Einzelpreis 20 Pfg. 4. Jahrgang • Die Brethet erscheint morgens und nachmittags, Sonntags und Montags chmal Der Bezugspreis beträgt bei freter Buftellung ins Haus für Groß- Belte 10,92. isa sorots jehlbar, von der Spedition felbft abgeholt 8,50 M. Für Vofte bezug nehmen sämtliche Botanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband Sezogen für Deutschland und Defterreich 16,50 m., für das übrige Ausland 21,50 suzüglich Baluta Aufschlag, per Brief für Deutschland und Desterreich 30,-. Redaktion, Expedition and Berlag: Berlin 62, Breite Straße Se Sonnabend, 19. März 1921 Nummer 132 Abend- Ausgabe Ste achtgefsaftene Monpareilleselle oder beren Raum koftet 5,-. einschließlich Tenerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2,-., jebes weiters Wort 1,50. einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen- Gefucha in Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 M., jedes weitere Wort 1,- e Gernspreayer: Zentrum Nr. 15230-152 39 greibeir Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Ruhe in Oberschlesien Am Vorabend der Abstimmung nicht recht, welche Barole eigentlich die richtige ist, ob die auf Drahtmeldung unseres Rorrespondenten Rattewig, 18. März." Es ist anzunehmen, daß die Abstimmung und der Abstimmungstag felbst ruhig verlaufen werden, abgesehen von fleineren 3wi schenfällen, die bei der nationalen Berhekung der Voltsteile unnermeidlich sind. Sowohl von deutscher wie von polnischer Seite wird versichert, daß alles geschehen solle, um die Abstimmung por jebem Terror zu bewahren. Allerdings veröffentlichen beide Seiten fortwährend Notizen und Artikel, durch die der Beweis erbracht werden soll, daß stets die andere Seite der Unruheftifter jei. Den Bolen sollen Dokumente in die Hände gekommen sein, aus benen hervorgehen soll, daß die Deutschen einen vollständigen Blan zum Angriff auf die voraussichtlich vorwiegend pol wisch abstimmenden Gebiete bereit hätten. Der deutsche PlebiszitCommissar Dr. Luta sched bestreitet entschieden, daß die deutsche Drganisation jemals derartige Pläne entworfen habe. Umgekehrt foll es auch polnische Pläne dieser Art geben, nach denen Ober lesien gewaltsam von den Polen besett merden fode, wenn die Abstimmung zugunsten Deutschlands ausgehen pürde. Man fann annehmen, daß alle Dokumente dieser Art gefälscht und auf Bestellung vorgerichtet find. Den Anreiz bazu bieten die hohen Belohnungen, die von beiden Seiten aus: gefegt werden, um den Schandtaten der Gegner auf die Spur zu tommen. Auf jeden Fall muß dringend davor gewarnt werden, ten Gerüchten über bevorstehende Unruhen und Störung des Ab Rimmungsaties Glauben zu denken, Man muß anerkennen, daß die Maßnahmen der interalliferten Kommission zum Schuße der Abstimmung mit möglichster Objet tivität angeordnet und durchgeführt werden. Es sind bedeutende Truppenverstärtungen in Oberschlesien eingetroffen, und wenn auch nicht jedes fleinste Dorf mit Soldaten belegt werden fann, fo dürfte das Truppenaufgebot doch genügen, um die geordnete Ab jtimmung ficherzustellen. Es ist freilich tein Zeichen besonderer politijcher Reife, wenn ein demokrati, cher Att wie die Abstimmung nom Militarismus beschützt werden muß. Es ist nirgends zu be ohachten, daß die alliierten Soldaten einen Unterschied zwischen ber deutsch und polnisch sprechenden Bevölkerung machen. Es ist zu verstehen, daß einzelne Mannschaften nicht besonders höflich gegen das Bublifum find, aber es ist falsch, zu behaupten, daß hierbei die Deutschen schlechter fortkommen, als die Polen. Auch die Franzosen bemühen sich, bei aller Sympathie für die Bolen, feinen Unterschied in der Behandlung der Bevölterung aufkommen au laffen. Unter den Kommunisten herrscht, so gering thre Zahl auch im allgemeinen ist, doch die größte Verwirrung. Man weiß Stimmenthaltung oder die auf Stimmenabgabe für Sowjetrußland. Aber ein Teil ihrer Leute fümmert sich um beide Parolen nicht, sondern fordert seine Gesinnungsgenossen auf, für Deutsch land zu stimmen. Die oberschlesische„ Rote Fahne" hat alle Hände voll zu tun, um diese Abtrünnigen als bezahlte Spigel und gekaufte Elemente zu beschimpfen. Dabei sind es nicht die schlechtesten Leute, die die Barolennarretei nicht mitmachen, sondern sich der Stellungnahme der U. S. P. anschließen. Die polnische Presse veröffentlicht einen neuen Aufruf, in dem den Abstimmenden versprochen wird, daß ihnen Polen Freiheit“,„ Glüd", und Wohlstand" sichern werde.„ Am Sonntag werden endlich unsere Ketten fallen." Wir werden in das Land der Freiheit eingehen. Unterschrieben ist der Aufruf vom polnischen Plebiszitkommissar Dr. Korfanty, non der Nationalen Arbeiterpartei, von der Christlichen Boltsvereinis gung für Oberschlesien, von der Schlesischen Volkspartet und schließlich von der Polnischen Sozialistischen Partei ( P. P. S.), unterzeichnet Josef Binisziewicz Die B. P. S. marschiert also gemeinsam mit den bürgerlichen Parteien, den schlimmsten Feinden der Arbeiterklasse, ins Land der Freiheit"! Der Aufruf ist vom 17. März gezeichnet. Noch am Bormittag dieses Tages hat Binisziewicz in einer Unterredung mit dem Korrespondenten der Freiheit" die bishe rigen nationalistischen Ausschreitungen seiner Partei bedauert und weiter beteuert, daß er und seine oberschlesischen Freunde nichts damit zu tun hätten. Man sieht nun, was von diesen Versicherungen zu halten ist. Diese Sozialisten wollen in traus tem Berein mit den Bertretern der polnischen Reaktion die Ar beiter zuz Freiheit, zu Glück und anderen schönen Dingen diefer Art geleiten. Wadere Klassenfämpfer! Ein französischer Prügelheld Drahtmelbung injeres forrespondenten Kattowig, 19. März. Ein bebauerficher Zwischenfall hat sich gestern hier zugetragen. Der Vertreter der„ Bossischen Zeitung", Dr. Manfred Georg, wurde am frühen Morgen bem französischen Militärkommandan ten vorgeführt. Die Veranlassung dazu bot eine Notiz über eine Beranstaltung ber heimatstreuen Oberschlesier, die von den Polen gewaltsam gestört worden sein soll, und durch die sich der Kommandant verlegt fühlte. Der französische Offizier beleidigte erst den Pressevertreter und schlug ihn mit der Hand ins Gesicht. Die hier anwesenden Vertreter der deutschen Presse haben in einem Telegramm an die interalliierte Kommission Protest eingelegt und Genugtuung für die Verlegung der Pressefreiheit gefordert. Das gleiche Verlangen ist an die Reichsregierung gerichtet worden. Der russisch- polnische Friedensvertrag werben. Da die Wiederguimachungskommiffion die bisherigen unterzeichnet Utb.- Tel. Riga, 18. März Der zuffisch- polnihe Friedensvertrag wurde heute abend 10 Uhr unterzeichnet. Der Vertrag enthält 26 Paragraphen. Danach bleibt die in den Waffenstillstands- Berhandlungen feftSefette Demartationslinie nunmehr als Grenz: zwischen Ruhland und Bolen bestehen, nur in den Gebieten von Minst und Bollesje rehält Polen noch insgesamt dreitausend Quadrat. Lilometer Land. Der Vertrag sieht eine Ridgabe aller Kul turwerte und Kunstgegenstände, die seit dem Jahre 1772 dem pol nischen Besitz entnommen worden find, an Polen vor. Außer dem. erhält Polen dreißig Millionen in Gold and, wird von der Verpflichtung befreit, für die Schulden der früheren russis ihen Regierungen anteilsweise aufzufommen. Die Widersprüche des Versailler Bertrages Neuer Kommentar zu den 20 Milliarden Goldmark EE. Paris, 19. März Die Note der Wiedergutmachungstommission an die deutsche Sieglerung, dah bis zum 1. Mai der noch verbleibende Rest von den 20 Milliarden in zahlen ist, erfährt durch diese Kommission einen neuen Kommentar, worin erklärt wird, daß die Bestimmungen des Artifels 235 mit jenen des Artifels 12, Anhang 2 in Verbindung steht. Der Artitel 235 enthält imperative ( bindende) Vorschriften. Wenn Artikel 12, Anhang 2 ausführt, bas Deutschland seine zinslosen Bons durch neue zinstragende Bons austausche, jo besteht darin fein Widerspruch. Der Ars titel 235 hat unbedingt durchgeführt zu werden. Mit dieser Auslegung ist der Matin" nicht einverstanden. Gr erflärt, daß allerdings der Artifel 235 in imperativer Form beftimme, daß Deutschland 20 Milliarden Goldmart vor dem Mai 1921 zu bezahlen hat. Andererseits erklärt Artikel 12, finhang 2, daß die von den Deutschen übergebenen Bons von 20 Milliarden Goldmart im Falle sie am 1. Mai nicht amortisiert mazes, rene Bans, bie Zinjen tragen müssen, ersekt Leistungen Deutschlands auf acht Milliarden Goldmark berechnet, von denen drei Milliarden auf das Wiedergutmachungskonto zu buchen find, so hätte Deutschland am 1. Mai 1921 für 17 Milliarden neue Bons auszugeben. Die Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages ständen offensichtlich im Widerspruch miteinander und Deutschland mache offensichtlich alles, um aus den Nachlässigkeiten der Abfassung des Friedensvertrages seine Borteile zu ziehen. Die 50 prozentige Ausfuhrabgabe Annahme der englischen Gesetzesvorlage im Unterhaus SR. London, 19. März. Das Unterhaus hat die Gesetzesvorlage über die 50pros zentige Ausfuhrabgabe auf deutsche Waren in dritter Lesung mit 132 gegen 15 Stimmen angenommen. Das Geset tritt am 31. März in Kraft. Güter, über die ein Bertrag bis zum 18. März abgeschlossen war, dürfen bis zum 15. April eingeführt werden, und unterliegen nicht der Abgabepflicht. Der belgische Gesetzentwurf Die Gesetzesvorlage über die 50prozentige Abgabe auf deutsche Waren wird am Dienstag in der belgischen Kammer eingereicht werden. 