ih\ 215. Adommnents-Kedingungen: «bonnenienis- PrelZ pränumerando: «ierteljährl> 3,S0 Mr., monatl. 1,10 Mr., wöchenllich 28 Psg. sret tu» Hau». Einzelne Nummer S PIz. Sonntag». Nummer mit illustrirter Sonniag». Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Slbonnenient: 330 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung». Preisliste sur 1897 unter vr. 7487, Unter»reuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrig« Ausland s Marl pro Monat. Erscheiul täglich«uster wonlag«. Devlinev Volksbl�lt. 14. Jahrg. Die Inftrtions-VMlfr »«trägt für die sechSgsspallene Kolonel- zetle oder deren Raum 40 Psg., für verein»- und PersammlungS-Anzeigei«. sowie ArbeitSnlarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen dt» 4 Uhr nachmittag» in der Eipeditio» abgegeben werden. Tie Slpediiton tst an Wochentagen bi» 7 Uhr abend», «m Sonn- und Festtagen bi» 0 Uhr vormittag« geössnel. Fernsprecher! Sinti, Sr. 1608. Telegramm- Adresse: „Soztaldeinokrak Serliu". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Ztcd-iktiou i«V. IS, N-ulh-Kiraß- 2. K�pedilion: 8V. 19, Meuly-Slraße 3: MoiszmÄls Eisenvtthn-LtttfÄlse« Die Eisenbuhn» Unglücksfälle scheinen jetzt zur ständigen Nudrik in der Presse werden zn sollen. Von verschiedenen Seiten erhalten wir Zuschriften über Schicckenssahrten, mit Stockungen, schleickernden Wagen, die jeden Aligenblick zu enl gleisen drohten, ulid sonstigen Annehmlichkeitei,. Besonders interessant ist eine Zuschrift, die uns unter der Spitzniarke:„Ein Beitrag zur Lehre von den Ursachen der Unfälle auf preußischen Bahnen" zugeht. Es ist eine Schilde- riing der Fahrt des Zilges Nr. 21) anf der Strecke Krenz-Berlin um gestrigen Montag: „Der Zng lief mit einer Verspätung von 10— IS Minnlen in LandSberg a. W. ein. Das Ein- und Aussteige» wurde infolgedessen ziemlich beschleunigt, und der Zug war binnen kurzem ivieder fabr- bereit. Bald gab der Stationsvorsteher das Zeichen zur Abfahrt der Zngsnhrer pfiff ab und— der Zug blieb unbeweglich stehen Der Stationsvorsteher wartet etwas, winkt dann zum zweiten Muh der Zugführer pseift wieder ab und— der Zug bleibt weiter nn- beweglich stehen. Jetzt versammelt sich Zug- und Stationspersonal um die Maschine; sie wird besichtigt und schließlich ordnet der Stalionsvorsteher das Vorfahre» einer Reservemaschine nn. Wahrend diese sich bereit inacht, wird den überraschte» Passagircn folgendes mitgciheilt: Die Maschine zieht schwer an. Sie kann, wen» die ikolve» an einem bestimmten Punkte stehe» gebliebe» sind, de» Zug nicht allein wieder in Bewegung setzen. Wir haben deshalb heute auch schon in Driesen etwa 7 Minuten und in Friedeberg etwa b Minuten gelegen. Die Maschine ist wegen des Fehlers schon wiederholt gemeldet worden. Die Antwort von oben lantet aber immer einsacki:„Der Loko- »> o t i v f ü h r e r v e r st e h t seine Sache nicht." Inzwischen halte sich die Reservemaschine vor nnseren Zug und seine„stätige" Maschine gesetzt, und wir setzten uns mit einer Ber- spälnng von ungefähr 20 Minnlen in Bewegung. Die Strecke bis Cüstri» Vorstadt wurde infolge deffen mitrasender Geschwindigkeitdnrch. laufen. Bei„Ciistrin Vorstadt" konnte der Zug nicht rechtzeitig zum Halten gebracht werden und fuhr 1S0— 200 Meter über den Bahnhos hinaus. Jetzt sollte rückwärts gefahren werden. Das ging aber nicht. Unsere Maschine war auch diesmal auf dem unglücklichen Punkt stehe» geblieben, und die Reservemaschine war ivohl zn schwach. Es mußte also auf offener Strecke ans- und eingestiegen werden. Dann kam das Abfahrtssignal. Aber jetzt ging? auch trotz der Reservemaschine nicht vorwärts. Run befahl der Stations- votsteher, die Rangirmaschine solle Hinte» anfahren. Und endlich fetzten wir uns in Beivegung, zu aller Erleichterung, denn eben kam ans dem Geleise, das dem Verkehr zwischen Bahnhof und Zng ge- d.ient, ein Güterzug herangcbranst. Der Bahnhof Cüstrin Stadt wurde ohne Zwischenfall passirt. Die Strecke bis Schlesischer Bahnhof wurde dann mit so erhöhter Geschwindigkeit durchfahren, daß wir dort mit nur 10 Minuten Aerspälnng eintrafen, oder vielmehr nicht dort, sondern 70 bis 100 Meter ivciter, denn der Zug kam wiederum zum größten Theil erst außerhalb des Bahnhofs zum Stehen. Da es ein„Zurück" nicht gab, so mußten die Passagiere sehe», wie sie sich mit ihrem Gepäck nach dem Bahnhof hinarbeiteten. Damit waren die Erlebnisse dcS Zuges für diesmal abgeschlossen. Daß die Maschine unbrauchbar und ihre Verwendung eine ganz außerordentliche Gefährdung der Betriebssicherheit bedeutet, ist hiernach offensichtlich. Wir nehmen auch an, daß die Bahn- Verwaltung in der Erkeniitniß dessen die Maschine jetzt dem Betrieb entziehen wird. Dies die Znschrift. Also eine Maschine, deren Unbranchbarkeit amtlich bekannt ist, ivird im Dienste behalten— auf die Gefahr hin, daß eine Ztätaftrophe eintritt. Oder ist es nicht ein bloßer Znsall, daß die oben beschriebene Fahrt nicht in einer Entgleisung oder einer Kollision endigte? Wie ist es überhaupt z n verantworten, daß so mangelhaft funktionircnde Maschinen im Dienst behalten werden? Auch anderen Blättern sind einige Mittheilnngcn zn- gegangen, welche charakteristisch sür unsere Bahnznstände sind. Eine Zuschrift an die„Vossische Zeitung" bespricht die Unzulänglichkeit der Bahn Hofsanlagen und sagt über den Bahnhof in Stralsund: „Ganz abgesehen von dem jämmerlichen Bahnhossgebände, einem niedrigen Brelterbau, der noch ans der Festimgszeit stmnmt, als im sogenannten Rayon noch nicht in Sleinwerk gebaut werden durfte, und der in seinen Einrichtungen trotz der mannigfachen Flickereien, die er erfahren hat, unzureichend ist,— ganz abge- sehen von diesem, ist die Bahnsteig-Anlage eine so gefährliche, daß eS nicht zu verwundern sein dürfte, wenn sich hier ein größeres Unglück ereignen sollte. Ursprünglich war der Bahnsteig nur für die seinerzeit einzig hier mündende Slettiner Bahn be- flimmt. Jetzt münden hier vier Bahnen, die genannte, die Nord- bah», die Rügenbahn nnd die Rostocker. Nur ei» einziger Bahn- steig ist unmittelbar vom Bahnhofsgebäude zu erreichen; alle übrigen könne» nur dadurch erreicht werden, daß die Schiene» überschritten werde», und ich habe gesehen, daß in derselben Zeit, wo die Schienen von Fahrgästen überschritten werden mnßle», zur Abgangs- zeit eines Zuges(nach Rostock) die Maschine eines andere» Zuges dieselben Schiene» besuhr. Das war freilich am hellen Mittag, nnd der Lokomotivführer war gewiß ein vorsichtiger Mann, der die Zeil abwartete, wo gerade kein Fußgänger die Schienen über- schrill nnd diese auch jenseits stehen bleiben konnten.?lber der bloße Gedanke ist fürchterlich, daß einmal die Dunkelheit eines netuligri, Winlernbends und die Unvorsichtigkeit eines Führers oder eines Weichenstellers zusammenwirken sollten und dann ein Unglück geschähe. Hier erscheint Abhilfe dringend geboten und wird von der diesigen Bevölkerung, namentlich auch von der Kaufmannschast seit Jahren verlangt, bisher freilich vergebens, v e r mu t h l i ch inch ans Sparsamkeit. Es sind auch schon Minister ,icr gewesen, um sich die unmöglichen Zustände anzusehen; aber Minister komme» und gehe», und der Bahnhos bleibt in « i n e m Z n stand e." Im allerhöchsten Maße müssen die Mittheilnngen Aufsehen erregen, welche ein Eisenbahnbeamter in einem Elber- seider Blatt über die Ursachen des Eisenbahn- Unfalls bei Rittershansen macht. Da heißt es: „Ter durchgerissene Zng war größtenthcils st a t t m i t Bremsern mit R o t t e n a r b e i t e n besetzt, welche im Bremsen nicht die n ö t h i g e Ausbildung im d K e n n t n i ß besitze». Oft kennen diese Leute nicht einmal die Signale, viel weniger noch die Strecke. Außerdem sind sie gewöhnlich beim Dienstbegin» schon müde, da sie viele Stunden oder den ganzen Tag ans der Strecke gearbeitet haben. Das Unglück ist dadurch herbeigesührt, daß der Zng am Block zwischen Ronsdorf nnd Laugerseld halten niußie. Hierbei wurden die vordersten Bremsen zuerst angezogen; der hinlere Theil des Zuges lief dadurch gegen den vorderen und wurde durch den Anprall und das starke Gefälle(1:40) wieder zurückgifloßen. Die Folge war der Bruch der Verkuppelung. Bei einem geschulten Personale ziehen die hinlern Bremsen, sobald sie Haltesignal sehe», die Bremsen schon von selbst ein wenig an. wodurch ein Auslauseu der Wagen vermieden wird. Ein weilerer grober U e b e l st a n d ist, daß Bremsen in Züge eingestellt werden, die nicht einmal ihr eigenes Gewicht bremsen, viel weniger noch andere Wagen mit hennnei! können. So sah ich vor einigen Tagen noch einen Zug mit einer Schlußbremse, welche im angezogenen Zustande nicht einmal die Bandagen streisle.(Der Zug fuhr von Barmen nach Remscheid.) Auch bei d e m L o k o m o t i v p e r s o n a l ist der Mangel n n Leuten sehr groß. Die an- gestellten Heizer fahren f a st täglich f ä in m t l i ch als Lokomotivführer. Oft müssen diese noch ihre Ruhe- und Sonntage einbüßen, um das sehlende Personal zu ersetzen. Fast sämmlliche Hcizerstellen sind mit Hilfsheizern und die F ü h r e r st e l l e n mit Heizern besetzt, die ihr Führer- exanien gemacht haben. Jetzt werden sogar Hilssheizer zur F ü h r e r p r ü s n n g zugelassen, um iiölhigeufallS auch als Führer zu fahren. Ans diese Weise spart die Verwaltung Tan sende, weil sie kein Führergchalt zn be- zahlen braucht." So bringt jeder Tag neue höchst beschwerende Au- klagen gegen die im Eisenbahn- Betriebe herrschende Spar- Politik. So werden Leben nnd Gesundheil der Eisenbahn- beamten und-Arbeiter sowie des reisenden Publikums durch Mangelhaftigkeit des.Bahnmaterials und Ucberbürdnng der Angestellten aufs allerschlinimstc gefährdet. Ware es nicht hundertmal angebrachter gewesen, wenn die Eisenbahn- Behörde diesen Mißständen in ihrem Vcr- waltnngskreise ihre Ausincrksanikeit zugewendet hätte. anstatt die Organisationen der Eisen bahn- Unter- beamten nnd Eisenbahn- A'r b e i t e r mit„staats erhaltendem" Eifer zn verfolgen! Die Eisenbahner, welche durch Gründung von Organi- sationcn ihren Wünschen betreffs Arbeitszeit und Arbeitslohn Nachdruck verschaffen wollen, handeln, wie sich nun deutlich zeigt, zugleich im Interesse und zum Schutze der Allgemeinheit. Die bürgerlichen Parteien aber billigen die Ataß- rcgelnngen, welche die Behörde über jene Organi- salionen nnd ihre Führer in schroffster Weise vcr- hängt hat. Taniit machen sie geflissentlich eins der hauptsächlichsten Mittel zur Beffcrnng unserer Eisenbahn Misere unbrauchbar nnd werden so zu Mitschuldigen der behördlichen Eiscnbahnpolilik. Das Verhalten der bürgerlichen Blätter zn den Eisenbahn Unfällen ist auch sonst recht auffällig. Mit einem Worte, sie sind voller Ingrimm gegen die Behörde nnd thnn wunder wie radikal. Freilich, das rciscndc Publikum ist ja auch ihr Publikum. Von dem Schlendrian im Reiche des Herrn Thielen werden ihre eigenen K l a s s e n g e n o s s e n mit be- troffen. Die zahlreichen Unglückssälle, welche die Eisenbahn Arbeiter fast täglich ereilen, berühren die bürgerliche Presse sehr wenig. Selbst die schlimmsten B c r g w e r k s- K a t a st r o p h e n haben noch nicht ein Zehnthcil der Erregung und Entrüstung bei ihr hcrvorgernsen als die Eisenbahn-Unfälle. Diese Thatsache wollen wir bei dem jetzigen Entrüstungs- stürm der bürgerlichen Blätter nicht in Vergessenheit gerathen lassen. Politische Mebeelkcht. Berlin, 14. September. Zwcibniid nnd Dreibund. Ter gewöhnliche Menschen verstand mußte annehmen, daß der Zweibnnd, obgleich das natürliche Kind des Dreibundes, doch dessen natürlicher Wider- part sei, nnd daß beide ungefähr den gleichen Werth haben — nämlich den des Papiers, ans das sie(mit historischen oder unhistorischen„Gänse-, Schwanen-, Adler-, Geyer- oder Stahl- 'edern) geschrieben sind. Ein u n gewöhnlicher Menschenverstand hatte aber ent- deckt, daß die beiden Bunde zwar jeder für sich nichts werth sein möchten nnd daß einer den anderen aufhebe, daß es jedoch möglich sei, sie zn v e r b ü n d e n, und daß sie dann eine sehr, sehr große Macht darstellen würden. Zweibund u n d Dreibund, also nach Adam Riese zusammen a d d i r t ein F ü n f b u n d— das ist die politische Quadratur des Zirkels, das ist die Lösung des großen Welt- Problems!— entdeckt irgendwo ein genialer staatsmännischer Geist. Und der Versuch ward auch gemacht, de» Fnnfbnnd zu verwirklichen und in ihm die„ H e i l i g e A l Ii a n z" zur Bckäinpfnng des Umsturzes endlich wieder aufleben zu lassen. Ob der erfahrene Onkel Chlodwig ans den Leim gehüpft ist, wissen wir nicht, aber in Berlin, oder wenigstens im Reich sind verschiedene Leute drauf gehüpft und auch dranf hängen geblieben. In Paris machte man eine höfliche Verbeugung nnd auch in London lachte man recht unhöflich— diese Engländer sind so brutal. Und die deutschen Staats- psiffiknsse, die ans den Heiligen„Allianz- oder Fünfb»nd"-Leim gehüpft sind, schauen heute betrübt den weggeschwemmten Fellen nach und suchen den klebrigen Leim von den Füßen abzuwaschen.. n. Vorläufig haben wir demnach in Europa einen Zweibnnd nnd einen Dreibund, nnd sintemalen gewisse Leute nicht alle werden, wird es auch noch eine Zeit lang gewisse Leute geben, die an die Wundcrkrast dieser beiden Blättchen Papier glauben. Apropos, wenn w i r diese diplomatischen Irrfahrten etwas scherzhast behandeln, so darf man sich hierdurch nicht zu der Meinung verleiten lassen, de» betreffenden Jrrsahrern sei es niit ihrem Streben nicht sehr ernst gewesen. Es war ihnen nicht nur sehr ernst, sondern ihre Aktion war auch, mit dem diplomatischen Znknnftsmaßstab gemessen, eine sehr ernst- hafte. Und entsprechend ernsthaft war selbstverständlich auch die Niederlage. Doch unsere Polizcipolitiker sind zum Glück an solche Niederlagen gewöhnt, wie die Aale ans Geschnndenwerden. Freilich, ohne die abscheuliche Indiskretionen ber englischen Presse, welche die Geschichte von dem internationalen Polizei- Bittgang nach London ausplauderte, hätten die blamirten Zcntralcnropäer das fatale Erlebniß fein todtgeschwiegen. Nun— wir hatten es den Rittern der Heiligen Allianz vorausgesagt, daß sie bei ihrem Stnrmlauf gegen den„Uni- stürz" nnd das Asylrecht zwar nicht blutige Köpfe, aber doch dicke Beulen davontragen würden. Jetzt haben sie ihr Theil— und der Löwenantheil ist, waS unseren Patrioten eine besondere Freude bereiten wird, ins prenßisch-dentsche Reich gekommen.— Die Verletzung dcS Etatsrechtes. Der Besch wich- t i g n n g s- H o s r a t h ist im„Hamb. Corr." an der Arbeit. Er schreibt: „Keine Etatsübeischreitiing, und ivenn ganz Südivestafrika zil gi nn de geht"— vaiiirt ein Aussatz der„Frels. Zig." ein be- kaiintes lateinisches Wort. Wenn hier die Elatsüberschreiluiig zu gunslen des Bahnbaues in Südivestafrika als„Bruch des Etats- rechts" hingestellt wird, so liegt die theoretische Nebertreibnng auf der Hand. Auch wir wünschen nicht, daß ohne Roth Eingriffe in das Bndgetrecht des Reichstages geschehen, wie sie bei jeder Elatsübeischreilnug vorliegen. In dein jetzt erörterten Falle ist aber ein N o I h st a n d zn koustatiren. Wie wir eine beträchtliche U e b e r s ch r e i t u n g des preußischen Etats nicht hätten tadeln können, die den U c b e r s ch w e in in l e n zu gute g e k o in in e n iv äre, ebenso sehen wir nichts etatsrecht- l i ch Verwerfliches darin, daß die Reichsregierung an- g e s i ch t s der durch die Rinderpest geschaffenen Gefahren niit inöglichster B e s ch l e n n i g» u g de» B a h n b a u in unserer Kolonie beginnt. Die Jndcniiiität wird ihr hier so sicher sein wie in zahl- reichen anderen Fällen, eine prinzipielle Berivahrnng vor- ziibriiigen, ivird den Freisinnigen nicht verwehrt sein, wenn die nachträgliche Fordernng im Reichstage zur Debatte steht. Es wird sich dann auch Gelegenheit dielen, üliiskunft über die unklaren technische» Fragen und Über das verzwickte Berhältniß des Reiches zu den Privatgesellschaften zn verlangen." Selbst bei der Milde, mit der im Deutschen Reiche leider willkürliches und vcrfassnngswidrigcs Gcbahrcn bcnrthcilt wird, muß die Entschuldigung des Beschwichtigungs- Hofraths als durchaus mißglückt angesehen werden. Man scheint, was ja bei dem häufigen Wechsel in den höchsten Ncichsstellen nicht besonders auszufallen braucht, gänzlich vergessen zu haben, daß der strittige Etatsposten ausdrücklich vom Reichstage a b- gelehnt wurde. Darüber hilft nun kein Deuteln und Drehen hinweg. Trotz der Ablehnung aber dann ans grund eines Nothstandes doch schlankweg Eisenbahnen bauen, ist wohl der höchste Grad in der Auslegungsknnst des für gewöhnliche Menschenkinder durchaus klaren Budgetrechtes � des Reichstages. Wenn sich das der Reichstag einfach bieten läßt, dann darf er sich auch nicht wundern, wenn ohne seine Zustimmung eine Nenbeivasfnnng der Armee oder der Bau von Panzerschiffen stattfindet. Offiziöse Journalisten werden den dazu gehörigen Nothstand schon konflrniren. Da aber nicht die Reptilien, sondern der Reichstag das Recht der Etatsbewillignng nnd der Benrthcilnng des verfassungsmäßigen Gebahrens der Reichsregierung Hai, muß in fchärsster Weise gegen das Vorgehen des Kolonial- amtcs, für das Fürst Hohenlohe die Verantwortung trägt, Einspruch erhoben werden.— »« * Deutsches Reich. — Keine Staatshilse. Von den amtlich festgeflelllen 643 090 M. Wasserschäden im Görlitzer Landkieise köiinen aus den bisherigen Saimiiliingen nur 4 pCl. vergülel weiden. Der im Kreise Hirschberg enniltelte Ueberschiveininuiigsschaden beziffert sich ans Z'/e Millionen Mark; davon entfallen fast 2>/i! Millionen ans Schaden an private,» Eigenthiiin. Au Unterstützungsbeiträgen hal der KreiS bisher noch nicht IS0 000 M. erhallen. Der Nothstand in Südivest-Afrika, der veranlaßt wird durch die Rindviehpest, veranlaßt die Regierung direkt gegen de» Willen des Reichstags zu handeln, bei uns in Preuße» aber scheut man eine Hilfe, welche nur«inigermaße» im Berhällniß zu dem angerichteten Schaden steht.— — Die P o st n n t e r b e a in t e n nnd die Parteien, Wir besprachen kürzlich einen Artikel dcS„Deutschen Post. boten", in welchem die traurige Haltung der Zeutriiins- partei in der letzten Reichstags-Seision gegenüber den sozial- deinokralischen Anträgen ans Erhöhung des Anfangsgehalles der Poswnterbemnte» und des Meistgehultes der Linidbriefträger ciiier treffende» Kriltl unterzogen wurde. Nnch langem Stillschweigen hat dann die Zenttumspresse sich zu vertheidige» gesucht. Ihre Ver- theidignng tief aus die allgemeine lltedensart hinaus, das Zentrum habe doch immer ein Herz für die Unlerbeamten gehabt. Außerdem aber beliebt die Zentrumspresse den„Deutschen Postboten" zu ver- dächtigeu, er treibe wohl„Parteipolitik", d. h. s o z i a l d e m o- kr a t i s ch e Parteipolitik. Letzteres ist eine recht gemeine Denun- ziation der Zentrumsblätter; auch die„Köln. Volksztg.", doch oft «in anständiges Blatt, leistet sich diese Denunziation. Der„Postbote" weist i» einer Replik in seiner neuesten Nummer die Auslassungen der Zentrumsorgane eingehend zurück. Er zeigt von neuem, wie lediglich durch die feige Haltung des Zentrums die Anträge des Abg. Singer zu Fall gekommen sind. Ueber die„Partei- Politik" sagt das Blatt: „Dieses Streben, eine aufkommende Bewegung zu der Sozial- dcmokratie zu werfen, wenn sie diesem oder jenen» nicht gefällt, ist ein alter Kniff, der auch, aber ohne Erfolg, gegenüber dem Postassistenten- Verbände versucht wurde,— allerdings nur von viegierungsseite. Einem Zenlrnmsblatt bleibt es vorbehalten, jetzt, wo die untersten Staatsdiener in Frage stehen in diese Fnßstapfen treten... Können wir etwas dafür, daß seitens der sozialdemokratischen Fraktion die den Unlerbeamten günstigsten Anträge kamen? n»d sollten wir deshalb, weil sie von dieser Partei kamen, iins ihnen gegenüber ablehnend verhalten? Das wird kein vernünftiger Mensch von nnS verlangen. Wir treiben keine Parteipolitik und machen deshalb auch keine Stimmung zu den Wahle», wir sind überhaupt auf keine bestimmte Partei eingeschworen. Wir versuchen in unserem Blatte einzig und allein eine Hebung der Lage der Post-Unterbeamten in die Wege zu leiten. Und in diesem erusthaslen Bestreben nehmen wir allerdings das Gute, wo ivir es finden." Wir wollen dieser Ausführung nur hinzufügen, daß der„Post- böte" unseres Erachteus weit mehr»ach rechts hält, als die übergroße Mehrheit der Post-Unterbeamten politisch steht. Besonders eine Politik, wie sie auch das für sozialpolitische Dinge angeblich so be- geisterte Zentrum gegenüber den Post-Unterbeamten befolgt hat und sicherlich, infolge seiner Stellung als Partei, die es auch„nach oben" nicht verderben darf, weiter befolgen wird, muß die Unterbcamlen nothwendigerweise immer mehr erkennen lassen, daß nur die Sozial- demokratie eine energische und unentwegte Vertretung ihrer Jnter- essen im politischen Kampfe betreibt nnd betreiben kann. Bei der nächsten Postetats-Bcrnlhung wird es siel) ja zeige», ob man seitens des Zentrums wiederum nur Worte für die Posiproletarier haben wird!— Zu der Frage der Entschädigung unschuldig V e r u r t h e i l t e r nimmt Rcichsgerichtsrath Dr. S t e» g l e i n in der„D. Jur.-Ztg." das Wort. Er setzt auseinander, daß die Wiederbelebungsversuche der Strafprozeß-Rovelle und der Wieder- eiuführung der Berufung in Straskammersache», auch wenn die letzteren in der Form eines Initiativantrages erstrebt werden sollte, wenig Aussicht auf Erfolg habe und schlägt dagegen vor, durch einen solchen Antrag die Frage der Entschädigung nnschnldig Ver- urtheilter zu einer befriedigende» Lösung zu bringen. Als einen Ausweg aus den bei dieser Frage sich aufthürmcnden Schwierigkeiten schlägt Dr. Stenglei» vor, nach dem Älnalogon der Buße auch die Geldentschädigung unschuldig Verurlheilter nicht der Entscheidung der Justizverwaltung, sondern dem freien richterliche» Ermessen zu überlasscn. Reichsgerichtsrath Slenglei» schlägt ein Spezialgesetz in folgender Fassung vor: ,,§ 1. Personen, gegen welche eine im Strafverfahren rechtskräftig erkannte Strafe ganz oder thcilweise vollstreckt worden ist, können, wenn sie ans grnnd des Z 397 St.-P.-O.(Erfolgt zir gunsten eines Angeklagten die Aushebimg des UrtheilS wegen Gcsetzcsverlctznng bei Anwendung des Strafgesetzes und erstreckt sich das Urlheil, so weit es aufgehoben ist, noch auf andere Angeklagte, welche die Revision nicht eingelegt haben, so ist zu erkennen, als ob sie gleichfalls die Revision eingelegt hätte») oder im Wiederaufnahme-Verfahre» freigesprochen, oder in Anwendung eines milderen Strafgesetzes mit einer geringeren Strafe belegt wer- den, Ersatz des durch das frühere Verfahren verursachte», i» Geld zu veranschlagenden Schadens beanspruchen. Den gleichen Anspruch können Personen erheben, welchen der Ver- urtheilte zur Gewährung des Unterhaltes gesetzlich ver- pflichtet war, wenn der Verurthcilte vor Geltendmachung des Anspruchs verstorben ist, oder auf denselben verzichtet hat.—§ 2. Wie§ 413d des Entwurfs der Slrasprozeß-Novelle. (Die Entschädigung wird ans der Kasse desjenigen Bundesstaates, bei dessen Gericht das Strafverfahren in erster Instanz anhängig tvar, oder, wenn das Reichsgericht i» erster und letzter Instanz erkannt hat, aus der Reichskasse geleistet.— Bis zum Betrage der geleisteten Entschädigung tritt die Kasse in die Siechte ein, welche dem Entschädigten gegen Drille um deswillen zustehen, iveil durch deren rechtswidrig« Handlungen seine Verurtheilung herbeigeführt war.)— s 3. Der Anspruch auf Entschädigung muß bei Vermeidung des Verlustes binnen drei Monaten»ach Rechtskraft des das frühere Etrafurtheil aushebenden Urtheils geltend gemacht werden. Wen» der Verurlheilte vor Slblauf der Frist stirbt, so könne» die in§ I Abs. 2 bezeichneten Personen den Rest dieser Frist zur Erhebung des Anspruchs benutzen. Der An- trag auf Zuerkenuung einer Entschädigung ist schriftlich oder zu Protokoll des Gerichtsschreibers zu stellen und muß den Betrag, welcher als Entschädigung verlangt wird, angebe». Ans einen höheren Betrag als den beantragte» darf nicht erkannt werden. Darüber, ob eine Entschädigung zuzuerkennen sei, und über de» Be- trag derselbe» entscheidet das Gericht, ivelches das, das frühere Urtheil aushebende Urlheil erlassen hat, nach öffentlicher und mündlicher Verhandlung nnd nach Gehör dcS Staats- anwalts, nach freiem Ermessen mittels eines Nachtrags- urtheils. Ist der Antrag rechtzeitig gestellt, so kann die Entscheidung mit dem das frühere Urtheil aufhebenden Urtheil ver- bunden werden. Gegen das über den Entschädigungsanspruch cnt- scheidende Urtheil findet das Rechtsmittel der Revision statt."— Die§§ 413 c und f des Entwurfs erscheinen entbehrlich. Daß jemand vorsätzlich seine Verurtheilung herbeiführt, ist ein zu sellener all, um ihn nicht in das Ermessen des Gerichts lege» zu könne». in derartiges Spezialgesetz, meint Dr. St., wäre ein würdiger Gegenstand für einen beim nächsten Reichstag zu stellenden Initiativantrag, de» der Reichstag auch mit leichter Mühe würde erledigen können. — Beschränkung der Einfuhr an» Asien. Der „ReichS-Anzeiger" veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung über Beschränkungen der Einfuhr aus Asien, welche an stelle der ähu- lichen Verordnung vom ö. Februar d. I. zu treten bestimmt ist. Danach ist zur Vermeidung der E i n s ch l e p p u n g der Pest die Einfuhr zur See von Leibwäsche, alten und getragene» Kleidungsstücken, gebrauchtem Bettzeug, Federn und Lumpe» aller Art ans den Häfen des Rothen Meeres ausschließlich der Häfen des Suezkanals, aus Persien, dem Festlande Vorderindiens, Formosa, Hongkong. Makao und China südlich des 39. Breitengrades bis auf weiteres verboten. In der Februarverordnnng war u. a. auch die Einfuhr von Häuten und Fellen verboten. Dieses Verbot ist nun- mehr völlig aufgehoben.