Ar. 212. Abomements-Kcdingungr«: vbonneinenis- Preis pränumerando! Yierteljährl. 3,30 fflt., monatl 1,103711., möchsnllich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer s Pfg. Sonntags» Nummer mit illnstrtrter Sonntags» Beilage„Tie Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: S.SO Mark pro Quartal. Eingelrage» in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1807 unter Hr. 7437. Unter Nreuzband für Teutschland und Lesterrelch- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro 3Zlonat. Erscheliil täglich außer Wontag». Devlinev VolKsbl�kk. 14. Jahrg. Die Inftrtwns-GebShr beträgt für die fechSgefpaltens Kolonel- »eile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und VerfammlungS-Zlnzeige», sowie Arbeitsmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen MS 4 Uhr nachmittags in der Expedttio» abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen bis o Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1503. Telegramm-Adresse: „SoiiaidrmoKrnt Berlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Htednktion: 8V. Ig. Mettly-Slraße 2. Sonnavend. den 11. September 1&$7, S-pedition: SW. 19, Mettly-Str.lße 3. Offiziöse Jsfottensgitttkiott. Fast zu frühzeitig wird die öffeiltliche Meinung für die noch unbekannte Marinevorlage zu bearbeiten gesucht. Mit Volldanipf arbeiten die freiwilligen und bezahlten Federn, um die Nothivendigkeit einer Hochsee-Panzerflotte für Deutschland zu beweisen. Selbst meim wir noch dieses Jahr eine Reichs tags-Auslösung bekonlineil sollten, werden Hcri; Tirpitz und feine Prcßtruppen ihr Pulver vor der Zeit verschossen haben. Denn schließlich hat das Lesepnbliknm der offiziös bedienten Blätter und Blättchen doch auch Nerven wie andere Menschenkinder, die gegen eine fortgesetzte Flottenagitation und ihre Argumente schließlich stumpf weiden müssen. Man kann es verstehen, wenn direkt vor Wahlen eine unabläsfige Agi tation in großem Stile für oder gegen eine Vorlage entfaltet wird, da wächst mit dem Nahekommen des Wahltages ganz von selbst die Spannung. Aber man bringt sich um den Effekt der ganzen Mühe und Druckarbeit, wenn man Monate vorher, noch ehe die Entscheidung in Sicht steht, mit seinen Trümpfen schon offen vor aller Welt paradirt. Deswegen verlohnt es sich heute wohl auch noch nicht, die Argumente, die für die Vermehrung der Schlachtflotte von offiziösen Federn vor- gebracht werden, auf ihre Richtigkeit näher zu prüfen, vor der öffentlichen Meinung entgegengesetzte Ansichten beizubringen. Dazu ist es heute noch zu früh. Aber beachtenswerth ist die Kampfmethode der Flotten- agitatoren heute schon nach einer anderen Richtung hin: sie beliebt durchaus demagogischer Kniffe und Schliche und stellt sich aus ein so niedriges Niveau, daß ihre ernst zu nehmenden Hintermänner allen Anlaß hätten, im eigenen Interesse, im Interesse ihres und des Reiches Ansehen jede Gemeinschaft mit den offiziösen Flottenschreibern zu pcrhorresziren. Ei» Hauptgrundsatz, von deni jene fleißigen Schreiberseelen aus: gehen, ist der: In Marineangelcgenheiten kann nur ein Fach- mann zur Beantivortnng der Frage, ob Deutschland die gc- forderte Vermehrung der Flotte nöthig hat oder nicht, kompetent sein. Gegen einen solchen Grundsatz an sich wäre vom taktischen Gesichtspunkte aus nichts einzuwenden; er läßt sich hören; aber man muß ihn geschickt und mit Geschmack zu vertreten verstehen. Damit hapert es nun aber bei den Flotten-Enthnsiasten ganz gewaltig. Anstatt selbst die Fülle ihrer Fachkenntnisse in den Dienst der freiwilligen Agitation zu stellen, blamiren sie durch krasse Ignoranz nicht nur das Ansehen der Fachautoritäten, sondern sie versteigen sich gar noch zu recht unvorsichtigen Aenßerungen über Männer, die über Fragen ein Urthal abzugeben wagen, wozu sie vom Standpunkt der offiziösen Schriftsteller aus betrachtet nicht berechtigt sein können. In den Preßartikeln für die Vergrößerung der deutschen Kriegsflotte wird mit Vorliebe dem lieben Publikum vor einer tungersnoth gruselig gemacht. Wenn Deutschland die verlangten chiffe nicht erhält, dann werden im F�fo ernstlicher Ver Wickelungen feindliche Flotten die Zufuhr an Getreide nach Deutschland abschneiden und dann haben wir den Hunger bei uns zu Gast. Ein solches Argument hört sich ja agitatorisch sehr schön an, aber eine Schande ist es für Fachleute, solche Argumente unter offiziöser Flagge segeln zu lassen. Denn darüber sind ja wohl alle Marine- Autoritäten einig, daß die Getreide-Einfuhr nach Deutschland in keiner Weise unterbunden werden kann. Als vor einigen Jahren in England die Frage der Verstärkung der Marine ans der Tagesordnung stand, da wurde, selbst von Fachautoritäten ersten Ranges, so von dem Admiral Close, auch das Argument der Nahrungs mittel-Znfnhr für die Verstärkung ins Feld geführt. Kein Geringerer als Lord Wolseley, der Oberbefehlshaber der britischen Armee, war es, der mit ehrlicher Entrüstung offen gegen die Anwendung eines derartigen Argumentes sich ivandte In einer Rede, die er in der Royal United Service Institution hielt, führte er ans, daß es unmöglich sei, daß irgend welche vereinigten feindlichen Flotten im stände sein würden, die Küste und die Häsen Englands gleichzeitig zu blockiren. Er fuhr dann, und daraus ergiebt sich das Urthal über das gleiche in Deutschland beliebte Agitationsmanöver, fort: Von allen Trug- bildern, mit denen man England jemals geängstigt habe, sei dies das elendeste. Er selbst habe für die Verstärkung der englischen Flotte das größte Interesse, aber nach seiner Meinung sei das Argument der Nahrungsmittel-Znfuhr weder der Flotte noch der Frage würdig. Es sei seiner Ansicht nach ganz unmöglich, dem Lande die Wcizeneinfnhr abzn- schneiden, deren es bedürfe. Abgesehen von jeder technischen Ansicht könne jeder Mensch vermittelst des gesunden Menschen- Verstandes einsehen, wie unmöglich es sei, nicht nur für eine Flotte, sondern für alle Flotten der Welt, Großbritannien die Zufuhr von Brotkorn abzuschneiden. Soweit Lord Wolseley. Für Deutschland ist aber eine solche Eventualität noch viel weniger möglich wie für Eng- land, das als Insel doch leichter zu blockiren sein müßte. Deutschland grenzt an nicht weniger als an sieben verschiedene Staaten. Es müßte also in einen Krieg mit diesen sänimt- lichen Staaten verwickelt, außerdem der Seeweg für Deutsch- land gesperrt werden, ehe die Gefahr einer Unterbindung der Getreidezufuhr aktuell werden könnte! Man braucht keine Worte darüber zu verlieren, daß eine solche Eventualität eben ins Gebiet der Unmöglichkeit gehört. Aber es ist bezeichnend, daß die offiziösen Schreiber die Erlaubniß haben, in dieser der Marine und der Frage „unwürdigen" Weise die Meinung des Volkes demagogisch und zum Schaden der prinzipiell so sehr betonten Autorität der Fachleute zu bearbeiten, ohne daß ihnen von irgend einer Seite Einhalt geboten wird. Noch schlimmer ist's freilich, wie nian die offiziöse Bekämpfung des Reichstages betreibt. Ans- gehend von dem erhabenen und einzig giltigen Urtheil der Marinefachleute, von deni wir eben eine Probe gegeben haben, ivird dem aus Laien zusammengesetzten Reichstage jede Berechtigung zu einer Opposition in Marine-Angelegen- heitcn abgesprochen. Es ivird gleichsam als An maßung dargestellt, wenn einfache Laien in Marine-Angelegen heiten den Muth finden, sich den Forderungen der Fachleute gegenüber ablehnend zu verhalten. Wir haben hier nicht nöthig, die Berechtigung einer Opposition im Reichstage nach zuweisen. Hier interesfirt uns nur der kecke Ton, in dem vom Laien verständniß im Gegensatz zu den Ansichten der Fach leute gesprochen wird. Und auch hier kann man den in Eifer gerathenen Leutchen nur etivas Vorsicht empfehlen, wenn sie nicht wollen, daß man ihre Maximen gegen die Flotten enthusiasten selbst verwerthet. Hier sei nur soviel bemerkt: Tie Herren Fachleute, die plötzlich so äußerst warm für eine deutsche Hochsee-Panzerflotte eintreten, haben vor wenigen Jahren in ihrer Mehrheit noch nicht daran gedacht, eine solche Flotte für Teutschland zu verlangen. Ihr Fachwissen hat sie in keiner Weise zu der Forderung einer großen Marine veranlaßt Die Umwälzung ihrer Anschauungen ist vielniehr erst erfolgt, als von oben herab eine große Kriegsflotte gewünscht wurde. Danials schwenkten die Fachleute wie die Unteroffiziere ein und sind eifrige Vertreter der heutigen Flottcnpläue geworden. Dieser Umschwung der Autoritäten läßt sichsehr leicht noch aus der Fachliteratur der letzten Jahre nachweisen. Und dann— bei aller Achtung vor dem Fachwissen— die offiziösen Flottenagitatoren niögen doch nicht allzu rücksichtslos die Ansichten des Laien und Dilettanleu au den Pranger stellen! Sie scheinen gar nicht zu wissen, daß sie mit diesem Beginnen manche hochstehenden Personen treffen würden, die in gar vielen Fragen, über die ihnen kein Fachwissen zu- steht, maßgebende Urtheile abzugeben belieben, mit denen sich die offiziöse Presse bescheiden abfindet. Es ist sehr gefährlich, in Morine-Angelegenheiten plötzlich von der bisherigen Uebnng ab weichende Maximen aufstellen und dem bisher so geschätzten Laienvcrstande mit einem Male jedes maßgebende Verständniß absprechen zu wollen; zu welchen Konsequenzen müßte eine solche Bearbeitung des breiten Publikums führen! Diese Proben der offiziösen Flottenagitation mögen zu ihrer Kennzeichnung vor- läufig geniigen. Den Gegnern der Flottenvorlagen hat sie bis jetzt nicht geschadet._ politische Llebeeficht» Berlin, 10. September. Im Reiche des Herrn Thielen ereignen sich fast Tag um Tag neue Unglücksfälle. Aus Köln wird hent amtlich gemeldet: Der Personenzug Nr. 122 Köln— Frankfurt a. M., ab 5iöln 6 Ubr 18 Minuten Vormittag, ist gegen EV» Uhr in der Nähe der Station Urbach der Strecke Köln— Troisdorf auf einen Güter- zug gefahren. Ei» Thcil des Personenzuges entgleiste, die Maschine des letzteren, soivie mehrere Wagen des Personen und Güterzuges wurden beschädigt, zwei Fahrbeamte wurden getödtet. Verletzungen von anderen Personen sind bisher nicht bekannt geworden. Das Hanptglcis ist gesperrt, der Verkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhallen. Nach privaten Mitlheilnngen sollen zahlreiche Personen theils schwer, theils leicht verletzt worden sein. Die„Barnier Zeitung" meldet: Heute früh 4 Uhr rissen von einem von Barmen-Nitters Hansen nach Ronsdors fahrenden Gnlerznge an einer stark an- steigenden Stelle neun Wagen, welche mit Zement und Holz beladen ivare», los und bewegten sich mit zunehmender Schnelligkeit nach Riltershanfen zurück, wo sie aus einen leeren, noch ohne Maschine befindlichen Personenzug auffuhren. Fünf Güterwagen und zwei leere Personenwagen wurden zer- lrümmert. Die beiden Bremser, welche sich auf dem losgerissenen Theile des Güterzuges befanden und die Wagen nicht zu bremsen vermochten, retteten sich durch Abspringen und erlitten nur leichte Verletzungen. Weitere Nnfälle von Personen sind nicht bekannt ge- ivorden. Untersuchung ist eingeleitet. Kein Wunder, daß unter diesen Umständen die Besorgniß des Publikums immer mehr wächst. Und was thnn die Herren am grünen Tisch? Sie er- heben Vorwürfe gegen die Unterbeaniten, die täglich und stündlich ihr Leben aufs Spiel setzen müssen. Sie erlassen Vorschriften über Vorschriften und übergeben den Beamten, der im Ueberdrang der Arbeit, in der Uebermüdung infolge ungeheurer Dienstanspannung das Kleinste versah, dem Straf- richter. An eine gründliche Aufhellung der wirklichen und letzten Ursachen der Eisenbahn-Unfälle ist vorläufig nicht zu denke». Ebenso wenig wird man sich aufraffen, die so dringliche Reform der Arbeitsverhältnisse der Angestellten sowie die Ver- besserung des Bahnmaterials im großen Stile in die Wege zu leiten. Unter dem Regiment der Bureaukratie und der Ueberschuß- wirthschafter ist so leicht keine Abhilfe zu er» warten. Höchstens daß vielleicht die niaffenhaften Unglücksfälle Herrn Thielen das Mini st erportefeuille k o st e n werden, auf daß ein Husarengeneral an seiner Stelle„Ordnung" auch in diesen Betrieb bringe!— Koste» der Versetzung diplonratischer Beamter. Wie unseren Lesern bekannt ist, ist an stelle des von Washington aus Auswärtige Amt berufenen Freiherrn v. Thielemann der Stuttgarter Botschafter als Botschafter nach Washington ver- setzt. Derartige Versetzungen im Ressort des Auswärtigen Amtes sind außerordentlich kostspielig. So kostete die im Jahre 1893 erfolgte Versetzung des Freiherr» von Sanrma nach Stuttgart nicht weniger als 25 392 M. 86 Pf. Die in demselben Jahre erfolgte Berusimg des Botschafters von Bülow aus Bukarest nach Rom 19 766 M. 79 Pf., die im Jahre 1894 erfolgte Versetzung des Grafen zu Enlenburg als Botschafter von München nach Wien 21506 M. 46 Pf. Diese Riescnsnmmen sind wiederholt Gegen- stand lebhafter Klagen im Reichstag gewesen. Die enormen Höhen für derlei Umzugskosten beruhen aus der Verordnung vom 23. April 1879. Darnach berechnen sich die Umzngskosten für Botschafter aus folgenden vier Posten: 1. 100 pCt. des Gehalts als allgemeine Umzngskosten; 2. Fuhrkosten für die eigenen Personen, die Familieilmitgliedcr und Dienstboten; 3. Transportkosten des Umzngsgntes; 4. Vergütung eines höchstens einjährigen Miethszinscs für die Zeit vom Verlassen der alten Wohnung ab. Freiherr v. Sanrma erhielt dem- nach für: I. Allgemeine Umzugskosten... 16000,— M. 2, Fnhrkosten a) für seine Person... 1067,55„ b) für seine Familienmitglieder n. Dienstboten 3 211,20„ 8. Transport des Umziigsgutes. 4 069,67„ 4. Ersatz der Wohnungsnncthe für 2 Monate....... 1 044,44„ Summa: 25 392,86 M. Man ersieht ans diesen Zahlen, daß die Versetzungen im auswärtigen Dienste für den deutschen Staatssäckel nicht gleich- giltig sind. Die nach Beurlaubung des Staatssekretärs Frei- Herrn v. Marschall an Beamte des auswärtigen Dienstes ge- zahlten Umzugsgelder dürsten demnach wohl 100 000 M. über- steigen.— Ter Niedergang des Anarchismus ist eine überall zu konstatirende Thatsache. In Spanien, Portugal und vor allein in Italien hat heute der Änarchismns lange nicht mehr so viele Anhänger, wie vor zehn und noch vor fünf Jahren. In Frankreich und England ist heute der Anarchismus eine fast unbekannte Erscheinung, nnd in Deutsch- land wüßte man von dieser Sekte nichts, wenn nicht die Stumm und Konsorten und ihre Preßorgane unermüdlich die Reklametrommel rühren würden. Hätten für die im kleinsten Formate erscheinenden Zcitungsblätter und ihre überaus seltenen Versammlungen die deutschen Anarchisten, die in eine Unzahl von Richtungen, die sich gegenseitig bekämpfen, zerfallen, nicht die Greuel von Barcelona ausbeuten können, ihre Blätter wären an tödtlicher Langeweile zu gründe gegangen. Nun droht ihnen aber das natürliche Ende durch die völlige Theilnahmslosigkeit der Proletarier an ihren Bestrebungen. Das früher in London in deutscher Sprache erschienene anarchistischen Blättchen sind ein- gegangen; das vor kurzem hier gegründete nnd mit Vorliebe von dcr„'Post" nnd den„Hamburger Nachrichten" zitirte „Neue Leben" dürste bei seiner letzten Nummer schon an- gelangt sein, dcr„Sozialist" und der„Arme„Konrad" klagen in ebenso beweglicher als beredter Sprache, daß kein Geld von den Abonnenten eingeht, und ohne dieses Geld ist das Blatt nicht zu drucken. Das älteste Blatt der anarchistischen Richtung, Johanil Most's„Freiheit", hat, wie wir schon in der vorigen Woche auf grund einer durch die heute eingetroffenen New-Iorker Blätter bestätigten Kabeldepesche meldeten, ihr Erscheinen wegen dcr völligen Theilnahmslosigkeit dcr Leser einstellen müssen. So hat das„Internationale Organ der Anarchisten deutscher Sprache", diese reichlichste Fundgrube deutscher Schimpfivorte, unerhörter Verdächtigungen und Beschimpfungen unserer Partei, aufgehört zu sein. Im Jahre 1879 in London gegründet, hat das Blatt zahllose Wandlungen vom antiparlamcntarischcn Sozialisinns bis zur Propaganda der That nnd von da wieder bis zn einer höchst pessimistischen Auffassung nnd lethargischen Taktik durchgemacht. Johann(oder wie er sich jetzt nennt John) Most, der Redakteur der„Freiheit", steht jetzt im 52. Jahre. Geboren zu Augsburg, wurde er 1863 mit dem Sozialismus in der Schweiz bekannt, 1869 ging er nach Oesterreich, wurde dort im großen Hochverrathsprozcß mit Oberivinder, Härtung, Scheu u. a. verurtheilt, nachher be- gnadigt und ausgeiviesen. In Deutschland war er nacheinander Redakteur der„Chemnitzer freien Presse", der„Süddeutschen Volksstimme" in Mainz und der Berliner freien Presse". 1874 nnd 1877. wurde er in den Reichstag gewählt, 1878 fiel er durch. Bei Verhängung des Sozialistengesetzes war er in Plötzensee. Nach Verbüßung seiner Strafe ging er nach London. Hier gründete er die „Freiheit" und schrieb eine Broschüre gegen alle in der Sozial- demokratie damals thätigen Genossen. Auch in England und in den Vereinigten Staaten von Amerika hatte er schwere Strafen zu ertrage». Jetzt geht nun auch die Freiheit" ein und Most greift wieder zum Wanderstabe, er übernimmt die Redaktion der„Buffaloer Arbeiter-Zeitimg", deren Wochenblatt künftighin den Namen„Freiheit" tragen soll. Zu den schweren Mißerfolgen der anarchistischen Presse kondvureii mir aus vollem Herzen den Herren Stumm, Zedlitz u. Genossen.— A»S Indien wird von einigen Zusammenstößen der englischen Truppen mit den Eingeborenenslämmen berichtet. Doch sind diese Vorkommnisse nicht von großer Bedeutung. Auf englischer Seil« scheinen übrigens die jetzigen Schwierigkeiten !u einer Aenderung der bisherigen Politik im indischen Nordwesten zu ühren. Bisher befolgte man den Plan, immer ireiter in die Berg- landschaften vorzndriuge»; man hoffte dadurch die englische Position für die zukünftige Auseinandersetzungen mit Nußland zu verbessern. Jetzt scheint man mehr zu der Meinung zu neigen, daß es besser sei, die ungeberdigen Bergvölker sich selbst zu überlassen und die englische Herrschaft ans die Jndnslinie zu beschränken. In dieser Weise sprach sich weuigstens der frühere Hilfsgonvernenr der indischen nordwestlichen Provinze». Sir Anckland Colvin, ans. Und die fol- gende Meldung der„Times" aus S i m l a bestätigt diese Auf- fassung; die„Times" schreiben:„Die indische Regierung richtete an den Emir von A f g h a n i st a n einen Brief. in dem sie erklärt, die Operationen an der Grenze hätten allein den Zweck, den Mullah von Hadda und seine Anhänger zu bestrafen. Es sei nicht beabsichtigt, die Unabhängigkeit der Stämme anzutasten oder sich für in, in er in diesem Gebiete nieder- zulassen. Dieser Brief soll den Emir beruhige», welchem mit- gelheilt war, man werde einen Einfall in Afghanistan machen.