Ar. 206 Abonnements-Sedinzungen: WbonnementZ-Preis pränumerando: Pierleljährl. 3�0 Mk., monatl. 1.10 Me, wöchentlich 28 Psg. sret ins Haus. Einzelne Nummer s Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftrirler Sonntags- Betlage„Die Neue Welt" 10 Pfg> Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingelragen in der Post- ZetlungS« Preisliste für l«S7 unter Hr. 7487. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für daS übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich auher Wonlag». ' Devlinev Volksbl�tk. 14 Iahrgl. Die Insertwns- Gebühr beträgt für die sechSgespaltene Kolonel- zeils oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und BerfammlungS-Anzetgen, sowie ArbettSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bt» 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Tie Erpsdilton ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Unit I, Nr. 1S08. Telegramm-Adresse: „Soiialdemokrat Srrlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Yedaktion: SW. 19. Meulh-Straße 2. KztpedMon: 8V. 19. Mettty-Strnße 3: Vie Volizei die Seele des StAAles. Der Appetit kommt beim Essen. Seit Jahren arbeiten die Handlanger der Reaktion daran, das bischen konstitutionelle Schminke, das dem Polizeistaat Preußen angeklebt ist, zu gunsten der Jnnkersippe völlig verschwinden zu lassen. Ans ganz gesetzlichem Wege gehl das nicht an, wenigstens nicht mit einem Male. Da selbst der preußische Landtag nicht sofort zur Erdrosselung der wenigen Volksrechte seine Hand bieten wollte, sind sie denn auf ein anderes Mittel mit verstärklem Eifer verfallen. Was braucht man die gesetzgebenden Körperschnsten, wenn man sich heransklügeln läßt, eigentlich habe die Polizei die Gesetzgebungsgewall? Frisch an's Werk. Die Polizei fängt mit den ersten vier Buchstaben ebenso an, wie das Wort Politik. Also ist Polizei Politik. Politik zu machen Sache der Polizei. Eine noch weitere Einengung des Vereinsrcchts wollte der Landtag nicht zugeben. Aber die Polizei hat es bereits verstanden, durch ihre bekannte Verfrommungsverordnung von, Oktober 1896 das gesetzlich gewährleistete und»ach der Veriassung nur durch Gesetz zu beschränkende Versammlungsrecht einzuengen Das Kammergericht hat unter Vorsitz des früheren Staatsanwalls Groschuff— vor zehn Jahren setzte ihm, der damals als Staats- anivalt in Altona gegen Tichner und Genossen wegen Geheim bündclei sungirte, ein einfacher Mauersmann in öffentlicher Gerichts sitzung auseinander, daß gm nicht„Sozialdemokrat", sondern Quadratmeter, unddaßebiv nicht„Liederbuch", sondern Kubikmeter im werklhätigen Leben bedeute— am 12. August des Jahres 1397, wie unseren Lesern bekannt, angenommen, daß diese polizeiliche Verfrommungsverordnung in allen Theilen zu Recht bestehe, da sie durch eine Kabinetsordre von l3Z7 gestützt werde. Freilich Artikel 29 der Verfassung vom 31. Januar 18Z0 bestimmt„alle Preußen sind berechtigt, sich ohne vorgäugige obrigkeitliche Ev lanbniß friedlich und ohne Waffen in geschlossenen Räumen zu ver- sammeln," freilich Artikel 30 derselben Verfassung besagt:„DaS Gesetz regell insbesondere zur Anfrechterhallung der öffentlichen Sicherheit die Ausübung" des im Artikel 29 gewährleistete» Rechts; freilich Artikel 109 derselbe» Verfassung hebt ausdrücklich alle der Verfassung zuwiderlaufenden Gesetze— also auch die Kabinetsordre von 1837— auf. Aber— das Kammer- gerichl ist anderer Ansicht und ist letzte Instanz in den vor Schöffen� gerichlen Preußens wegen Verstoßes gegen preußische Gesetze, Ver ordnnngen und dergl. verhandelte» Sachen. Das Erkenntniß ist bis' lang in allen unabhängigen Kritiken als unhaltbar anerkannt. Desto eifriger haben die Unken der Reaktion dies mit der Verfassung platterdings unvereinbare Erkenntniß des Kammergerichts als ei» prächtiges Meisterstück gelobt. Wir glauben, die Herren frohlocke» zu früh. Das Kammergericht dürfte bei nächster Gelegenheit seinen Jrrlhum, ein aufgehobenes Gesetz von 1837 könne eine gegen die Verfassung verstoßende Polizeiverordnung rechtfertige», ebenso gut eingestehen, wie es längst eingesehen hat, daß seine i» einem anderen von uns abfällig kritisirten Erkenntniß niedergelegte Ansicht irrig war, nach der ein hannoversches Jagdgesetz durch ein preußisches Gesetz, das dies hannoversche aus drücklich aufrecht erhält, aufgehoben werden könnte. Inzwischen reiben sich die Untergraber jeder Kultnrentwickelung ver- gnügt ob jenes Erkenntnisses die Hände. Ihr Appetit steigt. Sie verlange» Gerichte, nach denen zu verlangen man selbst diese» Leuten schiverlich hätte zumuthen sollen. Ein Chorus besonders ausgelassener Volksfeinde behauptet nämlich schlankweg: Die Polizei könne eigentlich durch Polizeiverordnung nach dem Gesetz alles» regeln. Es soll die Polizei durch giltige Polizciverordnnng nämlich„alles regeln dürfen, was im öffentliche» Interesse auf den, Gebiete der inneren Verwaltung zum Schutz oder zur Förderung des Gemeinwohls ein für allemal zwingend geordnet oder geregelt werden muß." Die„ R o r d d e u t s ch e A l l g e m e i n e" brachte kürzlich einen längeren Artikel mit der Ueberschrift„Die Polizei- Verordnung", in dem sie dieser, von de», bekannten Freiburger Professor Rosin bereits früher vertheidigten, völlig obstrusen Ansicht schiniinzelnd halb und halb Anerkennung zollt. Allerdings setzt sie etwas abwinkend schließlich hinzu: „Sei de», indessen, wie ihm wolle, eine praktische Folge wird die ganze von Rosin aufgerollte Streitfrage schwerlich haben. Denn sowohl das Kammergericht, als auch das Ober- verivaltnngsgericht halten einmüthig an der von ihnen de», Gesetz vom 11. März 18S0 gegebenen Auslegung fest. Sie sehen in ihm lediglich eine nähere Detaillirung der landrechtlichen Vorschriften; nur innerhalb des dort gesteckten Rahmens, also lediglich znr Ab- Wendling von Schäden und Gefahren, nicht aber zur Förderung der allgemeinen Wohlfahrt billigen sie der Polizei die aufgezählten Befugnisse zu. Schwerlich wird in dieser einheitlichen Recht- sprechnng eine Aenderung eintreten." Wir lassen dahingestellt, ob nicht den Kreisen der„Norddentfchen Allgemeinen Zeitung" trotz dieser Art des Abwinkens eine Aenderung der Zusammensetzung des Oberverwaltungsgerichls und eine günstigere Auffassung für die Erweiterung der Polizeibefngnisse nicht erwünscht wäre. Zweifellos ist, daß das Obertribunal mehrmals, z. B. in den Erkenntnissen vom 3. November 1364 und 8. Mai 186S. und das Oberverwaltungsgericht z. B. in den Erkemcknisse» vom 10. Juni 1830 und 14. Juni 1832 die von der Polizei wiederholt versuchte Ausdehnung der Polizeibefugnisse auf alles, was übev Haupt im Allgemeininteresse liegt, als völlig unhaltbar zurück' gewiesen hat.... Die Rechtslage ist danach in Preußen zur Zeit noch folgende: Polizeivorschrifte» allgemeiner Natur zu erlassen ist an sich Sache der Gesetzgebung. Das Recht der Polizeibehörde zum Erlaß solcher Polizeivorschristen beruht auf ausdrücklicher Uebertragung durch ein Gesetz. Dies Gesetz ist das vom 11. März 1350. Dort wird außer- ordenllich weitgehend als zu den Gegenständen der ortspolizeilichen und landespolizeilichen Vorschriften gehörig in§ 6 aufgezählt: „a) Der Schutz der Personen nnd des Eigenthnms. b) Ordnung, Sicherheit nnd Leichtigkeit des Verkehrs auf öffentlichen Straße», Wegen und Plätzen, Brücken, Ufern, Ge- 'c) Der Marklverkehr und das öffentliche Feilhalten von Nah- rnngsmitteln. �. d) Ordnung und Gesetzlichkeit bei dem öffentlichen Zusammen- sei» einer größeren Anzahl von Personen. o) Das öffentliche Interesse, in bezug auf die Aufnahme und Beherbergung der Fremden; die Wein-„ Bier- und Kassee-Wirth- schaflen und sonstige Einrichlungen zur Verabreichung von Speise» und Getränken. k) Sorge für Leben nnd Gesundheit. x) Fürsorge gegen Feuersgefahr bei Bauausführungen sowie gegen gemeinschädliche und gemeingefährliche Handlungen, Unter- nehmunge» und Ereignisse überhaupt. K) Schutz der Felder, Wiesen, Weiden, Wälder, Baum Pflanzungen, Weinberge u. s. w. i) Alles Andere, was im besonderen Juteresse der Gemeinden und ihrer Angehörigen polizeilich geordnet werden muß." BiS dies Gesuch vom II. März 16S0 erlaffe» wurde, bestimmte 10 II ß 17 des allgemeinen Landrechts über die Befugnisse der olizei folgendes: „Die»ölhigen Anstalten zur Erhaltung der öffentliche» Ruhe. Sicherheit und Ordnung, und zur Abwendung der dem Publiko oder einzelne» Mitglieder» desselben bevorstehenden Gefahr zu treffen, ist das Amt der Polizei." Das Gesetz vom 11. März 18S0 hat nicht, wie die„Nord deutsche Allgemeine Zeitung" möchte, durch Nr. i des§ 6 den Z 17 II. 10 ausdehne n und so der Polizei Allgewalt über tragen wolle», sondern im Gcgentheil wollte der Gesetzgeber die Polizeigewalt des absoluten Staates einenge». Das Ober Verwal tungsgericht führt»ach dieser Richtung— wie von allen bedeuten deren Staatsrechtslehrcrn stets anerkannt ist, zutreffend— folgendes aus:„Es bedarf keines auSiührliche» Nachweises, daß vom Gesetzgeber im Jahre 13S0 nicht beabsichtigt ist, die Befugnisse der Polizeibehörde über de» bisherige» im§ 10 II, 17 A. L.-R. gegebenen Nahmen hinaus zu erweitern oder gar ans das gesammle Gebiet der Wohlsahrts pflege zu erstrecken/ Sonst ließe sich leicht darthun, daß im§ 6 die unter dem Buchstaben s. bis Ii ausgeführten Gegenstände sich im all gemeinen innerhalb der Schranken des Z 10 II, 17 A L.-R. halten daß ferner sowohl nach der ganzen Fassung des Z' wie nach der völlig klare» Entstehungsgeschichte(vergleich stenographische» Bericht der I. Kammer 49/S0 S. 2329 fg.) die Borschrist unter i nur znr Aussllllnng etwaiger in dem Vorhergehenden gebliebenen Lücken dienen sollte und daß endlich in dem Buchstaben Ii ein Zusatz, wonach auch die Ordnung bei Benutzung der Feldner u. s. w. der polizeilichen Regelung unterstehen sollte, um deswillen gestrichen ist, weil eine über den„Schutz" der Felder u. s. w. hinausgehend« Anordnung »m deswillen gestrichen ist, weil eine über de»„Schutz" der Felder sc. hinausgehende Ermächtigung bedenklich erschien... Der bündigste Beweis dafür"— sagt das Oberverwaltungsgericht mit recht „daß eine Ausdehnung des polizeilichen Eingreifens zum Zweck der Wohlfahrtspflege damals entschieden abgewiesen worden ist." Diese Ausführungen machte das Oberverwaltungs' gerichts in den, Erkenntniß vom 14. Juni 1882. Das Erkenntniß anerkannte die Rechtsungiltigkeit einer Polizeiverordnung der Berliner Polizei vom 10. März 1379, die das im Jahre 1873 erhöhte Krenzberg- Denkmal durch baupolizeiliche Beschränkungen vor Ver baunng seiner Aussicht schützen wollte. Die Polizei führte damals zur Begründung ihrer Verordnung aus:„Ein Gemeinwesen besitze viele andere und namentlich ideale Güter, welche eines behördlichen Schutzes gegen die Handlungen einzelner Mitglieder des Staats bedürfen. Es handle sich darum, den Patriotismus, eins der höchsten idealen Güter, welche eine Nation besitzt, zu hüten." Die Polizei unterlag damals mit ihrer eigen thümlichen Ansicht. Die Befürworter des Polizei- Absolutismus wittern offenbar Nachtluft. Sie hoffen, es gicbt keine» Grolman» mehr, der als Gerichtspräsident in dem bekannten Prozeß gegen Jakoby die Worte unterschrieb„der Richter hat sich jedes Urtheils über Meinungen zu enthalten. Die Meinung als solche ist kein Verbrechen. Sie kann nur strafbar werden durch die Form, in welcher sie in die Oeffent lichkeit tritt, und durch die Absicht, die bei der Veröffentlichung vorwaltet. Vorwurf richterlicher Entscheidung kann daher auch nur die Form und die Absicht werden, und je schivieriger es ist. den Inhalt hierbei zu finden, um so strenger ivird für den Richter die Verpflichtung sein, sich selbst zu überwachen, damit die Selbst st ä n d i g l e i t und Unabhängigkeit seines UrHeils vor dem Einfluß eigener Ueberzeugung gewahrt werde." Unsere Reaktionäre hoffen, daß es rückgratssteife Richter nicht mehr gebe, sondern nur solche, die für Recht auch das offen barste Unrecht erklären, sobald es der jeweiligen Verwaltung genehm ist. Die Herren täuschen sich und jubeln zu früh über die Möglichkeit den absoluten Polizeistaat durch ungerechte Urlheile stabilistre» zu können. Bezeichnend für die Herren ist eS, daß ihnen nicht einmal mehr die Polizeigeivalt, wie sie im absoluten Staat Friedrichs des Großen durch§ 17 II, 10 des Landrcchts festgelegt wurde, genügt, sondern daß sie darüber hinaus die Polizeigewalt Ludwigs XIV. anerkannt 'ehen wollen, die in den Edikte» vom 13. August 1674 und Juni 1700 für Paris dahin ausgedrückt wurde: es habe„die Polizei den Parisern die Güter der Seele, des Körpers und des Vermögens zu icher»." Unter dieser Devise snachte die Polizei in Frankreich Jagd auf die Ketzer, nahm unter dem Vorwand, die Sicherheit zu ge> währleisten, fest, verhaftete, svarf in Gefängnisse, prügelte, schrieb vor. was der einzelne thun, lesen, schreiben, ja denken und wann und wo er tanzen konnte, bestahl und bespitzelte die Bürger, bemogelte nnd beraubte den Staat. Dies Ziel werden auch die kühnsten Etaatsstreichssreunde in Deutsch- land nicht mehr erreichen. Gut ist's aber, ans der Hut zu sein vor diesen gemeingefährlichen Leute», die lebhaft daran arbeiten, für ihre Minirarbeit„wissenschaftliche" Hilfskräfte zu gewinnen. Weiß sie doch, wie wahr des hanuöver'schen Königs Ausspruch für die bürgerliche Gesellschaft ist:„Huren und Pro- fessoren kann man immer für Geld haben." politische Mebeellchk. Berlin, 3. September. Auch in Nürnberg hat der Kaiser am Donnerstag einen Trinkspruch gehalten. Dieser Trinkspruch beschränkt sich aber auf allgemeine Dankes- und Wunschesworte an den Prinz- rezenten von Bayern sowie auf Erinnerungen an die Vor- fahren, welche Burggrafen von Nürnberg waren. Bemerkens- werth erscheint sonst noch, daß der Kaiser seine besondere Freude aussprach, daß„es ihm endlich vergönnt gewesen sei, in dieser herrlichen kerndeutschen alten Stadt zu verweilen". Man sieht, daß sich der Kaiser seine Freude an der Stadt seiner Ahnen nicht hat beeinträchtigen lassen durch die Thatsache, daß diese Stadt in unseren Tagen zu einer Hochburg der Sozial- demokratie geworden ist, was ihr bekanntlich gemeinsam ist mit zahlreichen anderen deutschen Städten, wo kaiserliche Schlösser stehen.— König Gumbert von Italien besucht in Honibnrg den deutschen Kaiser. An fürstlichen Rendezvous, Händedrücken, Friedensversicherungen fehlt es also in diesem Sommer nicht. Je öfter sie sich aber wiederholen, um so geringer ist ihr Ein- druck auf die Völker. Diese hören so viel von der Erhaltung nnd Befestigung des europäischen Friedens, aber sie wissen nur zu gut, daß sie trotz all der schönen Worte iminer mehr und mehr für kriegerische Ausgaben opfern müssen. Sie betrachten deshalb auch diese Fürstenbesuche mit gar kühlem Sinn.— Saubere Bauernfrennde sind doch die Herren von der „Deutschen Tageszeitung". Die Befürchtungen, welche die Rede des Kaisers nnd der allgemeine Gang der Reichspolitik bezüglich der M i l i t ä r- S t r a f p r o z e ß- Reform erweckt habe», dienen dem Bündnerblatt zu den höhnischsten Bemerkungen. Die Besprechung dieser Angelegen- heit sei nur eine Hetze, ein alter Ladenhüter, Stimmungsmache gegen die höchste Person; man ivolle nur böses Blut machen, die ganze Sache sei gar nicht so brennend; im Volke sei gar kein tieferes Interesse für die Angelegenheit vorhanden oder, wo es vorhanden sei, sei es künstlich hervorgerufen oder wenigstens künstlich gesteigert; die Strafrechtspflege im Heere sei bisher schon gesvissenhaft geübt worden u. s. iv. Gciviß, wenn es nach den Herren um Plötz ginge, könnte die Militärjnstiz ruhig so bleiben mie sie ist. An ihrer Stellung zu dieser Frage erkennt nian aber in vortrefflicher Weise, weff' Geistes Kinder die- selben sind. Warum sollten sie auch ein Interesse an der Beseitigung der schädlichen Bestimmungen des Militär-Strafprozesses haben, da ihre Kreise davon freilich kaum irgendwie betroffen werden. Die Junker nnd Junker- söhne, denen als Offizieren in der Armee die außerordentlichsten Rechte bei der Riilitärjustiz- Handhabung zustehen, mögen die Reform ans diesem Gebiete gciviß nicht als dringend empfinden. Aber die Bauern wie die Arbeiter, welche zwei und drei Jahre als„gemeine Soldaten" unter dem Befehl der Junkerjünglinge„unbedingten Gehorsam" leisten müssen und gar leicht in Konflikt mit der Militärjnstiz kommen und, sobald dies geschieht, in eine geradezu gräßliche Lage gcrathen, denken darüber ganz anders. Und wenn die „Deutsche Tageszeitung" annimmt, es bestehe gar kein Interesse für diese Frage, so irrt sie sich ganz bedeutend nnd beweist mit ihrer Behauptung nur, wie ivenig sie mit dem Denken und Fühlen der kleinen Leute auf dem Laude vertraut ist. Das Organ des„Bundes der Landwirthe" zeigt aber auch hier mit wohlthuender Deutlichkeit seinen Charakter als Interessenvertretung der Besitzenden und Privilegirten!— Ist'S nicht Tanbcnspcrk, so muß es ein anderer sein, wir brauchen ein Attentat, kost' es, was es ivolle. Dies wissen einige Leute und frivole Journalisten. Deshalb erfindet ein durch die Un- Zuverlässigkeit seiner Meldungen bekanntes Lokalblatt einen neue» Atlentatsplan eines Brüsseler Anarchisten gegen den deutschen Kaiser. Leichtfertig redigirte Zeitungen drucke» ernsthaft die Meldung ab, die sonst weiter nicht gefährlich ist.— Die Frage der Kriegsentschädigung kommt noch immer nicht von der Stelle. Dafür wird die Situation auf Kreta eher schlimmer als besser. Ans Kandia verlautet vom Donnerstag, daß die Anfständischen auf türkische Truppen geschossen haben, welche das Feuer erwiderten. Getödlet sein soll niemand, aber immerhin sieht man, daß von einer Beruhigung der Insel noch keine Rede ist.— In Indien scheinen die Engländer nun mit mehr Nachdruck gegen die ausständischen Stämme vorgehen zu wolle». Aus S i m l a wird gemeldet: Zwei englische Kolonnen unter de» Generälen Blood und Ellis werde» gegen den aufrührerischen Stamm der MohinmidS vorgehen. Die Kolonne des erstere» wird von Swat, die des zweiten von Sdabkadar aus vorrücken. Die beiden Kolonnen haben zusammen eine Stärke von 10 000 Mann.— Höchst bemerkenswerth ist eine Meldung aus Madrid vom 1. September, welche die„Vossische Zeitung" millheilt:„Die M o p l a h s. der fanatischste mohammedanische VolkSstamm an der Malabarküste, befinden sich im Ausstande. Das ist ein ganz bedenk- liches Zeiche», wenn viele Hunderte von Meilen vom gegenwärtige» Kriegsschauplatze entfernt ein zweiter Aufstand ausbricht, und läßt mindestens auf eine weitverbreitete mohammedanische Beivegung an den verschiedensten Punkten Indiens schließen. Schon vor zwei. Jahren>var ein Aufstand der Moplahs nur mit großer Mühe und vielen Zugeständnissen beigelegt worden."— »• Deutsches Reich. — Zur Coblenzer„Gottes G»aden"-Rede finden etzt auch einige konservative Blätter Worte. Die„Kreuz- Zeitung" legt wohlgemuth die Worte des Kaisers so aus, daß derselbe,„dem die schwere Verantwortung vor Gott dem Herr» niemand abzunehmen vermag, weder die Minister, noch die Parlamente", gegen den Willen des Volkes und des Parlaments zu handeln berechtigt sei. Das Blatt erinnere an den Militärkonflikt der 60er Jahre und stellt das damalige Ver- ahren des Königs geradezu als vorbildlich hin, zu welchem Zwecks es allerdings die geschichtliche Wahrheit vollständig auf den Kopf stellt. Auch Herr Schweinburg in den„Berk. Polit. Nachr." ist über die Kaiserrede völlig verzückt. Nach ihm ist die Auffassung des Kaisers von seinem Beruf«ine so überaus hohe und geniale. daß. die gesmnmte Zahl derer, ivelche an die Veranlwortlichleit de? Kaisers gegennber der Verfassung erinnert habe», einfach zu dumm seien, um so etwas zu begreifen. Herr Schweinburg geräth ins Schwärmen und der Fürst nürd ihm zum Uebermenschen: „Ein Herrscher, der sich neben seiner verfassungsmäßigen U»- veranlwornichfeit selbst zu der unbedingten persönlichen und vioralischen Verantwortlichkeit für seine Regierungshandlungen ausdrücklich bekennt, stellt sich eben eine Aufgabe, welche hoch über dem geschriebenen Foruralisnrus steht, er idealisirt seine verfassungsmäßige» forlnalen politische» Pflichten zu einer ans der freien Erkenntniß seiner Verantwortlich- keit vor Gott und Volk hervorgehenden, der Vertiefung seiner Auf- gäbe entspringenden freien Pflichterfüllung. Wer für diese Auf- sassnng des KöuigsberufeS kein Verständniß hat, dem fehlt überhaupt das Verständniß für das Wesen der Monarchie." Das Wesen der Monarchie mag bestehen, wie es will, und Herr Schweinburg mag es ausfassen, wie ihm beliebt. Aber das Wesen der! o n st i t u t i o n e l l e n Monarchie besteht in jedem Falle darin, daß der„geschriebene Forinalismus", oder klarer ge« sprechen die Verbindlichkeiten gegen Proletariat und Volk ihre» volle» Respekt erfordern. Der„geschriebene Formalismus" ist das Produkt einer großen geschichtlichen Entwicklung. Und wenn Kreuzzeitnngs-Staatsstreichlern und Schweinburge diesersEntwicklung glauben mit Nietzsche-Phantasmen spotten zu dürfen, so dürften sie sich dabei gehörig in die eigenen Finger schneiden.