Einzelpreis 20 Pfg. 4. Jahrgang Ste Freiheit erfcheint morgens und nachmittags, Canntags and Montage einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Buftellung ins Haus für Groß- Berita 10, M. im voraus zahlbar, von der Spedition felbft abgeholt 8,50 M. Für Pofts bezug nehmen fämtliche Boftanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland und Österreich 16,50 M., für das übrige Ausland 21,50 m. guzüglich Baluta- Aufschlag, per Brief für Deutschland und Österreich 30,- m. Redaktion, Crpedition und Berlag: Berlin 2 Breite Straße 89. Sonnabend, 29. Januar 1921 Nummer 48 Abend- Ausgabe einschliegtic Ste achtgefpaltene Monpareilegelle aber beren Raum kaftet& Tenerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2- M., jedes weiterg Wort 1,50 M., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen Befuche 3,20 9. netto pro Beile. Stellen Besuche Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 M., jedes weitere Wort 1,- W Bernsprecher: Bentrum 2030, 2645, 4516, 6603, 4635, 6649, 4928 greibeit Berliner Organ Der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Verpfändung der deutschen Zölle Die Pariser Konferenz Paris, 29. Januar. Die Sigung des engeren Ausschusses ging heute Nacht 12,20 Uhr zu Ende. Nach einem arbeitszeichen Verhandlungstage gelangte der Ausschuß abends zu einem Uebereintommen, das, wie Havas meldet, heute morgen in der Bollsigung der Konferenz zu einem endgültigen fich gestalten wird. Das für die deutsche Reparationszahlung angenommene System ist das folgende: Zahlung in 42 Jahresleistungen ab 1. Mai 1921 nach folgender Staffelung: Die beiden ersten Jahreszahlungen 2. Milliarden Goldmark, die drei folgenden drei Milliarden, die drei nächsten vier Milliarden, bie drei weiteren fünf Milliarden und die 31 legten sechs Milliarden. Andererseits muß Deutschland während 42 Jahren eine Tage Bon 12 Prozent ad valorem auf seine Ausfuhr zahlen. Diese Tage wird von der Reparations? ommission erhoben werden. Um Deutschland anzuspornen, ich möglichst rash seiner Verpflichtungen zu entledigen, wird ihm ein Diskont auf die feftgesezten Jahreszahlungen gewährt und zwar bis zu acht Prozent in den beiden ersten Jahren, sechs Prozent in den beiden folgenden und fünf für den Rest der Frist, wenn es seine Zahlungen vor den vorgesehenen Zeitpunkten ausführt. Als„ Santtion" für die Ausführung seiner Verpflichtungen sieht das Uebers einkommen die Verpfändung der deutschen Zölle unter der Kontrolle der Reparationskommission vor, ferner die Festlegung neuer oder höherer Tagen ohne Rücksicht auf alle Maßnahmen, die bie alliierten Regierungen treffen tönnten, falls die vorhergehen ben Maßnahmen ungenügend sein sollten. Schließlich soll Deutschland feine auswärtige Anleihe aufnehmen können, ohne durch die Reparationstommission dazu berechtigt zu sein. Die Konferenz wird heute morgen um 11 Uhr zu einer Vollfigung zusammentreten. Die endgültige Billigung des gestern abend ausgearbeiteten Entwurfs soll nach der Havasmeldung angeblich feinem Zweifel unterliegen. Auf diese Weise sei diese Kernfrage der Reparationen durch die Annahme eines Systems glüdlich gelöst, das gleichzeitig sofortige Festsetzung der Schuld= Wie die Petersburger Dorftommune" meldet, betrachtet Krassin die Verhandlungen mit England als nicht abgebrochen, hält aber die Lage für ernst. Berlin als Hafenstadt Von Stadtrat Wilhelm Schüning Berlin mit seinen vier Millionen Einwohnern hat natur gemäß einen starten Güterverkehr. 75 Prozent des Gesamts verkehrs entfallen auf die Eisenbahn, 25 Prozent auf die Binnenschiffahrt. Wenn also ein Viertel des Gesamtgüter verkehrs durch die Binnenschiffahrt bewältigt wird, so dürfte es angebracht sein, einmal das Verhältnis Berlins zu der Binnenschiffahrt zu beleuchten und dabei auf die Bedeutung Berlins als Hafenstadt hinzuweisen. Kattowig, 29. Januar. Kommunistische Träumer ( Eigene Drahtmeldung der Freiheit“) Die Rote Fahne" zerbricht ich den Kopf, ob es eine objektive Lösung der oberschlesischen Frage geben fönne. Sie fräumt selbstverständlich schon wieder von einer„ 3uspigung des oberschlesischen Konflikts in einer Situation, in der die Arbeiterschaft handelnd auf den Plan treten tann". Deshalb haben die Weisen aus der Zentrale in Berlin auch die Parole für eine Sowjetrepublit in Oberschlesien ausgegeben, die hier nur allgemeines Hohngelächter der eigenen Parteimitglieder ausgelöst hat. Selbst die von Berlin hierher gesandten kleinen Dittatörchen haben daran nichts ändern können. Wenn die„ Rote Fahne" auch nur die Spur einer Erfahrung von den Arbeiterverhältnissen in Oberschlesien hätte, so würde sie verstehen können, daß ihre Phrasen von der revolutionären Lösung bei der oberschlesischen Arbeiterschaft nur ein mitleidiges Lächeln auslösen. Was durch die Volksabstimmung bisher erzielt worden ist, ist nicht Revolutio nierung der Massen, sondern das muß festgestellt werden: nationalistische Verhehung, die sogar weit in die Arbeiterparteien hineingedrungen ist. Wir können der Roten Fahne" verraten, daß die Folgen der bisherigen Agitation ein Erstarten der reaktionären Kräfte, Berwirrung der Arbeiterschaft und nationalistischen Taumel beim Bürgertum her vorgerufen haben. Wenn das die richtigen Vorbedingungen für eine revolutionäre Lösung des oberschlesischen Problems sind, so hat die„ Rote Fahne" Recht. Vielleicht erkundigt sie sich aber vorher, was die Mitglieder ihrer Partei in den bürgerlichen Selbstschukorganisationen treiben, die vom Gelde der Magnaten und Großgrundbesizer leben. Wir als Sozialisten fönnen nicht begreifen, was eine solche Verwirrung der Arbeiterschaft in der Abstimmungspropaganda zur revolutionären Lösung der sozialen Fragen beitragen soll. forderung der Allierten intet se tient ellen Möglichkeiten Die wandlungsfähige Einwohnerwehr Zahlungsfähigkeit verbinde. Die Konferenz wird alsdann die Entwaffnungsfrage behandeln. Sie wird weiter Maßnahmen treffen, um Desters reich Unterstügung zu gewähren. Die Frage der Kohlens lieferungen Deutschlands und des Ablaufens des Abtoms mens von Spaa Ende dieses Monats wird an die Repara tionstommiffion verwiesen werden, die sich bereits mit dieser Frage befaßt. Die Sachverständigenkonferenz, die vor dem in Brüssel tagte, wird nächstens ihre Arbeiten wieder aufs nehmen, um über die Ausführungsmöglichkeiten des gestern abend abgeschlossenen Abkommens über die Reparationen zu beschließen. Die englisch- russischen Verhandlungen Der russische Gegenentwurf D. E. Kopenhagen, 28. Januar. Die Veröffentlichung des englischen Entwurfes für das Han delsabkommen mit Sowjet- Rußland beantwortet die Londoner ruffische Sowjet- Delegation mit der Veröffentlichung des russischen Gegenentwurfs, mit dem Vorbehalt, daß dieser von Kraffin erst jetzt persönlich der Moskauer Regierung vorgelegt werden soll und deshalb noch Aenderungen erfahren könne. Nur für die Einleitung und zwei von den 14 Paragraphen des englischen Entwurfs sind von der russischen Delegation Abänderungen vorgeschlagen. Während der englische Text eine ausdrüdliche Ber zichtertlärung der Sowjet- Regierung auf jede Schädigung der britischen Interessen in Klein- Asien, Persien, Afghanistan und Indien enthält, bestimmt der russische Entwurf, daß die Einzelheiten, die sich aus dem gegenseitigen Verzicht auf Feindseligkeitenund Propaganda ergeben, einer besonderen Konferenz vorbehalten bleiben sollen. An Stelle der Zusicherung des englischen Ents wurfs, wonach die Landesdelegierten beider Parteien vor Festnahme und Durchsuchung gesichert sein sollen, verlangt der russiIche Gegenentwurf, daß die Delegierten die für diplomatische Vertreter üblichen Privilegien genießen sollen. Zu den Bestimmun gen über die Einfuhr des russischen Goldes nach England verlangt bie russische Delegation auch die Freiheit der Ausfuhr des einges führten Goldes aus England und will der britischen Regierung nur das Optionsrecht für den Antauf des Goldes zu dem jeweili gen Marktpreis einräumen. Der russische Entwurf enthält teine Bestimmungen, die eine gerichtliche Besgnahme russischer Werte auf dem Wege der Zivilflage in England unterbinden sollten, und auch die ursprüngliche Forderung Kraſſins auf Gewährung eines Moratoriums für die von früherher datierenden Privatforderungen an Rußland ist infolge des entschiedenen WiderStandes der britischen Regierung in den Entwurf nicht aufgenommen worden. Einem Vertreter des Stockholmer fommunistischen Foltets Dagblad" gegenüber hat Krassin geäußert, daß die britische Regierung nach Ablehnung der von Rußland gewünschten Be Stimmungen, es übernommen habe, eine andere Methode zu finden, um über die Meinungsverschiedenheiten hinwegzukommen. Bayern hat eingesehen, daß es seine Einwohnerwehr auf die Dauer nicht halten kann. Es versucht nunmehr mit Hilfe eines durchsichtigen Trids der Entwaffnung zu ent3eitung" aus München: gehen. Man beachte die folgende Meldung der Boffischen Der Landesausschuß der Einwohnerwehren Bayerns hat in diesen Tagen in seinen Sagungen die§§ 9 und 