— In B o in b a y hat vor dem O b e r g e r i ch t der Prozeß gegen den Nedaktenr der Pnnaer Zeitung„Kesari", Bal Gangadhar Tilak, und den Heransgeber des Blattes. Keschaw Mahadeo Bal, wegen Verbreitung aufrührerischer Artikel begonnen; der General- staatsanwalt leitet die Anklage. In der ersten Instanz war der Nedaktenr zu lebenslänglicher, der Heransgeber zu siebenjähriger Deportation verurlheilt worden. «, » TentschcS Ncich. — DaS Direktorium d e S Zentral-BerbandeS deutscher Industrieller hielt gestern und hente in Berlin Sitzungen ab, in welchen beschlossen wurde, ein Rundschreiben au die Mitglieder deS Zenlral-Verbandes zu richten, dem wir das sol- gende entnehmen: „Wir hatten unseren Geschäftsführer beauftragt, die bei der Bildung einer Zentralftelle zur Vorbereitung des Abfchluffes Handels- politischer Verträge nut dem Auslände in Betracht kommenden Gesichtspunkte i» einer Denkschrift darzulegen. Diese Tenkschrisl ist uns unter dem 13. Juni d. I. unterbreitet und vorläufig auch in vertraulicher Weise den betreffenden Ncichs- und preußischen Staatsbehörde» zur Kenntniß gebracht worden. I» Slnkiiüpfung Hiera» haben sodann Besprechungen mit maßgebenden Personen der vor- genannte» amtlichen Stellen stattgefnnden; auch sind in der Zwischen- zeit vom deutschen Landwirthschaftsrath Ver- Handlungen mit uns angeknüpft worden. welche ei» Zusammengehe» in b e z n g auf die Rege- lung unserer handelspolitischen Verhältnisse zum Auslände bezweckten. Auf gruud der bei diesen Besprechungen nunmehr gewonnenen Kenntniß von den so- wohl bei de» vorerwähnten Behörden, wie bei dem Deutsche» Land- wirthschaftsrath vorhandenen Anschauungen haben wir in unserer heutigen Sitzung beschlossen, unter Uebcrreichnng der vorerwähnten Denkschrift, die demnächst unseren Mitgliedern zugehen wird, eine Eingabe an den Herrn Reichskanzler zu richte», welche in der Bitte ausläuft, b e h u s s Herbeiführung einer ersten direkten N u s s p r a ch e n n d Ver- st ä il d i g»» g eine Konferenz von Vertretern d e S Deutschen Landwirthschaftsrathes, des Zentral- Verbandes deutscher Industrieller und des Deutschen Handelstages in thunlichst kurzer Frist zu berufen. Der Initiative und Mitwirkung der freien Vereine, Fach- verbände und sonstiger Bertretungsorgane würde durch«ine der- artige Zentralstclle in keiner Weise Abbruch geschaffen werden; im Gegentheil die freie Vereinslhätiakeit und Initiative würde in der Zentralstelle ein Organ sinden, in welchem die An- träge und Vorschläge der Belheiligten unter der Mitwirkung berufener Vertreter geprüft und für das allgemeine Interesse nutzbar gemacht werden sollen." Im wesentlichen wird durch diese Darstellung bestätigt, was wir schon längst unseren Lesern dargelegt haben, daß der Groß- kapitaliSinns in Industrie und Landwirthschaft nicht gegen einander, sondern mit einander seine Interessen beim Abschluß der nächsten Handelsverträge zu wahren suchen wird. Den Konsnmenten wird dabei die Haut über die Ohren gezogen werden.— — Ei 11 Bruch des Etatsrechtes. Uuter dieser Spitz- marke behandelt die„Freisiiinige Zeitung" den Bau einer SV km langen Bahn in Südwest-Afrika mit einem Kostenaufwand von einer Million Marl. Der Reichsetat giebt der Regierung hierzu nicht die mindeste Ermächtigung. Im Gegentheil: Als in der Budget- kommisstoii des Reichstags bei der Berathnng des Etats für Südwestafrila die verschiedenen dortigen Bahnprojekle zur Sprache kamen, meinte Kolonaldirektor v. Richthofeii, daß eine etwa von Swakopmiind a»S zu erbauende Bahn möglichst billig und ohne Bei- hilf« des Reichs herzustellen sei. Auch im Plenum erklärte der Kolonial- dlreklor am 22. Februar, daß, wenn der Reichstag ihm etwa die Mittel für den Bau einer Bahn in Südwestafrika bewilligte, das ustandekomm«!! eines Arrangements mit der Sonth West Afrika» oinpany feine Schwierigkeiten bereilcn würde. Nunmehr ist ein solcher Bahnbau flugs in Angriff genommen, ohne jede Bewilligung von Milleln seitens des Reichstages, als ob der Sieichslag und ein Etatsrccht gar nicht vorhanden wären. Für die neuen Herren in den verschiedenen Staaissekretariaten wird es eine uiiangeiiehnie Stunde sein, wenn der Reichstag sich mit dieser Sache besassen wird.-- — Lehrer-Maßregelung. An? Düsseldorf wird der„Frankfurter Zeitung" gemeldet:„Das llrthetl des DiSziplinar- Gerichtshofes der Regierung zu Düsseldorf, durch welches der Elber- selber Bolksschullehrer Julius H o n k e seines Amtes entsetzt wurde, weil er ans dem vorletzten Parleiiage der Deutsche» Rechtspartei in Frankfurt a. M. für deren Programm «inaetrete» war, ist in der M i n i st e r i a l s i tz u n g vom 13. Juli dieses Jahres dahin abgeändert worden, daß der Beklagte i» eine Geldstrafe von ISO Marl zu nehmen sei. Honke wurde im Frühjahre 1896 vom Amte suspenvirt und im Herbst desselben Jahres abgesetzt. Durch die eingelegte Bernfiing hat sich die An- gelegenheit bis heute hinausgeschoben. Eine gleichzeitig«in- gelaufene Verfügung bestimmt, daß dem Betroffenen die Hälfte des GehaltS. die er während des Verfahrens weniger bezog, nach- zuzahlen ist." ES ist erfreulich, daß da» Miiiisterimn die Straf« erheblich ge- mildert hat. Aber im Grunde ist der Entscheid des Ministeriums ebenso verwerflich wie das llrtheil de» DiSziplinar-VerichlshofeS, da er dem gleiche» Grundsatze folgt, daß der Lehrer«ine selbständige politische Meinung nicht haben bezw. nicht zum Ausdruck bringen — Z u den Eise II bahn-Un fällen schreibt die„D. Bau- zeitmig": Dies« Unfälle mahnen ernst an die Pflicht, unser« Betriebs- eiiirichtungen immer weiter zu vervoUkonimneii und rastlos daran zu arbeiten, um die Wirkuiigen menschlicher Schwächen und Versehen unschädlich zu machen. Wenn auch auf diesem Gebiet« in den letzten zwei Jahrzehnten schon viel geschehen sei. so seien doch besonders zwei Fragen noch nicht ausreichend gelöst: Die Möglichkeit, eine Weiche unter dem bewegten Fahrzeug umzulegen und die seldstihätige Kenn- zeichnung der Thatsache, daß der Zugschluß eine hestimnite Stelle überschritten hat. Wohl die meisten Unsäll« entspringe,, daraus. daß unser« bisherigen Einrichtungen in diese» Fällen unzureichend sind«der noch ganz versagen. Eine andere Mahnung geht dahin, »aß es dringend nothwendig für die höher,,, Vetri«b»beamt,n ist, unansgesetzt die richtige Handhabung der Betriebseinrichtungen scharf zu überwachen und auch die geringfügigst erscheinenden Abweichnngen von den Borschriften nicht zu dulden. Die Unglückssälle n, ahnen ans das ernsteste, in der Veniessnug der Zahl und der Selb- st ä n d i g k e i t der technischen Oderbeamten iveniger zurückhaltend zu sein, als die maßgebenden Stellen es bisher waren. Eine aus- reichende Zahl gut geschulter, besonders aber niit der nöthigen Selbständigkeil ausgestalteter höherer Techniker, sowohl in den Direktionen, wie bei den Inspektionen sei nicht nur ein« der festesten Grundlagen eines sicheren, sonder» auch«nies iv i r t h s ch a f t l i ch e n Betriebes. also einer guten B e r- w a l t ii n g. — Noch einmal das„Attentat" von Eschede. Endlich läßt sich eine amtliche Slelle herbei, über das vielbesprochene Eiseiibahnui, glück in Eschede eine Darstellung zu geben. Die königl. Eiseiibahii-Betriebs-Jiispektion zu Uelzen thut die? im folgenden Schreiben au den„Hannoverschen Anzeiger": Ans den Artikel„Eisenbahiiniiglnck in Eschede" in Nr. 207 des„Haiiiioverschen Anzeigers" vom 5. September 1897 ersuche» wir folgende Berichtigung in Ihr Blatt aufziimhme»: Die Untersuchung über die Entgleisung des Sz. 731) am 14. August 1897 vor Eschede hat ergeben, daß an der deutlich er- kennbaren Enlgleisimgsstelle keine Schiene gebrochen war; wohin- gegen die Schienen hinler der Eiilgleisuugsstelle zum theil sehr stark verbogen und verdreht vorgefunden wurden. Einige be- sonders stark verdrehte und verbogene Schienen waren hierbei, wie der Verfasser des Artikels richtig angiebt, eingebrochen. Die Prüfung hat ergeben, daß die Bruchstellen fämnitlich frisch waren. Diese Zerstörungen sind indessen unzweifelhaft durch die entgleiste Lokoniotive und die Wagen verursacht worden. Die Brüche sind daher nicht als die Ursache, sondern als die Folge der Entgleisung an- zusehe». Wir bemerken noch, daß die Gleise außer durch die Revisionen höherer Beamten und die Ueberwachung durch die an der Strecke eiitlaiig gehenden Bahnarbeiter. sowie durch die Personale der zahlreichen Züge täglich sechsmal durch die Bahnwärter r e v i d i r t werden, wobei besonders auf Schienenbrüche geachtet wird. Gebrochene Schienen werden stets sofort nach ihrer Eni- deckung ausgewechselt. De», Entdecker eines Schieuenbruches wird in allen Fällen eine Prämie aus der Staatskasse gezahlt Necke. Also«ndgilUg nichts mit den so schönen Attentaten, das die Stumm'sche Garde am liebsten in Nnsiiahniegesetzeii schon eskomptirt hätte.— — Die schädigenden Folgen der Grenzsperre für Schweine beginnen jetzt auch in Berlin sich sehr fühlbar zu machen. An den letzten vier Berliner Viehinärkleii war der Schweine-Austrieb um 412« Thier« geringer als aus den entsprechen- den Märkten des vorigen Jahres. Außerdem ist auch die Qualität geringer geworden, da vielfach leichte und unreife Maare auf« getrieben wird. Der Preis für Schweine im Durchschuilt ist, wie die„Allgemeine Fleischer-Zeitung" mittheilt, gegen das vorige Jahr um 1« bis 12 Mark pro Zentner gestiegen, was für die ärmere Bevölkerung eine sehr bedeutende Preiserhöhung ansmacht. Infolge der in diesem Jahre vielfach aufgetretenen Schiveiueseuchen ist nun noch eine weitere Bernlinderung des Auftriebes, eine weitere Ver- schlechterung der Qualität und eine Erhöhung der Preise zu erwarten. Und genau dieselben Uebelslände— geringer Austrieb, schlechte Qualität, hohe Preise— herrschen überall im Lande. Am drückendste» wirken diese Verhältnisse naiürlich in den Gegenden mit starker A r b e i t e r b e v ö l k e r u n g. Geholfen werden kann mir durch die Oessnnng der Grenzen, besonders der russischen und dänischen. Ein starker Rückgang der Preise ist dadurch auch nicht zu erwarten, denn auch im Auslände sind die Schweinepreise in diesem Jahre höher als sonst. Immerhin würde dadurch der Mangel an Schweinen beseitigt und auch eine Herabniiiiderung der Schweinepreise erzielt werden. Wie bisher, geht es nicht weiter, und überdies wird es jeden Tag schlimmer. Die Regierung darf nicht länger zögern, die Schweinesperre anfziihebe» und dadurch der ärmeren Bevölkerung den Genuß des Schweinefleisches wieder zu er- möglichen.— — Erkrankungen im Manöver. Die„München er N. Nachr." berichten, daß einige zwanzig im Manöver erkrankt« Soldaten nach München und Ingolstadt gebracht worden seien. Die„Münch. Post" beziffert die Zahl der Erkrankten des Jnsanterie- Leib-RegimentS allein ans über hundert.— — E i n Recht ans R u h e st ö r n n g e n in B e r s a in m- l u ii g e n hat, es ist kaum zu glauben, der Landrath von B o d e n h a u s e n in Herzberg a. d. Elster in einer Verfügung aufgestellt. Wenigstens berichtet die„Freist Zeitung": Eine liberale B e r s a in m l n n g in Laiigengrassail wurde am S. Juni 1897 gestört durch einen angetrunkenen Gemeinde- lehrer, welcher wiederholt den liberalen Redner mit dem Ver- langen unterbrach, die ländliche Schnlfrage unerörtert zu lassen, andernfalls werde er die Versammlung stören. Als der Redner gleichwohl die Schulfrage in streng fach- licher Form erörterte bei größter Ruhe und Ausmerksamkeit der Ver- sammellen, begann dieser einzelne Besucher mit seinem Lärmen StörnngSversnche. Nun wollte der Leiter der Berfanimliing den Ruhestörer wegen Hansfrieveiisbruchs belangen, und bat den anwesenden A m t s v o r st« h e r nebst G« n d a r in e n nm Feststellung der Persönlichkeit. Der A m I S- Vorsteher aber verkündigte plötzlich zu aller Ueberrafchung die A» f l ö s u n g der V e r s a in in l u n g. Auf die dagegen geführte Beschwerde hat der Landrath die N ii f l ö s n„ g für gerechtfertigt erklärt. Die Anforderung des Leiters der Versammlung„in seiner Hilflosigkeit und Macht- losigkeit an die Organe der Obrigkeit sei ungerechlfertigt" gewesen. Auch seien die Abgeordneten der Polizei zur Neberwachung der öffentlichen Bersamiiiluiig, nicht aber zum Schutze des Redners erschienen,„damit letzterer, worauf es 'a sonst herauskommen würde, die von tbm beliebte Rede n Ruhe, gegen den Willen der Versanmilung oder eines Theiles der Versammlung weiter halte» kann, denn dem Rechte jedes Staatsbürgers, eine öffentliche Versammlung aiizuberauinen. steht das Recht jedes anderen Staatsbürgers, den Inhalt des Vorlragrs zu bekämpfen, wozu auch das Unterbrechen des Vortrages zu rechnen ist, gegenüber." So der Herr Landrath von Bodenhausen zu Herzberg! Daß es ein Hansrecht giebt und daß es zu den Verpflichiiingen der Polizei gehört, den Inhaber dieses HansrechiS in der Wohnung des- 'elben gegen jederniann zu schützen, scheint der Herr Landrath über- ehe» zu habe». — V o m B e r n st« i n m o n o p o l. Die D a n z i g e r Bern- lein-Jndnstriellen beabsichtigen, wie von dort gemeldet wird, eine Beschwerde beim Haiidelsmiuister einzureichen, da G e h e i m r a t h Becker die Lieferung von Rohmaterial nach Daiizig untersagt. Durch Berwirklichung dieser Maßregelung würde der Danziger Bernsteinhandel vernichtet werden. — Wegen Mißhandlung und Freiheit»- beraub u„g vernrthetkle die Etraskammer in Elbing den Nacht- wachbeamten Thiedeina»» zu S Monaten Gefängnih.— — Durch einen Gendarm erschossen wurde der »F>kf. Ztg." zufolge in dem Dorfe Kirchrath bei Aachen ein Berg- mann, welcher wegen Körperverletzung mit tödllichem Ausgang, be- gangen an dem dortigen Gastwirih Jungen, verhaftet worden war und den Gendarmen entfliehen wollte.— — DaS B i S m a r ck- I n t e r v i e w, welches der„GanloiS" kürzlich mittheilte und in dem besonder» die Unsicherheit der jetzigen Regierungspolitik glosstrt wurde, beruht nach einer Meldung der „Hamb. Nachr." auf Erfindung. —„HistorischerPluuder." Der Lippe'sche Erbfolge streit hat noch ein Nachspiel, indem der von der Regierung anSgeschlosfene Prinz Adolf zu Schaumburg-Lippe nun wenigstens für sei»« Nach- kommen die Erbfolgebexechtignng erkämpfen will, Die Begrn»dpng für dieses Recht sucht der Prinz Adolf darin, daß in der „Ahnenreihe" des Prinzen Ernst zu Lippe- Lichtenfels nicht „ebenbürtige" Ehen geschlossen worden seien. Dieses Ver- halten giebt selbst der„Magdeburger Zeitung" Anlaß zum Spotte; sie sagt:„Im übrigen machen die krampshaften Bemühungen, de», Grafen Lippe und seiner Nachkommenschast die Erbfolge in Lippe streitig machen zu wollen, weil angeblich in der Familie des Grafen nicht„ebenbürtige" Ehen geschlossen worden sind, nachgerade einen »nangenehmeii Eindruck. Dem modernen Rechtsbeiviißisein widerstrebt der historische Plunder von Ebenbürtigkeit undNichtebenbürligkeit. Nirgends versteht man mehr, weshalb eine rechlsgittig abgeschlossene Ehe in einem deuischen fürstlichen Hanse darum die Erbfolge der Nachkoinmenschaft in Frage stellen soll, weil die Mutter vielleicht dem„niederen Adel" oder gar dem„bürgerlichen Stande" angehört hat." Und doch spielt die lächerliche Farce der Ebenbürtigkeit und Nichtebenbürtigkeit noch eine sehr große Rolle in deuischen Landen; man denke nur an die militärische Karriere.— — Landtags Wahlrecht in Sachsen-Weimar. Die Wahl der Wahlniänner ist nunnichr überall beendet. Es ist das erste Mal gewesen, daß sich unsere Partei ans der ganzen Linie an diesen Wahlen belheiligte. Wenn wir auch keine Vermehrung der ahl unserer Abgeordneten erzielt haben, so ist es doch ein großer rfolg, daß wir einerseits das Interesse deS Volkes an den Landes- angelegenheiten ivahrgeuommen haben und daß wir überdies trotz der Wahlrechtsvers chlech lern n g mit einer beachtens- werihen Stimmenzahl aus dem Kampfe hervorgehen. In den Bezirken ZIpolba, Sulza, Münchenbernsdorf, Weiiigenjena, Wolserftedl, und Allstedt sind(bis auf letzteren Ort, wo 1 Gegner mitgewählt ist), unsere s ä in in t l i ch e n W a h l in ä n n e r als Sieger ans der Urne hervorgegangen. In Ruhla, Jlmeiia», Oldisleben, Weida haben wir eine ansehnliche Sliininenzahl erreicht. Auch in mehreren größeren Dörfern sind unsere Wahlmänner gewählt, überall hat sich ein Fortschritt für unsere Ideen bemerkbar gemacht; am meisten Erfolg ist in den Landtagswahlkreisen zu verzeichnen, die den ersten weimarischen Reichstagswahlkreis bilden. Die Abgeordnetenwahlen finden in Apolda-Stadt am 2«. September, in Apolda-Land am 21. September statt. Dresden» 1«. Sept.(Eig.Ber.) DieGegner fangen an.ihreThälig« keit zu den Landtags wählen aufzunehiiieii. Für die nächsten Tage sind um DreSden herum eine ganze Anzaht Versaiiimluiigeii der Konservaliven, Foitschrittler resp. der„Ordiinngsparteiiii" arrangirt. Unsere Genossen werde» natürlich überall in diesen Ver- sammluiigen den Versuch machei,, zn Worte z» kommen, um so mehr, da uns Lokale für Versammlungen nur sehr spärlich znr Ver- fügung stehe».