xantener Straße und Brandenburgische Straße begrenzt wird. Dann erfolgte eine ge naue Durchsuchung der Wohnungen. H7 Festnahme von Kriegsmillionären. Samburger Spritinteressenten lentien die Aufmerksamkeit des Hamburger Finanzamtes und der Wucherabteilung der dortigen Polizeibehörde auf die unwirtschaftliche und wucherische Tätigkeit des Agenten Martin Cohen, Hohenzollerdamm 27, und seines Compagnons Avellis, Sybelstraße 55. Beide nutten ihre im Heimat- Kriegsdienst" gewonne nen Beziehungen zu Behörden für persönliche und geschäftliche 3mede aus, indem sie sich insbesondere bei der Verwaltung des Reias Branntweinmonopols als Handelsanwälte einschlichen. Außerdem betätigte sich Cohen aber noch dadurch, daß er SpritAgentengeschäfte auf eigene Rechnung durchführte, ohne im Besiz der erforderlichen Großhandelserlaubnis zu sein. So erhielt er 3. B. von den Regierungsvertretern der Tschecho- Slowakei für die Bermittelung eines Spritvertaufs von 12 Millionen Litern an das Monopolamt eine Provision von mehreren Hunderttausend Mart Ueber die ihm für feine Agententätigkeit zugeflossene Provision sind übersichtliche Buchungen nicht vorhanden. Da er pro Liter der von ihm bearbeiteten" Spriteinfuhren- Freigaben und Ankäufe 1-5 M. gezahlt erhielt, so beläuft sich der von ihm erzielte Gewinn auf viele Millionen. Seine fürstliche Wohnung am Hohenzollerndamm 27 weist u. a. eine Gemäldegalerie auf, deren Wert Cohen auf 650 000 m. angibt. In Homburg v. d. Höhe hat er ein Sana torium, in Wannsee eine wertvolle Billa für 450 000 bzw. 750 000 Mart erworben. Kostbare Schmuckgegenstände für seine Frau, ein Reitpferd, das sogar während seines legten Aufenthaltes in Kissingen dorthin transportiert werden mußte(!), zwei Lutusautomobile, ein Guthaben von zwei Millionen Mart in Holland, der Ankauf des Hauses Hohenzollerndamm 27 und ein überaus verschwenderischer Lebensaufwand weisen auf die Großzügigkeit hin, mit der Cohen das gewonnene Geld auszugeben verstand. Die von ihm erzielten Gewinne unterliegen der Einziehung. Aus dem Grunde haben Vertreter der Wucherabteilung der Hamburger Bolizei und, zur Wahrung steuerlicher Interessen, auch der Finanzbehörden, unter Mitwirkung von Beamten des Landespolizeiamis, in den letzten Tagen die nach Millionen zählenden Wertgegen= Stände und Bantguthaben nicht nur des Cohen, sondern auch seines Sozius Avellis, der im letzten Jahre einen anteilmäßigen Gewinn Don nur" 1% Millionen Marf erzielt hat, beschlagnahmt. Sie wurden wegen Wuchers in Untersuchungshaft genommen. 3weddienliche Mitteilungen für Berlin nimmt das Landes polizeiamt beim Ministerium des Innern in Berlin- Schöneberg. Gothaer Str. 19, entgegen. Aus den Organisationen 2. Diftrift. Montag, abends 7 Uhr, Mitgliederversammlung in der Ballas traße 15, in der Aula. Tagesordnung: Wahl der Delegierten. Aufstellung der Kandidaten zur Landtagswahl. 3. Diftritt. 2. Abteilung. Dienstag, 11. Januar, 7 Uhr, Bezirtsführerßigung bei Maaß, Bergmannstr. 97. Mitgliedsbuch ist mitzubringen. 3. Dijtritt. Montag, 6½ Uhr, außerordentliche Generalversammlung in ber Echulaula Wilmsstr. 10. 5. Diftritt. Montag, abends 7 Uhr, Mitgliederversammlung in der Schulaula, Brinzenstr. 51. Tagesordnung: Die fommende Landtagswahl". Kandidaten aufstellung. Mitgliedsbuch legitimiert. 8. Diftritt. Montag, 10. Januar, abends 7 Uhr, Funktionärtonferenz Schulaula, Rigaer Str. 81( Graues Haus). 9. Diftritt. Montag, 7 Uhr, Generalversammlung in der Mula ber Oberrealfoule Pasteurstraße. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Landtagsabgeordneten Leid: Unsere Aufgaben bei der Landtagswahl". 10. Distritt. Funktionärversammlung Montag, 7 Uhr, bei Büttner, Schwebter Straße 32. 13. Diftritt. Bildungskommission. Sigung am Montag, 7% Uhr, Gleimstr. 56 bei Pietsch. 13. Ditritt. Montag, 10. Januar, abends 7 Uhr, Diftritts- Konferenz bei Gliesche, Kopenhagener Str. 74. 15. Diftritt. Montag, 10. Januar, 7 Uhr abends, Diftriftskonferenz bei Krüger, Butligstr. 10. Erscheinen sämtlicher Funktionäre notwendig. 17. Diftritt. Montag, 6½ Uhr, Funktionärtonferenz bei Abraham, Norbufer 10. Bezirtsorganisation Berlin- Stadt. Die Distritte werden ersucht, morgen, im Laufe des Tages die Mitteilungsblätter vom Bureau, Breitestr. 8-9, abzuholen. Die Geschäftsleitung. Lichtenberg. Unsere Distriftstonferenz findet am Montag, 10. Januar, abends 7 Uhr, in der Mittelschule Marktstraße, statt. Tagesordnung: 1. Die Flensburger Vorgänge. Referent: Genose Rabolb. 2. Distusfion. 