18 monatige Militärdienstzeit in Frankreich Paris, 18. März. Nach einer Havasmeldung hat der Seeresau schuß der Kammer die achtzehn monatige Dienstzeit für die Jahres.lasse 1922 und für die folgenden Jahresklassen ohne Berücksichti gung der von der Regierung gemachten Vorbehalte angenom men und die Dienstzeit für die Jahrestlassen 1920 und 1921 auf zwei Jahre festgesetzt. Auf Antrag des Generalberichterstatters hat der Ausschuß dem Rekrutierungsgesetz einen Artikel hinzugefügt, ber bestimmt, daß nach Einstellung der Jahresklasse 1925 ber Kriegsminister dem Parlament einen Bericht zugehen lassen soll, ab es möglich sei, von 1926 an die Dienstzeit des attiven Seeres auf eine noch fürzere Frist als achtzehn Monate einzuschränten Die Tragödie des ungarischen Nationalbolschewismus Von Jultus Braunthal, Wien Im Auftrage der sozialdemokratischen Emigranten haben die gewesenen Volkskommissare, Wilhelm Böhm, Alexander Garbai, Siegmund Kunfi und Zoltan Rona i der Internationalen sozialistischen Konferenz in Wien eine Denkschrift über die Rolle der ungarischen sozialdemokratis schen Partei in der Räteregierung überreicht. Es ist das erste sozialdemokratische Dokument über das Wer den und den Niedergang der ungarischen Kommune. Wäh rend die kommunistischen Emigranten- mit der einzigen, rühmlichen Ausnahme Barga's, der sich mit wissenschafts lichem Ernste und Vorurteilslosigkeit bemüht hatte, die ökonomischen Erfahrungen der proletarischen Diftatur zu sich ten die Welt mit ihren üblen Schmähschriften über den Verrat" ihrer sozialdemokratischen Kampfgenossen, die treu und ehrlich im aussichtslosen Kampfe ausgeharrt hatten, überschwemmten, erachteten die sozialdemokratischen Emis granten es als ihre vornehmste proletarische Pflicht, hre. ganzen Kräfte dem Kampfe wider den weißen Schrecken der Konterrevolution zu widmen. Die Was beispielsweise der bestgehaßteste und vielverleumdete Siegmund Kunfi zur Organisierung des internationalen Widerstandes des Proletariats, ja, der ganzen Kulturwelt gegen Horty- Ungarn in unermüdlicher, unbeirrbarer, zäher Arbeit beigetragen hat, sichert ihm mit Recht die Anerken nung der sozialistischen Arbeiterschaft aller Länder. Denischrift, in der nun zum erstenmale die ungarischen Sos zialdemokraten die historische Verantwortlichkeit für den Busammenbruch der Rätebittatur feststellen, lehnt es mit würdevoller Zurüdhaltung ab, an das tommunistische Lü gengewebe, das ihre proletarische Ehre zu verdunkeln bee müht ist, mit der fritischen Sonde heranzutreten. Sie bes gnügt sich mit der Darstellung ber ökonomischen, sozialen, nationalen und massenpsychologischen Triebfräfte, die das Werden und Vergehen der Rätediftatur verursacht haben. Ungarn war bis zum Oftober 1918 das einzige Land Europas, einschließlich der Türkei, in der die Arbeiterklasse völlig machtlos war, weder Anteil an der Volksvertretung hatte, noch selbst ein Koalitionsrecht besaß. Bis zur Revo lution hatte die Arbeiterklasse weder im Parlament, noch in einer der vielen tausenden Gemeinden einen Vertreter; es bestand außer den Gewerkschaften nicht einmal eine polis tische Arbeiterpartei, die zwanzigmillionenföpfige Bevölfe. rung des Landes konnte nur durch eine einzige sozialistische Tageszeitung beeinflußt werden. Es leuchtet ein, daß die Arbeiterklasse für ihre riesengroße Aufgabe, die ihr die Res volution stellte, geistig und organisatorisch nur ungenügend gerüstet war. Dez Es tam der Zusammenbruch der Adelsherrschaft. Bolfszorn fegte die feudalen und bürgerlichen Parteien, die bisher eine grausame Klassenherrschaft ausgeübt hatten, in Sturme hinweg. Der Arbeiterklasse fiel die Macht tampflos zu; sie, die Trägerin der Heilsbotschaft des Sozialismus, wurde zur selbstverständlichen Ffthrerin der Revolution. Die Revolution hatte drei Aufgaben zu lösen: politisch, die Aufrichtung einer demokratischen Republit, national, die Scheidung der nichtmagyarischen von der magyarischen Ration, sozial, die Abschaffung der feudalen Grundbe fizer. Da aber die industrielle Arbeiterschaft die Revolu tion trug und führte, versuchte sie auch, so viel die Umstände gestatteten, an sozialistischen Gedanken zu verwirklichen. Was in den wenigen Monaten wirklich geschaffen wurde, ist gewaltig, an den Zuständen gemessen, die vor der Revolu tion in Ungarn herrschten. Die politische Revolution wurde restlos durchgeführt, die Verfassung und Verwaltung des Staates auf breite, demokratische Grundlagen gestellt, die faiserliche Armee völlig zerstört und eine proletarische Wehr macht geschaffen, eine sozialistische Schul- und Kulturpolitik eingeleitet. taft zum Sozialismus, aber feineswegs seine Berwirklichung. Aber das alles war wohl Voraussetzung und erster Aufs Denn trotzdem die Arbeiterklasse unumschränkt im Staate herrschte, konnte sie es nicht hindern, daß sich ihre wirtschaftliche Lage verschlechterte. Die getreidereichen Gebiete gin gen bei der Aufteilung des Landes an die Nachfolgerstaaten verloren, Industrie und Handel lagen infolge der allgemeinen Weltfrise und der besonderen Wirtschaftsnot aller ehemaligen Staaten der Donaumonarchie darnieder, die Zahl der Arbeitslosen war riesengroß und in stetem Wachs tum, das Brot wurde knapper. Aber die Maßen hatten h gerade von der Herrschaft der Sozialdemokratie eine erheb liche Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage ergofft. Sie glaubten, daß die Herrschaft der Sozialdemokratie, als die Bürgschaft der von Wilson geforderten Demokratie, dem Lande auch einen„ gerechten" Frieden bringen werde, der ihre nationalen Empfindungen nicht verlege. Indes auch das Waffenstillstandsdiktat war grausam und hart und ent flammte die nationale Empörung. Die Bayern hatten von der sozialdemokratischen Regierung die Aufteilung des Großgrundbeßiges gefordert. Diese aber wollte zumindest die Agrarreform gemäß den sozialistischen Grundsätzen lö fen: also nicht Aufteilung, sondern Vergesell igaftlichung des Bodens. Das vermochten bie Dauern und Landarbeiter nicht zu begreifen. Auch sie zogen sich enttäuscht von der Eozialdemokrane zurück. Und nun traten die Bolschewiki in die Kampfarena. Sie versprachen den Aiasien die Erfüllung aller ichrer Wünsche i zunächst und vor allem ihrer nanonalen. Was Wilson dem Lande geraubt hatte, das werde Lenin dem Lande wie- der gewinnen. Der ungarische Kommunismus war vom ersten Tage seiner Wirksamkeit an nationalbolsche- w i st i s ch; aus dem Nationalbolschewismus zog er seine stärkste Kraft, die iljm schlichlich die Herrschaft brachte. Ten unzufriedenen Ma»en in den Städten versprach er beben- kenlos eine sofortige und erhebliche Besserung ihrer Lage, wobei er gleichzeitig skrupellos ihre Unzufriedenheit schürte und aufstachelte und sie zu mahlosen Ansprüchen verleitete. Er verwendete seine ganze Kraft, um den Aufbau der de- mokratischea Republik zu sabotieren, um desto wir- kungsvoller hernach nachweisen zu können, dah die Temokra- tie ein ungeeignetes Mittel zur Verbesserung der Lage der Arbeiterklasse sei. Die Bauern, unbefriedigt und in Eärung gegen den Versuch einer sozialistischen Losung der Agrarfrage, die Städte erfüllt von den aufgestachelten Soldaten, Arbeitslosen und industriellem Proletariat, die Intellektuellen ganz im Banne des Nationalbolschewismus diesen Widerständen gegenüber reichte die Kraft der Sozialdemokralen nicht aus, dazu die nationale Krise, durch eine Note des Oberst Vyx ent- fesselt, der die sofortige Räumung neuer grosser Gebiete for- derte und die so festgesetzte strategische Linie als die defini- tive Grenze bezeichnete. Die bürgerlichen Koalitionsparteien lehnten die Verantwortung für die Erfüllung der Entente» forderung ab. Sie traten aus der Regierung aus. Die Sozialdemokratie, der nun Macht und Verantwortung überlassen war, muhte nun daran gehen, die proletarische Einheitsfront herzustellen. Die kommunistische Partei war ganz schwach, � sie zählte nur 5000 Mitglieder. � t— w._..... Arbeiter .HVaewalhg entfacht. Es war für alle Parteien, alle Klassen, alle Schich- ten der Bevölkerung unannehmbar. Alle forderten die Zu- rückweisung der Ententeforderung, das heisst, den Krieg. Dieser war jedoch nur auf dem Boden der sozialistischen Einheitsfront möglich. „Ein Krieg ohne eine Verständigung mit den Kommunisten. das wäre der Krieg Kerenskis mit dem proletarischen Auf- stand im Rücken, das wäre die Preisgabe der sozialistischen Bo- denieform, also die Hlnopferung des Sozialismus in Ungarn, das wäre letzten Endes die Politik R o s k e s gewesen..... Zwischen die Möglichkeiten, einen Bürgerkrieg gegen die besitzen- den Klassen oder gegen das Proletariat zu fllhreg, gestellt, ent- schied sie(die sozialdemokratische Partei) sich für die Diktatur des Proletariat». So wurde in einem Lande, wo auher der un» klaren und stets wechselnden Stimmung der Massen alle Voraus- setzungen der sozialen Revolution fehlten, die Diktatur des Pro- letariat» ohne irgendwelchen Widerstand aufgerichtet." Das Proletariat besah weder die geistige noch die organi- satorische Fähigkeit; an diesen Widersprüchen ging die Re- volution zugrunde. Und dah die ungarische kommunistische Partei die Revolution gewissenlos herbeigeführt hat. ohne die Voraussetzungen zu prüfen, ob sie auch zu behaupten sei, das ist ihregefchichtliche Schuld. Die sozialdemo- kratischen Führer erachteten es. obgleich ihnen das Ver- hängnis der Machtergreifung vom ersten Augenblick an