Ur. 213. Kbonnemkitts-Kedingungen: vbonnsmentS»Preti pränumerando: «Urleljährl- 3,30 Ml,, monatl. 1,10 Ml,. wöchentlich 23 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Psg. Sonntags- Nummer mit illustrirtsr Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg, Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zetlungs- Preisliste sür 1397 unter Nr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, sür das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Dtt Inftrtwns- Gebühr beträgt für die sschSgsspaltens Kolonel- »eile oder deren Raum so Psg., sür Vereins- und Versammlungs-Anzeigen, sowie ArbettSmarlt 20 Psg. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr uormittags geössnel. Erscheint täglich au her Woniag«. Verltnev DulltsMAlk. Fernsprecher: Sink I, Nr. 1503. Telegramm- Adresse: «Sotialdemokrat Srrlin". Zentmlorgcm der sozialdemokratischen Itectei Deutschlands. Wed.llttio»: SW. 19. Yenty-Straße 2. Sonntag» den September 1897. KJtpeditiott: 8V. 19. Uettth-Straße 8: Aus dem Veidje des Ntiniplees Whielen. Die ungewöhnlich große Anzahl schwerer Betriebsunfälle, die sich auf den Staats-Eiscnbahnen im Laufe des Sommers ereignet haben, hat mit recht in hohem Maße die öffentliche Aufmerksamkeit erregt. Selbst die.Berliner Korrespondenz", wahrscheinlich inspirirt vom Rcichs-Eiscnbahnamt, hat zugegeben, daß die übertriebene Sparsamkeit des preußischen Eisenbahn- und des Finanz- Ministerillins Schuld an diesen bösen Zuständen tragen. Diese Sparsamkeit zeigc sich in zweierlei Richtung, eiuestheils inso fern, als die Anlage der Bahnen von vorilherein in unge nngender Weise geschieht und nothivendige Erneuerungen oder Erweiterungen unterlassen werden, andererseits in der BeHand lung des Eisenbahnpersonals. Verbesserungen der Bahnanlagen anzuregen und vor zuschlagen, ist in erster Linie Sache der Techniker und Fach lente. Wir haben vor kurzem in einem Leitartikel diese Seite der Frage berührt. Wir niöchten heut noch hinzufügen, daß auch die„Kölnische Zeitung" zil der Ueberzengung ge langt ist, daß im preußischen Eisenbahn- Betriebe viel fach schlechtes Material verwendet wird und daß die Bahnhofs- und Geleisverhältnisse im ganzen rheinisch-westfälischen Jndustriebezirk durchgängig unzureichend»lud theil weise geradezu trostlos seien. Das rheinische Blatt erklärt daher, daß„kleine Mittel" nicht mehr ausreichen; die allgemein gehaltenen Erklärungen der„Nordd. Allg. Ztg.", dem Sprachrohr der preußischen Ministerien, genügen nicht, es müssen„umfassende, gründlich schöpferische Arbeiten" vorgenommen werden. Wir haben von jeher der anderen Seite der Frage, der Lage der Eise nbahn-Ange st eilten, unsere bfr s ondere Aufmerksamkeit zugewendet, und es erscheint im gegen wärtigen Augenblick besonders uöthig, von neuem die Oeffent lichkcit ans diese Dinge hinzulenken. Der letzte der amtlichen Berichte über die Ergebnisse des Betriebes der preußischen Staats-Eisen bahnen, den Herr Thielen selbst unterzeichnet hat, be stätigt wiederum die Thatsache, daß das preußische Eisenbahn wesen längst aufgehört hat, in erster Linie ein den Fort schritten der Kultur und der Entwickelung von Handel. Industrie und Landivirthschaft dienendes Institut zu sein, daß es vielmehr darauf eingerichtet ist, niöglichst hohe Ueber- schnsse zu erzielen, die entweder einzelnen bevorzugten Klassen zu gute kommen oder aber zu kulturfeindlichen Zwecken verivendet werden. Unter diesen rein fiskalischen Zwecken der Eise»bahnbehörde hat nicht nur die moderne Entwickelung im allgemeinen zu leiden, sondern besonders auch die vielen Tansende von Eisenbahnarbeitern, die vom Staate in derselben Weise ausgebeutet werden, wie in Privatinstitutcn angestellte Arbeiter von Privatleuten. In sämmtlichen Dienstzweigen der preußischen Eisenbahnen waren im Jahre 1895/96 96 195 Beamte etatsmäßig, 11 539 außeretatsmäßig angestellt. Die Zahl der Arbeiter belief sich in demselben Berichtsjahr ans 179 428, wozu noch 3946 nur vorübergehend beschäftigte Arbeiter hinzukamen. Tie Einnahmen der Eisenbahnen beliefen sich auf 1 939 426 946 M., welcher Sunime an Ausgaben 569 951 357 M. gegenüber standen. Der U e b e r s ch n ß betrug demnach 469468689 M., also fast eine halbe Milliarde. Diese Ueberschnsse sind im Lause dcp Ähre dauernd gestiegen. Man sollte nun annehmen, daß ein Institut, das mit einem so ungeheuren Gewinne arbeitet, seinen Arbeitern eine ivenigstens einigermaßen auskömmliche Existenz ge währleistet. Aber weit gefehlt. Trotz der überaus langen, anstrengenden und gesundheitsschädlichen Arbeitszeit ist die Besoldung der Unterbeamten und Arbeiter eine überaus geringe. Die Dauer des täglichen Dienstes des Betriebs- Personals ist ja nach de» einzelnen Strecken und Stationen eine verschiedene. So kommt es, daß z. B. von dem L o k o m o t i v- personal, welches 18 844 Beamte umfaßt, nur 3351 bis zu acht Stunden täglich im Durchschnitt beschäftigt sind, daß da- gegen 7398 bis zu zwölf Stunden, 5726 zwölf bis vierzehn und 2369 sogar vierzehn bis sechzehn Stunden hinter einander thätig sein müssen. Aehnlich liegen die Verhältnisse beim Zngbegleitungs-Personal, wo nur 4211 eine planmäßige Dienstdauer bis zu acht Stunden, 9275 hingegen eine solche von acht bis zehn Stunden, 5895 eine solche bis zu vierzehn und 4164 eine solche bis zu sech- zehn Stunden haben. Kein Wunder, daß sich diese beiden Beamtenkategorien unverhältnißmäßig schnell abnutzen, sodaß die meisten von ihnen bereits im Alter von 46 bis 59 Jahren nach einem Dienstalter von 19,7 Jahren pensionirt werden müssen. Auch die Arbeitszeit der Weichen- st e l l e r, deren angespannteste Aufmerksamkeit zur Verhütuilg von Unglücksfällen so sehr erforderlich ist, beträgt noch bei 11 234 von 18 867 Angestellten dieser Kategorie 19 bis 12 Stunden, bei 2876 bis zu 14 und bei 489 sogar bis zu 16 Stunden. Aehnlichen Verhältnissen begegnen wir bei den Bahnwärtern, den Stationsbeamten und den Bahnhofs-Arbeitern, während die Arbeit des Bnreaupersonals eine weit kürzere ist. Von letzterem sind noch etiva 6 pCt. länger als 8 Stunden täglich im Dienst. Auch mit der Gewährung von Ruhetagen sieht es sehr schlimm aus. Von einer völligen Dienstbefreiung an Sonn- und Festtagen kann gewiß keine Rede sein, wenn nicht der ganze Verkehr leiden soll. Wohl aber könnte die Ver waltung jedem Angestellten m i n d e st e n s einen vollen Ruhetag in der Woche gewähren. Das trifft jedoch fast bei keiner Beamtenkätegorie zu von insgesanimt 173 795 Beamten verfügen 2649 nur über einen„halbtägigen Ruhetag", d. h. eine achtzehnstündige zusannnenhäilgende dienstfreie Zeit im Monat, 25 986 er- halten monatlich im Durchschnitt einen Ruhetag, 18 949 ein- einhalb, 47 595 zwei und 79 435 mehr als zwei Ruhetage Gelegenheit zur Theilnahmc an dem sonn- und festtäglichen Gottesdienste erhält das Personal, soweit es auch an den Sonn- und Feiertagen zum Dienste herangezogen werden muß, bestimmungsmäßig an jedem zweiten, mindestens aber an jedem dritten Sornitag, und sofern hierfür die auf die Sonntage fallenden Ruhetage nicht ausreichen, wird die erforderliche dienstfreie Zeit zum Besuche des Gottesdienstes gewährt, ohne daß es der Nachsuchung eines besonderen Urlaubs zu diesem Zwecke bedarf und auch ohne daß eine Beeinträchtigung der für die Erholung bestimmten Ruhetage eintritt. Die Besoldungen sind für die höheren Beamten vev hältnißmäßig hoch, für die mittleren und Unterbeamten jedoch nur theilweise auskömmlich. So beziehen z. B. die Lokomotiv- sührer Gehälter von 1299 bis zu 2999 M., aber in anbetracht des anstrengenden Dienstes, den sie zu leisten haben, und der be- sonderen Ausgaben, die das Fernsein vom Hanshalt mit sich bringt, wird man diese Gehälter gewiß nicht als genügend bezeichnen können. Noch weniger trifft das bei den Zugführern und Schaffnern zu, von denen erstere 1199 bis 1599, letztere 899 bis 1299 M. beziehen. Ans ganz niedriger Stufe bewegen sich vollends die Tagesbesoldungen und Löhne der Hilfsbediensteten und Arbeiter. Der durchschnittlich in einem Tagewerke erzielte Verdienst der Hilfs- Weicheilsteller betrug 1895/96 nur 2,15 M., der der Hilfs- Bahnwärter, Hilfs- krahnivärter und Wegeschranken- Wärterinnen sogar nur 1,61 M. Auch die Hilfsbremscr und Hilfs- Wagenwärter verdienten nur 1,92 Mark im Durchschnitt, also nicht viel mehr als die Werkstätten- Lehrlinge, deren durchschnittlicher Tageslohn fich auf 1,96 M. belicf.>Ver hältnißmäßig am gttnsttgsten waren noch die Werkstätten� Handwerker gestellt, die im Tagelohn 2,99 M., im Stücklohn 3,95 M. verdienten; dagegen bringen es die im Telegraphem dienst beschäftigten Frauen, die sich zwar seit Jahren gut bfr währt haben, aber nicht pensionsbercchtigt sind, sondern im Alter ans den Gnadenweg verwiesen werden, nur ans 2,57 M. täglich, ein Lohn, von dem sie kaum etwas zurück legen können. Schon diese wenigen, dem amtlichen Berichte entnommenen Zahlen dürsten einem Eisenbahnminister, der das ernste Be streben hat, die Staatseisenbahnen zu einem Mnsteriilstitllt zu erheben, genug Fingerzeige geben. Durch eine bessere Entlohnung und eilte kürzere Arbeitszeit der unteren Beamten und Arbeiter könnte mancher Unfall ver- hütet, könttte manchem Angestellten sowie zahlreichen Personen des reisenden Publikums Gesundheit und Leben erhalten werden. Wurden doch trotz aller Vorsichtsmaßregeln im Jahre 1895/96 noch 259 Bahnbeamte und Bahnarbciter im Dienst getödtct und 559 mehr oder weniger schwer verletzt! Aber freilich, eine Besoldnngsaufbessernng avürde ja die Ueberschttsse verringern, und ebenso hätte eine verkürzte Arbeits- zeit die Einstellung neuer Kräfte irnd erhöhte Ausgaben im Gefolge. Ja, handelte es sich um eine Herabsetzung der Gütertarife im Interesse der nothleidenden Agrarier oder einiger Großindustrieller, so ließe der Mirnster schon mit sich reden, und selbst Herr Miguel würde keinen Einspruch dagegen erheben. Aber für seine Angestellten in auskömmlicher Weise zu sorgen, dazil ist der preußische Militärstaat noch nicht gekommen. Und da die bürgerlichen Parteien im Land- tage den leitenden Kreisen diese Verpflichtung nicht zum Bewlißtsein bringen wollen, so muß der Protest der Oeffent- lichkeit, der Unwille des schwer gefährdeten reisenden Publikums 'ich kräftig vernehmbar«lachen, bis endlich Bessernng ge- chaffen wird._ politische MebevZkcht. Berlin. 11. September. — Ueber die geplante llievision der Zivil- Prozeß-Ordnung werde» offiziös folgende Angabe» gemacht: „Es soll der Grundsatz der Miindlichkeit überall strenger durch- geführt werden, als es bisher der Fall gewesen ist. Sodann wird eine Beschleunigung des Verfahrens erstrebt, die voriviegend durch dessen Vereinfachung erzielt werden dürfte. Auch steht eine Er- Weiterung der Zuständigkeit des Einzelrichters in Frage. Ferner betrifft die Revision Abänderungen in der Eideszuschiebung der Parteien, sodann eine Vereinfachung der Ztlstellung. Auch ist eine Abänderung der Bestinimungen über die Zivangsvollstrecknng geplant, und endlich sollen allgemein die Un- Vollständigkeiten beseitigt werden, die sich infolge der bisherigen Verschiedenheit des materielle» Privatrechts im Deutschen Reiche beim Erlaß der gegenwärtigen Zwil-Prozeß-Ordnung als unvermeid- lich ergeben haben."— Es ist zu bedauern, daß der umfangreiche Entwurf noch nicht veröffentlicht ist. Bei Gestaltung der Zivil- Prozeß-Ordnung sind aitßerordentlich wichtige Materien von sozial- politisch großer Tragweite zu regeln. Beispielsweise heben wir her- vor: Die Nothwendigkeit einer erheblichen Erweiterung des Kreises der»»pfändbaren Gegenstände, Aushebung des Anwaltszwanges, Aenderung des Entinündigungsverfahrens. Es ist schlechterdings umnöglich, diese und andere wichtige Fragen in wenigen Wochen zu ....... eichstag vor Mitte November nicht regeln. Da voraussichtlich der znsammenberufen werden wird, eine gründliche Berathimg der in betracht kommenden Fragen aber durchaus nothivendig ist, so dürfte die kommende Session den Zivilprozeß-Eniwurf kaum erledigen können. — Nene Kolonialansgaben werden von dein oft zu osstziösen Mittheilungen gcbrailchten„Hamb. Corr." angekündigt. so eine Forderung für de» Ausbau der Rhede von Swakopmund in Südwestafrika. Letzlerer Bau soll unaufschiebbar sein, nachdem die Eisenbahn in Südivestafrika gebaut werde. Dieser Bau ist aber bekanntlich vom Reichstag gar nicht bewilligt worden. Auch für den Weiterbnil der Eisenbahn nach Windhoek soll ein Posten in den Etat eingestellt werden. Wir wundern uns bloS, daß man die Anfachnng besonders scharfer Kämpfe um den Kolonialetat vor den bevorstehenden Reichstagswahle» nicht scheut!— — Znr Ausführung des AuSiv ander» ngs» g e s e tz e s. Unter den Verwaltungsmaßnahmen, die den Bundes- r a t h nach feinein für den Oktober in Aussicht genommenen Wiederzusammentritt beschäftigen werden, betreffen auch einige daS Aiiswanderungsivesen. Darunter wird sich auch die Frage der Errichtung des dem stieichskanzler zur Seite zu stellenden Aus- iv a n d e r nn g s- Beirathes befinden. Während der Vor- sitzende des letzteren vom Kaiser ernannt ivird, hat der Bundes- ralh die 14 Mitglieder zu wählen. Es ist selbstverständlich, daß, obschon die Thätigkeit des Beirathes erst nach der Jukrast- setzung des Auswandernngsgesctzes, also erst nach dem I.April 1898, beginnen wird und die Zusämmensetzuitg also erst iin Anfange nächsten Jahres vorgenommen zu werde» braucht, schon früher an den zuständigen Regienrngsftellen erwogen werden wird, welche Vorschläge für die Wahl dem Bundesralhe zu unterbreiten sein werde». Der Letztere wird sich allerdings erst im An- sänge nächsten Jahres hierüber schlüssig zu machen brauchen. Dagegen wird er bald nach seinem Wiederzusammentritt ein Regulativ für die Organisation de? Aus- wanderungS-Beirathes in Berathnng zu nehmen haben. Die Vorbereitnngen für die Aufstellung des Regulativs werden bereits getroffen. Es werden hierin Bestimmungen über die Be- fugnisse, die Entscheidlmgen in den einzelnen vorgelegten Fragen n. a. m. getroffen werden. Die Geschäftsordnung für seine Thätigkeit wird der Answandernngs-Beirath sich selbst nach seiner Konstituirung zu geben haben. Jedenfalls ivird der Bnndesralh sich bald»ach seinem Wiederzusammentritt auch mit diesem Beirathe be- schäftigen.— — Die Großindustiellen und die Vorbereitung der Handelsverträge. Die„Berliner politischen Nach- richten" thcile» mit, daß der Vorsitzende des Direktoriums des Zentralverbandes deutscher Industrieller, Reichsrath Haßler, am Freitag„die Ehre hatte, vom Staatsminister ilnd Staatssekretär des Reichsamls des Innern Grafen v. Posadowsktz empfangen zu werden und demselben die voni Direktorium beschlossene Eingabe in Sachen der Vorbereitung der Handelsverträge zu überreichen. Wie die„B. p. N" erfahren, soll die erbetene Kon- ferenz von Mitgliedern des Denlschen L an d- w i r t h s chaftsrathes, Zentralverbandes deutscher Ii, dustrieller und Deutschet» HandelStages an» 25. d. M. i in R e i ch s a in t e des Innern u n t e r L e i t n» g des Grasen v. Posado ivsky stattsinden.— — Zum Eisen bahn-Unglück bei Kalk ivird»och aus Köln, den 11. September, gemeldet, daß ein Bahmvärter die Gefahr des Znsamnienstoßens erkannte und durch Knallpatronen den Führer des Personenzuges zu»varnen versucht hatte. Allein es»var zu spät, der Zug suhr mit voller Gcivalt auf die in» Geleise stehenden Güterivagen, de» aus seinem Posten ausharrenden Bremser zermalmend. Gester!! Abend wurde ein Geleise frei. Die Aus- räumungsarbeiten nehmen«och den ganzen Heuligen Tag in Au- spruch. Der Maschinist und der Lokomotivführer des Personenzuges halten sich durch Abspringen retten kött!!?!',— — Die Beschönigungen der offizielle»Presse zur Frage der Eise»»bahn- Unfälle»vild allenthalben zurückgeiviesen. Die„Magdeburger Zeitung"' rrwähnt in einer Besprechung der Ursachen der llnfälle u. a. folgendes: „Uns»vird mitgetheilt, daß die Führung der sogenainitcn V-Züge auch an nervenstarke Männer so hohe Anforderungen stellt, daß sie fast durchiveg nach nicht allzu lauger Dienstzeit von nervöser Aufregung, Schlaflosigkeit u. s.>v. befallen»Verden. Hier müßte also für eine öftere Ablösung des Personals, das mit der Führung der Lokomotiven betraut ist, gesorgt»verde». Auch der Umbau der Bahnhofsanlagen soll nicht in der Weise gefördert sei»,»vie dies den Interessen der Sicherheit des heutigen Eisenbahn-Betriebes entspricht. Vielleicht schließt der Eisenbahn. Etat dann mit einem weniger großen Ueberschuß ab; aber die Hauptsache bleibt doch, daß alles gethan »vird, was die Unfallgefahr auf den Eisenbahnen verhindern kann." Die„Zeit" bemerkt: „Daß die Fahrbeamten bei derartiger Ueberanstrengung und so ungünstig gelegenen Ruhepause» ihren schivere» Dienst nicht ordnungsmäßig versehe» könne», liegt aus der Hand. Es kommt daher auch oft genug vor, daß ein Zug bei der Einfahrt in den Bahnhof nicht znr rechte» Zeit zum Stehen gebracht ivird, weil die Bremser ans ihren Sitzen einschlafe». Sollte die Eisenbahn-Bchörde die Zahl der Unglückssäll« nicht er- heblich einschränke» können,»vcnn sie ihre Beamten nicht so im Dienst überbürdete? Nach der im Reichs-Eisenbahn-Nmt aufgestellten, im„Reichs- Anzeiger" veröffentlichten Nach Weisung der auf deutsche» Eisen- bahne», ausschließlich Bayerns, im Monat Juli dieses Jahres vorgekom»neuen Betriebsunfälle»varen deren 226 zu verzeichnen, davon 19 Entgleisungen auf freier Bahn, 25 Entgleisungen in Stationen, 1 Zusammenstoß auf freier Bahn, 17 Zusammenstöße in Stationen und 173 sonstige Betriebs- Unfälle. Dabei»vurdeu 60 Personen getödtct und 154 verletzt.— — Der deutsche Aerztetag tagt gegemvärtig linier zahlreicher Betheiligung in E i s e u a ch. Den erste» Gegenstand der Tagesordnung bildete: Das Ausscheiden der Aerzte aus der Gewerbe- Ordnung. Der Referent Geh. Sanitätsrath Dr. Lent»vendete sich sehr scharf gegen das Kurpfuscherthum, dessen Ueberhandnahme er als eine Gefahr für das Publikum bezeichnet. Die Diskussion ge- staltete sich fast ollguiKm im Sinne des Referats und wurden schließlich folgende Leitsätze des Referenten angenommen: I. Die Freigabe der Ausübung der Heilkunde hat das öffent- liche Wohl direkt und indirekt und das Ansehen der Aerzte schwer geschädigt. 2. Di« Voraussetzungen, unter denen die Ans- übuug der Heilkunde durch die Reichs-Gewcrbe-Ordnuug freigegeben wurde, haben sich nicht erfüllt, weil die Unterscheidung zwischen Arzt>ind Kurpfuscher(§ 29) vom Volke nicht verstanden wird, weil die Kurpfuscherei an Umfang erheblich zugenommen hat, weil die Bestrafung der Kurpfuscherei für angestifteten Schaden nur selten erfolgt, ö. Die Kurpfuscherei, welche im Umherziehen vom Reichs- tage(Gesetz vom l. Juli 1383) schon wieder verboten wurde, ist wieder unter Strafe zu stellen. 4. Die Ausübung der Heilkunde ist den Bestimmungen der Reichs-Gewerbe-Ordnung(S 6:c.) zu entziehen und durch eine deutsche Aerzte-Ordnung zu regeln unter der Voraus- sehung, daß die Freizügigkeit, freiwillige Hilfeleistung nud freie Vereinbarung des ärztlichen Honorars bestehen bleibt. Die Herren Aerzte sollten statt der ewigen Lamentationen gegen die ihnen mißliebige» Elemente lieber danach streben, sich selbst das vielfach abhanden gekommeue Vertrauen in der Bevölkerung wieder- zugeivinnen.— — Die„Freifinnige Zeitung" klagt mit bewegten Marten, daß durch das Austreten der Sozialdemokratie manche vieichstngSwahlkreise an die reaktionären Parteien verloren gegangen seien und daß diese Erscheinung sich vielleicht noch in vermehrtet» Maße bei der nächsten Wahl zeigen werde, indem nach Ausmerzung des freisinnigen linndidaten im ersten Wahlgang der Sozialdemokrat i» der Stichwahl dem konservativen Gegner unterliegen würde. Anstatt daß nun die„Freisinnige Zeitung" in ihrer Partei, deren Anhänger doch diesen Zustand verschulde», Besserung zu schaffe» versucht, spricht sie sich für eine schärfere Bekämpsuug der Sozial- demokratie aus, damit die freisinnigen Kandidaten in die Stichivahl komme» und dann mit sozialdemokratischer Hilfe die konservativen Gegner geschlagen werde». Wenn die sreisinl>'qe Partei dem Leitartikler der„Jreis. Ztg.", der diesen Artikel über„eine Klippe sür Wahlerfotge" schrieb, folgen wurde, so dürste sie in viel gefährlichere Klippe» und Uuliefen ge- rathe». Verständigere Elemente in der freisinnigen Partei wissen sehr wohl, wie aussichtslos ein« noch schärfere Kampsslelluug der- selben gegen die Sozialdemokratie sein würde. Man kann neugierig sein, wie der Nürnberger Parteitag der freisinnigen Partei sich enl- scheide» wird, aber wir haben ivvhl nicht unrecht, zu vermuthen, daß er diese sonderbare Auffassung der Verhältnisse nicht zur seinigen machen wird.— — M i l i t» r j u st i Die„Mittelbadischen Nachrichten" schreiben: Vor etwa 14 Tagen haben sich zwei in Oberachern ein- quartirt« Soldaten der 2öer außer Dienst einer Gehorsams- Verweigerung gegen einen U n t e r o f s i z i e r schuldig ge« »nacht. Der Unterossizier vergnügte sich beim Kegelspiel. Als ihm ein Kegel ans der Bahn fiel, befahl er einem in der Nähe sitzende» Soldaten, den Kegel zu holen, was der Soldat mit der Be- merkung ablehnt«, er sei kein Kegels nnge. Das Gleiche that ei» zweiter Soldat. Noch am gleiche» Abend wurden sie beide in ihre» Quartieren verhaftet, über Nacht in einen Kohleuranm ver- bracht und am andern Morgen nach Rastatt abgeführt, ,vo sie vom Militärgericht zu je einem halben Jahr Festung ver- urtheilt ivutben." Diese Nachricht klingt kaum glaublich. Aber bei der Militär« iustiz Ist allerdings alles möglich. Vernünftigerweise hätte eher der Unteroffizier Strafe verdient, der eS fertig bringt. Eoldäie» zu der« artigen persönlichen Diensten mißbrauchen zu wolle».— — Wieder ein grober Unfug entdeckt! Ein polnischer Schüler in Samter in Posen»vurde wegen Tragens eines «oth-weißen Shlipses(die polnische» Farbe») in der Schul« »vegen grobe» Unfug» von der Posener Etraskammer ver- urlheilt. Da? Kammergericht bestätigt« dieses Erkenntniß. Als wir in die Schul« gingen, hielten sich die Lehrer sür besähigt, die Disziplin in der Schul« ohne Hilfe der Gericht, aufrecht zu er- halten. Im übrigen sehen wir im Tragen eines roth.weiße» ShlipseS keine Sache, die mit dem Strafgesetzbuche nur das mindeste zn thun hat. Bis zum vorigen Jahre waren diese Farben noch die osfiziellen Landesfarben der preußischen Provinz Posen.— — D i e n st und Gegendienst. DaS„Lelpz. Tagebl." erzählt. daß der Kaiser im Manöverfelde sich mit dem Grafen O r i o l a, der nationalliberaler ReichStags-Abgeordneter ist, sehr liebenswürdig unterhalten habe. Am Schlüsse der Unterhaltung be- rührte der Kaiser auch das Thema der Garnison Butzbach, die auf eine Eingabe der dortigen Bevölkerung vor kurzem errichtet wurde und er bemerkte dabei, er habe nun für die Garnison Butzbach ge- sorgt, nun möge der Graf auch mit dafür sorgen, d a ß i h»> (dem Kaiser) die Schiffe bewilligt wurden. Wenn es nur für den Grafen Oriola so leicht wäre, sür die Be- willignna aller Schiffe, die der Kaiser wünscht, zn sorgen, wie dem Kaiser eine Garnison nach Butzbach zu lege»!— — Prunk« und Staats manöver. In militärische» Kreisen bestehen starke Bedenken gegen die Art, wie in neuerer Zeit die großen Truppenübungen abgehalten werden. In der„Münch. Allg. Ztg." schreibt ein militärischer Berichterstatter: „Die heutigen Manöver(vom 8. September) waren Prunk- »t a n ö v o r. Die kaiserlichen Gäste waren zum ersten Mal an grand complet, und so wurde denn, wie eS vielerwärts immer, bei unS nur ganz ausnahmsweise üblich ist, um einen ftsteu, z»i» voraus bestimmten Punkt herum exerzirf... Dem Grafen Häfeler »och gestern Nachmittag oder in der Nacht ans dem Fuß zn folge», hielt die Oberleitimg der bätzertschen Armee offenbar nicht für thunlich oder nicht slk zweckmäßig. Die beiden hellblauen KorpS de- gnügten sich vielmehr damit, etwa diejenigen Positionen einzuuehme», die am Morgen die preußisch-hefsische Schlachtlinie gebildet hatten. Nebenbei oemerkt, würden sie in Wirklichkeit auf dem Schlachtfeld reichlich Arbeit vorgefunden haben! wenigsteus ivird dem Grafen Häseler angesichts des Mißverhältnisses, das im Ernstfall zwischen der Geschütz- und namentlich der Gewehrseuerwirkung und der D r aufgehet- n de uz eines große» Theiles der gestern engagirt geweseneu Truppen geherrscht haben würde, der Ausspruch zu- geschrieben:„Wenn das so weiter geht, weiß ich wirklich nicht, wer schließlich die Tobten wird begraben solle» I" Nun, nehmen wir an, die umwohnende» Bauern würden dies gelhnn haben; aber die Thaisache ist und bleibt richtig: Es wird bei den Manövern heutzutage theilweise ein„Helden- ,»» t h" e n t iv i ck e l t, der l m K r i e g e s ch n- l l s e l b st a d absurdum führen würde. Ich möchte sogar noch weiler gehen: Die Norme»,»ach denen heute im Frieden Krieg geübt wird, preußischem Muster entstammend, aber einer Zeit entsprungen, in der man voi» der jetzt erreichte» Vervollkommnung der Feuer- waffen noch keine Ahnung hatte, haben sich überlebt. Sie muffe» nothwendig von elwns neuem, daS zu studen Sache der aktiven Militärs ist, ersetzt werden. Denn daß es so im Kriege nicht zu- gehen wird und ivegen allgemeinen Todtgeschossen- werdens aller Betheiligte» nicht zugehe» kann, wie am Hühnerberg und am Wachlbaum bei Windccken-Roßdorf, ivird uns jeder zugebe», der, als Kombaltant oder Zuschauer, mit dabei war. „Tapferkeit ist eine Zier", doch wenn das, was wir gesehen habe», Tapferkeit ist,„dann gehl es besser ohne ihr!"— — Hannover wird mit dem Kriminalkommissar GramS, der sich selbst als Brüseivitz II. bezeichnete, beglückt. Herr GramS war früher in gleicher Stellung in Aachen thätig. Wir kenne» Leute, die eine Versetzung von Aachen nach Hannover als ei» Avancement lind nicht als eine Strafe betrachten. — Maßregelung eines Gemeindevertreters. Aus Langenöls theilt der„Proletarier ans dem Enleugebirge" fol- gende recht interessante Begebenheit mit:„Die im Laufe des Jahres unseren Ort wiederholt verheerenden Hochwasserkatastrophen habe» hier Folgen gezeitigt, die wohl einzig daftehen. Im Mitleldorfe liegt bekanntlich der ansgedehnte Hänserkomplex der Finna .Schl-sische Holziiiduflrie-Gesellschaft, vorm. Ruschewey u. Schmidt". mit einem große» Holzlagerplatze. Trotzdem auf diesem mehr als ausreichend Raum vorhanden ist, benutzte die Fabrik einen öffentlichen Verkehrsweg, die von Lauban nach Greiffen- berg sühreude Kreischaussee, um dort an der Seite, an welcher der Dorsbach fließt, eine große Zahl unbearbeiteler Baumstämme zu lagern. Als nun im Frühjahre das erste Mal eine Hochwasser- Katastrophe erfolgte, erhielt die Fabrikleitnng die Ausforderimg seitens der Behörde, die Hölzer wegschaffen zu lassen. Aber das ge- schah nicht eher, als bis beim letzten Hochwasser eine Anzahl mit fortschwamm, die dann natürlich unterwegs an den Brücken, Stegen und Uferböschungen bedeutenden Schaden anrichteten. In einer geheimen Gemenideraths- Sitzung kritistrte ein Ver- treter dieses Verhalten der Firma, die es nicht für nöthig befunden hatte, der behördlichen Ausforderung nachzu- kommen. Leider war aber der Gemeindevorsteher Arbeitnehmer in der bewußten Fabrik und bald nach jenem Vorkoiiimntß erhielt er seine Entlassung. Das Eintreten seiner Arbeitskollegen für den all- gemein geachteten und beliebten Mann vermochte nicht die Fabrik- leitnng zu veranlassen, die Kündigung zurückzimehmen, so daß es bei der Entlaffnng blieb. Ein paar Tage später wurde in einem Artikel in dein„Laubaner Tageblatt" diese Angelegenheit würdig besprochen. Und wieder ein paar Tage später war' auch der Ver- faffer des Artikels entlassen, dessen Name» die Fabrikleitung in Er- fahrung gebracht hat, auf welche Weise, entzieht sich unserer Kenntniß. Da aber die beiden Entlassenen im Orte anderweilig untergebracht worden sind, ist es der Fabrikleitung selbstredend nicht gelungen, dieselben zum Dorfe Hinauszugraulen, wie es wohl ihre Absicht war, und das weitere wird die Zukuust lehren."— — Die allgemeinen Wahlen zum Landtag von Sachsen-Meiningen finden, wie uns eine Privatdepesche nieldek, am 28. September stult. � — Der hessische LandwirthfchaftSrath richtet Verkaufs mittheilungen ein, nach welchen die von Ver- trauensmännern in den verschiedenen Orlen des Großherzogthnms ermittelte» und mitgetheiltcn Verkaufspreise von Getreide, Kartoffeln. Obst und Vieh gesammelt und zusammengestellt werden sollen. Dieses gesammelte Material soll als Grundlage für die Ausgeftalluiig und Eutwickelung des genossenschaftlichen Verkaufs dienen. Hanpt- sächlich soll festgestellt werden: 1. Wie sich die Preise z. Z. auf den kleinen Landorten gegen- über denen an den größeren Absatzorten und Handels- zentreu verhalten, an denen eventuell genossenlchaftliche Unter- nehmungen ins Leben geriifin werde» können? 2. welche Molle der Zwischenhandel spielt als Abnehmer gegen» über bei» direkten Konsumenten oder Großhändler? S. welche Wege der Handel nimmt, welche Orte hiernach für die Errichtung genossenschasllicher Unternehmungen besonders geeignet erscheinen? Außerdem hat der hessische Landwirthschaftsrath die Schaffung einer PreiSnotirnngSstelle am Frankfurter Gelreidemarkl und regelmäßige Bekanntmachung der hier ermittelten Preise ins Auge gefaßt.— — Chronik derMajestätSbeleidign» gs- Prozesse. In Breslau wurde am 18. d. M. ein Kaufmann wegen M a je st ä i s b e l e t d i g n n g in UnterfiichiiiigShaft gciioinmeii In Kassel wurde auf gruud einer a>i o n y in e n Denunziation die Frau eines Malermeisters wegen Majestätsbeleidigung deiimizut. Die Berhandluiig ergab, daß die Anzeige auf gemeine Rachsucht ziirückziisührcu sei. 2 Monate Gefäuguiß wurden erkannt, leider nicht gegen die Deuuiiziautiu.— Oesterreich. Wien, I!. September. Die Einberufung d«S Reichs- r a t h e S zum 23. September wird i» der amtlichen„Wiener Zeitung" veröffentlicht.— Wien, 11. September.(„Magdeb. Ztg.") Der Unterausschuß der Parteien der Rechten tritt am Iv. September wieder hier in Wien jiisnnimen, um die Verhandlungen mit Badem fortzusetzen. Heute wurde» die offiziös«„LieichSwehr" und daS christlich- soziale „Deutsche VolkSblatt" vom Slaalsanwalt beschlagnahmt.— — A»S Gger wird gemeldet, daß daS OberlaudeSgericht die Verwahrungshaft des wegen Hochverraths in Unlersuchuiig befind- licheu Redakteurs Hofer bestätigt. Die auf gruud des österreichische» Preßgesetzes durchaus ungesetzliche Sisiiruug der„Egerer Nachrichten" mußte aus die erhobene Beschwerde hin aufgehoben werden.