Nr. 316. Aboimemeitts■ Sedingungen: ObonncmcutS- Preis pränumerando: Sierteljährl- 3,30 Mb, monatl. 1,10 Sit., wöchentlich 28 Pfg. frei in» Hau». Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftrirter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal, Eingetragen in der Post- Zeitung»» Preisliste für iss? unter Nr. 7487. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Insertion--Vrlillhr beträgt für die sechSgespaltene«olonel» »eile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und PsrsammlungS-Anzetgen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag» in der Erpedttton abgegeben iverde». Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, »n Sonn-»ud Festtagen bis s Uhr vormittags geöffnet. Erscheini täglich auyer Wonlag«. Berliner Volksblnkt. Wernsprecher: Smt l, Nr. 1608. Zelegramm-Adresse: „Soiialdrmostrat Srrlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Kartei Deutschtands. Wedaktion: SW. 19, Meuty-Straße 2. Donnerstag, den 16. Septemder 189?. Kirpedition: SW. 19, Wettty-Straße 3; Dündlevirchv?Vshl�M>inNo. Die Herren vom Bund der Landwirthe träumen von zu> künftiger Herrlichkeit, sie bilden sich ein, die„Partei der Zu- kunft" zu fein. Aber so ganz geheuer ist ihnen allem Anschein nach doch noch nicht. Deshalb giebt die „Deutsche Tageszeitung" den Ihrigen schon zeitig„Winke für die Wahlen". Sie giebt selbst zu, daß sich eine„Hin- neignng zu den Parteien der äußersten Linken" bemerkbar mache; deshalb will sie die nöthigen Vorkehrungen treffen, '„nnt den demokratischen Parteien den Wind ans den Segeln zu nehmen". Aber wie das anfangen? Man höre: „Zu diesen» Zwecke wird es nothweitdig sein, daß die Kandidaten aller andern Parteien sich fest und ans- driicklich auf den Boden der Verfassung stellen, und daß sie, vielleicht mehr als sonst, jeden Versuch eines Verfassungsbruches anss entschiedenste ab lehnen. Man halte das nicht für unnütz! Darin besteht eine Hauptarbeit der demokratischen Hetze, daß sie den Gegnern Neigung zum Versassiingsbrnche oder>ve»igstens eine milde Auffassung der Verfassungsverletzung vorwirft. Stellen sich aber die Kandidaten, die de» Demokraten entgegentreten, fest und freiml'ithig auf den Boden der Versassnng, so wird der Hetze die Spitze abgebrochen. Aber noch ein anderes ist nöthig! E' n»>ß im Wahlkampfe ein frischer freier Volks t o n gewählt werden. Man darf sich nicht scheuen, riickhaltslos die Wahrheit zu sagen. Dabei braucht man nicht in die Gepflogenheiten der Volksverführer zu verfallen. Die Wahrheit wirkt auch dann, wenn sie ernst und ohne bitteren Beigeschmack vorgetragen wird. Deshalb muß auf die Auswahl der Kandidaten diesmal ganz besonderes Gewicht gelegt werden. Je abhängiger der Kandidat nach seiner Stellung zu sein scheint, je fremder er der Masse des Volkes gegenüber steht, um so schwerer wird seine Arbeit, nm so zweifelhafter der Erfolg. Nur dann wird man die Parteien der äußersten Linken wirksam bekämpfen können, wenn die Kandidaten, die man ihr entgegen stellt, möglichst unabhängige, kernhafte, freimüthige Männer sind, die das Herz und den Mund auf dem richtigen Flecke haben. Wer den Fürsten Bismarck richtig kennt und beurtheilt, der weiß, daß er mit seinem vielbesprochenen Urtheile über die Partei der Rechte» nicht nur hat kritisiren. fondern in erster Linie mahnen und warne» wollen. Der Erfolg wird wesentlich davon abhängen, welche Wirkung die Mahnung haben wird." Dreist und gottesfürchtig predigen die Bnndler ihren Freunden, wie sie das Handwerk derj Demagogie betreiben sollen. Sie sprechen von„demokratischer Hetze" und prokla- miren die Heuchelei als Grundsatz ihrer Wahlarbeit. Die notorischen Staatsstreichler sollen den Leuten vorreden, daß sie auf deni Boden der Verfassung stünden. Die schlimmsten Volks- ansbeuter sollen im Volkston reden. Durch Aufstellung von „Männern aus dem Volk" als Kandidaten soll das Volk geuasführt werden. Man kann im Zweifel sein, ob man die Naivetät oder die Schamlosigkeit dieser Attslassung höher einschätzen soll. Die„Partei der Zukunft" fängt recht nett an. Ihr Ge bahren erinnert sehr an das der großmäuligen deutsch-sozialen Reformer. Aber wie diese, so wird auch das Bündlerthum schnell genug abwirthschäften und kläglich scheitern. Diese Herren unterschätzen denn doch die politische Reife des dentschen Volkes ganz erheblich. Uebrigens haben die um Plötz, kaum daß sie ihr Spiel recht kräftig beginueu wollen, bereits eine bösartige Ab- sage von einer Seite erfahren, von der sie es kaum erivartet hätten und von der es ihnen sehr wehe thnt. Zum Wesen der Demagogie gehört es ja, daß man allen Leuten alles Mögliche und Unmögliche verspricht. Und im Versprechen sind die Bnndler hübsch munter. Sie sind nicht etwa eine Juukerpartei, nein, das Wohl der Bauer» vom größestcn bis zum kleinsten liegt ihnen ain Herzen, und auch den Tagelöhner und Laudarbeiter schließen sie an ihr terz; dazu noch die städtische Bevölkernug, alle„produktiven tände", insbesondere den„Mittelstand", die Handwerker. Sie rühmen sich mit besonderem Stolz, Mittelstandsretter zu sein. Doch sobald eS gilt, von den schillernden Phrasen zu Thaten oder auch uur zu klaren Grundsätzen überzugehen, so zeigt sich sofort die Lächerlichkeit des ganzen Bündler-„Pro- gramms". Man kann nicht zweien Herren zugleich dienen, ge- schweige vielen; selbst die affenartig behenden Jünger des Herrn v. Plötz können das nicht. So hatten denn die Bnndler, da es den Bauern also gefällt, dem länd- l i ch e n Genossenschaftswesen das Wort geredet— die Genossenschaften der Arbeiter werden natürlich heftig be- kämpft!—, damit aber haben sie die Jnnungskrauter gekränkt. Diese lesen daher in der„Deutschen Handwerker- Zeitung" den ausdringlichen Gesellen mit urwüchsiger Grobheit den Text: „Das Manöver der Herren Bündler wird dem wirklichen Kenner der Verhällnisse nicht einen Augenblick die wahren Ziele der Agrarier verdunkeln können. Ob der Bund der Landivirthe selbst senen Beschluß des Dresdener landwirthschastlichen Genossen- schaftoTageS(Empfehlung der Müllerei- und Bäckerei-Genoffen- schafie») inspirirt hat, darauf kommt es garnicht an. Das Organ der Herren Plötz und Genosse» hat bereits-vor mehr als Jahres- frist die Errichtung einer ivestdenlschen landivirthschaftlichen Brot- erzenglings-Genossenschast(ivcnn wir nicht irren) förmlich zur Nachahmung empfohlen, die Vereinigung mecklenburgischer Land- wirlhe hat in Berlin Läden mit Fleischivaaren errichtet u. s. w. — kurzum der Miltelstand. d a s g e» a r r t e H a n d w e r k. hat durch den erregten dicken Nebel hindurch deutlich erkannt, daß die Phrasen der Herreu Bündler eben zu nichts weiter diene», wie den„einseitigsten Raub- bau" vertuschen zu helfen. In der Praxis selbst- verständlich— ans dem Papier und in Worten„darf die be- rechligte Selbsthilfe nur so weit gehen, als dadurch die ander» berechtigten Erwerbs- und Gewerbs- Zweige nicht geschädigt werden". Wirklich nicht übel, denn so viel Worte so viel Mumpitz. Demnach sind Müller, Bäcker, Fleischer, und nach einem ganz kürzlich im„Landwirth" erschienenen und vom„Leipz. Tagebl." schwächlich vertheidigten Artikel auch Dachdecker keine berechtigten Erwerbs- beziehungsweise Gewerbs- Zweige. Und das wagen Leute aufzutischen, welche die Brennerei- Liebesgabe einsacken, das Geschenk der Grund- steuer erhielten, die einträglichsten Stellen im Staats- wie Heeresdienst für sich und ihre Nepoten beschlagnahmt sehen möchten, und was dergleichen schöne Dinge mehr sind. Aber wir wolle» den Herren die Wege weise». Mögen sie sich die Taschen voll- sacken, so viel sie können— ihreTiraden über i h r Eintreten für daS Wohl des Mittelstandes aber sind nichts als läng st durchschallte Manöver.— Man ist ja dort jetzt daran, eine Zeitung für den Mittelstand— d. h. also, man hält den abgelagerten B o ck m i st der„Deutschen Tageszeitung" für den dnmmen Handwerker gerade ausreichend. um diese im Nebel erhalten zu können— herauszugebe». Nur die Männer, die ihren im Handwerkerstand bekannlen ehrlichen Name» dazu hergeben, die„Plattenzeitung für den Mittel stand" schmackhaft zu inachen, die hat man noch nicht gefunden. Nach denen wird noch eifrig gefahndet. Nun, auch die Platten zeitung für den Mittelstand wird, gerade so ivie das bündlerische Hauptblatt, im Handwerkerstände keinen Schaden anrichten, denn der weiß zur genüge, woran er ist." Wie mag diese Ohrfeige den edlen Bündlern schmecken? Mit der„Partei der Zukunft" scheint es also vorläufig noch recht faul auszusehen! Wie mag diese Ohrfeige den edlen Bündlern schniecken? Mit der„Partei der Zukunft" fcheiut es also vorläufig noch recht.saul auszusehen! politische Aebeeficht. Berlin. 15. September. Gegen das persönliche Regiment eifert bekanntlich auch die Fortschrittspartei. Was müssen wir aber von dem Ernst dieses Eifers denken, wenn ivir sehen, daß die Fortschrittspreffe vor dem persönlichen Regiment fortwährend tiefe Bücklinge macht und die ihm zn gruud liegende An- schauung, daß die Person eines Fürsten mit übermenschlichen Eigenschaften ausgestattet sei, selber kultivirt? Finden wir da zum Beispiel in der„Vossischen Ztg." von heute einen „eigenen Drahtbericht", der in großer zum theil durchschossener Schrift den Lesern die erstaunliche Nachricht mittheilt, daß die Besserung der Beziehungen zwischen England und Deutschland wesentlich der Einwirkung des Königs Umberto in Homburg zuzuschreiben sei. Und weiter wird verkündet, der Prinz von Wales(der in Homburg war) habe es übernommen, in Italien eine Verständigung Italiens und Englands bezüglich der „Afrika-Politik" herbeizuführen. Abgesehen von der Bcdientenhaftigkeit dieser Mittheilung ist es geradezu unbegreiflich, wie ein ernsthaftes Blatt seinen Lesern solchen Blödsinn auftischen kann. Weiß die Tante Voß denn nicht, daß der Prinz von Wales auf alle Politik pfeift, außer ans solche, die ihm Gold, viel Gold in die boden losen Spieler-Taschen bringt? Und weiß sie, die für englischen Parlamentarismus schwärnlende, denn nicht, daß der Prinz von Wales, auch w e n n er auf die Politik nicht pfiffe, in der Politik, wenigstens in der englischen,„nichts zu sagen" hat? Aber lassen wir das und betrachten wir blos die kindische Auffassung, der König von Italien habe durch sein persönliches Auf- und Eintreten bei einem internationalen Fürstenkoinmers „eine Besserung der Beziehungen zwischen Deutschland und Eng laud" herbeigeführt. Was war denn dazu bessern? Daß unsere § linker und gewisse Polizcipolitiker und reaktionäre Utopisten auf ngland nicht gut zn sprechen sind, ist eine alte Geschichte. Allein was hat das mit den Beziehungen der beiden Länder zu thun? Gerade so viel wie das Husten eines Flohs oder unsertwegen auch einer ganzen Kompagnie von Kasernenflöhen. Ist der Zorn unserer Reaktionäre nicht absolut ohnmächtig' Ist die Möglichkeit eines Konflikts überhaupt vorhanden, auch wenn der Wille vorhanden wäre? Sind unsere Englandfreffer, angenommen, sie hätten das Heft in der Hand, im stände, eine Armee gegen England zn schicken? Auch nur einen Soldaten? Mit recht lacht die„Saturday Review" über das chauvinistische Geschimpfe unserer Englandfresser und belehrt sie, daß L Tage nach der Kriegserklärung kein deutsches Schiff mehr auf dem Meer schwämme. Was hat unter derartigen Verhältnissen das ganze Gerede von guten oder schlechten Be- ziehungen zwischen England und Deutschland für einen Sinn? Was in der Politik nicht möglich ist, kann ivohl einen Kannegießer beschäftigen, nicht aber einen Politiker. Und zn- mal den armen König Umberto soll die„Bossische Zeitung" doch ja ans dem Spiel lassen. Er hat mit seinen eigenen �Beziehungen': d. h. den Beziehungen zwischen der Dynastie Savoyen und dem italienischen Staat gerade genug zu thun.— Die sächsische» Wahle» sind, wie den Lesern bekannt, jetzt ausgeschrieben, und in weniger als vierzehn Tagen findet der entscheidende Kampf statt: die Wahl der Wahl- männer. Das neue sächsische Wahlgesetz ist— nach dem Muster des preußischen Landtags- Wahlgesetzes— ausdrücklich und offenbar in der Absicht entworfen worden, die Sozialdemokratie auszuschließen und der Wählermasse, die in die dritte Klasse geworfen und durch die zwei ersten Klassen überstimmt wird, ein Scheinwahlrecht zu geben, das in Wirklichkeit kein Recht ist. Unsere sächsischen Genossen haben mit großer Mehrheit sich für Auf nah in e des Kampfes auch unter diesen Bedingungen entschieden. Und sie haben recht gehabt. In jedem Falle mußte die praktische Probe aufs Exempel gemacht und der thatsächliche Beweis, was diese Nachäffniig„des elendesten aller Wahlgesetze" in Wirklichkeit werth ist, vor aller Welt erbracht werden. Mit Freuden sehen wir, daß unsere sächsischen Freunde durch die Bekamitgabe des Wahltermins wie durch ein Schlachtsignal zu reger und begeisterter Thätigkeit angespornt worden sind. Sie haben eine harte Arbeit vor sich. Es ist nicht leicht, den Ekel der Massen vor einem Wahlgesetz zu überwinden, das die direkte Bekundung des Volkswillens verbietet und der Stimme des Wählers aus deni arbeitenden Volk weit weniger Gewicht giebt, als der des Reichen. Aber der Handschuh i st aufgehoben— der Kampf muß aus- g e k ä m p f t w e r d e n. Das neue verschlechterte Wahlgesetz hat für die dritte Klasse keinen Zensus— jeder Arbeiter, der sächsischer Staats- bürger ist, hat das Recht, in der dritten Klasse zu wählen, und zwar in geheimer Wahl. So haben wir eine treffliche Gelegenheit, in den Landtagsmahl- Kreisen, wo gewählt wird— d. h. in einem Drittel der Ge- sammtheit— eine Heerschau abzuhalten, die Stimmen d e r U n s r i g e n zu zählen und die gegne« rischen Wahlmänner aus der dritten Klasse hinauszuwerfen, auf daß die Abgeordneten von vornherein als Vertreter nicht des Volks, sondern nur der Besitzenden und Neichen gebrand- markt werden. Die Gelegenheit muß benutzt werden. Alle Bedenken haben zn schweigen, eS heißt: kämpfen. Es ist ein schwerer Kampf. Unsere sächsischen Genossen werden jedoch die Schivierigkeiten, die im Wege stehen, zu über- winden wissen; und die erste Wahl unter dem„Angstprodukt der sächsischen Reaktion" wird— wir bezweifeln es nicht—, sei das Endcrgebniß, welches es wolle, ein Triumph sein der Sozialdemokratie. Glückaus den sächsischen Parteigenossen! AnS Jndic». Die Engländer haben an der Nordivestgrenze einen sehr Harle» Stand— das wird von der englischen Press« rückhaltlos zugegeben. Die Regierung Indiens hatte inouientan den Kopf offenbar verloren. Sie fürchtete den Bruch mit dein Einir von Aighanistan und glaubte, verinittelst goldener Schlüssel die Press« sich wieder öffnen zn können. Der Vormarsch der Truppen wurde so unterbrochen. Die Bergvölker machten sich dies zu Nutz und einige englische Vorwerke gingen verloren. Jetzt scheinen die Engländer aber kräftig vorzugehen. Die neueste Depesche lautet: Simla. IS. September. Der Polizeiposten Sarhargarti in den Saniana-Bergen, der kürzlich vom Feinde erobert wurde, ist von der Kolonne des Generals Acatnian Biggs wieder erstürmt worden. Der Feind ist aus den Forts Lockharl und Gulistan ver- trieben und von der euglischen Artillerie zersprengt worden. Das sind Erfolge, die jedoch nicht überschätzt werden dürfen. Die Zahl der Ausständischen wird auf 30—40 000 geschätzt; sie sind tapfer und wohlbewaffnet— wenn auch nicht mit Gewehren neuester Konstruktion— und sie haben das für den Gebirgskrieg gegen Truppen g ü n st i g st e Terrain der Welt.— Deutsches Reich. — Ein merkwürdiges Dementi veröffentlicht die „Nordd. Allg. Zeitung" an auffallender Stelle und in anssallender Schrift: „Vor kurzem ging die Mittheilnng durch die Presse, Se. Maj. der Kaiser habe bei einem Besuche des industriellen Werkes Lauchhammer mit bezng auf seine russische Reise geäußert: „ D o r t h a b e n w i r n a ch m« i n e r N e b e r z e n g n n g die Sahne abgeschöpft." Wie wir von zuverlässiger Stelle erfahren, hat der Kaiser eine d e r a r t i g e A e n ß e r n n g niemals g e t h a Ii." Warum dieses Dementi so spät kommt??-- — In den U e b e r s ch w e m m n n g s g e b i e t e ii säet die engherzige Finanzpolitik eine Drachensaat. Immer allgemeiner wird die Unzufriedenheit darüber, daß die preußische Regierung sich auf lächerlich geringfügige Geldspenden gegenüber dem namenlosen Elend beschränkt hat. Wie groß diese Erbitterung sei» muß, geht schon daraus hervor, daß„National-Zeitung" und„Deutsche Tages- Zeitnng" auS diesem Anlasse in schärfster Weise die Regierung an» greisen.— — Gegen den drohenden HeringSzokl haben wir il»S selbstverständlich geivandt. Weit über die sozialdemokratischen Kreise hinaus geht die Entrüstung über diesen neuesten Plan, eines der wichtigsten Voltsnahrnngsmittel. vertheuern zn lassen. Jetzt scheint man auf einem Umwege den Zoll für einen Theil der bisher zollfreien Heringseinfnhr durch V e r w a l t u n g s- B e r o r d n u n g schaffen zn wollen. Es wird nämlich von einer Umfrage des preußischen Handels- Ministeriums berichtet, aus der sich die Absicht ergicbt, frische, leicht gesalzene Heringe fortan als gesalzene Heringe in nicht handelsmäßiger Verpackung anzusehen und dafür den Zoll von SM. für den Doppelzentner zn erheben. Wenn die Regierung beabsichtigen wurde, ihren Gegnern die Wahlagitation nach Krästen zu erleichtern, könnte sie nicht rasfinirter vorgehen.— — Die Berufung von Julius Wolf. Der„Berliner Korrespondenz" zufolge ist der bisherige ordentliche Professor an der Universität Zürich, Dr. Julius Wolf, zum ordentlichen Pro- sessor in der philosophischen Fakultät der Universigt Greifswald er- tiomit il»d in gleicher Eigenschaft in die philosophische Fakultät der Universität Breslau versetzt worden. Tie ossiziöse Korrespondenz bestätigt blos eine von UNZ vor vielen Wochen gebrachte Meldung.— — Eise»bahn»Unfälle ohne Endel Nns Stendal wird amtlich gemeldet:.Diese Nacht kurz nach 1 Uhr ist der Eil» giiterzug 841 ans den vor hiesigem Bahnhof Haldenden Güterzug 883 aufgefahren. Vom Zuge 863 ist ein Packivagen mit einer Ülchse entgleist; ei» beladener»nd zwei leere Wagen sind zertrümmert, drei Wagen entgleist und unerheblich beschädigt. Boin Zuge 841 ist die Maschine mit einer Achse entgleist und dieselbe sowie der Packwagen beschädigt. Der Schlußbremser des Zuges 863 ist schwer verletzt. Berkehr findet statt durch Umleitung der Züge bezw. Umsteigen der Reisenden. Die Sperrung der Strecke Stendal» Uelzen ist 10 Uhr vor- mittags behoben. Der Unfall ist veranlaßt durch den Blockivärter der Strecke Stendal-Uelzen in Bude 2, welcher Fahrt für Zug 341 gab, ohne Rückmeldung des Zuges 863 von Stendal abzuwarten. Derselbe war»ach vorausgegangener zwölfstiindiger genügender Ruhe sieben Stunden im Dienst." Der Schlusjsatz der amtlichen Miltheilung zeigt, wie beflissen die Behörde ist, die Schuld an den Unfällen auf die Unterbeamten abznwälze». Wir sind zcdoch nach den Borkommifsen der letzten Zeit gegen die Entschuldignugsverfuche der Eisenbahn- Verwaltungen zu mißtrauisch geworden, als daß wir»ns mit dieser amtlichen Er- klärung ohne weiteres abfinden lassen köuuten.— — Eine Versammlung höherer Postbeamten findet/ wie der„Zlölnischen Zeitung" gemeldet wird, in den nächsten Tagen zur Berathung schwebender Fragen in Berlin statt.—- — Sei der gestrigen Ersatzwahl im Reichstags- Wahlkreise Keinnath- Neustadt a. d. Waldnaab sind,>vie die.Am- berger Volkszeilung" meldet, bis gestern Abend für Dr. Heim (Zentr.) 6681 und für S red er(Sozialdeiu.) 783 Stimmen gezählt worden. Das ist noch nicht das endgiltige Resultat. Bei der l3S3er Wahl erhielt der Zentrumskandidat 73IS und der Sozialdemokrat 1636 Stimmen. Ein nationalliberaler Kandidat hatte 1741 Stimmen.