— Ein recht unerquicklicher Streit ist in den Kreisen der hiesigen Buchdrucker über ihre Kra»re»kasse»a»gelege»heiten entbrannt. Den Anlaß dazu haben die bestehenden mißlichen Verhältnisse in der Jnniings-Krankenkass« gegeben. Dieselbe wurde seinerzeit ins Leben gerufen, als unser Parteigenosse F r ä ß d o r f zum Vor« sitzenden der Orts-Krai>ke»kaffe gewählt wurde. Der vormalige Bor- sitzende der Ortskasse, Bnchduickereibesitzer Lehmann, koiinle diesen Schlag nicht verwinde». Um sich nun zn räche»»iid um die in der Ortskasse versicherten Gehilfen vor dem„sozialistischen Gift" zu bewahre», suchte er diese für die neue„Wohlfahrlscinrichtuiig", die Jiinniigskasse, zu gewinnen, was auch gelang. Jetzt stellt sich nun heraus, daß die Jnnungskasse vollständig in Bruch gerathen ist, sodaß die Beiträge außerordentlich erhöht und die Leistungen auf das M i n d e st in a ß herabgesetzt werden sollen. Dagegen revoltiren begreiflicherweise die Milglieder. Die Jnnnngs- meister sind natürlich in einer recht fatalen Lage.— Miinchc», 7. Sept. Sechs jüdische Kauflenke halten gegen den A n t i s e in i t e n s ü h r e r Weiigg Beleidigungsklage erhoben, weil er zu Weihnachten seinem„Denlscheii Bolksblati" ein Flugblatt beigelegt hatte, in dem das Publikum aufgefordert worden war, nichts bei Inden, sondern bei ch r i st l i ch e n deutschen Geschäftslenten, zu kaufen. DaS Schöffen- gerächt hat seinerzeit W e ii g g freigesprochen. Die dagegen von den Klägern erhobene Berufung wurde heute vom Land- gerächt verworfen. In der Urtheilsbegründung heißt es, das Flugblatt sei allgemein gegen die Juden, nicht gegen die Münch euer Juden im besonderen gerichtet, und es sei auch nicht erkennbar, daß es jeden Juden gemeint habe oder gegen bestimuite Personen gerichtet fei. Durch das Flugblatt mag der e i u z e l n e I n d e erregt worden sein; aber diese Erregung vermöge nicht den T h a t- bestand der Beleidigung für eine Aerurtheilnng zu ersetzen, wie es vielleicht ans anderem Wege(grober Unfug?) möglich wäre. Die Antisemiten haben, wie man sieht, allen Anlaß, sich über den Scharfsinn der Münchener Richter zu freuen; leider bieten sonst unsere Richter ihren Scharssinn auf, wenn irgend möglich Ver- urtheilimgeii zu erziele». Hierüber belehrt anSfiihrlich das endlose Kapitel„Verfolgungen der Sozialdemokratie".— Oesterreich. — Die zahlreichen Unfälle auf den Eisenbahnen Oesterreichs waren am 7. September Gegenstand der Verband- lnng einer Volksversammlung in Wien, die von 4000 Per- sonen besucht war. Nach dem Referat unseres Genossen Dr. E l l e n- bogen wnrde einstiinmig eine Resolution angenoinmeii, die fol- genden Worilant hat: „Die erschreckende Häufung der Eisenbahn- Unaliickesälle in der letzten Zeil hat in der Eesainmlbevölkeriing die tiesste Beunruhigung hervorgerufen. Die Gefahr für Leib und Leben, in der nicht blas die Eisenbahn- Bediensteten, sondern auch das reisende Publikum unausgesetzt schweben, ungerechnet den nngeheiiren Schaden an zer- störten Gütern, fordert eine energische Abhilfe heraus. Die Ursachen dieser Eisenbahii-Uiiglückssälle sind in der greiizeiilosen Eparwulh aller Eisenbahn. Verwaltungen, in der Mangelhaftigkeit der betriebs- technische» Eiiirichlnngen. vor allem aber in der uiaßlosen, all« Grenzen übersteigenden Ueberanstrengung des Eisenbahn-Personals, dessen ausgiebige Vermehrung durch die starke Steigciung des Ver- kehrs längst nolhivendig geworden ist, sowie in seiner elenden sozialen Lag« zn suchen. Indem das Eäseiibahn-Ministerinm an diesen klar zu tage liegenden und gegenwärtig bereits von de» weite- sten Kreisen der Bevölkerung klar erkannten Thatsache» mit geflisseut- lichem Ueberiehen vorübergeht, bekundet es seine schon durch die Aus- lösnna der Eisenbahner-Organisation ausgesprochene Absicht, die Lage deS Personals in keiner Hinsicht zu besser» und es der Ansbeutnng durch die Bahnverwallunge» auch fernerhin völlig schrankenlos zn überlassen. Die Versammlung fordert eine unparteiische, energische und ver» ständige, nicht aber von blindem Hasse gegen die Bediensteten ge- tragen« Unters, ichniig der betriebetechnischeii und sozialpolitischen Zustände auf den Eisenbahnen. Sie fordert, daß alle jene maß- gebenden Personen, die sich einer solchen strengen Uniersuchung ans Unverstand, bösem Willen oder schlechtem Geivifsen ent- gegenstellen. von ihren Posten entfernt werden, da nicht zu- gegeben werden darf, daß der Einstchtslosigkeit eineS einzelnen »och so hochstehenden Beamten oder einiger weniger das Leben von Tausenden zum Opfer gebracht wird. Die Versau, niluiig fordert weiter die sozialdemokratischen Abgeordneten ans, im Parlament in der eiilschiedeiistei, Weise die„Unfällezüchteiideii" Znsiände auf den Eisenbahnen zn enthüllen und den Eisenbahnminister wegen seiner Gleichgiltigkeit gegen die wahren Ursachen der Eisenbahnkatastrophen öffentlich zur Rede �u stellen und zur Veraiitivortung zu ziehen. Schließlich erklärt die Versammlung, daß die unerläßliche Voraus- fetznng gesunder Zustände ans den Eisenbahnen die unabhängige Organisation der Eisenbahnbediensteteii ist, und daß ohne ihre Mieder- anfrichtung daS Ziel der Sanirung nicht erreicht werden kann. — In D e n t s ch- B ö h m e n beginnen jetzt auch die p e r s ö n» lichen Verfolgungen jener Politiker, die durch Reden oder Zeitungsartikel gegen d a S S y st e m B a d e n i Stellung a«. nomnien haben. Gegen den Redakteur Tin» in Asch schweben vier Untersuchnngei, wegen HochverrathS. Gegen den Reichs- und Landtags-Abgeordnete» I r o ist anläßlich seiner {Hebe, die er auf dem Volkstage in Asch gehalten hat. Unter- suchung wegen Hochverraths eingeleitet. Am schärsste» aber scheint man gegen den Nebakteur Hoser von den„Egerer Nachrichten" vorgehen zu wollen. Hoser ist zugleich Eigenthümer der„Nachrichten". Seit bei» Egerer Volkstag würbe jede Nnininer feines Blattes wenigstens einmal konfiSzirt. Hofer sitzt gegemvärlig wegen.Hochverraths" in Untersuchungshaft. Am letzten Mittwoch wurden die„Egerer Nachrichten", wie die„N. Fr. Pr." miltheilt, wiederum konfiszirt und s i st i r t. Das letztere kann sich darauf beziehen, dag es nicht gestattet wurde, eine Neuaiisgabe der kon- fiszirie» Nummer herzustellen, oder das Blatt wurde gänzlich unter- drückt. Jetzt fehlt nur noch, daß ma» all diese Hochverräther vor ein czechisches Schwurgericht stellt.— — D n a l i st i s ch e s. Ein Wiener Blatt bringt die Mit- theilung, daß die Prager Parteileitung der Denlschböhine» de» hervorragendsten Persönlichkeiten der liberalen Partei Ungarns ein Memoranbnm gesanbt habe, worin erklärt wird, daß die Deutsch- böhmen unverbrüchlich auf den, Standpunkt des Dualismus ver. harren. Die Prager Parteileitung weiß nichts von der Existenz eines solchen Memorandums.— — Die polnischen Stojalowski-Blätter bginnen nach Kräften die Sozialdemokratie anzugreifen, weil dies in Ron, zur Bedingung für die Aufhebung der E x k o in n> n n i k a t i o n ihres Patrons, des merk- würbigen Paters, gemacht worden. Eine vatikanische Zuschrift der „Polit. Corresp." versichert, der P a p st habe gegenüber der christlich- soziale» Partei eine große Zurückhaltung beobachtet, wennschon ge- legentlich Kardinäle ober Prälaten sie ermulhigt hätten. Erst kürz- lich habe der Papst einigen französischen Bischöfen seine leb- hafte B e u n r n h i g u n g über den aufrührerische» Charakter der ch r i st l i ch- s o z i a l e n Bewegung in einigen Ländern ans- gesprochen.— Lemberg, 10. September. Der Boykott gegen die Wiener „Neue Freie Presse" nimmt immer größere Dimensionen an. Fast alle Cafes und Gasthäuser der Stadt haben das Abounement au' diese Zeitung gekündigt.— Frankreich. PariS, 10. September. Verschiedene Blätter wollen wissen, daß der bekannte Finanzmann Ephrussi bedenlende Vorrälhe von Getreide in Nordfrankreich aufgehäuft habe»nb bedauern, daß es kein Gesetz giebt, um diesem Vergehen ein Ende zu machen. Großbritannien. — Aus Irland wird berichtet, daß infolge des unauf hörlichen Regens in den letzten Wochen die Kartoffelernte völlig mißrathen sei und eine Hungers» oth für den Winter in Aus ficht stehe, so schlimm wie seit langem nicht mehr. Die„Daily Nation" hat jede» irische» Pfarrer ersucht, ihr Mitlheilung über de» Stand der Dinge in seinem Kirchspiel zu mache». Das Resultat der Enquete summirt das Blatt in dem einen Satze: „Die erwartete Ernte von I8S7 eristirt nicht mehr." Es steht gleich schlecht in Ulster und ,n Munster, in Leinster und in Connaught aus. Die am günstigsten lautenden Berichte melden, daß die Ernte eine Drittel-Ernte ist. Andere lauten:„Die schlechteste seit 1S77",„die schlechteste seit 1S46 und 1847". „Kartoffeln giebt es nicht in meinem Kirchspiel," schreibt Pater Kerran von Carron.„Ein neues Hunaerjahr, nichts zu essen," ist die Bolschaft von Kilnamashyn. Das„Freemans Journal schreibt:„Jetzt kann auch der wucherischste Gutsherr keine Pacht erpressen. Die Farmer können nicht allein keine Pachtzinsen zahlen, sondern können ohne Bethilfe nicht lebe». Was soll nun geschehe»'S Die irische Regierung wird sich sofort mit dem Problem zu besasse» habe»."— Spanien. Madrid, 10. September. Die Stadt Victoria de las T u» a s in der Provinz Eantjago de Kuba ist von den k u b a- nischen A u f st ä n d i s ch e n genommen worden. Diese Nachricht hat hier große Bewegnng Hervorgerufe». Der Ministerl rath wird heute Abend zusammentreten, um sich mit der Frage zu beschäftige». Mehrere Blätter tadeln de» General Weyler aufs schärfste. Die Stadt Victoria de las Tunas ist strategisch ei» ziemlich wichtiger Punkt. Die Regierung hat beschlossen, energisch vorzugehen und neue Verstärkungen nach Kuba zu entsenden, falls diese dort nothwendig sein wurde».— Türkei. Konstantinopel, 9. September. Heute fand in Bnjukdere eine Zusauunenknnst der Botschafter statt. In der Pforte nahe- stehenden Kreisen werden die von der englischen Presse ver breiteten Nachrichten über neue türkische Vorschläge als falsch und diejenigen über eine Regelung der noch strittige» Punkte des Friedensvertrages als verfrüht bezeichnet, wen» auch die Ver Handlungen zwischen den europäische» Regierungen de» beste» Ver- lauf nehme». Auch der Termin für die Wiederaufnahme der Sitzungen in Tophane ist zwischen Tewfik Pascha und den Bob schastern noch nicht vereinbart worden.— Amerika. — Wer hat die Chicagoer Bombe geworfen? lieber diese bis zur Stunde noch innner nicht aufgeklärte Frage lchreibt die„New-Iorker BolkS-Ztg.": Wer hat am 4. Mai 1886 auf dem Heumarkt in Chicago die Bombe geworfen? Ei» Herr Bollom, bis vor wenigen Wochen unter Jakob Kern in Chicngo assistirender Staatsanwalt, erzählt ganz offen in den Kneipen der Gartenstadt, daß neulich ei» Polizist zu ihm kam, der ihm mittheilte, daß er eines Tages zu dem Polizeihnuptmann Schaak ging und diesen mit seiner Frau im Keller mit der Herstellung von Bomben b e- schäftigt fand. Auf die Frage Bollom'S, warum er mit dieser Enthüllung nicht früher herausgerückt sei, eulgegnete der Polizist, daß er sich gefürchtet habe, etwas zu sagen. Angesichts dieser Thatsache fragen wir»och einmal: Wer hat die Chikagoer Bombe geworfen!? — Havannah, 9. September. Die Aufständischen griffe» Victoria de la Tunas in der Provinz Santiago de Euba an, n'obei sie Dynamitboniben zur Anwendung brachten. Die Garnison der Stadt, welche 300 Mann betrug, warf mit Hilfe der Bevölkerung die Belagerer zurück und machte 87 Gefangene. Die Sozialdcuiokratic MrAlcuburgs hielt Sonntag und Montag in Lübeck ihren jährlichen Parteitag ab. Es waren 89 Orte durch 43 Delegirte vertrete». Der Vertrauensmann E r d- beer aus Rostock konnte berichten, daß in dem abgelaufenen Ge- schäftsjahr so fleißig agitirt worden ist, wie nie zuvor. Die Einnahme des Vertrauensmannes betrug 1ö6L,2I M., die Ausgabe 1092,80 M. Es blieb also ei» Ueberschuß von 469,41 M. Nachdem die Frage der Reichstags- Kandidatur im 3. Kreis P a r ch i»>- L u d w i g S- l u st durch einstimmige Aufstellung de? Genosse» B. Grosse a»S Hamburg erledigt war, wurde zum Punkt Agitation und Organisation übergegangen, über den Genosse G r o t h eine» lichtvolle» Vortrag hielt. In der Debatte klang aus allen Reden der Ruf„Mehr Agitation!", gemischt mit der bitleren Klage darüber, daß leider die Mittel nicht der Größe der Wünsche entsprechen. Daneben drastische Schilderungen über Wahlschwindel und Stimmen- fang, über Noth und Elend in Stadt und Land, ei» getreues Konterfei der Verhältnisse im Jnnkerstaat Mecklenburg. Die Land- bevölkerung ist nicht indifferent, hieß eS, sie sehnt sich»ach Auf- klärnng, sie ist begierig auf Schriften und Zeilunge», aber wir müssen zu ihr kommen, wir müssen ihr persönlich als gute Freunde, als Berather, als Nameraden, als Schicksalsgenosse» entgegentreten, uns ihrem Denken und Empfinden anpassen und sie langsam zu uns ziehen. Wir müssen de» arinen Leuten, die als Lohndrücker aus polnischen Gegenden importtrt werden, in ihrer Muttersprache näher treten. Der Unwissenheit in allen persönlichen Rechtsfragen, die die Landarbeiter hilf- und energielos macht, müssen wir energisch zu Leibe durch unermüdliche, unverdrossene und ausgiebige Be- lehrung. Von den zahlreich vorliegende» Anträgen wurde zunächst alles angenommen, was auf regere Agitation abzielte, ein Antrag, daß, sobald die Reichstags-Wahlen ausgeschrieben sind, in Rostock ein Zentral-Wahlkomitee für beide Mecklenburg zu bilden sei, einAntrag, kurz vor der Wahl die wichtigsten Paragraphen des llieichstags-Wahlgesetzes iu kleinen Broschüren oder als Flugblatt gedruckt, sowie Agitalions-Flugblätter in polnischer Sprache heraus- zugeben, ei» Antrag, die Agitation im Fürstenthum Ratzeburg den Lübecker Parteigenossen zu überlassen, die sich über die Einzelheiten mit den betheiligten Kreisen verständigen werden, sowie einige auf die Ztbrechnung mit dem Landesvertranensmann und die Kalender- frage bezügliche Anträge. Es folgte der Punkt Presse. Der Referent Redakteur G r o t h gab eine Darstellung der Entwicklung der„Mecklenburgischen V o l l s z e i t u n g", deren Auflage vou 2000 im Jahre 1894 aus 4349 am 15. Juli d. I. gestiegen ist und sich inzwischen wieder um einige Hundert vermehrt bat. Gegenüber dem mehrfach geäußerten Wunsche, das jetzt dreimal wöchentlich erscheinende Blatt täglich herauszugeben, verwies Genosse Groth auf die finanzielle Tragweite einer solchen an sich ja höchst erstrebenswerthen Aenderung. Der Parteitag würdigte die Schwierigkeiten, die dem sechsmalige» Erscheinen zur Zeit noch entgegenstehen, und lehnte alle Anträge ab, die eine Aeuderung der Preßverhältnisse an sich betrafen. Beschlossen wurde weiter, daß die Abrechnung des Landes- Vertrauensmannes spezifizirter durch die Presse mitgetheilt werde» soll, daß die Zeitung spätestens im zweiten Monat des Quartals von Abonnenten und Expedienten bezahlt sein muß, daß die mvnat- lichen Quittungen des geschäflssührenden Partei- Ausschusses in Hamburg abgedruckt werden sollen, daß über die Verhältnisse und die Verbreitung der Zeitung mehr Aufschluß gegeben werde, daß die Filialexpedienten den ernsten Versuch mache» sollen, die Zeitungen durch die Post zu bestelle», und daß Sammellisten für die Presse in Umlauf gesetzt werden sollen. Der Preßkommission zur Erwägung überwiesen wurde der Autrag, die amtlichen Bekanntmachungen aller Orte, wo Abonnenten wohnen, dem Blatte einzuverleiben. Der Parteitag wählte dann den Genoffen E r d be e r aus Rostock unter warmer Anerkennung seiner bisherigen Thäligkeit einstimmig wieder zuui Verlraueusmann. Nach einer Ansprache des Genosse» Baker, der die Delegirten aufforderte, die gefaßten Beschlüsse auch auszuführen, und de» Lübecker Genoffe» für erwiesene Gastfreundschaft herzlich Dank sagte, wurde der Parteitag mit einem dreifache» Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Unter dem Absingen der Arbeitermarseillaise trennten sich die Delegirten. In Lauenbnrg a. E. erörterte der Sozialdemokratische Berein die Frage der Vetheiligung a» de» preußischen Landtags- wählen. Wie die„Nordwacht" mittheilt, gingen die Ansichten der meisten Genossen dahin, daß die Betheiligung ein nützliches Be� ginnen wäre. Auf einer Parteivcrsammlnng für den Wahlkreis Miil heim a. Rh. wurde mit großer Mehrheit folgende Resolution des Genoffen Gilsbach angenommen:„Die Versammlung erklärt sich gegen eine allgemeine Betheilignng an den preußischen L a n d t a g s w a h l e n, ist aber trotzdem für Aufhebung der Kölner Beschlüsse, und zwar, um de» einzelnen in Frage kommenden Kreise» Gelegenheit zu geben, unter Ausschluß jeglichen Koniproniisses iestzustellen, ob die itlnsicht, daß wir unter deni heutigen Wahlsystem Erfolge erringen können, begründet ist." Als Delegirter für den Hamburger Parteitag wurde Genosse K e m p k e u s gewählt. Iu Aachen erklärte sich eine vo» unseren Genossen einberufene Bolksversaminlung gegen die Belheiligung an den Landtags wählen. Die Versammlung forderte, wie die„Franks. Zeitung" miltheilt, die Bildung eines Zentralkomitees zur Prüfung und Kontrolle darüber, ob, wo und nnter welchen Bedingniigen i» einzelne» Wahlkreise» die Belheiligung an den Landlagsivahlen den Sozialdemokralen etwa Vorlheile bringen könnte. Von Koni promissen wollte die Versammlung nichts wissen, weil diese immer bedenklich seien und den Boden des Klassenkampfes, auf dem die Sozialdemokratie steht, verdunkeln würde». Iu einer Parteiversammlnug in Breslau wurde Genosse JttlinS B r u h n s als Delegirter zum Hamburger Parteitage ge- wählt. Von den für den Parteitag bestimmten Anträgen fordert einer die Unterstützung der Agitation in Oberschlesicn. Aus Stuttgart. Der Beschluß, den— wie schon im„Vorwärts" kurz erwähnt worden ist— die hiesige» Parteigenossen betreffs der preußische» L a n d t a g s w a h l e n faßten, hat folgende» Wortlaut:„Die Parlciversammluug. die Jnleresseugegensätze zwischen Bourgeoisie und Proletariat ivobl im Auge behaltend, auch der Jilleressengemeinschnfl zwischen Bourgeoisie und Jnnkerthum nicht vergessend, erblickt in der Belheiligung der Eoziuldemokratie an den preußische» LandiagSwablen nicht eine Sckädiguiig der Klasse» interessen deS Proletariats und der Partei- Interessen der Sozial demokratie; sie verspricht sich von der Wahlbelheiligung die Wirkung, daß die feudalistischen Tendenzen der Junker eingedämmt, die Eni- wickeliliig des Äourgcoisslaats, als eines NeberganaSstadiums vom feudale» zum sozialen Volksslaat, gefördert wird. Ans jeden Fall erklärt sich die Versammlung für Aufhebung des Kölner Beschlusses." AlS ReichStagS-Kandidat für Bingen-Alzey ist, wie berichtet wird, von einer VertraueiiSmänuer-Konferenz nnserer Partei der Genosse K a tz e n st e i n i» Mainz aufgestellt ivorden. Der Kreis, eine Hochburg des Liberalismus, ist jetzt durch de» freisinnigen Abgeordneten Echmidt-Elberfeld, Vizepräsidenteil des Reichstages, vertreten. AlS Dclegirte z«»» Hamburger Parteitag wurden in Harburg die Genosse» Baerer und Müller gewählt. Dodtenliste der Partei. In Düsseldorf ist der bewährte Parteigenosse Johannes Pesch im Alter von 80 Jahren ge. storben. Polizeiliches. Gerichtliches ,e. — Gegen die Magdeburger„V o l t s st i m m e" und zwar gegen den verantwortliche» Redakteur Vahle sind gegenwärtig sechs Prozesse anhängig. Die Anklage» betreffen: Beleidigmig des deutschen Kaisers, Veletdigung des Staaisministeriuins, Vergehen gegen ß 123 der Gewerbe»Ordnung. Beleidigung der Maschinen. sabrik Bncka». — Der Redakteur der„ K ö n i g s b e r g e r V ol kS tr i b si n e", Genosse E r d in a n n t» Königsberg i. Pr., wurde ivege» Beleidi gnug deS RiltergntSbesitzerS Papendiek zu 20 M. Geldstrafe vernrtheilk. Herrn Papendieck, der bekanntlich Reichstags» Ab geordneter der freisinnigen Partei gewesen ist, war während der Wahlkampagne nachgesagt worden, er habe den Ortsarmen Bartsch hungern lassen. — Zur Liegnitzer Flugblatt. Affäre wird un» ge- schrieben: Genosse M o h r i n g in Liegnitz bat jetzt amtlicherseits sie'Aufforderung erhalten, das seiuerzetl beschlagnahmte, aber durch Gerichtsentscheidnng nach drei Monaten endlich wieder freigegebene Flugblatt:„Fort mit den Sozialdemokraten" bei de« Polizei ab ziiholen. Genosse Mobring verlangt mit recht, daß ihi» die tn 'frage kommende» 2000 Flugblätter inS Haus gebracht werden. Die Polizei ist gewiß dazu verpflichtet, zu«»recht beschlagnahmte Gegen stände da wieder hinzutragen, wo sie dieselben hergeholt. In der Sache kommt es nun zu einein neuen Konflikt. — In W e r n S h a u f e n in Melningen wurde, der„Magde- bnrgifchen Zeitung"»»folge, eine Landtagswäbler-Ber- ' a m»> l»» g ausgelöst, wo Reichstag?