Einzelpreis 20 Pfg. . 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint morgens und nachmittags, Sonntags and Montags einmal Der Bezugspreis beträgt bet freier Buftellung ins Haus für Groß- Berlin 10, M. im voraus zahlbar, von der Spedition selbst abgeholt 8,50 M. Für Posts bezug nehmen sämtliche Boftanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland und Österreich 16,50 m., für das übrige Ausland 21,50 m. zuzüglich Baluta- Aufschlag, per Brief für Deutschland und Österreich 30,- m. Redaktion, Expedition und Verlag: Berlin 2, Breite Straße 89. Dienstag, 1. Februar 1921 Nummer 52 Abend- Ausgabe Die achtgefpaltene Nonpareillezelle ober deren Raum koftet 5,-. einschließlich Leuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2, M., jebes weitere Wort 1,50 m., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen Gesuche in Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 M., fedes weitere Wort 1,- 2. Fernsprecher: Bentrum 2030, 2645, 4516, 4603, 4635, 4649, 4921 Freiheit Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Phantastische Gerüchte Etwas mehr Besonnenheit! Wir haben bereits heute früh gesagt, daß die Bestürzung und die Erregung, die die Beschlüsse der Botschafterkonferenz in Deutschland hervorgerufen haben, durchaus begreiflich find. Wir stehen in einer sehrernsten Situation. Das entbindet aber weder die Regierung, noch die Parteien, noch die Presse von der Pflicht, alles zu vermeiden, was die Erregung noch steigern kann. Gerade weil die Entscheidungen schwer und bedeutsam sind, ist es dringend notwendig, daß in aller Ruhe und Besonnenheit jeder Schritt erwogen wird. Zunächst ist doch jedenfalls das eine klar: der Beschluß der Botschafterkonferenz in der Wiedergutmachungsfrage ist ausdrücklich als Vorschlag bezeichnet. Ueber diesen Vorschlag muß noch verhandelt werden, und in diesen Verhandlungen werden alle jene Gründe angeführt werden müssen, die die Unmöglichkeit und die Schädlichkeit dieser Regelung sowohl für Deutschland als auch für das ge: samte europäische Wirtschaftsleben nachweisen. Erst wenn diese Verhandlungen stattgefunden haben werden, sind posttive Beschlüsse zu fassen. Es ist also durchaus verkehrt, heute schon den Eindruck hervorzurufen, als müßte sofort eine endgültige Entscheidung von deutscher Seite gefällt werden. Tatsächlich verhält sich aber die Presse so, als müßte dies womöglich schon heute oder in den allernächsten Stunden geschehen, und allerlei phantastische Pläne und Ge= rüchte werden verbreitet, die die Erregung unnütz steigern. So wird davon gesprochen, daß es notwendig sei, ein ,, Einheits" Kabinett von den Deutschnationalen bis zu den Unabhängigen zu bilden, um eine geschlossene Front der Entente entgegenzusehen. Also so etwas wie eine Neuaufwärmung des Burgfriedens. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß eine solche Idee völlig absurd ist, daß es sich gar nicht lohnen würde, sie zu erwähnen, wenn nicht als Zeichen, welch politische Kindereien in deutschen Zeitungen diskutiert werden. Etwas ernster zu nehmen ist der Plan, der namentlich vom ,, Berliner Tageblatt" begünstigt wird, die Gelegenheit zu benutzen, um die Basis der Regierung durch Heranziehung der Rechtssozialisten zu erweitern. Das ,, Berliner Tageblatt" behauptet sogar, daß einflußreiche Kreise der Rechtssozialisten diesem Gedanken zuneigen. Wir möchten dazu nur bemerken, daß es uns für denkbar verfehlt erscheint, die Verantwortung für den Gewalt= frieden, der das Resultat des imperialistischen Krieges ist, zu übernehmen, statt diese Verantwortung denjenigen zu überlassen, die auch die Verantwortung für den Krieg und seine Verlängerung tragen. Eine Erweiterung des Kabinetts hätte politischen Sinn nur, wenn die Deutschnationalen, die Träger der Kriegspolitit, dann auch die Verantwortung für die endgültige Liquidierung des Krieges übernehmen müßten. Den Sozialismus mit dieser Verantwortung zu belasten, wäre eine ebenso schwere politische Todsünde, wie es der Eintritt in das Kabinett des Prinzen Mag gewesen ist, der nur zur Folge hatte, daß die Schuld Wilhelms, Helfferichs und Ludendorffs den Rechtssozialisten und Erzberger aufgebürdet wurde. Wenn die Rechtssozialisten zum zweiten Mal diese politische Torheit begehen wollten über sozialistische Prinzipien über sozialistische Prinzipien mit ihnen zu diskutieren hätte ja doch keinen Sinn-, dann fönnten wir sie nicht hindern, aber wir möchten wenigstens davor gewarnt haben. Daß alle Nachrichten, die über die Stellung der Un= abhängigen Sozialdemokratie oder einzelner Mitglieder in der Presse verbreitet werden, vollständig falsch sind, möchten wir zum Schluß noch ausdrücklich hinzufügen. Die Fraktion wird erst im Laufe des heutigen Tages zur Situation Stellung nehmen. Berliner Pressestimmen Wie nicht anders zu erwarten, haben die Pariser Beschlüsse das lebhafteste Echo in der Presse aller Parteien gefunden. Allgemein ist die Ablehnung, verschieden nur die Begründung. Die Ueberschriften Der Pariser Riesenbluff",„ Ein neues Versailles"," Unmögliche Forderungen", Eine neue Schidsalsstunde"," Der Sieg des Wahnsinns" bezeichnen bereits den Inhalt. Daß die von uns als ökonomische Unmöglichkeiten bezeichneten Pariser Beschlüsse einen Teil der Presse, die es am allerwenigsten nötig hat, willkommenen Anlaß gibt, in nationalistische Kafereien zu verfallen, ist nur natürlich. Sie wirken in dieser Angelegenheit. doppelt blödsinnig, einmal, weil sie von den selben Leuten ausgehen, die an der ganzen Misere den hervorragendsten Anteil haben, und zum andern, weil sie selbst feine vernünftige Regelung vorschlagen können. Wir geben nachfolgend einige Ausschnitte aus der heutigen Morgenpresse: ,, Kreuz- Zeitung": zu Das Reichskabinett hat bis zur Stunde nach feine Entschlüsse gefaßt. Wir erwarten, daß es die Festigkeit zeigt, die die Mehrheit des deutschen Voltes von ihm erwartet. Wir würden es für einen Fehler halten, an die für Ende Februar in Aussicht gestellte Londoner Zusammenkunft zwischen der Entente und deutschen Delegierten irgendwelche Hoffnungen fnüpfen. Auch in den Ruf der Vossischen Zeitung"„ Burüd zu Seydour" können wir nicht einstimmen. Der Fall Seydoux war eine Falle, die uns gestellt worden ist. Die Kulissenarbeit Lloyd Georges und Poincarés, der stets hinter Briand mit der Heyzpeitsche steht, hat über die Sachlichkeit der Brüsseler und Pariser Borbesprechungen, mit deren Methode wir allerdings nicht immer übereingestimmt haben, den Sieg davongetragen, einen Sieg, der freilich Deutschlands Verderben, aber auch damit Unübersehbares für unsere Feinde in sich schließt. " Post": ,, Wenn wir das gewußt hätten", wird in diesen Tagen mancher im Deutschen Reiche sagen, der in dem Glauben an den„ edlen Feind" oder aus anderen Motiven mit zur Wehrlosmachung Deutschlands beigetragen hat. Jetzt ist es zu spät. Aber im Of tober 1918, da hatte Deutschland die 50 000 Geschüße und 60 000 Maschinengewehre noch, die es seitdem zerstört oder ausgeliefert hat. Damals waren noch viele Millionen deutscher Männer unter Waffen, arbeiteten zahllose Fabriken nichts als Kriegsmaterial, standen die Strombarrieren der Maas und des Rheins, das deutsche Festungssystem, der nahe Winter noch als fast unüberwindliche Schwierigkeiten vor den ermüdenden Feinden. Da= mals fonnten wir zwar nicht mehr um den Sieg, aber sehr wohl um einen anständigen Frieden tämpfen. ,, Deutsche Tageszeitung": deutscher Es tommt aber hinzu, daß allein schon die Selbstachtung feder Regierung verbieten muß, über Ansinnen zu verhandeln, wie sie in der Reparationsnote gestellt werden. Die Forderungen der Bollkontrolle, der eventuellen Verwaltung der Zölle durch die Reparationsfommission bedeuten nichts weiter, als das Ende Souveränität, als die Herabwürdigung Deutschlands zu einem Staatswesen von dem Range Aegyptens. Unter die Erhebung Deutschlands zur interalliierten Kolonie wird hoffentlich teine deutsche Regierung Brief und Siegel geben. Es fann gegenüber der Reparationsnote nur eine Stellungnahme geben, die freilich den Vorzug der Klarheit und Einfachhe hat; unbedingte Ablehnung, nach der finanziellen wie nach der Verwaltungsseite. Einem auf die Macht gegründeten Diktat der Entente kann das ohnmächtige Deutschland freilich keinen Widerstand entgegensetzen; aber es fann sie wenigstens zwingen, sich in ihrer ganzen moralischen Schöne der Welt zu zeigen. Der brutalen Macht zu weichen, ist feine Schande. Die Entente fann uns vergewaltigen, aber sie fann uns nicht erniedrigen. Das tönnen nur wir uns selbst. Und es geschähe mit einer auch nur teilweisen Anerkennung der uns gestellten Zumutungen. ,, Vorwärts": Die Pariser Vorschläge bieten einer ruhigen ritit so viele Angriffspunkte, daß nach einer gründlichen Aussprache wenig von ihnen übrigbleiben wird. Also, appellieren wir nicht an die scheuen wir uns nicht, praktische Vorschläge zu machen, Gefühle, sondern an die Vernunft! Diskutieren wir! Und die unserer Leistungsfähigkeit entsprechen! Daß wir gar nichts leisten können, glaubt uns im Ausland doch kein Mensch, sondern es heißt dann, daß wir nichts leisten wollen. Die Gewalt ist auf der andern Seite, aber die wirtschaftliche Vernunft auf der unsern, und mit der Zeit muß es sich herausstellen, wer von beiden Teilen den besseren Verbündeten hat. Wir werden in den ersten Jahren nach dem 1. Mai mit einer Dittatpolitit der Entente rechnen müssen. Aber das ist nichts neues, das tann jeder wissen, der das Buch von Versailles gelesen hat. Der Kopf ist merkwürdigerweise der einzige Gegenstand, der immer wieder verloren werden kann. Wir dürfen ihn aber jetzt nicht verlieren, da wir ihn nötiger brauchen denn je! ,, Rote Fahne": Jeder Arbeiter wird sich an den Fingern abzählen, was für ihn die unmittelbaren Folgen der französisch- englischen Wiedergutmachungsforderungen sein werden: wachsende Arbeitslosigkeit