Einzelpreis 20 Pfg. 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint morgens und nachmittags, Sonntags und Montags einmal. Der Bezugspreis beträgt bet freier Zustellung ins Haus für Groß- Berlin 10,- M. im voraus zahlbar, von der Spedition felbft abgeholt 8,50 m. Für Poft bezug nehmen fämtliche Boftanftalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland und Österreich 16,50 m., für das übrige Ausland 21,50 zuzüglich Baluta- Aufschlag, per Brief für Deutschland und Österreich 30,- m. Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin 2, Breite Straße 80 Freitag, 21. Januar 1921 Nummer 34 Abend- Ausgabe De achtgespaltene Monpareillegeile oder beren Raum koftet 6,-. einschließli Leuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2- M., jebes weitere Wort 1,50 m., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,20 m. netto pro Belle. Stellen Gesuche Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 m., tebes weitere Wort- M Fernsprecher: Bentrum 2030, 2645, 4516, 4603, 4635, 4649, 4023 greiheit Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Der ungarische Brandherd Die Reaktion an der Arbeit Frankreichs zweideutige Politik TU. Budapest, 21. Januar. Der Oberkommissar der französischen Mission, Fouchet, der aus Paris zurückgekehrt ist, erklärte, daß vorläufig von einer Revision des Friedensvertrages von Trianon nicht die Rede sein fönne. Frankreich sympathisiere jedoch stark mit Ungarn, sodaß alle Voraussetzungen für die Mithilfe Frankreichs am Wiederaufbau Ungarns gegeben seien. Monarchistische Rüstungen- Ungarisch- französische KampfUngarisch- französische Kampfpläne Die Budapester Terrormaschine ( Eigene Drahtmeldung der Freiheit") Wien, 20. Januar. Die britische Militärmission berichtete nach London, daß die ungarische Armee nur aus 28 000 ann bestehe, obwohl der Friedensvertrag 35 000 zugibt. Es wurde aber festgestellt, daß vor dem Eintreffen der Militärmission überall Goldaten in großen Massen beurlaubt wurden. So wurden z. B. in der Stadt Mistole Soldaten auf drei Tage zum Holzfällen ins Gebirge beordert. Es soll in Budapest eine große legitimistische Partei gegründet werden, um die Habsburgerzurückzubringen. Zu diesem Zwede verbindet sich die Aristokratie mit den übelsten terroristischen Elementen. Graf Andrassy und Apponyi, die als liberale Politifer galten, verbündeten sich mit Heijas und mit den Führern der„ erwachenden Magyaren". Die jüdischen Kreise werden mit der Drohung von Pogromen zum Anschluß an die„ Legitimation" bewogen. Große Summen aus der Schweiz tehen Andrassy zur Verfügung. Andrassy will eine große Bartei und eine bewaffnete Macht zujammenbringen, um in einem vom Internationalen Gesichtspunit aus günstigem Augenblick einen Butsch zugunsten des Hauses Habsburg zu machen. Man agitiert mit dem Beispiel des Griechenkönigs Konstantin und erflärt, daß die Entente sich einer vollzogenen Tat: fache gegenüber fügen wird. Die ganze legitimistische Politit hofft im Frühjahr auf einen Krieg mit Sowjetrajland, in dem die europäische Reaktion auf Ungarns Hilfe angewiesen sein soll. Der französische Geschäftsträger Fouchet bestärkt die ungarische Regierung in ihrem Widerstand bezüglich der Nichtherausgabe West ungarns. In Budapest wird eine andere französische Polis tit gemacht als in Paris. Die Orgesch in Sachsen Der Landesvorstand der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei für den Freistaat Sachsen hat soeben eine Dokumentensammlung herausgegeben über die Organisation Escherich im Freistaat Sachsen. Das Material ist absolut zuverlässig und erbringt den flaren Beweis, daß die Orgesch eine geheime militärische Organisation ist, die sich die Wiederherstellung der Monarchie zum Ziel gesetzt hat. Die Orgesch ist nach streng militärischen Gefichtspunkten aufgebaut. Ihre Leiter wissen genau, daß die Organisation gegen das Entwaffnungsgesetz und den Erlag Eberts über die Bildung bewaffneter Banden verstößt, und sie haben aus diesen Gründen im schriftlichen Verkehr die Anwendung einer Schlüsselschrift befohlen. Die Bureauleiter haben die Verpflichtung, alle Schriftstücke nach Kenntniss nahme bis zur Untenntlichkeit zu vernichten. Im Telephon Derkehr wird größte Vorsicht empfohlen, militärische Anreden dürfen nicht gebraucht werden. Der Inhalt ist zu ver= Schleiern. Die Orgesch wendet sich bei der Werbung grundsäglich nur an Angehörige der rechtsstehenden Parteien. Folgende Verbände gelten als absolut zuverlässig: Der Bund der Landwirte, die Vereine junger Landwirte, der Deutsche Offi= zierbund, die Innungsausschüsse des Handwerks, die Mittelstandsorganisationen, die Vereinigung von von Indu= striellen, die Chriftlich- nationalen Gewerkschaften. Von den politischen Organisationen, die nach außen hin neutral auftreten, gelten als zuverlässig: Der Aüdeutsche Verband, der Deutschvölkische Schuh- und Truhbund, die Bürgerräte und Bürgervereine. Auch die nationalistischen Turn, Sport, Ruder- und Schüßenvereine, sowie die Militär- und Regimentspereine werden als vertrauenswürdig angesehen. Ueber die militärische Organisation steht folgendes fest: In ganz Sachsen werden die geworbenen Mannschaften zu tampffähigen Einheiten zusammengefügt. Das Land ist in verschiedene Bezirke eingeteilt, in jedem soll eine Division mit sämtlichen Spezialgruppen aufgestellt werden. Die Be= fleidung erfolgt aus den Beständen der Reichswehr, die Ver= pflegung wird ebenfalls nach den Säten der Reichswehr bestimmt, ebenso die Besoldung. Auch die Bewaffnung soll durch die Reichswehr erfolgen, doch ist das Mitbringen eigener Sandfeuerwaffen dringend erwünscht. Alle erforderlichen Kosten Die verurteilten Boltskommissare find einem sehr strengen Gefängnisregime unterworfen. Sie wurden in Ketten geschlossen und in ein schlechtes Gefängnis abgeführt. Sie müssen Häftlingskleider tragen, erhalten weder Buch noch Nahrung noch Besuch. In Budapest werden öffentliche Plakate ange= schlagen und Flugblätter verteilt, die die Hinrichtung der Boltstommissare fordern und erklären, daß, wenn Sowjet- Rußland zu Vergeltungsmaßregeln schreiten würde, man die Familienmitglieder und Angehörigen aller Boltskommissare hinrichten solle. Es werden jest wieder tagtäglich aus der Donau neue Leichen herausgefischt, Leute verschwinden aus ihren Wohnungen. Die Gewerkschaft der Buchdruder wurde vor drei Wochen aufgelöst. Vor drei Tagen wollte men die Gewerkschaftsführer verhaften, worauf die Zeitungsscher in den Streit traten. Hiernach wurde der Verhaftungsplan fallen gelassen. Es ist dies der erste politische Streit seit dem Sturz der Räteregierung. Die Mitteilungen unseres Wiener Korrespondenten lassen die reichlich dunkel gehaltenen Aeußerungen des französischen Geschäftsträgers Fouchet nach ihrem wirklichen Sinne erkennen. Frankreich lehnt es zwar ab, den Frieden von Trianon gegenwärtig einer Revision zu unterziehen, es muntert aber die Horthysche Mörderregierung unzweideutig auf, ihre Politik fortzusetzen, die ihre Spitze nicht nur gegen die niedergehaltene Arbeiterklasse und die jüdische Bevölkerung, sondern auch nach außen hin gegen Deutsch österreich und Sowjetrußland richtet. Während einerseits die Entwaffnung der ungarischen Heeresmacht, unter offensichtlicher Duldung der ausführenden Organe der Entente, nur auf dem Papier vorgenommen wird, weil diese Heeresmacht von den französischen Militaristen für einen neuen Aufmarschplan gegen Sowjetrußland gebraucht wird, sabotiert der französische Geschäftsträger Fouchet die Beschlüsse des Botschafterrates, die die Herausgabe We st ungarns an die Republik Deutschösterreich vorschreiben. Diese Haltung des französischen Vertreters in Budapest ist ein internationaler Standal. Die französische Regierung täte gut, ihre ungarische Politik einer schleuni gen Revision zu unterziehen, wenn sie sich nicht dem Borwurf aussehen will, daß sie im Interesse der Wiederherstellung der Habsburger Monarchie und der Stärkung der internationalen Gegenrevolution ein Doppelspiel in Budapest treibt, das den ungarischen Brandherd zu einer ungeheuren Gefahr für den europäischen Frieden macht. werden nach den Richtlinien für die Stabsleiter aus Reichsmitteln bestritten. Die Reichsregierung muß also über die Ziele der Orgesch genau unterrichtet sein, sie billigt diese Organisation und hat mit ihr bestimmte Abmachungen getroffen. Auch das Reichswehrministerium hat Kenntnis von dem Bestand und den Absichten der Orgesch und hat ihr seine Unterstützung zugesagt. An dieser Tatsache ist nach dem Bekanntwerden der Dokumente aus Sachsen nicht mehr zu rütteln. Ein Mobil machungsplan der Orgesch für den Kreis Meißen besagt u. a. folgendes: ,, Die Bewaffnung der aufgestellten Abteilungen soll in der Weise erfolgen, daß die Führer sofort nach Sammeln Wagen unter der Bedeckung von mit Handwaffen versehenen Mannschaften nach Meißen in die Kaserne schicken und die Waffen abholen. In der Kaserne, find also noch niederzulegen wenigstens 450 Ges wehre, 50 000 Schuß, 15 leichte M. 6. mit gegurteter Munition und Kästen, pro leichtes M. G. ein Gurtfüller und eine Werkzeugtasche, 20 Leuchtpistolen mit weißen und roten Patronen. In der Kaserne