3. Organisationsangelegen heiten. Landagitation. Dienstag, 11, 3Januar, abends 6% Uhr, Sigung bei Robert Siewert, Kant Ede Schillerstraße. Erscheinen aller Genoffen unbedingt notwendig. Frauenarbeits- und Kinderschustommissions- Sigung am 11. Januar, abends 7 Uhr, im Gesangsaal Cäzilien- Lnaeum. Reutöln. Montag, 10. Januar, abends 7 Uhr, Funktionär- Bersammlung bei Kaffuhn, Ertstr. 8. Schöneberg- Friedenau. Montag, 10. Januar, abends 7% Uhr, Frauenleseabend bei Wernide, Ebersstr. 18. Wir bitten die Genossen um zahlreichen Besuch. Bantow. Montag abend 8 Uhr, Sigung der Landagitationstommiffion bel Chylla, Berliner Str. 118. Weißensee. Heute nachm. 5 Uhr, in der Aula bes Realgymnasiums MärchenLichtbildervorführung mit Sumor, Erzählung. Eintritt 50 Pig. Reinidenborf- West. Montag, 7 Uhr, im Boltshaus, Sigung der Geschäftsleitung und Mitglieder sämtlicher Kommissionen. Reinidendorf- Oft. Montag, 10. Januar, abends 7 Uhr, Sigung der Funktionäre im Restaurant Beder, Residenzstr. 130. Vereinskalender Zentralverband ber Angestellten. Fachgruppe 10 2a( Belzwaren): Geftionsvers fammlung am 10. Januar, abends 7 Uhr, in den Sophienjälen, Sophienstr. 17-18. Fachgruppe 146( Geldschrankfabriten, Schloffereien): Settionsversammlung am Fach 10. Januar, abends 7 Uhr, im Verbandslotal Belle- Alliance- Str. 7.10. gruppe 15a( A. E. G. Konzern): Seftionsversammlung am 10. Januar, abends Fachgruppe 17 2a( 31Uhr, in den Musikerfälen, Kaiser- Wilhelm- Str. 31. garetten- Industrie): Mitgliederversammlung am 10. Januar, abends 7 Uhr, Fachgruppe 13e( Verband- Zellstoffe): Neue Philharmonie, Köpenider Str. 96. Mitgliederversammlung am 11. Januar, abends 7% Uhr, in den Mujilersälen, Fachgruppe 17 1a- n( Nahrungs- und Genußmittel Kaiser- Wilhelm- Str. 31, Industrie und Handel): Fachgruppenversammlung am 11. Januar, abends 8 Uhr, Jugend- Gruppe( Abteilung im Restaurant Baul Mattausch, Brunnenstr. 140. Südwest): Mitgliederversammlung am 11. Januar, abends 7 Uhr, im VerbandsFachgruppe 17 26( Angestellte der sechs Tochter Total, Belle- Alliance- Str. 7-10. gesellschaften der Fa. Mener& Co.): Mitgliederversammlung am 11. Januar, abends 8 Uhr, in ben Sophiensälen, Sophienstr. 17-18. Deutscher Werkmeister- Bezband, Fachgruppe 29. Metallschrauben- Industrie. Generalversammlung am Dienstag, 11. Januar, abends 7 Uhr, im Lofal von Bran benburg, Berlin, Stralauerstr. 3. Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands. Am Montag, 10. Januar, abends 7 Uhr, Branchenversammlung der Zuschneider und 3wider bei Boefer, Weberstr. Nr. 17. Am Dienstag, 11. Januar, abends 7 Uhr, Branchenversammlung der Maschinenarbeiter im Marfushof, Martusftr. 18. Arbeiter- Elternbund, Gruppe Moabit. Sonntag, nachmittags 2½ Uhr, Ma rionetten- Theater für Jung und Alt in der Schulaula, 3wingliftr. 2. Erwachsene 50 Pfa., Kinder 30 fg. Reichsband der Kriegsbeschädigten, Bezirt 3 Süd- Ost. Montag, 10. Januar, in Schuhmachers Festfälen, Stalizerstr. 126, Hinterbliebenen- Versammlung. Deutscher Arbeiter- Abstinenten- Bund. Montag, abends 7 Uhr, Versammlung im Köllnischen Gymnasium Insel Ede Wallstraße. Bericht von der Bundes- Generalversammlung, Wahl der Beiliger zum B.-B. und anderes. Broletarischer Jugendbund für Kunst und Wissenschaft. Sonntag nachm. 3, 5 und 7 Uhr, im Gemertschaftshaus, Saal 1, Mag und Morig", Lichtbildervortrag für Kinder, Eintritt 60 Pfg. Deutscher Transportarbeiter- Berband, Seftion 1. Handelshilfsarbeiter und sarbeiterinnen aus allen Betrieben des elettrotechnischen Großhandels. Montag, 10. Januar, abends 5% Uhr, bei Wiemer, Bülowstr. 58, Branchenversammlung. Tagesordnung: 1. Lohntatifangelegenheiten. 2. Betriebsratsfragen. Tegtilbranche. Gruppe 8. Damenwäsche, Schürzen, Joupons, Tapiserien, tonf. Weißwaren. Am Montag, 10. Januar, nachm. 5 üht, bei Witte, Boststr. 29, Vertrauensmänner- Bersammlung und am 13. Januar, nachm. 5 Uhr, ebendort Gruppen- Bersammlung. Chemische Branche. Gruppe Dele und Fette. Dienstag, 11. Januar, abends Uhr, im Lofal von Brasser, Michaeltitchstr. 29, GruppenDersammlung. Settion 7( Wohnhausbranche). Montag, vorm. 10 Uhr, Streit persammlung. Tagesordnung: 1. Berichterstattung über den Stand der Bewegung. 2. Distuifion und Beschlußfassung. Mitgliedsbuch resp. Karte mit Streiffontrollfarte legitimiert. Lebensmittelkalender Groß- Berlin. Die Bevölkerung erhält mit den neuen Brotkarten im gesamten Gebiet der neuen Stadtgemeinde auch die Berliner Lebensmittelfarte mit den Abschnitten von Nr. 81 ab. Der Magistrat weist darauf hin, daß die Abschnitte der vorigen Karte von Nr. 76 ab noch aufgerufen werden, daß also die Abschnitte In dieser Woche vom 10. biefer( alten) Karte nicht vernichtet werben dürfen. bis 16. Januar gelangen auf den Abschnitt 76 der Groß- Berliner Lebensmittelfarte bezittsweise 250 Gr. frisches Rindfleisch mit Knochen oder 200 Gr. Büchsenfleisch zur Ausgabe, In der Woche vom 10. bis 16. Januar darf Brot nur auf das Stichwort Wald" entnommen werden. In der Woche vom 10. bis 16. Januar dürfen zur Boranmeldung für den Mehlbezug nur Abschnitte der Brotfarte mit dem Stichwort Wald" abgenommen werden. Brot auf die Karte mit dem Stichwort Wald" darf erst vom Montag, den 10. Januar ab verkauft werden. Berlin- Schöneberg. Bis 11. Januar Voranmeldung für 600 Gr. Kochmehl Jowie 50 Gr. Ganzeipulner. 