Ur. 210 AboiMknents-Dedingungrn: AbonnemmtZ- PretZ pränumerando: «ierleljäzrl. 3L0 Ml., monatl.l,l0Ml., M�exlltch 28 Pfg. frei in« Hau«. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntag«: Nummer mit illustrirter Tonntag»- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: ZL0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«- Preisliste für 1897 unter Dr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Instrtlons-Welillhr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zcile oder deren Raum 40 Pfg., für Verein«- und VersammlungS-Anzsigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bi« 4 Uhr nachmittag« in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bi« 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen bi« t» Uhr vormittag« geöffnet. Erscheint täglich aufjrr Wontag». Devliner Volksblakk. Fernsprecher: Sml I, Hr. 1608. Telegramm-Adresse: „Sozialdemokrat Berlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Dentschtands. Hiedaktio»: SV. 19, ZSeuly-Straße 2. Eifenbshn-Mnfave. Der E i f e n b a h n m i n i st e r hat an sämmtliche Eisen« bahn-Direktionen folgende Verfügung erlassen: „In neuester Zeil sind bedauerlicherweise auf den preußischen Staatsbahnen mehrfach, zum theil schwere Unfälle zu bellage» ge- weseu. Sie sind, so weit hat festgestellt werden können, nieistem theil? darauf zurückznsühren, daß die für die sichere Hand habung deS Eisenbahnbetriebes bestehenden Vorschriften nicht genügend beachtet worden sind. Ich nehme hieraus Anlaß, den königlichen Eisenbahn Direktionen aufzugeben, erneut den im äußeren BelriebSdieuste be schästigte» Beamten und Bediensteten die genaueste und peinlichste Beachtung aller ihnen für die Sicherung deS Eisen bahn-Betriebs«rtheilten Auweisnugen einzuschärfen und da für Sorge zu tragen, daß nur solches Personal im äußeren Betriebsdienste beschäftigt wird, das die ihm in der bezeichuelei! Richtung ertheilten Vorschriften nicht nur kennt, sondern auch versteht und anzuwenden weiß." Das ist also das Mittel, mit welchem Herr Thielen den zahlreichen Unfällen in den ihm unterstellten Betrieben abhelfen zu können glaubt. In seiner Verfügung kommt dk selbe Auffassung zum Ausdruck, die heute allgemein in den „maßgebenden Kreisen" vorherrschend ist, die insbesondere auch von den Staatsanwälten und Richtern zum schweren Schaden der untere ll Eisenbahn beamten und zu Nutz und Schutz der Herren Oberbeamten gctheilt wird: Die Vorschriften werden nicht genügend beachtet, das ist die Ursache der Unfälle all den Staatsbahnen,„so weit hat festgestellt werden können". Natürlich geben die gerichtlichen Untersuchungen und Ur theile in erster Linie die Grundlage ab für die Feflstelliingen des Eisenbahnamtes. Aber wie spielen sich diese Uittersuchniigen ab? Wie konimen diese Urtheile zu stände? Da erscheint eine Konlinission aus höheren Staatsbeamten, Juristen, Tech nikern am Platze des Unglücksfalles und vor allem kommt der Staatsanwalt, es werden Beschreibungen aller Art von dem Vorfall gemacht, der Staatsanwalt geht mit seinen Vcr uehmnngen vor und die Direktion ist bei der Sache immer in ganz bequemer Position; sie macht die bctheiligten Beamten namhaft uild übergiebt sie, soweit sie noch am Leben sind, dem Gericht. Der Ausgang dieser Eisenbahnprozeffe ist ein ganz merk würdiger. Bestraft werden immer n uZr untere Beamte: Weichensteller, Lokomotivführer, Heizer, Rangirnieiftcr, Strecken wärter, Bremser, Assistcilten und wenn es hoch kommt, Slations- Vorsteher, das heißt also meistens Personen, die im Dienste täglich und stündlich Leben und Gesundheit aufs Spiel setzen müssen. Von der Bestrafung eines Dircktions beamten hat man doch wohl kaum jemals etwas gehört; im Gegentheil, diese Herren treten dem Staatsainvalt gegenüber in der Regel aber als die Sachverständigen auf. Selten küinmert sich ein Staatsanwalt um die Frage, wie weit d i e Aufsichtsbehörde zur Sicherheit des Be triebes ihre Schuldigkeit gethan hat.— Wehe der Zeitung, die ihren Vernluthungen einmal bestimmtere Form geben möchte auf grnnd von Klagen der Arbeiter, sie wird verurtheilt, wenn von ihren Behauptungen auch nur ein Wort irrthümlich gesetzt ist. Diese Art des Verfahrens giebt den Eisenbahn-Anfsichts beanttcn, die am grünen Tische sitzen, eine große Sicherheit. Sie sind stets unschuldig. Was haben sie mit dem Unglücks fall zu thtin? Sie haben alles gethan, um Unfälle zu ver- meiden. Wären nur die Unterbeamtcn nicht so nachlässig gewesen, die Vorschriften außer acht zulassen! Und darum schärft Herr Thielen jetzt zum so und so vielten Male die Vorschriften den Unterbeamten ein. Ja, die Vorschriften! Vorschriften werden allev dings in großen Massen auf die einzelnen Beamteukategorieu ausgeschüttet: Da hat z. B. so ein Lokomotivführer wenigstens 12 bis 15 Hefte, Broschüren, Verfügungen, die er stets ans der Lokoniotive mit sich führen soll. Wer diesen Packen jemals gesehen hat, der wird den Schcrz-Aussprnch eines Lokomotivführers begreifen:„Eigentlich ist man strafbar, sobald man auf der Lokomotive steht." Oder man besuche einen Rangirmeister, einen Bahnwärter und man wird eine Fülle der mannigfachsten Vorschriften vorfinden, die theils. in technischem Stil, theils in juristischem Stil abgefaßt und kaum für Direktions- oder höhere Betriebsbeamle ver- ständlich sind. Vorschriften sind leicht gegeben, aber weniger leicht inne- gehalten. Für die Betriebsleitungen mag es ein angenehmes Bewußtsein sein, sich hinter ihren massenhaften Erlassen und Vorschriften zu verschanzen. Für die Untcrbeamten dagegen dienen diese Vorschriften häufig genug zur Schlinge, in der der Staatsanwalt sie sängt. Die Unterbeamten müssen in er st erLinie in die Lage versetzt werden, daß sie die Vorschriften auch auszuführen im st a n d e sind. Noch in diesen Tagen versicherte dem Schreiber dieser Zeilen ein einfacher Wagenmeister:„Wenn wir streng nach den Vorschriften handeln wollten, dann bekämen ivir keinen einzigen Zug in seiner Wagenznsanimenslellung rechtzeitig fertig, es giebt Zeiten, wo wir so eilig hin und her fahren, zu- sainmenkuppeln nnd losmachen niüssen, daß man gerade bei dieser Uebcreilnng schließlich zwischen die Puffer oder �beim Auf- und Abspringe» unter die Räder geräth." Engherzigkeit solche Fehler in der Regel durch auch gewöhnlich erst nach oft die Sparsncht der für im inneren nnd daher Der Dienst der Eisenbahnbeamten ist ein so schwieriger verantwortungsreicher und jeder Fehler, der ihnen unterläuft, kann zu so verhängnißvollen Folgen führen, daß der Herr Eisenbahn-Minister sich getrost die erneute Einschärfung der Vorschriften hätte ersparen nnd dafür dem Sparsysten seine Anfmerksarnkeit hätte widme» sollen, welches in seiner Art in schlimmster Weise befolgt wird, welches die Beamten zti unglaublich laiiger Arbeitszeit bei un- zureichenden Löhnen vernutheilt. Von diesem Kapitel wollen wir demnächst wieder einmal ausführlicher reden nur beispielsweise wollen wir auf eine der schlimmen Folgen der übermäßigen Sparsamkeit hiniveiscn. Eins der schlimmsten Uebel im Eiseirbahn-Betriebe ist das Befahren k n r z e r K u r v e n in der Nähe der Bahnhöfe An vielen Stellen liegen die Kurven so, daß der Lokomotiv- sichrer durch Häuser, Bäume oder andere Hindernisse an der Fernsicht gehindert ist, er kommt plötzlich um die Ecke. Solche Stellen mögen auf einer Stadtbahn verzeihlich sein, bei Bahnhöfen in der Ebene aber, wo man oft ans Sparsam keit oder ans bureankralischer anlagen erhält, rächt sich der einen schweren Unfall und wird dem Unfall beseitigt. Hier ist Außenstehende verborgene Grund des Un g lü cks. An derknrzen Biegung müßte ein Signalwärterstationirl sein, 200— 300 Meier dahinter oder davor ist aber eine Niveau Ueberfahrt für Fuhrwerk, wo ebenfalls ein Wärter unnmgäng lich nölhig ist, zwei Wärter so nahe bei einander!— Das kostet zu viel— lieber wird abgewartet, auf die Gefahr bi«, daß ein Unglück stattfindet. Ans Bahnhöfen Dienst ist diese Sparsncht noch viel schlimmer die vielen kleineren Unfälle auf Bahnhöfen.— Wenn daher Herr Thielen angesichts der neuerliche» schweren Unfälle die Einschärfung nnd strenge Befolgung der Vorschriften anordnet, so ist das ein recht schlechter Trost für jene, die bis jetzt beim Reisen mit heiler Haut davon gekommen siud. Viel nölbigcr und dringlicher wäre es, Konferenzen unter Zuziehung der unteren B e t r i e b S b e a m t e n abzuhalten, ans ihrem Mnnde und mit ehrlicher Ermunterung zur Offenheit die wahren Ursachen der Unfälle sich erklären zn lassen. Tann erst würde vieles zur Sprache kommen, was den höheren Belriebsbeamten dauernd entgeht und der Abhilfe entzogen bleibt. Vor allem aber wird es nöthig werden, der Ueberschnß- wirthschaft ein Halt zu gebieten. Bessere Arbeitsbedingungen für die Unterbeamten und mehr Geld für die Bahnanlagen! Ehe hier nicht Besserung geschieht, kann keine Rede davon sein, daß alles geschehe, was zur Verhütung von Unglücks- fällen zn thun in Menschcnkräften liegt. polikischr Arbreychk. Berlin, 8. September. Ob Fürst Hohenlohe jetzt sein Amt verläßt oder erst nach einein oder zwei Monaten, darüber lohnt es sich kaum, ein Wort zu verlieren. Er geht, das ist sicher, nnd mit ihn, scheint, was ungleich wichtiger, die Reform des Militär-Stras- Verfahrens wieder entschwinden zu sollen. Die„Voss. Ztg." will wissen, daß der Reichskanzler sehr bald Abschied nehmen wird und daß sein Nachfolger schon die Ke'ffer packt, um nach Berlin überzusiedeln. Dasselbe Blatt will auch seinen Nachfolger kennen. Es nennt den e u e r a l v. B ü I o w, Kommandeur des XIV. Arnicckorps. Dieser Herr— Husaren offizier gleich Podbielski— soll einer der wenigen Generale gewesen sein, die sich gegen die Umgestaltung der Militärgerichtsbarkeit ausgesprochen hatten. Politische Thätigkeit hat dieser Herr Bttlow ebenso wenig ausgeübt, wie Herr v. Podbielski sich vor seiner Ernennung zum Gcneralpostmeister im Postwesen umgethan Halle; aber in unseren Tagen scheinen ja solche Herren, welche möglichst unbeschwert von fachmännischen Vontrtheilen geblieben sind und sich so am besten zu„Handlangern" eignen, für die höchsten Staats- ämter besonders beliebt zu werden. Die„Voss. Ztg." sieht weiter in Herrn v. Bülow einen„schneidigen Mann, ganz einen Mann der Reaktion", einen K o n f l i k t s m i n i st e r. Dies wollen wir ruhig abwarten. Das deutsche Volk ürchtet sich auch vor den schneidigsten Rcitergeneralen nicht im geringsten.— Tie Hilfe deS Staates für die durch das Hoch- waffer in Mitleidenschaft gezogene Bevölkerung wird immer dringender. Tie Summen, die durch das Zentralkomitee zur Vertbeilung gelangen, sind gegenüber dem Schaden und der Nothlage, in der sich zahlreiche Gemeinden, ja ganze Landschaften befinden, durchaus ungenügend, kaum vermögen sie die bitterste Entbehrung fernzuhalten, geschweige datlernde Hilfe zu schaffen. Täglich gehen den Zeitungen Klagen zu, die ein ergreifendes Bild des entsetzlichen Janimers darstellen und die Staatshilfe als unaufschiebbar hinstellen. Bemertenswerth ist die Ztlschrift, die der Landtags- Ab- geordnete R e i m n i tz auf Reichersdorf im Kreise Guben an ein hiesiges Blatt richtet. Er schreibt: „Ich kenne wohl im ganzen Kreise Guben die lokalen Ver- bältinsse am oberen Neisiethale am genauesten. Vom Komitee in Guben bekam ich 2000 M. zur Vertheilung. Die Herren wollen mir aber sürs erste nicht mehr geben, da Verhandlungen schweben uhd bei völliger Erschöpfung des Bestandes die ganze Sache in Kiepedition: SV. 19. Aienty-Strnße 3. Frage steht. Nun habe ich mit diese» 2000 DI angefangen zu vertheilen, und zwar in den ärmsten Ollschaften des Neisse- thales. Dies« sind SchlagSdorf, Keikwitz, Niemitsch, Sadersdorf und Groß- Gastrose, zusammen mit einem Schaden von 45 000 M. Diesen habe ich 1800 M. zu- samiuen mit den geistlichen Herren gezahlt. Nun haben diese dazu noch etwa 000 M. bekommen. In meiner Kasse sind zur Zeit noch 551 M. vorhanden. Damit stehe ich nun einem Schaden von amtlich eingeschätzten 64 000 M. in folgenden Orlen gegenüber: Mehlen, Slrega, Potfen, Markersdorf. Grießen und Horno. In die Orte hinzufahren träne ich mich garnicht mehr, da sonst der kleine Bestand von LS0 M. in einem Tage erschöpft ist. Ich kann jetzt nur an die etivas geben, die zu mir ins Haus kommen und darum bitten. Ach! dieser werden täglich mehr und niehr, und die Hilfe wäre zumeist da, kann aber de» armen Leuten nicht zugeführt werden." Der Magistrat von Krossen schildert die Sitnation, nachdem er den Schaden der diwch die Verwüstung von Wiesen und Aeckern entstanden ist, auf 106 000 M. veranschlagt, wie folgt: „Wir brauchen nicht besonders zu erwähnen, daß nicht nur die aufgewendete Arbeit vergeblich war, auch die zweite Be- stellnng der Ländereien ist wieder vernichtet, so daß cS den Leuten am Nöthigsten mangelt, die Wirthschaft zn halten. Vieh muß beim Mangel an Futter verkauft werde». Dabei fehlen nicht nur Saatgetreide und Saalkartoffeln, sondern auch Kartoffel» zur Ernährung der Familie." Gegenüber solchen schweren Mißständen versagt die Privat« Hilfe nnd um so dringender wird das Eintrete» des Staates, da, wenn die Erhebungen nicht bald ztlni Abschluß kommen nnd umständliche bureaukratische Formeln das schnelle Eingreifen hemmen, der Ruin zahlreicher sehr gefährdeter Existenzen eintreten muß. Von Ailfang an haben wir auf die Nothwendigkeit des staatlichen Eingreisens hingewiesen, lange Zeit ganz allein. Heute ist es bald nur noch das preußische Staatsministeriunl, oas die Konsequenzen zn ziehen verabsäumt.— Der Abschluß deS Friedens soll nach einer Melbimg deS terold-Buieans ans Konstanlinopel nun endlich doch erfolgen. äimnlliche Mächte akzeptirten die von der gnechischen Regierung vorgeschlagenen Eimmhmegarantie» fiir die Kriegsanleihe sowie den Vorschlag Salisbrny's, daß die vollsiändige Räumuitg Thrssaltens vier Wochen nach Unterzeichnung des Friedens- schlnsses ersolge» müsse. Die Botschafter sind von ihren Regiernngen mit»'eiigchenden Vollmachten ausgestattet bezüglich des Friedens- 'es. an wird trotzdem gut thun, erst die thalsächliche Erledigung der Verhaiidlungen abzuwarten, ehe man den Abschluß des Friedens 'ür gesichert hält; oft genug sind im letzte» Augenblick noch von der Pforte oder von anderer Seite»ene Schwierigkeiten gemacht morde».— Dfchew ad- Pascha hat, wie auS K a n« a verlautet, bei der Pforte seine Zurnckve.usnng verlangt.— *»' Teutsches Meich. — M i t der vielven ttlirten Frage der Redaktion d e r Ka i s e r r ed e» befaßt sich in sehr interessanter Weise die „Voss. Ztg." Sie schreibt n. a.: „Einzelne Leser machen uns darauf anfmerksam, daß unsere Be- richte über die Würzburger Reden einen Rechenfehler enthalten. Der Prinz-Regent sagt am l. September, daß„gerade hente vor 26 Jahren oie bayerische Armee in glorreichem Kampfe für das gemei»- lame Vaterland geblutet hat", nnd Kaiser Wilhelm erwidert mit dein Aasdruck der Ueberzengnilg, daß das bayerische Korps„g'an so wie vor 26 Jahren, wenn es Noch thun sollte, allezeit bere. sein wird, für die Herrlichkeit des Reichs einzustehen." Genau'vr 26 Jahre», also am 1. September 187t, aber herrschte der schönt. t Friede; am Jahreslage von Sedan gab es glücklicherweise keinen glorreichen Kampf mehr, den Bayerns Armee für des Reiches Herrlichkeit kämpien mußte. Es imtß selbstverständlich heißen: vor 27 Jahren.'Aber der offiziöse Draht so gttt wie der amtliche „Reichs-Anzeiger" schreiben beide Male„26" statt„27". Giebt es k-iiic Hofbchörde, die in» stände ist, solche Jrrthttmer, Hör- oder Schreibfehler zu verbessern, ehe die amtliche» Berichte in die Welt gehen? Diese Aufgabe liegt nicht denen ob, die die Berichte empfangen und abdrucken, sondern denen, die sie versenden lassen. Ein weiterer Fehler findet sich in dem Bericht über die Nürnberger Rede des Kaisers. Dort heißt eS nach dem amtlichen Text, wie ihn auch der„itieichs-Anzeiger" enthält: „Von Heinrich VII. wurden mein Vorfahr Friedrich V. nnd der»achhertge deutsche Kaiser Ludwig von Bayer» vor Rom zn Rittern geschlagen, und derselbe Vorfahr von uiir hat als treuer Mann bei Mnhlbcrg gekämpst und Eurer königlichen Hoheit großen Vorfahren geholfen, die Krone zu befestigen. Die Schlacht bei Mühlberg aber war am 24. April 1547; die Schlacht vom 28. Sept. 1322, in der Burggras Friedrich den Böhmen i» die Flanke fiel nnd de» Kampf zu gunsten Lndwig's des Bayern entschied, fand bei Mühldorf statt. Diese meint der Kaiser. Ob sich um einen I-axsus linKuav oder um einen Hör- oder Schreibfehler bandelt, jedenfalls wäre es Sache der zn- ständige» Behörde gewesen, eine Lesart zu verbreiten. die zu keinen'Ausstellungen Anlaß giebt. Es muß hinzugefügt werden, daß die Berichte sich häufig auch durch einen Satzban aus- zeichnen, der nichts weniger als uachahmenswerlh ist. Das ist eben- falls die Schuld der Hofstclle, der die Fassung der Berichte anvertraut ist. Kaiserredcn sollen erheben und ergreife»; diese Wirkung ist ohnehin um so schwerer zn erreiche», je häufiger sie ge- halten werden. Aber ihrer Wirkung soll nicht odenei» durch unrichtige, fehlerhafte Berichte, die amtlich beglaubigt sind, Abbrnch gethan werden. — Der Rücktritt des Unter st aatSsekretärS des R e i ch S- P o st a m t e s, Dr. Fischer, zum 1. Januar nächsten tahres wird nun endlich auch von der„Norddeutschen Allgemeinen eiluiig" zugestanden. Vom 10. d. Mts. ab übernimmt der Direktor der 1. Abtheilung Fritsch vertretungsweise die Funktionen deS Unter- staatssekretärs, während gleichfalls provisorisch der Geh. Ober» Poftrath Kraelke die Leitung der l. Abtheilung übernimmt. Der „Dcntschen Ztg." jufolfle ist auch bcv Divekior der 2. Zlbtfieilttug, Wirkl. Geh. Rath Scheffler, dieser Tage um seinen Abschied ein- gekommen. Herr Fischer war nie unser Mann, wir haben, als er ei» mächliaer Chef eine» geivaltige» Beamtcnhccrcs war,»jemals mit der ftritik seiner Thlitigkeit znrn ekgehalten.?eht, wo er in körper- lichcr nnd geistiger Vollkraft bei seile geschoben wird, müssen wir rückhaltlos anerkennen, dast er der erste Fachmann im Postwesen »st. daß Herr v. Podbielski Jahrzehnte brauchen wird, um Herrn Ftschcr hier den Rang abzitlanfen. Hoffentlich hat Herr v. Podbielski wenigstens die sehr werthvollen S Christen und Abhandlungen Fischer s in den letzten Woche» studirt. F'fcher hatte in den letzten Jahren sich viel zu willfährig gezeigt gegenliber dem aliernden, inttiattvlosen Stephan. Das allein kann uns das traurige Ende der Fischer- sehen Laufbahn als Akt der blinden Gerechtigkeit erscheinen lasse».— � Wegen die Verbesserung der Sonntagsruhe l m P o st p a ck e t d i e n st hat sich gleich anderen Handelskammern anch die S a a r b r n ck e n e r erklärt. Das ist nicht munderbar, denn Vorsitzender dieser Kammer ist Freiherr v. Stumm.