Ur. 207. Adoimement«-Krdwgmlge«: Bbonnement«-Prei» pränumerando! vtertekjährl. 3L0 Mr.,«onatl. 1,10 Ml., wöchentlich 23 Pfg. frei In» Hau». Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag«- Nummer mit illustrirter Sonntag»- Beilage„Die Neue Welt» 10 Pfg. Poft- Abonnement: ZL0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zettung»- Preisliste für ISS? unter»r. 74S7. Unter Xreuzbanb für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland S Marl pro Monat. Erscheint täglich auster Wonlag». 14. Iahrgi. Die Insertions-Gebülfr beträgt für die fechSgsspallene Kolonel- zetle oder deren Raum»0 Pfg., für verein»- und versammlungS-Anzeigen, sowie ArbettSmarN 20 Pfg. Inserats für die nächste Nummer müssen bi» t Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bis o Uhr vormittag» geöffnet. Devliner VolKsblakk. Fernsprecher:«ml I, Sr. 1508. Telegramm- Adresse: „Solialdeuioliral vrrlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Jfactet Deutschlands. JledalUlon: SV. 19. Ueuly-Straße 2. Expedition: SV. 19, Aienty-Stnche 3� VÄndliche Arbettortvohnungen. Die Mittheilungen des Pastors Göhre über die scheußliche» Wohnungsverhältniffe der Arbeiter im Oderbruche haben bekanntlich de» höchsten Unmutb der Herren Grundbesitzer und ihrer politischen Freunde erregt. Die„Deutsche Tageszeitung" macht einige sehr lächerliche Versuche, ihre Junkersreunde zu schützen und die Göhre- scheu Ausführungen als übertrieben hinzustellen. Wir wollen, um die Herren Bündler bei guter Laune zu erhalten, einige weitere Bei spiele beibringen, wie es in ihre» Domänen und wie es mit der Arbeiterfreundlichkeit ihrer GestnnmigSfreunde vielfach aussieht. Es liegen einige Berichte von Privatpersonen sowie neue amt lich« Auslassungen dafür vor. Unserem Roftockrr Partei-Organ, der„Mecklenburgischen Volks zeitung" entnehmen wir das folgende: Es handelt sich um die Einquartierung von 34 Schnittern aus Ostpreußen auf dem Rittergute Walke ndors, Rillerschaflliches Amt Gnoien. Walkendorf, an Umfang eines der größten mecklen- burgischen Güter, gehört dem Grafen von Basse>vitz-Behr. Die 34 Schnitter, unter denen sich verheirathete und ledige Personen beiderlei Geschlechts befinden, sind in zwei leer stehenden Tagelöhner- Wohnungen untergebracht, so daß auf jede Wohnung 17 Personen kommen. Jede Wohnung besteht aus 1 einfenfirigen Stube von 3,30 Meter Länge, 3,70 Meter Breite und 2,40 Meter Höhe; 1 schmalfenstrige» Kammer von 3,50 Meter Länge, 2,60 Meter Breite, 2,40 Meter Höhe; 1 fensterlosen Küche von 3,S0 Meter Länge, 2,30 Meter Breit« und 2,40 Meter Höhe. Ucber der Wohnung, direkt unter dem Strohdach, befindet sich ein niedriger Boden, der nur in der Mitte erwachsenen Personen eine ausrechte Haltung gestattet. Der Fußboden der Stube, Kammer und Küche besteht aus Lehmfchlag � an den Wänden sind Spuren eineS einstmaligen Kalkanstriches zu entdecken. Die Verbiudungsthür zwischen Stube und Kannner ist ausgehoben und entfernt, um Platz zu ersparen. Der Fußboden in der Kammer und in der Stube ist niit Stroh lager bedeckt;«i find kurze Pfähle in den Lehmschlag getrieben und an diesen Pfählen Latten befestigt; dadurch werden niedrige Ver- schlüge gebildet, auf die sich die einzeln«» Familien der Schnitter vertheilcn. In der Wohnstube ist außerdem ein Tisch ausgeschlagen, an welchem die Insasse» jeder Wohnung ihr« Mahlzeiten einnehmen solle», die aus dem Herd in der Küche gemeinsam bereitet werden müffen. Di« eine Wohnung ist für die verheirathete» Schnitter und Schnitterinnen bestimmt; jedem Ehepaar ist ei» schmaler Verschlag als Lagerplay zugewiesen. Außerdem sollen auf dem Dachboden dieser Wohnung die ledigen Männer ihr Nachtlager aufschlagen Die andere Wohnung ist von den ledigen Mädchen eingenommen. die dort unter der Aufficht eines mit seiner Ehefrau einquartierten Vorarbeiters hausen sollen. Man stelle sich die kleine, enge, niedrige Wohnung vor und man erhält ein Bild davon, wie eingepfercht die Schnitter und Schnitte rinnen wohnen müssen! Und in demselben Raum, in welchem ein Th«I schläft, müssen auch die Mahlzeiten eingenommen werden! Es ist klar, daß die bescheidensten Ansprüche an Ordnung und Sauber- keit in einem derartigen enge» Mastenquartier nicht befriedigt werden können. Und wo bleibt die Sittlichkeit und da? natürliche Schamgefühl? Man bedenke, daß die Ehepaare sowohl wie die ledigen Personen sich zum theil bisher noch nie gesehen haben und jetzt gezwungen sind, die intimsten Vorgänge unter den Augen fremder Personen vor zunehmen! Solche Zustände fordern die schärfste öffentliche Kritik heraus. Und doch« kann von einer Wohnungsnolh in Walkendorf absolut keine Rede sein. Wenn auch die Echnitterkaserne, ein neues für die Schnitter bestimmtes Gebäude, noch nicht vollendet ist. so hätte man doch die eingetroffenen 34 Schnitter in einer mehr der menschliche» Würde entsprechenden Weise einquartieren können. Der Graf, welcher seinen ständigen Wohnsitz in Lützow hat, bewohnt mit seiner Familie das Wohnhaus auf dem Hofe nicht; dasselbe bietet ausreichenden Platz, um die 34 Schnitter nnterzubringen Aber selbstverständlich stehen die ostpreußischen Arbeiter und Av beiterinnen in den Augen des Grafen und seines Stellvertreters so tief, daß ihm der Gedanke wohl nicht einmal im Traume kommen wird, die Art und Weise, wie man dies« Menschen in Waltendorf einquartiert hat, sei eine ganz unzulässige, bei der wichtige gesundheitliche Rücksichten unbeachtet geblieben sind.— Ferner können wir«inen Beleg für die elende Beschaffenheit der mecklenburgischen Arbeiterwohnungen beibringen und zwar in Gestalt eines Schmerzensschreies, den ihr Inhaber in einer Eingabe an das großherzogliche Ministerium ausstößt. Diese Eingabe vom lt. August d. I. lautet: „Zu Hof Neuenhagen bei Dassow, wo ich seit einigen Jahren wohne, sind die Wohnungen durchweg schadhast. Die meinige, in welcher ich wohne, ist dermaßen schadhaft und verfalle», sowie von Ungeziefer(Ratten) nnterivühlt, daß sie als menschliche Wohnstätte durchaus uugeeignet erscheint. An die eine Etubenwand grenzt ein Schweinestall; seit längerer eit haben nun die Schweine die Wand eingestoßen, so daß der eruch des Schweinestalles in die Stube dringt. Auch die Ratte» haben Stall und Stube dermaßen unterwühlt, daß die Jauche vom Schweinestall nicht nur unterhalb des Slubensußbodens läuft, sondern auch de» Fußbode» stellenweise durchtränkt. Hierdurch wird die Wohnung nicht nur feucht, sondern die ekle Flüssigkeit verbreitet auch einen verpestende» Geruch. Dadurch wird meine und meiner Familie Gesundheit ernstlich gefährdet, zumal ich selbst zur Zeit arbeitsunfähig bin und mich in ärztlicher Behandlung befinde. Die Ratten lausen uns des Nachts über Gesicht und Hände; ja es ist mehrfach vorgekommen, daß das kleinste Kind von einer Ratte gebissen wurde und furchtbar aufschrie. Obgleich ich meinerseits mehrfach nach Feierabend und Sonntags Reparaturen vorgenommen, so bin ich doch nicht im stände, diesen verheerenden Berwüstunge» Einhalt zu thun. Da ich nun dem Gulsinspektor Bobzin Hierselbst schon mehrfach Vorstellungen gemacht und darum gebeten habe, daß meine Wohnung reparirt werde, aber immer vergeblich ans Abhilfe warte, so beantrage ich, das groß- herzogliche Ministerium des Innern wolle meine Wohnung sofort uniersuchen lassen und anbefehle», daß dieselbe gründlich reparirt werde." So der Wortlaut dieser Eingab«, deren schlichter Inhalt für sich selbst spricht. Er öffnet den Blick in ein Arbeiterelend und i» geradezu himmelschreiende Wohnungszustände im mecklenburgischen Junkerparadiese! füb das Ministerium dem Junker auf Neuenhagen die Dringlichkeit einer Reparatur seiner Arbeiterwohnungen wird haben begreiflich machen können? Aber auch mit amtlichem Material können wir den Plötz- lingen aufwarten. Der vor kurzem erschienene, im Austrage des Kultusministers von der Medizinalabtheiluug des Ministeriums be arbeitete Bericht über das Sa nitäts wesen des preußi scheu Staates während der Jahre 1339. 1890 und 1391, also eine Quelle, der wohl selbst die Agrarier nicht de» Vorwurf zu machen ivagen,„daß sie überall herumschnüffelt, um brauchbares Material zum Kampfe gegen die Landwirthschaft zu finden," erkennt ohne weiteres a» daß die ländlichen Wohnstätten an hygienischen Einrichtungen weit hinter de» städtischen zurückstehen. Ob freilich der Umstand,„daß sich die ländliche Bevölkerung größtcntheils so viel im Freien ans hält, daß den Wohuungsverhältnissen gar nicht dieselbe Bedeutung zukommt, wie in der Stadt", ein Entschuldiguugsgrund für so menschenunwürdige Zustände ist, bleibe dahingestellt. Die Folgen mangelhafter Wohnungen äußern sich für die Landbewohner genau in derselhen Weise, wie für die städtischen Arbeiter, nur die Ursachen der Mißstände sind verschieden. Ans dem platten Lande ist nicht, wie vielfach in der Stadt, der übermäßig hohe Vodenwerth oder eine zu starke Anhäufung der Bevölkerung schuld an der Wohnungsnolh, sonder» die Thatsache, daß der Arbeitgeber, der solche Wohnungen stellt, meist als Guts» oder Aintsvorsteher auch die lokale Polizei ausüfit. So kommt es. daß zwar auch auf dem Lande Baupolizei-Ordnnngcn erlasse» werden, daß aber ihre Durchführung mehr als milde ge- handhabt wird. Nicht die„Sorglosigkeit der ländlichen Bevölte rung gegenüber gesundheitlichen Gefahren", sondern der Geld punkt spielt hier die Hauptrolle. Ost ivird zum Bau grund ein mooriges oder sumpfiges Terrain gewählt, wodurch das Anfsteige» von Feuchtigkeit in den Wänden und ihre Ausbreitung in den Wohnräumen begünstigt wird, es werden keine Unterkellerungen vorgenommen, der Fußboden wird nicht immer gedielt oder wenigstens mit Fliesen belegt, die Wände werden oft noch auS Lehm oder in Fachwerk errichtet. Kein Wunder. daß bei einer so mangelhaften Bauanssührung noch vor wenigen Jahren im Regierungsbezirk Bromberg zwei Kinder durch Einstürze» der Wände in ihren Bette» erschlagen wurden! Auch die Heiz- anlagen entsprechen nicht inimer den baupolizeilichen Vorschriften. Die Ofenklappen sind namentlich in den Regierungsbezirken Königs berg und Frankfurt noch immer nicht verschwunden. I» einem Dorfe bei Frankfurt kamen in der Berichtszeit noch drei Personen durch diese Einrichtung ums Leben. Für den Abzug des Rauches wird häufig in der primitivsten Weise gesorgt. Im Regierungs bezirk Marienwerder dienten in einer Wohnung zwei Pappstücke als Rauchfang und ein großes Loch in der Decke für den Rauchabzug; in diesem Räume wurde gekocht und geschlafen. Die Schlafräume auf dem Laude finden sich überhaupt entweder in fensterlosen Dachkammern und Verschlügen, oder aber eS wird in den zum Wohnen bestimniten Räumen geschlafen. In welchem Zustand sich diese Räume befinden, ist nach dem Gesagten leicht zu erkennen. Durch ganz besonders schlechte Wohn- und Schlaf räume scheinen sich die Regierungsbezirke Königsberg und Oppeln auszuzeichnen, über welche sich der amtliche Bericht, wie folg», äußert „Bei der weitläufige» Bebauung, wie sie auf dem platten Lande üblich ist, sollte es leicht möglich erscheine», den Wohnräumen genügend Licht und Lust zuzuführen. Aber spärliche und kleine Fenster sorgen dafür, daß Lichtfülle und freilich auch die kalte Winterluft dem Hause des Landbewohners nach Möglichkeit fernbleiben. Da Fenster und Thüren häufig in morsche» und halb- verfaulten Nahmen stecken und schlecht schließen, so werden erstere im Winter zum Schutze gegen die Kälte mit Stroh, alten Lumpe» u. dergl. verkleidet und so das spärliche Tageslicht vollkommen ab gesperrt. Der an sich schon knapp bemessene Luftraum, der bei der meist sehr zahlreichen Bewohnerschaft zuweilen kaum 2 Kubikmeter pro Kops beträgt, wird durch verschiedene Umstände»och übermäßig verschlechtert. In Ermangelung von Vorrathsräumen werden die Vorräthe an Kartoffeln u. s. w. im Wohnzimmer untergebracht, ge wöhnlich unter den Betten. Dazu kommt in manchen Gegenden das beliebte Krautfaß. Auch die Hausthiere, insbesondere Schweine undZiegen, werden, zumal im Winter. wo die Ställe zu kalt sind, im Wohnraum« unter- gebracht." Neu sind übrigens derartige Zustände nicht, denn schon in einem 1332 veröffentlichten Bericht aus den Kreisen Labiau-Wehlan heißt es von den Arbeiterwohnungen: „Durch die erblindeten Scheibe» eine? kleinen Fensters, das meist gar nicht geöffnet werden kann, fällt wenig Licht in den Raum, und unter dem Ehebett enthält ein mit Brettern nothdürftig gigedeckteS Loch den Kartoffelvorralh für die Wintermonate. In zen kälteren Äintertagen logiren wohl auch Hühner und junge Ferkel wegen Mangels an geeigneten Unterkunftsräumen ebenfalls in der Wohnstube." Daß oft genug mehrere Fannlien mit Mägden und Knechten und mit erwachsenen Kindern beiderlei Geschlecht? in demselben Räume wohnen und bisweilen auch schlafen müssen, ist bekannt; am ungünstigsten scheinen hier die Verhältuiffe im Regierungsbezirk Breslau zu liegen, wo in einem Hanse von Lehn« fach werk und reicher Bedachung in einer gemeinsamen, niedrigen, finsteren, heizbaren Stube mit Fußboden von Lehm- Ziegeln neun Familien wohnen, von denen jede nur noch eine ganz kleine, schlecht beleuchtete und nicht ventilirte Kammer von 8 Quadratmetern Grundfläche hat. Im allgemeinen sind die Zustände in den ostelbischen Provinzen weit schlimmer als in den westelbischen, doch begegnen wir auch hier noch Verhältniffen, die jeder Kultur Hohn sprechen. Hierher gehören die im Regierungsbezirk Stade vielfach noch vorhandenen sog.„Butzen", mit einem Schieber zu verschließende und zu öffnende schrankähnliche Bretterverschläge. In einer solchen Butze schlafen oft fünf bis sechs Personen unter einer Decke.„Man fiichet auf den Dörfern die Butzen mit ihr«» Hohlräumen unten überall angefüllt mit halb- vermoderten Kartoffeln, Lumpen und altem Geräthe. Der Unrath der Stube wird dorthin gesegt. Gelegentlich findet man auch eine Sündin mit ihren Jungen chort liegen. Die Reinigung dieser Butzen and früher nur bei Gelegenheit von Hochzeiten statt, jetzt erfolgt sie»vohl häufiger, aber wenig intensiv." Gegenüber diesen, offiziellen Aktenstücken entnommenen Schilde- rungen, die mir noch um manche interessante Einzelheit eriveitern könnten, werden wohl selbst die eingefleischtesten Agrarier nicht mehr von paradiesisch schönen Zuständen aus dem Lande zu reden wagen. Selbst die bessernde Hand anzulegen, dazu fehlt es de» Herren an gutem Willen und sozialer Thalkraft. So dürfen sie sich denn nicht ivunder», wenn mit der wachsenden Einsicht der Landbevölkerung von der Univnrdigkeit solcher Zustände anch diesem Theile der Ar- beiterschaft die Erkenntniß dämmert, daß sie cine gründliche Abhilf« sicherlich nicht von diesen„Edelsten und Besten der Nation" zu er» hoffen haben!_ DolMfrhe Tleberfiitzk. Berlin, 4. September. Der alte Nörgler im Sachsenwalde macht wieder mal von sich reden. Und das muß man ihm lassen: Er giebt edem sein Theil. Diesmal haben es sein« n t i m st e n Verehrer abbekomnien. Als Bismarck's charfe Aussprüche gegen die jtonservativen durch die„Ncne �reie Presse" bekannt wurden, da sandten sie ihm chnell eine Deputation. um die Sache aufzuklären, und ) e r r v. L i m b u r g- S t i r u m kehrt heim zwar nicht froh achend, aber doch beruhigt und die seinigcn beruhigend, denit Bismarck sollte sie nicht gemeint haben, sondern andere Leute, die früher einmal die Partei geführt hatten. Doch der Jubel war v e r s r ü h t. Wohl wird Bismarck als ein„Mann von guter Sitte" dem Herrn v. Limburg- Stitunt sanft zugeredet haben, doch tags darauf kam Herr H a r d e n- Wittkowsky zu ihm, der zu keiner Partei zähl«« will und nur„die große Individualität" ver- ehrt, also jedes Wort des„Heros" mit staunender Andacht aufnimmt, und ihm schüttelte der alte Herr sein volles Herz ans, daß es cine wahre Freude ist. Eine wahre Freude für alle Welt, nur nicht für die Herren Konservative». Denn deren Bild malt er nochmals in scharfen Zügen, niit satten Farben. Er wiederholte sei» Wort von Streb er ei, ihre Sucht nach Aemter» und V o r t h e i l e n, i h r e A r b e i t s u n l u st; wir theilten diese Ansführnngen gestern schon ausführlich mit. Aber, damit ja kein Zweifel bleibe, fügte er noch ausdrücklich in bezug auf die gegenwärtige Fraktion der Konservativen hinzu, daß die Leistungen derselben ihm nicht g e r a d c B e w u n d e r n n g a b n ö t h i g te n und daß sie die Begriffe konservativ und gouvernemental verwechseln und wohl selbst nicht wüßten, was sie e i g e n t- lich wollten. 1 Diese Pillen schmecken den Regierungs-Konservativen natürlich sehr bitter. Welch Undank! Wie haben sie de» Mann verherrlicht und nun das! Die„Krenz-Zeitung" ist noch ganz stumm vor Schreck. Der„Reichsbote" bringt einen langen Jammcrartikel: „Wie schön wäre es, wenn die reichstreuen Parteien, deren Kern doch die konservative ist, in ihrem Kampfe gegen die destruktiven Bestrebungen den Fürsten Bismarck oder die Autorität seines Namens an ihrer Spitze hätten! Statt dessen schwingen die Demokraten diese Kundgebungen vor den Auge» der großen Menge und halten ihr vor: seht, so urtheilt Bi?- marck über die Konservativen— solche Leute werdet Ihr doch nicht wählen!.. Zufrieden ist von den konservativen Blättern nur di« „Deutsche Tageszeitung", die ja eine besondere Stellung ein- nimmt im Chorus der Rechten. Die Herren vom„Bund der Landwirthe", die gern alle rechts- politischen Parteien in ihr Schlepptau ziehen, ihren wirthschaftlichen For- dernngen dienstbar machen wollen, erfreuen sich eher der Bismarck'schen Aussprüche. Ja, der gewaltige Säkularmensch ist auf das Niveau der Plötze und Hähne ge- kommen! Und noch mehr freuen sich unsere Liberalen. Der Leitartikler der„V o jj i s ch e» Zeit» n g" ist ganz entzückt WWW� und wird wohl dem Sachscnwäldler und Berliner Ehrenbürger alsbald die Ehrenniitgliedschgft der„Freisinnigen Ver- tkinigung" anbieten. Bismarck hat sich anch über die Marine sorderungen ausgesprochen. Er hat gesagt, es müsse bewilligt werden, was die Fachmänner für nöthig halten, aber er hat mit unverkennbarer Spitze gegen kolo- niale Erobererpolitik, Paradeschiffe und phantastische Pläne ge- "prochen. Darüber ist die Vossin aus dem Häuschen. Bismarck ist ihr jetzt mit einem Male„der getreue Eckart"; sie erklärt ihm ihre Dankbarkeit;„F ü r st Bismarck hat d e m L i b e« r a l i s m u s einen D i e n st g e l e i st e t." Es ehrt den Liberalismus fürwahr sehr, daß er jetzt sogar die politische Leiche des alten Kanzlers als Helfershelfer an- sunehnien bereit ist. Der trauernde Konservative und der freudige Liberale »nd beide gleich amüsante Figuren.— Herr Meline, eine nicht allzu verbesserte und französisch verfeinerte Ausgabe unseres Herrn v. Plötz, den doch niemand "ur einen Politiker und am allerwenigsten für einen Diplomaten >alten kann, hat die Revanchc-Jdee in einer Depesche an anncktirte, aber allezeit französische Lothringer" wieder anzufachen gesucht. Dem französischen Minister de? Auswärtigen dürfte dies'höchst unbequem sein, umso mehr, als das deutsche Auswärtige Amt diesmal klug genug war, die Sache sehr kühl zu behandeln und damit Herrn Meline in dem Ansehen seiner Parteigänger viel mehr heruntersetzte, als wenn eZ hätte Kanonen auffahren lassen.— In Athen rechnet man stark auf englische Hilfe in der Notfy Das Blatt �Asty" veröffentlicht einen Zlrlikel, welcher die Hoffnung ausdrückt, dop England allein die Kriegsenlschädigungs- Anleihe garantiren werde. Der Artikel scheint die in amtliche» Kreisen vor- herrschenden Ansichten wiederznspiegeln. Ferner wird mitaetheilt, daß die griechische Regierung, jedenfalls um der Kostenersparniß willen, beschlossen hat, die letzte Reserveklaffe zu entlassen. Aus Canea wird berichtet, daß die Admirnle eine Ver vrdnung betreffend die Einrichtung einer internationalen militärischen Gerichtskommission erlassen haben. Diese Kommission soll insbesondere Handlungen gegen die öffentliche Sicherheit seitens Eingeborener soivie türkischer Unterthanen und Ausländer nach den Bestimmungen des italienischen Militär Strafgesetzbuches abnrtheilen. Es soll also eine völlig« Militärdiktatur auf der bedauernswerthen Insel eingerichtet werden.— Tie Aufständischen in den indisch-afghanischen Gebirgen haben, wie amtliche Londoner Berichte mittheilen, bedeutende Streitkräfte znsammengezzgcn. Möglicheriveise werden Bara und Jamrud(zwei Meilen westlich von Peschawur) angegriffen werden. Der kom- niandirende Offizier in K o h a t(ca. 12 Meilen südlich von Peschawur auf der afghanischen Grenze) hat eine fliegende Kolonne ausgesuchter Truppen nach Sadda entsandt; dieser Ort wird nunmehr für gesichert gehalten.. Weileren Berichten zufolge verbindet sich ein Theil der Afridis mit den Orakzais, um Samana und Hang»(westlich von Kohat) anzugreifen. Ein Kamps hat bereits bei Doaba auf der Straße von Hang» nach Thnll stattgefunden. Oberst Abbott griff mit einer Schwadron des 18. bengalischen Nlaneuregimcnts, dem 15. Sikh Regiment und zwei Geschützen den 1500 Mann starken Feind an, der sich zurückzog. Der Staatssekretär für Indien, Lord Hamilton, hat die End sendung einer starken Expedition in die Berge von Tirah, dem Stützpunkt der Afridis, genehmigt. Ferner kommt aus W o o l w i ch die bemerkenSwerthe Nachricht, daß eine Batterie reitende Artillerie sowie die erforderlichen Mannschaften reitender und Feldartillerie nach Indien beordert wurden, um dort stehende Batterien aus Kriegsstärke zu bringen. Man er- sieht hieraus, wie ernst den Engländern die Lage i» der Nordwestecke ihres indischen Reiches erscheiul Es wird große Anstrengitngen kosten, um die rauhen Gebirgsstämme. denen die außerordentlichen Terrainschwierigkeiten sehr zu gut«' kommen, zur Ruh« zu bringen. Sollte aber der Emir A b d u r r h a m a n von Afghanistan wirklich zu Feindseligkeiten gegen die mit ihm verbündeten, aber darum nicht weniger gehaßten Engländer schreiten, so würden unabsehbare Weiterungen zu erwarten sein. Doch hierüber besteht noch keine Klarheit. Mauche Anzeichen deuten darauf hin, daß der Emir, sei es durch die türkischen Siege ermuthigt, sei eS von Rußland aufgestachelt, der englischen Herrschaft in Indien Abbruch zu bereiten geneigt ist. Anderseits dürste der Emir sich auch beimißt sein, daß die russische Freundschaft ihm eher noch ge- fährlicher werden könnte als die englische. Will man sich klar werden, welcherlei Ereignisse für die nächste Zeit zu envarten sind, so ist die Darlegung sehr berechtigt, welche der Befehlshaber des KriegSznges gegen Tschitral vor zivei Jahren, General Sir Robert Low i» einem Schreiben au den„Standard" giebt. Er wendet sich gegen diejenigen, die eine baldige Entscheidung a>» der indischen Nord- grenze verlangen. Die indische Negierung, meint General Low, habe bereits ihre erste Pflicht erfüllt, indem sie die Dörfer in den Ebenen schützte. Die Offensive des Feindes sei verhindert worden. Deshalb könne eine Zeit verstreichen, ehe zum Angriff vorgegangen wird. Die jetzige Jahreszeit sei die gesundheitsschädlichste in jenen indischen Gegenden. Man darf auch nicht vergessen, daß für die Berproviantirung zu sorgen ist, wenn man einen Feldzug unter- nehmen will. An der nordwestlichen Grenze giebt es nichts zu requirire», aller ProviaUt muß von weither geschafft und aufgespeichert werden, und dazu braucht man Zeit. General Low meint, mau solle sich in England ganz zuftiede» geben, wenn in«inigen Woche» »die Züchtigung der Aufständischen" beginnen wird.— *** Tentsches Reich. — Großes Geschrei erheben natimialliberale und ähnliche Blätter darüber, daß die Generalversammlung der Katholiken in Landshut ihre gewöhnliche Resolution für die Wieder- Herstellung der weltlichen Macht deS Papstes wiederholt angenommen habe. Das sei, so sagen die„Hamb. Nachrichten",„der Versuch einer tiesgreifenden Umgestaltung der aktuellen politischen Berhältniffe eines uns verbündeten Staates und dieser Versuch wird unternommen von einer Partei, welche im Reichstage die Situation beherrscht und sich leider nicht selten alS eigentlich« Stütze der Regierungspolitik geberden darf". Nur der Aerger über die starke Stellung deS Zentrum? im Reichstage ist es offenbar, der die„Hamburger Nachrichten" zu ihrem Gebahr»« veranlaßt. Denn mit jeuer berühmten Zentrumsforderung ist eS ja dieser Partei selbst offenbar garnicht recht Ernst, hat sie sich doch noch niemals ihre Parteistellung zu einem parlamentarischen Vorstoß in jener Richtung zu benutzen getraut. Die Forderung der weltlichen Papstmacht ist eben blos ein Schaustück deS KlerikaltsmuZ, gut um die Auge» der Frommen zu blenden und die weltlichen Interessen der ZentrunrSmänner in ein magisches Licht zu hüllen.