— — Die Ergänzungsgesetze zum Bürgerlichen Gesetzbuche sollen einer. Miltheilung der„M. N. N." zufolge dem Reichstage in der letzten Session dieser Legislaturperiode noch vorgelegt werde».— — Das I n n u» g s g e s e tz soll vor 1809 nicht in kraft treten, so viel Zeit sollen die Vorarbeiten verschlingen. Die meisten Hand- werker können es erwarlcn.— -- Bismarck-Glossen. I» dem Leitartikel der neuesten Nummer der„Zukunft" finden sich unter Anführungszeichen eine Anzahl Glossen Bisinarck's über die französisch-russische Allianz, über die Marinepläne, über die Kaiserin Angusta und über die konservative Partei. Die letztere Stelle wollen wir wieder- geben: „Man wirst mir jetzt in de» Zeitungen vor, ich habe durch eine Aeußerung, die in einem Wiener Blatte veröffentlicht wurde, die kon- servative Fraktion verletzt. Fch kann mich der Aeußerung nicht mehr entsinnen, weiß nicht, wie sie in die Zeitung kam, und nehme an, daß sie sich auf Vorgänge bezog, die sich bei meiner Entlassung und bei der Berathung der ersten Handelsverträge abspielten. Von den heutigen Führer» der Konservativen kenne ich überhaupt nur einzelne Herren, die meinem Hause befreundet sind und die ich natürlich nicht kränken wollte; auch an der persöu- lichen Ehrenhaftigkeit der anderen zweifle ich nicht... Aber es liegt nun einnml in der Natur der Partei, daß sie von der auch sonst leider lau des- üblichen F r aktiv ns st reber ei besonders leicht ver- feucht wird. Da sitzen Beamte, die eigentlich garnicht inS Parlament gehören, Leute, die Söhne, Töchter und Enkel zu ver- sorgen haben und deshalb Rücksichten nehmen müsfcn, da möchte mancher im Staat«ine höhere Stufe erklettern, und nützliche Verwandtschaften, gesellschaftliche und mili- tärische Beziehungen spielen auch eine Rolle. Dazu kommt, daß meine Standesgenossen vielfach recht bequem sind, n i ch t g e r n übermäßig arbeiten oder auch durch ihre landwirthschaftliche Thätigkeit stark in Anspruch genommen werden; dann reißen die strebsamsten, die sich auf die Sitzungen vorbereile» und in den Drucksachen Bescheid wissen, die Herrschast an sich und die Fraktion merke dann vielleicht zu spät, daß sie auf der schiefen Ebene angelangt ist. Mir haben die Herren von der Krenz-Zeiti>ng-Farbe das ministerielle Leben recht sauer gemacht; ich war nie i h r Mann und die schlimmsten Verdächtigungen sind immer von dieser Seite gekommen. Sie ließen mich im Stich, als es darauf ankam, zunächst einmal das Deutsche gleich vor der Welt aus die Beine zu stellen; umnchcs wäre anders geworden, wenn ich damals konservative Hilse gesunden hätte, aber ich hätte viel eher n o ch in i t H e r r n R i ch t e r p a k t i r t als in i t d e n F r e u n d e n der N a t h u s i ti s- L u d o ni und Konsorten. Es war viel Neid dabei, weil ich es weiter gebracht hatte als andere Junker, aber auch doktrinäre Beschränktheit und p r o t e st a n- tisch-jesuitischer Eifer. Als ich dann weggeschickt wurde, lmtten wieder die selben Leute ihre Hand im Spiel: siehe Scheiterhanfeilbrief und ähnliche Sachen. Wie es heute in der Fraktion auesieht, weiß ich nicht. Die außen sichtbare» Leistungen könne» mir nicht gerade Bewunderung ab- z>v i n g e n. Ich habe oft daS Gefühl, daß die Herren die Begriffe konservativ und gonvernemental verwechseln, und frage mich manchmal, ob sie selbst eigentlich genau wissen, was sie konservire» wollen." — SliiS den Verhandlungen des Katholiken- t a g e s vom Mittwoch ist»och zu erwähnen, daß Abg. Gröber ausführlich über die soziale Bedeutung des neuen Bürgerliche» Ge- fetzbuches sprach. Er feierte die kleine» Fortschritte dieses Gesetzes- Werkes als kolosiale Fortschritte und mißt seiner Partei das Haupt- verdienst an ihnen bei. Ferner sprach Prof. Dr. S ch l i ch t aus Freising uochnials über die Kunst, indem er den Natnralismus und die Dar- stellimgen des Nackten vcrnrlheilt.— In der vierten geschlossenen Sitzung am Donnerstag wnrdeii Anträge aiigenoinmeii betreffend Förderung der Fachbildnng in den Arbeitervereinen, Gründung von Arbeiterinneiivereincn, Erbauung von Arbeiterwohnunge», Unter- stützung der Zeitschrist„Charitas".— In der letzten öfseiillichen Gcneralversammlmig sprach Professor Ley über„das heilige Land"; er schloß mit folgender Zilsaminenfassung:„Drei Pflichten giebt es für die Katholiken: die kirchliche Nothlage i» Deutschland zu linder», die Bedrängniß des apostolischen Stuhles zu beseitigen und die Regeuerirung und Aufrichtung des hl. Landes z» bewirken." Dann sprach Baron M o r f e y über die katholische Einheit und Dr. Bachem beschloß den Kongreß mit einer Rede, in der be- sonders die Behandlung der Orden in den verschiedenen deutschen Bundesstaaten scharf beleuchtet wurde. Die nächstjährige Generalversammlung soll in Krefeld statt- finden.— — Di» Amtsblatt Weisheit, wenn sie gegen die Sozial- demokratie zu Felde zieht, ist oft recht durstig. Ein kleines Beispiel dafür giebt uns wieder ein Leitartikel der„Ruhr-Zeiluiig", die lins von befrenndeter Seite übermittelt wird. Dieses Amtsblatt für die Kreise Düren, Jülich k. redet des langen von de»„Schlagworten" der Sozialdemokratie, von dene» eins nach dem andern preisgegeben werde; nichts sei es mehr mit der Veredeliiiigstheorie, mit dem Internationalismus, mit der Gleichheit, selbst den Achtstundentag habe Bebel aufgegeben. Nach solche» Voraussetzungen wußte, so sollte mau meinen, das Blättchen zu der Folgerung komine», daß es also mit der Sozialdemokratie immer besser werde. Aber das geht wieder nicht für ein amtliches„Kreis- und Zentralblatt". Also sindet denn der kluge Federheld folgendeu orduungsmäßigeu Schluß: „So verliert eine phraseologische Sonne der Partei nach der anderen ihren Schein. Allein, ist ein Schlagwort verblaßt, sofort wird ein neues erfuuden. Nur so ist eS möglich, die leichtgläubigen, urlheilsloseu Massen über den Kern und die wahre» Veftrebunge» der Sozialdemokratie hinwegzntäuschen. Der Kern aber ist das einzige, was an der Sozialdemokratie stets gleich geblieben ist. Nach wie vor ist das Ziel der Sozialdemokralie der Umsturz unserer Staats- und Gesellschaftsordnung, von Thron und Altar, und als revoliltionäre Partei muß die Sozialdemokratie von jedem, der treu steht zu Kaiser lind Reich, mit allen Kräste» bekämpft werden." ES ist beivundernswerth, mit wie viel Einfalt die Ordnuiigs- männcr in der Provinz den Kampf gegen die Sozialdemokratie führen.- — Was der deutsch-französische Krieg kostete. Französische Blätter veröffentlichen eine Statistik, die allerdings etwas spät kommt, aber trotzdem von Interesse ist; wer es vergesse» haben sollte, ersteht daraus, daß der Krieg die schlimmste aller Plagen ist, die«in Volk treffen können. Außerdem waren die Zahle», die bisher über die Verluste der französischen und der deutsche» Heere veröffentlicht ivnrden, immer etivas ungenau und einander widersprechend; schon deshalb ist eS interessant, die Ergebnisse einer Enquete kenne» zu lernen, die von einem der kompetentesten und gewissenhaftesten Statistiker unternommen wurde. Bodio, der Geueraldireklor der italienischen Siatistik, hat folgende Zahlen ge- fundeii: Frankreich verlor im deutsch-französische» Kriege 186000 Mann. Darunter 80 000, die ans de» Schlachlfetder» gctödtet wurden oder infolge ihrer Blessuren in Frankreich gestorben sind; 36 000, die i» Frankreich infolge einer Krankheit starbe»,»nd L0 000, die i» deutscher Gefangenschaft starben. Dazu komme» 477400 Mann, die während des Krieges dicnstnntauglich wurde», und zwar 138 000 durch Verwundungen in der Schlacht, 11 400 durch Verwunduiige» aus den Märschen und 828 000 durch Krankheit, Entbehrnngen u. s. iv. Die Verluste der Denlsche» berechnet Bodio nach de» amllichen Angaben des große» Generalstabes, die er als dlirchans zuverlässig bezeichnet. Ans de» Schlachtseldern wurden 17 235 Mann getödtet, in de» Ambulanzen starben 21 028, so daß das deutsche Heer durch den Tod 38 273 Mann einbüßte. Die Franzosen verloren also fast 100 000 Mann mehr als ihre Gegner. Die Geldverluste erreichen für Frankreich eine Summe von fast 12 667 000 000 Franks, die folgendermaßen vertheilt sind: I» Millionen auSzedrüllt Militärische Ansgaheu 23S7 Kriegsentschädigni'g............. 5 743 Darlehen nnd Prämien........,,. 1 156 Oeffenlliche Arbeite» für Kriegszwecke...... 207 Enischädigung an Private.......... 605 Verluste des Staats............. 2 034 Verlnste der Gemeinden, die der Staat erstatten mußte 535 12 667 Will. Nicht inbegriffen sind die enormen Verlnste, die durch Henimung der Landwirthschast und des Handels entstände». Was Deuischland anlangt, so solle» seine materiellen Verluste die vo» Frankreich als Kriegsenlschädigung gezahlte Summe von sünf Milliarden nicht er« reicht haben.— — Deutsche Städte beschicken die Pariser Welt- aiisstelluiig. Vo», Etntlgarter Oberbürgermeister Rnmelin ist die Anregung ansgegangeii, es möchten sich die Verwallunge» aller Städte Deutschlands mit über 80 000 Einwohner» geineinichafllich an der im Jahre 1900 in Paris stattfindenden Weltaussiellnng betheiligen. Diese Anregung ist auf eine» frnchtbaren Bode» gefallen; von den 26 in betracht kommenden Siädtc» habe» schon 24 ihre Betheiligiing bestimmt zugesagt(Mülhanse» i. E. bat definitiv abgelehnt). ES wird nun am 12. September i» Karlsruhe die erste Konferenz abgehalten, bei der die Stadtvorstände oder ihre Vertreter anwesend sein werden. Auch der Reichs- kommissar für die Weltansstellung, Geheimer Regierungsrath Dr. Richter aus Berlin hat sein Erscheine'.', zugesagt. In erster Linie wird es flch darum handeln, die einzeluei, programmatischen vnnkte festzustelle», sowie für die verschiedenen Städte ihr Ailsstellnngs- gebiet näher zu umschreiben. Sodann soll ein ständiger Ausschuß gewählt werden, dem die Aufgabe zufällt, die nolhwendigeu Vorbereitungen zu treffen.— — Unschuldig im G e f ä» g n i ß. A»S Gotha wird berichtet: Ein Jahr unschuldig im Gesängniß hat der Barbier- gehilfe Albert Grobe aus Großsahner gesessen. Derselbe war am 13. August 1395 wegen schweren Diebstahls auf grund des Zeugnisses seines damaligen Arbeitgebers Barbier Wittaner zu ciuei» Jahr Gesängniß verurtheilt ivorden und hat diese Strafe auch verbüßt. Er sollte aus dem Bureau der Aruoldi'sche» Brauerei 26 M. in Baar und 70 Stück Bierinarke» unter Anwendung von Gewalt gestohlcu haben. Die Wieder- anfiiahme des Verfahrens, welche am Dienstag, den 31. August, vor dem hiesigen Landgericht verhandelt wurde"und bei rvelcher elf Zeuger» vernommen wurde». ergab eine so schwere Erschütterung deS Zeugnisses seines inzwischen verstorbenen Arbeitgebers Wittauer. daß Freisprechung erfolgte. Die Ehre des jungen Mannes, der durch einen Meineid seines Prinzipals inS Unglück gestürzt wurde, ist damit wieder hergestellt. Wer entschädigt ihn aber nun für alle die Qualen, welche er durch seine Haft schuldlos erlitten, und rver ersetzt ihm de» materiellen Schade», den er gehabt? Der heutige Staat lehnt es ab, diese selbstverständlichste aller Gerechtigkeitspflichte» auszuüben.— Kiel, 2. September.(Eig. Ber.) Vor etwa 3/i Jahren hatte der Chefredakteur der„Kieler Zeitung", Herr N i e p a, einer der hiesigen Freisinnshänptliuge, inr Stadtparlament den Antrag«in- gebracht, den W a h l r e ch t S- Z« n s u s, der 1892 von 660 M. auf 1200 M. hinaufgeschraubt war, wieder aus 900 M. zu er- mäßige». Tie damalige Wahlentrechtuug hatte begreiflicherweise unter den von ihr betroffenen 5000 Arbeiter» und Kleiiibürgeru große Erbitteruug hervorgerufen, die gewiß mit dazu beigetragen hat, in dein hiesigen Wahlkreise bei der S3er Wahl den Eieg unseres Kandidaten herbeizusühren. Um nun das auf de» Sand gesetzte Freisinnsschifflein wieder flott zu machen, brachte plötzlich Herr Niepa seinen Antrag ein. Derselbe rvnrde einer Kommission überwiese», die»unmehr einen langen Bericht veröffentlicht, der i» selten klarer Weise Zengniß ablegl von den Anschauunge» und protzenhasler Gesinnung der Mehrzahl der Kommissionsmitglieder, die mit sieben gegen zwei Stimme» de» zahme» Antrag Niepa ablehnten. Die Kommission fand absolut kein Unrecht darin, daß die inzrvischen auf rund II 000 angeivachsenen Zensiteu ihres Wahlrechts beraubt seien, da ja das neue preußische Einkoninreusteuergesetz dazu die Handhabe biete. Weil die beide» Steuerstufe» vo» 900—1200 M. nur 47 861 M. Steuer, die höhere» Stufen aber 689 188 M. auf- bringen, war die Kommission der Ansicht, daß diese Stufen auch nicht im Stadlverordneteii-Kollegiui» vertreten zu sein brauchten. Bei Gewährung des Wahlrechts setze man sich der Gefahr aus, durch diese der Sozialdemokratie Heeresfolge leistenden Klassen majoriflrl zu werden. Durch den Antrag gebe man 4702 Zeustle» gegenüber den bisherigen 6627 das Wahlrecht, und da von den 4702 Personen der größere Theil sozialdemokratisch wählen werde, würde man da- durch den Friede» im Stadtparlament gefährden. Außerdem aber werde man die vorhandene Erbitterung über die frühere Wahlrechts- ändernng nicht ans der Well schaffen. Um aber auch nun de» 1200 Zensiteu der Slenerklaffe von 1050—1200 M. das Wahlrecht zurückzugeben, sei— eine Aenderung des Orlsstatuls nothwendig, die nicht räthlich wäre, weil dieses erst vor fünf Jahren festgesetzt sei. Auch sei bei den» fortgesetzte» Sinken des Gcldwcrlhes die Aufrückung mancher sozialdemokratisch wählenden Arbeiter i» die höhere Steuer- stufe zu besürchte». Mit positiver Gewißheit ist anzunehmeu, daß auch die Sladtkollegie» diese» Koinmissionsbeschlub zu de», ihrigen machen werden. Die Arbeiter werde» auch vom Wahlrecht ausgeschlossen bleiben. Die Angst vor der Sozialdemokratie läßt das Bürgerthum seine„liberalen Aiischanuiigen" über den Hausen werfen. Es spottet der Liberalismus und weiß nicht wie. Einen unbezahlbaren Agitationsstoff hat dieser Kommissionsbericht de» Kieler Parleigeuossen gegeben; sie werde» ihn ausnütze». Straßburg i. Elf., 2. Seplember.(Eig. Ber.) Die von mir gestern besprochene Saarburger Chauvinisten- Affäre hat eine überraschende Wendung genommen. Das Pariser Sports- blalt„Le Völo". welches, wie mitgetkeilt, die Glückwunsch- Adresse der sünf Eaarburger Herren an den französischen Rennjahrer Bonrillon publizirt halte, veröffentlicht in seiner Nummer vom 3t. August eine„Declaration• loyale", in welcher der Hergang der Sache offen dargestellt wird. Danach rührt die von der deutscheu Chauvinistenpresse„inkriminirte" Stelle der Zuschrift:„Sie beglückwünsche» B.. der die sranzösischen Farbe» zum Siege führte, welche die ihrigen sind", in ihrein letzte», hier durch Sperrdruck gekennzeichneten Theil nicht von den A b sender» her, sondern ist von einem Redakteur bes„Le Velo", welcher der Sache einen patriotischen Anstrich verleihen wollte, eigen»»ächtig hinzugefügt worden. Die Redaktion bedauert in ihrer jetzigen Erklärung dies Vorgehen eines ihrer Kollegen und giebt der Berichtiginig Raum, die ihr seitens der Saarburger Herren bereits am 14. N u g u st zngcgaiigcn war. Damit ist die Angelegenheit in ein ganz ander.s Licht gerückt. Die Versicherung der Absender jener Unglückeadresse, sie seien das Opfer einer Fälschung seitens dergtedaktio» des„Le Velo" geworden, hat sich als wahr herausgestellt, womit die ganze chauvinistische Heye»nserer „gutgesinnten" Presse gegenstandslos geworden ist. Unbegreiflich bleibt immerhin das lange Zögern des Pariser Blattes. Sollte füc dasselbe etwa die Absicht inaßgebenv gewesen sein, abzinvarten, ivelche Folgen eine derartige sraiizosensreuiidliche Kmidgebniig in den anneklirte» Provinzen für ihre Urheber haben werde? Das wäre allerdings ein frevenllichcs Spiel gewesen, wie die schlimmeii Folgen zeige», ivelche sich daran knüpften. Nachdem das Blatt nun aber das bisher Vcrsäiunte in loyaler Weise nachgeholt hat, erwächst der Polizeibehörde die Pflicht, ihre ohnehin völlig»»verständlichen Maßregel» gegen de» Caselier Clement, welchem deshalb bekaiintlich die Wirthschasts konzessiv ii entzogen ivnrde, nnd gegen die übrigen Unterzeichner der verhängnißvollen Zuschrist rückgängig zu macheu.— — Chronik der Majestätsbeleidigungs- Prozesse- Wegen Majestätsbeleidignng wurde»ach einer Mittheilung des „Thcalerkurier" am 31. August nach der Vorstellung im Tivoli- Theater in Hannover der erste Liebhaber dieser Bühne, Herr Bernhard Vorwerk verhaftet. Ter Direktor des Theaters und einige andere Herren lhaten sofort Schritte, um die Freilassung des Herrn Vorwerk zu erwirke», was ihnen auch am nächfleu Morgerr gelang. Ei» Episodenspicler, der früher am Tivolitheater engagirt war, wird bezichtigt, Herrn Vorwerk aus Rache denunzirt zu haben. Oesterreich. — C z e ch i s i r u u g mit Dampf hat Baden! den Jung- czechen versprechen müssen. Nichlswenigcr als cine czechischeUniversitnt und ei» czechisches Polytechiukum in Mähren nnd ei» czechisches Gymnasium in Schlesien solle» vorerst beschlossen worden sein.— Schweiz. Bern, 3. September. Ter B n n d e s r a t h genehmigte die Uebereinknnft mit dem Großherzogthum B'de», betr. bin Erlaß einer F i s ch e r e i o r d n u ii g für den N n t e r s e e und den Rhein.— Arnnkreich. PnriS, 3. September. Die Untersuchung über die Explosion vor der Madeleine-Kirche bei der Rückkehr des Präsidenten Fanre ist bis jetzt resultatlos gebliebe».— Paris, 3. Seplember. Wie das„Echo de Paris" wissen will, würde» alsbald nach dem Zusammentritt des Parlaments Hanotanx in der K a m m e r, Meline im Senat M i t i h e i I u» g e n betreffs des Allianz-Vertrages macheu.— Portugal. Lissabon, 3. September. Ans Anlaß des Ueberfalles auf eine portugiesische Barke durch Riffpirate», welche das Schiff plünderte,» und den Kapitän sowie einen Theil der Mannschaft desselben ge- fange» Halle», haben die portugiesischen Panzerschiffe„Vasco de Gama" nnd„Adainastor" de» Besehl erhalte», nach Marokko zu Pretoria» 3. September. Der Volksraad hat mit großer Mehr- heit beschlossen, seinen Mitglieder» Diälcir von 100 Pfund Tterlriig monallich zu gewähren. Dieselben sollen iudeß nur während der Dauer der Tagung bezogen werden.— Der Maschinenbiluer-Kampf«nd die Hydepark-Demonstration. Die Achtstundeii-Demonstration der Londoner Geiverkschaften am vergangenen Sonntag war so zahlreich besucht, als irnter den obwaltende» Verhällniffen»ur erwartet werde» konnte. Nanrentlich der Z»g der demonstrirenden Vereine vom Themsequai zum Hyde- park rvar mit seiner endlosen Zahl von Fahnen und seinen vielen MnstkkorpZ überanS eindrucksvolle, und als er im Hyde- park ankam, wartele schon eine große Znhvrermenge an den acht Tribünen auf die Redner. Das größte Publikum zog, wie immer, wenn er auftritt, John Bnrns an, der als Mitglied des Maschinen- bauer-VereinS in de» letzten Woche» ganz England bereist und in allen großen Zentren Versaminliinge» z« gnnsten des Londoner Achtstundentages abgehallen hat.