durch den weiteren Zerfall der Wirtschaft, durch weitere Stilllegung, insbesondere der Betriebe, die ins Ausland exportieren, und verschärfter Ausbeutungsdruck in den Betrieben, die noch weitergehen. Diese unmitelbaren Folgen erheischen unmittels bare Antworten, erheischen die geschlossene Aktion der gesamten Arbeiterschaft, sowohl gegen die eigene Bourgeoisie als gegen die Sklavenhalter der Entente. Diese Antwort darf nicht allein in Worten und in Sympathiefundgebungen für Sowjetrußland bestehen. Es muß eine Antwort in Taten sein: die tatsächliche Bourgeoisie und ihrer Gefolgsmänner, der unabhängigen Loslösung von der bankrotten auswärtigen Politik der deutschen und Mehrheitssozialisten, und die Sammlung aller Proletarier im Kampje gegen das steigende Massenelend und den steigenden Wirtschaftszerfall zu einer geschlossenen Front, die das Bündnis mit Sowjetrußland gegen alle Widerstände von innen und außen erzwingt. Bossische Zeitung"( Georg Bernhard): Wenn diese Vorschläge der Konferenz zur Tat werden, so be beuten fie dem Namen nach die internationale Kontrolle der deutschen Wirtschaft. In Wirklichkeit bedeuten sie die englische Finanz- und Wirtschaftshoheit über Europa. Lloyd George hat sich auch für den, der es bisher nicht englischer Staatsmann ganz großen glaubte, jetzt als ein Stiles gezeigt. Selten hat ein Politiker für sein Land einen solchen für Jahrzehnte bestimmenden Sieg errungen, wie der englische Ministerpräsident in Paris. Denn sein Wert ist dieser Vertrag, er selbst leugnet es auch nicht mehr. Nur in Deutsch land gibt es in der Presse und auch an denjenigen Stellen des Auswärtigen Amtes, die die Presse zu informieren haben, noch Männer, die das bestreiten. England ist das einzige Land ( außer dem weit abliegenden Japan), das diesen Vertrag aushalten fann und von ihm Nuzen ziehen wird. Für Belgien, Frankreich und Italien ist das Pariser Abkommen nicht viel weniger als für Deutschland ein Schlag, den diese Länder nie berwinden werden. Es muß jest jedermann auch in Deutschland klar geworden sein, wie furchtbar ernst die Situation ist, vor der Deutschland steht. Es wäre ein Frevel sondergleichen, die wenigen Monate bis zum 1. Mai tatenlos verstreichen zu lassen. Es ist jetzt nichts mit Protestaktionen und auch nichts mit Trauerfundgebungen getan. Es heißt jezt: handeln. Es darf jezt in Deutschland nur noch ein Ziel geben: durch praktische Vorschläge auf der Grundlage des Seydoux'schen Planes zu beweisen, daß Deutschland sich seinen Verpflichtungen nicht entziehen, aber daß es leben und seine wirtschaftliche Freiheit be wahren will. Das Urteil in England Im Mittelpunkt des Interesses steht die von Deutschland gefor derte Reparation, insbesondere die Frage der Haltung Deutschlands. Die Urteile der Presse gehen, der politischen Richtung der Blätter entsprechend, weit auseinander, während ,, Manchester Guardian"," Westminster Gazette" und„ Star" die Beschüsse der Alliierten in der Reparationsfrage zum Teil scharf verurteilen, stimmen„ Evening Standard",„ Globe",„ Pall mall Gazette" und„ Evening News" den Beschlüssen der Pariser Konferenz zu. Ueber die Saltung Deutschlands herrscht Unsicherheit. Die Mehrzahl der Urteile ist jedoch auf das Wort„ Deutschland wird zahlen" abgestimmt. ,, Manchester Guardian" schreibt: Wir können sehr dankbar fein, daß die vom Obersten Rat beschlossenen Reparationsbedingungen niemals durchgeführt werden können, da die Ausführung der Bes dingungen ein Verbrechen gegen die Zivilisation bedeuten würde. Ein zivilisiertes Land kann nicht gezwungen werden, in solchem Umfange und über eine solche Zeitdauer Tribut zu bezahlen. Das Blatt legt ausführlich die Unmöglichkeit für Deutschland dar, der von ihm geforderten Reparation nachzukommen, und die verhängnisvollen Folgen für die Industrien der alliierten Länder, die eine Erfüllung der Bedingungen nach sich ziehen würde. In einem langen Artikel führt Keynes im„ Manchester Guardian" aus, daß eine Erfüllung der Bedingungen nicht möglich ist, und kommt zu dem Schluß, daß daher die Pariser Vorschläge nicht ernst ge meint sein könnten. Er schreibt, es sei nicht ganz klar, wie sich diese neuen Vorschläge zu dem Friedensvertrage verhalten sollten. Anscheinend heben sie den Vertrag auf und führten Elemente ein, die der Friedensvertrag nicht vorgesehen habe und verlangten daher von Deutschland die Annahme eines neuen Vertrages. Keynes hält es für möglich, daß Lloyd George vielleicht hoffe, die Londoner Konferenz werde ihan eine Gelegenheit geben, zu erreichen, was vernünftig ist. ,, Westminster Gazette" führt aus, die Politiker hätten wahr scheinlich nur an die Gegenwart gedacht und seien der Ansicht:„ Nach uns die Sintflut". Der Pariser Berichts erstatter der ,, Westminster Gazette" schreibt, die auf den Bericht der Sachverständigen gegründete britische Ansicht auf der Konferenz sei dahin gegangen, daß wesentliche Reparationen nur geleistet werden können, wenn der Ausfuhrhandel Deutschlands entwickelt wird und Deutschland seine Waren abgenommen werden. Die jetz beschlossenen Entschädigungen ständen jedoch dazu in einem vollkommenen Widerspruch. In den amtlichen britischen Kreisen habe man sich vollständig Rechenschaft darüber abgelegt, daß es schwierig sein werde, die deutsche Ausfuhr auch nur zwei Jahre zu kontrollieren, da die Frage dabei auffommen müsse, welche Rolle die Neutralen und welche Rolle Amerika dabei spielen werde. Britische Kreise verschlössen sich auch keineswegs der Möglichkeit der Gefahr andauernder Streitigkeiten über die Reparationsfrage und feien durchaus der Ansicht, daß mit den jetzigen Beschlüssen die Frage nicht erledigt ist, selbst nicht zwischen Frankreich und England. Je mehr man den Pariser Neparationsplan betrachte, um so mehr sei man davon überzeugt, daß er nicht nur ganz schlecht ist, sondern, daß er auch von denen, die ihn ausgearbeitet haben, und deren wirkliche Ansichten darüber kein Geheimnis sind, für schlecht ges halten werde. ,, Star" schreibt, alles sei jetzt geregelt, nur nicht die Regelung selbst. 42 Jahre lang müßten die Alliierten bereit sein, ihre Dividenden auf den Spigen ihrer Bajonette einzusammeln. Das Blatt schließt: Ist es nicht der Mühe wert, uns selbst zu fragen, welcher Reingewinn übrig bleiben würde, wenn wir am Ende der 42 Jahre die Kosten für die Bajonette von der Gesamtsumme, die wir erhalten haben, abziehen? ,, Evening Standard" schreibt: Jeht, nachdem die Frage, was wird Deutschland zahlen, und wie wird es zahlen, von den Alliierten geregelt sei, sei das Hauptinteresse auf die Haltung der deutschen Regierung gerichtet. Deutschland werde vielleicht Ge legenheit haben, auf der Londoner Konferenz am 28. Februar feine finanzielle Lage flarzulegen. ,, Globe" schreibt: Hier ist die Rechnung, und sie muß und wird bezahlt werden.„ Pall mall Gazette" schreibt: Die Einsicht, daß die Pariser Beschlüsse unwiderruflich seien, werde vielleicht Deutschland zugänglicher machen, besonders, wenn es Marshall Foch im Hintergrunde sehe. Neue Erfolge der U 6 P. Dresden, 1. Februar (Eigener Drahtbericht der..Freiheit.) Erfreuliches Wahlresultat der Stadtverordnetenwahlen zu Riesa— Prächtiger Erfolg der Unabhängigen Sozialdemo- kratie— Sozialistische Mehrheit— Die Früchte kommunistischer Arbeit Obwohl bei der Stadtverordnetenwahl in R ie s a eine um IVO» Stimmen schwächere Wahlbeteiligung zu verzeichnen war. hatte die U. S. P. trotzdem gegenüber den letzten Landtagswahlen eine Stimmenerhöhung um ZKt Stimme«, dagegen ging die S. P. D. um etwa 500 Stimmen zurück und auch die Bürger- lichen oerloren 772 Stimmen. Die SL P. D. bützte von ihren ohne- dies geringen Stand von 22t Stimmen noch 127 ein. Es ist dies« mal«ine sozialistische Mehrheit zu verzeichnen im Gegensatz zu den Stadtverordnetcnwahlen, die kurz nach der Revolution stattsanden. Während damals die Bürgerlichen 10 und die Rechtssozialijten 10 Sitze in der Stadtverordnetenversammlung hatten, beträgt dies- mal der Mandatsbestand 0 Bürgerliche, 7 Rechtssozialisten und t Unabhängige. Die Kommunisten gehen leer aus. Die Unab- hängigen waren bisher in der Stadtverordnetenversammlung noch nicht vertreten. Bei der Reichstagswahl hatten die Bürgerlichen noch 10 Stimmen Vorsprung, bei der Landtagswahl sogar 117. Jetzt dagegen sind sie um einig« Hundert hinter den sozialistischen Stimmen zurück. Das Wahlresultat ist um so bemerkenswerter, als am gleichen Tage auch die bürgerliche Mehrheit in Pirna vernichtet worden ist. Ein unerfreuliche» Wahlresultat der Stadtverord« netenwahleu ist aus H o h enst e i n- E r n st t h a l im Erzgebirge zu berichten. Dort haben die Bürgerlichen 12 und die Kommu- nisten und Mehrheitssozialisten 0 Sitze erhalten, während bisher 17 Sozialisten und 7 Bürgerliche vorhanden waren. Die U. S. P. ist in diesem Orte sehr schwach vertrete« und hatte auch bisher keine« Sitz. « Nicht mit dem Sturmriemen unterm Kinn, sondern ge- stützt auf die s o z i a l i st i s ch e n Grundsätze, haben unsere Parteigenossen diesen Wahlkampf geführt, und es hat sich gezeigt, daßnurderSozialismus allein imstande ist, die Arbeiterschaft auf gemeinsamem Boden zu vereinen. Der R e f o r m> s m u s, wie ihn die Rechtssozialisten vertreten, wirtschaftet immer mehr abs er wäre schon längst er- ledigt, wenn nicht die kommunistische Radaupolitik ihm immer wieder Vorschub leisten würde. Der Kommunismus wiederum, wie er von der Kommunistischen Partei aufgefaht wird, ist nicht imstande, die Arbeiterklasse zu gemeinsamem Aufbau zusammenzuführen. Ein deutliches Beispiel dafür ist H o h e n st e i n- E r n st t h a l. eine kommunistische Hoch- bürg, wo gerade durch die Tätigkeit der Moskauer das Bür- gertum gestärkt und die Arbeiterschaft geschwächt worden ist. Unsere Wahlerfolge in Sachsen zeigen, was davon zu hal- ten war, als unsere Partei nach der Tagung von Halle