Einzelpreis 30 Pfg. 4. Jahrgang Die Freiheit erfcheint morgens un nachmittags, Sonntags and Montags we einmal Der Bezugspreis beträgt bet freier Zustellung ins Haus für Groß- Berit 10, M. im voraus zahlbar, von der Spedition felbft abgeholt 8,50 m. Für Bofts bezug nehmen fämtliche Bostanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland und Ofterreich 16,50 m., für das übrige Ausland 21,50 m. sushiglich Baluta Aufschlag, per Brief für Deutschland und Diterreich 30, Rebaktion, Expedition und Berlag: Berlin& Breite Straße B Dienstag, 1. Februar 1921, Nummer 51 Morgen- Ausgabe De achtgefpaltene Ronpareillezetle aber beren Raum koftet- einschließlich Seuerungszufchlag. Kleine Anzeigen: Das fettgebruckte Wort 2- M., jedes weitere Wort 1,50 M., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien Anzeigen und Stellen- Befuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen Gesuchs Wort- Anzeigen: bas fettgedruckte Wort 1,50.. jebes weitere Wort 1, M. Berufprecher: Bentrum 2030, 2645, 4516, 4603, 4635, 4649, 6921 greibeif Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Die Sünden der Orgesch- Regierung Was versäumt wurde und was erfüllt werden muß! Die Note des Obersten Rates über die Entwaffnungsfrage be teht aus zwei Hauptteilen. Im ersten Teil wird angeführt, in welchen Punkten die deutsche Regierung bisher ihren per traglichen Verpflichtungen noch nicht nachge tommen ist, im zweiten Teil werden die Entscheidungen aufgeführt, die die Alliierten getroffen haben, um die Entwaffnung endgültig durchzuführen. Bezüglich des ersten Teiles wird angeführt, daß der Ent wurf des Reichswehrgefeges noch nicht verabschiedet sei und erhebliche Lüden aufweise, namentlich hinsichtlich der Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht, Die zwar für das Reich, aber nicht für jedes einzelne Land auss brüdlich ausgesprochen jei. Jm Wehrgesez seien auch Ergän= zungstruppen und andere nicht näher bezeichnete Dr. ganisationen vorgesehen. Was die Organisation der Reichss mehr anbelange, so seien die Stärten gewisser Formationen und eine beträchtliche Anzahl militärischer Angestellten nicht in dem Hunderttausend- Mann- Heer einbegriffen. Das Reichswehrministerium und die ihm angegliederte Verwaltung habe weit mehr Offiziere als zulässig fei( 916 statt 300). Auch die Entwaffnung jet noch lange nicht beendet. Mit der Herablegung der Heeresstärke auf 100 000 Mann habe die Ablieferung des Heeresmaterials nicht Schritt gehalten. Große Mengen feien bei den Truppentörpern, in den Depots in Arse nalen angehäuft. Die Regierung wolle als Ersatz- und Uebungsmaterial Bestände von Kriegsgerät behalten, die die im Vertrag festgelegten Bestände weit überschreiten. Außerdem befänden sich noch zahlreiche Waffen in den Händen der Zipilbevölierung. Die Note weist dann auf die verschiedenen Einsprüche der deutschen Regierung hin, die darauf abzielten, der Entwaffnung Bu entgehen. So habe sich die Regierung in einer Rote vom 24. Dezember geweigert, das Artilleriematerial von Rüstrin und Löhen- Bonen, sowie die schwere Artillerie für Königsberg auszuliefern. In einer Note vom 5. Januar habe die deutsche Regierung zur Armierung von Landbefestigungen bedeutende Materialmengen verlangt, die im Vertrag nicht vorgesehen seien, darunter namentlich 2600 Mas Ichinengewehre, eine Zahl, die höher sei, als die dem Sunderttausend- Mann- Heer zu gestattende Menge. Weiter habe die deutsche Regierung die Ablieferung des nicht zugestandenen Materials für Geebefestigungen ver ögert. Sie wolle für diesen 3wed 1086 Geschütze behalten an statt der 420, die die Kontrollkommission zugestanden hat. Die Schließung der Anlagen und Wertstätten zur Anferti gung von Kriegsmaterial, sowie die Zerstörung und Unbrauchbarmachung der Werkzeuge und Maschinen, sei ebenfalls nicht unter den vorgeschriebenen Bedingungen durchgeführt. Ueber die Selbstschusorganisationen führt die Note an, daß die Entwaffnung wohl begonnen habe, aber noch nicht durch geführt sei. Die deutsche Regierung wolle namentlich die Ents waffnung dieler Organisationen in Bayern und Ostpreußen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt hinausschieben. Die Sicherheitspolizei sei einfach in ihrer alten ZuSammenlegung und Organisation in die Schuhpolizei" überge führt worden. Der größte Teil der nicht zugelassenen Waffen lei zwar ausgeliefert, aber die in Boulogne vorgeschriebene Auflösung fei nicht durchgeführt. Gegenüber diesen Tatsachen haben die Alliierten folgende Entscheidungen getroffen: Die Regierung wird aufgefordert, die Berabschiedung bes Reichswehrgesezes zu beschleunigen, und zwar unter Zugrundelegung der Aenderung, die der Friedensver trag vorschreibt: Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht im allgemeinen und für jedes der einzelnen Länder im besonderen. Diese Verpflichtung mug bis zum 15. März 1921 erfüllt sein. Die Organisation der Reichswehr muß so durchgeführt werden, daß der Ueberfchuß an Offizieren und Angestellten der Zentralverwaltung zu beseitigen ist. Erfüllungsfrist: 15. April 1921. Ueber das Kriegsmaterial find folgende Entschlüsse gefaßt worden: und und Die deutsche Regierung muß die Auslieferung des Rest materials beschleunigen, und zwar muß fie alles Gerät abliefern, das infolge der Herablegung der Reichswehr auf 100 000 Mann überschüssig geworden ist, ebenso alles Gerät, welches bei den Truppenförpern, in den Depots und Arsenalen angesammelt ist, welches die deutsche Regierung als ErsagUebungsmaterial zu behalten verlangte. Abgeliefert werden müssen auch sämtliche Waffen, die sich noch in den Händen der Zivilbevölkerung befinden und die Geschützausrüstungen der Landbefestigungen. Küstrin und Lözen- Boyen dürfen feinerlei Geschuh behalten, nur der Festung Königsberg werden 22 schwere Geschüße zugestanden. Den Den Seebefestigungen werden 420 Geschütze zugestanden, anstatt der von der deutschen Regierung geforderten 1086 Geschütze. Alle diese Maßnahmen müssen bis zum 28. Februar 1921 durchgeführt sein. Bezüglich der Fabriten, bie Kriegsgerät her. Stellen, wird bie deutsche Regierung aufgefordert, die Liste anzuertennen, die von der Interalliierten Kommission über die künftig zugelaffenen Fabriten aufgestellt worden ist. Die gemäß Artifel 168 und 169 des Friedensvertrages nicht zugelassenen Wertzeuge und Maschinen zur Herstellung von Kriegsgerät sind umzu ändern und außer Gebrauch zu legen. In der Frage der Selbstschuhgorganisationen halten die Alliierten an den Beschlüssen feft, wie sie im Brotokoll von Spaa und in der Note von Boulogne in Ausführung der Artikel 177 und 178 des Friedensvertrages aufgestellt worden find. Der Regierung merben einige riften gewährt. Die nefehlichen Vorschriften, die die Auflösung aller Selbtoutorganis fationen anordnen und die Wiedererrichtung unter Strajanbcohung verbieten, müssen bis zum 15. März 1921 veröffentlicht sein. Die Auflösung aller dieser Organisationen hat schnellstens zu erfolgen und muß spätestens am 30. Juni beendet sein. Ueber die Abgabe der Waffen dieser Organisationen wird bestimmt: Sämtliche schwere Waffen und zwei Drittel der Handwaffen einschließlich der Munition find bis zum 31. März 1921 abzuliefern, der Rest bis zum 30. Juni 1921. Ueber die Gestaltung der Sicherheitspolizei wird bestimmt: Die Polizei muh den Charakter einer örtlichen Organifation wahren. Sie darf auf feiner Stufe und in feiner Weise zentralisiert werden und nicht stärker bewaffnet sein, als es von ber Interalliierten Kommission festgesezt ist. Die Gesamtzahl der Polizeiträfte barf die Stärke von 150 000 Mann nicht überschreiten. Zur Erfüllung der Vertragsbestimmungen über die immungen über die Marine wird die deutsche Regierung aufgefordert, bis zum 28. Februar 1921 alle im Friedensvertrag vorgesehenen Schrift Stüde auszuliefern. Bis zum 30. April sind alle in Reserve gestellten Schiffe zu desarmieren. Die Zerstörung aller im Bau befindlichen Kriegsschiffe mit Ausnahme derjenigen, die in Handelsschiffe umgebaut werden, hat bis zum 31. Juli zu erfolgen. Die Zerstörung aller U- Boote und U- Boots teile hat sofort zu erfolgen, ebenso ist der Bau von U- Booten ober U- Bootteilen sofort einzustellen. Des weiteren wird unverzüglich die Auslieferung und 3erstörung aller über die zulässige Menge hinausgehenden Kriegsmaterialien im Sinne des Artikels 192 des Friedensvertrages gefordert. Der weitere Inhalt der Rote beschäftigt sich mit den BeStimmungen über die Luftfahrt. Es werden zuerst die timmungen über die Luftfahrt. Es werden zuerst die Berstöße aufgeführt, deren sich die Deutsche Regierung schuldig gemacht hat, und zwar: Deutschland hat nicht alle Flugzeuge, gemacht hat, und zwar: Deutschland hat nicht alle Flugzeuge, Motore und Luftschiffe, Sallen, nicht alle Zubehörteile, Apparate für drahtlose Telegraphie, Photographie usw. und nicht alles ans Wähler denkt daran! In einer Versammlung in Billfallen( Ostpreußen) erflärte ein Deutschnationaler, Graf Bülow: " In Bayern schwört man mit erhobenem Bajonett zum Himmel, nichts von dem, was man jest an Macht hat, abzus geben. Dasselbe muß auch für Ostpreußen gelten. Mit Ab. gabeber Waffen, sondern Mehranschaffung von 3affen muß unsere Parole fein. Auf dem Lande Joll man jeden selbständigen Handwerker und Kleinbesiger zwin= gen, den Wehren beizutreten, im Weigerungsfalle soll man auch nicht zurückschreden, so einem Weigerer das Haus über bem Kopf anzusteden. Bayerns Arbeiter", sprach der Referent weiter, find bemütig und ziehen ihren Sut. Dagegen fragt ber hiesige Arbeiter nach Verdienst und Acht tunbentag. Dieses Gesindel die Arbeiter muß erst lazarettfähig geschlagen werden." Der ehrenwerte Herr Graf hat offen ausgesprochen, was alle Deutschnationalen, alle Anhänger der Deutschen Volfspartei, die ganze Zunft der Junker, Großindustriellen, der Schieber und Wucherer wünscht. Wer am 20. Februar zu Hause bleibt, verhilft dieser Gesellschaft zu einem billigen Sieg. Deshalb: rüttelt die Gleichgültigen auf. Wehrt den preußischen Zuchthausstaat ab. Werbt Anhänger und Wähler für die USPD.! dere Luftfahrgerät abgeliefert. Es sollen allein noch 1400 Flugzeuge und 5000 Motore rüdständig sein. Des weiteren wird der Deutschen Regierung vorgehalten, daß die Herstellung von Luftfahrgerät entgegen der Entscheidung in Boulogne wieder aufgenommen worden sei, und es sei sogar versucht worden, her Deutschland geweigert, Entschädigung für die im Sommer 1919 geftelltes Luftgerät auszuführen. Des weiteren habe sich zerstörten Zeppeline zu bezahlen. Auch die Summe von 25 Millios nen Mart, die als Entschädigung für das unzulässigerweise ausgeführte Luftmaterial zu zahlen sei, habe die Deutsche Regierung nicht abgeführt. Die Alliierten haben bezüglich dieser Bunfte folgende Entscheidungen getroffen: Die Nachforschungen nach verstedtem Material sind von der Deutschen Regierung zu erleichtern, alle im Ariitel 202 vorgesehenen Ablieferungen müssen vor dem 15. Mai beendet sein. Deutschland darf erst dann wieder Luftfahrtmaterial herstellen oder einführen, wenn die Luftfahrt- Kontrollfommission aerkannt haben wird, daß der Artikel 202 vollständig ausgeführt ist. Für die ZerKörung der Zeppeline muß Deutschland die verlangte Entschädi gung leisten. Die Einzelheiten sollen durch einen besonderen Vertrag geregelt werden. Die Summe von 25 Millionen Mart als Entschädigung für das unzulässigerweise ausgeführte Material muß bis zum 31 März bezahlt werden. Die Verwendung von Flugzeugen bei den Polizeiformationen wird untersagt. Die Alliierten Regierungen