Einzelpreis 20 Pfg. 4. Jahrgang Die Freiheit erfcheint morgens und nachmittags, Sonntags und Montags m einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zuftellung ins Haus für Groß- Berlin 10, M. im voraus zahlbar, von der Spedition felbft abgeholt 8,50 M. Für Boft bezug nehmen fämtliche Bostanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland und Desterreich 16,50 m., für das übrige Ausland 21,50 gugliglich Baluta- Aufschlag, per Brief für Deutschland und Desterreich 30,- 9 Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin C2, Breite Straße 8.9. Sonnabend, 2. April 1921 Nummer 152 Abend- Ausgabe Ste achtgespaltene Nonpareillegefle oder beren Raum koftet 5,- m. einschließlich Tenerungszufchlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2,-M., jedes weitere Wort 1,50 M. einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,20 m. netto pro Zeile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 m., jedes weitere Wort 1,- M Fernspreazer: Zentrum Nr. 15230-152 39 greiheit Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Der englische Bergarbeiterstreik 1 Million Ausständige Nach den letzten Meldungen liegen in ganz England die Bergs werke still. Ein Teil des Maschinen- und Pumpenpersonals führt bie Notstandsarbeiten aus, um das Ersaufen der Grüben zu ver hindern. Am Sonnabend sollen im ganzen Lande örtliche VerSammlungen der Grubenarbeiterverbände und der Transportarbeiter abgehalten werden, um den Delegierten Instruttionen für die Konferenz geben zu können. Der Personenverkehr auf den Eisenbahnen wurde eingeschränkt. Die Regierung will alle möglichen Vorkehrungen getroffen haben, um die Nahrungsmittelzufuhr zu den Städten in Gang zu halten. Die Vertreter der Transportarbeiter und der Eisenbahner ers tlären, daß sie sich mit den Bergleuten solidarisch erklären würben. Die Transportarbeiter haben für Dienstag, die Eisenbahner für Mittwoch eine Konferenz ihrer Delegierten einberufen. Dort soll endgültig darüber bestimmt werden, welche Maßnahmen die Organisationen zur Unterstügung der Bergleute zu treffen haben. Die Zahl der treifenden Bergarbeiter wird auf eine Million geschäft. Eine der ernstesten Ratastrophen London, 2. April. Wie die Blätter melben, find bereits einige Bergwerts schächte überflutet und zahlreiche andere stehen in Gefahr. „ Daily Chronicle" schreibt: Einige Minister seien der Ansicht, daß Englanb voz einer bez ezaketen Ratastrophen leis ner Geschichte feit Ausbruch des Krieges im Jahre 1914 tehe. Drohender Eisenbahnerstreit in Belgien TU. Brüssel, 2. April. Belgien wird durch einen allgemeinen Eisenbahnerstreit bedroht, ber durch die von der Regierung geplante Verminderung der Zu schläge für die Lebensmittelteuerung veranlaßt wird. Die Vertreter der Fachvereinigungen haben dem Minister erklärt, daß eine Herabjegung der Zuschläge einen allgemeinen Eisenbahner Streit zur Folge haben tönnte. Die Herabsetzung soll in diesem Monat noch nicht erfolgen, während im nächsten Monat ein doppelter Abzug stattfinden wird. Deutschland und Amerika Ueber das Verhältnis der Vereinigten Staaten von Nordame rifa zu Deutschland werden von Washington aus einander widers sprechende Melbungen verbreitet. In Paris melbet man von dort, im amerikanischen Staatsdepartement set erklärt worden, daß halbamtliche Verhandlungen zwischen der amerikanischen Kommiffion in Berlin und den deutschen Behörden über die Entschädigungsfrage eingeleitet worden seien. Deutschland habe den lebhaften Wunsch, daß Amerika an der Festsetzung der zu entrichtenden Summe beteiligt werde. Ein Reutertelegramm behauptet demgegenüber, von maßgebenden Regierungstreisen in Washington werde erklärt, die Stellung der Bereinigten Staaten gegenüber Deutschland sei die, daß Deutschsich nehmen und seine Zahlungsverpflichtungen, soweit es ihm land seine Verantwortlichkeit für den Krieg auf irgend möglich sei, erfüllen müsse. Wie eine„ amtliche Stelle" zu diesen Nachrichten mitteilt, habe ber amerikanische Geschäftsträger mit einer„ maßDes gebenden Persönlichkeit" Auswärtigen Amts eine Unterredung geführt, morin die Wiedergutmachungsfrage gestreift worden sei. Die amerikanische Regierung als solche habe nicht wieder den Wunsch geäußert, in in der Wiedergutmachungsfrage zu interpenieren. Es wird weiter mitgeteilt, daß eine deutsche Persönlichkeit" zu Minister Dr. Simons nach Lugano gereist sei und daß diese Reise mit der angeblichen amerikanischen Intervention in der Wiedergut machung in engster Berbindung stehe. E. E. Paris, 2. April. Der Entschädigungsausschuß hat nach Anhörung der deutschen Delegation deren Einwände gegen die Gesamtsumme der Benfonszahlungen abgelehnt. Bei den Pensionszahlungen müssen nach diesem Beschluß auch noch eine Reihe von Zahlungen ges leistet werden. Der Lokaltermin im Polizeipräsidium ten entgegengearbeitet werden tann. Sie rufen alle fozia Der zur Aufklärung der Erschießung von Sylt vom Polizei präsidenten Richter angeordnete Lofaltermin fand heute normittag statt. Vertreter der Gewerkschaften und bes Ausschusses der Polizeibeamten Deutschlands nahmen daran teil. Eine Lotalforrespondenz berichtet darüber: Der Lofaltermin brachte eine volle Bestätigung der Angaben bes Kriminalbeamten, der den tödlichen Schuß abgegeben hatte. Bon größter Bebeutung war die Auslage eines ganz unpar teit en 3eugen des Vorganges. Der 3euge ist ein Ausländer, der sich gemeldet hat, als er las, daß an den Schuß und feine Folgen allerlei Vermutungen geknüpft wurden. Er erklärte gleich bei seiner Meldung, daß er als Ausländer an der Sache Selbst gar tein Interesse habe, daß er nur der Gerechtigkeit wegen aussagen wolle. Sylt und der Beamte seien an dem Zeugen vorbeigelommen, als fie die Treppe hinaufgingen. Vor seinen Augen rersette einer der Männer( Sylt) dem anderen( den Beamten) einen so heftigen Stoß, daß er taumelte. Der Gestoßene rief dann den anderen, der die Treppe hinauf weiter lief, an, und schoß hierauf. Die Kugel ging an dem Zeugen vorbei und traf den Fliehenden so schwer, daß er sofort zusammenbrach. Auf den Knall und die Schmerzenstufe des Getroffenen eilten mehrere Leute, Beamte und andere Personen herbei. Keiner von ihnen aber hat nach der bestimmten Bekundung des Zeugen den Verwun beten irgendwie mißhandelt. Das hat auch die Leichenbesich tigung bestätigt. Medizinalrat Dr. Leppmann hat außer der Schußwunde teine Spur einer anderen Verlegung oder Einwirs tung durch Gewalt gefunden. Der Schußtanal bestätigt die DarStellung des Hauptzeugen. Die Kugel hat den Körper von hinten nach vorn aufwärts durchschlagen. Man suchte ihren Einschlag in der Wand, fand ihn aber nicht. Es ist anzunehmen, daß die Kugel in der Kleidung hängen geblieben und beim Transport des Verlegten verloren gegangen ist. Der Termin nahm längere Zeit in Anspruch. Soweit der Bericht der Lokalforespondenz. Wir haben bereits zum Ausdrud gebracht, daß es uns zweifelhaft erScheint, daß auf solche Weise die Schuldfrage Klargestellt werden kann. Ueber jeden 3weifel gestellt ist aber die Tats sache, daß die Tötung Sylts nicht hätte erfolgen fönnen, wenn nicht der Schießerlaß des früheren rechtssozialistischen Ministers Heine dem Polizeibeamten den Vorwand zu seiner Tat gegeben hätte. Fest steht ferner die Tatsache, daß das Schießen im Polizeipräsidium, dem bei dieser Gelegenheit ein Arbeiterleben zum Opfer gefallen ist, eine gräßliche, durch nichts zu rechtfertigende Untat ist. Die Arbeiter zum Tode Sylts Die Betriebsräte und Vertrauensleute der A. E. G.- Apparatefabriken protestieren auf das schärffte gegen die Ermordung des Arbeitskollegen Sylt. Sie ertennen in diesem Meuchelmord eine vorbereitete Handlung der Reaktion und sind sich darüber klar, bas nur durch die Einigkeit des Proletariats dieſem listischen Parteien und Gewerkschaften auf, endlich diejenigen Maß nahmen zu treffen, welche solche politischen Morde in 3utunft unmöglich machen. Ferner erheben die Versammelten schärfften Protest gegen das Bestehen einer polis tischen Polizeibt. IA", beren Existenz in einer Republit feinerlei Berechtigung hat. Die am 2. April 1921 im Borsig- Rasino tagende Betriebsversammlung des Borsig- Betriebes erhebt schärften Protest gegen den feigen Meuchelmord an dem Kollegen Sylt. Die Arbeiterschaft ber Firma Borsig erklärt, jede Attion, welche von den maßgebenden Instanzen angeordnet wird, mit aller Kraft, die der einigen Arbeiterschaft zu Gebote steht, durchzuführen und den Ansturm der gesamten Reattion abzuschlagen. Die vorstehenden Resolutionen wurden einstimmig und zwar von den Vertretern aller Parteien angenommen. Bandenbildungen auf dem Lande Immer deutlicher wird es, daß das deutschnationale Geschrei gegen die kommunistischen Butschabsichten nur die Aufmerksamkeit von den Plänender Gegenrevolution ablenken soll. Trotz aller Ableugnungen wird immer wieder versucht, geschlossene Banden für die reaktionären Absichten zu organisieren. Besonders eifrig ist man auf dem Lande am Werte. Einem Arbeiter, der Beschäftigung suchte, ging folgendes Schreiben zu: A. G. Müller B. Nr. M. 38/21. Herrn Klein- Raddow, den 16. März 1921. Berlin. Sie tönnen bei der Arbeitsgemeinschaft sofort als Landarbeiter eingestellt werden. Bedingungen: Treudeutsche Gesinnung, Arbeitsluft, anständiges Verhalten gegen Arbeitgeber und Kameraden, unbedingte Unters ordnung unter