10 gestrichen, worin bestimmt war, daß dem bayerischen Landeshauptmann der Einwohnerwehren der Verkehr mit den Wehrkreisfommandos und dem Wehrkreishauptmann, der Verkehr mit den Reichswehrbris gaben der einzelnen Wehrtreise obliege. Damit ist in dem von der Entente als militärische Organisation" beanstandeten Aufbau und Zusammenhang der Einwohnerwehr mit der Reichswehr eine doppelte Bresche gelegt." Die Kahrregierung mit ihrem Orgeschanhang versteht es meisterhaft, den Harmlosen zu spielen. Aber die Tatsachen kann sie doch nicht aus der Welt schaffen, die Tatsachen, dak die Einwohnerwehren militärische Organisationen sind, ganz gleich ob sie ihre Statuten ändern oder nicht; denn das Papier ist geduldig, besonders das, welches den Herren Kahr und Escherich zur Verfügung steht. Seit zwei Jahren ichon verwandelt sich die Einwohnerwehr, je nachdem es der 3wed erheischt: sie ist verfassungstreu, solange sie noch nicht fertig gerüstet ist, ist sie gerüstet, dann putscht sie wie am 13. März. Thre Führer predigen den Revanche frica. tommt eine Note der Entente, dann liegen die tapferen Mannen auf dem Bauch und versichern, daß sie keine agressiven Absichten verfolgen, im Gegenteil bereit sind, zufammen mit der Entente den Bolschewismus" zu befämpfen. Die richtigen deutschen Militaristen: frech, wenn sie sich start genug fühlen, feige und unterwürfig, wenn die Sache schief geht. Aber auf alle Fälle blutdürftig und gefährlich, nach inen und nach außen! Untersuchung gegen Hermes In Ausführung des Beschlusses auf Antrag unserer Fraktion im Reichstage, einen Ausschuß einzusehen, der die gegen den Reichsernährungsminister Hermes erhobenen Vorwürfe prüfen soll, hat der Geschäftsordnungsausschuß des Reichstages beantragt, jeder der acht Fraktionen des Reichstages einen Sig in dem Ausschuß zuzubilligen. Die Provinziallandtagswahlen und Kreistagswahlen im bes legten Gebiete. Wie der Kommissar für die besezten rheinischen Gebiete mitteilt, hat die Interalliierte Rheinlandskommission feinen Einwand gegen die Wahlordnung für die Provinziallandtags- und Kreistagswahlen erhoben. Die Wahlen tönnen daher auch nach dem Gesez, betreffend die Wahlen zu den Provinzial landtagen und Kreistagen vom 5. Dezember 1920 in den besetten theinischen Gebieten von statten gehen. Die Märkischen Wasserstraßen verbinden Berlin mit den Stromgebieten Elbe und Oder. Die Wasserstraßen länge dieser Stromgebiete beträgt: für die Märkischen Wasserstraßen 1451 Kilometer, für das Elbegebiet 1774 Kilo meter, für das Odergebiet inkl. der Pommerschen Küsten flüsse 2232 Kilometer, zusammen 5457 Kilometer. Berlin hat also nicht nur direkte Schiffsverbindung nach den wichtig, sten Hafenstädten der Nord- und Ostsee, Hamburg und Stettin, sondern auch mit dem Industriegebiet Oberschlesien. Wir haben direkten Schiffsverkehr mit der Provinz Sachsen, dem industriellen Freistaat Sachsen und der Tschechoslowakei. Demzufolge ist der Schiffsverkehr äußerst rege. Jm Jahre 1913 famen weit über 30 000 Schiffe nach Berlin. 1919 betrug der Schiffsverkehr in Berlin und Charlottens burg 14 000; währen eines Halbjahres 1920 ca. 9000. Auch die Benutzung der Berliner Schleusen veranschaulicht deutlich die Bedeutung der Binnenschiffahrt für Berlin. Bom 1. Januar 1920 bis zum 30. September 1920 passierten 23 471 Schiffe die Berliner Schleusen. Davon entfielen auf die Mühlendamm- Schleuse 13 702, Stadtschleuse 1233, Obers Schleuse 4429, Unterschleuse 2042, Köpenider Schleuse 456, Neuköllner Schleuse 1609. Der Umfang des Güterverkehrs sei durch fol gende Zahlen illustriert: Die Einfuhr durch die Eisenbahn betrug 1913 für Berlin und Vororte 12 694 545 To., die Auss fuhr 4 209 294 Tonnen; 1919 Einfuhr 10 700 438 Tonnen, Ausfuhr 3 453 879 Tonnen. Durch die Binnenschiffahrt wur den 1913 eingeführt in Berlin und Charlottenburg 4 735 710 Tonnen. Der Versand betrug 603 167 Tonnen. 1919 betrug die Einfuhr per Schiff 1900 742 Tonnen, die Ausfuhr 831 006 Tonnen. Die Zahlen zeigen, daß der größte Anteil des Gütertransportes der Eisenbahn zufällt. Dieses Mißvers hältnis zwischen Eisenbahn und Schiffahrt hat seine bes fonderen Gründe. Statt sich im Interelle urenbahn und Binnenschiffahrt als konkurrenten gegenüber. schaft organisch zu ergänzen, stehen sich Während der Kriegszeit ruhte der Kampf, weil die Eisenbahn aus strategischen Gründen entlastet werden mußte. Die Eisenbahn arbeitet mit billigeren Frachtsägen, hat dafür aber ungeheure Defizite aufzuweisen. Die Binnenschiffahrt fordern. Das Reichsverkehrsministerium muß darauf hinwirmuß sich selbst erhalten, und demzufolge höhere Frachtsähe fen, daß Eisenbahn und Binnenschiffahrt zur Bewältigung des Verkehrs ihren Leistungsfähigkeiten entsprechend herangezogen werden. Die Stadtgemeinde Berlin hat durch die Errichtung von Hafenanlagen alles getan, um den Verkehr auf den Wassers Straßen zu fördern. Die bedeutendste, jetzt im Betrieb bes Die Gesamts findliche Safenanlage ist der Osthafen. anlagekosten betrugen 17 981 143 M. Die Länge des Hafens beträgt 1390 Meter. Die Breite des Hafengeländes 56 bis 105 Meter. Der Getreide- und Warenspeicher hat ein Fassungsvermögen von rund 24 000 Tonnen. Die beiden Lagerhäuser je 11 400 Tonnen. Die Größe der Freiladepläge beträgt 13 000 Quadratmeter. Als technische Hilfsmittel sind feststehender Kran zu 30 Tonnen, eine Ziegelverladebrüde zu vorhanden zehn fahrbare Krane zu 1,5 bis 5 Tonnen, ein Getreideelevatoren. Ueberhaupt find die modernsten technischen Einrichtungen vorhanden. Außerdem verfügt des Osthafen über ein Benzinlager mit 36 Tants, die zusammen eine Million Liter Benzin fassen. Am Humboldthafen befindet sich eine Lagerhalle, deren Errichtung 261 686 M. foftete. Es muß hier erwogen werden ob der Humboldthafen, welcher sich wegen seiner zena tralen Lage besonders für den Güterverkehr eignet, nicht zwedentsprechend ausgestaltet werden muß. Dies würde viel zur Entlastung der anliegenden Ladestraßen beitragen. Die Errichtung des Spandauer Südhafens tostete 5 113 098 mt. Die Hafenanlage in Tegel fostet 1970 671 Mt. Gegenwärtig wird dort ein 5 To.- Kran errichtet, der etwa 1 200 000 mt. fosten wird. Neukölln hat für seine Hafenanlagen insgesamt 53 000 000 Mt. aufgewandt. Die bedeutendste Hafenanlage, welche allmählich ihrer Vollendung entgegengeht, der Westhafen, hat bisher eine Ausgabe von 66 Millionen erfordert. Davon entfallen für Grunderwerb 17 500 000 Mt., Baukosten 48 500 000 Mt. Für das Jahr 1922 find 50 Millionen M. für Baukosten vora gesehen. Die Gesamtkosten, welche der Westhafen verursachen wird, lassen sich zurzeit nicht genau berechnen. Der West hafen wird mit 18 Krane mit einer Tagesleistung von 10 000 To. versehen. Außerdem ein Schwerlasttran mit einer Tragfähigkeit von 30 To. und einer Kohlenverladeanlage. Von den 18 Kranen sind 4 bereits betriebsfähig mit einer Tagesleistung von 2400 To. 4 mettere mit der gleichen Leistungsfähigkeit werden am 1. April dieses Jahres fertig. Eine Lagerhalle für 16 000 To. und einem Flächenraum von 8000 Quadratmetern ist bereits in Betrieb. 2. weitere 2. weitere gleichgroße Lagerhallen werden in nächster Zeit fertig. Der Getreidespeicher wird 29 000 To. aufnehmen, der Flächenraum beträgt 19 300 Quadratmeter. Der Zollspeicher 28 300 To. und 18 800 Quadratmeter. Speicher und Lagerhallen zusammen 105 300 To. und 62 100 Quadratmeter. Die Größe der Freiladepläge beträgt: Kohlenlagerplatz 29 000 Quadratmeter, Speicherinsel 18 000 Quadratmeter, Lagerhalleninsel 7000 Quadratmeter, zusammen 54 000 Quadrat meter. Die Länge der Kaimauer beträgt 2500 Meter. Das sind die städtischen Hafenanlagen, zu denen eine große Anzahl fiskalischer und privater Lösch- und Ladeplähe tommen. Es schweben zurzeit Verhandlungen mit dem Fisfus, um die fistalischen Lösch- und Ladeplätze in den Besit der Stadt überzuleiten. Erst wenn dies geschehen ist, wird ein planmäßiger Hafenbetrieb gewährleistet. Die Stadtgemeinde Berlin hat bisher annähernd 200 Millionen Mt. für Hafenanlagen verausgabt. Der Westhafen wird noch riesige Aufwendungen erfordern. Es muß nun daraufhin gearbeitet werden, den Hafenbetrieb rentabel zu gestalten. Dies ist sehr wohl möglich, wenn den besonderen Verhältnissen des Hafen- und Schiff fahrtsbetriebes Rechnung getragen wird. Welche Methoden hier anzuwenden sind, soll einer späteren Erörterung vorbehalten bleiben. Hier sollte nur der Nachweis erbracht werden, daß Berlin seinen Verpflichtungen als Hafenstadt bisher nachgekommen ist und hoffenlich auch in Zukunft nach fommen wird. Was aber unbedingt im Interesse der Hafenanlagen Berlins und im Interesse der Binnenschiffahrt nachgeholt werden muß, find eine Reihe von organisatorischen Fragen. Es muß versucht werden, die Ausfuhr auf dem Wasserwege zu steigern. Man vergegenwärtige sich folgende Zahlen: Vom 1. April bis 30. September 1920 famen in Berlin und Charlottenburg 8996 Schiffe an, von diesen waren 7272 beladen. In demselben Zeitraum verließen Berlin 8704 Schiffe, davon waren 5789 Schiffe unbeladen. Also