werden sich durch ständige Weberwachung versichern, daß Deutschland diese Verpflich tung erfüllt. Die Note schließt: „ Die Alliierten haben zu wiederholten Malen die Schwierigfeiten berücksichtigt, die sich der Deutschen Regierung bei der Auss führung der ihr nach dem Vertrag obliegenden Verpflichtungen ents gegenstellen. Mit der gegenwärtigen Note bewilligen sie ihr neue Friften. Sie hegen die sichere Erwartung, daß die Deutsche Res gierung die Antierten Mächte, die thre früheren Entscheidungen be Kätigen, nicht in bie Notwendigkeit verlegen wird, die ernste Lage ins Auge zu fassen, die entstehen würde, wenn Deutschland weiter Jeine Berpflichtungen verlegte." ( Siehe auch Seite 2.) Dekonomische Unmöglichkeiten Die Pariser Konferenz hat mit einem Beschluß über die Wiedergutmachung geendet, der für Deutschland eine außer ordentlich schwere Bedeutung hat.. Er würde, durchgeführt, die deutsche Wirtschaft mit ganz ungeheuren Zahlungen an die Entente belasten. Gerade wer, wie wir, stets den Standpunkt vertreten hat, daß die wirklich verübten Kriegsschäden von Deutschland zu ersetzen seien, hat das Recht, jetzt zu sagen, daß die Ententeregierungen ein Vorgehen gewählt haben, das mit Wiedergutmachung nichts zu tun hat, sondern das einfach versucht, möglichst hohe Summen aus der deut schen Wirtschaft herauszuholen und zu diesem Zweck den Krieg mit wirtschaftlichen Mitteln fortzusetzen. Die Entente fordert für die ersten zwei Jahre die Zahlung von zwei Milliarden Goldmart. Die Zahlung wird. dann in dreijährigen Perioden je um eine Milliarde gesteigert und erreicht für die 31 Jahre von 1932 bis 1963( 1) den Jahress betrag von 6 Milliarden Goldmart. Prüft man diese Zahlen nüchtern nur vom ökonomischen Standpunkt, so gelangt man zur Antwort, daß die Erfüllung dieser Zahlungen un burchführbar ist. Wir haben im Jahre 1913 eine Ges samtausfuhr von 10 Milliarden Goldmart gehabt. Davon waren 6,4 Milliarden Fertigprodufte, 1,5 Rohstoffe, 1,4 halbfertige Waren und 1 Milliarde Nahrungs- und Genußmittel. Eine Erweiterung unserer Ausfuhr tann nach dem Berlust des größten Teils der Eisengrundlage unserer Industrie im wesentlichen nur durch Steigerung der Ausfuhr der Fertigprodukte stattfinden. Wir müßten aber diesen Export vervielfachen, um jene Ueberschüsse. an Waren zur Verfügung zu haben, die dann der Entente als Zahlung überla werden könnten. Denn in den 6 Milliarden Erlös stedt nicht nur Reingewinn, der verfügbar wäre, sondern Geg. wert für den zumeist aus dem Ausland stammenden Rohstoft, für die Abnutzung der Maschinerie und für Arbeitslohn. Eine ,, bloße" Verdoppelung des Exports wäre also noch nicht hinreichend um 6 Milliarden der fremden Volkswirtschaft zur Verfügung zu stellen. Wir müßten weiter, um diese Waren herstellen au fönnen, unfere Einfuhr an Rohstoffen, die im Frieden 5 Milliarden betrug, außerordentlich steigern, um dafür wieder im wesentlichen Waren in Austausch geben. Wie hoch man auch die Ausdehnungsfähigkeit der Produktion einschägen mag, daß sie nach den Verlusten des Krieges, nach den Verlusten wertvoller Rohstoffgebiete, eine solche Elastizi= tät besitzt, wird kein Nationalökonom der Welt behaupten fönnen. Aber weiter: Gesetzt den Fall, die deutsche Wirtschaft würde das Wunder vollbringen; wir würden in dieser Weise unseren Export steigern. Welche Konkurrenz bedeutet das für die übrige fapitalistische Industrie, für England und die Vereinigten Staaten? Die Anwendung des Vertrages würde vor allem für diese entwidelsten Industrien eine außers ordentliche Verschärfung der Konkurrenz auf allen neutralen Märkten bedeuten durch den 3wang, der auf uns ausgeübt wird, unter allen Umständen unseren Export zu forcieren. Dazu kommt noch der andere Umstand, daß der größte Teil des uns auferlegten Tributs der französischen Volkswirtschaft ohne Gegenwert zugute fäme. Diese würde in die Lage vers setzt sein, unter besonders günstigen Umständen dadurch zu produzieren. Die Entwicklung der französischen Industrie, ohnehin durch die Einbeziehung des luxemburgischen und Lothringischen Gebiets besonders aussichtsreich, würde dadurch treibhausmäßig gefördert, ihre Konkurrenz auf dem Weltmarkt, besonders für die Vereinigten Staaten und Engs land außerordentlich gesteigert. Die Aufnahmefähig feit des deutschen Marktes würde dagegen für alle Fertigfabrikate anderer Länder auf ein Minimum reduziert. Offenbar in dieser Erwägung ist uns neben den festen Jahreszahlungen noch eine bewegliche Jahreszahlung auferlegt worden, die 12 Prozent des Wers tes der deutschen Ausfuhr beträgt. Damit soll einer deutschen Schleuderkonkurrenz auf dem Weltmarkt vorgebeugt werden. Nur steht diese Bestimmung in einem unlösbaren, Widerspruch zu der anderen, die uns zu der rieftigen Steigerung des Exports zwingt, weil wir ja nur dadurch den Wert der uns auferlegten Leistungen erzielen können. Der Exportzoll bedeutet deshalb nichts anderes als eine zufähliche Steigerung der Schuldfummen, die nur rechnungsmäßig nach der Höhe des Exports fich richtet, in Wirklichkeit aber notwendigerweise von der ganzen deutschen Wirtschaft würde getragen werden müssen. Dabei bleibt es noch unflar, von welchem Teil des Exports dieser Prozentsak berechnet werden soll, ob man ihn auch von jenen Exportsummen einheben will, die durch die Gratisleistung an die Entente erzwungen find, die ein Vielfaches der Schuldsummen betragen müssen und die den Exporteuren von den deutschen Steuerträgern gezahlt werden. Das schlimmste an dem Vorschlag der Entente ist aber, daß er dem dringendsten nationalökonomischen Gebot widers [ pricht, das erfordert, daß die europäische Wirtschaft als folche zunächst einmal wiederhergestellt werde. Der ent Scheibende Grund der schweren otonomischen Weltfrise ist ja ber, daß ganz Osteuropa als Lieferant von Rohstoffen und damit als Abnehmer von 3ndustrieprodukten ausgefchaltet ift. Das wirft auf Mitteleuropa, vor allem auf Deutschland zurück und bedeutet eine außerordentliche Schwächung der ökonomischen Aufnahmefähigkeit dieser Gebiete, eine langdauernde Störung ihrer ganzen Wirtschaft. Eine vernünftige Regelung der Wiedergutmachungsfrage müßte zunächst die ökonomische Erholung dieser Gebiete ermöglichen. Innerhalb des kapitalistischen Systems könnte dieser Prozeß nur durch ausreichende Kreditgewährung eingeleitet werden. Stattdessen kommt man mit einem Vorschlag, der im Gegenteil die Unsicherheit außerordentlich steigert, die Kreditmög= lichkeiten verschüttet und das ökonomische Elend verlängert! Auch das geschieht im Widerspruch zur Einsicht, daß das Schicksal jedes Wirtschaftsgebiets mit dem des anderen unlösbar verknüpft und ökonomischer Verfall eine ansteckende Krankheit ist. Weil dem aber so ist, so wird sich schließlich die ökonomische Notwendigkeit auch durchsehen. Was die Entente vorschlägt, würde, wenn es überhaupt durchführbar wäre, ihre eigene Volkswirtschaft in die schwerste Krise stürzen. Deshalb muß von der deutschen Regierung diesem verhängnis vollen Schritt der Entente, zwar mit Bestimmtheit, aber auch mit Ruhe und Nüchternheit entgegenges treten werden. Uns will scheinen, daß die Regierung in der ersten begreiflichen Bestürzung dieses Gebot nicht ganz befolgt hat. Die etwas sensationelle Ankündigung der Kabinettsberatung, die Aufhebung der Reichstagsjigung ers scheinen uns als eine nicht ganz nühliche und unnötige Aufmachung, die die außerordentliche Erregung, die die Vorschläge der Entente auslösen mußten, noch steigert. Die Entente bezeichnet ihre Forderungen zunächst als Vorschlag, über den noch in London mit den Vertretern der deutschen Regierung verhandelt werden wird. Diese Verhand= lungen müssen geführt werden, bevor endgültige Beschlüsse zu fassen sein werden. Dann erst wird man prüfen fönnen, welche Maßnahmen in einer so außerordentlich schwierigen Situation zu ergreifen sind. Und gerade weil die Forderungen, so wie sie gestellt sind, nicht nur für das deutsche Volk unerträglich hart sind, sondern weil sie öko= nomisch unverwirtlichbar sind, ist die Erwartung berechtigt, daß die Milliarden, die da niedergeschrieben sind, zu einem großen Teil Papierwert haben werden. Nichterfüllung der deutschen Regierung förmlich feftitellen und diese Eachlage den Regierungen der alliierten und assoziierten Res gierungen anzeigen, die dann die von ihnen für gerechtfertigt ers achteten Maßnahmen ergreifen werden. Geschehen in Paris am 29. Januar 1921. gez.: Henri Jasper. D. Lloyd George. Ar. Briand. Die Entwaffnungsnote Die wirtschaftlichen Bestimmungen des Friedensvertrages sind äußerst hart und noch fast härter muten uns die Befind äußerst hart und noch fast härter muten uns die Bestimmungen an, die auf der Pariser Konferenz über die Ausführungen der wirtschaftlichen Verpflichtungen getroffen worden sind. Anders verhält es sich mit den militäriVerpflichtungen noch nicht nachgekommen ist, ist lediglich dem schen Fragen. Daß Deutschland auf diesem Gebiete seinen unterirdischen Wirken der monarchistischen Kreise zuzuschreis wiegend großen Einfluß ausüben. ben, die auf die Politik der Regierung leider einen überDiese Kreise haben aus dem Kriege nichts gelernt, ihr Bestreben ging gleich nach dem Zusammenbruch dahin, den Militarismus wieder zu dem ausschlaggebenden Machtfaktor in Deutschland zu machen, Noste bot ihnen dazu eine willige Sand, und so haben wir zwei Jahre hindurch jenes Kaz- und Mausspiel zwischen der deutschen Regierung und der Entente gesehen, und das in einer Frage, wo es allein vom Standpunkt des Lebensinteresses der Republit aus feine andere Lösung geben fonnte, als die restlose tärischem Gebiete. Erfüllung des Friedensvertrags auf miliDie wirtschaftlichen Forderungen Schuße der Republit, dahinter verbirgt sich die Spekulation Berlin, 31. Januar. Die gleichzeitig mit der militärischen Note übergebene Vereinbarung zwischen den alliierten Mächten zur Regelung gewisser Fragen hinsichtlich der Ausführung des Frie densvertrages von Versailles hat folgenden Wortlaut: Artikel 1. Um die Verpflichtungen, welche die Artikel 231 und 232 des Vertrages von Versailles Deutschland auferlegt haben, zu er füllen, hat Deutschland außer den Rücklieferungen, welche es gemäß Artikel 238 zu bewirken hat und außer allen anderen Verpflichtungen des Friedensvertrages zu zahlen: 1. feste Annuitäten je zur Hälfte am Ende jeden Halbjahres zahlbar und wie folgt bestimmt: a) zwei Annuitäten( Jahreszahlungen) von zwei Mil liarden Goldmark für die Zeit vom 1. Mai 1921 bis zum 1. Mai 1923, b) drei Annuitäten von drei Milliarden Goldmark für die Zeit vom 1. Mai 1923 bis zum 1. Mai 1926, c) drei Annuitäten von vier Milliarden Goldmart vom 1. Mai 1926 bis zum 1. Mai 1929, d) brei Annuitäten von fünf Milliarden Goldmart vom 1. Mai 1929 bis zum 1. Mai 1932, e) einunddreißig Annuitäten von sechs Milliarden Goldmark für die Zeit vom 1. Mai 1932 bis zum 1. Mai 1963. 2. 