offenbar war, als ihre selbstverständliche Pficht, beim Proles- tartat zu verharren und zu versuchen, die unvermeidliche Reederlage zu mildern. Vt)ie Rätediktatur vermochte naturgemäh die Wünsche der arbeitenden Klaffe nicht zu erfüllen. Der rings- um an den Grenzen des Landes lodernde Kriegsbrand, die Blockade, die allmählich einsetzende Sabotage der Intellektuellen, die Desorganisation der Industrie, des Verwal- tungsapparates des Staates, die Teilnahmslosigkeit und in späterer Folge die Feindschaft der bäuerlichen Bevölkerung steigerte den Notstand des Staates ganz auherordentlich. Die begeistert« Stimmung der Massen schlug bald um. Es setzte nun eine Terrorherrschaft ein, die das Widerstands- Zentrum verstärkte. Der Zusammenbruch war unvermeidlich. Die Sozialdemokratie bot ihre gesamten moralischen und materiellen Kräfte auf, um die Diktatur zu stützen. Sie war es, die nach dein Zusammenbruch der ersten Armee am 2. Mai aus ihren Reihen, aus den Reihen der Eewerkschaf- ten, eine zweite Armee aufstellle, die den verlorenen Krieg in einen siegreichen wandelte. Die sozialdcmolratischen Ee- werkschaften waren es, die die völlig desorganisierte Produk- tion emporhoben, die die Grundlagen eines neuen Verwal- tungsapparates legten, die schlechtweg alles, was an sozia- lem Aufbau in Räte-Ungarn geschaffen wurde, bewirkten. Freilich vermochten sie die Kriegsmüdigkeit, den Hunger in den Städten, den gegenrevolutionären Geist der Agraröevöl- kerung nicht zu bannen, die durch die kommunistische Taktik der Revolution entfremdeten geistigen Arbeiter nicht wieder zu gewinnen. Die nationalbolschewistische Stimmung, die Offiziere und Intellektuelle der Nätediktaiur zugeführt hat- ten, schlug naturgemäsi in eine konterrevolutionäre um. als die versprochene russische Hilfe ausblieb und die feindlichen Heere siegreich wurden. So kam der Zusammenbruch und mit ihm der Beginn einer Schreckensherrschaft, deren Grauen noch immer über diesem unglücklichen Lande waltet. Dem Thiers Ungarns, dem Admiral Horthn. wird noch die Toten- glocke läuten: das leidende ungarikck« Proletariat, das sein Blut dem Befreiunaskampfe der Men�ch�eit hingab, wird, wie die Kommunekämpfer der französischen Revolution, „eingeschreint in dem grohen Herzen der Arbeiterklasse" sein. Die abgelehnte Entmündigung. TU. Berlin. 19. März. In dem Entmündigungsversahren, das der preutzische Finanz- minister gegen den Prinzen Friedrich Leopold von Preugen, wegen behaupteter Geistesschwäche angestrengt hatte, liegt jetzt die Be- grllndung sür die am 3. März ergangene ablehnende Entscheidung des Landgerichts Potsdam vor. Die sämtlichen Gutachten der Sachverständigen, darunter Geh. Medizinalrat'Leppmann und Prof. Bonhöser, sowie ein Arzt in Lugano, haben danach eine Geistesschwäche des Prinzen nicht feststellen können. Der Antrag des Oberstaatsanwalts auf Entmündigung des Prinzen musge hiernach abgelehnt werden. Mit einem Gefühl der Erleichterung wird die deutschnationale Presse diese gerichtliche Entscheidung verzeichnen. Wo käme sie sonst mit ihrem Hohenzollernkultus hin. wenn ein leibhaftiger Prinz als„geistesschwach" erklärt worden wäre? Inzwischen bc- müht sich die gesamte reaktionäre Presse, im trauten Berein mit dem„Berliner Tageblatt" krampshaft, den Prinzen Friedrich Leopold reinzuwaschen. Sie greift da» Preußische Finanz- m i n i st e r i u m ans das Heftigste an und beschuldigt es der Irre- führung der öffentlichen Meinung. Aber das Ministerium ist in der Lag«, dokumentarisch nachzuweisen, daß die Beauftragten des Prinzen Leopold es gewesen sind und noch sind, die versuchen, die öffentliche Meinung irrezuführen. So hat der Generalbevoll- mächtigte des Prinzen, der Sekretärin, die eine der sehr ungünsti- gen Aussagen über den Prinzen und seine Schieberversuche gemacht hat, eine«idesstattliche Versicherung und einen Brief an das Finanzministerium in« Stenogramm diktiert, in dem er sein« Ansichten ihr zu unterstellen versuchte. Die Vertreter de» Reichssinanzministeriums wessen darauf hin. daß die Zeugenaussagen nicht, wie die deutschnatianale Presse behauptet, von einem sozialdemokratischen Gewerlschastssekretär, sondern von dem christlichen Eewerkschaftssekretär Becker, einem Landtagskandidaten der Deutschen Volkspartei auf- genommen worden sind. Gegenüber der Behauptung, daß der Prinz in Lugano einfach und bescheiden lebe, stellt da» Preußl- sche Finanzministerium fest, daß er allein in der Zeit vom 17. Ja- nuar bis zum 26. Februar d. I. 1 6 8 9 0 0 0 M a r k aus den Ein- künften des Gutes Flatow-Krojank« erhalten hat. Schon am 15. März hat der Prinz weiter« 100 oooMark telegraphisch angefordert, die ihm aber, da inzwischen die Beschlagnahme des Gute» erfolgt war. nicht ausbezahlt worden sind. Da die An- gestellten des Prinzen, während er in Saus und Braus lebt«. ihr« Löhne und Gehälter nicht erhielte» und die Gehaltsanwcisungen feiten» der prinzlichen Verwaltung au»- blieben, sah da» Finanzministerium sich genötigt, auch zu diesem Zweck« Gelder de» Prinzen zu beschlagnahmen. Sollte die deutschnatlonale Presse noch weiterhin Lust verspüren. sich über den Fall zu unterhalten, so wird ihr mit weiterem Ma» terial über dieLotterwirtschastder Hohenzollern ge» dient werden können. 302 Milliarden französische Staatsschuld Deutschland muft zahle» EE. Paris, 19. März. Im Senat wurde gestern der Bericht der Finanzkommissio« du�cy den Lerichrerstateer Cheron vorgelegt. Er führte aus.' dag die französische Staatsschuld am 1. August 1914 2 5 M i l» liarden betragen habe. Sie habe sich bis heute aus 302 Mil» liarden erhöht. Hierzu kommen aber künftig noch die P e n j i o» nen und die Vergütung der angerichieten Schäden. Daraus seien bis jetzt an Deutschland 38 Milliarden vorgestreckt worden. Immerhin mähten der französischen Staatsschuld noch 180 Milliarden hinzugezählt werden, im Falle Deutschland seinen Verpflichtungen nicht nachkomme. Der Berichterstatter legi« dar, dag im Jahre 1921 der französisch« Staatsschatz über 58 Piuliarden versügen müht«, während er weniger als 22 Milliarden e in genomme n.habe. Das Budget sei allerdings durch Ab» striche, welche der Finanzaus, chug des Senates vorgenommen habe, etwas verringert worden. Andererseits mühten aber auch Steuersätze niedriger eingesetzt werden, so sei die Deschäftsumsatzsteuer mit 4988 Millionen veranschlagt worden, der Senat habe sie aber nur mit 2700 Millionen an- setzen können. Das ordentliche Budget sei aktiv, es weise einen Ueberschuß von 63� Millionen Franks auf. Auch das auhcri.edentliche Bud- get könne, da es auf 2837 Millionen herabgesetzt sei, durch An- leihen gedeckt werden. Dagegen sei für das ordentliche Budget von 1922 einDefizitvonkdis8Milliarden vorzusehen. Wenn man dieses ausgleichen wolle, so mllsie man Anleihen in der Höhe von 1920 aufnehmen. Falls Deutschland zahle, so werde Frankreich über srine sinanzirllen Schwierigkeiten hinwegkommen. Zahlt Deutschland nicht, so ist das Problem»«lösbar. Man wird auf das Guthaben gegenüber Deutschland keinerlei Anleihen auf- nehmen können, deshalb muh mit allen notwendigen Zwangsmaßnahmen darauf gedrungen werden, daß Deutschland zahlt. Wenn Frankreich sich der Reichtümer Deutsch» lands unmittelbar bedienen würde, so würde es nur das tun, woz» es berechtigt ist. Cheron setzt sich dann sehr energisch für eine Sparpolitik ein. All« überflüssigen Ausgaben müßten oet» boten werden und die Kontrolle über die Finanzgebahrung ver» stärkt weöden. Wie die Entente Oesterreich Hilst Wie die«Frankfurter Zeitung" au» Wien meldet, sind dort am Freitag mittag die Beschlllfs« de» Ober�en Rate» bekannt geworden. Den Wünschen Oesterreichs wird nur in einer sehr bedingten Weise Rechnung getrau?». Die geforderte Aushebung de» Eeneralpfandrechtes wurde nid,-' bewilligt. England, Frankreich. Italien und Iaoen stellen ihre Pfandrechte au» dem Friedensvertrag auf eine später zu bestimmende Reihe von Jahren zurück und wollen die notwendigen Schritte unternehmen, um hierzu auch die an- deren beteiligten Regierungen zu veranlassen. Di« gewünschte«� Staatskredite werde»»icht bewilligt, dagegen wird das Fi- nanzkomite« de» Völkerbund«» innerhalb 14 Xaatn. «ine Konferenz abhalten, um die Höh« der Kredit« und der Sicher» Helten mit de« Bankier» zu besprechen. Oesierretch kommt unten die Kontroll« einer vom«Slkerbund zu bestimmend n Koinnni- J ston. die über die für die Kredite einzuräumenden Sicherheiten' wachen wird. Der Völkerbund und die alliierten Hauptmacht« werden die Durchführung der Krediuulion unterstützen und sich au? der Konferenz von Porto Rosa bemühen, die Wirtschaft- lichen Beziehungen zwischen den Staaten von Zentraleurova und denen von Osteuropa zu verbessern. Schließlich sagen die Alliierte» zu. Sch-itte z» nnternehmen, um Oesterreich erhöhte Kohlen- zufuhr zu sicher». � � «n Staatsselr�Zr für die rheinssche««ngelegenheHei». Da« Kabinett hat beschlossen, die Stelle eines Staatssekretärs für die rheinischen Angelegenheiten beim Reichsministerium des Inner» einzurichten, dem die Vertretung der rheinischen Interessm in allen Fragen, die in der Reichsverwaltung bearbeitet werden» übertragen werden wird. Die Auflösung der Städte von Adolf Allwohn Eine gewiss« Stadtfeindschaft wächst in der Stimmung unserer Zeit immer mehr an. Ein« zufällige Ursache dieser Sehn- sucht nach einer dauernden Flucht aufs Land war die Lebens- mittelnot der Städte, die jetzt