— — Um das Z u st a n d e k o>n ni e n eines Gesetzes gegen die Kurpsn scheret, wie eS von der Stantsregternng geplant ist, zu verhindern, wird jetzt von den Anhängern der ~t a t u r h« i l k>l» d e«ine sehr lebhast« Agitation betrieben. Be- kanntlich hat die Gesnmmlheit der Standesvereine der Aerzte von ganz Preußen seinerzeit an den Kultusminister Bosse ein Gesuch um (Stlnsj eines Kurpfuschereiverbotes gerichtet nnd die Aufhebung der unbeschränkten Anslibnug der ärztliche» Praxis seitens nichlapprv' bnter Aerzte wie sonstiger Natnrheilknndigen beantragt. Der Minister hat infolgedessen eine allgemeine Umfrage veranstaltet, und in Versolg derselben ist den» seitens des Reiches eine Kommission von Medizinalräthen eingesetzt worden, die unter dem Vorsitz des Ministerlal- Direktor? von Bartsch die Ausarbeiltmg emeS Gesetzentwurses gegen die Kurpfuscherei vornehmen soll. Dieser Gesetzenlivurf ist jetzt soweit gediehen, daß er bereits zu Beginn der nächsten Sesston den> Reichstage vorgelegt werden kann. Damit nun der letztere diesen Entwurf nicht zum Gesetz erhebt, versendet jetzt der„Deutsche Bund der Vereine für Gesundheitspflege und für arzneilose Heilmcise" in Gemeinschaft mit dem„Deulschen Naturärzteverein" an die An- Hanger der Naturheilkimde in den sä», mtltchin Reichstags- Wahlkreisen Deutschlands ein Rundschreiben mit dem Ersuche», die Vertreter der Wahlkreise im Reichstage ans- zufordern, sich dort gegen das Gesetz zu erklären. Dieser Weg wird seitens der Nntnrheilvereine daher eingeschlagen, weil die tbisher an den Reichstag und daö Abgeordnelenyans gerichteten Petitionen stets ohne Erfolg geblieben sind. Das für die Ab- geordneten bestimmte Gesuch, für welches gegenwärtig in allen Wahlkreisen Unterschriften gesammelt werden, hat folgenden be- merkensiverthen Wortlaut: „Die unterzeichlieten Wähler Ihres Wahlkreises richten an Sie als Vertreter desselben im Rcichslnge, die ergebenste Bitte, sie in einer Sache, welche ihr persönliches Wohl und ihre persönliche Freiheit betrifft, energisch zu vertrete». Sie sind sämmtlich An- Hanger der freien Heilknnde(Ratnrhcilkundc, Kneipp'iche Heilmethode, Homöopathie ec.) und würde» sich im Erkranknngsfalle n n r na ch d e n G r il» d s ä tz e i> dieser Heilmethode behandeln lassen. Die Gegner derselben arbeiten gegenwärtig darauf hin, eine Einschränkung oder ein gänzliches Verbot der Kurirfreiheit(d. h. der Krankenbehandlung der Nichtärzle durchznsetzen. Dan eben soll aber auch ein„Kurpfusch er ei-Verbot erlassen werden. Letztere Masmahme neben der ersten kann doch nur den Sinn haben, in Zukunft auch gegen alle approbirten Aerzte vorgehen zn können, die sich berufen fühle», in ihrem therapeutischen Handeln andere Grundsätze zu befolgen, als von der orthodoxen Medizin aufgestellt worden sind. Dies wäre daß reine Ketzer- g e r i ch t nnd der Untergang der Freiheit der Forschung tu der Medizin. Die Unterzeichneten richten daher die ergebenste Bitte an Sie, in der Debatte und in der Ab- stimmuug gegen dieses Ansinnen zn p r o t e st i r e»; denn wir sind der Ueberzeuaung, daß durch Anfhebuiig der Kurirfreiheit und das Verbot der sogenannten Kurpfuscherei die ganze Ratnrheil- beiveglliig, Kueipp'sclie Heilmethode und Homöopathie, die schon soviel Segen gestiftet haben, zu gründe geht." — Das kaiserliche Statistische A in t blickt nunmehr ans eine 2Sjährifle Thätigkeit zurück. In dem soeben erschienenen Bund 101 der Statistik des Deutschen»ieichcs wild die Entstehung und die Thätigkeit des Statistischen Amtes während der abgelaufenen 25 Jahre geschildert. Wie sehr mit den nahezu von Jahr zn Jahr sich verniehrenden ZInfgaben der Umfang des Amtes gewachsen ist, ergiebt sich daraus, daß sein Etat, der für daS Jahr 1872 a»f nur SS 000 M. festgesetzt war, im Jahre 1880/81 594 000 M. betragen hat nnd 1397/93 niis 924 000 M veranschlagt ist, in welche Summe die Aufwendungen für besondere einmalige Erhebungen nicht ein- begriffen sind, so z. B. für die Berufs- und Gewerbezählung des Jahres 1895, deren Bearbeitung jetzt noch im Gangs ist. Das Per- sonal deS AmtZ besteht zur Zeit an» 1 Direktor, 6 Mitgliedern, 2 Bnrcauvorsteher», 57 expedirenden Sekrelären, IIS Sekretär- asststenten, 10 Kanzleisekrelären, 11 Unterdeamten. 104 Diätaren nnd Htlssarbeitern, sowie etwa 20 junge» Beamten, die von der Steuer- Verwaltung zeitweilig übernommen werden. Die Amtsbibliolhek, die leider nicht öffentlich ist und vorwiegend den amtlichen Be- dürfnissen dient, verfügt zur Zeit über 82 000 Bände und 450 Kartenwerke.— — D i e Konservativen befinden sich i» arger Roth. Diese wird von der»alionalliberalen„Magdeb. Zeitung" Meutf Ulavjc' Nuch übev die ovientalifche Tlie eastern question. A reprint of letters w ritten 1853—56, dealing witli the events of the crirnean war. London 1897, Swan Sonnenschein. 656 S. 8°. Soeben geht uns diese sehr inieressante Publikalion auS dem Nachlasse von Karl Marx zu. Herr und Frau Ave- ling, der Schwiegersohn und die Tochter von Marx, haben die Artikel und Zeitungskorrespondenze», t» denen Marx die orientalische Frag« der sünfziger Jahre, ins- besonder« di« Ereignisse, welch« zum Kriinkrieg führten, und den Krieg selbst, behandelt, aus dem amerikanische» Blatt«, an dem Man: nenn Jahr» als Mitarbeiter thätig war, der„New Jork Tribnne" zusamniengestillt. Es ist dasselbe Blatt, in welchem auch die von Kantsky nenerdings übersetzten Marx'schen Artikel:„Revolution und Rontrc- revolntion in Deutschland" ursprünglich erschienen waren. Wir dürfen hoffen, daß auch dieses neue Buch, wennschon der Leserkreis, an de» es sich wendet, nothwendig ein viel beschränklerer ist, ins Deutsche übertragen werden wird. Für den Historiker, der die orientalische Frage in ihrer Entivickclnng zurückverfolgen will, ebenso wie für alle, die Marx als ökonomischen Theoretiker, als Sozialist und Geschichls- Philosophen kenne» und be- wunder», bieten die sechseinhalbhnndert Druckseiten der eng- tischen Sammlung, so viel sich auf de» ersten Blick erkennen läßt, eine reich- Fülle werlhvollen Materials. Das Bild des Mannes wird durch diese historischen Dsknmenle in höchst charakleristischer Welse ergänzt. Marx als Politiker, der die internaiionale», kriegerischen Enlwickelmigen, die so fern abliegen von den proletarisch- sozialistischen Zielen, mit größtem Eiser in allen ihren Einzelheiien verfolgt, mit tiesbvhrender Gründlichkeit zu analystren versucht— daS ist eine merkiviirdige, mit den landläufigen Vorstellungen über Marx nicht recht zusammen- stimmende Erscheinung, ein Zengniß für die wunderbare Biel- seitigkeit, für den sprudelnden Kraftiiberschnß dieses»»vergleich- liehen Geistes, der den allgemeinen Tendenzen der Gesellschaft und folgendermaßen geschildert:„Von allen Seiten dringt man aus sie ein; die Antisemiten brechen in alle Wahlkreise ein, um ihren Nährvätcrn die Sitze im Reichstage streitig zu machen, und der Bund der L a n d w i r t h e verfährt in so diktatorischer Weise. als ob die Konservativen nur von seiner Gnade abhängig seien. In jüngster Zeit ist nun noch das Harle Urlheil des Fürsten Bismarck dazu gekommen. daS ihre Lage noch zn verfchlechlern droht. So wird die konservative Partei als eine jagdbare Beule betrachtet und zwar hauptsächlich von Leuie», die in de» meisten Punkten jedenfalls deren politische Ueberzengungcn theilen. Als erster, der sein Sliick von der Beute erlangen möchle, meldet sich der ehemalige Hof- Prediger S t ö ck e r, der nichts Geringere? beabsichtigt, als die neue Partei der Zukunft zu bilden,»ach der, wie er in seinem„Boll" sagt, so viele aussehen sollen.... Das hauptstädtische Organ des Bunde? der Lundwirthe versichert, daß der viel bemerkte Artikel mit der Ueberschrist„Die Partei der Zukunft", den es gestern Abend verössenllicht hatte, mit den Ans- laffungen des Fiirslen Bismarck über die Konservativen in keinem Zusammenhang stände. Der Artikel sei dem Blatte schon vor gerannter Zeit vom Grafen Schwerin- Schwerinsburg übersandt worden, viel früher, als die Aeußerungen des Fürsten Bismarck be- kawlt geworden seien. Dann muß es freilich um so mehr auffallen, daß gerade dieser Zeitpunkt für die Vcröffeutlichnng gewählt worden ist. Denn anch die Leitung des Blattes wird sich nicht haben ver- hehlen können, daß die Möglichkeit, den Artikel mit den Ntlslassimgen des Fürsten Bismarck in Zusammenhang zn bringen, zum mindeste» sehr nahe lag.— — Durch den Tod des deutschkonservativen Abgeordneten Grafen von Holstein ist der nennte schleswig'sche Wahlkreis(Oldenburg i» Holstein mit St. Segeberg) erledigt. Dieser Kreis ist bekanntlich der einzige der 10 schleswig'sche» Wahlkreise, der konservativ vertreten ist. Graf v. Holstein wurde mit 9231 gegen 3898 freisiunigvolksparteiliche und 3280 sozial- demokratische Stimme» im ersten Wahlgange gewählt.— — DerReichstags- Abgeordnete fürLandsberg- S o l d i n, Justizrath Schröder, will sich nicht wieder zur Wahl stellen. Die Liberalen der freisinnigen Vereinigung wollen an seine Stelle den frnhere/i Reichstags'lilbgeordneten, Eisenbahn-Direktor a. D. Karl Schräder in Berlin anfstetten.— — Einen neuen Einbruch in konservativen Besitzstand planen die Antisemiten im Erfurter Wahlkreise. Weil der Abgeordnete Jacobskötter, obwohl er durch die Unter- stützung der„reinen" Antisemiten gewählt worden ist, es ausdrücklich abgelehnt hat, fraktionslos zu bleiben oder sich der aniisemitische» Fraktion anzuschließen, haben die Thüringer Antisemiten für die nächste SteichSlagSwahl die Aufstellung eineS besonderen Kandidaten im Wahlkreise Erfurt beschlossen.— — Unter den bürgerlichen Weltfriedens- Aposteln giebt es sonderbare Heilige. Da beschwert sich der Franzose Felix Lacaze, ei» Hauptverlreter in diesem Fache, daß der deutsche Vorsitzende auf dem letzte» Kongreß in Hamburg. Dr. R i ch t e r, den Vorschlag, ein Begrüßungslelegramin an den deutschen Kaiser zn senden, znrückgeiviese» habe. Herrn Richter scheint diese„Anschuldignng" sehr nnaugenehin zu sein, er hat eine ausweichende Vertheidigung versucht. Sonderbare Friedensschwärmer sind das jedenfalls, die an Fürsten, ivelche durch die Betreibung militärischer RnstlMge» den Frieden zn fördern glauben, Begrüßungetelegramine senden wollen oder, wen» sie sich wirklich zur Verweigerung dieses seltsamen Verlangens auf- schwingen, sich mühsam zu entschuldigen versuchen.— — Einen Beitrag zur Behandlung von Re- dakt euren im Gesängniß kann anch unser Genosse G l a d e>v i tz liefern, der am 4. September die Mauern des Zwickaner Landesgefängiiiffcs nach einer achtmonaligeii Strafzeit verlassen hat. Gleich bei seinem Eintreffen wurde ihm vom Direlior mitgetheilt, daß er wegen seiner mehrfachen Voistrasen als Redaklenr in keiner Weise wieder«>»e Vergnilflignug «ihalteu würde, und dabei blieb eS anch. Er wurde der dritten, niedrigsten Diszipliimrklasse eiugereihl nnd sei» Antrag aus Versetzung in die zweite Klasse»Nd die Erlanbniß zum Abonne- »mit auf das in Zwickau erscheinende Amtsblatt, welchen er nach Verbüß un g der Hälfte seiner Strafe slellie, wurde rundweg a b g e s ch t a g e n. Beschäftigt ivnrde Gladeivitz an- sangs mit W o l l e zupfen und später mit N e b e n a r b e i t e n f tt r Schuhmacher; als Lektüre verblieb im einzig an den Sonnlagcii die Benutzung der Gesäugnißbibliotbek nnd das fromme, im Milsioussltl geschriebene„Berliner Sonntagsblail", was der großen Mehrzahl der Gesangeuen ConnIagS für 1—2 Stiliiden über- lasse» wird. Haupthaar»nd Bart wurden dem gefangenen Redakteur abgeschoren nnd die häßliche Gefängnißkleidimg wurde ihm an- gezogen. Dresden, 8. September.(Eig. Ver) Zn de» Landtags- mahlen. Im 16. ländlichen Wahlkreise(Planenscher Grund) ist jetzt als„Ordiumgs"ka»didal antisemitischer Konlenr der Gemeinde- vorstand Rubelt aus Dellben proklamirt worden. Außerdem haben die Konseivativen noch den bisherigen Vertreter des Kreises, den RitlergulSbesitzer Andrä in petto. Herr Rndelt ist als Macher der berüchtigten 42er Petition bekannt nnd gilt als unbedingier An- Hänger sächsischer Regierungsknust.— Die Agitation zn den Landlagswahlen wird jetzt von sozial- demokralischer Seile aufs lebbaiteste betrieben. Nach der beendete» Agitalionsioiir des Genossen Geyer ist jetzt Genosse Pinkan» Leipzig ans einer solchen begriffe»»nd finde» fast jeden Tag Versammlunge» im ganzen ostsächsischen Aailatsvnsbezirk statt. Dle Ausstellnng der Kandidalen ist nunmehr für alle in belracht konunenden Wahlkreise den täglichen Besonderheiten deS polilisch-sozialen Lebens gleichmäßig mit rastlosem Eifer nachzuspüren vermochte. Ter entscheidende, in der sozialistischen und demokratisch-revoln- tionären Gesammtauffassung begrünbete Standpunkt, von dem Marx die orientalischen Verwicklungen belracklet, ist feine Gegnerschaft z» Rußland, als den Hort der europäische» Reaktion. Rußland, sagt er in einem der eiuleitenden Artikel, ist ansgesprochenermaßen ein Erobemstant und bestätigt sich als ei» solcher ein Jahrhundert hindurch, biß die große Bewegung von 1739 eine furchtbar« Zkraft dagegen in die Schranke» rief. Wir meinen die enropäischo Nevolntivii, die Explosivkraft der demokratischen Ideen nnd des eingeborenen Freiheiisdronges. Seit jener Zeit gab eS t» Wahrheit mir zwei Mächt« auf dem enropäifchen Konllnenl— Rußland nnd den Absolutismus auf der einen, die Slevolntion und Demokratie ans der andern Seit». Im Augenblick« scheint di« Revolution überwunden, aber si» lebt nnd ist mehr denn j« gefürchtet... Aber laßt Rußland von der Türkei Besitz er> greifen und sein« Stärke erhöht sich fast um die Hälfte, eS gewinnt die Uebermacht über das gesammle andere Europa. EI» solches Ereigniß wäre ein unermeßliches Unglück für die revolulionÄr« Sache." Aber die Gegnerschaft gegen Rußland macht Marx noch keines- weg? zum Freund nnd Anhänger der türkischen Regierung. „In den Augen der europäischen Diplomatie und selbst der enropäischen Presse, löst sich— nach Marx— die ganz« orientalisch« Frage in das Dilemma ans t enlweder die Russen in Konstantinopel od«r die Anfrechterhaliung des Status quo(ver türkische» Machl). Daß noch etwas Drilles möglich, fällt ihnen nienials bei." Die „Times" vertreten den erste», die liberalen„Daily NewS" mit ihrer kritiklosen Türkeilbegeisterung den zweite» Etandpnnkt. Den Schlüssel für diese merkwürdige Türkenschtvärmerei sinde Man in de» Werken des bekannten D a v t V U r q u a r t h, die bei allem Werth de? beigebrachten Material? auf folgende drei Paradoxe herauslanfe»:„Wäre Herr Uranarth nicht britischer Unterthan, so möchte er entschieden ei» Türke sei«, wäre er nicht presbyterlanischer Calvinist, so möchte er keiner andere» Religion als der des Islam angehören;«nd drittens, England und die Türkei flnd die einzigen beiden Länder der Welt, die Selbstverwaltung und bürgerlich« wie religiöse Freiheit genießen". Dieser Urquarth sei solchermaßen die große Orlent-Antorität der englischen Liberal«» geworden. vollständig erledigt. Leider geht die Anfstelliing»o» Wahlmännern nicht so glatt von stalten. Man hat in dieser sog»*«» einigen städtischen Wahlkreisen mit Schwierigkeiten z,, kämpfen. Die Information über das neue Wahlgesetz läßt theiliveise ff'ch noch seyr zu wünschen übrig. Von den Gegnern hört man bis jU m"WS auf Versammlungen noch nichts. Dort hat man mit der normirung von Kandidaten noch vollauf zu thun. Von der sächsisch-böhmischcn Grenze wird uns geschieben, daß das bekannte Friedensmanifest unserer böhmischen Parteigenossen anch in den sächsischen Grenzbezirken unter den czechischeu Arbeitern verbreitet wurde.— — Die Landtags wählen in Sachsen-Weimar ergaben bisher die Wahl von zwei Sozialdemokrnle», drei Frei- sinnigen und einem Nationalliberalen. Die Wählerlisten sollen in einem ganz desolaten Zustande gewesen sein. In Weimar fehlte selbst ein leibhastiger Minister in der Liste.— — Grober Unfug. Eine weitere Anwendung hat der grobe Unfng-Paragraph vom Schöffengericht>» Gotha dadurch erhallen, daß ähnlich wie es schon bei anderen Preßdeliklen geschah, auch der Drucker nnd Verleger zur strafrechllichen Verantwortlichkeit gezogen wurde. ReichstagS-Adgeordneter Bock in Gotha halte in seiner Druckerei ein Flugblatt hergestellt, in dem die Lokalfrnge behandelt wurde. Das Schöffengericht in Gotha erblickte in dem Inhalt des Flugblattes, das angeblich zum Boykott anssorderle, einen groben Unfug und verurtheilte den Angeklagten zn 30 M. Geldstrafe. Ob die Bernfnngsinstanz das Urtheil bestätige» wird, bleibt abzuwarten. Jedenfalls ist dieses Urtheil wieder eine sehr künstliche Ans- legmig des groben Unfug-Paragraphen und seine Anwendung kann danach immer mehr ins Endlose ausarte». Wie weit sich die moderne Rechtsprechuvg von dein eigentlichen Sinn des Paragraphen noch abwenden wird»nd welcher Auslegung er noch sähig sei» wird, das vermag niemand zu ermessen. Großes ist uns gewiß»och ans diesem Gebiet beschieden. — Die bayerischen Z ü n f t l e r haben wieder einmal einen fogeiiannten„Handwerkorlag" in Nenmarkt(Oberpsalz) ab- gehalten. Der Borsitzende Obermeister Nagler-Münche» betonle, daß sich die Handwerker, speziell die bayerischen, nicht i» das Schlepptau irgend einer politischen Partei nehmen lassen würden. Namentlich würden sie sich nicht in den Dienst des Zentrums begeben, das bei manchen Fragen die Fühlung mit dem Handwerk verloren habe. Der Handwerkertag sprach sich für «ine„energische Dnrchfühinng" des neue» Handwerksorgauisalions- Gesetzes ans ungeachtet der versäiiedenen Mängel desselben. Er empfahl den Jnnmige», an die Errichlnug von Fachschulen heran- zutreten.— DaS arme bayerische Zentrum! Jetzt kündigen ihm selbst die Jnnnugsmeister die Fcenndschafl! All' die viele Liebesmüh ganz umsonst.— — Die württembergische Regierung scheint nun dem Drucke der bndischen und preußische» Siegierungen nachgegeben zn baben, indem sie durch eine generelle Verfügung des Finanz- Ministeriums die Abbaltnng von politischen Veisammlnngcn und Parleifesten ans der Exklave Hohenliviel nicht mehr gestaltet. Be- kanutlicki haben dort große sozialdemokratische Versa im» Inn gen unter starker Belheilignng der ländliche» Bevölkerung in letzter Zeit statt- geflindeii. Der erste, den das Verbot trifft, ist der volksparteilid)« Abgeordnete Conrad Hanßmann.— — Für den badischen Landtag wird der Präsident des Reichsiages, Herr v. Buol, nicht mehr kandidiren.— — Chronik derMaiestätsbeleidtanngs-Prozesse. Der dreizehn Mal vorbestrafte, in Heimbrnnn bedieuftete 66jährige Knecht Georg Pflieger wurde wegen MajestätSbeleidigung z» einem Jakr Gesängniß verurtheilt. Die Aeußernng war in einem Wirths- Hansgespräch gefalle».— J ii Würzbnrg ist noch eine zmeite Frau wegen Majestät?- beleidiguug in UnlersnchnngShast genommen worden.— — Der auf Neil- Guinea ermordete deutsche Verireier der stellvertretende Landeshauptmann v. Hagen. Ohne nähere Angaben lautet die über Numea, vermnthlich durch ein französisches Kriegsschiff übermiitelle lelegraphische Nachricht dahin, daß derselbe am 14. August durch die Eingeborenen erschossen worden ist.— Oesterreich. — Die E i» b e r u f n» g des Reichsraths wird für den 13. d. M. erwartet.— Prag, 8. September.(Magdeb. Zeilnng".) Der Slatthalter von Böhmen richtete an die Bezirkshauptmannschasten ein Rnnd- schreiben, in dem auf die häufigen Ausschreitungen i» Gast- wirlhschaftcn hingewiesen wird, die dadurch entstehen, daß die Gäste oder die Wirthe nicht dulden wollen, daß in den Wirlhsd)aflen eine andere als die Landessprache gebraucht werde. Diese„kraukhafle nationale Unverträgllchkeit" dürste nicht geduldet werden; die Wtrlhe feien verpflichtet, ihre Lokale allen Gästen zu- gänglich zn machen.— In Liebenau bei Gubloiiz brannte daS ezechische Klubhaus, in dem die dortige czechische Sparkasse unter- gebracht ist. Den deutschen Fenerivehren gelang es durch un- verdrossene Arbeit, einen Theil des Gebäudes zn retten. Trotzdem behaupten die Czechen, Deutsche Hätten das Klubhans angezündet; diese unwahre Behauptung rnst große Entrüstung hervor. Schweiz. Vcrn, 6. September.(Eig. Ber.) Am 16. September tritt hier die B n n d e s v e r s a m m l u n g zur Herbstsessivn zusammen, in der. wie im Juni, die Eisenbahnverstaalllchnng und die Kranken- und Mit aller Wucht wendet sich Marx dann gegen das einzige noch halbwegs beachtenswerthe Argument, daß der'Aufschwung des orientalischen Handels für die Lebensfähigkeit der Türkei zeuge. Nicht die Türken seien die Träger deS Handels.„Man nehme alle Türken ans Europa weg, und der Handelsverkehr wird darum doch nicht leiden. Und was den Fortschritt in der nllgemeincn Zivilisation betrifft, wer wirkt denn für ihn in alle» Theilc» der enropäischen Türkei? Nicht die Türken, denn ihrer sind wenige und sie wohne» zerstreut.... Es ist der griechische nnd slavisch« Mittelstand in Städten nnd Handelsplätze», welcher dle wirkliche Stütz» der in das Land Imporliiten Zivilisation abgiebt. Dieser Theil der Bevölkerung nimmt stetig an Wohlstand Nnd Einfluß zn, und dle Türken werden mehr und mehr in den Himergrund gedrängt. Hätten diese nicht das Monopol der bürgerlichen nnd in»Ii- t ä r i s ch e N Gewalt, s o würden sie bald ver- f ch>v i n d e n. Aber diese? Monopol i st für die Z n k II II f t u II»I ö g l i ch geworden und ihre Macht ist Ohnmacht in allem, außer in den Hemmnissen, die sie d e III Fortschritt in de» Weg legen. T h a t s a ch e ist, sie müssen ans dem Wege geräumt werden. Bchaiiplen, daß sei unmöglich, ohne die Vinssen oder Oeslerreicher an stelle der Türken zu setze», Heißt behaupten, daß di« gegenwnrlige politisch« Lage Enropa's ewig dauern wird. Wer aber wird das behaupten wollen?" Was Marx vertritt, ist also nicht die ungeschmälerte Aufrecht- erbaltnug des türkische» Besitzstandes als Bollwerk gegen die russische Macht; vlelmehr nur die Unabhängigkeit der Türkei von Rußland Und im Falle einer möglichen Auflösung des t Ü r k i s ch e n R e i ch e s die Fernhaltnng der russischen Annektirnngsgelüste. DaS ist die Bahn, auf der die wirkliche Sntwickelnng seitdem weiter fortgeschritten ist: Ziinehmender Verfall des tiiikische» Reiches und wachsend« politische Vcrselhständignng feiner ehemalige» politischen Glieder. Wie Marx die neuesten Ereignisse, insbesondere die Emanzipalionsbestrebungen der Kretenser benrlhcilt haben würde. kann nach dem allgemeinen Standpunkt, den er hier hervorkehrt, kaum noch zweifelhaft erscheinen. L. Miifftflüevfldjenmg die meiste Zeit beanspruchen werden� Von den ans dem Geschäfl?verzcichnik> stehende» NerhandlungSgegenstÄnde» sind noch zu erwähne» die Vorlagen bctr> die Rechtseinheit, Luft- schifferabtheiliing, Linhctage der Grenz- und Zollwächler, Lohn- und Zlnstellnngsverhnllnisse der eidgenössischen Arbeiter, Freigabe des Sonnabend-Nachmittags, internationaler Arbeiterschutz:c. In den„Basler Nachr." wird der Gedanke betr. Errichtung eines internationalen Zollamtes erörtert. Dasselbe sollte seinen Sitz in Bern mit einem Deutschen als Direktor erhallen. Seine Zlufgaben wären: schn«richterliche Erledigung internationaler Zollstreiligkeiten, ivobei der Schiedsspruch inapellabel wäre; Be- slellnng von Experten sür die verschiedenen Branchen aus verschie- denen Ländern behufs Klassifikation von Waaren; Ausstellung von Normen für die Zolltarife und von Normen zur Deklarirung sur die verschiedene» Staate». In der Begründung des beachtenswerthe» Vorschlages heißt es unter anderem:„Heutzutage dürste sich wohl schwerlich ein Kaufmann oder sonst mit dem Verkehre in Verbindung Stehender finden lassen, der einem inter- nationalen Zollamte die Berechtigung absprechen würde; es können fich höchstens Bedenken geltend niachen in anbetracht der zu überwindenden Schwierigkeiten. Sollleu diese aber wirklich nicht zu überivinben sein? Wir sind gewohnt, mit Stolz auf die Er- rungenschasten des Menschengeistes in diesen, Jahrhundert zurück- zublicken und vergessen ganz, wie viel Titanenarbeit noch unser harrt! Wenn wir für ein internationales Amt in Zollangelegen- Helten eine Lanze brechen, so geschieht es deshalb, weil ein solches sicher schon längst als Bedürsnisj empsnnden wurde und kommen muß!" Auch die Anregung wird noch gemacht, in den inter- »alioualen Züge» die Zollrevision während der Fahrt vorzunehmen, um de» illufenthalt aus den Bahnhöfen möglichst zu kürzen. Diese Anregungen verdienen gewiß ernste Beachtung.