Einzelpreis 20 Pfg. 4. Jahrgang Die eelbelt erfcheint morgens unb nachmittags, Sonntags und Montage einmal Der Bezugspreis beträgt bet freier Zustellung ins Haus für Groß- Berlin 10,-. im voraus zahlbar, von der Spedition selbst abgeholt 8,50 M. Für Pofte beang nehmen fämtliche Boftanftalten Beftellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland und Österreich 16,50 M., für das übrige Ausland 21,50 M. zuzüglich Baluta- Aufschlag, per Brief für Deutschland und Österreich 30,- M. Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin C2, Breite Straße 8. Dienstag, 25. Januar 1921 Nummer 40 Abend- Ausgabe De achtgespaltene Ronparetegetle over Beren Raum koftet 5,-. einschließlich euerungszufchlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2, M., jedes weitere Wort 1,50 M., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien Anzeigen und Stellen- Befuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen- Gesuche Wort- Anzeigen das fettgedruckte Wort 1,50 M.. jebes weitere Wort 1, M. Fernsprecher: Bentrum 2030, 2645, 4516, 4603, 4635, 4849, 4921 greiheit Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Die Pariser Konferenz Paris, 24. Januar. Der am Abend ausgegebene amtliche Bericht hat folgen ben Wortlaut: In einer Sigung, die von 4 bis 7 Uhr nachmittags bauerte, hat die Konferenz die Beratung der Entwaffnungsfrage Deutschlands fortgesetzt. Sie hat entschieden, daß die Sach ver ständigen für Heer, Marine und Luftschiffahrt sich morgen Dormittag unter dem Borsitz von Marschall Foch zusammenfinden follen, um die Maßnahmen festzulegen, die durch Deutschland ges troffen werden sollen, um die völlige Ausführung der Friedens vertragsklauseln, betreffend die Entwaffung, durchzuführen. Die Sachverständigen sollen der Konferenz alsdann berichten. In der morgen vormittag stattfindenden Sizung wird zunächst über die Lage in Desterreich gesprochen, alsdann wird in eine Prü fung der griechischen und der Orientfrage eingetreten. Einwohnerwehr und Bolschewistenschreck 33 Paris, 25. Januar. stimmigkeiten vorhanden, Japan hoffe jedoch, daß die bestehenden Gegenfäße ausgeglichen werden würden. Die Erklärungen des japanischen Ministers unterscheiden sich in nichts von denen seiner Vorgänger oder seiner europäischen Kollegen. Den Worten nach ist Japan das friedfertigste Land der Welt, das nichts sehnlicher wünscht als die Abrüstung und den Frieden mit allen seinen Nachbarn. In Wirklichkeit jedoch steht der japanische Imperialismus stärker gerüstet da wie vor dem Kriege, und seine Politit in Ostsibirien und China trägt einen ausgesprochen räuberischen Charakter. Dieser aggressive Charakter der japanischen Politik auf dem astatischen Festland hat in Verbindung mit den Bestrebungen Japans, festen Fuß an der amerikanischen Westküste zu fassen, jene Unstimmigkeiten" mit den Bereinigten Staaten heraufbeschworen, über die der japanische Minister so ausführlich sprach. Die politische und wirt schaftliche Konkurrenz zwischen den Vereinigten Staaten und Japan, den beiden stärksten Mächten am Stillen Ozean, verwandelt sich immer mehr in einen weltpolitischen Faktor von größter Bedeutung. Das russische Problem Wilson für die Unantastbarkeit Rußlands Paris, 24. Januar. In seiner armenischen Note an Hymans erklärte Wilson, die traurige Lage Armeniens sei nur eine Einzelfrage des großen russischen Problems. Die letzten traurigen Vorkommnisse an der polnischen und an der Krimfront feien ein Beweis für die Welt, daß bewaffnete Interventionen nicht der Weg seien, um dem russischen Volfe ben Frieden zu bringen. Die Er Revolution in ihren Hauptwirkungen nüzlich gewesen sei. Man hätte ihr gestatten müssen, sich friedlich pon innen heraus zu ents wideln. Wilson fuhr fort, das Probelm sei ein Problem der BeWie„ Matin" zu der gestrigen Sigung der Konferenz mitteilt, fönne man voraussehen, daß die englische Regierung nicht abs geneigt sei, den Einwohnerwehren, namentlich denen von Ostpreußen, eine Frist von mehreren Monaten zu bewilligen, die Frankreich für übertrieben halte. Der letzte deutsche Bericht, der angesichts der Gefahr eines bolschewistischen Angriffes ben Auflösungstermin hinausschieben wolle, scheine auf Frankreichs Verbündete, insbesondere auf England, Eindrud gemacht zu haben. Auch Petit Parifien" erklärt, das Gerücht sei verbreitet gewesen, die von General Rollet und General Bingham vorgebrachten Zahlen wären voneinander abgewichen. Echo be Baris" stellt fest, daß man sich gestern über die Entwaffeignisse hätten nur seine Ueberzeugung gestärkt, daß die russische nungsfrage nicht verständigt habe. Marschall& och habe als legten Termin für die Auflösung den 1. Mai vorgeschla gen. Der Hinweis des Marschalls Foch auf eine eventuelle Be= Segung des Ruhrgebietes habe sofortige Bemerkungen Lloyd Georges ausgelöst. Nach diesem Blatte hat auch zwischen Briand und Lloyd George nachmittags eine Privatunterrebung stattgefunden, von der man sagen tönne, daß die beiden Männer nicht gleicher Meinung gewesen seien. Lloyd George vertrete den Standpunkt, daß Deutschland bis jetzt bezüglich der Entwaffnung seine Verpflichtungen annähernd erfüllt habe. Deutschland sei unfähig, einen ernsten Angriff gegen die Alliierten zu unternehmen. Die bolschewistische Gefahr sei sicher äußerst ernst und tönne nicht vernachlässigt werden. Deutschland tönne angesichts dieser Gefahr nicht verteidigungslos bleiben. Die öffentliche Meinung in Bayern verlange Schutz und Sicherheit. Sei es etwa gerecht, die Bewohner des Ruhrgebietes dafür zu bestrafen, wenn München einen Fehler begangen habe? Lloyd George ging soweit, die Frage zu erheben, ob es nicht besser wäre, nach den Erfahrungen von Spaa die Deutschen zur Kons ferenz nach Paris zu berufen, denn dann fönne man besser zwischen dem Möglichen und dem Unmöglichen entscheiden. Dieser Standpunkt wurde von Briand energisch abgelehnt. Der belgische Minister für auswärtige Angelegenheiten, Jasper, hat sich mit Vorbehalten dem englischen Standpunkt genähert. ziehungen zwischen Zentralrußland und den Randstaaten, zwischen denen ein gewisses Mißtrauen herrsche. Es sei klar, daß die SandStaaten Großrußland nicht angreifen würden, wenn sie nicht dazu durch Unterstützungen stärkerer Mächte ermutigt würden. Zum Schluß schlägt Wilson als Versuch zur Pazifizierung Armeniens und der anderen Randstaaten ein öffentliches und feier liches Abkommen zwischen den Mächten vor, die territo riale Integrität Rußlands nicht zu verlegen und nicht zuzulassen, daß sie verlegt wird. Die Aeußerungen Wilsons bewegen sich auf derselben Linie wie die verschiedener Staatsmänner der Entente, die neuerdings mehr und mehr zu der Erkenntnis gelangen, daß das russische Problem nicht auf dem Wege der bewaffneten Einmischung und der Inszenierung neuer Kriege gegen Rußland gelöst werden kann. Bemerkenswert ist, daß Wilson die russische Revolution in ihren Hauptwirkungen als nulich anerkennt und es als einen Fehler betrachtet, daß man ihr nicht gestattet habe, fich friedlich von innen heraus zu ents wideln. Mit diesem Urteil schlägt freilich Wilson auch seiner eigenen Politif ins Gesicht, denn trog feiner öffentlich er flärten guten Absichten hat er lange Zeit jene Politit des Entente- Imperialismus mitgemacht, der in der ersten Phase der russischen Revolution diese für ihre 3wede zu mißEin Habsburger im Dienste Petljuras brauchen suchte und dann, nach dem bolschewistischen UmED. Warschau, 24. Januar. Vor einiger Zeit erschien in einer Wiener Wochenschrift ein Artikel, der für eine unabhängige Groß- Ukraine vom San bis zum Kautasus eintrat und Wassily Wyschywanny" gezeichnet war. Unter diesem Namen verbirgt sich der Erzherzog Wil helm von Habsburg, der im Range eines Obersten der utrainischen Armee angehört und, wie polnische Zeitungen aus Anlaß seines Artikels mitteilten, als Bewerber um die utrainische Königstrone Don gewissen utrainischen Kreisen unterstützt wird. Nunmehr ist in der polnischen Presse eine amtliche Mitteilung der Betljura- ,, Regierung erschienen, daß der ukrainische Oberst Wassily Wyschywanny feine ehrgeizi gen Pläne habe und fich der Regierung der utrainischen Boltsrepublik gegenüber vollkommen Ional verhalte. Sturz, aus Furcht vor den Fernwirkungen der sozialen Ums wälzung in Rußland, drei Jahre lang einen blutigen Krieg gegen Rußland führte und die internationale Konterrevolus tion auf die Beine brachte. 