— — Die scharfe Behandlung der Polen wird von den preußischen Behörden flott fortbetrieben. Die„Germania" meldet wieder neue Fälle, die ganz dazu angethan sind, den Polen den Staat, in dem sie leben müssen, recht zuwider zu machen. So ist dem katholischen Gewerbeverein in Wollstein ohne Angabe von Gründen die Genehmigung zur Abhaltung eines Sommerfestes versagt und eine hiergegen an den Landrath in Bomst ge- richtete Beschwerde in ablehnendem Sinne beantwortet worden. In der Antwort de? LandratheS heißt es. der Verein habe seine polnisch- nationalen Bestrebungen in einer die öffentliche Ordnung verletzenden Weise dadurch an den Tag gelegt, daß er bei dem Sommerscste im Jahre 1895 die begleitende Musikkapelle ausdrücklich veranlaßt habe, die Lieder Los« coS Polsk?, Z dyrnern Poiarow und Jeszcze Polska nie zgm«)a zu spielen. Eine Gewähr dafür, daß ähnlich« Vorgänge sich nicht wiederholen würden, sei um so weniger vorhanden, alS inzwischen eine Anzahl Vereinsmitglieder von deutscher Muttersprache sich ver- anlaßt gesehen hätten, aus dem Vereine auszuscheiden. Von der Abhaltung des beabflchtigten öffentlichen Aufzuges und der öffent- lichen Versammlung unier freiem Himmel sei daher eine Gefahr für die öffentlich« Ordnung zu befürchten. Die in dieser Antwort behaupteten Thatsachen werden vom„Kuryer Poznanski bestritten. Der Landrath sei wohl von unbekannten Denunzianten irregeführt worden, da auf dem Sommerseste im Jahre 1895 thatsächlich keines der drei erwähnten Lieder gespielt worden, eS auch keinem Vereinsmilgliede eingefallen sei. das Spielen derselben von der Musikkapelle zu verlangen. Zugegeben wird von dem polnischen Blatte, daß drei deutsche Mitglieder aus dem Vereine ausgeschieden seien, aber nachgewiesen, daß der Anlaß hierzu nicht in polnisch-nationalen Bestrebungen des Verein? zu suchen sei. Wie das Blatt noch mittheilt, war der Ertrag des Festes für die Opfer der jüngsten Ueberschwemmungen bestimmt. Die Betheiligten werden Beschwerde gegen den Landrath führen. aber vorläufig ist ihr Fest vereitelt und daß sie auch von der höheren Behörde nicht viel zu erwarten haben, zeigt der nach- folgende Fall: Der Lehrer P a l i n s k i aus Rupieuica bei Bromberg ist wegen Uebersetzung einer Broschüre„Der Teufel in der Schule" und wegen eines Vorwortes zu dieser Uebersetzung seines Amtes entsetzt worden. Er legte Beschwerde beim Ministerium ein und bestritt die ihm zur Last gelegten Vergehnngen. Nach Ansicht der Staalsanwallschnft war die Broschüre„nur deshalb veröffentlicht worden, um die in Preußen bestehenden Einrichtungen deS Volksschulwesens, nameuilich aber die Einrichtungen bezüglich des Gebrauchs der polnischen Sprache in der Schule, in de» Augen des Volkes verächtlich zu machen, ferner die Schub inspektoren und die deutschen Lehrer in der Provinz Posen in der unverantwortlichsten und gehässigsten Weis« zu verunglimpfen Namentlich die Vorrede des Uebersetzers überschreite bei weitem die Schranken der erlaubten Kritik. Der Uebersetzer zeige sich hier als ein fanatischer, antideutscher regier nngsfeind licher Katholik von rein'polnisch-nationalem Charakter, der sich nicht scheue, in agitatorischer und aus reizender, in schwer beleidigender Weise gegen das gegenwärtige Staatssystem, durch welches das Deutschthum in den polnischen Landestheilen Preußens gestärkt werden solle, aufzutreten. Daß ein solcher Mann. wenn er Lehrer an einer deutsche» Volksschule sei, auf diesem Posten nicht länger geduldet werden könne, und daß er als Erzieher der deutschen Jugend für die gedeihliche Weiterentwickelung de« Deutsch lhums in den östlichen Provinzen Preußen» schädlich wirken könne dafür brauche man keine desonderen Beweise." Auch das Ministerium an dessen Sitzung die Herren v. Miquel, Thielen, Dr. Bosse. Schön fledt, v. d. Recke, Brefeld theilnahmeu, wacht« sich diesen staats anwaltlichen Gedankengang zu eigen und bestätigte die Amts entsetzung. So wird ein Lehrer, der vielleicht in heftiger Form das gute Recht seiner Nationalität zu wahren sucht, aus Amt und Brot gestoßen. Und so soll nach unseren Staatsweise»„das Deutsch thum gestärkt werden".— — Die Wirkung des Margarinegesetzes. Einen ausklärenden Beilrag zu dieser Frage bringt eine Korrespondenz der „Franks. Ztg." aus Geestemünde: Die Handelskammer Geestemünde hat, um die mnthmaßliche Wirkung des Margarinegesetzes festzustellen, eine Umfrage in den Hafenorten an der Unterweser in jenen Geschäften veranstaltet, die sowohl Handel mit Butter als mit Margarine treiben. Sie hat die solgenden drei Fragen gestellt: 1. Verursacht die Aussübrnug des Margarinegesetzes für Ihren Geschäslsbetrieb besondere Schwierige leiten? 2. Werden Sie infolge des Gesetzes gezwungen werden, den Handel mtt einem der beiden Produkte aufzugeben? 3. Welches von beiden Produkten würden Sie in diesem Falle aufgeben? Da» Resultat der eingesandten Antworten war«in sehr inter effantes, für Kenner der V-rhältuiffe allerdings kaum zweifelhast. Es wird durch folgende Tabelle veranschaulicht: Zu dem Prozentsatz der noch Unentschlossenen ist zu bemerken, daß vielfach kleinere Kaufleute über die ganze Tragweite der gesetz lichen Vorschriften»och im Unklaren sind. Sie erklären, daß sie deren Wirkung erst abwarte» ivollen; wenn sie jedoch gleich den anderen in die Nothwendtgkeit versetzt werden sollten, einen der beiden Artikel aufzugeben, würde dies ausnahmslos Butter sein, da die Nachfrage nach Margarine eine ungefähr 7 mal so große ist, alS die nach Butter, und der Verdienst für den Händler bei Margarine ein weit größerer fei. Ans dieser Aufmachung ist ersichtlich, daß die von den Urhebern deS Gesetzes ge- hegt« Absicht, den Butterkonsum im Interesse der Land wirlhschast zu heben, kaum erreicht werden dürfte. Welche Schäden aber dadurch hervorgerufen werden, erglebt sich aus ver- schieden«» zu den Fragen gemachten Bemerkungen der Händler. Die groben Wirthschastshöfe pflegen für die von ihnen produzirte Butler meist feste Abnehmer zu haben; anders die HänSler und kleinere» Bauern mit nur einer einzigen oder wenigen Kühen, die wegen ihrer geringen Milchproduktion viel seltener buttern und infolge dessen schon eine geringer« Qualität Butter liefern. Bisher war es Ge- pflogenheit, daß diese sehr zahlreiche Kategorie zu den Markt tage» in den Unterweserorten ihre paar Pfund Butter mit- brachte und sie an die Kolonialwaaren- Geschäfte absetzt«. Alz Gegenwerth tauschten die Leute sodann alle Arten Kolonialwaaren und andere Bedarfsartikel ein, sodaß sick hier ein reineS Tauschgeschäft entwickelt hatte. daS beiden Theilen Vortheile bracht«— den Butterverkäufern besonders dadurch, daß die Kolonialwaarenhändler, um den Absatz ihrer Maaren zu fördern, solche Butler vielfach über den Werth bezahtten oder sie ohne Gewinn weiter verkauften. Dadurch daß viele dieser Kaufleut« infolge des Gesetzes gezwungen werden, den Handel mit Butter aufzugeben, finden die Verkäufer von Butter nicht mehr die Absatzgelegenheit für ihre Waare und fallen andererseits für den Kaufmann als sonst geni gesehene Abnehmer fort. Der Schaden trifft somit beide Theile ganz empfindlich. Wer hat nun eigentlich den Nutzen von dem Gesetz? Für den Distrikt der Unterweserorle jedenfalls nicht der Kleinbauer, der wirthschaftlich schwächste unter den Landwirthen. Was sagen die Herren vom„Bunde der Landwirthe" zu diesen Folgen ihrer GesetzeSmacherei? Angeblich wollen sie die„Land- wirthschaft' schützen und hüten, und thatsächlich helfen sie nur dem Großgrundbesitzer und Großbauern, schädigen aber doppelt den kleinen Bauern und den Arbeiter.— — Gendarmen alS Schulinfpektoren! Der„Tilf. Mg. Ztg." wird aus dem Kreise Niederung geschrieben, daß dort seit einigen Tagen sämmtliche Gendarmen zu Schulinspektoren avancirt seien. Die Regierung zu G u m b i n n e n hat unter dem 31. Juli«ine Verfügung an die Ortsschulinspektoren des Bezirks erlassen, welche zur Bekämpfung der kontagiösen Augenentzündung den Schulvorständen, Lehrern(soweit letztere damit befaßt sind) ic. die Sorge für größte Sauberkeit und dauernde Reinhaltung der Schulzimmer zur Pflicht macht und die Landräthe auffordert, im Aussichtswege über Befolgung dieser Verordnung zu wachen. Das Landrathsamt zu Heinrichswalde hat nun eine Abschrist dieser Ver- sügung mit nachstehender, vom 7. d. M. datirten Zusatzversügung sämmtliche» Gendarmen des Kreises zugesandt: „Abschrift erhalten Sie mit dem Austrage, die Schullokale gelegentlich zu besichtigen. Säumigkeiten, welche sich Schulvorsteher und Lehrer zu schulden kommen laffen, sind mir sofort zur Anzeige zu bringen." So muß sich bei uns der„Sieger von Sadowa" der Gendarmen- Aufsicht unterwerfen. Keine Kränkung bleibt dem deutschen Lehrer- stände erspart.— — Auch in der Landtagswahl. Apolda-Land siegten unsere Genosse» bei Oesterreich. Wie», 4. September. Gegenüber vielfach perbreiteten falschen Gerüchten stellt da«„Fremdendlatt" auf grund authentischer In- formatiönen fest, daß Regierung und Majorität gewillt sind, sich im Sinne der von der Rechten am 1. d. M. beschlossenen Erklärung wechselseitig zu unterstützen, daß die Majoritätsparleien während der Verhandlungen die Nothwendigkeit solidarischen Vorgehens ent- schieden anerkannten und diese Solidarität auch weiterhin einhalten werde». Bei dieser Lage der Dinge sei es selbstverständlich, daß Regierung und Majorität bestrebt sein werden, de» normalen Gang der parlamentarischen Verhandlungen wiederherzustellen. Daß die schönsten Worte des Badent in Oesterreich auf all- gemeines Mißtrauen stoßen, ist bekannt. DaS Hauptorgan der deutsch- klerikalen Partei, das Wiener „Vaterland", erklärt, daß eine Verständigung zwischen der Regierung und der Rechten nicht erzielt werden konnte und, wenn sie überhaupt möglich sei, einer späteren Zeit vorbehalten bleiben müsse. Die katholische Volksparlei veröffentlicht folgende Er« klärnng: Falls die Meldung der„Narodni Listi" über Separat- abmachungen der C zechen mit der Regierung hinter unserem Rücke» auf Wahrheit beruhen, würde dies selbstverständlich auch unser verhältniß znr Majorität alteriren, da wir ein der- artige? Vorgehen mit der bisherigen Basis der Beziehungen der Majoritätsparleien für unvereinbar halten.— Prag» 4. September. Die Sozialdemokraten haben für die morgen stallfindende Massendemonstration gegen die Sprachen- Verordnung das Programm eudgiltig festgesetzt. Außer einer Massen- Versammlung unter freiem Himmel, für welche bereits die polizeiliche Genehmigung erlheilt worden ist, findet auch ein Umzug durch die Straßen statt, welcher sich zu einer bedeutenden Friedenskundgebung gestalten wird. Da die S o k o l i st e n(czechisch nationale Turner) gleichfalls am Nachmittag einen Umzug planen, hat die Polizei außerordentliche Sicherheitsmaßregeln getroffen.— Schweiz. Per«, 3. September.(Eig. Ber.) Daß die Italiener nicht blos Südtirol und Trieft sammt Gebiet, sondern auch de» schweizerischen Kanton Tefstn gern haben möchten, ist bekannt und weiß man auch in der Schweiz ganz genau. Nun ist dies in den letzten Tagen auch noch amtlich bestätigt worden durch den Vertreter der italienischen Regierung tin Kanton Tessin, durch den Konsul Gras M a r a z z i, der gelegentlich des Jahresfestes der italienischen Kolonie im Tesstn eine Rede hielt, in der er ebenso aufrichtig wie taktlos und undiplomatisch seine innersten Gedanken und Gefühle offenbarte. Er meinte, wie die Blätter berichten, ganz im Tone des Eroberer?, daß die Tesstuer durchaus kein Bedürsniß hätten, ver- tevtonisirt z» werde». Die Deutschen seien ein starkes, zähes und arbeitsames Volk, aber keineswegs das Ideal des Tesstuer Volkes. Bei diesen Worte» trat ein Herr aus Mendrisio auf den Konsul zu und rief ihm mit lauter Stimme entgegen:„Das sind Dinge, die uns angehen, Herr Konsul, Sie brauchen sich nicht drei» zu mischen." Diese männlichen Worle eines Schweizers wurden mit stürmischem Beifall aufgenommen. Schließlich leuchtete den blamirlen Europäer aus Italien auch noch der Regieruugskommiffar(Landrath) Borella heim, der ihm daS Unüberlegte und Jrrthümliche seiner Rede vor- hielt, sowie die blamable Art seines ganzen Auftretens und das schweizerisch- republikanische Gefühl der Tesstuer betonte. Gewiß, schweizerische Republikaner werden und können nie in den miserablen wirihschaftlichen und politischen Verhälinissen Italiens ei» Ideal erblicken, andernfalls würde dieS die tiefste politische Dekadenz eines Volkes sein.— — Maßnahmen gegen den Anarchismus. Wie eS scheint, will sich der schweizerische Bundesralh nicht dazu hergeben. in dem Kesseltreiben, welches die monarchischen Mächte Europa's voraussichllich nicht blos gegen den Anarchismus in seiner verwerf- lichen Forin, sondern gegen wirklich freiheitliche Bewegungen zu niren gewillt sind, mitzumachen. Dem Winterthurer„Landb." wird nämlich auS dem BundeSrathS- Hause geschrieben: „Wie schon wiederholt, hat sich in einzelnen Staaten, auch neuerdings nach dem tödtlichen Attentat auf den spanischen Ministerpräsidenten, das Verlangen nach Vereinbarung inter« nationaler Polizeimaßregeln gegenüber den Anarchisten geltend gemacht. Wie berichtet wird, sollen England, die Bereinigten Staaten von Nordamerika und die Schweiz eingeladen werden, sich den übrigen Staaten znr Vereinbarung gedachter Beauf- stchtignngsmaßregelti, die eventuell auf einer nach Brüssel ein- zuberufenden Konserenz stattfinden würde, anzuschließen. Obgleich bis zur Stunde keine bezügliche Anfrage oder Anregung in dieser Angelegenheit dem Bundcsrathe zugegangen ist. so ist doch bereits jetzt festzustellen, daß die Bundesbehörden nicht geneiat scheine», von ihrem bisher gegenüber de�r Anarchistenfrage beobachteten Verhalten abzu« weichen, da sich dasselbe bis dahin bewährt hat."-- Frankreich. Paris, 4. September. Der„Eclair" dementirt die Meldung, daß die Regierung beabsichtige, dem Parlament irgendwelche Mit- theilung betreffs des Alliance» Vertrages mit Ruß- land zu machen. Das Ministerium werde im Gegentheil sich jedem Versuche, ein« Jnterpellations-Debatte über den Vertrag herbei- zuführen, widersetzen. Pari», 3. September. Der Brotprei»hat gestern und vor- gestern in Paris eine neue Steigerung erfahren. Für das Kilo Brot werden jetzt 45 Cts., für 2 Kilo 85 Cts. bezahlt. Letzteren Preis hat das Syndikat der Pariser Bäcker nicht zu überschreiten versprochen, als es kürzlich mit den Mitgliedern des GemeinderathS-Ausschuffes eine Unterredung hierüber hatte. Nächsten Dienstag soll die Budget- kommission deS Pariser Gemeinderaths die Brotfrage erörtern. Tpauie«. — Die scheußliche Behandlung der Anarchisten in Spanien hat tiefste Erbitterung bei den verzweifelten Prole- taricrn erzeugt. Die Ermordung Canovas' hat den Rachedurst der empörten Gemüther nicht gestillt. Au? Barcelona wird heute von einer neuen anarchistischen That telegraphirt. Das Telegramm besagt: .Ein Anarchist gab um Mitternacht auf der„Plaza de Cata- lunna" zwei Schüsse auf den Polizeichef Portas ab. Portas wurde schwer an der Brust verwnndct. Der Attentäter wurde ver- hastet." Nach einem ferneren Telegramm handelt es sich nicht um den Polizeichef, sondern um einen Polizeikommiffar. Der Attentäter heißt Ramon Sempau Barril und ist im Jahre 1369 in Barcelona geboren. Er hielt sich in der letzten Zeit in Paris auf. von wo er ietzter Tage nach Barcelona zurückgekehrt ist. Die Menschenmenge. welche infolge der Schüsse auf der„Plaza de Catalnnna' zusammen- trömte, wollte ihn lynchen, die Gendarmen konnten ihn nur mit Mühe w einen Wagen schaffen und anf die Polizei-Präfektur bringen. Nachdem der Attentäter die beiden Schüsse auf Portas abgegeben hatte, versuchte er zu entfliehen, wurde jedoch von Plantada, dem obersten Polizeichef, verfolgt, auf welchen der Flüchtling mehrere Schüsse abgab. Plantada wurde nicht verwundet, dagegen erhielt ein Kellner einer Bierivirthfchaft, in welcher der Verfolgte Zuflucht lichte, einen Schuß in den Schenkel. Der Polizeichef feuerte nun einerseits auf Sempa« Barril und verhaftete denselben chließlich in der Bierwirthschast. Ein weiteres Telegramm besagt noch: Der Polizeikommissar Portas versichert, Senipau Barril sei ein Mitschuldiger Angiolillos und fei von ihm(Portas) vor zwei Jahren verHaftel worden, weil er im Theater Novedades die spanische Fahne ausgepfiffen bade. Senipau gab zu, Anarchist zu sein; man fand bei ihm ein in fran- zösischer Sprache abgefaßtes Schriftstück. Portas war mit der Ueber- wachung der Anarchisten beauftragt. Im Augenblick des Attentats ging er mit dem Polizeikommiffar Teixido, der an der Schuller ver- mundet wurde, ans dem Theater.— Rußland. — Zur Einführung des Maximalarb«itStag«S wird der„Intern. Corres?." aus Petersburg geschrieben: Während man bisher dm kürzlich erfolgten Regierungserlaß, wonach die Ladengeschäfte in Petersburg abends um 8 Uhr geschloffen und die Arbeitszeit in den Fabrikm auf zehn und elf Stunden beschränkt werden sollte, als den Anfang einer allgemeinen durchgreifenden Sozialreform ansah, wird jetzt von amtlicher Seite bekannt gegeben, daß jene Maßregel nur probeweise für ein Vierteljahr an- geordnet wurde. Inzwischen haben nun die kaufmännischen und industriellen Vereinigungen ihr Gutachten über«ine der- artige Einschränkung der Arbeitszeit erstattet, und zwar zumeist im ablehnenden Sinne. Es wird daher befürchtet, daß nach Ablauf des Probevierteljahres die Anordnung wieder aus- gehoben werde. Wenn man Sozialreform nach dem Tutachten der kaufmännischen und industriellen Unternehmer betreiben will, so braucht man aller« dings erst garnicht damit anzufangen. Uebrigens ist nicht zu ver- gessen, daß die russische Regierung jene Maßnahmen traf, weil sie dem starken Drängen der jungen industriellen Arbeiterbewegung nicht gut Widerstand leisten konnte. Die Regierung wird daher auch bei ihren weiteren Entfchlüffen die Haltung der Arbeiter nicht un- berücksichtigt lassen können. Und wie die Arbeiter sich zu einer Zurückziehung der gewährten Schutzmaßregeln verhalten werden, das ist klar.--- Türkei. Konstantinopel, 8. September. Acht Armenier, die an den letzten Attentaten betheiligt gewesen sei» sollen, wurden zum Tode verurtheilt; zwei Armenier, die des Attentats an der Pforte verdächtigt waren, wurden freigesprochen.— Griechenland. Athen, 3. Sept. Bei dem Orte Thrapflmi im Bezirk Kanditza (Südwest-Thessalien) fand ein dreitägiger Kampf zwischen türkischen Truppen und der bewaffneten Landbevölkerung statt. Die letztere hatte vor den ausrückenden Türken die Dörfer verlaffen und sich mit grauen und Kindern in den Bergen verschanzt, wo sie den Türken einen verzweifelten Widerstand entgegensetzten. Die Türken erhielten jedoch schließlich Verstärkungen und erstürmten die Höhen, wobei gegen 1S0 Griechen, darunter viele Frauen und Kinder, getödtet wurden. Amerika. New-Dork.(Gig. Ber.) Der ehemalige Präsident des Ordens der Ritter oer Arbeit, P o w d e r l y. hat dieser Tage als hiesiger Einwanderungskommiffar damit debütirt, daß er den angeblichen spanischen Anarchisten Planas abfing. Powderly hat bei einem Interview erklärt, er hege die Ansicht, daß Anarchisten, da sie keine Gesetze anerkennen, der Oeffenllichkeit zur Last fallen könnten, wes« halb sie hier am Landen verhindert werden sollten. Sie brauchten sich keiner besonderen Handlungen, welche im Einwanderungsgesetze „moralische Schändlichkeiten" genannt werden, schuldig gemacht zu haben, könnten aber infolge der Natur chrer Anschauungen zu irgend einer Zeit Verbrechen begehen, und Verbrecher seien eine öffentliche Bürde. Man sieht:„wem Gott ew Amt giebt":c.!— Von jenem Slanas wird übrigens festgestellt, daß derselbe früher Apotheker aus uba war, als I n f u r g e n t e n- A n h ä n g e r verhaftet und nach Ceuta deportirt wurde, von wo er entflohen ist. Mit Powderly's Anarchistenriecherei war es also diesmal nichts!— — Aus New-Aork wird der„Franks. Zeitung" gemeldet: ThomaS Estrada Palma, das Haupt der kubanischen Revolutionäre in den Vereinigten Staaten, erklärte, welcher Art auch die geplante Intervention Mac Kinley'Z sein möge, die Kubaner würden niemals die Autonomie akzeptire», sondern nur die absolute Unabhängigkeit. Palma sagte ferner, Kuba sei bereit, eine mäßige Kriegsentschädigung zu zahlen.— — AuS BuenoS-AireS wird den„Times" vom 2. d. M. gemeldet: Von Montevideo hierher gelangte Telegramme berichten, daß die Revolution in den letzten Tagen viele Anhänger gewonnen habe. Die Ausständischen rücken nach dem Inner» von Uruguay vor. Gestern erschienen Abtheilungen derselben unweit MinaS.— Ottawa» 8. September. Der Ministerrath hat eine Verfügung beschlossen, nach welcher bis August 1898 Maaren ans den meist- begünstigten Länder» zu den Vorzngs-Zollsätzen zugelassen werden sollen, gleichviel ob sie direkt oder über englische Häsen eingeführt werden.— Für Parteizwecke gingen aus Zwickau unter folgenden Be- zeichnungen Gelder ein: Organistrte Steinarbeiter 26,815. Ein Rückständiger 30,—. Anton 12,—. Pölbitz 20,—. August 7,60. Heinrich 6,—. Brauer 5,—. August L. 12,25. Woldemar M. 10,—. Anton Et. 16,—. Albin Sch. 10,—. Ernst Sch. 10,—. Heinrich R. 10,—. Str. 6,16. Setzer- und Druckerpersonal„S. V." 20,50. Hermann K. 6,60. Hermann E. 10,—. Hammerdittrich 3,80. Johann W. 10,—. I. W. 1,60. Kartellilm 49,60. Planitzer Man» im Mond 6,—. Feiner Davd 27.—. St., Anwalt 10,—. Kapital- Zinsen 30,—. Paul P. 1,60 Wilhelm Et. 7,50. Papierkiste in Zwickau 4,70. Ein verrotteter Wirth 6,—. Max K. 1,—. August M. 1,-». Herm. G. 1,—. Zigarren arbeiter Feldschlößchen 2,50. Graupner in M. 10,—. Eduard H. 10,—. Die Lustigen am Berge 211,20. Summe«07,tS M. Tie Partcitonfcrcnz für den Wahlkreis Frankfurt-Lebns, die vorigen Sonnlag in N e u- H a r d e n b c r g abgehallen wurde, war von 22 Delegirten sowie einem Vertreter der brandenburgischen Agitaiionskommission, Genoffen D i m m i ck, und dem Reichstags- Kandidaten des Kreise?, Genoffen Theodor Metz n er, besucht. Aus dem Bericht des Vertrauensmannes ist hervorzuheben, daß einschließlich eines Kassenbestandes von 90,40 M. die Einnahmen 2008,54 M.