von rechts und links totgesagt wurde. Wir wissen, datz wir eine Periode der Schwächung und Hemmung hinter uns haben. Aber wir müßten nicht revolutionäre Kämpfer sein, wenn wir nicht die Gewißheit hätten, daß trotz vorübergehender Rückschläge unsere Bewegung, die die M a s s e n b e w e g u n g des revolutionären Proletariats ist, ihrem Ziele zuschreiten muh: die gesamte Arbeiterklasse Deutsch- lands auf dem Boden unserer Partei, also auf dem Boden des Sozialismus, zu vereinigen. In dieser Gewißheit sehen 'u wiMr dem 20. Februar guten Mutes entgegen. jus Zwei Gänge zur Ehrung eines Fahnenflüchtigen Der„große Tag" der von Heinrich Mann in seinem„Untertan" so trefflich geschilderten deutschen Spießbürger, der Kaiser- geburtstag, ist natürlich nicht ohne erhebliche Erschütterungen aller monarchenfrommen Gemüter dahingegangen. Die rechts- bürgerliche Presse am 28. Januar war voll der erbaulichsten Be- richte und Stimmungsbilder von Festoersammlungen. Festessen und Festlonimersen, die zu Ehren Wilhelms des Fahnenflüchtigen in Klubhäusern, Universitäten und Kasernen der deutschen Republik abgehalten wurden. Eine gewisse Beachtung vor vielen dieser Feiern verdient die des Kommandeurs der Reichswehr in Itzehoe. Dieser republikanische Monarchist brachte seinen Mannschaften die hohe Bedeutung des Tages dadurch näher, daß er besseres Essen, nämlich zwei Gänge, wie an Sonntagen, verabfolgen ließ. Wir haben nach dem bemerkenswerten Verständnis des Reichs- wehrministers für die seltsamen Schießübungen desselben Reichs- wehrkommandeurs im Lockstädter Siedlerlager die feste Ueberzeugung, daß Herr Eeßler auch dies Kaisergeburtstagsessen durchaus in der Ordnung findet. Für uns genügt die Feststellung, daß dieser Vorgang symptomatisch ist und ein trefflicher Gradmesser für die Verhältnisse im Deutschland des 26. Reooluttonsmonates im allgemeinen und für die Zustände in der republikanischen Reichswehr im besonderen. Das Gestammel der Ertappten Die Zentrale der K. P. D. unterschlägt Levis Brief Die Zentrale der Kommunistischen Partei hat zu unserer Veröffentlichung des Briefes ihres Vorsitzenden Paul Levi an seinen Moskauer Vorgesetzten Stellung genommen. Es ist be- greiflich, daß die Zentrale sich in größter Verlegenheit be- findet: aber ein solch hilfloses Gestammel hüten wir selbst von dieser„Führung" nicht erwartet. Nach ihren bisherigen Leistungen brauchte man die geistigen Qualitäten der Leute, die sich in der kommunistischen Zentrale versammelt haben, nicht allzu hoch einzuschätzen. Ihre heutige Erklärung zeigt, daß sie selbst von ihren eigenen Parteigenossen nicht mehr ernst genommen werden können. Die Erklärung, die im Stile etwa einer kommunistischen Versammlungsresolution abgefaßt ist. sagt zuerst, daß der Brief der Zentrale erst durch unsere Veröffentlichung bekannt geworden sei. Die darin erwähnten Fragen seien in der Presse der V. K. P. D. schon behandelt worden, die Zentrale werde aber noch einmal„förmlich" Stellung zu ihnen nehmen. Es heißt weiter: Weder der Briefschreiber noch die Zentrale der V. K. P. D„ noch die Exekutive der Kommunistischen Internationale, noch deren Vertreter denken daran, die Zusammensetzung der Zentrale einer Kommunistischen Partei von der Zustimmung der Exekutive abhängig zu machen. Darüber bestimmt alleindcr Partei- t a g. Die in dem Brief gestellte Frage hatte keinen anderen Zweck als den, festzustellen, ob zwischen den Auffassungen des Vrieffchreibers und des Vertreters der Exekutive eine Differenz besteht, die eine Stellungnahme seitens der Deutschen Kommunisti- schen Partei erfordert. Daß in einer zentralistischen Organisation, wie der Kommuni- stischen Internationale, ein Gegensatz zwischen dem Vorsitzenden einer Partei und der zentralen Körperschaft nicht ungeklärt be- stehen kann, mag dem verwunderlich erscheinen, der, wie die„Frei- heit", eine Partei mit einer Zigeunerbon de verwecbielt. Die Erklärung schließt mit einer der üblichen Beschimpfun- gen auf die„Freiheit". Die Zentrale der V. K. P. D. u n t e r s ch l ä g t a l s o d a s wichtigste in dieser Angelegenheit, den Brief von Paul Levi. Sie wagt es nicht, ihren Parteigenossen von dem Inhalt dieses Schreibens Kenntnis zu geben. Wie tief muß doch die Zentrale der B. K. P. D. die Mitglieder ihrer Partei einschätzen, daß sie sich dieser Unterschlagung schuldig zu machen erlaubt! Die Zentrale wagt zwar nicht die Veröffentlichung des Briefes, dafür unternimmt sie aber eine bösartige Fälschung, die in der von uns wörtlich wiedergegebenen Stelle der Erklärung zum Ausdruck kommt. Paul Levi hat ausdrücklich gefragt:„Hält die Exekutive oder ihr deutscher Vertreter meine Entfernung vom Posten als Vorsitzender der Partei für nötig oder auch nur wünschenswer t?" Unzweideutig wird hier das Verbleiben des bisherigen Vorsitzenden der Partei in seinem Amt demVertreterderMoskauer Exekutive zur Entscheidung vorgelegt, der kommunistische Parteitag hätte diese Entscheidung lediglich in Ergebenheit entgegenzunehmen. Die Zentrale aber schwin- delt ihren Parteigenossen vor. daß es sich dabei lediglich um die„Klärung" verschiedener Auffassungen gehandelt habe. Sie wird mit dieser Lüge die Tatsache nicht beseitigen, daß die Mitglieder in der kommunistischen Partei ihrer freien Willensmeinung beraubt find und daß sie nur das auszu- führen haben, was von der Moskauer Exekutive angeordnet wird. Ebensowenig freilich haben die kommunistischen„Führer" etwas zu sagen. Und gar die Rolle, die Paul Levi, der Vorsitzende der Partei, in Italien und nach seiner Rückkehr von dort in Berlin gespielt hat, zeigt ihn so, daß er als politischer Charakter erledigt ist. Was schließlich das Gegreine der Zentrale anlangt, daß wir einen„gestohlenen Brief" veröffentlicht hätten, so brauchen wir nur festzustellen: Die Kommunistische Partei muß ihre Tätigkeit nicht nur öffentlich entfalten, sondern auch unterirdisch betreiben. Was für eine Sorte Konfpira- toren aber dort ihr Spiel treibt, das lel?rt die Tatsache, daß sie uns ihr Material beinahe selbst ins Haus bringen. Herrn Levi als Juristen muß man schließlich noch sagen, daß es sich um keinen„Diebstahl" handeln kann und nicht einmal um eine Fundunterschlagung. Denn wir haben ja den Fund— sofort veröffentlicht. Lohnabbau im englischen Bergbau HR. Lo n d o n, 1. Februar. Der Staatssekretär für das Erubcnwefen gibt bekannt, dag die Löhn« in der Grubenindustrie am 2. Februar in Uebereinstimmnnz mit der Novemberregelung um 2 Shillings für die Schicht unter den Januarlohn gesetzt werden sollen. Die Her» absetzung wird hauptfächlich durch die Stillegung mehrere Gruben wegen der Depression in der Industrie nötig. Das Mietsstenergesetz. Im Wohnung sausschuß des Reichstages kam es Montag zu lebhaften Auseinander- fetzungen, welche der Vorlagen, die der Regierung oder die des Reichsrats, den Veratungen des Ausschusses zugrunde gelegt werde« soll. Auf Vorschlag des Abg. Becker(Ztr.) wird zur Verständigung darüber ein Unterausschuß einncsetzt, um vielleicht di« brauchbaren Gedanken beider Entwürfe zu verbinden. Wahl des fchwedifchen Reichstagzpräsidiums. In beiden Kammern des Reichstages hat gemäß der nunmehr in Kraft ge- treten«« neuen Verfassungsbcstimmung die Wahl des Präsidiums stattgefunden. Früher wurden vom König für jede Kammer ein Präsident und ein Vizepräsident ernannt, jetzt wählen die Kammern je einen Präsidenten und zwei Vizepräsidenten. Die erste Kammer wählte zum Präsidenten den Grafen Hugo f a m l l t o n(Rechtspartei), zum ersten Vizepräsidenten Hermann a m m(liberal), zum zweiten Vizepräsidenten August R i ls f o n (Eoz. neugewählt). Die zweite Kammer wählte zum Präfidenten Hermann Lindquist(Soz.), zum ersten Vizepräsidenten den Eraken Raol Hamilton(liberal), zum zweiten Vizepräsiden- ten Per R i l s s o n(rechts nengcwählt). Die Zahl der Arbeitslosen in England. Nach einer Reuter- Meldung betrug am 21. Januar die Zahl der Arbeitslosen, die sich angemeldet hatten. 098 000: dabei ist zu berücksichtigen, daß sich zahlreiche Arbeitslose nicht haben eintragen lassen. Georgien von der Entente anerkannt. Wie der„Temps" mit» teilt, hat die Konferenz in Paris beschlossen, die Republik Georgien als Staat anzuerkennen, da der Vertreter von Georgien in Paris das offizielle Verlangen gestellt hat. Oeffentliche WühlerVersazi.mlung Mittwoch. Steglitz. Abends �8 Uhr, im Gymnasium Heefestr. öffentlich« Wählerversammlung. Genosse Rabold spricht über„Warum nehmen wir an den Landtagswahlen teil". Röntgental, Zepernick und Umgegend, bei Marx(Röntgental), Bärwolfstr., öffentliche Wähler-Versammlung. Tagesordnung: 1. Die politische Lage und die bevorstehenden Wahlen. 