— Zürich, 6. September.(Eig. Ber.) Die landwirthschaftlichen Geuvssensct, asten haben voriges Jahr bei dem großen Truppen- zusmninenzug das Schlachtvieh geliefert, wobei alle Betheiligten befriedigt wurden. Zu den gegenwärtig in den Kantonen Aargau, Solotbnrn und Baselland stattfindende» Truppenmanövern, wobei wieder ca. LStXK) Mann zusammenkommen, liesern die 280 Stück Schlachtvieh inländischer Provenienz zwei Händler resp. Metzger, denen die Lieserung übertrage» wurde, weil sie billigere Preise stellten, als die Produzenten selbst. Sie verlangen für das Kilo Ochsenflelsch 1,52 Fr. und Kuhfleifch 1,30 Fr., während die Genossen- schaslen 1,58 resp. 1,43 Fr. verlangten. Die Agrarier sind sehr »mzufrieden darüber, daß nicht ihnen die Viehliefernng übertragen wurde, allein die Militärverwaltung erspart dabei S000 Fr.— Frankreich. PariS, 7. September. Unter Ausschluß der Ocffentlichkeit be gauncn heute in der P an a m a- An g el e g en h e it die Ver- Handlungen vor der Anklagekamnier, mit welcher ausnahmsweise eine Kammer des Zuchtpolizeigerichts verbunden worden ist. Be- knnntlich beantragte der Untersuchungsrichter Le Poiltevin, vor das Schwurgericht die folgenden zu verweise»: Naquet(welcher flüchtig ist), Henry Maret, Antide Boyer, Laisant, Planteau, Richard, Sainl-Martin, Rigaud, Taillard und— Arto». Von diesen hat sich Camille Richard, ehemaliger Deputirter des Vauclnse-Departements. kürzlich selbst getödtet. Die Sitzung des heutigen Nachmittags wird ausschließlich dem Referat und den Anträgen des Generaladvolaten Blondel gewidmet sein.— — Die Brottheuerung. Der Minister der öffentlichen Arbeiten, Tnrrel, hatte vor einigen Tagen an die große» Eisenbahn- gesellschaften daS Ersuche» gerichtet, langesichts der hohen Getreide. preise eine zeitweilige Ermäßigung der Tarifsätze für die Beiörderung deZ Getreides eintrete» zu lassen. Dieser Zlufforderuug ist zuest die Gesellschaft der Etaatsbahnen nachgekommen, indem sie mit Giltigkeit vom 4. September ab neue Tarife für den Transport von Getreide, Hafer, Mehl und Kartoffeln ausstellte. Nachstehend stellen wir die neuen Sätze den alten gegenüber: bei einer Entfernung von 350 Kilometern 400 450„ 500 550 600 Preis per Tonn«: früher jetzt 10,90 12.40 13,90 15.40 16,90 18,40 10.50 10.90 11,65 12,40 13,15 13,90 Nach den letzten im Ackerbauministeriuni elngelanfeuen Nach- richten wird der Ausfall bei der diesjährigen Getreideernte in Frank reich noch viel bedeutender sein, als bisher angenonime» worden ist.— Im Jntranfigeant macht Henri lliochcsort folgende» Vorschlag, um der Brottheuerung zu steuern:„Wir haben in Frankreich eine große Anzahl stillstehender Militärbäckereien. Warum sollten diese nicht zum Backen von Brot für die Steuerpflichtigen ausgenützt werden, da sie ja doch mit dem Geld dieser errichtet worden sind. Warum sollten die Soldaten selbst nicht als Bäcker verwendet werde»? Dies entspräche der Logik, da Felix Faure zufolge der Weltfriede gesichert ist. Mögen die Soldale» in Zukunft dazu benutzt werden, die Pariser Bevölkerung zu ernähren, statt st», wie es 1871 geschehen ist, niederznkartätschen." Engkand. — Die Organisation der Konservativen. Der große konservative Verein, die„Primrose- Liga", zählte alles in allem. Herren und Danien, gegenwärtig 1 392 772 Mitglieder. Monatlich find im letzten Jahre 4- 5000 neue Mitglieder aus genominen worden. Da in den englischen Arbeiterorganisationen daS Bestrebe», selbständige Politik zu treiben, immer mehr zunimmt, haben die Liberalen und Radikalen der„Primrose- Liga" nichts an die Seile zu setzen.-- Svaulen. Madrid, 8. September, lieber dte Gründe, welche zur Vor- legung des über Sempau Barril verhängten Slrafnrtheils an den Obersten Kricgsralh führten, wird nunmehr bekannt, daß, da der Gerichtshof, abweichend von dem Antrage des öffentlichen An- klägers, welcher ans 40 Jahre Zwangsarbeit lantete, ans Todes strafe erkannt hatte, der � Generalkapitän, welchem das Urtheil zur Prüfung unterbreitet wurde, es nicht sür angängig er achtele, eine Strafverschärfung über das von der Anklage braulragte Maß hinaus eintreten zu lassen und daher seinerseits die Vor- legung der Prozeßakten zur endgiltige» Enlscheidung an den Obersten KriegSrath verfügte.— Asien. AnS Indien liegen einige Meldungen über die Grenzvorgänge in den erste» Tagen des September'vor. In der Nacht deS I. September wurde der Posten Balischkhel im Kurrnm-Thal von 1500 Feinden angegriffen. Nach fünfstiiudigem Kampfe erhielt die Garnison Verstärkungen, worauf sich der Feind zurückzog. Auf britischer Seite fiel ein Mann, und zwei wurden ver- wundet. Am 4. September wurde a»S Parachinar gemeldet: 3000 Afridis und Mazazais stehen Hadda gegenüber und wollen in das Kurrnm-Thal ziehen. Sie warten nur»och auf Zuzüge von den Chninikanis nnd Alisherznis. Ans Hangu wurde am selben Tage telegraphirt: Fort Lakka steht in Flamnien. Es steht noch nicht fest, ob der Blitz eingeschlagen hat oder ob es angesteckt worden ist. In Peschawer machte sich am 3. September einige Be- forgniß bemerkbar. Die AfridiS scheinen nach dem Khaibar« Paß zurückzukehren. Am 4. heißt es, daß die Afridis die Grenze von Peschawer angreifen wolle». Unter den Anhängern des Mullah von Hadda sind Streitigken ausgebrochen. Der Mullah hat sich deshalb nach Nawagai begeben. DaS Gerücht geht, daß der Emir dem Mullah verbalen hat. britische Truppen anzugreifen. In Jamrud sind vierzig Mann von der Besatzung von Lundi jkotal, alle? Khnibar-Echützen. eingetroffen, die sich nach der Auf- gäbe des ForlS durchgeschlagen Kaden. Ueber die Truppen- bewegungen wird gemeldet: General Elles wird von Schabkndar aus in das Mohmand-Land vorrücken und mit den zwei Brigaden des Generals Sir Bindon Blood zusammen operire», die von Tschakdara aus marschiren. General Wodehonse ist am 5. September mit einem Theil der dritten Brigade an den Pandschkora gelangt und hat die Brücke besetzt. Der Rest der Brigade steht in Ueh.— Die Dörfer in der Gegend von Ueh haben schon 20 000 Rupien Buße gezahlt.— Afrika. — DaS Seeräubernnwesen im Mittelmeere. Wie der„Int. Corr." aus Madrid geschrieben wird, sieht man in den spanischen Regierungskreisen ein Eiuschreiten gegen das über- handnebmende Treibe» der marokkanischen Seeräuber als dringend nothwendig au. Auch unter den Muhamedauer» des nord westlichen Jlsrika's macht sich infolge der thessalischen Siege eine starke Angriffsstimmung bemerkbar, die noch dazu durch größere Waffeulieseruugen von unbekannter Seite erhöht worden ist. Be- sonders der Kabylen stamm von Bocoya in dem Küsten- gebiete Penon de Gomera besitzt gegenwärtig mehrere tausend trefflich ausgerüsteter Piraten, deren Schiffe sich bis in die Nähe der spanischen Küste, ja sogar bis an die Balneare» wagen. Im Lauf» eines Monats haben die Kabylen vier größere Segelschiffe und einen Dampfer erbeutet, welche durchaus nicht? in Marokko zu thun hatten, sondern die mittlere Seestraße des Mittelländischen Meeres befuhrcn. Ihrer Nationalität nach gehörten diese fünf Schiffe zu Portugal, Spanien, Italien und Griechenland, woraus hervorgeht daß die Piraten vor keiner Flagge(mit einziger Ausnahme der englischen) Achtung hegen. In Madrid ist man daher der Meinung, daß angesichts der vollständigen Unthätigkeit nnd Machtlosigkeit der marokkanischen Regierung eine genieinsame Strafexpedition gegen den Bocoya-Stamm vorzunehmen und ein ständiger Ueberwachungsl dienst an der lliiffküste einzurichie» sei. Allerdings möchte man hierzu nur die zunächst beiheiligten Staate»: Spanien, Italien und Frankreich heranziehen, während eine Antheib nahine Englands schon deshalb nicht gewünscht wird, weil gerade zwischen Gibraltar und der Riffküste ein sehr lebhaster und ziemlich verdächtiger Verkehr vorherrscht.— — Die Vorbereitungen zum Sudanfeldzug schreiten fort. Besonders wird der Bau der strategischen Eisenbahn. linie von Wadi-Halfa nach Abu Hammed durch die Nubische Wüste eifrig gefördert. Die Gesammllänge dieser Eisenbahnlinie wird ungefähr 200 englische Meilen betragen, von denen 143 bereits fertig gestellt sind. Ende Oktober bofft man mit dem Bau der ganzen Linie fertig zu sein. Der Werth derselben ist ein außerordeutlich großer. Aus dem noch jetzt gebräuchlichen Wege braucht man ivenigstens 15 Tag«, um von Wadi-Halsa am Ufer des Nil entlang. der hier einen großen Bogen nach Westen nnd Süden macht, über Kerma, Dongola und Meraui nach Abu Hammed zu gelaugen, während eS nach Fertigstellung der nubische» Eisenbahn möglich sein wird, die Entfernung in 12 bis 15 Stunden zurückzulegen. Da Abu Hammed die Basis der fernereu Operationen bildet, ist diese Zeit- ersparniß von großer Wichtigkeit. Amerika. — Die Bimetallisten der Vereinigten Staaten haben in 22 Staate» eine rührige Pi opaganda gegen die Politik Mac Kinley's unternommen. In dem Manifest a» die amerikauischen Wähler verurtheilen sie die Goldwährnugs-Polilik und die Schuh- Politik Mac Kinley's und drücken die Ueberzeugung ans, daß Bryan im Jahre 1900 zum Präsidenten gemäht werde. So früh die Beauftragten der Silber-BergwerkSbefitzer von Nevada auch mit ihrer Agitation beginnen, fo ansstchiSIos dürfte sie mit Rücksicht auf die Entivickelung der Währungsfrage sein.— — DaS amerikanischeSchatzamt und der neueste S i l b e r st u r z. Durch das neuerliche Falle» der Silberpreise werden die republikanischen Hochzöllner der Vereinigten Staaten jedenfalls noch gezu'unge» werden, sich mit der WährungSfrnge zu beschäftigen. Dte Bundesregierung hat nämlich auf grund des Bland-Allifom Gesetzes vom Jahr« 1878 nnd auf grund deS Shennan-GesetzeS vom Jahre 1890 nach»nd nach 459 943 711 Unzen Silber angekauft, wofür sie 464 210 262 Dollars bezahlte. Nach dem heutigen Marktpietse ist aber dieses Silber nur noch 242 622 084 Dollar? werth, so daß die Regierung augenscheinlich einen Verlust von 221 588 178 Dollars erleiden würde, wenn sie ihr Silber verkaufen wollte. Tbatsächlich wurde der Verlust aber noch größer fei», weil der PreiS noch mehr fallen dürfte, wenn plötzlich so viel Silber auf den Markt geworfen würde, nnd sollte die U»ze Silber gar ans 25 CeuIS heruntergehen, was von Sachverständigen alS wahrscheinlich bezeichnet wird, so würde sich der Unterschied zwischen dem von der Regierung gezahlten Preise und dem Wertde deS von ihr erworbenen Silbers auf nabezu 350 Millionen Dollars belanfe», der Melalliverlh der ausgepräglen SilberdollarS belrüge kam» mehr 22 Ce»ts. An und für sich mag ja wenig ans de» Metalliverth des Silberdollars ankommen, solange das Verlraiien da ist,'daß die amerikanische Regierung jeden Silbeidollar ans Verlangen gegen eine» Gold dollar«inlösen kann oder wird. Sollte aber der Goldbestand der Bnndeskaffe wieder einmal derartig vermindert werden, daß die Befürchtung entsteht, sie könnte zur Einstellung der Gold zahlnnge» gezwnngen sein, so ivtrd natürlich nicht nur allcS Papiergeld, sondern auch alles Silbergcld im Werth« be. einträchtigt iverde». Die Bundesregierung müßte also abermals be deutenbe Goldnuleihen aufziinedmen, um zu verhüten, daß der amerikanische Dollar auf 25 Cenls oder gar noch weniger herunter. sinkt. Angesichts dieser Verhältnisse wird jetzt allenthalben dte For. derung laut, die republikanische Partei, die eben jetzt das Ruder führt, solle den Entschluß fassen, entweder den ständigen nnd niüssig daliegenden Goldvorralh des Schatzamtes stark zu vermehren, oder aber die papierene» und silbernen Umlanfsmittcl beträchtlich zu vermindern.—_ RkS Kaiididate» Z«m vadifcheu Landtast werden von »nsereii Parleigenoffen aufgestellt: in Lörrach Stadt: Friedrich Hang aus Freibnrg; in Fretburg: Sägefeiler Ernst Kränler; in H o r» b e r g: Bildhauer Fritz Fleig; in O f f e n b n r g: Redakteur Adolf Geck; in Karlsruhe: Redakteur Adolf Geck und Schreincrmeister Scheier; i» Pforzheim Stadt: Redakleur 'Adolf Geck; in P f o r z h« t m L a n d: Stadtverordneter Friedrich Lauber; in Mannheim: Stadtverordneter Liob. Krämer; in ieSloch: Schneidermeister Joh. Döruer. Die LaiideSkoilferenz für Schlvarzbnrg- Nndolstadt tritt Sonntag, den 12. September, in Stadtilm im GnsthanS zum Schloß zusammen. Die Tagesordnung kantet: 1. Zur Lage der Arbeiter t» Schwarzburg-Rudolstadt, Referent Siabtvermdueter Franz Winter aus Frantenhausen; 2. Die Wünsche der Agrarier und die Arbeller, Referent Buchdrucker Arthur Ho f m a n» a»S Saalfeld; 3. Aufstellung«Ines Kandidaten für die bevorstehende ReichStagSwahl; 4. Die Presse; 5. Diverse Anträge. Ter Parteitag für daS FÜrstenthnm Reust ä. L. wird Sonntag, den 26. September in Greiz in Grinnn's Lokal ab- gehalten. Die Tagesordnung lautet: 1. Bericht über Partei nnd Presse; 2. Stellung zur renßischen Landtagswahl, desgleichen zur Gründung von Konsttmvercinen und dergt.: 3. der denlsche Partei- tag und die eveut. Beschickung desselben; 4. die nächste Reichstags« Wahl. von der Agitation. Reichstags» Abgeordneter Klees ans Magdeburg hat auf setner Agttationstour durch Nordwest- Deutschland i» den Orten: Verden, Woltmershausen, Bremen, Oslebshausen, Stadt Oldenburg, Brake, Nordenham, Bant. Delinen- Horst, Brinkum. Breinerhaven, Bremen. Walle, Hastedt und Vegesack gesprocbe». Die Bersamuiluiigen mit Ansnahui« von Verden, Bremerhaven. Hastedt und Vegesack waren überall gut besucht. Es ist z» hoffen, daß auch diese Agitationstonr unseres alterprobten Genossen Klees dazu beigetragen haben wird, die Zahl der sozial- demokraltschen Stimmen zu vermehren und das Klassenbewußtsein der Arbeiter zu heben. Eine Parteikouferenz deS schkostschen Wahlkreises Jauer- Bolkeuhaiu- LandeShut, die am Sonntag i» Bollen Hain ab- gehalten wurde, entschied sich nach längerer lebhafter Debatte für dte Betheiligung an den preußischen Landtag Swahlen. Zum Kandidaten für die nächste Reichstagswahl wurde Genoste Krätzig aus Blumenau bestimmt. Die Agitation im Wahlkreise ließ bisher viel zu wünschen übrig; unter Leitung eine« Wahlkreis- Vertrauensmannes soll sie in Zukunft energischer betrieben werden. Die Parteigenoffen in Elberfeld beschlossen, folgende An- träge an den Parteitag in Hamburg zu stellen: I. Der Parteitag wolle beschließen, die Parteileitung zu be- auftragen, ein politisch-parlam entarischeS Handbuch hecauszugeben, weil die bisher zu den Wahlen herausgegebenen Handbüchlein ihren Zweck nicht genügend erfüllen. 2. Zur Frage der Landtagswahl-Betheiltaung er- klärt sich die Versammlung damit einverstanden, daß der Kölner Be- fchluß aufgehoben wird. Ob und in welcher Form eine Betheilignng an der Landtags« ivahl stattfindet, jedoch unter Ausschluß jeden Kompromisses bei den Urwahlen, darüber entscheiden die Genossen der einzelnen Wahlkreise, welche aber von ihrem diesbezüglichen Beschluß dem zu ernennenden Zentral-Wahlkomitee umgehend Mittheilung zu machen habe». 3. Mit Rücksicht darauf, daß die Solinger Zwistig« ketten auch störend auf die Parteibewegung der benachbarle» Kreise einwirken und um diesen Slreitigkeil«» endlich ein End« zu bereiten, beantragen die Elberfelder Genossen: Der Parteitag wolle die Parteileitung beauftragen, den Solinger Genossen zur nächsten Reichslagswahl einen den Slreitigkeilen fernstehenden Kandidaten zu empfehlen. Dieser Kandidat ist von beiden Richtungen anznerkennen. Im übrigen geht die heutige Versammlung über die Solinger Streitigkeiten zur Tagesordnung über.(Einstimmig angenommen.) Die Anträge wäre» von dem Genossen Gewehr gestellt. Antrag 1 und 3 wurde einstimmig, Antrag 2 mit großer Mehrheit angenommen. Als Delegirten für den Parteitag in Hamburg wnrde Genosse W. U l l e n b a u m gewählt. I» Barmen erklärte sich eine Parteiversamniluna mit allen gegen eine Stimme für Aushebung des Kölner Beschlusses, dagegen wurde mit nur einer Eliinuic Mehrheit beschloffen, daß die Ber- saminlung die allgemeine Betheilignng an den preußischen Landtags- wählen wünsche und de» Autrag stelle, der Parteitag in Hamburg wolle in diesem Sinne beschließen. Ferner nahm die Versammlung folgenden Antrag an:„Der Parteitag wolle der Parteileitung zur Pflicht»lachen, zur nächste» Maifeier ein für ganz Deutschland be- stiunntes Fliigblatt herauszugeben." Als Delegirter zum Parteitage wurde Genosse Wilhelm Lohmann gewählt. Parteitag für SchlrSwig-Holstei» er.(Schluß.) Der Punkt Presse sühit« zu einer«iugehenden Debatte. Die„Schleswig« Holsteinsche Volksztg." laborirt an einem Defizit, das in erster Linie durch die entgegen den Voranschlägen unternommene Vergrößerung deS BlatteS und in der dadurch bedingten Vermehrung des Per- sonalS, ferner durch die oerichtlicheu Verfolaiingeu verursacht ist. Für Gerichts- und Gefängrnßkosten hat die Zeitung feit ihrem Be- stehe» zirka 10 000 M. ausbringen müssen. Die Höhe der Gefäugniß- strafe» betrug 25 Monate»nd die der Geldstrafen 1200 M. Es ist et» Defizit von 10 539 M. vorhanden. Die Auflage des Blattes beträgt jetzt 6659 Exeniplare, gegen 6543 im vorigen Jahre nnd gegen 7149 im Jahre 1895. In richtiger Würdigung der Thalsache, daß in der Provinz die Zeitung daS beste AaitationSinittel ist, beschloß der Parteitag, daß die Agitalionskommission der Provinz das jähiliche Defizit der Zeilnng zu decken hat. Die einzelnen Wahlkreis« sollen die nölhigen Gelder der Agiiationskommissio» zur Verfügung stellen. Um die Zeitung auch für die Laudbeztrke agitatorisch wirkiainer zu machen, wurde bestimmt, daß in der Zeitung die wirthschasllichen Zustände auf dem Land mehr berück- sichtigt werden sollen. ES folgte ein Referat F rohme'S über dl« V o lkSfch ul« Gesetzgebung in S ch l, S w i g» H o l st« in. Gr führte u. a. nuS: Im Jahre 1866 sind dt« EchleSwig-Holsteiner preußisch ge- worden. Die pielißische Versassnng garnnttri den ElaatSbürgern völlig« Gleichheit in Beziehung aiif die Schule. Trotz der Ver- faffnng werden im Voirssckulwefen hier Bestimmungen sür geltend erachtet, die auf das frühere Regiment zurückzuführen sind uud die sich»nter ketnen Unisländen rechtfertigen lassen. Diese Bestimmungen gehen dahin, daß die Kinder biS zur Kousirmation und zwar die Knaben bis zum vollendeten 16. und die Mädchen bis zum 15. Jahre die Schulen besuche» müssen. Dem Schulvorstaiid wird das Recht gegeben, diese Schulpflicht»ach seinem Ermeffrn abzukürzen. Dieses Siecht wird zum theil in rigoroser Weise gehandhnbt. Es ist vorgekommeu, daß ein Schulvorsteher einem Vater erklärte, sei» Mädchen müsse bis zum 16. Jahre die Schule besuchen, wenn er es nicht taufen ließe. Andererseits ist es vorgekommen, daß Kinder aiiS der 3. und 4. Klasse, die recht herzlich dniiii», aber getauft waren, einlasse» wurden. Es handelt sich darum, festziifielleu, auf welchem Gefetz diese Verordnungen baflren. ES giebt kein solches. Der ß 13 der Schulordnung bestimmt, daß die Dauer der Schulzeit sich bis zur vollzogenen Kousirmation erstreckt. Das Gesetz enthält leiu» Bestimmimg darüber, daß überhaupt»ine Kon- sirmation e» folgen mich. Dte Eltern sollte» eS darauf aiikoinmen lnsseu, wenn ihre Kinder da« schulpflichtige Alter überschritten haben, die Kinder auS der Schul« zu nehmen, ohne Rücksicht was der Schulvorstaiid ihnt. Da? Gericht muß die Eltern freispreche». Es innß das Bolksbewußtsein ansgerüttelt werden,«ine ßlgttation ins Werk gesetzt werde», daß dieser Zustand sei» Ende findet. Es ist wüuscheus, verth. daß die Agiiationskommissio» eine Protest« Petition an den Landtag richtet. Der Parteitag beschloß demgemäß. Ueber dl« Stellung zu den ReichStagswahlen sprach Abg. L eg ien. Er kau» aus gruud des Sttminenergebnisies der letzten Reichstags- ivahl zu dem Schluß, daß eS als ausgeschlossen zu bezeichne» sei, Scbleswig-Holstei» iverde eine Mehrheit von der Regierung güiistige» Abgeordnelen ins Parlament seiide». Es sei vlelmehr anzunehmen, daß bei der nächste» Wahl der Zug nach links sich noch viel stärker zeigen iverde als bisher. Bei der letzten RetckStaaSwahl sind in Schleswig Holstein Stimmen abgegeben worden für die Konservativen 9280, Rcichspariei 16 470, Natioualliberale» 24 506, Freisinn 86527, Zentrum 141, Reformpartei 8020, Dänen 14 468, Sozialdemokratie 75 746. AnS den weiteren Verhandlungen de? Parteitages fei noch er- wähnt: Die AgilnIio»Sko»»»ission erhält ihren Sitz M NenMÜnster; zu deren Mitglieder wurden gewählt: L i e n a u, Straßburger uud Da iik er. Sitz der Preßko», Mission ist Kiel. Der Provlnzial- Parteilag soll aller zwei Jahre abgehalten werde»; der stächst« wird wieder nach Neumüiifler einberufen werden. Die Partrigenossc» im Wahlkreise Lippr-Drtmold hietlen am Sonnlag i» Lemgo eine Konferenz ab. Zivecks strafferer Or- ganisntivn der Partei wurde u. a. beschloffe», daß in jedem Orte des Kreises ei» Genoffe zu bestimmen ist, der Verkehr mit de», Kreisvertrauensman» zu pflegen hat. Alljährlich im Septemver ist «ine Kreiskonferenz abzuhalten. Zum Borort deS Kreises wurde Oerlinghausen gewählt. Die Wahl deS Delegirten zum Hain- bnrger Parteitage foivio die des KreisvertrauenSmannes ist den Ge- »offen am Vorort Überlasse». Dte Frage der Aufstellung«ineS ReichstagSkandidalen soll tu einer spätere» Konferenz erledigt werde». Sine Partelbrrsammluug für den 14. sächsischen Reichstag?