„Honest John" hat sehr gealtert. Er ist jetzt ganz grau und sängt auch an, kahl zu werden. Aber seine Stimme hat»och wenig von ihrer Kraft ein- gebüßt, und seine Rede strömt»och so unerschöpflich wie je. Er sprach über eine Stunde— ein arger Verstoß gegen die mit ihm auf der Plattform stehenden Redner, aber wer kommt neben dem„verzogenen Sohn Bnttersea" ans. Auf den andere» Tribünen waren die Hauptredner Ben Cooper, H. R. Taylor, W. Crooks nnd W. Eteadman, Arbeitern, ilglieder des Grasschastsraths, David Brown, Sekretär des Londoner Achlstnndenkomitee'S, A. Sellicks. Präsident, und G. BarneS, der Sekretär des große» Vereins der Maschinenbauer, Peter C» r r a n und W. Thorne von der Union der Gaßarbeiter, sowie das neu- gewählte Arbeitermilglied des Parlaments F. W. Meddso». Die Resolution drückt den Londoner Maschinenbau-ZIrbeilcr» im Kampf für den Achtstnndentag ihre Sympathie aus, verurtheilt das Vorgehen der Unternehmer, welche die Arbeitssperre verhängt haben, nnd fordert die englische Arbeilerwelt auf, den Kämpfenden jeden sinanzielle» und sonstige» Beistand zu leiste». Fast alle Gewerkschaflsverlreler, die sprachen, leglen auf den letzteren Punkt das größte Gewicht und konstatirten die Bereit- ivilligkeit ihrer Organisationen, de» Maschinenbauern gegebenen- falls nach Kräften zu helfen. Es sind auch in den letzten Tage» verschiedene Schritte in dieser Richtung geschehen. Der Vorstand des GewerkveremS der Zimmerer hat eine Extrasteuer von 3 Pence die Woche zu guiisteu der Maschinenbauer angekündigt, was bei 59000 Mitgliedern über 600 Pfund die Woche ergeben würde. Der Vorstand des Vereins der Eisenbahnarbeiter hat seinen Mitgliedern die Bewilligung von 500 Pfund an die Maschinenbauer vorgeschlagen, und so wird auch anderwärts schon die Trommel gerührt. Daneben wachse» aber auch die Anforderungen, zumal mit der Zeit immer mehr Geschäfte durch den Kämpft» Mitleidenschaft gezogen werden. Unter diesen Umständen ist es von erheblicher Bebeuluiig, daß der Generalsekretär des Geiverkvereins der Baumwollspiinier, I. Maivdsley, in seiner letzten Wochenkorrespoudciiz, nach einigen kritisircnden Benrerluiigen über das Benehmen einiger der Vertreter des Maschinenbauer- Vereins und einer Abschätzung der Machtmittel der kämpfenden Parteien, zum Schluß bemerkt: „Sollten nach Verlans von sechs Monaten die Maschinenbaner-Vereine mehr Geld brauchen, so würde es keine Schwierigkeiten »rächen, eine Viertelmillion(5 Millionen Mark) leih>v eise anfzu bringe». Ich bin überzeugt, daß B a» m>v o kl e und Kohle im stände sein werden, den größten Theil davon unter sich aufzu- bringen, ivährend die Barige»verde sicherlich nicht mit ein paarmal 20 000 Pfund zurückbleibe» würde n." Hält diese Meinung vor, dann würden allerdings die Maschinen- bauer dem Gang der Ereignisse mit großer Seelenruhe enigeaenseben könne». Jedenfalls ist diese kühle Ankündigung viele pathetische Reden werth. Letzten Freitag wurden an 45 000 AnSständige gegen 30 000 Pfd. AuSstandigeld gezahlt. Diese Woche wird diese Zahl durch Hinzu- kommen der i» Sheffield Ausgesperrten noch erhöht werden. Das Ergebniß der Urabstimmung der Kcsselbauer über die Frage, ob sie den Londoner Maschinenbauern sich anschließe» wolle», haben wir bereilS mitgotheilt. Die Abstimmung in zwei anderen, dem erwähnten Bunde angehörende» Organisationen ergab eine so geringe Belheiligung, daß sie ebenfalls als einer Aktion ungünstig angesehen wird. Von 8273 Mitgliedern des Anstreicker» Vereins stimmte»ur der vierte Theil, und zwar 1413 für 43, 442 für 51 und 342 für 45 Stunden die Woche. Noch geringer war die Theilnahme an der Abstimmung des 8500 Mitglieder ztihlcnden Vereins der afsoziirten Zimmerer (Edi»b»rg)> Hier stimmten mir 1039 Mitglieder und zwar 450 fiir 45, 417 für 51, und 172 für 48 Stunden die Woche. Von der grofmi Mehrheit der betheiligte» Geiverkfchaslen fehlen die Resultate noch.-_ Tie Frage der Bethciligxiig an den prcnszischen Landtags- tvahlru wurde von den Dresdener Parteigenossen im sozialdemo- kratischen Verein erörtert. Nach dreistündiger Debatte, an der sich vor allein eine ganze Reihe agitatorisch thätiger Genossen betheiligten, wurde folgende Resolution angenommen: In Erwägung, daß das reaktionäre Gebnhren der Reicbsregiernng auf politischem nie auf ivirthschaftlichcm Gebiete sie in einen Konflikt brachte selbst mit der bis dahin gefügigen Reichstags- Majorität; daß infolge dessen die Reichsregierung bestrebt ist, ihre reaktionäre Politik mit Hilfe des preußischen Landtages, in welchem das ostelbische Jiinkcrlhnin dominirt, durchzuführen; in weilerer Erwägung, daß unter dein Druck dieser Umstände unter unseren Genossen in Preußen eine weite Kreise umfassende Bewegung entstanden ist, zu dem Zweck, an den preußischen Landtagswahlen selbst unter den durch die öffentliche Stimmabgabe sowie anderen er- schwerenden Umständen des Dreiklaffen-Wahlrechts theilzunehnien, ist der Hamburger Parteitag zu ersuchen, den Beschluß des Kölner Parteitages, welcher in beziig auf die preußischen Laudtagswahlen Wahlenthaltiing bestimmt, aufzuheben. Die Versammlung ist der Ueberzeugung, daß der Parteitag säimutliche mit der Wahlbetheili- guiig in Preußen im Zilsa»»iienhaiige stehende taktische Fragen unter strenger Wahrung der Grundsätze unseres Programms lösen wird. In Göttiugcn erklärte sich eine Parteiversainmlung dagegeii. daß sich unsere Partei„auf der ganzen Linie" an den preußischen Landtagswahlen betheilige; die Versanun lung forderte die Aushebung des Kölner Beschlusses, um in solchen Kreisen, wo es angebracht erscheint, die Belheiligung zu ermögliche». lieber den Parteitag der Sozialdemokratie im Fürsten t h u in R e u ß j. L. wird uns noch mitgelheilt: Nach dein Kassenbericht wurden im verflossenen Geschäftsjahr eingenommen einschließlich 1535,43 M. früheren Kassenbestauds 5004,49 M. Hierzu leisteten die Genossen aus 17 Orten Beiträg«. Ausgegeben wurden u. a. für Agitation 1331,99 M, an Streik Unterstützung 134,25 M., für Juhastirte 440 M.; an den Partei-Ausschuß wurden 900 M. abgesandt. Es blieb ein Kassen bestand von 751,93 M. Außerdem sind bei dein Vertrauensmann eingegangen und bestimiinliigsgeinäß verwendet worden: Für die streikenden Hamburger Hafenarbeiter 1814,42 M. und für die ans- gesperrten Teppichiveber in Gera 92,21 M. Auch hierzu haben die Genossen aus einer große» Anzahl von Orte» bedeutende Zuschüsse geleistet. Die Opferivilligkcit unserer Anhänger ist milso höher anzuschlagen, als die Arbeiter der in Gera und Umaeaend hauptsächlich vertretenen Textilindustrie seit Jahren unter schlechlem Verdienst zu leiden haben. Im Agitationsbericht war u. a. der vielen Hinder Nisse gedacht, die der Propaganda für unsere Partei be- reitet werden. Der Lokalmangel wird immer fühlbarer, je mehr die Reichstags» Wahl heranrückr. Die Gegner üben gegen die Saalbesitzer den ärgsten Terrorismus aus. Besonders drohen die Krieger- und Militärvereine sofort mit dem Boykott, auch Beamte arbeiten mit ähnlichen Mitleln. Vor dem Herrn Gendarm und dem Herrn Landrath habe» die Wirthe heillose Furcht. Eine Verordnung über das Tanzwesen macht sie von den Behörden»och abhängiger, als sie sonst schon sind. Die G e in e i n d e w a h l e n im letzten Jahre führten in Gera zu keinem positiven Erfolge, gegen das Kartell der Freisinnigen und Nationalliberalen war noch nicht aufzukommen. Es wurde aber ein erheblicher Stimmenzuwachs erreicht. In sechs Orlen siegten unsere Genoffen. Die Landtags-Ersatzw ahl für den verstorbenen Genosse» Hahn fiel günstig aus, indem Genosse Vetterleiu mit 400 Stimmen Mehrheit gewählt wurde. Da die mündliche Agitation sehr durch Lokalmangel eingeschränkt war, wurden mehrere Flugblätter im ganzen Wahlkreise verlheilt. In das A g i t a t i o n s k o m i t e e wurde wie in früheren Jahren auch eine Frau gewählt. Der Geschäftsbericht der„Reußischen Tribüne" ergab ein zufriedenstellendes Resultat. Die Einnahmen aus dem Abonne- ment und den Inseraten sind gestiegen und es ist auch ein kleiner Ueberschuß erzielt worden. Aber auch die Verfolgungen sind ärger geworden, wegen Beleidigung in einem Falle erhielt der noch nn- destrafte Genosse Nejork 18 Monate Gesängniß. Gegenwärtig sind zwei Redakteure in Haft. Der Parteitag zeigte, daß die reußische Sozialdemokratie auch im verflossenen Jahre Fortschritte zu verzeichnen hatte, und er er- öffnete günstige Aussichten für die nächste Reichstagswahl. Todtcnliste der Partei. In R o st o ck hat einer der Veteranen unserer Partei, der Schneider I o h. N e h l s, die Auge» für immer geschlossen. Er war seit den 00 er Jahren, wo er dem Allgemeinen deutschen Arbeiterverein angehörte, und später insbesondere unter dem Sozialistengesetz unermüdlich für die Ausbreitung des Sozialismus thälig und noch in seinen allen Tagen scheute er vor mehrstündigen Agitationstouren nicht zurück, trotzdem er beim Gehen Krücke» zu Hilse nehmen mußte. Ehre seinem Andenken! Polizeiliches, Gerichtliches ec. — Der Parteigenoffe N a j o r k in Gera hatte gegen seine Verurthetlung zu l'/s Jahren Gesängniß Revision beim Reichsgericht eingelegt. Diese ist aber, wie die„Reuß Tribüne" mittheilt, wegen Formfehler als unznlässtg zurückgewiesen worden. Damit sind alle Rechtsmittel gegen das harte Urtheil erschöpft. GemevkMAfklirtzes« Perl!» und ttiugebiing. I» der Schuhfabrik von Leiser, Kaiserstr.6/7, sind Differenzen ausgebrochen. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die A g i t a t i o n s- tom Mission der Schuhmacher Berlins. Achtung, Korbmacher! Bei der Firma A n c i o n u. C o., Wilhelmstr. 124, haben sämmtliche Kollegen die Arbeit niedergelegt. Herr Starke halte vor etwa vier Wochen den Lohn für die Kugel- körbe dem in anderen Werkstätten gezahlten Lohn annähernd gleich- gestellt. Nach Fertigstellung der Septemberliefernng glaubt nu» Herr Starke seinen Leuten wieder 1 Mark pro Korb abziehen zu müssen. Die Subimssionsbedingnngen sind für alle Lieferanten die- selben und so ist es nicht mehr wie billig, daß auch die gezahlie» Löhne annähernd gleiche sind. Wir bitleu die Kollegen, Ziiziig fern- zuhalten. Die Kommission. Deutsches Reich. Die deutscheu Maurer werden dringend ersucht, Arbeit nach Budapest nicht anzunehmen. Wie uns ein Privattelegramm vom dortigen Streikkomitee mittheilt, dauert der Streik unverändert fort. Die Meister versuchen von überall her Streikbrecher anzuwerben. Daß deutsche Arbeiter sich als Streikbrecher nicht hergeben werden, ist umsomehr zu erwarten, alS die Arbeitsverhältnisse der Bndapester Bauarbeiter noch weit schlechtere sind, als die der deutschen. DaS Landgericht i« Rostock hat, wie wir seinerzeit mit- theilte», im Gegensatz zum Schöffengericht entschieden, daß ge- w e r k s ch a s t l i ch e Versammlungen zu denjenigen„ g e- r ä u s ch v o l l e n Zusammenkünften" gehöre», die nach der mecklenburgischen Verordnung über die Heiligung der Sonn- und Festtage an den Sonnabende» nicht gestaltet sind. Es handelte sich UM eine M a n r e r v e r s a m m l» n g. Die„Mecklenburgische Volkszeilung" veröffentlicht jetzt den Text des schriftlichen Urtheil». ES ist charakteristisch für die Weltanschauung der Herren Richter.„Wenn"- so heißt es in dem Urlheil—„eine zahlreiche Mensche nklasse niederen Standes öffentlich zur Besprechung einer der brennendsten Zeilfragen, der Lohnfrage, zur Berathung von Wahlen und von anderen Dingen zusammengerufen wird, so ist das durch diese Zusammenkunst bewirkte Geräusch ähnlich laut, wie das durch eine Wähler- Versammlung jener Art ver- ursachte, und sie muß demgemäß von vornherein auch als eine „geräuschvolle" charaklerisirt werden. Schon das Zusammenströmen der nach Hunderten zählenden geladenen Personen, wie es der Ein- berufer bezweckte, ja auch schon das Zusammenkommen von etwa 50 Personen, wie es hier stattgefunden hat, und das sich naturgemäß dabei erhebende Stimmengewirr bringt ein lebhaftes Geräusch hervor, das die allgemeine Stille, wie sie nach der mehrerwähnte» Verordnung an den Sonnabenden herrschen soll, be- einträchtigt. In einer solchen Versammlung, in welcher die vitalsten Interessen der Theilnehmer zur Sprache gebracht werden, werden gewöhnlich laute Reden gehalten, es entstehen ernste und laute Debatten, und es werden mit lebhaftem Geräusch Bezeugungen des Beifalls oderMißbilligung kundgegeben, die mit der im Gesetz geforderten allgemeinen Stille unvereinbar sind. Versammlungen, welche den eben beschriebenen Charakter an sich tragen, sind daher als„geräusch- volle Zusammenkünfte" im Sinne des Z 1 der mehrerwähnten Verordnung anzusehen." Unter dem Urtheil stehen nicht etwa die Namen von Grafen, Freiherren und dergleichen Leuten der Höberen Klassen, sondern die Namen von drei einfachen bürgerlichen. Was würden diese Herren sagen, wenn sie von der mecklenburgischen Ritterschaft als Leute bezeichnet würden, die einer Menschenklasse Niedern Standes angehören? Ergebnisse der Urabstiiumnug im Verbände der deutschen Buchdrucker. Saalgau. Frage 1: 519 Ja, 126 Nein. Frage 2: 509 Ja, 133 Nein.— Gau M i t t e l r h e i n. Frage 1: 728 Ja, 156 Nein. Frage 2: 722 Ja, 176 Nein. Nach dem Ergebniß aus diesen beiden Gauen stellt sich nun das vorläufige G e s a m m t- E r g e b n i ß der Urabstimmung wie folgt: Von zirka SSOOV Mitgliedern des Verbandes haben auf die Fragen geantwortet rund 18 400. Davon st i m m t e n für Frage 1 für Frage 2 (ob die Opposition den(ob eventuell Ausschluß Verband schädige) erfolgen solle) 1Z 7:10 mit Ja, IS SS8 mit I a. 4 600„ Nein. 5 163„ Nein. Es ist dies, wie gesagt, das vorläufige Ergebniß. Fest steht aber schon heute, daß der Zentralvorstand betreffs der entscheidenden Frage:„Hallen Sie die ans grund der Beschlüsse des Leipziger Pfingst- kongresses entwickelte Thätigkeit der sogenannten Opposition gegen das Verbaudsinteresse gerichtet?" mit einer Mehrheit von drei Vierteln der Abstimmenden und mit einer Mehrheit von weit über der Hälfte aller Mitglieder überhaupt über die Richtung Gasch gesiegt hat. Dagegen hat der Zentralvorstand auf die Frage: „Wünsche» Sie, daß seitens der Verbandsleitung gegen die Verbands- schäbiger nach Absatz a und b im§ 5 des Statuts vorgegangen ivird?" die Dreiviertel-Mehrheit nicht erhalten, sondern rund 500 Mitglieder, die die Thätigkeit der Opposition gleichfalls als Verbands- schädigend erklären mußten, haben doch dem Ausschluß der Oppo- nenteu nicht zuzustimmen vermocht. Darin liegt ein Fingerzeig für den Zentralvorstand, den nicht zu beachten ein schwerer Fehler wäre. Es hieße im Sinne weitester Kreise der organisirten Arbeiterschaft handeln, wenn der Zentral- vorstand von der Gewalt, die ihm die Mehrheit der Mitglieder ausdrücklich gegeben hat, keinen Gebrauch machte, sondern den Weg der Verständigung mit der Opposition beschreiten wollte. Es versteht sich, daß diese Verständigung nicht auf Kosten der Disziplin erreicht werden kann. die das Lebenselement nicht nur der politischen Partei, sondern ganz besonders auch der Gewerkschaften ist. Was die Mehrheit aus ordnungsmäßige Weise beschließt, wie es die Buchdrucker ans der Generalversammlung zu Halle und jetzt durch die Urabstimmung gelhan haben, dein hat sich der einzelne, dem hat sich auch die Gruppe zu fügen, sonst ist ersprießliches Wirken einfach nicht möglich und nicht das Interesse der Arbeiter, sondern das der Unternehmer wird sonst gefördert. Diese Binsenwahrheit zu beachten sollten gerade diejenigen Mit- glieder der Opposition nicht verfehlen, die politisch aus dem Boden der Sozialdemokratie stehen. Die Institutionen des Verbandes ge- währen Raum genug, um jeder sachlichen Meinungsäußerung über Berufsangelegenheiten die Möglichkeil zu bieten, sich Geltung zu ver- schaffen. Wir handeln nur im Interesse der Partei und im Interesse der Gewerkschaften, wenn wir die der Opposition im Buchdrucker- verbände angehörenden Parteigenossen ersuchen, sich dein Beschlüsse der Mehrheit ihrer Fachgenosse» zu fügen, die Sonderbestrebnngen, die, möge» sie an sich von den achlungswertheslen Motiven ausgehen, praktisch lediglich zur Fortdauer eines ganz unleidlichen Bruder zwistes geführt haben, einzustellen und ihre Ansichten innerhalb des Verbandes in den Grenzen zu vertreten, die ihnen wie allen andern Mitgliedern das Statut vorschreibt. 48 Erdarbeiter der Firma Bering legten am Donnerstag beim Bau am Schutenhafen im Hamburger Gebiet die Arbeit nieder. Die Leute mußten den ganzen Tag bis an den Knieen im Wasser und Morast arbeiten und bekamen einen Tagelohn von 3,20 M. bei lOstttndiger Arbeitszeit. Die Leute stellte» eine Lohnforderung von 3,50 M.. die ihnen nicht bewilligt wurde, worauf sie die Arbeit einstellten. Kaffceberleserinncu der Firma Mager u. Bandmann in Hamburg legten die Arbeit nieder, weil forlgesetzt die Akkordsätze erniedrigt wurden. Während im Frühjahre noch bis 14 M. pro Woche verdient werden konnten, scheint den Firmeninhabern ein Wochenlohn von 9 bis 10 M. für die Arbeiterinnen genügend. Die Zahl der Ausständigen belänft sich auf 80. Tischlerstreik in Stettin. Die Lohnkommission erstaltete am Donnerstag in einer öffentlichen Versammlung Bericht. Demselben war zu entnehmen, daß auch für diese Woche der Stand des Slreiks unverändert ist. Die Zahl der Streikenden hat sich nicht verringert, sondern durch Entlassungen aus dem„Vulkan" und der Firma Rubow u. Walter vermehrt. Wenn auch die Mehrzahl der End lassenen Unverheirathete sind, die laut Beschluß abreisen müssen, so ist doch z» befürchten, daß die Sitnation des Streiks bedeutend verschlechtert wird. Es erschien deshalb angebracht, sich über Aushebung des Streiks zu äußer». Nach einer langen, eingehenden Debatte wurde»ach- stehende Resolution mtt großer Majorität angenommen:„Die Ver- sammlung beschließt den Streik für beendet zu erklären. Um aber nicht die Errungenschaften völlig zu verlieren, macht es die Ver- sammlung den Kollegen zur Pflicht, zu versuchen, möglichst die gestellten Forderungen zu erhalten, und für Ausbau der Organisation nach Krästen zu wirken." Der Streik, welcher nun seit 20 Wochen hartnäckig geführt wurde, ist danach beendet. Da aber doch noch kleine Scharmützel nachfolgen werde», so ist vorläufig noch der Zuzug streng fernzuhalten. 