(wovon 1291,60 M. ans Forst) und die Ausgabe» 1673,59 M. betrugen, so daß ein Kaffenbefland von 834,95 M. bleibt. Agitationstouren durch den ganzen Kreis wurden 4 unter- nomrnen. Beim Punkt Reichstagswahl führte Genoffe F a b er aus Frankfurt aus, daß mehr als bisher gearbeitet werden müffe, wenn der Kreis erobert werden soll. In der Diskussion wurde daraus hiirgewiesen. daß die in B e r l t n arbeitenden Genossen auS Orten des hiesigen Kreises, die bisher ihre Schuldigkeit nicht thatm, von den Berliner Genoffen daran erinnert werden müßten, daß sie nicht nur in Berlin, sondern auch inderHeimalh ihren Pflichten gegen die Partei nach- zukommen haben. Zur Frage der Betheiliaung an de» preußischen Landtags wählen wurde folgender Beschluß gefaßt:„Die Parleikonsermz für den Wahlkreis Frank- furl- Lebus erklärt sich im Prinzip gegen die Betheiligung an de» preußischen Landtagswahlen, ist jedoch für Auf- Hebung deS Kölner Beschlusses, um den einzelnen Wahl- kreisen eine selbständige Entscheidung zu ermöglichen." AlS Dele- girte zur Provinzialkonferenz wurden die Genossen Ernst Fischer aus Frankfurt, P a g r o w aus Neuhardenberg und Weiland aus Fürstenwalde gewählt, als Delegirter zum Parteitag in Hamburg F a b e r aus Frankfurt. Die Wahl des Kreis» Vertrauensmannes wurde den Genossen in Frankfurt übertragen. Der Magistrat in Forst hat das Gesuch einer Partei- Versammlung, Bekannlmachunge» von allgemeinem Interesse auch in der„Märkischen Bolksstimme" zu veröffentlichen, wegen der Form der Eingabe und weiter deshalb abgelehnt, weil angeblich kein öffentliches Bedürsniß vorliegt, neben dem Amtsblatt noch ein anderes Blatt zu benutzen. Als Landtags- Kandidat für den meiningifchen Wahlkreis Themar ist von unseren dortigen Parteigenossen der Zigarren- macher Chr. Leibknecht in Salzungen aufgestellt. Den RcichstagS-Wahlkrcis Dresden-Sieustadt werden auf dem Parteitag zu Hamburg die Genoffen L ü tz n e r und R e i ch e l t vertreten. Genoffe Edgar Steiger, der alS Redakteur der„Neuen Welt" vom Landgericht Leipzig wegen Veröffentlichung der Novellen „Der Nazarener" und„Adam" zu 4'/, Monaten Gefängniß ver- urlheilt und gefesselt nach dem Gefängniß in Zwickau transportirt wurde, hat am Eonnabend früh das Gefängniß ver- lassen und ist in die sächsische Freiheit zurückgekehrt. Hoffentlich hat er Schaden an seiner Gesundheit nicht genommen. Bekümmert wird er nach seinem Kinde verlangen, das ihm während der Haft ver- storben ist. Die Sozialdemokratie Bulgariens hielt im Monat Juli in der Stadt K a z a n l i k ihren vierten National-Kongreß ab. Es wird uns darüber von dort geschrieben: Auf dem Kongreß waren 23 polttische Organisationen durch 46 Delegirte vertreten. Fast in allen größeren Städten bestehen sozialistische Organisationen. Das Parteiorgan, der„Sozialist" in Sofia, erscheint zweimal wöchentlich zu einem Abonnements- preise von jährlicki 6 Franken. Die Auflage schwankt zwischen 1200 nnd 1409 Exemplaren. Ferner wird in Philippopel die„Neue Zeit"(„Novo Vreinä"), eine Revue des geistigen und öffentlichen Lebens in Bulgarien, in 1500 Exemplaren herausgegeben. Ein lokales Blatt besteht in T i r n o v o, eS erscheint einmal wöchentlich und führt den Titel„Die Befreiung" („Osnobojdenis"). Die lokalen Blätter in K a z a n 1 i k und S e v l i e v o find eingegangen und werden nur noch während der Wahlagitation herausgegeben. Neben dem Hauptorgan ist vom Kongreß ein kleineres Blatt, die„Arbeiterzeitung", ge- schaffen. Es ist zur Agitation unter denjenigen Arbeiterkreisen be- stimmt, die dem Sozialismus noch fernstehen. Seit dem ersten Nationalkongreß im Jahre 1894 hat die vereinte Arbeiterpartei ihr Programm und ihre Organisation beibehalten. Jetzt machte sich eine Aenderung der Organisation nöthig, um diese beweglicher zu machen. An stelle der früheren Parteimitglieder- Versammlungen mit einem gewählten Ausschuß sind jetzt Lokal» komitee's getreten, die die Parteibewegunß am Orte zu leiten haben. Um für die L a n d a g i t a t i o n eine programmartige Richt- schnür zu schaffen, ist eine Kommission mit der Sammlung nnd der Bearbeitung von Material über die Lage der ländlichen Arbeiterbevölkerung beauftragt. Hinsichtlich der Taktik der Partei nmrde der wichtige Beschluß gefaßt, daß künftig unsere Genoffen bei den Wahlen keine Kompro- misse eingehen dürfen, weder mit anderen Parteien, noch mit einzelnen Personen. Wir dürfen sagen, daß der Kongreß in Kazanlik, dem Mittel- punkte der berühmten Rosenölfabrikation, von großer Wirkung aus die städtische und ländliche Arbeiterbevölkerung gewesen ist. Es wurden zwei große Versammlungen abgehalten, die erste in einem großen Garten der Stadt, die zweite im Balkangebirge auf der Bouzloudja-Spitze, wo vor 29 Jahren viele bulgarische Freiheits- kämpfer gefalle» sind. Diese Versammlungen, die von Tausenden besucht waren, legten eklatantes Zeugniß dafür ab. daß der bul- garische Sozialismus in die breiten Massen des Volkes zu dringe» beginnt. Während unsere Bourgeoisie in ihren Vertretern Stambul off und Stoiloff dem bulgarischen Volke nichts weiter bot und bietet, als Elend im Innern nnd Schmach nach außen, führt der Sozialis- mus daS bulgarische Volk besonnen und fest dem hohen Ziele echter Kultur entgegen. Beim Volke beliebt nnd von der sogenannten„Intelligenz" geachtet, revolutionirt die bulgarische sozialdemokratische Arbeiterpartei die Köpfe sowohl in den unteren, wie in den oberen Gesellschaflsschichten nnd vermehrt unaufhaltsam ihren Einfluß zum Wohle des Volkes. Die Aussöhnung des offiziellen Bulgariens mit Rußland, die Entfremdung mit Serbien, der Wirr- warr i» Makedonien, alle diese Ereignisse habe» die Partei keinen Augenblick verwirrt: fest und treu hält sie die Fahne der inter- nationalen Sozialdemokratie. Die bulgarischen Parteigenossen bitten die Hauptorgane der Sozialdemokratie aller Länder«in Veröffentlichung dieses Berichts. Dodtenliste der Partei. I» Ger in a n i a in Pennsylvanien ist am 16. August der insbesondere den nordböhmischen Arbeiter» wohlbekannte VolkSdichter Josef Schiller gestorben. Er ivar gelernter Tuchmacher und stand seit 1869 in der Arbeiterbeivegung. In den 70er Jahren gab er in Neichenberg i. B. die„Sozialpolitische Rundschau", später de»„Arbeiterfrennd", dann den„Rndikaleir" nnd in den Jahre» 1389—93 den„Freigeist" heraus. 1893—1894 ,var er Redakteur des„Textilarbeiters". 1896 ging er nach Amerika. Schiller hat infolg« seiner Thätigkeit in der Arbeiterbewegung Böhmens im ganzen zwölf Gefängnißstrasen, darunter eine von neun Monaten, zu erdulden gehabt. Polizeiliches, Gerichtliches»e. — In H a l l e a. S. ist der Arbeiter Leopold, der sein Brotpapier, das ans der Hälfte einer Nummer des„Volksblattes" bestand, auf eine Heck« geworsen hatte und deshalb angeklagt war, Druckschriften ohne polizeiliche Erlaubniß öffentlich angeheftet zu haben, vom Schöffengericht freigesprochen worden. GemerkMÄfkliches. Tcntsches Reich. Der Verein der graphischen Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands hatte am Anfang des Jahres 1896 in 100 Mitglied- schaslen 4273 männliche und 101 weibliche Mitglieder, am Schluß desselben Jahres war die Zahl auf 6269 männliche und 655 weib- liche Mitglieder gestiegen. Als Jahresdurchschnitt sind jedoch nur 3810 männliche und 174 weibliche zahlende Mitglieder angegeben. Einschließlich eines Bestandes vom vorigen Jadre, der sich in de» Zahl- stellen auf 1391.04 M.. in der Hauptkassc auf 12 650,97 M. beläust, betrug die Gesammteinnahme 57 139,17 M. Von der Gesammt- ansgabe in Höhe von 41 228,44 M. entfalle» auf Reise-Unterstützung 6996,71 M.(161/4 pCt). Verwaltungskosten 7846,42 M.(181/4 pCt.). Vereinsorgan 7607,45 M.(17'/s pCt.l, Gehälter 2160 M.(6 pCt.), Rechtsschutz 452,93 M., Extra-Unterstützungen 246,40 M., Agitation 1079,19 M, Slellenvermiltelung 114,98 M., an die General- kommission 718,60 M., sonstig« Ausgaben 530,25 M., Streik- Unterstützung an andere Gewerkschaften 1075 M., Etreikmiterstützung an die Berufsgenoffen 12 407,71 M., dazu kommt«in Zuschuß zum Berliner Streik von 14 600 M., so daß die Haupttaffe an Streik- geldern insgesammt 26 906,71 M. oder 62 pCt. der Vereinseinnahme gezahlt hat. In 60 Städten sanden Lohnbewegungen statt, davon endeten 40 mit einem Erfolg, 9 hatten theilweisen und 1 keinen Er- folg. Der Berliner Streik kostete, soweit es sich bis jetzt feststellen läßt(eine definitive Abrechnung liegt noch nicht vor) 93 538 M. Die Holzbildhauer in Rathenow befinden sich im Lohnkampf. Bei der bisher üblichen Arbeitszeit von 0''t Stunden war nur ein Lohn von höchstens 21 Mark zu erreichen. Die Arbeiter verlangen jetzt eine Lohnanfbefferung, die dem besten Arbeiter einen Lohn bis zu 24 Mark sichert. Zur Agitation unter den Kanflenten. In Breslau fand am Donnerstag, den 2. September ein« allerdings nur schwach be- suchte öffentliche Handlungsgehilfen und-Gehilfinnen-Versammlung statt, in der A d l e r aus Halberstadt in l'/e stündiger trefflicher Rede über die Lage der Handelsangestellten referirte. Die Versammlung — die erste dieser Art in Breslau— gestaltete sich zu einer leb- hafte» und intereffanten Auseinandersetzung zwischen dem Referenten nnd den anwesenve» Anhängern der deutsch-nationalen(antisemitischen) Kaufmannsorganisation, sowie den Hirsch-Dunckerianern. I» geschickter Weise verstand es Genoffe Adler, seine Gegner gründlich abzufertigen. Zum Schluß stimmte die Versammlung einer Resolution des Re- erenten zu und war somit der erste Versuch, die Breslauer �andluiigsgehilsen und-Gehilfinnen einer auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Organisation zuzuführen, von gutem Erfolge begleitet. AnS Magdeburg kommt die überraschende Mittheilung, daß die Polizei von den 40 streikenden Harnionika-Arbeiter» 31(darunter 5 Frauen) verhaftet hat. Die Ursache der Verhaftung ist»och unbekannt. Zum Manmstreik in Leipzig. In der gester» abgehaltenen Versammlung der Streikenden wurde mitgetheilt. daß die vor- genommene Zählung der Maurer ergeben habe, daß die Zahl der Streikbrecher sich erhöht habe. Am Orte zu unterstütze» sind 623 Maurer, zu neuen Bedingungen arbeiten 850 Mann, abgereist nach außerhalb sind 1150 Mann und zu alten Bedingungen arbeiten 1200 Mann. Von den in den Streik getretenen sind nur 130 ab- trünnig geworden. Fremde seien 400 zugezogen, und von den an- fänglich abgereisten sei eine größere Zahl zurückgekommen, als er- wartet worden ist. Der Streik stehe aber trotzdem nicht ungünstig. Neu bewilligt haben 3 Unternehmer, die 19 Maurer eingestellt haben. Außerdem hat ein Privatmann erklärt, streikende Maurer beschäftigen zu wollen. Es wurde einstimmig die Fortsetzung des Streiks beschloffen. Das Armenamt Leipzig hatte vor längerer Zeit von den Unter- nehmern die Liste der streikenden Maurer eingesorvert, aber geleugnet, daß es geschehe, um den Maurern Nachtheile zuzufügen. Jetzt lehnt das Armenamt jedem streikenden Maurer, der mit den Steuer» im Rückstände gebliebe» ist oder die Hebammengebühren nicht sofort zahlen konnte, die nachgesuchte Stundung oder Theilzahlung, wie sie oft gewährt wird, ab nnd droht im Unmöglichkeitssalle mit der Entziehung des Wahlrechts. Auch die Polizeiverfttgung, die den Streikenden das Posten stehen auf den Bahnhöfen verbietet, ist vom Schöffengericht Leipzig als zu recht erlassen bezeichnet worden und wurde die erste Straf- Verfügung des Polizei-Amts in dieser Sache bereits bestätigt. Trotz affer Warnungen und Hinweise in der Parteipresse lassen sich Arbeiter nach wie vor hinreißen, bei Lohn- oder sonstigen Differenzen mit dem Unternehmer, gegen solche Arbeiter, die ihnen in den Rücken fallen, aufzutrete», daß sie mit dem Strafgesetz— zumal wie eS nach dieser Richtimg hin jetzt gehandhabt wird— in Konflikt kommen und schwere Bestrafung erdulden müssen. Die Arbeiter müssen sich daran gewöhnen, in solchen Fällen nur den Verstand nnd nicht die Gefühl« entscheiden zu lassen. In Dresden sind wieder vier Maurer ans Pieschen jeder zu 1 Monat Gefängniß verurtheilt worden, weil sie weiter arbeitenden Kollegen zuriefen:„Wenn Ihr nicht vom Gerüst herunter kommt, schmeißen wir Euch runler". Obwohl solche Aeußerungen fast immer leere Redens- arten sind und garnicht ernst genommen werden können, faßt sie doch das Gericht anders ans. Die„Nölhignng" und„Bedrohung" ist dann fertig.— Zwei andere Maurer wurden sogar zu sechs Monaten Gefängniß verurtheilt, weil sie so imbesonnen waren und einen der„arbeitswilligen" Kollegen prügelten. Auf solche Weise vollends schadet man der Sache nur, auch von moralischen Gestchlspunkten ans. In F r a n k e n t h a l(Pfalz) wurde der Küfer H ö r d e r angeklagt, den„arbeitswilligen" Gärtner durch Drohbriese ein- geschüchtert zu haben; ein thätlicher Angriff war ganz ausgeschlossen. Für diese Einschnchlerung beantragte der Amtsanwalt nicht weniger als 4 Monate Gefängniß. Das Gericht erkannte ans drei Wochen- Lohnabzüge führten zur Arbeitsniederlegung sämmtlicher Hand- schuhmacher der Firma Brauer in Halberstadt. Ausständig sind 13 Arbeiter. Der Erfurter Maurerstrcik hat nach der vorliegenden Ab- rechnung die Summe von 15 381,42 M. beansprucht. Der günstige Verlaus des Streiks hat aus die Organisation eine gute Wirkung ausgeübt. denn es stehen jetzt von 600 Maurern kaum 20 der Organisation fern. Einen höchst nncrfrenlichen Ausgang nahm das Stiftungsfest der Organisation der Steinarbeiter. daß am 15. August in Nehren bei Obernkirchen(Hessen-Nassan) abgehalten wurde. Das Fest hatte einen ruhigen würdigen Verlauf genommen, als gegen Abend der Ortsvorsteher Einlaß in das Fcstlokal verlangte. Da der Ver- trauensmann der Organisation dafür gesorgt halte, daß das Fest einen streng abgeschlossenen Charakter trug, so wurde dein Herrn der Einlaß verweigert und nach einigem Hin- und herreden schickte er sickwanch in das Unvermeidliche, wenn er auch in kräftigen Ansdrü?«» seinem Umnnth Raum gab, daß die Republikaner— wie er die Festtheilnehmer nannte— in seine fried- liche Gemeinde eingebrochen waren. Ungestört verlief nun das Fest, als gegen 11'/, Uhr dem Vertrauensniann mitgetheilt wurde, daß einer seiner Kollegen im Verlauf eines kleinen Wortwechsels, weil einige radaulustige Elemente Einlaß begehrlen, überfallen und aus deni Fenster des WirthShanses hinansgeworfe» sei. Die Schlägerei setzte sich nun draußen fort und wurde ein Steinarbeiter schwer verletzt. Wie unser Berichterstatter angiebt, soll hierbei der Orts- Vorsteher weniger die Ruhestörer in ihre Schranken gewiesen, als vielmehr in der heftigsten Weis« gegen die Festtheilnehmer Partei genommen haben. Die Angelegenheit wird ein gerichtliches Nachspiel haben, da sie der Staatsanwaltschaft übergeben ist. Vom FlcnSbnrnrr Werftarbeiter- Streik giebt daS Ge- werkschaflslarlell in Flensburg die Abrechnimg bekannt. Im ganzen sind 101072.15 M. verausgabt; davon entsallen aus die Werftarbeiler im allgemeinen..... 75 895,69 M. A» Milgli-der des Melallarbeiter-VerbandeS 6 797,89„ „„ der Holzarbeiter..... 2624,60„ „„„ Schiffszimmerer... 6 166,07„ „„ Former...... 5 000,—„ „ Schmiede...... 464l,60„ „„„ Kupferschmiede... 1 066,40„ Summa 101072,15 M. Die zuletzt genannten Branchen haben ihre Beiträge selbst beziv. aus ihren Organisationskassen bestritten, während die erstere Summe, abgesehen von 22 000 M. Darlehen, znmeist durch Sammlungen u. s. w. aufgebracht wurde, wozu auS Berlin 2219,15 M. beigesteuert wurden. Eine unerlaubte, öffentliche Koffekte sollten der Vorsitzende des Breslauer GewerkschnslskarleUS, Zigarrenmacher Kühnel, sowie die Tischler Wabnitz nnd Fläschel dadurch veranstaltet, beziehungs- weise ausgeübt habe», daß sie Sammellisten zur Unter- stützung der streikenden Tisckler Breslau's in Kollegen» und Frenndeskreisen zirkuliren ließen. Das Schöffengericht«ntschied aber zu gunsten der Angeklagten; es erachtete eine öffentliche Kollekte als nicht vorltegend und erkannte auf Freisprechung. Damit war die Staatsanwaltschaft nicht zufrieden; sie legte Be- rufimg ein und erzielte auch eine Verurtheilnng der zwei erstgenannten Personen. Das Landgericht nahm nämffch mit dem StaatSanivalt an, daß die Aufforderung Kühnel'S an die Tischler, blos unter Kollegen und Frennden zu sammeln, nicht ernst gemeint(!) war und die Listen in einen Kreis von Personen gelangten, der unberechenbar sei. Das freisprechende Erkennlnib des Schöffengerichts wurde aus- gehoben und Kühnel zu 30 und Wabnitz zu 6 M. Geldstrafe verurtheilt. Dem Angeklagten Fläschel konnte auch die Strafkammer ein„öffentliches, unerlaubtes Kollekliren" nicht nachweisen. Zur Schnhmnchcrbcwegnng in München wird mitgetheilt, daß die Unierhandlungen mit den Meister» zu keinem Ergebniß ge- führt haben. AnSlnnd. In Kopenhagen wurde kürzlich ein Kongreß dänischer Tabak- arbeiter abgehalten. Der Verband besteht seit 10 Jahren und umfaßt beinahe alle in der Branche Beschäftigten. Die Zahl der- selben beträgt für ganz Dänemark nur 1220 männliche und 1348 weibliche. AuS SoSnowiee wird der„Köln. Ztg." telegraphirt: Auf der Georggrnbe bei Niwka, dicht an der preußischen Grenze, sind 2000 Bergleute ausständig. Eine große Anzahl Arbeiter der dortigen Maschinenwerke legte ebenfalls die Arbeit nieder. Der Buchdrulkerstreik in Luzern dauert entgegen den Blätter- Meldungen noch immer fort. Die Nordostbahn-Direktion in Zürich sagt in ihrem Bericht an de» Verwallungsrath über die Anssührniig des Schiedsspruches, daß sie da und dort in billiger Berücksichlignng der Verhällinfi.- etwas weiter gegangen sei, als der strikte Wortlaut erfordert hätte »Wir haben hierbei nnmentlich auch den im VerivaltungZrathe von verschiedenen Seiten geäußerten Wunsch im Auge gehabt, daß wir uns angelegen sein lassen sollen, das gute Einvernehmen zwischen Direktion und Personal wieder herzustellen." Der Streik der Eisen bahner hat demnach auf Verwaltungsrath und Direktion der Nordosk bahn de» besten erzieherischen Einfluß gehabt. Der Ausbruch einer allgemeine» Krisis in der englische» Baninwolliildnstrie wird befürchtet, wenigstens behaupten die Fabrikanten des Lancashirer Distrikts, daß sie gezwungen seien, eine allgemeine Lohnreduktion von 10 pCt. eintreten zu lassen. Wie „Daily Chronicle" mittheilt, werde» die Fabrikanten am Dienstag darüber beschließe»; lassen sie eine Lohnreduktion«intrete», so würde» davon 140 000 Arbeiter betroffen werden. I» Manchester droht ein großer Schneiderstreik zum Ausbruch zu komme». Ein Meister hatte ein Unionsmitglied entlassen. Di« Gewerkschaft nahm sich der Sache an und verlangte die Wiederl einstellung, worauf sämmlliche» Gewerkschaftlern gekündigt wurde. Der Kanipf der englischen Maschinenbaner beunruhigt das „Journal de Debats" in Paris. Es befürchtet nämlich, daß der Kamps mit einem Siege der Arbeiter enden werde. Dieser Sieg werde aber zugleich eine Niederlage sein, indem die In dustrie durch diese Reform vollständig gelähmt werde.— Die Londoner„Ausl. Korresp." schreibt:„Die von der Arbeit der Maschinenbaner abhängige» Gewerke beginnen jetzt ernstlich durch den Ausstand in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Die Kessel- macher, die Former und die Modellmacher sind zur Unthätigkeit ver- dämmt. Die Folge ist, daß einer Menge von diesen Arbeitern ge- kündigt worden ist. In Newcastle haben S00 Anweisung erhalten, Ende dieser Woche ihre Werkzeuge aus der Fabrik zu nehmen. 5000 anderen Geiverken angehörige Arbeiter werde» in nächster Woche durch den Ausstand der Maschinenbauer arbeitslos werden." Die Edinburger(Schottland) Maurer haben nach drei wöchentlichem Kampfe die 45 Stundenwoche erreicht. Sie arbeiten des Sonnabends 5, die übrigen Tage 8 Stunden. Die Gasarbeiter von Blalkbnrn(England) beantragten bei der Direktion, daß der achtstündige Arbeitstag eingeführt werde und daß jeder Arbeiter pro Jahr acht Tage Ferien erhalte ohne Ab i'ehung des Lohnes. Die letztere Forderung ist von der Direktion abgelehnt worden, dagegen erklärt sie, daß sie der Einführung der achtstündigen Arbeitszeit sympathisch gegenüberstehe; bleibt sich die Produktion gleich, so soll auch der gegenwärtige Lohn weiter gezahlt werden. Die Seeleute von North- und Sonth-Shields(England) haben eine Erhöhung deS Monatslohnes von 80 M. aus 85 M. durch ««setzt._ Mnkernvhmev�VeebÄnve. Der Roheisen-Verband, der Halbzeug-Verband und das Kohlen»Syndikat habe» vor einigen Monate» mit den Draht-Walzwerke» eine Vereinbarung getroffen, die für diese Branche «ine Bergunftigung schaffte, die einer Ausfuhrprämie gleichkam. Die Preise für die Fabrikat« der Draht-Walzwerke waren durch die amenkanische Konkurrenz so gedrückt, daß dieser Industrie zweig, der 60—75 pCt. seiner Erzeugnisse im Auslande absetzt, stark im Export zurückging. Zu gleicher Zeit wurden aber auch die Preise der Halbfabrikate für die Walzwerke von der amerikanischen Konkurrenz stark herabgesetzt, so daß auf diese Weise ein leichter Druck aus das Kohleusyndikat und den Roh eisenverband ausgeübt würde. Den Draht-Walzwerken wurde schließ lich für bOpEt. ihrer Aussuhrfabrikate eine Preisvergünstigung gewährt, die sich auf 30 000 Tonnen Flußeisen-Knüppel zur Drahtherstellung ausdehnte. Jetzt verlangen nun die Walzwerke abermals 30000 Tonnen Rohmaterial zu derselben Bergünstigung. Der Roheiseu-Verband hat aber die weitere Unterstützung versagt und das Kohlen-Syndikat wollte nur für 25 pCt. der Ausfuhr seinen Beitrag zuschießen Natürlich ist nun auch diese Zusage zurückgezogen, nachdem der Roheisen-Verband zurückgetreten ist. Nur der Halbzeug-Verband will feinen Antheil beisteuern. Die Jntereffeute» der Draht-Walzwerke sind natürlich sehr entrüstet, daß die große» Verbände sie ihrem Schicksal überlassen: jedenfalls wird, da dieser Industriezweig durch die Bergünstigung einen sehr starken Aufschwung erhielt,«in starker Rückschlag eintreten. Der Verband süddeutscher Walzwerke hat auf seiner i» Baden-Baden gehaltenen Konferenz die Verlängerung seines Ver- bandes bis zum Juni 1902 beschloffen. Die Zuekerfabrike« haben sich zu einem Syndikat zusammen- geschloffen, über desien Theilnehmerschaft noch nicht genaues bekannt ist. Es stehen noch eine große Anzahl Fabriken aus. Vor- läufig hat man den Abschluß eines Kartells geplant, welches eine Preisaufbefferung fördern soll. Die Interessenten der Rohzucker- fabriken sollen den Maßnahmen sympathisch gegenüberstehen. In Wien ist eS gelungen, mit einer einzige» Ausnahme sämmt- liche Zuckerfabriken und Zuckerraffinerien Oesterreich- llngarns zu einem Kartell auf 5 Jahre zu vereinigen. Das Kartell setzt das Maximum des Quantums, welches zur Berbrauchsabgabe zu dringe» ist. fest und wird jede Uebertretung dieses Kontingents bestraft. Die Fabrikate dürfen gleichfalls bei einer Konventionalstrafe von 10 fl. per Doppelzentner nicht unter einem von dem Kartell normirte» Minimalpreis abgegeben' werden. Soziales. Da» Reichs- Versichernngsamt hat den Vorständen der Berussgenossen schaste n und Jnvaliditäts- und Altersversicherungs-A» stalten die vom Reichskanzler erlaffenen„Anordnungen über den Geschäftsverkehr der Reichsbehörden" mit der Ausforderung zugehe» lasse», auch ihrerseits die in den„Anordnungen" enthaltenen Regeln des schriftlichen Geschäftsverkehrs, soweit dies noch nicht geschieht, fortan beobachten zu wollen. Nach diesen Anordnungen soll die Schreib- weise der Behörden knapp und klar sein, ihrer Stellung zu«inander und zmn Publikum auch in der Form entsprechen und sich der all- gemein üblichen Sprache des Verkehrs anschließen. Entbehrliche Fremdwörter, veraltete Kanzlei-Ausdrücke und überflüssige Kurialien sollen vermieden werden. ttörperverletznnq sogenannter Arbeitswilliger durch streikende Arbeiter ist nach einer Entscheidung des Reichs- Ber- ficheruugsamts als Betriebsunfall im Sinne des§ 1 des UnsallverfichernirgS- Gesetzes anzusehen; der Verletzte hat daher auch Anspruch aus Entschädigung, beziehentlich auf die Unfallrente. Durch feine Thätigkeit auf einem gesperrten Bau während de? Strette», der mit den Arbeitsbedingungen in unmittelbarster Verbindung steht, setze sich der Arbeitende Gefahren durch Personen aus. Es fei auch gleichgiltig, ob die Verletzung mit einem Betriebsmittel geschehen ist oder nicht. Der Fabrikinspektor in AugSbnra hat die dortigen G e- werkschaften ersucht, ihm folgende Fragen gutachtlich zu be- antworten: 1. Welche Einrichtungen bestehen zum Zwecke der fach- lichen Ausbildung ausaelernter Arbeiter? Für welche Industrie- zweige erweist sich die Errichtung von Fachschulen als nölhig oder erwünscht? 2. Welchen Einfluß hat die Arbeiterschutz-Gesetzgebuug insbesondere bezüglich der SonntagS- und Festtagsruhe anf die Lohnverhältuisse bisher ausgeübt? Sind namentlich für den Monat Juni von Arbeitern ungünstige Resultate beobachtet worden? Der Schweinburg und seine Hintermänner haben, wie wir vor- aussagten, mit ihrer Hetze gegen die Gewerkschaften kein Glück. Tie Vcreinsbäckerei in Gaarden bei Kiel, die im Jahre 1839 von Genoffen gegründet wurde und die ganze» Jahre hindurch gut florirt hat, ist infolge des Ankaufs ihres Gruirdstücks seitens Krupp' S in der Lage, ihrem Reservefonds nicht weniger als 37000 M. zuführen zu können. Zwecks Arrondtrung seiner zur Vergrößerung der Wersl an- getauftenLändereien benöthigteKrupp eines Theiles des Grundstücks der Vereinsbäckerei; da dieselbe jedoch nur im ganzen verkaufe» wollte, wurde ihr ein Angebot von 90 000 M. gemacht, das sofort akzeptirt wurde. Da die Bäckerei mit Siebengebäuden und Grundstück der Genossenschaft 52 939 M. gekostet hatte, wurde ein Ueberschuß von 37000 M. erzielt. Tie Lage der nordbayertschen Metallarbeiter wird durch eine unter de» Mitglieder» des deutschen Metallarbeiler-Verbandes in diesem Bezirk aufgenommene Statistik beleuchtet. Die Erhebungen erstrecke» sich auf 2610 Personen, darunter 360 Arbeiterinnen. Für die drei bedeutendsten Industriestädte Nordbayerns sind die durchs schnittlichen Tagelöhne für die einzelnen Branche» gesondert auf> geführt. Sie betrage» in Nürnberg: Für Former 3,51 M. (im Akkord 4,02 M.). Schmiede 3,15(4,07), Metalldrücker 3,26(3,66), Flaschner 3,15(3,65), Rothgießer 3,13(4.15), Reißzeugmacher 3,19 (3,62), Schloffer 3,28(4,36), Dreher 3.34(4,79), Mechaniker 3,59(4,60), Diverse 3,02(4,09). In Fürth: Metall-, Aluminium-, Silber- und Kompositionsschläger 3,37(3,69), Drücker 2,89(3,13), Flaschner 2,68(—). Schloffer 3,43(4,68), Vergolder 3,28(3,68), Bronce arbeiter 2,80(—), Metallzainer—(3,76), Dreher 4,10(5,10), Gürtler 2,61(3,15), Former 3,82(8,68). In S ch w a b a ch: Fein goldschläger 2,97(3,78), Silberschläger 2,53(2,39), Nadler 2,38 (2,84). In den übrigen minder bedeutenden Industriestädten schwanken die Durchschnittslöhne— für alle Branchen gemeinsam berechnet— zwischen 2,11 und 3,29 M.