Einzelpreis 30 Pfg. 4. Jahrgang Die Freibett erscheint morgens und nachmittags, Sonntags und Montags m einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zuftellung ins Haus für Groß- Berlin 10, M. im voraus zahlbar, von der Spedition felbft abgeholt 8,50 m. Für Pofte bezug nehmen sämtliche Bostanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland und Österreich 16,50 Q., für das übrige Ausland 21,50 m. zuzüglich Valuta- Aufschlag, per Brief für Deutschland und Österreich 30,- 9. Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin 2, Breite Straße 80 Freitag, 25. Februar 1921 Nummer 93 Morgen- Ausgabe Ble achtgespaltene Monparettegette oben beren Raum Roflet 5,-. einfegli Seuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2.- S., jedes wetters Wort 1,50 m., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Befuche 3,20 m. netto pro Zeile. Stellen Gesuche in Wort- Angeigen: has fettgedruckte Wort 1,50 M.. jedes weitere Wort 1, W. Fernsprecher: Sentrum 2030, 2545, 4516, 4603, 4635, 4849, 4928 greibeir Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands An die Partei! Genoffen und Genossinnen! Die Wahlen zum preußischen Landtag find vollzogen. The Resultat hat uns nicht überrascht; die 3ers törungsarbeit der Kommunisten hat bewirkt, was alle Anstrengungen der Feinde des Proletariats niemals hätten zuwege bringen fönnen: die monarchistische Reaktion ist durch die Preußenwahlen gestärkt worden. Sie fann triumphieren. Die revolutionäre Arbeiterschaft ist geschwächt worden. Große Teile der Arbeiterschaft haben fich abseits gestellt. Der Termin der preußischen Wahlen war für die U. S. P. D. besonders ungünstig. Nach der Spaltung der Partei hatten wir unsere Organisationen noch nicht völlig wieder aufbauen, unsere Presse noch nicht wieder auf die alte Höhe bringen fönnen. Wir hatten gegen uns die geschlossene reattionäre Masse der Bour geoisie mit ihren unerschöpflichen Geld= quellen. Wir hatten gegen uns die alte sozialdemokras tische Partei, die immer noch von Millionen deutscher Arbeiter für eine wirkliche sozialistische Partei gehalten wird. Wir hatten gegen uns die Kommunistische Partei, die ihren Kampf vornehmlich gegen uns und nicht gegen die Bourgeoisie richtete. So wurden wir von allen Seiten berannt. Wenn wir trotzdem über eine Million Wähler und Wählerinnen in Preußen mustern fonnten, so zeigt das, daß weite Teile des Pros letariats zu uns halten. Wir stehen fest, trotz aller Stürme, die uns umbrausen. Wir sind die alten geblieben, die wäh rend des Krieges mit revolutionärer Zat den Krieg befämpften. Wir sind dieselben ges blieben, die planmäßig und zielbewußt unter den Schreden des Krieges die Revolution vorbereiteten. Wir sind die Soldaten der Revolution, die in allen revolutionären Kämpfen der lezten Jahre an erster Stelle standen und Leben und Blut für den revolutionären Sozialismus opferten. Für die sozialistische Revolution tämpfen wir auch weiter. Nach wie vor gilt unser Kampf der Bourgeoisie. Getreu unserem Leipziger Attionsprogramm sehen wir auch weiter. hin als geschichtliche Aufgabe der u. S. P. D. an, dem revolutionären Proletariat in seinem Kampf für den Sozialismus Führerin und Bannerträgerin zu sein. Deshalb führen wir den Hauptstoß gegen die bürgerlichen Parteien und bekämpfen aufs schärffte den Reformismus ber Rechtss fozialiken. Der Zustrom noch nicht lassenbewußter Wähler in die Reihen der S. P. D. veranlaßt dieje Partei zu immer größerem Entgegenkommen an die bürgerlichen Parteien. Schon sehen wir, daß sich in dieser„ Jozialdemokratischen" Partei die Neigung zeigt für eine Koalis Berlin, den 24. Februar 1921. tion nicht nur mit den Demokraten und dem Zentrum, fondern auch mit der monarchistischen Stinnes: Partei. Die S. P. D. entwidelt sich nicht nach links, sondern nach rechts. Dieser Partei, die immer weiter an der formalen Demokratie festhält, und die Dittatur des Proletariats ablehnt, dieser Partei, die sich immer mehr von den bürgerlichen Parteien umstriden läßt, dieser in immer höherem Maße verbürgerlichten Partei darf ein tlajsenbewußtes Proletariat kein Vertrauen entgegentlassenbewußtes Proletariat fein Vertrauen entgegen bringen. Die Arbeiter aber, welche immer noch in den Reihen der S. P. D. fämpfen, müssen wir aufklären und für uns gewinnen. Von den Kommunisten trennt uns, daß sie mit täglich wechselnden Parolen putschistische Bewegungen entsachen, die einheitliche revolutionäre Aktion zur Durchführung des Sozialismus dadurch aber nur stören. Sie haben völlig abhängig von Moskau für die Möglich feiten des in Deutschland zu führenden Klassentampfes teinen Blid mehr und verleiten ohne Rücksicht auf die wirts schaftlichen und politischen Verhältnisse des Augenblics das Proletariat zu Aktionen, die von vornherein aussichtslos Proletariat zu Aktionen, die von vornherein aussichtslos sind und nur mit blutigen Niederlagen der Arbeiterschaft enden können. Parteigenossen und Genossinnen! Neue Kämpfe und schwere Kämpfe stehen uns bevor. Benutzen wir die Atempause des Augenblids zur Arbeit für den revolutionären Sozialismus, für die U. S. P. D.! Es gilt, jeht vor allem unablässig zu arbeiten für den Wiederaufbau und Ausbau unserer Parteis organisationen, für die Ausbreitung un ferer Parteipresse. Im fleinsten Ort müssen wir aftionsbereite Organisationen schaffen. Bis in die letzte Sütte müssen unsere Parteiblätter bringen. Es gilt, in alle Machtpofitionen der Bourgeoisie eins zubringen. In Gemeinde, Kreis, Provinz, Staat und Reich müssen unsere Vertreter im Sinne unseres Programms für das Proletariat arbeiten. Es gilt, in den gewerkschaftlichen und ge nossenschaftlichen Organisationen für die Ideen unserer Partei zu wirken und diese Organisationen Ideen unserer Partei zu wirken und diese Organisationen vor der 3ertrümmerung zu schügen. Es gilt, der kapitalistischen Berelendung und Ber fflanung der Arbeiterschaft mit aller Kraft entgegens zuwirken. Es gilt, die monarchistische Reaktion auf allen Gebieten des staatlichen Lebens zu bekämpfen. der U. S. P. D. zu sammeln, um endlich den Sozialismus Es gilt, alle Kräfte des Proletariats unter den Fahnen zu erkämpfen. Es lebe der revolutionäre Sozialismus! Es lebe die U. S. P. D.! Das Zentralkomitee der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Die deutsche Delegation für London runs amtlich die Entscheidung der amerikaniſten Regierung Diese sind: bekanntgegeben hat, die amerikanischen Besagungstruppen am war bis gestern abend feine ähnliche Notifikation eingetroffen. Die Orientkonferenz EE. London, 24. Februar. Die zur Londoner Konferenz fahrende deutsche De Rhein abzurufen. Im Ministerium des Aeußern in Paris legation wird aus dem Reichsminister des Aeußern Dr. Si mons und 7 beigeordneten Delegierten bestehen. vom Auswärtigen Amt die Ministerialdirektoren Dr. Goep pert und von Simson, vom Reichsfinanzministerium die Staatssekretäre Dr. Schröder und Dr. Bergmann, vom Reichsministerium des Innern Staatssekretär Dr. Lewald, vom Reichswehrministerium General von Seedt und Reichswirtschaftsministerium Suire. Außerdem werden die Delegation etwa 25 höhere Bes Ministerialdirektor von amte der beteiligten Reichsrefforts, sowie ein Sondervertreter Breukens und Bayerns begleiten. Das Bureau der Delegation besteht aus etwa 20 Personen. Die deutschen Gegenvorschläge vom Le In den Ausschüssen der Sachverständigen ist eine Eins timmigkeit für die deutschen Gegenvorschläge nicht erzielt worden. Doch wird heute und morgen die Reichsregierung endgültig die Gegenvorschläge beschließen, fie dann nochmals dem Sachverständigen- Ausschuß vorlegen und am Sonnabend den Ausschuß des Reichstages und die Vertreter der Parteien in die Gedankengänge der deutschen Gegenvorschläge einweihen. Der Abzug der Amerikaner In den letzten Tagen fursierten widersprechende Gerüchte über Die Abberujung der amerikanischen Truppen aus dem besetzten Rheinland. Runmehr wird aus Brüssel gemeldet, daß die ameritanische Regierung gestern der belgischen Regie: Die heutige Sigung der Londoner Konferenz begann angesichts des Umstandes, daß der Großwefir Tevit Pasch) a bettlägerig ist, mit einer Rede Oman Nizami Paschas. Er sprach über Die Frage von Smyrna und Thrazien. Die DardanellenFrage tam nicht zur Sprache. Um 11 Uhr 50 Minuten verließ die türkische Abordnung den Sigungssaal. Um 1 Uhr wurde die Sigung unterbrochen, nachdem der griechische Ministerpräsident Kalageropulos die von der türkischen Abordnung vorgeleg. ten ethnographischen Staftifen zur Kenntnis genommen hatte. Kalageropulos wurde eingeladen, am Nachmittag in der ethnohält. Die von der Türkei vorgelegten Statistiten über Thrazien, graphischen Frage jene 3iffern bekanntzugeben, die er für richtig zösischen Ursprung. die europäische und die asiatische Türkei haben vollkommen frantausch, Der am 19. Februar in Sofia tattgefundengut Deutsch- bulgarische Wirtschaftsbeziehungen. Durch Notenaus haben sich Deutschland und Bulgarien zunächst bis zum 9. Auguft 1921 gegenseitig das Recht der meist begünstigung in allen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zugestanden. Dement Sprechend find die bulgarischen Zollbehörden bereits am 21. Fe bruar telegraphisch angewiesen worden, nunmehr deutsche Waren begünstigte zu behandeln. Die Ursprungszeugnisse tonnen wahl. Borlegung ordnungsmäßiger Ursprungszeugnisse als meist meise von deutschen Handelstammern oder Zollamtern und von ben bulgarischen Konsulaten in Deutschland ausgestellt werden. Seltsame Regierungskunst Der Minister des Auswärtigen, Dr. Simons, hat gestern vormittag seine rednerische Rundreise durch Deutsch land, die der Bekämpfung der Ententeforderungen dienen sollte, mit einem Vortrage im Reichswirtschafts. tat beendet. Daß er sich diese belanglose Körperschaft ausKörperschaft, die sich anmaßt, eine ,, Rammer der Arbeit“ zu sein und doch nichts anderes ist als eine Interessenvertre tung des deutschen Unternehmertums, das fennzeichnet den Geist, der durch unsere Regierungsstuben weht. gesucht hat, um seinen Schlußeffeft anzubringen, diese Es verlohnt nicht, auf die Ausführungen des Außenministers, soweit sie die wirtschaftlichen Fragen betreffen, bei dieser Ge legenheit des Näheren einzugehen. Die Rede brachte nur Wiederholungen des alten Themas, daß die Ausführungen der Beschlüsse undurchführbar seien und die Verfilavung des deutschen Voltes zur Folge haben müßten. Positives über die deutschen Gegenvorschläge hörte man nicht; wir erfahren nur, daß die Sachverständigen noch nicht einig sind, daß das Kabinett sich noch einmal damit befassen werde, und daß am nächsten Sonnabend vor dem Ausschuß des Reichstates und vor Bertretern der Parteien des Reichstages nähere Mitteilung darüber gemacht werben sollen. Er schloß daran den üblichen Appell zur Einheit des ganzen Voltes und die Mahnung, der hohen Regierung ruhig zu vertrauen. Man wird begreifen, daß die Sachverständigen der Regierung sich bisher über die Gegenvorschläge nicht einigen fonnten. Was die Regierung sich da als Sachverständige herausgesucht hat, sind bis auf einen oder zwei Konzessionsschulzen nur Vertreter des Großfapitals und der Hochfinanz. Das arbeitende Bolt, das alle Werte Ichaffende Proletariat, hat mit diesen Sachverständigen, die lediglich die fapitalistis schen Interessen zu schützen versuchen, nichts zu tun. Dess halb ist es ein wenig viel verlangt, daß die Arbeiterklasse diese Regierung und ihre Sachverständigen auf ihrem Gange nach London mit blindem Bertrauen und in holder Eintracht begleiten solle. Um es bei dieser Gelegenheit noch einmal furz und deutlich zu sagen, so erkennt das deutsche Proletariat wohl die Verpflichtung Deutschlands an, die von den früheren Machthabern verursachten Kriegsschäden, soweit irgendmöglich, wieder gutzumachen, lehnt es aber unbedingt ab, für das deutsche Kapital, das die Hauptschuld am Kriege und seinen Folgen trägt, die Kastanien aus dem Feuer zu holen, und es verlangt, daß die Lasten des Wiederaufbaues den Hauptschuldi. gen auferlegt werden. Das nationalistische Gerede von der Versklavung der Arbeiterklasse, wenn die Forderungen der Entente Wirklichkeit werden sollten, fann uns deshalb nicht schrecken, weil die Verstiavung des deutschen Proletariats dieselbe bleibt, ganz gleich, ob fie vom deutschen oder vom Ententefapital ausgeht. Der Außenminister hat sich gestern aber auch noch auf das rein politische Gebiet begeben. Er nahm Bezug auf die Notiz der Deutschen Allgemeinen Zeitung" pom Donnerstag früh, worin in geheimnisvoller Weise von einem fleinen Kreis politisch furzsichtiger Phantasten gesprochen wurde, die während der Lonboner Verhandlungen eine Aktion unternehmen wollten. Herr Dr. Simons nahm diese Notiz zum Anlaß, um vor unbedachten politischen Abenteuern zu warnen und die Drohung daran zu knüpfen, daß er das seinige in der Regierung tun werde, um jeden Versuch eines Putsches unnachfichtlich niederzuschlagen. Man fönnte geneigt sein, diese Notiz und ihre Erwähnung durch Herrn Dr. Simons für ein Spiel mit verteilten Rollen zu halten, wenn die Sache nicht doch einen sehr ernsten Hintergrund hätte. Es steht außer Zweifel, daß die„ Deuts sche Allgemeine Zeitung" Don Herrn Stinnes inspiriert worden ist und daß sie besonders außer halb Deutschlands Eindrud machen soll. Man will aufs neue versuchen, nicht nur in der Entwaffnungsfrage Konzessionen zu erreichen, sondern man glaubt offenbar, auf diese Weise auch bei der Behandlung der wirtschafts lichen Fragen günstigere Bedingungen für das Kapital herauszuschlagen. Daß aber in den rechtsstehenden Kreisen lebhaft für eine Attion gerüstet wird, steht ebenso außer allem Zweifel. Was aber tut die Regierung, um den Gefahren eines Rechtsputsches zu begegnen? Gie beschränkt sich auf einige Drohungen, die in ihrer Wirkung auf das Ausland eingestellt sind, läßt aber im übrigen den Reaktionären vollkommen freie Hand. In Bayern fiehen 400 000 Einwohnerwehrgardisten wohlgerüstet zum Los schlagen bereit. Die Reichsregierung sieht diesem gefähr lichen Treiben zu, ohne mit der Wimper zu zuden. Die Orgesch darf sich ruhig weiter ausbreiten, die Güter der Großagrarier behalten nach wie vor ihre Waffenarsenale. Wieweit die Junkerfrechheit bereits geht, das fonnte man aus der gestrigen Abendausgabe der Deutschen Tageszeitung" erkennen. An der Spike des Blattes wird ein Aufruf des Freiherrn von Wangenheim ver öffentlicht, worin in denselben Zonen wie vor den Rappe tagen offene Drohungen gegen die Regierung ausgestoßen werden. Der Freiherr fordert die staatserhaltenden Bare teien auf, sich endlich fest zusammenzuschließen. Wenn diese Parteien nicht mehr imstande seien, Taten(!!!) zu vollbringen, dann müsse das Volk ihnen die nötige Aufklärung in nicht mißverständlicher Form zukommen lassen. Wache auf, Preußenvolt", so schließt Herr von Wangenheim,„ ,, und erhebe millionenfach deine Stimme gegen dies jenigen, welche in der schwersten Not des Vaterlandes über bem unfeligen Parteihader vergessen, wozu sie gewählt find. Es geht um dein Leben, es geht um die Zukunft deiner Kinder und Enkel, die man verschachern will, um den Parteigöten neue Hekatomben zu opfern. Fort mit den Händlern und Wechslern, welche das reine Gold beiner Vaterlandsliebe in wertloses und schmutziges Papier umzusetzen am Werte sind." So wagt ein Junker zu reden, dessen Standes- und Gesinnungsgenossen das deutsche Volt bis aufs Hemd auswuchern und auspowern! Der Regierung wird in den nächsten Tagen Gelegenheit gegeben sein, im Reichstag darüber Rede zu stehen, was sie gegen die nationalistischen Treibereien, gegen die Vorbereitungen zu reaktionären Aftionen zu unternehmen gedenkt. Wie wir schon mitgeteilt haben, verlangt die Frattion der Unabhän= gigen Sozialdemokratie im Reichstage die Vorlegung des Notenwechsels mit der bayerischen Recierung in der Frage der Entwaffnung der banerischen Einwohnerwehren und fordert weiter, bie Entwaffnung und Auflösung der bayerischen Einwohners wehren unverzüglich durchzuführen. Bei dieser Gelegenheit werden unsere Genossen aber auch fordern, daß die Verordnung des Reichspräsidenten vom 30. Mai 1920, die sich angeblich gegen die Bildung bewaffneter Haufen durch rechtsstehende Kreise wandte, in Wirtlichkeit sich aber mit voller Wucht gegen die Arbeiter#lasse richtet, endlich außer Kraft gesetzt wird. Hier werben auch die Rechtssozialisten gezwungen sein, Farbe zu bes tennen; billigen sie noch immer die Ausnahmegesetzgebung ihres Parteigenossen, des Herrn Reichspräsidenten, sorgen fie nicht mit uns dafür, daß diese Schandverordnung endlich beseitigt wird, so zeigen sie erneut, daß noch immer der Nosteturs bei ihnen Geltung hat. Es ist eine seltsame Regierungskunst, die dem deutschen Bolle geboten wird. Brutal im Innern, ungeschickt nach außen, das ist das gelindeste Zeugnis, das man ihr aus zustellen vermag. Vor einem neuen Putsch? Inhaltsschwere Andeutungen