• Einzelpreis 20 Pfg. 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint morgens und rachmittags, Sonntags und Montags nur einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Buftellung ins Haus füre Groh Berlin 10,- M. im voraus zal, lbar. Für Poft bezug nehmen sämtliche Postanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutsch land und Oesterreich 18,- m., fir das übrige Ausland 24,50 M. zuzüglich Baluta Aufschlag, per Brief für Deutschland und Defterreich 36,- Mark. Pedaktion, Expedition und Berlag: Berlin C2, Breite Straße 89. Mittwoch, 20. April 1921 Nummer 181• Abend- Ausgabe Die echtgefvaltene Monpareillezetle ober beren Raum koftet 5,- M. ernichließlich Teuerungszuschlag. Rleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2,-., jedes meitere Wort 1,50 M. einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,20 m. netto pro Zeile. Stellen Gefuche in Wort- Anzeigen: bas fettarbruckte Wort 1,50 m., tedes meiter Wort 1. m. Fernsprecher: 3entrum 15230-15239 greiheit Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Neue Konferenz der Alliierten Unter Ausschluß Dentschlands? Jm englischen Unterhaus hat Lloyd George bereits auf die Notwendigkeit einer neuen Konferenz der Alliierten hingewiesen, die sich mit der Durchführung des Ver sailler Vertrages zu beschäftigen haben werde. Ueber diese Konferenz wird gemeldet, daß sie wahrscheinlich in Paris stattfinden wird. An irgendwelche Verhandlungen mit den Vertretern Deutschland's denkt in Paris niemand mehr. Pertinax erklärt im„ Echo de Paris" ausdrücklich, daß der Zeitpunkt für Verhandlungen vor= über sei. Welche Projekte auch Deutschland vorlegen fönnte, das eine stehe fest, daß Deutschland am 1. Mai seine Verpflichtung nicht erfüllt und namentlich die zwölf Milliarden Goldmark nicht bezahlt haben werde. Damit sei der Beweis erbracht, daß Deutschland seine Unterschrift unter den Fries bensvertrag nicht anertennen wolle, und somit jei. Man ist sich flar barüber, daß eine Besetzung des Ruhrgebietes durch Frankreich dieses von der englische Kohle noch unabhängiger machen würde, als dies jetzt schon der Fall sei, und daß die ganzen Kosten dieser Besetzung eigentlich England werde tragen müssen, dessen Kohlenausfuhr immer mehr abnehme und Gefahr laufe, seinen französischen Abnehmer ganz zu verlieren. Allerdings werden in dieser Frage die Wünsche der englischen Arbeiterschaft ebensowenig Berücksichtigung finden wie die der französischen Arbeiterschaft. Der„ Matin" ist überzeugt, daß von seiten der Aliterten feinerlei Schwierigkeiten erhoben werden, und man dürfe heute mit Sicherheit darauf rechnen, daß Frankreich sich durch nichts abhalten lassen werde, die Besetzung durchzuführen. Wie lange diese dauern soll, darüber gehen die Meinungen auseinander, man nimmt aber an, daß drei Monate Besetzung genügen würden, um Deutschland in die Knie zu zwingen. Planvolle Bauwirtschaft Bon gutunterrichteter Seite wird uns geschrieben: Dem Wohnungswesen ist innerhalb der gesamten Volks wirtschaft eine besondere Stellung einzuräumen, da es ein langfristiges Allgemeingut ist, von dem erhebliche Vors ratsmengen etwa 15 Millionen Wohnungen vorhanden find, die ständig einer guten Erhaltung bedürfen. Die Pros blemstellung muß also lauten: Bedarfswirtschaft und Vorratswirtschaft. Diese beiden Faktoren sind unter Berücksich tigung der besonderen Tatsache, daß Deutschland auf diesem Gebiet vom Ausland unabhängig ist, also zugleich Konsu ment und unbeeinflußter Produzent sein fann, gegeneinander abzustellen. Eine Bedarfswirtschaft ohne die Grunds lage der Vorratswirtschaft ist ein Unding. Den bestehenden 15 Millionen Wohnungen stehen an Bedarf in den nächsten 10 Jahren, außerordentlich hoch gerechnet, 2 Millionen neuer Wohnungen gegenüber. Es ist klar, daß es. nicht angängig Frankreich das Recht habe, seine Garantien im Ruhrgebiet der englische Bergarbeiterstreik it, bie geringe Anzahl neuer Wohnungen für die wirtschaft. zu nehmen. Die deutsche Regierung sei nicht mehr in der Lage, in voller Freiheit Beschlüsse zu fassen, weshalb die Alliierten zu Taten übergehen müßten. Diese werden, wie nunmehr feststeht, in der Besetzung des Ruhrgebietes be Stehen. Das Blatt erklärt noch, daß an eine Blodabe des Hamburger Hafens durch die Alliierten einstweilen nicht gedacht werde. Die Zusammenkunft in Hythe Briand wird am Sonnabend morgen Baris verlassen, um sich nach Hnthe. zu begeben. In seiner Begleitung werden sich der Genraldirektor im Ministerium für auswertige Angelegenheiten, Berthelot, und die Generäle Foch und Weygand be finden. Von englischer Seite werden außer Lloyd George, General Wilson, Austin Chamberlain und Lord Curzon an den Besprechungen teilnehmen. Am Montag werden Briand und seine Begleiter den englischen Boden wieder verlassen. Frankreichs Wille Lordon, 20. April. Seuter erfährt von französischer Seite, Frankreich werde bie elegung des Ruhrgebiets nur vornehmen, wenn Deutschland jeinen Verpflichtungen nicht nach tomme. Wenn die deut schen Arbeiter nach der Besegung die Arbeit nieder. Tegen sollten, würde Deutschland teine ohlen erhalten, da das einzige außer Oberschlesien Deutschland zur Verfügung tehende Kohlengebiet, das sächsische, sehr wenig förbere. Dadurch werde Deutschland von einer allgemeinen Betriebsein. tellung bedroht und nach Ansicht der Franzosen gezwungen werden, seinen Vertragsverpflichtungen nachzufammen. Frant reich könne die militärische Besetzung des Ruhebietes allein durchführen und werde wahrscheinlich zu desem Zwed nur eine Jahresflaffe einberufen müssen. Frankreich ente feineswegs an eine Anneftion weder des Ruhrgebietes, noch s linten Rheins ufers. Der Zwed sei einfach der, Deutschland zum Zahlen an bringen. Daily Chronicle" schreibt in einem Boll Sarmonie 3 wischen den Alliierten" überschriebenen Leitartitel. An der Besetzung des Ruhrgebietes würden englische Truppen nicht teilnehmen, da feine verfügbar seien. Der Plan hale viel für sich, er versetze die Alliierten in die Lage, Deutschland gegenüber zu sagen: Keine Reparationen teine Kohlen, beahlt eure Schulden, entlagt eure Soldaten, erurteilt eure Kriegsverbrecher, dann bekommt ihr uren Brenns itoff. Das einzige andere wichtige Kohlengebiet Deutschlands liege in Oberschlesien und dies Kohlengebiet herde wahr. scheinlich bald den Polen zugewiesen werden. amefichts der Durch die Abstimmung erwiesenen großen polnischen Merheit unter den anfäffigen Einwohnern(!!) Deutschland tönne infolge beffen taum lange seinen Berpflichtungen entziehen. Ich EE. Baris, 2. April. Die französische Presse ist überzeugt, daß von englischer Seite feinerlei Schwierigkeiten bei den Belegungsänen gemacht werden dürften, bis auf einige Bedenten die eng lischerseits obwalten und die von Briand leicht zerstret werden tönnten. Der„ Gaulois" betont allerdings, daß Frankreich, falls England nicht an seiner Seite stehen sollte, ba Unters nehmen allein durchführen werde, selbst ohne eine Manda hierfür von den Alliierten erhalten zu haben. Frankreich verpihte der schlechte Wille Deutschlands, sich an erster Stelle sein Recht zu verschaffen. Die französische Regierung glaubt, daß dies af teine andere Weise geschehen könne, als wenn ber militärische Bomarsch angetreten werde. Von den deutschen Vorschläg warte man gar nichts und man glaubt, daß sie sich unter den Grenzen des Mindestmaßes dessen, was Frankreich beanspruchen müsse; halten dürften. n et Man rechnet hier damit, daß die Befehung des Ruhrgebie ben Sturz des Kabinettes Fehrenbach- Simons zur Folge aben werde, und daß neue Männer in Deutschland ans uder tommen würden, mit denen man dann weiter werde verhandeln fönnen. Dem Populaire" wird aus London gemeldt, daß man dem neuen militärischen Abenteuer nichts weniger denn en DON idt Notenaustausch zwischen Arbeitern und Unternehmern Die vorliegenden Meldungen erweden den Eindrud, als würden von beiden Seiten, von den Arbeitern wie von den Grubenbefizern, die Fühler ausgestredt, um die neue Situation nach Verhandlungsmöglichkeiten abzutasten. Der Bergarbeiterverband hat einen Bericht versandt, worin die Zechenbesitzer zu einer Formulierung ihrer Angebote aufgefordert werden. Es wird aber betont, daß die Bergarbeiter ein Angebot nur dann ernst nehmen fönnten, wenn die Unternehmer zugestehen, daß die reicheren Bergwerfe die weniger produktiven unterstützen, und daß diefes deutlich gesagt werden müsse. Das zeigt, daß die Bergarbeiter an ihrer Forderung nach Zusammen schüttung der Gewinne und zentralistischer Regu lierung der Löhne für das ganze Reich festhalten, und daß fie ferner auch jetzt noch keine Neigung haben, sich durch unverbindliche und in unklarer Form gegebene Angebote zu Verhandlungen verloden zu lassen. Es ist nicht unmöglich, daß diese feste Haltung der Bergarbeiter ein Anzeichen dafür ist, daß innerhalb des Dreibundes neue Be= ratungen stattgefunden haben, denn es liegen auch andere Anzeichen dafür vor, daß die Dreibundgewerkschaften nicht gewillt sind, den Dreibund durch die letzten Vorgänge zerstören zu lassen. Das würde bedeuten, daß die Bergarbeiter auch ferner mit der Unterstügung des Dreibundes in irgendeiner Art, wenn auch niemals durch den Generalstreif, rechnen können. Die Grubenbesitzer haben ihre Geneigtheit zur Aufnahme neuer Verhandlungen bekanntgegeben, wenn diese Verhand lungen auf Grund folgender Vorschläge geführt werden: Einsegung eines Rationalrates zur Festsetzung der Löhne, Durchführung eines allgemeinen