jeht vorhanden: 10 schwere M. G., 350 Gewehre, 500 Schuß. Es fehlen völlig die Handfeuerwaffen." Zur Oberbürgermeisterwahl Die Wahl des Kämmerers Böß zum Oberbürgermeister der Stadtgemeinde Berlin ist von der Berliner Presse ohne wesentlichen Kommentar aufgenommen worden. Die„ Deutsche Tageszeitung" sagt nur, daß auch Herr Böß seines Sieges nicht recht froh werden wird; er sei nicht die Persönlichkeit, die Berlin retten fönne, soll heißen, nicht der starte Mann und mit der starten Faust, wie ihn die Deutsche Tages zeitung" sich wünscht. Damit spricht dieses Blatt nur aus, was auch schon die Erklärung der Deutschnationalen Partei in der Stadtverordnetenversammlung enthält. Bemerkens wert ist die Aeußerung des„ Berliner Tageblatts" über das Wahlergebnis. Es schreibt: Wenn Herr Dr. Weyl gegen Herrn Böß unterlag, so verdient dafür in erster Reihe die Mehrheitssozialdemokratie Anerkennung. Sie hat sich im fritischen Augenblick nicht von dottrinären Er wägungen, sondern von Rücksichten auf die allgemeine Wohlfahrt der Berliner Gemeinde leiten lassen. Go wählte sie nicht den radikalen Parteimann, sondern den Fachmann. Die Aussichten der Einheitsgemeinde wären weniger unsicher, wenn die Einsicht dem Zusammenarbeitens mit von der Notwendigkeit des demokratischen Bürgertum sich bei der Mehrheitssozialdemokratie schon früher durchgesezt hätte." Damit stellt selbst das bürgerliche Blatt fest, daß die Rechtssozialisten abgegangen sind von dem bisherigen Wege, den Fachmann gewählt, den sie früher nicht als Magistrats in den Berliner Magistrat Sozialisten zu schicken. Sie hätten mitglied haben wollten. Und es ist eine schallende Öhrfeige für die Rechtssozialisten und ihre Politik, wenn das demokratische Blatt den Rechtssozialisten für ihr Wohlverhalten kommen ist, daß bürgerliche Parteien einer sozialdemokratiAnerkennung ausspricht. ausspricht. Wenn es schon soweit ge schen Partei Anerkennung aussprechen können, so beweist das mehr, als die schärfste Kritik zu sagen vermag. Oberbürgermeisterfrage zu bemänteln, indem sie sich auf die Die Rechtssozialisten suchen denn auch ihre Haltung zur Person unseres Kandidaten zurückziehen. Der„ Vorwärts" schreibt: Die Unabhängigen hätten einen solchen Wahlausgang vers hindern können, wenn sie unserer Fraktion einen anderen Kandidaten präsentiert hätten. Anstatt jedoch sich über die Berson ihres Oberbürgermeisterkandidaten mit unseren Genossen zu verständigen, zwangen sie den letzteren Dr. Weyl auf. Gie handelten damit gegen ein vor einigen Monaten getroffenes Uebereinkommen, wonach die Kandidaten des ersten und zweiten Bürgermeisters nur im gegenseitigen Einverständnis nominiert werden können. Die Unabhängigen wurden auch bereits vor einigen Wochen nicht im unflaren gelassen, daß die sozialdemokratische Fraktion unter feinen Umständen für Dr. Weyl stimmen werde Sie hält diesen Kandidaten schon wegen seiner mangelnden fach lichen Qualitäten nicht für geeignet, ein solches verantwortungs polles Amt zu übernehmen. Außerdem dürfte hinreichend bekannt fein, daß Dr. Went unsere Partei wiederholt in der gehäfftaften Weise bekämpft hat. Roch in Erinnerung ist sein in der Wahlagitation zum Reichss tag gemachter Ausspruch, daß die Mehrheitssozialdemokraten den Sozialismus geschändet" hätten und daß man sich mit diesen Leuten nicht an einen Tisch sezen" dürfe. Einen Mann, der sich in so gehässiger Weise gegen unsere Partei benommen hat, fonnten unsere Genossen unmöglich für ein so wichtiges Amt wählen. Die unabhängige und kommunistische Presse wird wieder wie auf Kommando über den„ Berrat der Rechtssozialisten" schreien. Das tann uns nicht hindern, so zu entscheiden, wie wir es nach Lage der Verhältnisse für erforderlich halten. Wie wenig namentlich die Kommunisten die schwere Stellung des sozialistischen Magistrats in ihren Maßnahmen berücksichtigen, geht aus ihrer politischen Tätigket im Roten Hause zur Genüge hervor. und die Unabhängigen find wahrlich nicht von dieser lächerlichen Politik abgerückt, sondern haben aus Angst, unpopulär zu werden, die Dummheiten ihrer Brüder von links mitgemacht. Durch eine solche Politik gerät der Magistrat in eine) immer schwierigere Stellung. Man wird daher das Geschrei aus dem unabhängigen und tommunistischen Lager über die Saltung unserer Genossen bei der Oberbürgermeisterwahl sehr fühl und nüchtern zu be werten haben." Die Antwort auf diese Verteidigung" ist schon durch die Würdigung des„ Berliner Tageblatts" genügend charakteriWill es die Regierung wagen, nach diesen Tatsachen noch abzustreiten, die Orgesch verstoße nicht gegen den Friedensversiert. Wenn die Rechtssozialisten sich auf die mangelnden trag und das Abkommen von Spaa? Sie wird es sicher lich versuchen, aber ihren Betuerungen ist teine Bedeutung beizumessen, denn es steht fest, daß sie sich dem Diktat der Deutschen Volkspartei gefügt hat und ihre Aufgabe darin erblidt, den Schrittmacher der monarchistischen Restauration zu spielen. Ausgleichsverhandlungen. In Paris haben Verhandlungen über die Ausgleichszahlungen, über die Verrechnung der gegenseitig während des Krieges beschlagnahmten Güter, stattgefunden. Von der Entente wurde gefordert, daß eine Bezahlung der rüdständigen Beträge von Deutschland erfolgen müsse, ehe überhaupt in Berhandlungen eingetreten werden könne. Die deutsche Regierung hat darauf die rückständig geforderten Beträge bezahlt. Die Verhandlungen gehen weiter. Vittor Kopp nicht abberufen. Wir erhalten von der offiziellen russischen Vertretung in Berlin folgende Notiz: Die gestern an= läßlich der erfolgten Abreise Vittor Kopps nach Moskau dura einige Zeitungen verbreitete Mitteilung, daß Bittor Kopp angeblich von seiner Regierung abberufen worden sei, entspricht tei= nesfalls der Wahrheit." Regierungstrife in Persien. Die„ Times" meldet aus Teheran den Sturz des persischen Kabinetts fachlichen Qualitäten unseres Kandidaten zurückziehen, so hätten sie von demselben Gesichtspunkt aus Abstand davon nehmen müssen, Mitglieder in den Magistrat zu wählen, denen die Verwaltungseigenschaften nicht angelernt sind. Und sie hätten dann auch absehen müssen, Parteileute in den Magistrat zu entsenden. Was die Rechtssozialisten heute von unserem Kandidaten sagen, haben die bürgerlichen Parteien von dem Kandidaten für den Bürgermeisterposten, Herrn Ritter, auch gesagt. Und nun gar die die Rechtssozialisten verärgernden Be merkungen Weyis. Warum denken sie nicht an die Attacke Böß gegen die sozialdemokratische Fraktion, die er wiederholt unternommen hat, das hätte doch viel näher gelegen. Die Rechtssozialisten können sich drehen und wenden, wie sie wollen. Durch die Wahl Böß' zum Oberbürgermeister von Berlin haben sie die Gegner des Kommunalisierungsgedankens gestärkt und sich den Dank und die Anerkennung des Bürgertums gesichert, Die Berliner Arbeiterschaft wird sich diese Haltung der Rechtssozialisten merken, und sie wird sich immermehr davon überzeugen, daß wirklich sozialistische Arbeit nur im gr Gegensatz zum Surueciuiit aeiei|tei melden kann, und zwar im Kampf mit allen bürgerlichen Gegnern, und nicht in Gemeinschaft mit ihnen. Das ist die Lehre, welche die Arbeiter aus der Oberbürgermeisterwahl ziehen werden. Die franzSfifche Politik Wenn man die Regierungserklärung Briands des rethorischen Schwunges entkleidet, so bleiben für die deutsche Politik Frankreich gegenüber im wesentlichen dieselben Vor- aussetzungen bestehen, wie unter Briands Vorgängern. Und das ist auch nur natürlich, denn die Grundlage jeder deutschen Außenpolitik ist durch den Versailler Vertrag be- stimmt. Es kann sich nur um Gradunterschiede in der An- wendung seiner Bestimmungen handeln. Spekulationen auf das Äuseinanderfallen der Entente sind vorläufig ohne jeden realen Wert. Selbstverständlich gibt es unter den Alliierten Differenzen, die ihren Ursprung vor allem in der Verschiebung wirtschaftlicher Macht- geltungen haben, die sich politisch auszuwirken beginnen. Sie stnd aber nicht derart, daß binnen kurzem mit einem Aus- emanderfallen der Entente zu rechnen wäre. Ganz besonders stark und nachdrücklich hat Briand das Bündnisverhältnis unterstrichen, und zwar in erster Linie das englisch- französische. Briand sagte: �Dasenge Bündnismit En gland ist die Grundlage unserer aus- � �' 6 � P ol i t i k." Mit diesem Satz ist die franzöfi- sche Politik scharf umrissen und die deutsche Politik wird damit rechnen müssen, daß Briand, klüger als PoincarS und geschickter als Leygues. diese Grundlage der französischen Politik auch festigen wird. In der Politik gegen Sowjet-Rußland betritt 7'� m �PC9C fctnet Vorgänger insofern, als er nur eine russische Regierung anerkennen will, die die von der zaristi- übernommenen Verpflichtungen hält. Die 1®. Milliarden sind noch nicht verschmerzt. Dagegen erklärte sich Briand gegen jede Intervention, allerdings mit der sehr starken Einschränkung, den Verbündeten bei- zuspringen, wenn sie von Sowjet-Rußland angegriffen werden sollten. Das ist zweideutig, da über Angriff oder Abwehr sich unter Kriegsgegnern nie Uebereinstimmuno wird erzielen lassen. In Bezug auf die inneren Probleme ist Briand sehr wortkarg geblieben. Die