— — Der Parteitag der freisinnigen V olkS Partei sprach nach Erstattung des Sieichstags-Berichls durch den Abg. Fischbeck der freisinnigen Fraktion einstimmig ihr Vertrauen ans. Stadtv. Goldschmidt-Berlin nahm im Anschluß au de» Reichstags- Bericht Veranlassung, die Bäckerei-Verordunng und das ganze Gebiet der Arbeiterbewegung, der Arbeiterschutz-Gesetzgcbung nnd des Gewerkvereinswesens zu erörtern; er betonte, daß man sich überall hüten solle, als ob in einer Loh» b e weg u» g stehende Arbeiter imnier sozialdemokratische seien. In der sich daran anknüpfenden Erörterung wurde dieser Ansicht beigetreten; es wurde dabei auch betont, daß man diese An- schauung leider in den betroffenen Kreisen vielfach lheile. Es bestand keine Meinungsverschiedenheit darüber, daß die Gewerkvereine alle Förderung verdienten. Im weiteren Verlaufe berührte illbg. Richter«ingehend die parlamentarische Behandlung des K o u s e k ti on s a r b e i t e r- Streiks und betonte unter Zustimmung der Versammlung, daß ein Eingreifen in Streiks für den Reichstag eine außerordentlich bedenkliche Sache sei; anders sei es selbstverständlich, wenn Rechtsverletzungen erfolgten und die Regierung in parteiischer Weise für den einen Theil ihren Einfluß einsetze. Weiter betonte Abg. Richter, daß gerade von der Freisinnigen Aolkspartei der Autrag auf Regelung der Verhältnisse der ländlichen Arbeiter und des Ge- siudes gestellt wurde, ohne daß eine Verhandlung desselben erzielt werden konnte. Dagegen sei ein Antrag Lsuzmann anläßlich der Verhandlung eines sozialdemokratischen Antrags angenommen worden. Die Arbeiterfreundlichkeit beruhe überhaupt nicht in der möglichsten Einführung von Strafparagraphen, welche schließlich auf das praktische Lebe» paßten wie die Faust aufs Auge. Sodann ging der Parteitag über zur Berathung de? Pro- g r a in m S für die R e i ch s t a g s w a h l e u. Das von dem Zeutralausschuß aufgestellte Programm wurde im einzelnen von dem Abg. Richter begründet. Am dritten Verhaudlungstag(Dienstag) wurde einstimmig das gesammte Programm angeiioniuien. Hieraiis wurde über das von dem geschäftssührenden Ausschuß vorgeschlagene laudwirthschaftlich« Programm verhandelt. Dasselbe wurde mit Zusätzen, betreffend die Pflege des Waldes und die direkte Wahl zu den Laudwirthschafls- kaiumcrn, einstimmig angenommen. Der Parteitag ging dann über zu dem Antrag IL des geschäftsführeuden Ausschusses, betreffend das Ver hält» iß zu anderen Parteien bei Reichstags- wählen. Der Antrag wurde nach lebhafter Debatte einftiinmig angenommen unter Annahme einzelner Abänderungen zur größere» Klarstellung der vorgeschlageneu Grundsätze. Schließlich kam eine Resolution zur Empfehlung des schiedsrichterliche» Verfahrens bei internationalen Verträgen zur Annahme. Damit war die Tages- ordnung erledigt. Nach warmen Schlubworlen des Vorsitzenden S ch m i d t- Elberfeld, der unter lebhafter Zustimmung feststellte, daß der ausgezeichnete Verlauf des Parteitages zu den besten Hoff- nuugen berechtige, wurden die Verhandlungen nachmittags 4 Uhr geschlossen. — Die„Kreuz-Zeitung" läßt sich zu der Amtsentsetzung des Ortsvorstehers Herrn Schultz« wegen Vermielheus an Frau Palm also aus: „Mit dem Landrathe v. Stlllpnagel müssen wir anerkennen, daß ein Gemeindevorsteher, indem er einer solchen Agitatorin in seinem Hause eine Wohnung vermiethet, ein Verhalten zeigt, das seinen Amtspflichten widerspricht. Unseres Wiffens haben die Disziplinar- behörden bisher in ähnlichen Fällen auf Dienstentlassung erkannt. Wir sehen nicht ein, wie man unter diesen Umständen dem Land- rath v. Stülpnagel aus seinem Verhalten einen Vorwurf machen kann." Daß das Hainmerstein-Organ so denkt, wundert uns garnicht. Eine solche niedrige Gesinnung sind wir bei den Haiumerstein- Frennden gewohnt. Aber eine Frage: Ist es für eine» königlich preußischen Be- ainten nicht bedenklich, daß er in seinem Gehalt auch sozial- demokratisches Geld mit einnimmt? — Der R e d a k t i o n s w e ch s e l in der„P o st" ist nun- mehr vollzogen. Der bisherige Chcsredakteur Karl Groddeck zeigt in der Miltwochs-Nummer der„Post" an, daß er mit diesem Tage aus der Redaktion ausgetreten ist. Sein Nachfolger ist Herr Kronsbein, bisher beim„Rhein. Kour." in Wiesbaden. Nun hat Freiherr v. Zedlitz ganz freie Bahn in der„Post". DaS kann recht heiter werden.— — Ueber die Fideikom misse in Preußen Ende 1396 macht die„Statist. Korr." folgende Mittheilung: Bis Ende ISSö hatte die Statistik 2 121 632.3 da an Fideikommissen nach- gewiesen. Im Jahre 1896 wurde bei einer Gesnmmlsiäche von 2407,2 da nachträglich die Fideikoinmißeigenschast festgestellt; außer- dem wurden in 13 Fällen(davon b im Regieruiigsbezirk« Breslau) neue Fideikonimisse gegründet, i» 39 ältere erweitert, woraus sich ein Gesaiuintzugang von 10 190,2 da ergab, dem ein Abgang von 2436,7 da durch Auflösung oder Verkleinerung bisheriger Fidei- kommisse entgegenstand, so daß sich ein Ueberschuß deS Zuganges um 7723,2 da ergab. Am Echlnsse des Jahres 1396 fand sich also ein Gesammlbestaud au Fideikommissen von 2 131 796,2 da= 6,12 pCt. der Gcsammlfläche des Staates und 2,84 pCt. von dessen Grund- steuer-Reinerlrage vor. Die Fideikonimisse waren zu 44,89, der Staat überhaupt zu 23,20 pCt. bewaldet.— —„Es giebt keine Bordelle in Deutschland", so wurde und wird stets mit dem Brustton der Eutrüstung seitens der Regieruugsverlreter'verkündet, wenn im Reichstag von dieser Blüthe des inoralischen Teulschthums die Rede ist. Das Reichs- gericht aber(nicht etwa ein j-j-s Sozialdemokrat) stellt das Gegen- theil fest. Soeben ist der 33. Band der Enischeidnugen dieses Gerichtshofes erschienen und dort heißt es auf S. 379 Fall 39: Urtheil vom 8. Januar 1897, II. 263/96. „Steht den durch den Betrieb eines Bordells in einem besseren (Doch nicht etwa im Arbeiierquartier anders? D. Red.) Stadt- lheile belästigten und beschädigten Eigeuthümern der Nachbar- Häuser eine Klage auf Einstellung deS BordellbetriebeS in dem betreffenden Hanfe zu?" Diese Frage wird vom Reichsgericht bejaht. Der Thatbestand wird vom Reichsgericht wie folgt dargelegt. „Der Beklagte hat ein in M."(Mannheim?)„gelegenes um- f a n g r e i ch e s Haus im Jahre 1392 erworben nnd zu einem Bordell eingerichtet. Er beherbergte und unterhielt in dem Hause st ä n d i g eine große Anzahl öffentlicher Dirne», denen dort Gelegen heil zur Ausübung ihres uuzüchligen Gewerbes gewährt wurde. Die Nachbareigenthümer, welche dies nicht dulde» zu müssen glaubten, haben zunächst bei der B e r w a l t u n g s< b e h ö r d e in mehreren Instanzen und bei der Staats- a n w a l t s ch a f t S ch u tz gesucht und sodann, da d i e s e B c- Hörden nicht einschritten, Klage bei dem Zivilgericht auf Einstellung des Bordellbetriebes erhoben." In den Gründen heißi es: „Der Betrieb eines Bordells ist nach§ 180 Et.-G.-B. auch dann st r a f b a r, wenn er, wie dies hier der Fall ist, polizeilich geduldet wird und die Nachbareigenthümer sowohl die Verwaltungsbehörden als die Staatsanwalt- s ch a f t zum Einschreiteu zu veraulasseu ohne Erfolg versucht haben." Soweit daS Reichsgericht. Die deutsche Strafprozeß- Ordnung aber bestimmt im§ 122: „Die Slaalsanivaltfchnft ist, soweit nicht gesetzlich ein anderes bestimint ist, verpflichtet, wegen aller gerichtlich strafbaren und verfolgbaren Haiidluugeii einzuschreiten, sofern zureichende thatsächliche Anhaltspunkte vorliegen;" »ud der z 346 des deutschen Strafgesetzbuchs lautet: „Ein Beamter, welcher vermöge seines Amtes bei der Ans- Übung der Strafgewall oder bei Vollstreckung der Strafe niit- zuwirken hat, wird mit Zuchthaus bis zu 2 Jahren bestraft, wenn er in der Absicht, jemand der gesetzlichen Strafe rechtswidrig zu entziehen, die Verfolgung der strafbaren Handlung unterläßt." Die offiziöse Presse dürste sich wohl hüten, hier die nothweudige Klarheit zu schaffen. — Der deutsche Aerztetag beschäftigte sich am zweiten Tag seiner Berathnngen mit der S ch u l a r z t f r a g e. Der Referent Dr. Thiersch führte aus, daß der Arzt nicht die Rolle eines SchulinspektorS spielen, sondern nur der ärztliche Beirath des Lehrers sein dürfe. Dem Schularzt müsse eine Mitwirkung auf den Bau, sowie die innere Einrichtung der Schulgebäude eingeräumt werden. Der Schularzt müsse zunächst den Grund und Boden des zu er- richtenden Schnlgebäudes untersuchen, denn wenn der Grund und Boden schlecht sei, könne das Gebäude nicht den gesundheitlichen Anforde- rnngen entsprechen. Der Schularzt müsse ferner dafür sorgen, daß die Schulzimmer den hygienischen Anforderungen entsprechen, daß ge- nügend Fenster vorhanden seien und ganz besonders, daß eine ge- hörige Lüftung der Schnlzimmer stallfinde. In letzterer Beziehung werde auf dem Lande noch sehr viel gesündigt. Es müffe auch ver- langt werden, daß mehr Klassen eingerichtet werden, damit diei Schnlzimmer nicht überfüllt werden. Im Königreich Sachsen seien bereits 1000 Schulgebäude unter Mitwirkung der Schulärzte erbaut worden. Die Schulärzte, bezw. Bezirksärzte, haben in Sachsen das Siecht, zu jeder Zeit die Schuläume zu revidiren und die Kinder zu»ntersuchen. Eine häusige ärztliche Untersuchung sei ganz besonders behufs rechtzeitiger Vorbeugung von epidemischen Krankheiten erforderlich. Der Schularzt müsse ganz besonders die Augen der Schulkinder untersuchen und aus die vielen Rückgratsverkrümmungen Rücksicht nehmen. Ein großer Mißstand sei die Ueberbürdung der Schüler mit häuslichen Arbeiten. Die geistige Aiiftrengnng der Schüler hänge mit den Zeitverhältniffen zusammen. Die Aufgaben der Schule bringen es niit sich, daß die Kinder vielfach körperlich zurückbleiben. Es sei jedoch nothwendig, die Hauptmißstände in den Schulverhält- nissen zu beseitigen. Dies könne aber nur durch Anstellung von Schulärzten geschehen.(Lebhafter Beifall.)— Gymnasial- direkter Prof. Dr. Dettweiler(Darmstadt): Er erkläre sich als aster praktischer Schulmann im allgemeinen mit dem Referenten ein- verstanden. Jeder Mensch habe wohl ein Interesse, daß die Jugend zu einem kräftigen, gesunden Geschlecht heranwachse. Wenn die Schulmänner nicht'blos Einpauker, sondern auch Erzieher sein wollen, dann können sie des Beiraths der Aerzle nicht entbehren. Auch die übrigen Redner, Privatdozent Dr. Sachs- Breslau, Dr. Eudemann-Knssel, Dr. Demuth-Frankenthal, Dr. Echmidi-Halie, Dr. Landsberger-Posen nnd Dr. Becher sprachen sich gleichfalls sympathisch zur Frage aus. Nach einem kurzen Schlußwort des Nefercnlen wurde folgender Antrag zum Beschluß erhoben:„Die bisherigen Erfahrungen lassen die Einführung von Schulärzten als durchaus dringlich erscheinen. Die Theilnahme der Schulärzte hat sich nicht blos auf die Hyzienie der Schule und der Schüler, sondern auch aus die sachverständige Mitwirkung in Sachen der Hygiene des Unterrichts zu erstrecken." Hierauf wurde folgendem Antrage des Professors Dr. Krabler- Greifswald zugestimmt:„Der Aerztetag beauftragt seinen Geschäfts- ansschuß, eine Kommission mit der Siegelung der Verhältnisse der Aerzte zu den Privat-Unfallversicherungs-Geselischaften zu betrauen." Hierauf wurde der Aerztetag mit den üblichen Daukesworlcu geschlossen. —„Margarine'Konsumvereine", schreibt die agrarische„Deutsche Tagesztg.",„sind mit Rücksicht anf das neue Margarinegesetz vor die Frage gestellt, ob sie nur Nalurbutter oder nur Margarine führen wollen. Einzelne Vereine des Branden- bnrgischen Konsumvereins- Verbandes haben sich bereits für Ab- fchaffung der Margarine erklärt, andererseits richten nun aber, namentlich in kleineren Orte». zahlreiche Schlächter Margarine- verkauf ein." Dies deutet auf keine große» Erfolge des Margarine- gesetzes, sondern weit mehr anf cine weitere Verdrängung der Naturbulter durch den„Oehllalg" hin. O unheilige agrarische Einfalt!— Wilhelmshaven, 14. September. Bei dem heute erfolgten glücklichen Stapellaus des Panzerschiffs„Ersah Friedrich der Große" taufte Prinz Heinrich das Schiff„Kaiser Wilhelm II." Kiel, 12. September.(Eig. Ber.) Es geht bergab mit dem Bürgerthum, immer mehr nnd unaufhaltsam. Seine ganzen frei- heitl'iche» Ideale verschwinden in der Rumpelkammer nnd wo es gilt, den Arbeitern eins auszuwische». da ist es mit dabei. Das Wort, von der alles einen reaktionären Masse der Sozialdemokratre gegenüber gilt doch noch. In Nr. 206 berichtete der„Vorwärts" unter Kiel über einen Kommissionsbencht wegen Herabsetzung des Wahlzensns zum Stadtverorducten-Kollegium von 1200 auf 900 M. Jetzt hat das Kollegium sich selbst mit der Sache beschäftigt und mit allen gegen nur zinei Slimmen den Autrag abgelehnt. Geradezu großartig war die Begründung:„Furcht vor der Sozialdemokratie ist es nicht, aber wir müssen gegen sie kämpfen zum Wohle des Staates und der Stadt."— Wenn ein Mann, ber seinen Wochen- lohn verdient, denselben am Sonnabend und am Sonntag vertrinkt, und die Frau muß allein für die Ernährung nnd Erziehung der Kinder sorgen, um Mißhandlungen zu entgehen, dann soll dieser Mann ebenso viel zu bedeuten haben, wie ein Mann, der sein Geld für die Vesieruug seines Hausstandes nnd für die Er- ziehung der Kinder anlegt? Beide Leute sollen gleklweithig in Staat und Gemeinde sein?— Darüber kann man doch nicht im Zweifel fei», daß mit der Zeit die sämmtlichen Sitze den Sozial- demokraten zufallen würde». Und wie wird Kiel dann a u S f e h e n? Ich würde dies für das größte Unglück halten. Sie haben dann über alle Stenern zn bestimmen, über unsere Stenern. Sie wollen das Gigenlhiiin abschaffen(ein Gehcimrnlh war es. der die letzten Worte sprach). Leute aus den sozialdemokratischen Kreisen haben durchweg nicht die Zeit nnd noch weniger die nöthige Intelligenz, um über das Wohl und Wehe der Stadt z» bestimmen. Die Sozialdemokratie kann man durch diesen Antrag nicht verföhuen nnd man braucht die Arbeiter nicht zu versöhnen.— Die Jnter- esse» der Stadt Kiel fallen nicht mit den Interessen der Arbeiter zusammen. Einen Anspruch darauf, aus eigener Kraft einen Vertreter zu wähle», haben die Arbeiter nicht. Ich würde gern eine Vertretung den Arbeitern gönnen, aber dieselbe» müssen es sich gefallen lasse», daß diese Vertretung von den jetzigen Wählern gewählt wird. Eine bessere Klarheit über das geistige Niveau, n»f dem sich die Herren Stadtväler bewege», hätten sie nicht gebe» können. Das sind die Geldsacksvertretcr, die, unterstützt von„Mänuern der Wissen- schast"(nicht weniger als fünf Geheimräthe sitze» in der Stadt- Vertretung), dem Rechtsgefühl des Volkes brutal ins Gesicht schlagen, und da versteigt sich dann der Oberbürgermeister zu de» Worten:„Das Wort Gerechtigkeit ist für mich i» diesem Falle ein leeresWort." Nun, die leereu, hohlen und»ichlssageude» Worte, die man zur Nblehnuug des Antrages ineFeld geführt hat, wird die Arbeiter- schast nicht aus dem Gedächtuiß verliere», und die Aniwort darauf wird dem Bürgerthum bei den nächsten Wahlen gellend in die Ohren klingen.— Durch das Ergebuiß dieser Abstimmung hat der Führer der hiesigen Freisinnige», der Antragsteller Nicper, sich zum zweiten Male eine Schlappe geholt, indem seine Parteigenossen ihn im Stich gelassen haben. Das erste Mal war es bei der Frage der Einführung der königliche» Polizei, nun bei der Wahlrechtssrage. Im ersten Fall waren es wenige tausend Mark, die die Stadt durch Einsührniig der staatlichen Polizei erspart, und jetzt ist es die schlotternde Angst vor der Sozialdemokratie, die die Freisinnigen ihre» Ideale» nnd freiheitlichen Grundsätzen ins Gesicht schlagen läßt. Benthe»(Oberschlesien), 14. September.(Privatdepesche des „Vorwärts".) In dem großen Prozesse wegen Geheimbündelei und Ueberlretung des Vereinsgesetzes wurden heute s ä m m t l i ch e An- geklagten freigesprochen. Allgemein befremden dürfte dagegen die Verurtheilung der Angeklagten Tusker(?) und Watzlawek wegen Betruges zu je einem Monat Gefängniß. Der Betrug soll durch Nnfnahme von Mitgliedern des Bergarbeiter-Verbandes unter Vorspiegelung falscher Thatsachen begangen sein. Ueber diesen Prozeß haben wir in der Nummer vom 2. Sept. berichtet: ...... Seit dem Jahre 1894, nachdem die Zahlstelle Zabrze des„Deutschen Berg- und Hültenarbeiter-Verbandcs" polizeilich auf- gelöst war, hat dieser in Oberschlesien keine Mitglieder, auch keine einzelnen, bei dem Hauplvorstand angemeldete, mehr. In Ober- schlesten giebt es nur A b o n n e n t e n der„Deutschen Berg- nnd Hüttenarbeiter- Zeitung", denen ber Verlag R e ch t s s ch n'y gewährt, ohne aber damit die betreffenden in irgend eine Ver- biiidnng zn bringe» mit dem oben genannten Verband. Der Geschäftsführer des Verbandes der„Berg- und Hüttenarbeiter" ist um die in Rede stehende Affäre schon wiederholt gerichtlich ver- nominell worden und hat als Verleger der„Berg- und Hütten- arbeiter-Zeitung" nichts anderes beknnden können, als wie es oben geschildert wurde. Wie nun der„Gcheimbundsprozeß" entstehen kann, ist ihm und dem Vorstand des„D. B.» u. H.-V" durchaus unerfindlich. i Es müßte denn die o b e r s ch l e s i f ch e Polizei das Lesen der .Bergarbeiter-Zeitung" alS eine verbotene, zur „Geheimbündelei" gehörige Thätigkeit ansehen. Unmöglich ist eine solche Auffassnng bei den Wächtern der Sicherheit i» Oberschlesicn gerade nicht. Das Auftreten der dortigen Be- Hörden, die in unglaublicher Weise aber auch jede geiverk- fchaftliche Regelung der Arbeiter bisher un« möglich gemacht haben, hat uns allerdings schon an vieles gewöhnt. Bei der völligen Zurnckgebliebenheit der oberschlesische» Arbeiter in polizeilichen und gerichtlichen Dinge» ist es nicht ausgeschlossen, daß einzelne Abonnenten der„Bergarbeiter-Zeitung" in der That meinten, sie seien Mitglieder des Verbandes, und sich in diesem Sinne bei ihrer polizeilichen oder gcricht- lichen Vernehmung äußerten. Denunzianten werden bei der Geschichte auch eine Rolle spielen. Unbestrittene Thatsache aber ist, daß absolut kein organisatorisches Verhältniß der oberschlesischen Berg»»nd Hiittenleuis zu dem Verbände seit 1394 bestanden hat und der Borstand desselben bei allen passenden Gelegenheilen darüber auch durchaus keine Zweifel walten ließ." Wir fürchten blas, daß die oberschlesische Polizei auch aus der Lehre dieses Prozesses keine» Nutzen ziehen wird.— — Unsere I u st i z. Ans der reichen sfnlle von Vcrnr- theilunge» aus Anlaß des Hafen arbeiter-Streiks registrirt das„Hamburger Echo" ein Urtheil des Hamburger Schöffen- gerichts, welches gewiß wegen des in ihm entwickelten juristischen Scharfsinnes lebhafte Bewunderung finden dürfte. Der Thatbesland ist folgender: „Ein Arbeiter E. war mit mehreren anderen Personen in einer Wirlhschaft, in welcher ein„Arbeitswilliger" namens Dnwe von den erwähnten Personen aufgezogen wurde. Dnwe ist dann später von einigen Personen beim Verlassen der Wirthschaft nieder- gestoßen worden. Ter Arbeiter E. stand deshalb unter Anklage, bestritt aber, bei dem Niederstoßen des D. betheiligt gewesen zu sein und konnte ihm dies auch nicht nachgewiesen werden. Nichtsdesto- iveniger wurde er zu zwei Monaten Gefängniß verurtheilt, unter Ablehnung der Zubilligung mildernder Umstände. In der Be- gründung, die dem Urtheil selbst gleichwerthig ist, heißt es: „Durch die Beweisaufnahme ist festgestellt, daß der An- geklagte mit mehreren Personen aus der G.'sche» Wirthschaft herausgekommen ist, und daß diese Personen den Dmve gefragt haben, ob er am Quai arbeite. Dnwe ist dann niedergestoßen. Es ist nun einerlei, ob der Angeklagte persönlich beim Niederwerfen des D n>v e b e- t heiligt war, da schon in seinem Mitwirken vorher eine Mit- thäterschaft zu erblicken ist. Es ist hiernach festzustellen, daß der Angeklagte E. in Gemeinschast mit zwei oder drei»»ermittelt ge- bliebenen Personen den Zeugen Dnwe körperlich mißhandelt hat. Mildernde Umstände sind dem Angeklagten nicht zuzubilligen. Ter Angeklagte ivird zu einer Gefängnißstrafe von zwei Monaten und den Kosten des Verfahrens verurtheilt." Und nun ein anderes Bild. Gestern stand ein Bleicher vordem Hamburger Schöffengericht wegen brutaler Mißhandlung einer 17jährigin Plätterin. Der Angeklagte hat das Mädchen morgens im Hemd aus dem Bett gestoben, gegen die Wand gestoßen und drei Mal kräftig ins Gesicht geschlagen, alsdann das nur mit dein Hemde bekleidete Mädchen eine Treppe hinab in ein Zimmer gestoßen, in dem mehrere Bleicherknechte anwesend waren. Das Gericht»ahm nur als festgestellt an, daß der Bleicher Schoppenhaner das Mädchen aus dem Bett gestoßen, sie mehrere Male gegen die Wand gestoßen und dreimal ins Gesicht geschlagen hat, und es verurtheilt ihn deshalb zu einer Geldstrafe von— KM. in Buchstaben: Fünf Mark!! In der Begründung deS Urtheils führte der Amtsrichter Dr. Görden aus: Die Strafe könne milde erscheinen, es müsse aber dabei bedacht werden, daß daS Mädchen unbotmäßig gewesen sei und in Sch.'s Dienste gestanden habe. Sch. habe deshalb nur das in Hamburg dem DUnstherrn zustehende Züchtigungsrechl etwas überschritten." Ein Vergleich dieser beiden Urtheile spricht ganze Bände. Bessere Agitatoren für die Sozialdemokratie können wir uns Nicht wünsche» als Richter, die solche Urtheile fällen.— — Freiherr v. Münch ist bekanntlich durch Gerichtsbeschluß wieder für geistig intakt erklärt worden, nachdem er im vorigen Jahre anf grund eines psychiatrischen Gutachtens ebenfalls durch Gerichtsbeschluß für verrückt erklärt und entmündigt worden war. Da jetzt die Staatsanwaltschaft auf Berufung verzichtet, hat das letzte Urtheil des Rottweiler Landgerichts Rechtskraft erlangt und Münch kann die Verwaltung seiner Güter übernehmen, die durch den juristischen Vormund in der Zwischenzeit schwer gelitten haben sollen. v. Münch verlangt nun, daß der ihm durch die rechtswidrige Ent- mnndigung entstandene Schaden ersetzt wird und kann es ganz leicht sein, daß die Staatskasse zu den ungeheuren Prozeß- und Gutachter- Kosten auch noch die Kosten für die Versehen des juristischen Vor- mundes tragen muß.„Man sollte nicht glaube», daß solche Dinge in Württemberg möglich sind", sagte beim Hegelmeier-Prozeß der Psychiater Landenberger!— Oesterreich. Wien, 14. September. In der am LI. d. M. stattfindenden Bollversammlung der parlamentarischen Rechte» sollen die zu ergreifenden Maßregeln zur Unterdrückung der O b st r u k t i o n definitiv entschieden werden. In Abgeordneten- kreisen will man wissen, daß im Reglement exemplarische Maßnahmen Ausnahme finden sollen, auch sollen die De- b a t t e n auf ein Minimum r e d u z i r t werden. Die Regie- rung beabsichtigt, dem Reichsrathe eine Vorlage betreffs Errichtung von Slaals-Pcnsionsanstalten für sämintliche Privatbeamten der Monarchie, unter Aufhebung aller Privatanstalte», zugehen zu lassen. — Die österreichischen Christlich- Sozialen schrieen»ach Meinnngs- und Agitationsfreiheit der Beamtenschaft, so lange sie in der Minorität waren, nun aber, wo sie Wie» und Niederöfterreich unumschränkt beherrschen und bei Hofe, bei der Ne- gternng und den sonstigen maßgebende» Stellen ausgezeichnet an- geschrieben sind, geberden sie sich»»duldsamer als es ihre Vor- gänger, die Liberalen, je gethan habe». So hat eben der Wiener Bezirksschulrath fünf Unterlehrer wegen Bekundung sozialistischer Gesinnung bei den letzte» Bezirksschulraths-Wahle» entlassen.— — Badenische U c b e r t r e i b u n g e n. Der„Czas", bekanntlich das Organ des Grafen Badem, bespricht anläßlich der Reichkraths« Eröffnung die Situation. Er nennt die deutsche Opposition eine revolutionäre Partei(!!!), die zum warnenden Beispiele besiegt werden müsse. Im Reichs- rathe solle nicht die Obstrnktion, sondern die Revolution überwältigt werden; durch welches Mittel, fei Sache der Majorität, nicht der Regierung, wie die czechischen Blätter irrig behaupten. Sollte die Regierung dies bewirken müsse», so würde die jetzige Majorität aufhören, ei» wirkender Faktor zu sein, mit dem man rechnet. Der„Czas" behauptet, der Rücktritt des Grafen Bad tn i fei völlig ausgeschlossen, und die innere Politik übe ans die äußere keine» Einfluß, da Deutsch- land und Italien noch größere innere Verlegenheiten haben.— Schweiz. Bern, IL. Sept.(Eig. Bericht.) Die von der Arbeiterunion beschlossene Initiative für Einführung eines M i» i>» a l l o h u e s für die städtischen'Arbeiter hat in wenigen Tagen niehr als die erforderlichen ovo Unter- schriften erhalte». Verlangt wird ein täglicher Minimallohn von 5 Fr. für gelernte und von 4 Fr. für ungelernte Arbeiter. Die Volksabstimmung hierüber wird vielleicht im Dezember staltfinden. Heute schon ist der Arbeiterunion voller Erfolg zu wünschen. In Genf habe» unsere Genossen eine» Gesetzentwurf aus- gearbeitet betreffend die Aufhebung der Staalsbeiträge an die beiden Landeskirchen. Der Entwurf enthält vier Artikel, wovon die ersten zwei lauten: l.ßDie Kultusfreiheit ist garanlirt. Der Staat bezahlt und unterstützt keinen Kultus. Alle Konfessionen sind verpflichtet, den allgemeinen Gesetzen und poli- zeilichen Anordnungen bezüglich des äußern Kultus nachzukommen. L. Die Summen, welche bisher auf das Jahresbudget gesetzt wurden um den Kultus und Religionsunterricht zu bezahlen, sollen künftig- hin zur Errichtung und Unterhaltung einer allgemeinen Allers- versorgungskasse verwendet werden. Daß der Entwurf im Großen Rache(Landtage) durchdringen werde, ist wohl nicht wahrscheinlich.— Frankreich. PariS, 14. September. Der amtlichen Statistik der Zolldirektion zufolge betrug der Werth der eingeführte n W a a r e n in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres 2 609 766 000 Fr. gegen 2 597 740 000 Fr. in demselben Zeitraum des Vorjahres, und der Werth der ausgeführten Maaren belief sich in der erwähnten Zeit aus 2 403 899 000 Fr. gegen 2 204 971 000 Fr. in demselben Zeitraum des Vorjahres. Man sieht, daß Frankreich vorläufig noch im wirthschastlichen Aufschwünge steht, der infolge der Brolverlheuerung wohl bald in's Gegeniheil umschlagen dürfte.— Paris, 14. September. Die Kammer tritt am 19. Oktober zusammen.— — V o m Panamaprozeß. Aus Paris läßt sich die „Franksurler Zeitung" lelegraphiren: Die Anklagekanuner verwies alle in die Panama-Affäre verwickelten Tcputirten und Exdepulirten vor die Assisen.— Italien. — Eine Mißernte in diesem Jahre hat nun auch Italien zu verzeichnen. Man schätzt die diesjährige Getreideproduklion anf knapp 60pCl. der vorjährigen.— Spanien. — Zum Prozeß gegen Sempau Barril erhält die „Inte. Cyxresp." folgende Meldung: I» ganz Katalonien ist eine starke Bewegung aufgetreten, welche sich dagegen wendet, die That Se'rnpau Barril's als eine anarchistische zu bezeichnen. Derselbe gehörte vielmehr einem national-katalonischen Geheimbnnde an, der auch unter der Studentenschaft Barcelona's viele Anhänger hat. Diese Gesellschaft verlangt die Wiederherstellung eines eigenen lata- louischen Staates und ivar gegen die Polizei in Barcelona erbittert, weil diese vor kurzem sämintliche katalonisch- parlikularistische» Zeitungen beschlagnahmte und alle Vereine dieser Richtung auflöste, sowie deren Geldmittel konfiszirte. Diese Gesinnungsgenossen Barril's verbreiteten deshalb Flugblätter, in denen dieser als nationaler katalonischer Märtyrer verherrlicht wird, der mit dem Anarchismus nichts zu thm, habe.— Madrid, 14. September. AnS Havana eingelaufene Nach- richten besagen, daß die Insurgenten dix Stadt Co»- solatio del Sul in der Provinz Pinar del Rio ein- genommen habe». Die Besatzung, aus 200 Man» bestehend, ist niedergemetzelt worden.— sRustlaud. Petersburg, 11. September.