Grundsages bei der Lohnfestsetzung für jeden Berg merfsbezirt, wobei die Ergebnisse der einzelnen Diftritte als Grundlage angenommen werden sollen. Die Grubenbefizer halten also an der distriktsweisen Regelung der Lohnfäße fest. Ihre Vorschläge entsprechen somit nicht den Forderungen der Bergarbeiter, so daß keine Aussichten bestehen, daß es auf Grund dieses Meinungs austausches schon zu Verhandlungen fommt. Die Gruben befizer schlagen ferner die Festsetzung eines Minimal lohnes und die Zahlung von Lohnzuschüssen in den Bezirken mit abnormen Verhältnissen vor. Sie sichern den Bergarbeitern zu, daß alle Bezirke die Absicht haben, die höchstmöglichen Löhne zu zahlen. Eine Konferenz soll über die Löhne der am schlechtesten bezahlten Berg| arbeiter beraten, und die Frage der an die Arbeiter auszuzahlenden Gewinnanteile soll endgültig geregelt wer ben. Die Buchführung der Bergwerfe soll von Sachverständigen geprüft werden, die das Vertrauen der beiden Parteien besigen. Diese legten Bedingungen bedeuten fleine Konzef sionen der Bergwerksbesitzer an die Forderung der Bergarbeiter nach einem Lohnausgleich über das ganze Reich, aber sie zeigen in ihrer Formulierung weder die von den organisierten Bergarbeitern gewünschte Klarheit, noch gehen sie weit genug, um das von den Grubenbesitzern aufrecht erhaltene Prinzip der distrittsweisen Regelung zu durchbrechen und unwirksam zu machen. Auch sie dürften also nicht genügen, um den Boden für Ver handlungen vorzubereiten. Die nationale Konferenz der Bergarbeiter hat noch nicht gesprochen. Aber eine am Dienstag abend vom Bergarbeiterbund erlassene Ertlärung besagt, die Antwort der Bergwerksbesiger gebe teine Veran lassung zu irgendeiner Hoffnung, daß die Berhandlungen demnächst wieder aufgenommen werden. TU. London, 20. April. Lloyd George hat am 18. April im Unterhaus die Erflärung abgegeben, daß die Möglichkeit einer Regierungsunter tügung für die Lohnaufbesserung nicht ausgeschlossen ist, wenn dadurch eine Verantwortlichkeit der Regierung für die Bergwerksbezirke und Bergwerksbetriebe auf unbestimmte Zeit nicht in Frage tommi. Man erwartet, daß sich durch diese Maßnahme die Aussichten für eine Regelung der Krise verbessern werden.( Was uns nach dem obigen sehr fraglich erscheint.) liche Behandlung des großen vorhandenen Wohnungsbes standes in überwiegendem Maße ausschlaggebend wirken zy lassen. Eine Ausgleichung in der anderen Richtung muß erstrebt werden. Diese verhältnismäßig günstige Stellung des Wohnungs wesens, die weder für den Verkehr, noch für Kleidung, Er nährung oder ein anderes wichtiges Wirtschaftsgebiet zu trifft, verlangt aber auch, daß man die Konsequenz daraus zieht, um erstens dem Wohnungswesen selbst, zweitens aber auch der gesamten Wirtschaft zu nützen. Es sei notwendig, die Wirtschaft wieder von der Stelle neu anzufurbeln, welche die meiste Möglichkeit auf Erfolg bietet, weil die ihr innes wohnenden Kräfte noch am unverbrauchtesten und unab hängigsten von der Weltwirtschaft sind. Ein solcher plan voller Aufbau fann und darf sich nicht in den bisherigen leb losen Formen vollziehen. Die Erhaltung und Auswertung des bestehenden Hausbesizes muß zum Tragpfeiler der Neubautätigkeit werden. Dies ist aber nur möglich, wenn eine grundlegende Sanierung des bestehenden Hausbesizes im Interesse der Allgemeinheit einsetzt. Mietssteigerungen find in Zukunft nicht zu vermeiden. Damit müssen sich auch diejenigen abfinden, die sich bisher gegen diese Erkenntnis gesträubt haben. Eine jede Mietssteigerung darf aber in Zu funft nur in dem unbedingt erforderlichen Ausmaß bezügl. der Höhe und der Zeit stattfinden, um auf der einen Seite dem Interesse der Allgemeinheit nugbar gemacht zu werden, auf der anderen Seite schwere Schädigungen des Wirtschaftss lebens durch etwa übermäßig und schnell notwendig werdende Gehalts- und Lohnsteigerungen zu vermeiden. Mit zwingender Logif ergibt sich die Notwendigkeit einer plan vollen Gemeinwirtschaft im Bau. und Wohnungswesen. Die Erfassung der durch die Steigerung der Mieten freiwerdenden produktiven Gelde werte muß restlos eintreten fönnen. Dies ist aber als eine für die Neubautätigkeit stetig fließende Geldquelle nur durch eine gefegliche Verankerung im Rahmen der sich selbst ver. waltenden Gemeinwirtschaft möglich. Nachdem man einmal dazu gekommen ist, die Mieten in den alten und in den Häusern im Verhältnis zur übrigen Geldentwertung niedrig zu halten, müssen in systematischer Form die dort noch vor handenen Möglichkeiten sowohl für die Belebung des Bau marktes, wie für die Auswertung des bestehenden Hausbe sizes als Grundlage einer Neubautätigkeit genutzt werden. Die Problemstellung darf nicht mehr lauten: Niedrigs haltung der Mieten und Behebung der Wohnungsnot durch ungezügelte Privatwirtschaft. Es muß vielmehr heißen: Neugestaltung des alten Hausbesizes als tragfähige Gründ lage einer Finanzwirtschaft im Bauwesen. Eine selbst nur bis zu einem gewissen Grade freie Mietssteigerung bedeutet die Möglichkeit, neue Kapitalien im alten Hausbesitz zu ine vestieren, also bei dem außerordentlich herrschenden allge meinen Kapitalmangel der Volkswirtschaft Summen zu ent ziehen, die in bestehendem Besiz unprobuftin angelegt werden könnten. Diesen falschen Weg sieht das geplante Reichs mietengesetz vor. Es handelt sich darum, jede, auch die ge ringste Differenzialrente, die für den Eigentümer eines Hauses entstehen könnte, in ihrem Keim bereits zu verhin dern, um eine Anhäufung von Kapital in einzelnen Händen und an falscher Stelle unmöglich zu machen. Wenn heute für das Wohnungswesen Kapitalaufwendungen notwendig werden, darf es nur für die Neubautätigkeit sein. Jede neue Belastung, d. h. weitere Verschuldung des alten Hausbesitzes bedeutet eine Beeinträchtigung der Neubautätigkeit und eine Verlängerung der Wohnungsnot. Die organisierte Grundlage für diese produktive und planvolle Verknüpfung der Neubautätigkeit mit dem vorhande nen Wohnungsbestand, oder das Bedarfs- mit dem Vorrats problem hat folgerichtig zu erfolgen durch einen Selbstvers waltungsförper unter dem bestimmenden Einfluß der Kon Jumenten, der Mieter und der Wohnungssuchenden, also des zufünftigen Mieters. Alle werteschaffenden Aufgaben, alle Angelegenheiten der den einzelnen unmittelbar betreffenden Berwaltungsmaßnahmen, find innerhalb diefes Selbstvers waltungsförpers zu erledigen. Insbesondere fällt dem Reich, ben Ländern und den Gemeinden die Aufbringung der erfor derlichen Neubaugelder auf dem Umwege über die Steuers gefekgebung nicht mehr zur Last, im Gegenteil wird eine wesentliche Entlastung des öffentlichen Etats von Beamten gehältern eintreten, die in erheblich verringerter Zahl auf| ben Selbstverwaltungstörper übergehen müßten. Dem Reich berbleibt grundsäglich Legislative und Aufsicht. liner Polizeibehörde sehr wahrscheinlich die Ausweisung dieses lästigen Ausländers" veranlassen. Während eingesessene Bürger, heißt es weiter, sich monatelang um eine Unterkunft bemühen müssen, sei es Brandler mit Hilfe seiner Freunde"( wer sind und wo sitzen diese Freunde?) gelungen, im Hause Kniprodestraße 113 eine ei gene Woh= nung zu beziehen, wo Tag und Nacht ein so reger Verkehr, besonders mit Russen", herrschte, daß die Nachtruhe der besonders mit Russen", herrschte, daß die Nachtruhe der Anwohner gestört wurde. Brandler war besonders den Russen warm empfohlen worden, da er nach russischem Muster mit verzweifelten Mitteln arbeitete", schließt die Meldung. Auf diese Art wird ein Urteil über einen Verhafteten gegefunden hätte und ihr Ergebnis bekannt geworden wäre. Das ist in der Tat eine außerordentliche GeGanz abgesehen von diesen grundsäglichen Erwägungen besteht zunächst nicht die geringste Hoffnung dafür, daß die bisher aufgewendeten Zuschußfummen nicht in pripattapita liftische Kanäle abfließen. Es läßt sich vielmehr im einzelnen der Nachweis erbringen, daß tatsächlich erhebliche unbetechtigte Gewinne einzelnen Personen und Kreisen des ausführenden Baugewerbes zugeflossen sind. Aber darüber hinaus hatten bei der Art der Gewährung der Zuschüsse auch die Bauherrn, denen öffentliche Zuschüsse gegeben wurden, fein unbedingtes Interesse daran, wirklich sparsam zu verfahren, ba fie immer mit Nachbewilligungen von Reich und Staatsprochen, ohne daß ein Berhör oder eine Verhandlung stait rechnen konnten. Da die Deckung des Geldbedarfs und die Geldaufbringung unmittelbar auf den Bedarf eingeftellt werden fann, ohne auf dem Umwege über die Steuer gesetzgebung beeinträchtigt zu werden, muß auf sachgemäße Verwendung ohne bureaukratische Hemmungen durch unfähige Beamte und spekulative Unternehmer entscheidendes Gewicht gelegt werden. Nur in dieser Verknüpfung des Vorrats: mit dem Bedarfsproblem und Einstellung dieser Einheit unter Berücksichtigung der Geldbeschaffung für die Neubautätigkeit auf der Grundlage der Auswertung des be tehenden Hausbesizes, fann eine Behebung der Wohnungs. not in planmäßiger Form gefunden werden. Die preußische Regierungsbildung ,, Berliner Tageblatt" und„ Vorwärts" berichten übereinStimmend, daß das Kabinett" Stegerwald heute noch fertig werden soll. Seit Dienstag abend wird die Niederkunft er wartet. Bis Mittwoch mittag ist das erwartete Ereignis jedoch noch nicht eingetreten. Es scheinen also neue Schwierigkeiten entstanden zu sein, was nicht überraschen kann, denn die außerordentliche Geschicklichkeit der beteiligten Parteien hat es fertig gebracht, die politischen Fäden so zu ver