--- — Die Nationalliberale» in Preußen flehen mit den Konservativen noch auf recht gespanntem Fuße. Für den erledigten Landtags-Wahlkrcis Halberstadt-Oschersleben-Wernigerode hat die konservative Partei dem»atioualliberalen Wahlverein den Borschlag gemacht, das Mandat einem Konservative» zu überlasse», wogegen die konservative Partei angeblich bei der nächstjährigen Reichstags- wähl auf Ausstellung eigener Kandidaten verzichten und den national- liberale» nutersttttzen wolle. Der nationaltiberale Wahlverein hat jedoch dieses Anerbieten einstimmig abgelehnt. Die„Magd. Ztg." bemerkt dazu:„Mit Rücksicht auf die jetzige politische Lage wird der obige Beschluß der Nalionallibcralen gewiß bei allen liberalen Wahl- männern vollste Znstmnninig finden." Feststellen möchte» wir bei der Gelegenheit, daß hier die Vereins- vorstände der beiden hervorragendsten„Ordi»lng§"-Parteien ungenirt mit einander in Verbindung getreten find. Das sollten mal sozialdemokratische Vereine riskiren!— — Bismarck fährt fort, die Konservativen zu ärger». Er nimmt nicht nur nichts zurück von den scharfen Worten, die er ihnen gesagt hat, sonder» läßt in den„Hamb. Nachr." an der Hand einer seiner Reden vom Jahre 1891 zeige», daß er schon damals genau so über die Junker- und Landrathspartei gedacht habe. Die „Kreuz-Zeitnng" wiederholt daraufhin ihre Verehrnngsbethenernnge» gegenüber dem Ex-Ka»zler, hält aber die„verletzende Kritik" nicht für gerechtfertigt.— — K a t h o l i z i s in n S und P r o t e st a n t i S in n S. DaS „Verordnungsblatt für die evangelische Kirche deS Großherzogthuins Hessen" veröffentlicht ein Ausschreiben des grobherzoglichen Oberkonsistorinins an die evangelischen Pfarr- ämter. Es heißt darin mit bezug ans das bevorstehende Re- formationsfest: „Papst Leo XIII. hat ans Anlaß des CanisiuS-JubilänmS ein Rundschreiben an die Erzbischöfe und Bischöfe Deutschlands, Oester- reichs und der Schweiz erlassen, in welchem er die Reformation und die Reformntore» in einer Weise verunglimpft, wie es in solchen amtlich an die Katholiken Deutschlands gerichteten Veröffentlichungen wohl noch nicht geschehen ist. Er läßt in demselben Luther „zuerst die Fahne des Aufruhrs erheben", spricht von einer durch„den Jrrthnm", das heißt dem Znsammenhang nach: die reformatorische Lehre, eingetretenen Steigerung der Sittenverderbniß „bis zum äußersten" und von einem„nuheilvollen Gifte", das sich fast durch alle deutsche« Länder verbreitet habe u. s.>v. Gegen ein solches Vorgehen, das wir Evangelische als eine Beschimpsuiig empfinden, und ans dein sicherlich nur unheilvolle Früchte entsprießen werden, fühlen wir»ns als berufene Hüter des Rechtes der evan- gelischen Kirche in unserem Lande gedrungen, hierdurch ein öffent- liches Zengniß abzulegen, und dies um so mehr, als wir wissen. daß die gegen die Reformation und damit auch gegen die Kirche der Reformation gerichtete» Beschuldigungen ungerecht und voll- ständig unbegründet sind." Wie daS Geschimpfe der beiden Konfessionen gegen einander sich mit der christlichen Lieb« zusammenreimt, überlassen wir den katholischen und evangelischen Theologen zur Beurtheilung. Erfreulicherweise kümmert sich die große Zahl der heutigen Mafien um das alte Kircheugezänk nicht uiehr.— — Die„Deutsche Tageszeitung' entrüstet sich darüber, daß jemand, der in der Nothwehr das Messer gebraucht hat, vom Leipziger Landgericht freigesprochen worden ist. Das Blatt fügt dieser Miltheilung hinzu: „Der Gebranch des Messers sollte nicht nur von der öffentlichen Meinung, sonder» auch von den GerichISsprüchen alseine viehische R o h h e i t deutlich und allgemein gebraudwarkt werde». Wir halte» nach wie vor die Hnmanitälsdnselei solchen Bursche» gegenüber für einen Unfug und die Prügelstrafe für die angemessenste Ahndung in vielen, wenn nicht den meisten Fällen." Wir erinnern uns nicht, daß die Bündlerzeitung jemals ähnliche moralische Entrüstung gegenüber den Duellanten gezeigt hätte, die mit klarem Bewußtsein, also mindestens ebenso„viehisch roh" wie der Messerheld Menschenleben vernichten.— — Manöver-Genüsse. Wie der Gerrnersheliner„General- Anzeiger" meldet, sind vom 17. bayerischen Jnfanlerie-Regiment während der„Kaisermanöver" 17 2 Mann in das Germersheimer Garnisonlazareth tiberführt worden. Wenn diese Nachricht ans Wahrheit beruht, so zeigt sie, daß die Truppenführer noch bei weitem mehr Obacht auf die Erhaltung der Gesundheit der Soldaten für die Zukunft gebe» müssen. Der- artige Mafienerkranknngen sind denn doch wohl die heurigen Prunk- manöver nicht werlh.— — Ans Elmshorn wird berichtet: Der Regierungspräsident zu Schleswig hat den Rücktritt des Bürgermeisters T h o in s e n, der wegen seiner Streitigkeiten mit dein Amtsrichter v. Kölker bekannt geworden ist, von seinem Posten unter den von den städtischen Kollegien beschlossenen Bedingungen genehmigt. (Volles'Gehalt bis Schluß dieses Jahres, vom 1. Januar>893 ab jährlich 2250 M. Pension.) Nach unserer Auffassung hätte der würdige Herr Bürgermeister etwas anderes verdient als diese gnädige Abschiebung.— — Für die sächsischen Landtags wählen haben die Parteien ihren Anfmarfch nunmehr vollzogen. Der Klüngel des alten Kartells hält auch bei dieser Wahl ziemlich zusammen. Die antisemitischen Reformer sind im Kartell nicht eingeschlossen, und sie versuchen in sieben Wahlkreisen durch Sonder-Kandidaturen ihr Glück, indem sie die Geschlossenheit der„Ordnungsparteien" zu sprengen suchen. Die freisinnige Volkspartei, welche vor kurzer Zeit noch mit stolzen Worten von ihrem Wahlfeldzuge sprach, hat ei bis jetzt zu einem einzigen Kandidaten gebracht, und zwar in Plauen (23. städtischer Wahlkreis), wo dem bisherigon nationalliberalen Fabrikbesitzer Kellner der freisinnige Kaufmann Günther entgegen- gestellt wurde. Vom sächsische» Kammersortschritte kandidire» zwei i Angehörige, unterstützt vom Kartell; merkwürdigerweise hat aber im 9. ländliche» Kreise dem fortschrittliche» der Bund der Land- wirthe einen eigene» Kandidaten gegenübergestellt. Ter Kandidat des bisher fortschrittlich vertretenen 7. ländlichen Kreises hat seine künftige Parteistellung noch nicht erklärt. Zlnßerdem bestehe» noch 18 konservative Kandidaturen. Ueder die Thätigkeit unserer Partei- genoffen berichteten wir schon mehrfach.— Dresden, 13. September.(Eig. Ber.) Eine Konferenz über die E ii t s ch ä d i g u n g s f r a g e der vom Hochwasser Geschädigten, an welcher einige Geineindevorstände, Minister und Landtags- Ab- geordnete(nur„ordnnngs'parteiliche!) theikiahmen, hat kürzlich hier unter Ausschluß der O e f f e n t l ich k e i t getagt. Daß man über Dinge, welche daS ganze sächsische Volk interessireii. solche Ge- hcimnißkrämerei treibt, ist recht bezeichnend. Man scheint aber doch endlich einznseheii, daß es ohne energische staatliche Unter- slütziing nicht abgehen wird. Selbst der bekannte Hofrath Mehnert wies darauf hin, daß die zweite Kammer d«S Landtags wahrscheinlich nachträglich noch 10— 15 Millionen von der Regierung verlangen würde zu Unterstützungszwecken. Warum beruft man aber den Landtag nicht ein?! Wie kann die Re- gieriing unter solchen Unistäudeii erklären, daß dies nicht noihwendig sei, wenn diese Nothwendigkeil jetzt selbst von den regierungsfrelind- lichen Abgeordnete» indirekt zugestaiideii wird. Man befolgt aber die alte Methode: alle Anregungen, die von Sozialdemokraten aus- gehen, werden ignorirt,»lögen sie noch so ziveckentsprechend sein.— Noch ein echt sächsisches Vorkoniimiiß habe ich zu berichten. In der benachbarte» Dorfgeineindc Cotta hat der Gemeinderath vor kurzem beschlossen— gegen die Slüumcn der sozialistischen Vcr- tretet natürlich— die Schutzleute mit Revolvern und Guiiiiiii- schläuchen zu bewaffnen. I» diesem Punkte war man uns aller- dingS in Preußen bis jetzt noch„über". Auch vermehrt Hai man in dieser Gemeinde die Schntziiiannschast. lind warum? Weil jetzt so viel Czecheu hier sind und diese angeblich der Polizei so furchtbar viel zu schaffen machen. Und um den Faden weiter zu spinne», warum mehren sich die Czechen- Skandale jetzt so? Weil diese Leute von der bürgerlichen Presse direkt provozirt und die deutschen Arbeiter auf ihre böhmischen Arbeitsbrüder gehetzt werden! So ist es nicht nur hier, sondern überall in Sachsen. Dabei vergehl fast kein Tag, wo nicht ausländische Arbeiter iniportirt werde», da man ausnahmsweise viel Arbeitskräste an den Bahnbanlen der durch Hochwasser beschäviglen Strecken gebraucht. Erst werden die Lenle unter den süßesten Versprechungen hereingelockt nach Sachsen, wenn sie da sind, werden sie verhölntt und beschimpft, und wenn dann diese Arbeiter, die ja wohl auch Mensche» sind, sich dagegen— viel- leicht manchmal in einer elwas urwüchsigen Weise, wie es in ihrem Naturell liegt— wehreu, schlägt man sie einfach nieder. Das ist „orduuiigs"brüderliche Konsequenz! — Duellchronik. In Gießen fand am Mittwoch Vor- mittag ein Duell auf Pistolen statt. Einer der Gegner soll schwer verletzt sein.— — Chronik de rMajestätSbeleidignngs- Prozesse. Das beschlagnahmte Flugblatt:„An die Mitbürger n»d Wühler im Wahlkreise Frankfurt", welches nnch Ansicht der Slaatsamvall- schast eine Majestätsbcleivigniig ciilhalten sollte, ist nun, nachdem durch Gerichtsbeschluß, wie berciis niilgetheilr, die Eröffnung des Haiiptversahrens gegen den Verfasser und Heransgeber, sowie den Drucker, die Genossen Wilhelm und Benno Schmidt, abgelehnt wurde, durch einen weiteren Beschluß des Frankfurter Landgerichts vom 8. September aus Antrag des Staatsanwalts wieder s r.e i g e g e b e n worden.— — Nach weiteren Nachrichten au« Neu- Guinea war der Mörder des stellvertretenden Landeshauptmanns v. Hagen ein flüchtiger eingeborener Sträfling, der bei seiner Verfolgung durch v. Hagen diesen erschoß.— Oesterreich. Wien, 14 September. Die liberalen G e in e i n d e r ä t h e, welche mehrere Monate den Eitziiiigen des Gemeinderalhes fern ge- blieben waren, nähme» heute zum ersten Male wieder an der Sitzung theil. Auf eine Anfrage der liberale» Gemeinderälhe über die von den Zeitungen(auch von uns) gemeldete Entlassung provisorischer Unterlehrer erklärte Bürgermeister Dr. Lueger die Meldung für richtig. Di« Entlassung sei erfolgt, weil der Bezirks-Schulrath als staatliche Schulbehörde nicht zugeben könne, daß christliche Kinder von r e l i g i o n s-, st a a t s- und n a t i o n a l s e i n d- lichen Lehrern unterrichtet werden.— Laibach, 14. September. Am heutigen von etwa 1700 Tele- girten ans Oesterreich. Kroatien, Slovenien und Dalmaticn besuchte» A l l g e m e i n e» S l o v e n e» k o n g r e ß nahmen auch czechische und rnihenische Abgeordnele theil. DerJuiigczeche Slransly sagte, der deutschen G e m e i n b n r g s ch a f l müsse die s l o v« n i s ch e Liga entgegengestellt werden. Der Stnthenensührer Bar- winSli begrüßte die Versammlung in rulheuischer Sprache. Es sprachen noch zahlreiche Abgeordnete, die über die Sticht berück- s i ch t i g n n g der S l o v e n e n klagten und die bekannten Forde- rnngen der Slovene» wiedecholten. Der Kongreß nahm solgeude» Beschluß an: Der Südslavenklnb billigt die Hallung der südslnvischen Abgeordneten im Slbgeordnetenhanse und fordert sie ans, in der Mehrheit zu verbleiben, so lange ihr Programm von der Mehrheit unterstützt wird. Ferner wurde» n. a. Rcsolntione» angenommen, in welchen die Durchführung vollständiger Gleichbcrechlignng in Amt. Schule, Verwaltniig, Laudesvertretuiig u. s. w. gefordert wird. Nugarn. Budapest, 15. September.(Privat-Depesche deS„Vorwärts".) Gegenüber den von antisemitischer Seite anfgebrachlen und niigeheuer anfgebanschleu G-nichien von geplanten sozialdemokratischen Demonstrationen anläßlich der Aiikuiisl Kaiser Wilhelms II. nach Budapest läßt die hier ihren Sitz habende Leitung der»ngarläiidische» sozialdemokratischen Partei erkläre», daß diese Gcrüchte nichts anderes als müßige Kombinationen sind, daß sie ernste Beslrebuiigc» verfolge und mit der Vorbereitung von Straßen-Skandalen nichts zu thun habe.— Budapest, 15. September. Am Tage vor der Ankiinft des deutschen Kaiser? findet eine große sozialdeiiivkratische Demonstration für das allgeineine Wahlrecht statt. Dieselbe wird in einem Umzüge durch die Stadl und in einer Volksversammlung im Bndapester Stadtwäldchen(ein großer Garte» wie der Berliner Thiergarten) bestehen. Budapest, 15. Sept. Der Notbstand im Torontaler Komitat ist infolge der diesjährigen schlechten Ernte ein ganz enormer. In der Komilatssttzung berichtete der Fiuanzdirektor, daß die rückständigen Steuern der Bauer» sich ans 3 130 000 Gulden belaufen. Die Exekutionen wurde» wegen der verzweifelten Lage der Bauern ein- gestellt. Schtveiz. Bern, 14. September. Der Bundesratb beantragte bei der Eisenbahn- Rückkaufs- Kommisston des Nationalrathes die nnver- änderte Annahme des Beschluffes des Ständerathes, welcher von dem Bund die Förderung des Baues einer Alpen bahn in der östlichen Schweiz verlangt. Dagegen wünscht der Bundesrath die Anregung zur Unterstützung der Granbüiidener Thalbahnen und der Nickenbahn(einer Verbindungslinie zwischen St. Gallen und dem St. Gotthard) nicht in dem Rückkaufsgesetz auf- genommen zu sehen. Er beantragte, die Nebenbahnen nicht in die Verstaatlichnngs-Aktion mit einznbegreisen, sondern die Anregung, im Rückkaussgesetz die Ausführung oder die Siibventionirnng weilerer nornialspuriger Nebenbahnen zuzusichern, abzulehnen. Der Bimdesrath beantragt ferner die Annahme des Artikels betreffend die Zusicherung des S i m p l o n- D n r ch st i ch e s in der vom Ständeralh beschlossenen Fassung. Auch einigen von der Kommission in Aussicht genommenen Abänderungen in der Organisation der Verwaltung der Bundesbahnen stimmt derselbe zn. beantragt jedoch die Ablehnung der auf Dezentralisation hinzielenden Anträge vo» Curti-Et. Gallen und Schobinger-Luzern.— Frattkrcich. Paris, 14. Seplember. Einer Meldung deS„Journal des Döbars" zufolge entschied die Anklagekaiiimer entsprechend den All- trägen der Staatsanivaltschaft, die Angelegenheit der nenn in der Arton-Affäre beschuldigten gegenivärligen und frühere» Depulirle» vor das Schwurgericht zu verweise».— Paris, 14. Sept.(Eig. Bericht.) Die Regierung bereitet sich frühzeitig für die Kamnierwahlen vor. DaS ist der Sinn der wichtige» Aenderungen im Präfekien-Personal, welche im gestrigen Ministerrath beschlossen wurden. Die Liste der Abberufungen, Ver- setznnge», Beförderungen und Ernennungen umfaßt nicht weniger alS 128 Namen vo» Präfeklen, Generalsekretären der Präfektur und Unter- präfekten, und das trotzdem der Polizeiminister Barthon bereits wiederholt das Präfektenpersonal durcheinander geschüttelt hat. Nun ist der ganze Polizeimechanismns nach den Wünschen der Klerikalen und Monarchisten umgestaltet. Die paar Präfekten, welche ans aller Gewohnheit oder ans Sliicksicht ans eine Ministerkrise die Begünstigung der Monarchisten ans Kosten der regiernngssnhigcn Radi- kalen nicht mit vollem Herzen betrieben haben, sind ausrangirt und die für die Wahlmache wichtigsten Aemter der Unterpräfekteu mit einer langen Reihe neuer Kreaturen nach dem Ebenbild der Herren Barthon und Melius besetzt worden. Selbst der„Figaro", das ossizivse monarchistisch-klerikale Bonlevard-Blatt, welches wochenlang gedieterisch eine gründliche„Sänbernng" des Beainlcnpersonals forderte, ist nun zufrieden. DaS Polizeigehirn der Staatsmänner vom„Figaro" erwartet Wniiderivirkiingeii vom amtlichen Wahldruck. In der B r o t s r a g e beharrt Meline nicht nur aus seinen Getreidezöllen, sondern er verhindert auch den Pariser Genicinderalh an einer wirksamen Lindernng der Brot- lhenerüng in der Hauptstadt. Die vom Gemeinderalh verlangte Einberufung einer anßerordenlttchen Session zu diesem Zwecke wurde abgelehnt. Der Brotverlheuerer hat sich darauf beschränkt, dle Verabfolgung eines Extra-Almosens von 200 000 Fr. ans den Mitteln der Pariser öffentlichen Wohlihätigkeits- Kasse zu gestatten. Die Pariser arbeitende Bevölkerung, die nun einmal u»- verbefferlich sozialistisch oder radikal wählt, braucht ja nicht geschont zu werden.— — lieber die französischen. Anarchisten" schreibt der Pariser Korrespondent der„Krenzzeitnng": „Die französischen Anarchisten, die in verschiedene Gruppen zerfallen, nähern sich sichtlich den Sozialisten. Zibar nicht den Kollektivisleu, die ihre Entfernung aus dem Londoner Kongreß durchsetzten, aber den Blanquisten, denen ihre UuUrstützimg bei den allgemeinen Wahlen hochivillkominen ist. Der Vorgang ist insofern ein erfreulicher, als er zeigt, daß die Propaganda durch die That, der Ersatz des Stimmzettels durch das Dynamit unter dem Druck der ihnen entschieden feindlichen öffentlichen Meinung die Bedeutung verloren haben, welche sie in den Augen der allen anarchistischen Garde eines Sieclns. einer Luis« Michel re. hallen. Ei» beredter Beweis für die Richtigkeit dieser Beobachtung ist es, daß die der Gaunersprache entlehnte» Namen, welche sich die einzelnen anarchistischen Gruppen beigelegt hatten, wie „Panther",„die Unbezivungenen",„die Rächer Navachols" in der Versenkung verschwunden und durch zahmere Namen wie„Liber- taire",„Antteiaenlhümcr".„Jkouoklasten" und„Naluriens" ersetzt worden sind. Der verhällnißmäßig gemäßigte„Liberlaire", das Organ von Sebasiien Fan«, dem unermüdlichen anarchistische» Wandcrprediger, der in dein Jammerihal der gegeuwärligen Gesellschaftsordnung mit seine» Reden ein erfreulich regelmäßiges Jahreseiiikomme» von 80 000 Franken erzielt, hat den wulh- und blntschnanbenden„Pöre Peinard" ausgestochen und ist daS Haupt- orga» einer Partei geworden, welche ihre Ziele mehr und mehr ans gesetzlichen Wegen zu erreichen trachtet." So der Korrespondent der„Krenz-Zeituiig", dem König Stumm nicht dankbar sein wird, daß er das grimme Polizeigespenst des Anarchismus so wenig respeklirt. UebrigenS nimmt er die Handvoll französischen„Anarchisten" immer noch zn ernst. Nach Abzug der Lockspitzel sind's lauter harmlose Leute, und deren sehr wenige.— — D e in König von S i a m hat Präsident Fan« bei Saint Qiientin die Manöverübniigen gezeigt. Bei der üblichen Frühstücks- laset brachte Fan« einen Trinkspruch ans die asiatische Majestät ans. Diese erwiderte, sie„habe sich sehr gefreut, sich von der Schlag- serligkeit»ud der Disziplin der Truppen überzeugen zn können." Der König trank sodann ans die französische Armee. Dies zeigt recht nett, was königliche Trinkspruch« bedeuten. Keine Armee hat bekanntlich dem Königreich Siam unangenehmere Stunden bereitet, keine ist ihm für die Zukunft gefährlicher als die französische. Dies hindert aber nicht, daß der höfliche Hinterindier sich über ihre Schlagfertigkeit freut und auf ihr Wohl trinkt. Enropa's Höflichkeit hat weithin Schule gemacht.— Rustland. — Der Gegensatz zwischen Russen und Polen in Rnssisch-Polen ist durch die Schmeichelversnche drS jüngsten Zaren ebenso wenig gemildert worden, wie durch die seiner Vorgänger. Wo ein so tiefer, blutgefüllter Abgrund, wie zwischen diesen zwei Völkern gähnt, da giebt es keine Versöhnung— wenigstens nicht, so lange das heutige Rußland dauert. Die Franzosen, welch« jetzt Rußland als„Alllirte" und Schmarotzer des Zaren- lhnms bereisen, hatten dieser Tage Gelegenheit, sich hier- von zu überzeugen. Wie der ultra- chauvinistischen„Palm" von einem ihrer Korrespondenten in Rußland geschrieben wird, hatte eine französische Schauspielerin am Theater von Warschau, an- gesteckt von dem Kinitcnfieber, das so viele ihrer LandSlente ergriffen hat. jüngst den miglückttchen Gedanken, auf der Bühne ei» national- russisches Lied zn singen. Die Wirkung war, daß die bis dahin sehr beliebte Künstlerin vorn Publikum die lebhafteste» Zeichen der Mißbilligung erhielt und— da sie keine Zuhörer mehr fand— ihre Rolle auigeben mußte. Das ist bezeichnend. Ob die Franzosen sich bei dieser Gelegenheit erinnern werden. daß sie einst für das„»»glückliche, unterdrückte Polen" geschwärmt haben? Odessa, 15. September. Die abesfynische Gesandtschaft unier Leontiew ist auf ihrer Reise nach Petersburg gcstern hier eiugetrossen; dieselbe überbrinat von M e n e l i k Geschenke»nd ein Schreibe» a» de» Kaiser von Rußland sowie ei» Schreiben an die Kaiserin-Wiltwe von Rußland, in welchem Menelik derselben für die Entsendung der Abtbeilung des russischen Rothe» tirenzes nach Abefiynien seinen Dank ausspricht. Diese Gesandtschaft legt einen neuen Beweis ab für die guten Beziehungen zwischen Nnßlaiid»nid dem Herrscher von Abessynien. Die russischen Bemühungen, in Ost-Ascika Einfluß zn gewinne» und ein Gegengewicht gegen England zu bilden, habe» bedeutenden Erfolg gehabt.