40 Gürtler und Schleifer der Firma Karl Meißner in Dresden haben die Arbeit eingestellt. Wie mitgelheilt wird, hat die Firma fortwährend kleinere Abzüge gemacht, fodaß schließlich die Lohnverhältnisse äußerst gedrückt waren und schließlich zum Ausstand führten. Die Firma fabrizirt Pianoleuchter. Ter Streik der Hutarbelter in Dresden steht für diese mit jedem Tage günstiger. Die noch betheiligten Arbeiter halten tapfer aus, während es in der Fabrikanten- Vereinigung recht be- deutsam zu kriseln anfängt. Eine Breslauer Fabrik hat sich überhaupt nicht an die den Arbeitern gegenüber gefaßten Beschlüsse gekehrt, fondern ruhig die deshalb verfallenen 1000 M. Kantion gezahlt, um die durch die Aussperrung in Dresden frei werdenden guten Arbeitskräfte einstellen zu können. Was die Arbeiter vorausgesagt, ist eingetroffen: Die außersächsischen großen Hutfabriken benützen die Gelegenheit, um die Dresdener Konkurrenz vollends lahm zu legen. Das ist die Folge des rücksichtslosen Verhaltens der Unternehmer den Arbeitern gegenüber. Die neu eingestellten„jungen, intelligenten" Leute haben sich als un- brauchbar erwiesen, gegen die Ausgesperrten alS Stnrmböcke z» dienen. Die meisten sind wieder davon gelaufen, nachdem sie sahen, daß es. alS die 14 Tage mit 16 M. Lohn pro Woche herum waren, mit dem Akkordverdienst seinen Haken hat. Wochenverdienste bis zu vier Mark herunter sind zu verzeichnen gewesen. Die Stimmung der Unternehmer kommt sehr bezeichnend zum Ausdruck in einem Artikel der letzten Nummer der„Strohhut-Zeitnng". dem Fabrikantenorgan. Es heißt dort in einer Antwort auf die Zuschrift eines Arbeiters unter anderem: „... Wenn wir den ausständigen Arbeitern einen Rath geben könne», so ist es der, daß sie an ihre Arbeitgeber herantreten und Vorschläge zu einer gütlichen Beilegung deZ Streikes niachen sollten; wir glauben nicht, daß dies ganz erfolglos wäre." Wen» die Herren so etwas schreiben, oder schreiben lassen, nachdem sie die Versuche der Arbeiter, die Differenzen„gütlich" bei- zulegen, schroff zurückgewiesen haben, so muß es schon tüchtig unter den Nägeln brennen. Ein recht eigenartiger Anlast liegt dem Streik der Tischler in A s ch a s s e n b n r g zu gründe. Die dortige Vereinigung der Meister hat in ihr Statut folgenden Paragraph eingefügt:„§ 14 Abs. 2. Gleichsalls darf kein dem Verein augehöriger Meister einem Gesellen Arbeit geben, der bei Trödler», Auktionatoren und Bau- Unternehmern gearbeitet hat. Verläßt ein Geselle feine Arbeil ohne Kündigung respektive übernommene Akkordarbeit unvoll- endet, so hat der betreffende Meister dein Vorsitzenden sofort Mit- theilung zu machen, der dann durch Zirkular sämmtliche Mitglieder davon in Kenntniß setzt. Erfährt ein Mitglied nachträglich, daß er einem Gesellen Arbeit gegeben, der in unrechtmäßiger Weise sein bisheriges Arbeitsverhältniß gelöst, oder bei Trödlern, Auktionatoren und Bauunternehmern gearbeitet hat, so hat er denselben binnen 14 Tagen zu entlassen." Den Arbeitern gefiel die Sache gleich nicht besonders, warum sollten sie sich als Sturmbock für die Meister- interessen gebrauchen lassen? Die Sache kam ins Rollen und als vor kurzem der Paragraph gegen einen Gesellen in Anwendung ge- bracht wurde, führte die Maßregelung zum Ausstand in 12 Werk- stätten. Ei» Versuch des bayerischen Fabrikinspektors, zu vermitteln. scheiterte an der Starrköpfigkeit der Unternehmer, die auf ihrem§ 14 bestanden. AnSland. Sämmtliche Vergolder und Hilfsarbeiter der Firma G e> brüder Feigl i» Bukarest haben die Arbeit niedergelegt, weil die Unternehmer eine Lohnreduklion versuchten. Es ist sehr wahr« schemlich, daß sich die Fabrikanten um Ersatzkräfte nach Deutsch- land wenden werden. Die deutschen Kollegen werden ersucht, den Zuzug abzuhalten und Engagements nach hier nicht anzunehmen. Das Streikkomitee. Die 140 Textilarbeiterinnen in Bnrgdorf(Schweiz) haben ihren Streik nach achtwöchiger Dauer gewonnen. Die Firma Schaf- rath n. Cie. hat zugestände», vom 4. Oktober ab den Zehnstundentag einzuführen»nd die Löhne zu erhöhen. Maßregelungen unterbleiben. Die Arbeiterinnen haben bereits die Arbeit wieder aufgenommen. Die Bcrhandlnngen zwischen den dänischen Metallarbeiter« und den Unternehmer» sind noch nicht abgeschlossen; die endgiltige Regelung scheint durch allerhand„Scharfmacher" in die Länge ge- zogen zu werden. Zum Kampfe der englischen Maschiuenbaner liegen heute nur folgende telegraphische Meldungen vor: Von A b e r d e e n wird berichtet, daß die Arbeitgeber der dortigen Maschinenbau-Jndustrie beschloffen haben, über eine Anzahl Arbeiter die Sperre zu ver« hängen. Von dieser Maßregel werden mehrere hundert Arbeiter be- troffen. In Belfast soll der Ausstand der Maschinenbauer beendet sein. Diese Nachricht dürste sich wahrscheinlich nur aus einige Firmen beziehen. I» Clitheroe(England) legten 3000 Weber die Arbeit nieder, weil sie in eine Lohnredullion von 5 pCt. nicht willigen wollte», Sozwles. Konferenz zur Bekämpfung der Tuberkulose. In Ber« bindimg mit der 69. Bersaiiimlimg deutscher Naturforscher und Aerzte findet am 23. September in B r a n n s ch w e i g ein» Kon« ferenz zur Bekämpfung der Schwindsucht statt. Ter deutsche Verein für öffentliche Gesundheitspflege» der von, 14. bis 17. September seine Jahresversainmlnng in Karlsruhe abhält, wird sich u. a. beschästigen a) mit der Be- käinpsuug des Alkoholmißbrmichs, b) mit der Kanalisation der Städte, 0) mit der Nahrnngsinittelverfälschung. ä) mit den Vorzügen der Scbulgebäude-Attlagen im Pavillonsystem, e) mit der Wohnungs« deSinfcktion und mit der Verbreitung von ansteckenden Krankheiten in Badeorten und Sommerfrischen. Der deutsche Verein gegen den Mißbrauch geistiger Ge- tränke wird sich auf seiner am 29. September zu Bielefeld statt« findenden Jahresversammlung mit Einrichtungen gegen den Alkohol« mißbranch ibährend der Arbeitszeit beschäfligen. Es sollen praktische Einrichtungen in Vorschlag gebracht werden, die eö dem Arbeiter ermöglichen, während der Arbeitszeit ans starke Getränke und ans den Besuch von Wirthshäusern zu verzichten, und zwar: a) Anfenthaltshallen für Straßenarbeiler, b) Bauhütten für Manxer und ihre Handlanger, c) Schntzhallen für Droschkenkutscher, ä) Sitz« gelegenheit fiir Dicnstleute, 0) Trinkbrnnnen an den Straßen und nahe den offenen Arbeitsplätzen, k) gutes Trinkwasser in den Werk- stätten, g) Gelegenheit zum Kaffeekochen oder Bersorgnng mit guten Getränken umsonst oder zu billigen Preisen ic. Weil die Gewerbegerichtswahle» nur zur Agitation für die Sozialdemokratie benutzt würden, hat der Gemeinderath von G e r i u g s w a l d e i. S. die Errichtung eines Geiverbegerichts ab- gelehnt. Auch außerhalb Sachsens sind die Wünsche der Arbeiter auf Schaffung jener nützlichen Institution schon mit derselben Be« grüiidinig abgelehnt worden, den Reiz der Neuheit hat daher die Antwort des Geringswalder Geineinderaths nicht, interessant ist sie aber insofern, als sie zeigt, daß wenn irgendwo in Deutschland in Beziehung auf die Arbeiterfrage eine sozialpolitische Thorheils be« gangen wird, unter der Bourgeoisie Sachsens sich iimner Leute finden, die das thörichte Beispiel nachahinen. Amerikanische Arbcitrrstatistik. Das vom ainerikanischen Bundesdepariement für Arbeiterftalistik herausgegebene„Bulletin" be- rechnet die folgenden für die außerordenilich schnelle Entwickeliing der Industrie ans Kosten der Landwirthschast sehr bezeichnenden Zahlen. Im Jahre 1820 war in den Vereinigten Staate» das Verhällnist zwischen der ackerbautreibenden und der in der Industrie beschäftigteii Bevölkerung wie 6:1; 1840 war es herabgesunken auf 4V2: 1; 1870 aus 23/5!l und 1690 schon ans l'/e:!. Es dürfte demnach nicht mehr lange dauern, daß in den Bereinigten Staaten von Nordamerika die Jndiistriebevölkerung an Zahl die laiidwirlhschaflliche überragt. Sehr interessant sind auch die folgenden Zahlen, die darthnn sollen, daß daS eingewanderte Arbeitereleinent keineswegs so rück« ständig ist, wie man oft glaubt; daß im Gegentheil gerade unter denjenigen Arbeitergruppen, die im Vordergründe sozialer Kampfe gestanden haben, das eingewanderte Arbeitereleinent sehr stark ver« treten ist. Es waren beschäftigt: Ein- gewandertz 219 256 96>63 110 360 330 567 279 148 182 5!!4 195 591 � Wollten wir i» der Eingeborene . 562 117 10 i 897 In der BekleidungS-Jndustrie... In der Nahruiigsmiltel-Jiidnstrie. In der Leder-Industrie,..,,, 192 272 In den Bauhandwerken 848 321 In der Metall-Jiidnstrie..... 662014 In der Textil-Jndnstri»...... 261 690 Im Bergbau.......... 291 654 Eine amerikanische Zeitung schreibt dazu:„ Sonderling noch einen Schritt weiter gehen und die stark industrielle» Landeslheite. welche fast ausschließlich den Schauplatz der aktiven Arbeilerbewegnng gebildet haben, separat betrachten, so würden wir finden, daß unter den Abtheillingen der Arbeiterschaft, welche auf diesem Schauplatz sich regle« und Kämpfe führten, daS eingewandert» Element in der Majorität war." Ein Vvvlinrv Uock�pitzel in Mirn. Die„Wiener Arbeiter-Zeitmig" bringt einen Gerichtsbericht, der die Berliner Parteigenossen nicht minder als die Arbeiterschaft nu der Donall interessiren wird. Wir geben daher die Mittheilunge» über die neuesten Thaten des Lockspitzels Richard H a»>»l •— denn um diesen handelt es sich-- vollständig wieder. Unser Brudecorgan schreibt: In dem Gasthause des Gustav Sindermann in Ottakring, daZ ccr Ortsgruppe der Gewerkschaft der Metallarbeiter als Versalninlungs- lokal dient, kam es kürzlich zu einem heftigen Anfiritt. Ein Mann, dersich outzerst provokatorisch mit den Gästen nnlerhielt, sie insbesondere anfihre polltische Gesinnnng aushorchen wollte und äußerst radikale Worte im Munde führte, war mit dem Metallarbeiter Genossen H orat fch ek ,n Streit geralhen und hatte ihn„Schuft" genannt. Die Gäste waren über das Vorgehen dieses Herr» empört, und es schien fast. als ob es zu Thätlichkeiten kommen sollte, als der Genosse Metall- arbeiter Alois O re n d i dazwischentrat niid mit ruhiger Slinime Horatfchek zurief:„Von einem solchen Mensche» wie diesem, der Familien ins Unglück gestürzt und für die Berliner PolizeiJ Lock spltzeldienste verrichtet hat, der Budapest schinählich hat verlassen müssen, können Sie sich rnhig einen Schuft heißen lasse», der kann Sie nicht beleidigen." Durch diese Worte wurde» auch die arglosesten Gäste stutzig, und jetzt erinnerte sich der eine oder andere der Gäste, daß die Art und Weise des Vorgehens dieses Herrn wirklich den Eindruck hervorrief, als sei er ein-AKsnt provocateur. Auf die Belgangenheit dieses Mannes sollte jedoch «ine vorgestern vor dem Ottakringer Strafrichter Dr. Kiesel durch geführte Verhandlung ein eigenartiges Licht werfen. R i ch a r d H a m in. dies der Name des Herr», hatte bei diesem Bezirksgericht eine Ehrenbeleidigungsklage eingebracht, in der er Orendi beschuldigte, ihn Schuft, Lockspitzel genannt, ihm den Ruin eines Metallarbeiters Peru er, vorgeworfen und die Gäste ans gefordert zu haben, ihn aus dem Lokal zu werfe». Genosse Orendi, der sich über diese Klage zu verant warten hatte, leugnete, den Ausdruck Schuft gebraucht zu habe» stellte jedoch das Wort Lockspitzel unter Beweis und bat, die Vorgeschichte dieses Mannes erzählen zu dürfen. Er begann Richard Hamm alias Stern ist ein von der Polizei unter haltener Lockspitzel, der den Auftrag hatte, i» London �Zent provocateur- Dienste zu verrichten und die Unvorsichtigen, die sich etwa«ine unbedachte Aeußerung entschlüpfen ließen, bei ihrem Entweichen auf deutsches Gebiet in die Hände der Berliner Polizei zu spielen. Da die Polizei mit ihm un- zufrieden war, sollte ihm sein Honorar rednzirt werde» da drohte er der Polizei, wenn man ihm nicht eine höhere Bezahlung gäbe, die Vorgänge, die sich hinter de» Koulissen der Polizei abspielten, im Berliner„Vorwärts" z» veröffentliche». Daß Hamm ein Spitzel war, geht aus seinen eigenen, von seiner Hand geschriebene» Memoiren hervor, die in den Besitz des„Vorwärts" gelangt sind und hier veröffentlicht wurden. Nach diese» Aufzeichnungen habe er in London de» anarchistischen Autonomieklub gegründet und zil seinen Zwecken ver- wendet. Plötzlich verschwand er vom Berliner und Londoner Schau- platz und tauchte in Budapest auf. Hier suchte er sich in die Reihe» der orgaiiisirteii Metallarbeiter einzuschleichen, diese zu provoziren und dann zu denunziren, den» Hamm ist ein gewöhnlicher Denunziant. Richter(einfallend): Mäßigen Sie sich.(Zum Ankläger): Es' steht bei ihnen, aus dieser Beleidigung Konseqnenzen zu ziehe». — Ankläger Hamm schweigt. Angeklagter Orendi fährt fort: Es gelang ihm thatsächlich, Anhänger zu geivinne», er stand sogar im Aktionskomitee der Melallarbeiterschaft Budapests. Hier stiftete er jedoch Unfriede» und erregte Erbitterung, als er bei einer Massenversainuilnng die damals das Tagesgespräch bildende Ermordung Carnot's als Helden- that hinstellte. Da ich die Bndapester Arbeiterschaft durch diese» Mann nicht diskreditire» lassen wollte und ihn von dem Artikel im„Vorwärts" her kannte, beschuldigte ich ihn dort des Lock spitzelthums und lieb, als er hierfür Beweise forderte. das Beweis- Material von Berlin kommen, das ich, da ich damals in der Redaktion des„Ungarischen Metallarbeiter" stand, in einer eigene» Flugschrift in deutscher und ungarischer Sprache veröffentlichte. Obwohl H a m m die ihm in dieser Flugschrist zur Last gelegten Beschuldigungen aufs heftigste ableugnete, that er keine n Schritt, um mich wegen Ehrenbeleidigung zu verfolgen. Als diese Flugschrift auszugsweise im Wiener„Metallarbeiter" erschien, J endete er diesem allerdings eine Berichtigung, ließ sich jedoch dessen ttosse, die ihm vorwarf, daß er das Budapester Blatt nicht verklagt habe, ruhig gefallen. Ich kann ihn daher mit vollem Rechte„Lock spitze!" nennen. Der Zeuge der Affäre, Gastwirth Sindermann, giebt unter Handschlag an, Hamm provozire jeden Gast, werfe mit den radikalsten Worten herum, beleidige die Gäste, die ihm dann aus bleiben. Hamm habe ihm selbst erzählt, er habe im Auftrage der Berliner Polizei um 3000 Marl jährlich den Anarchistenfang ge- trieben, sei hierbei jedoch heimlich im Interesse der Arbeiterschaft vorgegangen und habe so die Berliner Polizei zum Narren gehalten. Vertheidiger Dr. Li o s» e r(unterbrechend): Wenn Hamm also die Polizei in Berlin hintergangen haben will, so ist er also kein Denunziant, sondern ein... Nun gelangt der Ankläger Hamm zum Worte, der erzählt, man habe es darauf abgesehen, ihn in Ottakring unmöglich zu machen.— A n g e k l.(einsallend): Weil es Pflicht eines jeden an- ständige» Menschen ist, zu bewirke», daß solche Existenzen vom Schauplatze verschwinden. Wir haben eigens eine K S-Bersannnlung einberufe», um unsere Genoffen über diesen Mann aufzuklären, damit sich jeder vor ihm hüte.— Der Richter erfuhr nun beim Zeugenaufruf, daß zwei Zeugen nicht eruirt werden konnten, und vertagte zur genauen Feststellung obiger Daten die Verhandlung. Soziale Vechikspflege. Vom Gewerbegericht zur Strafkammer. Der Zimmerer H. verlangte vom Gewerbegericht(Kammer III), daß ihm wegen un. berechtigter Entlassung eine Lohnentschädignug zugesprochen werde. Er mußte zugeben, dem ihm vorgesetzten Maurerpolier in der Wuth gedroht zu haben, er werde ihn„über den Giebel schmeißen". Der Vorsitzende Schmieder und die Beisitzer riethe» dem Kläger vor Eintritt in die Verhandlung, die Klage zurückzunehmen, da er sich sonst noch einer strafrechtlichen Verfolgung aussetze. Kläger beharrte aber bei seiner For- derung. Er wurde abgewiesen. Durch die Drohimg habe er einen Grund zur sofortigen Entlassung gegeben. Assessor Schmieder erklärte, nunmehr verpflichtet zu sein, die Akten der Staatsanwaltschaft ein- zureichen. Ter Photogravh Schröder hatte dem Photographen N. eine» Wochenlohn um 4 Mark gekürzt, weil N. an seinen,„Freisountage" nicht gearbeitet hatte. Der Gehilfe klagte dann beim Gewerbe- gericht gegen Schröder. Die Kammer VIll verurtheilte den Beklagten, die 4 Mark an den Kläger zu zahlen. Da Kläger alle drei Wochen auf einen freien Sonntag Anspruch hatte, sei der Abzug von dem vereinbartem Wochenlohn unzulässig. GeriilzlS-Teilung. Ein Denmiziant. Die I. Strafkammer des Landgerichts I hatte sich dieser Tage mit dem Buch«„.Weib und Welt" des bekannten Lyrikers Richard D e h m e l im objektiven Verfahren zu befassen. Der i» seinen Mußestunden auch schriftftellernde Referendar Börries von Münchhausen halte Ver- anlassnng genommen, einige der in jenem Buche enthaltenen Gedichte als„unzüchtig und gotteslästerlich" der Staatsanwaltschaft zu denunziren. Der als Interessent bei dem Verfahren anwesende Dichter vertheidigte seine Geisteskinder gegen die ihnen widerfahren« Charakteristik mit dem Aufwände seiner ganzen Beredtsamkeit und Verantwortlicher Redakteur: Rngust Jacobey in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich versicherte, daß weder er noch sein Verleger eine ungünstige Ent scheidung für möglich hielte». Aber, wie so manchmal im Rechtsleben das Unerwartete wurde Ereiguiß, denn der Gerichtshof erkannte — indem er im übrigen die Denunziation für unbegründet er- klärte— aus Unbrauchbarmachung eines der Gedichte. Der Dichter hat durch Rechtsanwalt Paul Jonas hiergegen die Revision einlegen lassen. Eine gestern vor der I. Ferienstraskaminer verhandelte, gegen einen Schuhmacher Schulz gerichtete Anklage wegen Verstoßes gegen das Jnvaliditäts- undAltersver sicher nngs-Gesetz zeigte wieder einmal, wie nothwendig es wäre, eine obligatorische Eutwerthung der Bersicherungsmarkeu nach deren Einklebung in die Versicherungskarten einzufahren. Manche Vorkommnisse deuten darauf hin, daß in der Umgebung von christlichen Herbergen ein ziemlich schwunghafter Handel mit alten, schon einmal ein- geklebten Marken betrieben wird. Leute, die mittellos sind und sich in Roth befinden, pflegen häufig die Marken ihrer Bersicherungs karten als letzten Rettungsanker zu betrachten, sie löse» sie heraus und bringen sie zu billigen Preisen an den Mann. Die Erwerber solcher Marken wissen gewöhnlich nicht, daß die Verwendung schon einmal benutzter Marken untersagt ist und sie verfallen dann, wenn der Kontrollbeamte diese Art der Verwendung bemerkt, der gesetzlich vorgesehenen Strafe. Dies war auch bei dem Angeklagten der Fall er halle ganz gutgläubig eine Anzahl schon eingeklebt gewesener Marken erworben und weiter verwendet. Der Gerichtshof verurtheilte ihn zu 30 M. Geldstrafe. Bei einer Anklage wegen gemeinschaftlicher Körper Verletzung, die gestern die S. Ferien-Straskammer beschäftigte, handelte es sich wieder einmal um eine jener Szenen vom Bau- markt, wie sie in Berlin nicht gerade selten sind. Der Eigen lhümer und Töpfermeister Jahnke baute in der Auguststrabe ein Haus und hatte die Mauerarbeilen an einen Maurermeister Hos mann vergeben. Wie dies leider manchmal bei solchen Bauten vor- kommt, gerieth der Maurermeister in finanzielle Schwierigkeiten und die an dem Bau arbeitenden Maurergesellen kamen wegen Er- langung ihres Wochenlohnes ins Gedränge. Eines Sonnabends gelang es ihnen nicht, ihren Lohn zu erhalten. Der Meister hatte kein Geld und Herr Jahnke als Bauherr gab ihm nichts, weil er nach seiner Behauptung von der Berufsgenossenschaft eine Zuschrift erhalten hatte, durch welche ihm unter- sagt worden war, an Hofmann Gelder irgend welcher Art abzuführen. Die Arbeiter wurden auf Montag vertröstet, ihr Be- mühen war aber auch an diesem Tage vergeblich, dagegen hatte ihnen der Bauherr in Aussicht gestellt, daß„er sehen wolle, was er für sie thu» könne, Voraussetzung sei aber, daß sie sich anständig betrügen." Das Gewerbegericht hat ihn später zur Lohnzahlung verurlheilt und damit festgestellt, daß die Erfüllung der Verbindlich leiten gegen die Bauarbeiter nicht blos von seinem guten Willen abhing, sondern seine Pflicht war. Die vom Montag auf den Dienstag vertrösteten Arbeiter wurden, als sie auch dann kein Geld erhielten, des Wartens müde. Als Herr Jahnke auf dem Bau erschien und eben eine Leiter heruntergeklettert war, drängten etwa 16 Maurer auf ihn ein und verlangten unter nicht gerade schmeichelhaiten Bemerkungen ihren ehr- lich verdienten Lohn. Die Lage des Bauherrn wurde höchst ungemüthlich, schließlich spürte er einige„schwielige Fäuste an seinem Kopfe, er war sich auch nicht im Zweifel darüber, daß einige der Anwesenden ihre Füße in eine unangenehme Berührung mit seinem Körper brachten. Er stellte gegen alle 16 Betheiligte den Strafantrag wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs, gegen die Maurer Karl Panzer und Otto Schwarz aber, die er unter den Schläger» erkannt hatte, gleichzeitig wegen Körperverletzung. Das Schöffengericht sprach alle Angeklagte von der Anklage des Hausfriedensbruches frei, verurtheilte dagegen Panzer und Schwarz zu je e i n e r W o ch e G e f ä n g n i ß. Beide legten Berufung ein und destritten in dem gestrigen Termine, daß sie Hand an den Bauherrn gelegt. Die Beweisaufnahme siel in dieser Beziehung zu ihren Ungunsten aus. Die Rechtsanwälte Dr. K a tz und L e o n h. Fried mann führten in eindringlichen Worten dem Gerichtshofe vor, in welche Bedrängniß solche Bauarbeiter kämen, die die ganze Woche fleißig gearbeitet habe» und dann am Lohntage mit leeren Taschen nach Hause kämen. Wenn die betreffenden Personen darüber in eine geivaltige Erregung kämen, so sei dies nur zu begreiflich und wenn sie sich dann vergäßen, so sollte man sie doch dafür nicht gleich ins Gesängniß schicken.