Einzelpreis 30 Pfg. 4. Jahrgang Die Fretheit erfcheint morgens und nachmittags, Sonntags und Montage we einmal Der Bezugspreis beträgt bet freier Zustellung ins Haus für Groß- Berlin 10,-. im voraus zahlbar, von der Spedition felbft abgeholt 8,50 M. Für Bofts bezug nehmen fämtliche Boltanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland und Österreich 16,50 M., für das übrige Ausland 21,50 M. suzüglich Baluta- Aufschlag, per Brief für Deutschland und Österreich 30, Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin 2, Breite Straße S sistind 11309 Logisito d Mittwoch, 9. Februar 1921 Nummer 65.. Morgen- Ausgabe Die achtgespaltene Ronparet Hegelle ober deren Raum kefter 6- P. etuffiekit Seuerungszufchlag. Ririne Anzeigen: Das fetigedruckte Wort 2, M., fedes weitere Bort 1,50 m., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien Anzeigen und Stellen- Gefuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen Besuche En Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 M.. fedes weitere Wort L, m Fernsprecher: Zentrum 2030, 2645, 4516, 4603, 4635, 4648, 4921 greiheit Berliner Organ bor Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Klaren Blick bewahren! Von Bruno Asch I. Die Voranschläge, die von der Bariser Konferenz der deutschen Regierung für die Regelung der Wiederguts machungsfrage vorgelegt worden sind, haben in Deutschland einen Taumel nationalistischer Erregung hervor gerufen. Diese Atmosphäre ist sehr ungeeignet, um die Fragen zu diskutieren, um die es sich hierbei handelt. Es ist ein Verbrechen am deutschen Volke, in dieser Stunde einen Protestrummel schlimmster Art herbeizuführen, anstatt die volle Schwere der Zahlungsforderungen ruhig und fachlich darzulegen und zugleich die ökonomische Unsinnigkeit berartiger Regelungen, die legten Endes an ihrer Undurch führbarkeit scheitern müssen, flar herauszuarbeiten. Es sollte doch endlich zum Bewußtsein kommen, daß wir keinesfalls eine vernünftigere Gestaltung der Dinge herbeizuführen in der Lage sind, solange bei jeder Gelegenheit in feierlichen Beteuerungen die Unmöglichkeit der Leistung festgestellt und ihre Erfüllung abgelehnt wird, wie es die verbrecherischen Politiker immer wieder tun, die erst Deutschland in Krieg und Niederlage geführt haben, und es jetzt leider noch immer wagen dürfen, mit ihren Tiraden das Volk zu verwirren und in neue Abenteuer und Gefahren zu jagen. Es muß immer erneut darauf hingewiesen werden, daß es dieselben Kreise sind, die noch im Sommer 1918 die Schützengräben mit Broschüren überschwemmten, in denen zur Befriedigung der deutschen Kriegsentschädigungsforderungen nicht nur die wahnwißigsten zahlenmäßigen Berechnungen aufgestellt, sondern auch mit ftrupelloser Ruhe die letzten wirtschaftlichen Werte der gegnerischen Völker für diesen 3wed veranlagt und in die Rechnung eingestellt wurden. Sie, die den Krieg von Anfang an unter der Parole ,, va evictis" mwehe dem Befiegten!) geführt und in Ost und West unter diesem Gesichtspunft gehandelt haben, müssen schweigen, wenn ihre Ge Die Pariser Abmachungen Fortsetzung der Kammerdebatte| Deutschland bis zu der Grenze der Möglichkeiten be In der gestrigen Nachmittagssigung der französischen Kammer beendete der royalistisch- tlerikale Abgeordnete aver Magillon die Begründung seiner Interpellation, die er am vergangenen Freitag unterbrochen hatte. In der nachfolgenden Debatte ergriff dann als erster Redner der frühere Finanzminister Kloz das Wort. Für Klog bilden die Abmachungen von Paris ein Anhangsprotokoll zum Versailler Friedensvertrag. Wie dieser selbst, so müsse auch das Protokoll der Nachprüfung durch die Kammer unterRegierung die Staatsfinanzen nicht feststellen könne, ohne daß liegen. Der frühere Finanzminister erinnerte daran, daß die die Kammer ihre Zustimmung gäbe. Die französische Finanz: politik sei durch die Abmachungen von Paris feftgelegt worden. Deshalb müsse die Kammer sich über diese Abmachungen aus sprechen. Als Kloh auf die Frage der Zwangsmaßnahmen zu sprechen tam, unterbrach ihn Briand mit der Erklärung, daß die Entschließungen von Paris, soweit sie Deutschland bekannt gegeben würden, über die Strafmaßnahmen nichts enthalten hätten. Somit tönne Deutschland seine Einwendungen gegen die Pariser Abmachungen nur soweit sie ihm mitgeteilt wurden, vorbringen. Bezüglich der Strafmaßnahmen habe Deutschland sich jeder Bemerkung zu enthalten, denn diese stellten für den Augens Blick nur eine Angelegenheit dar, die die Alliierten unter sich zu regeln hätten. Nach dieser Unterbrechung führte Klotz seine Rede zu Ende. Er erklärte, daß die Entschließungen von Paris eine Berminderung der Entschädigungen darstellten, die durch den Versailler Friedensvertrag festgelegt wurden. Die Pariser Abmachungen hätten Frankreich ungefähr fünfzig Milliarden Frank zugestanden. Da es 16% Milliarden den Bereinigten Staaten und 13 Milliarden England jufde, so müsse man Briand den Borwurf machen, daß er eine Verminderung der französischen Guthaben zulies, ohne day ihm in der Frage der auswärtigen Schulden irgendwelche Zugeständnisse gemacht worden wären. gehen muß, um die entsetzlichen Zerstörungen wieder gut zu machen, die es angerichtet hat. Wir zweifeln nicht, daß Har ding diese Meinung teile. Falls Deutschland sich in dieser Angelegnheit einer falschen Auffassung hingibt, steht es vor einem peinlichen Erwachen. Die Verhandlungen in London Amtlich wird folgende Erklärung veröffentlicht: Das Auswärtige Amt hat der hiesigen französischen Botschaft mitgeteilt, daß die deutsche Regierung die Einladung für die Londoner Konferenz unter der ausdrücklichen Vors aussetzung annimmt, daß auch die deutschen Gegenvorschläge auf der Ronferenz zur Beratung gestellt werden. Die Regierung hat also die von dem französischen Bots schafter überreichte Einladung zu Verhandlungen in London angenommen. Daß auf der. Londoner Konferenz über die deutschen Gegenvorschläge verhandelt werden wird, ist wohl selbstverständlich, da da der Friedensvertrag ausdrücklich Deutschland das Recht einräumt, über die Wiederguts machungsforderungen gehört zu werden. Die Reden Lloyd Georges haben auch gezeigt, daß die Entente- Regierungen gleichfalls diese Auffassung haben. Die deutschen Gegenvor schläge beziehen sich selbstverständlich nur auf die Wieder gutmachungsfrage. In der Entwaffnungsfrage handelt es sich nicht um Vorschläge der Entente- Regierun gen, sondern um die Art der Ausführung der Verpflich tungen, die zulegt noch in Spaa auch von der deutschen Re gierung anerkannt worden sind. Die Entwaffnungse frage scheidet damit wird sich auch die bayrische Regie rung absinden müssen aus den Verhandlungen aus. finnungsgenoſſen auf der anderen Seite nunmehr den gleichen famtbetrag der Reparationsschuld festzusehen. Das habe gemise Wiederherstellung der Rechtssicherheit verbrecherischen Wahnsinn propagieren und durchzusetzen ver suchen. Die deutsche arbeitende Bevölkerung aber muß mit allen Mitteln davor gewarnt werden, sich noch einmal in die Bahn der Katastrophenpolitik von 1914 drängen zu lassen und sie muß sich immer dessen bewußt bleiben, daß die fürchterlichen Jahre des Krieges die Schuld an den gegenwärtigen Zuständen in entscheidendem Maße tragen. Kein neuer Kampf und feine neue Entscheidung auf den Schlachtfeldern, auf denen wieder Proletarier gegen Proletarier stehen würden, fönnte eine Besserung unserer Lage herbeiführen, sondern das würde gerade im Gegenteil die legten Reste einer Aufbaumöglichkeit zerstören. II. Die deutsche Wirtschaft leidet unter dem andauernden Schwanken der Wechselturse gegenüber den Rohstoffe und Lebensmittel liefernden in Frage kommenden Staaten. Nicht die Berringerung des Wertes der Reichsmart auf einen Bruchteil ihres Nennwertes fällt entscheidend ins Gewicht, sondern die absolute Unsicherheit der Wertgestal tung. Durch die heftigen und in ihrem Verlauf nicht abzuschätzenden Veränderungen der Valuta ist die gesamte internationale Wirtschaft, insbesondere die der valutaschwachen Länder, in einem Maße spekulativ geworden, daß die Grundlagen jeder Kalkulation erschüttert sind und die Stetigkeit der kapitalistischen Produktion ununterbrochen in Frage gestellt wird. Jede Verschlechterung des Marffurses führt zu einer Steigerung der Preise, zu einer Anregung des Geschäftsganges, die aber sofort wieder in das Gegenteil umSchlägt, fobald eine Besserung der Kurse den Auslandverkauf erschwert und die Preisturve im Lande nach unten führt. In einer Periode ständiger Veränderlichkeit, die oft innerhalb weniger Tage 20 bis 30 v. 5. ausmacht, ergibt sich als unmittelbare Folge eine weitgehende Zurüdhaltung innerhalb der gesamten Boltswirtschaft sowohl bei Produzenten als auch Konsumenten, die wieder zu Betriebsein schränkungen, Arbeiterentlassungen und Verschärfung des Not standes führt. Die Rückwirkung derartiger wirtschaftlicher Verhältnisse auf die Auslandsmärkte ist bei der engen Verknüpfung der Weltwirtschaft naturgemäß fehr empfindlich. Die hohen Wechselkurse führen dazu, daß die Länder, deren Währung hoch steht, ihre Produkte nicht abzusehen vermögen, weil die Kaustrait der valutaschwachen Staaten nicht groß genug ist, um die ange botenen Güter zu erwerben. Der hohe Wechselkurs führt dazu, daß die betreffenden Gebiete nicht mehr in der Lage find, ihre bisherige Produktion aufrechtzuerhalten, daß sie ebenfalls zu Einschränkungen der Erzeugung, zu ArbeiterentIaffungen schreiten und daß der Preisbau, der seit dem Beginn des Krieges immer mehr nach oben strebte, in sich zusammenbricht, weil die Fundamente einer drängenden und um jeden Preis Befriedigung verlangenden Nachfrage nicht mehr gegeben sind. Die Blockade, die auf diese Weise um die einzelnen Staaten gelegt wird, ist sicherer als irgend eine, die während des Krieges bestanden hat. Die schwere Krise, die sich gegenwärtig in A merita, England und der Mehrzahl aller europäischen Staaten in ihren verhängnisvollen Wirkungen zeigt, ist geeignet, den Völkern die scheinbar vergessene Wahrheit von Briand erklärt, man hätte bis zum Monat Mai den GeHindernisse gebracht, aber durch ein Einverständnis der Alliierten fei man darüber hinweggekommen. Das sei das wesentliche Ver dienst der Konferenz von Paris. Ohne dieses Uebereinkommen wäre Frankreich isoliert und der Vertrag würde nicht mehr Spielen. Zwischen dem Abgeordneten Kloh und dem Ministerpräsi denten Briand entspinnt sich ein 3 wiegespräch. Kloz sagt: Ich hoffe, daß die Regierung auch mit unseren Verbündeten von der Mobilisierung unserer Schulden gesprochen hat. Briand er widert: Wenn ich daran nicht gedacht hätte, wäre ich nicht wür big, an dieser Stelle zu stehen. Klot fährt fort: Ich zweifle nicht daran; aber Sie haben gesagt, daß das Instrument Frankreichs, also der Friedensvertrag, nicht lebendig sei. Haben Sie heute etwas Lebendigeres vorzuzeigen? Ministerpräsident Briand ruft aus: Nein, Herr Kloz! Auch in 14 Tagen werde ich nen nicht die Lösung aller Brobleme bringen fönnen, die Sie über ein Jahr vergeblich zu lösen versucht haben. Eine amerikanische Warnung Der Londoner drahtlose Dienst verbreitete eine Warnung der ehler von 1914 nicht wiederholen soll, indem es Newyork Times" an Deutschland, daß Deutschland seine Amerita abermals falsch beurteilt. Das Blatt richtet eine feierliche Warnung an Deutschland und sagt, daß, falls Deutschland dem Rat dieser Stimmen Folge leistet, es Unglüd über das Land bringen wird. Die amerikanische Nation urteilt in dieser Angelegenheit einstimmig. Die Empfindungen und Zwecke des Krieges sind nicht auf einmal verschwunden. Kein Deutschland auseinandergeriffen und zur Stlaverei gebracht wird. vernünftiger Amerikaner hegt den rachsüchtigen Wunsch, daß Aber man ist in den Bereinigten Staaten feft überzeugt, daß der Abhängigkeit des Wohlstandes der einzelnen Länder voneinander wieder in das Gedächtnis zu rufen und dadurch dazu beizutragen, daß an die Stelle einer nur auf blinde Ge waltanwendung gegründete Wirtschaftspolitik endlich die Erfenntnis tritt, daß die Wiederherstellung der eigenen Wirtschaft unmöglich ist, solange große und wichtige Gebiete Europas sich in einem Zustand des Verfalls und der wirtschaftlichen 3ersegung befinden. Es ist eine utopische Borstellung, wenn man glaubt, daß die Bilanz einer derartigen Politit einen Ueberschuß für ihre vermeintlichen Nuznießer mit sich bringen wird, ihr Ergebnis wird nichts anderes sein als ein ständiges europäisches Heerlager, das neue Rot und Verzweiflung erzeugen muß... III. Wenn Forderungen in der Höhe an Deutschland gestellt werden, wie sie das Pariser Programm vorsieht, so wird die deutsche Staatswirtschaft in absehbarer Zeit feinesfalls in die dringend erforderliche Ordnung gebracht werden können. Die ständige Erhöhung der Ausgaben der öffentlichen Körperschaften, die feinen entsprechenden Ausgleich in den Steuereinnahmen findet, führt zur dauernden Inanspruchnahme der Rotenpresse, d, h. zu einer sich forts fegenden Aufblähung des Geldmarties, zur Schaffung zujählicher Kauffraft, die wie an dieser Stelle schon wiederholt dargelegt worden ist, eine Steigerung der Warenpreise, eine Minderung der Realeinkommen und legten Endes eine ununterbrochene Erschütterung der Wirtschaft mit sich Der hiesige belgische Gesandte hat dem Reichsminister des Auswärtigen am 5. b. M. folgende Note übergeben: ,, Die belgise Regierung beabsichtigt nicht, von den ihr nach dem§ 18 der Anlage II zu Teil VIII des Friedensver trages von Bersailles zustehenden Rechten, das Eigentum der deutschen Staatsangehörigen zu beschlagnahmen, Ge brauch zu machen für den Fall, daß Deutschland gegen seine Ver pflichtungen absichtlich verstoßen würde. Dieser Berzicht bezieht sich auf deutsches Eigentum in Belgien, seinen Kolonien oder dem von ihm verwalteten Gebiet einschließlich insbesondere der Bankguthaben, ebenso wie auf Schiffe und Fahrzeuge in belgischen Gewässern. Dies gilt ebenso von Waren an Bord belgischer Schiffe ober Fahrzeuge oder von nach Belgien zum Verkauf gesandten Waren." Bon zuständiger Stelle wird besonders darauf hinges wiesen, daß der von Belgien ausgesprochene Verzicht in vers schiedener Hinsicht weitergehend ist als der von der britischen Regierung bereits früher ausgesprochene Verzicht. Es wäre zu wünschen, wenn der belgische Schritt dazu beitragen würde, dem vor dem Kriege selbstverständlichen Grundfah der Unverletzlichkeit des privaten Eigentums im Frieden wieder zur Geltung zu verhelfen. Belgien trägt damit den Notwendigkeiten, die sich aus der Wiederherstellung internationaler Handelsbeziehungen ergeben, Rechnung; man fann erwarten, daß sich auch die anderen Staaten bald diesem vernünftigen Schritt Englands und Belgiens anschließen. bringen muß. Die Ordnung der Staatswirts schaft stellt demnach ein primäres volfs wirtschaftliches Interesse dar, darüber hinaus aber auch ein bedeutsames volkswirtschaftliches Interesse. denn die großen Mengen deutscher Zahlungsmittel, die sich zur Zeit im Auslande befinden, werden dadurch ebenfalls fortgesetzt entwertet. Viel bedeutsamer aber ist es, daß auch die Konsumkraft unseres Landes an ausländischen Produkten im Verhältnis zur Stärke der Bevölkerung weit unter bas normale Maß sinkt und daß dadurch die bereits oben er. wähnten frisenerzeugenden Wirkungen auf die fremden Märkte ausgelöst werden. Der deutschen Wirtschaft muß also, wenn die Leistungss fähigkeit, die zur Erfüllung der Wiedergutmachungsfor derungen erforderlich ist, hergestellt werden soll, die Möglich feit einer umfassenden Sanierung gegeben werden. Diese Sanierung muß von zwei Seiten in Angriff genommen werden. Der erste wichtigste Weg ist der, den wir selbst hier, bei uns, zu beschreiten haben. Es ist der Weg einer zid. sichtslosen und energischen Durchführung ber Steuergesetzgebung, die den Besiz und die hohen Eintommen so energisch erfassen muß. daß der notwendige Ausgleich zwischen Einnahmen und Ausgaben herbeizuführen ist. Die Streichung großer Ausgabeposten im Etat muß unbedingt erfolgen. Bei der Reichswehr, des Marine, den zahllosen Verwaltungsorganisationen find hoh Beträge einzusparen, die eine Herabseßung der Etatziffern ere möglichen. Die Defizits der Reichsunternehmen tönnen durd eine den volkswirtschaftttchen Erfordernissen sich anpassende| Neuordnung der Tarife und und eine auf dem Wege der Sozialisierung der Schlüsselindustrien herbeizuführende Senfung der Materialfoften beseitigt werden. Die Uebernahme der Kohlenerzeugung, der Kraftgewinnung, Eisen, Kali und anderen Urproduktionen, in Gemeinwirt schaft muß zu einer nach vollswirtschaftlichen Gesichtspunkten geregelten Preis- und Produktionspolitik führen, sowie bie Gewinne aus. diesen Industrien der Gesamtheit zugänglich machen. Das Ausland aber müßte, im eigenen richtig verstandenen Interesse, die zur Finanzierung der Einfuhr von Rohstoffen, Lebensmittel usw. erforderlichen Kredite mit Hilfe einer internationalen Organisation zur Verfügung stellen und da durch eine Stabilisierung der Wechselkurse einleiten, die eine unerläßliche Voraussetzung geregelten Wirtschaftsverkehrs der Völker ist. IV. wwwww Deutschland ist zahlungsfähig, wenn ihm auf biefe Weise die Möglichkeit einer Sanierung gegeben wird. Es ist also in