Ur. 314. »*** Abonnements-Hrdingunge«: Sbonnsmenl«-Prei» pränumerando: Vierteljährl. 3,30 Mr., monatl. 1,10 Mr., möchenMch 23 Pfg. frei tnZ Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. EonnIagS- 91 Ummer mit illuftrtrter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- ZeitungS- Preisliste für 1897 unter Nr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Mark pro Monat. 14. Jahrg. Die Insertions-Gebülfr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- »eile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und PerfammlungS-Anzeigen, sowie ArbeitSmarkt 20 Pfg. Inserats für die nächste Nummer müssen b>» l Uhr nachmittags in der Srpedttton abgegeben werden. Die Erpedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr vormittags geössnet. Erscheint täglich nutzer Montag«. Devlinev VolklsMalt. Fernsprecher: vnii I, Nr. 1508. Telegramm-Adresse: „»ozlstdemokrat Verls»". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Htedaktio»: 8V. 19. Wenly-Straße 2. Dienstag, den 14. September 1897. ßiipedi lion: 8V. 19, Aenty-Strnße 3; Die inovttlisiHe Vevkommenheik der herrschende» Kapitaliftenklasse» in Ungarn. Die Korruption hat in jüngster Zeit in Ungarn ganz erstaun liche Forlschritte gemacht, welche es allein erklärlich erscheinen lassen, daß das vor kurzem im ungarischen Abgeordnetcnhause treu herzig abgegebene Eingeständniß deS Minister- Präsidenten Baron Banffy, er habe die Wahlen durch Bestechungen b* einflußt und sich ans diese Weise die Majorität im Hanse g* sichert, im freie» Ungarlande keinerlei moralische Gemüthsaufregung vernrsachte. Diesem ist es auch theilweise zu danken, daß die Volks- masse» sich immermehr für die sozialistischen Ideen erwärmen. Wie könnle dies anders auch sein, da doch Hierlands die schwersten An klagen wegen sehr arger Mißbräuche, ja sogar wegen Verbreche» gegen die höchste» Rälhe der Krone nionatelang in der Presse mit der größte» Oeffe»tlichkeit vorgebracht und verhandelt werde» kömie», ohne daß die beschuldigten Kronräthe es auch nur der Mühe werth hielten, sich ans gesetzlichem Wege zu rechtfertigen, fondern sich etwa allenfalls damit begnügen, den unbequemen Ankläger zum Duell zu fordern. Zur grellen Beleuchtung der bestehenden hochgradigen Korruption und der vollständigen Zerrüttung der Ehrbegriffe bei ungarläudische» Staatsmännern ist folgender Fall insbesondere geeignet, ivelcher nun schon seit dem Sommer löSS, also schon seit volle» zwei Jahren die öffentliche Meinung Ungarns beschäftigt und mit kurzen Unlerbrechnttgen bis zum heutigen Tage immer mehr und größere Skandale zu Tage fördert, welche immer größere Dimen sionen annehmen, die Achtung der Regierungskreise in den Volks masse» total untergrabe», und deren Ende erst dann abzusehen wäre, wenn die herrschende S it t e n v e r d e r b n i ß aufhört und«ine gründliche Moralisirnng des öffentlichen Lebens Platz greift. Statt jeder beredten Schilderung genügt die bloße Anführung der nackten Thatsachen. Der Ministerialrath im ungarischen LandesvertheidigungS- Ministerium, Peter Kasics, Mitglied des Bndapester hanpt- städtischen Munizipal-Ausschusses, des PreSbyteriumS der reformirten Kirche in Budapest, des Echnlrathes, Präsident mehrerer wohlthätiger und gemeinnütziger Gesellschaften, Besitzer des Eisernen Kronen- und des Franz Josef-Ordens, also ein Mann von hervorragender sozialer Stellung, leitete im Jahre 1S9S in seiner Eigenschaft als Mit glied des hauptstädtischen GemeinderatheS, im Auftrage seiner, in ihren gesetzlichen Interessen bedrohten Mitbürger den Ver- theidignngskainpf der Hauptstadt gegen die Ansbentegier der all- mächtlgen Bndapester Trainway- Gesellschaft. handelt sich um eine nahezu 40jährige Verlängerung der Konzession ans Anlaß der Umgestaltung auf elektrische» Betrieb, also um einen fachmännisch abgeschätzten Werth von SO— K0 Millionen Gulden. welchen die Trannvay-Gescllschaft der Hauptstadt und ihren Bürgern rauben will. Sie wird hierin in anfsälliger gesetzwidriger Weise vom ungarischen Handelsminister Daniel protegirt, dessen Frau, ferner Schwiegervater und Schwager Großaktionäre der Gesellschaft sind, welcher also durch seine Familie materiell bei der Sache betheiligt ist und an dem Gewinn des Raubes partizipirt. Dieser Minister läßt durch seinen Kollegen, Landes vertheidignngs- Minister und Feldzengmeister F e j s r v ä r y auf Kasics einen gesetzwidrigen Druck ausübe», um ihn zn gnnsten der Gesellschaft umzustimmen. Letzterer widersteht dieser schamlosen Bcew flnssnng seiner durch die Verfassung geschützten Thätigkeit als Haupt städtischer Gemeinderath und wird darum im Alter von 46 Jahre» aus Drängen der Tramway-Kapitalisten und ihres ThcilhaberS, Minister Daniel, ans gewaltthätige Weise penstonirt. Um dies durchzuführen, erklärt Minister Fejärväry den Ministerialrath, seine rechte Hand im Ministerium, für einen nervenkranken Narren, trotzdem der von ihm beordnete hohe Zivil-Chefarzt, Ministerialrath Dr. Chyzer, Kasics für dienst- tauglich erklärt, und verübt zn diesem Zwecke, wie sich erst kürzlich herausstellte— mit fälschlicher Zitirung und Textiinterschiebung des Dr. Chyzer'schen Zeugnisses einen falsche» Bericht an den König. Wegen Mßbranchs der Amtsgewalt und wegen des Verbrechens der Ausstellung einer falschen öffentlichen Urkunde wird er nunmehr kriminell angeklagt beim königl. Strafgericht in Budapest.(Prozeßakten Nr.«l I6S v. I. 1897.) Der gemaßregelte Stadtverordnete erhebt monatelang in der Zeit vom 18. Dezember 139S bis Mitte März 1696 in Flug- schriften, in der TageSprefse die fürchterlichsten Anklage» gegen Minister Fejörväry, gegen dessen Helfershelfer Staats- sekretär Geheimrath G r o in o n, gegen Minister Daniel ic., sowohl wegen der erwähnten, wie anch sonstiger strafbarer Handlungen, als Unterstützung von Militärbefreiungs- Schwindeleien, gesetzwidrige Verwendung des Staatseinkommens zu Privatzwecken, niehrsacher Verletzung derBerfassung und desBudgetrechteS. des Verbrechens, seine eigene Fran für eine Närrin erklärt zu haben, um sich ihres großen Vermögens bemächtigen zu können, und mehrerer anderer Dinge. Die großen Herren stecken das alles ruhig«in, Minister Fejsrväry vergißt sogar gänzlich auf seine Extra- Ofsiziersehre als hoher Militär und verkriechtsich hinler seine, durch oben erwähnte amtsärztliche Zeugnisse wiederlegte Lüge, daß der Ankläger ein verrückter Narr sei. Der Skandal ini ganzen Lande wird fürchterlich und zieht sich bis ins Ausland. Der Ministerialrath fordert die Be- schuldigten wiederholt auf, ihn doch vor Gericht stellen zn lasse», um ihre Ehre zn retten; er verlangt die Entsendung einer parlamen- tarische» Untersuchungs- Konimission; er schleudert den Angeklagten in der Tagespresse wiederholt die fürchterlichsten Anklagen ins Ge- sichl:„Sie find so erbärmlich feige, daß Sie alles, ivasich über Sie sage, duckmäuserisch ei»stecken, und es nicht wage», ivegen dieser Beleidigungen vor Gericht zu treten und Satisfaktion zu fordern. iveil Sie ivohl wissen, daß alles ivahr i st. ivaS ich über Sie gesagt habe und Sie im Schuldbewußt- fein die öffentliche Verhandlung fürchten."— Und der Feldzengmeister und Minister Fejervary und die übrigen Herren stecke» das alles ruhig ein, drei Monate lang, und n» l e r n e h»i e n gar keinen gerichtlichen Schritt gegen den Ankläger, während der letztere, sich im m e r an d e» St e ch t s iv e g haltend, den e r st e n b e- zahlten Jo urnali st en, welcher ihn angreift, sofort noch im Dezember 1895 vor das Geschworenengericht zitirt, welches den Preßben gel wegen Verleumdung des Ministerialrathes KasicS fast ei«stimm ig ver- u r t h e i l t e. Vom Auslande, von Wie» ans wurden dann sehr kompromittirende Beweisstücke gegen Minister Fejerväry und seine Helfershelfer wegen des an seiner Fran verüblen obbezeichnetenVcrbrechens in der Bndapester Tagespresse ungarisch und deutsch publizirt, insbesondere das ärztliche Gutachten des Dr. I ul i n s W a g n e r.Ritter von Janrey. k. k. Pro- fessor der Psychiatrie an der Wiener k. k. Universität, welches hier in Abschrist beiliegt. I» demselben heißt es, daß die Frau des Ministers Fejsrväry, vom justizärztlichen Senate für verrückt erklärt wurde,„ohne daß diese beiden A e r z t e(Dr. N i e d e r m a n» und Dr. Moravcsch, Mitglieder des Senats) die Baronin Fejärväry persönlich untersucht hätten." Ferner, der ganze Vorgang„ in n ß als ein skandalöses Unikum in der forensischen Psychiatrie b e> zeichnet werden", und schließlich erklärt der Herr Universiläts- Professor ans grund seiner persönlichen Untersuchung,„daß Fran Baronin Charlotte Fejsrväry derzeit geisteS- gesund und vollkommen d i s p o s i t i o n s f ä h i g sei". Am 10. März 1396 erschien ilnter dem Namen des pens. Ministerial- ratheS Kasics eine Broschüre, betitelt:„Die Firma Fejörväry u. Gromon", worin deren Verbrechen und Vergehen, das schändliche Vorgehen auch gegen Baronin Fejsrväry rekapitnlirt und durch neue Daten ergänzt wurden, und worin Minister Jejörväry nnter anderem bezeichnet und apostrophirt wird, als:„ein h e i m a t h s- loser, verrätherische r Landsknecht", als ein moralischer Krüppel, der sich auf seine Wohnnngslhüre de» Spruch Dante's schreiben solle:„�on oasa di onesti, tna— bordeil o"— als einer der größten Verbrecher unseres Jahrhunderte?, der in das Zuchthaus gehört. Nach einer ansführlid)en Darstellung wird er am Sdzlnsse w ö r t- l i ch folgendermaße» charakterisirt: „Herr Feldzengmeister! Sie trachten in verwerflicher Weise gegen die Verfaffnng und die ftaalliche Existenz Ungarns. Sie be- lügen den König und die Nation. Sie verletzen und umgehen heim- tückisch die verfassungsmäßigen Redste und eignen sich unrechtmäßige Vortheile aus dem Staatsgute a». Anch dies ist eine ehrlose Handlung. Sie haben im vorigen Jahre«inen entehrenden, ver- vrecherischen Anschlag gegen Ihre eigene Frau gethan, welcher vom Primatialgerichte und einem der ersten Fachgelehrten der Wiener Universität vernrlheilt wurde. Sie haben anch gegen mich ehrlos gehandelt, denn Sie haben Mick) im vorigen Jahre deshalb, weil ich gegen die, mit»nnisterieller Unterstützung planmäßig vorbereitete Ausbeutung der ungarischen Hanplstadt gekämpft habe, nod) vor Entscheidung des Ministerralhs und Sr. Majestät dem Könige einen gefälschte» Bericht erstattet. Sie wollten dadurch mich und meine Familie, meine Kinder materiell zu gründe richten.— Herr Feldzengmeister! Sie sind so erbärmlich und ehrlos, daß Sie alles einstecke», was ich über Sie veröffentlicht habe, und sich hinter eine feige Lüge verkriechen, weil Sie es nicht wagen, ein Urtheil gegen mich von Ihren Mitbürgern, dem Geschworene» gerichte zu provozire». Denn Sie wissen es ivohl, daß ich die Wahr heit über Sie gesagt habe und man Sie vernrtheilen würde. Legen Sie doch schon einmal diese, mit Ihrer Stellung als Minister und Feldzengmeister nicht vereinbarliche Feigheit beiseite, zeige» Sie endlich etwas moralischen Muth und klagen Sie mich an bei den Gerickilen." Da endlich reagirte der Feldzeugmeister-Minister, jedoch so, daß er ein neues Verbreche» verüben wollte. Er und sein Staats- sekretär forderten den Ministerialrath, den er seit Juli 1895, also durch acht Monate für einen geisteskranken, unzu- red)»ungssähigen Narren, der sid) also gar nicht vertheidigen konnte, erklärt hatte, und als solchen in Pension schickte, am 12. März 1896, unter den strengsten Bedingungen, nicht vor's Gericht, sondern— zum Duell. Seinerseils war dies also nicht nur eine Verhöhnung der Dnellgesetze, sondern anch ein Mord- versuch gegen eine» Menschen, der»ach des Ministers öffentlich pnblizirten Aussprüchen ein waffennnfähiger Narr ist. Als aber die Sekundanten des letzteren vor dem Duell vom Minister die Zurücknahme dieser seiner Lüge forderten, da er sich ja mit einem ministeriell als unzurechnungsfähig'deklarirten Manne nicht schlagen könne, da verkroch sich der Minister abermals hinter seine beliebte Nja rrentheorie. Minister Fejerväry verblieb anch später in, ungarischen Ab- geordnctenhanse bei seiner Behauptung, daß sein Ankläger ein halluziinrender verrückter Narr sei und entging mit Hilfe dieser Lüge jeder parlamentarischen Verantwortung. Plötzlich aber und ohne jeden Nebcrgang erklärte er den Ministerialrath am 31. August 1896 ohne jede ärztliche Untersuchung für vollkommen gesund und dienstfähig, u n d stellte ihn am 1. September desselben Jahres in seinem Ministerium wieder an, indem er ihm die Leitung eines Departements übertrug. In ganz Ungarn und dessen Presse erregte diese Verfügung des Ministers, welcher dadurch sei» ganzes Lügengewebe mit einem Schlag zerstörte und sich selbst entehrte, selbstverständlich einen Sturm des Unwillens, des HohneS und Spottes. Hierdurch ans die falsche Stellung, in die er durch eigenen Wille» gerathen, auf- merksam gemacht, verfiel er auf folgendes neue Mittel. Er läßt durch seinen Sekretär und einige Untergebene zwei Tage später ein Komplot versuchen— welches zwar vom Beamlenkörper zurückgewiesen wurde, jedoch den Vorwaud bot, im Ministerralhs am 9. September 1896 zn beantragen, daß der Ministerialrath Kasics, welcher während der PensionSzeit laut ung. Gesetze gar keiner Disziplinargeivalt unterstand, sondern vollkommen reier Bürger war, nicht vor das kompetente Gericht gestellt, ondern gegen ihn, im politisch-administrativen Wege, das Disziplinar- Verfahren eingeleitet werden solle. Also: Dieser Mann war nach der Ueberzeugnng des Ministers Fejervary ein ganzes Jahr lang 1. ei» unzurechnnngssähiger Narr, den man deshalb pensioniren mußte, und ans dessen Anklage» und„Halluzinationen" man nichts zn geben habe; 2. war er trotzdem und gleichzeitig duellsähig. den der Minister also im Duell auf ritterliche Weise leicht bei Seite scyassen, vulgo ermorden könne, wodurch der Minister noch den Glorienschein des Dnellritters und privilegirlen Mörders erworben hätte; 3. gleich darauf war der zum Duell Geforderte abermals ein vollendeter Narr bis zum 31. August 1896, wo er 4. laut Dekret des anch die Funktionen eines Irrenarztes nsnrpirenden Feldzengmeislers im Handumdrehen, so mit einem Federstriche, ganz so, wie es bei der Frau des Mi- »islers der Fall war, gänzlich gesund und dienstfähig erklärt und wieder angestellt wurde, um 5. zwei, drei Tage später, trotzdem er als Pensionist keiner Disziplinargewalt unterstand und laut Fejervüry zu jener Zeit durchaus unzurechnungsfähig war, dennoch im Disziplinarwege als zurechnungsfähig belangt und verfolgt zu werde», wodurch der dem Minister unbequeme, gerichtlickze, gesetzliche Weg vermieden wnrde. Dieser schamlose, allen bestehenden Gesetzen und jeder Moral hohnsprechende Disziplinarprozeß ist nun schon seit einem Jahre im Zuge. Dagegen wurde Fejerväry»enerdings beim Kriminalgerichte eingeklagt auch wegen der Forderung zum Duell und wegen des ge- planten Mordversuchs. Eine Reihe von Skandalen steht bevor. Der Feldzengmeister Fejerväry wird auch beim Mililär-Osfizierkorps ehrengerichtlich belangt werden. Den» verfolgten Manne»vird auch seine Freundschaft mit der sozialistischen Arbeiterschaft von der kapitalistischen Herrschaft arg verübelt, so insbesondere seine Agitation für das allgemeine, un- mittelbare Wahlrecht und die geheime Abstimmung, für welche eS ihm selbst in Bürgerkreisen gelang, aufrichtige Sympathie und llnterslntzttng zn geivinnen. polilischo Ltebcvstcht. Berlin, 13. September. — Der Reichstag soll in diesem Jahre frühestens Ende Noveulber, vielleicht sogar erst Anfang Dezember einberufen»Verden. lieber die ZInfgaben, die in der kommende» Tagung der Erledigung durch de» Reichstag harren,»vird den»„Hamb. Korr." geschrieben: „Es scheint lediglich festzustehen, daß einer der Entivürse, die mit den» Bürgerlichen Gesetzbuch in Znsaininenhang stehen, der über die Angelegenheiten der freilvilligen Gerichtsbarkeit, vorgelegt»verde»»»vird,»vährend es von den» letzten der vor dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches noch unbedingt zu er- lassende» Gesetze, von der Novelle zur Zivilprozeßordnung und K o n k u r s o r d n n n g, nicht ganz sicher ist, ob sie schon in der nächsten Tagung vorgelegt»verde»»»vird. AlS die vorige Reichstagstagung geschlossen wurde, war iiia» durchweg der Ansicht, daß die beiden ArbeiterversicherungS-Entwürfe, die Novellen zur Unfall« und I» v a l i d i t ä t s« Versicherung in der nächsten Tagung bestimmt wieder erscheinen würden. Das ist jetzt anch recht zweifelhaft geworden. Dagegen ist es nicht unwahrscheinlich, daß die P o st d a in p s e r s u b v e n t i o n s« Novelle»vieder erscheinen»vird. Bon»veiteren Vorlagen hört man nichts. Daß schließlich eine Reform der Militär- S t r a s p c o z e ß- O r d» u n g an den Reichstag gelangt, ist nicht n»>v a h r s ch e i n l i ch, es»vird nur darauf ankomme»»« wie sie beschaffe» s e i» w i r d. Das Hauptinteresse in der nächsten ReichstagStagung»vird sich unziveifelhaft ans den nächst- jährige» Etat, und zwar in erster Steche auf die Marine« forderunge» richten. Der Militäretat»vird größere M« h r f o r d e r n n g e n enthalten. Die Mehrfordernngen werde» sich auf bekannte Dinge beziehen, so auf die fernere State der A r t i l l c r i e f o r d e r n» g e n, auf die Folgernngen a»S der Z n f a m m e» l e g u n g der vierten Bataillone in bczug auf Kasernenienls, auf die war»» e Abendlost für die M n u n s ch a f t e n u. a. in." Man muß auch mit der Möglichkeit rechnen, daß die Regierung wie schon so oft, die Neinvahl deS Reichstags schon am 20. Februar nächsten Jahres statlsinden läßt und deshalb außer dem Etat»nr die allerdringendsten Vorlagen dem Reichstage zugchen läßt, dafür aber de»»»engewähllcu Parlamente Marinevorlagen, Militär-Straf» prozeß-Ordnnna und alles sonst,»vas die regiernngssrominen Parteien im Wahlkampfe stören»vürde, zur Beschlnßfassniig vor« lege»»vird. Wir sind für jeden Wahltermin gcivappnet.— — Noch e i» in a l ans dem U n f a l l r e i ch e d e S Herrn Thiele». Von dem Unfall auf der Strecke Barmen— Ritters» Hansen wird berichtet, es rissen»eun Wagen an einer stark an- steigenden Stelle los und vernrsachlen durch ihren Rücklauf einen für Menschenleben halbwegs glimpslich abgelansenen Zusammenstoß. Diese? Zerreißen von Wagenkiippelnngen ist aber eine in unserem Eisenbahnwesen ganz gewöhnliche Erscheinung. Sie kommt nur bei Unfälle» zur Kenntniß der Oeffentlichkeit und hat in den allermeisten Fällen in dem Sparsystem seine»vahre Ursache. Die Gnterzug-Loko motive»»verde» überlastet mit zuviel Achsen; anstalt zwei Züge zn rangiren, will man lhunlichst alles i» eine», Zuge fortschaffen und daher geschieht daS Zerreißen der Kellen ganz»atnrnolhivendig am häufigsten bei den Steigungen; es passirt aber ebenso oft in überlastete» Zügen beim Anziehen der Maschine»»vie beim Bremsen in der Ebene. Bei der Stoßgewalt»virke» Kräfte, die mathematisch ganz genait faßbar und i» den Kreisen der höheren Betriebslechniker anch genau bekannt sind. Da aber i»»»»serein Eisenbahnwesen der Assesso« r i S m u s daS leitende Uebergewicht hat, so»veiß»»an nicht,»ver für diese unerhörte» Zustände der greifbar Berantivorlliche ist. ES ist ja sehr inerkwürdig,»veshalb man an die Spitze unseres Kriegs» »vesens statt eines Generals nicht lieber einen Regiernngsrath gestellt hat. Im Mililärwesen ist der Jurist nur Beiralh, wie es sich ge- hört, im Eisenbahnwesen aber, Ivo die umfafsendste» technischen Aufgabe» zn lösen sind, steht der Jurist an der Spitze. A»S diesem liebet ergeben sich täglich und stündlich Mißslände, di« sich dem öffentlichen Verständniß vollständig entziehen und nur i» de» niaßlosen Unfällen zun» Ausdruck lonimen. Der von der„Deutschen B a u z e i t n» g" über diesen Gegenstand gebrachte Aussatz aus fachverständiger Feder, ans dem »vir in der Soiintags-Nttmmer einen Anszitg brachten, entschuldigt diese Zustände lheils damit, daß in anderen Ländern diese Unfälle ebenfalls vorkämen, theils»verde» die Ursachen in üblicher Weise ans Bremser, Weichensteller geschoben und endlich wird hervorgehoben, daß für de» Sicherheitsdienst einige»vichtige technische Probleme noch nicht gelöst seien. Diese ganze Darstellungsweise mag genügen fjir Leser, die nicht hinter die Koulissen gucke» können, sachlich verdient sie die allerschärfstc Z»»rück>v eisung. Midlich beschämend ist es, daß ein Snchverständiger die Miß- stände in Preußen zn entschuldigen sucht durch tzernnziehung ähn- licher liufüll« in miBet» Ländern, von denen ihm bekannt sein muß, daß die»n isten Eisenbahne» jener Länder in den AuSbeutungshändeu von Privatgesellschasten sind; von denen ihm ferner bekannt ist, daß die Berwallnngs- und BetriebSverhältniste z. B. in dein von ihn, zitirten Frankreich und namentlich in Oesterreich die allermangel- Hasteste» find. � Ueber den Versuch des Verfassers, die meisten Unfälle ans Nach- lässigkeiten und Pflichlversäumnisss der ausführenden Bedienstete» zurückzuführen,«vollen wir kein Wort weiter verlieren. Wenn aber schließlich hervorgehobeil wird, es trüge bei einigen der vom Verfasser aufgezählten Unfälle ein Mangel der Anlage die Schuld und eS wäre bisher nicht gelungen, diese technischen Mängel zu überwinden, so fei hier an«inen vor Jahren noch vom Minister Maybach ausgetüftelte» recht juristisch engherzige» Erlaß erinnert, auf grmid dessen den Eisenbahn- Beamten bekannt gegeben wurde, daß alle im Bereich des Eisenbahnwesens gemachlen Erfindungen Ei gen th um des Staates, d.h. also nicht patentfähig seien, daß aber— dies wird als Wund» pflästcrche» aufgelegt— die Eiseubahnverwaltnng bereit sein würde, die Erfinder angeniessen zu belohnen. Die preußische Eisenbahnverwaltung hat daher nicht die geringste Veranlassung, sich zu wundern, wenn eine große Zahl technischer Problem«, die gerade nnr von den unmittelbar mit der Sache Ver- trauten gelöst werden können, keine Bewerber finden. Unzählige Erfindungen treten von Außenstehenden ununterbrochen an die juristische Eiscnbahnverivaltung heran und wandern in die Papier- körbe, wenn nicht Groß- Unternehmer die Urheber sind; aber da gerade für die wichtigen kleinen Ausgaben das Interesse der technischen Beamten durch jenen Erlaß in kleinlicher, kurzsichtiger Weise unterbunden ist, so hat jener Verfasser gar keine Ursache, die technische Rückständigkeil des preußischen Eisenbahuivesens im Ver- gleich zu dem hochentwickelten England und Amerika öffentlich zu entschuldigen.— — Wieder ein Eisenbahn-Unfall. Amtlich wird gemeldet: Am 12. September gegen 1 Uhr nachts ist auf dem Bahnhofe B i n g e r b r n ck eine Lokomotive auf der Fahrt vom Zuge in den Lvkoinotivschnppen auf einen von Koblenz kommenden gemischten Zug gefahren. Durch den Zusammenstoß sind die Lokomotive des letztgenannten Zuges sowie fünf Güterivagen, drei Personenwagen zur Entgleisung gebracht und mehr oder weniger beschädigt. Ein Reisender und der Zugführer sind leicht verletzt. Der Unfall ist dadurch Hervorgerufe», daß der Lokomotivsührer der leer fahrenden Maschine, ein erfahrener älterer und mit den in Frage kommenden Verhältnisse» vertrauter Beamter, den zur Sicherheit des Betriebes gegebenen grundsätzliche» Bestimmungen entgegen gehandelt hat. Ein Bericht der„Franks. Ztg." besagt: Die Maschine nebst Tender, der Packwagen, drei Personenwagen und eine Anzahl Güter- wagen des gemischte» Zuges sprangen ans den Schienen, stürzte» zum theil um und wurden dcmolirt, während die leer laufende Maschine des Eilzugs weniger schwere Beschädignugen erlitten hat. In einem Personenwagen vierter Klasse— der Zug befördert auch Passagiere— saßen acht Personen, ein Ehepaar mit drei Kindeni, ein junges Mädchen, ein Reservist und ein Bremser. Wie durch ein Wunder kamen alle diese Insassen ohne größere Beschädigungen davon; einige sollen »ur ganz unerheblich verletzt sein, obwohl gerade dieser Wage» e»I- leiste und in Trümmer ging. Weniger gut erging«S dem Zug- ührer Häuser von hier: dieser mußle sich wegen erlittener Ver- letzungen in ärztliche Pflege begeben. Das Maschine». Personal beiderseits rettete sich durch Abspringe». Die nächste Folge des Unfalls war eine allgemeine Betriebsstörung. Von 1 Uhr nachts bis 7 Uhr früh ivaren sämmtliche Geleise gesperrt, erst um diese Zeit wurde das Berggeleise frei, auf dem dann die Züge durch Aus- wechseln bis Bacharach verkehren konnten. Die Ursache ist noch nicht festgestellt.