1691 Katzenjammer Die Spaltung der italienischen sozialistischen Partei, die wir als den Anfang vom Ende der 3. Internationale be zeichnet haben, hat merkwürdigerweise der„ Roten Fahne" nicht jene Jubelhymnen entlodt, die sonst nach jedem After Spaltung einer proletarischen Partei in dem fommunistischen Organ zu finden waren. Der Leitartikler in der Sonntage ausgabe der Roten Fahne" ist vielmehr sehr wehmütig ge stimmt und desavouiert offen die„ engeren Freunde" in der jetzt gebildeten italienischen fommunistischen Partei, deren unversöhnliche Haltung gegen die Gruppe Serrati er nicht teilt. Doch diese Verurteilung der engeren Kommunisten in Italien ist gleichbedeutend mit der Verurteilung des Mos fauer refutipfomitees, nach dessen Anweisungen ( man dente nur an das unverschämte Schreiben des Erefutin. fomitees an den italienischen Parteitag) die äußerste Linke gehandelt hat. Diese Verurteilung offen auszusprechen wagt die Rote Fahne" nicht. Sie handelt vielmehr nach dem Grundsay:„ Den Sad schlägt man, den Esel meint man", und haut deshalb, in angeborener Bescheidenheit, auf die ,, engeren Freunde" in Italien Ios. " Im übrigen ist das, was die„ Rote Fahne" über die Serrati- Gruppe sagt, nicht übel. Das Blatt schreibt: ,, Wir haben nicht die Absicht, uns mit irgendeiner Person der mittleren Gruppe zu identifizieren. Wir betrachten lediglich die Tatsache, daß in dieser mittleren Gruppe der italienischen Partei ein Kern sozialistisch geschulter Arbeiter ist, der seinen revolutio nären Willen und die Gradlinigkeit seines revolutionären Dentens in mehr als einem Falle erwiesen hat zu Zeiten, in denen das ganze europäische Proletariat noch schlief. Dort ist der Kern, der die Ausschließung der Reformisten auf dem Barteitage von Reggio Emilia im Jahre 1912 durchgeführt hat. Dort ist der Kern, der die Opposition' gegen den Krieg vom ersten Tage des Krieges an trug. Dort ist der Kern, der der russischen Revolution zujubelte und ihr begeisterter Künder in ganz Europa gewesen ist, selbst zu einer Zeit, in der die Macht und der Glanz der russischen Ar beiterregierung noch nicht so weit hin strahlte, wie er es jetzt tut. Die Tatsache, daß dieser Kern bei der jegigen Spaltung von un jerer engeren Kommunistischen Graftion getrennt ist, ist unbestreits bar, und wir sehen darin eine beträchtliche Gefahr für die Entwick lung der Kommunistischen Partei in Italien; eine Gefahr, die wir um so größer anschlagen, als wir die Befürchtung nicht verhehlen wollen, daß innerhalb der engeren Kommunistenfraktion der Strös mungen, Stimmungen, Neigungen und Regungen allzuviele find, als daß man schon heute innerhalb dieser unserer Kommunistischen Fraktion von einem festen und flaren kommunistischen Kern sprechen fönnte." Das Urteil, das die„ Rote Fahne" über die Serratis Gruppe, d. h. die Mehrheit der sozialistischen Partei fällt, entspricht vollkommen dem Standpunkt, den wir stets gegen. über dieser Mehrheit eingenommen haben. Wie aber hat die„ Rote Fahne" noch vor kurzem über Serrati und seine Gruppe geurteilt? Anläßlich der Antwort Serratis an Lenin schrieb die„ Rote Fahne" am 22. Dezember v. J.: " Jetzt schlägt Wilson ein öffentliches und feierliches Abfommen zwischen den Mächten vor, die territoriale Unantasts barkeit Rußlands zu schützen. Dieses Abkommen ist notwendig. Es ist aber nur der erste Schritt, den die Mächte gehen müssen. Untrennbar damit verknüpft ist der folgende Schritt, der in der Anerkennung der Sowjet- Regierung und der Wiederaufnahme der wirtschaftlichen und politischen Betonterrevolutionären Gewerkschaftsbureaus ziehungen mit Sowjet- Rußland bestehen muß. Nur auf diesem Wege tann, wenn überhaupt, das russische Problem seiner Lösung entgegengeführt werden. Der Streit um Wilna Das Dementi ber sogenannten Regierung der ukrainischen Volksrepublik, hinter der niemand steht, außer einer fleinen Schar politischer Briganten unter Führung Betljuras, besagt natürlich gar nichts gegen die Richtigkeit der aufgestellten Behauptung, das Erzherzog Wilhelm auf die utrainische Königsfrone spekuliert. 3war haben alle bisherigen Spekulationen Wie die Litauische Telegraphen- Agentur meldet, gab der Bor bem der arbeitslosen Prinzen aus dem Hause Hohenzollern und Habsigende der Völferbundstommission, Oberst Charbigny, burg auf diverse Königstronen im Osten schmählich Schiffbruch litauischen Außenminister die offizielle Erklärung, daß der Bölter erlitten. Aber noch am Grabe pflanzen sie die Hoffnung auf, daß bund der polnischen Regierung einen Protest gegen die Ein= berufung der Wilnaer Nationalversammlung es ihnen dennoch irgendwo und irgendwann gelingen würde, den übersandt und die Einstellung der Sejmwahlen verlangt habe. monarchistischen Plunder wieder lebendig zu machen. Chardigny versicherte, daß die Wilnaer Versammlung nicht zusammentreten werde. Die japanische Außenpolitik Der japanische Minister des Aeußern Uchida hat sich in einer Rebe über die Richtlinien der japanischen Außenpolitik geäußert. Rach einem sehr abfälligen Urteil über Rußland sprach er die Soffnung aus, daß Deutschland binnen turzem in den Völkerbund aufgenommen werde. Das englisch- japanische Bündnis soll im Einklang mit der veränderten Situation umgestaltet werden. In China verfolge Japan lediglich wirtschaftliche Interessen. In Den Beziehungen zu den Bereinigten Staaten feien zwar UnDas bleibt abzuwarten. Tatsächlich ist der polnisch- litauische Konflikt über das Wilnaer Gebiet der erste politische Streitfall von Bedeutung, in den der Völkerbund aktiv eingegriffen hat. Seine Lösung wird uns zeigen, wie weit dieser Völkerbund seinen Namen verdient. Ueberfüllung des Kohlenmarktes in Südwales. Daily Chro nicle" meldet, daß die Abnahme der Nachfrage nach Südwales Kohlen infolge der Ueberfüllung des Kontinents mit deutscher und englischer Kohle zu einer ernsten De pression in Cardiff geführt hätte, die die Schiffahrt unmittelbar in Mitleidenschaft zieht. In Cardiff sind bereits 50 Schiffe auf gelegt worden. ,, Aus diesem Schreiben, wie aus der ganzen Saltung Serratis geht hervor, daß die italienischen Einheitsfommunisten" nicht gewillt sind, die Scheidungslinie zu ziehen zwschen sich und den Reformisten, die zwar in der Kriegspolitit einen flaven antipatrio tischen Pazifismus verfolgten, gegenüber der proletarischen Res volution und den Grundsägen des Kommunismus aber ganz offen eine ablehnende opportunistische Haltung einnehmen. Trok des Lippenbekenntnisses zu den 21 Bedingungen, deren Anwendung und Durchführung gemäß den besonderen Verhältnissen des Landes" abgewandelt, d. h. zentristisch verbessert" werden soll, beweisen die„ Einheitsfommunisten" Italiens durch die Tat, durch ihren Kampf gegen die unabwendbar notwendige Spaltung von den Reformisten, durch ihr inniges Zusammenhalten mit der tratie D'Arragonas, daß sie sich den Namen Kommunisten mit Unrecht zulegen. Wenn die antibolschewistische Berliner reiheit freudig Auszüge aus den Artikeln Serratis bringt, wenn Longuet in seinen Bolemiten gegen die französischen Koms munisten sich auf ihn stügt, ist das nur die logische Folge seiner Saltung gegenüber der Kommunistischen Internationale.... Es ist zu hoffen, daß die breiten proletarischen Massen, die Fidj heute noch unter dem ideologischen Einfluß des Pazifisten und Antimilitaristen Serrati befinden, durch die praktische Lehre der verschärften Klassentämpfe in Atalien mit der Zeit zur Scheidung von den„ Einheitskommunisten" gedrängt werden." Der großmäulige Stil dieser Auslassungen entspricht volls tommen der ganzen Politit, die Sinom je w, und mit ihm bas Moskauer Erefutivfomitee gegen die italienische Partei betrieb. Man hoffte, die Italiener durch Schläge und Beschimpfungen gefügig zu machen, und die Rote Fahne" hat wader bei diesem edlen Wert mitgeholfen. Nun, wo die Spekulation auf die Knechtseligkeit mißalüdt ist, zieht die Rote Fahne" mildere Saiten auf und appelliert an die„ Einsicht" und das„ Gefchic" des Moskauer Erefutive fomitees, dem es gelingen müsse, die italienischen Sozialisten bei der Dritten Internationale zu halten. haltenen Angaben vernommen worden. Er hat bei der Ver- nehmung alle Beschuldigungen aufrechterhalten, insbesondere auch die gegen den Kriegsgerichtsrat Jörns(Ver- brechen der Rechtsbeugung). Die Ermittlungen sollen, wie wir hören, weitergeführt werden. Dabei werden die Mörder und ihr« zivilen und uniformierten Helfershelfer wieder ein Lügen- netz spinnen, um die Staatsanwaltschaft nach Strich und Faden hereinzulegen. Sie befinden sich ja allesamt in vollster Freiheit, haben also die beste Gelegenheit, die Lügenfront nach allen Seiten hin zu befestigen. Vogel, der nach der Amnestierung nach Deutschland zurück- gekehrt war. ist inzwischen natürlich wieder über alle Berge. Wir fordern, datz nunmehr das Auslieferungsverfahren gegen ihn betrieben wird. Vogel ist ein Mörder, und Mörder genietzen in keinem Lande Gastrecht. Die rote Armee Die reaktionäre Presse hat in den letzten Tagen ihren Lesern einen fetten Happen vorsetzen können. Es soll im R u h r g e b i e t gelungen sein, die Eeheimpläne einer Noten Armee ans Licht zu fördern. Das Wolfssche Telegraphenbureau hat über die Ange- legenheit detaillierte Berichte gebracht, aus denen hervorgehen soll, datz die Organisation der Roten Armee von einer Zentralober- leitung der K. P. D. ins Leben gerufen sei. Mehrere Personen sind in dieser Angelegenheit verhaftet worden, und sie sollen, wie es heißt, ein Geständnis abgelegt und die in den bejchlag- nahmten Papieren und Akten enthaltenen Angaben bestätigt und ergänzt haben. „Rote Armeen" sind nach dem Kapp-Putsch bald hier bald dort aus dem Boden gewachsen. Die nähere Untersuchung ergab in der Regel, daß es Pbantasieprodukte üverhiurer Spitzel- gehirne waren. Auch die jetzige Meldung über die„Rote Armee" im Nuhrgebiet ist sicher stark übertrieben. Ein großer Teil des beschlagnahmten Materials stammt nämlich noch aus den Kapp- tagen, und damals waren die Arbeiter zur Schaffung einer Ab- Wehrorganisation nicht nur berechtigt, sondern auch ver- pflichtet. Im übrigen ist es interessant, dah die„Rote Armee", soweit sie tatiächlich bestanden haben sollte, sich im Falle des Losschlagcns mit HUs« der reaktionären Wasfenlager ausrüsten wollte. Wozu also das ganze Geschrei der rechtsstehenden Presse? Man soll doch die Waffenlager der Reaktion ausheben, dann wird die ganze „Rote Armee" stch als das erweisen, was Sie wirklich ist;«in leerer Spuk! Denn mit Papiersoldaten, mit Listen und Akten, wird kein Krieg geführt, mögen st« noch so säuberlich angelegt sein. Und am allerwenigsten kann die Arbeiterklasse von einem solchen Lustgebilde irgendetwas Positives erwarten. Nur Narren werden daraus hereinfallen. Wo bleiben deine Steuern? Nur 800 Dienstautos! Unser« Reichsbehörden überbieten sich gegenseitig im— Ne- den und Predigen von Sparsamkeit, beileibe aber nicht durch ihre praktische Anwendung. Zweifelt noch jemand