— Ungar»». — lieber die E m p f a n g s v o r b e r e i t n n g e n für den deutschen Kaiser in Budapest schreibt die„Deutsche Tages- Zeitung": „Zuerst wurde, t?I« wir schon meldeten, in der Stadt- Vertretung gegen die Ausschmückung der Stadt und die Be- grnßuiig des deutschen Kaisers feierlich Protest erhoben. Daun verlautete, daß der in a g y a r i s ch« A d e l sich nur sehr s p ä r- l l ch zu den Hosfestlichkeilen aiigeuieldet habe, obwohl schon vor Wochen eine Verstäudiguiig erfolgt sei; als Grund schützt mau „Groll gegen Baron Baufsy" vor. Noch»ie konnte man in den chauviinsnschiii Blättern erbitterte Schimpfereien gegen das D e u t s ch t h u m, gegen den„aufdringlichen deutschen Einfluß", gegen die„reichSdeutsche Schnluieisterei" lesen, als eben jetzt. Bezüglich deS E m p f a ii g S p r o a r a m m S tauchen Tag für Tag neuere Gegen- sähe auf, bald fühlen sich die einen, bald wieder die andern zu- rückgesetzt, kurz jeder Tag. za, fast jede Stunde bringt neue Reibttiigen. Das Wiener„Deutsche Vollsblatl" berichtet tn dieser Richtung: „.... Die„allmächtige Pester Polizei" giebt klein bei, der„ge- fürchtete" Ober-Sladlhaiiptmaiin Rudnay»nterhandelt selt mehreren Tagen mit den Sozialdemokraten, die bekanntlich gegen den deutschen Kaiser zu demonstriren beabsichtige». Die Führer der Pester„lliolhen" haben sich nun bereit erklärt, von diesem Vorhaben abzustehen, falls ihnen am 19. d. Mls., also einen Tag vor der Ankiiiift des deutschen Kaisers, eine große Demonstration zn gnnsten der Einführung des allgemeinen Wahlrecht? gestattet wird. Ober-Stadthaiiplliiaiin Rudnay äußerte nun den Sozial- demokrateii gegenüber sein Bedenken darüber, daß dieser Zug eben jene Straßen passiren soll, die am Sonntag bereits für den Einzug des deutschen Kaisers dekorirt sein werde». Da jedoch die Sozial- demokrateii von ihrer Umzngsrout« nicht abgehen und die Garantie(?) sür das Nnterbleiben der Demonstration am Montag nur unter der Bedingnng übernehmen wollen, daß ihnen am Sonn- tag freie Hand gelassen wird, so haben die Verhandlungen bisher noch kein positives Resultat ergeben. Die Pester Polizei hat übrigens in den letzten Tagen Verstärkung erhalten, indem sowohl Wiener, als auch Berliner Geheimpolizisten zn dem Zweck dort eingetroffen sind, um die angeblich„ausländischen" Störenfriede und Anzeltler der geplanten Demonstrationen anS- znsorschen und dingfest zu machen. Sch»vesz. Bern, 9. September.(Eig. Ber.) Die Schweiz hat kein stehendes Heer und kennt daher auch das so sehr gemeinschädliche und da? Volt schwer belastende M i l i t ä r p e n s i o n s w e s e n nicht. Gelbst die 206 ständigen Jnstrnktioiisoffiziere erhalten keinerlei Pension, welche auch für alle Zivilbeamten unbekannt ist. Dagegen werden nach den Bestlnimnngen der Bundesverfassung die ini Militärdienste verunglückten Wehriiiänner durch«ine Invaliden- Pension unterstützt, die im Todessalle die Hinterkassenen erhallen. Im Jahre 1396 wurden 87 Invaliden mit 28 92S Fr. und 171 Hinterlaffene mit 37 66S Fr. unterstützt, sodaß die gesammten Pensionsansgaben 66 S90 Fr. betrugen.Für 1897 beträgt der Budgetansatz 70 370 Fr. Im Jahre 1877 betrug er 4g3SS Fr., ist also in den 20 Jahren nni 27 000 Fr. gestiegen. 1877 betrug die durchschnitt- liche Pension für einen Invaliden 246 Fr., für einen Hinlerlasseiien 196 Fr., 1397 333 Fr. resp. 226 Fr.— Jnteressanteriveise fließen auch noch immer ans dem Auslände MUitärpensionen in die Schweiz für von Schweizern geleistete ausländische Militär- dienst«. Im Jahre 1896 wurden auS Italien 6g 568 Fr. an Militär- Pensionen für Schweizer ausbezahlt, 18gö waren es 74S46 Fr. Die Zahl der Pensionäre beträgt 16S, 1896 sind 20 gestorben. Tie betreffenden Pensionäre hatten in Neapel und Rom Militärdienste geleistet. Der Kanton Bern erhält ein neues A r m e n g e s e tz. Von den beschlossenen Reuerungen sind erwähiienswerth die Er- Weiterung der Unterstützungspflicht der Verwandten in dem Sinne, daß Blutsverwandte und Verschwägerte in auf- und absteigender Linie einander unterstützen müssen, im Falle sie unterstütznngs- bedürftig werden. In einem Theile des Kantons, dem sogenannten alten Nantonslheil, waren bisher die Kinder nicht verpflichtet, ihre Eltern zu unterstützen. Ans diesem Grunde erhielt ein Altberner keine Entschädigung ans Haftpflicht, wenn sein Sohn bei einem Unfall das Leben einbüßte, selbst dann nicht, wenn er nachweisbar der Ernährer des Vaters war. Wichtig ist auch die Heran- ztehiing der Frauen zur Armenpflege, speziell zur Bemissichtiguiig von weiblichen Unterstützten, insbesondere zur Obhut armer Mädchen, in und außer Anstalten, sowie zur Ueberwachnng der Kinderpflege in den ersten Lebensjahren. Zürich, 9. September.(Eig. Ber.) In der ganzen Schweiz ist in den letzten Wochen eine empfindliche Steigerung der Brotpreise eingetreten, die in der Presse viel besprochen wird. Die Steigerung beträgt 20— 2S pCt., die für kinderreiche Ar- beiterfamilien sehr drückend wirkt, um so druckender, als derselben auf der anderen Seite natürlich keine Lohnerhöhung nachgefolgt ist. In Bern, Basel, St. Gallen und anderen Orten haben die Koiisnm- und Geiiossenschaflsbäckereien die Brolpreise nicht erhöht, was be- weist, daß die Preissteigermig keine absolut dringende war nud ferner, welchen hohe» Werth für die'Arbeiterschaft jene Bäckereien haben. Denn ohne sie würden natürlich die Bäckermeister, die überall ringartig organisirt sind, die Brotpreise noch mehr erhöht haben. Der Luzerner Große Rath(Landtag) lehnte es ab. ans die von Schneiderinnen verlangten Verschlechterungen des Arbeiterin» ensch» tz-Gesetzes einzutreten. Dem Rath« lag eine anonyme Eingabe aus Arbeiterkreisen vor, die ein- dringlich um die Anfrechlerhaltniig der Schutzbestimmniigen bat. Der Große Rath lehnte aber auch die Einführung des Pro- p o r t i o n a l iv a h l s y st e in s für die G e m e i n d e w a h l e n ad. Die Mehrheit des Luzerner Großen Ratbes liegt in den Händen der Katholiken, die auch in den meisten Geineinden die Mehrheit haben. Sie haben also kein Bedürfniß nach der Proporlionalwahl und die Vertretung der Minderheilen rührt sie nicht.— Spanien. — D e r Ministerpräsident und die Vereinigten Staaten. Telegramme aus Habana berichten von einem inler- effanten Schreibe», das der spanische Ministerpräsident General Azcarraga an die einflußreichen Parteiführer auf Kuba gerichiet bat. Der General erklärt, daß er nie gestatten werde, daß die Regierung der Vereinigte» Staaten sich in die Angelegenheileii der Insel Kuba einmische; eher wolle er mit der großen Republik den Kampf in Waffen austiehme». Weiter heißt eS dann:„Als Bahnbreiter der europäischen Kolomsntton tn Amerika haben wir die Sympathien Enropa's ans iiliserer Seite, welches nicht gestatten wird, daß man uns ans Kuba verjagt. An dem Tage, an welchem wir die Perle der Antillen verlassen müssen, würde England Kanada und Jamaica nud Frankreich seinen amerikanischen Kolonialbesitz verlieren. Wenn der Krieg wirklich ausbrechen sollte, wird Spanien Mittel finde», zn zeigen, was es leisten kann." An Großsprecherei hat eS bekanntlich den Spaniern niemals jemand gleich thun können.— Madrid, 10. September. Der KriegSminister General Azcarraga sandte an General Wepler ein Telegramm, i» welchem er weitere Mittheiliingen über dle Ein nähme von Victoria de las T u n a s durch die k n b a n i s ch e n A u f st ä n d i s ch e n erbat. Eine spanische Expedition soll organisirt werden, um den Platz wiederzugeiviimen. General Weyler hat auf die gestern gemeldet« Drahtanfrage des Miiitsterpräsidenten Azcarraga geantwortet, daß er eine Expedition zur Wiedereroberung der Stadt Victoria de las TunaS entsenden werde. Weyler wird im Oberkominando Kubas verbleiben.— Im gestrige» Miiiisterrathe verlas der Kolonialminister Castellano den Eiitivnrf eineS R e s o r in d e k re ts für die P h t lip p ine n; dasselbe fand die Billigung der Minister und wird niorg«» der Königiii-Regentin zur Unterzcichiimig unterbreitet werden.— Madrid, 10. September. Nach einem Telegramin ans Ferro! richlelei, vor dem Hanse des EtadlrichterS und dem des Bürger- meisterS in San Martin, welch« eine Meile vor der Stadt wohnen, zwei daselbst niedergelegte D y n a in i t b o in b e n bcträchl- ltchen Schaden an. Menschen wurden nicht verletzt. Madrid, ll.Septbr. Der von dein Koloninlniinister Castellano im Ministerraths verlesene Entwurf eineS Resonndekrctes sür die Philippinen ändert die Bestimmungen des Sleafgesetz- bnches ab. soweit sie Angriffe auf die Jntegrilät des Gebietes und die öffentliche Ordnung betreffen und enthält ferner strenge Be- stiiiimniigen gegen die geheimen Gesellschaften. Ferner wird be- stimmt, daß die M i t g I i e d e r der Gemeinde-Gerichtshöfe ans den Eingeborenen gewählt werden sollen. Die Priester erhallen die O b e r a u f f i ch l ü b e r d i e S ch» l« n. Dem Gouverneur steht d i« B e st r a f n n g eines jeden Angriffes auf die Nation, die Moral, die Religion. die Behörden und die P r i« st e r. außerhalb d e r Z n- st ä n d t g k e i t der Gerichtshöfe, z». Es soll eine General-Polizei-Jnspektion in Manilla geschaffen werden, von der die für den Konsulalsdiciist verwandte Polizet abhängig sei» soll.— Portugal. AnS Lissabon wird der„Im. Corr."»nterin 6. September geschrieben: Unter allgemeiner Erregung des Landes wurden die Kammerii vertagt, nachdem von den vielen durchgreifenden Gesetzes- vorlagen der Regierung nur eine einzige betreffend den Ansban der Hafenanlagen von Lonrenzo Marques(Dclagoabay) aiigeiioinnieii worden war. Die Vorlage betreffs Verpachtung des Tabaks- Monopols an eine Privatgesellschaft wurde derart verändert, daß die Gesellschaft sich jetzt enlschieden weigert, den Ver- trag anzuerkennen. Alle übrigen Entwürfe, besonders der- jenige betreffend den Verkauf der Eisenbahn«» an eine zumeist ausländische Gesellschaft, sowie der Entwurf betreffend die Umwandlung der auswärtigen Schuld wurden selbst von den regiernngssreuiidlichen Kammerariippeii derart bekämpft, daß die Regterung die Abstimmung darüber garnicht abwarlele, sondern die Kammern schleunigst vertagt«. Man befürchtet nun aber allgemein, die Regterung werde das wichtigste dieser veruiiglücktcn Vorlagen durch königliches Dekret dem Lands einfach ans- oktroyiren. Da jedoch zwischen den oppositionellen Konservativen und de» Republikanern geheime Abmachimgeii getroffen wurden, und die letzteren entschoffen sind, falls die Regierung ihre Vorlagen ohne Parlameiitsbeschluß zu Gesetzen erheben würde, einen bewaffnete ii Widerstand zu organistren, so herrscht eine äußerst rege und geängstigte Stimmung vor. Dabei ist die Preß- und Versammlungssreiheil vollständig aufgehoben. Regierung?- feindliche Blätter werden sofort beschlagnahmt, sobald sie eine schärfere Kritik der gegenwärtigen Lage veröffemliche», und die Führer der Republikaner lind Sozialisten vermeiden jedes öffentliche Slnftreleii, da sie sonst die sofortige Verhaftung zu gewärligen hätten. Aber gerade dieser Zustand giebt die Veranlassung zn täglich neuen benimchigenden Gerüchten über angebliche Verschwörungen oder Sliifdrckiinacn von Komplotts. Am meisten leiden unter solchen Verhältnissen die Geschäftsleute, welche erklären, daß Handel und Wandel in Portugal seit Jahrzehnten nicht so darniedergelegen habe, wie im gegen- wärtigen Augenblick, wo sich die Regiernngskreise zur Lösniig'der schweren Tagessragen vollständig unfähig zeiglen. und damit nicht nur den inneren Frieden des LandeS, sondern auch die Monarchie aufs schwerste gefährdeten.— Nuftlaitd. — Reformen. Ans Petersburg wird der„Int. Corr." ge- schriebe»: Die gegenwärltg in großer Zahl aufireteuden Meldungen über weitgehende Reformen der Rechtspflege, des Strafvollzuges und des Gefangnißwesens sind nur zu einem geringe» Theile sachlich be- gründet. Thalsache ist, das; der Zar in bestimmtester Weise eine Reform i n d e r Verschickung nach Sibirien wünscht, da er in dieser das größte Hindernis; einer schnelle» wirthschastlichen und kulturellen Entwickelung dieses Landes erblickt. Auf seiner eigene» Reise durch Sibirien überzeugte er sich davon, daß die Ueberfluthung aller sibirischen Städte mit Personen, die jahrelang a» de» Stellen der Zwangsarbeit als Sträflinge gelebt haben, jeden wirklichen Fort- schritt des Landes unmöglich mache. Indem also nut der Fertigstellung der sibirischen Eisenbahn auch eine planmäßige Kolonisation des weiten Gebietes begonnen werde» soll, ivünscht der Zar zugleich eine Ein- schränkung der Strafverschickung dorthin. Deshalb dürfte einerseits den untere» Polizeibehörden, besonders auch de» ländlichen„Mirs", die bisher alle ihnen unbequemen Personen nach Sibirien zu schaffen pflegten, diese Befugniß vollständig genommen werden, und anderer- seitS sind Borschläge zur Errichtung großer Zentralgefängnisse >» Rußland selbst in Ausarbeitung. Endlich sind auch bereits Erwägungen betreffs Abschaffung der Prügel- strafe innerhalb der Regierung im Gange, und dürste wohl zunächst die Verhängung der öffentliche» Anspeitschung durch die Polizeileiter der Landgemeinden in Wegfall kommen.— Es ist somit nicht zu bestuiten, daß der Weg der Reformen bereits be- schritten worden ist; aber die Durchführung wird sicherlick lange Jahre in Anspruch nehmen, ebenso ivie die angekündigten Reformen auf dem Gebiete des Arbeiterschuhes und des Bolksschulwesens nur sehr langsam vor sich gehen werden.— — Aus der letzten Volkszählung ergiebt sich nebst vielen anderen interessanten Wahrnehmungen auch die Thatsache der st e t i g e» Verschiebung des Schwerpunktes der russischen Macht in südlicher Richtung. Was die Städte nnt mehr als 78 000 Einwohner» anlaugt, so liegen sie, nut Ausnahme von Peiersburg und Riga, iusgesnmmt südlich von Moskau, und eine ganze Menge von südrussischeu Städten, die vor 80 Jahren noch bedeutungslose Nester waren,>vieCharkow,Ssarato>v,Jekaterinos- law, Rostow am Don, Astrachan, Kischenew, auch Baku in Kaukasten sind jetzt industrielle Bevölkeruugszeulre» mit weit über 100 000 Einwohnern geworden, ungerechnet eine Legion anderer Städte, die sich aus einem vergleichsweisen Nichts zu Bevölkerungen mit über 80 000 Seelen entwickelte». Der Prozeß hält in Südrußland noch immer an, da jedes irgendwie günstig gelegene Dorf ebenfalls die Tendenz zeigt, sich zur Stadt herauszuwachsen. Mau darf hieraus schließen, daß die Ostsee, die ehemals das erste russische Meeresbecken war, jetzt ihren Rang an das Schwarze Meer abgetreten hat, während andererseits auch der Kaspi-See rasch an Bedeutung für den große» Verkehr zunimmt. Der dem russischen Reich« innewohnende Zug»ach Süden ist sonach keineswegs ein Phanlasiegebilde, sonder» statistisch erwiesen« Wirklichkeit.— Griechenland. Athen, 11. September. Wie verlautet, hat die griechische Regierung den Machten mitgethcilt, daß sie die Kontrolle über die Staatseinnahine, welche die Mächte als Garantie für die Kriegs- entschädigungs-Anleihe fordern, annehme. Die Frage der Garaulie für die anderen Schulden ist aber von der Regierung in ihrer Kund- gebung gänzlich unberührt geblieben.— Aus Kanea wird den„Times" gemeldet: Da? PazistkationS- werk im Bezirk Kanea nimmt einen glatte» Fortgang. Die inter- nationalen Truppen habe» fast alle Außenposten befetzt und so die türkischen Truppen innerhalb des Kordons gebracht.— Der bis- herige Präsident der kretischen Nationalversammlung Benizelo ist mit seinen Anhängern nach Athen abgtreist.— Xiicfcf. Konstantlnopel, 11. September. Gestern wurden vier Armenier, tn deren Wohnung man Bomben gefunden hatte, hingerichtet.— Der Dampfer„Scheref" ist mit 7S wegen iungtürkischer Umtriebe vom Kriegsgericht zur Berbammng Verurtheilten nach Tripolis ab- gegangen.-» Asien. Bombay, 11. September. Das Amtsblatt veröffentlicht eine Bekauiltilinchimg, der zufolge von heute an S o v e r e i g n s und halbe GovereignS von den Staatskassen im Austausch gegen Rupien zum Satze von 18 Rupien für den Sovereign au- genommen werden. Damit dürfte der zweite Schritt zur Einführimg deS englischen GoldwährungSsystems gemacht sein. Der erste Schritt, der den Todesstoß der selbstnudigeu indischen Silberwährung bedenlete, war die Schließung der iudischrn Müiizställen.— Amerika. — HungerSnoth im G o l d l a n d e. AuS San Francisco wird milerm 29. August gemeldet: W. Ryan, einer der Spezial- Berichterstatter der„Associirten Presse", welcher sich auf dem Wege nach den Goldfeldern ani Unkou befindet, schreibt aus St. Michaels, daß große Gefahr einer Huugersnoth in Klondyke während des Winter? besteht. Es ist nach übereinstimmenden Berichten unmög» lich, hinreichende Quantitäten Lebensmitte! nach Dawson Cily zu bringen, um die ganze Bevölkerung zu erhalten, die jetzt schon ihre LebeuSmittel von dort beziehen muß. Nach Angabe des Lokal- Agenlen der„Alaska Commcrcial Company" zu St. Michaels be- Eiudeu sich bereits 2000 Mann, die müßig gehen, dort, und es an gen, über den Chilcoot-Paß kommend, täglich mehr au, während die Gesammlfracht, welche tu diesem Jahre dorthin gebracht werden kann, 4000 Tons nicht übersteigt, wovon nicht mehr als drei Viertel in Lebeusmitlel» besteht. Goldsucher, welche von Klondyke komme» und im Juli von dort abgingen, sagen aus, daß um je»« Zeit schon di« Lebensmittel nichts weniger als reichlich vorhanden waren und ebenso schnell absorbirt wurden, alS sie aus den Dampfern aus- geladen wurden. Erfahrene Leute und Kenner der Situation sagen daher als eine Folge der Klondyke-Tollheit Huugersuolh und Tod voraus.— Montetiidco, 10. September. Der Friede zwischen der Ne- gieruug von Uruguay und den Aufständisch«!! ist geschlossen worden._ Erklärung. D i e gesammelten Aufsähe von Karl Marx über die O r t e n t f r a g e werden von dem bekannten Dr. Allwissend der„Sächsischen Arbeiterzeitung" dazu benutzt, mich anzurempeln. weil ich seine spießbürgerlichen Ausichlen über die Orienlfraae nicht theile. Er hat zwar seinem eigenen Geständiiisse nach die Aufsätze nicht gelesen, und kennt bloS zwei Auszüge, die er in einer kurzen Rezension des„Vorwärts" vorgefimden hat, allein er weiß schon, daß ich mich„durchaus mit unrecht aus Karl Marx berufe". Dem Doktor Allwissend kann ich nur rathen, das neueste Marx'sche Werk, zu dessen Veröffentlichung ich den ersten Anstoß gegeben habe, z u l e s e n. Ich selbst werde Gelegenheit aehmen, es eingehend zu besprechen. Berlin, den 12. September IS97. _ W. Liebknecht. Eine Parteikonferenz für den vierten hannöverschen Wahl- kreis O s n a b r ü ck- I b u r g, die i» Q u a k e n b r n ck tagte und von den Orten Bramsche, Dalvers. Dissen, Hesepe, Osnabrück, Pente und Quakenbrück mit Delegirten beschickt war, erklärie sich für Auf- Hebung des Kölner Beschlusses, lehnte es jedoch ab. sich für Betheiligung an den preußischen Landtagswahlen zu entscheide!!. Als Delegirter zum Hamburger Parteitag wurde Genosse Schräder gewählt, serner derselbe als Kandidat für den Reichstag wieder! aufgestellt. In Bremen erklärte sich eine Parteiversammlung für Auf- Hebung des Kölner Beschlusses. In der betreffenden, von Dr. Die der ich verfaßten Resolution heißt es dann weiter: Die Bersammlnng spricht sich f ü r die Betheiligung a» den prenßi- scheu LandtagSwahlen aus, überläßt es aber den Genossen der einzelnen LandtagSwahlkreife, zu entscheiden, ob sie durch Aufstellung einiger Wahlmänner oder durch sofortige Stimmabgabe für Wahl- mänuer der bürgerlichen Opposition den Wahlkampf führen wollen. Sie ist einverstanden, daß, unter strengster Wahrung der Grundsätze der Partei, von allen gebotenen Mitteln Gebrauch zu machen sei, Kandidaten unserer Partei in den preußischen Landtag zu bringen, und sie hält es für nothwendig, für die Frage der Unterstützung bürgerlicher Wahlmänner und Kandidaten ein« Liste der Mindest sorderniigeii aufzustelle», von deren Anerkennung die Zuwendung der sozialdemokratischen Stimmen abhängig zu machen ist.— Weiter wurde, ebenfalls aus Vorschlag Dr. Diederich's, beschlossen, 1. es möge dem Antrag, betr. die Seemanns-Ordnung, unter den im Reichstage von der sozialdemokratischen Fraktion ein gebrachten Initiativanträgen der Vorrang zugewiefen werde» 2. der Parteitag möge den Parteivorstand beauftragen, unverzüglich ein die Frage der uferlosen Flotten Politik behandelndes, zur Massenverbreitung bestimmtes und gratis an die Partei- Organsi sationcn abzugebendes Flugblatt herauszugeben. Als Delegirter für den Parteitag in Hamburg wurde Genosse B e s ch i n g gewählt. AlS ei» nnyloscS Beginnen, nicht als ein nützliche?— wie in voriger Nummer des„Vorwärts" gedruckt war— betrachten im Sozialdemokratischen Verein in Lauen bürg a. E. die meiste» Parteigenossen die Betheiligung an den preußischen L a n d t a g s>v a h l«». Eine Parteiversammlniig in Hanau faßt« eine Resolution, worin sie es als ihre Ucberzeugnng erklärt,„daß es von großem Vortheil ist, wenn der Kölner Parteibeschluß betr. das Landtags Wahlrecht aufgehoben und es den Genossen freigestellt wird, sich an diesen Wahlen da zu betheilige», wo sie es im Interesse der Partei für gut befinden." Weiter beschloß die Versammlung einstimmig, an der Reichstags-Kandidatnr des Genossen Hoch festzuhalten. Im zweite» Hamburger Wahlkreise wurde von einer öffent lichcu Parteiversammlung Reichstags« Abgeordneter Heinrich D i e tz aus Stuttgart wieder als Kandidat für den Reichstag pro klamirt. Als Delegirte zum Parteitag wählte die Versamuilung die Genossen Blume, Wei» Heber und H o f s m a» n. Für den 17. sächsischen Wahlkreis wurde von einer Partei- versamtulnug i» M e e r a» e Reichstags- Abgeordneter I g n a z Auer wieder als Reichslagskandidat aufgestellt. Eine AgltationStonr durch Baden tritt am 11. September Reichstags-Abgeordneter Fr oh nie an. Als Vertranensmann s»r den Kreiß Delitzsch-Bitterfeld ist der Parteigenosse L. Ä i e d e r m a n n tn Delitzsch wieder gewählt worden. TaS Militärverbot ist in Lahr in Baden über all« Gasi> wirthschaflen verhängt worden, wo jemals sozialdemokratische Ber sammluugen lngten oder wo der„Offenbnrger Volksfreund" ausliegt. Todtcnliste der Partei. In Delitzsch ist am 4. September der Parteigenosse Friedrich KuhleS im Alter von 32 Jahre» gestorben. In New-Jork verschied am 17. August der Zigarrenmacher Heinrich Methe, ein altbewährter Kämpfer, der im Jahre >381 ans Altona ausgewiesen wurde und dann nach Amerika aus wanderte. Polizeiliches, Gerichtliches tt. — Wegen Beleidigt,»g de? Seuators Tieleinann wurden die Parteigenossen Thiel und K a» f f m a n n, Redakteure des „BolkSblatts für Harburg", vom Landgericht in Stade zu je 100 M. Geldstrafe verurtheilt. Der genannt« Senator hatte beim Schützenfest eine der üblichen Reden gegen de»„inneren Feind" gehalten, worauf sich das„Bollsblalt" in der Wochenplauderei und in einer Loknlnvtiz mit dem Herrn beschäftigt«. Dev Graves-- Antons Birmingham, 9. September 1397. In der heutigen Sitzung ward zunächst über die B« schäslignng der Kinder in der Industrie verhandelt. ES wird be- schlosseil, das Parlamentarische Komitee zu bemistrageii, auf die Erlassmig eines Gesetzes hinzuwirken, durch das jegliche gewerb liche Beschäftigung von Kindern unter 18 Jahre» verboten sein soll. Jugendliche Älrbeiter und Arbeiterinnen unter 18 Jahren dürfen des Nachts nicht beschäftigt werden. Hierbei kam es zu scharfen Auseinandersetzuiigen mit den Textilarbeitern von L a n c a s h i r e Diese waren gegen die Resolution; die in Lancashtre angefertigten Gewebe erforderte» geübte Hände; die Prosperität der Industrie von Laucashire beruh« aus der Geschicklichkeit seiner Arbeiter und diese Fertigkeit müsse in möglichst jiigindlichein Alter erworben werden. Gegen diese sonderbare Anschauung wandten sich«ine Reihe anderer Redner, die es als eine Schande bezeichnete», Industrien prosperireu zu machen nnf Kosten der Kinderarbeit. Die Resolution fand denn auch Aunnhme mit 898 000 Stimmen gegen 274 000 Stimmen. Annahm« fand ferner die übliche Resolution, in welcher die Nalioualisinmg(Berftaallichuna) von Land, Bergwerken, Eiseubahne», Kanälen, Domänen verlangt wird. Ebenso iverde» an- geiioinmen die Rcsolntiouen, die sich aus di«„Fair Wages Klausel" beziehen. Von einer Reihe Gewerkschaften gestellt, verlaugen sie, daß alle Staatsarbeiten nur gegen die Erfüllung gewisser Bedingunge» in bezug auf die Lohnhöhe und Arbeitszeit vergeben werden dürfe». Von der Sitzung voin Tage vorher ist nachzutragen, daß der Gedanke, im Jahre 1893 eine» internationalen Gewerkschnftskougres einzuberltfe», eudgillig aufgegeben ist, nachdem sich die Mehrheit da gegen erklärt Halle. In der Freilag-Sihnng wurde, wie der Telegraph meldet,«ine Resoliitioii angeiiommeii, einen Ausschuß zu ernennen, um«inen Plan für die Vereinigung aller Trabes- UnionS im ganzen Lande zu ent- werfen. Die Delegirleu der Bergwerksarbeiter«nthielten sich der Absiiminuiig._ Gewevkfchsfkltches. Berlin nnd llmarbuiig. Wir erhalten folgende Zuschrift: Die Redaktion deS„Vor- wärts" hat den neuesten Versuch in der„Zeit", mich alS Gegner der Geiverkschaste» den Arbeitern anzuschwärzen und mich zugleich alS den Urheber deS unerquicklichen Tarifstreites bei den Buchdrucker» zu denunziren, bereits zurückgewiesen. Da aber die Versuch« unmer wiederkehre», mich den Gewerkscdaflen alS den schwarzen Mann darzustellen, dessen Sinnen und Trachten nur darauf gerichtet ist. diesen Arbeiterorgaiiisationen Verderben zu bereite», sehe ich mich doch veranlaßt, auch selbst mit ein paar Worten aus die neueste An- zapfnng zu antworten. Ich schicke voraus, daß. so lange ich in der Arbeiterbewegung stehe, ich mündlich und schriftlich sowohl der politischen wie gewerk- schaftlichen Bewegung gedient habe. Es ist niemand im stände, auch nur eine mündliche Aenßeruug oder eine geschriebene Zeile von mir beizubringen, welche sich dahin deuten läßt, daß ich der ge- werkschnstlichen Bewegung seindlich gesinnt sei oder daß ich sie nur als »ebensächliches Anhängsel der politischen Bewegung betrachtet wissen wollte. Auch in meiner Rede auf dem Kölner Parteitag habe ich kein Wort gegen die Gewerkschaflsbewegung gesprochen, sondern mich nur scharf gegen die Versuche gewendet, die bis dahin bestandene Harmonie zivischen gewerkschaftlicher und politischer Bewegung zu stören. Gegen solche Versuche aber, welche in der neuestei! Zeit unter der national-sozialen Flagge wieder besonders eifrig betrieben werden, zu kämpfen, halle ich mich einfach als Parteigenosse für ver- pflichtet. Soviel über meine grundsätzliche Stellung zu den Gewerk- schafte». Mit Gewerkschaftsführern freilich, die sich in Versammlungen und Privalgesprächen selbst als Parteigenossen bezeichnen, daneben aber sich unler der Herrschaft deS Sozialistengesetzes aus Angst, ihre Gewerkschasten würden sonst der Auslösnna verfallen, ans dem Berliner Polizeipräsidium Direktiven für ihr Verhalte» in ihrer Gewerlschaft holten, oder mit katheder-sozialistische» Professoren korrespondirten über die beste Methode, die von ihnen geleitete Gewerkschaft vor dem Einfluß der Sozialdemokratie zu bewahren, will ich allerdings nichts zu thun haben. Für die- jenige», i» deren Augen mich meine Abneigung gegen die vor- gezeichneten Praktiken zu einem Gegner der Gewerkschaften macht, will ich auch gerne ein solcher sein. Vorläufig aber bin ich noch der Meinung, daß die erdrückende Mehrzahl der deutschen Arbeiter sich dafür bedankt, ihre gewcrkschast- lichen Angelegenheiten unter die Vormundschaft des Berliner Polizei- Präsidiums zu stellen. Ebenso wenig glaube ich, daß unsre Arbeiter geneigt sind, ihre Gewerkschaften so einzurichten, wie dies die Herren Katheder-Sozialisten wünschen. Was nun die weiteren, der Redaktion der„Zeit" gemachten An» gaben über meine Beziehungen zu Herrn Gasch betrifft, so habe ich diesbezüglich nur zu erklären, daß diese Angaben ebenso viele Lügen als Worte enthalten. Ich habe mit Herrn Gasch in meinem Leben nie ein Wort über die Tarifgemeinschaft oder über sonst eine Buchdruckerangelegenhcit gewechselt. Herr Gasch hat, so lange er den„Correspondent" redi- girte, im Auftrage seines Vorgesetzten, wie er jetzt behauptet, mich wiederholt i» der gehässigsten Weise angegriffen. Als ich dagegen den Versuch einer Benchttgung machte, wurden diese Angriff« er- neut und mir Aeußerungen unterschoben, die ich an Orten geihan habe» soll, in denen ich in meinen! Leben noch nie gewesen bin. Ich verzichtete nuter solchen Verhältniffen, in dem von Herrn Gasch wenigstens nominell geleiteien„Correspondent" mein Recht weiter zu suchen. Die Behauptung, daß ich Herrn Gasch in seine Opposition?- stellung getrieben habe, ist um so komischer, als alle meine Freunde wissen, daß, so weit ich mir in dieser Frage— ich bin kein Fach- mann— ein Urlheil erlaubt habe, dies dahin ging, daß«ine prinzipielle Gegnerschaft gegen Verträge, wie ein solcher im Buchdruckgewerbe abgeschlossen ist, sich auch von unserem Stand« punkte ans nicht rechtfertigen lasse. Ich habe Herrn Gasch. meine? Wissen?, zum ersten Male zur Maifeier dieses Jahres in Leipzig gesehen, wo er die Ber- sammluiig eröffnete, in der ich nachher sprach. Uebrigens erfuhr ich erst nach der Versammlung, daß der Eröffner Herr Gasch gewesen sei. Ein« irgendwie erwähnensiverthe Unterhaltung hat zwischen uns beiden auch bei dieser Gelegenheit nicht stattgefunden. Der Gewährsmann der„Zeit" hat also diesem Blatte in bezug auf meine Person mir Lügen und nichts als Lüge» anfgettscht; wie sich beide nun mit einander auseinander setzen, ist ihre Sache. Für mich ist die Angelegenheit bis aus weiteres erledigt. I. Auer. In der Gasanstalt zu Schöneberg sind gestern drei Vorstandsmitglieder der dortigen Verwaltungsstelle des Berbandes der Arbeiter in Gasansialten«c. gemaßregelt worden. Deutsches Reich. Zun, Manmstreik in Leipzig. In der gestern abgehaltenen Versammlung der streikenden Maurer wurde»utgelheut, daß eine Aendernng im Streik nicht eingetreten sei. Ans Antrag wurde in namentlicher Abstimmung mit 848 gegen eine Slimuie die F o r t. s e tz u n g des Streiks beschlossen. Ter Streik der Steinhauer bei der Firma Merkel in Gotha ist zu gnnsten der Arbeiter beendet. Wegen Darifstreltigkeiten besinden sich 14 Buchdrucker in Emmendingen(Baden) im Ausstand. � Di« Schnhmacher-Jiinnng in München hat nunmehr, nachdem di» Arbeiter das Gewerbegertcht als Einigungsamt angerufen haben, gleichfalls diesen Weg beschritte». Die Zahl der Ans- ständigen betrug 182, davon sind 87 abgereist; bleiben mithin 115 zu unterstützen. Man hofft, daß die Angelegenheit zu einein gut« lichen AuStrag kommen wild. SlnSland. In dem«ertcht de« vsterreichtsche» BiichdriickerberbandeS für da« Jahr 1898 wird die Mitgli-dmahl aus 6965 angeg'tben. Die Ntchtorgamsirte» zählen ,424. Der Prozentsatz der Organifirten hat sich danernd vom Jahr« 1893 bis 1896 gehoben. 