ureigenem Interesse der Völker, die einen Rechtsanspruch auf die deutsche Entschädigung haben, die Boraussetzung einer vollen Leistung herbeizuführen. Der Weg, der im einzelnen am zweckmäßigsten zu beschreiten ist, fann diskutiert werden. Vielleicht ist es praktisch, mie bereits vorgeschlagen Obligationen an die Entente zu geben, die von den anderen Regierungen bei ihren Gläubigern verwertet werden fönnen und die nach Maßgabe ber deutschen Wirtschaftsentwicklung in bestimmten Zeiträumen eingelöst werden müssen. Aber nur wenn es gelingt, die auf ihrem Schein bestehenden Vertragskontrahenten davon zu überzeugen, daß ihr eigenes Interesse ben wirtschaftlichen Gesundungsprozeß ihres Schuldners verlangt, wird es möglich sein, eine ver nünftige Regelung herbeizuführen. Die verhältnismäßig niedrigeren Forderungen, die gegenüber denen für die späteten Jahre für die nächste Zeit gestellt worden sind, bemeisen, daß man sich auch drüben dieser Frage nicht ohne weiteres verschließt. Aufgabe einer flaren und fachlichen Unterhandlung wird es nun sein, auf die Undurchführ barkeit der bisher mitgeteilten Forderun gen hinzuweisen und eine der tatsächlichen LeistungsfähigLeit des Landes angepakte Regelung, die nach erfolgter Sanierung unserer Wirtschaft durchaus nicht gering fein wird, herbeizuführen. Der Widerfinn, der in der verlangten Ausfuhrabgabe liegt, die auf der einen Seite eine permehrte deutsche Ausfuhr herbeiführen foll, ihr aber auf der anderen Seite wieder Feffeln auferlegen muß, braucht nicht näher erörtert zu werden. Es ist hier bereits auf die ökonomische Unmöglichkeit und ihre selbstverständlichen Folgen für die Arbeiter bevölkerung der ganzen Welt hin gewiesen worden..... Das deutsche Proletariat hat ein lebhaftes Interesse an ber Regelung der Wiedergutmachungsfrage. Die wirtschaft liche Lage der arbeitenden Maffen müßte unter der Wirkung eines derartigen Abkommens, wie die Pariser Forderungen es verlangen, unerträglich werden. Es würden einerseits riefige Arbeitsleistungen erforderlich sein, die ohne Entgelt ins Ausland entsandt, der deutschen Wirtschaft keine Gegenwerte zuführen, also die Erhaltung der an ihnen beteiligten Arbeiterschichten auf die Schultern der anderen arbeitenden Bevölkerung laden würden, andererseits ständig schwere Ers glitterungen des inneren Marties eintreten, dessen Produk Honsfähigkeit und Ronfumtraft unter der fortgesetzten Auss bentung fich ununterbrochen verringern würde. Die Lebenshaltung der arbeitenden Klasse in Deutschland würde auf einen Stand sinten, der für uns unerträglich sein und entsegliche Folgewirkungen in ber Zunahme der bereits graffierenden Boltsseuchen haben müßte. Die weit unter das Lebensniveau der westeuropäischen Arbeiterschaft sinkende Lebenshaltung der deutschen Arbeiterschaft würde auf dem Weltmarkte lohn- und preisbrückend in Erscheinung treten und trok Ausfuhrabgabe und Bollmauern auf Grund der der fapitalistischen Wirtschaft immanenten Gesetze zu einer Verelendung des Beltproletariats führen. Aus diesem Kreislauf gibt es feinen Ausweg, solange fich nicht eine grundlägliche Loslösung von den jegt die Siegervöffer noch beherrschenden Ideen zeigt und in der Wiedergutmachungsfrage flat in ErIheinung tritt, V. Der Kampf, ben bas flaffenbewußte beutsche Proletariat in diesen Tagen ernster Entscheidungen zu führen hat, ist ein[ chwerer und vielgestaltiger. Die vielleicht dringendste Aufgabe, weil von dieser Seite die unmittelbarste Gefahr droht, ist der entschlossene Widerstand gegen die nationalistischen Politilafter, die eine neue Ratatrophe mit ihren furchtbaren Folgen für die arbeitende BeDölterung heraufzuführen bereit sind. Kein Ruf nach der Einheitsfront und der inneren Geschlossenheit darf das deutsche Proletariat darüber hinwegtäuschen, daß unter diesen Schlagworten der Reaktion sich die Gefahr eines neuen Burgfriedens und neuer Niederlagen bes Proletariats verbirgt. Hier gilt es, flaren Blid zu bewahren und nicht auf die Sirenenflänge und retho rischen Phrasen nationalistischer Reaktionäre hereinzufallen. Der Kampf, der geführt werden muß, gilt jedem Versuch, en die Stelle von Verhandlungen schale Protefte und ein Unannehmbar" zu sehen, wie es der Regierung von vielen Seiten nahegelegt wird. Es gilt die Massen bez Bevölke rung aufzutlären, daß auf dem Wege von Verhand lungen die Lage der deutschen Wirtschaft flargelegt und eine, Menderung der Bedingungen herbeizuführen versucht werden muß. Wir müssen auch in Betracht ziehen, daß trog eines etwaigen jetzigen Abkommens fich die weltpolitische und weltwirtschaftliche Situation in wenigen Jahren so weit gehend geändert haben fann, daß die Bedingungen, die jett vielleicht Geltung erlangen, selbst von denen verneint wez ben, zu deren angeblichen Gunsten fie geschaffen find. Wer es erfennt, baß die 3ahlungsbedingungen an ihrer inneren unmögliteit scheitern müssen, der hat die Pflicht, das deutsche Broletariat davor zu bewahren, in eine neue schwerwiegenbe Katastrophe hinein= gejagt zu werden. Die Arbeiter der ganzen Welt, die heute unter den Wirfungen des Krieges leiden, werden nur zu bald erkennen, daß sie unter den Folgen eines so gearieten Wiedergutmachungsvertrages noch viel stärker leiden müssen. Ihre Erfenntnis der inneren Zusammenhänge wird durch die prak tischen Lehren, die ihnen die Wirtschaftsgeschichte der nächsten Beit erteilen muß, wadsen. Sie sind unsere natürlichen Bundesgenossen, mit deren Hilfe wir die Fesseln dieser der fapitalistisch- imperialistischen Wirtschaftsgesinnung entsprin genden Regelung durchbrechen und eine andere Ordnung herbeiführen werden. Es ist dringend erforderlich, daß sich bie beutsche Arbeiterschaft darüber ganz flar bleibt, daß nur auf dem Wege einer internationalen Berständis gung der klassenbewußten Proletarier aller Länder die natürlichen Folgen der fapitalistischen Ausbeutungspolitik beseitigt und dem imperialistischen Streben unüberwindbare Widerstände entgegengesett werden können. Aber wir müssen uns auch darüber im flaren A beshalb auch im firfften Gegenfaz sur reformistischen Tattiz der Rechtssozialisten befinden muß. Unsere Parteigenossen müssen der Wahllegende von einem Zusammengehen mit den Rechtsfoztalisten von unserem grundläglichen Standpunkt aus energisch entgegentreten! fein, daß die verliebenartige Entwidlung der Anschlag auf Genossen Dißmann einzelnen Bölfer und der einzelnen Arbeiterschichten in diesen Völfern nicht durch einen revolutionären Salto mortale übersprungen werden fann, sondern bei allen unseren Be urteilungen in ihrer Bedeutung für die proletarische Ge famtbewegung in Rechnung gestellt werden muß, wenn wir uns vor Enttäuschungen und gefährlichen Niederlagen be wahren wollen. Der Chauvinismus der Nachkriegsperiode in den Siegerländern, die bedachtsam geschürte gegenseitige Empörung und Abneigung find Fattoren, die erst auf Grund eines unermüdlichen Kampfes um die Herstellung einer wahrhaften Internationale überwunden werden können. Die Münchner Kemalisten Die Münchner Jünger Enver Paschas und Kemal Baschas haben sich nach der sanften Rüge der Roten Fahne" in der Sonntag ausgabe nun auch noch eine zurechtweisung ihrer Parteileitung geholt. Die Zentrale der Kommunistischen Partei veröffentlicht eine Erklärung, in der jede Gemeinschaft mit der Bourgeoisie auch in der Reparationsfrage abgelehnt wird. Es heißt dann in der Erklärung weiter: „ Die Bertreter der Kommunistischen Partei im bayrischen. Landtag sind dieser Verpflichtung nicht nachgefommen. In der Münchner Zeitung Neue Beitung" find Artifel erschienen, bie diesen Gedanken nicht zum Ausdrud bringen oder ihm zuwider laufen. Die Zentrale der Kommunistischen Bartei erklärt, daß dieses Berhalten nicht im Cintiang mit den Grundsägen der Kommunistischen Pariei ist." Weiter heißt es in der Roten Fahne", es werde Sache der Or ganisation sein, zu prüfen, inwieweit sie diesem Verhalten organisatorische Folgen geben müsse. Es langt also nicht einmal zu einer sichtbaren Scheidung zwischen den Münchner National bolsjewisten und der grundfaktreuen" Berliner Zentrale. So lange biefe flare Scheidung nicht erfolgt ist, fest ich die Rote Fahne" nur der Bächerlichkeit aus, wenn sie in ber gleichen Aus gabe den Unabhängigen unterstellt, daß diese sich zusammen mit der Bourgeoisie in eine notionale Cinheitsfront" begeben haben und„ flennend aber gefügig hinter dem Regierungstarren Herlaufe". Nicht minder heiter ist es, daß das kommunistische Zentralorgan in seiner gestrigen Abenbausgabe erflärt, es habe von An beginn an das verbrecherische Treiben des Otto Thomas foarf verurteilt". Diese Behauptung steht mit den Tatsachen im schärf sten Widerspruch. Die„ Rote Fahne" hat sich erst zu seiner sanften Rüge an die Adresse der Münchner Kriegsheger aufgefiwungen, nachdem wir deren verbrecherisches Treiben gebrandmarkt hatten. Dabei fann gar teine Rede davon sein, daß dem kommunistischen Zentralorgan und der Parteileitung das Treiben der Münchener Nationalboischewiften unbekannt gewesen sei. Wie Güniher Sopie in einem Artifel in der Roten Fahne" ausführt, begann die Mün chner„ Neue Zeitung" schon am Mittwoch, bei 2. Februar, thre Zua sammenarbeit mit der nationalistischen Jugend, die sich dann in jeber meiteren Nummer der Zeitung mehr und mehr steigerte. Der Artikelschreiber tommt zu dem Schluß, daß der Kommunist Otto Thomas in feiner Zeitung offenbare Silfe für die Orgel leistete und eine Politif der Bronotation betrieb. Das alles hatte aber die hochweise Zentrale vetschlafen und auch jetzt nermag sie sich nur zu der Erklärung aufzuraffen, daß es Sache der Organisation fein werde, die Angelegenheit zu prüfen". Auch die Tatsache, daß die kommunistische Fraktion im bayerischen Landtag gemeinschaftlich mit den bürgerlichen Par teien eine Erklärung bezüglich der Forderungen der Entente zu dem Versailler Vertrag abgab, erscheint ihr nicht schwerwiegend Fraktion zu ziehen. genug, um einen sichtbaren Trennungsstrich zwischen sich und dieser Freilich, diese Echetdung zwischen den nationalistischen und grundsaytreuen Kommunisten scheint deshalb auf Schwierigfeiten zu stoßen, weil die Münchner Schwabingerei nichts anderes bedeutet, als die finngemäße Uebertragung ber Don Mostau im Orient betriebenen Politit auf die deutschen Verhältnisse. Ginowjem hat mit Enver Bascha in Baku den Bruderfuß ausgetauscht; Baul Levi hat Enver Bascha im Deutschen Reichstag der deutschen Bourgeoisie als Mufter vorgeführt, was will also die kommunistische Zentrale von Otto Graf und Dite Thomas? Eine Interpellation der Unabhängigen TU München, 8. Februar. Die auf heute nachmittag 4 Uhr anberaumte Bolligung des Landtages dauerte nur ganz furze Zeit. Um 5 Uhr wurde die Sigung wieder aufgehoben und auf morgen vormittag 8 Uhr ver tagt, weil um 5 Uhr Beratungen der Fraktionen über die politische Lage beginnen. In seiner heutigen Sigung hatte sich der Minister rat einmütig auf einen längeren Beschluß geeinigt, der später den Fraktionsführern der Koalitionsparteien vorgelegt wurde. Diese erklärten es für notwendig, den Beschluß des Ministerrats thren Fraktionen zur Besprechung und Beschluffassung zu unterbreiten. Es ist anzunehmen, daß die Beratungen der Frattionen fich bis in den Abend hinein erftreden werden. Dann wird eine nochmalige Fühlungnahme mit der Regierung erfolgen müssen, und erst hierauf wird das Ergebnis der Beratungen der Deffentlichkeit mitgeteilt werden. Inzwischen hat die Unabhängige Sozialbemottatt sche Frattion des Landtages an den Ministerpräsidenten Dr. D. Kahr eine Interpellation eingebracht, in der von ihm Aufschluß über die Stellung verlangt wird, die er am 5. Februar eingenommen hat. Die Interpellation with damit begründet, daß aus den amtlichen Pressemeldungen feine Klarheit über die Haltung der bayerischen Regierung zu gewinnen sei, da ein WiderSpruch zwischen den offiziellen Meldungen der Berliner und Mün chener Regierung bestehe. Die ernste politische Lage erfordere Klarheit über diesen Widerspruch und Gelegenheit für den bayrischen Landtag zur Stellungnahme. Eine Wahllegende In Wahlversammlungen wird immer wieder das Gezicht ver Breitet, daß die Unabhängige Sozialdemokratie mit den Rechtsfozialisten zusammenzugehen beabsichtige. Demgegenüber muß aufs Neue betont werden, daß unsere Partei nicht im ent ferntesten daran denti. Sie hat bisher feine Vereinbarungen mit den Rechtssozialisten zu treffen versucht, sie wird es auch im preußischen Wahlkampf nicht tun. Die Politik der Rechtssozialistischen Partet ist auf den Reformismus, auf die Verbindung mit den bürgerlichen Barteien eingestellt. Die Unabhängige Sozialdemokratie bagegen steht auf dem Boden des proletarischen Riallentampfes, fie vertritt die Grundsätze des revolutionären Sozialismus, ber kein Valtieren mit irgend einer bürgerlichen Bartel zuläßt und Ein schwarzer Tag in der Arbeiterbewegung Nach einer Meldung der Frankfurter Zeitung" hatten wir in unserer Montagausgabe über die Tumultszenen be richtet, die in Frankfurt a. M. am Sonntag in einer Versammlung der Unabhängigen Sozialdemokratie von einer fommunistischen Sprengfolonne verursacht worden waren. Die Darstellungen der Frankfurter Presse über diese Bors gänge gewähren ein noch viel traurigeres Bild parteipolitischen Wahnwiges als man nach der ersten Meldung an nehmen fonnte. Tag blinde Schüsse gefallen sind, bestätigt sich nicht, dafür ist Genosse Dißmann aber nur mit nap. per Roteinem Mordanschlagentgangen. Aus dem Bericht unseres Frankfurter Parteiblatts, des„ Boltsrechts", entnehmen wir folgendes: war. Unsere Bariei hatte eine große Wahlversammlung in das Schu mann- Theater berufen, in der Dihmann sprechen sollte. Schon am Tage vorher waren der Bartelleitung Nachrichten zugegangen, wo nach die Kommunisten die Absicht hätten, die Vere jammlung zu sprengen. Und so war es auch. Mit Mesfern, Schlagringen, Stintbomben, Feuerwerkskörpern und ähn lichen geistigen Waffen famen fie unter der Leitung von Horst Orlech und Frit Sedert, der erira aus Berlin herbeigeeilt Es waren ihrer nicht viele, etwa 150 bis 200, unter ins gejamt 2500 Bersammlungsbesuchern. Aber sie hatten die Stoßtrupps gut eingeteilt und so gelang es ihnen, einen Erfolg, aller dings einen sehr traurigen, zu erzielen. Genoffe Dißmann Sprach ruhig und fachlich, aber gerade das empörte die Ruhestörer. Erst femen einzelne 3mischenrufe, bazwischen Pfeifen und Johlen, und nach einer Weile explodierte auch ein Feuerwertstörper. Trotzdem gelang es jedoch Genossen Dißmann, fig dreiviertel Stunden lang leidlich Schör zu verschaffen. Dann aber lieben jich die Sprengfolonnen nicht mehr zurüdhalten. Pfeifen, Shreien, Sochrufe auf Rußland, Explosionen von Feuerwerksförpern, Ge fang der Internationale" wechselten in bunter Reihenfolge ab. Beitweilig erinnerte bas Bild an den Karneval. Nachdem das Treiben eine halbe Stunde gedauert hatte, mußte Dizmann leine Ausführungen vorzeitig abbrechen und die Versammlungsleitung Schloß darauf die Beranstaltung. Das brachte die Radaugesellschaft in die höchste Raserei. Ihre Führer gaben das Zeichen jum An griff auf die Rebuertribüne. Doch die Versammlungsa leitung hatte das vorausgesehen, die Tribüne war abgesperrt. Nur einem der Aufgehegten war es im Gedränge gelungen, auf die Rebnertribüne vorzubringen. Kaum hatte er sie erreicht, als er mit einem lengen, gezilien Dolch von rüfwärts auf den mit einigen Freunden gehenden Genossen Dijmann zuging, um ihn auf diese Weije zu widerlegen". Nur dem Dazwischenspringen mehrerer Genossen war es zu verdanken, daß Gensile Dikmann nicht diesem kommunistischen Wordbuben zum Opfer fiet. Noch Rebnertribine vorzubringen; mehreren von ihnen wurden Schlag andere, gleichfalls bewaffnete Kommunisten versuchten nach der ringe und Gummituüttel abgenommen. Als dem Borsigenden der Frankfurter Kommunisten, Horft Orsech, Berhaltung n deswegen gemacht wurden, billigte er es ausbrüdlich, auch die Tat seines dolchbewaffneten Parteigenoen fand feinen Beifall. Das Frankfurter Wolfsrecht" schließt seinen Bericht folgendermaßen: Ter gestrige Lag war ein schwarzer Tag in der Geschichte der Frankfurter Ar beiterbewegung. Soweit ist es also schon gekommen, bag st laffengenollen gegen Klaffengenoffen mit Dolchen und euchelmozd anfämpfen. Wahrlich, die Kapitaliftentlasse brauche angesichts folcher Selbstzerfleischung nicht zu zittern um den Verlust ihrer Privilegien. Aber viel leicht mußte es erst soweit fommen, damit endlich auch denen die Augen aufgehen, die fich bisher durch den kommunistischen Phrasenschwall haben betören laffen. Wenn die gestrigen tieftraurigen Vorkommnisse diefen einen Erfolg haben soll ten, dann wäre das freudigst zu begrüßen. Jeder rechte schaffene Arbeiter aber, dem es ehrlich darum zu tun ist, die Einheitsfront des revolutionären Broletariats herzusteilen, der wendet sich mit Berachtung von solchem Tun und Treiben. ab. Die Kommunisten haben den Wahlkampf auf ihre Art eröffnet. Jeder Arbeiler mug nach diesem Vorjall wissen, wo er hingehört." Das Bild wäre nicht vollständig, wenn man sich nicht daran erinnerte, daß etwa zu gleicher Zeit die Wünchener Kommunist en Bereinigungsfeste mit dem nationalisti schen Bürgertum feiern. Gegen die eigenen Klassengenossen den