Einzelpreis 20 Pfg. 4. Jahrgang De Brethelt erscheint morgens und nachmittags, Gonntags and entage S einmal Der Bezugspreis beträgt bei freier Buftellung ins Haus für Groß- Berit 10, m. im voraus zahlbar, von der Spedition felbft abgeholt 8,50 M. Für Bofts beang nehmen fämtliche Bostanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifban bezogen für Deutschland und Österreich 16,50 m., für das übrige Ausland 21,50 m. gliglich Baluta- Aufschlag, per Brief für Deutschland und Österreich 30, Redaktion Credition and Berlag: Berlin 62, Breite Straße 8 Mittwoch, 12. Januar 1921 Nummer 18 Abend- Ausgabe De achtgefpaltene Nonpareillegelle ober beren Raum koket 6,-. einfchiteßlich Seuerungszufchlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2, W., jebes weitere Wort 1,50 M., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien Anzeigen und Stellen- Gefuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen Gesuche fn Wort- Anzeigen das fettgedruckte Wort 1,50.. jebes weitere Wort 1,- M Fernsprecher: Bentrum 2030, 2645, 4516, 4803, 4635, 4648, 4922 greiheit Berliner Organ Der Unabhängigen Sozialdemokratie Dentfchlands Die Begnadigung Vogels Der Einspruch des Staatsanwalts Staatsanwaltschaftsrat Dr. Ortmann hat gegen den Beschluß des Landgerichts, der die Freilassung Vogels anordnete, Einspruch beim Kammergericht erhoben, und nach dem 8 Uhr- Abendblatt" folgende Gründe angeführt: ,, Oberleutnant Bogel wurde vom Feldfriegsgericht der GardeKavallerie- Schüßen- Division wegen Begünstigung des Totschlages an Frau Luxemburg, wegen Erstattung einer falschen Meldung zu 2½ Jahren Gefängnis verurteilt. Dieses Urteil ist vom früheren Reichswehrminister Noste bestätigt worden, wo durch es Rechtstraft erlangte. Bor Verbüßung seiner Strafe ist Oberleutnant Bogel auf Grund eines falschen Ausweises nach Holland entflohen. In Holland vorerst interniert, wurde er Später auf freiem Fuß belassen. Der Amnestieerlaß vom 4. August 1920 hatte seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Grünspach, vers anlaßt, bei der Straffammer 3 des Landgerichts 2 das Ersuchen um Gewährung von Straffzeiheit zu stellen. Diesem Er fuchen hat das Landgericht 2 bekanntlich stattgegeben. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Ortmann erhob gegen diesen Be Schluß des Landgerichts 2 vom 23. Dezember 1920 Einspruch bei der Straftammer des Kammergerichts. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Ortmann erklärte, daß das Amnestiegejeg vom 4. August 1920 nur auf rein politische Bergehen anzuwenden wäre, aber nicht auf Verbrechen des Mordes und Totschlages und Teilnehmerhandlungen an diesen, worunter auch Beihilfe, An Stiftung und Begünstigungen fallen. Er beantragte bei der Straftammer die Verwerfung des Beschlusses der dritten Strafs fammer des Landgerichts 2. Die Atten sind am 7. Januar dem Straffenat des Kammergerichts vorgelegt worden. Der Sted brief gegen Oberleutnant Bogel wird aufrecht ethalten. Es wird angenommen, daß fig Oberleutnant Bogel sich noch in Holland befindet.( Nach unseren Informationen stimmt bas nicht! Die Red.) Was die übrigen Angeflagten im Prozeß Brozek Liebknecht- Luxemburg betrifft, so befindet sich der Sujar Runge im Moabiter Strafgefängnis; Leutnant Lippmann hat die verhängte Stubenarreststrafe bereits perbüßt. Die übrigen Angeklagten sind ja bekanntlich freigesprochen worden, unter ihnen auch der Hauptmann Pflugt Hartung, der im vorigen Jahre einem Attentat in Friedrichshagen zum Opfer gefallen ist. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft 2 in der Mordfache Liebknecht- Luxemburg gehen aber noch immer weiter und es wird jebes auftretende Verdachtsmoment nachgeprüft, ohne daß sich aber bisher irgend welche greifbaren Resultate ergeben hätten. Wenn Herr Staatsanwaltschaftsrat Dr. Ortmann ernstlich gewillt ist, die Spuren des Verbrechens aufzudecken, wird er aus unseren Veröffentlichungen in den letzten Tagen soniel wertvolles Material in die Hände bekommen haben, daß es ihm ein leichtes ist, die Wiederaufnahme des Verfahrens durchzudrücken. Wir verweisen auf das Geständnis Runges, das absolut zuverlässig und bemeisträftig ist, was vor allem durch den vermeintlichen Redakteur ber Roten Fahne"( den auf Befehl des Haupt manns Pabst Runge erschießen sollte, nachdem Karl Lieb Inecht und Rosa Luxemburg schon beseitigt waren) bestätigt werden kann. Dieser Beuge veröffentlicht in der„ Noten Fahne" eine Erklärung, in der Wort für Wort die Angaben Runges bestätigt werden. Dabei ist es von großem Wert, daß dieser Zeuge auch angibt, die Hotelangestellten und Gäste Jeien von den Offizieren vor der Erschießung gewaltsam von den Treppen und Gängen entfernt worden. Runge machte die gleichen Angaben, wir hatten sie aber bei der Beröffentlichung seines Geständnisses meggelassen. Damit ist wohl die Zuverlässigkeit der Angaben Runges nach allen Seiten sichergestellt. Die Hauptsache wird nun fein, daß der Staatsanwalt es verhindert, daß niemand bei Runge vorgelaffen wird, der zu den Mördern oder zu übrmännern gehört. Auch der Briefverkehr ist strengstens zu überwachen, da die Möglichkeit sehr nahe liegt, daß von dieser Seite versucht wird, Runge durch Geld und Ver= [ prechungen zu bestechen, damit er die Wahrheit wieder in Lügen verdrehe. Bon dem Geständnis Runces abgesehen, das natürlich schon völlig zur Wiederaufnahme des Verfahrens hinreicht, bleibt als weiterer, gleich wichtiger Grund die Tatsache bestehen, daß ein Richter des Militärgerichtes beiden Vorbereitungen zur Flucht Vogels behilf lich war und Hand bot zur Anfertigung ber gefälschten Papiere. Wir fordern den Staatsanwalt auf, uns zu verklagen, damit mir dieses ganze dunkle Manöver, das sich um die Flucht Vogels gruppierte, vor dem Forum des Gerichts darlegen fönnen. Die Arbeitslosigkeit in England Altion der Exekutive der Arbeiterpartei London, 12. Januar.( Utd. Tel.) Die gemeinsame Konferenz des parlamentarischen Gemertschaftstomitees und ber Grefutine der Ar beiterpartei hat als das Ergebnis ihrer gestrigen Sigung betanntgegeben, daß die Konferenz einstimmig die Einladung der Regierung zur Teilnahme an einer Untersuchung über die Frage der Arbeitslosigkeit ablehnt, dagegen entschieben hat, ein eigenes Komitee zu ernennen, das sofort praktische Pläne für die Jofortige Unterstügung der Erwerbslojen ausarbeiten soll. Dieser Blan soll der gesamten Gewertshaftsvertretung und ber Arbeiterpartei am 27. Januar in einer besonderen gemeinsamen nationalen Konferenz unterbreitet werden. Eine von der Versammlung empfangene Arbeitslosendeputation verlangte, es solle der Regierung ein auf 7 Tage befristetes Ultis matum gestellt werden und, falls dieses nicht den gewünschten Erfolg habe, der Generalftreit erklärt und ein britischer Sowjet errichtet werden. Die Arbeiterfachverständigen der industriellen und Staatsbetriebe, die von der Regierung zu der von ihr vorgeschlagenen Konferenz geladen waren, teilten der Versammlung mit, daß fie fich weigern, an der beabsichtigten Untersuchungstommission der Regierung teilzunehmen. Dumaversammlung in Paris General Hoffmann bekommt teinen Anhang In Paris haben sich eine Reihe zaristischer Politiker an fammengefunden, um einen neuen Feldzugsplan gegen Rußland zu schmieden. Es sind in der Hauptsache Angehörige der früheren 3arenduma. Bei den Verhandlungen am Dienstag wurde der Plan des Generals Hoffmann, mit Hilfe deutscher Truppen die Bolschewisten niederzuwerfen, besprochen. Die so zialrevolutionären Kadetten und die früheren Dumamitglieder widerlegten sich diesem Plan einstimmig. Genaue Informationen aus Mostau und Petersburg, die der Versammlung mitgeteilt wurden, besagten, daß in naher Zukunft mit dem Sturz der Sow jetregierung zu rechnen sei(?), wenn die Bolschewisten in der 3wischenzeit teine militärischen Erfolge erzielten. Man verurteilte in der Versammlung die Bloda de Ruhlands, da Frauen und Kinder davon betroffen würden. Die Alliterten sollten lieber bie Verschiffung von Munition nach Rußland verhindern. Sie feien für die militärischen Erfolge der Sowjettruppen verantwortlich, denn sie hätten große Mengen von Munition an Denitin, Kolischat, Judenitsch und Wrangel geschickt, die in die Hände der Bolschewisten gefallen seien. Wenn die Alliierten die Politit befolgt hätten, sich nicht um den Bolschewismus zu fümmern, würde das Sowjetsystem schon längst durch Mangel an Munition zusammengestürzt sein. Die Folgen von Tours Sperrung der Kammerfraktion Paris, 12. Januar. Der alten sozialistischen Frattion find 52 Depu tierte treu geblieben, 6 Deputierte haben sich ihre Erklärung vors behalten, bis sie mit ihren Wählern Fühlung genommen haben. Der neuen tommunistischen Gruppe sind 12 Abgeordnete beigetreten. Der internationale Brandstifter Kopenhagen, 11. Januar 21. Sinowiem, der Vorsitzende des Erefutivlomitees der Kom munistischen Internationale, richtet einen Funtspruch an die fransösische sozialistische Parteisektion der Kommunistischen Internationale und an Alle. Es heißt darin, das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale beglüdwünsche die französischen ProTetarier zu dem auf dem Kongreß in Tours davongetragenen Siege. Die flassenbewußten Arbeiter der ganzen Welt haben