1393 betrug er 78,44 pCt., während er jetzt 83,08 pCt. erreicht. Ter fchtvcizerischr Textilarbeiter-Berband hielt am Sonntag in Zürich seine diesjährige D e l e g i r l« n v e r s a m m l u n g ab, an welcher 11 Sektionen durch 16 Delegirte vertreten waren. Zürich wurde als Vorort gewählt, sowie neue Statuten beschlossen und ein Arbeitsprogramm aufgestellt. Die Versammlung erklärte die Re- visio» des Fabrikgesctzes zwecks Einführung deS Zehn- stnndentages, weiblicher Fabriktnspektoren und Freigabe des Sonn« abend-Rachmitlags für dringend geboten. Ter Kampf der englischen Maschinenbauer hat auch in den letzten Tagen keinerlei Aendernng ersahreu. Von der Gewerkschaft der Tischler und Zimmerer lief bei de» Maschinenbauern die Nach- richt ein, daß die Mitglieder durch Urabstinnnung sich verpflichtet haben, wöchentlich 3 Pence zur Unterstützung der Allsgesperrten zu zahlen. waS wöchentlich ein« Summe von 600 Pfund Sterling aus- macht. Der Londoner Gewertschastsrath beschloß die Gründung eines Natioiialsonds zu betreiben, zu dein alle Gewerkschaften bei- stouer» und anS dem namentlich die Nichtgowerlschafter, die von der Aussperrung mit betroffen sind, unterstützt werden sollen. Die Schneider von Manchester haben sich mit den Unter- nehmern geemigt, sodaß der befürchtete Konflikt, der sich auf viele tausend« von Arbeitern erstreckt haben würde, unterbleibt. Die Kohlcngruben-Arbciter von S ü d« W a l e s und M o n» mouthshire berielhen am Millwoch darüber, welche Haltung sie zu dem Plane der Zechenbesitzer, die Kohlenförderung zu beschränkni. einnehmen sollten. Die Konserenz beschloß, den Arbeitern zu empfehlen, nächste Woche die Slrbeit einzustellen. Auch wurde be- schlösse», säinmtliche Kohlengruben-Albeiter von Süd-WaleS und Monmouthshire auszusordern, namentlich darüber abzustimmen, ob am 1. Oktober die verschiebbare Lohnskala gekündigt werden solle. Zum amerikanischen Bergarbeiter- Streik wird aus H a z l e t o n(Pennsylvanie») telegraphirt: Ausständige Arbeiter der Grube» bei Colerame befanden sich gestern ans dem Wege nach Laltimer. um auch die dortigen Arbeiter zum AiiSstand zu ver- anlaffeu. Unterwegs winden sie vom Eheriff angehallen und zum Anseinandergehei! ausgesordert. AlS diese Aufforderiing nicht de- folgt wurde, schössen die Beamten des EheriffS auf die Arbeiter, obgleich letztere unbewassnet waren. Es wurden 22 Arbeiter ge- töblet, 36 schwer und 40 leichtverwundet. Es werden internationale Schwierigkeiten befürchtet, da viele der Gelvdteten»nd Verwundeten Ausländer sind. Eine Versammlung von Bürgern beschloß, die gerichtliche Verfolgimg des SheriffS zu verlangen. Sojittles« Alis dein BerwaltungSbericht der KnappfchaftS- Bernfö- gcuossenschaft: Im Jahre 1896 waren beim deutsche» Bergbau 446 600 Personen gegen Unfall versichert. Von diesen er- Iltteil 44 000 oder 9,9 pCt. eine» Unfall. Von den Unfällen waren 8406 durch die Berussgenosseiischaft zu entschädigen, weil sie eine Eriverbsnilfähigkeit von länger als 13 Wochen oder den Tod zur Folge hatten. 971 Unsälle hatten eine» tödllichen Verlaus. Die Aufivendunaen für Unfallentschädigllugen beliefen sich auf nahezu 7'/s Millionen Mark, wozu noch etwa 1>/, Millionen Mark Einlage in den Reservefonds, Kosten der Feststellung der Enlschädi- gunge», Schiedsgerichts- und Verwaltungskosten treten, so daß der Jahresbedarf fast 9 Millionen Mark betrug. Der Reserve- fonds ist in Reichs- und Staatsanleihe» znin Betrage von rund 27 Milllone» Mark angelegt; die im Unfallversichernngsgesetze vor- geschriebene Höhe ist dadurch schon bedeulend überschritten. Die Ber- waltiingskosteu der Berufsgenossenschaft betrugen 3,8 pEl. der Jahresausgabe. Auf einen Versicherten kamen an Unfallkosten 19,9 M. oder auf 1000 M. Lohnsumme 21,3 M. Die an die Ver- sicherten ausgezahlten Löhne betrugen 417 Millionen Mark, sie sind gegen das Vovzahr„m 32 Millionen Mar! gestiegen. Pro Kopf der Versicherten betrug die anrcchninigsfähige Lohnsunnne 933 M. Die Schiedsgerichte wurden i» 3037g Fällen in Anspruch genommen; beim Reichs-Versicherungsamte ivurdcn 995 Rekurse eingelegt. Die Frage des Erlasses von Nnfallverhütuugs-Borschriften soll vorläufig nicht weiter verfolgt werden, weil die Mehrzahl der Sektionen zu der Ansicht neigt, dab die in de» deutschen Bundesstaaten bestehenden Berg- polizeivorsäirifte» eine ausreichende Gewähr zur Verhütung von Unfällen böten. Große Unzufriedenheit herrscht, wie man uns schreibt, zur Zeit Hilter den E i s e n b a h n- U n t e r b e a m t e n B r e s l a n' s wegen einer Massenversetzung nach dem nahe gelegenen Dorfe Brockau. Die von der Versetzung betroffenen sind: Zugführer. Packmeister. Schaffner, Bremser. Hilfsbremser und Bahnarbeiter. Jusgesammt 250 Unterbeamte und Arbeiter erhielten im Juli die Anweisung, vom 1. Oktober an ihren ständigen Aufenthalt in Brockau zu nehmen, wie sie nur einen jährlichen Wohnungsgeld- zuschnß von 60 M. erhalten, während ihnen bisher ein solcher von 180 M. gewährt wurde. Aber auch sonst be- deute die Versetzung nach Brockau für die meisten von ihnen eine schwere materielle Schädigung. Bei den geringen Lohnen seien die Leute zum theil gezwungen, ihre Frauen und Kinder mitarbeiten zu lassen, damit die nothwendigen Ausgaben bestritten werden können; nach der Versetzung falle dieser Nebenverdienst fort. Die königl. Eisenbahn-Direktio» freilich ist der Anficht, daß die unteren Beamten, die doch ohnehin ein sehr kärgliches Gehalt beziehen, durch eine Verringerung des Wohnungsgeld-Znschuffes von 160 M. auf 60 M. und durch den Verlust des Nebenverdienstes von Frau und Kindern eine erhebliche Schädigung nicht erfahren. Die Eisenbahnbediensteten und ihre Familienangehörigen er- halten ja, so sagt sich die Behörde, in ausreichendem Maße— das heißt monatlich sechs Mal— freie Fahrt zum Markt- und Kirchenbesnch und die Kinder zum Schul- besuch nach Breslau; damit könne» die Leute zufrieden sein. Sie sind es aber nicht. Diese eisenbahu-fiskalische Sozialpolitik, wodurch jährlich etwa 25 000 M. allein an Unterbeamten und Arbeitern er- spart werden, hat vielmehr in den betheiligten Kreisen allgemeinen Unwillen hervorgerufen, und wird für die zur Versetzung bestimmten Personeid eine angemessene Lohn- und Gehaltserhöhung und ein Wohnungsgeldzuschuß in bisheriger Höhe gefordert. Ausgewandert aus dem Deutschen Reiche sind über deutsche Häfen und über Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam in den Monaten Januar bis Juni dieses Jahres 11371 Personen. Nm das Trinkgeld der Barbiergehilfe» in die Taschen der Meister zu bringen, beschloß— so wird uns aus den Kreisen der Anrbiergehilsen geschrieben— der in Deffau tagende Kongreß der Barbier-Jnnnngen. die„Attestbücher" der Gehilsen in „Konlraktbücher" umzutaufen und diese mit einer„Entlassungs- klausel" zu versehen. Begründet wurde der Beschluß wie folgt: Weil die Gerichte bei der Rechtsprechung die Meister im Stich ge- lassen haben(!). trotzdem es in den Altestbüchern heißt, daß der Gehilse kein Trinkgeld annehmen darf, bekommt das Kontraklbuck) folgenden von einem Rechtsanwalt empfohlenen Znsatz:„Jede Zuwider- Handlung gegen eine dieser Verpflichtungen berechtigt den Meister, den Gehilfen sofort zu entlassen." Durch diese Fassung wollen die Jnnungs- Meister gegen das Verklagtwerden aus Lohn und Kost geschützt sein. — Weil also, wie durch Gerichtsbeschluß feststeht und was dem ge- suuden Menschenverstand am nächsten kommt, dem Gehilsen das Trinkgeld gehört und rechtlich nicht dagegen anzukommen ist, wollen die Jnnunasmeister ihre Gehilfen zwingen, durch Unterschrift der Kontraklo sich zu verpflichten, auf das Trinkgeld zu verzichten. Das kolossale Neberangebot von Arbeitskräften, hervorgerufen durch die Lehrlingszuchr der hierzu privilegirten Zünftler, die laut eigenem Bericht auf ihren Arbeitsnachweisen nur 15 271 Gehilfen Arbeit nachweifen konnten, während sich 23 471 um Stellung be- warben, steht den Meistern bei ihrem Vorgehen helfend zur Seite. Der eigentliche Zweck der Einführung der Kontraklbücher ist, den Gehilfen das Trinkgeld„rechtmäßig" nehmen zu können. Die An- «rkeunung der Kontraktbücher durch die Gehilfen soll diesen das Recht nehmen, auf Jnnehaltung der Kündigungsfrist klagbar werden zn können. Vor den Gehilfen soll dieser Zweck geheim gehalten werden; natürlich werden die organisirten Barbiergehilfen dieses Spiel vereiteln. In Kassel wird am 1. und 2. Oktober der zweite deutsche Forkbildungsschultag abgehalten. Der Berliner Lehrer- verein hat wegen der Wichtigkeit der Sache seinen Vorstand beaus- tragt, aus Vereinskoffen einen Delegirten zu entsenden.! Ferienkolonien in der Schweiz. Nach einer statistischen Zn- sammenstellung gab es im Jahre 1895 in der Schweiz 20 Orte, welche 2199 Kinder in 73 Kolonien sandten und 4545 Kindern eine Milchkur ermöglichten. Die Einnahmen betrugen 122 000 Fr., die Ausgaben 137 000 Fr. und das Vermögen der Kolonien ec. 242 652 Fr. Aus, dem Alkoholzehnlel verwandten die Kantone 16 140 Fr. für Zwecke der Ferienversorgung armer Kinder. Die Kolonien sind meistens in den Bergen und für die Kinder von den heilsamsten Folgen. Eheschciduuaeu in der Schweiz. Im Jahre 1896 wurden in der Schweiz 1057 Ehescheidungen vollzogen, gegen 897 im Jahre 1895. Die meisten Ehescheidungen, 219, kamen im Kanton Zürich vor, 214 im Kanton Bern, 103 im Kanton Waadt, 90 in Genf, im Kanton Obwalden keine. Eine Ehe wurde' wegen Doppelehe der Frau für nichtig erklärt._ In dem Verein Berliner Herren- und Kiiabcn-Konfektionö- firmen en gros berichtete der Vorsitzende, daß sich in Berlin eine Zentralstelle bilde, die an stelle der noch immer fehlenden Handelskammer für Berlin die Interessen der Kaufmannschast aller Branchen vertreten solle; insbesondere solle diese Zentralstelle dazu dienen, bei'Abschluß von Zoll- und Handelsverträgen die Regierung durch gutachtliche Aeußeruugen ans den von den Verträgen betroffenen Branchen zu insormiren und zu unterstützen, lieber die Wirkungen der Bundes- raths-Verorduung für die Konfektions-Jndustrie wurden keine Be- schwerden vorgebracht, da die meisten Konfektionäre der Branche keine eigene» Werkstätten besitzen und auch nicht weibliche und jugendliche Arbeitskräfte im Hause beschäftige». Die Mitglieder sollen aber bei ihren„Meistern" Umfrage halten, wie dort die Ver- ordnnng gewirkt habe, und ob bereits„Schädigungen" des Betriebes durch dieselbe entstanden seien. Das geringste Stück Arbeiterschntz bedeutet bei diesen wortbrüchigen Engros-Ausbeutern natürlich Schädigung des Betriebes. Als neueste Fürsorge für ihre Arbeiter haben sie die Führung von Listen für die bei ihnen beschäftigten Schneider geplant. Natürlich zu dem Zwecke, das Interesse der Branche zu wahren, anl gut Deutsch übersetzt: Maßregelung derjenigen Arbeiter, die sich nicht willig jedem Zwange unterwerfen. DaS Zuckersyndikat ist. wie wir bereits gemeldet habe», noch zu keinem festen Zusammenschluß gekommen. Wie mitgetheilt wird, sind von den 400 Zuckerfabriken in Teutschland nur 240 auf der Konferenz vertrete» gewesen und nur 169 haben sich dem Kartell- vertrag angeschlossen. Dagegen ist wohl anzunehmen, daß die Organisation mit genügender Betheiligung noch zu stände kommt, denn durch die differenzielle Behandlung des deutschen Zuckers in Amerika, die Erhöhung der Exportprämie in Frankreich und des auf fünf Jahre fest abgeschlossenen Kartells in Oesterreich. wird der Anreiz zu einer Kartellbildung in Deutschland stark ge- steigert werden. Die Organisation soll in ihrem Aufbau ganz ähnlich der österreichischen Kartellbildung gestaltet werden. Das Kon- sortium giebt den Rohzucker zn einem nach den Herstellungskosten mit entsprechendem Aufschlag berechnete» Preis an die Raffinerien ab und diese normiren dann den Inlandspreis. Dieser Preis soll in gewisser Stetigkeit über de» Weltmarktpreis gehalten werden. Die deutschen Zuckerkonsumenten werden also noch um ein Bedeutendes mehr geschröpft werden als das bisher schon durch die Prämieuwirthschast geschah. Der deutsche Znckerkonsument hat zu gewartigen, daß er künftig neben der Steuer und der Aussuhrprämie, die den Preis in die ' aZeraiitwortlicher Nedakt.mr: August Jacoben in Berlin. Für den Ii Höhe treiben, auch noch von dem Znckersyndikat geschröpft wird. Fraglich erscheint es, ob die Landwirthe, die den Rübenbau pflegen, Nutzen von dieser Ringbildung haben. Solche Syndikate führen nicht selten zu Betriebseinschränkuugen und sind ihren Lieseranten gegenüber in sehr starker Position. Vom Rnhrkohlenmarkt wird der„Köln. Volksztg." von fach. männischer Seile geschrieben:„Das diesjährige Herbstgeschäft steht unter dem Zeichen eines empfindlichen Arbeilermangels, dem ab- zuhelfen den Zechen trotz der Heranziehnng zahlreicher fremder Ar- beiter aus allen Richtungen der Windrose bis heute noch immer nicht gelungen ist. Zu Ueberschichten, zu welchen man sonst in solchen Fällen seine Zuflucht zu nehmen pflegt, wollen die im Gedinge arbeitenden Bergleute sich nicht verstehen, da sie behaupten, nach Beendigung einer Schicht zu weiterer Arbeit untauglich zu sein. Man darf diesen Leuten dies ohne Bedenken glauben und auch die Grnbenbeamten wissen es, wenn sie sich auch ab und zu den Anschein gebe» mögen, als wüßten sie es nicht. Kurz: der Absatz in Kohlen ist gegenwärtig ungewöhnlich stark, und die Zechen sind fast ohne Ausnahme bis zu ihrer volle» Leistungsfähigkeit, zum theil sogar bis über dieselbe hinaus in An- sprnch genommen. Das rheinisch-westsälische Kohlensyndikat hat im Verlaufe des Sommers flott verkauft und verkauft noch immer, denn die Nachfrage ist sehr groß und das Syndikat hat das Geschäft fast ganz allein in der Hand. Denn was wollen die paar„Quetschen" besagen, die so„eigensinnig" waren, dem großen und mächtigen Ver- bände nicht beizutreten, von dem doch nur allein alles Heil zu erwarten ist? Das Kohlensyndikat ist mächtig und die Käufer sind gefügig, daher auch höhere Preise! Was nutzt mir der Mantel, wenn er nicht gerollt ist, und was nützt der flotte Kohlenabsatz, wenn die Preise nicht hoch genug sind!— Nicht hoch genug?— Dumme Frage— seht ihr denn nicht, wie rasch die Arbeitslöhne und die Preise für Grnbengebrauchs-Gegenstände steigen und wie die Zechen schier erliegen unter den schweren, durch die sozialpolitische Gesetz- gebnng ihnen auferlegte» Verpflichtungen?— Seht die magern Dividenden, die vertheilt werden, 8— 15 pCt., und wenn es hoch kommt, auch 20. Ist das noch ein Geschäft?— Darum der Ruf ans der ganzen Linie nach höhern Preisen. Werden solche eintreten? Nein, die„Richtpreise" bleiben bestehen; nur für Koks- kohlen sollen sie um 1 M. die Tonne erhöht werden. Und die„Verkaufspreise"? Nur bei„Nachbestellungen" tritt eine geringe Erhöhung ein, sonst bleibt alles beim allen. Wie bescheiden! Wenn's nur wahr wäre. Die Kohlenverbrancher reden ganz anders. Da ist ein Hagener Eisenwerk und ein west- fälisches Stahlwerk, die beide in ihren letzten Jahresberichten leb- haste Klagen über die Vertheuerung der Brennstoffe führen und das Rheinisch- Westfälische Kohlensyndikat allein dafür verantwortlich machen, weil es bei der Preissteigerung auf die Lage des Schwester- gewerbes zn wenig Rücksicht nehme. Und diese nicht allein, auch anderswo werden zahlreiche Klagen laut, ohne daß sie Berücksichti- gung finden. Der Syndikatsvorstand stört sich wenig an„Richt- preise" und bestimmt die„Verkaufspreise" kraft der ihm ertheilten Vollmacht nach seinem Gutdünken lieber zn hoch wie zu niedrig." Ter Anregung des elsässische» Syndikats folgend, haben die K a ni m g a r» f p i n n e r e i e n in einer Versammlung in Frankfurt am Main, in der die deutschen Kammgarnspiuner mit einem Betrieb von 1 300 000 Spindeln vertreten waren, beschlossen, eine Betriebs- einschränknng von 20 pCt. eintreten zu lassen.— I» Augsburg hntle sich eine gleiche Jnleressenten-Versammlnng, die 37 000 Web- stühle in Betrieb haben, für die Einschränkung erklärt.— Die französischen Baumwollspinnereien und Webereien des Moselthaies haben in Hinblick auf die durch die Ueberproduktiou entstandene Krise beschlossen, die Arbeit wöchentlich um einen halbe» Tag zn reduziren. In der Textilindustrie ist allgemein ei» starker geschäftlicher Rückgang wahrzunehmen. In der Schweiz ist die Ausfuhr um ein bedeutendes zurückgegangen. In England machte sich im Verband der Banmwoll-Jabrikanten von Nordost Lancashire, der in Manchester seine Sitzung abhielt, eine starke Stimmung geltend, die Löhne herabzusetzen. Der Verband vertritt 6 000 000 Spindeln und 200 000 Webstühle und sind dabei 140 000 Arbeiter interessirt. Vor- läufig ist der Versuch, Lohnrednktionen vorzunehmen, gescheitert, da die Arbeiter gesonnen sind, sehr energischen Widerstand zu leisten. Die Textilindustrie in Deutschland zeigt einen nicht minder gedrückten Geschäftsgang. Die Einschränkungen der Produktion kommen immer mehr zur Geltung und herrscht bereits sehr empfindliche Arbeits- losigkeit._ Sozwle MechtspflvZe. Die Bezahlung der christliche» Feiertage verlangte der Werkmeister L. in einem Prozeß, den er gegen seinen früheren Unter- nehmer angestrengt hatte. Die Verhandlung ergab, daß Kläger Wochenlohn erhielt und die Ueberzeitarbeit besonders bezahlt bekam. Die Kammer V des Gewerbegerichts unter dem Vorsitz des Zisseffors Techow ivies den Anspruch ans die Feiertagsbezahlung zurück. Da ihm die Mehrarbeit berechnet worden sei, könne er für die Tage nichts verlangen, wo nichts zn thu» war. NubefugteS Verlasse» der Arbeit. Gegen eine Lohn- entschädigunasklage des Hansdieners und Portiers A. machte der beklagte Hotelier Hübscher geltend, der Kläger habe die Arbeit un- befngt verlassen. A. behauptete dagegen, er sei nur schnell in die Destille an der nächsten Ecke gegangen, um Geld zu wechseln, und zwar sei dies im Geschästsintercsse nöthig gewesen, da er abends kleines Geld gebraucht hätte. Die Kammer VI, der Assessor Krause vorsah, wies ihn jedoch ab. Als Portier hätte ihm auch die Be- wachung des Hauses obgelegen; er hätte deshalb, wollte er wirklich Geld wechseln, für eine Vertretung sorgen müssen. So liege aber unzweifelhaft ein unbefugtes Verlassen der Arbeit vor. Eine weit verbreitete Unsitte wird durch ein Urlheil ge- troffen, das die Kammer I. des G e w e r b e g e r i ch t s gefällt hat. Gegen Frau Wolfensteiu, die Inhaberin einer Arbeitsstube, klagte die Mäntelnäherin St. auf Zahlung von. 6 M., die sie für drei Arbeitstage verlangte. Die Beklagte wandte dagegen ein, die Klägerin habe„auf Stück" arbeiten sollen, sie habe jedoch die an- gefangene Arbeit nach drei Tagen liegen lassen, so daß sie von anderen fertig gemacht werden mußte. Diese hätten den ihr zn- gedachten Akkordlohn erhalten. Zum Erstannen des Gerichtshofes gab die Beklagte dann zu, der Klägerin garnicht gesagt zu haben, daß es sich uni Akkordarbeit bandele, auch habe sie ihr nicht mit- getheilt, wie viel für daS Stück gezahlt werde. Sie ineintc, Mäntelnäherinncn arbeiteten gewöhnlich in Akkord, und daß es Akkordarbeit sei, habe sich die Klägerin denken können. Auf Be- fragen erklärte die Frau es für ganz selbstveiständlich, daß de» Neuengagirten beim Beginn der Arbeit nicht gleich der Akkordsatz genannt werde. Die Arbeiterinnen erkundigten sich gewöhnlich bei ihren Kolleginnen nach dem Preise. Der Gerichtshof fand aber diese thatsächlich in vielen Werkstätten und Arbeitsstuben eingerissene Unsitte durchaus nicht schön und auch nicht selbstverständlich. Be- klagte wurde verurtheilt, an die Klägerin 4,50 M. zu zahlen. Der Standpunkt der Beklagten sei unhaltbar. Wenn eine Lohn- Verabredung nicht erfolge, dann sei einfach Tage- oder Wochenlohn zu geben. Der ortsübliche Tagelohn betrage aber 1,50 M., für drei Tage ständen Fräulein St. somit 4.50 M. zu. Gcwcrbckraiikheit oder Betriebsunfall. Bei dem Arbeiter Hennig hatte sich eine Entzündung des linken Handgelenks eingestellt, nachdem er mehrere Stunden lang in einem Eiskeller das znfamnien- gefrorene Eis niit einer Brechstange gelöst hatte. Sein Zustand ver- schlimmerte sich derart, daß er erwerbsunfähig wurde. Er wandle sich dann wegen einer Unfallrente an die Epeditions-»nd Speicherei- Bernssgenossenschaft. Sie wurde ihm versagt, und auch das Schieds- gericht erkannte zu seinen Ungunsten. Es nahm gleich der beklagten 'Berufsgenossenschaft au, daß es sich hier höchstens um die Folgen einer Gewerbekrankheit, nicht aber um die eines Betriebs- nnsallcs handele. Die Entzündung habe sich sicherlich durch das fort- dauernde Ausstoßen mit der Brechstange langsam entwickelt. Der Kläger legte Rekurs ein und gab vor dem Reichs-Versiche- r ii n g s a m t an, man rutsche manchmal bei dem Aufstoßen aus und feratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Verliii. Tinck und Verlag von dann gebe es einen Ruck. In einem Obergntachten führte der Be- zirksphysikus Sanitätsrnth Becker aus, die Krankheit der Hand sei eine chronische Sehnenscheiden- Entzündung. Zur Frage nach dem Vorliegen eines Unfalles bemerkte er. die Knochenverbindung der linken Hand werde bei dem Eisstoßeu besonders stark angeslrengl und sie könne bei einem unsicheren oder ungeschickten Stoße sehr leicht beschädigt werden. Die größere Wahrscheinlichkeit spreche für eine mehr oder minder plötzliche Einwirkung auf die Hand, und das uinsouiehr, als schon eine beginnende Sehnenscheiden-Entzünduug arbeitsunfähig mache. Das Reichs-Versicherungsamt vernrtheilte nunmehr die Berufsgenossenschaft zur Renteugewährung, indem es sich auf das Gutachten slützle und annahm, die auf einen kurzen Zeitraum beschränkte schädliche Einwirkung des Eisstoßens auf das Handgelenk sei als Unfall zu betrachten. Ein Kapitel vom Hunger». Die Firma H. Stern berg junior(Wäschefabrik) verklagte die Plätterin H. beim Gewerbe- gericht und verlangte ihre Verurtheilnug zur Zahlung von 9 M., indem sie geltend machte, die Beklagte habe durch die Nichtbeachtung der Kündigungsfrist einen Kontraktbruch begange». Fräulein H. betonte demgegenüber vor der Kammer I, sie sei plötzlich fort- geblieben, weil sie ,» wenig verdient habe. Thatsächlich hat denn auch das Mädchen während der zwei Jahre, wo sie bei H. Sternberg junior thätig war. im Durchschnitt ungefähr acht Mark wöchentlich verdient; nianchmal war es weniger, manch- mal halte sie ein paar Pfennige oder Groschen mehr. Der Vor- sitzende Hellwig machte sie darauf anfmerisam, daß sie die Kündigungsfrist hätte inne halten müssen und daß sie gut thun werde, auf den Vorschlag von Slernberg's Vertreter einzugehen und noch 14 Tage bei der Firma zu arbeiten. Von ihrem Gefühl fort- gerissen und unter Thränen erklärte das Mädchen darauf in sich überstürzenden Worten, sie gehe nicht wieder zurück zur Klägerin, lieber gehe sie ins Wasser. Sie hätte nicht dableiben können, sie sei dort halb verhungert und hätte nicht noch länger hungern können, und schlecht werden wolle sie auch nicht.— Der Vertreter vo» H. Slernberg ju». lehnte es ab, aus die Forderung zu verzichten. Die Mädchen liefen so oft ohne Kündigung fort, daß man sich nicht anders als durch ein E x e m p e l helfen könne.— Die Beklagte wurde verurtheilt, entweder auf 14 Tage zu H. Slernberg jun. zurück- zukehren, oder 9 M. zu zahlen. Verdiente sie zn wenig, so sei das kein Grund, die Arbeit plötzlich zu verlasse». Tie Rechtslage wäre eine andere, wenn man sie als Akkordarbeiterin nicht ausreichend beschäftigt hätte. Das Reichs- VersicheriiiigSanit hatte in der Unfallsache deS Maurers Schulze zu entscheide», ob ihn die landwirthschaftliche oder die Baugewerks-Berufsgeuossenschast für einen Unfall zu entschädige» habe. Die Landwirthin Krausemann hatte den Maurer Tornow dazu engagirt. ihre Wohn- und Stallgebände zu repariren und zu weißen, und Tornow nahm sich den Schulze dabei zur Hilfe. Nebe» der Landwirlhschaft betreibt nun Frau Krausemanu noch einen kleinen Ausschank. Als Schulze in dem G a st r a u m arbeitete, fiel er von der Leiter und erlitt einen Leisten- brnch. Die Baugewerks- Bernfsgeuossenschaft lehnte seinen Anspruch auf eine Uiifallrenle mit der Begründung ab, daß hier die landwirthschaftliche Berufsgenossenschast einzulreten habe. Dieser Bescheid wurde rechtskräftig. Kläger wandle sich dann au die landwirthschaftliche Bernfsgenossenfchaft, indessen ebenfalls ohne Erfolg. Das Schiedsgericht jedoch vernrtheilte demnächst diese Berufsgeuossenschaft. Das Weißen von Wohn- mid Wirthschafts- räumen gehöre in laudwirthschaftlichen Betrieben zu den laufende» Reparatnrarbeiten. Während ihrer Dauer hätten deshalb die beide» Maurer, die ohne Vermittelung eines Unternehmers beschäftigt wurden, der landwirthschafllichen Unfallversicherung unterlegen. Die Schankwirthschaft als Nebenbetrieb der Landwirthschaft komme nicht für die Entscheidung in Frage. Das Neichs-Versicherungs- amt hob aber das Urtheil auf und stellte den ablehnende» Bescheid der Berussgen osseuschast wieder her. Es könne nicht davon die Siede sein, daß die Arbeit, bei der Kläger verunglückte, dem landwirthschastlichen Betriebe versicherungsrechtlich zugehöre. Kläger sei in einem Räume zn Schaden gekommen, der ausdrücklich und ausschließlich der Schankwirthschaft gewidmet gewesen sei. Als Reparalurarbeit im Interesse des landwirthschastlichen Betriebes könne die nnfallbringende Thätigkeit im Gastraume aber nicht au- gesehen werde», sie' sei vielmehr bei der örtlich zuständigen Bau- gewerks-Berufsgeuossenschaft versichert. Das Reichs- Versicherungs- amt werde letztere zu bewegen suchen, dem Kläger trotz ihres rechts- kräsligen Bescheides die Rente zu gewähren. Vepesrtxen und letzte LlSlchetchten« Slviveiniiiide, 11. Sept.(W. T. B.) Der Lloyddampfer „Kaiser Wilhelm der Große" ist flott und hat heute Nachmittag den Ausgang der Kaiserfahrt und die Swine-Einfahrt passirt. Swinemünde, II. September.(W. T. B.) Der Lloyddanipfer „Kaiser Wilhelm der Große" ist mit Hilfe von drei Eisbrechern, drei Bergungsdampferii und drei Schleppdampfern im hiesigen Hafen eingetroffen. Frankfurt a. M., II. September.(B. H.) Wie die„Franks. Zeitung" berichtet, hat dem Frankfurt-Hambnrger Personenzug gestern Abend vor der Station Bockenheim ein Zusammenstoß mit einer Maschine gedroht. Den Slationsbcamtcn gelang es durch Rufe und Zeichen, den Zugführer auf die Gefahr aufmerksam zu machen. Die Bremse funktionirte vorzüglich. Frankfurt a. M., 11. September. Die„Frankfurter Ztg." meldet aus Koustantinopel, die neuerlich? Redaktion des Artikel 6 des Friedensvertrages, welche Lord Salisbury's Vorschläge mit den deutschen Proposttionen vereinigt, ist von Salisbnry telcgraphisch abgelehnt worden, doch betrifft die Ablehnung nach den Ver- sicherungen der Botschafter keinerlei prinzipielle Fragen, sondern lediglich die Stilisirung, so daß die Botschafter hoffen, in der nächsten Sitzung die richtige Fassung zu treffen. Wie», II. September.(W. T. B.) Das Ehepaar Rudolf und Katharina Kreise, welches eines am 4. September bei dem Juwelier Dombrowski in Karlsbad verübten große» Juwelendiebstahls verdächtig ist, wurde, wie der hiesigen Pvlizeidirektion aus Leipzig gemeldet wird, dort verhaftet. Budapest, 11. September.(W. T. B.) Nach nahezu drei- wöchiger Dauer kann der Ausstand der Maurer nunmehr als beendet angesehen werden, da in der heutigen Konferenz der Meister und Arbeiter beschlossen wurde, die noch bestehende» Differenzen aus- zugleichen und gewisse Aeuderungen a» der Arbeitsordnung vor- zunehmeii. Mera», 11. September.(B. H.) In der letzten Nacht wurde in das Komtoir der elektrischen Fabrik von Ganz u. Co. eingebrochen und eine Kasse geraubt, in welcher sich mehrere tausend Gulden be- fanden. Von den Diebe» fehlt jede Spur. London, 11. Sept.(W. T. B.) Nach neuerer Meldung auZ Johannesburg scheint die im Dyuamitlager der George Goch Amalgamated Mine— nicht George Goch Deep Level Aiine, wie Reuler'e Bureau meldete— stattgehabte Explosion einen belrächt- lichen materiellen Schaden nicht angerichtet zu haben. Auch der Verlust an Menscheuleben ist geringer wie ursprünglich mitgetheilt. Von schwarzen Arbeitern sind acht getödtet und zwölf erheblich ver- winidet worden. Weiße Arbeiter sind von dem Unfall nicht betroffen worden. iilthc», 11. September.(B. H.) Ans Wien ist bei der hiesigen Regierung ei» Telegramm eingelauseu, welches besagt, daß der Artikel II des Friedensvertrages, betreffend die Kontrolle und die Höhe der Kriegsentschädigung, gestern in alle» Einzelheiten festgestellt und von der Pforte angenommen worden ist. Die griechische Re- gierung hegt die Befürchtung, daß ihre Meinung in der Frage des Arrangements mit den alten Gläubigern überhaupt nicht gehört» und daß der zn zahlende Zinsfuß einfach von den die Kontrolle führenden Vertretern der Mächte festgestellt werden wird. Belgrad, 11. Sept.(B. H.) In der Staats-Tabakfabril sind große Unierschleife entdeckt worden. Der Direktor der Fabrik, sowie drei andere höhere Beamte sind in Untersuchung gezogen worden. Max Babing in Bertin. Hierzu it Britagc» u llnicrhalluiigst'latt» Nr. 213. lt. ZchWg. 1. IcjldjH die Gpfev dev MeiTzwassev� VertLrfleoplzen flub im? ferner die folgende» Beiträge zugegangen: Geburtstagsfeier„Weiße Nelke«, Königsgraben 4.—. Seifert, Köpenickerstr. 19» 1,50. Orchesterchor„Vorwärts«, Rixdorf 10,—. Rauchklub„Rauch« beim Sliftungsfest gesammelt 3.75. Kraftklnb „Jngendkraft", Moabit 3,—. Verguügungsfeier der Präger bei Priester«. Eick 2,20. Korbmacherwerkstelle Zimmer, Blumenstr. 37 13,40. Heiuze 1.—. Gr.-Lichterfclde d. Schlüter 1.50. Ueberschuß von der Malinee in Rixdorf, Viktoriasäle: Ges. V.: T.«. E. Ar. Sch. Gr. E.„Einigk."„Harm. III".„Eintracht« 40,—. lieber- schnß von der Abschiedsieier eines soz. Rekruten 1,40. Von einer Wetle der 1387 er Wahl 2.—. Summa 65,75. Bereits quitlirt 3077,34. Gesammtsumme 3163,09. Weitere Beiträge nimmt unsere Expedition entgegen. UdTmles.. Tel» Prodinzial-Parteitag von Brandenburg» der heut Mittag zu wichtigen und auch für die Gesauuntpartei bedeulungs- vollen Berathnngen zusammentritt,-«ntbielen auch wir herzlichstes Willkommen! Das ganze sozialistische Deutschland interessirt sich für die Be- rathungen und Beschlußsassungen des Parteitages, an dem die Ver- treter der Wahlkreise Berlins und seiner näheren und weiteren Um» gebnng theilnehmen werden. Für die Entschließungen des gesammt-deutschen Parteitage? in Hamburg wird e? nicht gleichgiltig sein, wie sich die Genossen der Provinz Brandenburg heute zu de» schwebenden Parteifragen stellen werden. Beste Arbeit im Interesse des kämpfenden Proletariats wünsche» wir uusercn allezeit im Vordertreffen stehenden Brandenburgern l Nrbcitcr-BildungSschnle. Heute Abend 7 Uhr in Cohn's Festsäle», Beuthstr. 