— Griechenland. — Ans Athen berichtet der Athener Korrespondent der „Daily News", er könne bestimmt versichern, daß König Georg beabsichtige, nach Unterzeichnung des Friedens eine Kundgebung an das griechische Volk zu erlasse», durch welche die Natioiialvcrsamin- lniig aufgefordert werde, über Mittel zur Abhilfe der nnbesriedigeudeu Lage des Landes zu beralhen.— Anierika. New-Dork, 15. September. Ans kubanischer Quelle wird ge- meldet,«ine spanische Kolonne sei in die Flucht geschlagen und ein spanischer Eisenbahnzug vo» den Insurgenten ansgeplünderl worc c». Die spanischen Soldaten seien vollständig enlimilhigt und unter ihnen herrsche in hohem Grade das gelbe Fieber. Bei Eradura sei mittels Dynamit ein spanischer Militärzug zum Entgleisen gebracht worden. Die Spanier werden sich wohl mit dem Verlust der„Perle der Antillen" vertraut machen müssen.— — u e b er die Arbeiter Metzelei in Pennsyl- vanien. dem klassischen CI>iat der Arbeüermetzelcie», schreibt das JHcutei'fche Bureau weiter d. d. Hazlcton, 12. September: Eine große Anzahl Bergleute wollten gestern nach Lattimer marschiren. um ihre dortigen Kollegen zn veranlassen, sich an dem Ausstände zu bethciligen. Vor Lattimer trat ihnen der Sheriff der Grasschaft Luzerne entgegen. Er hatte eine Menge Hilsscherifis de- eidlgen lassen, die den Bergleuten der Weg versperrten. Dann forderte der Sheriff die Ankömmlinge auf, auseinander zu gehen. Die Arbeiter machten Halt, gingen aber nicht von der Stelle. Daraufhin verlas der Sheriff die Anfruhrnkte. Die meisten Berg- lente haben sie gewiß nicht verstanden. Es ist zweifelhast, ob über- Haupt einer von ihnen E n g l i s ch v e r st a n d. S i e l a u s ch t e n schweigend der Rede des Sheriff s. Als er geendigt hatte, ließ sich ein leises Murren vernehnicn. Dan» wollten sie weiler vorivärts marschiren, als ihnen der Sheriff mit Donner- stimme gebot, zurückzukehren. Einen Augenblick später erhielt der Sheriff einen Schlag.(!) Dieses war das Zeichen für die Hilss- Sheriff?, in die Menge hincinzufcuer». Die Zlusständigen waren völlig überrascht über das Vorgehen des Sheriff? und flohen nach alle» Richtungen unter Hinterlassung vieler Tobten und Ver- rvundeten. Der Sheriff muß zugeben, daß die Arbeiter sich auf der öffentlichen Landstraße befanden und sicki keinerlei Ungesetzlichkeiten schuldig machten, als er ihnen gebot. Halt zn machen. I» einer Unterredung erklärte rr, er habe überhaupt nicht den Befehl zum Schießen gegeben. Ein anderer habe es gelhan. Spuren von begangene» Gewaltthätigkeiten trägt der Sheriff nicht an seinem Körper. Ein Hilss-Sheriff aber hat einen Schuß in den Arm bekomme». Ein intelligenter«n» garischer Bergmann, der mit dabei war, sagt, daß die Ans- ständigen durch die Hilfs-Ehcriffs durchzumarschiren versucht batien. ihnen aber in keiner Weise zu nahe getreten wären. Sobald die ersten Schüsse gefallen wären. seien die Aus- ständigen geflohen. Die Hilss-Sberiffs aber fuhren fort zu schießen. Tie Handlungsweise des Sheriffs wird allgemein verurlheilt. Gestern hielten die Bürger von Hnzleton eine Volksversammlung ab und faßten Beschlüsse, in denen sie ihr Mitleid mit den ermordeten Arbcitern und deren Familten aussprachen. Zugleich verlangte» sie, daß der Sheriff und seine Hilss> Sheriffs in Anklagezustand versetzt werden. Die meiste» Ausständigen sind Ungarn und Slovaken. Der Gouverneur von Penusylvanien hat seine Reise in das Gebirge auf- gegeben. Auf Veranlassung der ungarischen Gesellschafte» ist ein Ver- baftsbefehls gegen den Sheriff und U)2 Hilfs- Sheriffs erlassen ivorden. Die Anklage leilet der Präsident der St. George-Gesellfchaft, der fast alle ermordeten Ausständigen an- gehörten. Zu den HilfS-Sheriffs gehört eine Anzahl der an- gesehendste» Bürger Hazletons. Es heißt auch, daß verschiedene von den Gemordeten und Verwundeten brutal behandelt worden fl»d. Acht Arbeiter werde» noch vermißt. Heilte Abend werden LS00 Mann Milizen und eine Batterie Artillerie in und in der Um- gegeud von Hazleton versammelt sein. Morgen wird Reiterei von Philadelphia eintreffen." Die Ermordeten flnd aber nicht wieder ins Leben zu rufen. Und nie ist ein scheußlicherer Massenmord verübt worden.— — Aus Montevideo erfahren die„Times", die dortigen Banken seien bereit, der Regierung zur Bestreitung der dringendsten Bedürfnisse ein Darlehen von dOOWX) Dollars vorzustrecken. Dasselbe solle bis zum März lööS zurückgezahlt und durch 700 000 Doll. Bonds der spezielle» Kriegsanleihe, sowie S00 000 Dollars Aktien der Nordeisenbahn sichergestellt werde». Präsident Cnestas habe angegeben, daß die Verwaltung seines Amlsvorgängers Borda einen Fehlbetrag von über 6 Millionen Dollar? hinterlassen habe, wozu noch die infolge der Revolution an die Regierung herantretenden Ansprüche zu rechnen seien.—_ 3» dem devoepkehenden Nttekettsg in Hamburg nahmen am Dienstag Abend die Parteigenossen Berlins in sechs Parteiversammlungen Stellung. Ueber die Versammlungen liegen nachstehende Berichte vor: Die Parteigenossen undGenossinnon im ersten Berliner Reichstags-WählkreiS hatten sich zahlreich in den Arminhallen versammelt. De» Bericht von der Konferenz gabTim m. In der Voraussetzung, daß die Mehrzahl der Parteigenossen der Konferenz als Zuhörer beiwohnten, andernfalls aber durch die sehr übersichtliche Darstellung der Verhandlungen im„Vorwärts" von allem Wichligen informirt sei, faßte der Berichtende nur kurz das Ergebniß der Konferenz zusammen. In der Diskussion kritisirle T ä t e r o w die geringschätzenden Aeußerungen Ledebour's über den ersten Kreis. Hierauf wurde Genoffe S ch u st e r einstimmig in die Agitations- kominission der Provinz Brandenburg wiedergewählt. Zum Hamburger Parteitag lagen folgende Anträge vor: l. Der Parteitag beaustragt die Parteileitung, gemeinsam mit der Fraktion eine geeignetere Zeit für die Tagung des Parteitages vorzusehen, um dadurch de» ländlichen, sowie den Industrie- Arbeiter» unserer Partei Gelegenheit zu geben, daran theilzunehmen; wir empfehlen die Weihnachls- oder Pfingstwoch». 2. I» anbetracht, daß in der Partei über die Handels- und Zollpolitik verschiedene Meinungen vorhanden sind, erscheint es an- gebracht, auf dem Parteitag ISSS die Frage zu behandeln: Die Stellungnahme der Sozialdemokratie zur allgemeine» Handels- und Zollpolitik. 3. Die Parteigenossen de? ersten Wahlkreises beantragen: Der Beschluß des Parteitages vom Jahre ISSl betreffs Errichtung der Berliner Preßkonnnission möge folgende Fassung erhalten: g 17a. der Organisation soll fortan lauten: Zur fortlaufenden Kontrolle des Zeutralorgans in lokaler und finanzieller Beziehung wähle» die Parteigenossen Berlins und der Vororte eine Preßkonnnission, ivelche aus höchstens 2 Mitgliedern für jeden der betheiligten Rcichstags-Wahlkreise bestehen darf. Diese Preßkommisflon hat bei allen Dingen finanzieller Natur, bei allen Anstelluugen in Redaktion und Expedition mit zu ent- scheiden. 4. Während der Wahlbewegung ist überall in eine wirksame Protest- bewegnug gegen das Dreiklassen-Wahlsystein einzutreten. ileberall, wo durch die Betheiligung der Sozialdemokratie Ein- fluß auf die Gestaltung der Wahl vorhanden ist, sind sozialdemo- kratische Wahlmänner auszustellen. Zn Autrag 1, begründet durch Genossen Seiler, nieldete sich kein Gegner; gegen eine Stimme macht« ihn die Versammlung zu dem ihrigen. Antrag 2 begründete Timm dahin, die Polemik zwischen Schippe! und ParvuS, beides Genossen, die ihren eulgegengesctzle» Standpunkt eingehend begründe», lasse darauf schließen, daß unter den Genossen über die Handels- und Zollpolitik, die auch für unsere Partei von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit sei, verschiedene Meinungen herrscheu. Es sei daher nothwendig, daß sich der Parteitag 1398 mit der Frage eingehend befassen müsse. Gegner zu diesem Antrage fanden sich nicht, die Versammlung nahm denselben gegen eine Stimme an. Zu Antrag 3 begründeten S o y k a und T i m m den Standpunkt der Preßkonnnission, worauf derselbe gegen eine Stimme die Zustimmung der Versau»»- lung fand. Antrag 4 rief noch einmal eine rege Debatte über die Art und Weise der Betheiligung an den Landtagswahten hervor. Nachdem Timm den Antrag,— ein Zusatzantrag zu der Resolution Etadlhagen— begründet hatte, wurde die Resolution Stadthagen mit dem Znsatzantrag Timm gegen einige Stimme» angenommen. Als Vertreter der Genossen des ersten Berliner Wahlkreises wurden darauf die Genosse» Arndt und Seiler nach dem Parteitag in Hamburg delegirt. I m z w e i t e n Wahlkreise fand die Berichterstattung über die Provinzialkonserenz im großen Saale der Bockbrauerei statt und war gut besucht. Das Bureau bildeten Antrick. Dochow und Ohnesorge. Der Vorsitzende Antrick bittet vor Beginn, da eine gewisse Fieberstimmnng hinsichtlich der Wahlbetheiligungsfrage eingetreten sei, die Redner möchten sich möglichst mäßigen und nicht wieder, wie am Sonnlag, in Persönlichkeiten verfallen. Den Bericht über die.Brandenburger Konferenz giebt Genosse L e d e b o u r. Die Rede Stadthageu's sei sehr gut gewesen, doch habe sie zu sehr den Eindruck einer Volksverfammlungs- oder Agitationsrede gemacht. Gegen die Agitations- Koni- Mission müsse man den Vorwurf erheben, daß sie ein pafsenderes Lokal zu den Verhandlungen hätte besorgen müssen. Ter Vorsitzende habe nicht ganz die Fähigkeit gehabt, schwierige Verhandlungen zu leiten. Man solle sich bei der Vergebung solcher Posten nicht von Rückflchten der Parteihöflichkeit leiten lassen, sondern solle den fähigsten Mann nehmen, ver zu haben ist. Auch die Mandatsprüfuiigs-Kommission habe ihre Aufgabe nur unvollkonimen gelöst. Der Redner geht sodann auf die ans der Brandenburger Konserenz eingebrachten Resolutionen ein. Die vom Redner mit- unterzeichnete würde die Majorität erhalten haben, wenn sich nicht die Stimmen der Wahlbetheiligiings-Gegner zerspliltert hätten. Zum Beispiel hätten die Vertreter von Berlin III und Teltow-Beeskow erklärt, sie hälteii ein gebundcnes Mandat und könnten davon nicht abgehen. Das sei falsch. Auch wenn man in der Sache ein gebundenes Mandat habe, müsse man doch in der Form freie Hand haben.— Ans dem Bericht des„Vorwärts" über seine Rede habe er besonders eine Stelle zu berichtigen. Es heiße da, er hätte nichts gegen die Unterstützung einer bürgerlichen Oppositionsparlci. Er habe sich viel präziser ausgedrückt und gesagt, unter Umständen könne man ein Bündniß nicht von der Hand weisen; dies erfordere aber ganz bestimmte Voraussetzungen, welche Voraussetzungen in dem Satz des „Kommunistischen Manifests" ausgesprochen seien:„In Deutschland kämpft die kommunistische Partei, sobald die Bourgeoisie revolutionär auftritt, genieiusam mit der Bourgeoisie gegen die absolute Monarchie, das feudale Grundeigenlhnm und die Kleinbürgcrei." Die Bourgeoisie trete aber heute eben nicht revolutionär ans,»nd er theile auch nicht die Hoffnung Schippet's, daß die Freisinnigen demokratischer werden.— Die Stellung Stadt- hngen's sei dem Redner unverständlich. Etadlhagen bilde sich ein, Wahlbetheiligungsgegner zn sein, er rede aber für die Wahlbetheilignng, und auch der von ihm ausgehende An- trag, der angenommen wurde, laute für Wahlbclheiligung. Es sei eine Thorheit der Partei, daß sie sich in ihrer eigenen Organisation an die Wahlkreis-Geometrie der Regierung anklammere und bei unseren Kongressen den allergrößten Wahlkreisen nicht mehr Einfluß gewähre, als den kleinsten. Das Organisationsstntnt be- dürfe in diesem Punkte eine Aendernng. Hätten ans der Konferenz die Stimmen der hinter den Delegirien stehenden Wähler gezählt, dann wäre die Abstimmung gegen die Wahlbetheilignng ausgefallen. Jedenfalls bitteer die Wahlbetheiligiings-Gegner, ihrer Meinung treu zu bleiben, um sie vielleicht doch noch zum Siege zu führen. Antrick weist darauf die Angriffe Ledebour's auf die Agitationskommission»nd den Vorsitzenden der Konferenz als unberechtigt zurück. Auch sei eine Präsenzliste ordnungsmäßig angefertigt gewesen, jedoch habe sie einer der auswärtigen Tele- girten, der vorzeitig abreisen mußte, irrthümlich mitgenommen. An den unangenehmen Vorkommnissen auf der Konferenz seien viel die Berliner Genossen schuld, die die Diskussion unnölhig in die Länge gezogen haben.— Z u b e i l schiebt die Schuld an den Vorkommnissen aus die Referenten, die zn lange gesprochen hätten. Die Berliner Genossen bätten ein volles Recht, auf der Konferenz zu reden und sich um die Dinge zu bekümmern, weil sie auch die Kosten für die Agitation in Branden- bürg fast allein trügen. Bei späteren Konferenzen müsse deswegen ebensalls das größte Lokal genommen werden. Auch er hätte an dem Bericht über sein» Rede viel zu berichtigen. Er thue dies aber nie, weil er auf dem Standpunkt stehe, wer nicht in der Versainm- lung war, braucht auch nicht z» wissen, was dort geredet worden ist. Auch er verstehe Stadthagen nicht mehr. In seinen ersten Artikel» sei er gegen die Wahlbetheilignng gewesen, jetzt sei er es aber nicht mehr. Die Geivährleistung, dir Etadlhagen in verschiedenen Punkten von den bürgerlichen Kandidaten verlangt, biete keine Sicderheil. Im Wahlkampf verspreche der Kandidat alles, was man von ihm verlang». Di« Sozialdemokratie dürfe politische Thätigkeilen nur aus eigener Kraft ausüben; das haben die wirklichen Arbeiler unter den Parteigenossen stets erstrebt.— Es wird daraus die Redezeit auf 10 Minuten beschränkt. Dr. A r o n s findet die Fassung deS Stadlhagen'schen Antrages unglücklich. Von Mindestforderungen an bürgerliche Kandidaten sollten wir absehen, da sie gar keine praktische Bedeutung haben. Die Lente könnten alles versprechen und ihre Versprechungen auch hallen, und doch würde nichts erreicht, weil alles, was das Ab- geordnetenhaus beschließt, erst noch der Sanktion des Herrenhauses und des Königs von Preußen bedarf. Höchstens könnte man die Leute veranlasien, gegen ihnen vorgelegte Verschlechterungen zn stimmen. Wenn wir bürgerlichen Kandidaten unsere Stimme geben, dann lhiin wir es deshalb, weil wir wissen, daß sie von sich ans für gewisse Dinge eintreten. Redner ist der Ansicht, daß wir nnlcr günstigen Umständen auch einige Sozialdemokraten ins Abgeordnelenbans be- kommen könne».— Stadthagen wendet sich gegen Zubeil und erklärt, schon in seinen ersten Artikeln über diese Fragen aus seinem heutigen Standpunkt gestanden zn haben. Er verliest de» SchlußpassuS aus seiuem Artikel im„Vorwärts" vom 25. Juli 1897, der wörtlich die auf der Proviuzinl- Konferenz angenommene Resolution enthält. Der Redner kommt dann aus eine Versammlung vom Juni diesen Jahres zu sprechen, in der sich Ledebour als DiSkufsionsredner für die Wahl- betheiligung ausgesprochen habe.(Ledebour ruft:„Das ist»n- anständig!") Er, Redner, sei ein«utschiedeuer Gegner der offizielle» Wahlbelheilignng, aber man dürfe den Preußen das Wählen auch nicht direkt durch Parleitagsbeschlüsse verbieten. Wenn einem Stumm oder Kanitz gegenüber ein Mann stehe, der für allgemeines Wahl- recht, gegen Ausuahmegesetze, Gesetzesverschlechterungen w. ist. dann sei es politischer Selbstmord, wenn man diesen letzleren nicht wählen wollte. Durch Stimmenthaltung würde man dann für den Ausbeuter, den Koriiwuchcrer». stimmen.— Thomas verwahrt sich gegen den Vorwurf Ledebour's, er habe die Versammlung schlecht geleitet. An der Erschwerung der Leitung habe Ledebour durch Zwischenrufe«. nach Kräften mitgewirkt. Richard Fischer führt unter anderem aus: Wen» wir frei- sinnigen oder anderen bürgerlichen Kandidaten unsere Stimme geben, dann betrauen wir sie damit noch nicht mit unserer Vertretung im Landtage. Wir wissen, daß der Freisinnige unser Gegner bleibt, aber wir wissen auch, daß er in gewisse» Fragen aus Selbst erhallnngSaründen gegen dieAbstchten der Regierung auftreten muß, und wir ziehen ihn d«S- halb dem noch schlimmeren Gegner vor. Eh« man den ganz Reaktionären in daS Parlament kommen läßt, wählt jeder lieber einen freisinnigen oder andersopposilionellen Kandidaten, der, wenn auch ei» Gegner, so doch daS kleinere Uebel ist. Sie geben dad für den Einzelnen zu, warum nicht auch für die Partei? Ehe ich mich ganz wehrlos in die Hände des FeindeS begebe, nehme ich auch die schlechte und stumpfe Waffe, um mich zu wehren. In solcher Zwangslage be- findet sich die Partei. Manches kann solches Stärken der Regiernngs- und ReaklionSgeguer doch erreichen. Wir hälten vielleicht heule Abend nicht die Möglichkeit der Berathung hier, wenn der Entwurf de? preußischen Vereinsgesetzes Gesetz geworden innre.— Auch dann, wenn wir Kompromisse macheu, bleiben wir uns deS Klassenkampfes, den wir zu führe» haben, be- mußt. Das trennt uns von der ganzen bürgerlichen Welt. Wenn die Beiheiligung an den Landtagkwahlen gleichbedeutend wäre mit der Aufgabe des Klassenkampfes, dann hätte» die Betheiligungs- gegner recht. Aber es handelt sich lediglich um eine Frage der Taktik. Die Regierung versucht, die Behandlung einer Aiizabl von Fragen in den Landtag zu verlegen, weil sie glaubt, dort eine ge- sügige Majorität zu finden. Wen» sie daS Spiel im Reichstag verloren giebt, dann sollten wir gerade deswegen versuchen, unseren Einfluß auch aus den Landtag zu übertragen. Im Schlußwort kommt Ledebour auf die Affäre mit Stadt- Hagen zurück. Sladthagen bringe die Sache heute zum dritte» Male vor, trotzdem er ihm ausdrücklich erklärt habe, daß der Bericht im „Vorwärts" über jene Versnnimlung Jrrthümer enthalte; er habe sich auch damals schon gegen die Wahlbelheilignng ausgesprochen. Er müste vo» Stndthagen erwarte», daß er auch dem Genosse» gegenüber die AnstandSpflicht erfülle, zn der er bei ähnlichen An« lässen im Reichstag durch das Präsidium nölhigeusalls an« gehalten werde. Nachdem er sich noch mit der Fischer'schen Rede beschäftigt hat. erklärt Stadthagen in persönlicher Bemerkung: Er weise den Vorwurf der Verletzung einer Austauds« pflicht zurück. Er erachte es als Austandspflicht, Wahrhaftigkeit auszuüben, und würde eS als eine Verletzung der Ansiandspflicht betrachten, wenn er der Versammlung die Wahrheit vorenthalten hätte. L e d eb o ur erklärt hierauf, damit wäre ihm eine Lüge vorgeworfen; hierüber mit Stadlhagen noch weiter zu diskutiren, sei unter seiner Würde. Man schreitet nunmehr zu den Wahlen und den Anträgen. In die Agilalionskommisston wird Antrick anfs neue gewählt. Ein von Ledebour und ein von Ewald eingebrachter Antrag, die flch beide mit Abänderungen des Organisationsstatnts der Partei beschästigen, werden nach kurzer Debatte, an der sich u. a. Abg. Buer, Abg. Zubeil und Dr. A r o n s betheiiigcn, abgelehnt. Der Antrag, betreffend die Berliner Preßkommission, wird auch hier angenommen.