mehr und mehr behoben wird. Trotzdem wird die Stadtfeindschaft andauern, ja zunehmen, denn sie hat tiefer« Ursachen. Sie ist eine Begleiterscheinung des Willens zum Sozialtsmus. Und zwar in zweierlei Weife. Einmal bedeutet Sozialismus doch auch das Streben zu größerer Arbeitsfreude, denn das Auswach en der Massen ist zum Teil auch durch die Unlust an der unaushürlichen: mechanischen und geist- titenden Maschinenarbeit hervorgerufen worden. Die Knechtung unter die entseelte Handhabung der Aiaterie ließ allmählich die unterdrückten Bedürfnisse des Gemüts und des Geistes mit doppel- ter Sehnsucht nach Befreiung sich erheben. Wenn die Fabrikarbeit auch nicht völlig abzuschaffen ist, so bedeutet Sozialismus doch auch Beseelung rein mechanischer Tätigkeiten oder doch wenigstens Re- duzierung der Arbeitszeiten zur Ermöglichung weitgehender Er- holung, d. h. Pflege von Gemüt. Seele und Geist. Das ist aber nur aus dem Lande wirtlich möglich, denn in der Stadt werden die FabrUräume immer eng, dumpf und verhältnismäßig lichtlos sein und Mietskasernen, A.phaltstraßcn und dunstgefüllte Ver- sammlungeräume sind keine eigentlichen'Erholungsstätten oder Pflegestätten des Gemüts. Der Mensch braucht genügenden Raum für Arbeit und Wohnung. Er braucht Luft und Sonne und innige Verbindung mit allem Wackssen der Mutter Erde. Stehen nicht schon in unserer Zeit die Arbeiter, die„draußen" ein Häuschen mit Garten haben, dem Menschen des Zukunftsstaates, trotz allem. was noch fehlt, viel näher als die Mietskasernenarbeiter?— Und zweitens bedeutet Sozialismus doch auch der Wille zu einer orga- nischen Menschengemeinschaft und damit Ablehnung der Struktur der Stadt, denn hier sind auf engem Raum Menschen angehäuft, die nichts miteinander zu tun haben, sondern kalt und herzlos einander gegenüberstehen wie die Wände ihrer Steinhäuser. Au» der ganz zufällig entstandenen und angewachsenen Einwohnerschaft einer Stadt eine organische Gemeinschaft machen zu wollen, ist eine Unmöglichkeit. Da kann nur eine Neuschöpfung helfen,«ine landwirtschaftliche oder handwerkliche Siedlung, di-e von vorn- herein nur Men.chen gleicher oder ähnlicher Einstellung in sich ausnimmt. Zu diesen aus der Struktur der kapitalistischen Gesellschaft aus- steigenden Ursachen der Stadtseindschaft kommt dann noch eine all- gemeine kulturkritische Stimmung oder, besser gesagt, ein Zivi- lisationsüberdruß. Man hat allmählich herausgefunden, daß da», was die Stadt der großen Mehrzahl an„Kultur" bietet, z etwa» Leere». Schales, Bleiche« und Gekünstelte» ist. Und so sehnt man sich an» der Ueberfeinerung der Stadtkultur zurück oder viel- mehr empor zu einem Neuansang aus ursprünglichem Fühlen her- aus. So verwirft man ein« Kultur, die es zwar fertig bringt, die letzten Seelennerven zu reizen, der es aber an jeder einfachen Wucht natürlichen Empfindens fehlt. So will man über die ge- dankliche Blässe künstlicher Konstruktionen hinaus zur Naturnähe und zur Wärme erdhaften Wachsens. Der Ruf:„Zurück zur Natur", d. h. zu-Iick zu den Quellen, zu den Müttern, ertönt eigentlich an allen größeren Wendepunkten der Kultnrentwicklung, wenn e» sich eben darum handelt, von Grund auf neuzubauen. Diese Aufgabe des Neubauens hat den Arck>it«kten Bruno Taut angelockt und ihn veranlaßt zu seinem Buch«„Die Auf- lösung der Städte"(Folkwang Verlag. Hagen), das aus 30 Ent- würfen und Skizzen und einem ausgedehnten Literaturanhang mit Auszügen aus den Werken Rousseau», Tosstois, Nietzsches. Kropot- kins, Landauers, Engels, Oppenheim«? und vieler anderer be- steht.— Bei Taut ist die Architektur zur umfassenden Erdgestal- tung geworden. Bauen ist für ihn Zusammenfassung und Krönung aller Kulturtätigketten des Menschen. Die Vorbedingungen eines neuen Bauens(„Bauen" hier noch einmal im engeren Sinne) werden in diesem Buch« vom Architekten gleich miterörtert und gefordert. Diese Erweiterung des Gebietes der Architektur ist keine willkürlich« Maßnahme, sondern stützt sich auf folgend« Er- wägungen: Der Bau umschließt alle Künste. Die Kunst ist aber keine Sache für sich, sondern das ganze Leben selbst: das heißt also, alle menschliche Gestaltung— und wir gestalten fortwährend au», tiefsten, zum größte» Teil unbewußten Seelengründen heraus— ist Kunst im weiteren, größeren Sinne. So wird der Architekt für die ihm vorschwebende Art der baulichen Gestaltung die erforder- lichc Art der L e b e n- r i ch t u n g beachten und erläutern müssen. Es ist weiter die baulich« Gestaltung der Erdoberfläche nicht ab- hängtg vom Willen des Architekten, sondern vom Willen der Menschen, unter denen der Baumeister vielleicht derjenige Ist, der der allgemeinen Sehnsucht zum Schauen ihre» Zieles verHilst, der das ausspricht, was alle bewegt. Und der Wille der Menschen steht wieder unter dem Einfluß der ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Zustände. Bruno Taut muß also für die von ihm geschaute zukünftige Erdgestaltung die zukünftigen Lebensverhält- nisse erläutern. Sie werden charalterissert durch folgende Worte: „Der Staat ist tot".„Keine Grenzen".„Es gibt nicht mehr.... Krieg und Frieden".„In Hilfe und Austausch lebt jeder von dem, wa« die Gesamtheit hervorbringt". Beim Plan einer Landarbeit»- gemeinschaft heißt«s:„50 Familien an Stelle de» Herrschafts- Hauses": Arbeit ist hier Freude":«Aus der natürlichen Zusammen- gehö'igkeit im Tun und Leben ergeben sich die gemeinsamen In- i tcressen":„Rechtssvruch innerhalb jeder Gemeinschaft" usw.— � E» sind, wenn nicht die furchtbaren, wirtschaftlichen Verhältnisse uun hohen Buchpreis vujchuidea würden, die Ziel« de» wert-( tätigen Volkes, und so müßt« das Buch Bruno Tauts zu einem Volksbuch werden. Man kann sich wohl vorstellen, daß auf dem Grund dieser freie» und lichten Verhältnisse und von der neu- gewonnenen Erdnähe aus wundervoll heit«e und leuchtende, archi» tektonisch« Gebilde entstehen müssen: Wohnhütten. Wohnhäuser, Heiligtümer usw. Wir müssen sie lieben, denn es sind die Bilder unser« eigenen Sehnsucht und die Ziele d« Entwicklung, in der wir stehen.— Das Buch ist trefflich ausgestattet: farbig und heiter. e Bruno Taut, dessen Bedeutung der vorstehende Artikel dehandelt. hat«ine Berufung als Stadtbaurat nach Magdeburg er» halten. Wie wir hören, wird Taut, wenn bestimmte Wüns-be von ihm erfüllt werden, die Berufung annehmen, die ihm manche be- deutende Aufgaden bringt. Trotzdem ist es sehr zu bedauern, daß «ine Gemeinde mit dem Aufgabenkrei» Berlins für Taut keine Arbeitsmöglichkeiten schaffen kann. Erich Mühsam: Judas Uraufführung in Mannheim Gewaltige Schwierigkeiten hatten Veranstalter und Regie zu überwinden. Keinerlei Organisation gab die Erundlaoe. Ein kleiner Kreis aus Männern der Linkspartcken teilte fich in die vorbereitend« Arheit. Für die Rufführung war einzig der ricsiqe Rib'lungensaal mit dem gigantischen Podium geeignet. M'ß- trauisch erst, dann mit heller Freude an der Sache, kamen die Arbeiter, die, in den. Massenszenen— ssch selbst— spielen sollten. Die Regie(E. L. Kupfer, Darmstadt) sollte da» Werk als Manifest herausbringen, lleber manche Klippe hinweg wurde die Aufgabe gelöst. Mühsam, der sein.fllnfaktige» Arbeiterdroma im Festnngs» gefängnis in Ansbach geschrieben hat, zeichnet das Judasproblem, das biblische Ueberliescrung uns einprägte, völlig um. Judas ist nicht immer Verräter um des Vorrats willen. Judas kann sein: Verräter zu höchstem sittlichen Zweck.— Hier in seinem Werk zeigt Mühsam: Der Krieg(es ist Januar 19!8> lähmt die schlummernde Energie der Masse, lähmt ihren, in verb ssenc» Grollen gebannten Willen zur Empörung wider Krieg und Unter» drllckung. Judas ersteht, verabredet mit der Polizei einen Zu» sammenprall von Masse und Militäe. Da, Militär siegt. Als» gemeinster Verrat?— Rein!— Judas ist übcr'uat: Die Dumpfheit kann nur gebrochen werden durch das Blutbad. Aus der Niederlage der Masse wird der O lle zum Eicg. zur Revolution erwachsen.— Verrat an der Masse um der Masse willen! Judas opfert, um der Mass: einen Weg zu bahnen, einen Teil, der Masse, seinen besten Freund, seine Lieb«. Alle schickt e-— durch Verrat-- t» die Arm« de» Tode», um der Masse zu heljea» l das Ac het ioji »es Uta so» nick svi, list �e, E«, l ce ce 糕 It 路 ent 25 ie ES in 1, ลูบ Luf er, per 200 ets DOR bes Daß ine R Ein bie Tige die -Ten Berf rde gs em, ein: Rext die enes Mörderfuftiz Aus Prag wird uns geschrieben: Seit dem Generalstreit wütet die Bourgeoisie der sogenannten demokratischer tschechoslowatischen Republil und benügt all ihren Einfluß, um buchstäblich ein Regime des meißen Schreckens zu etablieren. Tagtäglich fällen die Ausnahmesenate, die nach des Einstellung der Geschworenengerichte eingesetzt. wurden, Urteile, gegen die selbst die berüchtigten bratonischen Entscheide der alten österreichischen Kriegsgerichte milde anzusprechen find. Schon die Boruntersuchung brachte für die paar tausend Eingeterferten einen Freiheitsverlust von mindestens zwei Jahrhunderten mit fich. Nun hat Ler Ausnahmejenat in Brünn in drei großen Sohrerratsprozessen" Urteile gefällt, die geradezu be täubend wirtex. müssen. In einem Brozek hatte das Gericht über 31 Genossen wegen Hochverrats" zu urteilen. Ein Arbeiter wurde 3 6 Jahren, zwei zu 4, zwei zu 3 Jahren schweren Rerlers verurteilt, die meisten anderen Mitangeklagten zu 7 bis 15 Monaten. Einige Tage später wagte es das gleiche Gericht, in einem Prozeß mit 17 anderen Genossen einen auf 9 