20, Vortrag des Genoffen W. Liebknecht über: Geschichts- materialistische Weltanschauung. Wir machen die Genossinnen und Genoffen hiermit noch besonders ans das interessante Thema ausmerksam und bitten um zahlreichen Besuch. Der Vprstand. Die Freie VoHSblihiie beginnt heute Nachmittag um 3 Uhr mit der Premiere von Carl Miinckeberg's„Illusionen« den Winter- Spielplan. Die Mitglieder der ersten Abtheilung werden gebeten. pünktlich zur Vorstellung zu erscheinen. Im Theater werden B e t t r ä g e nicht entgegen genommen, daher möge sich jedes Mitglied überzeugen, daß seine Mitgliedskarle in der Rubrik 6 für neue Mitglieder L Marken, für alte Mitglieder in der Rubrik 5 und L je eine Marke enthält. Die erste A b t h e i l u» g ist geschlossen. Neuaufnahmen für die zweite Abtheiluitg können nur noch bis Mittwoch, den 15. September, erfolgen. Die zweite Vorstellung für die zweite Abtheilung findet Sonnlag, den 13. September, nachmittags 3 Uhr, statt. Die Haupt- rollen liegen i» den Händen von Herrn Meudt und Fräulein M i l l y K r a u s e v o m k ö n i g l. Schauspielhaus zu Berlin als Gästen. Der Vorstand. Die stiidtlsche Parkdrpntation hat gestern unter Vorsitz des Stadtraths Kochhann beschlösse», zur Regulirung und Bepflauzung des Platzes D Abtheilung Xll des Bebauungsplanes, der von der Duncker«, Lette. Lüchener und Raumerstraße begrenzt wird. SO 000 M. in de» nächstjährigen Etat einzustellen.— Bei der Bürgerschaft ist bei den Regenschauern deS diesjährigen Sommers eine Znflnchtshalle im Viktoriapark empfindlich vermißt worden. Die städtische Park- depntation hat nun beschlossen, dem Uebelstande dadurch abzuhelfen, daß in dem beregten Parke Schutzdächer errichtet werden.— Durch Bittgesuche der Anwohner des Planufers ist angeregt worden, den Landstreifen zwischen Waterloobrücke und Tempelherrenstraße mit gärtnerischen Anlagen zu versehen. Diesen Gesuchen will die Park- deputatio» baldmöglichst entsprechen; die erforderlichen Mittel solle» in den nächstjährtgen Etat eingestellt werden.— Die Parkdepntation hat beschloffen, den dem FtsknS gehörigen, bereits aufgehöhten, 2637 Quadratmeter großen Anlandnngsstreifen an der Spree zwischen dem städtischen Eteindepolplatz und dem Mastenkrahn in Treptow zum Preise von 50 Pf. für das Quadratmeter zu erwerben. D«s Berliner Proletariat vor fünfzig Jahren. SS dürfte überflüssig sein, die Gründe näher anzugeben, warum wir gerade in diesem Jahre einen Blick ans da? wirthschaftliche Leben Berlin? vor fünfzig Jahren werfen. Das Etnrmjahr 1843 läßt sich nur auf Grund einer genauen Kenntniß der wirthschaftlichen Verhältnisse der damaligen Zeit verstehen. Die politischen Ereignisse de? Revolutionsjahres finden in den wirthschaftlichen Zuständen der nächst vorhergehenden Zeit ihre Erklärung und Erläuterung. Berlin war trotz seiner 390 000 Einwohner vor fünszig Jahren noch eine Handwerkerstadt, die freilich nur die Schattenseiten des Haudwerls in verstärktem Maßstabe wiederspiegelte. Während draußen in der Provinz das Handwerk noch kräftig sich zu erhalte» wußte, war in der Hauptstadt sein Niedergang eine ausgemachte Sache. Wohl 200 000 Personen hingen in ihrer Existenz direkt von dem Ergehen des Handwerks ab. Man zählte, abgesehen von den Webern, im Jahre 1346 27 125 selbständige Meister und 50 333 Ge- Hilfen und Lehrlinge. Alle Berufe waren überfüllt; Handwerker, die in der Provinz nicht reussirteu, drängten nach Berlin, und die Gewerbe-Gesetzgebnng begünstigte diesen eigenthümlichen Aufschwung Berlins, das 1810 erst 162 000. 1316 195 200, 1340 aber 322 620, 1847 endlich gegen 390 000 Einwohner zählte. Die Masse der Meister wuchs in einzelnen Berufen so stark an, daß ein damaliger Kenner der Gewerbeverhällnisse sagen konnte, die Arbeit sei bei der wachsenden Masse der Bevölkerung zum Hazardspiel geworden. Nur der glücklichste und begünstiglste Theil hatte guten Verdienst. Alle anderen aber lebten in einer permanenten Unsicherheit, ob sie auch Arbeit erhalten würden. Eine große Zahl derklcinen Meister arbeiteten die Woche hindurch ohne jede Sicherheit, blos auf die Möglichkeit hin, ihre Arbeit am Ende der Woche zu verwerthen. Die Be- danernswerthen fielen den damals aufkommenden Zwischenhändlern in die Klauen, die dem Handwerker die Knuden abnahmen und seine Arbeit zu Spottpreisen abkauften. Berlin zählte damals an 4000 selbständige Schneider, von denen zwei Drittheile keine hin- reichende Bestellungen hatten. Dagegen gab es 206 Kleiderhändler, die ihre Waare» zu Spottpreisen von den kleinen Meistern be- zogen. Wollten die Meister nicht billig genug liefern, so wandte man sich an die Militärschneider, die damals den Zivil- schneidern die schärfste Konkurrenz machten. Die sogenannten Arbeiterkompagnien nahmen von den Händlern Bestellungen ent- gegen, fertigten z. B. das Paar Hosen zu 4—5 Silbergroschen an. Dabei konnten freilich die kleinen Meister nicht bestehen. Steh»- lich wie bei den Schneidern war es in anderen Zweigen des Hand- werks. Selbständige Schuhmacher zählte man 3000, Tischler 2000, deren größter Theil auch für de» Händler arbeitete. Am schlimmste» daran waren freilich die Weber, die für Berlin und Umgegend ans 20 000 geschätzt wurden. Auch im glücklichsten Fall der Arbeit konnten diese Leute von ihrem Verdienst nicht leben. des LuMs" Sttlim Heber Berliner WohnniigS-Komfort, gegen dessen angebliche Zunahme auch in weniger bevorzugten Stadttheilen und bei kleineren Wohnungen zwei Hausbesitzer-Organe kürzlich so geeifert haben, geben die bei Gelegenheit der Volks- Zählungen angestellten wohnungsstatiftischen Ermittelungen Ansschln«. Die letzten Veröffentlichungen hierüber beHandel» erst das Jahr 1390, sind aber noch heute von Interesse. Es wird ja auch mit dem Wohnungs-Komsort in Berlin, trotz gegentheiliger Behaup- tung der Hausbesitzer, inzwischen kaum viel anders ge> worden sein,— wenigstens nicht in den kleinen Woh- nungen der Arbeiterviertel. Die Ergebnisse von 1890 bestätigen die jedem bekannte Thatsache, daß eine „komfortable« Wohnung sehr verschieden ans- sieht, je nachdem sie für„Herrschaften" oder für den „kleinen Mann" bestimmt ist. Es bestehen in Berlin in dieser Hinsicht die schroffsten Gegensätze. 1890 fehlte z.B. die Küche, die man doch gewiß als das Minimum des„Komforts« anzusehen hat, bei 65 von je lOOO Vorder- und bei 115 von je 1000 Hinter- wohnungeu. Daß diese Wohnungen ohne Küche nicht zn den„herrschaftlichen« gehörten, darauf deutet schon der Um- stand hin, daß sie in den Hinterhäusern viel häufiger als in den Vorderhäusern gefunden wurden. Ihre Zahl blieb auch i» den mittleren Stockwerken(Beletage». s. w.) beträchtlich hinter den oben angegebenen Durchschnitten zurück, während sie in den unteren(Erdgeschoß, Keller) und den oberen dementsprechend darüber hinausging. In de» obersten Stockwerken stieg die Zahl bis 101 bezw. 134 pro 1000 Vorder- bezw. Hintcrwohnungen! Hier mußte überdies am häufigsten die Küche, wenn eine solche vorhanden war, von mehreren Familien gemeinschaftlich benutzt werde». Selbst- verständlich hatten auch von den verschiedenen Stadttheilen die vor- wiegend von einer ärmeren Bevölkerung bewohnten iui allgemeinen die meistenWohnungenohneKüche. Nebe» dieKüchegehörtvon Rechts wegen eine S p« i s e u k a m m e r. Für diese bildet aber in Berlin nicht das Feblen, sonder» das Vorhandcusei» die Ausnahme; doch besteht natürlich auch hierbei noch ein scharfer Gegensatz zwischen„Herr- schaftlichen" und anderen Wohnungen. Nur 157 beziv. 19 pro 1000 Vorder- bezw. Hinterwohnungen hatten ein« Speisenkammer, speziell in den obersten Stockwerken nur 74 bezw. 16, im Keller sogar nur 11 bezw. 4 pro 1000. In der Thicrgartenvorsladt wurde» aber 542 bezw. 177, in der Sckiöneberger Vorstadt 517 bezw. 74, dagegen aus dem Wedding nur 33 bezw. 4, im östlichen Theil der jenseiligen Luisenstädt nur 16 bezw. 1 pro 1000 ge- zählt. Zum eigentlichen„Komfort der Neuzeil" gehört ein Wasser- k loset. Ein solches hatten 839 bezw. 770 pro 1000 Vorder- be- ziehungsweise Hinterwohnungen. Die verschiedenen Stockwerke iveichen, ebenso wie die verschiedenen Stadtlheile, nur wenig von diesen Durchschnitten ab. Die Gegensätze treten hier mehr in der größeren oder geringeren Häufigkeit gemeinschaftlicher Klosets hervor. Wenn in den mittleren Stockwerken 435, in den obersten aber 355, im Keller gar nur 147, andererseits in der Thiergartenvorstadt 711, im östlichen Theil der jenseiligen Luisenstadt aber nur 206 pro 1000(Vorder- und Hinter-) Wohnungen ein besonderes Wasserkloset hatten, so wird man zugeben, daß auch in diesem Punkte die kleineren Wohnungen er- heblich schlechter ausgestattet sind. Eine B ad e- E i n r i ch tu n g hatten nur 101 bezw. 7 pro 1000 Vorder- bezw. Hinterwohnungen, und zwar z. B. in der Thiergartenstadl 533 bezw. 55, Schöneberger Vorstadt 370 bezw. 30, aber auf dem Wedding 17 bezw. I, i» der östlichen jenseitigen Luisenstadt 15 bezw. I pro 1000. Aehnliche Unterschiede bestanden zwischen den Stockwerken. Ein Hänge- b o d e n endlich— denn auch der hat lange genug als unentbehr- liches Zubehör einer„komfortablen" Berliner„Herrschaftswohnung" gegolten— fand sich z. B. in der Schöneberger Vorstadt in 574 bezw. 140, in der Thiergarten-Aorstadt in 439 bezw. 130, aber in der östlichen jenseitigen Luisenstadt nur in 31 bezw. 13, aus dem Wedding nur in 62 bezw. 14 pro 1000 Vorder- bezw. Hinter- Wohnungen. Hier stehen nuter den Stadttheilen die wohlhabenderen— nebenbei bemerkt: auch unter den Stockwerken die theureren— mit den meisten Hängeböden an der Spitze. Das erklärt sich sehr ein- fach; man denke nur an die humane Sitte der Benutzung des Hängebodens als M ä d ch e n g el a ß, die so lange in„Herrschast- lichen Häusern ziemlich allgemein üblich war. Auf dem Tische deS Proletariers ist Fleisch ein äußerst selten erscheinender Leckerbissen. Ein Theil derjenigen, die sich gutes Fleisch überhaupt nicht leisten können, greift zn mehr oder minder fragwürdige» Ersatzmitteln, die, obgleich sie in anbetracht ihrer Qualität theuer genug bezahlt werden müssen, oft nur mit großer Mühe und uttverhälluißmäßigem Zeitanfwaude zu erlangen sind. Seit einigen Wochen sind die Fleischpreise gestiegen. Kein Wunder also, wenn neuerdings der Andrang der Käufer Ein sehr geschickter Weber, der an einem Stück(66 Ellen) 1'/« breiter Leinwand vierzehn Tage zu arbeiten hatte, ver- diente hreran etwa 3 Thlr. 5 Sgr. Frau und Kinder lebten abwechselnd von Kartoffeln und Hafergrütze, was sie 2i/z Sgr. kostete. Der schlecht gekleideten Kinder wegen ward täglich, die längere Hälfte des Jahres, geheizt, was Ij Sgr. pro Tag ausmachte. Die Monats- ausgaben einer solchen Familie beliefen sich ans 7>/sThlr., während die Einnahme im günstigsten Falle nur 6l/» Thlr. betrug. Kein Wunder, daß gerade die Weberbevölkerung in schrecklichster Weise demoralisirte. Namentlich war der Diebstahl an der Tages- ordnung. Denn leben mußten die Leute, nur von dem Verdienst der Arbeit zu leben, war auch bei der elendesten Lebenshaltung u». möglich. Nowawes bei Potsdam, dessen Bevölkerung fast aus- schließlich aus Weberfamilien bestand, war damals bei den Befitzenden wegen der fortgesetzten Diebereien verrufen. Doch nicht nur die Lage der Weber, sondern die der ganzen Handwerkerbevölkernng mußte zu den bedrohlichsten Erscheinungen trotz Polizei und strengster Strafgesetze führen. Das, was nian heutzutage Lumpenproletariat nennt, erhielt aus den Schichten der verkommenden Handwerkerbevölkerung die stärkste Zufuhr. ES sind geradezu unglaubliche Zahlen, mit denen die Summe dieser Unglück- lichen geschätzt wurde. Berlin zählte an 6000 Almosenempfänger, ebenso viele arme Kranke, 3 bis 4000 Bettler, für die die Stadt mit annähernd 400 000 Thalern sorgte. Dazu kam das Heer der Verbrecher und des lichtscheuen Gesindels, das nach einer Schätzung allein auS 24 000 bestanden haben soll. Ist auch diese Angabe entschieden zu hoch, so läßt sich doch nicht bestreiten, daß diese großstädtische Bevölkerungs- schicht im damaligen Berlin sehr stark vertreten war. Schon die Thäligkeit der Polizei giebt uns über die Stärke der Deklassirten einige Anhaltspunkte. Um tausend Personen herum lieferte sie pro Monat als Gefangene an die Etadtvogtel am Molkenmarkt ein. Dabei beherbergten die Gefangenenanstalten Berlins fortgesetzt annähernd 3—4000 Personen. Aeußerst zahlreich war auch die Prostitution in de» verschiedensten Abarten vertreten. Man schätzte die Zahl solcher Mädchen auf 10 000, ganz abgesehen von dem Kontingent, das die 13 000 Dienstmädchen dazu stellten, und das mindestens noch 5000 Köpfe betrug. Die Dienstmädchen erhielten in sehr vielen Häusern schmal« Kost und nur 3—20 Thaler Jahres- lohn. Dafür wurde aber manchen von der Herrschaft der Haus- schlüssel zugesteckt, was nach damaliger Auffassung soviel be- deutete, als daß sie das sonst Nöthige sich durch Prostitution zuverdienen sollte. Die damaligen Dienstboten sollen theil- weise so kurz gehalten gewesen fein, daß sie, um überhaupt exisnreu zn können, zum Stehlen und Betrügen geradezu angehalten waren. Selbstverständlich war auch die Zahl der uneheliche» Ge- burten nicht gering. Auf 13 000 Geburten kanien 2000 uneheliche; außerdem zählte man 2000 Waisen- und ebenso viele Pflegekinder. Für die Erziehung der Kinder wurde wenig gethan; von 66 000 schulpflichtigen Kindem besuchten nur etwa 37 000 die Schule; die ZMtllg, 12. September 1897. an der Kochaustalt für das Fleisch finniger und perlsüchtiger Thiere ans dem städtischen Schlachthofe besonders stark ist. Vor dem Verkaufsschalter ist durch eine längs der Mauer aufgeschlagene Barriere ein Gang gebildet, derart, daß die Käufer der Reihe nach einzeln an den Schalter herantreten müssen, ähnlich wie im Kassen- flur eineS Theaters, nur entsprechend primitiver. Schon einige Stunden vor Beginn des Verkaufes konimen Frauen und Kinder, uni als vorderste in der Reihe Platz zu nehmen. Immer mehr schwillt die Schaar derer, die von dem hier feilgebotenen Proletarierbraten für gute? Geld etwas erstehen wollen. In glühendem Sonnenbrand, wie bei rieselndem Regen harren sie ans. bis der Verkauf beginnt. Endlich wird der Schalter geöffnet, ein Mann in weißer Schurze fragt die Kunden in barschem Ton, was und wieviel sie wünschen, greift aus dem Vorrath ein Stück heraus, wiegt es ab, wirst es dem Käufer in den dargereichten Korb, flucht, wenn das Geld nicht schon in Bereitschaft gehalten ist, um dann den nächsten Kunden in der gleichen Weise zu be- dienen. Geradezu wüthend wird der Mann am Schalter, wenn er die Entdeckung macht, daß eine Käuferin, die endlich glücklich vor seinen Tisch gelangt ist, einen Einkauf für eine noch außerhalb der Barriere stehende Frau, die vielleicht nicht Zeil zn längerem Warten hat, mitbesorgen will. So etwas giebt es nicht. Jeder hat hinten aiizutreten und in drangvoll fürcher- licher Enge geduldig zu warten, bis an ihn die Reihe kommt. Auch ein Schutzmann ist zur Stelle, um über die Jnnehaltung der Reihenfolge zn wachen. Fedoch, auch hier werden Ausnahmen gemacht. Ein Mädchen erscheint und stellt sich sofort als erste in die Reihe. Der Mann ani Schalter fährt sie erst grob an, doch das scheint diesmal nicht ernst gemeint zu sei». Allem Anschein nach kennt er sie. Sie sagt elwaS von Bestellung, der Mann macht ihr unter dem Gelächter der Umstehenden einige gelungene „Schmeicheleien«, und wiegt ihr ein großes und, soweit die Bezeich- nung hier gestaltet ist, guteS Stück Fleisch ab. Dann füllt sie sich in dem nebenan liegende» Raum eine große Blechkanne voll brauner Brühe, welche den Fleifchkäufcrn gratis verabfolgt wird, und hatnnn, be- neidet von den seit Stunden Harrenden, ihr Geschäft erledigt. Die äußere Erscheinung des Mädchens sticht von den hier weilenden Arbeiterfrauen wesentlich ab. Die wetße Blouse und Schürze lassen auf ein Dienst- Mädchen schließen. Da„Herrschaften" wohl schwerlich ihren Fleisch- bedarf an dieser Stelle entnehme», so liegt die Annahme nicht fern. daß das Mädchen in Diensten eines Restaurateur? steht, der das hier erstandene perlsüchtige Rindfleisch seinen Gästen als leekeren „Schmorbraten",„Roastbeef" oder dergleichen versetzt. Im Verkaufs- räum gehen niittlerweile die Vorräthe auf die Neige. Jetzt be- ginnt ein geradezu unheimliches Drängen und Stoßen unter den harrenden Känfertiinen. Jeder möchte noch etwa? von der„köstliche» Waare" haben. Wohl ein Dutzend Körbe werden dem Manne am Schalter entgegengestreckt, in einige derselben fliegt je ein mehrpfündiges Stück Fleisch, der Mann nennt mit Stentor- stimme den Preis, erhält das Geld dafür und die Käuferinnen ziehen mit zufriedener Miene davon, während eine große Anzahl von Frauen und Kindern, die sich stundenlang vergebens gedrängt haben, unverrichteter Sache heimgehe». Tesinfektemc, so werden die Arbeiter der städtischen De?- infektionSnnstalt genannt. So schön diese fremdsprachliche Be- zeichnung klingen mag, so wenig verlockend sind die Dienstverhältnisse dieser Arbeiterkategorie. Um die Stellung eines Desinfekteurs f/it erlange», muß man zunächst als Hilfsarbeiter bei der Desinfektion/?- ansialt eintreten. Hat der Arbeiter sich hier die erforderliche» Kenntnisse angeeignet, dann kann er gegen Bezahlung von 6 M. eine Prüfung vor dem Physikus ablegen und wird nun, falls Bedarf an Desinfekteuren ist, als solcher beschäftigt. Er hat eine Kaution von 30 M. zu stellen und niuß sich außerdem durch Unterschris« ver- pflichten, für etwa von ihm bei Ausübung seiner Berufsarbeit ver- ursachten Schaden mit seinen ganzen Habseligkeiten zu hasten. Die Desinfekteure müsse» morgens 7 Uhr in der Anstalt antreten. haben dann bis'/e 8 Uhr Zeit zum Frühstücken und zum Ordnen ihrer Arbeitssachen. Nun werden sie in Fuhrwerken nach den zu desinfizireuden Wohnungen befördert. Da jeder Wagen mehrere— meist 4—5— Arbeiter- kolonnen zu je 2 Mann gleichzeitig einnimmt, so vergehen, wenn die Arbeitsstätten weit von der Anstalt entfernt sind, oft V/i bis 2 Stunden, che die letzte Kolonne ihren Arbeitsplatz erreicht. Die Arbeitszeit der Desinfekteure soll eigentlich um 4 Uhr beendet sein, was jedoch nicht immer der Fall ist. Nach der bestehenden Vor- schrift muß die Desinfektion eines Zimmers vollständig beendet sein, ehe die Desinfekteure dasselbe verlassen. Die in einem Zimmer zu verrichtende Arbeit ist aber, je nach der Größe desselben und nach der Menge der darin befindlichen Gegenstände, eine der Zeit nach sehr verschiedene. Während die eine Kolonne vielleicht schon um anderen wuchsen wild und der größten Demoralisation preis- gegeben auf. Aus einem solchen wirthschaftlichen und sozialen Milieu heran? entwickelte sich nun in seinen Anfängen das Berliner Fabrik« Proletariat. Die Zahl der Fabriken in Berlin war zwar um die Mitte diese? Jahrhunderts verhällnißmäßig schon recht ansehnlich, aber«ur wenige Fabriken hatten einen dem heutigen Begriff des Wortes ent« sprechenden, ausgedehnten Betrieb. Die moderne Großindustrie fing überhaupt erst an, festen Boden zu fassen. Im Norden Berlins kamen jene Fabriken auf, die den Grund zu der später in Berlin blühenden Maschinenindustrie legen sollten. Doch waren schon 1347 an 4000 Personen in ihr beschäftigt. Die fabrikmäßige moderne Textilindustrie beschäftigte auch schon einen ansehnlichen Stamm von Arbeitern, die man auf 3500 veranschlagen kann; in Seiden- abriken waren 16 12, in Kattundruckereien 1730 Personen dätig. 40 Zigarrensabriken beschäftigten 1279, 17 Zuckersiedereien 425 Arbeiter. In 53 Bnchdruckereien und 3 Schriftgießereien zählen wir 1044 männliche, in der Strohhutfabrikation an 600 weibliche Arbeiter. Im Verhältniß z» der Zahl der Handwerksbevölkerung war die eigentliche Proletarierschicht äußerst schwach, so daß es sehr be- greiflich ist, daß sie sich weder sozial noch gesellschaftlich von ihr unterschied. Ja mit Ausnahme einzelner Berufe könnte man das damalige Fabrikproletariat noch am ehesten als die unterste Stufe der Handwerksbevölkerung bezeichnen. Die Industrie entwickelte sich vorerst schwächer al? die Zahl derer, die nach Arbeit verlangten. Die Folge davon war, daß die Löhne äußerst gedrückt und die Arbeitsbedingungen in den Fabriken durchaus entwürdigende waren. Wo immer»ur möglich, wurde 5iinderarbeit als die billigste bevorzugt und die Eltern trieben ihre Kinder schon im zartesten Alter ans Noth in die Fabrik. Dort arbeiteten sie von morgenS 5 bis abends 9 Uhr und verdienten die Woche 15—22'/, Silbergroschen, also täglich etwa 3. Ja, man genirte sich damals nicht, die Kinder in Bleiweißfabriken unter» zubringen, wo ihre Gesundheit durch das Einathmen der giftigen Dünste total ruinirt wurde. An dem fortwährenden Hüsteln und an der gebückten Körperhaltung konnte man sofort das Fabrikkind von anderen Kindern unterscheiden. Nicht viel besser waren die Arbeiterinnen daran, die meist Fabrikkinder gewesen waren. Ihr Verdienst war so gering, daß sie selbst dann nicht ohne Nebenbeschäftigung zu existiren vermochten, wenn sie morgens nur trockenes Brot, mittags nichts, abends nur eine Mehl- oder andere Suppe aßen. Am schlimmsten erging es den Schneiderinnen, die für Läden arbeiteten. Für ein feines Hemd, au dem sie mindestens einen Tag zu arbeiten halten, er- hielten sie 4—5 Silbergroschen und hatten Zwirn, Nadeln und alle anderen Zuthaten selbst zu bestreiten. Da allein an Miethe für eine noch so bescheidene Schlaf- stelle L'/e Thaler oder die Hälft« de? ganzen Monats- S oder 3 Uhr mit der Arbeit fertig ist. hat eine andere etwa bis 4 oder S Uhr, oder noch länger zr, thun. Die Arbeiter dürfen nicht nach beendeter Arbeit die Arbeitsstätte verlassen. Das ist, um eine Verschleppung von Krankheitskeimen zu verhindern, streng verboten. Sie werden wieder mit dem Wagen abgeholt, und zwar in derselben Reihenfolge, wie sie am Morgen Hingefahre» wurden. Hat nun eine Kolonne etwa bis 4 oder ö Uhr zu thun, so müssen auch alle mit demselben Fuhrwerk beförderten Arbeiter entweder im Wagen oder auf der Arbeitsstelle so lange warten, bis auch die länger arbeiten- den Desinfekteure zur Abfahrt bereit sind. In der Regel treffen die Arbeiter zwischen 3�/- und 4Vs Uhr wieder in der Anstalt ein. Wen» Verzögerungen der angegebenen Art vorkommen, wird es auch manchmal 6 Uhr. Nnu müssen die Arbeiter ein Bad nehmen und die Kleidung wechseln, so daß sie erst s/4 Stunden nach der Zlukunst in der Anstalt ihre Wohnung aufsuchen können, wo sie endlich Ge- legenheit haben, ihren hungrige» Magen zu befriedigen. Während der Arbeitszeit giebt es nämlich keine Pausen, auch ist es bei Strafe sofortiger Entlassung verboten— ans begreiflichen hygienischen Gründen— aus der Arbeitsstelle Speisen oder Getränke zu genießen, oder nach beendeter Arbeit ein Schanklokal zu betreten. Die innerhalb der Anstalt beschäftigten Arbeiter haben eine Arbeitszeit von 7—12 Uhr und von 2—5 Uhr. Am schlechtesten geht es denjenigen Desinfekteure», welche die in der Anstalt zu desinfizirenden Sachen aus den Wohnungen abholen. Sie befahren am Vormittag mehrere Stelle», kommen dann etwa zwischen 12 und 1 Uhr, manchmal auch später, wieder in der Anstalt an. Dann haben sie eine zweistündige Mittagspause, und nach Ablauf derselben befördern sie die inzivischen desinfizirten Sache» wieder zurück. Es wird oft 8, auch 10 Uhr abends, bis diese Arbeit beendet ist. An Lohn erhalten die Desinseklenre anfangs 3 M pro Tag, und kommen im Laufe der Zeit auf 3,50 M., in seltenen Fälle» aus 4 M. Der Sonntag wird gleichfalls bezahlt, er ist in der Regel dienstfrei, jedoch müssen die Desinfekteure auch des Sonntags für dringende Arbeiten der Anstalt zur Verfügung stehen. Etwa jeden achten oder neunten Sonntag trifft auf jeden einzelnen Arbeiter ein regelmäßig in der Anstalt zn verrichtender Sonntagsdienst. Dem jetzigen Verwalter in der Desinfektionsanstalt wird nachgesagt, daß er mit den Arbeitskräften zu sparen suche, indem er die Zahl der Arbeiter möglichst einschränkt. Dadurch kommt es, daß bei Arbeitshäufung nicht nur die Desinfekteure außerordentlich angestrengt werde», sondern der Verwalter giebt ihnen in solchen Fälle» auch die mit der Desinfektion gar nicht vertrauten Hofarbeiter zur Aushilfe mit. Es liegt die Annahme nahe, daß unter diesen Umständen die Aus- führung der Desinfektionsarbeiten nicht immer eine zuverlässige ist. Natürlich wird, wie i» jeder Fabrik, so auch in der Desinfektions- anstall streng« Disziplin geübt. Jedes Ziifpälkomme» wird zn den Personalakte» des betreffenden Arbeiters gemeldet und zieht, je nach Ermessen des Verwalters, einen strasweisen Sonntagsdienst nach sich. Man steht aus dem Vorstehenden, daß die Lage der Desinfektions- arbeiter, obwohl deren Beschäftigung im höchsten Grade unangenehm und durchaus nicht gefahrlos ist, eine zufriedenstellende nicht genannt werden kann. Sozialdemokraten als Arbeitgeber. Zu dieser neuesten, von der„Nordd. Allg. Zty."»nd ähnlichen Blättern beliebten Ver- dächtignng, von der wir gestern Notiz»ahmen, erhalte» wir folgende Zuschrift: Zu Ihrer heutigen, der„Nordd. Allg. Ztg." entnommenen und von Ihnen»cht Randbemerkungen versehenen Notiz„Sozial- demokraten als Arbeitgeber" ersuche ich Sie um Abdrnck folgender Berichtigung: Es ist unwahr, daß ich gesagt habe, „Sie haben zu warten, bis Sie gefragt werden, denn hier sind Sie Arbeitnehmer und wir die Arbeitgeber".— Ich war niemals Borstandsmitglied der Orts-Krankenkasse für Handlungsgehilfen und Lehrlinge und habe auch in keiner Krankenkasseii-Kommission je den Vorsitz geführt. Ergebenst B. M a a ß. In der„Mediz. Reform" nimmt nun Herr Dr. D. Munter das Wort, um die in jener Notiz enthaltenen Angaben, die übrigens vom Vorstande des Vereins Deutscher Kaufieute Berlin VIII im Abzüge an alle Zeitungsredaktionen gesandt wurden, stark zu berichtigen. Herr Dr. Munter konstatirt zunächst ausdrücklich, daß d>er Verkehr, der sich zwischen den Aerzten und Vorstands- Mitgliedern der Ortskrankenkasse» entwickelt, in anständiger Form geführt wird. Die einzige Ausnahme hätten die Führer und Sprecher der Ortskrankenkasse der Handlnngsgehilfen gemacht. Bei Schilderung einer Versammlung, in der die D e l e g i r t e n der Krankenkasse mit den Aerzten über eine» abzuschließenden Vertrag verhandelten, giebt Herr Dr. Munter folgende Darstellung: „Im folgenden Jahr bereits machte sich unter einem Theil der Delegirtcn das Streben ans Wiedereinführung der freien Arztwahl geltend. Aus deren Wunsch wurde eine Sitzung anberaumt, zu welcher der Vorstand des Vereins der freigewählten Kassenärzte ein- geladen wurde. Wir Aerzte erschienen pünktlich zur angesetzten Zeit um 8'/s Uhr abends. Es wurde Uhr, da fragte einer von unS die Delegirten der Kasse in höflicher Form an, warum die Sitzung nicht eröffnet werde, einige von uns hätten schwer Verdienstes drauf gingen, so kann man sich leicht vorstellen, daß solche Mädchen sich genöthigt sahen, ihre körperlichen Reize sich bezahlen zu lassen. Verhältnißmäßig besser standen sich die männlichen, unver- heiratheten Arbeiter, die in manchen Berufen leicht so viel ver- dienten, um für die damaligen Ansprüche reichlich davon lebe» zu können. Ein alleinstehender, unabhängiger Arbeiter hatte in da- maliger Zeit für seine wichtigsten Lebensbedürfnisse nöthig: für Schlafstelle zahlte er 2—2�/2 Thalcr, für Mittagessen 3, für Abend- essen 2>/2— 3, für Frühstück 1 Thaler; also durchschnittlich 9 Thaler ungerechnet Trinken, Kleider und Schuhe. Nun wurden aber von einem Arbeiter pro Tag zwischen 10—15 Silbergroschen verdient, so daß er allein wohl zu bestehe» vermochte, nicht aber wenn er für eine Familie zu sorge» hatte. Für den verheirathetcn Arbeiter war die Roth so groß, wie für den kleinen Handwerksmeister, freilich mit dem Unterschiede, daß der Handwerker der Kunden halber immer noch etivas besser wohnen mußte, wie der Fabrikarbeiter, der sich am liebsten vor den Thoren niederließ. Der größte Theil der armen Arbeiterfamilien wohnte in den schlechten Vierteln, hauptsächlich aber im sogenannten Voiglland, einer großen Zahl erbärmlicher Hütten, die sich vor dem Ham- burger Thore befanden. In diesem Viertel wurden auch die ersten Arbeiterkasernen, genannt Familienhäuser, in Berlin erbaut. Millen unter den elende» Hütten ragten große Häuser, sieben im ganzen. empor, in denen sich in den vierziger Jahren etiva 2500 Personen in 400 Gemächern aushielte». In vielen der Stuben wohnten zu gleicher Zeit zwei Familien, und ein Seil, das quer durch die Stube Sezogen war, trennte die beiden anwohnende» Familien. Große -amilien wurden in diesen Häusern nicht geduldet; der Mields- preis betrug im Durchschnitt zwei Thaler pro Monat. Daß ei» derartiges Zufammenwohnen auf die Sittlichkeit der Leute verheerend wirkte, braucht nicht weiter begründet zu werden. Heute kämpfen wir ja»och gegen solche Zustände, namentlich aus dem Lande. Aber trotzdem werden uns auch aus dem Leben und Treiben jener Familienhäuser Einzelheiten berichtet, die auf die Moral und die Gesinnung der Insassen das gllnsiigne und erfreulichste Licht fallen lassen. I» einem der Familienhäuser wohnte ein Mann von 82 Jahre», dessen Söhne in de» Freiheitskriegen gefallen waren und der so schwach war. daß er nicht mehr gehen, sondern fortwährend im Bette liegen mußte. Die Armendirektio» Berlins fand sich jedoch nicht veranlaßt, den Greis genügend zu unterstutzen. sondern zahlte für ihn nur die Miethe. Der Mann hätte verHunger» muffen. wären die armen Nachbarn nicht gewesen. Diese sorgten ab- wechselungsweise für Essen und Trinke», so daß der Greis wenigstens nicht zu verhungern brauchte._... Es ist kein erfreuliches Bild, das wir hier entworfen haben. Daß ein degenerirtes Volk auch in seinen Vergnügungen roh und verkommen sich äußerte, bedarf keiner weiteren Begründung. Die Besitzenden und Satten schauten verachtungsvoll a»f die Arbelter kranke Patienten und könnten so lauge Zeit nicht vom Hause sich fernhalle». Taraus wurde ohne ein Wort der Eni- schuldigung die Sitzung eröffnet,»nd gleich im Beginn der Sitzung durften sich— ohne von dem Vorsitzenden daran verhindert zu werden— einige dieser Herren so grobe Verstöße gegen allen parla- »lentarischen Anstand gegenüber den eingeladenen Aerzten erlauben, daß selbst zwei sozialdemokratische Delegirte(Frl. H. und Herr H) ans das energischste gegen diese Art Geschäslsführnng des Vorsitzenden protestirten. Herr Kollege Mugdau erklärte einfach, daß ihn die Rüpeleien als Person ganz kalt ließen, als Privatperson würde er auf das Vergnüge» verzichten, mit Personen zu verhandeln, die die von den einfachstenArbeilernsonst gegenüber eingeladenen Gästen geübte Höflichkeit nicht gelernt haben, als Vertreter öffentlicher Interessen gehöre es zu seiner Pflicht, auch derartige Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehme». Als nunmehr versucht wurde, in eine Diskussion über die Bedingungen zu treten, unter denen die Kasse wieder freie Arzt- wähl erlangen könnte, und wir Aerzte energisch darauf bestanden, daß in