erleichtert aufgeatmet, als sie erfuhren, daß die französischen Brü der sich auch der bürgerlichen Mitläufer entledigt haben und nunmehr zur Bildung einer wirtlichen proletarischen tommunistischen Partei schreiten. Daß Longuet und Renaudel den Kongreß verließen, bedeutet ihren Uebertritt ins Lager der Bourgeoisie, greß verließen, bedeutet ihren Uebertritt ins Lager der Bourgeoisie, wo die Reformisten und die Halbreformisten schon lange mit einem Fuße standen." Der Funtspruch bewillkommnet die neuen Genossen im Lager der Kommunistischen Internationale und for bert sie auf, einen Bertreter zu den endgültigen Berhandlungen nach Moskau zu entsenden. Sinowjem ist auch in dieser Kundgebung seinem verächtlichen Beruf treu geblieben, die Front des internationalen Proletariats zur Freude der Bourgeoisie zu zertrümmern. Selbst die franzöfifchen Neufommunisten merden die neueste Leistung des Moskauer Knutenhelben mit recht gemischten Gefühlen aufnehmen. Das Gros der revolutionären Arbeiterschaft Frankreichs jedoch wird die Beschimpfung der Sozialistischen Partei damit beantworten, daß es die Mit läufer Moskaus der verdienten folierung ausliefert und mit verdoppelter Energie an den Wiederaufbau der zertrümmerten Parteiorganisation herangeht. Berichtigung. Der Artikel in der heutigen Morgenausgabe, Die Lage in Spanien", ist nicht von Fabra Ribas verfaßt, wie irrtümlich angegeben wurde, sondern von Pablo Iglesias. Argentinien und die britte Internationale. Der Kongreß der argentinischen sozialistischen Partei hat mit 5013 Stimmen gegen 3656 Stimmen den Anschluß an die dritte Internationale abgelehnt. Weitere Geldmittel für die Verbesserung der Odervorflut fordert ein der Landesversammlung zugegangener Entwurf. der neue 36 Millionen Mart zur Verfügung stellt, um besonders bringliche Arbeiten, die vor dem Kriege an der unteren Oder begonnen worden sind, fortzusetzen. Es handelt sich meist um Arbeiten bei Schwebt und am Dammschen See. Die Kulturreaktion K. K.-L. Verfassungsfragen find Machtfragen, in ihrem Die Unabhängige Entstehen wie in ihrer Durchführung. Sozialdemokratie hat nie große Hoffnungen auf jenen ver schwommenen Kompromiß der Regierungsparteien gesetzt, der in der Weimarer Verfassung seinen Rieberschlag gefunden hat. Wir wissen, daß jene leeren Phrasen von demokratischer Gerechtigkeit und Freiheit an dem ehernen Gegensatz der Klassen zuschanden werden und werden müßen. In ihren Uebergangsbestimmungen hatte die Ver faffung zu allem Ueberfluß jede leiseste Hoffnung auf durch greifende Reformen in Kulturfragen im Reime erstidt. Im Artikel 146 wird zwar die Aufnahme des Kindes in eine bestimmte Schule von der wirtschaftlichen und gesellschaft lichen Stellung oder dem Religionsbekenntnis der Eltern oder Erziehungsberechtigten unabhängig gemacht. Nichts. destoweniger wird im Artikel 145 für die höheren Schulen die Schulgelbbarriere erhalten, im Artifel 146,2 bie fonfessionelle Schule zugelassen, und im Artifel 149 der Religionsunterricht sogar zum ordentlichen Lehrfach gemacht. Zum Scheine werden jedoch auch weltliche Schulen zugelassen, doch in dem Artifel 173-174 wird ausdrücklich erklärt, daß bis zum Erlaß eines Reichsgesetzes alle Staatsleistun gen an die Religionsgesellschaften bestehen bleiben, und daß es in bezug auf die tonfessionelle Schule bei der bisherigen bestehenden Rechtslage bleibt. Das Reichsschulgesetz, das all diese Fragen regeln sollte, ist zwar verheißen, schulkonferenz hat sich mit all diesen Fragen befaßt, im Reichstage hat die Regierung feierlich durch den Mund des rechtssozialdemokratischen Staatsfefretärs Schulz eine Ges segesvorlage in allerfürzester Zeit versprochen, die Reichs aber bis auf den heutigen Tag ist nichts, abfolut nichts in all diesen Fragen geschehen. It man noch immer nicht mit den fachlichen Vorbereitungen fertig? Offenbar ist man noch im Stadium der Erwägungen, wenn auch diese Er. wägungen sich nicht auf die Sache beziehen, sondern viels mehr darauf, wie man den Schein wahren fann und doch die unerbittlichen Forderungen des Zentrums und der sonstigen Reaktion restlos erfüllen tann. Inzwischen aber arbeitet die Reaktion mit größtem Nachdrud. In Preußen haben wir zwar einen Sozialdemokraten als Kultusminister, der in früheren Jahren recht radikale Anschauungen hatte, und der auch heute noc) gelegentlich sp zialistische Festreben von idealistischer Blässe hält. Man sagt ihm sogar mit Recht nach, daß er für freiheitliche Kultur bestrebungen das wärmste Herz und die größte Duldsamkeit hat, allerdings nur so lange, wie es die anderen zu lassen, und jene anderen, das sind die demokratischen und zentrümlichen Staatssekretäre, der Philologenverein und die reaktionären Parteien. In Adlershof, Neukölln und einigen anderen Orten hat man versucht, weltliche Schulen einzurichten. Unsere Genos sen an diesen Orten fonnten sich auf die Verfassung berufen, die weltliche Schulen ausdrüdlich vorsieht, sie fonnten sich auf ihre sozialistischen Mehrheiten stüßen, die seit langem programmatisch die weltliche Schule verlangen, sie sind also sogar nach formal- demokratischen Prinzipien im Rechte. Aber was nügt das alles! In unserem republitanischen Staate dürfen zwar monarchistische Demonstrationen und Feste in den Schulen und mit den Schülern veranstaltet werden, es dürfen monarchistische Lieder gesungen, Hohenzollernbyzantinismus und dynastische Geschichtsverflitterung nach wie vor getrieben werden: der sozialdemokratische Minister ist demgegenüber völlig machtlos, und wenn er gegen allzu Borlaute einzuschreiten versucht, dann folgen auf jeden Schritt vorwärts zwei Schritte rüdwärts unter höflichster Verbeugung vor dem Machtwillen der Reak tion. Unsere weltlichen Schulen aber fönnen nicht durch gesetzt perden. Dort, wo sie bestehen, müssen sie sich vor der reaktionären Meute mit dem lügnerischen Dec mantel„ religionslose evangelische Schulen" versteden. Wie lange noch soll sich das sozialistische Proletariat diese unwürdige Komödie gefallen lassen? Der preußische Landtag hat sich trotz der großen Anzahl von Rechtssozialdemokraten absolut reaktionär betätigt, die preußische Regierung war troh rechtssozialdemokratischer Minister ein Hort der Reaktion in jeder Hinsicht. Bei den nächsten Wahlen wird das Proletariat hoffentlich endlich erwachen und diesem unwürdigen Zustand ein Ende machen! Roch besteht als das größte Semmnis einer freiheits lichen Schulentwicklung das Schulunterhaltungsgesetz aus dem Jahre 1906. Seine Abschaffung wäre die erste Pflicht des Preußen- Parlaments gewesen, aber auch hier ist nichts geschehen. Einen leisen Versuch zur Besserung hat einmal die Regierung gemacht, indem sie die reaktionäre Zusammensetzung der Schuldeputationen ein wenig umgestalten wollte. Man wollte wenigstens den Geistlichen, die nach dem Schulunterhaltungsgesetz von Amts wegen Mits glieder der Schuldeputationen sind, dieses Recht nehmen; doch als die evangelische und katholische Reaktion zum Sturm blies, da gab man ängstlich nach. Wie oft und wie laut ist nicht von allen Parteien die Einheits- und Grundschule versprochen woen! Selbst die Abschaffung der Vorschulen, die fich pädagogisch, sozial und ökonomisch längst als Uebel erwiesen hatten, ist erst nach erheblichen Kämpfen durchgesetzt worden. Sonst aber ist nichts zur Vereinheitlichung unseres Schulwesens geschehen. Nach wie vor besucht das Proletarierkind die Armenschule und genießt das Kind der bessergestellten Kreise alle jene Vorrechte und Vorzüge der höheren Schule. Die Deutschnationalen wissen ganz gut, was sie an diesem Kultusminister haben, drum fonnte ihr Vertreter im Landtag neulich mit Recht Herrn Haenisch das hohe Lied der Anerfennung singen. Diese demokratische, sozialdemokratische und zentrümliche Schulpolitik in Preußen ist stod reaktionär. Das zeigte sich auch in dem Entwurf, der den staatlichen Unter haltungsbeitrag für die Schulen regeln sollte. Preußen ist - wie das deutsche Reich natürlich in Finanznot. Es muß daher gespart werden, das ist selbstverständlich. Doch mit der Sparsamkeit fängt man nicht etwa bei den höheren Schulen an, sondern selbstverständlich bei den Volksschulen. Ein jeder Pädagoge weiß, daß aus gesundheitlichen und unterrichtlichen Gründen die normale Besuchsziffer einer Klasse 30 sein sollte. Dieser neue Entwurf aber sah als rechnerische Grundlage für die staatliche Unterstützung die unglaubliche Besuchsziffer 60 vor. Natürlich wollte man es den Gemeinden überlassen, ihre Schulklassenfrequen zen bei 50 und weniger zu lassen, doch nach unserer jezigen Steuergesetzgebung bleibt den Gemeinden fein Geld mehr übrig. Sie werden daher, wenn dieser Entwurf Gesetz würde, die Besuchsziffer ihrer Schulklassen notwendigerweise von 40 auf 50 und schließlich 60 zurüdrevidieren müssen. Für die Bolksschulen hat das Preußenparlament fein Geld; aber den Hohenzollern bewilligte es Pensionen und Abfindungen, die jeder rechtlichen und moralischen Grundlage entbehren. Ein jeder weiß, daß jede Schulreformfrage eine Lehrerfrage ist. Doch bislang sind nichts als Erwä= gungen in der dringend notwendigen Reform des Lehrerbildungswesens angestellt worden. Nach wie vor werden unsere fünftigen Lehrer in der Abgeschlossenheit der Präpa