— — Der dritte Parteitag der freisinnigen V o l k S p a r t e i in Nürnberg hat unter dem Vorsitze des Reichstags-Abgeordncten Schmidt- Elberfeld seine Sitzungen de- gönnen. Ans den Verhandlungen heben wir hervor, daß die Zluf- stellung der Kandidaten sehr weit vorgeschritten sei. Aus den weiteren Ausführungen zu dieser Sache läßt sich schließe», daß bei der kommenden Wahl Kandidaten für die freisinnige Volkspartei kaum mehr wie anno 1893 im Brieskasten der„Freisinnigen Zeitung" gesucht werden müffen. In der Debatte über den Parleibericht regte Dr. B e r n st e i n- Charlottenbnrg an, mehr als bisher in öffentlichen Volksversammlung«» die Grundsätze der Partei zn vertreten. Wie sich der Parteitag zu diesem unbequemen Aulrage gestellt hat, erfährt man aus dein ossiziellen Bericht« nicht. Abgelehnt wurde der Antrag Jacob-Ebersivalde, die freiivilligen Extrabciträge auf 8 M. herabzusetzen. Angenommen wurde dagegen der Antrag, den Parteigenossen für die Reichstags- wähle» zu empfehlen: 1. dort, wo die Kandidatensrage noch nicht ab- geschlossen ist, ungesäumt dieAufstellung geeigneter Kandidaten der Frei- sinnigen Volkspartei herbeizuführen; 2. überall die Geldsamnunng zur Bestreitung der Wahlkosten innerhalb des Wahlkreises frühzeitig einzuleiten; 8. zur Verminderung der Wahlkosten bei den Wahlen an Stell« kostspieliger Zeitungsinserate, insbesondere in gcgenerischen und angeblich parteilose» Blättern, smveit irgend möglich, Plakate oder Flugblätter zu verwenden; 4. für den Wahltag, insbesondere in den größeren, mehrere Bezirke umfassenden Orten eine bezirksweise Organisation zur Ueberwachung des Wahlaktes und zur Heran- holung der säumigen Wähler vorzubereiten. Am zweiten Verhandlungstag, am Montag, wurde zunächst über den Antrag betr. die Konzentration der Wahlagitation verhandelt. Der erste Theil, wonach die Zentralleitung verpflichtet werden soll, die ihr zur Verfügung stehende» rednerischen Kräfte und Geldmittel zur Vermeidung einer nachtheiligen Zersplitterung ausschließlich solchen Wahlkreisen zuzuwenden, welche schon bei de» bevorstehenden Reichstagsivahlen begründete Aussichten bieten, Kandidaten der Partei zum mindesten in die Stichwahl zu bringe», wurde abgelehnt, um angesichts der wachsenden Wahlberech- tiguug(?) Mißverständnissen vorzubeugen. Der zweite Theil des Antrags: Der Parteitag empfiehlt den Parteigenossen, in solchen Wahlkreisen, welche sich auf die Aufstellung von Zähl- k a n d i d a t e n beschränken müssen, die hierdurch daselbst verfügbar- bleibenden rednerischen Kräfte und Geldmittel der Zentralleitung zu überweisen behufs Unterstütznng anderer Wahlkreise mit günstigeren Aussichten, wurde angenommen; ebenso wurden die Anträge aus Betheiligung an den Landtags wählen(nach einem Referat deS Abg. Lenzmaiin) auf Betheiligung an den KreiS- u n d fiandelSkanimer-Wahlen mit einigen redaktionellen Ab- »deriingen augenominen. Sodann erstattete Abg. Fischbeck eingehend den Reichstagsbericht. Im Anschluß daran nahm der Parteitag einstimmig eine Resolution an, welche der Fraktion Dank und Ver- trauen für ihre Thätigkeit ausspricht. Daran schloß sich eine Dis- kussion über Arbeiterfragen. Hierauf wurde die Berathung des Programms für die Reichstagsivahlen vorgenommen. — Unfrieden bei derVorbereitung derHandelS- vertrüge. Die neugegründcte Zentralstelle für„Vorbereitung von Handelsverträgen" spricht dem„Deutschen Handelstage", sowie dem „Zentralverbande deutscher Industrieller" die Befähigung ab, bei der Vorbereitung von Handelsverträgen in hervorragendem Maße mitzuwirken. Hierüber sind nun die anderen sehr erbost. Uns freut eS, wenn die Herrschaften sich gegenseitig die Befähigung zu öffent- licher Wirksaiukeit absprechen.— — Di« Karte nbriefe sollen nach einer Düffeldorser Meldung der„Franks. Ztg." vom 1. Slovember ab in den Verkehr gebracht werden.— —„Großartig". Aus den österreichisch-ungarische» Manövern, an denen der deutsch« Kaiser theilnimmt, wird gemeldet:„Der Erfolg der Schnellfeuer-Kanone wird von militärischer Seite als großartig bezeichnet, so daß deren Einführung bei der ganze» Armee zweifellos ist. Der Rückschlag beträgt kaum bO Zentimeter." Wer glaubt nun nicht an den glänzenden Kulturforlschritt in unserer Zeit?— — Die national- soziale„Zeit" hört Ende des Monats auf zu erscheinen. Finanzielle Rücksichten werden als Grund angegeben. Zur Euischädigung soll die national- soziale„Hilfe" in vergrößertem Format erscheinen. Das Eingehen der„Zeil" ist ein beachtenswerthes Zeichen dafür. daß in den bürgerlichen Kreisen keine nennenswerlhe Zahl von Personen mehr zn finden ist, die für eine Sozialreform auf dem Boden der Heuligen Wirthschaflsordnung Opfer zn bringen bereit ist.— — Der Termin für die sächsischen Landtags- wählen ist, wie uns aus Leipzig berichtet wird, vom Ministerium für die Wahl der Wahlmänner der S. Abtheilung auf den 27. September» für die 2. Abtheilung auf den L3. September und für die 1. Ablheiluug aus den 29. September und für die Wahlen der Abgeordneten auf den 9. Oktober festgesetzt worden.— Dresden, 13. September.(Eig. Ber.) Inwieweit die private „Wohlthäligkeit" im stände ist, den vom Hochwasser G«- schädigten Ersatz zu leisten, geht recht bezeichnend aus folgeudem Beispiel hervor. Im Bezirk der Amtshauptmannschast Pirna— einer arg mitgenommenen Gegend— sind bis jetzt, und in einigen Tagen werden die Sammlungen ja geschlossen, alles in allem rund 50 000 M. eingegangen. Darunter ist eine Summe von 10 000 M., welche die Berliner Zentral-Saminelslelle spendete. Der ermittelte Privalschaden in diesem Bezirk beträgt aber rund 2 000 000 M. Nimmt man einmal beispielsweise durchschnittliche Verlheilnng an, so würden die Geschädigten, wenn sie einzig und allein aus diese Art„Hilfe" angewiesen bleiben sollten, eine Eni- schädignng von ganzen 2'/, Prozent bekommen! Wenn nun auch nicht so schablonenmaßig verfahren wird, so zeigt dieses Beispiel doch recht deutlich, wie kläglich der ganze Wohl- thätigkeitsrummel endet. Und dabei spekulirt die sächsische Regierung allem Anschein nach noch immer, wie denn nun eigentlich die große Staatsaktion in bezug aus Hilfe für die lieberschwemmten eingeleitet werden soll. Bis zeht hat man noch nichts davon erfahren. Seit- dem der Gesammtschadrn im Lande im„Journal" bekannt gegeben wurde— und das ist schon eine Sieihe von Wochen her— herrscht eine eisige Ruhe in den oberen Sphäre». Nur die sozialdemokratische Presse erinnert nachdrücklich und energisch die herrschenden Mächte an ihre Pflicht. Tarmstadt, 12. September. TaS vor einiger Zeit von der Regierung in Aussicht gestellte neue Beamtcngesetz nebst einer Gehaltsordnung ist soeben der zweiten Kammer zugestellt worden.— Meiiiiiigcii, 12. September.(Eig. Ber.) Die neueste Nummer des Regierungsvlaltcs verkündet, wie ich schon telegraphisch meldete, als Termin für die allgemeinen Wahle» zum Landlage den 28. Sept. Der frühe Termin überraschte besonders die Gegner, weil sie noch wenig in eigentlicher Agitation gcthan haben. Freilich sieht dort „praktische Agitation" anders aus als bei uns. Während unsere Genoffen, die' Flugblätter unterm Arm, mühsam auf oft schlechten Wald- und Landwegen bergauf und bergab kraxeln müssen, um nach vielfach stundenlanger Wanderung in den kleinsten Dörfern das Material an den Mann zn bringen, hat es die„Ordnungs"partei leichter. Bereits haben in allen Landrathsäinlern Schulzen- Versammlungen stattgesunden, natürlich nicht etwa, um die Schulzen zu becinflußen, bewahre; aber man kann da doch im trauten Kreise über denjenigen„dischkerircn", der von oben als der wahre Jakob angesehen wird und auf dessen Namen alsdann die vor dem Wahltermin an die Schulzen gesandten und von diesen „verwalteten" Stimmzettel lauten. Und wahrhaslig, taugte der bis- herige Landlag in beziig auf seine Volksthümlichkeit nicht viel, so verspricht der künftige noch um einige Grade schlechter zu werden, d. h. wenn es den Gegnern gelingen sollte, ihre Kandidaten durch- zubringen; fast nichts als Landräthe, Bürgermeister und Amtsrichter bewerben sich um die Mandate. Trotzdem die Verfassung den Höchst- besteuerten und Großgrundbesitzern von vornherein je vier Land- tagSsitze reservirt. enlblödet« man sich seitens dieser Herren nicht, auch noch alle 16 Kandidaturen der allgeineineii Wahle» mit Höchst- besteuerten und Großgrundbesitzern zu besetzen. Bisher war ja aller- Vings das Meininger Volk in seiner Mehrheit auch so einfällig, diese Herren als„Volksvertreter zn wählen. Unsererseits sind bis jetzt etwa 20 Versaminlniigen abgehallen worden, in denen die Kandidaten der betreffenden Kreise referirtcu. Nächste Woche wird Genosse Stollc-Gesau in füns Versaminlniigen sprechen; leider aber können naturgemäß auch die besten rednerischen Kräfte i» der LandtagSwahlagitation nicht das schaffen, wie etwa bei Reichstagsivahlen. da bei der Agitation für den Landtag das meiste Interesse selbstverständlich nur jene Ausführungen criveckc», welche sich mit den ganz speziellen Angelegenheiten des Partikular- staales beschäftigen. Als Kandidaten sind von unserer Partei auf- gestellt: Eckardt-Salznngen für Salzungen, Wehiier-Salzunaen für Wasungen, Leibkneckt- Salzniigen für Themar, Wehder- Sonneberg für Sonneberg, Olp- Sonneberg für Schalkau, Wächter- Steinbach für Neuhaus- Hüttensteinach, Weigclt- Steinach für Lauscha-Steinach, Zocher-Saalfeld für Grüsen- thal- Lehesten, Hofmann» Saalfeld für Saalfeld, Seige-Pößneck für Pößneck. Es sind da? nicht elf, wie ich früher berichtete, sondern nur 10 Wahlkreise von 16 bei den allgeineinen Wahlen überhaupt für uns in betracht kommenden. Die Aussichten sind überall die besten, jedoch haben wir es»um theil»ilt einem oft ganz unberechen- baren Bauern- und Handiverkerstand zu thun, der der gewöhnlich erst im letzten Augenblicke losplatzenden, vor keiner Verleumdung zurückschreckenden Agitation der Gegner durchaus nicht unzugänglich ist. Bei Ausstellung der Wählerlisten wurden alle jene nicht in die- selbe eingetragen, deren Meininger Staatsziigehörigkeit nicht durch die»öthigen ivomöglich bis auf den Großvater zurückreichenden Dokumente belegt werden konnte. So sind fast überall nur etiva zwei Drittel der Anzahl der stieichstagswähler als Landtagsivähler in die Listen aufgenommen. Unsere Leute werden sich trotz alledem sicher tapser schlagen.— — Chronik derMajestätsbeleidigungs-Prozesse. Vor der Kasseler Strafkammer hatte sich am 11. September der Arbeiler Johannis Muster wegen MajestätSbeleidigung, Beleidigung, Bedrohung, Nöthigung, Körper- Verletzung und Haussriede»Sbrnchs zu verantworten. Zur Verhandlnng, die ivege» Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sittlichkeit hinter verschlossene» Thüren stattfand, waren 13 Zeuge» geladen, von denen jedoch einer vor einige» Tagen ver- storbe». AuS dem öffentlich verrnndeten Nrlhcil ging hervor, daß der Gerichtshof zu der Ueberzeugnng gekonime», daß der Angeklagte sich in S zeitlich auseinander liegenden Fällen schwerer Beleidigungen deS Kaifers schuldig gen, acht, und zwar durch Acnßerunge», die nicht wiederzugeben sind. Ferner wurde als«rwieseu angenommen, daß der Angeklagte wiederholt einzelne der Zeugen beleidigt, bedroht»nd körperlich mißhandelt habe, auch der Hausfriedensbrnch wurde als erwiesen angesehen»nd auf ein« Gisa»»»tstrafe von sechs Jahren Gefängniß er- kannt.— Das.Volksblatt für Heffen", dem wir diese Angabe» e»t- nehmen, bemerkt dazu:„Da die Majestätsbeleidigungen zu», größten Theil im«ngerenlbefremidele» Kreise gefallen und nnr später ein- getretene Zerwürfniffe zur Anklage geführt, wollen wir nicht verfehlen, an dieser Stelle alle darauf aufmerksam zu machen, mit Aeußerungen über den Kaiser, selbst in intiinsten Freundeskreisen äußerst vorsichtig zu sein, denn derartige Aeußerungen können nieinande» schaden als eine,» selbst." Der 2Sjährige ledige Schuhmachergehilfe Paul Franz Kabisch von Waldau, preuß. Provinz Sachsen, bisher nur einmal gering- sttgig vorbestraft, stand vor der Stuttgarter Strafkammer unter der Anklage, er Hab« am Sonntag, den 25. Juli, abends, in der Wirth- schaft zur„Sonne", Eichstraße hier, den König beleidigt. DieS de- stritt er jedoch entschiede», wogegen zwei Zeugen eidlich bekundeten, daß der Angeklagte damals stark betrunken war, in eine», Wort- Wechsel sich anfregte und über de» Wirth erzürnt war, weil dieser ihn veranlaßte, in. Kegelspielen aufzuhören und einer anderen Partie den Platz zn räume», ihm auch wiederholt mit Entfernung aus der Wirthschast, von einem Gaste sogar mit Maulschellen bedroht worden war. waS dahin führte, daß der Angeklagte zu beleidigenden Auslassungen zuerst über den Wirth, dann über die Schwaben, dann die Stadt Stuttgart„nd zuletzt auch über deu König hiugeriffeu wurde. Die Fcrien-Strafkmniner vernrtheilte denselben hiernach zu f ü„ f m o ,, a t l i ch e r G e f ä u g n i ß st r a f e. Oesterreich. — Herr Eben hoch, ei» schneidiger, rücksichtsloser Klerikaler, f auptagitator gegen die konfessionslose Schule, soll Präsident d«S bgeordnctenhanfes werden und als solcher die obstruirend« Oppofition zu Paaren treibe».— Troppa», 13. September. Der gestern in Tesche,, abgehaltene, von 1300 Bertranensmäiinern aus ganz Schlesien besuchte deutsch« Volkstag beschloß eine entschiedene Kundgebung gegen die Sprachen- Verordnungen, die Slavisirungsbestrebuuge» in Schlesien und dm Schulantrag Ebenhoch's.— Frankreich. Paris, 13. September. Mehrere Blätter legen die Thatsach«, daß Präsident Faure gester» den König von Siam nicht zu dem Reniiei, von Longchanips begleitete, sondern mit Hanotaux nach Marly zur Jagd ging, dahin ans, daß man den König für seine Beziehnngen zn England gewissermaßen bestrafen wolle. Präsident Faure habe gesagt, er werde de», König»ur die Truppenschau von Saint Quentin zeige», sonst nichts.— Belgien. Brüssel, 12. September.(Privaldepesche des„VonvärtS".) Bei der heutigen Ersatzwahl im Kreise Waremine, der bisher von einem klerikalen Abgeordneten vertreten war, halten die Sozial- demokraten einen großen Erfolg zu verzeichne»; ihre SliuimOt- zahl stieg seit der Hanplwahl von 1V00 auf 6669 Stimmen, die Liberale», die bei der Hauptwahl mit den Klerikalen in Etichivahl gekommen waren, sind von ö3S0 auf 6296 Stimmen zurückgegangen. Die Klerikalen, die dieZnial in einei» ziveiten Wahl- gange mit unseren Genossen um das Mandat kämpfen müsse», haben auch fast 1000 Stimmen verloren, sie erhielte» diesmal blos 9493 gegenüber 10 400 bei der Hauptwahl. Spanien. Madrid, 13. Septeinber. Das hiesige Karlisteublatt„Corres' ivurd« ivegen Anfreizuug zum Bürgerkrieg konsiszirt.— Madrid, 18. Septeinber. Einer Depesche des„Jinparcial" a»S Barcelona zufolge sollen die Carlisten i» Katalonien agiliren, indem sie sich gleichzeitig insgeheim militärisch organistren. Die Frage wegen der Haltung gewisser Generale, namentlich des Generals Gando, ivird von den Blättern kommentirt. Der Ministerpräsident und Kriegsniinister Azcarraga soll«»lschlossen sei», gegen alle Militärs, die sich mit Polilil befassen, energisch vorzugehen. Der Herr Ministerpräsident mag noch so sehr entschlossen sein, die Verhältnisse i» Spanien sind derartig vcrivorre», daß die AuS- führnng des Entschlusses dem Mtnisterpräsidente» die Präsidenlschasl kosten würde. Die Einnahme Victoria'S durch die kubanischen Insurgenten ist»ach ber„Frankfurter Ztg." für Spanien um so bedenklicher, als bekanntlich die Vereinigten Staaten erstere» versprochen habe», sie als kriegführende Macht an- znerktiinen, sobald sie im Besitz« einer größeren Ortschaft wären. Diese Bedingung ist jetzt erfüllt. Der„Jinparcial" sagt eine dem- »ächstig« große Krisis und die Abberufiiiig Weyler'S voraus. Wie»»genügend die Berichlerstattling vom knbanischen KriegS« schaiiplatze ist, geht auch daranl hervor, daß die Stadt Victoria de las Tunas seit dem 30. v. M. in den Hände» der Aufständischen ist. Die Ansständischen. in der Stärke von 9000 Mann, ließe» in der Stadt eine Besatzung zurück und zogen in der Richtniig auf San Pedro Marayon(?) ab. General Lnque rüstete«in« Kolonne zur Verfolgung aaS; dies« aber wurde insolge von Fieber- fälle» auf 1900 Man» reduzirt. AuS H a v a i> a wird gemeldet, daß der Gouverneur der Provinz Santa Clara anläßlich der Erniordnng des spanischen Ministerpräsideiileii Canovas eine öffentliche Feier vo» acht Tagen angeordnet halte. Eine große Anzahl Familien kam dieser Ver« ordnung nicht nach, weshalb ihre Berhaflnng vorgenonune» wurde. Türkei. Die Botschafter haben ihre Verhandlungen wieder aus- genoinmeit. Wie die„Politische Correspondenz" ans Petersburg meldet, stimmten die Mächte dem Antrage der Admirale, die B l o k a de von Kreta vor der Durchführung der Autonoinie anfzuheben, nicht zu, da dies de» Ausbruch neuer Unruhe»»ach sich ziehen könnte; auch würde» Möglichenfalles griechische Abenteurer einen Handstreich gegen die Insel unternehmen. Die Mächte beschlossen daher, die Blolade bis zur Durchsührung der Auionomie aufrecht- zuerhalte». Die griechische Regierung richtete an die Mächte«ine Note, i» welcher sie vorschlägt, daß bald nach N»lerjeich»u»g der triedeiispräliminarien die griechische» Unterthaneu, welche i» der ürkei Handel treiben, dorthin zurückkehre» könne», ferner solle die Schifffahrt für Schiffe beider Länder i» den gegenseitige» Häfen wieder aufgenommen, die Rückkehr der thessalischen Flüchllinge unter dem Schutze der Mächte gestattet werden und eine Amnestie für ottomanische Unterlhauen griechischer Abstammung, die in der griechischen Armee gedient haben, eintreten. »lfien. SlnS Indien wird gemeldet: Nach einem amtliche» Telegramm a» das Indische Amt wurde Sonnabend Nacht ans die Nachhut der britischen Truppen in den Samana-Berge» von den Ansständischen ein Angriff gemacht; die Engländer hatten einen Verlust»>o» 20 Man»; der Verlust des Feindes wird als belrächtlich be- zeichnet.— Amerika. Guatemala, 11. September. Die Republik Guatemala bcsindet sich im Belagerungsjustande. Gegen de» Präsideule» ist im Westen derselbe» Revolution ausgebrochen.— — Zum Friede usfchuß in Uruguay wird den „TimeS" aus Montevideo gemeldet:„Die Aufständischen fordern die Oberaufsicht in secdS Deparlements, die Zahlung einer Entschädigung vo» 200 000 Dollars, dt« Wiedereinstellung der Oifiziere, welche sich a» der Revolution belheiligl haben»nd eine Reform des Wahlversahrens. Die Regierung, durch die»ninittelbare Nähe der Nebellenarmee i» Schrecken gesetzt, sliminte de» Forde« rnngen zu. Das Abkominen bedarf nunmehr noch der Genehinignng der Kammern, vo» denen man annimmt, daß sie keine Einwände da- gegen erheben werden._ Navkeikonfovvnz für d i e Provinz B r a n d e n b» r g. Die Verhandlungen, die am Sonntag in dem zn diesem Zwecke entsprechend dekorirten Keller'schen Saale stattfanden, wurden stimmungsvoll eingeleitet durch de» Vortrag der Lieder„Festgesang" von Ulhmann n»d„Völkersrühling" von Thieine, den der Gesang- verein„Liedesfreiheit" in gelungener Weis« ausführte. Eine zahl- reiche Zuhörerschaft hatte sich eingefniidei,. A„ t r i ck eröffnet die Konserenz mit einer Begrüßung der Delegirten»nd einem Hoch auf die Sozialdemokratie. DaS viirean bilden die Genossen: ThomaS- Rixdorf, S a l o in o n- Wriezen, M« r k u s ch. Guben, B r ü s ch- Straßvnrg. Ei» von Berlin I. eingegangener Antrag: Die Lokalsrage a>!f die Tagesordnung zu setzen, wird zurückgezogen. Ein vo» Bertin V. gestellter Antrag: den Punkt„Presse" aus die Tagesordmmg zu setzen, wird gegei» 6 Stimme» abgelehnt. Den Bericht der Agitations-Kommissio» erstattet A» t r i ck: Wir haben in diesem Jahre«livaS weniger aeräusch- voll agitirt, wie in früheren Zeiten. Hauptsächlich beschäsligte nuS ble Frage der Organisation der Parteigenossen in der Provinz, welche im Hinblick auf die ReichStagswahlen nolhwendig ist. Leider fanden wir nicht innner die erforderliche Unterstützung der Genossen in den Wahlkreisen, denn die ans der vorigen Kon- ferenz den Genossen auserlegte Pflicht, uns Berichte ein- znsenden, wurde nicht immer ersiillt. Manche Wahlkreise sind ja bis in die entlegensten Dörfer vortrefflich organisirt, „» anderen Kreisen dagegen hapert es noch sehr mit der Organi- fatton. Fn manchen Kreisen hat sich ein großer Mißstand bemerkbar gemacht. Das ist da? Ueberwuchern von Bergnnnguiigsvereinen, denen die Genossen mancher Kreis« ihre Zeit und»rast»vidmen. W»r wollen die betreffenden jetzt noch nicht namhaft machen;»venn das Treiben aber kein End« nimmt, muffen wir an den Parteitag appelliren. Den vorjährigen Beschluß, eine Agi- tation gegen die Gesinde- Ordnung ins Werk zu setze», konnten»vir aus Zweckinäßigkeitsaründen nicht ausführen. Es fehlt an Referenten, die diese Materie beherrschen. Wir haben eine Broschüre von einem Genoffen herstellen lassen,»velche die Gesinde- Ordnung eingehend behandelt. Diese Broschüre habe»»»vir den Genossen des Kreises zur Verfügung gestellt»nid glauben, im Sinne der Genossen gehandelt zu haben,»venn»vir de» Beschluß in dieser Weise ausführte». Wir haben ferner in Er- »vägnng gezogen, ob es nicht augebracht sei, für die Zeit der Neichstags-Wahlbewegung ei» Preßorgan für die ganze Provinz ins Leben zu rufen. Sowohl die technischen Schivierigkeiten, als auch die Vcrschiedenartigkeit der Verhältnisse in den einzelnen Kreisen ließen uns vor der Hand von der Grün- düng einer solchen Zeitung absehen. Daß die Agitation durchaus nicht vernachläisigl wurde, beiveist der Umstand, daß im abgelaufenen Jahre 789 politische Versammlungen in der Provinz abgehalten»vurden, sür die»vir nur 83 Referenten zu bezahlen brauchten. Eine ganze Anzahl von Kreisen ist schon in der Lage, selber Referenten zu stellen. Eingegangen sind bei uns 286 Briefe, 98 Postkarten. 62 Telegramme; ausgegangen sind 321 Briefe, 27 Postkarten, 2 Telegramme. Den Kalender„Märkischer Landbote" haben»vir, dem Wunsche der Genossen gemäß, reicher ausgestaltet, und ihn in doppelter Stärke herstellen lassen. Es sind in diesem Jahre hundert- fünfzigtausend Exemplare verbreitet, vorbei,,»nährend»vir sonst »ur 120—136 666 absetzen kvNiiten. Wir hoffen den dies- jährigen Kalender— was uns in» vorigen Jahre leider nicht ge- luiigen ist— so zeitig erscheinen lassen zu können, daß die Verbreitung spätestens anfangs Dezember begonnen werden kann. Hinsichtlich der Verbreitung des Kalenders möchte ich bemerken, daß es nicht»»iisere Aufgabe sein kann, denselben jede»» einzelne» Beivohner der Provinz i» die Hand zu geben, ohne Rücksicht auf die soziale Stellung des Empfängers. Nicht zu den»ins feindlich gegenüberstehenden begiiterte» Bauern, sondern in die Hullen der Arninth wollen»vir gehen. Alles in allen» können»vir sage», daß die sozinldcn» akratische Beivegung i» der Provinz mit Riesenschritten vorivSrts gegange» ist. Der Erfolg»vird sich bei den»ächste» Reichstagsivahlen zeigen. Die gedruckt vorliegende Abrechnung schließt mit einer Ein- nähme von 7622, 7S M., einer Ausgabe von 6363,26 M. und»»»eist einen Bestand von 6ö9,SS M. ans. Ausgegeben»vurden sür Flug- schrifte» und sür den Kalender 4127.95 M., sür Agitation und Referenten, soivie Beschicknng der Nreiskonferenze» 1196,66 M., sür Porto und Diverses 44.65 M. Vor Eintritt in die Diskussion giebt der Vertreter der Mandats- prufungSkonimission bekannt, daß 66 Delegirle aus 26 Kreisen au- »vesend sind, ferner Vertreter der„Märkischen Volksstimuie" und der „Brandenburger Zeitung", soivie mehrere Kandidaten der Kreise und Genosse Gerisch vom Partei-Ansschuß. Die Diskussion über de» Geschäftsbericht bringt nichts von all- gemeiner Bedeutung. E a l o»n o n> Wriezen hält es nicht für richtig, daß die Kommission den vorjährigen Beschluß betreffs Agitation gegen die Gesinde-Ordnung nicht»vörtlich, sondern nach eigenem GutSdünken ausgeführt habe. Stadthage n und A» t r i ck rechtfertigen das Verhalte» der Kommission in dieser An- gelegenhcit. Außerdein»vird eine von Antrick vorgebrachte Angelegen- heit persönlicher Natur, den Kreis Zauch-Belzig betreffend, besprochen. Ueber den folgende» Punkt der Tagesordnung:„Die bevor- stehende» Reichstagsivahlen" referirt S t a d t h a g e»: Er»veist an der Hand von Zahlen der Reichstags-Wahlstatistik nach, daß die Zahl der für die Juukerpartei abgegebene» Stimmen zugenonimen habe. Daraus gehe hervor, daß die Macht der Junker iin Deutschen Reich noch lange nicht gebrochen sei. Auf die Verhältnisse der Provinz Brande» b>»rg eingehend, legt der Referent unter Hiniveis aits einzelne Vorkommnisse polizeilicher Natur dar, daß die Reaktion in nbernittthiger Weise ihr Haupt erhebe. Er veriveift »»»ter andere»» auf die Beschränkung der verfassungsmäßigen Ver� sauimlungsfreiheit auf grund einer alten Polizeiverordnung und betont,»vie nothwendig es sei, bei den Reichstagsivahlen mit allen Kräften fiir die Sozialdemokratie zu agitire», den» es gelte jetzt, dafür zu sorgen, daß das Verlange»»ach Her ftellung eines absolutistischen Regiments nicht zur Ausführung kommen könne. Je gemeinschädlicher das Treiben der Reaktionäre hervortrete, desto mehr sollten die Genoffen in den Wahlkreisen eine Agitation zu gunsten der Sozialdeinokratie entfalten. Möge man nicht versäumen, sofort in die Wahlagitation einzutrete», nicht»ur in Versammlungen, sondern,»vaS sehr»virksam ist. von Mund zu Mund. Dabei möge man nicht vergessen, sich auch an die Frauen und Mädchen zuwenden. Wenn diese erst für uns ge>vonnin sind, sind sie fiir unser« Propaganda oft mehr»verlh, wie die Männer. Kämpfe» wir also mit den geistigen Waffen, die uns zur Verfügung stehen, dann mögen unsere Gegner kommen,»vie sie»volle»— unser muß der Sieg»verden, trotz alledem.