Sorge des 2Y-Milliarden- Defizits, das nicht zuletzt durch die Heeres- und Expeditions- ausgaben so groß geworden ist, wird mit ein paar all- gemeinen Wendungen abgetan. Auch das Ministerium Briand erhofft erst von der Durchführung der deutschen Zahlungen die Sanierung des französischen Staatshaushalts. Und diese eigens Rot ist es, die Frankreichs auswärtige Politik bestimmt. Die Regierungserklärung' Briands, von der wir einen Teil be- *£ ,unlcfet heutigen Morgenausgabe veröffentlichten, ver- breitet sich weiter über das Verhältnis Frankreichs zu I t a l i e n, den B er ein l g t e n S t a a t e n und B e l g i e n. Bei Amerika wird besonders die Hoffnung betont, daß es Frankreich bei der erHerstellung der Kriegsschäden dieselbe un- schatzbare Unterstützung werde angedeihen lassen, wie in dem grohen Kriege. Die'strikte Durchführung der Friedensverträge zwischen all den Staaten, die aus dem Zerfall des österreich- ungarischen Reiches entstanden find, soll nicht vernach- lassigt und die Abmachungen durchgeführt werden, die den wirt- schaftlichen Aufbau dieser Länder ermöglichen. Die Lage im Orient soll mit Aufmerksamkeit verfolgt werden. Äeber N u si l a n d heißt es in der Regierungserklärung wärt- lüh' Jßie Opfer, die die, große rusfische Nation zu Beginn des Kneges für die Freiheit der Melk gebracht hat, haben wir nicht vergessen. Wir werden ihr dafür unwandelbare Dankbarkeit be- wahren. Aber unter den gegenwärtige» Umständen werden wir ebenso wenig wie unsere Vorgänger die Sowjet-Rcgierung aner- kennen, so lange in Moskau kein Regime besteht, das in Wirklich« leit das russische Volk darstellt, und das bereit ist, die Verpilich- tunge» zu halten, die die früher« Regierung dieses Landes über- Nammen hat. Der Bolschewismus in Rußland muß auf seine Grenzen beschränkt bleiben. Wir haben nicht das Recht, in Ruß- land zu intervenieren, aber es ist uns uniiwglich, zuzulassen, daß die Sowjetarmee unsere Verbündeten angreift. Schließlich liegt der Regierung der Republik die Verpflichtung ob, überall da, wo die großen internationalen Interessen in Frage kommen, für die Interessen unseres Landes Vorsorge zn treffen. Das ist das Pro- aramm der auswärtigen Politik, das wir Ihrer Billigung unter- breiten. Die Erklärung betont ferner, daß zur Verteidigung der franzö- fischen Interessen die Erhaltung der militärischen Macht notwendig sei. Sie müsse aber wegen der damit veroun- denen starken Belastung des Landes auf das notwendigste Maß beschränkt werden. Die Stärke Frankreichs liege wesentlich darin, daß es seine Finanzen gesund erhalte. Die Erklärung sagt darüber: Wir sind entschlossen, in unsere Finanzen, die durch den Krieg in große Verwirrung geraten stnd, Ordnung, Re- gel Mäßigkeit und Klarheit wieder einzusühren. Aber wenn wir hoffen können, durch die Maßnahmen, bezüglich deren wir uns mit Ihrer Finanzkommission beraten werden, die finan- zielle Krise zum Stillstand zu bringen, so ist es wesentlich, um ste schleunigst zu beenden, daß der Staatsschatz nicht mehr die Repa- ratione« zu übernehmen hat, die Deutschland schuldig ist. Nachdem die Regierungserklärung Briands den Wirtschaft- lichen Wiederaufbau des Landes streift, die eine wert- volle Unterstützung in der Nutzbarmachung der Quellen finde, die die Kolonien bieten, geht ste zur Politik den Arbeitern und Beamten gegenüber über und sagt darüber: Die Regie- rung ist entschlossen, den Arbeitern dieses Landes, die voller Patriotismus an dem Werk des Krieges mitgearbeitet haben und deren Ruhe und Klugheit eines der Hauptelemente der morali- schen Stärke Frankreichs find, die inmitten der sozialen Erschüttc- rungen in der gegenwärtigen Stunde von der ganzen Welt de- wundert werden, den weitestgehenden Kredit zu ge- währen. Sie haben in der Tat begriffen, daß eine'andere Hat- tung nur die Wirkung hätte, die gegenwärtigen Sthwierigketzten zu vergrößern und die Verbesserung ihrer Lage aufzuhalten. Die Regierung, die die Einwirkungen der wirtschaftlichen Krise auf die Arbeiterwelt aufmerksam verfolgt, ist es dieser schuldig, die ge- eigneten Maßnahmen au ergreifen, um der peinlicton Lage derjenigen, die feiern mußten, abzuhelfen und die Mittel zu suchen, unicrer Industrie das volle Vertrauen wiederzugeben. Die Politik der Reformen, die wir auf allen Gebieten zu verwirklichen beabsichtigen, setzt das regelmäßige und ständig« Funktionieren des öffentlichen Dienstes voraus, von dem das Leben der Nation abhängt. Es ist wichtig, daß die Beamten ihre Rechte und Pflichten in neuen Regeln festgelegt sehen, und daß sie das Mandat, das sie von der Nation haben, ausführen, ohne es jemals gegen die Nation versenden zu können. Den lokalen und städtischen Parlamenten, deren Tätigkeit während des Krieges so nützlich gewesen ist, werden wir mehr Freiheit geben. Um dieses Reformprogramm durchzuführen, muß die Regierung sich auf eine starke Mehrheit stützen. Wir haben den Ehrgeiz, diese Mehrheit zu schaffen. Zu diesem Zweck appellieren wir an die Einigkeit aller Republikaner und aller Ver- treter der Parteien, die auf dem Boden der Republik stehen. Wir lehnen die Unterstützung derer ab. dir durch Tewalt bu Umwandln»« der Gesellschaft versuche!,, ebenso wie die Unterstützung der- jcnigen, die dem demokratischen Regime einen Schlag versetzen wollen. Gestützt auf Ihre Mitarbeit, auf die wir zählen, und auf die notwendige Disziplin, werden wir unser Amt in der Republik führen, für ganz Frankreich, wobei wir alle Bürger zur Achtung vor ihren Einrichtungen auffordern. Das ist das Werk, zu dem die Regierung Sie einladet. Um es zu gutem Ende zu bringen. brauchen wir Ihr ganzes Vertrauen. Wir sind überzeugt, daß es uns daran nicht fehlen wird. Die Erklärung wurde wiederholt durch Beifall unterbrochen. Darauf wurden verschiedene Interpellationen verlesen. Um Uhr wurde die Sitzung auf morgen vertagt. Auch im S e n a t wurde die Regierungserklärung mit großem Beifall aufgenommen. Die Aufnahme in Ktonmer und Senat Paris, 21. Januar. Wie Haoas meldet, waren in der gestrigen Sitzung der Kammer über 4S0 Abgeordnete anwesend. Nach der Rede Briands verlas P e r e t die eingegangenen Interpellationen und fragte, ob die Regierung ste beantworten wolle. Briand erklärte, daß die Regierung bereit sei, alle Interpellationen zu besprechen, er glaube aber, daß es vernünftig wäre, zunächst die Inter- pellation über die allgemeine Politik oorzuneh- men. an die sich dann diejenigen anknüpfen konnten, die«inen be- sonderen Gegenstand beträfen. Als erster ergriff D e v r« s das Wort, der sich bei der allgemei- nen in der Kammer herrschenden Unruhe nur schwer verständlich machen konnte. Er sprach zunächst Perrt unter einstimmigem Bei« fall der Kammer seine Anerkennung aus für seine Bemühungen, ein Ministerium der nationalen Einheit zu bilden. Er entwickelt« sodann ein Programm der äußeren und inneren Po- l i t i k, wie«s der gesunde Menschenverstand von der französischen Politik erfordere, besonders betont« er die Notwendigkeit der Ausführung de« Friedensvertrages durch Deutschland, das an Frankreich zur Reparation seiner Schä- den das zahlen müßte, wozu es sich verpflichtet habe. Im Senat wurde besonders die Stelle der Rede Briands mit Beifall begrüßt, die von der Ausführung des Friedensvertrages und von der Haltung gegenüber dem bolfchewistifchen Rußland spricht. Luch die Rückkehr zur Freiheit des Handels und des Ackerbaues wurde gut aufgenommen. Sonst zeigte sich aber, wie der„Matin" meldet, verschiedentlich Zurückhal- tung. Als Marraud an die Unterstützung einer starken Ma» jorität appellierte, wurde ihm von der Linken verschiedentlich zu- gerufen: Welche? Der Präsident verlas sodann zwei einge- gangene Interpellationen Martin und Donon, die wegen der Abwesenheit Briands vertagt wurden. Das Echo in England Briand» Kammerrede hat in der englischen Presse, wi« Dd Tel." aus London meldet, eine gute Aufnahm« M* funbcn. Das Lloyd George nahestehende Blatt»Daily Chronicle" gibt seiner Zufriedenheit Ausdruck, daß Briand dt« Notwendigkeit einer Zusammenarbeit mit Frankreich und England zu: Ausführung des Vertrages von Versailles erkannt hat. Die Wiedergutmachungsfrage liege natürlich Frank- reich mehr am Herzen als England, da England sich bereits ent- schlössen hat. sein Budgetselb st zu balanzieren, ohn« darauf zu warten, od und wann es eine Wiedergutmachung von Deutschland erhalten werde, sei dies für Frankreich mit seineu zerstörten Gebieten eine Unmöglichkeit. Für Frankreich heiß« es. ?ein Vudgetdeftzit aus der deutichen Entschädigung zu decken, das sei Lloyd George wobl bekannt. Die Bieinungsoerichiedeuhelten rwiickien beiden Regierungen hätte» sich stets nur aus die Mittel und Wege, aber nie auf das Tatsächlichste, das Ziel erstreckt. Es au hoffen, daß sie auf der am Montag beginnenden Konferenz aanz aus der Welt geschafft werden. Das Blatt warnt schliefc liA Deutschland vor Versuchen, zwischen England und Frankreich Zw i e t: ach t zu säen. Nur durch Beweis seiner Aufrichtigkeit tonne Deutschland hoffen, das Vertrauen der Alliierten zu er». werben._ IKLernatwnale Hilfe für Oesterreich Das wirtschaftliche Elend Deutschösterreichs, da» gegenwärtig