1900 Gr. Brot,„ Wald", 200 Gr. bzw. 250 Gr. Fleisch, 1 Dose gezuderte, holländische Kondensmagermilch. Verkauf von Kommunalware: Herrenunterhosen, Herrenunterjaden, Futterstoff, Schürzenstoff, Blusenstoff, Anqugftoff, Molestin, Drell, Zwirnstoff, Kleiderstoff. Maco- Percal, Hembentuch( grau), Hembennessel, Barchend, Kindersweater, Monteuranzüge, Katihojen, Zuapenjaden, Korfeitschoner, Damentritothemben, Handtücher, Herren-, Damen-, Mädchen- und Kinderstiefel. Rentölln. In der tommenden Woche Neuverteilung von 250 Gr. Nudeln auf Abschnitt 78 ber Groß- Berliner Lebensmittelfarte. Charlottenburg. 250 Gr. Städt. Fleisch laut bes. Bekanntm. auf Abschn. 76. Bfd. Zuder. Brot und Mehlverf. Stichwort Walb". Die Restbestände an Sirup fönnen ab 2. Januar freihändig abgegeben werden. Im Januar erhalten die schwangeren Frauen vom vierten Monat ab 2 Pfb. Teigwaren, 1 Pfd. Weizens gries und 1 Bfd. Saferfloden. Bom vierten bis neunten Monat drei Büchsen Milch nach Borrat, zwei Büchsen amerikanische Bollmilch ohne Zucker und eine Büchse fondensierte Magermilch mit 3uder, zwei Büchsen Mumme- Malzertraft auf Grund besonderer Berechtigungstarten, die durch die Krantenernährungsabteilung unter Vorlage der üblichen Nachweise ausgegeben werden. Altglienide. 300 Gr. aust. Kochmehl, 250 Gr. Nudeln, 500 Gr. Maisfloden, 500 Gr. braune Bohnen, 500 Gr. Marmelade. Nährmittelfarten: 500 Gr. Safet floden. Kriegsbeschädigte: 500 Gr. Richenmest, 500 Gr. Saferfloden. Werdenbe Mütter: 1 Batet Haferkatao, 1 Dole Malzeɣtratt, 1 Paket Nährhefe. Alte Leute: 250 Gr. Küchenmehl, 500 Gr. Maisfloden, 1 Patet Hafe tatao. Brottartenstich wort Wald". Die Milchkarten für Februar liegen ab Montag, 10. Januar bereit. Berliner Bühnen- Spielplan Bom 9. bis 18. Januar Wechselnder Spielplan Deuts Staatl. Schauspielhaus: 8. Richard 3. 9. Die Sterne. 10. Der Kronpring. Staatl. Opernhaus: 8. Die Gezeichneten. 9. Boheme. 10. Margarete. fches Th.: 8., 9., 11., 12., 14., 15., 16. Cäsar und Cleopatra. 10., 17. Don Carlos. 13. Romeo u. Julia. Kammerspiele: 8., 9., 11., 12., 14., 15., 16. Florindo. Der Abenteurer und die Sängerin. 10., 13. Stella. 17. Die deutschen Kleinstädter. Leffing- Th.( allabendlich): Flamme. 14. Peer Gynt. Deutsches Opernhaus: 8. Carmen. 9., 12. Lohengrin. 10. Oberon. 11. Wilhelm Tell. 18. Jugen ( Ballett). 14. Die Waltüre. 15. Rigoletto. 16. Tosca. 17. Postillon von Lons tumenau. Boltsbühne: 8., 11., 15. Kabale und Liebe, 9., 10., 14., 17. Wallens teins Tob. 12., 16. Räthmen von Heilbronn. 13. Nach Damastus, 2. und 3. Zeil. Schiller- Th.: 8., 10., 13., 15., 16., 18. Der ehemalige Leutnant. 9., 12., 14. Neues Bolts- Th.: Der Biberpelz. 11. Nathan der Weije. 17. Don Carlos. 9., 13., 16. Amt Steinplay 456. 10. Major Barbara. 11., 12. Jugend. 14. Benson Schöller. 15. Nora. 17. Meister Anton. Rofe- Th.( allabendlich, außer 9. und Boltsbühne Norden: 11., 12. Pension Schöller. 13. 17.): Schneider Wibbel. Urania: 10. Winter i. d. Schweiz. 11., 13. Spanien. Maria Magdalena. 12. Sowjettugland. 14. Sjöne deutsche Stabt. 15., 16. Aegypten. Jeden Abend Großes Schanfpielhaus: Florian Gener. Dentices Künstler- Th.: Die Schef Th. i. d. Königgräber Straße: Salome. Romödienhaus: Die bungsreise. Sache mit Lola. Berliner Th.: Die spanische Nachtigall.- Kleines Th.: Der Die Kleines Schauspielhaus: Reigen. Selige. Lottchens Geburtstag. Trianon- Th.: Rammermusit. Tribune: Luftiger Abend. Refidenz- Th.: Laby Metropols Lustspielhaus: Die schwebende Jungfrau. Windermeres Fächer. Th Komische Oper: Baroneschen Sarah. Theater: Das Hollandweibchen. Th. am Rollendoriplag: Wenn des Westens: Der ersten Liebe gold'ne Zeit. Liebe erwacht. Reues Operetten- Th.: Yu- Shi tanzt. Thalia- Th.: bis 13. Friedrich- Wilhelmstädtisches Th.: Jhre Botschafterin Leni; ab 15. Mascottchen. Wallner- Th.: Der Geiger von Lugano. Zentral- Th. Hoheit die Tänzerin. Frau Bärbel. Th. in der Kommandantenitr.: Der verjüngte Abolar. Kasino- Th.: Der Fehltritt einer Frau. Luisen- Th.: Das Spreewaldmädel. Kammers Vor und nachmittags Staatl. Schauspielhaus: 9. Matinee. Nachm. Die Journalisten. [ picle: 16. Frühlings Erwachen. Leffing- Th.: 9. Frau Warrens Gewerbe. Deutsches Opernhaus: 16. vorm. Konzert. Nachm. Fledermaus. Boltsbühne: 8., 9., 16. Rabale und Liebe. Schiller- Th.: 9., 16. Der. Meineidbauer. 