daran, wenn er erfährt, daß sich bei den Reichsbehörden in Berlin gegenwärtig nicht weniger als 800— achthundert— Dicnstautos in Be- Nutzung befinden? Rur ungern hat man sich überhaupt dazu entschlossen, diese heiklen Dinge zu untersuchen, die zu solchen un- angenehmen Feststellungen führten. Aber man konnte nicht anders. Denn die Schiebung des Herrn Hermes bei der Anschaffung der Dienstautos für das Reichsernährungsministerium hatte die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, daß auf diesem Gebiete vieles faul ist und um Herrn Hermes etwas zu entlasten, beschloß vor einigen Monaten der Hauptausschuß des Reichstags die Regie- rung zur Vorlegung einer Statistik zu veranlasten, aus der die Gesamtzahl der bei den Behörden benutzten Dienstautos zu ersehen sei. Diese Statistik ist nun fertig. Aber nnr durch Zufall hat die Oeffentlichkeit ihr Ergebnis erfahren. Denn eine Veröffent- lichung der Angaben hat die Rcghrung bisher nicht vorgenommen, trotzdem ste doch äußerst wünschenswert wäre. Lediglich aus einer kurzen Angabe im Bericht über die Sitzung des Reichs- rats hat man ihr Ergebnis erfahren. Dieses schamhafte Schweigen der Regierung, dem sich die Presse angeschlpssen hat, ist verständlich. Man redet von Sparsamkeit und handelt ohne jede Rücksicht auf den StanZj der Finanzen, ja man treibt einen derartigen Luxus, als ob wir nie einen Krieg gehabt hätten, und als ob unsere Finanzen sich in der glänzendsten Verfassung befinden würden. Warum auch nicht, handelt es sich doch um die eigene Bequemlichkeit, für die die Mittel aufgebracht werden durch indirekt« Steuerq und durch die höchste Anspannung der Einkommensteuer. Kapitulation des Reichsfinanzministers Im Steuerausschuß des Reichstages kapitulierte gestern der Reichsfinanzminister Wirth vor den Forderungen der geschlossen auftretenden bürgerlichen Mehrheit. Er gab bei der Weiter- beratung des Reichsnotopfergefetzes hinsichtlich der An- nähme der selbstgezeichneten Kriegsanleihe eine entgegenkommende Erklärung ab. Danach sollen bis zu einem Monat nach Zustellung des vorläufigen Steuerbescheides nachweislich selbstgezeichnete Kriegsanleihe zum Nennwert in Zahlung genommen werden. Da- mit ist dem Ansturm der bürgerlichen Parteien, die vor allem Wert darauf legen, daß der Minister auf dem Wege der Ver- ordnung vorgeht, vollauf Rechnung getragen, und der Abbau der Besitzsteuergesetze, die die schwebende Schuld verminder» soll- ten, eingeleitet. Durch diese Bestimmung werden aber auch die Richtbesitzer von Kriegsanleihe wesentlich ungünstiger gestellt, und das Reich um die Barmittel gebracht, die es so dringend ge- braucht. Zu Beginn der Sitzung wurde von der Linken des Ausschusses von der Regierung verlang� daß sie bei Beratung der Novelle zum Einkommensteuergesetz die zur Beurteilung der W i r k u n g e n des Steuerabzuges nötigen Unterlagen zur Verrügung stelle. Auch solle ste über die Höhe des Eefamtaufkom- mens dieser Steuer nähere Angabe machen. Der Reiches finanzminister erklärte, daß zunächst in Anbetracht der Ar- beit der Finanzämter und der Geschäftslage des Reichstages der Teil der Novelle zum Einkommensteuergesetz verabschiedet wer- den müsse, der die Doppelbesteuerung beseitige. Die Frage des Erlasses der Steuerrückstände habe ihn bereits beschäf- tjgt und er stehe nicht an, zu erklären, daß die Steuer- leistungen der Lohnempfänger im allgemeinen als durch den Abzug erschöpft angesehen werden müsse. Ueber die Höhe des Nachlasses aber müsse man sich bei der Verschiedenartigkeit der Verhältnisse doch noch auseinander- setzen. Zu einer Diskusston über diese Erklärung kam es nicht, da der Ausschuß die Beratungen auf Dienstag vertagte. Das Konfistorwm gegen Paulsen TU. Berlin, 25. Januar. Das evangelische Konsistorium der Provinz Vran- denburg hat den Oberpräsidenten der Provinz gebeten, die Wahl de? keiner schriftlichen Kirche angehörigen Hamburger Bolksschul- lehrers Paulsen zum Oberstadtjchulrat von Berlin nicht zu bestätigen. Das ist eine beispiellose Anmaßung der evangelischen Mucker, denn ste sind nicht berufen, sich in die Wahl und Bestätigung- de» Oberstadtschulrats einzumischen. In wessen Namen sprechen denn die Herren noch. Weiß man in dieser Fossilienversammlung nicht. daß Paulsen der Kandidat der gesamten arbeitenden Bevölkerung Eroß-Verlins ist, die sich längst abgewandt hat von jener Kirche, die sich völlig zum Werkzeug aller konterrevolutionären Unter- drückungsmethoden machen läßt? Die Herren sollen ihre unge- schickten Finger vor allem endlich aus den Schulangelegen- heilen herauslassen. Daß sie diese Kundgebung wagen, ist ein Zeichen dafür, daß sie noch immer die Schule für ihr Wirkungs- gebiet ansehen. Das mutz aufhören. Auch dazu mögen die preußischen Wahlen dienen, daß dieser Gesellschaft ein gehöriger Dämpfer aufgesetzt übd die Bahn frei gemacht wird für die völlige Trennung von Geistlichkeit und Schule. Die Arbeitslosigkeit in Belgien. Die Statistik des Arbeits- Ministers über die Arbeitslosigkeit kommt zu einer Gesamtzahl von 73 000 Arbeitslosen am 31. Dezember. Das alte Lied Die Arbeiter der Firma L o e w e haben einem Schieds- fpruch zugestimmt, der in einer günstigeren Kampfeslage von ihnen wahrscheinlich nicht angenommen worden wäre. Sie haben diesem Schiedsspruch zustimmen müssen, weil ein Teil von ihnen durch kom- munistische Schreihälse und durch einen verfehlten Glauben an die kommunistischen Heilsparolen ohne genügende Vorbereitung und ohne Berücksichtigung der Ge- samtlage der Arbeiterschaft und ihrer Organisarionen, zu einer Bewegung verleilet worden ist, für die Zeitpunkt und Umstände gleich ungünstig waren. Die Parole„Hinein in den Betrieb" ist es gewesen, die dem Ausbeutertum den längst und sehnsüchtig gewünschten Vorwand zur Sperrung des Betriebes gegeben hat. Die kommunistische Tak- t i k war es, die die Arbeiterschaft in eine Lage gebracht hat, aus der es keinen anderen Ausweg mehr gab, als die An- nähme des Schiedsspruches.» Nun sollte man meinen, daß die Urheber des ganzen Vor- ganges und die Schuldigen an diesem Ausgang, der nur durch das rechtzeitige Eingreifen des Metallarbeiterverbandes und der Eewerkschaftskommission noch einigermaßen glimpf- lich gestaltet werden konnte, angesichts des von ihnen ange- richteten Schadens wenigstens schweigen würden. Wer das glaubte, hat sowohl die Einsicht wie die Ehrlichkeit der Kommunisten wieder einmal überschätzt. Um die Arbeiter- schaft von der Erkenntnis der wirklichen Ursachen des unange- nehmen Ausgangs der Bewegung abzulenken, brüllt die „Rote Fahne. Verrat. Wie üblich. Die Eewerkschaftsbureaukratie ist es selbstver- ständlich gewesen, die die„Einheitsfront der Arbeiter und An- gestellten verhindert" hat. Die„Rote Fahne" zitiert die „Freiheit" und erinnert daran, daß wir den Kampf der Ar- beiter bei Loewe von vornherein als„nicht glücklich" bezeich- net haben. Sie knüpft daran die gemeindemago- gische Bemerkung, daß wir uns damit auf die Seite des Unternehmers gestellt hätten. Sie vergißt zu sagen, daß der durch ihre Taktik provozierte und verfahrene Kampf so ausgegangen ist, daß wir Recht bekommen haben. Leider! Wie es anders hätte gemacht werden sollen, sagt die„Rote Fahne" nicht. Sie faselt was von Einheitsfront und zeigt mit diesem dürftigen Gerede nur ihre Verlegenheit. Wir sind überzeugt, daß ihr aufgeregtes Schimpfen der Ar- beiterschaft Eroß-Verlins in diesem Falle den klaren Blick für die Wirklichkeit nicht verschleiern wird. Diesmal liegen die Zusammenhänge so offen zutage, daß die Arbeiterschaft mit Leichtigkeit erkennen wird, wo die Urheber des Mißerfolges zu suchen sind. Wir erwarten auch, daß sie für zukünftige Fälle ihre Folgerungen daraus ziehen wird. Es ist bezeichnend für die beginnende Einsicht, daß die kommunistischen Mitglieder des Betriebs- rates bei Loewe die ersten waren, die für die An» nähme des Schiedsspruches eintraten. Vogel nicht amnestiert! Gegen die Amnestierung Bogels durch die 3. Strafkammer de« Landgerichts U statte der Anklagevertreter Beschwerde beim Strafsenat des Kammergerichts erhoben. Das Gericht hat sich am Freitag voriger Woche mit dieser Beschwerde beschäftigt und ihr nach eingehender Beratung Folge gegeben. Damit bleibt das gegen den Oberleutnant Vogel ausgesprochene Urteil des Feldkriegsgerichts bestehen. Die Amnestierung ist auf- gehoben. Vom Rechtsanwalt Genossen Dr. Weinberg ist nun an da» zuständige Landgericht eine Eingabe gerichtet worden, in der die Wiederaufnahme des Ctrafverfahreus gegen die Mörder Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts gefordert wird. Die Eingabe stützt sich auf das Geständnis, das der Husar Otto Runge abgelegt hat und welches von uns veröffentlicht worden ist. Runge schildert in diesem Geständnis, wie die Er- mordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts vor sich ge- gangen ist. Er erhebt schwere Beschuldigungen gegen seine Mitangeklagten, die sich in der Komödie des Liebknecht- Luexmburg-Prozesses geschickt aus der Schlinge gezogen hatten. Rpnge ist mittlerweile wegen der in seinem Geständnis ent. Theater- Rundschau Strindbergs„Totentanz"— Tribüne .Beaumarchais und Sonnenfels"— Neue» Volkstheater Auch zwischen den verliebtesten Ltebesleuten hört eines Tages die Verliebtheit auf— und über bleibt, wenn sie inzwischen ge- heiratet haben, der Zwang der Ehe und, stärker noch als er, der Zwang der Gewohnheit. Aus diesem nicht mehr durch die Ver- licbtheit ins Rosige idealistischen Zusammenleben entsteht dann— entweder etwas, was schöner ist als alle Verliebtheit: treue Freundschaft, Kameradschaft, sagen wir ruhig: die wirkliche Liebe: oder ein gleichgültiges.Nebsneinanderhinleben: oder