feinen Höhepunkt erreicht hat, von dem aus eine Aenderung und Besserung aus eigenen Kräften völlig unmöglich ist, scheint nun. endlich positiv- Maßnahmen der Entente zu veranlassen. Be- sonders Frankreich ist lebhaft interessiert an der Hilseleistung. nicht etwa aus Liebe zu Deutschösterreich, sondern weil Frankreichs auswärtige Politik seit je starke Stützpunkte an der Donau unter- hielt. So meldet der Lyoner„Progres" aus Paris, daß die französische und die englische Regierung neuerdings sich dahin ge- einigt haben, der aza Montag in Paris zusammentretenden Ententekonserenz«iu« internationale Hilfsaktion zugunsten Oesterreichs vorzuschlagen Die Durchführung des Planes, der in einer Kreditbeschaffung von nicht weniger als 250 Millionen Dollar bestehe, werde jedoch iu letzter Änie von der Teilnahme der Vereinigten Staaten abhängen. Wie man in Amerika darüber, wie man überhaupt über die materielle Unierstützung des notleidenden Europas denkt, geht aus einer Erklärung Wilsons vor dem Landwirtschaftsaus- schuß des amerikanischen Repräsentantenhauses hervor: Die ein- zig« Lösung der augenblickliche Depression in den Vereinigten. Staaten und der ganzen Welt ist die Gewährung von K r e diten an die bedürftigen Länder Europas, und zwar nicht unmittelbar durch die Regierung, sondern duch die Bildung von Vankengruppen für die Finanzierung des Ausfuhrhandels und durch«ine private Kreditmaschinerie. Das Staatsdepartement hat der Ansicht Ausdruck gegeben, daß von den alliierten Mächten keine Maßnahmen zur Lösung der bedrohlichen Lag« in Oesterreich getroffen werden können» ohne vorherige Beratung mit den Vereinigten Staaten. Bisher ist nicht bekannt, inwieweit die Vereinigten Staaten bereit sind. sich an dem Plan zur Unterstützung Europas zu beteiligen. Auch H 0 0 0 e r erklärte in einer Rede, die Welt könne sich nur erholen, wenn Amerika Europa aus einer ordentlichen und geeigneten E es ch ä f t s g r und la g e Unter- st ü tz u n g leihe. Dir einzige Lösung seien langfristige Kapitelsanlagen im Auslande. Kurzfristige Kredits feie» gefährlich für die gesamte Wirtschaftslage der Welt. Di« Parteisvaltung in der Tschechoflowakei. Der Aktionsaus- schuß der deutschen sozialistischen Linien hat beschlossen, als Ant- wort auf die Entscheidung des Reichsausschusses ein Manifest, zu erlassen, in dem die Einberufung des geforderten Parteitages durch den Aktionsausschuß der Linken angekündigt wird und die Anhänger der.Linken aufgefordert werden, im ganzen Reiche eine. Organisation zu schaffen. Wohltätigkeit Skizze von Maria A. Hirsch Es war wieder ein Wohltätigkeitsfest zu Ende. Auf der breiten Freitrepp« standen zwei Damen und sahen in das Gewühl am Fuße derselben. Unschlüssig standen sie da.. Hier sollte man nun hindurch.— Schmierige Hände würde man ihnen entgegenhalten. Schmierige Hände würden nach ihren Kleidern greifen. Sie sahen einander an— und verstanden sich. Sie hatten beide dasselbe gedacht: zudringliches Packl Nicht genug, daß man Zeit opfert. Feste arrangiert, man möchte sie auch noch persönlich beschenken! Mit einem Male klaffte da unten eine breit« Lücke. Nun war ein günstiger Augenblick. Frau Professor klatschte dreimal in die Hände. Das Zeichen für den Kutscher— vorzufahren. Er kam auch sofort. Aber er konnte nicht durch. Niemand ging zur Seite. Alle starrten nach der Lücke hin.— Da lag, sich windend, ein Mensch in Krämpfen. Und eine Frau beugte sich»«inend und jammernd darüber und versuchte das Kind aufzuheben. Das Röcklein glitt dabei zur Seite und— dünn«, nackte Beine wurden sichtbar....,. Einer versuchte etnen Witz:„Bei der Hitze- mitten im De- zember, geht die ohne Schuh und Stümpfe!" Ea lachte niemand.. Da hatte die Frau die beiden Damen erblickt. Sie atmete auf. Und schrie:„Ach! Liebe, gnädige Frau- Ihr Wagen fahrt da in der Nähe bei uns vorbei. Ich bitte Sie herzlich. Wie sollte ich sonst mit dem Mädel heimkommen?" Alles sah nun auf die„gnädige Frau" und die erkannte: Ab- lehnen darfst du hier nicht! Sie sah auf die andere„Gnädige. Die nickte und ihre Augen sagten: Wir werden sonst angepöbelt. Die Damen stiegen ein.—„Wir haben aber nur zwei Sitze»m Wagen." sagte die Frau Professor, den Kops zurückwendend. »Bringe» Sie da» Mädel zum Kutscher." Viele Hände hoben den zuckenden Mädchenkörper und legte ihn oben zum Kutscher. Der machte die Beine breit, damit das bißchen Menschenelend ein wenig Platz hatte. Er war schon un- geduldig— denn der Regen floß in Strömen— und fuhr davon. Und hinter dem Wagen lief eine Mutter mit schwerem Herzen her. Si« hob. im Innersten entsetzt, immer wieder die Hände: Mein Gott! Wie kam das Kind zu Krämpfen? Sollte denn das Elend nicht alle werden! Da hatte ste nun heute ge- dacht, einige Pfennige zu erbetteln: denn gewöhnlich gaben die Teilnehmer vom Wohltätigkeitsfeste einen Zwanzig- oder Fünfzig- Psennigschein— wenn man sie anrief.— Keuchend wurde der Atem der Frau. Die nassen Röcke hin- derten bei« Laufen. Aber sie mußte mit. Si« mußte dem Kutscher sagen, wo er halten solle. Und wenn sie nicht rechtzeitig zur Stelle war, so wurden die Damen sicher ungeduldig. Solche Herrschaften werden ja so leicht ungeduldig. Und sie keuchte weiter. Man mußte ja bald da fein.— Ein- mal fiel sie über einen Bordstein. Es war aber auch so»aß— und ganz dunkel— und der Kutscher fuhr schnell. Da hielt der Wagen. Die Frau keuchte heran.— Ein kurze» Leuchten ging über ihr vergrSmtes Gesicht.— Das Mädchen stand schon wieder fest auf den Beinen— und zeigte dem Kutscher, daß sie dort drüben zuhause wäre. „Mutter"— schrie sie erschreckt auf— als sie die Frau keuchend, im gelösten Haar, mit llatschnassen Röcken, neden dem Wagen stehen sah.„Mutter,— Du bist hinter dem Wagen hergelaufen?" „Na ja. freilich! Was sollt' ich denn machen? Es war ja weiter kein Platz mehr! Geh, bedank' Dich bei der gnädigen Frau— Mari«! Geh!" Das Mädchen strich da» nasse Haar ans dem Leidenegesicht. Langsam ging sie bis»um Wagenfenster— die Mutter hinter sich herziehend. Sie spähte durch die nassen Scheiden in das Innere des Wagens. Da« Gesicht rötet sich und jähzornig zerrt sie die Mutter neben sich. „Kein Platz— sagst Du? Sieh mal— vier Mann haben da drinnen Platz. Zwei Plätze— sind leer. Und lassen Dich, Mutter. hinterherlaufen?! Pfui Teufel!!" Sie ballte die kleine Faust, — die Mutter ritz sie erschreckt vom Wagen weg. Von den beiden Damen im Wagen war die eine sehr blaß ge- worden.„Karl!— Fahren!" „Zudringliches, undankbares Pack!" sagte die andere. „Acrgere Dich nicht! Es ist schade, daß man diese Leute auch nur mit einem guten Auge ansieht... Schade um die Laufereien und Scherereien, die man damit hat."... „Ich glaube, ich kenne sie wieder," sagte noch immer zornbleich die Frau Professor. „Wir haben neulich in der Kommission über ein Gesuch von ihr beraten. Der Mann ist Kriegsbeschädigter— Eelegenheits- arbeiter. Das Komitee will die Milch für die drei unterernährt«» Kinder weiter beschaffen. Sie ist auch für Weihnachten vorge- merkt. Eines von den drei Göhren soll mit drei Iahren fünfzehn Pfund wiegen. Ach! Dieser ewige Aerger mit solchem Gelichter! Aber ich werde Sorge tragen, daß das Komitee von der Frechheit dieser Blase erfährt, sie kann sich ihre Milch im Monde suchen." Aufgeregt fährt sie sich mit dem duftenden Spitzentüchlein über das zarte, weiße Gesicht. Der Regen rinnt und rieselt durch den grauenden Morgen... Die zwei Damen im Wagen sind in eifrigster Unterhaltung über das heutige und das kommende Wohltätigkeitsfest. Und wenn sie einmal nicht plaudern, dann sitzen sie im Geiste neben ihr»» Tischnachbar an der von Kristall und Blumen strotzenden Tafel. Dem Tisch- nachbar. der so glänzend konversiert, und beim Sektkelchheben so herzbezwingend in die Augen schauen kann. Sie stellen be- friedigt bei sich fest, daß die Toiletten sämtlicher anwesender Damen doch nicht an die eigene heran können und nehmen sich vor, beim nächsten Fest auf alle Fälle wieder den Rekord zu schlagen.... Und drei arme, Kindlein werden sich, wenn die Laune der Dame sich nicht bald bessert, in Zukunft ihre Milch im Monde suchen müssen. Philosophie w der Schule Die Kantgesellschaft, die sich mit der Verbreitung philosophischer Probleme auf wissenschaftlicher Basis beschäftigt, hatte kürzlich eine Versammlung einberufen, in welcher drei in der Ooerlehrer- s-boft und lluimsitihsicelt bekannte Persönlichkeiten über die Fragen des philosophischen Unterrichts an den höheren Schulen reserieren sollten.