Dolch, für die Feinde des Proletariats der Bruderfuß: Soll so die Einheitsfront aussehen, zu der die Kommunisten aufrufen? Rechtssozialisten und Spigelfonds Kürzlich hat der Reichstag den unabhängigen Antrag auf Ere hung der Renten für Kriegsbejhabigte mit der Begründung abgelehnt, daß für dieje 3wede tein Geld vorhanden sei. Selbst die Rechtssozialisten haben diese Begründung gutgeheißen, ja, ihr Redner hat fe jogar als erster in die Debatte geworfen. Dieses Berhalten in um so verurteilenswerter, als sich in den Forderungen der Regierung stets außerordentlich große Summen bejinden, an denen wirklich gelpart werden Lönnte. Denn For berungen für die Agrarier, für 3wede der Industrie und des Sandels, für Heer und Marine werben stets bewilligt, ohne Rild jicht darauf, ob Mittel vorhanden sind oder nicht. Ein ganz fraises Beispiel dieser Art boten die Ber handlungen über ben Etat des Reichswehrministeriums. Uners pörte Summen für überflüssige Offiziere, Pferde, Brieftauben, und den kleinen Kreuzer wurden bewilligt. Ferner aber auch ein Beirag von 4 Millionen Mart, der im Etat als„ Ausgabe für besondere Zwecke" erscheint, und ausschließlich zur Verfügung des Reichswehrministers steht, dem auch die alleinige Prü fung über die Berwendung dieser Summe obliegt. Durch diese Angaben über die Verwendung dieses Betrages, insbesondere durch die Ausschließung jeder Kontrolle, ist der deutliche Beweis erbracht, daß es sich um 3wede hanbelt, die die öffentliche Kritik zu scheuen haben. Die Unabhängige Fraftion hat deshalb den Antrag gestellt, diese Summe pollständig zu streichen. Für diesen An trag aber stimmten nur die Unabhängigen und die Kommunisten. Die bürgerlichen Parteien, unterstützt von den Rechtssozialisten.. stimmten geschlossen gegen diesen Antrag. Bei den bürgerlichen Parteien ist diese Stellungnahme veze ständlich. Sie brauchen die Korruption, sie brauchen die Spigel, um das Märchen von der gewaltsamen Bedrohung der Republit aufrechterhalten zu fönnen. Daß aber auch die Rechtssozialisten gegen diesen Antrag stimmten, zeigt, daß sie noch immer ihre Sauptaufgabe in der Unterstügung bieles ver berblichen Roste Militarismus Die Jehen. Quittung dafür muß ihnen am 20. Februar ausgestellt werden. Asbruch des pfälzischen Mitchfireils. Wie die fälzische Poft" melbet, hat die freie Bauernfhaft den Milchstreil nunmehr bes bingungslos abgebrochen, Heute Zahlabend in Groß- Berlin! Der Landtag zu den Ententeforderungen Gestern trat im Abgeordnetenhause der ständige AusIchuß zusammen, der von der preußischen Landesversammlung nach der Verfassung gebildet ist, um während der Vertagung des Hauses die Rechte der Boltsvertretung gegenüber der Regierung wahrzunehmen. Dieser Ausschuß soll in bringenden Fällen in Gemeinschaft mit der Regierung Rotnerordnungen erlassen, wenn sie zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit oder zur Beseitigung eines Rotstandes erforderlich werden. Zu Beginn der Sigung fegte der Präsident diesem Aushuß eine Erklärung vor, die sich mit den Forderungen der Entente beschäftigte. Nach Zusammentritt der Mehrheits. parteien verlas der deutschnationale Abgeordnete Serr v. Kries folgende Willensmeinung: Die unerhörten Forderungen, die dem deutschen Wolfe von den Aliierten in der Wiebergutmachungsfrage zugemutet worden find, haben den en fristeten Biberipru aller Streise des Bolles gefunden. Die preußische Boltsvertretung fließt ji bem in vollem Maße an. Was mit den Lebensmöglichkeiten des deutschen Bolles vereinbar ist, muß den übernommenen Verpflichtungen entsprechend für die Wiederherstellung der durch den Krieg verwüsteten Gebiete geleistet werden; darüber hinaus aber fann feinem Bolte zugemutet Anstrengungen, ben Geiftlichen die höheren Gehälter zu ver Schaffen, die zum Teil logar Jhon ausgezahlt sind; fte fielen abez herein, weil bei der Abstimmung die Demokraten für den von den Rechtssozialisten gestellten Antrag mitstimmten, in eine Be Schlußfaffung nicht einzutreten. Fragen und Antworten! Wer hegte uns in das Stahlbab bes Weltfrieges und damit in das heutige Elend? Die unfähige faiserliche Regierung, beren Männer ( Selfferich, Ludendorff, Sergt, Reventlow) ( Selfferich, Ludendorff, Sergt, Reventlow) sich im November 1918 in die Mauselöcher vertrochen und die heute wieder die Oeffentlichkeit mit ihrem Revanchegeschrei erfüllen und den alten verderblichen Einfluß wieder zu gewinnen trachten. Wer sorgte für eine immer größere Ausdehnung dieses entjeglichen Krieges, wez heste uns Simerita auf den Hals? Die Männer von rechts mit ihrem alldeutschen Geschrei, ihrer maßlosen Selbstüberschägung, ihrer Unterschätzung aller anderen, werben, fich freiwillig in die Sllaverei zu begeben. Diese Wer verschlimmerte den Krieg durch die Anwendung grauErniedrigung weist das deutsche Bolt von sich, zumal es damit zugleich eine Kinder und Kindestinder zu einem Silavendasein perurteilen würde. Die preußische Boltsvertretung erwartet von der Reichsregierung, daß fie ihren ablehnenden Standpunkt unerschüttert beibehält und fordert in dieser ernsten Stunde, in dem es fich um Sein oder Nichtsein des deutschen Bolfes handelt, alle Kreise des Voltes auf, in der Abwehr diefer unmöglichen For derungen der Entente geschlossen zusammenzustehen. Diese Erklärung vermied sorgfältig eine Stellungnahme zur Entwaffnungsfrage, fie beschränkte sich auf die wirtschaftlichen Forderungen, um so die größere ,, EinheitlichLeit" zu erzielen. Nach Verlesung des Inhalts nahm der einzige Bertreter der Unabhängigen im Ausschuß, Abgeordneter Leid, das Wort und verlas folgende Erklärung: jamiter Kampfmittel? Wer deportierte die belgischen, französischen und polnischen Zivileinwohner zur Zwangsarbeit nach Deutschland? Wer hat durch sinnlose Zerstörungen im Kriegsgebiete, Mihhandlungen an Zivilbewohnern und Kriegsgefantenen uns in den Ruf bes Barbarentums gebracht und uns alle Bölker der Erde zu Feinden gemacht? Die Militaristen und ihre Freunde, die ehemaligen Konfervativen und heutigen Deutschnationalen und die Parteigänger der Deutschen Volkspartei. Wer verhinderte einen rechtzeitigen Friedensschluß und bamit eine Abkürzung des entseglichen Kriegselends? Die alldeutschen Generale, die späteren Kappisten und heutigen Orgesch- Häuptlinge im Verein mit den Deutsch nationalen Heimtriegern und Zeitungshebern. Meine Bartel hat Hels ben Standpunkt vertreten, daß die Wer unterstützte biele nationalistischen Verbrecher wirklich verübten Kriegsschäben wieber gutgemacht werden milj fen. Die von der Entente aufgestellten Forderungen halten wir für das gesamte Wirtschaftsleben in Deutschland und anderen Ländern für verhängnisvoll und ihre restlose Erfüllung für unmöglich. Die Arbeiter nicht nur in Deutschland, sons bern auch in anderen Ländern würden unter dieser kapitalistischen Bereicherungspolitit, die auch in Deutschland oberstes Gefeß ist, am stärksten leiden. Angesichts des Klasencharakters unserer Gesellschaftsordnung ist der Appell an die Einigkeit des Bolles nur geeige net, bie nationalistischen Tendenzen zu steigern, die zu dem un jeligen Krieg geführt haben. Wir erwarten, daß die Regierung Vorschläge macht, die die Wiedergutmachungsfrage im Rahmen des Möglichen zu lösen versuchen, und fordern, daß die Regies rung ihre pofitiven Vorschläge in den Berhandlungen mit der Entente in London vertritt. Was die Entwaffnungs= frage betrifft, so haben wir stets die Entmilitarijie rung aller Einwohnerwehren und anderer fou terrevolutionärer Organisationen verlangt. direft aber indirett? Die sämtlichen übrigen Bürgerlichen Parteien und die Rechtssozialisten, die durch ihre Zustimmung zu den Kriegstrebiten, durch ihre schwächliche Haftung und durch die Steigbügel hielten. Unterstützung der amtlichen Lügen den Kriegstreibern die Wer hat von Anfang an energisch und fonsequent die Kriegspolitit befämpft. Wer ist immer für einen schleuni gen Ashlug des Krieges eingetreten, der uns vor der heutigen Katastrophe bewahrt hätte? Die Vertreter der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei, die schon im Kriegsanfang in schärfster Opposition zu der Sozialdemokratischen Barteileitung standen, in den Bar lamenten die faiserliche Politit entfaroten, auf alle jene Folgen hinwiesen, unter denen wir heute leiden und die in allen Fällen von den Kriegsmachern aller Schattierungen verlacht, verhöhnt und beschimpft wurden. Wahlaufregung Entlassung eines reaffionären Beamten Je näher der Wahltag herankommt, desto gefünfteltere Formen nimmt die Aufregung der realtionären Presse an. Jest entrüstet fte fich über die vom Minister Severing verfügte Entlassung des bisherigen Inspekteurs der Schutzpolizet, des Geh. Regie: zungsrates von Priesbori. Es wird behauptet, daß bieser Beamte große Sympathien befige, und daß es wegen seiner Entlassung innerhalb der Beamtenschaft der Schußpolizei zu Ron fliften lommen werde. Die Entlassung des Herrn v. Priesdorf jei nur erfolgt, weil er militärische Uebungen abhielt, gegen die bie Entente protestiert habe. Offiziös wird dazu erflärt, daß die Entlassung desmegen era folgt sei, weil Herr v. Priesdorf erstens feiner Aufgabe, die Sicherheitspolizei zu reorganisieren, nicht gewachsen gewesen sei. Er sei andauernd herumgereift und in der schwierigsten Zeit des geben. Schon aus diesem Grunde sei der Ministerialrat Dr Neuaufbaues der Sicherheitspolizei habe er sich auf Urlaub be beag für die Reorganisation der Polizei berufen worden. In feiner neuen Stellung als Jnipetteur der Sicherheitspolizei habe er Manipulationen mit Geldern vorgenommen, für die er feine genügenden Aufklärungen geben tonnte. 3weitens habe sich Herr v. Priesdorf eines schweren Ber trauensbruches schuldig gemacht. Als man in der preußischen Landesversammlung über den Etat der Schutzpolizei verhandelte. schrieb er hinter dem Rüden des Minifters Briefe an die Filh rer der Deutschen Boltsvartei und der Deutschnationalen, worin er die Auffaffung des Ministers belämpfte. Auch auf seinen Be fichtigungsreisen, habe er die Mannichaften gegen den Minifier aufgewiegelt. Briesdorf habe in persönlicher Sinsicht bei den Truppen teine Achtung genossen. Monatelang habe man bie größte Nachsicht an den Tag gelegt, jegt aber fet es unmöglich, ihn noch länger zu halten. Er werde durch die Kündigung nicht brotlos, sondern er trete in bas Reichsfinanzministerium zurück, dem er früher angehört hatte. Daß sich auch die democratische Morgenpost" an dem Ent rüstungsrummel beteiligt, nimmt bei dem Charakter dieses Blab tes fein Wunder. Das teatlionäre Zeitungsgeschmeiß würde tein Wort verlieren, wenn es sich in diesem Falle um den Ange hörigen einer sozialistischen Partei gehandelt hätte. Es findet es auch ganz in der Ordnung, daß hunderttausende von Arbeitern monatelang arbeitslos auf der Straße liegen und mit ihren Fa milien im Elend verfommen. Nur wenn einer ihresgleichen etwas härter angefaßt wird, als man es in diesen Kreisen sonst gewöhnt ist, entsteht ein großes Geschrei. Dabei wird Herr von Priesdorf noch nicht einmal brotlos gemacht, sondern er tann tros feiner Bergangenheit auf Kosten der Allgemeinheit weiter fröhlich leben! Krach im Danziger Bolkstag Die Linke verläßt das Parlament Danzig, 8. Februar. Die erregten Auseinandersehungen, die am lehten Donnerstag Zur Sprengung der Plenarversammlung des Danzis ger Boltstages geführt haben, wurden in der heutigen Bolligung fortgelegt. Es stand wieder die Frage zur Erörterung, ob das vom Danziger Parlament in Benuhung genommene Gene ralfommando bem Oberkommissar General Safing zu Wohnzweden überlassen werben und bas Danziger Barlament in ein anderes seus simichen soll. Da es in der legten Sigung beinahe zu Zütlichkeiten gegen ben Senator Schümmer gefommen war, hatte ber Senat erflären lassen, erst dann wieder Mitglieder ber Regierung zu den Vollversammlungen des Varlas ments entfenden zu wollen, wenn für deren persönliche Wir verwahren uns auf das Entschiedenste dagegen, daß die Wer ist daher schuld an den hatten Friedensbebin. Sicherheit Gewähr geleistet wird. Die Sinte protestierte Entwaffnungsfrage von neuem aufgeworfen wird und halten fest an unserer Forderung der schleunigen Entwait. nung der Orgesch und der anderen illegalen For mationen. Allen diesen nationalistischen und militaristischen Tendenzen feßen wir die Solidarität der Arbeiter Elaffe, national und international gegenüber. Wir vertrauen darauf, daß dieje Solidarität der Arbeiterklasse eine solche Stärkung erfährt, daß an Stelle des fapitalistischen Gesellschaftssystems ein jozialistisches gefekt wird, um der Be reicherungspolitit der herrschenden Klassen in allen Ländern ein Ende zu bereiten, Die Vertreterin der Kommunistischen Partei, Frau Abg. Arendsee, beschränkte sich für ihre Bartei auf die Wiedergabe einer Erklärung, welche ihre Parteifreunde in Württemberg abgegeben hatten und die in der gestrigen Nummer der Roten Fahne" abgedrudt war. An die Erklärungen fnüpfte fich feine Debatte. Der Prä gungen, an den unerfüllbaren Forderungen, die die Entente heute an Deutschland stellt? Die alldeutschen Kriegsheher, das Hohenzollerntum, die Generale, die Schwerindustrie und ihre Handlanger im scheinsozialistischen Lager. Wer bulb, daß die militarlichen, allbeutfen Ratastrophenpalitites, die die Boltswut im 9ovember 1918 zum Teufel gejagt hatte, wider frecher denn je auftreten und einen erheblichen Teil three alten Macht wieders gewonnen haben? gegen dieses Verhalten der Regierung und forderte durch Anträge bas sofortige Erscheinen von Regierungsver tretern. Da die Anträge von der bürgerlichen Mehrheit a ba gelehnt wurden, verließen die Mehrheitssozialisten, bie unabhängigen, die Kommunisten und die Polen demonstratin den Berhandlungsfael Das zurüidbleibende Rumpfparlament Beschlag Jobann die Räu mung des Generalfommandos, um es dem General Saling zur Verfügung zu stellen. Rurz vor Schluß der Gigung wurde Ges heimrat Dr. Folkmann, Berlin, zum Senaise ber Finans sen file die freie Stadt Dengig von den bürgerlichen Parteien unter Mowesenheit der Linien cinstimmig gewählt. Die Rechtssozialisten, die die verräterische Arbeit der Noste, Seine, Landsberg, Südefum stets unterstützt haben und sie noch heute billigen. Die den faiserlichen Militaris. Sinausschiebung der Wahlen zu den preußischen Landwirts mus wieder zu neuem Leben entfachten und auch die Grundschaftskammern. Der preußische Landwirtschaftsminister hat, wie lagen für die Orgesch und die Einwohnerwehren geschaffen der Dena" von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, verfügt, daß haben. die Wahlen zu den Landwirtschaftskammern nicht am 27. Fe auf den Kötte, daß der Ausschuß in feiner Mehrheit sich Wer in fiets taifräftig und umsichtig für die Intereffen bruaz, ſondern am 20. mäsa 1921 ftattfinden. Die Frist für Boden des erstmitgeteilten Protestes gestellt habe. In Erledigung seiner übrigen Tagesordnung stimmte der tändige Ausschuß dem vom Besoldungsausschuß angenommenen Besoldungsplan für die Beamten zu, damit die barin festgelegten Gehälter zur Auszahlung gelangen tönnen. Cine längere Debatte entspann sich über ein Schreiben dez Staatsregierung, in dem eine gutachtliche eußerung über bie für bie Regierung geltende Geschäfts. ordnung gewünscht wird. Die Sachlage ist folgende: In der provisorischen Berfassung war bestimmt, daß die Regierung ihre Beschlüsse durch Mehrheit faßt und daß bei Stimmengleichheit ber Ministerpräsident den Ausschlag gibt. Im Ausschuß für die endgiltige Verfassung ist die Bestimmung. über die Geschäftsordnung gestrichen worden. Die Regierung ist der Meinung, daß eine ide vorhanden ist, die ein Gutachten des Ausschusses beseitigen soll. Die Meinungen im Ausschuß find sehr geteilt. Während die einen meinen, daß die Regierung frei fei und sich selber eine Geschäftsordnung geben tänne, da auch der Ausschuß materiell sich gar nicht äußern tönne, wird von anderer Seite Wert auf eine Erklärung gelegt, um die Regierung arbeitsfähig zu machen. Insbesondere wird als strittig betrachtet, ob der Ministerpräsident bei Stimmengleichheit den Ausschlaggeben fönne oder nicht. Bisher bestano der Brauch, daß bei Stimmengleichheit der Ministerpräsident die Entscheidung herbeiführte. Dieles Zweistimmenrecht des Ministers wird angefochten mit bem Sinweis, daß die betreffende Bestimmung in der Verfassung gestrichen worden sei. Schließlich wird mit Mehrheit gegen die Stimmen der login= listischen Fratiionen beschlossen, es bei dem bisherigen Stande zu belassen, mit der Einschränkung, daß der Ministerpräsident tein 3 weistimmenrecht habe. Eine andere Frage bezog sich auf die Besoldungsper hältnisse der fatholischen Geistlichen. Am letzten Gigungstage hatte das Plenum durch Herbeiführung der Behlußunfähigkeit des Hauses verhindert, daß die vom HauptausSchuh beschlossene Einführung der Gehälter der Geistlichen zum Beschluß erhoben wurde. Die Regierung wollte nun vom Aus chuß die Santtion haben, die Auszahlung der erhöhten Gehälter Der Geistlichen übernehmen zu dürfen. Dagegen wandten sich die Redner der Unabhängigen und auch die der Rechtssozialisten. Ge noise Leid erflärte, daß der Ausschuß die ihm zugemutete Aufgabe gar nicht habe. Der Ausschuß habe tein Recht, Gesetze und Befchaffe auszulegen, er dürfe gar nicht materiell in die Sache eintreten. Das Zentrum und die Deutinationalen machten alle bes revolutionären Proletariats cin getreten, sei es innerhalb oder außerhalb ber Barlamente? Wes hat uns im Sommer 1919 vor einem neuen Arieg und vor dem Sohenzollerntum, das schon im Hintergrund auf der Laner lag, gerettet? Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei, die dem Nationalismus geschlossen entgegentrat und den rechts fozialistischen Reformismus ebenso entschieben ablehnie wie bie unsinnige Butschtaktik der Kommunisten. Arbeiter! Profetarier! Männer und Frauen! Denft daran! Am 20. Februar bei den Preußenwahlen gilt es, daraus bie Lehre zu ziehen. Die Wahlen in Preußen find non größter Bedeutung für die zufünftige Entwiffung im ganzen Reich. Jeder Arbeiter, jebe Arbeiterin, alle diejenigen, die im Kriege gelitten haben und die heute noch am schwersten unter den Folgen des Krieges Teiben, fie afle müssen am 20. Februar ihr Wahlrecht ausüben. Wer nicht wählt oder seine Stimme einer anderen Partei gibt, als berjenigen, die den Kapitalismus und den Monarchismus am zielbewußtesten befämpft, der macht sich mitschuldig an der meiteren Rechtlosmachung und der schließlichen Wiederverfflanung des Proletariats. Die Revolution ist noch nicht beendet! Sie wird weiter gehen bis zum endgültigen Erfolg für das gesamte Pro: letariat. Dazu bedarf es der energischen Anspannung aller Kräfte, jeder einzelne Arbeiter, jebe werftätige Frau, alle Angestellten und Beamten, die ebenso wie die Handarbeiter immer tiefer im Elend versinken, müssen mithelfen an diesem großen Werte. Am 20. Februar gilt es, ber Reaftion eine Rieberfage zu bereiten. Sie darf sich nicht in Preußen festsetzen, um aus ihm den alten Zuchthausstaat zu machen. Nicht der Geist Potsdams, nicht der Geist der Kafernenhöfe soll fürderhin in Deutschland triumphieren, lendern der Geist Fichtes und Goethes, der Geist von Marg und Engels der Geist der sozialistischen Weltanschauung. Ruz noch wenige Tage trennen uns von den Wahlen. Nützt die Zeit! Werbt und sorgt für den Sieg ber Unabhängigen Sozialdemokratie! bie Einreichung der Wahlvorschläge ist bis zum 5. März vers fängert worden. Japanische Spende für deutsche Kinder. An amtlicher Stelle ist eine Nachricht aur Trfio eingegangen, ber zufolge Herr Motoyama der Befiger zweter der gelefenften japani chen Blätter, berofio Nitschi Nitschi" und der Olafa Mainitschi", für die deutsche Kinterhilfe einen Betrag von 300 000 zur Verfügung gestellt hat. Nene grieche Offensive in Kleinasien. Nach italienischen Meldungen aus Smyrna with nen griechischer Seite in Kleins ajien eine neue Offenlipe mit über 70 000 Mann organis fiert. Die Türfen maden große Borbereitungen, um der griechi fchen Armee 23iberstand leisten su Lönnen. Nach Informationen aus dem temalistischen Lager beabsichtigen die Türken, wenn die griechien Truppen bei der bevorstehenden Offensive Erfolge era ringen sollten, sich ins Junere zurückzuziehen und weiteren Wides stand vorzubereiten. Mus der Partei Ein neuer Rämpfer Bom 1. Februar ab erscheint in Berlin unter der Rebattion der Genossen Martow und Abramowitsch das Organ der Auslandsdelegation ber Sozialbemofratischen Arbeiterpartei Rub Tanbs „ Sozialistit chesti 23etni"( Sozialistischer Bote). Die erste Nummer diefes zweiwöchentlich erscheinenden Organs enthält neben reichhaltigem Nachrichtenmaterial aus Ruhland Artifel über Dekonomie und Politif in Sowjetrußland, den Wiederaufbau der Internationale, bie Azije bes internatio nalen Sozialismus ulm. Da es der zulfidien Sozialdemokratie schon seit längerer Beit unmöglich gewefen ist, in Sowjetruhland ein Organ herauszugeben, blirfte das fegt erscheinende Blatt wesentlich dazu beitragen, bie Kenntnis het russischen Parteiverhältnisse und der Zustände in Sowjetrulfand zu fördern. Zur Wiener Konferenz Wie uns mitgeteilt wird, find als Delegierte der Sozialdemo tratischen Arbeiterpartet Ruhlands zur Wiener Ronferenz fol gende Genossen nominiert: N. Abramowitlo, P. tel. tod, Ena Broido und 2. Martom. Berantwortlich für ble Rebattion: Gm11 halb, Berfin. Beranimorific für den Inferntenteil: big Romeriner, Ratisğort Verlags genseniai freiheit. b. 5., Berlin, Drnd ber Freiheir's Druderei 6... S., Werlin C2, Breite Strabe 8-9. Theater und Bergnügungen Bolksbühne Leffing Theater 7 Uhr: Das Bostamt Die Komödie der Jrrungen Direkt.: Victor Barnowsky Neues Volkstheater Gin idealer Gatte Köpenicker Str. 68. 7. Maria Magdalene Staatstheater. Opernhaus 71 Uhr: VI. Sinfonie- Konzert Schauspielhaus 7 Uhr: Torquato Taffo Direktion: Mag Reinhardt. Deutsches Theater 61, Uhr: Fauft 1. Kammerspiele 71% 1.: Die Büchse der Pandora Großes Schauspielhaus Karlstraße 7 Uhr: Florian Gener ( 2. Abteilung, 3. Abenb) Theater i. d. Königgräger Str. 28 Uhr: Der Bater ( Lucie Höflich, Ludwig Hartan) Donnerst.: Jekaterina Iwanowna Freitag: Der Bater Komödienhaus 8 U.: Die Sache mit Lola mit Max Pallenberg Sonnabend zum 1. Male: Das weiße Lämmchen ( Durieux, Gotz, Loos) Donnerstag 71, Flamme( Dorich) Freitag bis Montag 7% Uhr: Ein idealer Gatte ( Durieux, Götz, Loos) Deutsch. Künstl.- Theater Allabendlich 7 Uhr:. Die Scheidungsreise ( Max Adalbert, Trude Hesterberg; Sonnabend 3 U.: Letzte Kinders vorstellung: Fißlifih Rose- Theater 7 Uhr: Deserteure Thalia- Theater Täglich 7 Uhr: Mascottchen 3/8 Casino Theaters Der Großfürst Stg. 3%, Uhr: Eine fidele Ehe Königstadt- Theater Alexanderstr.21 Bhf. Jannowitzb. Täglich Gala- Sänger 7.30 U.: 1,8 Folles Caprice 1,8 am Dranienburger Tor Der Doppelgänger Der schlaze Theophil mit Ferd. Grünecker. Schwank von Hans Sahmann 7, Apollotheater 7/2 mit Max Pallenberg ( Leonhard Haskel, EmmySturm, Heinz Stieba, Olga Engl, Eva Brock, Frieda Lehndorff) Sig. nachm.: Herr Minister Berliner Theater 48: Die spanische Nachtigall mit Frigi Maffarn Hans Waßmann, Emmy Sturm, Julius Brandt, Reinhold Pasch, Olga Engl Stg.nachm.: Der letzte Walzer Trianon- Theater Heute leyte Aufführung! 7 Uhr: Carl Clewing in Kammermufik Morgen 71%, Uhr Zum 1. Male: Die Gesellschaft des Abbé Chateauneuf Tragikom. von Eduard Stucken Residenz- Theater Täglich 7 Uhr: Lady Windermeres Fächer Don Oscar Wilde ( Arnstädt, Sandrock, Toelle, Koroff, Falkenstein, Dtto, Mamelok), den Kleines Theater inden 44 Täglich 7 Uhr: Sensations- Ausstattungsschau Madame Dubarry's Liebesleben mit der weltberühmten Saharet ETROPO VARIETE FABARET Behrenstraße 54. Allabendlich 7 Uhr Der lustige Spielplan Residenz Kafino Blumenstraße 10 neben Residenz- Theater Tägl. Gr. Ball für die ältere Jugend auch Sonntags Galanoons Sogn SCALA Casanovas Theater am Nollendorfplatz 3 Uhr nachm.: Die Walküre 7 Uhr: Wenn Liebe erwacht... Stg. nachm. Der Jurbaron. Theater a. Kotibuser Tor. Kottbuser Straße 6-7. Tägl. u. Sonntag nachm. Uhr Elite- Sänger Zum Schluß„ Der Kriegsgewinnier." Nachm.halbe Pr.! Vorv. 11-1% u. 4-6 a.d.Tageskasse u. Leipz. Sir.51/ Spit elkolonnad UTHERSTR 730 DIE VARIETE BÜHNE REUE WELT Arnold Scholz, Hafenheide 108/114 Heute Mittwoch, den 9. Februar = Großer Tag= bayr. Bierfest Anfang 6 Uhr: 5 Kapellen/ 30 bayr. Madl Morgen Donnerstag, 9. Febr. Gr. Schweinefchlachten. 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Der Hilfsmonteur 700 rod Otto Beerbaum am 6. b. Mts. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 10. b. Mts., nachmittags 14 Uhr, von der Leichen. helle des Markus- Kirchhofes, Wilhelmsberg, ans ftatt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Kollege, ber Arbeiter August Moldenhauer am 31. Januar gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Berband Möbel Berwaltungsſtelle Berlin N. 54, Linienfitr. 83-85 zu bedeutend herabgesetzten Breisen. Bar- od.Teilzahlung bei kl- inster Ans und Abzahlung. Bürgl. Wohnungseinrichten Schlafzimmer, Wohnzimmer, Herrenzimmer, Syeisezimmer Bunte Küchen Einzelne Möbel Liefere auch n. auswärts Lagerung kostenlos Möbel- Cohn Gr. Frankfurter Str. 58 5 Min. v. Alexanderpl. Filiale: Babitz. 47-48. 5 Min. v. Bhf. Gesundbr. VEREINE Verlosungsartike! zu billigsten Preisen Bazar Robert, Oranienstr. 18 Borzeig. ds. Jnferats 3% Rab. Händler! Händler! 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Februar, mit der Ge noffin Wurm als Referentin, in der Aula des Kaiser- FriedrichRealgymnafiums, Kaiser- Friedrich- Straße 208-10, statt. Groß- Berlin Berliner Stadtverordnetenversammlung Zu Beginn der gestern stattgefundenen außerordentlichen Sigung des Groß- Berliner Stadtparlaments widmete der Stadtverordneten- Vorsteher Dr. Wenl dem verstorbenen Stadtrat Dr. Biller einen herzlichen Nachruf. Die Versammlung ehrte den Verstorbenen in der üblichen Weise. Der Vorsteher gab dann das Urteil des Bezirksausschusses betannt, das die Ungültigkeit der Berliner Stadtverordnetenwahlen vorsteht. Ohne Debatte wurde beschlossen, gegen dieses Urteil Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht einzulegen. Zwei vorliegende Anträge, die bereits einem Ausschuß zur BeSchlußfassung vorgelegen haben, betr. Raution der Automatengasverbraucher werden dem Magistrat überwiesen. Ein Antrag Gäbel und Gen.( B. K. P. D.) betr. Versor gung der Bevölferung mit Brennstoffen, wird nach einer ausführlichen Begründung des Kommunisten R. Schmidt, der Deputation für Kohle und Gas überwiesen. Die Versammlung trat dann in die Beratung eines von Dr. Steiniger und Gen.( Dnatl.) gestellten Antrages, den Magistrat zu ersuchen, ihr baldigst eine Nachweisung der vorhan= denen städtischen Personentraftwagen vorzulegen, aus welcher der oder die Benutzungsberechtigten, das Anschajfungsjahr und der Anschaffungspreis und die im letzten Rech nungsjahre aufgewendeten Betriebskosten ersichtlich find, ein. Dieser Antrag wurde mit einem Zusazantrag der Kommunisten nach turzer Debatte einstimmig angenommen. Stadtverordneter Dr. Weinberg( u. S. P. D.) begründete dann einen von Dr. Weyl und Gen.( U. S. P. D.) gestellten Antrag, den Magistrat zu ersuchen, bei den zuständigen Behörden wegen beschleunigter Einsetzung der auf Grund des Reichstumultschadens gefeges vom 12. Mai 1920 zur Entscheidung über die Erjahansprüche zu bildenden Ausschusses für Berlin vorstellig zu werden. Genosse Dr. Weinberg verwies darauf, daß in zahlreichen Fällen Bersanen, die schon vor zwei Jahren durch Tumult geschädigt wor den sind, ohne Entschädigung sind. Dieser Zustand müsse sofort geändert werden. Er ersuchte deshalb um Annahme des gestellten Antrages. Nach kurzer Debatte wird dieser Antrag einstimmig ans genommen. Einige Erweiterungsamträge ber Kommunisten werden dem Magistrat überwiesen. Ein Antrag Dr. Weyl und Genossen( U. S. P. D.), der verlangt, daß der Magistrat es den Leitern der Berliner Schulen unters fagt, Schultinder zur Teilnahme an öffentlichen Sammlungen vom Schulunterricht zu befreien, wird nach kurzer Debatte gleich falls angenommen. Dr. Caspari( V.-B.) begründet dann einen Antrag seiner Frattion, der Magistrat möge untersuchen, wie ein Stadtverordneter in den Befih von Atten des Magistrats gekommen ist. Dieser Antrag murde abgelehnt, dagegen ein von Stadtverord. Clajus ( U.S. P. D.) eingebrachter Antrag angenommen, der besagt, daß Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung jederzeit berechtigt sind, Einsicht Magistrats Aften zu nehmen. in die Ein Antrag der Fraktion der Kommunisten, der den Magistrat ersucht, in gemischter Deputation eine Nachprüfung der nach§ 54 ( Schluß.) Carmen Rovelle von Prosper Mérimée Hebertragen von Franz Schnabel ,, Komm mit mir!" sprach ich zu ihr. Auch gut!" sagte sie; gehen wir fort." Jch holte mein Pferd, ließ sie hinten auffizen, und so ritten wir den ganzen Rest der Nacht dahin. Bei Tagesanbruch machten wir an einer einsam gelegenen Venta halt, nicht weit von der Klaufe eines Einsiedlers. Hier sagte ich zu Carmen: „ Höre mich; ich will alles vergessen; ich will nichts mehr mit dir davon sprechen; aber schwöre mir eins: daß du mir nach Amerika folgen und dich dort ruhig verhalten willst." Nein!" rief fie trezig;„ ich will nicht nach Amerita gehen, tch fühle mich hier ganz wohl" Doch wohl, weil du Lukas nahe bist: aber bedenke wohl, wenn er wieder gesund wird, so soll er wahrhaftig feine alten Knochen bekommen. Im übrigen, warum soll ich mich an ihn halten? Ich bin es müde, alle deine Liebhaber zu töten dich will ich töten." Sie blidte mich fest mit ihren wilden Augen an und sagte: Ich habe es mir immer gedacht, daß du mich noch töten wirst. Das erstemal, als ich dich sah, war ich gerade an der Türe meines Hauses einem Priester begegnet. Und diese Nacht, als wir Cordova verließen, hast du nichts gesehen? Ein Hase ist unter den Füßen deines Pferdes über den Weg gelaufen. So ist es bestimmt." ,, Carmencita, liebst du mich nicht mehr?" fragte ich sie. Sie antwortete nichts. Sie saß mit gefreuzten Beinen auf einer Matte und zog mit ihrem Finger Linien in den Sand. „ Wir wollen ein anderes Leben beginnen, Carmen", sagte ich in bittendem Tone. Wir wollen irgendwo hingehen. wo wir nicht mehr getrennt werden. Du weißt, daß wir sicht weit von hier unter einer Eiche hundertundzwanzig Unzen Gold haben, und wir haben auch noch Gelder bei dem Juden ben Joseph." Sie fing an zu lachen und rief: » Ich zuerst, dann du! ich weiß, daß es so kommen muß." Ueberlege doch", fing ich wiederum an; ich bin zu Ende mit meiner Geduld und mit meinem Mute; fasse deinen Entschluß, oder ich werde den meinen fassen!" Ich verließ fie und ging gegen die Klause hin. Der EinFiedler betete gerade. Ich wartete, bis er mit seinem Gebete zu Ende war, und hätte selbst gerne gebetet, wenn ich nur gefonnt hätte. Als er sich erhob, ging ich auf ihn zu. Mein Vater", redete ich ihn an, wollt Ihr für einen beten. Der in großer Gefahr ift?" Ich bete für alle Bedrängten", sagte er. S Beilage zur„ Freiheit" des Gesetzes vom 27. April 1920 geltenden Gemeindebeschlüsse, Ortsstatuten, allgemeinen Gewohnheitsrechte und Observanzen vorzunehmen, um ein einheitliches Gemeinderecht zu schaffen, wird dem Magistrat als Material überwiesen. Nachdem ein Antrag Gäbel( B. K. P. D.), die getroffene Anordnung auf Ausgabe von Tribünenkarten und Sperrung der Rathauseingänge sofort rückgängig zu machen, gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt worden war, wurde die Sigung vom Stadtverordnetenvorsteher Dr. Weyl um 9,15 Uhr geschlossen. Die neue Luftbarkeitssteuer Der Steuerausschuß der Stadtverordnetenversammlung hat, wie schon berichtet, anstelle der ursprünglich vom Magistrat vorgelegten Ordnung zur Besteuerung der Luftbarkeiten die Alt- Berliner Steuerordnung mit einigen Aenderungen und Ergänzungen angenommen, um die ganze Frage der Besteuerung von Ber gnügungen bis zum Erlaß der Mustersteuerordnung des Reichs vorläufig zu regeln. Gleichwohl finden sich in dieser vorläufigen Steuerordnung einige wesentliche Aenderungen. Die wichtigste ist die bereits mitgeteilte Besteuerung der Theater nach den Bruttoeinnahmen und nicht nach dem Kassenpreise der Theaterfarten. Dadurch wird den tatsächlichen Verhältnissen und dringenden Anträgen der Berliner Bühnenleiter Rechnung getragen. Ferner ist der Steuersatz für teure Theaterpläge ermäßigt worden; er beträgt bei höherem Eintrittsgeld als 20 M. für jede weitere Mart nicht wie bisher 50 Pfg., sondern 25 Pfg. Neu eingestellt ist die BeSteuerung von musikalischen Darbietungen in Weinrestaurants. Sie beträgt bei einem Eintrittsgeld bis 1 M. 50 Pf, von über 1 M. bis 1,50. 