filzen, daß eine Entwirrung so schnell nicht möglich erfcheint. Es handelt sich bei dem erwarteten Kabinett um die Minderheitsregierung, die das Zentrum mit den Demokraten bilden will, also um eine Regierung, die nur eine Regierung gegen die Arbeiterschaft sein tann. Der außerordentliche Staatsanwalt Das Treiben der Sondergerichte Was wir vorausgesehen haben, ist eingetroffen. Weil wir auf Wunsch der Redaktion der Roten Fahne" in unserer geftrigen Abendausgabe die Verhaftung von Brandler und Sievers mitgeteilt haben, pöbelt uns die Rote Fahne" heute an. Wir würden auf diese Anrempelung näher eingehen, wenn sie nicht so to misch wäre. Man vernehme: bie„ Rote Fahne" wirft uns- Mangel an journalistischem Anstand vor. Wir wollen uns dennoch der Gefahr einer neuen Anpöbelung aussetzen, indem wir wiederum gegen die Verhaftung der tommunistischen Parteivorstandsmitglieder protestieren. Die Aktion des Staatsanwalts beim Außerordents lichen Gericht steigert sich anscheinend. Wolffs Telegraphen- Bureau verbreitet nämlich folgende Melbung: 91 Wie bereits gemeldet, find gestern Brandler, der erste Vorsitzende der V. K. B. D., und 9 seiner Genossen verhaftet worden, weil sie als Mitglieder des Zentralausschusses der V. K. P. D., der K. A. P. D. und der Allgemeinen ArbeiterUnion, verdächtigt sind, es unternommen zu haben, die Vers fassung des Deutschen Reiches gewaltsam zu ändern und zur Ausführung hochperräteri scher Handlungen aufgefordert zu haben. In ihrem übrigen Teil hekt diese Meldung des offiziösen Bureaus in der unverschämtesten Weise gegen Brandler, weil er Ausländer ist. Es wird festgestellt, daß seine Wiege in Barnsdorf in Böhmen gestanden hat. Daher werde nach Erledigung des gerichtlichen Verfahrens die Ber Die Wiedergenesung Europas Bon Charles R. and Dorothy Fr. Bugton Das Ehepaar Burton, bas politisch zur englischen Unabhängigen Arbeiterpartet gehört, hat Europa bereist und gibt in einem Buche Die Welt nach dem elifrieg", bas biefer Tage( im Verlag von C. A. Schweischte& Sohn, Berlin 30, überseht von Dr. Rudolf Berger) erscheint, seine Einbrüde wieber. In 36 furzen Kapiteln schildern die Burtons, was bie tapitalisti. sche Kriegs und Friedenspolitik politisch, wirtschaftlich, moralisch und materiell aus dem armen Europa gemacht hat, besonders et greifend und ausführlich die fürchterlichen Wirkungen der Blodabe. Ja ben Schlußfapitein Jammeln die Bugions die Zeichen der Wiedergenesung, die sie gefunden haben. Daraus geben wir ben folgenden Abschnitt, etwas vertürzt, wieber. Was wir über die Zeichen der Wiebergenesung zu sagen haben, muß notwendigerweise unbedeutend erscheinen gegenüber den feststehenden Tatsachen, unter denen wir besonders leiden: nämlich dem Zusammenbruche ungeheurer Reiche, der Verschiebung der Machtverhältnisse, den vulfanartigen sozialen Erhebungen. Die Stimme der Hoffnung nimmt sich nach dem zolienden Erdbeben und dem vernichtenden Feuer sonderbar dünn und dürftig aus. Gleichwohl dürfen diese neuen Kräfte nicht übersehen werden. Die Bemühungen vieler Menschen der amtlichen Welt trogen dem Drude oder der Untätigkeit ihrer Vorgesetzten, um wenigstens die allerschlimmsten Seiten der Politik der Alliierten, wenn auch zunächst nur ein wenig, zu mildern; die Zugeständnisse, die bie Staatsmänner hie und da an die volkstümlichen Ideen der Humanität oder der Demotratie machen mußten, die Werte der Wiedergutmachung und des Wiederaufbaus, die alle beginnen, und an denen Freunde, Feinde und Neutrale gemeinsam mit arbeiten, die beharrliche Arbeit solcher Körperschaften wie bas Comité pour le Rétablissment des Relations internationales( der Ausschuß für Wiederaufnahme inter nationaler Beziehungen) in Frankreich, die Union of Democratie Control in England und der Bund Neues Waterland in Deutschland, all das fins Gamenförner, aus denen vielleicht einmal Wiebergenesung und Wiederversöhnung hervorgehen werden. Sie weisen auf eine Möglichkeit hin, daß sogar innerhalb der Schranken des politischen Systems auch schon in dem gegenwärtigen Wirrwer und Elend einige Verbesserungen zustande tommen fönnen. Der Mechanismus des Bölterbundes läßt fich sehr gut dazu benußen, die Friebensverträge zu revidieren. Die allzu groben unter den bisherigen wirtschaftlichen und finanziellen Borkehrungen tönnen, nachdem sie für das Streben einer wahr nehmbaren Erfüllung der Verheißungen der Staatsmänner ihre guten Dienste verrichtet haben, ruhig wieder entweder ganz ab zichtsbarkeit. Aber wer sind die neun mit Brandler ver Zustand, daß der Herr Staatsanwalt beim Außerordentlichen hafteten Kommunisten? Es ist ein unerträglicher Gericht Personen einfach von der Bildfläche verschwinden lassen fann, ohne die Deffen.lichkeit auch nur über ihre Namen zu unterrichten. Eine Mittags gettung nennt außer Brandler und Sievers nur die Namen Bläser, Kuß, Klein, Lämmerzahl und Köppen, ohne indes bie Quelle ihrer Kenntnisse anzugeben, so daß eine Gewähr für die Richtigkeit dieser privaten Meldung nicht gegeben ift. Die sicher von dem wirklich außerordentlichen Staatsanwalt inspirierte Meldung des offiziösen Bureaus aber verschweigt die Namen. Der Staatsanwalt zieht es vor, ganz allgemein gegen unbekannte Personen in der widerlichsten Weise zu hezen, indem er sie als Ausländer bezeichnet und dem ruhigen Bürger als nächtliche Ruheftörer denunziert. Wir stellen die Frage: Was hat ein Außerordents liches Gericht in Berlin zu tun, in einer Stadt, die von den jüngsten Unruhen völlig unberührt geblieben ist. Müssen wir schon die Außerordentlichen Gerichte für das eigentliche Aufstandsgebiet ablennen, so wird die Einsehung eines Außerordentlichen Gerichts in Berlin zu einer Provokation der Arbeiterschaft. Aehnlich verhält es sich z. B. mit der Einsetzung eines Außerordent lichen Gerichts in Breslau, wogegen, wie wir an anderer Stelle berichten, auch die dortigen Rechtssozialisten Einspruch erheben. Auch Thalheimer soll gestern verhaftet, aber wieder auf freien Fuß gesetzt worden sein. Dieser Unfug. der die öffentliche Sicherheit in Berlin in stärkerem Maße beeinträchtigt, als das Treiben der Kommunisten selbst es hier vermochte, muß wirklich aufhören. Das Bekenntnis zur Republik in Desterreich 3m Desterreichischen Landtag brachten, nach einer Wolffmeldung, die Sozialdemokraten einen Dringlichkeits. antrag betreffend Maßnahmen zum, 6 chute der republitanischen Verfassung gegen hochperräterische Anschläge ein. Der sozialdemokratische Landeshauptmann- Stellvertreter Gruber begründete den Antrag mit der jüngsten Reise des Ex. tailers nach Ungarn und den monarchistischen Umtrieben in Desterreich und betonte bie Notwendigkeit, daß der Landtag un zweideutig feststelle, daß Oberösterreich republikanisch und entschlossen sei, jeben Eingriff eines Habsburgers abzuwehren. Die Sprecher der Christlichsozialen Bartei und der Großdeutschen Bolispartei erklärten, ihre Parteien ständen auf dem Standpunkt der demokratischen Republik und lehnten jeden Umsturz ab, ob er von links oder rechts tomme. Der großdeutsche Redner betonte, seine Partei müßte die Wiederkehr der Habsburger unter allen Umständen auch deshalb ablehnen, weil ihr oberstes Prinzip der Anschluß an Deutschland sei, den die Wiederkehr der Sabsburger zunichte machen würde. Der Dringlichkeitsantrag wurde sodann unter demonstra tivem Beifall und Hochrufen auf die Republit seitens der Sozialdemokraten und Großdeutschen von allen Barteien einstimmig angenommen. Zur selben Zeit hat man in der deutschen Republif dem Mo narchismus in der unverhülltesten Form gehuldigt. Wo bleiben geschafft oder zum mindestens bedeutend gemildert werden. Unter dem Drude wirtschaftlicher Not mag sich wohl vielleicht einmal ein volkstümliches Berlangen für die Beseitigung unnüger Lasten so wohl auf dem Gebite der Zölle und Sandelsbeschränkungen wie auch auf dem der Rüstungen erheben. Die Politik der Abrüstung fann sich in Großbritannien und Amerita auf Boltsüberlieferungen und Boltstriebe berufen. Die Profitmacherei in der Rüstungsindustrie und bie schamlose Unterwerfung der sogenannten Waterlandsliebe unter die in dieser mächtigsten aller Industrien übliche Geldmacherei schaffen ein reiches Material für den antimilitaristi schen Feldzug, für den schon mancherlei bedrohliche Zeichen in jebem europäischen Lande vorhanden sind. Das allmähliche Wachstum des internationalen Sozialismus eröffnet eine aussichtsreiche Zukunftsperspektive. Die sprachlichen Scheidungen, die Reiseschwierigkeiten für Unbe mittelte, die Verschiedenheiten der Methoden, der Bräuche und der Verhältnisse in den verschieben Ländern gestalten leider undermeiblicherweise sein Wachstum zu einem nuz langsamen. Alle Semmungen jedoch werden durch das wachsende Selbstbes wußtsein der Arbeiterschaft in allen Ländern wieder aufgewogen. Die dauernde Stärte der internationalen sozialisti schen Bewegung, gleichviel, ob sie in einer einheitlichen Organis Jation vereinigt ist oder verschiedene Wege, doch immer mit dem nämlichen Ziele der sozialen Umwälzung, verfolgt, besteht darin, daß sie ein allgemeines Interesse und Verlangen vertritt. Sie fieht einen wirklichen Interessengegenfag zwischen den Klassen und nicht zwischen den Bölfern. Sie steht auf dem Standpunkte, daß die Arbeiterklassen der verschiedenen Länder im Gegensatz zu ihren Regierungen teine Ansprüche haben sollten, die miteinander unvereinbar wären; ihre wahrhaften Bedürfnisse tönnen sämtlich miteinander in Harmonie gesetzt werden. Das ist die fefte