11. Der Neues Bolts Biberpelz. 12. Minna von Barnheim. 15. Nathan der Weise. Deutsches Theater: 9., 16. Nora. Großes Schauspielhaus: 16. Danton. Künstler- Th.: 9., 16. Bygmalion. 12., 15. Filifig der Simmelsschneider. Komödienhaus: 9. Th. in der Königgräger Straße: 9. Erbgeist. 16. Rausch. Kleines Th.: 9., Der Herr Minister. Berliner Th.: 9. Der letzte Walzer. 16. Die Pfarrhausfomödie. Tribüne: 9. vorm. Tanzmatinee Lore Sello. 9., 16. nachm. Bunbury. Trianon- Th.: 9. Der Roman einer Frau. Residenz- Th.: 9. Die Freundin. Luftspielhaus: 9. Renaissance. 16. Familie Hannemann. Komische Oper: 16. Der Raub der Sabinerinnen. Th. bes Westens: 9., 16. Die Frau im Sermelin. 12., 15. Gänseliesel. Th. am Rallendorfplay: 9. Drei alte Schachteln. 12., 13., 15. Mastenball. 16. Eva. Reues Operetten- Th.: 9., 16. Der Obersteiger. Thalia- Th.: 9., 16. Das Glüdsmädel. Friedrich- Wil helmstädtisches Th.: 16. Hans Sudebein. Wallner Th.: 9., 16. Eine Ballnacht. Zentral- Th.: 9. Heimat. Luisen- Th.: 8. Frau Holle. 9. Klein Däumling. 14. Aschenbröbel. 15. Dornröschen. Rafino Th.: 9., 16. Eine fibele Ehe. Berantwortlich für bie Rebattion: Emil Rabolb, Berlin. Bez antwortlich für den Inferatenteil: Ludwig Romeriner, Karlshorst.Drud der freiheit". Verlagsgenofienichaft reiheit" e. G. m 6. S.. Berlin. Truderi 6 m. b. 5., Berlin. Preite Stroke 9-0 1 Inventur- Verkauf bis 15. Januar Esders& Dyckhoff, Gertraudtenstraße 8-9 Stefan Esders, Kaiser- Wilhelm- Straße 55 Bernward Leineweber, Kölln. Fischmarkt 4-6 Peek& Cloppenburg, Gertraudtenstraße 25-26 Preise bedeutend herabgesetzt Herren- u. Knaben- Konfektion Gardinen Teppiche in engl. und Künstlergardinen Erbstill. Etamine mit Einfägen... Fenster mia. 75, 95, 110 auf Madrasgarnituren, Farben Fenster Mk. befte Qual. Lang- u. Halbstores, in Derich. eleganten Ausführungen Gardinenstoffe in märts 175 an Fenster Mk. 70, 100 bis 150 einfacher Breite 950, 12, 15 Mtr. Ma. JuventurRäumungsBerkauf! 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Januar 1921 Unterhaltungsbeilage der ,, Freiheit" Wenn ich von dem erkämpften Ruhm und ihre Seele genommen wird! Du fagft mit Unrecht, daß„ nur" der Helden leje lefe.. Bon Walt Whitman Wenn ich von dem erkämpften Ruhm der Helden lese und den Siegen großer Generale, so beneide ich die Generale nicht; Noch den Präsidenten in seiner Präsidentschaft, noch den Reichen in seinem Palast; Doch wenn ich von der Brüderschaft Liebender höre, wie es ihnen erging, Wie sie durchs Leben, durch Gefahren, Verdächtigungen, unverändert, lang und lang, Durch Jugendzeit hindurch, durch Mannes- und Greisenalter unveränderlich in Lieb und Treue sich zugetan blieben, Dann erfaßt mich Sinnen und schnell eile ich fort, erfüllt von bitterstem Neide. Berdienst du dein täglich Brot? Verdienst du dein täglich Brot? Oder verdienen andere es für dich, und wie behandelst du die, welche dein Leben leicht gestalten durch schwere Dienstleistungen für dich? Ist die historische Entwidlung", mit der du dich doch ents schuldigen willst, Grund genug, an den Dingen, wie sie nun einmal find, nicht ernsthaft zu rütteln? Wenn moralische Häßlichkeiten des Herren"-Menschen, des „ Kultur"-Menschen zur gedankenlosen Gewohnheit werden konnten gegenüber dem Diener, der Dienerin diese Menschen sind wie du!!, so mußte tommen, was tam: die Revolution. Menschen wie du, auch mit Eigenarten von der Mutter Natur beglüdt, die du unterdrüdstoder nicht? Menschen, die durch aus den sittlichen Trieb zum Arbeiten für die Allgemeinheit haben! Menschen, die aber auch durchaus den Selbst erhaltungstrieb und darüber hinaus, wie du, den Trieb zum Lernen, zum Erkennen und zum Genießen haben! Glaubst du, daß die seit vielen Generationen bei der dienenden Menschheit unterdrückten Anlagen unterdrückt durch deine Ahnen,„ Herren"-Mensch! so verfümmert sind, daß Revolu tionen nie anders für dich verlaufen tönnen als dieser nach deiner Meinung im Sande verlaufene Novembersturm von 1918? Der du gegen Entlohnung" die Leistungsfähigkeit der förperlichen oder geistigen Kräfte eines Mitmenschen für dich anspannst und ich rede hier besonders zur Hausfrau denke, daß du mit dieser Inanspruchnahme neben der„ Entlohnung" größere Verpflichtungen auf dich nimmst! Verpflichtungen für eine Seele, die Bedürfnisse hat, deren freie Befriedigung du dir gestattest die du aber bei deinem Arbeiter oder bei deiner Arbeiterin hemmst! Jst es anders? Hast du, liebe