42 Annuitäten, welche vom 1. Mai 1921 zu laufen beginnen, e zwölf Prozent des Wertes der deutschen Aus= fuhr gleich tommen, von dem Ertrage dieser Ausfuhr vors weg erhoben werden und in Gold, zwei Monate nach Ablauf jeden Halbjahres zahlbar sind. Um die volle Ausführung vorstehender Bestimmung zu 2 sicherzustellen, wird Deutschland der Reparationsfommission alle Erleichterungen gewähren, um den Betrag der deutschen Ausfuhr festzustellen und die hierfür notwendige Ueberwachung einzurichten. Mrtifel 2. Die Deutsche Regierung wird der Reparationstommission un verzüglich auf den Inhaber lautende Bonds ausstellen, welche an den in Artikel 1 3iffer 1 der vorstehenden Vereinbarung vorgesehenen Fälligkeitstagen zahlbar sind und deren Betrag jedem der Halbjahresbeträge, welche in Anwendung des genannten Paragraphen zu zahlen sind, gleichkommen sollen. Der Reparationsfommission werden Anweisungen erteilt werden, um denjenigen Mächten, die es wünschen, die Begebbarkeit( Mobilisation) des ihnen nach den zwischen ihnen getroffenen Vereinbarungen zutommenden Anteils zu erleichtern. Artikel 3. Deutschland fann den im voraus bestimmt festgelegten Teil feiner Schuld stets im voraus bezahlen. Die Vorauszahlungen, welche es leisten wird, werden dazu verwandt werben, die festen Annunitäten, so wie sie in Artikel 1 3iffer 1 bestimmt sind, zu ermäßigen; diese Annuitäten werden zu diesem 3wed bis zum 1. Mai 1923 mit 8 Prozent, vom 1. Mai 1923 bis zum 1. Mai 1925 mit 6 Prozent, vom 1. Mai 1925 ab mit fünf Prozent disfontiert werden. Artikel 4. Deutschland wird weder mittelbar noch unmittelbar irgend eine Kreditoperation außerhalb seines Gebietes ohne Zustimmung ber Reparationskommission unternehmen. Diese Bestimmung findet auf die Reichsregierung, die Regierungen der deutschen Länder, auf die deutschen Provinzial- und Gemeindebehörden und auch auf diejenigen Gesellschaften oder Unternehmungen, welche von solchen Regierungen oder Behörden überwacht werden, Anwendung. Artikel 5. In Anwendung des Artifels 248 des Vertrages von Versailles haben alle Güter und Einnahmequellen des Reiches und der Länder der Sicherstellung einer restlosen Ausführung der in der gegenwärtigen Vereinbarung getroffenen Bestimmungen durch Deutschland zu dienen. Der Ertrag der deutschen See- und Land zölle einschließlich insbesondere des Ertrages aller Einfuhr- und Ausfuhrabgaben und aller Nebenabgaben bildet ein besonderes Pfand für die Durchführung der gegenwärtigen Vereinbarung. Keine Aenderung in der 30llgeseggebung oder in Teutschland ist militärisch geschlagen, es kann nicht an eine Wiederaufnahme des Krieges denken, nur Ver brecher spielen mit diesem Plane und diese waren es, die immer wieder einen neuen Weg erfanden, um der Entwaffe nung zu entgehen, wobei zugleich die zerrütteten Finanzen wurden. Die Ueberfüllung der Reichswehr mit des Deutschen Reiches in der unerhörtesten Weise geschröpft wurden. Die Ueberfüllung der Reichswehr mit Offizieren, der ganze viel zu groß aufgezogene Apparat des Wehrminister.ums, die aufgespeicherten Waffenvorräte: das alles dient legten Endes nicht dem auf einen neuen frisch fröhlichen Krieg, mit Hilfe dieses verschlagenen Mittels soll der 3ukunft gebient werden, und diese heißt nicht Republit, sondern Monarchie mit allem Drum und Dran. Deshalb darf es jest auch fein 3ögern und Sinausschieben mehr geben. Die Abschaffung der Wehrpflicht, die restlose Erfüllung der militärischen Forderungen bezüglich der Zusam mensegnug der Reichswehr sind schnellstens zu erfüllen. Nicht weil es die Entente fordert, sondern weil gerade auch das Lebensinteresse der Republik die Durchführung dieser Maßnahmen dringend erheischt. In der Frage der Selbstschugorganisationen muß gegen die Regierung die schärfste Anklage erhoben werden. Sie kennt den Charakter dieser monarchistischen Geheimbünde, fie hat ihnen trotzdem den weitesten Spielraum gelassen, sie hat durch dieses Verhalten den Konflittsstoff zwischen Deutschland und der Entente dauernd vergrößert, und das alles wiederum in einer Frage, auf die es nur eine Antwort geben fonnte: Fort mit diesen Geheimverbänden, die dem monarchistischen Umsturz dienen, die die taktischen Reserveformationen der Reaktion und der Konterrevolution find! So ist die Note der Alliierten nur eine Folge der Liebesbezeugungen, die die deutsche Regierung, die auf die Republik vereidigt ist, den Monarchisten und Militariften machte. Sie hat ein geradezu freventliches Spiel getrieben und es wird Aufgabe unserer Vertreter im Reichstag sein, ihr das ganz offen zu sagen. Daneben steht fest, daß durch die bisherige halsstarige Weigerung der Regierung, die militärischen Verpflichtungen des Friedensvertrags zu erfüllen, die Verständigung mit den Alliierten auf wirtschaftlichem Gebiete ungemein erschwert worden ist. Dieser ganze Blunder der militärischen Fragen hätte längst erledigt fein tönnen, wenn es der Regierung jemals ernst gewesen wäre, allein vom demokratischen Gesichtspunkt aus ein neues Deutschland zu schaffen. Die Deutschnationalen und die Deutsche Volkspartei aber, das ganze Bürgertum und alle jene Kreise, die die gefähr= lichen Spielereien der Militaristen nach dem 9. November gebilligt und gefördert haben, auf sie fällt eine nicht minder große Schuld. Die militärischen Kommissionen der Entente, die fich seit Jahr und Tag in Deutschland aufhalten und Millionen tosten, find ein Gewächs jener hinterhältigen, die Gesamtheit schwer schädigenden Politit. Die Kommissionen werden sich nun wiederum noch einige Monate in Deutsch). land aufhalten und Riesensummen beanspruchen und das alles deshalb, weil einer fleinen, aber einflußreichen Clique noch nicht genügend klar gemacht worden ist, daß die Reit für sie vorbei ist. Aus all diesen Gründen verlangen wir die schleunigste Erfüllung der militärischen Bestimmungen der Pariser Konfe renz. Deutschland erspart damit 1. Gelp, 2. befreit es sich erheblich von der monarchistischen Gefahr, 3. setzt es fich nicht von neuem außenpolitischen Schwierigkeiten aus, die für die Regierung in der Regel mit einer Blamage endei., während sie das Bolt von einer Ungewißheit in die andere schleudern! Die Beratungen in Berlin Berlin, 31. Januar. Das Reichskabinett jetzte heute nachmittag unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten die Besprechung der Note des Obersten Rates fort. Morgen vormittag wird der Reichsminister des Auswärtis gen die Fraktionsführer empfangen. Der Auswärtige Pressestimmen über die Pariser Konferenz Die französische Presse Paris, 31. Januar. Betit Barisien" schreibt: Die deutsche Presse aller Richtungen tobt gegen das Ablommen von Paris, fie bleibt in ihrer Rolle. Eines der größten Blätter von Berlin habe die Alliierten aufges fordert, sie sollten sich das, was sie haben wollten, selbst holen. Gerade das hätten die Alliierten in Paris beschlossen, nämlich sich Selbst bezahlt zu machen, falls der schlechte Wille ihres Schuldners jich zeige. Die Alliierten würden damit beginnen, die 3ölle zu beschlagnahmen, falls Deutschland fich weigere, seine 3olle fontrollieren zu lassen. Dann würde der Gerichtsvollzieher tommen. Das sind die alliierten Ar meen, die am Rhein lagern und die rheinischen Brüdentöpfe bejezt Rheingebietes 3ölle erheben und Steuern verlangen und einkajhaben. Diese Gerichtsvollzieher werden alsdann das Ruhrgebiet beschlagnahmen und schließlich an der Grenze des jieren. Die englische Presse London, 31. Januar. ,, Times" schreibt, das Uebereinkommen habe so große Vers dienste, weil es von neuem die Solidarität der Aliierten zeige. Die Deutschen würden sicher in der Zeit bis zur Londoner Kons ferenz Buntte herauszufinden wissen, bei denen sie die Alliierten veranlassen fönnten, verschiedener Ansichten zu sein, um sie dann gegeneinander auspielen zu fönnen. Die heftigen Leits artikel der deutschen Presse brauchten aber nicht allzu ernst gea Deutschlands, um es gültig zu machen. Deutschland werde nommen zu werden. Das Abkommen erfordere die Zustimmung vielleicht so unflug sein, das Ablommen abzulehnen. Der Berichterstatter des Blattes gibt in einem langen Telegramm eine Uebersicht über die Aeußerungen der Berliner Presse zu den Forderungen der Alliierten. Er schreibt, die dentiche Regierung werde ich wohl eher bazu entschließen, die Schieber z befteuern, als Bassivität zu zeigen, während die Franzosen das Ruhrgebiet belegten und die Engländer die deutschen Zölle vers walteten. Daily Expreß" meldet aus New York: Der Vorsitz de der Chase National Bant erklärte, die Entschädigungsbeding gungen der Pariser Konferenz leien allzu streng. Er fönne sie nicht optimistisch beurteilen. Eine Gruppe von Wirts shaftlern in den Bereinigten Staaten ist der Ansicht, daß die Ents adigungslumme niemals bezahlt werden wird, da bie Alliierten schließlich einsehen werden, daß fie Deutschland thre eigenen Märkte ausliefern müssen, um Deutschland die Bezahlung in Waren zu ermöglichen. Es wird sogar der Ansicht Ausdrud ges folche Arbeitslosigkeit zur Folge haben werde, daß die franzöfifchen geben, daß die Bezahlung in deutschen Waren in Frankreich eine Arbeiter einen höheren Schußtarif ferdern werden, um Deutschland zu verhindern, seine Zahlungen fortzuführen. Die italienische Presse Rom, 30. Januar. Die italienische Bresse bespricht die Ergebnisse der Pariser Kons ferenz. Tempo" schreibt: Die Entschädigungssumme wurde durch eine so phantastische 3ahl festgestellt, daß die, welche fie festgestellt haben, wohl selbst daran zweifeln, ob es möglich ist, fie von einem Lande zu bekommen, das sich im Zustande Deutschlands befindet. Messaggero" schreibt: Wenn die En tentemächte ihre Forderungen an Deutschland aufrechterhalten, laufen fie Gefahr, ihren eigenen Wiederaufbau zu Bariser Konferenz tönnten wohl der francobritischen Hegemonie verhindern. Popolo Romano" erklärt, die Beschlüsse der nüglich fein, nicht aber Italien, dessen Industrie stark bedroht sei. " Epoca" lagt, die Konferenz sei nicht nur unnüt, sondern schädlich gewesen, und die Folgen würden bald sichtbar werden, Die Deutschen, die noch nicht geborer find, sollen als reife Männer noch die Last ertragen, die ihren Vätern auferlegt wurde. Bayern ohne Scham ( Eigene Drahtmeldung der Freiheit") Mündjen, 31. Januar. Führerbund in Bayern verboten. Darauf wurde der Republis Im September vorigen Jahres wurde der Republikanische fanische Schug bund begründet, der seitdem ständigen Schis fuchungen beim Borsigenden und beim Sekretär des Republi fanen durch die Polizei ausgelegt ist. Gestern fanden Hauss fanischen Schutzbundes statt, unter dem Vorwand, daß man Waffen und Munition suche. In Wirklichkeit aber war es der Polizei nur um die Atten und die Mitgliederliste des Bundes zu tun, die beschlagnahmt wurden. Heute Nach mittag erließ der Staatskommissar und Polizeipräsident von München, Herr Böhner, eine Verfügung, auf Grund deren im Interesse der Staatssicherheit" alle Veranstaltungen und Vers Jammlungen des Republikanischen Schuhbundes verboten werden. In der Begründung wird darauf hingewiesen, daß das Programm bes Republikanischen Schuhbundes, die Republik zu schützen, nur ein Vorwand für umstürzlerische Ziele wäre. Dabei wird die U. S. P. in Zusammenhang mit der angeblichen Wehrabteilung des Republikanischen Schutzbundes gebracht. Ein Sohn auf die Rechtszustände ist in der Begründung ein Hinweis auf den Erla k des Reichspräsidenten vom 30. 5. 