— Dr. Freitag hielt sich in Form nnd Inhalt an die herkömmliche L e h r a r t der höheren Schule. In zwei Stunden wöchentlich soll in den obersten Klassen ein« Uebersicht über die hauptsächlichsten Probleme der Philosophie gegeben werden. Außerdem sollen die Grundlagen für eine Welt- anschauung durch Beschäftigung mit der Psychologie. Logik und Aesihetik geschafseil werden. Im Gegensatz hierzu verlangte der zweite Referent, Dr. Vehrcnd,«in freieres Verfahren. Philosophie soll kein Unterrichtefach sein, sondern von frühester Jugend an mit allen Fächern in der Schule verknüpft werden. An einzelnen Beispielen wurde gezeigt, wie bereits in der Quarta an der Form der ge«- metrischen Lehrsätze, Voraussetzungen und Beweise in das logische Denken eingeführt werden könne, und wie dann später an dem mathematischen Begriff der inneren und äußeren Teilung da» all« tägliche Denken erweitert werden könnte. Wesentlich ist immer, daß an das Gegebene angeknüpft wird. Das Ziel ist voll' fländige Durchtränkuna des gesamten Unterrichts mit philo- ophifchem Denken, wobei Philosophie so wie von der Marburger Schute als Theorie der Theorie verstanden werden muß. Professor Epranger von der Berliner Universität zeigte die ganze Problematik, in der sich die Phiiofopbie befindet. Philosophie, die Anspruch darauf erhebt, die feste Wissenschast sein, erweist sich als die allerunvestimmteste. Es gibt heutzutage kein namhaftes System der Philosophie. Die Philosophie ist aum nicht eine rein rationelle Spekulation, sondern neben die Erkennt- nis tritt das. Bekenntnis. Daraus ergibt sich die Schwierig- k e i t, Philosophie zu unterrichten. Man hat die Wahl, ent- weder seine Philosophie darzustellen und damit etwas Festes, ad«- Einseitiges zu bieten, oder die verschiedensten philosophisch�- Systeme zur Auswahl auszubreiten. Der zweite Weg scheinr der richtige zu sein, wenn er auch bei den Studenten weniger he- klebt ist. Philosophie darf kein Unterricht iu Eeschicht« der Der italienische Parteitag ( Von unserem Sonderforrespondenten) Zweiter Verhandlungstag. M. Livorno, 16. Januar. Die stürmische Erregung, mit der gestern der Kongreß eingesetzt hatte, hat sich heute noch gesteigert, so daß die Verhandlungen teilweise ausgesetzt werden mußten. Es ist ganz offenbar, daß die Arbeiten des Kongresses planmäßig von der extremen Linten jabatiert werben, was ihr durch die unverhält nismäßig große Zahl der Delegierten ganz beträchtlich erleichtert wird, da es der Bersammlungsleitung einfach unmöglich ist, die breitausend Teilnehmer zu überwachen. Saß gestern die Linke faft geschlossen beisammen, so hat sie sich heute auf den ganzen Raum verteilt und entzog sich damit noch mehr der Kontrolle. Als erster erhielt der bulgarische Kommunist kabattschoff das Wort. Er überbrachte den Gruß seiner Partei sowie des Exekutivlomitees der dritten Internationale und verlas zunächst in französischer Sprache ein Schreiben des Exekutivkomitees an den Kongreß Soweit dieses einen Ueberblick über die wirtschaftliche Lage Europas gab, wurde es ruhig angehört, als es aber die schwersten Borwürfe gegen den Genossen Ser rati erhob und ihn gar zum Vorwurf machte, daß er wohl bereit sei, einige Reformisten zu opfern, um den Reformismus in Italien zu retten, brach die überwältigende Mehrheit des Rongresses in einen stürmischen und leidenschaftlichen Protest aus. Als gerade in diesem Augenblid Serrati im Kongreßsaal ezschien, verwandelte sich der Protest in eine ebenso machtvolle Dvation für den von Moskau so unglaublich geschmäh ten Bottämpfer des italienischen Proletariats. Man brachte stürmische Hochrufe auf Serrati aus, schwenkte die Hüte, und aus den Logen warf man ihm Blumen zu. Erst nach halbstündiger Unterbrechung tann die Vorlesung fort gesetzt werden. Aber sofort erhebt sich ein neuer Sturm, als in dem Schreiben behauptet wird, daß Serrati, da er die Voraussetzungen für eine Revolution in Italien vermisse, notwendigerweise gezwungen werde, auch die Tattik der Reformisten anzunehmen. Run legt Kabattschoff, der inzwischen die Borlesung des Mostauer Schreibens einer italienischen Kommission in italienischer Sprache übertragen hatte, dem Kongreß die Frage Dor, ob er die Worte Mostaus anhören wolle oder nicht. Als der Sturm aber weiter tobt, verbessert er seine Frage, die für einen Augenblid die Spaltung in größte Nähe rüdt, und ver wandelt sie in eine Bitte, daß das Schreiben angehört werde. Serrati selbst unterstützt diese Bitte bringend. Auch wenn die Don Mosfau gebrauchten Worte bisweilen hart und verlegend find," meint er, so gebietet doch die Sorge um die italienische Revolution, daß" die Bitte befolgt wird. Die fortwährenden Unterbrechungen könnten den Eindrud erweden, daß es uns an Argumenten jehle. Wir werden nachher darauf antworten, ohne in den von Moskau beliebten Ton zu verfallen." Jezt erst tann die Vorlesung ohne weitere nennenswerte Unterbrechung fort gesetzt werden. " Auch der weitere Teil besteht nur in einer scharfen Bolemit gegen Serrati. Insbesondere wird ihm ein Widerspruch gegen die Mostauer Auffassungen in der Agrarfrage zum Vorwurf gemacht, und die schon früher von Mostau der italienischen Bauern bewegung gegebene Deutung wiederholt. Serratt sei dieser Bewegung deswegen entgegengesezt, weil er überhaupt Gegner der Revolution sei. Schließlich wird Gerrati noch vorgeworfen, daß ez die gelbe Internationale", die ein Bestandteil der 2. Internationale fet, unterstütze und somit auch in dem Fahrwasser der deutschen Unabhängigen treibe. Das Schreiben fordert auf, die Mostauer Thesen und Bedingungen ohne Vorbehalt anzunehmen. Die Nachmittagssigung, bei der Frau Argentina Alto bellt sehr energisch präfidiert, wird ganz mit der Rede des Professors Baratono ausgefüllt, der im Namen der Einheitstommnunisten spricht. Gleich zu Beginn der Rede scht ein heftiger Lärm ein, weil Baratono die Extremisten als Gegner bezeichnet. Dieser Lärm wiederholt sich, so daß Baratono mehrmals eine halbe Stunde lang am Sprechen gehindert wird. Baratono führte etwa aus: Jch tann nicht glauben, daß das Schidfal des Kongresses heute hon besiegelt und daß jede jetzt noch gehaltene Rede mithin überflüssig set. Ich kann nicht glauben, daß die Auseinander legungen nichts mehr an den Entscheidungen des Kongreſſes zu andern vermögen. Das heute vormittag verlejene Schreiben der britten Internationale fann ich nur für eine Episode in der inter nationalen Politit Mlostaus halten, denn der Anwurf, wir wollten einige Reformisten opfern, um den Reformismus in der Partei du erhalten, tann doch von niemand ernst genommen werden. ( Rufe: Jawohl! Zur Abstimmung!) Was Graziadei gestern ausgeführt hat, haben wir großenteils schon längst gesagt. Warum betrachtet er uns jegt als seine Gegner? Warum behandelt man uns als Sozialdemokraten? Wir verstehen vollkommen die Ueber legungen, welche zu den in Mostau ausgearbeiteten Bedingungen geführt haben, und wir werden darum unserer Rechten die Frage sophie sein, sondern aus dem engeren Kreis der Einzelwissenschaften muß bis zur philosophischen Welt- und Wertanschauung vorgedrungen werben. Es tommt wesentlich darauf an, den Stubenten fein bestimmtes philosophisches System lernen zu laffen, fondern sie philosophisch einzustellen, sie zur philosophischen Selbständigkeit heranreisen zu lassen. Der heutige Universitäts- Lehrbetrieb ist falsch. An die Stelle der Dogmatit eines Lehrsystems muß die philosophische Eigenentwicklung des Studenten gestellt werden. Die Redner in der Diskussion schlossen sich zumeist den beiden letzteren Rebnern an; sie machten aber auch auf die Gefahren aufmerksam, die bei einer zu frühen philosophischen EinStellung der Jugendlichen, den jungen Menschen einen großen Teil ihrer Werturteile zerstören würde, ohne ihnen etwas anderes an Deren Stelle zu bieten. So M. K- L. Die Polizei gegen den Futurismus. Seine Majestät von Breußen hatten in Ihrer Krone viele Edelsteine, und einer war das feit anno domini Tobat verbriefte Recht, in bestimmten dem Blide des Monarchen häufiger ausgesetzten Straßen Ihrer Refidenzstädte die dort Bauenden schifanieren zu fönnen, wenn sic nicht bauten im Geschmad des obersten Schirmherren der Kunst. triumphalis 8. B. Unter den Linden. Gegen die Schönheit dieser Via wann endlich wird dort wieder unsere liebreizende, anmutige Prinzessin Viere lang fahren?- verstieß wohl Schinkels Palais Redern? Jedenfalls ließ man es abtragen. Das an feiner Stelle entstehende herrliche Hotel Ablon hob freilich die Welttabt in ihrem Glanz und trug viel dazu bei, Berlin doch noch gur schönsten Stadt der Welt werden zu lassen. Auch der Scherliche Depeschensaal mit seinen schönen blauen Reklamefchilbern schmüte die historische Paradestraße wenigstens indirett. Denn, bie bort neugierig standen, betamen ja die Ichten Nachrichten des Hofes zu lesen und waren brave, treue Untertanen. Da nun Majestät borübergehend ins Ausland reiften, droht sein erlauchtes Fassadenrecht am Ende einzuschlafen?? Aber ein Polizeirat ist manchmal noch taiserlicher als der Kaiser. Die Baupolizei der Gemeinde Schöneberg verlangt sofortige Entfernung einer Ladenreklame in futuristischer Aufmachung mit grellbunten Farben" auf Grund des§ 4 des Orts statuts vom 10. Januar 1910 gegen die Verunstaltung von Straßen und Plätzen. Wir möchten doch wirklich wissen, was an den langweiligen, grauen und etepeteten Fasaden der geseglich geschützten Straße Am Bart" eigentlich ästhetisch geschützt zu werden verdiente. Wem Farbe unangenehm ist Den meisten ist noch immer Feldgrau die einzige Farbe braucht nicht hin zusehen, und mit den Bäumen und Blumen des Partes gehen die Farben der beiden Maler Götz und Weber, die sich übrigens ihre Sache durchaus nicht aus dem Handgelent geschmiert haben, piel besser zusammen, als die grauen Bürgertünchen der TalmiPalazzos, Wir