Ar. 217. Kboimements-Kedingungen: JltionneinentS-Preiz pränumerando! «ierteljährl. SLO Mr., monatl. 1,10 Mk�, rvöchenllich LS Psg. srei inZ HauS. Einzelne Nummer- Psg. EonnIagS- Sinmmer mit tllnstrirter Sonnlags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- lüdonnement: 8,30 Marl pro Quartal. Eingetragen tu der Post-Zeitungi- Preisliste sür ISL? unter Dr. 7437. Unter Kreuzband sür Deutschland UN» Oesterreich- Ungarn 2 Marl, sür da» übrige Autland 3 Marl pro Monat. 14. Jührg. Die Insertions- Gebllhr deträgt sür die sechtgespaltene Kolonek- »eile oder deren Raum»0 Psg., sür Vereins- und PersaminlungS-Anzeigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Psg. Inserate sür die nächst« Nummer müssen bis i Uhr nachmittag» in der Erpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochentage» bt» 1 Uhr abendS, an Sonn- und Festlagen bis o Uhr vormittags geössnst. «rschrinl täglich ausser Montag». Devlinev VolksdlÄkk. Fernsprecher:»mk 1, Hr. 1608. Telegramm-Adresse: „«ozialdemokirat Berlin". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Deduktion: 8V. 19. Meuly-Straße 2. Freitag» den tT'. Septemder Spedition: 8V. 19. ZS-tttY-Straße S. Von den dnegeeli�en Oppofikionspnvkeien. Iin Laude Bayern haben kurz ziachcinauder zwei Parteien der bürgerlichen Opposition in Deutschland Heerschau abgehalten, die Zeiltrunispartei in Landshut, die freisinnige Volkspartei in Nürnberg. Wenn die Zentrumsmänner alljährlich zusanimen- koniineu, nm sich über ihre Parteipolitik auszusprecheil und zu verständigen, so nennen sie das zwar einen Katholikentag oder eine„Generalversammlung der Katholiken Deutschlands". Diese Nameugebnng ändert aber nichts an der Thatsache, daß wir es da mit einem Parteikongreß zu thun haben. Int allgemeinen liefern die Berichte über die Parteitage bürgerlicher Parteien gerade keine aufregende Lektüre. Von den großen Zeitfragen sind die Verhandlungen wenig berührt. Sie sind die charakteristischeLebensäußerung verlebtcrParteicn. Es ist, als ob man auf einen stagnirendcn Wassertümpel blickt, dem wohl Blasen entsteigen, dessen Oberfläche der Wind kräuselt, der aber keine treibende Kraft entwickelt wie der rauschende Strom einer unter sprudelnden Kämpfen sich stets verjüngenden Partei der Zukunft. Insofern hebt sich der Zentrnmstag nun aber doch vor- theilhaft ab von dem Freisiunstag, als die Verhandlungen in Landshnt wenigstens öffentlich waren. Aus den Berichten kann das Publikum wenigstens erfahren, was die Partei gegen- wärtig denkt, wie sie augenblicklich gestimmt ist, wenn auch nur akademische Monologe der leitenden Geistlichen und Juristen der Partei darüber Auskunft geben. Die freisinnige„Volks"- Partei indeß gestattet dem Volk keinen Einblick in die inneren Vorgänge auf ihrem Kongreß, auch nicht demjenigen Volke, das noch der freisinnigen Partei anhängt. Es wurde nur ein offizieller Bericht versandt, so einige dürftige Tropfen Ver- haudlnngsesscnz in Wasser geschüttet. Und diese Limonade, kann man zutreffend mit Schiller sagen, ist malt wie die Seele der freisinnigen Volkspartei. Allgeniemes Interesse erregt selbstverständlich die Frage, wie sich die Partei bei den Wahlen anderen Parteien, ins- besondere der sozialdemokratischen Partei gegenüber stellen würde. Ter weitläufige Antrag, der sich mit dieser Frage befaßt und schließlich mit einigen durch süddeutsche Parteimitglieder vorgeschlagenen Aendernngen zur Annahme gelangte, kommt aber über ganz allgemeine Rcgulirungen nicht hinaus, daß in einigermaßen aussichtsreiche»' Wahlkreisen eigene Kandidaten der Partei aufgestellt werden solle» und daß bei Abmachungen »'«gen der Unterstützung anderer Parteien bei den Haupt- »'ahlcu oder bei Stichwahlen gewisse Vorsichtsmaßregeln zu beobachten sind, die der freisinnigen Volkspartei ein möglichst gutes Geschäft bei dem Mandatshandel sicher». Ob aber die freisinnige Volkspartei sich der sozialdemokratischen Partei in der Bekämpfung der reaktionären Parteien und der Regierung zuverlässiger zur Seite zu stellen gedenkt als bisher, darüber erfährt man keine Silbe. Somit müssen wir uns hinsichtlich des Verhaltens der freisinnigen Volkspartei uns gegenüber damit genügen lassen, daß alles beim allen bleibt. Ebenso weicht die freisinnige Volkspartei auch nicht in der Sozialpolitik ans dem gewohnten Geleise. Weß Geistes die Verhandlungen über die„Arbeiterfrage" waren, das geht aus folgender Mittheilung der„Frcis. Ztg." hervor: „Sladtv. Goldschnüdl-Berlin mnniit im Älnschluß an den Reichs- tagsbencht Beraiilassmig, die Bc ckeceiverordnung und das ganze Gebiet der Zlrbeiterbeivegung, der Arbeiterschntz- Gesetzgebung und des GeiverlvercinSwesens zu eiörler»; er betont, daß man sich überall hüten solle, als ob in einer Lohnbewegung stehende Arbeiter immer sozialdemokratische seien. In der sich daran an- knüpfende» Erörterung wurde dieser Ansicht beigetreten; es wurde dabei auch betont, daß man diese Anschauung leider in den be- trossene» Kreise» vielfach theile. Es bestand keine Meimiugs' verschiedenheil darüber, daß die Geiverlvereine alle Förderung verdienten. Ii» weiteren Verlaufe berührte Abg. Richter eingehend