wenigen Konzessions- Schulzen die alten Schulräte und Juristen; und nach wie vor gelten die Oberpräsidenten als die oberste Schulaufsichtsbehörde. Unsere programmatische Forderung, die im Einklang mit der Forderung aller fortSchrittlichen und einsichtigen Pädagogen steht, geht in der Frage der Organisation des Schulwesens auf Ersatz des be= hördlichen Bureaukratismus durch eine durchgeführte Selbstverwaltung, in der die Allgemeinheit, die Lehrerschaft und Elternschaft als Träger der Selbstverwaltung anzusehen sind. Zu einer derartigen freiheitlichen Entwidlung wird es jedoch in Preußen und in Deutschland solange nicht kommen, als die Zerrissenheit in der Arbeiterschaft der Reaktion alle Machtpositionen in die Hand spielt. Die kulturelle Entwicklung in Preußen und Deutschland sollte dem Proletariat zeigen, mit welcher Zähigkeit die Reaktion ihre Vorrechte nicht nur zu verteidigen, sondern sogar zu er= weitern versteht. Bon dem Ausfall der nächsten Preußenwahlen wird es abhängen, ob in Kulturfragen der Kurs weiter nach rechts gesteuert werden soll, oder ob das Proletariat in flarer Erkenntnis seiner Macht das Steuer umdreht und zielbewußt und energisch nach links steuern wird. Die große Lüge Was ein Kriegsverbrecher erzählen darf General Ludendorff, der unfähige preußische Offizier, der gerne als„ Feldherr" gelten möchte, hat von Zeit zu Zeit einiger Zeit gab er dem Berichterstatter des brasilianischen das Bedürfnis, in der Deffentlichkeit erwähnt zu werden. Vor Blattes Correro da Marcha" einige Aufschlüsse über die deutsche Niederlage. Er behauptete, die Revolution habe das Kriegsmaterial ,, burch Berrat den Feinden ausgeliefert" und fuhr dann fort: weiß, der Flucht" erschossen hatten, als feige Morbbuben bezeich net. Jetzt haben die Marburger Herrschaften, fühn geworden durch den gelungenen Freispruch, von allen denjenigen, die sie angeblich beleidigt haben sollten, öffentliche Abbitte verlangt. Herr Haenisch, aufrecht und entschlossen wie er ist, hat sie ges leistet. Er hat an den Vorsitzenden der Deutschen Studentenschaft, Herrn von Aubel folgenden Brief gerichtet: ..... Meine in Ihrem Kreise lebhaft beanstandete Aeußes rung über die Marburger Beitfreiwilligen anläßlich der Mechterstädter Tragödie stand unter dem Eindruck der Reichss tagsreden und der Verhandlungen vor dem Kriegsgericht. Sie erfolgte aus dem schmerzlichen Gefühl heraus, daß durch jene Borgänge die Gegensäge zwischen Arbeiterwelt und Stus dentenschaft, deren Ueberbrüdung mir von jeher am Herzen lag, verschärft werden mußten. Wenn ich mir auch die enda gültige Stellungnahme zum Vorgehen der beteiligten Beitfreiwilligen vorbehalten muß, bis die wegen Mißhandlung gegen einige Studenten eingeleiteten Verfahren zum Abschluß gebracht sind, so will ich als preußischer Staats: minister doch bereits heute erklären, daß ich nach dem rechtss fräftig geworden Spruche des Kasseler Schwurgerichts die von mie gebrauchten schroffen Wendungen nicht aufrecht erhalte. Ich nehme diese Wendungen hiermit zurüd.... 93 Der Vorwärts" bebauert diesen Rückzug Haenischs, da sein reuemütig zurückgezogenes Urtei! über die Marburger Studenten von jedem Sozialdemokraten geteilt werde. Auch wir sehen uns nicht veranlaßt, irgendeine Silbe von dem zurückzunehmen, was wir über den Fall der Marburger geschrieben haben. Selbst wenn wir den Freispruch des Kasseler Geschworenengerichtes als beweisträftig ansehen würden, bleibt die Tatsache bestehen, daß die Studenten bei ihrem Feldzug nach Thüringen wehrlose Gefangene befpudt, beschimpft, geschlagen und getreten haben. Darunter eine alte Frau von 70 Jahren. Wer sich aber an weht. Losen Gefangenen vergreift, ist ein Feigling, ein ehrloser Geselle, ganz gleich, welchen Namens und welchen Stammes er ist. Das mögen sich die Marburger merken. randen- Anstalten und Seminare, möglichst reichlich mit Reli: Erschöpfung unserer Widerstandskraft kämpfen. Die Welt Bannfluch gegen das Monokel gion ausstaffiert und vielfach von Geistlichen beaufsichtigt, für ihren fünftigen Beruf vorgebildet. Angeblich hat man für alle diese Dinge fein Geld. Geld ist nur da für die Anstellung von Offizieren als Lehrer und Oberinspektoren für die Kadettenanstalten, Geld ist da für den militärischen Drill dieser Anstalten und für die durchgängig deutschnational und monarchistisch gesinnte Schülerschaft. Für den Lichter felber Standal, den die U. S. P. D. neulich in einer Anfrage im Reichstag aufbedte, haben preußische und Reichs: regierung nur leere Ausflüchte. Vergebens hat unsere Landtagsfraktion Anträge eingebracht, die wenigstens den notwendigsten Forderungen einer modernen Pädagogik ents gegenkommen sollten. Doch die reattionäre Mehrheit, oft mit Unterstützung der Rechtssozialdemokraten, hat all diese Anträge niedergestimmt. Selbst das 3üchtigungsrecht der Lehrer und Lehrerinnen ist ebensowenig abgeschafft, wie die Gemeinschaftserziehung der Geschlechter eingeführt worden ist. Wir verlangten ferner vergebens, daß nun endlich gemäß der Verfassung verordnet würde, daß die Willenserklärung der Eltern oder Erziehungsberechtigten für die Beteiligung, nicht für die Nicht beteiligung am Religionsunterricht erforderlich wäre. Aber nicht einmal soweit tam man den Dissidentenkindern entgegen, daß man unserem Antrage auf Verlegung der Religionsunter: richtsstunden an den Anfang oder das Ende des Unterrichts zustimmte. Und doch weiß ein jeder, zu wieviel Störungen und schifanösen Maßnahmen es führt, wenn der Religionsunterricht die sonstigen Unterrichtsstunden für alle Nichts teilnehmer unliebsam unterbricht. Selbstverständlich wurden alle weiteren Anträge auf Einführung eines obligatorischen Schulkindergartens ,. auf unentgeltlichkeit von Lehr und Lernmitteln, auf Einführung unentgeltlicher SchulSpeisung, auf Umwandlung des Klassenunterrichts in Ar beitsgemeinschaften, auf Abschaffung des Berechtigungswesens und dergl. mehr, abgelehnt. Am allerwenigsten dachte man in Preußen an eine Reform des bureaukratischen und behördlichen Bevormu n= dungssystems. Unendlich viel Mühe hat es bereits gefoftet, die geistliche Schulinspektion durch fachmännische zu ers sehen. Die Provinzial- Schulfollegien des alten Regimes find geblieben, in ihnen herrschen. abgesehen von einigen Oberschlesische Briefe Bon Walter Dehme Tornowig, Anfang Januar 1921. Die Folgen des Krieges find für die oberschlesische Industrie vor allem in Bezug auf die Rohstoffe noch lange nicht über wunden. Die Erze, die zum Teil aus den Ententeländern oder auch aus dem neutralen Auslande tamen, fehlen heute in erheb lichen Mengen, teils der Baluta wegen, teils wegen des allgemeinen Mangels an Rohprodukten überhaupt. Go tommt es, daß einzelne Werte aus Mangel an Rohstoffen oft nur ein Fünftel oder gar ein Sechstel ihrer Friedensprobuftion erreichen. Die ungeheuren Gewinne, die die oberschlesische Industrie jahrzehntelang gehabt hat, werden infolge des Mangels an Roh stoff in den nächsten Jahren wohl nicht erreicht werden, da auch die Zeit der rigorosen Arbeiterentlassungen vorüber ist. Bei der Neuordnung der oberschlesischen Industrie, über die ja eines Tages noch ernsthaft wird gesprochen werden müssen, wird man vor allem darauf zu achten haben, daß die vielfachen, heute völlig unberechtigten, aber aus Tradition noch erhaltenen Rechte, die auf den Privatbesitz an Grund und Boden zurüdgeführt werden, verschwinden. Sie belasten nicht nur die Entwidlung der Industrie, sie erschweren vor allem die Lösung der sozialen und der Arbeiterfrage. Der Feldmarschall und ich wollten bis zur gänzlichen warum unsere Armee nicht ihre Pflicht bis zum Ende erfüllen fonnte, wie die Franzosen nach Sedan. Ich sage nicht, daß die Verlängerung unseres Widerstandes uns ben Sieg gebracht hätte. Aber die Moral unserer Feinde, sowohl der Armee wie der Heimat, stand auch nicht so hoch, daß der Verband uns einen Gewaltfrieden hätte diftieren fönnen, wenn wir noch einen Winter durchgehalten hätten." Diese Märchen fann Herr Ludendorff gerade noch den Brasilianern erzählen, obwohl auch darin schon eine recht geringfügige Einschäzung der geistigen Qualitäten dieses Landes liegt, eine Geringschägung, die bei Ludendorff allerdings typisch ist. Es ist unwahr, daß Ludendorff und Hinden burg weiterfämpfen wollten bis zur völligen Erschöpfung". Sie sahen vielmehr die Katastrophe der völligen Vernichtung Sie sahen vielmehr die Katastrophe der völligen Vernichtung des deutschen Heeres nahe bevorstehend und bettelten des halb tniefällig bei der Regierung um Waffenstillstand. 