— Zu Delegirien für den Hamburger Parleitag werden gewählt: Hermann W e rn er. Knüpfer und Dr. A r o n s. Zu Revisoren werde» gewählt: Höhn, Fischer und Schmidt. In der Versammlung des dritten Wahlkreises erstatteten zunächst die Delegirien von der Provinzialkonfereuz ihren Bericht. G« o r g i, der die Debatte über die Landtagsivahl be- sprach, bezeichnete die ans der Konferenz angenommen« Resolution Sladthagen als gegenstandslos, denn die Liberalen würden die Forderungen, welch« wir, falls wir für sie stinnne», an sie stellen sollen, doch nicht erfüllen. Im weiteren begründete der Redner seinen Slandpunkt als entschiedener Wahlgegner und vertrat die Ansicht, daß bei Gelegenheit der Landtagswahlen von unserer Seile nur eine energische Protestbewegung veranstaltet werden solle. Alfons Borchardt befürwortete die Wahl- betheiligung und begründete seinen Standpunkt mit dem Hinweis auf die veränderte politische Situation»nd den Umstand, daß in allen größeren Bundesstaaten die Landtage gegen den Reichstag anS- gespielt werden sollen zwecks Durchführung reaktionärer Maßregeln. Unsere Agitation bei den Landtagswahlen könne nur nütz- lich für unsere Partei sein. Der Befiirchlniia, daß aus Anlaß der öffentlichen Stimmabgabe zahllose Maßregelungen eintreten würden, müsse entgegengehalten werden, daß wir für die Arbeitsruhe am 1. Mai eintreten, bei welcher Gelegenheit sich ja auch jeder Feiernde als Sozialdemokrat offen kennzeichnet. Eine Verwirrung der Genossen sei nicht zu befürchten, mich mit dem Kompromiß sei es nicht so schlimm. Der Redner ist für Aufhebung des Kölner Beschlusses, aber gegen einen preußischen Sonder- Parteitag. Er meint ferner, diesmal solle die Entscheidung den Wahlkreisen überlassen bleiben, und ans grnnd der dann gemachten Erfahrungen könne der nächste Parteitag einen bindenden Beschluß fassen. Vogtherr giebt der Meinung Ausdruck, daß man sich, obgleich man das Abstimmungs- ergebniß der Braudeuburger Konferenz respektiren müsse, der Ansicht nicht erwehren könne, daß die Stellung der Genossen der Provinz nicht richtig zum Ausdruck gekommen sei. Ein positives Resultat sei nicht heraiisgekonimen, denn der Antrag Sladthagen reiiue offene Thüren ei». Bei Ablehnung aller Anträge wäre das Resultat dafsetbe gewesen. Der Redner ivandte sich gegen die von Borchardt vertretene» Anschauungen und führte unter anderm aus, daß unser Eintreten für eine bürgerliche Partei bei den Landtagswahlen unsere prinzipielle Agitarion schwer schädigen Niiisse. Daß die reaklionäie» Beslrebuiigen vor allem auf Beseitigung des Reichstags« Wahlrechts gerichtet sind, da? wissen wir, aber noch niemand habe »achweisen können, wie wir das mit Hilfe des Landtages verhindern wollen. Wenn ein Staatsstreich ins Werk gesetzt werde, um uns das Reichstags- Wahlrecht zu nehmen, dann möge da? Abgeorduelenhaus zusammeiigesetzt sein wie e? wolle, die Slaalsstreichler kehren sich nicht daran. Der dritte Wahlkreis werde a» der Ansicht festhallen, daß wir von einer Unterstützung deS Freisinns, der gerade in wirlhschaftlicher Beziehung unser schroffster Gegner sei, nichts z» erwarten haben. Kamp sprach gleichfalls gegen die Wahlbetheiligiiug. Dieselbe bedeute eine» Sckiritt nach rechts. In letzter Zeit sei manches geschehe», was daraus hin- deute, daß manche unserer Führer einen bedenklichen Schritt »ach rechts gemacht habe». Wir hätten keine Veranlassung, uns auf die schiefe Ebene der Wahlbetheiligung zu begeben. Wilhelm warf den Abgeordneten Sladthagen und Rod. Schmidt vor, daß sie sich in der WahlbetheiligungZsrage so bedenklich ge- mausert hätte», daß man sage» könne: Wenn die National- liberalen bei der Berathung des Verciiisgesetzes einen solchen Waukelinuth zur Schau gelragen bätte», dann wäre das Gesetz an- genomme» worden. Wer so schnell seine Ai>sid)t ändere, wie Schmidt niid Sladlhage», zu dem könne man kein Vertraue» haben. Solcher Umsall richte Verwirrung in den Masse» an. Der Redner beantragte ein Tadelsvolum gegen Schmidt und Stadthage», worüber aber die Bersamnilniig, nachdem Po etzsch dagegen gesprochen hatte, zur Tagesordnung überging. König sprach ebenfalls gegen die Wahl- beideillgung und brachte folgende Resolntio» ein: Die Versammlung erklärt sich mit der Haltung ihrer Delegirien ans der Provinzialkonserenz emverstande»; sie ist auch nach den dort gepflogenen De- batien nicht vo» der Nothwendigkeit unserer Betheiligung an de» Landtagswahlen überzeugt und erwartet, daß der Parteitag zu Hamburg de» Antrag: den Kölner Beschluß aufzuheben, strikte ablehnt. Wagner polemisirte in längerer Rede gegen Borchardt und verwarf die Wahlbetheilignng, rndem er hervorhob, daß dieselbe»an>e»tlid> ans dem Lande auf sehr große Schwierigkeiten stoße» würde. Er sei auch dafür, daß wir reaktionäre Maßregeln abzuwenden suchen. Wenn aber selbst das Schlimmste geschehe und uns das Konlilions- und Vereinsrecht genommen würde, so werde soldze Maßregel die Arbeiter»ur fester aneinanderkelten. Die Re- soliition König wurde»ach Sehluß der Debatte angenommen, ebenso«in Antrag, welcher die Bestelliing eines Korreferenten zn dem Punkt„Die preußischen Landtagsivahlen" ans dem Parteitag fordert. In die Brandenburger Agilniionskommissio» wurde D i in in i ck und als dessen Stellvertreter Börner gewählt. Hierauf begann die Debatte über die Tagesordiiniig des Parteitages. Frank bedauert, daß der Geschäftsbericht des Ansschusses erst in der heutige» Niimmer des„Vorwärts" erschiene» ist, rrnd ein gränd« licheö Ttudiuin desselben deshalb noch nicht möglich war. Wenn eS i» dem Bericht heißt, der„Vorwärts" habe sich verbessert, so müsse Redner das Gegentheil behaupten. Der„Vorwärts" sei sowohl qualitativ und quantitativ schlechter geworden. Wen» man das Blatt in die Hand nehme, so stoße man nach zwei Seiten Text auf vier Seilen Annoncen, dann kommt eine Unterhalluiigsbeilage und endlich eine lange Liste, anS der nian ersehe» kann, wie viel Freiherr ». Stumm und sonstige Finonzgröße» für die Neberschivemmten ge- zeichnet haben,»nd nuter der schließlich neben de» Name» verschiedener Bourgeois auch Einger's Name steht. Auch a»f dem Gebiete des Heirathsschwindels leiste der„Vorwärts" schon etivas. Diese Mißstände ließen sich darauf zurückführen, daß die Parteigenossen nicht ge- nügend Einfluß auf ihr Organ haben. Da der„Vorwärts" doch zn '"/so in Berti» gelesen wird, so empfehle es sich, ihm den Charakter des Zeutralorgans zu nehme» und zum Lokalblatt der Berliner Parteigeiiosscn zu machen. Borchardt vertritt die An- ficht, daß der„Vorwärts" ein gutes Lokoiblatt nicht sein könne, weil er zugleich Zeniralorgan ist. Er habe sich ver- gebens de» Kopf darüber zerbrochen, weshalb wir überhaupt ein Zeniralorgan haben muffen, und beantragt, dem Parteitage die Uniwandlung des„Vorwärts" in ei» Lvkalorgan der Berliner Ge- noffen zu empfehlen. H o ch ist auch der Meinung, daß die Ver. liner Genossen, ebenso wie es in ondere» Orlen ist, mehr Einfluß ans ihr Blatt haben»iiiffen. Auch Börner vertritt diese Ansicht, meint aber, daß wir ein Zentralorgan haben wi'issc» und, da ein solches selbfländig nicht existiren könne, auch die Verbindung mit dem Berliner Lokalorgan nicht ausgehoben werden könne. P ö tz f ch tritt für Beibehaltung des gegenwärtigen Zustandcs ern und werft auf die Vortheile hin, die darin bestehen, daß der„Vorwärts" alS Zentralorgan von den Genoffen der Provinz Iffit ihre Publikationen gegenüber anderen Parteiblättern bevorzugt wird. Zlußcrdein müsse die Parteileitung und die Fraktion ein be- stiiumtcs Publikationsorgan haben; ein besonderes Zentralorgan verschlinge zu große Summen. Wollte man einem vielköpfigen Komitee einen größeren Einfluß auf die Geschästsführung eines solche» Unternehmens zubilligen, dann würde das wohl mehr zum Schade» des Blattes auslaufen. Die Redaktion komme den Wünschen der Preßkonnnissio» stets in loyalster Weise nach. Wenn man aber verlange, daß die Redakteure nur schreibe» sollen. was die Genossen resp. die Preßkommission wünsche, dann würden die Liedaktcure zu Schreibern degradirt. Frank meint, er befürchte, der eigentliche Grund, weshalb man die Zwitlerstellnng des„Vor- wärts" ausrecht erhalten wolle, sei der, daß man die Berliner Ge- nossen, wenn sie ihr eigenes Organ haben, nicht mehr am Gängel- bände führen kann. Die Diskussion wird geschlossen und der Antrag B o r ch a r d t abgelehnt. Angenommen wird der von Hoch gestellte Antrag betreffend' die Erweiterung der Rechte der Berliner Preßkommission.(Der Antrag ist gleichlautend mit dem im ersten Wahlkreis angenommenen.) Wagner beantragt unter Hinweis darauf, daß Bebel bei den nächsten Reichstags» Wahlen wieder in Hamburg kandidiren will, der Straßbnrger Wahlkreis aber gerade bei der Kandidatur Bebel's für l»is die meisten Chancen biete, der Parteitag solle beschließen: Die Abgeordneten sind nur so lange verpflichtet, in ihren bisherigen Wahlkreisen wieder zu kandidiren, als dies im Interesse der Partei liegt. Nachdem Börner darauf hingewiesen, daß die Regelung der Kandidatenfrage Sache der be- treffenden Wahlkreise sei, wird der Antrag abgelehnt. Ein Antrag Börner, daß nur die preußischen Delegirte» zum Parteitag über die Frage der Landtagswahlen entscheiden sollen, wird angenommen, und darauf Börner. Dimmict und König nach dem Partei- tag delegirt. Zu Nevisioren des Vertrauensmannes wählte man Schölzel, Pohl und Karl Lange. Die Genossen des vierten Wahlkreises halten sich im großen Saal des Herrn Stechert, Andreasstr. 21, sehr zahl- reich versammelt. Zunächst erstatteten die Delegirte» von der Brandenburger Provinzial-Konfercnz den Bericht über deren Ver- Handlungen und Beschlüsse. Sowohl Lorenz, wie Galle und Rasche sprachen ihre Unzufriedenheit darüber aus, daß die Be- theiltgung an den Landtag-wahlen in Preußen nicht strikte abge- lehnt wurde. Galle erklärte es für unbegreiflich, daß sich am »»eisten Genossen ans der Provinz für die Theilnahme an den Wahle» ins Zeug legten, in deren Reichstag s-Wahllreisen die Sozialdemokratie noch nicht einmal ei» Mairdat erobert habe. Rasche stellte sich im»vesentlichen auf den Standpunkt, den Ledebour ver- treten hat. Die Freisinnigen seien nnr solange unsere Freunde, als sie in der Minorität blieben; als Majorität würden sie sich als die Feinde der Sozialdemokratie entpnppcn. Die Delegirte» zum Hain- burger Parteitag müßten beaustragt»verde», gegen Aushebung des Kölner Beschlusses, die Landtagswahlen betreffend, zu stimmen. Für den Fall, daß seine Aufhebung erfolge, hälten sie sich dann an die Leiisähe des von der Berliner Kon- fcrenz abgelehnten Antrages Dornbusch und Genossen zu halten, in dem verlangt»vnrde, zur Zeit die Belheiligung an den Landtagsivahlen abzulehnen.— In der nun folgenden Debatte hielten sich die Redner Bogt, Roder, Galle. Kagers und A. Hoffmann gemäß einem Beschlüsse der Bersaiinnlung a» die übrigen Verhandlungspunkte der Konferenz vom letzten Sonntag. Man diikutirte besonders über die beste Art der Agitation auf dem Lande. A. Hoffina» n stellte und begründete folgende» Autrag: „Die Versammlung erklärt, daß die Beschlüsse der' Brandenburger Konferenz wegen der Art und Weise,»vie sie unter größter U»- orduung und Verivirrung erfolgten, für die Partei von gar keiner Bedeutung sind." Die Resolution wird a n g e n o m n» e». Dann wählte mau in die Agitationskommission die Genossen W a s e»v i tz (Osten) und Weise(Südosten). Zum Punkt:„Stellungnahme zum Parteitag", nimmt als erster Genosse P. Singer das Wort. Zu der für den Parteitag in Aussicht genommenen Berichterstattung über den ver- flösse»«» internationalen Arbeiterschutz-Kongrcß in Zürich bemerkte er, nian»nöge sich wegen feines Ergebnisses nicht überschivänglichcn Hoffnungen hingeben. Immerhin zeige der Verlauf des Kongresses, daß die Wucht der Thalsachen für den Arbeiterschntz auch in Kreisen Stimmung gemacht habe, die ihn» früher als Gegner entgegen- standen. Nach kurzer Berührung anderer Punkte der Tagesordnung des Kongresses kommt Redner auf die Landtags-Wahlc» zu sprechen. Bei den Verhandlungen hierüber auf dem Hamburger Parteitag müßten persö>»liche Anzapfungen aus dem Spiele bleiben, damit sie keinen gehässigen Charakler trügen; fei doch davon aus- zugehen, daß jeder aus seiner Ueberzeugnng heraus das Beste für die Partei»volle. Redner»vünscht für feine Person, daß der Be- schluß des Kölner Parteitages aufrecht erhalle» bleibe. Er ist prinzipiell gegen die Wahlbetheilignng unter den» Dreiklassen- Wahlsystem. Ueberall, wo die Sozialdemokratie aus eigener Kraft in die gesetzgebende» Körperschaften eindringen könne, sei es ihre Pflicht, dies zu thn». Es entspreche aber nicht der Ehre und Würde der Partei, Wahlbündnisse der hier nur möglichen Art mit anderen Parteien einzugehen. Darüber sei sich, bis auf einige Schivärmer, doch ein jeder klar, daß es uns unmöglich sei, selber einen Sozialdemokrale» in das preußische Abgeordnetenhaus hineinzubringen. Die Propaganda sei immer energischer auf die Reichstagsivahlen zu konzenlrire». Der Reichstag müsse eine andere Zusammensetzung erfahren und nach durchgreisende» gesetzgeberischen Maßnahmen die Hand so lange aus den Beutel halten, bis der Bundesrath gefügig»verde und den angenommenen Gesetzen zu- stimme. Dann habe auch die Stunde der Gesinde> Ordnung, der Versaminlungs- und Koalitions- U» freiheil und des Dreiklnssen- Wahlsystems geschlagen. Der Antrag, für die Stimmabgabe bei der Landtagsivahl zu gunsten des„kleineren Uebels" gnvisse Bedingungen zu stelle», sei ungemein naiv und bedeute nichts anderes, als die sozialdemokratischen Stimmen»neistbietend auszuschreiben:»ver am »»eisten zahlt, der hat sie. Nebe» einer Reihe anderer Gründe gegen die Wahlbetheiligung betont Redner, trotz aller Umsicht der Ge- nossen könne dennoch eine v e r»v irr e» d e Wirkung nicht aus- bleiben,»venu die Leute angehalten würde», bei der Landtagsivahl für einen Freisinnige» und bei der Wahl zum Reichslage für den Sozialdemokraten zu stimmen. Die Nichlbetheiligung an den Landtagsivahlen schließe ja nicht ans, daß gelegentlich dieser Wahlen in großen Versammlungen scharfe Kritik am Wahl- system, der Gesinde- Ordnung ,c. geübt und sestgeslellt »verde, daß der preußische Laiidtag nur die Karrikatur einer Volks- Vertretung sei. Auf jeden Fall sei aber de» Beschlüsse» des Partei- tagcs Folge zu geben, selbstverständlich unter Wahrung der Prinzipien der Partei. Werde die Theilnahme beschlosfe», dann mache man aber ivenigstens die ehrliche Probe»nil der Wahl eigener Wahl- männer.— Singer lheilte noch mit, der Parteivorstaud»verde den Antrag stellen, die Parteileitung»vieder»ach Berlin z>» ver- lege», l»nd schloß dann unter dem Beifall der Versammelte».— Genoffe Peters, der gegen die Belheiligung spricht, ist zu der Meinung gekommen, der„alte Saltlergesclle I. Auer sei »vunderlich geworden".(Heiterkeit.) Mit dem kleineren Uebel sei es nicht»veit her, denn die Opposition in, Abgeordneten- hause habe lediglich gegen die Verböserung des Vereinsgesctzes ge- stimmt,»veil es in Preußen stark nach Absolutismus rieche und das Bürgerthum aber auch etwas zu sage» haben wolle.— Genosse N ö s e r»vendet sich auch gegen jede Betheiligung. Sprech« sich die Mehrheit doch für sie aus, dann»verde man sich ivohl der Disziplin füge», indeß mit dem Beivußlsein, daß dieser Kampf demoralisirend »virke.— Genosse H o f f in a n»(Wrangclstraße) tritt f ü r die Be- theiligung ein, inden» er meint, die öffentliche Wahl sei zu einer guten Probe des Muthes der Parteigenossen geeignet. Hier könnten sie auch ihre Opferivilligkeit zeigen. Durch die Wahlen sei die Partei groß geivorden,»ind innner hätten wir uns über ein paar Stimmen mehr gefreut. Es sei auch nicht»vahr, daß die Genossen, die für die Wahlen zum Abgeordnetenhanse sind, nur andere Parteien Heransreißen»vollten. W e g n e r nimmt in» »vefeiitlichen den Standpunkt der e rst en Redner ein. Die Frei- sinnigen hätten die Sozialdemokratie noch gar nkcht nach ihren Stimmen gefragt, es sei somit erbärmlich, sich an sie heranzudrängen. Woran es noth thue, das sei, die Agitation mal von dem Reichs- gebiet auf das preußische hinüber zu spielen.— Adolf Hoff- m a n n»vendet sich' ebenfalls in längerer Ausführung gegen die Wahlbetheiligung. Sie»väre Selbstinord. Die Freisinnigen»vären thöricht,»ven» sie nicht dieselben Kandidaten in denselben Bezirken auch für die Reichstagsivahl anfstellte», wo sie zum Landlage kandidirt haben. Da könnte es dazu komme», daß die Freisinnigen bei der ilieichstngs- wähl alle die schönen Dinge aufzählten, die sie für das Volk durch- setzen»vollten und daß sozialdemokratische Referenten den Wählern ralhen müßten, jenen Leuten nicht zu glauben, die sie ihnen vorher bei der Landtagsivahl als geeignete Männer empfohlen haben. (Heiterkeit und Beifall.) Ein Gesetz k la Puttkamer, Köller, Recke würde ans die Partei nicht so schliniiii wirken,»vie die Theiliiahme au den Landtagsivahlen.(Lebhafter Beifall.) Die Debatte»vird ge- schloffen. Folgende Beschlüsse werden gefaßt: „Der Parteitag möge beschließen: Die Parteitage finden in Zu- kunft zwischen Weihnachte» und Neujahr statt."(Antragsteller»vill die„Federheldeu" durch klassenbewußte Arbeiter von den Parteitagen verdrängen.) „Die Sozialdemokratie blickt mit Verachtung auf das preußische Dreiklassen-Wahlsystem." „Die Versammlung beschließt in der Erkeuntniß, daß die Partei nicht ans eigener Kraft Abgeordnete in das Abgeordnetenhaus »vähle» kann, von jeder Betheiligung an den Land- tags wählen abzusehen."(Mit allen gegen zivei Stimmen angenomme».) „Nur Delegirte sind zu»vähle», die strikte gegen die Betheilignng sind."—„Der Reichstagssraklion ist zu empfehlen, die Wieder- einführung der dreijährigen Legislaturperiode zu beantragen." Ten Antrag, der die Befugnisse der Berliner Preßkommissio» erweitert zu fehe» verlangt, begründete W. Schulz in» wesentlichen mit zu geringem Einflüsse der Preßkommisston. Man»volle keinen Druck ausüben, aber die Konnnissions- Mitglieder»nüßten sich gegen die ewige» Vorwürfe schützen, sie seien nnr„Nulpen". Singer erklärte darauf, gegen den Antrag sprechend, Redaktion und Parteivorstand seien stets der Preßkommission durchaus entgegengekommen, eine Diktatnrstellung über den„Vorwärts" könne sie indeß nicht für sich verlangen. Gegen eine erhebliche Minorität»vird der Antrag a» g e n o m m e». Zu Delegirte»» wurden geivählt Adolf H o f f m a n n, We ngels und Joechel(nicht Zöschel,»vie i» der gestrigen Nummer stand). Die Parteigen offen deS fünften Kreise? waren sehr zahlreich in» Saale der Brauerei Bötzoiv versammelt. Den Bericht über die Brandenburger Parteikonferenz erstattete Genosse L i f s a u e r, der zunächst ans den Widerspruch, der in der vom Genossen Ledebour eingebrachten Nesolntio» enthalten sei, hinwies. Die Resolulion verlange die Aufhebung des Kölner Beschlusses, dann eine Sondcrkonferenz der preußischen Delegirlen und schließlich die Ablehnung der Betheilignng a» den Landtags- wählen. Dinge, die eigentlich mit einander im Gegensatz stehen und bei der Abstimmung die Unklarheit hervorriefen. Im weiteren bemängelt der Redner, daß die Kommission nicht für ein Bureau, das zur Leitung der Geschäfte geeigneter war, Sorge getragen habe und der die Verhandlnngei» störende Saalivechsel vorgenoinmen»verde» mußte. Genosse Dr. Weyl berichtet, daß er nicht,»vie es irrlhümlich im Bericht des „Vonvärts" heißt, gesagt habe: Wir in» sünste» Wahlkreis«»vollen, das der Parteitag den Kölner Beschluß aushebt und den preußische» Delegirte»» die Entscheidung überläßt, sondern im Gegentheil habe er sich für die Entscheidung des gesaminten Parteitages über die Frage der Landtagsivahle» und gegen eine Sonderkonferenz ansgesprochen. Genosse Lindeina»n macht dem Delegirte» F r i e d l ä»» d e r de» Vorivurf, daß er de» Antrag des süiifte», Kreises bezüglich der Presse nicht i» der richtige» Weise vertreten habe. In längere» AuSsühriinge» erklärt sich Ge- nosse L i e p m a»»» mit der Thätigkeit der Delegirte» des fünften Kreises unzufrieden, kritisirt, daß sie die Freunde der Wahlbetheiligung ans der Konferenz geivissermaßen organisirt und der große» Minorität des fünftel» Kreifes, gegen»velche die Delegirte»», die.»vie der Redner behauptet, durch eine Zufallsmajorität, die ebenso»vie die Delegirte»» mit den thätige» Genosse» keine Fühlnng hatte, geivählt ivaren, keine Rechnung getragen haben. Genosse O e r t c l veriveist darauf, daß die Delegirte»» verpflichtet»varen, die Majorität der Ver- famnilnng zu vertrete», die sie geivählt hatte. Genosse H e n» i g»vendet sich gegen die von den Delegirte»» ge- machten Aenßernngen über die Kommission bezüglich des Bureaus uiid bemängelt gleichfalls das Verhalten der Delegirte» ans der Konferenz. Während der Aussühnnige» des Genosse» Weyl, der ebenso»vie Lissauer die gegen die Delegirlen