endlich, das furchtbarste, was es gibt, eW ununterbrochener, quälender, haßerfüllter Alltaaskampf, wenn man nicht doch noch die Befreiung stndet: das Auseinandergehen. „Auseinandergehen". Sie können nicht auseinander— auch wenn sie wollen, sagt S t r i nd b e r g. Er sieht schon in der Ver- liebtheit der jungen Verlobten den Haß lauern, mit dem ste sich in der Ehe zerfleischen werden. GeschlcWtliche Liebe und geschlecht- licher Haß sind ihm untrennbar. Die, die sich lieben, sagt er, müssen sich quälen, müssen sich zerfleischen. Das liegt im Wesen der Liebe. In jeder Liebe lauert der Haß. Und im Zwangsjoch der Ehe muß er zum Durchbruch kommen. Das ist Strindbergs Theorie. Um sie recht deutlich werden zu lassen, kettet er im„Totentanz" Mann und Frau nicht nur durch das Band der Ehe(das bei ihm immer eine dicke Zuchthaus- kette ist) aneinander, er jetzt ste dazu noch auf eine einsame �sel, wo sie ganz aufeinander angewiesen sind, wo es nicht mal ein Aus- weichen gibt, er setzt sie in den engen Turm eines ehemaligen Gefängnisses. Da schleichen die beiden, wie Tiere in einem Käfig. umeinander und martern sich mit unsichtbaren Messern langsam zu Tode. Von ihrem Haß, der einmal Liebe war, der vielleicht noch immer Liebe ist, zugleich auseinandergehetzt und aneinander- gekettet. Es geschieht eigentlich nichts in diesem Stücke, alles, was geschieht, ist dasselbe: Ausbruch des Hasse«, gedämpfter oder unge- dämpfter Ausbruch des Hasses. Und die gedämpften, lauernden Stellen stnd noch etwas grausiger als die lauten und brüllenden Ausbrüche. Einen verzweifelten Versuch der Befreiung, der. Trennung machen noch beide. Aber vergeblich! Haß und Gewohn- heit halten sie fester aneinander als Eisen es könnte. Und zum Schluß sitzen ste, wie am Anfang, nebeneinander und starren mit grauenvoll aufgerissenen Augen in die entsetzliche Zukunft, die vor ihnen liegt, uno streicheln sich gegenseitig die Hände, wie man ein Tier streichelt, das man zur Schlachtbank führt. In der Aufführung der„Tribüne" könnten die beiden ersten Akte fehlen. In ihnen bereiten sich die dramatischen Ausbruche der beiden letzten Akte vor. Eugen Roberts Regie, die sonst gerade im Herbeizaubern solch unheimlicher, strotzender, kaum er- klärlicher Stimmungen groß ist, versagte hier. Und S t e i n r ü ck und Till« Durieux, zwei sehr bedeutende Vertreter jener seltenen, oder doch selten guten Gruppe der intelligenten Schau- spieler, zwei Schauspieler, von denen man glaubt, daß sie wesens- verwandt sind, fanden sich nicht und spielten Merkwürdigerweise aneinander vorbei. Beide waren am stärksten, wenn ste allein waren. Und so waren die beiden letzten Akte ungleich besser, als die beiden ersten. Da hatten beide erschütternde, beängstigend stark« Momente. Zwischen diesen Momenten die Brücken zu schlagen, das verstand die Regie leider nicht, oder unterlieh es. Ihre Schuld ist es, wenn trotz großer schauspielerischen Leistungen kein geschlossenes Kunstwerk entstand. Dieses Stück hat zweierlei Inhalt. Erstens: das, was geschieht. Zweitens: das, was darüber, oder„bei dieser. Gelegenheit geredet wird. Das, was geschieht— ist sehr wenig. Das, was geredet wird— sehr viel. Beaumarchais fädelt eine betrügerische Erpressungsgeschichte gegen die Kaiserin Maria Theresia«in. Aber er wird, kaum in Wien angekommen, von Ministerialrat Sonnenfels entlarvt und verhaftet. Das iflVdie Handlung des Stückes. Sie füllt kaum Vorspiel und ersten Akt. Am Schluß des dritten Aktes befreit der- selbe Sonnenfels den Deliquenten Beaumarchais aus der Hast— nielmehr: er läßt ihn einfach laufen. Dazwischen liegen die Reden d s Stückes. Diese Reden, nicht die ganz nebensächliche Handlung, bilden den eigentlichen Inhalt des Stückes. Ihretwegen ist es ge- schrieben. Sie enthalten die Idee oder die Ideen des jungen Autors. Heinrich Eduard Jacob, so heißt der Autor, ist also kein Dramatiker(sonst würde er nicht durch Gespräche und Reden, sondern durch die Handlung selbst seine Ideen entwickeln). Ist er ein Dichter? Jedenfalls ein Philosoph.(Und ein sehr anstän- diger Mensch.) Er benutzt die Handlung des Stückes, wenn auch nicht zu dramatischer Entwicklung von Ideen, so doch zur Entwicklung von Ideen. Cr läßt zwei verschiedene Charaktere, zwei verschiedene Temperamente, zwei verschiedene Weltan- schauungcn auseinander stoßen. Beaumarchais, der Aben- teurer, Hochstapler, doch zugleich der Mann von Geist und Genie, der Dichter des unsterblichen„Figaro", der die französische Revo- lution mit vorbereiten half, in allen Sätteln gerecht, mit allen Wassern gewachsen. Sonnenfels, Unioersitätsprofessor und Polizeirat, Mann der Aufklärung und der Reformen, Mann der Pflicht vor allen Dingen.„Man muß das Gute um des Guten willen tun". Und:„Man kann für das Gute nur durch das Eule wjrken", sagt Connenfels.„Man muß das Böse auch durch das Bös« bekämpfen", sagt Beaumarchais, der das Gute zwar auch tut— aber nur,„wenn es Zweck" hat, d. h. wenn es was ein- bringt: Ehre oder Geld. Mit solchen und ähnlichen Worten strci- ten sie über Himmel und Hölle, üher„das Gute" und„das Böse", über das„Wesen des Staates" und über viele andere Dinge. Jeder macht den anderen schwankend, jeder erschüttert den Stand- punkt des anderen: aber zum Schluß geht jeder durch die heilsame Erschütterung fester und durch den Blick in fremdes Wesen reicher geworden, seinen Weg weiter. Dramatisch gestaltet ist das, wie, gesagt, nicht. Es wird nur davon gesprochen. Aber weshalb soll j man nicht einmal einen Abend lang den klugen Reden eines guten Menschen zuhören? Die Regie des„Reuen Volksthcaters" half über die drama- tischen Schwächen durchaus nicht hinweg. Es wäre wohl möglich gewesen, die langen Monologe des legten Aktes, wie halb ge- murmelte Selbstgespräche übermüdeter Nachtwandler, unheimlich und eindringlich zu geben. Statt dessen ließ man ste deklamieren. Arnold Czempin(Beaumarchais) und Erich P a b st(Son- n-nfels) boten sehr sympathische, leider keine bedeutenden Lei- stungen. Der Beifall war zum Schluß sehr herzlich. Ich iah nur einen dicken Herrn, der mit verdteßlichem Gesicht zu pfetseu versuchte. Ich kann ihn verstehen, den dicken Mann, die dicken, fetten, satten Leute haben alle Ursache, gegen so�h unbequeme Stücke zu pro- testieren, in denen Sätze vorlommen, wie der:„Staat und Menschenwohlfahrt schließen sich aus." Da müssen die dicken Leute ja pfeifen! Stimmen der Völker: Diesmal waren es in der Sonn- tagsvormittags-Veranstaltung im Staatlichen Schauspielhaus Stimmen des russischen Volkes. Sie sind uns näher, diese russischen Stimmen, sie sprechen eindringlicher zu uns als die klugen und vernünftigen Stimmen der englischen Vettern. Wie ein unter- irdisches Grollen droht die Revolution aus fast allen russischen Dichtungen, selbst wenn sie von ganz, ganz anderen Dingen han- dein als von Politik und„Umsturz"". Hört man diese Stimmen, so wird einem ganz gefühlsmäßig die Notwendigkeit der zugleich' furchtbaren und hinreißenden Dinge klar, die in Nustland geschehen. Und auch das wird einem klar; daß es eine„deutsche Revolution" nicht gibt. Wir haben solche Stimmen nicht— und nicht deshalb. aber aus demselben Grunde haben wir keine Revolution. Reinhold von Walter sprach die einleitenden Worte mit einer inneren Bewegung, mit der man nur von Mensckien und Dingen spricht, die man fehr liebt. E l s a W a z n e r las Puschkin. Gogol, Tolstoi, am besten aber Turgenjew. Sommer st orfs las den„Großinquisitor" von Dostojewski. Kann nian eine so gedankenschwere, gedankentiefe, beinahe mystische Dichtung über- Haupt vorlesen? Somnierstorff konnte es nicht. Dagegen las Ernst S e g a l zwei Kosakenlicder und eine moderne Revolu- tionsballade aus der Kerenskizeit von Alexander Bloch mit unge- wöhnlich starkem und zugleich zartem Gefühl. Er schwebte, tanzte, segelte auf den Worten wie auf einem reifenden Strom dahin. Paula Mansfeld sang drei Volkslieder. Und das gab den besten und tiefsten Eindruck von der schwermütigen und schönen Stimme des russischen Volkes. Hans Siemfen Michael Bohnen in der Staatsoprr. In diesem eigenltirnigen Bühnensouverän äußert sich in der Gestaltung der letzten Rollen mehr Verstand, der Effekte klügelt, als Instinkt, der sich mit im- pulsiv hervorbrechendem Affekt ins Blut wühlt und unmittelbar � mitreißt. Sein„Blaubart"(in Rezniceks Oper) ist keine � Leistung, die stileinheitlich aus einem Metall geschmiedet ist und [ unbedingtes Gepräge voll überlegener Charakteristik in sich Die Wahlen im Freistaat Lippe Im Freistaat Lippe ist am Sonntag der Landtag neu gewählt worden. Wenn es sich auch nur um ein kleines Ländchen handelt, so find doch auch diese Wahlen immerhin von einer gewissen Bedeutung. Im Vergleich mit den letzten Reichstagswahlen haben die Deutschnationalen ihre Stimmen etwa ge halten, die Deutsche Voltspartei ist von 18 000 auf 15 200 zurückgegangen, die Demokraten haben ihre Stimmen von 8600 auf 8800 erhöht. Auch die Rechtssozialisten haben einen Stimmenzuwachs zu verzeichnen, ihre Stimmen sind von 23 000 auf 25 400 angewachsen. Die Unabhängigen, die bei der Reichstagswahl 6000 Stimmen auf sich vereinigten, haben bei den Landtagswahlen nur 2400 Stimmen erhalten, 3400 Stimmen haben sie an die Kommunisten abgegeben. Die rechtssozialistische Mehrheit im Landtag ist durch diese Wahl gesprengt worden Bisher hatten die Rechtssozialisten von 21 Mandaten 11 in ihrem Besiz, jetzt haben sie nur sieben. Der Wahlausgang für unsere Partei tann nicht überraschen. Seine Helfer feien eine halbe Stunde por Beginn des Vortrags dagewesen. Der starte Andrang habe daher gerührt, daß zur selben Zeit auf demselben Flur eine Quäterspeisung von etwa 300 Kinder startjand. Erhöhung der Postgebühren Nach einem dem Reichsrat und dem Reichstag vom Reichspostministerium vorzulegenden Entwurf beabsichtigt der Reichspostminister folgende neue Gebührensäge vorzuschlagen: für Briefe bis 20 Gramm 60 Pfg., über 20 bis 250 Gramm 1,20 M., für Postkarten 40 Pfg., für Drucksachen bis 20 Gramm 20 Pfg., über 50 bis 100 Gramm 40 Pfg., über 100 bis 250 Gramm 60 Big, über 250 bis 500 Gramm 80 Pfg., über 500 Gramm bis 1 Kilo= gramm 1 M. für Geschäftspapiere( ebenso wie für Mischsendungen) bis 250 Gramm 60 Pfg., über 250 bis 500 Gramm 80 Pfg.; für Bädchen( bis 1 kilogramm) 2 M.; für Batete 80 Pfg.; für Pädchen( bis 1 kilogramm) 2 M.; für Patete in der Nah zone bis 5 Kilogramm 3 M., über 5 bis 10 kiloDie„ Rote Fahne“ schreibt von einer schweren Nieber. Wo wählen wir am 20. Februar? 