die parlamentarische Behandlung des Konfcklionsstrciks und be- loule nnter der Z»stiii»»»»g der Versamniluug. daß ein Ein- greisen in Streiks für den Reichstag eine außerordentlich bedenkliche Sache sei; anders sei es selbstverständlich, wenn Rechts- Verletzungen erfolgten und die Regierung in parteiischer Weise für den einen Theil ihre» Einfluß einsetze. Weiler betonte Abg. Richter, daß gerade von der freisinnige» Volkspartei der Antrag auf Regelung der Verhältnisse der ländlichen Arbeiter und des Gesindes gestellt wurde, ohne daß eine Verhandlung des- selben erzielt werden konnte. Dagegen sei ei» Antrag Lenzmann anläßlich der Verhandlung eines sozialdemokratischen Antrages angenommen worden. Die Arbeilerfreundlichkeit beruhe über- Haupt nicht in der möglichsten Einführung von Slrafparagraphen, welche schließlich auf das praktische Lebe» paßten wie die Faust aufs Auge." Aus diesen beiden Ergüssen sozialpolitischer Weisheit, die jedenfalls die Glanznummern der Debatte vorstellen, kann man etwa ermessen, was sonst»och an Sonderleistungen St. Manchesters zum besten gegeben ivurde. So ivird denn die freisinnige Partei ihre alten Pfade weiter wandeln, auf denen ihr vielleicht noch einige Augenblicks- erfolge winken dank der volksfeindlichen Treibereien der Real- tionäre, ans denen sie aber nicht iveiter kommen wird, Ivo sie nur ans die werbende Kraft ihrer eigenen Bestrebungen an- geivicscn ist. Auch die Zentrnmspartei ist die alte geblieben. Neu ist nur die veränderte Taktik, die ihr die Zlugriffe der Bauern- bündler in Bayern aufgcnöthigt haben. Es vollzieht sich dort der nämliche Prozeß, der sich im Schooße der konservative» Parteien in Preußen anbahnt. Das agrarische Element ver- selbständigt sich. Im Süden zeigt das Agrarierthum uns ein anderes Gesicht als im Norden. Dort wo die Bauern- wirthschaft vorherrscht, ist es demokratisch angehaucht, es ist nicht verschwistcrt und verschwägert mit Offizicrschast, Hof- adel und Bureaukratie wie der preußische Groß- grundbesitz, und so hat es sich eher verselbständigen können. Partikularistische Strömungen halfen mit zu dieser Entwickelnng. Einer der literarischen Vorkämpfer der bürgerlichen Bauerubeivegnng, Dr. Sigl, ist in erster Reihe Partikularist. Das Zentrum hatte anfangs versucht, den Bauernbund als so eine Art Vetter vom Lande unter geist- licher Vormundschaft zu halten. Aber daS Mündel wurde so un- geberdig, daß es dem Vormund derbe Püffe ertheilte. Da hat man sich denn in Landshnt entschlossen,„den Stier bei den Hörnern zu packen", wie einer der Zentrumswortführer sich ausdrückte. Herr Gröber, der schwäbische Zentrumsdcmokrat, nnd andere haben donnernde Reden gegen den Bauernbnnd gehalten. Der Krnmmstab zieht gegen den Bundschuh zu Felde und nnter diesen Zeichen wird in den meisten bayerischen Landbezirken bei der kommenden Reichstagswahl der Wahlkampf ausgefochten werden. Das bedeutet jedenfalls einen Fortschritt in unserer politischen Entwickelnng, eine konfessionelle Partei ist eine Anomalie. Sie muß schließlich gesprengt werden durch die in ihr enthaltenen Interessengegensätze, sobald die Rückwirkungen des Kulturkampfes, der das katholische Volk zur gemeinsamen Abwehr gegen bureaukratische Angriffe in die Gewissensfreiheit zwang, ihre einigende Kraft verloren haben. Ettgkonv. (Rückblick auf de» Trade-Unions-Kougreß. Stand deS Maschinen bauer-Kampfes.) Loudou, de» 12. September 1S97. Ter Birininghamer Trade-NnionS-Kougreß ist vorüber und es geziemt sich wohl, den Berichte» über seine Verhandlung�» eine kurze Würdigung seiner Leistungen folgen zu lassen. Eine ganze Reihe von Aeußenmgen der augeseheusteu Vertreter der Gewerkschaftsbewegung gegenüber dem Korrespondenten der„Daily News" liegen darüber vor und bestätige» attsnahmslos die im„Vorwärts" vom S. September ausgedrückte Ansicht, daß die Fülle der Anträge und ihre mechanische Er- ledigung eine» Uebelstand bilden, der dem Kongreß viel von seinem Werth nimmt und gegen den es Zeit ist, abhelfende Maßregel» zu treffen. Hier einige der bemerkenswertheste» Urtheile über den Kongreß: Thomas Ashton(Manchester. Bergarbeiter- Föderation): „Kongreß völlig auf der Höhe seiner Vorgänger. Aber eS ist mehr Arbeit außerhalb des Kongresses nöthig und weniger Ergehen in bloßen Abstraktionen und frommen Wünschen." Tom Mac Carthy(Docker, Hüll):„Sehr erfreuliches Attf- nehmen«euer Ansichten von feiten vieler älterer Leute beivirkte glatte Erledigung der Resolutionen. Wo Reibungen vorkamen, fanden sie mit den unmöglich gewordenen Fossilien statt, die einen letzten hilflosen nnd verzweifelte» Versuch machte», die Bewegung im alten Geleise festzuhalten. Ich glaube aber, wir werden für eine kürzere Tagesordnung und für stärkere Agitation außerhalb des Kongresses zu sorgen haben." Allan Gce(Tuchmacher, Huddersfield):„Im ganzen recht zu frieden. Ausfällig ist die Stärke, die der Wunsch nach Zentralisirnug der Arbeilerkräsle erlangt hat. Ebenso auffällig ist das Vorherrschen des Bestrebens bei den verantwortlichen Persönlichkeiten, die Tages- ordnung zu entlasten und dadurch das Gewicht der Reden und de» Wertb der Beschlüsse zu