(Eig. Ber.) Wie wir bereits mitgclheilt habe», ist in Rußland in diesem Jahre eine Hungers- noth zu erwarten. Jetzt wurde vom Ackerbauminifterium festgestellt, daß in ca. 50 Gouvernements des europäischen Ntnßlnnds die Winter-»»d Sonnnergetreide-Ernte eine sehr schlechte ist. In sämintliche» Schwarz-Erde-Gouverncments weisen die durchschnitt- lichen Resultate große Fehlbeträge anf. In de» Flußgebieten der Wolga, Oka, Kaum— fünfzehn Gouvernements mit 10 Millionen Dessätine»— 2/5 des Bodens, der mit Wintergetreide bestellt ist— ergiebt sich für Winterroggen eine >/» bis V8 niedrigere Ernte als gewöhnlich. Noch schlimmer steht es mit Sommerroggen; in dem Gouvernement Simbirsk ist die Ernte um 1/i niedriger als sonst, in Saratow um 80 pCt., i» den Gouvernements Tambow und Nischnij- Nowgorod um 35 pCt., i» den Gouvernements Penfa, Kursk, Orel, Rjasan, Samara und Tschernigow um 45 pCt. Der Erlrag der Weizeuernte ist noch geringer; in den Gouvernements Kursk, Tula, Tambow, Woroncsch fehlen 45 pCt., im Don- Kosakengebiet 55 pCt.; im Durchschnitt bleibt die Weizenernle um>/» bis 8/s hinter dem Durchschnitt zurück. Die Mißernte des Sonnnerweizens ist vom Ministerium noch nicht genau festgestellt. Infolge der Dürre ist auch Heu nur wenig geerntet worden oder sogar gänzlich verdorben— zum Hunger der Menschen gesellt sich der Hunger der Hauslhiere. Wenn man die diesjährige Roth mit der vom Jahre 1891 ver- gleichen will, so erscheint der jetzige Znstand um so schlimmer, da diesmal selbst das Thierfutter fehlt und keine Hilfe aus dem Kankasusgebiet zn erwarten ist, während 1391 im Kaukasus eine gute Ernte gemacht wurde. Und was thut die russische Gesellschaft, die russische Re- gierung? In einigen Gouvernements sind Versammlnngen von Land- schaslen(Semstwo) und Adel an der Spitze veranstaltet worden, die den Zweck habe», über die Hilfe für die Nothleidende» zu beralhe». Alle Landschaften sammeln bis jetzt Berichte über die Größe der Noth. Einige Kreislandschafte», die den nothleidenden Bezirken am nächsten liegen, fangen wirklich schon an, Brot anzukaufen. Das'Ackerbauministerium beschäftigt sich ebenfalls mit dem Sammeln von Berichte», deren Inhalt schon längst bekannte That» fachen enthält. Aber über Maßregel» zur Linderung der Roth hört man nichts. Der Minister selbst ist»och in den Ferien. Und die anderen russischen Behörden zehren noch an den Erinnerungen der fremden Polentaten und de» Nachrichten von den polnischen Manövern. Um gewissenhaft zu berichten, müssen wir noch hinzufügen, daß jetzt der russische Adel einen Verein für Genealogie gegründet hat; ziveisellos will man die Metamorphose vom Affe» in einen russischen Adel feststellen. Dazu ist jetzt zweifellos die allergeeignelste Zeit.— Aus Petersburg wird der„Pol. Korr." von unterrichteter Seile geschrieben: Zar Nikolaus hat die Zusage, ivelche er bei seiner Kröuungsseier dem damaligen außerordentlichen päpstliche» Gesandleu, dem Kardinal Agliardi gemacht habe, nunmehr eingelöst. Es wurden deshalb im ganzen 52 katholische Geistliche, welche während der letzten 8 Jahre zu längeren Freiheitsstrafen oder zur Verbannung »ach Sibirien verurtheiit waren, begnadigt. Griechenland. Athen, 14. September. Der Ministerpräsident Ralli hat ge- äußert, Deutschland habe erklärt, es werde vor der Herstellung einer Finanzkontrolle in keine Erörterung über die für den Dienst der Kriegsenlschädigiuigs-Anleihe angebotene» Einnahmen treten.— Afrika. — Aus Kairo wird den„TimcS" gemeldet: Di««gyptischen Truppen unter dem Befehl des Generals Hnuter haben Berber besetzt.— Asien. — Di« japanische Regierung hat bei englischen und amerikanischen Schiffswerften große Aufträge ercheilt und zwar: einen Panzer von 15 000 Tonnen mit einer Geschwindigkeit von 13 Knoten, einen Kreuzer ziveiler Klasse mit 4784 Tonnen, ferner einen Kreuzer von 4760 Tonne» und vier kleinere Torpedojäger von 250 Tonnen mit 30 Knoten Geschwindigkeit.— — Von der indischen Nordwestgrenze wird über Simla gemeldet: Der Polizeiposten Sarhargarti wurde heute früh vom Feinde genomiuen.— Die Afridis greife» gegenwärtig die Forts in den Samana-Bergen in geschlossener Streitmacht an.— Die Generäle Elles und Blood werde» übermorgen nach dem Lande der Mohmands vorrücken. Die Bernhigungsansichten von englischer Seite scheinen also verfrüht geivesen zu sein. Amerika. — Der perfide Ueberfall ausständiger Arbeiter durch die Männer de? Gesetzes veranlaßt selbst die„National-Ztg." zu folgender Bemerkung: „Einhundertundachtzebn Todte und Verwundete um einer Kleinigkeit willen! Das Massacre— anders ist der Vorfall kaum zu bezeichnen— wird jedenfalls auch anf die Streikbewegung einen groben Einfluß ausüben und sie mächtig anschwellen lassen." Aus Hazleton(Pennsylvanien) liegt noch folgende vom Ii. d.M. datirte Depesche vor: Auf dringendes Ersuchen der vereinigten nnganschen G-sell« schasten ist gegen de» Sheriff, welcher auf aus- st ä n d i g e Arbeiter der Gruben bei Colerame, unter denen sich viele Ausländer befanden, hatte schießen lassen, wobei 22 Arbeiter getödlet und viele verwundet wurden, ein Haftbefehl erlassen worden. Gleichzeitig ist auch die Verhaftung von e i» h u n d e r t u n d z w e i D e p u t i r t e n, unter denen sich viele angesehene Bürger befinden, beschlossen worden; dieselben werden beschuldigt, an der Metzelei theil» genommen zu haben. Die 1500 Grubenarbeiter in Lattimer, zu welchen die ausständigen Arbeiter der Gruben von Colerame sich gestern begeben wollten, um sie zum Ausstand zu veranlassen, haben heute aus eigenem Antrieb die Arbeit ein- g e st e l l t; unter ihnen befinden sich Italiener, Polen und Ungarn. Für die Nacht sind 2500 Miliztruppen in Hazleton und Umgegend zusammengezogen. Aus Neiv-Uork wird unterm 13. September telegraphirt: Dreiundzwanzig von den ausständigen Arbeitern, auf die bei Hazleton in Pennsylvanien geschossen wurde, sind nunmehr ihren Wunden erlegen. Seitens der Arbeiter- Organisationen werden im ganze» Lande Versammlnngen abgehalten, um gegen das Vor» gehen der Beamten des Sherisss zu protestiren. In Shenandoah (Virginia) hielten 4000 Ungar», Lithauer, Polen und andere Slaven unter dem Vorsitz ihrer Geistlichen eine Versammlung ab und beschlossen, die Geldmittel für eine gerichtliche Verfolgung jener Be- amteu zu gewähren. Ausständige Arbeiter suchten mit 50 Frauen und kleine» Kindern an der Spitze heute die Minenarbeiter in Pittsburg am Arbeite» zu verhindern, wurden aber von Beamten des Sheriffs angehalten. Es entstand ein heftiges Handgemenge, in dessen Verlauf die Beamten von den Krauen, die sich sehr leidenschaftlich geberdeten, mit Knütteln geschlagen wurden. Vier Personen wurden verhastet. Die„Franks. Ztg." meldst aus New-Iork: Die Beerdigung der getödteten Bergleute verlief ruhig. 2500 Soldaten waren am Platze. Die russische(??) und die österreichische(?) Regierung stellen darübersErhebungen an, ob die getödteten Bergleute ausschließlich(!!!) Polen oder Ungarn waren. Wir haben leider Anlaß zu bezweiseln. daß die europäischen Regierungen für ihre meuchlings gemordeten Staatsangehörigen ernst- Haft eintreten werde». Sind es ja doch blos Arbeiter und dazu»och streikende!— — E i n e M a s s e n v e r s a m m l u n g zu Seattle in Washington ersuchte, wie der„Franks. Ztg." telegraphirt wird, die Regierung der Vereinigte» Staaten, eine Rettungs-Expedition nach Klondyke zu schicken, da dies das einzige Mittel sei, um die dortige Bevölkerung vor dem Verhungern zu retten.— Ottawa(Canada), 13. Sept.(„Times".) Der„Toronto Globe". ei» dem Premierminister von Canada, Laurier, nahestehen- res Blatt, veröffenllicht folgende bezeichnende Ankündigung über die Politik der Regierung:„Wir gedenke» diejenigen, die uns gut be« handelt habe», ebenfalls gut zn behandeln, und der Zolltarif soll, wenn seine Wirkung zeigt, daß er unsere Absicht, die bri» t i s ch e E i n s u h r z u b e g ü n st i g e n, nicht g e n ü g e n d z u r Geltung bringt, abgeä>, dert werden.— Montevideo» 13. Sept. Die Kammern von Uruguay ge- nehmiglen einstimmig die F r i e d e n s b e d i n g u n g e n Mit den Insurgenten.—_ Dev GDAdes � Mongrvß. Birmingham, II. September 1397. Die letzte Sitzung des Kongresses war von kurzer Dauer. An- »ahme fand zunächst eine Resolution, in welcher das Gebahren des Generalpostmeisters, der die Organisation der Postangestellten nicht anerkennen will. Derselbe hatte erklärt, Kundgebungen und Eingaben von Komitees, das im Namen und im Auftrage der Angestellten handelte,»nberückstchligt zu lassen. Das wird in der Resolution als gegen das Prinzip des Koakitionsrechts verstoßend, verurtheilt und das Parlament wird aufgefordert, Abhilfe zn schassen. Ferner wurde eine Resolution angenommen, welche eine Reform des Arbeits- amls verlangt. Die letzte Resolution, die dem Kongreß unterbreitet wurde, bezog sich aus die ArbeitSloseufrage. In dieser Resolution wird erklärt, daß die Arbeitslosigkeit nicht eher endgiltig beseitigt werden kann, als bis aller Grund und Boden, überhaupt alle Produktionsmittel vergesellschastlicht sind. Das Parlamentarische Komitee wird daher beauftragt, alle auf dieses Ende hinzielenden Gesehesentwürfe im Parlament zu unterstützen. Nachdem sich die Bergleute gegen diesen zweite», prinzipiellen Theil der Resolution erklärt hatten, wurde sie mit geringer Majorität angenommen. Im ersten Theil wird für die Kommune n»r die Macht beansprucht, Land zu erwerben, um Gebäude darauf errichte» oder es bebauen zu lasse». Das»eugewählte Parlamentarische Komitee giebt bekannt, daß eS bereits eine Sitzung abgehalten und beschlossen habe, die Unter- stützung der Maschinenbauer energisch zu betreiben. Ueber die Höhe der zum Streikfonds der Maschinenbauer beizutragenden Summen ist zwar ein Beschluß nicht gefaßt worden, aber in den meisten Ge- wcrtschafte» dürste man sich für einen Zuschuß von wöchentlich '/e Scyilling(50 Ps.) pro Mitglied entscheiden; das würde eine Summe von mehr als 400 000 M. pro Woche ergeben. Die Arbeite» des Kongresses sind damit beendet. Am Nachmittag fand eine große Demonstration der Gewerk- schaslen Birminghams statt, an der etwa 20 000 Arbeiter theil- nahmen. Zur Frage der Bctheilignng an den prcustischen Landtags« Wahle» schreibt die Rheinisch-Westfäl. Arbeiter-Ztg.": Der zuerst vom Genossen Auer gemachte, dann von Meister und andere» unterstützte Vorschlag, bei den Laudtagswahlen die freisinnigen und sonstige linksstehende Kandidaten bedingungslos zu unterstützen, hat in der Parteipresse und in ParteiversaMmlrmgen so viel Zustimmung gefunden, daß er wohl zu den auf dem Parteitage anssichlsvollsteu Vorschlägen gehört. Eine Reihe von Wünschen und Rathschlägen, die inzwischen von anderer Seite formulirt ivorden sind, stellen sich als Modifikationen dieses Vorschlage? dar. So insbesondere die Ansicht, daß eS das beste sei, bei der Unterstützung der freisinnigen Kandidaten auf Gegenleistungen in Gestalt von einigen sozialdemokratischen Mandaten zu verzichten, jedoch die freisinnigen Kandidaten auf gewisse Forderungen— allgemeines gleiches geheimes Landtags-Wahl- recht, Verwerfung von Ausnahmegesetzen u. dgl.— zu ver- pflichten. Wir können den Gedanken nicht für glücklich hallen. Es ist nicht möglich, auf diesem Wege die Freiflnnigen weiter vorivärtSzudränge», als sie gegenwärtig in ihrem Programm und in ihrer parlamentarischen Haltung gehen. Man mag einen einzelne» bürgerlichen Kandidaten unter Umstände» zu weiteren Zugeständnissen veranlassen können; ein derartiger Einfluß von Gesammlpartei zn Gesamnitpartei aber ist ausgeschlossen. Diejenige» unserer Partei- genossen, welche solche Bedingungen vorschlagen, haben sich denn auch auf Punkte beschränkt, die bereits im Programme der freisinnigen Volksparlei enthalten sind. Weichen-Zweck soll es denn aber habe», die lhatsächlichen Forderungen der freisinnigen Partei als sozialdemo- kratische Bedingungen zu forinnlire» und ihre Erfüllung als ein Zu» gestäuduiß an unser« Partei erscheine» zu lassen, das es in Wirklich» keit gar nicht ist? Die freisinnige Partei erhält damit lediglich ein bequemes Mittel, sich populär zn machen. Es mag gut sein, daß sie zu einer kräftigen Unterstreichung dieser Forderungen bewogen wird; dazu wird aber nicht blos der Wunsch, unsere Stimmen zu erhalten, sonder» auch die ganz« innerpolitische Situation sie ohnehin ver- anlassen. Wir sehe» also in dieser Modifikation keine Verbesserung, sondern eher eine Verschlechterung des Auer'schen Vorschlages, ob- schon auch wir die bedingungslose Unterstützung der Freisinnigen für eine allzufreundlich« Behandlung dieser Partei und für einen Akt übertriebener Selbstlosigteit unsererseits hnlten. Wie die bisher von uns veröffentlichten und auch die uns noch vorliegenden Zuschristen anS dem Leserkreise beweisen, geht in ilnserem Vcrbreitungsbezirke die überwiegende Meinung dahin: ohne sozialdemokratische Abgeordnete hat die Anstrengung keinen hinreichenden Zweck. Badischc LandtagSwahlen. Die Mannheimer„Volks- st i m»i e" empfiehlt, daß in all den Bezirken, wo unserseits keine Kandidaten aufgestellt werden, die Parteigenosse» für die bürger- lichen Zkandidalen stimmen sollen, die sich verpflichten, in erster Linie für das direkte Wahlrecht einzutreten. Ausgenommen hiervon sind die Kandidaten der S! a t i o n a l l i b e r a l e n. A n t i s e in i t e n nnd Konservativen, gegen welche Parteien unter allen Um- ständen gestimmt iverden soll. SllS Delcgirtcr für den Hainbiirgcr Parteitag wurde für den Ll. sächsischen Reichstags- Wahlkreis A n n a b e r g- E i b e»- stock der Parteigenosse Paul G r u m b t ans Annaberg gewählt; für den 1. Hamburger Kreis sind gewählt die Genosse» Stollen und Grünwald nnd Frau Zieh; für den Kreis F r i e d b e r g- B ü d i n g e n der Genosse B a u in a n n aus Frank« surt a. M. Zum Gedächtnis? des französischen Genossen M a l o n, der vor vier Jahre» gestorben ist, fand am Sonnlag in Paris eine Feier statt. Das Hanplverdienst Malon's bestand darin, daß er der in Frankreich auch in der Arbeiterbewegung so mächligen Kliqnen- und Seklenwirthschast zn steuern suchte, und in seinen Schristen sich über dieselbe hinwegsehte. PvlizrilichcS, Gerichtliches tc. — Die Agitations-Kommission für die Provinz Pommern giebt für die Landbevölkerung alle zwei Monate eine periodische Druckschrift, den„Pom m e r", heraus, die an die Be- völkernng gratis vertheilt wird. Diese Schrift ist de» Behörden aus dem Lande ein Dorn im Auge, sie ist daher Gegenstand häufiger Verfolgung. Die Verbreiter haben fortwährend unter Ver- Haftungen und Strafmandaten zu leiden. So auch wieder in diesem Frühjahr, wo der Genosse Proch'now wegen Verbreitung des„Pommer" ei» Strafmandat erhielt. Hier- gegen wurde Einspruch erhoben. Vor dem Stetliner Schöffengericht machte der Amtsanwalt den Versuch, die Zeitschrift als einen Aufruf darzustells», weil in jeder Nummer, und zwar an erster Stelle des Blattes, ein Aufruf stehe. Das Schöffengericht erkannte aber auf Freisprechung, indem es den„Pommer" für eine periodische Zeitschrift erklärte und in der Urtheilsbegründnttg ausführte, daß es ans den Aufruf allein nicht ankomme, sondern auf den ganzen Inhalt und auf die Erscheinungs- weise des Blattes. Gegen dieses Urtheil legte die Amtsnnwaltschaft Berufung beim Stetliner L a n d g« r i ch t»ein. Der Rechtsanwalt Dr. Hischfeldt als Vertreter des Genossen Prochnow beantragte die Verwerfung der Bernsnng, nnd das Landgericht erkannte analog de» Gründen des Schöffengerichts dem Antrage gemäß. Gegen dieses Urtheil meldete die Staatsanwaltschast Revision beim K a m m e r- g e r i ch t an. Ans dem Inhalt der Ltevisionsrechlfcrtigung geht dent- lich hervor, wohin gesteuert wird; es sei daher der Inhalt der Ncchtfertignngsschrift hier wiedergegeben:„Gerügt wird Ver- lehmig des s 30 Absatz 2 des Reichsgesetzes über die Presse vom 7. Mai 1874 und des Z 10 des preußischen Gesetzes Über die Presse vom 12. Mai 1351. Die Straskammer definirt zutreffend de» Be- griff itlnsrnf als„eine an die Oeffentlichkcit gerichtete Aufforderung zn bestimmten Handlungen". Ein solcher Ausruf steht unter der Ueberschrift:„Pommer! Lest den„Pommer!" an der Spitze des „Pommer". Der Aufruf enthält eine an jedermann gerichtete Aufforderung, das Blatt zn lesen, für die Verbreitung des Blattes und den Inhalt desselben durch Beiträge thätig zn sein, nnd Geld- beiträge zur Verbreitung beiznstener». Für den Begriff des Aufrufs ist es ganz unerheblich, daß das Blatt außer dem an der Spitze stehenden Aufruf noch einen andere» Inhalt hat. Die Straskannner irrt, wenn sie meint, daß es wohl kein Blatt gebe, welches nicht für seine» Herausgeber der polizeilichen Genehmigung bedürfte, wenn eine derartige Aufforderung einen„Anfrus" darstellte; denn nicht aNein des Aufrufs wegen verlangt das Gesetz die polizeiliche Er- lanbniß, sondern nur da? unentgeltliche, öffentliche Verlheilen des Ausrufs auf öffentlichen Wegen ec. ist von der polizeilichen Er- lanbniß abhängig gemacht. Es wird daher beantragt, das an- gefochtene Urtheil aufzuheben und die Sache zur nochmaligen Ver- Handlung an die Strafkammer des königlichen Landgerichts Stettin znrückzuiveisen." Das K a m m« r g e r i ch t hat nun wirklich das Urtheil ausgehoben und die Sache an das Landgericht Stettin zurück- verwiesen. Wir werden, sobald die Sache zur Verhandlung kommt, darüber berichten. — Wegen Beleidigung der StaalSanwallschast wurde vom Land- gericht in Halle a. S. der Parteigenosse Ad. Üllbrecht zu 60 M. Geldstrafe oder 10 Tagen Gefängniß verurtheilt. Er hatte in einer Textilarbeiter-Versannnlnng in Trotha auf die verschiedenartige Handhabnng des§ 153 der Gewerbe-Ordnung nnd auf das Ver- halten der Behörde» bei Streiks hingewiesen. Der Antrag des Staatsanwalts kantete auf 300(!) M. Geldstrafe. — Der Parteigenosse Brandt, früherer verantwortlicher Re- dakteur des„Bolksblatts für Halle", wurde wegen Beleidigung eines Lieutenants in Sangerhansen vom Schöffengericht in Halle zu 100 M. Geldstrafe verurtheilt. — Die„ V o l k s st i m m e" in Frankfurt a. M. hatte einen Artikel über das katholische Schivesternhans in Bockenheim gebracht, durch den sich das Polizeipräsidium beleidigt fühlte. Es stellte Strafantrag, durch Gerichtsbeschluß wurde in dem Slrtikel aber nur das Wort„sogenannte" vor dem Wort„Polizeipräsidium" für be- leidigend erachtet und darüber das Hauptversahren gegen den ver- antwortlichen Redakteur Genossen W. Schmidt eröffnet. Es handelte sich um einen Druckfehler. Der Verfasser des Artikel? hatte kg.(königliche) Polizeipräsidium geschrieben, der Setzer hielt die nicht gebräuchliche Abbreviatur„kg." für die Abkürzung des Wortes„sogenannte" und setzte demgemäß, so daß ans dem„könig- lichen" Polizeipräsidium ein„sogenanntes" Polizeipräsidium wurde. Trotz dieses vom Redakteur nicht verschuldeten Versehens beantragte der Staatsanwalt gegen ihn 100 M. Geldstrafe, das Landgericht aber erkannte natürlich auf Freisprechung. Dem Redakteur könne, wenn er seine tägliche Arbeit gethan, nicht noch zngemuthet werden, jedes Wort der Zeitung zu prüfen. GemevKpLzAfiliifzes. Berlin»nd ttmgcbniia. In der Metallwaaren-Fabrik von A. F. Schulz. Fehrbelliner« straße 47, ist es zu einem Ausstande der daselbst mit Anfertigung von Kartonche-Kästen beschäftigten Sattler gekommen. Es ist dieses eine Arbeit, die Schulz von der Artillerie- Werkstätl« in Spandau übernommen hat. Während die Artillerie-Werkstälte für die betr. Sattlerarbeiten 12 Pf. zahlt, zahlte Schulz zuerst nur 4'/» Pf., nachher 5 und später 6 Pf. Aber auch bei 6 Pf. können die Arbeiter nicht zu einem ausreichenden Lohne kommen. Sie haben daher 10 Pf. verlangt, die indessen der Unternehmer nicht zahle» will. Betheiligt sind 13 Sattler.— Hier hat man wieder ein Beispiel, wie das Weitergebe» der Arbeit an Zwischen-Unter- nehnier den Arbeitslohn drückt. Was sagt hierzu der preußische Kriegsminister, der die bekannte Petition der deutschen Sattler so kaltlächelnd abgelehnt hat? Zuzug nach der betr. Werkstälte ist fern zn halten. Erkläruiig. Durch einen Artikel des Herrn I. Auer in Nr. 213 des„Vorwärts" erhallen wir Kenntniß von einer Notiz in der„Zeit", einem Blatt, das, wie»ns von dritter Seite mit- getheilt wird, sich bereits wiederholt berufen zu sühlen glaubte, die Organisation der Buchdrucker gegen die Sozialdemokratie auszuspielen. I» dem Verfasser jener Notiz ist jeden- falls auch jener„organisirte Buchdrucker" zn suchen, welcher seinerzeit durch einige Artikel dasselbe Ziel im Auge hatte. Wir wolle» daher diese Gelegenheit nicht vorübergehen lasse», ohne zu betonen, daß wir, soweit diese Artikel unsere Angelegenheile» be- Handel», de» betreffenden Verfasser für keinen„organisirte» Buchdrucker", fondern für irgend einen alte»„gute» Freund" der Sozialdemokratie Verantwortlicher Redakteur: Auaust Jacobey in Berlin. halten, der sich seine Auskünfte bei einem mangelhaft orientirten Buchdrucker zu verschaffen verstanden hat.— Was nun die Eni- gegnnng des Herrn Auer ans jene Notiz in der„Zeit" anlangt, so müssen wir vor allem bedauern, daß er dieselbe lediglich dazu benutzt hat, den Buchdruckern wieder einmal eins ans- zuwischen. Zn dieser Annahme sind wir nmsomehr be- rechtigt, als seine Entgegnung ans unwahren Angaben beruht. Herr Auer muß als Arbeiterführer wissen, daß s. Z. den Gewerkschaften seitens der preußischen Regierung die Alternative gestellt wurde:„entweder unter das Versicherungsgesetz oder Auflösung". Die fortgesetzten Maßregelungen einer Anzahl örtlicher Vereine in Preußen, die daraus resultirende Schädigung der Mitglieder und die ans der Organisation lastenden Verpflich- tungen(allein über 300 Invaliden) veranlaßten die General- verfammlnng in Hamburg, der Auflösung die Stellung unter das Versicherungsgesetz vorzuziehen. Welche weiteren Konsequenzen eine Auflösung für Verbände mit altbewährte» Uiiterstütznngseinrichluugen im Gefolge haben mußte, ist unschwer zu errathen. Die Stellung unter das Versichernngsgesetz hat mindestens aber das Gute gezeitigt, daß die Behörden, durch die damit gemachte» Erfahrungen ge- ivitzigt, diese Experimente aufgaben.— Recht geschmackvoll ist es, zn behaupten, die Führung der Buchdrucker habe sich die Direktiven für ihr Verhalten in ihrer Ge- werkschaft von, Berliner Polizeipräsidinm geholt, während that- sachlich die Vertretung der Buchdrucker ebenso wie die der Bild- Hauer, Kupferschmiede u. f. w., die sich ebenfalls, um ihre Organi- sation zn erhalten, dem sogenannten Versicherungsgesetz nnterstellte», lediglich über die Gestallung des neue» Statuts mit der Behörde unterhandelten. Herr Auer dichtet dies, aber nur bei den Buchdruckern, um sie in den Singen der anderen Arbeiter verächtlich zu machen, in„Direktiven bei der Polizei holen" um.— Sehr schlechte Erfahrungen niit der Selbständigkeit der Gewerkschafts- leiter muß Herr Auer gemacht haben, da er anzunehmen scheint, daß deren Berührung mit Personen anderer Gesellschaftskreise oder ab- weichender politischer Anschauungen sofort zu einer Beeinflussung der betreffenden Gewerkschaft führen müsse. Bisher ist es der Leitung der Buchdrucker so wenig gelungen, den Beisall des Herrn Professor Brentano wie den Auer's zn studen, wohl der beste Beweis, daß wir unsere Maßnahmen unbeeinflußt treffen. Was schließlich die Gasch'sche Behauptung betrifft, er(Gasch) habe„im Austrage seiner Vorgesetzten"(echt„männlich"!) Auer in der gehässigsten Weise an- gegriffen, so ist auch dies nicht der Wahrheit entsprechend. Thatsache ist, daß wir von dem Redakteur unseres Organs verlangt haben, den von Zeit zn Zeit üblichen Verdächtigungen der Buchdrucker in einzelne» Arbeiterblättern im Juteresse der Ehre unserer Organisation energisch entgegenzutreten, und das verlangen wir auch heute noch. Berlin, 13. September 1897. Der Vor st and des Verbandes der Deutschen Buchdrucker. Ter Banarbcitcrstrcik am Spaudancr KraukeuhanSban wurde in der am Montag stattgehabten öffentlichen Bauarbeiter- Versammlung nach 14tägiger Dauer für beendet erklärt, der Unter- nehmer hatte die von den Streikenden aufgestellten Forderungen seinen„Arbeitswilligen" bewilligt, eine Unterhandlung mit der Lohn- kommisston aber strikte abgelehnt, um die Streikenden ungehindert anssperre» zn können. Deutsches Reich. Nu die Seeleute wendet sich die Hamburger AgitationS- kommisston dieses Berufes in einem Aufruf, der im Hinweis auf den großen Hafenarbeiter- Streik die Nothweudigkeit einer gute» Organisation darlegt. I» unseren Seestädten ist— wie der Aufruf mittheilt— ein reges Leben unter de» Seelenten angefacht und soll deshalb auf einem Kongreß der Seeleute, dessen Einberufung im Noveniber nach Hamburg geplant ist, die Grundlage für eine Organisation geschaffen werden. Gleichzeitig wird der Kongreß die Seemanns- Ordnung einer Besprechung unterziehen, um in breitester Oeffentlichkcit alle die drückenden Bestimmungen, welche die Seemanns-Ordnung für die Seeleute enthält, in das rechte Licht zu stellen. Nähere Auskunft über alle in Frage kommenden Angelegenheiten erlheilt die AgitatiouSko in Mission der Seeleute. Hanibnrg-St. Pauli, Silbersackstr. 25, pari. Ter Nutcrstiitznugöpcrei» der Kupferschmiede Teutschlands veröffentlicht in letzter Stummer seines Vcreinsorgans„Der Kupfer- schmied" die Jahresabrechnung für das II. Geschäftsjahr(I. April 1896 bis 31. März 1897). Die Gesammteinnahinen betrugen ein- schließlich eines Bestandes, der sich auf 21 596,25 M. beläust, 65 155,91 M. Von den Gesammtansgaben 24 137,60 M. entfallen auf Reise-Uliterstiitznng 5495,87 M., auf Ortsunterstützung 4491,50 M., auf Streikunterstützung 864,50 M., für Unterstützung Arbeitsunfähiger 567,50 M., für Vereinsorgan 3774,32 M.(denen jedoch eine Ein- »ahme von 1265,50 M. gegenübersteht). Gehälter 2200 M., Ver- wallungskosten der Filialen inkl. 10 pCt. für Mühewaltung 4797,43 M, Verivaltungskosten der Hanptkasse 1138,03 M. Sonstige Ausgaben 30,75 M.; an die Generalkommission 455,60 M., für Kongresse u. f. w. 321,55 M. Der Kassenbestand betrug am Jahres- abschluß 41018,31 M., davon 32 943,40 M. in der Hanptkasse nnd 8074,91 M. in de» Verwaltungsstellen. Der Verein zählte am Ende des Geschäftsjahres 57 Zahlstelle» nnd 3208 Mitglieder. Lohn- bewegungen fanden acht statt, von denen fünf(davon vier ohne Streik) erfolgreich waren, zwei einen theilweisen und eine keinen Erfolg hatten. Für dieselbe» wurden außer dem vom Berein gezahlten Betrage noch 1635,40 M. an freiwilligen Beiträgen der Mitglieder ausgegeben. Von der Zentralleitnng wurden außerdem an frei- willige» Beiträge» der Mitglieder eingenommen und davon den streikenden Textilarbeitern in Kottbns 256,85 M., den Hafenarbeitern in Hamburg 1254,33 M. überwiese». Die Sterbekasse des Vereins (1147 Mitglieder) hatte eine Einnahme von 3851 M. und eine Aus- gäbe von 3675.25 M. Bei der GcwerbcgerichtSwahl i» Flensburg siegte die Liste der vom Gewerkschaflskartell aufgestellte» Arbeitnehmer mit 566 von 567 abgegebenen Stimmen. In der Liste der Arbeitgeber drang ein Kandidat des Gewerkschaftskartells mit 24 gegen 7 Stimmen durch. Bei den übrigen mußte das Loos entscheiden, da Stiminengleichheit vorhanden war. Hierbei wurden ein Kandidat des Gewerkschafts- kartells und vier Gegner gewählt. De» streikende» Arbeiter» ans der Zinkerzgrube„Neue Helene" in Brzozonitz bei Benthen haben sich die Arbeiter der Zinkerzgrube„Jenny-Olto" in Roßberg bei Benthen angeschloffen; die Arbeiter dieser Grube streiken in diesem Jahre bereits zum zweiten Mal. Die„Je»ny-Otto"-Grube gehört der Schlesischen Aktiengesellschaft für Bergbau und Zinkhütten-Betried in Lipine. Auf der„Neuen Helene" sind die Durchschnitts-Jahreslöhne für männliche Arbeiter über 16 Jahre 700 M., für männliche Arbeiter unter 16 Jahren 200, und für weibliche 250 M.(!), d. h. pro Schicht erhalten diese Arbeiter etwa 2,30 M. resp. 0,65 und 0,80 M. Zur Schnhmacherbetvegnng in München. Das sowohl von den Arbeitern wie den Unternehmer» angernfene Gewerbegericht hat folgende Vereinbarung zustande gebracht: 1. Der für die Schuhmacher Münchens in Geltung tretende Lohntarif soll die Ueberschrift er- halten:„Lohntarif der Schuhmacher Münchens, festgestellt zwischen Meistern und Gehilfe» vor dem Einigungsamte des Gewerbegerichts am 12. September 1897." 