2. Dis» kussion, Referent Genosse Zacher. Aus der Psrtei An alle Parkeiorganisationen Achtung! Prooinziallandtagswahlen! Die Vorschlagslisten dazu müssen in den Regierungsbezirken an den Wahlleiter des Wahlkreises eingereicht werden. Als. End- termin ist in den meisten Provinzen der 6. Februar vorgeschrieben. Di« Unterschriften unter den Wahloorschlägcn müssen aus dem Kreise sein, die Kandidaten können aus der ganzen Provinz ge, nommen werden. Genossen! Achtet auf die Formalitäten, damit nicht Vorschlags- listen ungültig werden. Was ihr erfleht, liegt unter meinen Fützen Eine persische Sage Ich«zähle nicht von dem Dichter, der an einem hellen Abend während der Kahnfahrt auf den silbernen Wellen des Meer- Husens, trunken von dem feurigen Wein des Schönen, sich ins Meer warf, um den auf den Wellen gleitenden Mond zu fangen, und der unrettbar versank. Ich«zähle auch nicht von dem Dichter, der. vom MärchenNede der Nachtigall berauscht, in den unendlichen Wäldern umherirrte. um die Nachtigall zu fangen, und der unauffindbar verschwand. Ich erzähle von dem Dichter in Schiras, der nur die Wahrheit sprach und um der Wahrheit willen mit Steinen beworfen wurde. D« große Zarathustra hat gesagt:„Sprich die Wahrheit vor den Mächtigen dieser Welt!" Und Mussa Schir-Ali, der Dichter aus Schiras. sprach auf Märkten und vor Stadttoren, den Ret- che« ins Gesicht, immer nur die Wahrheit und fürchtete sich nicht: Böse sind eure Taten und eure Herzen sind falsch. Im Namen Gottes betrügt ihr die Armen, und unter der Larve der Liebe beraubt ihr eure Nächsten. Ihr leckt das Hemd der Mächtigen, lobt die Faust der Starken. Ihr verteidigt die Sache der Waisen und Witwen, während ihr eure harte Brust mit euren von Blut besudelten Händen schlagt. Ihr kauft und verkauft Liebe und Liebkosungen, ihr gebt ein- ander Li-beskllsse. aber unter den Schößen eurer Kleider schärft ihr Dolche gegen einander." So hat Mussa Schir-Ali immer gesprochen. Seine Freunde haben ihn nicht mehr gegrüßt und feine Käme* raden das Gesicht von ihm abgewandt. Man hat ihn verspottet wenn er durch die Märkte ging, und sein Brot tränkte stch mit seinen Tränen. Und schließlich wuchs der Zorn der Menge so hoch empor, daß sich der arme Dichter vor den Klauen der tierischen Menge kaum flüchten konnte. Und er ging und wanderte Tag und Nacht. Das Dorngestrupp der Wüsten zerzauste ihm die Kleider, und die Steine zerrissen ihm die Schuhe. Schließlich kam er eines Tages ermüdet und erschöpft unter Bucharas Mauern an. Sollte er in die Stadt, in das feindliche Lag« treten, um das Wort der Wahrheit zu sprechen, od« in die Wüste gehen und mit Hyänen speisen? Cr bedachte stch nur einen Augenblick, dann trat« in die Stadt ein und ging in den Straßen umher. Er sah Lastträger mit gebeugtem Rücken. Mit matten Schrit- te» schleppten sie ihr« schwere Bürde, und sie schütteten sie in die Speicher eines Reichen. Und dies« sah auf seinen Reichtum, strich seinen roten Vollbart und murmelte:„Ehre sei dir, Gott." Dann sah Mussa Schir-Ali die Schar d« Bettler, die von Tür zur Tür irrten. Man jagte sie von der einen fort, und sie klopften an die andere. Und er sah, wie ein Reich« einem greisen Bettler eine Kupfer- münze gab und unter den Cegensworten des Greises davonging, stolz, aufgeblasen und von sich selbst entzückt, weil er so barm- herzig war. Und vor ihm beugten sich demütig alle Vorüber- gehenden. Er sah, wie ergeben sich dieser Reiche vor einem reicheren Manne beugte, der kaum sein Grüßen bemerkt«. Und immer weit« ging Mussa Schir-Ali durch die Straßen und sah. wie die Schergen unter dem Gelächter und Geheul der Menge «inen zerlumpten Mann beim Kragen packten und davonschlepp- ten, weil er aus einer Bäckerei ein Brot gestohlen hatte. Und der Dicht« sah di« Menschen hier dasselbe tun. was sie in Schiras taten. Es dunkelte. Mussa Schir-Ali war todmüde und hungrig. „Ich werde ein wenig Brot kaufen und nach einem Zuflucht»- ort suchen, wo ich mich ausruhen kann", dachte er und steckte die Hand in die Tasche, zog«ine kleine Eeldmünze, sein letztes Stück Geld, hervor und ging zum Basar. Vom hochragenden Minaret herab ertönte das Abendgebet des Mullas. Die frommen Moslims schritten in Gruppen zum Markt und knieten zum Gebete nieder. Der Dichter begab sich auch dahin, stand auf dem Markt und blickte um stch. Laut klang die Stimme des Mullas und hallte über die Stadt: „Allah ist Allah und Mohammed ist sein Prophet. Gnädig ist Allah und seine Gnade ist grenzenlos. Das Meer wird aus- trocknen, aber seine Barmherzigkeit für seine Kinder ist unversieg- bar. Ehre sei Allah für seine Gnade und Güte. O, Allah! Vergib in deiner unerschöpflich»« Güte die Sünden der Menschen und gib uns uns« täglich Brot!" Mussa Schir-Ali warf sein Goldstück vor seine Füße, trat es mit seinen abgetragenen Schuhen und rief laut:„O Mulla, o Menschen, das, was ihr von Gott erbittet, liegt hier,, wahrlich hier unter meinen Füßen!" Sein« Stimme donnerte über den ganzen Markt, traf die from- men Ohren der Beter, hallt« hinauf auf dt« Spitze des Minarets und unterbrach den herzlichen Abendgruß des Mullas. Ein« Weile wurde es totenstill, dann brüllte auf einmal der ganze Markt, und alle Beter schnellten auf. „Was redet dieser Ungläubige? Wer ist er? Wer ist er? Was «dreistet er sich gegen Gott? Wer lästert unseren Glauben?" So schrien Tausende von Menschen und umzingelten Mussa Schir- Ali. Wie ein rasender Tiger sprang der Mulla herbei und rief:„O. ihr Gläubigen Allahs! was zaudert ihr noch? Steinigt diesen Eiaur!" Er nahm selbst den ersten Stein und schleuderte ihn aus voller Kraft gegen Mussa Schir-Ali. Der Stein sauste und traf die Stirn des Dichters. Da Blut spritzte auf, und er arme Redner der Wahrheit schwankte. Die Moslims folgten dem Beispiel des Mullas und warfen voll Zorn kleine und große Steine auf den Dichter. Und bald stürzte Mussa-Echir-Ali unter dem schonungslosen Hagel von Steinen mit gebrochenem Schädel in seinem Blute zu- jammen. Er war schon tot, doch die Steine sausten noch immer und hausten stch über ihm. In diesin Wirrwarr sah plötzlich die M-nge die Goldmünze des unglücklichen Dichters zwischen den Steinen flimmern. Und alle fielen, einander beiseite stoßend, darüber her. Aber der Mulla, der am nächsten stand, stürzte sich wie ein Wahnsinniger darauf, ergriff die Münze und. sie in der geballten Hand hoch- haltend, rief er voll Freude: „O. Allah! Ehre sei dir! Groß ist deine Gnede. Ueberall belohnst du uns für das Lob. das wir dir spenden." „Groß ist Allah,"— sagten die anderen,—„er läßt die Söhn« der Gerechten nicht darben. Ehre sei dir. o Allah! Ehre sei dir in Ewigkeit!" Der Dichter aus Schirag hatte recht: O Mulla, das, was du vom Himmel«batest, hast du unter seinen Fußen gefunden. Immer hatten die Dichter recht. O Menschen, das. was ihr erbittet, findet ihr unter ihre» Fußen, unter den Füßen der Dichter. Aus den Konzerten Das Bach-Konzert(8. Sonntagsveranstaltung) in der Volks- bühne war von der Geige Carl Fleschs durchklungen. Epe« zifssch in Vach ist Fleschs Spiel, das in seiner Materialgelöstheit aus tieistem Gemüt in die Seele singt, zu endgültiger Kultur vollendet. Ich kenne keine Musik, die sinnver, zückender göttliches Wesen osfenbart als das Adagio au, dem E-dur Violinkonzert, ich weiß keinen Gestaltenden zu nennen, der metaphysischer di« Inbrunst dieses Adagios und den Inhalt der ä-moll Chacone ia Tönen wiederzustrahlen v?rmag als Flesch. Die meistervoll ge- blasen« Flöte Emil Prills in der C-dur Flötensonate mußt« vor dieser Dusdrucksglut»«blassen. Auch in den beiden Arien „Ermuntere Dich" aus der Kantate 180(von der Flöte begleitet) und„Seht was die Lieb« tut" au» der Kantate 8S(von der Geis» Nach der Spaltung in Stalien ,, Die Stunde der Gefahr ist da" Der gewaltige Sieg, mit dem die italienische sozialistische Partei in Italien bei den kürzlichen Gemeindewahlen abgeschlossen hat, hat gleichzeitig in Italien die allerschlimmste Reaktion entfesselt. Die Bourgeoisie, die der sozialistischen Bewegung bisher fast mit Gleichgültigkeit gegenüberstand, beginnt sich bedroht zu sehen und schickt sich allerorts an, Kampforganisationen zu schaffen. Diese bürgerlichen Kampforganisationen, die man italienisch als„ Fascisti“ bezeichnet, machen sich gerade in letter Zeit sehr bemerkbar. Sie sind bewaffnet und verfolgen nicht nur einzelne der Bourgeoiste gefährlich erscheinende sozialistische Führer, sondern überfallen Sige sozialistischer Zeitungen und Gewerkschaftshäuser und steden diese in Brand. Die Fascisti" haben eigene Zeitungen und werden von der italienischen Bourgeoisie reichlich mit Geldmitteln unterstützt. Auch die Regierung Giolitti unterstützt sie indirekt und unternimmt nichts zur Verfolgung der von ihnen begangenen Verbrechen. Die italienische Arbeiterschaft, die durch diese Fascisti in allen ihren bisher mühsam errungenen Positionen auf das gefährlichste bedroht wird, schaut besorgt um, aber was empfiehlt man ihm als rettendes Mittel? Die Spaltung! Spalten wir uns, sagt man dem italienischen Proletariat, weil zwischen uns„ Helfer der Bourgeoisie",„ Verräter unserer eigenen Sache" sind. Spalten wir uns, weil in unsere Reihen solche Genossen eingedrungen sind, die die Interessen des Feindes verteidigen und deren Attion beschüßen. Mit Nachdruck weist der„ Avantt" in seiner Ausgabe vom 26. Januar dieses Verlangen als widersinnig zurüd. „ Niemals," so schreibt er, ist eine unsinnigere und der Wahrheit entgegengesetztere Behauptung ausgesprochen worden. Das wissen die Arbeiter. Alle Klassenattionen, die in dem heute von der stärksten Reaktion heimgesuchten Lande vollführt worden sind, sind zu einem großen Teile das Wert der auf dem rechten Flügel stehenden Genossen gewesen, die immer mit den proletarischen Massen in ihrem Kampfe gegen ihre Bedrüdung solidarisch gewesen sind. In Bologna, wo behauptet wird, daß erst die Agitation der Arbeiter die reaktionäre Wut entfesselt habe, in Ferrara, in Modena und überall, hat es nie eine proletarische Aktivität gegeben, die nicht die volle Billigung und die begeisterte Unterstügung jener gefunden hätte, die heute als Verräter bezeichnet werden. Sie sind es auch, die heute mit uns und gleich wie wir oder vielleicht noch mehr wie wir, die Gewalt der bürgerlichen Abenteurer erdulden. Sie sind es, welche, nachdem sie während so vieler Jahre die proletarischen Massen, hauptsächlich jene des Landes aufgerüttelt und dem Proletariat Kampfbedingungen geschaffen haben, welche es heute der Enteignung des Kapitalismus nähern, jezt mehr wie alle die harten Folgen des verschärften Klassentampfes fühlen. Gaetano 3irardini, der heute im Kerker liegt, und dem sich die Grüße, Wünsche und die Zuneigung aller Genossen zuwenden, ist der Exponent dieser Lage. Er ist ein Verräter". Dieser Mann, der nach dreißigjährigen sozialen Kämpfen dafür sühnt, daß er die ungeheure Masse des bäuerlichen Proletariats zur Erkenntnis gewedt hat, ist ein Verteidiger tapitalistischer Interessen? Die Absurdität springt jedem, der zu sehen vermag, in die Augen. Die Spaltung ist unter