Die Deutsche Allgemeine Zeitung" des Herrn Stinnes brachte gestern an der Spitze des Blattes folgende aufsehenerregende Mitteilung: Am nächsten Sonntag sollen die deutschen Bertreter zu den Londoner Verhandlungen abreisen. In der britischen Hauptstadt werden dann Entschließungen fallen, die viel leicht über das Schidsal des deutschen Boltes entscheiden. Es ist nicht verwunderlich, daß angesichts der drohenden politischen Gefahren sich mancher und nicht der schlechtesten- Kreise des deutschen Voltes einer Erregung bemächtigt, bie eine Möglichkeit unüberlegter Handlungen in sich birgt. Diese Gefahr dürfte um so größer sein, als hinter einzelnen Heißlpornen regelmäßig gewijje agents provocateurs zu stehen pflegen, deren Weizen nur in der Unordnung blüht. Wir wissen, daß die treibenden Kräfte weder eine politische Partei noch eine bedeutende Persönlichkeit oder eine bes Himmte Organisation hinter ich haben, daß es fich vielmehr um einen nur fleinen Kreis politisch turzsichtiger Bhantasten handelt, deren Attion schon aus Mangel an Waffen an sich ohne praktische Bedeutung sein würde. Die eigentliche Gefahr sehen wir jedoch darin, daß ein derartiges Abenteuer im Auslander= neut falsche Vorstellungen von militaristischen Regungen in Deutschland erweden müßte und im Inland rabilaler Seite bem gesamten Bürgertum zur Last gelegt werden würde. Diejenigen, die in London die deutschen Interessen unter so schwie rigen Umständen vertreten sollen, müssen die Sicherheit haben, daß in der Heimat tein Unfug verübt wird. Eine Wiederholung der Berhältnisse, wie sie im März 1920 zuerst von rechts, dann von links herbeigeführt wurden, wäre für den Bestand des Reiches ver hängnisvoll. Es muß daher die Aufgabe aller, die es angeht, sein, bafür zu sorgen, daß das Land in Ruhe bleibt und daß in Preußen möglichst bald ordnungsmäßig eine von der Mehrheit ber Bevölkerung getragene Regierung eingelegt wird. In der 3wijchenzeit sollte jeder als Feind behandelt und gegebenenfalls unschäblich gmacht werden, der die Ruhe stört, mag er von links oder von rechts fommen." wwww Diese Meldung geht auf Informationen zurüd, die aus Bayern kommen. Dort hat sich der Kerntrupp der deutschen Ronterrevolution versammelt. Dort sigen die Männer des Kapp- Putsches Ludendorff, Lüttwig, Major Bischoff, Oberst Bauer, jene Männer, die nach dem 13. März fieberhaft gerüstet haben, um einen neuen Schlag gegen die Republit, ein neues Abenteuer mit aggressiven außenpolitischen Zielen in Szene zu setzen. Wir haben seit Monaten auf jenen Gefahrenherd hingewiesen und dabei immer wieder festgestellt, daß hinter der Kahr- Regie dem bayerischen rung und Einwohnerwehrhäuptling Escherich die preußischen Monarchisten als Antreiber Stehen. Sie ermunterten die Rebellenregierung des Kahr immer wieder von neuem, in der Entwaffnungsfrage nicht nachzugeben. Denn die Einwohnerwehren dienten nicht der Aufrechterhaltung der„ Ordnung", die in Bayern ja gar nicht gefährdet ist; sie sollen vielmehr bereitgestellt werden für ein neues Abenteuer der Monarchisten, das von Bayern aus ins Wert gesetzt werden soll. Abrechnung im Innern, Entfesselung triegerischer Katastrophen nach außen: das ist bas Ziel der Orgeschleute, die bis zur Stunde ihre Rüstungen unter den Augen der Regierung fortsehen und vollenden Zonnten. Tok die bayerische Einwohnerwehr und die preußische Orgesch mehr sind als ein bloßer Schützenverein, wurde legt. hin sogar von zwei Führern der bayerischen Königspartei -Graf Bothmer und Mayer Koy- festgestellt. Sie behaupteten wiederholt daß die Orgesch und ihre Hintermänner erneut auf einen Butsch hinarbeiten, und sie belegten ihre Behauptungen sogar mit durchschlagenden Dokumenten. Mayer- Kry hat letthin sogar an den bayerischen Landtag eine Eingabe gerichtet, in der er die Verschwörung der Orgefchritter bis ins einzelne mit Bes weisen belegte. Die Kahr- Regierung und ihr ergebenes Parlament haben diese Eingabe unterschlagen. Unserer Fraktion ist jede Auskunft verweigert worden. Wenn jetzt die Gefahr des Putsches in greifbare Nähe gerüdt sein sollte, so hat das zweierlei Ursachen. Der Aus* gang der Landtagswahlen in Preußen hat den monarchistischen Parteien eine große Enttäuschung gebracht. Sie spefulierten auf die Dummhelt der Wähler in so riesigen Ausmaßen, daß sie glaubten, auf loyalem Wege in den Be sig der Alleinherrschaft zu gelangen. Die Spefulation et wies fich als verfehlt, nun drängt die putschistische Richtung nach der Entscheidung. Das Bolt soll durch die Republik nicht noch mehr verführt werden. Man will es mit Gewalt unter die monarchistische Fuchtel zwingen, weil die Zeit noch günstig erscheint, die Republit noch nicht so befestigt ist, daß der Schlag gegen sie Erfolg verspricht. Diese Pläne fönnen natürlich nicht verwirklicht werden, wenn die Entente auf restlose Entwaffnung besteht, um ihr zu entgehen, drängen jetzt die Putschisten nach Taten. Im Zusammenhang mit der nationalistischen Stimmung, die die Wiedergutmachungsfrage bei gewissen Schichten entfesselt hat, hoffen die Herren um Kahr, Ludendorff und Hergt, das Volt in einen Taumel reißen zu können, der es ihnen ermöglicht, die Macht an sich zu reißen.. Und Ehrhardt sitt in Bayern! Er hat seine Marinebrigade langsam dorthin beordert, die den Kern bilden soll für die Wehren, die selbst nach dem Eingeständnis der Kreuz- 3eitung" 400 000 Mann start sind. Ehrhardt hat einen Poster im bayerischen Justizministerium; er ist der große Taftifer des Bürgerkrieges, während die Offiziere Ludendorffs die Strategen bilden. Auf alle Fälle: Von Bayern droht die Gefahr. Dorthin muß die Arbeitertlase ihr wach= sames Auge Ienfen! Die Rechtssozialisten " und die Regierungsbildung Bor einigen Tagen hat Herr Scheidemann sich in ziemlich zweideutiger Weise über die Teilnahme seiner Partei an einer Regierung mit der Deutschen Boltspartei ausgesprochen. Zm gestrigen Acht- Uhr- Abendblatt" erklärt er nunmehr, daß die Rechtssozialisten teine Luft hätten, sich an einer Regierung zu beteiligen, an der auch Parteien teilnehmen, die von den Herren Stinnes und Westarp dirigiert werden. Er verlangt im Anschluz daran, daß in Preußen die große Ausräucherung der Reattion beginne. Nachdem die rechtssozialistische Politik erst das Wiederemporkommen der Realfion ermöglicht hat, wird man nicht daran glauben fönnen, daß es der Partei des Herrn Scheidemann mit der wirklichen Bekämpfung der Reaktion ernst ist. Enttäuschte Hoffnungen Geringe Stimmenzunahme der Rechtsparteien Die beiden Rechtsparteien sind mit großen Soffnungen in den Mahlkampf gezogen. Insbesondere glaubte die Deutschnationale Bollspartei einen riesigen Stimmenzuwachs erzielen zu fönnen, der es ihr ermöglichen würde, sich in Preußen festzulegen, eine Orgesch- Regierung einzurichten, um dann von Breußen und von Bayern aus die Republit zu zerquetschen. Wenn nun auch die Wahlen eine Entwicklung nach rechts gebracht haben, so sichern Sie doch vor allem nicht der Deutschnationalen Boltspartei jene Machtpositionen, die sie durch die Wahlen zu erringen hoffte. Sie wird in Preußen eine einflußlose Partei bleiben, wenn ihren Machenschaften in der Verwaltung. und im öffentlichen Leben mit der erforderlichen Energie ent gegengetreten wird. Die jetzt vorliegenden Stimmergebnisse zeigen, daß sich in der Hauptsache nur eine Verschiebung ber Wähler von der Deutschen Boltspartei zur Deutschnationalen Volkspartei hin vollzogen hat. Ein paar Zahlen mögen das beweisen. Bei den Reichs. tagswahlen erzielte die Deutschnationale Volkspartei in den preußischen Staatsgebieten, mit Ausnahme von Schleswig- Hol Stein und Ostpreußen, wo nicht gewählt wurde, 2 151 997 Stimmen, bie Deutsche Boltspattei 2 252 450 Stimmen, beide Parteien zu fammengerechnet also 4 404 447 Stimmen. Bei den Preußenwahlen entfielen auf die Deutschnationalen 2 892 667 Stimmen, auf die Deutsche Volkspartei 2 266 587 Stim men, zusammen 5 559 254 Stimmen. Davon gehen aber ab die in Ostpreußen und Schleswig- Holstein abgegebenen Stimmen und amar 430 997 Stimmen für die Deutschnationale Bolkspartei und 266 201 Stimmen für die Deutsche Bolispartei. Das bedeutet, daß die Deutsche Boltspartei seit den Reichstags wahlen in den preußischen Staatsgebieten, die am 6. Juni gewählt hatten, 252 064 Stimmen verloren hat. Die Deutschnationale Bolkspartei hingegen hat nach Abzug der in Ditpreußen und Schleswig- Holstein abgegebenen Stimmen 309 765 Stimmen ges wonnen. Zieht man davon aber den Verlust der Deutschen Boltspartei ab, so verbleibt den Rechtsparteien ein Gesamtgewinn vont 57 609 Stimmen. Nach diesem Ergebnis wird es verft ndlich, daß bei den Rechtsparteien eine fagenjämmerliche Stimmung vorherrscht. Der Rud nach rechts im allgemeinen ist ja zweifellos nicht zu unterschäzen, auch insofern nicht, als er sich innerhalb der Arbeiterparteien voll zogen hat. Die Reaktion aber hat insgesamt nicht jene Erfolge erzielt, die ihr vorschwebten, und es ist daher kein Wunder, wenn ießt die Butlisten aus den Reihen der beiden Rechtsparteien nach Taten drängen. Nach Auffassung der Butschisten hat das deutsche Volt bei den Preußenwahlen versagt: es ist durch die Revolution ,, verbummt" worden, und deshalb muß ihm jeht die Vorzüglichkeit der monarchistischen Staatsform mit Maschinengewehren eingebläut werden, Selbstverwaltung in der Praris Aufsichtsbehörden und Einheitsgemeinde Die Gemeinden fönnen Steuern nur in den Grenzen beschließen, die Reichs- und Landesgesetzgebung ihnen gelassen haben. Aber felbst innerhalb dieser Grenzen sind sie an die Bestätigung ihrer Steuerrechnungen durch die Aufsichtsbehörden gebunden, die ihnen dabei vielfach Schwierigkeiten zu bereiten suchen. In ganz be fonderem Maße seint das bei der Stellung nahme des Oberpräsidiums zu den Steuervor. la gen der neuen Stadtgemeinde der Fall zu sein. Denn anders sind eine Reihe von auffälligen Erscheinungen nicht zu erklären. Bor mehr als vier Wochen hat die Berliner Stadtverordnetenversammlung die Beherbergungssteuer angenommen. Sie ist heute noch nicht genehmigt, obwohl sie in dieser Form bereits in einer Unzahl von Städten in Kraft ist, und obwohl jeder Tag, der mit der Nichtbestätigung verzögert wird, der Stadt Berlin einen Ausfall von Hunderttausenden von Mart verursacht. Dieses Verhalten ist um so unerklärlicher, als diese Steuerordnung selbst bei den Interessenten feinen nennens. werten Widerstand gefunden hat und es doch eigentlib ausge schlossen sein sollte, daß das Oberpräsidium sich zum Sachverwalter der Interessen einer fleinen Gruppe von Interessenten machen follte. Ebenso unverständlich ist die Nichtbestätigung der benfalls vor mehreren Wochen beschlossenen enderung der Biersteuer. Auch hier entgehen dem bedürftigen Stadtfädel 3ehntausende von Mart. Was hier die Ursache ist, ist nicht recht einzusehen, denn die Steuerordnung hält sich durchaus in dem Rahmen, der durch bie Reichsgesetze gezogen ist. Sollte hier etwa der in jetter Stinute aufgetauchte Widerstand weniger 3ntezeilenten bie Ursache für die Richtbekätigung sein? Auch die Wohnungsluzusteuer ist noch nicht bestätigt. Das Bürgertum jubelt über diese Selferdienste, die das Ober präsidium ihnen leistet. Wir aber fordern, daß dieser Zustand, der eine schwere Schädigung der Tätigkeit der neuen Stadtgemeinde darstellt, und die ernsten Versuche zerstört, die zur Ge sundung der Finanzen unternommen werden sofort ein Ende hat. Aber auch die Stadtverordneten Bersamm Iung muß, wenn der Magistrat sich aus Eigenem nicht gegens über dem Oberpräsidium durchzusehen vermag, auf den Plan treten und einige ernste Töne über diese Verhöhnung des Selbst verwaltungsrechts der Gemeinden sprechen. Die agrarischen Bolksverderber In der gestrigen bendausgabe der„ Deutschen Tageszeitung" leistet sich der Junter von Wangenheim die Frechheit, den preußischen Arbeiter daran zu erinnern, daß er wieder lernen müsse, daß den Rechien( die er, Wangenheim, dem Arbeiter ge statten will), Pflichten gegen das Vaterland gegene überstchen. Aus diesem Satz spricht die ganze Unverschämtheit, die das preußische Juntertum seit jeher ausgezeichnet hat. Dieser Wangenheim, dessen ganze politische Tätigkeit der wirtschaftlichen und politischen Niederhaltung des Arbeiters gewidmet ist, ents blödet sich nicht, den preußischen Arbeiter an seine Pflichten dem Vaterlande gegenüber zu erinnern. Wo bleiben die Ermahnungen des Junters seinen Klasjengenossen gegenüber, die durch Steuerhinterziehung die finanzielle Kraft des Staates und durch Richtablieferung landwirtschaftlimer Produkte die körperliche Leistungsfähigkeit des Volkes erschüt= tern? Die letzte Zeit hat wahrlich übergenug Material ge bracht über die Steuerscheu der Agrarier. Und daß sie der anderen, noch viel wichtigeren Pflicht, der gesetzlichen Ablieferung ihrer Produkte, auf der die Ernährung des Volkes beruht, nicht nachkommen, dafür zeugt die vor furzem stattgefundene Getreides revision im Regierungsbezirk Minden, wo große Mengen Ges treide gefunden wurden, die nicht ordnungsgemäß abge liefert waren. So wurden allein in Büren, Warburg und Härter 60000 3entner Getreide erfaßt, die zunt Teil befchlagnahmt wurden, da sie versteckt waren und der Ablieferung entzogen werden sollten. So sieht die Pflichterfüllung der preußischen Junker und ihrer Sippe aus. Die Arbeiterschaft lehnt es ganz entschieden ab, mit Serrn von Wangenheim über die Verteilung ihrer Rechte und Pflichten dem Staat gegenaüber auch nur zu diskutieren. Die Münchener Ernährungskonferenz Die Vorschläge des preußischen Landwirtschaftsministers Uns wird geschrieben: Bei den Verhandlungen der Ernährungsminister in München, die die Umstellung der deutschen Getreidewirtschaft betreffen, wurden was in den der Presse zur Verfügung gestellten Mitteilungen des Reichsernährungsministeriums verschmiegen wird auch die Vorschläge des preußischen Landwirtschaftsministers sowohl in der Vollversammlung als auch im Ausschuß ausführlich erörtert. Die Bertreter der Süddeutschen Staaten, Bayern, Württemberg, Baden und Hessen, denen sich auch Sam burg und einige andere fleinere Staaten anschlossen, Iprachen fich gegen diese Borschläge aus und zwar vorzugsweise gegen die Ver toppelung der Düngerbelieferung mit dem Umlageverfahren. Diese Haltung ist darin begründet, daß die süddeutsche Landwirtschaft dank ihrer starten Biehwirt chaft verhältnismäßig weniger Kunstdünger braucht als die norddeutsche. Es wurde auch behauptet, daß die preußischen Vorschläge neue Zwangsmaß regeln für die Landwirtschaft in sich schlössen, und daß jeder Zwang die landwirtschaftliche Erzeugung hemmen würde. Demgegenüber wurde von den Vertretern Preußens der Standpunkt festgehalten, daß ein Borgehen nach den Vorschlägen des Reichsernährungsministers die Weiterführung der Zwangs bewirtschaftung des Getreides, selbst im beschränkten Make, voll fommen illusorisch machen würde, was nicht nur für die Bolks. ernährung, fondern auch für die Landwirtschaft selbst tatastrophale Folgen haben müßte, bes Geitens Reichsernährungsministers wurde zu den Barschlägen Breubens feine Stellung genommen. Die Entscheidung über die Umstellung der Getreidewirtschaft liegt nunmehr bei der Reichsregierung und dem Reichstage. Sie haben sich darüber schlüssig zu werden, ob sie die Aufhebung ber Zwangswirtschaft für Getreide verantworten wollen. Die Provinziallandtagswahlen Nach den vorliegenden Ergebnissen haben die Wahlen zum Provinziallandtag der Proving Gachien eine tnappe Jozialistische Mehrheit ergeben. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dak Die endgültige Fest tellung noch Verschiebungen in ben Mandatszahlen bringt. Es fönnen als gewählt gelten: Im Bezirk Magdeburg: 1. S. 3. D. 3, 6. P. D. 18, Kommunisten 2, Demokraten 5, Zentrum i, Deutsche Volkspartei 4, Deutschnatio nale Vollspartei 8. Jm Regierungsbezirt Merse burg:.. P. D. 5, S. P. D. 5, Kommunisten 15, Demotraten 5, Deutsche Voltspartei 6, Deutschnationale Boltspartei 11. Jm Regierungsbezirf Erfurt: U. S. P. D. 4, S. P. D. 2, Kommunisten 2, Demofraten 1, Zentrum 3, Deutsche Volkspartet 3, Deutschnationale 2, Landbund 2. Im Bezirk Magdeburg stehen 23 sozialistische Abgeordnete 21 bürgerlichen, im Bezirt Merseburg 25 sozialistische Abgeordnete 22 bürgerlichen und im Bezirk Erfurt 8 sozialistische Abgeordnete 11 bürgerlichen Abgeordneten gegenüber. Von 110 Abgeordneten wären demnach 56 Gozialisten und 54 Bürgerliche. zialdemokraten 8, Kommunisten 2, Deutfcnationale 2, Deutsche Das vorläufige amtliche Wohlergebnis zum Rheinischen Pro pinzial Landtag ergibt für den Regierungsbezirt Dis Jeldorf: Unabhängige 6, Sozialdemokraten 12, Kommunisten 11, Deutschnationale 10. Deutsche Boltspartei 12, Zentrum 30, Demokraten 3. Regierungsbezirt Köln: Eo 3. Bolkspartei 8. Rentrum 15, Demofraten 1. Regierungs bezitt Coblenz: Sozialdemokraten 3, Deutsch nationale 2, Deutsche Boltspartei 3, 3entrum 9, Demokraten 1. Regierungsbezirt Aachen: Deutsch nationale 0, Deutsche Vollspartei 1, Sentrum 11, Sozial demotraten 2, Kommunisten 1. Regierungsbeziri Trier Arbeitsgemeinschaft( Demokraten, Deutsche Boltspartei Deutschnationale) 1, Sentrum 8, Sozialdemokraten 1, Christliche Wollspartei 1, zusammen 159 Size. und Deutschland zur Internationalen Transportkonferenz eine geladen. Der in Paris tagende Böllerbundsrat hat in Uebereinstimmung mit der Empfehlung der Genfer Plenarversammlung beschlossen. Deutschland und Ungarn einzuladen, zu dez qm 10. März in Barcelona stattfindenden Internationalen Transport- und Transistonferenz Bertreter zu entfenben. Albert Thomas stellt seine parlamentarische Tätigkeit eitt. Bariser Blättermeldungen zufolge hat sich Albert Thomas unter der dringlichen Einwirtung der leitenden Stellen der C. G. T. und der französischen Sozialistischen Partei dazu entschlossen, sein Mandat als Abgeordneter nieberzulegen und sich fortan ausschließlich der Leitung des Internationalen Arbeitsamtes is Genf zu widmen Die Tariffrage der Straßenbahnen Genossen! Die Situation, in der wir heute zufammentreten, ist eine wesentlich andere als die, die uns im Juli 1914 vereinen follte. Wir treten zusammen, angetrieben von dem Bedürfnis, eine internationale Organisation zu schaffen. Wir tönnen in allen Ländern Lonstatieren, daß vielleicht niemals der Wunsch des Bürgerliche in Gemeinschaft mit Kommunisten sabotieren die kommunale Wirtschaft roletariats jo mächtig gewesen ist, der internationalen Colibas Drei Stunden lang tobte gestern im Rathause die Auseinandersetzung über die Wirtschaftlichkeit der Straßenbahn zwischen den bürgerlichen und den sozialistischen Parteien. Erstere benutten die schlechte Lage des Straßenbahnunternehmens, um gegen die fommunalisierten Betriebe vom Leder zu ziehen und das Hohelied auf den kapitalistischen Betrieb zu fingen. Man ging auf der rechten Seite des Sauses so weit, zu verlangen, die fommunalen Betriebe mindestens in gemischt- wirtschaftliche Betriebe umzuwanbeln, in denen bas Brivattapital den ausschlaggebenden Einfluß ausübt. Von unserer Geite legte Genosse G.ru now unsere Auffassung in flarer eingehender Weise dar, ich wendend gegen die vom Ausschuß empfohlene Revision der Tarif- und Urlaubsverhältnisse der Arbeiter und der Betriebsräte. Die Kommunisten wollten statt einer Tarif erhöhung eine Ermäßigung herbeigeführt sehen. Weil die beantragte Revision der Arbeitsverhältnisse von der Mehrheit abgelehnt wurde, und weil ferner die Mehrheit auf den Boden des gemischtwirtschaftlichen Betriebes nicht treten wollte, stimmten in der Endabstimmung die bürgerlichen Gegner gegen die Tariferhöhung, obwohl sie eine solche als unabwendbar selber anerkannt hatten. Jeder Tag bringt eine Mehrausgabe von 400 000 art. In dieser ablehnenden Haltung fanden die bürgerlichen Parteien die Gesellschaft der Kommunisten und damit eine Mehrheit für Ablehnung der erhöhten Tarife. Die Wirkung wird sein, daß in furzer Zeit nicht nur der 1- Marttarif fommt, sondern ein solcher, der erheblich höher ist. Niemand von unseren Genossen wird gern einer Tariferhöhung zustimmen, aber bie Straßenbahn gebraucht die Einnahmen, um den Betrieb rtzuführen. Wir fönnen es nicht verantworten, den Be einzustellen. Die Straßenbahn ist für die große Masse völkerung notwendig wie das liebe Brot. Ein Jdeal us, wenn Jeber fahren fönnte, so oft er das nötig hat und wenn er unentgeltlich die Bahn benußen tönnte. Da das aber nicht angeht, muz Einnahme und Ausgabe ins Gleichgewicht gebracht werden. Das ist nur durch den Tarif möglich. Die Kommunisten haben wieder einmal bewiesen, daß sie eine Kommunalpolitik gegen die Interessen ber breiten Mallen der Bevölkerung treiben. Sie befinden sich dabei in der Gesellschaft unserer schlimmsten Feinde, der Deutschnationalen und Bolfsparteiler. Die bürgerlichen Gegner weiden sich daran, daß sie den Magistrat in diese Lage gebracht haben; sie wollen die Dinge auf die Spike treiben und den Beweis liefern, daß nur fie allein eine Kommune leiten fönnen. In diesem Betreben finden sie die liebevolle Unterstützung der Koms munisten. Sigungsbericht Bor Eintritt in die Tagesordnung erfolgte durch Oberbürger meister Boeh die Einführung des neuen Oberstadtjajulrates Paulsen. Der Oberbürgermeister würdigte die bisherigen Erfolge Paul jens und sprach die Hoffnung aus, daß auch in Berlin seine Arbeit von Erfolg getrönt sein möge. Im Namen der Stadtverordneten- Versammlung begrüßte der Vorsteher, Genosse Dr. Wenl, den neuen Oberstadtschulrat. Er führt u. a. aus, daß die jegiae Erziehung der Schuljugend unter einer gewissen Schablonenmäßigkeit leidet, die die Jugend abtumpft. Die Schulen müssen in Arbeitsgemeinschaften umgewan delt werden. Den neuen Stadtschuirat wird die Mehrheit der Bersammlung in seinen Arbeiten unterstügen, während er seine fachlichen Gegner durch die Tat beschämen wird. Frant( S. B. D.) erstattet Bericht über die Verhandlungen des Ausschusses a) zur Prüfung der Wirtschaftlichkeit und Rentabilität der Straßenbahnverwaltung, b) zur Vorberatung der Vorlage betr. Erhöhung der Straßenbahntarife unb e) zur Borberatung eines Antrages betr. Gewährung on Straßenbahnfreitarten an Schwertriegsbeschädigte. 3u a) ist der Ausschuß nach eingehender Brüfung der Unter lagen und der Gutachten der Sachverständigen zu dem Ergebnis gekommen, daß der in den Jahren 1919 bis 1920 entstandene hohe Fehlbetrag von 89 Millionen Mart in der Hauptsache zurildzuführen ist auf das Zurüdbleiben der Tarifs teigerung hinter der Ausgabensteigerung der letzten Jahre, ferner auf die im Juli 1919 einfegende ungeheure Entwertung des Geldes, bie Uebernahme des städtischen Lohntarifs auf die Große Berliner Straßenbahn, auf die übermäßige Abnutzung des Gleis und Wagenmaterials während des Krieges und die in zu ge ringem Umfange durchgeführten Erneuerungsarbeiten, ebenso aber auch auf die maklos gestiegenen Preise für die Erzeugnisse der Montan- Industrie und anderen Bedarfsmaterialien. Zu diesen Feststellungen empfiehlt der Ausschuß der Versamm lung die Annahme einer Reihe von Anträgen. 3u b) empfiehlt der Ausschuß die Annahme der bereits befanntgegebenen höheren Tarifläge. Zu c) beantragt der Ausschuß die Ablehnung des Antrages, foll der Magistrat beauftragt werden, die Direttion ber Straßenbahn zu ermächtigen, Schmerkriegsbeschädigten Freifahrkarten für alle Linien der städt. Straßenbahnen zu gewähren. Auf eine Anfrage der Rechten betr. Rüdtritt der Straßenbahn- Direttion und Ueberschreitung der Befug nisse der Betriebsräte, antwortete Stadtbaurat Dr. Abler: In der Stadtverordneten- Bersammlung vom 29. November v. J. tam es zu Angriffen gegen die Direttion. Von der linken Geite gegen die Person des Herrn Regierungsrats Mide sowie gegen bie zu teuren Einkäufe und zu billigen Verkäufe der Materialverwaltung. Bon der rechten Seite waren Vorwürfe gegen die übermäßige Verwendung der Dienstautos und der kostspieligen Dienſtreisen erhoben worden. Ich habe daraufhin verfügt, daß Dienstreifen in Butunft vor Antritt bei mir anzus melben sind und mir auch ein Bericht über das Ergebnis einge reicht werden soll. Diese tonzentrischen Angriffe von beiden Seiten des Sauses haben die Direktion veranlaßt, dem Magistrat mit Schreiben vom 3. Dezember 1920 3 ersuchen, ihr den Abschied unter angemessener Regelung ihrer Gehaltsansprüche zu gewähren. So fort nach Beendigung der Untersuchungen wurde erneut an die Direktion herangetreten, um sie zu veranlassen, von ihrem Rüdtrittsgesuch Abstand zu nehmen. Da sie erneut ablehnten, ver fügte ber Magistrat die Einjehung zweier provisorischer Direttoren. Es waren dies die Herren Lübke und Pfort, die bereits vordem von der Verkehrsdeputation zur faufmännischen und technischen Organisierung des Unternehmens herangezogen worden waren und erste Kräfte in ihrem Fache darstellen. Beide Herren führen nunmehr die Geschäfte der Straßenbahn mit Unterstügung der Angestelltenschaft und unter voller Wahrung ihrer Autorität. 3u Punkt 2 der Anfrage bezüglich der Betriebsräte ist zu be merten, daß Ueberschreitungen der Befugnisse der Betriebsräte in der letzten Zeit nicht vorgekommen find; es tritt hingegen immer mehr das ernste Bestreben zutage, in ruhiger, fachlicher Weise an dem Wiederaufbau des Unternehmens beizutragen. Die vom Betriebsrat erhobenen Beschuldigungen tonnten, insbesondere was die im argen llegende Materialbeschaffung betrifft, nicht widerlegt werden. Grund zur Bestrafung liegt baher nicht vor. In technischer Beziehung wurden eine Reihe von Verbeijerungen eingeführt, insbesondere bezüglich der regelmäßigen Ueberprüfung und Instandsegung der Wagen auf den Betriebsbahnhöfen. Wir haben die Straßenbahn vom Verbande Groß- Berlin mit einem monatlichen Defizit von 15,4 Minionen Mark im Oftober und rund 18 Millionen Mart im November übernommen. Durch schärfste Einschränkung aller Ausgaben und Anspannung aller Kräfte ist es uns gelungen, im Dezember, dem ersten Monate, in dem wir die Geschäfte führten, den Fehlbetrag auch unter Berüdlichtigung der damaligen Tariferhöhung auf ungefähr die Hälfte herabzudrüden. Wir hoffen zuversichtlich, daß, wenn uns die erforderlichen Mittel zur Verfügung gestellt werden, es uns in furzer Zeit gelingen wird, Einnahmen und Ausgaben ins Gleichgewicht zu bringen und das Straßenbahnunternehmen in ieder Beziehung zu einem mustergültigen Unterneh menau gestalten. Fabian( D. R.): Bei allen städtischen Betrieben, nicht nur bei der Straßenbahn, zeigen sich schwere Mängel. Meine Freunde bitten um Herbeiführung eines Beschlusses, nach dem alle kommu= nalen Werte und Betriebe gemischt wirtschaftlich ver= waltet werden. Grunom( U.S. B. D.): Durch die im Ausschuß zu Worte getommenen Sachverständigen haben die sozialistischen Parteien zu ihrer Genugtuung die Bestätigung erhalten, daß die Schuld an bem fraurigen Zustande der Straßenbahn in der unsinnigen Konzellionspolitit zu suchen ist. Die Konzessionsinhaberin hat in Erwartung einer Uebernahme des Unternehmens durch die Stadt nur e lende Profit mir.jchaft gettieben, ohne die notwendigen Erneuerungen einzuleiten. Feitgestellt ist, daß die Stadt fait nur einen Trümſellſchaft gezahlten Millionen wären eigentlich die Millionen in Abzug zu bringen, deren die Stadt jetzt bedarf, um die Straßenbahn in betriebsfähigen Zustand zu bringen. merhaufen übernommen hat und von den an die Ges Die in der Presse und auch in der Stadtverordnetenverfammlung unternommenen Versuche, dielen tommunalen Betrieb in Mißtredit zu bringen, verraten eine zu deutliche Absicht. Der Gedante der Ueberleitung in einen gemischt mittschaft= lichen Betrieb ist für unsere Frattion überhaupt nicht bistutabel. Der vom Ausschuß und den Sachverständigen be antragten Aufnahme einer großen Anleihe zur Inftandjegung der Betriebsmittel gebühre die größte Beachtung. Der Einwand der Unmöglichkeit der Beschaffung ist nicht ernst zu neh men, da doch außerordentliche Sicherheiten im Betriebe selbst vorhanden seien. Zur Frage der Tariferhöhung auf 1 Mart folgt die Fraktion den übereinstimmenden Gutachten der Sachverständigen, Die eine solche Maßnahme bedingen. Jedoch ist zu beachten, rität Ausdrud zu geben. Reiche Arbeit Harrt unser. Wir werden nicht Illusionen weden, als ob nun mit einem Schlage die Inter nationale wieder herstellbar wäre. Unsere erfte Aufgabe ist, zu fonstatieren: Diese Konferenz ist keine Internationale im Sinne des Jdeals, das uns vorschwebt. Wir wissen alle, in der heutigen Zeit existiert überhaupt Berkündung der Eristens der zweiten und dritten Internationale feine Internationale. Gegenüber der fortwährenden sagen wir, daß die Konferenzen, die voriges Jahr in Genf und Mostau stattgefunden haben, fich zwar den Titel„ Internation nale" anmaßten, daß aber diese Konferenzen ebensowenig der Ausdruck einer wirklichen Internationale sind, wie die heutige. Aber soweit wir davon entfernt find, die heutige Konferenz etwa als eine Internationale auszugeben, fo müssen wir doch konstatieren, daß an dieser Konferenz, ebenso wie an denen von Genf und Mostau ein Drittel des Weltproletariats tatsächlich vertreten ist. Man nennt uns höhnisch das Sentrum. Ich glaube wir sind das Zentrum. Wir sind das Zentrum in bem Sinne, daß wir gleicherweise entfernt find son der naiven Ungeduld und dem feptischen Unglauben. Von der naiven Unge= duld, die da glaubt, daß der Wunsch nach der sozialen Revolution schon die Bürgschaft sei für den Sieg der Revolution, und entfernt von dem steptischen Unglauben, weil die Möglichkeit des Sieges ber fozialen Revolution in einer gewissen historischen Konstellation nicht gegeben ist, daraus den Schluß ziehen, die Revolution sei überhaupt nicht möglich. Die den Glauben an die Notwendigkeit der Sozialen Revolution erlegen wollen durch den Glauben an die alleinfeligmachende Kraft der Reform. Genossen! Die Konferenz tann ihre Aufgaben nur erfüllen, wenn sie es tut in dem Gefühl der schweren Verantwortung und des Bewußtseins des ungeheuren Ernfies der Situation. Wenn wir zurücbliden auf die Erfahrungen, die uns die Geschichte der legten zwei Jahre gegeben hat, so müssen wir sagen, der attive Teil des Proletariats war nicht in der alten Internationale, die sich in einer reinen Defensivstellung befunden hat. Ich halte es nicht für zwedmäßig, in der Tonart mit Mostau zu polemis fieren, wie es in Mostau üblich ist. Wir müssen unseren Stolz dareinsehen, daß wir die Russen verstehen, als die Russen uns In Mostan wird eine Politit gemacht, bie, wenn sie bei uns Einfluß gehabt hätte, wenn sie gefiegt hätte, uns diese Ronferenz erfpart haben würde. Richt, weil ja bann hier nicht die Differenz wäre zwischen uns und Mostau, sondern weil dann en biciem Orte gar feine Konferenz, weber bie eine noch die andere flatte finben würde, fandern eine reaktionäre Diftatur aufgerichtet wors ben wäre, die Dittatur der Konterrevolution.( Lebhafter Beis fall.) Es ist üblich geworben, daß man sich über die 2. Internationale in Beschimpfungen ergeht, fich über Leute, die ihr andaß es in Zukunft nicht mehr angeht, bie notwendigen Erneuerun gehört haben, nur in Worten des Kafernenhoftones zu äußern, gen im Betriebe auf Konto der Fahrpreise zu nehmen. Ditromsti( V. K.B. D.) wendet sich gegen die Ausschußanträge und lehnt jebe Erhöhung der Tarife ab. Er fordert Einführung von Arbeiterkarten zu 50 Pfennig. Eine ganze Serie bürgerlicher Rebner versuchen die Schuld des Defizits bei der Straßenbahn auf das Konto der Kommunalisierung zu schieben und jegen sich für einen gemischt wirtschaftlichen Betrieb ein, nicht nur für die Straßenbahn, sondern für alle städtischen Werte und Betriebe. Nach einer schleppenden Diskussion, die ein Schlußantrag be= enbete, wurde über die vorliegenden Anträge abgestimmt. Die Ausschuß- Anträge, die die Erhöhung der Wirtschaftlichkeit der Straßenbahn anstreben, werden angenommen, während eine Tariferhöhung für die Straßenbahn von einer schwachen Mehrheit, bestehend aus Bürgerlichen und Kommunisien, abgelehnt wird. Auch der Antrag, der für die Schwertriegsbeschädig ten freie Fahrt fordert, wurde abgelehnt, nachdem ein Ans trag unserer Fraktion, diese Angelegenheit der Kriegsbeschädigten Fürsorge zu überweisen, durch die Kommunisten der Ablehnung verfallen war. Durch Beschluß haben in Zukunft die Blinden auf den Straßen. bahnen freie Fahrt. Die Anträge der Bürgerlichen, die gemischt- wirtschaftliche Be triebe an Stelle der fommunalisierten fordern, wurden abgelehnt. Die Vorlage über eine Luftbarkeitsstener und eine Anzahl kleiner Borlagen werden ohne Aussprache teils angenommen, teils den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Schluß der öffentlichen Sigung 9½ Uhr. Internationale Sozialistische Konferenz Bon unserem Gonberforrespondenten Wien, 22. Februar. Heute, Dienstag nachmittag begann im Arbeiterheim Favo riten die Internationale Sozialistische Kon Internationale beschäftigen soll. Bis zum Beginn der Konferenz ferenz, bie sich mit dem Wiederaufbau einer allumfassenden waren Delegierte aus 10 Ländern erschienen. Als provisorische Tagesordnung hat die Berner Bortonferenz vorgeschlagen: 1. Konstituierung. 2. Der Imperialismus und die soziale Revolution( Bericht erstatter Wallhead). 3. Methoden und Organisation des Klaffenlampfes( Bericht erstatter Friedrich Adler). 