wirtschaftliche Grundlage, durch die der deutsche Genius eines Karl Mary den Utopismus früherer Sozialisten ersetzte. Sie gibt dem Internationalismus eine einfache und verständliche Basis. Der internationale Sozialismus ist die einzige internationale Macht, die eine bestimmte praktische und allgemein bekannte Bolitit für die Behandlung der Zeitwirren hat. Ez ist die einzige Internationale Macht, die tatsächlich die nationalen Scheidungen überbrüft. Doch wir müssen tiefer graben. Der Umschwung in den wirtIhaftlichen und politischen Gestaltungen ist nur ein realez unb wesentlicher, wenn er gleichzeitig mit einer geistigen Revo lution stattfindet. Keiner von den beiden Teilen des Prozesses ist ohne den anderen vollkommen; die Ideen beeinflussen die äuße zen Formen, aber ebenso wahr ist es auch, daß die äußeren Formen auf die Ideen einwirten. Von den beiden Arten des Umschwunges ist der auf dem Gebiete des geistigen Lebens der wesentlicheze, in Deutschland die gesetzlichen Maßnahmen gegen eine Rückkehr der Hohenzollern, wo das uneingeschränkte Bekenntnis der bürgerlichen Barteien zur Republik? In dem heutigen Deutschland, der Republit ohne Republikaner", ist es doch möglich, daß eine offen monarchistische Partei, wie die Deutsche Volkspartei, am stärksten in der Regierung der Republif vertreten ist. Und diese deutsche Republit schämt sich ihres Namens, da sie in der Verfassung die Bezeichnung Deutsches Reich" statt„ Deutsche Republik" festlegte. Eine schöne Republit, fürwahr! Gegen Sondergerichte und Todesurteile Rechtssozialistische Entschließung Die Vertrauensteute der zegtssozialistischen Partei in Breslau billigten in einer Entschließung die Ablehnung jeder Form eines Zusammengehens mit der Deutschen Volkspartei in der preußischen Regierung. Eine zweite Ent schließung der Vertrauensleute verlangt, daß auch die sozialistische Reichstagsfrattion Schritte gegen den Ausnahmecharakter der Sondergerichte unternehme und wendet sich besonders gegen die Einsetzung eines Sondergerichts in Breslau. Schließlich wird der Reichspräsident aufgefordert, den Todesurteilen grundsäglich die Bestätigung zu versagen. Wir warten ab, ob der anerkennenswerte Beschluß bei den ge= nannten Stellen Beachtung finden wird. Bezeichnend für den Charakter der Fraktion wie des fozialistischen Reichspräsidenten ist es, daß ihnen die Anregung zu diesen Selbstverständlich= feiten ert von den Parteiorganisationen im Lande gegeben werden muß. Die Abfindung der Hohenzollern Da dutch die Klage des Prinzen Friedrich Leopold auf Anerkennung der Herrschaften Flatow und Krojante als sein Privateigentum der Bergleich mit den Hohenzollern über die Bermögensauseinanderjehung vom Januar 1920 verlegt wish, hat das preußische Finanzministerium dem preußischen Kabinett den Antrag auf Aufhebung des Bergleiches unterbreitet. Der Antrag wird allerdings erst von dem neuen. noch immer in ber Zeiten Schoß schlummernden preußischen Kabinett beraten werden. Die Goldforderung der Wiedergutmachungskommission Eine Erklärung des Reichsbankpräsidenten Einem Vertreter des Berliner Tageblattes" äußerte sich der Reichsbantpräsident Savenstein über die Forderung der Entente betreffs Auslieferung des Goldbestandes. Er erklärte; Bisher habe ich noch feine offizielle Mitteilung über bie neue Ententeforderung erhalten. Ich persönlich halte jedoch bie Forderung nach Auslieferung unseres Goldbestandes für eine völlige Unmöglichkeit, und ihre Erfüllung für völlig ausgeschlossen. Sie würde die Vernichtung unserer Valuta und unserer Wirts haft zur Folge haben. Doch man darf wohl als ziemlich sicher annehmen, daß die Reichsregierung diese Forderung unbe= dingt ablehnen wird." London: MaßDie Kölnische Zeitung" meldet aus gebende Banttreffe verurteilen aufs fchärffte das französische Begehren der Auslieferung bes jetzt noch der den schen Reichsa bant gebliebenen Golfschages von 1,1 milliarde Mart, und zwar aus rechtlichen und wirtschaftlichen Gründen. Auch die politischen Folgen mürben unübersehbar sein. Viele befürchten von einer fachen Maßnahme mit Recht, den allge meinen 3ulampenbruch, nicht nur etwa den Deutschlands. An der Börse hält man die Maßnahme für ausgeschlossen. Sie blieb in der Taudenz fest. Die Ausstellung de Framfbriefe für das nene Zollgebiet. Nach einer Anordnung bis Zollfomitees der Interalliierten Rheinlandtommission muß ab 20. 4. 21 den Frachtbriefen die 3o1lertlärung beigefügt perben, die vollständig sein und alle Einzel heiten, ferner eine Beschreibung der Waren und ihre genaue Einordnung gemäß em deutschen Zolltarif enthalten muß. Wir wenden uis gewissen Rundgebungen des geistigen Lebens zu, die, so entrüd sie auf den ersten Blid auch den von uns bisher behandelten Gegnständen scheinbar sein mögen, und so gering der Blag sein mag. Een sie gegenwärtig noch in den Augen der Staatsmänner einnehmen, darum nichtsdestoweniger in Wirklichkeit und auf die Länge der Zeit hoffnungsvoller und vielversprechender Find als jene äheren Umgestaltungen, mit denen wir uns bisher beschäftigt hahn. Wenn sie auch nichts weiter als geschrotetes Schilfrohr und rauchender Flachs find, so wird sie der wahre Diener der Menschheit gleichwohl heraussuchen und in Liebe und Treue hüten und bewahren. Der Menschengeist hat ein Leben Doller Leidenhaften und Gedanken, das nicht zugrunde gehen tann. Es besteht im Strudel des Weltkrieges, der über ihm zusammenschlag, unzerstört, wenn nicht gar unerschüttert fort und erhebt sich he und da in bewußter Auflehnung gegen die Fallen und die Behimpfungen, denen die Verhältnisse des Krieges es aussetzen. Solch eine Auflehnung ist auch jene, die zu den unzähligen fehrlichen Berwahrungen im Namen der Jugend gegen die Herrschaft des Alters geführt hat, Berwahrungen, die die ganze Stufenleiter leidenschaftlicher Erregung von geringschäzis gem Zynismus bis zu stürmischer Entrüftung durchlaufen mußten. -W Die Protestbewegung ist ganz von selbst und unabhängig voneinander aus den Herzen jener großen Rationen hervorgeströmt, die die Hauptquellen europäischer Kultur bilden, Englands, Frankreichs und Deutschlands. In England hat sie einen sehr fräftigen Ausrud in der Presse und in der Dichtung gefunden. In Franteich findet sie ihren plastischen Ausdrud in der Gruppe junger Sünstler und Schriftsteller, die sich ym solche Zeitschriften wie Laforge- und 2a Clart 6 sammeln. In Deutschland hat sie in einer geradezu verwirrenden Mannigfaltigkeit von Dr. ganisationen und Gruppen Gestalt gewonnen, mit ihrem ganzen Apparat von Tageszeitungen und Konferenzen. Im Grunde ist diese Bewegung eine Behauptung des Anspruches der Jugend auf Leben und Freiheit, das strenge Persönlichkeitsbewußtsein, das sich weigen, sich selbst als Kanonenfutter anzusehen, wenn es durch irgendein unvernünftiges Echidsal dazu verurteilt ist, den Wahnfinn der Alten büßen zu müssen. Sie strebt, zu einer bewußten Anstrengung der Persönlichkeit zu werden, über ihre Beziehung zu Gefellshaft und Staat nachzubenken, die nunmehr beide von den Ueberieferungen der Bergangenheit und den Vorurteilen der Gegenwart befreit sind. Es ist ihre Eigenart, feine anerkannten Führer haben zu wollen. Ste schwört feinem Herrn und Gebieter den Treueid. Aber sie schaut mit liebevoller Begeisterung zu jenen Mänern des Gedankens auf, die sich auch während des Welttriegs ihren Kopf bewahrten, Männern wie Romain Rolland, Sent Barbusse, Friedrich Wilhelm Foerster, Bertrand Russell, Lews Didinson, von denen teiner, wohlgemerkt, über die mittle ren Jahre ist. Vom Schlachtfeld der Arbeit Berufsgenossenschaften gegen erhöhten Arbeiterschuß in der Holzindustrie In einer der letzten Nummern der„ Holzarbeiter- Zeitung" wird die Aufmerksamkeit auf die außerordentliche Unfallgefahr gelenkt, von der die an den Holzbearbeitungsmaschinen beschäftigten Arbeiter bedroht sind. In der vom Verbandsvorstand der Holzarbeiter im Jahre 1912 arrangierten Unfallshugauss stellung wurde zum ersten Mal den der Holzindustrie ferustehenden Kreisen gezeigt, wie graujam die Holzbearbeitungsmaschinen unter den Gliedmaßen der Holzarbeiter aufräumen. Diese Ausstellung wurde als Wanderausstellung in einer großen Anzahl von Orten vorgeführt und erregte im Jahre 1913 auf der Internationalen Baufach- Ausstellung großes Aufsehen. Die Wirkung dieser Wanderausstellungen wurde noch unterstützt durch Lichtbildervorträge über den Unfallschutz. Der Krieg machte dieser Propaganda in der bisherigen Form ein Ende, fie ruhte aber trotzdem nicht ganz. Wenngleich durch die Veranstaltungen des Verbandes weite Bevölkerungsfreise aufmerksam wurden, ist doch eine unmittelbare Wirkung dieser Bestrebungen nur durch die Inanspruchnahme der maßgebenden Instanzen zu erzielen. Deshalb wurden schon vor dem Kriege Ein= gaben an den Reichstag und Bundesrat, an die einzelnen Landesregierungen sowie an die Berufsge= nossenschaften und Gewerbeinfpeftionen gerichtet, die aber infolge des Krieges feinen Erfolg hatten. Eine nach dem Kriege an die Nationalversammlung gerintete Eingabe hat jent endlich zur Folge, daß das Reichsarbeitsministerium durch eine Berordnung auf Grund des§ 120 e der Gewerbeordnung der Uns fallgefahr in der Holzindustrie entgegenzuwirken versucht. des Gegen diese Erfüllung einer dringenden Verpflichtung Staates tämpfen nun die Unternehmer und besonders die Berufsgenossenschaften mit allen Mitteln. Die Bes rufsgenossenschaften berufen sich auf die von ihnen erlaffenen Unfallverhütungsvorschriften und bestreiten sogar, daß die Unfallgefahr in der Holzindustrie besonders groß sei. Die Holzarbeiter Zeitung" hält es deshalb für angebracht, einige Rohlen in Erinnerung an bringen, die auf die areke Unjallhäufigkeit in der Solzindustrie hinweisen. Danach tamen Auf je 1000 Bollarbeiter entschädigte Unfälle: 1914 1915 1916 Sächs. Solzberufsgenossenschaft Norddeutsche Bayerische Südwestdeutsche " " " B.