den heutigen Umständen, wo es notwendig wäre, alle Kräfte zu sammeln, um die eroberten Positionen zu er halten, in höchstem Maße reattionär. Sie dient den Bebrüdern, sie zerbricht die Klassenbewegung." Diese flare Erkenntnis hat, wie der„ Avanti" mitteilt, zwei sozialistische Abgeordnete, die bereits zu der Neuen Kommunistischen Partei übergetreten waren, zur Rückkehr zur alten Partei bes stimmt. Sollten nicht bald alle italienischen Genossen dasselbe ertennen? Der„ Avanti" schließt seinen Artikel mit der Aufforderung: „ Genossen, seien wir einig. Die Stunde der Gefahr ist da." Jawohl, die Stunde der Gefahr ist da! Die Reaktion triumphiert in Italien heute wie überall. Aber indem Moskau auch dem italienischen Proletariat nur die Spaltung als Heilmittel empfahl, hat es diese Gefahr noch unsäglich vergrößert und sich selbst in feiner Stellung gegenüber dem Weltkapitalismus neu geschwächt. Die Internationale der Splitter. Der Internationale Rat ber Toten Gewertschaftsverbände beruft zum 1. Mai in Mostau eine internationale Konferenz der revolutionären Gewerkschaftsverbegleitet), die Georg A. Walter mit Erfassung des oratorienhaften Stils, aber ohne Gleichmaß in der Beherrschung der Kopftöne sang, schmiegte sich die Geige der Menschenstimme zu intuitiverem Zusammentlang an als die Flöte. Wilhelm Scholz war allen Solisten Begleiter von sublimster Beiordnung. Der wesentliche Bestandteil im 7. Nitisch Konzert war Brudners 2. Symphonie( c- moll). Nitischs Interpretation nimmt mit der Zeit dogmatischen Charakter an. Seine Auffassung ist besonders bei Brudner zu einer stereotypen Einstellung erstarrt, die stärker die einzelne Linie zur Auswirtung bringt als die resultierende Dimension. Trotz aller Gediegenheit im detaillierten Aufbau vermißt man Kühnheit und Impulsivität im Gesamtwurf, die ein Brudnersches Crescendo irdisch und ein Wiener Walzer- Scherzo( wie in der 2. Symphonie) leblos bleibt. Im solistischen Mittelteil des Programms bot d'Alberts wirkungspolles, aber wenig eigenzügiges Violoncell- Konzert dem schnell gereiften, jungen Alerander Kropholler Gelegenheit zur Entfaltung seiner durchsichtigen Technik und gejanglichen Klangintensität. Die fünf Baudelaire- Gefänge von Claude Debussy ver liehen dem modernen Liederabend von Gertrud Fehrmann ( St. Gallen) Inhalt und Charakter. Die Gesangslinie, die bei Debuffy märchenhaft aus der Flut berauschender Klangimpreffionen aufsteigt und unwirklich wieder verschäumt, litt durch Härte in der Intervallverbindung der schwer ansprechenden Stimm mittel Gertrud Fehrmanns. Noch weniger fand sich ihr Organ Noch weniger fand sich ihr Organ in die erstaufgeführten Liedtompofitionen von Karl Salomon, die fich oft weitstufig in der Melodieführung bewegen, an innerer Musitalität arm, stilistisch zerfahren und ohne Prägnanz und Eigenart find. Die Stimme Elsa Jacobs ist bis zur Mezzolage von wohlflingender, fantilener Elastizität. Die Forcierung zu höheren Registern erzeugt grelle Färbungen und Schwingungs hemmungen im Ausdruck. Leise Tonanfäge liegen nicht vorn auf den Lippen; es fehlt darum der melodische Duft bei Mozart und der Reiz der winzigen Nuancen bei minutiöser Gestaltung. Mit modernen Orchesterwerfen debutierte Hanns W. David als Dirigent in der Philharmonie. Die einfägige symphonieartige Mufit für Orchester" von Rudi Stephan, ber 1915 im Kriege gefallen ist, spiegelt in ber lebendigen melodischen Erfindung, in der stilbeherrschenden Architettonit, in der Gewalt der Crescendi und der Meisterung des Orchesterklanges eine starte, im Vorwärtsdrang schaffende Persönlichkeit. Dieselbe Qualifi tation läßt sich nicht dem als Bianist atonal eingestellten Eduard Erdmann nach seiner 1. Symphonie op. 10 ausstellen. Man tann diese Jugendarbeit höchstens als einen tompositionellen VerSuch mit Orchestermitteln bewerten, bei dem vieles daneben geraten ist, einiges nach alten Mustern ganz anpassungsgeschickt nach gestaltet ist. Die Melodit bleibt selbst in bombastischen Steigetungen gebrechlich im Ausdruck, der Orchesterbehandlung mangelt Sepräge und Eigenleben. Paul Bender sang zwischen den beiden Orchesterwerten Mahlerlieder, aus denen er( infolge UnBorbereitung?) infolge?? Man muß erit noch mehr von ihm hören, geistig ebenso wenig herausholte, mie Hanns David al Dirigent. F. F. Windisch bände ein. Für die Vorarbeiten der Konferenz ist eine Kom mission aus den Vertretern der Gewerkschaftsverbände und der tommunistischen Internationale gebildet worden, in welcher Frankreich durch Rosmer, Rußland durch Losowski, Ungarn durch Bela Kun und Bulgarien durch Schablin vertreten sind. Phantasie und Wirklichkeit Die englischen Sozialisten und die 3. Internationale Klara Zetkin hat sowohl auf dem Parteitag in Tours wie in der französischen und deutschen Parteipreffe sehr. phantasievolle Schilderungen über den„ Siegeszug" der 3. Internationale zum Besten gegeben. Soweit England hierbei in Frage kommt, äußert sich hierzu einer der Führer des linken Flügels der Unabhängigen Arbeiterpartet Englands( J. L. P.), Robert Dell, in einem Brief an die Redaktion des Populaire" in folgender Weise: Werter Genosse! Ich lese soeben den Artikel von Klara 3et. fin in der„ Sumanité" vom 8. Januar. Unsere Genossin ist ohne Zweifel wohl orientiert über die Vorgänge in Schweden, in Norwegen, in der Schweiz und in Deutschland, aber sie ist es sicher nicht in bezug auf die Lage in England, welche die einzige ist, die ich selbst im Augenblic genau tenne. Da es vor allem darauf anfommt, über die Tatsachen unterrichtet zu sein, bitte ich Sie um die Erlaubnis, hierüber einige Worte sagen zu dürfen. Ich weiß nicht, welche politischen, revolutionären und kommunistischen Organisationen an dem Kongreß zur Gründung der vereinigten Kominunistischen Partei in England teilnehmen werden; aber ich weiß, daß die heutigen kommunistischen Parteien sehr geringfügig an Bahl sind und fast ohne jeben Einfluß auf die Arbeiterbewegung in England. Die Bewegung der Angestellten- Räte( shop stewards) und insbesondere die Begründung des Aftionsrates bezeichnen feineswegs das Anwachsen einer Bewegung zur 3. Internationale hin. Der Geist der Angestelltenräte( shop stewards) ist revolutionär, aber mehr syndikalistisch und selbständig als tommunistisch. Der Attionsrat vertritt alle Arbeitersyndikate und die ganze Arbeiterpartei( Labour Party) und hat nicht gerade energisch gehandelt, wenn auch Klara Zetkin recht haben mag, wenn sie sagt, daß er die russische Politit der englischen Regierung beeinflußt hat. Im übrigen ist in dieser Frage die ganze Arbeiterbewegung Englands von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken einer Meinung: sie wünscht den Frieden mit Rußland und die offizielle Anerkennung der Sowjets. Was die Unabhängige Arbeiterpartei( J. 2. P.) betrifft, so täuscht sich unsere Genossin, wenn sie sagt, daß sich in ihr der ,, Geist" der kommunistischen Revolution immer stärker enthüllt. Wenn sie damit sagen will, daß die Bewegung für den Anschluß an die 3. Internationale in ihr stärker wird, so ist ganz das Gegenteil der Fall. Im vorigen Frühjahr, als die Unabhängige Arbeiterpartei( J. 2. P.) die 2. Internationale verließ, war die Mehrheit der Mitglieder bereit, in die 3. Internationale einzutreten. Ich selbst habe in meiner Settion für den Anschluß an die 3. Internationale gestimmt, aber jetzt würde ich nicht mehr dafür stimmen. Denn seitdem sind die 21 Bedingungen urbi et orbi verkündet worden. Wie die„ Sumanité" vorhergesagt hat, ist die Folge gewesen, daß die schottischen Sektionen der Unabhängigen Arbeiterpartei( J. L. P.), die sich voriges Jahr für den Anschluß an die 3. Internationale ausgesprochen hatten, sich nunmehr im entgegengesetzten Sinne ausgesprochen haben. Das bedeutet nicht, daß man in diesen Fragen mit Ramsay Macdonald einig ist. Die Politik Macdonalds, der an der 2. Internationale festhält, ist ganz und garnicht dieselbe wie die Longuets. Im Gegenteil, die Politik Longuets ist die der ungeheueren Mehrheit ber Unabhängigen Arbeiterpartei ( 3. L. P.), die nach Wien gehen will und gehen wird. Nach meiner Ansicht ist die revolutionäre Stimmung in England niemals so start gewesen wie gerade jetzt, aber es wäre ein großer Irrtum, zu glauben, daß dies eine Bewegung nach der 3. Internationale hin unter den gegenwärtigen Bedingungen bedeutete. Niemals werben die 21 Bedingungen in England ange nommen werden, es sei denn von einer geringfügigen Minderheit. Klara Zettin hat in Tours gesagt:„ In Rußland ist der Glaube an die Weltrevolution zur Religion geworden". Das ist nur allzu wahr. In England haben wir schon 36 Religionen und eine einzige Sauce. Es wäre vorzuziehen, die Zahl der Saucen zu vermehren. Mit Brudergruß Robert Dell Schwalbenhochzeit, die neue Operette im Theater des Westens ( Libretto von Bordes Milo), erhebt sich in einzelnen Zügen aus bem Souterrain schmieriger Salonzweideutelei. Naturfrohsinn eines wandernden Künstlervöllchens und Bereicherung der Lautenliteratur durch einige Liedchen der KünstlerWanderschwalben weisen auf eine neue Orientierung in diesem Genre. Die Musik von Léon Jessel ist üblich, aber ganz geschickt verwendet und angepaßt. Margit Suchy verkörperte die Reize eines gesundblütigen Naturkindes. Lotte Wertmeister und Paul Westermeier entwickelten drastischen Humor. Franz Groß als Führer der wanderfreudigen Jugend wäre ein ferniger Typ von Weltanschauung, wenn die überflüssigen, patriotischen Bierreden aus seiner Rolle gestrichen würden. -soh. Proletarische Feierstunden, Donnerstag, abends 7 Uhr, Uebungsstunde des Sprech chors in der Arbeiter- Bildungsschule, Breite Straße 8-9, Hof lints, Parterre, Eingang 6. Die Eintrittstarten zu der nächsten Beranstaltung der Proletarischen Feierstunden, am Sonntag, 13. Februar, tönnen sofort vom Bureau, Breite Straße 8-9, abgeholt werden. Die Veranstaltung am 