20, wonach freiwillige militärische Berbände nicht gebildet werden dürfen Als ob die Banerische Einwohnerwehr ebenso wie die Orgeschbünbe feine freiwilligen militärischen Berbände wären, die nach den Erlaß des Reichspräsidenten aufzulösen sind. Die Wehrabteilung des Republikanischen Schußbundes aber ist eine unbewaff nete Vereinigung von Republikanern, die sich leine andere Auf gabe gestellt haben, als die Republik zu schützen. Da dieser Bund aber eine Gefahr für die monarchistischen Umtriebe in Bayern dar stellt, wurde er von der Polizei verboten. Der Spitzelfumpf den Zollverwaltungsbestimmungen Deutschlands, die geeignet wäre, Ausschuß des Reichsrats tritt im Laufe des morgigen Vormittags Feststellung des Reichswehrministers Gehler, daß die Nach den Ertrag der Zölle zu vermindern, barf ohne Zustim mung der Reparationstommission vorgenommen werden. Die Gesamtheit der deutschen Zolleinnahmen wird für Rechnung der deutschen Regierung durch einen Generalzolleinnehmer für die deutschen Zölle vereinnahmt werden, welcher von der deutschen Regierung mit Zustimmung der Reparationstommission ernannt werden wird. Falls Deutschland eine der in der gegenwärtigen Vereinbarung vorgesehenen Zahlungen unterlassen sollte, fann 1. die Gesamtheit oder ein Teil des Ertrages der deutschen Zölle in der Hand bes Generaleinnehmers für die deutschen Zölle durch die Reparations tommission beschlagnahmt und von ihr zur Erfüllung derjenigen Verpflichtungen verwandt werden, die Deutschland zu erfüllen unterlassen hat. In diesem Falle tann die Reparationstommission, wenn sie es für nötig hält, die Verwaltung und die Vercinnahmung der 3olleinnahmen selbst übernehmen, 2. bie forbern, bie Tarife zu Reparationstommission außerdem die deutsche Regierung aufDie Stellung Frankreichs Paris, 31. Januar. Ministerpräsident Briand wird, wie die Savas- Agentur meldet, am tommenden Donnerstag in der französischen Rammer über die Berhandlungen der Interalliierten Konferenz eine Erklärung abgeben. Wie der„ Temps" mitteilt, ist heute nachmittag der Oberste Kriegsrat im Elyse unter dem Vorsitz des Präsidenten Mille rand zu einer Sigung zusammentreten. Der fommunistische Abgeordnete Marcel Cachin hat bei ( Eigener Drahtbericht der Freiheit".) Unser Münchener Bartelorgan„ Der Kampf" schreibt zu ber München, 31. Januar. richtenabteilungen der Reichswehr aufgelöst feien, die von denselben Nachrichtenabteilungen ausgeübte Spigeltätig feit merde weiter betrieben, und zwar in einer Form, daß sie der Zuständigkeit des Reichswehrminifters entzogen feien. Einmal unterhält die Einwohnerwehr sogenannte Nachs richtenabteilungen, die im Münchener Ringhotel eine Zentrale bes igen, und dann hat der Münchener Polizeipräsident, Ochrana, ber berüchtigten politischen Bolizei bes 3aren, e Herr Pöhner, einen Spigeldienst organisiert, der der ähnlich ist. Die Ergebnisse der Schnüffeleien des Herrn Pähner tehen der Orgesch zur beliebigen Benuhung zur Verfügung. Aus listen ber Orgesch zusammengestellt, nach benen beim nächsten Orgeschputsch die Orgefchleute ihre Pogrome veranstalten. Here dem Präsidenten der Kammer eine Interpellation über diesem politischen Spigelmaterial werden die Prostriptions die äußere Politif der Regierung eingereicht. Die tschechische Regierung gegen die ungarische Juftiz. Die Böhner benußt sein Amt Jogar bazu, auch bei den nichtbayrischen Einnahmequellen andere von dieser Kommission für unumgänglich in dem fie gegen die Verurteilung der Boltstommiffare Proteft auf amtlichen Wege zugänglich gemachte Material wird dann ber erachtete Maßnahmen zu treffen, 3. wenn diese Aufforderung ohne einlegt und die Nichtvolltredung der Todesurteile verlangt. Gie geheimen 3entrale ber monarchistischen Umsturzbewegung zuge Erfolg bleiben sollte, so tann die Kommission die Tatsache der hofft, daß diese Intervention einen Erfolg haben werde. führt. Giesberts räumt auf! Entlassungen bei der Post Der Herr Reichspostminister scheint zu finden, daß das Verhalten zahlreicher Unternehmer, die rüdsichtslos die Zahl der Arbeitslosen täglich vermehren, ein treffliches Vorbild auch für die Reichsbehörden ist. Er macht es ihnen nach und erläßt an die Oberpoftdirektionen eine Verfügung, nach der diese Zeit maßlos gesteigerter Arbeitslosenzahlen und entseglichsten Massenelends benutt werden soll, um die Hilfskräfte bei den Postbehörden zu ents Tassen. Jm Juli vorigen Jahres war bei der Postbehörde die Arbeitsstredung eingeführt worden, um Entlaffungen zu vermeiden. Jetzt verfügt Herr Giesberts, daß der Augenblid zur Aufhebung dieser Vorkehrung zur Verminderung der Arbeitslosigkeit gefommen ist und die Silfskräfte zu entlassen seien. In seiner Verfügung heißt es: „ Mit Rüdicht auf die nachteiligen Folgen, die durch Beibehaltung entbehrlichen Personals, insbesondere durch die im Juli vorigen Jahres versuchsweise zugelassene Arbeitstredung je länger je mehr entstehen, foll bie Arbeitsstredung, nuninehr aufgehoben werden und die Entlassung der dadurch entbehrlich werdenden Hilfskräfte erfolgen. Auch alle sonstigen Hilfskräfte, die entbehrlich sind, sind außer Bes schäftigung zu sehen." Es folgen sodann einige Anweisungen über die Ausführung der hiernach vorzunehmenden Entlassungen, wo bei sich der Herr Postminister zum Teil auf frühere Verfügungen, zum anderen Teil- notgedrungen auf allgemeingültige Verordnungen über Entlassungen stützt. Dann heißt es weiter: Den zu Entlassenen ist der Dienst unter Innehaltung der tarifvertraglichen Frist sogleich zu fündigen. Damit die in Betracht kommenden Bersonen Zeit haben, fich nach einer anderen Beschäftigung umzusehen, find sie unter Auss händigung der ihnen zustehenden Bezüge sogleich vom Dienste zu entbinden." Herr Giesberts hat es also eilig. Seine Verfügung trägt die Ueberschrift:„ Sofort, noch heute!" Und außerdem sollen, wie das oben wiedergegebene 3itat aus der Verfügung zeigt, die Gekündigten so gleich auf die Straße gelegt werden. Dieses Vergnügen läßt der Herr Reichspoftminister sich sogar etwas tosten. Er verfügt nicht nur, daß den Entlassenen alle ihre Bezüge ausgehändigt werden sollen, sondern legt in weiteren Bestimmungen auss führlich dar, in welch loyaler" Weise diese Bezüge zu be= rechnen find. Sogar die vom Reichstage beschlossene Er höhung der Teuerungszulagen, diese Groschen für die Lohnempfänger, find allen Entlassenen rückwirkend vom 1. Januar ab bis zum Tage des Ablaufens der Kündigungsfrist zu zahlen. Kurzarbeiter find dabei nach den Sägen für Vollarbeiter abzufinden. Diese Geldaufwendungen, die in der Zeit des ewigen Jam mers über die Finanznot auffallen müssen, macht Herr Giesberts, um die Gekündigten sofort loszuwerden. Er schützt Soziales Verständnis vor, indem er sagt, den in Betracht tommenden Personen müsse Zeit gegeben werden, sich nach einer anderen Beschäftigung umzusehen. In Wirklichkeit fürchtet aber dieser alte, mit allen christlichen Wassern ge waschene Gewerkschaftsbonze wohl nur, das Verbleiben der Gefündigten während der Kündigungsfrist im Dienst fönnte Unruhe in die Betriebe tragen und eine unbequeme Betätigung der Solidarität des Postpersonals hervorrufen. err Giesberts zieht den schnell und sicher ge= führten Streich vor, der die Postangestellten überrascht und vor eine unabwendbare Tatsache stellt. Oder ist Herr Giesberts so fühn, weil er glaubt, daß er den Beamten seines Ressorts alles bieten fann? Er mag Recht haben. Auch die in den Verbänden des Deutschen = Beamtenbundes organisierten Postbeamten haben erst fie feine Solidarität fennen, daß fie lieber andere für sich jüngst gezeigt, daß fie ihr Recht nicht zu wahren wissen, daß tämpfen lassen, wie jüngst die Eisenbahner, für die Gesamt heit des organisierten Beamtentums eintreten mußten. Dennoch ist dieses Vorgehen des Reichspostministers durch nichts zu rechtfertigen. Der Defizitmisere der Post fann durch diese Entlassungen auch nicht abgeholfen werden, und ein großer Teil der Beträge, die allenfalls gespart wer den, wird auf der anderen Seite in Gestalt von Erwerbs Iosen Unterstügung wieder gezahlt. Der Gewinn, den die Staatstasse davonträgt, ist also gering, der Schaden aber, der der Arbeiterklasse und damit der Gesamtheit des Voltes aus dieser neuen Vers mehrung der Arbeitlslosen erwächst, ist unermeßlich groß. Herr Giesberts wird sich vor dem Reichstag für feine Handlungen zu verantworten haben, und er wird zu der Erkenntnis zu bringen sein, daß er sich nicht nur als Ressortminister zu fühlen hat, sondern, daß es als Mitglied des Reichstabinetts feines Amtes ist, das Gelamtinteresse der großen masse des arbei tenden deutschen Volfes im Auge zu behalten. Gr hat es durch seine„ Sofort, noch heute!" zu verwirkligende BVerfügung auf das schamloseste verlegt. Billige Versprechungen Reichsfinanzminister und A. D. G. B. über die Arbeitslosigkeit Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund hatte an die Reichsregierung das Ersuchen gerichtet, in einer Aussprache mit den Ministern der beteiligten Ressorts die Frage zu erörtern, was ge schehen tönne, um die Arbeitslosigkeit durch vermehrte Arbeitsbeschaffung zu mildern. Die Besprechung fand am 30. Januar statt. Die Vertreter des Gewerkschaftsbundes forderten die Finanzierung von Wohnhausbauten und die Aufwenbung von öffentlichen Mitteln für die Reparatur von Säusern. Ferner müsse die Eisenbahn sowie die Post mit größeren Aufträgen herauskommen, da das Bedürfnis nach Neuanschaffungen bei den Verkehrsunternehmungen des Reiches außer allem 3weifel sei. Allerdings müßten die hohen Gewinne der Industrie ausgemerzt werden. Das preußische Landwirtschaftsministerium müsse sofort die in Aussicht genommene Kultur von Debländern und Moorboden ausführen. Den Vertretern der Gewerkschaften wurde entgegengehalten, daß bisher bereits ein Aufwand von ungefähr 2½ Milliarden M. aus Mitteln des Reiches, der Staaten und der Gemeinden für Arbeitsbeschaffung verwandt worden ist. Es sollen auf diese Art 200 000 Arbeiter vier Wochen lang in Beschäftigung gelangt sein. Das Easenbahnministerium erflärte, es fönnten Aufträge fär insgesamt 16 Milliarden Mart herausgegeben werden. Aehnlich flang die Antwort des Post ministers, der soeben die Ar beitslosigkeit vermehrt, indem er seine Silfskräfte plöglich und rüdjichtslos auis Pflaster wirft, wie wir an anderer Stelle mitteilen. Es wurde auch zugefagt, für den Wohnungsbau in den Bergwerfsbezirten eine bessere Regelung in die Wege zu leiten. Man befand sich also in voller Uebereinstimmung. Aber die Ausführung eines solchen Programms ist abhängig von der guten Miene des Finanzministers, wurde gleichzeitig betont. Der Finanzminister, der sich wohl von den organisierten Steuerbrüdebergern immer mehr an die Wand quetschen läßt und ihren unverschämten Forderungen immer mehr nach gibt, der aber eine verblüffende Energie an den Tag legt, wenn Forderungen gestellt werden, die der Förderung des ge. samten Wirtschaftslebens und damit der Minde= rung der Arbeitslosigkeit dienen sollen. Er hat weder rung der Arbeitslosigkeit dienen sollen. Er hat weder den Mut noch den Willen, die Steuermittel aus den zum Blaken vollgepfropften Taschen der Wucherer und Schieber zu entnehmen und sie diesen Aufgaben zuzuführen. Und darum tarieren wir so: Nach der Unterredung, in der man fich, wie gesagt, in voller freundschaftlicher Uebereinstimmung befand, werden sich die Herren Minister in ihre Ressortstuben zu rüdgezogen haben, um in trautem Frieden eine behagliche Zigarre zu rauchen. Sie haben ihr Gewissen durchaus nicht mit brüden den Versprechungen belastet, sondern haben zugesagt, daß fie natürlich alle Hände rühren werden, um den Arbeitslosen zu helfen. Wenn nur der böse Finanzminister nicht wäre! Er ist eine herrliche Schuhwand, hinter der man wirklich mit preußis scher Ruhe die laufenden Amtsgeschäfte erledigen kann. Aber das wird nicht lange so weitergehen. Wenn die Herren glauben, daß sie nichts aus dieser sicheren Ruhe stören könnte, so werden sie sich täuschen. Am 20. Februar beiden Preußen Landtagswähler heraus! Drei Wochen trennen uns noch von den Preußenwahlen. Diese Zeit muß benügt werden, um die Maffen gründlich aufzurütteln, Damit sie durch Wahlfaulheit nicht dazu beitragen, der Realtion am 20. Februar zu einem billigen Wahlerfolg zu verhelfen. Die 1. S. P. D. veranstaltet