- Abgeordneter R e i ß h a u S zu gunften des Kandidaten„»serer Partei gesprochen hatte. — Wege» eine? Artikels über die BezirkstagSwahlen in Elsaß- Lothringen wurde in den Herstellungslokalitäten der Mann- heimer„volkSftimme" und auch in der in Lndwigihafe» gelegenen Privatwohnung de« Redakteurs ZielowSti eine tundenlange, peinliche Haussuchung vorgenommen, die jedoch erfolglos blieb. Durch den Artikel soll daS elsaß-lothrin- gisch« S t a a t s m i n i st e r i n m beleidigt fein. Die„Volks, stimme" erklärt:„Wenn die Behörde auf ihrem Strafantrag besteht, kann die Oeffentlichkeit sich aus einen großen Prozeß gesaßt machen, in welchem die ganze Negiererei in Elsaß- Lothringen unter BewelS gestellt werden wird" — In M ü l h a u s e n i. E. wurde Reichstags- Abgeordneter Bueb vom Schöffengericht wegen Beleidigniig des Pfarrers Cetty während der letzten Gemeiuderatys-Wahl zu zwei Monaten Gesängmb und zu den Kosten des Verfahrens verurtheilt. Der Grades Birmingham, 7. September 1897. Heute fand zunächst nach kurzer Debatte eine Resolution An« »ahme, welche eine Aenderung der„Cemsxiracz- acts" verlangt. Es sind in letzter Zeit von niederen Instanzen Urtheile gegen Streikende ergangen, welche, wenn sie Gesetzeskraft erlange», das Koalilionsrccht zum große» Theil« aufhebe» würden. Namentlich soll daraushin gearbeitet werden, daß auch Arbeiter als Laienrichter fungiren können.— In einer anderen Resolution wird die Bezahlung der Parlamentsmitglieder gefordert. Jetzt sei. so führte der Begründer der Resolution auS, die Vertretung im Parlament eine Sache des G-ldsacks; nur große, reiche Gewerkschasten seien im stände, Vertreter zu unterhalte». Die vorhergehenden Resolutionen waren fast ohne Diskussion zur Annahme gelangl; etwas lebhafter wurden die Verhandlungen erst, als es sich um eine von der Federatio» der Bergleute ein- gebrachte Resolution, belreffeud die Einsührung des gesetzlichen Achlslnndentages im Bergbau, handelte. Wie immer, so oppo- »irten hier die Northnmberland- und Durham-Bergleute. Diese Kohlengräber arbeiten zwar schon jetzt nicht mehr Stunde», ihre„Boys" ljugendliche Arbeiter) aber sind 9 und 10 Stunden be- schästigt. Der Redner begründete ihre» ablehnenden Standpunkt damit, daß die Arbeit über Tage, namentlich in ihren Distrikten, nicht so sch, vierig sei, und daß im Norden mit der ausländischen Konkurrenz gerechnet werden müsse. Die Resolution wnrde schließ- lich angenommen; auch der größere Theil der Rordhumberland» Delegirte» erklärte sich dafür. Hierauf folgte ohne lange Diskussion die Annahme einer Sieihe von Resolutioiie». durch die eine gesetzliche Rege- luiig der Arbeitszeit für verschiedene Gewerbe gefordert wird. Für die Handlungsgehilfen und Handels- Hilfsarbeiter soll außer dein volle» siebente» Tag noch ein halber Tag pro Woche gewährt , verde«. Die Londoner Dieiiftbolen-Vereiiiigung will die Arbeitszeit für Dienstbote» aus wöchentlich 70 Slnnbe» inkl. IV, Stunde» tag- liche Pansen für die Mahlzeiten beschränkt wissen. I» der Resolution der Bäcker wird die Wiedereinbriiigung des Gesetzentwurfs, betr. die Einführung des Achtstundentages für die Backhansarbeiter, in der der Maschineiibauer das gänzliche Verbot der Ueberzeitarbejt gefordert. Eiliigen Delegirten der Eisenbahnergewerkschaft war der Urlaub, »m dem Kongreß beiwohnen zu können, veriveigert worden. Hier- gegen prolestirt der Kongreß; bis zum nächsten Kongreß wollen die Eisenbahner sich ihr Recht, Delegirte zu wählen, erkämpft haben.' Am Miltwoch Abend wurde«ine von der Women's League einbernfene Fraiienversammlung abgehalten, in der Lady Dilke, Mrs. Reeves(Frau des Premierministers von Neu- Seeland) und andere das Wort nahmen. Sie empfahlen de» Frauen und Mädchen, sich gewerkschaftlich zu orgaiiisircn. Von den vo ooo Arbeiterinnen in Birmingham gehören nur wenige einer Organisation an. Der„Frankfurter Zeitung" wird am 9. Sept. von Birmingham telegraphirt: Tie Resolniio» über die gesetzliche Abschaffung der Kinderarbeit in Fabriken unter 12 und der Nachtarbeit unter >8 Jahren wnrde vo» den Delegirte» der Textilarbeiter in Lanca- shire scharf belänipft, von der Mehrheit des Kongresses ebenso leidenschaftlich besürwortet. Zuletzt wurde die Resolution mit 292 000 gegen 274 000 Stimmen unter lautem Beifall angenommen. Die Bergleute von Northnmberland hatten auch dagegen gestimmt. Geweekfchafkliches. Berlin und ttmgcbnna. Achtung Vrraolder! Die Versilberer der Firma K. Barchel, Große Frantfnrlerstraße, haben wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Zlizng fernhalten. Die Ko»»»issioii. Tie natioiial-soziale„Zeit" giebt sich die erdenklichste Mühe, die Mitglieder des Verbandes der deutsche» Buch- drucke« wie überhaupt die Gewerkschaften gegen die Sozialdemo- kralie aufzuhetzen, um mit ihrer Hilfe die trostlosen Lücken der ilational-fvzialen Partei auszufüllen. Wie schlecht das Geschäft des Proselylenfangs aber prosperiren muß, läßt sich daraus ermessen, daß das Organ der Natioiial-Sozialen selbst die Verbreitung der tendenziösesten Miltheilniige» nicht verschmäht, um die Arbeiter gegen die Sozialdenivkr.itie aufzuwiegeln. Zur Erklärung der Schwenkung, die der Biichdrncker G»sch i» Beziehung auf die Tarifgemeinschaft gemacht hat. läßt sich die„Zeit" ans„Geiverkschaftskreisen" schreiben:„Als die Buchdrilckerbeioegnng von 1396 sich noch in ihrem ersten Aufangsstadium befand und Gasch noch zur Tarifgemein« schaft schivor, kam er eines Tages nach Berlin und brachte ei> ige Stunden auf der Redaktion des„Vor- wärls" zu. Bald darauf trafen Gasch und einige sozial- demokratische Parteiführer, unter denen sich auch der spezielle trennd des„Königl. Prenß. Gewerkvereins", Herr Reichstags- bgeordneter I. Auer, befunden habe» soll,„ganz zufällig" in einem Restaurant Leipzigs znsamme». Kurz danach hatte man das psychologische Räihsel, daß Herr Gasch gegen die Tarif- gemeinschast wüthete, die er vorher selbst so eifrig befürwortet halte." Wenn die„Zeit" fortfährt, mit der Verbreitung derartig boS- haften Klatsches gegen die Sozialdemokiatie zu agiren, so wird sie mit der„Post" deS Herr» Stninm bald erfolgreich konknrriren können. Es ist eine Niederträchtigkeit, das Anflreten Gasch'S gegenüber seinen 'achgeiiosseu zu der Redaktion des„Vorivärts" oder zu unserem enosse» Auer i» irgend eine Beziehnng zu bringen. TcutscheS Reich. Zum Streik auf der„Reu Hclencgrube" in Scharley wird der Breslauer„VottSivacht" gemeldet: Am 7. und 8. d.M. früh weigerte sich die Belegschaft einzufahren, weil nach neuester Bestimmung die Aus- fahrt eine Stunde später erfolge» solle. Bis jetzt fuhr die Ablösung erst ei», nachdem die in der Grube stehende Schicht ausgefahren war. Von nun an sollte dies unigekehrt der Fall sein. Die Ausfahrt ge- schah bis jetzt um>/?2 Nhr nachinittagS, 9>/s Uhr abends und 2Ve Uhr früh. Gestern Abend sowie heute Morgen sande» sich die Bergleute (etwa 400 Mann jedesmal) zum Schichtivechsel pünktlich ei» und ivartrten ruhig den Namensanfrus»»d daS Gebet ab. Erst als sie der Steiger mit de» Worten:„Gehet mit Gott" zur Schicht e»t- lassen hatte, verweigerte» sie ruhig aber bestinimt die Einfahrt. Es wurde der Betriebsführer, Obersteiger FeigS geholt, welcher den Leuten eindringlich zuredete und sie auf den Schaden aufmerksam machte, jedoch vergeblich. Ruhig verließen die Arbeiter daS Zechenhaus und begaben sich nach Ihren Wohnungen. Mit der Mittags» ablösung dürfte eS wohl ebenso gehen, so daß»achmittag« sich die aanze Belegschaft der„Nene» Helene" mit etwa 1200 Mann im Streik befinden dürste. Gendarmen ivaren gleich zur Stelle, konnten jedoch zum Einschreiten keinerlei Veranlassung finden. Einen schneNe» Abschlnff fand der Hafenarbeilerstreik in Rostock. Die Stauer haben in einer gütlichen Vereinbarung den von den Hafenarbeitern aufgestellte» Lohntarif anerkannt und unterschrieben; der Tarif tritt am 12. September d. I. in kraft; die zur Zeit im Hase» liegenden Schiffe werden noch zu den bisherigen ohnsätze» gelöscht werden. Die in Frage komineiide» Firmen haben stch, mit Ausnahme der Firma Podens und der Firma Westphal. mit den im Tarif aufgestellte» Lohnsätzen einverstanden erklärt, jedoch wird auch hier noch eine Verständigung erwartet. Der Lcderarbciterstreik in W i n s e n a. d. L. ist»ach einer abermals mit dem Fabrikanten angebahnten Verhandlung mit Erfolg beendet. Die hauptsächlichste Forderung, Einführung der zehn- kündigen Arbeitszeit, ist beivilligt. auch ein kleiner Theil der übrigen Ziorderunge». Einige der Ausständigen sind noch nicht eingestellt, doch sollen dieselben in nächster Zeit ebenfalls«iiigestellt werden, Ju der Ofciifabrik„Snxonia" in Meißen-Cölln dauert >der Älusstand fort. Der Äersuch der Streikenden, eine Einigung berbeizusührcu, scheiterte an der ablehnenden Haltung der Fabri- kanten. Ter Streik der Hariuoiiika-Arbciter in Magdeburg dauert unverändert fort. Es streiken 06 Personen, unter denen sich auch Frauen befinde». Äln Unterstützung ist denselben in letzter Woche die Sniuine von 479 M. gezahlt»vorden. Die Bewegung der Schreiner in Aschasfenburg hat zu einer Verschärfung der Situation geführt. Vor einigen Tagen ver- handelten die Arbeiter mit de» Unlernehmern und versuchten hierbei klarzulegen, daß das Verlange» der Meister, sie sollten in den Möbelniagazinen und-Handlungen keine Stellung nehme», ganz un- gerechtfertigt sei. Jedoch alle Vorstellungen waren vergeblich und somit muß der Streik fortgesetzt werden. Gegen de» Nkas der Rostockcr Gemeindevertretung, in dem das Streikposlenstehen verboten wird, hatte vor kurzem eine Volks» Versammlung sehr entschieden Protest eingelegt und diese Knud» gebung der Gemeindevertretung bekannt gegeben. Ein Erfolg ließ sich natürlich kaum erwarten und in der letzten Sitzung setzten sich die Herren vom Gemcinderalh in souveräner Nichtachtung über die Wünsche der Arbeiter hinweg. Daö GcwcrkschaftSkartell in München beschloß in seiner letzten Sitzung die Errichtung einer Zeutralbibliolhek. Zu diesem Zweck hat man in Aussicht genommen, einen Laden zu miethen, dessen vordere Stäume als Lesezimmer dienen, während hinten die Bibliothek Aufnahme findet. Ferner konnte in der gleichen Sitzung bekannt gegeben werde», daß die Zentralherbcrge eine Vergrößerung erfahre» halundnun- »lehr über SV Betten verfügt. Sehr enlschieden wandten sich die Delegirlen gegen die im Bericht des Arbeitsamtes enthaltene Bc- uierkung, daß durch de» sogenannte» Streikparagraph das Vertraue» zu dem Arbeitsamt erschüttert sei. Dabei stellt sich heraus, daß die Beisitzer der Arbeiter von dieser Abfassung des Berichts gar leine Kenntniß hatten. Ausland. In den Tuchfabriken von Biclla(Lombardei) legten 3000 Arbeiter die Arbeit nieder. Vom Kampf der englischen Maschinenbauer. Die zirka £509 Man», die nach unseren gestrigen Mittheilungen bei einer Firma in O l d h a m die Arbeit ivieder aufgenommen hatten, sind, nachdem sie 24 Stunden beschäftigt worden ivaren, von neuem aus- gesperrt worden. Ohne Ziveifel, so meint der„Daily Chrouicle", gießt die betreffende Firma dem Drucke der Fabrikanlenvereinigung nach. Auch von Glasgow werden neue Anssperrnngen gemeldet. Die Krisis wächst sich innner mehr ans zu einem Ringkampf zivischen Kapital und Arbeit. Das Vorgehen der Unternehmer wird in einer Londoner Korrespondenz der„Köln. Ztg." begründet wie folgt. Die Unternehmer sagen sich: „London ist nur der Anfang; haben die Maschinenbauer dort erzwungen, was sie wollen, so iverden sie i» einer anderen Stadt die Belagerung beginnen und so schrittweise vorgehen, bis sie errungen haben, was sie wollen; denn bei diesem in Gruppen auf einzelnen Plätzen geführten Kampfe fehlt es ihnen bei der Stärke ihrer Union nie an Miiteln, die im Felde stehenden Truppen zu unterhalten. Es handelt sich nie um mehr als einen Bruchtheil der gesanimten Maschinenbauer, und wenn der Rest in Arbeit steht, so fällt es der Union leicht, durch Erhebung eines lleine» Wochenbeitrages von den in Arbeit stehenden Leuten die Ausständigen so lange über Wasser zu halten, bis sie ihre Forderungen erzwungen haben. Einzeln iverden wir besiegt; wenn wir aber zusammenstehe» und unsere gemeinsame» Interessen gemeinsam vertheidigen, so ist die Möglichkeit geboten, den immer steigenden ins maßlose lvachsen- de» Forderungen der Arbeiter Einhalt zu thun. Wenn die 9ll bester einen von unserer Zahl angreifen, so müssen wir es als eine Kriegs- erklärung gegen unsere» Stand betrachten. Stellen sie irgendwo die Arbeit zur Erzwingung höherer Forderungen ein, so beantlvorteu wir dies mit einer allgemeinen Aussperrung. Damit unterbinden wir ihnen die Mittel zur Kriegsführung, wir machen die Erhebung von Wochen» beiträgen zur llnlerstütznng der Ausständigen unmöglich; alle werden erwerbslos und damit auf die Ersparnisse ihrer Verbände angewiesen, die. wenn sie»och so groß sind, in einem solchen Falle bald erschöpft sei» müssen. Ohne Unterstützung sind aber die Arbeiter gezwungen, zur Arbeit zurückzukehren; dann können wir unsere Bedingungen stellen und selbst dein Verbands wesen der Arbeiter ein Ende mache»." Daß es ihnen hauptsächlich»ni das Vernichten der Verbände zu thun ist, predigen die englischen Kühnemänner frei und offen. Soziales. Verhütung bot« Milzbrnndpergiftnug. Wegen einer in schleswig-holsteiuische» Gerbereien vorgekommener und aus die Berührung mit ausländischen Häuten zurückgeführter Milzbrand- Erkrankung hatte die königliche Regierung von Schleswig Bestim- münzen znr Verhütung solcher Erkrankungen erlassen. Das preußische t a n d e l s m i n i st e r i u»1 hat daraufhin sämmtlichen Gewerbe- »fsichlsbeamlen«ine Verfügung zugehen lassen, worin auf die Ge- fahren, die mit der Berührung ausländischer Häute verbunden sind, nusmerksam gemacht und eine Anzahl von Vorschristen gegeben wird, die den Gerbereien als für die Behandlung der ausländischen Häute maßgebend mitgctheilt werden sollen. Dabei wurde betont, daß mit den angegebenen die Zahl der Maßregeln znr Verhütung der Milzbrand- Erkrankungen nichl erschöpft sein sollte. Namentlich in den Kreisen der holsteinischen Gerber hält man diese allgemeinen Maßnahmen natürlich für„über- trieben" und will durch'Darstellungen bei den zuständigen Regie- rungsstellen eine Milderung derselben erzielen, was hoffentlich nichl erreicht wird. Milderung der Echntzvorschriften bedenter Vermehrung der Gefahr der Ansteckung für die Arbeiter, die mit den Häuten zu thun haben. In Pforzheim haben sich, auf Betreiben des Vereins badischer Detaillisten, gegen 140 L a d e n i n h n b e r untcrschriftlich bereit er- klärt, vom 10. September an die Läden abends 1/29 Uhr zu schließen. Ausgenommen ist hiervon der Sonnabend, ferner die Woche vor Ostern und der ganze Monat Dezember. GevUszks Wegen«nerlanbtcn Kollektircns war der Bergmann Scheibler in den ersten Instanzen zu einer Geldstrafe vernrlheilt worden. Scheibler hatte am 17. Januar 1S37 in einer Gastwirth- schaft für die streikenden Hafenarbeiter Hamburgs auf Listen Beiträge gesammelt. Er legte Revision ein und betonte, der Begriff der Kollekle sei verkannt worden und die Regierungs- Polizeiverordnnng, die am 26. November 1669 für den Regierungs- bezirk Arnsberg erlassen sei, hätte nicht gegen ihn an- gewandt werden können. Das K a m m e r g e r i ch t be- schüstigle sich am Donnerstag mit der Angelegenheit. Die Verlesung der Verordnung vom 26. November 1869, auf grund deren Scheibler verurtheill wurde, ergab, daß sie nur von Hauskollekten spricht und nur die Veranstaltung solcher Kollekten von der