Jahre, zwei auf 8 Jahre, einen auf 7 Jahre, drei auf zwei Jahre, die anderen auf drei bis 18 Monate in den Kerter zu schicken. Und noch war dieser Prozeß laum beendet, als der dritte einsetzte, während dessen die beiden Redakteure der Brünner linksfozialistischen„ Rovnost" Botava und Burian zu je zehn Jahren schweren Retters, die Genossen Sobota, Morel und Stoda zu je acht Jahren, die Genossen Remunda und Krasny zu se sechs Jahren schweren Kerkers verurteilt wurden, weil sie während des Generalstreits das Elektrizitätswerk in Oslavan bei Brünn zum Stillstand gebracht hatten. Anläßlich der Oslavaner Vorfälle tam es auch dazu, daß Soldaten entwaffnet wurden, doch wurden absolut feine Gewalttätigkeiten bes gangen, fondern die Waffen von den Arbeitern nach Hause ge tragen, um ein Blutvergießen zu verhindern. Auch hatten sich die Soldaten durchaus nicht gegen bie Entwaffnung gewehrt, so daß man annehmen darf, daß ihnen die Attion nicht allzu unangenehm war. Dem Genossen Votava wirft die Ans tageschrift vor, er fei der eigentliche Organisator der fommunisti schen Bewegung in Brünn gewesen, während des Generalstreifs habe er erklärt, jetzt sei der Kampf gegen die bürgerliche tschecho flomatische Republit im Gange, und fein Ziel fönne nur die Errichtung eines sozialistischen Staatswesens sein. Dies genügt nun der blutdürftigen Bourgeoisie- obzwar sie selbst zugestehen muß, daß feinerlei Gewalttätigkeiten portamen, um ehrliche Klassentämpfer auf Jahrzehnte in den Kerfer zu werfen. Was aber das traurigste an diesen Urteilen ist, ist der Um ftand, daß die reaktionäre Regierung und ihre Sandlanger sich ihre Frechheiten nur unter freudigster Assistenz der Rechtssozialisten erlauben fönnen. Erst bie letzten Tage haben dies wieder gezeigt. In Krompach, in der Slowakei, ist es zu Krawallen gefommen, in deren Verlauf der Fabrifdirettor und der Gespan Jowie drei Arbeiter erschlagen, eine Reihe weiterer Personen schwer verlegt wurden. Es ist festgestellt, daß die Unruhen einzig und allein wegen des Hungers der Bes völkerung entstanden sind. Die Gendarmerie, die im Betrieb wohnt, dort verföftigt und versorgt wird, greift auf Verlangen Der Betriebsverwaltung mit Waffengewalt ein, es wird feftgestellt, daß durch einen Gendarmen zuerst zwei Arbeiter era Schoffen werden, bevor es zu weiteren Tätlichkeiten kommt chechischen Rechten sprechen aber gleichwohl der Regierung, die durch ihren Präsidenten eine verlogene und entstellte Frtlärung dem Parlamente vorlegt, ihr Vertrauen aus. Die Unruhen werden auf das politische Gebiet hinübergeschoben, die Bemegung als eine fommunistische erklärt und die Reputation des Staates fowie der sozialdemokratischen Rechten ist wieder einmal gerettet. Die Notlage der Lehrerschaft die um Uns wird geschrieben: Obgleich die wirtschaftliche Not aller Beamten und insbesondere der Lehrer von Tag zu Tag steigt, dringt der Gedante, daß das tapitalistische Wirtschaftssystem bie Quelle alles Uebels ist, nur langsam in die unpolitischen oder bürgerlichen Köpfe der Lehrer. Wie sehr die Not selbst unter den Oberlehrern Saenisch nennt fte Studienräte fa gegriffen hat, zeigen die Antworten auf eine Umfrage, bie der Berliner Philologenverein veranstaltet hat. Aus feinem Mitteilungsblatt entnehmen wir einige Proben: Einschräntung der Lebenshaltung. 1. Als Enschränkung muß ich mir vor allem bauernbe Ghelosigkeit auferlegen. 2. Auf Kinder haben wir längst Berzichtet. 3. Ich bewohne eine geradezu un würdige Wohnung auf dem 2. Hofe eines schmutzigen Hauses. 4. Jezt leben manche von uns, die feine Schulden machen, schlechter als ein Sund. Ein großer Teil hat sich das Frühstüden abgewöhnt. 5. Jch darbe und verhungere langsam( aber wähle deutschnational!!). 6. Nächstens werde ich ohne Unterwäsche dastehen. Bersuche durch nebenbeschäftigung die Eintünfte zu erhöhen. 1. Da Rebenverdienst nicht gefunden, Spiele ich klapier im Kino. 2. Durch Botengänge versuche ich mir einen Rebenverdienst zu beschaffen. 3. Ich bin im Nebenerwerb als Buchbinder tätig. 4. Ich habe Nebenerwerb durch zeitweisen Nachtdienst im Telephon- und Tes legraphenbureau. Folgen der Unterernährung und eberan trengung. 1. Wenn diese Fronarbeit weiter geht, bin ich in 5 Jahren verbraucht. 2. Wenn diese Einschrän= tungen andauern, muß ich mich vor der Zeit pensionieren Taffen.( Siehe den Protest gegen die Pensionierung der 65jährigen Lehrkräfte.) Wirtung der schlechten Lebenshaltung auf Frau und Kinder. 1. Meine 4 Kinder sind so schwächlich Frau und Kinder. 1. Meine 4 Kinder sind so schwächlich geworden, daß fie alle zur Teilnahme an der Quäferspeis fung ausgewählt wurden. Meine Frau muß für alle 4 Kinder trok der vielen Hausarbeit in nächtlichen Stunden aus alten Sachen die Kleidung zusammenfliden. 2. Meine Frau, einst frisch, blühend und lebensfroh, ist unter der Laft und Qual der Tage ein blutarmes, fräntliches, nervöses, trübfeliges Wesen ge worden. Die Gefahr des geistigen Berfalls. 1. Wo soll die Oberlehrerschaft die sittliche Kraft zu ihrer vornehmsten Aufgabe hernehmen, wenn dieser Staat ihrem törperlichen und seelischen Berkommen nicht entgegentritt. Ich gestehe es rund heraus, daß ich auf einem hiesigen Leihamte schr gut bekannt bin. 2. So verfümmert man förperlich, seelisch und geistig. Resignation und Berzweiflung. 1. Stein Hund möchte so weiter leben. 2. Mir ist eben nicht mehr zu helfen. Ich gehe unter. Diese Auslese von Briefstellen aus Oberlehrertreifen mag genügen. Wir enthalten uns einer Kritit ihrer Wahrhaftigkeit. Ebenso wollen wir jetzt feinen Vergleich mit Arbeiterverhält. nissen anstellen, sondern wollen nur dem legten Briefschreiber zus rufen: Jawohl, dir ist zu helfen. Du brauchst nicht unterzugehen. Leg deinen Stehfragen ab und schau um dich, damit du deine Zugehörigkeit zur Proletarierklasse erkennst. Stell dich ein in Die Einheitsfront der Hand- und Kopfarbeiter zur Ertämpfung deines Eristenzminimums. Dein Li bäugeln nach den Brosamen auf der Herren Tische ist vergeblich. Jeber ehrlichen Arbeit gebührt ehrlicher Bohn. Da er dir nicht zus gebilligt wird, trete ein in den Klassentampf. Die Lehrer und Lehrerinnen aller Schulgattungen, die sich diesen Klassentampfgebanten zu eigen gemacht haben, vereinigen fich in immer wach fender Rahl in der Freien Lehrer gewerkschaft Deutschlands"( Afa- Sektion). Verrückt In dez ,, Roten Fahne ist man mun völlig verrüdt geworden. Neben finnlosen provokatorischen Rebensarten nach Lodspigelart werden jetzt tagtäglich in immer abstoßenderem Kaschemmenton die sozialistischen Wortführer von anonymen Lausbuben beschimpft. So wird heute zur Abwechselung Genosse Breitscheid„ bellender Hund der Bourgeoisie" genannt, ohne jebe Veranlassung, ohne Zusammenhang, nur des Schimpfens an sich halber. Es ist eine Schande für die kommunistischen Arbeiter, daß ste diese völlige Berlotterung ihrer Bewegung dulden. Unser Urteil über den verächtlichen Streber Stöder und seine Kums pane, namentlich des famosen Herrn Chefrebatteur That heimer, die durch diese Provatationspolitif und Brunnena vergiftung bei Ginowiem und den Moskauer Geldgebern sich bes liebt machen wollen, wird dadurch allerdings bestätigt. Bes zeichnend für die Feigheit der Levy und Däumig ist es aber, daß sie gegen diefe lumpige Stampfesweise nicht aufautreten wagen, Aussperrung in Kopenhagen. Seute trat die von den Arbeit gebern angekündigte Aussperrung in Kraft. Die Aussperrung betrifft 50 000 Arbeiter, vornehmlich der Tertil und Eisen industrie. Alle Vergleichsverhandlungen find abgebrochen. Maßregelung fommunistischer Rechtsanwälte. Die tommunisti, schen Rechtsanwälte in der Tschechoslowakei werden, da fie den Schwur auf die Verfassung nicht achten, aus der Kammer der Rechtsanwälte ausgeschieden werden. Jhn verfolgt der Schrei der Masse: Judas! Jubas!" Er stirbt freiwillig. Ueber ihm überjauchzt den Judasruf der Soffnungsvertretung hat der Berliner Theaterdirettorennertretung Forderun Schrei des blindfuchenden Boltes auf die troy alledem heraufrauschende Revolution. Der 5000 Personen fassende Saal beinahe bis auf den Tegten Platz gefüllt. Die ersten Szenen etwas dünn auf der Riefenbühne; allmählich Kontalt mit der Zuhörermenge. Hinter den Einzel auftritten ersteht unsichtbar die große Masse und verjagt das Gefühl der Leere. Atemlose Spannung steigert sich so, daß die Dialoge mit spontanen Zwischenrufen erregt begleitet werden. Das Theater als politische Tribüne! Brächtig entwideln sich im legten Att Massenszenen. Das sind teine bezahlten Statisten, Das sind Proletarier, die mit jedem Nero fühlen, was sie in dies jem Spiel bedeuten. Als aus den Judasflüchen die Marsailleise fich löst, stehen die Fünftausend auf und begeisterter Beifall mischt sich in den Massendhor. Darstellerisch war neben dem Ruffen Lecharjow von Robert Garrison, Frau Laßmann, die Helene Weigels[ pielte, die beste Leistung. Der Kriegsblinde Lagmann des Wenzel Soffmann wirfte erschütternd. Bezwingend eindringlich war die Studentin Rosa Severin von Erna Liebenthal. Der Judas von Alfred Beierle, litt etwas unter dem noch nicht ganz festgefügten Zusammenspiel von Künstlern verschiedenster Stilauffassung. Beierle wollte den gänzlich unpathetischen Proletarier, der tein Theater macht, auf die Bühne stellen. Die Kürze der Proben mag zu Kompromissen gedrängt haben. Für Erich Mühsam dantte Alfred Beierle für den Beifall der Fünftausend. Karl Berg Erzählungen von Zola in