3u feige, um für das Unglüd, das über Deutschland her= eingebrochen war, die Verantwortung zu übernehmen, floh Ludendorff nach Schweden und schimpfte nun nachträglich wie ein Rohrspaß über das Volt, das im Gegensat zu ihm den ganzen Krieg hindurch die bittersten Entbehrungen auf fich nahm. Ludendorff kann sich diese Rolle gerade noch in Deutschland mit seiner verlotterten Rechtspflege erlauben. In jedem anderen Lande fäße er längst hinter Schloß und Riegel, wenn nicht wegen seiner verbreche rischen Kriegshandlungen, dann mindestens wegen HochDetrats. Denn Ludendorff, wieder lebendig geworden durch die Wiederaufrichtung des faiserlichen Militarismus durch Roste, war einer der geistigen Führer des Rapp- Putsches, trägt also auch die Verantwortung für alle Verbrechen und Scheußlichkeiten, die dieser Butsch gezeitigt hat. Haenisch leistet Abbitte Der preußische Kultusminister Haenisch hatte kurz nach dem ersten Prozeß gegen die Marburger Studenten in einem Berliner Abendblatt einen Artikel über die Verwilderung der politischen Sitten veröffentlicht und dabei die Zeitfreiwilligen, die bei Mechterstädt die 15 unbewaffneten Arbeiter auf Schäße vornehmen müssen. Es wäre das flügste, wenn man heute schon, ohne das Abstimmungsergebnis abzuwarten, eine Einigung über die Berteilung der Kohlenproduktion OberSchlesiens durch direkte Berhandlung zwischen den beiden Haupttontrahenten herbeiführte. Man würde dadurch nicht nur schweren wirtschaftlichen Erschütterungen vorbeugen, sondern auch einer allzu großen Berhehung durch die Abstimmungspropaganda entgegenarbeiten. Man soll sich in Deutschland nicht darüber täuschen, daß der bei weitem überwiegende Teil der Arbeiter in Oberschlesien die polnische Sprache als thre Muttersprache ansieht. Für diese Arbeiter gibt es fein schlimmeres Schredwort als den 5a tatismus, den bie polnische Propaganda geschidt mit dem Deutschtum überhaupt identifiziert. Alle diejenigen, die an der Zugehörigkeit OberSchlesiens zu Deutschland festhalten wollen, werden als Hatatisten bezeichnet. Man wird deshalb endlich erkennen müssen, daß es teine größere propagandistische Leistung für die deutschen Intereffen geben tann als die allseitige Berurteilung der alten hatatistischen Methode. Es ist sinnlos, zu behaupten, die Kritit an den alten deutschen Verwaltungsmaßnahmen diene der polnischen Propaganda. Diese Kritik würde in demselben Augenblid eine Garantie für die Interessen der polnischen Bevölkerung Oberschlesiens sein, in dem sie nicht nur von einzelnen deutschen Politikern, sondern von allen Parteien und von allem von der Regierung selbst geübt wird. So lange man allerdings forts fährt, durch amtliche Nachrichtenbureaus das deutsche Bolt über bie wahre Situation in Oberschlesien zu täuschen, so lange werden diese Täuschungsmanöver lediglich im polnischen Interesse verwertet werden. Es ist heute noch schwer zu ermessen, wie groß ber Schaden ist, den die preußische Regierung damit angerichtet hat, daß sie sich der oberschlesischen Autonomie so hartnädig und so lange widersetzt hat. Sie hat damit nur erreicht, daß die polnische Propaganda die in der Autonomie ausgesprochene Anerkennung der Notwendigkeit der wirtschaftlichen und kulturellen Selbstver waltung Oberschlesiens als eine aus Propagandarüdsichten vorgenommene Konzession bezeichnen fann. Wenn es noch heute in der Agitation vorkommt, daß preußische amtliche Stellen und halbamtliche Organe die Autonomie als nebensächlich bezeichnen, so fann man leicht erkennen, daß die enge Fühlung zwischen der oberSchlesischen Bevölkerung und dem übrigen Teil des deutschen Boltes noch immer durch bureaukratische Verwaltungsmaßnahmen erschwert wird. Es ist höchste Zeit, daß mit diesen Methoden aufgeräumt wird. Das unübersehbare Lichtmeer, das das Industriegebiet unterm nächtlichen Sternenhimmel bildet, gibt nur leise Borstellungen von der ungeheuren Größe und der Feinheit des Wirtschaftsapparates, der diese Industrie in Gang hält. Selbst wenn man all die Behauptungen ablehnt, daß Polen bisher noch keine Be weise für verwaltungstechnisches Können gegeben hat, so muß man doch zugeben, daß es Polen start an Leuten mangeln wird, die industrielle Erfahrung genug besitzen, um diesen gewalti gen Apparat nicht nur in Gang zu halten, sondern ihn in seiner Entwicklung zu fördern. Der noch auf mehrere hundert Jahre unerschöpfliche Kohlenreichtum, aus dem die europäische Menschheit fast ihre gesamte Energie wird schöpfen müssen, tann bei unzweckmäßigem nicht systematischem Abbau in wenigen Jahrzehnten erschöpft sein. Kommt dieses Industriegebiet mit seinem Kohlenreichtum in polnische Verwaltung, wird aus staatlichen Sanierungsbedürfnissen und infolge mangelnder industrieller Erfahrung Raubbau damit getrieben, so steht die europäische Industrie vielleicht in einigen Jahrzehnten vor dem völligen Zusammenbruch, die deutsche wie die polnische Arbeiterschaft in wenigen Jahren schon vor einer gewaltigen Arbeitslosigkeit. Man wird zweifelsohne eine die polnischen Wirtschaftsbedürfnisse, wie die Lebensbedingungen der deutschen Industrie forgfältig beobachtende Regelung in der Berteilung der Rohlenstelleftuellen Anatole France, gegenwärtig Frankreichs größter Dichter, ist in die französische tommunistische Partei eingetreten. Ein neuer Beweis für die Anziehungskraft des Kommunismus auf die InDer Minister Severing hat zweifellos Mut. Er wagt es, gegen die heiligsten Requisiten des Standesbewußtseins des trabitio nellen preußischen Offiziers vorzugehen, der in den Beamten der Sicherheitspolizei seine etwas humoristische Wiederholung erlebt. Da die oberen Beamten der Sipo feine würdigeren Bor bilder für ihr Gebahren finden, ist das Aeußere des preußischen Leutnants der Sinn ihres Strebens. Das Einglas gehört bae her in diesen Kreisen zum guten Ton. Und gegen diefes Inftrus ment geht Severing in einer Verfügung vor. Er bemerkt, daß ein Teil der oberen Beamten der Schuspolizei trog feines verschiedenen Hinweise immer noch Eingläser trägt. Der Ministes vermutet wohl mit Recht das diese Mode nicht auf einsei tiger Augenschwäche, wie er fich ausdrüdt, sondern auf äußer lichen Gründen" beruht. Er befont, daß der Polizeibeamte mehr als je um Dasein und Anerkennung zu ringen habe und dieses Bestreben dürfe sich nur auf Pflichtgefühl, Wissen und Tatt tüken Das alles werde durch Aus wüchse der erwähnten Art in höchst nachteiliger Weise beeinträchtigt. Die Verfügung schließt: Ich muß von jedem Beamten erwarten, daß er in diesen Schweren Zeiten unter Ausschaltung jeber Aeußerlichkeit seinem Berufe nachgeht und demgemäß vom Tragen des Einglases absieht." Es wird sehr schmerzlich sein für die Herren Pseudo- Leutnants, daß es ihnen nicht mehr gestattet sein soll, die innere Sohlheit durch den mondänen äußeren Schmuck des Einglases zu verdeden. Aber: womit sich so ein Minister auch alles beschäftigen muß! Die Pläne des Reichstags. Wie eine Korrespondenz mitteilt, 19. Januar bis 4. Februar Sigungen abzuhalten und sich alsdann beabsichtigt der Reichstag nach den vorläufigen Dispofitionen vom für den Rest des Monats Februar wegen der Wahlen zu vers tagen. Vor Ostern wird der Reichstag noch im März 3 Wochen tagen. Geplant ist, die Etatsberatungen im Reichstage bis Anfang Februar zu beenden und eine allgemeine Aussprache über die neuen Steuern herbeizuführen. Ein Entwurf über die Bereitstellung von 40 Millionen Mart zu Darlehnszweden an Kleinbahnen zur Verhütung der Stilllegung von Kleinbahnen ist der Landesversammlung zugegangen. Er regelt die Art der Darlehnsgewährung und dient hauptsächs lich dazu, im Interesse der allgemeinen Wirtschaft die Verkehrswege zu erhalten. Die Stillegung von Eisenbahnbetrieben bedarf im übrigen der Genehmigung der Aufsichtsbehörden. Die Volkshochschule Groß- Berlin Die Bolkshochschule Groß- Berlin veröffentlicht ihren Leht. plan für das Quartal Januar- März 1921. In der fleinen Ausgabe des Arbeitsplanes, der die Form einer graphischen Uebersicht hat, hat die Leitung der Volkshochschule einen Spiege! ihres Wirkens und Werdens geschaffen, der das Gesicht des noch so jungen Unternehmens getreulich widergibt, und damit auch alle Veränderungen in diesem Gesicht, die eine fortschreitende Entwides lung erkennen lassen. Kurz: es ist zu sagen, daß die junge Bolks. hochschule Groß- Berlin schon ein Gesicht hat, ein Geficht mit flarem Charakter. Die leeren Flächen der graphischen Uebersicht des Unterts planes füllen sich mehr und mehr, neue Lehrstätten treten zu ben alten, von bisher selbständigen Vorort- Boltshochschulen haben sich Neukölln, Oberschöneweide und Wilmersdorf der Volkshochschule Groß- Berlin angeschlossen, neue Arbeitsstätten find entstanden in Tegel, Cöpenid, Weißensee. So breitet sich der Boben, auf dem die Boltshochschule Groß Berlin steht, wie auch die zunehmenden Hörerzahlen beweisen, weiter und weiter aus. Daneben zeichnet ein Wachsen in die Tiefe das Werden der Volkshochschule aus: ständig intensiver gestaltet sich die Art des Lehrens, eine innigere An teilnahme der Hörer, ein planmäßiges wissenschaftliches Arbeiten, aufsteigend von Stufe zu Stufe. Von den Kursen der Volkshochschule erwähnen wir den Kursus unseres Genossen Stein über die Entwidlung Rußlands"; einen Kursus über„ Die Betriebsräte in Deutschland" von Seidel; Kestenbergs Arbeitsgemeinschaft„ Einführung in Musi werfe"; einen 3pflus von Felix Linte über„ Volt und Wirts schaft". Bon anderen sozialistischen Dozenten der Volkss hochschule Groß- Berlin erwähnen wir M. Grunwald, Conrad Schmidt und S. Nestriepte. Unter den der Ar beiterbewegung sympathisch nahestehenden Lehrkräften finden wir den Engelsbiographen Gustav Mayer, der das Thema„ Broletariat und auswärtige Politit" behandelt. Bekannt sind dem Proletariat Groß- Berlins außerdem die Dozenten Conrady, Rosen berg, Müller- Neuhaus, Adolf Behne, Stillich und Guttmann. Bei näherer Betrachtung des Arbeitsplanes