70 Pf., von über 1,50-2 M. 90 Pf., und für jede weiteren 50 Pfg. je 20 Pfg. mehr. Für Zirkusse ist die Steuer auf teure Plätze gleichfalls ermäßigt und zwar bei Plätzen für mehr als 10 M. je 30 Pfg., statt bisher 50 Pfg. Sehr wichtig ist die Be stimmung, daß von der Steuer befreit nicht nur Berliner Unterrichtsanstalten, sondern auch Theater und Konzerte sind, die mit Rücksicht auf ihren gemeinnützigen 3wed aus Mitteln der Stadt Berlin unterstügt werden. In die vorläufige Steuerordnung nicht aufgenommen ist die im Steuerausschuß warm befürwortete Stärtere Besteuerung der Pferderennen und Wettspiele. Die neue Luftbarkeitssteuerordnung soll 14 Tage nach der amtlichen Befanntmachung im Gemeindeblatt in Kraft treten. Die städtischen Steuerpläne im Ausschuß Der Steuerausschuß der Berliner Stadtverordnetenversammlung beendigte gestern in seiner Sigung die zweite Lesung der Vorlage über die Grundsteuer. In der allgemeinen Aussprache tam es zu einer lebhaften Debatte über die Besteuerung bebauter und unbebauter Grundstücke. Es wurde festgestellt, daß in den meisten Groß- Berliner Gemeinden bisher der unbebaute Grundbesitz doppelt so hoch wie der bebaute, besteuert worden ist. In der Einzelberatung ergab sich eine Mehrheit für die Inne haltung dieses Besteuerungsmodus. Mit einigen Aenderungen nahm der Ausschuß dann die Vorlage an. Die Beratung über die weiteren Steuern wurde vertagt. Erhöhte Zuteilung reinen Weizenmehls Das Direttorium der Reichsgetreidestelle liefert seit dem 1. November v. J. den Kommunalverbänden auf Antrag Kochmeh! ( Haushaltsmehl), das in einer Menge von 600 Gr. auf den Kopf monatlich neben der Brotkarte zur Verteilung gelangt. Auf Anordnung des Herrn Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft ist diese Menge mit Wirkung vom 16. Februar d. J. von 600 Gr. auf 800 Gr. erhöht worden. Der den Kommunalverbänden von der Reichsgetreidestelle berechnete Kilogrammpreis beträgt zur Zeit M. 7,50, entsprechend den günstigeren Einkaufs- und Devisenpreisen; dazu treten geringfügige Zuschläge für den Kleinhandel. Das Mehl ist 75prozentiges, reines, aus amerikanischen Körnern im Inlande hergestelltes Weizenmehl, das zum Kochen und Baden sehr geeignet ist. Zahlreiche Hausfrauen machen von dieser Gelegenheit, vortreffliches, reines Weizenmehl für einen weit geringeren Preis zu erhalten als im Gleichhandel, keinen Gebrauch, weil sie glauben, daß dieses Mehl von der Beschaffenheit desjenigen Mehles sei, das früher als„ Cerealienmehl" verteilt wurde. Es ist wünschenswert, daß die Kommunalverbände darauf aufmerksam machen, daß dieses Vorurteil in keiner Weise die Haushaltungen durch die Vertaufsstellen oder auf andere Weise berechtigt ist. Könnt Ihr für eine Geele, die vielleicht bald vor ihrem Schöpfer erscheinen wird, eine Messe lesen?" " Ja", antwortete er und blidte mich festen Auges an. Und da ihm mein Benehmen etwas seltsam vortam, so wollte er mich zum Reden bringen und sagte:„ Ich glaube, Euch schon einmal gesehen zu haben." Ich warf einen Piaster auf seine Bank und fragte ihn: ,, Wann werdet Ihr die Messe lesen?" In einer halben Stunde. Der Sohn des Gastwirts unten nicht etwas auf dem Gewissen, das Euch quält? Wollt Ihr wird mir ministrieren. Sagt mir, junger Mann, habt Ihr nicht die Ratschläge eines Christen hören?" nicht etwas auf dem Gewissen, das Euch quält? Wollt Ihr Ich war nahe daran, zu weinen. Ich sagte ihm, ich fäme wieder und eilte davon. Ich legte mich ins Gras, bis ich die Glocke läuten hörte. Dann schlich ich heran, blieb aber außerhalb der Kapelle. Als die Messe gelesen war, fehrte ich zur Venta zurüd, in der Hoffnung, daß Carmen inzwischen verschwunden sei; sie hätte mein Pferd nehmen und fich retten tönnen... aber ich fand sie noch da. Sie wollte nicht, daß man ihr nachsagen könnte, fie habe Angst vor mir gehabt. Während ich fort war, hatte sie den Saum ihres Kleides abgetrennt und das Blei herausgenommen. Jetzt stand sie vor einem Tische und blidte in eine mit Wasser gefüllte Schüssel, in der sie das Blei, das sie geschmolzen hatte, soeben hineingeworfen. Sie war mit ihrer Zauberei so beschäftigt, daß sie meine Rückkehr zuerst gar nicht bemerkte. Bald nahm sie ein Stück Blei und drehte es mit trauriger Miene nach allen Seiten, bald sang sie einen von ihren Zaubergesängen, in denen Maria Padilla, die Geliebte des Don Pedro, angerufen wird, die, wie man be= hauptet, die Bari Crallisa, d. h. die große Königin der Bigeuner, war. Carmen", sagte ich zu ihr,„ willst du mit mir gehen?" Sie erhob sich, goß die Schüssel aus und nahm ihre Mantilla auf den Kopf, als sei sie bereit, mitzugehen. Mein Pferd wurde vorgeführt, fie setzte sich hinten auf und wir entfernten uns. So", sagte ich zu ihr nach einer Strede Weges ,,, du willst also mit folgen, meine Carmen, nicht wahr?" " Ich folge dir in den Tod, ja; aber ich will nicht mehr mit dir leben. Wir befanden uns in einer einsamen Schlucht; ich hielt mein Pferd an. ,, Also hier!" sagte sie, und mit einem Sage war sie auf dem Boden. Sie nahm ihre Mantilla, warf sie zu Füßen, stand unbeweglich da, die eine Faust in der Hüfte, und blidte mich fest an: Du willst mich töten, ich sehe es wohl", sagte sie ,,, fo ist es bestimmt; aber du wirst mich nicht zum Nachgeben zwingen." „ Ich bitte dich", sprach ich zu ihr, sei doch vernünftig; höre mich! Alles Bergangene ist vergessen, dennoch du Mittwoch, 9. Februar 1921 Bestätigung der Wahl Paulsens zum Stadtschulrat Der Oberpräsident hat, wie wir erfahren, gestern( Dienstag) die Wahl des Lehrers Wilhelm Paulsen in Hamburg zum Stadt schulrat der Stadt Berlin nach Einholung einer Aeußerung der Oberschulbehörde in Hamburg und eines Gutachtens des Pro rinzialschultollegiums bestätigt. Zu der Bestätigung erfahren wir noch Folgendes: Das Gutachten der Samburger Oberschulbehörde ist für Baulsen außerordentlich günstig ausgefallen, und das Provinzial schulfollegium ist zu seinem, die ausreichende fachliche Bildung Paulsens bejahenden Gutachten auf grund einstimmigen Beschlus les gekommen. Der Wohnungslurus der Reichen Der Fall der Gräfin Wartensleben, die in der Tiergartenstraße eine unbewohnte Wohnung von etwa 20 Zimmern zwei Jahre lang dem Zugriff des Wohnungsamtes entzog und als Selbstver forgerin mit einem 3000 Morgen großen Gut allwöchentlich wider rechtlich 8 Lebensmittelkarten abholen ließ, hat mit Recht die Deffentlichkeit außerordentlich entrüstet. Bon einem Strafver fahren wegen Betruges aber hört und sieht man trotzdem nichts. Noch unerhörter aber ist das Verhalten des Oberpräsidiums, das sich schützend vor die Gräfin stellt und verhindert, daß das Woh nungsamt die neuerdings wieder angeordnete Beschlagnahme durchführt. Ein abliger Herr, Dr. von Bluhme, verbietet dem Wohnungsdirektor die Beschlagnahme durchzuführen, denn das Gesetz über Dopelwohnungen sei noch nicht ganz geklärt, und außerdem habe das Wohnungsamt noch feine Erklärung darüber herbeigeführt, welche Wohnung die Gräfin als Hauptwohnung betrachte, die in der Tiergartenstraße oder die in ihrem Schloß. Die Beschlagnahme sei somit aus rechtlichen Gründen aufzuheben. Da die Gräfin inzwischen das eine Stodwert freiwillig geräumt und gleichzeitig erflärt habe, daß der verbleibende Teil ihre Hauptwohnung sei, die sie zu behalten wünsche, und nachdem ferner Anweisung gegeben lei, die Blankenfelder Wohnung für Wohnungsuchende in Anspruch zu nehmen, tönne es sich nunmehr nur noch darum handeln, wieviel Zimmer ihrer jezigen, einzigen Wohnung, ihr noch zu belassen sein werden. Es ist doch wirklich eine Fügung Gottes, daß solch arme ver laffene Gräfinnen den Schuß adliger Herren finden. Es wäre doch auch ungeheuerlich, wenn der Frau Gräfin ein Unrecht ge fchehen würde, und wenn das Wohnungsamt die verbrecherische Absicht durchführen könnte, die Frau Gräfin in ihrem WohnungsIugus etwas zu beschränken. Eine revolutionäre Tat Es ist nicht wahr, daß die Kommunisten nur immer nach Taten Schreien, ohne selbst etwas zu tun. In Reinidendorf haben fie eine revolutionäre Tat vollbracht, die jeden Zweifel an ihrer ,, Revolutionstüchtigkeit" ein für allemal zerstreut. Jm Oftober 1919, als es noch feine B. K. P. D. in Reinidendorf gab, wählte die Gemeindevertretung zum stillen Entsehen der Bürgerlichen einen Boltsbildungs- Ausschuß. Da unsere Genossen einschließlich der Vertreter der S. B. D. unzweideutig dazu über gingen, sozialistische Bildungsarbeit zu treiben, schieden die beiden in den Ausschuß delegierten bürgerlichen Ver treter mit großer Entrüstung aus. Die Parteibildungs- Ausschüsse der U. S. P. D. und S. P. D. stellten ihre Tätigkeit ein und unterstützten die Bestrebungen des Kommunalen Boltsbildungs- Ausschusses, der neben Volkshochschulfurfen, Führungen, Ausstellungen, Vorträgen, Kunstabenden, Orchesterfonzerten, Theateraufführungen, Marionettenspielen und Märchenvorlesungen auch die bisher von den Parteien veranstalte ten Jugendweihen, Maifeiern usw. arrangierte. Alles war in bester Ordnung, bis ein Teil unserer Genossen sich eines Tages ,, Vereinigte Kommunist en" nannte. Mit dem neuangenommenen Namen tam den Kommunisten eine furchtbare Erkenntnis. Die Veranstaltungen des Volts bildungs- Ausschusses waren plöglich nicht mehr ,, revolutio när"! Die Revolution war in Gefahr, wenn man sich noch länger an den Arbeiten des Voltsbildungs- Ausschusses beteiligte! Die Generalversammlung der Bereinigten Kommunisten fagte einen Beschluß, ben Voltsbildungs- Außschuß zu boy fottieren. Die erste von diesem Boykottbeschluß betroffene Veranstaltung war eine Beethoven Feier, mit Leo Kesten berg und seinem Trio( Eintrittspreis 2 M., Erwerbsloje, wie immer, frei.) Die Kommunisten blieben weg! Das Ehrenschild der V. K. P. D. war rein geblieben! Wie kann auch weißt es ja weißt es ja du bist es, die mich zugrunde gerichtet hat. Deinetwegen bin ich ein Dieb und ein Mörder geworden. Carmen, meine Carmen, Taß mich dich retten und mich mit dir." José!" antwortete sie, du bittest um Unmögliches. Jch liebe dich nicht mehr; du dagegen liebst mich noch, und deshalb willst du mich töten. Ich könnte dir wohl noch irgend eine Lüge vormachen; ich will mir dazu die Mühe nicht nehmen. Alles ist aus zwischen uns. Als mein Rom haft du das Recht, deine Romi zu töten. Aber Carmen wird immer frei sein. Als Calli ist sie geboren und als Calli wird sie auch sterben." Du liebst also Lukas?" fragte ich fie. " Ja, ich habe ihn einen Augenblid geliebt, wie ich dich ge. liebt habe, weniger vielleicht als dich. Jezt liebe ich nichts mehr, und hasse mich, weil ich dich geliebt habe." Ich warf mich ihr zu Füßen, faßte ihre Hände und bebedte fie mit meinen Tränen. Ich rief ihr alle glücklichen Augen. blice, die wir zusammen verlebt hatten, ins Gedächtnis zurüd. Ich erklärte mich bereit, um ihr zu gefallen, Räuber zu bleiben. Alles, alles bot ich ihr, wenn sie mich nur wieder lieben wolle! Sie aber sagte: ,, Dich noch lieben ist unmöglich. Mit dir leben will ich nicht." Da ergriff mich die Wut. Jch zog mein Messer. Wenn fie nur Furcht gezeigt und mich um Gnade gefleht hätte, aber dieses Weib war ein Dämon. 3um letzten Male", rief ich, willst du bei mir bleiben?" ,, Nein! Nein! und wieder nein!" rief fie, auf den Boden Stampfend, zog einen Ring, den ich ihr gegeben hatte, vom Finger und warf ihn in das Didicht. Da stach ich sie zweimal. Es war das Messer des Ein äugigen, das ich an mich genommen hatte, als meines damals abgebrochen war. Beim zweiten Stiche stürzte sie lautlos zusammen. Noch glaube ich ihr großes schwarzes Auge zu sehen, wie es mich starr anblidte. Dann wurde es trübe und schloß sich. Ich stand wohl eine gute Stunde vernichtet vor dieser Leiche. Dann fiel mir ein, wie Carmen mir oft ge sagt hatte, ste möchte gerne in einem Gehölze begraben sein. Ich grub ihr mit meinem Messer ein Grab und legte sie hinein. Lange suchte ich nach dem Ringe und fand ihr schließlich. Ich legte ihn mit einem fleinen Kreuz neben ste in das Grab. Vielleicht habe ich unrecht getan. Dann be stieg ich mein Pferd, ritt im Galopp nach Cordova und gab mich dem ersten besten Wachtposten zu erkennen. Ich habe angegeben, daß ich Carmen getötet hatte, aber ich habe nicht angeben wollen, wo ihr Körper ruht. Der Eremit war ein frommer Mann; er hat für sie gebetet! Er hat eine Messe für ihre Geele gelesen Armes Kind! Die Zigeuner tragen die Schuld daran, denn sie haben sie so erzogen... einem wahrhaften Kommunisten zugemutet werden, an einer Beethoven Feier teilzunehmen? Dann tam ein Konzert des Blüthner Orchesters. Also her mit dem Bontott! Alle meiteren Darbietungen, Aufführungen bes Nathan", des Flachsmann als Erzieher" vom Staats- SchauSpielhaus, die tommende Jugendweihe u. a. wurden und werden bontottiert. So ist es beschlossen. Weil das revolutionäre Prinzip zu wenig betont wurde?" Ach nein! Vorträge revolutionärer Dichtungen von Frau Tilla Durieug, René Schidele, Emil Kühne u. a. wurden von allen möglichen Leuten besucht, nur nicht von den heutigen Kommunisten. Kurse von dem Kommunisten Dr. A. Rosens berg( Geschichte der Revolutionen. Verfassungsfragen unter be fonderer Berüdsichtigung der russischen Sowjet- Verfassung) und der Kommunistin Frida Winkelmann( über ähnlich lautende Themen und sozialistische Erziehungsfragen) wurden gleichfalls von zahlreichen Proletariern und Parteigenossen besucht, nur nicht von den heutigen Kommunisten. Wäre der Leiter des Boltsbildungsamtes zu ben Kommunisten übergewechselt, fein Kommu nist wäre ie auf den Gedanken getommen, die Bildungsarbeit fei nicht genügend revolu tionär. Daß der viel ältere Bontott der Bourgeoisie von vielen Bürgern durchbrochen wird, so daß die proletarischen Besucher der Veranstaltungen nicht ganz unter sich find, fann für feinen noch so sehr auf Reinlichkeit haltenden Kommunisten ein Grund fein, fernzubleiben. Aber man mußte etwas tun, um sich nach außen hin irgend wie von den anderen Sozialisten zu unterScheiden, ganz gleich, ob das reaktionäre Bürgertum seine helle Freude daran hat oder nicht. Nun ist doch immerhin etwas geschehen! Jekt wird es bald feinen Menschen mehr geben der an der revolutionären Tatkraft und Prinzipienfestigkeit der Kommunisten zweifelt. Am 20. Februar wird es sich zeigen. Verlängerung der Eintragungsfrist in ben Brifettfundenliften. Die Frist zur Eintragung in die Britetttundenlisten für Haus brand, Gewerbe und Behörden mit Ofenheizung, wird bis zum 15. Februar 1921 einschließlich verlängert. Wer sich bis zu diesem Tage nicht eintragen läßt, tann mit dem Bezug von Bris fetts vom 1. April 1921 ab nicht mehr rechnen. Der Arbeitsnachweis der Stadt Berlin eröffnet am Montag, den 14. Februar 1921 im Stadtbezirk Wedding, N. 39, Ge richtsstr. 35, Sof, Erdgeschoß, eine Abteilung für weibliches Hauspersonal Vormittags von 8-3 Uhr werden bewährte Reinmach und Waschfrauen für Privathaushalte, Bureau- und Treppenreinigungsfrauen, sowie Frauen zum Aufräumen von Malerschmuz vermittelt, nachmittags von 3-7 Uhr feste Haus. angestellte, auch Anfängerinnen in der Hauswirtschaft. FernSprecher: Moabit 8864. Verwaltungsbezirk 6. Freitas. abends 6 Uhr, Bezirksverord. netensigung. 4% Uhr Frattionsjigung, Zimmer 4 Wilmersdorf, Schmargendorf, Grunewald. Donnerstag, ben 10. Februar. Die Frattion und der erweiterte Vorstand versammeln sich vor der öffentlichen Versammlung um 6 Uhr in ber Bittoria- Luise- Schule zu einer wichtigen Besprechung. Broletarische Feierstunden. Umständehalber muß die Veran Faltung am Sonntag, den 13. Februar, ausfallen. Sie wird am Sonntag, den 6. März, nachgeholt. Die jest gelösten Karien haben zum 6. März Gültigkeit. zu tun hatten. Diese ist etwa 19 Jahre alt; etwa 1,79 Meter groß und hellblond, hat einen breiten Mund, in dem ein Zahn mit einer großen Goldplombe auffällt und trägt einen furzen, dunkelblauen Mantel mit hellem Pelz und schwarze Halbschuhe. In der Regel hat sie eine schwarze Wachstuchtasche bei fich. Die Schwindlerin gab ich früher und vielleicht auch jetzt noch hin und wieder für die Tochter eines hohen Gerichtsbeamten aus. Angaben, die zu ihrer Festnahme dienen tönnen, werden im Zimmer 190 des Polizeipräsidiums entgegengenommen. Wer kennt die Tote? Noch nicht festgestellt ist die am 18. Ja nuar aus dem Kanal in Siemensstadt gelandete Leiche einer weiblichen Person. Die Unbekannte ist etwa 18 bis 20 Jahre alt gewesen und zirka 1,62 Meter groß. Sie ist schmächtig, hat dunkelblondes langes Saar, langes volles Gesicht, hohe Stirn, bogenförmige Augenbrauen, fleine, aber sehr dice Nase, fleinen Mund, vollständige Zähne und fleine Hände. Sie war bekleidet mit schwarzgrauem Rod, schwarzem, dreiviertellangen Jadett, blauweiß gestreifter Bluse, schwarzen Schnürstiefeln, schwarzen wollenen Strümpfen, weißem Hemd und grauem Belsfragen. Bei der Leiche wurde eine goldene Damenuhr, gestempelt 595, No. 179 695, an einer silbernen langen Rette und ein silbernes Herz an gleicher Kette gefunden. Mitteilungen, die zur Fests stellung der Unbekannten dienen tönnten, nimmt die NachristenSammelstelle über vermißte und unbekannte Tote, 3immer 46 des Polizeipräsidiums, entgegen, ebenso die Kriminalpolizei im Polizeiamt Spandau. Städtisches Fernheizwerk Neufon. Mit der vor furzem erfolgten Vollendung des Bauabschnitts 1 find die Arbeiten am Neuföllner Fernheizwert vorläufig zum Abschluß gelangt. Durch Anschluß von 7 öffentlichen Gebäuden und zwei größeren Wohn hausgruppen werden zur Beit 200 000 Rubitmeter Raum beheizt, während schon jeht die Möglichkeit besteht, weitere 400 000 Rubitmeter mit Wärme zu versorgen. Um bei Weiterführung des Wertes eine noch größere Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zu erzielen, wird der Plan der Aufstellung einer Gegendruc turbine und die Wiederaufnahme der Stromerzeugung als Nebenbetrieb erwogen. Gewerkschaftliches Zum Generalftreff in der Blusen und Kleiderhonfeftion. Deffentliche Versammlung am Mittwoch, den 9. Februar, mittags 1 Uhr, im großen Saale des Lehrervereinshauses, Alexanderplat Alexanderstraße 41. Die Betriebsräte der Holzinbustrie, die auf dem Boden dez IL S. P. D. stehen, treffen sich eine Stunde vor der Gruppenpers Sammlung, am Donnerstag, ben 10. februar, abends 5 Uhr, im Arbeitslosenjaal. Sungeftr. 30, part. Genossen, ete scheint zahlreich und pünktlich, es sind wichtige Mitteilungen u machen. Der Fraktionsvorstand der U. S. P. D. U. S. P. D.- Mitglieber des Zentralverbandes der Zimmerer. Freitag, den 11. Februar, abends 6 Uhr, im Calischen Garten, Alexanderstr. 27 c, Versammlung der auf unserem Boden stehenden Mitglieder des Zimmerer- Verbandes. Mit une sympathifterende Mitglieder tönnen eingeführt werden. Mitgliedsbuch der Partei und Gewerkschaft legitimiert. Oppositionelle Bushbruder( Bezirk 4, Often). Sonnabend, den 12. Februar, pünktlich abends 7 Uhr, wichtige Besprechung bei Kirsch, Petersburger Str. 81. Aus den Organisationen Mittwoch, den 9. Februar 20. Verwaltungsbezirt. Abends 6½ Uhr Fraktionsfihung im Wistschaftsamt. Rommunale Celeute aus den Bezirken find bozu eingeladen. 