Trupp-- und Gruppenführer, Unterbringung auf Gütern oder bei Bauern, Tageslohn Mt. 8,- bis Mt. 10,- bei freier Verpflegung und Unterkunft. Monatsbeitrag an die A. G. M. 8, dafür wird der Kamerad" geliefert, sowie sonstige Vergünstigungen. Meldung in Kl- Raddow. Bahnstation ist Labes ( Strede Berlin- Stolp, Preis von Berlin M. 22,-). Von da 12 Kilometer Landstraße oder Kleinbahn bis Groß- Raddow, nur ein Zug täglich früh um 7 Uhr( Preis M. 6-), von da 3 Kilo meter Landstraße. Fahrgeld und sonstige Kosten werden nicht erjett. J. A.: gez. Helmut Florke, Geschäftsführer. Wir lenken die Aufmerksamkeit des Staatskommissars für die öffentliche Sicherheit und des preußischen Innenministers auf diese Arbeitsgemeinschaft". Hoffentlich gehen sie mit der notwendigen Schärfe gegen diese reaktionäre Bandenbildung vor! " Deutschösterreichs Anschluß und Karls Putsch Ein deutsch- österreichischer Parteigenosse schreibt uns: Während der letzte Habsburger in Steinamanger darauf wartet, in die Schweiz zurüdexpediert zu werden, ist die deutsch- österreichische Anschlußbewegung in Deutschland um einen scheinbar nur äußerlichen Schritt vorwärtsgekommen, der aber nicht ohne wesentliche Bedeutung ist. Der Präsident des Deutschen Reichstages, Löbe, hat den Vorsitz des öster. reichisch deutschen Voltsbundes übernommen, dessen einzige Aufgabe darin besteht, auch von Deutschland aus die Anschlußbewegung in Gang zu bringen. Wir wissen, daß man Löbe nicht als Parteipolitiker, sondern ausschließ lich als Reichstagspräsidenten den Vorsitz angetragen hat. Bedeutung der Sache. Hat doch die Anschlußbewegung Darin, daß er ihn zu übernehmen wagte, liegt die politische Deutschösterreichs in Deutschland gerade bei den offiziellen Stellen seit dem November 1918 nicht die Unterstügung ges funden, die man eigentlich als das natürlichste von der Welt hätte erwarten fönnen. Mit dem Herzen waren alle dabei. Aber die Verantwortung vor dem Auslande wollte keiner Entwicklung noch nicht jenes Nationalgefühl, das über allem recht tragen. Deutschland hat infolge seiner monarchistischen Nationalismus hinweg in einem wahren Gemein. schaftssinn für alle diejenigen Voltsteile besteht, die zueinander gehören wollen. Während in Deutschösterreich die ungeheure Mehrheit der Bevölkerung von dem leidens schaftlichen Verlangen nach dem Anschluß erfüllt ist, herrschte in weiten Kreisen des deutschen Volfes- warum soll man das nicht offen sagen lange Zeit eine gewisse Gleichgültig, feit. Gewiß ist es in den letzten zweieinhalb Jahren besser geworden. Aber noch ist viel zu tun, damit der Anschluß nicht wie eine beliebige politische Forderung bloß gewollt, sondern wirklich so mit innerer Leidenschaft gefordert wird, daß teine Macht der Erde imstande sein tann, sich dem zu widersehen. Ein Symptom dieser inneren Entwicklung ist es, daß ein deutscher Reichstagspräsident der offizielle erste Vorsitzende des österreichisch- deutschen Volksbundes geworden ist. Ein Beweis dafür, daß nun auch das offizielle Deutschs land aus seinen Gefühlen tein Hehl mehr zu machen sucht. Nun muß auch noch das nächste folgen, die zahlreichen Schikanen, denen der Deutschösterreicher in Deutschland noch immer wie ein beliebiger Ausländer ausgesetzt ist, müssen fortfallen. In welchem Maße sich gerade die nationalistischen Kreise darin versündigen, beweist die bayrische Ausweisungspolitik. Der Nationalismus ist eben immer imperial und bar des wirklich nationalen Gefühls. Das nationale Gefühl hat dagegen mit Jmperialismus an sich gar nichts zu tun. Der habsburgische Putsch lehrt uns aber auch als Republikaner und Sozialisten die Bedeutung der Anschlußs bewegung schäzen. Der Plan der Habsburger ist ganz klar. Von Ungarn aus soll die alte Monarchie, wenigstens zum Teil, wieder auferbaut werden. Solange Deutschösterreich ein sogenannter selbständiger, in Wirklichkeit von jedem Wohltätigkeitsverein abhängiger Staat ist, fann er von der ungarischen Militärmacht und einem fünftigen glücklicheren Habsburgerputsch mit Leichtigkeit verschlungen werden. Ein Deutschösterreich, das zur deutschen Republik gehört, ist für Habsburg fortan völlig unerreichbar. Man soll die bayerischen Treibereien gewiß nicht unterschätzen und doch kann man den Plan Bayerns, Desterreich unter eine gemeinsame habsburgische oder wittelsbachische Krone zu bringen, für ges scheitert ansehen, wenn der Anschluß vollzogen ist. Die bayerische monarchistische Vendee hätte sich dann nicht nur gegen die nordbayerische, sondern auch gegen die niederösterreichische Arbeiterschaft zu wehren und würde vom gesamtdeutschen Proletariat leicht niedergerungen werden. Wie von Anfang an immer gesagt wurde, bedeutet also der deutschösterreichische Anschluß eine wesentliche Stär fung der republikanischen Macht. Die monarchis sche Agitation würde für Mitteleuropa einen weiteren Teil ihrer Gefährlichkeit verlieren. Aber auch die sozialisti. sche Bewegung würde durch den Anschluß nur gewinnen. Das deutschösterreichische Proletariat steht in seiner überwiegenden Mehrheit auf dem Boden, den in Deutschland die Unabhängige Sozialdemokratische Partei einnimmt. Die staatliche Vereinigung von Deutschösterreich und Deutschland würde der revolutionären Bewegung nicht nur neue Kämpfer, sondern auch zahlreiche ausgezeichnete Köpfe zuführen, die wir sehr gut brauchen könnten. Nicht nur das nationale Gefühl, nicht nur die dee des Selbstbestimmungsrechtes der Völker, auch der sozialistische und der revolutio näre Gedanke fordern ohne jede Einschränkung den Anschluß Deutschösterreichs. Möge daher das deutsche Proletariat nicht nur mit dem Kopfe, sondern auch mit dem Herzen ein Kämpfer für den Anschlußgedanken sein. Wien, 1. April.( W. T. B.) Wie das Neue Wiener Abendblatt" erfährt, wird das Gesetz über die Voltsabstimmung vom Nationalrat demnächst verab schiedet werden, worauf in allen Ländern die Volksbefragung für ten Anschluß an das deutsche Reich erfolgen wird, eine Maßs nahme, die mit dem Friedensvertrag von St. Germain feineswegs im Widerspruch stehe. Die Regierung soll sich aus dem Grunde entschlossen haben, die Boltsabstimmung jetzt zuzulassen, weil Einzelabstimmungen in den Ländern und Städten nicht zu vermeiden gewesen wären und unter diesen Umständen eine allgemeine Abstimmung als zweckentsprechender bezeichnet werden muß. Die Wiedergutmachungsfrage Die Konferenz der Gewerkschaftsinternationale in Amsterdam über die Reparationsfrage ist gestern beendet worden. Die Beschlüsse liegen noch nicht vor. Die Konferenz der der Internatio nalen sozialistischen Arbeitsgemeinschaft angehörenden Parteien, nämlich der deutschen Unabhängigen Sozialdemokratie, der engEnde des Habsburger Putsches liſchen Unabhängigen Arbeiterpartei und der franzöſiſchen SoziaDas Abenteuer der Habsburger in Ungarn darf als beendet angesehen werden. Die Reutermeldung, daß der Staatsstreich in Budapest bereits vollzogen worden sei, wird von allen Seiten dementiert. Dem steht auch die Tatsache gegenüber, daß die unga rische Nationalversammlung sich scharf gegen die Habsburger aus: gesprochen hat. Der österreichische Nationalrat hat gestern folgenden Antrag der Großdeutschen einstimmig angenommen: Der Nationalrat erinnert daran, daß sich der ehemalige Kaiser Karl am 11. November 1918 verpflichtet hat, die Entscheidung des deutsch- österreichischen Boltes über seine staatliche Verwendung an zuerkennen. Der Nationalrat stellt fest, daß das deutsch- österreichische Volt diese Entscheidung gefällt hat durch die Wahl der fonstituierenden Nationalversammlung, die die republikanische Bundesverfassung durch einstimmigen Gesezesbeschluß festgesetzt hat. Der Nationalrat erklärt, daß das deutsch- österreichische Bolt entschlossen bleibt, die friebliche Entwidlung des republikanischen Bundesstaates gegen jede Bedrohung von außen und von innen zu sichern. Der Nationalrat fordert die Bundesregierung auf, jeder Gefährdung der Republik mit allen Mitteln der äußern und innern Politit tatkräftig entgegenzuwirken." Die Vertreter der brei Parteien: der Sozialdemokraten, der Großdeutschen und der Christlich- Sozialen gaben Erklärungen ab, daß die bemokratische Republit aufrechterhalten und alle Vorkehrungen getroffen wer den müßten, daß außenpolitische Vorgänge teine innerpolitischen Wirkungen in Desterreich auslösen dürften. Nach der Annahme des Antrages wurden lebhafte Hochrufe auf die Republik ausge bracht. Eine bemerkenswerte Erklärung gab Graf Sforza im italics nischen Senat ab. Er sagte, daß die italienische, die französische und die englische Diplomatie einmütig für die Entfernung des ches maligen Kaiser Karls aus Ungaen eingetreten seien. Karls Abenteuer habe nicht überrascht; denn Italien habe die Gefahr vorhergesehen und vorbeugende Maßnahmen getroffen, indem es fich mit Belgrad und Prag vorher verständigt habe. Dies sei einer der Vorteile des Vertrages von Rapallo und der nahen Beziehun gen Italiens zu den österreichischen Nachfolgestaaten. In Ungarn wisse jedermann, daß weder Jtalien noch die benachbarten Staaten eine Wiederkehr Karls jemals dulden würden. Im Zusammenhang mit den von Graf Sforza erwähnten Beziehungen Italiens zur fleinen Entente steht eine Havasmeldung, nach der die französische Regierung vom ersten Augenblick an zu dem Ereignis in Ungarn eine äußerst dentliche und unzweideutige Saltung eingenommen