99 Inge der Unabhängigen". Das ist ein Unfug! Für unsere Partei waren große Schwierigkeiten zu überwinden, da die Spaltung gerade in Lippe- Detmold sie besonders schwer getroffen hatte. Die Reutommunisten hatten den ganzen Organisationsapparat und die gesamte Kasse ins neue Lager hinübergeführt. Unter schwierigen Umständen war es uns trotzdem gelungen, in der kurzen Zeit die eingegangenen Ortsgruppen wieder aufzurichten und unter diesen Umständen fönnen wir mit dem Ausgang der Wahl ganz zufrieden sein. Im Hinblick auf die Wahlen zum Preußischen Landtag zeigen die Wahlen in Lippe allerdings, daß unsere Genossen mit verdoppeltem Eifer an die Arbeit gehen müssen, um die Schäden, die die Spaltung angerichtet hat, wieder gutzumachen. Das liegt im Interesse der ge= samten Arbeiterbewegung. Denn weder durch den reformistischen Geist der Rechtssozialisten, noch durch den putschistischen Charakter der Kommunisten kann die deutsche Arbeiterklasse gesunden, den Widerstand des Bürgertums überwinden und für den sozialistischen Neuaufbau der Gesellschaft die Grundlagen legen. Die Bes wältigung dieser Riesenaufgabe liegt in den Händen unserer Partei. In diesem Sinne gilt es den Wahltampf für das Preußenparlament zu führen. Das Grubenunglück in Sachsen Zu dem Bergwerksunglüd auf dem Friedensschacht, der übrigens der Stadt Leipzig gehört, meldet der Vertreter der TU." aus Delsnig: Am Montag, 7 Uhr abends, waren die Aufräu mungsarbeiten ziemlich beendet. Es befinden sich teine Toten mehr in der Unglücksgrube. Die Zahl der Toten beträgt endgültig achtunddreißig, die der Verletzten sechsundzwanzig, während der Rest der Belegschaft gerettet werden tonnte. Das Unglüd ereignete fich furz nach der Einfahrt der Frühschicht auf dem sogenannten blinden 104er- Schacht, einem Verbindungsschacht. Ueber die Entstehungsursa che läßt sich mit Bestimmtheit noch nichts sagen. Es wurde bei den Aufräumungsarbeiten eine aufgeschraubte Sicherheitslampe gefunden; ob diese den Anlaß zu der Explosionstatastrophe gegeben hat, steht jedoch keineswegs fest. Vor den Leichen spielten sich herzzerreißende Szenen ab, da auch Familienväter mit fieben und acht Kindern Opfer der Katastrophe waren. Die Verfekten haben meist Brandwunden und Gasvergiftungen davongetragen und fanden teilweise Aufnahme in den Krantenhäusern der Gegend. Vertreter der Berginspektionen Stolberg und Freiberg, sowie der Ministerien in Dresden befanden sich gestern nachmittag an der Unfallstelle. Die Aufräumungsarbeiten werden fortgesetzt, und die Arbeit ist in den übrigen Schächten der Gewerkschaft wieder aufgenommen worden. Den Hinterbliebenen und Verwundeten wendet sich die Teilnahme der Bevölkerung der ganzen Gegend zu. Verhängnisvoller Märchenvortrag. Wir hatten in unserer Rummer 32 unter obenstehender Spitmarte über den tragischen Tod von 5 Schulkindern berichtet, die anläßlich einer Märchenvorlesung an einer Breslauer Schule bei dem herrschenden Ansturm ums Leben tamen. Wir hatten an diese Meldung die Forderung geknüpft, die dafür verantwortlichen Personen zur Rechenschaft zu ziehen. Hierzu teilt uns der„ Jugendkampf Breslau" mit, daß es fich teineswegs um eine Fahrlässigkeit seinerseits handele. schließt. Komplere aus wuchtigem Guß( wie im Grabgewölbe bei der Schlüsselübergabe) legieren sich mit theatralischen Forzie tungen( Schluß des 2. Attes) und phlegmatischen, regielosen Gesten und Bewegungen( Sochzeitsbild, Verführungsszene im legten Aft). Die rezitatorisch- melodische Gestaltungseigenart Bohnens rüdt das sprachlich- schauspielerische Atzidens der Oper in brennendste Problematit, ohne das Problem selbst bis jetzt restlos gelöst zu haben. F. F. W. Unter uns gejagt". Wir haben hier bei Gelegenheit der fran. zösischen Ausstellung im Sturm( Nr. 20) erwähnt, daß die radi falen französischen Künstler, die in der„ Section d'or" zusammengeschlossen sind, deutsche Künstler unter Zusicherung völliger Gleichberechtigung und Gegenseitigkeit zur Ausstellung in Frankreich aufgefordert haben. Bisher ist nicht bekannt ge worden, daß irgendeine offizielle Stelle in Paris oder in irgend einer anderen französischen Stadt der Ausstellung deutscher Künst ler Hindernisse in den Weg gelegt habe. Die deutsche Kunststadt Darmstadt hat sich geweigert, die Ausstellungshalle auf der Mathildenhöhe für eine Ausstellung französischer Kunst zur Ver fügung zu stellen, die von der Darmstädter Sezession verdienstlich geplant wurde. Dazu nimmt der Vorwärts"-Sonntags- Feuilletonist in einer Form Stellung, die einem Kollegen von der Deutschen Tageszeitung" besser angestanden hätte. Er wird boshaft- hämisch gegen die französische Kunst, die er nicht fennt und die er, soweit er sie tennt, nicht fapiert. Darmstadt, meint er, solle die Räume nur ruhig für die Ausstellung fret geben. Das ist doch nobel, wie? Denn erstens tönne Darmstadt die französische Kunst doch nicht aus Deutschland verbannen. Das ist doch geradezu einsichtsvoll, wie? Und zweitens er fügt als glänzender Stilist hinzu:„ unter uns gesagt"! brauche Darmstadt die französische Kunst auch nicht zu fürchten". Bravo, Vorwärts", das hast du fein gemacht! Wir Deutschen fürchten Gott, aber nicht die französische Kunst!( Sat Frankreich einen Anton von Werner??) Aber der Vorwärts" sagt den rothosigen Franzosen noch ganz andere Dinge. Er besorgt nämlich, die Weigerung Darmstadts könnte den Eindrud erweden dente! man denke! als gäbe es in Deutschland ebenso„ kleinhirnige Chauvinisten" wie jenseits der Bogesen"! Kleinhirnige Chauvinisten allerdings und immer noch einen mehr, als die Vorwärts"-Redaktion vermutet. Es ist ja auch ein Standal, daß bisher noch teine einzige französische Stadt ben deutschen Künstlern Schwierigkeiten gemacht hat. Ist das denn nicht ein empörender Chauvinismus unter uns gesagt? " und man A. B. Das Wachsen der Kopfhaare. In der Medizin. Klinit" veröffentlicht Dr. S. Fuchs Untersuchungen über die Wachstumsgeschwindigkeit der Kopfhaare. Danach beträgt dieselbe zwischen 6,8 und 13,2 millimeter für den Monat; sie ist zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr und da besonders im 25. Lebensjahr am größten, was der erhöhten Tätigkeit der Körpergewebe in diesen Jahren entspricht. Zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr macht fich eine beutliche Berminderung der Wachstumsgeschwindigkeit Der Saare geltend. An den verschiedenen Partien der behaarten Der Wähler kann nur in dem Bezirk wählen, in dessen wählerliste oder Wahlfarten er eingetragen ist. Inhaber von Wahlscheinen können in jedem Bezirk wählen. Wer nicht in einer Wählerliste eingetragen ist, tann auch nicht wählen. Darum seht die Wählerlisten ein! Du kannst wählen, wenn Du Deutscher bist, am 20. Februar Dein 20. Lebensjahr vollendet hast, in Preußen wohnst und in einer Wählerliste einge= tragen bist. Kein wahlberechtigter Proletarier, teine Proleta= rierin darf durch eigene Schuld des Wahlrechts verlustig gehen. Deshalb seht die Wählerlisten ein! Du kannst nicht wählen, wenn Du nicht in der Wählerliste stehst. Jeder muß daher Einsicht nehmen, ob er in der Wählerliste verzeichnet ist. Ist dies nicht der Fall, muß sofort Einspruch erhoben werden. Niemand darf sich darauf verlassen, daß er bereits bei früheren Wahlen in der Liste gestanden hat oder schon lange am Ort wohnt. Jeder muß seine Pflicht erfüllen. Es geht ums Ganze. Der 20. Februar muß werden ein Siegestag der USP. gramm 6 M., über 10 bis 15 Kilogramm 12 M., über 15 bis 20 Kilogramm 18 M.; in der Fern zone dementsprechend 4, 8, 16, 24 Mart. Der Entwurf eines Gesezes zur Aenderung des Postscheck= gesetzes sieht vor die Festsetzung der 3 ahltartengebühr auf 25 Pfg. bei Beträgen bis 50 M., 50 Pfg. bei Beträgen über 50 bis 500 m., 1 M. bei Beträgen über 1000 M., ferner bei den baren Auszahlungen durch Postscheck die Erhöhung der festen Gebühr von 10 Bfg. auf 30 Bfg. Die Wortgebühr für Telegramme soll fünftig betragen bei gewöhnlichen Telegrammen 30 Pfg., mindestens 3 M. Von diesen Aenderungen ist der Reichspostminister bereit, dem Reichsrat die Einfügung einer Gewichtsstufe beim Brieftarif für Briefe über 20 bis 100 Gramm zum Gebührensas von 80 Pfg. zu empfehlen, ferner bei den Drucksachen die Ermäßigung Der beiden ersten Gebührensäge von 20 und 40 Pfg. auf 15 und 30 Pfg., sowie die Herabsehung der Einschreibegebühr auf 80 Pfg., dies im Hinblick darauf, daß hierdurch das finanzielle Ziel der Vorlage voraussichtlich nicht in Frage gestellt wird. Der Exportüberschuß Litauens in den ersten zehn Monaten des Jahres 1920 beträgt etwa 127 Millionen Mart. Ausfuhr aus Belgien. Eine ministerielle Erklärung gibt die Ausfuhr von Zuder, Katao. Gemüse, Konserven, Mineralwasser, getrockneten Zwiebeln und Seife ohne Ausfuhrschein frei. Der Streit um die Sumanite. Die Versammlung der Aktionäre der„ Sumanité"" beschloß, den Kommunist en die Führung des Blattes