steigern." JohnHodge(Stahlschweißer, Manchester):„Eine zum größten Theil langweilige und uuiuteressaule Versammlung. Zu viele„jähr- liehe Danerpflauzen" und fromme Wünsche in die Form von Reso- lutione» gegossen. Es ist alles Geschivntz und mechanisches Regislrire» von halbansgebackenen Theorien. Wir sind nicht genug bestimmt und gründlich. Sechs Resolutionen mit erschöpfende» Debatte» und wohl geplanter Agitalion würden mehr ausrichten als ein Dutzend von Kongresse», wie sie jetzt sind." Edward Harford(Eisenbahner, London):„Wir brauchen weniger Resolutione», ausreichende Diskussion nnd enges konzentrirtes Wirken in der Zeit zivischen Kongreß und Kongreß. Es muß dahin kommen, nnd nichts ist auch auf dem Kongreß, der im ganzen sich auf der Höhe seiner letzten Vorgänge gehalten hat, stärker betont worden." Ben Pickard(Bergarbeiter-Föderalion):„Die Debatten waren dürstiger wie gewöhnlich, nnd der Ilmsland, daß der Saal zu eng war, hat die Verhandlungen etwas beeinträchtigt. Aber die wirk- liche Schwäch« des Kongresses ist die ttmnasse übelberathener Anträge. Wir werde» mit vielen Dingen behelligt, die nur die inlerne» Interessen gewisser Vereine berühren. Es würde besser sein, wenn wir uns auf bestimmte gesetzgeberische Vorschläge beschränken, ihnen ei» paar Tage widmeten, sie gehörig durchhechelten, nnd dann alle unsere Kraft daraufhin zentralistrten, sie erfolgreich durchzusetzen. Wir werde» auch zu viel mit verschwommenen sozialistischen Idealen heimgesucht, die ganz außerhalb des Gebietes der praktische» Politik liegen. Die Sozialiften ergehen sich in thörichte» Prahlereien, daß sie den Kongreß erobert haben. Das ist einfach albern, denn wenn es so wäre, so würden sie die wohlorganisirten nnd starken Vereine bald den Kongreß verlassen sehen. Aber es ist nicht der Fall, denn unbestimmte Allgemeinheilen haben nichts zn bedeuten. Das Losungswort der zukünftigen Kongresse muß Kon- zentrirnug lauten." Will. Thorne(Gasarbeiter):„Zu viel Schwatz nnd nicht genug Diskussion. Der Kongreß war so gut wie irgend einer in den letzten drei oder vier Jahren, und wenn es keine stürmischen Szenen gab, um die Woche für die Blätter interessant zu machen, so deS- halb, weil die vorgeschrittenere Richtung die gegebenen praktischen Schwierigkeiten einsieht und die bedächtigere Richtung vorwärts kommt. Unsere Verhandlungen erscheinen leblos, weil wir uns näher kommen nnd Fortschrille machen. Aber ich muß doch sagen, daß eine überladene Tagesordnung der politischen Verdauung schadet; wir würden schneller vorwärtskommen, iven» wir einige wenige Gegenstände vornähmen nnd sie gründlich behandelten." John Ward(Erdarbeiter):„Der solideste nnd geschäfts- mäßigste Kongreß, den ich noch besucht habe. Wir waren freilich schlecht untergebracht, und die Reden waren mehr oder weniger dürstig. aber die gegenseitige Annäherung der Standpunkte in einer Richtung, die mir die richtige erscheint, wiegt jede persönliche Unbe- qnemlichkeit und den Mangel des dekorativen Elements ans. Es würde sicher weiser und besser sei», wenn wir uns etwas mehr konzentrirten. Aber wir werden auch sehr bald dazu genölhigt sein." Alexander Wilkie(Schissszimmerer, Newcastle):„Der Kongreß ist so gut verlaufen, wie dies bei einer überfüllten Tagesordnung nur erivartet werden konnte. Wir haben die Sache zu vereinfachen gesucht, indem wir die Gegenstände in Gruppe» abtheilten. Aber wir werden, glaube ich. noch weiter gehen nnd wie eS bei dem Britischen Wissenschaftsverein geschieht, auch die Delegirten behufs Diskniirung der Punkte in Gruppen eintheilen müsse». Wir breiten uns über ein zu weites Gebiet aus, um eine größere Wirkung ans- zuüben." Genug. SechS weitere Delegirte wiederhole» nun in wenig ver- änderten Worten, was der eine oder andere der hier genannten gesagt. So urtheilt John Wilson, der Vertreter der Berg- arbciter von Dnrham, gerade so absprechend über die„Verdrängung ruhiger Erwägung durch wilde Deklamationen", wie der ihn in der Achtstllndenfrage so bitter befehdende Pickard, nnd mit diesen „Fossilien" übereinstimmend klagt der zu den Radikalen zählende Fred Rogers(Velin- Buchbinder, London), daß ihn die argu» menlative Seite der Debatten meist sehr enttäuscht habe; mit einem Zehntel der Tagesordnung würden die Erwägungen mehr durchdacht iverden nnd die Verhandlungen ans das Land Eindruck machen, ivns sie. fürchte ich zuweilen, jetzt nicht thun". Diese Befürchtnng ist nicht unbegründet. Um den von uns schon gebrauchten Ausdruck »och einmal anzuwenden, die Debatten und Beschlüsse machen vor- iviegend de» Eindruck des Unrealen, des rein Konventionellen. Eine Masse Anträge werden auS bloßem Herkommen gestellt und ange- uommen, ohne daß die Mehrheit der Kongreßtheilnehmer ihnen praktischen Werth beilegte, ihre Behandlung ist aber genau dieselbe, wie die der Anträge, an die sich ein allgemeines aktuelles Interesse knüvft. Nicht bewußte, planmäßige Auswahl, sondern der reinste Zufall entscheidet, welche von ihnen auf die Tagesordnung des wirklichen öffentlichen Lebens gesetzt worden und wie lange und mit welchem Erfolg sie dort siauriren. Hier ist also unbedingt Unter- scheidung