Einzelpreis 20 Pfg. . 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint morgens und nachmittags, Sonntags und Montags w einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Bufteilung ins Haus für Groß- Berli 10, M. im voraus zahlbar, von der Spedition felbft abgeholt 8,50 M. Für Bofts bezug nehmen fämtliche Boftanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland und Österreich 16,50 m., für das übrige Ausland 21,50. zuzüglich Baluta Aufschlag, ver Brief für Deutschland und Österreich 30,- m. Rebaktian Crpedition und Berlag: Berlin 2, Breite Straße 8. Donnerstag, 3. Februar 1921 Nummer 56 Abend- Ausgabe De achtgefpaltene Ronpareillezette aber beren Raum koftet 8,-. einschließlic Eenerungszufchlag. Kleine Anzeigex: Das fettgedruckte Wort 2, M., jedes meitere Wort 1,50 m., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen Besuche Wort- Anzeigen bas fettgedruckte Wort. 1,50 m.. fedes weitere Wort 1, M. Fernsprecher: Bentrum 2030, 2645, 4516, 4603, 4835, 4649, 4021 greiheit Berliner Organ ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Die Einheitsfront der Reaktion bas Recht beanspruchen mürben, auf gleichen Fuß Brinzipien Die Bankrottwirtschaft Die Deutsche Bolfspartei hat offenbar das Bedürfnis, die gegenwärtige kritische Lage auszunuzen, um unter der Maste der ,, nationalen Einheitsfront" der Rechtsentwicklung der Reichsregierung auch nach außen hin erkennbaren Auss druck zu geben. Den in den letzten Tagen stattgefundenen Besprechungen über eine Verbreiterung der Regierungsfoalition nach rechts und nach links lag vor allem das BeStreben der Deutschen Volkspartei zu grunde, die Deutschnationalen, die in letzter Zeit immer stärkeren Einfluß auf die Regierung gewannen, auch formell in die Koalition hineinzuziehen. Es fanden Verhandlungen zwischen dem Führer der Volkspartei, Geheimrat Rießer und dem Vorfizzenden der Deutschnationalen Partei Hergt statt, die aber zunächst ergebnislos verliefen. Hierzu erklärte die Kreuzzeitung": die Durchführbarkeit dieses naheTiegenden Gedankens ,, mußte schon mit Rüdsicht auf den jezt mit voller Kraft geführten Wahl= fampf in Preußen scheitern". " Und wie die Tägliche Rundschau" mitteilt, hat Hergt das Angebot der Deutschen Volkspartei mit der Begründung abgelehnt, daß in diesem Falle die vier Millionen Wähler der Deutschnationalen Boltspartei davonlaufen würden, weil sie den Eintritt der Partei in die Regierung nicht verstehen würden. Schon aus dieser Begründung der Ablehnung geht deutlich hervor, daß es lediglich demagogische Wah Irücksichten find, die die äußerste Rechte veranlaßt, ihr inoffizielles Bündnis mit der Volkspartei nicht in ein offizielles zu vers wandeln. Das Spiel mit verteilten Rollen, das diese beiden Parteien führen, soll fortgesetzt werden. Gegenwärtig wird nun noch daran gearbeitet, ein engeres 3usammengehen der beiden Rechtsparteien vorzubereiten. Wie Post" und„ Lokalanzeiger" mitteilen, werden die Verhandlungen zwischen Volkspartei und Deutschnationalen fortgefekt, um die äußerste Rechte in eine ,, nähere Fühlung" zu den Koalitionsparteien zu bringen. Wir würden es begrüßen, wenn endlich an die Stelle der betrügerischen Kulissenpolitik Klarheit in dieser Frage geschaffen würde. Da die Koalitionsparteien anscheinend Sehnsucht nach einer Neuauflage des wilhelminis schen Regiments( mit oder ohne Wilhelm) haben, so wäre es nur fonsequent, wenn sie durch Einbeziehung der Deutschnationalen in die Regierungsfoalition auch nach außen hin die Tatsache zum Ausdrud brächten, daß eine einheitliche Front von Hergt bis Koch über Stinnes und Trimborn besteht. Für die Arbeiterklasse wäre es nur erwünscht, daß diese Front, die in der inneren Politit schon längst bes steht, auch nach außen hin flar zum Ausdrud gelangte, damit das vereinte Bürgertum die Verantwortung für die Lösung der außenpolitischen Krise tragen soll, die es durch seine Politik heraufbeschworen und vers schärft hat. Briands Erklärung Ministerpräsident Briand wird heute Donnerstag so wohl im Senat als auch in der Kammer über die konferenz in Paris eine Erklärung abgeben, die auf dem heute vormittag stattfindenden Kabinettsrat inhaltlich festgesetzt wird. Hierauf werden in der Kammer acht Interpellationen über die auswärtige Politit beraten werden. 19 Redner sind bisher angemeldet. Die Abreise Bergmanns Die Pariser Zeitungen erbliden in der Abreise des Führers der deutschen Sachverständigen auf der Brüsseler Konferenz, Staats jetretär Bergmann, die Bestätigung dafür, daß die Konferenz vertagt werden soll. Wie„ Echo de Paris" wissen will, habe Bergmann in Unterredungen mit verschiedenen Persönlichkeiten von Quai d'Orsay darauf gedrungen, daß die Brüsseler Konferenz verschoben werde mit Rüdsicht auf die furze Frist, die zwischen ihr und der Londoner Konferenz liegt. fragen zu erörtern, d. h. die Entscheidungen von Paris wieder in Frage zu stellen. Diese Absicht habe ja auch Dr. Simons im Reichstag tlar zum Ausdrud gebracht. 33 Weiter sagt Petit Parisien" in einem Leitartikel, Reichss minister Simons habe nicht erklärt, daß Deutschland nicht nach London zur Konferenz gehen wolle. Die deutsche Regierung habe also noch teine unwiderrufliche Ent fcheidung getroffen. Das Abkommen von Paris habe in den Augen ernster Deutscher zwei ganz verschiedene Teile. Man würde fich mit acht bis zehn Annuitäten einverstanden erklärt haben; was Deutschland erschrede, sei der Gedanke, daß es sich auf 42 Jahre verpflichten müsse. Wenn man Raltblütigteit bewahre, sei es nicht unmöglich, Deutsch land durch Zwang und auch durch Ueberredung dahin zu bringen, daß es die in Paris beschlossenen Zahlungen, insbesondere die der 42 Annuitäten, annimmt. Die Vorschläge des ,, Temps" Paris, 2. Februar. „ Temps" schlägt in seinem heutigen Leitartikel im Anschluß an eine Betrachtung über die gestrige Rede des Reichsministers Dr. Simons unter Berufung auf Artikel 270 des Versailler Bertrages vor: 1. daß die alliierten Regierungen, jede in ihrer Besehungszone, Velig von den deutschen Zolleinnahmen am linken Rheinufer nehmen; 2. daß sie durch eine 3oIlgrenze bas bejegte deutsche Gebiet von dem nicht bejetten trennen; 3. daß die alliierten Regierungen unverzüglich ein Zollregime für das besetzte Gebiet ausarbeiten. Drei ausländische Gutachten HN. London, 3. Februar. Das englische Arbeiterblatt Daily Hera Id" veröffentlicht brei interessante Gutachten über den neuen Entschädigungsplan der Alliierten. Norman Angell, der bekannte Verfasser des Buches„ Die große Juujion" sieht in dem Plan nur einen Trid zur Jrreführung der Wähler. Er erklärt: Es ist reine Demagogie, Spiegelfechterei und Unsinn. Diese 3ahlen sind phantastisches Geschwäß, und jeder, der sie festgestellt hat, weiß dies. Aber sie dienen dazu, das Bublifum ein oder zwei Jahre zum Besten zu haben und da unsere Staatsmänner von der Hand in den Mund leben, ist ein Jahr oder zwei ein Zeitalter. Bis dahin wird es in Frankreich ein anderes Ministerium und in England vielleicht einen anderen Premier geben und jemand anders wird in der Batsche figen. Das ist Lloyd Georges Staatsmannskunst. Dieselbe Ansicht äußert der englische Nationalötonom Brails, ford. Er tabelt den Daily Herald", daß er die Pariser Konferenz und ihre Beschlüsse eine Verrücktheit genannt habe. Berrüdtheit umschließe immer noch einen Teil von Aufrichtigkeit. Hier handle es sich aber um viel Schlimmeres. Er weist darauf hin, daß der letzte offizielle Bericht über die Wirtschaftslage Deutschlands das ganze deutsche Nationaleinkommen auf 100 Milliarden Mart veranschlage, daß Deutschland mit einem Defizit von mehr als 70 Milliarden Mart arbeite und daß die 2 Milliarden Goldmart, die Deutschland nun im ersten Jahr bezahlen solle, 22 Milliarden Papiermart ausmachen, so daß also Deutschland einen Ausgabeetat aufstellen müßte, der zweimal jo groß sei wie das ganze Nationaleinkommen. Der wahre Zweck der in Paris zum Ausdrud gekommenen Politif sei, die deutschen Arbeiter als Sklavenarbeiter in ihre Gewalt zu bekommen und mit diesem Mittel dann die alliierten Arbeiter zu unterwerfen. Jouhaur protestiert gegen die Ausdehnung der Besehung und gegen die Erhöhung der Kohlenlieferungen durch Deutschland. Er erklärt, die Lösung des Wiedergutmachungsproblems fönne nur durch die gemeinsame Arbeit französischer und deutschee Arbeiter geschehen, und die Erflärung, welche die deutschen Gewerkschaften in diesem Sinne abgegeben hätten, jei flar und be wundernswert. London, 2. Februar. ,, Westminster Gazette" spricht über die Erflärung Sis mons mit Bezug auf die Entwaffnung. Das Blatt jagt, die Alliierten hätten es in der Hand, Deutschland Strafen aufzuerlegen; menn jedoch eine tatsächliche Wiedergut= machung erzielt werden solle, so müsse sie das Ergebnis einer Art von Uebereintunft sein. Jetzt sei die Reihe an den Deutschen, ihre eigenen Vorschläge vorzulegen. Diese würden jes doch wenig Rugen haben, wenn sich die Deutschen ebenfalls nach einer Seite veritten, wie dies die Alliterten nach der anderen Seite getan haben. Die Deutschen täten gut, endlich die Höchst umme, die sie zu zahlen in der Lage sind, zu erwägen und ihren Standpunkt dann eingehend zu begründen. Petit Parisien" schreibt: Nach Ansicht des deutschen Sachver ständigen ist es schwer, die Modalitäten einer Zahlung vor der Einigung über die Zahlung selbst zu erörtern. Die Brüsseler Konferenz tönne also erst nach der Londoner stattfinden; da die Londoner Konferenz nicht vor dem 25. 