er- hoben«» Vorivürfe ans das entschiedenste zurückweist, und die von L i e p m a n n angeführte» Beschuldigungen auf persönliche Motive zurückführt.»vurden verschiedene uuparlamentarische Zivischenrufe gemacht, die de» Vorsitzende», Genossen Sassen- dach, vcranlaßtcn, gegen die persönlichen gehässigen Zivischenrufe Einspruch zu erheben. Auch der Genosse R. S ch>» i d t bedauert de» bisherigen Verlauf der Debatte und meint, daß dieDelegirten »vohl berechtigt»vare», ihren Einfluß i»»veitgehcndster Weise a»s- zuüben, nm ihre Ansicht zur Geltung zu bringen. Die Entscheidung der Versamnilnng für die Wahlbelheiligung sei darauf zurückzuftthrei», daß die Redezeit i» der betreffenden Bersainniliing auf zehn Minuten beschränkt war,»vährend vorher einige geschickte Redner für die Wahlbctheiligung uneingeschränkt ihre Ansicht zun, Ausdruck bringen konnte», so daß eine sehr geringe Majorität zu stände kam. Der Redner präzisirte sodann seinen Standpunkt als Gegner der Be- theiligung an de» Landtagsivahlen, den er auch in dem Artikel, der wahrscheinlich von» Genossen Ledebour»ur flüchtig gelesen und deshalb»lißverstandci» sei, zum Ausdruck gebracht hat. Er habe seine Anschauung nicht geändert, sondern unter anderen» in diesem Artikel nur die Thalsache konstntirt, daß die Befürivorter der Wahlbetheiligung die Oberhanv zu erhalle» scheinen, und im»veiteren darin die Meinung ausgesprochen, daß die Parteigenossen sehr bald, nachdem sie die Erfolglosigkeit ihres Beginnens durch die Mißerfolge bei der Wahl eingesehen haben, von ihren Bestrebungen knrirt sein»verde», deshalb habe er von einer Fieberstiinuiung in der Partei gesprochen, die eine kühle Erivägmig erstickt. Nachdem nniinlehr ein Antrag aus Schluß der Diskussion angeiioinnien»norden war. folgten eine Reihe persönlicher Bemerkungen der Genossen L i e p in a n n. Linde- mann, H e n n i g, Dr. Weyl und Friedländer. Der letztere bemerkt, daß er für den Antrag des fünften Kreises bezüglich der Presse gewirkt, aber trotz den Be- mühnngen»och nicht einmal die nothwendige geschäftsordnungs- mäßige Unlerstütznng bei den Delegirte» erlange» konnte. Hierauf berichtete Genosse H e n n i g, der bisherige Vertreter in der Agi- tationskommissio» der Provinz Brandeubuig, über deren Thätigkeit, und er»vnrde sodann ohne Diskussion von nenem mit diesen» Amte betraut. Eine längere, häufig sehr erregte Debatte entspann sich über die eingebrachten Anträge zum Hainburger Parteitag und zun»»heil auch»nieder über die Stellung zu den Landtagsivahlen. Der Genosse M a a ß, der sich gegen die Belheiligung an den Landtagsivahlen ausspricht und»ur Gegner derselben als Delegirte geivählt»vissen will, vertritt sodain» einen von»hm cingebrnchtei» Antrag, in den» die Herabsetzung des Abonnementspreises für den„Vonvärts" gefordert und eine Ver- beflerung des Inhalts, präzisere und gründlichere Berichterstattung besouders über amtliche und»vissenschaftliche Kongresse für noth- »vendig erachtet»vird. Bei der Begründung des Antrages verweist der Redner auf die bürgerliche Presse, deren Reichhaltigkeit an Stoff und Billigkeit er besonders an den in Berlin erscheinenden Tages- zeitungen nachzuiveisen suchte. Lobend«nvähnt er die„Berliner Zeitung". Die verhältnißmäßig niedrige Abonnentenzahl des„Vorwärts" und die andererseits große Auflage dieses Blattes, die in gar keinen» Verhällniß steht zu den abgegebenen Stimmen für die Richtung, welche die Zeitung vertritt, sei auf diese Umstände und darauf zürückzuführe». daß dieses Blatt sehr gut redigirt wird. Die Agitation für den„Vorivärts" sei kläglich ausgefallen. O e r t e l spricht gegen die Herabsetzung des Abonnementspreises, da dies nach dem Geschäftsbericht des Parteivorstandes nicht möglich sei, und wünscht die Aushebung des Kölner Parteitagsbeschlusses.die Landtagswahlen be- treffend. Redner tadelt es, daß der Genosse Maaß in einer Weise seinen Antrag vertreten hat, die einer Empsehlnng der bürgerliches Presse gleichkäme. Lissauer empfiehlt die Aufhebung des Kölner � Parteitagsbeschlusses und spricht sich gegen eine Sonderkonferenz der;' preußischen Delegirte» aus. Die Genosse» Roth und Liepmann erachten die Erweiterung der Funktionen der Preßkommissio» für noth, vendig und einpfehlen den diesbezügliche» in allen andere» Kreisen gestellte» Autrag zur Annahme. Genosse Robert Schmidt»vendet sich gegen die Ausstihrunge» des Genosse» Maaß, dessen heftige Angriffs auf de»„Vorwärts" in einer nicht mißzuverstehende» Propaganda für ei» freisinniges Blatt ausklangen. Nur,»vie längst bekannt, persönliche Voreiiigeuominenheit gegen die Redaktion des„Vorivärts" diklire de» Angriff und schließe jedes sachliche Urtheil aus. Thatsächlich habe» auch»ur allgemeine Redensart«» ohne jede» tieferen Gehalt dazu gedient, Angriffe in der uiiqlialifizirtesiei» Weise gegen den„Vorivärts" zu schleudern. Als univahr müsse es bezeichnet»verde»», daß die Agitation für den„Vorwärts" recht kläglich verlaufen sei. Im Gegen- theil, man»st mit dem Resultat zufrieden gewesen. Der Redner veriveist auf die Tendenz des„Vorivärts", auf seine Stellung als Kampforgau, die es bedingt, daß der Inhalt desselben eine bestinnnle Richtung nehme und folge dessen mit deujenige» bürgerlichen Zeitungen nicht in Konkurrenz treten kann, die ihre Leser durch eine seichte sensationelle Lektüre heranziehen, und im Interesse der Partei und der Würde der Partei eintrete» »vird. Der lliedner spricht sich ferner gegen die Wahlbetheilignng und eine Sonderkonferenz aus. Nachdem sich noch der Genosse Liepmann auf das entschiedenste und mit eingehender Motivirung gegen die Landtagsivahle» erklärt hatte und Genosse Z» e z e»v i tz gegen die Verbillignng des„Vorivärts" unter de» gegenwärtigen Verhältnissen gesprochen hatte, gelangte ein Antrag aus Schluß der DlSkufsionzurAniiahme, sodaßdie noch«»gezeichneten Redner, darunter zivei fürWahlbelheiligung, auf dasWort verzichten»»ußlen. Der hierauf zur Abstimmung von den Genossen Dr. Weil, Friedländer»nd L i s sauer gestellte Antrag, daß der allgemeine deutsche Parteitag zu Hamburg den Theil der Kölner Resolution aufhebe, der die Wahlenlhaltung zu de» preußischen Landtagsivahlen zur Parteipflicht macht,»vurde mit großer Majorität abgelehnt. Ei» Autrag, in welchem sich die Parteigenossen des sünste» Wohlkreifes ausdrücklich dagegen erkläre», daß der Hamburger Parteitag dve Äeschlilßfnssnng über die Betheilignng zu den preußischen Landtagsivahle» einer Landeskonferenz von preußische» Delegirlen überläßt, wird mit allen gegen 2 Stimmen a» g e n o m i» e n. Ebenfalls aiigenommen wird der oben angeführte Antrag von Roth und Liepmann, wonach die Funktionen der Berliner Preßkommission erweitert werden sollen. Abgelehnt wird der erste Theil des Antrages von Maaß» n d Genossen, daß der„Vorwärts" baldigst verbilligt »nd der Abonnementspreis zunächst auf 1 M. festgesetzt werden soll. Hingegen fand der zweite Theil des Zlntrages von Maaß und Genossen, der folgenden Wortlaut hat:„Die Parteigenossen erwarten, daß die Redaktion des„Vorwärts" den wissenschaftlichen »nd amtlichen Kongressen eine weit ailfmerksainere Beachtung als bisher schenkt und für Berichte sorgt, die in knapper Form, cvent. als Resümee, ein übersichtliches Bild der betreffenden VerHand« liinge» bieten", die Zustimmung der Versammlung. Dabei soll nicht un- erwähnt bleiben, daß die Berichterstattung überhaupt schneller und gründlicher als bisher erfolgen muß, damit das Zentralorgan der größten politischen Partei Deutschlands anch als hervorragendstes politisches Blatt entsprechenden Einfluß übe» kann." Nach einer heftigen Geschäfis- ordnnngs-Debatte wurden Genosse Roth, der erklärte für Aushebung des Kölner Parleitagsbeschlusses einzutreten, und Genosse Richter als Delegirte zum Hamburger Parteitag gewählt. Nachdem noch die Genossen Z i e, e iv i tz. Richter und Späth als Revisoren für de» Vertrauensmann gewählt worden waren, wurde zum Schluß der Versammlung bekannt gegeben, daß am 13. November ein Fest stattfinde» wird und eine zehngliederige Kommisston mit den Arrangements beaustragt. Die Parteigenossen des sechsten Wahlkreises tagte» in einer stark besnchlen Versammlung in Raabe's Salon in der Kolbergerstraße. Kiesel reserirte über den Verlauf der Brandenburger Konferenz mit besonderer Berücksichtigung der Debatte über die Betheiligung an den preußischen Landtagsivahlen und be- zeichnete die Beschliißfassung der Konferenz in dieser Frage als einen Kuhhandel. Die folgende Diskussion, welche sich sehr leb- Haft gestallete und das tiefgehende Interesse der Genossen an dieser Materie erkennen ließ, beschäftigte sich fast ausschließ- lich mit den Vorschlägen, welche von den Befürworter» der Landtagsivahl-Betheiligung gemacht worden sind.— Die meiste» Redner, wie Arendsee, Kröhn, Graßhold, Rieh, Tisch er n. a. sprachen sich entschieden gegen eine Land- lagsivahl-Betheiligiing, S w i e» t y für dieselbe aus im Sinne der Bebel'schei, Darlegungen, während K o o p m a n n und H i n tz e für eine Wahlbetheiligung auf der ganzen Linie eintraten. Kröhn koustatirte, daß die Zahl der Gegner der Wahlbelheiligung Ivo 000 Etinunen mehr betrage als die der Vertheidiger, welche ans der Brandenburger Konferenz vertreten ivaren. Wäre der Modus nach der Stimmeiizahl bei der Abstimmung auf der Konfereiiz zum Ausdruck gekonimeii- wäre das lliesultat ein ganz anderes. Die Scliivenknng Schippet's und Bebel's fei völlig unmotivirt und geeignet, die Partei zu schädigen und empfehle er, diese» taktischen Mißgriff, der mit dem St. Gallener Beschluß im schärfste» Widerspruch stehe, nicht milzumachen. Es scheine, daß die genannten Führer von der Stellung der Parteigenossen gar keine Notiz nehm«!. Darum empfiehlt er, alle'Anträge ans Wahlbetheilignng abzulehnen und a» den Beschlüssen der Parleiversamnilung im„Kösliner Hos" festzuhalten. Die Ab- stimilnuig ergiebl die Ablehnung aller Resolutionen, welche auf eine Belheilig>i»g an den Landtagsivahlen hinaus- laufen. Mit großer Majorität ivird dagegen beschlossen, an der bisher angenommene» Haltung des sechsten Wahl- kreises festzuhalten. Das bisherige Mitglied des Kreises der Brandenburger Agitationskommission, Genosse Rietz, erstattet»un- mehr seinen Siechenschafls- und Kassenbericht. Die Einnahme» hälten in der Zeit vom 1. September 1396 bis 31. August 1897 inkl. des Bestandes vom 1. September 1396 von lö M. 1720 M. betragen, verausgabt wurde»: a» Antrick 1200, Agitation 237,60, Delegations- und UiilerstütznngSkosteii 117,60, für Broschüre» 67,35, für Drucksachen 5,70, Packel-Porto und Diverse 46,30, i» Sunnna 1721,95 M., so daß ein Defizit von 4,95 M. vorhanden sei. Die Versaniinlnng erlheilt die von den Revisoren beantragteDecharge und erklärt sich damit einverstande», im nächste» Jahre eine größere Sunime für Agitation ansziigeben. Als Mitglied der Agitatioiiskoniinission wird der Genosse Rietz wiedergewählt. Der»un folgende dritte Punkt der Tagesordnung förderte eine Reihe von Wünschen und Beschwerden der Parteigenossen zn tage, mit denen sich der Hamburger Parteitag beschäftigen soll und welche den Delegirte» des Kreises zu vertreten aufgetragen werden. Nach längerer Debatte wird beschlossen: Der Parteitag solle sich mit der Stellung des„Vorwärts" beim Hamburger Hafenarbeiter- Ausstand und der Änchdrncker- Bewegung beschäftigen. Ein weiterer Antrag besagt, der Parteitag möge beschließen: Die im Verlage der Buchhandlung Vorwärts er- scheinende Wochenschrist„In Freie» Stunden" ist zu erweitern und besouders in bezug auf Illustrationen zu verbesser». Die Delegirlen werden ferner beauslragt, die Stellung der Abgeordneten in bezug auf die Qnarck'sche» Borschläge und die letzte internationale Arbeiterschntz-Konferenz, sowie den Besuch der Abgeordneten zum Diner bei der Hamburger Gartenbaii-Ansstcllung aus dem Parteitage zur Sprache zu bringen. Als Delegirte des sechsten Wahlkreises werden' die Genossen Leid, Klose und Helbig nominirt. Mit einem dreimaligen begeisternden Hoch auf die internationale Sozialdemokratie schließt der Vorsitzende Eugen Ernst um 12 Uhr die Versammlniig. Hvpvsckl«» siclic Bcilasc 3. Seite, Verantwortlicher Redakteur: Angnst Jacobey in Berlin. Für de» Jiiscratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage u ttnterhaltnngsl'latt. Nr- 21«. 14.|«kt|i>|. �onaldcmoliratischer Parteitag in Hamburg. Dns L o k a l l o in i t e e in H a m b u r g ersucht die g e iv ä h l- t e n D e l e g i r t e n und sonstigen T h e i l n e h in e r nm Pnrtcitag, umgehend Mittheil nng zu machen von ihrer Wahl resp. ihrer Theilntchme, damit es in der Lage ist, fnr genügende nnd ausreichende Quartiere Sorge zu tragen. Auch diejenigen Genossen, die durch persönliche Verbindung bereits Quartier in Hamburg bestellt haben, wollen nicht nnterlassen, die Anmeldung zu bewirke», damit das Lokalkomitee nicht unnützerweise Quartier bestellt. Weiter werden die Delegirten und die sonstigen Theilnehmer am Parteitag darauf aufmerksam gemacht, daß an allen Bahnhöfen von Sonnabend, den 2. Oktober, mittags an Genossen zugegen sind— erkenntlich an rother Schleife—, die die Theil- nehmer nach dem Empsangslokal „Lcssi»ahallc" am Gänscmarkt 33 führen werden. Im eigenen Interesse der Delegirten und sonstigen Theilnehmer wird bemerkt, daß sie bis Bahnhof„ D a m m t h o r" zu fahren haben, von wo das Empfangslokal nur eine kurze Strecke— etwa 5 Minuten— entfernt liegt. Im Empfangslokal werden die Legitim ationS- und Quartierkarten ausgegeben. Das Lokal des Parteitages,„Tütje's Etablissement", Valentins- kamp 40-42, befindet sich ganz in der Nähe des Empfangslokals. Nnmeldnngen und sonstige Zuschriften sind beim Genossen G. Blume, Hrnnburg-EimsbiUtel, Bismarckstr. 10, zu machen. Das Lokalkomitee. I. A.: G. Blume. -Msrszvichkett. Tic Parteikonferenz fiir den Wahlkreis Licgnih-Goldberg- Hayuan erklärte sich dafür, daß nach Schluß des Hamburger Partei- tages die p r e u ß i s ch e n D e l e g i r t e n zu einer besonderen B e r a t h n n g zusammentreten, nm die die L a n d t a g s w a h l be- treffenden i n l e rn e n Fr a g en zu erledigen. Als Delegirter zum Parteitage wurde Genosse Bruhns aus Breslau, als Kreis- Vertrauensmann Genosse M o h r i n g gewählt. Die Parteikonferenz für de» Kreis Wanzlcbcn beschloß hinsichtlich der preußischen Landtagswahlen:„Der Kölner Parteitagsbeschluß ist auszuheben. Die Betheiligung an den Wahlen ist Sache der einzelnen Wahlkreise. Ein Gegner darf nur dann unterstützt werden, wen» er die von einem Zentral-Wahlkomitee aufgestellten Forderungen anerkennt." Als Delegirter für den Hamburger Parteitag wurde Genosse G c r l a ch gewühlt, ferner derselbe eiustimniig als Reichstags- a n d i d a t proklamirt. Der Hauptkasse der Partei überwies die Versammlung 300 M. Eiue Partciversaiiimlung in Hannover- Stadt wählte die Genossen Sittig, Leinert und Kutsche als Delegirte zum Parteitag in Hamburg nnd beauftragte sie, dafür einzutreten, daß der nächste Parteitag in Hannover abgehallen wird. In Bc- zichung auf die preußischen Landtags wählen wurden folgende Beschlüsse gesaßt: l.„Die„Resolution Bebel" und An- trag 69 des Kölner Parteitages, betreffend daS Verbot der Be- theiligung der Genossen an de» preußischen Landtagswahlen, sind aufzuheben." 2.„Die Delegirten aus Preußen, welche an dem in Hamburg stattfindenden� Parteitage thcilnehmen, wollen dahin wirken, daß möglichst bald eine La n d e s v e r s a m m l un g der Genossen in Preußen stattfindet, in welcher über das ob und wie der Betheiligung an den Landtagswahlen verhandelt wird." Der erste Autrag wurde einstiminig, der zweite gegen zwei Stimmen angenommen. Der Parteitag für das Hcrzogthnrn Braunschweig erklärte sich für Aufhebung des Kölner Beschlusses nnd bezeichnete die Frage der Betheiligung an den preußischen Landtagswahlen als eine Frage der Gesammtpartei, nicht als eine Sonderangelegeuheit der preußischen Genossen. Die Funktionen des Landcs-Vertraueusmanncs wurden wieder dem Genossen R i e k e in Braunschweig übertragen. Bei der Diskusston über die nächsten Reichstagswahlen wurde vor Unterschätznng der welfischcn„Rechtspartei" gewarnt, die, wie ein Delegirter»littheilte, unter anderen das Märchen verbreitet, der Herzog von Cnmberland— der welfische Thronprätendent— werde nach seiner Rückkehr einen allgemeinen Gewerbesteuer-Erlaß durch Verzicht auf die Zivilliste bewirken, die l>/z Millionen beträgt; ferner werde er alle seine Einkäufe im Lande niachen nnd dadurch das Geschäft beleben. Dem jetzigen Regenten wird nachgeredet, daß er seine Bedürfnisse anderwärts decke. I» Solingen wurde in einer Versammlung deS Sozialdemokratischen Volksvereins(Richtung der„Bergifchen Arbeiterstimme") einstimmig folgende Resolution angenommen:„Der Sozialdemokratische Volksverein ist der Ansicht, daß es höchst wünschenswerth und für das arbeitende Volk nothwendig wäre, wenn die Sozialdemokratie im preußischen Abgeordneten- a u s e ihre Vertreter hätte. Die Versammlung ist jedoch der An- cht, daß infolge des reaktionären Wahlsystems eine Wahlbetheiligung für die Partei Enttäuschungen bringen wird, da die zweifelhaften Erfolge die von den Genossen aufzubringenden Opfer nicht auf- wiegen können, ganz abgesehen von den Gefahren, die die absolut zum Erfolge nothwendigen Kompromisse für die Partei in sich bergen. Die Versammlung erklärt sich jedoch nichtsdestoweniger für Aufhebung der Kölner Nesolntio», damit den Genossen in den ein- zelnen Wahlkreisen in dieser rein taktischen Frage das Selbst- bestimmnngsrccht gewahrt nnd Gelegenheit geboten wird, durch die Wahlagitation für die Ziele der Sozialdemokratie Propa- ganda zu machen." Der Parteitag für das Herzogthnm Gotha- der am Sonntag in Gotha abgehalten wurde und von über 100 Delegirten aus 36 Orten besucht war, sprach sein Einverständniß mit der Thätigkeit unserer Reichstagsfraktion aus und proklamirte den bisherigen Vertreter im Reichstage, Genossen Bock, einstimmig zum Kandidaten für die nächste Reichstagswahl. Als Delegirte für tamburg wurden Abgeordneter Bock nnd Genosse Wolf ans ietharz gewählt nnd als Vertrauensmann wieder der Genosse H i l d e b r a n d t.— Die Polizei hatte von der Ueberwachnng des Parteitages Abstand genommen. Das„Volksblatt fiir Gotha" be- merkt darüber: Es freut uns, daß die Behörde endlich dazu über- gegangen ist, uns mit dem gleichen Maße zu messen, das sie den anderen Parteien gegenüber anwendet. Möchte sie nun auch die gleichen Rücksichten gegenüber dem sozialdemokratischen Verein walten lassen, dessen einfache Mitgliederversammlungen sogar über- wacht sind. Es wird in unseren Versammlungen kein Wort mehr und kein Wort weniger gesprochen, ob eine polizeiliche Ueberwachung vorhanden ist oder nicht. Ju Chemnitz erklärte sich eine Parteiversammlung für Aufhebung des Kölner Beschlusses. Als Delegirte zum Parteitag wurden die Genossen Hafner nnd Enders gewählt. Die Delegirtenkonferenz der sozialdemokratischen Vereine des 11. b a d i s ch e n Wahlkreises Mannheim, die in W e i n h e i m tagte und von 23 Delegirten aus 11 Orten besucht war, beauftragte den Delegirten zum Hamburger Parteitage, dafür einzutreten, daß il» JotlliW der Kölner Beschluß aufgehoben und die Frage, ob sich die preußischen Parteigenossen an der Landtagswahl betheiligen wollen oder nicht, den Genossen der einzelnen preußischen Kreise überlassen wird. Ferner wünschte die Konferenz, daß der nächste deutsch« Parteitag in M a n n h e i m abgehalten werde. Zur Agitation für die Reichstagswahl soll wieder die „Rundschau" herausgegeben werden, die bei der Wahl im Jahre 1893 gute Dienste geleistet hat. Als Reichs tagskandidat wurde Genosse D r e e s b a ch ausgestellt, derselbe vertritt den Kreis auch auf dem Hamburger Parteitage. Die Parteikonferenz für de» bayerischen Wahlkreis Zwei- brückrii-Pirmafciis stellte als Reichstagskandidalen den Genossen H ö l t e r m a n n auf. Von der Agitation. In allen sieben Wahlkreisen Mecklenburgs wurde ani Sonnlag der 1893er Mecklenburgische Volkskalender verbreitet. Mehrere hundert Parteigenossen waren auf den Beinen, nm die beliebte Agitationsschrist in jedes Dorf und jede Hütte zu tragen. I» Lissa in Posen wurde am Sonntag die erste sozial- demokratische Versammlung abgehallen. Der Besuch war befriedigend. Mit dem Referat des Genossen Schütz erklärte sich die Versammlung einstimmig einverstanden. Polizeiliches, Gerichtliches te. — In Nr. 85 der Frankfurter„ V o l k s st i m m e" vom 10. April d. I. war unter der Spitzmarke„Kapitalistische Theilerei" behauptet, der Aussichtsrath der Frankfurter Lebens- versicherungs-Gesellschaft habe der Direktion eine Summe von 5000 M. als Gratifikation zur Verlheilung an die Beamten überwiesen. Es stand dann weiter in dem Artikel, daß nur ein Theil der Beamten die gleiche Gratifikation wie im vorhergehenden Jahr erhalten habe, ein Theil habe weniger und ein Theil gar nichts erhalten. Ferner hieß es: „Wo bleibt der Gerechtigkeitssinn der Direktion und des Aufsichts- rathes?" Und:„Wer theilte sich den Löwenantheil?" Die Gesell- schaft hatte Klage gestellt. Redakteur Schmidt wurde wegen öffent- licher Beleidigung nnd aus§8 20 und 21 des Preßgesetzes zu 100 M. Geldstrafe und Publikation des Erkenntnisses in vier Frank- surter Zeitungen verurtheilt. — Der Parteigenosse Johann Taubold in Hof, Ber- leger der„Oberfränkischen Aolkszeitnng". hat am Sonuabend eiue zweimonatige Gefäiignißstrafe angetreten, die ihm vom Schwurgericht in Bayreuth wegen Beleidigung auferlegt wurde. Sein Gesuch um Strafaufschub ist abgelehnt worden. GemevKfrszstfklMzes» Berlin und lliugebnug. Der Streik der Kistcnmachcr in der„Aeltesten Berliner Kistenfabrik", Lindenstr. 