in den nächsten Tagen folgende Versamma lungen: Dienstag, den 1. Februar, abends 7 Uhr: Pharusfäle, Müllerstraße 142. Schulaula, Gleimstraße 49. Gartenstraße 25. Pflugstraße 12. Grünthaler Straße 5. Manteuffelstraße 7. Reichenberger Straße 67. Arminhallen, Kommandantenstraße 58/59. Neukölln, Aula Oberrealschule, Emser Straße. Neukölln, Hohenstaufensäle, Rottbuser Damm 76. Charlottenburg, Boltshaus, Rofinenstraße 4. Schöneberg, Schwarzer Abler, Sauptstraße 144. Tegel, Lokal Bellevue, Spandauer Straße. Adlershof, Wölfteins Lustgarten, Bismardstraße 73/74. Friedrichshagen, Schröders Festsäle, Friedrichstraße. Mittwoch, den 2. Februar, abends 7 Uhr: Moabiter Gesellschaftshaus, Wicleffstraße 24. Residenz- Festfäle, Landsberger Straße 31. Nationalhof, Bülowstraße 37. Köpenid, Stadt- Theater. Röntgental, Waldhaus Werwolfstraße. Weißensee, abends 7% Uhr, Aula Wölfpromenade, Referent Genosse Ledebour. Rubow, abends 7% Whr, Weblers Lotal, Referent Genoffe Freund. Donnerstag, den 3. Februar, abends 7 Uhr: Pantow, Schulaula, Wollantstraße. Mariendorf, Aula des Gymnasiums, Raiserstraße. Freitag, den 4. Februar: Stralan, abends 7 Uhr, Alte Taverne. Arbeiter, Männer und Frauen des Volfes! Besucht diese Bersammlungen. Werbt für die Unabhängige Sozialdemos damit am 20. Februar die Realtion eine gründliche Ab tratische Partei. Bringt den legten Mann auf die Beine, rechnung erhält. Nicht das Preußen der Kasernen und bes Kommistiefels kann Euch aus dem Elend befreien, sondern die sozialistische Gesellschaft! wahlen werben sie die erste Antwort erhalten. Alles wird an Schuld turmhoch gehäuft wird durch die Reichsregierung, wird an diesem Tage mit zur Abrechnung fommen. Kapitalistische Landesverräte ( Eigene Drahtmeldung der Freiheit") Kattowig, 31. Januar. In Obergloga u veranstaltete ber deutsche Millionär Graf Oppersdorf eine Propagandaversammlung zugunsten der Abftimmung für Polen. Es ist in Oberschlesien bereits seit Mo naten ein öffentliches Geheimnis, daß Graf Oppersdorf ebenso wie eine Reihe anderer bekannter deutscher Großindustrieller und Magnaten Tausende für die polnische Propaganda ausgeben. Seltsamerweise berichtet die bürgerliche Presse erst jest barüber, und auch nur über die Tätigkeit des Grafen Oppersborf, während bie Ramen seiner fapitalpatriotischen Gesinnungsgenossen nicht genannt werden. In demselben Sinne aber wie Graf Oppers dorf hat sich in dieser Versammlung auch der Generalbiret. tor der Thiele Wintlerschen Werte, Dr. Shapper, geäußert. Bon diesem ist ebenfalls seit Monaten bekannt, daß er für die polnische Propaganda arbeitet und sicherlich auch Geld ausgibt. Er ist aber auch der Vertrauensmann bes Grafen Thiele Wintler, dessen Haltung damit ebenfalls zur Genüge gekennzeichnet ist. In diesem Zusammenhang muk auch der bekannte Magnat, Fürst Pleh, genannt werden, der ebenfalls, mindestens mit den französischen Gewährsleuten ber Bolen, wahrscheinlich aber auch mit den Polen selbst, enge Füh lung genommen hat. Natürlich getrauen sich diese Geldjadpatrioten nicht, ihr landesverräterisches Treiben und ihre Ansicht über die Boltsabstimmung vor der Deffentlichkeit mit ihren Namen zu vertreten. Vielmehr schweigen sich die gesamten Magnaten und Großindustriellen auch augenblidlich über die Frage der Voltsabstimmung aus. Das tommt deutlich bei einer Dentschrift zum Ausbrud, welche die einzelnen Generaldirektoren dem General l'Arronge überreicht haben, die aber bisher unveröffentlicht geblieben ist. Selbst der Reichsregierung hat man sie nicht zur Kenntnisnahme überreicht. Es scheint also, daß ihr Inhalt für den Ruf der oberschlesischen Großindustriellen so ungünstig ist, daß sie ihr Bekanntwerden zu scheuen haben. Wahlfieg der USPD ( Eigener Drahtbericht der Freiheit.) Tönning, 81 Januar Bei der Neuwahl des Bürgermeisters in Tönning( Schlesw. Solft.) haben erhalten Dölz( U. G. P. D.) 665 Stimmen, 21 mmen( Verein. bürgerl. Barteien) 660 Stimmen, Blauel ( S. 3. D.) 90 Stimmen. Döl i fomit zum Bürgermeister gewählt. Tötliche Verlegenheit Die Rote Fahne" ist ganz verstört durch die Veröffentlichung des Briefes ihres Vorsitzenden Paul Levi an den Moskauer Bertreter in Berlin in unserer Ausgabe vom Sonntag. Wie peinlich diese Angelegenheit für die Kommunisten ist, wie uns angenehm fie es empfinden, daß einmal an einem konkreten Beis spiel vor aller Deffentlichkeit enthüllt worden ist, wo, wie und von wem jene Politit gemacht wird, die zwar als die Politik revolutionärer Massen ausgegeben wird, bei dez indes bie revolutionären Massen nur die willenlosen Schachfiguren sind, das ergibt sich daraus, daß die Rote Fahne in einer fettgebrudten Erwiderung diesen Brief unb Jeinen Inhalt selbst mit teiner Silbe era wähnt. Je fetter gebrudt die Artikel und Aufrufe in der„ Roten Fahne find, um so einfältiger sind sie in der Regel. In diesem Falle versucht man es wieder einmal mit der durch fette Lettern here ausgebrüllten Verleumbung gegen uns, daß wir den Staats fommissar Weißmann auf die Anwesenheit des Vertreters der Erefutive in Berlin aufmerksam gemacht hätten und damit der Denunziation schuldig geworden seien. Mas muß die Rote Fahne" wohl von ihren Lesern denken? Shazt fie so ein, daß sie erstens dieses Verschweigen des Briefes durch ihr Parteiorgan einfach hinnehmen? Und glaubt Sie weiter von ihnen, daß ihnen nicht bekannt ist, daß der Staats. fommissar selbstverständlich genau weiß, wer in Berlin weilt? Zudem ist die Verleumdung gegen uns doppelt dumm, weil man in unserer Veröffentlichung vergeblich nach irgendeiner Bezeichnung der betreffenden Persönlichkeit suchen wird. Aber auch das verschweigt die Rote Fahne" ihren Lesern, was alles zusammen den Zweck hat, durch die Ver dächtigung anderer über die peinliche Situation hinwegzukommen. Es gehört in der Tat eine Riefengeduld dazu, Lefer der Roten Fahne" und Mitglied der Kommunistischen Partei zu sein, eine Geduld, die deutsche revolutionäre Arbeiter wohl faum noch lange aufbringen werden. Das Riefendefizit im Reichsetat Der Reichsrat erledigte in seiner Montagssigung eine weitere Reihe von Ergänzungsetats für das Rechnungsjahr 1920. Jm Etat des Reichsarbeitsministeriums ist die Unters fügungssumme für Arbeitslose auf 450 Millionen erhöht worden. Der Etat der Reichsschuld hat eine erhebliche Erhöhung era fahren. In dem Etat der allgemeinen Finanzverwaltung sind 52 Millionen neu eingestellt als Reichsbeitrag an die Länder zu den Erhöhungen in der Beamtenbesoldung, und Bosten von 100 Millionen M. an die Länder zur Gewährung von Beihilfen aus gleichem Anlaß. Dieser Position hat die Reichsregierung bisher nicht zugestimmt. ein 3um Haupthaushaltetat machte der Berichterstatter Ministerial direktor Sachs u. a. folgende Ausführungen: Der ursprüngliche Etatentwurf Schloß mit 92,5 Milliarden ab. Jm ordentlichen Haushalt hielt er mit 39 Milliarden in Einnahme und Ausgabe bas Gleichgewicht, während beim außerordentlichen Etat ein Fehlbetrag von 49 Milliarden vorhanden war. Dieser vermehrte sich unter Hinzurechnung des Fehlbetrages der Post und Gisenbahnen um weitere 18 Milliarden, so daß es sich ins gefamt um einen Fehlbetrag von 67 Milliarden handelte. Die Ergänzungen für 1920 bringen eine weitere Verschlechterung der Finanzlage. Jm ordentlichen Haushalt ergibt sich nach Abzug einer Mehreinnahme von 88,9 Millionen eine Mehrausgabe von 448,4 Millionen, wodurch die Gesamtausgaben auf 39,5 Millis arden steigen. Die Ausgaben im außerordentlichen Etat wachsen burch die Ergänzungen um weitere 10,6 Milliarden an. Der Reichsfinanzminister hat bereits im Haushaltsausschuß des Reichss tages für das Rechnungsjahr 1921 einen Fehlbetrag auch beim ordentlichen Etat von 7 Milliarden in Aussicht gestellt. Durch die Ergänzungsetats ist die Summe der un gebedten Ausgaben des Reiches für das Rech nungsjahr 1920 auf rund 79 Milliarden ange wahlen. Zugleich werden weitere jährliche Zahlungen zur Ausführung des Friedensvertrages von uns vers langt. Nach dem Ergänzungsetat hat sich die Gesamtsumme der jährlichen Leistungen zur Ausführung des Friedensvertrages or feht auf 42,5 milliarden geſteigert. Für unsere finitos, von fchaft gibt es nur ein Gebot: Der ungeheure Fehlbetrag von 79 milliarden muß mit allen Mitteln strengster und rüdsichts Lofefter Beschränkung der Ausgaben vermindert werden. Nach einigen Bemerkungen des Staatssekretärs Lewald wurde bez Sauptetat angenommen. Deutscher Reichstag Sigung vom 31. Januar. Der Außenminister zur Ententenote Bor Eintritt in die Tagesordnung erhält das Wort Minister des Auswärtigen Dr. Simons: Gestern abend ist mir durch Fernschreiber der Wortlaut des Be Schlusses bekannt geworden, den die Pariser Konferenz am Sonnabend gefaßt hat. Das Original der Mitteilung, die die Konferenz an den Vorsitzenden unserer Friedensdelegation ges richtet hat, wird mir, wie ich annehme, spätestens morgen früh zu Händen sein. Das Schriftstück ist außerordentlich lang und umfangreich. Es ist diese Nacht und heute Vormittag im Auswärtigen Amt überseht und vervielfältigt und unterliegt gegenwärtig ber Beschlußfassung des Kabinetts. Ich habe heute morgen im Kabinett Borirag darüber gehalten und werde heute nachmittag den Vortrag fortsetzen. Ich habe nicht die Absicht, heute schon auf diese Gedanken einzugehen. Es ist vielmehr nur Soviel flar, daß der Beschluß besteht aus einer Note und zwei Anlagen. Die Note nimmt Bezug auf die Anlagen. Die Be schlüsse, bie gefaßt worden sind, behandeln einerseits die Ent waffnungsfrage, andrerseits die Reparations. frage. So teilen sich auch die Anlagen in ein Arrangement in der Reparationsfrage und eine Reihe von Entscheidungen in der Entwaffnungsfrage. Während die Entscheidung in der Entwaff nungsfrage als endgültig bezeichnet wird, ist die Ents Schließung in der Reparationsfrage derart, daß es zunächst Propos fitionen sind, von denen allerdings mit Nachdruck gesagt wird, daß fie einstimmig angenommen find. Gleichzeitig wird die Deutsche Regierung eingeladen, qualis fizierte Bertreter auf Ende Februar nach London zu senden. Ich bin nicht in der Lage, solange die Beratungen des Kabinetts noch nicht abgeschlossen sind, näher auf den Inhalt einzugehen und meinerseits dazu Stellung zu nehmen. Es liegt mir aber außerordentlich daran, daß dies von der Regierung und von mir persönlich sobald als möglich geschehen tann. Ich würde es bantbar begrüßen, wenn das hohe Haus beschließen würde, morgen an erster Stelle die Beratung der Beschlüsse der Pariser Konferenz auf die Tagesordnung zu sehen, damit wir in der Lage sind, gleich hier in dem hohen Hause von regierungswegen und von parla mentswegen zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Infolgedessen möchte ich bitten, daß fein anderer Gegenstand morgen vor diesem auf die Tagesordnung gesezt wird und mir Zeit gelassen wird, mich auf dieses Thema vorzubereiten. Präsident Löbe: Unter dem Eindruck der eben gehörten Mit teilung möchte ich vorschlagen, in die Beratung der heutigen Tagesordnung nicht einzutreten, sondern die Gizung jezt abzubrechen. Für den Fall Ihrer Zustimmung schlage ich weiter vor, bie neue Sigung morgen nachmittag 4 Uhr anzusehen mit der Tagesordnung: Entgegennahme einer Erklärung der Reichs regierung. Das Haus ist damit einverstanden. Schluß 1% Uhr. WEISSE WOCHE Herren- Artikel Oberhemden weiss, wt! Pikee- Falleneinsatz, o. Mansch, 8850 mil Men- 9500 schellen Gesellschaftshemd Smoking 14500 sleifer Einsatz, Pikee, jeste Manschetten, Rockform Stehkragen 4ach, umgelegte Ecken, Stück 750 Stehumlegekragen 4lach, In verschiedenen Höhen........ Sinck 950 Taghemden gutes 4950 5800 6950 Hemdentuch, versch. Faltenstellung. Nachthemden w.farbig, waschecht, Besatz u.Tasche 7250 8500 9500 Sporthemden weiss Panamastoft, mit losem Kragen........ Mansdieffen fach Zephir- Oberhemden mit passenden Kragon.. 7800 Pear 1200 9850 Stickereien u. 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Stg.nachm.: Der letzte Walzer Unter den Kleines Theater inden 44 Täglich 7, Uhr: Gajanovas Sohn Residenz- Theater Täglich 7% ihr: Lady Windermeres Fächer von Oscar Wilde ( Arnstädt, Sandrock, Toelle, Roroff, Falkenstein, Otto, Mamelok), Trianon Theater Täglich 8 Uhr: Das Wundermittel ( Käthe Haack, Jul. Falkenftein, von Ludwig Fulda Paul Morgan, C.v.Möllendorff, Luise Werckmeister, Alf. Haafe) Th. am Hollendoriplas Uhr: Bum 150. Male: Wenn Liebe erwacht... Rose Theater 7 Uhr: Deserteure Heute bis Donnerstag Gin idealer Gatte Deutsch. Künstl. Theater Allabendlich 71%, Uhr: Die Scheidungsreife 148 Folies Caprice ( Max Adalbert, Trude Hestarberg) am Oranienburger Tor Der Doppelgänger Der schlaue Theophil mit Ferd. Grünecker. Theater a. Kottbuser Tor. Kottbuser Straße 6-7. Tagl. 7%, u. Sonntag Elite- Sänger Zum Schloß Der nachm. 8 Uhr Kriegsgewinnier." Nachm.nalbe Pr.! Vorv. 11-1% u. 4-6 a.d.Tageskasse u. 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Todes- Anzeige Den Kollegen zur Nachricht, daß folgende Mitglieder gestorben find: Der Metallarbeiter Karl Heidemann am 27. v. Mits. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 2. Febr. 1921, nachmittags 14 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral Friedhofes Friedrichsfelde aus ftatt. Der Dreher am 28. v. Mts. Erich Abraham Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 3. Februar 1921, nachmittags 2, Uhr, von der Leichenhalle des Kuchhofes in Marzahn aus ftatt. Der Werkzeugmacher Georg Jander Charlottenburg. Kantstr. 82, am 28. v. Mts. Die Beerdigung findet am Dienstag. Den 1. Febr. 1921, nachmittags 24 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes in Stahnsdorf aus statt. Die Arbeiterin Hermine Bartels am 29. v. Mis. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 2. Febr. 1921, nachmittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des Luifen Kirchhofes, Fürstenbrunner Weg, aus statt. Die Arbeiterin Therese Ollech Boghagener Straße 38, am 29. p. Mts. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 1. Febr. 1921. nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Lichtenberger Kirchhofes, Lykfir., aus statt. Der Schloffer a 29. v. ts. Richard Rost Die Beerdigung findet am Dienstag, den 1. Febr. 1921, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Parochial Kirchhofes, Boghegener Straße, cus ftatt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf Den Kollegen zur Nachricht, daß folgende Mitglieder verstorben sind: Der Schloffer am 10. v. Mts. Die Arbeiterin Alfred Ludwig Selma Roppertz am 22. n. ts. Der Einrichter am 26. s. Mts. Ernst Jänicke Ehre ihrem Andenken! Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Berband Berwaltungsstelle Berlin N. 54, Linienstr. 33-35 Geschäftszeit von vorm. 9 Uhr bis nachm. 4 Uhr. Telephen: Ami Norden 185, 1239, 1987, 9714. Achtung! Auto- Schloffer Achtung! Donnerstag, 3. Februar 1921, 5 r in den Musikerfälen, Kaiser- Wilhelm- Str. Vollversammlung aller in den Auto- Reparatur- Betrieben Groß Berlins beschäftigten Kollegen u. Kolleginnen Tagesordnung: Unsere Lohnbewegung! Bflicht aller Kollegen ist es, 1 erscheinen und zu diefer äußerit wichtigen Tagesordnung Stellung zu nehmen. Mitgliedsbud legitimiert. Erscheint in Mafen! Die Ortsverwaltung. Stenotypistin, erste Kraft möglichst zum fofortigen Antritt gesucht. Bebingung: Mitglied einet Freigewerkschaftliche Betriebsrätezentrale Berlin SO 16, Engelsfer 15, 2 ter Sof Afaorganisation. Nur schriftliche Bewerbungen erbeten an dis Botenfrauen ftellt sofort ein Spedition Wuzky, Johannisftr. 6 Nr. 51 Groß- Berlin Unsere Flugblattverbreitung Am Sonntag fanden sich unsere Genossen seit der Spaltung zum eriten Mal in ihren Bezirkslokalen zusammen, um eine umfassende Propaganda in die Wege zu leiten. Es galt, unser Wahlflugblatt in die Wohnungen zu bringen. Es muß gejagt werden, daß unsere Parteifreunde fast überall eifrig Hand ans Wert legten. Die Arbeitsfreude wächst, noch nie vorher standen soviel Genossen und Genossinnen zur Verfügung, um die Arbeit zu tun. Deshalb ging auch die Verteilung prompt vonstatten, mit Ausnahme der ganz schwachen Bezirke, wo die Genossen etwas mehr auf sich nehmen mußten. Auch die S. B. D. waren unterwegs, um ihr Blatt: Gegen Junker, Unabhängige und Kommunisten, den Wohnungsinhabern zuzustellen. Die K. P. D.- Leute waren auf der Suche nach Abonnenten für ihre Rote Fahne", die troz allem Geschrei nicht die Verbreitung finden kann, wie sie es möchte. Das Erfreuliche an der Sonntagsarbeit ist, daß Bestellungen auf die Freiheit" sich mehren. Wenn in dieser Weise die an= gefangene Arbeit fortgesezt wird und unsere Parteifreunde Aus dauer haben, dann geht es wieder aufwärts und vorwärts trog allem Gekeife des Bürgertums, der S. P. D. und der K. P. D. Die neue Kohlenverteilung Das Wirtschaftsamt in Reinidendorf wird in umfänglicher Meise als bisher die Kohlenverteilung selber ausführen. Es hat auf diesem Gebiete gute Erfahrungen gesammelt und will fie für die Allgemeinheit nugbar machen. Es ist angeregt wor den, in allen Bezirken Gemeindefohlenpläge zu schaffen, und Be triebsräte und sozialistische Funktionäre sollen sofort die Arbeit in die Wege leiten. Soweit es sich darum handelt, das Projekt aus Anlaß der in diesen Tagen neu aufzulegende neue Kohlentundenliste handelt, dürfte bis dahin teine Garantie gegeben fein, um für Berlin ein solches Projekt zur Durchführung zu bringen. Sol in Konturrenz mit dem privaten Handel an die Ausführung eines solchen Planes gegangen werden, müssen alle Borbedingungen dazu geschaffen werden. Im Handumdrehen ist das aber nicht möglich. Gerade im Interesse einer gesunden Rommurialisierung und um sie nicht zu diskreditieren, wird darauf hinzuarbeiten sein, daß mit Silfe der sozialistischen Parteien und Janter Inanspruchnahme der in Bälde in Kraft tretenden Begirtsämter eine Organisation zu schaffen, in der der Bevölkerung ene fichere Kohlenbelieferung gewährleistet wird. In Reiniden bori find diese Boraussegungen vorhanden, fie fehlen aber noch gänzlich in den Berliner Bezirken, in welchen zunächst auch nur hie proletarischen Bezirte in Frage fommen werden. Soffentlich laffen sich die in sozialistischen Händen befindlichen Bezirke die Gache sehr angelegen sein. Bezirksverband Berlin- Brandenburg. Alle innerhalb des Berliner Borortverkehrs liegenden Ortsgruppen, soweit noch nicht geschehen, Flugblätter umgehend abholen im Verbands bureau, Breite Straße 8-9. Distriktsleiter. Die am Sonnabend in der Zentralvorstandssigung angefündigten Kartothet- Karten fönnen täglich im Parteibureau in Empfang genommen werden. Der Ausschuß der Kinderschußkommission hält am Freitag, abends 6 Uhr, im Stadthaus, Eingang Klosterstraße, Zimmer 245, eine wichtige Sigung ab. 2. Berwaltungsbezirk( Tiergarten). Dienstag, den 1. Februar, abends 8 Uhr, bei Delschläger, Berlichingenstr. 5, FraktionsSigung. Beilage zur„ Freiheit" bezugsscheine für 3entralheizungsanlagen weitere 10 v. 5., jedoch nur in Gastots,( insgesamt also 60 v. 5. und 10 v. 5. in Gastots der im Bezugsschein festgesetzten Kohlenmenge) freigegeben. Ausgenommen von dieser neuen Freigabe find: 1. Verbrauchsstellen, welche bereits auf Grund früherer Frei gaben einen höheren Prozentsaz beziehen dürfen und 2. Verbrauchsstellen mit nur Warmwasserbereitungsanlagen. Da trot wiederholter Hinweise durch das Kohlenamt Berlin viele Verbraucher beim Abruf von Koksmengen auf die freigegebene Bezugsscheinmenge auf Lieferung von Schmelzfots beharren, welcher nach wie vor nur in durchaus unzulänglicher Weise dem Verforgungsbezirk Berlin zur Verfügung steht, haben sich auf den Gasanstalten größere Lager in Gastots angejammelt, so daß das Kohlenamt Berlin gezwungen ist, zur gleichmäßigen Verteilung der zur Verfügung stehenden Schmelztofs- und Gaskoksmengen vorstehende Freigabe nur in Gastots vorzunehmen. Berliner Schulreform". Dazu wird uns mitgeteilt, daß die Beseitigung der Michaelis Klassen so erfolgen soll, daß die überwiegende Mehrheit der Schüler in jeder Klasse beisammen bleibt und als Oster- Klasse weitergeführt wird. Im Kern der Sache, wie sie in dem Artifel am letzten Sonnabend geschildert ist, wird dadurch nichts geändert. Ueber Diebstähle im Osthafen wußte eine Korrespondenz aller= hand zu berichten. Die Deutschnationale Voltspartei im Rathause fragt den Magistrat, wie groß die Verluste seien, die durch Veruntreuungen im Osthafen entstanden sind und ob die Ver maltung die festgestellten Diebstähle bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht habe. Die Fragesteller wollen wissen, ob die des Diebstahls überführten Personen 2 bis 10 Tage ausgesperrt und dann wieder eingestellt worden seien. Die Fragen gehen noch weiter. Es wird ferner gefragt: 3. Jit es wahr, daß die Safenverwaltung neuerdings den 400 dort beschäftigten Arbeitern gestattet hat, täglich unentgeltlich bis zu 25 Pfund Kohlen oder Holz für ihren persönlichen Bedarf mitzunehmen, und aus welcher Verwaltung bzw. Kasse werden die Kosten für diese monatlichen 3000 Zentner Holz bzw. Kohlen gedeckt? Jit es wahr, daß dem Stadtrat Schüning, dem Dezernenten für die Berliner Häfen, in einer Versammlung der Hafenarbeiter bedeutet worden ist, daß er auch als Stadtrat nicht das Recht habe, unvermutet die Betriebe zu besichtigen, sondern daß er etwaige Besichtigungen dem Betriebsrat vorher anzumelden habe? Wie verhält sich Herr Schüning gegenüber dieser Forderung?" Wie man sieht, laufen die Fragen auf eine Diskreditierung der jezigen städtischen Verwaltung hinaus. Das geht schon aus der Form der Fragen hervor. Soweit wir über die Dinge unterrichtet sind, sind eine Reihe Ungehörigkeiten vorgekommen. Eine Untersuchung ist im Gange und es wird natürlich alles geschehen, um Unredlichkeiten in Zukunft zu verhüten. Gerade die Sozia listen haben den Standpunti vertreten, daß Arbeiter und Angestellte angemessen entlohnt werden müssen, daß sie sich aber nicht eigenmächtig auf Kosten der Allgemeinheit und zu ungunsten der Arbeiter und Angestellten anderer Betriebe besondere Vorteile verschaffen dürfen. Auch der Betriebsrat wird in diesem Sinne zu wirken haben und auch demgemäß sein Handeln einrichten. Von einem einfahrenden Zuge überfahren und getötet wurde gestern auf dem Bahnhof Aleranderplaz der Kaufmann Kolle aus Berleberg. Aus der Spree gelandet murde gestern die Leiche eines neugeborenen Kindes. Allem Anschein nach hat das Kind gelebt, ehe man es ins Wasser warf. Im Gebäude des Kriminalgerichts verhaftet wurde gestern ein Mann Namens Simon, der sich als Rechtsanwalt gerierte und als Synditus des Bundes der Vorbestraften auftrat. In Wirklichkeit mar Simon fein Rechtsanwalt, sondern murde wegen Unterschlagung von Kautionen und wegen Erpressung stedbrieflich verfolgt. Jugendbewegung Veranstaltungen der Ortsgruppen der S. P. J. Ortsgruppe„ Wedding". Dienstag, 1. Februar, 8 Uhr: Mitgliederversammlung. Freitag, 4. Februar, 18 Uhr: Vortrag. Sonnabend, 5. Febraut, 18 Uhr: Spielabend. Sonntag, 6. Februar: Wanderungen nach Straußberg- 3hlandsee und Eberswalde- Chorin. Treffpunkte werden auf den Beranstaltungen bekanntgegeben. Freigabe von Rohlentarten. Das Kohlenamt Berlin teilt mit: Bom 1. Februar 1921 ab werden zur Entnahme und Abgabe von Kohlen folgende weitere Abschnitte frei= gegeben: Abschnitt 8 der 12 Zentner- Kochtarte, Abschnitt 18 der 16 Zentner- Kochkarte, Abschnitt 28 der 24 Zentner- Kochtarte, Abschnitt 38 der 32 Zentner- Kochkarte, Abschnitt 17 und 18 der Sonderkarte und Abschnitt 19 und 20 der Kofstarte. Bevor zugt zu beliefern find die bereits früher freigegebenen Abschnitte ber Koch, Ofen, Kofs- und Sonderkarte, sofern sie nicht für verfallen erflärt sind. Gleichzeitig werden vom 1. Februar 1921 ab zur Belieferung auf Kohlenbezugsscheine für 3en= tralheizungs und Warmwasserbereitungsanlagen für Geschäftsräume der Reichs, Staats-, Gemeindeund Kirchenbehörden, der Berufsgenossenschaften und Krantenfaffen, sowie der Räume von gemeinnügigen Speiseanstalten und Solpizen und für alle übrigen Verbraucher auf Kohlen- ganisation, Neuwahlen. 