(im Akkord 2.34 bis 4,35 M.). In Nürnberg, Fürth und Schwabach hatten 44,83 pCt. aller Befragten einen Tagelohn bis zu 3 M. und nur 55,17 pCt. verdienten mehr als 3 M. Die in Frage kommenden Personen sind fast ausnahmslos gelernte Arbeiter. Di« 860 Arbeiterinnen ver- theilen sich auf die genannten drei Städte. Sie haben einen Tage- lohn von 0,50—1,50 M. Die wöchentliche Arbeitszeit der Befragten schwankt zwischen 48 und 84 Stunden und beträgt durchschnittlich 61,2 Stunden. Ferner wird durch die Statistik die bekannte That- fache aufs neue zahlenmäßig dargethan, daß dort, wo eine lange Arbeitszeit herrscht, die Löhne niedriger sind, als in de» Orten und Berufszweigen mit kürzerer Arbeitszeit. Die Regierung Luxemburgs beabsichtigt die Einführung der Arbeiterversicherung nach dem Muster der betreffenden Einrichtungen des Deutschen Reichs. Der deutsche Regierungsrath K l e e m a n n ans Metz weilt gegenwärtig dort, um der Regierung bei der Ausarbeitung von Gesetzentwürfen zu helfen. Von der Ein- führung der Alters- und JnvaliditäZverficherung soll aber, wie es heißt, abgesehen werden. lieber die deutschen Frauen sagt der Franzose Albert M s t i» in der„Revue blanche":„Der beste Beweis für den Rück- stand Deutschlands in der sozialen Befreiung ist die Unterwürfigkeit der Frau. In diesem Lande ist die Frau auf die Sorge um den Haushalt und die Kinder beschränkt. Selbst in der ausgeklärten Berliner Gesellschaft betheiligt sich die Hausfrau nicht häufig an einer Debatte. Sie bleibt das passive Wesen der Romane und der Stücke Suderniann's, sie, die Hauptmann in seinen„Einsamen Menschen" ausrufen läßt:„Ach, wir wissen nichts, wir armen deutfchen Frauen!" Der Gatte nimmt sie bei der Hand, liebkost sie, nennt sie„mein Herzchen", kurz mackit sein Monopol vor der ganzen Welt geltend; das nennt man die Reinheit der ehelichen Sitten in Deutschland..." Der Verfasser ist weiter empört über die Aus- b e u t u n g und die geringe Bezahlung der F r a u e n a r b e i t in Deutschland.„Die Frauenarbeit und die niedrigen Löhne sind die hauptsächlichsten Motive des gegenwärtigen Triumphs Deutschlands im industriellen Wettbewerbe." VevlÄttwnlunjgen. Im sozialdemokratischen Wahlvereiu für den I. Berliner ReichstaastvahlkrciS sprach am 2. September Genosse P o« tz s ch über„Rassen- oder Klassenkampf". Diskussion fand nicht statt. Zum Schluß machte der Vorsitzende auf das am heutigen Sonntag in den Arminhallen stattfindende Sommerfest aufmerksam. Tie Parteigeuossen des zweite» Wahlkreises setzten am Freitag in öffentlicher Versammlung die am 26. v. M. abgebrochene Debatte über die Wahlbelheilignngsfrag« fort. Dr. Arons und Fischer, welche für Betheilignng si»d, begründeten ihren Stand- punkt in eingehender Weise. Auch T ä t e r o w bekannte sich als Anhänger der Wahlbetheiligung. Als entschiedene Gegner derselben sprachen sich Ledebour und Zubeil aus, ebenso Knüpfer »nd Kitzin g. Jakob ist gleichfalls gegen die Betheiligung, trat aber dafür ein. daß der Kölner Beschluß ansg-hoben und die Ent- scheidung den Wahlkreisen überlassen werde. Frauke sprach eben- falls gegen die Wahlbetheiligung. Sowohl die Ausführungen Fischer's wie die Ledebonr's wurden mit lebhaflem Beifall aufgenommen. Die Musikiustrnmenteu-Arbeitcr Berlins im Deutschen Holzarbeiter-Verbande hielten am 28. August bei Cohn, Beuthstraße. eine Mitgliederversammlung ab mit der Tagesordnung: 1. Die Interessen der Musikinstrumenten- Arbeiter an den Handels- vertrügen; Referent Reichstags-Abgeordneter Fr. Zubeil. 2. Die Differenzen bei der Firma I. Pfaffe. Der Referent legte dar, wie durch die ersolgte Kündigung des Handelsverlrages mit England eines der Hauplabsatzgebiete der deutschen Musikinstrumenten- Industrie verloren gehe, wies daraus hin. daß auch folgedessen die Aussichten für die Klaviermacher sich verschlechtern würden, ebenso, wie nölhig es ist, daß diese sich, alle kleinlichen Einzelinteressen bei Seite lassend, zu gemeinsamem Vorgehen ausraffen sollen. Zum Schluß seiner sehr beifällig allsgenommenen Rede gab Referent noch dem Wunsche Ausdruck, daß sich alle Klavierarbeiter, welche ja doch zum weitaus größten Theile Tischler sind. dem Holz- arbeiler-Verbande als der wirksameren der bestehenden Organisationen anschließen möchten. Hieran schloß sich eine Diskussion, wobei sich auch einige Redner vom(lokalorganisirten) Fachverein belheiligten. Nachdem Kollege M a ck m a n n noch über die erfolgte Beilegung der Differenzen bei der Firma I. Pfaffe berichtet, schloß derselbe die Versammlung. Sattler und Tapezirer. Am 23. Nugnst fand im Englischen Garten eine Mitgliederversammlung der Filiale I des Verbandes statt, welche die Wahl eines ersten Vorsitzenden vorzunehmen hatte. Es wurde H a g e m a n n gewählt. Ein Antrag, den Vorstands- Mitgliedern 50 Pf. pro Sitzung Entschädigung zu gewähren, wurde abgelehnt. Weiler wurde angeregt, eine Agitationstour durch Nord- dentschland zu unternehmen. Hierüber entspann sich eine sehr leb- haste Debatte für und gegen; schließlich wurde die Sache dem entralvorstand überwiesen. Zum Schluß frägt Wolfs nach den esultaten des Tapezirer- Kongresses in Leipzig und bedauert den Beschluß der Generalversammlung, den Kongreß zu beschicken. Buchdrueterei- Hilfsarbeiter. Di« uns soeben zugegangene Nr. 18 der„Solidarilät". Organ für die Interessen aller im graphischen Berufe beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, enthält solgenden Bericht über die Generalversammlung deS Jntereffenvereins »er Buchdruckerei-Hilssarbeiter Berlins und Umgegend vom 22. August dieses Jahres: Hieraus wurde von verschiedenen Seiten über die Mißstände in der Max Bading'schen Druckerei Klage geführt. Genannte Druckerei (in der der„Vorwärts" hergestellt wird) sei keine Musteranstalt. Die Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft dort sei größer, als es sonst in anständigen Betrieben üblich sei; auch ließen die sanitären Verhältnisse viel zu wünschen übrig. Ein Redner führte aus: Hätten schon vor Aufstellung der neuen Rotationsmaschine Mißstände geherrscht, so seien dieselben nachdem fast unerträglich geworden. Freilich, daß dies geschehen konnte, sei großentheils die Schuld der eigenen Kollegen. Im Rotations- Maschinen- saal herrsche oft eine Temperatur von 30 bis 34 Grad Celsius, da die Fenster während des Druckes geschloffen würden. Die Ausbeutung der Muskelkraft der Arbeiter sei unter aller Kritik. Früher habe man zum Tragen der Zeitungen(Eonnabends) eine Aushilfskraft gehabt, heute sei dies nichl mehr der Fall, trotz- dem dieselbe jetzt ebenso nöthig ist als vordem. Die für bestimmte Arbeiten«ngagirten Arbeiter müssen auch ander« als die ihnen zukommenden verrichten. Berücksichtigen müsse mau allerdings, daß der Bading'sche Betrieb ein kapitalistischer sei wie jeder andere; es fei deshalb hegreiflich. wenn daS Geschäft svaren will. aber es dürfe dieses nicht in übertriebener Weise auf Kosten der Arbeiter geschehen. zumal ja gerade die in der Babing- scheu Offizin hergestellten Drucksachen gut bezahlt würden. Herr Babing habe s. Z. geäußert: In seiner Offizin könne jeder Arbeiter beschäftigt werden— nur kein Sozialdemokrat(??? Nied.). Dadurch läßt es sich erklären, daß manchmal der Arbeits- nachweis der organistrten Hilfsarbeiter ignorirt wurde. So sei zum Beispiel jetzt noch ein Streikbrecher bei Babing beschäftigt. Ein Redner meinte, daß man nicht daran denken könne, die Mißstände zu beseitigen, da einige der dort be- schäftigten Kollegen selbst sagen, die Arbeitsverhältnisse seien nicht die schlimmsten, er(Redner) seinerseits fühle sich jetzt wohler, seitdem er nicht mehr bei Babing beschäftigt sei. Die Geschäfts- leitung habe wohl kleine Mißstände beseitigt, aber für die großen sei sie blind. Demnächst wird sich der Arbeilerausschuß mit diesen Verhältnissen beschäftigen müssen. Es wird ein Antrag angenommen. wonach dem„Vorwärts" ausnahmsweise über diese» Punkt ein Bericht zugestellt werden soll. Hierzu benierken wir, daß unS dieser Bericht bis jetzt nicht zugegangen ist. trotzdem die Versammlung bereits am 22. v. VI. stattgefunden hat. Nach eingehenden Erkundigungen bei der Ge- schäftsleitung der Firma Max Babing stellen wir fest, daß die Ausführungen des der Geschäflsleitung nichl unbekannten Versammlungsredners bis auf nebensächliche Dinge von Anfang bis Ende erfunden sind. Uns befremdet nur, daß der ehemalige Vorsitzende dieses Vereins und noch jetzige Ver- walter des Arbeitsnachweises diesen infamen Schimpfereien nicht an Ort und Stelle entgegengetreten ist, denn er kennt durch seine jahrelange Thätigkeit in der Druckerei die Verhältnisse und weiß, daß vom Personal geäußerte berechtigte Wünsche bereitwilligst erfüllt werden. Seine Pflicht war es. diese den Gegnern willkommeue Herunterreißung der Druckerei, in der unser Blatt hergestellt wird, zurückzuweisen. In der Druckerei sind eine Anzahl Personen an- gestellt. die früher und jetzt noch mehr oder weniger hervorragend gewerkschaftlich und politisch in unserer Partei thätig find. Es liegt der Geschästsleitung vollständig fern, beim Engagement des technischen Personals nach der politischen Gesinnung zu fragen, soweit uns aber die politische Gesinnung der bei der Firma Mar Babing Angestellten bekannt ist, so gehören dieselben fast ausnahms- los unserer Partei an. Die Wcistcuseer Geuosseu hatten sich am 30. August zu einer Laffallefeier ziisammengefniiden. Der Genosse G. Wagner hielt die Festrede. Bor und nach dem Vortrag erfreute der Weißensee« Arbeiter-Gesaugverei» die Anwesenden durch Absingen einiger Lieder. I» Charlottenburg tagte am 1. September eine ö f f e n t- l i ch e M a u r e r v e r s a m m l u» g. Schulze, der einen Bor- trag über„das Koalitionsrecht der deutschen Arbeiter im Lichte der Thatsachen" hielt, brachte eine Menge Material bei, aus dem zu ersehen ist, wie wenig diese Koalitionsfreiheit für die Arbeiter Werth hat. Redner fordert zum Anschluß an die Organisation anf. I» Steglitz wurde das Andenken Lassalle's geehrt durch eine Versammlung, in der Genosse M e tz n e r über das Leben und Wirken Lassalle's reserirte. Hieran schloffen sich gesangliche und humoristische Vorträge. An der Feier nahmen auch die Genossen von Friedenau und von Zehlendorf theil. N»r»in der Kuchdr«»«»«nd Kchrift«i,»«r für Nlrd-rf Krtt,. Heule. nachmittags l Uhr, Versammlung in den„Btttorta- Sälen", Hermannsir. es—»o. Samariter. Kursn» für Arbeiter und»rdeiterinne». Montag, den «.September, abend« s>!. Uhr. in Sohn'» Festsälen. Beuthstr.«: Vortrag de« Herrn Dr. Leipziger über: Zahntraniheiten. zierrin für KSr»«» und Ztaturh-Ilinind». Montag, den«.«eptbr., abend« Uhr, Moabit, Thurm str. es/es: Vortrag de« prat«. Naturhetllundtgen Herrn O. Grundmann über: Magen- und Lungenlranihetten. Demonstrirt a« großen Lichtbildern. t______ £«r«- und»iostutlrklnb Süden. Sitzung am Dienstoa, den 7. Septbr., im Restaurant«wald, Schönletnftr.«. T-tslussion über:„Der internati-nale Arbeilerschny Kongreß in Zürich"»enossen als«äste wiNlommen. tzlrivat-Khrater iSesrllschast..«rika". Montag, den«. Septbr., abend« 9 Uhr. Sitzung im Restaurant Nowacl, Manteussetstr. 9. Zentral-Kranken-»nd Kegräbnitzkalll» für£r-«»n«nd Mädch»« t» veuttchland(/s Tonne werden Gewichtsmengen von unter*/* Tonne garnicht, solche von Vi Tonne und darüber als volle V2 Tonne berechnet. Da trotz der in dieser Tarifänderung liegenden abermaligen Erhöhung der Gebühren auf das doppelte der bisherigen Sätze die Gebühren-Ein- nahmen und die sonstigen Einnahmen des Unternehmens nicht zur Deckung der Betriebsausgaben hingereicht haben, so hat der Fehl- betrag von 70 712,69 M. vorläufig aus dem Vorschußkonto gedeckt werden müssen. Unter den obwaltenden Verhältnissen ist die Aus- führung der für die zweite Müll-Einladestelle am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal erforderlichen Bauten sistirt und der Platz für jährlich 4000 M. vorläufig anderweitig vermiethet worden. Das zum Abladeplatze bestimmte Grundstück in Pinnow bei Birkenwerder hat die Verwaltung zwar angekauft, die Brauchbarmachung desselben ist aber auch hier bis auf weiteres ausgesetzt worden. Die Lokalliste für Berlin«nd Unigegend ist neu heraus- gegeben und der heutigen Nummer unseres Blattes beigefügt worden. Bei der Wichtigkeit der Lokalfrage erivächst den Parteigenossen namentlich zur jetzigen Zeit die dringende Pflicht, die Lokalliste strenge zu beachten. In nächster Nähe der Reichshauptstadt besteht och der traurige Zustand, daß behördliche und ordnungsparteiliche -inflüsse die sozialdemokratisch gesinnte Arbeiterschaft an der Wahr- lehnning des bischen Vereins- und Versammlungsrechts hindern, das in Preußen unter den unzeitgemäßesten Verklausulirungen gesetz- lich festgelegt ist, und das nach dem Willen der Reaktion gänzlich vernichtet werden soll. Der Ansturm der Reaktion, der auch nach Ablehnung des Knebelgesetzes im Landtage noch nicht beendigt ist, macht rnehr wie je ein geschlossenes Vorgehen der Proletarier aus der ganzen Linie nothwendig. Den Saalablreibereien gegenüber bleibt uns kein Mittel übrig, als die Lokalsperre. und diese dort, wo nöthig, durchzuführen, muß das Bestreben aller Parteigenossen sein. Arbeiter. Parteigenossen, besucht daher nur solche Lokalitäten, welcheaufderListeverzeich netstehen. Auch in diesem Kampfe führt uns Beharrlichkeit und Energie zum Ziele! Vor allem aber richten wir an die Gewerkschaften und Ver- gnügungsvereine. die zum theil wenigstens immer»och nicht der iw Jumirts" Lokalliste das zu beanspruchende Berständniß entgegengebracht haben, das dringende Ersuchen, unter keinen Umstände» ein Fest in einem gesperrte» Lokale abzuschließen. Achtung, Parteigenossen Berlins k Die Freie Volks- bühne beginnt am Sonntag, den 12. September, im Friedrich- Wilhclmstädtischen Theater nachmittags 3 Uhr ihre Aufführungen der Wintersaiso» mit einer Novität, welche von den bürgerliche» Bühnen bis jetzt allgemein abgelehnt wurde. Ein von freiem Geiste getragenes, lebendige, packende Szenen enthallendes Drama Karl Mönckeberg's, welcher mit kecker Hand an den enggezogenen Schranken der wohlgesättigten, staatserhaltenden, anständigen Patriziergesellschast Hamburgs rüttelt, ist als Eröffnnngsvorstellung gewählt worden. Der unterzeichnete Vorstand empsiehlt den Partei- genossen, sich rechtzeitig in einer der bekannte» Zahlstellen ein- schreiben zu lassen und verweist besonders auf das heutige Inserat im„Vorwärts". Die Vorstellung der I. Ablheilung findet am 12., der II. Abtheilung am 19� und der III. Ablheilung am 26. Septbr. statt. Neue Mitglieder können sich gegen Hinterlegung des Ein- trillsgeldes, 60 Pf., und eines Beitrages von 60 Pf. in allen Zahl- stelle» melden. Die Mitglieder der I. Abtheilung werden ersncht, bis heute Mittag ihre Beiträge zu entrichte», da die I. Ab- theilnng geschlossen wird. Der Vorstand der Freien Volksbühne. I. A.: G. Winkler. Achtung, erster Wahlkreis! Heute findet in den Armin- hallen, Kommandantenstr. 20, ein großes G a r t e n f e st mit Sommernachtsball statt nnter Mitwirkung des Gesangvereins „Solidarität"(Dirigent Herr Lange). Familicn- Kaffeekochen von 3 bis 6 Uhr. Anfang 4 Uhr. Eutree 20 Pf. Garderobe 10 Pf. Billets sind bei allen Vorstandsmitgliedern und in den Zahlstellen zu haben. Die Zahlstellen des Wahlvereins, welche sämmtlich neue Mitglieder aufnehmen, befinden sich bei Mörschel, Jüdenstr. 35; Preuß, Neue Friedrichstr. 20; Moll, Klosterstr. 101; Sommer, Grün- ftraße 21. D e r V o r st a n d. An die Berliner Parteigenossen! Wenn es unS noch in letzter Stunde möglich war, dem allgemeine» Wunsche entsprechend das größte Lokal, welches den Berliner Parteigenosse» zur Ver- fügung steht, zur Abhaltung der Provinzial-Parteikonferenz zu er- lauge», so gebührt in der Hauptsache den graphischen Ar- beitern Berlins das Verdienst, es bewirkt zu habe». Diese ballen das Lokal bereits vor längerer Zeit zwecks Abhaltung einer Wohlthätigkeits-Matinee gemielhet und auch nicht geringe Ausgaben für diesen Zweck gemacht. Nach Vorbringen unseres Wunsches faßte das Vergnügungskomitee einstimmig den Beschluß, im Interesse der Partei zurückzutreten. Die Matinee findet nunmehr eine Woche später, also am Sonntag, den 19. September bei Keller, Koppenstr. 29, statt. Wir ersuche» sowohl die graphischen Arbeiter, wie auch die übrigen Parleigenossen, für recht rege» Besuch Sorge zu tragen. Das vorzüglich gewählte Programm bietet die beste Ge- ivähr für einige Stunde» schönster Unterhaltung. Robert Wengels. Carl D i m in i ck. In den städtische» Gasanstalte» wurden am Anfange dieses Jahres Arbeiter- Ausschüsse ins Leben gerufen. Dies ge- schah jedoch nicht etwa aus eigenem Antriebe der Gasdirektionen, sondern auf grund jener Vereinbarungen, welche seinerzeit zwischen de» ausständigen Gasarbeitern und den Vertretern des Magistrats vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichts zu stände kamen.— Die erste Sitzung der Ausschüsse fand im März statt und seitdem haben sie nicht mehr gelagt, so daß es den Anschein nimmt, als wenn die Ausschüsse der Gasdirektio» unangenehm geworden sind und man daher von ihnen nichts mehr wissen will.— In der ersten Sitzung wurden nämlich gleich von einigen Arbeitermitgliedern Anträge gestellt, welche die Beseitigung vorhandener Uebelstände bezweckte». Man verhandelte jedoch über dieselbe» nicht eingehender, sondern es sollten erst die in Frage kommenden DinLe näher geprüft werden. Wenige Tage daraus wurde dann an Mitglieder der Ausschüsse die Frage gerichtet, wer sie denn eigentlich mit der Stellung von derartigen Anträgen b e a u s t r a g t habe, und zwar geschah dieses in e i n e m T o n e, der besagte, baß man in Zukunft die Stellung von solchen Anträgen unterlassen solle. Um nun den Mitgliedern der Ausschüsse einigermaßen den Rücken zu decken, fand im Juni eine Versammlung der städtischen GaSarbeiter statt, welche die Mitglieder der Ausschüsse beauftragte, in der nächsten Sitzung bestimmte Anträge zu stellen, um einige be- sonders krasse Mißstände z» beseitigen.— Nun hat, wie bereits ge- sagt,»och keine zweite Sitzung der Ausschüsse stattgefunden, und da nur die Verwaltungsdirektion das Recht be- sitzt, Sitzungen einzuberufen, so müssen die Ausschüsse vollständig ihren Zw eck, der in friedlicher Er- ledigung aller vorhandenen Differenzen besteht, verfehlen, wenn die Direktionen nicht häufiger als bisher die Ausschüsse zusammen- berufen. Oder unterläßt man dieses wirklich deshalb, weil dieselben schon jetzt vielleicht unangenehm geworden sind? Die Kindersterblichkeit ist in Berlin wesentlich mit aus dem Grunde so bedeutend, weil hier in der Bevölkerung die Arbeiter- k l a s s e, also auch unter den Säuglingen die Arbeiterkinder so zahlreich verlreten sind. Für die Arbeiterkinder ist ja die Lebens- bedrohung von vornherein so groß,— viel größer als für Kinder aus anderen Bevölkerungsschichten: denn oie engen, un- gesunden Wohnungen, die osl mangelhafte Pflege, die unzweckmäßige oder glich unzureichende Ernährung und all' die anderen Schädi- gnnge», die sich aus der w i r t h s ch a f t l i ch e n Lage der Arbeiterklasse ergebe» und denen der proletarische Nachwuchs aus- gesetzt ist. wirken in hervorragendem Maße g e s u n d h e i t- zerstörend und lebe»verkürzend. Daß von der Kinder- fterblichkeit Berlins ein unverhältnißmäßig hoher Antheil ans die Arbeiterklasse kommt, läßt sich schon aus der— nicht blos absolut, sondern auch relativ(im Verhältniß zur Geburtenzahl)— außer- ordentlich hohen Zahl von Säuglingssterbefällen schließen, die auf die vorwiegend von Arbeitern bewohnten Stadttheile kommt. ES ist aber auch direkt ans der Gruppirung der verstorbenen Säuglinge nach der sozialen Stellung der Eltern nachzuweisen. Unter den im Jahre 1895 in Berlin gestorbenen Kindern unter 1 Jahr(ohne Todtgeborene) waren zum Beispiel 4478 Kinder von Gehilfen, Gesellen. Fabrikarbeitern u. s. w.. 2607 von Tage- arbeitern. Tagelöhnern, Lohndienern u. s. w., 1017 von Dienstboten und Gesinde aller Art, anderseits zum Beispiel 1511 von in Besitz, Berus und Erwerb selbständigen Personen, 816 von öffentlichen oder privaten Beamten. Bergleicht man diese Zahlen mit der Zahl der in demselben Jflhre lebend geborenen Kinder derselben soziale» Gruppe»(wobei angenommen werden darf, daß sich der Zuzug von Säuglingen gegen den Abzug»nd die Zahl der im laufende» Jahre gestorbenen Säuglinge, die schon im Vorjahre geboren waren, gegen die Zahl der im laufenden Jahre Geborenen, die noch im nächste» Jahre als Säuglinge starben, ungefähr aushebt), so ergebe» sich recht bemerkens- werthe Unterschiede. Aus je 1000 im Jahre 1895 lebend geborene Kinder kamen im Jahre 1895 gestorbene Kinder nnter 1 Jahr: bei den in Besitz, Beruf und Erwerb Selbständigen 185, bei den öffent» lichen oder privaten Beamten 155, dagegen bei den Gehilsen u. s. w. 229, bei den Tagearbeiter» u. s. w. 338, bei den Dienstbote»».s.w. 319. Wäre die Kindersterblichkeit bei den Gehilsen, Tagearbeitern und Dienstboten nur so, wie bei den Selbständigen und Beamten. so müßten in Berlin jährlich ein paar tausend Säuglinge weniger sterben. Das BctriebSjahr der Markthallen-Verwaltung für 1896/97 ist in finanzieller Beziehung wiederum ein günstiges gewesen. Die laufende Verwallung schließt in Einnahme und Ansgabe mit 2 639 983.68 M. ab, die Baareinnabmen belaufen sich aus 27 002 M. Soniileg, 5. Seplembtt 1897. mehr als der Etat annahm, diejBaarausgaben blieben um 123123 M. gegen denselben zurück. Nach Ueberweisung von 110 134 M. Ab- schreibungcn von dem Anschaffungswerlhe der Maschinen, Utensilien und Mobilien zum Erneuerungs- und Ergänzungsfonds konnte» demselben an reinem Ueberschuß der Verwaltung 150 130 M. zu» gesührt werde». Der Fonds verfügte Ende März 1397 über eine» Bestand an Abschreibungen von 2 224 650 M., an Ueberschüsse» aus dem Betriebe von 584 700 M., welche Beträge in Effekten sicher ge- stellt sind. An den Anleiheschulden der Stadt war das Markt- hallen-Unternehmen Ende März er. in Höhe von 26 959 036 M. be- lheiligt. lieber das Alter, in de«, die bernföthätige» Frauen Berlins in den Stand der Ehe treten, giebt der soeben erschienene Bericht der Versicherungsanstalt Berlin für das Jahr 1396 interessante Aufschlüsse. Diese Heirathsstatistik erstreckt sich auf 4023 Frauen, die vor ihrer Hochzeit sich mindestens fünf Jahre mit der Arbeit ihrer Hände oder ihres Kopfes ihr Brot verdienten und dank der„Klebe- pflicht" ihren Auserwählten im Durchschnitt das kleine Kapital von 26,34 M mit in die Ehe bringen konnten. Die meisten dieser Heirathen vollzogen sich 1896, ein kleiner Theil stammt aus der zweiten Hälfte des Jahres 1895. Die Frauen schloffen mit Aus- nähme von 41 Wittwen und 21 Geschiedenen den Ehebund zum ersten Male. Ein Fünftel von ihnen, 200 von 1000, heirathete im Alter von 24 bis 25 Jahren; dieses Alter scheint von den„arbeiten- den" Frauen am meisten bevorzugt zu werden für den Eintritt in die Ehe. Bei der Hochzeit standen unter 1000 Frauen 195 im Alter von 22/23 Jahren, 187 waren 26/27 und 129 waren 23/29 Jahre alt. Zwischen den Dreißigern und Vierzigern schloffen 225, zwischen den Vierzigern und Fünfzigern 20(von 1000) die Ehe; vier beglückten«inen Mann noch im Alter von über 50 Jahren. Als Seniorin ist eine Wittwe von 57 Lenzen hervor- zuheben, die zum zweiten Male ihr Schicksal einem Manne anver- traute. Unter den 4023 Frauen befanden sich 1030, also über ein Viertel, geborene Berlinerinnen. Von 1000 geborenen Ber- linerinnen heiratheten 313, fast ein Drittel, schon im Alter von 22/23 Jahren, und über 624 v. T., also weit über die Hälfte, hatten noch nicht das 25. Lebensjahr erreicht. Im Alter von 40 Jahren und darüber fanden noch 16 geborene Berlinerinnen am Heirathen Gefallen. Am jüngsten waren im allgemeinen die Arbeiterin»«»; über ein Drittel heirathete im Alter von 22123 Jahren; es folge» die in der Textilbranche. im Handel, der Papier- und Lederindustrie beschäf- iiglen Frauen. Von den Dienstmädchen verheiralheten sich über ein Fünslel, 21,3 v. H., im Alter von 30— 34 Jahren; ihnen am nächsten stehe» die Plätterinnen, die zumeist aus dem Staude der Dienstmädchen hervorgegangen sind. Was die Berussarlcn an- betrifft, in denen die Frauen vor der Hochzeit standen, so waren über die Hälfte, 523 unter 1000, Dienstboten gewesen. Es folgen die Arbeiterinnen mit 136, die Bekleidungsindustrie mit 125, darunter meist Näherinnen, Handel und Verkehr mit 87 und die Reinigungs- brauche(meist Plätterinnen) mit 46 unter 1000. Von de» geborenen Berlinerinnen waren vor der Hochzeit 304 unter 1000, also fast ein