habe, und sich der Wiederkehr des Königs Karl auf den Thron widersetze. Frankreich habe nie den Plan verfolgt, Desterreich wieder mit Ungarn zu vereinigen, selbst wenn es darüber zu einem Kriege in Mitteleuropa hätte tommen sollen. Wohin der Ertaiser sich jest wenden wird, ist noch nicht klar. Graf Sforza sagte, daß die italienische Regierung feine Schwierig feiten machen werde, wenn der Habsburger nach Spanien überfiebeln und auf der Durchreise italienisches Gebiet berühren wolle. Es ist aber wahrscheinlich, daß Karl sich wieder nach der Schweiz zurüdbegibt. In diesem Falle wird sein 3ug von zwei Ententeoffizieren begleitet und zwei Mitglieder des österreichischen Natio nalrates, ein Großdeutscher und ein Sozialdemokrat, werden die Kontrolle des Zuges übernehmen. Der schweizerische Bundesrat hat beschlossen, dem Ertaiser den Aufenthalt in der Schweiz zu bewilligen, er werde sich jedoch nicht nur wie früher verpflichten müssen, sich jeder politischen Tätigkeit zu enthalten, sondern er wird, wie seinerzeit König Konstantin von Griechenland, das formelle Versprechen abgeben müssen, die Schweiz unter feinen Umständen zu verlassen, ohne vorerst dem Bundesrat von einer solchen Absicht in Kenntnis gejezt zu haben. Ob Exfaiser Karl einer Internierung unterworfen werden wird, ist noch nicht bes stimmt. Auch ist über seinen zukünftigen Aufenthaltsort in der Schweiz noch tein endgültiger Entscheid getroffen worden. Die erneute Erlaubnis zum Aufenthalte soll nur provisorisch sein, und in erster Linie mit Rücksicht auf das Gesuch der ungarischen Regierung gegeben worden sein. Auch glaubt dadurch der Bundes rat dem Frieden in Europa zu dienen. Die Bolks- Musikschule Bon Professor Leo Kestenberg In den nächsten Tagen erscheint im Verlag Quelle& Meyer, des Leipzig, ein Buch „ Musif. Genossen Kestenberg erziehung und Musitpflege"( 150 Seiten. 12 M.), bas aus einer Denkschrift hervorgegangen ist, die Restenberg als Mufitreferent des Preußischen Kultusministeriums verfaßt hat. Auf der breiten und produttiven Grundlage seiner sozialistischen Weltanschauung hat er einen großen Plan von Erneuerungen ges schaffen, die unsere Musikpflege von den Kinderliedern der Bolts Schule bis zur Organisation der Staatsoper umfassen und unsere ganze Boltskultur zu verwandeln berufen sind. Ueber Einzel heiten fann man verschiedener Meinung sein. Das Ganze tst etwas Neues und Fruchtbares, schon weil es nur die gegebenen gesellschaftlichen Zustände voraussetzt. Hätten wir nur mehr solcher Männer, die unser Leben schon heute mit sozialistischem Inhalt zu füllen verstehen! Unseren Gemeindetulturpoli. tttern stellt das Buch zahlreiche wichtige Aufgaben. Ihnen sei bas Studium des Werkes daher zur Pflicht gemacht. Wer einmal durch die Klassen unserer Bolts- und höheren Schulen geht, findet überall musikalisch Begabte, die spielend leisten, was andere sich mühsam erarbeiten müssen. In den höheren Schulen wird ein Talent meist rechtzeitig erkannt und durch die Eltern gefördert; in Volksschulen dagegen fönnen sich Begabungen nicht entfalten, weil es in der Regel an Mitteln fehlt, um ein ernstes Studium zu bezahlen. Und soll wirklich das Kind Mufitunterricht bekommen, so stehen die Eltern ratlos vor der Wahl des Konservatoriums oder der musikalischen Winkelschule, zu der dieser oder jener der Bekannten rät. Oft fällt das Kind als Spetulationsobjeft in unrechte Hände und spielt Gassenhauer und Couplets in Ensembleklassen mit 20 Mitschülern, bis jedes feinere Empfinden erschlagen ist. Ueber diese unhaltbaren Zustände, die ein Grundschaden unserer gesamten musikalischen Jugenderziehung sind, ist bereits gesprochen worden. Hier muß der Hinweis auf bas gewaltig angeschwollene Pfuschertum und auf seine Gefahren für Zukunft und Kultur unserer Musit genügen. Denn daß die uns nicht nur eine Ausleje von Begabungen braucht, sondern mehr und bringender noch eine breite und empfängliche Menge, die die Musik um des inneren Gewinns willen liebt und ausübt, das hat die Musikkultur und-literatur des 15. und 16. Jahrhunderts mit ihren vielen Chören und Chorwerfen und mit der Teilnahme aller Stände des Boltes an der Musikpflege zur Genüge bewiesen Auch die neuere Musikgeschichte zeigt immer wieder die Bedeutung der Mufit- Empfänglichen oder der Liebhaber", wie man früher sagte, für Entwicklung und Steigerung Ohne den des Mufiflebens wie der fünstlerischen Produktivität. Ohne den breiten und tiefen Grundbau einer Musikübung und-pflege des Volkes kann die höhere Tontunst ebensowenig gedeihen wie die fünstlerische Kultur. listischen Partei, ist gestern in Amsterdam zusammengetreten. Bekanntlich hat auch das Eretutiotomitee der Zweiten Internatio nale nachträglich nach Amsterdam eine Sigung einberufen. Es wurde eine längere Erklärung angenommen, in der die Sozialisten der alliierten Länder anerkennen, daß die Wiedergutmachungspflicht durch die Leistungsfähigkeit Deutschlands begrenzt ist. Dann wird die Bereitstellung in folgenden Puntten tonstatiert: Es ist erforderlich, daß die zerstörten Gebiete so schnell wie hat nun beschlossen, daß die Zahl der in Aussicht genommenen interalliierten Zollbeamten wesentlich verringert werden soll. Sie sollen nur die Aufgabe haben, die Tätigkeit der deutschen Zollbeamten zu überwachen. Hinsichtlich der Tariffäge wurde festa gestellt, daß für die Ausfuhr aus dem Rheinlaude nach Deutsch land nur eine statistische Abgabe erhoben werden soll, um den rheinischen Erzeugnissen in Deutschland die weitgehendsten Ab satzgebiete zu sichern. Dagegen wird die deutsche Einfuhr sehr hoch besteuert werden. In der Uebergangszeit soll der neue Tarif staffelweise durchgeführt werden. Vor dem jedesmaligen Uebers gang von einer Staffel zur nächsten muß die interalliierte Rheinlandkommission die Zustimmung der alliierten Regierungen ein holen. Der Internationale Gewerkschaftsmöglich den vollen Anteil an der Entschädigung erhalten, ohne bund und die Zweite Internationale den ihr wirtschaftlicher, politischer und moralischer Wiederaufbau gefährdet würde. Um die erforderlichen Summen aufzubringen, müssen im Laufe der nächsten fünf Jahre eine oder mehrere große internationale Anleihen abgeschlossen und durch 30 Annui täten verbürgt werden, die Deutschland sich zu bezahlen verpflichtet. Es liegt im Interesse der alliierten Länder, daß diese große Kreditoperation durch die Mitarbeit aller Rationen ermöglicht und erleichtert wird. Die Konferenz begrüßt es, daß die französischen und die deutschen Bauarbeiter unter Leitung des Internationalen Arbeitsamtes des Bölferbundes in Genf das Zusammenarbeiten deutscher und französischer Arbeitskräfte am Wiederaufbau der zerstörten Gebiete organisteren wollen, um dadurch im besonderen die private Bereicherung tapitalistischer Kreise der beteiligten Länder auf Kosten der notleidenden Völker auszuschalten. Die auf der Konferenz vertretenen Parteien verpflichten sich, alle Hindernisse aus dem Wege zu räumen, die der Schaffung großzügiger Wiederaufbaupläne im Wege stehen. Damit der Wiederaufbau der zerstörten Gebiete sich mit der notwendigen Schnelligkeit vollzieht, muß ein gemischtes System von Sach-, Arbeits- und Geldleistungen angewendet werden. Die von Deutschland zu vollziehenden Leistungen sind auf Reparation anzurechnen. Die sachlichen Leistungen sind unter Mitwirkung der Gewert schaften daraufhin zu prüfen, daß sie weder der Arbeiterschaft des liefernden noch des nehmenden Landes zum Nachteil gereichen. Ferner wird ausgesprochen, daß die deutsche Regierung sich bereit erklären soll, ein festes Minimum an Jahresraten zu bezahlen, das der Prosperität des Landes angepakt wird. Diese gleitende Stala sollte nicht allein die Ausfuhrziffern, sondern in derselben Weise wie gewöhnliche Steuern die Höhe des Nationalvermögens und Einkommens berücksichtigen. Die entstehenden Streitfragen sollen einer Sachverständigen tommiffion zur Entscheidung überwiesen werden. Es wird dann die Hilfe des famosen Völkerbundes angerufen. Immerhin will man sich nicht ganz auf ihn verlassen, sondern erklärt das Prole tariat für berufen, durch seine Klassenorganisationen die Lösung dieser Aufgaben in die Hand zu nehmen. Wir sind neugierig, wie bas z. B. die belgische sozialistische Partei, die an einer nationalistischen Regierung teilnimmt, wohl machen wird. Französische Arbeitervertreter waren bei der Zweiten Internationale überhaupt nicht vertreten. Teilgenommen soll der französische Abgeordnete Rozier haben, einer der sogenannten ,, Dissidenten", die wegen ihres extremen Nationalismus aus der sozialistischen Partei ausgeschlossen wurden. Die Gruppe hatte entgegen dem Parteibeschluß für den Versailler Friedensvertrag gestimmt... Die Errichtung der Zoll- Linie E. E. Paris, 2. April. Der gestern von der Botschafterfonferenz eingesetzte Ausschuß zur Beratung der Frage der Errichtung der Zollinie im Rheinlande hat seine Arbeiten beendet und die Botschaftertonferenz dürfte bereits heute vormittag in der Lage sein, ihre endgültigen Beschlüsse zu fassen. Die Einwendungen der englischen Regierung betrafen besonders bie große Zahl der interaliierten Beamten, die der französische Plan vorsah. Auch wandte sich England gegen die Tarife, die zur Anwendung fommen sollten. Der Ausschuß Eine der wichtigsten Aufgaben wird es sein, die ersten entscheidenden Schritte