Genehmigung der Regierung abhängig macht. Der Straf- senat des Kammergerichts hob die Vorentscheidung ans und sprach den Angeklagten frei. Der Begriff der Kollekte sei zwar nicht ver- kannt, indessen könne die Verurlheilung nicht auf jene Verordnung gestützt werden, da nach ihr nur Hanskollekten zu genehinigen seien. Hauskollekten seien solche, die von Haus zu Haus veranstaltet würden. Der Angeklagte habe aber in einer Wirthschast gesammelt, und es lieg- auch kein Anhalt sür die Absicht vor, daß er von Hans zu Haus gehen wollte. Ter Schuhmaun im Kampfe für die Frömmigkeit. Eine Ziehharmonika hat mit ihren Tönen ein Strafverfahren ver- ursacht, welches gestern die Station der Berufungsinstanz erreichte. Nach§ 12 Nr. 2 der Polizeiverordnung vom 10. Oktober 1696 sind in der Charwoche alle Musikaufführungen, die nicht in Konzertlokalen veranstaltet werden und nicht ernsten Charakters sind, verboten. In Vi-Wniv fflprfiit. Fflr dem Hertzberg'schen Schanklokale in der Elisabelhkirchstraße befanden sich eines Abends im April d. I. einige fröhlich gestimmte Gäste, deren einer eine im Lokale befindliche Ziehharmonika in Bewegung setzte und sein musikalisches Talent durch den Vortrag eines schönen Liedes bekundete. Ein Schutzmann, der die Klänge hörte und sich der vorgeschriebenen Ruhe in der Charwoche erinnerte, stürmte entrüstet in das Lokal und gebot dem lustigen Musikanten, das Instrument wegzulegen. Der Spieler weigerte sich, diesem Ge- böte nachzukommen, auch der Gastwirth erklärte dem Beamten, daß er in seinem Lokale nichts zu suchen habe, und so ent- wickelte sich denn eine förmliche Hetzjagd um Tische und Stühle, wobei der Schutzmann versuchte, dem Wider- speuftigen die Ziehharmonika abzujagen. Als dies nicht gelang, machte der Beamte Miene, seinen Säbel zu ziehen und es hätte vielleicht eine verhängnißvolle Szene sich entwickelt, wenn ihm nicht Herr Herzberg hindernd in den Weg getreten wäre und ihm die Beleidigung zugerufen hätte:„Wenn Sie den Säbel ziehen, schlage ich Ihne» eins in die Schn....!" Diese Bemerkung brachte den Schutzmann wieder zu einer ruhigeren Beurtheilnng der Sachlage, er ließ den Säbel in der Scheide stecken und zog vor, einen Kollegen von der Straße zu holen und mit dessen Hilfe sein Verlangen durchzusetzen. Die Folge dieser Szene, die bei den anwesenden Gästen große Aufregung verursachte, war eine Anklage wegen Vergebens gegen die Polizeiverordnung und Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Das Schöffengericht verurtheilte den Augeklagten zu 10 M. und 30 M. Geldstrafe. In der Bernfungs- iustanz führte Rechtsanwalt Leop. Meyer aus, daß der Schutz- mann sich nicht in rechtmäßiger Ausübung seines Amtes be- funden habe. Eine solche ganz sporadische musikalische Leistung eines Gastes könne unmöglich als„Musikaussührung" im Sinne der Polizeiverordnung vom 10. Oktober 1696 angesehen werden. Kein Mensch würde es wohl als eine Musikanfführung ansehen, wenn beispielsweise ein Gast in einem Schanklokale ein Lied pfiffe. Der Schutzmann sei daher ganz ohne Grund in das Lokal gedrungen und es habe nicht die geringste Veranlassung zur Aufführung dieser ganzen Szene oder gar zum Ziehen des Säbels vorgelegen. Der Augeklagte habe sich, als er die beleidigende Be> merkung machte, gewissermaßen in der Nothwehr be» snnden und vielleicht großes Unheil damit vereitelt, in- dem er den Schutzmann dazu gebracht habe, sich auf sich selbst zu besinnen. Der Gerichtshof gab dem Vertheidiger darin Recht, daß es nicht als„Musikanfführung" anzusehen sei, wenn sich der Gast eines Schanklokals in der geschilderten Weise kurze Zeit auf der Ziehharmonika hören lasse. Dagegen glaubte der Gerichtshof, daß sich der Beamte dennoch in der rechtmäßigen AuS- Übung befunden habe, wenn er glaubte, in Gemäßheit seiner Instruktionen gegen den Harmonikaspieler vorgehen zu müssen. Der Angeklagte wurde von der Uebcrtretung freigesprochen, wegen des Widerstandes zu 30 M. verurtheilt. Der große Brand in der Müllerstraße wird auch nocy die Gerichte beschäftigen. Wie wir hören, schivebt jetzt ein Verfahren wegen fahrlässiger Brandstiftung gegen eine» Hausdiener und den Kaufmann Böhm, in dessen Laden der verheerende Brand ans- gebrochen war. Außerdem hat der Hanswirth gegen Böhm einen Zivilprozeß angestrengt. Die„Tiana-Gürtel", welche Herr Wilhelm Julius Teufel in Stuttgart verfertigt und der Damenwelt znr Verfügung stellt, macheu den hiesigen Gerichten viel zu schaffen. Auch der hiesige Fabrikant Obersky stellt solche Gürtel her und nannte sie „Diana- Gürtel", bis ihm Herr Teufel in Stuttgart mit dem Ge- richte ans den Leib rückte, da dieser jene» Namen als Waaren- zeichen hatte eintragen lassen, Herr Obersky kam nun aus den scherzhaften Einfall, zum Andenken au die Kämpfe, die er mit Herrn Teufel hatte, den Namen desselben ür seine Gürtel zu verwenden und nannte diese nun„Diable- Gürtel". Aber auch hiermit stieß er bei Herrn Teufel an, denn dieser machte geltend, daß auch der Gebranch der Bezeichnung „Diable" nur ihm zustehe, da sie schon längere Zeit als Telegramm- Adresse von ihm benutzt werde. Die Verhandlung ergab jedoch, daß der Angeklagte diese Bezeichnung schon vorher gewählt halte und die Bezeichnung„Diable" von Herrn Teufel für seine„ortho- pädischen und mechanischen Fabrikate" angewendet werde, währendes sich hier um„Diable-Giirtel" handelte. Unter diesen Umständen er- kannte der Gerichtshof aus Freisprechung des Angellagten. vfa mml« itflcm Tie Zimmerer hielten am Donnerstag eine öffentliche Ver- sammlung bei Cohn. Beuthstraße, ab. Vor Eintritt in die Tages- ordnnng ehrten die Versammelten das Andenken eines verunglückten Kameraden in der üblichen Weise. Hierauf referirte der Vertrauens- mann der Berliner Zimmerer, T h. Fischer, über die gegenwärtige Lage im Zimmerergewerbe. Ter Redner rügte u. a. das Verhalten der- jenigen Kameraden, die durch ihre Theilnahmlosigkeit und nnsolidarisches Handeln den Kanips um bessere ülrbeilsbedmgttnge» erschweren, und unter- zog im weiteren das Vorgehen der Behörde», die zu gnnsten des Unter- nehmerthums den Arbeitern bei jeder Gelegenheit gegenübertrete» und denselben die Ausübung der durch den§ 152 der Gewerbe- Ordnung gewährleisteten Rechte fast unmöglich machen, einer herben Kritik. Ans den Ausführungen des Liedners war serner zu cnlnehmen, daß dieselben Unternehmer, die fortwährend die Behörden um Schutz gegen die Arbeiter anrufen, keineswegs sich um die Bestinilnilngen bezüglich der Schutzvorrichtungen künuner», sondern um ihre Profitgier zu befriedigen, diese Vorschriften, weil die Ausführung Kosten verursachen, außer acht lassen, so daß zahl- reiche Unglücksfälle lediglich diesem Umstände zuzuschreiben sind.— Das Resultat der Lohnbewegung kann als ein recht günstiges be- zeichnet werden, lrotzdein von der Innung ans naheliegenden Gründen versucht ivird, stets das Gegentheil nachzuweisen. Die von der Lohnkommissiou am 2. und 3. September vorgenommene Platz- und Baukontrolle hat ergeben, daß bei 326 Unternehmern 2398 Zimmerer auf 462 Arbeitsstellen zu den neuen Bedingungen, neunstündige Arbeitszeit und 60 Ps. Stundenlohn, beschäsligt sind. 96 Unternehmer, die ans lS6 Arbeitsstellen 1414 Zimmerer be- schäitigen, zahlen einen Wochenlohn von SS, S7i/s und 60 Pf. Ans 93 Bauten werden zur Zeil keine Zimmerer beschäftigt. Die Zahl der Arbeitslosen wird auf 400 bis S00 geschätzt. Seitens des Bor- standes des Bundes der Bau-, Maurer- und Zimmermeister ist nun endlich der Lohnkonimifsion, die sich wiederholt, den Beschlüssen der verschiedenen Versammlungen entsprechend, an die Innung gewandt halte, um eine gemeinschaftliche Verivallung des Arbeitsnachweises von Arbeitern und Unternehmern herbeizu- führen, eine Antwort zugegangen. Das Schreiben, das im Gegensatz zu einem früheren steht, in welchem sich die Geschästskommission im Prinzip für eine gemeinsame Verwaltung aussprach, hat folgenden für das Verhallen der Innung recht bezeichnenden Wortlaut:„An die Lohnkommissiou der Zimmerer Berlins. Ju Verfolg Ihres an die Kommission für den Arbeitsnachweis gerichteten Schreibens vom 17. Juli theilt Ihnen der Vorstand der Innung: Bund der Bau-, Maurer und Zimmermeister zu Berlin hierdurch ergebenst mit, daß er es ablehnen muß, mit Ihnen in Verbindung zu treten, da nicht Sie, sondern der bestehende Gesellenansschuß die gesetzlichen Vertreter der Gesellenschaft in Berlin sind. Diese Vertreter der Gesellenschaft sind gehört worden und haben nicht nur ihr Ein- verständniß mit der Errichtung des Arbeitsnachweises erklärt, sonder» auch diese durchaus friedliche Institution freudig begrüßt. Wir haben deshalb keine Veranlassung, über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus zu gehen, um so weniger, als die von den Mitgliedern der Lohnkommifston gegen den Nachweis und die denselben benutzenden Personen verübten Gewallthätigkeiten eine ersprießliche gemeinsame Arbeit nicht erwarten lassen. Wir sind aber nicht abgeneigt, etwaige gerechte Wünsche aus der Gesellenschast zu berücksichtigen; unsere Kommission für den Arbeitsnachweis ist daher veranlaßt, solche ent- gegen zu nehmen und nach ihrer Prüfung uns vo-znlegen." Nach den Ausführungen der einzelneu Redner hat der famose Gesellen- ausschuß, den die Innung als den Vertreter der Gesellschaft dm Jnkeratentbeil verantwortlich; Tb.«Uaife in Berlin. Druck mit bezeichnet, unter den Arbeitern nicht den geringsten Einfluß, hat bisher auch keine Thätigkeit in irgend einer Weife entfaltet und ist den Berliner Zimmerern deshalb auch vollständig unbekannt. Mit Entschiedenheit wurde die Behauptung, daß die Lohukominission gewaltthätig vorgegangen sei, zurückgewiesen und von allen Rednern aufgefordert, den Arbeitsnachweis nun erst recht, nachdem man lange genug eine Einigung erstrebt und von den Unternehmern die gerechte Forderung in so schnöder Weise abgewiesen wurde, zu meiden. Wie ausgeführt wurde, haben sich bisher nur minderwerthige Kräfte an den Arbeitsnachweis gewandt und trotz Inserate in den verschiedenen Zeitungen nur in geringer Anzahl. Ju den letzten drei Wochen sollen ini ganzen 36 Zimmerer Arbeit erhalten haben, wovon noch 3 beschäftigt sind. Irgend welche Beschlüsse wurden nicht gefaßt und soll die bisherige Taktik bis zur Neuwahl der Lohnkommission, die in nächster Zeit erfolgen wird, beibehalten werden. Aufgefordert wurde, baldigst die Listen abzn- rechnen, auf allen Arbeitsstellen Platzdepntirte zu wählen, und au- geregt, einen Tarif auszuarbeiten, in welchem das Arbeitspensum fest- gestellt wird, um der Schinderei, wie sie ans viele» Plätzen gefordert wird, einigermaßen entgegeutreteu zu können. In der weiteren Dis- kussion wurde der Unglücksfall im Sporlpark in Friedenau behandelt. Von allen Rednern wurde die Meinung zum'Ausdruck gebracht, daß durch die ungenügenden Schutzvorrichtungen, durch die Nichtbeachtung der baugesetzlichen Vorschriften und durch das schlechte Material der Zusanimensturz des Fachwerks(frühere Fischerei- Ausstellung) erfolgt ist und noch mehr Menschenopfer erfordern konnte. Nach den Ausführungen mehrerer Redner, die sich von den Verhältnissen überzeugt haben, hat der Unternehmer, der Hof- und R a t h s- Z i mm e rm e ist e r Krause, den Arbeitern sonderbarerweise nachträglich einen Revers vorgelegt, der auch von mehreren unterschrieben worden ist, daß der Bau ordnungsmäßig und in derselben Weise ausgeführt wurde, wie er zur Zeit in der Gewerbe-Ausstelluiig gestanden habe. Von den Rednern wurde der Inhalt des Reverses als unzutreffend bezeichnet, zumal nachgewiesen ist, daß verschiedene Bestandtheile des früheren Gebäudes nicht wieder aufgeführt worden sind. Do�eslszen und letzte LlnchvuHken. Hirschbcrg, den 10. September.(W. T. B.) Das jetzige an- dauernde Regenwetter hat wiederum ein bedrohliches Steigen der Gebirgsbäche im Gefolge. Olmülz, 10. Sepiember.(B. H.) Heute Morgen hat in der großen Brauerei von Braß n. Co. in Hohenstadt eine große Kessel- explosion stattgefunden. Elf Personen wurden getödtet, viele ver- wandet. Das Brauereigebäude wurde beinahe vollständig zerstört. Bremen, 10. September.(W. T. B.) Infolge der durch die anhallend ungünstigen Wasscrverhältnisse verzögerten Ueberftthrung des Dampfers„Kaiser Wilhelm der Große" von Stettin nach Swinemünde, ist die Expedition des Schiffes vom Dienstag auf den Sonnabend nächster Woche vertagt. Gccstcniiiudc, 10. September.(W. T. B.) Die letzten Stürme haben zahlreiche Seeschäden verursacht. So gerieth der dänische Kahn„Wilhelmine Sophie" an der jütischen Küste in Seenoth; die aus vier Mann bestehende Besatzung wurde von dem deutschen Fischdampfer„Friedrich" gerettet und hier gelandet. Ter deutsche Fischdampfer„Mainz" traf die norwegische Brigg„Emma", von Sundsvall nach Poole bestimmt, in der Nordsee voll Wasser. nahm ihre Mannschaft an Bord und schleppte das Schiff nach Nordenham ein. Kol», 10. September.(B. H.) Das Eisenbahnunglück bei Kalk wurde herbeigeführt, daß der Güterzug vor der Blockstation Urbach halten mußt« und bei seiner späteren Durchfahrt sechs Wagen durch Zerreißen der Kuppelung znrückbliebcn. Der 6 Uhr 16 Min. von Köln abfahrende oberrheinische Personenzug stieß bei dem herrschenden Nebel mit voller Kraft anf den Güterzug, wodurch die Wagen des Güterzuges, sowie die meisten Wagen des Personenzuges zer- trümmert wurden. Zwei Personen, der Packmeister Decker ans Deutz und der Bremser Otten wurden unter den Trümmern be- graben; beide blieben sofort todt. Zwei andere Personen wurden schwer, zahlreiche leicht verletzt. An der Unfallstelle herrscht großen Chaos. Der Verkehr wird über Mülheim geleitet; die oberrheinischen Züge erleiden bedeutende Verspätungen. Köln, 10. September.(W. T. B.) Ueber das Eisenbahn-Unglnck bei Urbach wird noch gemeldet: Der Personenzug Nr. 122 fuhr bei dichtem Nebel auf sechs Wagen des Güterzuges 710, welche infolge Reißens der Koppelung vom Zuge abgetrennt ivaren. Getödtet wurden der Packmeister des Personenzuges Decker und der Bremser Otten des Güterzuges, beide ans Deutz. Einige andere Bahnbedienstele und ein Passagier erlitten leichte Hautabschürfungen. Bozen, 10. September.(B. H.) Die Umgegend von Brixen ist von einer Wassersnoth heinigesucht, wie eine solche seit dem Jahre I86S nicht vorgekommen ist. Der Gailbach hat alle Brücken sortgerissen, desgleichen die Mühle in Mareit. Die Befürchtung, daß auch die Schutzdämme dem Element zum Opfer falle» werde», ist glücklicherweise nicht eingetroffen. Budapest, 10. September.(B. H.) Die Blätter behaupten, zivischen den Minister,, beständen derartige Differenzen, daß es un- ivahrschcinlich geworden sei, ob Baron Banffy das Budget beim Zusaininentritt des Parlaments vorlegen könne. Budapest, 10. September.(B. H.) Ein geringfügiger Streit ivar die Veranlassung zu einem Säbelduell zwischen dem Maler Leyelt und dem Bildhauer Fleisch!. Letzterer wurde schwer ver- wnndet. Krakau, 10. September.(B. H.) Aus Sosnowice wird ge- meldet, daß unter den Streikenden der Georggrube blutige Exzesse vorgekomme» sind. Kosaken wurden requirirt und viele Verhaftungen vorgenommen. Bcru, 10. September.(B. H.) Das Polizeidepartement des Kantons Waadt hat die neueften Nninmern der Pariser Blätter „Gil Blas" und„Journal des Debats" wegen unsittliche» Inhalts verboten. London, 10. Septeuiber.„Reuter's Bureau" meldet ans Johannesburg vom 8. d. Mts.: Ju dem Dynamit-Magazin der „George Goch deep level niine" wurde durch eine Explosion eine große Verwüstung angerichtet. Man nimnit an, daß S Weiße nnd 2B Kasfern dabei ums Leben gekonnnen sind. London, 10. September.(W. T. B.) Eine bei Lloyds ein- gegangene Meldung von der Signalstatio» Butt of Leivis besagt: Der Kopenhagener Dampfer„Island" berichtet, er habe am Sonn- lag Morgen unter S2 Grad 46 Mi» nördlicher Breite nnd 33 Grad 54 Min. ivcstlicher Länge den Dampfer der Anchor Linie„Circassia" mit gebrochenem Schaft angetroffen; er habe die„Circassia" etwa 100 Meilen bngsirt, dann sei infolge hohe» Seeganges das Schlepp- tau gerissen. Seitdem habe er von der„Circassia". auf welcher sich sämmtliche Passagiere befinde», nichts gevört. London, 10. September.(B. H.) Nach Meldungen ans Kon- stantinopel herrscht in den Kreisen der Pforte bezüglich der Friedens- Verhandlungen wieder eine sehr skeptische Meinnng. Neuerdings sollen erhebliche Meinungsverschiedenheitei, über mehrere Punkte eingetreten sein. Zwischen den Botschaslern und der Pforte solle» die Ver- Handllinge» vollständig ins Stocken gerathen sein. Birmingham, 10. September.(W. T. B.) Der Trade Union?- Kongreß nahi» eine Resolution an, eine» Ausschuß zu ernenne», um eine» Plan für die Vercinigung aller Trabes Unions im ganzen Lande zn entwerfe». Die Delegirten der Bcrgwerks-Arbeiter ent« hielten sich der Abstimmung. Belfast, 10. September.(W. 1. B.) Eine gewaltige Feuers- brunst zerstörte heute früh mehrere große Leinen- Magazine mit bedeutenden Vorrälhen an Leineinvaaren und Garnen. Der Schade» ist enorm. Ncwcastle(Colorado), 10. September.