würben gern erfahren, mit welchem moralischen Recht fich irgend eine Bolizeibehörde anmaßt, eine ernsthafte tinst lerische Arbeit unter Berufung auf Aesthetit" su zerstören! Adolf Behne. vorlegen, ob fie fich diesen unterzuordnen bereit ist, trotzdem unsere Rechte vielleicht schon heute der Linten entspricht, die in Frankreich vor furzem den Anschluß an Moskau beschlossen hat. Dadurch, daß die dritte Internationale selbst in unsere Debatten eingegriffen hat, sind diese sehr erschwert worden. Man hat uns vorgeworfen, daß wir in Jialien die Gelegenheit gehabt hätten, die Revolution zu entfachen, daß wir aber in dieser entscheidenden Stunde zu weich gewesen sind, und daß wir diese Gelegenheit ausgeschlagen haben. Ich bestreite, daß wir in der von Mostau vorausgesetzten Möglichkeit gewesen sind. Eine Revolution ist an Bedingungen geknüpft, die in dem Augenblick der Fabrikbefehungen nicht gegeben waren und die auch heute noch nicht gegeben find. Der Wunsch allein darf nicht zu Aktionen verleiten, die schließlich nur mit dem Berlust aller bisher von dem italienischen Broletariat errungenen Pofitionen, mit der Vernichtung seiner mühsam erreichten Autorität enden. In dieser Auffassung bes finden wir uns in voller Uebereinstimmung mit Karl Marx. Wir stimmen auch mit Mostau darin überein, daß die Stellung der Bourgeoisie heute überall erschüttert ist, um die von Moskau geforderte Attion zu entfesseln. Mostau antworten wir: Erlaubt, daß wir die Lage in Italien mit unseren eigenen Augen sehen und daß wir selbst über die notwendigen Handlungen entscheiden. Wir sind bereit, uns für Euch zu opfern, aber wir wollen gieich zu gleich mit Euch sprechen tönnen und nicht nur Eure Befehlsempfänger sein. Dann tommt Baratono ausführlich auf die Vorgänge anläßlich der Fabrikbesetzungen zu sprechen und verteidigt die damalige Saltung der Partei. Ausführlich verbreitet sich dann Baratono für die Dittatur bes Proletariats. Eine Diftatur einer Minderheit über eine Mehrheit von Arbeitern sei in Italien nicht möglich. Baratono schließt seine dreistündige Rede mit dem Wunsche, daß die Kommunisten geschlossen in einer Partei bleiben. Eine vorgesehen gewesene Nachtsizung fällt aus, da die einzelnen Fraktionen unter sich zusammenzutreten wünschen. Es cheint, als habe Baratono, dessen Rede eine unerwartet dentliche Absage an die Rechte darstellte, für die extremen Kommunisten eine neue Lage geschaffen. Im Augenblick erscheint ein Busammengehen der extremen Kommunisten mit den Einheits= fommunisten, oberflächlich betrachtet, nicht unwahrscheinlich. Bebenft man aber, wie die Linke, die zwischen diesen beiden Frattionen bestehende Kluft tünstlich erweitert und wie vollends Mostan seinen Kampf gegen die Serratigruppe eine persön= liche Schärfe gegeben hat, so muß man ein solches Zusammen gehen so gut wie ausgeschlossen halten. Blutiger Zusammenstoß in Italien Nach einer Stefanimeldung fand in Castellammare eine Proteftandgebung statt, weil die dortige sozialistische Stadtverwaltung einem Platz den Namen„ Spartatnsplah" ges geben hatte. Bei dieser Rundgebung wurde vom Dach des Rats hanses ein Revolverschuh abgefeuert, durch den ein Carabi niere verwundet wurde. Es tam aut einem Zusammenstoß, bei dem mehrere Personen getötet oder verwundet wurden. Die Waffenverschiebungen in Erfurt. Zu den Mitteilungen in der Angelegenheit der Erfurter Waffenverschiebungen wird amtlich gemeldet, daß im Einvernehmen mit der Staatsanwaltschaft eine Untersuchungskommission eingeseht worden ist, die aus einem Oberregierungsrat des Reichsschahministeriums, einem Direktor der Reichs- Treu- Sand- Gesellschaft und einem Revisor desRechnungshofes des Deutschen Reiches besteht. Verschiebung der internationalen Arbeitskonferens. Wie der Borsitzende des schwedischen Gewerkschaftsbundes Thorberg im Dagens Nyheter" mitteilt, hat das internationale Arbeitss bureau in Genf beschlossen, die große Arbeitskonferenz, die im Mai d. J. abgehalten werden sollte, auf Ottober zu ver ichieben. Die Konferenz, die in Genf stattfinden wird, wird fich hauptsächlich mit den die Landarbeit betreffenden Fragen beschäftigen. Die Forthegung der Versammlung ber Borsigenden ber Betriebsräte, der Delegierten der Gewert. jchaftstem mission unb ber Orts Wfa findet am Sonnabend, ben 22. Januar 1921, vormittags 9% Uhr, in der Boks Brauerei, Fidicinstraße, statt. Die Borsitzenden der Betriebsräte müssen einen von der Firma gestempelten Ausweis ihres Betriebsrates vorzeigen, die übrigen erhalten ihren Ausweis von den Organisationen. Ohne bies und Mitgliedsbuch jowie Betriebsratskarte der freigewert jchaftlichen Betriebsrätezentrale tein Zutritt. Die Ausweise der Betriebsräte finb am Eingang abzugeben. Freigewerkschaftliche Betriebsrätezentrale. Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend. Ortskartell der Afa. Die Lohnbewegung an der Staatsoper. Wie die Intendanz mitteilt, ist der Konfliti zwischen ihr und dem Staatsorchester wegen der fünstlerischen Rebentärigteit der Kapelle befriedigend gelöst worden. Wir hoffen, daß die Bedingungen des Bergleiches bald bekanntgegeben werden. zehn unbekannte Handschriften von Mozart als Geschenk übergeben Neues von Bozart. Der französischen Akademie find fürzlich worden. Die Manuskripte befanden sich in Rom und enthalten zehn Märsche, die Mozart in den Jahren 1775 und 1776 während seines Aufenthalts in Italien geschrieben het. Nach ben Mitteilungen Sachkundiger find die Handschriften von besonde rem mufitalischen Interesse, weil sie Aufklärung über den Stilwandel geben, der sich damals bei Mozart vollzogen hatte. Tages- Notizen Die Bolkshochschule Groß- Berlin eröffnet am 22. Jan. thre 4. Lehrperiobe. Am Sonnabend beginnen nachstehende Vortragsreihen: ST. Kreingauer: Experimentelle uitwissenschaft, Pipoleg. Inftitut, Altes Schloß, 7 r. Dr. Rich: Eveche bet 23 elfgefit e. Reichstageufer 6, 8 Uhr. Dr. Scottmüller: Raffael und Michelangelo. Georgenstr. 34-36, 7 h. Dr. Krause: Mitroskopische Tierbeobam): tung. Jnvalidenstr. 43, 7 Uhr. Prof. Conad Schmidt: Marz' Kapital". Reuten, Bobbinstr. 34-38, Uht.. Dr. Buet: Die Er tenninis der Wahrheit, ebendo, 7 Uhr. Dr. Günther Organische Chemie. Mittenwalder Str. 34-37, 7 Uhr. Dr. Leubufcher Ge schichte der sozialistischen Arbeiterbewegung in Deutschland. Wilmersdorf, Uhlandste. 91-02, 7 Uhr. Dr. Conrody: Geschichte der Dr. wirtsaftlichen Theorien. Tegel, Humboldtschule, 7 Uhr. Sternberg: Einführung in die Philosophie. Cöpentet, Körnerschule, 71 Uhr. Sonntag beginnt: W. Malfer euhaus: Bom Kapitalismus zum Sozialismus. Oberfchöneweibe, Frischenstraße, Aula, 10 Uhr vorm. Felig intes Vortrag über Die wichtigsten Grundtetfachen aus Bolt unb Wirtschaft" in Copenid, Rötnerschule, beginnt erst am 27. Jan., abends 7 Uhr. Karten an den bekannten Verkaufsstellen und an den Abendtaffen. Beranstaltungen ber 1. S. 3. D. 14., 15. Diftritt unb Charlottenburg: Sonntag, 23. Jan., 7 Uhr, Aula Zwingliste. 2, Rammermusiz. abend bes Waghaiterquartetts, einführende Erläuterungen des bes tannten Muffpädagogen Dr. James Simon. Starten 2,00 9. az an der Staffe. Berankaltungen von Reinienbort. Ein Wagner- Bifat- beub mit bent Blüthner Drefter findet Dienstag, 25. Jan., 48 Uhr, in den Hubertus Sälen statt. Katten 3,50 M. in den Gemeindevertaufsstellen und bei Partet funktionären. Erwerbslose haben freien Zutritt. Theater. Am Montag ist die Voitsbühne Groß Hamburg eröffnet worben. Sie wird Borstellungen in den meisten Theatern Hamburgs geben, Museumsführungen, Stunft und Musikabende veranstalten. Der Preis für die Theatervorstellung beträgt 4., für die Kunstabende 60 Pfg. Im Frankfurter Schauspielhaus findet am 28. Jan. die Uraufführung von Oscar Rotojohtas Dranta Orpheus and Eurybite" statt, das ais Buch im Beclag Baul Cas firez erschienen ist. Die engegementeisten Behnenfünftles der Genoffenschaft beulicher Bühnenangehöriger veranstalten am 21. Januar, 8 Uhr, im Wilhelmshof, Angaliftt. 