einzuleiten, um Städte und Gemeinden auf die Wichtigkeit und Bedeutung von Volksmusikschulen hinzuweisen. Es sind auch schon von verschiedenen Seiten, besonders vom„ Musikpädagogischen Verband", Anregungen gegeben, die von Einzelfällen oder allgemeinen Betrachtungen ausgehen und eine Organisation des Musikunterrichtes unter staatlicher oder städtischer Aufsicht vorschlagen. Diese Vorschläge überschägen ohne Zweifel die Kraft der wirtschaftlichen und politischen Leistungsfähigkeit des Staates. Wohl aber ist zu erwarten, daß Staat oder Stadt grundlegende Maßnahmen treffen, daß sie beraten und helfen und durch ihre Organisation des Musitwesens die Aufsicht und Begutachtung übernehmen. Zunächst wird es sich darum handeln, die geplante Einrichtung von Boltsmufitschulen mit Unterstügung der Gemeinden in die Wege zu leiten. Diese Musikschulen sollten Unternehmungen der Gemeinden sein. Sollten sich finanzielle Schwierigkeiten bei ihrer Gründung ergeben, so müßten die Musikschulen im Notfalle mit Silfe des Staates unterstügt werden, keineswegs dürften sie aber zu Geschäftsunternehmungen werden. Daß sie sich möglichst selbst erhalten, ist bei der schwierig: n wirtschaftlichen Lage von Staat und Gemeinde Vorbedingung für ihre Einrichtung. Von den Schülern ist ein Beitrag zu erheben, der jedoch nicht auf Gewinn ausgehen darf. Freistellen werden grundfäßlich für Begabte und wenig Bemittelte zu schaffen sein. Staat oder Stadt hätten in Verbindung mit den Fachverbänden die Sicherheit für die fünstlerische Eignung der Lehrenden und die Aufsicht über die Schule besonders in künstlerischen, pädagogischen und ideellen Fragen wahrzunehmen. In die Volksmusikschule werden nur Schüler aufgenommen, beren musikalische Eignung durch eine Prüfung festgestellt ist. Der Unterricht dürfte nur von Lehrkräften erteilt werden, die ihre Befähigung durch das staatliche Examen nachgewiesen haben. An dieser Stelle mag der Grundfah genügen, daß der Entgegen der von gewisser Seite verbreiteten Darstellung, als würden die am 31. März in Amsterdam beginnenden Konferenzen vom Internationalen Gewerkschaftsbund und der an die 2. Jnter nationale angeschlossenen Parteien in gemeinsamem Einverneh men und sogar gemeinschaftlich veranstaltet, stellt der Internatio nale Gewertschaftsbund fest: 1. daß der Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes bereits am 14. März den Beschluß gefaßt hat, seine Konferenz am 31. März und die folgenden Tage in Amsterdam abzuhalten; 2. daß die 2. Internationale ihren Beschluß in London erst eine gute Woche später faßte; 3. daß der Beschluß des Vorstandes der 2. Internationale er folgte ohne irgendein vorheriges Einvernehmen mit dem Vors kand des Internationalen Gewerkschaftsbundes noch mit dessen Vorwissen; 4. daß beide Veranstaltungen vollkommen unabhängig vonein ander abgehalten werden. Eine Note Tschitscherins. an Frankreich Protest gegen die Zurückhaltung der Gefangenen Paris, 2. April. Wie dem„ Matin" aus London gemeldet wird, tündet ein Funkspruch aus Moskau an, Tschitscherin habe der französischen Regierung eine Note gesandt, in der gegen die Zurüdhaltung von 25 000 Ruffen in Frankreich protestiert wird. Die Sowjetnote fügt hinzu, wenn die französische Regierung dem Verlangen der russischen Regierung nicht nachtomme und den russischen Staats bürgern nicht gestatte, Frankreich zu verlassen, so werde sie die notwendig erscheinenden Maßnahmen ergreifen. Aenderungen in der britischen Regierung London, 1. April Eine lange Liste von Veränderungen im Ministerium ist heufe veröffentlicht worden. Die wichtigsten find: Horne wird zum Finanzminister ernannt, Addison zum Minister des Gesund heitswesens und Kellaway zum Generalpostmeister. Edmund Talbot ist zum Nachfolger von Lord French als erster Bizetönig von Jrland unter der neuen Regierungsform bestimmt. Verschiebung der Konferenz der deutschen Ernährungsminister. Am 4. April sollte die nächste Konferenz der deutschen Ernährungs minister in Bremen zusammentreten. Wie die Münch. Augsb. Abendztg." erfährt, ist die Konferenz infolge der unsicheren politis schen Lage auf den 18. April verschoben worden. Ein ungetreuer Rohlenbeamter. Der frühere bevollmächtigte Leiter ber Hanauer Kohlenverteilungsstelle, Hauptmann Friedr. Beyer, hatte sich wegen Untreue und Unterschlagung vor der Straffammer zu verantworten. Beyer war die Holzverteilung an die Holzhändler und Einziehung der Be träge übertragen. Er hat 93 000 art unterschlagen und für sich verwendet. Das Urteil lautete auf zwei Jahre und zwei Monate Gefängnis. Sungersnot in China. Nach einer Savasmeldung aus Bering fordert die Hungersnot in Sonan, Shensi und Tschili schreckliche Opfer. gen von Leistungen und Erfolgen hinarbeiten, sie müssen ihr Ziel in der Ausbildung und möglichsten Vervollkommnung des Ers reichbaren suchen, müssen anregen und fördern, sich aber auch zu begnügen wissen. Es soll nicht ein neues Musitproletariat oder Halbkönnertum gezüchtet werden. Wer in der Boltsmusikschule das Durchschnittsziel erreicht, wird leichtere Stücke für sich spielen und fingen und vielleicht auch Kammermusit treiben können. Aber zu einer Konkurrenz für den Berufsmusiker wird der Schüler, der nur in der Volksmusicschule erzogen ist, nie werden, nie werden fönnen. Denn die Leistungen der Berufsmusiker werden nach Einführung staatlicher Prüfungen immer mehr steigen, so daß der Schüler der Voltsmusikschule nicht mit ihnen in Wettbewerb tres ten tann. Eine Störung des beruflichen Musitlebens ist von dies ser Seite nicht zu befürchten, eher werden gerade durch die von der Volksmusikschule vermittelte musikalische Allgemeinbildung der Zudrang und das Interesse für Konzerte und Musikveranstal tungen erheblich wachsen, und die öffentliche Musikpflege wird um viele musikalisch Interessierte und Empfängliche reicher sein. Auch eine Schädigung der Privatmusiklehrer und Privatanstalten ist durch die Bolksmusikschule nicht zu befürchten, da die Voraus Jetzungen für die Aufnahme in die Volksmusikschule wesentlich andere sind als für die Privatinstitute. Es gilt, für die Boltsmusikschule jene Boltsteile zu gewinnen, die bislang von einem gediegenen Musikunterricht so gut wie ganz ausgeschlossen waren. Die Volksmusikschule läßt sich in verschiedenen Formen einrich ten. Am nächsten liegt der Aufbau einer Singschule. Sier werden die stimmbegabten, fingfreudigen Schüler aufgennommen, die ihre Schultenntnisse erweitern wollen. Der Unterricht wirb sich vorerst an den Lehrplan der Schule halten müssen, um Ver Anschließend würden Bomblattfingen, Bokalisation, Tonvorstel gessenes nachzuholen oder überhaupt die Grundelemente zu sichern. lungsvermögen, Phrasierung, Dynamit und die engere Vortrags lehre behandelt werden. Das Schwergewicht rückt dabei auf das Schöningen, auf ein Beherrschen aller ausdruckstechnischen Hilfs mittel. Einzellied und Chorsingen sind ein Lehrziel des Unters Unterricht den Charakter pädagogischer und künstlerischer Zuverrichts, wobei naturgemäß dem musikalischen Berstehen und Deuläffigkeit in sich trägt. ten, dem Erfassen des musikalischen Affekts nach wie vor weiter Raum zu lassen ist. Mit der Erziehung müssen theoretische wie mufitgeschichtliche Unterweisung Sand in Hand gehen, damit jeder Einseitigkeit vorgebeugt ist. Die Literatur ist nach methodischen Grundsägen unter Verwertung der neueren Musik zu verwenden. Der Chor fann zu Feierlichkeiten und Aufführungen der Schule und Stadtgemeinde herangezogen werden. Im einzelnen läßt sich der Lehrplan nicht gut umgrenzen, doch bietet der vorbildliche Organisations- und Lehrplan der Augsburger Singschule ein Beis Die Schulzeit sollte mindestens 3 Jahre dauern, müßte aber solange verlängert werden fönnen, bis der Schüler eine gewisse tünstlerische Befriedigung gefunden hat. Er soll eingeführt wer den in Geist und Kraft der musikalischen Kunst, in ein Erleben, Mitempfinden und Verstehen der Musit, in ein produktives Mit arbeiten beim Singen, Spielen oder Hören von Musikstüden. Es hieße Sinn und Ziel der Schule vertennen, wenn hierbei an die Ausbildung zum Berufsmufiter gedacht werden würde. Die Literatur ist unter besonderer Umsicht auf die persönliche Einspiel dafür, wie sich die gesangliche und musikalische Entwidlung stellung und Eignung des Schülers auszuwählen. Die Volts. mufitschulen dürfen nicht ausschließlich auf öffentliche Vorführun der zukünftigen Volfs- Chöre heran. gestalten ließe. In diesen Singschulen wachsen die Mitglieder · Gute Zeiten für Lügner Die Vorgänge in Mitteldeutschland sind von der bürgerlichen Presse in sensationeller Weise entstellt worden. Bon einer großen Aufstandsbewegung" fonnte von Anfang an feine Rede sein, und auch jetzt noch, wo das Feuer erloschen ist, setzt die bürgerliche Presse ihre Sensationsmacherei im großen Stile fort. Zeilenreißende Schmods, die während des Krieges nicht auf ihre Kosten gekommen sind, üben sich im Fabulieren. Sie sehen meistens nichts von dem, was vorgeht, horchen vielmehr mit langgespigten Ohren dritte Personen aus und geben jedes aufgefangene Gerücht als positive Tatsachen an ihre Blätter weiter. Das„ Berliner Tageblatt" läuft der reaktionären Presse nahezu den Rang ab in bezug auf entstellte Berichterstattung. Das Blatt berichtet heute früh u. a., daß in Sangerhausen der angebliche Hölz gegen die ver hafteten