27. Februar fällt aus. Opernaufführungen im Norben. Die Große Boltsoper, die in der Hasenheide vor weiten Bevölkerungstreisen billige Opernvorftellungen veranstaltet hat, wird jegt ihre Arbeit im Norden von Groß- Berlin fortsetzen. Nächsten Sonntag findet die erste Opernaufführung im Walhalla Theater statt. Da man hier über ein richtiges Theater verfügt, wird die Reihe der Aufführungen gleich mit Richard Wagners Lohengrin eröffnet werden. Als Mitwirkende sind erste Kräfte in Aussicht genommen, als Dirigent Selmar Meyromiß. Der billigste Play fostet 4 M., der teuerste 20 Mart Tages- Notizen Beranstaltungen unserer Distritte. Einen Mäzennachmittag veran ftalten die Bildungsfommissionen des 14., 15. Distrifts und Charlottenburg am Sonntag, 6. Februar, in der Aula der Hindenburgschule, Gueridestraße in Char lottenburg. Gesang und Klaviervorträge, ernste Märchen und Iustige von Busch mit Lichtbildern, u. a. Mag und Moris, werden geboten. Beginn 3 Uhr. Eintritt für Kinder 75 Pf., für Erwachsene 1,25 Mr. Beranstaltungen der Boltsbühne. Sans feliz lieft Donnerstag, 3. Fe bruar, 7% Uhr, in ber Aula bes Gymnafiums zum grauen Kloster, aus An engrubers Werfen, Karten 1,- Mt. Moderne Dichter am Vortragstijd. Theoboz Daubler fieft heute abend im Weiterfaal aus eigenen Werten. Elfe Laster Siler, Sonntag, 6. Februar, vormittags, in den Kammerspielen, unveröffentlichte Wunderrabbiner von Barcelona", Arbeiten, darunter die Erzählung Der Arno Radet, Mittwoch, 9. Februar, im Graphischen Kabinett aus dem religiösen Gedichtwert Ton, das demnächst im Infelverlag erscheinen wird. Vorträge. Der Vortrag von Profeffor Weißmann über moderne tta. Tienie watt findet erst am 4. Februar im Graphischen Kabinett, 7% Uhr statt, Freitag beginnt im 3nftitut für prettige Bin ologie ein Vortrags- 3pfius über Beobagfungsgabe und Ges Anfragen find bächtnisfunt". Dr. Albert M11, KurfürftenUeber bie moderne brahtlose Telegraphie damm 45 zu richten. und die Großfuntenstationen[ pright Oberingenieur Mairs, Mittwo 7% Uhr, in ber Treptower Sternwarte.( Experimente unb Film.) an Der Film und ble entschiebenen Schulreformer. Vorführungen und Borträge Ten am Botsdamer Play. Jebermann ist eingeladen. Neue Postgebühren Dem Reichsrat Find von der Reichspostverwaltung Gefehent würfe zur abermaligen Erhöhung der Post, Telegraphen- und Postichedgebühren zugegangen. Die Verkehrsbeiräte sind den Vors schlägen in der Hauptsache beigetreten und Reichsrat wie cuch Reichstag dürften voraussichtlich ebenfalls der neuen Erhöhung zustimmen, um den für 1920 auf drei Milliarden und für 1921 auf vier Milliarden Mart festgesetzten Fehlbetrag im ordentlichen Haushaltplan der Reichspost- und Telegraphenverwaltung wenig stens einigermaßen zu decken. Die Gebühren sollen so start ange spannt werden, wie es angängig erscheint, ohne dadurch einen Rüdgang in den Einnahmen hervorzurufen. Man rechnet damit, aus den gesteigerten Bostgebühren, wie aus den anderen Mehra einnahmen etwa 2000 Millionen Mart mehr zu erzielen; es bleibt dann immer noch ein ungedeckter Fehlbetrag von rund zwei Mil liarden Mart, der in anderer Weise aus Steuern gedeckt werden muß. Die neuen Briefgebühren sollen auf 60 Pfennig für Briefe bis 20 Gr., auf 1,20 M. für Briefe über 20 Gr. festgesetzt werden. Die Postkartengebühr soll auf 40 Pfennig ge Steigert werden. Dementsprechend werden auch die Gebühren fülr die Drucksachen, Geschäftspapiere, Warenproben usw. hina aufgesetzt. Die Bädchengebühr soll auf 2 M. festgesett werden, die Gebühr für Post patete bis 5 Kilo in der Nahzone auf 3 M., in der Fernzone auf 4 M. Von der geplanten Erhöhung der Postgebühren wird ferner auch der Zeitungsvertrieb betroffen. Aus der Festsetzung einer Mindestjahresgebühr für den Zeitungsverband von 1,50 M. und aus einer veränderten Berechnung der postailschen Selbstkosten für das Berpaden der Zeitungen folien 6,7 Millionen Mart mehr als bisher einkommen. Für die zweimal täglich erscheinenden großen Tageszeitungen würden die 3uflage eine Breiserhöhung von 1.85 9. vierteljährlich bedeuten. Im Post I de vertebr sollen die Gebühren für Einzahlungen mit 3ahlfarte, die bisher 5-10 Pfennig betrugen, auf 25 Pfennig bis 2 M. festgesetzt wer den. Ferner soll für jede Auszahlung eine Gebühr von ein Behn tel vom Tausend der Schecksumme entrichtet werden. Für jede Barzahlung sowie für die Uebersendung eines Sched's usw. soll außerdem eine feste Gebühr von 30 Pfennig erhoben werden. Entmilitarisierung der Schutzpolizei? Uns wird geschrieben: Durch Verfügung des Kommandos der Schuhspolizei Berlin Z 2b Gen. 40/21 vom 15. 1. 21. Dedblatt Nr. 9 zur Kommando- Ver fügung Z 2b Nr. 8000/20 werden neue Bestimmungen über Achtungsbezeugungen( früher Ehrenbezeugungen) erlassen. Während bisher bei einer geschlossenen Abteilung im Stillstehen sämtliche Beamten die Hand an die Kopfbedeckung legten, ist dies,( um den Unterschied zwischen Herr und Kuli wieder augenfälliger zu machen) jetzt wieder aufgehoben, und die Bestimmungen des alten Sceres find wieber in Kraft getreten. Der alte preußische Kom mißgeist lebt wieder auf. Was beim alten Heer schon abgeschafft war, framt der Kommandeur der Schugpolizei wieder aus. Er unterscheidet bei den Achtungsbezeugungen zwischen diretten und anderen Vorgesezten. " Die Berliner Bürgerschaft wird in nächster Zeit wieder das schöne Kommando Achtung" in den Straßen hören. Denn bei direkten Vorgesezten hat das Kommando Achtung" zu erschallen Und wie die preußischen Rekruten seligen Angedentens haben die Polizei" beamten, die meist alte Unteroffiziere und Bizefeldwebel find, in grader Saltung den Vorgesetzten anzusehen. Es fehlt nur noch der Parabemarsch. Man sieht, der alte Geist lebt noch. Vielleicht wird nächstens auch wieder das Front machen eingeführt. Es ist eben ein großer Fehler, daß nur alte Militärs Kommandostellen bei der Schuhpolizei innehaben und feine Polizeifachleute. Der Mangel an Polizeifennt nissen zwingt diese Herren immer wieder, fich durch militärische Organisationen bemerkbar zu machen, um ihre Unfähigkeit im Polizeidienst und ihre Ueberflüssigkeit zu verbergen. So tommt es, daß die Kommandeure den Polizeidienst anscheinend nur als Rebenfach betrachten und ihr Hauptaugenmerk auf die Militäre ausbildung richten. Und dann wundern sich diese Herren noch darüber, wenn die Entente die Schuhpolizei mit Mißtrauen betrachtet. Die Leidtragenden sind nur die Unterbeamten, die in erster Linie Polizeibeamte sein wollen, teine militärischen Kulis Wahlversammlungen Ledebour über die politische Lage 39 Am Montag fand im Schwarzen Adler" in Schöneberg eine Wählerversammlung der. S. B. statt, in der Genosse Lede bour sprach. Schon vor Beginn der Bersammlung war der Saal so überfüllt, daß ein geradezu lebensgefährliches Ge dränge entstand. Viele Hunderte mußten unverrichteter Sache wieder umfehren, da sie teinen Einlaß mehr finden fonnten. Genosse Ledebour, mit startem Beifall begrüßt, ging in seinem anderthalbstündigen Referat auf die gegenwärtigen allge mein- politischen Zustände ein. Er erörterte die aus Paris eins getroffenen Noten, die die Entwaffnung der Orgeschtruppen und die von Deutschland zu zahlenden Reparationstosten betreffen Er legte die Stellung der U. S. P. D. dazu dar und betonte, daß wir uns weder auf das inländische Kapital oder das Wohlwollen des Ententekapitals verlassen, sondern nur durch die inters nationale Solidarität der Arbeiterklasse eine Aenderung der Bedingungen erwarten tönnen. Genosse Ledebour fündigte an, daß die Reichstagsfraktion der U. S. P. D. verlangen werde, daß an den Verhandlun gen in Paris außer Reichstagsvertretern auch noch Vertreter der Gewerkschaften teilnehmen sollen. Er schilderte dann das Wüten der internationalen Reaktion, die mit Mitteln brutalster Gewalt in allen Ländern die bürgerlich- tapi talistische Gesellschaft erhalten will. Besonders scharf wandte er fich gegen die Orgeschbanden, die in Preußen- Bayern- Deutschland ihr Unwesen treiben. Diesem Treiben tann das Proletariat einen Damm entgegensetzen, wenn es, in einer Kampffront vereint, ihre ganze revolutionäre Stoßtraft der Reaktion entgegensett. Während der Rede Ledebouts machten mehrere Rabauhelden, die sich als Kommunisten ausgaben, sich aber so benahmen, als wenn sie im Dienste der Orgeschbanden als Spitzel tätig sind, fortgesetzt den Versuch, durch alberne und blöde Zwischenrufe die Versammlung zu stören. Mit erfreulicher Frische hielten jedoch unsere Genossen diese Krafehler in Schach. In der Diskussion versuchten zwei Kommunisten ihre bekannten abgedroschenen Redensarten anzubringen, fie fanden damit jedoch bei der Ber fammlung gar keinen Antlang. In einem furzen Schlußwort tennzeichnete Genosse Ledebour einzelne von den Kommunisten aufgestellten Behauptungen als das, was sie sind: als wüste Be Er schloß mit der Schimpfungen und elende Verleumdungen. Aufforderung, am 20. Februar einzutreten für die Verwirt lichung des Sozialismus und zu stimmen für die revolutionäre Klassenkampfpartei des Proletariats, der Unabhängigen Sozial demokratischen Partei Deutschlands. Mit stürmischem Beifall nahm die Versammlung die Ausfülh rungen Ledebours entgegen. Begeistert stimmte sie in das vom Verzenden angestimmte Soch auf die U. S. B. D. ein. Alles in allem war diese Versammlung für unsere Schöneberger Genoffen und damit für unsere Partei, ein guter Erfolg. Z ähne 4 u. 7 mk. mit Friedenskautschuk 5 Jahre schriftliche Garantie. Zafinziehen mit Betäubung bei Bestellung von Gebissen gratis. Kronen v. 30 filk, an Spez.: Zähne ohne Gaumen. Keine fruxuspreise Millwod, 3. Februat, 3.20 Uhr nachmittags, in ben ammattitisie. Zahn- Praxis Hatvani, Danziger Straße 1. Groß- Berlin Kaisergeburtstags- Demonftration Am 28. Januar, abends 8 Uhr, fand in der Mathäuskirche in Steglit ein Hohenzollernerinnerungsgottesdienst statt. Festprediger war der