Einzelpreis 20 Pfg. 4. Jahrgang Die reiheit erfchein morgen und nachmittags, Conntags und Montags w emmal. Der Bezugspreis beträgt bet freier zuftellung ins Sans für Groß- Berlin 10. M. im voraus zahlbar, von der Spedition felbft abgeholt 8,50 m. Für Bofte bezug nehmen fämtliche Bostanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland und Österreich 16,50 M., für das übrige Ausland 21,50 M Buzüglich Balutaufschlag, per Brief für Deutschland und Ofterreich 30,- L Behatan, pedition und Berlag: Berlin G62, Breite Straße S Donnerstag, 17. Februar 1921 Nummer 80 • Abend- Ausgabe Ste echtgefpaltene Ronparetllezelle ober beren Raum koftet&,-. ehfchlieblich Eenerungszufchlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2, M., fedes weitere Wort 1,50 m., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen Gesuche 3.20. netto pro Beile. Stellen Befuche Wort- Anzeigen das fettgedruckte Wort 1,50. jedes weitere Wort 1, Bernsprecher: Bentrum 2030, 2645, 4516, 4603, 4535, 4649, 492% greiheit Berliner Organ ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Die Arbeitslosigkeit in England Bebhafte Auseinandersetzungen im Unterhaus London, 16. Februar. Im Unterhause erklärte der Führer der Arbeiterpartei Clynes über die Arbeitslosigkeit, bie Lage sei seit De: zember schlimmer geworden. Die Arbeiterpartei fordene für die Arbeitslosen entweder Arbeit oder hinreichende Unterstügung. Bevor die Frage der Erwerbslosigkeit nicht gelöst sei, fönne in England fein Friede sein. Er fragte die Regierung, welche Verjuche fie zur Wiederherstellung eines wirklichen Friedens und zur Schaffung von Handelstrebiten unternommen habe. Es verhalte fich nicht so, daß die Regierung die Frage nicht lösen könne, sondern fie fürchte sich davor, in 3 wistigteiten mit bem fet begründeten Besitz zu fommen. Er mache feinerlei Borschläge zur Aenderung des tapitalistischen Systems, wenn die Regierung jedoch nicht die Vorschläge der Arbeiter annehme, dann solle sie doch etwas Besseres vorschlagen. Er wolle feineswegs die Dittatur in Rußland verteidigen, aber ArbeitsIoligteit scheine in Rußland nicht zu herrschen. Clynes trat für die Wiederaufnahme des internationalen Handels und der Sandelsbeziehungen zn Rußland ein McNamara stellte in Abrede, daß es von seiten der Regierung an Vorbereitungen für die Lage gefehlt habe. Er sagte, ein Manifeft veröffentlichen und tagtäglich eine prattische Politit ausarbeiten, sei zweierlei. Die Zahl der Erwerbslosen sei von 350 000 im Ottober vorigen Jahres auf 1039 000 am 11. Februar gestiegen. Nicht einbegriffen feien hierbei etwa 600 000 Arbeiter, die eine systematisch vertürzte Ar heitszeit haben. Unter den, 1039 000 Erwerbslosen befänden fich leiber auch 368 000 Kriegsteilnehmer. Das Arbeitsministerium tue fein Aeußerstes, um die britische Industrie wiederherzustellen. Die Aussichten für London In der Zwischenzeit werde ein Gefeßentwurf eingebracht, der eine Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung vorsieht. Barnes erklärte, den Mitgliedern der Arbeiterpartei sei es nicht gelungen, irgend einen praktischen Vorschlag für die augenblickliche Lage zu bieten. Es sei hoffnungslos, auf Rußland als Retter aus der augenblicklichen Lage zu bliden. Mit Bezug auf Die Forderung, daß der Staat für eine angemessene Unterstügung der Erwerbslosen sorgen müsse, erklärte Barnes, es dürfe nichts unternommen werden, um den Ansporn zur Arbeit zu verringern. Der Wunsch nach Arbeit müsse vermehrt und nicht vermindert werden. Er wolle nicht die augenblidliche Gesellschafts- und In dustrieordnung verteidigen, aber er glaube, man werde feine bessere Welt schaffen, wenn man die Welt, in der man jetzt lebe, nicht besser ausgestaltet. Die Regierung müsse die Unternehmungen tatkräftig unterstützen, die ärmeren Ländern behilflich sein wollen, englische Waren zu kaufen. Eine der Ursachen der augenblidlichen Krise sei der Mangel an Vertrauen, der aus den Gewerbestreitigkeiten entstehe. Er werde den von der Arbeiterpartei eingebrachten Abänderungsantrag nicht unterstügen und hoffe, die Regierung werde sich mit dem, was bisher unters nommen wurde, nicht begnügen. Roberts erklärte, die Arbeiter wären in bem irrigen Glauben, daß die Lösung des Problems in der Wiederaufnahme des Handels mit Rußland liege. Dem Volte den Glauben beizus bringen, daß in Ruhland überflüssige Lebensmittelvorräte vorhanden seien, täme einem Verbrechen gleich. Roberts trat für freie Sandelsbeziehungen mit anderen Völkern ein. Er sagte, das englische Bolt müsse die Wahrheit erkennen, daß es nicht ohne Auslandshandel leben fönne. Barnes und Roberts waren früher Mitglieder der Arbeiterpartei. Während des Krieges traten fie ins Mis nisterium von Lloyd George ein. Sie repräsentieren heute Arbeiterklasse abgewirtschaftet hat. jenes alte Nur- Gewerkschaftertum, das auch in der englischen ein Minimum darstellen. Wenn die Deutschen die UnterhandIungen abbrächen, würde Jojort ein Echiff zur Berfügung für Dr. Simons und feine Begleitung gestellt werden, um sie nach Deutschland zurüdzubringen. Wenn die Deutschen auf ihrem fate gorischen Nein, womit gegenwärtig ihre Minister und das Bolt drohen, stehen bleiben, so ist vorauszusehen, daß die französischen Unterhändler unverzüglich nach Paris zurückkehren und das BarIament ohne Zögern vom Scheitern der Londoner Verhandlungen in Kenntnis jegen würden. Frankreich werde dann den Beweis führen, daß die Deutschen ein unmittelbares Interesse daran Die Maßnahmen der Entente würden in Deutschland sehr bald hätten, mit ihren ewigen Verzögerungen ein Ende zu machen. den Wunsch auffommen lassen, nach London zurückLondon werde nur die notwendige Ergänzung von Baris bilden. fich außerordentlich den Pariser Konferenzbeschlüssen näherten. Frankreich warne Deutschland vor einem falschen Spiel. Simons hat wenig Optimismus Reichsminister Dr. Simons hat am Mittwoch vormittag in Karlsruhe nochmals vor einer größeren Versammlung ge= sprochen. Er äußerte sich in dieser Rede über die Aussichten der Londoner Konferenz, der er mit wenig Optimismus entgegensieht. Er sagte: Wenn wir jezt nach London mit Gegenvorschlägen gehen, so wird die öffentliche Meinung in England in gleicher Weise revoltieren, wie die deutsche öffentliche Meinung gegen die Pariser Beschlüsse revoltiert hat. Darüber müssen wir uns flat sein. Es ist möglich, es ist sogar wahr- kehren zu dürfen und sich auf Abmachungen zu einigen, die scheinlich, daß die Londoner Konferenz in ihren ersten Versuchen Tein Ergebnis der Verständigung haben wird. Es wird außer ordentlich schwer sein, sich in London über die neuen Methoden zu einigen. Eine peinliche Lüde des Friedensvertrages ift, daß man dem deutschen Bolte nicht gesagt hat, was man eigentlich von ihm verlangt, und wenn man uns jett Borwürfe macht, daß wir nicht selbst Vorschläge gemacht haben, so müssen mir erwidern, daß die Unsicherheit bei uns zu groß gewesen ist, um Borschläge machen zu fönnen. Wenn wir jetzt Borschläge machen, so fonnten wir sie nur aus unserer Unsicher heit heraus machen. Die Gegner rechnen damit, daß wir in menigen Jahren wieder zu großer Blüte gelangen. Um diese Summen zahlen zu können, müßten wir aber zu einer wirtschafts lichen Blüte gelangen, die unsere wirtschaftliche Blüte von 1913 mid 1914 bei weitem überschreitet. Und dennoch sollen wir uns zu solchen Leistungen verpflichten. Das wäre eine tatastrophale Politit. Der Konferenzort Das Reutersche Bureau erfährt, daß die bevorstehende Londoner Konferenz im St. James palast stattfinden wird, den Breffe werden Einrichtungen getroffen. Die deutsche Deles der König zu diesem Zwede zur Berfügung gestellt hat. Für die gation wird im Savoyhotel untergebracht werden. Mar lionskonferenz teilnehmen. schall& och und General Weygand werden an der ReparaItalienische Arbeiter gegen die Bariser Beschlüsse Die italienischen christlichen Gewerkschaften ( Confederazione italiana dei lavoratori) haben eine Entschließung gefaßt und veröffentlicht, die nach Sinweis auf den Appell deut scher Arbeiterorganisationen an die Solidarität der Arbeiter aller Länder folgendes sagt: Die Confederazione habe schon 1919 gegen Bersailles Stellung genommen und bekräftige jetzt ben Widerspruch gegen die vorgesehenen Santtionen und gegen den Zustand der Sklaverei, zu dem die deutsche Arbeiterklasse für 42 Jahre zugunsten eines fremden Kapitalismus und Imperialis mus verurteilt werden solle. Dies stelle die Tette grausamite Ber neinung der Grundfähe von Gerechtigkeit und Freiheit dar, für melde die Regierungen der Entente angeblich kämpften. Die Der Minister wies dann auf die Gefahren hin, die der Reichseinheit durch die Pariser Beschlüsse erwachsen. Die Pariser BeIchlüsse würden in ihren Folgen eine Undersehrtheit der deutschen Reichsverfassung nicht gewähren. Da gegen müßten wir uns wehren. Die Pariser Beschlüsse liefen hinaus auf einen Zusammenbruch alles bessen, das sich das deutsche Bolt auf geistigem und wirtschaftlichem Gebiet erobert habe. Wenn wir die Pariser Beschlüsse nicht annehmen, so trefen die Sanktionen in Kraft, die ebenfalls hinausgehen auf eine Trennung des Deutschen Reiches. Jede Bestrebung von außen, die dahin geht, das deutsche Stammgebiet auseinanderzureißen, hedeutet ein Attentat gegen die Reichsverfassung. Der Minister betonte, daß er auf seiner Reise durch Süddeutsch- christlichen Arbeiter Italiens erhöben ihre Stimme