1. Ditrilt. Jahlmorgen der 6. Abteilung frib 4 Uhr bei Schirm, Charlotten Straß:&. Zahlabend der 1. und 2. Abteilung Lei Sagen, Stralauerbrüde 8, ber 3. und 4 eteilung bei Schirm, Charlottenitt. 8," ber, 5. Abteliung bei Lehmann, Hallefjes Ufer 14. 3. Diritt, 4. Abteilung. Gemeinschaftlicher Zahlaherb, Schulaula Dieffen bachstraße 31, 3. Difit. Zahlabendlofale, 1. Abteilung: Ridel, Teltower Str. 15. 2. Abe tellung: die befannten Lolale. 3. Abteilung: Bezizle 115, bis 117, 123, 124, 30. 132: Bieler, Dieffenbachstr. 76; 121, 122: Birwald: Ede Bergmannstreze; 118 bis 120: Rösner, Bürwaldstr. 12; 131: Krüger, Grimmer. 1. 4. Abteilung: ge meinsam in der Schulcula Dieffenbachstr. 51. Die Genossen müssen bez wi tigen Tagesordnung wegen unbedingt erscheinen. 3. Dirift, 2. Abteilung. Abends 7 Uhr findet in folgenden Lokalen Zahl abend ftail: 1. Ehneeloppe, Roftizstr. 29; 2. Schneider, Bergmann Ede Seime fraße: 3. Solmstr. 34; 4. Lorenz, Fürbringerstr. 15; 5. 3offener Ede Baruther Straße. 4. Siftrift. 1. Abteilung. Gemeinschaftlicher Zahlabend in der Schule Brizer Straße 17-18. 4. 2iftrift, 10. Abteilung. Aftenbs 7 Uhr Zahlabend bei Thomaschewski, Wrangelfir, 104. Erscheinen eines jeden Genoffen bringend nötig. 4. Siritt. 13. Abteilung. Abends 7 hr Zahlabend: 185., 185., 187. Be airt bei Eichholz, Cuvryftr. 23; 188., 189., 190. Bezirt bei Mertens, Schlesische Straße 20. 4. Sitift, 10. Abteilung. Abends 7 Uhr Zahlabend bei Tomaszemsty, 4. Dibilt. Die Abteilungsführer holen fich nach zu den Proletarischen Geierstunben vom Genoilen Lier ab. Uhr Billetts 5. Diftritt, 1. Abteilung. Die Zahlabende finden in folgenden Lofalen ftatt: Bezirf von Krüger und abas bei Elener, Brandenburgstr. 17a; Begirt Don W. Ehmidt bei Reibe, Gitsiner Str. 87a; Bezirf von Kohlhmidt bei Rowal, Git hiner Str. C6; Begirl ven Bulle und Israel bei Reller, Wasserthorstr. 71 Erscheinen aller Mitglieder und Freiheit lejer bringend notwendig. 17. Zirift. Einlaßfarten au ben Broletarischen Feierstunden am 13. Februar find bei den Bezirtsführern, den Abteilungstasierern und beim Genoffen Kroll, Utrechter Str. 21, zu haben. Charlottenburg, 8. Gruppe. Abends 8 hr Zahlabend, Augsburger Str. 28 Ede Marburger Straße. Crscheinen aller Genossen ist Pflicht. Menon. Abends 7 hr Bezittonersammlungen: 1. Bezirf bei Kirmse, Shierfe Straße 48; 2. Bezirt bei Ribbe, Sobrechtstr. 9; 3. Begir? bet Kell, Banniere Ede Plügeritrake; 4. Eesirt bei Gemmeder, Raiser- Friedrich Ede Tellstraße; 5. Bezirf im dealfafino, Weichselstr. 8; 6. Bezirt bei Schmidt, Elbeftr. 1 Ede Sarzer Str. 88, Echwarz, Innftr. 8, 3immermann, Kaiser- Friedrich- Str. 83; 9. Bezirt bei Edjent, Solenjte, 24: 10. Bezirf bei Bristow, Rimarbitr. 53; 11. Bezirt bei Kuhlisch, Käymische Str. 43-44; 12. Bejirf bei Gaed, Wipper ftraße 9; 13. Restzt bei Funt, alterftraße Ede Grenalee; 14. Tezirt bek Webes, Emfer Str. 94-95; 15. Bezirt bei Saad, Bodefit. 32; 16. Realit bet Meyer, Schillerpromenabe 26; 17. Bezirf bei Kophamel, Thomasstr. 32; 18. Be zizt bei Sürffer, Prinz- Sanbjern Str. 34; 19. Bezirk bei Bfianz, Prinz Handlery- Str. 75: 20. Fezirt bei Röhler, 3iethenstr. 64; 21. Berirt Sei Seifert, Steinmenftr. 46, Sende, Weifeftr. 8, Nice, Allerstr. 12: 22. Bezirk bei Dirli Weiseftr. 4; 23. Bezirk bei Bogel, Mainzer Ede Biebrichstraße: 21. Bezirk bei Köfer, Karisgartenftr. 4; 25. Bezirf bei Sauser, Köllnische Affee 188. In ben Bersammlungen Vortrag. Wegen grober Berstöße gegen die Verordnung des Rohlenverban des Groß- Berlin, vom 6. März 1919, ift den Kohlenhändlern: jebren heute abenh nam 6 Paul Schumann. Berlin- Reinidendorf, Residensstr. 2, Theodor Zur Aussperrung in der Goldleiften- und Rahmenindustrie rangelt. 104. Treinen eines jeden Genoffen sehr benötigt. Tfchenischer, Wilmersdorf, Burgunder Str. 2, ber Fortbetrieb Seit mehr denn einem Jahre tämpft die Arbeiterschaft in der bes Kohlenhandels untersagt worden. Berliner Goldleistenindustrie um den Abschluß eines einigermaßen menschenwürdigen Lohntarifs. Wir haben es hier mit einer Unternehmerschaft zu tun, denen es absolut nicht einfällt. etwas von ihren ganz enormen Kriegsgewinnen für ihre gewiß nicht auf Rosen gebettete Arbeiterschaft zu opfern. Jest, wo der Profit nicht mehr in solchem Umfange fließt, als im Kriege, da mochten diese eblen" Seelen am liebsten ihre Betriebe schließen. Ein Lohnvergleich, der ab 24. 8. 1920 geschlossen wurde, ist von verschiedenen Arbeitgebern erst durch lage beim Gewerbegericht zur Anerkennung gelangt. Ein am 28. 12. 1920 gefällter SchiedsSpruch, der auf unsere tonkrete Forderung von 20 Prozent Lohn Kaiser- riebrth- Strake; 7. Bezirt bei Sakuhn, Erfſtr. 8: 8. Bezir! bei Gauter, erhöhung, 12 Prozent anerkannte, wurde badurch illujorisch, daß die Arbeitnehmer in ihrer sprichwörtlichen Bescheidenheit den felben annahmen, während die Arbeitgeber brüst diesen Schiedsspruch zurüdwiesen. Sie warfen uns in zynischer Menschenfreundlichkeit ganze 5 Prozent hin und illuftrierten damit die ganze Einrichtung der Schlichtungsausschüsse. Auf diesen Fußtritt antworteten die Bergolber mit dem Vorgehen in einzelnen Betrieben. Dieses verschnupfte natürlich nun die Vereinigung Berliner Goldleisten- Industrieller und sie beschlossen, nun auf der ganzen Linie auszusperren, um so den Geldbeutel der bestveitten Firmen zu schützen. Es liegt Enftem barin und wir tönnen fagen, Sie haben Schule gemacht, unsere Serren Goldleiftenfabrikanten. Sie haben ihren würdigen Vorbildern aus der Metallindustrie zeigen wollen, baß fie brauchbare Mitglieder der tapitalistischen Gesellschaftsordnung find. Nach 10 Tagen Aussperrung tam eine Berhandlung beim Demobilmachungstommiffar zustande. Diese Instanz, auf Grund ihrer Vergangenheit nicht imftande, bei der Arbeiterschaft Bertrauen zu erweden, handelte nun pflichtgemäß von den 12 Prozent noch 4 Brozent ab, welche der Schlichtungsausidhuß anerkannte, so daß nun noch 8 Prozent verblieben. Aber auch hier wäre es zu einer Ginigung gekommen, wenn sich die Unternehmer nicht wieder aufs hohe Pferd geschwungen hätten, indem sie wegen eines Ausgleiches von 2 Pfg. pro Stunde bie gefundene Streifversammlung fehnte nun, in gerechter Empörung ganze Verhandlung Iheitern ließen. Die am 3. 2. 1921 stattüber diesen Kuhhandel, den mageren Vergleich von 8 Prozent ab, und die Vergolder und Berufsgenossen werden nun den ihnen frivol aufgezwungenen Kampf mit allen zu Gebote stehenden Mitteln weiterführen. Borbereitungsvortrag zur Jugendweihe, heute nachmittag 5 Uhr, Schulaula Müllerstr., Ede Triftstr. Die Lebensmittelverteilung der Kinderschuhfommission findet Don Nr. 1-300 am Donnerstag, den 10. 2., über 300 am Freitag, den 11. 2. in der Zeit von 10-2 Uhr, im Stadthaus, Eingang Stralauer Straße, statt. Nur Karteninhaber haben das Recht, Bebensmittel zu empfangen. Funktionäre Neuköllns! Die in der lekten FunktionärverJammlung ausgegebenen Karten für die Proletarischen Feier tunden gelten nicht für den 27.. fondern für den 13. Februar; fie find bis zum 12. Februar bet Gen. Kaufmann abzurechnen. Der Berkauf der Lindenhof- Häuser. Die Angelegenheit des Ber faufs von 50 Kleinhäusern der Schöneberger Siedlung Lindenhof burch den dortigen Magistrat, die von der unabhängigen Frattion zum Gegenstand einer Anfrage an den Berliner Magi. Strat gemacht worden ist, hat bereits, wie wir erfahren, die Woh nungs- und Siedlungsdeputation in ihrer legten Sigung beschäf tigt. Es wurde dem Bedauern darüber Ausdrud gegeben, daß auch die Deputation, die für solche Angelegenheiten zuständig ist, bei dem Berkauf der Säuser völlig übergegangen worden sei. Auch der Vorsitzende der Deputation, Stadtfonditus Lange, mußte erklären, daß ihm von diesem Bertauf nichts befannt jei. Bon bürgerlicher Seite wurde erklärt, daß ber Siedlungsbau in Schöneberg finanziell zusammengebrochen sei, daher habe sich der Schöneberger Magistrat mit Zustimmung auch der dortigen Go aialdemokraten zum Verkauf von Häusern entschlossen. Eine Klar Stellung der Sache tonnte aber in der Deputation nicht erzielt werben, weil der Dezernent für das Siedlungswesen, Stadirat Stoli( K. P. D.), ertranft ist und im Krankenhause liegt. Die Angelegenheit wird aber in einer der nächsten Stadtverordneten fizungen auf Grund der erwähnten Anfrage unbedingt geflärt werden müssen. Anmeldungen von Pflegemittern, bie bereit sind, fich ber Pflege eines Säuglings. Kleinfindes oder Schultindes zu widmen, mer ben werttäglich im Rathause Neukölln, Zimmer 225, 2 Treppen, in der Zeit von 9-1 Uhr entgegengenommen, woselbst auch jebe gewünschte Auskunft bereitwilligst erteilt wird. Außer dem Bflegegeld wird Wäsche und Kleidung gewährt. Besonders er müniht find zur Zeit Pflegestellen für Säuglinge und Klein. finder. Es wird jedoch darauf hingewiesen, beß die Kinder nur immaltungsbezirk Neukölln in Bflege gegeben werden fönnen und legeftellen im weiteren Gebiet der Groß- Berliner Ein heitsgemeinde mit Pflegefindern aus dem 14. Berwaltungsbezirk nicht bejegt werden dürfen. Wegen der gegenwärtigen ftarten Belegung der geschlossenen Anstalten find zur Zeit auch Bflegestellen für nur vorübergehende Unterbringung mit Kindern bis aum Alter von 14 Jahren gesucht. In der Wohnung der Freundin erschossen hat sich die 24 Jahre alie Lisa K. aus der Torfstraße. In einem Augenblid bes Alleinseins tötete sie sich durch einen Revolverschuß ins Herz. Unglückliche Liebe foll sie zu dem Schritt getrieben haben. Die legte Reije. Im Schalterraum des Bahnhofs Tiergarten brach Montag abend eine Frau plöglich tot zusammen. Ein HerzSchlag hatte ihrem Leben ein Ende gemacht. Nach vorgefundenen Bapieren dürfte die Tote mit einer Frau Böhnide aus Nowawes identisch sein. Mit dem„ Verlierertrid" arbeitet noch immer die Schwindler= bande, die fürzlich vor dem franzöfifchen Konsulat einen Fremden ausplünderte. Gestern erbeutete sie vor dem polnischen Konfulat von einem Polen wieder 4000 Mart. Die Tochter des Polizeiwachtmeisters", eine junge Lebens mittelschwindlerin, die schon seit Jahr und Lag ihr Unwesen treibt, entfaltet neuerdings wieber eine lehr lebhafte Tätigkeit. Sie hat es immer noch besonders auf kleine Geschäftsleute und Handwerksleute abgesehen. Unter der Vorspiegelung, die Tochter eines Bolizeiwachtmeisters und Hausverwalters Scholz zu sein, fauft fie bei jenen Kleinigkeiten ein und bestellt diese zu irgendwelchen Ausbefferungsarbeiten nach einem bezeichneten Sause, dessen Ber walter ihr Bater sein soll. Dabei bringt sie das Gespräch auf die Lebensmittellnappheit und Teuerung und erzählt, ihr Bater be tomme von Berwandten auf dem Lande Joviel, daß er immer noch einiges zu einem mäßigen Preise vertaufen fönne. Die harmlosen Leute freuen sich der neuen Kundschaft und der Gelegenheit eines Billigen Einlaufs und geben gern die erbetene Anzahlung. Erit wenn es zu spät ist, erfahren sie, daß fie es mit einer Schwindlerin Wir werden den Herren dielen Streich zu gegebener Zeit mit doppelter Wucht zurlidzahlen. Wer kennt nicht die Namen Levy. Jmberg, Treitel, Rosenfeld. Besonders der lekte Serr pfeift auf das Betriebsrätegeleg und mutet seinen Leuten zu, ein Schriftftüd zu unterschreiben, welches ihn berechtigt, 14 Tage lang 3 Tage arbeiten zu lassen und dann Entlassungen vornehmen zu Lönnen. Kolleginnen und Kollegen, bie Langmut unserer Verhandlungsfommission ist zu Ende, Ihr habt mit fnirschenden Zähnen den Dingen zugesehen, und nun steht Ihr draußen. Jeht heißt es, zu zeigen, ob Unternehmerwilltür stärfer ist, wie die Geschlossenheit ber Arbeiterschaft. Wir haben den Kampf nicht gewollt, man hat ihn vom Zaune gebrochen nun, wir werden ihn führen. Berufsmufiter und Arbeitermusiker Zu diesem Thema schreibt uns der Deutsche Mufiterverband": " In neuerer Zeit mehren sich wieder die Klagen der organi fierten Berufsmufifer über die zunehmende Konkurrenz der Ar. beiter- Muftter. Diese schließen sich zu ganzen Kapellen zusammen und führen nicht nur Mufitgeschäfte auf eigene Rechnung aus, inbem fie als„ Musikvereine Vergnügungen veranstalten und die badurch erzielten Einnahmen unter sich verteilen, sondern sie bieten sich auch bei den Arbeitervereinen an und werden von bielen ihrer geringeren Bezahlung wegen gern berüdsichtigt. Wo bleibt hier die Konsequenz dieser Arbeiter? Sie verlangen mit Recht die Durchführung des Achtstundentages. Troydem fie Tag für Tag in ungefunder, von Staub und Rauch geIchwängerter Luft in ben Fabriten arbeiten, spielen sie unter ben gleichen und oftmals noch schlechteren Hygienischen Berhältnissen als Mufifer bis in den frühen Morgen hinein zum Tanz auf. Sie bringen sich um ihre so notwendige Nachtruhe. Was der AchtStundantag fchaffen soll: mehr Arbeitsgelegenheiten, Berminderung ber Erwerbslosigkeit, wird durch die Tätigkeit der Arbeitermusiker in Gemeinschaft mit den Militär- und Beamtenmufilern im Musiferberuf verhindert. Wo bleibt bei ihnen die gejeßlich festgelegte ununterbrochene Ruhepause von mindestens 36 Stunden in feber Woche, wenn die Arbeiter jeden Sonnabend und Sonntag jum Tanz aufspielen? Wo bas Berbot der Nachtarbeit überhaupt? Die Arbeitermusiker wenden sich in den kleineren Städten Jogar an die Tagespresse, um für ihren nebenberuflichen Gewerbebetrieb Reflame zu machen. Sie fordern ihr Recht“ und„ die Erhaltung ihrer wirtschaftlichen Freiheit". Wir erfuchen die Gesamtarbeiterschaft und insbesondere die Betriebsräte, diese Außenseiter über die Unzulässigtelt und Schädlichkeit ihres Ber: haltens zu belehren und sie zu zwingen, den Berufsmufitern ihren fargen Berdienst nicht noch schmälern zu helfen. Insbesondere er warten wir, daß die Arbeiterschaft bei ihren Festveranstaltungen bie Mufiler hierzu nur durch die örtlichen Fachnachweise des Deutschen Musiler- Verbandes beziehen." Wie uns weiter mitgeteilt wirb, lehen bie bem Arbeiter. Sport Karte II angeschlossenen Arbeiter- Musikvereine streng darauf, daß ihre Mitglieder nicht das täzgliche Einkommen der Berufsmufiter schmälern. Eine unrühmliche Ausnahme machen einige Reutöllner Mufifvereine, bie bem Arbeiter Sport- Startell nicht angeschloffen find, fich dafür aber in Schmug. tonfurtens gegen Klaffengenollen wohl fühlen. Ehöneberg- Friebenan. Die Zahlabenbe finden in folgenden Lofalen tatt: 1. und 2. Bezirk bei Jurgens, Baibarossasiz. 5a; 3. Bezitt Golaftr. 37; 4 Bes airf bei Baum, Apostel- Paulus- Str. 33; 5. Pezirt bel Klawe, Frit- Reuter, Ede Maritrake: 6. Bezirk Bahnstr. 34; 7. Besirf Siegfriedftr. 34; 8. Berirf bet Palm, Rogonch. Ede Cherusteritzake; 9. Bezirt bei Schulz, Sedansiz. 53; 10 Bezir bei Mühlmann, Feuritz. 66: 11. Bezitt Gachfendamm, Nähe Reichelstraße Die Kolonie Lindenhof besucht den Rahlahenb bes 11. Bezirks. Die Friedenauer Baktabenbe finden an ben bekannten Orten fatt. Bei der Wichtigkeit ber Tagesordnung ist ber Besuch unbedingt erforderlich. Schöneberg- Friedenau. Sachmittags bts C Uhr holen folgende Bezirke ibr Material ab aus der Spedition Gotenstr. 40 unb soar bez 1., 2., 4, 8., 9., 10, und Friedenau, Wilmersdorf, Ehmarnerdorf, Gruneweld. Zablabend. Es tagen: Halensee bet Sandmann, Weitfälische Str. 42; Schmargenborf im Wilden Cber": Abe teilung 2 bei Gröschte, Nahodstr. 13; Abteilung 3 bei Rafper( vorm. Schilling), Banenburger Straße: Abteilung bei Dorom, Weimarische Str. 14; Abo teilung Grunewald im aften Jahiabenblokal, Menfin, 14 A- und B- Bezirt. Abends 7½ Uhr 3ablabenb, nefebedjtr. 118. Zenel. Abends 7 Uhr Mitgliederversammlung im Lofal von Rentner Nachf., Berliner Straße, nicht bei Lehnhardt. Ortsgruppe Witteneu. Gemeinsamer Rahlabend beim Genossen Richard Schulze, Oranienburger Strahe. Wichtige Driaangelegenheiten. Lichterfelde, Abends 7% Uhr gemeinfomez Bahlabend bei Lenafi, Hindenburg bomm 56. Das Erscheinen aller Mitglieder it notwendig. Regelung der Ar Deiten für die Lanbagitation. Tages Bucholz. Abends 7% Uhr Mitgliederversammlung bel Alinder. ordnung erfordert Anwesenheit aller Mitglieder. Ke Ortsgruppen milfen umgehend Wirtschaftsberir! Königswusterhausen. Material abholen beim Genoffen Tanzer, Wildau. Donnerstag, den 10. Februar 19. Berwaltungsbezirt. Abends 7 Uhr Bulammenfunft der Kinderschutobleute mit Helferinnen bei Vater, tühlenstr. 12. Jeber Ort muß vertreten fein. 1., 3., 4., 5. Diftritt. Kinder gustommission, beabs 7 Uhr wichtige Bes girlsnigung bel Lange, Gneisenauffr. 85. Sämtliche Helferinnen per genannten Distritte missen unbedingt erscheinen. 2., 14., 15. Diritt. Abends 7% Uhr Sigung der Kinderschugkommission bet Raifer, Gohlowsfeftr. 34. 3. Diftritt. Abends 7 Uhr Vorstandesligung mit der Kommission, wie auf der Tekten unttionärverfammlung gewählt worden ist. Bieler, Dieffenbachstr. 76. 4. Diftrift, Stenbs 7 Uhr öffentliche Elternversammlung in der Chulaula Reichenberger Str. 67-70. Referat; Die neue Schule und der Leibensweg eines Rollegiums im Giboften. Freie Aussprache. 4. Berwaltungsbezirt( Prenzlauer Tor). Abenbs 7 Uhr findet bei Hoffmann, Enchener Str. 8, eine Sigung der Kinderschustommiffion statt. Bünktliches Erscheinen bringend notwendig. 11. iirilt. Abends 7 Uhr Rusammenkunft sämtlicher Genoffinnen der Frauen arbeitss und Kinderschuttommiffion bei Stube, Etzeliger Str. 55. Erscheinen after Genoffinnen unbedingt notwendia. 13. 