2. Der von der Schuhmachermeister- Innung im Juli 1397 ausgearbeitete Lohntarif soll als maßgebend vom 15. September laufenden Jahres an und mit dem Abinaße in kraft treten, daß für größere Schuhmacherwerkstätte» jene höheren Lohnsätze Geltung haben solle», welche bei den Berathungen der Kumulativsitzung von Meistern und Gehilfen im heurige» Sommer festgestellt worden sind. 3. Die Bestimmungen des Jnnnngstarifs, daß es den Meistern unbenommen bleiben soll, je nach Leistung eine Lohnklasse zn bezahlen, soll folgende Fassung erhalten: Die Bestimmung der Lohnklasse ist gegenseitiger lieber- einkunst vorbehalten. Für die ersten drei Arbeitstage werden, sosern nicht eine besondere Lohnklasse vereinbart, die Sätze der zweiten Lohnklafse als Durchschnittslohn bezahlt; hierbei gilt das Arbeits- verhältniß als beiderseits ohne Kündigung lösbar. Nach Fest- stellung der Lohnklasse treten, falls bezüglich der Kündigung keine andere Vereinbarung getroffen, die gesetzlichen Bestimmungen in kraft. Die Arbeiter haben über die Annahme der Entscheidung noch keinen Beschluß gefaßt. Die Filiale deö Mctallarbciter-Vcrbandcs in Freiburg in Schlesien wollte einen Ausflug nach einem benachbarten Dorfe machen. Tags zuvor erhielt der Veranstalter des Ausflugs einen Brief, ivonach der Amtsvorstcher des Ausflugsortes Ullersdorf be- stimmt hätte, daß die Freiburger nur tanzen dürfen, wenn sie von der Freiburger Polizeibehörde eine Bescheinigung mitbrächten, daß sie keine— Sozialdemokraten seien.— Strafe muß sein, denkt der Herr Amtsvorsteher, und er weiß empfindlich zu treffen! In Penig in Sachse» ist der Streik der W o l l d r u ck e r bei der Firma Chevalier u. Komp. auf grnnd der von der Firma gemachten Zugeständnisse nach ziemlich neunwöchentlicher Dauer für beendet erklärt. Die Arbeiter könne» mit dem Resultat ihres Kampfes zufrieden sein. Ausland. Ter Kampf der englische» Maschinenbauer ist nun in die neunte Woche seiner Dauer eingetreten, ohne daß sich die Situation irgendwie geändert hätte. Die Gerüchte von einer angeblichen An- Näherung der streitenden Parteien, welche am letzten Sonn- abend in London kursirten nnd von denen die deutsche bürgerliche Presse berichtet, werden von der„Daily Chronicle" als falsch bezeichnet. Ei» Arbeiterführer in Lancashire soll die Anregung gegeben haben. Es feiern gegenwärtig in der Maschinen- und in den verwandten Industrie» 48 000 Man». 32 000 Lstr. Ansstandsgeld wurde am letzten Sonnabend ausgezahlt, Der Gewerkverein der Maschinenbauer macht daraus aufmerksam, daß 50 000 seiner Mitglieder noch immer in Arbeit sind, daß die Last also nicht so groß ist, wie es scheinen mag. Die Deekvekev Vev Deelinev Dsvleitgenossen zum Hamburger Parteitag wurden heute in de» Partei-Ver- fammlungen der sechs Berliner Reichstags-Wahlkreise gewählt. Auf der Tagesordnung standen ferner die Berichterstattung von der Brandenburger Provinzialkonferenz und die Wahl von Mitgliedern der Agitationskommission und des Zentral-WahlkomiteeS. Die außer- ordentlich stark besuchten Versammlungen diskntirten Haupt- sächlich die Frage der Betheilignng der Sozialdemokratie an den preußischen Landtagswahle». Ueber die interessanten Debatten berichten wir in der nächsten Nummer. Heute beschränken wir un? im wesentlichen blos ans die Mittheilnng der Wahlergebnisse. Im ersten Kreise wurde» an den Hamburger Parteitag Arendt und Seiler delegirt. Für die Agitationskommission wurde Schuster bestimmt. Den dritten Wahlkreis sollen in Hamburg Börner, D i m m i ck und K ö n i g und in der Agitationskommission D i m m t ck und als Stellvertreter Börner vertreten. Der vierte KreiS delegirte an den Hamburger Parteitag Adolf H o f f m a n n, W e n g e l S und Z ö s ch e l und in dt« Agitationskommission A. Wasewitz und Weise. Als Vertreter des fünften KreiseS für den Parteitag wurden Roth und Richter und für die AgitationSkommisston H e n n i g gewählt. Der sechste KreiS sendet an den Hamburger Parteitag Leid, Klose und H elbig und in die AgitationSkommisston, Rietz. Beim Schluß des Blattes steht noch der Bericht auS dem zweiten Wahlkreise aus. Vevpttknnrluttgen. Der Verband der Graveure, Ciseleure tc.(Filiale Berlin) hielt am Dienstag, den 7. September, seine regelmäßige Versammlung ab. Aus der Ersatzwahl zum zweiten Vorsitzenden ging Baum hervor. Ein Antrag Schaal, die Kosten für die Versendung der Fachzeitung an die Berliner Mitglieder zu übernehmen, wurde nach kurzer Debatte, in der eine einheitliche Regelung dieser Sache verlangt wurde, angenommen. Zn gunsten der am 21. September er. in der„Berliner Ressource", Kommandanlenstraße 57, stattfindenden öffentlichen Versammlung der Graveure, Ziseleure, Goldarbeiter und BernfSgenoffen fällt die ordentliche Vcrbandsversammlung aus.— Eine äußerst rege Dis- kussion entspann sich über das Thema:„Der Klein- und Groß- betrieb in unserem Gewerbe mit Beziehung auf die Organisation. G n t t m a» n hob in seiner Einleitung die mit der Ent- Wickelung unseres Gewerbes entstandenen Mängel im Klein- und Großbetrieb hervor, unter denen die Konkurrenz des Kleinnicisters den in Fabriken beschäftigten Kollegen gegen- über sich ganz besonders bemerkbar macht. Säunnlliche 13 Redner, die sich an der Debatte betheiligten, wiesen auf die Nothwendigkeit einer starken Organisation hin. Die Ausführungen Gnttmann's ergänzend nnd verschiedene Uebelstände im Berufe einer Kritik unterwerfend, betonte man auch den Drang verschiedener 5?ollegen,»ach Feierabend noch für andere Prinzipale oder Fabrikanten in eigener Behausung Arbeiten anzufertigen. Die Ausbildung der Lehrlinge, welche in der Diskussion ebenfalls hervorgehoben wurde, soll in einer der nächsten Versainmlungen eingehend erörtert werde». Nachdem zur regen Betheiligung der am Sonnlag, den 12. September, statlsindenden Besichtigung der Treptower Sternwarte nnfgesordert, erfolgte Schluß der Versamm- lnng. Treffpunkt am Sonntag, den 12. September, 4 Uhr nach» mittags, Restaurant Karpfenteich, Köpeuicker Landstraße. DepeMzen und letzke Dttchvichten. Rnhrort, 14. September.(„Franks. Ztg.") Der Wassersland ist erneut aus 4,70 Meter gestiegen. Das untere Geleise am Kaiser- Hafen ist überschwemmt, indcß wird keine weitere Verkehrsstörnng eintreten, da gegenwärtig Stillstand herrscht. Budapest, 14. September.(B. H.) Laut Beschluß der Kauf- mannshalle sollen ab 15. September sämmtliche Spirituosen im Preise erhöht werden. Budapest, 14. September.(B. H.) Die staatlichen Seiden- spinnereie» in Neusaatz wurden von der Regierung an eine Firma in Lyon verpachtet. Marseille, 14. September.(B. H) Ein ans Dahomey ein- getroffener Postdampser berichtet, daß am Flusse Agone ein sran- zösischer Transport, der Gesellschaft Agoue gehörig, von einen, feindliche» Stamme am 20. Juli angegriffen worden ist. Slli« Kähne wurden zerstört und geplündert. Die Eingeborenen hatten 40 Tobte. Bayonne, 14. September.(W. T. B.) Die Holzschneidemühle von Lsglise, bei dem Orte Le Boucan gelegen, ist niedergebrannt. Der Schaden beträgt eine Million Franks. London, 14. September. Aus Patras wird trlegraphirt. daß in einer dortigen Goldgrube fünfzig Arbeiter umgekommen sind. London, 14. Sept.(B. H.) Nach Meldungen ans Buenos- Aires haben die Heuschrecken daselbst großen Schaden angerichtet. Die Ernte ist zun, größten Theil verloren. Bombatz, 14. September.(Meldung des„Neuter'schen BnreauS".) Gangaphar Tilak, eingeborenes Mitglied des gesetzgebenden Ruthes, dessen Verhaftung wegen Aufreizung zur Unzufriedenheit seiner Zeit gemeldet wurde, ist zu 18 Monaten schweren Kerkers verurtheitr worden. Für den Jnseratenthcil verantwortlich: Th. wloeke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu Ä BeiIngen n. Ilnterhnltniigsl'tatl. s.. 215. Ii. IchWg. i leiiuje des„Nmarls" Kerlimr MlksdlM. Sine Monfeeenz von Vertreter» deutscher Arbeitsnachweise, zu der auch Vertreter von städtischen Verwaltungen, von Unter- nehmer- und Slrbeiterverbäuden, sowie Vertreter des badischen Staates und des Magistrats von Karlsruhe erschienen waren, wurde am IS. September in Karlsruhe abgehallen. Die Konferenz, die von Dr. I a st r o w aus Berlin einberufen war, bezweckte, einen Verkehr zwischen den Arbeitsnachweise- Verwaltungen zu schaffen, Uebelstände abzustellen u. dgl. m. Geh. Ober-Finanzralh FuchS auS Karlsruhe berichtete über de» Verband der Äinstalten für Arbeitsnachweis im Grohherzoglhum Baden, Dr.H a r t e n st e i n aus Sluttgart über die Zentralisation des Arbeits- Nachweises in Württemberg. Beide Redner legten dar, daß die Zen- tralisation des Arbeitsnachweises in ihren Ländern sich bewährt habe. Geschäftsführer Arnolds aus Düsseldorf berichtete über de» Verband zur Förderung deS Arbeitsnachweises im Regierungsbezirk Düffel- dorf. Der Verband, der große Erfolge zu verzeichnen habe, sei be- müht, dafür zu wirken, daß die Großindustriellen bei ihren'Arbeits- Vakanzen sich des Arbeitsnachweises bedienen. Rechlsrath Dr. M e n z i n g e r aus München bemerkte, daß aus Anlaß der Ungleichheit der industriellen Verhältnisse in Bayern, von einem Abschluß der Zeulralistruug des Arbeitsnachweises noch nicht die Rede sei. Man sei jedoch in Bayern von der Rolyweudigkeit der Zentralistrung des Arbeitsnachweises überzeugt und sei bemüht, die Zentralistrung zum Abschluß zu bringen. Angenommen wurde, und zwar fast elnstimniig, folgende Re- solulion Dr. Jnstrow's:„Die erste deutsche Arbeitsnachweise- Konferenz nimmt von den ihr erstatteten Referaten über bestehende und geplante Verbände der Arbeitsnachwcise-Verwaltungen in Baden, Württemberg, Regierungsbezirk Düffeldorf und Bayern Kenntniß. Sie bezeichnet es als dringend wünschenswerth, daß ähnliche Ver- bände i» allen Gegenden Deutschlands begründet werde» und daß namentlich die Reichs-, Staats- und Bezirksreaierungen der Frage eingehende Aufmerksamkeit zuwenden. Die Versammlung beaustragt ihr Prästdium, diesen Beschluß in der ihm geeignet erscheinenden Form zur Kenntniß der genannten Behörden zu bringen." Hierauf wurde die Frage der Verbindung der städti scheu Slrbeitsnach weise mit ihrer näheren Um g e b n u g erörtert. Der Vorschlag eines Geistlichen, die Ver pflegungsstationen mit Hilfsarbeilsnachweisen z» verbinden, wurde mehrfach befürwortet, während K a y s e r aus Worms stch mit der Begründuug dagegen wandte, die Verpflegnngsslationen seien ein Gemisch von Humaniläts- und Polizei-Anstnlten. Der Vorschlag wurde schließlich zurückgezogen zu guusten eines von Dr. Jastrow gestellten, laut welchem die Versammlung von einer bestimmten Bi> schlußfassuiig Abstand nahm. Inspektor H a r t m a n n a»S München berichtete danach über die Einrichtung und den täglichen Dienst deS städtischen Arbeitsamts in München, Verwalter Wehrstedt aus Quedlinburg über die Einrichlung und den täglichen Dienst in der städtischen Arbeitt Nachweisstelle in Quedlinburg. Buchbinder I ö h l e r aus Stuttgart bezeichnete eS als notfy wendig, den Arbeitern auf die Einrichtungen der Arbeitsnachweisel stälten den größtmöglichsten Einfluß zu gewähren und ein Be schwerdebuch anzulegen, in das Arbeitgeber und Arbeiter ihre Beschwerden eintragen kinnten. In Stuttgart habe man den Arbeitern bereits diesen Einfluß eingeräumt und damit zweifellos nicht fehlaegriffeu. Wenn man wolle, daß die Arbeiter zu den Arbeituachweise- Anstalten Vertrauen haben und die Angriffe der Sozialdemokraten bekämpfen wolle, dann sei es erforderlich, den Arbeitern überall den größlmöglichsten Einfluß auf die Arbeits nachweise-Aiistalten einzuräumen. Generalsekretär Dr. M a r t e n s aus Hamburg erwiderte darauf: Er müsse als Vertreter des Arbeitgeber-VerbandeS von Hamburg- Altona den Ausführungen des Vorredners entgegentreten. Die Arbeitgeber, denen doch im wesentlichen der wirthschaftliche Aus schwung in Deutschland zu danken sei, ständen gleichsam zwischen zwei Mühlsteinen. Auf der«inen Seite bedränge sie die überhandl nehmende Konkurrenz und auf der anderen Seite die von den Sozialdemokraten„verhetzten" Arbeiter. Wenn die Arbeit geber nicht selbständig Arbeitsnachweis- Anstalten gründen, sondern sich der bestehenden ArbeitSnachweisstellen bedienen sollten, dann könne man den Arbeitern wohl das Beschwerderecht zugestehen, die ausschlaggebende Entscheidung müffe aber den Arbeitgeber» ein geräumt werden. Stadtrath Dr. F l« s ch aus Frankfurt a. M. bedauerte den einseitigen Standpunkt deS Vorredners. Mit Rücksicht auf die vor- gerückte Zeit wollte er bloS bemerken: er fei der Ueberzeugung, daß die Ansicht: den Arbeitgebern fei die aus fchlaggebende Entscheidung in den Arbeits nachweise- Anstalten einzuräumen, nicht von vielen Seiten in diesen» Saal« getheilt werde. Die Versammlung spendete dieser Abfuhr des Vertreters deS Hamburger Protzenthums lebhaften Beifall. Weiler wurde über die Streikklausel in den Statuten öffentlicher Arbeitsnachweise verhandelt. Der Referent Stadtrath Dr. F l e s ch auS Frankfurt a. M. führte auS: Wenn ein Arbeitsnachweis mit Erfolg wirken solle, dann sei eS in erster Reihe erforderlich, daß der Arbeitsnachweis streng unparteiisch verfahre und weder zu guusten der Arbeitgeber, noch der Arbeiter Partei nehme, damit sowohl die Arbeitgeber wie auch die Arbeiter sich deS Arbeitsnachweises bedienen. Deshalb sei er der Meinung: die ArbeilSiiachweise-Anstalten hätten bei dem Ans- bruch von Arbeitseinstellniigeii oder Aussperrungen ihre Thäligkeit nicht einzusteNen, sondern dieselbe ruhig fortzusetzen. Die Arbeits- nachweise müßten aber den Arbeitern sagen: dort ist Arbeits- e i II st e l l u II g u. s. w. Die Aufnahme einer sogenaunlcn Streik- klausel in die Statuten:„Bei Arbeilseinstellungen stellt der Arbeits- Nachweis seine Thätigkeit ein", sei nicht zu empfchleii, weil sie voll- ständig bedeutungslos sei. Eine Arbeitseinstellung werde sofort durch die Presse bekannt, die Arbeitsnachweis-Anstallen könnten da- her niemand schaden. Orgauistrte Arbeiter würden kaum jemals Streikbrecher werden und unorganisirte dürften von den organisirten, die bei Streiks vielfach vor der Fabrik stehen, von der Arbeitsannahme abgehalten werden.(Nach neueren Gerichts- urtheilen ist das Ausstellen von Streikposten unzulässig. Red d.„V.") Jedenfalls dürfe der Arbeitsnachweis in keiner Weise Partei nehmen, wenn er erfolgreich wirken' wolle. Buchbinder I ö h l-e r auS Stuttgart, Vertreter der vereinigten Gewerkschasten: Er erkläre sich im allgemeinen mit den Aus- führungen des Neserenten einverstanden, ganz besonders müsse aber der Arbeitsnachweis die'Arbeiter auf die Streiks aufmerksam machen. Richter Dr. Blendermann aus Bremen: Er halte ebenfalls die größte Unparteilichkeit der Arbeilsnachweise für dringend noth- »vendig, deshalb erachte er es für geboten, daß die Arbeitsnachweise bei Ausbruch von Streiks ihre Thätigkeit ganz ruhig fortsetzen und auch den Arbeitern nicht sagen, daß und wo ein Slreik ausgebrochen sei. Gegen Streikbrecher würden sich die Arbeiter schon selbst schützen, dafür würden schon die wirthschaftliche» Organisationen der Arbeiter sorgen. Auf dem Gebiete der Politik gebe es Gegen- sähe, aber er freue sich,»venn die Arbeiter starke wirthschaftliche Orgauisationen haben. Domino, Beisitzer der städtischen Vermittlungsstelle in Frank- fürt a. M.: Er erkläre sich mit Stadtrath Dr. Flesch einverstanden. Nur halte er es für erforderlich, den Arbeitern zu sagen, wes- halb gestreikt werde, die seien Arbeiter überhaupt auf die Arbeits- bedinguiigen in den verschiedenen Fabriken u. f. w. aufmerksam zu Machen. Stadlrath Dr. Pohl aus Königsberg: Er könne den ge- machten Ausführungen nicht beistimmen. Die Arbeitsnachweise würden nur dann praktische Erfolge haben, wenn sie streng un- parteiisch verfahren und sich um Streiks in keiner Weise kümmern. Stadtrath Dr. Flesch: Die Arbeitsnachweise haben jedenfalls die Verpflichtung, die Arbeiter auf Streiks und Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen,»venn sie das Vertrauen der Arbeiter nicht verlieren»vollen. Was nützte es auch, wenn die Arbeits- nachweise den Ausbruch eines Streiks verschweigen wollten, die Arbeiter würden dies doch sofort sehen, sobald sie in die Fabrik kommen. Wenn außerdem Arbeitgeber für einen Tagelohn von 8 M. Arbeiter verlangen, den Arbeitern aber von dem Arbeitgeber gesagt werde, er zahle zunächst nur 2 M. pro Tag. so würden die Leiter der Arbeitsnachweise als Schwindler gelten,»venn sie die Arbeiter auf dies Verhältniß nicht aufmerksam machen dürsten. Sekretär Siegle aus Bahlingen empfahl gegen mißbräuch- liche Benützung von Arbeitsbescheinigungen und Nichtantritt engagirler Arbeiter, den sogenannten Stromern Arbeitsbescheinigungen zn verweigern und die engagirten Arbeiter auf die strasrechllichen Folgen des NichtSantrilts angeuommeuer Arbeit ansmerksam zu machen. Eckert, Verwalter der Allg. Arbeitsnachweisc-Anstalt in Frei- bürg i. B., bezeichnete diese Vorschläge als ein zweischneidiges Echioert. Affeffor Dr. N a n m a n n ans Hamburg empfahl den Verkehr der öffentlichen Arbeitsnachweise mit den am Ort befindlichen Fach- Arbeitsnachweisen. Die Versammlung beschäftigte stch hierauf mit der ländlichen ?l r b e i t e r s r a g e. Negierungs-Assessor Böhm aus Altkirch hob hervor, daß in vielen Gegenden die Arbeitgeber auf dem Lande über Arbeitermangel klagen. Es sei nothwendig, Maßregeln zu treffen, daß ländliche Arbeiter, dort Ivo sie in Ueberfluß seien, in Gegenden gebracht werden,»vo Arbeitermangel sei. Es müßten serner Maßregeln getroffen werden, daß diese Landarbeiter alsdann bei der Arbeit bleiben.-- Dominä ans Frankfurt am Mai»: Der Hauptübelstand in dieser Frage liege in de» schlechten Löhnen. Wenn die Landarbeiter besser bezahlt würden, würde» sie sich weniger der Industrie zuwenden.— Referent T r a u b(Vertreter der natioiialsozialen Partei): Er könne dem Vorredner nur beistimmen. Nicht blos die schlechten Löhne, sondern auch die schlechte Kost, die schlechte Behandlung und die schlechten Wohnräume der ländlichen Arbeiter haben an den vom Referenten beklagten Uebelständen schuld.— Stadtrath Dr. P o h l aus Königsberg i. Pr.: In seiner Heimath klage man über die Verlockungen der Landarbeiter nach dem Westen. Wenn sie nicht im Westen bleiben, dann sei dies wohl kaum Schuld der Arbeiter. Wie der Referent stch den Transport der ländlichen Arbeiter denke,»viffe er nicht. Er könne nicht glauben, daß der Referent an Gewaltmaßregelu gedacht habe. Man könne doch heute nicht wieder die Hörigkeit einsühren.— Landrath Boeckhaus aus tosgeismar: Der von den Herren Dominä und Traub vertretene taudpuukt sei doch ein sehr einseitiger. Nicht die schlechten Löhne und Behandlung, sondern die Genußsucht und Zügellosigkeit ver- ursachten den Abzug der Landarbeiter in die Stadt. Abhilfe könne nur durch die Agenten(!) geschaffen»verde». Nach längerer Debatte wurde von einer Beschlußfaffung Ab- stand genommen und die Arbeitsnachiveise-Konsereuz geschlossen. Vtatttnuinalesu Die Knnst geht nach Brot. Der sozialdemokratische Antrag, die von der Stadt bewilligten 5tiinstgegeiistäude in Berlin ausführen zu lassen, gelangt voraussichtlich in der nächsten Stadtverordneten- Sitzung(am 28. d. M.) zur Verhandlung. Der Antrag wird von der ungeheueren Mehrzahl der Künstler und besonders der Kunst- gewerbetreibenden mit lebhafter Freude begrübt. Seine Tendenz geht offenbar nicht nur dahin, die künstliche Minderung der Arbeits- gelegenheit zu hindern, welche naturgeiiiäß«intreten muß, wenn trotz der vorzüglichen in Berlin vorhandenen Arbeitskräfte die AuS- führuna städtischer Kunstarbeiten ausländischen Kunstindustrie-Aktien- gesellschaften ubertragen wird. Der Antrag will auch nicht nur der Preissenkung entgegentreten, die durch solche völlig ungerechte Maß- nahmen zu Ungunsten der schaffenden Künstler und Kunstgewerbe- treibenden herbeigeführt wird. Gewiß wären beides segensreiche Folgen der Annahme und Durchführung des sozialdemokrati> scheu Antrages. Noch höher aber schätzen wir die ideale Tendenz des Antrages. Die Kunst und ihre Zwillingsschwester, das Kunstgewerbe, find ein wichtiger Faktor im Volksleben und in der Gemeinschnft. Der ästhetische und allgemeine Bildungsgrad einer Gemeiuschast findet auch in der Blüthe und Art seiner Kunst und seines K»i> tgewerbes einen deutlichen Ausdruck. Ausgabe jeder Gemeinscha t ist die Pflege der Kunst und Kunstfreude. Die Maschine vermag fabrikmäßig die zweckmäßigsten Formen eines und desselben Typus»nassciihafl herzustellen. Sie vermag besser als Menschenhand die Regelmäßigkeit und Symmetrie, also die rein formellen Elemente des Schönen, zu produzire». Sie vermag aber nicht den Stoff wirklich zn vergeistigen, den Kiinstiverken das ihnen eigene uiinachahmliche Gepräge des FndividueUeu zu ver- leihen. Das zu thun ist Aufgabe der Kunst und des Kunstgewerbes. Beide haben Hand in Hand zu arbeiten. Ihre Grenzgebiete ver- wischen sich. Um ihre Aufgabe erfüllen zu können, ist Ausbildung und Beschäftigung erforderlich. Gerade gegenüber der grobsinnlichen und gegenüber der byzantinisch-militärischen Gefühlsrichtung unserer Geldsacksbesitzer, ist die Pflege wirklicher Kunst besondere Pflicht größerer Gemeiuschaflen. Berlin»var früher in den KOer und 70er Jahren dieser Pfiicht eingedenk und förderte heimische Kunst und heimisches Kunstgewerbe. Wie aber auf dem gesammten Gebiete der Schule, so ist auch auf diesem Gebiet ei» Rückschritt der Stadt in der Förderung ihrer idealen Aufgaben bemerkbar. Die Geschmacklosigkeit der öffentlichen städtischen Baute», ist fast sprich- wörtlich geworden— man erhofft eine Aeuderung durch den jetzigen Stadtbanrath Hoffmnnn. Nicht minder geschmacklose Denkmäler— wir erinnern an die cisengeschienten beiden Mühlendammer— werden der Nachwelt von unserer städtischen Verwaltung sonderlichen Richtung Zeugniß ablegen. Nur iveuige Denkmäler, so die Gertrandis auf der Gertraudtenbrücke, machen eine rühmliche Ausnahme. Vor- theilhaft fällt indeß bei allen in Berlin— sei eS für die Stadt oder sei es für den Staat— ausgeführten Kunstarbeiten die Vorzüglichkeit der Ausführung selbst auf. Mit in erster Reihe steht daS prächtige Goethcdenkmal. das nur in Berlin aus- geführt wurde. Den Besähigiiugsnachweis für vollkommene Aus- sührung haben die Berliner Künstler und Kuustgewerbtrcibenden ge- liefert. Es verkümmert aber die herrlichste Befähigung, weiiii ihr die Möglichkeit der Belhäligung entzogen wird. Der Gefahr solcher Ver- kümmerung tritt der sozialdemokratischeAnlrag entgegen. Er ist geeignet, den durch die pfahlbürgerliche Ausfassung des Magistrats und durch die Souderiutercsseii einzelner bevorzugter Künstler stark gesiinkenen Muth und herabgeminderte Schaffensfreudigkeit unserer Künstler und Kunstgewerbetreibenden neu zu beleben. Daß Sozialdemokraten es sind, die solchen Antrag einbrachten, zeigt wieder, daß allein die Arbeiterklasse eine zuverlässige Hüterin und Pflegerin unserer Kultur- ausgaben ist. Die Familien der zn FriedenS-Uebiingen einberufenen Reser- visten und Landwehrleute erhalten aus Reichsmitteln aus ihren An- trag die Ehefrau 30 pCt. des ortsüblichen Tagelohnes, das ist in Berlin---- 31 Pf. täglich, jedes Kind 10 pCt.----- 27 Pf., zusammen höchstens 6» p C t.— 1 M. 62 Pf. täglich. Diese Unter- stützung wird erst seit dem 1. April 1392(auf grund des Reichs- gesetzes vom 10. Mai 1392) gezahlt. Das Gesetz beruht auf dem an- dauernden Verlangen unserer Genossen im Reichstag, insbesondere deS Genossen Harm. Die Regierung legte im Jahre 1891 endlich ein Gesetz vor, das der Forderung, die Familien der zu Ferienkolonien Eingezogenen nicht für diese Einziehung durch Darbenlassen zu bestrafen, angeblich Rechnung tragen sollte. Sie wollte— volle 20 Pf.(in den Monaten September bis April 80 Pf.) der Ehefrau und 10 Pf. für jedes Kind täglich zubilligen! Unseren Genossen gelaug es nicht, ihre Anträge, wenigstens den vollen ortsüblichen Tagelohn zu zahlen, durchzusetzen. Die Junker und die Regierung»vidersetzten sich mit Händen und Füßen. Fast konnte man annehmen, daß dasselbe Reich, das 25 000 M. an einen Beamten für eine Uebersicdelung r%i Stuttgart nach Washington zahlt, bankrott würde, wen» es die elementarste Pflicht erfüllte, die Familien der zu Friedens- Übungen Eingezogenen zu entschädigen. Die Erhöhung der Regierungssätze ans die jetzt zu zahlenden Sätze setzten aber unsere Genossen durch. Ihre Voraussagung, daß trotz dieser Sätze Reservisten und Landwehrleute gezwungen sein werden, Armenhilfe in Anspruch zn nehmen, hat sich selbst in Berlin bewahrheitet. In der That sind nicht selten Fälle vor- gekommen, in denen Reservisten und Landwehrleute infolge der Ein- berufung später Armenttiiterstützuug haben in Anspruch nehmen inüffen und also infolge der Erfüllung ihrer Wehr- pslicht das Recht zum Wählen verloren. Diesen Mißstand suchte Stadlverordneter Stadthagen für Berlin in der Armendireklion durch einen Autrag ab- zustellen: den Magistrat zu ersuchen, i» Zukunft den ein- gezogenen Reservisten und Landwehrleuten Beihilfen aus städtischen Mitteln zu zahlen, die nicht als A r m e n u n t e r st ü tz u n g e n z u b e l r a ch t e n s i n d. Die Armendireklion trat diesem Antrag einstimmig bei. Gleichfalls hat sich jetzt das zur Aussprache über diese Anregung aufgeforderte Armen a m t für den Antrag Stadt- Hagen ausgesprochen. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Magistrat zu diesem Antrag stellt. Auffällig ist, daß, soviel wir haben be- merken können, bislang kein einziges der sonst von patriotischen Phrasen überströmenden Blätter sich für den Antrag erklärte. Zur Lokalliste. Der„Verein Berliner Hausdiener' feiert am Sonnabend, den 13. September, sein diesjähriges SliftlingSfest in der Philharmonie. Das Lokal ist als K u n st i n st i t u t nur für den Privatverkehr, also nicht für Vereine frei; auch steht der Verein nicht auf dem Voden der ni oder neu Ar- b e i t e r b e w c g u n g. Ferner hält die Werkstatt H. Jahn, Waffer- thorstr. 14, in Heinrichs Festsälen, Blücherstr. 81. am 2S. d. M. ein Vergnügen ab, trotzdem der Wirth z» den Saalverweigerern gehört. In beiden Fällen' werden die Genossen ersucht, ihnen angebotene Billets energisch zurückzuweisen und diesen Vergnügungen fern zn bleiben. Die Lokalkommissio». I. A.: Oskar Mahle, Prinzen- straße 8. An die Berliner Parteigenosse»? Wen» eS uns noch in letzter Stunde möglich war, dem allgemeinen Wunsche entsprechend das größte Lokal, welches den Berliner Parteigenossen zur Äer- fügung steht, zur Abhaltung der Provinzial-Parteikoiiferenz zu er- langen, so gebührt in der Hauptsache den graphischen Ar- b e i t e r n Berlins das Verdienst, es bewirkt zu haben. Diese hatten das Lokal bereits vor längerer Zeit zwecks Abhaltung einer Wohlthätigkeits-Matin ee gemielhet und auch nicht geringe Ausgaben für diesen Zweck gemacht. Nach Vorbringen unseres Wunsches faßte das Vergnügungskomitee einstimmig den Beschluß, im Juteresse der Partei zurückzutreten. Die Matinee findet nunmehr eine Woche später, also am Soniilag. den 19. September, bei Keller, Koppeufir. 