rund% der einlaufenden Schiffe müssen Berlin leer verlassen. Dies wirkt naturgemäß außer ordentlich auf die Frachten nach Berlin. Bemerkt sei noch, daß die Schiffe, welche Berlin mit Ladung verlassen, nur zum geringen Teil vollbeladen sind. Es wird natürlich nicht möglich sein, die Ausfuhr mit der Einfuhr in gleiche Höhe zu bringen. Dennoch wird sich eine Steigerung der Ausfuhr auf dem Wasserwege erzielen lassen. Da dies sowohl im Interesse der Stadt als der Binnenschiffahrt liegt, müssen beide gemeinsam versuchen, dieses Ziel zu erreichen. Der Verwaltungsrat für Hafen- und Schiffahrt beabsichtigt einen Schiffahrtsausschuß ins Leben zu rufen, um mit ihm gemeinsam alle Hafen- und Schiffahrtsfragen zu beraten. Die Errichtung einer Zentralstelle, wo alle Fracht. angebote einlaufen, ist erforderlich, denn der nach Berlin tommende Schiffer muß die Möglichkeit haben, an einer Stelle sichere Auskunft über die Lage des Frachtenmarktes zu erhalten. Diese Zentralstelle muß laufend orientiert sein, über die Lage des Frachtenmarktes in anderen Hafenstädten, damit die Schiffer in der Lage sind, ficherer disponieren zu fönnen. Die 3entralstelle hat außerdem die Aufgabe, propagandistisch zu wirken, um den Güterverkehr auf den Wasserstraßen von Berlin aus zu heben. Berlin hat infolge seiner tostspieligen Safenanlagen ein großes Interesse an der Förderung der Binnenschiffahrt, und Der Verwaltungsrat für Hafen- und Schiffahrt, welcher hoffentlich balb von einer Hafendeputation abgelöst wird, hat wichtige Aufgaben zu erfüllen, deren Bedeutung heute noth nicht allgemein erfannt wird. Wenn hier alle Kräfte angespannt werden, wird Berlin als Hafenstadt sich selbst nugen und von ausschlaggebender Bedeutung für die Binnenschiffahrt werden. Der einfache Millerand. Bräsident Millerand hat erklärt, daß er die üblichen repräsentativen Festlichkeiten, Empfänge und Bälle in diesem Jahre nicht geben werde, da sich eine solche Brachtentfaltung mit dem großen Elend in der Bevölkerung nicht vertrage. Das fonft für die Festlichkeiten aufgewendete Geld soll nach Absicht des Präsidenten zur Unterstügung notleidender französischer Kinder verwandt werden. Bücherwucher Schriftstellerelend Wir haben uns neulich bereits gegen die Wirtschaft der Außen handelsstelle und gegen die zahlreichen Aufschläge auf Bücher und andere Druderzeugnisse ausgesprochen, die ins Ausland gehen. Die Verhältnisse liegen auf diesem Gebiet so schlimm, daß Hans Kyser, der sie in dret längeren Artikeln in der Deut schen Allgemeinen Zeitung" als Geschäftsführer des Schutzver bandes deutscher Schriftsteller behandelt, mit Recht von einer Selbstbloda de des deutschen Geistes sprechen kann. Wir haben ja von diesem deutschen Geist gewiß nicht die beste Meinung, aber sowohl im Interesse der verelendeten deutschen verelendeten deutschen Schriftsteller und Künstler wie auch im allgemeinen wirtschaft lichen müssen wir schon diese Zustände als ganz unerhört bezeichnen. Die Sortimenter wie die Verleger haben vom Valutamehrerlös bisher 75 Millionen eingestedt, während alle Schriftsteller und Komponisten Deutschlands zusammen gerade 100 000 m. erhalten haben. Eine solche Ausbeutung des geistig schaffenben Arbeiters geht wohl über die Sutschnur. Nicht nur, daß die ungeheuren Valutaaufschläge und Konjuntturgewinne des Buchhandels in die Tasche des Unternehmers und des Zwischenhandels fließen, sie beginnen immer mehr das ganze deutsche Buchwesen zu schädigen und zu einer wahren Selbstblockade zu führen. Das Ausland denkt nicht mehr daran, das deutsche Buch weiter so zu überzahlen. Kyser erwähnt das Schreiben eines Arztes aus Niederländisch- Indien, der für ein Buch das 46fache(!) des früheren Preises zu zahlen hatte. Dabei liegt hier nicht eine Spefulation des ausländischen Handels vor, sondern diese beginnt bereits, wenn das Buch den deutschen Buch händler mit einer Patetadresse ins Ausland verläßt. Der Umfat älterer Bücher ist bereits auf die Hälfte, der Bezug der neuen Bücher auf ein Minimum hinabgefunken. Wäh rend die deutsche Wissenschaft vor dem wirtschaftlichen 3usammenbruch steht, versteht es der deutsche Verlag und der deutsche Buchhandel, die deutsche wissenschaftliche Literatur im Ausland zu vernichten. Ausländische Gelehrte haben bereits den Boykott des deutschen Buches gefordert, nicht aus Chauvinismus, sondern weil made in Germany das Firmenschild eines Wucherbetriebes geworden ist. In den Bereinigten Staaten hat der Abbau des deutschen Zeitschriftenwesens begonnen, in Italien verschwindet das deutsche Buch aus den Auslagen der dortigen Buchhandlangen, und in Ländern mit niedrigerer Valuta( Deutsch= Desterreich, Tschecho- Slowatei, Jugo- Slawien) ist es bereits so gut wie verschwunden. In Holland, Schweden, Dänemark liegen die Verhältnisse nicht anders. Die Schweiz wird von den Büchern der Ententeländer beherrscht, unter denen besonders Frankreich durch eigene Komitees für die Verbreitung des französischen Buches im Ausland zu Inlandspreisen sorgt. Die beut Eine Lohnsteuer Der Reidsfinanzminister hat dem Steuer.us. schuß des Reichstages eine Denkschrift über die Umwandlung des Steuerabzuges in eine Lohnsteuer zugehen lassen. Der Steuerabzug soll so gestaltet werden, daß er die ganze Steuerschuld deckt. Von allen Lohn- und Ge haltsbezügen, die den Betrag von 20 000 Mart nicht übersteigen, soll eine einheitliche Lohnsteuer von 10 Prozent erhoben werden. Jahreseintommen von weniger als 20 000 M. sollen einer besonderen Veranlagung nicht unterliegen, wenn neben dem Lohn oder Gehaltseinkommen nicht noch ein anderes Einfommen in einem bestimmten Mindestbetrag vorliegt. Der bisHerige steuerfreie Einkommensteil soll durch einen Abzug an der Steuer ersetzt werden, der für jede auf das Einkommen ange wiesene Person 120 Mart betragen soll. Ein weiterer Abzug von 60 Mark soll jedem Lohn- und Gehaltsempfänger für Werbungsfosten zugestanden werden. Einkommen von über 20 000 M. unterliegen der Veranlagung. Aber auch für sie gilt für die ersten 20 000 Mark der Steuersatz von 10 Prozent, für die überschießenden Einkommen ist ein rasches Ansteigen der Tariffäße vorgesehen. Die Einkommensteuer beträgt: für die ersten " weiteren 20 000 m. steuerbaren Einkommens 10 Proz 20 2000 2000 " " 12 " " 22 " " " 21 " 2000 24 " " 23 28 " 著 2000 27 " " " " 2000 30 " P " " " 10 000 85 24 " n " 20 000 40 " " " " " 20 000 " PP " " 20 000 " " " " H 400 000 " " " für die weiteren Beträge 2222222222 45" 50 " # 55 " " 60" Gegenüber dem bestehenden Gesez würden durch die neuen Grundsäge die unteren Einkommensstufen etwas schwächer be Steuert werden. In den Einkommensstufen über 20 000 Mart tritt dann eine prozentuale Erhöhung ein, die sich rasch steigert, aber bis 50 000 m. doch nicht die alten Steuersäge ganz erreicht. Bei Einkommen von über 80 000 M. wird etwa der heute geltende Steuersaz erreicht, bei Einkommen von über 100 000 m. tritt dann eine Verschärfung der bisherigen Steuersätze ein. Wir werden auf die Denkschrift noch ausführlicher zu sprechen kommen. Der Arbeiter als Steuerzahler In der vergangenen Woche ist im Steuerausschuß des Reichstages von allen Parteien erklärt worden, daß die Eintommensteuer für Lohnempfänger so geregelt werden müsse, daß die Steuerzahlung durch den Abzug überhaupt erledigt sei. Man ist zu dieser Regelung entschlossen, weil man weiß, daß bei der Schlechten finanziellen Lage der Arbeiter eine Nachzahlung am Jahresschluß unmöglich ist, und spekuliert zugleich im Hinblick auf die Preußenwahlen auf Stimmen der Arbeiter und Angestellten. Welche Summen für das vergangene Jahr als Nachzah lung verlangt werden, zeigen die jetzt von den Finanzamtern Iung verlangt werden, zeigen die leht von den Finanzamtern versandten Steuerveranlagungen für das verflossene Jahr. Ein Steinarbeiter erhielt dieser Tage die Aufforderung, für das Jahr 1919 nicht weniger als 826,90 M. Steuern zu zahlen. Dar auf folgte sogleich eine weitere Aufforderung, für neun Monate 1920 1622 M. nachzuzahlen. 