35, hat sein Ende noch immer nicht er- reicht. Der Kampf der Streikenden wird dadurch verzögert, daß sich eine Anzahl„Arbeitswilliger" gefunden und sich hat verleiten lassen, den Lockungen Gehör zu geben. Aber gut die Hälfte der Ersatzmannschafteu für die Streikenden hat die Fabrik wieder ver- lassen nnd das Häuflein der Getreuen schmilzt täglich mehr zu- sammen. Nicht lange und die„Aelteste Berliner Kistenfabrik" steht wieder leer. Daß sich abermals Arbeiter finden werden, die an der Streikstätte Arbeit nehme», ist nicht gut anzunchmen. Sollte es aber der Fall sein, so wird der Fabrikant dieselben traurigen Er- fahrnngen machen niüssen, wie mit den früheren Nothhelfern, und er wird über kurz oder lang kapituliren müssen. Ein weiterer Streikbruch würde aber die Sache nur nnnöthigerweise verzögern, darum ersuchen die Streikenden um strenge Meidung der„Aeltesten Berliner Kistenfabrik". Tie Firma Borsig-Berli», bei der sich die Former im N»S- stand befinden, sucht in Hannover durch den Giebernieister Gustav Borckert Former anzuwerben. Hoffentlich folgen die Arbeiter diesen Verlockungen nicht. J» der Glasfabrik von Oldenburg ist wegen Maßregelung nnd Lohnabzug ein Streik ausgebrochen. Deutsches Reich. Vom Versamnilniigsrccht in Oberfchlefien. Aus Beuthen wird der„Volksmacht" unterm 13. September geschrieben: Hier sollte gestern ein Sommervergnügen der Tischler stallfinden; Konzert und Tanz waren angemeldet, die Vergnügungssteuer bezahlt: da wurde plötzlich die Abhaltung dieses Vergnügens polizeilich unter- sagt. Weshalb? Man höre und staune: weil in dem eine halbe Stunde von Benthen entfernten Scharley gestreikt wird! Welche Verbindung zwischen dem Streik in Scharley und einem Sommervergnügen der Beuthener Tischler bestehen soll, ist total unbegreiflich. Obgleich also das Fest ausfiel, fanden sich doch eine große Zahl Herren nnd Damen ans Beuthen und Umgegend ein, sie wurden jedoch in der schärfsten Weise durch zahlreiche Polizeibeamte in Zivil nnd Uniform überwacht. Als sich die Anivesenden in verschiedene Restanrauts der Stadt zerstreuten, wurden sie aus Schritt und Tritt von Polizisten begleitet. Andere Vergnügungen waren natürlich trotz des Streiks in Scharley nicht untersagt, in der nächsten Nähe des Lokals, in dem das Sommer- fest stattfinden sollte, war Tanzmusik. In Chcninitz wurden 14 am Geringswalder Stuhlbauerstreik betheiligte Tischler, Drechsler nnd Stuhlbauer wegen angeblichen Unfugs zu Gesängnißstrafen von 2 Wochen bis 4 Monat 3 Wochen und Haftstrafen von 1—4 Wochen verurtheilt. Der Streik der Wolldrnckcr in P e n i g hat gegen einen Streikenden eine Anklage aus grund§ 153 der Gewerbe-Ordnung zur Folge gehabt, die mit der Verurtheilung des Angeklagten zu einem Monat Gefängniß endete. Sämmtliche Böttcher der Brauerei Reisewitz in Dresden sind ausständig. Als Grund wird angegeben, daß der Vertrauens- mann der Böttcher plötzlich ohne ersichtlichen Grund entlassen wurde. Seine Kollegen verlaugten Ziirücknahme der Entlassung und als das verweigert wurde, legten sie die Arbeit nieder. Gegen 8 433 der Gewerbe- Ordniina sollten nach polizei- licher und staatsanwaltlicher Ansicht sechs Hasenarbeiter verstoßen haben. Wegen Verrufserklärung wurden dieserhalb angeklagt: Karl Görlitz, Adolf Decker, Franz Nother, Liobert Luthe, Alb. Pohlmann, Ernst Görtz. Sämmtliche sind Mitglieder des Deutschen Hafenarbeiter- Verbandes in Magdeburg. Sie veranlaßten in einer Versammlnng in Magdeburg am 15. Juni d. I. die Ausstoßung des Arbeiters Hermann Kleinecke aus dem Verbände, weil er während des Streiks Arbeiten verrichtet hatte, die von den Streikenden niedergelegt waren. Nach Antrag des Ersten Staatsanwalts wurde auf Frei- sprechung erkannt, da zur Zeit der Ausschließung des Kleinecke der Streik bereits beendet, er also nicht zu Niederlegung der Arbeit ge- zwungen, vielmehr ihm nur ausgedrückt werden sollte:„Du hast Dich der ferneren Mitgliedschaft unwürdig gemacht nnd wirst zur Strafe ausgeschlossen. Wenn Kleinecke sich dadurch verletzt gefühlt habe, könne er Beleidigungsklage anstrengen,«in Vergehen gegen 153 der Gewerbe-Ordnung liege aber nicht vor. Ju Naumburg befinden sich die Maurer im Ausstand. Die Müncheucr Schuhmacher haben die vom Einignngsamt festgesetzten Abmachungen abgelehnt. Mithin wird der Streik fort- gesetzt. Der Tischlerstreik in A s ch a f f e n b u r g ist beendet. Die Meister haben fast gänzlich die Forderungen der Arbeiter bewilligt. Ei» Bäckerstreik ist plötzlich in Rostock in der Bornhöst'schen Bäckerei, der größten am Platze, ausgebrochen. In der plötzlichen Entlassung eines langjährigen Arbeiters erblickten die übrigen eine Maßregelung wegen gewerkschaftlicher und politischer Anschauungen; sie kamen schnell überein, fich mit dem Entlassenen solidarisch zu '�olmerßllg, IK.Stptelllber 1897. erklären nnd legten insgesammt, bis auf den Werkmeister, die Arbeit nieder. Die Streikenden verlangen, daß der entlassene Kollege wieder eingestellt, sowie, daß den am schlechlesten bezahlten Bäckern eine Lohnaufbesserung zu theil werde. Ausland. Zum Kampf der englische» Maschiiiciibancr. Der Verband der Maschinensabrikaiiten hat gegen die Maschiiienbaner 8 Haupt- beschwerden. Sie lauten: 1. daß der Gewerkverein gegen arbeit- sparende Maschinen ist; 2. daß der Gewerkverein verlangt, die Maschinen sollten nur von Gcwerkoereius- Mitgliedern bedient werden; 3. daß der Gewerkverein die Industrie zum Stocken ge- bracht hat; 4. daß der Gewerkverein den Fabrikanten keinen Frieden giebt, sondern stets neue Forderungen stellt; 5. daß der Verband der Fabrikanten die jetzige extreme Politik des Gewerkvereins veranlaßt hat; 6. daß die Interessen der sogenannten„freien" Arbeiter, die nicht zum Gewerkverein gehören, auf dem Spiele stehen; 7. daß die Arbeiter ihr sauer erworbenes Geld ausgeben in der Hofsniing. Konzessionen von den Arbeitgebern zu erwirken; 8. daß die Forderung nach einem achtstündigen Arbeitstag nur der Vorbote weiterer Fordernngen ist. Die Hochofcn-Bcsiyer des Cleveland-DisiriktZ(England) haben sich mit ihren Arbeitern dahin geeinigt, die achtstündige Arbeitsschicht und die gleitende Lohnskala einzuführen. Sozinses« In der gestrigen Berichtigung Licbknecht'S ist durch Weglassung des Wortes nicht ein Satz unverständlich geworden. Lieb- knecht hat den Vollmar'schen Antrag„als einen Eventual antrag unterschrieben, für den Fall, daß der Sektionsbeschluß--- im Plenum die Mehrheit nicht finden würde."— Früherer Ladeuschlnfi. JnEberswalde haben sich die Mit- glieder des kansinänuischen Vereins der Kolonialwaarenbranche geeinigt, ihre Geschäfte vom 1. September ab bis ans weiteres des Abends um 9 Uhr zu schließen, und in B ä r w a l d e haben, wie berichtet wird, alle Inhaber offener Geschäfte sich ver- pflichtet, während der Wintermonate(vom 1. Oktober bis zum 30. März) ihre Verkanfslokale um 9 Uhr abends zu schließen. Ans- genonimen hiervon sollen nur die Sonnabende, sowie der Monat Dezember sein._ Die früher schon bei der städtische» Baudepiitatiott be- handelte Umgestaltung des W i l h e l in- P l a tz e s beschäftigte gestern die Deputation unter Vorsitz des Stadtraths Voigt von neuem. Es wurden von dem Baurath Krause verschiedene dies- bezügliche Projekte vorgelegt. Die Deputation entschied sich in erster Linie für das Projekt, nach welchem in der Verlängerung der Mohrenstraße über den Wilhelmsplatz eine Fahrstraße angelegt werden soll, in der Art, daß zu beiden Seiten der Denkmäler von Ziethen und Dessaner der Fahrverkehr sich bewegt. Die beiden Denkmäler werden mit einem schmalen, mit gärtnerische» An- lagen zu versehenden Landstreifen verbunden werden. Falls jedoch von zuständiger Stelle eiue Versetzung der Denkmäler genehmigt werden soll, so ist in zweiter Linie in Aussicht genommen, die Voß- straße über den Platz gradlinig zu verlängern und die beiden Denk- mäler in der Mitte dieser Verlängerung zu beiden Seiten der Fahr- straße anfzustellen, so daß der schmale Rasenstreifen in Fortfall kommen kann. Die Lazarns-Kirchgemeinde hat bei dem Magistrat beantragt, ihr einen der Stadtgemeinde gehörigen öffentlichen Platz zum Bau einer Kirche zu überweisen, in welchem Falle die Gemeinde gutigst nuf die ihr zustehende Gerechtsame ans der vielumstriltenen Kon- sistorialordnuug von 1573 verzichten wolle. Die Bandepntation hat wirklich beschlossen, den städtischen Behörden zu empfehlen, der Ge- meinde die sogenannte Weberwiese vor dem Frankfurter Thor zu überlassen.— Ferner war Gegenstand der Berathung die Verbreiterung der Roß straße. Die grundsätzliche Entscheidnng dieser Frage ist insofern dringend geworden, als der Neubau der Roßstraßeu-Brücke für die nächste Zeit ins Auge gesaßt ist und daher es nothwendig geworden ist, die Breite der definitiven Brücke festzusetzen. Die Baudeputation hat sich grundsätzlich für eine Verbreilcrnng der Roßstraße auf 19 Meter cutschieden und gleichzeitig bei Aufstellung des bezügliche» Projekts soll auch in Rücksicht gezogen werden, in welcher Weise die 19 Meter breite Roßstraße mit der Breitenstraße in Verbindung gebracht werden soll, nm an ihrem Berührnngspunkt geregelte Zu- stände zu schaffen.— Um bei der Weidendamm-Brücke endlich geregelte Zustande zu schaffen, soll das von der Stadtgemeinde erworbene Grundstück Friedrichstr. 104 zum 1. März k. I. vollständig mieths- frei gestellt werden, damit sofort im Anschluß daran mit dem Ab- brnch des Gebäudes und mit der definitiven Pflasterung des Dammes nnd Aufhöhung und Negnlirnng des tiesliegenden Bürgerstciges in Angriff begonnen werden kann.— Die Baudeputalion hat die Mittel für die Regulirung des Polsdamer Platzes in den nächst- jährigen Etat einzustellen beschlossen und wird der Gemeindebehörde um die Genehmigung hierzu ersuchen. In der unter Vorsitz des Stadtsyndikus Weise gestern statt- gehabten Sitzung der städtischen B a u- D e p n t a t i o n sür Hochbau gelangten die Entwürfe zum vierten städtischen Kranken- hause in der See straße, zum Kinder-Asyle in der Kürassier straße und zur Turnhalle an der Klo st er- k i r ch e zur Vorlage. Das vierte städtische Kranken haus besteht ans 62 einzelnen Gebäuden, hat 1650 Betten nnd nimmt mit dem Personal über 2200 Menschen auf; die Gebäude sind in durchaus fynietrischer Weise so projektirt, daß ein Theil des ursprünglich hier- für bestimmlen Bangrundes nicht beansprucht wird, und anderwärts verfügbar bleibt. Der Boranschlag beträgt 13 100 000 M. Die in den letzten Jahrzehnten in hygienischer Beziehung gemachten Erfahrungen sollen bei dem Bau im Interesse der Kranken soweit irgend möglich be- rücksichtigt werden, die dekorative Ausschmückung der Fagaden ist da- gegen einfacher als bei den in den letzten Jahren in Berlin und auch in kleineren deutschen Staaten ausgeführten Krankenhäusern. — Das Kinderasyl in der Kürassierstraße enthält in zwei Stockwerken 50 Betten; die Fa?aden find ohne jedes Ornament projektirt worden.— Die Turnhalle an der Klosterkirche soll entsprechend der Kirche als märkischer Rohziegelbau mit Terra- kottcn zur Ausführung kommen. UoKkrtes» lieber Auswüchse des RadfahrsportS schreibt der„Hann. Courier" unter anderem: In Sporlkreisen selbst beklagt man sich neuerdings lebhaft über die Auswüchse des Radfahrerlhums; man hat auch Versuche gemacht, diesen Auswüchsen Einhalt zu thim, aber ohne den geringsten Erfolg. Die berühmten internationalen Berufs- fahrer starten vielfach nur noch, wenn die Rennbahnleitungen ihnen außerordentliche Vergütungen gewähren. Die Folge ist eine Hinauf- schraubung der Eintrittspreise, die kaum noch im Verhältuiß stehen zn dem, was geboten wird. In demselben Maße werden die Preise. die den startenden Wettfahrern winken, in die Höhe geschraubt. Das sportliebende Berlin ist jetzt stolz darauf, daß es einen„großen Preis von Berlin" giebt, der größer ist, als die„großen Preise" von Wie», London und Paris. Der„große Preis" von Berlin beträgt 10 000 Mark. Davon wird der erste Sieger 7500 Mark erhalten. Jetzt haben die Vorläufe stattgefunden, und die 12 Sieger aus diesen werden am nächsten Sonntag um die Entscheidung ringen. Ans zwei Tage muß die Geschichte nämlich vertheilt werden, damit das Publikum zweimal bezahlt. Anderenfalls käme nicht genng dabei heraus. Der Leser wird fragen, wer di» 10000 M. gestistet hat. Antwort: Ein Lokalblatt, welches nach berühmten Muster» in der Gründung des»großen Preises vo» Berlin'«in neues Mittel, wirksame Reklame für sich z>» machen, erblickte. Das Blatt leitete »n dein Zwecke eine öffentliche Sammlung ein. Die Beiträge liefen jedoch so spärlich ein, daß, wie man erzählt, schließlich der Besitzer des Blattes in sein« Tasche greifen und den größten Theil der 10 000 M., etwa drei Viertel, hinzulhun mußte. So ist der»große Preis von Berlin" zu stände gekommen, de» wir als eine» der schlimmste» Auswüchse des moderne» Sportweseus bezeichnen. Der- jeuige der 12 auZerwählten„Flieger", der am nächste» Sonntag die Entfernung von nur tausend Metern am schnellste» zurücklegt, erhält für diese Leistung 7S00 M.! Die Ausstellung Trauövaal befindet sich in finanziellen Ver- legenheiten, lveSwcgen gestern Vormittag eine Gläubigerversammluug abgehalten wurde. Wie gemeldet wird, wnrde» die Verbindlichkeiten der Gesellschaft anf 689 829 M. angegeben. Die Aktiva wurden bc- zifferl mit 988 8l3 M. Unter den Aktive» sind allerdiugs die Ge- väulichkeiten mit 744 177 M. aufgeuommeu. Ohne Widerspruch irgend eines Gläubigers wnrde beschlossen, unter allen Umständen das Unternehmen ausrecht zu erhallen und fortzusühren. DaS Kuratorium der Berliner N»faNstatio»e»i ist zur Zeit mit der Vorbereitung zur Errichtung der Xl. n n d XII. Unfall- ftfa t i o n, welche wiederum als modern-chirnraische Berbandstnlten »nit ärztlichem Tag- und Nachtdienst ansgestatter werden, beschäftigt. Diese beiden Stationen werden im Westen und im Süden der Stadt ihr Domizil habe». Di«»icuc PotSdamcr Briiike wird noch im Laufe dieser Woche soiveit ferliggestellt werden, daß dann sofort zu- nächst der Fahrdamm und der östliche Fußsteig dem Verkehr üb ergebe n werden können. Der westliche Fußsteig, bei welchem die Leguug der großen Gasröhren unterhalb der Pflasterung noch einige Zeit in Anspruch nimmt, wird vorläufig vom Fahrdanmi durch «inen höheren Zaun abgesperrt werden, mit dessen Errichtung jetzt begonnen worden ist. Königliche Bibliothek. Die nach§ 1 der Benutzungsordnung zur Reinigung der Bibliothek bestimmte Echlußwoche im September wird in diesem Jahre mit Genehmigung des vorgeordneten Ministeriums auf di« Woche vom 27. September bii 2. Oktober verlegt. Sine Rrportcr Vnte Die Ober-Postdirektion sendet an bürgerliche Blätter folgende Mittheilung: Durch einen Theil der hiesigen Presse ist in den letzten Tagen die Mittheilung über«in« Unter- reduug deZ Poslinspeklors Wahle mit einem Zeitungsberichterstatter gegangen. Die Darstellung dieses, übrigens ohne Austrag der Ober-Postdirektion stattgehabten Vorganges ist nicht zutreffend. Thatsache ist, daß der Poslinspektor Wahle den Berichterstatter darauf hingewiesen hat, wie die Postbeamten verpflichtet seien, unbekannten Personen gegenüber jede Auskunft über innere post- dienstliche Verhältnisse und jede Einsichtnahme in den Brief- und Packetverkehr zu verweigern. Alle sonstigen Angaben und Folgerungen, sowie die Unterstellung, daß die Ober-Postdirektion gegen den Herrn Staatssekretär intrignire und sich dazu der Presse bediene, eulbehre» jedweder thatsächliche» Unterlage und charakterisireu sich lediglich als böswilltge Erfindungen. Gegen den Urheber der Mittheilung ist von der kaiserl. Ober-Postdirektion schon unterm 13. der Strafanlrag gestellt worden. ElendSstatistik. Im Männerasyl des Berliner AsylvereinS für Obdachlose nächtigten im Monat August 21218 Personen, im Frauen- asyl 2867 Personen. Arbeitsnachweis erbittet der Berein für Männer Wiesenstr. bö-v9, für Frauen Fttsilierslr. V. Eine Berichtigung auf grmid des§11 ließ uns der Schneidermeister Briese kürzlich zn dem Artikel zusenden, den wir unter der Stichmarke»Ein Hanswirlh als Staufbold' gebracht hatten. Dies« Rechtfertigung veranlaßt nun die Augenzeugen zu einer abermaligen Erörterung des Falles, in welcher von der Berichlignug des Haus- wirths allerdings nicht allzuviel übrig bleibt. Herr Briese ist nach der u»S nunmehr übersandten Darstellung an dem Schreckeustage vor zehn Uhr abends mit Schimpfe» an die Thür des Portiers ge- kommen, weil dieser das Gas noch nicht ausgelöscht halte, des- gleichen habe er bald darauf anf dem Hose die Frau des Portiers vor die Brust gestoßen. Als der Portier sich diese Rohheit verbeten hätte, habe Briese ihn mit dem Hammer vor die Stirue geschlagen, sodaß der Getroffene zur Erde getaumelt sei. Desgleillzen sei der Arbeiter Henke, der sich des verletzten PortierS annehme» wollte, von Briese geschlagen worden. Was un» den gerichtlichen Anstrag der Sache betreffe, so müsse die Sache gerade umgekehrt liegen, wie Briese eS darstelle» lasse; wie nicht anders zu erwarten gewesen, sei von den Verletzte» gegen de» Hanswirlh Strafanlrag gestellt worden. Wege» Vcrnntrcunng von mehr al« 20 000 M. ist der Buch- Halter Berihold K. festgenonime» worden, welcher seit 4 Jahren in einem Seidenwaarcngeschäft in der Potsdamerstraße beschäftigt war, und zu dessen Verrichtungen die Führung der Uass« und des Kassa- buches geHörle. Ter Polizeibericht meldete kürzlich, daß ein wegen Diebstahls und Körperverletzung zn laugjährigen Zuchthaus- und Gefängniß- strafen vernrthciller Arbeiter Gustav Ulrich in der Weidingerstraße »in Kind an sich zn locken versucht habe und dann von dem der Mutter des Kindes zur Hilfe gekommenen Kntscher Fleischmann über den Kopf geschlagen worden sei, so daß er besinnungslos liegen ge- blieben wäre. Zu dieser Mittheilung sendet uns der vor«inigen Tagen ans dem Krankenhanse entlassene Arbeiter Ulrich folgende Richtigstellung: „Es ist unwahr, daß ich wegen Diebstahls zu Zuchthaus verurtheilt worden bi«! ich bin vor einer Reihe vo» Jahren nur wegen Körper- Verletzung bestraft worden. Es ist ferner unwahr, daß ich die Tochter der Witlwe F. an mich zu locken versucht habe, auch kann ich. da ich nie ein Messer bei mir trage, den Kutscher Fleischmaun nicht, wie gemeldet wird, mit einem Messer bedroht haben. Der Fall liegt vielmehr so, daß ich von einer in der Weidingerstraße wohnenden Frau Lehmann den Belrag von 5,50 M. etuforderu wollte, den sie mir seit langem schuldete. Ich stand vor dem Hans», wo meine Schuldnerin wohnen sollte, wollte ein« List anwenden und ein aus der Thür kommendes Mädchen beanstragen, sich zu erkundigen, ob Frau L. zn Hanse sei. Das mir unbekannte Kind muß aber meine Worte falsch verstanden haben.