gegen die land das erhebende Gefühl gehabt habe, daß dieses Attentat auf den einmütigen Widerstand des ganzen deutschen Volkes stoßen merde. Er gehe nach London mit dem Gefühl, daß dieser Einheitsgedanke aus dem ganzen deutschen Bolte nicht herausgerissen werden könne. Dieses Gefühl werde ihm Kraft geben, den unannehmbaren Forderungen gegenüberzutreten. Er hoffe, das Vers trauen, das ihm entgegengebracht werde, in London wahrzumachen. Französische Drohungen Marcel Satin schreibt im Echo de Paris", er habe sich mit bedeutenden Persönlichkeiten darüber unterhalten, was ge schehen würde, wenn die Deutschen in London sich nicht fügten, und die Londoner Konferenz ohne Ergebnis perlaufen würde. Eines stehe fest, daß Briand energisch auf der Durchführung der Bariser Beschlüsse beharren werde, welche Uebergriffe siegreicher Blutokratien, die Revanchestimmung erzeugen und den Frieden fernhalten. Sie protestieren im Namen chriftlicher Jdeen gegen die Erdrosselung des deutschen Bottes durch neue Auflagen. Kündigung des Ueberschichtenabkommens im Ruhrbergbau. In einer Konferenz der Vorstände der vier Bergarbeiterverbände wurde heute beschlossen, das Ueberschichtenablommen für den Ruhrberghau zu fündigen, so daß vom 13. März an feine Ueberschichten mehr verfahren werden, vorbehaltlich weiterer Verhandlungen. Die bentschen Rohlenlieferungen im Januar. Die deutschen Kohlenlieferungen beliefen sich nach französischen Angaben im Januar auf 1681 696 Tonnen. Davon erhielten Frankreich 1069 075 Tonnen, Italien 208 011 Tonnen, Belgien 274 696 Ton nen und Luxemburg 130 112 Tonnen. Wahlenthaltung Parlamentarischer und antiparlamentarischer Kretinise mus find Zwillingsbrüder. Die Propaganda für parlamentas rische Abstinenz, für Wahlenthaltung und direkte Aktion" ohne deutlich erkennbares, greifbares Ziel, bea gründet mit dröhnenden Worten und verschwommenen Reden, ist fast überall, wo sie in der Arbeiterbewegung in Erscheinung tritt, die unmittelbare Folge einer Periode, in der der parlamentarische Kretinismus das Proletariat eine Zeitlang an der Rase herum und non Mißerfolg zu Miferfolg geführt hat. Der Glaube, daß in deir Wandelgängen der Parlamente die Weltgeschichte endgültig entschieden wird, daß die geniale politische Persönlichkeit die Politik macht, daß das Interesse der Arbeiterklasse mit Hilfe einer„ Realpolitit", die durch Strupellosigkeit und Schlauheit den Gegner zu überlisten glaubt, am besten ge= fördert werde dieser Glaube ist fast stets der Bonäufer fördert werde des anderen Extrems gewesen: der Enthaltung vom parlamentarischen Leben und des Appells an die unmittelbare revolutionäre Tat. Die Geschichte der Arbeiterbewegung aller Länder kennt Epochen, in denen diese beiden Erscheinungen miteinander abwechsein, als Seite und Kehrseite der gleichen Medaille. Ist das Proletariat enttäuscht von der Ergebnislosigkeit einer Epoche des Nurparlamentarismus, so wendet es sich der entgegengesetzten Taktik zu, um dabei abermals Ent täuschungen und blutige Niederlagen zu erleben. Beide Methoden des politischen Kampfes wachsen auf dem gleichen Boden: sie sind die Folge des Mangelsan Vertrauen zur Massenbewegung der Arbeiterklasse. Sie gehen aus von der mutlosen Vorstellung, daß das Pros letariat, zur Maffenpartei organisiert, niat imitande ist, feinen Klassengegnern in jeder Beziehung ebenbürtig gegentüberzutreten und sie zu bekämpfen mit allen Mitteln, mit den gegebenen verfassungsmäßigen politischen Möglichkeiten Sowohl, wie mit den besonderen, dem proletarischen Klassen= fampf eigenen Mitteln, die sich aus der sozialen Stellung und wirtschaftlichen Bedeutung des Proletariats ergeben. Solche Vorstellungen entstehen ursprünglich in den Köpfen proletarisierter, infolge ihrer bedrückten Lage rebellischer, aber spießiger Kleinbürger, die die Welt aus der Perspektive der Handwerksstube sehen. Geistig gebannt in einen fleinen Gesichtskreis, vermögen sie nicht zu glauben an die Kraft des Proletariats als Masse, an seine Organi sations- und Aftionsfähigkeit als Massenpartei in allen politischen Situationen. Wo die Propaganda für eine Politit der in Erscheinung lamentarischen Wahlenthaltung par= tritt in einem Stadium der sozialen Entwicklung, indemt Kleinbürger innerhalb diese soeben proletaristerten des Proletariats zahlreich sind, da ist sie historisch und soziologisch verständlich. Wird sie aber gepredigt in einem Stadium, das das massenhafte Fabrifproletariat in feiner vollen Entwicklung zeigt, dann ist sie wirklich nur noch antiparlamentarischer Kretinismus und nur noch zu be= greifen als ebenbürtiges Gegenstüd zum ebenso beschränkten Nurparlamentarismus, der mit allen Schikanen und Dummheiten einer vom Kompromiß lebenden„ Realpolitit" arbeitet. Die Parole der Wahlenthaltung beruht hier auf der völlig falschen Vorstellung, daß man entweder„ Los schlagen" müsse oder rettungslos zum Pattieren mit den herrschenden Gewalten fomme. Diese verfehlte Problemstellung tritt uns gegenwärtig wieder einmal entgegen in der Propaganda der Kommu nistischen Arbeiterpartei. In einem Aufruf„ An die klassenbewußten Proletarier!" legt das Berliner Organ dieser Partei, die Kommunistische Montags- Zeitung", dar, daß weder die Sozialdemo fraten, die, Fleisch vom Fleische des nationalen Molochs" find noch die Unabhängigen, die an den seigen Schweinehund in jedem Menschen appellieren"- noch die Parlaments Kommunisten, ,, die in solchen Augenblicken auch nur zur Rettung der Nation und zum Wahlschwindel aufrufen", noch die Gewerkschaften, ,, deren Bonzen..." usm. daß weder die einen noch die anderen die rechte Politik betreiben. Nein, Proletarier, fährt der Aufruf fort: # Wenn Euch nicht das tollgewordene Vich Kapital in den tödlichen Abgrund reißen soll, gibt es nur eine einzige Rettung: pact es an den Hörnern und brecht ihm das Genid! Das aber heißt: Revolution! Revolution ist auch Krieg, ist auch Rot und Entbehrung, ist auch blutiger Kampi. O ja! Aber nehmt Euer Herz fest in die Hand; denn es muß sein! Die Revolution ist das einzige, was Euch noch gelingen tann, und die Revolution ist Rettung, Leben und Freiheit wenn nicht für Euch Kämpfer selbst, dann für Eure Kinder!" Darum müsse das Proletariat es sich abgewöhnen, ewig leben zu wollen. Jeder müsse bereit sein zu sterben für die Revolution, für den Kommunismus. Der Tag der Ent. scheidung nahe mit rasendem Lauf. Auf solchem Wege tommt die Kommunistische Arbeiterpartei zu dem Schluß: Schlagt jedem aufs Maul, der Euch mit Wahlzauber und Gewerkschaftshumbug tommt." Diese politischen Tollhäusler verfchweigen, daß sie mit der Erwartung des Tages der Entscheidung die Masse des poli tisch denkenden und zum politischen Handeln drängenden Proletariats ebenso zur Untätigkeit verdammen wie ihre Gegenfüßler, die Nur parlamentarier, die das Schicksal der Arbeiterklasse in die Hände einiger zur Preisgabe aller Grundsäze fähigen Realpolitiker" legen. Diese Männer der friegerischen Revolution prunten mit starten Worten und sehen nicht oder gestehen nicht ein- daß sie mit ihrer Taktif den einen Teil der Machtmittel des Staates, die Parlamente, völlig in die Hände der Klassengegner des Proletariats geben, und den anderen Teil dieser Machtmittel, Bureaukratie und Regierung, von der Kontrolle der proletarischen Vertreter in den Parlamenten befreien. Sie gehen aus von der konfusen Jdee, daß alles noch viel schlechter werden muß, um besser zu werden, daß das Proletariat erst völlig verkommen muß, um in Elendsrevolten sein Joch abzuschütteln. Wir wissen, daß diese Methoden die Arbeiterklasse dirett ins Verderben führen. Niemals wird eine verelendete und im Elend entmenschte Masse imstande sein, die politische Macht zu erobern und festzuhalten. Aus seiner Unterdrückung muß das Proletariat sich emporringen durch aftive Teilnahme am politischen Kampf mit allen Mitteln, die sich ihm innerhalb und außerhalb des Parlaments darbieten. Von Stufe zu Stufe steigend, ihre Lage ständig verbessernd und ihren Einfluß täglich mehrend, durch Eroberung neuer Machtpositio nen, erwirbt die Arbeiterklasse zugleich Kraft und Schulung zur Führung des letzten Stoßes. Auch das Parlament ist eine dieser Machtpositionen und die Tätigkeit im Barlament tann dem Proletariat Vorteile bringen, menn es frei bleibt von den Jllusionen des par Iamentarischen Kretinismus. Unsere Partei weiß sich frei davon. Und darum führt sie den Wahlfampf mit dem gleichen Ernst, mit dem sie den Kampf außerhalb der Parlamente führen wird, wenn die Stunde gefommen ist. molios Wenn die Stunde gekommen ist... Da die antiparlamentarischen Kretins ihren Anhängern die große Stunde jeden Tag von neuem für die nächste Zeit in Aussicht stellen, und da das ewige Abwarten in Untätigkeit, über das die Massen auch durch die starten Worte für die Dauer nicht getäuscht werden können, mit der Zeit eine peinliche Lage hervorruft, besteht der andere Teil der Taktik dieser Leute in dem Bersuch, die Revolution zu machen". Das führt in gerader Linie zum Putsch. Darum die Aufforderung an den Proletarier, er möge begreifen, daß man ,, nicht ewig leben könne". Der Appell an die Gewalt wiederum, als einziges Mittel zur Befreiung der Arbeiterklasse, führt die mit Mosfau sympathisierende K. A. P. D. an die Seite der Gewaltpolitifer von rechts. Nationalbolsche wisten von rechts und links reichen einander die Hände. Dem revolutionären Proletariat wird ein