tritt deutlich hers vor, daß die Mehrzahl der dem sozialistischen Proletariat nahe. stehenden Dozenten in den Arbeitsgebieten Geschichte, Rechts, Staats- und Gesellschaftswissenschaften und Wirtschaftslehre unters richten. Aus anderen Gebieten des Lehrplanes wollen wir nennen: Schottmüller, Liebert, Rieffert, Schünemann, Tillich und Vollbach, die alle Vorträge über Kunst, Musit, Literatur und Philosophie halten. Aus dem naturwissenschafts Eine Kriegserinnerung Zimmermanns Vertrag mit Sinnfein Die englische Regierung hat soeben, wie telegraphisch mit geteilt wird, Aftenstüde herausgebracht, aus denen die VerInüpfung der deutschen Politik mit der irischen Sinn. feiner Bewegung während des Krieges hervorgehen foll. Wir fennen diese Dokumente nicht und wissen nicht, ob fich der Vertrag mit demjenigen deckt, den der damalige Unterstaatssekretär des Auswärtigen Amtes, Herr 3immermann, im Dezember 1914 mit dem Irenführer Sir Roger Cafe. ment abgeschlossen hat. Auf jeden Fall verdient er es, als ein Beitrag zur Illustration unserer großartigen Kriegspolitik an die Deffentlichkeit gezogen zu werden. Er besteht aus zehn Artikeln, deren wichtigste im Wortlaut folgen. Artikel I. Im Hinblick auf die Möglichkeit, die nationale Unterſtügung der Kaiserlich Deutschen Regierung zu fördern, soll aus den irischen Soldaten und den anderen Jtländern, die augenblidlich in Deutschland friegsgefangen find, eine Brigade gebildet werden. Artikel III. Die Frische Brigade wird unter der irischen Fahne gebildet und tämpft nur unter dieser. Die Truppe wird eine besondere und als solche erfennbare irische Uniform tragen. Die Brigade wird ausschließlich von irischen Offizieren geführt, sobald dazu geeignete Jrländer von Jrland und den Vereinigten Staaten von Amerita beschafft werden können. Bis dahin werden unter Zustimmung des Sir Roger Casement deutsche Offiziere der Brigade bestellt werden, die die Disziplinargewalt über die Sol. baten ausüben. Jedoch darf, folange die Brigade unter der Kontrolle der deutschen Offiziere steht, teine militärische Operation angeordnet oder ausgeführt werden. Artifel IV. Die Jrische Brigade, wird von der Kaiserlich Deutschen Regierung eingekleidet, verpflegt und ausreichend mit Waffen und Munition ausgerüstet, unter der ausdrücklichen Vers einbarung, daß die Kaiserlich Deutsche Regierung diese Leistungen freiwillig und unentgeltlich macht, um die irischen Unabhängigteitsbestrebungen zu unterstützen. Artifel VI. Die Kaiserlich Deutsche Regierung übernimmt es unter gewissen Umständen", die Irische Brigabe mit aus reichender militärischer Unterstügung und versehen mit reichlichem Vorrat an Waffen und Munition nach Jeland zu senden, um dort die Irländer auszurüften, die mit ihr gemeinschaftlich den Versuch machen wollen, die nationale Freiheit Jrlands mit Waffengewalt wiederherzustellen. Die hier vorausgesetzten besonderen Umstände" find folgende: In dem Falle eines deutschen Seefieges, ber bie Möglichkeit ges währt, die Küste Jrlands zu erreichen, verpflichtet sich die Kaiserlich Deutsche Regierung, die Frische Brigade und ein deutsches Silfstorps unter der Führung deutscher Offiziere in deutschen Transportschiffen auszusenden, um eine Landung an der irischen Küste zu versuchen. Artikel VII. Eine Landung in Jrland wird nur dann in Betracht tommen, wenn der deutschen Flotte ein Sieg beschieben ist, der mit begründeter Aussicht auf Erfolg den Seeweg nach Irland öffnet. Sollte die deutsche Flotte diesen Erfolg nicht haben, so wird die Jrische Brigade in Deutschland oder ander wärts Verwendung finden, jedoch lediglich zu Aufgaben, die Sit Roger Casement als in genauer Webereinstimmung mit Artikel II gutheißt. In diesem Falle tönnte die Irische Brigade nach Aegypten gesandt werden, um bet der Vertreibung der Engländer und der Wiedererlangung der ägyptischen Unabhängigkeit Silfe zu leisten. Sollte die Jrische Brigade nicht dazu kommen, für die Be freiung Jrlands von dem englischen Joch zu kämpfen, so ist doch ein Schlag, der den britischen Eindringlingen in Aegypten beis gebracht wird und den Aegyptern zu ihrer Freiheit verhelfen foll, ein Schlag, der in einer ber irischen verwandten Sache geführt wird. Artitel IX. 3m Falle, daß der Krieg beenbet wirb, ohne daß die Frische Brigade ihren 3wed, die Landung in Jrland", erreicht hätte, so übernimmt es die Kaiserlich Deutsche Regierung, feden Angehörigen der Brigade auf seinen Wunsch nach den Ver einigten Staaten von Amerita zu senden und ihn mit den Mitteln zu versehen, die das Einwanderungsgesetz der Vereinigten Staa ten zur Bedingung macht: Artikel X. Im Falle, daß die Irische Brigade in Irland landet und die militärische Operation bort zur Niederwerfung der britischen Oberherrschaft und zur Errichtung einer national irischen Regierung führen, verspricht die Kaiserlich Deutsche Re gierung der fo errichteten Jrischen Regierung ihre vollste mora fische Unterstützung. Sie wird in aller Aufrichtigkeit sowohl durch lichen Fach glauben wir auf den Kursus„ Naturwissenschaftliches Denten" aufmerksam machen zu müssen, ben Nippoldt hält, und ferner auf die Dozenten Bauer, Günther von Eldstedt; in 2än, der und Völtertunde ist besonders zu beachten Rühl, der das Thema„ Grundlagen des deutschen Wirtschaftslebens" be handelt. Der große Lehrplan, ber zu jebem Thema genaue Bor. tragsdispofitionen und ausführliche Angaben über die sonstigen Beranstaltungen und Arbeiten der Volkshochschule Groß- Berlin bringt, nebst einer kurzen Darstellung des Zieles der Boltshoch schule ist bereits zu einem 60 Seiten starten Seft angewachsen. Er wird zum Preise von 1 M. abgegeben, seine Anschaffung emp fiehlt sich unter allen Umständen. Man bekommt ihn in der Buch handlung„ Freiheit" und an anderen Stellen, die in dem kleinen unentgeltlichen Lehrplan genannt sind. Wir glauben allen Anlaß zu haben, die Berliner Arbeiterschaft eindringlich auf die Volkshochschule hinzuweisen. Wir finden aber auch, daß die Stadtgemeinde Groß- Berlin ber Bollshochschule Groß- Berlin die größte Aufmerksamkeit zuwenden sollte. Das betonen wir, weil wir leider den Einbrud nicht recht los werden, als ob das an gewissen entscheidenden Stellen nicht der Fall ist. Am 17. Januar, nachmittags 6 Uhr, findet im Stadtverordneten Sigungssaal des Berliner Rathauses eine Kundgebung der Volkshochschule Groß- Berlin statt. Einleitende Worte: 3. Saffenbach. Hierauf A. Merz: Die Bolkshochschule, eine Lebensnotwendigkeit des deutschen Boltes. Stimmen der Völker Im Staatlichen Schauspielhaus Unter diesem Titel hat das Staatstheater sonntägliche Mittags- Veranstaltungen eingerichtet. Hier soll man die be fannten und auch unbekannten Dichter frember Na. tionen fennen lernen fönnen. Also, das Kennen- und Verstehenlernen immer, bei Werten der Kunst aber ganz besonders, liebgewinnen heißt: ein stilles Wert internationaler Annäherung, ein, da die Pläße nur 5 und 3 Mart tosten, verdienstvolles Wert. Am lezten Sonntag war es freilich nicht so verdienstvoll, pie man hätte wünschen mögen. Die Leitung der Staatstheater hätte die Pflicht, bei diesen billigen Veranstaltungen, gerade weil sie von denen besucht werden, die für teure Vorstellungen tein Geld haben, sich die allergrößte Mihe zu geben. Sonntag war bas gewiß nicht geschehen. Der Tag war den Anglo- Ame rifanern" gewidmet, das heißt den Engländern und Ameri fanern. Das ist natürlich ein für einen Mittag viel zu großes Thema. Das Haupt-, Kern- und Mittelstüd der englischen Literatur ist nämlich nicht das Shotelpearesche Drama öffentliche Anerkennung als durch allgemeines Wohlwollen zur Aufrichtung einer unabhängigen Regierung in Jrland beitragen. Diefer Vertrag wurde Herrn Casement mit einem vom 28. Dezember 1914 datierten Schreiben des Unterstaatssefretärs Zimmermann übersandt. Aus weiteren Aftenfefretärs Zimmermann übersandt. Aus weiteren Aftenstücken geht hervor, daß bis zum August 1915 im Halbmondlager Bossen ganze 54 Jrländer vorhanden waren, die den Befreiungskampf gegen England unter Mitwirkung Deutschlands zu führen nicht abgeneigt schienen. Das sagt eigentlich schon genug zur Kennzeichnung einer Politit, deren Frivolität und Dummheit selbst diejenige Grenze überschritt, an die man sich gerade bei Herrn 3immermann gewöhnt hat. Aus der italienischen Partei Der Verräter" Serrati Genosse Serrati, Mitglied des Exekutivlomitees der dritten Internationale sandte am 1. Januar an Genossen Jean Longuet folgenden Brief: ,, Werter Genosse! In dem Bericht über Ihre in Tours gehaltene Rebe finde ich auch die Aeußerung Sinowjews in bezug auf meine Ber son. Nach Sinomjew ist Serrati auch er! etn Verräter, weil die italienische sozialistische Partei gelegentlich der Fabrikbelegungen nicht zur Revolution übergegangen ist. " Ich bitte Sie, den Lesern des Populaire" mitzuteilen, daß Serrati während der Fabrifbesetzungen in Rußland/ watzusammen mit Sinowiew. Ich habe also auf große Entfernung Bertat begangen. Das tommt nicht oft vor. Es muß wiederholt werden, daß die Entscheidung gegen eine Erweiterung der Bewegung ebenfalls während meiner Ab wesenheit erfolgt ist und zwar auf Grund der äußerst ungünstigen Erklärung, welche die Genossen von Turin( der tommu nistischen Hochburg Italiens. D. Red.) in