(Lebhafter Beifall.) Nachdem Metzner sich kurz in demselben Sinne geäußert, wird beschlossen: Die Agitatioiiskommission wird als Zentral-Wahlkoniitee für die Provinz Brandenburg während der Zeit der Reichstags-Wahb beivegung konstitnirt. Zur Frag« der Wahlbetheilignng an den Landtags- wählen erhält das Wort der Referent Schippel: Ich habe angenommen, daß ich niir ei» Korreferat halten sollte. Ich bitte daher uin Nachsicht, da ich mich ans ei» Referat nicht genügend vorbereitet habe. Es ist ja eine alte Sitte, daß»»an bei solchen Fragen, wie der vorliegenden, Aenßerungei» a»S- gräbt, die jemand frither zu derselben Sache gemacht hat. Auch ich »var iin Jahre 1898 gegen die Wahlbetheilignng, war aber stets der Meinung, daß»na» seine Stellung zur Wahlbetheiligung von den jeiveiligen Verhältnissen abhängig niache» solle. Ich»var nicht dafür, daß wir i» aller Einigkeit den Standpunkt von 1893 beibehalten solle». Damals»var ich nur deshalb gegen die Wahlbetheilignng,»veil der Bernstetn'sche Vorschlag vorlag, der von vornherein einen Konipromiß mit anderen Parteien forderte. Der Redner geht auf den Modus der preußische» Landtagsivahlen ein. Eine öffentliche Stiinmabgabe für einen sozialdemokratischen Wahl- mann ist für die»veitans größte Zahl der preußischen Wahl- kreise ein Ding der Unmöglichkeir. Das können»vir— mit Ausnahme einiger Jndustrie-Orte— den Wählern nicht rathe». Wir»vürden— vielleicht sogar in Berlin— nicht in alle» Bezirken Wahlmänner, die in demselben kleinen Bezirk wohnen müssen, finde»», die bereit»vären, sich erstens öffentlich als Sozial- demokraten zu bekennen und dann das nicht unbedeuteude Opfer an Zeit zu bringen,»velches mit dem Amt des Wahlmannes verbunden ist. Dieser Un, stand, soivie die Dreiklassen-Theilung verbietet uns eine selbständige Betheiligung unserer Partei von selbst. Nun heißt eS: Wir»verden doch in vielen Fälle» das Zünglein an der Waag« bilden und wenn»vir für einen Freisinnigen eintreten, demselben Zugeständnisse abnöthige» können. Ich bin heute»och, ebenso»vie 1893 der Meinung, daß»vir iinS auf solche Kompromisse nicht ein- lassen dürfen. Wir ivürden in solchen» Falle die Freisinnigen ver- pflichte» müssen, für unsere Kandidaten zu stimme»». Während»vir »lnser Wort halten und fiir den Freisinnigen stiinmen, haben»vir kein« Garantie, daß diese ihr Versprechen ebenfalls einlöse». Ich bin nicht grundsätzlich gegen jeden Konipromiß. Aber i ich meine, solche Komproniisse»vie diele, sollte man nicht zur Norm '»»ache». Die Frage ist, solle»»vir es so niache».»vie bei den Reichs- tagsivahlen: ohne jede Abmachung für die Freisi»nigen als das kleinere Uebel stiuimen. Es ist ja sehr bequem, jede dertige Ab- stiinniung für den Freisinn damit abzinveise», daß man sagt: der Freisinn gefällt uns nicht. Allerdings gefällt er uns nicht. Wen» es- aber grundsatzlos sein soll, von vornherein sür die Frei- sinnigen einzutreten, dann müssen»vir auch unsere Taktik bei den Reichstags-Stichivahlen ändern, Ivo»vir stets den Grundsatz vertrete» habe»: für die Opposition gegen die Zleaktion. Es»vird ferner eingeivandt, es sei ei» Widerspruch, wenn wir bei den Landtagsivahlen sür, bei den Reichs lagsivahlen gegen die Frei- sinnigen agitiren müffen. Ja, komme»»vir denn bei de» Reichstagsivahlen,»venn«ine Stichivahl erforderlich ist, an der»vir uns betheiligen, in ganz dieselbe Lage? Wir sind bei dieser Taktik seit 26 Jahre» gut gefahren,»varum soll nun bei den Landtagsivahlen diese Taktik zu einer Verwirrung der Masse» führe»,? Wir betheiligen uns an einer ganze» Reihe von Wahlen, z. B. zu dem Reickis-Versicherungsamt, zum Geiverbegericht. Es handelt sich bei solchen Wahlen doch auch nicht uin Erreichung »»»serer letzten Ziele. Auch die preußischen Landtagsivahlen sind nicht solche, beiden«» es sich»viebeim Reichstag, um unsereKlassenforderuuge» handelt. Der Landtag hat noch nicht die Bedeutungslosigkeit, die ihm von»nancheu»»»serer Genosse» beigelegt»vird. Die Vorgänge der letzten Zeit haben beiviesen, daß man die Einzellandtage zur Verivirklichung der im Reichstage nicht durchzusetzenden reaktionären Gesetzgebung benutzt. Das kann uns nicht gleichgiltig lasse». Wenn seitens der Regierung der Landtag»vieder zu neuem Leben erivcckt»vird, dann könne»»»vir doch dem nicht ruhig zusehen, ohne unseren Einfluß auf die Zusammensetzung des Landtages gellend zu mache». Wenn gellend gemacht»vird, daß uiiser liberales Bürgerthuu» kein»virklich oppositionelles sei, so liegt das eben an der politische» Enlivicklung, die bei uns eine ganz andere»var,»vie beispielsiveise in England. In den 46er Jahren»var bei»ins die bürgerliche Demokratie ebenso entschieden,»viesonst irgendivo. Es ist anzunehuien, daß,»venn die Verhältnisse sich ähnlich gestalten»vie damals, auch die Opposition der bürgerlichen Liberalen»vieder eine entschiedene»vird. Sckon heute ist das Bürgerthni» viel mehr vom Oppositionsgeist zerfressen»vie in früheren Jahren. Wie man anch über die bürgerliche Opposition denken mag,»vir»lüssen uns die Frage vorlege»: Können»vir, indem»vir»usere ganze Kraft für Stärkung der Opposition in de» nächsten süuf Jahren einsetzen, im Landtage manches erreichen,»vas»vir ohne unser Eintreten nicht erreichen können? Unsere bisherige Haltung bei den Landtags »vahle» ist keine»virkliche Neutralität, denn»vir entziehen durch unsere Enhaltung de» oppositionellen Parteien die Wahlstinime». l fragt sich also, sollen»vir den Kölner Beschluß aufheben und dadurch dem Freisinn die Truppen, die»vir ihm entzogen habe»,»vieder zuführen, oder sollen»vir ruhig zusehe», wie die Reaktion den Freisinn besiegt. Der Genosse Stadthagen hat vorhin die Reaktion treffend gekennzeichnet. Wen»»vir dieselbe also bekämpse»»vollen, dann müffen wir auch bei den Landtags wählen gegen dieselbe zu Felde ziche», indem wir»»sere Stimme». ohne erst eigene Kandidaten aufzustellen, für die Freisinnigen abgebe». Daß»vir die Entscheidung über die preußischen Wahle» einer Konferenz der preußische» DelegirtenzuiiideutfchenParleitag vorlege» solle», halte ich nicht für richtig. Die Sache ist so»vichtig u»v berührt allgemeine Parteifragen derart, daß man die gr»»ldsätzliche Eul scheid»»i(j»vohl dem deutschen Parteilage überlassen kann. Die Einzelheiten mögen die preußische» Genossen selber regeln. Ich bitte Sie, entscheiden Sie diese Frage»ur von den» Gesichtspunkte aus, ob»vir sür die»ächsten fünf Jahre ein»och größeres Älnschivelle» der Reaktion verhindern könne». Wenn Sie ohne alle Phrasen a» die Beurtheilung der Frage herangehe», dann»verde» Sie sich ent- scheiden sür unsere Betheiligung au den nächsten preußischen Land tagSivahlen.(Beifall.) Ledebour: Daß da? bestehende Wahlgesetz außerordentlich »viedersinuig ist, darüber besteht innerhalb unserer Partei keine Meinuugsverschiedeuheit. Auch darin stinniien»vir Wahlgegner den Befürwortern zu, daß der Landtag»nichtig genug auch für uns ist. Aber»vir»»eine», daß, indem»vir uns an der Wahl beiheiligen, die Nachtheile,»velche sür»»us daraus entspringen, größer sind, als die Borlheile, die»vir erlangen könne». Auch bezüglich der Büudnißpolitik bin ich mit dem Genossen Schippel einer Meinung. Schippel hat sich hier als ein Anhänger des Auer- scheu Vorschlages entpuppt. Dieser Vorschlag ist vor Jahren zuerst vom Genosse» Arons gemacht worden, er stieß aber auf heftige» Widerspruch in der Partei. Arons ist jetzt selber von seinen» Vorschlage zurückgekommen, Auer aber hat denselben»vieder aufgenommen; ich habe von vornherein die Ansicht vertreten, daß dieser Aner'sche Vorschlag der gefährlichste ist, und deshalb au» entschiedensten be kämpft»verde»»nuß. Schippel sagt nun, ivarnn» sollen»vir die Freisinnigen, die»vir doch bei den Reichstags-Stichivahlen»»iter> stützen, nicht anch bei den Landtags-Wahlen unterstützen? Der Vergleich paßt nicht. Bei den Reichslags-Wahle» treten»vir zunächst»ilt voller Kraft für die Wahl»»»serer Parteigenossen ei» und wähle» erst in der Stichivahl den Freisinnige» als das kleiner« Uebel. Wen»»vir aber nach den» Vorschlag von Auer und Schippel für die Freisinnigen stimme» sollen, dann beanstragen»vir dieselben im Landtage mit unserer Vertretling. Das ist also itivas ganz anderes,»vie die Wahl des kleineren Uebels. Der Zug»ach links»nacht sich vielleicht dadurch bemerkbar, daß die Freisinnige» elivas radikaler geivorden sind, daß heißt am Bier- tisch, nicht im öffentliche» Lebe». Man muß aber beachten, daß der Zug»ach links sich auch bei de» Natioiialliberalei» und den» Zentrum bemerkbar macht. Man kann sage»», um jeden Schritt, de» die Freisinnigen uns näher gekommen sind, haben sie sich um zehn Schritte den Nationalliberalcn und den» Zentrum genähert. Ein Wahlkartell zivischen diese» Parteien und den Freisinnige» ist sehr »vahrscheiiilich. Was kommt also bei unserer Unterstützung der Freisinnige» heraus? Die Freisinnigen sind für uns viel»verthvoller,»venn sie sich in der Minorität befinden, als»venu sie in der Mehrheit sind. Im ersten Falle bilden sie eine Opposition, in» letzteren Falle streben sie danach, Negierungspartei zu werden. Dieselbe Ansicht hat Schippel in einer Broschüre früher vertrete» und stimme ich auch darin mit ibm überei».(Redner ver- liest das betreffende Zitat.) Die Reaktion ist zur Zeit bei uns so schlimm, daß es gar nicht mehr schlechter»verde,» kann. Es können »vohl»och einzelne reaktionäre Maßregeln durchgesetzt werden, doch das geht»ur bis zu einem gewissen Grade. An» meisten hat sich die Reaktion selber geschädigt, indem sie ncuerdingS die Staatsstreichgelüste offen und ungenirt vertritt. Ich hätte nichts gegen eine Unterstützung einer bürgerlichen Oppositions- Partei. Aber>vo giebt eS den» heut ein- Partei, »velche die entschiedene Demokratie vertritt? Wie stellt sich denn die freisinnige Partei zu der Frage unsercr Wahlbetheilignng? Bis zetzt ist noch keine Antivorl darauf erfolgt. Eugen Richter, der hervorragendste und enlschiedeiiste Vertreter dieser Partei, sagte bei der Berathung des Vereinsgesetzes, die Regierung möge doch solche Vorschläge machen, die geeignet seien, die bürger- liche» Parteien zu sannneln zilin gemeinsamen Kampfe gegen den Umsturz. So stellt sich der enlschiedeiiste Vertreter der bürgerlichen Opposition zur Sozialdemokratie. Und diese Partei»volle» Sie»liiter- stützen? Diese Partei»vollen Sie betrauen mit der Wahrnehuiung »»serer Interessen im Landtage? Gerade heute trommelt die„Freis. Ztg." in einem Artikel zun, Kampf gegen die Sozialdeniokratie. Redner er>vähl»t den bekannten Fall Paln» i» Lehnin und charakterisirt das Verhalte» des freisinnige» OrtsvorsteherS von Lehnin, der sich dem Landralh gegenüber darauf berufen konnte, daß er sich vor Ver- i»iethu>»g der Wohnung die schriftliche Bescheinigniig habe geben lasse», daß Frau Palm nicht niehr für die Sozialdemokraten oder Anarchisten agitiren»volle. So handelt eine Säule des Frei- »uns i» unserer Provinz; der freisinnige OriSvorsteher hat nicht einmal Rückgrat genug, für die häusliche Frei- heit der Sozialdemokraten einzutreten. Daran kann man ermesse», »vaS»vir von de» Freisinnigen zu erwarten habe». Analog der Gepflogenheit in andercn Bundesstaaten niüflen auch die Genossen Preußens allein über die Frage der Wahlbetheiligung ent- scheiden. Damit sie da? können, muß allerdings der Parteitag zu», nächst den Kölner Beschluß, welcher die Geuosse» zur Wahl- enthaltmig verpflichtet, aufheben. Ich warne diez-mg«, Genossen,' die sich ans die Aufrechterhaltung des Kölner Beschlusses verstersr haben, nicht anf diefenjLeim zu gehen, denn sonst kann eine prinzipielle Entscheidung über die Betheiligung an den preußischen Landtags- wählen nicht herbeigeführt werden. Der Kölner Beschluß konnte nur zn stände kommen, weil damals noch niemand voraus- sehen konnte, daß einmal in uiiserer Partei Neigung für die Wahlbetheiligung in Preußen entstehen könne. Bor einigen Wochen sprach sich Robert Schmidt im„Vorwärts" ganz entschieden gegen die Wahlbetheiligung auS. Ich dachte damals: Das ist doch noch ein ganzer Mann. Jetzt hat anch er, n>i* der Schlußsatz seines heutigen Artikels zeigt, seine Meinung geändert. Er schreibt:„In Parteikreisen gewinnt allerdings die Stimmung für die Wahlbelheiligmig die Oberhand. ES ist anzunehmen, daß der Parteilag i» diesem Sinne die Entscheid, mg trifft." Woher weiß denn der Genosse Schinidt das? Der„Bor- ivärts" hat unS einen ausführlichen Bericht über die Provmzial- konfere», von Schleswig-Holstein gebracht, die sich für die Wahl entschieden hat. In dem Bericht über die Delegirlenwahle» in Berlin ist zivar angeführt, daß der erste»nid fünfte Kreis, die beide nur eine verhält,»ißmäßig kleine Wählerzahl aufweisen, sich für die Wahlbetheiligung erklärt haben, dagegen giebt der Bericht kein klares Bild über die Stimmung der Genossen in den größten Wahl- kreise», dem vierten und sechsten. Ich weiß bestimmt, daß in Berlin die überwiegende Mehrzahl der Parteigenosse» gegen die Wahlbetheiligung ist. Wenn gesagt»vird.»vir können einen Versuch mit der Wahlbelheiligmig machen, so ist das ungefähr ebenso, als wenn ein Mädchen, das vor der Frage steht, od es mit einem Manne in intime Beziehungen treten soll, sich sagt: Nun, auf einen Versuch konnnt es ja nicht an.— Durch solche» Versuch geht doch die Uiiberührlheit verloren. Der Abgeordnete Fischer sagte kürzlich im zweiten Wahlkreise, wir inüßle» uns deshalb a» den Wahlen betheiligen, damit es der Regierung nicht gelinge, die Volksmassen vor der Sozialdemokratie bange zu machen. Eine solche Politik ist unserer Partei unwürdig. Die Feder- und redegewandte» Genossen, welche für die Wahlbetheiligung eintreten. sind über die Stimmung in den Arbeiterkreise» nicht hinreichend unlerrichlet. Nicht die redenden, sonder» die schweigeiiden Geuoffen bilden das Rückgrat der Partei. Ich hoffe, daß die Partei sich gegen die Wahlbelheiligmig enlscheiden wird.(Beifall.) Die Diskussion wird eröffnet. T> m m führt aus: Ledebour hat mit eiuer Menge Kleinkram seine» Standpmikt begründet. Mit einer strikten Ablehnung komme man nicht ans, es fragt sich, was solle» wir thu». Es ist nicht abzilsehen, ob nicht eine selbständig« Wahlbetheilignng»nsererseits in»lanche» Kreise» Erfolg haben wird. Wir werde» mehr und mehr auf de» Standpuntt gedrängt, gegen die Reaktio» Stellung zu nehmen, indem ivir die Opposition in solcheiüFälle» unterstützen, wo es sich um Erringiing oder Erhallmig bürgerlicher Jreiheilen handelt. Ich bin dafür. daß wir dem Parteitag die Aushebung des Kölner Beschlusses und damit die prin- zipielle Entscheidung empfehlen, alles übrige aber den einzelnen Kreisen überlassen. Joachim charakterisirt die Freisinnigen als unzuverlässig, weist auf die Schwierigkeit der enlgegeugcsetzten Agitation bei Reichstags- und Landtagsivahlen hin, vergleicht die jetzige Stellung Bebels»»»t der von 1893 und spricht gegen die Wahlbetheiligung. Dr. W e y l: Genosse Ledebour hat häniisch darauf hingewiesen, daß die Genosse» des 5. und 1. Wahlkreises ihr» Delegirte» beauftragt habe», für die Wahlbelheiligmig zu stinunen. Er hat auf die geringe Wählerzahl dieser Kreise hingewiesen. Solche Arguniente sind nicht durchschlagend, ma» muß vielmehr Gründe für seinen Standpnnkt anführe». Wir im süuftc» Wahlkreis« wolle», daß der Parteitag den Kölner Beschluß aufhebt und den preußischen Delegirten die Enlscheidung überläßt. Wir wähle» die Freisinnigen»ichl, wie Ledebour meliit. als Vertreter uuserer Partei, soudern, weil sie solche Gesetze miterstütze» solle», die miserer Partei größere Bewegungs- freiheil gestatte». Wir»lüssen amiehiiien, daß uns die Frei- sinnige» nach dieser Richtung bestimmte Versprechungen»lachen. Wenn sie dieselben nicht halte», dann sind nicht wir, sondern sie die Blaniirtr». Ledebour warf dem Genossei' Schmidt vor, daß er seine Ansicht geändert habe. Nun, Schinidt hat eben gelernt. (Gelächter.) Bebel»»id Auer haben nicht umsonst geschrieben. Z u b e i l: Wohl noch nie hat eine so schnelle Häutung hervor- ragender Parleigeiiosscn stattgesniide». wie in dieser Frage. Also nur aus Liebe sür andere Parteien und um die Selbsterhaltung der Sozialdeinokratie sollen»vir nns nach Schippel's Aussührlingen an den Wahlen betheiligen. Die Sozialdemokralie ist so stark, daß ihr die Neakiion nichts anhaben kann. Die Frennde der Wahl- betheiligung»vollen ei»« Beiveguiia der bürgerlichen Opposition »ach links bemerkt haben. Die Vorkouimnisse der letzten Zeit haben das Gegentheil beiviesen. Sollten die Freisinnigen mit unserer Hilfe die Majorität bekommen, dam, können»vir erleben, daß sie ihre Macht gegen die Sozialdemokralie amvenden. Eine nennensiverlhe Slärkung der bürgerlichen Opposition»verde» wir nicht herbeisnhren können. Dieselbe» Gründe,»velche bisher gegen die Wahlbelheiligmig sprachen, bestehen heute noch. Ich und der Kreis Telloiv-Beeekow-Storkoiv sind etttschieden gegen jede Wahl- belheiligmig.(Großer Beifall.) A l s ch n e r: Ick, bin für die Wahlbelheiligmig. weil ich meine, daß die politischen Verhältnisse sich geändert haben. Im Ab- geordnetenhanse sind viele Angelegenheite» zu erledigen, die die Arbeiter in hohem Grade intercssiren. Der Vorschlag des Genossen Schippel geht mir nicht weit genug, wir müssen uns in allen Kreisen bctheiligen, wo dies inöglich ist. Kiesel: Die Gründe, welche hanplsächlich gegen die Wahl- belheilignng spreche», sind hier»ichl vorgebracht worden. Die größte. Schwierigkeit der Vethciligmig ist die Frage: wie finden wir in de» Landkreise» die sozialbeinolratischcn Wahlmämicr und die Wähler, welche im stände sind, ihre wirthschaftliche Existenz durch öffentliche Stimmabgabe für eine» Sozialdemokraten aufs Spiel z» setze». Das werden die Delegirten ans der Provinz bestätigen. Selbst in Berlin besteht dieser ge>vichtige B«hi»deru»gsgrmid. Der Redner kennzeichnet die Qualität der Freisinnigen und beruft sich aus de» Satz: Alle bürgerlichen Parteien bilde» uns gegenüber eine reaktionäre Masse. Das trifft auch heute noch zu. G r a ß»> a»»: Die Betheiligung ist keine prinzipielle, sondern eine taktische Frage, i» der man, unbeschadet des Prinzips seine Ansicht ändern kann. Ma» soll daher keinen Lärm darüber schlagen, daß dieser oder jener Parteigenosse in dieser Frage seine Ansicht geändert hat. So gut wir u»S an den Stadtverordneten- ivahlen beiheiligen, können»vir auch in die Landtagswahlen ein- trete». Daß die Freisinnige» nicht zuverlässig sind, wissen wir, wir wollen uns ja nur in mijerem Interesse an der Wahl betheiligen. Es ist nicht richtig, daß durch miser Znsammeiigehen mit anderen Parteien unsere Genossen lorrumpirt iverden. Wagner: Der Hinweis aus die Slndtverordnetenwahlen ist nicht zutreffend, den» hier herrscht ein direktes Wahlsystem. ES handelt sich nicht darnm, ob wir zum Landtag wählen wollen, soudern ob wir es können. Ans Versprechungen der Liberalen könne» ivir nichts geben. Im Abgeordnetenhause sür das allgeineine gleiche Wahlrecht einzntrrte», ist>a sehr billig, weil a» eine Durch- sühruiig desselben doch nicht zn denken ist. In den Sladtvertretunge»! sind die Liberalen Gegner des allgemeinen gleiche» Wahlrechts. Wen» wir selbst dazu beitrage» köiinen, daß wir die Liberalen im Ab» geordnetenhause stärke», so werden sie doch immer dafür sorgen. daß die Mehrheit auf der rechten Seite bleibt. DaS Eintreten für die Frsisimiigcii bei der Wahlagitation wird Verwirrung in »»seren ReThei, anrichten. Es»vird unS nicht gelingen, durch den Landtag die Reaktion aufzuhalte». Ich buweifle, daß das Bnrger- ihuii» seinen Mann stellen wird,»venu es gilt, die tiberhaiidnehmends Reaktion zn bekämpfe». Das schlimmste, was nns passiren kann, ist, daß nns daS VereinSrccht genoii»»»«»»»vird. Das würde aber den Konflikt bedeute», und in diesem Falle hält es die Sozialdeino». kratie länger aus, wie die Reaktionäre. Siffautt: ES ist«icht richtig, daß die große Mehrheit der Berliner Genossen sich gegen die Wahlbelheilignng erklärt hobein Zn der Provinz ist die Etinnnung entschieden für die Wnhlbethei« tigung und auf die provinziellen Kreise kommt es doch vorzugsweise an. denn die Berliner brauchen doch nicht zur Wahl zu gehen, ivenn wir uns für Unterstützung der Freisinnigen entscheiden. Ich bin gegen eine Sonderkonferenz der preußischen Delcgirten, habe aber vom fünften Wahlkreis den Auftrag erhalten, hier für die Wahlbetheilignng tu stimmen. Dornbusch spricht gegen die Betheiligimg. Er weist ans die politische Unznverlässigkeit der Liberalen hin und lehnt ein Bündniß mit denselben ganz entschieden ab. Appell tritt unter Hinweis ans die veränderte Situation für Wahlbetheilignng ein. Wenn hier gesagt wurde, nur die Literaten und Führer vertreten die Betheiligiing, so soll man doch bedenken, daß sie das nicht hätten thnn können, wenn sie nicht in den Massen der Wähler einen Resonanzboden gesunden hätten. S t a d t h a g e n: Die Frage, ob eine Gesammlbetheilignng unserer Partei an den Landtagswahlen stattfinden soll, ist vom Referenten nicht bejaht ivorden und will ich deshalb auch nicht darauf eingehen. Zurückweisen möchte ich die Art der Polemik Lcdebonr'S. Er hat Unrecht gethan, wenn er sagte, weil Auer für die Betheilignng eingetreten ist, sind verschiedene Abgeordnete von ihrem gegnerischen Standpunkt abgefallen. Ledebour. der jetzt ein Zusammengehen mit den Liberalen entschieden ablehnt, hat ja auch im Juli, in einer Versammlung des zweiten Wahl- Vereins ein eventuelles Eintrete» für dieselben befürwortet. Ich will ihm ans dem Wechsel seiner Ansichten keinen Vorwurf machen, sondern n»r sagen, wie unberechtigt es ist, anderen Genossen, die gleichfalls zu einer anderen Anschauung gekommen sind, solche Unterstellungen zu machen, wie er es gethan hat. Ich bin für Aufhebung des Kölner Beschlusses, der deu Genossen die Wahl- enthaltung zur Pflicht macht, aber gegen jeden Kompromiß. Ich meine, man soll den einzelnen Kreisen die Entscheidung darüber lassen, ob sie es für angebracht halten, für einen Liberalen zu stimmen, dem dann aber gewisse Verpflichtungen auserlegt werden müssen. Die Diskussion wird geschlossen, der Referent und Korreferent erhalten das Schlußwort. Schippe! tritt den Bedenken gegen ei» bedingtes Zusammen« gehen mit anderen Parteien entgegen und wendet sich gegen die von Ledebour vorgebrachte Charakterisirung von freisinnigen Parteiführern. Nicht die persönlichen Eigenschaften der Freisinnigen komme» für uns in betrncht, sondern die Stellung der freisinnigen Partei zu den politischen Fragen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Wahl eines Freisinnigen für uns vorlhcilhnfter ist, wie die Wahl eines Konservativen. Wir dürfen nicht, wie Stadthagen meint, uns nur in einzelnen Kreisen an der Wahl betheiligen, denn es ist gar nicht vorauszusehen, wie die Wahl ausfalle» wird, wenn wir eingreifen. Ledebour: Ich habe in jener Versammlung, auf die sich Stadthagcn bezieht, gesagt: Wenn unsere Partei sich überhaupt an der Wahl betheiligen wolle, dann wäre nur der eine Weg gangbar, daß wir zunächst, wie bei der Reichstagswahl, für unsere Kandidaten eintreten, und, wenn wir eine» solchen nicht durchbringen können, den Liberalen als das kleinere Uebel wählen. Ich habe niemals— wie mir Schippe! und Timm vorgehalten haben— der freisinnigen Partei an- gehört. Bei meiner früheren Thätigkeit innerhalb der bürgerlichen Demokratie habe ich aber die Ueberzcugung gewonnen, daß zwischen dieser und der Sozialdemokratie keinerlei Harmonie besteht und bin daher gegen jedes Znsammengehen unserer Partei mit irgend einer anderen. Verschiedene Redner haben ein Eintreten für die Frei- sinnigen bei der Landtagswahl mit dem Hinweis auf unsere gleiche Taktik bei den Reichstags-Stichwahlen begründet. Zwischen beiden besteht doch ein fundamentaler Unterschied. Während wir bei den Reichstagswahlen die volle Kraft für die eigenen Kandidaten ein- setzen, sollen wir bei den Lnndtagswahlen von vornherein für die Freisinnige» eintreten. Es folgen einige persönliche Bemerkungen, dann entsteht eine längere Geschästsordnnngs-Debatte über de» Abstimmungsmodus der vorliegenden Anträge. Sluf Antrag Ledebour's wird über sämmt- liche vorliegenden Anträge namentliche Abstimmung beschlossen. Der von Berlin III und Teltow-Beeskow gestellte Antrag: Die Provinzialkonferenz wolle beschließen: Der Parteitag wird ersucht, den Kölner Beschluß aufrecht zu erhalten, Wird nnt 46 gegen 21 Stimme» abgelehnt. Nunmehr wird über folgende Resolution abgestimmt: Die sozialdemokratische Parteikonserenz für die Provinz Branden- bnrg ist der Ansicht, daß die Entscheidung darüber, ob sich die sozialdemokratische Partei an den prenßi- schen Landtags wählen betheiligen soll oder nicht, abhängig gemacht werden muß von dem Beschluß einer S o n d e r k o n s e r e n z der zum allgemeinen deutschen Parteitag »ach Hamburg aus Preußen entsandten Delcgirten. Die Konferenz erklärt sich deshalb dafür, daß zunächst der deutsche Parteitag den Kölner Beschluß, der die Wahlenthaltung bei den preußische» Landtagswahlen zu Partei- Pflicht macht, aufhebt. In anbetracht aber, daß bei dem bestehenden Wahlgesetz die Wahl eines unserer Partei angehörigen Kandidaten von der Zu- stinnnnng einer Mehrheit von Wahlmännern anderer Parteien abhängig sein würde und daß uns deshalb die Be- theiligung an den Landtags wählen in ein Bündniß mit anderen Parteien oder in deren bloße Gefolgschaft bringen würde; in anbetrachr ferner, daß keine einzige der bürger- I i ch e n Parteien auch nur auf rein politischem Gebiete sich für uns dadurch b ü n d n i ß f ä h i g erwiesen hat, daß sie die Ersetzung des bureaukratisch- junkerlichen Re- g i e r u n g s s y st e m s durch wahrhaft de m o k r a t i s ch e Einrichtungen, die des Volkes Willen zum höchsten Gesetz machen, zu erkämpfen sucht.