ärztlichen Angelegenheiten die Aerzte nur der Disziplin ihrer Kollegen unterliegen sollen, lhat Herr Maaß, späterer Redakteur des sozialdemokratischen„Handelsangestellten", den denkwürdigen Aus- spruch:„Was wollen Sie denn überhaupt? Wir sind Ihre Arbeit- geber, Sie unsere Arbeitnehmer. Sie haben uns Ihre Offerte» gemacht. Wir haben zu entscheiden, welche Offerte wir annehmen." Natürlich können wir, wenn sich der Vorfall in dieser Weise abgespielt hat, nur bedauern, daß solche Dinge im Verkehr der Aerzte mit den beauftragten Personen der Krankenkassen vor- gekommen sind. Solche einzelnen Vorkommnisse als typisch für die sozialdemokratischen Arbcitervertreter hinzustellen, ist aber höchst albern. und daß es sich hier nur um eine Ausnahme handelt, giebt Herr Dr. Munter rückhaltlos zu. Daß die bürgerliche Presse mit solchen zwei Jakren alten Dingen Hausiren gehen muß, um der Sozial- demokralie etwas anzuhängen, zeigt, wie wenig wählerisch, aber auch wie dürftig sie mit ihren Mittel» zur Bekämpsuug der Sozialdemokratie bestellt ist. Ter Berliner Lehrervercin befaßte sich in seiner Monats- sitzung am Freilag nochinals mit der Herabsetzung der Stundenzahl in der sechsten Schulklasse von 22 auf 13. Zur Berathung stand die kürzlich von uns veröffentlichte P r 0 t e st r e s 0 l u t i 0 n der Vertranensmänner- Versammlung des Lehrervercins gegen die Absicht der Regierung und der Schul- depulation, die eigentliche Unterrichtszeit ans 18 Stunden festzusetzen. die freiwerdende» 4 Stunden aber nnt Fröbel'schen Beschäftigungs- spielen bezw. mit Gesang und Turnen auszufüllen. Wie der Vor- sitzende Groppler inirtheille. hat aus Veranlassung eines Schul- deputations- Mitgliedes zwischen diesem»nd dem Vereinsvorstande eine Konferenz in der Angelegenheil stattgefunden, die das über- raschende Resultat lieferte, daß lediglich die königliche Regierung ans Beibehaltung der zweiundzwanzig obligatoMschen Lehr st un den besteht und daß die Schuldeputatimi vergeblich versucht hat. die ihr sympathi- scheu 13 obligatorischen Lehrstnndcn der Behörde gegenüber durchzusetzen. Aus diesem Gesichtswinkel heraus halte sich nun für den Vorstand die Noihwendigkeit ergeben, der Protestresolution folgendes Amendenient anzufügen: „Der Beschluß der städtischen Schuldeputation, 13 obli- g a t 0 r i s ch e Unterrichtsstunden für die VI. Klasse festzusetzen und in den 4 freiwerdende» Stunden nur diejenige» Kinder angemessen zu beschästigen, welche mit Zustimmung ihrer Elter» freiwillig daran theiluehmen, ist uuter der Boraussetzung einer Stoff- b e s ch r ä n k u n g als ein Fortschritt anzuerkennen. Es ist daher zn bedauern. daß die königliche Behörde ihre Zustimmung zu einem Versuche in dieser Richtung versagt hat." Der Antrag fand die Billigung der Versammlung. Lebhafte Bedenken machten sich jedoch geltend gegen den Passus der Resolution, der den Fröbelspielen unter gewisse» Voraussetznngen die Eingliederung in de» Unterricht, sei es als selbständige Disziplin oder als Bestandtheil einzelner Unterrichlszweige(Anschauung, Rechnen) erleichtern will. Tie Nichtbewältigung des bis- herigen Pensums, mangelnde Vorbildung der Lehrer im Hand- sertigkeitsunterricht, vor allem aber die Rücksichtnahme ans das platte Land, dessen Lehrer bereits einen förmliche» Federkrieg gegen ihre Berliner Kollegen ob der warm vertheidigten Fröbelspiele eröffneten, bestimmten die Versammlung, die Beschäftigungsspiele überhaupt aus der Resolution fortzulassen, um die Berliner Lehrerschaft nach dieser Richtung hin nicht zu binden. Wie i» Berliner Gcmeindeschulcu geprügelt wird. I» der 190. Gemcindeschule in der Grauuftraße ging es am Donnerstag Vormittag recht lebhaft zn. In der Freipause um 9 Uhr sollte sich i» der Vo-Klasse eine Maus gezeigt haben, ein zwar nicht un- geivöbuliches Ereigniß, aber immerhin bedeutungsvoll genug, um die Neugierde der kleinen Schulbuben zu reizen. Auf den Ruf hin:„Eine Maus! Eine Maus!" der von ungefähr ertönte, stürmte daher voll Jugendlust eine Knabenschaar nach der Stelle. wo sich angeblich das Wunderthier gezeigt hatte. Doch das Verhängniß nahte schnell und zwar in Gestalt des Lehrers herab und stellte» sie mit dem Lumpenproletariat auf eine und dieselbe Stufe. So heißt es in einer Beschreibung des Stralauer Fischzuges auS dieser Zeit: Handarbeiter aller Art, Hand- werker, Soldaten. Gesellen, Lehrjungen, sogenannte Straßen- jungen, Dienstmädchen, liederliche Frauenzimmer, mit einem Worte, die Hefe des Volkes bildet an diesem Tage das Haupt- Publikum, dessen einzige Lust in unmäßigem Essen und Trinken, in Singen gemeiner Lieder, in Mittheilungen unsittlicher Dinge, in höchst frivolen Spielen und Neckereien und gegenseitigem Anschimpfe» und endlich in Raufereien besieht. Zlm allerschlimmsten freilich benrtheilte man zu damaliger Zeit die Fabrikarbeiterin. Schon au den Dienstmädchen, die in der Regel mit ihrem Schatz und zwar fast durchweg einem Soldaten des Sonntags zum Tanz gingen, ward kein gutes Haar gelassen. Aber doch sei diese Klasse immer noch die bessere im Vergleich zu den Frauenzimmern, die den Tag hindurch in den Fabriken arbeiten, oder umhergehen und Früchte aller Art verkaufen, oder endlich die niedrigste Hand- arbeit versehen. Diese Mädchen seien zu einer Gemeinheil aus- geartet, die auch noch nicht den geringsten Begriff von Moral voraussetze. Viele von ihnen wohnen bei ihre» ebenso gemeine» Eltern, noch andere haben ihre eigenen Wohnungen, die täglich zum Schauplatz der größten sinnlichen Ülusschweisungen würden. Solche Urtbeile entstammen allerdings Schriftstellern, die für die Besitzenden schrieben, aber sie zeigen uns doch, wie niedrig zu damaliger Zeit in sozialer Beziehung die Arbeiterbevölkerung gestanden haben muß, daß sie der Hese des Volkes kurzerhand bei- gerechnet wurde. Niemand dachte zunächst daran, das aus dieser Hefe des Volkes die Klasse unserer jetzigen Gesellschaft sich heraus- bilden sollte, auf deren Schulter» der ganze wirlbschaflliche und soziale Fortschritt der Gegemvart und nächsten Zukunft beruht. Ei» Zusammengehörigkeitsgefühl konnte in damaliger Zeit unter den Arbeitern noch nicht aufkommen; sie waren numerisch und sozial viel zu schwach. Sie fühlten sich vielmehr als Anhängsel der un- glücklichen und unzufriedenen Handwerkerbevölkernng, mit deren politischen Gesinnungen sie auch während der Bewegung des nächsten Jahres sympathisirte». Sie fanden dazu um so mehr Veranlassung, als auch die Gehilfen der Meister, damals noch immer Leute, die selbst Meister zn werden hofslen, ganz und gar mit ihren Meister» gemeinsame Sache gegen die Feinde des Handiverks machten. In der Maschine wurde der Todfeind erblickt, der den Menschen Arbeit und Brot nehme und einzelne wenige zum Nachtheil der großen Masse bereichere. Bon solchen Anfchauungen war der Berliner Arbeiter, soweit er überhaupt am öffentlichen Leben Antheil nahm, beseelt, als das Jahr 1848 herannahte. Auf alle Fälle kam das Proletariat Berlins, den Begriff im modernen Sinne des Wortes genommen, als selbst- ständiger Faktor während der Bewegung des Jahres 1848 in keiner Weise zur Geltung. Dazu war die großindustrielle, moderne Fabrik- bevölkerung um diese Zeit noch viel zu schwach entwickelt. E. C. I än ich. Ob des fürchterlichen Frevels, den die Knabe« begangen, griff er fröhlich und frisch hinein ins volle Menschenleb««, packt« den Paul Haus, Sohn des Zimmermanns Hans. Granu- straße 3, II wohnhaft, beim Schlaffitchen und züchtigle ihn durch Schläge mit dem Rohrstock auf d i e H ä n d e(!). Als der Knabe darob zu tveinen begann, war dies für den Gestrengen Ursache den Knaben noch recht zu schlage». Nach dem ärztlichen Atteste, welches der Vater des Knaben, als er abends von der Arbeit nach Hause kam, sich erivirkte, ergab die Untersnchnng durch den praktischen Arzt Dr. I a c 0 b s 0 h n, Brunnenslraße 93, folgenden Befund: „Auf der rechten Stirnseite unweit des Auges befindet sich eine Beule, die etwas dunkel verfärbt ist. Ans dem rechte» Hinterbacke» sind mehrere blutige Striemen sichtbar. Unweit des rechte» Schulter- blattes befindet sich eine blutunterlaufene Stelle, etwa von der Größe eines Dreimarkstückes. Der Knabe klagt außerdem über Schmerzen am rechten Auge." Man siebt, der Lehrer Jänich hat wacker zugehauen. Nur schade. daß er einen Unschuldige» erwischt hat. Paul Hans ist»ach dem Zeugniß feines eigentlichen Klassenlehrers einer seiner besten Schüler und war nicht der Maus wegen, sondern ans einem anderen Grunde nach vorn gekommen. Beim Rektor der Schule ist selbstverständlich fofort Befchiverde erhoben worden, doch vermag dieser wohl auch kaum dem Uebel wirksam zu steuern, so lange die Prügelei in den Schulen überhaupt noch als Hanpterziehungsmittel gehandhabt ivird. Der Vorfall hat in dortiger Gegend große Erregung hervor- gerufen. Taö Zentralkomitee für die Ueberschwemmte» ersucht uns »m Abdruck folgender Zuschrift: Trotzdem bis jetzt seitens des hiesigen Zentralkomitees 26 19 Kisten und Kolli versandt worden sind, laufen von allen Seiten aus den überschwemmten Gegenden Schlesiens und der Lausitz Aufragen und Bittschriften wegen weiterer Sendungen von getragenen Kleidungsstücken, Schuhwerk, LebenS- Mitteln und Wirlhschaftsgegeiiständen ein und können die darin aus- gesprochenen Wünsche nur zum kleinsten Theil berücksichtigt werden. Sowohl für Geschäfte minderwerlhig gewordene Waaren als auch gebrauchte Sachen werden von jedem in Berlin domizilirenden Spediteur oder von dem Bureau, HolzMarktstr. 65, völlig kostenlos aus den Geschäften bezw. Wohnungen abgeholt. Wir appelliren daher nochmals an die mildthätige Einwohnerschaft Berlins, recht reichhaltige fernere Zuwendungen für die Ueberschivemmten zn machen. Tie Durchführung der Verordnung, betreffend Einführung der kleinen Theaterkonzession für Chantants ic., ist, wie wir erfahren, ans einige Zeit hinausgeschoben, und zwar wird das Gesetz wohl nicht vor dem I. Januar 1898 in kraft treten. Einem großen Theil der in Frage kommenden Unternehmer ist es unmöglich, die erforder- liche» Ergänzungen in der von der Polizei vorgeschriebenen kurzen Zeil zu bewirken, weil Engagementsverträge resp. Neubauten die Einhaltung dieses Punktes unmöglich machen. Auf eine diesbezüg- liche Eingabe beim königlichen Polizeipräsidium aus den belheiligten Kreisen ist aus angeführten Gründe» die Hinaussetzung des Termins für die Durchführung des neuen Gesetzes angeordnet worden. Wir gönnen den Tingeltangel-Wirthen diese Galgensrist, müssen aber er- wähnen, daß die Polizei bei Verordnungen und bei seltsamen Gesetzesauslegungen, welche Arbeiter betrafen, noch niemals danach gefragt hat, ob es auch möglich sei, den betreffenden Anordnungen nachzukommen. Eine der beide» Selbstmörderinnen, die den Tod im Wasser gesucht haben, ist als das 30 Jahre alte Dienstmädchen Johanna Ludwig erkannt, das An der Stadtbahn 39 bei einem Kaufmann L. in Stellung war. Das Mädchen hatte schon vor mehreren Monaten bei einer Schivester in Rixdorf in selbstmörderischer Absicht die Köpfe von Streichhölzern in einer Lösung eingenommen und trug auch auf der letzten Stelle, die es erst acht Tage innehatte, ein inerkwürdiges Benehmen zur Schau. Es zeigte sich zerstreut und erregt, gab aber auf Frage» nach der Ursache keine Anwort. Dann verließ die L. ohne weitere Angaben ihren Posten, irrte von morgens bis mittags im Friedrichshai» umher, nahm Gift zu sich und ging ins Wasser. Der Beweggrund ist völlig unbekannt. Tauernde, unheilbare Krankheit hat den 41 Jahre alten Webergesellen Karl Weber, der in der Andrcasstraße 33 wohnte und bei seiner Mutter am Grünen Weg arbeitete, in den Tod getrieben. Er hatte sich, während er allein in der Wohnung war, erhängt und wurde später als Leiche aufgefunden. Sehr„patriarchalische" Zustände herrschen in der Dampf Wäscherei von F. Haache, Mühienstr. 68a. Dort führt mit seiner Ehegattin der Geschäftsführer Martin Giesecke das Regiment. In welcher Weise der Herr seines Amtes waltet, mag aus einem dieser Tage passirten Fall hervorgehen: Die Plätterinnen hatten eben ihre Vesper beendet und tranken noch, während sie schon arbeiteten, den Rest ihres Bieres aus. Da kani der Geivaltige in die Plättstube. beseitigte das noch vorhandene Bier und belegte die Arbeiterinnen mit Ausdrücken, die auch nicht einmal andeutuugs- iveise wiederzugeben sind. Den Plätterinne» verbot natürlich ihr Anstandsgefühl, auf das Betragen des Aufsehers auch nur ein Wort zu erwidern; sie packten resolut ihre Sachen zusammen und verließen ans der Stelle gemeinschaftlich die Arbeits- stätte. Es muß dahingestellt bleiben, ob der Geschäftsführer durch diese Würdigung seiner Handlnngsweise dazu bekehrt worden ist, fortan mit dem Gefühl der Arbeiterinneu etivas rücksichtsvoller um- zugehen; aus seinen Charakter mag die Thatsache ein Licht werfen, daß er es am andere» Morgen wagte, eine der Plätterinne» um Wiederaufnahme der Arbeit zn ersuchen. Die Arbeiterinnen wünschen sehr, daß der Inhaber der Wafchanstalt, den sie als respektablen Mann achten, sich seine» Geschäftsführer einmal genauer ansieht. Znni Toppelmord in der Königgrätzcrstraste weiß ein hiesiges Blatt zn berichten: Aus dem Nachlasse der beiden ermordeten Damen fehlen bekanntlich sechs Stücke Mexikanischer Anleihe, durch deren Verkauf sich der Mörder Gönczi die nothwendigen Reiseinitlel beschafft haben dürfte. Trotzdem nun die Nummern diefcr Papiere festgestellt werden konnten und an alle» Börsenplätzen bekannt ge- geben sind, sowie durch Nachfragen bei den Bankiers nach dem Per« bleib der Papiere geforscht wurde, hat sich auch»ach dieser Richtung hin nichts ermittel» lassen. Es ist aber mit Sicherheit anzunehmen. daß das Gönczi'sche Ehepaar, das nunmehr seit 24 Tagen verschwunden ist und andere größere Baarmittel nicht besaß, die Papiere versilbert hat. Man vermuthet deshalb, daß Gönczi diese Papiere schon längere Zeit vor der Ermordung der beiden Frauen verkauft hat, und zwar dürfte die Wiltwe Schulze, die ihn häufig mit Kommissionen beauftragte »nd ihm viel Vertrauen schenkte, ihm die Papiere selbst zum Verkauf übergeben haben. Dies kann schon Wochen vor der Mordthat ge- schehen sein, vielleicht auch erst einige Tage vorher. Nicht aus- geschlossen erscheint es, daß in Gönczi der Gedanke,-die Frauen zu ermorde», erst gekommen ist, als er den Erlös aus den verkauften Papieren abliefer» sollte. Fern von der Heimath und den Zsugchörigcn. Das war der Grund, weswegen sich gestern Morgen das 16 Jahre alte Dienstmädchen Emilie Sonlt zn vergiften versuchte. Das junge Mädchen war bei einem Redakteur in der v. d. Heydtstraße in Stellung, dessen Gattin sofort merkte, was mit Emilie S. vor- gegange» war, und für ärztliche Hilfe sorgte. Nach Auwendung voll Gegenmitteln wurde die jugendliche Lebensmüde einem Kranken- hause zugeführt. In einem Briese hatte das Mädchen als Grund für die That hervorgehoben, daß ihm das Elternhaus verschlossen, und daß auch eine Schwester. die in einem Hamburger Kranken- haus Oberin sei, nichts von ihm wissen wolle. Daher ziehe es de» Tod dem Leben vor. Inwieweit dies zutrifft, läßt sich umsoweniger beurtheilen, als Emilie erst gestern von ihren Eltern— der Vater ist Stationsvorsteher— mit einem Briefe zugleich eine Gcldseuduug erhalten halte, in dem ersteren aber weder ein Vorwurf, noch ein Harles Wort zu finden war. Es scheint, als ob das junge Mädchen plötzlich vom Heimweh befallen sei und in diesem Zustande zum Eist gegriffen habe. t Durch Kurzschluß der elektrische» Leitung entstand Freitag Abend zweimal Feuer. Gegen 9 Uhr brach durch Kurzschluß im FriedrichWilhel«, städtische«Theater. Chausseestraße Fexer aus, das von der anwesenden Feuerwehr schnell gelöscht wurde. Verbraunt sind Sseidiiiigsstücke und Regale in der Garderobe. Das Publikum verhielt sich ruhig und verständig, so daß nach er- folgter Beseitigung der Gefahr weiter gespielt werden konnte.— Nu- gleicher Veranlassung brach einige Minuten später in einem Schaufenster an der Müller- und Sellerstraßen-Ecke Feuer aus, das auch Schaden am Hause verursacht hat.— In der Emdenerstr. 4 entstand durch Unvorsichtigkeit Feuer in einer Wobnung, wobei die Kleider einer Frau Feuer fingen und diese ohnmächtig wurde. Die Samariter der Wehr legten der Verletzten einen Nothverband an und sorgten für ärztliche Behandlung. Die Flamme», die Möbel ec. ergriffen halte», konnten schnell gelöscht werden. Ei» schaucrvoller Zlnblick bot sich gestern Vormittag in der zehnten Stunde vor der Gdaritee. Aus einem Stall am Alexander- Ufer war ei» Pferd ausgebrochen, das die Straße entlang raste und Um das Hänserviereck herum bis an den Haupteingang der Charitee gelangt«. Hier wollte es das die Anlage» umfriedigende eiserne Gitter nehmen, sprang aber zu kurz und blieb auf demselben derart hängen, daß sich ihm die Spitzen der Gitterstäbe tief in den Leib einbohrten. Hiuzugceilte StaUleute und Angestellte des Kranken- Hauses hatte» fast eine halbe Stunde zu thu», bis sie das schwer- verwundete Thier mit Bohlen und Stangen aus seiner Lage befreien konnten. Dan» wollte man das einem Möbelhändler gehörende Pferd nach der Thierarzneischule bringen, kam aber nur bis an den Eingang, wo es verendete. I» einen Lichtschacht gestürzt war vorgestern auf dem Neu- bau der Löwe'scheu Fabrik i» Martinickeufelde der 42 Jahre alte Arbeiter August Wegener aus der Frankfurter Allee 16S. Mit einem Schädelbruch wurde er in das Moabiter Krankenhaus gebracht und ist dort seinen Verletzungen erlegen. Der Unfall entstand dadurch, daß Wegener eine» Nagel aus der Wand ziehen wollte, das Gleich- gewicht verlor und von dem Gerüst, das er betreten hatte, her» unter fiel. Ten erste» diesjährige» Herbstmarkt für Schlacht- und Sucht- kaniuchen eröffnet am Sonntag von 12—2 Uhr der Berliner Verein für Kaninchenzucht in seinen Beremsräumen Alexanderstr. 30. Zutritt frei für jedermann. Der Votanische Garten(Potsdamerstr. 75) ist heute Nach- mittag von 2 Uhr ab bis zun» Eintritt der Dunkelheit für das Publikum geöffueh Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Vietoris. rsKia, die in diesem Sommer schon neunmal geblüht hat, am Sonntag wiederum eine Blüthe entfalten wird. Im Berliner Aquarium hat einer der seit Jahren das erste Süß- Wasserbecken des oberen Grottenganges bewohnenden nordamerikanische» Riesensalamander oder Schlammteufel(Nsnopoma), welche nun die Länge von etwa einem halben Meter erreicht haben, dieser Tage gelaicht. Dieses Vorkommniß erregt nicht nur das Interesse von Laien und Forschern insofern, als es zum ersten Male bei einem in Gefangenschaft befindlichen Thier dieser Art beobachtet wurde, sondern es erhält auch noch eine be- sondere Bedeutung dadurch, daß es zur Aufhellimg der Fortpflanzungs- Geschichte dieser ungeschlachten Lebewesen mit beizutragen vermag. Die Eier sind weiß, reichlich erbsengroß und in Abständen von einein oder einigen Sentimetern so in zähe Gallcrtmasse eingebettet, daß das ganze eine mehr- reihige Schnur oder einen Strang bildet, der zwischen Pflanzen am Boden des Wassers liegt, hier aber durch die Bewegungen der verschiedenen Becken- bewohner niehrfach zerriffen ist. Der Schlanimteufel weicht in diesem Punkte gänzlich von unseren Wassermolchen, welche ihre Eier einzeln an Blätter oder in Blattwiukel kleben, ab, nähert sich vielmehr unseren Kröten oder seinem japanischen Verwandten, dem eigentlichen Rieiensalamander, letzterem allem Anschein nach auch inbetteff der Laichzeit, denn nach den Feststellungen des japanischen Forschers Sasaki legt jener östliche Jufelbewohuer seine Eierfchnüre gleichfalls im August und September ab. Alls de» Nachbarorte»«. An die Parteigenossen SchöuebcrgS! Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß die Wählerlisten nur noch bis Mittwoch, den 15. September, im Nathhaus, I Treppe, Zimmer S, ausliege». Erfülle ein jeder seine Pflicht und überzeuge sich, ob sein Name in der Liste eingetragen ist. Außerdem sind folgende Genossen bereit, die Einsicht zu besorgen: W. B ä u m l e r, Belzigerstr. öS. H a u s e r. Restaurateur. Sedan- straße 31. H. H o f f m an», Rest., Gothenstr. 26. Hofs m a» n. Tischler, Golzstr. 9. C. K I e i n, Rest., Merseburgerstr. 7. E. O b st, Rest., Grunewaldstr. 110. E. Peterson, Erdmaunstr. 6. Schilling, Golzstr. 43. G. W e i n g a r t. Zigarrenhandlung, Gustav Freitagftr. 7.— Wahlberechtigt ist jeder Preuße, welcher das 24. Lebensjahr erreicht hat, ei» Jahr in Schöneberg wohnt. mindestens zur zweiten Slenerstufe(600 bis 900 Mark) veranlagt. mit seinen Steuern nicht im Rückstände ist und keine Arinenunter- fiützung aus öffentlichen Mitteln im letzten Jahre erhallen bat. Des weiteren machen wir daraus aufmerksam, daß Montag, abends 8 Uhr, im Saale der Schloßbrauerei, Hanplstraße, eine Volks Versammlung für Männer und Frauen statijindet, in der gleiche urgs Abgeordneter Fritz Z u b e i l über„Soziale Kommnnal-Politik" reseriren wird. Das sozialdemokratische Wahlkomitee. Steglitz-Fricdena«. De» Parteigenossen zur Nachricht, daß die Generalversammlung de? Arbeiter-Bildungsvereins am Dienstag, den 14. d. M., abends 8'/, Uhr, in Steglitz bei Schellhaase, Ilhorn- straße I5a, mit folgender Tagesordnung stattfindet: 1. Vortrag des Genossen Flemmiug- Charlottenburg über antike und moderne Sklaverei. 2. Dislussio». 3. Aulrag des Vorstandes zur Abände- rung des Statuts. 4. Kassenbericht. 5. Verschiedenes. Wege» der wichtige» Tagesordnung ist es Pflicht eine? jeden Genossen, in dieser Versammlung recht pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. I. A. Ernst Sudrow, Steglitz, Düntherstraße 4. Beim Staken ins Wasser gestürzt»ttld ertrunkel« ist vorgestern Abend gegen 7 Uhr der Schifserknecht Sander ans Zerpenschleuse. Der etwa 19jährige junge Mann ivar ans einem von Rathenow »ach Berlin bestimmten Sleiukahn bedienstet, der vorgestern den Spandauer Schifffahrtskanal pnsstrte. In der Nähe von Plötzensee stürzte S. infolge eines Febliritts ins Wasser und gerieth unter die Zsile. Alle Versuche, den Unglücklichen zu retten, erwiesen sich als erfolglos. Aus Rixdorf. Ein Diebstahl, der einzig dasteht, wurde in einer der letzte» Nächte in der hiesigen Bruno Bauer-Straße aus- geführt. Daselbst haben bisher nicht ermittelte Diebe das soeben fertiggestellte neue Reihensteinpflaster in beträchtlicher Strecke auf- gerissen und die Steine mittelst Fuhrwerks iveggeschafft.— Durch- gebrannt ist von hier unter Hiuterlassung enormer Schulden der Photograph M. l)!eißert, welcher Bergsir. 9 ein Atelier betrieb, das er jedoch vor einigen Tage» heimlich verkaufte. Der Ausreißer soll »ach Argentinien auswandern ivollen. Zu den von llteißerl Geschädigleu gehören auch verschiedene Berliner Firmen.— Unser Nachbarort Britz wird voraussichtlich schon im nächsten Monat eleltiische Slraßenbelenchtung erhalten. Atigenblicklich ist man mit der Anfslellung der Masten beschäftigt. Theakev. Wochenspielplan der hiesige» Theater. Freie Volksbühne. Sonntag Nachmittag 3 Uhr gelangt im Friedrich Wilhelm- städtisch cn Theater die Preiniere von Mönckeberg's hambnrgtschem Drama„Illusionen" zur Aufführung. Die Hauptrollen liegen in Händen bewährter Künstler. Alfred Dependorf: Herr Wen dt. Matti: Frl. M i l l y Krause vom kgl. Schauspielhaus zu Berlin als Gäste Beginn der Verlooiung der Plätze um 2 Uhr.— Opernhaus: Donnerstag. 16.:„Don Juan". Freitag, 17.:„Der Evangelimann. „Phantasien im Breiner Rathskeller". Anfang 7 Uhr. Somiabend, 18.: Marion". Sonntag, 19.:„Der Prophet". Anfang 7 Uhr. Montag. 20.: „Lohengrin". Lohengrtn: Herr Ernst Kraus als Gast. Anfang 7 Uhr.— Schauspielhaus: Sonntag, den 12. September:„Rosenkranz und Gstldenstern". Montag, den 13.:„Torquato Tasso". Dienstag, den 14- Ein Somnlcrnachtstramn". Mittwoch, den 15.:„Konrg Lear. Dvimerstaa. de» 16.:„Rosenkranz und Guldernstenr". Freitag, dem 17.: Snm I. Male:„Die Einzige". Zum 1. Male:„Die Tanzstunde. Sonn- abend den 18.:„Maria Stuart". Anfang 7 Uhr. Sonntag, den 19.:„Die Einttge"„Die Tanzstunde". Montag, den 20.:„Halali".„Die Dlenst- baten".— N c u e s k ö n i g l i ch e s O p c r n t h e a t e r. Sonntag, den 12; °U,.diiie". Montag, den 13.:„Die Boheme".(Mi»»: Frau Bellinctom, als letzte Gastrolle.)„Die Rose von Schiras". Anfang 7 Uhr. Dienstag, den 14.:„Undine". Mittwoch, den 15.:„Hansel und Gretel".„Die Puppen- fee". Sonntag, den 19.: Schauspiel(unbestimmt).— Im Deutschen Theater setzt sich der Spielplan der Woche folgendermaßen zusammen: Heute Abend, am Montag, Mittwoch und Freitag:„Die versunkene Glocke"; Dienstag:„Die Weber": Donnerstag:„Morituri". Am Sonnabend geht Max Halbe's neues fünfaktiges Drama„Mutter Erde" zu ersten Mal in Szene; dieselbe Borstellung wird am nächstfolgenden Sonntag Abend wiederholt. Als Nachmittags-Borstellungen sind für heute„Einsame Menschen", für nächstfolgenden Sonntag„Faust" angesetzt.— Der neue Wochen-Spielplan des Berliner Theaters kündigt für Freitag (2. Abonnements-Vorstellung) als erste Novität„Tante Jette", Schwant in 4 Akten von H. von Wentzel und W. von Schlicht, an; die gleiche Vor- stellunz wird am Sonnabend und Sonntag wiederholt.„Renaissance" erscheint dreimal, nämlich heute, am Montag und Donnerstag, auf dem Spielplan,„König Heinrich"(mit Otto Sommcrstorff in der Titelrolle) am Dienstag und„Die Maschinenbauer" am Mittwoch. Als Nachmittags- Vorstellungen zu ennätzigten Preisen wird heute„König Heinrich" und am nächstfolgenden Sonntag„Die Jungfrau von Orleans" gegeben.— Im Goethe-Theater wird Emst Wichert's historisches Schau. spiel„Im Dienste der Pflicht" heute zum ersten Mal in Szene gehen und in der nächsten Woche am Dienstag und Donnerstag wiederholt werden. Am Mittwoch findet eine Aufführung von Grtllparzer's Trauer- spiel„Des Meeres und der Liebe Wellen" statt, die gleiche Vorstellung(mit Terestna Geßncr als Hero) ist für die Freitags-Abonnenten festgesetzt.„Faust" wird als erste Vorstellung im Montags-Abonnement nur noch einmal ge- geben.— Als Nachinittags-Vorstellungen sind angesetzt:„Des Meeres und der Liebe Wellen"; Sonntag, den 19. September:„Im Dienste der Pflicht".— Im Schill er-Theater kommt heute Nachmittag das Grillparzer'fche Lustspiel„Weh' dem, der lügt" zur Aufführung. Morgen Abend gehen die „Deutschen Schwänkc aus vier Zeitaltcm" in Szene. Am Dienstag. Donnerstag und Freitag finden Wiederholungen von Anzengniber's Bauernlomödie„Die Kreuzlschreiber" statt. Für Montag ist die Posse„Papa Nitsche", für Mittwoch „Weh' dem, der lügt", für Sonnabend„DieGeschwister"und„Clavigo" angesetzt. Im Lesstng-Theater steht Emst von Wolzogen's vieraktige Komödie ..llnsamwewe" im Vordergrund des Wachen- Spielplans, Wiederholnngen derselben werden heute, am Dienstag, Mittwoch und Sonnabend stattflnden. Hermann Sudemiann's Schauspiel„Die Ehre" wird am Montag wieder- holt.„Die goldene Eva", mit Jenny Groß in der Titelrolle, wird am Freitag zum ersten Male in den Spielplan wieder aufgenommen, während Oskar Blnmenihal's Lustspiele„Abu Seid" und„Das zweite Gesicht" am Donnerstag und nächsten Sonntag wiederholt werden. Als Nachmittags- Vorstellung zu volksthümlichen Preise» kommt heute das Lustspiel„Zwei Wappen", am nächsten Sonntag„Comteffe Guckerl" mit Jenny Groß zur Aufführung.— Der Spielplan des Neuen Theaters für die Woche lautet: heute Nachmittag zu halben Preisen„Der Hüttcnbesitzcr", abends „Der Stellvertreter"; Montag„Der Stellvertreter"; Dienstag zum ersten Male „Die Abrechnung"(„la Douloureuse"), Sittenbild in 4 Alten von Maurice Donnay: Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Sonnabend„Die Abrechnung"; Sonn- tag, den 19. d. M., nachmittags, zu halben Preisen„Die Waise von Lonwod", abends:„Die Abrechnung".— Im Thalia-Theater geht heute zum ersten Male die Gesangsposse„Der Mann im Monde" von Eduard Jacobson in Szene.— Im L u i s e n- T h e a t e r beginnt die Sonntag- Nachmittags- Vorstellung von Schiller's„Räuber" um 3 Uhr, die Abendvorstellung von „Geschwister Fiebig" um 8 Uhr. Die zweite Volksvorstellung von„Die Räuber" am Montag Abend beginnt um 1/ß Uhr und findet ebenfalls zu halben Kasseiipreisen statt. Der Wochen- Spielplan für die nächsten Tage enthält„Geschwister Fiebig" und dann folgt als Z.BolkSvorsteltung„Egmont".— Das Apollo-Theater hat durch die„indische Nachtigall" seinem Pro- gramm eine sehr interessante Bereicherung zugeführt. Prinzessin Pocahnntas erzielte bei ihrem Debüt stürmische Heiterlcit.— Im O st c n d- T h e a t e r gelangt heute Nachmittag zu kleinen Preisen„Berlin, wie es weint und lacht" zur Aufführung.