der historischen Sigung vom 10. zum 11. September in Mailand abgegeben haben. Mit brüderlichen Grüßen G. M. Serrati." ,, Es ist unnük," bemerkt Genosse Longuet zu diesem Brief,„ den lächerlichen Charakter des von Ginowjem dem Chefredakteur des Triumpf der Revolution in Italien verhindert haben soll, wo Avanti" gemachten Vorwurfs besonders zu unterstreichen, der den er doch zu jener Zeit in Rußland weilte. Diese Dummheit ist von demselben Kaliber, wie ber mir im vergangenen Jahre von Moskau gemachte Vorwurf, die B wegung vom 21. Juli paralysiert zu haben. Zusammen mit Serrati hatten gerade wir diese Bewegung entfacht und in Frankreich) habe ich sie mit Tommast fast allein verteidigt, während die heuti gen zuverlässigen Kommunisten" abseits gestanden haben." Wenn Lächerlichkeit wirklich zu töten vermag, dann müßten Sinowjew und seine Nachbeter ihr bestimmt erliegen. Auch d'Annunzio für die dritte Internationale! Einer der prominentesten Führer der reinen" Kommunisten Italiens, der Abgeordnete Bombacci, hat sich wiederholt ganz offen für das Fiumaner Unternehmen von d'Annunzio auss gesprochen, weil dies angeblich„ revolutionären Charakter" befize. Aus demselben Grunde hat Bombacci auch abgelehnt, sich an einer durch die sozialistischen Abgeordneten im Parlament eingebrachten Interpellation zu beteiligen. Bombacci wird infolgedessen in den italienischen nationalistischen Blättern nicht wenig umschmeichelt. Selbstredend steht diese Beurteilung von d'Annunzio ben gan zen innerhalb der talenischen sozialistischen Partei vertretenen Auffassungen entgegen. Anders scheint aber Moskau orientiert zu sein. So berichtet Sezzati, daß. man der italienischen Dele gation in Mostau seinerzeit ein Telegramm vorgelegt habe, burch welches d'Annunzio Sowjet- Rußland beglüd. wünschte und es seiner Solidarität mit ihm versicherte! Sollte nun die Haltung von Bombacci so zu deuten sein, daß das in immer schärferen Kampf mit Serrati geratende Mostau in dem gleichen Verhältnis d'Annunzio näher tommt als es sich von Ser rati entfernt? In der Gemeinschaft von Enver Pascha fönnte jebenfalls auch für den italienischen Abenteurer d'Annunzio Raum geschaffen werden. Die Entwidlung von der kommunisti Ichen" zur nationalbolschewistischen" Internationale würde damit nur deutlicher zum Ausdrud tommen. ( das ist die Krone) und nicht die englische Lyrit( von der man einiges Hübsche Sonntag zu hören betam), das ist der englische Roman, in feinen Hauptvertretern Sterne, Fielding, Didens. Bon diesen drei Hauptpersönlichkeiten der englikhen Literatur war nur der schwächste, Didens, mit einem unzulänglichen Stüd auf dem Programm vertreten. Und so letnte man das beste der englischen Literatur: den etwas nichternen, aber sehr gefunden Menschenverstand und den sehr weisen und sehr gültigen umor nicht tennen. Auch nicht aus dem einleitenden Bortrage Ba u I Wieglers, der im übrigen aber ganz inftruttiv und doch unterhaltend war. Nur tehrte er die negativen Eigenschaften des Engländers etwas zu sehr hervor. Das Land ohne Musik" Damit ist England denn doch nicht ganz erschöpft. Die Leistungen der vortragenden Künstler waren in feinem Fall bedeutend, in einigen Fällen sogar unerträglich. Margarete Madstein schweigt des Sängers Höflichkeit am besten. Sie hatte sich nicht einmal vorbereitet. Kraußned las ein paar ernste, fromme und würdige Säge von Ruscin las ein paar ernste, fromme und würdige Sähe von Ruscin wie ein Paftor aber wie ein Bühnenpaftor. Das hätte schlicht und still gelesen werden müssen. Er machte eine dramatische Szene daraus. Müthel las Whitman mit Ernst und Eifer. Aber er war( so wenig wie Wiegler in seinem Vortrag) ber überragenden Größe diefes gewaltigen Proletariers nicht ge wachsen. Immerhin: eine anständige Leistung. Am besten las Dagny Gerva es ein paar Verse von Swinburne. Das„ Land ohne Munt"? Ja, was ist denn Musit, wenn Swinburnes Verse nicht Musit sind? Tages- Notizen Sans Siemien Runftveranstaltungen unserer Diftritte. 8. Diftrift am 15. Jan., abends 7 Uhr, im Lnzeum Lichtenberg, Rathausftr. 8, ein heiterer ufitabend zu dem für 2. etwas Gutes geboten wird. Eintrittstarten bei den Funktionären und an der Raffe. 9. Diritt am 15. Jan. in der Oberzealule Basteurfte. 44, Bieber zur Baute aus bet Biebermeierzeit. Mitwirkende: Clara Brath. Karten zu 2,50 R. bei ben Bezirtsführern und Spedition Werner, Greifs. walber Str. 29. Sorträge. Meinhart Maur gibt am 13. San. in ber Segelflon, 8 Uhr, einen literarifen Abenb. Rudolf Blümmer am 12. Jan. im Sturm" expreffionikisge Dichtungen. Jeden Mittwoch, 7% Uhr, im Scala. Clubla al, Lutherstr. 22-24, iterarife bende bes Lean Sirsch Verlages. Am 12. Jan. Ungebrudtes von Arno Sols. Bortragsabende. Ueber moderne Bautun ft spricht am 15, and 22. Jan., 7% Uht, Kunstgewerbemuseum, Prinz Albrechtstraße, in einer Boltsbühnen peranstaltung Dr. Cohn Wiener, Karten 1. in ber Bolts bühne" und bei Tfet. Adolf Behne beginnt mit seinen Vorträgen über Die neue Kunst am 14. Jan., 8 Uhr, Friedrichstr. 126; Einführung in bie kunt als Arbeitsgemein1aft am 13. Jan. 8% Uhr, Ge orgenstr. 30-31,& ührung burch bie 3taliener Sale bes& ailer- tles. rich Museums am 16. Jan., 9% Uhr vormittags. Kleine Mittellangen. Die von der Stadt Leipzig, verwaltete Gent- Stell- Stiftung hat Arno Holz eine Ehrengabe von 4000. bewilligt. Von Paul Better erscheint bemnächst ein neues Buch über Gustav Mahlers Sinfonien( Berlag Schuster& Loeffler, Berlin.) Die Breuifde Staatsbibliothet hat zahlreiche Briefmanustriste von Dostojewsti, Atsatow Bobiebonoszew, Supafin unb Der 18. Januar in der Schule mal wieder einen Großfeiertag, den sie gewiß nicht ohne gehörigen Am 18. Januar haben unsere Monarchisten und Alldeutschen Tamtam werden vorübergehen lassen. Daß auch die meisten Res gierungen der deutschen Freistaaten in irgend einer Weise för bernd dabei mitwirken werden, den 50. Jahrestag der und imperialistischen Gedankens zu mißbrauchen, kann bet ber Reichsgründung zur Verherrlichung des monarchistischen Bürgerlich- reaktionären Zusammensetzung dieser republikanischen" Regierungen nicht mehr wundernehmen. Besonders bezeichnend für den Geist unserer Reaktionäre und der von ihnen gebildeten Kabinette ist, daß sie sich vor allem und immer wieder die Schule für ihre monarchistischen Kundgebungen aussuchen. Von jeher war diesen Leuten die Schule bas Mittel, durch das sie das Bolt systematisch zu verdummen und zu belligen suchten, um so thre Herrschaft zu sichern. Und solange sie die Schule unter ihrem Einfluß haben, werden sie diese auch für ihre 3wede mißbrauchen, wie es wieder einmal deutlich bei den verschiebenen Vorbereitungen zur Feier des 18. Januar zum Ausbruck tommt. ,, Die Klassenlehrer oder die Lehrer für Geschichte werden in ben einzelnen Klassen in einer geeigneten Ansprache auf die Bedeutung des Tages hinweisen", verfügt der Kultusminister Dr. Matt für den Ordnungsstaat Bayern. Aehnliches ordnen seine Kollegen vom Fach in den anderen Staaten an. Und der Minister ber Riren und Eulen im ehemaligen Großherzogtum Oldenburg erklärt obendrein ben 18. Januar als schulfreien Tag. Der oldenburgische Minister will damit offenbar befunden, daß er an treubeutscher Gesinnung" hinter feinem seiner Kollegen zurüfteht, und wenn es not tut, auch selbst seine bayerischen Kob Tegen übertreffen kann. Die angemessene Feier" dieses Tages aber wird in der Wieders auffrischung der alten Geschichts lügen bestehen, welche die hohenzollern- Bismard The Blut- und Eisenpolitik verherrlichen und sie als eine Angelegenheit des deutschen Volkes hinzustellen verfuchen. Das geschieht 2% Jahr nachdem diese Bolitit an ihren eigenen Fehlern zusammengebrochen ist, zu einer Zeit, da das deutsche Welt noch unter der ganzen schweren Last des verlorenen Arieges föhnt, der den natürlichen Abschluß jener hohenzollernhen Regierungskunst bildet. Zweieinviertel Jahr nach Sturz dieser Dynastie preist man der deutschen Jugend ihren Ruhm" und ihre Taten, während man den Tag, der ihrer unglückseligen Herrschaft ein wohlverdientes Ende bereitete, den Tag, an dem bas graußge Morden eines fünfjährigen Weltkrieges endlich aufhörte, stillschweigend vorübergehen läßt, ja, seine Feier in Schulen und öffentlichen Anstalten direkt verbietet. Die Not der Arbeitslosen. Um zu der durch die Vermehrung der Zahl der Arbeitslosen geschaffenen Sachlage und zu den Anträgen auf Beschaffung von Arbeit und Erhöhung der UnterStügung Stellung zu nehmen, hat der Genosse Dr. Her beim Reichsarbeitsminister die sofortige Einberufung der von dem Boltswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstags eingesezten Unters tommiffion für die Erwerbslosenfürsorge beantragt. Ein dritter Nachtragsetat ist der Landesversammlung zuge gangen, der die Ausgaben für die neue Schuhpolizei, d. h. die Sicherheitspolizei, anfordert. Die Erfurter Waffenschiebung. Die Erfurter Waffenangelegen heit zieht weitere Streise. Unter den neuerdings Verhafteten be findet sich der Lagerhalter Wenzel von der hiesigen Treuhandgesellschaft. Es ist festgestellt, daß die Waffenteile aus Beständen der Reichstreuhandgesellschaft stammen. Berichtigung. In dem Bericht über die Kandidatenaufstellung ist der Name des 8. Kandidaten