2. mit der Prüfung der deutschen Angelegenheiten beginnen werde, würde die Brüsseler Konferenz wenigstens bis zum 8. oder 9. März zu vertagen sein. Petit Parisien" meint, daß sich über die deutsche Auffassung wohl sprechen lasse, denn die Pariser Konferenz habe das System der fünf Annuitäten, das Bergmann angenommen habe, nicht verworfen, es im Gegenteil in das erweiterte System mit einbegriffen, das die ganze Frage der deutschen Schuld löse. Das hätten die Deutschen gerade gewollt, als sie die Festlegung einer Bauschalsumme verlangten. Eines sei flar, daß nämlich die deutIchen Sachverständigen sich sicherlich nach den Weisungen des Reichsministers Simons richten und streiten würden, und das sei der Beginn der Obstruktion gegen die Ent fcheidungen der Konferenz. Das Blatt meint, es sei vorauszusehen, daß die Deutschen auch in London wie in Spaagischen und bayerischen Landtag abgegeben.. Kundgebungen der Landesparlamente. Auch die Barlamente der Länder haben bereits Stellung genommen zu den Bariser Beschlüssen. Im sächsischen Landtag hat der Präsident Fräsdorf( Soz.) gestern vor Eintritt in die Tagesordnung im Namen des sächsischen Boltes gegen die Zahlungsbedingungen und die Zwangsmaßnahmen der Entente, die in der Wiedergutmachungsnote angefündigt werden, larjen Protest erhoben. Jm mürttembergischen Landtag gab Präsident Walter eine Erklärung ab, die die Erfüllung der Forderungen als ein Ding der Unmöglichkeit bezeichne. Aehnliche Erklärungen wurden im Hamburger Senat, im braunschwei Der Reichsversicherung Bon Paul Lange L Die von den faiserlichen Lafaien so oft gerühmte Thron rede Wilhelms I. vom 15. Februar 1881 bezeichnete die damals erst geplanten Versicherungsgelege für franfe, alt und invalid gewordene oder im Arbeiter A n= und Beruf verunglüdte gestellte mit fühner Offenherzigkeit als„ eine Vervoll ständigung der Gesetzgebung zum Schutze gegen sozialdemo fratische Bestrebungen". Das Sozialistengesez, das durch Gefängnisstrafen und Stadtverweisung die aufstrebende Ar beiterbewegung niederhielt, sollte auf diese Weise ergänzt, d. h. die Peitsche durch ein angebliches Zuderbrot vervoll ständigt" werden. Die Begründung zu dem Gesetzentwurfe vom Jahre 1888 über die Alters- und Invalidenversicherung Jagte ebenso flar, diese Versicherung habe die Mittel aufs zubringen, um in zahlreichen Fällen an Stelle der bisher zu gewährenden Armen unterstüßung einen Rechtsanspruch auf ein bestimmtes Einkommen zu setzen". Die Alters: und Invalidenversicherung war eine Neuordnung der Armenpflege, um den einzelnen Gemeinden eine„ drüdende Last" abzunehmen eine Last, die nunmehr die Versicherten selbst zu tragen hatten, indem sie die Beiträge an den Staat abführten, der sie ansammelte und verwaltete. Die Unfallversicherung schloß die Unternehmer zusammen, um die Lasten zu verteilen, wenn der einzelne Unternehmer von seinen Arbeitern für etwaige Unfallschäden haftbar gemacht wurde. Die Verwaltung dieser Unfallversicherung liegt lediglich in den Händen der Unternehmer. In der Krankenversicherung hatten die Arbeiter und Angestellten im Vergleich zu den anderen die Versicherungszweigen Verwaltungsrechte; größere Krantenversicherung hat sich daher auch am besten entwidelt. II. Durch die Reichsversicherungsordnung von 1911 wurde die Unfallversicherung sowie die Alters- und Invalidenver sicherung gezwungen, mindestens ein Viertel ihres Vers mögens in Anleihen des Reichs und der Bundesstaaten ans zulegen. Die Unfallversicherung hat die Mittel für ihre Auf wendungen ,, durch Beiträge aufzubringen, die den Bedarf des abgelaufenen Geschäftsjahres deden"; fie sammelt also feine großen Kapitalien an. -Die Alters- und Invalidenversicherung auf die wir uns im nachstehenden beschränken war gesetzlich genötigt, nach Art der privaten Versicherung, große Reserven anzusammeln; fie betrugen: Jahr Reinvermögen barunter Reids- und Staatsanleihen( Nennwert) Rt. 299 347 775 ME 1912 1 929 095 320 1913 2 105 491 550 874 146 898 1914 2 252 472 130 566 991 791. 1915 2 354 539 656 823 465 205 2 428 341 944 1 093 394 462 2 519.525 482 1 355 696 275 2 450 775 581 1916 1917 1918 Don 1 534 896 556 In den Zahlen von 1912 bis 1917 ist Elsaß- Lothringen einbegriffen, 1918 nicht mehr. Wie man sieht, ist das Reins vermögen seit 1912 1929 095 320 m. bis 1918 auf 2 450 775 531 M., also um 521 680 911 9. gestiegen; der Bes stand an Staatsanleihen hat in der gleichen Zeit aber von 299 347 775 M: auf 1 534 896 556 M., also um 1 235 548 781 Mark zugenommen. Mit anderen Worten, die Träger der Alters- und Invalidenversicherung haben mehr Kriegs anleihe gezeichnet, als sie verfügbare Gelder hatten! Sie haben lediglich zu dem Zwede, Kriegsanleihe zu zeichnen, ungeheure Schulden aufgenommen. Das Reichs. versicherungsamt teilt mit: in den Amtlichen Nachrichten", Nr. 1, 32. Jahrgang: die außerordentliche Zunahme der Schuldverpflichtungen( im Jahre 1914) ist darauf zurüdzuführen, daß die überwiegende Mehrzahl der Versicherungsträger zur Erwerbung von Kriegsanleihen und zur Hingabe von Darlehen an bedürftige Gemeinden Darlehen aufgenommen meist unter Verpfändung von Wertpapieren hat"; in den„ Amtlichen Nachrichten" Nr. 1, 33. Jahrgang: ,, die weitere Zunahme der Schuldverpflichtungen( im Jahre 1915) um mehr als 200 Millionen steht in ursächlichem Zusammenhange mit den im Jahre 1915 zur Ausgabe gelangten beiden Kriegss anleihen, an denen die Bersicherungsträger mit erheblichen Bes trägen beteiligt sind"; in den Amtlichen Nachrichten" Nr. 1, 34. Jahrgang:„ die weitere beträchtliche Zunahme der Schuldverpflichtungen( im Jahre 1916) steht in ursächlichem Zusammenhange mit den im Jahre 1916 zur Ausgabe gelangten beiden Kriegsanleihen, an benen die Versicherungsträger wieder mit erheblichen Beträgen beteiligt sind"; in den Amilichen Nachrichten" Mr. 1, 35. Jahrgang: die weitere beträchtliche Zunahme der Schuldverpflichtungen( im Jahre 1917) steht in ursächlichem Zusammenhange mit den im Jahre 1917 zur Ausgabe gelangten beiden Kriegsanleihen, an denen die Versicherungsträger wieder mit erheblichen Beträgen beteiligt sind;" in den„Amtlichen Nachrichten" Nr. 1, Z6. Jahrgang:„die weitere beträchtliche Zunahme der Schuldverpflichtungen(im �ahre 1918) steht in ursächlichem Zusammenhange mit den im .�ahre l!l 18 zur Ausgabe gelangten beiden Kriegsanleihen, an denen die Versicherungsträger wieder mit erheblichen Beträgen beteiligt sind, und.. Geradezu verbrecherisch hat die Landes-Ver- sicherungsanstalt Berlin gewirtschaftet: sie wies Ende 1918 bei einem Reinvermögen von 119 969 131 M. einen Bestand von 157 977 456 M. Wertpapieren und ver- liehenen Geldern auf. darunter 101 171 550 M. Staats- (Kriegs-)anleihen. Sie mußte infolgedesien einen Pump von 57 890 868 M. aufnehmen. Die b aren Gelder sind nach Ausbruch des Krieges auf Anweisung der kaiserlichen Regierung millionenweise aus den Kasten der Alters- und Invalidenversicherung ent- wendet und der Kriegführung zugewiesen worden. Der Krieg selbst aber schaffte viele Verwundete, die in ihrer zivilen Erwerbsfähigkeit beschränkt sind und nun die In- validenversicherung in Anspruch nahmen. Was nun tun. da das Vermögen dieser Versicherung verwirtschaftet war? Es ist verwirtschaftet worden, denn die Staatsanleihen sind ge- waltig im Kurse gefallen. Und wollte die Alters- und In- validenversicherung ihre im Kurse gefallenen Staatsanleihen verkaufen, so würde dies erst recht neue Kursstürze bervor- rufen! Die kaiserliche und später auch die republikanische Regie- rung erhöhten einfach die laufenden Beiträge, statt die um ihr Vermögen gebrachte Invalidenversicherung zu entschädigen. Die erhöhten Beiträge betrugen wöchentlich: aiuiui m. Die volle Wirkung der von 1914 bis 1918 betriebenen Bankrottwirtschaft zeigte sich erst in den Jahren 1919, und namentlich 1920. Zu Ende des Jahres 1920 war die Alters- und Invalidenversicherung vollständig zahlungs- u n f ä h i g. In aller Stille und Heimlichkeit, aber blitzschnell, einigten sich am 18. Dezember 1920 Regierung und Reichs- tag(mit Ausnahme der Unabhängigen Sozialdemokraten und Kommunisten) dahin, ab 20. Dezember 1920 die wöchent- lichen Beiträge plötzlich wie folgt zu erhöhen: Beitragsklasie 1-- 180 Pf. 2---- 200„ 3--- 220„ h 4= 240„ 6= 280„ Um den Versicherten gegenüber zu verdecken, was der Grund zu dieser geradezu ungeheuerlichen Bei- tragserhöhung ist, beschloß man gleichzeitig,„den not- leidenden Sozialrentnern Rentenzulagen zu gewähren". Man kann aber den darbenden Versicherten unmöglich