Geiseln in bestialischer Weise porgegangen sei". Kein Wort davon ist wahr. In Sangerhausen sind die Geiseln nicht mißhandelt, sondern auf freien Fuß gesetzt worden. Sinter der ganzen sensationellen Berichterstatung stedt aber System, das einesteils von den reaktionären Führern der Schupo genährt wird, die sich durch Heldentaten berühmt" machen möchten, andererseits hat auch die Reaktion ein starkes Interesse daran, die Situation ernster darzustellen, als sie in Wirklichkeit ist. Sie möchte allzu gern die Reich s wehr in Aftion treten lassen, damit der Auftakt zur Militärdiftatur gegeben werde. Zu diesem Zwed werden die Nachrichten nicht nur tendenziös entstellt, sie werden direkt von einer Fälscherzentrale aus den Fingern gesogen. Als Beweis dafür, wie gelogen wird, wollen wir folgende Wolff- Meldung anführen: Halle, 31. März. Jm Mansfelder Aufruhrgebiet herrscht im allgemeinen Ruhe. Der Bahnhof in Roßleben wurde von den Kommunisten ge= Sprengt. Bebra wird von Banden unsicher gemacht. Artern wurde gestern von Kommunisten besetzt, der Pfarrer und der Bürgermeister zur Erpressung von einer Million Mark Lösegeld festgenommen. Der Ort wurde zum Teil geplündert. Im Bezirt Merseburg wurde die Arbeit eingestellt. Bewaffnete Banden üben Terror aus. Ein Personenzug nach Leipzig wurde beschossen und der Personenverkehr lahmgelegt. An dieser Meldung ist fein Wort wahr. Jn Arternist fein einziger Schuß gefallen, fein Haus ist geplündert worden, weder der Bürgermeister noch der Pfarrer wurden als Geiseln festgesetzt. Der Putsch ist überhaupt nicht bis in jene Gegend vorgedrungen, es herrscht in dem Ort der tiefste Friede. Auch die Telegraphen Union lügt im Dienste der Realtion. Sie meldet, daß in Mitteldeutschland eine Berschärfung der Lage eingetreten sei. Das Gegenteil ist wahr. Die ganze fommunistische Aufstandsbewegung hatte in Mittel Deutschland nie festen Boden gefaßt. Die Arbeiter haben sich -in überwältigender Mehrheit gegen die kommunistische Mache erflärt. Ein geringer Bruchteil, der im Anfang mitmachte, weil er glaubte, im Dienste einer politischen Jdee zu stehen, hat sich mit Abscheu und Etel sehr schnell von der Be wegung zurückgezogen, nachdem er Augenzeuge jenes wahn finnigen Treibens einer Gruppe von pathologischen Narren geworden war. Es ist also auch unwahr, wenn von fom munistischer Seite behauptet wird, die Vorhut des Pros letariats befände sich in Mitteldeutschland mit der bewaff neten Macht im Kampf. Eine Vorhut hat in Mitteldeutschland überhaupt nicht gefämpft, die„ Borhut" hat vielmehr geraubt, geplündert und Dynamitattentate ausgeführt, fich aus dem Staube gemacht, wenn es gefährlich wurde, und hat die eigentlichen Kämpfe mit der militärischen Macht der Nach hut überlassen, also demjenigen Teil der Arbeiter, ber ortsansässig war und sich von herumstreifenden Banden mißbrauchen ließ. Zu einem Eingreifen der Reichswehr liegt absolut kein Anlaß vor. Die Reichswehr würde vielmehr durch ihr Eins greifen erst jenes Chaos hervorrufen, das bisher vermieden worden ist. Der mitteldeutsche Putsch hat neben der Entlaroung der fommunistischen Führerschaft auch den Nachweis erbracht, daß die Reichswehr ein völliges überflüfft. ges Instrument ist. Ueberall ging es besser ohne sie, schlecht wird es erst, wenn sie eingreift. Die letzten Zuckungen Im Laufe des gestrigen Tages haben im nördlichen und nordwestlichen Gebiet von Salle noch vereinzelte Zusammenstöße mit bewaffneten Banden stattgefunden. Es muß hervorgehoben werden, daß diese Banden mit irgendeiner politischen Bewegung nichts zu tun haben. Es handelt sich um ganz gewöhnliche Räuberattionen, wobei sich die Anführer meistens von Motiven zu Gunsten ihres eigenen persönlichen Vorteils leiten lassen. Auch die Vorgänge im Kreise Lieben werda sind von feiner nennenswerten Bedeutung. Die von der Reichswehr angekündigte großzügige Gegenattion wird ein Luftstoß werden, da der kommunistische Putsch in dem rein ländlichen Bezirk noch weniger Re sonanzboden gefunden hat als in Eisleben und Mansfeld. Gestreift wird in ganz Mitteldeutschland so gut wie gar nicht mehr. Bei Beesenstedt hat die Schußpolizei gestern eine Bande gestellt, die vorher die Gegend von Wettin, Könnern, Nauendorf und Löbejün unsicher gemacht hatte. Die Bande soll Waffen und Munition eingebüht haben. Einige größere Güter dabei 18 Tote und eine größere Anzahl Berwundete verloren und wurden gebrandschaßt, an verschiedenen Orten wurden öffentliche Kassen beraubt. Das sozialistische Proletariat muß von diesen Banden weit ab, rüden. Die Bewegung hat mit Sozialismus nicht das mindeste zu tun. Den Führen kann höchstens zugute gehalten werden, daß Sie unter pathologischen Einwirtungen stehen. Zu bedauern sind nur die Arbeiter, die tatsächlich glaubten, im Dienste einer politischen Jdee zu handeln und die bann jedesmal, wenn es ernst wurde, von den sogenannten Führern schmählich im Stich gelassen wurden. Auf der linken Rheinseite im besetzten Gebiet haben sich gestern auf einzelnen Zechen neue Unruhen zugetragen. Magazine sollen geplündert worden sein, bei einer Schießerei wurde ein Mann getötet und mehrere verwundet. In Dresden tam es Freitag abend am Ring zu kleineren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Sicherheitspolizet. Es wurden Schrechschüsse abgegeben, worauf die Menge auseinanderstob. 3 ahlreiche Verhaftungen sind vorge. nommen worden. In München hat die Polizei einen Studenten namens Hans Gustav Schiff aus Berlin verhaftet, der den General. treilaufruf der Kommunisten in München angefertigt haben soll. Der Zusammenbruch der KPD. im rheinischwestfälischen Gebiet Mit viel Tamtam und geheimnisvollem Getue leiteten bie Kommunisten im rheinisch- westfälischen Industriegebiet die längst versprochene Attion ein. Die Parole der Zentrale von Berlin zum allgemeinen Generalstreit wurde am Karfreitag im Bezirk bekannt. Fieberhaft arbeiteten die Kommunisten während der durchzuführen. beiden Tage vor Ostern, um den Generalstreit für den Dienstag der Kommunist'en vorhanden. Die Stimmung war in feinem Ort für die Parole Revolutionäre vertagten die Revolution vom Sonnabend bis nach den Oster feiertagen, da sollten dann die Betriebe besetzt werden und der Generalstreit zur Durchführung fommen. Inzwischen tam es in Essen, Dortmund und bet ElberfeldBarmen während der Feiertage bereits zu blutigen 3u. sammenstößen mit der Polizei. Es tauchten in vielen Orten die bekannten Bassermannschen Gestalten auf, und der erste Erfolg in den besetzten Orten Mettmann und Gevelsberg dasselbe„ abhob". Diese Nachrichten schredten alle anstän war, daß man die Post und die Banten auf Geld revidierte und bigen Elemente in den übrigen Orten ab, so daß am Dienstagmorgen mit wenigen Ausnahmen in allen Städtem und Orten die Betriebe voll arbeiteten. Troz Plakaten und Flugblätter und Versammlungsreden fürwahr ein fläglicher Erfolg. Ein vollständiger Zusammenbruch ist es, wenn eine große Partei eine Parole ausgibt, die nicht einmal vom zehnten Teil der eigenen Mitglieder durchge= führt wurde. langen. Die Kurse regen zum Erleben der Mufit auf dem Wege der musikalisch- plastischen Rhythmit an. Denn für Musik ist nicht nur die eigene Betätigung durch Spielen oder Singen wichtig, sondern ebenso die Belebung des inneren Empfindens und Mitfühlens wie die Sicherheit im Hören und Erfassen von musikalischen Vorgängen. Dies Ziel ist nur durch einen systematischen Lehrgang zu erreichen. Wesentlich breiter wird die Instrumentalschule einzu-| spielen und improvisierten Darstellungen gehörter Rhythmen gerichten sein. Sie führt in die Instrumentenlehre und instrumen tale Technik ein und gibt Anleitungen zum Mufizieren im Zu sammenhang mit Gesang und gymnastischer Rhythmit. War die Boltsschule ihrer Aufgabe gewachsen, so ergeben sich die Beziehun gen des Bokalen zum Instrumentalen von selbst, denn der Gesang ist heute so wie früher das Vorbild instrumentalen Musizierens. Geige und Klavier werden wohl noch lange bevorzugt bleiben. Es liegt aber im Interesse unserer musikalischen Kultur, daß wir von dieser Enge der Musikbetätigung wieder zu einer Bereicherung des häuslichen und geselligen Instrumentariums tommen. Holz blasinstrumente, Trompete und Horn müssen wieder geübt und als Soloinstrumente behandelt, überhaupt das landläufige Klavier. [ piel zurüdgedrängt werden. Damit soll der erzieherische und praktische Wert des Klavierspiels nicht herabgesetzt werden. Doch werden durch die Einführung von weniger gebräuchlichen Instrumenten in den allgemeinen Unterricht die Möglichkeiten zu fleinen Hauskonzerten, zum Orchester- und Ensemblespiel vermehrt, denn ohne diese Mithilfe ist an eine Erneuerung der modernen Saus mufit und ihrer Literatur und an eine Belebung der Liebhaber. und Vereinskonzerte nicht zu denken. Ist das Wesen der Instrumentalmusit flargelegt und verstanden, so wird die technische Ausbildung im Zusammenhang mit den notwendigsten musikalischen Kenntnissen in Angriff zu nehmen sein. Als leitender Grundsatz gilt: nicht zu einem Mechanisieren, sondern zu einer Lebendigmachung der Erfordernisse der Ausbildung zu gelangen, denn nicht die Fertigkeit allein, sondern nur die geistig beherrschte Uebung führt zur Entwicklung der Anlagen. Der hier furz fizzierte Plan einer Voltsmusikschule wird sich ohne Schwierigkeiten an großen Blägen