Schwester, so viel Ehrlichkeit, zu gestehen, daß du beine selbstgewählte Arbeit mit Freude in deinem Haus verrich test, hingegen die Arbeit, die dir keine Freude bereitet, deiner Dienerin überläßt? Die Dienerin verrichtet doch die unangenehmen Dinge mit ebenso unangenehmen Gefühlen für dich meist nicht, wie du wohl fagft, freiwillig" für Lohn sondern aus Angst vor der Not, dem Hunger usw.! zum 3wingst du den Arbeitnehmer nicht bente nach! Widerspruch, zur Rebellion- durch die ihm auferlegten Tätig teitsbedingungen oder durch den auch erkennbaren Endzwed der verlangten Tätigkeit? Wie reagierst du Herren- Mensch gegen die Einsprüche, die Auflehnung deiner Diener, denen du. Unrecht zugefügt haft? Saft du, Arbeitgeber, seit dem November 1918 von selbst einen Anlauf gemacht, dich aus deiner sittlichen Indifferenz herauszu bemühen? Wenn deine Arbeiterin streift, die beine und meine Schwefter doch ist, so doch nur, weil nicht genügend Rüdsicht auf ihren Leib ( 16. Fortsekung.) Ismer Erzählung von Julius Levin Die Hurras der Bevölkerung und der Soldaten wurden Stärker und stärker, je mehr sich der Zug dem Potsdamer Bahnhof näherte. Die Antömmlinge starrten aus großen Augen, aus deren Höhlen die Blide wie auf Raub ausflogen, auf das, was um sie war und geschah. Die Menschen tamen und gingen, wie wenn fein Krieg gewesen, sondern das Leben durch besondere freudige Ereignisse aus der gewöhnlichen Bahn gerissen worden wäre. Aus den Fenstern hingen Logar Fahnen. Man feierte einen Sieg an der Ostfront. Eine große Festung war eingenommen worden. Die Leute auf ber Straße Schwenkten wie Banner Zeitungsblätter, die mit vollen Sänden aus herantasenden Automobilen herausgereicht wurden. Man schrie einander den Namen des eroberten Plages zu. In den in der Nähe des Bahnförpers liegenden Biergärten erhob man die Gläser zum Gruße der Gäste, die glauben mußten, daß sich die Gesamtheit auf nichts anderes, als ihren Empfang vorbereitet hatte. Es mußte allen der Gedanke kommen, daß fie etwas Besonderes waren, und daß es am Ende seinen eigenen Sinn hatte, wenn die da zu Hause glücklich und vergnügt waren, während sie selbst dort braußen lagen in Not gegen den Tod, das Furchtbarste hörten, sahen und duldeten. Man lugte einander an, wie die Kinder einander vor der Weihnachtsbescherung einander anlugen, alle davon überzeugt, daß gerade sie das Schönste und Beste bekommen werden, und doch etwas eifersüchtig auf die ande ren, die womöglich ebensogut bedacht werden, wie sie selbst. Auf dem Bahnsteige war fein Mensch. Die Behörde hatte den Zutritt verboten. Vor der Sperre standen die Angehörigen und warteten. Feine Damen in neuen Kleidern, die Kinder in Begleitung von Erzieherinnen, Arbeiterinnen, Frauen aus dem Mittelstande in einfacher Tracht, alle mit Blumen in der Hand und einem erwartungsvollen Lächeln in den Augen, die sich durch die Menge der Antömmlinge hindurchschlichen, his fie beim Anblicke des Gesuchten zu leuchten begannen. Die Soldaten gehen schwitzig und mit den bestaubten hohen Stiefeln die Steine bearbeitend zum Meldeposten. Viele von ihnen winken schon den Ihrigen zu. Als Jsmer die Sperre durchschritt, suchten seine Augen zuerst vergebens. wirtschaftliche Vorteile vom Proletariat erstrebt werden seit dem November 1918. Urteilst du etwa nach deinem eigenen Streben? Die, die dir dienen, sehen im„ Lohn" nicht nur das Mittel zum Begetieren. Rein! Sie haben neben dem elementarsten Lebenswunsch auch das Wollen, ihre Kräfte zum Mitgestalten der Dinge frei zu verwenden! Dieses Gefühl, liebe Schwester, bie du, wenn auch nur in deinem engen Kreise, Arbeitgeberin bist, pflege als das höchste, was unserer Mitschwester, deiner Dienerin ebenso wie uns eigen ist. Wenn du Arbeit vergibst, so tuft du es doch immer zu deinem Rugen, nicht etwa um einem Mitmenschen eine Freude zu bereiten!! Weswegen also forberst du Erkenntlichkeit, Dankbarkeit, Unterordnung? Wenn dein Arbeiter diese Eigenschaften nicht heucheln würde, würdest du ihn wohl überhaupt beschäftigen? Du hast, was du für die Forderung dieser Eigenschaften. verdienst, erhalten: Revolution!, die nicht in der Narkose bleiben wird, wie du vielleicht vermeinst! Warum, Herrin", soll deine Arbeiterin in besonderer„ Achtung" zu dir hinaufsehen? Etwa, weil bein, deines. Mannes, deines Baters Geschäftsfinn dir Besiz und damit Genußmöglichkeiten ver schafft haben? Etwa, weil du deiner Dienerin, die dich dein tägliches Brot so angenehm genießen läßt, ihr tägliches Brot durch Kündigung eine Weile nehmen fannst, falls sie dir ihre Achtung verweigert? Etwa, weil du zufällig Arbeitgeberin für hunderte oder