Bündnis mit tonterrevolutionären Offizieren zugemutet. Orgesch und K. A. P. D. sind verwandte Erscheinungen, find Wucherpflanzen des gleichen politischen Morastes. Und wo die Konfusionsräte aus der K. A. P. D. in die Wahlbewegung eingreifen, da betennen fie offen, daß sie, die AntiparIamentarier, in den Vertretern der schwärzesten Reaktion ihre parlamentarischen Vertrauensleute sehen. Vor einiger Zeit ging die Nachricht durch die Presse, daß ein Agitator der K. A. P. D. namens Ruppert in einer Versammlung der Deutschnationalen den anwesenden Arbeitern gesagt habe, es tönne seiner Partei nur angenehm sein, wenn fie für einen deutschnationalen Kandidaten stimmen würden. Die Kommunistische MontagsZeitung", erklärt sich mit dieser Aeußerung einverstanden. Sie schreibt: Der Grundgedante jener Ausführungen ist aber durchaus richtig: Nämlich, daß es für jenen Teil der Arbeiterschaft, der durchaus den Schwindel nicht einsehen will, nur gut ist, wenn die feindliche tonterrevolutionäre Front unverwaschen und eindeutig tiar zutage tritt." Also nicht nur indirekte Stärkung der Reaktion durch Wahlenthaltung, sondern birette Unter= st ühung durch Abgabe von proletarischen Stimmen für die Parteien der Rechten das ist der Höhepunkt einer Konfusion, die der deutschen Arbeiterklasse gegenwärtig als schladenreine revolutionäre Tattit angepriesen wird. Diese Leute entblöden sich nicht mehr, offen zu gestehen, daß sie Gemeinschaftsschulen Bon Kurt Kerlöw- Löwenstein ( Schluß des Artikels von gestern abend) en den obligatorischen Schulkindergarten schließt sich dann die eigentliche Gemeinschaftsschule an. Einen durchaus er folgreichen und erfreulichen Versuch haben wir in den unter Paulsens Leitung stehenden Gemeinschaftsschulen in Hamburg. Neun Gemeindeschulen sind zu einer Schulengemeinschaft vereinigt. Wenn die kleinen Abc- Schügen in die Schulen eintreten, so werden sie nicht, wie in den bisherigen Schulen, in Klassen zusammengeschlossen, auf Schulbänke gesetzt und in die feste Schulbisziplin genommen, sondern sie werden zu Lebensgemeinschaften pereinigt. In diesen Lebensgemeinschaften spielen sie und finden en nüßlichen Beschäftigungen den ersten Anreiz zu ernsthafterer Arbeit. Die Lehrer haben die Aufgabe, anzuregen und sorgfältig Neigung und Können zu beobachten. Auch die Eltern sind nicht ausgeschaltet, sie helfen vielmehr eifrig mit bei dem Heranbilden threr Kinder; und so bildet sich zwischen Lehrern, Kindern und Eltern eine enge Gemeinschaft, in der alle zugleich Gebende und Nehmende sind. Drei Jahrgänge sind so zu Lebensgemeinschaften vereinigt. In diesen drei Jahren reifen die Kinder heran und werden empfänglich gemacht für die anstrengenderen Arbeiten der späteren Jahre. All die Künste des Rechnens, Schreibens und Lesens, die sonst so viel Tränen tosteten, werden unter gegen seitiger Hilfe allmählich gelernt und gefestigt. All jene Ein= würfe, die man fold freieren Gemeinschaften gegenüber bereit hat, daß die Zeit verspielt und nichts Bernünftiges und Notwendiges gelernt wird, scheitern an der Tatsache, daß diese Kinder hier nicht nur soviel wissen wie die übrigen Schulkinder, sondern sogar noch einige Dinge mehr tönnen, daß fie offene Augen zum Beobachten, geschickte Gliedmaßen, um sich zu rühren, und lebendige Schaffensfreude gewonnen haben. Auf die drei ersten Jahre, die nur Lebensgemeinschaften find, folgt die Aufteilung in Lebens- und Arbeitsgemeinschaften. Die Lebensgemeinschaften werden vertiefter, der erweiterte Interessentreis wird mannigfaltiger angelegt, ernsthaftere Fragen werden sorgsamer beraten, das Leben selbst mit seinen Aufgaben gewinnt festere Gestalt und mit dem Leben zu gleicher Zeit zeigen fich die verschiedenen Reigungen und Betätigungsmöglichkeiten. In fleinen Arbeitsgruppen werden die jungen Menschenfinder vereinigt, um in strenger Regsamkeit und fachlicher Disziplin ihr Können zu versuchen. Nach der individuellen Neigung wird die Arbeitsgruppe gefunden, aber in der Arbeitsgruppe selbst ist die Arbeit und ihre innere Notwendigkeit entscheidend. Au diese Arbeiten werden in innigste Verbindung mit dem Leben bereit sind, die volle politische Macht an die monarchistischbereit sind, die volle politische Macht an die monarchistisch militaristische Reaktion auszuliefern. Die Arbeiterschaft muß auch ihnen am 20. Februar eine Leftion erteilen. Sie muß werben und stimmen für die U. S. P., die das Proletariat zur Massenpartei vereinigen und führen will, zum Kampf um fonfrete, aus der gegebenen Situation geschöpfte po= litische Biele. So wird die Arbeiterklasse wachsende Macht gewinnen. Darum muß sie den Kampf führen mit allen Mitteln, im Parlament und außerhalb seiner Mauern. Wählt die Kandidaten der U. S. B. und ihr werdet damit die Reaktion und ihre offenen Verbündeten, die Propheten der Wahlenthaltung, gleicherweise treffen. Friedensgesellschaft und Preußenwahl Die Geschäftsleitung der Deutschen Friedensgesellschaft wendet fich mit dem folgenden Aufruf an die Oeffentlichkeit: Bei der Bedeutung, die die preußischen Landtagswahlen für die Reichspolitik haben, fordert die Deutsche Friedensgesellschaft alle Anhänger der Friedensbewegung auf, auch bei diesen Wahlen nur für Listen zu stimmen, deren an aussichtsvoller Stelle stehende Spitzenkandidaten volle Gewähr dafür bieten, daß sie für Böllerverständigung und für allgemeine Abrüstung einfreten und alle militärischen Einrich tungen im Innern, wie Orgesch usw., ebenso auch den Widerstand gegen die Gefüllung unserer Berpflichtungen zur Entwaffnung bekämpfen. Straßenbahnerstreik in Rheinland- Westfalen Arbeiterfeindliches Verhalten des Zentrums Drahtmeldung unseres Korrespondenten Düsseldorf, 17. Februar. Seit heute morgen ruht im rheinisch- westfälischen Industriegebiet mit Ausnahme von Düsseldorf der Straßenbahnverkehr. Das gesamte Fahr- und WerkStättenpersonal ist in den Ausstand getreten. Die Bitte des Reichsarbeitsministers, neue Verhandlungen am 21. Februar abzuwarten, blieb aus guten Gründen unberüdsichtigt. Die Straßenbahner haben jedes Vertrauen zu dem ehrlichen Willen oder ber Macht des Zentrumsministers verloren, den von Arbeitnehmer und Unternehmervertretern einstimmig gefällten Dortmunder Schiedsspruch für verbindlich zu erklären. Die alleinige Schuld für eine neue schwere wirtschaftliche Belastung unseres Industriegebietes trifft somit Herrn Brauns aus MünchenGladbach und seinem scharfmacherischen Auftraggeber. Für Düsseldorf liegen die Dinge etwas anders. Die Düsseldorfer Bahnen sind neuerdings mit der Rheinischen Bahngesellschaft, vereinigt und bilden im Unternehmerverband eine Gruppe für sich. Gestern wurde eine Aufsichtsratsfihung dieser Gesellschaft, deren Aftien zu 85 Prozent in den Händen der Kommunen find, abgehalten. Es wurde ein Benmittlungsvorschlag von freifind, abgehalten. Es wurde ein Vermittlungsvorschlag von freigewerkschaftlicher Seite mit 7 gegen& Stimmen abgelehnt. Auch gewerkschaftlicher Seite mit 7 gegen& Stimmen abgelehnt. Auch hier hat das 3entrum gegen die Interessen der Arbeiter ge= timmt, mit ihm fogar der Zentrums- Arbeitervertreter und Auffichtsrat. Die Funktionäre der an der Straßenbahnbewegung be teiligten Gewerkschaften haben in einer gestern abend abgehaltenen Sigung beschlossen, daß auch in Düsseldorf von morgen ab nicht mehr ausgefahren wird, wenn der Aufsichtsrat seinen Standpunkt bis dahin nicht geändert hat. Interessant find Aeußerungen von Unternehmerseite, die deutlich ben Wunsch als Vater des Gedankens ertennen lassen, daß die Besagungsbehörden den Straßenbahnern im besetzten Ge= biet durch Gewalt den Streit unmöglich machen. Man sieht hier, mie es um den Patriotismus dieser Herren bestellt ist. Wo es sich um Niederknüppelung von Arbeitern handelt, sind sie samt und sonders international. Die Schieberpartei Der Berliner Universitätsdozent und Herausgeber der„ Eisernen Blätter", Dr. Kahrstedt, urteilt über Professor Strads Buch Gegen die Antisemiten" wie folgt:„ Das fleine Buch wird feinen, ber sein Deutschtum liebt, beleidigen, nur für die Clemente, die die völkische Welle ausnuten wollen, um mit Silfe derer, die nicht gebracht. Man geht in eine Fabrit, sieht sich die Maschine in ber Arbeit an, man bespricht die physikalischen Zusammenhänge und die ökonomische Auswirkung, man berechnet, was die Maschine leisten kann, man stellt Untosten und Gewinn nebeneinander und gewinnt so den Einblid in unseren technisch- sozialen Organismus. Arbeiter und Angestellte der Fabrit sind oft Eltern der Schüler und Freunde der Gemeinschaftsschule und unterstüzen daher dieses lebendige Erziehungswert. Natürlich gibt es Werkstätten, und da das Geld, wie in allen Gemeinden, so auch in Hamburg, für Volksschulen knapp ist, so mußte die proletarische Selbst hilfe eingreifen. Die Arbeiter und Handwerter brachten Handwertszeug mit in die Schule, und was wichtiger ist fie brachten sich selbst mit und bildeten in den Gruppen cine erziehende Arbeitsgemeinschaft. In solchen Arbeitsgruppen soll alles untergebracht werden, was an zäher Ausbildungsarbeit der tünftige Mensch nötig hat. Die Arbeitsgruppen werden so mannigfaltig sein wie die Lebensbedürfnisse der fünftigen Gemeinschaft. Sprachgruppen, mathematische Gruppen, naturwissenschaftliche Gruppen, technische Gruppen aller Art werden nach dem wachsenden Bedürfnis der Schüler hier ihre Stätte finden. Alles, was die höheren Schulen, die Fach- und Fortbildungsschulen an sachlichen Werten gaben, und vieles, was ihnen fehlte, wird hier in den freien Arbeitsgemeinschaften selbsttätig erarbeitet werden müssen. Daneben aber gehen die Lebensgemeinschaften, in denen die heranwachsenden Menschen sich in das Leben hineingewöhnen, die ernsthaften Aufgaben solidarisch zu lösen versuchen und die sittlichen Bindeglieder schaffen, die allein den inneren Bestand einer jeden Gemeinschaft dauernd sichern können. 