der„ Freiheit" Unsere Leser und Leserinnen werden gewiß mit Interesse hören, baß es uns gelungen ist, eine größere Anzahl meist heiterer Rovellen und Stizzen von Emile 3ola für die Freiift heit" zu erwerben. Emile Zola ist durch seine gewaltigen lozialen Romane einer der beliebtesten und angesehenften Dichter bes Proletariats aller Länder. In seinen Erzählungen lernt man ihn von einer neuen Seite tennen. Selter, humorvoll, jonnig zeigt sich seine Kunst in fast allen Stüden und doch ist ste ter nicht oberflächlich oder nur rein gefühlsvoll. Selbst in treinen, 3uspielerischen Stüden bricht plöglich seine republikanische, foziasolistische Gesinnung durch. Die Erzählungen find für die deutschen pfsefer zum größten Teil neu. Manche sind zum erstenmal ins Der Deutsche übersetzt worden, andere find nur wenigen literarischen Revinern bekannt. Wir werden die fleineren Erzählungen in der Sonntags erscheinenden Unterhaltungsbeilage, Teil längeren in der Freien Welt" veröffentlichen. Morgen beginnen wir in der Unterhaltungsbeifane mit bes luftigen Ge Whichte eines Schafftreits: Der große Michu". tion #! jen bie Die Forderungen der Schauspieler. Die Berliner Schauspieler gen zur Sicherung der wirtschaftlichen und fünstlerischen Existenz unterbreitet, von denen die wichtigsten lauten: An allen Berliner Theatern müssen vom 1. September 1921 ab bis zu einem Monatseintommen, welches das Doppelte des Mindesteinkommens beträgt jedoch mindestens bis zur Höhe von 3000 m. einschl. Jahresverträge geführt werden. Das Theaterjahr be Das Theaterjahr bes ginnt am 1. September und endigt am 31. Auguft. Jebes Mit glieb, dessen Vertrag auf mindestens 8 Monate lautet, hat An spruch auf einen ununterbrochenen Urlaub von 4 Wochen mit vollen Bezügen in der Zeit vom 1. Mai bis 1. September. Der Urlaub muß mindestens einen Monat vorher festgesetzt wer den. Das Mitglied fann in der Urlaubszeit an an der freien Verwendung seiner Arbeitskraft nicht verhindert wer ben. Jedes Mitglied hat innerhalb dreier Monate Anspruch auf 6 freie Abende. Am Ende der Spielzeit dürfen nicht mehr als 25 Prozent der künstlerischen Mitglieder des festen Ensembles entialien werben. Die Bühnenleitung ist verpflichtet, den Mitgliedern, welche sie in der nächsten Spielzeit nicht zu behalten gebenft, bis zum 1. Januar davon Mitteilung zu machen. Diese Forderungen enthalten wahrhaftig nichts, was nicht eigents lich ganz selbstverständlich wäre. Trogdem wird es wohl noch manchen Druds bedürfen, bevor die Direttoren so natürliche und menschliche Forderungen angenommen haben werden. Die Kaiser Wilhelm- Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaf ten beging gestern die Feier ihres zehnjährigen Bestandes. Wir hoffen, daß die zum Teil mit hervorragenden Ergebnissen arbeifenden Forscher mit der Zeit auch auf ihren patriotischen Titel verzichten werden, der nichts mit ihren Leistungen zu tun hat, umjomehr aber mit einer byzantinischen Gesinnung, die teinen Gelehrten ehrt. Tages- Notizen Frelreligiöse Gemeinbe. Sonntag, borm. 10 Uhr, tm Stadthaus, Klosterstr. 50, Jugendweihe. Festvortrag von Dr. A. Rosenberg. Männerchor. Sar monium und Bioline. Gäste willkommen. „ Stimmen der Völter". Die siebente Mittagsveranstaltung Sonntag, 11 Whs vorm., im Staatlichen Saulpielhaus bringt Volfs- und KunstDichtungen der Serben, Montenegriner, Bosnier, Bulgaren, Neugriechen und Rumänen u. a. Bruchstücke aus dem Drama des verstorbenen Königs Nitite Kaiserin des Ballans". Borirag: Sermann Kienzl. Mitwirkende Margarete Reff. Mathilde Suffin, Ernst Legal, Georg Kniestädt( Bioline) und Seinz Etthofen. Karten 2 und 3 m. Staatsoper. Heute statt Coft fan tutte" Boheme". Anfang 0% Ude. Erstaufführungen. Gillet Theater. 20. Jetten Gebert. Ref. [ ing Theater. 22. Der Frauenmut. Gtaalides Saufpiel. haus. 23. Die echten Sedemunds. Neues Bolls Theatet. 26. Bes brüderung. Theater in der Königgräger Straße. 25. Rugby. Metropol Theater. 26. Die blaue Magur. Romilde Oper. 27. Laberchen.- 2uilen Theater. 27. Uebern großen Teich. Museumsfahrungen. Sonniag, 0% hz, finden burd) Museumsbeamte Führungen im Museum für Bältertunde( meritantse Runft) und im Kaiser Friedrich- Museum( Tizian and Benebig) Batt Eintrittstarien je 1 3. em Eingang bes Mujeen, WOOD Kronstadt Ciner Rosta".Meldung zufolge berichtet die bollches wistische Zeitung„ Nowy Puti": " In einem Gespräche mit einem Mitarbeiter der„ Prawda" fagte Kalinin, daß der Kronstädter Aufstand, insoweit er von den Matrosen ausgeht, nicht gegenrevolutionär ist. Die Matrosen wollen nicht gegen die Sowjetmacht tämpfen und das ist die Erklärung dafür, warum wir mit ihnen so viel Geduld haben." Man vergleiche mit dieser Aeußerung des Vorsitzenden des Zentralegefutiofomitees das hysterische Getreisch der fommunistischen Presse, die die Kronstädter Matrosen als ,, Gegenrevolutionäre" und Weißgardisten" beschimpft. 99 Gleitende Lohnskala in England Reuter meldet: Der Vertrag zwischen der Regierung und ben Eisenbahnerverbänben sieht vor, daß die Löhne der Eisens bahner entsprechend dem Stande der Kosten für die Lebenshal tung steigen ober fallen sollen. Da diese Kosten in der letzten Beit am 28 Puntte gefallen find, werden die Löhne Der Eisenbahner am 1. April automatisch um fünf Schilling pro Woche herabgelegt werden. England geht es gut. Reuter meldet: Raut den englischen Bierteljahrsstatistiken sind im ersten Vierteljahr 1921 749316 Menschen getraut worden. Diese Zahl ist bisher noch nie erreicht worden. Die Zahl der Sterbefälle ist bie niedrigste feit 1862. Aufstandsbewegung in Maroffo. Nach einer Savasmeldung aus Rabath ist eine Erfundungstolonne in der Gegend von Uezzan von 200 Angehörigen des nicht unterworfenen Stam. mes der Beni Mestara angegriffen worden. Sie jeten nach heftigen Rämpfen zurüdgeworfen worden. Der Feind habe große Verluste gehabt, darunter mehr als 100 Tote. Die Bere Tufte der Franzosen betragen 84 Tote, darunter 3 französische Offiziere. Die Verwundeten der Franzosen betragen 74, darunter 3 franzöfifche Offiziere und 15 französische Soldaten. Konferenz der ästerreichischen Nachfolgestaaten. Nach einer Stefanimeldung aus Rom, wird Ende März wahrscheinlich in schen Monarchie stattfinden. Außer einem Vertreter Jtaliens als Rsm eine Konferenz der Nachfolgestaaten der alten österreichis Vorsitzenden werden Bertreter Desterreichs, der Tschecho. ( lowatei, Bolens, Ungarns und Rumäniens daran teilnehmen. Die Konferenz in Porto Roja wird ungefähr am 15. April zusammentreten, um Mittel und Wege zu einer prate tischen Unterstützung Desterreichs zu prüfen. Auch Vertreter der Entente werden daran teilnehmen. Die Notenflnt in Polen. Das polnische Finanzministerium hat dem Landtag einen Gesezentwurf vorgelegt, der die polnischen Landesdarlehnstassen zur Serausgabe einer neuen Banknoten Jerie im Befrage von 20 Milliarden polnische Mart ermächtigt. Die Gesamtsumme der polnischen Roten wird dadurch auf 73 Milliarden erhöht. Groß- Berlin Ein neuer Verkehrsplan der Berliner Straßenbahnen Die Verwaltung der Berliner Straßenbahnen ist augenblicklich das mit be, chäftigt, einen großen Verkehrsplan auszuarbeiten, um einerseits unrentable Linien gänzlich auszuschalten, andererseits aber auch einen Teil der wichtigen Werkehrsstreden möglichst geat winnbringend auszubauen. Betanntlich ist in den legten Beratun gen über die Reformierung des genannten Betriebes und über die Tariffäße die Einführung eines Teilstredensystems fallen gelassen worden. Um nun aber bei bem jezigen Einheitstarif zu dringend notwendigen Mehreinnahmen gelangen zu fönnen, sieht der Ber fehrsplan eine Teilung der in Arbeit befindlichen besonders langen Fahrtlinien vor. Während man jetzt noch z. B. von Wittenau bis Budem für 1 M. fahren tann, wird die Strecke so geteilt werden, das eine Route von Wittenau bis etwa zum Morigplatz geht und von hier aus eine neue Fahrmöglichkeit nach Budow einsetzt. In ähnlicher Weise wird man die langen Weft- Oft- Strecken, zum Beis piel die jetzige Linie 69, teilen. Ein Verfuch für die Einführung dieses Teilstredensystems findet sich schon bei ber Linie 31, bie ehe mals von Tegel nach dem Schlesischen Bahnhof führte, jeht aber bereits am Alexanderplat ihren Endpunkt hat. Im engen 3ujama menhang mit der Teilung dieser großen Fahrtftreden steht auch den Ausbau der bisherigen Schienenlegung. Die Endhaltestellen der großen und verkehrsreichen Linien werden noch weiter aus dem Weichbild der Stadt herausgeschoben werden, um noch einzelne größere Ortschaften vor den Toren in den Gesamtverkehr einbe ziehen zu können. Was die neuartigen Saltestellen anbetrifft, von denen bekannts lich versuchsweise einige aufgestellt find, so ist iet beabsichtigt, auch am Mexanderplats ein Mobell aufzustellen, daß insofern sehr oris ginell wirfen wird, als es die Form eines ziemlich hohen Leucht turms hat, der in einer Laterne mit Blintfeuer ausläuft. Man hofft auf diese Weise das Auffinden der Saltestelle auf dem sehr unübersichtlichen Alexanderplat sehr zu erleichtern. Aehnliche Vorfuche stehen an anderen Stellen bevor. Aufklärung eines Raubmorbes Es ist der Kriminalpolizei gelungen, eins der letzten Kapital verbrechen aufzuklären. Am 18. v. M. wurde, wie wir damals ausführlich berichteten, die 29 Jahre alte Ehefrau Margarethe des Kraftdroschtenbefizers Meinhardt aus der Malplaquetstr. 