zu- muten, diese hohen Beiträge zu zahlen, solange ,n der Verwaltung dieselben Leute als Leiter und Verantwortliche sitzen, die die Versicherung in den Bankrott gestürzt haben. Den Bankrotteuren stellt man nicht neue Gelder zur Verfügung. - Vje durch Gesetz vom Jahre 1911 geschaffene Reichst»«- sicherungsanstalt für Angestellte(R. f.A.) hat genau so ge- wirtschaftet. Sie vereinnahmte seit ihrem Bestehen bis Ende 1918 insgesamt 777 000 000 M. und sie hat(außer den sonstigen in ihrem Besitz befindlichen Staatepapieren) nicht weniger als 600 Millionen Mark Kriegsanleihe gezeichnet; ebenfalls weit mehr, als sie verfügbare Gelder hatte. Denn sie sagt in ihrem Bericht für 1919:„Die Eeldeingänge der ersten Monate des Berichtsjahres wurden fast ausschließlich zu Einzahlungen auf die gezeichnete Kriegsanleihe ver- wendet. Als dann im Mai(1919) diese Zahlungen beendet und damit die sämtlichen 600 Millionen Mark gezeichneter Kriegsanleihe aus den Mitteln der R. f. A. voll eingezahlt waren, nahm die Anstalt das bei Kriegsausbruch eingestellte Darlehnsgeschäst wieder auf." Für die Jahre 1918 und 1919 hat die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte einen Kursverlust von sage und schreibe 133 266 439 M. abge- schrieben. Wenn bei der R. f. A. die Wirkung der finanziellen Miß- Wirtschaft nicht so katastrophal in die Erscheinung tritt, wie bei der Alters- und Invalidenversicherung, so nur deswegen nicht, weil die R. f. A. fast noch keine Renten zu zahlen braucht. In den nächsten Jahren werden aber die Renten- anspräche wesentlich größer werden. Das Direktorium der R. f. A. arbeitet seit längerer Zeit darauf hin. auch für die Angestelltenversicherung höhere Beiträge einzuführen. Dieser Schlag mutz abgewehrt werden: nichr höhere Beitrüge tun not, sondern eine gewissenhafte Verwaltung muß her! Die Vertrustung der bürgerlichen Presse (Eigene Drahtmeldung der„Freihei t".) Dresden, 3. Februar. Die„Unabhängige Volkszeitung" in Dresden veröffentlicht jetzt neues Material üoer die Vertrustung der bürgerlichen Presse in Deutschland, insbesondere über die geschäftlichen Transaktionen des deutschen"Generalanzeiger"- Konzerns von Huck. Dieser Konzern ist seinerzeit gegründet worden von dem alten August Huck, der kurz vor dem Kriege starb. Das Erbe Hucks ist jetzt auf seine drei Söhne übergegangen, die in Berlin ihr Bureau haben, von dem aus so ungefähr nach jeder deutschen Großstadt die geistigen und geschäftlichen Direktiven für die dem Konzern in der oder jener Form angeschlossenen Blätter ausgegeben werden. Was das für die Politik bedeutet, erhellt aus der einen Tatsachs, daß der älteste der Brüder Huck, der 30jährige W o l f g a n g Huck, während des Krieges z. B. nie in die Lebensgefahr der Einberufung geriet, weil er sich einfach in den Dienst des Auswärtigen Amts stellte, mit seinem großen Geldbeutel Agentendienst im Ausland leistete und nun von Berlin aus die entsprechenden Durchhalteparolen an seine Redaktionen in täglichen Telephonorders ausgab. Dem Huck-Konzern gehören u. a. an:„München« Zeitung", „Hallesche Nachrichten",„Breslauer Neueste Nachrichten",„Bres- lauer Morgenzeitung",„Stuttgarter Tagblatt".„Stettiuer Neueste Rachrichten",„Dresdener Neueste Nachrichten". Dazu kam früher in Leipzig ein Blatt, die ehemals königliche„Leipziger Zeitung", die jetzt durch Kauf an den Leipziger Verleger und sächsischen Exminister Reinhold gefallen ist. Entweder ist bei allen diesen Zeitungen Huck direkt firmierender Besitzer oder aber er hat irgend einen Strohmann, wie in Dresden den Profesior W o l f, in Leipzig den verstorbenen Inseratenakquisiteur Kraus, in Stuttgart und in München einen Buchhalter, vorgeschoben, da- mit die finanziellen Fäden nach Berlin hin unsichtbar werden. Alles in allem dürft« der Huck-Konzern 1—1 Millionen Abon- nenten umfassen. Die Huck-Zeitungen sind sehr einträgliche Unternehmungen. Als ,.Generalanzeiger"blätter werfen z. B. der frühere„Vreslauer Generalanzeiger", jetzt„Neueste Nachrichten", einen durchschnittlichen jährlichen Reingewinn von rund 1 Million Mark ab. Die„Hallesckien Nachrichten", damals „Generalanzeiger für Halle", einen solchen von einer halben Mil- lion. Am beliebtesten ist es Huck, weil damit in der Politik das best« Geschäft zu machen ist. wenn sich seine Blätter einer ver- waschenen Demokratie befleißigen. Unberufene Stimmen Die christlich-nalionalen Gewerkschafien über die Pariser Beschlüsse In renommistischer Aufmachung wird gemeldet:„Der 41 Arbeitern-, Angestellten- und Beamtenverbände der christlich-natio- nalen Gewerlschaftsbewegung umfassend« Deutsch« Cewerkschafts- bund nahm in einer Vertreterkonferenz Stellung zu den P a r i s e r Beschlüsse n". In einer Entschließung, die dort ange- nommen wurde, heißt es: „Angesichts der auf die Dauer unerträglichen Folgen� die schon zahlreiche Bestimmungen des Versailler Vertrages für unser Volk mit sich bringen werden, muß die Reichsregierung alle neuen, au» dem vertrag« nicht hervorgehenden Ansprüche der Gegner unbedingt zurückweisen, lieber eines aber- maligen Diktats gewärtig, als durch ihre Unterschrist irgend- eine moralische Anerkennung gegenüber der Entente und eine gar nicht zu tragende Verantwortung vor künftigen deutschen Geschlechtern auf sich zu nehmen. Vom Standpunkt der schaffen- den Arbeit, insbesondere der lediglich auf die Anstrengungen von Kopf und Hand für ihren Unterhalt angewiesenen Arbeit- nehmer, gibt es auf die wirtschaftlichen Erdrosielungsversuch« des Pariser Reparationsplanes nur die eindeutige Antwort: Rein!" Dann heißt es:„Sklavenarbeit werden unsere deutschen Arbeite» und Angestellten niemals tun!" Diese Leute sollten sich um andere Dinge kümmern. Ist es schon beschämend, wenn sich Arbeiter und Arbeitervertreter dem nationalistischen Rummel nicht fernhalten, der jetzt anhobt, um die durch die Pariser Beschlüsse aufgerollte Frage auf ein völlig falsches, für die auswärtig« Politik Deutschlands verderbliches Gleis zu schieben, so sollten wenigstens diese Kreise nicht von Sklavenarbeit sprechen. Denn sie tragen ein gerüttelt Maß an Schuld daran, daß die deutsche Arbeiterschaft immer noch in der Sklaverei des deutschen Kapita ls lebt und in der Gefahr schwebt, tiefer in diese Sklaverei hineinzugeraten. Auf- gäbe von Eewerkschaftsorganisationen ist es nach unserer Meinung, gegen diese Sklaverei zu kämpfen und im übrigen Ruhe zu be- wahren und die Entscheidung über die politischen Fragen der vor» liegenden Art den berufenen politischen Kreisen zu überlassen. Aber es ist wie 1914. Alles drängt sich ans Licht, was nichts zu sagen hat. Wir möchten die Verbände des Deutschen Eewerk- fchaftsbundcs fragen, was sie während des Krieges gegen jene Politik getan haben, die dieses Unheil heraufbeschworen hat? Die deutsche Arbeiterschaft, die frei ist von Schuld an der Kriegspolitik und ihren Folgen, hat keinen Anlaß, an diesem Einheitsspektakel, der ganz in ein verdächtiges*„völlisches" Fahrwasser zu geraten droht, Anteil zu nehmen. Sie hat im Gegen- teil die Pflicht, kaltblütige Ruh« zu bewahren und überall alle zurückzuweisen in ihre Schranken die den Versuch machen, das deutsche Volk in diesem kritischen Augenblick abermals von den, Wegen abzudrängen, die nüchterne Besonnenheit ihm weist. Der Fall KerKhoff Im Haushaltsausschuß des Reichstags ergriff heut« vormittag vor Eintritt in die Tagesordnung der Finanzminister W i r t h das Woxt, um der Aufforderung des Ausschusses ent- sprechend an Hand der Akten über den Fall Kerkhosf zu berichten. Der Bericht des Finanzministers sowie die Debatte darüber ge- staltete sich zu einer regelrechten Niederlage der Deutsch- nationalen, die den Finanzminister in der vorigen Sitzung hatten zwingen wollen, eine Ehrenerklärung für Kerkhosf abzugeben. Wir werden über diese Verhandlungen im Mo.genblatt ein» ausführliche Darstellung veröffentlichen. Die englische Unabhängige Arbeiter- partei gegen Moskau TU. London, 3. Februar. Von den sieben Sektionen der Independent Lavour Party, de» größten englischen sozialistischen Organisation, haben sich bis jetzt fünf Sektionen über die Frage des Anschlusses an Moskau o«-. gesprochen. Das Eesamtrefultat der fünf Sektionen ergibt 272 Stimmen gegen den Anschluß und 1Z0 Stimmen für den Anschluß an Moskau. Das ZZesiillat der noch ausstehenden zwei Sektionen kann an dem Eesamtresultat nichts mehr ändern. Immer fest: weiterrüsten! Vor dem Marineausschuß des ame- rikanischen Repräsentantenausschusses erklärte General Per« shing, die Vereinigten Staaten sollten mit ihrem augenblick- lichen Flotten- und Heeresprogramm fortfahren, bis ein end- gültiges Abkommen in der Abrüsiungssrage mindestens zwischen den fünf großen Weltmächten zustandegekommcn sei. Nach der Politik ver fünf großen Weltmächte zu urteilen, wird ein end» ein frommer Wunsch bleiben. Inzwischen wird feste weiter- gültiges Abkommen über die Abrüstung wohl noch auf lange hin gerüstet. Hochsee-Fischerei Berlin von Paul John Der Berliner Magistrat