Lic. Döring. Schon das Publikum, welches zu dieser Feier erschienen war, gab zu allerhand hübschen Betrachtungen Anlaß. Da gab es neben vollgegessenen Schiebern, deren Vollmondsgesicht von Zufriedenheit und Sped glänzte, den aus hungrigen Augen schauenden mittleren Beamten, der mit hohlen Backen und vor Nahrungssorgen gramverzehrten Gesicht daherwanite. Neben der eleganten Dame, die ihren neuesten Federhut spazieren führte, die in Stegliz berühmte deutschnationale Waschfrau, im guten Schwarzseidenen; neben dem Schüler mit der bunten Müze den Studenten und den Offizier in wilhelminischer Uniform mit dem Schleppdegen, nur der Helm mit dem Haarbusch fehlte zur Paradeausrüstung. Nach der festen Burg unseres Gottes stieg die Rede des Herrn Döring. Es war nur schade, daß nicht mehr Arbeiter diese Rede hören konnten. Da hätten sie nämlich vernommen, daß der arme, alte, von Gram und Kummer um sein deutsches Volk ge= beugte Mann" weinend am Krankenbett bzw. Totenbett seiner Frau sitzt. Sie hätten vernommen, daß das Volt, angefangen vom einfachen Arbeiter, der„ am sausenden Rad der Maschine sein mühseliges Tagewerk verrichte", bis zu dem Mann, der in der Studierstube mit seinem Kopfe Arbeit leistet", sich hinaussehnt aus den jezigen Zuständen und auf die WiederherstelIung der alten Zeiten hofft", in denen noch Gottesfurcht und Glaube an den sorgenden Vater im Himmel das Volk be= wegten. Sie hätten vernommen, daß der„ arme gebeugte und weinende Mann in Doorn", der heute seinen Geburtstag in Einsamkeit und Sorge gramgebeugt feiert", auch auf die Hilfe dieses Gottes hofft, und daß es ihm eine besondere Freude ist, daß es in seinem lieben, verirrten deutschen Volk" zu dämmern beginnt. Daß es vor allem die Jugend ist, die im Vertrauen auf ihren Gott an die Besserung denkt und für sie arbeitet. Sie hätten aber auch gehört, daß wir Deutschen dem armen, von Gram gebeugten, weinenden, einsamen( je länger die Rede dauerte, desto mehr Eigenschaftswörter fanden sich für den Deserteur von Doorn) Manne tein besseres und schöneres Geburtstagsgeschenk machen könnten, als wenn wir uns zur Feier seines Geburtstages auf uns selbst besinnen, daß wir an das denken, was gut und edel in uns ist, und an das, was uns eint. Dazwischen tamen natürlich gefälschte Darstellungen aus dem Leben der Hohenzollern, die ihr ganzes Leben einzig damit zugebracht haben, sich um das Wohl ihres Volkes zu sorgen, und für dasselbe zu arbeiten. Angefangen vom ersten Kurfürsten bis zum legten Sproß des edlen Hauses. Vor allem aber Wilhem der Erste, der demütige, einfache, schlichte, herrliche, große Mann, welcher nur aus Demut die deutsche Kaiserkrone annahm, der sich nur aus Demut als Kaiser von Gottes Gnaden bezeichnete, dem aller Hochmut fern lag. In der Rede des Herrn Döring war sicher ein wahrer Sag. Nämlich der, daß es an dem dritten Kaisergeburtstage, den die letten Sprößlinge der Dynastie vom Stamme: Nimm! im„ Eril" zubringen, in ihrem Vaterlande bereits zu dämmern beginnt. Die Monarchisten fühlen sich schon wieder start, ihre Feiern, die noch im vergangenen Jahre wehleidige Trauerfundgebungen über entschwundene Herrlichkeiten waren, werden allmählich immer mehr zu Siegesfeiern. Aber es liegt an der Arbeiterschaft, zu verhindern, daß die Monarchisten die Siegesfeiern auf Vorschuß mit Recht begehen! Am 20. Februar müssen die Bestrebungen auf Wiederherstellung der Hohenzollern- Herrlichkeit einen vernichtenden Schlag erhalten! Kleinliche Schilanen der Schulgewaltigen Am Dienstag, den 18. Januar 1921 wurde zweds Aussprache mit der Elternschaft eine Versammlung, mit dem Thema„ Die weltliche Schule" nach der 168. Gemeindeschule, QuizomStraße, einberufen. Bezeichnend für das forrette Verhalten des Schulleiters( Serrn Brunzlow), war, daß man es nicht für notwendig gehalten hatte, die Schulaula in geordnetem Zustande der Versammlung zur Verfügung zu stellen. War schon das Verhalten des Schulleiters in punkto Einladen der Eltern zu dieser Bersammlung nicht ein besonderes Entgegenkommen, so wurde aber der Schluß zu einer regelrechten Herausforderung der ge= Jamten Elternschaft. Als wir bis 10 Uhr nicht fertig waren, tam der Schuldiener herein und erklärte furz:„ Es ist 10 Uhr." Der Hinweis vom Borstand des Elternbeirats, daß wir bald am Schlusse der Versammlung angelangt wären, beantwortete man mit dem uAbsperren des Lichtes. Der Deffentlichkeit übergeben wir dieses, damit sie erkennt, mit was für Schwierigkeiten die Elternbeiräte in den Schulen zu arbeiten haben. AEG Glauben die reaktionären Schuffeute denn im Ernst, daß mit folchen Kindereien der Kampf um die weltliche Schule aufgehalten wird? Arbeitersport Zwei Filmvorträge besonderer Art veranstaltet in der fommenden Woche der 1. Kreis des Arbeiter- Turn- und Sportbundes. Auf den nach neuesten Verfahren, Zeitlupenaufnahmen, hergestell ten Filmen werden die einzelnen sportlichen und turnerischen Uebungsarbeiten mit einer Genauigkeit und Exaktheit gezeigt, die dieselben zu Lehrfilmen ersten Ranges stempeln. Der erste Vortrag findet am Mittwoch, den 2. Februar, abends 7 Uhr, in der Stadthalle, Klosterstraße, der zweite am Sonnabend, den 5. Fe= bruar, in der Schulaula in Oberschöneweide statt. Zur Deckung der Unkosten wird ein Eintrittspreis von 1 M. erhoben. Vierter Verwaltungsbezirk. Fraktions- Sigung der U. S. P.Bezirksverordneten Mittwoch, 2. Februar, 7 Uhr abends im Bezirksamt, Gethsemanestraße 4, 3immer 3. Erscheinen unbedingt notwendig. „ Ein preußischer Oberleutnant." Der häßliche Auftritt in der Garderobe des Palais de Danse hat noch einmal die elfte Straffammer des Landgerichts I beschäftigt. Das Schöffengericht hatte den Leutnant a. D. Waltting wegen Nötigung und Körperverlegung zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt Der Angeklagte hatte in animierter Stimmung mit einem Bekannten das Palais de Danse aufgesucht und war mit dem Weinhändler Litfin aus Charlottenburg, den er fälschlich für einen Juden hielt, in Konflift gekommen. Als dieser das Lotal verlassen wollte, schrie ihn der Angeklagte an: Sut ab! Alle Juden raus! Ein preußischer Oberleutnant fommt!" Als Herr Litfin diesem Ansinnen nicht nachkommen wollte, packte ihn der Angeklagte an der Brust, schleuderte ihn mit aller Wucht gegen den Garderobentisch und vergriff sich an ihm, so daß 2. ziemlich eindringliche Hautabschürfungen erlitt und ihm sein Pelz zerrissen wurde. Der Verlegte selbst erklärte in der gestrigen Verhandlung, daß ihm an einer Bestrafung des Angeklagten nichts mehr gelegen sei, da ihm der Angeklagte eine Buße von 8000 Mart gezahlt und nachträglich um Entschuldigung gebeten habe. Das Gericht verurteilte den Angeflagten zu sechs Wochen Gefängnis, bewilligte ihm aber eine dreijährige Bewährungsfrist. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Mittwoch. Zeitweise heiter, jedoch überwiegend neblig oder wolfig, nachts gelinder Frost und ziemlich mild, bei mäßigen südöstlichen Winden, keine erheblichen Niederschläge. Gewerkschaftliches Tarifbewegung der Gemeindearbeiter Berlins Am Sonntag tagten in den Andreasfestsälen die freigewertschaftlich organisierten Funktionäre und Vertrauensleute aller Gemeindebetriebe Groß Berlins um den Bericht über den Stand der Tarifberatung entgegenzunehmen. An der Versammlung beteiligten sich die Ortsverwaltungen von sechs Gewerkschaften, die zu einem Tariffartell zusammengeschlossen waren. Bolenske, vom Gemeindearbeiter- Verband gab den Bericht. Bei den Verhandlungen wurde großer Wert darauf gelegt, daß der Tarif nur für die in den freien Gewerkschaften Organisierten Geltung haben sollte, was auch nach einigen Verhandlungen durchgesetzt wurde. Das Resultat der langwierigen Verhandlungen war der Vorschlag der Tarifdeputation des Magistrats, die auf die Löhne des 5. Lohntarifs eine Erhöhung von 15 Prozent eintreten lassen wollten. Die von den Angestelltenvertretern geltend gemachten Bedenken gegen eine derartige schematische Erhöhung, da dadurch die Minderbezahlten am schlechtesten wegkommen, wurde vom Magistrat die Zusage gemacht, Särten möglichst zu vermeiden. Für die Angestellten soll die gleiche Erhöhung in Kraft. treten. Die Schwerstarbeiter sollen zu den obigen Sägen noch zehn Pfennig pro Stunde mehr erhalten. Nach dem neuen Tarif gelten als Schwerstarbeiter alle in den technischen Anstalten der Kommunalverwaltung beschäftigten Arbeiter. Der Tarif soll vom 1. November 1920 bis 31. Januar gelten. Bom 1. Februar bis 31. März soll eine nochmalige Erhöhung der Löhne um 10 Pfennig pro Stunde eintreten. Bolenste wies zum Schluß darauf hin, daß, wenn der Magistrat von diesem Ergebnis noch irgendwelche Abstriche machen sollte, er dann die Kollegenschaft die Annahme nicht empfehlen tönne. Für den Zentralverband erklärte Hochschild, daß er sich den Ausführungen Polenstes anschließe. Nach einer äußerst lebhaften Diskussion wurde von der Versammlung mit großer Mehrheit die folgende geänderte Resolution angenommen: „ Das Ergebnis der Verhandlungen trägt den berechtigten Forderungen der Arbeiter und Angestellten nur zum Teil Rechnung. Die Versammlung erwartet schnellstens eine endgültige Stellungnahme des Magistrats und behält sich dann ihre Stel lungnahme vor." Beim nächsten Punkt der Tagesordnung weist Dettmer darauf hin, daß bisher von einer Aufstellung pon Listen einzelner Parteien abgefehen worden ist und macht darauf aufmerksam, daß im Walhalla- Theater am gleichen Tage eine Versammlung sucht zum sofortigen Antritt füchtige, Speditionsverlegung selbständige, perfekte Einrichter für Stehli- und Acme- SchraubenBon heute ab ist die automaten. Persönliche Vorstellungen Spedition Tornseifer bei der AEG- Lokomotivfabrik, Hennigsdorf b. Berlin. Arbeiterannahme Tor I, von 7-9 Uhr vorm. bon Lübecker Straße 10 nach Lübecker Straße 16 vorn Keller, bei Kigerow, verlegt worden. Gun Proletarische Jugend emapofant