1216 M. sollten davon sofort gezahlt werden, der Rest ist bis 15. Februar geStundet. Also der Arbeiter, der durchaus nicht zu den gutbezahlten gehört, foll trok des erfolgten Steuerabzuges binnen wenigen ochen 2500 M. Steuern zahlen. Die Finanzverwaltung glaubt im Ernst wohl selbst nicht daran, daß dazu ein Arbeiter in der Lage ist. Unsere Vertreter in der Landesversammlung hatten beantragt, alle Steuerrefte für Lohn und Gehaltsempfänger zu streichen. Die Annahme dieses Antrages ist verhindert worden. Dagegen Die Annahme dieses Autrages ist verhindert worden. Dagegen hat die Steuersabotage der Besigenden noch immer die Unter hat die Steuerjabotage der Besigenden noch immer die Unter stügung ber bürgerlichen Parteien gefunden. Arbeiter, merkt euch das bei den Wahlen! Gerissene Geschäftmacher Die Vereingung der Deutschen Arbeitgeber- Verbände hat in einer Eingabe an die Reichsregierung das Verlangen gestellt, ihr für die Mühewaltung beim Steuerabzug pro Arbeiter und Jahr 50 bis 60 M. Entschädigung zu zahlen. Die Arbeitgeber" sind also offenbar nicht damit zufrieden, daß die Steuern in rigorosester Weise vom Besitz ab und den Richtbesitzenden aufgebürdet schen Bibliothetstonten von Bücher lesenden Ausländern auf deutschen Banten gehen nach und nach ein. Wie Kyser weiter mitteilt, stellt sich der sogenannte Abbau der Valutaordnung zunächst einmal in einer weiteren Er. höhung des Aufschlages bis zu 40 Prozent für Brasilien, Griechenland und Norwegen dar. Das bedeutet, daß das Sorti ment wieder Gelegenheit bekommen hat, seine Verdienste um das Bier bis Zehnfache zu erhöhen. Abgesehen davon, daß Schriftsteller, Beichner und Komponisten nichts von diesem Mehrver dienst erhalten, werden sie aufs neue direkt geschädigt, da diese Preiserhöhung einen weiteren Rüdgang der Auflagen zur Folge haben wird. Man kann sich daher nur der Forderung bes Schutzverbandes deutscher Schriftsteller( Gewerkschaft deutscher Schriftsteller) auf gründliche und unnachsichtliche Revi= [ ion dieser Zustände anschließen. Theater- Rundschau Rabale und Liebe „ Es gibt feine politischen, feine revolutionären Stüde!" Das ist ber leise und laute Seufier fast all derer, die darnach suchen. Nun möchte ich wirklich wohl wissen, was man eigentlich polis tisch, was man revolutionär nennen will, wenn Kabale und Liebe" nicht revolutionär und nicht politisch ist? Politisch ist doch wohl jebe Literatur, die Bestehendes ändern will, revolutionär jebes Stüd, bas ben Geist der Empörung in fich trägt und weitergibt. Beides tut Kabale und Liebe in höchstem Maße. Vom wissenschaftlichen Marrismus" ist frei lich nicht die Rede und auch für das Rätesystem wird feine Propaganda gemacht, die Fürstenwillfür", gegen bie der junge Schiller fich empört, ist längst zusammengebrochen. Und trok dem ergreift und erschüttert uns dies Stüd, das über hundert Jahre alt ist, noch heute. Weshalb? Weil es nicht auf die Tendenz und die Absicht ankommt, mit der ein Stück geschrieben wird, sondern auf den Geist, aus dem es erwächst. Und weil Kabale und Liebe" fich an ein Gefühl in uns wendet, daß alle Fürstenthrone und alle Rätesysteme überdauern wird und das tiefer und lebendiger in uns lebt als alle wissenschaftliche Erkenntnis. An den ganz einfachen simplen Sinn für Gerechtigteit. Der bleibt ewig derselbe, heute wie vor tausend Jahren. Und deshalb springt der revolutionäre Funke dieses hundertjährigen Stüdes auf uns über, als wäre es gestern geschrieben, und entzündet Flammen der Empörung in uns. Nicht nur gegen Fürstenwillfür und Hofgemeinheiten, sondern gegen jeden 3wang und jede Ungerechtigkeit und jede Gemeinheit. Sogar auf das blafierte und verwöhnte Bublifum ber Reinhardpremière sprang dieser lebendige Funke über. Der Beifall war immer am stärksten und impulsivsten nach jenen Szenen, in denen Ungerechtigkeit und Willtür so recht nach jenen Szenen, in denen Ungerechtigkeit und Willtür so recht brutal und gemein zutage treten, in denen der Gerechtigkeits werden. fie mollen auch noch einen ertledlichen Teil des den Are beitern vorbehaltenen Einkommens in ihre eigenen Sädel fert fen. Dieses unverschämte Verlangen wird bei unseren Vertretern im Reichstage entschiedene Zurüdweisung finden. Demagogische Berichterstattung Wie die Hilfe für die Kriegsbeschädigten aussieht Um Stimmung für die Preußenwahlen zu machen, ist jedes Mittel gut genug. Durch die Presse gehen Mitteilungen, daß den Kriegsbeschädigten sehr wesentlich erhöhte Bezüge in Aussicht stehen. Weiter heißt es, daß die Mitglieder der U. G. B. in dem entsprechenden Reichstagsausschuß mit den bürgerlichen Parteien und den Rechtssozialisten Hand in Hand gehen. Alle diese Mitteilungen sind vollkommen falsch. Mit den erhöhten Bezügen steht es so: der Reichstagsausschuß beschäftigt sich mit der Erhöhung der Teuerungszulagen zu den Grundrenten um sage und schreibe 10 Prozent. Auf diesen Say haben sich die Parteien ziemlich festgelegt. Also wohlgemerkt: Nicht eine Erhöhung der Renten um 10 Prozent, sondern eine Erhöhung des Teuerungszuschlages um 10 Prozent. Der Zuschlag beträgt jetzt 25 Prozent und soll auf 35 Prozent erhöht werden. Unsere Genossen beantragten die Erhöhung der Zu schläge von 25 auf 50 Prozent. Den Kommunisten ist die Kleinarbeit gleichgültig, sie erscheinen nicht zu den Be ratungen der Kommission. Unsere Fraktion hat ferner beantragt, das Kriegselfernts geld, das jeht nur gewährt wird, wenn die Eltern weniger als 1500 Mart reichssteuerpflichtiges Einkommen haben, also weniger als 3500 Mart, bis zur Einkommensgrenze von 7000 Mart als 3500 Mart haben, bis zur Einkommensgrenze von 7000 Mart zu gewähren. Wahrlich ein bescheidener Antrag! Ferner be antragte unsere Frattion, das Ruhen von Rententeilen erst bei einem steuerlichen Einkommen von 12 000 M. beginnen zu lassen, während jetzt das Ruhen bereits bei 5000 m. beginnt. Nach unserem Antrag wird die ganze Rente( nicht die Verstümmelten und sonstigen Zulagen) erst bei einem steuerpflichtigen Einkommen von 21 000 m. ruhen, während die Rente heute schon bei 15 000 Mart völlig eingestellt wird. Die Kriegsbeschädigten mögen also auf den faulen Zauber der bürgerlichen und rechtssozialistischen Berichterstattung ebensowenig hereinfallen wie auf die Brand reden der Kommunisten. Gegen die von uns verlangte Vorlage einer Novelle zu dem Versorgungsgesetz, durch die eine Abschaffung der Klasseneintei lung und natürlich auch der Klassenrente je nach den sozialen Berhältnissen des Beschädigten herbeigeführt wird, wehrt sigh alles von der Rechten bis zur Linfen. Die Kanonen in der Reitbahn Die Erflärung, die die Regierung dafür abgibt, daß man die in Elbing in einer Reitbahn veritedt gewesenen Kanonen erst jetzt entdeckt hat, ist äußerst seltsam. Die Reitbahn sei nicht bes nugt worden, deshalb habe man dort nicht nach Waffen gesucht. Jeht aber wüzden sämtliche Räume durchsucht werden. In Berlin durchsucht man schon seit Wochen jedes einzelne Saus nach jedem Revolver und in Ostpreußen weiß die Regierung nichts davon, daß in einem öffentlichen Gebäude Kanonen vers borgen gehalten werden, sondern muß auf eine aufällige" Entdedung warten. Man sieht: die Regierung, fann auch wigig werden, wenn es sich um Waffen der Konterrevolution handelf. Bel dieser Gelegenheit ist es wertvoll, die Lügen der Regie rung und des Herrn Escherich, die Drgesch sei unbewaffnet, an einem fleinen Beispiel zu beleuchten. Der Baterländische Jugendbund", eine militärische Jugendorganisation der Deutschnationalen, hißte am 18. Januar in Burg bei Magdeburg die Kaiserfahne. Junge Arbeiter erzwangen die Einziehung der Flagge. Darauf Schidie der Jugendbund, wie der Vorwärts meldet, an die Bolizetverwaltung ein Schreiben und fündigte barin an, daß am Geburtstage Seiner Majestat wiederum eine schwarz- weiß- rote Fahne aufgezogen würde. Für den Fall, daß die Bolizeiverwaltung nicht innerhalb einer angegebenen Frist mitteilt, daß die Polizei mit dem Schutz des Hauses beauf fragt fet, wird angekündigt, daß der ländliche Selbstschuh mit der Fahnenwacht beauftragt werden würde. Für diesen Fall wird jebe Berantwortung für die ans etwaigen Waffengebrauch ent tehenden Folgen und jede Saftpflicht dafür abgelehnt. Der Selbstichuh" von Burg droht also der Polizei eine bes waffnete Attion an. Woher nimmt er die Waffen, wenn er unbewaffnet" ist?! Agrarreform in der Tschechoslowakei. Wie Bravo Lidu" mitteilt, wurden nunmehr die Preisabstufungen für die Ente schädigung bei Auftellung der Großgrundbesize festgesetzt. sinn am gröbsten und tiefsten verlegt wird. Dann rief man nach Reinhard. Man hätte nach Schiller rufen müssen! Denn gerabe diese Szenen waren, was die Regie betrifft, durchaus nicht die besten. Das Tempo, die Schnelligkeit war gut. Und auch der Gegensatz zwischen der dumpfen, engen Atmosphäre des fleinbür gerlichen Sauses und dem eleganten Wohlleben des Hofes tam gut heraus. Aber das Schurtentum des Präsidenten( Wilhelm Dieterle), bie Albernheit der fupplerischen Mutter,( Lotte Stein), das Schwanken zwischen Empörung und Relpett beim alten Miller( Winterstein), der Ueberschwang des Ferdinand( Hart mann) wäre mit weniger groben Farben besser und lebendiger gemalt gewesen. Eine Enttäuschung war Helene himig. Sie sah als Louise manchmal aus wie eine frühdeutsche, rührende, fleine Madonna. Aber das war auch alles. Der monotone Klaaegefang, in dem fie sprach, war auf die Dauer unerträglich. Ernst Deutsch spielte das Scheusal von Sekretär so recht als Scheusal. Daß auch dahinter noch ein Mensch lebt, davon merkte man nichts. Außer dem pakte sein an und für sich nicht schlechter Stil in das übrige Ensemble, wie etwa ein fubistisches Haus in eine Landschaft von Liebermann. Sehr lustig war Gilstorff als alberner Marschall. Agnes Straub als Lady Milford aber ließ das ganze übrige Ensemble weit. weit hinter sich zurück. Diese Frau hat das Zeug zu einer Tragödin ganz großen Stils. Sie erreicht was sie will, mit den sparsamsten Mitteln, fast nur mit der Stimme und mit den Augen. Aber was für eine Stimme ist