«S lief fort und kam nicht wieder. Als daraus fünf Minuten mit Warten vergangen waren, kam Plötz- lich die Mutter des Mädchens und attackirte mich ohne jede Ber- anlassung, so daß ich mich mit bloßer Hand wehren mußte. Bald erhielt st« von einem Mann Sukknrs; das Resultat dieses Kampfes dürfte noch erinnerlich sein, ich wurde derart verletzt, daß ich be- siunungslos in ein Kiankenhans gebracht werden mußt». Ich selber werde die Angelegenheit vor Gericht zm» AnSlrag zu bringen suchen. Gustav Ullrich." DcS versuchten KindeSmordcS wird die verehelichte 22 jährige Müller beschuldigt, welche gestern Abend den Versuch gemacht haben soll, ihr Kind dadurch zu tödlen. daß sie es unter einen Wagen warf. Die Beschuldigte wurde festgenommen und nach der Polizei- wache am Büschingptatz überführt. Der Säugling, der glücklicher- weise nur eine leichte Haulabschürfung erlitten hatte, wurde dem städtischen Waisenhause übergeben. Fencrbericht. Im Haus« Manteuffelstr. 82 brannien gestern früh um 5 Uhr die im Erdgeschoß und«ine Trepp« hoch liegenden Tischlerwerkstätten von Emil Sauer und Rudolf Barthel. Einige „och nicht fertiggestellte Möbel und Klavier« wurden v«r>iicht-t. ferner wurde die zwischen beiden Werkstätten liegende Balkendecke beschädigt. Es liegt anscheinend Brandstiftung vor. doch ist der Thäter bis jetzt noch nicht ermittelt. Rrbeiterrisiko. Ein schwerer Unfall ereignete sich gestern Mittag anf dem Neubau Schönhauser Allee 160. Beim Einrichten von Dielen kamen drei Arbeiter in dl« Gefahr, ans dem dritten Stockwerk abzustürzen. Zwei sprangen noch rechtzeitig zurück und wurden leicht verletzt. Der dritte fiel in das Kellergeschoß hinab und wnrde in bedenklichem Zustand in daS Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Es ist ein Arbeiter Rnnde aus Weißensee. UnalitikSfälle im Straßenverkehr. Morgens wurde der Ar- beiler Wilhelm Polenz in der Greisswalderstraße mit einer anscheinend von einem Falle herrührenden Verletzung im Gesicht be- wußllos auf dem Bnrgerfteig« liegend aufgefunden und nach dem Krankenhaus« am Friedrichshain gebracht.— In der Neuen Friedrichstrahe fiel der Buchhalter Albrecht Engelhardt in Krämpfen hin und zog sich durch den Fall anf daS Pflaster eine Verletzung über dem linken Auge zu. Er wnrde nach der Unfallstation I gebracht.— Die obdachlose, unverehelichte Arbeiterin Bertha Kreuz wnrde auf einer Treppe des Hauses Hagclsbergerslr. 82 von Krämpfen be- fallen, stürzte mehrere Stufen rücklings hinab und erlitt durch das Aufschlagen des Kopfes auf eine Treppenstufe eine erhebliche Wnttde. — Beim Ueberschreilen des Fahrdammes wurde der Arbeiter Wilhelm Krüger in der Spandanerstlaße von einem Pferdebahnwagen der Linie Tönhoffsplatz— Lichtenberg angefahren und zu Boden ge- morsen, wobei er einige leichte Hanlabschnrsnngen am linken Arm und an der linken Hüfte davontrug. Den Kntscher des Pferdebahn- ivageus trifft keine Schuld an dem Unfall, da er mehrmals das Glockenzeichen gab. de» Krüger anrief und den Wagen durch Bremse» zum Stehen zu bringen suchte.— Als Frau Sekretär Wollenbcrg ans Steglitz in der Wilhelmstraße mit ihrem fünsjährigen Sohn an der Hand den Aahrdanim überschreiten wollte, riß sich der Knabe plötzlich los und lief in eine in ruhigem Trabe die Straße entlang fahrende Droschke hinein. Da es dem Kutscher nicht mehr möglich war. den Wagen zum Stehen zu bringen, wurde der Knabe überfahren und erlitt eine leichte Quetschung am linken Oberschenkel. — An der Ecke der Markus- und Langenstraße fuhr vormittags die 23 jährige Schneiderin Alma Köditz auf einem Zweirade gegen einen Bierwagen, gcricih unter die Räder und erlitt schwere innere Ver- letzungen.— Am Montag Nachmittag fiel der Arbeiter Gustav Schennnel in der Koppenslraße vo» dem Trittbrett einer zum Umzüge benutzten vollgepackten Droschke während der Fahrt herab n»d verletzte sich so schwer am Kopse, daß er in der darauf folgenden Nacht seinen Geist aufgab. Dhealer. Im Schtller-Theater kommt nächsten Sonntag zum ersten Male in dieser Satsim Grillparzer's„Des Meeres und der Liebe Wellen" mit den Damen Panly, Lobe, Werner, und den Herren Bach, Winteistein, Pategg in den Hauptrollen zur Auffühmng. In der Sonntag- abend-Vorstcllung geht das vieraktige Lustspiel„Die Kinder der Exzellenz" von E. v. Wolzogen und W. Schuiiiann in Scene. Heute und morgen finden Wiederholungen von Anzcnaruber's Bauenikoniödte„Die Kreuzet- schreider" statt.— DaS Ostend-Theater bleibt heute, der scenischeu Schwicriglcitcn zur Novität wegen, geschlossen. Freitag geht zum ersten Male das burlcstc charakteristische Zeitgemälde„New- Rummelsburg" in Seen«. Die Dekoration des 1. Aktes: Salvnwagen eines ainerikaiilscheii Expreßzuges, stammt aus dem Atelier von Müller u. Schäfer. Stils de» Nnchbarorteu. Uns Rixdvrf. Wegen angeblicher Silllichkeitsverbrechen wurde der Obermälzer P. Hierselbst in Hast aenonimen.— Am Dienstag fand in den Rollbergen zwischen Münchener- und Reuterstraße eine Sprengung statt, da vielfach die Abhänge der Lehmberge derartige Riss« zeigte», daß jeden Augenblick ein Einsturz drohte, der den Passanten liiiter Umsländen sehr gefährlich werden konnte. Die Spreiiguilg verlief besriedigeud.— Der hiesige Grundbesitzer-Verein will an die Omilibus- Gesellschaft.Reform" in Berlin um Ein- richtung zweier 5 Pfeilliig-Slrecken vom Bahnhof Rixdors bis zum Hermannplatz und die Hcrinaniistraße hinauf bis zum Emmans- Kirchhof petilioiiireii, da die Pferdebahn den Verkehrsbedürsiiissen ans diesen Linien durchaus nicht gerecht werden will. Anf dem Terrain der auf Anregiing der Firma Borsig ge- planten„Heimstälteiikoloilie" für Arbeiter an der Tegeler Ehaiissec soll zunächst der Bau von 70 Häusern für 1 oder 2 Familien in Angriff genommen werden. Die Arbeiter, die die Häuser beziehen, haben das Anlagekapital mit 6 pCt. zn verzinse», davon werden 2/z als Miethe und Vi als Amortisation in Anrechniing gebracht. Wie derartige„Wohlthaten" ans die ökonomische Lage und die persönliche Freiheit des Arbeiters einivirken, braucht nicht erst aus- einandergesetzt zu werden. Sie sind bei alle» Lohnbewegungen, bei allen selbständigen Bewegungen ein schwerer Klotz am Berne des Arbeiters. Soziale Kcjvchlkspfleüe» Eine LohliciitschädigilllgS-Klage gegen die Bnchdrnlkfirma Otto ElSncr hatten di« Setzer R. und W. bei dem I n n u n g s- Schiedsgericht des Bnndes der Berliner Bnchdrnckereibesitzer angestrengt. Der Anlaß zu diesem Rechlsstreit wurde wieder einmal durch das sogenannte»Aussetzen der Arbeit' gegeben. Die Kläger waren bei obiger Firma im Berechneil(Akkord) bc- schäsligt und mußten wegen angeblichen Mangels an Schriftmalerial an einem Borinittag um 10 Nhr aussetzen, bei welcher Gelegenheit ihnen versprochen wurde, daß sie nach ca. acht Tage» die Arbeit wieder aufnehmeii könnte». Nach Ablauf dieser Frist versprach der Faktor Krafft den betreffenden Setzern die bestimmte Wieder-Ein- stelliing nach weiteren acht Tagen; bis zu dieser Zeit würde ge- , lügendes Schrislmaterial vorhanden sei». Dieses Versprechen wurde nicht gehalten, vielmehr ivurden die Plätze anderweitig besetzt, so daß die Betheiligten sich als eiitlaffeii zu betrachten halten. Da die beiden Setzer mit Rücksicht auf die voraussichtliche Weiter- beschästigung sich i» der verstrichenen Zeit nach anderer Arbeit nicht umgesehen halten, glaubten sie sich durch die ge- machten Bersprechuiigen geschädigt. Sie llaglen anf eine den Durchschnitts- Wochcnverdienst von 30 M. entsprechende Lohn- ciitschädignng für die Zeit des„Anssetzens". Der Vertreter der Beklagte», Herr Faktor Krafft, lehnte einen vom Jniiniigs-Schieds- gericht vorgeschlagenen Vergleich mit der Bemerkung ab, daß er sich in seinem gnlen Recht befinde: da Külldiguilgsalisschlub vorhandeii, konnten Kläger jederzeit enllassen werden. Das Schiedsgerick�t wies den Klageantrag als zu iveitgehend mit der Begründnug zurück, daß Kläger den erwähnten Lohnansfall auch dann gehabt hätten, wenn sie wieder weiter beschäftigt worden wären. vernrtheilte jedoch die Beklagte zur Zahlung von 8.35 M. an jeden Kläger unter folgender Erlänternng: Das Aussetzen sei hier gleich- bedeutend mit Entlassung anzusehcn und demnach sei der Tag, an welche»! das»Aussetze«' erfolgte, voll zu entschädigen; ferner wäre von Seiten des Faktors den Setzern di« Wiedereinstellnng an einem bestimmten Tage zugesichert worden und daher sei dieser Tag den Klägern ebenfalls zu cnlschädigen., DaS ReichS-Perslcherullgöaillt hat sich schon oft als Rekurs- i n st a Ii z bewährt, da es als solche in der Lage war, dle T h a t- s a ch« n nachzuprüfen. Auch der Bergmann St. hatte Vortheil von dieser Eiiirichtiing. Die Berufsgeiiossenschaft wollte ihn auf grund ärztlicher Gutachten einen Betriobsnnfall mit S3>/z pEt. der Vollrente enlschädigen. K. war aber danitt nicht einverstanden, sondern legte Be- rnfililg ein. Das Schiedsgericht hielt indeff«» ebenfalls üg>/, pCt. fürgenügeiid und wies ihn initderMehrfordernngab. NnniiiehrergriffK. da? Rechtsmittel des Rekurses. Er erschien persönlich vor dem Reichs-VersicheruiigLaiiit. obwohl er ein« weite Reise zu mackien hatte. Die verletzte Hand wurde von den Siichtern in Allgenscheill geiioinineii. Der Vorsitzende Sasse fand dabei heraus, daß nicht nnr, wie so lange als feststehend galt, der Ring- und Mittelfinger, sondern daß auch der kleine Finger iinbeweglich und unbrauchbar sei. Das ReknrSgericht«rhöhle darauf die Rente von SS'/z pCt. auf 40 pCt. der Vollrenle. Man dilligte ihm außerdeni 25 Mark Reisekosten zu. Dieser Fall beweist wieder, daß es sehr gui ist, wenn die Verletzlen möglichst persönlich vor dem Reichs- Versicherungsamt erscheinen. Da nun aber die Kosten weiter Reisen für Arbeiter zn hoch sind und die Arbeiter sich durch das Risiko, abgewiesen zu werde», meist von der Reise abhalten lassen, so müßten ihnen die Kosten ganz a l l g e m e i»gesetzlich gewähr- leistet werden. Staat, Kommunen oder Berufsgenoffeiischasteii inüßten verpstichtet werden, sie zu tragen. Zur Zeit springt die Stadt Berlin als Armenbehörd« ein, wenn ein Arbeiter persönlich erschienen ist, seinen Prozeß verliert und kein Geld zur Rück- reise hat. Gerichts-'Jeikuns. Eine wunderliche Geschichte weiß ein Gerichts-Berichierstalter zu meldeu. Danach ist ein Ermittelungsverfahren „wider Ungenannt", welches schon vor Monaten eingeleitet wurde, während der Gerichlsferien jedoch ins Stocken gerathen zn sein schien, jetzt, nachdem die Ferien zn Ende sind, energisch wieder aufgenommen worden. Es handelt sich dabei um die Ermittelung der geheimen Mittel nnd Wege, mit denen es möglich ist, den bemittelten Uiiteisuchiiilgsgefaligenen gleich nach ihrer Einliefernng ins Gefängniß bestimmt« Anwälte als Verlheidiger zuzuiveiseii und zwar für die mänulichen Gefaiigeiien immer denselben»einen", wie für die weiblichen Gefangenen den- selben„anderen", was selbst in solchen Fällen vorlonimt, in denen Gefangene in der Freiheit bereits einen juristischen Sachwalter haben. Man kennt behördlicherseits den„Einen" wie den»Andern", man glaubt auch den Weg zu kennen, aus welchem den Gesaiigeiien der von ihnen freiivilligznivählendeVeriheidigersnggerirtlvlrd. aber man möchte doch auch gern di« Personen kennen lernen, welche sich unbefugt an- niaßen, die Vertheilung der Anwaltspraxis für die Slrafablheilnng der beiden hiesige» Landgerichte in die Hand zu nehmen. waS weder nach der Aliwaltsordnuiig, noch nach der Strafprozeß-Ordnnng, ge- schweige denn nach der Gefängniß Ordnung zulässig ist. Für die energische Fortsetzung dieses ErmitteliiiigsverfähreilS spricht die That- fache, daß schon für die nächste Zeit verschiedene Juristen Vor- ladiingeii erhalten haben, um über ihre Ersahrnngeii über dieses Thema in Sachen„wieder Unbekannt" vernommen zu werden. Das Vcrhältnisi zwischen Karrcilhändlern und Tchnhlcntcn wird durch einen Fall charakterisirl, der den Handelsmann Oskar Keßler gestern vor die 6. Ferienstrafkammer des Landgerichts I führte. Durch Zeiigeiiailssagen wurde folgendes festgestellt: Der Angeklagte war von einem Schntzmann aufgefordert worden, mit seinem vor der Markthalle in der Lnckauerslraße haltenden Hunde- wagen weiter zn fahren und keine feile Handelsslelle einznnehme». Als derBeamle Miene machte.denWagen anznfnssen, schrie ihm dcrAngeklagle entgegen:„Wenn Sie den Wage» anfassen, Hetze ich den Hund anf Sie!" Nach ver Bekniidnng dcS Schntzwaniies hat er denn anch den Hund durch die Worte„Cäsar, beiß ihn!" zu lautem Gebell veranlaßt. Ter Schntzmann wollte darauf den Angeklagten zur Wache sistiren, fand aber den hestigsten Widerstand, der Anaeklagte schlug ihm sogar den Hesm vom Kopf. Das Schöffengericht halte den Angeklagten wegen dieses Auftritts zu vier Wochen Gefängniß verurtheilt und die Berufinigskanimer, die der Angeklagte angerufen halte, fand keine Veranlassung, das Urtheil abzuändern. Drei Fabrikarbeitcriiliml aus Stralau staiiden gestern vor der 137. Abiheilung des Schöffengerichts unter der Beschuldigung, den Jiistizsiskns betrogen zu haben. An einem Apriltage hatten die Allgeklagten einen Termin ivahrzunehuieil. Als sie bei der Empfang- nähme von Zeugeiigebühren gefragt ivurden. wie viel sie versäumt hätten, erklärten die Gefragten, daß sie 3 Mark 50 Pf. ver- dienten. Sie erhielte» daranshin jede 3 Mark 50 Pfennige Zeugeiigebühren ausgezahlt. Später wurden Ennittelniigen angestellt, welche ergaben, daß der Verdienst der Angeklagten zwischen 1,50 M. nnd 1,75 M. schwankte. Die Angeklagten gaben dies zn, die Sache biete aber doch ein anderes Bild. In der Fabrik, in der sie beschäftigt seien, sei eZ eingeführt, daß außer dem Wochenlohne noch eine Prämie von 1,30 M. ausgezahlt werde. Dies geschehe aber mir, wenn eine Arbeiterin im Laufe der W oche nicht gefehlt habe; andern- falls koiiime die Prämie in Abzug. Da sie iiun wegen Wahrnehmung des Termins auf die Wochenprämie von 1 M. 30 Pf. verzichten mußten, so hätten sie sich für vollauf berechtigt gehalten, diese» Bc- trag zu dem Tagesverdienst hiilziijurechneii. Da durch die Beweis- aufnähme die Angaben der Angeklagteii bestätigt wurden, so fällte der Gerichtshof ein freisprechendes Urtheil. Auf diese Weise kann es kommen, daß der Staat die Prämien für die Fabriken bezahlen muß. Ein bedenkliches Verfahren, um niedrige Arbeitslöhne zn verbessern, hat der Kaufmann Max R a d l o f f auf der Werft Vulkan bei Stettin angeivendet. Er ist am 8. Juli d. I. vom Landgerichte Stettin wegen Betruges zu einem Jahre sechs Monaten Gefängniß nnd zwei Jahren Ehrverlust verurtheilt worden. Dreizehn Arbeiter des Vulkan sind wegen Beihilfe zum Betrüge vernrlheilt nnd zwar hat einer von ihnen zwei Monate, die übrigen dagegen sechs Wochen Gefängniß erhalten. R a d l o f f war bei der genaiinien Maschiiienbau- Aktien- gesellschast als Bnreaubenmter mit einem Gehalte von 120—130 M. monatlich angestellt und Halle die Akkordlöhne der Arbeiter zu be« rechnen. In einer Reihe von Fällen hat er nun den Mit« angeklagten höhere Löhne angerechnet, als sie zn beanspruchen halten lind sich bei der stets vorgenoininenen Kontrolle der Entdeckung durch verschiedene Manipiilatioiien entzogen. Von den Arbeitern, die zu viel Geld erhalten batten, lieb er sich meistens Theilbeträg« des zuviel gezahlte» Lohnes aushändigen. Dicses Geld zu erhalten, war natürlich das Motiv seiner Handlungsweise, wobei er voraussetzte. daß die Arbeiter, wenn sie wenigstens einen Theil deL Mehrbetrages für sich behalten toniiteii. sein Treiben nicht vcrrathen würden. Es ist festgestellt, daß der„Vulkan" auf diese Weise um 3726 M. geschädigt worden ist. Von diesem Betrage sind 752 M. durch die Einbebaltniig fälliger Löhne gedeckt worden.— Gegen daS Urtheil hatten Radloff lind iieilii von den Mitangeklagte» Revision eingelegt, welche gestern vor dem itteichsgerichte zur Verhaiidlnng kam. Radloff's Beschwerden richteten sich nnr gegen die thaisächlichen Feststellungen und konnten deshalb von vornherein keine Beachlung sinden. Die übrigen Angeklaglen behailptelen, sie seien zn unrecht der Beihilfe zm» Betrüge für schuldig erachtet morden, da die That des Radloff bereits vollendet gewesen sei, als sie in Tßätig- keit traten.— Das Reichsgericht verwarf die Revisionen der sämmllichen Beschwerdeführer. Ter Betrug, den Radloff beging, sei in Wirklichkeit erst durch die Auszahlung der Medr- betrüge an die Arbeiter vollendet worden; die letzteren hätten deshalb durch die Annahme de» Gelbes sich der Beihilfe zum Be- trüge schuldig gemacht. Unter diesen Umständen sei es gleichgillig. ob eine Beihilfe zum Betrug« darin liege, daß einzelne der Mit- angeklaglen dem Ltadloff einen Theil des Geldes zurückgegeben haben. Streik und Slrnicnpflegc. vor dem BezirkSansschnß ,» Hain« bnrg gelangte eine Klage des Hamburger Armenverbandes zur Erledigung, welche derselbe gegen den Harburger Ortsarmcn» Verband auf Rnckerstattuiig der Kosten der Armenliiiterstützung, welche»in in Harburg«nterstützniigswohnsitzberechligter Maurer in Hamburg erhalten hatte, angestrengt hatte. Der Maurer war arbeitslos, hatte eine kranke Frau und zwei Kinder zn ernähren. Der Harburger Armenverband lehnte indessen ans dem Grund« die Kostenerstattung ab, weil die Armeiiunterstiitznng während des Aiisstandes der Hafenarbeiter in Hamburg erfolgt n ar, zn welcher Zeit, wie die Armcnbehörde geltend machte, der Unterstützte, wenn auch nicht als Maurer, so doch als Hafenarbeiter jeden St n gen blick lohnende Beschästig ting hätte sinden k ö n Ii e n. Ter Maurer räumte ein, daß er als Streik- brrcher hätte Arbeit erhallen nnd so viel verdienen können, daß er ohne Armenniiterslützuiig seine Familie hätte ernähren lönneii, wies jedoch daraus hin, daß er sich als Streikbrecher unehrlich und für ssiäter dauernd brotlos gemacht haben würde, da nach Beendigung des Streiks alle Streikbrecher allmälig ans jeder Arbeit verdrängt worden seien. weil niemand mit solchen hätte zusammen arbeite» wollen. Der Bezirksausschuß wies die Klage dcs Hamburger Slrnieiiverbandes mit der Begründung ab, daß jemand, der sonst zu körperlicher Arbeil sähig sei und notorisch lohnende Arbeit finden könne, nicht aus öffentlichen Mitteln unterstützt iverden dürfe, da ein solches Veisahren geradezu«ine Begünstigung desStreike n s darstelle. Wenn alle streikenden Familienväter von Aintsivegen>l»terstütz> werden sollte», so würde ein Streik niemals ein Ende erreichen. Aus die Furcht desHilfsbedürflitzen.späteralsStreik» brecher für die Annahme von Arbeit büßen z» müsse», könne uiimvg- lich Rücksicht geuonnnen werden. Wenn jemmid in Roth sei, so müsse er für den Augenblick jede sich ihm bietende Arbeitsgelegenheit an- nehmen und dürfe sich mit Hinsicht aus die zu befürchtenden Folgen, die ihn nls Streikbrecher treffen könnten, dieser Verpflichtung nicht entziehen. Thne er dies dennoch, so sei die Armenverwaltung nicht verpflichtet, ihn oder seine Familie aus öffentlichen Mitteln zu unterstützen, könne daher auch— wenn sie trotzdem solche Unterstützung leiste— nicht die Kostenerstattung von dem zur event. Unter- stiitzung verpflichteten Armenverbande verlangen. Eine Anschauung, die dein Unternehmerthum wie aus der Seele gesprochen ist. VevfmttmlttttAen. In» Voreil» der Plätteriniicu referirte P erth über die vlusbentung der weiblichen Arbeitskraft. Beschlossen wurde, im Oktober ein Vergnüge» zu veranstalten. Ter Zelitralverci» der Bnrcaii-Riigcstcllten Deutschlands (Mitgliedschaft Berlin) hielt am 9. d. M. seine Monatsversammlung ab. In derselbe» fand zugleich die Urabstimmung statt. Hierzu führte Brille näheres über die seitens des Zeulralvorstandes gestellten Anträge ans und empfiehlt dieselben zur Annahme. Bei den weiteren Anträgen(Statutänderung zc) entspann sich eine lebhaste Disknssion. Unter Verschiedenem wurde eine neue Vibliotheksordnnng sestgesetzt und einige Jnternas erledigt. Zum Schluß machte Bauer die Mittheilung, daß am IL. d. M., abends S'/e Uhr, in der Brauerei Pichelsdorf eine öffentliche Versammlung stattfindet. Dieselbe ist seitens des Spändauer Geiverkschaftskarlells einberufen morden. Ferner wird auf den am 19. d. M. nach Sadowa stattfindenden Ausflug hingeivieseu. Treffpunkt Vormittag 9—10 Uhr Waldscheuke (Bahnhof Sadowa). Für Nachzügler Nachmittag 2—4 Uhr daselbst. Eine gut besuchte öffentliche Versammlung der Kisteu- machcr tagte am II. September in den Armiuhallen. Kollege Witt- »r a n n berichtete über die Streiks bei F n n k u. C o., K e i l i n g u. Klaffke. Die Streiks sind aste beigelegt bis ans den bei K c i l i n g. Beschlossen wurde, den Streik bei letztgenan iter Firma fortzuführen. Aebrlter-KIIdniiostchttl». Der Unterricht beginnt tu Nationalöronoinle, (Beschichte und Gesetz, klunde am 13. Ollober, gbendS NrUhr, Jnfelftr. 