geboten,— Unterscheidung, nicht Unterdrückung, denn auch die„frommen Wünsche" gehören auf den Kongreß, wenn ihnen der richtige Platz angewiesen wird. Wie zu erwarten, hat die Frage der Znsammenschließnng der Gewerkschaften in einen großen Föderativverband für Widerstands- zwecke de» Ehrenplatz auf dem Kongreß behauptet. Ihretwegen wurde anv Freitag die Tagesordnung snspendirt, und mit Ausnahme der Berg- arbeiter-Delegirten, die sich neutral hielte», stimmte der Kongreß ein- stimmig sür die Bildung eines solchen Schutz- und Trntzverbandes, dessen Verfassung eine aus 13 Milgliedern bestehende Kommission auf grund des Prinzips ausarbeiten soll, daß Leistung und Unter« ftützung in Verhältniß zn einander stehen sollen. Ob die Be- geisternng sür diesen Großverband de» Kampf der Maschinenbauer überdauert und nicht an Meinungsverschiedenheiten über die Einzel- hciten seiner Statuten scheitert, muß abgewartet werden; jeden- falls erhält sie für den vorliegenden Fall praktische Anwendung dadurch, daß das Parlamentarische Gewerkschaslskonutes die Sammlung von Geldern für die kämpfende» Maschinenbauer in die Hand genommen hat. Eine zweite Wirkung des Maschinen- baner-Kampses ist die fast einstunmige'Annahme des Antrages Thorne ans Einbringung eines Achtstnnden-Gesctzes im Parlament bei der jetzige» Zusannnensetzung des Parlaments und dem be- stehenden Wahlsystem allerdings vorläufig nur eine theoretische Demonstration. In Form einer Resolnlion über die Arbeitslosen- frage wurde am letzten Tage auch die Allesverstaallichungsfordernng vorgebracht nnd angenommen, mit nicht größerer Erregung oder Theilnahme wie der Antrag auf Verschärfung des Gesetzes über die WaarennrsprungS-Marke». Ihre Gegner haben eS für praktischer gefunden, sie ans diese Weise„schmerzlos ans der Welt zn schaffen", statt sich auf lange Debatten über sie einzulassen. Könne» ihre Anhänger ihr keine würdigere Behandlung sichern, so wäre es wohl besser, sie ganz auf sich beruhen zn lasseu. Schließlich kommt es doch darauf an, welches der Geist der ans baldige Umsetzung i» die Praxis gerichteien Beschlüsse des Kongresses ist, daß in diesen nicht noch znnftniäßig kleinliche Standpunkte zum Ausdruck komme». Es läßt sich aber nicht behaupten, daß die Kongreßmehrheit sich hierin über alle Bornrtheile erhaben gezeigt Halle. Bei der Bildung der Kommissio» sür die Föderationssrng« waren vier Vertreter von Gewerkschaften ungelernter Arbeiter ge- wählt worden(Glasarbeiter, Docker, Erdarbeiler. Tagelöhner), daraus wurde die Wahl von dreien gestrichen, weil jedes Gewerbe nur eine» Vertreter i» der Kommission habe» dürfe und die ungelernten Zlrbeiter aller Art nur als ei» Gewerbe gelten könnle». Auch in einer Resolution, welch« die Verwaltung der königlichen Marine- werften dafür tadelt, daß sie Arbeiten gelernter Handwerker von Hilfsarbeitern ausführen lasse, kam der zünstlerische Standpunkt noch stark genug zum Ausdruck, um den Protest eines Vertreters der letzteren hervorzurufen. Immerhin sind auch hier die Gegensätze gegen früher erheblich gemildert. Bei der Wahl deS neue» Paria- nientarischen Komitce's erhielt der„ungelernte" Will Thorne diesmal die zweithöchste Stilinnenzahl. Die meisten Stimine» erhielt Edw. Harford, der Generalsekretär der Eisenbahner. Diese hielte» gestern im Hydeparl eine große Demonstration ab, die einen großen Feldzng für Anfbefsernug der Löhne und Arbeitsbedingungen einleiten soll. Harford drückte sich, lvie auch schon aus dein Kongreß, ziemlich kriegerisch aus. Er ließ u. a. dnrchblicke», daß seine Organisation gegebenenfalls zur Waffe des Streiks greife»'verde, nnd zwar werde man„dann schon den besten Zeitpunkt wählen— nicht den Hoch- somnier, der sichere Niederlage bedeutet". Ter Verein zähle jetzt gegen L0 000 Mitglieder, während er vor»och gar nicht langer Zeit nur halb so viel gezählt habe. Aus einer der Tribünen sprach John Burns, der, wie das„Chronicle" mitlheilt, wieder einmal eine An- zahl seiner schlagende» Epigramme zum besten gab. Auf dein Kriegsschauplatz der Maschinenbauer herrscht ominöse Stille. Gerüchte von Zugeständnissen, von neue» Kündigungen und von Erfolg versprechenden Vermiltclungen durchschwirren die Lust, werde» widerrufen und tauchen von neuem ans. Soviel scheint sicher, daß trotz kriegerischer Erklärungen hüben und drüben heute bie Sliimmmg tlnem Frieden geneigter ist nlS vorige Woche. Die Nnrernehmer hoben sich überzeugen müssen, dost ihre auf die oktuellen Fonds des Maschineubouer-Vereius gestützten Berechuniigen falsch waren, und die Moschinenbancr ihrer- seits täuschen sich schwerlich darüber, daß auch die ihnen von anderen Gewerkschoflen zugesagte Hilfe ihre Grenze hat. Man kann nicht ewig auf das rechne», was in der erste» Auswollung bewilligt wird, zumal gerade verschiedenen größere» Gewerkschaften selbst schwere Zeiten in Zlnssicht stehen. Die Nückwirkungen der indischen HungerSnoth lasten schwer auf Lancoshir«, und wen» es den so gut vrgauisirten Spinnern gelingt, eine direkte Lohnherabsetzniig von sich abzuwenden, so werden sie doch durch EinschröNriing der Produktion schwer in ihren Einnahme» geschädigt