日 Die grundlegende Umwälzung dieses Schulsystems liegt flar zutage. Nicht überlieferte Autorität, nicht stoffliche Belastung, sondern freies Unterordnen unter die innere Notwendigkeit der Arbeit, freies Einordnen in die Gemeinschaft und lebendig- soziales Verantwortlichkeitsgefühl wachsen an den Werten und Röten von heute gestaltend und formend in das Ringen von morgen hinein. Gewiß, auch diese Schulgemeinschaften fönnen sich erst in der planvollen, sozialistischen Wirtschaftsordnung voll auswirken, aber in dieser Gemeinschaftsschule werden die Kämpfer erzogen, die geschickt, flug und start genug sind, um die Sozialisierung unserer Wirtschaft und unseres Lebens zielbewußt durchzuführen. Jeder Schematismus und jede Gleich; macherei wird hier ebenso vermieden wie der schrankenlose Anarchismus der Individualitätszüchtung. Nicht in ein Dreiklassensystem der unteren, mittleren und höheren Begabung werden die unendlichen Entfaltungsmöglichkeiten hineingepreßt, sonbern jede mertvolle Begabung findet in ihrer Arbeitsgruppe die besondere Entwicklung, aber sie findet sie nicht im Bewußtsein bünfelhafter Ueberheblichkeit, sondern im solidarischen Wachstum dünkelhafter Ueberheblichkeit, sondern im solidarischen Wachstum alle werben, ich wichtig zu machen oder sich zu bereichern, ist es eine wohlverdiente Ohrfeige. Ich bin deutschnational unb gehöre der kirchlich positiven Richtung an, aber ich bin Gegner des Raffenantisemitismus, den ich als undhrlich und wissenschaft lich und dem Vaterlande schädlich verurteile. Hermann Strad, Geheimer Konsistorialrat. Professor Dr. Diese beiden Urteile in Gemeinschaft mit den anderen Urteilen aus dem Lager der Deutschnationalen fennzeichnen die Bartci Sergt als die Partei eines bankrotten Schiebertums. Sie ist nur existenzfähig dank der Vergeßlichkeit und Dummheit gewiffer Boltsschichten, also derer, die nicht alle werden. Verräterische Haltung der türkischen Nationalisten TU. Konstantinopel, 17. Februar. Die offiziöse Zeitung von Angora veröffentlicht folgende Er flärung Mustapha Kemal Pafchas: Unsere Beziehungen zu Mostau fahren fort, sehr freundschaftlich zu sein. Das will jedoch nicht sagen, daß wir die Prinzipien der kommunisten annehmen; denn die sozialen Bedingungen in der Türkei gestatten ihre Ausführung nicht. Die tommunistischen Parteien, die sich bei uns gebildet haben, haben dies eingesehen und ihre Tätigteit einges ste II t.(!?) Unsere Beziehungen zu Moskau gehen nur aus die Beibehaltung guter Nachbarschaft hinaus. Wenn wir an der Lon doner Konferenz teilnehmen, so tann teine Rede davon sein, das dadurch unsere Beziehungen zu Moskau beeinträchtigt werden. Die offizielle Erklärung Mustapha Kemal Paschas, des Hauptes der türkischen Nationalistenregierung, bestätigt, was wir schon mehrfach hervorgehoben: daß die türkischen Natio nalisten, die heute die Hilfe Mostaus entgegennehmen. unt gegen England zu kämpfen, morgen bereit sein werden, Mos fau zu verraten, um sich mit England zu verständigen. Dez in den diplomatischen Roßtäuscherkünften erfahrene Mustapha Kemal versichert zwar in seiner Erklärung, daß seine Teil nahme an der Londoner Konferenz die Beziehungen der tür lischen Nationalisten zu Mostau feineswegs beeinträchtigten Aber wichtiger als diese Phrase ist sein Bemühen, den Eng ländern gegenüber den Nachweis zu führen, daß die Türkei nicht daran denke, die Prinzipien des Kommu nismus anzunehmen. Aus den Worten, daß die kommunis stischen Parteien in der Türkei selber ihre Tätigkeit eingestellt hätten, fann man außerdem ersehen, daß einerseits die Grün dung dieser Parteien ein Schwindel war, und daz andererseits Mustapha Kemal jetzt den Augenblick für ges fommen erachtet, der beginnenden Arbeiterbewegung in der Türkei den Todesstoß zu versetzen. daß Der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Deutschlands, Paul Levi, wird nun in seiner nächsten Reichstagsrede die Möglichkeit haben, der deutschen Bourgeoisie die Politit Enver Pascha s noch mehr schmachaft zu machen, als dies bei seiner legten Rede der Fall gewesen ist. Wir sind übers zeugt, daß die bürgerlichen Parteien ihn dieses Mal besser verstehen werden, denn der beginnende Verrat der türkischen Nationalisten an Sowjetrußland und ihre Verleugnung Kommunismus liegt ihrem Herzen sicherlich näher als jener Nationalbolschewismus, den Paul Levi ihnen gepredigt hat Südslawien und Deutschland des Wir hatten schon vor einiger Zeit gemeldet, daß das füld flawische Kabinett den von deutschen und südslawischen Vertretern ausgearbeiteten gegenseitigen Handelsvertrag a b gedehnt hat. Dazu melden die Belgrader Blätter weiter, daß die fübflawische Regierung nicht nur dem projektierten Handelsvertrag mit Deutschland ihre Zustimmung versagt, sondern sich ii berhaupt wenigstens für die nächste Zeit, gegen die Wiederauf nahme der Handelsbeziehungen mit Deutschlan erklärt ha f. Gleichzeitig wird ein Abkommen mit Italien befanntgegeben, das zwischen den beiden Ländern ein Handelsregulativ schafft. Die füdslawische Presse benützt diesen doppelten Anlaß, um gegen diese Stellungnahme der Regierung zu protestieren. Denn nicht nur, daß die deutsche Industrie die einzig brauchbaren Waren für den fübflawischen Markt zu liefern vermöge, fo tomme Jugo lawien immer mehr in eine wirtschaftliche Abhängigkeit von Italien, mit dem sich die nationale Stimmung noch immer nicht ausgeföhnt habe. Auch der Ge der Gemeinschaftsverpflichtung. finnungsdrill wird vermieden. In der Freude der Arbeit, in det wärmenden Sonne der Lebensgemeinschaft wachsen die liebe vollen, hilfsbereiten, zielflaren und tatwilligen Charaktere heran Gerade in unserer Zeit, in der das Wirtschaftschaos und die Anarchie des Lebens alle herkömmlichen Werte zersetzt hat und noch mehr zersetzen wird, tann autoritativer Gesinnungsdrill gar nichts nügen. Unserer Zeit kann nur die Bindung Sicherheit gewähren tann nut die aus dem ureigensten Erleben sich selber knüpft, jene Festigkeit nügen, die im eigenen Leben, im eigenen Fühlen Denken, Wollen und Handeln Selbstsicherheit und antreibende Kraft gewinnt. Diese Gemeinschaftsschule ist die einzige Einheits schule, die das Proletariat für seine fünftige Entwicklung braucht Sie ist zu gleicher Zeit die Schule, die uns auf dem Gebiete det Erziehung aus der bestehenden Klassenherrschaft der bürgerlichen Gesellschaft befreit. Doch auch für fie gilt, was für jeden prole tarischen Befreiungstampf entscheidend ist: nicht der Staat, night die bürgerliche Gesellschaft kann uns diese Gemeinschaftschule schaffen, die Arbeiterklasse muß trotz all ihrer Nöte selber Hand ans Wert legen und mitten in unsere Klassengesellschaft hinein in zäher Kampfarbeit den Grundstein der Gemeinschaftsschule legen. aus den Musik Das für Mozarts Stil ist überzeitlich. Melodie strömt unendlich. Rhyth mus der Lebensfreude lächelt. Dithyrambische Bejahung strahlt den Kammermufitwerten für Blasinstrumente. neunte Konzert der Freien Volfsbühne bot eine Finnvoll zusammengestellte Auslese aus diesez Mulgattung Weffen Seele trug nicht ein Klingen mit in die Notwendigkeit des Alltags aus dem Klarinettenquintett, in dem sich die Melodie der Solzbläser zu Gesang verinnerlicht, aus dem Konzert Flöte und Harfe, in dem sich Ton mit Ton zu nie wieder e reichten, leuchtenden Zusammenklang vermählt, aus der Mufizier seligkeit der minutlösen C- moll- Serenade für zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Hörner und zwei Fagotte. Mitglieder Staatsoper leisteten in der fapriziösen Ausführung der einzelnen Stimmen und in der zusammenschwingenden Verwebung Insid gereiftes und innerlich Zwingendes. Die beiden eingestreuten Arien aus„ Figaros Hochzeit“ und„ Don Juan" wirften pro gramm- fonventionell und fielen aus dem Rahmen der Berans Staltung. ber Auf dem 5. Kammermusitabend des Klingler- Qartetts wurde auch Mozart gespielt, das Streichquartett Nr. 9 in B- dur Bon Musizierseligkeit war in dieser starrblütigen Mozartauf faffung fein Atemzug zu spüren. Eine unerklärliche, geistige Spro digkeit, die bis in die gewollte Art der Tongebung spürbar wurde, nahm besonders den beiden Mittelsägen jeden impulsiven Zug a 9 is It 3 5, De it es et es er at t. 5 ye it t, b it its 11 ent 0 oft cht 5 1 Sc Det Se ミ Die och Sts 211, zur 104 19 bt. Det en cht ute and ule th hit as ine ng Tett bie für eza Fers wei Der ich ten 204 and UT 20 de ug Von den Wiederaufbauern Einer Reihe von Fachzeitungen war vor einigen Tagen eine Beilage beigefügt, die einen Aufruf enthielt, der Deutschen Bolts, artei Geldmittel zur Durchführung des Wahlkampfes für die preußischen Landtagswahlen zu spenden. In der Einleitur g dieses Bettelbriefes der Kettensprenger" heißt es: Der 20. Februar wird entscheiden, ob die sozialistische Revoationsregierung in Preußen mit all ihrer Miß- und Protettionswirtschaft endlich beseitigt werden soll oder micht! Bleibt die Sozialdemokratie in Preußen weiter am Ruder, so wird sie mit