29, statt. Wir ersuchen sowohl die graphischen Arbeiter. »vie auch die übrigen Parteigenossen, für recht regen Besuch Sorge zu tragen. Das vorzüglich gewählte Programm bietet die beste Gewähr für einige Stunden schönster Unterhaltung. Robert W e n g e l s. C a r l D i m m i ck. Ucber die'„Zentralstelle für die Wohlthätigkeitöpflege", die seit dem I. Juli 1396 bei der städtischen Stiflungsdeputalion besteht, wird in dem neuesten Bericht dieser Deputation(pro 1896/97) gesagt, es lasse sich trotz der verhältuißmäßig kurzen Zeit doch bereits erkennen, daß damit„eine für das Znsainmenwirkeii der verschiedenen Zweige der Armen- und Wohlthätigkeitspfiege sehr nützliche und zweckmäßige Einrichtung ins Leben gerufen worden ist." Die Zentralstelle sei nicht nur fast täglich von den verschiedensten Seiten durch Erkundigungen überHilfsbedürslige inAnspruch genommen worden. sondern habe noch bei weitem häufiger Mittheilungen über gewährte Unterstützniigen erhalten. Der Bericht läßt jedoch durchmerkeii, daß die Anerkennung, die die Einrichtung im Publikum findet, und die freiwillige Mitwirkung der Behörden. BerufSgenossenschaften, Vereine und Woblthäligkeilsaiistallen vorläufig doch noch viel zu wünschen übrig läßt. Die noch in ihren Ansängen begriffene Institution»verde erst nach und nach und überhaupt nur dann den von ihr zu er- wartenden Grad von Leistungsfähigkeit zu erreichen im staube sein. wenn ihr diese freiwillige Mitwirkung in reichem Maße zu theil werde. Leider wird im Bericht nicht gesagt, wie viele Körper- schaften und welche bisher mit der Zentralstelle in Verbindung ge- treten sind. Baunnfall-Verstchernng und Banschwindel. Die städtische Kommission für Requisitionssachen hat unter andere»» auch die durch das Bauunfall- Bsrsicheruugs- Gesetz von 1337 dem Magistrat zu- gewiesene» Geschäfte z» erledigen. Im Jahre 1396/97 sind 1I0b. im Borjahre I83S/93 dagegen nur 732 aus grund jenes Gesetzes ein- gegangene Requistlionei» bearbeitet worden. Die Kommission»vird auf diesem Gebiete von Jahr zu Jahr mehr in Anspruch genommen. Besonders verursacht die Prüsuug und eventuelle Ergänzung der von den Bauuiilirnehmern eingehenden— oder oft auch nicht eingehenden— Lohnnachweisungen, auS denen die auf jeden Unternehmer entfallende Versicherungsprämie berechnet wird, zunehmende Schwierigkeiten. Im Jahre 1896/1897(bezw. 1895/96) gingen von den Unternehmern im ganzen 1802(1290) Lohiinachweisungen ein. Außerdem mußten aber noch 258(177) Nachweisnngen, da die betreffenden Unternehmer der ihnen durch das erwähnte Gesetz auferlegten Pflicht nicht nachkamen, von Amts »vegen aufgestellt werden. Die aus grund der Lohiinnchweisungei» berechneten Vcrsicherungsprämien beliefen sich zusammen auf 69 500 (30 667) M., die in 830(783) Einzelbeträgen zur Einziehung gestellt wurden. Zahlungen darauf wurden aber nur in 679 Fällen mit 56 002Vz M. geleistet.(I», Vorjahr-Bericht fehlt hier eine Zahlen- angabe.) In 613(510) Fällen mußte erst das Zivangsvollstreckungs- Verfahren eingeleitet werden,»voraus in 149(105) Fällen die Zwangsvollstreckung fruchtlos auslief. In einen, früheren Bericht (pro 1894/95) wurde die stete Zunahme der Schwierigkeiten, mit denen die Kominission den Bauunternehniern gegenüber zu kämpfen hat, darauf zurückgeführt, daß sich die Fälle gemehrt hätten, in denen völlig mittellose Personen, die ihren Pflichten hinsichtlich der Slnfstelluug der Lohnuachweisung, sowie der Zahlung der Beiträge weder nachkommen w o l l t e n n o ch könnten, als Baun» lern eh n» er vorgeschoben würden. Ter Ausschich für die Neberschwenimten soll am nächsten Sonn- abend eine Sitzung abhalten, um über mehrere eingegangene Unter- stützuugsgesuche Beschluß zu fassen. Demnächst wird das Zentral- komitee zusammentreten, um über die Beschlüsse des Ausschusses zu befinden und werden alsdann an die Lokalkomilee's Größere Summen abgesandt werden. Nebenbei sei bemerkt, daß zu den Sitzungen deS Zentralkomitees. gleich wie von Anfang au, die von den Zeitungen abgesandten Berichterstatter Zutritt haben. Eine wunderliche Uebcrraschnng wurde vorgestern einem Parteigenossen zu theil, der aus irgend einem Grunde vor fünf Jahren den Festzug bei der Einweihung der Schloßkirche in Witten- berg als Lehrling hatte mitmachen müssen. Er erhieli vom königlichen Landrath des Kreises Wittenberg ein kleines Packet zugesandt, in dem Packet aber lag em Etui und in dem Etui so etwas, das vemahe aussah wie ein Orde». Das Ganze war aber von folgendem Schreiben begleitet: „Nachdem Se. Majestät der Kaiser und König Euer Wohl- geboren die zur Erinnerung an die Einweihung der ernenerlen Schloßkirche Hierselbst am 3t. Oktober 1892 gestiftete Denkmünze allergnädigst zu verleihen geruht haben, gereicht es mir zur Freude. Ihnen dieselbe zugehen zu lassen." Die Freude des Empfängers erleidet nun dadurch eine starke Einbuße, daß er sich mittlerweile zu einem Anhänger jener Rotte ausgebildet hat. von der behauptet worden ist, daß sie nicht werth sei, den Namen Deutscher zu tragen. Zur Bekämpfung der Liebhaber- Theater- Borstelluugeu und der Theater-Dilettauteu-Bereiue will der„Theaterdirektoren- Verband" mit allen gesetzlichen Mitteln vorgehen. Mau will beim Ministerium dahin petitionire», daß den Dilettanten-Vereiuen jede Aufführung verboten werde, da dieselben den stehenden Theatern. in Berlin sowohl wie in der Provinz, einen kolossalen Schaden bereiten sollen. In Berlin sollen angeblich 900 Lieb- Haber- Theatervereiue bestehen, die regelmäßig oder ab- wechselnd ihre Vorst-llungeu geben. Der„Theaterdirektoren- Verband will nun dahin wirken, daß die Konzessionsklausel auch auf die Dilettanteu-Vereine ausgedehnt wird. Am erfolgreichsten glaubt man gegen die Liebhaber-Theater vorgehen zu können, wen» man auf die Verleger dahin einzuwirken sucht, daß sie diesen Theateril nicht mehr die Stücke, besonders die nenesteu Sachen, zur Aufführung übergeben. Daß die Theaterdirektoren einen solchen Feldzug gegen die Konkurrenz der Theatervereine anstellen müsse», stellt ihrer Kunst kein gutes Zeugniß ans. Die Herren Direktoren sollten nur wetteifern, durch gute Vorstellungen zu mäßigen Preisen die Gunst des Publikums zu erwerben. Dan» würde bei einem erhöhten Kunstverständniß auch in Arbeiterkreisen die Konkurrenz der Theatervereiue bedeutungslos sein. Aber der Mangel des Genusses schafft die Genügsamen, die sich mit einer weniger verdaulichen Kost zu- frieden geben. Verlangen aber die Herren für die Dilettanten- Vereine die polizeiliche Bevormundnng, dann werden sie mit ihrem engherzigen, vom Konkurrenzneid bestimmten Standpunkt nur Widerwillen und lebhaste Berurtheilung in weiten Kreisender Be- völkerung hervorrufen. Der Vorschlag, die Verleger zu bestimmen, die neueren Stücke nicht an solche Vereine zu vergeben, dürfte an dem praktischen Geschäftsgeist unserer Verleger scheitern. Gute dramatische Werke sind von solchen Vereinen so wie so nicht zu erwerben und wenn einer von unsere» Gaffenhanern, nachdem er von dem Leiermann zur Berühmtheit gebracht, auch noch die Dillettanten-Bühne ziert. dann«vollen wir nicht griesgrämlich dreinschauen. Wenn die Herren Theater-Direktoreu ihre eigene Erfahrung etwas zu Rathe gezogen hätten, dann müßten sie sich sagen, daß für die deutsche Dramatik nichts beschämender ist, als daß die Polizei das Richteramt führen darf. Straßeutaufe. Folgende Straßen und Plätze(die Klammern geben den Stadtbezirk an) haben die nachbe»a»nten neuen Namen erhalten: Straße 17(Stadtbez. 7S): Lehninerstraße, Straße 18 (Stadtbez. 75): Siboldstraße, Straße 20(Stadtbez. 66 u. 75); Jüter- bogerstraße. Straße LI(Stadtbez. 75): Friesenstraße. Straße 20» (Stadtbez. b6b): Bautzenerstraße. Straße 16a(Stadtbez. 295 u. 296) Bugenhagenerstraße. Straße 86ö(Stadtbez. 261a u. 260): Watt- straße, Platz B und Straße 4 a(Stadtbez. 260): Sparrplatz, Straße 7(Stadtbez. 308): Sprengelstraße, Straße 10b(Stadtbez. 309) Sylterstraße, Straße 12(Stadtbez. 309): Föhnerstraße, Sand- straße(Stadtbez. 326b) Drontheimerstraße, Platz V(Stadtbez. 247a): telmholtzplatz; Straße 30(Stadtbez. 194): Jmmanuelkirchstraße; traße 31(Stadtbez. 189): Bardelebenstrabe; Straße 41 a(Stadt- bezirk 180a und 189): Eckertstrabe; Straße 42(Stadtbez. 139 und ILO): Kochhannstraße; Straße 43(Stadtbez. 189 und 190): Straß- mannstraße; Platz und Straße 44a(Stadtbez. 189): Petersburger Platz; Straße 42(Stadtbez. 167): Bödikerstraße; Verlängerung der Gormannstraße von der Linien- bis Zehdeuickerstraße(Stadtbez 203 und 226): Gormannstraße, und Lohmühlenweg(Stadtbez. 107b): Lohmühlenstraße. Das„Kleine Journal" verkündete gestern, daß sein Heraus- geber Herr Dr. Leipziger bei einem Schmause, der am Sonntag in Budapest veranstaltet worden ist. Ungarn als Hort des Liberalismus gefeiert und auf die Vertreter der Presse ei» Hoch ausgebracht habe. Die bürgerliche Presse muß ja wissen, wie hoch sie einzuschätzen ist, wenn sie sich das ohne Widerspruch gefallen läßt. Die Niedcrlcgungsarbeiten der ehemaligen Chemiehalle auf der Nordseite des Treptoiver Parkes sind mit dem gestrige» Tage beendet worden, sodaß nunmehr auch die Reguliruugsarbeite» ans diesem Theile des ehemaligen Ausstellungsgebäudes i» Angriff genommen werde» können. Nächster Tage wird dann auch mit der Wiederherstellung des Spreeufers begonnen, sodaß die böhmische» Obstkähne, die bis zur Eröffnung der Gewerbe-Ausslellung dort vor Anker gegangen, ihre alte Lagerstätte wieder einnehmen können. Die Zuschüttungsarbeilen des neuen Sees nehmen rege» Fortgang und werden noch bestimmt in diesem Monat beendet. Bei de» Regulirungs- arbeiten des frühere» Bauhofes bietet sich der Parkverwnltung dadurch eine erhebliche Schwierigkeit, daß ein großer Bogenpfeiler noch nicht entfernt worden ist und auch bis auf weiteres»och stehen bleibe» muß, weil um denselben zwischen Besitzern und Arbeits- ausschuß ein Streit entstanden ist, welcher erst, ans dem Klagewege entschieden wird. Z»t dem Kampfe der Polizei gegen die Chantants und Tingel- tangel erfahren wir noch folgendes: Für die Kapellen, welche i» den Lokale» spiele» sollen, ist von jetzt ab polizeiliche Erlaubniß ein- zuholen. Ganz besonders gilt diese Bestimmung für Damenkavellen. wenn solche nicht geschlossene, im Befitze desKnnstscheines befindliche Konzertgesellschaften sind. Diese Maßnahme dürfte darauf zurück- zuführen fei», daß i» zahlreichen Tingeltangel» Damenkapellen a»f- treten, deren Mitglieder mehr die Aufgabe habeii, das für die Kellnerin erlassene Verbot des Auimirens zu übertreten, als zu kon- zertiren. Auf reguläre Konzertlokale hat die neue polizeiliche Be- stimmung keine Gilligkeit. Die Zurückhaltung von Quittungskarten für die Ju- validitäts- und Altersversicherung hat schon wiederholt dazu ge- führt, daß namentlich Herbergsbesitzer und Gesindevermiether mit erheblichen Strafen belegt worden sind, da das Alters- und In- validitätsgesetz die Einbehaltung dieser Karte» verbietet. Trotz- dem kommt es immer»och von neuem vor, daß, besonders als Unterpfand für Kost und Logis, den Stellungsuchenden die Qnittnngs- karten vorenthalten werden. Infolge dessen wird jetzt auf Ver- anlassung der Provinzial-Versicherungsanstaltcu seitens der Aufsichts- behörden allgemein wieder darauf hingewiesen, daß eine Pfändung dieser Karten völlig unstatthaft ist. Ein großes Zeutraldepot des Vereins vom Rothen Kreuz ist augeublicklich bei Station Neu-Babelsberg im Bau be- griffen. Hier ist unmittelbar an den Geleisen der Potsdamer Bahn, und zwar südlich davon, ein Theil des Waldes abgeholzt und der freie Platz für die Errichtung von drei großen massive» Lager- schuppen bestimmt worden. Diese Lagerschuppen, von denen einer bereits im Rohbau fertig ist, sollen zur Aufnahme des gesammte» umfangreichen Kriegsmaterials des Vereins vom Rothen Kreuz dienen, der sich bekanntlich die Pflege von im Felde verwundete» lind er- krankten Kriegern zur Aufgabe macht. Die Schuppen werden zunächst ein großes Lnrer von Verbandstoffen aller Art enthalten, ferner werden dort Transportwagen und die im Auftrage des Kriegs- Ministeriums von einer Berliner Firma angefertigten 15 x 5 Meter großen Baracken untergebracht, welche im Falle einer Mobilmachung nach dem Kriegsschauplatz transportirt und als Feldlazarethe benutzt werden. Diese Baracken können auseinandergenommen iverden und lagern auch in diesem Zustande in den Schuppe», wobei die Fuß- böden der Baracken gewissermaßen als Verpackungskisten verwendet werden. Umveit der Lagerschuppen erhebt sich ferner, im Rohbau bereits halb vollendet, das Verwaltnngsgebände des Zentraldepots mit umfangreichen Stallungen. Vo» der Spree-Havel-Gesellfchaft Stern erhalten wir die folgendeRechtfertiguugsschrift.die zum Ueberfluß von 49 Schiffsführern, Maschinisten, Steuerleuten, Heizern, Bootsleuten und Schiffsjungen unterzeichnet worden ist: In Nr. 209 Ihrer Zeitung bringen Sie einen Artikel über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse unserer Schiffsbesatzung. Gestatten Sie uns. folgendes darauf zu erwidern: Es ist wohl im Juli vorgekommen, daß wir unsere Schiffe auf 15, auch 13 Stunden an Vereine vermiethen; die Mannschaft hatte aber nicht während der ganzen Zeit zu fahre», sondern halte Gelegenheit genug, sich zu ruhen und frisch und offenen Auges das Fahrzeug zurückzuführen. Nach einem solchen angestrengte» Tag kam auch wieder ein leichter, indem sich unsere Leute bis morgens 10, auch 11 Uhr ausschlafen konnten, dann, ivie Sie richtig sagen. Coaks nehmen und das Schis reinigen, um abends uni 6 Uhr nach Hause zu gehen oder auch mal bei Bedarf um 3 Uhr, respektive 4 Uhr 30 Minuten von der Jannowitzbrücke zu fahren. Was nun die Löhne anbetrifft, so habe» Sie so ziemlich recht, nur mit dem Unterschied, daß wir unseren Schiffsführern, Steuerleute», Bootsleuten und Schiffsjungen auch»och die Uniformen liefern und Bootsleute 60 M., Schiffs- jungen 45 M. monatlich Gehalt erhalten; außerdem im Juli für längeres Fahre» haben wir jedem Angestellten eine Exlra- gratifikation gezahlt, sowie an heißen Tagen(Sonn- oder Wochentag) jedem Mann eine bis zwei große Flaschen Weißbier verabfolgt.— Wir glauben, daß es wenig Betriebe giebt, wo die Angestellte» so human und anständig behandelt werden ivie bei uns. Unsere Leute genießen die großmöglichste Freiheit und nicht als Arbeiter sehen wir dieselben an, sondern unser Bestreben ist, de» Leuten Lust und Liebe zu unserer Sache und Interesse für unser Unternehmen einzuimpfen, damit uns dieselben durch eiserne Disziplin und Korrektheit helfe», unsere Gesellschaft hochzubringen und wodurch beide Theile nur gewinne» könne». Wir verfolgen das Prinzip leben und leben lassen und haben dies unsern Leuten schon oft genug gezeigt. Im Hochsommer, wo wir stark eugagirt waren, haben wir wochenlang Arbeiter im Tagelohn auf der Werft zum Koakssiebe» gehabt und unseren Leuten den Dienst erleichtert.— Betreffs der Schlafräume wäre es uns wirklich sehr erwünscht, wenn Sie einen Ihrer Herren Reporter zu uns nach der Werft schicken würde», damit sich derselbe mal die Räume tc. ansehen kann, vielleicht gewinne» Sie dann ei» anderes Bild von unserem Betriebe. Ein jeder Schiffsangestellte hat überall in der ganzen Welt für Betten zu sorgen, früher haben wir»och Schlafdecken geliefert, dieselbe» wurden uns aber stets gestohlen und bei Schluß der Saison fanden wir nur»och einige Lumpe». Wir wundern uns eigentlich, daß gerade Sie in solcher Weise über uns herfalle» und vielleicht Leuten, die sich so lange tadellos geführt, jetzt aber wegen Trunkenheit und schlechten Betragens vo» nns entlassen wurden, eher Glaube» schenke», als sich bei uns nach der wahre» Sachlage vorher zn erkundigen und billen Sie nun, vorstehendes durch die Unterschriften unserer An- gestellten bewahrheitetes Schreiben gütigst zu veröffentliche», damit das gute Einvernehmen zwischen uns wieder hergestellt wird." Unsere Bemerkungen zu diesem Schriftstück sollen kurz sei», da dasselbe, von einigen Nebensächlichkeiten abgesehen, mit etwas anderen Worten nur das hestätigt, was von uns in Nr. 209 gesagt worden ist. Nur auf einen Jrrthuu» wollen wir die Gesellschaft hinweisen. Sie scheint nämlich in der Meinung befangen zn sei», daß mir demHinweis auf die Folgen einer ansgedelmte» Zlrbeitszeit ans Bosheit oder mindestens ans Voreingenommenheit gegen sie Raum in unserm Blatte gegeben haben. Wenigstens deuten die Worte„über uns herfallen" und die gänzlich unbegründete Verdächtigung, daß ein wegen Trunkenheit entlassener Schiffsma»» nns erst unsere Weisheit beibringen mußte, aus diesen Umstand hin. Die Gesellschast sollte sich aber merken, daß nicht persönliche Voreingenonnncnheit, sondern die Wahrnehmung der öffentlichen Interessen die Triebfeder ist, von der sich ein an- ständiges Blatt bei Besprechung öffentlicher Mißstände leiten läßt. Neue Beschlverdcn gegen Radfahrer sind bei de» Gendarmen imd Orlspolizei- Behörden eingegangen wegen der sogenannten Chaussee-siieunen, die hänsig von Radfahrer- Klubs veranstaltet werden, und ivobei diese die Chansfee» auf weile Strecke» in einer Weise für sich in Anspruch nehmen, daß andere Fnhrwerksführer dadurch auf das unangenehmste belästigt iverden. Namentlich habe» die Kutscher beladener Erutefuhi werke, die nicht leicht manövriren, über die oft wie rasend dahinsausende» Wettrenner sich beschwert, vor denen der neben dem Wage» gehende Kutscher sich unter das breit beladene Fuhrwerk flüchten muß. Diese Vorkommnisse machen die Nadfahrerei bei den Landlente» jedenfalls nicht beliebter. Die Einführung der Karteubriefe seitens der Reichspost ist, wie berichtet wird, nunmehr beschlossene Sache und wird die Anfertigung derselbe» so beschleunigt werde», daß diese langersehnte Neuerung hier in Berlin vom 1. November d. I. ab bei säunntlichen Postanstalten für das Publikum benutzbar ist. Die Reichsdruckerei ist emsig dabei, die netten Kartenbrtcse herzustellen. Diese haben eingedruckte Zehnpfennig-Marke, sind im Format der Postkarte ge- halten und auf drei Seiten gnmmirt. Vo» den bekannten Karten- briefe» der Packetpost weichen sie jedoch vor allem dadurch vortheil- Haft ab, daß sie eine größere Schreibfläche besitzen. Auf dem Audrcaöplat; soll nun endlich Ordnung geschaffen werden. Die vielbesprochene Monnniental-Bank, deren Aufstellung eine mehrjährige'Absperrung des Platzes erforderlich machte, soll illllimehr am heutigen Tage fertig gestellt iverden. Ob dann der Bauzaun fällt, ist freilich noch zweifelhaft. Der vor der Bank zn errichtende Springbrunnen harrt noch der Polteiidtlng, da der dem Kaiser vorgelegte Entwurf des Brunnens in seiner figürlichen Aus- statlung beanstandet worden ist. Daö Siiuou Blud'schc Vermächtuist an die Städte Berlin, Mainz und Bingen kann immer noch nicht znr Erledigung komme», den» noch fehlt die kaiserliche Bestätigung, und zwar iveil noch Ver- Handlungen über die„Denkmals"-Frage schwebe». Nu» will eine uneheliche Tochter des Erblassers das Testament anfechte». Der Berliner Magistrat hat beschlossen, eine Absindnngssnmme von 7500 M. zu zahle» und wünscht auch von Bingen und Mainz e»t- brechende Zuschüsse, um einem Prozesse ans dem Wege zn gehen. Mehrfach ist festgestellt worden, daß als„getrocknete Morcheln" hier vieffach nickt echte Morcheln, sondern die ihnen äußerlich ähnlichen Lorcheln feilgehalten werden, deren Genuß, besonders wem, ihnen alte, ausgewachsene, wnrmstichige und aule Exemplare beigemengt sind, leicht für die Gesund- heil gefährliche Folge» haben kann. Ebenso iverden als „getrocknete Champignons" häufig nicht diese, sondern die zerschnittenen Stiele und Hüte des Steinpilzes nach Ent- 'ernung der Röhrenlamellen verkauft, denen gelegentlich auch giftige Pilze, wie der„Hörnling", der„Knollenblätlerschwamin" und andere beigemengt sind. Es wird daher vom Polizeipräsidenten wiederholt die größte Borsicht nickt nur beim Einsammeln, wobei alle verdorbene» und schädlichen Exemplare fern zu halten sind, chndcrn auch für den Genuß derartiger Pilze anempfohlen. Die tischen wie die getrockneten Pilze sind vor der Zubereitung durch kochendes mzd kaltes Wasser zu reinigen und aufzufrischen, um alle ungesund aussehenden Stücke zn entfernen. Hierbei sei bemerkt, daß das Fleisch der eßbaren Steinpilzarlen nach dem Trocknen weiß bleibt, während die gefährliche» Nebenarten beim Einsammeln an der Bruchfläche blau und beim Trocknen meist dunkel zu werden pflegen. Von dem Mörder Goeuczy ist wieder eine sogenannte Spur entdeckt. Wie ei» Telegramm aus Wie» meldet, hat ein Boots- mann des Dampfers„Gisela" der Polizei die Anzeige erstattet, daß Sonntag Abend mit dem genannten Schiff ein Herr und eine schwäch- liehe Frau, auf welche der Steckbrief gegen das Doppelmörderpaar Goenczy paßt, von Passau nach Wie» gefahren und in Wien ab- gestiegen sind.— Vielleicht gelingt es der Wiener Polizei, den Mörder zu fassen, wenn die„Spur" die richtige ist. Wir glauben aber nicht daran. In den„N. Nachr." lesen wir:„Sowohl die Kriminalpolizei wie der Untersuchungsrichter haben jede versolgbare Spur des Mörder- paares verloren. In den letzten Tagen ging noch die Nachricht aus München ein, daß Goenezi dort von einer Frau Stark, die ihn von seinem früheren dortigen Aufenthalt her kannte, gesehen worden sei. Die Frau gab an, daß sie ihn mit Bestimmtheit wiedererkannt und ihn habe ansprechen wollen. Da sei eine andere Person dazwischen getreten, und Goenezi wäre verschwunden gewesen. Dieser Vorfall sollte sich am 19. August in München zugetragen haben; er erschien wenig glaubhaft, da Goenezi, wie uuziveiselhaft festgestellt, an diesem Tage morgens von Frankfurt an der Oder abgereist und über Halle an der Saale abends 6 Uhr in Hameln eingetroffen ivar. Es wurde daher in München nochmals angefragt, ob nicht betreffs des Tages ein Jrrthuu» vorliege, und nun erfolgte die Antwort, daß die Frau den Goenezi bestimmt am 19. August, vormittags 11 Uhr, andere Leute ihn schou am 13. in München gesehen hätten. Da Goenezi aber erst am 18. abends hier auf dem Schlesischeu Bahnhof abgereist ist, so muß zweifellos in München eine ihm ähnliche Persönlichkeit gesehen worden sein. Die Kriminalpolizei verfolgte auch die Anzeige, ivonach Goenezi i» Osnabrück gewesen sein sollte. Es stellte sich heraus, daß nur ein Reisender ihn nach der Beschreibung in einer»ach Holland reisenden Person erkannt haben wollte. Ob Goenezi nach dem Auslande und bezw. nach Amerika entkommen ist, wird sich schwer feststellen lassen. Die Kriminalpolizei hat alle deutschen Hafenstädte, als auch Rotterdam, Amsterdam, die englischen, belgischeil und französischen Behörde», insbesondere die von Brüssel und Paris, wo Goenezi von früher her Beziehungen hatte, in Keuntniß gesetzt. Leider sind die amerikanischen Behörden und die dortigen deutsche» Konsuln nicht telegraphisch benachrichtigt ivorden, weil dies wegen der nölhige» genaue» Beschreibung einen besondere» Kostenaufwand verursacht hätte, für den der Untersuchungsrichter die Veraulwortung nicht übernehme» wollte."(?) Die von der Staatsanwaltschaft freigegebene Ladeneinrichtung des flüchtige» Raubmörders Goenezi ist zu», theil wiederum von dieser Behörde mit Beschlag belegt worden. Wie bereits früher mitgetheilt, waren in dem Laden des G. Blutspuren aufgefunden, welche daraus hindeuteten, daß die Wittive Schulze und deren Tochter in diesem Räume ermordet sind. Bei den alsdann freigegebenen Sachen wurden nachträglich nicht nur Blutspuren, sondern am Teppich, sowie auch am Ladentisch Haarbüschel entdeckt, die ziveisellos von den beiden Frauen herrühre». Die Staatsanwaltschaft, welcher diese Indizien eingereicht worden sind, hat Ladentisch und Teppich wieder eingefordert, und sind diese Gegenstände nach Moabit geschafft. Jedenfalls ist es nun zweifellos feststehend, daß der Doppelmord in dem Goeney'schen Laden stattgefunden haben muß, und zwar dürfte die Witlwe Schulze hinter dem Ladentisch getödtet worden sein, während die Ermordung der Tochter vor demselben stattgefunden hat, ehe die Dame den Körper ihrer Mutter zu erblicken vermochte. Ein Rallbmord verübt an einen Postillon. Das Polizei- Präsidium giebt folgendes bekannt: Am Sonntag, den 12. September, ist die gegen 8� Uhr abends von Zechlau nach Könitz abfahrende Persouenpost vermuthlich in räuberischer Absicht überfallen und der die Post fahrende Postillon Fritz aus Könitz ermordet ivorden. Die That ist höchstwahrscheinlich zivischen Zechlau und Krug Babilon, und zwar gegen 9V4 Uhr abends, verübt, da die Post nicht, wie vorgeschrieben, in Babilon anhielt, sondern von einer »eben dem Postillon sitzenden Mannsperson i» schneller Fahrt vorübergeführt wurde. Der Postillon saß in sich zusainmeugesunke» mit»ach links überhängendem Kopse auf dem Postillonssitze und war schon damals entiveder betäubt, in Schlaf verfallen oder leblos. Seine Leiche ist blutüberströmt bei Kilometer- ftalion 9,2 auf der Bütower Chaussee gefunden worden. Auf seinem Kopfe sind mehrere, anscheinend von stumpfe» Werkzeugen ver- »rsachte Verletzungen, im Gesicht auch oberstächliche scharfraudige Wunden vorgesunden worden. Die Schläge müssen mit großer Wucht gegen den Kopf geführt sein, da der seste Hut des Postillons durchtrennt bezw. stark beschädigt ivorden ist. Eine bisher nicht er- miltelte Person hat gestern Nacht den Postillonshut in das offen- stehende Gastzimmer des Kruges Babilon hineingelegt. Wahrscheinlich sind der oder die Thäter in ihrem Vorhaben gestört ivorden und haben die Post im Walde verlassen, das Gefährt sich selbst überlassend. Der Erste Staalsauwalt in Könitz ersucht jederma»», der irgend etwas zur Ermittelung des ThäterS dienliches i» Erfahrung bringt oder weiß, insbesondere, falls sich eine Person dlirch Spure» der That, als: Bluiflecke au Kleidern, Verletzungen am Körper, Besitz vo» blutbefleckle» Werkzeugen und ähnliches oder durch Aeußerungen verdächtig»lachen sollte, dies unverzüglich mir oder der nächsten Polizeibehörde aiiznzeige». Der Regierungs-Präsident zu Marien- iverder hat auf die Ermittelung und Ergreifung des Mörders eine Belohnung von 500 M. ausgesetzt. Einbruch. Am Dienstag früh um 3 Uhr, gleich nachdem die Laterne» gelöscht ivaren, stattete» Einbrecher— 5 Personen— der Hirsch-Apotheke, Herrn Dr. L. Halle gehörig, Koppenftraße 22 einen Besuch ab. Nachdem sie zwei Eisenstäbe des»ach der Straße gehenden Fensters vom Lagerraum, welcher sich unter der Apotheke befindet, ausgebrochen und die Fensterscheibeu zertrümmert halten, drangen zwei von ihnen hinein und gelangten so in de» Flnr, welcher zur Apotheke führt, während die drei� anderen„Schmiere" standen. Obwohl die Diebe Filzschuhe anhätte», bemerkte der Nacht- dienst habende Provisor ein Geräusch, welches ihn veranlaßte, die Ursache desselben zu erkunde». Hierdurch lvurden die Einbrecher ent- deck! und versnchlen zu entfliehe», was auch einem gelaug, während der andere, der Schneider Carl Hofsart, ergriffen wurde und bei seiner verziveifelten Gegeinvedr furchtbare Prügel erhielt. Die sofort alarmirte Polizei nahm die Verfolgung auf und es gelang ihr, einen der Bande am Küstrinerplatz zu erwischen. Beide Ergriffene wurden»ach dem 65. Polizeirevier gebracht. Der beim