- Wahlkreis B o r N a- P e g a u, die ain Sonntag in P e N t g tagte und von Genoffe» aus 12 Orlen besucht war, bestimmte als Kandi- baten für de» Reichstag wieder de» Genoffen Heinrich Stolle aus Meerane»nd ivähltr den Genosse» Paul Starke aus Wechfelburg alz Delegirten sür den Parteltag in Hamburg. In Miiuchen beauftragte eine Parteiversammlung die Dele- zirten zum Hamburger Parteitag«,„dahin zu wirken, daß der Kölner öeschluß beseitigt werde, ivodurch die Genoffen in Preußen das Recht erhalten, die Belheiliguug an den preußischen Landlagen nach ihrem eigenen Ermessen zu entscheiden". Weiter heißt eS in der betr. Resolution:„Die Versammlung erklärt deS ferneren, sie würde es mit Freuden begrüben, wenn der Entschluß der preußischen Genossen zu einer Wahlbelheiligung führen und dadurch der«»laß zur Lahm« kegung d«S gemeingefShrlichen, für die Existenz des Reiches übermiS schädlichen preußischen Junkerlhnms gegeben würde!" Als Delegirie wurden die Genossen Franz Schmitt und G ö s ch l gewühlt. Polizeiliches, Gerichtliches:c. — Auf dem P a r l e i t a g in Gera für Reuß j. L. hallen sich einige Parteigeiiossen aus Uniuulh über die hohe Bestrafung des Genossen N a j o r k, der als verantwortlicher Redakteur der .�Reußische» Tribüne" wegen einer Notiz zu 1�/s Jahren Gefüngniß verurtheilt ist, zu Aeußerungen gegen den angeblich Schuldigen hin- reißen lassen. Das hat die Staatsanwaltschafl veranlaßt, ein Straf- verfahre» gegen de» Genossen Hugo Rüdiger einzuleiten, der an der„Reußischen Tribüne" initarbeilet. Die Genossen Bret- s ch n e i d e r und V e t t e r l e i n sind im Ermiltelungsverfahren vernommen worden. GetverKschafkliches. Berlin und ltnigebniig. Nchtttug, Korbmacher. In der öffentlichen Versammlung vom 7, September ist beschlossen ivorde», die Werkstätten von Ancion u. Komp. sJnh. Starke), Wilhelinstr. 124 und!)i. Schmidt u. Komp., Krautftr. 6, zu sperren, weil diese Firinctl 20 pCt. Lohnabzug gemacht haben. Die Kollegen werden deshalb ersucht, diese Werk- statten streng zu meide». Di« Firma R. Schmidt». Komp. ersucht durch heutige Annonce im„Vorwärts" Arbeitskräfte heranzuziehen, indem sie schreibt, daß SS M. verdient werden. Kollegen, labt Euch nicht täusche» dadurch, denn überall wird pro Korb 1 M. mehr gezahlt und durch einmüthiges Zusammenhalten könnten diese Firmen zur Bewilligung gezwungen werden. Der Vor st and des Ver- bandes der Korb nr acher Berlins und Umgegend. Alle arbeiterfreundliche» Blätter werden um Abdruck gebeleu Deutsches Reich. Achtung, Former«ud Kernmacher! Kollegen! Die Firma B o r s i g, Eisengießerei und Maschinenfabrik zu Berlin, deren Former und Kernmacher seit dem 23. Angnst ivegen Lohn- reduktionen im Russtande sich befinden, giebt sich alle erdenkliche Mühe, durch Zeitungsinserate und ihre Agenten Arbeiter auS der Provinz heranzuziehen. Bisher ist ihr das noch nicht geglückt und hoffen wir, daß auch ferner kein Arbeiter sich finden werde, der den Streikenden den Kampf erschwert. Alle arbeiterfrenndlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Der Vertrauensmann. Iii Penig i. S. ist der Streik der Wollendrucker bei der Firma Chevalier u. Ko. in ein neues Stadium getreten. Eine andere am Ort befindliche Druckerei hat plötzlich sieben Drucker entlassen tinler den» Vorwand, es sei keine Arbeit vorhanden. Man nimmt aber an, daß ans die Streikenden nur ei» Druck ausgeübt werden soll. Zum Leipziger Manrerstreik. Gegen die inhaftirten Mit glieder des Streikkomitees, die Genossen Jacob, Berthold und Ornth, ist bereits Anklage wegen versuchter Nöthigung und Körperverlctziing, Vergehen gegen die tzß 240. 223, 43 des Reichs- Strafgesetzbuches erhoben worden. Die Berbandlung dürste bald vor dem Landgericht Leipzig stattfinden.— I» der Versammlung der streikenden Maurer wurde mitgetheilt, daß Gebr. Göhricke und Pabst die Forderungen der streikenden Maurer neu bewilligt habe» und beschlossen, die Landeskonferenz der Maurer durch die Genossen Beyer und Zscherpe zu beschicken. Der Ausstand der Arbeiter(ca. so Personen) der Metall- und Broncewaaren-Fabrik von Karl Meißner in D r e s d e n ist nach achttägiger Dauer beendigt, da der Fabrikant s ä m in t l i ch e Forderungen der Arbeiter anerkannt hat. Sehr wichtig und verständig ist eine der vereinbarte» Bestimmungen, nach welcher bei Mangel a» Aufträgen Arbeiter, welche drei Monate in der Fabrik arbeiten, nicht entlassen werden dürfen, sonder» in solchen Fällen die Arbeitszeit z u reduziren ist.— Eine recht klägliche, lächerliche Rolle haben bei dieser Gelegenheit wieder «inmal die Hirsch-Duncker'schen gespielt. Sie mußte» wohl einsehe», daß bei den herrschenden Zuständen in dem Meißner'sche» Betriebe das Vorgehen der Arbeiter vollständig gerechtfertigt war, erklärten auch ihre„Sympathie" diese» gegenüber, aber— finanzielle Unterstützung waren sie nicht im stände zu leisten. I» PirmaseuS entstand vor einigen Tagen ei» Ausstand der Schuhmacher, an dem 33 Arbeiter der Firma Lehuung betheiligt wareu. Die Arbeiter verlangten die Entlassung eines Arbeiters, der mehrfach Denunziationen angebracht hatte. Diesem Wunsche wurde nicht entsprochen und es erfolgte die Arbeitseinstellung. die seitens des Fabrikanten prompt mit der Bekanntgabe einer schwarzen Liste beantwortet wurde. Jedoch die erhoffte Wirkung der schwarzen Liste blieb auS, vielmehr erhielten viele der geschickteste» Arbeiter in den anderen Fabriken schnell Stellung. Mittlerweile war der betreffende Arbeiter von dem Fabrikanten aus einem anderen Grunde entlassen und die Arbeiter forderten nur noch die Zurücknahme der schwarzen Liste. Herrn Lehnung niochte wohl nunmehr ein Licht aufgehen, denn tief gekränkt über den schnöden Undank seiner Kollegen erließ er folgende Erklärung in einem dort erscheinende» Lokalblättchen: Erklärung. Da ich die Ueberzeugnng gewonnen habe, daß verschiedene meiner Herren Kollegen mich mit ihrer Unterstützung im Stiche ließen, die- selben eS vielmehr darauf abgesehen haben, die besten meiiier Arbeiter anzuwerbe» und mein Geschäft zu schädigen, fühle ich mich ver- anlaßt, die sogenannte schwarze Liste hiermit öffentlich zurückzuziehen und soll mir diese Handlungsweise als Richtschnur dienen, welche Stellung ich gegenüber den betreffenden Herren Kollegen einzunehmen habe, wenn ein gleiches Vorkommniß bei ihnen eintritt. Fritz L e h n u n g. Der Töpferstreik in P i r n a ist nach einer Mittheilung aus dem Verbandsbnrcan der Töpfer zu gnnsten der Arbeiter beendet. Die siiddentschen katholische» Arbeitervereine hielten am K. Septemher in Würzburg einen Delegirtentag ab. Der Verbindung gehören rSI Vereine mit 38 730 Mitgliedern an. Die Vereine unterhalten Sterbe- und Krankenkaffen-Einrichtungen und verfügen über ein Vermögen von 2S9 625 M. Interessant ist an den Ver- Handlungen, daß zwei Anträge, die ein« Unterstützungskasse wünschen, aus der Mitglieder, die ohne Verschulden durch Streik in Mitleidenschaft gezogen werden, eine Unterstützung erhalte», zur Kemitniß genommen wurden.— Sehr bescheiden! AuSlaud. Der befürchtete Bäckeranostand in Budapest wird unter- bleiben. Die am Sonntag zahlreich versammelten Gesellen beschloffen, erst ihre Organisation, welche gelegentlich des l tzten Streiks vor drei Jahren vom Minister des Innern aufgelöst worden war, von neuem zu kräftigen. Ruf dem internationalen Diamantarbeiter- Kongreß, der vom 20. bis 22. September in Äntwerpe» abgehalten wird, werden voraussichtlich alle organistrten europäischen Diamantarbeiter vertreten sein, nämlich: der Allgemeine Niederländische Diamantarbeiter-Bund, die wenig zahlreichen evangelischen, kalholi- schen und jüdischen Dianiantschleifer-Vereine von Amsterdam, der Antiverpifche Diamantarbeiter-Bnnd und die Dianiantschleifer-Vereine von Hanau, London, Saint-Claude(Frankreich) und Genf. AnS Amsterdam wird uns geschrieben: Die Weber von A l m e l o haben sich entschlossen, am 20. September in den Streik Gewerkschaftsbewegung arg gefährdet sei. Dagegen müsse der Kongreß Protest einlegen. Die Nützlichkeit des Arbeitgeber- Haftpflicht- Gesetzes sei anzuerkennen, jedoch müsse auf Ver- vollkommnung der Bestimmungen hingearbeitet werden. Hieran' beivillkommnele der Lordmayor von Birmingham den Kongreß im Namen der Stadt. Der Vorsitz wird dem Stadtrath S t e a v e n s übertragen. Die 400 Delegirten vertreten rund 1'/« Millionen Arbeiter. Ter englische„Nationalverband der freien Arbeiter" erläßt einen Anfrnf zu gnnsten eines Kongresses, der nächstenMonat abgehallen werden soll. Die treibende Kraft, die hinter diesen„freien Ar- beitern" steckt, sind, wie wir dieser Tage durch«in dem„Daily Chronicle" entnommenes Zirkular vachgewiesen, die Unternehmer. Die erste Resolution, die diesein Kongreß unterbreitet werden soll, wird gerichtet sein gegen die„einseitige Selbstsucht" der Unionsleute. zu treten, wenn die Unternehmer vorher ihre» Forderungen nicht nachgeben. Diese Forderungen sind: bessere Rohstoffe. Ausstellung einer Lohntabelle, Entschädigung für die mit Warten auf Rohstoffe versäumte Zeit, und endlich eine Lohnerhöhung von ö bis 10 pCt. Schon hat einer der vier Fabrikanten die letzte und wichtigste For- derung zum theil bewilligt. Die 270 Arbeiter und Arbeiterinnen haben sich deshalb mit knapper Mehrheit gegen den Streik erklärt. Der Entschluß der b00— K00 Arbeiter der übrigen Fabriken war jedoch fast einstimmig. Der Trades-UnionS-Kongreß zu Birmingham ist am Dienstag mit einer Rede des Vorsitzenden des Parlamentarischen Komitees, Mr. S a m W o o d s, eröffnet worden. Er verwies u. a. darauf, daß durch die Urtheile der Gerichte, wie sie in letzter Zeit ergangen sind, die Soziales. Für die Gewcrbe-AnfsichtSbeamtcn erläßt das Ministerium für Handel und Gewerbe im„Reichs- Anzeiger" eine Vor- b i l d u n g s- und Prüfungsordnung. Im wesentlichen besagt die Vorschrift: Zur Erlangung der Befähigung für den Gewerbe-Aussichlsdienst ist: 1. ein mindestens dreijähriges technisches Studium, 2. ein mindestens 1>/ejährigeS Studium der Rechts- und Staatswiffew fchaften auf deutschen Hochsclulen, 3. die Ablegung zweier Prüfungen erforderlich.— Die erste dieser Prüfungen ist entweder a) die als Regierungs-Bauführer im Maschinenbaufnch oder b) die als Berg-Refeieudarins oder c) die Diplomprüfung als Hntten-Jngenieiir oder als Maschinen-Ingenieur an der Berg- Akademie oder einer anderen preußischen Technischen Hochschule, 6) die in de« Bundesrathsbestimmnnge» vom 22. Februar 1894 be> zeichnete Vorprüfung als Nahrungsmittel Chemiker, oder die Diplonu Prüfung als Chemiker an einer preußische» Technischen Hochschule, oder die Habilitation für Chemie, oder die Doktorpromotion an einer preußischen Universität, wenn Chemie bei der Promotionsprnfung das Hauptfach bildete. Die zweite Prüfung ist vor dem Prüfnngs- amt für Gewerbe-Anfsichtsbeamte abzulegen. Der zweiten Prüfung muß ein mindestens 1j jähriger Vor bereitungsdienst bei den Gewerbe-Aufsichtsbehörde» voraufgeben. Nach erfolgreicher Beendigung des Vorbereitungsdienstes bei einer Gewerbe-Jnspeklion hat sich der Aspirant zur fernere» Vor- bereitung auf die zweite(Haupt-) Prüfung während der Dauer von wenigstens drei Semestern an einer deutschen Hochschule dem Studium der Rechts- und Staatsivissenschaften unter besonderer Berücksich- tigung der Gewerbeverwaltung, der Gewerbehygiene und der Wohl- fahrtspflege zu widmen. Die Prüfung erfolgt vor dem PrüfungSamte für Gewerbe- Allfsichisbeainte in Berlin, dessen Mitglieder vom Minister für Handel und Gewerbe ernannt werden. Die Prüfung zerfällt in eine schriftliche und eine mündliche. Bedauerlich ist, daß sich die Regierung nicht entschließen kann, für die Gewerbeanssicht auch Arbeiter als Assistenten herauszu- ziehe», und daß sie noch immer den engherzigen Standpunkt vertritt, die Frauen gänzlich von der Gewerbeansstcht auszuschließen. Andere Staaten sind auf diesem Gebiet längst mit gutem Beispiel vorangegangen. Znm Parteitag der Nationalsoziale» beantragt Pastor G ö h r e, die Resolnlioiieii des internationalen Arbeiter- schutz-Kongresses in Zürich ins Programm dieser Partei aufzunehmen. Ueber LehrlingSzüchtcrci im Walkergcwerbe» das zur Textilindustrie gehört, wird in einem uns vorliegenden Schreiben ans Forst in der Lausitz Klage geführt. Es gäbe in Forst etwa 20 Jnnnngsmeister, von denen die große Mehrzahl 3 oder 4 Lehr- linge halte Die Lehrlinge müßten 4 Jahre lernen und würden nach bcendecer Lehrzeit meist entlassen. Da sie während der Lehrzeit leider nicht so viel gelernt hätten, um sich ihr Brot als Walker ver- dienen zn können, so fiele» sie dann ihre» Angehörigen zur Last oder müßten sich einem andern Beruf zuwenden. Durch das Ueberangebot an Arbeitskräften würde natnrltch der Lohn gedrückt. Der eine Walker arbeite immer billiger als der andere. Dabei habe der Walker in der Fabrik die schwerste Verantwortung. Jeder Arbeiter lege die Fehler, die er bei der Herstellung der Maare begangen, dem Walker zur Last, und wenn dieser nicht niit dem Appreteur gut stehe, z» dem die Arbeit nach dem Walken kommt, so könne er nicht cxistircn. Es bestehe zwar ein Walkerverein in Forst, aber dieser kümmere sich um die Uebelstände wenig oder gar nicht. Die Zahl der Aktiengesellschaften Bayerns hat sich, der Bäuerischen Handelszeiinng" zufolge, innerhalb des letzten Viertel- jahrhunderts säst vccviersacht und ihr Kapital ist in der gleichen Zeit von rund 190 Millionen Mark auf 700 Millionen Mark ge- stiegen. Nach dem Stande vom Ende Juni 1897 hatten ihren Sitz in Bayern insgesammt 323 Aktiengesellschaften mit einem Aktien- kapital von 673 471419 M., einem Obligation?- beziehentlich Pfand- briefkapital von 1 939 307 442 M. und einer Bilanzziffer von 3 350 966 718 M., gegenüber 311 Gesellschaften im Jahre 1896 mit 611 635 500, beziehentlich 1 832 576 566, beziehentlich 3 175 338 499 M. 46 Gesellschaften mit 4,51 pCt. des Gesammt-Aktienkapilals zahlten keine Dividende. Von den Neugründnngcn kommt die größte Zahl auf die Bierbrauereien und Fahrrad-Fabriken, in welchen beide» Jndnstrie»— wie die„Münchener Post"»nitheilt das Bestreben, die Ausbeutung der A> eiler durch größtmögliche Kapitnlskonzentratio» auf das nachdrücklichste zu betreibe», iininer intensiver auftritt. Iii Zwickau hielt dieser Tage das Ge werbegericht seine erste Sitzung unter Ziiziehnng von Beisitzern ab. Die Verhandlungen wurden sehr lebhaft geführt. Der von den Gegnern des Gewerbe- gerichts angeführte Grund, daß ein solches Gericht i» Zwickau, wo bereits sieben Jnnungs-Schiedsgerichte bestehen, nicht genug zu thu» haben würde, erweist sich schon jetzt als hinsällig. In der ersten Sitzung wurden bereits 5 Fälle verhandelt, die sämintlich erst in der letzten Woche anhängig gemacht worden sind. VerpÄtznmluntgen. Eine öffentliche Korbmacher-Bersammlung fand bei zahl- reicher Betheiligung am 7. September bei Jeuerstein's statt. Es handelte sich darum, Stellung zu nehme» zu den jüngst vor- gekommenen Lohnrediiktione» in der Kiigelkorbbrariche bei den Unter- »ehmern Starke und Rod. Schmibt u. Co. Der Verhandlung lag nach den Darlegungen verschiedener Redner in Kürze folgender Thatbestand zu gründe: Die Firma Starke hatte gleich anderen Firmeninhaber» die Lieferung einer bestimmten Anzahl Kugelkörbe bis zu einer bestimmten Frist ferligzustelle». Auf das Versäumen der Lieferungsfrist ivar eine Konventionalstrafe von 1 M. pro Korb gelegt. Den durch die ziemlich erheblichen Aufträge bedingten allgemeinen Ausschivung batten die Gehilfe» allenthalben benutzt, um auch sich«ine» Mehiwerdieiift z» sichern. Sie erreichten, daß in allen Betrieben, außer bei den Firmen Starke und Rob. Schmidt u. Co., die Akkordlöhne bis auf v,S0 M. pro Stück hinaufgesetzt wurden. Als bei Starke später noch mehr Aufträge einliefen, gelang es auch hier, den höheren Lohn durchzusetzen, aber nach wenigen Wochen reduzirte der Unternehmer den Lohn wieder. Daraus legten sämnit- liche Korbmacher die Arbeit nieder. Bon den 80 in den Streik ge- tretenen haben 30 die Arbeit zu den alten Preisen bald wieder auf- genommen. Bei der Firma Schmidt, der nur für Starke liefert, sind die Differenzen aus deni gleichen Grunde entstanden. In anbetracht der Thaisache, daß ein Theil der Firmen ihre Lieserungen bereits er- lcdigt haben, sah die Versammlung nach eingehender Diskussion von der Fortführung des Streiks ab. Ueber die beiden Firmen wurde die Sperre verhängt, den Ausständigen Unterstützung zu- gesichert. Ein Antrag, die jüngeren. erst während der letzten Ausschwungsperiode zugereisten Kollegen zu verpflichten. abzureisen, wurde abgelehnt. Dagegen wurde beschlossen, vom Tage der Versammlung(dem 7. September) ab den Arbeitsverdienst von 40 M. nicht zu überschreiten, damit für daS sonstige Mehr arbeitslose Kollegen eingestellt werden können. Einem weiteren Antrage zufolge wurde eine sechzehngliedrige Kommission. ans neun Werkstätten je zwei resp. eine Person, zusammengesetzt, die allsonnabeudlich eine gegenseitige Aussprache über Vorkommnisse in den Werkstätten mit dem Berbandsvorstand herbeizuführen und über Abstellung derselben zu beralhen hat. Allgemeiner deutscher Tapezircr-Bcrein. Die Filialen Berlin hielten am 31. August eine kombinrrte Bersannnlung ab, in der eine Ausschnßkommission gewählt wurde, bestehend aus Friedmeier, Franke, Frantzke, Leo Schmidt und Faber. Eine lebhafte Debatte eutspann sich über die zukünftige Agitation und Organisirnng in Berlin, nachdem beide Organisationen dem Verbände beigetreten sind. Alle Redner sind für Einführung des Systems der Werkstatt- Vertrauensleute. Außerdem soll eine Agitalionskommission gewählt werden. Das Hauptaugenmerk ist jedoch vorläufig ans den Ausbau des Arbeitsnachweise- Bureaus zu richten. Die«inmüthige Debatte über alle diese Fragen zeigte, daß die Berliner Kollegen nach dem Leipziger Kongreß in Wirklichkeit einig sind. Im Fachverei» der Musikinstrnincnten-Arbeiter wurden am 4. September nach einem Vortrag des Genosse» Hamacher über:„Das Recht auf Arbeit" die ungemein traurige» Zustände in der Klaviaturfabrik von Merseburg. Dresdenerstraße, zur Sprache gebracht. In dieser Fabrik sind den Arbeitern nach und»ach Abzüge gemacht worden, die zum theil die Höhe von 80 pCt. überschreiten, so daß die Löhne bei einzelnen Arbeitern nur»och 12—14 M. betragen. Infolge des dort herrschenden Jndifferentismns war es dem Unternehmer ein leichtes, die Arbeitslöhne so tief herabzusetzen; nachdem sich aber in der vorigen Woche die dort Beschäftigten emporrafften und dem Fabrikanten gegenüber ihre Forderungen geltend machten, ist es erreicht, daß die allen Preise wieder zu« gestanden worden sind. Tie Steinarbeitcr tagten am Dienstag