-G. d. Musikinstrument.- Ind. Durchschnitt aller gewerblichen 1918 12,27 1917 9,24 9,72 10,45 10,06 10,06 10.85 12,78 11,50 13 79 15,64 15,19 14,67 11,62 15,31 7.22 6.89 6,44 8,92 12,24 12,82 12 79 13,13 14,46 12,68 Berufsgenossenschaften..... 8,05 7,49 8,20 8,72 9,10 Die entschädigten Unfälle sind die, deren Folgen nach 18 Wochen noch nicht beseitigt waren, also die schweren Unfälle. Die Holzarbeiter- 3eitung" bringt dann noch ausführliche Zahlen aus dem Verwaltungsbericht der Norddeutschen Berufsgenossenschaften des Jahres 1919, woraus zu entnehmen ist, daß an ben Unfallgefahren die unzulängliche Durchführung der Revision der Betriebe die größte Schuld trägt. Nach diesem Bericht waren im Jahre 1919 nur 7 Aufsichtsbeamte tätig, die im Berichtsjahr nur 9,92 Prozent der Betriebe mit 18,77 Prozent der Arbeiter rea vidierten. Von diesen revidierten Betrieben wurden 52,63 Pro3. in Ordnung befunden, also nahezu die Hälfte war nicht in Ordnung. In den 4691 revidierten Betrieben wurden 6701 Anordnungen im Interesse der Unfallverhütung getroffen, darunter befinden sich recht ernste Beanstandungen, deren Durchführung den Berufsgenossenschaften obliegt, die für diesen 3wed jogar mit Strafgewalt ausgerüstet find. Wie wenig die Bes stufsgenossenschaften ihrer Pflicht genügen, zeigt, daß insgesamt nur 345 Strafbescheide über 10 613 M. erlaffen wurden, wobei noch in einigen Fällen die Strafe später erlassen oder ermäßigt wurde. Eine Krähe hadt der endern eben die Augen nicht aus. Die Solzarbeiter- Zeitung" lagt deshall mit Recht, daß man angesichts solcher Zahlen nicht gut behaupten fann, daß der Schutz der Arbeiter vor Unfallgefahr in den Hinden der Berufs= genossenschaften genügend gewahrt is, Der Widerstand, ben sie der geplanten Verordnung entgegensegen, zeugt also nur von ihrem schlechten Gewissen. Es liegt deshalb in erster Linie an den unter die Verordnung fallenden Arbeitern selbst, ridfichtslos ihre Rechte gegenüber den Unternehmern wahrzu nehmen. Man sieht, der Kampf um sozialpolitische Maßnahmen ist auch nur ein Teil des allgemeinen Kampfes zwischen Kapital und Arbeit, den zu fördern vor allem Aufgabe aller in der Sozialpolitik und in den Gewerkschaften tätigen Genossen ft. Gegen die von Die durch solche Namen vertretene Interiationale des Gedankens spielte nur eine recht bescheidene Rolle, solange der Weltkrieg noch im Fortgang war. Doch es sind eichen vorhanden, daß die Welt der Wissenschaft und Kunst sich tetig, wenn auch langfam, zu dem von solchen Männern eingenmmenen Stands punkte fortbewegt. Diese Männer machen eine bewußte Anstrengun, die Kräfte des Verstandes und der Sumanität vermittels des gschriebenen und gesprochenen Wortes zu sammeln. Der Geist, so lagen sie, hat sich in dem Dienste eines engherzigen Nationalismus eschändet, wäh rend er doch in Wahrheit überhaupt nichts von Landesgrenzen wissen lollte. Er muß wiedergenesen. Er muß die selbstlose und unparteiische Forschung nach Wahrheit wieder aufnehmen. Wahrheit aber ist nicht in einer flösterlichen Abgeschlossen eit zu finden. Sie ist zu einem rein praktischen 3wede zu erstreben nämlich dem des Interesses für alle Sumanität. Die Internationale des Ges dankens hat die Pflicht die Idee menschlicher Freiheit auf dem geistigen und sittlichen Schlachtfelde zu verfechten. Mêlée Es ist von großer Bedeutung, daß die klart und.bemußteste Darstellung und immer wieder eheute Darstellung dieser schwungvollen Auffassung aus& ankreich gekommen ist, jenem Frankreich, das in der modernen Belt die er habenste Begründerin von Ideen, die geistige Mutter Gropas geworden ist. Romain Rolland gab dem zu Anfang bes Welttrieges in seinem epochalen Bändchen Au dessus de ( Ueber dem Gemühle) Ausdrud. Senri Barbusse, er später Rollands Spuren folgte, ist sogar vielleicht ein noch pischerer Vertreter seiner Zeit. Er machte persönlich in den Schängräben Dienst und gab in seinem padenden Romane Le Feu( Das Feuer) eine malerische Darstellung von jenen unheimlich außigen und gespensterhaften Realitäten, die er hatte sehen müßen. In feinen Artikeln und Manifesten und vor allem in seinem fürzlich erschienenen Romane Clarté( Erleuchtung), sehen wir, die der französische Geist etwas in sich vereinigt und in ein System bringt, was auf andere Weise vielleicht nur ein ganzes Bündel unbetimm ter Bestrebungen gewesen wäre. Die Jugend ist wahre Macht!" sagt Barbusse, aber sie verfügt zu selten über Erkenntni und Klarheit!" Barbusse glaubt nicht an eine von außen tommende Affenbarung, wohl aber glaubt er, daß die Wahrheit im Herze des Menschen wohnt", daß das Leben heilig und das Sittengeses was selbstverständliches ist. Er tritt fräftig für den freien Willen ber Bersönlichkeit und ihre Berantwortlichkeit für das Leben der Ges Jamtheit ein. Ein Künstler, der sich abseits von en Interessen und Rüdsichten der großen Mali ,, des aus den sämtlichen einzelnen Boffsgenossen gebilde hält, ist nicht mehr ein wahrer Künstl I. Ein wahrer Künstler muß sich an die lebenden Wassen wendin, Boltes" en ben Kapitalisten beliebte Art von Sozialpolitit müssen wir uns aufs schärfste wenden. Sie ist nur von Profitinteressen diftiert, und geht nur so weit, daß die Unternehmer die Arbeiter nach wie vor uneingeschränkt als Wertzeuge für ihre 3wede benußen tönnen. Erst mit der Verwirklichung des Sozialismus wird die soziale Frage" gelöst sein. Bis dahin gilt es, durch Ausgestaltung der sozialen Gefehgebung, durch Maßnahmen des Staates, den so zial schwächeren Gliedern der Gesellschaft erträgliche Arbeitsbedingungen zu schaffen. Wie aus unserer Notiz„ Die flagenden Hände" im gewerkschaftlichen Teil der Sonntagsausgabe unseres Blattes hervorgeht, nimmt der Holzarbetter- Verband seine Propaganda für den Arbeiterschuh in den Holzbearbeitungsfabriken wieder auf. Wir erinnern darum an dieser Stelle noch einmal an die Versammlung, die am Donnerstag, den 21. April, abends 6% Uhr, in den Andreasfestsälen, Andreas= straße 21, stattfindet. Zahlreicher Besuch dieser Versammlung ist notwendig um für verbesserte Schußbestimmungen zugunsten der in der Holzindustrie in schwerer Gefahr arbeitenden Klassengenossen zu demonstrieren. Mißstände im Reichsversorgungswesen Die Klagen über umständliche und hinhaltende Behandlung der Rentenansprüche der Kriegsbeschädigten reißen nicht ab. Seit einem Jahr ist das neue Versorgungsgeseh in Kraft und noch immer wartet die Mehrzahl der Rentner auf die Erledigung ihrer Ansprüche. Die Anfragen der Beschädigten werden in einer Art und Weise erledigt, die lebhaft an den ältesten Verwaltungsschimmel des verflossenen Systems erinnert. Es herrscht eine Sin und Serzerrung der Fälle unter den einzel nen zuständigen Stellen, die einfach empörend ist. So ist uns ein Fall befannt, in dem sich ein Kriegsbeschädigter am 26. November und 28. Dezember v. 3. an das Hauptversicherungsamt wandte um Beschleunigung seiner Rentenangelegenheit. Darauf erhielt er eine Karte am 5. Januar d. 3., morin ihm mitgeteilt wurde, daß sein Schreiben an die Hinterbliebenen= abteilung des Versicherungsamts IV, Berlin, als zu= ständig" abgegeben worden sei. Darauf wandte sich der Betreffende am 24. März an diese Abteilung und erhielt den Bescheid, daß seine Schreiben vom 26. November und 28. Dezember 1920 und 24. März 1921 am 7. April an das Hauptversiche= rungsamt als zuständig" weitergegeben worden seien. Das ist eine unwürdige Komödie, bei der die ohnehin in schwerfter Lage sich befindlichen Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenen die Leidtragenden find. Wir erwarten. daß hierin Wande! geschaffen wird und daß in der Bearbeitung der Kriegs: beschädigtensachen menschlich und gerecht, und vor allem schnell, nicht aber bureaukratisch gearbeitet wird. Die Kriegsbeschädigten find feine„ Sachen", sondern lebendige Menschen, die sich durch ihre Opfer für die Algemeinheit das unbedingte Recht auf schnellste Erledigung ihrer Ansprüche erworben haben. Frankreich und Bolen die neuen Militärmächte Europas. Der englische Kriegsminister veröffentlicht in den„ Parliamentary Bapers" eine Mitteilung über die Größe der Heere der Länder auf dem Kontinent. Danach habe Desterreich 30 000, Belgien 105 000, Bulgarien 33 000, die Tschechoslowakei 147 000, Dänemart 15 400, Finnland 35 000, Frankreic 809 652, Deutschland 100 000, Griechenland etwa 250 000, Ungarn 35 000, Italien 300 000, Solland 21 400, Norwegen 15 400, Bolen etwa 600 000, Bortugal 30 000, Rumänien 160 000, Spanien 190 715, Schweden 56 200, die Schweiz 200 000, der ferbisch- kroatisch- flowenische Staat 200 000 Mann. Nach dieser Statistit verfügen Frankreich und Polen über die größten Heere. Die amerikanisch- russischen Handelsbeziehungen. Auf eine Anfrage Samuel Gompers antwortete der Staatssekretär Hughes, daß es wünschenswert sei, die Handelsbeziehungen mit Rußland in weitestgehendem Maße wieder aufzunehmen aber bei den gegenwärtigen russischen Zuständen vollkommen sinnlos für die Praxis. Hughes sprch die Erwartung aus, daß Rußland seinen Platz im pirtschaftlichen Leben der Welt wieder einnehmen werde. Abnehmen der