das! Und was für Augen! Sie steht ganz einfach da und sieht jemanden an. ober besser: fie tichtet die Augen auf jemanden und man ist er schüttert im tiefften Herzen. Sans Siemsen. Revolutionsfomödie Die Revolution vom 9. November ist längst als Romödie ers tannt. Aber so wie sie der freundliche und humorvolle Münchener Bohemien Carl Röhler sieht, ist sie es bestimmt nicht. In seiner Komödie„ Der pathetische Sut"( bas ist die mittel alterliche Königstrone, für die der moderne Monarch im Cutaway auch nur ein Lächeln bat), versucht er die Parteien und Personen der Revolution menschlich" zu sehen. Das heißt: er gibt Leiner Bartei recht und findet auf beiden Seiten Borzüge und Schibächen. Am meisten bei der U. G. P. Sie ist im Stüd durch zwei Revo Tutionsminister vertreten, von denen der eine ein Abbild von Eisner und Landauer ist, während der andere. ein Ueber- Erzs berger allerschlimmster Sorte, den König mit Krone und Gelb über die Grenze abschiebt, gegen entsprechende Beteiligung und für eine Liebesnacht mit des Königs Maitresse. Während die Komödie als billige Schmukschrift auf die Revolution beainnt, endigt sie beinahe als Verherrlichung des einzelnen Edelsozia liften. Rökler bringt nichts zu einer politischen Komödie mit, aber doch ist ihm ein Stüd gelungen, in dem selbst die Szene nicht peinlich wirft, in der der König dem Führer der Revolution als einem anständigen Menschen die Sand reicht( bel dieser Stelle wurde in ben Kammerspielen gelacht). Galfner gab den U. S. P.- Erzberger als geriffen geschäftigen Proletschieber, Raoul Lange ben Minister Stern sehr gefühlvoll als anständigen Zuben, der im Sozialismus eine mystische Aufgabe erblidt. Reizend was Der„ Arbeiterrat" Widerspruchsvolle Erklärungen 29 Zur Veröffentlichung über das Ergebnis der parlamentarischen Untersuchung über das Geschäftsgebahren des Heimatdienstes, von dem u. a. auch der Arbeiterrat" indirekt Gelder er hielt, erklärt die Rote Fahne", daß an der ganzen Geschichte tein wahres Wort" sei. Inzwischen sind weitere Einzelheiten über die Finanzierung des Arbeiterrats" bekannt ge worden. Aus der von uns veröffentlichten Zuschrift des früheren Redakteurs und Geschäftsleiters des Arbeiterrates", A. Kreft, geht hervor, daß nie ein Mittelsmann der Redaktion des Ar beiterrats" an die Zentrale für Heimatdienst mit Geldforderungen gesandt worden sei. Dagegen habe der Arbeiterrat" von einem früheren Mitarbeiter ein Darlehn von 30 000 M. er= halten mit der Versicherung, daß dieses Geld Privatver: mögen des Darlehnsgebers war. Erst vier Monate [ päter erfuhr die Geschäftsleitung, von welcher Seite die Mittel stammten, und erst zu dieser Zeit erfuhr auch Däumig von der Hergabe von Mitteln durch die Zentrale für Heimatdienst. Mit dem Darlehnsgeber seien sofort alle Beziehungen abgebrochen worden. Im Widerspruch zu dieser Aeußerung steht eine längere Erflärung Däumigs, deren wesentlicher Kern in folgendem besteht: Ich habe niemals und niemandem, weder direkt noch ins direkt den Auftrag gegeben, mit dem Heimatdienst in Unterhandlungen wegen finanzieller Unterstützung des„ Arbeiterrat" zu treten. Mir ist nicht bekannt, daß ein Bertreter der Geschäftsleitung oder der Redaktion des„ Arbeiterrat" an den Heimatdienst oder an die Astawibi", oder wie die Schma rogerpflanzen der heimatdienstlichen Korruptionsplantage sonst heißen mögen, mit Geldforderungen herangetreten ist." Danach will also Däumig auch späterhin nichts davon gewußt haben, daß der Arbeiterrat" 30 000 Mt. vom Heimatdienst, resp. von der„ Astawibi" erhalten hat. A. Kreft dagegen behauptet, daß Däumig vier Monate später über die ganze Angelegenheit unterrichtet wurde. " Däumig erklärt ferner: Die Behauptung, daß die Schrift Leitung des Arbeiterrat" fi verpflichtet habe, regierungsoffiziöse Artikel aufzunehmen, ist so absurd, daß sie nur von einem politischen Idioten oder von einem bewußten Berleumber aufgestellt werden kann." Alles in allem ist das Bilb, das sich hier allmählich enthält, fein sehr erbauliches. Die Behauptung der Roten Fahne", daß an der ganzen Angelegenheit„ tein wahres Wort" sei, war zus mindest etwas übereilt. Invalidenmarken, Erwerbslosenfürsorge und Wochenhilfsgesetz Der sozialpolitische Ausschuß des Reichstages beschäftigte sich am Freitag mit einigen dringenden sozialpolitischen Fragen. In einer Reihe von Petitionen wird die Abgabe der Invalidenmarten zum früheren halben Preise zweds Nachtlebens verlangt. Der Ausschuß beschloß über die Petitionen zur Tagesordnung überzugehen. Soweit jedoch, wie z. B. in bäuerlichen Betrieben in Bayern, das vierteljährliche Nachtleben der Marten mit landesbehördlicher Genehmigung gestattet ist, werden die Be troffenen auf den Klageweg verwiesen. In der Erwerbslosen fürsorge haben sich vielfach unhaltbare Zustände ergeben. Ein Antrag des Zentrums wünscht für die mehr als fünf Monate Schuldlos Erwerbslosen stärtere Fürsorge. Die Unabhängigen haben gleichfalls einen Antrag eingebracht, der eine Neuregelung der Erwerbslosenfürsorge, insbesondere eine wesentliche HeraufJehung der Unterstügungssäge, anstrebt. Die Entscheidung über bie Anträge wurde an den Voltswirtschaftlichen Ausschuß überwiesen. Einig war sich der Ausschuß in der Frage der Erhöhung der Leistungen für die Wochenhilfe. Die Regierung wird ersucht, alsbald eine dementsprechende Vorlage vorzulegen. Die Bes ratung der Anträge über Regelung der Arbeitsbedingungen der Sausangestellten wurde zurückgestellt. Die Teuerungszuschläge Der preußische Finanzministet Lüdemann hat an das preußische Staatsministerium den Antrag gestellt, die neuen Teuerungszuschläge der Beamten nach Artikel 55 ber preußischen Berfassung auf dem Wege einer Rotverordnung zu ge= währen. Die Notverordnung würde nach Ansicht des Ministers der Beseitigung eines ungewöhnlichen Notstandes insofern dienen, als der gegenwärtige Ausgleichszuschlag von gleichmäßig 50 Prozent zweifellos nicht ausreiche, um der inzwischen immer weiter gestiegenen Teuerung überall genügend Rechnung zu tragen und es auch, nachdem die Bezüge der Beamten in Preußen mit dengebracht worden sind, nicht erträglich sein würde, wenn das Reich eine Erhöhung der Teuerungszuschläge eintreten ließe, Preußen Dagegen hat sich bei der Untersuchung des Geschäftsgebarens des Heimatdienstes herausgestellt, daß der frühere Mitarbeiter des Arbeiterrats", Wilfe, bei den Unterhandlungen mit dem Heimatdienst erklärt hat, daß er wöchentlich eine Spalte im Arjenigen der Beamten im Reich grundsäglich in Uebereinstimmung beiterrat" dem Heimatdienst zur Verfügung gestellt habe. Auch hier tlafft ein Widerspruch, der der Aufklärung bedarf. Es ist ferner auffällig, daß auch nach Kenntnisnahme von den Verhandlungen zwischen Wilte, und dem Heimatdienst das erhaltene Geld mit Ausnahme von 5000 Mt. nicht zurüdgezahlt worden ist. Einen gewissen Einblid in diese zum mine besten merkwürdigen Verhältnisse gibt uns eine Zuschrift von Paul Edert, des Geschäftsführers des in Liquidation befindlichen Arbeiterrat", in der es u. a. heißt: 27 " Die Wochenschrift„ Der Arbeiterrat" wurde Anfang Februar 1919 von A. Kreft und W. Tomaschewsti als Privatunternehmen gegründet. Die Gründer erklärten damals, sobald sich Der Arbeiterrat" ohne Zuschüsse halte, wollen sie denselben den Berliner Arbeiterräten übergeben. Als zirka drei Moate später Vertreter der Berliner Arbeiter räte auf eine Kontrolle der Geschäftsführung des Arbeiterrat" und dessen Ueberleitung an die Berliner Arbeiterräte drängten, erflärte Kreft: Das Unternehmen entwidle sich gut, tönne aber noch nicht überführt werden. Es entstanden Differenzen, da Kreft die Einsichtnahme in seine Geschäftsbücher verweigerte. Kurze Zeit später erfuhren wir durch einen Hauptgläubiger des Arbeiterrat", Herrn B., daß Kreft eine unverantwortliche GeSchäftsführung treibe. Wir haben sofort mit allen Mitteln ver sucht, Klarheit zu schaffen, was aber sehr schwierig war, da Kreft fich auf seine formellen Besizrechte berief. Erst als Kreft seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen fonnte, erhielten wir volle Aufklärung und erfuhren, daß eine Schuldenlast in Höhe von 120 000 Mt. vorhanden war und daß sich unter ben Gläubigern auch Herr Wilte befand, der 30 000 t, von der Arbeitsgemeinschaft Neues Reid)" für den Arbeiterrat" ers halten hatte. Wir wollten damals, nachdem uns diese Tatsachen bekannt wurden, den„ Arbeiterrat" fallen lassen, die Bejer des Arbeiterrat" würden das allerdings nicht verstanden haben." Aus diesen Angaben ergibt sich, daß die Leitung des Arbeiter tat" vollkommen darüber unterrichtet war, bah ihr Unternehmen vom Heimatdienst bzw. ber Asta wibi" mit 30000 m. finanziert worden war. Sie hatte ursprünglich auch die Absicht, den Arbeiterrat" fallenBulaffen, nahm aber davon Abstand, angeblich, weil die Lefer das nicht verstanden haben würden". " Thimigs fleiner österreichischer Leutnant, der lebendigste Mensch der Komödie, die durch Herz ersetzt, was ihr an politischem Ver Stande fehlt. F. St. Gesellschaftstomödie