— spricht die Brandenburger Provinzial- Konferenz die Erwartung aus, daß die Sonderkonferenz der preußischen Delegirten der sozialdemokratische» Partei zur Zeit die Betheilignng an de» prrnßische» Landtagswahle» ablehne» wird. Dornbusch. Ewald. Galle. Gerstenberge r. Knüpser. Kopp. Ledebour. Lorenz. Mars. Die Resolution wird mit 31 gegen 26 Stimmen abgelehnt. Für dieselbe stimmten geschlossen die Vertreter von Berlin II, III, IV und VI, West- und Ost-Prignitz, Teltow-Beeskow, Ost-Havelland. Zum theil die Kreise Prenzlail-Angermünde, Nieder-Barnim, Zauch- Aelzia, Arnswalde-Friedeberg, Guben-Lübben. Gegen die Resolution stimmten geschlossen: Berlin I und V, Ruppin-Templin, Ober-Barnim. West-Havelland, Landsberg-Soldin, Königsberg, Frnnkfurl-Lebus, Züllichau-Krossen, Kottbus-Spremberg. Der Delegirte von Kalau-Luckau enthielt sich der Stimme, die Ver- treter von Sternberg und Sorau-Forst waren bereits abgereist. Es wird nun über einen Antrag von Dr. Weyl abgestimmt, welcher Aufhebung des Kölner Beschlusses und Festsetzung der Art der Wahlbetheilignng durch den Parteitag fordert. Das Bureau konstatirt Ablehnung des Antrages mit 33 gegen LI Stimmen. Die Richtigkeit dieses Stimmenverhältnisses wird be- stritten, eS wird nochmals abgestimmt und 32 Stimmen gegen, 31 für den Antrag ermittelt, was abermals bestritten wird. Nach längerer GeschäftsordnungS-Debatte wird anerkannt, daß sich die Mehrheit durch Ablehnung des Antrages Berlin III.Teltow-Beeskow für Auf- Hebung des Kölner Beschlusses entschieden habe. Da ein jetzt zur Abstimmung vorliegender Antrag Stadthagen in seinem ersten Theil dasselbe verlangt, so erübrigt sich die Abstimmung über diesen Theil. ES wird daher über den zweiten Absatz deS Antrages Stadthagen abgestimmt und derselbe mit 33 gegen 25 angenommen. Somit ist also der ganze Antrag Stadthagen zum Beschluß erhoben. Er lautet: Die Provinzialkonferenz beschließt: Verantwortlicher Redaltcur: August Jarobey in Berlin, ftiir den I Dem Parteitage die Aufhebnug deS Kölner Beschlüsse?, welcher die Parteigenossen zur Wahlenthaltung verpflichtet, zu empfehlen und die Parteigenossen zu verpflichten, bei Wahlen, an denen sich die Sozialdemokratie nicht als Gesammtpartei betheiligt, keinem bürgerlichen Wahlmann oder Abgeordneten die Stimme zn geben, der nicht die Gewähr dafür leistet, daß er mindestens eintritt für: Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen, direkten Wahlrechts für den Landtag und die Gemeinden, Beseitigung aller partiknlarrechtliche», die freie Ausübung des Vereins-, Bersammlungs- und Koalitionsrechts beschränkenden Bestiminnngen, Aufhebung aller gegen die ländlichen Arbeiter und das Gesinde bestehenden Ansnahmerechte. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Der Vorsitzende Thomas schließt die Konferenz mit einem dreifache» Hoch aus die Sozial- demokralie. Dev-Mnions-WiongveH. Birmingham, 10. Septemder 1897. In der heutigen Sitzung wurde dem Parlamentarischen Komitee der Auftrag zu theil, die von den Gewerkschaften einlaufenden Gelder, die für die Maschinenbauer bestimmt sind, in Empfang zu nehmen und für deren Verlheilung zu sorge». Sodann fand eine Resolution Annahme, nach welcher das Handelsministerium auf- gefordert werden soll, in anbetracht der vielen Eisenbahnunfälle, für Vermehrung des Juspektionspersonals, sowie für bessere Ausbildung des Personals Sorge zu tragen. Angenommen wird, wie bereits mit- getheilt, der Antrag, alle im Lande bestehenden Gewerkschaften in einen Bund zu vereinigen. Einem Komitee von IS Mann wird die Ausarbeitung praktischer Vorschläge übertragen. Wichtig ist die stiesolution, welche die Frage der Erziehung der Jugend behandelt. I» dieser wird verlangt, daß allen Kindern die gleiche Möglichkeit gegeben werde, alle vorhandene Bildung sich an- eignen zu können. Die Kommunen haben die Pflicht, für das geistige und körperliche Wohl der Jugend zn sorgen, und so soll durch Gesetz bestimmt werden, daß die Schulkinder Speisung erhalte». Das Systen» der„Halbzeitarbeiter" soll untersagt, der Besuch der Schule bis zum IS. Lebensjahre ausgedehnt werden. Im weiteren wird eine bessere Ausbildung der Lehrer gefordert. Die Kosten der Jugenderziehung hat der Staat zu über- nehmen; die dazu erforderlichen Summen sind durch eine Steuer auf die Einkommen von über 300 Pfund Sterling aufzubringen. Die Resolution fand einstimmige Annahme. Sodann wurden in rascher Reihenfolge eine ganze Anzahl Anträge und Resolutionen der verschiedcnsleu Art ohne jede Debatte zur Annahme gebracht. Zum Schluß wurde das Parlamentarische Komitee neugewählt; bis auf wenige Personen waren es die bisherigen Mitglieder. Zwei Mitglieder des Komitees, Harford und Wilson, werden die englischen Trades-Unions auf der nächsten amerikanischen Arbeiter-Konvenlion vertreten. Ju RegcilSbnrg wurde am Sonnlag eine Konferenz der Parteigenossen des Regensburger Reichstngs-Wahlkreises und nach- mittags eine Volksversammlung abgehalten, wo Genosse W i e m e r aus Nürnberg reserirte. In Nebereinstimninng mit den Beschlüssen der Konferenz, wurde derselbe als Kandidat für die nächste Reichstagswahl proklamirt. Polizeiliches, Gerichtliches ,e. —• In W e i p e r t in Böhmen hatte der Verein„Lichtstrahl" auf den 11. Juli d. I. eine Versammlung einberufen, wo unser Parteigenosse 3t o s e n o w aus Chemnitz einen Vortrag über das Thema halten sollte:„Naturerkenntniß und Menschheitsentwicklung im Lichte der freien Forschung". Zufolge telephonischer Weisung der Bezirkshauptmannschaft wurde die Versammlung jedoch in letzter Stunde vom Vürgermeistrr untersagt und Rosenow erhielt die Mit- theilung, daß ihm das Halten von Reden in Weipert strengstens verboten fei. Gegen dieses Verbot führte der Verein Beschwerde bei der Statthalter«! in Prag, was zur Aufhebung des Verbols führte. Genosse Rosenow wird den Vortrag in Weipert also doch noch ab- halten. — Der Parteigenosse Solomon, früherer Redakteur des „Volksblatts für Halle", wurde vom Schöffengericht in Halle wegen Beleidigung des Schuhfabrikanten Seiler in Weißeusels zu ISO M. Geldstrafe oder IS Tagen Gesängniß verurtheilt. Berlin und Ilmgcbniig. Den Znzng von Steinnietzc» scheint hier die Firma Schilling mit ganz besonderem Eifer zn betreiben. Aus Erfurt, Hildcsheim, Altenhagen, Osterode, Mehle». f. w. kommen an die Organisation der Steinmetze» fortgesetzt Anfrage», wie es zugehe, daß für die Firma Schilling an diesen Orten wiederholt eine größere Zahl von Stein- metzen nach Berlin und Bunzlau verlaugt werde». Die hiesige Organisation kann nur warnen, sich von den Agenten nach hier an- werben z» lassen, da ein Mangel an Arbeitskräften am Ort keines- wegs vorhanden ist. Auch der in Aussicht gestellte Lohn von 6 M. täglich wird nur höchst selten erreicht und handelt es sich allem An- schein nach nur darum, billige Arbeitskräste heranzuziehen. Achtung, Handelshilfsarbeiter! Die für heule, Dienstag, den 14. September, in den Armiuhallen anberaumte öffentliche Ver- sammlung der Handelshilssarbeiter findet der Parteivcrsammlungen wegen erst am Dienstag, den 23. September, statt. Der Vertrauensmann: O e r t e l. TcntschrS Reich. In Krosscn streiken die Brauer der Friedrich'schen Brauerei. Als Ursache wird die unpassende Behandlung der Arbeiter an- gegeben. Der Verband der MctaNindnfiriclleu Württembergs nimmt die Solidarität mit den Großindustriellen Slorddeutschlands sehr ernst. Sein Vorstand Kuhn-Berg macht deu Mitgliedern des Verbandes in einem vertraulichen Zirkular die Miltheilung, daß bei der Firma A. B o r s i g in Berlin wegen Lohndisserenzen ein Ausstand ausgebrochen ist, und fügt dieser Mittheilung ein alphabetisches Nameusverzeichniß der ausstehenden Arbeiter bei mir der direkten Aufforderung, auf grund des§ 10 der Verbands- statuten keinen dieser Arbeiter in Arbeit zu nehmen. Gilt auch diesen Stützen gegenüber das Wort: Schwere Strafe demjenigen, der Arbeitswillige an der Arbeit hindert? Gleichzeitig wird in diesem Zirkular ein Siundschreiben des Verbandes deutscher Industrielle» au die Bezirksverbände mitgetheilt mit folgendem Inhalt: Berlin, 1. September 1397. Die englischen Schiffswerften, welche mit ihren Arbeitern im Kampfe stehen um de» achtstündigen Arbeitstag, haben an unseren Gesammtverband die Bitte gerichtet, sie in diesem Kampfe dadurch zu unterstützen, daß die in nachfolgendem mitgetheilten Werke während der Daner dieses Kampfes von seilen unserer Verbandsmitglieder nicht um Erfüllung ihrer Lieserungs- pflichten gedrängt werden. Wir ersuchen im allgemeinen Interesse der Austragung dieses Kampfes zu gunsten auch der deutschen Industrie den englischen Werken diese Unterstützung zu gewähren. (Hier folge» die Namen der 12 englischen Firmen.) Hochachtungsvoll Gesammtverband deutscher Metallindustrieller: Der Borsitzende: I. V.: H. Schimpff. Die Herren haben also erkannt, daß der Kampf der englischen Maschinenarbeiter ein prinzipieller Kampf um den allgemeine» Acht- stundenlag ist und sie rüsten sich international, diesen zn ihren Gunsten zn entscheiden. In der Bandagenfabrik von I. Schwarz in Mainz haben die Maschinenarbeiterinnen die Arbeit eingestellt. Die fort- währenden Schwankungen der Akkordpreise und der Versuch, sie möglichst herabzudrücken, sind die Ursache des Ausstandes. lscratenthcil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Der Tischlerstreik in Asch äffe nburg zeigt eine für die Arbeiter günstige Wendung. Nachdem in der Meifter-Vereinigung die Verhandlungen mit den Arbeitern ergebnißlos verlausen si»o. haben drei Fabrikanten ihre» Austritt erklärt und ist bei diesen die Arbeit wieder ausgenommen. Ausland. Der Bndapcster Maurer-Ausstand ist am Sonnabend durch Vergleich zu Ends gekommen. Ein Theil der Forderungen der Maurer wurden bewilligt. Die noch schwebenden Differenzen sollen ebenfalls durch weitere Verhandlungen zum Ausgleich gebracht werden. AnS Kopenhagen ist heute folgendes Telegramm eingegangen: Die Aussperrung ist beendigt; unsere Forderungen eingeräumt. Die Arbeit ist heute überall aufgenommen worden. H. P. Hansen, Präsident des Verbandes der Schmiede und Maschinenbauer. Die italienischen Glasarbeiter sind im Streik, um eine E� höhnng des Lohnes zu erlangen. Ferner fordern sie von den Glas- fabrik-Besitzern, daß sich dieselben wegen jeder Frage in betreff von Engaaemeuts an die beiden Glasarbeiter-Verbindungen wenden(die der Glasschneider und Glasbläser:c.) und keinen Kontrakt mit Arbeitern, die nicht zn den Verbänden gehören, unterzeichnen, wenn nicht alle Mitglieder derselben bereits von ihnen engagirt sind. Der Streik dauert nun schon seit Wochen und noch ist ein Ende nicht abzusehen. Die beiden Verbände, deren Sitz in Livorno sich befindet, ersuchen die deutschen Arbeiter, vor allem die Glasarbeiter, sie zu unterstützen, moralisch sowohl als finanziell._ Soziales. Ter Verband der Gelverbcgerichtc Teutschlands hielt am Sonntag in Karlsruhe seinen dritten Kongreß ab. Der Vorsitzende theilte mir, daß von 280 insgesammt bestehenden Gewerbe- gerichten 126 dem Verbände beigetreten sind und daß mit dem Verlag der„Sozialen Praxis" eine Verabredung getroffen ist, wonach dieses Blatt auch ferner Publikationsorgan des Verbandes bleibt. Der hierüber ausgearbeitete Vertrag, laut welchem Stadtrath Dr. F l e s ch in Frankfurt a. M. und Magistrats-Assessor Dr. C u n o in Berlin die Siedaktion der Mittheilungen des Verbandes über- nehmen, wurde von der Versammlung genehmigt. Hierauf reserirte Magistrats-Assessor Dr. C u n o über die künftigen I n n u n g s- Schiedsgerichte und das Ge werbegericht. Er wies, wie wir dem„Berliner Tageblatt" entnehmen, auf die Wirkung hin, die die Jnnungs-Schiedsgerichte auf die Gewerbcgerichte haben, und enipfahl, die Gewerbegerichts- Vorsitzenden auch zu Vorsitzenden der Jnnungs- Schiedsgerichte zu ernennen. Daraus könne sich viel« leicht eine Angliederung der Fach- Schiedsgerichte für die Klein« industrie an die Gewerbegerichte unter Gleichstellung in der Organisation entwickeln. Von mehreren Rednern wurde indeß davor gewarnt, mit den Jnnungs- Schiedsgerichten irgendwie zu pakliren. In feinem Schlußworte stellte der Referent fest, daß der Kongreß fast allseitig der Meinung sei. der gewerbliche Rechtsschutz werde durch die Errichtung von Jnnungs-SchiedSgerichten durchbrochen, daß man diese aber nur als rückständige Form des gewerblichen Rechts ansehen könne, die so bald als möglich zu der Institution der Gewerbegerichte ausgebaut werden müsse. Es folgte dann ein Referat des Amtsrichters B l e n d e r m a n n auS Bremen über die Ge Werbegerichte als Einigungsämter. Er plaidirte dafür, daß die Gewerbegerichte häufiger als biSher als Einignngsäinter wirkten, schilderte, wie sie am besten wirke» könnten, und kam zn dem Schluß, daß, wenn die Mit« glieder stets eingedenk seien, daß sie Pflichten gegenüber den Arbeitern in Beziehung auf wirthschaftliche Fragen hätten, und wenn eS den Gewerbegerichlen gelinge, bei ihrer Thätigkeit als Einigungsämter den Geist der gegenseitigen Verständigung auch auf die Parteien zu übertragen, daß dann die Thätigkeit der Gewerbcgerichte noch viel segensreicher sein werde, als sie bisher schon gewesen. Zum Schluß hielt Privatdozent Dr. I a st r« w eine längere Ansprache, worin er erklärte, es sei glänzend dargethan, daß sich die Institution de? Gewerbegerichts bewährt hat. Hierauf kooptirte die Versammlung die Gerichte Köln, Stuttgart, Königsberg und Bremen in den Vor» stand, außerdem die beiden ausscheidenden Mitglieder Harten» stein in Stuttgart und Dr. Jastrow in Berlin. Nepvsilszen und letzte Mache ichtem Köln, 13. September. Die„Kölnische Zeitung" erfährt auS sicherer Darmstädter Quelle, daß der Großherzog dem Kaiser von Rußland auf der sogenannten„Mathilden-Höhe" eine große Fläche zur Verfügung gestellt habe, auf welcher der Kaiser ans eigene Kosten eine orthodoxe Kapelle zu baue» beabsichtige, mit deren Bau im uächsle» Frühjahr begonnen werden solle. Karlsruhe, 13. Septbr.(B. H.) Heute tagte hier die erste Konserenz der deutschen Städteverwallungen zur Berathung über die Betheilignng an der Pariser Weltausstellung im Jahre 1900. 24 Städte sind vertreten. Es wurde beschlossen, eine mustergiltige Ausstellung der Städteverwaltungen in den einzelnen Gruppen zu schaffe». Hierfür wurde eine Konnnission gebildet, welche die Vor- bereitnngeu zur Beschickung der Ausstellung in geeigneter Weise zu treffen hat. Der Sitz der Kommission ist Berlin, dessen Oberbürger« meister ersucht werden soll, den Vorsitz zu übernehmen. Karlsbad, 13. Sept.(B. H.) Das in Leipzig verhastete Ehe« paar Krause wurde nach den von dem hier eingetroffenen Kriminal- kommissar Finke mitgebrachte» Photographien als die Jmvelendiebe rekognoszirt. Wie», 13. Sept.(B. H.) Das Gerücht, das Raubmörder« paar Gocnczi sei in Wien eingetroffen, ist unbegründet. Die Ver- dächtigen sind eruirt; es sind Verguügungsreisende aus Bayern. 'Amsterdam, 13. September.(W. T. B.) In der National- a u s st e l l u n g auf dem Laudgnte Sonsbeck bei Arnheim brach in der vergangenen Nacht ein Feuer aus, welches alle Gebäude auf dem Ausstellungsgelände, darunter das Hauptgebäude, das Physik- museui» und die Manege, binnen kurzer Zeit iu Flammen setzte und so schnell zerstörte, daß fast nichts gerettet werden konnte und nur das bloße Eisengerippe der Gebäude stehen blieb. Viele goldene und silberne Gegenstände sind geschmolzen und Kollektionen von Pelzen und Juwelen in beträchtlichem Werlhe ver- nichtet. Nur einige Juwelen, welche in eineni feuerfesten Schrank tage», wurden gerettet. Auch eine M e n a g e r i e, welche sich auf der Ausstellung befand, wurde in gleicher Weise iu Flammen gesetzt. Paris, 13. Sept.(B. H.) Es verlautet, in der Bestechunge- fache der Parlamentarier sollen Henri Maret, Plantean und Antide Boyer von der Anklagekammer außer Verfolgung gesetzt werden. Ndine, 13. September.(W. T. B.) Ans der neuen Bahnlinie San Giorgio-Nogara ist heut« Vormittag ein Lastzug mit einem aus der Strecke stehen gebliebene» Karren z u s a m m« n g e st o ß e n. Sechs mit Sand beladene Lowries wurden zertrümmert, zwei Personen dabei g e l ö d t e t und eine dritte schwer ver- w und« t. Athen, 11. September.(Meldung der„Agenee HavaZ".) Die portugiesischen Matrosen, welche von dem englischen Kapitän Crnismore in der Nähe von Gibraltar in Seenoth betroffen, von idm a» Bord genommen und nach dem Piräus gebracht wurden, gehörten zu der portugiesischen Bark„Stosita Faro", welche von den marvkka- nische» Seeräubern angegriffen worden>var. Die Barke hatte zwei Angriffe zu erleiden. Nach dem erste» Augriff hatten sich die See- räuber i» Besitz aller auf dem Schiffe bcsindlichen Werlhgcgenstände gesetzt. Als dann später andere Seeräuber auf die Bark stießen und nichts mehr vorfanden, ermordeten sie den Kapitän und drei Matrosen. Siiiila, 13. September.(Meldung des„Rentcr'schen Bureans".) Der Polizeiposten Sarhargarti wurde heute früh vom Feinde ge- nomine». Madras, 13. September.(Rentermeldung.) Durch ein Gruben- Unglück in der Champion Reef-Goldmiue sind heute über 40 Personen ums Leben gekommen. Max Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilagen u. lluterhaltiiugeblatt» it. 214. u. ZchMs. i Ktilllze des DrMs" Kerlimr MlksdIM n. 18Z7. Kericht der Uarteileitnttg. Nllgcmcincs. Dem vorjährigen Parteitag in Gotha präsenlirte sich der von der Fraktion eingesetzte geschästsführende Ausschuß als Neuschöpfnug im Nahmen unserer Organisation. Da die Umstände. die zur Einsetzung des geschäflsführenden Zlnsschnsses in Hamburg geführt hatten, noch forlbestanden, bestätigte der Parteitag die Neu- einrichtung als Provisorium für ei» iveileres Geschäftsjahr. Der Parteitag betraute durch Neumahl dieselben Genossen, die seinerzeit von der Fraktion dazu eingesetzt waren, mit der Führung der Ge- schäfte. Nach Schluß des Parteitags trat der neugemählte Ausschuß zu einer Sitzung zusammen. Das Resultat seiner Brralhung ist de» Genossen in der Bekanntmachung, dntirt vom 19. Oktober, enthalte» in Nr. 246 des„Vorwärts" vom 20. Oktober v. I., zur Kenntniß gebracht. In der Natnr des mit dem geschäftsführenden Aus- schuß geschaffenen Provisoriums ist es begründet, daß der Parteitag sich wiederum mit der Frage der Organisation zu be- schästigen hat. Im Vorjahre lagen die Verhältnisse noch so, daß in Gotha eine Debatte darüber, ob das Provisorium fortzubestehen habe oder aufzuheben sei, nicht beliebt wurde. Eiustimmig stimmte der Parteitag dein Vorschlag des Neferente» aus Fortbestand des Provisorunns zu. Inzwischen haben sich die Verhältnisse verändert. Erinnert sei nur au die Freisprechung sämmtlicher Angeklagten in dem Prozeß gegen Auer und Genossen. Das Erkennlniß des Landgerichts I vom S. März ds. Js. führt ans:„Nach dem Ergebniß der Hauplverhandlung....... ist nicht festzustellen:„Daß die Angeklagten in den Jahren 1SS3, 1894 und 1895 zu Berlin als Vorsteher, Ordner oder Leiter von Vereinen, welche bezwecken, politische Gegenstände in Vcrsamm- lungen zu erörtern, mit anderen Vereine» gleicher Art zu gemeinsamen Zwecken in Verbindung getreten sind." Einer Wieder- aufnähme der Thätigkeit des früheren Parleivorstandes, beziv. eines nach den Satzungen des Organisationsstatuts neuzuwählenden Partei- Vorstandes, steht ein Hinderniß nicht mehr entgegen. Die Bcrathnng über die Organisation wird deshalb auf dem bevorstehenden Parteitag einen breiteren Raum einnehme». Neben der Klarheit unseres Programms beruht die Stärke der Partei aus dem festen Gefüge der Organisation� und der dadurch be- dingten Parteidiszipli» der Genossen. Anzuerkenne» ist, daß die Genossen in der Bearbeitung der einzelnen Kreise nach ihren Kräften da? Beste leisten. Zu tadeln ist jedoch, daß bei aller Rührigkeit im Wohnort oder Wahlkreis die Genosse» die Fühlung mit der Partei- leitung vernachlässige». Was in letzterer Beziehung das Orgnnisalions- stalut vorschreibt und in den Parteitagsbeschlnssen festgelegt ist, ans dessen Erfüllung muß die Parteileitung bestehen. Die Wahl der Vertrauenspersonen hat alljährlich im Anschluß an den Parteitag stattzufinden. Die Anzeige der Wahl unter genauer Adressenangabe des Gewählten ist der Parteileitung bekannt zu machen. Alljährlich wird diese Organisalionsbestimmung in der ersten Bekanntmachung der ncugewählten Parteileitung den Ge- »ossen in Erinnerung gebracht. Aber ebenso regelmäßig wird von dem Gros der Parteiorte in der gröbsten Weise gegen die angezogene Organisationsbestimmung gesündigt. Auf Antrag des Genossen Gewehr hat der Parteitag in Gotha folgenden Beschluß gefaßt: „Die Vertrauensleute der einzelnen Orte resp. Reichstags- Wahlkreise sind verpflichtet, in jedem Jahre mindestens einmal über den Stand der Partei und die wichtigsten, die Partei inter- esfirende» Borkommnisse ihres Bezirkes Bericht zu erstatten." Dem Beschluß hat ein verschwindend kleiner Theil der Ver- trauenspersonen entsprochen. Der geschästsführende Ausschuß nahm an, daß bei den Betreffenden nicht böser Will« vorlag, sondern daß man sichjdeS Parteitagsbeschlusses nicht mehr erinnerte. Um nun dem Einwand der Vergeßlichkeit der Genossen zu begegnen, hat der Ans- schuß ei» Formular den Vertrauenspersonen zugestellt, dessen Aus- süllung die Berichterstattung auf ein Mindestmaß erleichtert. So- weit die Verlrauenspersonen die Rücksendung der Formulare vor dem Parteitag bewirken, wird die Inhaltsangabe bei der münd- lichen Berichterstattung Verwendung finden. Es steht zu erwarten, daß die Genosse» mit der getroffenen Neuerung sich rasch be- freunden. Sie wird wesentlich dazu beitrage», die zentralistische Grundlage unserer Organisation zu stärken, ohne daß der ander- weite» selbständige» Bethätigung der Genossen Eintrag geschieht. Außer der Pflege der Parteiorganisation im allgemeine», stellen die Vorbereitungen für die im nächsten Jahre stattfindenden Reichstagswahlen hohe Anforderungen an die Orgauisalionsarbeit der Genosse». Bis auf wenige Ausnahmen haben die Genossen auf Landes- und Proviuzialparteitageu sich mit der Errichtung von Zentral-Wahlkomitees für die nächsten Reichstagswahlen einver- standen erklärt, theilweise auch die Kandidatensrage geregelt. I» bezug aus die Abgrenzung der de» Zentralkomitees unterstehenden Gebiete haben die Genossen auf geschehene Umfrage von seilen des geschästsführende» Ausschusses sich im großen und' ganzen mit den bei den Wahlen im Jahre 1398 getroffene» Abgrenzungen einver- standen erklärt. Ausstellungen, deren Berechtigung anerkannt werden mußte, haben Erledigung gesunde». Die Partei ist für den Wahl- kämpf gerüstet, der Aufmarsch kann stündlich beginne». Wo noch «ine Lücke vorhanden sein sollte, wird dieselbe in Ausführung der Beschlüsse des Parteitages ausgefüllt werden. Die Anwendung des allgemeinen, gleiche», direkten und geheimen Wahlrechts setzt dieuneingeschränkte Vereins- und Versammlungsfreiheit voraus, soll der Volkswillen unbeeinflußt und unverfälscht zum Aus- druck gelangen. Wie wenig ersreulich es in Deutschland in dieser Beziehung noch bestellt ist. dafür lieferte die Jnszenirung des erst am 3. März d. I. zum Abschluß gekommene» Prozesses Auer und Genossen den besten Beweis. Der Versuch unserer Fraktion bei der Berathung des Bürgerlichen Gesetzbuches, den eines politisch reifen Volkes unwürdigen Zustand zu beseilige», scheiterte an der Ver- trauensseligkeit des Zentrums gegenüber den Versprechungen der Regierung. Der Reichskanzler erklärte am 27. Juni v. I. unter anderem: „Wie bereits bei der dritten Berathung des sogenannten Roth- Vereinsgesetzes erklärt worden ist. besteht die begründete Zuversicht, daß das von den verschiedene» Bundesstaaten für politische Vereine erlassene Verbot, mit andern Vereinen in Verbindung zu treten, außer Wirksamkeit werde gesetzt werden." Er fügte hinzu:„Ich kann auf grund der inzwischen unter den betheiligten Iiegierungeu gepflogenen Erörterungen diese Erklärung dahin ergänzen, daß es in der Absicht dieser Regierungen liegt, die Beseitigung des durch das Verbot geschaffenen Rechtszustandes herbeizuführen." Wie gerechtfertigt die von unseren Rednern bei dieser Gelegenheit ausgedrückte» Zweifel an der Einlösung des gegebenen Versprechens waren, hat durch den Verlaus der Thatsachen Bestätigung erhalten. Zwei von den in belracht kommenden Regierungen, Schwarzburg- SonderShausen und Reuß j. L., haben die gegebene Zusage«ingelöst. Letzteres