4. Der internationale Kampf gegen die Konterrevolution( Berichterstatter Ledebour). Um 4 Uhr ergriff Friedrich Adler( Wien) bas Wort zur Begrüßung der Erschienenen. Er führte etwa folgenbes aus: chehen, durch das diese Konferenz bedingt ist, feine charakteristische Wir treten zusammen an einem Ort, wo das historische Ges Ausprägung erfahren hat. Wir treten zusammen in einer Stadt, in der für August 1914 eine große sozialistische Konferenz geplant war, ein Kongreß, dem die Arbeiter Deutsch- Desterreichs, der damaligen österreichischen Monarchie mit jubelnden Gefühlen entgegenge ehen haben, ein Kongreß, von dem fie erwarteten, daß er ber internationalen Solidarität Ausorud geben werde, von bem sie erwarteten, daß er uns dem großen Ziele näher bringen werde. In dieser Stadt hat im Juli 1914 jenes entschliche Ereignis begonnen, daß die Internationale zerstörte. In dieser Stadt, in der wir heute zusammenkommen, ist das erste Vers brechen der Kriegsanstiftung begangen worden. In dieser Stadt ist im Auftrage der Sabsburger das Ultimatum an Serbien gestellt worden, von dieser Stadt hat der verheerende Brand, der die ganze Welt ergriffen hat, seinen Anfang geUnd wenn wir uns heute jener fluchwürdigen Tat an Serbien erinnern, so fönnen wir diese Gelegenheit als Desterreicher nicht vorübergehen lassen, unter allen Delegierten, die wir freudig bes grüßen, zum ersten Male wieder Genossen aus Gerbien in unjerer Mitte zu begrüßen( braufender Beifall), die von Anbeginn bes Krieges an eine vorbildliche Saltung eingenommen haben. Und wir begrüßen die Genossen aus jenen Ländern, über die man uns jo lange gesagt hat, daß fie unsere Feinde feien. Und wir knüpfen an das an, was wir bis zum Juli 1914 als heilige Ueber. zeugung feftgehalten haben, dah bie Proletarier aller Lander nur einen Feind haben, und das ist die Bourgeoisie aller Länder. ( Lebhafter Beifall.) nommen. eines Rosernenhoftones, der auch bei der Roten Armee berfelbe geblieben ist wie in den Kasernenhöfen der alten Zeit. stehen, so vergessen wir doch nicht, daß diese 2. Internationale Aber so sehr wir auch zu der 2. Internationale im Kampfe nicht dadurch zu erledigen ist, daß man Personen schulbig spricht. Als Schüler von Karl Marg und Friedrich Engels fönnen wir uns nicht glauben machen, daß es Fehler einzelner Berfonen find, sondern wir wollen die geschicht. lichen Bedingungen verstehen, die zum Fall der 2. Internationale geführt haben. Wir wollen uns erinnern, daß in einer Internationale alle Richtungen des internationalen Proletariats vereinigt waren von Lenin bis zuräußersten Rechten, und daß sie ehemals doch die Internationale ge= wefen ist, in der Bebel, Jaures und andere unserer Borfämpfer die Politit des Meliproletariats vertreten haben,( Leb hafter Beifall.) Der Kampf um die Internationale ist noch feineswegs abgeschlossen. Das Proletariat muß sich noch weiter durchringen zur Erfenntnis des historischen Geschehens. Für diese Konferens handelt es sich darum, ein prinzipielles Programm festzulegen, dem auch die Minderheit Solidarität erweisen soll. Es ist unsere Aufgabe, ein Werkzeug zu schaffen, das die Internationale möglich machen soll. Wir wollen nicht eine Internatios nale organisieren, dazu ist die Zeit noch nicht reif. Wir wollen eine Arbeitsgemeinschaft son Parteien schaffen. Die fich das Ziel gefekt haben, ihre Arbeit in den Dienst einer Idee zu bellen, daß eine Internationale, die nicht ein Drittel des Weltproletariats, sondern des gesamten Weltproles tariats umfaßt, neu aufgebaut werde. Deshalb will ich schlichen, bah nicht wie feht auch in Mostau wie einft im zarifti chen Ruhs land das Wort Geltung bekomme, Teile, um zu herrschen", sondern wie wir von Karl Mart und Friedrich Ennels gelernt haben: Bereinige, um zu stegen".( Debhafter Beifall.) Nach kurzer Ansprache des Genollen Jean Longuet( Frant reich) und einer Begrüßung des Wiener Bürgermeisters Reu. mann( über beide Reden haben wir schon berichtet) erfolgt die Wahl der Kongrehleitung. Zu Borsitzenden murden Longnet und Lebebont und des weite ren Wallhaeb und Grimm gemählt. Topalovic( Serbien) beantragt, die Kommission, die bisher die Borarbeiten zu der Konfe tenz geleistet hat, als ständiges Romitee einzusehen. Gos Dann wurden 3 Kommissionen gewählt, eine zur Mandatsprüfung, eine, die bie Buntte 2 und 4 zu gemeinsamer Behandlung zu zusammenfassen soll, und eine dritte, die sich mit den internen Fragen zu beschäftigen hat. Breite Straße 8-9 Berlin C2 5 Ausschneiden! An die Hauptegpedition der Freiheit" Drucksache Marke 10 Pig. Außerhalb Groß- Berlins Wohnende bitte beim Postamt bestellen! Der Unterzeichnete bestellt hiermit vom Exemplar der zweimal täglich erscheinenden Zeitung „ Freiheit“ Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands mit der wöchentlich einmal erscheinenden illustrierten Unterhaltungsbeilage Freie Welt" zum Preise von Mk. 10.- monatl., Mk. 5.- halbmonatl. bei freier Zustellung ins Haus Straße: Nr. Diese konkurrenzlosen Preise zahlen Sie im Schuh- Engroslager KAATZ Münzstr. 10 1 Treppe Damenhochschaftstiefel. Damen- Schnür- oder-Spangenschuhe. Herrenstiefel burgenäht... Herrenstiefel Ranbarbeit . . • von mt. 23.50 von m. 68.00 von mt. 110.00 mt. 166.00 Damen- Lack-( Schnür, Spangen-, Salon-) Schuhe von mt. 96.00 Damen, Herren, braune Stiefel und Schuhe... von. 75.00 Ein Posten Kinderstiefel, braun Fahlleber, Nr. 27 bis 35, mit fleinen Fehlern, statt Mt. 110.00 nur mt. 65.00 Weiße Leinen- Schnür und-Spangenschuhe Plüschpantoffel mit Filzsohle... 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Bildt, Dernburg, Kammerspiele 8 Uhr: Tan- Abend Ribby Impekowen Großes Schauspielhaus Karlstraße 7 Uhr: Florian Gener ( Außer Abonnement) Trianon Theater Täglich 8 Uhr: Die Gesellschaft des Abbé Chateauneuf ( Leopoldine Konstantin, Jika Brüning, Hansi Burg, Herm. Ballentin, Julius Falkenstein) Hierauf: Abschieds Soupée Sonntag, 4 Uhr, halbe Preise: Kammermufik Residenz Theater Säglich 7%, thr: Lady Windermeres Fächer Don Oscar Wilde ( Arnstädt, Sandrock, Toelle, Koroff, Falkenstein, Otto, Mamelok) Sonntag 4 Uhr, halbe Preise: Die Freundin Bröl, Römer, Schlegel) Sonnabend: Salome Sonntag: Salome Komödienhaus: Das weiße 18 Uhr: Lämmchen mit Max Pallenberg Berliner Theater: Die manische Machtigall 18: mit Frigi Maffarn ( Waßmann, Emmy Sturm, Roberts, Jankuhn) am Theater 7 Uhr: Thalia- Theater Täglich 7, Uhr: Mascottchen Komische Oper Allabendlich 71, Uhr: Liebe im Squee Theater a. Kottbuser Tor. Kotteuser Straße 6-7. Tägl. 7%, u. 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Deutscher Metallarbeiter- Berband Berwaltungsstelle Berlin N. 54, Linienftr. 83-85 Geschäftszeit von vorm. 9 Uhr bis nadm. 4 Uhr. Telephon: Amat Norden 185, 1239, 1987, 9714. Sonntag, den 27. Februar 1921, vormittags 9%, Uhr Branchenversammlung der Rohrleger und Helfer im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15( Saal 4). Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Ablauf des Tarifvertrages und Aufstellung der Forderungen. 2. Berbandss und Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes, Mitgliedsbuch legitimiert!. Freitag, den 25. Februar 1921, abends 5 Uhr Branchenversammlung aller in der Geldschrank- Industrie beschäftigten Kollegen in der Aula des SchillersLyzeums, Parkstr. 14, Eing. Böttgerstr. Tagesordnung: 1. Bericht der Tarifkommiffion. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Berschiedenes. Jn Anbetracht der wichtigen Tagesordnung wird es aller Kollegen, besonders denen ber Kleinbetriebe, zur Pflicht gemacht, diese Versammlung zu besuchen und recht rege dafür zu agitieren. Die Ortsverwaltung. 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Die Allgemeine Ortstrantenkasse Berlin hat ihre Krantenbesucher veranlaßt, bei ihren Besuchen proletarischer Familien besonders auf das Kinderelend zu achten. Wir entnehmen den fachlichen, nüchternen Angaben, die der statistische Ausdruck für die entsegliche Proletariernot sind, einiges Material. Vor allem um zu zeigen, daß es immer wieder soziale, der Klassen. lage des Proletariats entspringende Ursachen sind, die diese Not erzeugen. 1. In einem Zimmer und einer Küche, mit Steinfußboden und Oberlicht, haust eine Familie: ein dreijähriger Sohn magenleidend, eine sechsjährige Tochter strofulös, siebenjähriger Sohn lungentrant. 2. Dieselben Wohnräume, brei Kinder schlafen mit den Elter zusammen, zwei auf einem Sofa, ein Kind in der Küche in einer eisernen Bettstelle, die von der Fürsorge zur Verfügung gestelt ist. Drei schulpflichtige Kinder nehmen an der Quäferspeiseng teil, Kinder notdürftig bekleidet. Vater seit August arbeitslos. 3. Nur zwei Wohnräume( Küche und„ 3immer"). Drei Kinder benutzen mit der Iungentranten Patientin zwei unsaubere schlechte Betten. Das anderthalbjährige Kind ruht im inderwagen. Eine zwölfjährige Tochter ist gleichfalls lugen trant Wohnung im schlechten Zustande. Kinder dürftig ernährt. 4. Ein Kleinkind, vier schulpflichtige Kinder. Ein Kid wegen Unterernährung auf ein halbes Jahr von der hulpflicht entbunden. 3wei Kinder hatten englische Krantheit. Sämtliche Kinder unterernährt, Betten ohne Bezüge, Vater feit sechs Monaten arbeitslos. 5. 3wei Kleinkinder, ein schulpflichtiges Kind. Fir vier Erwachsene und drei Kinder sind drei Betten vorhanden. Ein Kind von sechs Jahren vom Schulbesuch befreik. Ein Sohn lungentrant. 6. Die Familie besteht aus zehn Personen, die in vier Betten liegen. Ein fünftes Bett ist noch vorhanden, tan aber wegen Raummangels nicht aufgestellt werden. Mann jeit sechs Monaten arbeitslos. Und so tönnte diese furchtbare Statistit proletarischen Elends bis ins Endlose fortgesezt werden. Angesichts dieser gepeinigten Menschen taumelt in derselben Stadt die Bourgeoisie aus einem Genuß in den andern; angesichts der nadien lungentranten Kinder treibt die Bourgeoisie, vertreten durch die bürgerlichen Parteien, einen wahnsinnigen Lurus in Leibwäsche und Kleidung und Essen und Trinken. Dieselben bürgerlichen Parteien aber bewilligen Millionen zum Bau fleiner Kreuzer, 12% Millionen wurden mit den Stims men der Rechtssozialisten in Preußen zu Preisen für Pferderennen(!!) bewilligt. Wann wird die verrohte bürgerfiche Gesellschaft begreifen, daß diese leidenden Proletarier teine Almosen, sondern das Recht auf Leben, auf eine menschenwürdige Eristenz fordern? Welches bürgerliche Blatt wagt es angesichts dieser Not der Arbeitslosen noch zu behaupten, daß diese Proletarier lieber nicht arbeiten wollen, um in dem„ Genusse" der ,,, Unterstügung" zu bleiben? Förderung des Realkredits für den Kleinwohnungsbau Auf Anregung des Staatsfommissars für das Wohnungswesen war im Jahre 1919 durch eine Reihe von Hypothekenbanken ein Betrag von 50 Millionen Mart für erst- und zweitstellige Hypotheken zu besonders günstigen Bedingungen bis zum 1. Juli 1920 zur Verfügung gestellt. Auf erneute Anregung des preußischen Ministers für Bolfswohlfahrt werden die an diesem Abkommen beteiligten Sypothekenbanken dem Kleinwohnungsbau auch weiterhin ihre besondere Unterstügung gewähren. Die Banten haben zugesagt, die vorkommenden Beleihungsanträge mit dem größten Entgegenkommen zu bearbeiten und den Siedlungsgesell fchaften usw. besonders günstige Bedingungen zu gewähren. Es ( 13. Fortsehung.) Finsternis Novelle von Leonid Andrejem Deutsch von Dr. D. D. Bottbof Oft flocht man Schimpfworte in das Ganze ein, aber man prach sie nicht gleichgültig aus, wie die Männer es tun, sondern stets mit besonderer Giftigteit, mit einer Art von Serausforderung; alle Dinge nannte man beim Namen. 3u Anfang beachtete man ihn wenig, und auch er selbst chwieg beharrlich und sah vor sich hin. Ljuba saß beglüdt neben ihm auf dem Bette, ihren Arm um seinen Naden geschlungen, trant selbst wenig, schenkte ihm aber immerzu ein. und öfter flüsterte sie ihm dicht ins Ohr: „ Liebster!" Er tranf zwar viel, wurde aber nicht berauscht, doch ging in ihm etwas anderes vor sich, was die geheimnisvolle Kraft des Alkohols nicht selten in dem Menschen bewirkt, als wenn, indes er trant und schwieg, in seinem Innern eine gewaltige Zerstörungsarbeit schnell und dumpf geschähe. Als ob alles, was er im Laufe des Lebens erfahren, liebgewonnen und worüber er nachgedacht hatte Gespräche mit Freunden, Bücher, seine gefährliche und anregende Beschäftigung- als ob dies alles lautlos verbrannt, spurlos vernichtet würde, wobei er selbst davon nicht zerstört, sondern ganz eigentümlich start und hart wurde. Als tehrte er mit jedem geleerten Gläschen zu irgendeinem seiner Uranfänge zurüd- zu feinem Großvater, Urgroßvater zu jenen elementaren, ursprünglichen Anfängen, für die der Aufruhr Religion, und die Religion- Aufruhr gewesen ist. Wie unechte Farbe unter dem heißen Wasser, so verwischte sich und verblaßte alle Bücherweisheit, an deren Stelle dann Eigenes, RohUrsprüngliches und Dunkles trat, wie die Stimme der Schwarzen Erde selbst. Und von dieser seiner letzten dunklen Weisheit tam ein Hauch, wie aus wildfremder Weite, wie aus der Unendlichkeit der träumenden Urwälder, wie aus der Uferlosigkeit der Felder; in ihr ertönte das wirre Geheul der Glofen, in ihr erstand der blutrote Feuerschein von Feuers brünsten, das Geflirre von Eisenketten, verzweifeltes Gebet, Satansgelächter Tausender von gewaltigen Kehlen. Go saß er da, breitfnochig, bleich so nahe plöglich, so verwandt all diesen Elenden, die rings um ihn grölten. Und in seiner leergebrannten Seele, in der zerstörten Welt, Strahlte und leuchtete wie die Weißglut des flüssigen Stahls allein noch sein lohender Wille. Noch blind und ziellos Stredte er sich voller Begier; und zuhig wurde sein Körper Beilage zur„ Freiheit" wird jedoch nicht, wie bisher, ein begrenzter Betrag zu festgelegten Borzugsdingungen bereitgestellt, sondern die einzelnen Beleihungsfä e bleiben besonderer Entscheidung vorbehalten. Die Einhaltung der bisher gewährten Bedingungen ist im Hinblick auf die rüdlänge Bewegung des Pfandbriefturses und die erhebliche Steigerung der Geschäftskosten allerdings leider nicht erreichbar gewen. Die Banten wollen die Möglichkeit haben. die Bedingung an der jeweiligen Lage des Kapitalmarktes anzupassen. Die Geminden. gemeinnützigen Bauvereinigungen und sonstigen SiedTungsinteressenten seien auf das zugesagte Entgegenkommen der Banten hingewiesen. Polizeiliche Neugierde Den Obmann der hiesigen Ortsgruppe des Arbeiter- RadfahrerBundes Solidarität besuchte am Mittwoch ein Kriminalbeamter und bat um Aufklärung über den Bund seine Größe und 3wed, Howie über die politische Anschauung der Mitglieder. Eine recht: liche Grundlage für seine Fragen wußte der Beamte selbst nicht vorzubringen. Es erscheint uns, als ob die ehemalige. berüchtigte Abteilung 7, die ja jezt in der Abteilurg la fortgesetzt wird, ihre fröhliche Auferstehung feiert. Die Erfolge, die diese Herrschaften. aufzuweisen haben, müssen ja sehr große sein. denn sonst würde man wahrscheinlich die Beamten für andere Rwede notwendiger brauchen. Die Steuerzahler. die für diese Tätigkeit die Mittel aufbringen müssen, haben allerdings ein Interesse daran. daß die Polizei sich etwas mehr wie bisher um den Schuh der Bürger bemüht. Gegen die Mißhandlungen durch Polizeibeamte Nachdem wochenlang durch die Presse aller Richtungen eine große Anzahl Fälle von Mißhandlungen Verhafteter durch Boli zeibeamte veröffentlicht worden sind, hat sich jetzt endlich der Polizeipräsident gerührt. Er sieht sich veranlaßt", in einem Erlasse Vorkommnisse dieser Art auf das Ernsteste zu rügen. Gegen Beamte, welche sich solche Vergehen zu Schulden kommen lassen, Joll mit aller Strenge vorgegangen werden. Im gleichen Sinne hat das Kormando der Schußpolizei seine Beamten erneut davor gewarnt, sich zu Tätlichkeiten hinreißen zu lassen, wenn auch gewisse Elemente es darauf anlegten, durch ihr Verhalten die Beamten zu reizen. Das ordnungsliebende Publikum selbst fann durch seine Haltung am meisten zur Vermeidung solcher Ausschreitungen beitragen. Hoffentlich haben Erlaß und Mahnung den gewünschten Erfolg! Bom Bau der Nord- Südbahn Die Untergrundbauarbeiten an der städtischen Nordsüdbahn zwischen der Besselstraße und der Handelsstätte Belle- Alliance nehmen trok der außerordentlichen Schwierigkeiten, die an dieser Stelle der schlechte Baugrund den Arbeiten bereitet, einen gürftilängst bekanntes Sumpfgebiet, welches sich bei früheren Bauten gen Verlauf. Die Nord- Südbahn freuzt an dieser Stelle ein altes, bereits sehr unangenehm bemerkbar gemacht hat. Daher muß zu nächst für die Untergrundbahn ein tragfähiger Baugrund durch Herrichtung eines Pfahlrostes geschaffen werden, dessen einzelne Pfähle bis in guten Baugrund etwa 10-15 Meter tief hinabreichen. Die Köpfe sämtlicher Pfähle verbindet später eine etwa 1 Meter starte Platte aus Eisenbeton, auf der dann der Tunnel errichtet wird. Die Pfähle sind ebenfalls aus Eisenheton und werden zum Schuhe gegen die schädlichen Einwirkungen der Moorfäure mit Asphalt umtleidet. Wegen dieser Schutzschicht, deren Verlegung eine Gefährdung der Dauerhaftigkeit des Pfahles Berlegung eine Gefährdung der Dauerhaftigkeit des Pfahles selbst bedeuten würde, ist ein besonderes Verfahren erforderlich, um das Einbauen der Pfähle bewerkstelligen zu können. Mit Hilfe eines langen Holzstempels wird zunächst eine Eisenspitze mit einer etwa 35 Zentimeter starten Hülse eingerammt. In dieses Rohr wird der Pfahl vorsichtig eingesezt und dann die eiserne Hülfe durch eine besondere Vorrichtung wieder herausgezogen." Troß die es umständlichen Verfahrens sind schon etwa ein Drittel der Pfähle eingesetzt worden, die notwendig sind, um den Untergrundbahntunnel zu tragen. Die bei den Untergrundbahnbauten in diesem Teile der Friedrichstraße anfänglich aufgetretenen Bür gersteigsadungen, denen die größte Aufmerksamkeit gewidmet wurde, haben völlig aufgehört und haben auch auf die anliegenden Häuser keinen Einfluß gehabt, deren Fundamente ebenfalls bis in den tragfähigen Baugrund hinabreichen. Trotzdem mird gerabe an dieser Stelle mit der größten Vorsicht und Sorgfalt ges arbeitet, um jede Gefahr auszuschalten. 