(W. T. B.) Ein Per- sonenzng der Denver and Rio Grande- Eisenbahn stieß heute mit einem Biehzug zusammen; dabei geriethen mehrere Wagen des Personenzuges in Brand. Man befürchtet, daß 40 Personen das Leben verloren haben. Verlag nun Man Badi-ig in Berlin.'' A-ler»» 1 Bekka--". kmiiMw.. KkilM Im Jpmirts" Kerl« Die Volkswirthschaftliche Rundscha» erscheint in der nächsten Nunnner. Kommunales. Die Stadttierordnetcu Vortmann und Genossen haben folgenden Antrag in der SlaMverordneteil- Versammlung eingebracht:„Die Stadtverordnete»- Bersammlung wolle beschließen, den Magistrat zn ersuchen, ihr baldigst eine Vorlage zu machen, wonach 1 Million M. für Pflasterung von Straßen und Plätzen noch in diese», Etatsjahr zur Verwendung kommen. Die Mittel find aus den Ueberschiissen des Etatsjahres 1896/97 zu entnehme». Das MagistratSkollcgini» wählte in seiner gestrigen Sitzung den Gemeindelehrer Dr. Lasch, der bistang an der 8. Realschule als ivissenschaftlicher Lehrer fnnktionirte, zum Oberlehrer an» Andreas- Realgymnasium, und den bisherigen Hilfslehrer an der S. Real- schule Dr. Kemieses zum Oberlehrer a» der Friedrich-Werdersche» Ober-Realschnle. Zu der vom LA. bis 24. September in Kiel stattfindenden Jahresversammlung des deutschen Vereins für Armenpflege und W o h l t h ä t i g k e i t hat das Magistralskollegium de» statistische» Mitarbeiter bei der Armendirektivn Dr. Berthold und den Magistrats- Assessor Dr. Cnno abgeordnet. Lolmles. Parteigenosse» Berlins nnd der Provinz Brandenburg? Wie aus Nr. 210 des„Vorwärts" ersichtlich, kann der Provinzial- Parteitag nicht um 9 Uhr früh, sondern erst um 12 Uhr in ittags in die Verhandlungen eintreten. Angesichts dessen ersuchen wir die Delegirten, sich rechtzeitig einzttfinden, damit die Eröffnung punkt 12 Uhr erfolgen kann. Es wird auch nothwendig sein, daß sich die Theilnehmer vorher genügend restauriren, da eine»ennenswerthe Pause zu diesem Zweck keinesfalls eintreten kann, soll die Tages- vrdnung am Sonntag ihre Erledigung finden. Eine Wcitertngimg am Montag den 13. September verbietet sich aber schon von selbst, da der größte Theil der Provinz° Delegirten gezwungen ist, seine Rückreise noch am Sonntag Abend zu bewerkstelligen. Mit soz. Gruß Di« Agitati«nS-Kon> Mission für die Provinz Brandenburg. I. A.: Carl Dimmick, Berlin L 42, Louisen-Ufer 11. Sozialpolitik unter dem Zeiche» der Etsenbahunnfälle. Die Weisheit des seligen Adam lliiese beruhte darauf, daß 2 X 2--- 4 ist. Die Rechenkünstler des Eisenbahiiministers haben dagegen be wiesen, daß das ganze Einmaleins für die Katze ist und sind sogar in ihrer Kunst bereits soweit gelangt, daß sie heransgetiiftelt haben, daß zwei volle„D i e n st t a g e" einen ganzen„F r e i t a g" machen. Die Sache ist nämlich folgende: In de» IS Jahren, seit denen die Berliner Stadt- nnd Ringbahn besteht, hatten die Unter- beamte», Billetschaffner, Bahnsteigdiener u. f. w. alle 14 Tage einen vollen dienstfreien Tag. Der Dienst war so ein- gclheill wie heute»och: Die eine Kolonne trat früh um 4>/e Uhr an und that ununterbrochen Dienst bis 2 Uhr nachmittags. Dan» trat die andere Kolonne au, die bis zum Schluß gegen 1 Uhr nachts und Sonntags noch länger Dienst«hat. Am Beginn jeder neuen Woche trat ein Wechsel ein, dann hatte die„andere" Kolonne den Vormittags- nnd die„eine" den Nachinltlagsdienst. Der freie Tag lag dazwischen. Nun hat aber der Eisenbahn-Minister vor einiger Zeit Erhebungen darüber angeordnet, wie lange die unteren Beamten Dienst thun müssen, um daran zu ermessen, wo Kürzungen des Dienstes erforderlich sind. Da? war ein schlimmes Omen, denn wenn«in Minister in bester Absicht eine derartige Anordnung trifft, dann fühle» sich die Rechenkünstler am grünen Tische einnial aufgerüttelt und sie rechnen dann Dinge heraus, auf welche das Bibelwort an- wendbar ist:„Und die letzten Dinge dieses Menschen werden ärger sei», als die ersten." So ist es auch hier gewesen. Di« Rechen- künstler des geflügelten Rades haben herausgesunden, daß, wenn man zwei Nächte zusammenlegt, man einen ganzen Tag erhält und daß deuigemäö die Beamten des Ressorts ganz„unberechligterweise" eine» freien Tag zuviel halte». Der Beamte, der in derabgelaufenenWochoVor- mitlagsdienst hatte, ist Sonntag Nachmittag um 2 Uhr frei und tritt erst Montag Nachmittag um 2 Uhr wieder zun» Nachinittagsdienst an. Er hat daher von Sonntag Mittag 2 Uhr bis Montag Mittag 2 Uhr frei, das sind volle 24 Stunde»», also ei» ganzer freier Tag für jede», der„wohlwollend" rechnet. Thatsächlich thnn aber die Beamten am Sonntag»vie am Montag je 10— Ii Stunden und zu- iveile» darüber Dienst, die übrigen Stunden beider Tage sind ihre Nachtstunden, aber das schadet nicht,— nach der Rechnung der Eisenbahn-Verivaltung habe» die Leute an sieben Tagen in der Woche je 12 Stunden„frei", 7 X 12 macht 84 Stunden, also 3Ve Tag. Haben die Leute schon 3'/- Tag in der Woche frei,»vozn denn dann»och alle 14 Tage einen besondere» freien Tag? Die Leute, die schon 22»/, Nickel für den Tag kriegen,»verde» geradezu zu Fraß»md Völlerei, soivie z»lr Faulheit verleilet, wenn sie gar zu viel freie Zeit haben. Für die industriellen Arbeiter ist es allerdings Gesetz, daß ein„freier Tag" innerhalb geivisser Frist 36 Stunden haben muß, aber»vas kümmert das die Eisenbahn, deren„Arbeiter" doch„Bean>ten- Qualität" haben? Doch alle Ironie bei feite: Die Eisenbahn- Unfälle»verde» immer zahlreicher, so daß jedermann vor Antritt einer Reise sein Testament machen sollte. Die meisten Eisenbahn- Unfälle sind zirrückzuführeu ans Ueber- anstrenguug der Beainten des äußeren Dienstes und auf die un- geheuere Anzahl der im inneren Dienst ausgearbeiteten Instruktionen, die sich häufig gegenseitig ividersprechen. Wäre es angesichts dieser Thatsache nicht besser, die BureaitS der oberen Eifenbahnbeanrte» ein»venig zu entvölkern und den Ueberschuß an Kräften in den äußeren Dienst zu koinniandiren, damit die Beamten dieses Dienstes nicht überallgestrengt zu werden brauchen? Ueber eine« Manu, der zu de», GotteSgnadeuthun» t» sehr familiärer Beziehung steht, gehe» z»lr Zeit allerhand despeklirliche Mitlheilttngen durch die bürgerliche Preffe. Die„Boss. Ztg." schreibt: Ein Mitglied einer Seitenlinie des regierende» Fürstenhauses Renß, P r i» z R e u ß XXVI. von R e u ß, befilibet sich seit kurzen, in einer N e r v e n h e i l a n st a l t in S ch ö n e b e r g. Der svjährige Prinz, Korvetten- Kapitän i» der deutschen Marine, »var in Geldverlegenheit gerathen nnd hatte sich zur Ordnung seiner Verhältnisse mit zweifelhafte» Personen eingelassen, die»veniger seine als ihre Geschäste zu besorge» bemüht»varei». Sie kauften. von ihn» bevollmächtigt, u. a. das Gut Petris bei Arad in Ungarn für 1760 000 Mark»veit über de» Werth, so daß die Fmnilie des Prinzen einschritt. Gegen de» Prinzen»vurd« das Entmündigungs- verfahren eingeleitet und niit dem Verkäufer des Gutes schweben Unter- Handlungen»vegei» Rückgängigmach»»ng des Kaufes. Die Agenten des Prinzen und andere Vermittler beanspruche» für sich die Zahlung von über 130 000 Mark, die ihnen der Prinz auf Wechsel schuldet. DaS„Berk. Tgbl." hat in der hlaisoi» de sante nachgefragt und die Antwort erhalten, daß die Durchlaucht sich in diesem Hallse »licht befindet. Prinz Reuß hat übrigens bereits vor einigen Monaten von sich reden gemacht. Er»var damals i» pekuniäre Schwierigkeile» gerathen nnd hatte gewissen Elementen, die sich an ihn heranzudrängen ivußten, Entgegenkomnien gezeigt. So hatte er Verbindungen mit einem„Schriftsteller" v. Mack angeknüpft, der sich schließlich als Agent des bekannten Ordens- nnd Titelvermiltlers»ieuler entpuppte. Der Prinz hat v. Mack gegen- über sich i» hohem Grade vertrauensselig benommen; namentlich sollen sich si» den Händen des v. Mack Briefe befinde,,. die vertraulich Aenßernngen des Prinzen über hochgestellte Persöillichkeiten enthalten. Der Verkehr mit v. Mack»vurde schließlich,»vis das„Ber- liner Tageblatt" meldet, de»»» Prinzen in so hohen» Grade unheimlich, daß er die Jjilfe eines hiesigen Detektivbureans in An- spruch nahm, um den Mann loszuiverden. Es gelang auch de», Bureau, zu belvirken, daß v. Mack in Untersuchungshaft genominen»vurde; da aber eigentlich strafbare Handlunge» ihm nicht beiviesen werden konnten, wurde er nach kurzem unfreiwillige» Aufenthalt in Moabit»vieder ans freien Fuß gesetzt. Die Briefe des Prinzen»varen dabei nicht in die Hände der recherchirenden Be- amten gefallen, da v. Mack diese im Auslände untergebracht hatte. Da? ist ja eine ganz unheimliche Geschichte. Hoffentlich liegt die Sacke nicht so. daß der Edelste und Beste v. Mack die Briefe ins Al>sland schaffen mußte,»>m die Durchlaucht vor einer Anklage wegen Majestälsbeleidignng oder eines ähnlichen mit Plötzensee be- drohten Vergehens zu schützen.— Sozialdcmokratcu als Arbeitgeber. Unter dieser Stichmarke schreibt die„Nordd. Allg. Ztg.": Der Verein der deutschen Kauf- leute Berlin VIII(Ost) thellt uns folgende», ebenso amüsanten»vie charakteristischen Vorfall mit: Jüngst brachte in der Versammlung des Vereins der Nervenarzt Dr. Munter folgende Sache zur Sprache: Der sozialistische Vorstand der aufgelösten Orts- Krankenkasse für Handlungsgehilfen und-Lehrlinge hatte eines Abends die Kassenärzte zu einer Konferenz abends»in 8 Uhr eingeladen, der Vorsitzende, Maaß, erschien aber erst mit einer Stunde Verspätung, und als einer der Aerzte ihn bescheidentlich darauf anfmerksain machte, daß es eine Rücksichtslosigkeit sei, Aerzte, die doch leicht in den Abendstunden von ihren Patienten gebraucht würde», so lange un- nöthig»varten zu lasse», da donnerte ihm der sozialistische Führer entgegen:„Sie haben zu warten, bis Sie gefragt»verde»; denn hier sind Sie die Zlrbeit nehmer nnd»vir die Arbeit- g e b e r!"— Wenn der Kassenvorsitzende sich in der That derart geäußert haben sollte, so wäre das als eine grobe Flegelei zu be- zeichnen, die von jedermann vernrtheilt»verde» müßte. Da die als Sozialistenverleumderin bekannte„Nordd. Allg. Ztg." aber die Meldnng bringt, so»verde» ob ihrer Siichtigkeit zunächst»vohl einige Zweifel an» Platze fei». Der Musikdirektor und Koiupoilist Wilhelm Heiser ist am Donnerstag im Alter von öl Jahren in Friedenau gestorben. Als ei» Berliner Kind trat er schon in» Alter von 12 Jahre» i» den kleinen Kapelleuchor des konigl. Opernhauses unter Leitung von Zelter nnd Grett(unter Friedrich Wilhelm III) ei». Als 1830 der erste Versuch geinacht wurde, die drei Genien i» MozarlS„Zauberflöte" von Knabe» anstatt Sängerinnen singen zu lasse», erchielt Heiser die erste Partie. In» Alter von 20 Jahren komponirte er die beiden wellbekannte» Lieder:„Zieht im Herbst die Lerche fort" und„Zerdrück die Thräne nicht in Deinem Auge". In der Zeit von 1853 bis 1867»var er Musikdirigent in» Garde-Füsilier-Regiment, Leiter des Garnison- KircheuchoreS in Berlin und Inspizient der gesaminten Kirchenchöre des Gardekorps. Von da ab»var er nur noch als Koinponist und Gesanglehrer thätig. Be- sonders stolz»var er. sobald die Rede darauf kam, immer von neuem bestätigen zu könne», daß er der Lehrer von Ernestine Wegner geivesen sei. Zu seinen Schöpfungen gehören noch„Das Hatdegrab",„Nur einmal blüht im Jahr der Mai",„Grüßt mir das blonde Kind am Rhein",„Mutterliebe" und das bekannte Kirchen- lied:„Heilige Nacht, du kehrest»vieder". Sei» letztes Werk— Nr. 478— hat einen Druck nicht mehr gesehen. Es ist ein Lied: „Der Traum". Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags um 2'/e Uhr, ans dem alten Schöueberger Kirchhofe statt. Bo»i einem tvnudrrliche» Beruf, der auf die Bildung und Gesittuugtder goldenen und der Talini-Jugend gerade nicht die aller- günstigsten Schlüsse zuläßt,»veiß die„Nordd. Allg. Ztg." zu be- richten. Das Blatt meldet:„Die„Berliner Raus- s ch m e i ß e r", deren Beschäftigung»vohl zu den gefährlichsten und an» wenigsten beneidensiverthen der Großstadt zählt, zerfallen in drei Hanplkategorie», die scharf von einander gesondert sind. Da sind zunächst die„NichlS-als-Rausschn»eißer" der Balllokale, die sich zumeist ans pensionirten Schutzleuten, eheinalige» Hcrrschasts- kutschern n. dgl. rekrutiren nnd, je nach dem Charakter des Etablissements, mit 3— S M. pro Abend entlohnt»verde». Sie verrathen in ihrem Aenßeren in keiner Weise ihren seltsamen Berus und Halle» sich, so lange sie»ncht ihres Amtes zu»valten brauchen, in einer stille» Ecke des Ballsaales auf, behalte» aber dabei alle Vorgänge im Lokale scharf im Auge, um erforderlichenfalls sofort in Aktion treten zu können. Als„Geschäftsführer", die jedoch nur nnd zivar i» recht nachdrücklicher Weise ans den» Geschäft „herausführe»", repräsentire» sich die Rausschmeißer in den Chantants, unter denen sich»vahre Herknlesgestallen, vielfach auch regelrecht trainirte Athleten befinden. Hier sinkt die Gage ans 2—3 M. für den Abend, während sie bei den gleichzeitig als Portiers fnnktionirende» Rausschmeißern der„Wiener Cafes" noch niedriger ist. obivohl gerade diese Kategorie die meiste„Arbeit" hat und, da sie nur zu oft mit de»„Beschützern" der»veiblichen Stammgäste des Lokals in recht unsanfte Berührung kommen muß, der größten Gefahr nils- gesetzt ist. Der alte spanische Schlviudel von den vergrabenen Schätzen lebt immer»och, trotzdem vor längerer Zeit aus Spanien gemeldet »Vörden»var, daß die Schwindler verhaftet und unschädlich gemacht sind. Neuerdings suchen, wie die„Boss. Ztg." berichtet, die Schwindler ihre Opfer in Rußland, und es ist anznuehmeu, daß die Nachricht von der Verhaftung der Bande durch diese selbst verbreitet ivorden sei, um die Aufmerksamkeit der Behörden von den» gefährlichen Treiben der spanischen Gauner abzulenken. DaS große fiskalische Gelände ztvische»» Gneiscuau-»ud Berginaniistraße bei der nelie» Garnisonkirche soll der Bebauung erschlossen»verde». Das etiva 1000 Ruthen große Gebiet ist in de» Besitz eines Nnlernehmers übergegangen, der das für etiva 40 Grund- stücke Platz bietende Land schleunigst parzelliren und»veiter vcr- äußern»vill. In der Niigelegcnhcit der Garantiefouds-Zeichner der verflossenen Gelverbe-Ausstellung Treptoiv sind jetzt einer Anzahl von Zeichnern, die auf grund der bekannten Vorgänge die Zahlung veriveigerten, hektographisch hergestellte Klage» seitens des Ausschusses zugegangen. Da durch das Rechtsschutz- Komitee der Garantiefouds-Zeichner eine gemeinsame Vertretung der Verklagten stattfindet, fordert es alle diejenigen, denen Klagen zugestellt»vnrden oder»och»verde», nunmehr ans, die Akten an Herrn Theodor Grubert, Kransenstr. 31, den Vorsitzende» des Komitees, zu senden ustd de» Klageschriften alle aus die Klage und ihre Garantiefonds- Zeichnung bezügliche» Schriftstücke beizufügen. Einen neuen Fernsprech-Apparat, der sich sehr beivähren soll, bringt die Ober-Postdirektion in Berlin jetzt zur Einsühning. Der neue Apparat nimmt die Sprache leichter auf und vermittelt die Ueberlragung der Sprache in klarer und deutlicher Weise. Die Schalluntschel ist aus Messing mit Hartgnminimundstück gefertigt, ragt etiva 10 Zentimeter über die Schallplatte empor und ist trichter- förinig gebaut. Die Schallplatte ist nach nunen durch ein Draht- gitter geschützt,»im zu verhindern, daß nervöse Personen, die beim Anrufen des Amtes ungeduldig»verde», mit den Fingern gegen die Schallplatte schlagen und diese beschädige», ein Uebelstand, der bei den alten Apparaten der Ober-Postdireklio» zahllose Ausbefferungeu und erhebliche Kosten verursacht. Ein geschinackvoNer„Scherz". Ter Anarchist Gustav Landauer, nach dein sich neulich der„Sozialist" so besorgt er- kundigte, ist»vieder zur Stelle, er befindet sich wohlbehalte»»vwder im Kreise feiner Genoffen. Die in der vorige» Woche so„tief- betrübte" Redaktion des genannten Blattes erklärt, es habe sich bei dem Aufrufe»ach Landauer lediglich»in einen Scherz ge- handelt. Landauer sollte allfgefordert»Verden, niit der Redaktion in Briefivechsel zn bleiben. Ans eine furchtbare Weise ist an» Donnerstag Nachinittag um 4�/» Uhr das füuf Viertel Jahre alte Töchterchen Elisabeth der Schlosser Springer'schen Eheleute aus der Madai- straße 9 um das Leben gekommen. Das Kind spielte auf dem Fuß- boden in der Küche unter Aufsicht der Mutter. Wie man vielfach bei Kindern sieht, hatte Elisabeth Springer ein Bündchen»nit einem daranhängenden Zahnring um de» Hals. Die Mutter verließ auf kurze Zeit die Küche, um in den, daneben belegenen Zinnner etlvas vor- zunehmen. In dieser Zeit des Alleinseins richtete sich daS Kind von» Fuß- boden auf und gerieth mit dem Halsband hinter den Riegel des Braiofens an der Kochmaschine. Die Kleine»var nun völlig hilflos nnd konnte»veder das Band lösen, noch auch schreien, da ihr der HalS zugezogen»var. Sie erhängte sich, und die Mutter fand bei der Rückkehr die Leiche. DaS Polizeipräsidimn theilt»nit: Jin Besitz eines ain 24. Angnst festgenommenen Fahrraddiebes»vnrde ein Fahrrad, sogenannter Slraßenrenner Nr. 80 348, Gestell und Fabrikmarke überlnckirt, eine lange Luftpumpe an der Verbindungsstange an- geschnallt, engl. Sattel„Patent Brooks", Werkzeugtasche mit Marke „Imperial" vorgefunden. Der ctivaige Eigenthun, er wird ersucht, sich in de» Vormittagsstunde» auf dem Polizeipräsidium, Zimmer 36, einzufinden.— Bei einer Taschendiebin ist ei» schwarzledernes Beulelportemonnaie ulit Stahlbügel, Stahlhandgriff und Kugel« Verschluß uebst einen» Inhalte von 11 M. vorgefunden, das an- geblich an» 31. v. M. einer Dame in der Köslinerstraße gestohlen sein soll. Die Eigenlhümerin»vird ersucht, sich im Polizei-Dieiist- gebände, Alexanderstr. 3—6, Zimmer 97, zu melden. Polizeiliche Nachforschniigcn finden anscheinend auf An« ordnung der Staatsanivaltschast bei Aerzte» statt, un» solche Stu« deuten zn ermitteln, die Verbände von Duellverivundungen»ach« gesucht nnd erhallen haben. Den Anlaß hierzu dürste die Nachricht von den in der Nähe von Belitzhof und Wannsee stattgehabten Mensuren gegeben haben, die durch das zufällige Anftrelei» eines Gendarmen eine jähe Unterbrechung erlitten. Viel dürfte dabei nicht hernuskonunen. Schneidermeister Herr Rugnst Briese, Anguststr. v0d, theilt »nS berichtigend mit, daß der in Nr. 208»nseres Blattes erschienene „Ein HanSivirlh als Raufbold" überscbriebene Artikel unrichtige Darstellungen bezüglich feiner Person enthält. Herr Briese will nach seinem Schreiben»veder die Frau Wiedoiv mit Scheltivorlen über- häuft noch»nit einen» Schlagring hcruingcfnchtell oder auch gar den Hansreiniger Schuhmacher Wiedoiv mit einem eisernen Hammer einen Schlag auf de» Schädel versetzt habe». Er, Briese, habe erst niit eine»» Pferdegeschirr um sich geschlagen, als er von dem Arbeiter Henke hinterrücks angegriffen wurde. Gegen den letzteren will Herr Briese wegen Körperverletzung strafrechtlich vorgehen. Da wird ja das Vorkommniß dann genügende Klärung erfahre». IliifllMSfälle im Straßenverkehr. Auf dein Banplatze Elisabethnfcr 5/6 gerieth der mit dem Abfahren der ansgeschachleten Erde beschäsiigte Kutscher Karl Poinke»»nter die Räder seines Wagens und erlitt einen schiveren Bruch des rechten Unter» schenkels. Er fand im Krankenhnuse an» Urba»» Aufnahme. — Vormittags»vnrde vor den» Hause Pallisadenstraße 80 die 69 Jahre alte Hospitalitin Josepha Ellgelmann durch einen Geschäftsivagcu überfahren und am rechten Unter- schcnkel erheblich verletzt, Sie wurde in das Krankenhaus am Friedrichshai» gebracht.