Radfahren auf der Berlin-Hamburger Chaussee am Sonntag verunglnckle Hanseigenlhümer Karl Lemke ans Berlin ist am Montag Morgen im Krankenhause zu Spandau den davon- getragene» Verletzungen erlegen. Der Radfahrer, mit dem er so heftig zusammenstieß, war»ach dem Vorfall in größter Eile weiter gefahren, ohne sich»m den am Boden liegenden Verunglückten zn kümmern. Er wurde aber später von anderen Radfahrern im Verein mit berittene» Gendarmen verfolgt und eingeholt, worauf seine Namensfeststellinig— Juslizanwärter Emil Plessow zu Gohliß bei Wachow— erfolgte. Der Vorfall dürste wegen des traurigen Aus- gangs»och weitere Folgen habe». Abermals ist ein Arrestant auf einer Polizeiwache gestorben. Am Montag wurde der 32 Jahrs alte Klempner Angnst Heinrich aus der Frankfurter Allee von einem Schutzmann angetrunken auf der Straße getroffen und zu seiner eigene» Sicherheit»ach der Wache des zuständigen 44. Reviers mitgenommen. Etwa eine halbe Stunde nach der Einlieferung nahm sein Gesicht plötzlich eine eigenartige Färbung an, sodaß ein Arzt zur Stelle geholt wurde. Der letztere konnte aber nur noch den Tod feststelle», der anscheineud infolge eines Herzschlages eingetreten war. Können denn nicht endlich Ein- richtnuge» getroffen werde», durch welche die Ausnahme derartiger Leute sofort i» Krankenhäusern ermöglicht wird? Die Polizeiwache ist doch wahrlich kein Aufenthaltsort für Alkoholkranke! Unter dem Nnmeu eines Grase» vo» Plauen befindet sich. wie bürgerliche Blatter melde», der Prinz Heinrich XXVI. von Renß in der Naison de saute, über dessen Aussehen erregende Geld- und Güterspekulationen wir kürzlich berichteten. Nach den Urtheilen der Aerzte liegt eine unheilbare, fortschreitende Paralyse vor. weshalb auch das gerichtliche Entmündigungsverfahreu des Prinzen bereits eingeleitet wurde. Warum ist die Durchlaucht nun, da sie„unheilbar" ist, im Range einen heruntergesetzt worden? Ihr wird die fortschreitende Paralyse doch nicht gar als Vergehe» an- gerechnet? Schwer zu Schaden gekommen ist Dienstag Nachmittag der Gutsverwalter Gotllieb Haase aus Teltow. Derselbe ritt in Geschäften nach Berlin; als er a» einem Erbsenfelde vorbei kam, scheute sein Pferd, ein junger Hengst, vor einer dort ausgestellten Vogelscheuche und ging mit seinem Reiter durch. Zwei des Weges kommende Feld- arbeitet warfen sich dem Thiers in die Zügel. Das Pferd rannte jedoch den eine» um, setzte über einen breiten Graben und schleuderte Herrn Haase aus dem Sattel; da er sich nicht rechtzeitig vo» den ©telgbßfleln befrei«« konnte, so wurde er ein Stück geschleift und erlitt schwere Berletzuugeu am Kopfe, unter anderem Zertrümmerung des Nasenbeins. Der Berunglückte wurde besinnungslos von den Arbeitern mit vieler Mühe zu einem Arzt nach Berlin geschafft. Das Pferd einzufangeu, gelaug ihnen nicht. Ein furchtbares Gericht droht die Packetfahrt-Aktiengesellschaft m eniem Rundschreiben heule den Annahmestellen an. Es ist be- kannt geworden, daß verschiedene Anuahniestellen der Gesellschaft von Privatleuten Werthzeiche» gekaust haben, die ihnen etwa 10 pCt. billiger angeboten wurden, als sie die Gesellschaft liefert. Die Werth. zeichen rühren anscheinend aus jener Zeit her, wo die Packetfahrt ganz Berlin»>it ihre» Marken überschwemmte, um im Kampf mit einer Nebenbuhlerin den Sieg davonzutragen. Damals wurden die Werthzeichen bei bedeutendem Rabatt losgeschlagen und haben an- scheinend spekulative Köpfe zu Einkäufen veranlaßt, die jetzt mit Bortheil wieder untergebracht werden. Die Gesellschaft warnt nun ihre Annahmestellen vor solchen Ankäufen mit dem Hinweis ans kriminalistische Untersuchungen und mil dem Bemerken, daß bereits wegen Verdachts der Hehlerei(!) gegen verschiedene Personen Unter- suchungen schweben. Ein Straßenraub an einem Wächter ist in der gestrigen Nacht in der Thiergartenstraße verübt worden. Der Privalwächter Pntzold war gegen 3 Uhr morgens auf seinem Rundgange vor dem Hause Thiergartenstraße 7—8 angekommeir, wo sich eine kleine Sack- gaffe befindet. Während er dort an eine» Thorpfosten angelehnt stand, sah er drei junge Männer von der Bendlerstraße herkommen. Pätzold giebt nun an, daß zwei von ihnen, während sie scheinbar an ihm hätten vorübergehen wollen, plötzlich aus ihn zugesprungen seien und ihn derart umklammert hätten, daß er sich nicht hätte wehren können; der dritte habe ihm die Uhr aus der Tasche des Mantels geraubt. Während der Allsführung sei kein Wort ge- sprachen worden. Als P. später sich von dem Schrecken erholt und durch Rufe einen Nachtwächter herbeigeholt habe, seien die Räuber bereits in dem Thiergarten verschwunden gewesen, so daß eine Ver- folgung keinen Erfolg versprochen habe. Die geraubte Uhr trägt die Nummer 47 820. Ueber die Persönlichkeiten der drei Thäter will der Wächter der Dunkelheit wegeil nur augeben können, daß der eine etwas größer und stärker als die beiden andere» und etwa 20 bis 22 Jahre alt gewesen sei, während er die letzteren auf vielleicht 18 Jahre schätzt. Der Kriminalpolizei ist sofort gestern Morgen Anzeige erstattet worden. n»d ma» sucht die Thäter durch die Auffindung der Uhr zu ermitteln. Pätzold ist nach Angabe seiner Ehefrau von dem Vorfall derart ergriffen gewesen, daß er beim Nachhausekommen kaum eines Wortes mächtig gewesen sei. Teit einige« Tage« hängen am Eingang der Treptow- Stern- warte die Wetterkarten der deutschen Seewarte aus. Dieselben werden auf Verfügung des Direttors der kaiscrl. Seewarte zu Hamburg jetzt täglich dem Institut zugesandt und durch öffentlichen Anschlag dem großen Piiblikllin zugänglich gemacht. AnS den Nnchbarorte». Aus Johannisthal wird uns geschrieben: Eine wunderliche Auffassung von seinen Berufspflichten hat der hiesige Lehrer Willner. Der Herr erzählte seine» Schülern allerhand von der Art. wie sich die Söhne des deutschen Kaisers angeblich die Zeit vertreiben und fragte die Kinder, ob sie nichts von einer Zeitungsmeldung gelesen härten, die dieselbe wichtige Frage behandelt habe. Als verschiedene Kinder diese Frage verneinend beantwortet hatten, fragte der Jugendbildner die Kleinen weiter, welches Blatt denn bei ihnen zu Hause gelesen werde, und die Antwort lautete: Der„Vorwärts". Der Lehrer machte darauf seiner patriotische» Entrüstung in den Worten Luft: Lfui, pfui! Solche Zeitung leset Ihr?" Dann wie? der brave Mann auf den„Berliner Lokal- Anzeiger" hin, der die schönen Geschichten von dem Zeitvertreib der kaiserlichen Prinzen ftetS in wünschenswerther Ausführlichkeit bringe. Die sozialdemokratischen Elter» am Orte sind nun der Meinung daß der Lehrer besser thäte, in Zukunft seine Meinung über den Werth oder Unwerth der verschiedenen Blätter für sich zu behalten Auch meinen sie, daß die Thatsache, daß die Kinder sozialdemw kratischer Eltern dank der Nachhilfe, die sie zu Hause genießen, fast nmner auf den ersten Bänken sitzen, den Herrn«in wenig zum Nach denken veranlassen sollten. Der märkische Tabak wird in den nächsten Tagen von den Feldern abgeerntet und eingebracht sei». Die Ernte soll in viele» Gegenden, wie z. B. im Schwedter Kreise, sowohl an Menge wie an Güte nur einer Mittelernte entsprechen, während einzelne pommersche Grenzgebiete sogar Mißernte» aufweisen. Ueber den Wildschaden, welchen das aus den königlichen Forsten am Müggelsee ans die Felder heraustretende Nothwild an- richtet, wird von den dortigen Landleulen fortgesetzt Klage geführt. Daß diese Klagen nur zu sehr begründet sind, geht schon aus dem allein im Laufe dieses Sommers entstandenen Schaden hervor, der wie erst vor kurzem wieder durch den Amtsvorsteher von Müggels: heim unter Hinzuziehung eines Sachverständigen festgestellt wurde ein sehr bedeutender ist. Ganz besonders auffällig erscheint es aber dabei, daß die Beträge für die in den vorausgegangenen Jahren an- gerichteten, sich auf mehrere hundert Mark beziffernden Wildschäden, trotzdem dieselbe» stets sofort festgestellt wurden, noch immer nicht zur Auszahlung gelangt sind. Welche Folge» das leichtsinnige Umgehen mit brennenden Streichhölzer» auf Treppenflnren haben raun, zeigte sich wieder bei einem Brande im Hause Kaiser Fricdrichstr. 18 zu Schöne- b e r g. In der Nacht war ein Hausbewohner die Treppen hinaufgegangen und halte dabei einen sogenannte» Fünfminnteubrenner augezündet, den er vor dem Eintreten in seine Wohnung einfach fortwarf, ohne sich davon zu überzeugen, ob auch die Flamme er- loschen war. Das Wachsstreichholz hatte weiiergeschweelt und schließlich den Treppenläufer in Brand gesetzt. Zum Glück wurde das Feuer in der vierte» Morgenstunde durch Zufall noch rechtzeitig entdeckt und die Feuerwehr alarmirt. Als diese eintraf, fand sie das Treppenhaus bereits vollständig verqualmt und die in den oberen Eiage» wohnenden Miether in größler Angst vor. Es gelang jedoch der Wehr bald, des Brandes Herr zu werden und dic� Haus bewohner von ihrem Schrecke» zu befreien. Für den Urheber dcs Feuers dürfte aber der Vorfall eine Anklage wegen fahrlässiger B r a n d st i f I n n g im Gefolge haben. GeviriitS-JeikunA. „Vrdici'.c Dich selbst!" Ein interessanter Rechtsstreit ist dieser Tage gerichtlich entschieden worden. Die Gesellschaft „Automat", Leipzigerstraße 13, hat an einer Wandfläche ihres Lokals die Ausschrist„Bediene Dich selbst" anbringen lnsscin Die Q u i s i a n a- K o m p a g n i e hatte nun gegen die Gesellschaft Klage erHobe», mit dem Antrage, sie zu veriirtheilen,„jene Aufschrist zu entfernen und sich des Gebrauchs dieser Worte in geschäftlichen Ankündigungen aller Art, bei Vermeidung einer Ordnnngsstrafe von 100 M. für jeden Tag der Verzögerung bezw. für jeden Fall des ZuwiderhandelnS zu enthalten". Die Klägerin begründete ihren Anspruch damit, daß ihr das Waareuzeichen„Bediene Dich selbst" durch Einlragnng in die Zeichenrolle geschützt sei. Der erste Richter wies den Klagc-Ansprnch ab, da eine Verletzung dieses Waaren- zeichens nicht zu erkennen sei. Durch die Aufschrift au der Wand des Lokals sei eine Verletzung des Rechts der Klägerin nicht bewirkt worden, da nach§ 1 des Gesetzes zum Schutze der Waareu- bezeichniliig nur derjenige, welcher in seinem Geschäftsbetriebe zur Unterscheidung seiner Waaren von den Waaren anderer, eines Waarenzeichens sich hedienen will, dieses Zeichen zur Ein- tragung in die Zeichenrolle anmelden kann. Ein Waaren- zeichen aber ist das an W a a r e n, an deren U m h ü l l u n g je. angebrachte Markzeichen, um eine Waare von Waaren anderer Her- kunst deutlich und sicher zu unterscheiden. Nach der Urkunde des kais. Palentamts sind die Waaren, für welche die Klägerin sich das Seichen bat schützen lassen,„Antomatische Verkaufsapparate". Die eklagte hat aber die Worte„Bediene Dich selbst" nicht an automatische Verkaufsapparate, sondern an der Wand ihreS Geschäftslokals anbringen lassen, offenbar um das Publikum aufznfordern, sich selbst zu bedienen und nicht darauf zu warten, daß ein dienstbares Wesen seine Ver- Mittelung zur Erlangung von Speisen und Getränken anbietet. Da von einem Waareuzeichen hier also keine Rede sein kann, treffen die Voraussetzungen des obigen Gesetzes nicht zu. Auf die von der Klägerin gegen die erste Entscheidung bei dem Kamniergericht ein- gelegte Berufung hat dieses uuler Zustimmung der Abweisungsgründe des Vorderrichters die Berufung zurückgewiesen, so daß die Gesell- schaft„Auloinat" in ihren Geschästslokalen die Worte„Bediene Dich selbst" nach wie vor führen darf. Wie vom NmtSvorsteher Miliuowski Vcrsaiinnlungen verboten werde»! Der R e st a u r a t e u r D o h r m a n n in Zehle ndvrf erhielt vom Amtsvorsteher Milinowski einen Strasbefehl über 20 M. event. 3 Tage Haft, weil er einen Thcil seines Restaurationslokals ohne polizeiliche Genehmigung am 18. Juni d. I. als öffentlichen Versammlungsraum in Benutzung genommen habe. Auf seinen Widerspruch kam die Angelegenheit gestern vor dem hiesigen Schöffengericht zur Verhandlung. Es stellte sich heraus, daß das Lokal im Jahre 1892 errichtet und polizeilich abgenommen ist, und daß auch seitdem in demselben zahlreiche Ver- sammlungen flaitgefunden haben, freilich solche der bürgerlichen Parteien. Am 4. Juli d. I. meldete der Genosse Plätrich für das Lokal eine Versammlung des sozialdemokraiischen AgitationSvereins zum 18. Juli er. an und ersuchte um die Anmeldebcscheinigung. Der Amtsvorsteher Milinowski verweigerte die Bescheinigung,„d a ihm das bezeichnete Lokal als öffentlicher Ver- s a m m l u n g s r a u m nicht bekannt s e i". Am Versammlnngs- tage schickte er aber den Aintsdiener zur Uebcrwachung der Ver- fammlung. Der Amtsdiener fragte de» Vorsitzenden nach der Anmeldebescheinigung, und da diese infolge der Weigerung des Amisvorstehers, sie zu geben, nicht vorhanden war, löste er die Versammlung auf. Am nächsten Tage sandte der AmtSvorfleher dem Wirth Dohrmann den fraglichen Strasbefehl. Sein Vertheidiger, Rechtsanwalt Herz selb, legte in der heutigen Verhandlung die Ungesetzlichkeit dieses Verfahrens dar, wies auch darauf hin, daß die Verordnung von 1839, auf grnnd deren der Strasbefehl erlassen ist, eine Baupolizei- Verordnung ist. unter der die Lokalitäten des Dohrmann errichtet und abgenommen worden sind und daß der Amtsvorsteher auch nicht einmal behaupte, daß dieselben dieser Verordnung nicht entsprächen. Ein Gesetz. welches die Genehmigung der Polizei zur Benutzung von Ver- sammlnngsräumen erfordere, existire überhaupt nicht. Er beantragte Freisprechung, außerdem die Kosten der Verthcidigung dem Anns- Vorsteher Milinowski aufzuerlegen. Das Gericht erkannte auf kostenlose Freisprechung und legte der Staats- kasse die Kosten der Vertheidigung aus. Der Profcssoren-Ansrnf zur Unterstützung der streikenden Hafenarbeiter war, wie gester» schon gemeldet worden, am Mon- tag, den 13. d. M., Gegenstand einer längeren Verhandlung vor dem Breslau er Schöffengericht. Im Jaunar d. I. war anläßlich des großen Hafenarbeiter-Ausstandcs in Hamburg in der Wiener Zeitschrift„Die Zeil" ein Aufruf erschienen, der zur Unterstützung der im Kampfe befindlichen Hafenarbeiter dringlich auf- forderte und unterzeichnet war von Prof. Baumgarten-Kiel, Oberst- lieutenantzM. v. Egidq-Berlin, Prof. Herkner-Karlsruhe. Dr. Jastrow- Charlottenbnrg, Prof. Lehmann-Hohenberg-Kiel, Dr. Mühlberger- Crailsheim, Pfarrer Nauinann-Frnnkfnrt a. M., Gras Renia-Dresden und Prof. Tönnies-Hamburg. Unter den zahlreichen Tages- zeitungen, welche den Ausruf in ihren Spalten abdruckten, befand sich auch die Breslauer„Volksmacht". Während aber sonst nirgends Polizei oder Staatsanivallschast das Erscheinen des Profefforen-Ausrnfs beanstandelcn, erblickte die allzeit findige B r e s- l a n e r.Staatsanwaltschaft darin eine Uebertretung der für Schlesien bestehenden Regierungsverordnung vom 19. Juni 1867, welche alle vom Oberpräsidcnten nicht genehmigten öffentlichen Kollekten mit Strafe belegt. Die neun Unterzeichner dcs Aufrufes erhielten Slrasbesehle von je 10 M.; hierbei beruhigten sich Graf Renia und Dr. Mühl- berger, die übrigen beantragten richterliche Entscheidung. Das Schöffengericht hat sie nun sämmtlich freigesprochen; der Amtsanwalt hatte Vernrtheilung der vom persönliche» Erscheinen entbundenen Angeklagten zu je 30 M. Geldstrafe beantragt. I» der Begründung des Uriheils heißt es, an sich sei es nicht ausgeschlossen, in einem Zeitungsausrufe die Veeanstaltung einer Kollekte zu erblicken, aber für den vorliegende» Fall»iiisse das verneint werden, da es sich nur um einen Appell an die Oeffen tlichkeit handle»nd nicht um eine ans das Einsammeln von Beiträgen gerichtete Thätiglcit. Wegen Misthandlnng im Amte Halle sich der Schutzmann Friedrich Nettling ans Sleilin vor der dortigen Ferien-Slraskammer in verantworten. Der Angeklagte, ivclcher 44 Jahre und bereits eit 20 Jahren im Dienst ist, traf in der Nacht zum II. Mai d. I. den Schriftsetzerlehrling Wittkopf, als derselbe singend die dortige Bellevuestraße passirte. Der Beamte, der Zivilkleider trug, trat an W. heran und fragte diesen mit barschem Tone:„Hast Du gesungen?" Als sich der junge Mann das Dützen verbat, erklärte Nettliug, er sei Polizeibeamter, worauf W. ihn nach seiner Legitimation fragte. Hierauf versetzte der Beamte dem Lehrling eine» Faustschlag in das Gesicht und schlug ihm außerdem mit einem Spazierstock über den Kopf, indem er hinznfügte:„Hier h a st Du meine Legitimation!"— Das Gericht konnte in dem Verhalten des Witlkopf keinen Grund finden, der das Vor- gehen des Schiitzmaiincs hätte rechtfertigen können, und versagte ihm mildernde Umstände, insolgedesse» derselbe zu drei Monaten Gefangniß vernrtheilt wurde. Ein Fabrikanteumord am 1. Mai. Am Morgen des 1. Mai 1897, da sich die klassenbewußte Arbeiterschaft Zürichs zur Begehung des Festes der Arbeit anschickte, wurde in der Promenade»nlcrhnlb dcs Bahnhofes in Zürich der Fa- b r i k a u t L a n d o l t von dem Ingenieur Peter ans Wicsendnngen bei Winterthur, der früher beim erslere» i» Stellung gewesen, mit einem Gewehre erschossen. Für phantasievolle Köpfe wäre das eine Situation z» den kühnsten Kombinationen gewesen. Sozialdemokratische Maifeier— sozialdemokratische Hetzereien und Aufiviegeleien— Vorspiel zur Feier ein Fabri kanienmord— ivelch' inniger Zusammenhang der Dinge! Und darum die Verantivorlung für den frivolen Mord ans das Haupt der Sozialdemokratie, darum das ganze Burgerthum in die Schranken gegen die sozialdemokratischen Mordgesellen! Die Er- fahrnng bei ähnliche» Vorgängen lehrt ja, daß selbst so kühne Kombinationen nichts Unmögliches sind. In der Schweiz fiel jedoch nieinandein ein Gedanke an solchem Zusammenhang ein. Der Mörder Peter wurde sofort festgeuommen und die Sozialdemokraten konnte» ihre Maifeier so ungestört wie in früheren Jahren abhalten. Gestern stand nun Peter vor dem Schwurgericht in P s ä f f i k o n nnler der Anklage des Mordes. Die Verhandlnng entrollte das Bild eines ergreifenden tragischen Geschickes. Der Vater Peter'S erhängte sich im Säufer- Wahnsinn, und der Angeklagte selbst leidet nach dem Gutachten des Psychiaters, Professors Dr. Forel. Direktor der Irrenanstalt Burghölzli bei Zürich, seit etwa 13 bis 20 Jahren an Ver- o l g u n g s w a h n s i n n. Von allen Seiten glaubte er sich ver- folgt, in seinem Fortkommen geschädigt, so auch von dem er- chossenen Landolt. Dem Fabrikanten Oberst Rieter, bei dem Peter lange Zeit in Stellung gewesen und dann, wie auch von Landolt. selbst fortgegangen ist. schrieb et einmal einen Brief, er, Nieter, st ehe an der Spitze einer sozialistischen Verschwörung, die gegen ihn. Peter, gerichtet sei. Oberst Rieter sagt als Zeuge, daß Peter«in« Vroschüre, betitelt„Die Zukunftskolonie", geschrieben und eine neue Maschine zum Stecken der Rebstecken erfunden habe. Peter war früher zwölf Jahre in Amerika und hatte nach seiner Aussage vor, um den Ver- 'olgern zu entgehen, nach Transvaal zu reisen. Nach diesen Ergebnissen der Beweisaufnahme erklärte der erste Staatsanwalt Dr. v. Schullheß, daß er die An- klage aus Veranlassung der Justizdirektion stellen mußte, daß er sich aber nicht verpflichtet fühle, gegen seine Meinung zu plaidiren, nach der Peter geisteskrank sei. � Die G e s ch w o r e n e n sprachen ihn denn auch frei. Peter kommt imn, wohl für das ganze Leben, in eine Irrenanstalt. Der Unglückliche ist 44 Jahre alt und von seiner Frau m Amerika ge- schieden. Der Ausgang dieses Falles zeigt wieder, wie unklug»nd ungerecht es gewesen wäre, wenn jemand unbesounener und ge- hässigerweise mit dem bedauerlichen Morde die Sozialdemokratie rn Verbindung gebracht hätte!_ Sozwles. Berichtigung. In der„Frankfurter Zeilung" vom 2. d. M. finde ich— beim Durchlesen der aufgespeicherten Zeitungen nach meiner Rückkehr— in einer Notiz über den Züricher Kongreß folgendes: „UebrigenS ist auch die sozialdemokratische Presse mit de» Beschlüssen des Kongresses nicht durchweg einverstanden. So liest die„Sächsische Arbeiterzeitung" den Herren v. Vollmar und Liebknecht tüchtig den Text, daß sie nicht für die von den Engländern und Oesterreichern verlangte„endliche Beseitigung der Hausindustrie" eingetreten sind, vielmehr einen aufschiebenden Gegenantrag eingebracht und durchgesetzt haben. Das Dresdener Sozialistenorgan bezeichnet den Antrag Vollmar's als„einen lächerlichen Widerspruch und eine bejamnierttswerthe Zaghaftig- keit". Es wirst den beiden Genossen vor, sie hätten ihr sozial- politisches Programm nicht nach den wirthschafllich rückständigen, sondern nach den wirlhschaftlich vorgeschrittenen Bevölkerungen zuschneiden solle». Im erster«» Falle könnten sie über das ganze sozialpolitische Programm einen dicken Strich ziehen. WaS würde die„Sächsische Arbeiterzeitung" erst gesagt haben, wenn irgend ein böser Bourgeois der Antragsteller gewesen wäre? Man sieht also, daß auch im sozialdemokratischen Lager nicht jederinann vergnügt und zusrieden ist mit den Züricher Beschlüssen. Es ist eben allerwärts dafür gesorgt, daß die Bäume nicht in de» Hiinmel wachsen." Ich habe die betreffende Nummer der„Sächsischen Arbeiterztg." nicht zu Gesicht bekommen, kann mich also nur gegen die in der „Frankfurter Ztg." enthaltene Angabe wenden. Diese ist, so weit meine Person in Frage, vollständig falsch. Den von allen übrigen deutschen Delegirten unterschriebenen Antrag Vollmar habe ich allerdings auch unterschrieben, jedoch nur als einen Eventualantrag, nämlich für den Fall, daß der von mir nicht blos gebilligte, sondern sogar m i t v e r an l a ß t« Seklions- beschluß, der eine schärfere Vernrtheilung der Hausarbeit aussprach. im Plenum die Mehrheit finden wurde. Da von englischer Seile auf den von mir bekämpften Antrag, die Abschaffung der Hausarbeit zu beschließen, verzichtet wurde, so kam die Ab- ftiiiimung anders, als ich erwartet hatte. Der Sektionsantrag wurde dem Antrag Vollmar gegenübergestellt, und da stimmte ich dann natürlich f ü r den Sektionsantrag und gegen den Antrag Vollmar. Wenn die„Sächsische Arbeiterzeitung" gesagt hat, was in der „Frankfurter Zeilung" steht, hat sie demnach die Unwahrheit gesagt. Und da ich gerade am Berichligen bin, noch eine Selbst- berichtigung. In einem meiner Kongreß Briefe aus Zürich schrieb ich, der österreichische Antisemit Axniann sei von C u r t i zu anständigem Benehnien ermahnt worden. Statt Curti muß eS heißen Des- c u r t i n s. Ich hatte mich, als mir ein Zeuge der Szene den Vor- gang erzählte, im Namen verhört, was bei der Aehnlichkeit deS Klanges ja leicht begreiflich. Das Mißverständnis, klärte sich natürlich bald auf. Im Drang der Arbeit und der Nichtarbeit vergaß ich jedoch das Berichtigen. Da Dcsciirtins von Herrn Rxmann als„Parteigenosse" betrachtet wird— eine Ehre, für die der biedere Schweizer sich freilich be- dankt—, so war die Lektion nur um so empfindlicher. Berlin, den 14. September 1897. W. Liebknecht. Verftanrmluttgen. Ter Berel» sämmtlicher Arbeiter und Arbeiterinnen der Wäsche- und Kravattenbranche hielt ani Mittwoch, den 8. September, eine gut besuchte Mitgliederversammlung in Schulz' Salon ab, in welcher G r e m p e einen mit Beifall aufgenommene» Vortrag über: Fcrnrohrbaulen hielt. Im Anschluß hieran wurde beschlossen, nächstens die Treptower Sternwarte zu besuchen. Ferner wurde Frau Schild als Schriftführerin und Frl. Vurkhardl, sowie die Kollegen I n st r o w, Heine und B r e i t e n st e i n als Lievisore» gewählt. Nächste Bersaminlung findet am 9. Oktober statt. Briefkasten der RedaKkirnr. Die juristische Sprechstunde findet am M o n t a g, D i e« st a g und Sonnabend von 0 bis 7'/, ll h r statt l l! ff. 100. Besten Dan! für Ihre Mitthettiingen. Aber da die Thai- fachen schon mehrere Jahre zurückliegen, so halten wir sie jetzt, besonders bei der Reichhaltigkeit dcs sonst vorliegenden Materials, nicht mehr für ge- eignet zur Veröffentlichung. ffh. 42. Zentral-Ktanken- und Begräbnistkasse für Frauen und Mädchen. Verwaltungsstelle I bcl H. Heckes, Oraiiieiistr. 180 III Verwaltungsstelle II bei Frcygang, Schützciistr. 18/10. Daselbst erfahren Sie alles Nähere. ff. B. in Solingen. Am besten wenden Sie sich an die Redaktion eines d e u t s ch a in c r i k a n i s ch e n Parteiorgans, das am Orte oder nahe dem Orte erscheint, Ivohin Ihre Tante gewandert ist. Wenn Sie mir den Ort angeben, werde ich vielleicht das passendste Blatt nennen können. Mit Grub. W. L. F. L. in Hilden. Ein Protokoll vom Züricher Arbetterschutzkoiigrest soll herausgegeben werden. Ueber den Zeitpunlt des Erscheinens ist noch nichts bestiimut. Der„Vorwärts" wird sofort nach dein Erscheinen mts diese Publikation aufmerksain machen. L. ff. Sprechen Sie gelegentlich in der juristischen Sprechstunde vor. Sie können dann die einschlägigen Besttminungcit einsehen.— Alter Abonnent 187. Frauen dürscn erst nach Ablauf deS zehnten Monats seit Beendigung der friihcren Ehe eine weitere Ehe schliesten. Dispensation von dieser Frist kann ihr durch das Amtsgericht gewährt werden. Es ist zweck- in ästig, dem Dispensationsgesuch ein Attest einer Hebamme beizufügen.— Serapion. Klagen Sie auf Herausgabe und eveutuelleii Schadensersatz.— A. B. SO. Es würden 14 Tage als vereinbart gelten.— S. ff. Eine Anklage ist nicht unmöglich.- O. S. Das Ehemündigkeitsalter ist für Männer: das vollendete 20., für Mädchen das vollendete 16. Lebensjahr. Um früher Heirathcn zu rönnen, ist Dispensation erforderlich, das Dispcn- sationsgesuch ist an das Amtsgericht zu richten. Dieses reicht daffelde mit seiner Begutachtung dem Justizminister ein. Letzterer ertheilt sodann event. Dispenö.- 2 Wettende 100. Die Verjährungsfrist beträgt» Jahre. Jede gegen de» Thäter gerichtete richterliche Handlung unterbricht die Verjährung.— ff. P. 37. Im allgenteinen macht solches Leiden dienst- unfähig._ WittcrntigSiibei ficht l>»»i 14. Geptember 18U7. «etter.Prl'gnose f»r Mittwoch, den IS. September 18V7. (5in wenig wärmer, theils heiter, theils neblig, bei schwachen nordwestlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. N«ir bcu Inhalt der Inserate nberniinint die Redaktion dem Pnbliknni gegenüber keinerlei Beranttvortnng. ThrAfev. Mittwoch, den Id. September. Neues kgl. Operntheatcr(Kroll). Hansel und Grctcl. Die Puppen- fee. Anfang VVa Uhr. Tchansptelhans. Stönig Lear. Anfang 71/2 Uhr. Dentsche«. Die versmikene Glocke. Anfang 7Vz Uhr. Berliner. Die Maschinenbauer. Anfang 7»/, Uhr. Lessing. Unjamwewe. Auf 7'/, Uhr. Rene«. Abrechnung. Anfang 7�,Nhr. Unter de» Linden. Urlaub nach dem Zapfenstreich. Fritzchcn und Lieschen. Die Insel Tulipatan. Anfang 7>/, Uhr. Goethe(früher Theater des WestenS). Des Meeres und der Liebe Wellen. Ansang 71/, Uhr. Schiller. Weh dem, der lügt. An- fang 8 Uhr. Luisen. Geschwister Fiebig. Anfang 8 Uhr. Residenz. Die Einberufung. Ansang 7»/, Uhr. Friedrich- Wilhelmsiiidiisch«,. DaS Kiithche» von Heilbronn. Anfang TU. Uhr. Thalia. Der Mann im Monde. An- fang 71/2 Uhr. Ostend. Unsere NeichSpost. Anfang 8 Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang 7V, Uhr. Alexandcrplah. Das LieSeSdrama einer Sängerin. Anfang 8 Uhr. Bcllc-Zllliancc. Spezialitäten. Auf. « Uhr. Apollo. Spezialitäten. Auf. 8 Uhr. Passage- Panoptikum. Indisches Dorf. Schillev-Dtzosikev (Wallner-Thcater). Mittwoch, abends 8 Uhr: Weh dem, der lügt. Donnerstag und Freitag, abends 8 Uhr: Die Krenzelschrciber. Lnisen-Tbeater 34. Reichenbergerstraste 34. Novität! Abends 8 Uhr: Novität' Geschwister Fiebig. Modernes Volköstück in 3 Akten von Oscar Wagner und Hugo Hahkerl. Mustt von Fritz Krause. fftP" Bittet- Vorverkauf im In- validendank, Uuter de» Linden 24, und an der Kaffe von 11—1 Uhr. Ostettd-Theater. Gr. Fraicksnrierstr.IZ2 Dir.