12 in ihrer Wohnung ermordet und beraubt. Das Verbrechen ers regte um jo größeres Aufsehen, als der Mörder die junge Chefrau niedermachte, obwohl diese turz vor ihrer Niederkunft stand. Der Rohling hatte feinem Opfer mehrere wuchtige Siebe über den Kopf versetzt und ihm dann einen Knebel so tief in den Mund gestoßen, daß es an Erftidung starb. Tegimeyer und feiner Beamten ist es gestern abend gelungen, den Den unausgefehten Nachforschungen des Kriminalfommissars Mörder zu ermitteln und festzunehmen. Es ist ein erst 18 Jahre alter Arbeiter Mag Kappe aus der Pantower Allee 67/68 au Reinidendorf. Ein Fingerabdruck, der an einem von dem Täter angefaßten Gegenstand in der Wohnung gefunden wurde, ist die Jem zum Verhängnis geworden. Zur Aufklärung des Kapital verbrechens forschte die Kriminalpolizei auch in dem Bekannten freise des Meinhardt nach dem Täter, und mehrere verdächtige Personen wurden vernommen und auch zur Vergleichung mit dem am Tatort gefundenen Fingerabdrud daktyloskopiert. Dabei stellte sich jedoch jedesmal heraus, deß die Fingerabdrilde nicht übereinstimmten. Anders aber war es bei Rappe, der burch die Nachforschungen der Kriminalpolizei ebenfalls in schweren Bera dacht geriet. Kappe hatte um die Weihnachtszeit in einem Lokal bie Bekanntschaft Meinhardts gemacht und ihn dann später ge= beten, ihm 500 Mart zu leihen, weil er Gelegenheit habe, einen günftigen Möbeleinkauf zu machen. Kappe, der Meinhardt in Jeiner Wohnung besuchte, fah, daß dieser das Geld aus dem KüchenIpind holte und ih in diesem noch ein größerer Betrag befand. Das geliehene Geld hat dann Kappe später auch wieder zurüc gezahlt. Wie ermittelt wurde, war Rappe früher bei der. C. G. beschäftigt, am 3. Februar. 3. joboch eines Diebstahls wegen entlassen worden. Seinen Eltern, ehrbaren Leuten, erzählte es jedoch nichts von seiner Entlaffung und fe fe in bem Glauben, baß er immer noch in der A. C. 6. tätig let. Jr Wietlichkeit tried er sich in der Gegend der Schönhauser Straße herum und machte bort allerhand Schiebergeschäfte. Da er aber trog seiner Jugend ein Verhältnis mit einer jungen Frau aus der Mriezener Straße unterhielt, so langten fein Berdienst und seine Ersparnisse nicht aus, und er tam auf den Gedanken, sich gewaltsam Geld zu ver schaffen. Dies tat er dann, indem er Frau Meinhardt ermordete und das Geld des Kraftdroschtenbesizers aus dem Küchenspinde raubte. Mit dem Gelde führte er dann ein loderes Leben. Seit der Ermordung der Frau hatte er eine Verlegung an der Sand, die, wie er behauptete, er sich auf der Arbeitsstelle bei der A. E. G. zugezogen hatte. In Wirklichkeit aber war er bort schon garnicht mehr beschäftigt. Die Verlegung rührt zweifellos von dem Kampf mit seinem Opfer her. In der Wohnung seiner Eltern wurde auch noch ein Mantel gefunden, der, obzwar er gewaschen worden war, noch Blutspuren aufwies. Als nun die Kriminaloberwachtmeister Weißgerber und Kanne, die seit gestern nachmittag auf der Suche nach dem Verdächtigen waren, diesen ezmittelt und nach dem Polizeipräsidium gebracht hatten, ergab auch eine Vergleichung der Fingerabdrücke, daß diese mit dem am Tatort gefundenen genau übereinstimmten. Obwohl der Verhaftete durch die Fest= stellungen des Kriminalkommissars Tegtmeyer einwandfrei überführt worden ist, leugnete dieser bei seinem Berhör, das gestern abend noch mit ihm angestellt wurde, die Tat ausgeführt zu haben. Er will nicht am 18. Februar, an dem Tage des Verbrechens, sondern einige Tage vorher in dem Hause Malplaquetstraße 12 gewesen sein, um sich bei Meinhardt seinen alten Schuldschein abzuholen. Wie er sagt, habe er aber niemand angetroffen und fich dann wieder entfernt. Das gegen ihn vorliegende Belastungsmaterial ist aber so schwer, daß Kappe sein Leugnen bald aufgeben und sich zu einem Geständnis bequemen dürfte. Die Einführung der ersten Bezirksbürgermeister in ihr Amt, hat gestern in Tempelhof und in Pankow stattgefunden. Die Einfüh rung wurde vollzogen von dem Oberbürgermeister Böß in Tempelhof und vom Bürgermeister Ritter in Pantow. Daraufhin führten die neuen Bürgermeister die Mitglieder der Bezirksämter in ihr Amt ein und verpflichteten sie auf die Verfassung. Noch heute steht die Bestätigung von zahlreichen Bezirksämtern aus. Wie lange sollen die Erwägungen noch dauern? Der brandenburgische Provinziallandtag wählte durch Zettelwahl den Abg. Stadtrat Hänchen- Guben( Soz.) zum Borsigenden mit 47 Stimmen. Oberbürgermeister Dreifert- Cottbus( D. Vp.) wurde durch Zuruf zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Su Schriftführern wurden gewählt die Abgg. Landrat Wiskott- Beestom und Mittelschullehrer Stellmacher- Fürstenwalde( D. Vp.), Lehrer La Grange- Nowawes( U. Soz.) und Landrat WilligmannBerleberg( Dem.). Die Verhandlungen wurden dann vertagt. Die U. S. P. D. im Brandenburgischen Provinziallandtag sett fich zusammen aus 8 Mitgliedern: Es sind die Genossen: Ernst Knotschte, Bernau i. d. M.; Adolf Buh1, Neufintenkrug, Dyroger Weg; Wilhelm Walter, Botsdam, Mangerstr. 40; Wilhelm Lemte, Prenzlau, Schulzenstr. 505; Bruno La Grange, Nowawes, Kleiststr. 11; Johannes Kerstan, Schönes begt b. Betschau; Karl Klausch, Crossen a. D., GrabenEraße 328; Mar Pehla, Gorau N.-L., Wilhelmstr. 4, 1 Tr. Die Frattion wählte zu ihrem Vorsitzenden den Genossen Kerstan, zum Schriftführer La Grange Breffe- Kommission. Nächste Sigung am Mittwoch, 23. März, 6 Uhr, Breite Str. 8-9. Bünktliches und vollzähliges ErTheinen aller Mitglieder unbedingt erforderlich. Selbstmord im Walde. Bei Kohlhasenbrüd im breiten Gestell am Jagen 41, etwa 50 Meter vom Wege entfernt, wurde gestern die Leiche des Kaufmannes Albert Kieper aus Rowames ges funden. K. hatte sich mit einer Mauserpistole eine Kugel in die rechte Schläfe gejagt. Nach vorgefundenen Aufzeichnungen ist Selbstmord unzweifelhaft, doch tonnte das Motip bisher nicht ermittelt werden. Folgenschwere Maschinen- Explosion. In der chemischen Fabrit von Adolf Grell in der Brinz- Sandjern- Str. 23 in Neukölln ents Stand gestern nachmittag eine Maschinen- Explosion, wobei die 15jährige Arbeiterin Käthe Maschtuleit schwere Berlegungen er Sie fand im Städtischen Krantenhause in Neukölln Aufnahme. n der Badewanne ertrunten. Die an epileptischen Krämpfen letbende 22jährige Bertha Sch. nahm gestern nachmittag in ber elterlichen Wohnung in der Rheinbaben- Allee in Dahlem ein Bad. Da die zu ihrer Pflege und Aufsicht bestellte Kranten Schwester vergeblich auf ihre Rüdkehr aus dem Badezimmer martete, ließ fie die verfchloffene Tür öffnen und fand die Krante fot in der Badewanne auf. Nach Aussage eines herbeigerufenen Arztes ist die Verunglückte im Bade von einem Anfall überrascht worden und in der Wanne ertrunken. Jugendweihe Reukölln. Zu der morgen früh im großen Saale der Neuen Welt" stattfindenden Jugendweihe sind noch Gastfarten am Saaleingang zu haben. Achtung. Alle Kollegen, welche durch den Branb bez Bez. Finer Metallindustrie, Spandau( Südhafen), entlassen worden sind, treffen sich am Montag, ben 21. März, abends 6 Uhr, bei Iepper, Grunewaldstr., zweds Bekanntgabe und Stellungnahme zu dem ergangenen Urteil, betreffend Wei. terzahlung des Lohnes. Boraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Sonntag. Zeitweise heiter, jedoch überwiegend bemölft, bei mäßigen, Jüdwestlichen bis westlichen Winden. Kühlere Nacht und wenig wärmere Tagestemperatur. Etwas Regen. Deutscher Metallarbeiter Berband Berwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, bat folgende Mitgeber gestorben find: Der Schleifer am 16. März. Karl Schön Die Beerdigung findet am Montag, den 21. März, Dormittags 9 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße, statt. Der Schloffer Bernhard Ilius Charlottenburg, Brahefstraße 2, am 17. Märs. Die Beerdigung findet am Montag, den 21. März, nachmittags 23 Uhr, von der Leichenhalle des Rahns dorfer Kirchhofes aus, ftatt. Rege Beteiligung wird erwartet. Chre ihrem Andenken! Die Ortsverwaltung.. Botenfrauen stellt sofort ein Ausgabe Johannisstraße AAAA ( Ecke Artilleriestraße) AAAA Zeitungs- Ansträgerinnen stellt ein Spedition Marie Döring Steinmeßstraße 23. Gewerkschaftliches Generalversammlung der Buchbinder Am Freitag fand im Gewerkschaftshaus die Jahres- Generalversammlung der Berliner Buchbinder statt, die teilweise einen recht stürmischen Verlauf nahm. Den Jahresbericht gab der Ortsvorsigende Kaspar. Die Verwaltung habe im Berichtsjahr verschiedene TarifverhandIungen geführt mit dem Erfolg, daß 18 Saustarife und 18 örtliche Branchentarife abgeschlossen worden sind, die sich auf die einzelnen Branchen verteilen. Für die gleichen Branchen wurden auch Reichstarife abgeschlossen. Kaspar erörterte dann den im August 1920 geführten Streit der Berliner Buchbinder- Arbeiterschaft, der jedoch nach 4 Tagen abgebrochen werden tonnte, da die Angelegenheit auf dem Berhandlungswege beigelegt werden konnte. Der Betriebsrätefrage habe die Berwaltung größte Aufmerisamteit gewidmet. Sie itete entschieden für die einheitliche freigewerkschaftliche Zusammenfassung der Betriebsräte ein. Der Mitgliederstand hat sich in dem abgelaufenen Geschäftsjahr um 592 Miigiieder vermehrt, so daß am Schluß des Jahres 13 745 der Berliner Ortsverwaltung angeschlossen waren. Kajpar gab dann einige Erläuterungen zum Kaffenbericht und ging dann noch auf einige interne Berbandsangelegenheiten ein. Zum Schluß gab er der Hoffnung Ausdruck, das der Organisation auch fernerhin eine ersprießliche Arbeit ermöglicht wird.