— In der Mehnerstrahe lief abends der zehnjährige Sohu der Hebamme Ida Slabeuau gegen daS Fahrrad des Zimmermanns Hans Klüß,»vurde überfahren und am linken Unterschenkel erheblich verletzt. I» derselben Weise verunglückte gestern Nacht der nnbeanffichligte vierjährige Sohn des Geschäfts- reisenden Zemmii», indein er durch den Mechaniker Paul Plauert mit dem Fahrrade überfahre»»vnrde. Der Knabe trug eine Ber- letziuig am Kopfe davon. Das„Deutsche Theater" schloß mit dem 31. August sein drittes Spieljahr unter der Direktion Brahu». Es gingen darin 12 Stücke nen in Szene, darunter 7 abendfüllende und 5 kürzere Novitäten; ferner»vnrde»» 2 Stücke aus dem früheren Spielplan des Deutsche» Theaters neu«inftndirt und 3 andere aus im Hause ver- ansialtetc» Matinee» uberiio»»»nen. Von den Novitäten erreichte die höchste Zahl der Aiiffähr»lugen„Die versunkene Glocke" von Gerhart Hauptmann,»velche 107 Mal auf den» Spielplan erschien; sodann »vurde» gegeben,„Morituri" von Hermann Sudermanniö? Mal, „Freiivild" von Arthllr Schnitzler 23 Mal,„Hannele" von Gerhart Hauptmann 2l Mal.-„Ohne Liebe" von Marie von Ebner-Eschcnbach 18 Mal,„Der Sohn des Kalifen" von Ludivig Fulda 18 Mal.„John Gabriel Borkmau" von Henrik Ibsen 9 Mal, sonn«„Die Wildente" von Ibsen ö Mal.„Am Ende" von Marie von Edner-Escheubach 4 Mal,„Die Schulreiterin" von Emil Pohl, Guten Morgen, Herr Fischer" von W. Friedrich und„Die Uiieh» lichen" von Gerolamo Rovetta je 2 Mal. Von klassische» Stucken wurden gegeben:„Jrüius Cäsar" 17 Mal,„Hamlet" 7 Mal,„Die Räuber" 5 Mal,„Der Kausmann von Venedig",„Don Carlos" und „Faust" je 3 Mal.„Die Jüdin von Toledo" 2 Mal,„Romeo und Julia"»nd„Der zerbrochene Krug" je 1 Mal. Ferner er- snhre»„Die Weber" 30,„Einsame Menschen" 17 Wieder- bolunge»,„Der Talisman" 7,„Lninpaeivagabiuidus" 4,„Der Meister von Palnuzra" und„Blau" je 3,„Nora",„Liebelei"»»nd „Die Mütter" je 1. In» ganzen fanden in dem abgelanfenen Spiel- jähre 301 Abendvorstellungen und 43 Sonntagsnachmittags-Vor- stellungc» statt; dazu kommen 2 Matineen, die eine von der Freien Bühne, die andere von den Mitgliedern des Deutschen Theaters zum besten der Genossenschasl deutscher Bühnenangehöriger ver- anstaltet. In der ersten kamen zur Aufführung„Ain Ende" von Marie von Ebner-Eschenbach und„Grete's Gluck" von Emil Marriot, in der ziveite»„Die Schnlreiterin".„Guten Morgen, Herr Fischer" und„Flotte Bursche". Herr Paul Pauli, der bekannte dramatische Lehrer und Regisseur, früher Mitglied des Deutschen Theaters, hat für morgen, Sountaa, den 12, d. Mts., das Bellealliance- Theater gepachtet und veranstaltet dort zu kleinen Preisen eine Extra-Wohlthätigkeits-Vorstellung, deren Ueberschuß siir die Ueberschw emmten bestimmt ist. Zur Aufführung gelaugt: „Kabale« u d Liebe". Die Hauptrolle» sind»vie folgt besetzt: Präsident— Karl Appel. Ferdinand— Manuel Ellwin. Kalb— Hugo Düblin. Lady Milford- Elise Huftcl. Wurm- Paul Paul. Miller- Georg Wolf. Luise— Margarethe Kühler. Alter Kammerdiener— Erich Hosmann. Miller's Frau— Elsa Pauli. Sophie— Martha Blisse. Theater. Mme. Rsjane»vird, wie nunmehr festgestellt»vorden ist, mit ihrer Gesellschaft des„Vaudeville-Thcaters" in Paris im Lessing-Theater sieben Gastvorstellungen geben, die am 9. Oktober beginnen und am Ib. Ottober enden. Maxnnilien Dorval, der Vertreter der Künstlerin, ist in Berlin eingetroffen, und hat alle Verabredungen über das Repertoire mit Dr. Oskar Blumenthal getroffen. Die Künstlerin wird wahrscheinlich»nit Alphonsc DandetP Schauspiel„Sappho" beginnen, und dann„Madams Sans Gfine",„Nora",„Demi-Monde",„Fron-Fron" und Maurice Donnay's neues Schauspiel„La Doulonreuse" spielen, das deinnächst m deutscher Sprache hier zur ersten Aufführung gelangen»vird. Wir»verde»! somit Mme. Röjane nur in Bühnenwerken sehe»», die dem Publiliim durch ihren Inhalt vertraut find.— Im Schiller-Theater wird heute Abend die Auzengruber'sche Bouenlkomödie„Die Krcuzclschreiber" zum erstell Mole wiederholt. Nachmittags 4 Uhr findet das erste Gastspiel des Märchen- Ensenibles Geschwister Seitz statt. Zur Aufführung kommt„Hansel und Gretel", Märchenspiel in b Bildern— Im Ostend-Theater stndcp heute die Ivo. Aufführung von„Unsere Rcichspost" statt. Die Rollen liegen in Händen der Damen: Grigo, Lid, Weick, Winter, Pauli, kl. Lübke; der Herren: Altschüler, Leitner, Dill, Fclsch, Wach, Pauli und Karl Weiß. � Eingeleitet wird die Fesworstellung durch einen Prolog,»velchcr von Rud. Knelsel verfaßt Ist. Jeder Besucher erhält ein Souvenir. Ans de» Nachbarorten. Arge Kopfschmcrzru bereitet de» Rixdorfer Patrioten daS Wilheli»s-D'c»k»ial, das sie. der heiltigen Mode folgend, gar zn gern« auch in unserem durch seine Gendarmen so bekannt ge> wordenen Nachbarorte errichtet sehen niöchle». Aber die Zahl der Patrioten ist gering in Rixdorf; während diejenige Partei, die weder für Kriegs- Denkmäler noch Personenknltns z» habe» ist, ansgebreilet ist wie Sand am Meer, mag die Schaar der „wahren Valerlandsfreunde" sich nicht allzuweit über das Kontingent der am Orte stationirten Gendarmen erheben. Voriges Jahr ging es noch. Da zählten die znniDenkmalfonds zahlende» Patrioten— wieso weiß man nicht recht— volle l 696 Älnhänger, welche zwar nicht viel, aber immerhin 624« M. und 19 Pf. aufbrachlcn. In diesem Jahre aber grassirle eine Palriotenflncht, wie sie seit der Ausrottung der Euakim in Israel und seit der Schlacht von Jena nicht erhört worden ist: nur 104 Zahler sind nachgeblieben. die im ganzen die klägliche Sninme von SS4 M. und 5 Pf. gesteuert haben. Was thun? Eine Hauskollekle wäre, wo jede Mielhskaserne von Sozialdemokraten wimmelt, von vornherein ein verfehlles Unternehmen, das nichts anderes zu weg« brächte, als daß es die intensive Abneigung des Rixdorfer Proletariats gegen das Denkmal vor aller Welt offen- barte. Da kam man denn, wie schon so häufig in ähnlichen Fällen, ans die Idee, de» Spieltenfel mobil zumachen. Man hofft durch eine Silberlotterie, deren Genehmigung beim Oberpräsidinm bcanlragi werde» soll, 20 000®1. aufzubringen. Wenn die Geschichte nur klappt. Die Patrioten sollten sich des großen Reinfalles erinnern, den die Macher der vorjährigen Geiverbe-Ausslelluug mit ihren Lotterien er- lebt haben. Anö der lehtcn Siffmig der Rixdorfer Genieindebertreiniig Die Hermaniislraße hinler der Ringbahn soll noch vor Vegin» des Winters neugepflastert, der Theil vom Nollkrug biS zur Rmgbahn umgepflastcrt werden, iven» bis dahin auch die Legnng der Scbiene» für die elektrische Bahn gelegt werden können. Die nothwendigen Mittel werden bewilligt. Die ncuzngründende Gemeindesparkasse soll am 1. Oktober d. I. eröffnet werden. Vorläufig wird dieselbe vom Gemeindekassen-Rendanten niit verwaltet werden. Ein Betriebs- Vorschuß im Betrage von 1000 M. wird bewilligt. Betreffs Anlage eines Gemeindc-Elektrizitätswerkes sollen von einer Anzahl reiion» mirter Firmen Gutachten und Kostenanschläge eingefordert werden, da die Gemeinde das Werk auf eigene Köllen erbauen und betreiben will.— Der Antrag auf Verleihung städtischer Verfassung ist wegen eines formelle» Fehlers zurückgewiesen worden. Es wird beschlossen, denselben i» berichtigter Form dem Minister unverzüglich einzureichen mit der Bitte um Beschleunigung der Angelegenheit.— Der neue Lehrerbesoldungsplan soll ans Anweisung des Reg erungs- Präsidenten bis zum 1. Oktober d. I. der Regierung eingereicht sein, nachdem die Sache ca. ein halbes Jahr in den Bureaus zu Potsdam geschlummert hat. Bei der Sch>v>erigteit der Frage überweist die Vertretung die Angeleaenheit an eine fnnfgliedrige Kommission, welcher auch Genosse O st e r in a»» angehört. Die Konnnission soll zu den Berathunge» den Schulvorstand und eine Lehrer-Deputatio» heranziehen dürfen.— Die Errichtung einer Haltestelle der Ringbahn an der Hermannstraße ist nunmehr sowohl vom Minister wie von der Landes-Polizeibehörde genehmigt worden. Der Bau soll auf Koste» der Geuieinde Nixdarf ausgesührt werden, welche dieselben wiederum durch Beiträge der illulieger einzieht. Veranschlagt sind die Kosten auf 90 000 M. Gebaut soll die Haltestelle erst im nächsten Jahre werden, da dann zugleich die Eiienbahnbrncke inr Zuge der Her- niannstraße eine erhebliche Eriveiternug erfahren soll. Zu diesen Kosten soll die Gemeinde Rixdorf 16 000 M. beisteuern. Die Ver- tretung bewilligt diesen Betrag. Die beantragt gewesene Einfsilining einer Bierstener und einer Fahrradstrner ist von der Slabtvrrordnelen-Velsammlnng von Eberswaldc mit großer Mehrheil abgelehnt worden. Selbstmord eines Schriftstellers. Im Hotel Liefenbnrg zu Zehleudorf hat sich geller» der Schrislsteller Georg Schnusler erschossen. Das Motiv zum Selbstmord soll in zerrüllelen Familien- Verhältnissen zu suchen sein. Wege» vorsätzlicher Prandstiftnng ist, der„Berk. Ztg." zu- folge, ein angesehener Bürger der Sladt Spandau, der fast 70 Jahre alte Elgenthümer Slrackharu, verhaftet worden. Ju seinem Hause Schönwalderstraße(am am Mittwoch ein Brand aus, der offenbar angelegt worden war._ Munfk«nfc MNlssenslLzctfk. Unter der neuen Direktion Brandt wurde an, Donnerstag das Residenz-Theater eröffnet. In der Geschichte des tliesidenz-Theaters ist damit vorläufig nichts verändert. Herr Brandt, der vor mehreren Jahren alle ritterlichen Llenienants der französische» Komödie unter der Direktion Lanlenbnrg spielte, hält am alten Programni fest. Das Residenz-Theater soll auch ferner eine Pariser Filiale bleiben. Damit kommt Herr Brandt in scharfen Wettbewerb mit dem Direktor Laiitenbnrg vom Neuen Theater; und da die einzelnen Berliner Theater sich immer mehr ans einzelne Spezialitäten verlegen und danach trachten, ihr ganz besonderes Arbeilsgebiet zu pflegen, so ist es unwahrscheinlich, daß zwei Theater zugleich mit Erfolg sich als Pariser Filialen halte» werden. Besonders gegen« wältig, da die Pariser Produktion au Witz»nd Knustferligkeil verlor und nur an rohem Zynismus gewann. Einen Beweis hierfür gab gleich die Eröffnnngs- Vorstellung im Residenz-Theater. Mit ivelch' rüder Deutlichkeit giebt sich die Zote in dem Schwank„Ein- berusung" von Sylvane»nd Gascogne und wie sehr erzwungen klingen die HanSwurstspäße darin. Ein junger Notar lügt seiner älteren Frau vor, er sei zur Reserve-Uebnng einberufen. In der That verläßt er in Uniform sein Hans, rückt aber nicht zu seinem Regiment aus, sondern will sich mit einem leichten Dämchen amüsiren. Er stürzt sich in schlimme Abenteuer, und muß, weil er sich nicht verralhen darf, bei einem grimmigen Major den Bursche» spielen, während seine Liebste mit dem ganzen Bataillon bis zum Major aufwärts zärtlich thut. Wenig erfreulich, wie die Komödie selbst, war im ganzen auch das Zusammenspiel. Man muß sreilich damit rechne», daß Herr Brandt noch nicht genügend Zeit fand, seine netten Kräfte z» diszipliniren. Vom alten Stamm blieb der köstliche Epifodenspieler Herr Pagay übrig, der aber diesnial ans der gar zu dürftigen Rolle eines lächerliche» Stabs- arztes ebenfalls nicht viel zu machen wußte. Herr Brandt selbst gab de» Notar, wie ei» geivandier guter Schauspieler; nicht aber init jener üppig komischen Kraft, die Herr Alexander in seiner Spezialität, der des Lebemaiiues in hundert Verlegenheiten, ent- faltet. — Das T e st a m e n t der Frau Marie Seebach ist vtin eröffnet worden. Für das S e e b a ch- S l i f t in Weimar sind nicht, wie notariell von der Verstorbenen vor der Erbauung des Stisls bestiiinnt war, 100 000 M.— nach ihrem Ableben zablbar—, sondern 150 000 M. ansgeworfen, mit dem Wunsche, die Zahl der Pfleglinge da»» ans 30 zu erhöhen. Im ganze» hat Frau Seebach für das Stift anfgeivendet: 24 000 M. für die Ei baunng des Hanles, 100 00« M. baarc- ikavital zur Beköstigung der Pfleglinge und jetzt 150 000 M.. also 274 000 M.— — An den Symphonie- Abenden gelangen unter Weingartner's Leiinng neben fämmilichen Symphonien von Beethoven»nd anderen klassischen Meisteriverken u. a. folgende Koinposilioncn zur Aufführung:„Fanst"-Syaiphcmie von Liszl; vierte Symphonie von Glazonnoiv; Wald-Symphonie von Raff; Ouvertüre„Carsar" und drei Oeckestersätze ans„Romeo»nd Julie" von Berlioz; Onverinre„Barbier von Bagdad" von Carnelins; Onverrnre„Carneval" von Dvorak;„G-stide der Seligen", symphonische Dicbtnng von Weingartner; vierte Symphonie von Tschaikowsky;„Parsifal"-Vorjpiel und„Fa>.st">OnveUure von Wagner.—_ Versottnnlnngvn. Am Wahlverel» fiir den fiinften Verliner'Reichstags- Wahlkreis hielt Genosse Aiillarg am Donnerstag eine» recht lehrreichen Vortrag über das UnsallversicherungS. Gesetz, wobei er Anwendnng und Anssührung de» Gesetzes a» Beispielen erläuterte. Dem Vortrage folgte eine kurze Distusflon. Schließlich wurde ein früher gefaßter Beschluß wieder in Erinnerung gebracht, der dahin geht, daß sich die Parteigenossen zu zwanglosem, geselligen Bei- sammensein des Sonnlags im Röllig'sche» Lokal, Rosentbalerstr. 12, treffen. Am nächsten Sonntag soll wegen der Piovinzialkonferenz die Znsammenknnst ausfalle», für die fernere Zeil wird aber um rege Tveilimhme ersucht. Die Metallschleifer dielten am Mittwoch eine öffenttiche Ver- sammlniig in. Englischen Garten ab. Rohr lack nnd N ä t h e r machten den Anwesenden a» der Hand von Vorkommnissen im ge- werbliche» Leben klar, daß nur mit Hilfe einer guien Organisation — die leider von den Metallschteisern bisher arg vernachlässigt worden sei— eine Aufbcsserung der Lob»- und Zlibeitsverhältnisse erreicht werden kann. In der darauf folgenden kiirzen Diskussion kam dieselbe Ansicht zum Ausdruck. Es ivurde auch erwähnt, daß in den Werkstelle» Listen zwecks Aufnahme einer Siaiistlt über die Lobn- und Arbeitsverhältnisse der Schieiser auegegeben werden sollen. Fr«krellgiös« vewrinde. Sonnlag, den 12. September, vormittags» Uhr, lm grobe» Fcslsaal der Berliner Ressouice. Kommandanlenstr. 67: Le sammlung. A> elreltgtöse Borlesung. Um>i Ubr vormltiagS ebendaselbst: Vortrag des Herrn Waldeck Manasse über„Die Unfehlbaren". Wäns wiiitoimnen. Schiinederg Die Zahlst. ile des Demschen Holzarnelter-VerbandeS befindet sich im Resliu» anl T. klein, Merieburarrslr. 7. J.de» Sonnabend von s—io Nhr abends daselbst Entgegennahme der Beiträge. Nnch werden ebenda neu« Mit- gUeder aufgenommen._ Vermischtes vom Tsgv. — Glücklicher Staat! Unter diesem Titel schreiben die „Neuen Tiroler Stimmen": Ein Herr halte»» Jahre 1878 in einer Gemeinde der Umgebung Innsbrucks ein Bmigesnch überreicht und dazu den Bai. plan vorgrirgl und letzieren mit einem 15 Kr.-Siempel versehen. Der betr. Herr ist inzivischen in das bessere Jenseits abberufen worden. Heuer, i. 1. 1397, also nach 24 Jahren, erhielt sein Nachkomme von der Gebnhrenabtdeilimg der k. k. Finanz- Bezirksvirektion die Mittheilung, daß der damals vorgelegte Bauplan die NormalgrSßr von 1750 Quadrat-Zentimetern um 161 Qnadrat-Zentiiuetsr über- steigt und daher der Fiskus damals um 15, sage süiifzehn Kreuzer Stempel zu kurz gekommen sei. Nach Paragraph(folgen drei Zeilen Geietzes-Zilatione») hat also der Erbe des damaligen Gesnchslellers 15 Kreuzer verkürzte Gebühr und 15 Kreuzer Steigerung, in Sninma 30 Kreuzer bei Androhung der Exekution je. beim Stenerainte in Innsbruck zu erlegen, wenn er nicht vorzieht, den Rekurs zu er- greisen. — Bei dem letzten Manöver warf der Kaiser ein Endchen Zigarette weg.„Wie eine Horde Wilder"— erzählt die „Köln. Ztg."—„stürzten die Umstehenden daraus los, und ein Bauersmann war so glücklich, das Endche» zu erhaschen. Von mehreren herbeieilenden Engländern erstand einer, ein Rari'äten- sammler, den Zigaretlcnrest von dem Manne für einige Gold- stücke."— — Der österreichische Dampfer„Ivan Braili" ist im Hafen von Konstantinopel infolge starker Strömung mir einem englischen Dampfer znsammengestoße»»nd gesunken. Bs» der Bemannung wurden 22 Manu dinch die Siationsschiffe gerettet; außerdem rettete das österreichisch- ungarische Kanonenboot„Hnm" 11 Mann.— — Zwischen Däne mark und Irland soll eine tele- graphische Verbindung hergestellt werden, die wahrschein- lich die Faröer-Jnseln berühren ivird.— — Die„Deutsche Medizinal- Zeilnng" berichtet über eine Er- sindung von Dr. F. Bloebnnm in Köln, die einen bereuieiiden Fort- schritt in der chirurgischen Anwendung der Galvanokaustik bedeniet. Es ist dies die g a l v a n o k a n st i s ch e G l ü h n a d e l, eine wesentliche Vervollkommnung der bisher zur Beseitigung lästiger Haare, also besonders der Damenbärte, vorzugsweise angewaubte» eleklrolytijchen Nadel.— — Hunderttausende von Bienen haben nach dem „Nicderschl. Anz." kürzlich in der Zuckerralfinerie aus dem Dom bei Glogan ihren Tod gefunden. Zur Zeit der Blülhe des Heide- kraiues, welches in diesem Jahre �me wunderbare Blüthensülle entwickelte, unlernehnien die Bleuen oft einen meileuiveiten Flug in die Forste», um den süße» Blüihenstanb des Heidekrautes ein- zuheimsen. Ans diesem Wege werden die Bienen von dem süßen Geruch, welcher der Zuckerrasfinerie entströmt, angelockt. I» den Zucke rdöden der R ifsinene saugen sich dann die Bienen so voll, daß sie zum Fluge nicht mehrfähig sind und zum Tode ermattet herabfallen. Bon den Arbeitern der Zuckerrasfinerie sind Körbe voll todler Bienen ent- fernt worden. Ei» Imker hat beobachtet, daß in der letzte» Zeit seine Bienen nicht mehr Honig, sondern reine» Zucker produzirten, iveil die Thierche» der Zuckerrasfinerie Besuche abstaiieten.