falsch wiedergegeben, es ist Ge toffe 3 a chert( nicht Bachert). Der neue englische Kolonialminister. An Stelle des zurückgetre tenen Lord Milner wurde Lord Montagu zum englischen Kolonialminister ernannt. Groß- Berlin Zum Wohnungselend Es gehen uns täglich eine große Reihe von Zuschriften zu, in benen über irgend einen Fall von besonderer Härte in der Woh nungsfrage geflagt wird. Es ist unmöglich, die Fülle der Zu Schriften abzubruden, obwohl fie eine gute Jllustration des herr Ichenden Wohnungselendes bieten würden. Die Ursachen des Woh nungselendes sind ja bekannt. Während man nun annehmen sollte, baß die Wohnungsämter sich bemühen, zum mindesten durch ihre Maßnahmen, die doch immer nur Palliativmittel sein können, wenigstens in ihrem Rahmen einige Linderung zu schaffen, tommen so und so oft Klagen, daß die vorhandenen Zustände durch rigonole Eingriffe noch verfalimmert werden. Einige Fälle seien furz angegeben. In einer Zuschrift des Mieterverbandes, Gruppe Süben, wird Beschwerde geführt über die 10. Wohnungsinspektion, Hollmannstraße. Dort hat ein Mieter eine Wohnung im dritten Stod inne. Dessen Frau ist seit einigen Jahren an einem schweren Herzleiden erkrankt, das sie sich durch Unterernährung und Ichwere Kriegsarbeit, während der„ vaterländischen Tä tigkeit" ihres Mannes zugezogen hat. Das Leiden hat sich derartig verschlimmert, daß der Arzt in einem sehr dringenden Attest angeordnet hat, daß die Frau eine Wohnung im ersten Stock oder Parterre haben muß. Der Mann wurde mit diesem Attest im Oktober beim Wohnungsamt, und zwar beim Direktor Laporte, schriftlich vorstellig. Kurz darauf erschien dann auch die Schwester Silscher und versprach Abhilfe. Leider ist November und Dezem ber barüber verstrichen. Inzwischen ist das Leiden so fortge schritten, daß bei dem fortgesetten Treppensteigen eine Katastrophe immer bedrohlicher erscheint. Der Einsender schreibt uns, daß ana dere Leute auf derselben Wohnungsinspektion, die dort sehr hand greifliche Auftritte herbeigeführt haben, sehr rasch befriedigt mor den wären. Sollte das etwa der einzige Weg sein, um von dieser Wohnungsinspektion eine Erfüllung dieser doch berechtigten For derung zu erlangen? Ein anderer Fall betrifft die Wohnungsverhältnisse bei der Polizei Abteilung Treptow. Gin Mitglied der zweiten Sundertschaft dieser Abteilung teilt uns mit, daß dort die Räume, bie zur Unterbringung von Mannschaften zur Verfügung stehen, recht merkwürdig aufgeteilt sind. Der ledige Adjutant der Abteilung bewohnt als einzelner Beamter eine Dreis zimmerwohnung, von denen nachweislich ein Zimmer dauernd leer steht. Dagegen müssen verheiratete Unterbeamte mit Kindern, mit 1 oder 2-3immerwohnungen zufrieden sein, und die lebigen fasernierten Beamten werden zu vier, fünf und sechs in eine Stube gepfercht. Sollte sich da nicht eine Einteilung treffen lassen, die vielleicht dem Herrn Adjutanten weniger anZ ähne 4 u. 7 mk. mit Friedenskautschuk 5 Jahre schrifffiche Garantie. Zahnziehen mit Betäubung bei Bestellung von Gebissen gratis. Kronen p. 30 mk. am Spez.: Zähne ohne Gaumen. Keine fruxuspreise anderen Schriftkteffern aus dem Krelle ber flawophilen und realtionären Rowote Zahn- Praxis Hatvani, Danziger Straße 1. Wremja" aus dem Nachlaß von Busyfowitsch erworben. genehm, zweifellos aber den gesundheitlichen Anforderungen und menschlichen Bedürfnissen der übrigen Beamten etwas mehr ent gegenkommt? Ebenfalls vom Mieterverband wird ein Fall berichtet. Der Obmann eines Mieterrats machte über die Zustände in dem von ihm bewohnten Grundstüd folgende Angaben: Der Hausagrarier wohnt außerhalb, ein Berwalter ist nicht bestellt. Die Wohnun gen befinden sich in einem troftlosen Zustande, die Flurbeleuchtung ist abgestellt, das Dach undicht, und die Fenster reparaturbedürftig. Vor einigen Tagen brach ein Wasserrohr, die Mieter mußten au i thre Kosten die Reparatur machen lassen. Sie können diesen Betrag nicht von der Miete abziehen, weil die Mieten gepfändet sind. Der Wirt hat erklärt, er habe bei diesem Grundftüd sein Vermögen zugesetzt, neue Sypothefen fönne er nicht aufnehmen, auch die Abgaben für Müll und Wasser, Ramalisation und Feuerversicherung fönne er nicht mehr bezahlen. Der Mieterrat hat sich schon vergebens an die Polizei gewandt, gerichtliche Schritte haben ebenfalls feinen Erfolg, well angeblich tein Bermögen vorhanden sein soll. Nun haben sich die Mieter an den Magistrat und Polizeipräsidenten gewandt. Solche Falle find aber nicht vereinzelt. Es genügt also offenbar noch nicht, daß schon ein Wohnungs elend burch den zahlenmäßigen Mangel an Wohnungen besteht, sondern dieses Elend wird noch gesteigert dadurch, daß die Berteilung der vorhandenen Wohnungen unge recht im höchsten Maße ist, und daß außerdem gewissenlose Hausagrarier in der Angst um ihren Profit sich scheuen, die Wohnungen in einem menschenwürdigen Zustand zu erhalten. Diese Zustände fann nur eine Wohnungspolitik beseitigen, die zum mindesten in her Verteilung der vorhandenen Wohnräume rüdsichtslos burch greift. Sier finden die Bezirksämter ein reiches Arbeitsfeld! Bezirksversammlung Berlin- Mitte Bor Eintritt in die Tagesordnung wurde ein Dringlichkeitss antrag Schneider und Genossen angenommen, wonach der Magistrat Berlin ersucht wird, das Mobiliar der Fettstelle An der Stralouer Brüde 6 dem zu schaffenden Bezirksamt zur Verfügung Bu ftellen Darauf beschließt die Versammlung, den Borstand aus 5 Personen su bilden. Die Wahl ergab 57 abgegebene Stimmzettel. Davon erhielten der Genosse Brendel 30 und Bezirksverordneter Dr. Kunz 27. Genosse Brendel ist mit absoluter Mehrheit zum Vorfizenden der Versammlung gewählt. Durch Zuruf wurden zum stellvertretenden Borgenden Bezirkss Derordneter Dr. Kunz, zum Schriftführer Bezirksverordneter Christ, zu Schriftführer- Stellvertretern Bezirksverordneter Menzel und Bezirtsverordnete Frau Wo1 Ist ein gewählt. Der Antrag Christ und Genossen über den Ausbau der Er werbslosenfürsorge wurde angenommen. Darin wird Magiftrat und Stadtverordnetenversammlung aufgefordert, die Bildung der Bezirtsämter schleunigst zu ermöglichen, damit eine umfallendere Erwerbslosenfürsorge betrieben werden kann. Den Erwerbslosen soll das Existenzminimum gewährt werden, um fallende gesundheitliche Maßnahmen für die Kinder sollen getroffen und mit den Betriebsräten sollen die Betriebe auf die Aufnahmefähigkeit von Arbeitsfräften überwacht werden. produttive Gewerbslosenflirforge soll mit Rotstandsarbeiten und großzügiger, Einrichtung fommunaler Betriebe begonnen und der Wohnungsfrage der Erwerbslpfen besondere Aufmerksamkeit gechentt werben. Wahl eines Ausschusses zur Ausarbeitung einer Geschäftsordnung wurde vertaat. Die Berichterstattung über die Wahl der Bezirksamtsmitglieder murde von der Tagesordnung abgelegt und der Ausschuß weiter betätigt. Der Ausschuß zur Borbereitung der Wahl der Chrenheamten berichtete über die Verteilung der Bezirksverordneten auf die Stadtbezirke. Die Versammlung bestätigte auch diesen Wusschuß bis auf weiteres. Anträge auf Abänderung der Zufeilung der Bezirke follen von den einzelnen Bezirksverordneten bem Bureau mitgetellt werden. Die Abstimmung über die Anträge Christ, und Genossen betr. bie Einrichtung von Lefebellen und unentgeltliche Hergabe von Lernmitteln wird infolge Beschlußunfähigkeit vertagt. Zusammenlegung der Bezirksamter Die Borlage über den Erlaß eines neuen Ortsgesetzes über die Zusammenlegung her 20 Berliner Bezirksämter und die Besol dung ihrer Mitglieder beschäftigte gestern abend einen Stadtver= ordnetenausschuß unter dem Vorsiz des Stadtv Banschow. Der Magistrat war durch den Stadttämmerer Boeß und den Magistratsrat 51bling nertreten. Nach eingehender Beratung wurde die Magistratsvorlage abgeändert angenommen und ber Borfizende mit bet Berichterstattung in der nächsten Sizung der Stadtverordnetenversammlung beauftragt. Die Aenderungen betreffen die Zusammenlegung der Bezirksämter 10( 3ehlendorf), 13( Tempelhof) und 16( Copenid). Das Bezirksamt 10 soll start a besolbeten und 4 unbefoldeten Mitgliedern 6 befoldete und 3 n Befoldete Mitglieder erhalten und in den Beiden anderen Be zirfen 13 und 16 Jollen ftatt 9, 11 Mitglieder gewählt werden, d. h. 7 befoldete und 4 unbesoldete. Gleichzeitig trat der Ausschuß zur Vorberatung der Magistratsvorlage über die Anrechnung der im Privatdienst verbrachten Dienstzeit auf das pensionsfähige Dienstalter im Rathaus unter syndilus Dr. Lange zusammen. Die Beratungen wurden vertagt, Borsiz des Stadtverordneten Braun und in Gegenwart des Stadtba ben Fraktionen noch einmal Gelegenheit gegeben werden soll, Stellung zu nehmen zu den im Ausschuß vorgebrachten grundfäglichen Fragen. Unwürdige Kampfmittel Die Kampfmittel unserer Gegner auf der linken Seite werden immer mehr ihrer sonstigen politischen und moralischen Beschaffen heit würdig. Herr Karl Schneidt, von jeher ein Mann, der von„ Geschäften" etwas verstand, veröffentlicht in seiner„ Tribüne" einen großen Artikel mit der Ueberschrift„ Der Pleitegeter über Breite Straße 8". Die„ Rote Fahne" macht sich die Behauptungen des Herrn Schneidt zu eigen und schreibt ebenfalls, es trache im Gebält der Freiheit". 