— Der Gerichtshof sah sich denn auch veranlaßt, die Strafe des bisher ganz unbescholtenen Angeklagten Panzer auf 3ö Mark herabzumindern; bei Schwarz, der schon ivegcn Körperverletzung vorbestraft ist, verblieb es bei dem ersten Urtheil. Vevlamntlnngen. die am mit der Eine öffentliche Versaminlung der Möbelpolirer, Montag bei Keller, Koppenstraße, tagte, beschäftigt« sich Organisationsfrage. Der Referent R. Weber trat in seinen Aus- führnngen für die Beibehaltung der bestehenden Organisation, die 'ich nach jeder Richtung hin bewährt habe, ein und erörterte die verschiedenen Gründe, die gegen de» Anschluß an den Holz- arbeiter- Verband sprechen. Nach längerer Diskussion wurde schließlich eine Resolution angenommen, in der die Versammlung erklärt, daß die bestehende Organisation, der„Verband der Möbelpolirer", die zur Zeit allein maßgebende Organisation für die Möbelpolirer ist und sich die Versammelten verpflichten, derselben, soweit dies noch nicht geschehen, beizutreten und für deren Aus- brcitung zu agilire». Ten Zeitpunkt für den Anschluß an den Holzarbeiter-Verband erachtet die Versanimlnng erst dann für ge- kommen, wenn es gelungen ist, die noch fernstehenden und indiffe- renten Kollegen gewerkschaftlich zu organisiren. Den zweiten Punkt der Tagesordnung bildete die Frage:„Ist es nützlich, daß sich die Polirer den lokalorganisirten Gewerkschaften anschließen?" Der Referent Fritz Kater erläuterte die Beschlüsse des Kongresses in Halle, ersuchte die Versammelte». sich mit den von dem Kongreß geschaffenen Einrichtungen einverstanden zu erklären und plädirte Kr den Anschluß an die lokalorganisirten Gewerkschaften. Nach einer kurzen Diskussion. an der sich Weber, B l a u r o ck, Reuter lind anders betheiligten, gelangte eine Resolution zur Au- »ahme, in der sich die Versammlung mit den Aussührungen des Referenten einverstanden erklärt und beschließt, das Programm des Kongresses in Halle a»zuerkennen. Die Abrechnung des Vertrauens- mannes und Wahl desselben wurden bis zur nächsten Versammlung vertagt und zum Schluß bekannt gegeben, daß am 12. Seplbr. eine Partie»ach Tegel stattfindet. » Eine öffentliche Versanimlung der Barbier- und Friseur- zehilfcn, die sich mit der Sonntagsruhe in diesem Gewerde be- chäftigte, tagte am Donnerstag in den Arminhallen. Wie angeführt wurde, wird in 99 pCt. der Geschäfte das Gesetz bezüglich der Sonntagsruhe nicht beachtet und über 2 Uhr hinaus Gehilfen be- chäftigt. Sticht selten wird die Arbeitszeit der Gehilfen und Lehr- linge des Sonntags bis nach 3 und 4 Uhr ausgedehnt, ohne daß die Behörde einschreitet. Trotzdem daß diese Gesetzesübertretungen o allgemein sind, wird nur in wenigen Fällen eine Anzeige erstattet. In verschiedenen Geschäften ist es wohl Usus, daß die Gehilfen der Form wegen darauf auf- merksam gemacht werden, daß sie um 2 Uhr ihre Arbeitszeit beenden können, derjenige aber, der hiervon Gebrauch macht, kann ast immer seine Entlassung gewärtigen. In anbetracht der häufige» Arbeitslosigkeit, die zum großen Theil aus die bekannte Lehrlings- züchterei in diesem Berufe zurückzuführen ist, fügen sich die Gehilfen » die Beschränkung ihrer freien Zeit oft, um ihrer Stellung nicht verlustig zu gehen. Obwohl in mehreren Versammlungen diese Mißstände behandelt wurden, wird, wie die einzelnen Redner au- ührten, von der Polizei doch noch keine genügende Kontrolle iber diese Geschäfte geübt, um die Jnnehaltung der Bestimmungen zu veranlaffen. Nach längerer Diskussion wurde das Bureau beauf- tragt, fich an das Polizeipräfidium zu wenden, damit die Beamten angewiesen werden, eine eingehendere Kontrolle über die Aufrecht« erhaltung der Sonntagsruhe in diesem Gewerbe auszuüben. Sollte das Gesuch vom Präsidium ablehnend beschieden werden, so gedenken die Gehilfen mit ihren, Anliegen beim Magistrat vorstellig zu werden. Zum Schluß wurde auf den Werth der Organisation hingewiesen und zum Abonnement des nengegründeten Fachorgans„Der Friseur- Gehilfe" aufgefordert und sodann bekannt gegeben, daß die nächste Vereinsversammlung am 9. d. M. bei Babiel, Rosenthalerstr 57, statlfindet. In einer Maurerversammlung, die am Donnerstag in Cohn's Saal tagte, referirte S i l b e r s ch m i d t über die nächsten Aufgabe» der gewerkschaftlichen Bewegung im Baugewerbe. Er führte ans, daß jetzt, wo die neunstündige Arbeitszeit und der Stundenlohn von 69 Pf. gesichert sei, die gewerkschaftliche Bewegung nicht etwa schon ihre Aufgabe erfüllt habe. Das nächste Ziel müsse sein, geeignete Schritte zu thu» zur Beseitigung der Mißstände auf Bauten und Einführung einer fachmännischen Bauanfsicht. Um das zu erreichen, bedürfe es keines Streiks, vielmehr müsse man sich in dieser Hinsicht sowohl an die gesetzgebenden Körperschaften, als an die zuständigen städtischen und Verwaltungsbehörden wenden. Nach Schluß der zustimmenden Diskussion wurde eine vom Referenten vorgeschlagene Resolution angenommen, welche besagt: Da die Uufallgcfahr im Baugewerbe von Jahr zu Jahr steigt, fordern die Versammelten, daß auf grund von 8 154 Absatz 4 der Gewerbe- Ordnung die Gewerbe-Juspektlon auf das Baugewerbe ausgedehnt wird, da die gegenwärtig durch Polizei-Organe ans- geübte Kontrolle unzureichend ist. Die Lohnkonimission wird be- auftragt, Material bezüglich der Mißstände im Bangewerbe zu sammeln und in geeigneter Weise zu verwenden. Eine längere Diskussion entstand über folgende Angelegenheit: Die Maurer auf dem Bau des Landgerichts i» der Neuen Friedrichstraße haben bisher, entgegen den Beschlüssen der Maurer, in Akkord gearbeitet, jetzt aber die Arbeit niedergelegt, weil sie den Slnndenloh» von 60 Pf. im Akkord nicht erreichen konnten. Es handelte sich nun um Stellungnahme zu dieser Angelegenheit. Alle Redner, welche zu diesem Punkt sprachen, waren der Meinung. daß man diese Kollegen, weil sie de» Beschlüssen entgegengehandelt haben, nicht unterstützen dürfe. Es wurde beschlossen, über die Au- gelegeuheit der Akkordmaurer zur Tagesordnung überzugehen und dieselben ebenso zu betrachten, wie jeden anderen, der die Beschlüsse der Berliner Maurer nicht gehalten. Ter Zentialvrrband der Töpfer nud Ziegler, Filiale Berlin, hielt am LS August eine Generalversammlung ab. Verlesen wurde der Kassenbericht vom 25. Juli bis 25. August. Nach dem- selben betrug die Einnahme mit einem vorherigen Kaffenbestande von 53,91 M. 472,26 M. Die Ausgabe stellt sich für Verwallungs- kosten(Agitation, Inserate»- f. w.) auf 134.95 M., Wander- Unterstützung 12,44 M.. an die Hanplkasse 203,91 M. und Bestand für nächstes Quartal 119.96 M., ergiebt eben- falls 472,26 M. Di« M i t g l i e d e r z a h l betrug 521. Es sind laut Bericht des Vorstandes voin 6. Juli ab, wo eine etwa 600 Köpfe zählende öffentliche Versammlung gegen 5 Stimmen die Einigung der Töpfer Berlins resp. den Anschluß derselben an den Verband beschloß, netto 400 Mitglieder dem Verbände beigetrete». Der Beitritt geht täglich noch weiter vor sich, und kann gesagt werden, daß im Jlugenblick an 600 Mitgliedern sehr wenig oder gar nichts fehlen wird. Von den 400 neuen Mitgliedern waren auf grund des Beschlusses vom 6. Juli 377 nicht genöthigt, Eintritts- «eld zu bezahlen. Das Resultat der Einigung darf vorläufig als ein zufriedenstellendes bezeichnet werden. Bei der nunmehr vorgenommenen Vorstandswahl werde» ge« wählt als 1. Vorsitzender G. Thiele, als 2. Vorsitzender G u t h, als 1. Kassirer M. Lothar, als dessen Stellvertreter Neu- m an», als Schrislführer John, als Beisitzer Ullrich und Steinick, als Revisoren Kronfeld. Barschin und Sprenger. Hierauf wurde auf die Nothwcndigkeit der vollzählig zu besuchenden Vertrauensmänner-Sitzungen, die nunmehr wieder regelmäßig tagen sollen, hingewiesen und auch über die zweckmäßigste Verbreitung unseres Fachorgans hier am Orte berathen. Letztere? wird dem Vor« stand zur Vorberathung überwiesen. Tie letzte Generalversammlung deS Vereins der Töpfer Berlins fand am 27. d. M. bei F. Wilke, Andreasstraße, statt. Laut Beschluß der vorhergehenden Generalversammlung ist der Verein zu einem Bibliothekverein nmgesormt. Die Statuten wurden mit Ausschluß eines Paragraphen sowie die Bibliothekordnnng an« genommen. Beides soll öffentlich bei Babiel, Rosenthalerstr. 57. sowie bei Moll, Klosterstr. 101, bei welchem sich die Bibliothek be- findet, ausgehängt werden. Der Verein führt den Namen„Berein der Töpfer Berlins und Umgegend". Darüber entspinnt sich eine heftige Debatte; schließlich wird der Name mit schwacher Majorität angenommen. Die Wahl des Vorstandes ergab: R. Lagen, Bor- sitzender. H. H o f f m a n n. Bibliothekar, H. Völker, Kasstrer. Als Revisoren M. Lothar und H. John. Der Beitrag beträgt monatlich 10 Pf. Reinickeudorf. Der Arbeiter«BildungSverein Zukunft" hielt am 22. d. M. seine regelmäßige Versammlung ab, in der Genosse Kiesel einen interessanten Vortrag über Friedr. v. Schiller und seine dramatischen Werke hielt. Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. Die Diskussion bewegte sich im Sinne des Referats. Außerdem ivurde allgemein darüber geklagt, daß bei dem letzten Parteifest, daß in Böttcher's Seepark stältgefunden hat, die Zivilberufsmnsiker in äußerst ungenügender Weise ihre Pflicht erfüllt haben. Es wurde darauf hingewiesen, daß die Arbeiter den von den Musikern aufgestellten Tarif be- zahlen, daß diese dann aber auch die moralische Beipflichtung hätten, die Zeit, in der sie engagirt sind, nach Kräften aus- znsüllen._ Depvflsien und lehke UtachvUhken. Budapest, 3. September.(B. H.) Gegen den hiesigen Führer der anarchistischen Bewegung, Dr. Engen Schmidt, ist seitens der Staatsanwaltschaft wegen Verherrlichung des Attentats aus Canovas sowie wegen Schmähungen gegen den Fürsten Bismarck und gegen die Chess aller europäischen Regierungen in Artikeln des hiesigen Anarchistenorgans die Anklage erhoben worden. Prag, 3. September.ks jMWirts" Ktliin öoltislilalt. S»«iilil>t»), 4. Zkjiicnlbtt 1897. rifcvavirrfjc ZZundfÄxcru. The Fabian Society: Fabian Traote.(Verlag:„the Fabian Office, London, Strand 276) Die kleinen Broschüren und Flugschriften, welche die eng- lische Fabier-Gesellschast vom Jahre IS37 ab unter dem Gesammt- titel Fabian?racts herausgegeben hat, fülle» bereits einen stallliche» Band. Klar, eindringlich, auf gründlicher Kenntuiß der jeweils behandelten Fragen fußend, bietet diese hochentwickelte, vom sozialistischen Geist durchtränkte Broschürenliteratur, die ohne die Grundlage einer großen sozialistischen Arbeiterpartei erwachsen ist, sehr viel des Interessanten und Anregenden, ein treffliches Denkmal, das Kraft und Eifer jenes Bereines sich gesetzt hat! Die Fabier-Gesellschast in ihrer heutigen Gestalt ist aus einem sozialistischen Diskutir» und Bildungsklub, der sich im Jahre 18S3 in London zusammen fand und größtentheils junge Leute aus den Mittelklassen als Mitglieder zählte, allmälig Heransgewachsen. Die öffentliche Propaganda, die Herausgabe von Schriften u. s. w. trat erst später zu der ursprünglichen, auf Selbstverftändigung und Klärung der Gesellschaftsmitglieder abzielenden Thätigkeit hinzu. Der Name Fabier, den der jugendliche Kreis sich beilegte, sollte der Ueberzeugung Ausdruck geben, daß eine richtige, auf die Uni- wälznng der bestehenden Gesellschaftsordnung hinarbeitende Taktik dem Beispiel des römischen Feldherrn Fabins Kunktator folgen müsse, der, bedächtig zögernd, langsam-gründlich alle Borbereilungen traf, um dann im günstigen Moment, des Sieges sicher, kräftig los- zuschlagen. Der possibilistische, auf nahe, einfach zu erreichende Ziele gerichtete Charakter und die damit zusammenhängende Neigung, weitgehende Kompromisse mit den am Staatsruder befindliche» großen Parteien einzugehen,— später hervorstechende Züge der Fnbischen Propaganda— lagen der Gesellschaft ursprünglich außer- ordentlich fern. Sehr interessant, wie man auch immer feinen Standpunkt beurtheilen mag, schildert Bernhard Schaw, einer der Gründer und thätigsten Mitglieder der Organisation, in einem der Dracts die allmälige Entwickelung. In, Jahre 1363, sagt er, verlangten wir nichts weniger als die schleunige Reorganisation der menschliche» Gesellschaft auf dem Boden der höchsten überhäupt erreichbaren Moral. Im Jahre 1884 diskutirten wir darüber, ob Geld unter der Herrschast des Sozialis- m»s zugelassen werden solle, oder ob Zertifikate über die vo» jeder- uiaiin geleistete Arbeit nicht am Ende das passendste Umlaufsmittel für uns wären? Dann kamen wir mit Frau Wilson— später einem der thätigsten Mitglieder der anarchistische» Freihcitsgruppe Krapotkin'scher Färbung— zusammen und eine Art anarchistischer Influenza begann alsbald in unserem Kreise zu grassiren.... Auch hatte die Verbindung der anarchistischen Ideen mit physischer Gewalt für uns nicht irgend etwas Abstoßendes. Die Fabier-Gesell- schaft war kriegerisch in ihrem Ursprung. Sie entstand durch Abtrennung von einer früheren Gesellschaft, welche die friedliche Erneuerung der Raffe durch Hebung des moralischen Charakters in ihrem Programm vertrat.... Und obwohl derselbe praktische Zug, der die Begründer angetrieben hatte, auf eine aktive Politik zu dringen. sie später zu den entschiedensten Gegnern aller Putsch- und In- surrektionspolitik gemacht hat, war das Festballe» an gesetzlicher Entwickelung, das uns heute kennzeichnet, in den Fabier-Aersamm- lungen von 1834 und 1835 etwas ebenso unerhörtes wie in den Demonstrationen der Sozialdemokratischen Föderation oder der Sozialistischen Liga. Es ist dies eine individuelle Entwickelung. die in ihren Grund- zügen wenigstens dem allgemeinen realistische» Charakter des modernen Sozialismus, der alles von der inneren ökonomisch-politischen Evo- lution der Gesellschaft erwartet, entspricht. Je stärker die sozialistische Bewegung anschwillt, um so mehr tritt die Bedeutung der nüchterne» sozialen und politische» Tagesarbeit hervor, um so unglaublicher erscheint es, daß durch kriegerische Ueberrumpelung, ehe die Be- dingungen einer neuen Organisation noch ausgereift sind, mit einem Schlage das ersehnte Ziel sich solle erreichen lassen. Die Ab- streifung zugeudlich utopistischer Hoffnungen hat jedenfalls die Fabier, trotz ihrer bürgerliche» Herkunst, nicht ins bürgerliche Lager zurück- getrieben.„Unsere Gesellschaft, erklären sie in ihrem Programm. besteht aus Sozialisten. Dementsprechend erstrebt sie die soziale Umgestaltung durch Loslösung des Bodens und des industrielle» Kapitals aus den Banden des industriellen und Klasseneigenthums und die Uebertragung derselben an die Gemeinschaft zum allgemeinen Nutzen. Nur auf diese Weise kann an dem natürlichen und dem erworbenen Reichthum des Landes dem ganzen Volke sein gerechter Antheil gesichert werden." So sollen Grundrente und Profit dem Lohn des Arbeiters zuwachse», die Ausbeutung fremder Arbeit vcr- schwinden, der Wohlstand und die Freiheit Aller sich heben. Durch Verbreitung sozialer Aufklärung sucht die Fabier- Gesellschaft dem sozialistischen Zwecke zu dienen. In diesem Sinne will sie, wie es in ihren Grundsätzen heißt, Disknssious-Ver- sammlungen zur Besprechting von Fragen, die mit dem Sozialismus zusammenhängen, veranstalte», will sie die nähere Untersuchung ökonomischer Frage» und die Sammlung eines entsprechende» Tbat- sncheninaterials befördern, belehrende Schriften sozialen und sozia- liftischen Inhalts herausgeben, sozialistische Vorträge und Debatten auch in anderen Gesellschaften anregen und sich überhaupt in der Oeffentlichkeit bethätigen. Die Mitglieder sind verpflichtet, nach Kräften für diese Aufgabe zu wirke» und jährlich Beiträge an die Vereinskasse zu eiitrichlen. Ei» besonderer, für die Zusammensetzung der Gesellschaft charakteristischer Passus erklärt endlich, daß sie i» allen Schichten Rekruten suche, in der Ueberzeugung, daß nicht nur die, welche unter dem herrschenden System zu leiden haben, sondern auch viele, die durch dasselbe bereichert sind, die in ihm liegenden Uebel erkennen und ein Heilmittel begrüße» iverde». Erst seit dem Jahre 1337 sucht die Gesellschaft als solche eine öffentliche Thätigkeit, wie sie im Programm fixirt ist, zu entfalten; damals begann sie mit der späterhin Jahr für Jahr fortgesetzte Herausgabe der kleinen, für die weiteste» Kreise bestimmten Fabian Dract«. Sie veranstaltete öffentliche Ver- 1 sammlungen und griff in die Wahlbewegnng ein. Im folgenden Jahre erschienen dann die„Fabian Essays in Socialisme", eine Reihe größerer prinzipieller Abhandlunge», die Formulirung ihrer theoretischen Ueberzeugungen enthaltend. Eine irgendwie bedeutende Ausdehnung hat die Organi- fation aber auch durch ihr öffentliches Auftreten nicht erreicht. Nach dem Jahresberichte 1335/96 betrug die Mitgliederzahl in London 372, in der Provinz(in den meisten Großstädten des Königreichs haben sich kleine Zweiggesellschafle» gebildet 324, alles i» allem gerechnet 739 Personen, darunter allerdings viele sehr hervorragend tüchtige und gebildete Kräfte. Um nur eine» Namen zu nennen, gehören die beide» Webbs. die berühmten Verfasser der große», auch bei Dietz in deutscher Uebersetzung erschienenen„Geschichte des britischen Trade Unionismus", der Gesellschaft an. Nicht ihrem Umfang, nur dem Talent und Eifer ihrer Hauptmitglieder verdankt die Gesellschaft den Einfluß, den sie gewonnen. Dem wissenschaftlichen Charakter, den der Verein von Anfang an getragen, entspricht es— und dies bildet vielleicht eine der hervorstechendsten Eigenthümlichkeiten der Fabier-Beivegung—, daß großer Nachdruck auf eine kyhle Kritik der sozialistischen Ansichle» gelegt wird. Die Theorien von Marx und Lassalle, erklärten dieFabier in einem Schreiben an den internationalen Londoner Arbeiterkongreß können ebensowenig als autoritär und verbindlich gelten, wie die Systeme Saint Simons und Owens, gegen welche die Be- grünber des modernen Sozialismus ihrerseits die Waffen der Kritik gekehrt hatlen. Das ist ein Standpunkt, g'geu den im allgemeinen natürlich sich nichts einwenden läßt. Die freie Kritik ist Lebenselement des Sozialismus; daß es keine Grenzpfähle und über den Zweifel erhabene Autoritäten geben kann, versteht sich von selbst. Eine ganz andere Frage ist es freilich, ob die besonderen einzelnen Emwürse, die im Namen der Kritik von den Fabier« gegen Marx und Lassalle erhoben werden, widilige, wahrhaft kritische Einwände sind, die irgend wie zu neuen tieferen Einsichten fuhren? Von der Ablehnung der Marxffchen Werlhtheorie, die nach den Fabier» durch eine der schalsten Erfindungen bürgerlicher Oekonomie, die sogenannte„G r e n z n u tz t h e o r i e", ersetzt werden soll, wird man das z. B. nicht behaupten können. Indessen hat die Frage, ob sich der Tauschiverth nach der Arbeit oder grenznutzpsychologisch nach de» Bedürfnißstärken bestimmt, ja keine unmittelbare Beziehung zum Sozialismus. So oder so, das Faktum der Ausbeutung, das Streben, diese Ausbeutung zu beeitigen, bleibt was es ist. Keine Formulirung der Werththeorie kann daran etwas ändern. Die wesentlichen Differenzpunkt« liegen auch nicht aus theoretischem Gebiete, sondern sind taktischer Natur. Die Fabier, die dem Prinzip des Klasseukampfes eine sehr weite Auslegung gebe» und, wie der oben zitirte Passus ihres Programms bereits andeutet, auf starke Betheiligung der bürgerliche» Schichte» in dem Emanzipationskampf rechnen, suchen bei der Schwäche der sozialisti- schen Arbeiterparteien Englands ihre Forderungen durch Einwirkung auf andere Parteien, Wahlbündnisse und iveitgehende Komp, omisse durchzusetzen. Es ist das ihre possibilistische Taktik der Durch säuerung, der Durchdringung, bei der viel von der Schärfe des pra letarischen Klassenstandpunktes verloren geht, die aber, wenn sie als ein ergänzendes Moment neben einer selbständigen Arbeiter- beivegung einhergeht, immerhin viel zur Aufrüttelung und Vorbereitung sonst indifferenter Massen und zur Er zielung kleinerer Erfolge beitragen mag. Insbesondere ihr Streben, die Wähler um jeden Preis zur W>hl betheiligung heranzuziehen, um demjenigen der Kandidaten, der den forlschrittlich-arbeiterfreuudlichen Forderungen verhältnißmäßig am weitesten entgegenkommt, zum Siege zu verhelfen, hat vieles für sich. „Auch wenn es— heißt es in einem ihrer Wahlaufrufe— keinen Kandidaten giebt, der es verdient, daß man für ihn stimme, so giebt es wenigstens einen, der es verdient, daß man gegen ihn stimme." Derselbe Grundsatz, der freilich unter ganz anders gearteten Ver- hältnissen heute bei uns auch für die Bethelligung an den Landtags wählen mit ins Feld geführt wird. Die Hauptbedeutung der Gesellschaft liegt, ivie gesagt, in ihrer literarischen Tbäligkeil. Seil dem Jahre 1887, in dem die öffent liche Thätigkeit der Fabier begann, sind etwa 79 Tracts(Broschüren und Flugblätter) von ihr herausgegeben worden, ein großes Stück ernster, tüchtiger Arbeit, das im öffentlichen Leben Englands nicht ohne Wirkung geblieben sein kann. Unser Partei- Archiv ist im Besitze einer annähernd vollständigen Sammlung. Die besprochenen Gec-iiftäude sind höchst mannig- saltiger Art. Eine ganze Reihe von Broschüren handelt von der Kommunalverwaltung und ihre Aufgaben(die Fabier haben sich an der Bewegung des sogenannten Munizipal- Sozialisnius hervorragend betheiligt), andere über Fragen der öffentliche» Gesetz- gebung, wieder andere bringen ganz allgemeine Auseinandersetzungen, beispielsweise über Anarchismus, christlichen Sozialismus, über das Wesen des Sozialismus n. s. w. u. s. w. Ei» näheles Eingehen auf diesen überreichen Stoff ist hier natürlich ausgeschlossen. Nur auf zwei dieser kleinen Arbeiten wollte ich noch besonders hinweisen, da sie Anregungen allgemeiner Art, die sehr wohl auch für die deutsche sozialistische Broschürenliteratur fruchtbar gemacht werden könnten, biete». Die eine dieser Schriften, im Jahre 1387 als eine der ersten erschienen, heißt:„Thalsacheu für Soziallste», aus den Schriften der Nationalökonomen und Statistiker". Das Originelle und äußerst Wirksame dabei ist, daß die trockenen Zahlenangaben über die Einkommens- Vertheilung im modernen Großbritannien durch eine sehr einfache graphische Darstellung veranschaulicht werden, und daß so die Ausbeutung, der die Arbeiterklasse unter- liegt, dem Auge förmlich sichtbar gegenübertritt. Die Schrift de ginnt mit der Frage, wie groß das jährliche Total-Einkommen der gesammte» Nation sei? Nach den Schätzungen verschiedener Nationalökonomen etwa 1459 Millionen Piund(1 Pfd.