Drittel, Arbeiterinne» gewesen, wogegen nur 70 Dienstboten waren; der Bekleidungsindustrie hatten sich 271, dem Handel und Verkehö 180 zugewandt. Aus diesen Zahlen geht wieder die bekannte That- fache hervor, daß die geborene Berlinerin selbständig genug ist, die anstrengende Arbeiterinnenthätigkeit der der Gesindesklaverci vor- zuziehe». Schließlich sei noch erwähnt, daß die 4028 Frauen vor der Hochzeit 1 049 507 Marken geklebt haben im Wcrlhe von 212 184,22 M., wofür ihnen 106 092,11 M. erstattet wurde». Der Militärbot, kott gegen ei» WohlthätigkcitSkonzert. Die„Volks-Ztg." schreibt: Daß der Parteihaß auch da nicht zurück- tritt, wo es sich um die Bethätigung der Menschsufreundlichkeit handelt, dafür liegt wieder einmal ein Beispiel vor. das um so be- dauerlicher ist, als es von Behörde» gegeben worden ist. Die Bürger des Stadttheils Gesundbrunnen veranstalteten gestern im Restaurant Marie nbad auf dem Gesundbrunne» ein WohlthätigkeitSfest zu gunstcn der U e b e r s ch w e m m t e n, Die Militärkapelle, welche für das Fest engagirt war, sagte, so theilt man uns mit, im letzten Augenblick ab, weil ihr von ihrer Kommandobehörde das Musiziren in dem für das Fest gewählten Lokal untersagt worden war. Dort hatte nämlich am 29. v. Mls. eine sozialdemokratische Lassallefeier st a t t g e f n n d e n, was vom Vorstande des Polizeireviersi der Militärbehörde angezeigt worden war. Aus diesem Grunde durften die Militärmusiker sich nicht an der Festvorstellung betheiligen. Glücklicherweise konnte»och schnell genug eine Zivilkapelle herbeigeschafft, verde», die ebenso gute Musik machte, wie es dje Militärkapelle vermocht hätte. Die verehrlichen Ver- austalter des Festes haben also wieder einmal gesehen, daß es auch sehr gut ohne Militärkapellen geht. Im Interesse der Zivilberufsniusiker ist zu wünschen, daß diese Erkenntniß sich immer mehr Bah» breche! Die Militärbehörde schreitet hier mit Unerschrockenhcit ans denselben Pfaden vorwärts, der für diverse A m t s v o r st e h e r zum Lustwandeln herhalten mußte. So hat der Amtsvorsteher M i l i» o w s k i in Z e h l e n d o r f es fertig gebracht, einem Ar- bester- Gesangverein bei einer Festlichkeit das Herumreichen einer Liste zu verbiete», auf der Beiträge für die U e b e r s ch w e m m t e n gezeichnet werden sollten. Die i» belracht kommenden Arbeiter habe» sich natürlich durch dieses so recht vom modernen Staatsrettergeiste getragene Verbot nicht im geringsten von der Ausübung ihrer Barmherzigkeilspflicht abhalten lassen. Hervorgehoben soll hierbei werden, daß der Mann, der dies glücklicherweise unwirksam ge- bliebene Verbot zu erlassen vermochte, preußischer Haupt- m an» a. D. ist. S»folge vielfacher Beschwerde» bei der Vcrwaltnng der -»nd Ringbahn darüber, daß die Inschriften„Nicht rauchen" bei de» neu eingeführten Wagen III. Klasse von de» männlichen Fahrgästen größtenlheils nicht beachtet werden, haben die Betriebs- beamten die Anweisung erhalten, streng daraus zu halten, daß Fahr- gäst«(n dem fraglichen Wagenabtheil nicht rauchen resp. dieselben nicht mit brennender Zigarre besteigen. Zuwiderhandelnde Personen werde»»n sofortigem Verlassen des Wagens veranlaßt event. in eine Geldstrafe bis zu 6 M. genommen. DaS wissenschaftliche Theater der Urania in der Tasiben- straße führte am Sonnabend einer Anzahl geladener Gäste einen neuen Ausstattungsvortrag vor. In gemeinverständlicher Form suchte Herr Thies dem Auditorium die Schönheiten und geologischen Merkwürdigkeilen Nordamerika's in Worte» und hauptsächlich in Bildern zu veranschaulichen. Das„Wunderland d e r» e u r» Welt", so heißt der Vortrag, that sich denn auch vor den Augen der andächtige» Zuschauer in all seiner seit- samen Schönheit auf. Als ganz besonders gelungene Bilder sind zu nennen die Darstellung des Waldbrandes, das Hochplateau am oberen Rande des Colorado-Cannons, der Hain der Riesenbäiline im Mariposathale der Sierra Nevada, der Spiegel- see im Uosemitethal und vor allem die Vorführung des Feuersees auf Hawaii. Wunderbar war die Szenerie, die sich ferner wahrend der Eisenbahnfahrt durch die Sierra entwickelte, und ei» frappircnd schönes und naturgetreues Bild wurde durch die Darstellung des Fonntain-Geisers, des kochenden Springbrunnens geboten. Wir zweifeln nicht daran, daß anch dieser Ausstattnngsvorlrag den vollen Beifall des Publikums stndet und vor allem von Arbestervereinen mit Interesse besucht wird. Mit dem Mörder Goenczh wird das Verschwinde» der Schneiderin Wittwe Nikolai i» Verbindung gebracht, über deren Verblejb die Polizei trotz sorgfältiger lltecherchcn bisher nichts zu er- Mitteln vermochte. Die Nikolai, ivelche in einer früheren Mit- theilnng über den Raubmörder bereits einmal kurz erwähnt wurde, wohntx in dem Hause Belle Alliancestraße 60/61, wo sie zwei Zun,»er tnne Halle. Vie beherbergte vor etwa zwei Jahren, wie wir bereits nnttheilte», die Geliebte des Goenczy, die 23jährige Stepperin Raffalski. G. kam infolge dessen häufig zu der N. und soll auch die Besuche noch sortgesetzt haben, nachdem die R. schon iii der Behausung des G. Aufnahme gefunden hatte. Im Anfang dieses Jahres erzählte die N. verschiedenen Bekannten, daß sie sich demnächst mit einem Werksührer zu verheiralhen gedenke. Im März dieses Jahres dann verschwand die N. plötzlich. Alle Nachforschungen nach dem Verbleib der Wittwe blieben erfolglos, und es ist auch bis heute noch nicht gelungen festzustelleu, od die N. noch am Leben ist oder nicht. Die Berliner Kriminalpolizei hat entschieden Pech. Nachdem sie am 30. August mitgetheilt hatte, daß der Mörder Goenczi elf Tage vorher, am 19. August, in Hameln geivesen sei, wird aus der „Osnabrücker Zeitung" bekannt, daß der Vielverfolgt« in der Nacht zum Donnerstag in einem nach Holland gehenden Zuge in Osnabrück durchgekommen fei. Das genannte Blatt berichtet:„Dem dienst- thuenden Telegraphenbeamte» war eine Depesche aus Löhne zuge- gangen, in welcher er auf den Flüchtling aufmerksam gemacht wurde. Pflichtgemäß schickte der Beauite sofort zur Polizei. Der nachts dienstthuende Polizeibeamte soll, da ihm nichts Schriftliches vorläge, eS abgelehnt haben, einzuschreiten. Als er sich später eines besseren besonnen und sich nach dem Bahnhof begeben hätte, wäre der Zug mit dem Mörder bereits weiter gefahren." Vielleicht sind holländische Polizisten geschickter als die deutschen. Im städtische» Obdach befanden sich am I. August er. 23 Fa- Milien mit 32 Personen, darunter 13 Säuglinge und 40 Einzel- Personen. Am 1. September war der Bestand 17 Familien mit öS Personen, darunter 6 Säuglinge und 29 Einzelpersonen. Das Asyl für nächtliche Obdachlose daselbst benutzten im Laufe des Monats August 13 040 Personen, und zwar 12 361 Männer und 679 Frauen. Bon diesen Personen wurden 8 dem Krankenhaus Friedrichshain, 29 dem Krankenhaus Moabit. 17 der Charitee, der Anstalt Wuhgarte» 3, der Krankenstation des Obdachs 25 überwiesen, 219(215 Männer, 4 Frauen) der Polizei vorgeführt. Ge- badet haben während des Monats August 9617 Person«». Die zehn Berliner Unfallstationen wurden im August d. I. in 2068 Fällen gegen 1503 im gleichen Monat des Vorjabres für erste Hilfe in Anspruch genommen und zivar 1819 mal bei Unfällen nnd 244 mal bei plötzlichen Erkrankungen. In den Stationen wurden i960, außerhalb dieser 108 Personen behandelt. In den letzten drei Monaten wurden 163 Verunglückte mittels der neuen Krankonwagen der Unfallstationen nach ihren Wohnungen oder hiesigen Krankenhäusern gebracht. Das Kollegium der ISS. Gemeindeschnle ersucht uns, in beziig auf den in Nr. 139 unseres Blattes unter der Ueberschrift „Berliner Lehrerschaft" gebrachten Artikel, folgender Berichtigung, die auf besonderen Wunsch deS Kollegiums vom Herrn Schul- Inspektor Dr. Kauche abgefaßt worden ist, Aufnahme zu gewähren: „In der That sind über unpünktlichen Anfang des Unterrichts an der 195. Gemeindeschule mehrfach begründete Klagen vorgebracht worden; ebenso hat fast allgemein in den Pausen daS Verbessern der Hefte in den Schulzimmern stattgefunden, wodurch in einzelnen Klassen die gründliche Lüftung wohl beeinträchtigt wurde. Doch hat niemand vom Lehrerkollegium etwas Pflichtwidriges in dieser AuSnützung der Pausen finden können, da bis zum Bekanntwerden jener Verfügung niemals Gelegenheit ge- boten war. da? Verbessern der Hefte in den Pausen zu verbieten. Das Verbessern der Heste in den Unterrichtsstunden ist jedoch nur ganz vereinzelt vorgekommen. In allen Fällen, in denen diese Mißstand« bemerkt worden, hat der zuständige Schulinspektor an die betheiligten Lehrer dringende Wünsche und sogar ernste Mahnungen gerichtet. An das ganze Lehrerkollegium dieserhalb Wünsche und Mahnungen zu richten, hat«in Anlaß biZ zu jener in .Rede stehenden Versügnng nicht vorgelegen. Es muß vielmehr h ervorgehoben werden, daß die große Mehrheit des Lehrerkollegiums hinsichtlich der Amtsführung die volle Anerkennung des Rektors ge- samden hat. Die Anerkennung ist anch bei der letzten Revision der SxViule im August 1895 zum Ausdruck gebracht und neuerdings in einer Konferenz wiederholt worden. Seit jener Verfügung vom 29. Mai d. I. sind auch die erwähnten Mißstände, welche diese Ver- fügiing veranlaßlen, vollständig beseitigt." Bon Offiziere« ist in Charlottenburg der rohe Unftig des Ta ubenschießenS in einem öffentlich«,! Lokal, dem Schützen- Hause, geübt worden. Während zuerst die„Zeit" von der An- gele�enheit Mittheiluug gemacht hat, wird jetzt vom„Berl. Tagebl." das folgende berichtet: Seit geraumer Zeit wnrde«, wie man uns aus Eharlottenbnrg schreibt, auf dem Terrain deS dortigen Schützenhauses von einigen jüngeren Offizieren des Garde- kürassier-Regiments Tauben geschossen, und zwar ver- snhren die feudalen Schützen in derselben Weise, wie dieS in Heiligendamm geschehen ist. Es wurden an einem Nachmittage etwa 150 Tauben aufgelassen; die nur angeschossenen T h i e r ch e n, die noch im stände waren, über den Zaun des Schießstande« htmvegzuflattern, ergriff die Charlotten- burger Jugend, um ihnen die Köpfe umzudrehen lind Jle mit nach Hanse zu nehmen. Die Jugend ist auch »sofern bei dem Schießen bethetligt gewesen, als Lehr- linge eine? Berliner Büchsenn, acherS die er- forderlichen Handreichungen verrichteten. Der Pächter deS Schützen- Hauses hat der Polizei gegenüber die Verantwortung für den grau- samen Sport abgelehnt. Er behauptet, die Offiziere hätten den Schießstand gepachtet, um sich für die Jagd auf Rebhühner vor- zubereiten. Sie hätten etivaige Bedenken seinerseits mit dem Hin- weis« entkräftet, daß sie sich im Besitze eineS gerichtlichen Erkenntnisses befänden, demzufolge dem Schießen auf Tauben, sofern eS in umfriedigten Räumen stattfände, nichts im Wege stände. Da« letzte derartige Schießen fand am Freitag, den 27. August statt. Seitdem hat die Charlottenburger Polizei- Direktion auf erfolgte Aiizeiae hin die Wederholung der Schießen verboten und das Polizeipräsidium in Berlin von dem Thatbeftande unterrichtet. Eine Antwort der Berliner Behörde steht noch aus. Wenn reaktionäre Blätter nächstens wieder über die Rohheiten der großstädtischen Jugend zetern, dann mögen sie nicht ver- gessen, daS Taubenschießen in den Kreis ihrer frommen Betrachtungen zu ziehen. Der Fall Rothenburg. Nachdem Frau Baumeister Rothen- bürg sich nunmehr bekanntlich in der Freiheit befindet nnd die Ans- Hebung ihrer Entmündigung in Aussicht steht, auck, Termin bereits zu dieser Sache auf den 3. Dezember d. I. vor de« Kammergericht anberaumt ist, gehen die vorwiegend pekuniär interesstrten An- gehörigen damit um, ein Entmündigungsverfahren gegen den Sohn der Frau Rothenburg, Referendar Rothenburg, welcher sich der Sache seiner Mutter bekanntlich sehr angenommen, i« Anwendung zu bringen. Ans Antrag derselben hat die zuständige Staatsanwalt- schast des Landgerichts Stargard jetzt eine Vernehmung des Herrn Rothenburg in dieser Sache angeordnet, und auf ihre Requisition ist seitens deS hiesigen Amtsgerichts I Termin zu diesem Behufe an- beraumt. Nähere Aufklärung dieses befremdlichen Vorganges bleibt abzuwarten. Drei Kinder vorn Ersticknngstode gerettet. Im vierten Stock des Seitenflügels Dennewitzstraße 17 wohnt der Packetfahrt- schaffner W u r m st e d t, dessen Familie aus Frau nnd drei Kindern im Alter von 2, 4 und 5>/, Jahren besteht. Die Wartung der letzteren liegt der Großmutter ob, da die Eltern tagsüber nicht zu Hause sind. Die Großmutter hatte die Kinder zeitig zu Bett gebracht und sich dann auf einige Zeit aus der Wohnung entfernt. Bald machte sich den Nachbarn ein intensiver Brandgeruch bemerkbar, der aus der Wurmstedt'schen Wohnung kam. Der Feuerwehrmann Frost, der im selben Hause wohnt und zufällig dienstfrei war, erkannie die Gefahr, schlug die Thür ein und holte die bereits bewußtlosen Kinder— zwei Knaben und ein Mädchen— aus dem mit dickem Qualm gefüllten Zimmer. Wenige Minuten später, und die Kinder wären im Schlafe erstickt. Die alarmirte Feuerwehr trat nicht mehr in Thätigkeit, da das Feuer— es brannten Betten— bei ihrer Ankunft bereit» gelöscht war. Wie daS Feuer entstand, ist noch unausgeklärt. Die geretteten Kinder befinden sich außer Lebens- gefahr. Der von seiner Wirksamkeit am Lesfing-Theater her bekannte Schauspieler B e r u h a r d B o r w e r k ist in Hannover, wo er zur Zeit engagirt ist, ein Opfer der deutschen Denunzialionsseuche ge- worden. Er wurde immlich ganz unerwartet verhaftet und in Untersuchungshaft gebracht auf grnnd einer M a j e st ä t s- b e l e i d i g u n g, die er sich sollte zu schulden haben kommen lassen. Vorwerk war, wie sich herausstellte, von dem Schauspieler Hans Berger(resp. Siegfried) denunzirt worden, welch' letzterer sich auf den Schauspieler Engelhard als Zeugen berufen hatte. Es ergab sich jedoch, daß die zur Anzeige gebrachte Aeußerung nicht in der von Berger behaupteten Forni gefallen war, so daß Vorwerk alsbald wieder in Freiheit gesetzt werden konnte. Gegen Berger, dessen Aufenthalt zur Zeit unbekannt ist, soll nunmehr das Straf- verfahren wegen wissentlich falscher Anschuldigung eingeleitet werden. Große Unterschlagungen sind, dem„Kons." zufolge, bei einer größeren hiesigen Firma der Wäsche- und Schürzenbranche in der Spandauerftraße entdeckt worden. Ein bei dieser Firma An- Sestellter, der angiebt, von den Arbeitern verführt worden zu sein, at in Verbindung mit diesen die Unterschlagungen in der Weise betrieben, daß er ihnen große Mengen Schürzen einrichtete, wovon aber nur der kleinste Theil abgeliefert wurde. Trotzdem wurde in den Lohnbücher» stets die gesammte Einrichtung als voll abgeliefert quittirt und selbstverständlich wurden auch die Löhne dafür ausbezahlt. Wenn die Arbeiter z. B. 100 Dutzend eingerichtet erhielte», lieferten sie 10 Dutzend ab, die übrigen 90 Dutzend wurden anderweitig verkaust. Die Schürzen wurden an Partiewaarenhändler in der Königstraße und in der Lolhringerstraße verkauft. Bei diesen ist Haussuchnng gehalten worden, wobei ein Theil der Schürze» noch vorgefunden und mit Beschlag belegt wurde. Eines dieser Partiewaarengeschäfte hat zu- gestanden, innerhalb der letzten vier Wochen 70 Dutzend Schürzen auf diese Weise gekauft zu haben. Die Angelegenheit ist der Staats- anwallschaft übergeben. Einen traurige« Ansgana hat der von der Krouprinzenbrücke gemeldete Vorfall genommen. Die kleine Elisabeth Mellman», die von einem Mörtelfnhrwerk aus dem Kinderwagen herausgeschleudert und überfahren wurde, ist abends um II Uhr im Krankenhause den schweren Verletznngen erlegen. Die Aerzte wollten zunächst das zermalmte Bein abnehmen, mußte» aber davon mit Rückficht auf den Schwächezustand des Kindes Abstand nehmen. Der Schuldige ist der Kutscher Engen Beierle ans der Scharnhorststr. 7a, der bei den Berliner Mörtelwerken beschäftigt ist. Giftniordversnch? In einem Schaiiklokal in der Fürsten- walderstraße waren als Kellnerinnen die unverehelichte Emma Cörlin und die unverehelichte Paula Kranz beschäfligt. Beide halten sich veriiiieiiiigt nnd die Cörlin die Drohung ausgesprocheii, daß sie der Cörlin die ihr angeblich zugefügte Beleidigung gedenken iverde. Am Mittage des 3. Seplember setzten sich beide Mädchen zu Tisch, um die MittagSsuppe zu verzehren, die Cörlin erhob sich jedoch wieder, nachdem sie die Suppe gekostet hatte, mit dem Bemerkeii. daß die Suppe noch zu heiß sei nnd bediente einen in das Schaiiklokal ein- getretenen Gast. Als sie in das Zimmer, in dem die Kranz allein geblieben ivar, zurückkehrte und von der stchengelaffenen Suppe einen Löffel zu sich genommen hatte, empfand sie sosort ejn hestiges Brennen im Hals und Magen nnd stürzte mit dem Ruf„Ihr ivollt mich vergiften" nach dem Kloset, wo sie sich erbrach. Die herbei- eilende Wirthin kostete die Suppe der Eörlin und fand sie sehr übel- schmeckend. In dem Klvset wurde ein Fläschchen gefnnden, das der Wirthin der Kranz gehörte»nd das von der Kranz, die sich gleich nach der Cörlin auf das Kloset begeben hatte, anscheinend dort ver- steckt worden ist, nachdem der Inhalt ausgegossen war. Die Kranz leugnet zwar, die Suppe der Cörtin vergifiet zu haben, erscheint in- deß eines Verbrechens wider den§ 229 d. St.-G.-B. dringend verdächtigt und ist deshalb festgenommen worden. Die Cörlin befindet sich außer Lebensgefahr. Um feiner Verhaftung wegen Zechprellerei zu entgehen, hat sich gestern der 39jährige Photograph Olto Kleiner, Nene Königstr. 21 wohnhaft, vergiftet. K., der als Gehilfe in hiesigen Geschäften tbäiig gewesen und seit einiger Zeit stellungslos war, verweilte gestern in einem Restaurant in der Langhansstraße in Weißens« und machte dort eine Zeche von 60 Pf. Als der Kellner dann von ihm Zahlung forderte, begab sich K. nach dem Abort. Da der Photograph nach längerer Zeit nicht zurückkehrte und man nun nach ihm sucht«, wurde er ans dem Hofe leblos vorgefunden. Der sofort hinzugerusene Arzt, Herr Dr. Söhle, konnte nur den durch Genuß von Blausäure herbeigeführten Tod deS K konftatiren. Bei dem Selbstmörder, der nach der Weißenseer Leichenhalle gebracht wurde, wurde» weder baareS Geld, noch irgend welche Werthgegcn- stände vorgefunden. Die Verhaftung des EngroS-Tchlächtermeistrrs Otto Wies« und deffen Ehefrau, Weidenweg 11 wohnhaft. die gestern Nach- mittag erfolgte, erregt großes Aufsehen. Wies«, der seit vielen Jahren eine umfangreiche Engros-Schweineschlächterei betrieb, hatte vor einigen Tagen seine Zahlungen eingestellt und vergeblich ver- sucht, mit seinen Gläubigern einen Vergleich mit 20 pCt. bei einer Schuldenlast von ca. 60 000 M. zu stände zu bringen. Infolge einer bei der Staatsanwaltschaft eingelaufenen Anzeige, daß Wiese und deffen Ehefrau Gelder bei seite gebracht und Außenstände ver- schwiegen haben, erfolgte, wie die„Allgemeine Fleischer-Zeitung" mittheilt, die Verhaftung. Den Beamten übergab die Tochter ans dem Kassenschrank bereitwilligst den darin befindlichen Betrag in Höhe von 10—12 000 M. Bei Frau Wiese wnrde«in Portemonnaie mit ea. 180 M, angeblich Spargelder, vorgefunden. Wegen wiederholten Verbrechens wider das Leben wird der llSjährige praktische Arzt Dr. med. Herm. Holz mann von hier seitens der hiesigen Etaatsanwaltschafl beim Landgericht I steckbrieflich verfolgt. H. hat sich vor einiger Zeit seiner Verhaftung durch die Flucht entzogen. Ei« schweres Fahrftnhlungliick ereignete sich am gestrigen Sonnabend nachmittag in dem Hause Burgstr. 29. Die dortselbft in dem deutschen Wirthshaus II bei dem Gastwirth Rühenbeck be- dienstete 28jShriae Martha Kollmar hatte sich am Nachmittag gegen '/eS Uhr im Auftrage des Dienstherrn nmd dem Boden begeben und wollte bei dem Rückweg den Personen-Fahrftuhl benutzen. Der Portier des Grundstücks, der auch den Fahrstuhl zu bedienen hat. ließ das Mädchen allein auf demselben und auch den Aufzug durch die K. bedienen. Dieselbe kannte jedoch die Konstruktion des Fahr- stuhls nicht und infolge falscher Handhabung des Hebels schlug der Aufzug beim Ausschlagen im Erdgeschoß wieder zurück. Di« Un- glückliche gerieth infolge deffen zwischen den Fahrstuhl und die Um- rahmung desselben und erlitt hierbei schwere innere Verletzungen. Quetschung des Brustkastens und anscheinend auch«inen Rippen- bruch. Sie wurde mittels Kopp'schen Krankenwagens nach der Charitee gebracht. In die Spree gestürzt hat fich am Eonnabend Nachmittag gegen 3 Uhr dt« 18 Jahre alte Kindergärtnerin Gertrud Niemar, die aus Guben stammt und feit dem Frühjahr d. I. bei dem HauS- eigenthümer Bogeler, Prenzlauer Allee 23, in Stellung war. Das junge Mädchen paßte nicht sür die Familie und hatte daher zum ersten Ottober«in« Kündigung der Stellung erhalten. Gertrud N. scheint sich nun Sorgen um die Zukunft gemacht zu haben. Sie wurde aber gerettet und von einem Beamten der Strompeltzet nach einem tkrankenhause gebracht. Als Veranlassung zur Thal konnte sie nur angeben, daß sie auf ihrer bisherigen Stelle nicht mehr bleiben könne. Ans de» Nachbarorte». An die Arbeiter Schönebergs! Die Wählerlisten zu den Stadtverordnetenwahlen liegen seit dem 1. September aus dem RathbauS, vorn 1 Treppe, Zimmer 9. aus. Pflicht eines jeden Genosse» ist es, sich davon zu überzeugen, ob er anch in der Wähler- liste steht. Die untenstehenden Parteigenossen haben sich bereit er- klärt, die Listen für diejenigen«inzusehen, denen wirthschafiliche Verhältnisse eine persönliche Einsichtnahme nicht gestatten: W. Bäumler, Belzigerstr. 59. Hauser, Restauratenr, Sedan- straß« 31. H. H o f f m a n n, Rest., Gothensir. 26. H o s f m a n». Tischler, Golzstr. 9. C. K I e i n, Rest., Merseburgerstr. 7. E. O b st. Rest., Grniiewaldstr. 110. E. Peter son, Erdmaiiiistr. 6 Schilling. Golzstr. 43. G. W e i n g a r t, Zigarrenhandlnng. Gustav Freitagstr. 7.— Wahlberechligt ist jeder Preuße, welcher das 24. Lebensjahr erreicht hat, ein Jabr in Schöneberg wohnt, mindestens zur zweiten Stenerstnfe(600 bis 900 Mark) veranlagt, mit seinen Steuern nicht im Rückstände ist und keine Arinerniiiter- stützung aus öffentliche» Mitteln im letzten Jahr- erhalten hat. Das sozialdemokratische Wahlkoinitee. A»S Rixdorf. In einer Laube auf den Köllnischen Wiesen hat sich der Kohlenhändler Max Casper aus der Oranienstraße in Berlin gegen eine Anzahl Schulmädchen, die er anzulocken ge- wüßt, in schwerer Weise siitlich vergangen. Die Sache gelangte schließlich zur Keiininiß der Polizei und Casper wnrde daher hier verHaftel. Er ist seit zwölf Jahren verheiraihet und Vater zweier Kinder.— Ans der Stadlbahn machie der Invalide August Müller, Urbanstr. 5 wohnhaft, die Bekanntschaft eines Kriegskameraden, mit welchem er eine Bierreise.»ach Rixdors uiiternahm, welche sich bis zum späten Abend ausdehnle. Am Sonnabend Morgen ern achte Müller zu seinem nicht geringen Schreck auf der Straße; sein„Kriegs- kamerad" hatte ihn treulos im Stich gelassen und mit ihm fehlte die goldene Uhr im Werths von 30 M., sowie das ca. 50 M. inlhaliende Portemoniiaie. Bisher hat man weder von den Sachen, noch von dem verschwundenen Kameraden eine Spur zu finden vermocht.— Von einem Radfahrer Übersahren wurde gestern in der Bergstraße der Schnlknabe Vogtländer. Ohne sich um den schwerverletzlen Knaben zu kümmern, saufte der Radler davon, soll jedoch von mehreren Personen als ein Dachdeckermeister«rkannt ivorden sein. Der Übersahren- Knabe wurde von Augenzeugen des Vorfalles nach der elterliche» Wohnung gebracht. Die Verbindung des RingbahnhofeS Rixdorf mit dem Halleschen Thore, die seilens der Stachbargemeinde schon feit geraumer Zeit angestrebt wird, soll nunmehr durch die Oinnib»;- gesellschasl„Rcsorm" verwirklicht werden. Die Gesellschaft hat die Konzessionirung von zwei neuen Linien nachgesucht, deren eine vom Bahnhof bis zum Hermannplatz. die andere vom Hermannplatz bis zum Hallesche» Thore laufeii soll. Es soll Dreiminuteiiverkehr der- gestalt eingerichtet werden, daß die Wagen sich aus dem Hermann- platz treffen; die Fahrgäste der Linie Hallesches Thor— Hermannplatz haben Gelegenheit, sofort i» den Wagen der Linie Hermannplatz— Bahnhof einzusteigen, um ihre Fahrt fortziisetzen. Ebenso in der anderen Richtung. Der Fahrpreis soll, wie ans allen Resornilinitii, 5 Pf. betragen. Von dem Affen eines italienischen DrehorgelspielerS ist in Sadowa ein Schulmädchen so heftig in den Arm gebissen worden, daß schlennigst ein Arzt hinzugezogen werden mußte. Um eine» Pfennig hat das dreijährige Söhnchen des Schuh- iiiackergeselle» Janicki aus der Bliimenthalstraße in Friedrichsberg sein Leben eingebüßt. Das lränkliche erst kürzlich von einem schweren Halsleiden genesene Kind fand beiin Spielen auf dem Fahrdamm vor der elterliche» Wohnung ein Pfennigstück. Seine älteren Spiel- kameraden hatten dies bemerkt und wollten dein Kleinen seinen Fund entreißen. In seiner Angst nahm der Jiuige den Pfennig in den Mund und versuchte, als die anderen Kinder auf ihn eindranAen, das Geldstück hinunterzuschlucken. Unglücklicherweise blieb die Münze in der wahrscheinlich tnfolge der Krankheit noch wunden Kehle des Kleinen stecken. Es tralen sofort Ersticknngsansälle ein und, trotzdem ärztliche Hilfe sehr bald zur Stelle war, verschied daS Kind innerhalb einer halben Stunde._ Thrttkev� Theater- Wochenchronit. Neues Opern-Theater(Kroll.) Sonniag:„Die Asrikanerin." Ansang 7 Uhr. Montag:„Lohengrjn" An» fang 7 Uhr. Dienstag:„Der Evangelimann."