Tenerung in England. Amtlich wird befanni gegeben daß die Lebenshaltungskosten am 1. April auf 133 Prozent derjenigen von 1914 zurüdgegangen find, was eine Verminderung um 7 Prozent gegen den Vormonat be deutet. fie zu ermutigen, zu belehren, zu verteidigen und zu einen". Er muß Anteil nehmen an dem großen Kampfe der Jdeen, der den fämtlichen sozialen wie auch nationalen Kämpfen zugrunde liegt. Ein Triumph der Vernunft und der Humanität ist möglich. Gerade wie das menschliche Denken den Fortschritt hervorgebracht hat, den wir bisher erreicht haben, gerade so vermag auch das menschliche Denten den Krieg zu beenden und die schöpferische Gesellschaft der Zukunft aufzubauen. Diese Sammlung der europäischen Denker und Künstler wird voraussichtlich die zwar langsame, aber sichere Wirkung haben, die ältere Auffassung der Vaterlandsliebe zu unterwühlen, jene ererbten„ Ahnenstimmen", die in unserem Innern aus dem Unterbewußtsein unserer Rassenerinnerungen aufsteigen, in Verruf zu bringen und unsere Grübelei über die Wirklichkeiten und die Möglichkeiten in den Brennpunkt unseres Nachdenkens zu stellen. Das bedeutet, immer mehr diejenigen zum Erröten bringen und bis in ihre tiefsten Seelen beschämen, die ( wenn sie auch nur eine zahlenmäßige Minderheit bilden und auch nur untergeordnete Stellungen ausfüllen) durch ihre geistige Stärke und Unabhängigkeit dazu bestimmt sind, die Ereignisse der Zukunft über ein, ja zwei Jahrzehnte hinaus zu beeeinflussen, wir meinen die Journalisten, die Lehrer und die Schriftsteller des emporsteigenden neuen Geschlechts. Die neue Nummer der Freien Welt", die der Freiheit" morgen, Donnerstag früh, beiliegen wird, enthält folgende Beiträge: Emile Zola: Die stiefelwichsende Madonna. Karl Kautsty: Agrarrevolution in Georgien. Dr. Richard Böhme: Der Orient in unserer Muttersprache. Gaudy: Die Saussuchung. Haussuchung. Wirtschaft und Technik: Tief- und Flach feller. inte für die Sausfrau. Tages- Notizen Die Ausgesperrten der Bergmann- Werke, Rosenthal, veranstalten Freitag einen Kunstabenb in den Germania- Sälen, Chausseestr. 90 it wir fende; Ernst Friedrich, Klaus Reufranz, Arbeiterfänger. Kaffeneröffnung 7 Uhr. An fang 8 Uhr. Karien 3 Mart bet den Ausgesperrten, in der Arbeiter Kunst- Auss ftellung, Petersburger Str. 39, und an der Abendkasse. Vorträge. Weber Proletarische Kunst" spricht der Arbeiter- Mater Dito Rage I Donnerstag 7 Uhr in der Arbeiter Kunst Austel Iung", Petersburger Str. 39, Der Deutsche Monistenbund ver anfiaftet Freitag 7 Uhr einen öffentlichen Vortrag im Werner- Siemens- Real gymnaftum, Hohenstaufenstr. 47/40, Don Dr. Rob. Botonie: Kann ber Mo nismus lich überleben?" Dr. Helene Stöder spricht Freitag 7 Uhr( Bürgersaal des Rathauses) über die„ Ergebnisse der Inter nationalen Konferenz ber fonsequenten Baziftften in Bilthoven und den Internationalen Antimilitariischen KongreB im Haag". www Kleine Mitteilungen. Ifreb Rerr und Bau! Wegener wurben in die Filmprüfungskelle berufen. Ifzeb Belezte mirb auf einer Tournee durch die Tschechoslowakei Strindbergs Friedens novelle regitieren. Groß- Berlin Die„ Los von Berlin"- Bewegung in Spandau In einer internen Besprechung nahm am Freitag der Auss schuß der vereinigten Bezirisvereine Stellung zu der gegenwärtig. von den bisherigen leitenden Personen der Randgemeinden Ber lins im Westen und Osten entfachten, Los von Berlin"-Bewegung Stellung. Der ehemalige Oberbürgermeister, Geheimer Reg.- Rat Koelge, hatte das Referat dazu übernommen. Daß dieser Res ferent alles das heranziehen wird, was ihm nicht in den Krame paßt, um so die Nachteile den Vorteilen gegenüber in den Border grund treten zu lassen, braucht taum erwähnt zu werden. Die Sauptrolle an diesem Abend spielte, wie nicht anders zu erwarten, der erste Drahtzieher der Los von Berlin"-Bewegbung, Landtags abgeordneter Justizrat Lüdide( D. N.), der befanntlich auch Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung ist. Ihn hat es die Finanzwirtschaft angetan. Er wies u. a. darauf hin, daß rund 1,06 milliard en M. zum Ausgleich des Etats fehlen. Die Finanzwirtschaft set nur auf die Wünsche der Straße eingestellt. Nicht verschmerzen fann er das Be= gräbnis von Sylt. Oberbürgermeister Boch bewilligte der Arbeitern, die an dem Begräbnis teilnehmen wollten, Urlaub mit Bezahlung. Der Stadtverordnetenvorsteher Dr. Weyl verlangie, daß die Arbeiter aus dealismus auf die Weiterzahlung des Lohnes verzichten sollten. Die Arbeiter entschieden sich natür lich für den Vorschlag Boeß, was für die Stadt eine Million Mart Berluft bedeute. Die Lage sei gewiß schwierig. Die Deutschnationalen hätten im Landtag deshalb feinen genau festgelegten Antrag eingebracht; fie verlangen allgemein, daß die 3entralgewalt der Einbeitsgemeinde beschräntt werde und daß man den räumlichen Umfang prüfe. Der jekige Oberbürgermeister Dr. Woeld, wies auf den gegens wärtig sehr schlecht arbeitenden Verwaltungsapparat, der für Berlin als auch für Spandau ein unhaltbarer Zustand sei, hin. Interessant ist in seinen Ausführungen nach der Gpb. 3tg." folgendes: Es sei schwer von Berlin los au fommen. Spandau tönne die Siemenswerte nicht missen. Die Reichswerte weisen einen immer schlechter werdenden Beschäftigungsgrab auf. Auch in politischer Beziehung bestehen Bedenken: In Berlin zeigte fi bet den lezten Landtagswahlen eine bürgerliche In Spandau sei die ZuMehrheit, in Spandau nicht sammenfekung der Körperschaften viel schlimmer wie im übrigen Berlin. Die Spandauer Mehrheitssozialisten tan zen direkt außer der Reihe. Bis zum Kapp- Butsch fonnte man noch ruhig arbeiten, seitdem nicht mehr. Wenn man die Ges mißheit hätte, daß die Reichswerte in private Sände übergingen, so daß endlich einmal alle Schornsteine dort rauchen, und daß Spandau die Siemenswerte behält, dann tönnte Spandau wieder selbständig werden. Folgende Entschließung gelangte zur Annahme: Die am 15. 4. 21 versammelten Vertreter der Bezirksvereine ber Stadt Spandau( Bezirk 8 der neuen Gemeinde Berlin) haben die Ueberzeugung, daß das Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin vom 27. 4. 20 in seiner jegigen Gestaltung nicht aufrechterhalten werden fann und daß insbesondere das Spandauer Gemeinwesen nur dann einer weiteren Entwicklung, für die sonst alle Bedingungen vorhanden sind, entgegengeführt werben fann, wenn ihm seine volle Selbständigkeit wiedergegeben wird. Die vereinigten Bezirksvereine richten daher an den Breußischen Landtag die Bitte, bei der Staatsregierung vorstellig zu werden, daß das Gesez vom 27. 4. 20 dahin geändert wird, daß die frühere Stadt Spandau ihre Selbständigkeit wieder erlangt." Jebenfalls sieht das gegenwärtige Stadtoberhaupt die Lage mit viel größerer Sachkenntnis an, als sein Borrebner, so gerne er bir Selbständigkeit der Stadt Spanbau wieder hergestellt sehen möchte, vertennt er nicht die ungeheuren Schwierigkeiten, die daraus ent stehen. Man sieht aber auch wieder, daß diese unpolitischen" Herren nicht umhin können, immer wieder das politische Moment ju gebrauchen, um mit ihrer eventl. politischen Stärle Sieger zu bleiben. Den Rechtssozialisten geschieht hier ganz recht, vor dem Kapp- Butsch waren sie mit Haut und Hagren dem Bürgertum verschrieben und ihre Politik hat es dazu gebracht, daß auch hier die zwei Drittel sozialistische Mehrheit start gebrochen wurde. Es ist nicht falsch, daß am Verwaltungsapparat nicht alles tappt, aber ein guter Verwaltungsbeamter weiß auch, daß beim Aufziehen sowie Umstellen eines solchen Gemeinwesens nicht alles aus dem Handgelenk geschüttelt wird. Auch ist dem Oberbürgermeister Dr. Woeld nicht unbekannt, wieviele Schwierig. teiten dem Groß- Berlin gemacht werden. Es wäre wedmäßig gewesen, daß in der betreffenden Berfamma lung dem Drahtzieher Lüdide einmal aesagt worden wäre daß er nicht dauernd Sabotage an Berlin üben soll. Dieser Mann fammert um die Finanzen, und dabei ist er es samt seiner Partei, bie immer wieder die erdenklichsten Schwierigfeiten erfinnen, zuna Schaden der Berliner Finanzen. Eigenartig mutet das Muftreten all dieser Serren an. wenn fie in einem fleinen Konventifel von Vertretern. der längst an Bes beutung verlorenen Bezirksvereine, ihre Ansicht fanen, statt in öffentlichen Versammlungen die Meinung der Bürgerschaft au hören. Aber mögen sie noch so sehr nach der alten Selbständigkeit schreien, sie werden sich heiser rufen, aber Berlin wird in seiner geographischen Zusammenlegung bleiben, zum Wohle der Allgemeinheit. Ringbahnbanditen Der Ueberwachungsabteilung der Eisenbahndirektion Berlin ist es gelungen, eine größere Bande gewerbsmäßiger Güterbiebe unschädlich zu machen, die seit Jahren die Güterzüge vornehms lich auf dem Rordring planmäßig heraubten und durch ihre Tä tigkeit einen in die Millionen gehenden Scha ben angerichtet hat. Eisenbahnbeamte hatten in der Nacht zum 12. April unter der Eisenbahnbrüde über die Pante sieben Säde mit Leder sowie einen Ballen leere Säde und mehrere Rollen Kupferdraht ges funden. Ein Schreiben, das offenbar einer der Täiet verloren hatte, führte ouf die Spur der Diebe. Das Schreiben war von der Erwerbslosenfürsorge an einen gewissen Rent gerichtet. Bes obachtungen ergaben, daß 3ent mit zwei Brüdern Lamm, einem Arbeiter Dobczinsti, Johannes Abel. Alfred Jander, einem ges wissen Frost und dem Arbeiter Karl Liid, alle zurzeit erwerbss los, in Verbindung stand. Das Material gegen diese Personen war so belastend, daß alsbald die ganze Bande verhaftet wurde. Einige