hat der Stadtverordneten-Versamm- lung eine Vorlage zugehen lassen, die bezweckt, Berlin mit billigen Seefischen zu versorgen. Die Stadt soll 75 Pro- zent einer Bürgschaft für 30 Millionen Mark übernehmen, die es der„Gemeinnützigen Hochseefisch-rei-Gelellschaft Eroß-Berlin G. m. d. H. in Geestemünde" ermöglicht, vier neue Tecklenborgische Fischdampfer sowie acht vom Reich angebotene Dampfer, darunter drei Zslandfischer, zu übernehmen. Damit wird ein kräftiger Schritt zur Verbesserung unserer Volksernährung und zum Abbau der ungeheuerlichen Fleisch- preise getan. Das Meer ist unerschöpflich, obgleich man seinen Bewohnern in allen möglichen Fahrzeugen und mit allen denkbaren Listen zu Leibe geht. Der Fischfang ist eine Urproduktion, wie die Landwirtschaft oder wie der Bergbau. Das Meer steht allen offen. Zwei Seemeilen vom Lande entfernt darf man an jeder Küste ohne irgend uxlche behördliche Einschränkung fischen und auf den großen„Bänken", d. h. den für die Grundnetze erreich- baren Stellen im Meer, fischen nebeneinander die Fahrzeuge aller Nationen. Vielen Berlinern dürfte die Fischerei in der pommerschen Bucht vor den Badeorten Swinemünde, Ahlbeck und Heringsdorf be- kannt sein. Die Fische werden dort in Siellnetzen gefangen. Offene Boote setzen Netze aus, die auf dem Grunde verankert sind. Bleistllcke oder Steine halten das Netz am Boden fest, Kork- schwimmer heben die obere Partie auf, jedoch nicht weit genug, daß sie die Oberfläche des Wassers erreichen. Die Netze bilden auf diese Weise lange, im Wasser stehende Wände, in denen sich die Fische mit den Kleinen festhaken, wenn sie das Netz zu durchschwimmen versuchen. Anfang und Ende des Netzes sind durch kleine Fähnchen»-nntlich, die über die Wasserfläche emporragen und die Auffindung der Netze erleichtern. lieber den Bereich der Küstenfischerei hinaus verwendet man gedeckte Fischfahrzeugs, die Logger, die nicht mit Stellnetzen. sondern mit Treibnetzen fischen. Bei diesen Netzen sind die Schwimmkörper so groß, daß sie da« Netz nicht bis auf den Boden sinken, sondern wie einen Vorhang ins Wasser hinabhängen lassen. An sogenannten Brailtauen sinkt die Oberkante des Netzes in der flachen Ostsee weniger tief, in der Nordsee bis tO Meter unter der Oberfläche herab. Die einzelnen Netze wer- den aneinander befestigt und haben in der Nordsee zusammen eine Länge bis zu 4 Kilometern. An dem einen Ende dieser„Fleeth" hängt der Logger mit niedergelegte« Mast, dabei mit dem Winde sotttreibend, und spannt so da» Netz zu einer langen Wand. Das Schiff treibt nun am Fleeth wie an einem Anter hängend die ganze Nacht, der übrigen Echissahrt durch die besondere Lichterführung als Fischereifahrzeug kenntlich, dem alles auszuweichen verpslichtet ist. Am anderen Morgen wird die Fleeth„gehievt", d. h. wieder an Bord genommen, die Fische werden aus dem Netz geschüttelt und sofort„gekaakt", indem man durch einen Schnitt in die Kehle die Eingeweide entfernt, wobei man jedoch den Fischen Rogen oder Milch beläßt. Außer mit den Treibnetzen fängt man in nicht allzu tiefen Ee- wässern die Fische auch mit der„Kurre". Die„Kurre" ist ein Netz von der Form eines riesigen Beutels, der vorne durch den „Kurrbaum" aufgespannt wird. Der Kurrbaum wird quer zur Fahrtrichtung des in diesem Falle nicht treibenden, sondern segeln- den Fahrzeuges über den Grund geschleppt. Der riesig lange hol- zerne Daum hat an jedem Ende einen Eisenüügel, auf dem er, wie auf Schlittenkusen, über den Seebodsn schleift. Passiert der Baum den Grund, so stört er mit unfehlbarer Sicherheit alles Getier des Meerbodens auf, das nun, emporgeschreckt, in das ausgespannte Netz gerät und bis in die Hintere Ausbuchtung des Netzes, in den sogenannten„Steert". geschwemmt wird. Bei den Fischdampfern hat die„Kurre" den„Scheerbrettern" Platz gemacht. An jedem Flügel des großen Netzes befindet sich ein Brett, das senkrecht zum Wasser steht. Fängt nach Aussetzen des Netzes die Schraube an zu arbeiten, so ziehen zwei rechts und links am Netz befestigte Seile es hinter dem Dampfer her. Die Scheerbretter können nun infolge ihrer eigenartigen Befestigung dem Zuge nach vorn nicht ohne weiteres folgen, sie„scheeren aus", d. h. treiben durch den Gegendruck des Wassers nach der Seite und spannen so das Netz aus. Ebenso wie die„Kurre" ist auch dieses Schleppnetz mit einem„Steert" versehen, in den die Fische hineintreiben. Unter den mit diesen Mitteln gefangenen Fischen sind wohl auch im Binnenlande am bekanntesten die sogenannten Platt- fische. Die Plattfische sind in der frühesten Jugend rund wie andere Fische. Mit fortschreitendem Wachstum wandern ihre Augen aus der Mittellinie nach einer Seite, der Fisch legt sich um und wird plait. Die Augen auf der linken Seite haben die Butten(Heilbutt, Steinbutt usw.): die Schollen, Scharben und fast alle Flundern haben die Augen auf der rechten Seite. Die Plattfische zeichnen sich durch große Lebensfähigkeit aus und werden von den Fischern oft in der„Bünn", d. h. in einem vom Seewasser durchgespülten Behälter im Schiffsinnern, lebend auf den Markt gebracht. Ich habe selbst gesehen, wie Flundern, die in der kühleren Jahreszeit in Kisten verpackt in Berlin eintrafen, hier noch Lebenszeichen von sich gaben und im Süßwasser wieder auflebte«. Ebenfalls Plattfische, aber von länglicher Form, sind die Zungen(Seezunge, Rotzunge). Namentlich sie sind Fische von großem Wohlgeschmack. Bon den Rundfischcn sind am bekanntesten Kabelian und Schellfisch. Beide haben drei Rückenflossen. Der Kabeliau ist an seinen Bartfäden kenntlich, der Schellfisch an der schwarzen Seitenlinie. Im frischen Zustande ist einer der feinsten Fische die Makrele. Sie hat zwei deutlich erkennbare Rückenflossen und hinler der zweiten Rückenflosse nach dem Schwanz hin noch 5— 6 ganz kleine Flossen. Der schöngcformte Körper ist auf dem Rücken bläulich und zebraartig geftreist. der Schwanz ist schwalbensckwanzähnlich. Die Makrele schmeckt am besten in übcrsalzencm Wasser unter Zusatz von Zwiebeln abgekocht, dann herausgehoben und mit zer- lassener— nicht mit brauner— Margarine(von Butter wag« ich nicht zu sprechen) übergössen. Ein Fisch, den die Hausfrauen ebenfalls viel zu wenig schätzen, ist der Rotbarsch oder Goldbarsch, in Norwegen auch Polar- karpfen genannt. Er sieht wie ein Riesengoldfisch aus und nimmt es an Wohlgeschmack mit den meisten Flußfischen auf. Bereitet wird der Goldbarsch, wie oben von der Makrele beschrieben. oder grün gekocht, wie die Flußfische. Am bekanntesten ist wohl überall der Hering. Er führt auch die interessanteste Lebensweise und hat wirtschaftlich die größte Bedeutung. Er taucht in großen Zügen aus und ver- schwindet ebenso plötzlich. Dem Hering verdankt England einen nicht geringen Teil seines Reichtums. Das rührt daher, daß die schottisch-englische Küste alljährlich von einem der größten Heringsschwärme der Welt bestrichen wird. Im Juni etwa taucht der Schwärm bei den Shetlandsinseln aus dem Ozean auf. Im folgenden Monat erreicht er die spöttisch« Küste. Hier geht nun eine wilde Vernichlnngsorgie gegen die armen Fische los. Da sie den Engländern bequem vor der Tür liegen, ziehen diese in allen möglichen Fahrzeugen gigcn die Tiere zu Felde. Dampfer, Jollen, Logger, Boote, Kutter. Kähne, alles geht auf den Heringsfang. Die Heringe sind an der schotti- scheu Küste meist noch im Stadium der Jungfräulichkeit und geben die berühmten schottischen Matjesheringe ab. Unaufhörlich dringt der Schwärm dann weiter vor. Aus dem Matjeshering wird der Feiihering, der über die Doggerbank nach Süden zieht. Hier stellen ihm im August und September, während er sich zum Vollhering entwickelt, die Logger und Fischdampser aller Nationen nach. Im Oktober und November dringt er zum Kanal vor. Ihm unerbittlich nach die raubgierige Flottille der Heringsfiicher. Allmählich geht er zum Laichen über. Au» den Vollheringen werden die„Ihlen", die wettlose« abgelaichten Fische.