glatt ohne jede Kompensation. In Schwarzburg ging es ohne eine solche nicht ab,„indem Versammlungen, in denen öffent- liche Angelegenheiten unter Theilnahme von Personen beiderlei Ge- schlechts erörtert werden solle», von der Ortspolizeibehörde verboten werden sollen, wenn dies im Interesse der öffentlichen Ordnung oder der Sittlichkeit erforderlich erscheint." Immerhin ist der jetzige Zustand ein Vortheil gegen den früheren, indem neben dem Verbot des Jnverbindung- tretens für politische Vereine noch die Bestimmung in krast war, daß„Arbeitervereine und-Verbrüderungen, ivelche politische, sozia- listische oder kommunistische Zwecke verfolgten", verboten waren. Unter welche» schweren Geburtswehen der Wechselbalg der preußischen Vereinsgesetz-Novelle zur Welt kam, ist noch in all-> gemeiner frischer Erinnerung. Dem am 20. Mai d. I. erschienenen Aufruf der Fraktion folgend, entfalteten die Genossen eine umfang- reiche Protestbewegung, die ihren Einfluß bis weit in die bürger- lichen Kreise hineintrug. Diese Agitation»nlerstützte der geschäftsführende Ausschuß mit der Herausgabe eines Flugblattes, betitelt„Das Attentat auf das Vereins- und Versammlungsrecht", das in einer Auflage von 2 Millionen Exemplaren znrVerbreitunggelangte. DieThalsache, daßdieVersuchefich wiederholt haben, den preußischen Landtag gegen den Reichstag aus- zuspielen, und das Schicksal einer für das gesammte öffentliche Leben hochwichtigen Gesetzesvorlage nur von einige» Stimmen abhing, hat die Frage, ob wir uns an den preußischen Landtagswahlen belhei- ligen sollen, in den Vordergrund gedrängt. Der Parteitag wird darüber Entscheidung tresfen. Wenn auch im Tempo des Schneckenganges, ein Fortschritt ist auf dem Gebiete des Arbeilerschutzes doch zu verzeichnen. In dem laufende» Etat des GroßherzoglhuinS Hesse» sind auf Drängen unserer Genossen im Landtag die Stelle» von zwei weiblichen Fabrik- inspeklorinueu vorgesehen. Ebenso ist dem Fabrikinspektor für das Großherzoglhum Weimar ein weiblicher Assisleut beigegeben. Des weitere» sind am 31. Mai und am 31. Juli d. I. Verordnungen des Bundesraths erlassen, wovon die letztere Vorschriften giebt über die Beschaffenheit und Einrichtung der Bnchdruckereie» und Schriftgießereien, während die erstere neben deuselben Ve- slimmungen noch die Arbeitszeit der Arbeilerinnen und jugendlichen Arbeiter in den Betriebe» der Kleider- und Wäsche- konfektion regelt. Die vom 4. März 1896 datirte Bäckereiverordnung hatte wiederum die verschiedensten Anfechtungen zu bestehen. Der parlamentarische Sturmlauf dagegen ist an anderer Stelle erörtert. Es verdient aber hervorgehoben zu werden, daß seitens der Arbeit- gebcr in 2 Fällen der Versuch gemacht wurde, die Rechtsgiltigkeit der Verordnungen vor de»»rdenlliche» Gerichten anzufechten. Am 7. Februar hat das Kammergericht in Berlin und am 6. April das Oberlandcsgericht in Hamburg die Rechtsgiltigkeit der Verordnung anerkannt. » �» In den Verhältnisse» begründet, war daS Jahr reich an Aus- ständen. Der bedeutendste unter denselben war der Hamburger Hafeuarbeiter-Streik. Die Bedeutung desselben lag weniger i» der Eigenart der dabei in betracht kommenden Arbeitcrkalegorien, auch nicht in der Zahl der Betheiligten und der I2u>öchentiiche» Dauer desselben, sonder» in der Solidarilälsbekundung der deutschen Arbeiter- schast, wie sie bisher in solchem Maße noch nicht erfolgt war. ES war Hamburg, das Hilfe heischte, Hamburg, dessen klassenbewußte Arbeilerschast so oft de» bedrängten Klassengenosse» hilfsbereit zur Seite gestanden halte. Die Sympathie und Unterstützung, die der Hamburger Hafeuarbeiter-Streik bei den deutschen Arbeiter» gesunde» hat, ist die gereifte Frucht der Saat, für die Hamburgs Arbeiter- reichlich be» Boden beackert haben. In der Anregung für die ülrbciler, die Solidarität schon in Erwartung der Wiedervergeltung üben zu müssen, liegt die Bedeutung des Hamburger Hafenarbeiter- Streiks. Nach der Abrechnung des Streikkomitees betrug die Ein- »ahme die Summe von 1 613 600 M. Unter anderein habe» auf. gebracht: Aachen 1062.— M. Altenburg 1156,10. Augsburg 1605.62. Berlin 166 525,38. Bochum 2240,75. Bremen 12 064,30. Bremer- Häven 6150.—. Brandenburg 2920,—. Baut 8895,50. Bielefeld 5480,—. Breslau 5929,-. Chemnitz 6778,90. Kassel 2868,65. Dortmund 3705,05. Dresden 24 078,71. Düsseldorf 4751,34. Elberfeld 12 683,87. Essen 2316,27. Elmshorn 1480,—. Eßlingen 1010,—. Erfurt 1300,-. Flensburg 4160,60. Forst 1432,85. Frankfurt a. M. 18 406,12. Gera 2312,25. Geestemünde 1400,—. Görlitz 1173,—. Gotha 1087,06. Greiz 1035,08. Halberstadt 1513,71. Hannover 16 099,57. Hastedt und Hemelingen 1086,05, Halle a. S. 5065,—. Kiel 11 108,25. Lüdenscheid 1126,60. Leipzig 52 552,74. Neiunünster 5200,—. Nürnberg 18 820,51. Offenbach 1134,69. Ronsdorf 1397,32. Rostock 6996,35. Stuttgart 16 343.09. Stettin 4682,10. Solingen 5041,16. Wilster 1805,32. Zwickau 1212,65. 2. oldeubnrgischer und 2. hannöverscher Wahlkreis 2000,—. Die drei Hamburger Wahlkreise 171 227,61 M. Altona-Olteusen 62 500 M. Wandsbeck 11500 M. Wilhclmsburg 3217,27 M. Har- bürg 1000 M. Von den Hafenarbeitern wurden im Streikgcbiet auf Liste» ge- sammelt 90 285,77 M.; von Privatleuten auf Listen 22 290,71 M.; ferner wurde» von Privatleute», Klubs, Vereinen:c. aufgebracht 95 244,48 M. Das Ausland betheiligte' sich mit 69 529,72 M., darunter England mit 35 254,53 M. « 9 Den die Landagitation betreibenden Genossen' bietet die Be- Handlung des Gesindes seitens der Gutsbesitzer und Pächter reiches Material. Ein besonderer Anlaß, eine gegen die Gesinde-Ordnungtn gerichtete Agitation zu entfalte», lag nicht vor. Die in einzelnen Provinze» ausgeführte diesbezügliche Agitation fand von der Partei- leitung kräftige Unterstützung. Zur Ergänzung der Illustrationen über die rechtliche Stellung der laud- und forstwirthschaftlichen Arbeiter und des Gesindes, ivie solche in dem parlameutarischeu Bericht gegeben sind, sei noch erwähnt, daß für Mecklenburg das Züchligungsrechl über die auf dem Gute verdingten Kinder bis zum 14. Jahre durch Urthcil des Oberlaudesgerichts in Rostock i» einem Fall dem Arbeilgeber zugesprochen worden ist. Im Golhaer Landtag bezeichnete Genosse Hildebrandt die Gesinde-Ordnnng als ein Denkmal der Schande und stellte fest, daß ein geschlagenes Mädchen in Gotha einen Anwalt zur Führung ihrer Klage nicht finden konnte. Im Anschluß an die lebhaft geführte Debatte setzten unsere Genosse» folgenden Antrag durch: Der Landtag wolle beschließen, die herzogliche Staatsregierung zu ersuchen, dem Landtag einen Gesetzentwurf vorzulegen, nach welchem eine Neuregelung der Rechtsverhältnisse des Gesindes zu ihren Arbeitgebern bezw. zu ihrer Dienstherrschast i» der Weise durchgeführt wird, daß die auS dem Jahre 1797 stammende Ge- sinde-Ordnung als unzeitgemäß und modernen Rechtsanschauungen hohnsprechend, aufgehoben ivird. Die Mehrheit der Berwaltungskommission unier Führung des Herrn Liebetra», Oberbürgermeister in Gotha, wünschte nur eine zeitgemäße Umgestaltung der Gesinde- Ordnung, blieb im Plenum jedoch in der Minderheit. -»» « In dem vorjährigen Bericht führten wir einzelne eklatante Fälle an, um zu zeigen, welchen Plackereien die Parteigenossen sowohl in der Ausübung der Agitation wie auch dann ausgesetzt sind, wenn sie sich, in Gemeinschaft mit ihren Familien im Kreis« Gleich- gesinnter einige Stunden der Erholung und der Freude gönnen wollen. Wir registriren auch diesmal ein paar solcher Fälle. In Hildesheim wurde nicht geduldet, in einer Versammlung dm Fall „Brttsewitz" zu erörtern. Die Versammlung wurde auf grund des § 10 Titel 17 des Allgemeinen Landrechts verboten und dem Ein- berufer eröffnet, das Verbot werde erst dann zurückgenommen, wenn er genügende Gewähr für die Tagesordnung gebe. Im Januar wurde in Hannover ein Tanzvergnügen des Gesangvereins„Ferdinand" da- durch verhindert, daß der Verein als politischer erklärt wurde, an dessen„Versammlungen" Frauenspersonen, Schüler und Lehrlinge nicht theilnehmen dürfen. Der politische Charakter des Gesangvereins wurde dadurch als erwiesen erachtet, dvß der Verein dem als politischen Verein bekannten Verband„Bund der vereinigte» Liedertafeln von Hannover und Umgegend" angehöre, und in den Vereinsvcrsammlungen Lieder mit ansgesprochen politischer Tendenz zum Vortrag gebracht habe. Die Behandlung der Gewerkschaften I bewegte sich in gleicher Richtung. In Roßwein, im Musterland Sachsen, wurde die Abhaltung eines Balles des Arbeiter- und Ar- beiterinnenvereins verboten, weil der Verein nur sechs weibliche Mitglieder besitze, und somit der Ball als öffentliches Tanzvergnügen im Sinne des Roßweiner Tanzregulativs anzusehen sei.— Der Vorsitzende des Vereins der Packer, Kutscher und Markthelfer i tt Dresden erhielt ein Strafmandat in Höhe von 30 M., weil an einem in einem Gartenrestaurant abgehaltenen Gartenfest des Vereins Eltern sich erdreistet hatten, ihre schulpflichtigen Kinder theilnehmen zu lassen, ohne die hohe obrigkeitliche Erlaubniß dazu eingeholt zu haben. So zahlreich nun auch die existirenden Verordnungen und sonstigen polizeilichen Handhabe» sind, Vergnügungen oder gesellige Zusammenkünfte der Arbeiter zu beeinträchtigen, für alle Fälle reichen dieselben nicht aus. Aber das Gebot der Sozialistentödterei macht erfinderisch. Der Landrath des holsteinischen Kreises Stein- berg hat zu dem Auskunftsmittel der„freiwilligen Gerichtsbarkeit und Strafvollzugs" seine Zuflucht genommen. Das Auskunstsmittel besteht darin, daß die Wirthe sich„freiwillig" unterschristlich ver- pflichten, für jeden Fall, daß in ihre» Lokalitäten die Arbeiter- Marseillaise gesungen wird, eine Geldbuße von 50 Mark zu cnt- richten. Aber an dem Wohn- und Amtssitz dieses erfindungsreichen Laudraths in Itzehoe öffneten sich zu gleicher Zeit den Arbeitern die Hallen eines der größten Lokale der Stadt, das ihnen uuter dem Druck der Androhung des Militärboykotls mehrere Jahre nicht zur Verfügung gestanden hatte. Die Jnfizirung des HeereS mit sozialdemokratischen Tendenzen erfüllt die Vertreter der Theorie des„blinden Gehorsams" fortgesetzt mit banger Sorge. Periodisch kehren die Veröffentlichungen der Kriegsministerie» der Einzelstaaten wieder, in denen„das Verbot des Haltens und Verbreitens sozialdemokratischer Druckschriften, jede dritten erkennbare Bethätigung sozialdemokratischer Gesinnung und jede Betheiliguug an Versammlungen, Festlichkeiten oder Geld- sannnlnngen, wozu die besondere dienstliche Erlaubniß nicht ertheilt ist, in Erinnerung gebracht wird".— Genossen, die als solche in das Heer eintreten, bedürfen der Warnung nicht. In den bis zum Eiutrilt in das Heer indifferent gebliebenen jungen Leuten werden solche Verordnungen die Neugierde rege machen und wach erhalten, bis sie nngestrast dieselbe befriedigen können. ¥* * Agitation. Wie immer, so auch im Berichtsjahr liefen die Wunsche von den Genossen zahlreich ein, beliebte Redner und Par- lameutarier zur Unterstützung der Agitation zu erhalten. So auch � bei Gelegenheit der Abhaltung des vorjährigen Parteitages. Soweit als angängig wurde den Wünschen der Genossen entsprochen. Während des vergangenen Winters machte der geschästsführende' 'Ausschuß de» Versuch, die Agitation durch nicht mit einem Mandat belastete Genossen zu unterstützen. Dieser Versuch wurde seitens der Genossen nicht in wünfchenswerther Weise unterstützt. Wie all- jährlich, so auch in diesem Jahr, fanden sich nach Schluß des Reichs- tags eine Anzahl unserer Abgeordneten bereit, größere Agitalions- tonren zu übernehmen. Dieselben sind theils zur Ausführung ge- � langt, theils noch in der Ausführung begriffen. Die Agitation in großen Partei- und Volksversammlungen wird immer niehr be- einträchtigt. Beeinflussungen der Lokalinhaber seitens der Behörden itnd der Unternehmer ergänzen sich gegenseitig. I» zahlreichen Wahlkreisen stehen den Genossen leine größeren Lokale, in denen Agitationsversammlungen abgehalten werden können, zur Verfügung. Der Erfolg der Saalabtreiberei beruht nicht immer in dem Maitgel energischer Gegenwehr seitens der Genossen, sondern in dem Bestrebe» der Wirthe, es mit den Behörden und der„honetten Gesellschaft" nicht zu verderben. In Garnisonstädten haben die Saalbesitzer die Wahl zwischen dem Militärboykott und der Lokal- sperre seitens der Arbeiter. Wirthe, die charakterschwach genug waren, das de» Arbeitern gegebene Versprechen, ihr Lokal zu Ver- sanimlungSzivecke» zur Verfügung zu stellen, zu brechen, haben oft zu ihrem Schaden erkennen müssen, daß sie erue schlechte Wahl ge- troffen hatten. War die von den Arbeitern verhängte Lokalsperre nicht immer von augenblicklichem Erfolg, so führte Beharrlichkeit und konsequente Durchführung der Maßregel meistens zum Ziel. So noch jüngst in Itzehoe, wo mehrere Jahre ein großer Saal den Ge- nosseu nicht zur Verfügung stand. Je mehr den Genossen die Agitation in Versammlungen er« schivert wurde, desto mehr wandten dieselben der Verbreitung der Presse und der Verbreitung von Druckschriften, Flugblätter» rc. ihr Augenmerk zu. Orte und Kreise, die aus eigenen Mitteln die er« höhten Agitationskosten, welche die Druckschriften-Berbreitnng er- forderte, nicht bestreiten konnten, erhielten entweder einen ent« sprechenden Zuschuß aus der Parteikasse oder aus dem Verlag der Buchhandlung Vorwärts einen größeren Posten der gewünschte» Agitationsschriften. Einem Antrag der Genosse» in Memel ent- sprechend, fand eine größere Zluflage von„Nieder mit den Sozial- demokrate»" in litthauischer Uebersetzuug Verbreitung in dem dortigen Landgebiet. Die schon im vorjährigen Bericht erwähnten Plackereien und Verfolgungen der Druckschriftenverbreiter spielten sich stets von neuem für die Betheiligten mit wechselndem Glück ab. So lange im lieben, geeinten Deutschland die partikularen buntscheckigen Gesetze und Verordnungen über die Verbreitung von Druck- schrislen bestehen, so lange noch die theils über und an 100 Jahre alten Sabbalhverorduungen noch existiren, und Absatz 11 des§ 360 des 91. St. G.. handelnd vom„groben Unfug", richterliche An- wendung auf Verbreiter sozialdemokratischer Flugblätter und Druck- schriften findet, so lange müssen die Genossen mit diesem Zustand sich so gut abzufinden suchen, wie es eben geht. In der Parteipresse wurde über«in paar größere und älter« Partei-Orte Klage geführt, in denen das vom Ausschuß heraus- gegebene Flugblatt„das Attentat auf das Vereinsrecht", nicht mit der in der Partei gewohnten Präzision zur Vertheilung gelangte. Wir wollen die Orte nicht namhaft macheu. Die Genossen mögen aber bedenken, daß von der peinlichsten Beobachtung getroffener An- ordnungen der Erfolg abhängt, oder unter Umständen eine große Schädigung der Partei abgewendet wird. Es genügt nicht, daß wir agitiren, sondern es muß auch mit der Agitation zur rechten Zeit eingesetzt werden.' Die Landes- bezw. Provinzial-Organisation zur Leitung der Agitation in den betreffenden Landeslheilen ist die alte geblieben. Nur die rheinische» Genossen haben auf dem am 17. Januar d. I. in Essen abgehaltenen rheinischen Parteilag eine Aenderung getroffen, indem sie die Rhcinprovinz in zwei Agilationsbezirke, den nieder- und den oberrheinischen, zerlegten. Sitz des Agitationskomitecs des ersteren ist Elberfeld geblieben; der Sitz des anderen ist nach Köln verlegt. Eine der wunderlichsten, dem ß 3 des preußischen vereinsgesetzes entsprossene Erscheinung, zeitigte die vorjährige rheinische Agitalions- tour des Genosse» Molkenbuhr. Das ans 3 Personen bestehende Agitationskomitee war insoweit an der Sache betheiligt, als es die Anmeldungen der Wünsche der Genossen bezüglich der Versammlunge» entgegennahm, also nur die ßteihensolge der Versammlungen ordnete. Die Versammlungen selbst wurden von den örtlichen Vertrauenspersonen einberufen. Nichtsdestoweniger wurden die Versammlungen von den die Aussicht führenden Organen, als Versammlungen des Vereins„Rheini- sches Agitations-Komitee" betrachtet, an denen Schüler, Lehrlinge und Frauen nicht theilnehmen dürsten. Im Bereich des Agilntious» komilees für das westliche Westfalen spielten sich di« gleichen Bor- gänge ab. Das rheinische Agitationskomitee führte nach Erledigung des Beschwerdewegs die Entscheidung im Verwaltungsstreitverfahre» herbei. Jedoch ohne den erhofften Erfolg. Durch Erkenntniß von» 20. Oktober v. I. trat das Oberverwnltungsgericht der Ansicht bei« Käß das Komitee ein politischer Verein im Sinne des vreußischen Vereinsgesetzes sei. Um in diesem Johr den Frauen die Theilnahme «m den Versnmmlungen zu ermöglichen, ordnete der Referent, Ge- »osse Molkenbuhr, die Reihenfolge der Versammlungen selbst. Die.Perle" der deutschen Vereinsgesetze ist bekanntlich das sächsische Juwel.§ 20 desselben bestimmt:..Vereine, in deren Ziveck es liegt, Gesetzesnbertretungen oder unsittliche Handlungen zu begehen, dazu aufzufordern oder dazu geneigt zu machen, sind verboten." Diesen Paragraph soll der Agitalionsverein des 16. sächsischen Reichs- tagswahlkreises verletzt haben dadurch, daß Mitglieder im Jahre ISSS und der Vorsitzende in einer Versammlung Aenßerunge» ge- than haben, die bei den Mitgliedern Haß und Erbitterung gegen andere Volksschichten und mit diesen unsittlichen Leidenschaften zu- gleich die von ihnen unzertrennliche Geneigtheit zu unsittlichen, ja vielleicht gesetzwidrigen Handlungen erwecken. Das Verbot des Chemnitzer Stadtralhs fand die Bestätigung durch die Kreishaupt- lnannschast. Nun, die Chemnitzer Genossen werden auch ohne den Agitationsverein bei den bevorstehenden Land- und Neichstagswahlen ihren Mann zu stehen wissen. Die Gesammlfumme der Agitationszuschüsie an die einzelne» Kreise ersehen die Genossen aus dem Kassenbericht. Sie wurden da gegebe», Ivo die Erhaltung des Einzelue» im Interesse der Agitation von den Betheiligten siir nothweudig erachtet wurde, oder da, wo der Agitationsbezirk ein so umfangreicher war, daß die Ausbringung der Mittel die Kräfte der zahlnngssähigen Parlci-Orte überstieg. Der Natur der Sache entsprechend, ist ein Theil der Zuschüsse ein laufender. Wahle». Im verflossenen Berichtsjahr war die Partei bei 9 Nachwahlen zum Reichstag betheiligt, und zwar in den Wahl- kreisen Westhavelland, Gießen, Mainz, dem 13. württembergischen und 2. badischen Wahlkreis, Torgau-Licbenwerda, Bergheim-Eus- kirchen, Wiesbaden und Königsberg. Die im vorjährigen Bericht ausgesprochene Hoffnung aus Eroberung des Kreises Westhavelland ist in Erfüllung gegangen. Tagegen ist es uns nicht gelungen, das infolge der Mandatsuiederleguug des Genoffen Jöst erledigte Mandat in Mainz zu behaupten. Das Minus betrug 175 Stimmen. das in Verbindung mit den am 5. Oktober erfochten«» Sieg bei den hessischen Landtagswnhlen zu der Hoffnung berechtigt, daß die Mainzer Genossen bei den nächsten allgemeinen Wahlen die erlittene Schlappe wett zu machen verstehen werden. — Die am 5. November v. I. vollzogene Wahl in Gießen brachte uns gegen die Wahl von 1693 eine» Gewinn von rund 500 Stimmen, womit wir an die 2. Stelle rückten und den 2. Wahlgang in einer Stichwahl aussechten mußten. Die Genossen gingen mit gleichem Eifer wie bei der Hauplwahl an die Arbeit, in dem Bewußtsein, Vorarbeit für die nächsten allgemeinen Wahle» zu verrichten. Unsere Stimmenzahl erhöhte sich auf 5256 gegen 2352 Stimmen bei der Hanptwahl.— Ein Rückgang von fast 1100 Stimmen im Kreise Wiesbaden brachte die Partei bei der Wahl am 9. Juni d. I. an die 3. Stelle. Die Hauptschuld an der erlittenen Schlappe fällt mit 800 Stimmen der Stadt Wiesbaden zu. Die Ursache davon, daß die Schlappe eintreten mußte, bezeichnet der Schluß eines Artikels unseres Frankfurter Organs recht treffend. Derselbe lautet:„Eine bittere Lehre— aber hoffentlich eine heilsame Lehre! Wir empfangen sie gerade noch zeilig genug, ein Jahr vor de» allgemeine» Wahlen, um sie bis dahin gründlich zu beherzigen. Das kommende Jahr wird zeigen, ob die Wiesbadener Arbeiter den Ernst und die Kraft besitzen, sich eine stramm-politische Organisation zu schaffen, um die Scharte von 1897 im Jahre 1898 auszuwehen." Die Mahnung der Schaffung einer stramm-politische» Organisation dürften die Genosse» auch in manch anderen Kreisen sich recht zu Herzen nehmen.— Die Nachwahl in Königsberg war bedingt durch den schmerzlichen Verlust, den die Partei durch den am 1. April erfolgten Tod»nsereS unvergeßlichen Genossen Schnitze erlitten. In der am 10. Juni erfolgten Wahl des Genossen Haas« ist mit die schönste und höchste Anerkennung enthalten für die Thätigkeit, die der so früh verstorbene Schnitze auf dem äußersten östlichen Vor- posten bei Lebzeiten entwickelt hat. Die Wahl vom 10. Juni brachte dem Genossen gegenüber der Wahl vom 15. Juni 1393 ein Mehr von 944 Stimmen und damit eine Mehrheit von 696 Stimme» über die drei gegnerischen Kandidaten.— Die Wahlen im 13. württembergischen und zweiten badischen Wahlkreis, desgleichen in Torgan- Liebenwerda und Bergheim-Enskirchen kamen nur vom agitatorischen Gesichtspunkt in belracht. In allen vier Kreisen wurde mit gering fügigen Schwankungen die Stimmenzahl der Wahl von 1893 ge halten. Im Wahlkreis Torgau hielten die Genossen das Zünglein der Waage bei der Entscheidung zwischen dem Freisinnigen und dem Konservativen. DaS Liebeswerben der letzteren wurde ge- bnhrend abgewiesen. Der Wahlkreis ging den Konservativen ver- lorem— I» zwei Wahlkreisen, Westpriegnitz und dem fünften oberpfälzischen, zu dem Fuchsmühl berüchtigten Angedenkens ge- hört, steht Nachwahl bevor. Im ersteren kandidirt unserseits Ge- »osse Hintze-Stendal und im letzteren Genosse Breder-Nürnberg. Die im September vorigen Jahres vollzogenen Wahlen zum Gothaer Landtag brachten der Partei einen Gewinn von 7 Mandaten. so daß jetzt 8 Sitze sich in unserem Besitz befinden.— Am 5. Oktober vorigen Jahres fanden die Neuwahlen znm hessischen Landtag statt. Dieselben brachten uns, neben der Behauptung der alte» Sitze, den Gewinn eines Mandats— Offenbach Stadt. Unsere Partei ist nunmehr durch vier Abgeordneie im hessischen Landtag vertreten. In Offenbach wurde die Wahlmännerliste der bürgerliche» Parteien durch die unser« mit eineni Mehr von 221 Stimmen geschlagen.— Das in unserem Besitz befindliche Mandat für den Landtag von Schwarzburg-Sondershausen wurde bei der am 30. Oktober vorigen Jahres vollzogenen Neuwahl behauptet. Genosse Appel siegte in Frankenhansen. Der Sieg der Genosse» im Kreis Königssee wurde dadurch hinfällig, daß der Erwählte dem Programm unserer Partei untreu wurde.— Am 20. November v. I. hatten die Cannstätler Genossen das durch den Tod des wackeren Genossen Glaser er- lcdigte Mandat zum württembergischen Landlag zu vertheidigen. Durch die Haltung der Volksparteiler unterlag Genosse Tauscher in der Stichwahl am 3. Dezember.— Glücklicher waren die Geraer Genossen, die mit 723 gegen 325 Stimmen den Genossen Vetterlein in den Landtag von Reuß j. L. sandle». Das Mandat war durch den Tod deS Genossen Hahn erledigt.— Der vorjährige Versuch der Oldenbnrger Genoffen, in den Landtag ein- zudringen, scheiterte zwar, jedoch unterlagen wir in Delmenhorst mit nur 7 Stimmen, was hoffen läßt, daß der zweite Ansturm von Erfolg begleitet sein wird.— Bei den vorjährige» Wahlen zum Lippe-Detmokder Landtag brachten die Genossen des Kreises Lemgo- Blomberg ihren Kandidaten in die Stichwahl mit dem Freisinnigen, der Sieger blieb.