«.Weist. Zum 104. und letzten Male: Unsere Reichspost. Anfang 8 Uhr. Wiederholung der Fest-Vorstellung. Jeder Besucher erhält nach dem ersten Bilde ein Brief-Souvenir. Jin Tunnel von 7 Uhr an: Grote« Fret-Konzert. Donnerstag: Wegen Borbereitung zur Novität geschlossen. Freitag: Zum l.Male: Jugend- Aronuc«,»der: New-Nummelsburg. Vurles kcS chara kterist tscheS Zettaemäld e mit Gesang und Tanz in 4 Akten von Tschirch u. Berg. Musik v. G. Steffens. Billetö von heute ab ohne Aufgeld an der Kasse. Gentral-Theater Alte Jakobftr. 30. Direktion Ittel,«,«k Schnitz. Mittwoch, den Ib. September 18S7: Emil Thon,«« a. G. Zum 12. Male: BsHitiBi» Fahrten. BurleSke«uöstattungSpoffe mit Gesang und Tanz in 6 Bildern von Julius Freund und Wilhelm Mannstädt. Mustk von Jul. EtnödShofer. Anfang l/Ji Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Berliner Fahrte». l.. po«««n- u, Operetten Theater in Kanfmnnn'a YnrleM (Direktion Gebr. Herrn(eM). Eine besondere Spc- zialttttt auf dem Gebiete des Theater- I e b e n s bilden die mit unbesohreibKchem Erfolge aufgenommenen Original-NoTlthteB: lin Abend im Wintergarten und Im Atelier. (Jeberrasehende Sujets Femer Auftreten der Humo- rieten Theodor Lippardt, Dr. Ouido Steinitz, Original- BaponSt. Theodor Giese. Anfang dos Konzerts 7 Ulir. Vorstellung yß Uhr. Die ausgegebenen Vorzugskarten naben auch für die folgenden Vorstellungen ihre Giltigkeit. Volks- Theater Im Welt-Restaurant 97. Dresdener. Strafte 97. MT- Täglich;"TW Gr. Elite-Yorstellum fang: SonntagS S Uhr, Wochen- >s TV, Ahr.— Entree: Sonntags 30 Pfg., Wochentags 20 Pfg. Urania Taubcnstrasse 48—49. Natmkundl. Ausstellung tägl. geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 60 Pf.— Wissensohaftl. Theater abends 8 Uhr. Passage-Panopiicum. Indisches Dorf mit dem bedeutendsten Fuss- baU- Künstler der Welt Monng Toon. Vorst. 12 5, 7 und 9 Uhr. ■" Castan's■■ Panopticum. Friedriehstr. 165. Bnreiiweib die giösste Sehenswürdigkeit des ablaufenden Jahrhunderts ist wieder da!!! Up,, I Italienische Kapelle 1ICU. des Maestro Liberti, 5 Herren, 2 Damen. Apollo-Theater. Jriedrichstr. 818. Dir. J. Glück. Prinzessin Pocahnnias (Die indische Rachtigall). Brotliers Serra. Tb« Burnells. Der Asse als Lttstgymttastiker Grltlin u. Dadois. Ickr. llbrvttenni. Die 9 Dtiuzeimämlchen loseph Pdoiies Pantomimen- Troupe Kaffrnervffnnng G/, Uhr. Auf. 7�2 Uhr. Vihtoria-Lrauerei I.ütsow- Siragae 414 Iis nahe Potsdamer Platz. D«- Letzte Woche-Mg der täglichen Soireen. Heute: Glettiner Gänger tSRchsel, Pieiro, Britto». Stcldl. Krone, Röhl. Schneider «nd Schräder.) Grostartiges Programm. Unter anderem: Goldcuo Hochueft. Strampelb rüder. Ensemble von Mehsel. Anfang 8 Uhr. Entree 39 Pf. Borverkans 49 Pf.(SiehePIaknte.) Lonoertdaus fielpclgorstr.Mo.dS. mr Täglich: Hoffmann's(juartett und Humoristen. Heute Anfang 8 Uhr. L Rang u. Loge 1 M., Sperrsitz SO Pf., EMree und II. Rang 30 Pf. Mcaxar VariÄtA-Theater I. Banges. Dreödenerstrah« 52/B3(City-Passage) Annen strafte 42/43. Direktion Richard W i n k l e r. Vornehmster Familien- Aufenthalt. Novität! Novität! Die Roseu ans dem Sude». Gräfte AnsstattungSposse mit Gesang und Tanz in 1 Akt von W. Gertcke. Borher: Neu! Vermischtes. Neu! Posse nitt Gelang in 1 Akt v. R. Jonas. Auftr. eines durchiveg neuen glänzenden Zkünftler-Spezialitaten-PersoiialS. Auki,»«« Wochentags 8 Uhr. All Mg. Sonntags 7 Uhr. -- SO Pf.-M an den Wochentagen zu allen Plätzen Giltigkeit. gM- Eutree Gntscheine haben Maurer Kerttns u. Umgegend. Döniterßag, hei 18. September, abenhö 8I2 llhr, i« Seller's großm Saal, Koapenft. Ls: Graße äsfentlilhe Maarer-Kersammlilag. TageS-Ordnung: I. Bericht«nd Abrechnung»er Lohnkommisfion. 2. Situationsbericht über den jetzigen Stand der Bewegung. 3. Die Bausperre aas der Gasanstalt in der Fichtestraste und die SteNnngnahme der Stadtverordneten hierzu. 296/6 In dieser Versammlung gelangt die gedruckte Abrechnung zur Ausgabe. Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist es nothwendig, daß jeder Maurer diese Veriammlung besucht._ I>le liPhnkonnuiwslon. Feen-Palast SS Burgstr. SS. Grbftt. VergnIigungSlokal Berlins Direktion: R. Winkler und W. Fröbel. Beinahe ganz Berlin spricht über das sensationelle Ii Iccu- Programm. Sv Rninmern. 50 Künstler. Sehen! Staunen! Die bildschöne Clotllde llarnett, einzig dastehende singende Athletin. Imti S'.Ä PM U. v. Cl. Anfang TV, Uhr. SountagS 6 Uhr. Entree 30 Pf. bis 1 M. 60 Pf. imeriean-Tlieater. Dresdenerstr. 55. Erüffnungfs-Vorstellunj. Neu! Neu! Neu! Der Tranm von Bayrcnth. Parod. Traumbild tu 1 Akt v. R.Grave. Novität! Berlitt Novität! tvie's näht»nd trennt. Bolköstllckm. Gesang in 2 Abth. V.L. El». Auftreten deS urkomischen Beudtx. Jilslnuiientalkoiiiiker Hugo Schulz. Exccntriquesoubrette Wallh Tmollm. Gesanasduett. Gcschw. Rcbentisch zc. Ansang der Vorstellung 8 Uhr Theater der Reichstiallen. T.elpKifferstr. 77. Sensationell!! Xen!! Aripotis mit seinem Eiesenspielzeug. Ein Drama am Meer. Das Grossartigste der Dressur. 28 Kapazitäten 1. Ranges. Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Maehr's Variete-Theater Oranicnstr. 24. Tazlilh: Zheatervarstellullg. Auftrete» der Specialitätenkünstler 4. Ranges. Her Galeerenntrülllnff. Vollsstück mit Gesang. Neu! Die Mntter der Kompagnie. Schwank. Die intenlatioiialen Original-Ver- wandlungs-Dnettisten ohne Concur- renz! Gceb«. BUhrer. Sens.! Br. Bill. Xiggor-Excentrio lt. Ä. Alles Nähere die Tagcszettel. V. Hoack's Theater Brunneii-MtraiiHe 16. Täglich: Theater- n.Spezialitäten- Borstellnng. Much Kampf Mm Arg. Lustspiel in 1 Auszuge voit Beute. Neu! Durchschlagender Erfolg! Neu! Rosen aus dem Süden. Original-Burleske mit Gesang von W. G« r i ck e. AM- Jeden Sonntag, Montag, tcnftng und Donnerstag: � D im und Donnerst aal: Gros» er MiimU's Saal. Jnh.: Erimt Gründer. MM- Köpnietcrftraste 499. Fernsprecher Amt VII 39. Täglich: Groaner Ball. DM- Saal und Vereinszimmer Heu deit Vereinen unenigeldlich zur ste. Verfügung 2255L» 200—1000 Personen, mit Bühne, Sonnabends und Sonntags zii vergeben. Näheres Fritz Schröder, Wiesen- strafte 3». Tel. II 623._ Achtung! 4 Säle zu Versammlungen und Vereins' Festlichkette». i3094L' Altranherjtr.L/o(Engl.««!). Ostbahn-Park Am Kiistriner Platz Hermann Imbs. Am Küstriner Platz Agnzert, Thtickr-«nh Spezislitiittn-Hörstthllg. Neu! Vev SknIntne nnv sein Äfse. AnsstattungS-Enseinble._ DM- Veno Attraktlona-Vummern. IMQ Sntree Sonntags 20 Pf, Kinder 10 Pf., Wochentags 10 Pf., Kinder 10 Pf. Kaffeeküche. Vollsbelnstigungen. AM- Mittwoch: Illudor-Pent.-MM_ Einsegnungs-Anzüge -•a in blau u. schwarz Kammgarn u. Cheviot zu sehr billigen, aber festen Preisen| | Julius Lindenbaum, Cr. Frankfurlerstr. 189. Feste Preise. Spezialität: Anfertigung nach Maast. Nneiil im Wahrung der Zntneffr« der Gast- und Schankwirthe Berlins und Umgegend. Arn Frcltag, den 47. September, uacbmlttags 5 Ehr, beim Kollegen Dlekc, Ackerstr. 128: MT" Versammlung."ML TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Schriftstellers Herrn Schütte übet:„RobeSpierre". 2. Disknsston. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. BereinSangelegenheiten und Verschiedenes. 69/17 Um zahlreiches Erscheinen der Mitalieder ersucht Her Vorstand. I. A.: Ferdinand Ewald. Fnromcar* ,,,,d Berufsgen r Ul llltSI Berlins! Donnerstag, den 16. September, abends 8 Uhr, im„Kolberger Salon". Kolbergerstraste Nr. 28 t Große öffentliche Versammlnng TageS-Ordnung: I. Der Streik bei der Firma Borstg und die Stellungnahme der Fabri- kanten. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Da der Jndustriellen-Berband den Arbeitsnachweis für alle Arbeiter sanfter den Borsig'schen Formern) freigegeben hat, so ersuche» wir die arbeits- losen Kollegen, denselben nach wie vor zu meiden. 63/6 F. Zlüller, Vertrauensmann, GerichtSstr. 31, 2 lt. MerMilgSvereiil der KvMchMe �eiitschllülds. (Filiale Berlin.) Sonnabend. 18. Sept., ab. 9 Uhr, in Feind's Salon, Weinstr. 11: Uersammlnng. Tagesordnung: Statnten-Berathnng. Wegen der wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen sämmtlicher Mit- afieder erforderlich und sind die Siatutenbiicher mitzubringen. 99/16 Der B o r st a n d. Bekanntmachnng der Mö- KrankeMe der Gelbgießer. Wir bringen hiermit die vom Be- zirköaussd)ilft unter dem 27. August er. genehmigte VIU, Abänderung zum Statut zur gefälligen Kenntnis!. Artikel I. Die U 1 und 14 werden folgendermaften abgeändert:§ 1 Abs. 1: Die Kasse führt den Namen: Orts- Krankenkasse der Gelb- u. Zinnaiefter zu Berlin.§ 14 Absatz 3. Die int Krankenhaus« oder Heilstätte Unter- gebrachten erhalten, wenn ste An- gehörige haben, deren Unterhalt sie bisher aus ihrem Arbeitsverdienst be- stritten haben, die Hälfte des im§ 13 Ziffer 3 als Krankengeld festgesetzten Betrages für diese Angehärigen, an- derenfalls ein Zehntel des im§ 13 Absaö 3 festgesetzten Krankengeldes. Artikel II. Diese Abändenmg tritt mit. dem Montag nach erfolgter Bekanntmachung iir kraft. 5Zbb Berlin, 14. September 1897. Der Borstand. Möbel. Möbel. In den neu erbauten grossen Sälen Nene Schänhanserftr. 2 (früherRofenthalerstrnste 48), Deitenssiiael n. Quergebäude, erste ».zweite Etage, dicht a. Hackeschen Markt, werden neue». verliehen gewesene elegante u. eins. Möbel zu jedem annehmbaren Preise per- kauft; für Brautleute und zum Umzüge aanz besonders ge- eignet: Nnftbanm-, Mahagoni- Kleiderspinden u.Wäschespinden3», Waschtoilette», Stühle 3, Korridor- spinden 20, Kommoden 16, Bett- stellen in. Matratzen u. Keilkissen 21 M., französische, svnrnirte Mnschelbettstcllenm.Sprimgfeder- Matratzen u. Keilkissen 48, Tru- ineaux 58, elegante Plüsch- n. Stoff-Garntturen 70, 105 Mark, Herren- Schreibtische, Damen- Schreibtische, Sophas mit Sitz- auszug 33 M., Spiegel in allen Grössen». Arten, Ankleideschränke, Frisirtoiletten, Garderoben-Spin- den, alle Arten Küchenmöbel zc. Auch gebe ich Einrichtungen auf Theilzahlung, Beamten mit ganz geringer Anzahlung. Gekaufte Möbel können beliebige Zeit stehen bleiben».werden durch eigene Ge- Anzüge nach Maass für Herren und Knaben. Gröstte Auswahl in in- und ausländischen Stoffe» für Paletots, Anzüge, Beinkleider zc. werden unter Garantie des guten Sipes zu Überaus billigen Preisen schnellstens angefertigt im Tmhgeschäft b-i A. Karle, Waldemarstr. 66. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlichster Theilnahmc bei der Beerdigung meiner Frau Harle Helnze sage ich hiermit allen meine» Verwandten, Freunde» und Bekannten meinen herzlichsten Dank. 531b Der trauernde Gatte P. lleinzc. Dr.SimmeUSÄ':.. Speztnlarzt f. Haut». Harnleiden 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Bftfjit-pfeife*. Klinstl. Zähne in tadelloser A»S- jühning v. 3M., Plomben v. 2 M. an. Schmerzlos. Zahnziehen mitt. Cocain, Clorälhvl, Chloroform und Lachaas »nler Lettimg eines prakt. ArzieS. Bei Bestell»»» v. künstl. Zähnen Zahn ziehen, Zahnreintgen umsonst: Raten- zahlnng gestattet, Woche 1 M. Guckcl, Lausitzer Platz 2, Slsasserflrafte 12, Steglitzerstrafte 71. P«t«.? Ml"ÄÄ". OIku Jacobson, Jnsaiibcnft. 145. Aluminium-Gebisse, Preis per Zahn inkl. Platte 4 Mark Kautschuk-Gebisse Preis per Zahn inkl. Platte 3 Mark. Plomben 1,50 M., Zahnziehen 1 M. Schmerzloses Ziehen eines od. mehrerer Zähne(Lachgas- od.Chlorosormnarlos«) im Beisein eines Arztes 6 Mark. V»lilem»r und Rslnhold Haupt, Brnnnenstraste 18 II. Frunkfiirtcrstrastc 118 IL AD-tt-t Ä«onders.-Lexikon. WH-lJvl- v neueste Auflage, iill. zu verlaufen. Neue Hochstr. 37, l. Querg. U geradezu. 540b '»I -z,u,qioD nfallsnchen, Klagen, Eingaben Putnser, Steglitzerstr. 68. Möhel auf Credit iahre« liefert bei ans vertbeilter Iahtuugsmeise CeutraiiSödei-Daile BEKLItzl, Eowmsndsntsnstrasss SI. Fertige Garderobe. Paletot zu 15, 17, 20, 25, 30 M. Anziige zu 18, 20, 25, 30, 35 M. Mäntel zu 20, 23, 25, 28, 33 M. Joppen zu 8, 10, 12, 15, 18 M. verkauft mit wenigem Verdienst J. Toin|>orowski, Schneidermstr., Jiidenstr. 37, 1. Etage. Kein Laden. Bei Garderobe nach Maft Theilzahl. monatl. 10M. gestaltet. Möbel, Spiegel u. Polsterwaeoen reell, zu soliden Preisen, empstehlt s. Gireiov, Tischlermstr. Rirdoe� Richardstraste 446. SllXUUlJ« am DeiUmall• Bessere Möhel in Massenauswahl wegenGeschäftsübernahuieunterPreiS. Berlins gröftteS Polster rn übel-Eager. Bei guter Polsterung und modern. Bezügen jedes Stück 10-20 M. unterm Werth. WoIInei''« Möbeltischlerei nrachf., KöpeMerstraße 154, Fabrikgebäude. 3003L» Steppdeeken-jFabrlk) Vorzügl. Handarbeit; staunend dillig. Alte Decken werden aufgearbeitet. Berlin 0., Wallstrasse 72. Eu, tischen Unterricht«rtheilt G. Elebknecbt, Kantstrafte 160. v35bj Acbtiing! Der Verein Langenbiela««nd Umgegend veranstaltet am Sonn- abend, den 18. d. DU beim Landsmann K. Streit, Ranutznstr. 86, einen Familienabend, wozu alle Lands- leitte einladet Der Vorstand. Jolmisheerwe[n 1!10 LitePWcInglas IQ Pf. Eugen Neumann& Co., Obst- und Beerenweinkelterei. Damit ein geehrtes Publikum sich von der Güte und Vorzüglichkeit unserer Fruchtweine überzeugen kann, haben wir einen Ausschank emontet und zwar Rommandantenstr. 67. Weber- A�f��«Jeder. 17 Fest-Säle 3,1 17' Empfehle VereinSzimmer Mehrere Sonnabende und Sonntage frei. Femsprecher. 3024L» B. Xiekt. Strilkwesteil-Musttr werden zu halben Preisen ver- kauft. Heiligegeiststr. 49 44. s523b Schlaffopha, 2 Bettstellen, nuftb., m. Mattatzen, fast neu, Kommandanten- strafte 56 Seitenfl. lU. r. 5306 Muschelmöbel, spottbillig, Rosen» ihalerstt. 4 HL linkö, Bildhauer. Zigarren und Dabake 14. Brüner, Manieuffelstt. 73. s474S Nokto» Neiiekosser, Regulatoren, ABlltH, Kleidmigsstücke, Opern. gläser, Wäsche, Gardinen spottbillig Pfandleihe Neanderstr. 6. 83/7 Gesuilbt kleine Wohnnngen m. Balkon per 1. Oktober im Süd. osten, Eisenstrasse 84, Elekttische und Stadtbahnverbindung Treptow. 428b» AckltsMtt. Achtung! Holzarbeiter! Drechsler, Steltoncher. Die Werkstatt von Eagel, Dem. minerftraste, hat die Forderungen noch nicht bewilligt. Die Finna Bosenfeld sk Cle. zahlt auf dem Bau Wertbelm, Leipzigerstraste, den Tarif nicht. Zuzug»ach obigen Werkftelle«, ist fernzuhalten. 262/20_ Die OrtSverwaltung. Achinnß, ! Die Werkstätten von Aneion n. To. (Jnh. Starke), Wilhelniftr. 123, sowie Schmidt«. Co., Krautstr. 6, sind gesperrt. Zuzug ist steng feniziihnltem 283/10 Der Borstand. Die zormer iiilb KerWucher der Firma DM- Borslg-HM haben Montag, den 23. August wegen Lohndiffereiizen die Arbeit eiugesteNt. Zuzug nach detreffender Firm« ist streng fernzuhalten! L.Müller. GerichtSstr. 31, Verttauensmann. s63/4» Zentral- Ardettsuachweis d.TöpserDeuWiunds. Berlin. Rmenthalerftr. 57. Gesucht werben: Zwei tüchtige Ofensetzer nach ausserhalb, Lohn 18 M. pro Woche und freie Station. Femer noch 8—8 Man» für Berlin. Fünf nnverheirathete QfenseUer erhalten weiter nod, Stellung nach Senstenberg nachgewiesen. Lehrling wird für mein Kleiderstoff-«nd Wäschegeschäft gegen monalliche Ver- gütigmig gesucht. S. G a b b e, Jnvalidenslr. 113. Lehrling gesucht in der Silberwaaren-Fadrik S e b a st i a n st r. 84. Farbigmacher Verl. Waldemarstr. 15. Gürtlerlehrling sucht Wegner, Neuenburgerstr. 20._ 5426 Mamsells auf Kinder-JacketS v. Putbuserstr. 47 L Einen Sohn anständiger Eltem, der die Herreiischneiderei erlemen will, verlangt Heidtke. Liesenstr. 13. sb34b Vergolder verlangt Oranienstr. 119. Gesucht wird per sofort oder 1. Ol- tober ins sächsische Vogtland eine ge- übte 446b Plätterin für Herrenwäsche(Kragen, Man. scheiten zc.) in dauernde Stellung. Offerten nebst Lohnanfprüchen de- färdert unter F. S die Expedition dieses Blattes. Arbeiterinnen auf wattirte Räder aufterm Hause ver- langt Consbruch, Lausitzcrstr. 24, L Kragen-, Capes- Arbeiteriune» aufterm Hanse ver- langt Consbruch, Lausitzersrr. 24, L Bergiilwortlichcr Redakteur: August Jacobry in Berlin. Fiir den Jnseratenthell veranuvorllich: Th. Gloite in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. "■»w» 2. KW des, Amiirls" Kerlim MMR»»«»>-«-»»>« Z�avkei-Nottfevrnzrn. �«c P>>rteikoilfe»c»z für de» poinliicrschcu Wahlkreis "«aitdow-Greifenhage», die am 5. September in Grabow bei Stettin tagte»nd von 17 Orten mit Telegirlen beschickt war. er- ttannte jum Kandidaten für die nächste Neichstagstvabl einstimmig wieder den Genossen K ö r st e n ans Berlin, der de» Kreis anch ans dem Hamburger Parteitage zn vertreten hat. Die Frage der Be- t Heiligung a» den preußischen Landtags wählen wurde sehr eingehend erörtert. Der Referent K ö r st e n führte u. a. mtZ; Der einzige plaustble Grund für die Nothwendigkeit unserer Betheiligung au der Landtagswahl sei der Zickzackkurs und die Gesahr eines neuen Sozialistengesetzes. Aber diese Gefahr könnten wir durch die Be- theilignng auch nicht abwenden. Rur die nngeschickte Vertheidigung seitens der Regierung und die Rücksicht aus die Wahlen hätten die liberale Partei bisher daran gehindert, für ein solches Gesetz zn stimme». Ob das in Zukunft wieder so fein werde, bezweifle er stark. Er sei der Meinung, daß wir um ein neues Ausnahmegesetz nicht heruiitkoutuien. Die bürgerlichen Parteien blieben wie die Junker für uns eine reaktionäre Masse. Die Bourgeoisie fürchte die Arbeiter wegen der Streiks oft noch mehr, als sie die Junker fürchte. Die Arbeiter zu behenschen, sei ihre Hauptaufgabe. daher würde sie niemals ossiziell mit uns paktiren, und einzelne Versprechungen nützten uns nichts, denn sie würden, wie die Vergangeitheit zeige, nicht gehalten werde». Außerdem seien die Liberalen unter einander selbst mieins. Er sei bis jetzt der Meinung gewesen, die Liberalen, die nicht Fisch noch Fleisch sind, müßten atisgerieben werden, und wir wären auch auf dem beste» Wege dazu; Beweis: der Rückgang der Freisinnigen. Wenn wir jetzt unsere Taktik denen gegenüber änderten, so würden wir den Liberalismus wieder stärken. Das aber würde sichrächen, denn wenn wir mit den Freisinnigen komprotnisseln, könnten wir sie nicht mehr wie üblich bekämpfen. Da gäbe es keinen Mittelweg, es wäre JesnitisrnuS; wenn wir sie erst recht schlecht machen würden, was sie verdienen, um sie später warm zu empfehlen. wo bliebe da unser Prinzip, unser Klassenkamps? Wie weit entfernten wir uns mit einet derartigen Taktik vom kommunistischen Manifest, wo uns unsere Feinde genau gezeigt werden! Kautsky sage in einem seiner Artikel, weil wir groß geworden sind, müssen wir praktische Angenblickspolitik treiben. Redner fürchtet, daß wir bei dieser Angenblickspolitik ans die schiefe Ebene gerathen, daß wir zn einer Reformpartei herabsinken werden, denn so sei es bis jetzt allen Parteien durch ihr Paktiren gegangen. Das Paktiren mache uns kleinbürgerlich, entferne uns vom Klassenkampf. Wir hörten dann ans. eine proletarische Partei zu sein. Redner zilirt die Ansicht des Professors Eombart über den deutschen Sozialismus ttud Marxismus. Dieser erkenne an. daß die deutsche Sozialdemokratie den richtige» Weg wandelt, weil sie ihr Ziel ohne Paktiren verfolge. Durch die jetzt empfohlene Taktik würden wir Halbsozialisten. Demokraten, Reformler erzeugen. Redner wundert sich, daß hauptsächlich unsere Akadetniker die Betheiligung empfehlen. Tie Arbeiter seien im großen gegen Betheiligung, werl sie täglich ihre zukünftigen„Freunde", die Bourgeois, vor sich haben und die ökonomische Knechtschaft spüren. Paktirten wir mit der Bourgeoisie, so seien wir ihre Helfershelfer und man werde uns für ihre Hand- lungen mit verantwortlich machen. Wir gäben den Gegnern neuen Stoff, eine Waffe gegen uns zu schmieden. Wen» wir nur immer praktische Politik betreiben wollten, müßten wir uns auch an den Kirchenwahlen betheiligen, denn würden die Arbeiter sich daran betheiligen, so hätten wir in Berlin nicht die vielen -neuen Kirchen wie jetzt, wo durch die Richtbetheiligung die Positiven so stark sind. Aber wo führt das schließlich hin? Zttr Aenderung des Programms u. f. w. Bei der Betheiligung an den LandtagSwahlen werde eS auch so kommen. Wenn wir uns in Randow-Greifenhagen an der LandtagSwahl betheiligen, unterliege der Konservative, aber wir liefe» Gefahr, den Freisinnigen auch in den Reichstag gewählt zu sehe», denn die Kleinbauern und Fischer wählten de», der ihnen kleinliche Vortheile verspricht. Anch kennten sie den Unterschied zwischen Freisinn und der Eoziäldemokratie noch nicht genau und bei der Betheiligung würde die Situation noch mehr verwischt. Redner stellt keine Anträge, wünscht auch nicht, daß der Delegirte nach Hamburg ein gebundenes Mandat erhält. hofft aber, daß in Hamburg die Frage im vortheilhaftesten Sinne für die Partei gelöst werde. L ö s e w i tz auS Unterbredow ist gegen die Betheiligung. Er glaubt, daß sich die Maffen nicht betheiligen werden. Werde aber die Betheiligung in Hamburg beschlossen, so solle sie nur stattfinden, wenn wir eigene Wahlmänner und eigene Kandidaten habe». Kompromisse wollten wir nicht. Reichstags-Abgeordueter Herbert führte ans, daß von einem Kompromiß gar keine Rede sein könne, der Charakter der Sozial- demokratie als Kampfpartei gehe bei der Betheiligung an den preußischen Landtagswahleu auch nicht verloren. Als kleine Sekte hätten wir die Dinge ihren Lauf nehmen lassen, als große Partei seien wir zum Handeln gezwungen. Wir hätten dem Freisinn die Anhänger weg- genommen und dadurch seien die Konservativen so stark im Land- tage geworden. All das Schlechte, was über die Freisinnigen ge- sagt werde, unterschreibe er, deshalb sei er auch nicht für bedingungslose Unterstützung, sondern für Erlangung von Mandate». Die Freisinnigen seien uns nur Mittel zum Zweck. Man könne sicher sein, daß die Freisinnige» die politische Situation ausnützen und sich als Freunde des Volkes hinstellen würden; wählten wir nicht, so gewönnen die Freisinnige» Anhang im Lande und wir hätten das Nachsehen. Das Hemd liege näher als der Rock und so wollten die Leute in erster Linie politische Freiheit und das System der polizeilichen Bevormundung ab- schütteln. Redner denkt sich die Sache so, daß da, wo wir am meisten Wähler habe», die Freisinnigen für unsere Wahl- männer stimmen; umgekehrt sollen wir für die freisinnigen Wahlmänner stimmen, wo diese am meisten Aussicht haben, gewählt zu werden. Auf grund der früheren Wahlen glaubt Redner. daß im Kreise Randow-Greifenhagen bestimmt auf 200 oppositionelle, also theils sozialdemokratische, theilS freisinnige Wahlmänner zu rechnen sei. Zum Siege gehörten freilich etwa 320 Wahlmänner, aber es müffe eben agitirt werden. Die Betheiligung bringe der Partei Vortheile, die Nichtbetheiligung Nachtheile. Wenn man ein Ziel ans bequemem Wege erreichen könne, so sei es mindestens ver- kehrt, freiwillig den schwierigeren Weg zu wählen. DieNichtbetheilignng komme ihm vor wie Selbstkasteiung; er wolle von andere» keine Schläge und am wenigsten sich selbst hauen. Die Frage der Betheiligung könne nicht so ohne weiteres abgethan, sondern müffe sehr sorgfältig erwogen werden. Schwede aus Oberbredow ist für Betheiligung: er erwartet davon nur günstiges. L o r e n s ch e i t glaubt nicht, daß wir Erfolge haben werden und ist daher gegen Betheiligung, desgleichen Müller. Büttner führt aus, durch die Nichtbetheiligung könnten wir doch keine Vortheile erziele»; der Landtag erhalte immer wichtigere Borlagen. die eigentlich in den Reichstag gehörten. Er erwartet eine günstige Rück- Wirkung auf unsere eigene Agitation draußen im Lande, wenn wir uns auch au den Landtagswahlen betheiligen. Wir müßten die Herrschaft des Junkerthums nicht nur im Reichstage, sondern auch im Landtage brechen. Bisher hätten wir das noch nicht versucht. Es sei doch nicht so ohne weiteres von der Hand zu weisen, was Genossen wie Bernstein und Kautsky schreiben. Körsten meint in seinem Schlußwort, was er für die Wahl- betheiligung gehört habe, sei lediglich die Furcht vor einem Aus- nahmegesetz. Die Freisinnigen seien nicht einmal für dte Abschaffung der Gesinde-Ordnung zu haben. Klug sei die Wahlbetheitignug, aber der Charakter als Kampfparlei werde uns genommen. Im übrigen sei die Frage noch nicht genügend erörtert und man müffe sich belehren lassen, deshalb sei er auch gegen ei» gebundenes Mandat sür den Delegirten zum Parteitag. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Vom Harze. In Gostar wurde am Sonntag die De- legirtenkonferenz für den 13. hannöverschen Wahl- kreis abgehalten. Es waren 12 Delegirte aus allen Gegenden des Wahlkreises erschienen. Ueber die Kassenverhältnisse berichtete Genosse Uhde aus Goslar, daß 472,93 M. eingenommen und 356,9S M. ausgegeben worden sind und ein Kassenbestand von 11S.98M. vorhanden ist. Die Mittheilungen der Delegirte» lautete» nicht durchweg günstig, namentlich wurde die schwache Verbreitung der Parteipresse beklagt. Die Kauserenz sprach sich sür Aufhebung des Kölner Beschlusses sowie sür Betheiligung an denprenßi- scheu Landtags wähle n aus. Als Delegirter sür den Hamburger Parteitag wurde Genosse Matthies aus Elbingerode gewählt und ais Reichstags-Kandidat wie früher Genosse F. Wille aus Berlin aufgestellt. Der Pasten des Kreis-Vertranensinanns wurde dem Genossen Müller übertragen. Eine Partcivrrsammluug für den 13. sächsische» Wahlkreis Z w i ck a u- K r i m m i t s ch a u. die am Sonntag in W e r d a» abgehalten wurde, nahm nach einem Referat des Genosse» Gold- stein eine Resolution an, worin die Haltung der deutschen Dele- girten aus dem Züricher internationalen iilrbeiter- schütz-Kongresse gebilligt und betreffs der Frage der Be- theilignng an den preußische» Landtagswahleu der Delegirte zum Hamburger Parteitag angewiesen wird, sürAnshebnug des Kölner Beschlusses zu wirken, damit die Genossen in Preußen das Recht erhallen, nach eigenem Ermessen über die Betheiligung an den preußischen Landtagswahlen zu entscheide». Einstimmig angenommen wurde noch der Zusatzantrag des Genossen H. Schmidt aus Zwickau: Im übrigen spricht sich die Parteiversammlinig gegen die Betheiligung an den Wahlen unter dem Dreiklassen-Wahl- system aus. Als Delegirter zum Parteitag wurde Genosse Meisel aus Krimmitschau, als dessen Stellvertreter Genosse G. Gladewitz aus Zwickau gewählt. NuS Schwarzdutg- Rudolstadt wird u»S geschrieben: Nach zweijähriger Pause war es uns wieder einmal möglich, den Parteitag im eigenen Lande abhalten zu können. 9lns 12 Orten des Landes halten sich trotz des denkbar ungünstigsten Wetters die Genossen eingesunde». Ueber de» erste» Punkt der Tagesordnung: „Die Lage der Arbeiter in Schwarzburg- Rudolstadt" referirte Winter aus Frankenhausen. Der ganze Vortrag, sowie die daran sich anschließende Debatte war eine einzige furchtbare Anklage gegen die heutige Wirthschast?