— Dann ve»> Bauarbeiter wird, und Wohnungsnot pflichtet mich, und daß ihr zu diesem Zweck hinreichende Mitter haben. Genoſſe Rabold Behandelte dann die Steuerpofitit, bie Die Begründung der Eingabe Die der Eingabe der baugewerblichen Organisationen an Reichstag und Regierung beigefügte Begründung hat folgenden Wortlaut: Die Wohnungsnot und die Arbeitslosigkeit haben in Deutsch land eine Höhe erreicht, die die Grenze des E- träglichen überteigt. Die Verantwortung für diesen das deutsche Volk schwer bedrückenden Zustand trägt die Reichsregierung, die es verabsäumt hat, durchgreifende Maßnahmen gegen die Wohnungsnot und die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe zu treffen. Die baugewerblichen Gewerkschaften haben diesen Zustand tommen sehen und in wiederholten Entschließungen die Reichsregierung und den Reichstag zur Bekämpfung der Wohnungsnot gedrängt. Wenn die gesetzgebenden Körperschaften des Reiches, der Länder und der Städte sich nicht zu einer entscheidenden Tat aufraffen, dann ertiären sich die Gewerkschaften außerstande, ihre Gefolgschaft in den Dienst einer geordneten Wirtschaft zu stellen, und müssen die Verantwortung für den Zusammenbruch der ges jamten Bauwirtschaft der Reichsregierung und den hinter ih: stehenden politischen Parteien überlassen. Wir sind der Ansicht, daß die Bereitstellung der Mittel auch nicht mehr um eine Woche verzögert werden darf. Das deutsche Bolt wartet nun schon seit Jahren auf entscheidende Maßnahmen zur Bekämpfung der Wohnungsnot. Zu diesen Maßnahmen haben fich weder die Reichsregierung, noch die Länder und Gemeinden bisher aufraffen können, obgleich sie wissen, daß das Privats fapital wie vor dem Kriege den Wohnungsbau aus eigener Kraft nicht finanzieren kann. Auch der von der Reichsregierung vorgeTegte Entwurf einer Abgabe zur Förderung des Wohnungsbaues tann als hinreichende Maßnahme zur durchgreifenden Bekämpfung der Wohnungsnot nicht betrachtet werden, weil er nur ein einjähriges Provisorium betrifft und die zukünftige Finanzierung der Neubautätigkeit völlig im unflaren läßt. Wir verlangen das her, daß die Reichsregierung dem Reichstag umgehend einen Gefegentwurf vorlegt, der die Finanzierung des Wohnungsbaues auf eine dauernd gesicherte Grundlage stellt. Der Mangel eines festfundierten langfristigen Bauprogramms hat dem deutschen Bolt bereits unzählige Millionen gekostet. Die periodische furzatmige Belebung der Bautätigkeit ist gleich dem Anblasen eines Hoch ofens auf höchstens sechs Monate. Sie bedingt einen höchst unwirtschaftlichen Leerlauf in dem Produktionsprozeß. Die Baustoffbetriebe fonnten sich auf einen geregelten Absah nicht einstellen. Ihre Produktion wurde darum von dem Grundsatz beherrscht: fleiner Umfay, hoher Nugen. Der BauStoffwucher fand in dem unsicheren Absatz bei beschränkter Produktion den günstigsten Nährboden. Die Unsicherheit in der Fis nanzierung der Bauten ließ auch eine rationelle Ausnutzung der Produktionsmittel im Baugewerbe nicht zu. Die Folge war, daß das Bauunternehmertum sich durch unangemessene Aufschläge auf die Geschäftsunkosten für den Mangel an Beschäftigung schadlos Hielt. Verlangt doch das organisierte Unternehmertum heute einen Mufschlag von 60 und mehr Prozent auf die Löhne als angemessene Abgeltung der Geschäftsuntoften. Dieser Say würde jede neu erstellte Wohnung bei heutigen Preisen um 10 000-15 000 20art belasten. Mangelhafte Organisation der Bautätigkeit hat in den Kreisen der baugewerblichen Sand- und Kopfarbeiter eine Arbeitslosigkeit erzeugt, die die Allgemeinheit direkt und indirett schwer belastet. Denn Arbeitsfreudigkeit, die eine gesteigerte Arbeitsleistung nach sich ziehen würde, kann im Baugewerbe nicht erreicht werden, so lange das Gespenst der Arbeitslosigkeit den schaffenden Bauarbeiter immer wieder von neuem bedroht. Wir verlangen daher, daß die Reichsregierung schleunigst Maßnahmen einleitet, um eine geordnete Bauwirtschaft zu schaffen. Wir wollen die Reichsregierung nicht im unklaren darüber lassen, daß eine geordnete Baubedarfss wirtschaft die Ueberführung des gesamten Bau- und Wohnungs wesens in die Gemeinwirtschaft voraussetzt. Wir verlangen daher, daß die Reichsregierung dem Reichstag schleunigst einen dahingehenden Gesezentwurf vorlegt. Ferner verlangen wir, daß die Reichsregierung verpflichtet wird, den die bisherige Bautätigkeit so schwer belastenden und hemmen den bureaufratischen Instanzenzug zu vereinfachen. Wir verlangen, daß für die Durchführung des Wohnungsbauprogramms nur eine Reichsstelle verantwortlich gemacht wird. Fernerhin verlangen wir, daß die Reichsregierung zur Bekämpfung des Baustoffwuchers verschwinden die Heringe. Kein Mensch weiß, wo sie bleiben. Alle Seefische sind außerordentlich nüglich. Kann man sie nicht frisch verwenden, so werden fie gebörrt, gefalzen, geräuchert oder mariniert. Ist der Fang übergroß, so präpariert man aus den Fischen Kraftfutter für Tiere. Ja, sie sind nicht zu schade als Dünger. Die Norweger fins wahre Virtuofen namentlich in der Verarbeitung des Herings, des Gild, wie sie ihn nennen. Sie machen nicht nur den pikanten Appetit- Sild aus ihm, fie ver arbeiten ihn auch zu„ Delsardinen", die sich allerdings mit den echten nicht messen können. Wir selber tennen ihn ja grün, gefalzen, mariniert und warm geräuchert als Büdling, falt getäuchert als Räucherhering. Haben wir erst eine größere Einfuhr an Fischen, dann wird man auch lernen, die übrigen entsprechend zu fonservieren. Der Fischfang ist wie auch die gesamte Schiffahrt start modernisiert, aber trog der schweren Arbeit nicht ohne Boefte. Die Nordlandfischer habens mir erzählt: Wenn der Dampfer den Hafen auf Langfahrt verläßt, mit leeren Tonnen, aber ge füllten Bunkern, dann dreht sich die Maschine nur langsam, nur wiberwillig und feufat: 3-5-1- a- n- d, 3- s- 1- a- nd, 3--1- a- n- d Aber, wenn das erste Berliner Schiff aus dem Bolarmeer heimkehren wird, dann stehen wohl die Fischer am Maschinenfüll und sehen nach unten: Meester! Seßte ook Damp up?" Unnüße Sorge! Bei der Heimfahrt hat er Dampf genug! Sört ihr nicht das muntere Lied, das die Maschine summt, während ihre Kurbeln sich eilfertig überschlagen? ,, Geeste- münde, Geestemünde, Geeste- münde!" taktiert sie. Draußen aber teilt der Bug des schwerbeladenen Schiffes Schäumend die Wogen. Der Islandfischer hats gar eilig! Vielleicht weiß er: In Berlin warten die Hausfrauen auf den Fisch! Shaws„ Selden". Im Schillertheater wurde Dienstag abend gepfiffen und geschrien. Bulgarische Studenten protestiers ten auf diese Weise gegen Bernhard Shaws Komödie Helden". Diese Komödie spielt im Jahre 1885 in einer kleinen Stadt Bulgariens während irgendeines serbisch- bulgarischen Krieges. Shaw hat in dieser Komödie, wie der Theaterzettel sehr richtig sagt, den Krieg als eine traurige, verdammenswerte, schwindelund phrasenhaft heroische Komödie an den Branger gestellt. Er macht das Heldentum", die" Tapferkeit" und die ganze militärisch- triegerische Verlogenheit auf eine töftliche Weise lächerlich. Und fein Wiz trifft dabei, ganz nebenbei noch tausend andere menschliche Schwächen- so unter anderem, da die Sache nun mal in Bulgarien spielt, die Nachäffung westeuropäischer Kultur, die auf dem ganzen Ballan, also auch in Bulgarien getrieben wird. Baltan und Westeuropa plagen aufeinander, und das gibt GeTegenheit zu ein paar harmlojen Scherzen. zur Organisation gemeinwirtschaftlich tätiger Baustoffbeschaffungsstellen zur Verfügung gestellt werden. Die in den letzten Jahren unaushaltsam vorgeschrittene Syndizierung und Kartellierung ber preiswerte Durchführung des Wohnungsbaues dar. Die ReichsBaustofferzeugungsbetriebe stellt eine ungeheure Gefahr für die preiswerte Durchführung des Wohnungsbaues dar. Die Reichsregierung hat die Verpflichtung, die von der Allgemeinheit aufgebrachten Mittel zum Wohnungsbau vor der Auswucherung des Privatfapitals zu schüzen. Wir können uns diesen Schutz nur wirksam denken, wenn die am Wohnungswesen interessierten gemeinnügigen Organe Mittel an die Hand bekommen, die ihnen ermöglichen, den Einkauf von Baustoffen von langer Hand vorzubereiten und durch Abschlüsse günstiger Lieferungsverträge so preiswert wie möglich auf den hinreichende Mittel zur Unterstützung wirtschaftlicher Maßnahmen Martt zu bringen. Fernerhin verlangen wir, daß der Reichsregierung hinreichende Mittel zur Unterstützung wirtschaftlicher Maßnahmen zur Verfügung gestellt werden, die geeignet sind, den Bau von Wohnungen zu verbilligen und zu beschleunigen. Wir denten hierbei insbesondere an die Organisation von Be= trieben, die es sich zur Aufgabe stellen, Kohlen sparende Ersatzbauweise zu fördern, die Baumaterial für den Wohnungsbau in den beschäftigungsarmen Jahreszeiten auf Vorrat erstellen, die durch die Beteiligung der baugewerblichen Hand- und Kopfarbeiter im Produktionsprozeß höhere Arbeitsleistung erstreben, und die es sich zur Aufgabe stellen, in dem Bauproduktionsprozeß Arbeitsfräfte ersparende Gerüste und Geräte einzuführen. Wir erwarten von dem Reichstag und der Reichsregierung, dah Sie sich der Tragweite ihrer Beschlüsse bewußt bleiben. In ihrer Sand liegt heute das Schifal unzähliger Wohnungsloser und arbeitsloser baugewerblicher Hand- und Kopfarbeiter, die es satt haben, von Versprechungen zu leben. Das Bolt will Taten sehen. Oeffentliche Wählerversammlungen In der Schulaula ber Manteuffelstraße war die Versammlung überaus start besucht. Der Referent, Genosse Lindner, hielt das Referat über die Bedeutung des 20. Februar, das den Beifall der Versammlung fand. In der Diskussion machte ein Kommunist den Anfang, indem er die in unseren Versammlungen schon duizendmal gehörten Ausführungen zum dreizehnten Male wie dergab. Da sich auch Genosse Krille zur Diskussion meldete, protestierte der nachfolgende Kommunist indem er mit heiserer Stimme fortwährend Schiebung" schrie. Gine halbe Stunde lang währte das Schreien, und der Vorsitzende mußte furz vor 10 Uhr um diese Zeit müssen bekanntlich die Schulaulen verlassen werden