zu überlassen. Die Versammlung verlief sehr stürmisch. Blum und seine nichttommunistischen Freunde verließen den Saal, nachdem fie festgestellt hatten, die Versammlung sei nicht gültig, da sie nicht auf gesetzlichem Wege einberufen sei. Kopfhaut sind Differenzen in der Wachstums= geschwindigkeit der Saare vorhanden mit Ausnahme symmetrischer Stellen, doch zeigen sie feinerlei besondere Regelmäßigkeit. Höchstens fällt auf die verhältnismäßig größte Wachsmäßigkeit. Höchstens fällt auf die verhältnismäßig größte Wachstumsgeschwindigkeit der Haare des Hinterkopfes die verhältnismäßig fleinste der Haare der Schläfengegend bei den verschiedenen untersuchten Altersklassen, sowie der am deutlichsten in der Borderhauptgegend wahrnehmbare Anstieg und Abfall der WachsDas tumsgeschwindigkeit von der Jugend gegen das Alter. Längenwachstum der Haare der rasierten Stellen zeigt gegenüber dem der Saare der unrasierten Umgebung keinen merklichen Unterschied. Die Jahreszeit, besonders der Gegensatz zwischen Winter und Sommer, spielt in der Geschwindigkeit des Saarwachstums feine nennenswerte Rolle. Blutantreibende und die Kopfhaut leicht irritierende Mittel bewirken entgegen der hier verbreiteten Anschauung keinerlei Beschleunigung des Längenwachstums der Haare, regen also wahrscheinlich nur die ge= Schädigte Haarpapille durch Schaffung besserer Ernährungsmög lichkeiten des Haarbodens zur schnelleren Wiederaufnahme ihrer Funktion in normalem Ausmaße an. Proletarische Feierstunden. Sonntag, 30. Januar, vormittags 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus, Karlstraße. Diese Feier ist der Arbeiter Bildungsschule zum 30. Jahrestage ihrer Gründung gewidmet. Es wirken mit: Margarete Wellhoener, Hans Siemsen Rezitation, Sidney Biden Ge= sang, Alfred Wittenberg Bioline, Konrad Löwe Orgel, der Sprechchor, Männerchöre Kreuzberger Harmonie, Norddeutsche Schleife, Dirigent: Baumert. Zur Aufführung tommt das WeiheSpiel:„ Erlösung" von Bruno Schönlant. Eintrittstarten zu 3 Mart sind bei den Parteifunktio nären, in der Buchhandlung„ Freiheit", Breite Straße 8/9, hei den Verbänden und im Bureau der Gewerkschaftskommission, Engelufer 15, zu haben. Die Karten, die nicht abgesezt werden tönnen, bitten wir sofort an uns zurückzugeben. Für die Veranstaltung am 13. und 27. Februar fönnen die Eintrittstarten im Bureau, Breite Straße, abgeholt werden. Tages- Notizen Dichterabende, Albert Ehrenftein liest am 28. Jan im Graphischen Kabinett, 8 Uhr, aus unveröffentlichten Werten. H. H. Twardowsti. spricht am 31. Jan. i. d. Sezeffion Novellen des Todes"(& rant, Sey m). Kunst. Die Nationalgalerie fett im früheren Kronprinzenpalais thre fo außerordentlich wichtige Ausstellungsarbeit fort durch eine E. L. Kirchner Ausstellung( 15 Gemälde und 12 Zeichnungen), auf die wir nachdrücklich hinweisen. Berstorbene Wissenschaftler. Der Anatom- Professor Wilhelm von Wal deyer ist 85 Jahre alt gestorben. Waldener mar ein bedeutender Forscher auf dem Gebiet der Anatomie und der Entwidlungsgeschichte. Er hat viele hunderte Arbeiten über ben menschlichen Körper verfaßt und war sei 25 Jahren. Setretär der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Brofessor Heinric arf, einer der bedeutendsten Romanisten Deutschlands, ist in der Schweiz an den Folgen einer Operation im 66. Lebensjahr gestorben. In Frankfurt a. M. ist ber Direktor ber Kunstgewerbeschule Professor Ferbi nand Luthmer im 79. Lebensjahr gestorben. Seine zahlreichen Arbeiten behandeln die Ornamente und die Stilformen der älteren und der neueren beutschen Kunst, Der italienische Parteitag Von unserem Sonderkorrespondenten Fünfter Verhandlungstag. Livorno, 19. Januar. Turati, der als erster Redner die Nachmittagssigung eröffe net, bezeichnet seine Ausführungen als sein Testament. Seine Rede wird selbst von der Linken, die meist immer wild zu toben beginnt, wenn ihre Redner den Bannfluß auf diesen ältesten Res ungewohnter Ruhe angehört und beweist sie somit die Achtung, begründeten oder unbegründeten Verlästerung zum Trotz, empfindet. die sie vor dem Wort dieses Vorfämpfers auch heute noch, aller Turati spricht mit bezwingender Ruhe, die gegen die heiße Leidenschaft vieler anderer Redner fast wie ein Symbol absticht. „ Ich befinde mich hier vor einer Art Revolutions tribus na I", beginnt Turati, denn dieser Kongreß ist so etwas wie ein Prozeß. Aber die Redner, so sehr sie mich angegriffen haben, haben mich auch immer, ohne es zu wollen, etwas verteidigt. Ob ich geirrt oder nicht geirrt habe, hat im Grunde wenig zu bes deuten, denn wenn unsere Partei wirklich eine Klassenorganisation bann tönnen sie die Irrtümer einzelner wenig stören. Keine gibt. Schließen wir darum das kleine persönliche Gezänk aus und Irrtümer unterlaufen schließlich nur dem, der sich der Ruhe hina heben wir unsere Auseinandersetzungen auf jene Höhe, von der aus sie allein mit Gewinn zu behandeln sind. Ich schließe mich ganz der in Reggio di Emilia aus gearbeiteten Resolution an, wenn ich auch an einige der darin enthaltenen Auffassungen meine Bedenten fnüpfe. Bergleiche ich damit die anderen Resolutionen und die von den Vertretern der anderen Fraktionen gehaltenen Reden, so muß ich sagen, daß uns nur eine verschiedene Bewertung der Wege und Mittel zu dem uns allen gleichsam vorschwebenden Ziele trennt. Ich lehne es ab, die Gewalt als ein Programm anzuerkennen. Diese Auffassung über die Gewalt entspringt ebenso wie die Auffassung über die Diktatur des Proletariats der falschen und gefährlichen Illusion, daß die soziale Revolution das freiwillige Wert eines Augenblicks ist, und ist überdies der Ausdruck einer Schwäche und mangelnden Vertrauens in unsere Jdee. Wir arbeiten alle viel zu viel für unsere Feinde. Sie meinen, daß jede Arbeit heute nur die Stellung der Bourgeoisie festigt und daß aus wachsendem Elend der Aufstand erfolge. In Wirklichkeit erwachsen daraus nur die Fascisci und die Konterrevolution. Die Bourgeoisie fürchtet heute die legalen Attionen mehr als die illegalen. Alle jungen Parteien haben den Fehler einer falschen Schäzung ihrer Zeit begangen. Selbst Marr und Engels find in ihrer Jugend diesem Irrtum erlegen. Keine 21 Punkte, wie überhaupt teine noch so autoritär erscheinende These fann uns von eigenem Nach: denten entbinden. Der Kampf, der unsere Partet heute beherrscht, ist in mehr oder weniger ausgeprägter Form schon früher in unserer Partei gekämpft worden. Meine Partei ist im Kampfe gegen den Anarchismus entstanden und hatte nachher einer anderen Bewegung, der syndikalistischen, zu widerstehen. Der Anarchismus wird fortwährend neu geboren und der heutige Radikalismus, den der Krieg bei uns und in der ganzen Welt erzeugt hat, ist nichts anderes als eine neue Spezialart des Anarchismus oder Mirafulismus( Wunderglauben). Ich bin überzeugt, daß wir auch diese neue Welle überstehen werden. Zum Sozialismus führt nur der von uns gewiesene Weg und wenn Sie die Kommunistische Partei oder gar die RäteRepublit in Italien begründet haben, so werden Sie von selbst auf den Weg der heutigen Sozialverräter" zu rüdfommen. Mehrheiten oder Minderheiten sind wandelbar. Geschichtlich betrachtet sind sie nichts. Ich glaube an den Sieg des Sozialis mus. Es lebe der Sozialismus!" Turatis Rede wird mit gewaltigem Beifall aufgenommen. Die Rechte stimmt die Internationale an. Das Lied wird von der Mitte brausend aufgenommen, während die Linke in Stille vera harrt. Nach Turati sprechen noch Mazzo, ni für die Rechte und Gers mari als Vertreter der Parteileitung. Am Donnerstag soll zur Abstimmung geschritten werden. Für die Sozialisierung! Nach dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund hat nun auch die Organisation der Angestellten sich durch ihren Vertretertag für die Bollsozialisierung des Bergbaues in nachstehendem Beschluß ausgesprochen. „ Die am 22. Januar tagende Reichsvertreterßigung des Afas Bundes begrüßt die vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsa bund erlassene Kundgebung zur Sozialisierung des Bergs baues und stellt sich auf den Boden der vom Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes herausgegebenen Richts linien. Die Vertretersigung beauftragt den Afa- Borstand, in det weiteren Sozialisierungsbewegung engste Fühlung mit dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund zu behalten, um in dieser Lebensfrage des deutschen Volkes das solidarische Vorgehen der gesamten freigewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmerschaft zu sichern." Erschiehung deutscher Rotgardisten durch die Polen. Wie der Rigaer Berichterstatter der" Dena" meldet, sandte der Vorsitzende der russischen Friedensdelegation Joff e eine in sehr scharfen Ausdrücken gehaltene Protestnote an den Führer der polnischen Delegation Dombsti. In dieser Note wird Einspruch gegen das Urteil eines polnischen Militärgerichts erhoben, das 9 Angehörige der roten Armee, sämtlich Freiwillige deutscher Staatsangehörigkeit, zum Tode verurteilte und das Urteil bereits vollstrecken ließ. Die Namen der erschossenen Leute find die folgenden: Hermann Wibusch, Richard Kretschmar, Albert Schulz, Konrad Meitschke, Julius Elwert, Albert Ruppertus Karl Redner, Robert Reneitt(?), Markus Ruffing. Das Urteil erging wegen angeblicher Uebergriffe gegen polnische Kriegs gefangene. Aus der Partei Die soeben erschienene Nr. 3 der unabhängigen sozialdemokras tischen Wochenschrift„ Der Sozialist" enthält folgende Beiträge: 3ur Sozialisierungsfrage im Rohlenbergbau von Hermann Jädel; Delzweig und Schwert von Eugen Prager; Preissturz am Weltmarkt von Bruno Asch; Der Parteitag der italienischen Sozialisten von Gustavo Sacerdote; Manifest der marristischen