tausende Mitmenschen bist als große Gutsherrin oder Fa brifbefizerin? Du glaubst, das sei Berdienst?? Du; reiche Schwester, die vom 3ins ihres in guten Papieren" angelegten Vermögens lebt denfst du wohl nach über die Entstehung deiner Besizquellen? Oder, Schwester, glaubst du dich nur durch Brutalität existenzfähig halten zu fönnen? Dann ist es allerdings schlimm für dich und deine Gesellschaft". Für uns, die wir im Gegenteil uns fühlen in Gleichachtung, hat eure Brutalität nur treibende Kraft zur Vollendung der Revolutionierung, und nichts Schreckliches schreckt uns vor dieser Vollendung. Schwestern der befizenden Klassen, die ihr nicht ausgesprochene Kapitalistinnen seid, schließt euch der Gleichachtung aller Arbeitenden, unseren Mitbrüdern und Mitschwestern an und werdet ben bisher stiefmütterlich behandelten Menschenkindern aufrichtige Mitmenschen! Im Herzen der Frau liegt die größte Macht zum Einhalten an diesem seelischen Bergehen an unseresgleichen bie größte Macht zur Entwidelung der schwachen Keime neuer Institutionen. Eri Pepinsti Die Steuerschen der Junker Schon vor hundert Jahren Die preußischen Junter haben es fets veritanben, ben Staat auszunuzen, in Ariege hineinzuhehen und wenn es zum Zahlen tam, fich französisch zu verabschieden. Auch 1810, in ber 3eit, ba es Breußen faft so flecht ging wie heute, taten fie ihr möglich ftes, fich von Opfern für ihr Vaterland freizumachen. Am 28. Oftober 1810 erschien ein 2ugusteuergeset. Wie fich bie Junter barum zu drüden verstanden, bringt ber folgende Brief zum Ausdrud, dex Preußens größter Dichter, Heinri x Reift, in ben Berliner Abendblättern veröffentlicht hat. Bermutlich ist er nicht echt, fonbern eine fatirische Er findung aber in jebem Fall ist er charakteristisch für die Steuerfeu ber Junter, ble kleift auf diese Weise branbmarlen malte. Bruderherz! Was flagst Du doch über die neuesten Luxusteuern? Die Absicht und die Meinung, in der sie ausgeschrieben sind, lasse ich dahingestellt sein; sie ist eine Sache für sich. Die Auslegung aber tommt dem Publitum zu; und je öfter ich es überlese, je mehr überzeuge ich mich, daß es Dich und mich gar nicht trifft. Es ist wahr, ich halte zwei Kammerbiener und fünf Bediente. Saushofmeister, Kutscher, Koch und Kunstgärtner mit eingerechnet, beläuft sich meine Dienerschaft auf zwölf Köpfe. Aber meinst Du deshalb( denn der Satz im Editt pro Mann beträgt 20 Taler), daß ich 240 Taler an die Lurussteuerfasse entrichten würde? Mitnichten! Mein Gärtner ist, wie Du weißt, eigentlich mein Vize Emilie hatte sich in die Mitte der Wartenben gestellt. Als fie Jsmers ansichtig wurde, durchschnitt sie die Reihe ber vor ihr Stehenden, nicht ohne eine Anzahl Unzufriedener zu machen. * Jsmer eilte auf Emilie zu und füßte sie. Emilie gab den Kuß zurüd, indem sie errötete. Jsmer, der weniger auf ihre Gefichtsfarbe, als ihr Aussehen im ganzen geachtet hatte, fiel die Veränderung auf, und unter ihrem Eindrude verlor sich ein wenig die zutunliche Freundlichkeit, die zu zeigen er sich vorgenommen hatte. Na, Frauchen, wie is es gegangen? Jmmer munter rnb vergnügt?" sagte er aber doch und versuchte, so viel heiteren Ton in die Worte zu legen, wie es ihm irgend möglich war. ,, Gibt's bei Euch noch etwas zu essen? Man hört ja von ben Franzosen und Engländern, hier herrscht Hungersnot, und die Sperlinge fallen vor Entfräftung vom Dache." Ra, Blödsinn! So schlimm is es noch lange nich! Es fehlt an garnichts. Aber ein bißchen teurer is es geworden." So- o:... Gewiß das Fleisch." sagte Jsmer, um etwas zu sagen, das Emilie glauben machen konnte, er interessierte fich für diese Angelegenheit. Alles!" fiel Emilie ein, die den Gesprächsgegenstand offenbar liebte.„ Sogar Gemüse tostet mehr, besonders aber Schinken, das Pfund drei Mart, was sagst du?" ,, Das is' n bißchen happig!" Findest du auch?" ,, Na, und wie geht's denn der Marie?" " Ich weiß nich," antwortete Emilie ein wenig pitiert. ,, Siehst du sie nich von Zeit zu Zeit?" Ree! Gar nich mehr! Jhr Maurer is auch im Felbe. Er steht in Rußland. Sie weint sich de Augen plierig um ihn. Und Liebesgaben schickt se! Die Portierfrau hat es mir jesagt! Wenn der nich aus der Haut plagt!..." Jsmer fielen diese Worte ein wenig aufs Herz. Solange er im Felde gewesen war, hatte er fast nichts Rechtes von Emilie gehört, geschweige denn gar bekommen. Sie hätte sich doch an der Marie ein Beispiel nehmen tönnen. Bon Rechtswegen hätte er Emilie Vorwürfe machen fönnen. Aber er wußte, daß es nicht immer gut ist, alle Macht auszuüben, die man gerade befigt. Er biß sich daher ein wenig auf die Lippen und sagte nur: Se hat woll den Maurer noch immer sehr lieb, de Marie." " Das muß wieder ganz plöglich gekommen sein, denn furz bevor er abgezogen war, hat se ihn rausjeschmissen jehabt.. Und je verdient auch viel Jeld," sezte Emilie spizig hinzu. 