Genossen Lindner das Schlußwort geben. Es dürfte angebracht sein, zu überlegen, ob man sich gegen derartige planmäßigen Störungen der Versammlungen nicht ernstlich zur Wehr sehen muß. " Schulaula Grünthaler Straße. Die große Aula war überfüllt. Genosse Went hielt das Referat. Reicher Beifall lohnte den Redner für seine Ausführungen. Die Diskussionsredner Nowack, Kiefer, Bogler unterstrichen die Ausführungen des Referenten, Die Rechtssozialisten Kiel und Marin versuchten den Standpunkt ihrer Partei zu verireten, riefen aber nur großen Widerspruch der BerSammlung hervor. Der Kommunist Mehihose stellte sich in seinen Ausführungen auch auf den Standpunkt des Referenten. Mit einem Hoch auf das Internationale Proletariat wurde die überfüllte Bersammlung von dem Leiter geschlossen. Nationalhof, Bülowstraße. Die vom 2. Diftrift einberufene anderthalbstündiges, mit lebhaftem Beifall aufgenommenes Versammlung war gut besucht. Genosse Seger hielt ein Referat über die Preußenwahlen. In der Debatte marschierten drei Kommunisten auf, beren persönlich- gehässige Sprechweise aber starken Widerspruch der Versammlung auslöfte. Genosse Seger teilte im Schlußwort verdiente Siebe aus, die die Kommunisten in helle Aufregung verjetten. Die Versammlung wurde mit einem Hoch auf die U. S. B. geschlossen. Gymnasium Heefeftraße, Steglig. Vor einer startbesuchten Ber fammlung sprach Genosse Rabold. Er behandelte zuerst die die militärischen Forderungen von Deutschland schon längst hätten Stellung der Unabhängigen zum Friedensvertrag und sagte, daß erfüllt werden können. Herabsetzung der Reichswehr, Entmilitarisierung der Schußpolizet, Beseitigung der Orgesch und der Einwohnerwehren, das seien Forderungen, denen die Arbeiterschaft feinen Widerstand entgegensege. Sie begrüßt vielmehr diese Forderungen, denn sie seien durchaus notwendig, auch im Interesse der Deutschen Republik. Die wirtschaftlichen Forderungen, die unerträglich hart sind, muß auch die Arbeiterschaft ablehnen. Sie darf dabei aber feinen Augenblick vergessen, daß die bür gerlichen Parteien, und in erster Linie die Rechts= parteien, die Hauptschuld an dem harten Friedensvertrage Durch ihren Radau bewiesen die bulgarischen Studenten, daß fie Shaw nicht verstehen. Sonst würden sie wissen, daß er vor nichts Respett hat und über seine eigene Nation viel grimmigere Späße macht, als über die ihre. Und sie würden gemerkt haben, daß er in seiner Komödie nicht bulgarische, sondern mensch= liche Schwächen verspottet. Weber die Aufführung ist nur zu sagen, daß die Schauspieler, die nicht gerade bedeutend aber auch durchaus nicht schlecht waren, von der Regie völlig im Stich gelassen wurden. -n. Ueberall Zenjur. Kriminalbeamte der Münchener Polizei haben in den Räumen des Verlages Georg Müller römische Klassiter(!) und altitalienische Erzählet beschlagnahmt. Zollbeamte haben griechische, römische und italienische Klaffiter(!!), Kunsthistorische Werte, altfranzösische Erzählungen und biblioDie beschlagnahmten graphische Werke(!!) beschlagnahmt. Bücher find zum größten Teil schon vor dem Kriege erschienen und von den wilhelminischen Gerichten freigegeben worden. Ebenso dreist und borniert ist die Zensur, die sich die Redak tion des Börsenblattes für den deutschen Buchhandel anmaßt. Sie lehnt nicht nur alle Inserate über Bücher von Grelling und andere Wahrheitsfinder ab, sie dehnt jetzt ihre Zensur, wie die Weltbühne" mitteilt, auch auf rein literarische Werke aus. So hat sie ein Inserat des modernen Verlegers Paul Steegemann für einen Novellenband Bum blauen Affen" von Walter Sterner abgelehnt. Wir sind neugierig, wann das Solidaritätsgefühl der Breeger erwacht, wie lange sich die verschiedenen Schriftstellerverbände diese Wirtschaft gefallen lassen werden. Vermutlich so lange, bis die Druder und Angestellten des Börsenblattes nach den Rechten sehen werden. Tages- Notizen Beranstaltungen unserer Distritte. 16. Diftrift. Sonnabend, 5. Februar, 5 Uhr, Schulaula Müller. Ede Triftstraße, Lichtbilberportrag über den atz und über III Eulenspiegel. Kinder 50 Pfg., Erwachsene 99 Pfg. Veranstaltungen von Neut3ln. tien und Balladenabend, Gonn tag, den 6. Februar 1921, 7 Uhr, in der Realschule, Bobbinstraße 34-38. Der Operns und Konzertfänger Capizza fingt im ersten Teile Arien aus den Opern bans heiling" und dem Wildschü" sowie Balladen von Loewe. Alapterbegleitung: Rapellmeister Bruno Weyersberg( Staatsoper). Im zweiten Teil Arien aus den Opern D as Nachtlager von Granaba" und igaros Hochzeit," sowie Balladen von Loewe. Bruno Weyersberg Spielt die Suite Nr. 1 aus„ Peer Gynt" von Grieg. Eintrittstarten 2 Mt. bei den durch Säulenanschlag bekanntgegebenen Verkaufsstellen und im Rat haus, Bimmer 218. Das Staatliche Schauspielhaus in Reinidendorf. Auf Einladung des Kommu nalen Tolfsbildungs- Ausschusses wird das Schauspielhaus mit seinen besten Kräften in Reinidendorf ein Gastspiel geben. Um 11. Februar wird in den Subertus sälen, beren Bühne entsprechend hergerichtet ist,& Ias. mann als Erzieher," Lustspiel von Otto Gruft, gegeben. Der mäßige Eintrittspreis, 5 Mt. einschließlich Kleiberablage, ermöglicht vielen Arbeitern, ben Genuß einer guten Theatervorstellung. Karten bei ben Parteifunktionären und den amilichen Berkaufsstellen. Kunstnahrichten. Der verstorbene Milliarhär Banderbilt hat nach dem„ Runt fammler" bie schönsten Stüde feiner berühmten Sammlung dem MetropolitanMuseum in Nem ott vermacht, barunter Werte von Rembrandt, hol bein, Bieter be oog, Regnolbs, Gainsborough, Bouger, Hohenzollern- Abfindung, die Ernährungsfragen und den Offenen Brief der V.K.P.D. Er ermahnte, die Bruderkämpfe einzustellen, oder sie wenigstens nicht mehr in der von den Kommunisten bes bleiben. liebten häßlichen Form zu führen. Es gelte den Kampf gegen die Re aftion aufzunehmen, fein Arbetter dürfe am 20. Feb. der Wahl ferns bleiben. In der Diskussion versuchte ein Kommunist, einige Ausstellungen zu machen. Genosse Rabold wies in feinem Schluß wort darauf hin, daß die Arbeiterschaft sich sowohl vom Refor mismus der Rechtssozialisten, als auch vom Putschismus der Koms munisten freimachen müsse. Jede Stimme der U. G. B. am 20. Februar, das sei die beste Garantie gegen den Anmarsch der Reattion in Preußen. Die Bersammlung wurde mit einem Hoch auf die Partei geschlossen. Adlershof. Die im Lofal von Möllstein abgehaltene öffent liche Wählerversammlung war sehr gut besucht. Genosse Ryfel Leipzig referierte in trefflichen und durchaus fachlichen Ausfüh rungen über die Frage: Warum beteiligen wir uns an den Wahlen?" und geigelte mit scharfen Worten bas Treiben der ges samten bürgerlijchen Gesellschaft einschließlich der Rechtssozias listen, wobei er namentlich mit den lezteten scharf ins Gericht ging. Lebhafter Beifall belehnte seine Worte. In der Diskuss sion sprach ein Redner der B.R.B.D., der wohl im großen und ganzen die Ausführungen des Referenten unterstrich, sonst aber auf den eigentlichen Kern der Sache nicht einging, sondern fich mit der Mostauer Internationale beschäftigte. Genosse Rise! fertigte in seinem Schlußwort ben Diskussionsredner glänzend ab und streifte auch das Berhalten der B.K.P.D. Er führte aus, daß doch die Kommunisten andere Redner vorschicken möchten und nicht Leute, die noch teine Erfahrung hinter sich haben, dadurch erweisen sie sich den schlechtesten Dienst. Mit einem Soch wurde die imposante Versammlung geschlossen. Petershagen Ostb. Am Sonntag, 30. 1., tagte im Gasthof Madel cine öffentl. Wählerversammlung, in der Gen. Artur Richter über die Tätigkeit der einzelnen Parteien in der verfassungs gebenden Landesversammlung und die Aufgaben der U. S. P. D. im neuen Landtag sprach. Sämtliche Anwesenden waren mit den Ausführungen des Referenten einverstanden, denn troz mehrmaliger Aufforderung des Vorsitzenden meldete sich von den ans wesenden Rechtssozialisten und Kommunisten niemand zum Wort. Soffentlich handeln dieselben auch am Tage der Wahl dements sprechend und wählen nur unabhängig! Ergebnis der französischen Anleihe. Wie der Finanzminister mitteilt, hat die legte Anleihe rund 28 Milliard en Frans ten ergeben. An Bargeld find rund 11 Milliarden Franken eingegangen. Groß- Berlin Wahlpropaganda und Almosenempfang Der Leser wird sich fragen, was Wahlpropaganda und Amosens empfang miteinander zu tun haben? Run, wir sind der Meinung: Nichts. Anderer Meinung ist aber offenbar der Hauseigentümer W. Fuchs, Brandenburgstraße, der gleichzeitig die Auszahlung von Almosen an die Empfänger zu besorgen hat. Er machte die Almofenempfänger auf die Landtagswahl aufmerksam und erklärte ihnen in Ausbrüden, die sich zur Wiedergabe in der Deffentlichkeit nicht eignen, daß sie um Gotteswillen teine Roten wählen sollten. Die Roten hätten nicht einmal fertig gebracht, die Neuköllner Rotstandsarbeiter weiter zu beschäftigen. Wenn sie tot wählen würden, dann bekämen sie nur noch die Hälfte Almosen oder gar nichts. Abgesehen von dem ungereimten Beug, was der Herr da offene bar