1«. v.» Tr. Theimelimer werden schon jetzt aufgenommen t» folgend�, Stellen: Gottsr. Sa>nl». tzldintralstr. eoa; Reut, Varutinslr. n: Schiller, Mosenthalersn. 67; Wleincrr, Müllcrflr. 7a; Paul Mücke, Mauteuffclsir. 138! H. kiöntgs, Dtcssenbachstr. so. Alle Zuschrtsten sind an de» Toi sitzende» Paul Mücke jr.. SO. Man- teusfeljlr. 128, Eeldseudungeu an de» Kasstrer H. Köntg», s. Dtesfeubachstr. so, zu sende». Sonntag, den is. September, abends 7 Uhr, in Feuerstein'« F-flsiilen, SUte Jalobstr. 76: Bortrag de« Genossen Dr. Conrad Schmidt Uber: Karl Marx. Eintritt iv Pf. rcs«.»I. Ztiolintlrlllnb«. Donnerstno. Neue Zeit, Boycnsir.«o bei Giedhoit.— S ü d- O sl, bei DollKdorf, Sorauer- u. Görlitzcrstr.-Ecke.— Klub der F r e u n d i bei Burghause, Puttbuserstr. S2.— S o z i a l i fl i fch e r Lese- und DiStuttrklub, Neicheubergersir. 167.— August Getb, im Neslaurant Streit, Raunvnslr. 87.— Friedrich Engels, Weibeubnrgerstr. 63 bei Kiesel.— O st, Dilsttersir.*0 bei Schillinger(jeden Donnersiag vor dem l. und 16.).— Moraenroth, Liebcnwaldersir. es bei St. Witte(jeden Donnerstag nach dem i. und>6.)— Brüderlichleit, jeden Douncrnag nach dem I. uuo 16. tm Monat Landsbergerstr. o bei Haseloss.— Frt edr t ch E u g c l« II, Gör- lltzcrstr. eo bei Thüder. Arbettoo-Knngrrbnnd Berlin« und der Umgegend. Borsttzender Ad. Neu- niaun, Brunucnstrabo I60. Alle Acnderungeu im Verctnslalender sind zu richten an Friedrich Kortum, Manteusselstr. 60, v. 2 Dr. Donnerstag. Abend« .o— Ii Uhr: Uclnngsfiunde und Ausnahme ne»er Mitglieder.— St. Urban, Aunenstr. 9 bei Protz— Kummer'scher Gesangverein, Koppenstr.»7 bei Entwich.— Borwärt« II.(Bcutner'scher Männerchor) Schlicmannstraste» bei Siihrt.— Süd- Oft, Wrangelslr. os bei Ludwig.— Frühling«- Inst, Bülowslrahe 69 bei Werner.— Morgen roth I,»inmnielsburg, Mozartstrahe 7 bei Beuger.— Zaget nicht, Steglitz, Albrcchtstr. 12«.— Borax, Manteuffelstr. 9 bei Nowack.— Flö ter'sch e r Gesangverein, Fruchtstr. so im Restaurant.— Gesangverein der Berliner Kürschner, Wein- (habe 11 bei Feindt.— Lyra II, Charlottcnburg, Straße oo Nr. t bei Bartsch.— Et nlgtelt III, Groß-Lichterselde, Anhalter Platz— L i edcs lust I, Fürsten- ivalde an der Spree, Schloßkellerei.— A d l e r« h 0 f t» Adlcrshos, Oppenstr. 1 bei Schubert. tz— Morgenroth IV,zKöpe»tck, Schönerlinderslr. 9 bei Schulz.— Z u l» n s l III, Vellen t. b. M., Wilhelmstr. 19 tm Hotel W. Grunmv.— Fröhlich, NuminelSburg, Kantstr. 30 bei Schröter.— Vtncta, Kastanien-AIlee 11 bei Augustin. — A lp e» r ö« le i n, vergstr. co bei Hilgen selb.—> A l p e n ro s e, Forsterstr. 22 bei Kunze.— Sange«lusi I, Putibuserstr. so beiFcrd. Rclrnann.— M a i e n g r ub III, Frledrichshaaen, Fricdrrchstrabe isr.— Teulsche Elche II, Brandenburg a. H, Hanplslraße, Winkel'« Salon.— Frethetl III, Nen-Weißensce, König- Chausse««8.— Lorelei, Grünthalerftr. s— t bei Hcmmerling.— Jugend- l u sl(gem. Thor), Lichtenbergerstrab- 16 bei Bolzmann.— Sangest reue, Brandenburg a. H., Wollenweberstr.»(waslhos znr Mühle).— L i e d e s l u st II, Potsdam, Brandenburger Kommunilation 1« bei Glaser.— Kornblume. Große Franlsnrterstr. ISZ bei Gold.— Sängerhort, Martannenstr. 48 bei Liebeheuschel.— LtedeS-Echo, Retchendergcrstr. 118 bei Hautsch.— Alpen- glühen, Tkalitzerstr. 22 bei Raabe.— 0 6 et 0«, Orgnienstr. 61 bei Helfer.— Sorgenfrei, Admiralslr. 180 bei Möhring.— Morgen g ra u en, Rosen- thalerstr. 11— 12 bei Rölltg, nachmittags s— s Uhr. Kund de» gefetUge« Zirbeiterverein» Keblln« und d»« Umgegend. Vorsitzender P. Gent, DreSvenerftroße 107/8. Alle Aenderungen, den Beretn«- kalender betreffend, sind zu richten an H. Bendtr, Alerandrtnenstr. loa. Arbeiter-Nouchrrbund K»rli»»«»d der Umgegend. Aenderungen im Beretnskalender sind zu richten an Hermann Braunschweig, Dres- denerstraße 80, 2. Hof. D«»»rrftng: Mehr Licht, Wetßensee, Straßburgerstraße 88 bei Sorrer.— Weiße Asche. Görlitzerstraße 89 bei Schulze.— Pfetsendeckel, Langestr. 24 bei Jeratsch.— C 0 l u in b u S, Kamphausenerstraße 4 bei Lübcke.— Etnigtett II, Köpentcksrstraße I7l bei Nickmann.— Ohne Furcht, Wienerstratze 44 bei Schmidt.— Glüh- licht II, Liebenwaldersirabe 27 bei Purmann.— Dabatblüthe, Ber- nauerstraße 9l hei Scholz.— G e»1 ü t h l i ch t e t t II, Wrangelstratze 21 b-t Gratzlg.— Havanna 1, Rixdors, JuliuSstratze 69 bei H. Pflug.— T e g e l e r- A l p e II, Schulstc. 21 bei ffranle.— Kornblume II, Charlotten- bürg. Bismarckftr. 2g bei Rotart.— Morgengrauen, Elbtngerstr. l? bei Brinkmann.— Wahrer Jakob, Stineonstr. 2S bei Flick. (Srfnng-, Turn-»»d gelellige Dereiu«. Donnerstag. Geselliger Beretn Unter Un«, Beusfelstr. os bei O. Fischer.— Orchcster-Bcretn Allegro, Orauienstraße iso bei Nautenberg.— Rauchklub Süd-West, Simeonstraßs IS bei Michaelis.— Rauchllub Kern spitze, RüderSdarserstraße 8 bei A. Böhl.— Skatklub Unter Uns, Eisen bahnstraße 7 bei Bauer.— Orchestcrchor Vorwärts, Rixdors(Viktoria- Säle).— Skatklub Süd, Böckhstrahe 21 bei Krebs.— Gesangverein Sänger kreis,(Mnsik- enstrumentcn- Arbeiter), Naunynstratze 78 bei A. Böker.— Ruderverein 0 rw är t», Jnselstr. lo bei Slabernack.— Arbeite r-Radfahrerverein Berlin, Sitzung joden Tonnerstag nach dein l. und 16. im Monat, AndreaZstr. 2« bei Wille.— Ekolklub G emülhlicher Ramsch, Blumenstr. 21a bei Jona«.— Skaiklnb E r a n d- S ch w a r z, Chriflburgerstr. 47 bei Stein.- Guttarren- und Gesangoerein E t n tra ch t, Schönhauser Allceiso bei Mauß.— Rauchklnb O h ne- sorge, Lonisennfer 62 bei Münsbera.— Gesangverein Ritter Hof, Linden- straf!« 108 bei Fritz Znbcil.— Pflanzervcrcin Veilchen, Nixdorf. Jeden Tonnerstag nach dem 16. im Restaurant Feldschlößchen, Elsenstr.??.— Tanzklub Union, jeden T-mnersiaa nach dein I. und 16. Pcrlebergerstr. 2S.— Theater- verein Aschenbrödel II, Ackersir, 144, Vorst. Kasino.— Musikverein Harmonie, Britzerstr. 19 bei Kügler. Arbritep- Kurnirbnud. D»nn»»flag: Turnverein Fichte, Berlin. Abends von 8—10 Uhr: 7. Männer- AbiheUung, Reichenbergersiraße 181. 2. Tamen-Abthetl., Ackerstr. 07. f V e r e i» Stenographen schule, 8— lt Uhr: Unentgeltlicher Unterricht und Uebu»g«s»mde für Schüler»nd Erwachsene, Annenstraße Nr. o.— A r e n d«'scher Stcnographen-Verein„Apollobund", Becker'« Bierhallen, Kommandantensir. 02, abend« 9 Uhr, Unterricht und Uebung in der ganz ver- einfach»» Arcnds'schen Stenographie. Le Cercle de Conver sation Kanhaise s'aeassemble touls les jeudis soir ä 9 Ii. dans son local.Zum Patzenliofer", I.eipzigerstr. 136. Cercle Frangais: Jcudi Seance a 9 6. dans eoo local Rest»Vier Jahreszeiten", Prinz Albreehtstr. 9. Des hfiles sont les hien-venus. Deutscher Arbeiternerern„Dorwärto", Kopenhagen, Ii., Eompagnte- Strade Nr. 4S, Case volange. Zentraloerband der Konditoren. Heute, abend« s!( Uhr, bei Schiller, Rolenthalerstr.«7 findet eine Mttgltsderversammlung stall. Eiltgelanfene Druckschriften. Bon der„Uenen Zeit"(Stuttgart, J. H. W. Dietz' Berlag) ist soeben da« 61. Heft dc« 16. Jahrgang« erschienen. Au« dem Inhalt heben wir hervor: Vom GotteSgnadcnthuui.— Die Thätigkett de« preußischen Landtag« in der letzten Session. Bon Max Schippet— Die Politik de« Hobbc«. Eine Eni- gcgnnng-- Kleine Briese.— Literarische Rundschau.— Feuilleton: Wa« unsere„besseren Kreise" lesen. Ein lustiger Beitrag zur Kritik der Familien- literalur. Von Otto Ernst.(Schluß.) lkvitternnssSübersicht l>om 15. September 1H97. Wetter P»oa»vsc fttr Donnerstag, den IL. September Nachts kühl, am Tage ziemlich warm, vielfach heiler, zeilweise wolkig, bei mäßigen nordöstlichen Winden; keine erheblichen Nieder- schlüge. Berliner W e t t e r b n r e a u. Briefkasten der Redakkion. M. 8. Die Verhandlungen über daS VereinS-Notbgesetz im Reich» tag sind unseres WissenS nicht in Sonderabdnlck erschienen! der steno- graphische Bericht ist vom Verlage der„Nordd. Allg. Ztg." zu beziehen. 1897. 1. Ja. 2. Nein.- Zugereister Hamburger Genosse, Un- glückliche A. Ohne mündliche Rücksprache nicht verständlich.— Rtorlay. Di« Ehefiau haftet für die Schulden des Ehemannes nicht. Werden wegen Schulden des Ehemannes ihre Sachen gepfändet, so muß sie Jnterventions- klage erheben und Einstellung der Zwangsvollstreckung betreiben. Formulare hierzu finden Sie in der Buchhandlung Vorwärts(Form. 37 und 38).— P. R., Friedrichsbergerstr. 17. Nein, Sie können nur ein Sicherheits- schloß oder dergleichen anschaffen.— W. 4. Das Retentionsrecht steht dem Vermiether zu.— K. T. ZI. Der Beamte ist leider im Recht. Zu« gestellt ist der Frau Z.: das ist keineswegs der Name der Beamtin— solche flucht es nicht.— Anna G. Sie müßten Ihre Sachen in einem Verzeichniß anfzeichneil und sich mit Ihrem Mann auf das Amtsgericht begeben. Dort müßte Ihr Mann anerkennen, däß das Betreffende Ihr Eigenthmn ist und daher auf Nießbrauch und Verwaltung verzichtet. Vepefchett und letzte Mucheichkeu. Hamburg, 15. September.(Privat-Telegramm.) Das Schöffen» gericht sprach einen„arbeitswilligen" Schntenführer frei, der im Juni einen streikenden Ewerführer mit einem Revolver in den Arm geschossen hatte. Das Gericht nahm an, daß der Angeklagte die That im Affekt begangen und in Nothwehr zu handeln ge- glaubt habe, obwohl Nothwehr objektiv nicht vor- Händen war. Der Schutz der„Arbeitswilligen" geht also bereitZ so weit, daß sie streikende Arbeiter, die ihnen nicht das geringste gethan haben, ungestraft um Gesundheit und Leben bringen dürfen. Die Leistungen der Dame Jnstitia werden immer schöner. Mannheim, 1ö. September.(B. H.) Der Kaufmann Stephan Dörr wurde wegen Nnterschlagung von 21 000 M. zum Nachtheil der hiesigen Schiffs- und Maschinenban-Gesellschast zu 2'/, Jahren Gefängniß verurlheilt. Paris, ls. September.(W. T. B.) Wie verschiedene Rbeud» blätter aus Bayonne melden, wurde die zivischen Jrnn und San Sebastian verkehrende Personenpost in der Nähe von Jrnn von einem Bahnzug ersaht. Drei Insassen deS Postwagens wurden ge- tödtct. PariS, lö. September.(W. T. B.) Nach weiteren Meldungen sind bei dem Eisenbahn» Unsnll zwischen Jru» und San Sebastian S Personen geiödtei und 2 schwer verletzt worden. London, lö. September.(B. H.) Ans Sidney wird gemeldet, die Engländer griffen im Gebirge von Garga die Eingeborenen an. Der Verlust der Engländer betrug einen Todten. fünf Verwundete. London, lö. September.(B. H.) Ein Telegramm aus St. Jean meldet, daß der Fischsang an der Küste von Labrador äußerst schlecht ansgefullen ist, und daß deshalb die dortigen Fischer in größter Roth sich befinde». Konstantiiiopel, lö. September,(„frankfurter Zeitung.") Die Botschafter richteten eine Kolektiverklärung an die Pforte, in welcher sie derselben anzeigen, daß nunmehr vollständige Eininüthig- keil über alle Punkte der Friedenspräliminarien erzielt worden sei. Die Botschafter sorderten zugleich den türkischen Minister des Aensiern, Tewfik Pascha, ans, die Sitzung zu bestimmen, in ivelcher die Präliminarien gezeichnet werden könnte». Man hofft, am Sonnabend die Sache endgiliig zu erledigen. Der neu gefaßte Artikel seht die Kriegsentschädigung auf vier Millionen Psnnd fest und bestimmt, daß der Zahlungsmodus durch eine internationale Slndienkommission, welche sich nach Griechenland zu begeben hat, festgesetzt werden soll. Gleich- zeitig wird die griechische Regierung aufgefordert, ein Gesetz zu er- lässen. in ivelchem die für den Schnldendienst bestimmten Revenuen sistirt werden. Kauen, IS. September.(W.T.B.) Eine Kompagnie italienischer Bersaglieri hat heute Galata besetzt.— Die Blockade wird ausrecht erhalten. Arkiter-Bildimgsschnle. Sonntag:, den 10. iSepteiiibcr 1807, abends 6l/> itlbr, in FeiicrMtcin'is 8tial, Alto Jeikobstr. 75: Gr. Versammlung. Taeos-Ordnang: Vortrag des Genossen Dr. Conrad Schmidt über: Karl Marx. e/t Nach dorn Vortrag: Gemnthliches Beisammensein nnd Tanz. Eintritt 10 Pf, VU Garderobe 10 Pf. Die Mitglieder und Gäste sind hierdurch höflichst eingeladen und erwartet zahlreichen Besuch Ile.r Vorstand. Sozialdemokratische Partei Uersammlnng für den Kreis Niederbarnim am Sonnlag, den 19. September, mittags 12 Uhr. im Lokale des Herr» Wclgol, Rnmmelsdurg. Türrschmidtstraße 15. Ecke Gvethestraße. 224/8 Tagesordnung: 1. Bericht von der Brandenburger Konferenz. 2. Diskussion. 3. Stellnngnahiiic zum Parteitag in Hamburg. Reserent: Reichstags- Abgeordneter■Aiktlmv Stadthagen. 4. Dislufsion. B. Wahl der Delegirten zum Pärteitäg. Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit und Reichhaltigkeit der Tagesordnung ersucht die Genossinnen und Genossen um»lögltchst pünktliches und zahl- reiches Erscheinen II«»' Vertrauensmann. Frauenleiden. Freitag, de» 17. September, abends 8'/2 Uhr, Sldmiralstrnsje 18 c: des prakt. Naiurheilkundigen tai'nudaianii. Nur Frauen willkommen. Eintritt 20 Pf. Der Vorstand des Vereins für Körper- nnd Naturheilkniide, Alexanderstr. 3. Konzessionirte Kur- und Bade- Anstalt«"• 20 mmmm Spezialität: patent. Heisttrockenluft BSBSWB (Kastenbäder und Inhalatorium) Wannenbäder, sämnitliche Wasseranwendungen(Kneipp'sche Güsse). Strenge Kuren nach ärztlicher Vorschrift bei Gicht, Rheuinatisimis, Fettleibig- leih Nerven-. Unterleib-, Häut-Lside». Aerztl. n» KiPCPilfaltl Sprechstunden: tiigl. 6—8 ab., Sonntag, Oberleitung Ml- 1111 atillClu, Montag. Donnerstag auch 11— 12 vin. Lvkn'� Festsäle Beuthstrasse 20. Meine eleganten nen renovlrten Festsäle mit Bühne, bis 1000 Personen fassend, sind noch an einigen Sonnabenden und Sonntagen zu vergeben, 3004L* Freie Vollisliiiinm Sonntag, 19. September, naebmittags 3 Uhr: Vorstellung der II. Abthellung: „Illusionen"»-»s" Ein Hamlmrglsclies Idraina von Carl IHdnckobcrg. Dia Hauptrollen sind besetzt von Herrn Wendt und Frl. üf illy Krause vom Kgl. Scliausplelhaii» s» Berlin als Bast.— Beginn der Verloosung um 2 Uhr.— Die Mit- flieder der II. Abtheilung worden ersucht, sofort ihre Beiträge zu bezahlen, da der Sohlusa er II. Ahtheilung bevorsteht._ A-s/SfiiT Ha der Vorstand nunmehr auch mit A urStaT iAVJl». der Direktion des iAVl». Hg-Tl» für diesen Spielplan vertragsmässig abgeschlossen hat, die Vorstellungen also abwechselnd wie früher im FFiödriCll'WiülßllllSlIidliSChßll Theater unä im ItCSSlll.ff-TWl.CSlitd.* stattfinden, den Wünschen zahlreicher alter Mitglieder und Freunde der Volksbühne dadurch Rechnung getragen wurde, da auch nach Verständigung mit dem Direktor Herrn Ide. Oskar Blumcutlial auf der Bühne des licsslng- Theaters ein der Volkshülmc würdiges Kopcrtoire geboten werden wird, ersuchen wir alle diejenigen, die Mitglieder zu werden beabsichtigen, sich schleunigst auf einer Zahlstelle anzumelden, falls sie auf die ersten Abthoilnngen rcitektiren. Das Eintrittsgeld kostet 6« Pf., der Beitrag pro Monat 00 Pf. 231/19 Der Vorstund. I A.: Gustav Winkler. Maurer Kerttns n. Umgegend. Dsiliittstüg, k\i IK.Stpttmber, ilbeM S1!� llhr, in Merl großm Sani, Ksppenßr. 29: Grche Vtiitlilhe Mancer-Vtrsaiilmlnng. Tages-Ordnung: 1. Bericht und Abrechnung der Lolinkommission. 2. SitnationSberlcht über den jebige» Stand der Bewegung. 3. Die Bansperr« ans der Gasanstalt in der Ftchtestraste und die Stellungnahme der Stadtverordneten hierzu. 290/3 In dieser Versaiuiulung gelangt die gedruckte Abrechnung zur Ausgabe. Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist es nothwendig, daß jeder Ptaurer diese Versammlung besucht._ Die liolinkonunisslon. �cEityng, Maurer! Sinntu, 19. September, mmittags 19 Uhr, im Englischen Garten, AlexMerstr. Z7e: AiißkrorZieiitlillie Miinnltiiig des Vereins zur Wabrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgeg. TageS-Orduung: 1. Wissenschaftlicher Bortrag des Hernr Dr. Sovl. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches und Vereine- angelegenheiten. Diejenigen Mitglieder, welche noch i>n Besitz von Programmen zum Stiftungsfest vom 24. Juli sind und niit dem Kasstrer noch nicht abgerechnet haben werden hierdurch ausdrücklich aufgesordert, bis vor Beginn obiger Versammlung das Versäumt« nachzuholen. Um rege Agitation für guten Besuch, auch bei NichtMitgliedern, bittet � Der Vorstand. I. A.: Fr. Kater, Lübeckerstr. 36. Todes-Anzeige. Am 13. d. M., abends 8 Uhr, verstarb meine liebe Frau, unsere gute Tochter und Schwiegertochter Anna Tischler an der Lungenschwindsucht.— Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 16. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des AndreaS-Kirchhofs in Wilhelmsberg statt. bb2b Die trauernde» Hinterbliebenen. Todes- Anzeige. Allen Kollegen und Genossen zur Nachricht, daß am 13. d. M., abends lO'/z Uhr, mein imiigstgeliebter Mann, unser guter Vater Sblb Milszelnr Sivgerk uns durch den Tod plötzlich entrissen wurde. Die Beerdigung findet am Freitag, den 17. Sept., nachm. 4 Uhr, vom Tranerhaufe, Thaerstr. 21, nach dem Friedhof in Wilhelmsberg statt. Die tiefbetrübten Hinterbliebenen. Danksagung. 5606 Für die vielen Beweise herzlichster Theilnahnie an derBeerdiguiig meines lieben Maniies, des Fraiferö Oskar Hoppe, sage hiermit allen Freunden und Bekaimten, insbesondere dem Chef der Firma I. C. Pfnff, dem ge- sammten Personal und den Maschinen- Arbeitern meinen herzlichsten Dank. Die trauernde Wittwe nebst Kindern. Danksusung. Allen Kollegen, Bekannten und Beretnen, welche meinem lieben Mann die letzte Ehre erwiesen, desgleichen dem Polier u. den Beamten des Löwe- scheu Baues für deren Theilnahiilc und Kranzspenden meinen herzlichsten Dank. b47d Wwe. Auguste Wegener. Ich nehme die BeleidiguiMN gegen Herrn Kurth und Frau Schreiber hiermit zurück. bbkb Frau Pohlmann. —y i m in ii iiiii in........................ Hierdurch nehme ich die Beleidigung gegen die Eheleute Zillman» zurück. 5496 Willy Grams. Schulden, die meine Frau Marie Günther auf meinen Namen macht, bezahle ich nicht. bK4S Paul Günther. Naunynstr. 24. 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Heute geschlossen wegen Vorberei- tmig zur Novität. Billets zum Freitag von heute ab an der Kasse, ohne Aus- geld, von 10— U/z Uhr. Freitag, den 17. September: Novität! Zum I.Male: Novität! Ncw-Rnmmelsbttrg oder: Jugcndbrounen. Burleskes charakteristischesZeitgemälde mit Gesang und Tanz in 4 Akten von E. Tschirch und O. Berg. Musik von Gustav Steffens. Anfang 8 Uhr. Sonntag: Nachmittags- Vorstellung zu halben Preisen: Berlin, wie es weint und lacht. Anfang 8 Uhr. Centpal-Theater Alte Jakobstr. 30. Direktion lllchard Schnitz. Donnerstag, den 10. September 1897; Emil Xhoinas a. G. Zum 13. Male: BeHinen Fahrten. Burleske Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 6 Bildern von Jnlius Freund und Wilheli» Mannstäd t. Musik von Jill. Einbdshöfcr. Anfang V28 Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Berliner Kahrten._ Viktoria-Brauerei f.Uizorv- Strasse 111/118 nahe Potsdamer Plah. 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