mit Hilfe der Gemeinden und unter Mithilfe des Staates verwirklichen lassen. Unter Be rüdsichtigung der jeweiligen Berhältnisse tönnen aber auch in schulen ins Leben treten. An Schülermaterial fehlt es nicht. Doch fleinen Städten, selbst in größeren Dörfern, solche Boltsmufit. müßte die Leitung und Ausgestaltung der Musikschulen nur tüch tigen Lehrern und Künstlern übertragen werden, und es wäre dafür zu sorgen, daß die Lehrkräfte nach einheitlichen Grundsätzen Konferenzen verständigen können. Für die Zukunft unserer Musik arbeiten, über die sich die Leiter der Schulen in gemeinschaftlichen und Kultur sind Volksmusikschulen dringende Notwendigkeit. Eine unsere musikalische Jugenderziehung fördern und die besten Kräfte Ausbildung, wie sie in diesem Entwurf angestrebt wird, würde zu produktiver Arbeit vereinen. Die Volkshochschule Thüringen veranstaltet auch in diesem Jahre wieder einige interessante Unterrichtszyklen. So wird in der Pfingstwoche in Lauscha, dem Mittelpunkt der thüringischen Heimindustrie, eine voltswirtschaftliche Woche stattfinden, an der vor allem Schüler und Schülerinnen der thüringis in den Geist Alt- Weimars einführen soll, ist für Ende August in Tiefurt bei Weimar geplant. Außer den Arbeitsgemeinschaften, die fich hier zu Unterrichtszweden vereinigen, sollen auch fünstlerische Darbietungen in ganz schlichter Form zu sehr wohl. feilen Preisen im Programm dieser Veranstaltungen stehen. Tages- Notizen Auf einer mittleren Stufe werden die Schüler zu Ensembleflaisen vereint. Man kann Streicherchöre aufstellen, Bläser- Ensem- schen Volkshochschule teilnehmen sollen. Eine ähnliche Woche, die bles, auch volle Orchester, wenn die Schüler zur Erlernung von Blasinstrumenten angehalten werden. Deffentliche Aufführungen werden das Studium beleben und zu weiteren Uebungen anregen. Eine dritte Form der Vollsmusikschule ist die rhythmisch- gymnastische Schule. Während Gesang und Instrumentenspiel der rein musikalischen Betätigung gewidmet sind, so wird in dieser Schulform das rhythmische Element in seiner Verbindung mit Ton und Bewegung gepflegt. Das führt mehr zu einer betrach tenden Art der Musit und ihrer Elemente, soweit es sich um den einführenden Unterricht handelt. Man wird sich da zunächst mit den Broblemen von Klang und Rhythmit beschäftigen müssen und aufsteigen bis zur Analyse von Tonstüden nach Form, Inhalt und Affekterlebnis- oder betonung. Daneben werden Dynamik und Agogit, Gehörbildung und rhythmische wie musikalische Polyphonie gelehrt. Die Gymnastit tann im Anschluß an die Methode von Jaques Dalcroze mit den erforderlichen Modifikationen in besonberen Stunden gepflegt werden, wobei die 3öglinge bis zu Tanz Beranstaltungen ber u. S. B. D. Dritter Dikrift. Sonntag, vorm. 9 Uhr, Führung durch die moderne Galerie im Kronprinzen Balats. Teilnehmertarten 1 M. beim Genossen Druder, Tempelhofer Ufer Sa, und beim Genossen Stiller, Urbanstr. 129. Borleseitunden in der Boltsbücherei Neukölln. Sonntag, vorm. 10 Uhr, finbet in der städtischen Volksbücherei, Neukölln, Ganghoferstr. 3-5, bie zweite Vorlese Stunde statt. Zum Vortrag gelangen Dichtungen von Björnson, Storm, Miegel uspp. Eintritt fret. Dienstag: Woyzed" DOR Erstaufführungen. Deutsches Theater. Büchner. Neues Voltstheater. Freitag:„ Rose Bernd" von Hauptmann. Boltsbühne. Sonnabend: Anigone" von Sophokles, Ausstellungen. Sonntag: bei Paul Cassirer ble gesamte malerische und graphische neue Produktion von Edward Munch; im Sturm" Er öffnung ber Ausstellung von Kurt Shwitters( Wierzbilder, zeichnungen und plastiken), Aus Gevelsberg berichten die Zeitungen, daß es dork zu Kämpfen gekommen sei. Das ist falsch. Ein halbes Duzend Leute hatte am Vormittag, den 29. März, den Bahnhof besezt und hielt die Züge an. Nachdem Post und Bank um mehrere Hunderttausend Mark erleichtert waren, wurde aus Nachbarorten Polizei herbeigerufen und die Kommunistenherrschaft war nach sechsstündiger Dauer für Gevelsberg erledigt. 28 Tote wird in den Schauernachrichten erzählt, habe es gegeben. Kein einziger Schuß wurde in Wirklichkeit abgege ben. Bei der Flucht warfen die Plünderer Hunderttausende Mart weg, so daß der Schaden nicht gar so groß sein dürfte. Das traurig ste bei der ganzen Komödie ist es, daß die Behörden in allen Orten nach den Organisatoren suchen, und daß bereits in einer ganzen Reihe von Orten Verhaftungen in gro Ber Anzahl vorgenommen worden sind. Wer die Justiz und den Einfluß der Reaktion fennt, weiß, was den armen Teufeln blüht. Einen Erfolg freilich können die Kommunisten bereits buchen. Zu vielen Dugenden haben Anhänger der VKPD., die aus reinem Jdealismus sich der Bewegung angeschlossen hatten, ihre mit. gliedsbücher abgegeben und erklären, mit[ o1. chen Butschen nichts zu tun haben zu wollen. bestätigt sich eben, daß die Unabhängige Sozialdemokratische Partei von Anfang an im Recht war, als sie davor warnte, die 21 Bedingungen so leicht zu nehmen. Auf Befehl läßt sich teine Revolution machen. Das Versagen der Parole der VKPD. in ganz Deutschland ist dafür der schlagendste Beweis. Ruhe in Düsseldorf Drahtmeldung unseres Korrespondenten Düsseldorf, 2. April. Es Von der kommunistischen Putsch- und Streitbewegung ist in Düsseldorf nichts mehr zu spüren. Die Besatzungsbehörde hat mehrere Personen aus Düsseldorf in das besetzte Gebiet ausge wiesen, die in der nationalistischen Stahlhelmbewegung eine Rolle spielten. Zu den Ausgewiesenen gehört auch der Polizeiinspektor Gauer, der frühere langjährige Leiter der politischen Abteilung der Düsseldorfer Polizei. In dieser Eigenschaft hat er die sozialistische Arbeiterbewegung mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln bekämpft. Er hat diese Tätigkeit auch in den letzten Jahren weiter ausgeübt, obwohl die politische Polizei durch die Revolution beseitigt sein sollte. Beim Kapp- Putsch war Gauer einer der eifrigsten Kappisten. Die von bürgerlichen Blättern mitgeteilte separatistische Ers hebung" in Mörs scheint nichts anderes als ein geschmackloser Aprilscherz zu sein. Reaktionäre Brovokation Drahtmeldung unseres Korrespondenten. München, 2. April 1921. Die Münchener Polizei fährt in provokatorischer Absicht fort, Kommunisten zu verhaften, trotzdem in München nicht der geringste Anlaß dazu besteht. Während einer Versammlung des Republi fanischen Reichsbundes, bei der in der Diskussion Redner der dret sozialistischen Parteien sprachen, darunter auch ein rechtssozialistis scher Reichstagsabgeordneter, wurde durch einen reaktionären Pro votateur vor dem Eingang des Versammlungslokals eine Hande granate zur Explosion gebracht. Es wurde niemand verlegt, nur Sachschaden angerichtet. Die Orgesch- Bresse versuchte den Anschein zu erweden, als handle es sich um einen tommunistischen Anschlag. Die Polizei meldet, wie bei solchen Vorgängen immer, daß des Vorgang nicht festgestellt werden könne, trotzdem während der Bersammlung 12 Polizisten anwesend waren, und den Vorgang ohne weiteres hätten feststellen können. Wie sie toben Blut muß fließen Die reaktionäre Bresse ist täglich voll mit Hezartifeln gegen die Arbeiterbewegung, für die die kommunistischen Butsche den Vorwand abgeben. Diese Setze überrascht zwar nicht, aber zur Kennzeichnung des politischen Wiges der reaktionären Kreise und ihrer politischen Mittel ist es doch notwendig, besonders markante Merkmale politischer Brutalität weiter zu verbreiten. In der Deutschen Zeitung" Maurenbrechers schreibt der„ könig liche" Landrat von Herzberg folgendes: ,, So müssen wir unsern äußeren Feinden gegenüber benten; für den inneren Feind aber gilt das Wort: Die Obrigkeit trägt das Schwert nicht umsonst! Verbrecher am deutschen Bolte verdienen nicht die ehrliche Kugel, verdienen nicht bas Schwert, sondern allein den Strid! Wir wollen nichts mehr hören von Nachgeben, von Verhandeln, wie es der Oberpräsi bent Hörsing tut. Wir verlangen Härte und rücksichtslojes 3ugreifen, selbst wenn dabei mißleitetes deutsches Blut fließt; Denn wir wissen, daß um so weniger deutsches Blut fließt, je schärfer die Machtmittel sofort eingesezt werden." Sandelt Frizz Ebert nicht gang im Sinne dieser Forderungen, wenn er Sondergerichte mit sorgfältig präparierter Besetzung vorbereitet, um die Verbrecher am deutschen Volke" dem Strid auszuliefern? " Eine andere bürgerliche Pressestimme zur gegenwärtigen Situation ist interessant, weil sie Seltenheitsmert besitzt. Sie steht in der Berliner Boltszeitung" und ihr Verfasser zeich net sich dadurch aus, daß er bei allem 3orn gegen die fommunistis findet, daß die rechtsradikalen Antisemiten und die linksradika schen Butschisten auch nicht die reaktionäre Gefahr übersieht, Er Ten Mostauanhänger einander nichts nachgeben und belegt diese. Auffassung mit der Tatsache, daß ein geheimer Antisemitenbund in Breslau bereits damit begonnen hat, in der Deffentlichkeit hervortretende Juden zwar nicht zu töten, aber zu verprügeln. Auch die Aeußerung des Herrn Landrats zeigt, wie richtig die. Ter Demokrat die Reaktionäre einschätzt. Er meint, der Wahn. sinn beider Bewegungen müsse aufs schärffte bekämpft werden, aber er fügt hinzu: mc Ich halte die Gefahr einer Pogromhehe in Breslau für größer als die fommunistisch e; denn dieser steht die Arbeiterschaft unbedingt ablehnend gegenüber, jener aber ars beiten die gesamte reaktionäre Studentenschaft, die