800 9. Januar 1921 verwalter; der Koch, den ich bei mir habe, ursprünglich der Bäder des Drts; beide find nur nebenher Gärtner und Koch; der Kutscher, der Jäger auch, der Friseur nebst Kammerdiener and zwei Bediente sind, so wahr ich lebe, bloße Knechte: Menschen, die zu meinem Hofgesinde gehören und die ich, wenn es not tut, auf dem Felde oder im Walde brauche. Da nun das Edikt(§ IL 10. a) sagt, daß Leute, die nur nebenherdienen, mehr nicht als die Hälfte des Sages und Knechte gar nichts zahlen: so bleibt für mich nur der Haushofmeister und zwei Bediente als steuerpflichtig übrig: macht( à 10 Taler) 30 Reichstaler oder drunter. Ebenso, stehst Du, mit den Hunden. In meinen Ställen, die Wahrheit zu sagen, befinden sich zwei auserlesene Koppeln; Doggen die eine, echt englische, siebzehn an der Zahl; die andere besteht aus dreißig Jagdkleppern; Hühnerhunde, Teckel und dergleichen rechne ich nicht. Aber meinst Du, das Edikt sähe deshalb mich an mit 1 Taler pro Sund? Mitnichten! Diese Koppeln gehören meinem Jäger; und da das Editt(§ II. 10. b.) Hunde, die eines Gewerbes wegen gehalten werden, von der Steuer ausnimmt: so bleibt für mich nur als steuerverfallen ein Pudel von der nor= wegischen Rasse, ein Mops und der Schoßhund meiner Frau: macht( à Sund 1 Taler) 3 Taler, mehr nicht. Ein Gleiches gilt von den Pferden! 3war, wenn es Martt ist, fährt meine Frau mit den vier holsteinischen Rappen nach der Stadt; das schwarze Silbergeschirr steht den zwei jungen Apfelschimmeln nicht übel, und der Fuchs und Braune gehn gut, wenn ich sie reite. Aber meinst Du, daß dies darum durch die Bank Reit- und Kutschpferde wären, die ich mit 15 Talern pro Stüd zu versteuern hätte? Mitnichten! die Pferde, das weiß jedermann, brauch ich im Frühjahr und bei der Ernte; und da das Edift(§ II. 10. c.) von Gebrauchspferden nicht spricht: so prallt die Forderung auch hieher von mir ab, und ich zahle nichts. Endlich, was die Wagen betrifft! 3war die zwei englischen Batarben, die ich fürzlich getauft, werde ich, ob ich sie gleich in Kreisgeschäften zuweilen brauche, mit 8 Talern pro Stüd versteuern müssen. Aber den Halbwagen und die drei in Federn hängenden Korbwagen mit Berded? Mitnichten! Den Halbwagen, an dem ich kürzlich die Achse zerbrach, verbrenn ich oder verkauf ich; und von den Korbwagen beweis ich, daß ich vergangenes Jahr Heu und Strauchwert damit eingefahren und die Fahrzeuge mithin Ader- und Lastwagen sind. Mithin geht der Kelch der Lurussteuer auch hier an mir vorüber; und es bleibt außer den Batarden nur noch eine zweirädrige Jagokalesche übrig, die ich mit 5 Talern( denn mehr beträgt es nicht)(§ II. 10. d.) zu versteuern habe. Lebe wohl! Ein neues Verfahren farbiger Photographie. Der Photos phosifer Dr. Adolf Traube in München hat neuerdings ein Vers fahren farbiger Photographie erfunden, das er nach seinem eigenen Namen( Traube heißt auf lateinisch uva) Uvachromie be nannte. In München, Wien und an anderen Orten beginnt man jetzt die Uvachromerfindung praktisch zu verwerten. Die technische Grundlage der Erfindung ist. wie die Seemannsche Kunstchronik" berichtet, dieselbe wie die des Dreifarbendrudes. Das Gemälde wird nacheinander durch 3 Farbengläser, ein blques, Blatten werden Positive hergestellt, die in drei Farbbändern, finem ein gelbes und ein rotes photographiert. Nach den entwickelten blauen, einem gelben, einem toten, eingefärbt werden. Die dreifarbigen Emulsionsschichten aufeinandergelegt, zwischen sichernden Glasplättchen eingeschlossen, ergeben die richtige Farbenkomposttion des Originals. Zur Kontrolle wird mit dem Gemälde zugleich eine Farbtafel aufgenommen, an deren Schattierungen sich die Richtigkeit der Farben des Originals auch hinterher bei der Entwidlung nachprüfen läßt. Rach sachverständigem Urteil find die Vorzüge der Uvachromie gegenüber dem heute gebräuchlichen Lumière- Verfahren beträchtlich, besonders für die Herstellung von Glasbildern für den Lichtbilder Apparat, bei tunsts geschichtlichem Unterricht und dergleichen. Gerade dieser Unterricht fann gegenüber dem jezigen Wirtschaften mit farblofen, die Töne oft verfälschenden Lichthildern eine ganz neue Belebung erfahren. Das war die Meinung der Gelehrten und des Publikums bei einer Vorführung der Uvachromaufnahmen von Grünewalds Jsenheimer Altar in Wien und neuerdings auch in einem Kreise von Intereffenten in Berlin. Da es Emilie nicht entging, daß die letzte Bemerkung Jsmer unangenehm war, fuhr sie fort:„ Die Wäscherei geht jegt sehr gut. Manche Frauen, die früher selbst geplättet haben, geben jetzt die Wäsche in die Anstalt." " So, fo," sagte Jsmer darauf.