Sicherheit ihre alte Stellung im Reiche ich wieder zurüderobern. Dann sind alle Anfänge zum Wiederaufbau dahin: Die 3 wangswirtschaft wird wiedertehren, der letzte Rest des Selbstschutes der Bürger zerbrechen, die Selbständigkeit der Existenz des einzelnen wird mehr denn je bedroht sein, die produttive Wirtschaft durch neue anjinnige Sozialisierungsexperimente ichtet werden. Darin liegt letzten Endes die ungeheure Bedeutung der preußischen Wahlen." ver= In der gestrigen Gigung des voffswirtschaftlichen Ausschusses| Mittwoch- Verhandlung hat aber eine große Weberraschung des Reichswirtschaftsrates erklärte der Reichstagsabgeordnete Dr. Hugo, daß er sein Amt als Reichsbevollmächtig= ter der Außenhandelsstelle für den Exporthandel niederlege, und zwar wegen des gegen ihn ausgesprochenen Verdachts, daß seine politische Stellung auf die Art der Führung seines Amts einen Einfluß haben fönnte. Diese Verdächtigung weise ez als jeder fachlichen Grundlage entbehrend aufs schärfste zurild. Herr Dr. Hugo erlaubt sich da eine kleine Verdrehung der Tatsachen. Nicht seine politische Stellung ist auf seine Führung der Geschäfte maßgebend gewesen, sondern umgekehrt, die Ge= schäfte haben die Politit des Herrn Dr. Hugo beeinflußt. Weshalb legt denn Herr Dr. Hugo nicht sein Reichstags mandat nieder? Erlauben das die Geldgeber nicht? Der Effener Ausnahmeprozeß Schwere Mihhandlungen der Berhafteten. Der si gebracht. Tom brod meldete fim plöglich freiwillig und verfekte dadurch den Gerichtshof in eine peinliche Aufregung. Bei seiner Bernehmung gab er an, daß er seit Januar 1919 beim Generalfommands Waiter in Münster als Spigel beschäftigt war. Während der Kapptage war er vorübergehend verhaftet worden, der Untersuchungsrichter hat ihn aber wieder freige= lassen, damit er in Material über die Borgänge am Waffers turm verschaffe. Nachdem er 15 Arbeiter des Mordes beschuldigt hatte, verschwand er. Nunmehr erflärte er vor Gericht, daß er in jedem einzelnen Falle eine wissentlich falsche Ausfage gemacht habe, um Geld zu verdienen. Er habe nicht geglaubt, daß sich aus seinen Aussagen ein derartiges, schweres Verfahren entwickeln würde und nehme deshalb heute alles zurüd, was er gesagt habe. Ja, er erklärte fich sogar bes reit, für seine falschen Aussagen eine Strafe ants zutreten. Des weiteren behauptete er, seine falschen Aussagen vor dem Untersuchungsrichter seien ihm in den Mund ges legt worden. Während der bisherigen Verhandlungen ist es wiederholt zu scharfen 3usammenstößen zwischen dem Vorsitzenden und bem Staatsanwalt einerseits und den Verteidigern andererseits Wie steht es um den„ Wiederaufbau" der Deutschen Bolts- Kronzeuge, ein Spigel, nimmt feine Aussagen zurück gekommen. Mögen während der Kämpfe um den Wasserturm partei? Bis zum Ueberdruß haben die Hand- und Kopfarbeiter die Phrase gehört:„ Nur die Arbeit kann uns retten!" Handund Kopfarbeiter mit Familie wollen gern arbeiten, aber das Unternehmertum treibt Sabotage, indem es Kurzarbeit einführt oder Betriebe stillegt, wenn der dreimal heilige Profit geschmälert werden tönnte. Und wie verstehen es die Agrarier, die Parteigänger der Deutschen Voltspartei und der Deutschnationalen, die Preisschraube für alle Landesprodukte immer schärfer anzuziehen, die notleidende Bevölkerung bis auf Den letzten Blutstopfen zu schröpfen! Es sei nur an die Preise für Milch, Brot und Kartoffeln erinnert. Diese Wucherwirtschaft hat die Reichsregierung, in der die Wiederaufbauer sigen nach Kräften unterstützt. Der Afruf der Deutschen Bollspartei fordert die Beseitigung der preußischen Revolutionsregierung" mit all ihrer Miß- und Brote Ationswirtschaft. The liegen die Dinge tatsächlich? Die Verhandlungen im Fauptausschuß des Reichstages müssen doch jeden, der nicht mit Echeutlappen umherläuft, unwiderleglich bewiesen haben, daß Korruption und Mizwirtschaft Kriegserscheinungen sind, an denen die Wiederaufbauer die Hauptschuld tragen. Dem Abgeordneten van den Kerthoff, einem Führer der Deutschnationalen Volkspartei, wurde nachgewiesen, daß er schon während des Krieges, als Direktor des Stahlwerts„ Krone", in vielen Fällen Schmiergelder gezahlt hat, so daß sich der Staatsanwalt noch mit dieser Angelegenheit eingehend beschäftigen wird. Schoff hat ferner von seinem Geldschrank amtliche Siegel eigenachtig entfernt. Die von ihm geführten Geheimbücher, seine Steuererklärungen, Atten aus dem Berufungsverfahren und über Teine Abgabe vom Vermögenszuwachs sind verschwunden. Betrachten wir nun näher eine führende Größe der Deutschen Batspartei. Der Abgeordnete Dr. Hugo ist Leiter der Außenhandelsstelle für den Exporthandel und bezahlter Geschäftsführer des Verbandes der Ledergroßhändler Deutschlands. Diese Außenhandelsstelle hat die Ausfuhrerlaubnis für Klosettpapier erteilt, bas in Wirklichkeit- 3eitungspapier ist, nachdem die zutändige Außenhandelsstelle für Bavier die Ausfuhr dieses Klofettpapiers" wiederholt abgelehnt hatte. Der voltsparteiliche Ab geordnete Dr. Hugo hat sich schon früher als tüchtiger Geschäftsmann erwiesen. Er hat von dem Verbande der Lebergroßhändler Deutschlands, dessen bezahlter Geschäftsführer er ist, wie es heißt: fir seinen Reichstagswahlfonds 89 400 m. erhalten. War das der Gegenwert" der Ledertapitalisten für die von der Lederindustrie und dem Lederhandel geforderte und von dem deutschvolksparteilichen Abgeordneten Dr. Hugo in schärffter Weise perfotene Aufhebung der 3wangswirtschaft für Leder? Was sind 89 400 9. für die Ledergroßkapitalisten gegenüber den ungezählten Millionen, die nach Aufhebung der awangsweisen Bewirtschaftung des Leders durch die grenzenlofen Breissteigerungen für Leber und Schuhe auf Kosten der breiten Masse der Lederindustrie und dem Lederhandel mühelos in den Schoß fielen? Die arbeitenden Klassen wissen und müssen es am eigenen Leibe fäglich erfahren, wohin der sogenannte Wiederaufbau" der rechtsstehenden Parteien führt. Eine Aufwärtsentwidlung" mögen diese wohl herbeiführen, aber nur im Sinne des kapitalistischen Geldsades, nicht im Sinne einer geistigen und körperlichen Höherentwicklung des arbeitenden Voltes. Dafür entluden fich in Beethovens Es- dur- Quartett op. 127 alle seelischen Gewalten. Das Inhaltliche war restlos von den SpieIenden aufgefogen und entäußerte sich als Quintessens höchster vers geistigter Zusammengehörigkeit. Bon Rezincets Cis- moll Streichquartett, das uraufgeführt wurde, hörte ich nur die beiden legten Säge. Soweit aus diefer unvollkommenen Aufnahme über. haupt eine Einstellung resultieren tann, vermisse ich das Orga nische im Aufbau und das Substantielle sowohl in der melodischen wie harmonischen Erfindung. Das Experimentieren mit einzelnen Kombinationseffeften trägt orchestralen Charakter; im überwiegend Attordlichen ist die quartettistische Linie zersetzt. Weit Eng verwandte geistige Auslösungen greifen bei Josef Rosenstod in seiner Doppelbegabung als Bianist und Kom ponist ineinander. Wie in seinem Klavierspiel vorläufig noch dynamische Differenzierung und jegliche Klangfultur fehlen, wie Grobes und Unverarbeitetes über die Tasten poltert und sich tro allem ein startes persönliches Temperament durchringt, so verrät die Kompaktheit feines Klavierjazes tros seiner schulmäßigen, altmeisterlichen Struktur und trotz der geringen Variabilität der Dynamisierungsstala beachtenswertes Gestaltungsinstinkt. unfruchtbarer erweist sich die akademische Art seines Komponierens in seinen Liedern, von denen Boul Madsen zwei CaesarFlaifchlen- Bertonungen erstmalig fang. Die regelstrenge, tontras punktierende Klavierbehandlung wirfte in ihrer Farblosigkeit ausbrudstot. Die Armseligkeit an Inspiration und Ausdruds vermögen wurde durch die Kontrastierung mit Schrekerschen Lie dern völlig entblößt. In der vignettenartigen Untermalung intimer, in sich verhaltener Stimmungen, wie sie aus Gedichten von Stefan George und Rainer Maria Rilke schimmern, lebt Greters tostbare impressionistische Meisterschaft. Der tanz und mondscheinromantische Sput" ist ein unerreichtes Kunstmerfchen, voll Zauber in den elfisch glitzernden Nuancen und dem fernher dazwischenklingenden Dorfschentenwalzer. Bieclav Novats Notturno in G- dur, Der Nachtwind singt" ist ein Wert voll reifer Stimmungswerte, John Adlen Carpenters Licht, mein Licht" leidenschaftlich melodischer, inhaltsreicher Gesang. Poul Madsens Organ ist vollkommen verfungen. Der geniale Pianist Walter Gieseting rettete als unvergleichlicher Begleiter und Inter pret die heifle Situation. In der Philharmonie fanden dicht hintereinander zwei Mahler- Abende statt. Heinz Unger dirigierte die 7. Symphonie im IV. Konzert des Anbruch", Bruno Walter Das Lied von der Erde" im VI. Meistertonzert. Während Heinz Unger noch mitten in der Entwidlung steht, aber voll jugendlich traftvollem Temperament die diftere„ Siebente" mit ihrem machtvollen Austlang in allen Tiefen und Gegenfäglichkeiten durch wühlte und ungeheure seelische Spannungen erzeugte, ist Bruno Walters Auslegung durchreifte Darbringung. Ich hätte mir seine Auffassung an einzelnen Stellen der Tenorgesänge jubelnder und Rügellofer gewünscht; flangberauschend waren die Schwebenden Baleurs bis zu den feinsten Unterschieden gegeneinander abge: tönt. Frau Charles Cahier fang die Altpartie mit überlegener Geistigteit. Carl Günther fämpfte mit seinem unzureichenden Tenor vergeblich gegen die Flut des Orchesters an, seine