Bismar bündler und Schuh- und Trutzbündler vor.' Dem ist nur hinzuzufügen, daß die gesamte reaktionäre Stu dentenschaft und gleichwertiges Gesindel ihre reattionären Be strebungen ganz ungestört zum Teil sogar unter Billigung der Behörden betreiben, während die Kommunisten außer. halb der Gesege gestellt werden sollen. Nach Italienisch- tschechoslowakisches Wirtschaftsabkommen. einer Stefanimeldung wurden das Wirtschaftsabkommen zwischen Italien und der Tschecho- Slowatei sowie Vereinbarungen über juristische und finanzielle Fragen bezüglich der Staatsangehörigen beider Länder abgeschlossen. Auch ein bis zum 31. Dezember 1925 gültiger Handelsvertrag wurde unterzeichnet, der die Meist begünstiungstlausel enthält. Ein weiteres Ab tommen regelt Berstöße gegen die zurzeit in Kraft befindlichen Ein- und Ausfuhrverbote. In Triest wird ein tschecho- flowas, fisches Zollbureau eingerichtet werden. Groß- Berlin Deutschnationale Propaganda auf Streichholzschachteln! Jüngst faufte ich mir eine Schachtel Streichhölzer. Ich hatte schon lange nicht mehr auf die Etikette geachtet, da ich oftmals vergeblich versucht hatte, den Text mit den schwedischen Worten zu einer Erweiterung meiner Sprachtenntnisse zu benutzen. Aber jetzt kann man sicher dant der Rührigkeit der Deutsch nationalen die Etiketten der Streichholzschachteln zur Erweiterung seiner politischen Kenntnisse benutzen! Die Schachtel, die ich mir kaufte, trägt ein Bildchen mit einem Stahlbehelmten Reichswehrsoldaten und einem Arbeiter, die sich die Hand reichen. Darunter steht: Durch Arbeit zum Sieg! Durch Sieg zum Frieden! Also scheint dieses Bild doch noch aus der Kriegszeit zu stammen. Es wird aber jegt verbreitet mit noch anderen Bildchen auf anderen Streichholzschachteln, auf denen Friedrich der Große und ähnliche, schon zur Preußenwahl von den Deutschnationalen zitierte Symbole zu sehen sind. Demnach sind also die Streichholzschachteln das neueste Propagandagebiet der Deutschnationalen! Auflösung der Stadtverordneten- Bersammlung? Auf Veranlassung des Oberbürgermeisters fand eine Be Sprechung der Fraktionsvorstände statt, in der von einem Schreiben des Oberpräsidenten Mitteilung gemacht wurde. Darin werden Die Maßnahmen erörtert, die zu treffen sind, wenn das Obervers waltungsgericht die Stadtverordnetenversammlung für ungültig erflärt. Man müsse Vorsorge treffen, um die Geschäfte der Stadt Berlin reibungslos weiter erledigen zu können. Von unseren Genossen wurde erklärt, daß wir fein Interesse haben, dem Oberpräsidenten für derartige Absichten die Wege zu ebnen. Es fönne ja auf ministerialem Wege verordnet werden, gerade wie es bei der alten Stadtverordnetenversammlung war, die Stadtverordnetenversammlung zu ermächtigen, als tommissarische Vertretung während der Zeit bis zur Neuwahl die Geschäfte zu übernehmen. Bei den nahen Beziehungen und der Uebereinstimmung, die anscheinend zwischen den Behörden in der Sabotage der Gemeinde Groß- Berlin herrschen, scheint man sich ja schon mit einer Auflösung einverstanden erklärt zu haben. Reaktionäre Sehnsucht Roch immer ist die Wohnungslugussteuer, bie die städtischen Körperschaften Berlins beschlossen haben, nicht be. stätigt. Selbstverwaltung haben eben die Gemeinden nur, Soweit die Staatsaufsicht nicht etwas anderes wünscht. Und gegenüber der sozialistischen Mehrheit Berlins sind die Behörden noch weit strenger in der Handhabung ihrer Befugnisse als sonst. Nun wird zwar dem Landtag ein Gesetzentwurf vorgelegt, der die Bestimmung im Kommunalabgaben- Gesez beseitigen will, die den Bureaufraten den Vorwand zu der Nichtgenehmigung der Steuer liefert. Die bedrohten Schichten des Bürgertums, die ihren Wohnungslurus nicht besteuert haben wollen, stehen bes. halb dieser Aenderung des Kommunalabgaben- Gesetzes abweisend gegenüber. Auf diesem Wege hoffen sie, verhindern zu fönnen, daß die Gemeinden den ernsthaften Versuch unterneh men, bem Wohnungslugus zu Leibe zu gehen. Es wird also im Landtag einen harten Kampf geben, bei dem die bürgerlichen Bartelen sich ausnahmslos als Gegner der Betämpfung der Wohnungsnot erweisen werden. Bezirksverband Berlin- Brandenburg. Abends 6% Uhr in ber Arbeiter- Bildungsschule, Breitestr. 8-9, Zusammenfunft aller GroßBerliner Referenten und in der Landagitation tätigen Genoffin nen und Genossen. Erster Vortrag des Genossen Seger über: Die Entwidlung des Sozialismus( Utopie, Wissenschaft, Praxis), verbunden mit Fragestellung. Die Geschäftsleitung. Arbeiter- Bildungsschule. Sonntag, den 8. April, vormittags 10 Uhr beginnt in der Arbeiter- Bildungsschule, Breite Str. 8-9, ber Kursus des Genossen Dr. Löwenstein, Erörterung praktischer Schul- und Erziehungsfragen vom sozialistischen Standpunkt aus. Die juristische Sprechstunde findet werftäglich- mit Ausnahme von Sonnabend nachmittags von 3-7 Uhr statt. Neukölln, Brik, Budow, Rubow( 14. Berwaltungsbezirf). Ent gegen anderslautenden Festlegungen findet die Generalver fammlung der U.S.B. endgültig am Sonntag, vorm. 9 Uhr, in den Stern- Lichtspielen, Hermannstr. 50 in Neukölln, statt. Ohne Mitgliedsbuch fein Zutritt. Bollzähliges Erscheinen ist Partei pflicht jedes Mitgliedes! Einführung in sechs Bezirksämtern. Gestern abend fand hintereinander in sechs Bezirtsämtern die Einführung von gewähl ten und bestätigten Mitgliedern durch den Oberbürgermeister Boeß und Bürgermeister Ritter in der üblichen Weise statt. Um 5 Uhr erschien der Oberbürgermeister Boeß im Lebigenheim auf dem Webbing, wo er von den Stadt und Bezirksverordneten emp Achtung! Händler! Seifen, Doppelriegel, Selfenpulver, Toilettens felfe, Faßfeife, Lanolin, Berfil, Feins und Stücken Soda, Streichhölzer, Urbin, Migrin Billigste Bezugsquellen Huth, Brunnenstr. 169 Wanzen Erhältlich in Apotheken und Drogerien. Apotheker Otto Pfeiffer& Pichler, Berlin N 65, Schulstraße 16. rufen. fangen wurde. Er gebachte bet der Einführung des Bezirksbür der Schlichtungsausschuß zur Vermittlung und Entscheidung bes germeisters Genossen Leid, der großen Aufgaben, die dem Be zirtsamt 3 inmitten einer gewaltigen Industriebevölkerung harren, die der Vollendung des Westhafens, der Nordsüdbahn u. a. wichrige Anlagen, entgegensehe und daraus großen Nugen erwarte. Nach der Verpflichtung des Bürgermeisters durch Handschlag gab der Bürgermeister die Versicherung ab, mit unterstützung des Magistrats mit den Kollegen zum Wohle des Bezirts an den Aufbau zu gehen. Alsdann erfolgte die Einführung und Verpflichtung der bestätigten unbesoldeten Mitglieder. Anschließend fand im 6. Verwaltungsbezirt( allesches Tor) die Einführung statt. Oberbürgermeister Boeß führte nach einer Ansprache den Bürgermeister Dr. Kahle ein, der dann die sämtlichen Verpflichtung einführte. befoldeten und unbesoldeten Mitglieder in ihre Aemter nach der Gleichzeitig fanden Einführungen in Weißensee, im 5. Bezirk( Friedrichshain) und Wilmersdorf durch Bürgermeister Ritter statt. 99 Versicherungsschwindel mit einer Söllenmaschine". Gestern nachmittag machte sich in dem Gepääaufbewahrungsraum des Potsdamer Bahnhofs ein penetranter Geruch bemerkbar, der die Beamten veranlaßte, sich die Gepäckstüde genauer anzusehen. Aus einem großen rechteckigen Karton vernahm man das Tiden einer Uhr und rief einen Sachverständigen herbet, der das Paket in fachmännischer Weise öffnete und in dem Karton neben anderen wertlosen Dingen eine Menge Papier und zwei große Flaschen mit einer leichtbrennenden Flüssigkeit vorfand. Außerdem war in dem Patet eine Höllenmaschine enthalten, bestehend aus einer im Gang befindlichen Uhr, die durch Drähte mit einer daran befestigten Flasche verbunden war, die ebenfalls eine leicht explodierende Flüssigkeit enthielt. Dieses Gepäckstück und ein daran hängendes fleineres Patet, die aus Holzlatten roh zusammengezimmert und mit Pappe bekleidet waren, sind von einem Unbe= fannten am 31. März, nachmittags zwischen 4 und 6 Uhr am Schalter abgegeben und mit 4000 bzw. 1000 Mart versichert worden. Offenbar hat der Täter in raffinierter Weise damit ge= rechnet, daß die Maschine explodieren und die Pakete vernichten mürde, um dann die Versicherungssumme erheben zu können. Wenn die Explosion eingetreten wäre, so hätte der damit entstehende Brand einen ungeheuren Schaden angerichtet und piel leicht auch Menschenleben in Gefahr gebracht. Man hat diesen teuflischen Anschlag zum Glüd rechtzeitig entdeckt und damit namenloses Unglüd verhütet. Schöneberg- Friedenau. Sonntag, den 3. April, vorm. 11% Uhr, findet für die während des Kapp- Putsches von den Säbel dittatoren hingemordeten Arbeiter eine Gedenkfeier auf dem Friedhof Blante Sölle statt. Die Genossinnen und Genossen treffen sich in den Zahlabendlotalen um 10 Uhr. Sammelpunkt und Abmarsch fiehe Sonntagszeitung, Organisationsnachrichten. Führungen durch Berlin und Studi- nfahrten in die Mart Brandenburg, verbunden mit funst- und fulturgeschichtlicher Belehrung, veranstaltet Dr. Hedwig Michaelson für die Hörer der HumboldtHochschule. Einleitungsvorträge Sonntag, den 10. April, 11 bis 12 Uhr, Genthiner Straße 13 und Dienstag, den 12. Apríl, 7 bis 8 Uhr, Lützowstraße 84d. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Sonntag. Ziemlich mild, zeitweise auftlarend, jedoch überwiegend neblig oder wolkig, bei schwachen westlichen Winden. Keine erheblichen Niederschläge. Arbeitersport Frete Turnerschaft Spanban( Sportabteilung). Die Turniportler verloren am 2. Feiertag gegen Charlottenburg infolge Erjag und Verfagens des Angriffes mit 2: 0( 1: 0). Am Lommenden Sonntag spielen erstere gegen Hennigsdorf. Diese fcheinen eine gute Form angenommen zu haben, denn sie holten gegen Charlotten burg ein 2: 2- Resultat heraus. Die hiesigen treten am Sonntag mit verstärkter Mannschaft an, um in ihrer Klasse durch einen Sieg weiter bie Führung zu behalten. Spielbeginn 4.30 Uhr auf dem Turnerschaftsplake an der Falkenhagenez Chaussee( Fahrtverbindung bis Nauener Str.), vorher 2,45 Uhr 2. Mannschaften. Gewerkschaftliches Unparteiischer Vorsitzender Es ist eine merkwürdige Erscheinung, immer neue, sogenannte unpartetische Vorsitzende" tauchen auf dem Schlichtungsausschuß auf und beweisen bei der Fällung von Schiedssprüchen, daß sie, so wollen wir wegen ihrer Unparteilichkeit hoffen, keine Ahnung haben, wozu ein Schlichtungsausschuß überhaupt da ist, oder aber sie sind ehrlich genug, flar zu erkennen zu geben, daß es nach dem 20. Februar 1921 teine unparteiischen Vorsitzenden mehr gibt. Wir hatten bisher geglaubt, Schlichtungsausschüsse seien dazu da, Streitigkeiten zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeber organisationen zu schlichten. Nach einem unter dem Vorsitz des Herrn Amtsgerichtsvats Hanschmann verkündeten Beschluß scheinen wir uns jedoch einer Täuschung hingegeben zu haben. Wir glauben, jeber Kommentar ist überflüssig, wenn wir den Beschluß im Original wiedergeben: „ Der Schlichtungsausschuh lehnt zurzeit eine Berhandlung und Entscheidung ab. Er erkennt an, daß die Gewerkschaften an fich zu ihrem Verlangen nach Tarifverhandlungen berechtigt find. Andererseits würde es dem Grundjage der Vertragsfreiheit widers ftreben, wenn gegen die nicht zum Abschluß eines Tarifvertrages gewillten Arbeitgeber ein 3wang zu einem solchen Abschluh aus. gelibt würde. Nur dann, wenn Streitigteiten über Löhne oder sonstige Arbeitsverhältnisse zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgeber bestehen, ist nach§ 20 der Verordnung vom 23. 12. 18 Briefmarken kauft Großmann, Johannisstr. 4. Bugang v.b. Friedrichft.( Nr.108) Norden 106 21 Motten, Flöhe, Kopf- und Körperläuse, Schwaben werden radikal Wanderfarten vernichtet durch Pfeifferol für alle Gegenden erhält man in ber Bret e Straße 8-9. Annahme tu allen Speditionen bes Berlages 3m vorliegenden Fall haben die lagenden Gewerkschaften tat fächliche Unterlagen dafür, daß gerade mit den jetzt beklagten Firmen Streitigkeiten über Löhne oder sonstige Arbeitsverhält. nisse bestehen, nicht erbracht. Solange derartige Unterlagen fehlen, ist ein Eingreifen des Schlichtungsausschusses nicht ans gängig. Es muß den Gewerkschaften überlassen bleiben, dies jenigen Firmen zu bezeichnen, bei denen solche Streitigkeiten ents standen sind, und ferner weitere Unterlagen dahin beizubringen, um welche Streitigteiten es sich handelt, und ob der Vers such gemacht worden ist, fie außerhalb des Schlichtungsverfahrens auf gütlichem Wege zu beseitigen." Die Angestellten der Kunst brudbranche, die von diesem Schiedsspruch betroffen sind, fönnen daran wieder einmal ers tennen, daß sie sich nur auf ihre eigene Kraft verlassen dürfen, und sich, wollen sie sich bessere Lebensmöglichkeiten er. kämpfen, im Zentralverband der Angestellen organisieren müssen. Zentralverband der Angestellten, Ortsgruppe Groß- Berlin. Friedhofsarbeiterstreik auch auf dem jüdischen Friedhof Der Kampf der Berliner Friedhofsarbeiter um ihre Existenzbedingungen und gegen die Unduldsamkeit der Kirchens gemeinden zieht immer weitere Kreise, denn seit heute morgen steht auch die etwa 100 Mann starte Belegschaft des jüdi schen Hauptfriedhofes in Weißensee im Streit. Ein Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses, den bisherigen Tarif um vorläufig vier Wochen zu verlängern und bis zum 31. März einen neuen Tarifvertrag abzuschließen, wurde vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde in lester Stunde abs gelehnt. Er beharrte darauf, feinesfalls mehr zu zahlen, als die christlichen Kirchengemeinden zu zahlen verpflichtet wären. Da dieser Betrag nun zur Zeit noch nicht feststeht, bot der Vorstand vom 1. April ab als Höchstlohn 5,50 M. pro Stunde, also 30 Pfg. weniger wie jest gezahlt worden sind, und verlangte außerdem Abbau der Kinderbeihilfen, so daß ein monatlicher Ausfall von 62,40 bis 260 M. entstanden wäre. Dieses verschämters weise als ohnangleich"(!) bezeichnete Ansinnen wurde von der Betriebsversammlung gegen 13 Stimmen ab. gelehnt und der Streit beschlossen. Sinzu tam noch, daß der Borstand der Jüdischen Gemeinde hinter dem Rüden des Bes triebsrates den alten Friedhof an einen christlichen Unternehmer im Alter von 22 Jahren verpachtet und diesem dabei etwa 8 der ältesten Arbeiter, die schon über 20 Jahre im Dienst der Gemeinde beschäftigt sind, einfach mit übergeben hat, um sie los zu werden. Jedenfalls ist die Arbeiterschaft nicht gewillt, sich alle diese Herausforderungen gefallen zu lassen und überläßt das Urteil über dieses schroffe Vorgehen dem gerechten Empfinden aller übrigen Mitglieder der Jüdischen Gemeinde, zumal deren Borstand erst vor kurzem den Beamten eine 20 prozentige Gehaltserhöhung zugesagt hat, während die Arbeiterschaft troh Erhöhung der Friedhofsgebühren von 100 bis 300 Pro. zent von ihren Forderungen durch eine in der Luft schwebende Gewinnbeteiligung abgelentt werden soll. Dieser Kampf zeigt, daß sich die jüdische Gemeinde an fleinlicher, sharfmacherischer Borniert und Gerissenheit den christlichen Gemeinden würdig an die Seite stellen kann. Tarifabschluß. Nach langwierigen Verhandlungen ist es uns gelungen, für die Angestellten der Schreibmaschi nen- und Vervielfältigungs- Bureaus einen Tarifvertrag abzuschließen. Die gehaltlichen Bezüge gelten ab 1. Ja nuar 1921. Nähere Auskunft auf dem Ortsbureau unseres Ver bandes. Zentralverband der Angestellten, Fachgruppe: Papiers und Graphisches Gewerbe. Steinjeher und Pflasterer. Da aum 1. April 1921 unser Tarif gekündigt wurde und wir vor Abschluß eines neuen Lohnver hältnisses stehen, muß jeder Kollege zur Bersammlung erscheinen. Künftig finden unsere Monatsversammlungen nicht mehr Sonn tags statt, sondern jeden Mittwoch nach dem Ersten, abends 7 Uhz im Zentral- Casino, Brunnenstr. 154. Aus den Organisationen Sonnabend, 2. April 8. Diftritt. Abends 7 Uhr Vorstandssigung bei Dreffe, Schreinerstr. 18. C Scheinen unbedingt notwendig. Sonntag, 3. April 16., 17. und 18. Diftritt. Die Genossen beteiligen fich an der Feler ber Gozlas listischen Proletarierjugend in der Aula des Leffing- Gymnasiums, Pantstr. 18. Eintritt 1 M. Beginn 6 Uhr. Karten an der Kaffe. Schöneberg Friedenan. Borm. 11% Uhr findet für bie während des Kapp Putsches gefallenen Arbeiter eine Gedentfeier auf dem Friedhof Blante Sölle ftatt. Die Genoffen und Genoffinnen treffen fich um 10 Uhr in den Bezirkse Totalen. Wir ersuchen alle Genoffen, fich restlos zu beteiligen. Vereinskalender Montag, 4. April Knorr- Bremse. Alle Stoflegen, welche noch arbeitslos find, werben gebeten, f früh 9 Uhr bei Blume, Borhagener Str. 62, in Listen eintragen zu lassen. Abends Ortsgruppe Süden des Internationalen Bundes der Kriegsopfer. 7 Uhr Bezirksversammlung bei Löffel, Dresdener Garten, Dresbener Str. 45. Ers heinen aller Mitglieder ist Pflicht, da Aussprache über stattfindenden Bundestag stattfindet. Berantwortlich für die Redaktion: Emil Rabold, Berlin. Berantwortlich Karlshorst. für den Infezatenteil: Ludwig Romerinez. Berlags genossenschaft Freiheit" e. 6. m. 6. 5., Berlin. Drud der Berliner Druderet 6. m. b. 5., Berlin C2, Breite Str. 8-9. Kleine Anzeigen Geschäftsstelle: Berlin 2, Breitefts. 60 Das Ueberschriftswert 2.-M., jebes weitere Wort im Tegt 1.50 Mh. netto. Stellungsgesuche: Ueberschriftswort 1.50 k., jedes weitere Wort im Text 1.- Ma Verkäufe Möbel Prismenfernglas, Photos| Spiralbohrer, Holzs, Schloße apparate Pinner, Wallner theaterstraße 38. Kokoski, Goldschmied, kauft zu günstigen Preisen: Platin, Gold, Silberbruch, unmodernen Herrenanzüge! Hofen! Möbel, gebraucht und neu, Buchhandlung, Freiheit" enfationell herabgelegte Spott Stube und Küche, gut erhalten. Schmuck, Zahngebisse, Brenn Preife! Reine Berjagmare! 1800.-. Rehfeld, Badstraße 34. ftifte. Eigene Verwertung. Pfandleihhaus Schönhauser Goldwaren- Fabrik Brunnens lee 115( Ringbahnhof, Hoch firaße 168. bahnhof). Zur bevorstehenden Einschägung zur Reichseinkommensteuer muß jeder Arbeiter, Angestellte, Beamte und Gewerbetreibende haben Das Reichseinkommensteuergesetz Mit Einleitung und Erläuterungen von Eugen Prager Preis 4.- Mart Die frappe, übersichtliche und allgemeinverständliche Darstellung wirb jedem Steuerpflichtigen restlose Aluftlärung über die wichtigsten Steuerfragen verfchaffen, wie die Abzüge vom Einkommen, den steuerfreien Teil des Einkommens, die Berücksichtigung besonderer wirtschaft. licher Verhältniffe, den Steuerabzug usw. 3u beziehen durch bie Buchhandlung Freiheit", Berlin C 2, Breite Straße 8-9 Auch durch alle Filialen der Freiheit" Fahrräder Hausnummer acten. Chaiselongues 150,- bis 600,-, Metallbetten 250- bis Etaunenerregend! Kreuzs 2000,- weiße Schlafzimmer, füchse 85.-, Rotfüchse 75.- Meicke. Auguftftr. 32a. Qugb. 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