— — In London weiden gegenwärtig australische Apfel- s i n« n verkauft. Sie erzielen hohe Preise und sind fast besser als die kalifornischen.— — In M o n e z e n bei Lyck(Ostpreußen) tödtete sich ein Guts- besiher»ach dem plötzlichen Tode seiner Frau mit Sirychiiin, nachdem er vorher beide Todesfälle de» Eltern telegraphisch angezeigt hatte.— — In R i e d i s h e i m(Elsaß) stürzte bei einem Kirchenbau ei» schwerer Stein, der in die Höhe gezogen ivurde, auf ei» Gerüst, auf dem mehrere Muiircr arbeileien. Die Maurer stürzten zur Erde herab. Einer blieb tobt, zwei wurden schwer, einige andere leicht verletzt.— c. s. In Florenz hat ei» betnmkener Soldat, der ans die Wache gebracht werden sollte, fniis Spaziergänger verwundet. Unter den Verivundelen befinden sich zwei Frauen.— — In Wien erhängte sich ein 53 Jahre alter, kranker Schnhinachergehilfe. Um sich zu lenchten, halte er unter sich«in Licht gestellt; durch dieses geriethen seine Kleider und die ganze Stube in Brand.— — Im gievier Jagdkrug bei Wolgast(Poinmern) stieß der Förster ans einen Wilddieb. Da dieser aus de» Anruf nicht stand, gab der Förster Feuer. Der Schuß ging dem Wilddieb in die Brust und führte seinen Tod herbei.— Ans den davonlaufenden Man» wäre nicht aeschoffen worden, wenn es keine Hammerstein'sche Schießverordnnng gäbe.— — Ahl w ardt hält sich gegenwärtig in seinem Wahlkreise auf; er versucht, dort Filialen seines Berliner Zigarrengeschäfts zu gründen.— — Berfchiedene Bezahlung. Ein Mann wurde einst gefragt, warum er seinen Advokaten so gnl nnd seine» Arzt so schlecht bezahle, und er erwiderte:„Wenn ich einen Advokaten holen lasse, erzähle ich ihm, weswegen ich ihn geholt, er schreibt alles in die Akten, geht fort nnd nimmt so meine Krankheit mit sich. Lasse ich jedoch den Arzt holen, erzähle ich ihm, ivoran ich leide, er schreibt etwas auf, geht fort nnd läßt mir meine Krankheit zurück."—_ Wetter-Prognose fiir Sonnabend, de» 11. September 1H07. Kühl, theils heiler, theits wolkig bei mäßigen nordöstlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner W e t t e r b n r e a u. Oeffentliche Versammlungen der 2 Berliils Uhr, sWldemkraMM Pllckipch« M Seitoffiiineii am Dienstag, den 14. September, abends 8' in folqettden Lokalen: 1. Kreis:„Arminhallet»", Ko»»t»»ta»»da»»te»tftraize LS. Ä. Kreis:„Bockbrauerei" aiu Teulpelhoferberg. 3. Kreis:„Ressource", Konmumdattteustr. 57. 4. Kreis:„Stechert's Säle", Audreasftr. Ä1. 5. Kreis:„Brauerei Bötzow�, Preitzlauer Allee A47. 6. Kreis:„Kolberger Salou", Kolbergerstr. 23. Tages-Ordnung: 1. Berichterstattung von der Brandenburger Konferenz. 2. Diskussion. 3. WM eines Mitgliedes der Agitationskommission und des Zentral-Wahlkomitees. 4. Stellungnahme zum Hamburger Parteitag. 5. Wahl der Delegirten zu demselben. PF" Da dieser Parteitals BeWiijse zu fassen hat, die für die Partei o nititlragender Bedeutung sind, so ist es uothivendig, daß alle(kuop in den Bersanmlungeu erslheineu. 213/16_ IM© Vertrauenspersonell. Zentral-Berband der Zimmerer Deutschlands. lZahlstelle Berlin.) Sonntag, den 12. September, vormittag» lO Uhr, In den �rminhallcn, KominanduiUeiiistr. 20: Mersammiung. Tages-Ordnung: 1. Unsere Lohnbewegung. Referent Kaulerad ICnbe. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 254/19 Kameraden! Es ist nothwendig, daß wir dieses Thema nochmals in der Mitglieder-Verianimlimg behandeln, um den Mitgliedern, speziell den Neu- eingetretenen, klar zu machen, welchen Werth die Organisation bei Lvlm- beweaungen für uns hat. Darum, Kaiueraden, erscheint recht zahlreich und pünktlich in der Versammlung. Der Vorstand. Verband der Sattler u.Tapezirer. Sonnabend, den 11. September, abcndS 0 Uhr, im Englischen Garten, Alcxanderstr. 27 o 158/11 Uersamminng. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Silberstein über„Die Entwillr'imgs- geschichte deS Menjchen". 2. DiSkujston. 3. Ver'chicdeueö. Die Orisvern-aktung. Sonnabend, den 9. Oktober 1897, neuntes Siistnugssest der Fniaken Berlin in Marten s Feslsälen, Fricdrichstraße 236, bestehend aus Konzert, Theater, Vorträgen und Ball. Eintritt sür Herren 5« Pf., für Damm 30 Ps. Eintrittskarten sind zu haben bei Noseitthal, Wasserthorstr. 52, 4 Tr. C. Schulze, Auneiistr. 26, v. 2 Tr. H. Lange, Louisenstr. 61, H. pari. r. Beel, Admiratstr. 40 bei Haus, und bei allen bekannten Kollege». I>as IComitce. ! Klstenmacher! Sonnabend, den 11. d. M., abends 8 Uhr, In den Arminhallen, Kommandantenstrasse Xo. 20: WM" Versammlung Tages-Ordnung: Verschiedene Lohndisferenzen, namentlich bei Uank* Co., und Kciiing. Wwe. Kümpers Stehbierhalle, Treptow, Parlstraßen-Ecke.» Grünau. G.Wagner's früher Lietke. Großer Saal, Garten, Kaffeerüche, Kegelbahn, Ausspannung.* Schulz' Festsäle Reue Königftr. 7, am Königsthor. In den neu renovirten Säle»: Jeden Sonnabend und Sonntag: — Großer Ball.= Vereinszimmer. Saal sür Versaunn- lungen frei. Ed. Schulz, Gastioirth. Former Große öffentliche Uersammlnng am Sottntag, den U. Sentcmöer, mittags IL Uhr, m lotveeger Lsloa, Kolbergerstrahe LZ. Tages-Ordnung: I. Der Streit bei der Firma Borsig. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kollegen, der wichtigen Tagesordnung halber seid Ihr verpflichtet, Mann für Manu in dieser Versauunluug zu erscheinen. 63/5-- L. Müller. Vertrauensmann firiic Seu Jiilwlt dcv J«sr,>,tc iiberiiiiiiiiit die Nedukii»» de», Publikum gegenüber keiuerlri Verliiitwortiiilg. � sieotrv. Souilabcnd, dm 11> September. Neueö tgl. Operutheliter t.�rvl» Der Trompeter von Säklinge»� Anfang 7r/z Ahr. Schnnspielbano. itönig Lear. A» � fang 7-/2 Uhr. Deutsches. Moritnri. Auf. 7�/, Uhr Berliner. Renaissance. Anfang 7V2 Uhr. Veffing. Abu Seid. Das zweite Gesicht. Ansang 7V2 Uhr. Neues. Der Stellverlrelec. Anfang .'i'/- Uhr. Unter den Linde». Der Bettel- studcnt. Anfang 7>.. Uhr. Goethe(früher Theater deo Westens). ?ianst. Anfang 7 Uhr. Schiller. Die Krenzelschreiver. An fang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Hansel und Gretel. Luise». Geschwister Fiebig. Anfang 8 Uhr. Rejideuz. Die Einberufung. An fang 7e/z Uhr. Friedrich- WilhelnistadtischrS. Das Käthcheu von Heilbronn. Thalia. Lnftballet Grigolatis. Bor her: Tonbisson's Hochzeit. Anfang 7i/j Uhr. Ostend. Unsere RcichSpost. Anfang 8 Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang 7V- Uhr. Alrxaudcrplah. Das Liebesdrama einer Sängerin. Anfang 8 Uhr. Belle-Zlllianee. Spezialitäten. Ans. 8 llhr. Apvll». Spezialitäten. Ans. 8 Uhr Passage- Panoptikum. Indisches Dorf. Slsz ill 0 V" T lz ente r (Wallner-Thcater). Sonnabend, nachmittags4Uhr: Erstes Gastspiel des Märchen-Ensembles der Gelchw. Seitz: Hiinsel und Gretel. Märchenfpiel in b Bildern. Abends 8 Uhr: Die Krcuzel schreiber. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Weh de»,, der lügt. Abends 8 Uhr: Deutsche Schwanke aus vier Zeitalter». Montag, abends 8 Uhr: Papa Nitschc. I,ui8eu-?kester he 34. tovität Ravität: Abends 8 Uhr: Geschwister Fiebig. Anr Sonntag, den 12. September, nachmittags 3 Uhr: Volks-Vorftcllttttg unter Regie von�ulln» Tttrk Die MÄul»er von Fr. v. Schiller. Montag, den 13. September, abends Ty, Uhr: Zweite Bolksvorstcllung Die Räuber. Eintrittskarten k 60 Pfg. sind in den bekannten Geschäften zu haben. Ostettd-Theater. Gr. Franksnricrstr. 132. Dir. C. Weih SfF* Vorletzte Woche!"S Graste Fest-Borstellung. Jubel-Ouverture. Prolog, verfaßt von R. Knetsel. Wiederauftreten von Karl Weift. Zum 100. Male: Unsere Reichspost. Bolksstück mit Gesang in 4 Akten von R. Kneisel. Musik von C. Schüler. Anfang 8 Uhr. August Bi-secke: Karl Weiß. Jeder Besucher erhält ein Souvenir. Sonntag: Nachniittags- Vorstellung zu halben Preisen: Berlin, wie es weint und lacht. Anfang 3 Uhr.- Abends 7»/, Uhr: Unsere Reichöpost. In Vorbereitung: Jugendbronnen, oder: Neu- Ruumielsburg. Burleskes charakteristisches Zeitgemälde mit Ge- sang u. Tanz in 4 Akten von Tschirch und Berg. Musik von G. Steffens. Von 6 Uhr an: Gr. Frei-Konzert. Centrai-Theater Alte Jakobstr. 30. Direktion Richard ScIiiiUk. Sonnabend, den 10, Sepiember 1897: Cnill Thomas a. G. Zum 7. Male: Novität: Novität! Berliner Fahrten. Burleske Ausstattuligspossemit Gesang und Tanz in 6 Bilden! von Julius Freund mid Wilhelm Mannstäd t. Musik von Jul. EinSdshofer. Anfang 1/ß Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Berliner Fahrten. Apollo- Illeaisr. Fricdrichslr. S18. Dir.ük. Oliick. Prinzessin Pocahuntas (Die indische Rachtigall). Lrotiloi» Serra. Ttie Burnells. Der Affe als L»tstgym>lastiker Griffin n. Dnbois. Hr. Ghreti<»ini. Die 9 Wlmlmamlchen Joseph Phoites Pantomimen- Troupe Kaiseneriissnuug KVzUhr. Ans. 7>,'z Uhr. uransa Tsu.bcnsf rasse 48—49. Koturkundl. Ausstellung tägl. geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt öOPf.— Wissensohattl. ' Theater abends 8 Uhr. fassage-Panopticnm. Imlisclies Dorf mit dem bedeutendsten Fussball- Künstler der Welt Uonog Toon. Vorst. 12, 5, 7 und 9 Uhr. � Castan's Panopticum. Friedrichstr. 105. tBüreiineib die gross: e Sehenswürdigkeit des ablaufenden Jahrhunderts ist wieder da!!! Maiif ItalienisoheKapelle HCl!. des Maestro Liberti, 5 Herren, 2 Damen. Alcazar Variete-Theater I. Eanges. Dresdeucrstraße 52/53(Cith-Paffage) Annenstraße 42/43, Direktion Si i ch a r d W i n k l e r. Vornehmster Familien- Aufenthalt. Novität! Novität! Die Rosen ans dem Süden. Große Auostattuugsposse mit Gesang und Tanz m 1 Alt von W. Gericle. Vorher: Neu! B e r m i s ch t e S. Neu! Posse mit Gesang in 1 Akt v. R. Jonas. Austr. eines durchweg neuen glänzenden Küustler-Spezialitäten-Personals. WnklHlll' Wochentags 8 Uhr. 4(lt|UI(y, Sonntags 7 Uhr. DV Entree 30 Pf. Gutscheine haben an den Wochen- tagen zu allen Plätzen Giltigkeit. Viktoria-Brauerei f.Utzow- 8traH»te III/IIS nahe Potsdamer Platz. tOarten re�p. 8»al) t TUgllch: Stettiner Sänger lMehsel, Pictro, Brilton, Steidl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Zum Schluß:. StranipelbrUdev. Ensemble von Mehscl. Anfang 8 Uhr. Entree i»f) Ps. Billets ü 4« Ps. und Familien- Billets ö. 1 M. nur im Borverkauf. (Siehe Plakate.) DWT- Fahrräder können eingestellt werden. Vsiilleville-IIiestel' Schönhauser Allee 148. Täglich i Gr. Konzerte, Spezialitäten- Vorstellung und Ball. Vollständig neues Programm! Äti.\' limine rn. Anfang 4'/; Uhr. Eutree 30 Pf. Achtung 1 Achtung! in den R i x d o r f. Dienstag, den 14. September 1897, abends Nhr, Viktoria-Sälen j« Rixdorf, Hermanustr. 49, FW" Vereins-Versantmlitng des sgjialiitiilokfiitislliell Vereiils„Vorwärts". TageS-Ordnung: 1. Vortrag über:„Ist Neligion Privatsache?" Referent Genosse Adolf Hoffmann-Bcvliii 2, Diskussion. 3. Vercinsangclegenhcit und Verschiedenes.— Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ersudicn wir die Mitglieder, vollzählig zu erscheinen. Gäste sind willlommen. 232/20 Ter Vorstand. Ri'sis Volksbühne. Sonntag;, 12. S entern her, naohrnittags 3 Uhr, im Friedrich"Wilhelmslädtischen Theater: Erste Vorstellung für die I. Abthcllnng. Novität! JHusioneila Novität! Hamburgisches Drama in 5 Akten von Carl Mönckeberg. Unter Mitwirkung hervorragender Gäste; Orts-Krankenkuffe der Klempner. Am Sonntag, den 10. Septbr. d. I., vorm. lO UHr, findet bei Stabcrnack, Jnselstr. 10, eine �Ansseronlentllelie Geilera!-Versammlung der Vertreter der Aasscnmitglieder und der Arbeitgeber statt. Tagesordnung: 1. Abälidernng der M2 und 31 des Statuts. 2. Beschlußfassung über die ärztliche Behandlung der erkrankten Mitglieder für das Jahr 1898. 3, Verschiedenes. 450b Der Vorstand. Alfred Dependorf. Matti: Frl. Milli Krause Herr Wendt. vom kgl. Schauspielhause zu Berlin als Gast. Beginn der Verloosung der Plätze um 2 Uhr. Die Mitglieder worden gebeten, pünktlich zur Vorstellung zu erscheinen.— Die Vorstellung der II. Abthoiluug findet statt Sonntag, den 19. Septbr., der III. Abih. Sonnlag,(fen 26. Septbr. Hett 4 der Volksbühne ist im Theater bei den Ordnern ä 10 Pf. zu haben. Im Theater beflndet sieh keine Kahlstellc. Diejenigen Personen, welche Mitglied des Vereins werden wollen, werden geboten, dies für die II. u. III. Abtheilung baldigst zu thun, d. h. sich in einer der bekannton ZahU stellen einschreiben zu lassen, da die I. AhthcUmig bereit» gcaehloüMcn ist. Eintrittsgeld 60 Pf., Beitrag pro Monat 60 Pf. 231/18 Der Vortnnd; G. Winkler. Auf mehrfache Anfragen seitens der Mitglieder erklären wir zur Vermeidung von Irrthümern, dass die von Herrn Julius Türk im Luisen-Theator arrangirten Volks- Vorstellungen mit den Veranstaltungen des Vereins„Freie Volksbühne" nichts zu thun haben. Neue Freie Volksbühne. Die alten Mitglieder unterliegen nicht der Bestimm»,«g der Zlnmeldefrist von zwei Tage». Dieselben könne» sich ihre Mit gliedskartrn noch bis Sonntag an einer der Zahlstellen um tausche». 152,3 Verband der Möbeipolirer. Montag, den 13. Septbr., abends 8V2 Nhr, Swineiiiünderstr. 42 � Di*t*|atmiumuju � Tages-Ordnnng: 1. Vortrag des Kollegen S t r a in m über „Russssche Denkwürdigkeiten". 2. Dislussion. 3. Wahl. 4. Verschiedenes, Da in Tegel kein Lokal frei ist, findet die Horrrnpnrtie nach Buch statt. Abfahrt morgen früh 7« vom Stettiner Bahnhof. Nach zügler werden in Bernau, E l y s i u in, erwartet. WOT Stiftungsfest'MHZ am 25. September in Kcller'a Festsälc», Koppcnstr. 29. Zlnftreten der Norddeutsche» Sänger. Festrede, gehalten vom Kollegen G. R eu t e r. Unter Mitwirkung deS Gesangvereins der Möbel polirer.— Während der Vorstellung im kleinen Saale, nach derselben in beiden Sälen Tiui«. Anfang 8 Uhr. Billets: Damen 30 Pf., Herren 50 Ps. 148/7 Der Voratsud. Ächtung! Charlotten Irarg. Achtung MMtt MMMriirr-MImli». Bezirk Clldrlotteubnrg ,1. Spandau. Sonntag, de» 12. September 1897. im Lokale BittiuarckglUihe, Wiluiersdorferstr. 39 in Charlotte»!», rg: Großes Herstftvergnngen, verbunden mit liouzicrt, Thcutrr, lebenden Bildern, Tarn, Herren, welche am Tanz theilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Anfang 4 Uhr. Gntree 25 Pf. 160/14 Dun Komitee. M-eller's Fe.stsäle, KgM»st!Ht Nr. 29. Sonnabend, den 11. September 1897: II. Siif tungs" Fest des Arbeiter-Rliucher-Buudes Berlins und Umgegend. «.ÄÄie: Großer Festball verbunden mit kvm. Vvriiägeu, veberrssobungeu, Verloosung eto. Die Ballinnstl wird mit doppelten, Orchester der Freien Vereinigung der Zivil-Bernfsimlsiker ausgeführt.— Freunde und Gönner sind hiermit freund- lichst eingeladen.— Anfang 8 Uhr.— Herren 50 PL Damen 30 Pf. 380b Dan Komitee. Ostbahn-Park Am Kiistriner Platz FermannlmbS. Am Küstriner Platz S*$r T it g 1 1 c h: Konzert, Theater-«nd Spezialitättil-Norfielliiilg. Mvttl Dev ZKtninme«nd l'oi»r Äffe. AnSstattiingS-Ensemble._ KV Xene Attraktiona-Miimmern."VQ Entree Sonntags 20 Pf., Kinder 10 Pf., Wochentags 10 Pf., Kinder 10 Pf. Kaffeeküche. Vollsbelustigimgen. SM" Mittwoch: Kluder-Bent. Achtung I <». 4. lünjxelke, Nene Jakobstraste 20, echte» alten Nordhänser Liter M.l,—, �>L.M.0,50. * extra alte Waare„„ 1,40,„„ 0,70. Kleinvcrkanf von 10 Pfs. an. - g Gastwlrtbschaft von 6. Lirdentiayn Frlcdrlchstraasc S.[39602* BBSSI Zimmer bon 25—30 Personen.■B9H Saal bis 80 Personen mit Piano.— Garten u. Kegelbahnen. SD Avbeikov�Verkelzvslolrol. S n $ drill C. Mandt, Li»4 A V4?♦ DampfschiffS-Statio».[29598* Zwischen Grünau»nd Schmöckwist schönster Punkt der Oberspree. Stündliche Omnibus-Verbindiing Bahnhof Grünan.— Wald-Spielplätze. H. Hohlwein's Keglerschlössclien, �Treptow.01, ffiTiTM hinter der Verbindungsbahn. WilB» Schöner Garten. Glas Bier 10 Pf. Große Weibe 20 Pf. Kaffeekochen k Liter 60 Pf. 2963L* R. Hohlwein. i. Original-Budapester Possen- u. Operetten- Theater in Kanfniann's'VspliitiS (Direktion Gebr Herrnfeld) Kine besondere Spc- xlalltilt nnf dem Gebiete des Theater- I e b e n e bilden die mit unbesöhreibliohem Erfolge aufgenommenen Original- Xovltäten: Ein Abend im Wintergarten und Im Atelier. (Jeberraschcnde Snjcts. Femer Auftreten der Humoristen Theodor Dippardt, Dr. Guido Steinitz, Original- Raponet. Theodor Gleite. Anfang des Konzerts 7 Uhr. Vorstellung Vj8 Uhr. Die ausgegebenen Vorzugskarton haben auch für die folgenden Vorstellungen ihre Giltigkeit. Haferland's Restaurant, Obcr-SchUnc weide. empfiehlt seinen Saal, Garte», Kegel- bahn, ikaffeelüche. Solide Preise.* Ausserordentliche GematMrsarnnllWs der Orts-Krankenkasse der CfoHUgiesser findet am 8oiintii{;, d. 19. esepibr., vormittags lO'/i Uhr, im Lokale des Herrn Fonerstein, Alte Jakob- straße 75(Gartenhalle), statt, wozu sämmiliche Herren Arbeitgeber, welche ein Drittel aus eigenen Wiitieln zur Kasse zahlen, und sämmiliche groß jährige Kassenmttglieder hiermit ein geladen sind(§ 47 des Statuts). Qnittuugsbnch legitimirt. Tages-Oidnung: 1. Wahl von 20 Vertretern der Arbeitgeber. 2. Wahl von 42 Ver- tretent der Arbeitnehmer. 3. Ber- schiedenes. Berlin, den 10. September 1897. 454b Der Vorstand. Masebm.-KieuiWg Arbeiter-Mfghm-Vtttttl Berlin. Sonntag, b. 12. Sept. nach An germünde. Abfahrt früh 5 Uhr Prenzlailer Thor. Nachmlttag nach Birkenwerder, ParadieSgarten. Abfahrt l Uhr Schwe- denstraße. 267/7 Den Mitgiiedem des„Sosiial- dcniokrntlschen Arbeitervereins" zur Nachricht, daß unser Genosse üugllSl Pageis am 9. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 12. September,»achin. 4 Uhr, vom Tranerhause Glienickerstraße 29 ans statt. Um zahlreiche Beiheiligmig ersticht Der Vorstand. 7/6 Anffordernitg! Der Gesangverein Grüne Elche iipdvrf) fordert die früheren Mit- giieder, welche noch Verpflichtungen habe», ans, dieselben zu begleichen, widrigenfalls die Namen veröstentlicht werden. 451b l�een-Palast 22 Burestr. 22. Größt. Vergnügnngslvkal Berlins. Direktion: R. Winkfer mid W. Fröbel. x&f Beinah» ganz Berlin spricht über das sensatioiieNe R I e s c Ii-Pr o x rn m m. 29 Nummern. 50 Künstler. Sehen! Staunen! Die bildschöne Ciotiide Darnett, einzig dastehende siugeiche Athieti«. !«ti TÜSSS Piidkl U; v. a. Ansang 7»/, Uhr. Sonntags 6 Uhr Eittree 30 Pf. bis 1 M. 50 Pf. bilaschin.-ilaclcets Guter blauer Baumwollstoff, mit Steh- od. 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