im„Englischen Garten". Im ersten Punkte der Tagesordnung wurde» die Vorschläge für die zweckmäßigste Verbreitung des vom 1. Oktober ab erscheinenden neuen achorgans„Der Stei narbeiter" eingehend diskulirt. � i scher schildert die bei der Verbreitung des„Bauhandiverker" in letzter Zeit entstandenen Mißstände, woran hauptsächlich die Sanm- seligkeit und Gleichgiltigkeit der Kollegen schuld sei. und fordert auf, für jeden Werkplatz einen Verbreiter zu wählen. Der Redakteur des „Steinarbeiter", Thomas, schlägt vor, die gewählte» Verbreiter des FachorganS auf alle» Plätzen ans zuverlässigen Personen aus- znwählen und dieselben erstens der Kontrolle der Kollegen des Platzes zu unterstellen und dieselben der Geschäftsleitung gegenüber hastbar zu»lachen, um dem neuen Unternehmen auch in finanzieller Beziehung größere Garanlieen zn schaffen. Die Versammlung beschließt demgemäß. Im zweiten Punkt der Tagesordnung wird an stelle des durch die Gründung des Fach- organs in Anspruch genommenen Kollegen Thomas der Kollege G ö n n e r t als Mitglied zur Kontrollkommission der Geschäftsleitung des Steinarbeiter-Verbandcs gewählt. Im Punkt„Verschiedenes" wird nach Annahme eines Unterslützungsgesuches eines kranke» aus- gesteuerten Kollegen das Verhalten einiger Kollegen der Firma Plöger beleuchtet, welche früher als eifrige Agitatoren auftraten und jetzt als grimmigste Feinde der Organisation den Prinzipalen in die Hände arbeiteten. Zur Regelung der dort vorhandenen Streitig- keiten wird eine fünfgliedrige Kommission, bestehend aus K l e i n« r t, Stolz. Fischer, Lubach und M i t s ch k e gewählt. Hierauf werde« die Arbeitsverhältnisse der auf den verschiedenen Plätzen beschäftigten Steinmetzen besprochen. Besondere Klage wird geführt über die Behandlung der Steinmetzen bei Gebr. Zeidler. Auch die Löhne seien trotz des vereinbarten Tarifs bis auf 12 bis 18 M. pro Woche gesunken. Das gleiche sei bei der Firma Schilling der Fall. Bei der Charlottenburger Firma Casal u. Pedrocki, welche die Arbeiten zu dem„monumentalen Schmuck der Siegesallee" aus- führe, seien meist Italiener beschäftigt, welche weder nach dem Tarif bezahlt iverden, noch die übliche 8>/,stündige Arbeitszeit hätten. Von allen Diskussionsrednern wird anerkannt, daß alle derartigen Miß- stände nur in der mangelnden Energie und Einigkeit der Kollegen wurzeln, und wird beschloffen, daß der Jnnnngs-Gesellenausschnß si h ungesäumt damit zu beschäftigen habe und von den Prinzipalen Abhilfe verlangen solle. Charlottenburg. Am 1. September fand im Lokale von A. Leder eine öffentliche Versammlung der Maler, Lackirer, An- streicher und verwandten Berufsgenossen statt. Mark-Berlin sprach über die Nothwendigkeit der Organisation. Nach dem mit Beifall aufgenommenen Vortrage bewegte sich die Diskussion im Sinne des Referenten, an der sich G ö b e l. Fl« in m i n g und Schiller be« theiliglen. und hauptsächlich die Frage der Arbeitslosenunterstützung in zuslimmendem Sinne behandelten. Die Manrer des Kreises Schwcinitz-Annaburg und Um- egend Halle» sich recht zahlreich am 3. September im Lokale des Lenossen Z n b e i l versammelt, um über die Nothwendigkeit der >ewerkschastlichen Organisation zu beralhen. Der Kollege Silber- ch m i d t hielt das einleitende Referat. Derselbe betonte besonders, daß es für die Manrer, welche außerhalb ihren Wohnsitz haben und hier ihren Broterwerb suchen, von großer Bedeutung sei, den hiesigen Kollegen als tüchtige Kämpfer zur Seite sieben zu müssen. Nun lehre aber die Ersahrung, daß die auSivärtigen Kollegen 'ich hier der Organisation nicht in genügender Zahl anschließen. Sie belrachlen sich hier nur als Anhängsel, andererseits seien sie auch mit tausend Bauden an ihren Heimatbsort gefesselt; Organisationen an ihrem Heimathsort würden darum iür sie von größerem Nutzen und auch größerem Einfluß auf die Kollegen sein. Die Streiks seien im Verdältniß zn früher jetzt erfolgreicher gewesen, weil durch die 50 Organisationen in der Provinz Borposten zur Abhaltung der Streikbrecher vorhanden waren tind früher oft das Gegentheil zutraf. Es sei also für beide Theile, Berliner wie Auswärtige, von Interesse, sich enger und der Er- ahrnng entsplcchend sich zn organisire». Dieser Ansicht stimmten die Kollegen zu und beschlossen, für Schweinitz und Annabnrg je eine Zahlstelle des Verbandes deutscher Maurer zu errichten. Tie Mitgtiederzahl beträgt bereits über 50 und wird in nächster Zeit eine zweite Versammlung stallsinden. Depesttzen und letzte NttcheUtzken« Dresden, 8. Sept.(W. T B.) Amtlich wird gemeldet: Vom 10. d. Mts. ab wird auf der Linie Hainsberg— Rabenau— Kipsdorf der Gesammtverkehr wieder aufgenommen. Brüssel, 8. Sepiember.(B. H.) Der Kongostaat bringt in der Presse eine offizielle Mitlheilung über die Haltuiig der nienterisch geivordenen Soldaten des Baron Dhanis, ans welchen hervorgeht, daß die Kongoregierung die Mculcrer zwischen Kugel und Feuer nehmen wird. Bukarest, 8. September.(B. H.) Die rnmänische Regierung beschwerte sich bei der biilganscheii Regierung wegen der ivieder- holten Einfälle bulgarischer stiäuderbanaen in die Dobrndscha. Das Krieasminifterium ließ gleichzeitig die Grenze streng miltlärisch bewache». Kopenhagen» 8 September.(W. T. B.) Nachdem beute zwischen dem'Arbeitgeberverein und dem Arbeiterverein eine Ueber- einkunst getroffen ist, wird nunmehr angenonniien, daß die Aus- 'perrung von Arbeitern in den Eiseniudnslrten Dänemarks, welche eil dem 9. Juni besieht, binnen einer Woche ausgehoben wird. Kanea, 8. September.(Meldung der„iilgence Havas".) Die Aiifstäiidlschen vor Kandia durchbrachen den Miliiärkordo» und ratlbten 500 Schafe und 60 Rinder. Die Mohamedancr hatten zwei Tobte und vier Verwundete, die Ausständischen zwei Tobte. Manila» 8. September. tW. T. B.) Die Spanier nahmen nach einem blutigen Kampfe Aliaga. Viele Aufständische wurde» getödtet. Auf seilen der Spanier fielen ein Kapitän und neun Soldale», Z3 Mann wurden verwundet. Verantwortlicher Redakteur: Angnst Jacobey in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hicrzn 1 Beilage u. Iluicrhaltnngsblait. gt. 210. 14. Jahrgang. DtÜllHt WionrmunÄlvs. Die sozialdemokratische» Stadtverordnete» haben zn der heute stall»"dende» Sltziiiig den folgenden Antrag eingebracht: Die Bersanimlnng wolle beschließe»: Den Magistrat zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen, daß die von der Stadt- geineinde hiesigen Künstlern zur Ausführung übertragene» Kunstwerke nicht, wie es jetzt vielfach geschieht, im Aus- lande angefertigt werden. Ferner hat die sozialdemokratische Fraktion an den Magistrat die folgenden Ankragen gerichtet: 1. Ist dein Magistrat bekannt, daß der bei dem Gasanftaltsba» in der Fichtestraße beschäftigten Unternehmerfirma: Lauen- burg's Nachf. wegen eines bei derselben eingetretenen Arbeiteransstandes eine Verlängerung der Bausrist gewährt worden ist? 2. Ob, wenn dies der Fall, der Magistrat geneigt Ist, Vor- schriften zu erlasse». wodurch die Wiederholung solcher Bor- tommnisfe ansgeschlossel» ist? Uolmles. Ter Probinzial- Parteitag der Provinz Brandenburg findet am 12. September nicht, wie bisher annoucirt, um 9 Uhr vormittags, sondern erst um 12 Uhr mittags statt. Das Polizei- Präsidium hat auf grund der bekannten Verfronnnnngs-Verordnung vom Oktober 1396 angenommen, daß Versammlunge» vor Beendigung des Gottesdienstes trotz der Verfassung unzulässig seien. Tie Neuregelung der Gehälter der Volköschiillehrerinnen steht bevor,-jur Orientirung unlerer�Lcser drucken wir die Gehalts- festsetzungen einiger Städte und Ortschaften ab, wie sie sich»ach den Beschlüssen der Gemeinde-Körperschaiten pestalten sollen. Es er- halten demnach die Lehrerinnen an Grundgehalt, Mieihsentschädignng und Alterszulagen in Frankfurt a. M. 1400 M Gr., 400 M. M., 150 M. 91., d. h. 1800 M. Anfangs-, 3150 M. Höchstgehalt; Dort- mund 1300 M. Gr.. 350 M. M., 100 M. 91., d. h. 1650 M. An- fangs-, 2550 M. Höchstgehalt; Schwerte(99eftfalel>) 1350 M. Gr., 250 M. M.. 125 M. A.. d. h. 1600 M. Anfangs., 2725 M. Höchstgehalt; Kassel 1200 M. Gr.. 300 M. M.. 110 M 9t., d. h. 1500 M. Anfangs-, 2490 M, Höchstgehalt; Cdarlottenburg 1150 M. Gr.. 300 M. M.. 150 M. 91.. d. h. 1450 M. Anfangs-, 2800 M. Höchstgehalt(bestätigt durch den Minister); Haspe 1150 M Gr., 300 M. M., 125 M. A.. das heißt 1450 M. Anfangs-, 2575 M. Höcbstgehalt; Westerbaner bei Hnspe 1150 M. Gr., 300 M. M., 125 M. A., d. h. ein 9lnfangsgehatt von 1450 M. und 2575 M. Höchstgehalt; Breslau 1100 M. Gr.. 300 M. M.. 160 M. A.. d. h. 1400 M. Anfangs., 2840 M. Höchst- gchalt; Weitmar bei Bochum(Landgemeinde) 1200 M. Gr., 200 M. M., 120 M. A.. d. h. 1400 M. Anfangs-, 2480 M. Höchst- gehalt; Herne, Westfalen, 1200 M. Gr.. 200 M. M.. 120 M. 91.. d. h. 1400 M. Anfangs-, 2480 Höchstgehalt; Alten Hägen, Westfalen, 1100 M. Gr.. 250 M M.. 125 M. A., das heißt 1350 M. 9Infangs-, 2475 M. Höchstgehalt; Wilhelmshaven 1100 M. Gr.. 250 M. M.. 120 M. A., das heißt 1350 M. 9I»fangs-, 2480 Mark Höchstgehalt; Eckesey bei Hagen 1100 M. Gr.. 250 M. M.. 125 M. A.. d. h. 1350 M. Anfangs-, 2475 M. Höchstgehalt; Fulda 1050 M. Gr., 267 M. M.. 134 M. A.. d. h. 1317 M. Anfangs., 2613 M Höchstgehalt. In Berlin finde» in nächster Zeil die Berathnngen der Gehaltskommisüon der Stadtverordneten-Versammlung über die für Berliner Bolksschullehrerinnen festzusetzende Gedallsskala statt. Nach der Magistratsvorlage sollte» die Gemeindeschullehrerinnen in Berlin 900 M. Grundgehalt, 300 M. Mielhsentschädigung, sieben ungleiche Alterszulage» von 100 und 200 M, b. h. ein Anfangsgehalt von 1200 M., ein Höchstgehalt von 2400 M. erhalten. Vom Segen der Sozialreform für die Arbeiter. Im „Verl. Tagebl." steht zu lesen: Eine verschärfte Kontrolle der Empfänger von Unfallrenten durch nuvermulheie ärztliche Untersuchungen soll, wie uns mitgetheilt wird, von sämmtliche» Bernssgenoffenschasten eingeführt werden, nachdem sich diese Maß. nähme bei einigen großen Genossenschaften vortrefflich bewährt hat. Die Kosten solcher Untersuchungen, zu denen außer dem 9Irzt ein Vertrauensmann sowie ein Beamter der Berufsgenossen- schaft hinzuziehen sind, betragen»ach den bisher gemachten Erfahrungen nur etwa den vierten T h e i l der durch sie herbeigeführten Herabsetzungen und 9l u f h e b u n g e n von Renten. Die Berufsgenossenschasten werden also durch das neue Versahren erheblich entlastet, während andererseits solchen Verletzten, welche eine unverhältnißmäßig hohe Rente heraus- schlagen wollen, ein Riegel vorgeschoben wird. Die Meldung, deren Richtigkeit wohl kaum anzuzweifeln sein wird, kennzeichnet so treffend den arbeiterfeindlichen Geist, der bei den Trägern der Sozialreform obwaltet, daß jede Bemerkung nur abschwächend wirken kann. Wir gestatten uns nur die eine Frage: Was würden penstonirte oder invalide Offiziere sagen, wenn man es, vagen würde, sie in ähnlicher Weise zu kontrolliren? Die Ober-Postdirektion gegen Podbielski. Es wird berichtet, daß der neue Staatssekretär des Reichs-Postamts, Herr v. Podbielski unbekannt bald dieses, bald jenes Postamt aussucht, um sich über den postalischen Dienst zu unterrichten und sich auS eigenem Augenschein zu überzeugen, ob und welche Reformen nothweudig sind. Dieses Verfahren des neuen Chefs scheint der Berliner Ober-Post- direktion und einzelnen Vorstehern von Postämtern sehr unbequem zu sein. Durch die Presse läuft gegenwärtig ein Artikel eines hiesigen Berichterstatters, der sich gegen die Harun al Raschid-Rolle des Herrn v. Podbielski wendet und der, wie es ausdrücklich heißt, von dem Postinspektor Wahle im Auftrage der Ober-Postdirektion amtlich inspirirt ist. Es wird auf diesem Wege dem neue» Staatssekretär des Reichs-Postamts mitgetheilt, daß die Ober-Postdireklion eS ablehnen müsse, einen solchen Besuch, wie er beispielsweise beim Postamt 19 vor- genommen worden ist, als„Revision" gelten zu lassen, daß sie es vermieden wissen möchte, daß Beamte von„Unbekannten" über Dinge ausgefragt werden, über die nur die zuständigen Vorgesetzten in entsprechender Weise Auskunft geben können, und daß sie es endlich für bedenklich halle, in der Postverwaltung kaufmännischen Grund- sähen Geltung zu verschaffen und an dem wohlgefüglen burean- kralischen Charakter der Postverwaltung zn Nittel». Etwas wunderlich und mit dem wohlgefügte» bnreaukratische» Charakter der„Post" schwer zu vereinbaren ist es, daß ein Bericht- erstatter zum Mundstück der Ober-Postdirektion gemacht wird. DaS „geheime Verfahren", das der neue Staatssekretär anwendet, ist aber nicht zu unterschätzen. Es könnte auch auf andere RessortS der Staatsverwaltung ausgedehnt werden. Wie wäre es z. Ä., wenn der Minister deS Inner» oder der Polizeipräsident einmal versuchte, als 9lrbeit«r verkleidet sich s i st i r e n zn lassen? Auf solche Weise könnte sie mit verhältnißmäßig leichter Mühe erfahren, waS an den Berichten über Mißhandlungen auf Polizeiwachen dran ist. Von der Fixigkeit prenßischer SichcrheitSbehörden. Zehn Mordthaten, innerdulb der letzte» drei Jahre geschehen, harren noch der Sühne. Im Mai 1894 wurde die Schwester Schiveichel in der Nähe von Halensee in der Miitagsstunde, also am helllichteu Tage, auf offener, belebter Straße ermordet. Der Thäter wurde zwar noch von einigen Passanten gesehe», aber bis beute nicht entdeckl. Bald darauf, im Juli, wurde die Handelsfran Bertha Lange aus Schöneberg in eine», Kornfelde daselbst, unmittelbar hinter dem Bahndamm der Potsdamer Bahn, ermordet aufgefunden, nur wenige Stunden nach der That. Auch hier fehlt von dem Mörder jede Spur. Der Mord an dem Knaben Willy B u r, der aus einen, Lagerplatze am Kotlbuser Ufer des Dmirls" uinS Leben gebracht wurde, dürfte noch ebenso im Gedächtnisse sein, wie die schauerliche Blulthat an dem Dienftiuädchen Klara Galle, die an irgend einem unbekannte» Orte hier in der Stadt ermordet und als Leiche auf einem Handwagen a» eine abgelegene Stelle am Maybach-Nfer geschafft wurde; beide Thäter sind uuentdeckt geblieben, trotz geradezu fieberbaster Thätigkeit der Kriminalpolizei. Die Mordthaten an der kleinen Franke in Spandau und dem Schul- Mädchen Vahrendorf sind ebenso in ein geheimuißvolles Dunkel gehüllt, wie die Verbreche» an dem Pfandleiher Z e i d l e r aus der Paukstraße, der Prostituirteu Thiele auS der Juvalidenstraße und dem in neuester Zeit entdeckten Morde an dem Schulmädchen Mein ecke in Kremmen. Bei all' diesen Blulthate» fehlt es au jeg- lichem 9l»hall für de» Thäter. Der Doppelmord in der Köuiggrätzer- straße nnlerscheidet sich von den elfteren Blutthate» nur dadurch, daß man hier den Thäter kennt, aber der Sühne harrt auch diese gräßliche That noch. für Beruhigung aller ängstlichen Leute und zur Ehrenrettung olizei weisen wir darauf hin, daß weder in Berlin noch in der Umgegend in de» letzten zehn Jahren jemals vergessen worden ist, i»„gefährliche" 9>rbeileu>eisn»,mlnnge>i ein paar Beamte zu senden, damit diese ja von allen„gefährlichen" 9lenßeruugen der Redner gebührend Notiz»ebnren. 9luch hat man stets ausständige Arbeiter mit geradezu genialer Sorgsalt zn überwacueu gewußt, des- gleiche» ist nie versäumt worden, ans sozialdemokratischen Zeitungen alle 9lnsdrücke, die auch nur entfernt»ach Belerdignug rieche», zu inkriminiren. Und solche?Irbeit strengt an. Der Vorstand der Vegetaricr-Vereinignug verwahrt sich in einem an uns gcrlchteten Schreiben dagegen, daß ein von der Presse ausgesprochener sehr schwarzer Verdacht auf ihn zutreffe. Es war nämlich behauptet worden, daß in irgend einen, Vegetarierverein die Vorstandsmitglieder sich heimlich an Kalbskeulen, Rebhühnern und anderen eklen Thierleichen delektirte». Sie allesainmt. so behauptet der Vorstand dieser Verleumdung gegenüber, seien ganz gewiß keine Mumpihvegetarier. Die Feindschaft, die der Urheber jener Verdächtigung speziell gegen die Vegetarier hege, habe ihren sehr materielle» Grund darin, daß der Man» ein Fabrikant fetter Enten sei. Wo solle der Kerl wohl seine Waare los weraen, wen» das Ziel des Vegetarianisunis erreicht und die ganze Welt zur Hafergrütze bekehrt sei? Der Verleumder irre sich aber in einem wesentlichen Punkt: sein Wunscb, daß er sich a» GerichiSstelle mit den Vegetariern auseinandersetzen könne, gehe nicht in Erfüllung, dazu sei der Mann den» doch zn unbedeutend. Das vegetarische Schreibe» schließt: „Ihnen aber, verehrliche Rednktton, wären wir für eine richtig- stellende Notiz zu Danke verpflichtet. Es fällt»iemaudem ein, eine» streng glän.'igen Israeliten zu verhöhne», wenn er die Speisegesetze Mösts befolgt, oder einen Katholiken, wenn er feine Fastenzeiten innehält. Wir wären der Presse und speziell Ihrer geschätzten Zeitung deshalb doppelt verbunden, wenn auch Sie fernerhin die Versuche, unsere Bewegung oder Mitglieder derselben lächerlich oder verachilich zu mache», dadurch vereitel» wollten, daß. Sie derartigen Notizen die Aufnahme versagen." Wir freue» uns in der That, daß wir diesmal mit einem blaue» Auge davongekommen sind, und werden uns zum Dank für so gnädige Behandlung hiniort alle Mühe geben, die freiwillige» Vegetarier so ernst wie möglich zn behandeln. Die Frage d-s unfreiwilligen Vegetarismus, die alle jene Leute angeht, welche au? Nolh gezwungen sind, trockenes Brat zn essen, diese Frag« ist von uns ja stets mit bitterem Ernst behandelt worden. Ter Guthlillcr und sei» Hintermann. Vorgestern brachten wir ans gm i d eines von, Eulhüiiungs- Korbmacher Fischer ge- schriebe»?,, Briefes den Beweis, daß dieser arme Teufel»„möglich selber die Scliwindelschrift über de»„Werth der Sozialdemolralie" verfaßt habe» kau». Der Mau» ist einfach nicht fädig, etwa i» ihm vorhandene Gedanke» druck, ertig zn Papier zu dringe» und hat daher vo» einem Hintermann geschoben werde» müssen. Jetzt er- fahre» wir, ,ver de, Edle ist, der an der Verbreitung der Fischer'schen Verleumdungen die Mitschuld trägt. Es ist der aus dem Tausch- Prozeß und was drun, und dran hängt, bekannt geivordenc Redakieur Dr. F i n ck von der„Po st"; von der Hand dieses Herrn ist die Schmähschrift geschrieben worden. Dieser interessante Umstand macht es erklärlich, daß die„Post" in ihrer neuesten Nummer einen großen Reklameartikel für die Schrift bringt und ihr weiteste Verbreitung in 9Irbeilertre>seu wünscht. Das wäre ei» Geschäft. Haben wir doch gleich gedacht, daß einer von Herrn v. Stumm's Untergebene» bei der Sudelei die Hand im Spiele haben müsse. Die Eisenbahn- BaugcseUschaft Vcring u. Wächter beab- sichtigt, eine Straßenbahn von Berlin über RrnnmelSburg nach Köpenick und FrieddchShage» herzustellen, während die Gesellschaft für den Bau vo» Untergrundbahnen i» Berlin eine Straßenbahn von de», Schlesischen Bahnhof und Stralau- Rummelsburg nach Stralau und vo» hier durch de» im Bau begriffene» Spreetnnnel »ach Treptow und weiter»ach den» Bahnhof Nieder- Schöneweide- Johannisthal herzustellen beabsichtigt. Beide Gesellschafte» sind dahin überezugekomme», nach der Belriebseröffnung eine gegenseitige Be- Nutzung ihrer Linien zuzugestehen, so daß es möglich sein wird, von Köpenick über Ober- Schöneweide ans beide» Linien»ach Berlin zu fahre», ferner auch eine Verbindung vo» Rummelsburg(Viktoria- platz) an dem Bahnhof Stralau- Rumniilsburg vorbei nach der Mühlenstraße und den, Schlesischen Bahnhof eiuzurichten. DaS fehlte noch gerade! Es wird berichtet: Zu gnnsten der Nachtruhe der Apotheker, die gegenwärtig mitunter ,»» unbedeutender Kleinigkeiten gestört wird, strebt man in den be- tdeiligte» Kreisen die Einführung einer neue» Taxbestimmung an. Nach dieser soll während der Stunden von 10 Uhr nachts bis 7(in, Sommer bis 6) Uhr früh bei Abgabe vo» Handverkaussartikel» ein Zuschlag von 50 Pf., bei Abgabe vo» Rezepte» ei» solcher vo» einer Mark erhoben werden.— So gerne wir den Apothekern ihre Nachtruhe gönnen, so sehr drängt sich die Frage ans, ob eine der- artige Geschäftspraktik nicht als infame Halsabschneiderei zu bezeichnen wäre? Eine fortlaufende Uebersicht über die Revisionsergebnisse in den Verliner Dro>)e»gcschäfte» beabsichtigt das Polizeiprästdiu», fortan zu veröffentliche». Namentlich sollen die aus de» Beständen der hiefigen Drogen- und Giithandlnnge» der anitliche» Vcrnichlungs- stelle überwiesenen 9Irz»eiu>ittcl zusammengestellt werden. 