— Zu erwähnen ist noch, daß die würllemberger Genossen außer im Canustätter Kreis sich an der Wahl im Kreis Gmünd betheiligten, in dem Genosse Bios 892 Stimme» erzielte. Im Gothaer und Altenbnrger Landtag brachten die Genossen Jnitiativ-Anträge auf Einführung deS allgemeinen, gleichen. direkten und geheimen Wahlrechts ein, die zwar eine Mehrheit nicht fanden, ihre agitatorische Wirkung aber zweifellos nicht verfehlen werden. Diesen Herbst finden die Ergänzungswahlen zum Landtag im Königreich Sachsen, in Baden, Meininge» und Sachsen-Weimar statt. In den vier Staaten sind die Genossen bereits in voller Thätigkeit bei der Wahlarbeil. Die badischen Genossen nähren die begründete Hoffnung, den seitherigen unheilvollen Einfluß der Nationalliberalen im„Musterländle" zn brechen. Vor wie nach wenden die Genossen ihre Aufmerksamkeit der Betheiligung an den Gemeindewahlen zu. Bei den Ende vorigen Jahres in Sachsen in zahlreichen Gemeinden bethätiglen Ergänzungs- wählen haben die Genossen ihren Besitzstand behauptet, so arg auch der gesammte Ordnungsklüngel Sturm lief, die Genossen ans den seitherigen Positionen zu werfen. In der Verlegenheit über ihren Mißerfolg tröstete sich die kartellirt« Ordnungssippe mit der Phrase: Stillstand sei Rückschritt. Ebenso haben die Genossen in Baden da wo der Besitzstand zu vertheidigen war, diesen behauptet, als wie auch z. B. in Hornberg im Schwarz- wald, wo vier Genosse» gewählt wurden, vielfach neues Terrain erobert. Das Gleiche ist von den verschiedensten Gegenden Preußens, wir führen z. B. a» Köpenick bei Berlin, Elmshorn in Holstein, Gräfrath bei Solingen, Grabow und Bredow in Pommern«., zu sagen. Auch in den beiden Reußenländern haben die Genossen ihren Einfluß in den Gemeindevertretungen erweitert. Possirlich war das Manöver, das die Nationalliberalen in Mannheim wohl als letzten Versuch machten, die gehabten Sozialdemokraten zn werfen. Eine Kandidatenliste des„Verbandes nicht sozialdemokratischer Arbeiter- vereine" war der Trik, der ziehen sollte, aber schmählich Fiasko machte. Die Gegner brachten es auf 2323 Stimmen, während die sozialdemokratische Liste 3723 Stimmen auf sich vereinigte. Bei den Wahlen zu den Bezirkstagen in den Neichslanden haben wir das Mandat des Genossen Böhl« in Straßburg behauptet und einen neuen glänzenden Sieg in dem Kanton Markirch erfochten. Genosse Bueb siegle mit 1343 gegen 733 Stimmen. Während die Versuche der Hamburger Genossen, in die„Bürger- schaft"— die gesetzgebende Versammlung— einzudringen, bisher schev ierten, gelang es den Bremer Genossen, wiederum zwei Mandate, ein städtisches und einS im Landgebiet. z» erobern. Soweit wir auS dem Verfolg der Presse ermitteln konnten, haben im Berichtsjahr die Genossen in 23 Städten sich mit Erfolg an den Gewerbegerichts- Wahlen betheiligt. In allen Fällen wurden die Kandidaten der Genossen in der Klaffe der Arbeitnehmer gewählt. Einen vollen glatten Erfolg in der Klasse der Arbeitgeber erzielten die Genossen in Frankfurt a. M. mit 429 Siimmen. Weitere Erfolge in der Arbeitgeberklasse erzielten die Genossen in Berlin, die 10, in Göppingen, die 2, und in Sonneberg, die 4— die Hälfte der zn Wählenden— dnrchbrachten. Bemerkenswerth ist, daß die An- strengnngen des Zentrums in München vollständig belanglos blieben. Die klerikale Liste brachte es auf 1985 Voten gegenüber 6602 Stimme», die ans die Liste des Gewerkschaftsvereins entfielen. ?lls recht erfreulich ist die Thatsache zu begrüßen, daß die Betheiligung der klassenbewußten Arbeiter au den Gewerbe- gcrichtsivahlen sich in anfsteigender Linie bewegt. Doch ist unsere Mahnung im vorjährigen Bericht, die Genoffen hätten bei allen Aktionen die volle Thaikrast einzusehen, um sich vor Ueber- rumpelnngcn zn schützen, nicht in dem Maße beherzigt worden, wie wir es gewünscht hätten. In Leipzig hat die Zahl der Wähler gegen 1394 zwar einen Zuwachs von 463 Stimmen zu verzeichnen, aber die Zahl der Wählenden— 4051— steht zu der Ziffer der Wahlberechtigten— 9000— doch in einem großen Mißverkältniß. Lässig, ja fast fahrlässig, war die Betheiligung der Genossen in Kassel bei der Gewerbegerichls-Wahl zu nennen. Von 5000 ein- getragenen Wählern übte noch nicht einmal der fünfte Theil sein Wahlrecht ans. Anznerkennen ist die Rührigkeit der lhätigen Genossen, die eine kräftige Agitation dafür ent- wickeln, den Landkreis Kassel in die Jurisdiktion des Ge- werbegerichts Kassel einzubeziehen, eine Forderung, die bei dem Bestreben der Industriellen, die Etablissements in die umliegem den Orlschasle» zu verlegen, volle Berechtigung hat. Als Einigungs amt ist unseres Wissens ein Gewerbegericht im Berichtsjahr nicht in Aktion getreten. Wo es als solches von den Arbeitern angerufen wurde, wie z. B. bei dem Hamburger Hafenarbeiterausstand und dem Streik der Tischler in Stettin, erfolgte die Ablehnung seitens des Unternehmerthums, dessen protzenhaftes Bestreben, jede Lohn- bewegung unler der Aufwerfung der„Machtfrage" zn behandeln, immer unverhülller hervortritt. Die schuöde ablehnende Haltung des Unternehmerthums mit den Arbeitern über die Arbeitsbedingungen zu verhandeln, muß den Arbeitern die Ueberzeugnng aufdrängen, daß sie eiumüthig theil nehmen müssen an der Eroberung der poli- tischen Macht. Ein Theil der im Kassenbericht für die Wahlagitation auf- geführten Kosten entfällt auf das Konto der praktischen Bethätigung der internationalen Solidarität. Die Parteileitung erachtete es als selbstverständlich, den diesbezüglichen Anträgen der Genossen in Oesterreich, Italien und Holland entsprechen zu sollen. Die Genossen eroberten in Oesterreich 14. in Italien 12 und in Holland 2 Mandate « Maifeier. Nach den uns zugegangenen Berichten, sowie den Feststellungen der Parteipresse gehörte die diesjährige Maifeier zu den imposantesten von den Arbeitern veranstalteten Demonstrationen Alle gehegten Bedenken, die Demonstration könne durch den Um- stand, daß der 1. Mai auf einen Sonnabend fiel, Einbuße erleiden, haben sich als hinfällig erwiesen. Auch das in einem großen Theil Deutschlands vorherrschende Regenwetter vermochte nicht die Fest- stimmiing und Festsrende zn beeinträchtigen. Durchweg waren die Morgenversammlungen stärker wie im Vorjahr besucht. Der be- scelende Gedanke der Maidemonstration hat fest und unausrottbar in den Herzen auch der deutschen Arbeiter Wurzel geschlagen. Der Weisung der Preßorgane der Scharfmacherkliqne entsprechend, hatten verschiedene Unternehmer-Koalitionen den Arbeiter» die Ans- sperrung angedroht für den Fall, daß sie die Arbeit am l. Mai ruhen ließen. Zn einem Ernstfall in der angedrohten Richtung hat nnr die Aussperrung der Former in Leipzig gefnhrl. Andere Aus- sperrungen, die bei den Holzarbeitern und den Metallarbeitern in Berlin vorkamen, konnten durch vorhandene Arbeitsgelegenheit ans- geglichen werde». Andere Versuche, mit Aussperrungen die Arbeiter zn bestrafen, scheiterten an deren Einmüthigkeit und Geschlossenheit. So bei den Maurern in Magdeburg und den Piano- Mechanikarbeitern von Morgenstern u. Kolrade in Leipzig. Eine andere Gruppe der Ar- beiter nahm die Aussperrnng zum Anlaß, in eine Lohnbewegung einzutreten, womit der von den Unternehmern mit der Aus- sperrung beabsichtigte Zweck hinfällig wurde. Der berührte Streitfall der Leipziger Former endigte nach achttägiger Daner, nachdem die Unternehmer die angedrohte zehn- prozentige Lohnrednktion hatten fallen lassen. Wirkte ans das deutsche Unternehmerthum nicht der unheilvolle Einfluß der Etlimm, Bueck, Muhle, Laiszl rc., die Maidemonstration böte weniger Anlaß zu einem Zerwürfniß zwischen den Arbeitern und Unternehmern. Im nächsten Jahre sällt der I. Mai ans einen Sonntag. Es erübrigt sich somit für die nächste Maifeier den Genossen eine Nicht- schnnr bezüglich der Arbeitsrnhe zu geben. Nichtsdestoweniger dürfen wir wohl die Erwartnng aussprechen, daß allenthalben die Feier eine würdige, die Grundlagen der Demonstration scharf und prägnant heraushebende sein wird, scin muß. Dies kann und wird am besten durch Abhaltung von Massenversammlungen am Morgen des Tages geschehen, während der Nachmittag den anderweiten Ver- anstaltungen zn widmen ist. Der Ernst, die Ruhe, die Würde und die Gründlichkeit, womit die Arbeiter bei allen ihren Aktionen zu Werke gehen, haben unsere Machtstellung begründet, so auch der Maidemonstration siegreich Bahn gebrochen. ** Tic Parteipresse. Aus Parteikreisen geäußerten Wünschen entgegenkommend, fand auf Einladung des FraklionSvorstandes am 8. und 9. November v. I. in Berlin eine Preßkonferenz statt, an der Vertreter unserer gesammte» Parteipresse theil nahmen. Da die Konferenz sich zweckmäßig erwiesen und eine Wiederholung derselben in Aussicht genommen ist, sah sich der geschäststübrende Ausschuß veranlaßt, dem Uebelstand, der eine» Vcrhandlungstag in Anspruch nehmenden Aussprache über den geschäftlichen Stand der Presse zu begegnen, eine Unterlage für weitere ersprießliche Verhandlungen zu schaffen. Zn diesem Behnfe ist jedem Verlag unserer politischen Blätter ein Formular zugestellt, dessen gewissenhafte Ausfüllung und Rücksendung, die Bearbeitung durch die Parteileitung ermöglichen und sie in den Stand setze» wird, geeignete Vorschläge der späteren Konferenz zur Berathung zu unterbreiten. Ueber den Stand der Parteipresse giebt folgende vergleichende Tabelle Aufschluß: Es erschienen: a) Politische Blätter: 1891 1892 1893 1894 1895 1896 1897 wöchentlich 6 mal 27 32 32 37 39 41 39 .3. 23 20 25 20 20 17 15 wöchentlich 3 mal 2, 1. monatlich 3„ alle 14 Tage alle 3 Wochen Niouatlich 1„ b) Gewerkschaftsblätter e 1891 1892 1893 1894 1895 11111 24 28 28 27 27 3 3 2 2 2 22 20 19 19 18 1896 1 27 1897 1 28 — 1 19 22 1— 2 3 54 66 55 53 53 50 55 Wie aus der vorstehenden Tabelle ersichtlich ist, hat eine Ver- schiebnng in der Erscheinnngsart, wie auch eine Verminderung der politischen Organe, hingegen eine Zunahme der gewerkschaftlichen Organe stattgefunden. Die Verminderung der politischen Organe entspringt lediglich den ans der Preßkonferenz gepflogenen Erörte- rungen. Sie kann nur als im Interesse der Partei liegend bezeichnet werden. Die Rednzirung der täglich erscheinenden Organe ist durch das Eingehen der„Augsburger Volks-Zeitung" und der „Bamberger Volks- Zeitung" bedingt. Letztere war nur-in Kopfblatt der„Unterfränkischen Volks-Tribüne", während sie „Angsburger Volks- Zeitung" noch einen selbständigen lokalen Theil auswies. In Augsburg' ist die„Münchener Post" eingeführt, und in Bamberg die im Verlag der„Fränkischen Tagespost" er- scheinende„Fränkische Volkstribüne". Von den dreimal erscheinenden Blättern wurde die„Freie Presse". Apolda, durch die„Thüringer Tribüne" und der„Meißener Volksfreund" durch den in Dresden vom Verlag der„Sächsischen Arbeiter-Zeitung" herausgegebenen„Volksfreund" ersetzt. Beide Partei-Orte haben durch die Aenderung nur Vortheile zu verzeichnen. Als wirkliche Einbuße kann nur das am 31. Dezember v. I. ei»- gegangene„Volksblatt" für die Reichstags- Wahlkreise Teltow und Niederbarnim gelten. Aus der Reihe der wöchentlich einmal zu den dreimal wöchent- lich erscheinenden Organen aufgestiegen, ist die„Köuigsberger Volks- tribüne" am 1. Mai d. I. Anlaß dazu bot den Genossen die energische Führung des Wahlkampfes. Von den zweimal wöchentlich erschienenen Blättern ist das Kopfblatt, die„Müncheu-Gladbacher Arbeiterstimme" ausgeschieden, dazugekommen die Solinger„Freie Presse". Endlich erscheint mouallich einmal der„Hanauer Bauern« freund", ausschließlich der Agitation unter der Landbevölkerung dienend. Im wesentlich vergrößerten Format erscheint jetzt die„Thüringer Tribüne", die Elberfelder„Freie Presse" und der„Stettiner Volks- böte". Wie aus den dem'Ausschuß bereits zugesandte» Formularen über die Geschäftslage der Presse ersichtlich ist, nimmt der Abonneutenstaud i» vielen Orten einen ersreulicheu Aufschwung. Um der Provinzpresse eine Kostenersparniß bei guter In- formation in bezug auf den politischen Nachrichtendienst zu er- möglichen. werden die politischen Mittheilnugen und Partei- Nachrichten des„Vorwärts" derselben in beschleunigter Weise zu- gänglich gemacht. Die Zahl der Gewerkschaftsblätter weist eine Steigerung auf. Dieselbe hängt mit der Schaffung neuer Gewerkschastsverbäude zu- samme». Eine Ausnahme davon macht die„Buchdrucker-Wacht". die ihr Erscheinen dem Bedürsniß eines Theiles der Mitglieder des Buchdrucker-Verbandes verdankt, ihrer Gegnerschaft gegen die Tarif- gemeinschafl in einem eigenen Organ Ausdruck zu geben. Unsere wissenschaftliche Revue„Die Neue Zeit" erscheint un- veränderter Weise. Ebenso unverändert erscheinen die beiden humoristisch-satirischen Unterhaltungsblätler„Der wahre Jakob" und der„Süddeutsche Postillon". Beide erfreuen sich in den Ar- beiterkreisen großer Beliebtheit. Die Feier bei 18. März und des 1. Mai gab den Verlegern Anlaß zur Ausgabe einer Festnummer. Dem Beschluß des Gothaer Parteitags folgend, Maßnahmen zu treffen, das Defizit der„Neuen Welt" auf 25 000 M. zu reduziren, erscheint dieselbe nach Begutachtung des Vorschlags durch die vor- jährige Preßkonferenz, seil dem 1. Januar zwar im vergrößerten Format, jedoch nur achlseilig. Die Aenderung, die den textlichen Raum nur um ein kleines verringert hat, hat den Erfolg, daß da? Defizit sich auf rund 21 000 M. beschränken wird. Trotz einiger aus der Unterbrechung der Redaktion resultirenden Hemmnisse ist der„Nene Welt- Kalender" rechtzeitig erschienen und reiht sich nach Inhalt und Ausstattung der Reihe seiner Vorgänger würdig an. Die so recht in Aufnahme gekommeneu Landes- bezw. Provinzialkaleuder sind bereits zn einer stehenden Einrichtung in der Agitation geworden, weshalb der Ausschuß da, wo es verlangt wurde, die Herausgabe von Kalendern unterstützte. DaS Zcntralorgan ist im verflossenen Jahre, entsprechend den ans dem letzten Parteitag gefaßten Beschlüssen, bedeutend ausgebaut worden. Zur. besseren Pflege des Unterhaltuugstheils ist eine Beilage geschassen, die fünfmal wöchentlich in der Stärke eines halben Bogens erscheint, außerdem ist der„Vorwärts" durch eine volkSwirthschast- liche und literarische Rundschan bereichert worden. Die genaue Spezifikation der Einnahmen und Ausgaben folgt nachstehend: "2: 7679899 1„ 10 12 11 8 9 6 5 alle 14 Tage, 1—————— monatlich 1,—————— 1 68 70 73 74 76 73 69 Der Gesammtübersctiuß beträgt 43 210,—. Berlin, de» 7. September 1897. Revidirt und für richtig befunden: H.Meister. Aug. Kaden. Ä. Klees. Erd. Dnbber. Theodor Metz n er. Carl Oerie l. Clara Zetkin. Redaktion, Parteileitung und soweit es sich um den lokalen Theil des Blattes handelt, auch die Preßkommissio» waren bemüht, den zum Ausdruck gebrachten Klage», Wünschen und Anregungen Rechnung zu tragen. Einem Beschluß der Preßkonferenz entsprechend, versendet die Redaktion an fast säinnitliche täglich erscheinende und an eine Reihe von dreimal wöchentlich erscheinenden Parteiblältern den bis 8 Uhr abends im Satze fertig gestellten Text der politischen und gewerk- schafllichcn Notizen und der Parleiuachrichten. Die Brnito-Ein- »ahmen erHöhlen sich gegen das Vorjahr um 2759,45 M. Bei den Ausgaben wurde» Ersparnisse vor allem bei der Druckerrechnung, bei den Gerichtskosten, Anwallsgebühren und bei der Bibliothek gemacht. Gestiegen sind die Ausgaben vor asiem durch dieKosten einer monatelang betriebene» intensiven Agi>ation in Berlin, die nuter„diverse Unkosten" gebucht wurden, um 5825,10 M. Die Mehrausgabe für die Redaktion in der Höhe von 2543,50 M. erklärt sich aus der Anstellung eines Redakteurs für die Unterhaltungsbeilage. Die Schaffung der- selben steigerten die Ausgaben für deren Inhalt um 1879,40 M. Ferner wurden für Berichterstattung 1525,85 M.»lehr verausgabt als im vergangenen Jahre. Der Gesammtgcwinn beträgt 43 210 M. gegen 52 078,60 371. im Vorjahre, mithin weniger 3863,60 M.. Da der Erfolg der er- wähnten kostspieligen Agitation sich erst in den nächsten Quartalen zeigen kann, giebt dieser Rückgang der Einnahme zu Bedenken keinen Älnlaß. »» Der geschäftliche Stand der Buchhandlung Vorwärts war»ach dem uns bekannte» GeschästSlarichle für 1896/97— ein zufriedenstellender. Sowohl Waareuumfatz wie Reingewinn sind im abgelausencn Geschäftsjahr etivas höher als im Vorjahre, und z>var ist dies wohl dem Umstände zuzuschreiben, daß der Verlag wieder an die Ausgabe eines Liefe� rungswcrkcs herangetreten ist, das einen feste» Kundenkreis mit regelmäßiger Bezugsweise um das Geschäft gliedert. Vergleicht man nämlich den Waarenunisatz der einzelnen Monate mit dem des Vor jahres, so ergicbl sich ein durch alle Monate gleichmäßig bunerkbares Sinken— bis zum Erscheinen des Lieferungswerkes. Die Ursache dieses verminderte» Absatzes liegt zum theil in der Lohnbewegung des verflossenen Jahres; die Kämpfe um Erhaltung und Besserung ihrer Lebenslage haben die Arbeiter gezwungen, alle ihre versiig baren Mittel diesen Kämpfe» zu opfern. So beträgt beispielsweise der während der Dauer des Hamburger Hafenarbeiler-Aussiandes wahrnehmbare Minderabsatz im Vergleich zum gleiche» Zeitraum des Vorjahres s e ch s P r o z e» t des gesammten Jahresumsatzes, anderer seits trägt die reichere Jnhaltsgestaltung der Parleipresse, die Ver Mehrung der sozialistischen Verlagsanstalte» und der Umstand, daß der in den ersten Jahren nach Aufhebung des Sozialistengesetzes naturgemäß hervorgetretene Heißhunger»ach AgiiationSlitcralur im Lauf der Zeit gestillt ist, zur Erklärung dieses Minder absatzes bei. Nicht unerwähnt ivollen wir lasse», daß da und dort auch die Privatspekulation literarischer Freibeuter sich auf die Heransgabe sogenannter Arbeiterliteratur verlegt hat, die angeblich der Ver breitung allgemeiner und sozialpolitischer Bildung in den Arbeiter kreisen dienen soll und nun nach dem Grundsatz: Billig und schlecht in den Parteikreisen Absatz sucht und— findet. Gegen diese seichte Schundliteratur, die durchgängig nur ei» durch sozial demokratisch schillernde Redensarten vermehrtes Plagiat vorhandener bürgerlicher Werke ist oder auch nur a»s dem Abdruck werthloser Zeilungsartikel besteht, kann nur die rücksichtslose Kritik der Partei presse wirksam ankämpfen. Mit Neujahr 1897 rief die Buchhandlung Vorwärts ein Unter- nehmen ins Leben— die wöchentlich erscheinende i l l u st r i r t R o in an b i b l i o t h e k„In Freien Stunden"—, das be stimmt ist, einerseits dem in Pariei- und Arbeiterkreisen vorhandene» Bedürfniß nach Unterhaltungsliteralur eiitgegenzukomme» und andererseits durch Lieferung guter Romane der Verbreitung der sogenannten Schundromane in den Arbeiterkreisen entgegenzuwirken Wenn der Verlag sich auch der Schwierigkeiten bewußt war, welche sich der Einführung und raschen Verbreitung einer solchen Bibliothek in den Weg stellen, so glauben wir doch es aussprechen zu sollen daß die„Freien Stunden" in den Kreisen der Parteigenossen noch nicht in demjenigen Umfange verbreitet find, wie man es von der Größe der Partei und dem Charakter des neuen Unternehmens erwarten sollte. Diese höhere Verbreitung in den Parteikreisen ist aber nothwendig, soll der erstrebte Ziveck erreicht und Inhalt wie Umfang der Bibliothek immer weiter vermehrt und rnisgestallet werden; und sie ist auch möglich, wenn die Parteigenossen und die Parteiprcsse für dieses Unternehmen die nöthige Agitation entfalten Ihre propagandistische Aufgabe suchte die Buch Handlung Vorwärts auch im abgelaufenen Geschäftsjahre nach Kräften zu erfüllen. Märzzeit ung und M a i z e i t u n g gingen(erstere in 120 000, letzlere in 290 000 Exemplaren) in die Massen; der Leckert-Lützow-Prozeß und das darin enthüllte unsaubere Treiben der Agenten der politischen Polizei veranlaßt« die Herausgabe der Broschüre: Die politische Polizei in Preußen, welche in 10 000 Exemplaren rasche Verbreitung fand; die Verhandlungen des Reichstages über die brennende Frage der Kaiser-Reden und der Majeftätsbeleidigungs-Prozesse wurde» in 24 500 Exemplaren abgefetzt. Das Protokoll des Internationalen Kongresses in London erzielte 8000, das des G o t h a e r Partei- t a g e s 29 000 Auflage. Lily Braun's Franenfrage und Sozialdemokratie fand in 5000 Exemplaren, eine Broschüre, die das Hosgäu gerleben in Mecklen bürg schilderte, und Greulich: Zur m a t e r i a l i st i- scheu Geschichtsauffassung in je 3000 Exemplaren Verbreitung, während mit der Verbreitung des Handbuchs für Vereins- n n d V e r s a in m l u n g s l e i t e r infolge der Unsicherheit, welche für das Vereins- und Versammliingsrecht in Preußen der Recke'sche Verschlcchrerungsentwuif herbeiführte, bis zur Erledigung jener Vorlage innegehalten werde» mußte. Zwei neue zur Masseiiverbreitttng auf dem Lande bestimmte Flugblätter: „Die wahren Freunde und Feinde des Bauern" und„Das Landvolk und der Sozialismus" waren in der ersten Auflage von je 20 000 Exemplaren rasch abgesetzt und erzielten seitdem wiederholte Neu drucke. Von den in früheren Jahren erschienenen Schriften bewährte Bracke's„Nieder mit den Sozialdemokraten" seine alle Zugkraft: 65 000 Exemplare mußten nachgedruckt werden. Neu aufgelegt wurden ferner Keßler: Die Ziele der Sozialdemokratie; Calwer: ArbeiterkatechiS- m u s; Parteiprogramm; Vetter G o t t l i e b; Grundsätze und Forderungen der Sozialdemokratie; P. Fischer: Die 37!arx'sche Werththeorie; Kampffmeyer: Die soziale Frage auf dem Lande; Lasargue: Recht auf Faulheit; Schippe!: Währungsfrage. Neben der Jlgitalion, welche die Buchhandlung für die Partei in der Herausgabe, Verbreitung und Vertheilnug von Parteifchriflcn «ntfaltele, konnte sie auch für das Jahr 1896/97 der Parteikasse für Parteizwecke aus ihrem Reingewinn die Summe von 10 000 371. zur Verfügung stellen, so daß auch nach dieser Seite hin das Jahres- ergebniß befriedigend abschloß. Kassenbericht. Die Einnahmen weisen gegen das Voiüahr eine Steigerung von 4349,62 M., die Ausgaben eine solche von 52 971,04 M. auf. Zurückgelegt konnte daher auch nur ein sehr geringer Betrag werden. Die Zahl der Parlei-Orte bezw. Wahl- kreise, welche Beiträge an die Zenlralkasse abliefern, hat sich gegen das Vorjahr abermals um 15 verringert. Nach dem Gothaer Parteitag trat zunächst eine Besserung in den Einnahmen ein. Bald aber machte der Ausstand der Hamburger Hafenarbeiter seine Wirkungen geltend. Waren es doch gerade gut organisirte und opferwillige Partei-Orte, die durch den Streik direkt und zunächst betroffen wurden. Während die drei Hamburger Wahl- kreise im Vorjahre insgesammt 21 500 M. an die Parleikasse ab- führen konnten, ist im laufenden Jahre, abgesehen von einem aus früherer Zeit stammenden Beitrag der Gesammlpartei, nur der zweite Hamburger Wahlkreis mit einem Beilrag von 1000 M. vertreten. Weiterhin wurden aber durch die im ganzen Reiche für die Streikenden veranstalteten Sammlungen auck alle übrigen Partei- Orte in Mitleidenschaft gezogen. Erst vom Monat April an flössen der Parteikasse»vieder reichlichere Mittel zu. Unter den Ausgaben ist besonders der hohe Betrag für Preß» Unlcrslützungen in die Singen fallend. Die Mehrausgabe gegen das Vorjahr kommt jedoch lediglich ans das Konto der„Neuen Welt". Im übrigen ist der geschäftsführende Ausschuß energisch und mit Erfolg bemüht gewesen, die Preßunterstütznngen herab- znmindern. Zieht man, um zu einem zutreffenden Vergleich mit den Vorjahren zu kommen, die für die.„Neue Welt" aus- gegebene Summe von dem Gesammlbetrage ah..so. verbleiben an allgemeiner Preßunterslützung nur noch 35 032.35 M. Dagegen betrugen die Ausgaben für die Presse von 1895 auf 1896 69 331,70 371., von 1894 auf 1895 43 244,81 371.. von 1693 auf 1894 45 275,17 371. und von 1892 auf 1893 50 814,07 371.. Die auf diesem Gebiete im letzten Jahre ersparten Summen konifteu der all- gemeinen Agitation dienstbar gemacht werden..für.welche im Be- richlsjahr 18 113,02 M. mehr ausgegeben wurden als.im Vorjahr. von unseren Bruderparteien im Ausland hatten im Berichts« jähr besonders die österreichischen, holländischen und italienischen Genossen schwer« Kämpfe zu bestehen. Sie wurden mit folgenden Summen unterstützt: Die österreichischen Genossen mit 10 000 M.. die holländischen Genossen mit 2800 M., die italienischen Genossen mit 1300 M. und die slovenischen Genosse» mit 500 371. In allen diesen Ländern haben sich unsere Genossen bei den Wahlen wacker geschlagen und hat der Sozialismus große, zum theil überraschende Forlschritte gemacht. Es darf die deulscheii Ge- nossen mit Genuathuung erfüllen, daß sie zu diesen Erfolgen anch ihr bescheidenes Theil mit beigetragen haben. Im einzelnen wie folgt: vertheilen sich die Einnahmen und Ausgaben Bericht über die Einnahmen und Ausgaben der Parleikasse 1. September 1896 bis 31. August 1897. Einnahmen. vom IT. 274 521,21 371 k. Hierzu Bestand vom 31. August 1896 17 318,57„ NR. Ansssabeit. 291 339,78 Mk. Von den genannten Ausgaben entfielen auf: Ausgabe für Kapitalanlage Kassenbestand am 31. August 1897 233 093,60 Mk. 1 660,- Mk. 7 086.13 Mk. Berlin, den 7. September 1397. H. Meister. Aug. Kaden. W 291 839,78 Mk. Revidirt und für richtig befunden: Klees. Erd. Dubber. Theodor Metzner. Carl Oertel. Clara Zetkin. Bemerkungen zu A. Einnahmen: ') Unter diesen Eingäugen befinden sich 3625,39 M. für den Verlaus einer Druckerei und 267,00 M. Abonnemenls-Resteingänge vom„Eozialdemokral". Bemerkungen zu£. Ausgaben: ') Unterstützungen wurden, wie üblich, nur gezahlt an Genossen oder an Augehörige von Genossen, die wegen ihrer Parteilhätigkeil gemaßregelt oder sonstwie geschädigt wurden. 2) Unter dieser Rubrik befinde» sich die Ausgaben für Gehälter. Mielhe für Bureauräume, Porto und Telegrammgebühren, Druck- koste» für Zirkuläre zc.. Reisekosten u. s. w. 2) In diesem Betrage sind auch die Kosten der im November v. I. in Berlin abgehaltenen Preßkonferenz enthalten. C. Ansgabrn für die Parteipresse, im einzelnen nachgewiesen. „Augsburger Volkszeitung"...... 371. „Brauuschweiger Volksfreund"...... Els.-lothr. Ausgabe d. Mannh.„Volksstimme"„ „FiSulische Volkstribüne"........ „Königsberger Volkstribüne" „Märkische Volksslimme" „Mitteldeutsche Sonntagszeitillig",..,„ „Neue Welt"............ „Nordwacht".........,,„ „Oberfränkische VolkSzeitung"....... „Rheinische Zeitung' 260,- 2 OOO,-') 8 60I.052) 400,— 1 400,— 3) 1000,-<) 500— 59 201,925) 1000,— 150,— 3 900,—«) 1 201,307) 3 600,— 1730,— 1000,— „Teltower Volksblatt"........ „Thüriiiger Tribüne".......,. „Thüringer Volksblatt" i „Thüringer Volksfreund"} „Neustädter Volksblatt" J „Volksblatt für Hessen" „Volkswacht", Breslau 7000,—«) „Zeitzer Volksbote".......... 1 300,—») 371. 