3 Sollen wit auf all diesen Unsinn ernsthaft antworten? Ist es nicht ein schlimmes Zeichen für den Tiefstand dieser Gefellen, daß Re endlich bei diesem Kampfmittel angelangt find? Der„ Roten Fahne" wollen wir nur erwidern, daß es uns geschäftlich wahrscheinlich glänzend gehen würde, wenn wir uns in Halle von Sinowiew hätten taufen lassen. Sinowjew hat ja deutlich genug erkennen lassen, daß er bereit gewesen wäre, einen ansehn lichen Preis in russischen Rubeln zu zahlen. Herrn Schneidt aber sei erwidert, daß es uns allerdings sehr schlecht gehen 13 nnte, wenn bas Freiheit" Geschäft lauter solche Kun ben hätte, wie Herr Schneibt es ist. Da aber die Mehrzahl unserer Kunden ihre Rechnungen zu bezahlen pflegt, geht es uns mag es nun dem Schneidt und der„ Roten Fahne" recht sein oder nicht ausgezeichnet. Fortbildungsschulpflicht für alle Jugendlichen. Wie wir hören, ist ein Reichsgesetz über Einführung der obligatorischen Fach- und Fortbildungsschulpflicht für alle Jugendlichen bis zum 18. Jahre, auch der Hausangestellten, in Vorbereitung. Charlottenburg. Eltern, deren Kinder an der Jugendweihe teilnehmen, wollen sich bei den Genossen Schmul, Sybelstr. 31, Striesel, Pestalozzistr. 93, Gurol, Rehringstr. 9, melden. Zu der Erschießung des Kriminalwachtmeisters Behnte wirb uns mitgeteilt, daß die von den Beamten der Oftwache vorge nommene Verhaftung nicht aufrechterhalten werden konnte. Die Nachprüfungen des Kriminalkommissars Dr. Riemann haben ergeben, daß der Mann mit dem Verbrechen nichts zu tun hat. Alle Beugen, die für die Aufklärung des Verbrechens zweddienliche Mitteilungen machen fönnen, werden unter Hinweis auf die BeLohnung von 10 000 m. ersucht, sich noch umgehend bei Kommissar Dr. Riemann zu melden. Berhaftung eines Juwelenschiebers. Nach Unterschlagung von Brillanten im Werte von 270 000 Mart flüchtig geworden war feit dem 6. November vorigen Jahres ein 25 Jahre alter aus Kalisch gebürtiger Kaufmann Jidor Posnansti. Er hatte die Juwelen von einem Kaufmann aus der Französischen Straße in Kommission erhalten, war aber damit nach Holland gegangen. Jetzt wieder hierher zurüdgekehrt, wurde er von der Kriminalpolizei verhaftet. vielföpfigen Räuberbande, der leit zwei Jahren von verschiedenen Berhaftung eines Räuberhauptmannes. Der Anführer einer Kriminalbehörden gesucht wurde, ist gestern von der Berliner Kriminalpolizei ermittelt und unschädlich gemacht worden. Es handelt sich um einen aus Bielefeld stammenden Arbeiter Kodien, der sich auch wegen eines in Berbindung mit den Raubzügen stehenden Gendarmenmordes zu verantworten haben wird. Eine vielseitige Bande. Eine gut organisterie Einbrecher und Diebesbande, die fast ausschließlich aus Polen besteht, hat in legter Zeit in Groß- Berlin den Behörden viel zu schaffen gemacht. Ein großer Teil der Diebstähle, die auf der Untergrundbahn und in ben Straßenbahnwagen verübt werden, fällt auf ihr Konto. Ebenso vermuten die Polizeibehörden Berlins, daß von diesen Lodzer Jungen", wie diese Bande in Verbrechertreijen genannt wird, ein gut Teil aller in den letzten Monaten vorgekommenen Einbrüche ausgeführt worden ist. So fahndet die Polizei auf einen gewissen Sally Badenträger aus Lodz, der es in raffiniertester Weise vers Standen hat, bei einem großen Juwelendiebstahl sein Schäfchen ins Trodne zu bringen. Badenträger war auch in eine andere DiebStahlsangelegenheit verwidelt. Er hatte mit anderen Mitgliedern ber Lodzer Bande ein großes Ding gedreht". Sie hatten sich mit den Dienstmädchen eines Kolonialwarenhändlers Binder, HirtenStraße, befannt gemacht und dabei ausbaldowert, daß der Kaufmann in seinem Geldschrank große Summen bares Geld und Wertpapiere aufbewahrte. Sie hatten von den Dienstmädchen ferner erfahren, daß Herr B. am 1. Dezember die Hochzeit seiner Tochter Spezialität: Gaumonplatte feiern werbe. Die Lodzer überredeten nun die Dienstmädchen, ihnen ein Stelldichein zu gewähren. Als die Familie in die Kirche gefahren war, erschienen die Polen in der B.'schen Wohnung, und während die„ Bräutigams" mit den Mädchen ein Schäferstündchen feierten, erbrachen andere Mitglieder der Bande den Geldschrank und entwendeten 180 000 Mart daraus. Dann begaben sich die beiden Dienstmädchen, um ihr Alibi nachweisen zu können, in den Hochzeitssaal und waren dort beim Servieren tätig. Zum Dant wurden sie von den„ Lodzer Jungen" nach Polen verschoben. Bis her ist es der Kriminalpolizei noch nicht gelungen, die Täter, unter denen sich Padenträger befand, zu ergreifen. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Dona nerstag. Ein wenig wärmer, zeitweise auftlärend, jedoch übers wiegend trübe mit wiederholten Regenfällen und lebhaften süds westlichen Winden. Aus den Organisationen 4. Diftritt. Abteilungsführer, heute abend, 6 Uhr, Blafate abholen bel Ller, Maungnr. 9. 4. Diftritt. Donnerstag, 13. Januar, abends 18 Uhr, im Lokal von Laajer, Lanfiger Str. 26. Bildungsfommission. Die Anwesenheit eines Bezirksverords neten i erminit. 4. Diftrift. 18. Abteilung. Seute gemeinsamer Zahlabenb um 7 Uhr bet Mertens, leidete. 20. 7. Diritt. 2. Abteilung. Der Jahlabend findet heute bei Hoffmann, Stralanez Alee 17 um 7 Uhr statt. 8. Drift. Abteilungsführer Material heute abend 6 Uhr, bei Wittschus, Petersburger Straße abhsten. 10. Dr. Sugendversammlung. Donnerstag, 13. Januar, bel Büttner, Schwedter Str. 32, 7% Uhr. Kinderschuhkommission bei Kurzrod, Zionstirch- Play Nr. 5, 7 Uht. 13. Diftritt. Donnerstag, 7 Whe, Schulaula, Graunftr. 11, Elternversammlung in ber 198. Mäbchenschule Pflicht aller Eltern ist es, zu erscheinen. 11. unb 15. Diftritt, Charlottenburg. Borstandsfizung und Obleute der Bil bungstommiffion, Donnerstag abead 7 Uhr, bei Braun, Wilhelmshavener Str. 24. 16. Diftritt. Kinderschuttontmtssion. Sigung am Donnerstag abend 7 Uhr, bei Kerften, Sparrstr. 13a. 20. Die Ortsvorstände der Partelorganisation bez U.S. P. D. Gigung am Sonntag, 16. Januar, vormittags 10 Uhr, im Sigungs jaal des Reinisendorfer Rathauses. Berwaltungsbezirt. Renton. Bezirksverfammlungen. Mittwoch, 13. Januar, abends 7 Uhr: 2. Bezirt: Riggel, Sobrechtftr. 9. 5. Bezirk: 3dealfasino, Weichselstr. 8. 7. Be zirt: Kaschun, Bergstr. 8. 8. Bezirf: Südgarage, Köllnisches Ufer 22-23. 9. Be girt: Shent, Rosenstr. 24. 10. Bezirk: Bristow, Richarbitr. 53. 12. Bezirk: Gaede, Lippeftr. 9. 13. Bezirt: Funt, Walterstraße Ede Grenzallee. 18. Bezirk: Gürtler, Prinz Handfernt, 34. 19. Begir: Domte, Brinz- Sandjery- Str. 75. 20. Bejitt: Coler, Biethenstr. 64. 21. Begirl: Grunwald, Weisestr. 12. 22. 23e zirk: Dird, Weijeftr. 3. 24, Bezirt Ringewald, Wigmannstr. 12. Brih. Seute abenb gemeinschaftlicher Zahlabend im Lofal von Mater, Chauffee Eate Jahnstraße. Tagesordnung: Rassenbericht, Neuwahl sämtlicher Funktionäre und die Verschmelzungsfrage. Lichtenberg. 1. Biertel. Der Zahlabend findet in folgenden Lofalen tatt: 1. Gruppe bei Mining, Niederbarnimstraße 3. 2., 3., 4. und 5. Gruppe bet Wiechert, Simon- Dach- Str. 5. 2. Abteilung bei Höyel, Mühlijchtr. 30. 3. 26teilung bei Siewert, früher Rau, Scharnweber. Ede Friedrich Karl- Straße. 4. Abteilung: 16. unb 19. Gruppe bei Scherbaum, Seumes Ede Kroffener Straße 17. und 18. Gruppe bei Mohnte, Gärtnerstr. 1. Charlottenburg. Die Sigung ber fommunalen Rommission findet am Freitag, ben 14. Jantar, nicht staft. Wittenan, Borsigwalde. Der Zahlabend für alle brei Bezirke findet heute bet Woitschad, Ernststt. 1, statt. Reinidendorf- ft. Donnerstag abend 7% Uhr, in der Aula des Gymnasiums Bernerstraße, Vortrag über die weltliche Schule. Weißenfte. Donnerstag abend 7 Uhr, in der Aula bes Realgymnaftums öffent fiche Boltsversammlung. Genoffin Dr. Krische Spricht über: Sozialismus und Geschlechtsleben!" Vereinskalender Bund ber technischen Angestellten und Beamten. Hente Mitgliederversammlung Norden in Lamperts Feitfäle, Schönhauser Allee 129, abends 7 Uhr. Dens. nerstag Mitgliederversammlung Norden 1 im Reft. Schwart, Feldtr, 3, abends 7½ Uhr, Lichtenberg im Reft. zur Hütte, Frankfurter Allee 226, abends 7 Uhr, Often im Hochbahnrestaurant, Stralauer Ale 48, abends, 7 Uhr, Südwesten im Reft. zur Bierglode, Belle- Aulance- Str. 106, abends 71 hr. Freitag Mitgliederperfammlung Norden 3 in Reft. sum Sagenbed, Müller Ede Geestraße, abends 7 Uhr, Reinidendorf im Reft. Schulz, Wittenau am Bahnhof, abends 7½ Uhr, Siemensstadt im Rest. Schloßtlaufe, Nonnendamm- Allee, abends 7 Uhr, Tegel im Café Hohenzollern, Straßenbahn- Endhaltestelle, abends 7 Uhr. Arbeiter Samariter.Kolonne Berlin, Abt. Webbing- Prenzlauer Tor. Donners tag, 13. Januar, abends 8 Uhr, Mitgliederversammlung in der Schule Bernauer Straße 89-90, Berantmorifich für bie Rebattion: Ver Emil Rabofb, Berlin. antwortlich für den Inferatenteil: Ludwig Romeriner, Karlshorft. Verlagsgenoffenidaft reibelt" e. 6 m b.$. Berlin.- Drud der Freiheit d Porfin T its Cri Parteigenossen verlangt im heutigen Zahlabend den U.S. P.- Taschenkalender 1921 Preis für die Organisation 3.- Mark. Zahn- Praxis Endter Nflg. Alvenslebenstraße 21, Hochbahnhof. Billowftraße Mur 2 fefte reife Goldkronen:: Bellchen: Stiftzähne. Garmentofer Zahnerfaß. Munduntersuchung gratis. Keine Luruspreffe. Sprechstunden wochentags 9-12, 2-8 Uhr. Zähne 5 M. und 7,50 m. 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