„Phantasten im Bremer Raihskeller." Anfang 7 Uhr. MitNvoch:„Hänsel und Gretel."..Dt« Puppenfee." Donnerstag:„Bajazzi."(Nedda: Frau Belltncwnt, als Gast.) ..Cavallsrür rusticana.'1(Santuzza: Frau BÄincioni, als Gast.) Freitag: „Don Juan." Sonnabend:„Der Trompeter von Säkkingen." Sonntag: „Undine." Montag:„Die Bohöme."(Mimi: Frau Bellinctoni, alS Gast.) „Die Rose von SchlraS" Anfang 7 übr.- Schauspielhaus. Sonntag:„Rosenkranz und Güldenstem." Montag:„Biel Lärm um Nichts." Dienstag:„Doktor Klaus." Mittwoch:„Goldfische." Donnerstag:„Rosen- kränz und Güldensiern." Freitag:„Iphigenie aus Tauris" Sonnabend: Neu einstudirt:„König Lear." Sonntag:„Rosenkranz und Güldenstern." Montag:„Torquato Tasso."— Der Spielplan des Deutschen Theaters weist folgende Borsiellunqcn ans: Heute:„Die veriunkene Glocke." Montag: „Einsame Menschen." Dienstag:„Hamlet", mit Joses Kainz in der Titel-■ rolle. Mittwoch:„Die Weber." Donnerstag:„Nora." Freitag:„Die versunkene Glocke." Sonnabend:„Moriturt." Agnes Gorma tritt am Donnerstag nach einer sünfuwnattgen Pause zum ersten Male wieder aus und zwar in der Rolle, mit welcher sie ihr Gastspiel in New-Uorl erfolg- reich eröffnete, sie spielt die Titelrolle in Ibsens„Nora."- DaS Berliner Theater bereitet für nächsten Sonnabend die 100. Aufführung von„Renaissance" vor. Der Wochenspielplan ist folgendermaßen festgesetzt:„Renatstance" wird Sonntag, Dienstag, Donnerstag und Sonnabend gegeben; sür Montag und Mittwoch stnd die „Maschinenbauer" angesetzt. Als erste Vorstellung im Abonnement gelangt am Freitag„Die Jungfrau von Orleans" zur Aussührung.— Spielplan des Neuen Theaters. Sonntag Nachmittag 3 Uhr, zu hawen Preisen: „Der Hüttenbcsttzer". Slbends:„Der Stellvertreter". Montag bis Sonn- abend:„Der Stellvertreter". Sonntag, zum ersten Male:„Da voulonronaa" von Maurice Donnay.— Da« Lesfing-Theater bringt am Freitag diefer Woche seine erste den Abend füllende Lnstspielnovität, die vteraMgc Komödie„Unjaniwcive" von Emst». Wolzogen. Der ersten Ausführung dieses Werkes schließt sich am Sonntag die erste Wiederholung an. Oskar Blumemhalls Lustspiele„Abu Seid" und„Das ziveiie Gesicht" werden heute, am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend wiederholt, während am Montag„Heimath" mit Meia Illing als Maada, und am Mittwoch, mit »euer Rollenbesetzung„Die Ehre" mit Adolf Klein als Graf Trust zur Aufführung gelangt.— Im Schiller-Theater kommt heute der Biflon'sch« Schivant„Madame Bonivard" mit den Damen Levermann, Panly, Werner, nnd den Herren Patry, Elchen, Froböse und Reimann in den Hauptrollen zur Wiederholung. Montaa gehen„Die Geschwister" und„Clavigo", Dinqiag„Papa Nitsche", Mittwoch„Bürgerlich nnd Romantisch", Donnerstag„Web Dem, der litat" in Szene. Für Freitag ist die erste Aufführung von Änzengruber's Banernkomödle„Die Kreuzet- schreiber" festgesetzt; Sonnabend wird dann diese Vorstellung wiederholt.— Das Goethe-Theater(Theater des Westens) wird am 11. September mtt„Faust" eröffnet. Als erste Novität folgt darauf im Spielplan Sonntag „Im Dienst der Pflicht", Schauspiel von Ernst Aichett, während Grittparzcr's „DeS Meeres und der Liebe Wellen" den Reigen der Nachmittago-Vor- stellungen am gleichen Tage eröffnet. Während„Faust" in der Besetzung des Berliner Theaters(Faust— Otto Sommerstorff, Gleichen— Tercffna Geßner, Mephisto— Ludwig Stahl) in Szene geht, wird in den beiden anderen Stücken das Personal des Goethe-Theatcrs seine künstlerisch« Thätig- keit beginnen.— Der Offenbach-Zyklus, welcher im Theater Unter den Linden am 15. d. M. beginnt, bringt am ersten Abend einige Einakter und dann in weiterer Folge„Pcricholc",„Pariser Leben".„Madame gav- „Blaubart".„Die Großherzogtn von Gerolstein",„Die Prinzessin �fer Trapezunt",„Die schöne Helena",„Madame Herzog",„Orpheus in Unterwelt",„Die Seuszcrbrücke" und„Hossimmns Erzählungen",• ZyNus umfaßt also zwölf Abende.— Direktor Brandt eröffnet daS R■>' stdenz-Theater am Donnerstag, den 9. h. M., mit einem Werke von: heiterem Charakter. Zur Aufführung gelangt an diesem Abend der Schwank„Die: Einberufung"(Do sursis) von Andrö Snlva»e und Jean Gascogne, cnc Stück, welches im Pariser Tttälitra des Ncmveautäs jetzt der dreihundert» sten Borstellung zusteuert.— Im Thalia-Theater verbleibt vor der» Hand der LehfelSfche Schwank„Toubiffon's Hochzeit" auf dem Repertoire:, dem sich allabendlich daS Luftvallet(„Gttgolatis) anschließen wird.— Jiri Frtedrich-Wilhelmftädtischen Theater geht Sonntag Alizett� gruber's Volks stück„Das vierte Gebot" zum b. Male in Seen«. Am Nachl- mittag gelangt„Maria Stuart" be! Klassiker-Preisen zur Aufführung.— Das Luisen-Theater beabsichtigt sür die laufende Saison an jedem: Nachmittag der Sonn- und Feiertage«ine VoWoorstellung zu geben. Zurt Aussührung gelangen bedeutsame klassische und moderne Dichtungen. Die Regie dieser Borstellungen hat Herr JultuS Türk übernommen.— Im,* Apollo-Theater hat, wie wir meldeten, die Wintersaisvn begonnen.', Das Programm weist eine große Anzahl neuer Nummern auf, von denen. wir ganz besonders die alS Lufighmnastiker dreiflrten Affen des Herrn Lccd, welche an fliegenden Trapezen wunderbares leisten, die kleinen Akrobaten, „die neun Heinzelmännchen", sowie die internationalm Gesangshumoristen Mr. Ehrettcnni hervorheben wollen. Gevi�ks» Das ErzichungSrecht der Sozialdemokrate«. Genosse Stadthagen hatte sich am Sedanstage vor der Strafkammer zu Hanau zu verantworte». Am 27. Oktober 1894 hatte er zu Langen- diebach einen zweistündigen Bortrag über die Ziele der Sozial- demokrati« gehalten und hatte dabei auch die bekannten damals schwebenden Beschlüsse des Amtsrichters von Spindler und des Landgerichts zu Hanau abfällig kritisirt. Durch diese Beschlüsse war mehreren Genossen das Erziehungsrecht über ihre 16 bis 19jährigcn Kinder entzogen, weil sie ihre Söhne nicht angehalten hatten, aus einem Turnverein auszutreten, der eine rothe Fahne gehißt haben sollte und dessen Mitglieder zum theil Sozialdemokrate» sind. Die Beschlüsse sind späterhin als rechtswidrige vom Oberlandesgericht zu Celle aufgehoben, auch im Reichstag bei Gelegenheit des Bürgerlichen Gesetzbuches von allenSeiten mißbilligend besprochen worden. Etadthagen forderte in jeuer Versammlung auf, solchen Beschlüssen gegenüber unge- horsam zu sein. Er wurde deshalb wegen Aufreizung angeklagt. Die Anklage wurde vom Landgericht aus juristischen Gründen abgelehnt. Ferner war er beschuldigt, den Amtsrichter Spindler durch eine Wendung beleidigt zu haben. Die Strafkammer erhob dieserhalb Anklage. Der bereits im Noveinber 1895 anberaumte Termin mußte wegen Krankheit eines Gendarmen aufgehoben werden. In dem Termin am 2. Sept. d. I. ergab sich aus der ÄuÄassung des Gendarmen, daß eventuell auch zwei der beisitzenden Nichter durch jene Wendung b«> leidigt seien. Der Angeklagte erklärte, er habe nichts dagegen, daß die Herren als Richter säßen, da er ja weder sie noch andere beleidigt habe. Der Staatsanwalt meinte indeß, die beiden Richter seien als selbst Beleidigte durch Gesetz von Ausübung ihres Amts im vor- liegenden Fall ausgeschlossen. Da beide Richter sich hierauf als durch Gesetz ausgeschlossen erachteten, mußten Ersatzrichter ein- berufen und deshalb diese Verhandlung auf den 3. September, nach- mittags 4 Uhr vertagt werden. Die als Zeugen geladenen Gen- darmen bekundeten beide, daß Stadthagen die unter Anklage gestellte Redewendung nicht gebraucht habe, wohl aber eine andere ihrer Ansicht nach beleidigende. Die Staatsanwaltschaft wollte Wahr- nehmung berechtigter Interessen nicht zugebilligt»vissen und de- antragte einen Monat Gefängniß. Stadthagen beantragte Freisprechung und auch Aufbürdung seiner Auslagen auf die Staats- lasse. Daß ihm der Schutz berechtigter Interessen zuzubilligen sei, miterliege keinem Zweifel. Wer das Erziehungsrecht so verletze, wie jene Beschlüsse, müsse sich eine scharfe Kritik gefallen lassen. Das, was die Anklage behaupte, habe er nicht gesagt. Was sonst die Zeugen bekundet hätten, interessire nach Lage der Sache nicht, da es nicht unter Anklage gestellt ist, sei übrigens absolut von ihm nicht gesagt. Es sei zu bedauern, daß die Notizen, die die Gendarmen sich gemacht hatten, nicht mehr zur Stelle seien. Es sei nicht angängig, ein« angebliche Stelle aus einer zweistündigen Rede unter Anklage zu stellen, wenn nicht positiv feststehe, waS und in ivelchem Zusammenhange die Wendung, die er thatsächlich nicht gebraucht habe, gefallen sei. Das Gericht gelangte nach einundeinviertelstündiger Be- rathung zu einer Verurtheilung von 200 M. Geldstrafe, eventuell für je 10 M. 1 Tag Gefängniß. Wahrnehmimg berechtigter Interessen sei dem Angeklagten zuzubilligen. Es sei auch der in der Anklage be- hauptete Passus nicht gebraucht, aber ein ähnlicher, dessen Form be- leidigend sei. Gegen das Urtheil ist Revision eingelegt. Ein Nachklang vom 1. Mai. In einer Versammlung, die die Delateurarbeiter zur Maiseier dieses Jahres veranstalteten, sprach der Tenosse Weber Kotzke über die Bedentmig des I.Mai Dabei gebrauchte er den Ausdruck:„wir müssen die Brandfackel der Empörung hineintragen in die arbeitende Klasse", und dies zog ihm eine Anklage wegen Aufreizung zu Gewaltthätig- teilen zu. In der Hauptverhaudlung am 4. dieses Monats äußerte der Polizeilieutenaut Wernicke, daß ihm die ganze Rede sehr aufreizend vorgekommen sei, denn der Angeklagt« habe von Solidarität und Völkerbund, von B e s ch r ä n- kung der Kinderarbeit und dem Achtstundentage ge- sprochen. Der Angeklagte erklärte aus Befragen des Vorfitzenden, daß er den Anschluß im die Organisation der Textilarbeiter und die Benutzung des Koalitionsrechts ausdrücktich als Mittel der Be- frelung der Arbeiterklasse empfohlen habe, und daß er mit der Empörung, zu der er aufrief, nur die Entrüstung über die schlechten Zustände gemeint habe, wodurch die Gleichgiltigen aufgerüttelt werden sollten. Der Staatsanwalt beantragte gleichwohl zwei Monate Gefängniß. weil solche Worte eine ungeheure Gefahr enthielten, der vertheidiger, Rechts- anmalt Heine, dagegen hielt die Freisprechung schon deshalb für geboten, weil nicht von Gewaltthätigkeite» verschiedener Bevölkerungs- Nassen gegeneinander die Rede sein könne. Uebriaens sei bei dem bildlichen Ausdruck überhaupt nicht an Gewaltthätigkeiten zu denken, und eine Gefährdung des öffentlichen Frieden? könne man selbst mit der kühnsten Phantasie nicht für möglich halten. Das Gericht erkannte nach kurzer Berathung auf Freisprechung. Ein Rachspiel zu dem Streik der Maurer auf dem Bau deS Krankenhauses in Spandau bilden zwei Prozesse, die vorgestern vor dem Schöffengerichte ihr« Erledigung fanden. Im ersten Falle wurde gegen den Maurer Gramm verhandelt, welcher, aus der Untersuchungshast vorgeführt, sich wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Beamlenbeleidigung zu verantworten hatte. Während deS Streits hatte Gramm am 9. August die Baukontrolle übernommen und suchte in Ausübung dieser Thätigkeit zwei Maurer, welche auf dem KrankenhauSbau Arbeit nehmen wollten, von diesem Vorhaben abzureden. Bei dieser Gelegenheit kam ein Herr in Zivil auf ihn zu, legitimirte sich als Polizeisergeant Arndt, erklärte ihn für verhaftet und forderte ihn auf, ihm zur Polizeiwache zu folgen. Granun, welcher sich keiner strafbaren That bewußt war, weigerte sich dessen, gerieth infolge dessen mit dem Eicherheitsbeamten in Konflikt und soll sich im Verlaufe dieser Angelegenheit deS Widerstandes gegen die Staatsgewalt sowie der Beamlenbeleidigung schnldig gemacht haben. Die Bertheidigung, welche in Händen deS Rechtsanwalts Löwe II ruhte, beantragte die Freisprechung des AngeNagten, weil der Polizeisergeant Arndt sich nicht in berechtigter Ausübung seines Amtes befunden habe, indem kein gesetzlicher Grund zur Verhaftung des Gramm vorgelegen hätte. Vom Gerichtevorsitzenden nach dem Grunde der Bornahme der erfolgten Verhaftung befragt, erklärte Arndt, von seiner vorgesetzten Behörde beauftragt gewesen zu sein, alle.Streikposten" in Haft zu nehmen. Daraufhin wurde Gramm wegen genannter Delikte unter Ablehnung des gestellten Antrages auf Hastentlassung zu 6 Wochen und 3 Tagen Gefängniß verurtheilt. Der zweite Fall betraf den Maurer R o l o f f. Derselbe war beschuldigt, am 2. August einen.Arbeitswilligen" durch Drohung«, von der Arbettnahme auf dem Krankenhausbau abgehalten und den Polizeisergeanten Theuerkauf öffentlich beleidigt zu haben. Das Gericht belegte Roloff ob dieser Verbrechen mit einer Gefängntßstrafe von 4 Wochen und 3 Tagen. Wie es einem in einer Kirche ergehe« kam», hat ein Frl. Richter, die gestern als Zeugin vor dem hiesigen Schöffengericht zu erscheinen hatte, in tragikomischer Weise erfahren. Am 1. Jimi sollte in der MathäMrche die Trauimg deS Lieutenants v. Schocke staltfinden. Tag und Stunde deS kirchlichen Aktes waren festgesetzt, die Einladungen zu dem Fest schon längst erlassen und der junge Kriegsmann hätte der Glücklichste der Sterblichen sein können, wenn nicht ein dunkler Punkt am Himmel seines Glückes erschienen wäre. Kurz hintereinander waren Brief« bei ihm eingegangen, die ihn recht bennrnhigten. denn sie rührten von einem Mädchen her, mit de», der Offizier früher in«erkehr gestanden, und enthielten die Drohung, daß an seinem Hochzeitstag« irgend etwas Schreckliches passiren wurde. Der große Kriegsrath, der infolg« dessen zwischen dem Bräutigam und seinem zukünftigen Schwiege,- vater, dem Major Dachmann abgehalten wurde, führte zu dem Entschluß, das bekannt« Weien'sche Detektivinstitut um Hilfe anzugehen, damit der kirchliche Akt vor etwaigen Störungen bewahrt werde. DaS Institut schickte de» Agenten Schul, zu näherer Besprechung zu den beiden Männern und diese gaben ihm«ine ganz genaue Personalbeschreibung d«S betreffenden jungen Mädchen? und beauftragten ihn, falls er dieses in der Kirche wahrnehmen sollte, es genau zu beobachten»nd auf jeden Fall ein« etwa beabsichtigt« Störung unmöglich zu machen. Der Agent Schulz erzählte die ganze Sache seinen, Epezialkollegen, dem Agenten Thober, und dieser erschien mit seiner Ehefrau und einer Fran Düring vor Beginn der Trauung in der Kirche, um Herrn Schulz in der von ihm übernommenen Rolle des Schutz- engels zu unterstützen. Nu» wollte es der Zufall, daß Frl. Richter, deren Schwester binnen kurzen, in derselben Kirche getraut werden sollte, sich an jenen. Tage in der Kirche einfand, um der Ein- segnnng des Brautpaares als Znschanerin beizuwohnen. Sie war mit ihren Verwandten erschienen, trennte sich aber von diesen und begab sich in die Nähe des Altars, um besser sehen und hören zu können. Da kams dem Agenten Schulz ein groß- artiger Gedanke: Frl. R., deren Aeußcres ziemlich genau auf die ihm gegebene Personalbeschreibung paßte, muhte der weibliche Stören- fried sein und erforderte deshalb die ernsteste Beobachtung! Das Fräulein wunderte sich, daß sich ein Mann plötzlich in ihre Nähe drängte, so dicht nebe» ihr Platz»ahm, daß sie förmlich eingezwängt wurde, und alle ihre Bewegungen und ihr Mienenspiel scharf beobachtete. Die Worte des Predigers ergriffen sie so, daß sie zu weinen anfing; dies schien dem Agenten noch verdächtiger, er rügte ein solches Benehme» und hielt die junge Dame noch nachdrücklicher in Schack. Als daS Brautpaar die Sakristei verließ, wollte auch Frl. R. die Neuvermählten aus nächster Nähe sehe», Herr Schulz machte es ihr aber ganz„nmöglich, indem er sich direkt vor sie stellte und jedes Vordringen vereitelte. Das junge Mädchen ver- suchte dann, de» Mittelgang der Kirche zu erreiche», aber auch dies wurde ihr unmöglich gemacht, da ihr von Schulz und seinen Verbündeten der Weg überall vertreten wurde. Schließlich mußte sie in Schlangenwindnngen den Ausgang der Kirche erreichen, uy, womöglich ihre Verwandten zu», Schutze aufzurufen. Vor der Kirche halte sie aber auch noch keine Ruhe, vielmehr war sie de» spöttischen»nd beleidigenden Bemerkungen der beiden Franen aiisgesetzt, die ihr Worte wie„Frauenzimmer", „Dirne",„unanständige Frauensperson" u. dgl. zuriefen und sie warnten, nicht etwa eine Szene aus der Straße auszuführen. Jetzt war die Geduld der empörten jungen Dame, die sich aus der ganzen Sache gar keinen Vers»lachen konnte, zu Ende: sie veranlaßte die Feststellung der vier Personen und in weiterer Folge eine Anklage wegen Beleidigung, die gestern das hiesige Schöffengericht beschäftigte. Herr Thober. der sich zur Zeit in Detekliv-Geschäften in Wien aufhält, war nicht zur Stelle, die übrigen drei Angeklagte» bestritten, Beleidigungen begangen zu haben, speziell hob Schulz hervor, daß er lediglich die Weisungen seiner Anstrag- geber befolgt habe. Rechtsanwalt Dr. S ch w i n d t hielt zum mindesten für die Slrafabmessimg für„othwendig, genau zu erfahren, welche Weisungen der Angeklagte Schulz erhalten, und beantragte deshalb, die Verhandlung zu vertagen»nd de» Lieutenant v. Schocke, den Major D a ch m a» n und den Kriminalkommissarius a. D. W e i e n als Zeugen vorzuladen. Das Gericht entsprach diesem Antrage, beschloß aber gleichzeitig, den ans gebliebenen Angeklagte» Thober zun, nächsten Termin polizeilich vorführen zu lassen. Wegen Beleidigung des Nachtwächters Kost in Nixdorf hatte sich unser Parteigenosse E m i l R e tz e r a u am Freitag vordem dorttgen Schöffengericht zu verantworten. Als der Angeklagte in der Nacht vom 9. zum 10. Februar d. I. mit anderen Personen ein Lokal in der Hermannftraße verließ, bemerkte er. wie der Sohn d-s Nachtwächters Kost die Hansthüren schloß, während der Vater nebenher ging. Retzerau machte den Wächter darauf anfmerksam, daß es nicht statthaft sei, daß sein Sohn für ihn Dienst Ihne. Der Wächter erklärte jedoch, Retzerau habe ihm gar nichts zu sagen und soll« ihn nicht belästigen. Hierauf erwiderte Retzerau, er»verde die Angelegenheit in der nächsten Gcmeindesitzung zur Sprache bringen. Ein Wort gab daS andere, wobei der Angeklagte nach der Bekundung des Wächters dein letzeren mit sofortiger Entlassung gedroht und erklärt habe, er ver- stehe seinen Dienst nicht, wisse auch nicht, was er spräche u. s. w.— Der Amtsanwalt Conrad hielt den Fall natürlich für einen so chwere», daß er gegen den Angeklagten— drei Monate Ge- an gn iß(!.') beantragte. Das Urlheil lautete auf 150 M. Geld- träfe, ev. 30 Tage Gefängniß. Briefkasten der Redaktion. Wir bUten, be, jeder Ansraae«in««hissre«zwei Buch»ade» oder«In« gahl) anmaeben, unter der die Rntwor, erlbeitt werden toll. Die juristische Sprechstunde findet an« M o„ t a g, Dienstag und Sonnabend von V bis 7'/: Nhr statt!!! E. P. 1, Das wird allgemein angenommen. 2. Zusammenspiel, im Gegensatz zum einseitigen Virtuosenchum. Sache Dudeck. Die Zusendung vom 1. b. M. zu der„Berichtigung" der bei der Firma Dudeck beschäftigten Arbeiterinnen trifft au sich durchaus das richtige, hat aber nur den einen Fehler, daß sie uns ein bischen spät zugeht. Da die nicht besonders beträchtliche Angelegenheit überdies von der Mehrzahl unserer Leser schon vergessen sein wird, so glaube» wir in Ihrem Etnverständniß zu handeln, wenn wir von der Veröffentlichung ab sehen. Oskar Gribowske. Erkundigungen an kompetenter Stelle haben er geben, daß Ihre Angabe incthünilich ist. (S. N., Breslau. Da der Name des betreffenden nicht angegeben ist, hat die Mltthciluna kein besonderes Interesse. E. Kiefer. Mit dem Abdruck der Postkarte müssen wir Sie auf Ihre Fachpresse verweisen. Uebrigens darf man unter den heutigen Berhälwlffen auch einem Meister auS seiner mangelhaften Schulbildung nicht einen allzu großen Vorwurf inachen. ZssvM««»« ohlige. Wir kommen hiermit Ihrem Wunsche nach und stellen sest daß Freiherr v. Swmm-Halberg ganze 1000(eintausend) Mark für die Ueberschwcmmten, dagegen drei tausend Mark für ein Kaiser Friedrich-Denkmal zu Cronberg gespendet hat. Wahrscheinlich machen sich alle unsere Leser den gleichen Bers dazu wie St«. P. IVO. Eine Minimalzahl der Mitglieder einer freien Hilfskaffc ist nicht vorgeschrieben. Die Rechte der eingeschriebenen Hilfskaffcn sind durch Gesetz vom 7. April 187S geregelt. Dies Gesetz finden sie auf S. 252 des vom„Vorwärts" herausgegebenen Krakenverstcherungs- Gesetzes.— Levtn thal. 1. Ja. 2. Nein. Handlungsgehilfen und Handlungslchrllnge unterliegen der BerstcherungSpflicht nur, wenn durch Bettrag daS nach Art. 60 des Handelsgesetzbuchs ihnen zustehende Recht(mindestens sechs Wochen lang Gehalt und Unterhall im Erkrankungsfalle weiter zu bezichen) aufgehoben oder beschränkt ist.— Friedrichshagen I. M. Die Direktion kann Auf gebot deS Looses verlangen, nimmt in der Regel jedoch davon Abstand und zahlt nach etwa einem Vtetteljahr aus.— A. D. SS. Der Witth befindet sich im Recht.— Engen. I. Im allgemewen ja. 2. Berufung gegen ein Amtsgerichts-Uttheil in Zivilsachen ist dein, Landgericht durch einen Rechtsanwalt einzulegen.— A. B. 20. 1. Standesbeamte werden besoldet. 2. Hier in Berlin nicht.— O. In der Borwärts-Buchhandlung. — Ant. Sin Testament Ist im Gebtete des Allgemeinen Landrrchts entweder zu Protokoll des Gerichts zu erklären oder privatschristlich an- zufettigen und unterschrieben und In einem versiegelten Kuvert verschlösse», dem Amtsgericht(Neue Ftiedttchstr. 13) zn überreichen. Die Höhe der Kosten richtet sich nach der Höhe des Objekts. Die Kosten für protokollattiche Testamentsaufgaben sind doppelt so hoch wie die für die Annahme eine? offen oder versiegelt dem Gettcht übergebencn Testaments. Es enipssehli sich daher, das Testament selbst aufzusetzen, zu unterschreiben, in ein Kuvett zu legen, das Kuvett zu siegeln und dann dies Testament persönlich(eine Uebersendung ist nutzlos) dem Amtsgericht in dessen Geschäftsstunden(im allgemewen zwischen 10 und I Uhr) zu siberacben. Für Eheleute empsiehlt sich ein wechselseitiges Testament. Für ein solches ist etwa folgende Fonn zu empfehlen:„Wir(Namen der Eheleute) setzen unS einander gegenseitig und unsere Kinder(Namen), sowie diejenigen Kinder, die uns etwa noch geboren werden, mit der Maßgabe ein, daß der Ueberlebende von uns die von aller Aufficht und Rechnungslegung befreite Verwaltung unseres beiderseitigen Vermögens bis zu fernem Tode behält und berechtigt ist, unter Lebenden über die Substanz zu versügen. Was nach dem Tode des Letztlebenden übrig bleibt, th eilen die anderen Erben nach der gesetzlichen Erbfolge. Für den Fall ein« Wieder» erheirathung des Neberlebenden hat Auseinandersetzung nach der gesetzlichen Erbfolge zu er- folgen.(Nnterschttften beider Eheleute.)" Für ttnderlose Ehen genügt der erste Satz unter Kvttlassung der Worte:„unsere Kinder(Namen) sowie". Es ist zweckmäßig, im Testament zuzufügen:„Siegelung des Nachlasses verbieten wir". — H. H. 30. Sie thun am besten, sich an den Scemannsverein in Ham- bürg zu wenden.— 7000 M. W. Für die Mitthe haften Ihre Möbel mit. Stelleu Sie bew, Gettcht Klag« auf Darteichung des Unterhalts an. — Otto Wenzel. Geduttsurkunde und Einwilligungsschem genügen. Di« betteffenden Milttärpapierc erhallen Sie auf Anttag vom Bezirkskommando in zweiter Ausfertigung.— Emil Schi. Unter der Voraussetzung, daß es sich um einen Erbsall in Berlin oder der Mark Brandenburg bandelt: 1. und 3,: Die Frau erbt eine Hälfte der gemeinsamen Masse, die übrigen Verwandten die andere, falls kern Testament gemacht ist. 2. Die Frau erbt, was im Testament ihr zugedacht ist. 4. Ja. WitternnstSsibersicht»«om 4. September 1807. Wctter-Peoaiiose für Sonntag, den F. September 1807. Ziemlich kühl, vielfach heiter, jedoch noch unbeständig mit einzelnen Regenschauern und mäßigen bis frischen westlichen Winden. Berliner W e t t e r b n r e an. OeTenMche Guikwng über die bei der städtischen Hanpt-Stiftungskasse für die durch Unwetter Geschädigten Deutschlands ein- gegangenen Beträge. (Fortsetzung.) Verlag des„Rhesnländer", Baurath 21,—. Freiwillige Spende der Postbcamtcn des kaiserl. Postamts Essen(Ruhr) 25,80. Stammtischgesellschaft B.C. in Solingen 50,—. I.Rate der Sammlung der„Giadbacher Zeitung", M.