Das Leffing- Theater ist jetzt beim dealen Gatten" von Oscar Wilde angekommen, dessen amüsante Gesellschaftsstücke fcit einem Jahre zwar nicht für die Literatur, aber für die Thea terfasse wieder entdeckt werden. Was soll man auch spielen? Die Klassiter gehen nicht täglich, für Kuriositäten fehlt Bublifum und Geld und die Expressionisten find pleite. Wilde gefällt der neuen Bourgeoisie mit Recht: auf der Bühne lauter reiche Leute und ein Held, der vor achtzehn Jahren durch eine schmutzige Börsenspekula tion hinaufgekommen ist, wie mancher im Barlett gestern. Die Sandlung ist spannend wie Kino, und die Art, wie Wilde ein geistreiches Wort nach dem ander hinlegt, strengt selbst die beschei Deniten Besucher nicht an. Direttor Barnowsky verstand, dem Stil der Zeit entsprechend, statt Schauspieler Kleider zu zeigen. Woher nur ein Theater so viele talentlose Schauspielerinnen findet. Aber lelbst, wenn alle gut gewesen wären, hätte sie Tilla Durieug glatt an die Wand gebrüdt. Denn sie hat eine ganz seltene Sal tung, erlesene Eleganz, die wirklich London ist, und als Künstlerin huf fie eine ganz neuartige Form einer gefährlichen und dabei liebenswürdigen Salonschlange. Jedes Wort war bezaubernd gesprochen. Alles andere neben ihr war schlechtes Berlin Serr Götz gutes. F. St. Sozialisierung der ärztlichen Praxis. Josef BopperLynteus, der bekannte Wiener Schriftsteller schreibt uns: Goeben tommt uns eine wichtige Nachricht aus Rußland zu, nämlich eine Verordnung des Boltstommissariats für Boltsgesundheit. Diefelbe verbietet die ärztliche Privatpraxis und sozialisiert den gesamten Gesundheitsdienst. Ich möchte nun bemerken, daß ich diese Reform im Jahre 1912 in meinem Werte„ Die allgemeine Nährpflicht als Lösung der sozialen Frage" vorgeschlagen und er läutert habe und da vor längerer Zeit mein Wert der Sowjetregierung übersandt worden war, so ist es auch möglich, daß sie bie Anregung zu ihrer Berordnung meinem Buche verdankt. Ob gleich es sich hier um teine weltumstürzende Maßregel handelt, lo mag man doch in jener Berordnung den Beginn der Berwirt. lichung meiner in jenem Werte der Welt dargebotenen Bors schläge erblicken. Ich füge noch bei, daß gegenwärtig auch zwei ausgezeichnete Aerzte für das Verbot der ärztlichen Pris patpraxis eintreten, nämlich Professor Dr. Egmont Münzer in Prag und Dr. Josef Friedjung in Wien. Die Verstaatlichung ber ärztlichen Braris ist eine höchft legensreiche Institution und jene Verordnung der Sowjetregierung muß gebührend anerkannt werden. Sie hat damit einen wichtigen Schritt nach vorwärts getan. Ein sozialistischer Film von Hauptmann. Gerhart Hauptmann loll an einem großen historischen Film Die Wiedertäufer" schret aber nicht. Aus dem bayerischen Landtag. Der Geschäftsordnungsausschuß des Bayerischen Landtags genehmigte in seiner heutigen Sihung mit allen gegen die Stimmen der U. S. P. das Ersuchen der Staatsanwaltschaft auf Strafverfolgung des Abgeordneten. Dr. Siller( Bauernbund) wegen Untreue. Der Abgeordnete Siller ist beschuldigt, in seiner Eigenschaft als Rechtsanwalt non einer Summe von 135 000., die ihm für einen Dritten übergeben worden waren, nur 100 000. ausgehändigt, den Rest aber verschwiegen zu haben. Berbesserung der Militärrentenbezüge. Der Kriegsbes schädigten Ausschuß des Reichstages fam nach einer Reihe von Sigungen zu folgendem Ergebnis: Die Reichsregie rung solle unverzüglich Schritte unternehmen, von der im§ 87 bes Reichs- Versicherungs- Gesetzes erteilten Ermächtigung Ge brauch zu machen und 1. die Teuerungszulage mit Wirfung vom 1. Januar 1921 von 25 auf 35 Prozent zu erhöhen; 2. im§ 45 Abs. 2 den Betrag von 1500 M. auf 3000 M. zu erhöhen; 3. die Stufen des eintommensteuerpflichtigen Gintommens(§ 63 Abs. 1 3iffer 1) je um 2000 M. zu er höhen. Dr. Drews, Präsident des Oberverwaltungsgerichts. Das preußische Staatsministerium hat beschlossen, den früheren Staatsminister Dr. Drews zum Präsidenten des Oberverwaltungsgerichts zu ernennen. Die deutsche Konkurrenz in Norwegen. Nach einem Telegramm aus Christiania veröffentlicht Morgenbladet" einen Artikel über den schweren Kampf der norwegischen Industrie gegen die deutsche Konkurrenz. Die deutschen Waren find 25 Prozent billiger als die norwegischen. Die Folge ist, daß die norwegischen Fabriten täglich Arbeiter entfallen müssen. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis der größte Teil der norwegischen Arbeiter brotlos geworden ist. In dem Artikel werden wirksame Maßnahmen zum Schuße der norwegi. schen Industrie gefordert. ben. Wir würden das nur begrüßen, umfomehr ja der Dichter des Florian Gener in seinem Film die Kenntnisse jener heldenhaften deutschen Revolutionsperiode im sozialistischen Sinn perfiefen dürfte. Der deutsche Film steht gegenwärtig vor einer schweren Krisis. Er wird sie nur überwinden, wenn der Film feinen großen Möglichkeiten entsprechend, auf eine geistige Grunds Tage gestellt werden wird, Reichswirtschaftsverband bildender Künstler Deutschlands. Unter ben deutschen bildenden Künstlern bestand seit langem ber Wunsch, durch eine einheitliche Straffe Organisation ihre gemein Samen Angelegenheiten vertreten zu sehen. Eine solche Organi fation ist jest in Weimar durch den Zusammenschluß aller be stehenden wirtschaftlichen Verbände bildender Künstler geschaffen worden. Die neue Organisation führt den Namen„ Reichswirts schaftsverband bildender Künstler Deutschlands" und befaßt sich nicht mit funftpolitischen( Ausstellungs- und ähnlichen) AngeIegenheiten. Sie bearbeitet nur Fragen, über die UebereinStimmung festzustellen ist, wie Steuerfragen, Urheber- und Vers lagsrecht, Materialbeschaffung, Versicherungswesen usw. Statistisches aus Amerika. Nach den neuesten Angaben in einem soeben erschienenen Wert des Präsidenten der Colombia. Universität, Bicholas Murray Butler, bewohnen in den Vereinig ten Staaten 21 Millionen Familien 19 Millionen Häuser. 6 Millionen bewohnen eigene Säuser; 12 Millionen Menschen haben Bankguthaben, es gibt 6% Millionen Landgüter und 3000 öffent liche Bibliotheken. Proletarische Feierstunden. Sonntag, ben 30. Januar, vormittags 11 Uhr, im Großen Schauspielhause, Karlstraße. Diese Feier ist der Arbeiter Bildungsschule zum 30. Jahress Wellhoener, Sans Siemsen- Rezitation, Felig Stöffinger- Antage threr Gründung gewidmet. Es wirten mit: Margarete Sprache, Sidney Biden- Gesang, Nicolas Lambinon Bioline, Konrad Löwe- Orgel, der Sprechcher, Männerchöre: Kreuzberger Harmonie, Norddeutsche Schleife, Dirigent: Baumert. Zur Auf führung fommt das Weihespiel:„ Erlösung" von Bruno Schön lant. Eintrittstarten sind auch am Sonntag im Theater zu haben. Tages- Notizen Luisen. Crftaufführungen. Sillertheater: Selben, Dienst. theater: Wenn Wünsche töten tönnten, Dienst, Centraltheater: Die Postmeisterin, Donnerst. Tribüne: Mann des Schidfals, Blancu Bosnets Erwedung ,, greit. Staatsoper: Josephs Legende, Freit. Großes Saulpielhaus: Die Bassion, Samstag. Borträge. In der Ortsgruppe Berlin der Deutschen Friebensgefeltschaft, Neue Philharmonie, Köpenider Str. 96-97, Apollojaal, spricht Montag, 8 Uhr, Herr John Men, ein Deutsch- Ameritaner, über: Die Entwidlung bes Pazifismus in Amertta". Museumsführungen. Sonntag, 30. Januar, 9-11 Uhr, finden Führungen im Alten Museum( mile Bilbwerte) und im Kaifer- Friedrich Mufeum( Deutsche Bild mere bes 16. bis 18. Jahrhunderts) burch Direttorialbeamte statt. Karten zu 1 M. bei der Schirmablage der beiden Museen. Cine russische Gusstellung in Berlin, Der„ Sturm", ber eben die erfte fran Niche Ausstellung in Berlin nach dem Kriege geschlossen hat, eröffnet am 30. Jan. nunmehr die erste ruffische. Er zeigt Werte bes Suprematisten 3 Basi, Professor der fabemte der Schönen künfte in Betsgrab. Deffentliche Wählerversammlungen Sonntag, den 30. Januar Petershagen. Abends 7 Uhr im Gasthof Madel Vortag des Genossen Arthur Richter: Die kommenden Landtagswahlen". Mitglieder der politischen Kommission um 6 Uhr erscheinen. Versammlung im 9. Distrikt Genosse Büchner referierte am Freitag abend in der öffent lichen Wählerversammlung des 9. Distritts tm Lyzeum Greifs walder Straße, über die bevorstehenden Landtagswahlen. Et Schilderte, wie Preußen schon immer der Hort der Reaktion ge wesen ist. Roch jedesmal ist in Breußen das Bolt betrogen wor den. Wie nach den Befreiungsfämpfen im Jahre 1813, so auch nach der Revolution 1848. Nach Stein und Hardenberg fämpfte Lassalle um ein besseres Preußen. Gegen das preußische Junker tum tonnten sie sich nicht durchsetzen. Der Referent Büchner er innerte an die Wahlrechtstämpfe in den letzten Jahren vor dem Kriege in Preußen; er zeigte weiter, daß noch heute der alte fonservative Geist in Breußen das Szepter führt. Die Revo Iution ist an Preußen beinahe[ purlos vorübergegangen. Die neue preußische Verfassung, eine Geburt der Koalitionsregierung, hat mit Recht den Widerstand unserer bisherigen Vertreter in der Landesversammlung gefunden. Unsere Forderung geht dahin, die Barlamente der Einzelländer zu