16. Verwaltungsbezirk( Cöpenick, Friedrichshagen, Rahnsdorf, Grünau, Bohnsdorf). Freitaa, 6 Uhr. Sizung der BezirksverSammlung im Rathaussaal Cöpenid. Tagesordnung: Wahl des Bezirksamtes. Die Frattion trifft sich um 6 Uhr. Tribünenfarten beim Gen. Lampe erhältlich. zu Stahl, im Gefühl grenzenloser Macht, im Gefühl der Kraft, alles schaffen, alles zerstören zu können. Plötzlich schlug er mit der Faust auf den Tisch: „ Ljuba, trint!" Und als sie, strahlend und lächelnd, gehorsam die Gläser füllte, hob er fein Glas empor: Auf das Wohl der Unsrigen!" Du trinfft für... jene?" flüsterte ihm Ljuba zu. Rein für diese da. Für die Unsrigen. Für Schurken, Schufte, für die Feigen, für die vom Leben Zermalmten! Für die, die an Syphilis trepieren..." 66 Die Mädchen lachten los. Die Dide aber wandte träge ein: ,, Run, nun, mein Tauber, das geht denn doch zu weit." „ Schweig!" sagte Ljuba und erbleichte.„ Er ist mein Bräutigam." „ Für alle Blindgeborenen! Jhr. Sehenden! Wir wollen uns die Augen ausstechen, denn es ist eine Schande"; er schlug mit der Faust auf den Tisch- ,, denn es ist eine Schande, als Eehender auf Blindgeborene zu sehen. Wenn wir nicht imstande sind, mit unseren Laternchen die ganze Finsternis zu erleuchten, dann laßt uns doch unsere Lichte ausblasen und allesamt ins Dunkle friechen! Wenn es fein Paradies für alle gibt, dann will ich auch feins haben. Denn dann, Mädels, ist es fein Paradies, sondern ganz einfach eine Schweinerei! Laßt uns darauf eins trinken, daß alle Lichter erglühen! Trinke, du Finsternis." Er wanfte leicht und trant aus. Er sprach etwas beschwerlich, aber fest und deutlich mit Pausen und jedes Wort ausprägend. Niemand verstand diese wilde Rede, aber er selbst, bleich und seltsam verbittert, gefiel allen. Plötzlich begann Ljuba mit ausgestreckten Armen zu sprechen: ,, Er ist mir bestimmt. Er bleibt bei mir. Er war ehrsam, er hat Kameraden, jetzt aber wird er bei mir bleiben. Komm zu uns, an Markuschas Stelle", sprach träge die Dide. ,, Schweig, Manjta. Ich schlage dir das Maul ein. Er bleibt mit mir. Er war anständig." ,, Wir alle waren einst anständig"- sagte die Böse, Alte. Und die übrigen nahmen es auf. „ Ich war brav bis zu meinem vierten Lebensjahre." Ich bin auch jetzt brav... bei Gott!" Ljuba war den Tränen nahe. Chweigt, ihr Dredseelen ihr! Euch hat man die Ehre ges nommen, er aber hat fie freiwillig abgegeben. Nahm sie so und gab sie hin: da habt ihr meine Ehre! Ich will feine haben! 3hr alle hier seib... er aber ist noch ganz un schuldig." Freitag, 25. Februar 1921 Oberschlesier! die nach dem 1. 10. 1920 ins Reich verzogen, die nur vorübergehend sich außerhalb Oberschlesiens aufhalten. Ihr braucht Passierscheine! 1. In Oberschlesien geborene und dort bis 1. Oktober 1920 wohnhaft gewesene Stimmberechtigte( Kategorie A) und außerhalb Obersch'esiens geborene Abstimmungsberechtigte, die seit 1. Januar 1904 oder seit einem früheren Zeitpunkt bis 1. Oktober 1920 dort ununterbrochen gewohnt haben und nach dem 1. Oktober 1920 aus dem Abstimmungsgebiete verzogen sind( Kategorie C). 2. alle Stimmberechtigten der Kategorie A, die noch heute im Abstimmungsgebiet ihren stängigen Wohnsitz haben, z. Zt. aber sich außerhalb des Abstimmungsgebietes aufhalten( z. B. Studierende, Geschäftsreisende, Saisonarbeiter usw.) müssen zur Einreise zur Abstimmung Passierscheine haben, die zugleich als Stimmkarte dienen. Diese Passierscheine werden nur auf schriftliches Gesuch nach vorgeschriebenem Muster hin ausgegeben. Das Gesuch muß spätestens am 2. März 1921beim Paritätischen Ausschuß eingetroffen sein. Formulare hierzu und Beratung erteilt fede Ortsgruppe der Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier. Elternbeiräte U. G. P. 1. Verwaltungsbezirt( Mitte). Hierzu gehören die Distrikte 1, 5, 6, 11 und 16. Am Sonnabend, dn 26. Februar, abends 7 Uhr, in der Arbeiter- Bildungsschule, Breite Straße 8-9, Versammlung aller Elternbeiräte U. S. B. D. Mitgliedsbuch legitimiert. Tagesordnung: Zusammenschluß aller Elternbeiräte im 1. Verwaltungsbezirk. Alle Elternbeiräte müssen erscheinen. Brig. Die weltliche Schule. Montag, abends 7 Uhr, in der Aula der 1. Gemeindeschule, Chausseestraße, große Elternvers jammlung aller Brizer Gemeindeschulen. Vortrag über„ Die weltliche Schule". Berufsberatung. Erscheinen aller Brizer Eltern dringend notwendig. Die Leser werden gebeten, diese Mitteilung mündlich zu verbreiten. Die Kinder aller Briger Schulen find umgehend im Zigarrengeschäft von Mittag, Chausseestraße, oder bei den Genossen, welche mit den Listen herumgehen, einzuzeichnen. Lettere sind weitgehend zu unters stügen. Alle U. S. P.- Elternbeiräte haben am Sonnabend, abends 7 Uhr, in der 2. Gemeindeschule, Bürgerstraße, Sigung. Die Charlottenburger Waldschule im Grunewald nimmt auch im tommenden Sommer wieder förperliche schwache normal begabte Schüler der Serta bis Untertertia und Schülerinnen der ents sprechenden Lnzealflaffen VII- IV auf. Austunft erteilt der Dis rettor der Kaiser- Friedrich- Schule, Geh. Studienrat Dr. Bernede, Knesebecstr. 24, werktags zwischen 10 und 11 Uhr. Die Waldjahule hat die Aufgabe, förperlich schwächlichen oder schonungss bedürftigen Kindern, denen die Anstrengung eines 5-6stündigen Unterrichts in den start besetzten Klassen schadet, Gelegenheit zur Erholung zu geben, ohne daß der Unterricht unterbrochen wird. Geistig minderwertige Kinder fönnen nicht aufgenommen werden. Tringgeldannahme als Entlassungsgrund. Der Schlichtungsausschuß Groß- Berlin hat in einer Streitjache zweier Kellner gegen ein Café wegen Wiedereinstellung und Entschädigung die fristfore Entlassung der beiden Kläger megen Trinfgeldannahme für bes rechtigt erklärt. In dem Kaffeehaus war als Zusaz zu dem allgemein gültigen Vertrag im Kaffeehausgewerbe die Bestimmung aufgenommen worden, daß das Trinkgelo als ein Teil der Ents lohnung der Kellner durch den festen Wochenlohn von 400 M. und 2 Prozent vom Umsaz endgültig abgelöst sei, und daß sich die Kellner des Betriebes verpflichten, bei Strafe der fristlosen Ents lassung teine Trinkgelder anzunehmen. Da die Kläger trozdem das ihnen allerdings angebotene Trinkgeld angenommen haben, war ihre Entlassung gerechtfertigt. Der Mord in der Petersburger Straße, dem der„ Schriftsteller" Karl Körner zum Opfer gefallen ist, ist nach den weiteren Ers mittelungen wahrscheinlich ein Racheatt aus politischen Bes weggründen. Es ist festgestellt, daß Körner in Wirklichkeit ein Agent war, der sich zunächst für Polen im Deutschen Reiche bes tätigte und auch mehrere Unteragenten beschäftigte. Sein Mates rial, das er zu bearbeiten hatte, und seine Weisungen gingen ihm Sie schluchzte, alle brüllten vor Lachen. Man lachte, wie nur Betrunkene lachen können mit aller 3ügellosigkeit der Empfindung, lachte, wie man nur in einem winzigent Bimmer lachen kann, deren Luft mit Klang gesättigt ist, feinen Klang mehr aufnimmt und alles betäubend und scharf zurückwirft. Man weinte vor Lachen, man fiel übereinander hin, man stöhnte vor Lachen. Mit einem dünnen Stimmchen gaderte die Dide und fiel fraftlos vom Stubl; schließlich geriet auch er bei diesem Anblick in unwidersteh liches Gelächter. Als wäre die ganze Unterwelt hier vers sammelt, um mit Gelächter die arme unschuldige Ehrbara feit zu Grabe zu leiten; und auch sie selbst, die tote Ehr barkeit, lachte leise auf. Ljuba allein lachte nicht. Zitternd vor Entrüstung flocht fie frampfhaft die Hände ineinonder, schrie etwas und begann schließlich die Dide mit den Fäusten zu bearbeiten, die sich faum noch mit ihren nadten, fnüppel runden Armen wehrte. ,, Genug", rief er, aber niemand hörte ihn. Endlich verza stummten sie nach und nach. ,, Genug", rief er noch einmal.„ Salt, ich will euch noch einen Scherz zeigen." ,, Laß sie", bat Ljuba und rieb sich mit den Fäusten die Augen. Man sollte sie alle danonjagen." ,, Hast du Angst bekommen?" Er wandte ihr sein vom Lachen noch zutendes Antlig zu., Gelüstet es bich nach der Ehrsamteit? Du Dumme! Du willst ja die ganze Zeit. nichts anderes. Laß mich." Und ohne sie weiter zu beachten, wandte er sich zu den andern, stand auf und hob seine Hände ganz in die Höhe. Sört zu! Paßt auf! Gleich werde ich es euch zeigen. Geht her auf meine Hände." Heiter gelaunt und interessiert blidten sie auf seine Hände und warteten gehorsam, wie Kinder, mit aufgesperre tem Munde. Sier", er schüttelte seine Hände, hier halte ich in meinen Händen mein Leben, Geht her!" „ Wir sehen! Weiter." ,, Es war herrlich, mein Leben! Es war rein und herr. lich, mein Leben. Es war, wißt ihr, wie jene schöne Basen aus Marmor. Und nun seht zu! Da werfe ich es hin!" Er ließ die Hände sinten fast stöhnend und alle Augen wandten fich wirklich zu Boden, als läge bort wirklich etwas 3erbrechliches und 3artes, in Stücke zerschlagen: ein herr. liches Menschenleben. Tretet darauf, Ihr Mädels! Tretet darauf, damit kein Stüdchen übrig bleibe!" Er stampfte mit dem& aß auf. ( Fortsegung folgt.) von Warschau und Lodz über Danzig zu. Auf demselben Wege erhielt er auch seine Geldbezüge, die zuerst reichlich flossen. Kör ner reiste auch selbst wiederholt nach 3oppot und Danzig, zuletzt noch kurz vor Weihnachten. Seitdem änderten sich seine Berhält nille. Besonders feine Geldmittel wurden immer Enapper, so daß er zuletzt ständig in Verlegenheit war. An ein flottes Leben gemähnt, machte er jekt Schulden. Wiederholt ging er hiesige Freunde um Darlehen an. Körner geriet bei den Bolen in Berbacht, daß er fein Material auch der Gegenseite zur Berfügung Stelle. Deshalb fühlte er sich, wie er wiederholt änperte, verfolgt und auch in seiner Wohnung nicht mehr sicher. Er wies jogar auf bestimmte Ausländer hin, die ihm nachstellten. Wenn man sich Dort bei ihm erfundigte, so erhielt man auf Körners Veranlaffung die Auskunft, daß er verhaftet sei. In Wirklichkeit wähnte er zu dieser Zeit in einem Sotel im Zentrum Berlins. Dafür hat man auch noch Belege in seinem Nachlaß gefunden. Als er glaubte, daß er burch die falsche Verbreitung feiner Verhaftung für seine Sicherheit genügend gesorgt babe, fehrte er nach einer Wohnung zurüd. Sier fand er nun seinen gewaltsamen Tod. Schon die Art der Ausführung des Verbrechens, bas blindwütige Bustechen, lick auf einen Racheaft schließen. Zu dem Raubmord an dem Gelbverleiher Engelmann wird noch mitgeteilt, daß die weiteren Bernehmungen der Verhafteten hen Beweis erbracht haben, daß Frau Schulz Mitwisserin und mahrscheinlich auch Anstifterin ist. Es unterliegt feinem Zweifel, Daß Frau Schulz den Bielegang für den von ihm geplanten Raubmord auf Engelmann aufmecliam gemacht hat. Sie war vorher mit Engelmann in Berbindung getreten und hatte diesen erjucht, für sie bie Scheidungsflage gegen ihren Manu einzuleiten. Bei den Borverhandlungen stellte dann rau Engelmann ähren Beliebten, mit dem sie zusammenhause, als ihren Ehemann vor. Als Engelmann dahinter lam und dies Frau Schuls jagte, mar fie sehr erbost auf ihn. Aus Rache hat sie dann wahrscheinlich die Mörder gedungen. Liesegang befindet sich tatsächlich in der Fremdenlegion. Ein Auslieferungsantrag ist bereits gestellt. Gewerkschaftliches Die Abwehrbewegung der KrankenkassenAngestellten Wie wir bereits in Nr. 84 der Freiheit" mitteilten, haben die Berliner Krantentassen- Angestellten beschlossen, wegen des nom preußischen Wohlfahrtsministerium erlassenen Sperrgesezes, das einen gewaltigen Eingriff in das Gelbstverwaltungsrecht der Krantentasien mit si bringt, indem es die Krantentassenangestellten zu Beamten Stempelt, in eine Abwehr bewegung einzutreten. Die Ver bandlungen mit den zuständigen Ministerien sollten fortgelegt werden, dessen ungendiet aber eine Urabstimmung darüber vor genommen werden, ob die Krantentassenangestellten in einen allgemeinen Streit treten, wenu die erlassene Verfügung nicht zurüdgezogen reip. so abgeändert wird, daß sie auf die Kranten tallen- Angestellten teine Anwendung findet. des Wertes und der Arbeitersaft, gehandelt. Diele Entscheidung ist endgültig. Dieser Rechisjall fann unseren als Betriebsräten tätigen Genofen in ftrittigen Fällen als Richtschuur dienen. Zuglei) zeigt dieser all, wie das Unternehmerium versucht, das so zahme Betrichsrätegese für sich unwirksam zu machen. Es liegt aber an unseren Genossen, burch Kampf dem Gesetz Juhalt zu geben und alles herauszuholen, was unter den jeweilig gegebenen Berhältnissen nur möglich ist. Rampfesmethoden der Unternehmer in der Herrenkonfektion Es ist in früheren Berichten Schen darauf hingewiesen morden, daß der Arbeitgebernerband der Herren- und Knabentonfeffion mit allen Mitteln versucht, die nicht bestreiften Firmen zu feiner Unterstügung im Kampf gegen die Arbeiterschaft zu gewinnen. Wie bieles gemacht wird, zeigt folgendes Schreiben des Arbeit geberverbandes on fernstehende Firmen: Arbeitgeberverband der Herren- und Anabenfleiberfabritanter Deutschlands E. B. pn Berlin. Berlin, ben 17. Februar 1931. Geschäftsstelle W. 15, Kurfürsten bamm 226. Betrifft Aufforderung zum Berbandsbeitritt. Uns ist Ihre Karte zugestellt worden, die wir nachstehend it Abschrift wiederholen: Ort, Postdatum. n meine verehrten Geschäftsfreunde! Ich bringe Ihnen hiermit zur Kenntnis, daß ich nicht dem Monat, erstmalig zahlbar in dieser Zohnwoche. Gedrudte Fors mulare sind auf dem Bureau erhältlich. Die Leitung der Buch binderbranche. Aus den Organisationen Freitag, 25. Februar 16. Dit. Abenbs 7 Uhr Zusammenfunft aller Mitglieder der Armens Lommijan vei Klinge, Sefferir. 14. Caiheinen unbedingt notwendig. Charlottenburg. Funktionäre und Gruppenfasserer werden ersucht, umgehend beim Genossen Witt, Nordhausener Str. 10, abzurechnen. Sonnabend, 26. Februar 2. Distritt. Abends 8 hr Saten bie Bezirksführer die ausgehändigten Karios theffarten bestimmt zurüdzugeben bei Wiemers, Billowstraße. Reutils, Brit, Butem, Rubon. Abends 7 Uhr Versammlung sämtlicher Funke tionäre im großen Gaal bas„ Rattsgarten", Karlagartenstraße. Vereinskalender Freitag, 25. Februar Beafijer Transportarbeiter Berband. Hanbelsarbeiter und arbeiterinnen ets affen Betzleten der Uniformen Branche und den Schneidez- Mah- Geschäften. Stoenda 7 The im Lofal von Sarl Witte, Poststraße 20, wichtige Gruppene perfomatlung Senticher Werteiler- Berbenh. Nachmittags 5 Uhr außerordentliche Generale perfammlung im Atezatoriner. Andigung des Tarifvertrages. ... Bebrizberis( rbeiter, ingeftelts) bes A. G. 6.- Konzerns. Nachm 5 the wichtige Konferens bei Maier, Scheringstr. 10. Sonnabend, 26. Februar Freie Lehrergewertschaft. Abends 7 Ubr Geschäftsßigung, Rathaus, Zimmer 53. Legesordnung: 1. Lehrerlammer; 2. Vorschläge. Arbeitgeberverband angehöre und demann mit dem Ronic Die Mordtat der Zeitfreiwilligen tionsschneiderstreit nichts zu tun habe, also demnach meine Ar beitsfräfte voll und ganz beschäftigen darf. Ich bitte höflicht hiervon Notis zu nehmen und mir Ihre Stoffe gleich zur Anfertigung einsenden zu wollen. Die Preise find noch die bisherigen billigten. Indem ich um geft Berücksichtigung bei Aufträgen bitte, zeichne ich hochachtend Firma." Wir müssen Ihnen ernlich geftehen, baß wir es eigentümlich erachten, daß es Betriebsuniernehmen in Deutschland gibt, die eine lo fraile, unschöne wir möten sagen, unfaire Brebuftionspolitit betreiben, daß sie Kurten versenden, die da sagen, daß der Streit die betreffende Firma nicht tangiere Kämpfen denn die einzelnen Firmen nur für sich tämpfen die für die Allgemeinheit? ober Glauben Sie denn, daß Sie in der Lage sein werden, weiter au tonfettionieren, wenn die ungeheuerlichen Forderungen der Arbeitnehmer Gefeß werden sollen? Wenn Sie schon außerhalb eines Berbandes stehen und den Kollegen in den Rüden fallen, müßten Sie soviel Anstandsgefühl haben, derartige Mitteilungen nicht zu versenden. Wir fordern Sie hiermit auf, unserer Organisation beizutreten. Gollten Sie es ablehnen, dürfen Sie versichert sein, daß wir Ihnen beitommen. Wir haben Kartellverträge mit allen für Sie in Betracht tommenden Lieferantenverbänden abgeschlossen, und Sie fönnen verFichert sein, daß wir diese Kartellverbände gegen Sie in Anwen In einer äußerst start besuchten Bersammlung der Krankenfallen- Angestellten, die am Donnerstag in der Bod- Brauerei statt: fand, berichtete der Gettionsleiter Maynz über das Resultat der inzwischen vorgenommenen Abstimmung. 