94 234,27 Bemerkungen zu C.: Ausgaben für die Parteipresse. i) In Braunschweig sind seit Jahren unter den Parteigenossen Streitigkeiten um das Eigenthumsrecht am„Volksfreund" geführt worden, die je länger, je heftiger und häßlicher wurden. Da die Parleibeweguug nicht nur in der Stadt Braunfchweig, sondern auch im Lande unter diesem Zustande auf daS bedenklichste litt, war der geschäftsführende Ausschuß schließlich gezwungen, einzuschreiten und das Verlagsrecht zu regeln. Zur Fortführung der Zeitung auf neuer Grundlage waren aber Zuschüsse nöthig. Außer den bereits gezahlten 2000 M. werden»och weitere Opfer gebracht werden müssen, ehe das Blatt sich deckt und die Folgen deS jahrelangen HaderS über- wunden sind. 2) Unter diesem Posten befindet sich ein Betrag von 500 M.. der noch nachträglich für die früher« elfaß-lothringische Ausgabe deS „Offenburger VolksfreundeS" gezahlt werden mußte. Im übrigen ist mit den elsaß-lothringischen Genossen ein Abkommen getroffen worden, nach welchem vom 1. Oktober 1897 ab nur noch ein fester Zuschuß znr Herstellung einer b-sonderen, dreimal wöchentlich erscheinenden Zeitung für die Reicl slande gezahlt wird. Die Ausgaben werde» dadurch aus den vierlen Thcil der im Berichtsjahre ungefähr für die elsaß-lolhriugische Presse gezahlten S mme herabgesetzt. «) Bei der im Berichlsiahr in Köniqsberg i. Pr. stattgesundenen Reichstagsivahl ließcn unsere dortigen Geuosseu, die infolge Saal- mangels in der mündlichen Agitalion sehr beschränkt waren, ihr Organ, die„Köuigsberger Volkstiidüue", statt wie bis dahin einmal, dreimal wöchentlich erscheinen. Die Aenderung im Eischeiuiings- modus, die auch nach der Wahl bis aus weiteres noch beibehalte» wurde, war aber nur mit Hilfe eines Zuschusses ans der Zentral» lasse durchzuführen. Der Ausgang der Wahl hat bewiesen, daß die der„Volkslribttne" gewährte Unterstützung gute Früchte ge- tragen hat. 4) Die„Märkische Volksstimme" erscheint in diesem Jahre nur aus dem Grunde unter den subventionirten Parteiblättern, weil ihre Druckerei durch die Ueberscbweniiming, von welcher die Stadt Forst i. L. betroffen wurde, schweren Schaden erlitt. Der geschäftS- lührend« Ausschuß hielt es in diesem Falle für seine Pflicht, schnellste Hilfe zu gewähren. 5) Von diesem Betragt kommen 42 466,92 M. auf das Jahr 1896 und 16735 M. auf das Jahr 1897. Im lausenden Jahre wird. wie bereits an anderer Stelle bemerkt, der Zuschuß zur„Neuen Well" voraussichtlich noch unter der vom Golhar Parteitag beschlossene» Höhe bleiben. «) Die im vorjährigen Bericht erwähnte Vereinbarung mit den Kölner Genosse» ist strikte durchgeführt worden. Die letzteren habe» übrigens nach dem Jukrastlrete» der Vereinbarung nur einmal de» vollen Zuschuß mit 1000 M. pro Quartal in Anspruch genommen. In den beiden folgenden Quartalen hat die„Rheinische Zeitung" nur je 800 M. Zuschuß erfordert. 7) Von diesem Betrage sind 600 M.»och regelmäßiger Zuschuß. Mit dem Rest von 601,30 M. wurden die nach dem Eingehen des Blattes noch vorhandenen Verbindlichkeiten erfüllt. «) Dieser Betrag entstammt noch Verpflichtungen, welche die Parteileitung im vergangenen Jahre übernommen hatte. Im laufen- den Jahre sind der„Volkswacht" weitere Zuschüsse nicht mehr be- willigt worden. «) Mit dieser Summ« wurden Schulden getilgt, die nach dem Eingehe» des„Volksboten" noch vorhanden waren. « Verfolgungen und vcstrafnngen. Wie aus der unten folgenden Zusammenstellung eisichllich ist, haben die erkannten Ge- fängnißstrafen i» dem Berichtsjahr eine Höhe erreicht, die alle vor- aufgegangenen Jahre übertrifft. Mehr als die Hälfte der erkannten Gefängnißstrafeu entfallen auf die mit den Lohnkämpfen im Zusamnien- hang stehenden Verurlheilungen, die in vielen Fällen, so aus Anlaß des Hamburger Hasenarbeiter-Ausstandes, aber auch in Lübeck, Leipzig ec. recht empfindlich ausgefallen sind. Nach unserem dem Etrafregister entnommenen AnSzug sind wegen der aus Slnlaß von Lohnkämpfen begangenen Delikte erkannt auf 70 Jahre 10 Monate 6 SSürtjeu 3 Tilge Gesü»g»Ib»»d IS0S Mark Geldstrase. Davon entsälll die größere Hälsle init 37 Jahren und 3 Wochen Gesängniß und 1413 M. Geldstrafe auf die i» Hamburg und Tllloim gefiMen Urlheile. Nach alledem hat die Zlnnahme Berechtigung, daß die von höchster Stelle ans ergangene Mahnung:.Schwerste Strafe demjenigen, der seine Milmcusche» au freiwilliger Arbeit hindert", aus fruchtbaren Bode» gefallen ist. Im vorigen Bericht verwiesen wir auf die besondere Rnfmerk» samkeit, deren sich unsere Preßorgane in Erfurt und Breslau seitens der Staatsanwaltschaft zu erfreue» hatten. Im abgelaufenen Berichtsjahr hat sich diese Aufmerksamkeit auf unser Organ in Halle a.«s. übertrage». Ein Bier- und Mnhlcnboykott gab Ver- anlassung zu zahlreiche», meistens im Höchstmaß der angezogenen Etrafbestduminig erkannten Geld- und Haststrasen. Das Straf- register der Partei weist 64 Verurtheilungen ivcgcu Verübnug groben Unfugs auf. Daran partizipirt Halle mit II Fällen. Jnsgcsammt wurde wegen Berübnng grobe» Nnsugs gegen Genossen erkannt auf 1 Jahr 7 Monate 3 Wochcnlnnd 5 Tage Haft» und 2970 M. Geld- strafe. Hiervon entsallen auf Halle 1 Jahr 3 Wochen und S Tage Haslstrafe. Seitdem die Enldeckuug gemacht worden ist. daß die Straf- best»»»»mg über die.Berübnng groben Unfugs" als treffliches Mittel in der Bekämpfung sozialistischer Propaganda zu gebrauchen ist, ist im Volke die Meinung eine weit verbreitete geworden, die in dem Epigramm Ausdruck findet:„WaS man nicht desiniren kann, sieht man als groben Unfug an." Dem Einfluß dieser Meinung scheint der preußische Jnstizminister auch nachgegeben zu haben, wie ein Erlaß vom 11. Januar vmnuthen läßt, der dahingeht, daß die Bestrafungen wegen Berübnng groben Unfugs sich ans Handlungen oder Unterlassungen, die den Bestand der öffentlichen Orduung stören oder gefährden, zu beschränken habe. Die Anstrengungen, für unsere im Essener Meineidsprozeß verurtheiltc» Genossen ein Wiederanfnnhmcvcrsahren herbeizusühre», sind leider erfolglos geblieben. Am 2S. Januar lehnte das Essener Landgericht den Antrag auf Wiederansuahine des Versahrens ab. Dasselbe geschah am 21. Mai seitens des Ober-Landesgerichts Hamm als Vernfungsinstanz. Am 17. August waren es zwei Jahre, daß Schröder, Meyer und Genosse» vernrlheilt wurden. Die Angehörigen Sckiröder's hofften, daß an dem diesmaligen Jahrestag dem Galten und Bater die im Z 23 des R.-St.-G. vorgesehene Vergünstigung zu theil und seine Enilassung verfügt werde. Bisher ist die gehegte Hoffnung zu Schanden geworden. Ein großer Theil der theilweise mit harten Strafen gesühnten Preßbeleidigungsprozesse ist auf falsche, den Thatsachen nicht ent- sprechende Berichterstattung beobachteter Vorgänge seitens der Ge- nosse» zurückzuführen. Ein besonders eklatanter Fall hat dem Redakteur der„Reußi- scheu Tribüne", Genossen Najork, 1 Jahr und 6 Monate Gefängniß eingetragen, wegen Lchrerbelcidignng. Der Borgaug erregt« um deslvillen Zlnfsehe», weil man das tragische Ende des Lehrers damit in Verbindung brachte, waS wohl auch die Höhe des Strafmaßes beeinflußt haben dürfte. Verurtheilungen erfolgten im Monat■£-. September,,, Oktober.,,, November.,, Dezember,,. Januar,,,. Februar.,«, März»,»,, April..... Mai.,,,, Juni...,» Juli.«»,, August.... Gefängniß st rasen Jahre! Mon. Woch. Tage 3 10 3 11 26 17 10 15 6 8 5 8 Zusammen 118 8— 1 4 6 4 6 10 4 11 9 8 10 3 Geldbuße Mark 2 297 1 300 5 836 1816 2 516 4 017 2 400 1904 1615 1211 1 940 1357 28 229 Sprachen wir im vorjährigen Bericht unsere Genugthuung darüber aus, daß das„Gros der Verbrecher" aus de» sich häufenden Verurtheilungen wegen Majestätsbcleidigung nicht von unseren Parteigenossen gestellt werde, so können ivir feststellen, daß von de» zahlreichen in diesem Jahre erfolgten Verurlheilungen wegen Majestälsbcleidigung ans unsere Partei nur 7 entfallen. Bei der schivierige» und gefahrvollen Thäligkcit unserer Parteigenossen werte» bei größler Vorsicht solche Einzelfälle vorkommen, zumal wenn man bedenkt, daß das Byzantiner- und Strcberthnm zn einer Bliilhe intfaltet ist, die jede Konkurrenz mit gleichen vorauf- gegangenen Geschichtsepochen aushält. Sind die die Gcnosien betroffenen Strafen auch mitunter hart, der Muth und die Ausdauer derselben wird dadurch n»r gestählt. Ohne Kamps kein Sieg._ Vevsannttlungen. (m ievi ausgeiiomuien IN loiiienoe» sieneii: woiisr. Barnlmslr. r»: Schiller,«ossul&oUrfir. 67; fflieliiect, Nicke, aHan tenfTelftr. 12a; H. Ztonigs. Dieffenbachstr. so. an den Voisiiiendcn Paul Mucke Ir., SO. Man- Zi»l>«>t»r s>II»>ino«ech>iI». Ter Unterricht beginnt in Nationalökonomie, Teichichle lind Ecscheslimde am 1». Oliober, abends U Uhr. JnfelUr. 10, v.>Tr. Thetlnehmcr werden schon jetzt aufgenonnnen in folgenden Stellen: Sottfr. Schulz, tztdiniralfir.«oa: Menl, Varnlnisir. e»: Schiller,....- Miillerslr. 7a; Paul Mücke illlle siuschrifle» sind an.________., tenffelslr. 128, Sildsendunge» a» den ttafftrer H. ftönltzi, 9. Diesfenbachsir. so, zn senden.. Arbeiter-Ziängrrbnnd Berlins und der Umgegend, vorfitzender: Adolf Neuuian», ZZrunnensiraße iio. Zllle Aenderungen im VereinSlälender find zu richten an Fricdr. Kortum, Manteuffelfir. so, v. 3 Tr. Die»(tag. abends»— n Uhr: Uebungssiunde und Aufnahme neuer Mitglieder. Steineiche, Mantenffel- straf!?»i bei Klapschutz.— Senefelder, Nosenthalerstr. 67 bei Babtcl.— «erechltgletl IWesten), Bülowstr. 6» bei Werner.— Olnmpta, Mariannen-llfer i, Restaurant Luxhof.— Hand in Hand T, Mariannen- straste«i bei Richter.— Kreuzberg, Hasenhaide 63 bei Bufchbeck.— Edelweist l, Melchtorstrabe 16 bei Stehmann.— Echo I, Ltnienstr. l» bei Reuinann.— Wiederhall, Sldmiralstr. 21 bei Schnieber.— Frei- heitll, Köpentck, Schönerltnderstr. o bei Schulz.— Myrthenblätter, Yosty- firabe 3 bei Kulina.— Jhn'scher Humor, Strauß r. i bei Wittwe Ro N nnerzagt Jl, Beusselstr. 8.— Frtedrtch'scherMännerchor, Schwedter- ftraße-Z det Wernau.— ssr« t e« Lied, Friedrichsberg, Friedrich- Karlstr. n bei Heinecke.— Rothe Steife I, Schöneberg, Wrunewald- straße 110 bei Obst.— RotheStelfe II, Ruppinerstr.«2 bel R. Rosin.— vorwärts IV, Rathenow, Jägerstraße is bei Engel.— Alpen» glocke, Eroße Franffurterftraße i»3 bei(Bold.— Etchenfranz. Prenzlau, Schnallastr. 2«, Restaurant Roulonsch.— Freier Tangerchor Blientcke, Köpenickerstraße bei Witte.— Weddinger Harmonife, Müllersir. 7», Mtlbr odi'K Festsäle.— Vorwärts Vin, Marwitz t. d. Marf, bei ff. Schurbaum.-• So ncordia, Hollmannstr. 33 betHensel.— Freie Sänger III, Heegermühi« bei EberSwalde.— Frohsinn I, RuminelSbura, Söthe- u. Kantstraßen- Eck« bei Mertens.— Acac te tgeniischter Chor), Oranlenstr. ist bei Theodor Metzner. — Wtlm ersdorfer Liedertafel, Wilmersdorf, Berlinerftraße tl, Klingenberg's Vollsgarten.— Freie Feldblume, Wrangelftr. ta, Restaurant — Junge Eiche, Reinickendorf,«olonieslraße it? bei Anton.— Frei» Feldblume, Wienersir. si bei Klein.— A rt o n II sHandschuhmacherl, Branden- burga. tz., Hauptstraße, Winlel'S Salon.— Or an t e. Weißensee, Albrechtstraß« u. HeinerSdorfer Weg it.— Gesangverein der Enterbten. Swinemünderstr. 120 bei O. Bachgänger.— S a n g e S l u st II, Pasewaltersir. 3 bei 91. Reuinann.— FrethettSflänge I, Martarafenstr. 3 bei Frees?.— WetßeRose, Reinickendorf, Restdenzstc. loi a bei Malchin.— Arbiller- Maibund, Stowawe», Wallstraße bei Htemle.— vorwärts VII, RnmmelSburg, Kant- und Söthestraßen- Ecke bei BreveS.— Zündholz, Badfir. 32 bei Hilpert.— Alltanee, Oranienstr. 61 bei Helfer.— SlaSarbetler, Köpentck, Müggelheimstr. 29 bei W. Zetdler.— ES meralda, Koppenstr.«7 bei Enterich.— Kreuzberger Harmonie, Admiralstr. loa bei Möhring.— Oranienburger Vorstadt, Ackerstr. 123 bei Tiefe.— Eangesblüthen, Srautstr.» bei vöttcher.— M e l o d i a II, Pappel-Allee llt im Restaurant. Kund der arsrUigr» Ardeiternerein» Kerlin» und der zimgegend. vorsttzendcr P. G e n t, TreSdenerstr. 107/8. Alle Aendcrunge» im vereinifalender stnd zu richten an: H. Bendtr, Alerandrinenstr. 100.— Geselliger verein Deutsche Eiche, Fürbringerstraße, bei Grothe.— Spar- und Unierstützungs- verein Freundschaft, tzllcrandrinenstraße sab bei Dietrich. Arbelter-ßlaucherbiind Kerli»»»ttd der Nmgrseiid. Aenderungen Im «ereinslalender stnd zu richten an Hermann Braunschweig, Dresdenerftr. 30, 2. Hof. Nienstag: Rauchflub Eldorado, Grüner Weg 26 bei Ebeltng.— Rauchfl. Grüne Eiche, Urbanstr. 87 bei Schneider.— Rauchfl. TeutscheFlagge, Wrangelftr. 3» bei LufaS.— Rauchtlub A m b a l e m a, Forsterstr. 18 bei Uckel.— Neuer Berliner Rauchflub, Reichenbergersir. lt8 bei Trogge.— P h ön ir. Schöneberg, Afaztcnstr. i« bei Bischof.— Domingo, Waldemarstr. 1« bei Tauchert. Rothe»tose, Bocckhsir. 21 bei Krebs.— v e i l ch e n d u f t, Hennigsdorser- straße« det Günther.— K 0 l l e g t a, Reichenbergersir. 167 bei Bergner.— StniafeitI, Rixdorf, Hermannstr. 232 bei Wolf.— v e r« n if a, Siattbor- straße bei Rai,.— Rauch an, Bdalberlstr. 16 bei Teichert.— Kamerun, Wetdenweg 22 bei Fialfowsfn.— P a l m e r t o, Bernauerstr. l» bei Rolosf.— Korea, Weidenwcg 87 bei Reckzeh.— Waldmet st er, Jmanueltirchstr. 12/18 bei Schleicher.— Neuer Hain, Langenbeckstr. t bei Techtmeier.— Bruder- b u n d, Grünauerstr. 6 bei Güllowsly.— Blüthendust, Cotheniusstr. l bei Fedtle.— Ruhtga, Gräfestr. 6 bei Behrnd.— Kräftiger Zug, Manleufsel- straße«9 bei Schenf.— Lange Pfeife, Friedrichsberg, Runimeisburgerftr. 2» bei Weichsel.— BlaueWoltel, Reintckendorferstr. 66 bei Jahn. «Zelaiig-. Turn»»ind gesellige Kerei»». Aiensta«. Männer-Gesang- verein Fesler Wille, Alexandrinenstr. 32 betDielrtch.— ArbeUer-Zilheroeretn Einig tett, Reichenbergerstr. 18 bei Lehmann.— Mnstloerei» Ostri«, Wrangelftr. n bei Blum.— Flugtaubenoeretn Vorwärts- Nord, Ackerstr. l? bei Reuter.— BergnügungSveretn Fortuna, Blumenftr. 88 bei Weiß.— Mufil verein Norddeutsche Klänge, Swinemünderstr. hl bei Renter— Ztlherveretn T y r o l, Martannen-Ufer 2 lm Restaurant Lurhos.— Quarletlvereln Weddtng. Ehausseestr. 72 bel Meißner.— Prtoal-Theater- gesellfchast E o n c o r d t a. Elilabethstr. 30 bei Scholz.— Wünsch' sch er gem. E h o r, Rosenlhalerstr. 67 bei Babtel.— Geselliger Klub Ton Juan, Linden- straße 108 bei Fritz Zubetl.— Thealerverein Freier Wille, Admiralstr. 180 lMärlischer Hof).— vergnügungsoereln Feldblume. Manleusfelstr. 8 bei Rowack.— Gesangverein Schtldhorn, Usedomstr. 33 bei Olböler. s— Turn- verein Osten, LehrlingS-Abthetlung abends 8jj— 10 Uhr Blumenstr. 68a. Arbeiter S»rnrrt>u»d. Dienstag: Turnverein F i ch t e, Berlin. Abend» von 3—10 Uhr: 2. Mönnerobtheilung Sfalttzerstr. 66/63.—«. Männerabthetlung Slephanstr. 3.— 6. Männerabtheilung Ackerstr. 87.— 8. Männerabthetlnng Slallschreiberstr. 6».— 1. Lehrttngsabthetiung Friedenstraße 37.— 3. Lehrlings- abiheilung Boeckhstraße 21.— l. Tamenablhetlung Marionnenuser ia.— Männer- Turnverein Eiche, Köpenick. NebungSstunden: Abends 8—10 Uhr, tn Klein's Hotel(WtlhelmSplatz).— A r b e t t e r- Tu rn v e r e t n(Adlershof) von 8)j— lojj Uhr abend» tn Köpentck, Rudowerstraße bei Scheer.— Frei» Turnerschaft Rirdorf-Britz, 1. Schüler-Abtheilung von ssj—»ij Uhr, l. Männer- und Lehrliugs-Ablheilung von«Zj— lojj Uhr bei Wtrstng. Knesebeck- straße li3. Lese-»»d Di»bntirkl»b». Süden, Schönleinstr. 8 bei Ewald. Oeffentliche Versammlungen 3 snzillldeiiiskrlltijlheil Parteigtilcheil und toflinitot Berlins am Dienstag, den IL September, abends 81» Uhr, in folgenden Lokalen: I. Kreis:„Armnchallen", Kommattdantenstraße 20» 2. Kreis:„Bockbrauerei" am Tempelhoferberg. 3. Kreis:„Ressource", Kommaitdautenstr.£>7. 4 Kreis:„Siecheres Säle", Rndreasstr. 21. F. Kreis:„Brauerei Bötzow�, Prenzlauer Allee 247. 6. Kreis:„Kolberger Salon", Kolbergerstr. 23. Tages-Ordnung: 1. Berichterstattung von der Brandenburger Konferenz. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Mit- gliedes der Agitationskommission und des Zentral-Wahlkomitees. 4. Stellungnahme zum Hamburger Parteitag. 5. Wahl der Delegirten zn demselben. IjW" Dll dieser Parteitllst Beschliijst zn sllsseil hllt, die fir die Pilktei m weittrilgeilder Bedeiltililg find, so lst es nothioeildig, daß alle Auoisea\\\ den Bersaiilinlnilgen erscheinen. 213/16 I>ie Vertrauenspersonell. Deutsch. Metallarbeiter-Verband (YerwaltnnsMtelle Berlin). Mittwoch, den 15. September, abends 8l/2 Nhr: Bezirks-UersammBung für «esundbrunneK. Rosenthaler, Schönhauser». Prcazlaver Borstabt im„Swiliemüudcr Gescllschaftshaus«, Swinemünderstraße Nr. 42. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen 8n»««enl»noli über:.VerfassungSkämpfe and Dcinagogen-Bcrfolgung". 2. Diskussion. 3. Bcrb an dS an gclcg cnh citcu. jfMT' Die Kollege» werden dringend ersucht, zahlreich»nd pünktlich zu erscheuien. slvv/kj__ DI« Ortuvcrwaltnwg. Allitiliig! Putzer. Am Mittwoch, den 15. September. abenbS«V, Uhr, tm Lokal .Königsbunk-, Große Frankfürterftr. 117: Geffettkl. VerfÄinnrlung dkl Puhtr Derltiis iiild Umgegend. TageS-Ordnung: I. Bartrag des ReichStagS-Abgeorbneten Bovert Schmidt. S. Bericht der Kommission. AM- Kollegen! Euer Erscheinen ist Pflicht. Kommt Mann für Mann und zeigt, daß Ihr gewillt seid, für Eure Interessen einzutreten. Ble I-ohnkeninilaalon. AHM. DkMer Tnmim-Vtttin. Mitglieder-Versammlungeu: Filiale Stiel: Mittwoch, den 15. September. abenbS«'/, Uhr. bei Zubell, Lindenftrafte 106. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn I>r. Silberstein über: .Die Entwicklungsgeschichte des Menschen". 2. Diskussion. 3. Vereins- angelegenheiten.„.._ Filiale Kord: Donnerstag, den 16. September, abenbS»/t Uhr. bei Bubiel, Rosenthalerstraste 57. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiien. Gäste willkommen. 177/15 Ble Orts Verwaltungen. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Brauche Parkettbodenleger. 293/3 Mittwoch, 15. Septbr., abends S1/- Uhr, bei Zubetl, Lindenstraße 106: Btrtrilnensiiiännerfidnng m. d. Werkßntt-Kentrollkommisfien Tages-Ordiiuiig: Die Situalion bei Noseiifcld u. Cic. LcrschiedencS. Vlikei» n. gsäsili.nsdeilei' u.Arbeiteiinnen Deutschlands(Filiale Berlin I). Am Donnerstag, den 16. September, abends 8»/, Uhr, tm Lokal des Herrn BolTniunn, Alexanderftraße Nr. L7e: IM" Mitglieder-Versanuulttttg."WU D a g e S- O r d n u n g: 1. Geschäftliches. 2. Vorkrag des Herm Wngner über:.VolkS- btldmig und Klasienbewilßtsrin".'3. Diskussion. 4. Verschiedenes. WM" Die Kollegen,' welche noch Villcts oder Sammellisten im Besitz haben, werden dringend ersncht, diesewen abzurechnen. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht 102/5 __ Ple Terwnltnng. Fachverein der Holz- und Bretterträger Berlins nnd Umgegend. Am Sonntag, den IS. September, vormittags lOV: Uhr, tm Lokal des Herrn Wilke, Andreasstraße 26: gf Mitglieder-Versalnmtnng.?? Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom Stiftungsfest. 4. Ver- einSangelegenheiten und Verschiedenes. Neue Mitglieder iverdcn aufge- nommen. Gäste haben Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet 8444 Ber Torstand. Mung! Töpfer. Achtung! onnerstag, de» 16. September, abendS 6 Uhr, im Lokale»Altes Si Donnerstag, de» 16. September, Schnbenyausa, Linicnstraße Rr Große öffentliche Versammlung Tages- Ordnung: I. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Genosse» J. Aner. 3. Ge« werlfchaftliches. 3. Verschiedenes. 194/3 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Bertranensmann: Franz Pehl, Schönhauser Allee 63. Männer-Bortraa Mittwoch, den 15. September, abends 8'/, Uhrde: I blitz, Badstraße 19, mit a»at»«»sche» Lichtbilder», vorgetragen vom prakt. Naturhetlk. btrnndmann. Gäste willkommen. Eintritt 20 Pf. Der Berein für Körper- und Naturheilkunde. Alcxanderstr. 8. Unsere nawrärztlichen Sprechstunden stnd täglich von 11— 1 und S— 8, Sonntags von 11—12 CnBin'5 Festsäle Beuthstrasse 20. Meine eleganten neu renovlrten Festsäle mit Bühne, bis 1000 Personen fassend, sind noch an einigen Sonnabenden und Sonntagen zu vergeben. 3004L* B. CUnzef, Lothrlngerstr. 52. Läsiallc, Marxzc. tu Cigarrewpitzeii, Picisen, Nabeln, Blochen, Knöpfen, Büsten, Bildem u. dgl., sowie jede Diechslerwaare n. Repar.(Man vcrl. Prciskiiraiit.) Hygienische lirnsieit. lelepbell-klulläsebätaer von Bolze& Co., Berlin S. 59, Amt IV. 2398. per Dutzend Mk. 6.—._ Wiederverkäufer erhalten Rabatt. jlölb I« Lnmlnlde!« j| Roland Cheviot!| Unverwüstliche u. echtfarblgc Spezialitäten der Firma Carl H. Klippstein& Co., Mühlhausen i.Thür. 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Sowohl die Erörterung der von der Brandenburger Konferenz gefaßten Beschlüsse als auch die auf der Tagesordnung stehende Stellungnahme zum Hamburger Parteitag sind Gegenstände von solcher Wichtigkeit, daß sie das Interesse und die Betheiligung eines jeden, der zur Sozialdemokratie zählt, erforderlich machen. Versäume daher niemand den Besuch der heutigen Versammlungen! Sie werden in solgendcn Lokalen ab- gehalten: l. Kreis:„Arminhallen", Kommandantensir. 20. 2. Kreis:„Bockbrauerei" am Tempelhoferbcrg. 3. Kreis:„Ressource", Kommandantenstr. S7. 4. KreiS:„Stechert's Säle", Andreasstr. 21. d. Kreis:„Brauerei Bötzow", Prenzlauer Allee 247. 6. Kreis:„Kolberger Salon", Kolbergerftr. 23. Gin großes Polizeiaufgebot halte wieder die Partei-Konferenz im Gefolge, die Sonnlag im Lokal von Keller, Koppenstraße, tagte. Wohl a» zehn Beamten hatte» in einem Zimmer im Erdgeschoß Platz genommen und mußten nun hier, geplagt von der tödtlichsten Laugeweile, warten, bis nach langen Verhandlungen unsere Partei- genossen Schluß gemacht hallen. Es wird natürlich kaum jemand «inen vernünftigen Grund für solche Maßnahmen finde», um so mehr, als man jede Erklärung für die ängstliche Fürsorge der Polizei vermißt. Schließlich sind solche Dinge mehr von der heitere» als von der ernsten Seile aufzufassen. Durch ein Stiil? Arbcitcrbchandlnng von der Sorte, wie sie jetzt vielfach in Unternehmcrkreisen für die allein angebrachte er- achtet wird, hat die Betriebsleitung der elektrischen Straßenbahn von Siemens u. H a l s k e sich gewiß an leitender Stelle Ruhin und Ehre erworben. Die Sache liegt so. Vor einiger Zeit ist der Dienst der Schaffner und Wagenführer um etiva 2>/e Stunden täglich verlängert ivordeii, ohne daß die Direktion sich gemüßigt gesehen hätte, diese genieingesährliche Maßregel irgendivie zu begründen; auch ist den Angestellten nicht die geringste Vergütung für die ihnen anfoktroyirte Mehrarbeit zu theil geworden. Die Arbeitszeit-Verlängerung hat beivirkt. daß im ganzen je sechs Führer und Schaffner überflüssig geworden sind, was einem jährlichen Mehrgewinn von mindestens 24 000 Mark gleichkonimt. Die Wagenführer kamen bald zu der Ueberzeugnng, daß diese enorme Berlängerung der Dienstzeit auf ihre Gesundheit sowohl als a»ch auf die Sicherheit des Publikums von nnveraut- wörtlich schliiinner Wirkung war, so daß es ihnen als Gewissens- Pflicht erschien, bei der Betriebsleitung um Aufhebung der Verderb- lich n Maßregel vorstellig zu werden. Bon de» 41 Beamten der genannte» Kategorie unterzeichneten daher 40 eine Bittschrift, in welcher in gesetzten Worten die schlimmen Wirkungen der ein- geführten Neuerung betont waren und um Wiedereinführung der früheren D i e» st z e i t gebeten wurde. Nachdem, wie gesagt, alle Wagenführer bis auf einen dies Gesuch unterschrieben hatten, wurde das Schriftstück dem Hofverwalter übergeben, damit dieser eS an die Betriebsleitung weiter befördere. Das war am Mittwoch voriger Woche. Die Petenten warteten einen Tag und noch einen Tag auf Antwort, thaten nach wie vor in Ordnung ihren Dienst, doch blieb ihre Hoffnung, daß das ab- gesandte Schreiben wenigstens einer Antwort gewürdigt werde, unerfüllt. Da geschah am Sonnabend Mittag etwaS völlig Unerwartetes. Zu aller Erstaunen erließ die Betriebsleitung an vier Wagenführer den Befehl, sofort den Dienst zu q u i t t i r e n und ihre Sachen an die Verwaltung abzuliefern. Sie erhielten, ausgenommen die„Prämien", die sie erst beim Ge werbegericht einklagen müssen, den schuldigen Monatslohn ausbezahlt,»nd dann hieß es: Herunter vom Platz! Die Entlassenen, unter denen sich ein mit zwölf Kindern gesegneter Familienvater befindet, wissen nicht, aus welchem Grunde gerade s i e von der Fuchtel getroffen worden sind; sie vermuthen, daß die Betriebsleitung nach Empfang des Bittfchreibens nur blindlings ein Exempel statuiren und heilsame» Schrecken unter den Angestellten verbreiten wollte. Trotz dieses ebenso euergischen wie niederträchtigen Vorgehens — vielleicht auch gerade wegen dieser Großthat— halte das böse Gewissen der Verwaltung aber doch noch keine Ruhe. Denn am Sonntag Morgen hatte man sämmtliche Kontrolleure milsanunt dem Betriebsleiter, sowie außerdem noch einige Leute von der Strecke auf den Hof kommandirt, um für den wahr- scheinlich erwartete» Fall, daß die empörten Wagenführer aus- ständig werden sollten, gleich den nothdürftigen Ersatz zur Stelle zu haben. Die Befürchtung der Betriebsleitung erwies sich als unbegründet; sie konnte ihre Streikbrecher in sxs bald wieder nach Hause schicken. Die von der Dezimirung verschont gebliebenen Wagenführer thaten, wenn auch vielleicht zähneknirschend, doch in Ruhe de» gewohnten Dienst, als ob nichts vorgefallen wäre. Möglich ja, daß auch diese Arbeiter- kategorie endlich der Erkenntniß näher gerückt ist, daß mit Demnth und Bitten vom Unternehmer auch nicht das Schwarze unter dem Fingernagel zu erreichen ist, und daß der Arbeiter sichorganisiren muß, wenn er das Ausbeuterthum zur Erfüllung der selbstverständlichen Pflichten der Menschlichkeit veranlassen will. Borab aber blieb, wie gesagt, alles beim alten. Die Betriebsleitung der Firma Siemens u. Halske mag sich ihres Triumphes freuen. Sie kann des Beifalls aller ordnungs- stützenden Profitwiitheriche sicher sein. Mag die neue Maßnahme zur Erhöhung des Geschäftsgewinnes auch mit einer Vermehrung der Betriebsunfälle, mit so und so viel verkrüppelten und vcr- nichleten Menscheuleben erkauft werden— was thul's? Es sind ja nicht die Direktoren und Betriebsleiter, welche wegen solcher Fälle auf die Anklagebank müssen, sondern die vor Ermattung llnachtsam gewordenen Wagenführer! Zniu Kapitel„Sozialdemokraten als Arbeitgeber" erhalten wir folgende Zuschrift: Ihr« in der SonntagSnummer des„Vorw." an mein« Berichtigung geknüpfte, der„Med. Reform" entnommene Notiz zeigt mir erst deutlich, auf welche angeblich von niir gethan« Aeußernng von jener Seite hingezielt wird. Aerzt«»nd Delegirte der„Orts-Krankenkaffe für Handlungsgehilfen und Lehrlinge' waren behuss Feststellung eines neuen Vertrages für das Verwaltungs- jähr 1396 i» einer Kommission thätig. Dort wiederholte ich eine auch schon früher von mir geäußerte Meinung, die fast wörtlich lautete:„Wir Delegirte der HandlungSgehilfen-Kasse betrachten die schwebende Frage als eine rein kaufmännische. Demgemäß gelten Ihre Reden als Offerten und wir werden nur mit den Aerzten kontrahiren, die uns die meisten Chancen bieten und deren Forderungen unseren pekuniären Verhältnissen entsprechen.