— Herr P a u l P a u l i, der bekannte dramatische Lehrer und Regisseur, früher Mitglied des Deutschen Theaters, hat für heute, Sonntag, den 12. d. M., das Belle-Alliance-Theater gepachtet und veranstaltet dort zu kleinen Preisen eine Extta-Wohlthätigkeits-Vor- stellnng, deren Uebcrschuß für die U eb er; chwemmtcn bestimmt ist. Zur Aufführung gelangt:„Kabale und Liebe". Die Hauptrollen sind wie folgt besetzt: Präsident— Karl Appel. Ferdinand— Manuel Ellwin. Kalb— Hugo Döblin. Lad» Milford— Elise Hüftcl. Wurm— Paul Pauli. Miller— Georg Wolf. Luise— Margarethe Köhler. Alter Kammer- dicner— Erich Hofmaun. Miller's Frau— Elsa Pauli. Sophie— Martha Blisse._ (Stevidjf 3S5 U»gclie»re Heiterkeit wurde gester» in einem Saale des Schöffengerichts durch die ungewöhnliche Anerkennung verursacht, durch welche eine der Parteien ihre Hochachtung vor dem Vor sitzenden ausdrücke» zu müsse» glaubte. Es handelte sich um eine der bekannten Schimpsereie», die Anlaß zu Beleidignugsklage» geben. Ter Vorsitzende beinühle sich mit dem Aufivande seiner ganzen Beredsamkeit, die Parleie» zu einem Vergleiche zu bewegen. All sein Mühen schien aber vergeblich sei» zu sollen. denn die Klägerin wehrte sich nachdrücklichst gegen die Znmuthuug, die Klage zurück zu nehme» Endlich schmolz aber auch bei ihr das Eis, sie erklärte sich zum Vergleiche bereit, erläuterte diesen Enlschlnß aber mit Nachdruck dahin:„Ich thne es blos, weil derHerr Präsident ein so netter, an- ständiger und gebildeter Man» sind!" Schallendes Gelächter be- gleitele diesen Ausbruch des Wohlwollens, für welches sich der Vor- sitzende lächelnd bedankte. Eine JrreuhauS- Vroschüre hat Anlaß zu einer Anklage wegen Betruges bezw. Unlrrschlagung gegen de» bekannten anli- semitischen Buchhändler Joh. D e w a l d gegeben, der gestern vor dem Schöffengerichte zu erscheine» hatte. Ei» Manu namens F i k s o» war nach längerem Llnfenlhalte im Jmnhaufe auf freien Faß gesetzt und für gesund erklärt worden und hatte nun seine Er- lebnisse zu einer Broschüre unter dem Titel„Räuber der Ver- » u ii f t oder 6 Jahre unschuldig im Irren Hause verwerihet. Um diese Broschüre der Oesfeiitlichkcit übergeben zu können, wandle er sich zunächst vergeblich an den Abg. L e n z in a n n, sowie an A h I w a r d t und kam schließlich mit dem Zliigellagtcn der als Redaklenr des anliseinilischen„Generalanzeigeis" lhäiig war, in Verbindung. Dieser erkläcle sich bereit, den Verlag de, Vroschüre unter geivisscn Bedingungen zu übernehmeii. Bezüglich der letzteren sind die Parteien verschiedener Ansicht. Während der Verfasser behanpiet, daß er nach dem Abloimnen von der vereinbarte» Gesniiiinlsnmme vvn 400 M. sofort 200 M. für Druck- kosten gegeben, der Augeklagie aber dem Drucker nur 100 M. bezahlt und dadnich daS Erscheinen der Broschüre verzögert habe, behnuplel der Angeklagte, daß es sich um„ H e r st e l l» n g s- und V e r t r i e b's k o st e Ii" handelte und er berechtigleriveise 100 M. für Inserate ansgeweiidel habe. Der Sireit konnte an der Stätte des Kriminalgerichls gestern nicht zu Ende geführt werden, weil der Gerichishoj znnäcl st den urknndlichcn Nachweis für erforderlich hielt, daß der Belastungszeuge F. inzwischen rechtskräftig entmündigt ist. Tnrch„»vorsichtlfleS Umgehen mit einer Schnhlvaffc hat sich der Bahiibeamle H e r in a im eine Anklage wegen fabrlässigcr Körperverletzung zugezogen, welche gestern vor dem Schöffengericht gegen ihn verhandelt wurde. Der Angeklagle halte sich an der Grenze des Güterbahnhofes, ans welchem er beschäftigt war, einen Streifen Land zum Gemüsebau hergerichtet. Die Spatzen verdarben ihm die Freude daran, da sie die kaum ein- gelegte Saal wieder heranSpickten. Ter Angeklagte suchte sich der lästigen Gäste dadurch zn erwehren, daß er mit einer Windbüchse, die mit Schrot geladen war. nach denselben schoß. Am 6. Juni d. I. schoß«r eineui Knlscher, welcher unweit des Gärtchens beschäftigt war, ein Schrotkorn in die Wade. Der Getroffene ist mehrere Wochen arbeitsunsähig gewesen. Der Stnatsanivalt bean- tragle gegen den Angeklagten eine Geldstrafe von 50 M., während der Bertheidiger, tliechtsaiiwalt Löivenstein, mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte dem Geschädigten die Kurkosteii und ein anständiges Schmerzensgeld gezahlt hatte, um ein niedrigeres Strafmaß bat. Der Gerichtshof erkannte crnf eine Geldstrafe von 20 M. Unter der Bezrichnnilg„Mannheimer Muö" wird von Maiinheinier Fabrikanten ein Produkt in den Handel gebracht, welches einen Ersatz für das theuere„Türkische Pflaumenmus" bieten soll und aus einem Gemisch von Pflaumenmus, Slärkemehl, Melasse und einer Abkochung von Apfelschalen besteht. Der Polizei- Präsident hat Veranlassung genommen, darauf Hinzmoeise», daß dies Gemisch nicht als„Pflamiiemnus" verkauft werden darf. geschieht dies dennoch seitens vieler Kolonialwaareii- Händler, gegen welche, nachdem ein solcher Fall fest- gestellt worden ist, Anklage wegen Vergehens gegen das NahrungSmittelgeseh erhoben wurde. Der Gerichtschemiker Dr. Bischof steht ans dem Standpunkte, daß das Publikum getauscht wird, wenn ihm das Gemisch als„Pflaumenmus" verkaust und dabei nicht gesagt wird, daß es thatsächlich nur einen geivlfse» Prozentsatz Pflaumenmus enthält. Wenn auch bereits einige Freisprechungen erfolgt sind, so werden doch stets wieder neue Anklagen erhoben, und dürfte es deshalb den Kolonial- waarenhäiidlern anzurathen sein, bei der Abgabe dieses Artikels den Käufer besonders darauf hinzuweisen, daß er nicht Pflaumenmus, sondern„Mannheimer Mus" erhält. ES ist wiederholt niitgetheilt worden, daß den Singspiel- statten mit dem 1. Oktober er. seitens der Polizeibehörden hart zu Leibe gegangen werden soll. Ein Fall dieser Art beschäftigte den Bezirksansschuß. Der Restauratenr Julius Mane in Rixdorf. der daselbst seil einem Jahrzehnt auf grund einer Singspiel- Kon- zession ein Theater Variöts unterhält, kam ein um die Theaierkonzession, wurde aber durch Beschluß des Bezirks- ansschuffes in Potsdam abgewiesen, weil der Nachweis der Zuverlässigkeit in artistischer Beziehung nicht erbracht sei. Rechts- anwald Leop. Meyer beantragte dagegen Termin zur mündliche» Verhandlung und führte in diesem aus, daß Kläger in seiner Jugend dramatischen Unterricht genossen, eine uuifaffende literarische Bildung und Sprachkenntnisse besitze, sein Theater, in welchem vorzugsweise ein Haiidiverkerpublikum verkehre, schon ein Jahrzehnt hindurch zu- verlässig führe und an ein solches Theater doch nicht die hohen An- sprüche, wie an eine Knnstbühne ersten Ranges gestellt werde» dürfen. Der Bezirksausschuß hob hierauf den abschlägigen Bescheid ans und crtheilte dem Kläger die nachgesuchte Theaterkouzession. Der Brand in der Miillerstraffe. Wir erhalten zu dein gestern gebrachte» Bericht unseres Gerichts-Berichterstatters folgende Zuschrift: Weder mir noch meinem Hauswirlhe ist das geringste über ein gerichtliches Verfahren wegen fahrlässiger Braiidstiflnng be- kannt: ebensowenig ist mir bekaniit. daß der Haußwirth gegen mich eine Zivilklage angestrengt hat. vielmehr habe ich denselben auf HerauSzahlung der im Voraus bezahilen Miclhe verklagt. Hoch- achtungsvoll Hermann Böhm, Remickeudvrserstr. 218, II. Briefkasten der Redakkwn. Wlr blllen, bei jeder Ansraye eine Chiffre tzwei Bnchflaben ober eine gahl) auiugeben, unier der die Nnlwort ertheNl werden soll. Die juristische Sprcchstuiibc findet am Montag, Dienstag und Sonnabend Uon 6 bis Uhr statt l l! G. P. 1. Aominaudantenstr. 25, L Dort erhalten Sie auch Antwort 5' m. 3(. Eine solche Krankenkasse, die nicht Orts-Krankenkasse ist, dürsten Sie schwer finden. 45 Jahre ist in der Regel die höchste Altersgrenze, bis zu welcher Aufnahmen in den freien Hilfsknssen erfolgen. W. S. 39. 1., 2., 4. und 5. Eskadron in Riesenbnrg, 3. Eskadron in Deutsch-Enlau. Gehört zum 17. Armeekorps. Hmiold. Am Dienstag. 1991. Das hängt von dem uns nicht mitgetheilten Inhalt der Klage ab.— Alter Zlboimeiit. 1. Ja. 2. Leider nein. 3. Die Gründe zur so- fortigen Niederlegung der Arbeit ohne Einhaltung der Kündigungsfrist sind in den§§ 124, 124a der Gewerbe-Ordnung und§ 19 der Konknrs-Ordniing angegeben. Die betreffenden Bestimmungen stnden Sie sowohl im„Arbeiter- recht" wie im„Arbeiter-Notiz-Kaiender für 1898."— I. F. i» S. 1. Nein. 2.lNein.— W. S., Rixdorf. Sic niüffeii mit dem Wirth vereinbaren, welche Gegenstände als unentbehrlich zu erachien und nicht zu retinirc» sind. Einigen Sie sich nicht, so müßten Sie sich an das Amtsgericht wenden. Jedenfalls nnpfändbar sind von den Ihrerseits angeführten Sachen: das Bett, das Sopha, zwei Stühle und ein Tisch.- X. Z. Nein. — F. B. 17. Sie können mit der Berufsgenoffeiischaft eine Gesammtzahlung vereinbaren. Gezwungen werden kann die Genossenschaft aber nicht.— Peck-Corby. Die Behörde ist im Recht.- 19 339. Eine Reklamation würde jetzt kaum Erfolg haben. Ihr Vater kann aber eine solche noch jetzt beim Regiment u n d der Ersatzkommission stellen. Bielleicht hat er Erfolg, wenn die Verhältnisse zutreffend dargelegt werden.— Schröder. 1. Ja. 2. Nein. 3. Die Staatsanwaltschast kann öffentliche Klage erheben, aber auch den betreffenden aus den Weg der Privatklage verweisen.— H. B. Leider ja.— Burgsdorferstrafte F. Das Strasmandat ist unberechtigt; die Judikatur schwankt aber.— B. N. 199. 1. und 2. Nein. 3. Nichts.— G. Schwarz. Damit hat die Militärbehörde nichts zu thun. Sie müßten sich an das Zivilgericht wenden. — B. 74. 1. Die Pfändung würde ohne weiteres vor sich gehen können 2. Nein.— G. Jungte 29. 1. Ja. 2, Sie können bis Ablauf der Heilung warten.— P. R.«4. Wir lennen kein sicheres Mittel.— Grostendorf. Die Klage hat keine Aussicht auf Erfolg.— A. F. Um unfallverstcherungspflichtig zu sein 10, um eine Fabrikordnung haben zu müssen 2V.— Zt. R. 87. Seit dem 17. April 1897 ist wegen Alimente für uneheliche Kinder soweit Pfändung an dem Arbeitslohn zulässig, als trotz der Pfändnng der nothdürftige Unterhalt für dm betreffenden und die Alimente für die Ehefrau und-die ehelichen Kinder gezahlt werden können. - Zt. W. 1897. New.- W. M., Woistenbiirgerstraffe. New. — W. E. Sie müßte» sich an die Polizeibehörde wenden.— W. H. Die Klage wäre aussichtslos.— K. R. in Pankow. 1. Ja. 2. Zunächst mutz gellagt werden. Der Klage können Sie entgegensetzen, daß Sie ohne Be- einträchtiainia des staudesgemäßen Unterhalts für Ihre Familie zur Zahlung nicht im staube wären. 3. Das ist zweifelhaft.— Quast u. Schulz. So viel aus Ihrer Schilderung zu eiitnchiiieu ist, sind Sie tm Recht. Ohne mündliche genauere Darlegung läßt sich ein Rath nicht ertheilen.— C. Jniilerinamt. 1. Für 1890 und 1897. 2. Zum Verkauf ist er, wenn nicht die Früchte ausdrücklich retinirt sind, berechtigt. DaS Pfandrecht bleibt bestehen. — Kündigung. 1. Zur sosoriigen Küiidigmig liegt dann Berechtigung vor. 2. 6 Wochen zum OuartalSersteii.— 22. 1. Nur Preußen lönncn zu Geineindewahlcii in Preußen wählen. Jeder Deutsche kann sich ohne Verlust seiner anderen Staatsangehörigkeit durch Aufnahme in den preußischen Staatsverband verpreußcn lassen. Hat er das gcthan, so ist er auch gemeindewahlberechtigt in Preußen. 2. Badenser.— Beusselstr., P. B. Leider sind Sie durch die Unterschrift Ihrer Rechte verlustig geworden.— O. R. Ohne Einwilligung der Gesellschaft können Sie von dem Bertrage nicht mehr znrückttetcn.— Schlosser. Das betreffende Stipendium ist nur für Schüler deS Friedrich Werder'schen Gymnasiums. Wenden Sic sich an den Magistrat, Schnldepntatton.—»). 1.— Ja.— K. X, Stein.— P. P. Ja WillmingSIil'ersicht»oni II. September 1897. Wetlei-Peognose filr Sonntag, den 13. September l897. Tcocken und voriviegend heiler, am Tage elwaS wärmer bei schwachen östllchen Winden. Berliner W e t t e r b n r e a n. Oskar Gomm Lina Goos, geb. Levy Vermählte. Berlin, den 7. September 1897. Hiermit die traurige Nachricht, daß unser langsährtges Mitglied, der Sangesbrnder 498b ?sul Pietsch am Mittwoch gestorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag Nachmittag 4 Uhr von der Charitee aus statt. Kaiser'schcr Männer-Chor. tn-lsßl Stach langen, schwere» Leiden starb heute ftüh 2 Uhr meine innigst gc- liebte Tochter Eiiiiii«. Die ticftrnuernde Mutter Auguste Scheer, geb. Rackow, 505b Schönlein str. 30. Die Beerdigung findet am Montag, den 13. September, nachm. 4»/, Uhr, von der Leichenhalle des altcnThomas- Kirchhofes aus statt. 7eMM d. Korbmaelier WcvIIei» nnil l'm�egend. ivtontag, bei» 13. Sept. 1897, abends S'/ü Uhr, Oranienstr. 51: Anascronlcntliclic GtKttkl-VttsWMlWg Tagee-Ordnung: 1 Die Jituntton in den Werkstätten von Acion ii. So.(Inhaber Stark«) und Schmidt u. jro. 2. Die Bc- fchliiffc der öffentlichen Versamuiluug vom 7. Sept. d. I. Z. Verichiedenes. Um zahlreichen Besuch bittet 28S/g Der Torattaiul. NMNWUMWti besW.Mittr v.Meite- riNt« Berlins«. Wm. Montag, 13. Sept., Mds. Sy2 Uhr, im Neftauraut Feind, Weinstr. 11: AltElIeelervereinniiilliinx. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genoffen Dr. Joel iiber:„Die erste Form des Lebenö," 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. 93/16 Der Vorstand. Herrn Tapezierer H. Bern er, Weidenweg 42, zu unrecht beschuldigt durch Klatschereien der Mädchen. 491b Deutschbein. �das von mir in der Erregung ver- breitete Gerücht, da st Herr Kanfinau» Leuenbcrg mich ausmtethen wollte, erkläre ich hiermit siir unwahr und nehme es zurilck. Frau Völklei«, Kurstirstendamnt 227. 479b Sivinemiiilder GeseW.-HiliiS tSHlnemünrfcrNtraNSC 48. Sonnabend, den 18. September: ¥11. Stlftungsfsst dcS RauchNnbs„llninboldt". Um zahlreichen Zuspruch bittet 4991, Der Vornland. C. Köhler s F-Mle' Teltowerstr. S8. Noch einige Sonnabende im Oktober an Vereine zu vergeben._ 468b WospeisenSie? Pomin. Kiiche. Oranienstr. 181, Hof pari. Mittag m. Bier 59 Pf. von 12 b. 4 Uhr. Zlbcnd- essen 30 Pf. an v.V-Sb.miHr. 2347C* Grosse Nuswahl._ W. Uebehenschel, Marianncnstr. 48.* empflehlt träft Krlihstücks-, Mittag». nnd Rbendtisch zu soliden Preisen. �rieger's peslz�Ie «Safierthorftr.«8 sZ<102I,» empf. seinen Saal siir Privatfestlich- kciten, Kränzchen, Vereinen und zu Bcrsinnnllungen.— Jeden Sonntag, Dienstag«. Donnerstag: Gr. Ball. )tm»g! 4 Säle zu Versaniuilnnaen und Vereins- Festlichkeiten. 13094«« AkMderstr.M � Feuerslein" Feslsäle Alte Jakobstrasse 75. Ciroane nnd kleine Säle iu Versammlungon unentgeltlich, sowie zu Sommer- u.Winterfesthoh- koiten b. kulanten Bedingungen. Kelchhaltice Abendkarte na üolld. Preisen. 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Zuzug«ach obigen Werkstelle» ist fernzuhalten. 292/20 Die Ortsvenvaltung. Die ßomer md Kernücher der Firma IV Borslg"TBBß haben Montag, den 23. August wegen Lohndifferenzen die Arbeit eingestellt. Zuzug nach betreffender Firma ist streng feruznhaltenl L.Müller, Äertchtsstt. 3l, Vertrauensmann.[63/4* Stelnoieta-liChrilng Verl. sof. gegen Kostgeld R. Stoevesandt Nächst., Bergmannstr. 70. 461b 4 Ges. auf BuffetS und gute Möbel verlangt F r e n tz e l, Neu-Lichtenberg, Wilhelutstraße 18, dicht am Bahnhof Lichtenberg-Friedrichsfelde._ 4166 Schneider auf Joppen u. PaletotS verlangt. M. B. Rasenthal 4fc Comp., Kaiser Wtlbelmstr. 48, Gesucht wird per sofort oder l.Ok- tober ins sächsische Vogtland«ne�- übte Plätterin für Herrenwäsche(Kragen, Man« schetten ac.) in danemde Stellung. Offerten nebst Lohnansprüchen be- fördert unter F. S die Expedition dieses Blattes. Goldschmiede. 1 Emailleur, der araviren kann, füt Riga sofort. Selbständige Stelle. 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Kartonarbeiterinnen vcrl Theod. Nathan, Stallschreiberstr. 2g Beranftsortlicher Redakteur: Angnst Jacobey i» Berlin. Für de» Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Berlag von Max Vading in Berlin. ir. 213. Ii. 2. leilup des„Dmiilts" Keriiner WlksM. Änv pveuHifrszen UANÄkngswAlzl. Die„Neu« Zeil", unsere wissenschnftliche Revue, hat in letzter Zeit zwei sehr beachtenswerthe Artikel über die Betheilignng a» de» LaudlagKwahlen veröffentlicht, die für die Debatte eine Reihe»e»er tNesichlspuiikte iuSFeld geführt haben.klautiky ist aus einem früheren Ar- tikel als Befürworter der Wahlbetheiligung bekannt, dagegen plädirte Bebet noch im Jahre l3g3 auf dein Parteitag in Köln in überaus scharf ablehnender Weife gegen jcde Betheilignng an den preußische» Lniidtagswahlen, wühlend er nun zur Wahl auffordert. Es müsfen recht bedeutsame Dinge sein, die solchen Sinneswechsel hervorrufen können. Bebel erblickt eben in der gegenwärtigen politischen Lage eine Konstellation, die ihm eine veränderte Taktik zur Rothivendigkeit zu machen scheint. Diese Darstellung der politischen Lage, die sich auch bei Kantsky findet, scheint mir die bürgerliche Opposition sehr zn überschätzen. Beide Verfasser sehen gegenüber dem Anwachsen der junkerlichen Begehrlichkeit, der Begünstigung ihres wirthfchaftspvlitischen Einflusses, die bürgerliche Opposition erstarken, die Gegensätze schärfer hervortrete». Bebel sagt hierüber wörtlich in seinem Artikel: „Es ist also ein ganz eigenartiger nie dngervescner Geistes» zustand, in dem unsere Bourgeoisie sich befindet, und ihr Ge- £ danken und Gefühls und sstfließlich auch Handlungen anfnöthigt, vor denen sie vor kurzem noch zurückschreckte. Oder will nurrr bestreiten, daß es ein geradezu einzigartiges Schauspiel ist, daß diejenige Partei, die seit fünfundzwanzig Jahren für alle Ausnahmegesetze und alle Knebelungs- und Unterdrückungs- maßregeln gegen ihre politischen und soziale» Gegner förmlich schwärmte und mit Wollust ihnen zustimmte, ihrer inneren Natur zuwider sich zn Verlheidigern des bestehenden preußischen Vereins- und Versammlungsgesetzes aufiverfen»»nßte? Ich brauche nicht zu sage», daß ich damit die Nationalliberalen meine, der ans- geprägtefte politische Repräsentant der großen Bourgeoisie." Die Beweggründe, weshalb die nntionalliberale Partei gegen das preußische Vereinsgesetz stimmte, dürften doch andere sein, als Bebel annimmt. Die Vergangenheit der Partei hat Bebel treffend skizzirt, er kann überzeugt sein, daß sie auch ferner diese Wege wandeln wird, ohne daß ihr„Antipode" in der bestehenden Gesellschastsordnung, das Jnnkerthum, sie zur Umkehr be- wegen könnte. Den kleinen Seitensprung, den sie sich bei dem Vereinsgesetz leisteten, entspringt einer wohl überlegten Taktik, bei der die Rücksicht ans die nächsten Reichstagswahleu eine größere Rolle spielt, als der Aerger über die Junker. Die preußischen Laudtagswahlen, die im nächsten Jahre bevorstehen, hätten der nationalliberalen Partei diese Taktik nie anfnöthigen können, ihr Besitzstand im Abgeordnetenhanse kann durch die erregten Arbeiter nicht ernstlich gefährdet werden; aber sie hoffen, daß ihre Thaten im Landlag ihnen bei den Reichstags- wählen in Anrechnung gebracht werden, diese Taktik war nuter der Herrschaft des allgemeinen Stimmrechts für die Vertretung im Deutschen Reich ein Gebot der Selbsterhaltnng. Die National- liberalen, die ausgeprägtesten politischen Repräsentanten der groben Bourgeoisie, wie sie Bebel treffend bezeichnet, haben den Gegensatz zum Agrarierthnm immer seltener betont. Schritt für Schritt sind sie zurückgewichen, so manche sind sogar Mitglieder und Stipendiaten des Bundes der Landwirthe geworden. Bei der Liebesgabenpolitik, so»och vor kurzem bei der Aenderung der Zuckersteuer, habe» sie sich immer als treue Vasallen des Junkerlhums bewährt. Die Großbourgeoisie hat längst ihren Frieden mit dem Junkerthum geschlossen, immer mehr gleichen sich die Gegensätze aus. Beide Theile suchen die vielfachen Berührungspunkte ihrer Jutercssen- gruppcu zum gemeinsamen Vortheil auszunützen. Die mächtige einflußreiche Vertretung der Großindustrie und das Junkerthum suchen abwechselnd bald der eine, bald der andere vor allem auf Koste» der Arbeiterklaffe und anch weiterer'Kreise des Kleinbürgerthums ihre wirthschaftlichen Interessen rücksichtslos zu fördern. Haben die einen ihren Raub eingeheimst, dann halten die Verbündeten die Hand ans, um den Loh» für ihre Mitwirkung in Empfang zu nehmen. Die Regie- rung aber pendelt zwischen den Interessen dieser beiden politische» Wege- lagerer hin und her. Sie darf es weder mit der mächtige» Sippe der S t u m m und B u e ck, noch mit den Bauerndemagogen Plötz und Hahn verderben. Die Recke-Zedlitz'sche VereinSgesetz-Novelle wäre beiden nicht unerwünscht gewesen, aber den frommen Wünschen mußte die bessere Einsicht geopfert werden. Allerdings hat die natioualliberale Partei auf ihrem letzten Parteitag sehr liberal schillernde Grundsätze aufgestellt, eine Anzahl Vertreter niögen das Bestrebe» haben, ehrlich diese Beschlüsse zu halten; die Majorität in der Partei würde mit ihrer ganzen Vergangenheit brechen, wenn sie derartig« Nesolntionen irgendwie ernst nehmen würde. Erst vor einigen Tagen ging durch die Presse die Meldung, daß der Landwirthschaftsrath an den Zentralverband deutscher In- dustriellen herangetreten ist. um ein gemeinsames Vorgehen bei dem Abschluß künftiger Handelsverträge anzubahnen. Herr B n e ck, der Leiter dieser einflußreichsten Unternehmergesellschaft, hat bereits früher im Abgeordnetenhaus die Zusage im Namen der Großindustrie gemacht, daß die Schutzzölle für die Landwirthschaft ganz ent- sprechend den Wünschen der Großgrundbesitzer erhöht werden sollen. Die Schlotjunker und Grubenbarone können es eben tragen, wenn durch die Zölle die Preise für die unentbehrlichen Lebensmittel gesteigert werden; sie haben sogar ein Interesse daran, die Getreide- zölle auf einer bestimmten Höhe zu halten, um beim Abschluß der Handelsverträge mit Getreide exportirenden Ländern den Groß- grundbesitzer» die Opfer zn erleichtern. Denn in unseren wichtigste» Handelsverträgen ist die Verminderung der Getreidezölle mit dem vertragfchließenden Staat der Einsatz für die Vortheile, die der Industrie gewährt ivürden. Die erhöhten Preise für Lebensmittel mag der Arbeiter tragen. Eine Abwälzung der erhöhten Lebens- mittelpreise auf die Löhne fürchten die Besitzer der Kohlengruben und Eisenwerke in Rheinland und Westfalen nicht, habe» sie doch erfolgreich, wenn anch oft nur zu patriarchalisch-brutal, das Auf- kommen und die Entwickelnng der gewerkschaftlichen Organisationen der Arbeiter zu verhindern verstanden. Und wo dies nicht ganz gelang, vertrauen die Industriellen ans die Regierung, und in diesem Vertrauen haben sie sich»och nie ge- täuscht. Die Stellung zum Koalitionsrecht charakterisirt die Leute, die die ausgeprägtesten politischen Repräsentanten der großen Bourgeoisie sind, die gerade in der nationalliberalen Partei ihre beste politische Organisation hat. Das mittlere und kleinere Bürgerthuui nimmt ja zum theil eine andere Stellung ein. Soweit diese Kreise nicht dem Antisemitismus oder konservativ- zünftlerischen Bestrebungen zugethan sind, bilden sie das Rückgrat der freisinnigen Partei, einer seichten bürgerliche» Demokratie. Hier ist durch die letzten politischen Ereignisse«ine tiefe Mißstimmung deutlich hervorgetreten, aus der bei der Landtags- wie bei der Reichstagswahl der freisinnigen Volkspartei neu« Kräfte zu- fließen werden. Ob die Mißstimmung in jenen Kreisen aber so stark ist. die Partei auf den Besitzstand vom Jahre 1890 zn hebe», erscheint sehr zweifelhaft, da das liberale Kleinbürgerthum jeden politischen Eifer vermissen läßt und gerade in jenen Bevölkerungsschichten da? ganze Parteileben träge und theilnahmsloS dahinsiecht. So sehe ich die bürgerliche Opposition gegen das Junkerthum verrauschen. Deutsch. lands bürgerliche Demokratie hat längst vor der Sozialdemokratie Reißaus genommen. Sollen wir nun diese schwächliche bürgerliche Opposition starken? Denn um die Erfüllung dieser Aufgabe handelt es sich ja zunächst bei der Betheiligung an den preußischen Landtagswahlen. Der Erfolg wäre eine Vermehrung der freisinnigen Mandate. Wenn wir den Gewinn auf IS— 20 beziffern, so haben wir ihn sicherlich hoch eingeschätzt, wobei wir für uns noch einige Mandate in Abzug bringe». Anch in der weiteren Folge kann die liberale Partei und die Sozialdemokratie nie über ein bescheidenes Maß hinauskommen, den» das Wahlsystem ist so fürsorglich aufgebaut, daß Groß- bourgeoiste und Junkerthuin unter der Herrschaft des Dreiklassenwahl- syslems immer das Heft in Händen behalten werden. Dieser Mangel jeder Aussicht auf die endliche Niederwerfung des gemeinsamen Gegners»niß die Begeisterung für die Wahl lähme». Hieraus erklärt es sich, daß bei allen Wahlen, wo das allgemeine, gleiche und direkle Wahlrecht ein- geführt ist, die Betheilignng der Wähler eine größere und lebhaftere ist. als bei allen das Wahlrecht beschränkenden Systemen. Ueber solche Hindernisse können wir uns theoretisch viel leichter hinweg- fetze» als in der höchst unbequemen Praxis. Es ist niöglich. daß beim ersten Anlauf die Betheilignng von unserer Seite größer ist, als ich annehme; dagegen dürfte ich mich kaum täuschen, wenn ich bezweifle, daß ein Mißerfolg, in dem das ganze traurige Wahl- systcm zun, Ausdruck kommt, die Wähler zum Kampf gegen das Dreiklassen-Wahlsystem mobil macht, wie Kautsky annimmt. Für die folgende Wahl könnte weit eher Eutmuthignng als vermehrter Eifer eintreten. Die rechtlose Stellung der Arbeiterklasse»inter diesem Wahlsystem braucht nicht durch eine Probe besonders vorgeführt zu werden. Wir könnte» schon mitte» in derProtestbewegung gegen dieses elendeste aller Wahlsysteme sei», wenn wir uns nicht den Zorn für die Wahl aufsparten. Gewisse an dem heute herrschenden Regierungs- syftem besonders interessirle Kreise würden sich allerdings durch einen solche» Protest nicht bestimmen lassen, auch nur die kleinste Milderung der Nngerechtigkeiten des Dreiklassen-Wahlsystems eintreten zir lassen. Diese Kreise sind aber gegenwärtig die ausschlaggebenden; ihnen liegt nicht daran, die tiefe Unzufriedenheit in der Arbeiter- klaffe zn verringern, sie wollen die bevorrechtete Stellung der be- sitzenden Klaffe zur Unterdrückung der Arbeiterklaffe rückhaltlos an- gewandt wissen. Aber auf die Daner ist dieser Zustand unhaltbar, die Gegensätze werden so schroff, daß ein Einlenken unvermeidlich wird. Nun finden Kantsky und Bebel in dem Abschließen eines Kompromiffes mit anderen Parleien nichts bedenkliches. Könnten wir aus eigenen Kräften anch nur einige Mandate erringen, dann würden in der Partei kaum Meinungsverschiedenheiten bestehen und die Frage wäre längst entschieden. Mit wem sollen wir aber den Kompromiß abschließe»? Etwa mit den Nationalliberale»? Da sind die Gegensätze zwischen uns und ihnen doch zu stark, als daß ein solcher Vertrag geschloffen werden könnte. Das Zentrum hat uns bereits durch seine tonangebenden Blätter eine Absage zu theil werden lassen. Da man von den Antisemiten in diesem Zu- fammenhange gnrnicht zu reden braucht, bleiben uns nur die Frei- sinnigen, über die Bebel im Jahre 1683 in Köln folgendes treffende Urtheil fällte: „Wer nach dem Ausfall der letzten Reichstagswahl noch glaubte, daß freisinnige Wähler sogar öffentlich ihre Stimme für eine» Sozialdemokraten abgeben, der verkennt ganz und gar die Natur unseres liberalen Bürgerlhums. Forderte das z. B. Engen Richter von seinen Anhängern, sie würde» ihn in hellen Haufe» verlasse»! Ein großer Theil selbst derjenigen Liberalen, die so klug und einsichtig wären, sich zn sagen, es schadet uns nichts, wenn«in paar Sozialdemokraten in den Land- tag kommen, wenn wir Freisinnigen dadurch gewinnen, könnten öffentlich ihre Stimme uns nicht geben, weil die gesellschaftliche Maßregelung auch ihnen auf dem Fuße folgte." Dieses Urtheil wird sich anch bei den nächsten Wahlen bestätigen. Hüpfen wir wirklich auf den Leim, mit den Freisinnige» Kompromisse abzuschließen, dann werden wir die Geprellte» sein. Bebel sagt nun zwar in der„Neuen Zeit": „Diejenigen, die einen solchen Kompromiß als unter alle» Um- stände» veriverflich angreisen, übersehen, daß unsere ganze poli- tische Thäligkeit im Reichstag, in den Landtage», i» den Gemeinde- Vertretungen:c. uns fortgesetzt zn Kompromisse» zwingt." Mir scheint die Bezeichnung Kompromißpolitik für unser Ver- hältniß zu de» gegnerische» Parleien innerhalb des Parlaments nicht reckt glücklich gewählt, ich bezweifle, daß man ein solches Verhältniß so bezeichnen kann. Wenn das aber auch der Fall wäre, dann wird unser Verhältniß zu der freisinnigen Partei bei der Landtagswahl doch ein anderes als bisher. Wir verlange» von den Freisinnigen, daß sie unsere Liebe zu ihnen nicht unerwidert lassen, es wird ein Handel um Mandate abgeschloffen, der dahin geht: nnter- stützt ihr unseren Kandidaten, dann werden wir auch euren wählen. So einfach wie bei den Reichstags-Wahle» ist die Sache doch nicht. Denn geben wir die Parole ans: ivählt den Freisinnigen unbekümmert um die G e ge n l e i st u n g, wie es bei der Reichstagswahl üblich war, dann wäre das Ausstellen von eigene» Wahlmännern überflüssig und der Vorschlag Auer der einzig richtige. Wollten wir diese Schacherpolitik im Parlament fortsetzen, so würde» sich die Dinge so gestalten, daß wir itiiseren Gegnern anbiete»: wir wollen euch helfen, diese oder jene'Sache durchzusetzen; aber wie steht es um den Preis für unsere Bemühungen, seid ihr gewillt, unsere Bemühungen durch eine Gegenleistung auszugleichen? Das ist die Taktik der bürgerlichen Parteien, die wir bisher streng gemieden habe». Und wenn Kautsky sagt:„Allerdings ist anzunehmen, daß unsere Be- theiligung an den Landtagsivahlen nicht ohne Einfluß auf den Charakter unserer Bewegung sein wird, aber ich erwarte eher einen fördernden, als einen korrnmpirenden"— so möchte ich allerdings anch nicht wünschen, daß der Weg in der von mir gekennzeichneten Richtung fortgesetzt werde, denn er würde den Charakter der Partei verderben. Aber das Drängen, um jeden Preis sogenannte praktische Politik zutreibe», kann weiteher in das Gegentheil des tw» Kar'y erwarteten fördernden Einflusses ausarten. Den Nutzen, den die Partei bei de» Laudtagswahlen erziele» wird, faßt Kantsky kurz in vier Punkten zusammen. 1. Schwächung der politischen Macht des Junkerlhums, 2. Eroberung von Blandale», 3. die Erweiterung des Kampfgebietes und 4. die Jnszenirnng des Kampfes»ms allgemeine Wahlrecht zum Landtage. Die Zunahme einiger freisinniger Mandate bedeutet für das Junkerthuin noch nicht eine Schwächung seiner politischen Macht, denn es konnte feinem Einfluß auch gegenwärtig nur mit Hilfe der Nationalliberalen voll Geltung verschaffen; anch künftig wird es nur noch im stände sein, mit dieser Unterstützung im Landtage manches sehr reaktionäre Attentat auf die Volksrechte auszuüben. Der Gewinn einiger Mandate ist für uns sehr unsicher, da das ganz von dem guten Willen der Freisinnigen abhängen wird. Unser Ngitations- und Kampfgebiet ist mir nie zu klein erschienen, es wird sich aber ganz von selbst bei den nächsten Reichs- tagswahlen auf die Thätigkeit des Landtags ausdehnen. Die Protestbewegung wird, da wir im nächsten Jahr die Agitation für den Reichelag und Landtag vorhaben, an Kraft verlieren, denn das politische Interesse wird durch diese beiden Aktionen er- schöpft sein. In Parteikreise» gewinnt allerdings die Stimmung für die Wahlbetheiliguug immer mehr die Oberhand. Es ist anzunehme», daß der Parteitag in Hamburg in diesem Sinne die Entscheidung trifft. Ich halt« diese» gesammtdeulsche» Parteitag anch für die allein richtige Instanz; den» wir würden durch einen preußischen Parteitag zur Entscheidung der Frage einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen, der der partikulariftischen Eigenbrödelei einen starken Rückhalt giebt. Der zentrale Charakter der Partei muß gewahrt bleiben und über die Einzelheiten der Wahltaktik werden sich die Genossen in Preußen sehr bald einigen können. Schließlich halte ich den Beschluß weder für eine ernste Gefahr für die Partei, noch glaube ich, daß er zu großen Differenzen Anlaß gebe» wird. Die kleine Fieberstimmung kann für die Partei auch ganz heilsame Folgen haben, wen» die Reaktion eingetreten ist.