90 Prozent aller Beschäftigten haben jich für den Eintritt in den Abwehrkampf ausgesprochen und damit der Reibung bringen, und es darf ein noch so großer Kampf entstehen. tung der Bewegung die Befugnis gegeben, ben allgemeinen Streit zu proflamieren, falls die Berhandlungen, die gegenwärtig moch geführt perden, nicht den gewünschten Erfolg haben jollten. Die Verhandlungen wurden am vergangenen Montag zwischen bem Rallenverband Groß- Berlin und Bertretern des GemertIchaftsbundes, der Berliner Gewerkschaftstommission, der Afa, bem Oristartell der Afa, Haupt- und Orts- Borstand des Zentralver bandes der Angestellten, der Geftionsleitung und des Betriebs rats der Krantenfalienangestellten weitergeführt. Bei diesen derhandlungen wurde eine Entschließung gefaßt, die in ihrem mefentlichsten Teil lautet: Die Kallenvorstände sind zu threm Bebauern nicht in der Lage, Borschläge für die Aenderung der Dienstordnung zu machen, ba fie eine solche nicht für notwendig balten. Sie lebuen es auch ab, irgendwie dabei behilflich zu sein, das Selbstverwaltungsrecht der Krantentaßen einzuschränken und werden, wenn Don ber Behörde auf Grund dieser Verfügung irgendwelche Maßnah men getroffen werden, es auch ablehnen, bicie auszuflihren. Am Dienstag sollten mit dem Wohlfahrtsminister Steger. wald Berhandlungen stattfinden, jedoch wurde die Kommission pon diesem nicht empfangen. Zwei Ministerialdirektoren gaben die Erklärung ab, daß sich der Herr Minister nicht dazu bereit erflären fönne, den von ihm eingenommenen Standpunti au reviDieren. Es wurde der Kommission freigestellt, brei Bertreter zu Delegieren, mit denen Herr Minifter Stegerwald evtl. verhandeln würde. Es wurde jedoch eine fechsgliedrige Kommission be stimmt, bestehend aus den Abgeordneten Brühl, Steintopf und Giebel, dem Mitglied des Hauptporstandes Brente, bem Borsigenden der Berliner Gewerkschaftstommission Sabath unb dem Gettionsleiter Maynz, die auch zu einer furzen BerhandTung mit dem Minister Stegerwald zufammentamen. Als die Kommission Heren Stegerwald die Mitteilung machte, bak die Kassenvorstände seiner ungesehlichen Berfügung nicht nachkommen werden, Iching der Minister Stegerwald mit der Faust auf den Tisch und erklärte, er piirde dann seinerseits andere Maßnahmen ergreifen. Im übrigen mache die Drohung mit dem Streit auf ihn gar feinen Einbrud, dazu wäre er selbst zu lange Gewerkschaftssekretär gewesen. Zum Schluß sagte er, anscheinend um die Kommission Loszuwerben, er allein sei nicht zuständig, die Kommiffion solle fich an das Reichsarbeitsministerium wenden. Rommission, die sich hierauf an das Reichsarbeitsministerium mandte, betam dort die Auskunft, daß das Reichsfinanzministerium in der Angelegenheit ein fräftiges Wort mitzuSprechen hätte, ebenso das Reisjustizministerium, das Aber die reiliche Frage ein Gutachten abgeben müsse. Die Maynz betonte, daß die obenerwähnte Körperschaft in einer Späteren Beratung beschlossen habe, nicht eher in den Abwehr ftreit au treten, bis alle Verhandlungsmöglichkeiten erschöpft sind. In den nächsten Tagen sollen erneute Berhandlungen stattfinden und er hoffe, daß diese Berhandlungen ein befriedi gendes Resultat zeifigen werden. Die Versammlung nahm von einer Distuffton über diesen Bunkt Abstand und erklärte sich durch die einstimmige Annahme folgen ben Antrages mit den Maßnahmen der Verhandlungstommission einverstanden: Die Geftionsleitung hat die Verhandlungen zweds Rüdnahme Der Anwendung des Sperrgefehes auf die Krantentaffen- Angestell ten schnellstens zu Ende zu führen. Eine Verschleppung der Ber handlungen seitens des Ministers oder Zwangsmaßnahmen der Regierung find sofort mit dem Streit zu beantworten." Die Berlammlung beschäftigte fich dann noch mit Tariffragen. Ein Präzedenzfall Eine interesante richterliche Entscheidung veröffentlicht bie Metallarbeiter 3eitung. Die Firma Saniel und Queg in Düsseldorf wurde um 3ahlung verfäumter Arbeitszeit bzw. Aufwandsentschädigung zugunsten eines bei ihr beschäftigten Betriebsrates verurteilt. Die Firma erhob Einspruch, ist aber 342 Tragung bez Roften verurteilt worden. Sie machte geltend, bie Betriebsräte hätten zuviel Sigungen abgehalten, im Gegensatz zu anderen Betrieben derselben Firma in Oberhaus Jen. Der Betriebsrat fuhr nach Oberhausen, um die Sachlage zu prüfen. Und siehe da: Dort ergaben fich noch mehr versäumte Betriebsratstunden! In dem richterlichen Urteil heißt es nun, bez Betriebsrat befand, sich angesichts der Argumentation ber Birma, in einer Smangslage, und um den Streitfall aufzuklären, mar die erwähnte Reise notwendig. Der Betriebsrat hai bamit im Rahmen seiner durch das Betriebsräte. gefes festgelegten Befugnisse und im 3ntezesse Sie werden das als eine Drohung bezeichnen. Es ist eine Drohung, die wir aber wahrmachen. Arbeitnehmer, die in dem jezigen Kampfe einen Terror fonder gleichen ausüben, die Waren, die die Arbeitnehmer vor dem Streit befommen haben, in das Streiflotal bringen lassen, Jolchen Arbeitnehmern bieten Sie durch Ihre Karte eine Angriffsbasis, Arbeitnehmern bieten Sie durch Ihre Karte eine Angriffsbafis, die beschämend für Sie ist. Wir erwarten innerhalb 48 Stunden Ihren Bescheid, und dann merben wir weiter sehen. Mit Hochachtung! gez. B. Stern, Syndifus." es So schlecht wie ber Stil und das Deutsch ist, so ungünstig ist bisher auch die Wirkung dieses anmaßenden Schreibens für den Arbeitgeberverband gewesen. Arbeitgeberverband gewesen. Im übrigen charakteristeri drastisch, mit welchen Mitteln von dieser Seite gearbeitet wird und daß der Streit seine Wirkung ausübt. Betriebsräte der Untergruppe Eisenbahn! Am Sonntag, den 27. Februar, vormittags 9 Uhr, Bollver Sammlung aller im Deutschen Eisenbahner- Berband organisierten Betriebsräte in dem Königstradt- Kasino, Holzmarktstr. 72, 1 Tr. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu der neusten Verfügung der Eisenbahn- Direktion( Referent: Kollege Hajetüfter); 2. Wahl der Delegierten zum Zentralgruppenrat und zur Generalversamm Jung Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert vollzähliges und pünktliches Erscheinen aller Kollegen. Mitgliedsbuch und Bes triebsratsausweis legitimiert. Die örtliche Betriebsverwaltung des D. E. B. 3. A.: Vointa. Arbeitslosenratswahlen und Arbeitslosenräte Wir machen nochmals barauf anfmerksam, daß die gewerkschaftTich organisierten Arbeitslosen ihre Arbeitslosenräte bereits gewählt haben. Mit den den von anderer Seite geplanten WahTen von Arbeitslofenräten haben wir nichts zu tun, fie find lediglich für die Unorganisierten anberaumt, Bon feiten des Magistrats wird uns nun mitgeteilt, daß der Hauptausschuß der Erwerbslosenfürsorge in feiner Sigung am Sonnabend, den 26. Februar, fich mit der Anerkennung der von den gewerkschaftlich organisierten Arbeitslojen gewählten Atbeitslosenräte beschäftigen wird. Es ist nun damit zu rechnen, daß der Sauptausschuß zu dem Beschluß tommen wird, diese Arbeitslosentäte anzuerfennen und umgehend in Funktion treten lassen wird. Weitere Mitteilungen bezüglich) Berufung der gewählten Arbeitslosenräte erfolgen an die Gemert haftsvorstände. Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend. Maschinenarbeiter, Schneidemüller! Sonntag, den 27. Februar, vormittags 9 Uhr in der Königsbant", Große Frankfurter Straße 117, außerordentliche Branchenversammlung! Tagesord nung: 1. Ausgabe der Fachausweise, 2. Stellungnahme zum Ver bandstage, 3. Unsere Lohnbewegung. Jeder Branchenangehörige muß erscheinen. Deutscher Solzarbeiter- Verband. Verwaltung Berlin. Der Zentralverband der Angestellten, Ortsgruppe Großs Berlin, veranstaltet für seine Funftionäre heute, Freitag, ben 25. Februar, abends 7% Uhr, in den Sophienjälen, Sophien Straße 17/18, eine Bersammlung. Genosse Kalisti spricht über Börjenstimmung und Wirtschaftslage. Es wird erwartet, daß alle Funktionäre an der Bersammlung teilnehmen, Einlaß nur gegen Borzeigung des Funktionärausweises und des Mitglieds buches des 3. d. A. Berband der Buchbinder. Die Arbeiterschaft der Luruspapier firma Kutschner u. Berger, Lottumstraße, ist um bie Anertennung der Tariflöhne in den Ausstand getreten. In Frage fommen 15 Arbeiterinnen und 8 Arbeiter. Der Betrieb ist gesperrt. Die Branchenleitung. Buchbinder und Buchbindereiarbeiterinnen in Kontobuch fabriken und Linieranstalten. Am Dienstag, den 1. März, große Kontobucharbeiter Versammlung. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Kontobucharbeiter- Konferenz. 2. Wahl von Delegierten zu derselben. Der Herr Regierungsbaumeister wird freigesprochen Rachdem geffern vormittag ein Lofaltermin in der Kas beftenanstalt Groß- Lichterfelde stattgefunden hatte, wurde die ordentliche Sigung im Schwurgerichtsjaal um 12% Uhr eröffnet. Nachbem fich einige Sachverständige über die Wirkung der Schüsse auf Weigelt geäußert hatten, legte der Borjizende den Gefchwore nen die Schuldfrage vor. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Ortmann nahm denn das Wort zu seinem Plädoyer. Er ging davon aus, daß der Brozeß teine politische Tendenz habe, sondern es hanble fich um einen ganz gemeinen Totschlag: Zum mindesten sei der Angeklagte nicht berechtigt gewesen, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Die Beweisaufnahme habe er. geben, daß der erfhoijene Weigelt zuerst schwer mißhandelt worden set. Er sei berart geschlagen worden, daß die langanhal tenden Schreis des Getöteten in einer dent Tatort gegenüberlies genden Wirtschaft gehört worden sind. Der Lotaltermin habe biele Behauptungen der eidlich pernommenen 3eugen voll bes ftätigt. Wenn behauptet worden sei, der Erschossene habe Widers stand geleistet, so sei das noch den schweren Mihhand. lungen und Körperpezlegungen, bie dem Erschossenen zugefügt worden find, unmöglich gewesen. Es sei weiter ere wiejen, daß der Erschossene. flehentlich um sein Leben gebeten habe. Aber niemand von den Beteiligten habe darauf gehört, man habe ihn weiter mißhandelt, weil man glaubte, einen Rowdy vor sich zu haben. In swerverlegtem Zustand sei der erschossene Weigelt dann in das Geschäftszimmer des Angeklagten geschleppt worden. Wie sich die beteiligten Offiziere zu der Behauptung aufschwingen Lönnten, daß fie fich diesem schmerverlegten Geistes franten gegenüber in Notwehr befunden haben wollen, Jei dem Staatsanwalt untlar. Ebenso unflar sei es ihm, daß der Anges flagie Schüt dem Weigelt, nachdem er ihm vorgeführt worden war, einen Repolvez por die Nase legen fonnte, um bann bas Zimmer zu verlassen. Der Erschossene soll dann einen luchtversuch gemacht haben. Das wurbe so dargestellt, als wenn die im Zimmer anwesenden zehn, teilweise äußerst träftigen Männer nicht in der Lage gewesen wären, Weigelt tampfunfähig zu machen, sondern aus Rotwehr" ben geistestranten Mann mit mehreren Schüssen niederzustrecken. Daß Weigelt nicht fliehen konnte, geht schon aus der Tatsache hervor, daß er sich in der äußersten Ede des Zimmers befunden hatte. als er erschoffen wurde. Die Frage auf vorfähliche Lötung müsse deshalb unter allen Umständen bejaht werden. Der Angeklagte habe selbst zu gegeben, daß er die beiden Schüsse auf den Kopf Weigelts abges geben habe, in der Absicht, ihn zu töten. Deshalb könne auch die Frage, ob vorsägliche Körperverlegung vorliegt. teine Geltung haben, ebenso die Frage des widerrechtlichen Waffengebrauchs. Der Staatsanwalt tommt zu dem Schluß, daß die Frage auf vorjähliche Tötung bejaht werden müsse unter Bubilligung mildernder Umstände, da die damaligen Zeitverhältnisse in Rechnung gezogen werden müssen. Der Berteidiger, Rechtsanm. Dr. Johannn, schilderte den Angeklagten als einen vaterlandstreuen Mann, der nicht nur während des Krieges, sondern auch nachher voll und ganz seine Pflicht erfüllt hätte. Wenn der Staatsanwalt gefagt habe, der Brozeß sei fein politischer, dann sollten die Geschworenen nur den Berhandlungsbericht in der Freiheit" lesen, dann würden sie eines anderen belehrt. Er bat schließlich um Freis Sprechung. In seiner Erwiderung warf der Staatsanwaltschaftss rat Dr. Ortmann die Frage auf, welche Veranlassung die links stehende Presse zu einein politischen Interesse denn haben solle? Solle fie fich des Falles aus politischem Interesse vielleicht deshalb annehmen, weil der Erimossene ein durchaus national und tönigstreu gefinnter Beamier mar? Nein, meine Herren Ges schworenen, es ist ein ganz gemeiner Totschlag. Der Angeklagte muß dementsprechend bestraft werden. Der Borsigenbe, Landgerichtsrat Dr. Stelzner, erteilte den Ges schworenen hierauf die Rechtsbelehrung. Mit besonderer Deutlichkeit machte er den Geschworenen die Notwehrparagraphen flar. Dieser Teil der Ausführungen des Vorsitzenden mußte auf den unbefangenen Zuhörer wie ein Plädoyer des Vertei bigers mitten. Nach etwa dreiviertelstündiger Beratung verkündete der Ob mann der Geschworenen ben Wahrspruch. Dieser Inutete auf Berneinung fämtlicher Schulbfragen. Der Anges flagte wurde hierauf vom Gericht freigesprochen, die Kesten werden der Staatstasse auferlegt. * Mieder eine Mordtat, die vor einem Gericht der Republik teine Sühne fand! Der Staatsanwaltschaftsrat Dr. Ortmann hat sich in seinem Plädoyer bemüht, die entsegliche Tat der geitfreiwilligen objektiv zu schildern. Jeder unbefangene Mensch hat aus bem Prozeßbericht entnommen, daß sich die Zeitfreiwilligen abso lut nicht in Notwehr befanden. Ein Geistestranter, uns bewaffnet, blutig geschlagen, bis zur Wehrlosigkeit gemißhandelt, stand 10 schwerbewaffneten Offizieren gegenüber. Es wäre diesen Herren jederzeit möglich gemejen, den Gefangenen mit den Sän den zu fassen, sofern er versucht haben sollte, sich zu befreien. Tatsache ist aber, daß er diesen Versuch gar nicht unternommen hat. Nur allzunahe liegt die Vermutung, daß er mit Bor bedacht erschossen worden ist, weil man sich seiner erledigen wollie, weil die Mißhandlungen, denen der Geistestrante ausgelegt war, der Oeffentlichkeit nicht bekannt werden sollten. Die Zeitfreiwilligen sind als Rohlinge, als blutbürftige Ges waltmenschen bekannt. Berlin, Mechterstaedt, das Ruhrgebiet erzählen für alle Zeiten der Menschheit, welcher Vermilderung jene Generation fähig ist, die sich ben ,, Edelsten der Nation" zuzählen möchten. Die Geschworenen haben angesichts der ganzen Sachs lage einen groben Fehlspruch gefällt. Die 3eugen, die über die Ermordung vor Gericht Einzelheiten unter ihrem Eid befunbeten, waren erschüttert, als sie den Spruch der Ge schworenen vernahmen, der sich würbig jenen Urteilen anreiht. bie von den Gerichten seit dem 9. Ronember gegen Mörder i Uniform gesprochen wurden. Und auch dieser Freispruch wirk Buchbinder und Buchbindereiarbeiterinnen in Buchdrudereien. Am 22. Februar wurde mit dem B. B. B. bie Vereinbarung ges troffen, wonach finngemäß die Zulage der Buchdruder auch für bas Buchbinderperional volle Anmenbung findet, für alle üher 21 Jahre alte Gehilfen 65 R. pro Monat, filr Spezialarbeite zinnen 35,75 M pro Monat, für Tischarbeiterinnen 32,50. prglegten Endes ermunternd für neue Berbrechen! Ansturm gegen den Achtstundentag Selbstentlarvung Die bürgerlichen Barteien sind in den Wahlkampf gezogen mit der stolzen Verfündung, daß auf ihren Listen auch Arbeiter und Angestellte an sicherer Stelle ständen, die zur Vertretung der Interessen dieser Schichten in die gefeggebenden Körperschaften gewählt werden sollen. Auch im Reichstage gibt es in jeder der bürgerlichen Frattionen ein oder mehrere Renommierarbeiter. Sie haben aber nichts zu fagen, sie dürfen nur dann das Wort ergreifen, wenn es sich um harmlose, den Interessen des Rapitals nicht gefährliche Gegenstände handelt. Bei der Beratung von sozialen Angelegenheiten, die für Arbeiter und Angestellte von aller höchstem Interesse sind, da müssen sie schweigen. Die Beratung des Etats des Reichsarbeitsministeriums, die am Donnerstag im Reichstag fortgesetzt wurde, lieferte den besten Beweis dafür. Schon am Mittwoch hatte für die Demokraten der Abgeordnete Fid, ein Fabritleiter aus Würzburg, gerebet und selbstverständlich in durchaus antisozialem Sinne. Er jammerte über die Fesseln, die das Betriebsrätegesez der Bewegungsfreiheit der Unternehmer auferlegt, wollte restlos alle Demobilmachungsverordnungen beseitigen und plapperte natürlich gehorsamst die Formel von der Unerträglichkeit der birekten Steuern nach. Der demokratische Arbeiter" vertreter Ertelenz aber mußte schweigen. " Grenzen, wo seine Ausübung die Intereffen des Gemeinwohls verlegt. Bizepräsident Bell: Eben läuft aus dem Bureau das Ergebnis der Schriftführermahl ein. Es sind gemählt: Emidt- Sachsen ( So.), Raden( 3entr.), Gräf- Thüringen( DR.), Diezenreiter ( Bayr. Bp.). Gen. Simon(!. S. P.): Die hohen Summen, über die der Reichsarbeitsminister in seinem Etat für soziale Zwecke verfügt, tönnen nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Net und das Glend der