Opposition in der tommunistischen Partei Jugo slawiens; Deutschnationale Kunsttritit Gerhart Seger. Der Sozialist" erscheint möchentlich einmal und ist durch alle Buchhandlungen, durch die Post ober durch den Verlag T. Breitscheid, Berlin W. 15, zum Preise pon vierteljährlich Mt. 15,-, Einzelnummer Mt. 1,50, zu beziehen, Deffentliche Wählerversammlung Weißensee. Die Wählerversammlung findet hente abend im Albrechtshof, Parkstraße, statt. Referent: Genosse Seger Freie Aussprache. Z ähne 4 u. 7 mk. mit Friedenskautschuk 5 Jahre schriftliche Garantie. Zahnziehen mit Betäubung bei Bestellung von Gebissen gratis. Kronen p. 30 mk. ans Spez.: Zähne ohne Gaumen. Keine Luxuspreise Zahn- Praxis Hatvani, Danziger Straße 1. Groß- Berlin Der„ vergessene" Mörder Vor dem Schwurgericht I ging am Sonnabend in später Nacht Stunde ein Mordprozeß zu Ende gegen den Vizefeldwebel Marcus, bem mehrfacher Mord zur Last gelegt wurde. Er wurde befchuldigt, während der Märzunruhen im Jahre 1919 in der Langen Straße drei Menschen, ein zwölfjähriges Schulkind, ein vierundzwanzigjähriges Mädchen und einen 73 Jahre alten Mann erschoffen zu haben. Die Angelegenheit hat erst vor dem Militärgericht geschwebt, ist aber buchstäblich vergessen worden, woran die damaligen Wirren schuld gewesen sein sollen. Marcus gehörte damals einer freiwilligen Formation an, die während der Unruhen in der Langen Straße tätig" war. Zu der kritischen Zeit wurde von Marcus der Befehl Straße frei, Fenster zu" gegeben. Nach der Behauptung des Angeklagten ist dieser Befehl nicht beachtet worden. U. a. sah er aus dem Fenster eines Hauses eine weibliche Gestalt auf die Straße hinuntersehen. Der Angeklagte will nun auf ein daneben befindliches blindes Fenster Feuer gegeben, aber dabei das offene Fenster getroffen haben. Durch diesen Schuß wurde ein zwölfjähriges Kind tödlich getroffen. Das andere getötete Mädchen er= hielt einen Herzschuß, als es aus einem Schlächterladen trat. Der alte Mann ist durch einen Kopfschuß getötet worden. In diesem Falle bestritt jedoch der Angeklagte daß er den tödlichen Schuß abgegeben hätte. Er berief sich auf die Be feyle seiner damaligen Borgefeßten, und der Angeklagte wurde von den als Zeugen vernommenen Offizieren auch zum Teil ge= beat. Von der Anklage des Mordes wurde Marcus freigesprochen, wegen„ fleiner Unehrlichkeiten" jedoch zu 5 Mo= naten Gefängnis verurteilt, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt erachtet wurden. Da ist wieder ein Beitrag zu dem schon so reichhaltigen Kapitel der preußischen Justizschande geliefert worden. Wann hätte jemals ein preußisches Gericht, und noch dazu ein Militärgericht, einen Arbeiter jahrelang„ vergessen" abzuurteilen? Wann hätte jemals ein preußisches Gericht einen Arbeiter, der ebenso fahrlässig( um es milde zu bezeichnen) gehandelt und auf Kinder und alte Leute losgeknallt hätte, freigesprochen? Das geschieht in Breußen aber noch immer mit den Ordnungsbestien, mögen sie noch so viele Menschenleben auf dem Gewissen haben. Die„ tleinen Unehrlichkeiten", von denen der Gerichtsbericht so schamhaft spricht, bestanden darin, daß Marcus die Erschossenen beraubte! Für dieses ungeheuerliche, mit Vorsay aus= geführte Verbrechen aber hat das Gericht nur eine Strafe pro forma, eine kleine Ordnungsstrafe sozusagen! Diese Ordnungsstrafe wird als verbüßt erachtet und somit wird Herr Marcus wieder auf die Menschheit losgelassen! Wir leben in herrlichen Zeiten der öffentlichen Sicherheit! Der Mord in Charlottenburg aufgeklärt Das Verbrechen an dem Jnder Singh ist durch die Verhaftung zweier Freunde der Frau Singh als mutmaßliche Täter teilweise aufgeklärt worden. Nach anfangs hartnädigem Leugnen legte Frau Singh schließlich das Geständnis ab, daß ihr heimlicher liebter, der 28 Jahre alte Kraftwagenführer Max Arnold aus Lichtenberg, Leopoldstraße 35, und sein bei ihm wohnender Freund, der gleichaltrige Schlossergeselle Paul Korwin mit ihrem Wissen das Verbrechen begangen haben. Ferner wäre auch ihr Bruder Arnold Becker an dem Mord beteiligt. Der Plan mißlang aber in der Nacht zum Donnerstag. Man wiederholte aber den Besuch in der darauffolgenden Nacht. Die beiden Verbrecher hatten von Frau Singh die Haus- und Wohnungsschlüssel ausgehändigt erhalten und schlichen sich durch den Hof in die Erdgeschoßwohnung der Familie Becker. Hier führten fie unter Mithilfe des Arnold Becker, der bei seinen Eltern wohnte, den Mord aus. Als man am Sonntag früh die beiden Mittäter in ihrer Woh nung in der Leopoldstraße verhaftete, waren sie sehr beleidigt, daß man ihnen eine solche Tat überhaupt zutraute. Sie behaupte ten, daß ihnen von der ganzen Angelegenheit gar nichts bekannt wäre, da sie weder Zeitungen noch die Anschläge an den Säulen gelesen hätten. Bevor man ihnen überhaupt noch den Mordtag nannte, fagte Arnold zu den Beamten:„ Ich habe ja für Donnerstag mein Alibi." Bei ihrer Vernehmung blieben die beiden Verhafteten bei der Behauptung, daß sie von dem Mord erst bei ihrer Festnahme erfahren hätten. Der Bruder der Ehefrau, den man ebenfalls festgenommen hatte, versprach sich aber in dem Kreuzverhör und mußte schließlich das Leugnen aufgeben. Er gestand ein, daß sie von der bevorstehenden Bluttat gewußt hätten. Die Angaben des Arnold über seinen Verbleib während der Mordnacht sind ihm bereits als unwahr nachgewiesen worden. Der Bruder des Kraftwagenführers, Arnold, ist gleichfalls in Haft ge= nommen worden. Heute nacht fand noch einmal durch die Berliner Kriminalpolizei eine Besichtigung des Mordhauses statt, um die Angaben der Festgenommenen nachzuprüfen. Es stellte sich dabei einwandfrei heraus, daß die Eltern der Frau Singh von den Vorgängen in der Donnerstag- Nacht nichts gewußt hatten. Wie noch gemeldet wird, sind die Eltern der Frau Singh noch mals vernommen und auf freien Fuß gesetzt worden. Die Ber hafteten Arnold und Korwin wurden die ganze Nacht hindurch verhört. Arnold sah sich überführt, war aber zu einem Geständnis nicht zu bewegen. Korwin aber gab zu, daß er an der von Arnold ausgeführten Tat beteiligt gewesen ist. Wie er angibt, ist Arnold erst am Dienstag an ihn herangetreten, mit dem Vorschlage, ihn bei dem Ueberfall auf den Mann seiner Geliebten behilflich zu sein. Er sei fo wahnsinnig in Frau Singh verliebt, daß er fie unbedingt befreien müsse. Arnold sei durch das Fenster der Speise fammer in die Wohnung gestiegen. Um teine Spuren zu hinters laffen, hatte er sich Handschuhe angezogen. In dem Zimmer des Singh traf er diesen schlafend an. Er versuchte ihn zunächst mit Aether zu betäuben. Doch wurde der Inder wach und dieser wollte sich auf seinen Angreifer stürzen. Arnold streckte ihn aber durch einen wohlgezielten Borschlag auf den Kopf sofort nieder. Mit einer mitgebrachten 3ange schlug er dann auch noch auf ihn ein und legte ihm endlich auch noch eine Schlinge um den Hals. Auf demselben Wege, auf dem er gekommen war, verließ er die Wohnung wieder. Als ihm das Geständnis seines Freundes vorgehalten wurde, widersprach er nicht, suchte aber alles belastende für seine Geliebte auf sich zu nehmen. Monatstarten und Schülermonatsfarten der vorm. Berliner elektrischen Straßenbahnen. Für den Bereich der vormaligen Berliner elektrischen Straßenbahnen werden am 29. und 31. Januar und 1. und 2. Februar d. J. in der Zeit von 8 bis 6 Uhr in den Zeitkartennebenstellen Hollmannstraße 33 und WollantStraße 115 an Stelle der bisherigen Monatstarten solche nach dem Muster der vorm. Großen Berliner Straßenbahn mit Monats= wertmarken ausgegeben. Vom Monat März ab werden diese Zweigstellen nicht mehr offen gehalten. Die weiterhin erforder= lichen Wertmarken sind auf allen Betriebsbahnhöfen der Berliner Straßenbahn, bei der Hauptausgabestelle Berlin W. 9, Leipziger Play 14, und in den durch Aushang in den Wagen bekanntgegebenen Verkaufsstellen( A. Wertheim G. m. b. H., A. Jandorf u. Co., Kaufhaus des Westens, Warenhaus H. Joseph u. Co., Neukölln, Berliner Straße 51-55, Warenhaus Wilh. Stein, N., Chausseestraße 70-71, Bureau des Vereins junger Kaufleute, C., Hollmannstr. 33 und Wollantstr. 115, bei Lösung der Schülermonats= farten für Februar d. J. jedem Karteninhaber ein Antragsformu lar für Erteilung einer Schülerkarte für das Kalenderjahr 1921 ausgehändigt werden. Diese Anträge müssen bis spätestens 15. Februar d. J., von den Eltern ausgefertigt, auf einem der Betriebsbahnhöfe der Straßenbahn oder bei der Hauptausgabestelle, W., Leipziger Platz 14, abgegeben werden. Bei Kindern im Alter von über 14 Jahren muß bei Einreichung des Antrages der Schulbesuch nachgewiesen werden. Die neuen Schülertarten nebst Wertmarten fönnen vom 25. Februar ab auf dem Betriebsbahnhof, auf dem die Aushändigung gewünscht wird, in Empfang ge= nommen werden. Die weiterhin erforderlichen Wertmarken sind ebenfalls in den oben genannten Ausgabestellen für Wertmarken der Monatstarten erhältlich. 12. Verwaltungsbezirk( Steglitz, Lichterfelde, Lankwiz). Die jenigen Kinder, welche an dem Vorbereitungsunterricht und an der Jugendweihe teilnehmen sollen, müssen bis zum 10. Februar bei nachfolgenden Genossen gemeldet sein: Marquardt, Steglitz, Holsteinische Str. 31; Bohne, Steglit, Treischtestr. 17; 3achow, Stegliz, Stephanstr. 8; Müller, Stegliz, Berlinidestr. 