— 29 M). Diese Geldsumme wird durch einen großen schivarzen Kreis ver- anschanlicht. Dan» kommt die zweite Frage: Wer produzirt den Reichthum, der sich in jenem Nalionaleinkommeu ausdrückt? Wiederum nach den Nationalökonomen: die Arbeiter, im ganzen etwa 37—33 Millionen Meuschen in dem ganzen Königreich. Dann weiter: Wovon leben die Reichen? Haiiptsächlich von der Grund reute, dem Zins und Dividenden, die, immer»ach de» Oekonome», einen Abzug von dem durch die Arbeiterklasse erzeugte» Produkt darstellen. Nach der Einkommenfteucr- Einschätzung beträgt die Grundrente 239 Mill., also annähernd>/? deö Gesammteinkommens. Der Abbruch, den dieses damit erleidet, wird durch eine» entsprechenden weißen Ausschnitt in dem schwarzen Kreise, der das Gesammteinkouimen bezeichnete, ausgedrückt. Zinsen und Dividenden belaufen sich auf 239 Millionen Pfund, also annähernd>/5 des Gesaminteinkommens. Das tritt als zweiter Ausschnitt neben dem ersten hinzu. Dann kommt ei» dritter, sehr bedeiitender Ausschnitt für die Gehälter der höher qualifizirlen, nicht eigentliche Handarbeit verrichtenden Arbeits kräste, sodaß der schwarze Kreis ans weniger als V» feines ursprünglichen Flächeninhalts z»sai»»ienschrmiipfl. Der Rest— im ganze» 539 Millione» Pfund— ist das, was der im engeren Sinne des Wortes arbeilenden Klasse, deren Kraft doch im wesentlichen alle Reichlhümer erzeugt hat. allein übrig bleibt. Diese Methode der Darstellung ist für den ungeschulte» Leser überaus anschaulich und würde auch in einer deutschen, etwa die preußischen Einkommens- Verhältnisse behandelnden Parteibroschüre vielleicht vorzügliche Dienste thu». Das andere Schriftchen betitelt sich:„Was lesen?, eine Liste von Büchern für Sozialreformer". Auf 44 Seiten sind die Haupt- werke, die zur Einführung in die Gesellschaflsgeschichte, die sozialen Theorien(Nationalökonomie; Ethik; Recht und Politik), die wich- ligften sozialen Fragen, und dem Sozialismus am besten dienen können, kurz zusammengestellt. Jeder dieser Tbeile zerfällt wieder sehr übersichtlich in eine Reihe von Unterabschnitten. Der Abschnitt über Sozialismus z.B. bringt gesondert Bücherangaben: All- gemeine sozialistische Literatur, chrisilicher Sozialismus, Anarchis- »ins, Utopien, kommunistische Experimente, sozialrevolutionäre Be- wegungen, Biographien k. In Deutschland fehlt noch«in« solche Zusammenstellung; aber das Bedürfniß nach ihr ist in Parteikreisen und außerhalb derselbe» sicher in hohem Maße vorhanden. Es wäre sehr zu wünschen, wenn dieser praktische englische Versuch auch bei uns i» nicht zu langer Zeit Nachahmung fände. Giovanni Rossi: Utopie und Experiment. Gesammelt und über- setzt von A. Sanstleben. Zürich 1397. 324 S. Preis 3,29 M. Es ist ein wunderliches Ragout, welches der Uebersetzer der Rossi'schen Schriften, Herr Sanftleben, de» Lesern vorsetzt. Das Deutsch läßt außerordentlich viel zu wünschen übrig, und vor allen, fehlt eine zusanimenfassende orientirende Einleitung. Statt dessen ist eine Unzahl bunt zusammengestellter Briefe und Artikel, die auf Rossi und feine Unternehmungen irgend welchen Bezug haben, in den Text eingestreut. Der Leser mag sich die Notizen, die ihn interessiren, selbst zusammensuchen. Die Form des Buches kann als Symbol seine? zerfließenden, verschwommenen Inhaltes aufgefaßt werden; und die Verschwommen» heil des Inhaltes wieder ist ein charakteristischer Ausdruck für den anarchistische» Standpunkt, den der italienische Verfasser Rossi ver- tritt. Anarchismus ist Utopismus, eine Abkehr vo» den realen ökonomischen EntwickelnngSmöglichkeiten, die in der niodernen Ge- fellschaft geboten sind, und die der Sozialismus in zielbewußter Weise für die fortschreitende Emanzipation derArbeiterklasse auszunutzen sucht; ein ohnmäckitiger Versuch, durch Wünsche der Phantasie die Schranken der Wirklichkeit zu überspringen. Mit der Loslösung vom Wirk- lichen aber fällt jede scharfumrissene Bestimmtheit dahin, in unbestimmtem Zukunftsnebel verschwimmen alle feste» Gedanken. Es ist diese utopislische Denkart, die als gemeinsamer Grundzug sich in der Propaganda der That und den sehr friedfertigen anarchistischen Gesellschaftsidealen wiederfindet. Jene Taktik— übrigens nur von einem Theil der Anarchisten befürwortet— ist ebenso Widerspruchs- voll und weltfremd wie das Ideal. Vier Hanptstücke sind es, die der deutsche Uebersetzer ans den Schriften und dem Lebenswerk des Dr. Rossi bietet. Das erste ist «ine Jugendarbeit, eine schwungvoll in Rousseau'schem Stile ge- schriebene Utopie, die auf das italienische Landvolk berechnet war und großen agitatorische» Erfolg erzielte. Sie entsprach, wie Turati im Vorwort zu der 5. Auslage hervorhebt,„dem halbpoetischen Cha- rakter jeuer ersten in der Entwickelung begriffenen Sozialisten". Dies Heft erschien im Jahre 1873; als Rossi es geschrieben, zählte er erst 21 Jahre. Wunderlich romanhaft sind die Voraussetzungen. Rossi selbst ist der Held der Erzählung. Er besucht einen Freund, einen reiche» Groß- grundbesitzer, den Bruder einer vortrefflichen Schwester. Die Herzen finden sich. Der Bruder geht auf Sieisen und läßt das glückliche Liebespaar in dem Besitze seines Vermögens zurück, damit es seine sozialistische Beglückuugspläne verwirkliche. In wenigen Jahren wird ein Paradies des Friedens und Wohlstandes geschaffen. Diese Utopie, ganz durchströmt von jugendlicher Herzenswärme, steht bei aller Nnreife der Erfindung jedenfalls sehr hoch über der spezifisch anarchistischen Utopie:„Das Parana im XX. Jahr- hundert", ivomit als viertem Hauptstück das Sanslleben'sdie Buch abschließt. Der Anarchist Rossi fürchtet, daß die menschlichen Triebe, z. B. der der Faulheit, bei einer kommunistischen Organi- satiou nicht zu ihrem Rechte gelange», und� daß schließlich irgend ein Zwang doch an stelle der Herrschaftslosigkeit, des anarchistischen Ideals, werde treten müssen. Flugs klügelt er ein System der freien Konkurrenz aus, das aber vor dem bestehenden den großen Vorzug hat, daß nicht der wirthschaftliche Egoismus, sondern ein auszeichnunglüsteruer Ehrgeiz zur Triebfeder des ökonomische» Mechanismus wird. Wie das geschehen soll, bleibt in dem dickste» Nebel des anarchistische» Zukunftshimmels verstickt. Es ist schwer zu glauben, daß die Erläuterungen, die Rossi hinzu- fügt, im Ernst gemeint sein können. Der größere Theil des Buches, eingerahmt von diesen beiden Utopien, bringt die Berichte über die„Experimente" des Dr. Rossi: über die kooperative bäuerliche Kolonien, die er, unterstützt von einem Grundbesitzer, in einem italienischen Flecken zu organi- siren suchte, eine Gründuna, die nach wenigen Jahren sich zu einer einfachen Produktivgenoffenschaft zurückbildete und deren Mitglieder von vornherein sehr wenig kommunistische» Sinn und Initiative besaßen; sodann über die brasilianische Kolonie C ä c i l i a, in der das Ideal der Herrschaftslosigkeit ernsthaft ver- rvirklicht werden sollte. Es gelang Rossi, eine Anzahl italienischer Landarbeiter für diele» Plan, der ihm den experimentellen Nachweis für die Lebensfähigkeit einer völlig freien Wirthfchaftsorganisation liefern sollte, Anfang der neunziger Jahre zu gewinnen. Jndeß das Experiment bewies nichts anderes, als was durch die verschiedenen konnnunistischen Koloniegründungen in den Vereinigten Staaten bereits eriviesen war, daß nämlich eine kleine, auserwählte Gemein- schaft, wenn sie der kapitalistilcheu Zivilisation de» Rücken kehrt und mit sehr primitiver Lebensführung vorlieb nimmt, heute bereits ge- meinsam produzireu und den Ertrag»ach Regeln der Billigkeit unter die Mitglieder zu theilcn vermag. Nur schade, daß dieser Beweis für die wirkliche sozialistische Be- wegung innerhalb der großen kapitalistischen Gesellschaft sehr geringe Bedeutung hat, und für den anarchistischen Gedanken, diese große Welt völlig ohne Zwang, durch bloße freie Vereinbarungen zu orgauisiren, gar nichts besagt. Die Gegenausführungen von Rossi, in denen er den zwerghafte» Versuch zu einem für das Gesellschaftsganze gilligen Experiment umzudeuten versucht, sind von merkivüldiger Naivetät.— Auch die freie Liebe, worunter Rossi nicht das Nacheinander, sondern daS Nebeneinander freier Liebesverbindnugen versieht, wird in der Kolonie experimentell und mit großem wissenschastticken Ernste behandelt. Herr Rossi, der mit Wissen und Billigimg des ersten Liebhaberk die Liebe einer jungen Italienerin in der Kolonie gewinnt, theilt einen ganze» Fragebogen mit, in dem das Mädchen über ihre Empfindungen bei der Erweiterung des Liebesbundes be- richtet. So soll der Beweis,„daß es ein Bedürfniß der menschlichen Gemüth-art ist, mehrere Personen gleichzeitig zu lieben" geführt, der Weg zur Zerstörung der Familie,-welch« Rossi als das festeste Bollwerk der Tyrannei und des Egoismus erscheint, gezeigt werden. Es ist ganz ernsthaft dieselbe Anwendung der„experimentellen Methode", wie im ersien Fall. Schließlich sind übrigens beide Expe- rimente verunglückt. Die Kolonie mußte sich auslöse», und das Mädchen zog seinem ersten Liebhader, dem schlechtesten im Bunde, nach und unterwarf sich seinen Launen. Nicht als ernsthafte Propagandaschrift, als menschliches Do« knment, als Spiegelbild wunderbarer, aus Hohem und Niedrigem bunt gemischter Phantasien, muß man das Buch betrachten. Sieht man das Ganze so als eine psychologische, wenn anch kunstlose Studie an. dann, aber auch wohl nur dann ist es möglich, einiges Interesse daran zu finden. 0. S. Eingelanfene Druckschriften. Von der„KI»««» Jett"(Stuttgart, I. H. W. Dies' vertag) Ist soeden da» «o. Heft de« Iii. Jahrgangs«richten«». Aus dem Inhalt heben wir hervor: Tie EnttvtckslungSbedtngungen der niodernen bildenden Kunst, von O. Kühl. — Die Aufgaben der EeiverltchaftSlartelle und die Ceneraltommifston der Sewertichaften Deutschlands. Eine Organifatic»,«frage von Ferd Sturm.— Kleine Briefe.— Der Abbe Galtant. Bon Dr. E. Hugo.— Literarische Rund- schau.— Nottzen: Ausnutzung der Energie der McereSwellen. Für den Bau der neuen Pariser Stadtbahn.— Feuilleton: Wa« unsere„besseren Kreise" lesen. Sin lusttger Bestrag zur Krtttt der Famtlienltleratur. von Otto Ernst, (Fortsetzung.) Bon der«leicht,,». Leitschrtft für die Interessen der Arbeiterinnen(Stuttgart. Dtetz' Verlag) ist»US soeben die Nr. 18 de« 7. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Ausrus, Parteitag betreffend. Nottzentheil von Lily Braun und Klara Zetttn; Giwerfschaflltche Arbeitertnnen- Organtsation.— Gesundheitsschädliche Folgen industrieller Frauenarbeit.— Soziale Gesetzgebung.— Weidliche Fabriktnspettoren. Tie„Gleichheit" erscheint alle u Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen(etngetragen in der RsichSpost- ZeitungSliste sür iss? unier Nr. reoe) beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld m Pf.: unter Kreuzband SS Ps.. NttrkeigvnoHen Vvvlins«titi dep z�rovin; VvAnvenburg: Die diesjährige Proviiizial-Parteikonferenz, welche nm Sonn- tag, den 12. S e p t e m b e r, von vormittags 9 Uhr ab, in F e n e r st e i n' s F e st s ä l e», Alte I a k o b st r a ß e 75, statt- finden soll, wird nicht dort, sondern in L. Kcller's Festsäle»(großer Taal), Koppe» st raße 23, zur angegebenen Zeit tage». Dein allseitig geäußerten Wunsche der Genossen, welche der diesjährige» Konserenz ein besonders reges Interesse entgegenbringen, ihnen durch Beschaffung größerer Räumlichkeiten die Theiluahnie als Gäste zu ermöglichen, ist damit Rechnung getragen. Als vorläufige Tagesordnung ist festgesetzt: I. Bericht der Agitationskommissio». Referent O. Antrick. 2. Diskussion. 3. Die bevorstehenden ReichstagSwahlen. Referent Reichstags- Abgeordneter Arthur Stadthagen. 4. Die preußischen Landtagswahlen. Referent Reichstags- Abgeordneter Max Schippel. Korreferent Schriftsteller Georg Ledebonr. 5. Anträge. Genossen! Euch noch besonders die Bedeutung gerade der dies- jährigen Konferenz auseinanderzusetzen, erübrigt sich. Nolhwendig ist, daß alle Wahlkreise Berlins und der Provinz Brandenburg vertreten find. Die diesmalige Tagesordnung verlangt die gründlichste Be- Handlung. Um diese Arbeit an einem Tage zu bewälligen, ist es unbedingt erforderlich, daß sämmtliche Delegirte pünktlich um 9 Uhr früh zur Stelle sind. Anträge sende man vorher Unterzeichnetem ein. Mit soz. Gruß Die AgitationS-Komniiffio» für die Provinz Brandenburg. I. A.: Carl Di m mick, Berlin 8 42, Louisen-Ufer 11. Die aus der Provinz kommenden Delegirten werden ersucht, biS zum Schlesifchen Bahnhof zu fahren, da das Lokal in unmittel- barer Nähe gelegen. Der Zutritt ist nur gegen Einlaßkarten gestattet, welche die Genossen von ihrem Kreis-Vertranensmann unentgeltlich erhalten. NB. Die Partei-Organe der Provinz werden um Abdruck er- sucht. D. O. JTitV die Opfer der MorlztvAsser� MstkAltropszen sind uns ferner die folgenden Beiträge zugegangen Z Laubenkolonie Neuseeland, Danzigerstraße 29,—. Lackirer der Firma Lange u. Gutzeit, Frankfurter Allee 6,85. P. G., Br.str. 165 10,—. Von der Expedition der„Reussischen Tribüne" in Gera 83,20. Für einen Bortrag des Genossen Liedknecht 10,—. Bcrgslr. 21 13,50. Summa 93,55 M. Bereits qnittirt 2325,14. Gesannntsnmme 2924.69. Weitere Beiträge nimmt unsere Expedition entgegen. NonnnunAles. Der Nbschlusi dcS städtischen Zentral ViehmarkteS für das Rechnungsjahr 1896/97 zeigt eine durch de» vermehrten Auftrieb von Rindern, Schweinen und Kälber» herbeigeführte erhebliche Er- höhung der Einnahmen bei fast allen Titeln. Es wurden aufge- trieben 205 310 Rinder(im Vorjahre 195 586), 894 385 Schweine (813 499), 170 684 Kälber(152 483), 585 083 Hammel(608 363). Die Einnahme schließt mit einem Mehr von 138 396,83 M. ab und die Ausgaben sind, obgleich sie vielfach Steigernnge» ausweisen infolge der niedrige» Futterpreise und der dadurch herbeigeführte» Ersparniß von 72 453,75 M., dennoch um 55 267,83 M. geringer gewesen, als veranschlagt worden war, so daß sich ein um 253 664,76 M. höherer Ueberschnß ergeben hat. Der Gesamnitüberschnß beträgt 642 163,76 M., wovon 100 000 M. zum Reservefonds und 542 168,76 M. als Gewinnüberschnß zur Sladthauptkasse abgeführt worden sind. Beim städtischen Schlachthof belänfl sich die Mehr- einnähme an Schlachtgeld gegen das Vorjahr ans 221 295 M., wobei indessen zu berücksichtigen ist, daß im abgelaufenen Geschäftsjahr eine Erhöhung der Schlachtgebühr nm 10 Pf. pro Stück Vieh ein- getreten ist. Geschlachtet wurden: 139401(in> Vorjahre 125032) Rinder, 694 170(623 626) Schweine, 156 595(139 816) Kälber und 395 472 (379 021) Hammel. Der Gesammt-Ueberschuß vom Schlachthof stellte sich auf 252 812,09 M., wovon 152 312,09 M. zur Veriveudnng für allgemeine städtische Zwecke in Anspruch genommen worden sind, während 100 000 M. zu gnnsten der Schlachthof-Interessenten dem Erneuerungs- und Erweiternngsfonds des Schlachthofes ivieder zu- geführt wurden. Nach§ 11 Absatz 2 des Kommunalabgabengesetzes dürfen für die Schlachthansbenntznng Gebühre» bis zu einer solchen Höhe erhoben werden, daß durch ihr jährliches Aufkommen die Kosten der Unterhaltung der Anlage und des Betriebes, sowie ein Beitrag von 8 pCt. des Anlagekapitals und der für die Privat-Schlachthänscr gezahlten Entschädigungssumme gedeckt werden. Nach dieser Bestimmung konnte» erhoben werden 893 163 M.; dem gegenüber sind an Schlachtgebühren nach Abzug der zum Er- neuerungs- und Erweiternngsfonds zugeführlen 100 000 M. erhoben worden 865 097 M., also 28 071 M. weniger als zulässig gewesen wäre. Die städtische Fleischschau auf dem Schlacht- Hofe schließt ab mit einem Ueberschuffe von 70 964.73 M. Die Fleischschau für das von außerhalb ein- geführte Fleisch mit einem solchen von 70 543,12 M. Ersterer ist auf neue Rechnung vorgetragen, da eine Verwendung für allgemeine Ausgaben der Kommune gesetzlich nicht zulässig ist, letzterer wurde mit 18,612,45 M. ans neue Rechnung vorgetragen und mit 51 336.67 M. als Ueberschnß an die Stadl-Hauptkasse ab- geführt. An den Anleiheschulden der Stadt war das Viehhofs- unternehmen Ende März 1397 betheiligt mit 13 417 175,52 M. Im Reservefonds deS ViehmarkleS befanden sich zu dem angegebenen Zeitpunkt 429 388,92 M. Effekten und Sparknffengulhaben, während im ErnenernngS- und Erweiterungsfonds des Schlachthofes 1 065 631,41 M. zinstragende Papiere vorhanden waren. Uok&Tes. Ter„Werth der Sozialdemokratie für die Arbeiterschaft" ist nunmehr endlich auf sein janimervolles Nichts zurückgeführt worden. Dies Kunststück, an dem sich so mancher gelehrte Staats- retter vergeblich die Finger wund gearbeitet hat, ist vollführt von einem einfachen Korbmacher in Berlin, der seine schlimme» Erfahrungen als„Erlebnisse eines in der Partei thätig gewesene» Genossen" warnend zum besten giebt") Ernst Fischer heißt der Drachenlödter. Er schildert den Stand der Unbeflecktheit, in dem er dereinst bei seinem Lehrherrn, dem Besitzer einer„prächtigen Villa bei Lichtenfels", lebte, und theilt dann mit, wie er durch einen ')„Der Werth der Sozialdemokratie für die Arbeiterschaft. Er- lebnffse eines i» der Partei thätig gewesenen Genossen." Von Ernst Fischer, Korbmacher in Berlin. Berlin 1897. Verlag von Hermann Wallhcr, S.W., Kleinbecrenstr. 