9luf diese Weise soll eine für die Praxis brauchbare Lfste der verbotene» 9lrzneimittel geschaffen werden. Entwurzelt und zertrümmert wurden am Dienstag von de», Sturm zwei große Pappeln, die hinter dem Augusta- Hospital auf de», Griitzmacher a» einem Wassergraben standen. Die beiden Bäume sind plötzlich umgelegt worden und mit solcher Gewalt ans den Boden gefalle», daß die Stämme in Stucke und Splitter auseinander- flogen. Für den Profes'or der Mnsik Johannes K. gab sich«in älterer Herr aus, der in der Nacht zu», Mittivoch in der Prenz- lauerstraße vor dem Haufe 58 hilflos»nd anscheinend krank auf- gefunden und von eine», Schutzmann in einer Droschke der Charitee zugeführt wurde. Die als i» der Potsdamerstraße belegen an- gegebene Wohnung des vorgeblichen Professors bat in dem be- zeichnete» Hanfe nicht ermittelt werden können. Man kann daher iveder die Richtigkeit des Namens feststellen, noch näheres über etwaige de». Zustand des Kranke» zu gründe liegende Thatsache» erkunde», noch auch etwaige Angehörige von dem Schicksal des Ber- mißten in Kenntniß fetze». Ueber ein von einem Soldaten verübtes Roheitsdelikt meldet die„Berk. Ztg.": Von einem Soldaten wurde in der gestrigen Nacht der Handelsniann Späth auS der Friedenstr. 63 angefallen und übel zugerichtet. Späth war in Tempelhof gewesen und begab � Domchz, 9. SkMbtt 1897. sich, da er keine Fahrgelegenheit hatte, zu Fuß nach Hause. 9lls er, quer über das Feld gehend, m der Nähe der Wache der Schießstände i» der Hasenhaide kam, trat ein Soldat, der mit einem Mädchen dort promenirte, auf ihn zu mit den Worten:„Was haben Sie hier zu suchen, machen Sie, daß sie fort- kommen!" Auf die 9lutwort:„das geht Sie nichts an", zog der Soldat sein Seitengewehr und ver- setzte S ,nehrere Hiebe über den Kopf. Auf das Hilferufen des S. kam die Wache heraus, ging aber sofort zurück, als sie sah, daß ein Soldat mit einem Zivilisten in Streit gerat hen sei. S. würde später von Personen bei der katholischen Garnisoukiiche gefunden und»ach der 10. Sanitätswache gebracht. Hier erhielt er eine» Nothverbaud und wurde da»,,„ach dem Krankenhause am Urban gebracht. S. hat eine 3 Zentimeter lange Wunde an der linken Kopfseite und eine grobe Wunde a» der Stirn. 9l» der rechten Seite des Kopses ist der Schädel ganz bloßgelegt. Sein Zustand ist hoffnungslos.— Das wäre ja eine saubere Heldeulhat! Der wegen Diebstahls»nd Körperversehung zu langjährigen Zuchthaus- und Gefängnißstrnfen verurtheilte Arbeiter Gustav Ullrich machte gester» Abend den Versuch, in der Thüruische des Hauses W'ydiiigeistr. 2 die elfjährige Tochter der in de», Hause wohnenden Willwe F. an sich zn locke». 9lus das Geschrei des Kindes eilte die Mutter herbei und drängte den Ullrich auf die Straße. Dieser griff jedoch die Frau sowohl wie auch den ihr zur Hilse gekommenen Kutscher Franz Fleischmann an»nd bedrohte sie mit einem offenen Messer. Fleisch»»«,,» hieb infolge dessen seinen Gegner mit einem Stock inehrmals über den Kopf, sodaß er besinnungslos znsanunen- brach. Ullrich wurde»ach einem Krankenhaus gebracht. Tie Feuerwehr hat in diesen, Jahre schon eine viel größere 9l„zahl Brände zu löschen gehabt, als in, vorigen Jahre; es vergeht fast kein Tag, a» den, nicht zehn und»och mehr Feuer zu beivältigei, sind. Namentlich hat die Zahl der Dachstuhlbräude zugenommen. Arn Dienstag brannte, wie schon gemeldet, der Dachstuhl Brunnen- straße 157 und gestern früh der Dachstuhl Dauzigerstr. 83. In beiden Fällen sind viele Miether hart betroffen worden. I» den letzten acht Tagen brannte» außerbem noch Dachstühle in der Anklamer-, Marienbiirger-, Joachim-, Memelerstrnße u. s. w. In fast allen Fälle» ist die Eutstehuugsnrsnche nicht zu ermitteln gewesen, weshalb die Polizei den Dachsluhlbränden erhöhte 9>»fnierksa»>keit schenkt. In, Juteresse der Hauswirthe und Mielher, von denen viele nicht versichert sind, wird es liegen, die Zugänge zu de» Böden fest verschlossen zu halten und die Besucher der Böden besser zu überwache»,»im sich vor Schaden zu schütze».-» Ein sehr gesährlicher Brand kam gester» Vormittag um 9 Uhr durch Explosion einer Pelroleunilampe in eine», Lagerrauin der Glashandluug vo» E. Diede, WOHelrnstr. 54, jini, Ausbruch. Die Flammen fände» an Stroh und Packlisten reiche Nahrung, so daß in kurzer Zeit der Lagerraum, ein Keller unter eine», Lichthof auf dem dritten Hofe, ei» Flammenmeer bildete. 9llle direkten Zugänge waren durch Qualm und infolge der Bauart des Hauses gesperrt. Vom ersten Hofe aus mußten die mit Rauchhelmen ausgerüsteten Rohrführer durch einen enge» Kellerhals gegen den Brandherd vorrücke», bis sich»och ei» Zugang über einen andere» Hof und durch eine Tischlerei fand. Es gelang schließlich, das Feuer auf seinen Herd zu beschränke». Im Kraiikcuhniise gestorbe» ist der Kutscher Hermann Qnaschnik. der an, 4. d M. als Führer eines KieSwagens in der Frankfurterstraße von de», Wage» siel und uuler sein Gespann ge- rielh. 9lnscheiile»d halte er geschlafen. Nach Unterschlagung von 10 000 M. ist der 28 Jahre alte Kassner Arthur Iah» flüchtig geworden. Er stammt ans Kolberg und wohnte zuletzt in Schöneberg. Jahn ist ein schwächlicher Mann mit krankhasleu» Aussehen; er trug zuletzt einen grangelbc» Sommer- Ueberzieher, einen dunkelgraue» Jockel- 9l>izug und einen schwarzen Schlapphut, Tic UmwandlungSarbeltr» im ZirknS Renz schreiten derart fort, daß die Erüffuuug des„Neuen Olympia-Riesen- Theaters" Ende Okioder stattfinde» wird.— Zur vtiifführnng gelangt, wie»»»mehr feststeht, B o t o s cy K i r a 1 s y's Riesen- 9lusstatlu»gss>ttck„K o» st a n t i n o p e l". Theater. Das Schiller-Theater zeigt für moraen, Freitag, die erste 9lussühru>ig vo» 91iize»grnber's Bauerukomödie „Die Kreuzelschreiber" i» folgender Besetzung der Hauptrolle» an: A»to» Huber: Ludwig Neuerl, Josepha: Ctothilde Barth, Stein- klopferhauus: Max Pategg, Veit: Carl Dahlen, Marlhe: Agnes Werner, Licsel: Grete Meyer, 9Illlechner: Max Lanreuce, Brenninger: ulius Eybe», Michl: Willy Froböse, Loisl: Eduard v. Wiuterstein, epp: Otto Pahlau, Rosl: Trude Lobe.— Heule findet eine Wiederholung von Grillparzer's„Weh dem, der lügt" statt.— Apollo-Theater. Die Direktion hat die indische Sängerin „Prinzessin Pocahuulas" für«in kurze» Gastspiel gewonnen» heute erfolgt das Debnt. AuS de» Nachbarorte». Charlottenburg. Sänimtliche»ichtverkaufteu BilletS zn der au, Eoiinlag, de» 19. September, in der Urania statt- findende» Vorstellung sind spätestens bis Soiinabeud, de» 11. Sep- lember, 9 Uhr, an den Kassirer des Wahlvereins, Genossen Dörre, Krnminestr. 19, zurückzugebe». Gleichzeitig hat die 9lbrechun»g der verkauften Billets stattzufinden. Alle bis zu», Sonnabend nicht abgegebenen Billets werden als verkauft betrachtet. Der Vorstand des Wahlvereins. Aus Rixdorf. Von einem Unfall wurde hier der Arbeiter R i i, g l e b aus Berlin betroffen. U», vo» der Reuterstraße»ach der Münchenerstraße zu gelange,,, überschritt R. ei» Bauterrai» und stürzte hierbei»» eine Grube, wobei er sich beide Beine brach. Der Unglückliche wurde»ach dem hiesigen Krankenhaus gebracht.— Einen Unfug gröbster 9lrt vollführte» in einem hiesigen Lokal mehrere Männer: Dieselben führten einen Kindersarg bei sich, den sie»eben den Tisch hinstellten, a» welchem sie zechten. Nach einer Weile erhob sich einer der Männer, ergriff den Sarg und schwenkte damit hin und her. bis er denselben plötzlich zum Entsetzen der übrige» Gäste fallen ließ. Der Sargdeckel sprang beim 9Iusschlagen auf de», Erdboden ab und heraus kugelte eine große— Runkelrübe! Inzwischen hatten die Begleiter des Sargirägers die allgemeine 9Iufregu»g benutzt und waren ohne Bezahlung der Zeche verschwunden. Zwei der Betbeiligten sind bereits ermittelt und zur ?liizeige gebracht worden.— I» der Hasenhaide wurde an, Mittwoch früh gegen 7 Uhr ein städtischer Straßenfeger von einem Wage» der Unione-Branerei so unglücklich übersahre», daß ihm ein Bei» zer- malmt wurde. Der Verunglückte wurde nach dem Krauteuhanse gebracht. Ei» Fall von Prttgelpädagogik hat in Kremmen(Ost- Havelland) große Ausreanug unter der Bevölkerung hervorgerusei». Der Unwille richtet sich gegen den dortige» Nachmittagsprediger Lorbeer, der gleichzeitig Rektor der Schule ist. Der Sjährige Sohn des Maurers Karl Jnnschewsky, ein sehr schwächlicher Knabe, der auch a»ge»kra»k ist, war beschuldigt, in einer Wohnuiig, z» der er Zutritt halte, einen Thaler gestohlen und das Geld vernascht zu haben, die Eltern, die durchaus ordentliche Leute sind, konnte» trotz eifrigen Nachforschens keine Klarheit in die Angelegenheit bringen. Nun wurden auch vo», Lehrer Ermittelnngeir in der Sache angestellt und daher ging der Vater am 23. 9liigust zun, Kantor Weilling, n»> ihm vo» seinen vergebliche» Bemühunge» Mittheilung zu machen. Da der Lehrer anscheinend von der Schuld des Knaben überzeugt war, erklärte der Vater ausdrücklich, daß er eine etwaige Züchtigung des Knaben nicht in der Schule wünsche. Der Lehrer antwortete ihm, in der Schule mache er was er wolle, da lasse er sich keine Vorschriften ninche». Janscheivsky hatte kann, die Schule verlasse», als der Kantor auch schon den Knaben zllchligte. I» dein Zlngcnblick betrat der Prediger und Rektor Lorbeer das Limmer. Daraus hielt der Kantor den Knaben a n K o p und V e i n e n fest, während der Pastor init dein Stock kräftig auf den Jungen losschlug. Die Schul- kaineraden motten 80 Hiebe gezählt haben. Der Zlrzt, der den Knaben untersuchte, hat 4 6— 4 S st a r k e Striemen festgestellt. Trotz des herzzerreißende» Jammers setzte dieser Geistliche die furchtbare Prngelprozedur fort; ja, er schlug auch noch, als der Knabe infolge des übergroßen S ch,,, er zesfastbe- m u ß t l o L g e w o r d e n w a r und n i ch t IN e h r s ch r i e. Die Behandlung des Kindes mar eine derartige, daß fast sämmtliche Schüler der Klasse meinte n. Gleich nach der Prngelszene muhte der Knabe nach Hanse gesehafft und ärztliche Hilfe geholt werden. Noch jetzt ist er i» Behandlung des Arztes. Mehrere Tage konnte das Kind sich nicht rühren, auch konnte es kein Wasser ablassen; mann der Schulbesuch wieder anfgenounnen werden kann/ ist nicht abzusehen. Die Ans- regung in der Bewohnerschaft deS Ortes ist eine außerordentliche; Der Bürgermeister erschien infolge dessen in der Wohnung der Eltern, um sich von dem schlimmen Zustande des Knaben zu überzeugen. Dein Seelsorger und rohen Prügel- Pädagogen ist ob feiner Heidenthat auch bald ängstlich geworden. Am Abend der That noch erschien er anscheinend tief gebeugt in der Wohnung, um Abbitte zu thn». Als sich die Nachricht davon in der Nachbarschaft verbreitete, sammelte sich eine ziemliche Menschen- nienge vor dem Hause, die ihrem Unwillen in nicht mißzuverstehender Weise Luft machte und nicht übel Lust hatte, etwas Lynchjustiz zu üben. Bis abends II Uhr saß der Mann in der Krankenstube, ehe er nach Hanse ging. Wohl»in de» Vater abzuhalten, Strafantrng zu stellen, schrieb er an denselben folgenden Brief: Kremmen, den 27. August 1897. Lieber Herr Janschewsky! Um nicht die Ruhe Ihres Söhnchens zu stören, habe ich mich von Ihnen fern gehalten, so schwer mit dieses auch wurde. Nun habe ich nur noch eine Bitte an Sie: bitte seien Sie so freundlich, und kommen Sie nur auf einen Augenblick zu mir heran. Sie werden dann sehen, daß ich selber die empsindlichste Sühne wünsche. Mit den besten Wünschen Ihr ergebener®, Lorbeer. Da Janschewsky der Aufforderung nicht Folge leistete, kam dcr� Herr dann am andern Tag in die Wohnung, traf aber den Mann' nicht. Daß er da den so furchtbar mißhandelten Knaben mit„mein süßer Junge" anredete, sei der Kuriosität wegen erwähnt. Die Blätter am Ort schweige» sich über die Heldenthat des geistlichen Herrn vollständig aus. Die Große Berliner Pferdebahn-Gesellschaft beabsichtigt in der Belzigerstraße zu Schöneberg ein Wagendepor zu errichten. Auf Veranlassung des Direktors der neuen Schönebcrger Realschule ist ein« Petition an den dortige» Gemeindevorstand gerichtet worden, in welcher darum gebeten wird, die lllnlegung eines Depots an jener Stelle nicht z» gestatten, weil nnmiltetbar gegenüber das neue Realschul» bezw. Gymnasial-Gebäude seine» Platz erhalten soll. Eine» blutigen Ansganq hat eine Berliner Kremserpartie ge- nomme», die am Sonntag in Hchildhorn weilte. Abend?, als man sich zum Ausbruch rüstete, entstand auf dem Wagenplatz zwischen den Theilnehmern eine heftige Schlägerei, bei der auch die Kutscher mit eingriffen. Das Messer spielte auch wieder eine un- heilvolle Rolle, mehrere Personen sind erheblich verletzt worden. Die Gendarmen machten schließlich dein Kampf ein Ende und arretirlen den Hauplthäter. Infolge des Gennsses giftiger Pilze sind in Spandan Sonntag und Dienstag zwei Arbeiterfrauen, Sengcbnsch und Klei», gestorben; die Leichen sind von der Staatsanwaltschaft beschlag- nahmt worden, um obduzirt zu werden; einige andere, unter den gleiche» Anzeichen erkrankte Personen befinden sich auf dem Wege der Bessernng. Die Pilze sind, soweit ermittelt, von einer Hnndets- fran gekauft worden, deren Name unbekannt ist. Bier Zigcnnerwcibcr der Petermann'schen Bande waren bei ihren Strciszugen durch das Havelland im Sommer wegen ver> schiedener Vergehen verhaftet und im Spandaucr Amtsgericht ein- gcliescrt worden. Gegen eine Kaution von 20—59 M. pro Person, die ihr Hauptmann erlegte, wurden sie damals wieder auf freien Fuß gesetzt. Da sie sich aber zu dem kürzlich stattgehabten Haupt- verhaudlungstermin vor dem Schöffengericht nicht eingesunden halten, werden sie jetzt steckbrieflich verfolgt. Sozwle Vechlspffvige. „Lehrlingsausbildung". Zu diesem Kapitel liefert der Rechtsstreit, den Fräulein I. gegen die Modistin Mitzke beim Gewerbegericht augestrengt hatte, einen beachtenswerthen Beitrag. Die Klägerin, die durch ihren Vater vertreten wird, hat annähernd sechs Monate lang bei der Beklagten gelernt, wofür ein Lehrgeld von IS Mark gezahlt wurde. Der Vertreter der Klägerin fordert nun für sie die Rückzahlung der Hälfte des Lehrgeldes und außerdem einen angemeffenen Lohn für die Daner der Lehrzeit, der auf SS Mark berechnet wurde. Zur Begründung machte er geltend, die Beklagte habe die im mündlichen Lchr- vertrage übernommenen Verpflichtungen nicht erfüllt, sondern die Klägerin, die das Nähen bereits verstanden habe, fast ausschließlich als Arbeiterin benutzt. Wegen der letzten Thatsache fordere er de» Lohn. Vorm Beginn der sogenannte» Lehre fei zwischen der Mutler des Mädchens und der Beklagten ausdrücklich vereinbart worden, daß Fräulein I. die Damenschneiderei, insbesondere aber d a s M n st e r z e i ch n e n, M a a st n e h m e» und Zuschneiden perfekt erlernen solle. Aus die lctzlgeiinnuten wichtigen Einzel- Herten habe die Beklagte fast gar keine Mühe verwandt. An einem einzigen Tage sei der Klägerin das Maaßnehmen und Zeichnen gezeigt worden. Am anderen Tage habe sie dasselbe noch einmal machen müssen. Die Beklagte behauptete natürlich, eine gute Lehrnieisterin gewesen zu sein. Als Zeugin wird ein junges Mädchen vernommen, das 14 Tage vor dem A b g a n g e der Klägerin bei Frau Witzle in die Lehre getreten ist. Die Zeugin bekundete nun aller- dings, daß die Klägerin in diesen letzten vierzehn Tagen ihrer Lehre verschiedene Einzelheiten an Kostümen gearbeitet habe. wie sie gerade vorkamen; über den Unterricht im Maßnehmen und Zeichnen konnte Zeugin nur aussagen, daß es an zwei Tagen geübt worden sei. Es stn ddas die von der Klägerin gemeinten Tage. Ihr Vertreter betonte hierauf, daß ein derartiges Verfahren sich nicht nni dem Begriff einer ordnuiigsniäßigen Lehre decke. Eine solche bestehe nach handwerksmäßigem Brauch in dauernder U e b u n g, und an der habe es hier gefehlt. Er machte sich anheischig, zu beweise», daß bei Abschluß des Lehrvertrages ganz besonders auf die gründ- liche Ausbildung im Musterzeichnen und Zuschneiden Werth gelegt wurde. Seltsamerweise erklärte der Vorsitzende Hellivig diesen Nachweis für unerheblich und fällte nainenS des Gerichtshofes folgendes Urtheil: Die Klägerin wird abgewiesen. Der Gerichtshof habe die Ueberzeugung aeivoniien, hauptsächlich aufgrund der Zeugen- aussaget!), daß die Beklagte ihre Pflichten nicht grob ver- n a ch l ä s s i g t hat. Nur bei groben Verstößen könne aber die Rückzahlung des Lehrgeldes verlangt werden. Solche würde z. B. vorliegen, wenn das Mädchen vorwiegend zu Bolengänacn oder zu alten Flickereien verwandt worden wäre. Die Beklagte sei indessen ihren Verpflichtungen nachgekommen, soweit dies verlangt werden könne. Die Lohnforderung sei a»f jeden Fall hinfällig, weil es sich um ein Lehrverhältniß handele. Obige Entscheidung muthet in mehr als einer Hinsicht sonderbar an. Am meisten ist aber unverständlich, wie so der Beiveisantrag des Herrn I. unerheblich sein soll. Läge doch nach unserer nnniaß- geblichen Meinung ohne Zweifel ein Vertragsbruch vor. wenn eine gründliche Ausbildung im Musterzeichnen und Zuschnciden aus- bedungen ivorden wäre. Denn eine zweitägige Hebung ermöglicht leine gründliche Ausbildiiiig in diesen Fertigkeiten. Eine» Nestlohn von ö Mark beanspruchte der Gipsformer N. von, Bildhauer Cergioli. Die Kammer III des Gewerbe- g e r i ch t s hatte sich mit der Fordernng zu beschäftigen, da Cergioli es ablehnt», freiwillig etwas zu gewähren. Beklagter berief sich darauf, daß er gleich beim Beginn der Arbeit gesagt habe, wenn sie nicht zur Zufriedenheit des Bauherrn ausfalle, dann zahle er nichts dafür. Die Arbeit habe nun auf Verlangen des Bauherrn noch einmal gemacht werden müssen. Ein Brief des Bau- Herrn, der dein Gerichtshof vorgelegt wird, bestätigt dies. Der Kläger konnte nicht bestreiten, daß C. ihm die eventuelle Nicht- bezahlung der Arbeit in Aussicht gestellt habe; er meint aber, seine Arbeit sei brauchbar gewesen. Ohne Beweis zu erheben, wies der Gerichtshof den Kläger ab. Wie die Verhandlung ergebe, habe Kläger nicht widersprochen, als ihm gesagt wurde, er werde keine Bezahlung erhalten, wenn seine Arbeit dein Bauherrn nicht passe. Es sei somit anzunehmen, daß er mit dieser Bedingung einver- standen gewesen sei. Die fragliche Voraussetzung ihrer Erfüllung sei iinn eingetreten, der vorgelegte Brief beweise es. Unter diesen Umständen erübrige sich jedes weitere Eingehen aus die Güte der Arbeit. Nsscssor Hellwig als Gewerbegerichtö-Vorsitzcnder. Ein überaus merkwürdiges Urtheil hat die Kammer V des Gewerbegerichts gestern unter dem Vorsitz des Assessors H e l l w i z zuwege gebracht. Der Metallgießer W. verlangte von dem Unternehmer Israel eine Lohnentschädigung mit der Begründung, daß er am ä. August zum folgenden Tage von Israel engagirt, dann aber nicht eingestellt worden sei. Israel bestritt dieS. Sein Buchhalter, der am 5. Slugust früh im Komptoir des Beklagten sich aufhielt, als letzterer dort mit dem Kläger eine Unterredung hatte, bekundete als Zeuge, Kläger habe dabei nur eine vorübergehende Hilfeleistung vom 3. August erwähnt und nichts von seiner Einstellung gesagt. Der Zeuge des Klägers sagt dagegen trotz wieder- holler Verwarnungen des Vorsitzenden mit großer B e st i in in t- h e i t aus, der Beklagte habe am dritten August an anderer Stelle zum Kläger gesagt, er könne zunächst einmal Guß tragen helfen und möge dann am nächsten Tage zu ihm ins Geschäft kommen, er, Beklagter, brauche noch jemand. Zeuge erklärt, dies beschwören zu können. Der Kläger wollte dann noch etwas zur Klarstellung anführen, wurde aber vom Vorsitzenden kurzerhand unterbrochen. Während die Richter sich erheben und in das Berathungszinimer abtreten, betont Kläger, daß er schon am v i er t e n August bei Israel gewesen sei und mit ihm über das Engagement gesprochen habe. Da sei der Buchhalter nicht zugegen gewesen. Kläger wurde mit folgender Begründung ab- gewiesen: Es möge ja sein, daß Beklagter die vom Zeugen des Klägers bekundete Aeußerung oder eine ähnliche am 3. August gethan habe. Jedenfalls stehe aber auf grund der Aussage des Buchhalters des Beklagten fest, daß Kläger bei der betreffenden Unterredung kein Wort von einem Engagement gesprochen und seine Einstellung nicht verlangt habe. Somit in ü s s e(!) angenommen werden, daß ein solches Engagement überhaupt nicht statt- gefunden hat. Ncbrr die Uufallvcrfichernng der Landwirthe bei gegen- seitigeu Hilfeleistnuge» läßt sich eine Emscheidung des Rcichs- Verstcherungsaintes in beinerkcnswertber Weise aus. Der Landwirtb Hilter, der zugleich die Tischlerei betreibt, begleitete im November 1S95 seinen Schwager Heinann auf dessen Wagen nach einem Nachbarorte. Hemann schaffte dorthin eine Dreschmaschine, die ihm zum Ankauf für seine Landwirthschaft vom Auktionator L. zugesandt worden war. Hilter sollte ihm beim Abladen der Maschine behilflich sein. Nachdem diese Arbeit erfüllt war, kaufte üch Hilker noch einen Beschlag für seine Tischlerei und wollte dann den Wagen des Schwagers wieder besteigen, um nach Hanse zurück- zukehren. Hierbei verletzte er sich an einem Nagel das Knie des rechte» Beines. Für die infolge davon eingetretene Erwerbsunfähig- keit beanspruchte er demnächst eine Unfallrente. Berufsgenosseuscbast und Schiedsgericht wiesen seinen Antrag ab und das Reichs-Ver- sicherungsamt erkannte als Rekursgericht ebenfalls zu seinen un- gnnsten. Es führte ans: Die Behauptung des Klägers, er sei am fraglichen Tage als Arbeiter in den Betrieb seines Schwagers eingetreten gewesen, könne als stichhaltig nicht erachtet werden. Allerdings könne dieselbe Person Unternehmer eines Betriebes und Arbeiter eines anderen Betriebes sein; beide Eigenschaften schlössen nicht niibedingt einander aus. auch wenn es sich nur um eine vorübergehende gelegentliche Hilfeleistung ohne Entgelt handle. Voraussetzung sei aber stets, daß der betreffende Unternehmer w i rt h s ch a f t l i ch eine», Arbeiter gleich stehe. Seine ganze wirthschnftliche Stellung, sowie Art und Umfang des Betriebes müßten in betracht gezogen werden. ikläger sei nun zur Zeit des Unfalls Unternehmer einer Landwirth- schaft von 9 Hektar und einer Tischlerei gewesen, habe ein Pserd, vier Stück Rindvieh und drei Schweine gehalten und ans beiden Betrieben ein Einkommen von niedr als 999 M. bezogen. Bei dieler wirlhscbastlichen Lage des Klägers könne das llieichs-Versicherungsaint ihn eincin Arbeiter n i ch t gleichstellen.