Stimme Am 10. Februar begann in Essen vor dem Schwurgericht ein Prozeß gegen 15 Arbeiter, die während der Märztage gegen die Kapp- Truppen im Ruhrgebiet gefämpft hatten. Bei der Einnahme von Essen durch die Arbeiter entspann sich um den Wasserturm ein heftiger Kampf. Dort hatte sich die grüne Polizei festgelegt, die ebenso wie in anderen Orten Deutschlands auch im Ruhrgebiet mit den Kappisten gemeinsame Sache machte. Die anrüdenden Arbeiter wurden vom Wasserturm aus wiederholt hinterrüds mit Maschinengewehren beschossen. Als die Arbeiter auf den Turm loszogen, wurde von oben herunter eine geballte Sandgranatenladung geschleudert. Ueber das hinterhältige Treiben der im Wasserturm stationierten Truppen waren die Arbeiter so empört, daß sie den Wasserturm stürmten. Es tam zu einem Handgemenge, dabei wurden 11 Mann der Besatzung erschlagen, der Rest als Gefangene abgeführt. Bei den Kämpfen im Ruhrgebiet handelte es sich, wie jedermann weiß, um eine politische Aktion der Arbeiter zur Abwehr eines Obwohl im Ruhrgebiet die hochverräterischen Vorgehens. Reichswehr bei ihren Einzug Hunderte von Arbeitern falt= blütig abgeschlachtet hatte, und zwar in vielen Fällen Bersonen, die gar nicht an den Kämpfen teilgenommen hatten, sondern nur von irgendeinem Schuft denunziert worden waren, hat fich bisher kein Gericht veranlagt gesehen, gegen die Mörder in Reichswehruniform vorzugehen. Jcht wird den 15 Effener Arbeitern der Prozeß wegen ,, Mordes" gemacht. Wir haben es also mit einem Ausnahmeprozeß zu tun, der bei der Arbeiterschaft den Eindruck hervorrufen muß, daß noch einmal Race an ihr genommen werden soll, weil sie während der Märztage die verbrecherischen Reichswehr- Generale und ihren deutschnationalen Anhang davonjagte. Die Antlage baut sich zum großen Teil auf beweislose Berdächtigungen und Beschuldigungen auf. Die Angeklagten befinden sich seit längerer Zeit in Untersuchungshaft und es fonnte vor Gericht festgestellt werden, daß die Berhafteten von den Reichswehrsoldaten und der grünen Polizei im Gefängnis geradezu vichisch gemißhandelt worden sind. Der Angeklagte Schröer wurde z. B. mit Seitengewehrschlägen und Fußtritten bearbeitet. Er mußte sich auf der Wache ausziehen, wurde über eine Bank gelegt und von sechs Mann mit Reitpeitschen und Gummitnüppeln, die an ihren Enden mit Schrauben versehen waren, blutig geschlagen. Bei seiner späteren Einlieferung ins Ges fängnis fonnte der Arzt feststellen, daß sein Körper Don 20 Wunden bedeckt war. Noch heute trägt sein Körper große Narben, auch am Kopfe find Spuren der Mißhandlung noch deutlich zu erkennen. Die Geschworenen tonnten sich wäh rend der Verhandlung davon überzeugen. Durch die Züchtigungen wehrlos gemacht und in fürchterliche Angst versett, machte der Angeklagte Schröer Angaben, die er heute nicht mehr aufrechterhalten kann. Im Gefängnis wurde dauernd nach Hilfe gerufen, da auch die andern Angetlagten gepeinigt und gefoltert wurden. Um diesen barbarischen Mihhandlungen endlich zu entgehen, machten die Angeklagten Aussagen, die nicht der Wahrheit ensprachen, sie wollten durch Selbstbezichtigungen lediglich von ihren Beinigern befreit werden. Das Fundament der ganzen Antiage beruht aber auf die Ausfagen eines Spigels und Propotateurs Sans Tombrod aus Hoerde. Er war bis im Herbst 1919 Bor= sigender der K. B. D. in Hoerde und rourde dann von feinem Posten entfernt, weil seine Parteigenossen von seiner Spigeltätigteit erfahren hatten. Tombrod hat bis in letzter Zeit mit der Polizei in Verbindung gestanden und hat sich durch sein unsauberes Handwerk große Geldmittel verdient. Jetzt, wo er vor Gericht seine Angaben beschwören sollte, wurde Tombrod flüchtig, die Bolizei behauptete, er sei nirgends zu finden. Die war stellenweise gänzlich zugedeckt; von einer innerlichen Kongruenz mit dem Inhalt des Wertes war nichts zu spüren. In beiden Konzerten, besonders in der 7. Symphonie, bewältigten die Blechbläser nicht restlos die technischen Anforderungen. F. F. Windisch Shandgelb der Bourgeoisie. Die„ Neue Freie Presse" in Wien, die schmuzigste deutsche Zeitung, veröffentlicht triumphierend folgende Notiz: Große Spenden für die Sammlungen der„ Neuen Freien Preffe". Für die hungernden und frierenden Wiener Kin der wurden uns unter dem Motto„ Im Versteige= rungswege für einen Sigplay im Speisewager Bassau- Wien einer schönen Frau gegenüber" 10 000 kronen zugemittelt. Sat man so etwas Edelhaftes schon gesehen?! Während Millionen Erwachsene und Kinder frieren, hungern und schließlich trepieren, finden sich in einem österreichischen Speijewagen in einem D- 3ug einige Burschen zusammen, die in fröbler Laune den Platz am Tisch einer schönen Frau gegenüber" zu versteigern beginnen. Schließlich findet sich ein fapitalistischer Schmaroker, der für dies Vergnügen 10 000 kronen auf den Tisch legt. Und um den Jug voll zu machen, wird das Geld den hungernden Kin dern geschentt. Wir habens ja, warum sollen wir nicht novel fein! Ueber die Moral der Gesellschaft, die solches tut, tann man fich noch entrüsten. Für das Blatt, das solches begeistert brudt, ist aber wirklich jeder Spudnapf zu gut. Man sieht an diesem Fall aber auch, wie foloffa! piel die Bourgeoisie von ihrem Gelde ben Armen opfert. Gerade so viel wie für einen Sitzplay ,, einer schönen Frau gegenüber". Tages- Notizen Beranstaltungen von Neuföln. Vom 19. bis 28. Februar wird als Abschiebsvorstellung bes Marionettentheaters Tischlein bed bid gespielt. Die Vorstellungen finden täglich von 3½ Uhr ab im Lazeum, Perliner Str. 10, flatt. Karten zu 75 Pfg. Find im Rathaus, Zimmer 226, zu haben. Eintrittstarten für das Neutörner Marionettentheater sind auch auf dem Jugendamt in Bris, Rochowstraße, zu haben. Am Sonntag, 20. Februar, 7 Uhr, findet in der Aula der Realschule ein heiterer bend statt. 5ermann Böitet vom Staatstheater wirb Borträge heiteren und ernten Charakters und Lieber zur Laute su Cehör bringen. Eintritistarien 2 W. Bet ben bekannten Verkaufsstellen und im Rathaus, 3immer 218. Musit. Das am Sonntag in der Hochschule für Must stattfindende Konzert ber Typographia"( Gesangverein Berliner Buchdruder und Schriftgießet), Chormeiffer Alexander Weinbaum und Paula Weinbaum( Alt), ist ausverkauft. Wiederholung des Konzerts Sonntag, 27. Februac, nachmittags 3% Uhr, in ber Hofhule für utt, Bafanenstr. 1, Ede Sarbenbergstraße. Theater. Zum 50. Mal wurde in den Kammerspielen Goethes„ Stella" gegeben. Diese Aufführung, eine der schönsten, die gegenwärtig zu sehen, ift fo rein und feusch wie es einst die ersten Werte bes jungen Reinhardt waren. Die herrliche Dichtung tommt durch das Zusammenspiel von Agnes Straub und Helene Thimmig su ergreifenber Witfung. Die begabte Tänzerin Ribby 3mpetoven tritt in den Sammerspielen am 23. und 25. Februer auf. Engagementlofe, Schauspieler. Die nächste Vollversammlung des Schuhver banbes Freier Bühnenangehöriger, Ortsverband Berlin der 6. D. B.. finbet Freitag, den 18. b. M., 8 Uhr, im Wilhelmshof, Anhalts Straße 12, Ratt tatsächlich einige Arbeiter in der Erregung Handlungen begangen haben, die niemand entschuldigen tann, so bleibt doch die Tais fache bestehen, daß auch dieser Prozeß ein Ausnahmeprozeß ist. Wir wiederholen noch einmal: gegen die vielen Mörder der Reichswehr ist bisher noch fein Gericht eingeschritten, am affers wenigsten im Ruhrgebiet, wo die Hüter der Ordnung", aufges flachelt durch tappistische Officiere, wie die Hunnen gehauft haben. Deutschnationale Wahlpropaganda Unter dieser Stichmarte brachten wir am 10. Februar die Mita teilung, daß die Deutsch nationale Volkspartei in einem Flugblatt fromm und frech behauptete: Für die Uns abhängigen timmen nur Lichtgroschenjungen und Indengenoffen. Wie nagelten die Reichstags-, Landtags- und Stadtverordneten führer dieser Bartet namentlich fest, denn sie tragen für die Gudel schrift die moralische Berantwortung. Inzwischen ersuchte uns der deutschnationale Stadtrat e ge mitzuteilen, daß er mit diesem pöbelhaften Flugblatt nichts zu tun habe. Die ebenfalls benanna ten Deutschnationalen Steiniger und Koch hüllen sich in Schweigen. Wir wollen nun etwas deutlicher werden. Dieses ers bärmliche Flugblatt fordert zum Anschluß an die deutschhnationale Boltspartei auf eine Beitrittserklärung an das Partei- Sekre tariat ist beigefügt. Wer ist nun der Sekretär der deutschnatio nalen Volkspartei für Berlin? Kein anderer als der Amtsrichter a. D. von Lindeiner. Mitglied der Berliner Stadtverordneten Versammlung. Er wird im Roten Hause Rede und Antwort stehen müssen, ob er diese Eudelschrift beat. Spaltung der rumänischen Sozialisten. Der Kongreß der rus mänischen sozialistischen Partei, der die Frage des Beitritts zur dritten Internationale zum Gegenstande hatte, endete nach dreis tägigen heftigen Debatten wie in Deutschland, Jialien und Franks reich mit einer Spaltung der sozialistischen Bartet. Die Zahl der zu den Kommunisten übergegangenen Parteimitglieder ist nicht groß. Die sozialistische Rumpfpartei beschloß, die Frage des Beis iritts zur dritten Internationale durch Abstimmung des gesamten rumänischen Proletariats entscheiden zu lassen. Die Abstimmung über den Anschluß an Moskau ist auf den 8. Mat festgesetzt worden. Die Sozialisten glauben schon jett, auf eine überwältigenbe Mehrheit für die Ablehnung der 21 Bedingungen Lenins rechnen zu können. Deffentliche Wählerversammlungen Donnerstag, den 