5. Die Ortsvorstände von Lichterfelde und Lantwig werden gebeten, die Adressen in ihren Orten zu sammeln und an den Genossen Müller gelangen zu lassen. Schwere Verlegungen erlitt der Oberfeuerwehrmann Toenges bei einem größeren Brande in der Blumenthalstraße 7. Dort brannte heute nacht um 2 Uhr auf dem Hofe ein niedriges Quergebäude mit Stallung. Die Flammen hatten an einem Holzlager, Möbeln usw. reiche Nahrung gefunden und bei Ankunft der Feuerwehr schon das Dach ergriffen. Der Beamte stürzte beim Vorgehen durch das brennende Dach. Es gelang den Kameraden, den Verunglückten aus seiner gefährlichen Lage zu befreien und nach dem Elisabeth- Krankenhaus zu schaffen. Dort stellte man einen rechtsseitigen Rippenbruch und Brandwunden fest. Der Einbrecher als Bahngepäd. Auf dem Bahnhof Wuftermard bei Spandau erregte ein großer Reiseforb den Verdacht der Beamten und man ließ den Korb öffnen. Zum allgemeinen Erstaunen fand man darin einen besinnungslosen Mann vor, der mit vollständigem Einbrecherwerkzeug ausgerüstet war. Man übergab ihn der Berliner Kriminalpolizei. Wie festgestellt wurde, hatte der Einbrecher sich drei Tage lang im Korb befunden. Da er sich nicht genügend Lebensmittel mitgenommen hatte, war er bewußtlos geworden. Messerstecherei zwischen zwei Frauen. Gestern mittag turz nach 12 Uhr ertönten plöglich aus der Wohnung der Frau Lorenz in der Alexandrinenstraße 21 laute Hilferufe. Hausbewohner fanden die Wohnungstür geöffnet und in der Küche in einer großen Blutlache Frau Lorenz. Die durch Meijerstiche lebensgefährlich ver lette Frau mußte fofort in das Urban- Krankenhaus übergeführt werden. Wie bisher feststeht, war Frau Lorenz allein in der Küche mit einem Fräulein Hermann gewesen. Beide gerieten aus bisher unbekannter Ursache in Streit, in dessen Verlauf die Hermann ein auf dem Tisch liegendes Küchenmesser ergriff und auf Frau Lorenz losstach. Sie ergriff die Flucht und konnte bisher nicht ergriffen werden. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Mittwoch. Vielfach heiteres, aber noch veränderliches Frostwetter, mit leichten Schneefallen und vorherrschend südöstlichen Winden. 1 Arbeitersport 1 1 Märkische Spiel- Vereinigung. Resultate vom 23. Januar: Fighte Vittoria 1: 3: 1. Rüftig Vorwärts 1 1. Klasse: Rowawes 1. Borussia 2: Nordista 1: 3: 7. 3. B. C. 2Gesbbr. 1: 6: 2. Ludenwalde 1 Fichte Gefdbr. 2: 3: 1. Nowames 4 B. n. angetr. Rüftig Vorwärts 2 Nowawes 3: 1: 2. Rorben: Fichte 9 1 Belten 1: 1: 0. Fichte Moabit 1 Bernau 1: B. n. angetr. Fortuna 1- Bittoria 1: 5: 2. Falte 1- RosenBelten 2: 2: 2. Wader 3Bantow 2: thal 1: ausgefallen. Fichte 9 2 Arminia 2: 0: 1. Rapide 1 Bitt. Ebers W. n. angetr. Spandau 2 walde 1: E. n. angetr. Often: Lustig Fidel 1 Eichwalde 1: 3: 0. V. F. B. Lichtenberg 1 Gr. Berl. Straßenbahn 1: 2. n. angetr. Straßenbahn 17 2 Lichtenberg 2 2: 1: 2. Süben: Fichte Süd Froh Frei 1: 1: 6. Trebbin 1: Dabendorf 1: 4: 0. Sp. V. Teltow Zehlendorf 1 FT. Steglig 1 2. n. angeft. Sp. V. Teltow Zehlendorf 2 Froh Frei 3:&. n. angetr. Teltow 3 Fichte Süd 3: 1: 3. Fichte Süb 2 Froh Frei 2: 5: 1. Stegliz 2 Reinidendorf 1: R. n. angetr. Dabendorf 2: 4: 0. Jugend: Borussia 1 Mertur 2 Boruffia 2: 1: 1. Tasmania 1 J. B. C. 1: 0: 5. Nowawes 3 Ablershof 2: 0: 5. Reutöln- Brizz 2 Nowames 2: 1: 6. Güler: Bantow To. 1 Eiche Tegel 1: E. n. angetr. Borussia 1- Rosenthal 1: Pankow Tv. 2 Hennigsdorf 2: 5. n. angetr. Rüftig Vorwärts 1 Romames 1: 2: 0. Rowawes 2 Lichtenberg 2: 2. n. angetr. Gesell Iaftsspiele: Abler Pt. 1 Borussia 1: 1: 1. Wader 201 Fr. T. Reinidendorf 1: 4: 0. Wader 20 2 Arminia 1: 2: 0. Tv. Pantom 1 Spandau 1: 1: 1. Boruffia 1. Jugd. R. B. C. 1. Jgd.: 10: 0. Teltow 2 Froh Frei 3: 3: 2. 8: 0. 1 1 Gewerkschaftliches Die Sipo als Schützerin der Streitbrecher Die Angestellten im Scala- Restaurant, Inhaber Gräff, streifen seit acht Lagen, weil der Unternehmer den Betriebsrat nicht ans erkennt und entlassen hat. Die Belegschaft hat sich fast restlos zum übergroßen Teil mit ihrem gewählten Betriebsrat solis darisch erklärt und fast einmütig die Arbeit niedergelegt. Der Unternehmer Gräff versucht mit Hilfe von einigen Streitbrechern seinen Betrieb aufrecht zu erhalten. Zum Schuge der Streit brecher ist eine fliegende Wache im Scala- Restaurant von unge fähr 20 Sicherheitsbeamten eingerichtet und dort auf das Beste verpflegt worden. Am Sonnabend, den 22. Januar, versuchten die Streifenden etwa ankommende Arbeitswillige auf ihr schändliches Tun aufmerksam zu machen. Es hatten sich im Lofal von Gräff einige wohl zufällig dort als Gäste anwesende Angestellte aus dem Gewerbe eingefunden, die bei der Bezahlung der Zeche es abs lehnten, die 10 Prozent Aufschlag zu zahlen. Bei dieser Gelegenheit wurden dieselben von der Sicherheitspolizei aus dem Lokal hinausgebracht. Auf der Straße entspann sich nunmehr auf Grund des Vorkommnisses von drinnen eine Auseinandersetzung, die zu Aufläufen Anlaß gab. Der Führer der fliegenden Wache vom Sonnabend, den 22. Januar, abends gegen 10 Uhr, ein durchaus nervöser Beamter, liez in seiner Vernehmung, nachdem er mit der Signalpfeife dauernd Signal gepfiffen hatte, die Worte fallen: Und wenn es über. Leichen geht, ich werde schon Ordnung schaffen". Die Streitposten benahmen sich durchaus ruhig und vernünftig. Ihre Versuche, die Beamten darauf auf merksam zu machen, daß der Streifende das Recht zum wurden von habe, den Beamten Streitposten- Stehen Worten erwidert: Wenn Gie was mit folgenden wollen, beschweren Sie sich bei dem Polizei- Präsidenten über uns, da werden Sie die Antwort bekommen". Es haben auch einige Verhaftungen stattgefunden. Die Verhafteten find aber nicht nach der Wache in der Marburger Straße 8, sondern zu ihrer Verneh= mung in die Räume der fliegenden Wache im Scala- Balast gewaltsam und gegen ihren Protest gebracht worden. Gegen 11% Uhr abends, als alles sich verlaufen hatte und die Straße durchaus das Bild des Alltags bot, tam ein Personenauto, dem ein Offizier in feldgrauer Uniform nebst noch acht Sicherheitsbeamten entstieg. Der Offizier ließ die fliegende Wache sofort raustreten und informierte sich, was dort vorgefallen war. In demselben Augenblid tam ein Lastauto mit 40-50 Sicherheitsbeamten. Dieselben stiegen ab und zogen einen Kordon um den Scala- Palast, so daß man annehmen mußte, der Bund der Lands wirte, der nun dort noch von den Streitbrechern bedient wurde, sollte ausgehoben werden. Wir glauben jedoch annehmen zu tönnen, daß die Sicherheitspolizei Aufstellung genommen hat, um das Vergnügen des Bundes der Landwirte über die Polizeis Stunde hinaus geschehen zu lassen. Wir werfen hier öffentlich die Frage auf: Duldet der Polizeipräsident, daß die Streitenden durch seine Unterorgane in solcher Art und Weise provoziert und Hat der Polizeipräsident nach irgend behandelt werden? welchen Bestimmungen die Anordnung zur Einrichtung einer Hat der fliegenden Wache im Scala- Palast gegeben? Bolizeipräsident veranlaßt, daß 70-80 Sicherheitsbeamte des Nachts bei Wind und Wetter wegen 14 Streitbrecher stundenlang bis an die Zähne bewaffnet( mit Karabiner bei Fuß) Posten stehen müssen? Wir werfen weiter die Frage auf, wer trägt die Kosten und was sagt die Oeffentlichkeit dazu? Die Streifen den sind guten Muts. Das Recht liegt auf ihrer Seite und geht der Kampf weiter. Der Scala- Betrieb ist für organisierte Gastwirtsangestellte ges Sperrt. Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Café- Angestellten, Zweigverein Groß- Berlin. Auch ein Geschäftsmann. Die Kolleginnen und Kollegen ber Firma J. Schuch u. Co., Berlin, Dresdener Straße 39-40, befin den sich im Streit. Infolge des schlechten Wetters in den letzten Tagen haben die Streitposten genannter Firma in einem dem Betrieb gegenüberliegenden Torweg vor dem andauernden Re gen Schuß gesucht. In dem Hause befindet sich ein Lebensmittel geschäft von E. Stridroht. Der Inhaber oder dessen Vertreter untersagte den Streitposten den Aufenthalt im Torwege, da sein Geschäft angeblich darunter leidet. Also Arbeiterfrauen, seht Euch die Geschäfte an, denen Ihr Euer sauerverdientes Geld zukommen laßt. Es beleuchtet dies treffend den Standpunt welchen viele Geschäftsleute den um ihre Eristenz ringenden Klah sengenossen gegenüber einnehmen. Die Streitleitung. Aus den Organisationen Mittwoch, den 26. Januar 4. Diftritt. 10. Abteilung. Extrazahlabend 7 Uhr, bei Thomaschewsky, Wran gelstraße 104. 11. Diftritt. Arbeitslose Genossen, die vier Wochen arbeitslos, sechs Monate Freiheit Abonnent und sechs Monate Parteimitglied Find und im Februar bie Freiheit" gratis beziehen wollen, melden sich bis zum 28. Januar bei ihren Abteilungsführern. Reukölln, Brih, Bulow, Rudow, 14. Berwaltungsbezirt. Bollversammlung bet Agitationstommission, Landagitation, 7 Uhr, bei Crentl, Hermannstr. 213. Charlottenburg. 4. Gruppe. Extrazahlabend 7 Uhr, bei Thelen, Kaiser- Fried rich- Str. 456. Vortrag. Charlottenburg. 8. Gruppe. 7% Uhr, Zahlabend bei Kürsten, Marburge Straße 8a. Bon jetzt ab finden unsere Zahlabende dort statt. Schöneberg- Friebenen. Abends 7 Uhr, bei klame, Frig- Reuter- Ede Map Straße, Sigung der Landagitationstommiffion. Wir bitten alle Genossen und Ge noffinnen, die fich an der Landagitation beteiligen wollen, pünktlich zu erscheinete Schmargendorf- Grunewald. Abends 7 Uhr, Mitgliederversammlung. Vereinskalender Mittwoch, den 26. Januar Touristen Berein„ Die Naturfreunde". Ortsgruppen- Generalversammlung Bet ber Aula Meinmeisterstr. 15, 7 Uhr. Einlaß nur mit Mitgliedstarte. Emil Rabolb, Berlin. Verantwortlich für die Rebattion: antwortlich für den Inferatenteil: Ludwig Komeriner, Karlshorft. Drud der Freiheit Verlagsgenolenichaft Freiheit" e. 6. m. b. 5.. Berlin. Druderei 6. m. b. 5., Berlin C. 2. Breite Stroke 9.0 Kein Streik In der SCALA LUTHERSTR 22-24 DIE VARIETE BÜHNE GROSS- DERLINE denn das Varieté und die Restaurationsbetriebe sind getrennte, selbständige Unternehmungen. Zur Jugendweihe Ins Leben hinein geben wir unsern Kindern Für die Jugend zusammengestellt von Gg. Engelbert Graf. 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