( Beifall.) In der Diskussion begründete Stephan eine von den Mitgliedern die der U. S. B. angehören, eingebrachte Resolution, die perlangt, daß von allen Instanzen des Verbandes eine Gemertschaftspolitik zu führen ist, die sich auf dem Boden des entschie denen proletarischen Klaffentampfes bewegt. Der Vers bandsvorstand wird aufgefordert, den Beschluß des Verbandsbeirats bezüglich des fofortigen Austrittes aus der Arbeitsgemeinschaft umgehend burchzuführen. Die Resolution spricht sich dann für den Abschluß von Tarifen und Reichstarifen aus, legt jedoch Berwahrung dagegen ein, daß Tarife um jeden Preis abgeschlossen werden sollen. Weiter wird verlangt, daß innerhalb der Organisation jebem die Freiheit der poli tischen Anschauung und Betätigung bewahrt bleibt, soweit dies mit den Grundlähen und Statuten der Organisation im Einflang steht. Die Refolution wendet sich weiter gegen alle Tendenzen die geeignet sind, die gewerkschaftliche Einheiiss front zu zerstören. Sie verurteilt entschieden, das Mitglie der wegen politischer Betätigung ausgeschlossen werden sollen und verlangt vom Verbandsvorstand, solchen Anträgen nicht stattzugeben. Nachdem noch mehrere Distuffionsredner gesprochen hatten, heft Kaspar ein tutzes Schlußwort. Hierauf wurde gemäß des Antrages der Revisoren dem Rasiterer einstimmig Entlastung erteilt. Vor der Abstimmung der Resolution entspann fich eine recht stürmische Geschäftsordnungsdebatte, da einige Kommunisten verlangten, daß über die vorliegende Resolution getrennt abgetimmt werden sollte. Die Versammlung lehnte das jedoch ab. timmt werden sollte. Die Versammlung lehnte das jedoch ab. Hierauf wurde die Resolution gegen vereinzelte tommunistische Stimmen mit übergroßer Mehrheit angenommen. 3um 2. Punkt der Tagesordnung: Neuwahl ber Ortsvermal tung wurden die in den Branchen gewählten Branchenleitungen bestätigt. Die Wahlen der übrigen Teile der Ortsverwaltung mußte dann wegen der vorgeschrittenen Zeit vertagt werden. Die Fortfehung der Generalversammlung findet am Diens tag, den 22. März, abends 6 Uhr, im Deutschen Hof, Ludauer Straße 15, statt. Zu dieser Versammlung müssen alle Delegierten unbedingt erscheinen, da wichtige Wahlen vor genommen werden sollen. Delegierten- Karte legitimiert. Judasdienfte? Genosse Baul faffenschläger ersucht uns, mit Sinwels auf die in der Freitag- Morgennummer erschienene Rotiz in der Roten Fahne", um Aufnahme folgender 3eilen: Wem ist es in der Praxis des gewerkschaftlichen and politischen Kampfes nicht schon passiert, daß er es bitter empfunden hat, diefem oder jenem gegenüber Gefühle ber Dankbarkeit abzu streifen, weil ein früherer Wohltäter" fich als sein rüdsichtsloser Gegner entpuppte. So ist es mir während des Krieges gegangen, als ein bekannter Rechtssozialist( den Müller genan fennt) meine Reklamation aus dem Felde veranlaßte. Das hin derte mich durchaus nicht, einen hartnädigen Kampf gegen desser politische Auffassung zu führen. Und damals hieß es Richard Müller nicht nur gut, sondern erklärte: Dankbarkeit in Ehren, aber soweit tann die Dankbarkeit nicht gehen, daß man ihrets wegen feine Ueberzeugung opfert. Das war und ist auch meine Meinung. Und da ich nicht alle 5 Minuten meine Auf faffung ändere, neztrete ich diesen Grundsah auch heute. Aber Richard Müller weiß auch selbst genau, daß ich, wie alle damals tätigen Genossen, zu allen möglichen Opfern bereit war. Sagte er doch selbst zu mir in Gegenwart anderer, damaliger Kämpfer: Deine Tätigteit und Opferfreudigfeit wird un vergeßlich bleiben." Ich möchte Richard Müller nicht fragen, wie oft ihm Kollegen aus der Patsche geholfen haben. Mit folchen geistigen Waffen zu kämpfen mag fommunistisches Brin Aktuell! Wieder Weltfrieg entstand Von Karl Kantsky, Preis 6.- Mark * Buchhandl. Freiheit Berlin C2, Breite Str. 8-9 Auch in allen Speditionen erhältlich. Pianos Stutzflügel * gibt Beamten und folventen Käufern gegen bequeme Zahlweise Große Auswahl in Gelegenheitskäufen Steinway, Bechstein, Blüthner usw. in bekannt erstklassiger Aufarbeitung Max Adam Hinter den Linben 18 Münzfiraße 16 Potsdamer Straße 89 aip fein, es ehrt jebenfalls nicht die Sathe, die Richard Müller vertritt. Ich würde mich jedenfalls trog aller Anpöbeleien nicht vom Standpuntt ber Eaglichkeit abbringen lassen. Ueber die gewerkschaftliche Bedeutung der Müllerschen Notiz werden wir uns an einer anderen Stelle aussprechen. Aber ausge Iprochen muß werden, wer von Gefühlen der Dankbarkeit feine Saltung im proletarischen Kampf beeinflussen läßt. macht sich zur politischen Spottfiguz. Arbeiter und Angestellte Berlins! Eure Not an Ober- und Unierbekleidung zu lindern und alsich jeltig Euren Kollegen ber Bekleidungsindustrie Arbeit zu schaffen, hat der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund die Warenversorgung einer Mitglieder in die Hand genoms men. Dat Euren Bedarf in Wäsche, Trifotagen, Strümpfen, Herren unb Jünglingsbefleis dung und Schuhwert aller Art bei den durch die„ Berliner Gewerkschaftstommission" eingerichteten Berteilungsstellen des Allgemeinen Deutschen Gewrtschaftsbundes: Zimmerftr. 6s, Ge bastianstraße 37-38( Betriebswerkstätte des Schneiderverbandes). Brunnenstr. 185( Schneiderei- Genossenschaft Soffnung"), Engel ufer 21( Transportarbeiter- Werband), Karlshorst- Waldsiedlung, gemeisterweg 54, Charitéfir. 3( A. E. G. Konsumverein). Ab gabe der Ware erfolgt nur gegen Nachweis der Mitglieda chaft. Unterstügt Alle Cure Gewerkschaft bei diesem gemeins nütigen Wert der Selbsthilfe. Gewerkschaftskommision Berlin and Umgegend. J. Sabath. Techniker und Harmonieverbände Seitdem durch die Verschmelzung des alten Deutschen Technifes verbandes mit dem Bund der technisch- industriellen Beamten in ganz Deutschland nur eine Organisation der technischen An gestellten vorhanden war, haben die Arbeitgeber sowohl als auch bie in ihrem Fahrwasser treibenden Harmonieverbände feine Mittel und Wege geichout, in die Geschlossenheit der tech nischen Angestellten Bresche zu legen. Alle ihre Versuche sind bis her gescheitert an dem Verständnis der technischen Angestell ten, die es ablehnen, ihre zielflare Organisation au verlassen. 3u zeit versuchen die Harmonieverbände, diese Schleppenträger des Kapitals, auf heimlichen Wegen ihr Ziel dadurch zu er reichen, daß fie vom Bund der technischen Angestellten und Beam ten abgeschlossene Tarifverträge abschreiben und zu den Arbeitgeberverbänden laufen, um Abschlüsse zu erbetteln. Diesen Treiben ist man erft jegt auf die Spur gekommen und der Bund der technischen Angestellten und Beamten hat die Harmoniever bände und die Arbeitgeberverbände zu einer Aussprache am Montag, den 21. März, abends 7 Uhr. nach den Brachtfälen Alt- Berlin, Blumenjtr. 10, eingeladen. Es iR Pflicht eines jeden technischen Angestellten, an dieser Berjamm lung teilzunehmen, um den taufmännischen Harmonieverbänder Sowohl als auch den Arbeitgeberverbänden zu zeigen, daß nac wie vor der Bund der technischen Angestellten und Beamten ble einzige Organisation der deutschen Technites ist und bleiben Joll Beendigter Streff in Luxemburg. Nach einer Havasmeloung aus Luxemburg hat der Borstand der Gewerkschaften den Strell für beendet erflärt. ge un fch De D 60 10 ge Di 80 80 tef orf me 50 500 3 Ue An jeg foll Ge bur han nid Ber श jag. ahn chri nom trad bie R tur tein brin Eart Ma hung Seif D zu R bes gran erhel reihe De siali Fleischergesellen! Die Betriebe ber Melchermetter Lebnader, Reichenberger Straße 72a; Krener, Marienburger Straße 29; Köbe, Schwedenstraße 17 a, find für organisierte Kollegen wegen Tarifbruch gesperrt. Lerr Lehnader, Reichenberger Str. 72 erflärt, daß er lieber feinen Laden schließen will, als feines Leuten zeitgemäße Arbeitsbedingungen zu gewähren. Wir ersuchen die Arbeiterschaft, den genannten Fleischermeistern in besonderem Make ihre Aufmerksamkeit zu widmen und den Kampf ber Fleischergesellen recht tatkräftig zu unterstützen, indem sie ihren Bedarf in anderen Geschäften bedt. Zentralverband der Fleischer Solzarbeiter, Bezirk Neufölla. Für den Bezirk Reutölln Wahl der Delegierten zum Verbandstage und zur Stichwahl ber engeren Verwaltung ein zweites Wahllofal vorgesehen worden, bas nicht im Mitt. Blatt" vorgesehen ist. Wir ersuchen daher zur Kenntnis zu nehmen, daß am 24. und 25. März euch in Lolal von Agmann, Nachf., Knefebedstraße, Ede Hermannstraße, gewählt wird. Wahlleiter ist der Stollege Dorn.- Deutsches Holzarbeiter- Berband Graphische Siffsarbeiter! Am Montag, 21. März 1921, abends 6 Uhr, findet im Graphischen Vereinshaus, Alega brinenstraße 44, eine Zusammenfunft aller Funktionäre, die auf dem Boden der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale ftehen, statt. Jeber Betrieb muß vertreten fein. U.S.B.D., Stellmacher. Dienstag, 7 Uhr, bel Dummel, Sophienftr. 5, Bersammlung aller Stellmacher, die auf dem Bober der 1. S. P. D. stehen. Wichtige Tagesordnung. Jeber Betrieb muß vertreten sein. Berantwortlich füz bie Rebaftler: Emil Rabolb, Berlin. Bezantwortl für den Inseratenteil: Ludwig Romerinez, Karishort. genossenschaft Freiheit" e. 6. m. b. S., Berlin. Drad der Freibelt Druderei G. m. 6. S., Berlin C2, Brelie Straße 8-9. Achtung! Händler!! 4444AA AAAA Streichhölzer 210: Seifen: Doppelriegel Faßfeife/ Toiletteseif. Feinfoda/ Lanolin elfenpulver/ Urbin Wanzen Nigrin. Billigste Bes Erhaich in Apotheken und Drogerlen. 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