17. Februar: Staaten. Restaurant Wolff, Spandauer Straße. Ziefwerber: Sportflubhous Ethulz. Safelhajt. Boltsschule. Referent: Gemeindevorsteher Eggert Baumschulenweg. Abends 7 Uhr öffentliche Berjammlung in Brauns Gesellschaftshaus, Bahnhof Treptow. Referentin: Ge noffin Bed. Referent: Freitag, den 18. Februar: Spandau. Kochs Bismardsäle ,, Feldstraße 52. Reichstagsabgeordneter Dr. Herh. Siemensfabt. In Siemensstadt- Festjäle, Kapellensteig 4. Rei ferent: Landtagstandidat Ra bold. Bierter Diftrift. Am Dienstag, den 15. Februar, sprach in Graumanns eftfäfen vor einer zahlreichen Zuhörerschaft die Landtagstandidatin Genoffin Lehrerin Elise Bed über das Thema:„ Die Schule und die preußischen Landtagswahlen." Die Referentin führte dabei aus, daß die heutige Schule, in der der Arbeiter nicht einmal so viel lezne, um einen Bericht zu schreiben und fich dabei fremder Silfe bedienen muß, fehr verbesserungss bedürftig ist und nur durch die weltliche, die Einheitsschule bas Ziel erreicht werden tann, das wir uns gesteckt haben. Wenn es aber bis jegt noch nicht möglich gewesen ist, das uns gestedte Biel zu erreichen, so liegt es daran, daß die Kirche über die Schule noch einen großen Einfluß ausübt, und besonders ist es die fatho Tische Kirche, die die Eltern vor der Einheitsschule gruselig macht. Um dieses zu ändern, wäre es aber nötig, die jetzige tapitalistische Wirtschaftsweise in die sozialistische umzuändern, zumal bie heutige tapitalistische Gesellschaft das größie Interesse daran hat, die Arbeiter und Arbeiterinnen in der Dummheit zu erhalten. Darum, so führte die Rednerin zum Schluß aus, ist es Pflicht eines jeden Mannes und jeder Frau, am 20. Februar zur Wahl zu gehen und seine Stimme abzugeben für die 1. S. P. D., die dis Verschlechterungen der Schule beseitigen wird. Die Dis tuffion, in der Alt- und Neufommunisten ihre Sprüchlein ableierten, dehnte fich so lange aus, daß die Genossin Bed erst um 12 Uhr das Schlußwort halten fonnte. Mit einem Hoch auf die u. G. B. D. wurde die Versammlung geschlossen. Reinidendorf- West. Am 15. Februar richtete Genosse Loh. mann einen lekten Appell an die Reinickendorfer Wählerschaft. Er hob besonders das Wahlrecht der Frauen hervor, das sie durch die Revolution erhielten. Es muß den Frauen immer wieder vos Augen geführt werden, daß fie für den Ausgang der Wahlen ent Scheidend find. Dann schilderte Genosse Lohmann noch einmal furz die preußische Bolitik und schloß mit der Aufforderung, alle Stimmen der U.S. P. zu geben, In der Diskussion sprach ein Rebner der V. K. B. D., natürlich über den offenen Brief und unsere Genoffin Kiesel. Im Schlußwort ging Genoise Lohmann auf die Ausführungen des Kommunisten ein und widerlegte sie unter lebhaftem Beifall. Friedrichshagen. In der zweiten öffentlichen Wählerversamm lung, die von unserer Partei veranstaltet wurde, sprach Genost Seger über die Bedeutung der Landtagswahlen. Da sich nach feinem fachlichen, mit lebhaften Beifall aufgenommenen Referal troy mehrfacher Aufforderung niemand zur Diskussion meldete, ergriff Genoffe Seger noch einmal das Wort und behandelte in furzen Ausführungen die Folgen der Parijer Konferenz, dit Stellung der U. S. P. dazu und die wahnsinnige Politik der Kom munisten. Danach wurde die Versammlung geschlossen. Soeben erschien 11. bis 20. Tausend Wir demonstrieren! 5 Lieder für Massengesang ** Preis 50 Pfennig** EX Wiederverkäufer hoher Rabatt BUCHHANDLUNG„ FREIHEIT Groß- Berlin Achtung! Wahlscheine werden diesmal nicht versandt. Jeder Wähler Mann wie Frau verfehe sich deshalb für den 20. Februar mit einem Ber sonalausweis; Geburtsurkunde oder Taufschein, Trauschein, polizeiliche Anmeldung, Steuerquittung usw. Zur Ausübung des Wahlrechts ist die preußische Staatsangehörigkeit nicht erforderlich. Alle über 20 Jahre alten reichsdeutschen Männer und Frauen, die in Preußen wohnen, find wahlberechtigt. Keiner bleibe zu Hause! Jeder wähle Unabhängig! Maßregelung beim Kommunalbetrieb Lichtenberg. Anfangs Oktober v. J. wurden die Kollegen S. und R. als Silfsarbeiter für die Stadthauptkasse in Lichtenberg eingestellt. Laut Tarif mußten sie ein Formular ausfüllen, nach dem sie eine vierwöchige Probezeit durchzumachen hätten, um dann, wie jeder andere Hilfsarbeiter, angestellt zu werden. Als die beiden ihren Dienst antraten, wurden sie zunächst gezwungen, Ueberstunden zu machen, be, wie die Beamten ihnen sagten, es im dringenden Interesse des Geschäftsbetriebes läge. Von dieser Ueberarbeit überzeugten sich auch die Kollegen, nur mit dem Unterschied, daß es nicht ihre Aufgabe wäre, sie zu verrichten, sondern für sie andere arbeitslose Kollegen genug vorhanden wären. Zusammen mit ihrem Angestelltenrat gelang es ihnen, dieses durchzusetzen. Die Ueberstunden hörten auf, und zwei neue Hilfskräfte traten ihren Dienst an. Dieses zielbewußte Vorgehen war aber durchaus nicht nach dem Geschmad der Herren Beamten und Oberbeamten. Sofort erschien ein Beamter der Personalabteilung, der den beiden Kollegen ein ganz neues Formular vorlegte, nach dem sie nur für eine Aushilfsarbeit auf 6-8 Wochen eingestellt wären. Als Grund zu Diesem Umstoß der Engagementsbedingungen gab er an, daß hier lediglich ein Versehen und eine reine Formalität vorliegt. Da er hierbei einerseits mit Bitten und Bersprechungen auf eine endgültige Einstellung, andererseits aber mit der Drohung über fofortige Entlassung, vorging, waren die beiden Kollegen gezwungen, das neue Schriftstück zu unterschreiben. Nachdem nun diese Zeit verlaufen, wurden die Kollegen immer wieder gezwungen, neue Verträge auf Verlängerung der Beschäftigungszeit zu unterschreiben, immer, nachoem ihnen gesagt wurde, daß sie die ersten wären bei Neueinstellungen. Die Beamten hielten Wort. Neueinstellungen wurden vorgenommen und angetreten, aber nicht von den beiden Kollegen. Jegt, im Februar, segte man sie wieder, nach einer Beschäftigungszeit von vier Monaten, glatt auf die Straße, von der sie hergefommen. Der Zentralbetriebsrat der Kommunalbetriebe Lichtenbergs hat sofort Protest gegen die Entlassung eingelegt und fich für die Wiedereinstellung der beiden Kollegen eingesezt. Als den allein Schuldigen bezeichnet er einen in jeder Weise rüdfrittlichen Sekretär namens Schubert, mit dem die Arbeiter und Angestellten schon längst im größten Maße unzufrieden sind. Die Spekulation der Dentschnationalen Aus Babelsberg wird uns gefchrieben: Der Bart Babelsberg angt zurzeit im Schmuck von deutschnationalen Wahlplataten. Die Deutschnationalen glauben, die Arbeiter und Angestellten der ehemals fönigl. Gärten zur Stimmabgabe für ihre Partei zu ge winnen. Da dürften sie sich arg verrechnen. Die hiesige Arbeiterschaft tennt zur Genüge das Wohlwollen der Hohenzollern und ihrer Stützen, der Deutschnationalen. Mußte man sich doch jahrelang mit den erbärmlichsten Lohnverhältnissen zufriedengeben. Die Arbeiterschaft wird es nie begreifen tönnen, daß man Sunderte von Millionen für ihren verflossenen Arbeitgeber nach holland senden will, während man den Arbeitern, die heute noc bem Ministerium des vormals föniglichen Hauses unterstellt sind, die größten Schwierigkeiten bereitet, zeitgemäße Arbeitsbedingun gen zu schaffen. Zur Illustration, wie man für die Sinterbliebenen aller Arbeiter sorgt, diene folgender Fall: Im Gutsbezirk Babelsberg wohnt eine alte Witwe B. im Alter von 84 Jahren. Ihr Mann war über 30 Jahre in der fönigl. Sofgärtnerei beschäftigt. Diese Frau bekommt eine Rente von fage und schreibe 25 St. monatlich. Bereits im Oktober 1920 ist som Gutsversteher ein Gesuch nach dem Hausminifterium abges gangen, um eine Rentenerhöhung für diese alte Frau zu er reichen, jedoch ist der Erfolg bis heute ausgeblieben, so daß sich biefe arme Frau in bez bittertfter Rot befindet. Die Arbeiter und Angestellten fahen sich veranlaßt, eine fleine Sammlung zu Stoffe für Herren Anzüge, fter, Baletots, Damenskostüme, Meter 50.-, 100.-, 150.-, 200.- Mark. Nur langjährige Berbindungen mit altbewährten Fabrikanten birgen für preiswerte, gute Dualitäten. Koch& Seeland Gegr. 1893. Gertraudtenstr. 