Sozialreniner und Arbeitslolen eine geradezu tatastrophale ist. Wenn die Sozial: reniner schon in der Borcziegszeit bitterster Not ausgelegt waren, so hat sich diese Rot nervielfacht, da die Erhöhung der Renten ponitändig unzureichend feien. Hier müsse unter allen Umständen Abhilfe gesaajien werden. Der Minister hat eine Reihe von Gelegen angekündigt.. Es wäre an ber Zeit, daß wir endlich aus ben Unlündigungen heraustämen, und die Gelege profiisch in Ges stalt bekommen. Wir verlangen vor allem ein einheitliches Arbeiterrecht, welches schon längst versprochen aber bis heute noch nicht vorgelegt fei. Die Seemannsordnung wurde schon lange angekündigt, aber auch auf ihre Borlegung warten wir immer noch. Dringend notwendig sei der Ausbau der Wochenhilfe und Wöchnerinnenfürsorge. Auf diesem Gebiet geschehe immer noch zu wenig. Bei der herrschenden Wohnungsnot sei der Ausbau der Wöchnerinnenfürsorge noch mehr geboten als in früheren Jahren. Zu dem Achtstundentag murde im Berlauf der Diskussion von allen Rednern Stellung genommen. Sämtliche Redner ber bürgerlichen Parteien haben sich gegen die Aufrechterhaltung bes chifinndentags erklärt. Auch der Reichswirtschaftsminister hat türzlich in einer Rede angefündigt, daß mit einer. Reihe von Errungenschaften der Revolution, darunter verstand er jedenfalls den Achtstundentag, aufgeräumt merden müsse. Wie man ange jints der großen Steigerung der Arbeitslosigkeit einer Berlänge rung der Arbeitszeit das Wort reben tann, sei unverständlich. Praktisch sei allerbings bei einer Reihe von Berufen der Achtdarüber, daß sie 63 und mehr Stunden wöchentlich arbeiten müssen. Bei einer Einhaltung der antstündigen Arbeitszeit im Dasselbe Bild wiederholte sich am Donnerstag. Für die Deutschnationalen, die sowohl einen Renommier Arbeiter als auch Renommier- Angestellte in ihren Reihen haben, sprach der Bergwertsdirektor Leopold. Nie würden es fich die Agrarier in dieser Partei gefallen lassen, geschweige denn die Industriellen, wenn bei agrarischen Fragen oder Fragen der Industrie ein Arbeiter das Wort nehmen würde.fundentag nicht mehr vorhanden. Die Bantangestellten flagen Die Arbeiter und die Angestellten sind in diesen Barteien praktisch ohne jeden Einfluß. Sie dürfen den Versuch unternehmen, Wähler aus ihren Kreifen unter Lug und Trug ben Deutschnationalen zuzuführen, sie dürfen aber nights für sie tun. Leopold hielt eine ausgesprochene Scharfmacher rede. Die hohen Kosten" der Sozialpolitit erscheinen ihm unerträglich," selbstverständlich auch die Arbeitslosenunterstilgung und vor allem der Achtstundentag. Er ist die Ursache alles Unglüds. Die Lhne müssen herabgesetzt werden, die Forderungen der Industriellen auf Breiser bung für Kohle und Eisen, die der Agrarier für ausreichende Getreidepreise aber finden seine warme Unterstügung. Es pakte zu dem Bild, daß er zum Schluß auch Bestimmungen forderte, nach denen jede Aufforderung zum Streit mit har ten Strafen belegt werden solle. Die wohlverdiente Antwort auf diese Rede ließ nicht lange auf sich warten. Genosse Simon unterzog sich dieser dantenswerten Aufgabe mit großem Geschic. Er erklärte unter der stürmischen Zustimmung der gesamten Linken, daß die Arbeiter, auch die Christlichen, an dem cht stunden tag nicht rütteln lassen. Versuche man das, so könne man sich auf einen Kampf bis zum Weißbluten gefaßt machen. Die Arbeiterschaft fordere jezt endlich Erfüllung der angesagten Reformen. Versprechungen machen sie nicht fatt. Dringend notwendig sei eine Erhöhung der Arbeitss Iosenunterstügung, wenngleich den Arbeitslosen die Be haffung von Arbeit viel erwünschter sei. Aber Arbeit fchaffe ja der Kapitalismus nicht, er strebe nur nach seinem Brofit und vergrößere dadurch täglich das Elend und die Rot meiter Schichten. Von einem Abbau der Löhne dürfe ebenfalls nicht die Rede sein in einem Augenblid, in dem die Kosten der Lebenshaltung noch dauernd steigen. Simons Rede, eine treffliche Antlagerede gegen das aus bem Kapitalismus geborene Elend der Arbeiterklasse, zeigte, von wem die Interessen der Arbeiterklasse wirklich vertreten werden. Die Angestellten und Arbeitervertreter der bürgerlichen Parteien sind nur die Kuliffenfieber für die Interessen des Kapitals. Das wiederum einmal an den harten Tatsachen gezeigt zu haben, ist das Ergebnis der augenblidlichen Verhandlungen des Reichstags und hoffentlich auch eine Lehre für diejenigen Angestellten und Arbeiter, die sich heute noch im Schlepptan biefer Parteien befinden. Sigungsbericht Die Genehmigung zur Strafverfolgung des Abg. Sörling( So.) in einer Privatflage des Oberften der Schuy polizei Weber in Elenach wegen Beleidigung wird nach dem Antrag des Geschäftsordnungsausschusses verlagt. Es erfolgt dann die Wahl von 4 Schriftführern durch Stimmzettel. Das Wahlergebnis wird in der nächsten Sigung mitgeteilt werden. Es folgt der Haushalt des Reichsarbeitsministeriums Bräfident Löbe: Die vorläufige Vereinbarung über die Ver fürzung der Redezeit ist mit den Ferien abgelaufen. Der Melte Stenausschuß wird sich morgen mit der Angelegenheit beschäftigen und dem Hause neue Borschläge unterbreiten. Die Redner wer den sich furz zu fassen haben. Abg. Leopold( D. N.): Es tomme jetzt auf weiteren Ausbau der Arbeitsvermittlung an An dem Niedergang unserer Pro buftion träge die Hauptschuld der Achtstundentag. Die Einführung der Achtundvierzigstundenwoche würde noch größeres mirtschaft liches Elend heraufbeschwören. Bei der geschlichen Regelung der Arbeitszeit muß auf die wirtschaftlichen Bedürfnisse Rückst.bt genommen werden. Im allgemeinen hat sich die Arbeitsluft erheblich gehoben. Es ist falsch, an den bisherigen niedrigen Miets preisen festzuhalten, denn dadurch wird die private Bautätigkeit gehemmt. Die Erwerbslojenunterstügung ist teilweise viel au hoch, richtiger wäre eine Verbesserung der Methoden in der Ar beitspermittlung. Das endliche Kommen der Schlichtungsord nung begrüßen wir; wilde Streiks müssen endlich unmöglich ge= macht werden. Abg. Andre( 3entr.): Die Wirkungen des Achtstundentages. birfen nicht so verallgemeinert werden, wie es her Abg. Leopold tut. Man muß berüdlichtigen, daß wir 5 Millionen Männer Sei es durch Tod, sei es durch Verwundung durch den Krieg verloren haben; man muß die Revolutionsfolgen berüdsichtigen, wenn man nach den Gründen der traurigen wirtschaftlichen Lage sucht. Leider sind die freien Gewerkschaften gelähmt durch den politischen Streit, der in sie hineingetragen wurde. Bei den Tarifverträgen muß die Qualitätsarbeit bejlere Berücksichtigung finden. Die Zeit der zein tapitalistischen Wirtschaft til vorbei. Die freie Betriebswirtschaft führt zur Ausbeutung, zur Erweiterung der Klassengrundläge und damit zur sozialen Revolution. Die Arbeitsvermittlungen müssen von der bureaukratischen Schablone nach Möglichkeit frei bleiben. Die Verordnung über Freimachung Don Arbeitsstellen sollte aufgehoben werden, dagegen muß der Schuh der Schwerbeschädigten bestehen bleiben. Abg. Moldenhauer( D. B.): Wir fassen die Sozialpolitit nicht unter dem Gesichtspunkt des Klassentampfes auf, sondern fordern von ihr soziale Ber öhnung. Für die Umwandlung der ArbeitsLolenfürsorge in eine Arbeitslosenversicherung, die später cinmal erfolgen muß, ist die Zeit noch nicht gelommen. Die Arbeiter chaft muß zur Einhaltung der Tarifverträge erzogen werden: Wir sind für das Koalitionsrecht, doch das Streitrecht findet seine Bantbetrieb fönnten sehr viele arbeitslole Angestellte unterges bracht und die Arbeitslosigkeit verringert werden. Es sei ge radezu ungeheuerlich, daß das Reichsarbeits: ministerium den Tarifvertrag im Santgewerbe nicht für rechtsverbindlich erflärt habe, weil in demselben die achtstündige Arbeitszeit festge fegt fet. Das Arbeitslosenproblem tönne am besten durch Arbeitss beschaffung gelöst werden. Die Arbeitslosen verzichten gerne auf Untertügung, wenn sie Arbeit erhalten. Ein Ausbau der probut. tiven Erwerbslosenfürsorge sei notwendig, jedoch dürfen diefelben zu feiner Liebesgabe an die Industrie und das Gewerbe werden. Die Arbeitslosigkeit sei in fortwährendem Steigen begriffen, nicht nur in Deutschland, sondern auch in allen übrigen Ländern. In Deutschland haben wir z. 3. 2 Millionen Arbeitsloje. In Siefer Ziffer prägt sich das ganze Elend unserer privattapitalisti fchen Produktionsweise aus. Die steigende Zahl der Arbeitslosen ist der Beweis dafür, daß mit fapitalistischen Methoden der Wiederaufbau nicht vorgenommen werden fann. Die ganze Last der wirtschaftlichen Krise wird auf die Schultern der Arbeiter abgewälzt. Die Unternehmer nutzen die Konjunktur aus, machen Riefengeminne, und bei tüdläufiger Konjunktur werden die Mrbeiter einfach auf die Straße gesezt. Eine Arbeitslosenvers sicherung, bei welcher die Arbeiter selbst die Hauptlast zu tragen haben, lehnen wir ab. Es muß verlangt werden, daß die Opfer der tapitalistischen Broduktionsform ausreichend unterstützt wer den. Die jenige Unterstützung ist viel zu gering, fie muß erhöht merden. Die Bestimmung, wonach nach 26möchiger Arbeitslojigteit teine Unterstügungen mehr bezahlt werden, muß be Jeitigt werden. Bon was denkt sich wohl der Serr Minister, daß die Arbeitslojen leben sollen? Arbeit finden sie nicht. Es bleibt ihnen nur übrig, zu nerhungern oder den Weg des Berbrechens zu beschreiten. Im Jahre 1913 Starben in Deutschland 620 455 Bersonen, im Jahre 1918, ohne Kriegsgefallene und Kriegsver Tegie, 1 015 660. Das Jahr 1920 wird sicher erheblich höhere Ziffern zu verzeichnen haben. Die Sebung der Boltsgesundheit ist das Zentralproblem. Diese fann nur erfolgen durch bessere Ernährung und indem porliegende Mittel angewendet werden. Strankenkassen und Angestelltenversicherung geben jährlich piele Millionen aus, um Lungenfrante und Nervenzerrüttete wieder der Gesundheit zuzuführen. Sier fönnte sehr viel gespari werden, wenn die Arbeiter durch Gewährung von Ferien in der Lage wären, wenigstens auf ein oder zwei Wochen aus dem ohrens betäubenden Lärm der Betriebe und den staubgeschwän gerten Werkstätten heraustommen. Zum Teil ist durch Larifverträge für eine Reihe Don Arbeitern hie Ferienfrage, wenn häufig auch nur ungenügend, gelöst. Ein proßer Teil der Unternehmer meigert sich jedoch, Ferien zu ge währen. Daher haben wir den Antrag eingebracht, bie Reichs regierung zu ersuchen, un rzüglich einen Gesezentwurf vor legen, Surch welchen den Arbeitern und Angestellten das Recht auf Urlaub unter Fortzahlung der Löhne und Gehälter gewährt wird. Es darf nicht mehr in das Belieben und in die soziale Einsicht der Unternehmer gestellt merden, ob sie ihren Arbeitern Ferien gewähren oder nicht. Diese Frage muß durch Gesez geregelt werden. Das Recht auf Ferien darf nicht mehr das Privileg bet befizenden Klasse sein, auch die Arbeiter müssen die Wohltat der Ferien genießen. Durch die Zunahme der Arbeit non meib lichen und jugendlichen Arbeitern in den Betrieben ist die Un fallgefahr außerordentlich gesteigert. Durch die Affordarbeit, die hier von einem Redner gefordert wurde, wird die Unfallgefahr noch vergrößert. Die Gewerbe- Fabrikaufsicht muß verbessert werden. Aus dem Stande der Arbeiter und Arbeiterinnen müssen noch mehr Kräfte für die Fabritinspektion herangezogen werden. Ihre Berichte dürfen aber nicht mehr von dem Gewerbeinspettor zensiert werden. Die Behauptung, daß der Tarifvertrag nur die Unternehmer bindet, die Arbeiter aber sehr häufig tariförülchig werden, ist doch nicht ganz richtig. Sehr viele wilde Streits sind darauf zurückzuführen, daß die Unternehmer sich weigern, eine Gr höhung der Löhne vorzunehmen, daß dann die Arbeiter aus Vers zweiflung zum Streif greifen. Wie sehr fehlt es an einer gefeß lichen Regelung des Tarifvertragwefens. Sehr viele Unternehmer meigern ich, abgeschlossene Berträge zu erfüllen. Gewerbe- und amtliche Gerichte weisen es vielfach ab, Urteile gegen solche tarif brüchige Unternehmer zu fällen. Das Sperrgesez soll auch auf die Ortstrantentaflenangestellten ausgedehnt werden. Dagegen die Ortskrankenkassenangestellten ausgedehnt werden. Dagegen muk entschiedener Einspruch erhoben werden. Für die Sebung der Wohnungsnot muß mehr geschehen. Das Mietssteuergeleg lehnen wir ab. Wir verlangen die Soziali fierung der Wohnungen und des Wohnungsbaues. Nur dadurch tann die Bodenipekulation beseitigt werden. Son der Wohnungs bau gefördert werden, mußieber private Gewinn aus geschaltet werden. Die Baustoffe müssen verbilligt wer ben. Durch den Zwischenhandel wird Zement um 40-54 Bro sent gesteigert. Ebenso wird der Bau von Wohnungen durch den unmäßigen Gewinn der Unternehmer perteuert. Die soziale Bauund Betriebsgenossenschaft hat bewielen, daß Neus, Straßen- und Tiefbauten um 20--143 Prozent billiger hergestellt werden können als im Privatunternehmen. Den Bergarbeitern wurde selbst vom Minister Anerkennung für die Ueberstundenleistungen ausgesprochen. Das Ueberschichtenabkommen wurde nun gefündigt, weil die Arbeiter bei der schlechten Ernährung und ihrer ges schwächten Gesundheit bicie Ueberstunden nicht mehr länger leisten tönnen. Aber noch ein anderer Grund wird von den Bergarbeitern für die Verweigerung der Ueberschichten angeführt. Sie verlangen die Coziclisierung des Rohlenbergbaues, bie ihnen seit 2 Jahren entsprochen ist. Nicht fleine Attien und Gewinns beteiligung. Ionbern Sozialisierung! Sinter dies fer Forderung stehen nicht nur die Bergarbeiter, sondern auch die übrigen Arbeiter. Alle Mittel, bie bisher aur Berringerung des furchtbaren Glends angewendet wurden, haben uns nicht aus dem Chaos herausführen fönnen, fm Gegenteil wird die Not immer größer. Serausführen fann nur bie Ausschaltung. bes privaten Ge winnes, bie Beseitigung ber tapitalistischen Propitwirtschaft und die Durchführung der jozialen Probuftionsform.( Beifall bei den U.S.) Abg. Schirmer( Bayr. Bp.): Das größte Problem fit Beschaf fung von Arbeitsgelegenheit für die Arbeitslosen und Wohnungs gelegenheit für die Wohnungslosen. Leider betreiben die Lands witte jegt vielfach extensive Wirtschaft, anstart das Brachland für Siedlungszwede nugbar zu machen. Der Terror von Arbeitern gegen Arbeiter ist die schlimmste Erscheinung der Gegenwart; auch hier muß erzieheri dh gewirkt werden.( Beifall b. d. Bayz. Bp.) Darauf wird die Beratung abgebrochen. Nach einigen pers sönlichen Bemerkungen vertagi fich das Haus auf Freitag 1 Uhr: Anfragen, Weiterberatung, Berlehrsministerium. Schlug 6 Uhr. Minister Simons im Reichswirtschaftsrat Rach Erledigung einiger geschäftlicher Mitteilungen betont Bor figenber Ebler p. 23zaun in feiner Einleitungsrede die Einig teit bes ganzen deutschen Boites in der Ablehnung der Pariser Beschlüsse. Reichsminister Dr. Simons: Was die Entwaffnungsfrage betrifft, haben wir uns ja militärisch so ziemlich bis aufs Hemd ausgezogen.( Sehr richtig!) Mit bem, was uns übrig geblieben ift, Lönnen wir mit Inapper Not ben ruhigen Gang unserer wirts schaftlichen Produktion gewährleisten( siderspruch), von einem militärischen Angriff auf fremde öller fann unter ernsthaften Leuten feine Rebe mehr sein.( Lebhafte Sustimmung.) Unter dem Dedmantel ber militärischen Abrüstung wird eine wirtschaftliche und industrielle Serabdridung der deutschen Leistungsfähig teit bezwedt. Ich will nur hinweisen auf die Frage der Dieselmotoren, auf das eigentümliche Verlangen der Preisgabe gewisser militärischer Methoden und Berfahren und chemischer und anderer deutscher Geschäftsgeheimnisse. Ob sich uns in London Gelegenheit bieten wird, über diese Fragen uns mit den Gegnern verständig zu unterhalten, ist freilio nicht sicher. In den Reparationsfragen werden wir unaweifelhaft einen Wir werden außerordentlich harten Sturm zu bestehen haben. unsere Gegenvorschläge so einrichten müssen, daß wir auf eine Einigung mit unseren Gegnern boch rechnen tönnen. Die Leistung ber vorgeschriebenen Annuitäten bis 6 Milliarden Goldmart ist abhängig von dem Ueberschuß unieres Exports. Der Wiederaufbau des deutschen Wirtschaftslebens wird unmöglich gemacht. Die Welle der Geschäftslosigkeit, die sich in Amerifa zeigt, wird auch uns erfassen. Wie fann man da glauben, daß Deutschland das alleinige Land sein wird, das eine solche Steigerung seiner industriellen Entwidlung vornehmen fann, um einer Leistung von 6 Milliarden plus 12 Prozent Ausfuhr, die von der Gegenseite auf zwei Milliarden Goldmark geSchäzt wird. Herr zu werden? In dieser Sumutung liegt nichts weiter als der Wille, die deutsche Wirtschaft zugunsten der fremben Industrien zu zerrütten. Die Berurteilung des deutschen Boltes zu einer solchen Fronarbeit verstößt aber auch gegen die feierlich von den Gegnern und von uns unterschriebenen Verpflichtungen. Jm Artikel 23 des Friebensvertrages verpflichten sich die VertragsStaaten zu angemessenen Arbeitsbedingungen für Männer, Frauen und Kinder.