— Falsch sei ferner die Aniiahine, daß der Unfall als ein solcher an- gesehen werden könnte, den der Kläger in seinem eigenen landwirlhschaftlichen Betriebe erlitten habe. Nichtig sei ja, daß landwirthschasiliche Verrichtungen, die ein Landwirth mit seinem laudwirlhschastlichen Personal und seinen Gespannen einem anderen Landwirth ans nachbarlicher Gefälligkeit leistete, vom Reichs- Verflclernngsamt öfter wegeil der eigenartigen Verhältnisse a»f dem Lande als landivirthschaflliche Belriebsthätigkeite» seines eigenen Betriebes erachtet worden seien. Dan» habe es sich aber in der Regel um die Rutzbarniachung von Einrichtnngen des landivirlhschaftlichen Betriebes, zum Beispiel deS Fuhrwerks und der Gespanne gehandelt. Unter besonderen Um- stände» könnlen nun zwar Kefältigleitsleistnngen, die in per- ö u l i ch e ii Diensten bestehen, noch dein eigenen landwirth- ichastlichen Belricbe desjenigen, der diese Dienste leistet, zugerechnet und als mit i h m versichert betrachtet werde». Die Gefälligkeit des Klägers indessen, die sich außerbalb des örtlichen Bereichs so- wohl seines eigenen Betriebes wie auch des Betriebes seines Schivagers vollzog, sei so höchstpersönlicher Natur, daß ein ursächlicher Znfammenhaiig zwischen ihr und dem laiidwirthschasl- lichen Belrieve deS Klägers nicht ausreichend erkennbar sei. Ge vilhks �Deikimg. Piiigekeic» unter Gebildete» sind immer eine bedenkliche Slörnng der öffentlichen Ordnung, die strenge zu bestrafen ist. Ruf diesen Slaiidpnnkt siellle. sich gestern die 6. Ferien- Straskaminer des Landgerichts I, vor welcher der stuck, ehem. Hans Kautel und sein Bruder Harry Kautel unter der Anklage der Körperverletzung zu erscheine» hatten. Beide Angeklagte haben eines Abends in der Potsdamerstraße eine lärmend« Szene aufgeführt. Ein früherer Be- kannter von ihnen, der sich mit ihnen enlzweit hatte, begleitete an jenem Abend eine junge Dame die Potsdamerstraße entlang. Als er bei den beiden Angeklagten vorbeikam, gab es spöttische Redensarten, es kam zum Wortwechsel und schließlich zu Hand- arciflichkciten, wobei die beiden Angeklagten mit Spazierstöcken beziv. mit der flachen Hand ans ihre Gegner einschlugen. Die Folge dieser Szene war, daß die drei dabei Ihätig gewesenen jungen Leute auf die Anklagebank des Schöffen- gerichts wandern mußte». Letztere? sprach den Geschlagenen, der sich seiner Haut gewehrt hatte, frei, vernrtheilte dagegen den schon einmal nnt 699 Mark vorbestraften Studenten K. zu zwei Monaten Gesa ngn iß, den zweiten Angeklagie» zu 159 M. Geldstrafe. In der BernfungSinstaiiz plaidirte Reckitsanwalt Leonh. Friedmann in eindringlichen Worten für eine wesentliche Herab- mtiidnung der Strafe, indem er a»f die Folgen hinwies, die durch eine Freiheitsstrafe für den ersten Angeklagten erwachsen inüßten, der vielleicht unter Mißverkennung der Rechte der akademischen Freiheit der Meinung sein mochte, daß bei solchen von Jngendkraft überschäumenden jungen Leuten auch eine gelegentliche „Holzerei" nicht zu schwer ins Gewicht fallen dürfte.(Wer kümmert sich bei den Arbeitern um die Folgen solcher Strafe»? D. R.) Da? Gericht billigt« dem ersten Aiigeklagten, der wohl gereizt worden war. zwar mildernd« Umstände z», glaubte aber doch,»u einer Freiheitsstrafe greisen zu müssen, weil nach seiner Anficht gerade bei gebildeten Leuten solche Exzesse schwerer zu ahnden seien und der akademischen Jugend ernstlich zu Gemüthe geführt werden müsse, daß solche Prügelfzenen auf offener Straße unter keinen Umstände» geduldet werden. Die Strafe des ersten Angekiagleii wurde auf 14 Tage Gefängiiiß hcrabgeiiiindcrt, die Berufung des zweiten Angeklagten verworfen. Ein bedancriiSwerther Angeklagter stand gestern in der Person des 54 jährigen Photographeu Paul M a n h o l d vor der 135. Abtheilung des Schöffengerichts. Er war beschuldigt, die Krankenkasse der Photographeu»in 2S M. geschädigt zu haben, indem er sich zweimal die Kraiikenniiterstütziiiig von wöchentlich 14 M. hatte auszahlen lassen, obgleich er während dieser Zeit erwerbs- fähig gewesen und wöchentlich 15 M. Verdienst gehabt haben soll. Der Angeschuldigte räumte dies ein, sührie aber zu seiner Enlschnldigniig an, daß er mir ver- suchsweise die Stellung eines Stadlreisenden aiigeiiommen habe, um etwas zu verdienen. Er habe umsoweniger geglaubt, dies der Krankenkasse anzeigen zu müssen, da es ihm nicht gelungen sei, ein einziges Geschäft abzuschließen, weshalb ihm bereits nach der ersten Woche wieder gekündigt worden sei. Der Arzt, welcher den Angeklagten behandelt hat, be- gntachtete, daß derselbe seit Februar an einer unheilbaren Nervenkrankheit leide, die ihn völlig erwerbsniifähig mache. Das Sehvermögen des linken Auges sei infolge der Krankheit völlig, das des rechten Auges zur Hälfte erloschen. Er iiieine nicht, daß der Angeklagte für das von ihm begungene Unrecht verantwortlich gemacht werden könne, da dessen geistige Fähigkeiten ebenfalls schwer gelitten hätten. Ans grnnd dieses Gutachtens in Verbindung mit dem Ergebniß der übrigen Beiveisaiifnahme fällte der Gerichlshof nach dein Antrage des StaatsamvaltS ein freisprechendes Urlheil. Ei» für die Geschäftswelt wichtiges Thema:„Das Recht der Handlungsgehilfen in der Zeit vom 1. Januar 1393 bis z n m 1. I a ii n a r 1990", behandelt der beknniile Koni- iiiiiitator des Haudels-Gesehbuches, Rechlsanwalt Staub, in der „D. Zur. Ztg.". Das nene Handels-Gesetzbuch tritt am 1. Jan. 1999 zugleich i»U dem Bürgerlichen Gesetzbuch in kraft. Ein Theil davon, der Abschnitt über die Handliiiigsgehilfeii, soll aber bereits am 1. Januar 1S9S»nr Geltung gelangen. Man wollte den Hand- lnngsgehilfen die im neneii Handels-Gesehbuche enlhalteiien Vorlheile ihrer rechllichen Stellung inöglicbst schnell zu gute kommen lassen. Deshalb nahm die Reichslags-Kommifston folgenden Abs. 2 zu Art. 1 des Einführungsgesehes zum H.-G.-B. an:„Ter sechste Zlb- schiiitt des H.-G.-B. tiitt mit Ausnahme des Z 65 am I. Januar 1893 in kraft." Reichstag und Bnndesrath stimmten dem zu. Es tritt hiernach nur der sechste Abschnitt des neuen Handels-Gesetz- buch es vorzeitig in krast. Soweit diese Vorschrifle» für die Beurlheilung der in Frage kommenden Verhältnisse nicht ausreichen, iilsbesoiidere soweit zivilrechtliche Bejtiinmuiigeii über den Dienst- vertrag subsidiär anzuwenden sind, sind bis zum 1. Januar 1999 nicht die Vorschriften deS Bürgerlichen Gesetzbuches, welches ja erst am 1. Januar 1999 in krast tritt, anwendbar, viel ni ehr finden in dieser Zwischenzeit die ffle- st i m in u n g e n des neuen H a n d e l s- G e s e tz b u ch S über die H a n d l n n g s g e h i l f e n ihre Ergänzung durch das bisherige bürgerliche Recht. Das gilt insbesondere von der rechtlichen Natur des Dienstvertrages u. s. w. Mo sonstige handelsrechtliche Bestimnumgen in Frage kommen, kommt in der Zwischenzeit das alte, nicht das neue Handels-Gesetzbuch in Anwendung.— Ein eigenlhümliches Zwischenrecht.! Ueber- g a ii g s b e st i»i in u n g e n sind für diesen sechsten Sibschnitt nicht gegeben. Es fehlt jede Vorschrift darüber, welche Bestimnimigen inäßgebend sein sollen für die am 1. Januar bestehenden Handlungs- gehisen-Verhällnisse. Unter Hinweis auf Artikel 179 und 171 des EuiführungSgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuche führt Dr. Staub aus, daß für die am 1. Januar 1S3S beflehenden Dienstverhällnisse zunächst die bisherigen Gesetze maßgebend bleiben. Wenn sich aber daS Dienstverhällniß unier der Herrschaft des iieuen Rechts fortsetzt, obwohl unter Zugrniidelegiing des alten Rechts eine Kündi« gung zulässig war, so ist vom Zeilpunkt der solchergestalt ein- getretenen Fortsetzung des Dienstverhältutsses das neue Recht maß- gebend. Soweit endlich die Vorschriften öffentlich-rechllicher Natur oder unverzichtbar sind, treten fle sofort am 1. Januar 1S9S in Wirksamkeil ohne Rücksicht ans diese Kündigungsfrage. Dies gilt nainentlich auch von den im Z 62 des neuen H.-G.-B. behandelten Pflichten des Prinzipals für das leibliche und geistige Wohl der Handlungsgehilfen. Handelt der Prinzipal diesen Borschrifien zuwider, so hat er Schadensersatz zu leisten und zwar nach den ßZ S42— S46 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Hiermit sind fünf Paragraphen des Bürgerlichen Gesetz- buches, obwohl dieses selbst erst am 1. Januar 1999 in kraft tritt, herausgerissen worden, um für die Zwischenzeit entsprechende Slmvendmig zu finden. Die Kauflente werden gut thnn, flch mit allen am I. Januar lS9S unter allen Umständen in kraft tretenden Bestimmungen genau vertraut zu machen. Ei» sonderbarer Heiliger ist der Handlungsgehilfe Ball ach ans Charloitenbnrg, der geslern unter der Anklage des Belrnges und der Unterschlagniig dem Schöffengerichle ans der Untersuchnngs- Haft vorgeführt wurde. Tie Spezinliläi des jungen Mannes scheint es zu sein, sich nnler der Maske eines Studenten an die akademische Jugend heranzudrängen und in diesen Kieisen Gelegenheit zu allerlei ihörichtcu Streichen zu suchen. Co hatte er sich eines Abends einen Studiosus, dessen Kneipbekaiiiilschaft er gemacht hatte, als canck. med. Ballach vorgestellt und mit ihm eine Bierreise iinternomiiien, die erst spät nachts in einem Cass endete. Er erklärle dann, daß der Weg nach Charloltenburg so mitten in der Nacht doch recht unbequem sei und wußte den Sliidenten zu bewegen, daß er ihm in seiner Bude Nnchlqnarlier anbot. Ballach, der über medizinische Dinge recht lebhaft zu plaudern verstand, ließ sich die Gastfreundschaft dankbarst gesallon, war auch nicht böse darüber, daß die Wirthiii ihn mit einem Morgeninibiß bedachte nnd empfahl sich endlich, nochdein er vernoninie», daß sein neuer Freund am nächsten Tage mit mehreren Kommilitoiieu einen Ausflug«lachen wolle. In der Abwesenheit des Studenten erschien der Angeklagte am nächsten Tage in seltsamem Aufzuge bei der Wirlhin de? letzteren. Er trug einen völlig verbniideiieu Kopf, als ob er eine Mensur durchgemacht habe, und bat die Wirlhin, ihm Zutritt zum Zimmer„seines FrenndeS" zu gewähren, da er sich„sein" dort befindliches Cerevis holen müsse. Di« Wirtdin, die ihn erst Tags vorher bei ihrem Zimmer- Herrn gesehen, trug kein Bedenken, ihm Zutritt zu gewähren, nnd niil dem Ueberzieher des Studenten und dessen Vcrbindnngs- band und Mütze geschmückt verließ der Angeklagte die gastliche Slätte. Er gefiel sich dann darin, mit dem Trödel von stndcnlischen Abzeichen die Straßen Berlins zu dlirchwandern, bis ein Mckglicd der betr. Verbindlinn, der ihn» begegnete und sich darüber wunderte, einen wildfremde» Meuscheii mit den Verbindungssarben geschmückt zu sehen, ihn festnehmen ließ. Was der Angeklagte mit diesem Mumme»- schanz eigentlich bezweckt hat, ist sein Geheinrniß geblieben. Er gab diese Aiieigmmg freiliden EigentduniS zu, wehrte sich aber um so energischer gegen die Thäterschaft in ander«» Fällen, in denen ihm Schwindeleie» gegen Studenten zur Last gelegt wurden. In einem solchen Falle sollte er sich eine»! Westfalen altachirl, sich als Landsmann ausgespielt, viel von der„gemeinschasllichcn Heimalh" geplaudert nnd schließlich dein junge» Mann 5 M., die er am nächsten Tag« ziinickerstatteii wollie, abgeiioinmm haben. Da sich die Zeugen für diese angeblichen Straslhatcn zur Zeil im Manöver befinden, mußte die Verhandlung vertagt werden, der Gerichtehos entließ aber de» Angeklagten aus der Uiitersuchungshast. Im Februar dieses JahrcS war eines Tages der Kassirer der Zahlstelle Rixdorf deS Deutschen Holzarbeiter- Verbandes, der Tischlergeselle Karl B i« r l i n g. mit den 5tassenaelderii ver- schwunden. Aus erstattete Anzeige wurde hinter de», Füchtling ei» Steckbrief erlassen, worauf Bierling in Kattowitz mnitieU wurde. Am Dienstag sollte er sich vor dem Rixdorfer Schöffengericht wegen Unterschlagung verantworten; er war jedoch wegen der weiten Eut- fevumto vom persönlichen Erscheinen im Termin entbunden worden. Bei feiner kouninssnrischen Vernehmung hat der Angeklagte die Unterschlagung von 120 M zugegeben und seine That mit großer Nolhlage entschnldigt. Die als Zeugen geladenen Mitglieder des Verbandes vermochten mit Bestimmtheit einen größeren unter- schlagenen Betrag nicht nachzuweisen. Dem Angeklagten wurde» mildernde Umstände zugebilligt und daher lautete das Urtheil auf 100 M. Geldstrafe eveut. 20 Tage Gefängniß. Ein Messerheld stand am Dienstag in der Person des 80jährigen Hermann Paul Krüger ans Rixdorf vor dem dortigen Schöffengericht. Ein Freund des Angeklagten namens Nettig sollte am Abend des 16. Mai d. I. behufs Feststellung seiner Personalien nach dem Nmtsburean ststirt werden, weil er auf der Straße im Uebermnth einem harmlosen Passanten das Jackett vom Leibe ge- rissen hatte. Da Rettig sich energisch widersetzte, rief der die Sistirung vornehmende Nachtwächter Schätz den vorüberkommenden Gold- drahtzieher Paul Schulze zur Hilie, welcher den Rettig mit anfaßte. Krüger moltte seinen Frennd befreien und schlich sich daher von Hinte» an Schulze heran und jagte diesem ein Messer in den Kopf. Ei» zweiter Stich wurde durch den Nachtwächter verhindert, worauf Krüger entfloh. Er war jedoch erkannt worden. Nachhaltige Folgen hat die Verletzung des Gestochenen nicht gehabt. Nach dem Antrage des Amtsanwalls wurde der Angeklagte Krüger zu zwei Jahren G e f ä n g» i ß verurtheilt, wegen Fluchtverdachts auch sofort ver- haftet. Die rothc Fahuc. Anfang Mai dieses Jahres hatte» mehrere Schachtarbeiter der Ällsener Jnselbahn eine rothe Fahne auf einer Stange flattern lassen. Hierzu erblickte der Ingenieur- Grimm aus Hamburg eine Ver h e r r'l i ch n n g der Sozial- demokratie und er stieß deshalb die Stange um. DieL paßte aber den Arbeitern nicht; vier von ihnen gingen mit Hacken und Spaten bewaffnet gegen den Ingenieur und den Bmisührer Greifer los, so daß letzterer sich veranlaßt sah, die Stange mit der rothen Fahne wieder aufzurichten. Die 4 Arbeiter wurde» wegen ihres Verhallens von der Strasdtinmer F l e n s b u r g gestern zu je zwei Monaten Gefängniß verurtheilt.!!! V evfn murlttttgen. Ter Dozialdemokratischc Wahlverci» für den 4. Berliner RcichötagS-WahlkreiS(Osten) hielt am Dienstag Abend in Nwsc's Saal, Weberstrahe, eine Versammlung ab, in der Genosse A. Hoff- mann einen beisäsiig aufgenommenen Vortrag über„ G e s e tz und Lt e ch t" hielt. Von einer Diskussion wurde Abstand genommen. Unter„Verschiedenem" wird die geringe Betheiligung an der letzten Flngblattvertheilung gerügt und die Genossen ersucht, in Zukunft bereitwilliger ihre Kräfte in den Dienst der Partei zu stellen. Eine während des Vortrages eingetretene Frau nmßle nach einem Hin- weis des überwachenden Beamten de» Versanimlungsraum ver- lasten. Eine sehr gnt besuchte Volksvcvsanimlniig, etwa zu gleichen Theilen aus Männern und Frauen bestehend, tagte am Dienstag im Keller'sche» Saale. Die Referentin Klara Zetkin betoute zu- nächst, daß der Arbeiter und besonders die Arbeiterin des gesetzlichen Schutzes gegenüber der kapitalistischen Ausbeulung bedürfen, und wies dann ans den Gegensatz hin, der zwischen den bürgerlichen Sozialreformern und den Sozialdemokraten insofern besteht, als beide Richtungen ans ganz verschiedene» Gesichtspunkten die Forderung des gesetzlichen Arbeiterschntzes vertreten. Wahrend jene Leute die Lage des Arbeiters günstiger gestalten wollen, um ihn zu einem zufriedenen, nicht rebellirenden Kleinbürger zu inachen, wollen wir den Arbeiter geschützt wissen, um seine soziale Position zu stärken, damit er tauglicher werde, im Klastenknmpf seinen Mann zu stehe». damit die Arbeiterklasse reif werde, dereinst die letzte Schlacht am Birkenbaum zu schlagen. Es möge wohl manche»! sonderbar erscheine», daß trotz dieser Gegensähe die Sozialdemokraten zusamineii mit Sozialreformern der verschiedensten Schattirungen auf dem Züricher Kongreß getagt haben. Ich selbst— sagte die Rednerin— hatte vor dem Kongreß Bedenken in dieser Hinsicht. Der Verlauf des Kongresses hat aber gezeigt, daß auch wir mit dem Erfolg desselben zufrieden sein können. Es hat sich allerdings herausgestellt, daß das Feld, welches Sozialisten und Nichisozialisten gemeinsam bebauen können, nur ein eng begrenztes ist. Im weiteren Verlauf ihres Vortrages entwarf die Rednerin ein anschauliches Bild von der Zusammensetzung und dem Verlauf des Kongreffes und besprach die Stellung der verschiedenen Parteien zu den einzelnen Punkten der Tagesordnung desselben, wo- bei sie insbesondere die Debatten über die Frauenarbeit be- leuchtete. Ein werthvoller Erfolg des Kongresses bestehe darin, daß die biSher als Utopien verschrieene» Forde- rangen jetzt offiziell anerkannt worden sind. Eine Reihe von bürgerlichen Sozialreformern haben zugegeben, daß der von uns vorgezeichnete Weg des Arbeiterfchutzes gangbar sei. Die Vertreter anderer Richtungen, dir mit uns zusammeugetagt haben, würden unsere Bestrebungen jetzt richtiger venrtheile», wie vordem, und so könne auch unsere Agitation in jenen Kreisen leichter Eingang finden. Die Redneri» betonte zum Schluß, daß die Arbeiter- klaffe nicht gegen das Linsengericht sozialer Reformen ihr Erstgeburts- recht als revolutionäre Klasse verkaufen«verde, sondern nur im Klassenkampf gegen den Kapitalismus ihre soziale Befreiung erringen könne. Als erste Rednerin in der Diskussion trat eine christlich- theosophische Dame auf, die für die von ihr vertretene Richtung Propaganda zu machen sich bemühte. Dann»ahm der nationalsoziale Herr Tische ndörfer das Wort. Er legte mit bezug auf eine Aenßerung der Vorrednerin eine Lanze für das «vahre Christenthum ein. Ferner legte er seineu auf dein Kongreß vertretenen Standpunkt zur Kinderarbeit dar 'und meinte, die Sozialdemokraten sollten es anerkennen, daß außer ihnen auch noch andere Leute für das Wohl der Arbeiter ein- treten. Hierauf wies Lilli Braun mit kurzen Worten auf die Be- dentung des Hamburger Parteitages für die Frauen hin. Sie sagte, es wäre der allgemeinen Bewegung würdiger, wenn die Frauen mit den Männern gemeinsam Delegirte zum Parteilag«vöhlen würden. Daß das nicht geschehe, sei nicht nur Schuld der Frauen, sondern auch der Männer, die den Interessen und Bestrebungen der Frauen noch nicht das richtige Vcrständniß entgegenbringen. Der wichtigste Berathungsgegenstaud des Parteitages, die Betheili- gu»g an den preußischen Landtagswnhlen, habe auch für die Frauen ein lebhaftes Interesse. Dieselben müßten niit großer Energie für die Wahlbetheiligung eintreten. Der Landtag habe die E»t- scheidung über die Verhältnisse der vielen Taufende von Staatsarbeilern, sowie über die Schulsragen, also An- gelegenheiten, durch die die Arbeiterfrauen persönlich ge- troffen ivürden. Vor allen Dingen gelte es aber, die Reaktion im Landtage zu bekäinpsen und es sei Pflicht der Frauen, zu zeigen, daß die Reaktion an ihnen keine Stühe finde. Als Delegirte«vnrden Frau Greife nberg und Fräulein Baader geivählt, nachdem letztere ausdrücklich bemerkt hatte, daß sie Gegnerin der Wahl- betheilignng zum Landtage sei. In ihrem Schlußwort wendete sich Klara Zetkin gegen die Ausführungen Tischendörfers. Dann wurde eine Resolution an- genommen, welche sich mit der Haltung der Genossin Zetkin auf dem Züricher Kongreß, sowie mit ihren heutigen Ausführungen ein- oerstanden erklärt. In einer öffentlichen lvcrsammlnng der KoufektiouS- arbcitcr und Arbeiterinnen, die am Dienstag in der Nrania, Wrangelstraße, tagte, referirte Genosse Dr. W e y l über:„Die gesundheitliche Lage der Konfeklionsarbeiterinnen und die besonderen Verhältniste der Ortskrankenkasse der Schneider." Der Redner, der zunächst die Arbeitsverhältnisse dieses Berufes und die hieraus resultirenden Krankheitserscheinungen niit ihren Ursachen erörterte, nuterzog sodann die Einrichtungen der Ortskrankenkasse der Schneider einer herben Kritik. Darnach soll diese Kasse, bei der das Zivangsarzt-Systen« noch besteht, nur öS Aerzte für über 25 000 Mitglieder angestellt haben, sodaß nicht selten 40 bis 50 Personen in einer einzigen Sprechstunde bei diesem oder jenem Arzt dieser Kasse abgefertigt werden und folgedesten von einer eingehenden Untersuchnng der Patienten keine Rede sein kann. Nach den Bestimmungen sind die arbeitsunfähigen Mitglieder gezivungen, sich von dein betreffenden Revierarzt behandeln zu lassen, auch wnen derselbe aus irgend einem Grunde das Vertrauen des Kranken nicht besitzt. Seitens der Mitglieder soll allgemein geklagt werden über die ärztliche Behandlung bei den Kassenärzten,«vas zum großen Theil darauf zurückgeführt wird, daß der Vorstand mit den Aerzten einen zehnjährigen Vertrag abgeschlossen hat und demnach die Beschiverden der Mitglieder fruchtlos bleiben. Die„Medizinische Reform" habe in einem Artikel„Panama in der Orts-Krankenkasse der Schneider" die Ansicht unverholen ausgesprochen, daß bei der Schueiderknsse nur ein Arzt auf Anstellung rechne» könne, der sich in irgend einer Weise bei de» Vorstandsmitgliedern erkenntlich zeige, ohne daß seitens des gegenwärtigen Vorstandes bisher eine Berichtigung erfolgt wäre. Bei den Vorsitzenden der Orls-Krankeukasse der Schuhmacher, die gemeinsam mit der Schneiderkasse die Kassenärzte anstellt, soll ein bekannter Rechts- anwalt 100 M. geboten haben, für den Fall, daß sein Bruder, der Arzt ist, bei der Anstellung berücksichtigt wird. Der Redner meint schließlich, daß doch Gründe vorhanden sein müßten, die zu der Ver« breitung dieser Gerüchte in den Acrztekreise» führten und die An- ficht, daß bei der Schneiderkasse„gespickt" iverden«nüste, rechtfertigten. Um so mehr aber wird die Anschauung für berechtigt gelten, als der Vorstand bisher unterlassen hat, diesen Gerüchten entgegen zu treten. An der hierauf folgende» Diskussion betheiligte sich uuter anderen auch der erste Vorsitzende der Schneider-Kraukeukaste, der anf das bestimmteste bestreitet, daß die anzustellenden Aerzte sich erst den Vorstaudsinitgliedern erkenntlich zeigen müßten. In letzter Zeit habe der Vorstand sogar aus eine persönliche Vorstellung der llteflektante» verzichtet und nur die cingereichleu Alteste derselben als«naßgebend erachtet. Die Berichtigung auf den angezogenen Artikel, der ihm bekannt ist, sei, weil er selbst längere Zeit krank «var, unterblieben. Der Redner, der sich zun« Schluß»vie der Referent für eine„freie Arztivahl" ausspricht, führt»och an, daß die Kasse «nit 21 Aerzte«, verpflichtet sei.