-Gladbach 200,—. t. Rate von der„Hessischen Landeszeitung" in Marburg 100,—. Gräfin Kielmannsegg, Cappenberg 200,—. Eine Kegelgefellschaft in Berleburg für Schlesien 8,05. Rate von den„Neuesten Nachrichten", Düsieidorf 150,—. Durch die Expedition der„Wescler Zeitung" in Wesel (244,90 M.) N.R.S.-. A.B. 10,-. Hptin. N. N. 2,-. B. G. 5,-. N. N. l,—. G. S. 10,—. A. M. 1,50. Ges. am langen Tisch bei Stam« 21,—. O. G. 20,—. Gesaimuclt im Restaurant Vogt am Rhein 4,50. R. N. 5,—. H. G. 3,—, N. N. 0,80. Freitag-Kegelklub I. Societät 10,—. H. R. 10,—. Gesammelt a. d. Hochzeit H. u. K. in, Stadtgartcn 9,10. Vaterländischer Frauenvercin in Wesel 100,—. Gesammelt beim Stiftungsfest des Weseler Turnvereiiis in Xanten 20,—. 1. Rate des Ottskomitees in Rixdorf 40»,—. Rother, Oberstlieutenant z. D. in Naumburg a. S. 5,-. Dienstagssiat- Mahlo, Schönebcrg 26,—, Kurgäste des Hohenzollernbades in Hermsdors in der Mark 00,00. Wctszacker, Amtsrichter in Oranienburg 10,-. Magistrat in Straußberg 300,-. 2. Rate der„Anklamcr Zeitung" in Anklam 354,50. TaunusNub Grävenwiesbach lllsingen) lo,—. Sammlung gelegentlich eines Silberschicßens in Belgard 35,—. Vater- ländtschcr Frauenverein in Barutb(Marl) 30,05. E. u. W., Berlin W. 20,—. Gesammelt in d. Maschinenfabrik Gust. Fischer u. Co. in Berlin SW 25.05. Dr. Heinrich Brunner, Prof., Berlin W. 50,—. Kasteinecke, H., Berlin W. 10,—. Wreschncr, Robett Ludwig, Berlins. 15,—. Weme, Emil, BerlinW) 20,06. Pfeiffer, G., Geh. expcd. Sekretär, Berlin SW. 10,05. Rohde, Andreas, Berlin W. 180,33. Männer- Turnverein in Grob- Lichterfelde 5,—. Reichcnheim, Julius, Berlin V. 200,-. Dr. L., Kurffnstenstr., BcrliiiW., 6,-. Arnold, Ober- Berwalwngsgettchtsrath 20,—. Prof. G. Hauch Geh. Reg.- Rath 20,—. Frhr. v. Sllßlind, Major, Berlin NW. 50,—. Bon d. Exped. der„Tägl. Rundschan", 2. Rate 2919,41. Ges. vom Gesangverein„Kleine Brumme" im Lokal von W. Jaretztc 0,20. Dr. Theurcr. Großbecienstr. 82, 25,—. Kanssinami, N., Großbeerenstr. 74 20,—. Engelhardt, C. 8!. 300,—. Lehrerlollcgtuni des Französischen Gymnasiums 110,—. Oberbarnimer Krets-Kammunalkaffe aus Veranlassung der Oberbarnimer Kreis-Sparkasse, Freienwalde 1000,—. von Bernuth, Prem-Lieutenant 200,—. Berliner Aktiengesellschaft für Eisengießerei und Maschinensabrilation 1500,—. Expedition des„Berliner Tageblatt" und der„Berliner Mvrgen-Zeitimg", 3. Rate 5000,—. Herrmann, Richard, Fourage-Jnspektor des städt. Bich- und Schlachthofes 10,—. Gesammelt im Verein der Deutschen Kauflente, O.-B. II 20,—. Expeditton der„Berliner Neueste Nachrichten" als 1. Rate 1500,—. Expedition deS„Berliner Herold" 400,—. Lemcke, Stadt- verordneter 50,—. Madel, Mag.-Sekret., und Familie 7,—. S. v. Amman, Geh. Bergrath, Grunewald 50,—. Dr, Simutel, Hardenbergfir. 15 50,—. Frau Kmninerzienrath Jurst 20,—. Metzeniliin-Hossmann, Hermann, Halcn- sce, Hobrechffir. 0 10,—. Kochhann, Handelsrichter 30,—. Durch die Redakttou und Expeditton des„General-Anzeigerch I. Roscnbcrg u. Co., .Wslin 310,50. Simon v. Zastrow und Fra», Gerichtspräsident 50,—. Meyer 10,—. B. H. 30,—. Ungenannt 40,—. v. Holtzendors- Folkrnburg 20,—. Frau v. Tttitzschler 3,—. Frau v. Wenden 10,—. Modigell, A. 5,—. S., Lieutenant 5,—. Reinettrag eines Wohlthättgkeitskonzerts, vcraichallet von der Militärkapelle in Köslin 137,50. Emmerich, Joh., in Markkheiden- feld am Mai» Koch 20,—. L. M. 20,—. I. D. 5—. Wahnschaffe, Paul, AuttSrath in Rottniannshagen 1000,—. Bank sür Handel und Industrie 5000,—. O. H. 5—. Spendtg, Otto 20,—. Radecke, Franz 5,—. »reich, Oekonomierath auf Ltebenow 30,—. Hoffmann 10,—. Krause, Hermann, gabrilbesitzer, Thurmftr. 66 50,—. G. H. Kunze, Hoflieferant 200,—. Siemens u. HalSke, Akt.-Ges. 5000,—. A. P. 10,-. W. P. 5,—. S. Herz 1000,—. Scheibe, Ewald, in Lodz II als Ergcbnitz ewer Sammlung 194,50. Von den Beamten deS Komptoirs d. Reichshauptbank f. Werthpapicre 305,05. Batl, Stadtrath 100,—. Redaktton der„Renen Stetttner Zeitung" als 3. Rate 1000,—. Ungenannt, für die armen Landbewohner in der Umgegend von Muskau, Lausitz 300,—. Vaterländischer Frauen-Vcrein in Boppard a. Rh. '~" hbock 1000,—. Gesangverein„Liedertafel" in Königsberg R./M. durch Dr. Reh aus dem Erlöse eines am 8. Juli gegebenen Konzerts, fitr Schlesien 100,- Se. Hoheit Herzog Ernst von Sachsen-Altenburg 600,—. Lommatzsch u. Schröder 20,—. Hartman» u. Fils, Münster i. Eis., je zur Hälfte sür Sachsen n. Schlesien 2000,—. Liebermann, B, Geh. Kommerzienrath 300,—. Sartmon», A., für Schlesien 6,—. Uebrick, G., für Schlesien 3,—. Behrens, ., Komnierzienrath 300,—. Ncitionalltberaler Verein, Berlin 100,—. Durch Direktor Sauden sür Rechnung der Stadt Potsdam 1900,—. Berliner in Gastein 28,60. Robett Warschauer u. Co. 5000—. G. Steidwer 5,—. Firma Born u. Busse 3000,—. Fr. B. 3,—. A., G., O. v. Zielen, Berchtesgaden 6,—. Zweite Rate der„Stargardcr Zeitung"(Pom.) für Schlesien 409,70, 2. Tenor Ges. B. L., Samsleben 3,—. Magistrat Mücheln, Bez. Halle, Stadtsamvllung 420,45. Erste Rate der Sammlung der„Halbcrslädter Zeitung und Jntelligenzblatt" 400,—. Zweite Rate der Sammlung des Dr. Strecker, Dottmund 6,—. Erste Rate der„Hagener Zeitung"(West- falen) 400,—. Lehmann, R., Kapellmeister in Wesel, für Schlesien, die Hälfte des Erirageo dneö KonzertS 68,—. Sammlung der„Danzigcr Neueste Rachttchten" 246,95. Schmidt, Kapitän z. S„ Kiel 50,05. E. v. K. und L. v. St., Genthin 10,—. Badeverwaltung Ostseebad Prerow, für Schlesien 55,05. Erste Rate der Sammlung des„Wochenblattes", Neu- Haldensleben 400,—. Sanimlung der„Barmstcdter Zeitung", Aug. Christen in Barmstedt(Holst.) 46,—. Hcrzogl. Badckommissariat in Harzburg, Ertrag ewes Konzerts 380,75. Erste Rate des Vaterländischen Fraucn-Vercins in Marienburg(Westpreußen) 160,—. Erste Rate der Sammlung des „Arnstädtischen Nachrichten- und Jntelligenzblattes" in Arnstadt 300,— Evangel. Männer- und JünglingSverein in Gandersheim 25,—. Kasino Maizieres(Kr. Metz) 3,10. Stammtischgesellschaft bei Restaur. Th. Schiffer, Mühlheim(Rhein) 13, b0. v. R. PI., Neustadt(Dosse) 10,-. Olshausen, Professor, Berlin 300,-. M. H., Berlin W. 15,-. Matzky, Berlin 3,-. Dr. Baffeage, Regierungsrath, Berlin 90,—. Habermaas, Hauptmann 30,—. reiherr v. Puttkamer, Max 100,—. Grundbesitzer- Berein„Nordwest", Berlin 100,—. T. H., Berlin W 10,—. Dr. Krause, Rechtsanwalt, Berlin W 50,—. Verein der Eisenbahnwagen- Wätter und Hilfswagen- Wärter 15,—. Verein der„Langenbieiauer und Umgegend" zu Berlin, für Schlesien 5,—.„Wenig aber herzlich", Berlin W 2,—. Reif und Gerste, Berlin W 10,—. Berliner Handelsgesellschaft 1000,—. Friedrich Krupp 30 000,—. Ktrschner, Bürgermeister 30,—. S. Hermann u. Co. 20,—. Kasse der„Kreuz- Zeitung" 1000,—. Alexander, Julius 500,—. Dr. Alexander, Edm, Rechtsanwalt 20,—. Alexander, Karl 20,—. Fräulein Alice M. 3,—. „Schweizer- Verein" Berlin und einzelne Mitglieder desselben 33,—. Goldschmidt, Gcneral-Dircttor sür Schlesien 100,—. Melchior, Direktor für Schlesien 50,—. Aktten-Brauerci-Gcsellschaft FriedrichShöhe, vorm. Patzen- hofer, sür Schlesien 300,—. Frau Wobbe, Mcinelcrstt. 60 13,—. Berliner „Börscn-Koutter" 150,40. Hornmnn, Rentier 30,—. Berttich, lgl. Hos- lieferant 50,—. Mertens, Stadtverordneter 20,—. Blumberg u. Golmick 300,—. Frau Bachmann, A. 10,—. Rellenklub im Martinsgrund 10,—. Fräulein Arendt, Ida 30,—. Nauenberg, Baumeister 10.—. Kcgelkasie Stroene Benda 6,—. Frau Seyssett, Oderamttnann 30,—. Lachmann, Max. Berlin 5,—. Fttffch, Töpfermeister 3,—. Dr. Sauer, E. 10,—. Steinecle 20,—. Jacob, Stcmsetzmeister 25,—. Lindholz, Emil 10,—. Dictrich. Karl, Rentticr6,—. Firma Gustav Tietz 100,—. Wassermann sen., Wilhelm 50,—. Riesen-Auswahl in Teppichen, Möbelstoffen, Gardinen, Decken etc. M. Schneider& Cie CO CO CO II Spltfelmarkt II. Eingang sämmtlicher Neuheiten in Herbst- u. Winter-Kleiderstoffen Geschäfts-Grundsätze Streng feste Preise. Absolut reelle Bedienung. Verkauf nur gegen baar. CO Leinen und Baumwollwaaren, Futterstoffe für Damenschneiderei. V# Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß am Freitag früh 4 Uhr mein innig- geliebter Bräutigam, unser Herzens- guter Bruder, Schwager und Onkel, der Schuhmacher ßranz Wilhelm Bilgenroth, im vollendeten Zb, Lebensjahr nach langem, schwerem Leiden sanft ent- schlafen ist. Um stilles Beileid bittet im Namen der Hinterbliebenen die tiefttauernde Braut Clara KoePP. Die Beerdigung findet am Montag Nachulittag b Uhr von der Leichen- halle des Georgenkirchhofes in Neu- Weifiensee aus statt. 3826 Dr. Hirschfeld. Sprechstunden 11—12,»—8. Coneess. Rur- u. Bade- Anstalt Berlin, <9r. Hambarjgcrstr.£0. Bewährte Heilmethoden: pat. Heih- trocken-Luft-Verfahren jc. sc.[99/2 Tr�neinSiaper� pr. homttop. Arzt u. Spezial- arzt f. Haut- u. Harnleiden, Frauenkrankheiten. W. 35, Sohöneberger Ufer 25. Spr.9— 1,4— 7,f.Damen4— 5 nachm. Auswärts brieflich. Allen wetthen Bekannten, Freunden und Genofien zur gefälligen Mit- theilung, daß ich Usedomstr. 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Vier Monate Gefängniß Genosse Landahl wegen Vergehens gegen die ZZ 130 und 131 des Str.-G.-B. 3. Dresden. Wegen VerÜbung groben Unfugs Genosse H e i n k e sieben Tage Gefängniß. , Düsseldorf. Die Genossen Ullrich und Huhn 14 Tage bezw. drei Woche» Gefängniß wegen Beschimpfung der katho- lischen Kirche. » Rostock. Ei» streikender Tischler wegen Verübnng groben Unfugs LS M. Geldstrafe. « Leipzig. Ein streikender Manrer S und 2 je 3 M. Geld- strafe wegen Nebertretung der das Postensteheu verbietende» Polizeiverordnung. 5. Hamburg. 2 Monate Gefängniß Genosse Liebscher wegen Beleidigung mehrerer Bäckergesellen. » Bialla Genosse E b h a r d t- Konnnorowe» 60 M, ein Stellmacher 20 M., 4 Arbeiter je 4 M. und 4 Arbeiter je 3 M. Geldstrafe wegen Uebertretnng des Vereinsgesetzcs und Ver« anstaltnng bezw. Theilnahme an einem nicht erlaubte» Aufzug. 7. Zwickau. Je SO M. Geldstrafe die Genossen K n a k e, Geier und Lorenz wegen Verübnng groben Unfugs. 9. Dresden. Wegen Beleidigung eines Arztes Genosse Fischer SO M. Geldstrafe. 10, Erfurt. Der Maurer Großkopf wegen Nöthignng zwei Wochen Gefängniß. 11. Hamburg. Genosse v. E l m wegen Uebertretnng des Vereins- gesetzrs SO M. Geldstrafe. „ Zwickau. 75 M. Geldstrafe Genosse Schürer wegen Ver- übnng groben Unfugs. 11. Hörde. Genosse Bunte, Dortmund, wegen Vergehens gegen daS Bireinsgesetz 50 M. Geldstrafe. 14. Berlin. Wegen Vergehens gegen 8 130 des Strafgesetzbuchs Genosse Erbe 3 Monate, Genosse Schnlze I Monat und die Genossen Klose und Schneider je 2 Wochen Ge- fängniß. „ Leipzig. In der Revisionsinstanz die Genossen S ch ulze und R e i ch a r d, Dresden, 10 Monate beziehnngsweise ein Jahr Gefängniß wegen Beleidigung der Verwaltung der Arlilleriewerkstätten. m Bielefeld. 30 M. Geldstrafe Genosse H o f f m a n n wegen Beleidigung der Berliner Staatsanwaltschaft. „ Magdeburg. Wegen Veranstaltung einer nicht genehmigten Kollekte die Former Bern berger und L i s ch k e je 10 M. Geldstrafe. . Glnckstadt. Genosse Schädlich wegen Verübnng grobe» Unfugs 20 M. Geldstrafe. 17. Dresden. LS M. Geldstrafe Genosse Fleiß„er wegen Beleidigung der Amtshanptmannschaft in Glauchau. 13. Sondershause». Zwei Genossen aus Arnstadt wegen Ueber- tretung der Verordnung die Sonntagsheiligung betreffend je K M. Geldstrafe. 21. Hannover. Wegen Uebertretung des PreßgeseheS Genosse M e i st e r 20 M. Geldstrafe. » Magdeburg. Zwei streikende Weißgerber wegen Vergehens gegen§ 153 der Gewerbe-Ordnung, Beleidigung jc. 3 Wochen bezw. 2 Monate Gefängniß. 21. Ver« Leipzig. Genosse Curth-Großzschocher wegen gehens gegen das Vereinsgesetz 20 M. Geldstrafe. Berlin. Drei Tage Gefängniß Genosse SchlomS wegen Vergehens gegen Z 153 der Gewerbe-Ordnung. Chemnitz. Die Genosse» Schnabel. Kuniß und P f ü l l e r in Luga» je 30 M. Geldstrafe wegen Uebertretung des Vereinsgesetzes. Hamburg. Wegen des gleichen Delikts Genosse B ö in e l« bürg 30 M� Geldstrafe. Dresden. Genosse Hör n- Löbtau wegen Verubung groben Unfugs i» fünf Fällen SOO M. Geldstrafe. Leipzig. Eine Woche Gefängniß ein streikender Maurer wegen Nöthignng. Hamburg. Ein am Streik betheiligt gewesener Hafenarbeiter ivegen Beleidigung:c. 6 Wochen Gefängniß. Dresden. In der Berufungsinstanz Genosse Schulze 14 Tage Gefängniß wegen Beleidigung eines Fabrikanten. Dnssridorf. Wege» Uebertretung des Äereinsgesetzes drei Maurer je IS M. Geldstrafe. Frankfurt a. M. Genosse Schmidt wegen Beleidigung des Polizeipräsidenten 100 M. Geldstrafe. Erfurt. Zwei streikende Maurer wegen Bedlbung groben Unfugs 14 resp. 8 Tage Haft. , Leipzig. Wege» Mißhandlung eines Streikbrechers Maurer Goldhardt- Taucha 3 Monate Gefängniß. Jnsgesammt wurde erkannt auf 13S7 M. Geld-, und 3 Jahre 10 Monate 3 Wochen und 6 Tage Gesängnißstrafe. Hamburg. Eimsbüttel, den 1. September 1897. Eichenstr. 4 I. Der geschäftsführende Ausschuß. 23. 24. 25. 27. 23. 30. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei _ Uernntniortnng. Sonntag. Dheatev utag. den b. Sepp September. ReneS tgl. Operntheater(Kroll). : Afrlkancrin Di- Monta tag: Lohcngrin. Schanspielhans. Ans. Anfang 7 Uhr. >. Anf.TVzUhr. Rosenkranz und Güldensten,. Ansang?,/, Uhr. Montag: Biel Lärm um Nichts. Ansang?>/, Uhr. Deutsches. Die versunkene Glocke. Ansang 7V, Uhr. Nachm. 2y, Uhr: Die Weber. Montag: Einsam« Menschen. Berliner. Renaissance. Ans. 7V,Uhr. Nachm. 21/, Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Die Maschinenbauer. Ansang 7V, Uhr. Lessing. Abu Seid. Das zweite Gesicht. Montag: Heimath. Reiies. Der Stellvertreter. Anfang ?!/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Hüttenbesitzer. Montag: Der Stellvertreter. Ansang 7,/, Uhr. Unter den Linden. Boccaccio ?'/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Gchiller. Madam« Bonivard. Anfang 8 Uhr. Montag: Die Geschwister. Hierauf: rlamgo. Ansang 8 Uhr. Luisen. Geschwister Kiebtg. Anfang 8 Uhr. Montags Dieselbe Borstellung. Krledrich.«SilhelmstädtischeS. Das vierte Gebot. Nachm. 4 Uhr: Maria Stuart. Montag: Das vierte Gebot. Thalia. Luftballet Grigolatis. Bor- her: Toubiffon'S Hochzeit. Anfang 7'/, Uhr. Montag: Dieselbe Borstellung. Ostend. Unsere Retchspost. Ansang 7-/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ausang 8 Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang 7V, Uhr. Montag: Dieselbe Borstellung. Illexanderplatz. Dos Liebesdrama einer Sängerin. Ansang 8 Uhr. Nachm.: Hänsel und Grethel. Montag: Das Liebesdrama einer Sängerin. Anfang 8 Uhr. Belle-Alliance �— 6 Uhr. Vpollo. Spezialitäten. Ans. 8 Uhr. Passage< Panoptikum. Indisches Dorf. Ostettd-Theater. Gr. Franlfurterstr.lZL. Dir. C. Meist. Borletzter Sonntag! Zum 94. Male: Unsere Reichspost. Volksstllck mit Gesang in 4 Akten von R. Kneifet. Musit von C. Schüler. Anfang?,/, Uhr. Morgen 8 Uhr. Jni Garten Anfang 4 Uhr. Auf- treten sänimtl. Spezialitäten 1. Ranges. Dkivatei». Centrai-Theater Alte Jakobstr. 30. 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Beide Säle zu Hoch- zeiten, VereinSsestlichteiteii u. Bersaminlungetiz verg. Die RestaurationSrainiie stehe» Sonntags den geehrten Familien zur Verfügung. Große und kleine VereinSziinmer sind noch frei. ZoMdtmMraMcr Wahlimi« für de» t. Verl. Rcichstags-Wadlkreis W»1 V e r f a m m l u n g vienstag, den 7. September»8i)7. abends 8 I am Dienstag, den 7. September 1897. abends 8 Uhr, in Aitvft'! Festsälen, Weberftraste Nr. 17. T a g e s- O r d n n n g: 1. Vortrag des Genossen A. KolTinann Aber;„Gesetz nnd Recht" 2. Dislusston. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. KL. Billcts für die„U rani a" zum 3. Oktober ct. sind in der Vir sanimlung zu haben. SIS/w D. O. Sozialdemokratischer Verein für den 5. Verliner Reichstags- Wahlkreis UV Versammlung"HW am Donnerstag, den S. September, abends 8V> Uhr, bcTltaillsr. Rosenthalerstr. 12. Tages- Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen ilHIIarg über: Die ArSelterversscherungS Gesetze, l. Das U n f a l l v e r s i ch e r u n g s- G e s e tz. 2. Diskussion 3. Vereinsangclcgcnheitcn und Verschiedenes. 245/1ö Um zahlreichen Besuch bittet_ Der Vorstand. Achtung! Achtung! Grosse Volksversammlung (ini Ntilstag, de» 7. Septtlilber, abends 8 Nhr, in H-eller'» Festsälen, Koppenstraje 29 Tages-Ordnung: 1. Gesetzlicher Arbeiter- uub Arbeiterinnenschutz und die Internationale Arbeiterschutz-Konferenz zu Zürich. Ref. Frau Klara Zetkin(Stuttgart). 2. Diskussiou. 3. Wahl der Delegirtiuuen zum Hamburger Parteitag. W Um zahlreichen Besuch besonders der Frauen ersucht vi« Vertraueusperson Berliner Arbeitervertreter-Berein. Dienstag, den 7. September, abends 8l/2 Uhr, pim Lokale des Herrn Baske, Orenadlerstrasse 88 ||gjr Versammlung.'09§ Tages-Ordnung: 1. Bericht über die Aufstellung der Kandidaten zur Wahl in das ReichS Derlicherungoamt. 2. Verschiedenes. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht 63/14__ Der Torstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband (Zahlstelle Berlin). NttWtngMMr-MammIllllg: ezirk Osten und Nordosten: n 8. September, abends 8 Uhr, bei Wit Mittwoch Strauftbergerstraste 8. Wittwe Hit Iii, Deutsch. Metallarbeiter-Verband (Terwaltnngsstelle Berlin). Sonntag, den 5. September 1897, vorm. 10 tthr t Bezirks- Vers am ml ung für Chsrlcttenhurg und Spsnvn»t im Lokal von Lekder, Charlottenburg, Bismarckstraste 74. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen Dr. Joifl über:.Die Urgeschichte der Erde«. 2. Diskussion. 3. Neuwahl der Zeitunas Kolporteure. 4. Verbands- angelegenheiten u. Verschiedenes. Ausgabe der Billets zum Herbstvergnügen. Montag, den«. September 1897, abends 8V2 Uhr: Kezirks-Vevsammlnng für Tegel im Lokal von Henter, Tpandanerstrast« 15. Tages-Ordnung: 1. Bortrag deS Kollegen Paul Litfin. 2. Diskussion. 3. Berbands- gngelegenheiten und Verschiedenes. Um zahlreiches und pünttliches Erscheinen wirb ersucht. Ibv/Ws_ Die Ortsverwaltung._ MWmein„Mehr Lichts In» bionntagk, 8. Sept. „HnUllseken«arten" akends Zu/z l'hr, Alexanderstrasse 87c: ! Vortrag über (Halle).� Dlskusion. V v v ftt nr nr l»t tr A xi Giordano Bruno> Res.: Redakt eur vr. TOlkel Darauf:«eselllses Beisammensein nnd Tanz. _ Gäste sind stets willkommen.—— 57/5 Verein deutscher Schuhmacher. MP* Tersammlimgeii"WE am Montag, de»«. September, abends �-Uhr. Zahlstelle I bei Telnd, Wcinftrahe 11: Vortrug. Zahlstelle II bei Langte, Dragouerstr. 15: Vortrag des Kollegen Lange über:..Die Gleichstellung der Geschlechter". Zahlstelle III bei«okn, Beuthstr. 20: Vortrag des Gen. vr. Wehl über:..Volkshetlstätten für l'ungenkranke". Zahlstelle IT bei Holl, Adalbertstrasse 21: Vortrag. 285/1 Zahlstelle Frledrlchsberg bei Fachs, Frankfurter Allee 4!i. Zahlstelle dtehltneherg: bei Dhst, Grunewaldstr. 110. Zahlstelle Rlxdorf bei Bressler, Ziethenstr. 69: Vortrag. Um zahlreichen Besuch bitten Die Bevollmächtigten. Mchtt MelaMbkiterMbM. Tcrwaltangsstelle Berlin. Dienstag, den 7. September, abends 8V-. Uhr, in den „Viktorln Sitten", Hermaunstr. 49 Zesirhsversammluug lur kixderl. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen Pähel über„Gesetz und Verbrechen". 2. Diskusston. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Um zahlreiches, pünttliches Erscheinen ersucht _ Die Ortsverwaltnng. Zentralverein der Bildhauer. Terwaltnnfsstelle Berlin. Dienstag, den 7. September, abends 8 Uhr, Köpnickerstrafte 08 t %Sr VerlÄtnmlung. Vortrag des Hrn. Wald. Hanasse über:„Wie der Mensch, so sein Gott". 22,17 Der Borstand. Große öffentliche Di>»fMo«g-Arbeittt«»d Ardkiteri»»t»° M?- Versammlung"NU sämmtlicher Branchen, am Dienstag, den 7. September, abends 8V2 Uhr, im Saale der„Urania", Wrangelstrastc 10. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dir. Weyl über:„Die gesundheitliche Lage der Konfektions-Arbeiterinnen und die besonderen Verhältnisse der Otts-Krankenkaffe der Schneider. 2. Die überhandnehmende lange Arbeitszeit in der Betriebs-Wcrkstätte von Wilhelm Holz, Oranienstr. 87, und wie stellen sich die dort beschäftigten Arbeiterinnen und die langjährig beschäftigten Bügler dazu? Die Nichtauszahlung deS Lohnes am Sonnabend tu dieser Betttebs-Wcrkstätte. 3. Bericht über die Geschäfte, welche die Lohnauszahlung am Sonnabend verweigert haben und eventuelle Beschlugfassuug. 4. Wie stellen sich die Konsektions-Arbeiterinnen zur Einführung von Agitationsmarken. 267/4 5. Verschiedenes. DM- Männer haben Zutritt. Mlnns! Mnstker. MW Dienstag, den 7. September, vormittags 11 Uhr: Oeffentliche Musiker- Bersammlunq im Lokale des Herrn Baske, Grenadierstr. 33.|3736 Tages-Ordnung: 1. Bericht der Agitations-Kommission und Neuwahl derselben. 2. Bericht des Vertreters in der Gewerkschafts-Kommission und Neuwahl desselben. 3. Verschiedenes. Tie Agitations-Kommission. Vnlmd der in rioliöratlmtuims-Iiilmlirii Ii. auf Solipläijtn desch. Arbeiter Aenlschinnds. (Filiale Berlin I.) Montag, 0. September, abends 8% Uhr. bei Herrn F. Wllke. Zlndreasstr. 86: Mitglieder-VersammUmg.? T a g e S- O r d n n n g: 1. Vortrag des Herrn Dr. Warm über: Die Erhaltung der Seh kraft init Demonstration an künstlichen Augen. 2. Dislussion. 3. Wahl eines Ausschubmitgliedes. 4. Gewerkschaftliches. 82/18 NB. Die Mitglieder werden ersucht, zu dieser Versammlung wegen des interessanten Vortrags ihre Frauen uritzubringen. Der Torstand. F'tsis Volksbühne. Sonntag:, 18. September, nachm. 3 Uhr im Friedrich-Vilbelmstädtisclien Tbeater Chaasseestr. 85/86. Eröffnung der Wintersaison für die I. Abthellnng, Zur Aufführung gelangt ein Hamburgisches Drama von Carl Mönckeberg in 5 Akten: Novität! Illusion 6 Novität! Die Verloosung der Plätze beginnt um 2 Uhr. Der Garten steht den Mitgliedern zur Verfügung. Die Monatsschrift„Freie Volksbühne", Heft 4, ä 10 Pf., wird im Theater von den Ordnern ausgegeben. Die Hltglieder werden gebeten, pünktlich zur Torstellnngzu erscheinen. Im Theater beflndct steh keine Zahlstelle. Die Mitgliedskarte muss für neue Mitglieder S Harken Ä 60 Pf. In der Knbrlk Vi, für die alten Mitg/lieder Je eine Barke in der Knhrlk T nnd TI enthalten. Die Vorstellung für die II. Abthclluns findet am Sonntag:, den 19. September, die der III. Abtheilnng; am 86. September statt. Mitglieder können bei rechtzeitiger Meldung noch in allen Zahlstellen aufgenommen werden. 231/17 Der Tortand, I. A.: G. Winkler. Ächtung, Maler! Montag, den 6. September, abends 8:/, Uhr. in den Arminhallen Kommandantenstraste Nr. 80: Kombinirte Mitglieder-Versammluttg für Berlin nnd ttmgegend. Tages-Ordnung: Bericht der Arbeitsvennittelungs- Kommission, Statutenänderung für den Arbeitsnachweis. 125/11 Die Kommission. Uerbliiii» der Gnimrt. Wime eil. (I'Tliale Berlin.) Dienstag, den 7. September, abends 8Vz Uhr, Oranienstr aste 51 T ersaiiimlung. Tages-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2, Diskussion über:„Klein- und Großbetrieb mit Be- ziehung auf die Organisation." 3. Verschiedenes. SÄT Am Sonntag, de» 18. September: Beslehtlgang: der Sternwarte in Treptow mit vorangehendem Vortrag. Billets zun: ermäßigten Preise werden in obiger Versammlung verausgabt. Rege Betbeiltgung erwartet Der Torstand. Verhsnli DeuWer Zlhutider llnii Tchutiiierilllitll. (Miliale Berlin.) Dienstag, den 7. September, abend» 8V2 Uhr, in den ArminhaUen, _ Kommandantenftrafte 80: HOT Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Aus der PrariS des Berliner Gewerbegerichts. 2. Diskussion 3. Vorlegung der Abrechnung vom 2. Quartal. 4. Die Besetzung der Arbeitsnachweis- und Auskunfts-BureanS. Um zahlreiches Erscheinen ersuchen 162/13__ Die BeToIlmUchtiften. Achtung, Metallarbeiter! Alle diejenigen Metallarbeiter, denen innerhalb der beiden letzten Jahre der Schein auf den Arbeitsnachweisen der Berliner Kühnemänner venveigert wurde, werden ersucht, unter Darlegung der für die Abweisung vorhandenen Gründe schriftlich dem Unterzeichncteu hiervon umgehend Mittheilnng zu machen. 160/11 Hanl I.itfin, Annenstr. 39. I Kwckatenre. Die Zahlstelle» der Hilfskassirer für die Filiale Umgegend sind folgende: Nr. 1 Berlin und 270/7 Arbeitsnachweis, Inhaber Nr. Ztr. Nr. Nr. Nr. C. Stein- und Gormann strasien-Ecke, Schünemann.! M. Kastanien-Allee 11 bei Augustin, Inhaber Kolleg« K. Kruse. Moabit. Birkenstt. 28, Elle Stephanstrasie bei Fr. Kluge, Inhaber Kollege K. N i t s ch k e. W. Bülowstr. 59 bei Werner, Inhaber Kollege I. Höfel«. Charlottcnbarg. Wallstr. 