„ordimng". Wurde doch der ziffernmäßige Nachweis erbracht, daß auch in Schwarzburg- Rudolstadt„eulengebirgische Weberlöhne" gezahlt werden. Frauen in der Umgegend von Frankenhausen erhalten zum lheil pro Tag 40 Pf. Tagelohn. In Schlotheim, wo vor 2 Jahre» der Streik der Seiler mit allen Milteln niedergeworfen wurde, werden ost nur 80 Pf. und 1 M. pro Tag seitens der Männer ver- dient. In Rudolstadt, wo früher die Porzellanindnstrie florirte, ist schlechter Verdienst bei voller Arbeit. Arbeitslosigkeit und das tage- weise Aussetzen jetzt zu Hanse. I» Frankenhansen grassirt unter de» etwa 400 Perlmutterknopfarbeitern die Schwindsucht in bedenklicher Weise, dabei sind die Löhne ebenfalls sehr niedrig; die hier in der Tabakindustrie Beschäftigten erreichen Höchstlöhne von 9.30 M. die Woche; die deswegen seit Pfingsten streikenden Tabakarbeiter be- finden sich in der denkbar gedrücktesten Lage. Die Thätigkeit des Fabrikinspektors gegenüber den zahlreich vorhandenen Mängeln in den Betrieben wurde als eine solche bezeichnet, die viel zu wünschen übrig lasse, die Thätigkeit der Polizei in Beziehung auf Arbeiterangelegenheiten jedoch als sehr rege. Der Parteitag»ahm einstimmig eine Resolution deS Inhalts an, daß eine Besserung der Verhältnisse nur dann eintreten werde, wenn die Gesarnmtheit der schwarzbnrgischen Arbeiter sowohl politisch wie gewerkschaftlich orgauisirt sei. Da die Landes- gesetzgebuug jedoch eine politische Organisation der Arbeiter ver- bietet, protestirte der Parteitag gegen das fernere Bestehen der be- treffende» gesetzlichen Bestimmungen.— Der zweite Punkt brachte einen vorzüglichen Vortrag des Genossen A. Hofmann ans Saal- seid über Die„Wünsche der Agrarier und die Arbeiter".— Der dritte Punkt fand seine Erledigung dadurch, daß Genosse A. Hof- m a ii n ans Saalfeld wieder einstiinmig als Kandidat für die nächste Reichstags wähl gewählt wurde.— Der vierte Punkt bildete das Kapitel„Presse". Die Debatte über de»- selben förderte die bei diesem Gegenstaude auf allen Parteitagen üblichen Komplimente zu tage.— Als Ort sür den nächsten Parteitag wurde Sitzendorf bestimmt; der Parteitag soll vor der Reichstagswahl abgehalten werden.— Als Delegirter für den Hamburger Parteitag wurde Genosse Franz Winter aus Frankenhausen gewählt. Die ITönigseer Landtagswahl- Angelegenheit(Umfall des Kandidaten) und die Frankenhänser Prinz Sizzo- Speude sandeii ihre sachgemäße Erledigung.— Nach Erledigung der Tagesordnung wurde der 6. schwarzbnrg-riidolstädter Parteitag mit einem begeistert oiifgeiionimenen dreifachen Hoch auf die Sozialdemokratie und mit dem Gesang des ersten Verses der Arbeiter- Marseillaise geschlossen.— Mit Freuden mnß konftatirt werden, daß die Debatten einen ebenso großen Ernst wie Sachlichkeit und Rede- sertigkeit der Gen offen zeigten. Iii Mainz erörterten am Montag die Parteigenossen in einer öffenttichen Parteiversaniiiilung die Frage der Betheiligung an den preußischen Landtagswahleu. Nach einem Vortrage Katzen st ein'S wurde einstimmig folgende Resolution angenomnieu: „Die Versaiiimlniig hält ans grund der in Hessen gemachten Er- sahrnngen den Eintritt sozialdemokratischer Abgeordneten in den preußischen Landtag für sehr wünschenswerth im Interesse der Pro- paganda des Sozialismus, der Hebung der gegenwärtigen Lage der Arbeiterklasse und der Bekämpsuiig[bei Reaktian. Sie hält darum die Aushebung des Kölner Beschlusses von 1893 für geboten und empfiehlt den preußischen Genossen den Eintritt in die Landtagswahl mit dem Zwecke der Gewinnung von Mandaleu. Die Entscheidnng im einzelnen hält sie für Sache eines preußischen Parteitags." Nachdem Genosse K a tz e n st e i n hierauf die Nothwendigkeit einer!H e v i s i o n des Erfurter Parteiprogramms und die schärfere Foriiililirung einzelner Punkte nachzuweiseii versucht hatte, beschloß die Bersammluiig, bei dem Parteitag in Hamburg zu beantragen, es möchleu ans die Tagesordnung des nächsten Partei- tageS folgende Punkte gesetzt werden: I. Die theoretischen Grund- lagen des Parteiprogramms, Referenten K. Kautsky und Conrad Schmidt. 2. Die Bedeutiing der Koiisum-Geiiosseiischaften für die Arbeiterklasse. Als Delegirter sür den Hamburger Parteitag wurde Genosse K a tz e n st e i it gewählt. VevsÄnttnIunsen. Eine RuSschußsitztiug deS Arbeiter' Tauget bundeS fand am V. September stall. Zur Aufnahme hatten sich vier Vereine ge- meldet; dieselben wurden aufgenommen. Ausgeschlossen wurden auf grund des§ 4 des BundesstatutS(NichtVertretung in den Ausschuß- sitzungen) folgende Vereine: B.-Nr.: 49, Einigkeit I; 34, Deutsche Liedertafel; 113, Apollonia; 146, Ario»; 203, Biber'scher Männerchor.— Seitens des Vorstandes wurde der Bericht vom Sängerfest gegeben und wurde i» diesem insbesonders darauf hingewiesen, daß der Vorstand schuldlos ist an der Auf- stellung von, eines ArbeitersesteS unwürdigen. Thierhandel- und Spielbuden respektive Ständen. Jedenfalls wird auf kommendeii Festen dies vermieden werden.— Sehr scharf wurde gerügt, daß die Sänger, ob bewußt oder unbewußt, die Lokalliste zum theil nicht beachtet haben. Einige Vereine erhielten Vorwürfe sür schlechte Ausführung der Kontrolle. Die Thätigkeit der„Arbeiter» Samariler Kolonne" wurde rühmend hervorgehoben.— Eine Anfrage, wie sich der Bund zu einem etwaigen Konzert stelle für die lieber- schwemmten, wurde dahin beantwortet, daß zunächst die Pflicht der Unterstützung Staat und Kommune haben, in letzter Instanz würde der Bund aneh feine Schuldigkeit Ihun.— Der Verein„Echo" in Pankow erhielt eine Rüge wegen Nicht-Beiheilignng an dem Arbeiter» feste in Pankow. Maurer. Eine Mitgliederversannnliing der Zahlstelle II deS Verbandes deutscher Maurer tagte am Sonntag, den 5. September. Die Abrechnung vorn Vergnüguiigskoinitee ergab folgendes Resultat: Einnahme 401.90 M.. Ausgabe 32S.90 M.. Bestand 76 M. Dem Vergiiüguugslomitee wurde Decharge erlheilt. Um einem Bedürfuiß der Kollege» im Nordosten abzuhelfen, wurde sür dieses Stadtviertel eine Zahlstelle gegründet und wurde zum Hilsskassirer Kalveit gewählt. Derselbe kassirt jeden Souiiabend Abend bei Späth, Georgeukirchstr. 6S. Daun wurde Thiede, der sich ehrenrühriger Aeiißeriingen über Rabe hat zu schulden kommen lassen, aus- geschlossen. Sodann hielt S i l b e r s ch in i d t einen Vortrag über die „Erzieherische Wirkung der Geiverkschaftsorganisatiou". Da keine Diskussion beliebt wurde, erfolgte Schluß. Tic lokalofgauifirte» Maurer hielte» am V. d. M. zwei gutbesuchle Versauimlnugeu ab. Im Lokal Königsbauk hielt Metzke einen Vortrag über Kranken» und UnfaUgesetz. Au den Vortrag schloß sich eine lange Diskussion.— In der zweiten Versaiiimlung, die Perlebergerstraße 18, stattfand, referirte Regierungsbaumeister Keßler über das Wirken der Gewerkschastsorgaiiisationen. Au der Debatte beiheiliglen sich eine Anzahl Kollegen. Nachdem noch einige gewerkschaftliche Fragen ihre Erledigung gesunde», erfolgte Schluß der Versammlung. Tie zeutrasorganisirteu Ztinmerer hielten am Sonntag, den 12. d. M., eine Mitgliederversammlung ab, in welcher Kit be über die Lohnbewegung der Zimmerer referirte. Redner beleuchtete die Kämpfe der Berliner Zimmer vom Jahre 1889 bis jetzt und bemühte sich namentlich, die Fehler, welche in diesen Lohnkäuipfeii gemacht worden sind, den Auweseuden klar vor Auge» zu führen, um hieraus Lehren ziehen zu können. In der Diskussion ergänzten mehrere Redner die Slusführnugen Knbe's, wobei P e t e r e i t auf die Ein» leilimg der diesjährige» Lohubewegiing zu sprechen kam und be- »längelte. daß bei solcher Gelegenheit eine unkoutrollirbare Masse für den Streik stimme und die Orgaiiisirteu majorisire. Hier müßten nur die Oraauisirten zu bestimmen haben, denn diese müßten den Kampf ausfechten. Im Verschiedene» gab Kr e ß m er die Abrech- nuug vom IS. Stiftungsfest. Die Einnahme betrug 419,70 M., die Ausgabe 338,44 Bl., mithin ein Ueberschuß von 81.26 M. Derselbe wurde der Lokalkasse überwiesen. Tic Sturkateure hielten am Montag eine nur schwach besuchte öffentliche Versammlnng ab. Der Ilm stand, daß der Referent G ö rk e- Charloltenburg nicht erschienen war, gab mehreren Rednern Veranlassung, dies scharf zu rügen und sich sehr mißbilligend darüber zu äußern, daß es überhaupt schwer sei, für gewerkschaftliche Ver- sammlungeii einen Referenten zu bekoinmen. Parteigenossen, welche es früher nicht verschmähten, in den tleinsien Arbeiter-Versamiiilungen zu reden, wären jetzt nicht mehr zu haben, seitdem sie„einen sicheren Boden in der Partei gefunden haben." Die Versammelten besprachen nun die Lohn- und Arbeits« Verhältnisse bei der Firma Thiele. Die Löhne wären daselbst so niedrig, daß sich reelle Arbeit sür solche Preise gar nicht herstellen lasse. Leider habe man die bei Thiele arbeitenden Stuckateure bisher nicht sür die gewerkschaftlichen Bestrebmigeii gewinnen und auS diesem Grunde nichts gegen die Firma unternehmen können. Die Lohulomiiiission wird es sich aber angelegen sein lassen, die Thiele'schen Kollegen von der Gemeingefährlichkeit ihres indifferenten Verhaltens zu überzeugen. Scharf getadelt wurde es auch, daß die Firma Knauer sich Stuckateure aus Frankfurt habe kommen lassen, die schon nach einer Woche wegen Arbeitsiuaiigels wieder entlassen wurden. Von den auswärtigen Kollege» müsse man erwarten, daß sie sich, ehe sie ein Engagement nach Berlin annehmen, wo es ohne- hin genug Arbeitslose gebe, bei der Organisation über die hiesigen Verhälnisse inforiuiren. Ter Verein deutscher Schuhmachcr, Filiale Berlin II, hielt am 6. d. M. eine Mitgliederversammlung im Lokal des Herrn Lange, Dragoncrstr. IS, ab. Nach einem Vortrag Lauge's entspann sich eine lebhaste Debatte über die Wiederansiiahme des vor ca. 2 Jahren ausgeschlossenen Durchuähers Wilh. Krause. Da Krause immer noch in Abrede stellt, Streikbrecher gewesen zu sein, ferner auch noch be- streitet, die Organisation geschädigt zu haben, sahen sich die Ver- sainmelten geuölhigt. Krause auch fernerhin nicht als Kollege» zu betrachten. HolzbearbeituiigSbraiichc. In der am 6. d. Mis. bei Wilke, Audieasstraße 26, statlgesuudenen Mitgliederversammlung des Ver- bandes der in Holzbearbeitiingssabriken beschäftigten Arbeiter, Filiale Berlin I. hielt Herr Dr. W u r m einen sehr interessanten Vortrag Über:„Die Erhaltung der Sehkraft", mit Demonslrationeii an künstlichen Augen. Anstelle Kegel's wurde Richard Weiße in den Ausschuß gewählt. Der Antrag des Vorstandes, ihm das Recht einzuräumen, zur Eiukassirung der Beiträge rückständiger Kollegen in verschiedeuen Bezirken Beitragssammler zu ernennen, wurde nach kurzer Debatte angenommen. Zur Vergrößerung der Bibliothek wurden 30 M. bewilligt. Hierauf gab der Vorsitzende die Abrechnung des Hauplvorstandes vom II. Quartal bekannt. Bon mehreren Kollegen wurden gegen verschiedene Ansgabeposte» Einweiiduiigen erhoben und der Ausschuß beaustragt, in dieser Sache die diesbezüglichen Schritte zu thitn. Sodann machte Pichl bekannt, daß die Sperre über die Merkslelle von Müller nicht mehr aufrecht zu erhallen sei; dagegen müsse die Werkstatt von Hellmich unter allen Umsiäuden als gesperrt betrachtet werde». Ferner tadelt Pichl auf das eulfchiedeuste. daß die Mehrzahl der Werkstatt-Vertrauensniäiiuer in letzter Zeit nicht mehr in dem Maße ihre Schuldigkeit thue», wie eS ihre Pflicht wäre, und daß verschiedene sogar erklärt haben, sich Überhaupt nicht mehr um den Vertrieb der Marken zu kümmern; größtentheili seien daran persönliche Reibereien schuld. Unter diesen Umständen sei es sür den Vertrauensina»» sehr schwer, die Streiksondsmarken imiznsetzeii. Diese persönlichen Zwistigkeiteu dürften unter keinen Umständen so weit gehen, daß dadurch die Gewerkschaft geschädigt würde. Verband dcr Vnchbindcr. Die letzte Mitgliederversammlung vom Montag den 6. d. M. ehrte vor Eintritt in die Tagesordnung das Andenken des verstorbenen Mitgliedes B. G o l l n i k. Dcr Vorsitzende giebt bekannt, daß in Rixdorf und Charlottenburg Zahl« stellen errichtet worden sind. Als Hilsskassirer sür Charlottenburg wird Eughardt gewählt.— Bezüglich der Aufnahme sogenannter Arbeitswilliger wird es den Bevoltmächtigteu überlassen, die Ent» fcheibnng von Fall zu Fall zu treffen. Hierauf hielt Ge». Wagner einen Vortrag.— Der Bericht der Bibliothek-Kommission vom 2. Quartal 1897 ergiebt, daß der Eiuuahiue von 117.2ö M.«ine Ausgabe von 89,70 M. gegenübersteht. Dcr Bücherbestand vom 15. Juli d. I. beläuft sich auf 508 Bände; ausgeliehen wurden im 2. Quartal 870 Bände. Ter Verband aller im Handel und Transport beschäftigten Hilfsarbeiter hielt am Dienstag, den 7. d. Mts., in den Armin» halle» eine sehr stark besuchte Mitgliederversammlung ab. Genosse Lamkow sprach über die Entwickelung Frankreichs vom 16. bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts. Unter Verbandsaiigelegenheiten wies der Vorsitzende daraus hin. daß der Verband jetzt stetig an Mitgliedern zunehme; auch sei im Monat August wieder ein Ueber» schuß von 98.02 M. zu verzeichnen. Er bat die Anwesenden, auch ferner thatkrästig für den Verband zu agitire». 8 neue Mitglieder ließen sich ausnehmen. Tie Freie Vereinigung der Knnflcnte eröffnete am Mitt» wach, de» ö. September, den fiir das Winterhalbjahr angesetzte» Zyllus von Vortragsabenden mit einen» Vortrage des Reichstags. Abgeordneten Li o b e r t S ch in i d t über das KoalitionSrecht der Arbeiter. Genosse Schnüdt gab in knappen Uinrisscn ein Bild der geschichtlichen Entioickelung des Koalitionsrechtes, zeigte a» mehreren Beispielen,»vie jetzt alleZ aufge>vei»det werde, um den» Arbeiter sein bischen Koalitionsrecht zn nehmen. Rur ein energischeres Eintreten für die Anftlärnng und Organisation der Arbeiter könne dieseS Bestreben zn nichle mache». Der Vorsitzende L i s s a u e r forderte im Anschluß daran die Erschienenen ans, angesichts der bevorstehende» Wahlen niit verdoppelten Kräften für die Aufklärung der Handels- Angestellten zu»virken und gab gleichzeitig bekannt, daß den nächsten Vortragsabend, am Mittrvoch, den 15. September, ei» Vortrag des Genossen Dr. Weyl über„Moderne Krankheiten" ausfällen»vird. In drr Stcllniachcrvcrsamnllnng am 9. d. M. hielt Wagner einen lehrreiche» Vortrag über„industrielle Entivickelung und Arbeiter- kämvse". Hierauf»vmde seitens Fischer hervorgehoben, bah die Verhältnisse die Lokalorganisalionen immer mehr zu einer Kentrali. sirung drängen, und da jetzt die lokalorganisirten Geiverkschaften Deutschlands eine Zentralistrung durch daS Vertrauensmänner- system anbahnen»vollen,»väre es ziveckmäßig, in der nächsten Generalversatnmlung diese Sache zu bespreche» und sich dieser Richtung anzuschließen, andernfalls zum Holzarbeiter- Verband überzutreten. Baum gicbt einen kurzen Bericht über den Verlaus der Lohnbeivcguug in de» Treppengeländer- Werkstätten. Die Forderungen seien,>vo sie gestellt worden sind, auch durchivcg bcivilligt, nur die Werkstatt von Engel, Dcmminer- straße 5, siihlt sich nicht gemässigt, dies zu thnn. Leider haben sich einige Kollegen als Slrcilbrccher in dieser Werkstatt gebrauche» lassen. Die Handlungsivcise dieser arbcitsivilligen Kollegen rief eine Mißbilligung aller Anwesenden hervor, die in einer lebhaften Dis- kussion zum Ausdruck kam. Hieran schlössen sich einige scharfe Alis- einandersctzungen mehr persönlichen Charakters. Zi>b»>t«r-KiI»»,>o«sch,>I». Der ltnierrtchl beginnt tn SlatlonalSkonomte, Setchichte und Eesetz-KIunde ain»s. Ollober, abend«*0 Uhr. JnsetUr. l», v. e Tr. Thcttnehiner werden schon jetzt aufgenoinnie» in solgendcn Stellen:»oiisr. Schulz, «dmiralflr.«va! Slcul, Barnimslr.«i! Schiller, Mosenihalerflr. 57;«leinert, Miillerslr. 7»! Paul Mücke, Mauteuffeiflr.»es! H. iiöuig«, Tieffenbachslr. so. Alle Zuschristen find an den«oisitzenden Paul Piücke jr., SV. Man. «enlselstr. Ii», Geldsendungea an de»«asslror H. König«, L. Tlesseubachsir.»o, zu lende». Lese- und DiolintirliUib«. Mittivoch. JohannJacobn, bei Fritz Lietzle, Cchwcdiersiratze s».— S e sun d b runn« n, abend» Sjj Uhr, bei «ellermannstr.»7.— S l e i ch h e i t, abend»«Zs Uhr bei Stramm, itterfiratze HZ.— Heine, Mtrdorf, abend» sjj Uhr, Prtnz-Haudjerystr.«o, parterre.— Sin> gleit, abend» sjj Uhr bei Zeige, TriflNr. l.— Theater, und Lesellub Morgenroth, abend» 8 Uhr, im Restaurant Diele, Lothringerstr.«7. — Sozialdemolratischcr«gtln>ion»rl»b O st e n, abend»«jj Uhr, bei Jauer, Fruchtstr. 52.— Freigeist Arlona, abend»» Uhr, illrlonaplay» bei Wesener.— Friedrich Engel» Norden alle Mittwoch 8 Uhr bei Aeihen, Volmstr. Z«. Arbeiter-Kängerdnud Kerlin» und der Umgegend. Vorsitzender tzldols Neumann, Brunnenstr.>50. Alle Aeiidernngen im Vereln»lalender sind zu richten an Fried, llortum, Manteusselslr. 50, v. i Tr. Mibtivoch. Nebnng». stunde abend» 8 Uhr, Ansnahme von Mitgliedern.— Lted«»freiheit l, AndrcaSstr. 2« bei Wille.— N o r d d eu l s ch e S ch let s e, Melchiorstr. 15 bei Stehmann.— Frcna l,(Eemischter Ehor), Rosenthalerstr. 57 bei Babtel.— Lorbeerkranz, Wcinsir. 28 bei Späth.— Ltederlust, Adaldertftr. 21 bei Roll.— Spandau, t» Spandau, Nenmeistersir. 5 bei R. Radtle.— Deutsche Eichet, Er. Franlsurrerstr. I»z bei Gold.— Bruderherz. Pulbuserstr. 25 bei Lutz.— Echo I, Pankow, Wollanlstraße.— Treue, Mnriannen-User 2 im Luxhos.— A l l e g r o, Wrangelstr. 141 bei Schmidt.— Freiheit I, Büloiv- strabe«5 bei Richter.— Stetnnell«, Pasewallerstr.» bei Ad. Bergemann.— Walde»lust, Oppelnerstraße 84.— Freier Männerchor Nord- West, Pnulttzftr.> o bei Pfarr.— Sesangverein der« u p f« r s ch m t e d e, Wein- straße Ii bei Feind.— wletchheit t, Schönhauser Allee lS5 bei Ramlow.— Froh« Stunde, Tlalitzerstr. 7 bei Cchönemann.— FrsiheitSgruß, Brunnenstrnße leo bei Schulze.— Schneeglöckchen I. Rixdorf, Hennann- und klarlSgartenstraßen-Ecke bei ltüpte.— Hofsnung III, Brandenburg a. H. Wilhcimddorserstraße,„Soncordia".— Arbeiler-A-sangveretn B r i« tn Britz, Bürgerftraße 4 bei Dorn.— Seeger'scher Männerchor, Landsberger Allee»58 bei Tobel.— Einig, Blnmenstraße 82 bei Reich.— Gesang- Verein der Buchdrucker u. Schrtstgiester Rtxdors u. Britz, Rixdorf, Bergstr.»52 bei Thomas.— Frohsinn II, Friedrichtberg. Wartenbergstr. er bei Lange.— Alton III, Rixdorf, Herrmann- u. Herrsurthstraßen-Ecke bei Geschuhn.— Matengruß II, Eharlottenbnrg, Straße s», Nr. I, bei Barlsch.— Heimathlläng«, ttöpenick, Rofenflr.»oi bei Meyer.— Wacht auf I. Wörlherstr. 15 bei Vulprecht.— Vorwärts X, Nauen, Marlistr. is bei Hobufch.— Schneeglöckchen II, Polsdom, Brandenburger Kommunikation IL bei Glaser.— Treu und Fest, Koppensir. l? bei Lohmann.— Wald- l a p e I l e, Eeidelstrasie 30 bei Krüger.— Bruderbund, Usedomstr. 22 bei Eickinger.— Frei« Sänger, Heeqermühle bei Eberswalde, Dorfstr. 12, Res». agdschlößchen.— Sänger lu st, Werder a/ü., Kugelwcg im Lokal.— Ost- und' W e slp re u ß e n, Alcxanderstr. 27c, Englischer Garten.— Rtenzi, Wrangelstrabc 81 bei Ludwig.— Osten, Metallarbeiter, Grüner Weg>8 bei fippke.— R o s a l i e, Königsbergerfir. 34 bei Plaen.— Gerstenähre, Grün- ratze 21 bei Sommer.— Keramtl, Ebarlotlenburg,«Ipplerstraße bei Peestcl. — Grüne Eiche, Rixdorf, Hermannstr. 187 bei Babenschneider.— Fortschritt, Köpnickersir. 88 bei Peuleri. Kund der«efrltige» Ardeiterverci»« Kerlln« und der Umgegend. Vorsitzender P. Gent, DriSdener- Straße Nr. 107/8. Alle A-nderungen den VeretnSkalcnder beirefsend sind zu richten an H. B e n d> x, Alexandrinenslr. 100. vekang., Sur»-»»d gesellig» Uerei»». ztiittwoch. Stattlub Revolution. Grünauerstr. 8 bei Solz.— Geselliger verein Hoffnung, jetzt alle 14 Tage, Lebuserflr. 5 bei Dieseler.— Artisten- und Ningsporlvemn Vereinte Kraft tagt Mitlwoch» abend» und Sonntag» vormittag» Plan- User 82a bei Zeple.— Allelcnveretn Arlas, Brunnenstr. 152 bei Dase.— Geselliger � Verein Türkische Pfeife, Danzigcrstr. 83 bei W. Hanscn.— Tambour-Perein Froh-Frei, UebungZstunbe Mittwoch und Sonnabend». Wtesenstr. 27 bei Bosz.— Ärbeiier-Schachklub Norden, Seestr. 25 bei Mandel. — Mustkverein Knaatfch, Kolbergerstr. 2 bei Steffen».— Pfropfenoerein N ord- Ost, Elbingerstr. 8 bei Vogel.— Rauchllnb Schm ole'» We rke, Krauistr. 38 bei Hegner.— Gesangverein SangeStreuo, Spreeterrofse an dir gannotvitz- brücke.— Gesangverein Lerche, Echönhauser-Allee bei G. Gerber.— Ar b e tl e r- Radfahrer-Be retn Vorwärts tag! jeden Miilwoch nach dem 1. und 15. im Monal, Bcujselilr. g sMoabiler Klubhaus).— Bereinigung der Turn- sjr e u n d e von 8jj— lojj Uhr abend», Demmtnerstr. 55/57.— Turnverein Osten, Turnhalle Blnmenftr. S3e, S%—io Uhr abends. Männer-Abiheiluna.— Arbeiter- Gesangverein Hosfnun g, FriedrichSbera, Friedrich Karlstr. 84 bei Schultze.— Tambourverein Ruf, UebungSflunde MttiivochS und Sonnabends Dresdener- straße 58.— Mustk-Dililtanlsn-Verein Vorwärts, Langestr. los bei Nebelin. Arbeiter- Turnerbund. Mittwoch: Turnverein Fichte, Berlin Abend» von 8- 10 Uhr: 1. Männer-Abiheiknng Friedenftraße 87. 8. Männer- «biheilnng Vöckhstr. 2i. 2. Lehrlings-Ablbcilung Ckalitzerstr. 55—5». 4. Lehr- lingS-Ablhcilung Slcphanstr.s.— Freie Turnerschaft Rixdorf-Brttz, 2. Tchüler-Abih. von eis— sjj, 2. Männer- und LehrllngS-Ablh. von 8'/,— lo'/» Uhr abends bei Bethge in Britz, Shausseestraßs ss. Schülerinnsn-Ablh. von ojj— sjs, Frauen-Abtb. von 8.1—10� Uhr abend» bei Wierstng, jinesebeckstr. HS.— Freie Turnerschafi Johannisthal, abend» 8— 10 Uhr bei Senstleben. Arbeiter-Uauchcrbnnd Kerii»« und der ein-----"* BereinSkalender stnd zu richten an Hermann! Mittwoch: Art ona, Ekalitzerstr. 41 bei i Liegttitzerstr. 18 bei Manegold.— Walde»grün, Forslerstr. 22 bei Kunze.— Virginia, Admiralltr. 2l bei Schnieder.— Frei Weg, Schöneberg, Kolonncnstr. 2 bei Krelschnier.— Ftdele Raucher. Boeckhsir. 48 bei Nuppel.— Intelligenz, KoUbnser Tamm i vi bei Schmidt.— G r a n a r e, Forslerstr. 40 bei Tujuntte.— Ftdele Brüder, Frlcdrichsfeide, Lüisenstr. 20 bei Labse.— Morge nrolh, Landsberger Allee 44 bei Roland,— F r 0 h s t n n z> H e i in a t h, Slromstr. 28.— Deutscher Michel, Pankow, Kaiser Frledrlch- straße 15 bei Grtslel.— Kairo, Pankstr. S2ä bei Löblich.— Frisch- Gewagt, Posenerstr. 5 bei Rockenborf.— Ohlauer, Sräfestr. 18 bei Präker.— Abguß I, Markusstr. 28 bei ffiom.— D i e D a m p s e n d e 11, Reichcnbcrgerstr. 160 bei Jeratsch.— Weiße Nelke, Forslerstr. 1? bei Dierberg.— Zusrleden- beit, Rixdorf. Mühlenstr. 5 bci Baeden.— Glühlicht, Ncu-Weißensee, Göblerstiaße 50 bei Schulz.— Apselblüthe, Panistr. Zd bei Schmidl.— Flieder dust, Friedcnstr. 74 bei Schmidt.— Weichselduft, Pappel-Allee 44 bei Zlbcll.— Aller Hussit, JaSniundsriir. 4 des Zimmer.— Blaue W 0 l k e i m O st e n, Fi iedenstr. 52 bei Tollkühn.— Kein Ton. Rykcstr. iz b.i Neckcl.— Rvlhe Fahne, Eörliyerstr. 50 bei Eievert.— E e III ü t h I t ch t e i I I, Wlenerstr, 7 bei Glülcr.— Kornblii me, Giieiseiiauslr.?1 bei Menzel.— Veilchenblau, Marienburgerslr. 22 bei Dimke.— Kreuzfidel und konsequent, Pallasslr. 5 bei Selchow. bierman-�moricaa Isiud„HI n c l c L a m" seetadlisdeä>882), 9 o'clock p. m Wallstrasse 57.— Ladies and Gontlcmcn welcome. Arbeiter-Kilduiigeverri» zvilmerodorf. Bersaminlung jeden Mittwoch nach dem l. und 15. im Monat. xandowaiiiischast drr Schlrowig. Lolftelner. Heule, abend» 81s Uhr, In Feuei stein'» Festsälen, Alle Jakobstiaße 75 1 Beisammlung. Plalideutsche Bor- träge. LandSleute, Herren und Damen, Ivllllominen. verein für Körper- und Uaturhriikunde. Heule, abend» 8js Uhr, Badstr. 18: Vortrag des prakt. Nalurhellkiindlgen HerlN O. Gruilbmami aber: Ein Blick in da» Innere de» Manne». Tcinonstrirl an lebensgroßen Lichtbildern. Gäste, nur Männer, willlommcii. © Leipzigersir. Ecke der -K #* Hamburger Engros-Lager Tapisserie- Artikel vorgezeichnet. Tablette-Decken � rranzen 13, 17, zz, zg n Tablette-Decken wit Hohlsaum 25 rt. Brotbeutel 24 w. 27 87 pt Frühstüeksbeutel 11 14 w Klammerschürzen 30 n. 50 Küchentisch-Decken 95 pt. BeSteCktaSChen kür Messer tmd Gaheln 135 rk. Kongress-Schürzen 50 pf. Kfichenbandtücher, mit Fransen 50 rt Stubenhanölücher mit Hohlsaum 55 Tischläufer 20 pf-, 35 p*. 48 pt Weisse Wandschoner 45 p* Markt-Ginkaufstaschen 53 95 Markt-Korbdecken 55 pf, 85 pf BeSenYOrhänge, Kreuz- und Stielstioh 225 Pt Tablettedecken mit BIumen-Languetten 12 pf- 18 p'. 22 pf Tapisserie"Artikel vorgezelchnct. Taschentuchbehälter ans fü» 30 pf Tischläufer aus ruz 90 pt Tuchkissen aus fuz 55 pf. 75 pf. Tastenläufer ans fuz 88 pf Journalmappen ans fuz 87 pf. Bürsten-Taschen, 2�1%, 20 pf Fenstermänlel ans Fries 450 pf. Fenstermänlel �amme'�T 450 pt KlaYierläufer ans fuz 225 pt Kähtischdecken ans füz 145 pt Tischdecken ans füz 160 pf Neuheiten in Gobelinstickerei. Musterfertige Straminschuhe 75 pf- Musterfertige Straminkissen 75 � Musterfertige Radfahrersattel stramm 140 � Musterfertige Straminteppiche und Bettvorleger 3 Mark an. Tapisserie"Artikel fertig gestickt. Wäschebeutel, Sn 250 pt Slaubtuchtaschen stück 32 pf. Taschentuehbehälter mit scueife 45 pf. Neuheit: Alliance-Uhrschnüre aus Seidenhand mit Sphieber, schwarz u. farbig, Stück 35 Pf- Winter- Handschuhe, schwarz u. farbig, gnte Qualität, Paar 28 Pf- Pelz-Colliers mit Kopf, Stück 75 nnd 120 Pf- Gitter-Schleier ÄS, � 8 pf- Zierschürzen mit sordnre 42 rr. Lavaliers für Damen, 80 u 45 pf Möbel Tischlerei lllld Kager compl. Wohnnngs-Einrichtittige» empfiehlt in seder K-lz- und Schlart. vom-infachsten bis zn dem elegantesteu, zu den billigste» Fabrikpreisen. DM- Zu erreiche» mit alle« Pferdebahnlinien nach dem Kottbnser-Thor. Julian Apelt, Tischlermeister, Skalitzevstn. 6. 23578» TUglich von 7 Uhr liiorgens biö 6 Uhr gbciids: Verkauf von frisch gek. Fleisch. SS«::>--«0. Vei'ivilltuiiA äer Loekimstslt Ktiickt. Sclilaclitliof Möbel in jedem Stil und jeder Holzart änberst billig, auch auf Tbeilzahlung. Gr. Lager gebrauchter und verliehen gewesener Möbel 2!)b0L» Oraniensip, 73. Glirdiiltli- Rester-Ausverkauf älterer Muster in weih und creme, zn 1—4 Fcnsten, passend, spottbillig in dem Gardineiifabrit-Lager von Vr«!»« djrütlier, Berti» O., Gruner Weg Nr. 8« part., Eing. vom Flur(kein Laden). Ncnhcttcn treffen täglich ein. Proben nach ausserhalb portofrei. urtige Betten, KS .Unterbett, zwei Kopflissen niit gereinigten neuen Fcdeni, von Iti M. an, fertige JnlettS- Bettiväsche, Matratzen jeder Art, Stepp-, Schlaf-, Bettdecken und Polster- Bettstellen cmpf. billigst daS als streng reell bekannte, 1870 gegr. Spezial-Gcsch. S. Pollack, Oranienstr.«l.ain Moritzplatz. Möfeel. Siegel und Polslerwaaren. " Compl. Wohniings- Plm-iclitniigen. PPQtl«? Trit�ailOP Tischlermeister,[2358C« ridlla l Ul�dUei, Berlin SW., BlUcherst». 14. Direct von Aachen! eveltberUhmt dui-ch seine im Inlande und Anslando nrltnillrtcn reellen Tnchivaaren, versenden wir zu - anerkannt niedrigen Preisen- Herren- A n c n g- und Paletototo f f e vom einfachsten bis zum elegantesten. Vorzügliche Musterauswahl franco an Jedermann! Zahllose Kniiifclilnngcn aus allen Kreisen beweisen unsere Reellität!-* Mfinnnnl iPhniiin� nns. bekannte Spezialität, kosten Ul GnLubl-uliübiö t.-�Va Met. schwarz, blau od. braun zu ~'einem gedieg. Anzug DaBT-lO M. lAncrkcnniingsticlireibcnu.KächbeHtellniigentägl.! TiK-hindustrie, Aarhen IV<». 7K. Wllkcn C'ic Verantuiortlicher Redakteur: Angust Jacobe», in Berlin. Kür de» Jnferatentheil verantwortlich: Th.«loche in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.