3. Barilekung.) Carmen Novelle von Prosper Mérimée Hebertragen von Franz Schnabel Mit Gitanella gingen zwei andere Zigeunerinnen, eine junge und eine alte. Es ist stets eine Alte dabei, um sie zu führen; dann ein Alter mit einer Gitarre, um zum Tanze aufzuspielen, auch er ein Zigeuner. Sie wissen, daß man sich oft damit vergnügt, 3igeunerinnen in Gesellschaft tommen zu lassen, um sie ihren Tanz, den Romalis, aufführen zu fehen, oft aber auch anderer Dinge wegen. Carmen erkannte mich, und wir wechselten einen Blic. Jch meiß nicht aber in diesem Augenblide hätte ich hundert Fuß tief unter der Erde sein mögen. Guten Tag, Kamerad", sagte sie.„ Herr Offizier, Sie ftehen ja Wache wie ein gemeiner Soldat!" Und bevor ich ein Wort der Entgegnung hätte finden fönnen, war sie im Hause. Die ganze Gesellschaft befand sich im inneren Sof, und trotz der Menschenmenge sah ich durch das Gitter fast alles, was vorging. Ich vernahm die Kastagnetten, die Trommel, das Lachen und die Bravos; manchmal, wenn sie mit ihrer Trommel in die Höhe sprang, sah ich ihren Kopf. Ich hörte auch noch, wie ihr Offiziere Dinge sagten, die mir das Blut ins Gesicht trieben. Was sie antwortete, davon weiß ich nichts. Seit jenem Tage, glaube ich, fing ich an, sie allen Ernstes zu lieben; denn drei oder viermal tam mir der Gebante, in das Haus einzudringen und allen diesen Laffen, die ihr den Hof machten, meinen Säbel in den Bauch zu rennen. Meine Folter dauerte eine gute Stunde; dann tamen die Zigeuner heraus, und der Wagen führte sie davon. Carmen schaute mich noch im Vorbeigehen mit den Augen, die Sie ja fennen, an und sagte ganz leise: „ Landsmann, wenn man gerne gutgebadene Fische ist, so fann man welche in Triana bei Lillas Pastia bekommen." Leicht wie ein Zidlein sprang fie in den Wagen, der Kutscher peitschte seine Maultiere, und die ganze ausgelassene Bande fuhr fort, weiß Gott wohin. Gie tönnen ich denken, daß ich nach Ablösung der Wache nach Triana ging; aber vorher ließ ich mich rafieren und bürstete meine Kleider wie für einen Paradetag. Sie war bei Lillas Pastia, einem alten Fischbäder, einem Zigeuner, So schwarz wie ein Mohr, bei dem viele Bürger gebadene Fische aßen, befonders, glaube ich, seit Carmen hier ihren Aufenthalt genammen hatte. Versammlungsraum: Schule Müllerstr., Ede Triftstr., Sof, parterre Iints, erstes Zimmer. Soz. Prol. Jugend Reukölln. Das Jugendheim befindet sich jett Schierte Ede Jlsestr.( 7-10 Uhr). Dienstag baselbst zusammenkunft. Freitag Generalversammlung: Neuaufbau der Or Lillas", sagte fte sofort, als sie mich sah,„ heute tauge ich nichts mehr. Morgen ist auch ein Tag. Komm, Landsmann, wir wollen spazieren gehen." Sie zog ihre Mantilla vors Gesicht, und schon waren wir auf der Straße, ohne daß ich eigentlich wußte, wohin es gehen sollte. Gnädiges Fräulein", sagte ich zu ihr,„ ich glaube, daß ich Ihnen für ein Geschenk zu danken habe, das Sie mir in das Gefängnis geschidt haben. Das Brot habe ich gegessen, die Feile soll mir zum Schleifen meiner Lanze dienen, und ich will sie als Erinnerung an Sie aufheben; aber das Geld hier haben Sie es wieder." " „ Ei sich doch! Er hat das Geld aufgehoben", rief sie und brach in Lachen aus. Im übrigen, um so besser, denn ich bin nicht eben gut bei Kasse. Aber was tut's? Ein Hund, der sucht, stirbt nicht Hungers. Komm, wir verzehren alles. Du hältst mich frei." Wir hatten wiederum den Weg nach Sevilla eingeschlagen. Am Eingange der Schlangenstraße faufte fie ein Duzend Orangen, die sie mich in mein Taschentuch binden hieß. Etwas später faufte sie noch etwas Brot, eine Wurst und eine Flasche Mazanilla( Apfelwein); schließlich ging fie noch zu einem Zuderbäder. Hier warf fie das Goldstück, das ich ihr zurückgegeben hatte, und ein anderes, das sie in der Tasche trug, nebst einigem Gilbergeld auf den Ladentisch. Zulezt forderte sie von mir auch noch alles, was ich bei mir habe. Ich hatte nur eine Piecette und einige Cuartos, die ich ihr gab, sehr beschämt darüber, nicht mehr zu besitzen. Es sah aus, als wolle sie den ganzen Laden mitnehmen. Sie nahm alles, was schön und teuer war, gezuderte Eidotter, eine Art Mandeltuchen, eingemachte Früchte, soviel als sie eben mit dem Gelde taufen fonnte. Alles dies mußte ich in Papiertüten tragen. Sie fennen vielleicht die CandilejoStraße, in der ein Kopf des Königs Don Pedro des Richters angebracht ist. Der hätte in mir doch Bedenken erregen sollen. Wir blieben in dieser Straße vor einem alten Hause stehen. Sie trat in den Flur und flopfte am Erdgeschosse an. Eine Zigeunerin, eine wahre Teufelsdienerin, öffnete uns. Carmen sagte zu ihr einige Worte in Romani. Zuerst murrte die Alte, aber um sie zu befriedigen, gab ihr Carmen zwei Orangen und eine Handvoll Bonbons und erlaubte ihr, den Wein zu versuchen: Sie hängte ihr dann ihren Mantel über die Schulter und führte sie zur Türe hinaus, die fie darauf mit einem Querbalten verschloß. Sobald wir nun allein waren, fing fie an zu tanzen und zu lachen wie eine Verrüdte, indem sie beständig sang: Du bist mein Rom, ich Berrüdte, indem sie beständig fang: Du bist mein Rom, ich bin deine Romi. 3ch zahle meine Schulden, ich zahle meine Schulden, so ist es das Gelek der Zigeuner." Dienstag 1. Februar 1921 Gewerkschaftliches Urwahlen im deutschen Holzarbeiter- Berband Berjammlungskalender: Dienstag, den 1. Februar: U. E. P.- Mitglieder der Branche der Mujitinstrumentenarbeiter: Abends 7 Uhr, sehr wichtige Versammlung, im Arbeitslosensaal, Rungestraße 30. U. S. B.- Mitglieder der Stodarbeiterbranche: Nachmittags 5 Uhr, bei Magitowsti, Michaeltirchstr. 24, wichtige Zusammens funft. Tagesordnung in beiden Berjammlungen: Die Urs wahlen zur Ortsverwaltung und unsere Stel lungnahme dazu! Donnerstag, den 3. Februar, abends 6 Uhr: Die U. E. P.- Holzarbeiter aller Branchen und Bezirke treten in der Königsbant, Gr. Frankfurter Straße, zusammen, um zu der gegenwärtigen Situation Stellung zu nehmen. Das Erscheinen aller ist unbedingt Pflicht. Jeder Betrieb muß vertreten sein. Partei und Gewerkschaftsbuch legitimieren. Bezirksverband Berlin- Brandenburg 11. E. P. Die Geschäftsleitung: 3. A.: Friz Schneider. USP.- Funktionäre der Verkehrsbetriebe Am Dienstag, den 1. Februar, abends 7 Uhr, findet in der Musikersälen( Börsenjaal), Kaiser- Wilhelm- Straße 31, für die freigewertschaftlich organisierten Betriebsräte- Oblente und sonstigen Funktionäre, welche in Verfehrsbetrieben tätig sind, eine äußerst wichtige Versammlung statt. Parteibuch und Ausweis der freigewerkschaftlichen Betriebs räfezentrale legitimieren. Bezirksverband Berlin- Brandenburg U. E. P. D. Die Geschäftsleitung: J. A.: Frig Schneider. Nur noch ein Telegramm ( spätestens am Mittwoch Mittag von hier abgehend), kann Dir das Recht auf Teilnahme an der Volksabstimmung in Oberschlesien sichern. In Deiner Hand liegt jetzt die Entscheidung, ob Du Dir dieses Recht erhalten, ob Du mit Deiner Stimme dafür eintreten willst, daß Deine oberschlesische Heimat deutsch bleibt oder ob Du Dich dem gerechten Vorwurf des Verrats Deiner Landsleute aussetzen willst, die Du in der letzten Stunde der Entscheidung im Stich läßt. Liegen Schwierigkeiten vor, z. B. bei der Vertretung im Beruf, Geschäft oder Haushalt, so wende Dich vertrauensvoll an Deine Ortsgruppe. Sie wird mit Rat und Tat helfen. Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung während der Volksabstimmung ist feierlich zugesagt. Nur wenn dieses Versprechen erfüllt wird, werden wir Dir auch zur Reise zuraten. Vereinigte Verbände heimattreuer Oberschlesier. O mein Herr, jener Tag, jener Tag... wenn ich daran denke, vergesse ich, was morgen kommt. Der Bandit schwieg einen Augenblick; dann zündete er seine Zigarre wieder an und nahm von neuem das Wort. Wir verbrachten zusammen den ganzen Tag mit Essen, Trinken und mit dem übrigen. Nachdem sie wie ein sechs jähriges Kind Bonbons gegessen hatte, warf sie ganze Hände voll in den Wasserkrug der Alten, um ihr ein süßes Ges tränke zu bereiten, wie sie selbst sagte. Sie zerpreßte Demas und warf sie an die Wand: damit die Fliegen uns in Ruhe lassen, erklärte sie. Kurz es gibt feinen Streich und keine Dummheit, die sie nicht getrieben hätte. Ich sagte ihr, ich wolle sie tanzen sehen; aber woher Kastagnetten erhalten? Sofort nimmt sie den einzigen Teller der Alten, schlägt ihr in Stüde und siehe da, fie tanzt den Romalis und läßt dabei die Porzellanstüde ebenso trefflich flappern, als hätte fic Man langs Kastagnetten von Ebenholz oder Elfenbein. weilte ich nicht bei diesem Mädchen, dafür stehe ich Ihnen ein. Der Abend fam und ich hörte die Trommeln zur Heimfehr in die Kaserne schlagen. Du Ich muß zum Appell in die Kaserne", sagte ich zu ihr. " In die Kaserne?" rief fie mit verächtlicher Miene. bist wohl ein Sklave, der sich mit dem Stode regieren läßt? Du bist wirklich ein richtiger Kanarienvogel, an Kleidung wie an Charafter. Gehe, du hast ein Hasenherz!" Jch blieb, im voraus auf Arrest gefaßt. Am Morgen war sie die erste, die von Trennung Sprach: Höre, Joseito", sagte fie, habe ich dich bezahlt? Nach unserem Gesetz schuldete ich dir nichts, weil du ein Payllo bist; aber du bist ein hübscher Bursche und haft mir gefallen. Run find wir quitt. Guten Tag!" Ich fragte sie, wann ich sie wiedersehen könne. ,, Wenn du nicht mehr so albern bist", antwortete sie mit Lachen. Dann fuhr sie ernsthafter fort:„ Weißt du, mein Sohn, ich glaube, daß ich dich ein wenig lieb habe! Aber das fann nicht von Dauer sein. Hund und Wolf halten nicht lange gut Haus. Vielleicht, wenn du unser ägyptisches Gesetz annähmest, würde ich gerne deine Romi werden. Aber das sind ja Dummheiten, das ist nicht möglich. Bah! mein Junge, glaube mir, du bist noch gut davongekommen. Du bist dem Teufel begegnet, jawohl, dem Teufel; er ist nicht immer schwarz, und er hat dir den Hals nicht umgedreht. Ich bin zwar in Wolle gefleidet, aber ich bin fein Lamm. Geh, lege eine Wachsterze vor deiner Heiligen nieder, denn sie hat sie sehr wohl verdient. Also nochmals adieu. Dente nicht mehr an die Carmencita oder sie könnte dich mit einer Witwe mit Solzbeinen( d. h. mit dem Galgen) verheiraten." ( Fortjegung folgt.) Die Holzarbeiter im Bezirk Güdoften Der Kampf um Moskau oder Amsterdam ist auch in unserer Organisation aufs heftigste entbrannt und fast will es scheinen, als ob die Anhänger Mostaus mit ihren großen Wortschwall und Phrasen irgendwie nennenswerten Einfluß in unserer Organisa tion gewinnen würden, dem muß aufs Entschiedenste entgegengearbeitet werden. Die Anhänger Mostaus, die es in äußerst geschickter Weise verstehen, getreu den Anweisungen