68 bei Wille, Jnh. Kollege H. Ligncr. Rlxdorf. Bergstrahe bei Thomas, Inhaber Kollege F. Bars anti. DM- Wir machen hieniltt besonder» aufmerksam, daß die Zahlstellen jeden Sonntag, vormittags von 10— 12 Uhr gebfsnet sind. Jedes Mitglied ist verpflichtet, dort sein« Beitrage zu entrichten, auch werden daselbst neu« Mitglieder ausgenommen. Diejenigen Kollegen, welche mit ihren früheren Beiträgen bis 1. August rückständig sind, werde» ersucht, die- selben unverzüglich im Arbeitsnachweis bei Schünemann, oder m der nächsten Versammlung zu regeln.— Femer zur Kenntnih, dah die regel- mästige» Mitglieder-Berfammlungen, Montag nach dem IS. jeden Monats, bei Baske, Grenadierstr. 33, stattfinden. B e r l i n, den 3. September 1897. Die I-okal Verwaltung. SozislvomokvakiMo Pavtei-Nersamminng für den Kreis Niederbarnim am Soutttaa, de» 5. September, mittags 1 Uhr, im Saale der Drauerei Strala«. 224/1 Tages-Ordnung: I. Stellungnahme zur Brandenburger Provinzial-Konferenz und zu den preuhischen Landtagswahle». Rcscrent: Reichstags-Abgeordneter Arthur Stadthagen. Korreferent: Genosse Dr. I,eo Arons. 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegirteu zur Brandenburger Konferenz. 4. Der Parteitag zu Hamburg. Referent: Reichstags-Abgeordneter Arthar Stadthagen. 6. Diskussion. 6. Wahl, der Delegirteu zuin Hamburger Parteitag. Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit und Reichhaltigkeit der Tagesordnung ersucht die Genossinnen und Genossen um möglichst pünktliches und zahl- reiches Erscheinen__ Der Tertranensrnann. Lockwev. (Filiale IT.) Dienstag, 7. d. M., abends 8»/, Uhr, bei Schöning, Köpnickerstr. 68: Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen P. Hamacher. 2. Diskussion. 3. Innere Filialangclegenheiten. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. 125/12 Der Vorstand. Jiih. 8epp VioSemsllll, Frlcdenstr. 67. Empfehle mein 29802* Weist-»«. Bairifchbier- Lokal. Garten. Kegelbahn. Vereinszimmer noch einige Tage in der Woche zu vergeben. Für gute Speisen u. Getränke ist bestens gesorgt. Albtuiig! Metallschleifer Mtnnii! Berlins nnd Umgegend. Große öffentliche Aersammlnng Mittwoch, den 8. September 1897, abends 7Vz llhr, im Englischen Garten. Zllexandcrftraste 87 e. Tages-Ordnung: 168/7 1. Warum werden die Schleifer von den Fabrikanten als Menschen vierter oder stlnster Klasse angeseben? Referent: Kollege Rohr lack. 2. Diskussion.— Zahlreiches und pünktliches Erscheinen ist erforderlich. Der Vertrauensmann. Zungen- nnd Magenletdende! Montag, den 0. September, abends 8V. Uhr. hält Naturheilkundiger<-> rundmann, in AhrenS' Brauerei, Moabit. Dhurmstraste 83/80, einen öffentlichen anatomischen Lichtbilder- Vortrag über Verhütung und Heilung obiger Leiden. Gäste, Männer und Frauen, willkomme». Eintritt 15 Pf. 30352 Berein für Körper- und Raturheiltunde, Alexanderstr. 8. Naturärztliche Sprechstunden sind täglich von 11—1 und 6—7, Sonntags von 11—1. Keller's Festsäle, AoDtkMt Nr. 29. Sonnabend, den 11. September 1897: II. Stiftungs-Fest des Arbeiter-Raucher-Vundes Verlins und Umgegend. ».SÄ,,. Großer Festball verbunden mit kom. Vorträgen, Ueberraschnngen, Verloosung etc. Die Ballmufil wird mit doppeltem Orchester der Freien Vereinigung der Zivil-Benissmusiker ausgeführt.- Freunde und Gönner sind hiermit fteund- lichst eingeladen.- Ansang 8 Uhr.- Herren 50 Pf Damen 30 Pf. 3806 Das Komitee. W»«! RelRickendorf-Schinholz. W»z! Genossen! Sonntag, den S. d.M., im Lokal„Znr Tanne-: Wohlthätigkeits-Konzert, verbunden mit Bolksbelustignnge». unter Mitwirkung des Gesangvereins„Weiße Rose", sowie deS Musik- Vereins„Knatfch*.[30342 Der ganze Erlös wird dem Komitee für dl« Ueberschwemmten überwiesen. Es werden alle Genossen, welche Schönholz besuchen, freundlichst eingeladen. Anfang 7 Uhr. Sntree 10 Pf. Also alle nach Schönhol»„Zur Tanne--.-MW Met SZS! VereiBsbram-AiiKchank Rlxdorf Herrlicher Garte« u. graste Säle Mittwochs und Sonntags: Gr. Frel-Koazert.____ Vorzüglich« Küche, Wurstpavillon, „«nmii»«.- Schiesistand, Kegelbahnen u. fiOYjVWW* sonstige diverse Belustigungen. " 8V* Kaffeeküche von 2 Uhr ab geöffnet. �DW Pferdebahn vom Moritzplatz für 10 Pf. bis zur Brauerei. Henz' Ball-Salon, Maunynslr. 27. Empfehle mein« Säle, 900 Personen fassend, zu allen Fcstlichketten und Versammlungen. Einige Sonnabende sind noch unter koulantesten Be- dmgunaen an Vereme zu vergeben. 23602* Zede» Sonntag, Montag und Donnerstag:«rosser Hall. NB. Di« Vorstände derjenigen Vereine, welche mit meinem Vorgänger Festlichkeiten abgeschlossen haben, ersuche ich, nochmals mit mir Rücksprache zu uehuien, da mir keine Geschäftsbücher ausgeliefert wurden. «Wstav«ranmann. Achtung! B. Baske, Grenadierstr. II. 3 Säle zu Verfammlungen, Festlichkeiten, sowie mehrere Vereinszimmer zt» vergeben. Sonnabende u. Sonntage noch frei. Meldungen rechtzeitig erbeten. MDggelschlösschen bei Friedriehshagen. Jnh.:«eorg Ritse, Traitcur, empfiehlt sich bei Ausflügen geneigter Beachtung. Der angrenzende Wald bietet Spielplätze, die den weitgehendsten Anforderungen genügen. 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Die besten Schuhwnnren der Meli find Goodyear ans Rand geniihte Schnhwaaren! Die auf Eoodtzear-Maschiue kiergestellten Ra»dsch»l>waaren haben elegante glatte Brandsohlen— haben inwendig weder Pech noch Earn— weder Stift»och Nägel bis zum Slbsatz, kurzum nicht«, luaS de» Fühen im Entferntesten unangenehm werden könnte. Die Goodyear-Schnhwaaren haben vor allen bisher erschienen«» Maschinensabrikaten da» voraus, daß sie eben so leicht wie Handarbeit, zuverlässiger und eigener gearbeitet. folglich besser sind. Sic könne» ferner genau, wie daS bei Hand- arbeit der Fall, von jedem Schuhmacher wieder a»f Rand be- sohlt und reparirt werden. Das bei handgenähten Schnhwaaren häufige Aufgehen der Nähte ist hier vollständig ausgeschlossen.— Es kann nnr daZ allerbeste Material verwandt werden, weil da» Leder sonst nicht die nngclvöhnlich feste Verarbeitung verträgt. Die Goodhear-Welt-SIiesel haben den elegantesten Sitz und Patzform und ist somit die vollkommenste und beste bis dato erschienene Fußbekleidung. Wenn nian für einen anf Rand genähten Schuh oder Stiesel selbst 50 pCt. mehr bezahlen würde wie die hier angeführten Preise, ist es der Menschenhand nicht möglich, so Exakte» und Vollkommenes dafür herzustellen. Ich kann mich de» Verdienstes rühmen, feit mehr denn Jahresfrist die Propaganda für Eoodhear in Deutschland ge> macht zu haben, das mub mir der größte Feind lassen. Jeder niit der Zeit fortschreitende Goncnrrent führt Goodyear schon, oder muh ihn künftighin führen. Mtil E00d))t(lV sch0N jetzt den Markt beherrscht. Wer verkauft die besten Schuh- tvaaren am billigsten? Hier ein« Blnmenlese von Urtheilen meiner Konkurrenz und Feind« über mich: Die Zeitung.Der Schnhhändler' ruft. Vereinigung zu gründen zur Bekämpfung dtl SÖjlfUÖWCOlIClirrfllJ, «in«» Jacques Rupdaell, da Einzelne absolut nicht gegen ihn ankämpfen können.— Dicselb« Zeitung nennt.Berlin mein Reick)', s. Nr. 5 vom 25./8., Seite 8. und Nr. 7, Seit« 7. Di« Berliner Schuhinacherbörse nennt mich den großtN Schlenderer, indem sie mir den Zutritt in dieselbe untersagt. Ein hiesiger Importeur«euer Amerikanischer Schnhwaaren, der sich aNein im Besitze de» Monopol», diese Schnhivaaren zn verkaufen glaubte, dessen Name jeder Interessent in meinen Kanshänsern erfahre» kann, weigerte sich von meinem Vertreter Ansträge aus diese eleganten und neue» Schnhwaaren entgeg,» zunehmen, resp. an mich zn verkaufen— weil ich— wie die ganze Konkurrenz behauptet, die Wnare verschleudere,»nd „die Preise auf den Hund bringe".-- Zur Bernhignng diese» Herrn Exporteurs und meiner Konturrenz, erlaube ich mir hier die ergebene Anzeig«, dasi ich End« kü listigen Monats die neuen eleganten anierikanischen S ch u h w a a r e n,— direct von d e in Fabrikant«» aus Anierika bezogen, in g l ä n z« n d st e r A u i w a h l zu Schleuderpreisen dem geschätzten Publiku», o f f e r i r e n werde. Die Leipziger Jllnst. Schnhm.-Ztg. tischt ihren Lesern in ihrer Ausgabe vom 1. November 1896 ans Seit« 231 die erste Instanz nieineS durch 4 Instanzen so glänzend versochtene» Pro- zessc»—, dem ich meine heutige Größe und den Uinfang meines SchuhwaareugeschäfteS zu danken habe,— mit folgender Ei». leitung auf: Bor Kurzem!—(Der Prozeß begann im Decem- ber 18Sl!> wurde»in Berliner Schlendergeschäft wegen n». lauteren Wettbewerbes(1891—»ulanterer Wettbeiverb!—) zu 500 Mk. Geldstrafe verurtheilt. Welch' nieder« Gesinnung hat die» dietirt!- Diese» Blatt bringt die erstinstanzliche Vernrtheilung auSsühr- lich— über meine glänzend« Freisprechnng, beantragt durch de» Kgl. Staatsanwalt bei der V. Strafkannner de« Kgl. Landgerichts I Hierselbst am 20. März 1893, worin derselbe erklärt«, daß meine Kundschaft weit über ihr Erwarten hinan», theilS für, theils weit unter der Hälft« des Wertstes Schnhwaaren vo«i mir gekauft— bekundet durch zahlreiche Zeugen, sowie durch gerichtliche und außergerichtlich« Sachver» ständig« � schweigt jedoch das Blatt vollständig! Ich zwinge meine Concnrrenz— anch da» Material der Stiefel zu nenn«»— wa» ich seit Jahren thue.— wenn die- selb« es bisher anch nicht getha».— niit d«r Zeit wird sie eS thnn müssen!— All« ttlnfeinduugen werden mich nicht hindern, KrebS- schäd«» ansz», decken,— unlantere Handln,»gen ,u ent- larven«nd garantirt reellste Maaren»n billigsten Preisen nach wie vor ,n liefern. Diese Bliimenlese von Aussprüchen meiner Feinde»nd Kon» knrrenten beweist wohl zur Genüge, dem Publikum wie billig e» bei mir kauft. toutit fiir btsle ßMliM iliich Nlikliiiiieschcilit sSr alle miilt Lchstioliam für auswärtige Käufer genügt die empfangene Rechnung. Bon 1 dem Anspruch anf«ntschädigung bei unangemessener Halt- barkeit nieiner Schnhivaaren bitte den anSgtebigsten Gt- brauch»u machen. Reclamationen werde» nnr im Hauptgeschäft An der Spandauer Britck« S von 8— t>/- Mittag erledigt. BtT Bei etwaiger Unzufriedenheit ist weiter kein Wort zu � verlieren«öthig, sondern nnr Vorlegung oder Einsendung � des NeclamationSscheine».— Jed« Reclamation ist mir will- kommen und wird über Erwarten de» Käufer» zur größten Zu- friedenheit«rledigt.— Dt» mit«inen»' bezttchneten Artikel I sind theils mit Factitznthaten in der Ginlag« hergestellt, da sie sonst ihre» Zweck— sehr leicht z« sein— nicht erfüllen. Die Anschauung, daß«ine Epaneinlage bei Arbeiterschnhwaaren! zwischen Sohle»nd Brandsohle ein« minderwtrthige sei. ist eine irrige.— Die Epaneinlag« ist nm mehr als daS Dreifache thenrer als da» Leder, welche« man hierfür zn verwenden j pflegt.— Epaneinlag« ist nicht nnr Uichter. sondern auch in sanitärer Hinsicht mehr zu»mpsehlen al» Leder. Versandbedingungen: Gegen Nachnahme oder vorherige Einsendung de» Betrage». Porto trägt der Besteller. Von 15 Mk. an versende sranco auf meine Kosten, wenn Käufer sich auf dies« Zeitung bezieht.— Nichtconvenirendes bitte mir im Originalznstand zurückzusenden, und«uipfängt der Besteller alSdann sofort sein Geld inrück.— Daß Mab bitt« durch Versenken eine» genau passenden Stabe? i» den getragenen Stiefel festzustellen„Nd in Centimetern anzugeben, und ob Span» hoch oder niedrig, ftftr Schtthwaaren mit Gummisohlen, obgleich zu den besten Fabrikate« gehörend, iibernehm« kein« Garantie. Damett'Fnybekleidung. in reicher Farbenwahl, niit ge- streistem Futtter, rothem Hackenstück und Filzsohle, allerliebste Aussührrma.... ZS Pf. PlUachpantoffel mit durchgenähter Ledcrsohle u. Absatzfleck, in verschiedenen Farben.. 90 Pf. ■■P* Liaating• Promenadenachnhe* mit Gummizug und Schleife auf dem Blatte und durchgenähter Ledersohle.,. Mk. 4, SO. Brunne Meeoltuchachnürachnlie.* durchgenähte Ledersohle. Lcderabsatz u. LederbesatzMk.L.SO. Dieaelben* mit durchgenäht. Gummisohle Mk.Z.LS tftT Laatlng.Zugatlerel mit Lackseitenleder, durchgenähter Ledersohle und Absatz Mk. 2,76. äemaleder.TanBKchnhe,* ausgeschnitten. leichte Handarbeit, Lcdersutter und Lederkappe, mit seidenen Ripsbandschleifen verziert, so- wohl als Hausschuh wie als Promenaden- schuh bestens geeignet.. Mk. 2, SO. KalbIaok.TanBaoliahe,*baS tBolUommenfte an Eleganz, kein Wachs- oder Ledertuch, in denkbar bester Ausführung.. Mk. 3,—. Dieselben* Schuhe in schwerer Aussührung, mit reinem Lcderabsatz.. Mk. Z,SS. Kalblaofc-Cbicfc-Scliulia* elegantester Ausführung..... Mk. 5,—. Halbluok-Spangenachnhe* elegantester Ausführung.,. Mk. S,SO. Kiederhnnsaelinlle au» mildem Roßleder mit durchgenähter Ledersohle und reinen Leder, uthaten, mit Schleise.....•Mk. 3,20. Deraslbe braun, echt Ziegenl. m. Schleife, durch- gen. Ledersohle u. Absatz... Mk. 3,2S. »elin«r»ol>nbe, Robleder, mit durchgenähter Ledcrsohle und reinen Lederzuthaten und Zier- kappe.»».».. Mk. 3,75, Deraslbe zum Knöpfen mit geschürzten Knops- löchern....... Mk. b#—. BchnUr* und Rpangenaehnhe, braun, echt Ziegenleder, in elegantester, niodernster Ausführung, mit reinen Leder-Zuthaten nur.. Mk. b,—, Knopfsehnlie, braun, echt Ziegenleder, eleganteste modernste Aussührung, reine Lederzuthaten nur M». b,25. Boaaleder-Zngatlefel, solid und dauerhast, mit Herzblatt, 13 em hoch im Zuge, genagelt. Lederkappe und Lederbrandlohle, überhaupt mit reinen Leder- zuthaten angefertigt.... Mk. 3, SO. Dieselben. IS cm hoch im Zuge, genäht mit mar- kittem Rand... Mk. b,76. Boaaleder-Zngatlefel, sehr hoch tm Zuge, mit Herzblatt oder Vordernaht und Lackspitzkappe, auf Rand genäht, in denkbar zuverlässigster Ausführung Mk. 5.75. DM» Bösel. Knbpfatlefel, 11 Knops hoch, gesteppte Spitzkapp«. durchgenähte Kernfohle UWle Sf/O« seinem mildem Roßleder in seinster Aussührung. eckiger und spitzer Faeon, geschürzte Knops- lvcher, markitter Rand. Herzblatt oder Be- i satz...... Mk, 6.50. Knopf* nnd Sobnttrstiefel, 1a genarbtes Kalbleder, in hocheleganter moderner eckiger i und spitzer Fagon... Mk. 0,50. Beb« Zlegenleder-Strandknopf. und SobnUratlefel in denkbar seinster AuS- fübruna nur.... Mk. 7,50. Zugatiefel, von feinem Wildroßleder, wundervoller Sitz, sehr hoch im Zuge, mit Herzblatt oder Vorder- naht und Lackzierkappe.... M. 6, SO. Satin. Kalbleder. Zngatlefsl in vorstehender Aussührung. gelchm., zartes und dabei durchaus dauerhaftes Oberleder... Mk. 7,25. Bzltra prima aatinirte Kalbleder Zng. sdefel. Das Wohlthuendste für empfindliche Füße, außergewöhnlich hoch, auf Rand genäht, in verschiedensten Faeons... Mk. S,75. Raphabii'eGoodyear-WeU.ZugBtlefel.tfKiflii' nirteS Wildkalbleder, 15 cm hoch im Zug«, spitz und eckiger Faeon, hohen und niedrigen Absätzen, niit unterlegtem Herzblatt und abgesteppter Zier- kappe. 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Vis NVUV VÄttpolizei�Nevov�nung füv Verl in. in. In bezug auf den Aufbau der Häuser bleibt die Be- stimuumg bestehen. daß die Gebäude i» den Frontwänden stets 12 Meter hoch, nicht aber höher als 22 Meter errichtet werden dürfen. Zwischen diesen Grenzen gilt die Regel, daß die Baulich- leiten an Straßen so hoch sein dürfen, als die Straßen vor ihnen zwischen den Fluchtlinien breit sind. Die Vorgärten werden also zu der Straßenbrcite gerechnet. Ist die Straße zwischen de» Baufluchtlinien schmäler, als das Hans hoch werden soll, so kann die Zulässigkeit einer größeren Höhe als die Straßenbreite dadurch erreicht werden, daß das Hans um eine entsprechende Entfernung hinter die Fluchtlinie zurückgesetzt wird. Höher als 22 Meter darf eS aber auch dann nicht werden. An Straßen, die ans einer Seite unbebaut bleiben, dürfen die Säufer in der Front 22 Meter hoch errichtet werden, auch wenn die traße schmäler als 22 Meter ist; an Plätzen aber nur dann, wenn die Plätze mindestens 22 Meter breit sind. Bis hierher ändert die neue Bauordnung nichts an den bestehenden Zuständen. Neu ist die Bestimmung, daß Seitenflügel in einer Länge von höchstens S.bO Meter von der Hinterfront des Haupt- gebäudes ab gemessen, die Höhe des letztere» erhalte» dürfen, wen» in diesem Theile des Seitenflügels eine bis in das oberste Geschoß führende Treppe angelegt wird. Es ist dadurch erreicht, daß alle Wohnungen des Vorderhauses mit Nebengelassen und Zimmer im Seitenflügel versehe», und zugleich dem obersten Geschoß auch ei» Zugang zu der Hintertreppe gegeben werden kann. Wir übergehe» die Bestimmungen, die für Eckgrundstncke erlassen sind, die an Straßen von ungleicher Breite liege», ferner für solche Häuser, die nicht Eckgrundstncke sind, aber doch an zwei nicht gleich breiten Straßen liegen, und für solche Grundstücke, die an Straßen liegen, die vor dem Grundstück ungleich breit sind. Die Baupolizei- Ordnung läßt in diesen Fällen auch den bisherigen Znstand weiter bestehen, giebt nur genauere, jedes Mißverständniß möglichst ans- schließende Bestimmungen. Die Höhe der Hinterfront des Vorderhauses wird in der Regel so hoch aufgeführt wie die Vorderfront, doch kann unter Umständen, wenn die Höhe der Vorderfrmit die gröbste zulässige Höhe nicht erreicht, die Hinterfront 3 Meter höher gemacht werden als die Borderfront, bis zur zulässigen Höhe von 22 Metern im höchsten Falle. Sie muß dann aber hinter der für die Hintergebäude zn- lässigen Höhe, deren Festsetzung wir sogleich kennen lernen werden, um drei Meter zurückbleiben und dabei nicht mehr als drei Meter höher werde», als der hinter ihr liegende Hof senkrecht zur Hinter» front gemessen breit ist. Die Höhe der Hintergebäude(Seitenflügel, Mittel- flügel, Quer-, Seiten« und Mittelgebäude) dürfen in der Höhe der Ausdehnung des Hofraumes vor ihnen, senkrecht zur Umfaflungs- wand gemessen, um mehr als sechs Meter nicht überschreiten, natürlich in der Grenze, daß sie niemals höher als 22 Meter werden dürfen. Da es hierbei vorkommen kann, daß die einzelnen Theile der Gebäude verschiedene Höhen erhalten dürften, kann ein Mittelmaß nach einer in der neuen Baupolizei-Ordnung genau vorgeschriebenen Rechnungsweise festgestellt werden. Das Längenmaß jedes Frontthciles an der Oberfläche des Hofes gemessen, wird mit den» für ihn nach der vorstehenden zu- lässigen Höhe(die Breite des Hofes vor ihm mit 6 Meter Zusatz). ivelche aber 22 Meter nicht überschreiten darf, multiplizirt, die Summe der dadurch gewonnenen Produkte»vird durch die Summe der Längenmaße getheilt; der Quotient ergiebt die zulässige Höhe. Auch diese Vorschriften sind im allgemeinen mit der bisherigen Baupolizei-Ordnung, beziehungsweise mit der Art ihrer Auslegung übereinstinnnend. Sie sind nur in unzweideutiger Art festgesetzt, um alle Streitigkeiten zu vermeiden. Die Höhe der kleineren selbständigen Bamverke, die ans Höfen öfter aufgeführt»verde»», durste bisher S Meter nicht überschreite». In der»euen Baupolizei- Ordnung sind 6 Meter Höhe zugelassen bei 40 Quadratmeter Gr»l»dfläche, wie es bisher»var. Ueber den Aufbau des Daches und die Abmessungen von Thürnien, Giebel, Dachlucken u. f. w.,»vodurch die Architekten ihre Fassaden zn verschönern suchen, enthält die neue Baupolizei- Ordnung folgende Vorschriften: Von der Straßenfront und der Hinterfront»verde» unter 45 Grad geneigte Linien gezogen. Ueber diese Linien darf das an- zulegende Dach nicht hinausgehen. Wenn also ei» anderes Dach, z. B. ein gebrochenes(Mansarden-) Dach angelegt»vird, ivie es die Architekten vielfach aniveuden, das von der Front aus mit größerem Winkel als 45 Grad ansetzt res darf der Dachivinkel bis aus 60 Grad vergrößert»verde»), so»nuß die Gesimslinie der Front dementsprechend tieser gelegt werde», so daß die Bruchlinie der Mansarde in die unter 45 Grad von der zulässige» Gesimshöhe abgezogene Normal- Dachlinie fällt, und die Firstlinte des Daches muß dem- entsprechend erniedrigt, verde»»., Für die Aufbaute n aus den Dächern ist den Architekten eine elivas größere Freiheit gegeben, als sie bisher bestand. Wir können das nur billigen. Das Straßenbild der neuen Bauten»vird dadurch etivas mehr Rhytinus erhalten, als der Architekt ihn heut erreichen kann; es»vird die Eintönigkeit, die den Straßen einer Großstadt so leicht anhaftet, etivas gemildert werden könne». Um das Z>» s a m n» e n b a u e n z»v e i e r G r u n d st ü ck e zu besörder». d. h. das Bebaue» ziveier neben einander liegender Grundstücke derart, daß die unbebaut bleibenden Theile, nnbeschadet einer bis zur Höhe von zivei Meter zulässige»» Grenzscheidemauer eine i» der Länge von sechs Meter zusainnrenhängende Fläche bilden, die die sie umgebende» Gebäude mehr Lust i»nd Licht zuführt, als es durch die einzelnen Höfe geschieht, darf bei Fest- stellung der Höhe der hinteren Gebäude außer der Ab- »nessung des zugehörigen Haupthofes»och die Hälfte der Abmessung des Nachbarhoses in Rechnung gestellt»verde». Diese Erleichterung gilt aber>»nr da»»,»vcnn die Verpflichtung a»lf sämmtlichen be- theiligten Grundstücken durch Eintragung in das Grundbuch gesichert ist. Wird diese Verpflichtung gelöscht, so haben die Grundstücks- besitzer ihre Grundstücke den allgemeinen Vorschriften der Bauorimung entsprechend einzurichten. Dir Vorschriften über die Entfernung der Gebäude von einander,»venn sie nicht unnrittelbar nebe» einander stehen, sind nicht geändert»vorden. Neu ist die ausdrück- liche Bestiininung hinziigekommen, daß die Gebäude in allen Theilen»ach den Regeln der Technik aus guten, ziveck- entsprechende» Baustoffen herzustellen sind, und daß die Anforde«! runge»,»velche an die F e st i g k e i t der Baustoffe zu stelle»?, die Zahlen, ivelche der F e st i g k e i t s b e r e ch n n n g zu gründe zu legen, die Belastungen, ivelche für den Baugrund und die ein- zeluen Gebäudetheile zulässig sind, so»vie sonstie K o n st r u k t i o n s« Vorschriften durch die Polizeibehörde, so oft und so»veit sie es für erforderlich erachtet, bekannt gemacht»verde»». Diese Bestimmung hat nach zivei Seiten Wichtigkeit. Sie erleichtert zuerst die Kontrolle der Güte der Bauinaterialieit. Wenn durch die Veröffentlichungen der Polizeibehörde festgestellt ist, »velche Festigkeit die Ziegel haben müssen, die bei den Bauten in Berlin verarbeitet»verde»», so»vird es leicht sein,»achzuiveisen, daß bei einen» Bau untaugliches Material venvendet»vird. Man braucht das beanstandete Material nur der Prüsungsstatio» für Baumaterialien zu übergebe», um die Frage schnell entschieden zu haben. Es bestehen freilich schon heute solche Veröffentlichungen durch die Polizeibehörde, sie beziehe» sich aber nur auf die zulässige B e« ans pruchung von Baumaterialien, d. h. sie geben die Belastung an, bis zn»velcher die verschiedenen Arten von Mauerwerk belastet »verden dürfen. Diese Belastungsgrenze bleibt selbstverständlich weit hinter der Festigkeitsgrenze zurück, die die Materialien haben müsie»», um die Belastung für die Daner sicher zu tragen. Dan» aber»vird durch die Ansnahine der eigentlich selbflver- ständlichen Bestiniiinlng, daß die Gebäude nach den Regeln der Technik ans gilten Materialien hergestellt»verde»» müssen i» die Baupolizei-Ordnung die Durchsetzung eines Entschädigu>»gsa»spruches bei einem Unglücksfall, der durch Verletzung dieser Vorschrift ent- steht,»vesentlich erleichtert, da das Handel» gegen eine ausdrückliche Polizeiverorduung,»venn dadurch ein Schaden geschieht, immer als grobe Fahrlässigkeit aufzufassen ist. Wenn bisher vorgeschriebe»»var, daß nothivendige Oeffnilngen i» Brandmauern zwar zulässig stud, aber mit eisernen s e l b st- t h ä t i g zufallenden V e r s ch l n ß v o r r i ch t u n g e n ver- sehen sei» müsse», so sagt die neue Banpolizei-Verordnimg besser und bestimmter, daß diese Verschlußvorrichtuirgeii:„feuer- u»d rauchsicher, selb st än big zufallend, aber nicht der- schließbar sei» sollen. Es ist also das Material nicht vorgeschrieben, aus den» diese Verschlüsse gemacht»verde», solle», sondern ihre Eigenschaften sind festgestellt, die sie haben müssen. Sie sollen nicht v e r's ch l o s s e», sein,»in» bei Feuersgefahr den Löscharbeiten und de»»» Retten von Menschenleben kein Hinderniß z>l bereiten, damit sie nicht etwa als Falle» wirke». Wir übergehen die Vorschriften der neuen Baupolizei« Verordnung, die sich hauptsächlich auf die Einzelnkonstriiktioue» der Gebäudetheile beziehen, weil sie»nr für den Techniker Jutereffe haben und den, Nichttechniker nur sehr schiver verständlich zu»lachen sind,»tili in einem folgende» Artikel noch über die polizeiliche Auf- stcht bei der Bau-Ausführung und über die Vorschriften zu berichten, die für solche Wohnränine erlassen sind, die zun» dauernde»» A u s e n t h a l t für Menschen dienen sollen. W?»! RM" Zu haben in dei meisten Oolonialwaaren-, Drognea- ud Selien-Handlungen. 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