Mitglieder det Bande waren auf einem ihrer Raubzüge mit Ueberwachungsbeamten zusammengestehen, wobei es auch au einer Schießerei fam, ohne daß es damals den Beamten gelang, die fliehenden Täter zu stellen. Sämtliche Beteiligte sind in das Bolizeipräsidium übergeführt worden. Der 12. Verwaltungsbezirk( Eteglih, Baafwik. Lichterfelbe) hielt am Montag, den 18. d. is., eine ordentliche Bezirksvers Jammlung im Rathaus Steglig ab. Da unser Bezirk eine bürger liche Mehrheit hat, fonnte es fich der Borsitzende Schwarz nicht versagen, der verstorbenen Erfailerin eine Gedächtnisrede zu balten. Die Linte verließ gefchloffen den Saa 1. Wir hatten einen Dringlichkeitsantrag eingebracht, in welchem bas Bezirksamt ersucht wird, Schulferien am Tage der Beisetung der Erfaiserin zu verbieten. Bon bürgerlider Seite wurde gegen die Dringlichkeit Cinipru exhosen. Das Bezirksamt hatte eine Borlage zur Bildung der Deputationen vorgelegt, in denen bis sechs Bürgerdeputierte sorgelegen maren. Die Bürgerlichen be. antragten, die Bürgsedenutierten gleichmäßig auf drei herobute lehen. Trok des Brotestes von unserer Seite und der SR. D. wurde dieser Antrag angenommen. Dadurch wird es nicht un möglich gemacht, Bürgerdevutierte der Arbeiterschaft in die Muse Schüsse zu wählen. Der Elternbeirat der 7. Gemeindeschule hatte eine Entschließung eingesandt, in welcher das Bezirksamt ersucht wurde, den Besuch des Schloßparffins durch die Schulen aufzuheben und ein Schultino einzurichten. Durch Genossen Marquardt wurde diese Forderung unterstützt. Nach längerer Ausein anderlegung wurde die Vorlage zur weiteren Veranlassung dem Bezirksamt überwiesen. Zum Schluß wurde unser Dringlichkeitsantrag, 1000 m. für Instandsetzung des Arbeiterjugendheims beim Magistrat zu beantragen, dem Bezirksamt zur weiteren Vers anlassung überwiesen. Diese Sigung hat uns wieder einmal gezeigt, daß das Bürgertum sich wieder fest im Sattel fühlt und der Arbeiterschaft den Kampf anjagt. Möge die Arbeiterschaft daraus die Lehren ziehen! 19. Verwaltungsbezirt. Die am legten Freitag tagende Bes zirksversammlung beschäftigte sich in der Hauptsache mit der Wahl der einzelnen Deputationen. Die Bürgerlichen versuchten bei der Wahl der Schuldeputation, durch eine Ueberrumpelung einige Mandate mehr für sich zu erlangen. Die mangelhafte Geschäftsführung wurde von unseren Genossen gebührend beleuchtet. Nach längerer Geschäftsordnungsdebatte wurde der Antrag unserer Frattion angenommen, daß die Wahl nach dem vorliegenden Resultat für gültig zu erklären ist. Die Bürgerlichen werden auch durch den in Aussicht gestellten Protest nichts mehr daran ändern Lönnen. Hatten die Bürgerlichen hier eine Niederlage erlitten, so fonnten sie bei der Beratung der Dringlichkeitsvorlage des Be zirksamts einen Gewinn für sich buchen. Die Mittel zur Serstellung des Kohlenplages in Niederschönhausen sollten bewilligt werden. Die Kommunisten glänzten bei der Abstimmung durch Abwesenheit, so daß die Dinge noch einmal den Ausschuß beschäftigen müssen. Den Kommunisten sei hiermit gesagt, daß es notwendig ist, mehr Interesse für die Kommunalpolitik an den Tag zu legen, wenn im 19. Verwaltungsbezirk etwas geleistet werden foll Gegen den Gebärzwang. Am Dienstag, den 26. April, abends 7 Uhr, findet in Kliems Festsälen, Hasenheide( großer Saal), eine öffentliche Versammlung statt, in der Genosse Dr. Julius Moses über das Thema Gegen den Gebärzwang" spricht. Diese Versammlung soll eine außerordentliche Kundgebung für die Beseitigung der Paragraphen 218, 219 und 220 des Strafgesetzbuches sein. Es muß also von heute an rege Propaganda für den Besuch der Versammlung gemacht werden. Bezirksverband Berlin- Brandenburg. An unsere Postabonnenten. Um jede. Verzögerung in der ZuStellung der Freiheit" zu vermeiden, ersuchen wir unsere Postabonnenten, die Abonnementsbestellung für Monat Mai bis Spätestens zum 25. April an der zuständigen Postanstalt aufzu geben. Die Freiheit", Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie, kostet monatlich 10 Mart bei freier Zustellung ins Haus. Der Verlag. Kommunale Kommissionen Groß- Berlins. Freitag, den 22. April, 6 Uhr, in der Bildungsschule, Breite Str. 8-9, Sigung sämtlicher Obleute der Distrikte und Verwaltungsbezirke und deren Stellvertreter der Stadtgemeinde Berlin. Pünktliches Erscheinen ist Pflicht. Die Abgabe der Steuererklärungen muß. laut Bekanntmachung der Finanzämter des Landesfinanzbezirks Groß- Berlin in der Zeit nom 1. bis 30. April seitens aller Deutschen und Nichtdeutschen erfolgen, soweit ihr Einkommen im Kalenderjahr 1920 oder in dem während dieses Kalenderjahres endenden Wirtschaftsjahr mehr als 10 000 Mart betragen hat. Wer die Frist zur Steuererklärung versäumt, wird zur Abgabe der Erklärung durch Geldstrafe bis zu 500 M. angehalten. Da eine Zusendung der Veranlagungs formulare nicht überall erfolgt, muß vom Finanzamt noch öffentlich bekanntgegeben werden, wo die Steuerpflichtigen die Formulare erhalten. Die Schrift über das Reichseinkommensteuergesetz ist soeben in einer neuen Auflage im Verlag der Freiheit" erschienen. Sie enthält alle Veränderungen, die in dem vom Reichstag am 19. März 1921 beschlossenen Ergänzungsgesetz enthalten sind. Die Schrift, die ein unentbehrlicher Wegweiser durch das Veran Lagungswesen ist, foftet 4 Mart; sie ist durch die Buchhandlung der Freiheit" und durch deren Filialen zu beziehen. Der Prozeß der Kriegsberichterstatter Scheuermann usw., zu denen sich auch noch Dr. Bongard nachträglich als Nebentläger gefellt hat, gegen die Journalisten Paul Schweder und Siegfried Jacobsohn wegen Beleidigung wurde am Dienstag fortgesetzt. Momente dafür, daß deutsche Kriegsberichterstatter geplündert hätten, wurden aus den Zeugenvernehmungen nicht beigebracht. U. a. sagte auch Oberstleutnant Nicolai über die Zustände im Pressequartier aus. Er teilte mit, daß Reibereien zwischen den Kriegsberichterstattern an der Tagesordnung waren. Schließlich gab es sehr heftige Zusammenstöße zwischen dem Angeklagten Schweder und dem Vorsitzenden, die sich weigerten, als verschiedene Beweisanträge des Angeklagten abgelehnt wurden. Der Angeflagte erklärte schließlich, daß er diesem Vorsitzenden eine Erklärung nicht mehr abgeben wolle. Der Prozeß zog sich bis in die späten Abendstunden hin, die Vers handlungen boten jedoch nur geringes Interesse. Tödlicher Unfall. Heute morgen um 8 Uhr wurde auf dem Untergrundbahnhof Alexanderplag ein junger Mann im Aker Don 25 bis 30 Jahren von einem Untergrundbahnzug überfahren. Er war auf der Stelle tot. Die Feuerwehr wurde alarmiert, um bie Leiche hervorzuholen, die nach dem Leichenschauhaus gebracht wurde. Boraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Don nerstag: Nachts sehr fühl, um Mittag warm, zeitweise stärker bewölkt, bei mäßigen nordwestlichen bis westlichen Winden. Keine erhebliche Niederschläge. Jugendbewegung Die Zentrale der Sozialistischen Proletarierjugend teilt mit: Am 15.- 17. Mai findet unsere Reichstonferenz verbun den mit einem Reichsjugendtag in Gera statt. Tages: ordnung: Jugendinternationale, Jugendschuß. Jugend und Partei. Rüstet zur Beschidung der Konferenz,[ precht über die Fragen in den Gruppen, richtet Wanderspartasen ein! Rechnet die Pflichtbeiträge ab, da Jhr sonst tein Recht zur Delegation habt. Bezahlt auch die Zeitung! Abrechnung und Materialausgabe Mittwochs und Sonnabends 7-9 Uhr. Zentrale: Breite Straße 8-9. Sonnabend Zentralvorstandssitzung% 8 Uhr im Sekretariat. Gewerkschaftliches Zum Industrieverband Wir teilten fürzlich mit 3. April daß verschiedene Berufsschichten den Wert starter Zentralorganisationen noch nicht genügend schäßten und durch Abstimmungen es ablehnten wie die Schiffszimmerer und Sutmacher-, sich mit berufsverwandten Verbänden zu verschmelzen. Heute fönnen wir mitteilen, daß die Kürschner mit verschiedenen Gewerkschaften in Berhadlungen wegen Verschmelzung getreten sind. Mit dem Deutschen Bekleidungsarbeiter- Verband find schon Richtlinien vereinbart worden, die nunmehr der Entfcheidung der Mitglieder unterliegen. Auch mit den Tertilarbeitern und den Hutmachern sind Verhandlungen im Gange, die sich fämtbewerkstelligen. lich bereit erklärten, die Schaffung eines Industrieverbandes zu Außerdem teilt das Korrespondenzblatt des Allgemei nen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Nr. 16 mit, daß der Glaserverband, der sich schon 1895 auf seinem Verbandstage mit dem Anschluß an den Holzarbeiter- Verband beschäftigte, im Jahre 1919 eine Urabstimmung über diesen Punkt vornahm. Die Zahl der Mitglieder betrug 3795, und die Abstimmung etbrachte ein negatives Resultat. Inzwischen fielen 4 3ahlstellen in verschiedenen Städten ab, die sich den Holzarbeitern anschlossen. Da der Deutsche Bauarbeiter- Verband unter dem Namen Deutscher Baugewerts bund einen großen Industrieverband unter Zusammenfassung aller im Baugewerbe tätigen Kopfund Handarbeiter schaffen will, erklärten sich nun die Glaser grundsäglich bereit, sich diesem Verband anzuschließen. Die nächste Generalversammlung soll endgültig entscheiden. Auch die Frage der Arbeitsgemeinschaften wurde unter den Glasern erörtert, und vom Hauptvorstand wurde der Austritt aus der. Arbeitsgemeinschaft verlangt. Eine Umfrage unter den Mitgliedern ergab, daß die Majorität gegen die Arbeitsgemeinschaften Stellung nahm. Demnach veranlaßte der Hauptvorstand den Austritt aus derselben anzumelden. Wir begrüßen das Ergebnis, daß erstens die Glaser ihre Selbständigkeit zugunsten eines großen und starten Industriever bandes aufgeben und zweitens, daß sie zu den Arbeitsgemeinschaften eine Stellung einnehmen, die Klarheit schafft und mehr denn je am Plate ist. Funktionäre des Metallarbeiterverbandes Am Mittwoch, den 20. April, abends 7 Uhr, findet in den Prachtsälen Alt- Berlin, Blumenstr. 