«velche mit dein früheren Vorstande einen zehnjährige» Vertrag geschlossen haben, sodaß der gegcnivärtige Vorstand diesen gegenüber machtlos ist. Von den Rednerinne» «vurden verschiedene Mißstände angeführt, dt« außer in bczng an die ärztliche Behandlung, in dem Betriebe der Kasse selbst vorhanden sind und die Versammelten aufgefordert, den Zuständen mehr«vie bisher Interesse entgegenzubringen, sich an de» Geueralversamin- lungen zu beiheiligen und geeignete Delegirte zu«vähle»,«velche die Wünsche der Mitglieder in nachdrücklicher Weise vertreten. Nach einigen Bekaiintniachiinge» erfolgte der Schluß der Bersaunnlung und«vnrden die«veiteren Punkte der Tagesordnung aus eine spätere Versammlung vertagt. Nrrbai'd deutscher Karbiere, Friseur»»nd perriiiiienn, acher. gwetg- verein Berlin. Heute, avend««o! Uhr, bei Labtet, Rosenihalersir. 67; vcr- fammlung. Kollegen al« Käste willkommen. I-ntraiveiein der K»rea»-A»ocsteUt«>». Heute, abendZ stj Uhr, bei Labtet, violenthalerstr. 67! Urabsttiiunung. Zahlreiche« avfcheliien der Mitglieder erforderlich. Ferliner zi>>t»rl»»il»»r»l» L. Heul«, abend» otj Uhr, Im Saale de« Lerein» junger Kaufte»!«, Leuihtir so: Bo>traa de« Herrn Dr. Hirschseld über: Lungen» schwindlucht, ihre Entstehung, soziale Bedeuittiig und nalurgemctlie Behandlung. Stlste willlommen. Briefkasten der Redaktion. Wir Hille», bei seder itlnfrage elne Ehlssre lzivel Luchfiade» oder e>»e Zahl) anziigebe». unier der die Aniivort eribcili«verde» soll. Tie juristische Sprechstunde flnbet am Montag, Dienstag und Sonnabend vo» 6 bis 3»/- U h r statt! l! Zwei Wettende. Viktor Adler war nie Abgeordneter. Berussgeiioffeiischaft. Ihr Eingesandt nicht zur Annahme geeignet. Manuskript steht zu Ihrer Verfügung. Wllterniiststlibel'klcht Pom- 8. September 1H«7. Wetter-Prognose für Donnerstag, de» 9. September Etwas wärmer,(Heils heiter,«Heils«volkig Mit leichie» Regen- fällen und mäßige» südwestlichen Winde». Berliner W e t t e r b II r e a u. Oeffenklirlze Gniktunn über die bei der städtische« HanPt-StiftniigSkasse für die durch Nntvctter Grschädigtrn Teutschlands ein- gegangenen Beträge. (Fortsetzung.) Böttger. Direktor 100,-. Voigt, Adolf 40,-. Starke, Wirklicher Geheimcr Ober- Jusiizrath 100,—. Friiulein C. U. A. Starke 10,—. Durch die Reichsbanlstelle, Posen, Ertrag der Sammlungen in Posen 116,05. Durch das Bankhaus Gebr. Schickler hier(2303,—): Frl. FricS, Ida, Laugen- salza 500,—. R., RegierungsaNessor 3,—. Weiß, Victor, Langensalza 300,—. Friedrich Eduard von Eichel- Strciber in Eiscuach 1500,—. Stadtgeineindc Ariern, Reg.-Bez. Merseburg 500,—. Stadtgenicindc Luckenwalde 1000,—. Stadtgemeinde Köpenick 1000,—. Stadtgemetiidc Tilsit 2000,—. Stadt- gemeinde Düsseldorf 25 000,—. Expedition des„Lübbeckcr Kreisblatts", Lübbecke, Wests., als 2. Rate 1000,—. Redaltion der„Neuen Stettiner Zeitung", Stettin, als 5. Rate 500,—.„Vereinigte Filzfabriken", Koniman- dantcnstraßc 15 100,—. Gesammelt von Bürgern der Stadt Köln, 3. Beitrag 10 000,—. Verein ehemaliger 50er 4,—. Verein ehemaliger Pioniere 20,—. Postamt 2 Wiiiistorf, Bahnh. 4,30. Postamt 1 Köslü, 114,38. Lehmann, Postamtsvorslehcr, Gülzow, Pom. 48,80. Postanit Weilburg 10,30. Post- agenwr Hasselbusch b. Berlinchen 17,20. Postamt Anderbeck 148,85. Post- auit 3 Leipzig 5,00. Kommunalkasse zu Wittstock, Ostpriegnitz 053,70. Post- anit Havclberg 31,80. Postamt Frankenstein(Schief.) 20,80. Rcyländer u. Sohn,„Tils. Ztg." 78,45. Postamt Luckenwalde 40,25. Postamt Colbitzow 04,15. Postanit III, Brand, Sachsen 5,80. Postamt Falkenbera, Mark 3,10. Postamt Locweiibcrg, Schlesien 0,80. Postamt Altenessen 4,80. Bon den Beamten der Ober-Poftdirektioil und des Postamts Bromberg 72,00. Postanit Hamersleben 8,80. Skaterlös Langheim, Ostpr. 13,10. Postamt Emlichheim 108,53. Borstand des Kreisveretns vom„Rothen Kreuz" in Höchst a. M. 400,—.„Bicbricker Tagespost", 3. Rate 377,80.(Davon mit besonderer Bestinimung 3 M. für Württemberg.) Redaktion der„Frtedrichsrodacr Zeitung" als 1. Rate 400,—. Postanit Alteuvörde 55,—. Frick, Stadt- verordneter 20,—. Fräulein A. von Cotta 10,—. Postamt 37, Berlin, Schwedterstraße 44,80. Becker, F., Vorsitzender des Kricgervcreins zu Neudorf bei Louisenthal a. d. Saar als Bercinsbeitrag 80,10.„KretSzeitung" in Labes 150,—. Durch Vizeseldwcbel Fleischer, Sammlung der Unteroffiziere des Jnfant.-Regts. Graf Barfuß(4. Wests.) Nr. 17 in Mörchiiigcn (Lothringen), für Schlesien 83,—. Expedition der„HaSper Zettung" 08,05. Kollegium der 38. Gemeindeschule 18,—. Militär-Verein„Deutsches Batcr- land 30,—. von Stieglitz, Königl. Sächsischer Geschäftsträger 30,—. Turn- gemeinde ältere Herren-Riegc 10,—. Meder u. Thiele 150.—. Fräulein Anna Jung 20,—. Preußische Boden-Kredit-Atticn-Bank, Voßstr. 8 1000,—. Stephan, Geh. Kommcrzienrath, Rauchstr. 18 300,—. Dr. Hedemann, Direktor in Dtsch.-Wilinersdorf 100,—. Von den Gastwirthen Hirtc, F. Schwarz, Schade, G. Schwarz und Esch, Reinertrag einer am 25 /8.07 veranstalteten Vorstellung und euies Konzerts 87,—. Postamt 18, Berlin, Köpenickerstraße 42,10. Aus einem Statspiel H. R. S. W. 2,70. Gesammelt bei einer HochzeitSseier bei Arnim am 28,/8. 97 11,—. Von den Stammgästen beS Restaurants I„Kuhstall", Jnvalidenstr. 110, als 2. Rate 45,—. Ertrag der Sammlung durch Hauslisten im Steuer-Erheber-Revier Nr. 4 054,40. All- gemeine Unfall- und Haftpflicht-Versicherungs- Aktiengesellschaft„Zürich", Filial- Direktion Berlin 300,—. Mentel, Stadtverordneter 100,—. Ungenannt 10,—. Pollmann, Franz 3,—. Dr. Naumann. Alfred, Rechts- anwalt 25,—. Ungenannt 2—. Gudat, F. 0,50. Von den Schiilerinnei« der III A. 1. Klasse der 12. Gcmeindeschule 3,50. Durch die Deutsche Bank (835,- M.): H. R. 10,-. Fleckenkasse G. H. 15,-. v. T. 5,-. Glaser, I. 200,—. Nostro-Abtheilung der Deutschen Banr 5,—. Bürgerliches Bräu- Haus in Pilsen 500,—. Warburg, E., Professor 100,—. Expcdttion der „Berliner Zeitung" und der„Berliner Abcndpost" 54,25. Darunter bestnden sich mit besonderer Bestimmung: 18 50 M. für Schlesien, 13,25 M. für das Riesengebirge. Durch die Reichsbanlstelle tu Landau, Ertrag der Sammlungen in Landa» 26,—. Hilfskomitee in Königsberg i. Pr. 10 000. Schuster, Rcinhold, Schmidstr. 44 25,—. Frau Schuster, Schmidstr. 44 25,—. v. Mensel, Ober- Reg.-Rath in Aachen 25,—. Sauden, Bankdirektor, Weißcnburgerstr. 27 300,—. Aktiengesellschaft für Grundbesitz und Hypothckenvcrkehr, Dorotheenstr 05/06 1000,—. Zwei Magistratssekretäre des Einkommensteuer- Bureaus 10,—. Schöffenamt zu Idar, Ertrag einer Sammlung 700,—. Stadtgemeinde Jena 500—. Frau C. F. Wwe. Meister zu Frankfurt a. M. 500,—. Bon den« Komitee zu Detmold 5000,—. Von dem Komitee zu Lemgo 881,52. Joseph Sachs u.Ko. 50,—. Durch das königliche Polizeiprästdiunr(823,55): Peter I, Kanzleisekretär 1,—. Schulz, Kanzleisekretär 1,—. Sodcike, Schutzmann 1,—. f. H. 10,—. Lehmann, Polizeisekretär 2,—. Hoser, Polizeisekretär 3,—. rause, Regier.- u. Baurath 20—. Bücken, Brandinspektor 5,—. L. H. 20,—. Tabbert Louis 30,—. Wolffson, C., Konsul 50,—. Dr. Hcyroth, Gewerbe- Inspektor 10,05. Nilka, Baurath 15,—. Beamte des 23. Poltzetreviers 12,—. Stadt Bocholt in Wests. 400,—. von Lattorff, Rcchmmgs- rath 15,—. Totz, Schulamtskandidat 8,50. Zawacki, Polizeisekretär 1,—. Dr. dop Ritgen, Regienings- und Baurath 20—. Wiechels 2,—. Kapherr 100,—. Ungenannt 3,—. Expedition der„National-Zeitung", als 4. Rate 400,—. Anonym für Schlesien 1,—. Sammlung der Gemeinde Steglitz, als 2. Rate 230,-. Gemeinde Steglitz 1000-. N. Israel 1000,-. Stadtgcnicinde Frankcnthal 500.—. Sammlung der deutschen Presse in Belgien, 1. Rate 400,—. Von dem Komitee für Güstrow und Umgegend, als 2. Rate 875,70. Dr. Bielefeld, Oberbürgermeister zu Arnstadt, Ertrag einer WohlthätigkeitS-Vorstellung 480—. Postämter: Waldheim 5,80. 1 Posen 287,00. 1 Driescn 27,80. Jafirow 46,50. Brockoph-Jonkugeleit 8,85. 10 Berlin 61,80. Lage 8,30. Kalbe a. Milde 70,80. Farge 20,80. 45 Berlin 24,30. 8 Dresden-Neustadt 30,—. Schandau 10,30. Guscht 7,15. Seebad HeriiigSdorf 1,90. Bernstein 69,95. Berlinchen 10,60. Neudamm 10,26. Bützow 20,30. Riesa 8,80. Langelsheim 25,70. Salz- derheldcn 4,80. Hildesheim 16,30. Dransfeld 4,80. Helmstädt 10,30. Quedlinburg 41,30. 20 Berlin 11,30. Haupt-Telegraphenamt Berlin\V 32,80. Postämter: 0 Hamburg 0 80. 1 Rostock, Meckl. 205,10. Station Poiiimerensdorf 25,05. 1 Brannschweig 189,00. 2 Hannover 87,75. 41 Berlin 18,80. 14 Berlin, von Prof. Hahn 9,80. Preiß, Sammlung der Jahresversammlung des Märkischen Bcreins von Gas- und Wasser- Fach- iiiännern 105,—. Postämter: Rotenburg a. Fulda 317,80. Eutin 38,80. 1 Schwerin, Meckl. 38,30. Erfurt 104,05. 50 Berlin 32,55. Landsberg, Ostpr. 81,80. 2 Leipzig 21,80. Gotha 42,—. Merseburg 32,80. Laustgk t.S., für Sachsen 78,50. Leipzig 2,80. Hamm-Hom 11,80. Lieberofe 8,30. Wentgenjcna 16.30. Tambach 2,80. Dtsch. Leipa 3,80. 13 Breslau 15,80. Söminerda 44,—. 0 Breslau 72,50. Parchi»« 10,80. 30 Berlin 34,20. Wilmersdorf 14,30. „Köpenicker Dampsboot". H. Jenne 688,55. Postämter: Tegeler Land- straße 15,10. Wend. Buchholz 2,30. Straußberg 60.95. 17 Berlin 45,05. 5? Berlin 22,80. 40 Berlin 4,80. 52 Berlin 21,00. 21 Berlin 45,80. 36 Berlin 10,80. 1 Weißensee 2,80. Schöneberg 24,30. 3 Gr. Lichterfelde 40,55. 35 Berlin 103,50. Osnabrück 4,44. Marttnstein 42,30. Leipzig- Volkmarsdorf 10,70. Ebendors 3,85. Altenhagen bei Springe 24,40. Springe 10,80. Grohnde 13,80. Vechelde 67,55. Metelen 5,00. Schlebusch 12,80. Breddin 25 40. Marne 3,80. Altona 47,80. Wiisterhansen». Dofse 0,80. Tramnitz 26,80. Eibelshausen 17,—. Expedition des„Bad Nauhcimer Anzeiger" 110,—. Post- äinter: Oetzsch-Gautsch 0,80. Grcifswald 31,85. Duisburg 22,80. Emzel 83,80. Höchst a. Main 39,80. Sontra 4,30. Ariern 43,30. Bresen- laublingen 5,90. Wehlheiden 23,80. Dahme, Holstein, Beitrag von Bade- gasten 30,—. Künigsverg in Pr. 172,—. Tremesscn 56,05. Marg- grabowa 4,80. Greussen 308,85. Konkordia-Verein Teuchern 178,60. Post- ä m t e r Eckersdorf, Kreis Neurode 18,56. Expedition der„Elbthalzeitung" zu Belgern a. E. 23,30. Postamt 2, Zeulenroda 23,60. Expedition der „Hagener Ztg." 400,—. Postämter: Obergleis 16.45. Wahrendorf 31,50. Memiiahiffeii 4,40. Engem 55,80. Lctemathe, 1. Rate 100,—. Fallingbostel 19,75. Salzdetfurth 16,30. Gelsenkirchen 12,30. Mörs 131,45. Geseke 51,—. Rheidt 6,—. Friedrich, Bürgermeister in St. Wendel, Samm- liing 125,—. Postämter: 64 Berlin 11,80. 22 Berlin 14,—. 63 Berlin 9,80. 87 Berlin 56,95, Wildbergerhütte 54,25. Erle b. Burg, Wests. 2,80. Wronke 3,80. Schackenslcben 200,—. Expedition der„Mccklenburg-Strel. Landeszeitung" 300,—. Postämter: Klein-Wansleben 20,30. Deutsch- Enlau 25,65. Neukirch, Ostpr. 28,05. Strasburg, Westpr. 18,15. Neumark 30,55. Osterode 1,65. Allenstein 62,15. Lotzen 20,95. Nakel, Netze 24,08. Gerdauen 14,32. 1 Bromberg 34,60. 1 Halbcrstadt 15,80. Borkholz 5,80. Wienenburg 13,60. II Falkeustetn, Vogtl. 2,80. Striegau 1,80. Peine 31,60. Neuhaldensleben 10,—. 1 Hohenbocka 14,00. Lindow 111,05. Neustrelitz 273,70. Wreschen 19,65. Hohenstein- Ernstthal 8,30. 1 Lippstadt 40,80. Landerberg, Harz 27,80. Nordheiin 17,80. Peterswaldau(Breslau) 39,20. Neichenberg t. Schi. 4,80. Herzfelde 14,10. Varel, Oldenburg 400,—. 33 Berlin 4,80. Weißenfels 15,05. 3 Lautenbera 6,40. 3 Rackitt 7,—. Scharzfeld 2,—. Niesky 7,30. Drewelt l. Westpr. 16.80. 3 Versmold 48,00. Jbbeilbuhrcn 120,—. Naiigsdors 30,80. Bad Kösen 77,75. 1 Stettin 134,70. Laueiibiirg in PomineM 69,85. Prenzlau 181,25. Sterkrade 35,—. Boitzenburg(Uckermark) 96,50. Stettin- Grünhof 62,80. Klausdors 28,80. 1 Pyritz 56,05. Tangerbütte 1,—. Bibra 9,30. Kcßler- Gniiielilis, Caroline, Frankfurt a. M. 300,—. Expedition des„Tageblatt und Kreisblatt", Eschwege 201,00. Schule in Groß- Wackau 5,28. Frey, Adelheid, Lehrerin 5,— Büraermeisteraint in Lechenich 90,30. Expedition der„Harke" in Nienburg a. Weser 100,—. Dr. jur. Klemm, Landrath in Mühlhausen t. Thür. 99,31. Expedition der„Zeitung für Licbemvalde" 18,—. Redaktion der„Kreiszeltnng" in Homburg 182,80. Expeditton der „Belgardcr Zcitiing" 300,—. Expedition des„Gothaer Tageblatt" 187,10. Postämter: 10 Berlin 14,80. 6 Berlin 26,30. Expedition des„Branden- burger Anzeiger" 400,—. Postämter: 2 Eharlottenburg 28,94. Lüchow 102,75. Soltan, Hannover 6,80. Eoldbeck 34,70. Sleuditz 9.30. Opalenitza 1,90. Wilmersdorf, Kreis Angermünde 1,80. Expedition des«Branden- burger Anzeiger" 50,—. Postämter: Jüterbogk 4,10. Owinsk 1,80. Sülfeld, Holstein 10,30. Jnowrazlaw 6,40. Stadthagen 60,05. Danzig 229,50. 8 Königsberg t./Pr. 16,85. 2 Königsberg i./Pr. 5,—. Guuibinnen 80,80. l,1,a Bernfegcn. rui IIBtSB Berlins! Große öffentliche Versammlung am Sonntag, den IL. Sevtkinber, mittags IL Uhr, im liolverger 8slon, Kolbergerstraße LZ. Tages-Ordnung: 1. Der Streik bei der Firma Borstg. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kollegen, der wichtigen Tagesordnung halber seid Ihr verpssichtet, Mann für Mann in dieser Versammlung zu erscheinen. 63/5« L.«Dt(liier, BertranenSmann. Große öffentliche Verfammlnng der Mändlev und NÄndlevinnett am Freitag, den 10. September, abends 8 Uhr, im I!nsII«cIivn Garten(oberer Saal), Alcxanderstraße 87«. Tagesordnung: 1. Stellungnahme gegen den Gewerbebetrieb der Hells- arinee und die allgemeine Lage der Händler Berlins. Referent Kollege Gottfeld. 2. Diskussion.— Der Redakteur des„Kriegsmss", Herr Junker, ist hierzu eingeladen. 425b Im Interesse der Sache sind alle Kollegen und Kolleginnen eingeladen, besonders die Kolportcure. Zur Deckung der Unkosten ftnbet Tellersanimlimg statt. Tie Agitationskommission. I. A.: O. Schultz e, Thurmstr. 18. MM-RnnMilsse»n Manm etc. „Grundstein zur Einigkeit". Bonntag, IS. Beptbr., vor««. 10 Uhr, in Staberiiack's Salon, Insel str. 10; Ausserordentl. Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung; 1. Wahl der HilfSkassirer und der Lokale. 2. Borschläge zur Wahl deS Bevollmächtigten und zweier Ersatzmänner zur Thcilnahme an Unsall-Unier- suchungsverhandlungen. 3. Mittheilungen. 140/6 NB. Das Mitgliedsbuch legitinttrt. Vom 1. Oktober beftndet sich das Bureau Sttalauerstr. 12. Tie Benoaltung. I. A.: W. Garbe. S'ir bernimmt den Inhalt der Inserate die Redaktion dem Pnblikui» gegenüber keinerlei Verantwortung. tEhvAtuv. Donnerstag, den 9. September. Neues kgl. Opcrntheater(KroN). Bajazzi. Oavs-Uoria rustioana. Ansang 7»/- Uhr. SchanspiclhanS. Rosenkranz und GtUdenstern. Anfang 71/, Uhr. Deutsches. Nora. Anfang 71/,, Uhr. Berliner. Renaissance. Ans. 7//z Uhr. Lessing. Abu Seid. Hierauf: Das zweite Gesicht. Neues. Der Stellvertreter. Anfang 7-/2 Uhr. Unter den Linden. Boccaccio. Ans. 71/2 Uhr. Tchiller. Weh' dem, der lügt. An- fang 8 Uhr. Luisen. Geschwister Fiebig. Anfang 8 Uhr. Residenz. Die Einberufung. Anfang 7-/2 Uhr. Friedrich- Wilhel,»städtisches. Das vierte Gebot. Thalia. Lustballet Grigolatis. Vor- her: Toubisson's Hochzeit. Ansang 7-/2 Uhr. Oftend. Unsere ReichSpost. Anfang 8 Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang 7-/- Uhr. Zllexanderplah. Das Lievesdrama einer Sängerin. Anfang 8 Uhr. VeNe-Sllliance. Spezialitäten. Ans. 6 Uhr. Apollo. Spezialitäten. A»f. 8 Uhr. Passage- Panoptikum. Indisches Dorf. SiszMev Thenkev (Wallner-Theatcr). Donncrstag, abends 8 Uhr: Weh dem, der lügt. Freitag, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Die Kreuzelschreiber. Sonnabend, nachmittags 4 Uhr: Erstes Gastspiel des Hänsel und Gretel- Ensembles Geschw. Seitz: Hänsel und Gretel. Märchcnspiel in ö Bildern. Abends 8 Uhr: Die Kreuzelschreiber. I,ui8vll-?Iieilter 34. Rcichcnbergerstrafte 34. Donnerstag, de» it. September. abends 8 Uhr: Zum 19. Male: Geschwister Fiebig. Modernes Bolksstück in 3 Akten von Oscar Wagner und Hugo H a h k e r l. Musik von Fritz Krause. UW?- Billetborverkauf im In- validendank. Unter den Linde»£4 und an der Kasse von 14—4 llhr. Am Sonntag, den 12. September, nachmittags 3 Uhr: MeUlÄnktev Halbe jlassenpreise! Gentral-Theater Alte Jakobstr. 30. Direktion Hlchard Schnitz. Donnerstag, den 9. September 1897: ISmll Thomas a, G. Zum ö, Male: Novität! Novität Z Berliner Fahrten. Burleske Ausstattungspossemit Gesang und Tanz in K Bildern von Julius Freund und Wilhelm Mannstäd t, Musik von Jnl. Einödshofer. Ansang V28 Uhr. Morgen und die �' Berliner Fahrten. folgenden Tage: Apollo-Vlieater. Friedrichstr. 818. Dir.d.«Itich. Prifliessi» Pocahuntas (Die indische Nachtigall). Brothers Serra. The Burneils. Der Affe als Luftgymuastiker GriUin n. Dubols. Hr. Cbretlenni. Me 9 WnMmittmchen Joseph Phoites Pantomimen- Troupe Katseueröfslning 6-/2 Uhr. Ans. 7'/2 Uhr. I. Possen- u. Operetten- Theater in Kanfmann'sTarl�t� (Direktion Gebr. Herrnield) Eine besondere Sne- zlalltttt auf dem«e- bicte des Theaterleb e n s bilden die mit unbeschreiblichem Erfolge aufgenommenen Original-Xovl tüten: Ein Abend im Wintergarten und Im Atelier. Ueberraschende Snjets. Femer Auftreten der Humoristen Theodor Lippardt, Dr. Guido Steinitz, Original- Eaponst. Theodor«lese. Anfang des Konzerts 7 Uhr. Vorstellung V28 Uhr. Die ausgegebenen Vorzugskarten haben auch für die folgenden Vorstellungen ihr» Giltigkeit. Urania Tanbenstrasse 48— 40. Naturkundl. Ausstellung tägl. geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50Pf.— Wissensehaftl. Theater abends 8 Uhr. Passage-Panopticum. Indisches Dorf mit dem bedeutendsten Fuss- baU- Künstler der Welt Honng Toon. Vorst. 12, 5, 7 und 9 Uhr. Castan1 s Panopticnm. Friedrichs tr. 165. Hären well» die grösste Sehenswürdigkeit des ablaufenden Jahrhunderts ist wieder da!!! UpH I Italienische Kapelle nCU. des Maestro Liberti, 5 Herren, 2 Damen. Ostend-Theater. Gr. Fraiiffiirk'tpv.132. Dir. C. Weift IV Vorletzte Woche!"WS Zum 98, Male: Unsere Reichspost. Volksstiiik mit Gesang in 4 Akten von R. Kneisel. Musik von C. Schüler. Anfang 8 Uhr. Von 6 Uhr an: Gr. Frei-Konzert. Sonnabend zum l vv. 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