werden. Bei de» Webern steht es noch schlimmer, da sind schon Lohnverkürzungen angekündigt «ud an einzelnen Orten mit Streik beantwortet worden. Kurz. selbst wo der Will« bis anf Monate hinaus«orholke» würde, ist noch nicht gesagt, daß die Fähigkeit so lange vorhalten wird. Es müssen aber sehr viel« Mole bOO Pfd. Steil, einlaufen, um die wöchentlich Nothwendige Unterstützung aufzubringen. Letzte Woche war die Zahl der zu Unterstützenden auf 48 300 angewachsen, wa? 86 000 Pfd. Sterl. Nnlerstütznngsaeld erforderte. Man muß sich immer diese Summen vor Augen halte», um sich darüber klar zu werden, welche Opfer der Kampf erfordert. Die Maschinenbauer werden ihn trotzdem, wen»«S nöthig wird,» sollt«, biS zum äußersten durchkämpsen, bevor sie von ihreni prinzipiell ein- genommenen Standpunkt zurückweichen,»lber an» ihren letzte» offizielle» Erklärungen geht doch so viel hervor, daß sie sich nicht kindisch aus Formalitäten versteifen werden, wenn ihnen ein an- ständiger Frieden geboten wird. Inzwischen heißt es selbstverständ. lich gerüstet sein, und die deutschen Maschlnenbaner wisse», was sie ihren englischen Kollegen schulden. polilische Mrbergchk. Berlin, 16. September. H«rv Tirpih, der neue Staatssekretär des Reichs- Mariue-Amtcs, hat seine Ferien vollendet und ist zur vollen Uebernahni« der Geschäfte in Berlin eingetroffen. Der Marine-Etat dürfte daher alsbald fertig ausgearbeitet werden und dem BundcSrath zugehen. Vielleicht wird bald das endlose Räthselspiel wegen der Plaue der Regierung beendigt werden und man wird erfahren, wohin Herr Tirpitz steuert. Was die»Marinepolitischc Korrespondenz' jetzt schon über den Etat zu sagen weiß, bewegt sich mir in All- gemeinheiten, die wenig Werth haben. Tie Korrespondenz führt ans: „Bevor der neu« Marlne-Etat de» Bundesrath passirt hat, ist über seinen Inhalt selbstverständlich Bestimmtes nicht z» sagen. AlZ sicher kann indessen gelle», daß das Personal und die Bauten, welche zum Ausbau unserer Flotte erforderlich sind, l n den» Umfange beantragt iverden, wie es den militärischen, politische» tmd nnnienllich den wirth- schaftlichen Verhältnissen des Gleiches entspricht. Dabei wird eine möglichste Vereiufachiiug der zur Zeit bei uns noch sehr verschiedene» Schiffsiypen, von denen sich mehrere durch die Erfahrung als wiederholt erwiesen haben, anzustreben sein. Im Jnleressc eines bitligen Baue? wie rechtzeitig« Wiederherstellung des seit geraumer Zeit»nbeslrelibar verminderten Kriegs- und Frievenswerthes unserer Flolt« liegt eS, daß e i» einheitlich b i u d e u d e r Plan geschnffeu wird. Nach Lage der Stimmung in, Lande ist anzunehme», daß den Schwerpunkt für die Berathiingen das„nüchterne U r l h e t l von Fach- männern', welche die Vorlage zn begründen haben werde», bilden wird, und daß im Reichstag«in« Mehrheit für begründete Forderungen sehr wohl vorhanden sein wird. Daß die Forderungen nicht über das Maß bei«rwiesenermahe» Nothwendige» hinausgehen, kann als zuverlässig bezeichnet werde».' Auffällig in dieser offiziösen Auslassung erscheint die An- kündigiuig des„einheitlichen bindenden Plaues". Man möchte mit einem Schlage auf lange hinaus Geld zu Panzer-, Kreuzer- und Torpedo- Bauten zur Verfügniig haben. Was die„Marinepolic. Korrespond.' sonst sagt vom nüchternen Urtheil der Fachmänner und der Beschränkung ans das Nothwendige, will natürlich nichts bedeuten. Diese Redens- arten hören wir immer, auch well» die Wünsche der Regie- rnngsiliänner noch so iveitgehcnd nnd uferlos sind. WaS die Hoffnungen auf Zustimmung des Reichstages betrifft, so wird deren Erfüllung von dem Maße der Forderungen abhänge». Daß bei den Mittel- Parteien starke Lust vorhanden ist, der Regierung weit sentgegen zn kommen, hat sich längst gezeigt. Freisinn sowie Zentrum möchten beweise», daß sie ebenso „patriotisch' seien nnd ebenso aus die Herzenswünsche der obersten Stelle einzugehen verstehen wie die konservativen Junker. Inbrünstig bemüht sich nach oben hin anzubiedern, sind sie de- reit, sich ans die abschüssige Bahn der Weltpolitiker zn begeben und dem Steuerzahler schwere Opfer aufzuerlegen. Natiirlich nur bis zu einer gewissen Grenze, den» die Wahlen rücken heran. Zwischen Rücksichten auf die Wähler, die nichts wissen tvollen vom neumodischen Marinisnius, und dem Hangen und Bangen nach der Gunst von oben schwanken Freisinn nnd Zentrum in ihren Entschlüssen zur Marinefrage haltlos hin und der. Es ist nicht unmöglich, daß sich die Regierung bei dieser Lage der Dinge mit ihren Martneforderungen für die nächste Reichstags-Se'ssion wirklich noch einige Zurückhaltung aus- erlegen wird, um es den bcivUUgnngslnstigen Parteien nicht gar zil schwer zu machen. Wenn dann die Neuwahlen vorüber sind und die Mandate der Herren gesichert, dann kann der große Mariue-Konp unternommen werden. Vielleicht aber kommt der große Konflikt doch schon in dieser Session. In gewissen Kreisen kann man eS bekanntlich aaruicht erwarten, daß Deiitschlaud auf allen Meeren„eine Respekt einflößende' Flottenmacht entwickelt» soll.