10, eine Versammlung der Funktionäre, die in der U. S. P. D. organisiert find, statt. Die Tagesordnung lautet: Die Lehren aus dem Kommunistenputsch. Referent Genosse Rabold. Partei- und Gewerkschaftsbuch legitimieren. Bez.- Verb. Berl.- Brandenburg U. 6. B. D. J. A.: A. Holz. Arbeiter und Angestellte wacht auf! Bei der Attumulatorenfabrit A.-G., Zentralbureau Astanischer Plaz, fanden vor kurzem Betriebsrätewahlen statt. Es tam zur Aufstellung mehrer Listen. Begleiterscheinungen fierten Angestellten und Arbeiter vorgenannten Betriebes wurden hierzu waren diverse Wahlparolen. Zum Erstaunen aller organi aber auch gebrudte Zettel mit der Ueberschrift:„ Unorgani lierte wählt nicht" nachstehenden Inhalts verteilt:„ Seit Bestehen der Angestelltenausschüsse und Betriebsräte haben die darin tätig gewefenen Bertreter durch ihr Auftreten bewiesen, daß fie nicht gesonnen sind, in der unorganisierten Angestelltenschaft einen gleichberechtigten Partner zu erbliden. Trotzdem erhoffen für die morgen stattfindenden Betriebsratswahlen die Organis fierten die Unterstügung der Unorganisierten. Es wird den unorganisierten Angestellten aber empfohlen, aus Gründen der Selbstachtung an der morgen stattfindenden Wahl nicht teilzunehmen." Feststellungen über die anonymen geistigen Väter dieser Zettel ergaben, daß lettere auf Veranlassung eines oder mehrerer Herren, welche der Direktion nahestehen, hezgestellt und verbreitet worden sind. Die Herstellungskosten Achtung! Händler! Wanderkarten Selfen, Doppelriegel. Seifenpulver, Toilettens feife, Faßfeife, Lanolin, Perfil, Feins und Stücken- Soda, Streichhölzer, Urbin, Nigrin für alle Gegenben erhält man in der auch Sonatage Hath, Brunnenstr. 169 Buchhandl. Freiheit", Breite Str. 8-9 Billigste Bezugsquelle geöffnet Neue verbesserte Auflage! 3m Monat April müssen alle Einfommenempfänger über 10000 Mart ihre Steuererklärung abgeben. Ein unentbehrlicher Ratgeber hierfür, insbesondere für die Lohn- und Gehaltsempfänger und für Gewerbetreibende, ist die Schrift: Das Reichseinkommensteuergeset Mit Einleitung und Erläuterungen von Eugen Prager 56 Geiten Preis 4.- Warf Die Inappe, übersichtliche und allgemeinverständliche Darstellung wird jedem Steuerpflichtigen restlose Aufklärung über die wichtigsten Steuer. fragen verfchaffen, wie die Abzüge vom Einkommen, den steuerfreien Teil des Einkommens, die Berücksichtigung besonderer wirtschaft. licher Berhältniffe, ben Steuerabzug usw. 3n einem Ratrag sind die durch die Novelle zum Reichseinkommensteuergeseh vom 19. März 1921 vom Reichstage befchloffenen Renderungen klar und übersichtlich dargestellt, so daß die Schrift alle für die jetzt vorzunehmende Vers anlagung notwendigen Angaben enthält. 3u beziehen durch die Buchhandlung Freiheit, Berlin C 2, Breite Straße 8-9 Auch durch alle Filialen der Freiheit" Annahme in allen Speditionen des Berlages bieses eigenartigen Werbematerials dürften somit vielleicht in einem bestimmten Un fost enfon o in irgendeiner Form vers bucht worden sein. Jeder entende Arbeitnehmer soll un mu aus vorstehend Gesch.ldertem entnehmen. wie sehr dem unters nehmertum, insbesondere den Berliner Metallindustriellen, da an Wis liegt, die Arbeitnehmerschaft noch mehr zu zersplittern. Gegenmaßnahme hierfür gibt es nur einen immer festeren und zahlreicheren Zusammenschluß in den freien Gewerkschaften: denn nur dadurch kann dem organisierten Unternehmertum kraftvoll entgegengetreten werden. Streik in der Breslauer Metallindustrie Wie die Telegraphen- Union" aus gut informierten Kreisen erfährt, hat der Arbeitgeberverband das ihm seitens der Ange stelltenschaft übereichte Ultimatum mit den aus den Vers handlungen mit dem Schlichtungsausschuß bekannten Forde rungen abgelehnt, so daß sich also die Betriebe Breslauer Metallindustrie mit sämtlichen taufmännischen und technischen Angestellten, sowie den Werkmeistern von heute, Mittwoch, den 20. April, früh sieben Uhr ab, im Streitzustand befinden werden. Bauarbeiterstreik in Magdeburg Der Sier sind gestern die Bauarbeiter wegen Nichtbewilli gung ihrer Lohnforderungen in den Ausstand getreten. Es tommen Bauten der Stadt, darunter Notwohnungen zur vorläufigen Stillegung. Berband der Buchbinder und Papierverarbeiter. Kolleginnen und Kollegen, welche Bestellungen auf die holländischen Pakete gemacht haben, werden ersucht, sich ihr eingezahltes Geld an unserer Kasse in den Bureaustunden wieder abzuholen, da solche nicht Die Ortsverwaltung. mehr geliefert werden können. Aus den Organisationen Die Borshenden ber Ortsgruppen des 19. Berwaltungsbezirts werben gebeten, umgehend thre Adresse an Seeger, Niederschönhausen, Eichenstr. 65, einzusenden." Mittwoch, 20. April 14., 15. Diftritt. Die heutige Elternversammlung findet in der Schulaula, Waldenserstr. 20, statt. Adlershof. 7 Uhr, Niederschöneweide, Berliner Str., Diftriftsgeneralversamm lung. Die Teilnahme aller Mitglieder wird erwartet. Mitgliedsbuch legitimiert. Donnerstag, 21. April 11. Diftrift. Abends 7 Uhr: Deffentliche Frauenversammlung in der Aula bes Humboldt- Gymnasiums, Gartenftr. 25. Referat: Genossin Sinnefer über die 88 218, 219 u. 220 des B.G.B. 16. Diftritt. Die am Donnerstag, ben 14., ausgefallene Sigung der Jugend Tommission findet nunmehr bestimmt heute abend 7 Uhr im Phyfitzimmer ber Schule, Tegeler Str. 18, ftatt. Die Bezirksführer werden ersucht, einen Vertreter ihres Bezirks zu dieser Sigung bestimmt zu entfenden. Charlottenburg. Kinderschutzkommission. Lebensmittelverteilung vorm. 10 Uhr Lüzowerstr. 8. Nur gegen Ausweistarte. Freitag, 22. April 10. Diftritt, 4. Abteilung. 7% Uhr Versammlung bei Büttner, Schwebter Straße 23. Bericht von der Verbandsgeneralversammlung. Vortrag: Die Ein tommensteuer. 17. Berwaltungsbezirt, Lichtenberg. Abends 7 Uhr findet im Cäcilien- Lyzeum ( Handarbeitssaal) eine Sigung der Elternbeiräte statt. Alle müssen erscheinen. Vereinskalender Donnerstag, 21. April Deutscher Transportarbeiterverband. Leberbranche( Bobenledergruppe). Abends 7 Uhr bei Witte, Boftstr. 29, Versammlung. Branche der Einfafierer, Kaffens boten, Bureandiener afw. Abends 7 Uhr findet in den Blumensälen, Blumens Tagesordnung: Straße 10, eine äußerst wichtige Branchenversammlung statt. 1. Bortrag bes Kollegen Gervinus über die wirtschaftlichen Verhältnisse in Rus land; 2. Disfuffion. Kutscher, Mitfahrer aus den Färbereien und Chemischen Waschanstalten. Abenbs 7 Uhr Bersammlung bei Feyfara, Melchiorftr. 15. Zentralverband der Angestellten. Gesundheitsindustrie. Abends 7 Uhr: Mit Rechtsanwalt gliederversammlung, Verbarbslofal, Belle- Alliance- Str. 7/10. bureaus. Abends 7 Uhr Mitgliederversammlung, Englischer Hof, Alexandera Straße 27c. Berband der Buchbinder ind Bapierverarbeiter. Rachm. 5 Uhr im Lotal 3une Schultheiß", Neue Jakobsiz 24-25, Vertrauensmännerfizung. Dentscher Holzarbeiter- Berband. Abends 7 Uhr Vertrauensmännerversammlung ber Kiften und Koffermaher im Lotal Weber, Berlin, Lange Str. 9. Jebe Werkstadt muß vertreten fein. Die Branchenfommission. Kutscher, Arbeiter, Stallente und Wächter aus ben Fuhrbetrieben Groß- Berlins. ( Nur Mitglieder der Jnningskrankenkasse.) Abends 7 Uhr im Lokal von Boeder, Weberstr. 17, Bersammlung. Tagesordnung: 1. Bortrag über Krankentafenwesen ( Ref.: Kollege Nürnberg) 2. Diskussion; 3. a) Wahl von 6 Borstandsmitglieders und 12 Erfahmännern, b) Wahl von 14 Ausschußmitgliedern und 28 Erfagmännern. Gruppe Lichtenberg der S. B. 3. Abends 7 Uhr Einführungsabend bei Seipfe, Kronprinzenstr. 47, Ede Scharnweberstraße. Eltern willkommen, Freitag, 22. April Internationaler Bun aller Kriegsopfer( Ortsgruppe Mchtenberg). Abenbs 7 Uhr Mitgliederversammlung in der Schulaula, Bartaue, Möllendorfftr. Er. scheinen aller Mitglieder ist Pflicht; ohne Mitgliedstarte fein Einlaß. Geschäftliches Die Firma Seinrich Guttentag, Spezialgeschäft für Herrengarderobe, Wilmersdorf, Wilhelmsaue 101, hat es bant ihrer Reellität vers standen, fich aus flensten Anfängen heraus zu einem bedeutenden Unternehmen zu entwidein. Infoge Ersparnis hoher Ladenmiete gelangen die Waren äußert preiswürdig zum Betauf. Anzüge in guter Ausführung fogar von 350 Mart an. Es sei auf die geftige Anzeige ganz besonders hingewiesen. Berantwortlich für Bolitik und Feuilleton: esteblch, Berlin- Friedenau. Berantwortlich fir Kommunalpolitit, Lotales und Gewerkschaftlices: Gerhart Seger, Berlin. Verantwortlich für den Inseratenteil: Ludwig kome tiner, Karlshon, Berlagsgenoljenschaft Freiheit", e. G. m. b. 5., Berfin. Drud der Berliner Druderei 6. m. b. 5., Berlin C 2, Breite Str. 8-9. Kleine Unzeigen Geschäftsstelle: Berlin 2, Breitefte. 89 Das Uebersdriftswort 2.-., fedes weitere Wort im Text 1.50 Mk. netts. Stellungogefuche: Ueberschriftswort 1.50 k., jedes weitere Wort im Text 1.-M. Verkäufe Central Leihhaus, Jägers Straße 71, Ecke Kanonierstraße. Täglich Berkant DON hochs eleganten Anzügen, Cutaways, Smoking und Frackangigen Don 150 m. an, Schlüpfern, Raglans 3. fpott billigen Preisen. Keine Lombardware, Born, Reichenberger St 7, verkauft egtraftarke Dauerkragen Marke Weißer Rabe. 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