beseitigen. An den herrschenden Zuständen hat die Arbeiterschaft durch ihre politische Trägheit die größte Schuld. Aus den Leistungen der verschiedenen Parteien in der Vergangenheit müßten die Arbeiter erkennen, daß die U. S. P die Bertreterin des tlassenbewußten Proletariats ist, weil nur die U. S. P. allein den entschiedenen Kampf für den revolutionären Sozialismus führt. In der Diskussion sorgten zwei fommunistische Redner für Erheiterung der Versammlung. Sie erhielten durch den Ges noffen Krause die entsprechende Antwort. Groß- Berlin Vergeßt die Wählerlisten nicht! Sie liegen heute, Sonnabend, bis abends 7 Uhr auf, morgen, am Sonntag, in der Zeit von 10 Uhr vormittags bis 5 Uhr abends. Wer nicht in den Listen steht, darf nicht wählen, und jeder, der nicht wählt, stärkt die Macht der Reaktion! Der Berliner Stadthaushalt Der Abschluß der Berliner Stadthauptkasse für das vergangene Rechnungsjahr liegt jetzt vor. Der Abschluß bilanziert mit der ansehnlichen Summe von rund 165 Millionen Mart. Den Mehr einnahmen gegenüber dem Haushaltsplan, unter denen das Kapital der Steuern mit einer Mehreinnahme von 59% Millionen Mart figuriert, stehen sehr erhebliche Mehrausgaben infolge Lohnund Gehaltserhöhungen und Steigerung der Materialpreise bei fast allen Verwaltungen gegenüber. Kohlenschiebungen in Reinickendorf In der bürgerlichen Bresse wird gegenwärtig eine Nachricht über Schiebungen in der Reinidendorfer Kohlen. stelle verbreitet. Schmaßendes Behagen spricht aus der fett gebrudten Feststellung, daß ein richtiggehender Betriebsrat zu den Spizbuben gehört. Da ja nach den Erfahrungen der letzten Beit alle qualifizierten Schieber zumindest das große Staats egamen gemacht haben, tann man dem Bürgertum diesen ausge fallenen Betriebsrat gern gönnen. Merkwürdigerweise weiß die Presse bereits die Höhe der aus der Unterschlagung gewonnenen Summen anzugeben, bie noch nicht einmal der Staatsanwaltschaft bekannt sein dürften. Während das 12- Uhr- Mittagsblatt 100 000 Mart angibt, sind es im Lokalanzeiger bereits 500 000 m. ge worden. Unzweifelhaft wird in der fommenden Wahlagitation mit diesem Material" gegen fommunale Betriebe, wie es das Reiben. Deshalb macht sich eine Klarstellung der tatsächlichen Bor nidendorfer Wirtschaftsamt einer ist, gearbeitet wer tommnisse notwendig, um der Arbeiterschaft die wahren Schul bigen aufzuzeigen. Es ist richtig, daß die verhaftet gewesenen, inzwischen wieder freigelassenen Stahl und Nolte als Angestellte im Reiniden dorfer Wirtschaftsamt sich schwere Verfehlungen haben zuschulden tommen lassen. Es ist auch weiter richtig, daß Nölte Mitglted des Betriebsrats gewesen ist. Es wird ihm von seinen Klassen genossen besonders schwer angerechnet, das Bertrauen seiner Auf traggeber mißbraucht zu haben. Durch geschicktes und sicheres Auftreten haben Nölte und Stahl sowohl ihre Kollegen als ins besondere ihren Dezernenten zu täuschen verstanden. Durch welche Summen das Wirtschaftsamt geschädigt worden, wird gegenwärtig durch eine Inventur festgestellt, die eine vom Gemeindevorstand eingesetzte Untersuchungstommission angeordnet hat. Wer aber sind nun die wirklichen Schuldigen? Die Hintermänner, Drahtzieher und Auftraggeber dieser kleinen Spizbuben sind der Kohlengroshandel, legten Endes die Gruben. Wenn die bürgerliche Bresse heuchlerische Verwunde rung über das Verschweigen des beteiligten Stohlengroßhändlers ausspricht, so dürfte doch gerade dem Lotalanzeiger- Lefepublitum nicht unbekannt sein, wie und wo man für gutes Geld genügend Britetts auch ohne Kohlen marten bekommen tann. Jm Reinidendorfer Falle handelt es sich um den Kohlengroßhändler Schumann, Kopenhagener Straße. Dieser, der ein Strohmann der Brikett- Bertriebsgesellschaft ist, hat es per standen, durch ewiges Bohren sich Stahl und Nölte, und später, als diese bereits aus dem Wirtschaftsamt ausgeschieden waren, auch noch einen anderen Angestellten gefügig zu machen. Durch falsche Buchungen, sowie in der Hauptsache durch Rückgabe bereits abgelieferter Kohlenmarten an Schumann, fonnte er stets einer eventuellen Revision der Kohlenstelle die Belege vorzeigen. Er tonnte sich's was fosten lassen. End doch für Kohlen ohne Map ten von den Zahlungsfähigen gern die doppelten Preise gezahlt worden. Solcher Shu männer gibt's eine große Zahl. Auf taum einem Gebiet ist die korruption so zum Simmel stinkend, ihre Organisierung aber au lo Was Iohnend, wie bei dem Rohlenvertrieb. tommt es da auf ein paar arme Schächer an, die der Staatsanwalt am Kragen friegt, während ihre gewissenlosen Auftraggeber die aus ihren Retordschiebungen resultierende Kohlen not hegerisch durch das Abkommen von Spaa zu verdecken suchen. Rebenbei soll natürlich der kommunale Vertrieb durch Vorkommnisse à la Stahl und Nölte diskreditiert werden. Aber gerade jegt ist für uns Berliner der Zeit. puntt außerordentlig günstig, dem Schieber. tum erfolgreich den Boden abzugraben. Bom 1.- 10. Februar wird die Kohlenfundenliste neu aufge= legt. Wo alle Kontrollmaßnahmen, alle Strafbestimmungen ver sagen, wirkt einzig durchschlagend die Selbsthilfe. In Berlin barf es nur noch einen fommunalen Vertrieb des ge samten Brennstoffs geben! Bei 50 Millionen Zentner Hauss brand, Berliner Kontingent, wäre neben der absolut gerechten Verteilung ein gewaltiger finanzieller Gewinn für die Stadt gemeinde der Erfolg. Deshalb Kampf dem Kohlenschiebertum auf der ganzen Linie. Kein tlajfenbewußter Arbeiter barf seine Brennstoffe von anderen als tommunalen Blägen beziehen. In allen Bezirken müssen Betriebsräte und sozialistische Funktionäre sofort die Arbeit in die Wege leiten. Wo teine Gemeindetohlenpläge vorhanden sind, können für ganz Berlin die Eintragungen auf die Reinickendorfer Pläge erfolgen, die auf Grund ihrer Kundenliste in allen Bezirken Filialen er= richten tönnen. An dem Berliner Proletariat liegt es, daß die Spikbübereien der Stahl und Nölte sich zu einem gewaltigen Schlag gegen das Großschiebertum und zu einem entscheidenden Schritt vorwärts hinsichtlich der Kommunalisierung eines lebenswichtigen Artikels auswirken. Das städtische Jugendpflegeamt veranstaltet in der Zeit von Ende Februar bis Mitte April je einen Kursus zur Ausbildung von Wanderführern und führerinnen und Spiel= leitern und-leiterinnen.( Schriftliche Meldungen bis zum 15. Februar an das städtische Jugendpflegeamt Ab= teilung V Neue Friedrichstr. 80 3immer 48.) Da die Kurse Jowie auch die Ausübung der Tätigkeit als Wanderführer und Spielleiter große Anstrengung erfordern, ist erwünscht, daß fich nur förperlich leistungsfähige, rüstige Personen melden, und zwar für den Spieltursus möglichst solche, die im Spielbetriebe von Schulen und Vereinen bereits erfahren sind. Als untere Altersgrenze ist für die Teilnehmer am Spiellehrgang 18 Jahre festgeseit. Der Wanderkursus umfaßt ungefähr 30 Vorträge, Wanderungen und praktische Uebungen, die auf die Abende und Sonntage der oben angegebenen Periode verteilt werden, und foll eine eingehende und umfassende Kenntnis nicht nur der Führerpflichten, sondern auch des gesamten Wanderwesens vermitteln. Der Lehrgang im Spiel erstrect sich auf neun dreiftündige Uebungen, die werftäglich nachmittags von 3-6 Uhr vom 21. März bis 2. April stattfinden. Für den Wanderkursus ist an einem Sonntag im April ein eintägiger und für die Spieler ein auf drei Abende verteilter Samariterkursus in Aussicht genommen. Eine Zusammenstellung der Vortragsthemen für Wanderführer ist nach dem 1. Februar durch das städtische Jugendpflegeamt Abteilung V- zu beziehen. Die Einschreibegebühr für den Wanderturjus beträgt 5 M., die für den Spielturfus 20 M. Besonders interessierten Teilnehmern am Spiellehrgang wird jedoch gestattet, an einer gewissen Zahl von Wandervor trägen, die noch näher bezeichnet werden sollen, teilzunehmen. Die Teilnahme an dem Spieltursus ist Bedingung für spätere Beschäftigung auf den städtischen Spielplätzen; dagegen übernimmt die Stadt teine Verpflichtung, die zu den beiden Lehrgängen zugelassenen Personen später auch als Wanderführer und Spielleiter zu beschäftigen. Ein Siebzehnjähriger wegen Mordes verurteilt. Der 17jährige Wilhelm Wieding, der mit seinem Komplizen Emil Böhnke bie 68jährige Frau Gillert ermordet hat, wurde vom Jugendgericht wegen Mordes zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt. Wegen zweier weiterer Diebstähle wurde der Angeklagte außerdem noch zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Böhnte wird sich wegen der Tat später vor dem Schwurgericht zu verantworten haben. Auf der Polizeiwade erfchoß fich gestern abend ein 21 Jahre alter Inspettor Robent Schmidt, der wegen Betruges gesucht wurde. Schmidt wurde in einem Hotel in der Invalidenstraße ermittelt und nach dem nächsten Polizeircvier gebracht, um dort untersucht zu werden. Bevor die Beamten jedoch noch dazu famen, hatte Schmidt einen Ren olver, den er im Nermel versteckt gehalten hatte, herausgezogen und sich damit eine Kugel in den Kopf gejagd. Die Verlegung war so schwer, daß er tros ärztlicher Silfe bald darauf verstarb. Kirchhofsdiebe suchten in der vergangenen Nacht den DorotheenStädtischen Gemeindefriedhof in der Liesenstraße heim. Von dem Erbbegräbnis der Familie Rudolf Herzog Stahlen sie Bronzetüren im Werte von 20 000 art, außerdem aus der Leichentammer Beden; Leichentücher, Kerzen u. a. m. Sammelkundenlisten für einzelne Häuser stehen zur Verfügung, diese Liste dient gleichzeitig zur prompten Sammelbelieferung Die gewesenen politischen Gefangenen und Inhaftierten treffen fich Montag, den 31. Januar, abends 7 Uhr, Manteuffelstr. 