28. Schwager nach Berlin gelockt wurde. Der Schwager war Sozial- demokrat und diese Eigenschaft bekundete sich nach Herr» Fischer bei dem Mann durch stetes„Diskuliren über Arm und Reich, wie Schimpfen über jede Autorität im Staat, ein Loben der sozial- demokratische» Führer". Das hatte bei dem nunmehr zum Sozial- demokrate» gepreßten Verfaffer die nicht alltägliche Wirkung, da „seine Ehrfurcht und Achtung gegen jedermann in Groll umgewandelt wurde". Seinen Groll läßt Fischer nun zunächst gegen den Ber- führer von Schwager los, der als echter Sozialdemokrat durch die Denunziation charakterisirt wird, er habe„wegen Betruges nach Amerika flüchten" müssen, jetzt lebe er aber in Kobnrg. Ueber das aber, was Fischer„in den Jahren 1885—1337 in der Sozialdemokratie gesehen hat, will er schweigen, um nicht als Denunziant zu erscheinen". Nun folgt weiter die Mottheiliing, daß ein größeres Geschäft ihm wegen seiner Agitation die Arbeit entzogen habe und dann bringt die Broschüre die Schilderung einer Prügelei, wegen der der Verfaffer durch Stadthagen's schlechte Vertheidigung zu einem Jahre Gefängniß verurlheilt worden sei. Nachher habe Stadthagen ihn noch durch Eintreibung der Gebührenrcchnnng molestirt. Der Parteivorstand hätte dann seine Bitte um ein Darlehn nnberücksichligt gelassen: Stumm hat nach Fischer ganz recht, wenn er die Sozialdemokraten„Lausejungen" nennt. Des weiteren folgt in der Broschüre die mit vielen Schimpfwörtern gespickte Beweissührung, wie ungerecht doch Streiks seien, und dann nimmt Herr Fischer sich seines Kollegen I u n g n i ck e l an, der im vorigen Sommer wegen Unterschlagmig von Krankenkassengelder» flüchtig wurde. Auch Jungnickel— der nur geiverkschastlich, aber nicht für die Partei thätig war— sei ein Opfer der Sozialdemokratie geworden.„Wer aber hat den Kindern de» Bater, der Mutter den Gatte», der Familie den Ernährer beraubt? Nur die Sozialdemokratie." Weniger zur Vertheidigung der Sozialdemokratie vor dieser wuchtigen Anklage, als zur Bernhignng des Herrn Fischer theilcn wir mit, daß Jungnickel vor einiger Zeit seine ganze Familie hat nach Amerika nachkommen lassen und dort in auskömmlichen Verhältnissen lebt. Wir wollen für heute nicht auf die geschmack- losen Schimpfereien eingehen, mit denen der Autor die Sozialdemo- kratie vernichtet, und Herrn Fischer auch seinen Aerger über den „Vorwärts" verzeihen, der vielleicht darin seinen Grund haben mag, daß wir meist lange Manuskripte von seiner Hand, in der er unbewiesene Verdächtigungen gegen Kollegen und Parteigenossen er- hob, zurückgewiesen haben. Nur sei noch auf seine Schilderung bezug genommen,„wie es bei Streiks zugeht". Er stellt einen partiellen Streik, den die Korbmacher 1883 durchzumachen hatten, ivie folgt dar: „Das Streikkomitee bestand aus drei Leuten; der Schriftführer »nd der Kassirer ivaren junge, unverheirathete Burschen, die ans niemand Rücksicht zu nehmen und für niemanden als sich selbst zu sorgen halten. Durch die Hä»de dieser beiden ging der ganze Streikfonds. Sie holte» das Geld von der Streikkonnnission und, wenn sie die Tasche» voll hatten, setzte» sie sich in eine Droschke und fuhren von einer Kneipe mit weiblicher Bedienung zur andern. Als der Streik zu Ende ivar, fehlten in der Streikkasse 500 M." Hierzu und zur Charakteristik des neuesten Bekehrte» im all- gemeinen sei folgendes angeführt: Fischer war Ende der achtziger Jahre kurze Zeit Schrift- führer in der Korbinacherorganisation und aus dieser Periode rühren, wie eine Anzahl Gewerkschastsleiler, mit denen wir sprachen, bekunden. seine wesentlichen Erinnerungen her. Von allen diesen Männern wird die Geschichte von den Droschkenfahrle» und dem Herumliegen in Kneipen im Tone nur zu erklärlicher Entrüstung als e i n e g e m e i n e, völlig a u S d e n Fingern gesogene Verleumdung bezeichnet. Und die Unterschlagungsgeschichte schrumpft nach den Bekundungen unserer Gewährsmänner dahin zusammen, daß infolge eines von ungeübter Hand begangenen Buchungsfehlers nicht 500 M., sondern etwas über 100 M. mehr in der Kasse vorhanden waren, als nach dem Glauben des einen Kassirers vorhanden sein sollten. Dies Geld habe der betreffende»ach und nach für sich verwendet; als aber nachträglich der Fehler entdeckt worden sei. habe der in betracht kommende Korbmacher sich zur Abtragung der Schuld bereit erklärt und sei seiner Pflicht auch zum guten Tbeil nachgekommen. Dies und die uns von unterrichteter Seite zugegangene Mitlheilung, daß Herr Fischer schon mehrere Jahre außerhalb der Sozialdemo- kratie gestanden und um 1892 bereits der„Staatsbürger-Zeitnng" vergeblich einen die Partei betreffende» Schmähartikel angeboten hat, möge für heule genüge». Es ist ja anzunehmen, daß die arbeiterfeindliche Presse sich des Herrn Fischer nunmehr mit ebensolcher Inbrunst annehmen wird, wie es vor Jahresfrist mit dem Kieler Ehrenmann Lorenzen geschah. Es wird sich in- zwischen Gelegenheit finden, etwas Material herbeizuschaffen. Vor- läufig geben wir uns der Erwartung hin, daß Herr Fischer mit Hilfe seiner Freunde Stumm»nd Genosse» durch reichlichen Verlrieb seiner Broschüre den Schaden wieder herausschlägt, den er durch sein bis jetzt ziemlich fragwürdig dastehendes Eintreten für die Sozialdemokratie erlitten haben will. Kartcubriefe. Die kürzlich in verschiedenen Blättern ver- breitete Nachricht, daß im Reichsposlamte Erhebungen über die Ein- sührung von Kartenbriefen stattsänden, ist. ivie die„Kreuz-Zeilung" hört, zutreffend. Es solle» sowohl solche für das Deutsche Reich, wie iür den internationalen Verkehr zur Einführung gelangen, ei» Termin ist jedoch zur Zeil noch nicht festgesetzt. Als Portogebühr dürftsu 10 bezw. 20 Pf. erHobe» werden. Sedanfcicr. Nicht weniger als 11 brennende Litfaßsäule» »ahme» die Hsiie der Feuerwehr am Abend des 2. September in Anspruch. In einigen Fälle» ist es gelungen, halbivüchsige Bursche» als Thäler zu ermitlel». Da sage noch einer, daß kein flammcnder Patriotismus mehr im Volke vorhanden sei! Es verdient ferner noch erwähnt zu werden, daß die Tingeltangel und Kneipen mit Damenbedienung, wie in früheren Jadren, so auch vorgestern vielfach Kennzeichen ihres musterhaften Palriolismus ausgesteckt hatten. Einige dieser Gimpelsalle» halten sogar illuniinirt. Ter Anarchist Gustav Landaner, welcher am 19. August auS Wie» und Oesterreich ausgewiesen wurde, soll nach einer Be- kanutgabe der Redaktion des„Sozialist" verschollen sein. Soviel wie bekannt, begab sich Landauer, nachdem er aus Oesterreich abgeschoben war, auf eine Agitationstour durch Snddeutschlaud und hat ani 31. August in Freiburg i. B. in einer Anarchistenversammlung ge- sproche». Na— Zum Toppelmord in derlKöuiggrähcrstrasie. Die Unter- uchung, betreffend die Ermordung der grau Schuttze und ihrer Tochter, hat zetzt eine überraschende Thatsache zu tage gefördert. Bis jetzt hat man allgemein angenommen, daß Goenczy nur die 400 M. auf die Reise mitgenommen habe, die er kurz vor Antritt einer Flucht von seinem Möbelfadrikanlen borgte. Nun aber steht 'est, daß er außerdem in der Wohnung der Ermordeten und zwar aus dem Schlafzimmer der Wittive Schultz« deren ganzen Familien- 'chmuck raubte. Bei dem fünfstündige» Lokaltermin in dem Schultz«- che» Hause fanden sich nämlich in dem genannten Zimmer umher- gestrent 15 leere Schmuck-Etuis. Bei einem Eiubrnch wurden in vergangener Nacht drei Ein- brecher gestört, die dem Blumengeschäft von Schmidt und dem Zigarrengescdäft von Krüger u. Overbeck an der Ecke der Groß- beeret» und Aorkstrabe einen Besuch zugedacht hatten. Während sie im Begriff waren, durch«in Fenster in das von dein Blumenlade» nur durch eine Holzivand getrennte Zigarrengeschäft einzusteigen, kam der Vertreter des letzteren Geschäfts, Ha» brücker, hinzu. Er holte einen Einbrecher von dem Fenster herunter, konnte ihn aber nicht gleich festhalten. Das Verbrecherkleeblatt rannte dein Kreuzberg zu; Harbrücker. dem sich mehrere Droschkenkutscher von dem benachbarten Halteplatz angeschlossen halle», setzte ihnen nach. Bald gelang es, einen der Einbrecher zu fassen. In ihm ivurde später der 30jährige Kellner Franz Mat- chewski festgestellt, der nach einer wegen Erpressung erlittenen drei- jährigen Zuchthausstrafe in, Mai wieder auf freien Fuß gesetzt worden war»nd nun schon wieder gesucht wurde. Ein zweiter,' der 25 Jahre alte Schneider August Samberg, gleichfalls ein sich obdachlos um.. hertreibender Mensch, erreichte auf der Flucht den Viktoriapark und stürzte sich in das Sammelbecken des Wasserfalles, lim den Verfolgern zu entkommen. Man holte ihn indeß heraus. Der Dritte war den Verfolgern bald aus den Augen verschwunden. Auf einer Polizeiwache gcstorbcu ist gestern Abend ein etiva 36 Jahre alter Mann, den ein Schutzmann einige Stunden vorder vor dem Grundstück Langestr. 37 besinnungslos aufgefunden bulle. Ein untersuchender Arzt glaubte annehme» zu solle», daß der Mann infolge Betrunkenheit der Sinne nicht mächtig sei. Da nun Personen, die als betrunken erkannt werden, in keinem Krankenhause an- genommen werde», so blieb dem Schutzmann nichts übrig, als seinen Schützling zur eigenen Sicherheit nach der Wache»iitzunehme». Dort wurde er vom Tode ereilt, ohne daß er zum Bewußtsein zurück- gekehrt war und Ausknnst über seine Person hätte geben können. Er trug einen grauen Anzug, einen grauen Hut, Gmnmizugsiiefel und ein grau und schwarz durchwirkles Halsluch. Die Todesursache ist bisher unbekannt geblieben. Der Portier Krause, gegen de» eine Untersuchung wegen Mißhandlung eines Kindes schwebte, theilt uns mit, daß das in be- trachl kommende Mädchen wahrscheinlich dadurch zu Tode gekommen ist, daß es von einer Teppichstange mit dem Kopfe gegen die Wand fiel. Die Untersuchung habe ergeben, daß er völlig unschuldig sei. Ein anfrcgendeS Vorkommniß spielte sich am Freitag Nach- mittag um 31/* Uhr bei der Kronprinzen-Brücke ab. Dort fuhr die Galtin des auf dem Anhalter Güterbahnhof.beschäftigten Bureau- gehilfen Mellmann aus der Lehrterstr. 36 mit einem Kinderwagen, in dem ihr zweijähriges Töchterchen Elisabeth mit dem ein- jährigen Bruder untergebracht waren. Ein im Trabe hinter der Fran herfahrender Mörtelwagen riß die Frau mit dem Kinderwagen um, das kleine Mädchen wurde hinaus- geschleudert und so schwer überfahren, daß ihm das rechte Bein fast zermalmt ivar. Der kleine Knabe, dem ein ähnliches Geschick bevor- stand, wurde von einer beherzten Frau in» richtigen Augenblick auf- gefangen. Ein in der Nähe wohnender Arzt eilte ohne Kopf- bedeckung zu Hilfe und brachte die schwerverletzte Kleine sofort in einer Droschke nach einem Krankenhaus. Dem Kutscher trifft zweifellos die Schuld. Er ist festgestellt und wird zur Verantwortung gezogen. Fencrbericht. Zwischen 10»nd 11 Uhr brach vorgestern Nacht ein großes Feuer in der Haidestr. 35/39 auf einem fiskalische» Platz neben der Hamburger Eisenbahn aus. Die Flamme» wlltheten bei Ankunft der Feuerwehr in einem mit Baumaterialien angefüllten Schuppen der Firma E. Scheidt. Es bedurfte großer Anstrengungen der Wehr, um das Feuer, das die Schuppen der Hamburger Eisen- bahn gefährdete, ans seinen Herd zu beschränken. Der Schuppen mit seinem Inhalt ist niedergebrannt. Der Schaden ist sehr be- deutend, die Entstebungsnrsache noch nicht aufgeklärt. Im Apollo- Theater hat sich Frau Venn» anscheinend auf Nimmerwiederkehr verabschiedet. Die Operette mußte dem eigent- lichen Spezialitütenprogramm wieder de» ganzen Abend einräumen, und mit diesem Wechsel ist die Wintersaison l» aller Form eröffnet worden. Sie brachte mancherlei, wenn auch nicht gerade außer- ordentlich neues; aber wie Kenner auf grund ihres mühevollen theoretischen Studiums aller„Trics" versichern, ist die Trapez- und Athletenkunst immerhin auch in der Friedrichstraße wieder um etliche bewundernswürdige Finessen vorgeschritten. Durch unglaub- liche Gelenkigkeit zeichnet sich namentlich die Joseph Phoites-Truppe ans, die gleich ein ganzes Stück mit Pierrot und Colombien, mit bösen und guten Geistern aufführt. Die vielen drolligen Hexen- meister-Kunststücke, die von den Mitgliedern dieser Truppe zum besten gegebe» wurden, klappten derart, daß in der That alles am Schnürchen ging. Dem in urkomischer Heiterkeit erstrahlenden „Excentric Bnrnell" glückte daS Lache» entschieden besser als dem nach ihm auftretenden Gesangskomiker Chretienni, dessen Be- mühungen ein wenig gezwungen ausfielen. In Athleten- und Pyramidenkünsteu leisteten die Gebrüder Serre, sowie in der z, veiten Ablheilung die nenn fast zu jugendlichen Heinzelmännchen außer- ordentliches. Nicht zum besten scheint die Direktion diesmal mit den engagirten Damen abgeschnitten zn haben; einzig die dänische Sängerin Dagmar Hansen wußte weniger durch die Macht ihrer Töne als durch eine talentvoll angebrachte Naivität zu entzücken. Als gute Piftonbläser können die Mitglieder des aus zwei Damen und einem Herrn bestehenden Schmidt-Trios gelten. Sltts den Nachbarorten. Die Parteigenossen Po» Wcißcnsee und Umgegend werden ans die Sonntag, den 5. September, in der Brauerei Stralau 'taltfindcnde Kreisversammlung(siehe Annonce) ganz besonders auf- merksam gemacht. Die Weißenseer Genossen treffen sich mittags 12 bei Pfeifen-Müller. Der V e r t r a n e n S m a n n. Zur Ermordung deS Schulmädchens Vahrendorf aus Spanoau wird»ulgelheilt, daß nian keine Hoffnung mehr hat, in der bisher eingeschlagenen Richtung eine Ansklärung des Verbrechens herbeizuführen. Alle bisher anfgenommenen Spuren des muth- maßlichen Thälers sind i»i Sande verlaufen; auch ist es nicht ge- lnnge», das Boot, womit das Kind entführt worden ist, aufzufinden. Gegenwärtig findeu Vernehmungen statt, denen ein von de» ursprüng- lichen Vermnlhunge» völlig abweichender Verdacht zu gründe liegt. Das Interesse des Fortganges der Untersuchung verbietet, hierüber näheres mitzutheilen._ Vunpk«nfc UMstenscholft. —■ Ein neuer Sprachlehrer. Den„Münch. N. N." wird aus London geschrieben: Im Selbststudium fremder Sprachen ivar bis jetzt der eigentliche Stein des Anstoßes der Umstand, daß sich aus Büchern die Aussprach« nicht lerne» läßt. Auch dieser Stein soll nun bald aus dem Weg geräumt werden und der Hebel dazu heißt „Phonograph". Die hiesige„Victoria Schools of Languages", die moderne Sprachen nach Gnyot'schem System ausschließlich dnrch's Ohr lehrt, hat sich, wie ihr Bor>ta»d den„Daily Neuis" chreibt,„durch eingehende Experimente davon überzeugt. daß sich der Phoncgr.rph zum Lehren fremder Sprachen eignet", und sie ivird bald die nolbweuvigen Arrangements getroffen haben, nm ihre Kunden mit solchen Sprachlehrern zu versorgen. Sie werden voraussichtlich gegen 40 M. pro Monat ausgeliehen werden, wobei da»» jeder Zylinder 20 Minnten lang spricht und in dieser Zeit etwa 1000 Worte äußert. Der neue Lehrer ist natürlich ehr geduldig; er wiederHoll sein Sprüchlein so oft der Herr Schüler es wünscht und immer mit gleichen» Ernst und gleicher Pünktlichkeit. Der eine Zylinder kau» durch verschiedene andere ersetzt werden, die pro Stück iveilere 2,50 M. kosten sollen. Mau ist jetzt dabei, solche Zylinder für die verschie- denen Stufeu des Studiliins vorzubereiten, und der ganze Gedanke ist»och nicht über das Versnck�sstadium hinanSgediehen. Man siehr aber in Schnlinäiinerkreiseu seiner Verivirtlichttug mit großem Interesse entgegen.— — Ter Teleskriptenr oder Fernschreiber, eine Erfindung des Pariser Jngeniers Hoffmann, hat, ivie man der„Köln. Ztg." 'chreibt, auf der Ausstellung in Brüssel berechtigtes Zlufsehen erregt. Er ist eigentlich nichis anderes als ein Schreibapparat, wie solche in den Konstrnklionen von Hughes, Baudot und Cassagnes bereits bekannt»nd im Gebrauche sind; doch ist er alle» diesen Apparaten durch seine Einfachheit überlegen, und zu seiner Bedienung sind be- 'andere Kenntnisse nicht erforderlich. Er besteht aus einer Klaviatur, die auf einem den Mechanismus enthaltenden kleinen Kasten an- gebracht ist. Die Klaviatur ist treppenförmig angeordnet und enthält vier Stufen, auf welchen Taste» für die Buchstaben, Zahlen und Zeichen angeordnet sind; eine überhöhende Rückwand nimmt den �sarbapparal auf sowie das Rad nebst Mechanismus mit dein sich abrolleuden Papierstreifen nach der Art wie beim Morse'schen Färb- 'chreiber. Die Einzelheiten der Koiistrnktioit sind nicht näher be- kannt. Will man eine Depesche aufgeben, so genügt einfaches Niederdrücken einer Taste, um auf einer oder gleichzeitig auch twei Empfangstellen den Abdruck des mit der Taste übereinstimmen- den Bnchstal'ens auf dem Papierstreisen zu erdalten, wobei es univeseiitlich ist, ob auf der empfangenden Station jemand am Apparat sich befindet oder nicht. Dieser ist stets zun» Nehmen einer ausgegebenen Depesche fertig; man kann sein Geschästszimmer ver- lassen lind findet nach Rückkehr alle inzwischen eingetroffenen Depeschen lesefertig ans dem Papierstreifen ausgetragen, der nur dann abrollt, wenn ein Buchstabe lelcgraphirt wird. Die Gebrauchssähigkeit des Apparates ist durch Versuche in London, Wien und Pest außer Zweifel gestellt, und gegenwärtig werden Versuche damit bei der Pfälzischen Eisenbahn in Mannhein, gemacht. Es leuchtet ein, daß ein solcher Apparat für Geschäfte,Behörden,Zeilu»gskorresponde»zenzc. von höchster Bedeutung ist.— — Cinflnsi der verschiedeufarbigeu Lichtstrahlen anf das pflanzliche Leben. C a m i l l e F l a m m a r i o u hat soeben der Astronomischen Gesellschaft zu Paris einen Bericht über Versuche eingereicht, welche sich mit dem Einflüsse der verschiedenfarbigen Lichtstrahlen auf die Entwickelnng pflanzlichen Lebens befasse». In seinem Observatorium zu Juvisy halte der Gelehrte mehrere kleine Glashäuser nach Art der gewöhnlichen Gewächshäuser einrichten lassen, doch waren die Scheibe» des eine» Hauses aus rothem, eines andere» ans blauem, eines dritten aus grünem und des letzte» endlich ans farblosem Glase, so daß die in den verschiedenen Treibhäusern enthaltenen Pflanzen immer nur dasjenige Licht erhiellen, das von den Gläsern durchgelassen wurde. Die Resultate waren geradezu erstaunlich; unter dem Einflüsse des blauen Lichtes„vegetiren" die Pflanzen nur, d. h. sie starben zwar nicht ab, brachten es aber zu keiner rechten Entfaltung und blieben klein und unansehnlich. Das grüne Licht ließ sie schon höher schießen, aber auch hier hingen die Blätter größtenthcils noch schlaff am Stengel. Die unter rother Glasdecke wachsenden Pflanzen schiene» sich dagegen außerordentlich ivohl zu befinden; denn sie schössen zu geradezu phänomenalen Höhen auf und zeigten eine Uebersülle von Saft und Kraft. Die mit Mimiosa sensitiva angestellten Versuche ergaben für die Farben grün, blau, roth, weiß folgende Höhen» ziffern in Millimetern: ISS, 40, 100 und 423 und dabei hatten die Pflanzen unter dem Einfluß des blauen Lichtes viel von ihrer Eensilivität eingebüßt. Auch auf Farbe und D»ft der Blume» übt das farbige Sonnenlicht einen starken Einfluß aus. Ein Fliederstrauch wurde zum theile dem weißen, rothen, grünen und blauen Licht ausgesetzt und so wurden an de» Blüthen eines und desselben Strauchs die verschiedennen Farbentöne zwischen weiß und röihlich-violett hervorgebracht. Das von Erdbeeren, die unter rothem Glase gezogen wurden, ausgeströmte Aroma war so stark, daß es die ganze umgebende Luft erfüllte, und während die im ge- wähnliche» Sonnenlichte ausgewachsenen Crassnla- Pflanzen nur wenig Duft entwickelte», strömten diejenigen Blüthen, die dein rothen Lichte ausgesetzt waren, ein zartes, dem der Banane ähnliches Aroma ans. Da sich dieser künstlich erzeugte Wohlgeruch als halt- bar erwies, falls man die frischen Blüthenblätter einsammelte und in Gefäßen verschloß, so glaubt Flammarion, der Parfümfabrikation neue Wege geiviesen zu haben. Die große Schwierigkeit bei den Bersuchen bestand in der Herstellung von Glas, dessen Färbung sich mit der betreffenden Nuance des Sonnenspektrums genau deckte.— Verslanttttlungen. Deutscher Holzarbciter-Berband. Eine gut besuchte Branchen- versainmlung der Parquetbodenleger nahm am Mittwoch Abend Stellung zu dem von der Kommission gestellten Antrag: „Wegen Nichtbezahlung des Tarifs die Firma Roseufeld u. Cie. zn sperren." N e r r e begründet den Antrag der Kommssion, fast alle Redner äußerten sich zustimmend zum Kommissionsantrag; jedoch »vurde der Wunsch geäußert, mit der Veröffentlichung der Sperre noch einige Zeit zu warten, da Rosenfeld u. Cie in der Lage sei, seine dringenden Arbeiten(Bau Wertheim, Leipzigerstraße) noch einige Zeit aufzuschieben. Zum Schluß gelangte der Antrag der Kommission mit allen gegen eine Stimme zur Annahme. peeireltalSs««»«»tnd». Sonntag, den e. September, vormittags« Uhr, Im groben Festsaal der Berliner Ressource, Kommandantenftr. 