ihres großen Meisters Lenin in den jetzt stattfindenden Mitgliederverjammlungen für ihre Ideen Stimmung zu machen, holen aus ihrer Rüfttammer die veralteten Ladenhüter hervor und versuchen, auf dieje Art Stimmung für ihre Liste zu machen und es kommt ihnen dabei nicht darauf an, die Silferdinge, Leipart usw. in einen Topf zu werfen und als Arbeiterverräter zu stempeln. Frag: man sie aber, wie sie sich die Dinge für die Zukunft vorstellen, und melche Wege sie zu gehen beabsichtigen, dann kommen sie über einige nichtssagende Berlegenheitsworte nicht hinaus. Wir Holzarbeiter haben aber nun allen Anlaß, uns mit diesen überaus michtigen Angelegenheiten in allererster Linie zu beschäftigen, da nuken alle schönen Worte nichts, hier muß geredet und Farbe bekannt werden. Zu diesem Zwede tagte eine vom Bezirk Südosten einberufene Mitgliederversammlung, welche zu dieser Frage Stellung nehmen sollte, da aber der Saal um 7 Uhr geräumt werden mußte, nicht zu Ende geführt werden konnte. Der Kollege Reiset gab einen turzen Bericht von der Funttionärversammlung, vom 3. Januar, melcher darin austlang, in der am 5. und 6. Februar stattfindenden Urabstimmung für die Liste der U. S. B. einzutreten. Dieser kurze Bericht und Hinweis auf unsere Liste scheint es den Kommunisten besonders angetan zu haben, indem ihr Wortführer in einer 1% stündigen Rede auf alles mögliche hinmies, nur nicht auf die großen Vorteile, welche uns Mostau angeblich bieten soll. Die abgestandensten Ladenhüter wurden als Zugpferde in die Arena geführt, auch verschmähte es der Kollege nicht, vom Arbeiterverrat der Hilferdinge zu reden und die jetzige Ortsverwaltung mit in Berbindung zu bringen. Die stürmischen Unterbrechungen und Schlußrufe zeigten, daß unsere Kollegen nicht mit den Ausführungen einverstanden waren, aber wegen Räumung des Saales tonnte eine Zurüdweisung der Anschuldigungen nicht mehr stattfinden. Kollege Freigang fonnte sich nur auf eine furze Erklärung beschränken. Die vertagte Mitgliederversamm Iung, welche am Dienstag, den 1. Februar, nachmittags 4% Uhr, im Reichenberger Hof, Reichenberger Straße 147, stattfindet, wird den Kollegen Gelegenheit geben, ihre Ansicht den Kommunisten gegenüber zum Ausdrud zu bringen und wird aussprechen, wer die wahren Zersplitterer der Gewerkschaften sind. Kollegen, erscheint recht zahlreich am 1. Februar zu der Versammlung, und gebt Eure Stimme am Wahltage nur der un= abhängigen Lifte Freigang- Boeje. Die Bezirksleitung. Die Kirchengemeinden als Arbeitgeber. Seit etwa einem Jahre stehen die Berliner Friedhofsarbeiter in stetem Kampf mit ihren Arbeitgebern, den Kirchengemeinden. Im vorigen Jahr schien es, als ob lettere etwas Verständnis den Wünschen der Arbeiterschaft entgegenbrächten. Aber mit den durch die wirtschaftliche Rot erzwungenen weiteren Forderungen scheint der Profit der Gemeinden geschmälert und deshalb wuchs der Wider stand der Pfarrer gegen die Forderungen. Während die Löhne anderer Berufe, besonders der Industrie, immer weiter gestiegen sind und allermeist über 6 M. hinausgehen, mußten sich die Fried hofsarbeiter mit einem Höchstlohn von 4,60 M.( für Handwerker) zufrieden geben. Sie taten es, weil sie die schwere Verantwortung eines Streits in so lebenswichtigen Betrieben, wie dem Beerdigungswesen, nicht ohne weiteres auf ihre Schultern nehmen wollten. Die anfangs dieses Monats eingereichten Forderungen wurden von den Pfarrern abgelehnt. In demselben Moment, in welchem man sich selbst eine jährliche Aufwandsentschädigung von 5000 M. hatte bewilligen lassen, mutete man den Arbeitern erheblichen Lohnabbau zu. Wenn man selbst zirla 45 000. und mehr an Jahresgehalt bezieht, fennt man allerdings nichts von Rot und tann von christlicher Nächstenliebe gut reden. Was brauchen die Arbeiter hohen Lohn! Wenn sie Lohnzulagen haben wollen, dann ist in der Kirchenfasse stets fein Geld, dann haben die Friedhöfe nur hohe Defizite. Die Friedhofsarbeiter glauben das nicht mehr. Sie haben festgestellt, daß die Friedhöfe mit wenigen Ausnahmen Hunderttausende an Ueberschüssen abwerfen. Friedhofsarbeiter Berlins, merkt Euch das! So sieht das Wohlwollen der Kirchengemeinden aus. Die einzige Antwort darauf muß sein: Geschlossen einzutreten in Eure Organisation, den Verband der Gärtner und Gärtnereiarbeiter! Achtung! Töpfer! Wir laden alle Verbandskollegen, die auf dem Boden praktischer Gewerkschaftsarbeit stehen, ein, die Töpferversammlung, welche am Dienstag, den 1. Februar, abends 6 Uhr, im Gewerkschaftshause; Engelufer 15, stattfindet, zu besuchen. Die Tagesordnung lautet: Gewerkschaftsaufbau oder Gewerkschaftszersplitterung. Es ist die höchste Zeit, den Anhängern der 3. Jnternationale, die schon seit längerer Zeit unter sich Versammlungen. abhalten, einen Damm entgegenzusezen. Alle Kollegen, die nicht Anhänger der 3. Internationale sind, find eingeladen. J. A.: Ernst Müller. Tischler! Bezirk Südosten! Dienstag, den 1. Februar, nachmittags 4% Uhr, im Reichenberger Hof", Reichenberger Str. 147, Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: Fortsetzung der Diskussion über den Bericht der Versammlung vom 3. Januar: Mos fau oder Amsterdam? Musikinstrumentenarbeiter. Mittwoch, den 2. Februar 1921, nachm. 5 Uhr, in Kliems Festsälen, Hasenheide 13, Fortsetzung der Versammlung Amsterdam- Moskau. u. S. P.- Betriebsräte der Straßenbahn und Hochbahn. Die für Dienstag abend in der Arbeiter- Bildungsschule angesetzte Konferenz findet bereits um 5% Uhr statt. Den U. S. P.- Mitgliedern der Ladierer- Settion des Maler- Ber bandes wird der Besuch der am heutigen Dienstag, abends 6% Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27 c, stattfindenden Versammlung zur dringenden Pflicht gemacht. 1. Distriff. Aus den Organisationen Dienstag, den 1. Februar Die für heute angelegte Gigung der fommunalen Sammiffion findet morgen abend statt. 5. Dijtriit. Die für heute angesezte Sigung der Lommunalen Kommission findet morgen abend statt. 5. Dijtrift. 9. Abteilung. Alle arbeitslosen Genossen treffen sich nochmittags 2 Uhr, bei Michcel, Köpenider Str. 550. 16. Diltrili. Die Genossen und Genossinnen beteiligen sich an den Versamm fungen in der Pflugftr. 12 und in den Tharus- Sälen. 16. Diftrift. Borfandsligung 7 Uhr, bei Barleben, Burgsdorf, Ede Wildenom straße. Reafolls, weds wichtiger Auskunft werden die Bezirksführer dringend er« ucht, Fh heute abend 51 Uhr beim Genojien Kaufmann zu melden. Sleufän. 2. Bezirk. Wichtige Aussprache der Genossen, abends 7 Uhr, beim Senofen Ribbe, Hobrechtstr. 9. Charlottenburg. Kinherichatlommission. Abends 7½ Uhr, wichtige Sigung nit Verteilung im Volkshaus, Stehbierhalle. Mariendorf. Ron 5 Uhr abends ab Handzettel von Komnid abholen. Beißenice. Bet Neumann, Charlottenburger Str. 142, Sigung der Bildungss tommission. Sämtliche Mitglieder müssen erscheinen. Mittwoch, den 2. Februar 8. Diftrift. Borstandssigung einschl. Obleute der fommunalen Kommiffion, abends 7 Uhr, bei Rettichleg. Schreinerftr. 18. 8. Diftritt. Bildungstommiliton. Abends 7 Uhr, Sigung sämtlicher Mitglieder ber Bildungskommission bei Wittschus. Petersburger Str. 5. 16. Diftritt. Kommunale Rommision. Bollversammlung Schulaulo, Tegeler Straße 18:20, 7 Uhr. Wie Mitglieder sowie Funktionäre müllen erscheinen. Mariendorf. Abends 6 Uhr, bei Pieper, Bergstr. 35, engere Vorstandsfizung. Um 18 Uhr ebendort anschließend sämtliche Bezirksführer sowie der Wahlaus schuß und der Agitationsausichuß zur Sigung erscheinen. Johannisthat. 71 Uhr, öffentliche Frauenverfammlung im Lofal„ Luftverfchr", Friedrichstr. 10. Referentin: Gen. Frieba Wulff.. Vereinskalender Dienstag, den 1. Februar Deutscher Wertmeisier Berbend, Berlin 24. Holzindustrie, Fachgruppe 10. Mits glieder Versammlung abends 7 Uhr, Schultheih, Neue Jafobstr. 24-26. Gos. Proletarieringend Gefandbrunnen. Abends 7 Uhr, in der Mädchenschule. Gotenburger Str. 2, 3immer 1, part. links. Berliner Arbeiter- Schachllub, ht, Süden. Der zweite Spielabend der he teilung ist eröffnet und befindet sich jeden Dienstag, ab 7 Uhr, im Lofal non Adrian, Wolferthorstr. 16. Gäste und Anfänger wiltommen. Mittwoch, den 2. Februar Deutscher Transportarbeiter- Berband, Gruppe Briefumschlag und Papierause ftattungsbetriebe. Nachm. 5 Uhr, im Lota von Wegner, Seybelstr. 30, wichtige Gruppenversammlung. Bericht von der Tarifnerhandlung. Allgemeine Brauchenverjammlung der Muffinstrumentenarbeiter in Aliems Retsälen, Hafenbeide 13-15, 5 Uhr nachm. Tagesordnung: Fortsetzung der Ver Jammlung vom Dienstag, den 25. Januar. Geschäftliches Die Aleidermerte Baer Eohn, alleinige Verkaufsstelle in der Chauffeeftr. 29-30, tragen dazu bei, durch Anfertigung ber neuesten Modelle unter Verwenburg hervorragender Erzeugnisse der deutigen und ausländischen Luchtdustrie die Mode mitzubeftimmen. Die Preise für Maßanzüge und fertige le.bung find herabgefekt. Auch auf dem Gebiete des Preisabbaues bemüht sich die Firma Baer Sohn eine Vorläuferin zu sein. Verantwortlich für die Redaktion: Emil Rabold. Berlin. antwortlich für den Inseratenteil: Ludwig Komeriner, Karlshorit. h. 6. Verlagsgencioniheit Freiheit" e Gm Warlin Drud or reiheit" Druderei G. m. h. 5., Berlin C. 2, Breite Straße 8-0. Rest und Einzelpaare Nach beendetem Inventur: Ausverkauf sind eine größere Menge Rest- und Einzelpaare übriggeblieben, die wir in den Innenräumen unserer Geschäfte übersichtlich zusammengestellt haben. Wir verkaufen diese Restposten, ohne Rücksicht auf den früheren Wert, zu den fabelhaft billigen Serienpreisen 7850 8850 9850 12850 14850 Es befinden sich darunter schöne hochpreisige Artikel, die aber nur in wenigen Größen vorhanden sind Winter Artikel und Damen Tanzschuhe Extra billig Stiller Fahrradgummi billiger! Friedensqualität, keine Kriegsware! Durch kolossalen Umsatz bin ich in der Lage, mit geringem Nutzen zu arbeiten und zu folgenden Preisen zu verkaufen: Neue Laufmäntel 28 × 1% 50.-, 55.- M. Prima Laufmäntel 75.- M. 1 Jahr Garantle extra Gebirgsreifen mit 1 Jahr Garantie 85.", prima 90.-M. m. 1 Jahr extra Luftschläuche 15.- 18.-, rante 20.-, prima 22.-M. Fast alle erstklassigen Fabrikate am Lager. Versand nach außerhalb gegen Nachnahme. Fahrräder, Fahrrad- Zubehörteile, Automobile, Motoren. Ernst Machnow, Weinmeisterstr. 14 Crösstes Fahrradhaus Berlins. Eintragungen in die neue Brikett- Kundenliste können werktäglich von 9 bis 6 Uhr in der Zeit vom 1. Februar bis 10. Februar 1921 auf den Lagerplätzen Berlin N, Gleimstraße 62 Berlin SW, Schöneberger Str. 27 Gr.- Lichterfelde, Curtiusstraße 9-10 Halensee, am Güterbahnhof erfolgen. Es genügt aber auch Einsendung der mit Grundkarte versehenen neuen Kohlenkarte an unser Hauptbureau Berlin, Dessauer Straße 27 BERGER& KULP X Gesellschaft mit beschränkter Haflung Gegr. 1870 Kohlengroßhandlung Gear. 1870 Kundenlisten zur Neueintragung für BRIKETTS liegen ab 1. Februar aus bei Ernst Paul Roth G.m.b.H. Schleusenufer 3( an der Schlesischen Brücke) Görlitzer Straße 17-19( Bahnplatz) Die Lieferung jeder Menge erfolgt frei Haus oder ab Blak Die Neuköllner MetallEinkaufs- Zentrale Rottbuser Damm 66, am Hermannplat, kauft Kupfer, Meffing, Blei, Zink. Ausweise und Kohlenkarten können auch durch die Bot Ich brauche dringend: eingefandt werden und erfolgt portofreie Rücksendung. ERNST PAUL ROTH Solz u. Kohlenhandelsgesellschaft m. b. H. Strindberg Ausgewählte Romane 1. Das rote Zimmer 2. Die Leute auf Hemsö 3. Am offenen Meer 4. Die gotischen Zimmer 5. Schwarze Fahnen 5 Bände 72 Mk. 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