72. Wegen der endgültigen Regelung der Notstandsbeihilfe muß jeder erscheinen. 3. Berwaltungsbezirt. Elternbeiräte der U. S. P. und ErsatzStraße, Ede Böttcherstraße. leute, am Sonntag vormittag, 10 Uhr, in der Schulaula Pantstraße, Ecke Böttcherstraße. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Sonntag. Ziemlich fühles, zeitweise heiter, bei ziemlich frischen, westtag. Ziemlich fühles, zeitweise heiter, bei ziemlich frischen, westlichen Winden. Rachher neue Erwärmung, Trübung und Regen. Gewerkschaftliches Aus dem Fleischerberuf find, nicht gerechnet die Kurzarbeiter, und 1200 bis 1500, die in Trotzdem im Fleischergewerbe noch 1000 Arbeitslose vorhanden anderen Berufen Unterschlupf gefunden haben, drücken viele Meister auf Ueberstunden. Sie glauben die verlängerte Arbeitszeit im Hinblick auf die Arbeitslosigkeit durchsetzen zu können. Dazu kommt, daß sie wieder in verstärktem Maße mit Lehrlingen arbeiten. Ferner werden für Berlin nicht zuständige Arbeitsfräfte mit Hilfe der gewerbsmäßigen Stellenvermittler, der sogenannten Seelenverfäufer, nach Berlin gelockt; meist junge Leute, die sich den Teufel um Arbeitszeit und sonst was scheren und die billige und willige Ausbeutungsobjekte für den Fleischermeister abgeben. Die Berliner Behörden sollten auf diese zustände achten, um die Zuwanderung zu unterbinden. Die gesamte Arbeiterschaft hat ein Interesse an den Arbeitsverhältnissen im Fleischerberuf. Je mehr Fleischer im erlernten Beruf unterkommen, desto mehr gehen sie aus den anderen und machen dort für die zuständigen Arbeitskräfte Play. Um unseren Kollegen einen Rückhalt und eine Stütze zu geben, ersuchen wir die Arbeiterschaft Groß- Berlins, auf die Arbeitszeiten bei den Ladenfleischern zu achten und auf die Meister einzuwirken für die Einhaltung der gesetzlichen Arbeitszeit, wie in anderen Gewerben. Die Organisation der Fleischer ersucht daher um Nachricht, bei wem und wo die Arbeitszeit überschritten wird, damit für Abhilfe gesorgt werden kann. Zentralverband der Fleischer, Elisabethstr. 11. An die Afa- Mitglieder der Betriebsvertretungen in der Metallindustrie Uns gehen Meldungen zu, daß in einzelnen Betrieben der Metallindustrie freiwerdende Stellen jetzt vorzugsweise von Jugendlichen besetzt werden sollen. Dies würde ein Beweis dafür sein, daß unsere Ansicht richtig war, daß die auf Wunsch der Unternehmer durchgeführte neue Gestaltung des Angestelltentarifs zu den obenerwähnten Maßnahmen führen würde. Wir bitten um umgehende Meldungen, in welchen Betrieben Stellen, die bisher von älteren Angestellten besetzt waren, jett ausschließlich von Jugendlichen eingenommen werden. Diese Angaben müßten sehr genau sein und vor allem Zahlen enthalten, die einen Vergleich ermöglichen. Sie sind auch wichtig für die evtl. neubeginnenden Tarifverhandlungen. v Afa Bund, Ortskartell Groß- Berlin, Berlin SW 61, Belle- Alliance- Str. 7-10. Die Branche der Schmiede hielt am Sonntag mittag ihre Branchenversammlung ab. Der Branchenleiter Köhler gab den Jahresbericht. Er schilderte die Jahresarbeit der einzelnen Gruppen und verwies besonders auf den straffen 3usammenschluß der Schmiedeinnung und der Unternehmer der Ka* Neueintragung* in die Brikettkundenliste für Privat und Gewerbe findet vom 1. bis 10 Februar 1921 in die Hausbrandbezugscheinliste für Zentralheizung u. Warmwasserversorgung bis 15. März zwischen 8 und 12 Uhr vormittags und 2 und 6 Uhr nachmittags auf nachfolgenden Lagerplätzen statt: 1. Lagerplatz: Bergstraße 78-79 2. Lagerplatz: Hohenzollernplatz 3 3. Lagerplatz: Boddinstraße 50-51 4. Lagerplatz: Leykestraße 10-11 ( neu eröffnet) Handwagen für Selbstabholung stehen zur Verfügung und werden sämtliche Quantitäten auch frei Haus angeliefert GUSTAV LEURE Hauptgeschäft Bergstr.78-79 Steinkohlen Koks und Anthrazit Kiefernund Hartholz Schmiedekohlen Gute Damenstiefel 98 m. 115 mk. Oute Halbschuh Schnür 78 m. 48 Spange nur solange Lager 37 Petersburger Str. 37 | rosseriefabriken, die sich im Laufe des Jahres über ganz Deutsch land zentral organisiert haben. Bei den Arbeitern müsse man leider das Gegenteil feststellen. Der Referent zeichnete dann die Zukunftsarbeit. Anerstrebt müsse werden: 1. Bezahlung der Helfer nach den Beschlüssen der Reichskonferenz; 2. für Schmiede eine besondere Vergütung für verbrennen der Arbeitskleidung; 3. Verkürzung der Arbeitszeit in den Großbetrieben an heißen Sommertagen; 4. Schaffung eines anderen Entlohnungssystems Den Kassenbericht gab für die Hammerführer usw. W. Henschel. Einnahmen und Ausgaben hielten sich die Wage. Der 2. Punkt der Tagesordnung, Neuwahl der Branchenleitung, verlief sehr stürmisch. Die Wahl ergab eine Niederlage der Kommunisten. Der Kandidat Weiß, Anhänger der Richtung 3ista- Urich, erhielt die Mehrheit. Wertmeister- Betriebsangestelltenräte. Von dem Städt. Ars beitsnachweis für Wertmeister wird Beschwerde erhoben, daß in den Betrieben noch zum Teil aus der Kriegszeit bis in die letzte Zeit Angestellte von auswärts eingestellt und gehalten werden, die in Berlin feinen festen Wohnsiz haben, zum Schaden der Berliner Arbeitslosen. Auf Grund der Verfügung über Freimachung von Arbeitsstellen ersucht der Nachweis die Obengenannten, jeden Posten unter genauer Angabe der Person, der Firma, Ort und Straße an den Arbeitsnachweis für Wertmeister, Berlin N. 24, Oranienburger Str. 54'57, zu melden. 8. Diftritt. Aus den Organisationen Sonnabend, den 29. Januar Abteilungsführer, abends 7 Uhr, Plakate und Flugblätter vot Wittichus, Petersburger Straße, abholen. 8. Diritt. Heute 6 Uhr, alle Abteilungsführer bei Wittschuh, Petersburger Straße 4a. Gleichzeitig Materialausgabe. Tegel, Borfigwalde, Wittenau, Tegelort, Seiligenfee. Flugblätter heute abend abholen bei Hahne, Reinidendorf- West, Schillingstr. 20. Sonntag, den 30. Januar Charlottenburg. 6. Gruppe. Vormittags 9 Uhr, Flugblattverbreitung von Lofal Merz, Goethestr. 56, Eae Weimarer Straße aus. Erscheinen aller Genossen unbedingt erforderlich. Charlottenburg. Der Märchennachmittag findet nicht Sonntag, den 30. Januar statt, sondern Sonntag, den 6. Februar. Am 30. Januar, vorm. 9 Uhr, Flug blattverbreitung von den bekannten Zahlabenblokalen. Erscheinen sämtlicher. Gen nossen ist Pflicht. Pantow. Sämtliche Parteigenossen treffen fi vormittags 9 Uhr in ihren 3ahlabendlokalen zur Flugblattverbreitung. Material ist Sonnabend beim Ge noffen Spidermann von den Gruppenführern in Empfang zu nehmen. Schmargendorf- Grunewald. Die Schmargendorfer Genossen treffen fich m 8 Uhr vormittags im Wilden Eber", zur Flugblattverbreitung. Genosse Blühr führt Anwesenheitsliste." Montag, den 31. Januar Lichterfelde, Steelih, Lantwig. Abends 7 Uhr Frauenabend bei Nagel, Steglit, Rageplay Ede Berlinidestraße. Bortrag des Gen. Dr. Pfirrmann über „ Sozialisierung". Gäste willkommen. Tempelhof. Abends 6½ Uhr pünktlich Zusammenkunft aller Funktionäre bei Beil, Dorf Ede Neue Straße. Vereinskalender Montag, den 31. Januar Arbeiter Schechflub Alt- Glienide 1920. Spieltage jeben Montag von 8-10 Uhr abends in Lofal von Schäfer, Grünauers Ede Köpenider Straße, somie jeben Donnerstag ron 8--10 Uhr abends und Sonntag von 10-1 Uhr vorm. im Bergrestaurant Teutonenstr. 41. Unterricht im Schachspiel wird fostenlos er teilt. Gäste willkommen. Eoz. Proletarierjugend Groß- Berlin. Abends 7 Uhr findet im Jugend sekretariat, Breite Str. 8-9, eine wichtige 3entralvorstandssigung statt. Ferner machen wir darauf aufmerksam, daß am Sonntag abend 7 Uhr in der Arbeiter bildungsschule ein Vortrag stattfindet über„ Volkswirtschaftliche Fragen". Arbeiter Esperantisten. Abends 7½ Uhr Vortrag des Genossen Mahn im Sophienlyzeum, Weinmeisterstraße. Gäste willkommen. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer u. Kriegshinterbliebenen, Ortsgruppe Neutöln. Abends 7% Uhr Fortsegung der Generalversammlung im Festsaal des Kaiser- Friedrich- Real- Gymnasiums, Kaiser- Friedrich- Str. 209-210. Arbeiter Samariter- Bund, Abteilung Lichtenberg. Abends 7 Uhr Versammlung. bei M. Piedenhagen, Scharnweberstr. 60. Bers Emil Rabolb, Berlin. Berantwortlich für die Rebattion: antwortlich für den Inseratenteil: 2ndwig Komeriner, Karlshorft. Verlagsgenoñenimoftreiheit" em 6. S. Rorlin- Drud her Freiheit" Druferei 6. m. b. 5., Berlin C. 2, Breite Straße 8-9. Fenriger Süßwein Ueberall käuflich Santa Lucía Depot: Bergstr. 34, Nord. 4938 Botenfrauen gesucht 1. 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