— „Die Soziäldcnwrratk« im deutschen Heer". Unter dieser Spitzinarke leistet sich der„Hamburgische Correspondent' «ine» unglaublich albernen Artikel, dessen Albernheit die „Deutsche Tageszeitung' pflichtschuldigst noch zu über- treffen sucht. Die Vertreter des herrlichen Kriegs- Heeres, das doch der Ausbund von Muth und Mannhaftigkeit sein soll, ärgern sich, daß eS im Bericht unserer Parteileitung heißt,„die Jnfizirnng des Heeres mit sozial- demokratischen Tendenzen erfüllt die Vertreter der Theorie des blinden Gehorsams mit banger Sorge.« Die „bange Sorge" geht den tapferen Monopolisten der Ehre nnd Ritterlichkeit gegen den Strich.„Bange Sorge' kennt kein braves Soldatenherz. Ja, aber waS ist es denn anders, das zn der militaristischen Pickwickier-Jagd auf sozialdemokratische Ideen treibt, die bekanntlich noch schwerer zn schießen sind, alS wilde Gänse? Und waS ist es denn anders, als„bange Sorge', daS diese zwei Angstartikel eingegeben hat? Wir Sozialdemokraten brauchen und wollen keine„Agitation in den Kasernen'. Wir wissen, daß je mehr Soldaten in die Kasernen gesteckt werden, desto mehr sozialdemokratische Bazillen ins Heer kommen. Wir wissen, daß es mir ein Mittel giebt, die Sozialdemokratie auS der Armee fern zn halten: Nämlich keine Sozialdemokraten in die Armee zu nehmen. Wir wissen aber auch, daß dieser einzige Weg für unsere Gegner ungangbar ist, denn dann hätten sie überhaupt kein» Soldaten mehr. Und so sehen wir mit heiterem Behagen all diesen spaßhaften Aenßernngcn der„bangen Sorge' zn. Zwischen den Hörnern des fatalen Dilemmas schlüpft der ge- wandteste Schlangenmensch nicht hindurch, geschweige denn ein strammer preußisch-dentscher Kricgsminister. Der„Deutschen Tageszeitung' sei znm Schluß bescheinigt, daß sie ein Fremdwörterbuch in ihrer Redaktionsbibliothek, Verzeihung, in ihrer Schriftleitnugs- Bücherei hat. Auch ein Handbuch der deutschen Sprache? Das scheint uns mehr von Nöthen.— I« der Wrihrungsfrage hat das gegenwärtige englische Kabinet seit seiner Konstituirnng ein« schwankende Haltung eingenommen. Einige seiner Mitglieder waren früher eifrige Wortführer der kleinen englischen Binietallistengcmeinde, so vor allein Balfour. Trotzdem hat das Kabinet einen der solgerechten Schritte zur völligen Entthronung des Silbers gethan, indem es den Uebergang Indiens zur Goldwährung anbahnte nnd damit den Anstoß zur Ver- dräugnng des Silbers ans seiner herrschenden Stellung im sÜd- und ostasiatischeu Geldwesen gab. Nun kommt die mehr als auf- fallende Nachricht, daß die größte und angesehenste Zentral- dank der Welt, die Bank von England, die seit 1853 ihre Noten nur mit Gold deckte, von der Bestimmung der so- genannten Peel'schen Bankakte von 1844, wonach ein Fünftel derNotenemission mit Silber gedecktwerden darf, Gebranchmachen solle. Ausdrücklich wird betont, daß dies inehr auf Druck der Regierung als aus eigener Initiative der Bankleitung geschehen solle. Uebcr die geplante grundstürzende Abänderung der Dccknngspolitik der Bank von England wurden in den letzten Tagen alle möglichen Gerüchte kolportirt. Genaues weiß man aber erst seit der heute eingetroffenen Londoner Depesche, welche folgenden Wortlaut hat: „In der heutigen HalbjnhrSversammlung der Bank von England erklärte der Gouverneur der Bank: „Ihnen ist wahrscheinlich bekannt, daß der Regierung in diesem Somnier Vorschläge unterbreitet wurde», wonach dieses Land eine Steigerung der Verwendung deS Silbers herbeiführen könnte ali Beitrag z n einer internationalen Verständigung, und wodurch, während unser« Gold- währnng in keiner Welse berührt ,v ü r d e, die U M ü n z e n v o n F r a» k r e i ch u n d A m e r i k a in den Stand gesetzt werden köiinlen, die freie S i l b e r p r ä g u n g wieder a n s z n n e h»i e ii. Einer dieser Vorschläge ging dahin, daß die Bank einen Silbervorrath halte gemäß der Akte vom Jahre 1344 alS Deckung gegen Noten«. Hierauf verlas der Gouverneur ein Schreiben, welches er am 29. Juli an den Kanzler des Schatzamtes gerichtet habe. I» diesem Schreiben heißt es: „Die Bank ist bereit, daS aiißznsühren, was nach der Bankakle vom Jahre 1344 gestattet ist, nämlich ein Fünftel des Biillio» gegen Noten- Emission in Silber zu halten, vorausgesetzt, daß die französische Münze zur freien Prägung von Silber wieder offen ist, und daß die Preise, z» welchen Silber anziischasfen und zu verlausen ist, be- f r i e d i g e n d e sind.« In Beanlwortnng mehrerer Fragen sagte der Gouverneur ferner: Di« Bank hatte keine Verhandlungen mit den Kommissaren der Vereliiigien Staaten. Wir haben kein Silber ge- kaust; wir haben nur eingewilligt, unter gewiss«» U in st n ii d e n a u S z n f li h r e», was nach der Akte vom Jahre 1844 gestattet ist.