zusammengeredet hat, müssen die Almofenempfänger solche Belehrungsversuche energisch zurückweisen. Der Herr ist fifchts weiter als ausführendes Organ und hat seine Stellung und die Auszahlung, die eine amtliche Erledigung ist, nicht zu antisozia listischer Wahlpropaganda zu mißbrauchen. Der Vorgang wäre als einzelnes Ereignis nicht so bedeutungsvoll, wenn er nicht der Ausfluß eines Systems wäre, eines Systems, das in der fortgesetten Beeinflussung besonders aller wirtschaftlich abhängigen besteht! Man glaubt leichter auf die Leute einwirfen zu fönnen, die durch ihre Ab hängigkeit eingeschüchtert werden können. Gerade die Almosen empfänger haben alle Ursache, zum Sozialismus zu stehen, der ihnen erst das Menschenrecht auf gesicherte Existenz, der ihnen statt Almosen Recht auf Erhaltung ihres Lebens gibt. Darum wählt erst recht rst! Wählt aber nicht das blaffe Rosa der Rechtssozialisten, auch nicht das ans Schwarze, an die Farbe der Reaktion grenzende Rot der Kommunisten, sondern wählt bas reine, leuchtenbe Rot bes unverfälschten Go zialismus: Wählt die U. S. P. D.! Die Diebstähle im Osthafen beschäftigten am Mittwoch abend eine Sigung des Verwal tungsrates für Säfen und Schiffahrt der Stadt Ber lin. Zunächst wurde festgestellt, daß die in der Presse erwähnten umfangreicheren Diebstahle von Karbid, Kohle und Nudeln einer verflossenen Zeit angehören und damals auch strafrechtlich verfolgt worden sind. Die derzeitige Verwaltung fonnte ich nur mit den Fragen beschäftigen: Finden gegenwärtig noch Diebstähle statt? Und: Was ist dagegen zu tun? Um diese Fragen ausreichend erörtern zu können, waren auc die Direktion des Osthafens, der Betriebsrat und der Leiter des Sicherheitsdienstes auf dem Ofthafen geladen. Das Ergebnis des Berhandlungen war, daß der Staat felbft irgendwelcher Schaden ans den Vorkommnissen nicht erwachsen ist, daß der Betriebsrat Doll seine Pflicht getan habe daß leider allerdings bis in die legte Beit immer wieder fleine Diebstähle vorgekommen sind. Ueber den Charakter der meisten Diebstähle" gab Herr Direttor Fiedler die folgende Aufklärung: Bei den Kohlen handele es sich um herrenloses Gut, das beim Umiaben sowie aus Waggons und Pferdefuhrwerken verkorengehe. Auch die Greifer, welche die Kohlen aus den Kähnen heben, lassen vielfach einen Teil der Ladung fallen, der zwischen Bordwand und Kaimauer ins Wasser falle. Diese Kohlen wurden früher von Privatleuten gehoben, jezt sei dies den Arbeitern gestattet. Auch beim Reinigen der Kähne zweds Aufnahme anderer Ladung finden sich unter den Bodenbrettern vielfach noch Kohlen. Auch beim Getreideumladen gebe es Berluste. Die Wagen Jeien undicht. Ein Arbeiter habe fich dadurch vergangen, daß er seine Kaffeetanne unter einen un bichten Wagen hielt und die Körner auffing. Die totficher pers lorengegangen waren und niemandem zugute tamen. Es set natürlich nur dann gestattet, derartige Gegenstände aus dem Safengelände zu entfernen, wenn die Bescheinigung eines Borgesetzten oder eines Schiffers über den ehrlichen Erwerb der fraglichen Gegenstände vorliege. Daß nichts entwendet werde, dafür lei durch eine umfangreiche Kontrolle im Betriebe und beim Ver lassen desselben gesorgt. Werde dabei jemand ertappt. bez Lebens- und Gebrauchsmittel ausführe, über deren Erwerb er sich nicht ausweisen tönne, se verfalle er ber Strafe. Die gerichtlichen Strafen feien in diesen Fällen stets sehr milde ausgefallen, da es fich meist um verhältnismäßig geringe Quantitäten handele. Die Direttion habe deswegen ein eigenes Straffeftem eingeführt. Dieses bestehe in Berwarnung, 3wangsurlaub und Entlassung. Der Zwangsurlaub sei wegen des entgangenen Verdienstes für die Betroffenen eine weit höhere Strafe, als die Gerichte sie femals ausgesprochen hatten. Herr Direttor Fiebler stellte auf Befragen ausbridlich fest, dah der Betriebstat ihn nie an der Ausübung der Kontrolle gehindert habe. Dies wurde auch vom Betriebsrat noch ausdrücklich festgestellt. Wenn den kontrollierenden Polizeibeamten nicht immer der Name von Festgestellten genannt werden konnte, so findet dies seine te pe einfache Erklärung dadurch, daß bet ber Größe ber Belegschaft ben einzelnen Betriebsratsmitgliedern nicht alle Ramen bekannt waren. Der Verwaltungsrat war der Meinung, daß alles getan wer ben müsse, um Ünredlichkeiten zu verhindern. Es wurde eine Verfügung der alten Hafendeputation vom 5. März 1920 in Ets innerung gebracht, die rücksichtslos die Entlassung aller Ans gestellten und Arbeiter verlangt, die sich Unredlichkeiten zu Schulden kommen lassen. Um eine Kontrolle zu schaffen, der die Unannehmlichkeit des persönlich Berlezenden fehlt, wurde von einem Mitgliede des Verwaltungsrates ein Ballotage- System vorgeschlagen. Beim Verlassen des Betriebes hat jeder Angestellte und Arbeiter einem Behälter eine Kugel zu entnehmen. Fällt auf ihn eine schwarze Kugel, so wird er ohne jedes Verdachts: moment der eingehenden Untersuchung unterworfen. Auf diese Weise droht also jedem diese gründliche Untersuchung. In der heutigen Stadtverordnetenversammlung wird Genosse Stadtrat Schüning im Namen des Magistrats die Interpellation wegen der Vorkommnisse im Osthafen beantworten. Eine Debatte dürfte sich an seine Erklärung nicht anschließen. Raubmord in Potsdam Gestern wurde in den ersten Nachmittagsstunden in Potsdam ein Raubmord entdeckt. Auch dieses Mal ist wieder eine Greisin das Opfer von wahrscheinlich aus Berlin nach Potsdam ges tommenen Verbrechern geworden. Die in der Schwertfegerstr. 10 wohnende, 58 Jahre alte Auguste Beek, die in der belebten Straße ein Schönheitspflegeinstitut Globus" betrieb, wurde gegen 2 Uhr nachmittags ermordet und beraubt aufgefunden. Der oder die Täter sind flüchtig; eine Spur weist nach Berlin und wird zurzeit verfolgt. " 3 Wir erfahren dazu folgende Einzelheiten: Jm Erdgeschoß genannten Hauses betrieb seit etwa 20 Jahren die Auguste Beek ein Institut für Schönheits- und Gesichtspflege. Als gestern nachmittag gegen 2 Uhr eine Dame fie aufsuchte, um sich bestrahTen zu lassen, wurde ihr auf ihr wiederholtes Läuten und Klopfen nicht geöffnet. Sie benachrichtigte die Hausbewohner, die die Polizei in Kenntnis fehlen. Beamte wurden mit einem Schlosser entfandt. Dieser öffnete die Wohnungstür, und nun fand man die B. im Behandlungszimmer vor dem Schreibtisch auf dem Boden als Leiche liegen. Schon der oberflächliche AugenSchein überzeugte, daß hier ein Kapitalverbrechen verübt war. Jezt wurde die Potsdamer Morbkommission alarmiert, die unter Führung des Kommissars Fürchtemann alsbald erschien. Der Tod ist vermutlich durch Erdrosselung eingetreten, indem der Mörder Jeinem Opfer ein großes Taschentuch um den Hals schlang. Nach ben bisherigen Ermittelungen ist der Mord gegen 1 Uhr nachmittags berübt worden. Dem Mörder ist eine größere Summe baren Geldes in die Hände gefallen und wahrscheinlich auch eine Menge Schmudiachen. Auf die Ermittlung des Mörders soll eine hohe Belohnung ausgesetzt werden. Alle Personen, die glauben, lachdienliche Mitteilungen machen zu können, werden gebeten, fie unverzüglich der Berliner oder Potsdamer Kriminalpolizei zukommen zu lassen. Zum ersten Direktor ber städtischen Straßenreinigung wählte der Magistrat in seiner gestrigen Sigung an Stelle des stellver= tretenden Magistratsbaurats Direktor Szalla den Stadtbaumeister Müller sowie den Diplomingenieur Neubrandt und den bisherigen Leiter der Straßenreinigung in Schöneberg Erdmann zu stellvertretenden Direktoren. Staatliches Leihamt. Am 8. und 9. b. Mts. sowie an den folgenden Tagen beginnen um 9 Uhr vorm. in der 1. Abteilung, Jägerstr. 64, die Versteigerungen verfallener Kleider, Pelz- und Wäschepfänder, Uhren- und Schmucsachen. Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen. daß in letzter Zeit mehrfach gefälschte Pfandscheine des Staatlichen Leihamts angehalten worden find. Die Fälschungen werden als solche stets erfannt, und deren Ers werber hat große Verluste. Beim Anfauf von Pfandscheinen ist daher Vorsicht geboten. Ein dreister Diebstahl ist während des Strauß- Prozesses in Moabit verübt worden. An einem Verhandlungstage wurde aus Bem Beratungszimmer des Neuen Kriminalgerichts einem der Geschworenen ein Gehpelz im Werte von 5000 Mart gestohlen. Es ist ein schwarzer Pelz mit schwarzem Sealbifamfragen und gelben Nerzfellfutter. Sein Verbleib ist noch nicht ermittelt. Mitteilungen nimmt die Dienststelle B I, 13 im Polizeipräsidium entgegen. AEG sucht zum sofortigen Antritt tüchtige, selbständige, perfekte Einrichter für Stehli- und Acme- Schraubenautomaten. Persönliche Vorstellungen bei der AEG- Lokomotivfabrik, Hennigsdorf b. Berlin, Arbeiterannahme Tor I, von 7-9 Uhr vorm. Stoffe für Herren Anzüge, Ulfter, Baletots, Damen Kostüme, Meter 50.-, 100.-, 150.-, 200.- Mark. Nur langjährige Berbindungen mit altbewährten Fabrikanten bürgen für preiswerte, gute Qualitäten. Koch& Seeland: Gegr. 1893. Gertraudtenstr. 20-21 Gegr. 1893. Unentbehrlich für Arbeiter, Angestellte, Parteigenossen U.S.P.D. 