20-21. Gegr. 1893.b. H. veranstalten, um dieser armen Witwe eine ffeine Weihnachts freude zu bereiten. Kommentar überflüssig. Jedenfalls wird die hiesige Arbeiterschaft den Deutschnationalen bei der Wahl die gebührende Untwort erteilen. Eine verhinderte 100- Millionenschiebung Ein schwunghafter Sandel mit gefälschten Ein- und Ausfuhrbewilligungen war anfangs vorigen Monats Beamten der Abteilung W des Berliner Polizeipräsidiums zur Kenntnis gelangt. Es handelte sich hauptsächlich um Einfuhrbewilligungen für Auslandszucker. Die Beamten hatten erfahren, das eine solche Einfuhrbewilligung über 6000 To. Auslandszuder einem hiesigen Großgeschäft angeboten worden war. Da der Zuder einen Wert von 118 Min. Mart darstellte, so forschten die Beamten nach, ob es mit der Einfuhrgenehmigung seine Richtigkeit habe. Es gelang ihnen, den Schein am Tage vor der Uebernahme des Zuders zu beschlagnahmen. Um die Fälschungszentrale ausfindig zu machen, wurde die Beschlagnahme verheimlicht und die Lieferanten ersucht, noch eine besondere Bescheinigung für die ungehinderte Einfuhr zu beschaffen. Aber auch diese war in wenigen Stunden zur Stelle. Die Uebergabe der Bescheinigung, die in einem Café am Kurfürstendamm stattfand, führte zur Verhaftung der beiden Lieferanten der Fälschungen. des Kaufmanns Otto v. Gutzeit und des Zinkdruders Bunte. Die weiteren Ermittlungen und Nachforschungen der Beamten der Abteilung W führten dann auch bald nach der eigentlichen Fälscherzentrale am Tegeler Weg 10 in Charlottenburg. Ein Schlosser Borchert Batie dort von einer Witwe ein Zimmer gemietet und in diesem stellte er zusammen mit dem Zinidruder Bunte die Fälschungen her. Diese waren sehr täuschend nachgemacht. Eine Durchsuchung der Wohnung führte auch zur Beschlagnahme der besten technischen Hilfsmittel. Der angebliche Schloffer Borchert gibt an, das gesamte Stempelmaterial von der illegalen fommunistischen Partei" erhalten zu haben. Bei dem Berhafteten wurden in einem Roffer sorgfältig perpadt noch nachgemachte Gummistempel vorgefunden. Mit Hilfe dieser Stempel und der dazu beschlagnahmten Vordruce waren die Fälscher in der Lage, vollgültige" Ausweispapiere aller Art zu liefern. Durch die Aushebung der Fälscherzentrale ist das Reich vor weiterem großen Schaden bewahrt worden. Neue Fahrkarten auf der Stadt- und Ringbahn. Die außer ordentliche Berteuerung der Preise für Fahrtartenpappen zwingt nun auch die Eisenbahnverwaltung dazu, in ihrem Betriebe in der Ausgabe von Fahrkarten ein fleineres Format für die Fahr: farten zu wählen, um auf diesem Wege Ersparnisse zu erzielen. Borläufig ist jedoch nur beabsichtigt, die neue Form der Fahrtarten, die im Berlehr auf der Hoch- und Untergrundbahn besteht, im Berliner Stadt- und Ringbahnverkehr zur Ausgabe zu brin gen. Wie auch auf der Hochbahn sollen die Fahrkarten nur die Hälfte der bisherigen Größe haben und je zwei zusammenhängend mit nur einer Ordnungsnummer hergestellt werden. Da auf der Stabt und Ringbahn seit einiger Zeit der Einheitstarif eingeführt ist, so werden nur vier Arten der neuen Karten in den Verkehr gebracht werden, und zwar für Kinder und Erwachsene in jeder Klasse eine besondere Fahrkartenform. Der Reichsfiskus um 1 Millionen betrogen. Ein großer Prozeß, der sich gegen den früheren Angestellten des Kaufmanns Georg Stlarz, Ernst Sonnenfeld, und sieben andere Bersonen richtet, beginnt am nächsten Montag vor der vierten Straffammer. Hauptangeklagter ist der 25jährige Ernst Sonnenfeld. Er soll mehrfache zum Teil schwere Diebstähle bei Georg Sflatz begangen, ferner den Reichsfisfus um etwa 1% Millionen Mart beirogen, Urtunden gefälscht und wichtige Papiere politischen Inhalts fich angeeignet haben. Gemeinsam mit seinem Bater soil er ferner eine Erpressung gegen Georg Stlarz versucht haben. Der Bater, Hermann Sonnenfeld, die Mutter, der Schwiegerlohn und der Bruder Herbert werden der Beihilfe bzw. der Hehlerei beschuldigt. Ein Registrator Bruno Rätsch, der in die Sache mit permidelt war, hat sich inzwischen erschossen. Ferner find ange= flagt die 25jährige Stenotypistin Gertrud Schlad, die frühere Verlobte Ernst Sonnenfelds, die diesem bei der Flucht nach Solland behilflich gewesen sein soll, und der Hauptmann a. D. Den Frantenberg und Ludwigsdorf. Dieser war früher im Nachrichtendienst des Großen Generalstabes tätig, ist dann Geschäftsführer der Silazzschen Marketenderei geworden und wird des Be= truges gegen den Reichsfistus beschuldigt. Endlich muß auch der Oberkontrolleur des Reichsbeauftragten für Ueberwachung der Ein- und Ausfuhr, Kaufmann Heinrich Bumann, auf der Anflagebant erscheinen. Er soll in unzulässiger Weise bei den Geldsendungen des Vaters Sonnenfeld an seinen Sohn in Holland mitgewirkt haben. Ernst Sonnenfeld foll einen großen Teil der defraudierten Gelder auf Roften feiner Berwandten eins gezahlt, ferner Möbel, Belze, Automobile und andere Lurusgegenstände angetauft haben. Er ist schließlich in Holland gemeinsam mit seiner Verlobten verhaftet und ausgeliefert worden. Für die Verhandlung sind etwa drei Wochen in Aussicht genommen. Boraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Freis tag. Ziemlich mild, überwiegend trübe und etwas neblig mit geringen Niederschlägen und frischen westlichen Winden. Fahrräder gummiberelt sex 76.- an. Spezialbecke 48.- ,. Leinemand Spesialschlauch 17Continentalbedie 62.Gummibereifung für Kinder wagenräber Karbid, Rilo 4.25 3. Matowsky& 3erbit Danziger Straße 75. EZ Spezialarzt Wenn eins frant wird in der Familie ist der beste Ratgeber Der Dr. Feldmenn behand. fchnell, gründlich, möge lichft fchmerzl u. ohne Berufs ftorg. Gefchlechtskrankheit., Syphilis, Sauts, Barns, Frauenleiden, Schwäche. Erprobtefte Methoden Sarns u. Blutuntersuchung Bahnhof Königstr. 34-38, Alexanderplatz Spr. 16-1 1. 5-8, Sonnt. 10-1 Ranchtabak, fund 18 Mk. kleine Samariter" and, Gr. 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Der Artikel erklärt, daß sogar in den leitenden wirischaftlichen und industriellen Zentralstellen der Sowjetrepu blit eine allzu gleichgültige und sogar ablehnende Stellung zu der Frage des Arbeiterschußes herrsche. Vielfach werde der Standpunft vertreten, daß die Gedanken des Arbeiterschutes gegen wärtig eine philanthropische Sentimentalität dars stellen, die sich mit der Hauptaufgabe des Augenblids, nämlich der Erhöhung der Arbeitsproduktivität, nicht vertrage. Das Ers gebnis sei, daß aus allen Enden Rußlands, aus den Betriebs räten, Gewerkschaften, Jugendverbänden usw. Silferufe wegen der schlimmsten Vernachlässigung der Grundprinzipien des Arbeiterschutzes und wegen der häufigen Verlegung der entsprechen ben Gesetzgebung laut werden. Nicht selten sind die Fälle, wo auch leicht erfüllbare und für die Erhaltung der Gesundheit und des Lebens der Arbeiter unbedingt notwendige Forderungen von seiten der wirtschaftlichen Organe völlig vernachläfigt werden. Durch dieses Berhalten werden lediglich die entgegengesezten Vers hältnisse erzielt. Die Ueberstunden, die häufig ohne ernite Notwendigkeit und in ungeheuerlichem Umfang eingeführt werden, der Mangel an& efertagsruhe, die Richtbeachtung der Gesetze über den Schuß der Kinder- und Frauenarbeit haben nur eine Erhöhung der Krankheits- und Urlaubs zahlen und des Arbeitsausfalls unter der Arbeiterschaft, frühe Invalidität, erhöhte Sterblichkeit und Zunahme der allgemeinen beruflichen Erkrankungen im Gefolge. Sehr start habe sich die Zahl der Unglücksfälle wegen des nach lässigen Verhaltens zur Sicherung der gefährlichen Maschinen und Maschinenteile gesteigert. Die gesundheitsschädlichen Zustände in den Betrieben erreichen einen unzulässig hohen Grad, id es werden nicht einmal die einfachsten Maßregeln zum Schuße der Arbeiter vor den beruflichen Schädigungen( Giften, Gasen, Stavb usw.) getroffen. Die„ Prawda" verlangt schleunigste Abhilfe auf diesem Gebiet. Daß sozialpolitische Forderungen in Rußland als philanthro pische Sentimentalitäten angesehen werden, würde als Wiz aufaufassen nicht übel sein, wäre diese Berirrung nicht so theftraurig. Wohin bolschewistische Ideologien noch führen werden, ist gar nicht abzusehen. Der Streit im Scala. Durch die intensive Unterstügung, welche der Inhaber des Weinrestaurants Scala, Gräff. seitens per grünen Bolizei im Kampf gegen seine Angestellten erhalten hat. hat sich dieser zu einem äußerst langwierigen und schmierigen ge staltet. Seit ca. vier Wochen befinden sich nunmehr die Angestell ten des Betriebes im Streit, um die Wiedereinsehung des Bes triebsrates und die Abschaffung eines Systems, burch welches die Kellner des Bettiebes seitens der Direktion gezwungen werden, das Publikum zu bewuchern, zu erwirten. Der Kampf geht weiter. Die im Betriebe befindlichen Angestellten sind Streitbremer. Das Weinrestaurant Scala", W. 62, Luther Straße 22-24, bleibt weiter für organisierte Gastwirts- Angestellten gesperrt. Rentralverband der Hotel Restaurant- und Café- Angeftellten, Zweigverein Groß- Berlin, R. 24, Elsasser Str. 88, 3 Tt. Aus den Organisationen Donnerstag, 17. Februar Seater Diftrifi, 2. Abteilung. Abends 7 Uhr Abteilungsversammlung Bel Billeder, Blumenfizaße 34. Selter, ebenter and ater Dikrift anb Stralau( 5. Berwaltungsbeatr. Abends 7 Uhr bei Schulz, Rominiener Sir, 2, gemeinschaftliche Sigung ber Kinderschukommission. Charlottenburg, 8. Grappe. Abends 7½ Uhr Zahlabend bei Kirsten, Augs burger, Ede Marburger Straße. Erscheinen ist parteigenöfifche Pflicht. Freitag, 18. Februar Bierter Diftrift, 10. Abteilung. Abends 7 Uhr Extrazahlchenb bei Domo schewsti, Wrangelitraße 104. Dreizehnter Distritt. Abends 7 Uhr Extrazahlabend in allen Bezirken. Stealth. Ertrazahlabend in folgenden Bezittslofalen: 1. Bezitt: Schmidt, Schloßitr. 68; 2. Bezirt: Rangt, Fichteftr. 4; 3. Bezirt: Burmelter, Holsteinische Str. 30; 4. Begirt: Schönbauler. Ede Sachfenwaldstraße; 5. Bezirk: Ruh Rugeftr. 6; 6. Bezirk: Mehlis, Bismards Ede Mariendorfer Straße; 7. Be zirf: Strehlau, Lichtetfelder Str. 21. Es ist Pflicht aller Genossen und Genoj finnen, vollzählig zu erscheinex. Vereinskalender Freitag, 18. Februar Bund der technischen Angestellten und Beamten. Abends 7 Uhr Bersammlung bes gefamien Baugewerbes in Savetlands Festfalen, Rene Friebrichstraße 35 ( Gartenfaal). Sos. Broletarierjugend Menföllu. Vortrag des Genoffen Krämer: Die Jugend und die Landtagswahlen". Berantwortlich für die Redaktion: Emil Rabolb, Berlin. Verantwortlich filt ben Inseratentell: ubwig Romeriner, Rarishorst. Verlags genofenschaft reiheit" e. 6. m.. 5., Berlin. Drud der Freiheit Drudersi G... H., Berlin 2, Breite Straße 8-9. Münzen:: Briefmarken kauft Großmann, Johannisstr. 4. Bugang v. b. 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