12, ihre erste Vollvetiammlung. Stunft. Bei Gurlitt, Potsdamer Str. 112, wird ab 22. Jan. eine Rollettion von Richard Seewald, Münden, gezeigt, Gleizeitig findet eine Ausstellung Sbfee und aftitanije platiten und Geräte statt. Im Anschluß an unferen Artikel über die kunt in diesem ugen 61id am lekten Donnerstag verweisen wir auf bas soeben erschienene Buch Franzöfifche Malerei fet: 1914, Don Otto Greutoff, bas der Mauritius Berlang Berlin mit zahlreichen Abbildungen nach neuen Zeiche nungen, Seizschnitten und Gemälden von Matiffe, Blamind, Picaffo, Derain, Leger, Gleizes u. a. herausgebracht hat. Groß- Berlin Prügel für Versäumnis der Schulfeiern am 18. Januar! Wir erhalten aus unserem Lesertreis folgende Zuschrift:„ Ihren Rat habe ich befolgt und meinen Jungen am 18. Januar nicht zur Schule gehen lassen. Die Folge war, daß er am 19. Ja nuar mit zwei anderen Jungen derartige Stodschläge auf die Hand bekommen hat, daß sie geschwollen war. Ich mußte ihn deshalb auch am 20. Januar noch zu Hause behalten, weil die Sand noch geschwollen war. Ich habe nun meinem Jungen einen Brief an den Lehrer mitgegeben, in dem ich diesen meine Meis nung dargelegt habe. Der Lehrer ist ein Herr Neubauer von der 120. Gemeindeschule." Wie uns weiter mitgeteilt wird, liebt es dieser Lehrer, sich mit mit ihnen von den herrlichen Kaiserzeiten, er ist ben Kindern sehr häufig über Bolitik zu unterhalten. Er schwärmt „ kaiserlicher" Domsänger und sehnt heftig die früheren Zeiten zurück. Vor den Kindern schimpft er auf die Arbeiter, auf die Arbeiterpresse Freiheit" und Rote Fahne" und fragte die Kinder auch, in welcher Zeitung fie die Aufforderung gelesen hätten, nicht zur Schule zu gehen. Die drei Kinder, die erklärt haben, in der Freiheit und in der Roten Fahne", erhielten Hiebe. Nach unserer Auffaffung wäre es vor allem Aufgabe des Elternbeirates dieser Schule, diesen taiſertreuen und etwas übereifrig patriotischen Herrn über die Grenzen seiner Schulrechte zu belehren. Der berühmte Schulerlaß Wilhelms II., wonach die Boltsschule„ nuzbar gemacht werden soll, um den sozialdemokratischen und kommunistischen Irrtümern entgegenzuwirken", gift nämlich heute nicht mehr! Es ist eigentlich seit dem 9. No vember genügend Zeit verstrichen, daß selbst ein Lehrer inzwischen erfahren haben dürfte, daß heute andere Erziehungsgrundsäge gelten, und es für den Unterricht in der Schule interessantere Gegenstände gibt, als die Verherrlichung der davongelaufenen Hohenflollern. Wenn es dem Beherrscher des Schulreiches, Herrn Conrad Haenisch, nicht möglich ist, einem anderen Geist in die Boltsschule und in die Lehrer zu tragen, so muß die Arbeiter schaft durch ihre Organe dafür sorgen, daß derartige Verkomm nisse unter allen Umständen unterbleiben. Die verschobene Kondensmilch Der Verein gegen das Bestechungswesen, Berlin, teilt mit: Der vor dem Wuchergericht des Landgerichts I Berlin vor furgent beenbete Bestechungsprozeß gegen Marcifier und Gen. verdient bie besondere Beachtung ber staatlichen und städtischen Bewirtschaf tungsstellen. Karl Marcilier war der 27jährige junge Mann in der Reichsfettstelle, der sich rasch das Bertrauen seiner Vorgefetten erwarb, welche alsdann alles unterschrieben, was er ihnen vorlegte. Der Potsdamer Stadtsekretär Friz Domfe war der erfahrene Beamte, ben niemand zu fontrollieren wagte. Die Gerichtsverhandlung ergab bie erstaunliche Tatsache, daß Domte nach Aufbedung der Schiebungen im Amt belaffen wurde, weil anbernfalls die Versorgung der notleidenden Botsdamer Bes vöfferung gefährdet fet. Domte forderte die Rondensmilch für die Stadt Potsdam an und Marcilier teilte fie der Stadt Botsdam zu, obwohl Potsdam längst sein Quantum befommen hatte und eine geringe Kontrolle an einer der beiden Stellen dies hätte ergeben müssen. Es handelte fich um ausländische Kondensmilch deren Gestehungspreis aus den Milliardenzuschüssen des Reiches „ gejentt" war. Marcilier und Domte schoben die Mitt zum " gefentten" Preis von 3,00. ihren Helfershelfern zu und diese vertauften sie mit Hilfe der von Domte ausgefertigten amtlichen Dokumente für 7,60 M. an den Großhandel. In den Berbrauch tam die Milch mit etwa 9 M. pro Dose. Die Hauptstraftat war Betrug, begangen am Reich, ferner Bestechung und unlautere Machenschaften. Karl Marcilier erhielt 9 Monate Ge fängnis, feine Tante Betty Mazcllier, bie Berführerin, 7 Monate, Stadtsekretär Domte unier 3abilligung mildernder Umstände(?) 6 Monate, der Schantwirt Mar Marcilier 3 Monate und ber Bäckermeister Frig Lange in Botsdam, der Strohmann Domtes, 2 Monate. Domte trifft aber außerdem als Folge der Verlust seiner Stellung.. Unferem Redaktionsarchio fehlen die Nr. 209 und 219 ber Roten Fahne"( Oftober 1920). Genoffen, die in dem Besitz dieser Nummern sind und diese gegen Entschädigung abgeben, wollen fich freundlichst an unsere Redaktion wenden. Friebenau. Sonnabend, abends 7 Uhr, Neues Rathaus, Bimmer 146, Fraktionsstzung. 4. Diftritt, 13. Abteilung. Genossen und Genoffinnen des Süd oftens, die sich nach der Spaltung bei der alten Partei( CrispienLedebour) noch nicht gemeldet haben, sowie alle Freiheit"-Lejer werden zu dem am Sonntag, den 23., vormittags 10 Uhr, im Lofal von Beister, Cuvryftraße 11, stattfindenden Distutiermorgen eingeladen. Referenten und sonstige interessierende Genoffen werden ge beten, sich ebenfalls za beteiligen. Der Touristenverein„ Die Naturfreunde", Sig Wien, Ortsgruppe Berlin, veranstaltet durch seine Abteilung Norden am Sonne abenb den 22. Januar, abends 48 Uhr, in der Mula des Luisenstädtischen Gymnasiums, Gleimstraße 49, einen Lichtbilder vortrag: Wafowanderungen durch die Mart Brandenburg". Der Eintritt beträgt 2 M., flir Schultinder in Begleitung der Eltern ist der Eintritt frei. Ungebetene Gäste in Wartefülen. Die überaus scharfe Kontrolle, die feitens der Sicherheitspolizei in der Neuen Schönhauser und den umliegenden Straßen ausgeübt wird, hat eine ungeahnte Folge gehabt. Die von dort bertriebenen Schieber haben sich verschiebene Wartesäle der Fernbahnhöfe als neuen Zufluchtsort ausgesucht und belästigen dort die Reisenden so start, daß die Ueberwachungsabteilung der Eisenbahn- Direttion verschiedene Streifen und Patrouillen eigens dazu eingerichtet hat, um den Berkehr in den Wartesälen in den Nachtstunden besonders zu überwachen. Besonders schlimm sind die Wartesäle des Stettiner Bahnhofs, des Bahnhofs Charlottenburg und des Bahnhofs Zoologischer Garten heimgesucht, in denen sich ein regelrechter Hehlerverkehr in den Nachtstunden abwidelt. Die Schutzpolizei hat nunmehr ebenfalls fich zur ständigen Weberwachung der einzelnen Wartesäle entschlossen, sodaß zu hoffen ist, daß die Reisenden, ohne Belästigungen fürchten zu müssen, die Abfahrtszeit der Züge abwarten fönnen. Morb in Charlottenburg. In seiner Wohnung ermordet auf gefunden wurde heute morgen der 26 Jahre alte Schokoladen fabritant 3int in der Leibnizstraße 21, in Charlottenburg. 3int der studiert hat, stammt aus Indien und war während der Kriegs Soeben erschienen: Das kommunistische Manifest Bon Karl Marg und Friebrid) Engels. Mit einem Borwort von Dr. May Adler Preis 2. Mark. Buchhandlung„ Freiheit", Berlin C2 Breite Straßge 8-9. zeit im Auswärtigen Amt beschäftigt. Vor einem Jahr verheiratete er sich mit einer Tochter des Tischlermeisters Beder in der Leibnizstraße 21. Weil er sonst keine Wohnung finden konnte, zog das Paar vorläufig zu den Schwiegereltern. Der Mann betrieb seitdem als Mitinhaber eine Schokoladenfabrit in Moabit. Das Ehepaar tränkelte schon seit längerer Zeit. Die junge Frau war wiederholt im Krankenhause. Seit acht Tagen war 3int bettlägerig zu Hause. Der Krankheit wegen schliefen die Eheleute in gesonderten Räumen. Die Frau bei ihren Eltern, der Mann in einem kleinen Hofzimmer. Gestern war 3int zum ersten Male wieder aufgestanden. Abends um 10 Uhr legte er sich wieder zu Bett. Als heute morgen seine Schwiegermutter sein Zimmer betrat, fand sie ihn im Bett regungslos auf dem Bauch in einer großen Blutlache daliegen. Allem Anschein nach ist er erwürgt worden. Wie bisher vermutet wird, von Einbrechern, die durch das offenstehende Fenster der Speisekammer im Hof eingestiegen sein mögen. Darauf läßt der Umstand schließen, daß mehrere Koffer, die im Zimmer standen, aufgeschnitten sind. Die Kriminalpolizei wurde sofort benachrichtigt. Leichenfund. In der Leibnizstraße 21, im Gartenhause, wurde bei der Familie Beder ein Student mit Namen Zink ermordet aufgefunden. Der Ermordete ist ein Ausländer. Die Mordtommission ist bereits am Tatorte. Boraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Sonnabend. Mild und zeitweise etwas aufklärend, jedoch überwiegend bewölkt mit leichten Regenfällen und frischen westlichen Winden. Gewerkschaftliches Gewerkschaftsfunktionäre! Die Fortsetzung der Versammlung der Vorsitzenden der Betriebsräte, der Delegierten der Gewerkschaftskommission und des Orts fartells der Afa findet Sonnabend vormittag 9½ Uhr in der Bodbrauerei, Fidicinstraße, statt. Die Vorsigenden der Bettiebsräte müssen einen von der Firma gestempelten Ausweis ihres Betriebsrats vorzeigen, die übrigen erhalten ihren Ausweis von den Organisationen. Ohne diese und Mitgliedsbuch sowie Betriebsratstarte der freigewerkschaftlichen Betriebsrätezentrale fein Zutritt. Die Ausweise der Betriebsräte sind am Eingang abzugeben. Freigewerkschaftliche Betriebsrätezentrale. Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend. Ortstartell der Afa. Drohende Textilarbeiteraussperrung Aus Textilarbeiterfreisen wird nns geschrieben: Der Schutzverband niederrheinischer Seidenwebereien in Bier. sen droht mit der Aussperrung von ca. 2500 Beschäftigten. Dieser Schugverband ist eine Neugründung zu dem Zweck, den lohnpolitischen Bestrebungen des Deutschen Textilarbeiter- Verbandes 1.6.B.9., 13.Diftrikt. Am 16. Januar starb unfer alter Parteigenoffe Wilhelm Timpel Gastwirt, Rammlerstr. 