2. Abends 7 hz Borstandssitung Im Sofal von Moral, Kopen Hegener Str. 9. Reston, Brih, Budow, Rudom( 14. Berwaltungsbezirf). Landngitations Tommilion( Landagitation- einicilung). Abends 7 Uhr bei Centi, Neuköln, Hers mannftr. 213. Alles pintilich erfdjeinen. Baniow. Brauenarbeitsfommiffion. Berbs 7 Uhr Sigung bei Bater, Mühlenstr. 12. Jebe Genosfin muß erscheinen. Vereinskalender Metallarbeiterverband, Gruppe 5. Durch einen bebauerlichen Irrtum ift ble Bersammlung der Gruppe 5 ber Metallarbeiter, bie am Dienstag, den 8. Fo bruar stattgefunden hat, unter Freitag, den 11. februar angezeigt worden. Donnerstag, den 10. Februar 13. Berwaltungsbezirt. Tempelhof, Martendorf, Marienfelde, Lichtenrabe. Rachmittags Uhr findet eine Sigung aller freigewerfidhaji organisierten Be triebsräte und Obleute der Betriebe Marienboris, Marienfelde, Lichtenrade im Lotal von Streiter, Marienborf. Chauffecftt. 27, ftatt. Bund der technischen Angeltekten wub Beamten Südwest. Abends 7% Uhr Mitgliederversammlung im Restaurant 3ur Bierglode", Welle- Milicnee- Str. 106. Angestellte der Gesundheits- Industrie, tends 7 üht im Virghow- Saal dez Sophieniäle, Sophienstr. 17-18, Afa- Bersammlung der fämtlichen Angestellten ber obigen Branche. Tagesordnung: Tarifpofitit und Klassentampf. Die Wichtigkeit blefer Tagesordnung erfordert das Erscheinen familicher Kollegen. Deutscher Transportarbeiter- Berband. Bagerarbeiter, Rutscher aus den Bapier und Pappen- Engros- Betrieben. Nachm. 5 hr in der Bula ber 7. Gemeinde schule, Stallschreiberstr. 54, Gruppen Versammlung. Mitgliedsbuch legitimiert. Apothekenarbeiter Branche( Laborenten, Apothefenarbeiter und arbeiterinnen, Laufburschen ujm.), Abends 7 Uhr im Lotal non Wegener, Geydelftr. 30, Bersammlung. Nonfutscher, Spebillonsarbeiter afm. Abends 6 Uhr bei Böfer, Weberstr. 17, Branchenversammlung. Tagesordnung: 1. Tätigkeitsbericht pro 1920; 2. Neuwahl der Brandjenleitung; 3. Berschiedenes, Witgliebsbuch legitimiert. Die Branchenleitung. Arbeitsgemeinschaft sez. Elternbeträte bes 12. Berwaltungsbezirks. Abends 8 Uhr findet eine Blenarsizung im Klassenzimmer des Gymnasiums, Seesestraße, statt. Pünktliches Erscheinen Pflicht. Soaben erschienen: Wir demonstrieren! 5 Lieder für Massengesang ** Preis 50 Pfennig D Wiederverkäufer hoher Rabatt BUCH HANDLUNG ,, FREIHEIT" BERLIN C2 Breite Str. 8-9 Die Zahlenkunststückchen der Landesversicherungsanstalt Berlin Bon Baul Lange In Auf die Mitteilungen über die finanzielle Miß mirtschaft der Invalidenversicherung Nr. 56 der Freiheit" vom 3. Februar 1921 antwortet die Landesversicherungsanstalt Berlin in einem Schreiben bom 4. Februar wie folgt: Die Freiheit" beschäftigt sich in der Abendnummer vom 3. Fe bruar mit den finanziellen Schwierigkeiten der Arbeiterversiche cung und stellt die Behauptung auf, daß diese Schwierigkeiten durch die übermäßige 3eignung von Kriegs anleihen seitens der Landesversicherungsanstalten verursacht worden seien. Da in diesem Artikel besonders auf die Landesversicherungsanstalt Berlin hingewiesen wird, bitten wir die Rebattion um Aufnahme der folgenden Feststellungen: 1. Die Zinseinnahmen aus der gezeichneten Kriegsanleihe sind leht bei der Landesversicherungsanstalt Berlin größer ais die Binsausgaben für die aus Anlaß der Zeichnung aufgenommenen Darlehen, so daß die Landesversicherungsanstalt Berlin zur 3eit aus der Zeichnung für ihr Budget nicht nur feinen finanziellen Nachteil, sondern einen finan ziellen Borteil hat. Die Behauptung der Freiheit", daß die finanziellen Schwierigkeiten auf Zeichnung von Kriegsanleihen zurückzuführen seien. ist daher völlig haltlos. Jm übrigen hat die Landesversicherungsanstalt Berlin nicht, wie die Freiheit" mitteilt, einen Bestand von 101 Millionen Mark Kriegsanleihen, sondern nur einen Bestand von 68 Millionen Mart. 2. Die finanziellen Schwierigkeiten sind einzig und allein erwachen aus der Steigerung der Ausgaben für Gehälter, Löhne, Lebensmittel und Materialien aller Art und nicht zuletzt der Ausgaben für Renten. Das ergibt die folgende Zusammen ftellung: Bon 1914 bis 1921 find die Ausgaben gestiegen: a) an Ge hältern der Beamten von 900 000 M. auf 7700 000 m., b) für Seilverfahren( einschließlich Heilstätten Beelitz) von rund 3 800 000 M. auf 27 900 000 M., c) für Renten von 7 500 000 m. auf 42 300 000. Demgegenüber sind die Beitrags- Einnahmen nur von 15 auf 35 Millionen Mart gestiegen, da die voraussichtlichen Mehreinnahmen aus der Ver= größerung des Bezirks der Versicherungsanstalt durch die Eingemeindung der Vororte zur Vergleidung nicht herangezogen werden können. Während also die Gesamtausgaben für Besoldun gen und Heilverfahren um 741 Prozent und die Ausgaben für Renten um 559 Prozent gestiegen sind, sind die Beitragsein nahmen nur um 227 Prozent gestiegen. 3. Die letzte Beitragserhöhung auf das Doppelte ist lebiglich zur Dedung der erneuten Rentenzulage von 40 M. monatlich erfolgt und nicht zur Sanierung der Versicherungsanstalten, die aus der Erhöhung der Beiträge teinen Vorteil haben. Dr. Freund." Es fällt auf, daß Dr. Freund als Vorsitzender der Lanbesversicherungsanstalt Berlin im ersten Teil seines Schreibens nur mit Behauptungen, im zweiten Teil das gegen mit Zahlen operiert. Unter 1 gibt er zu, daß die Landesversicherungsanstalt Berlin( ebenso wie die anderen) weit mehr Kriegsanleihe gezeichnet hat, als sie verfügbare Gelder hatte. Sie hat zu diesem Zwede tatsäch lich große Darlehen aufgenommen, die sie perzinsen muß. Trotzdem hat sie nach Dr. Freunds Behauptung aus der Kriegsanleihezeichnung feinen finanziellen Nachteil, fondern nur 3eit" einen finanziellen Vorteil. Nachfolgendes Beispiel beleuchtet diese Behauptung: Borge ich mir z. B. zu meinem als Beispiel angenommenen Bermögen von 50 000 m. noch 50 000 M. und zeichne zusammen 100 000 M. fünfprozentige Kriegsanleihe, so bekomme ich dafür jährlich 5000 M. 3injen. Für die geborgten 50 000 M. muß im etwa 6 Prozent Zinsen gleich 3000 m. zahlen, sodaß für mich bleiben würden 2000 M. 3insen. 66 Die Zinseneinnahmen( 5000 M.) aus der gezeichneten Kriegsanleihe sind zur Zeit größer als die 3insausgaben ( 3000 M:) für die aus Anlaß der Beichnung aufgenommenen Darlehen, sodaß ich aus der Kriegsanleihezeichnung nicht nur feinen finanziellen Nachteil, sondern einen finan ziellen Vorteil( 2000 m.) habe." Nicht wahr? Nein, das ist Blödsinn! Denn hätte ich nur diejenigen 50 000. als Kriegsanleihe gezeichnet, die mein als Beispiel angenommenes Eigentum waren, so würde ich bei einem viel geringeren Risiko hinsichtlich des Kursverlustes dafür 2500 M. Zinsen zu bekommen haben. Dr. Freund hat aber auch vergessen, daß er auf die Ende 1918 bei der Landesversicherungsanstalt Berlin vorhande nen 101 171 500 M. Reichs- und Staatsanleihen( Nennmert) einen Kursverlust von rund 15 000 000 m. angegeben hat, der jekt noch viel größer ist. Wenn er jetzt" nur" 68 000 000 M. Kriegsanleihe angibt, so hat er wahrscheinlich diejenigen Reichsanleihen, die die Landesversicherungsanstalt Berlin schon vor dem Kriege im Besitz hatte, nicht mitgezählt, oder sie hat den Kursverlust inzwischen abge fchrieben, oder es ist ihr möglich gewesen, seit Ende 1918 einen Teil der Anleihen abzustoßen, wobei wieder die Frage zu prüfen wäre, zu welchem Kurse dies geschehen ist. der Landesversicherungsanstalt Berlin gestiegen. Dafür gibt es nur die Erflärung, daß er hier nicht das Jahr 1921, sonbern ein früheres heranzieht. Jugendbewegung Jugend- Internationale Unter diesen Umständen, d. h. da nach Dr. Freund die Ausgaben um 639 Prozent, die Beitrags e innahmen nach unserer Rechnung aber um weit über 600 Prozent genach unferer Rechnung aber um weit über 600 Prozent ge- Die S.P.-J. und die Kommunistische stiegen sind und bei den ursprünglichen Beiträgen sich gewaltige Ueberschüsse ergeben haben, müßten fich aus den gegenwärtigen Beiträgen wiederum gewaltige Ueberschüsse ergeben, bie offenbar im Gegensatz zu der von Dr. Freund gemachten Behauptung unter 3 zur Sanies rung der Versicherungsanstalten, d. H. zur Abstoßung der aufgenommenen Darlehen dienen sollen. Dr. Freund wird im Ernst ja auch gar nicht behaupten wollen, daß die Bes lastung der Landesversicherungsanstalt durch riesenhafte Schulden( das sind eben jene von ihr aufgenommenen Dar: lehen) ein dauernder Zustand bleiben soll. Von allem Drum und Dran abgesehen, heben wir noch mals hervor, daß Dr. Freund die Verschuldung der Landes versicherungsanstalten durch die riesigen Kriegsanleihezeichversicherungsanstalten durch die riesigen Kriegsanleihezeich Wählerinnen und Wähler! Der Wahltag rüft heran. Der Kampf ist im fchärften Gange. Von allen Parteien werden die größten Anstrengungen gemacht, um die Wähler in ihrem Sinne zu beeinflussen. Sandzettel, Flug blätter, Plakate werden in Massen hergestellt und verbreitet. Acht Millionen Stimmzettel sind allein von unserer Partei für Berlins Brandenburg im Drud. In der Landagitation sind jeden Sonntag eine erhebliche Anzahl Genossen tätig, die größtenteils schon am Sonnabend von Berlin fortfahren müssen, um am Sonntag vormittag ihre Aufklärungsarbeit draußen beginnen zu löns nen. Sie opfern freiwillig ihre Zeit, bekommen ihre Untosten nur zum Teil ersetzt und doch fahren sie immer wieder aufs Land. Sie find eben erfüllt von dem Jdealismus, der notwendig ist, wenn man eine große Sache vorwärtsbringen will. Ihre Arbeit gilt der Ausbreitung unserer Jdeen, ber Bropa. ganda für die U. S. 3. D., und damit für den Sozia fich nach besten Kräften, ihnen materiell unter die Arme zu greifen. lismus. Die Distritte und Orte, die sie entsenden, bemühen Wo aber Distritte und Orte nicht über genügend Geldmittel vers fügen, soll das Verbandsbureau aushelfen. Auch da ist der beste Wille zum Geben vorhanden, und wird vor allen Dingen die Notwendigkeit der allerregsten Landagitation flar erkannt. Leider ist die Verbandstasse nicht in der Lage, alle an sie heran tretenden Wünsche erfüllen zu fönnen, so sehr sie auch deren Bes rechtigung anerkennt. Die Anforderungen find groß, der Kas. Jenbestand ist klein. Raum, daß wir alle Verpflichtungen, senbestand ist klein. Raum, daß wir alle Verpflichtungen, die uns durch die vorjährige Reichstagswahl aufgebürdet wurden, erfüllt hatten, setzte der Landtagswahlkampf ein. Und nun gleich wieder neue, gewaltige Ausgaben. An alle unsere Parteimitglieder, an alle auf unserem Boden stehenden Wählerinnen und Wähler, an alle übrigen mit uns sympathiserenden Bolfsgenossen, richten wir nun die Aufforde rung, auch ihrerseits ein wenig Idealismus an den Tag zu legen und ihren Teil dazu beizutragen, daß das Verbandsbureau in der Page ist, ben Wahlkampf so zu führen, wie es im Interesse der breiten Bollsschichten notwendig ist. Jeder einzelne ist in der Lage, etwas zu geben, sofern er nur von der Bedeutung dieses Wahlkampfes überzeugt ist. W.S. Die Internationale Jugendkorrespondenz" vom 20. Jas nuar bringt ein„ Offenes Einladungsfähreiben an die Mitglieder der Sozialistischen Proletarierjugend Deutschlands, zur Beſchidung des 2. internationalen Kongresses der Kommunistischen Jugend internationale". Wie bei allen offenen Schreiben", so handelt es sich auch bek diesem nicht um eine freundschaftliche Einladung, sondern um einen Keil, den man zwischen die Mitglieder der S. P.-J. und die Reichszentrale treiben will. In demagogischer Art versuchen die Münzenberg und Genossen, zu beweisen, daß die Haltung der Reichszentrale der S. P.- 3. verderblich und lonterrevolutionär ist. Sie fafeln, die Zentrale will nicht mehr mit dem Exekutiv= tomitee der R. 3.- 3. über den Anschluß der S. P.-J. an die K. J. J. verhandeln. Wahr ist, daß das Bureau der K. J.-J. den Anschluß abgelehnt hat und fein anderer Weg übrig bleibt, als der, direkt an den Kongreß selbst heranzutreten. Daß der Kongreß, wenn er von Jugend" genossen der gleichen Qualität wie Münzenberg und Ziegler beschickt ist, den Anschluß gleichfalls mehrmaligen Verhandlungen als offizielle Vertreter des Exekutiv= ablehnt, ist gewiß. Denn sie waren es, die im vorigen Jahre in tomitees der K. J.-J. versprachen, fich für den Anschluß der G. B.-J. an die K. J.-J. einzulegen, aber auf der Bureaufizung der K. J.-J. einen derartigen Beschluß nicht herbeiführen konnten, vielleicht nicht einmal wollten. Das, offene Schreiben" mischt sich bann in innerorganisatorische Dinge der S. P.-J. ein und fordert zum Sturz der Zentrale auf. Sind das etwa ,, revolutionäre Taten", die man bei der G. P.-J. vermißt? In dem Schreiben wird den Mitgliedern der S. P.-J. der Rat gegeben, sofort die Einberufung einer Reichstonferenz zu verlangen und zu dieser Delegierte aus der Mitte der Mitfommunistischen Jugend die Delegierten aus Kreisen von Nichtglieber vorzuschlagen. Es scheint, als werben bei der mitgliedern entnommen; denn sonst könnten sie nicht den guten Rat erteilen, gerade Delegierte aus der Mitte der Mitglieder vorzuschlagen. Es ist ganz selbstverständlich daß zur Reichsfonferenz der S. P.- 3. nut jolaje Delegierte zugelassen werden, bie zur Zeit der Einberufung derselben bereits Mitglieder waren und die von den Ortsgruppen gewählt sind. Die Bermutung des offenen Echreibens", als seien bie Delegierten Günftlinge der Reichszentrale, ist mithin unberechtigt. Es scheint, als zieht der G. B.- 3. und glaubt, daß in dieser dieselbe Mizwirtschaft die K. J.-J. Parallelen zwischen der kommunistischen Jugend und S. herrscht wie in ihren eigenen Reihen. Die S. P.-J. hat flar Stellung zu nehmen zur K. J.-J., das ist ficher. Sie hat es auch schon bereits getan. Der K. J.-J. dürfte das nicht unbekannt sein. Unter Abweisung aller Phrasen hat sie nach der Spaltung im November in Leipzig festgestellt, daß ein bebingungsloser Anschluß eine Unmöglichkeit ist. Fordert die K. J.-J. von der G. P.-J. Taten, so fordert diese von Der Bezirksverband hat Sammellisten herausgegeben. Die Betriebsvertrauensleute und alle dabei in Frage kommenden Genofinnen und Genossen werden gebeten, Rich am 3ahlabend von Betrieb oder an sonst geeigneter Stelle in Umlauf zu sehen. ihrem Bezirksführer Listen aushändigen zu lassen und sie in ihrem Weitere Listen sind jederzeit im Bureau des Bezirksvers bandes Berlin Brandenburg, Berlin, Breite Straße 8-9, Sofrets. 1 Treppe, zu haben. Gelbsendun alle, die nicht in genau diefelbe Serbe schlagen wie site, für Richard Herbst, Postichedkonto Berlin 104 560. gen für den Wahlfonds erbitten wir an die Adresse des Genossen Tue jeder sein Möglichstes! Ohne Opfer tein Erfolg! Bezirksverband Berlin- Brandenburg USPD. Die Geschäftsleitung nungen nicht bestreitet. Diese Kriegsanleihen liegen fest; fie tönnen nur unter schwerem Verlust flüssig gemacht werden. iht, alles Bhrafenhafte aus ihrem Programm zu streichen, und dieses so abzuändern, daß es möglich ist, alle revolutionären Jugendgenossen darauf zu vereinigen, auch solche, die den Marxismus nicht so verstehen wie sie, d. h., nicht aus jedem Wort eine Phrase machen, und das, was ihnen unliebsam ist, nicht zu sehen. Wer nimmt eine Forderung ernst, wie die, daß die Jugend eine allgemeine Aktion einleiten und führen kann, wie es im Programm der K. J.-J. gefordert wird? Solange ein Bros gramm derartige Unmöglichkeiten enthält, tann nicht verlangt werden, daß sich die S. P- J. vorbehaltlos zu diesem bekennt. Die einzigen Taten der kommunistischen Jugend sind die, daß sie fonterrevolutionär erflären. Was sind denn ihre Taten"? Etwa die großen Worte in ihren Zeitungen, Flugblättern usw., oder etwa Demonstrationen, die sie selbst noch vor Jahresfrist als ein Schlag ins Wasser verpönten? Sie sind schon recht anspruchslos geworden, wenn sie sich damit zufrieden geben. Nur noch einige Zeit, und auch sie werden die Kinderkrankheit der Politit, den Ueberradikalismus", bald überstanden haben, und sich auf den Boden der Wirklichkeit stellen. Dann wird es auch der E. P.- 3. möglich sein, sich mit ihnen an einen Tisch zu setzen um wirkliche Taien zu vollbringen. Fie Grundlage zur Diskussion Unter 2 weist Dr. Freund für die Zeit 1914 bis 1921( bas anleihezeichnungen; neue Schulden wurden zu diesem henden Aussprachen als Grundlage dienen, weshalb wir sie genannten Ausgaben von insgesamt 12 200 000 m. auf 77 900 000 M. nach, das ist eine Erhöhung von 639 Prozent. Unterrichten wir uns nunmehr zunächst darüber, daß die Landesversicherungsanstalt Berlin ebenso wie die anderen im Jahre 1913 bem lehten vor dem Kriege geradezu glänzenden Kassenbericht geben fonnte; denn von ihren Beitragseinnahmen fonnte fte ähnlich wie in früheren Jahren mehr als die Hälfte als Ueberschuß zurüdlegen. Die nachstehenden Zahlen für 1913 bezeugen das: Landesversicherungsanstalt Berlin Landesversicherungsan ftalten insgesamt Beitragseinnahmen in Mart 15 089 824.262 758 708.www einen Es verblieb nach Abzug der Aus gaben ein Ueber schuß von Mart 7788 789.159 281 872.In der Zwischenzeit sind gewaltige Erhöhungen ber Versicherungsbeiträge vorgenommen worden. Es stiegen die Beiträge: in Beitragsklasse 1 von 16 auf 180 Pfg.= 1125% 99 99 99 " 9 99 99 " 2345 98 24 32 200 99 = " 220 30. 