£. L. VevfNNttnIunlgen. In einer Versammlung von Händlern nnd Händlerin»«», die, nur schwach besucht, am Freitag im Englischen Garten tagte, vertrat der Referent G o t t f e l d die Ansicht, daß der von de» Mit- gliedern der Heilsarmee betriebene Verkauf frommer Schriften die Händler schädige. Er bezeichnete es als eine Ungerechtigkeit gegen- über den Händlern, daß die Heilssoldaten ohne Geiverbeschein nnd ohne Rücksicht ans die Sonntagsruhe dem Vertrieb von Druck- schriften obliegen. Er machte dann seiner Abneigung gegen das Treiben und'die religiöse giichtung der Heilsarmee in so un- geschickter Weise Luft, daß ei» blutjunges Bürschchen, anscheinend ein Jünglingsvereinler, leichtes Spiel hatte, in der Diskussion die Rcdeblüthe» des Ileferenten zu zerpflücken. Auch bei seinen Berufs- kollegcn fanden die Ausführungen Gottfeld's wenig Anklang, sie stießen zum theil sogar auf heftigen Widerspruch; beispielsweise bezeich- nete Appell die Bemerkung über den Schriftenverkauf der Heilsarmee ohne Geiverbeschein als eine unwürdige Denunziation; eine Ansicht, der auch andere Redner beipflichteten. Ad. Hoffmann bemerkte unter anderem, daß man der Heilsarmee wirklich zn viel Ehre an- thue, wenn man sich in einer Versammlung, die den Berufsinteressen der Händler diene» solle, mit dieser bedeutungslosen Sekte befasse. Schröder, Beutler nnd Trunsch waren gleichfalls der Meinung, daß das Thema unglücklich gewählt sei, und daß es besser wäre, wen» man sich in Versammlungen mit den speziellen Berufs- angelegenheilen der Händler beschäftigen würde. Von einer Schädigung der Händler durch den Vertrieb des„Kriegsrus" und ähnlicher Schriften könne keine Rede sein. Die Debatte war zeitweise eine sehr erregte, gereizte persönliche Auslassungen wurden hier nnd da laut. Nach- dem endlich um Mitternacht die Diskussion mit einem unter allgemeiner Unruhe und fortgesetzten Schlußruse» entgegengenommenen Schluß- wort Gottfeld's ihr Eude erreicht hatte und ein großer Theil der Versammelten fortgegangen ivar, entspann sich unter dem Punkt „Verschiedenes" nochmals eine so heftige und unerquickliche, mit Schimpfereien gespickte persönliche Debatte zwischen Schröder einer- seits nnd Schnlz, Beutler, Trunsch und Goltfeld andererseits, daß der Vorsitzende, um der drohenden Auflösung vorzubeugen, gegen 1 Uhr kurzerhand die Versammlung schloß. Eine Versammlung deö deutschen Schneider- nnd Schneide- rinuen-VerbandeS tagte am 7. September in den Arminhalle». Vor Eintritt in die Tagesordnung krilisirte der Vorsitzende W i t te, daß in der blirgerlichen Presse ein völlig entstellter, nur der Phan- tasie des betreffenden Berichterstatters entsprungener Bericht über die letzte öffentliche Schneider- und Schneiderinnen-Versannnlung er» schienen sei. Der Bericht habe vielfach zn Mißverständnissen unter solchen Kollegen beigetragen, die sich über Vorgänge in der Arbeiter- bewcgnng leider noch aus bürgerlichen Blätter» Informationen holen, und dann ein ganz schiefes Bild der Verhandlungen bekommen; nur der vom„Vorwärts" gebrachte Bericht gäbe die Verhandlungen richtig wieder. Die Versammlung beschloß, der bürgerlichen Presse die entsprechende Berichtigung zugehen zu lasse». Hiernach hielt Kollege Stoltenberg einen einleitenden Vortrag über die Praxis des Berliner Gewerbegerichts. In einer anregenden Diskusston fanden viele Fragen bezüglich des Arbeitsvertrages durch die anwesenden Gciverbegerichts-Beisttzer sachgemäße Beantwortung. Manche in der Kammer I unter Vorsitz des titsseffors Hellwig ge- fällten Urlheile erfuhren hierbei scharfe Kritik. Die nun folgende Abrechnung vom II. Quartal 1897 vom Kasstrer T i m in wies eine Einnahme für den Verband von 1214,36 Mark auf, von welcher Summe 3S0 M. an die Hanptkaffe gesandt wurden. Die Einnahme der örtlichen Lokallasse, einschließlich eines Bestandes von 2253 M.. betrug 3021 M. Die Ausgaben beliefen sich ans 633,34 M.. somit bleibt ein Bestand von 2387,66 M. zn verzeichnen. Die Richtigkeit wurde von den gievisoren bestätigt, und auf deren Antrag dem Kassirer Decharge erlheilt. Ferner entschied die Versammlung dahin, daß die Redaktion des örtlichen Fachblattes und die Thälig- keit in dem Arbeitsnachweis- und Auskunftsbureau in Zukunft einer Person zu übertragen sei, und ernannte Timm für diese» Posten. Zum Schluß wurde bekannt gegeben, daß am Sonntag, den 26. September, nachmittags 1 Uhr, eine Sonder- Vorstellung in der Urania stattfindet. Chavlottcnbnrg. Am 3. d. M. fand hier in der Gambrinus- Brauerei eine außerordentliche Generalversammlung des sozial« demokratischenWahlvereinsfürTeltow-Beeskow- Storkow- Charlotte»bürg statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehren die Anwesenden das Andenken des verstorbenen VereinSmitgliedes K r i p st a e d t durch Erheben von den Plätzen. Es erhält sodann der Genosse Lankow das Wort zn seinem Vortrage„Die Entwickelnng Frankreichs vom 16. bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts". Zur Besprechung des Z 10 des Vereinsstatuts wurde schließlich nach längerer lebhafter Debatte ein eingebrachter Antrag des Vorstandes angenonmieu, welcher lautet: Behufs Regulirnng des§ 10 des Vereinsstatuts, werde» die Wahl- vereins-Miiglieder aufgefordert, ihre rückständigen Beiträge bis zum IS. Oktober 1897 zu bezahlen. Von diese». Tage an werden alle diejenigen Mitglieder gestrichen, welche 5 Monate mit ihre» Bei- trägen restiren.— Ebenso wurde ein Autrag Siegerist, daß alle die- jenigen Mitglieder, welche während eines Vierteljahres auf grund des Generalversammlungs-Beschlusses vom 3. September 1897 gestrichen worden, in der darauf folgenden Generalversammlung bekannt zu geben sind, von der Versammlung akzeptirt.— Als Abtheilungsführer wurden sodann neu gewählt die Genossen Jähnert, Sellin, Leder, Scharnberg, Rod. Görcke, Meißner nnd Prill.— Zn Vereiusangelegenheiten machte der Vorsitzende zunächst bekannt, daß sich behnss Einsicht der Wählerlisten zu den Stadlverordnetenwahlen zirka 800 Personen haben einzeichnen lassen nnd konstatirt mit großer Genugthuung die lebhaste Belheiligung, was wohl mit Recht darauf schließen lasse, daß auch die Betheiligung an den konnnenden Wahlen eine derartige werde» würde, sodaß wir wohl die berechtigte Hoffnung hege» dürften, einige unserer Genossen durch- zubringen. Behuss Agitation zn diesen Wahlen wird dem Vor- stände alles weitere anheimgegeben. Die Mitglieder werden darauf aufmerksam gemacht, Wohnungsveränderuugen möglichst bald dem Hauptkajsirer Dörre mitzutheilen. Der Vorsitzende macht wiederholt ans den Besuch der Urania am Sonntag, den 19. d. M.. ans- merksam. Die Charlottenburger Gctvcrkschaftökommission» welche am 6. d. M. ihre Sitzung abhielt, behandelte die neue von einer besondere» Kommission ausgearbeitete Geschäftsordnung. Die Ge- schäftsordnung, welche sich mit der der Berliner Kommission im wesentlichen deckt, wurde nach einer regen Debatte angenommen. Da nun die Ordnung einen Ausschuß zur Regelung der Arbeiten vor- schreibt, so wurden K e i l in a n n. Menge nnd G» z i n s k i in denselben gewählt. Zur weiteren Verhandlung gelangte die Frage der Zentralherberge. Beschloffen wurde, eine Herbergskommission, bestehend aus K e i l m a» n, H ö l z» e r. K i e» s ch e r f zu wählen. Zur Gewerbegerichts-Angelegenheit wurden die Beisitzer beauftragt. bei der Stadtverordnete»- Versammlung eine Petition einzureichen, in welcher verlangt wird, bei den nächste» Gewerbegerichts-Beisitzer- wählen einige Beisitzer mehr zu wähle». welche als Ersatzmänner fungiren sollen. Unter Verschiedenes«heilte Flemming mit. daß die Sitzungen der Gewerkschaftskommission fortan bei Leder statt- finden und nur im Falle, wenn das Lokal vergeben ist. im anderen Lokale. Vertreten waren bis auf die Handels- Hilfsarbeiter alle Gewerkschaften. In Siidende tagte am 6. d. M. eine öffentliche Volksversammlung. in welcher Genosse Z u b e i l Bericht erstattete über die Thätig- keit der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Die Versammlung erklärte sich mit den Aussührungen des Referenten einverstanden und versprach mit aller Kraft in die Agitation einzntreten. damit auch ®ei der»achstk» Neichslagswahl der KreiS wieder durch elue»! Eozialdemoirateu vertraten werde. Die Aerfainmekten verspreche» I vor allen,, der politische» Organisation, de», Lirbeiler-Bildunc�verein z» Teinpelhof. beizutreten. An, Dienstag findet eine Versa»„»l„»g des genauliten Vereins statt bei Gerth in Mariendorf. Spandau. I» einer außerordentlichen Sitzung beschäftigte sich gestern das hiesige Gciverkschaflskartell zum wiederholten Male mit den» Banarbcitcrstrcik. Nach'einer längeren Aussprache wurde schließlich beschlossen, den orgauisirten Maurer» und Bauarbeitern gn empfehlen, sich durch gegenseitigen Meinungsaustausch über die demnächst vorzunehmenden Maßnahmen klar zu werden. Bei Punkt 2 derTagesordniingwurdebeschlosfen.diemitdcin GastwirthKern Hierselbst wegen Nebernahme der Zentralherberge angeknüpften Berhandlnngen abzubrechen. Hieran schloß sich dann eine rege Debatte über die J er, lere Taktik des Kartells; es soll den einzelnen Gewerkschaften an, )rte empfohlen werden, die Neuwahl ihrer Delegirten fortan regelmäßig im Oktober eines jeden Jahres und zwar die Nächste Wahl schon im kommenden Oktober vorzmithmen. Ferner wurde beschlösse», daß fernerhin strenger ans den vollzähligen Besuch der Kartellsitzungen zu sehen und zu diesem Zwecke regel- mäßig eine Präsenzliste zu führen ist; die Berickste über die Kartell- sitzungen sollen zukünftig in der„Brandenburger Zeitniio" und dem ,, Vorwärts" veröffentlicht und am Schluß eines jede» Berichts die- jenige» Gewerkschaften, deren Vertreter ohne Entschuldigung fortbleibe», namentlich angegeben werden, damit ans diese'Wcise von betheiligter Seite Veranlassung genommen werden kann, die säumigen Delegirten gehörig an ihre Pflicht zu erinnern. Zu», Schluß wurde zu der erfolgten Maßregelung eines organi- firte» Bureau-Angestellten Stellung genommen und hierbei bekannt gegeben, daß am Donnerstag, de» 16. d. M., abends S'/s Uhr, in der Brauerei Pichelsdorf eine ö f f e n t- l i ch e Volksversammlung stattfindet, welche sich auch mit den Lohn- und Arbeitsverhältnissen der hiesigen Bureau-Angestellte» beschäftigen wird. Ohne E» t s ch„ l d i g n n g fehlten die Delegirten der Metallarbeiter, Maler und Schuhmacher. Z,ebki»«r-K>I»»»a«schn>r. Der Nnterrtchl begtmu ,n Naltonalötonomie, «eschichte und Veseheelunde am l». Ol, ober, abends M Uhr, JnselNr. 10, o. 3 2r. Dheilnehmer werden schon jetzt aufaenommen In sorgenden«tellin: Eottfr. Schulz. «dmiralftr. 10»: Rem, Barnlmflr. Ii: Schiller, Rosembalerstr. 57;«leinert, Mitllerfir.?»! Paul Miiele, Manleusselstr. iss: H.»önia», Tiessenbachstr. so. Alls Zuschrtsten sind a» de» Bo> sitzenden Paul PI Ulke jr., so. Man, teussslstr. res, Geldsendungen an de»«assirer H. Gö nt gS, L. Dtessenbachstr. so, zu senden. Sonntag, de» ,3. September, abend» Uhr, in Lohn'» Festsälen, Beulh» s, raste so, v. l Tr.: Bortrag des Genossen W. Liebknecht Uber: GeschichtS- maleriaitsttsche Weltanschauung. Gtntrttt ,o Pf. S«r«-«»d KI»b»tirb,«b«. Polnischer Dtsiulirllub JaroSlaw DombrowSly in Nirdork iagl jeden Sonntag nach dem ,5. des Monats nochnilttags 5 Uhr bei Prestler, Zielhenstraste«». Wontag: Morgenröthe, abendi» Uhr bei Prtttetwitz, Fallensteinftrasts 7.— Sozialdemokraltscher Lese» und DtSkutirklub sür den Stadtbezirk ,7«: Versammlung jeden 3. und i. Montag im Monat, abends s Uhr, bei Bnchmann, Gubenerstraste is». Leopold Jaloby, Blumenstraße 31» bei Jonas, jeden Montag nach dem l. und ,5. im Monat.— Siordka» te, Wicienstr. s? bei Bolz.— Reimer, Serichistr. ,» bei Setdsl. A,b»itrr-zjj„pr»bn«d Kerli,,» ,»>d dir Ztuigeg»»». i. vorsitzendsr Vd.?! e u m a n», Brunnens» aste ,50. Alle Aenderungen im Bereinttalenbsr sind zu riäilen an Friedrich Kort»»,, Manteusfelflr. 60, v. 2 Tr. gNontag, abends«- it. tlcbungSstunde uiid Aufnahme neuer Mitglieder. � D ors- löcklein, Teutfch.WilmerSdors, Beriinerslr. 10 klingenbera'S BolkSgarteti.— u fünf, I, Steglitz, Ahorn str.>0.— Vorwärts IX. Tharlouenburg, Zilniorsdorferstr.»»,„BiSmarckhöhe".— Harmonie 2, Wetnstr. il, Restaurant Feind.— Zonblüthe, vppelnerstr. ,» bei Häusler.— Süd- Ost, Sumyitiabe 26 bei W. Lrbe.— LiedeSsreihett II, Straustberg. Wilhelmstraße bei Magnus.— Frsya N(gem. ICHorj, Nrdanstr. 6, bei Wulle.— Apollo, Charlottenburg, Krunnnestraste 33 bei Müller.— Solidarität, Schützenstr. so, Mtelhlc's Restaurant.— W a I v e S l ust. Görlitzsrstraste 85 bei Zugmaniel.— Felsen bürg, kiautstratze s bei Böttcher.— Rix dorfer Liederlranz, Rixdorf, Prinz Handjerystr. so/87 bei Maresch.— Etntgleit III, Reinickendorf, Eichbornstr. 89 bei Meinhardt.— S ü d- W e st, Simeonfrr. ss d. Flick.— Berliner Damenchor Harmonie, Rosenihalerstraste 67 bei Schiller.— R ü t l i, Friedenau, Handjerpstrahe 81 im Hohenzollern.— Treptow in Treptow, Baumschulenweg S2 bei Lange. Ard»it>r-Pa»ch«rl»«»d Kenlina»nd der Zlmgegend. Aenderungen im BercinSkalender stnd zu richlen an Hermann Bramischwctg, DreSdenerstr. so, 2. Hof.— Montag, abends von o— nUhr:»lub-Abend und Ausnahme neuer Mitglieder. — Mexikaner, Elbingsrstr. ,6 bei Tames.— Brüderlichkeit, Pücklerstr. i« bei Schuhmacher. A bgust II, Weberstr. 10 bei Schulze.— Fr eund fch af t» B 0 r w ä r t«. Chorinerstr. 61 bei Otlo Lehman».— Dornrösche», Fenn- ftraße« bei«rüger. Kund der gefeMgen Arbeitervereine Keriin» und der glmgegeud. Borsttzender P. Gent, DreSdenerstr.>07/8. Aenderungen den Bereinslalender beirestend stnd zu richten an H. Bendix, Alexandrtnenstraße t00. Konntag. Familienverein Helitonia. Franksnrlerftr. 71 bei Scholz. «Sesang-, S>!,»-«nd geseilige Kereine. Konntag: Prival-Theaiervereln I Crescendo, nachmttlags s Uhr, Ltntenstr. 7s. Gesellige Zusammentunft.— I Dramotischer«lud Viebesgluck, nachm. 6 Uhr, Cremmenerstr.>.— Per» I � Vergnüaungsverein B ft, äste»ö bei Schulz.— Raiichllub P o r t o r i ko, Bülowstr. is. Arbeiter-Tnrnerbnnd. Konntag: Turnverein Fichte, Lichtenberg. Ilde« Sonntag von 3 Uhr an voUSlhümliche« Turne», Weistenseeer Weg bei Asche. Montag: Turnverein Fichte, Berlin. SlbendS von 8— to Uhr: 7, M ännerabtheiiu ng, Reichenbergerslraße ist. 3. Damenabtheilung, Ackerstr. 87. Ailaemein, Famiiien-Sterbestalle. Heule Zahllag Ackerstr. 133 bei Diele. „Koanioa", Berein für vollslhüuiliche Wistenschast. Dienstag, den>1. Septbr., abends 9 Uhr, bei H. Henfel, Bruniienstr. 173: Vortrag des Herrn Stlberderg über„Gerichtsveisaffungs-Gesetz". g»ri»at.ei,»at»r-«,s«UIchakt„«riita". Montag, den 18.«eptbr., abends s Uhr: Sitzung im Restaurant Nowack, Manteuffelstr. 8. v,js»»tlich« Kotiioversammtung. Dienstag, de» ll. September, abends 8 Uhr, in Keller's Festsäien. Koppenstr. 39(im groben Saale): Bortrag von Frau Emma Helling über:„Die Frauenfrage und das Kellnertnnen-Siend". Keritger Arb«it»rve»tr»t«r- ßjirrin tagt jeden Dienstag nach dem ersten im Monat bei Buske, Erenadicrstr. 83, abends sZj Uhr. Unentgelilicher Roth wird ertheitt�d�� Kepu,,« i Für Unfall-, ZnvaliditStl-»nd Aller»> Berstche- rung, abend« von 7-3 Uhr: W. Buchholz, Husstlenstraste 38, v. 3 Tr. A. Daehne, Tennuinerstr. 88, v. 3 Tr. K. Guiheil, Wiesenstr. 39», von 8-9 Uhr abends. F. Pieichel. Garteustr. 6«, v. 3 Tr. E. Stinanowsli, Gartenftr. 78, Portal 3, 3 Tr. M. Stuhlmann, Oderberge, str. 37, 1 Tr., von 8-9 Uhr abc»dS. St. Tamm, Husstlenstraste 8, von s-s Uhr abends A. Aoigt, Wiesenstraste 1,-13. S Warnst, Kolbergersiraste 7, von 6- 7 Uhr abends.— Rur für Jnvalidiiäls- und Altersversicherung: F. Blume. Slreiitzerstr. 6S. P. R e i»I a» II, Bellermannstr. 83. F. Trapp, Schulstr. 68, von 7—8 Uhr abend«.__ Dm Ztord- Gfte»: Rur sür JnvaliditalS- und Altersversicherung W. Mo HS, Schönhauser Allee 63. z,» Vitien: Nur sür Jnvalidiläis- und AlterSverstcherung: S.Bader Gr. Franlfurtirftr. si. v. i Tr. Im Kiid-«»-»: Für Unfall-, JnvalidUSts- und Allersverstcherung: S ch a l t h o s f, llstichaetkirchsir. IS. Im Viidr»: Für Unfall-, JnvalldUätS- und AlierSverstcherung: F. S t u g e l maier. Grimmst, aste 39.— Nur für Jnvalidiläis- und Altersversicherung P. Keller. Rixdorf, Panierslr. 83, Hof pari. Im Küd-Kiifte»: Rur für Unsallverstcherung: G. Hänel, Solmsstr. 11 Km Klord-Mrst»»! Llur sür Unfallversicherung! I«raus«, Wilsnacker st, aste ,9. R. Stephan, Lesstngstr. 31. Im Zentrum: Rur für Unsallverstcherung: E. Lössler,«lostersir. 91, Bei sämmtlichen voracnannten Personen, bei denen hier leine Sprechzeil an- gegeben, ist dieselbe Wochenlag» von 7—9 Uhr. Sür deu Jnßglt der Inserate vernimmt die Nedaktlou dem Pnl'likum gegenüber keinerlei Beraiitwortttng. IIW»»I l!I«!HmiIIM»MII Thvafov. Sonntag, den 12. Septeinicr. Sie,, es kgl. Operntheater(Kroll). Ulidine. Montag: Die Boheme. Die Rose von Schiras. Anfang 7»/, Uhr. Tchaitspielvans. Roscilsranz und Güldenstenl. Montag: Torquato Taffo. Ansang 7-A Uhr. Deutsches. Die versunkene Glocke. Nachm.: Einsame Menschen. Montag: Die versunkene Glocke. Anfang V'/z Uhr. Berliner. Renaissance. Rachin.: König Heinrich. Montag: Renaissance. Anf.7>/zUhr. Lessing. Unjaulwetve. Nachm.: Zivei Wappen. Montag; Die Ehre. Ans. 7'/z Uhr. Stenes. Der Stellvertreter. Anfang 71/2 Uhr. Nachm.: Der Hüttenbesitzer. Montag: Der Stellvertreter. Unter de» Linden. Die Fleder- nians. Anfang?>/. Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Goethe l flllher Theater des Westens). Im Dienste der Pflicht. Nachm.: Des Meeres und der Liebe Wellen. Montag: Faust. Ansang 7 Uhr. Schiller. Deutsche Schwante. Nachm.: Weh' dem, der lügt. Montag: Papa Nitsche. Luisen. Geschwister Fievig. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Borstellung. Residenz. Die Einberufung. An- fang 71/2 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich- Milhelnistiidtischc». Das Käthchcn von Hetlbronn. An- fang 7-/2 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Thalia. Der Mann im Monde. Anfang 71/2 Uhr. Montag; Dieselbe Vorstellung. Ostend. Unsere Neichspost. Ansang 8 Uhr. Nachm.: Berlin, wie es weint und lacht. Montag: Unsere Reichspost. Central. Berliner Fahrten. Anfang 7-/- Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Nlexanderplah. Das Liebesorama einer Sängerin. Anfang 8 Uhr. Nachm.: Rothkäppchen. Montag: Das Liebcsdrama einer Sängerin. Belle-Alliance. Spezialitäten. Ans. 6 Uhr. Apollo. Spezialitäten. Ans. 8 Uhr. Passage- Panoptikni». Indisches Dorf. Schillev-T Herker (Wallner-Theatcr). Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Weh den», der lügt. Abends 8 Uhr: Deutsche Schwanke ans vier Zeitaltern. Montag, abends 8 Uhr: Papa Nitsche. Dienstag, abends 8 Uhr: DteKrcuzel- schreiber. KönwI-Iliestei' Alt« Jakobstr. 30. Direktion Illchard Schnitz. Sonntag, den 12. September 1897: Emil Thoinai» a. G. Zum 9. Male: ESoHinen Fahrten. Burleske AnSstattungSpossemitAesang und Tanz in S Bildern von Julius Freund und Wilhelm Mannstäd t. Mustl von Jul. Eiliüdshofcr. Anfang V28 Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Berliner Fahrten. Iiuisvll-Vkellter 31. Reichenbergerstrassc 31. Novität! Abends 8 Uhr: Novität! Geschwister Fiebig. Am Sonntag, den 12. September, nachmittags 3 Uhr: Nolks-Vovstelluug «»ter Regie von.Tnlln« VOHi: Die VÄuvee von Fr. v. Schiller. Montag, den 13. September, abends 77/» Uhr: Zweite Volksvorstellung: Die Räuber. Eintrittstartell ä 60 Pfg. sind in den bekannten Geschäften zu habe». Ostettd-Thenter. Gr. Franks>lrterstr.I32. Dlr. G.Weiß. SonMag: Nachmittags-Borstellung zu halben Preisen: Berkin, toio es tveint»ind lacht. Anfang 3 Uhr.— Abends 77/2 Uhr: Zum 101. Male: Unsere Reichspost. Volköstück mit Gesang in 4 Akten von R. Kneisel. Miisik von E. Schüler. Von 6 Uhr an: Gr. Frei-Konzert. In Vorbereitung: Jngendbronnen. oder: Neu- Ruinmelsbllrg. Burleskes charakteristtsches Zeitgeinälde mit Gesang it. Tanz in 4 Akten von Tschirch pnd Berg. Musik von G. Steffens. Apollo-Theater. Friedrichstr.»1«. Sic.j.«IHck. Prinzessin Pocahuntas (Die indische Nachtigall). Lrolltvi» Ssrr».?h» LurnsIIs. Der Stffe als Lttftgytttttastiker Urlkllu ti. vndois.»r. vstrstieulli. Sie 9 Deinieimiiltttchen �losepil Pdoites Psnlomimen- Troupe I. Original-Budapester Possen- u. Operetten- Theater in Kanftnaim'sTapi�tlf (Direkiieu Gebr. Herrnfeld). Kino bcsomlcre Spe- »ilalltht auf<1om Oe- Mctc de« Theater- leben« bilden die mit unbeschreiblichem Erfolge aufgenommenen Origlnnl-lÜTovitliten: Ein Abend im Wintergarten| und Im iteiisr. tleberrascbende Snjets. Ferner Auftreten der Humoristen Theodor Idppardt, Dr. Guido Steinitz, Original- Raponst. Theodor(üleae. Anlang des Konzerts 7 Uhr. Vorstellung 7/a8 Uhr. Die ausgegebenen Vorzugskarten haben auch für die folgenden Vorstellungen ihre Giltigkeit. American-Theater. Dresdenerstr. B5. EröflFnnng;«- Vorstellnn®. Neu! Ren 1 Sie»! Der Traum von Bayreuth. Parod. Traumbild in 1 All v. R. Grave. Novität! Berlin Novität: tvie's näht und treunt. Bolksstück m. Gesang in 2 Abth. v. L. Ely. Auftreten des urkomischen Bendix. Jnstrumentnlkomiker Hugo Schulz, Exccntriquesoubrette Wally Smollm. Gesangsduett. Geschw. Rebentisch ic. Anfang der Borstillung 8 Uhr. Msedr'LVsrtötö-'riieatsr Orantenstr. 24. Tiiglich: Thenteraörsttllnng. Auftreten Tpecialitätenkünitler 1. Ranges. ver Saleeren«trtUtlnzr. Volksstück mit Gesang. Neu! Die Mutter der Kompagnie. Schwank. Die internattonalen Original-Ber- wandlungs-Duettisten ohne Concur- renz!«emchrr. Btthrer. Sens! Mr. BIU, Nigger-Exoentrio u. A. Alles Nähere die Tageszcttel. UR» SNIS Taahenstrasse 48—40. Naturkundl. Ausstellung tägl. geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50 Pf.— Wissenschattl, Theater abends 8 Uhr. Passage-Panopticum. 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Oeffeniliche Versammlungen der � ssziMeiiiljkrlitislhtil Idelpoffii imii Geilossiniltil Berlins am Dienstag, den IL September, abends Uhr, in folgenden Lokalen: R Kreis:„Nvntiuhallen", Kommandantenstraße AO. Ä. Kreis:„Bockbrauerei" am Tempelhoferberg. 3. Kreis:„Ressource", Kommandantenstr. 37. 4. Kreis:„Siecheres Säle", Andreasstr. Ä1. 3. Kreis:„Brauerei Bötzow�, Prenzlauer Allee Ä47. 6. Kreis:„Kolberger Salon", Kolbergerstr. Ä3. Tages-Ordnung: 1. Verichterstatwng von der Brandenburger Konferenz. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Mit- gliedes der Agitationskommission und des Zentral-Wahlkomitees. 4. Stellungnahme zum Hamburger Parteitag. 5. Wahl der Delegirten zu demselben. HG" Dil dieser Parteitag BeWiijse zu saßen hat, die für die Partei von weittragender Bedeutung sind, sa ist es nothweudig, daß alle Geuossen in den Versaiuinlnngen erscheilien. 213/10 IMe Vertrauenspersonen. Die Zahlstellei, der Hilfskasstrer fiir id find folgt' Stnckateure. Umgegen Nr. 1 v. Nr. Nr. Berlin und 270/7 Arbeitsnachweis, Inhaber die Filiale find felgeude- Stein- und Gormannstraßen-Ecke, W. Schtinemann.? 2 Sl. Kastanien-Allee tt bei Augastin, Inhaber Kollege K. Kruse. 3»«»Kit. Birkenstr. 28, Ecke Stephanstraße bei Kr. Kluge, Inhaber Kollege K. N i t s ch k e. 4 W. Bülowstt. 59 bei Wemer, Inhaber Kollege I. H o f e l e. 5 vl»t,rl«ttvi>ll»r>r's. Wallstr. 68 bei Wille, Jnh. Kollege H. Ligner. 6 Rixtlorf. Bergstraße bei Thomas, Inhaber Kollege F. Barfanti. WM- Wir machen hiermit besonders aufmerksam, daß die Zahlstellen jeden Tonntag, vormittags von 19— 12 Uhr geöffnet sind. Jedes Mtglied ist verpflichtet, dort seine Beitrage zu entrichten, auch werden daselbst neue Mitglieder aufgenommen. Diejenigen Kollegen, welche mit ihren früheren Beitragen bis 1. August rückständig find, werden ersucht, die- selben unverzüglich im Arbeitsnachweis bei Schünemann, oder Nr. Nr. Nr. in der �rdeiter-öiläullgssekvle. Neu 12. SlvptvnNb«»' 1897, abends 6Vj Uhr, In Cohn's Fesi-Sttlen, Bcnthstr. SO: Gr. Versammlung, Vortrag des Genossen Üebknechi öber: Gescbichts- materialistische Weltanscliauung. Nach dem Vortrag; 6/3 Gemttthliches Beisammensein und Tanz, wozu nur noch Mitglieder mit ihren Angehörigen Zutritt haben. Sßf Eintritt 10 Pf."9� Garderobe 10 Pf. Die Mitglieder und Gäste sind hierdurch höflichst eingeladen und erwartet zahlreichen Besuch Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband (Zahlstelle Berlin). Bezirks- Versammlungen Montag, den 13. September, abends 8 Uhr. Osttn und Nördösteu v-l rinei.»«». Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen»ein: DaS Arbeiterelcnd und die wirthschaftlich-politischen Kämpfe der Gegenwart. 2. Diskusston. S. Werkstatt- und Verbands-Angelegenheiten. Eingeladen ist die Werfftätte von Fischer, Friedenstr. 52. bei Rantcnberg, Oranienstrafte 180. Tagesordnung: 1. Bortrag des Skollegen Koblenzer über: Kranken- und Jnvalidenkassen-Gesehe. Diskussion. 2. Wahl eines Beitragssammlers auf Zahlstelle 12 bei Stielt. 3. Verbandsangelegenhciten und Verschiedenes. Die Versammlung wird pünttlich eröffnet. Westen und SndVesten b-l«nbe», 1««. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegen- hellen. 4. Verschiedenes. Schönhauser und Rosenthaier Vorstadt bei Wernan, Tchwedterstraste 23. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen Adolph HofTmann über: Gesetz und Recht. 2. Diskussion. 3. Werkstatt- und Verbandsangelegenhciten. WeddtM-ketadtalMlc!>'""«s,Ä Tagesordnung: 1. Kulturgeschichtlicher Vortrag. Referent Gcnoffe Uankow. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Beitragssammlers und Er- gänzung der Kommisston. 4. Verbands- und Werkfiattangelegenheiten. Moabit bei K«wls, Ttromstraste 28. Dazu werden die Kollegen aus den Wcrkstellen von Otto u. Slatowa, Bremerstr. 60, Herrgeselle u. Hübencr, Wilhelmshavenerstr. 28, und im besonderen nochmals von Weise, Beuffelstr. 32, eingeladen. Iriedrichsberg bei Kelneohe, Friedrich Karlstr. 11. Tagesordnung: Vortrag. Diskussion. Bcrbandsangelegcnheitcn. Imdrichsftlde: Pri..zen.Allee 30. Tagesordnung: 1. Vortrag von D. Vtabernaolr über: Die Profit- wuth des Kapitalismus. 2. Diölussion. 3. Werkstätten- Anaeleaenheit. 4. Verschiedenes. Slm Sonnabend, den 2. Oktober, bei Keller, Koppenstraste: 3. Stiftnllgsfest. lZrejjes zllstrilliieM-Konzert mii) GesöNgs-AasfiiljMgetl. Billets k 2o Pf. sind auf allen Zahlstellen des Verbandes zu haben. Groster Ball. Herren, die daran theilnehmen wollen, zahlen 50 Pfg. nach. Programm am Eingang des Saales. Deutsch. Metallarbeiter-Verband (Verwaltnngsstelle Berlin). Montag, de» 13. September 1897, abends S'/j Uhr: Bezirks- Versammlung fiir Weißensee im Lokal von„Prelfflen-BIUIler", König-Chanfsee 38. Tages-Ordnung: l. Vortrag des Kollegen Mafsatsch über:„Die Gewerkschaftsbewegung einst und jetzt". 2. Diskussion. 3. Berbandsangelegenhetten und Ver- schiebenes. 160/15 SV Die Kollegen werden dringend ersucht, zahlreich und pünttlich zu erscheinen._ Die Orts ver waltnng. Achtung! Musik, Mtffli zu allen Privat- und Vereins-Feftlichkeiten vom Klavier vis zum größten Orchester. Prompte Ausführung. Bestellungen werden täglich mündlich von 10l/,-l Uhr, sowie schriftlich und per Telephon entgegengenommen. Bestanrant Sebillor. Rosenthalerstraste 57. 60/2 Delephon-Amt III. 1206. Arne BtmmWg der Wl'Bmfsmfiker Berliks u.Uig. Bildhauer. Achtung! Montag, den 13. September, abends 8Vi Uhr, Köpenickerstrasse 02: 22/20 Versammiungt. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Streik der Kollegen in der Möbelfabrik von Barth(Werkfiihrer Engelmann). 3. Ver- schiedenes. Zentral-Berband der Bildhauer Deutschlands, Verwaltungsstelle Berlin. Der Vorstand. Achtung! Achtung! Schuhmacher! g, den 14. September, abends S1/, Uhr, i/j Uhr. im Lokale '. 117:[188/11 Dienstag Königsbank, Gr. Frankfurterstr Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zum Lokalfonds. 2. Wie stellen sich die Kollegen zur Einführung von Streikkarten? 3. Verschiedenes. Die Kommission. tein sentscher Schnhinncher. Montag, den 13. September, abends 8Vz Uhr. in Stabernack's l.okal, Jnselstr. 10; 286/2 ioiMnirtt MllgilrdervkrsWmlnng Tages-Ordnung: � tionskommisston fs Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. 1. Wahl der Aaitationskommisston für die Provinz Brandenburg. -.....'- Die Vorstände. Bitdungslierein„Mehr Licht". Sonntag, de» IL. d. M., mittags pnnkt 12 Uhr: Besuch des Museums fiir Vskuvltunde» Jnvalidenstr. 42/44. unter Führung des Herrn Dr. Joöl. Dreffpnnkt vor dem Museum. Abends 0h-z klihr, Alexanderstrasae 27c: V e v fu m ur l u u g."WW Bortrag über:„Aus der«r,eit der Erde». Sief.: Herr Dr. Soöl, DiSkussion. Nachdem: Geselliges Beisammensein nnd Tanz. _ Gäste find stets willkommen.>• 57/6 Stucka teure! Montag, den 13. September, abends 8 Uhr, bei Vuskr» Grenadierstr. 33: Gr. öffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: „ � l Vortrag des Genossen Görke- Charlottenburg. 3. Wahl der Revisoren für den öffentlichen Fonds. 2. Diskussion. -.!"*■ U||tUUlU)CU yUUU». ,,.SÄT6 Auch sind in dieser Versammlung die Untersttttzungs- Marken (a 10 Pf.) abzurechnen, da dieselben eingezogen werden, und sind die be- tretenden Kollegen hierauf aufmerksam zu machen. «SUl»'«all-iSaleu., Maunynstr. 27. Empfehle meine Säle, 900 Personen fassend, zu allen Festlichkeiten und Versammlungen. Einige Sonnabende stnd noch unter koulantesten Be- dmgungen an Vereine zu vergeben. 23608« ■ntü � Sonntag. Montag und Donnerstag:«rosser Ball. » e.rV.•. Vorstände derjenigen Vereine, welche mit meinem Vorgänger Festlichkeiten abgeschloffen haben, ersuche ich, nochmals mit mir Rücksprache zu nehmen, da mir keine Geschäftsbücher ausgeliefert wurden. _____«nstav«ranmann. «onzesfionirte Kur und Bade- Anstalt 80 ■BiMB Spezialität: patent. 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Herr Kirchhofs-Inspektor Apel, Berlin, an der Sophienkirche, litt'seit zwei Jahren an Kniegelenkwaffer- Entzündung und hatte furchtbare Schmerzen an den Fußgelenken. Das Knie wurde steif, so daß er in der Ausübung seines Berufes verhindert war. Nach vielen vergeblichen Kuren versuchte er es mit meinen Bädern. Durch 16 derselben war sein Leiden geheilt, Herr F. Höhle, Fabrikbesitzer, Berlin, Wasserthorstraße 3, litt längere Zeit an Gicht und Podagra. Nach Gebrauch von 25 meiner Loh-Tannin-Bäder war er vollständig geheilt. Herr Kaufmann Maier, Berlin, Badstraße 21, litt seit einigen Monaten an Rheumatismus. 16 meiner Loh-Tannin-Bäder führten eine Beseitigung der Schmerzen und Geschwulst herbei, welche dauernd fortblieben, Seit mehreren Jahren hatte Herr Rechnungsrath Hebringer. Potsdam, an heftiger Ischias gelitten; nachdem sich Badereisen nach verschiedenen bekannten Kurorten als ganz zwecklos gezeigt hatten, ist genannter Herr nach Benutzung von 16 meiner Loh-Tannin- Bäder vollständig von seinem Leiden genesen. Fräulein Marie Schneider. Berlin, Sophienstr. 