« So bedentnngsvoll diese Erklärungen sind, so wenig können sie als eine momentane oder überhangt als eine Gefahr für die geordneten Währnngsverhältnisse auf dein Wellmarkte oder im Deutschen Reiche angesehen werden. Gegen die geplante Maßregel ist ins Feld zu führen, daß sie dem Geiste der berühmten Peel'schen Banknkte direkt wider- spricht. In dieser war die theilmeise Deckung der Noten der Bank von England in Silber vorgesehen, nin vor allem einen bestimmten Silbervorrath für die Verschiffung nach Indien und Ostasien stets bereit zu haben. Hierzu ist heute aber sicherlich iveniger Bedürfniß als je vorher. Aber auch die praktische Wirkung der erwähnten Maßregel auf den Silberpreis scheint man in England viel zu hoch zu veranschlagen. Bestenfalls würde die Bank von England 130 Millionen M. in Silber anschaffen, das ist ca. der dritte Theil einer Jahresproduktion von Silber und noch lange nicht so viel als die eng- tischen Kolonien allein im Jahre produzire». Eine momentane Wirkung auf den Silberprcis würde selbst- verständlich nicht ausbleiben, bald aber würden die französischen und amerikanischen Münzstätten dem Silberstrome ihre Thore versperren und dann würde das Silber wieder einen neuen Preissturz erlebe». Würde das Deutsche Reich während dieser Periode von weitsichtigen Währungspolitikern geleitet, so könnte es aus seiner hinkenden Währung eine reine Goldwährung machen, indem es sein überschüssiges Silber gegen das Gold der Bank von England und gegen das dann selbstverständlich aus Amerika und Frankreich abfließende Gold austauschen würde. Freilich, das Vertrauen in unsere Regierung haben wir nicht, am wenigsten in Fragen, wo agrarische Interessen mit- sprechen. Aber man soll auch nicht übersehen, daß auch nicht zu viel geschadet werden kann. Die Preis- bcwcgung der Währungsmetalle ist eine so klare, an der Er- Haltung gefuiider Währungsverhältniffe sind in allen Ländern so einflußreiche Personen, so breite Schichten des Volkes intercssirt, daß eS mit der Erfüllung der Ideale der inter- nationalen Bimetallisten noch seine guten Wege hat.— D«v lvankrott der 8l»s«ahuug«setz- Politik tritt nirgends drastischer zn tage, als im Lande der politischen Morde, de? Inquisition, der mittelalterlichen und modernen Folterungen, in Spanien. Trotz aller Ausnahmegesetze können die Thaten einzelner Fanatiker nicht verhindert werden. Aber immer weiter wird trotzdem die Ausnahmcgesetz-Politik betrieben. So soll eine Spczialpolizei gegen die Anarchisten errichtet werden und die Auslieferungsverträge um eine Klausel be- reichert werden, welche die Anarchisten von den Ausnahme- bestimmnngen zu gunsten politischer Verbrecher ausschließt. Kein vernünftiger Mensch wird sich sagen, daß damit anarchistische Ausschreitungen verhindert werden können. AIS Belehrung für Ausnahmegesetz-Fanatikcr könnte, wenn diesen Leuten Fähigkeit und Wille zum Lernen nicht völlig abginge, die Entwicklung der spanischen Anarchistengesetzgebung dienen. So kommt diese auch um jenen kleinen Nutzen.— Die„Verhandlungen sind noch im Gange", so meldet jetzt wieder täglich der Telegraph an? K o n st a n t i n o p e l. In einer in London veröffentlichten Not« wird die Nachricht, daß ein Ein- vernehmen d« Mächte über den Friedensschluß oder sagen wir richtiger: über die FriedenS-Prälimin arten auf der Grundlage der Vorschläge Lord EaliSbury's zu stände gekommen sei, offiziell für verfrüht erklärt. Die Regierung sei, so sagt die Note weiter, nicht in der Lage, eine be- stiiiimtere Versicherung abzugeben als die, daß die Vcrhaiidliingeii ihren Fortgang nehmen und daß der Fortschritt als befriedigend betrachtet werde.— Ein sehr„befriedigender"„Fortschritt" aller- dings diese Friedeiisverhandlungeii, die seit Monaleil kaum von der Stelle rücken! Nach einer Meldung der„Times« ans Athen vom gesirigen Tage ist beschlossen worden, die Blokade von Kreta nicht aufzuheben, ehe die Hauplpunkle der neuen Verfassung der Insel von den Mächten festgesetzt sind. In verantworllichen Kreisen in Athen werde bestimmt versichert, in der Nacht des 10. d. Mls. sei der Versuch gemacht worden, in Reihynio türkische Truppen zn landen. Die Ansführinig dieses Vorhabens sei jedoch an der Wach- samkeit des russischen GeschwaderchesS gescheitert. AuS Jndie» schlimme und schlimmere Nachrichten. Nach den neueste» Telegrammen vollzieht sich der Vormarsch der Engländer sehr langsam. Und sie scheinen sogar eine neue Schlappe erlitten zn haben. Ein Telegramm von heute Nachmittag lautet: Simla, 16. September. Die zweite Brigade der Expedition gegen die Mo.hmandS unter General Jeffreys wurde henic in ihrem Lager jenseits des Panichoraflnffes vom Feinde angegriffen. Der Verlust anf englischer Seile war: 2 Offiziere und 2 Soldaten todt, 1 Offizier schwer verwundet und 5 Soldaten verwundet. Daß die Engländer den Zliigriff abgeschlagen haben, wird nicht einmal gesagt. Ihre Streilkräste im Nordosten sollen sich auf 57 000 Mann belaiisen. Das wird aber, da die Afridis allein an 60 000 Mann im Feld habe», bei weitem nicht ausreichen. Der in- dische Oberbefehlshaber, Lockhart, der anf Urlaub in England war, ist erst vor 3 Tagen znrnckberufe» worden. In Indien hatten die obersten Behörden offenbar bis dahin nicht an den Ernst der Lage geglaubt; und dadurch ist viel kostbare Zeit verloren worden. Eine Meldung ans Indien,. die eine reiche Ernte in Aussicht stellt, ist offenbar nur ein Beschwlchtigungspstästercheii. Die gute Ernte ist Z ii k n n f t s ninstk; die H» n g e r s n o t h und Hunger- pest aber Gegen ivarts-Musik.