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Die angeblich„ heftige Gegenaktion der Rechten" galt teinem fommunistischen Vorschlag, sondern dem Antrag auf Vergrößerung des Verwaltungsförpers um sechs Personen. Dieser Antrag wurde angenommen. In der Ortsverwaltungsfihung hat die Ortsver waltung zu dem Siegesartifel der Raten Fahne" Stellung genommen und folgende Resolution beschlossen: „ Die Ortsverwaltung München des Straßenbahnerverbandes verurteilt auf das Scharfste, den in Nr. 36 der„ Roten Fahne" vom Sonnabend, den 22. Januar 1* 1 „ Wachsendes Vertrauen her Gewerfschaftsmitglieder zu den Kom munisten" erschienenen Artikel. Die Ortsverwaltung weist mit aller Entschiedenheit den Vorwurf zurüt, daß die Gewerks jchaftsbureaufraten" feit Jahren so ziemlich das Gegenteil von dem tun, was die Mitglieder wollen. Die Generalversammlung des Straßenbahnerverbandes Mün then hat die neugewählten Mitglieder der Ortsverwaltung nicht als Angehörige einer bestimmten politischen Partei, Kom mit diesem Mandat beehrt, munisten, M. S. p. oder U. S. p. sondern, fie sind gewählt worden als Mitglieder des Straßenbahnerverbandes, die versprochen haben, das gewertschaftliche und wirtschaftliche Interesse der Mitgliedschaft des Straßen bahnerverbandes vertreten zu wollen." Absah 1 wurde einstimmig, Abjak 2 gegen eine Stimme an genommen. Gleichzeitig wurde dem Bevollmächtigten Reigner und dem Vorfiyenden Manz einstimmig das Vertrauen ausge sprochen. Ebenso wurde einstimmig beschlossen, obigen Beschluß der Ortsverwaltung in der Berliner Arbeiterpresse zu veröffentlichen. 99 Auch die Meldung der Roten Fahne" und der bürgerlichen Orgeschpresse, die Leipziger Transportarbeiter hätten fich Moskau angeschlossen, ist falsch. Bon 18 000 Mitgliedern haben etwa 150 zwischen Lichtausdrehen und Schlafengehen der Mostauer Internationale" ihre Sympathie ausgedrückt und dem Verbandsvorstand die Dummheit zugemutet, die die 150 angeb lich begangen haben. Die Leipziger Ortsverwaltung ( U. S. P.) des Transportarbeiterverbandes hat die Meldung der Roten Fahne" in einer scharfen Erklärung zurüdgewiesen. Wie die Leipziger Mitglieder des Transportarbeiter verbandes über Moskau denken, enthüllte einige Tage später eine Bersammlung der Chauffeure, die mit gut 200 gegen 6( feajs) Stimmen den„ Offenen Brief" der politischen Barnums ablehnte. Wenn der Transportarbeiterverband dasselbe Reklame= bedürfnis hätte, wie die Kommunisten, fönnten wir mehrere hundert Versammlungsbeschlüsse ge= gen den„ Offenen Brief" veröffentlichen. Wir tun es nicht, weil es doch bei dem Sieg der Kommunisten" bleibt. " Krantenfaffenangestellte Groß- Berlins! Aehnlich wie im Jahre 1914 bei Schaffung der Reichsversiche rungsordnung wird jezt von reaktionärer Regierungsseite auf die Rechte der Krankenkassenangestellten ein Attentat verübt. Auch vor der Einschränkung des Selbstverwaltungsrechts macht diese Regierung fein Salt. Ohne Beachtung bestehender Geseze und Verordnungen wird versucht, die Freizügigkeit der Lohn- und Arbeitsbedingungen der Kaffenangestellten zu beschneiden und greift dadurch nicht unerheblich in das Selbstbestimmungsrecht der Rassenvorstände ein. In den nächsten Tagen erscheint: Arthur Crispien Ueberflüffige Menschen Buchhandlg., Freiheit" Berlin 2 Cine auf Freitag, den 4. bis. Mts., nachmittags 4 Uhr, fre Kellers Festsälen, Koppenstraße, von der Fachgruppe IV des Zen tralverbandes einberufene Versammlung aller Kassenangestellten Groß- Berlins wird sich mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen haben und es ist Pflicht aller Kollegen und Kolleginnen, zu ers Scheinen. Die Versammlung für die Gruppe 7 der Holzindustrie findet am Donnerstag, den 10. Februar, abends um 6 Uhr, im Gewertschaftss haus, Saal 4, statt.( Nicht wie irrtümlich angegeben, am 3. Februar.) Die Berliner Töpfer gegen Moskau. Am 1. Februar tagte im Gewerkschaftshaus eine Töpferversammlung. zu welcher alle dies jenigen Töpfer eingeladen waren, die nicht Anhänger der 3. Inter nationale find. Schon die große Zahl der Erschinenen( die Vers bandsversammlungen sind nicht stärker besucht), war Beweis dafür, daß die Töpfer in der großen Mehrzahl sich nicht mit den Ideen von Mostau befreunden können. Arbeiter- Sekretär Hermann Müller sprach über Gewerkschaftsaufbau und zersplitterung. Cr schilderte in seinem Referat das Entstehen und die Entwidlung der Gewerkschaften; die Kämpfe um Verbands- und Lokclorganis sation und die Gefahren, die durch die Zersplitterungstaktik der Kommunisten für die Gewerkschaften entstehen. Den Arbeiterpar teien ist durch ihre Spaltung der große Einfluß genommen worden. Dasselbe würde bei den Gewerkschaften eintreten, wenn es dém Kommunisten gelänge, wesentlichen Einfluß in den Gewert schaften zu erringen. Die Diskussionsredner forderten alle Kollegen auf, sich die von den Kommunisten beliebten Methoden per sönlicher Angriffe nicht länger gefallen zu lassen und in den Verjammlungen dagegen Front zu machen. Die folgende Resolution wurde gegen eine Stimme angenommen:„ Die heute versammelten Töpfer Berlins, die auf dem Boden der SPD und USPD. stehen, halten nach wie vor fest an der Amsterdamer Internationale, da fie der Meinung sind, daß nur noch die freien Gewerkschaften die einzigen machtvollen Arbeiterorganisationen sind, die wirklich Ers sprickliches für die Durchführung des Sozialismus tun fönnen. Sie fordern daher alle Kollegen auf, die auf ihrem Boden stehen, in Zufunft mehr wie bisher die Veranstaltungen der Gewerkschaft zu besuchen, damit endlich den Kommunisten ein Damm entgegens gelegt werden kann und die Zerstörung unseres Verbandes vers hindert wird." Zum Schluß wurde allseitig betont, daß, um Stimmenzersplitterung zu vermeiden, bei den Wahlen zur Filialleitung die Kollegen für die Vorschlagliste der Funktionäre agitieren und stimmen sollen. Aus den Organisationen Donnerstag, den 3. Februar 11. Diftritt.( Landagitation.) Um 3rrtümern vorzubeugen, fei hierdurch noch mals bekanntgegeben, daß fi die Genossen der Landagitation und solcher, die lich noch daran beteiligen wollen, heute Abend um 8 ühr bei Dams, Schlegel Straße 9, treffen. Freitag, den 4. Februar. 10. Diftrift, 4. Abteilung. Abends 7 Uhr, bet Hahn, Abteilungsfizung fämb licher Funktionäre. 11. Diftrift, 3. Abteilung. 7½ Uhr, Funktionär- Konferenz, bei Holtsch, Stral Junder Straße 43. Bereinskalender Donnerstag, den 3. Februar Bund der technischen Angestellten und Beamten. Mitgliederversammlung Nor bden 4, Restaurant Hubertus, Bornholmer Str. 89, abends 7 Uhr; Charlotten burg 1, Restaurant Gelbat, Railerin Augusta Allee 63, abends 7% Uhr; Char lottenburg 2, Aula bez 13. und 14. Gemeindeschule, Vestalozziftr. 40. abends 7½ Uhr; Charlottenburg 3, Deutses Haus, Windscheidstr., abends 7 Uhr; Nordwest 1, Artushof, Perleberger Etr. 26, 71 Uhr; Steglit, Restaurant Althoff, Althoff Ede Körnerstt., abends 7% Uhr; Wilmersdorf, Restaurant Augufta hof, Suguftaftr. 1, abends 7 Uhr. Bund der technischen Angestellten wub Beamten. Ortsgruppe Nord- Weft 1. Abends 7 Uhr, im Restaurant Artushof, Perlebergerstraße, Monatsversamm lung und Zahlabend für Einzelmitglieder. Freitag, den 4. Februar Bund der teinischen Angestellten und Beamten. Mitgliederversammlung Ober Schöneweide, Reftaurant Hubertus, Edison Ede Waldftr., abends 7% Uhr; Neus föln, Bürgerfäle, Bergstr. 147, abends 7% Uhr; Potsdam- Nowawes, Restaurant zum Mühlenpart, Neue Babelsberger Straße, abends 7% Rentrum- Süden, Alexandriner, Alexandrinenftt. 37, abends 7% Uhr; Schöneberg, Ebershof Eberstr. 68, abends 7 Uhr; Südost, Grünauer Garten, Grünauer Str. 14, abends 7 Uhr; Tempelhof, Zum Kurfürst, Dorfstr. 22, abends 7% Uhr; Weikens fee, Spatenbräu, Berliner Allee 22, abends 7% Uhr. Berantwortlich für die Redaktion: Emil Rabolb, Berlin. antwortlich für den Inseratenteil: Ludwig Romeriner, Karlshorit. Mariin Trer Freiheit". Verlagsgeneffeniteit Freiheit" e Druderei 6. m. b. S., Berlin C. 2, Breite Strake 8-9. છું કે 4) Botenfrauen Säle werden sofort eingestellt " Freiheit"-Spedition Jordan, Dresdener Str. 24 Botenfrauen #tellt jofort ein Vez für Versemmiungen, 50--200 Personen Gu'e Berpflegung:: Hackescher Hof, Rofenthaler Str. 40-41:: Norbent 3215 AN ALLE die es angeht und die Geld sparen wollen. VESTA, Weinberg- Schelden ferner Marke Dennoch und andere. 25, 50 u. 100 Br.- Tafeln. Schokoladen- Spitzkuchen find son unübertroffener Qualität und Preiswürdigkeit. Berkauf nur en Wiederverkäufer. d. Wechselmann, Berlin W9, Linkstr. 20. Breite Straße 8-9 Spedition Wuzky, Johannisstr. 9 Genoffen werdt für die Freiheit Karbib k 4.25. Asthma Große Auswahl in kann geheilt werden. Ganz neues Verfahren. Karbid Lampen Sprechstunden durch Spesial Fahrräder von 2.50 M. an. Gebrauchte Arzt in Berlin- Steglig Südendstr. 3, 1, Mittwochs 9-1. 4-7 Uhr, Freitags 4-7 21tr. Jn Potsdam jeden Sonnabend von 9 mit Gummi von 100.-. an Makowsk& Zerbst bis 2 br. 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