Sammlung fozialistischer Jugendfchriften Soeben erfchien Heft 1 Arbeiterjugend und sexuelle Frage Zweite durchgefehene u. verbefferte Auflage Von Hans Hackmack Preis 2.50 Mk. Buchhandl. ,, Freiheit", Berlin C2, Breite Str. 8-9 Annahme in allen Speditionen des Berlages der Betriebsräte in den städtischen Betrieben, einberufen von den V. K. P. D. stattfindet. Sollte dort der Beschluß gefaßt werden, eine eigene Lifte aufzustellen, so werden auch die Gewerkschafter dazu übergehen müssen. Zu derselben Zeit, da die Gewerkschaftsfunktionäre über die Ergebnisse der Verhandlungen mit dem Magistrat berieten, hatten die Kommunisten eine öffentliche Versammlung der städtischen Arbeiter und Angestellten nach dem Walhalla- Theater einberufen. Sylt referierte über die Tarifverhandlungen und deren Ergeb nisse. Die Gewerkschaften treffe die Schuld, wenn es nicht schon früher zu Resultaten gekommen sei. Daß Sylt der Gewerkschafts= bonzen besonders liebevoll gedachte, braucht nicht besonders er wähnt zu werden. Nach Sylt behandelte. Heinricht die bevorstehenden komt= munalen Betriebsratswahlen. Der bisherige Ge samtbetriebsrat habe teine revolutionäre Energie und Tatkraft an den Tag gelegt, er hätte die Gewerkschaftsvertreter hinaus= schmeißen und selbst verhandeln sollen. Nur ein Betriebsrat mit dem Willen zur Aktion dürfe gewählt werden. Die Kom munisten würden bei den Wahlen zum Betriebsrat grundsätzlich eigene Listen aufstellen und nur wo es tattisch notwendig sei, würde man Listen gemeinsam mit sympathiesierenden Parteien aufstellen. Die fommunistischen Stadtverordneten Leupold und Dört beehrten mit furzen Ansprachen, während Scholem als Vers treter der Zentrale eine Werberede für die Kommunistische Partei mit den üblichen Beschimpfungen unserer Partei vom Stapel ließ. Während seiner Ausführungen leerte sich der Saal, der sowieso nicht voll besetzt war, merklich. Die Mitglieder der V. K. P. D. sind angehalten, in allen Bes trieben und Amtsstellen des Magistrats Zellen zu bilden. Aus der unbedeutenden Debatte wäre zu erwähnen, daß ein Diskussionsredner erklärte, daß alle Kommunisten, die aus den Gewerkschaften ausgestoßen würden, sich dem„ revolutionären" Verband der Hand- und Kopfarbeiter( Betriebsorganisation) anschließen müßten, denn in diesem Verbande seien nur Revo lutionäre. Die von Herrn Heinricht vorgeschlagene Uebertragung der Tarifperhandlungen auf den Betriebsrat hätte die Aus Ical. tung und Unfruchtbarmachung der Gewerkschaften zur Folge, ein Weg, der abgelehnt werden muß, da er zu unübersehbaren Konsequenzen für die Arbeiterbewegung führen würde. Dem Propheten der gelben Clique im„ Verband der Hand und Kopfarbeiter" aber fönnte es schon passen, die Gewerkschaften auf die Seite zu schieben. Es ist gut, daß man gerade bei ihm die Absicht so deutlich merkt. Wir werden einstweilen die weitere Entwicklung der Dinge abwarten. Aus den Organisationen Preßkommission Nächste Sitzung am Mittwoch, nachmittag 5% Uhr, Breite Straße 8-9. Pünktliches und vollzähliges Erscheinen ist Pflicht. Dienstag, den 1. Februar Neuroan. Die zu heute abend angesetzte Zusammenkunft der Bezirksführes bei Genossen Kaufmann findet nicht statt. Mittwoch, den 2. Februar 4. Diftrift. Diskutierabend, abends 6% Uhr bei Lier, Rannynfte, 2. 4. Diftritt. Agitations- und Zeitungskommission, 7 Uhr, Sigung bei Steben topf, Mustauer Str. 35. 18. Diftrift. Bildungskommiffion, abends 7 Uhr, Schiller- Lyzeum, Banttr., Naturlehrzimmer. Bortrag über Boltsbühne und Boltshochschule," Genosse Mischka. Interessenten als Gäste willkommen. Donnerstag, den 3. Februar 6. Diftritt. Kommunale Kommission. Abends 7 Uhr, bet Großmann, Webens Straße 24. Erscheinen aller Genossen erforderlich. 10. Distrift. Sigung der Funktionäre und Selferinnen der Frauenarbeits tommiffion, 8 Uhr, bei Kurzrod, Zionstirchplay 5. Marienborf. Deffentliche Wählerversammlung. Rege bazu agitieren. Vereinskalender Dienstag, den 1. Februar Sozialistische Broletarier- Jugend, Reutölln( U.S.B.). Die Veranstaltungen finden von heute an im Jugendheim, Schierfestraße 44, Ede lieftraße tatt. Das Heim ist Dienstags und Freitags ab 7 Uhr, Sonntags ab 4 Uhr geöffnet. Beiträge sind bis zur am Freitag, den 4. stattfindenden Generalversammlung noch nicht zu zahlen. Mittwoch, den 2. Februar Angestellte der Kunst- und Bauschlossereien: abends 6 Uhr in den Bittor Sälen, Belle- Alliance- Straße 22, Bersammlung der Angestellten der Branche.. Lebensmittelkalender Glienice- Nordbahn. 500 Gramm weiße Bohnen, 100 Gramm Teigwaren; an werdende Mütter 500 Gramm Weizengrieß, 1 Batet Rets, 1 Paket Milchsüßspeise und 1 Dose Malzertraft; an stillende Mütter und Kinder im ersten Lebensjahre 250 Gramm Weizengrieß, 1 Dose Malzertraft und 1 Paket Milchsüßspeise; an Kinder vom 2. bis 7. Lebensjahre 1 Batet Milchsüßspeise und 1 Doje Malzertraft; an Personen über 70 Jahre und Kranke 1 Dose Malzertraft. Auf Ausweis 1 Rerze. Wilmersdorf. 375 Gramm Zuder auf 75. Für Kinder: 1½ Pfund Weizengrief. 1 Bfb. Bienenhonig für Jugendliche vom 8. bis 15. Jahre. Für werdende Mitter: 4 Pfund Nährmittel, 50 bis 200 Gramm Trodenganzei, 1 Dose Malzertraft, 3 Dosen Kondensmilch, 1 Pädchen Milfig. Für stillende Mütter: 2 Pfund Nähr mittel. Berantwortlich für die Rebattion: Emil Rabold, Berlin. Vers antwortlich für ben Inferatenteil: Ludwig Komeriner, Rarishorit. Verlagsgenoffenschaft Freiheit" e. G m 5. H., Berlin. Drut her freiheit" Druderet G. m. b. 5., Berlin C. 2, Breite Straße 8-9. Kleine Anzeigen 1 Geschäftsstelle: Berlin 2, Breitefte. 89 Das Ueberschriftswort 2.- Mk., fedes weitere Wort im Text 1.50. netto. Stellungsgesuche: Ueberschriftswort 1.50 k., fedes weitere Wort im Text 1.-M. Verkäufe Ronzertzither, Noten und Zubehör, 300.-, Severin, Felds zeugmeifterstraße 6. Kaufgesuche Brunnen kauft Lötzinn Kuhnert, Gropiusstr. 2, Duergeb. ptr. Kokoski, Goldschmied, kauft Bettwäsche, zur weiß. Woche zu günstigen Preisen: Blatin, ftaunend billige Preise, auch Gold, Silberbruch, unmodernen einzelne angeftaubte Bezüge. Schmuck, Zahngebisse, Brenn Deckbettbezug 55.-, Riffen 15.-, ftifte. Eigene Berwertung. Laken 28.-, Inletts 125.- Goldwaren Fabrik Wäscheftoffe, Handtücher, Leibs itraße 168. wäsche Engrospreise, Wäsches Silberschmelze Christionat, fabrik, Gräfestraße neununds Röpenicker Str. 20 a( gegen dreißig( Hasenheide). Geöffnet über Manteuffelfir.) kauft Zahn gebiffe, Platinabfälle, Schmuck fachen, Quecksilber, Glühstrumpf asche, sämtliche Metalle. Romane und Novellen bis 7 1. Fräulein Fift 2. Schwestern Rondoli 3. Miß Harriet 4. Das Haus 5. Mondschein 6. Herr Parent 7. Der Horla 8. Die Schnepfe 9. Der Liebling 10. Ein Menschenleben 11. Stark wie der Tod 12. Dirkchen 13. Hans und Peter 14. Die kleine Roque 15. Nuzlose Schönheit 16. Der Tugendpreis 17. Schnaps- Anton 18. Unser Herz 19. Tagen. Nachtgeschicht. 20. Mont Driol Jeder Band elegant gebunden 8.40 k. Buchhandlung Freiheit Berlin 2 Breite Straße 8-9 Gelegenheitskauf. Selbft gefertigte elegante Herrenanzüge 295,- Mark, Jünglingsanzüge 240, Rub, Wilhelmstr. 40a, Rochstraßenecke. Bettwäsche, Fabrikpreise, Hafenheide 93. Möbel Fahrräder Fahrräder! Riefenauswahl guterhaltener Herrenfahrräder, Damenfahrräder. Spottbillig. Schlawe, Weinmeisterstraße vier. Karbib 4.50. Jedes Quans Sofaumbaus 650.-, Chaifes tum. Wiederverkäufer Rabatt. longues, Englische Bettstellen Schlawe, Weinmeifterstraße vier. 500.-, Auflegematragen, Pas Fahrradgummi! Riesen tentmatragen 100.-. Walter, lager fämtlicher Gummis Stargarder Straße achtzehn. marken, bedeutender Preisab bau. Möbel, gebraucht und neu. Schlawe, Weinmeisters Stube und Küche, gut erhalten, ftraße vier. 1800.-. Rehfeld, Badftraße 34, Motorräder, Autozubehör, Hausnummer achten. Motore kauft Feuker& Pils, Chaiselongues 150, bis Schwedter Straße 258. 600,-, metalbetten 250,- bis 2000, weiße Schlafzimmer Meicke, Auguftftr. 32a, Dugb. Küchen, moderne, mit ind ohne Anrichte, lackiert, lafiert, roh, jest von 350 M. ab. Riefen auswahl. Küchenmöbelfabrik Himmel, Lothringer Straße 22 ( Schönhaufer Sor). Werkzeuge u. Maschinen Kaufe jeden Bosten Spiralbohrer Schmirgelleineward Müller, Kene Renigstrate 38 Alexanderplag Entlaufen Rage, schwarz,' feit 14 Tagen Boschkerzen und Kugel- entlaufen, 100 Mark Belohnung. lager kauft laufend Fahrrad- Müller, Bülowftr. 92. geschäft. Schönhauser Allee 163, Tel. Humb. 461. Spiralbohrer, Schmirgels leinen kauft Berger, Prenzlauer Straße 56( Alexanderplay.) Rugellager, Magnete, Vere Verschiedenes Gummischuhe reportert kauft höchstzahlend Mechanische gafer, Bündkerzen, alte, neue Born, Reichenberger Straße 7. Werkstatt, Reinickendorferstr. 93 knecht und Luxemburg( 15. Jan. Der Mord an Karl Liebs Kugellager, kauft jeden 1919). Zusammenfassende Dare Poften höchstzahlend Brehl, ftellung des gesamten Unters Reinickendorf- West, Restaurant, fuchungsmaterials. Mit Bore Dahnstraße 4. traits der Ermordeten. Gegen Einsendung von 6 M. zu bes Spiralbohrer, Schmirgels ziehen von der Buchhandlung leinewand, Reibahlen, Gewindes Freiheit, Berlin C2, Breite bohrer, Holsbohrer, Sammer, Straße 8-9. Handbohrmaschinen, Siechbeite! alle Arten Zangen, Holz, Schloß, Maschinenschrauben kauft gegen sofortige Raffe ftraße 10. Königstadt 8607. Werkzeughandlung Richthofens Dynamo und Spulendrähte kauft Elektrobureau Lange Straße 271( Alexander 3939). Elektrischer Einkauf, Draht, Kabel, Ligen, Motoren, Glühlampen, sowie alle Instal lationswaren. Einkaufszentrale Fennstraße 52( Moabit 6934). Der richtige Weg für Angebot Spiralbohrer, Schmirgelu. Nachfrage leinen kauft laufend Langke, Belle Alliance- Str.98( Hallesches Tor). Altmetallet verzuigen Ste höchstpreiserzielend: Metallein kauf, Zehdenicker Straße 21, hinter Cafinotheater, Rönig ftadt( 2650). Auf Hausnummer. Boschkerzen, alte, kauft Autofeuker, Oderberger Str. 1. acteu find die Kleinen Anteigen in der Freiheit.