67: Versammlung. Freireltgtöse Borlesung. Um II Ufir vormittags ebendaselbst: Bortrag des Herrn Waldeck Manafse über„Tie Unfehlbaren". Tischler» i>«r«in. Heute Abend LX Uhr, Melchlorstraße 16: Bersammlung. Reretn der Kuchdrucher und Schrlstglegrr für Uirdorf-HHb Sonntag, den 16. September, nachmtltagS 1 Uhr, Bersammlung in den„Bittorta- Sälen", Hermannftr. es— so. Woablter Unturhellverel». Sonntag, den 6. September, abends 7 Uhr, im BereinSlokal, Restaurant der Moabtter Markthalle am Armtniusplah: UebungS- abend mit Vortrag und DlSkusston. Kildungvvcrei»„Mehr Licht". Sonntag, den 6. September, abends n Uhr, Alexanderftr. 270: Bersammlung. Bortrag über„Gtordano Bruno". Reserent: Redakteur Dr. völkeb Halle. Diskusston. Nachdem: Geselliges Bei- sammenfein. Kerband der tu Noljbearbeltung»- Kabrlken u»d auf Nolsplätze» besetiäftlgten Arbeiter Deutschland». Filiale Berlin I. Montag, den 6. Sep- tember, abends a\ Uhr, im Lakale des Herrn Wilke, Slndreasstr. 26: Mitglieder- Versammlung. Vortrag des Herrn Dr. Wurm. „Kosma»", Verein für volkslhümliche Wissenschaft. Dienstag, den 7. Septbr., abends 9 Uhr, bei H. Hensel, Brunnenstr. 173: Bortrag des Herrn Neubauer über„Naturalismus". Arbeiter-Kängrrbund Kerliu» und Zlnigegend. Sonntag, de» 6. Septbr., vormittags II Uhr, im Englischen Sorten, Alexanderstr. 27c; Ausschuhsthung. Siehe Annonce des„Vorwärts" am 29. August. Theaterverein Thalia. Heule Abend Sitzung und Rollenverthetlung tm Bereintlokal, Köpntlkerstr. 12?». VevnüMkvs. — Infolge Kentern eines Fischerbootes sind vor Neuhäuser bei Königsberg i. Pr. drei Fischer ertrunken.— — In Schweidnitz radelt jetzt regelmäßig abends ein Polizist durch die Straßen, um solche Sportsgenossen abzufassen, welche die Vorschriften in bezug auf die Beleuchtung der Maschine und zu schnelles Fahren nicht beachte».— — Unterhalb der alten„Sachsenhäuser" Brücke in Frank- fürt a. M. sind im Main über 800 größere uitd kleinere G 0 l d st ü ck e gefunden worden. Sie scheinen ans einer französischen Kriegskasse zu stanluien, die ISIS von flüchtenden Franzose» in den Fluß geivorsen wurden.— — Seltener Heilfall. Jn Grottkau hatte vor kurzer Zeit ei» 6 Monate altes Kind eine Kornähre verschluckt. Das Kind bekam heftige Schmerzen, es wälzte sich in seinem Bettchen unter unaufhörlichem Wimmern und Schreien. Da bildete sich in der Lendeugegend eine eiternde Beule, aus der die Aehre zum Vorschein kam. Die Natur hat geHolsen, den Fremdkörper aus dem Körper auszustoßen. Das Kind ist jetzt munter.— — Endlich allein! Im Freindcnbnche eines lhüringischen Ausflugsortes findet sich folgender Seufzer der Erleichterung: „An meine Alte! Schimpf' du zu Hause weiter, Ich sitze hier ganz heiter, Bin fröhlich und zufrieden, Seit ich von dir geschieden." — D i e R u h e r k r a n k u n g e n in der Tncheler Haide nehmen zn. Die Todesfälle mehren sich. Die meisten Schulen sind infolge dessen geschlossen.— — Leichte Erdstöße wurden am»l. und 2. September in L a i b a ch(Krain) verspürt.— — In M 0 n t r e u x ist eine Mauer deS im Bau befindlichen Sanatoriums eingestürzt. Acht Arbeiter wurden getödlet. sechs andere verwundet. Eämmtliche Verunglückte sind Italiener.— — Man muß es nur v e r st e h e n. Die Samara- S l a t 0 u st e r Eisenbahn(Rußland) feuert ihre Lokomotiven theil- weise mit Naphta. Um zn sparen, wurden als Naphtareservoire einfach Gruben hergestellt, die man nicht einmal ausniamrn ließ. Die Folge war, daß für etwa SO 000 Mark Naphta in die Erde sickerte.— — In Hemixem, einer Vorstadt von Antwerpen, sind zwei alte reiche Ren tu«rinnen ermordet und be> raubt worden. Die Mörder erbeuteten ISO 000 Fr. Baargeld und Werthpapiere.— — Die Leiche des vor einiger Zeit in Norwegen verunglückten Lieutenants zur See v. H a h n k e ist gesunde» worden.— — Ueber Klondyke und die Klondyke-Seuch« depeschirt ein Mitarbeiter des„Daily Chronicle" ans Viktoria (Vancouver-Jnsel) unterm 30. August folgendes:„Ich bin gestern von Alaska hierher zurückgekehrt, nachdem ich Tyea und Skagway besucht hatte. Von da geht der Weg über Land nach Klondyke. Ueber 3000 Personen sind seit dem Frühling von Tyea über den Tschulkut-Paß gezogen. Der Weg von Skagway über den Weiße» Paß ist von inleressirten Leuten sehr gelobt worden. Gegenwärtig ist er aber nicht zu benutzen. Während der letzten fünf Woche» sind neun Zehntel des Verkehrs nach Klondyke über diesen Weg gegangen. Die Folgen waren furchtbar. Jetzt befinden sich wenigstens 7000 Menschen und 2000 Thiere zwischen der See und der höchsten Höhe des Passes auf einer Strecke von IS englischen Meilen eingeklemmt. Dabei ziehen täglich noch weitere Hunderte dieselbe Straße. Das Ergebniß ist eine ungeheure Verwirrung. Der Pfad ist garnickt passirbar. Die Bergbäche haben ihn unterwaschen und große Felsblöcke sind anf ihn herabgerollt. Er ist besäet mit todte» Pferden, mit im Stiche gelassenen Wagen und Vor- rttthen. Man bekommt den Eindruck, als habe hier eine Armee die Flucht ergriffen. Wer am 15. September nicht am Bennett- See eintrifft, wird Klondyke in diesem Jahre nicht erreichen. Das kann höchstens einem Zehntel der Goldsucher gelingen. Die übrigen werden in diesem Winter aus der Straße eingeschneit werden. Die meisten sind den Strapazen gar nicht gewachsen. Viele Bergleute,'die von Klondyke zurückkehren, sagen, daß die Gegend nicht so goldreich ist, wie behauptet wird. Die Produktionskosten seien enorm. Alle, die ich gesprochen habe, ralhen jedem, der in der Heimath sein Auskommen hat, ab, nach Klondyke zu ziehen. Ans alle Fälle soll niemand sich vor dem 1. März n. I. auf die Reise machen. Die ganze Küste des Stillen Ozeans leidet an Gold- irrstn». Es scheint eine Verschwörung zwischen der Presse, den Ausrttstungsgeschäften und den Dampfschiffsgesellschafle» zu bestehe». Alle drei verbreiten die sabelhaftesten Gerüchte über den Goldreichlhum von Klondyke, unbeschadet, ob sie damit Taufende ihrem Ruin eutgegensühre». Der Dampfer„Portland" soll»ach den Zeitungs- berichten für 2 000 000 Doli. Goldstaub von Klondyke mitgebracht haben. Ich habe aber erfahren, daß es nur 200 000 Doll. gewesen sind."— Eine Meldung des„Daily Telegraph" lautet:„In St. Michael ist der Preis der Lebensmittel schon sechsmal so hoch wie in Seattle. Dabei liegt St. Michael Daivson-City(Klondyke) nicht näher als Ncw-Nork. Es ivohiie» gegenwärtig 7000 Personen in Dawson Cily. Renn Monate herischt dort Dunkelheit. Im Winter fällt der Wärmemesser auf 24—26 Grad Kälte Nöaumur. Mehr als 2700 Personen könne» in dem Distrikt keine Arbeit finden."— Wltlci'iiiigSiibcrsicht vom 3. September IH(I7. Svetter-Piognofe für Sonnabend, den 4. September It4v7. Etwas kühler, zunächst ziemlich trübe mit leichten Regenfällen und mäßigen nordwestlichen Winden; nachher aufklarend. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Nedatlio» dem Publikum gegenüber keinerlei _ Berautivortung._ Tlzetttev. Sonnabend, den 4. September. MeueS kgl. Operntheater(Kroll). Mignon. Anfang 7l/j Uhr. Schauspielhaus. Rosenkranz und Güldenstern. Anfang 7'/- Uhr. Deutsches. Moriwri. Anf. 71/, Uhr. Berliner. Die Maschinenbauer. Anfang 7Vj Uhr. Lessing. Abu Seid. Das zweite Gesicht. Neues. Der Stellvertreter. Anfang 7'/? Uhr. Unter de» Linden. Boccaccio. Anf. 7Va Uhr. Schiller. Deutsche Schwanke aus vier Zeitaltern. Anfang 8 Uhr. Luisen. Geschwister Fiebig. Anfang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Das vierte Gebot. Thalia. Luftballct Grigolatis. Vor- her: Toubisfon's Hochzeit. Anfang 7-/z Uhr. Ostend. Unsere Reichspost. Anfang 8 Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang 7'/- Uhr. ailexmiderplah. Verbotene Früchte. Hierauf: Eine tolle Prinzeß. Ansang 3 Uhr. Belle-Alliance. Spezialitäte». Anf. 6 Uhr. Apollo. Spezialitäten. Anf. 8 Uhr. Passage- Panoptikum. Indisches Dorf._ Central-Iheater Alte Jakobstr. 30. Direktion Itlchard Schnitz. Sonnabend, den 4. September 18ö7: Emil Tliomaa a. G. Zum ersten Male: Novität! Novität k kenlinen Burleske Ausstattungspossemit Gesang und Tanz in 6 Bildern von Julius Freund und Wilhelm Mannstäd t. Musik von Jul. Einödshofer. Anfang Vz8 Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Berliner Fahrten. (Wallncr-Theater). Sonnabend, abends 8 Uhr: Deutsche Schivänke aus vier Zeitaltern. Sonntag, abends 8 Uhr: Madame Bonivard. Montag, abends 8 Uhr: Die Ge- schwister. Hierauf: Clavigo. Luisen-Theater 34. Reichendergerstraste 34. Sonnabend, den 4. September, abends 8 Uhr: Zum S. Male: Geschwister Fiebig. Modernes Bolksstück in 3 Akten von Oscar Wagner und Hugo H a ß k- r l, Musik von Fritz Krause. Pretseder Plätze: Prosceniumsloge S M., Orchester- löge 4 M., Parquetloge ZM., Orchester- Fnuteuil 3M., Parqnet-Fautcuil 2 M., Mittelrang-Fautcuil 2 M., L Parquet, I Rang Fauteuil 1,80 M., I. Rang Sperrsitz 1,50 M., II. Parquet und L Rang Ballon 1 M., Tribüne 75 Pf. Ostend-Theater. Gr. Fraurfurterstr.132. Dir. C. Weist. Vorletzte Woche! Vorletzte Woche! Zum 93. Male: Unsere Reichspost. Volksstück mit Gesang in 4 Akten von R. Kneisel. Muflk von C. Schüler. Anfang 8 Uhr. Im Garten Anfang 6 Uhr. Letztes großes SommeruachtS-Fest. Auf- treten sämmtl. Spezialitäten I.Ranges. FUossesi» Varistä-Theater I. Eanges. Dresdenerstraße 52/53(City-Passage) Annenstraße 42/43. Direktion Richard Winklet. Sonnabend, den 4. September 1897; Gr. Eröfsnungs-Borstellung zum beste» der Ueberschwemmten. Novität! Zum 1. Male: Novität! Tie Roien aus dem Süden. Große Ausstattungsposfe mit Gesang und Tanz in 1 Akt. Vorher: Neu! Verniischtes. Neu! Posse mit Gesang in 1 Akt. Auftreten eines durchweg neuen Künstler- und Spczialitäten-PersonalS I. Ranges. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Tanbenstvasse 48—49. Naturkundl. AussteUung tägl. geöffnet von 10 Uhr vormittags ub, Eintritt 50 Pf.—"Wissenschattl. Theater abends 8 Uhr. Passage-Panopticum. Indisches Dorf mit dem bedeutendsten Fussball- Künstler der Welt Honng Toon. Vorst. 12, 5, 7 und 9 Uhr. Heute in Kanfmann''8Tai>l�t6 seitens des i. Original-Budapester Possen- u. Operetten- Theater (Direktion Gebr. Herrnfeld) Grosse Wohlthätigkeits- Toretellnne zum Besten der Ueberetchwenimten zum 100. und letzten Male: „Himmel auf Erden" und„In flagrnntlt' Morgen, Sonntag: Ganz neu! Hooheigenartig! Ueberrasohend! Originell! Grosse öffentliche General- Probe der beiden ersten Winter- Novitäten; Ein Abend Im Wintergarten. Original- Lustspiel von Gebr. Hermfeld. ay Im Atelier.-MU Onginal-Gelegenheitssoherz in 1 Akt. Preise für diese General- Probe wie gewöhnlich. Apollo-Theater und Konzert-Garten. Friedrichstr. Si8. Dir 4.«iUolr. Vollständig neues Programm. 10 Delmts. Kasseneröfsmnig SV,Uhr. Anf. 7 V, Uhr. Entree 1 Mark. ViKtoria-Brauerei I.iWszow- StruHHO 111/11% nahe Potsdamer Platz. («arten resp. Saal)! Täglich: SteKiner Sänger (Mehsel, Pielro, Britton, Steidl, Krone, Röhl, Schneider lind Schräder.) Zum Schluß: Strainpelbrttder. Ensemble von Meysel. Anfang 8 Uhr. Eutree SO Pf. Billets ä 40 Pf. und Familien- Billets ä 1 M. nur im Vorverkauf. DM" Fahrräder können ein- gestellt werden. V Olks- Theater Im Welt-Restaurant 07. Dresdencr-StrafteS?. Sonnabend, den 4. September: Ki'. Eröffnungs- Vorstellung. Anfang: Sonntags 6 Uhr, Wochentags 71/, Uhr,— Entree: Sonntags 30 Pfg., Wochentags 20 Pfg. Feen-Palast„Ä's. Direklio» R, Winkler u. W. Fröbel. Sonnabend, 4. September 1894; Wiedererösfunng der renovirtcn Riesen-Räume. Wohlthötigkeits-Vorstellililg zum besten der Ulebernchtvenuaten. Großes Eoncert(20 Musiker), G alu-V«rstcll u ng des aus 50 Künstlern bestehenden Spoclalltbten-Personala. Anfang 7i/2 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Eutree 30 Pf. bis 1 M. 50 Pf. Vssisn'«™ Fanopticnm. Friedrichstr. 165. Bären weih die grösste Sehenswürdigkeit des ablaufenden Jahrhunderts ist wieder da!!! Upll f Italienische Kapelle nCU. des Maestro Liborti, 5 Herren, 2 Damen. Concerthaus I�elpy,lfi:cr»tr.Xo.48. DV Täglich:-«k Hofiiiiaiiii's Quartett und Humoristen. Anfang Wochentags 8 Uhr. Entree: Saal und II. Rang 30 Pf., Sperrsitz 50 Pf., Logen u. I. Rang 1 M. 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Eutree frei. 3686 Saal für 150 Personen noch Sonn- abends frei. Vereinszimm., Kegelbahn. VereinSzimmer zu vergeben an Skatvereinen außer Mittwoch u.Sonn- abend. Boeckhstr. 49, Restauration. Allen werthen Bekannte«, Freunden und Genossen zur gefälligen Mit- theilung, daß ich Ilfedomstr. 0. Eing. verlängerte Strelitzerstraße, ein Weist» u. Pairifch-Bicrlotal eröffnet habe. Speisen und Getränke in bekannter Güte. Achtungsvoll 364b Paul Haferland, früh. Bellermannstr. Achtung, Aereiue! Sonnabend, der 16. Oktober, ist noch zu vergeben. 2913L* EtabliNsement Slid-Oet, Waldemarstraße 75. Heute Sonnabend Nachmittag 5 Uhr: Eröffnung unseres Maren Kanfhanfes Stralsunderstrasse SS. Gebrüder Ritterband, Jasmunderstrasse 22. Verband der in DMearbettungs-Mriken «.aus Dolzplätzen bM. Arbeiter Deutschlands. «Filiale Berlin 1.) Montag, K. September, abends Sl/2 tthr, bei Herrn F. Wllke, ZlndreaSftr. SG: M Mitglieder-Versammlung. TageSOrdnung: I. Vortrag deS Herrn vi», ttber: Die Erhaltung der Geh- kraft mit Demonstration an ktinstlichen Augen. 2. Diskussion. 3. Wahl eines AusschuhinitgliedeS. 4. Gewerkschaftliches. 82/18 KL. Die Mitglieder werden ersucht, zu dieser Versammlung wegen des interessanten Vortrags ihre Frauen mitzubringen. Der Torstand. Fach«, der Musikinstrymenten-Arlielter. IW" Verems-Versammlttttg am Sonnabend, 4. September, abends 8'/- Ilhr, bei Herrn»elfer, Oranicnftr. S1. Tages- Ordnung: 1. Vortrag de? Genossen Hamacher über: DaS Recht aus Arbeit. 2. Diskussion. 3. Werkstaltangelegenheiten. 143/5 Der Torstand. Kistennmcher! Sonnabend, 4. September, abends 8 Ilhr, in den Arminhallen, _ Kommandantenstr. 20:_ IHF* Mitglieder-Versattttttlttng."WU Tagesordnung: 1. Bericht der Lohnkommission über ihre bisherige Thätigkeit. 2. Die Differenzen in den einzelnen Wcrlsiätten. 3. Verschiedenes. Die Kollegen der Werkstätten Voigt, Köpnilkerstraße, und Wiesenthal, Friedrichsberg, sind hierzu besonders eingeladen. 295/1 _ I. A.: Franz Schulz, Swinemünderstr. 2. Älhttllig, Steill-Arlieiter! DIvnstae, den 7. September, abends 8 Ulir, Im liokal Englischer tiarten, Alexandcrstr. 27c: Oeffettkl. Versktininlung. Tagesordnung: 1. Verbreitung des Fachorgans und Agitation auf den Werkplätzen. 2. Wahl eines Mitgliedes der Zentral-Kontrolllouimission. 3. Unter- stützungsgesuche. 4. Besuch der Sternwarte. 5. Verschiedenes. Recht zahlreicher und pünktlicher Besuch ist erwünscht. 207/d_ Der Tertranensmann. Verband der Möbelpolirer. Montag, den G. September, abends 8�, tthr, bei Babcnschueider, Hermanustraste 107: 143/5 IPIP Versa in ml Tagesordnung: 1. Vortrag des Genoffe» Massutseh über: Die heutige Stellung der grau. 2. Dtskusston. 3. Verschiedenes. Da die gut besuchte öffentliche Versammlung am Montag bei Keller einstimmig beschlossen hat, dab die Interessen der Kollegen nur im Verband der Möbelpolirer vertreten werden und deshalb ein jeder zu ermahnen, sich demselben anzuschlieben, werden in obigem Lokal und in solgenden Zahl- stellen heute Abend von 8— 10 Uhr Mitglieder aufgenommen: Scheere, Blumcnstr. 38: Mohn, Oranienftr. 197; Geike, Swinemünderstr. 26; Kühne, Rölkestratzc, Weibensec; Schulz, Friedrich Karlstr. 35, Friedrichs- berg. DM- Am 12. September: Herrcnpartle nach Tegel. Besichtigung der Wasserwerke:c. Treffpunkt morgens 8 Uhr, Nordbahuhos (Bernauerstrabc). Am 25. September, in Keller s Festsälen, Koppcnstr. 28: Stiftungsfest. Auftreten der Norddeutschen Sänger. Siehe Plakat. Eintrittskarten: Damen 30 Pf., Herren 50 Pf., wll. Tanz, sind bei den bekannten Kollegen zu haben.__ Der Vorstand. Mmlomin dkilWer Döttcher. Sonntag, den 5. September, vormittags 11 Ehr, bei den 5 Ciriindel, September, vormittags 11 Ehr, Drunnenstrasse 188: Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag(Referent wird in der Versamnilung bekannt gemacht). 2. VereinSangelegenhetten. 47/5 AUF" Zu dieser Verfammluvg sind speziell die Kollegen von den Brauereien sowie Faßfabriken im Norden eingeladen. Nichtmitglieder haben Zutritt. Die Ortsverwaltung. Verein öer Maschinisten, Heizer u. Berufsgen. Berlins und Emgcgcad. Tonntag, den 5. September, nachmittags 5 tthr, Oranienftr. 51: Versammlung. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. 130/2 Der Torstand. Verband der in Buchbindereien, der Papier- und Leder-Galanteriewaaren-Jndustric beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Montag, den K. September, abends SVi tthr, bei Feuerstein _(oberer Saal), Alte Jakobstr. 75: MBT" Mitglieder Versammlung.-WD Tages-Ordnung: 1. Der internationale Arbeiterschuh> Kongreft in Zürich. Referent: Genoffe Georg Wagner. 2. Verbandsangelegenhetten und Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht _ Der Bevollmächtigte. Die noch ausstehenden Billets vom Sommerfcst find bis spStestenS Montag, den 6. d. Mts., in obiger Versammlung abzurechnen. Sonnabend, den 25. September, im Konzerthaus Sanssouci, Kottbuserstraste 4a: CsT«««« Immoristisclie Soiree der beliebten Hermburgeu SÄngev. Nach der Soiree: LrOSSSr Ball« Anfang abends Präzise 8V, Uhr. Billet 30 Pf. Sonntag, den 17. Oktober, vormittags „Eranla", Taubenstraße 47. Vorstellung: neuen Welt.� Mit vollständig neuer Ausstattung. sind im Bureau, Anneuftr. 50, sowie in 28/2 0 Uhr: Besuch der .Das Wunderland der BilletS a 60 Pf. sämmtlichen �ahlstellm zugaben. Parteigenossen! nur mit• Kontrollmarke Schirme, Stocke, Kravatten Otto Gerholdl�Z'Zil MillideuwkrllMer Mahivereln für den 1. Berliner Reichstagg-Wahlkreis. Sonntag, den 5. September, in den„Armin-Hallen", Kommandantenstraße 20: Cttosüsss Gartenfest und Sommernachts-Ball. Vokal- und Instrumental• Konzert unter Mitwirkung deS Gesangvereins„Solidarität", DirigentHerr Lange. Kasseeküche von 3-G Uhr geöffnet. Anfang 4 Ehr. Entrec 20 Pf. Üanlerobe 10 Pf. Billets sind in allen mit Plakaten belegten Handlungen und bei den Vorstandsmitgliedern zu haben._ Arbeiter-Bildirngsschiile. Sonntag, den 5. September er., nachmittags VjO Ehr, pünktlich Besichtigung der Sternwarte in Treptow (Riesen-Fernrohr) mit einleitendem Vortr ag. Billets zum ermässigten Preise von 75 Pf. sind zu haben bei Gottft1. Schulz, Am Kottbuser Thor; Pnul BUckc, Manteuffel- strasse 128; II. KUnlgs, Dieffenbaohstr. 30; Cilelnert, Müllerstrasse 7 a und am Eingang zur Sternwarte. 6/2 Zahireiche Betheiligung erwartet Der Torstand. Der Unterricht beginnt am 13. Oktober, Inselstr. 10, vorn 1 Tr,(nicht wie früher bekannt gegeben in der Annenstr. 16). Die Mitglieder werden ersucht, schon jetzt neue Theilnehmer zu werben. D. O. Nchfung! Achtung t Charlottenvurg. ZWillg, Z.Ttpimbtr, nlittiiBUI-llhr, inBiSmarikshöht, Wilmersdorferstr. 30: Uoills- Uerfamminng fLiv ZMünnev«nd Fvnuen des Kmses Teltmv-Bteöklttv-Ttorkoni-Kbarlljtttilburs. Tagesordnung: 1. Der Hamburger Parteitag und die Landtaaswahlen. Neselent NeichStags-Abgeordneter Prltz Knbell. 2. Diskussion und Anträge zum Parteitag. 3. Wahl der Delegirten zum Hamburger Parteitag. Rege Betheiligung der Genossen des Kreises erwartet 205/12 Der Elnbernfer. Achtung! R. Buske, Grenadierstr. 38. 3 Säle zu Bersamml., Festlichkeiten, sowie mehrere Bereinszwimer zu ver- geben. Sonnabende u. Sonntage noch frei. Meldungen rechtzeitig erbeten. Wirthshaus Schmargendorf, Warnemiinderstr. G. direkt am Grunewald, mit Garten, Tanzsaal, Vereins- zimmer, Kaffeeküche(ä Liier 60 Pf.)- Vereinen und Gesellschaften angelegentlichst empfohlen.— Vorzügliche Speisen und Getränke zu soliden Preisen. Pahenhofer Bier, Glas 10 Pf. 2962L' Jeden Sonntag:«rosscr Ball._ Karl Balcr. Pichelswerder. I>er stelle. 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