( Sört, hört!) Die größte Sorge unserer Gegner ist die deutsche Konkurrenz. Es liegt hier die alte Quadratur des Zirkels por, mit der sich schon die Bariser Friedenskonferenz abgequält hat. Die Zusicherung im Schriftwechsel der Entente be stätigt, daß uns die Erfüllung des Friedensvertrages nicht fo weit ruinieren darf, daß unsere Lebens- und Leistungsfähigkeit gefährdet wird. In unserer legten Sachverständigensizung sermodyte ich eine Cinstimmigkeit in den Gegenvorschlägen nicht zu erzielen. Im engeren Kreise des Sachverständigenausschusses jedoch sind wir dahin gekommen, ber Reidsregierung in sich tragbarere und für die deutsche Wirtschaft erträgliche Borschläge machen zu tönnen, die auch die Bedürfnisse der Gegner berüdsichtigen und praktisch ausführbar sind. Seute oder morgen wird das Kabinett barüber schlüssig werden; die letzte Sachverständigenfisung ist auf Freitag einberufen. Die Gegenvorschläge werden wir der Deffent lichkeit unterbreiten, sobald sie unseren Gegnern vorliegen. Der Minister polemisiert bann gegen einen Artikel der„ Roten Fahne" und gegen Aeußerungen der deutschnationalen Württem berger Presse. Beide Auffassungen sind falsch und geeignet. Die Stellung der deutschen Delegierten in London zu schwächen. ( Lebhafte Zustimmung.) Der Minister mahnt zur Einigkeit. Das deutsche Volt möge während dieser Zeit jeden Streit und Saber im Innern vermeiben. Vor allem watne ich vor unb dachten politischen Abenteuern, wie sie noch von mancher Seite gehegt werden. Es sind Anzeichen dafür da, dah eine Ablehnung Der Bariser Borschläge als Widerspenstigkeit Deutschlands auf gefaßt und zu Santtionen führen werden. Dazu gehört die Ver längerung der Bejagung, die Richtaufnahme in den Bölterbund, die Errichtung eigener Zollgebiete in ben befesten Rheingebieten und weitere Belegung deutscher Gebiete außerhalb des RheinTandes. Es ist nicht menschenmöglich, daß ein Bolt den ganzen Schaden wieder gutmacht, der 27 anderen Böttern zugefügt ist. ( Lebhaftes Sehr richtig!) Man hat dem Friebensvertrag bie Form eines Strafurteils gegeben, wir haben es unterschrieben. Wir hoffen aber, daß un sere Feinde einmal einsehen werden, daß ihre Voraussetzungen und Folgerungen fallch und für sie selbst schädlich sind. Die deut sche Regierung ist trogdem gemillt, ben Friedensvertrag in ben Grenzen des Möglichen auszuführen. Wir brauchen eine Zeit bes Wufatmens für unsere Wirtschaft, eine Sicherheit dafür, baß uns die Gegner nicht selbst die Mög lichfeit zerschlagen, ihnen in den Grenzen des Möglichen für ihre Bedürfnisse behilflich zu sein. Dem Reichsmirschaftsrat werde ich für die Unterstügung der Regierung von Herzen dankbar sein. ( Lebhafter, anhaltender Beifall und Händellatsjen.) von Siemens: Unsere Arbeiter müssen jetzt schon ein Drittel ihrer Arbeitskraft für die Bestreitung der Schulden des Staates aufwenden. Werden die Pariser Beschlüsse verwirklicht, dann müssen fie 42 Jahre hindurch 3 Stunden länger arbeiten; das ist nach physischen und Naturgefeßen unmöglich. Man will uns un mönlide Forderungen stellen, um uns den Beweis unseres guten Willens unmöglich zu machen.( Lebhafte Zustimmung.) Wir haben den Krieg verloren und als Besiegte die Kriegsfolgen zu tragen, es muß uns aber die Möglichkeit gelassen werden, durch Arbeit und Entbehrungen die uns auferlegten Lasten abzutragen, damit wenigstens unsere Kinder unter glüdlicheren Verhältnissen leben tönnen.( Anhaltender, lebhafter Beifall.) Wissel( Arbeitnehmervertreter): Utopistisch ist die Soffnung, daß ein einziges Land die Welt wieder ins Gleichgewicht bringen, die Schäden reparieren tönnte, die ein Krieg von solchem Ausmaß ben beteiligten Ländern zugeführt hat. Was die Pariser Be Schlülle von uns fordern. hätte nicht einmal das Deutschland der Workriegszeit erfüllen tönnen. Von unseren Vorräten besaßen wir am Ende des Krieges nichts als einen Haufen Kehrricht. Was wir an Rohstoffen hatten, ist zum Teil noch nicht bezahlt. Wie angesichts unserer außerordentlich gefchwächten Leistungs fähigkeit das gefordert werden fann, was gefordert wird, ist un verständlich. Die deutsche Arbeiterschaft hat stets anerkannt, daß Deutschland nach besten Kräften bis an die äußerste Grenze der Leistungsfähigkeit wieder gutmachen muß, was Deutschland vers Schuldet hat. Aber sie ist auch ebenso fest entschlossen, sich nicht für ein Menschenleben und länger in ein Silavenleben hineintreiben zu lassen. Wenn man die Erfüllung der Forderungen dur Mittel der brutalen Gemalt sollte erzwingen mollen, dann erfeint es uns sehr zweifelhaft, ob wir noch miter an dem internationalen Arbeitsamt teilnehmen sollen. Wenn mir die Leistungen erfüllen sollen, welche Folge würde dann eine Vers längerung der Arbeitszeit bei uns auch für die Arbeiterschaft ber anderen Länder haben? Die dadurch ermöglichte Verbilligung ber по Produktion würde verlangen, daß in diesen Ländern die Arbeiter genau so lange arbeiten, wie die deutschen. Die ganze Welt muß bereit sein, die Schäden des Krieges wieder gutzumachen, wobei Deutschland darüber sind wir uns flar einen schweren Teil zu tragen hätte. Wir haben uns wiederholt erboten, unsere überflüssigen Arbeitskräfte für den Wiederaufbau Frankreich zur Ver fügung zu stellen. Aber alle diese Angebote sind bisher nicht angenommen worden. Nach weiterer furzer Aussprache wurde die Entschließung des Reichswirtschaftsrats gegen die Pariser Beschlüsse einstim mig angenommen. Nächste Sigung Freitag 11 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen Steuerfreiheit des Existenzminimums, Aenderung des Eintommensteuergesetzes und fleinere Vorlagen. Die nächsten Schriftstüde enthalten ebenfalls Befehle der Reichswehrbrigade 31 über die Verwendung der Truppen bei Unruhen. Der Angeklagte Klinkmüller gibt an, daß die es Material in einer Kaserne in Düsseldorf gefunden worden sei, während ein beisigender Oberleutnant behauptet, daß die, es Papier nur durch schweren Bertrauensbruch in die Hände Klintmüllers gelangt sein könne, Der Borsigende verliest darauf folgenden Befehl der M. O. L.: Durch den zentralen Zusammenschluß aller Organisationen über das Reich und ihre Unterstellung unter die Zentrale Ber= lin, sieht sich die M. O. L. veranlaßt, folgende strenge Maßnahmen zu ergreifen: u. a. heißt es hier. Zur Erreichung unseres Zieles ist die Anwendung aller Mittel erforderlich. Die strenge disziplinarische Gliederung der Organisation ist notwendig. Unsere Mitglieder sind durch Hand, chlag zu verpflichten, der nicht zu lösen ist. Berräter werden nach revolutionären Grundsägen beDer Ausnahmeprozeß in Kassel trait. Kein Berräter wird seinem Schidial entgehen, auch wenn Kassel, 24. Februar. In der heutigen Verhandlung wurde in der Vernehmung Klintmüllers fortgefahren. Nach Besprechung einiger beSchlagnahmter Führerlisten, Bataillonseinteilungslisten der ver schiedenen Bezirte, gelangt auch eine namentliche Liste von Pers fonen zur Verlesung, die bei einer Aktion verhaftet werden sollten. U. a. befinden sich auf der Liste die Staatsanwälte, Untersuchungsrichter, der Vorsitzende Landgerichtsdirektor und einige Zeugen aus einem Kommunistenprozeß, der in der letzten Zeit im Rheinlande verhandelt wurde. Der Angeklagte Klintmüller bestreitet, mit dieser Aufstellung etwas zu tun zu haben. Den Kommunisten tomme es auf bie Beseitigung des Systems, nicht der Personen an. Dann gelangt ein längeres Schriftstüd zur Verlesung, das Richtlinien bes Westfälischen Freiwilligentorps Lichtschlag vom 28. Juni 1919 darstellt, und Gegenmaßnahmen gegen eine drohende zweite Revolution bespricht. U. a. wird darin von dem notwendigen Selbstschutz in der Bürgerschaft, sowie von der Aufstellung von Zeitfreiwilligen formationen gesprochen. Das Schriftstück ist von Hauptmann Lichtschla unterzeichnet. Rechtsanwalt Wolff: Aus diejem Dokument ergibt sich also, daß schon im Jahre 1919 von rechts solche Pläne aufgestellt worden sind, obwohl es damals in Deutschland vollkommen ruhig war. Staatsanw. Dr. Meyer: Im Gegenteil. Damals drohte ja gerade die zweite Revolution. Rechtsanw. Dr. Wolff: Vielleicht im Kopfe des Herrn Staatsanwalts? Vors.: Aber Herr Verteidiger, damals waren ja ge= rade hier in Kassel auch diese Plünderungen, bei denen Millionenwerte vernichtet wurden. Das nächste Schriftstück, das verlesen wird, ist ein Befehl der Reichswehrbrigade 31 in Münster vom April 1920. Er enthält Maßnahmen zur Bekämpfung innerer Unruhen und erwähnt u. a., daß, falls die Entente für später die Bildung von Zei freiwilligenformationen gestatten sollte, dabei Diese Richtlinien zur Anwendung fommen sollten. Das Dokument ist unterzeichnet: Campe, Generalmajor. Rechtsanw. Wolff: Ich bitte Herrn Generalmajor Campe als 3eugen dafür zu laden, daß er solche Organisationen noch heute aufrecht erhält. Staatsanw. Dr. Meyer bittet den Antrag abzulehnen, da er völlig aus der Luft gegriffen und unfinnig sei. Rechts anwalt Wolff( sehr erregt): Ich bitte das Gericht mich gegen folche Angriffe des Herrn Staatsanwalts in Schuh zu nehmen, fonst lege ich meine Verteidigung nieder. Ich habe hier Bände Don Material über die 3eitfreiwilligen und Einwohnerwehren. Diese Verbände sind noch nicht aufgeföst und das tann uns nur Generalmajor Campe selbst erzählen. Das, was der Staatsanwalt in diesem Prozeß bisher vorgebracht hat, ist Unsinn. Bors: Herr Rechtsanwalt, ich habe auch zu Beginn des Prozesses nicht eingegriffen, als Sie von der„ natio nalen Rafe des Staatsanwalts", sowie davon sprachen, daß ihm sein politisches Lebenslichtlein bald ausgeblosen würde. Sie dürfen sich nicht wundern, wenn der Staatsanwalt auch mal erregt wird. Ich bitte jetzt aber alles Erregte zu unterlassen. Wir wollen hier rein sachlich verhandeln. C Weissert Viele Jahre in Krankenhäusern und Kliniken tätig gewesen Jetzt Brunnenstr. 191, I. Elage. Hähe Bosenthaler Pl. behandelt alle Geschlechtsleiden bei Männern u.Frauen schnell, mögl ohne Operation u. ohne Berufsstörung durch neue schmerzlose Radikalkur:: Teilzahlung. Untersuchg u. Auskunft kostenlos Sprechstunden 10-12 u. 4-7. Sonntags 10-12 Jn 1 Stunde beseitigen Sie unter Garantie jebe Läuse- Plage unb Flöhe(. Brut( Riffe) bei Menfch. n. jeb. Tier m. m. gef. gefch. Mittel Eckolda A in 3 Größen für eine, zwei und vier Personen. 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Desgleichen ihre leichtsinnige Aufbewahrung. Kleinere Vergehen werden mit Geldstrafen belegt, Berrat fann nur mit dem Tode bestraft werden." Klintmüller bezeichnet auch diesen Befehl als Spigelarbeit. Rechtsanwalt Dr. Wolff:„ Ich bitte die Aften des Reichsgerichts gegen Thomas, Jung und Gen. heranzuziehen, aus benen hervorgehen wird, daß auf Grund gefälschter Berichte einer Elberfelder Spigelzentrale auch die Putsche von Velbert und Köthen hervorgerufen worden sind." Nach der Mittagspause beantragte Rechtsanwalt Dr. Wolff. den Angeklagten Klintmüller über den bei der Beschlagnahme seiner Papiere verschwundenen angeblichen Aufmarschplan der Orgesch gegen Frankreich zu vernehmen. Klintmüller erflärt hierzu, er müsse dann ben Ausschluß der Deffentlichkeit beantragen, da durch seine Aussagen eventuell die Interessen des Reiches geschädigt würden. Er als Kommunist jei genau so ein Feind des Ententemilitarismus wie des deutschen Militarismus. Nach längerer Beratung beschloß das Gericht, den Antrag auf Ausschluß der Deffentlichkeit abzulehnen Würde die Deffentlichkeit ausgeschlossen, so erklärte der Vorsitzende Dr. Hartmann, so würde das Gerücht über angebliches Orgesch- Material gegen Frankreich nur neuen Boden gewinnen. Daraus würde dem Ansehen Deutschlands der Entente gegenüber ein erheblicher Schaden erwachsen. Das Gericht sei der festen Ueberzeugung, daß an dem ganzen Gerücht überhaupt nichts Wahres sei. Klintmüller schildert dann den Inhalt des angeblichen Aufmarsch planes gegen Frankreich". Das Dokument, so befundet er, jei mit einem Stempel des Wehrkreiskommandos 2 versehen und handschriftlich abgefaßt gewesen. Es datiere vom November 1920. Er habe es von einem Mitglied der Spielzentrale Minit et erhalten. Das Dokument jei als streng geheim bezeichnet gewesen. Auf der zweiten Seite habe es verschiedene Angaben über eine in Münster stattgefundene Besprechung des Generals v. Watter mit dem Forstrat Escherich und einer Anzahl von Reichswehroffizieren enthalten. Diese Sigung habe folgenden Beschluß zum Ergebnis gehabt: Die Forderungen der Entente dürften unter feinen Umständen bewilligt werden. Man müsse endlich hart sein und nein sagen. Die Folge wäre natürlich ein neuer Krieg mit Frankreich. Ueber den Aufmarsch von Reichswehr und Orgesch seien dann noch ins einzelne gehende strategische Aufzeichnungen in dem Original enthalten gewesen, deren sich Klintmüller nicht genau entfinnen fann. Er will nur Lichtschlag", noch wissen, daß die Korps Schwarz und Pfeffer an der Aftion gegen Frankreich teilnehmen sollten. Man habe in dem Dokument damit gerech Möbel bequemste Zahlungsweise GREBLER Weinbergsweg 4 Rekonvaleszenten " Kaufe höchftzahlend Kupfer, Meffing, Rotguß, Blek, Bink fowie Weißlagermetall und Zinn. Tilfiter Straße 81. Quecksilber, Binn kauft Neue Hochstraße 38. Telephon: Humboldt 2779. 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Angeflagter: Nach meiner Ansicht fam es den Res aftionären gar nicht darauf an, bei dieser Sache die Vernunft walten zu lassen. In dem Material war auch der Ansicht Ausdrud gegeben, daß die Mehrheitssozialisten und ein Teil der Linksradikalen, die sogenannten Nationalboliche. wisten", auf diese Idee eingehen würden Auf die Frage eines Beinigers, warum er das Material nicht anläßlich seiner Reise nach Berlin dort unterbrettet habe, um es auf jeine Echts heit zu prüfen und dann verwenden zu lassen, erklärt der Anges flagte, er habe es erst genau durchstudieren müssen. Auf den Vors halt eines anderen Beisizers, daß das Wehrkreiskommando II gar nicht in Münster, sondern in Stettin sei und daß General Watter damals gar nicht mehr Befehlshaber in Münster war, gibt der Angeklagte keine Antwort. Der Vorsitzende faßt dann seine Ansicht über das angebliche Orgesch- Material dahin zu ams men, daß es lediglich dazu dienen sollte, den guten Glauben der Angeklagten an die Notwendigkeit einer Gegenorganisation gegen die reaktionäre Bewegung zu beweisen. Staatsanwalt Dr. Meyer: Ich habe mich andauernd bemüht, festzustellen, woher das in der Linkspresse veröffentlichte Material gegen die Orgesch herstammt. Ich habe 20 Redakteure darüber vers nommen. Kein einziger hat mir die richtige Auskunft ges geben. Das ist der Krebsschaden in unserem Wolfe, daß niemand Farbe bekennen will. Rechtsanwalt Dr. Wolff: Wir haben uns vorgenommen, diese Veröffentlichungen in unserer Presse zu bringen. Da die Staatsanwaltschaft nie mit einer Anklage gegen die Orgesch vorgegangen ist. Damit war die Vernehmung Klinkmüllers beendet. Es wurde sodann der Angeklagte Küster, der Erwerbslo ens rat in Elberfeld ist, vernommen, der aber nach furzer Vernehmung aus der Haft entlassen wurde. Auf die Anregung des Verteidigers Dr. Wolff, auch eine eventuelle Saftentlassung der übrigen ngeflagten zu erwägen, erklärt der Vors fizzende, daß die Verhandlung fich jest sehr schnell ihrem Ende nähern würde, so daß möglicherweise Anfana nächster Woche das Urteil zu erwarten sei. Rechtsanwalt Dr. Wolff erklärt hierzu, daß er unbedingt auf der Vernehmung Dr. Baul Levi- Frants furt bestehen müsse, weil ja die Staatsanwaltschaft immer noch an einem Zusammenhang zwischen der V. K. P. D. und die er Organis lation festbielte. Voraussichtlich wird Dr. Levi am kommenden Montag gehört werden. Dann wird die Verhandlung auf Freitag morgen vertagt. Die Wohnungsnot in Sadjen. Der Hauptausschuß des fächst schen Landtages behandelte auf Grund des Reichsgesetzes vom 12. Februar 1921 die Frage der Behebung der Wohnungsnot. Das Reich verpflichtet die Länder, auf den Kopf der Bevölkerung 30 M. stellen. Das würde für Sachsen einhundertvierzig Millionen er Zuschuß zur Förderung von Wohnungsbauten zur Verfügung zu geben, wofür etwa 1750 Wohnungen bezuschußt werden könnten. Es fehlen aber bedeutend mehr Wohnungen, so daß nochmals der doppelte Betrag, also etwa zweihundert Millionen Mark, bereit. Geschäftliches In den Kleiderwerfen Baez Sohn, alleinige Berlaufstelle in ber Chanee Hraße 29-30, find nunmehr die Schöpfungen der neuesten Frühjahrsmode fertige geitellt worden. Die Maßanfertigung erfolgt in fünftleri her Vollendung; das fertige Kleidungsstüd entsteht in den eigenen Kleiderwerfen nach neuesten Mo bellen. Die Preise sind sehr billig. Auf das heutige Inserat ber Schuhfirma Kaag, Münzstraße 10, werden unsere Leser aufmerksam gemacht. Berantwortlich für die Redaktion: Emil Rabold, Berlin. Verantwortlich für den Inseratenteil: Ludwig Komerinez, Karlshorst. Verlags genossenschaft Freiheit" e. G. m. b. 5., Berlin. Drud der Freiheit". Druderei G. m. b. H., Berlin C2, Breife Straße 8-9. 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