99 " 40 240 99 " " 48 280 99 " 9 " 833% 688% 600% 583% Bei den gegenwärtigen Löhnen lommen die Beitragstlassen 1 bis 3 nur sehr wenig in Betracht; die Renten werben aber noch start nach biesen niedrigeren Bei tragsklassen berechnet. Die meisten Versicherten zahlen jezt in Beitragsklasse 5. Man darf demnach annehmen, daß in folge dieses Aufrüdens der Versicherten in höhere Klassen hie Steigerung der Beitragseinnahme durchschnittlich weit über 600 Prozent betragen wird. Es ist also unverständlich, wie Dr. Freund behaupten tann, die Jahreseinnahme an Beiträgen sei von 15 000 000. nur auf 35 000 000 m. bei Erhöhung der Bersicherungsbeiträge gegangen wäre: Im Die Braris hat trozdem bewiesen, daß es auch ohne die In der Konferenz von Jugendgenossen aus dem Reiche mit Bers Jahre 1916 wurden die Invalidenversicherungsbeiträge 21. Januar, murden Richtlinien beschlossen, deren Stern wir tretern des Zentralfomitees der U. S. P. am Sonntag, den während des Krieges das erste Mal zwar um we nige Pfennige pro Woche erhöht; die neuen Beiträge traten bereits in unserem Bericht am Mittwoch, den 26. Januar, abges am 1. Januar 1917 in Kraft. Dann folgten neue Kriegs: brudt haben. Sie müssen den Jugendgenossen bei den bevorstea regierung eine Verordnung über 3ulagen an die In 3wede aufgenommen. Als am 21. August 1919 die Reichs noch einmal im vollen Wortlaut veröffentlichen. Sie lauten: Richtlinien zur Jugendfrage validenrentner erließ, bestimmte sie, daß das Reich ( um den Landesversicherungsanstalten diese Zulagengewäh- Arbeiterbewegung überhaupt. Beide verfolgen das ge 1. Die proletarische Jugendbewegung ist ein Teil ber rung zu erleichtern) einen entsprechenden Teil der Kriegs- meinsame Ziel, die tapitalistische durch die sozialistische Ge ell anleihen zum Kurse von 97 Brozent an Zahlungsstatt zu schaft zu ersetzen. Forderungen der Sozialistischen Proletarier rüdnehme. Eine gleiche Bestimmung wurde auch für die ingend tönnen nur verwirklicht werben, wenn eine sozialistische Unfallversicherung am 27. November 1919 erlas Bartet mit flarem Klassenkampfprogramm mit allem Nachdruck sen. Im Mai 1920 murden sowohl für die Unfalls als auch ich ihrer annimmt. für die Invalidenversicherung neue Berordnungen über die Rentenzulagen herausgegeben. Dabei ereignete fich etwas sehr merkwürdiges. Für die Unfallversiche rung beließ man es dabei, daß das Reich den den zulagen entsprechenden Teil der Kriegsanleihe in Höhe von 97 Prozent des Nennwertes( also weit über den Kurswert) zurüds nahm. Bei ber Invalidenversicherung fchaffte man im Mai 1920 diefe Bestimmung ab und erhöhte die Beiträge zum zweiten Male. Warum das? Nun, das ist sehr einfach! Die Kosten der Unfallversicherung müssen durch Beiträge allein von den Unternehmern aufgebracht werden; die Beiträge zur Invalidenversicherung aber zahlen neben den Unterneh mern die versicherten Arbeiter zur Hälfte. Die Mai- Verordnungen 1920 waren also ein Geschenk an die Unternehmer. Die Unfallversicherung wird ihre Kriegsan= leihe allmählich weit über den Kurswert los; das Reich zahlt demnach den Unternehmern Geld heraus. Die Invalidenversicherung jedoch soll( ebenso wie die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte) auf der Kriegsanleihe siken bleiben. Darum die neuerliche Verdoppelung der Invalidenversicherungsbeiträge im Dezember 1920 die dritte Erhöhung seit 1916. Die Finanzaebarung der Invalidenversicherung ist der. gestalt undurchsichtig, daß eine Aufhellung dringend erfors derlich ist. Diese Aufhellung fann nicht erwartet werden non denjenigen, die den finanziellen Rusammenbruch der Landesversicherungsanstalten herbeigeführt haben. Die Einſegung einer Untersuchungsfommission ist dringend erforderlich. 2. Die Sozialistische Proletarierjugend erblidt in der Una b= hängigen Sozialdemokratischen Partei die renos Tutionäre Arbeiterpartei, deren Berhalten für das Borwärtsschreiten der Arbeiterbewegung bisher das Fruchtbringends war. Sie wird aus diesem Grunde mit dieser Partei zusammes arbeiten, aber, der pipchologischen Eigenheiten der Jugend ges denkend, ihre Selbständigteit als Jugendbewegung wohren. Organisation. Die U. S. P. anerkennt das Selbstbestimmungsrecht der Jugendlichen in allen Angelegenheiten ihrer Organisation. Die auf gegenseitigem Vertrauen beruhende Zusammenarbeit im Interesse bes gemeinsamen Bieles wird herbeigeführt durch eine wechselseitige Bertretung in den leitenden Körperschaffen der beiderseitigen Organisationen in fol. gender Form: 1. Die örtlichen Organisationen der U. S. P. und der S. B. J. schaffen eine gegenseitige Bertretung in den Vorständen ohne Stimmrecht. 2. Das gleiche gilt für bie Bezirks, Streis- usw. Borstände. 3. Die Barteiorganisationen find pervflichtet, der S. B. J. mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, insbesondere gilt das für Agitation und Propaganda. Hühneraugen Hornhaut, Schwielen u. Warzen beseitigt schnell, sicher schmerzlos えん Bukirol Schachtel Mk.3.Milionealach bewährt! Tast jede Apotheke& Drogene führt Rukirol Lassen Sie sich nichts audcres in die tand drückent Generalversammlung des Deutschen nenten Sozialisten den Appell, jenen Organisationen den Rüden Arbeiter- Abstinenten- Bundes Die Generalversammlung des Arbeiter- Abstinenten- Bundes, die im Januar in Berlin tagte, befaßte sich eingehend mit der Haltung des Vorsitzenden wie des Redakteurs des Abstinenten Arbeiters" während des Krieges und nachher. Eine lebhafte AusSprache schloß ich an das Referat des Genossen Dr. Druder über die Zukunftsarbeit des Bundes. Während der Referent einem Schnapsverbot teine große Bedeutung beilegte, dagegen eine Aftion zur Herbeiführung eines Verbotes der Bergärung lebensnotwendiger Nahrungsmittel in enger Gemeinschaft mit den sozialistischen Parteien dringend befürwortete, setzten sich einige Redner für eine Volksabstimmung über ein Schnapsverbot ein. Welche Maßnahmen endgültig getroffen werden, wird von dem Ergebnis der Verhandlungen mit den sozialistischen Parteien ab hängen. Auf die Anfrage des Bundesvorstandes hatten bereits die Vorstände der U. S. P. D. und V. K. P. D., auch der Bergarbeiter- Verband, sich für ein Schnapsverbot und ein Berbot der Freigabe notwendiger Nahrungsmittel zur Alkoholerzeugung ausgesprochen; von der S. P. D. war nach drei Wochen noch teine Antwort eingelaufen. Die beiden wichtigsten Entschließungen, aus denen Wesen und Auffassung bes Arbeiter Abstinenten= Bundes sich ergibt, wurden einstimmig angenommen. iauten: = Sie Der D. A. A. B. sammelt alle Altoholenthaltsamen, die auf dem Boden der sozialistischen Weltanschauung stehen, um durch Betämpfung des Alkoholgenusses und der Trintfitten innerhalb der Arbeiterschaft den Befreiungskampf der Arbeiterklasse zu fördern. Durch dieses Ziel unterscheidet er sich von den bürgerlichen Abstinenz- Organisationen, die durch einseitige Betrachtung der Altoholfrage und ihr Vereinsleben die ihnen angehörenden Arbeiter nur von der politischen und gewerkschaftlichen Betätigung ablenfen. Die Generalversammlung richtet daher an alle absti= zu tehren und sich der proletarischen Abstinenzbewegung anzuschließen. Der D. A. A. B. wahrt allen sozialistischen Parteien gegenüber die strengste Neutralität. Für ihn tann nur deren Stellungnahme zur Alkoholfrage Gegenstand der Kritit sein." Die Generalversammlung des D. A. A. B. erblidt in der Freigabe notwendiger Nahrungsmittel( Getreide, Kartoffeln, 3uder, Obst, Wurzelfrüchte) für die Altoholerzeugung in dieser Zeit drüdendsten Nahrungsmangels ein schweres Verbrechen am Bolts wohl. Sie stellt fest, daß die auf diese Weise seit Kriegsbeginn bis auf den heutigen Tag vergeudeten Nahrungsmittel einen wichtigen Zuschuß zur Ernährung der darbenden Massen hätten liefern können, daß sie Leben und Gesundheit vieler Tausende erhalten hätten, wenn sie nicht den Brauern und Brennern, sondern den hungernden Kindern, Müttern und Kranken überlassen worden wären. Die Generalversammlung gibt ihrer Empörung Ausdrud über die eben erfolgte Erhöhung des Braukontingents an Gerste und die Freigabe der Kartoffel zur Schnapsbereitung. Sie fordert die sozialistischen Parteien auf, mit allen Kräften gegen diese gemeinschädliche Mißwirtschaft anzufämpfen und dafür zu forgen, daß alle Lebensmittel restlos der menschlichen oder tierischen Ernährung zugeführt werden." Der Siz des Bundes bleibt in Berlin GO. 16, Engelufer 19. Sozialisierung des Heilwesens Der Verein sozialistischer Aerzte unterbreitet ber Oeffentlichkeit folgende programmatische Erklärung: Dem gegenwärtigen Heil- und Gesundheitswesen haften sehr erhebliche Mängel an, unter denen sowohl die Bevölkerung als das Gesundheitspersonal leidet. Der Ueberzahl der Bevölkerung fönnen die von der Wissenschaft gebotenen Heil- und Gesundheitsfaktoren nicht in vollem Umfange zugute tommen; das Gesundheitspersonal, besonders die Aerzteschaft, leidet durch den scharfen Konkurrenzfampf wirtschaftlich und sittlich. TRADITION PROBLEM Garantiert erste Qualitát Unentbehrlich für Arbeiter, Angestellte, Parteigenossen U.S.P. D. Taschenkalender Gut gebunden 1921 4.- Mark Drganisationen Preisermäßigung Buchhandlung„ Freiheit" Berlin C. 2, Breite Straße 8-9 Spezial- Arzt Hauts, Sarns, Frauenleiden, Dr. Jaffé für Geschlechtss, nerv. Schwäche, Syphilis- Kuren, Blutuntersuchungen, spec. chron.Harnleid. u. Ausflüffe, Licht- u. Finsen- Behölg. Anft. 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Asthma Husten anfällen u. starker Verschlelmung findet wirksame Hilfe durchReichels echte Astumatropien, berühmt durch ihre Wirkung. 80jahr. glänzende Erfolge. 9 50 Otto Reichel, Berlin 46 SO, Eisenbahnstr. B Diese Mängel hängen im wesentlichen innig zusammen mit der fapitalistischen Arbeits- und Organisationsform im Heil- und Gefundheitswesen, d. h. damit, daß der Arzt gezwungen ist. seine Silfe dem einzelnen wie eine Ware zu verkaufen. Eine wejent fiche Verbesserung dieses Zustandes ist also nur zu erwarten von einer nach lozialistischen Prinzipien durchgeführten Umwandlung dieser Organisations: und Arbeitsform, d. h. von der Sozialisie rung auf diesem Gebiet. Unter Sozialisierung des Heil- und Gesundheitswesens ver stehen wir, ausgehend von der Definition des Sozialismus als der gesellschaftlich betriebenen planmäßigen Wirtschaft für den Bedarf der Allgemeinheit, Uebernahme des gesamten Heil- und Gesundheitswesens auf die eine Blanmäßigkeit und Bedarfs= bedung allein gewährleistenbe Gesellschaft. Der praktische Ge sundheitsdienst soll dabei durch Gemeinschaftsarbeit des gesamten organisierten Fachpersonals unter Mitwirtung eines Bevölke rungsbeirates besorgt werden. Zur Erreichung dieses Zieles empfehlen wir: 1. Das öffentliche Gesundheitswesen ist möglichst auszubauen und besonders das Fürsorgewesen, über das ganze Land dehnen. auszu 2. Auf dem Gebiete des Heilwesens ist das gesamte Versicherungss wesen auf die ganze Bevölkerung auszubehnen und zu verein heitlichen. Es ist dabei auf die Gemeinschaft( Staat, Kommune oder sonstige Selbstverwaltungstörper) zu übernehmen. Die Heilpersonen werden dabei zu Organen der Gemeinschaft und find planmäßig nach dem Bedarf zu verteilen. Auf beiden Gebieten ist die weitestgehende Mitwirkung der Bevölkerung zu gewährleisten. 3. Die ganze Gesundheits- und Heilarbeit ist in immer umfassen derer Weise kollettiv zu gestalten durch weitere Ausbildung der Ambulatorien, Krantenhäuser, Fürsorgeanstalten usw. Das öffentliche Gesundheitswesen, besonders das Fürsorgewesen, ist in immer innigerem organisatorischen Zusammenhang mit bem Heilwesen zu bringen. PROBLEME TRADITI Quindeurla Persil Bur Jugendweihe Möbel e r 315 S wäscht schneeweiß, ersetzt Rasenbleiche, schont und erhält die Wäsche, spart Arbeit Seife u. Kohlen. Bestes und billigstes selbsttätiges Waschmittel Preis Mk. 4.- das Paket Geld Henkel& Cle., Düsseldorf. für jede Wertsache. Höchste An kaufspreise für Pfandscheine, Brillanten, Goldgegenstände, Teppiche, Bücher usw. Wolff, ftraße. ettnässen Friebrichstr.41, III. Ecke Roch Befreiung fofort. 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Ein Entwurf der vom Zentrals komitee der USP. eingefeßten Kommiffion für das Erziehungs und Bildungswesen. Mit einem Vor Mk. 1.50 wort von Georg Ledebour Willst du arm und unfrei bleiben? Von Luis Bieg. Ein Aufruf an die Frauen des werktätigen Bolkes. crausgegeben vom Zentralkomitee der USPD. Mk. 0.30 Was ist Sozialisierung? Von Karl Korsch. Ein Pros grainin des prakt.Sozialismus. Mit Anhang Mh. 1.50 Der Zusammenbruch der Kriegspolitik und die Novemberrevolution.( Beobachtungen eines ehemaligen Feldsoldaten).. Ma. 1.00 Gedenks Die deutsche Arbeiter Revolution. schrift über den Berlauf des ersten Revolutionss Mk. 1.50 ingres 1918/19 Cine Abrechnung mit den Rechtssozialisten. Von Die Kriegsfchuld der Rechtssozialisten. Bon Artur Crispien. 32 Seiten Der moralische Zusammenbruch Ledebour vor den Geschworenen. Mk. 1.00 der SPD. mk. 0.75 Bon Georg Ledebour. Eine Anklage gegen die Regierung Eberts Scheidemann, bringt diese Schrift die wörtliche. Wiedergabe der Berteidigungsrede, die Ledebour am 2. Berhandlungstag vor den Berliner Geschworenen in Ermiderung der gegen ihn erhobenen Anschuldis gungen hielt Mk. 1.20 Mh. 6.00 Heinrich Ströbel. Diese Schrift enthält Aufzeichnungen, die Ströbel, ehemaliger Redakteur des Vorwärts, aus intimfter Kenntnis aller Borgänge bereits im Jult 1917 veröffentlicht hat. Man erfährt aus ihnen piele bisher unbekannte Tatsachen über die Haltung der Rechtssozialisten während des Krieges M. 2.00 Die Münchener Tragödie.( Entstehung, Berlauf und Bufammenbruch der Räterepublik München: M. 2.00 SPD. und Gewerkschaften. Von Rob. Dißmann Mk. 0.50 Mk. 3.00 Der Mord an Karl Liebknecht und Rosa Lurems burg. Mit Porträts der Ermordeten und Bildern Die Gewerkschaften in der Revolution. Bon Rich. Seide! der Angeklagten Klaffenfuftiz. Chronologische Gegenüberstellung von Die Berfassung des Freistaates Preußen Mk. 2.00 Gerichtsurteilen gegen Revolutionäre und Reak Wahlgefeß zum preußischen Landtag, Provinzials tionäre. Bon Friz Schneider Landtags- u. Kreistags- Wahlgefeh Mk. 2.50 Organisationen bei Bezug größerer partien bedeutenbe preidermäßigung Mk. 1.80 Buchhandlg. Freiheit", Berlin C2, Breite Str. 8: 9 S e P Baucherdank! R Das sicherste Mittel, das Rauchen ganz od. teilweife einzufteilen. Wirkung verblüffend. Auskunft umsonst Vers. San. Arilkel Gp. Engelbrecht, geben wir unsern Kindern das Buch „ Ins Bedeutend herabgesetzte Preise Leben hinein" Br- oder Te Zahlung Für die Jugend zufammengeftellt von Gg. Engelbert Graf. Elegant gebunden 8 Mark bei der $ Buchhandlung Freiheit" e. G. m. b. S.,$ Berlin C2, Breite Straße 8/9. Stoffe Hr Herren Anzüge, Ulfter, Paletots, Damen Kostüme, Meter 50.-, 100.-, 150.-, 200.- Mark. Nur langjährige Berbindungen mit altbewährten Fabrikanten bürgen für preiswerte, gute Qualitäten. 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Chrjaschischjow: Die Bauernschaft im Kriege und in der Revolution. 1. Larin: Drei Jahre Sowjetwirtschaft.- J. Larin: Die russische Industrie. E. Varga: Ueber die Form der Beziehungen eines proletarischen Staates zu den kapitalistischen Ländern, N. Lenin: Die Aufgabender politischen Aufklärurg. M. Wiadimirsky: Die Resultate der Arbeit in der Organisation der örtlichen Organe der Sowjetmacht im Jahre 1920. S. Strumlin: Das Problem einer Steigerung der Arbeitsleistung. Pref. W. M. Bechterew: Persönlichkeit und Arbeit. L S09Rowski: Der Schöpfergeist Sowjetrussland. Lenins Fahnenjunker. Karskly: Der dritte Jahrestag der proletarischen Revolution und das Recht.- A. Anikst: Planmässige Arbeit. J. Larin: Die Aufgaben des vierten Jahres.- N. Ossinski: Der planmäßige Anbau und die Normalisierung der Bodenbearbeitung. N. Ossinski: Die Regelung der Landwirtschaft durch den Staat. N. Bogdanew: Die wichtigsten Fragen einer Organisation des sozialistischen Ackerbaues. A. Swiderskl: Die Hilfsquetten. unserer Verpflegung. A. Wyschinski: Die Zweckversorgung, N. Ossinski: Auf dem Wege zur Verpflegungsfront.- W. Nekrassow Drei Jahre Revolution und das Verkehrswesen. D. Michallow Das Verkehrswesen. 6. Krzlzanowski: Die Elektrifizierung als Voraussetzung einer Vergesellschaftlichung der Produktion. Kurze Uebersicht über die Tätigkeit des Volkskommissariats für Aussenhandel im Jahre 1920. P. Schech: Probleme der Naphthaversorgung. 8. Herstein- Drosslowskaja: Die Arbeiterin in der Gewerkschaftsbewegung während der drei Revolutionsjahre. 0. Nogin: Mutter und Säuglingsschutz. A. Jellsarow: Kinderschutz in Sowjetrussland. S. Kaplan: Die Arbeiterin und der Arbeitsschutz. Elkin: Arbeiterinnen an der Kampffront gegen die Unwissenheit.- H. N. Brailsford: Eine Fabrik in Sowjetrussiand. 1 132 Seiten. Kleinste An- und Abzahlung Wohnzimmer. Schlatzimmer, Speisezimmer, Herrenzimmer, farbige Küchen, einzelne Möbel Liefere auch auswärts Landwehr Müllerstr. 7 Wedding platz Kaufe jeden Boften Spiralbohrer Semirgelleinewand Müller, Reve Königsiraje 38 Alexanderpla Stempel Eut und billig Stempelfabr. Teschke Berlin N. 37, Wörtherstr.1 Bibliothek aller Völker Band 1 Theobor Storm 3mmensee und andere Novellen Band 2 Leo Tolstoi Die Kreuzerfonate Band 3 Sonoré de Balzac Die Geheimniffe der Prinzessin Cadignan Gobsed Band 4 Abalbert Stifter Der Hochwald Brigitta Bend 5 Björnstjerne Björnson Absaloms Haar Band 6 Theodor Storm Der. Schimmelreiter Jeber Band 1, Mt. Zu beziehen burch ble Preis Mark 5, 19 Buchhandlung Freiheit" Berin, Breite Gir.8-9