„ Na, es is man schön, daß es ihr so gut geht... aber du plätt'st dir doch de Wäsche selbst?.. Na ob... wer soll se mir auch plätten? Aus dem Hause geben, dazu hab' ich doch kein Geld," antwortete Emilie im herben Tone, mit deutlichem Drucke auf das Wort„ ich". Jsmer fühlte, daß die schon, ohnehin etwas angegangene Stimmung ganz in Gärung kommen konnte. Er hielt daher mit einer neuen Frage Zwiesprache, ob er Sie herauslassen sollte, oder nicht, und entschied sich schließlich für die Einhaltung. Der Umstand, daß Emilie sich über ihre materielle Lage zwar nicht geradezu beschwerte, aber doch deutlich genug auf sie hinwies, gab ihm sattsam zu denken, und zwar nicht bloß für Gegenwart und Zukunft, sondern auch für die Vergangenheit. Es war Emilie offenbar nicht gut gegangen. Und er hatte sich mit dieser Möglichkeit gar nicht beschäftigt. Aber was hätte es auch für einen Zweck gehabt, sich damit zu beschäftigen? Für sie etwas zu tun, wäre ihm bei seinen Einfünften doch nicht möglich gewesen, und überdies hatte Emilie nichts angedeutet. Erst jetzt fiel Jsmer ein, daß Emilie, die er bis zum Kriegsausbruch wenigstens einigermaßen ernährt hatte, ohne jedes wirkliche Einfommen, außer der mageren Kriegerfrauen- Unterstützung, gelebt hatte. ,, Haben dir deine Eltern nicht einmal ein fleines Freßpaket gefchidt?" glaubte er zu seiner Beruhigung fragen zu sollen. ,, Das ja!" sagte fie, indem sie einen Schein von Heiterfeit über sich gleiten ließ.„ Aber lange reicht das auch nicht." " So taufen!" na... na tomm! Dann wollen wir etwas Ein wenig Geld hatte Jsmer in der Tasche, und ein kleiner Spargroschen fonnte noch zu Hause sein. Emilie, wie wenn sie ihre vorigen Worte ein wenig bes , Gott, das is gerade für'n Augenblick nich nötig," sagte bauerte. Anfluge von Humor in der Stimme. ,, Na, denn man los, nach Haufe!" meinte er, mit einem ( Forthegung folgt.) und andere INVENTUR Reftbestände Gelegenheitsposten VERKAUF kommen in fast allen Abteilungen ganz enorm billig zum Verkauf 20 Waggons Porzellan und Steingut Kompotteller goprest 135 Tassen Goldrand 265 Kaffeegeschirr 2750 9 teilig, für 6 Personen..... Terrinen.......... 2350 3350 365 Kartoffelschüssel 12501475 Saucieren...... Weiss Porzellan, extra billig: 473 Teller tief oder flach...... 750 Abendbrotteller 975 Kompotteller Zuckerschalen gepreset....... 375 Honigdosen gepresst..... Butterdosen gepresst...... Käseglocken gepresst... Dessertteller gepresst....... 275 Kompottschalen........ Honiggläser 65Pt. mitDeckel Waschgarnituren 4 teilig...... Teller tief oder flach. Vasen 2450 135 Schwarzwälder Handmalerei weit unter dem regulären Einkaufspreis 245 165 75PL. Obertassen Porzellan 145 675 Fehlern... 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Todesanzeige Den Kollegen zur Nachricht, baß unsere Kollegin, bie Arbeiterin Marta Schefter Rykeftraße 33, am 5, d. Mts. geftorben ift. Die Beerdigung findet am Montag, den 10. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle bes Bartolomäus Kirchhofes in Weißensee, Falkenberger Straße, aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf Dex Kollegen zur Nachricht, daß folgende Mitglieder verstorben sind: Die Arbeiterin Frieda Klessen Spandau, am 27. Desember 1920. Der Monteur Karl Wilczewski Spandau, Schönwalder Straße 19, am 31. p. Mts. Der Schweißer Wilhelm Rauh Simplonftr. 42, am 1. b. Mts. Ehre threm Unbenken! Danksagung Für die vielen Beweise heral. Teilnahme bei dem Ableben meines Reben guten Mannes und Baters Max Großfuß fage ich Allen meinen tiefgefühltesten Dank. Anni Großfuß u. So'n Westmanns Trauer- Magazin Große Auswahl. Billige Preise. 1. Mohrenstr. 37 ( Kolonnaden) 11.Gr.Frki.Str.115 ( nahe Andreasstr.) Auswahlsendung( of. Amt Zentrum 7890 Sonntags geschlossen. Die Ortsverwaltung. Statt besonderer Anzeige! Fir die heral. Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Tochter Helene Regels mann, geb. Bldg, spreche ich auf diesem Wege allen Berwandten, Freunden und Bekannten meinen beften Dank aus. Emil Plötz nebst Familie. Vereins- Saal ( ca. 250 Personen) für Sigungen, Feftlichkeiten unb Tang vergibt Orions Lichtspiele, Beuffelstr. ( früher Kino Beuffelstraße) Tätowierungen Muttermale, Leberflecke beseitigt schnell und sicher ohne Berufsstörung Tätoex 24 M. Apothek. Lauensteins Versand Spremberg( bausitz) 16 KON TINON Die quie MASARY MASSARY Zigarette urteilen Sie selbst! BERLINS POPULARSTE ZIGARETTENMARKE!