5. Die Einäscherung findet am Mont., d. 24. Januar, nachmittags 2 Uhr, im Krematorium Gerichtstr. statt. Ehre seinem Andenken! Danksagung Sage hierdurch allen Kollegen, Freunden und Bekannten, vor allem dem Redner und den Sängern, ferner dem Wahlverein, Metallarbeitern und Arb.s Elt. Bund- Weißensee, für die Beweise herzlicher Teilnahme bei der Bes erdigung meines lieben Mannes meinen herzlichften Dank. im Bierfener Bezirk den Garaus zu machen. Die Bierfener Sei-| denarbeiterschaft fordert Krefelder. Lohntarif, die Fabrikanten von Anrat u. Schiefbahn, die gegen 900 Personen beschäftigen und bisher zum Krefelder Arbeitgeberverband gehörten und Krefelder Tarif bezahlten, schlossen sich Viersen an, weil Viersen viel niedrigere Löhne hat und sie hoffen dürfen, mit Hilfe der in Lohnfragen rigere Löhne hat und sie hoffen dürfen, mit Hilfe der in Lohnfragen christlich" erzogenen Arbeiter ihr Ziel zu erreichen. In Süchteln, Kempen, Dülfen, Osrat gab es noch sogenannte Außenseiter, die teinem Arbeitgeberverband angehörten, jedoch den Krefelder Lohntarif anerkannten. Auch diese Herren zog es jetzt mit nach Viersen, um vom Krefelder Lohntarif loszukommen. Schiller u. Craus in Kempen wollen mit dem Lohnbrechen den Anfang machen. Die Firma erklärte den Arbeitern, daß sie gern Krefelder Tarif weiter zahlen wolle, aber von Viersener Verbandswegen nicht dürfe. Jetzt will der Schutzverband niederrheinischer Seidenwebereien in Viersen der bedrängten Firma helfen. Er droht Aussperrung aller Seidenarbeiter im Bezirt an. Die Arbeiterschaft sieht den kommenden Dingen jedenfalls gelassen zu; sicherlich wird sie alles daran setzen, daß aus der Erstlingsarbeit tein Meisterstück wird. Forderungen der Buchdruder Die Berliner Buchdruder nahmen am Mittwoch Stellung zur Forderung einer Teuerungszulage. Massini gab Bericht über die erfolgten unternommenen Schritte zwecks Zusammentritts des Tarifausschusses. Nach lebhafter Aussprache wurde mit starker Mehrheit folgende Entschließung angenommen: ,, Angesichts der steigenden Notlage der Berliner Gehilfensch und infolge der Verhandlungsjabotage der Prinzipalität bei der Frage der Einberufung des Latifausschusses fordert die Generalversammlung vom Verbandsvorstand die Einleitung einer Bewegung für eine neue Teuerungszulage. Sollte der Verbandsvorstand für eine zentrale Regelung dieser Forderung sich nicht einsehen können, jo fordert die Generalversammlung die Einleitung einer örtlichen Bewegung zur Durchführung der neuen Teuerungszulage. Die Generalversammlung beschließt infolgedessen: Wenn bis zum 27. Januar dem Verbandsvorstand bzw. den reisbertretern nicht mitgeteilt ist, daß der Tarifausschuß zur Beschlußfassung über eine neue Teuerungszulage in der crsten Februarwoche zusammentritt, so sind die Forderungen der Berliner Gehilfenschaft durch den Gauvorstand unmittelbar der Verein Berliner Buchdrudereibesizer zu unterbreiten." Ein weiterer Beschluß fordert eine laufende Kinderzulage für die Verheirateten. Betriebsversammlung Loewe. Die nächste Betriebsversammlung ist nicht am Sonnabend, sondern am Montag, den 24. d. M., mittags 12 Uhr, im Moabiter Stadttheater. Die MitgliederverSammlung der organisierten Metallarbeiter findet zwei Stunden früher statt. Mitgliedsbuch ist als Ausweis mitzubringen. Delegiertenwahl im Zentralverband der Angestellten. Während in 16 Fachgruppen eine Verständigung über die Aufstellung der Kandidaten erzielt wurde, muß in der Fachgruppe 18 ein Wahlgang stattfinden. In der Fachgruppe 18 sind neben anderen Aus erster Hand ab Engroslager W. Reinecke, SW. Katzbachstr. 25. Kurf. 214, an Jedermann: Feldbeltst. 70.-, Stablmatr., Oulpius" m. Unterf. b. 90 cm brt. 122.-, dreitlg. Auflagen 90.-, 160-, 175.Kinderbettst, 180.-, große Metallbettst. 130, in Messing 325.Botenfrauen werden verlangt Bw. Rudrap nebit Kinder Spedition SPIEKERMANN, Pankow Spezialbehandlung ( Syphilis, Haut, Harn- und Frauenleiden, Mannesschwäche) Schnelle, sichere, schmerzlose Behandlung ohne Berufsstörung. Urin- und Blutuntersuchung, Salvarsan kuren, Höhensonne. Größte Erfolge, fpez. bei hartnäckigen Harnleiden, Brennen, Berengungen Schmerzlose elektrische Durchleuchtung. Mühlenstraße 20, Eingang Florastraße. Botenfrauen sofort gesucht Kerztliche Leitung. Hellanstalt Dr. Andres de Bergftraße. Freiheit- Ausgabestelle Untersuch. koftent. Invalidenstr. 147, 1. Etage. 2 Minuten v. Stettiner Bahnhf. Sprechstunden 10-1, 4-8, Sonntags 10-12. 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Willst du arm und' unfrei bleiben? Bon Luise Gedenks Bieg. Ein Aufruf an die Frauen des werktätigen Die deutsche Arbeiter- Revolution. Bolkes. Herausgegeben vom Zentralkomitee der schrift über den Berlauf des ersten Revolutions Mk. 1.50 USPD. Mk. 0.30 jahres 1918/19 Bon Eine Abrechnung mit den Rechtssozialisten. Von Artur Crispien. 32 Seiten Mk. 1.00 Der moralische Zusammenbruch der SPD. Mk. 0.75 Ledebour vor den Geschworenen. Bon Georg Ledebour. Eine Anklage gegen die Regierung Eberts Scheidemann, bringt diese Schrift die wörtliche Wiedergabe der Berteidigungsrede, die Ledebour am Die Münchener Tragödie.( Entstehung, Berlauf und 2. Verhandlungstag vor den Berliner Geschworenen Zusammenbruch der Räterepublik München. Mk. 2.00 Mk. 1.20 USPD. und Gewerkschaften. Von Rob. Dihmann Die Kriegsschuld der Rechtssozialisten. Heinrich Ströbel. Diese Schrift enthält Aufzeichnungen, bie Ströbel, ehemaliger Redakteur des Borwärts, aus intimfter Renntnis aller Vorgänge bereits im Juli 1917 veröffentlicht hat. Man erfährt aus ihnen viele bisher unbekannte Tatsachen über die Haltung der Rechtssozialisten währ' nd des Krieges Mk. 2.00 Mk. 0.50 Von QNR. 3.00 in- Erwiderung der gegen ihn erhobenen Anschuldi gungen hielt Der Mord an Karl Liebknecht unt Rosa Lugems burg. Mit Porträts der Ermordeten und Bildern Die Gewerkschaften in der Revolution. Rich. Seidel der Angeklagten Mk. 6.00 Alaffenjuftiz. Chronologische Gegenüberstellung von Die Verfassung des Freistaates Preußen Mh. 2.00 Gerichtsurteilen gegen Revolutionäre und Reah Wahlgesetz zum preußischen Landtag, Provinzials tionäre. Bon Friz Schneider Landtags- u. Kreistags- Wahlgesetz Mk. 2.50 Organisationen bei Bezug größerer Partien bedeutende Preisermäßigung Mk. 1.80 Buchhandlg. Freiheit", Berlin C2, Breite Str. 8-9 Gruppen von Angestellten insbesondere die Angestellten in den Gewerkschaften und den Parteien organisiert. Die„ Rote Fahne" läßt es sich angelegen sein, besonders für die Liste 3 einzutreten, indem sie die Kandidaten der Liste 4 Maschke, Sehner, Arnold als Vertreter der Gewerkschaftsbureaukratie bezeichnet. Dies Inters esse der Roten Fahne" fennzeichnet zur Genüge die Auffassung der Kandidaten der Liste 3. Jeder Angestellte der Gewerkschaft und Partei, der auf dem Boden der Amsterdamer Internationale steht, muß sein Wahlrecht ausüben und für die Liste 4 Maschke, Sehner, Arnold stimmen. Mitteleuropäische Schlafwagen- und Speisewagen- Attiengesells schaft. Im Laufe der letzten Tage fand in Berlin im Verwal tungsgebäude der Mitropa eine Konferenz der Angestelltenobleute des gesamten Reiches mit der Berliner Angestelltenvertretung statt, die Stellung nehmen sollte zum Neuabschluß eines Tarifvers trages. Nach sorgfältiger zweitägiger Beratung wurde ein Ents wurf fertiggestellt, der durch die dazu beauftragte Organisation, dem Zentralverband der Angestellten, nunmehr der Direktion eingereicht wurde. Neben einer zeitgemäßen Erhöhung der Gehälter und einer Umänderung in der Art der zu gewährenden Zulagen find grundlegende Forderungen nicht erhoben. Da der Geschäftss gang und Verdienst des Unternehmens als sehr gut zu bezeichnen ist, die Direttion die Notwendigkeit einer Gehaltserhöhung auch einzusehen scheint, ist zu erwarten, daß auf dem Wege von Ver handlungen eine rasche Verständigung erzielt wird. Die Volksfürsorge, gewerkschaftlich- genossenschaftliche Versiche rungsgesellschaft schreibt uns:„ Die bekannten Maßnahmen der ,, Viktoria," die in den Kreisen der bei ihr Versicherten große Beunruhigung hervorgerufen haben, veranlassen uns, darauf aufmerksam zu machen, daß die Rechnungsstelle 1 Berlin, EngelUfer 18, werltäglich von 8-4Uhr, Dienstags bis 7 Uhr und Sonnabends bis 1 Uhr geöffnet ist. Dortselbst tönnen alle Versicherten tostenlos fachgemäß Auskunft in ihren Versicherungsangelegenheiten erhalten, damit sie nicht durch voreilige Schritte Schaden erleiden." Aus den Organisationen Sonnabend abend 1. Distritt. Frauenarbeitss und Kinderschuhkommission. pünktlich 8 Uhr bei Schweifarbt, Alte Jacobstr. 23-24. Jugendweihe 12. Bezirt( Stegliz, Lichterfelde, Lantwik). Die Genoffen werden gebeten, die Adressen der teilnehmenden Kinder bei nachstehenden Genossen bis 1. Februar aufzugeben: Ortsvorstände. Für Steglik: Zachow, Stephanstr. 8; Mar quardt, Holsteinische Str. 31; Bohne, Treißschtestr. 17;. Müller, Berlinidestr. 5. Charlottenburg. Sonnabend abend 7 Uhr gemeinsame Sigung der Funktionäre und des Aktionsrats im Rathaus, Zimmer 4. Vereinskalender Zentralverband der Angestellten. Maschinen- und Wertzeugbau und Gießereien Die für heute abend angesetzte Mitgliederversammlung findet wegen der statt findenden Afa- Funktionärversammlung nicht statt. Lebensmittelkalender Zehlendorf. Billige Marmelade gelangt wieder am Sonnabend, ben 22. b. D., in der Oberrealschule zur Ausgabe. Verantwortlich für die Redaktion: Emil Rabolb, Berlin. Ber antwortlich für den Inseratenteil: Ludwig Romeriner, Karlshorst. Verlagsgenossenschaft Freiheit" e. 6. m. 5. S.. Berlin. Drud der Freiheit Truderei 6. m. 6. S.. Berlin C. 2. 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