14, welche lange Zeit an Lähmung. Blntarmuth und Bleichsucht gelitten, wurde, nachdem dieselbe mehrere Aerzte vergeblich konsultirt hatte, durch den Gebrauch meiner Loh- Tannin- Bäder in kürzester Zeit von ihrem Leiden vollständig geheilt, Herr H. Jung. Berlin, Gipsstr, 19, welcher 2 Jahre an Blase»- tatarrh sowie Magenleide» litt, wurde nach Gebrauch von 32 meiner Loh-Tannin-Bäder vollständig wieder geheitt, Herr Kannenberg, Gumtv« bei Kyritz, litt 8 Wochen an Ischias (Hüftweh), welches so heftig auftrat, daß er nur per Droschke zur Bade-Anstalt befördert werden konnte, welches Leiden mit 5 meiner Loh-Tannin-Bäder vollständig verschwunden ist. Frau Bastian, Berlin, Augsburgerftr, 72, litt 5 Monate an Rückenmarksleiden. Sie konnte nicht allein mehr gehen. Nach ca, 50 meiner Loh-Tannin-Bäder war das Leiden vollständig ver- schwundcn, Infolge von zurückgetriebener Geschlechtskrankheit bekam ich nach Verlauf von 6 Monaten eine Drüsenanschwellung am Halse und bald darauf kleine Geschwüre an Lippen und Gaumen, Alle dagegen an- gewandten ärztlichen Gegengifte halfen nicht, sondern die Krankbett kam immer wieder zum Vorschein, Ich versuchte eS endlich mit den Münfelsschen Loh-Tanuin-Bädern und kann wahrheitsgemäß»«- stätigen, daß nach 20 Bädern die Krankheit aus dem Blute heraus war, F. H. in Königs-Wusterhausen. (Genaue Adresse liegt i» der Anstalt des Herrn G, Münsel.) Herr Rentner H. Bogt, Berlin, Beussekstt, 55. I, rechts, litt zwei Jahre an einer Herzkrankheit. Viele Arznei war vergebens. Zirka 36—40 meiner Loh-Tannin-Bäder haben das Leiden vollständig be- seitigt. Herr G. Nenmann. Postbeamter, Grambow bei Stettin, hatte eine furchtbare Nervcnlähmnng(Muskelschwund), so daß er sich nicht allein an- und ausziehen konnte, ihm mußte das Essen und Trinken gereicht werden. Nach zirka 60 meiner Loh-Tannin-Bäder war das Leiden vollständig verschwunden, Frau Hirschlaff, Berlin, Nümbergerstr, 68, litt drei Jahre an Neuralgie(einseitigem Kopfschmerz), welches Leiden nach neun meiner Loh-Tannin-Bäder vollständig geheitt wurde, Fräulein Pohle. Berlin, Bahnstr, 2, hatte infolge eines Schlag- anfalles die Sprache verloren, auch war die rechte Seite gelähmt, Die Wirkung, welche meine Loh-Tanuin-Bäder bei dieser Patientin hatten, ist direkt wunderbar zu nennen; denn nach 17 Bädern hatte obiges Fräulein die Sprache vollkommen wieder erlangt, auch war die Lähmung fast gänzlich verschwunden, Herrn F. Boguslawski. Lokomotivführer, Aruswalde N.M., Bahnhofsstr, 34, heilte ich mit 24 meiner heilkräftigen Loh-Tauuin- Bäder von einer hartnäckigen Schuppenflcchtc, Herr C. Remus, Berlin, Albrechiftraße 22, hatte zirka 10 bis 14 Monate lang einen schweren Blasenkatarrh und Nierenentzündung, Alle angewandten Mittel ohne Erfolg, 30 memer Loh-Tannin-Bäder führten eine vollständige Heilung herbei, welches Leiden dauernd fort blieb, Wollene in den neuesten Geweben, ü. Meter 45 Pf., 00 und 75 Pf. Bessere Qualitäten auch in schwarz k Meter 80 Pf., 90 Pf., 1—2 Mk. HET/j 20 Meter 7,Mark, prima Qualität 20 Meter 8.50 Mark, empfehlen «ebrttder Wollt; B-rlm H.,|| Juv.Iideiistraße 134.|| Jllustrirte Preisliste gratis und franko. Proben nach außerhalb franko, Eine Wobltbat für Hausfrauen ist Karol Weil's Seifenex träfet die beste trockene Seife in Pulverform. Es erleichtert ihnen die| Arbeit, schont die Wäsche und hält letztere jahrelang in bestem Zustande, da es kein Chlor oder andere ätzende Bestandtheile enthält. Einmal versucht, nie aus dem Hause gelassen. In allen Seifen- und Kolonialwaaren-Ge- schäften käuflich. Das vorzüglichste: Karol Weil's„Karola". Lieblingsseife der Damenwelt. Beranlwortlicher Redakteur: August Jacobry>» Berlin. Für den Juserateutheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. 8t. 213. 14. 3. KkilM dts„ " Kttlm Dllksdlllll. Jiiii«.u.snin»«i8M. VolksnrivthfÄIttfkli�e Nundfihsu. CfcUtttta der ZetttriNanren.— Tie Deutsche ReichSbun?.— Beestuatlichuiigsfragr.— Tendenz der Kapitalkonzentration to Vankwese». In unserer letzten vollswirthsck)aftlichen Rnndschnu hniten wir die Grundziige des Bankgeschäftes, das Wesen des Giroverkehrs und der Banknotenausgabe und die ökonomische Bedeutung der durch die Banken repräsenlirten Organisation des Kredits in kurzem Umriß zu veranschaulichen gesucht. Zum Schlüsse war auf die eigenthümliche Rolle der große» nationalen Zentralbanken, die mit dem Privileg der Banknotenausgabe ausgerüstet stnd, hingewiesen. Wie die privaten Kunden der gewöhnliche» Banken in diesen die gerade überschüssigen Gelder hinterlegen, so werden— das ist wenigstens die Tendenz, der die Enlwickelnng der großen, staatlich privilegirteu Zentralbanken zu- strebt— die im laufenden Bankgeschäft überflüssigen Gelder von den privaten Banken als Deposita wiederum dem zentrale» Bankinstitut zugeschoben, welches so, die Fäden der bankmäßigen Kreditorganisation in sich vereinigend, zur Bank der Banken, zur Verwalterin des nationalen Baarschatzes wird. Die Politik der Zentralbank erhält daher entscheidende Bedeutung für die gesammten mit ihr ver- bnndenen Banken. Jede Heraufsetzung des Diskontschatzes, durch welchen das zentrale Institut seine Kreditgewährung ver theuert und erschwert, ebenso wie jede Herabsetzung, wird in allen Gliedern des eng verschlungenen Systems und darüber hinaus in de» weiten Kreisen des auf de» Kredit angewiesenen Geschäftsverkehrs gespürt. Eine rationelle Leitung des obersten Bankinstituts wird zum gemeinsamen, öffenb licheu Interesse der bürgerlich- kapitalistischen vom Geldmarkt abhängigen Welt. Der Gedanke, daß die zentrale, von dem Staate mit dem Recht der Banknolen-Ausgabe beliehene Bank, deren Verhalten von so außerordentlichem Einfluß auf das gesammte Geschäftslebeu ist, ein den» Interesse privater Aktionäre völlig entrücktes Staatsinstitnt sein solle, liegt daher auch der rein bürgerlichen Auffassung fehr nahe. Wenn trotzdem in der großen Mehrzahl der europäi- scheu Länder— und vor allen auch in den kapitalistisch am meisten entwickelten— die Zentralbanken auf privatem Aktien- kapital begründet find, und wenn diese ihre Konstitution von den bürgerlichen Parteien nicht wesentlich angefochten wird, so erklärt es sich nur daraus, daß die öffentliche Geschäflskontrolle, der die Führung der Zentralbanken unterworfen ist, im großen und ganzen ahn liche Garantien wie eine direkt staatliche Verwaltung bietet. Der moralische Druck genügt im allgemeinen, um eine direkte Schädigung der öffentlichen Aufgabe» durch das private Dividenden-Jnteresse der Aktionäre der Zentralbank zu hintertreiben. Wir hatten uns dafür auf daS Beispiel der Bank von England berufe». -- Aehnlich liegen die Verhältnisse in D e u t s ch l a n d. In Kürze wird sich, da der Vertrag mit diesem Institut für das Jahr 1901 gekündigt werden kann, der Reichstag mit der Frag« der Verstaatlichung von neuem zu beschäftigen haben, aber es scheint nicht fraglich, daß die bürgerliche» Parteien in ihrer Mehrheit für die Fortführung des bestehende» Modus ein- treten werden. DaS grundlegende Besetz von 1S7S war eine unmittelbare Folge der Einigung Deutschlands. Es war nur natürlich, daß sich damals alsbald das Bedürfniß regt«, dem buntscheckigen Notenbank-System, daS stch in allen Bundesstaaten verschieden herausgebildet halte, ein End« zu bereiten und daS neugeschaffene einheitliche Mttnzsysteni durch eine einheitliche, zentralisirende Regelung de? Banknoten- Wesens zu ergänzen. Konnte man auch die in den einzelnen Bundes- staaten bestehenden Notenbanken nicht ohne weiteres streiche», fo wurde wenigstens die Gründung neuer verboten, und die bestehenden unterwarf man einer gemeinsamen Norm. Die neue Reichsbank erhielt von vornherein eine alle die alten Notenbanken weit überragende Stellung, die sich äußerlich bereits darin ausdrückte, daß, während der Gefammtheit aller Notenbanken (mit der Reichsbank zusammen 33 an Zahl) eine steuerfreie, metallisch ungedeckte Banknotenausgabe von 335 Millionen Mark gestaltet wurde, der auf die Reichsbant entfallende Antheil allein mit 250 Millionen beziffert wurde. Seinem ganzen Bau nach war daS neue Institut ein Mittelding {wischen privater Aktien- und Staatsbank. DaS Grundkapital von 20 Millionen wurde durch Aktienzeichnungen aufgebracht; aber die Aktionäre, deren Vertretung der Zeiitralausschuß ist. haben in der Leitung und Verwaltung der Bank nur ein« berathende Stimme; die ausschlaggebende Entscheidung liegt bei dem Reichs- bankdirektorium, einer staatlichen Behörde, die dem Reichskanzler untersteht. Nach dem Gesetz sollen die Geschäfte der Neichsbank vor allem darin bestehen, daß sie Edelmetall und Münzen kauft und verkaust, besonders gut gesicherte Wechsel von höchstens 3 Monaten Verfallzeit diskontirt, kurzfristige Darlehen gegen sicheres Werthpapierpfand gewährt, verzinsliche und unverzinsliche Gelder im Depositengeschäft und im Giroverkehr annimmt und Einkassirungen wie Geldanszahlnnge» für Rechnung ihrer Kunden besorgt. Die Mittel, die ihr zur AuS- führung dieser Zwecke zu Gebote gestellt wurde», waren das Grundkapital von 120 Millionen und das Privileg der Banknoten- Ausgabe., Banknoten sind aber eine besondere Art von Schnldverschrei- düngen, die eine Bank auf sich selber ausstellt. Kauft sie Wechsel niit Banknoten oder zahlt sie die von ihr geforderten Lombard- Vorschüsse in Banknote» aus, so gewinnt sie Diskonto und Zins, ohne daruni das Baargeld, über welches sie verfügt, festzulegen. Der Wechselverkäufer oder der Vorschußnehmer sind mit dieser Art der Zahlung zufrieden, wofern eben nur Sicherheit besteht, daß die ausgestellten Banknoten jederzeit an der Bankkasse gegen baaree Geld umgesetzt iverden können. Diese Sicherheit aber beruht natürlich darauf, daß die Bank jederzeit eine genügende Baarschaft übrig behält, um die aus der Zirkulation zurückfließende», an der Bankkasse präsen- tirten Noten sofort mit Geld einlösen zu können. Wie groß die Baarschaft im Verhältniß zur Notenausgabe sein muß,»»» unter allen Umständen die Zahlungsfähigkeit einer Notenbank aufrechtzuerhalten, darüber giebt es natürlich nichts wie eine allgemeine Regel, das hängt in jedem Falle von den besonderen Umständen ab. So haben sich z. B. die mechanische» Bestimmungen der englischen Peelsakte vom Jahre 1344, wonach die Bank von England für jede Banknote, die sie über einen gewissen gesetzlich firirten Betrag hinaus verausgabte, volle Baardeckung hallen inußte, in keiner Weise bewährt. Die Bank bedurfte ihrer zur Aufrechterhaltung der Zahlungsfähig- keit nicht, und die Bedürfnisse des Handels gar eriviese» sich als gänzlich unverträglich mit einer plötzlichen Einstellung der banken- mäßigen Kreditgewährung, wie sie in der Konsequenz jener volle Baardeckung verlangenden Bestimmung lag. In den kritische» Momente», wenn die Kreditnnsprüche an die Bank sich derart steigerten, daß die von dem Gesetz erlaubte Notenmenge nicht mehr hinreichte, wurde das Gesetz, um eine gewaltsame Erschütterung des Kreditverkehrs zu vermeiden, denn auch regelmäßig snspendirt, der Ankauf von Wechseln durch die Bank, der wichtigste Zweig ihrer Kreditgewährung, ununterbrochen fortgeführt. Nur den Diskontsatz, d. h. den Zinsbetrag, den sich die Bank beim Ankaufe von Wechsel» berechnete, erhöhte man, um durch Vertheuerung der Kreditgewährung die an die Bank gestellten Ansprüche zu erschwere» und einzuschränken und die im Wechselankauf ausgegebene Notenmenge nicht allzu hoch über de» vorhandenen Baarschatz anschwellen zu lassen. Die Bestimmungen des dentschenReichSbankgesetzes sind den in Eng- land gemachten Erfahrungen nachgebildet. Wir erwähnten bereits, daß die Banknotenfumme, die von der Reichsbank und der Gesnmmtheit der übrigen Notenbanken steuerfrei ohne Baardeckung verausgabt werden darf, durch das Gesetz festgelegt ist. Eine Ueberschreitnng dieser Summe ist indessen erlaubt, nur muß von dem llcberschusse eine fünfprozentige Steuer an das Reich entrichtet werden. Die Reichs- dank kann also von vornherein plötzlich hochgesteigerten Kredit- ansprächen des Handels mit ihrer Banknotenausgabe nachkommen, und sich— das ivar auch die Absicht des Gesetzgebers— wenn das steuerfreie Kontingent überschritten wird, durch eine Erhöhung des Diskontosatzes schadlos halten. Die Steuer war als eine Art Zwang zur Diskonto-Erhöhung in Zeiten hoch gesteigerten Kreditbedarfs gedacht, doch hat die Reichsbank in den wenigen Fällen, wo sie die Grenze überschritt, nur selten zu dem Mittel der Diskonto-Erhöhung gegriffen. Im Durchschnitt bleibt ihre ungedeckte Noten- ausgab« bedeutend hinter dem im Gesetz vorgesehenen Maße zurück. Jene Schranke, die der Neichsbank als Bauknoteninflitut gezogen worden ist, hat sie aber durch eine rasche und glänzende Entivickelnng des Giroverkehrs der Sache nach überwunden. Unter den Geschästen, welche das Gesetz der Bank anweist, ist ausdrücklich die An- nahm« von verzinslichen und unverzinslichen Geldern im Depositengeschäft und Giroverkehr hervorgehoben, ohne daß aber irgend etwas über die für diesen Theil des Kreditgeschäftes noth- wcndige Baardeckung vorgeschrieben wäre. Da die Banknoten- ausgäbe durch die Stenergrenze eingeschränkt war, lag es also außerordentlich nahe, den Wirkungskreis der Neichsbank vor- nehmlich durch die Vermittelung des Depositengeschäfles und Giroverkehres auszudehnen. Die Schuldverpflichtungen, die der Bank ans der verzinslichen und unverzinslichen Uebernahme fremder Kapitale in diesem Geschäftszweig erwachsen, verlange» natürlich ebenso wie die durch Banknotenausgabe eingegangenen Schuldverpflichtungen das Vorhandensein einer Baarschaft, aus der die an die Bank herantretenden Geldsorderungen bestritten werden können. Aber da nur über die Baardeckung der Noten und nicht über die der Giroguthaben beschränkende gesetzliche Bestimmungen getroffen sind, ist die Bewegungsfreiheit der Bank durch diese Erweiterung ihres Geschäftsverkehrs faktisch wieder hergestellt. Nur so konnte sie, ganz Deutschland init einem dichten Netz von Zweiganstalten über- ziehend, ihre gegenwärtige Stellung aus dem Geldmarkte erringen und die Kreditgewährung, im wesentlichen ungehindert durch die Steuergrenze, ausgestalten. Vielfach ist bereits die völlige Beseiti- gung der Stenergrenze, die nur als ein unbegründetes, durch die Ersahrung widerlegtes Mißtrauensvotum gegen die Bankleitung erscheine und ohne jeden reellen Werth sei, gefordert worden. —— Ein näheres Eingehen auf die Organisation deS Giroverkehr? durch die Reichsbank, das Zusammenwirken von Giro- geschäft und Banknotenausgabe und die Diskontopolitik des Zentral- instituts würde hier zu weit abseits führen. Für die Stellung- nähme zur Verstaatlichung der Reichsbank sind andere Gesichts- punkte ausschlaggebend. Das Bankgesctz von 1375 hat von vorn- herein die Uebersührung der Reichsbank in daS Staalseigenthum ins Auge gefaßt. Nicht nur, daß die Verwaltung in die Hände von Staatsbeamten gelegt wurde, der Staat erhielt das Recht, im Jahre 1891 und von da ab von 10 zu 10 Jahren den Vertrag mit den privaten Aktionären der Reichsbank zu kündigen und ohne Aufgeld durch einfache Herauszahlung des Grund- kapitals und der Hälfte des llleservefonds die Bank zu seinem Eigen- thum zu machen. Auch wurde von Ansang an dem gleiche eine Antheilnahme an dem Gewinn der Reichsbank zugesichert; wenn dieser 4�s pCt. übersteigt, entfällt die Hälfte des Ueber- schnsses(nach Abzug einer für de» llteservefonds bestimmten Snnnne) an die Reichßkasse, bei besonders hohem Erlrage ein noch größerer Antheil. Im Jahre 1891, als der Vertrag zum ersten Male kündbar wurde, ist der Gcwinnantheil des Staates vom Reichstag um ein Weniges erhöht, die Uebersührung der Reichsbank in Staatseigen- thum jedoch abgelehnt worden. Handel und Verkehr waren mit der bisherigen Geschäftsführung des Instituts völlig zufrieden und wünschten daher keine Aenderung. Für die Verstaatlichung stimmte nur die agrarische Rechte und die Sozialdemokratie. Selbstverständlich konnten unsere Vertreter von der Verstaatlichung keinen unmittelbaren Nutzen für die Sache des Sozialismus erwarten. Aller Voraussicht nach wären die Bantgeschäfte, wenn der Staat zum Eigenthümer deS Kapitals avanzirte, in der bisherigen Weise sortgesührt worden; oder wäre» Veränderungen in der Geschäftsführung eingetreten, so sicherlich solche, an denen das Proletariat nicht das geringste Interesse gehabt hätte. Andererseils aber bedeutete die Verstaatlichung die Aushebung eines privaten Privileg?, durch welche das Reich jährlich einige Millionen gewonnen haben ivürde, und lag, das ist die Hauptsache, im Sinne des sozialistischen Programmes. So wenig eine Staatsbank unter den augenblicklichen Verhältnissen bedeutete, so bedeutungsvoll konnte sie in einer ferneren Zukunft für das Ziel, dem die Sozialdemokratie zustrebt, werden. Das Bantwesen ist einer der Haupthebel moderner Produktion. Die Vergesellschaftung der Produktionsmittel, von welcher die Sozialdemokratie die Emanzipation der Arbeiterklasse erwartet, schließt aber als eine ihrer Voraussetzungen in sich, daß die Gesellschaft sich auch der großen Kreditorganisationen, die nnent- behrliche Zwischenglieder in Handel und Produktion geworden sind, bemächtigt. Das Eintreten für die Verstaatlichung war so zugleich eine Demonstration für die Zukunftsideen der Sozialdemokratie. Es ist nun aus Parteikreisen heraus die Frage aufgeworfen, ob nicht die prinzipielle Gegnerschaft, in welcher wir zu dem Agrarier- thum stehen, uns, wenn jetzt wiederum über die Verstaatlichung der Reichsbank eutschieden werden soll, eine andere Stellungnahme auf- nöthigt. Die Agrarier sind es in der That, von denen auch jetzt wieder die Agitation für die Verstaatlichung ausgeht. Was sie von einer verstaatlichten Neichsbank für sich er« warten, ist gelegentlich von ihnen selbst mit aller Deutlichkeit aus- gesprochen. Nicht eine vervollkommnete Banktechnik, sondern im Gegenlheil den Bruch mit allen früher bewährten Banktraditionen zu gunsten der kreditbedürftigen Landwirthschaft; die Wechs«1 der Guts- besitzer sollen bei der Reichsbank möglichst bequemen Unterschlupf finde», auch wenn dieselben nur mit einer Unterschrift versehen sind und l/s- bis»/s jährige Verfallzeit haben. Auf Sicherheit und Flüssigkeit der von der Bank gemachten Geldanlagen, sowie auf die Beherrschung des gesammten Geldmarktes kommt es weniger an, als darauf, daß die verstaatlichte Reichsbank den ihr mit allen anderen Staats- institntionen gemeinsamen Berus entdecken soll: der Landivirthschaft zu helfen. Doch da? sind aller Voraussicht nach nur Illusionen. WaS auch der Zickzackknrs an Unbegreiflichkeite» geleistet haben mag, das ist denn doch von ihm zu erwarten, daß er von einem so gefährlichen Spiele sich fernhalten und die Bank, auch wenn er das Eigenthnmsrechl an ihr erwirbt, in der bisherigen Weise weiter- wirthschaften lassen wird. Es bliebe dann alles beim Alten, die Agrarier wären die Düpirtc», und die Sache würde schließlich ans einen häuslichen Zank zwischen Regierung und Grund- besitz hinauslaufen, der sehr erfreulich werden könnte. An- genommen aber den unwahrscheinliche» Fall, daß die Regierung zu allerhand agrarischen Kreditabenteuern die Hand böte und schließlich so weit ginge, den Kredit der Neichsbank dadurch ernstlich zu gefährden— sind wir die Hüter dieses Kredits? Oder habe» wir sonst Ursache, einen solchen Ausgang un- erfreulich zu finden? Es gäbe wenig, womit sich die Regierung vor dem Bürgerthum so wirksam blamiren, womit sie den matten bürgerlichen Krieg gegen das Agrarierthmn zu einer heller lodernden E lamme entfachen könnte, als dadurch, daß sie das Allerheiligste, die rundlage des ganzen Kreditsystems, freventlich antastete. Das Resultat einer solchen Bankpoliiik wäre politisch der beschleunigte Bankrott der Junkerherrschaft. In beiden Fällen würden sich die Agrarier gründlich ver- rechnen; und angenommen selbst, es fände sich eine Art von Mittel- weg, auf dem die Reichsbank ohne wesentliche Erschütterung ihre Kreditgewährung a» die Landwirthschaft erleichtern könnte, so würde das dem hypothekarisch verschuldeten Junkerthum auch noch so gut wie garnichts helfen. Der Schuh drückt es auf einer anderen Stelle. Welche Eventualität man auch immer inS Auge faßt, eine wirk« liche Verstärkung der agrarischen Position ist von der Ber« staatlichung der Neichsbank in keinem Falle zu erivarten, viel eher noch eine Verwirrung, ein Aufeinanderplatze» der Gegen- sähe, die de» oppositionellen Parteien zu gute kommen muß. Das Eintreten der Agrarier für die Verstaatlichung darf uns daher in unserer, dem allgemeine» Sinne»nseres Programms entsprechenden Stellungnahme nicht erschüttern. Eine Politik der Kreditexperimente, sollte sie überhaupt zu befürchten sei», würde stch bald gegen die Urheber selbst kehren. -- Die Verstaatlichung der Neichsbank, die heute schon ohne alle ökonomische Schwierigkeiten zu bewerkstelligen ist, hätte nur den Sinn eines wegweisenden Zeichens für spätere Entwickelungen. Auf wenige» Gebieten des wirthschaftlichen Lebens vollzieht sich die Be- wegnng der Kapitalkonzentration mit solcher Vehemenz wie gerade im Bankivesen. Mit der privilegirteu Reichsbank»usammen sind die mächtigen E f f e k t e n b a» k e» des Deutschen Reiches wetteifernd in die Höhe gewachsen. Ohne jedes Privileg, nur gestützt auf ihre zunehmende Kapitalmacht, haben sie die Sphäre ihres Einflusses dauernd erweitert. Erst im vorigen Monat machte z. B. wieder die Deutsche Bank eine» großen und entscheidenden Vorstoß. Das ?lktienkapital dieser Privatbank wurde von 100 auf 150 Millionen Mark erhöht, eine Summe, um 30 Millionen größer als das Kapital der Reichsbank. Einer der Gründe für die Erhöhung war die Bereinigung zweier großer Provinzialinstitnte, der Bergisch-Märkischen Bank und oes Schlcsischen Bankvereines mit der Deutschen Bank. Der„Deutsche Oekonomist", ein spezifisches Börsen- und Bankblatt, meint, daß da- mit der Betriebsumfang der Deutschen Bank der größte auf der ganzen Welt geworden sei. Im Anschluß an dieses Ereigniß schildert er die allgemeine Kapitalskonzentration der Bankkapitale und die Tendenz, der die Bewegung zutreibt:„Fort und fort gelangen Anerbietungen von Privatbankiers an die Aktienbanken, ihre Geschäfte zu über- nehmen. Auf Seite der Aktienbanken waren es zunächst die größere» Provinzinstitute, welche mit hauptstädtischen Banken verschmolzen wurde»; in weiterm Verlans werden noch die kleinern Provinzbankcn an die Reihe kommen, mit den großen Institute» deS Zentralplatzes Berlin fusionirt zu werden. Die weitere Entwickelung in der Richtung der Zentralisation scheint unabwendbar, aber (setzt das ökonomisch-liberale Blatt sehr charakteristisch hinzu) wir können nicht sagen, daß sie uns gefällt." Denn ans dem Monopol ergeben sich nothwendig Schädigungen des Publikums und damit der Ruf nach Verstaatlichung dieser aus dein Boden der freie» Konkurrenz aufgewachsenen Kreditkolosse.„Man mag dies, heißt eS weiter, im Bankwesen heute noch als eine grundlose Be- sürchtung, als eine bloße Phantasie ansehen, aber wir behaupten doch: Das Endziel der heutigen Kumulirung aller Betriebe im Bank- und Verkehrswesen und in der Industrie ist die V e r st a a t l i ch u n g, gleichviel, ob dieses unvermeidliche letzte Ziel in einer längeren oder kürzeren Reihe von Jahren erreicht wird. Die Verstaatlichung i» solchem Umfange ist der Staats» Sozialismus." Wenn die Bewegung so mit Rissenschrilten auf dem freien Bankmarkl vorwärts eilt— nnd der manchesterliche „Oekonomist" ist sicher ei» unverdächtiger Zeuge— dann sollten wir, wenn es einstweile» auch eine bloße Demonstration ist. vor der Ver- staatlichung der Reichsbank durch den agrarischen Lärm uns zurück- schrecken lasse»? Zehn Jahre, eh' der Vertrag von neuem kündbar wird, stnd eine lange Zeit, da kann sich viel geändert haben. Wer weiß, ob die Gelegenheit sich dann im gleichen Maße günstig wieder bieten wird? C. 8. Oeffenkliche Guikkung über die bei der städtischen Haupt-StiftungSkaffe für die durch Unwetter Geschädigten Teutschlands ein- gegangene» Beträge. (Fortsetzung.) Ertrag der Sammlung durch Hausltsten in dem Steuer-Echever-Revier Jli. 19 817 25. Durch die Bank für Handel und Industrie 830,-. Nrunelius u! Ko.. Frankfurt a. M. 600,-. Keller. Geh.©auroch 100,-. strausc u. Leicht. Cannstatt 30,-. Durch die Mecklenburgische Bank in Schwerin 472.-. Peters, Betertnärrath 10.-. Bärensprung u. Ehlers h, F M 3,—, Störzcl, Ober-Landgcrichtsrath 20,—. Gtese, Ober- aiichenraths-Pr-isident 10.-. Frl. v. Wilsberg» 20,-. Un- »aannt 10,-. Ritzerow, Rechtsanwalt 10,-. Stahlberg, Pastor 10,-. Svitta, August 50,—. Frl. Peters©., Weimar 10,—. H. I. 3,—. tzuiupe 15,—. Frau Brauns 20,—. Günther, Lübz 10,—. Scheel 2,—. F. W. 6,—; p. St. 3,-. Frau v. Witzendorff geb. v. Loivtzow lo,-. A. M. b,-. F.«. A. 5,-. Du ahnst es nicht 5,—. Ungenannt 5,—. A. S. 10,—. Sevecke, B. 2,—. Frau v. Lücken geb. v. Mierheimb 20,—. Lübbe, Rentner 40,—. Zahn, Hof- Konzertmeister 10,—. W. Lunow 10,—. O. R. 20,—. v. W. 3,—. Michaelsen, A. 10,-. F. M., Lehrer 2,-. F. S. 2,-. F. M. 10,-. H. B. 20,-. Gebrüder Vcrhem 6,-. W. S. 2,-. A. K. 6,-. Frl. v. Seidewitz 10,-. Bade, H. 6,-. Allgem. Elektrizitiils-Aesellschaft 3000,-, Rathenau, Gcneral-Direktor 500,—. Dochwitz, F., Schuldiener 6,—. Mohr, Schiedsmann, in Sachen Milde kontra Nenendorf 3,—. Stadtgemeinde Gera 1000,—. Ertrag der Sammlungen in Gera ftir Schlesien und Sachsen 5060,53. Durch das Postamt I Hohenlimburg: Sammlung des Amtmanns Funke in Hohenlimburg 2500,—. Stadtgemeinde Stabfurt 1000,—. Stadtgemeinde Bromberg 5000,—. Stadtgemeinde Salzwedel 500,—. Ortskomitee in Nixdorf, als 6. Rate 1000,—. Redaktion der„Neuen Stettiner Zeitung", Stettin, als 0. Rate 1000,—. Bötzow, Hennann 100,—. Sammlung des „Kladderadatsch" 295,30. Bezirksvercin Moabit 30,—. Engelbert Rhodius, Kaufmann, Kursürstenstr. 50 300,—. Richter, Wilhelm, Theaterdirettor 10,—. Ertrag der Sammlung durch Hanslisten im Steuercrheber-Revier Nr. 7 1354,31. Erpeditton der„Anklamer Zeitung", alS 5. Rate 310,—. Expedition des„Kreisblatt" in Schivelbein, 4. Rate 150,—. Gemeindekaffe Wilda 300.—. Durch Prediger Hirschberg, Sammlung der Kirchengemeinde Schüpfurth bei Eberswalde 23,—. Redaktton des„Altenaer Kreiöblatt", Altena i. Wests, 99,30. Gesellschaft„Erholung" in Saalfeld 100,—.„Ückermärkischer Courier" in Prenzlau, gesammelt im Dorfe Dedelow bei Prenzlan U.-M. 84,—. Schwartz, Karl, Bellevuestr. 5», 500,—. Stammttsch Igel 25,—. Angestellte und Jnsaffen der I. H. Weydingerffchen Stiftungen 14,—. Frau Mcuer, Agnes 10,—. Meyer, Edith 3—. Meyer, Kurt 0,50. Walter, F. C., Königsbcracrstr. 26/27, 10,—. Geinemde Ostramondra b. Cölleda 59,07. Männergesangverein„Germania" in Reetz durch die Poftagcnttir Reetz bei Wiesenburg i. M. 79,06. Gemeindekaffe Tepliroda nur für Schlesien 100,—. Stadtgemeinde Calbe a. Saale 1000,—. Von dem Männer-Turnverein zu Calbe a. S. gesammelte Beiträge 12,60. Frau I. Treuhcrz, Markgrafen- strabe 100, 5,—. Jules Bister, Unter den Linden 8, 100,—. Frau Paula Fabian in Graudenz 3,—. Ertrag der Sammlung durch Hauslistcn im Steucrerheber- Revier Nr. 61 544,20. Stadtgemeinde Gotha 2000,—. Untcrstützungs- Komitce zu Neu- Brandenburg 1090,—. Gesammelt bei Hennann Pfuhl, Jnvalideustr. 38(60,25), für Schlesien: Geburtstagsfeier am 9. August er. 3,-. Schlosky 2,-. Pfuhl 2,-. Diverse 66- Spiele 3,25. Hille 1,-. Buchholz, A. 3.—. Garmatter, G. 3,—. Schulze, Paul 1.—. Winter I,—. Chan, M. 2,— Pochhammer 2,—. Schlichting 1,—. Jung, G. 3,-. Lüdecke 3,-. Stäge, QuI. 2,-. Ertrag der Sammlung durch Hauslisten in dem Steuererhcber-Revier Nr. 3 18öS, 43. Rate des„WochcnMvtts" von Neuhaldensleben 400,—. Hahn, G., Professor, Friedrichshain 30,—. Neue Wache, Berlin 10, bö. Beitrag der Stadt Samter 106,—. Beitrag der Stadt Höxter a. W. 300,—. 2. Rate der Danzigcr„Neuesten Nachrichten" 164,4». Beitrag der Gemeinde St. Lajams, Posen 300,—. Beitrag der Stadt Camen, Kreis Hamm 300,—. Wiediger und Gcrlach, Lehrer in Stolzenberg 3,80. Haussammlung der Gemeinde Nindorf, Kreis Rendsburg 20,0». Beitrag der Stadt Dronen 449,0». / r....„ o �»f»v» STO-rtCfn 7(4 Sttuifvi-ro Sov fWontoiriho Suchhändler in Bad Harzburg, Ertrag eines arrangirten Wohlthätigletts� Konzerts 461,-. Nippe, Rektor, aus einem schiedsmännischen Vergleich, für Schlesien 20,—. Berliner Glektrizttätswerke 2000,—. Durch das königliche Polizeipräsidium(1100,90): Reinhardt, Gastwirth, Ertrag eines Sommer- festes 67,40. Holland, Regierungs- Baumeister 20,—. Rattey, Bau- Jnspektor 20,—. Dr. Zimmer, Bezirks-Physikus 10,—. F. W. Eggers- mann, Bünde, durch den Schaanhauien'schen Bankverein b8s,»0. Behle, Restaurateur, Ertrag eines Konzerts in der Bönow- Brauerei 28»,—. Behrens. Fritz, Kurfürstendamm 11 100,—. Adolf- Skatgesellschafl in Charlottenburg 10,—. Hellriegel, Stadtverordneter 20,—. Bourset, Stöbt. Thierarzt 5,0». Delbrück, M.. Proiefiot, Berlin W 50 30,— Bürgermeisterei Bensheim 400,—. 4. Rate des„Pasewalker An- zeigers" 340,—. Stadtgemeinde Weihensels a. S. 1000,—. Sammlung des Landraths des Rhetngau-Kreiies Wagner, als 1. Rate 1300,—. Hilfskomitee zu Kastel, als 3. Rate 2000,—. Ertrag der Sammlung durch Hauslisten im Steuer-Erheber-Revier Nr. S3 S42,4». Bon der Teltower Kreis- Kommunalkaste als Ertrag der Sammlung im Kreise Teltow, 3. Rate 4280,78. Ertrag der Sammlungen durch Hauslisten: Im Steuer-Erheber-Revier'Nr. 131 457,3», im Steuer-Erheber-Revier Nr. 49 635,0», im Steuer-Erheber-Revier Nr. 35 548,35, im Steuer-Erheber-Revier Nr. 102 1005,80, im Steuer-Erheber-Revier Nr. 36 363,65. Bon der Expedition der„Berliner Zeitung" und„Berliner Abendpost" 108,10. Erpedition des„Saarlouiser Journal" 717,56. Sammlung beim König- schießen der Schützengilde der Haupt- und Residenzstadt Berlin 300,—. Durch die Gebrüder R. u. A. Müller in Langenfeld, Rheinland, Ertrag der Sammlungen aus der Bürgermeisterei Monheim 417,55. Stadtgemeinde Hanelfelde a. Harz �00,—. Gewerbcgcricht Berlin, tn Sachen Feist kontra Zimmermann 6,—. Wagner, grohherzvgltch sächsischer Landkanin, errath in Gütterlitz bei Triptis, Ertrag eines Wohlthätigteits-Bazars der Vollmonds- Gesellschaft 340,—. Gemcindevorstand Gerswalde i. U.M., eingezahlte Beträge 70,05. Kreis-Kommunalkaste zu Nauen, Sammlung aus den Ortschaften des Kreises Ost-Havelland 6500,— und 815 Reichspost-Anstalten mit 32 266,83. Wegen Uebernahme des S. HEINE'schen Waarenhauses, Chausseestrasse 14 Grosser Ausverkauf sämmtlicher vorhandenen Bestände, bestehend in: Kleiderstoffen, Herren», Damen» u. Kinderwäsche, Bettzeugen, Tischzeugen, Tücher u. Decken, Teppichen, Gardinen, Tischdecken, Damen» u. 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Cichorien, Päckchen 5 Pf. Rosinen Psd. 30 Pf. Mandeln Pfd. 90 Pf. Citronat Pfd. 80Pf. Bärme, Mohn Psd. 30 Pf. SckMltapfel Pfd. 23 Pf. Pflaumen Pfd. 2» Pf. Backobst Psd. 40 Pf. Sauerkohl 10 Pf. Marmelade Pfd 25 Pf. Emgel. Früchte, Konserven, Präierven, Honig Psd. 70 Pf. Sprit-Emg Ltr. 20 Pf. Mostrich, Gewürze, Vanille, Stärke Pfd. 25 Pf. Vogelfutter Pfd. 15 Pf., ger. Semmel Psd. 15 Pf. zc. Ubren, Gold- und Silberwaaren Juwelen— Alfenide AM* B Uhrmacher und Juwelier BERLIN N., Brunnenstrasse 175, �ben der SOOL- EIE-,SCHWtfEIi tFICHTBINAKl- BAOER. Gegen(Lrkaltnng, Gicht und Rheumatismus. l,ol»-Taaalii-, HelRstrockeulaft- und Danipfkastenbllder mit Verpacknne, massnxxe.[29962* Ritter-Bad, Bad Frankfurt, 18 Rittcrftr. 18(Ecke Prüizenstr.) 130 Gr. Fraukfurterstr. 13«, Bäderlicfernng für sämmtliche Krankenkafsen Berlins und llmgcgend. « ISdriz, Möbel- und Polsterwaarenfabrik ecertlndet 1878. 2998L* Belchenbergerattraaae Xo. 5, zwlachen Kottbnaer Thor und Itltteratraaae. 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