— Nur so und nicht anders lauteten meine Ausführungen, für deren richtige Wiedergabe ich eine Zahl einwandsfreier Zeugen herbei- schaffen kann. B. Maaß. Im übrigen ist es wohl erklärlich, wenn in einer Debatte, wo auch von den Aerzten mit verletzende» Angriffen nicht gespart wurde, auf der anderen Seite die Antwort gereizt und herbe ausfällt. Marken der Berliner Privatpost-Gesellschaft, die bekannt- lich ihren Betrieb seit zirka drei Monaten eingestellt hat, sind noch ja großen Mengen im Umlauf. Wir machen darauf aufmerksam, Ks Lmmls" daß diese Marke» nur noch bis zum 15. September bei der Packet- fahrt-Gesellschaft Giltigkeit haben und bis zu dem genannten Termin als Werlhzeichen der Gesellschaft anerkannt werde». Alle Briefe, die nach dem 15. dieses MonatS aufgegeben und mit Privatpost- marken versehen sind, gelten als unfrankirt. Die ehemalige Privat- post-, jetzige Berliner Speditions-Aktieu-Gesellschaft leistet sür die »nentwerthetcn Marken und Karten bis zum 15. Dezember Entschädigung. WaS der Spielteufel alleS soff. Es wird berichtet: Der Ausschuß für die Erhaltung des Botanischen G a r l e» s als Park hat jetzt nach Beendigung der Ferien seine Thätigkeit wieder ausgenommen und beschlossen, mir der Stadt Berlin wie auch mit der Gemeinde S ch ö n e b e r g ans's neue V e r- Handlungen einzuleiten, um seitens beider Gemeinden die Zu- sage von Beiträgen für de» eventuellen Ankauf des Gartens zu er- lange», daneben aber auch die vorbereitenden Schritte für die Veranstaltung einer Lotterie zu thnn, um so mit allen Mitteln zu versuchen, den Garten in seinem volle» Umfange als Park sür den Westen Berlins zu erhallen. Die Lotterie, für welche man mit Zuversicht auf die Genehniiguug des Kaisers hofft, soll auf eine längere Reihe von Jahren ausgedehnt werden, damit sie einen erheblichen Zuschuß zu dem Kaufgeldfonds beilrage» kann. Im übrige» giebt sich der Ausschuß auch der sichere» Erwartung hin. daß in anbetracht aller in Frage kommenden Umstände der F i n a n z m i» i st e r die Höhe des veranschlagten Kaufpreises schließlich doch um ein Erhebliches herab- minder n werde." Es würde wenig der Würde der Stadt Berlin entsprechen, wen» sie in der Angelegenheit der Verwüstung des Botanischen Gartens sich auf die vom„Ausschuß" arrangirten Mätzchen einließe. Die Sache liegt jetzt so, daß dem preußischen Staat die volle Ver- autivortung für den von seinem Finanzminister angedrohten Van- dalismus zufällt, und dabei mag es bleiben. Ter im 8S. Lebcnöjahr verstorbene Komponist Mnsik- direktor Wilhelm Heiser wurde Sonntag Nachmittag von der Leichenhalle des neue» Schöncberger Kirchhofs zur Ruhe bestaltet. Unter den zahlreichen Kranzspendeii fiel vor allem ein Kranz aus Haidekraut mit dunkelrotheu Rosen aus, der dem Komponisten des „Haidegrabes" gewidmet war. — Die endgiltige Bildung der Berliner RettnngSgrsell- schaft wird der„Med. Ref." zufolge am 16. d. M. statlfiude». Am 1. Oktober sollen die Hauptwachen in sämmtlichen öffentlichen Krankenhäusern eröffnet werden. Ans dem Bahnhof Alcxanderplah ist gestern Vormittag zehn Uhr der Schlosser Paul Gehrich schwer verunglückt. Er ist bei der Firma Kammerich u. Comp, beschäftigt, die das große Wellblechdach der Stadtbahnseite reparirt. Gehrich trug in Gemeinschaft mit dem Arbeiter Kargemann eine Anzahl schwerer Wellblcchplatten von der Straße auf den Perron, wo sie neben dem Geleise placirt wurde». Er legte eben wieder seine Last ab, als ein Zug herankam und die letzte Platte an einer etwas überstehenden Ecke erfaßte. Statt das Wellblech loszulassen, wodurch der Unfall verhütet worden wäre, hielt Gehrich dasselbe fest und wurde nun mit furchtbarer Gewalt zwischen die übrige» Platten geschleudert, wobei ihm der rechte Fuß fast abgeriffen wurde. Nachdem dem Unglücklichen der erste Nolh- verband angelegt war, wurde Gehrich in einer Droschke nach der königlichen Klinik in der Ziegelstraße gebracht, wo die Verletzung als eine so schwere erkannt wurde, daß man auf der Stell« zur Amputation des Beines schritt. Gehrich ist verheiralhet und etwa 32 Jahre alt. Straßensperrung. Die Soldiner Straße von dcr Wriezener Straße bis zur Prinzen-Allee wird behufs Umpflasterung bis aus weiteres für Fuhrwert und Reiter gesperrt.— Die Weißenbnrger Straß« von Metzer- bis zur Belforter Straße wird behufs ASphaltirung ebenfalls bis auf weitere? für Fuhrwerke und Reiter gesperrt.— Die Straß« „An der Schleuse" von der Kleinen Jungfernbrücke bis zur Schleusen- brücke wird von heute ab, die Fehrbelliner Straße vom Weinbergsweg bis zur Veteranenstraße vom 14.,»nd die Landsberger Straße vom Büschingplntz bis zu den Grundstücke» Nr. 19 beziv. 100, sowie der Kreuzdamm der Landsberger-, Pallisaden- und Mehnerstraße vom 15. ds. Mls. ab behufs Umpflasterung für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Ein schnicre»! Radfahrcrnnfaff ereignete sich Sonntag Nachmittag anläßlich der von de» Radfahrergane» 20 Berlin, 1 Hamburg und 31 Schlcswig-Holstein veranstaltete» Fernfahrt Hamburg-Bcrlin. Der 50 Jahre alte Hauseigenthümer C. Lemke, Berlin, Admiral- straß« 27 wohnhaft, wollte seinem an der Wettfahrt theilncdmende» Sohn entgegen fahren. Eine Meile hinter Spandau, beim Chaussee- Hause Staaken, stieß er auf seinem Fahrrad heftig mit einem ihm entgegenkomnienden Radfahrer, dem Justizanwärter Emil Plessow aus Golitz bei Wachow im Kreise Westhavelland zusammen. Während dieser völlig unversehrt blieb, hat der andere sehr schwere Ver- letzungen davongetragen. Herr Lemke stürzte und blieb eine zeillang hilflos auf der Chaussee liegen; das Blut quoll ihm ans Mund und Nase; an der Stirn hat er eine tiefe Wunde. Der Spandauer Rad- fahrerklub„Germania", der von dem Unfälle erfuhr, sorgte dafür, daß der Verunglückte in das Spandauer Krankenhaus geschafft wurde. terr Lemke Halle auch bei der Einlieferung in Spandau seine Be- nnuug noch nicht wiedererlangt. Er hat dem Anschein nach auch eine schwere Gehirnerschütterung davongetragen. Man sagt, er sei von dem anderen viel jüngeren Radfahrer geradezu überfahre» worden.— Bei der Fernfahrt traf der erste Fahrer nach 10 Stunden 27 Min. Fahrt— Strecke 260 Kilometer— am Ziel in Staaken ein. Die Sieger waren M e y e r- Berlin, Slots ch-Kpritz und G r a e b e r- Brandenburg. In der Wohunng ihrcS Bräutigams zu erschießen versuchte sich am Montag Nachmittag gegen 6 Uhr die 24 Jahre alte unverehelichte Johanna Rothganger. Das Mädchen, das in der Großen Hamburgerstraße 33 bei der Mutter, einer Frau Feibusch, wohnte und in dem Wäschegeschäft von Schloßmann, Neue Friedrich. straße 59 beschäftigt war, unterhielt seit drei Jahren ei» Liebes- verhältniß mit dem Rechtsanwalt M. aus der Rosenlhalerstr. 42. Die Zuneigung des Rechtsanwalts wurde aber in der letzten Zeit kühler, und die Briefe blieben endlich ganz aus. Das junge und sehr energische Mädchen wollte sich damit aber nicht zufrieden geben und entschloß sich, lieber in den Tod zu gehen. Gegen 3 Uhr kehrte es i» die Wohnung der Mutter zurück, nahm ein Bad, legte frische Wäsche an. um angeblich eine Steife zu machen. Das merkwürdige Benehmen deS Mädchens war der Mutter auch wohl aufgefallen, sie wußte aber hierfür keine Er- klärnng. Von der mütterlichen Wohnung suchte die R. noch eine Freundin auf, die sie von ihrem Vorhaben unterrichtete. Trotz Ab- ralhen der letzteren begab sie sich gleich nach 5 Uhr in die Wohnung des Rechtsanwalts. Hier zog sie die Waffe und jagte sich plötzlich eine Kugel in die rechte Schläfe. Schwer verletzt wurde das junge Mädchen mittels eines Kopp'schen Wagens einem Krankcnhause zu- geführt. Im Ostend-Theater gab es am verflossenen Sonnabend eine ganz besondere Feierlichkeit. Das Rührstück„Unsere Reichspost" wurde zum hundertsten Male gespielt, und bei der Gelegenheit ließ es die Direktion sich nicht nehmen, dem zahlreich versammelten Publikum ein kleines Augebinde in Gestalt eines Briefes zu über- reichen, der einige launige Verse zum Andenken an das Jubiläum enthielt. Von den Logen aus revanchirte man sich durch zahlreiche Blumenspende», an der Kunstler, Direktor und Verfasser de» gleichen Autbeil halten.— Mittwoch findet die letzte Aufführung von „Unsere Reichspost" statt.— Donnerstag bleibt das Theater wegen Vorbereitung zur Novität, geschlossen.— Freitag ist die erste Auf- sührung von.Jugendbronnen oder New-RnmmelSburg". � DitWg, 14. SeMbtt 1897, Aus de» Nnchbarorte». Zu Tegel war am Sonntag großer PatriotenschmauS. Man weihte ein Denkmal für de» große» Wilhelin ein. Landrath Stnbcnranch für die Freiheit der Hnnde. Der Amtsvorsteher von Friedenau hatte dem Landrath eine Polizei« Verordnung zur Genehmigung unterbreitet, welche den Maulkorb« zwang für alle Hunde von über 40 Zentimeter Schulterhöhe aus« spricht. Hierauf ist nun der Bescheid ergangen, daß eine Genehmigung nicht erforderlich sei, weil die Höchststrafe für Zuwiderhandlungen nur 9 M. betragen solle. Im übrigen aber hat der Landrath er- klärt, daß er der Absicht der Gemeindevertretung zwar nicht ent« gegentreten wolle, ein Bedürfniß für den Maulkorbzwang in dem stillen Friedenau aber nicht anerkenne» könne nnd die Genehmigung nicht ertheilt habe» würde, wenn er sie auszusprechen gehabt hätte. GevirTzks""ÄoMmig. Ein betrübender Unglücksfall lag einer Anklage wegen fahr- lässiger Körperverletzung� zu gründe, die gester» den Buchbinder- meister Georg E» d e r s vor die I. Ferien- Strafkammer des Land- gerichts I führte. Der Augeklagte verwendete in seiner Werkstatt eine der bekannten Papierschneide-Maschinen, bei denen das Messer durch eine Hebelbeweguug in Thätigkeit gesetzt, aber durch ei» beweg- liches Gegengewicht in der Schwebe gehalten wird. Eines Tages wollte der Buchbindergeselle Farkas auf der Maschine einige Papier- Blocks beschneiden, als das Schneidemesser plötzlich vorzeitig herabfiel und dem Gehilfen zwei Glieder des rechten nnd ein Glied des linken Zeigefingers mit einem scharfen Schnitt abtrennte. Der Bedauernsiverthe hat längere Zeit krank gelegen nnd ist für die Zeit seines Lebens verkrüppelt. Die Staats- anwaltschast wollte den Angeklagte» für den Unfall verantwortlich mache»»ud warf ihm vor, daß er den betr. Gehilfen nicht in ge- nügeuder Weise auf eine vorsichtige Handhabung der Schneide- Maschine, die sich erst seit wenigen Tagen in der Werkstatt befunden, hingewiesen habe. Die Beweisaufnahme ergab aber keinerlei Momente, die auf eine Pflichtvernachlässigung des Angeklagten deutete», und mußte deshalb seine lostenlose Freisprechung erfolge». In Breslau ist gestern die natlonal-soziale„Kollekte" für die Hamburger Hafenarbeiter vor das Schöffengericht ge- kommen.— Der wegen unerlaubten Kollektiretts angeklagte Professor Baunig arten in Kiel wurde aber nebst seinen Mitangeklagte» freigesprochen. Die Kosten wurden der Staatskasse aufgelegt. — Professor Baumgarten hatte bekanntlich mit anderen ein Flug- blatt zu gunsten der streikenden Hamburger Hafenarbeiter unter- schrieben. Bo» den Fortschritte» der preußisch-dcutscheu Pädagogik. Nach einer Entscheidung des preußischen Ober-Berwaltungs- gerichts beschränkt sich das de» Volksschullehrern zustehende Züchtignngsrecht nicht auf die Schüler, die der betreffende Lehrer il n t e r r i ch t e t, sondern auf die Schüler aller Klaffender- selbe» Schule. Auch findet es nicht etwa nur Anwendung bei Handlungen, die sich die Schüler während des Unterrichts oder innerhalb der Schnlräume haben zu schulden konnnen laffe»; vielmehr unterstehen die Schüler auch außerhalb der Schulzeit der Schulzucht. Ist das nicht ein herrliches Merkzeichen deutscher Geistesgröße Z_ VevsÄttttnUmgetK Der Streik bei der Firma Borstg war wieder Gegenstand der Verhandlung einer sehr stark besuchten Versammlung der Former und Berufsgenoflen Berlins, die am Sonntag den Kolberger Salon bis auf den letzten Platz füllte. Wie der Vertrauensmann der Fornier anführte, hat sich nnter de» Arbeitern dieser Branche gegen die bis- herige Taktik, daß die Arbeiten der Firnia Borstg auch während des Ausstandes in anderen Betrieben fertig gestellt werden dürfen, eine bedeutende Opposition geltend gcniacht, welche die Aufhebung dieses Beschlusses forderte. Die Vertrauensmänner sahen sich deshalb ver- anlaßt, eine Abstimmung in sämmtlichen in betracht kommenden Betrieben vorzunehmen. Diese Abstiunnung, die eine geheime war und bei der jede Beeinflussung auf das peinlichste vermieden wurde, ergab 231 Stinunen für die Beibehaltung der bisher geübten Taktik. während sich 409 Stimme» dagegen nnd für die Verweigerung der Borsig'schen Arbeit aussprachen. Außer diesen sind noch 134 Former beschäftigt, welche sich a» der Abstimnmug nicht bctheiligten. Die Debatte nach der Bekannlmachnng dieses Resultats der Ab- stimmnng war eine sehr lebhafte. Nach einer mehrstündigen Dis- kussion, in der die Befürworter der bisherigen Taktik sehr beachtens- wcrthe Gründe sür dieselbe ins Feld führte» und auch von den- jenige» Rednern, welche sich sür eine Aeuderung der bisher geübte» Kampfesweise aussprachen, eine ganze Reihe wohlbegründeter Argu- mente angeführt worden waren, wurde mit großer Majorität beschlossen, in alllen Betrieben die An»! fertignng der Arbeiten von der Firma Borfig zu verweigern. Der Beschluß wurde von den Versammelten mit einem wahren Beifallssturm begleitet. Nach einem weitere» Beschluß sollen auch die bereits angefangene» Arbeiten von der Firma B o r s i g nicht fertig gestellt werden, und wird der Verband die dadurch entstehende» Verpflichtungen über- nehmen. Ten unverheiratheten Kollegen wurde anHeim gegeben, bis zur Beilegung der nunmehr zu erwartenden Differenzen zwischen den Arbeitern und Unternehmern, Berlin sofort zu verlassen, ede Maßregelung derjenigen Arbeiter, die sich weigern, orsig'sche Arbeit fertig zu machen, soll mit der Arbeitseinstellung sämmtlicher in dem betreffenden Betriebe beschäftigte» Former be- antwortet werden. Die abreisenden Kollegen haben sich bei Ponillo» zu melden. Alle Mittheilungen sind an den Vertrauensmann z» richten. Nach einem kräftigen Appell des Vorsitzenden, der die Versammelten zur strengen Durchführung der gefaßte» Beschlüsse aufforderte, erfolgte der Schluß der imposante» Versammlung. Die Dimensionen, welche der Kampf, der sich bisher auf die Firma Borsig beschränkte, nach diesen Beschlüsse» einnehmen wird, sind vorläufig nicht mit Bestimmtheit zu beuktheile». Ter Verband der Manrcr(Zahlstelle Berlin I Putzer) hielt am 5. September seine regelmäßige Mitglieder- Versammlung ab, i» welcher K a u l i ch einen gut ausgebauten Vor» trag über Stand und Leistungsfähigkeiten der Gewerkschaften hielt. In der darauf folgenden ausgedehnten Diskussion stimmten alle Redner den Ausführungen des Referenten bei. Briefkasten der Redakkion. ANr bllle», bei teder Antrage eine Thifsre lzwei Buchsiaben oder«Ine Zahl) anzugeben,»nier der die Antworl«riheilt werden soll. Die juristische Sprechstunde findet am Montag, Dienstag «nd Sonnabend von 6 bis 7V> Uhr statt!!! Körften. Wegen Stoffandrangs bisher unmöglich; nächste Nummer. Unbekannter. Ihre Nachricht ist uns sehr interessant. Wir bitten»m Ihren Besuch oder um Bestimmung eines Rendezvous. Selbstverständlich wird die Angelegenheit mit vollster Diskretion behandelt werden. G. Ulrich. Es wäre uns lieb, wenn Sie enNveder mittags bis 1 Ubx oder abends zu uns kommen würden. ■ Sterngesellschaft. In der Mittwochsnummer. Weit««!- Prognose sl!»: Dienstag, den 14. September Ziemlich kühl, zeilweise heiter, vielfach wolkig, mit etwaS Regen »nd niäßigen nördlichen Winden. Berliner Wetterbureau. !ö«c den Inhalt der Inserate jubernimnit die Redaktion dem Pnbliknin gcgeiiiibcr keinerlei Verantwortung. Thvnkrv. Dienstag, den 14. September. NcueS kgl. Opernthcater/z Uhr. Schiller. Die Kmizelschrciber. Luise». Geschwister Fiedig. Anfang 8 Uhr. Residenz. Die Einberufung. An- fang 7l/z Uhr. Friedrich- WilhelmstädtischcS. Das Küihchcn von Heilbronn. Anfang 7-/2 Uhr. Thalia. Der Mann im Monde. An- fang 7»/, Uhr. Ostend. Unsere ReichSpost. Anfang 8 Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang 7V- Uhr. Rlexanderplah. Das LieVcSdrama einer Sängerin. Anfang 8 Uhr. Bclle-Zllliance. Spezialitäten. Ans. 8 Uhr. Apollo. Svezialitäten. Ans. 8 Uhr. Passage- Panoptikum. Indisches Dorf. SzsziNvv-Tlzoclkvv (Wallner-Theater). Dienstag, abends 8Uhr: DieKreuzel- schrriucr. Mittwoch, abends 3 Uhr: Weh dem, der lügt. Donnersma, abends 8 Uhr: Die Kreuzclschrciber._ Luisen-Theater 34. Rcichenbergerstraste 34. Novität! Abends 8 Uhr: Novität! Geschwister Fiebig. Modernes Volksstück in 8 Akten von Oscar Wagner und Hugo Haßkcrl. Musik von Frih Krause. ■Spy Billct- Vorverkauf im In- daiidcndank, Unter den Linden 24, und an der Kaste von 11—1 Uhr. Central-Theatep Alte Jakovstr. 30. Direktion Itlcliard SclinUz. Dienstag, den 14. September 1897: Emil Thomas a. G. Aum 11. Male: Berliner Fahrten. Burleske Ausstattungöpostemit Gesang und Tanz in 8 Bildern von Julius Freund und Wilhelm Manustäd t. Mnflk von Jul. Einödsh ofer. Anfang Vi" Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Berliner Fahrten. Ostettd-Theater. Gr. Frankfnrterstr.lZZ. Dir. C. Weist. Barle Ute Auffiihrnng. Zum 108. Male: Unsere Reichspost. BolkSstück mit Gesang in 4 Akten von R. Kneisel. Musik von C. Schüler. Anfang 8 Uhr. Bon 7 Uhr an: Gr. Frei-Konzert. Mittivoch: Zum letzten Male: Unsere Reichspost. Donnerstag: Wegen Vor- dereitung zur Novität geschlossen. Freitag: Zum l.Male: Jugend vronne», oder: Ncw-Nummelsburg. Burleskes charakteristischesZeitgemäldc mit Gesang und Tanz In 4 Akten von Tschirch u. Berg. Muflk v. G. Steffens BillctS von heute ab ohne Aufgeld an der Kaste.__ Apollo-Theater. Friedrichstr.»18. Die. J. Glück. Prinzessin Pocahuntas (Die indische Nachtigall). LroUisr» S«rra. Ttie Burnells. Der Affe als Ltlstgymnastiker Vrikllu u. vndoi».«r. lZürsiienni. Die 9 DtiiiZtimällllchttt �osepli Pdoiles Pantomimen- Iroupe Kastei>eröstntt»göl/,Uhr. Anf. 7>/zUhr. Mcaxar VaristS-Thoater I. Eanfres. DreSdenerstrahe 52/53(Eith-Pastage) Annenstrabe 42/43. Direktion Richard W t n k l e r. Vornehmster Familie»- Aufenthalt. Novität! Novität! Die Rosen aus dem Süden. Grobe AnsstattungSposte mit Gesang «nd Tanz in 1 Akt von W. Gerickc. Vorher: Neu! Vermischtes. Neu! Poste mit Gesang in 1 Akt v. R. Jonas. Auftr. eines durchweg neuen glänzenden Kün stler-Spezialitäten-Perf onals. 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Septbr.. starb unserMitgiied Oskar Hoppe an der Proletarierkrankhett. Ehre seinem Andenlen. Die Beerdigung sindet am Dienstag, den 14. Septbr., nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirch- Hofs aus statt. 191/6 Um rege Bethetltgnng ersucht Tie Ortsverwaltting. Todes** Anzeige. Am 11. Sept., abends 6 Uhr. ent- schlief sanft nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Frau«Ida Kühnelt geb! Daberiti. im Alter von 47 Jahren Die trauernden Hiuterbliebeiien. Die Beerdigung findet am Mitt- woch nachm. 5 Uhr von der Leichenhalle des St. Georgen-Kirchhoss vor dem Landsberg Thor aus statt. 51Kb Todes- Anzeige. Hiermit Kollegen und Bclannten die traurige Mitlheituna, dab mir mein lieber Mann, der Maurer August W egener, infolge Absturzes plötzlich durch den Tod entrisse» wurde Um stille Theilnahme bittet Die trauernde Wittwe Angnste Wegener geb Dickert. Die Beerdigung sindet am Dienstag um 4 Uhr von der Leichenhalle des neuen Lichtenberger Kirchhofes(am Kmizsteg) statt._ 517b Orts-Krankenkaffe der Sattler. Am 11. d. M starb nach längerem Leiden das Mitglied Ädolf Günther. Die Beerdigung findet statt am Mittwoch, den 15. d. M, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi-Kirchhvses, Rixborf, Hermannstrabe 77, aus. 5266 Der Borsiand. Für die Bethetligung und die Kranz- spende bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Ver- wandte» und Bekannten sowie dem Verein Kaisersscher Männerchor und dem Personal der Firma Bergmann u. Co. namens der Hinterbliebenen meinen besten Dank. b28b Ww. Angnstc Pietsch nebst Kindern. Danksagung. Für die zahlreiche Bcthciligung bei der Beerdigung unserer lieben Tochter Helene sowie sür die zahlreichen Kranz- spenden sagen wir nnscrn herzlichsten Dank. W. Zern nebst Frau j5l8b Die gegen Frau Helene Sicvcrt ausgesprochenen Worte nehme ich zu- rsick und erkläre dieselbe sür eine chrenwcrthe Frau. 525b _ Frau Hampel. Die Beleidigung gegen das Fräul. Anna Rahn nehme ich hiermit zurück und erkläre dasselbe für eine ehrenhafte Person. Hedwig Babing.[5156 Kranzbindcrel n. Blnmen- liRndlnng von 30528* Robert Meyer, .Vo. 2. Hariannenstr. Ao. 2. WidmungS-Kränze, Guirlanden, Ball- stränbchen, BouqnetS«. werden sehr geschmackvoll und preiswerth geliefert. Mlumenhandlung Kränze, Bniiuncts, Topf- gcivUchsc, Guirlanden etc. Billigste(Markthalleu-) Preise bei geschmackvoller Ausführung. Me�er's Lexikon oder Brockhaus, neuest. Aufl.', lief, vollst, unter den koulautest. Theilzahl. A. Stelner, Eharlottenbnrg, Pcstalozzistr. 106 d. MWtl Ijfjfitung. J. Kellermann,, Ao,,c i Jnkobstr. 26. Möbel verliehen gewesene und neue, ftauneud billig. Theilzahluiig gestattet. Bcamtcn ohne Auzahlliug. 29l7L* Neue Köiiigstr. 50. Sdllfifttillll)>«?!!/, 7. 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Vortrag von Frau Emma Helling über: Die Frauenfrage und das Kellne- rinnen- Elend in Deutschland. (Die Vortragende, welche sich eine Reihe von Jahren hindurch in Rub- land aufgehalten hat, wird auch über die dortigen sozialen Verhältnisse manches Interessante einzustechten wissen.) 2. WaS können wir thun, um den vorhandenen Mibständen in der Lage der Kellnerinnen wirksam entgegen zu arbeiten?(Dieter TheU wird zur öffentlichen Diskussion ge- stellt,) 3. Verschiedenes. 5196 I 2t.: O. E. Ulrich. Schönhauser Allee 29. Peuersteln" Pestsäle Alte Jakobslrasse 75. Cirossc nnd kleine Säle zu Versammlungen unentgeltlich, sowie zu Sommer- u.Winterfostlich- keiten h, kulanten Bedingungen. Kelchhnltige Abendkarte za solid, l'rcisen. Filsener nnd BUtzon-Bicr.* Meyer's Gesellschaftshaus, W., Boyenftraste 12. Empfehle meinen renovlrien Saal. biö 400 Peri fassend, z» Berfa»»«- liinge» u Festlichkeiten jeder Art; desgi BercinSzimmer. 50 Personen fassend Einige Sonnabende sind noch zu vergeben. 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In der Werkstatt von Helslg, Dunckerstr. 74 und Schönhauser Slttce 141 stellen lämmlliche Kollegen nach Ferligstelllmg ihres Alkordes wegen Lohndifferenzen die Zlrbcit ein. PacktMohtitleger. Die Firma Bosenkeld A Cie. zahlt auf dem Bau tVertlielin, Leipzigerstrastc. den Tarif nicht. Zuzug nach obige» Werkstellen ist fernzuhalten. 292/20 Die Ortsverwaltiing. Die ßorintr null Kttimchtr der Firma USf Borslg J_ haben Montag, den 23, tzlugust wegen Lohndifferenzen die Arbeit eingestellt. Zuzug nach betreffender Firma ist streng fernzuhalten! «.Müller, Genchtsstr. 31, Vertrauensmann.[63/4* Suchen sofort einen Dirtgenteu Gesangv.„Concordia" (M. d. A.-S-B.) zum Dienstag Abend. Zu erknndigeu Priiizeustrabe 12 im Nestaiirant. 5136 Bcrgolder, zugleich Farbigmacher, verlangt Mathicustr. 14. 520b Blousenhcmdett- Arbeiterinnen m. Probe-Arb. Verl. Enill lllaz- de Kosenthai, Kostüm- Zlblheil., Obenvallstr. 14/16. 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