— Deutsches Reich. — D i« Eisenbahner-Organisation und die U n t e r n e h m e r p r e s s e. Selbst die Besprechung der Eisenbahn- Unfälle läuft für die bürgerliche Presse, der hier so schöne Gelegenheit gegeben war, auch einmal als Berlreleriii der fortschrittlichen Eni- ivickelniig zu erscheinen, auf Bekämpfung und B e- schimpfung der Arbeiterschaft hinaus. Die bürg«- liche Presse hat sich über das Ueberwuchern des bureaukrniische» Elementes in der Eiseiibahn-Verwaltmig beklagt und hat andererseits zugegeben, daß die Arbeitsverhältnisse der Bahnbediensteten ver» befserniigsbedürftige sind. Aber sobald es gilt, Mittel zu ergreife», um diese Uebelstände ernsthaft zu bekämpfen, dann ver» sagt sie sofort. In einem Artikel der„Sozialen Praxis« ist unser Parteigenosse Dr. Qnarck nach Schilderung der herrschenden Mißstände zn nach- folgenden Schlußfolgerungen getomnien: „Ihre letzte Erklärung finden diese Abnormitäten meines Er- achtens in der vollständigen Unterdrückung des Koalitionsrechts der Eisenbahn-Aiigestellten und»Arbeiter in Preußen. Die Festslellniig wirksamer Echntzvorschrifteii und die Ausübung einer ernsten Aufsicht über die Einhaltung derselben ist nur möglich nach langen und ernsten Vorberathungen unabhängiger Angestellten und Arbeiterorgaiiisationeii und nach eingehenden Besprechungen zwischen Delegirten dieser Organisationen einerseiis und Delegirien der Verwaltung andererseits. Nur derjenige, welcher die Gefahr für das eigene Lebe»»nd die eigene Freiheit täglich praktisch an sich vorübergehen sieht, kann branchbar« Vorschläge zur geordneten Abwenduiig derselben machen, kaum noch der Stationsvorsteher auf dem Perron, am aNerivenigsten der Direktor Im welchen Sessel deS Bureau? oder im Polster erster Klasse. Samiiieln und vorbereiten aber kann die Einzelerfahrnngen und Vorschläge der direkt Belheiligten nur eine gute, leistungsfähige Organisation derselben, nnd auch die erst im Berlanfe längerer Jahre, so daß die Vorschläge für den staat- lichen Erlaß disknlirbar iverden. Zur selben Zeit aber, in welcher der preußische Arbeilsiiiinister die neue Kominission zur Prüfung der Arbeitsverbältnisse des Staalsbahn- Personals einsetzt, läßt er jeden Organisationsversuch desselben Personals unnach- sichtlich verfolgen, so daß dieses, das heimlich doch zn dem in seiner Thätigkeit natürlich sehr beschränkten Eiseiibahnerverband mit dem Sitz Hambnrg-Aliona neigt, zur Nothlnge greifen muß»nd theil- weise wieder besseres Wissen erklärt, keine Verbindung mit dem Verband zu haben. Diese Thalsache wiegt schwerer, als hundert neue Prüfmigslominisfioneii, die mir den alten, resnltatlosen Weg gehen, und noch nicht einmal Eisenbahii-Angestcllte des untere» Dienstes als Mitglieder aufnehmen oder dieselben auch nur in größerer Anzahl befragen. Ebenso ist jede Kontrolle eines Eisenbahiiarbeiter-SchntzeS ohne die Superkontrolle des Personals ein imwirtfanieS Ding. Auch in Sachen der sich häufenden Eisen» bahnnnfälle ist für die preußische Etaalsbahn nnd daS sie benutzende Publikum die Hauptfrage die: Koalitionsrecht für das Personal oder nicht. Mit allem anderen wird leereS Stroh gedroschen.« Auch wir hatten schon mehr die große Bedeutung der Organl- satio» der Eisenbahner für die Aufbesserung der Arbeitsverhältnisse nicht nur, sondern auch für eine Verminderung des Bnreankralisinus in der Verwaltung betont. Älber der bürgerlichen Presse ist der bloße Ge- danke an eine selbständige Regung von Arbeitern»nd eine Beiheiliginig derselben an der Verwaltniig ein Greuel. Die„N ati on al-Z l g." erklärt gegenüber dem Quarck'schen Artikel, daß sie die mit der Gewerbe- Ordnung nicht zu vereinbarenden Maßregeln der Eisenbahn- Behörde gegen die gewerkschaftlich« Organisation der Arbeiier durchaus billige. Das Blatt spricht nach üblicher Methode von „sozialdemokratischer Hetzerei« und verleumdet die Mitglieder des „Vereins der Deutschen Eisenbahner", als ob ihre Bestrebungen die Sicherheit deS Betriebes gefährdeten. Also nieder mit der Arbeiter-Orgaiilsation, sagt das Kapitalisten- blatl! Aber, fügt es liebenswürdig hinzu, die„berechiiglen Forderungen" des Personals sollen erfüllt werden. Doch wer stellt fest, welche Forderniigen„berechtigt" sind? Und warum hat man diese Forderungen nicht schon längst berückslchtigl? Wenn man dies« Aufgab« der Güte der Verwaltungen überläßt, deren Haupt- zweck die Erzlelung von Ueberschüssen ist, wenn man die Angestellten gewaltsam hindert, ihr« Meinung gehörig zum Ausdruck zn bringen, so beweist man damit seine vollständige Unfähigkeit, zn einer gründ- liche» Abhilfe der Ursachen der Eisenbahn-Unsäll« beizutragen.— — Ein neuerSchlag für dieChristlich-Sozialen. Die„F. Z.« meldet ans Stuttgart, daß die von dem Pfarrer Schrempf herausgegebene Zeilschrist„Die Wahrheit" ihr Erscheinen einstellt. Vckamitlich hat die„Wahrheit«, die ein gut geleitetes Wochen- blalt war, das auch tüchtige sozialpoluische Artikel taachie, vor kurzem viel von sich reden gemacht durch Veröffe»tlicl,u»g des Aussatzes Göhre's über die ländlichen Wohnnngsverhältnisse. Durch das Eingehen der„Zeit" und der„Wahrheit" wird vor allem König Etnmni und sein Zedlitz schwer getroffen, hat er doch neben der nun auch bankrotten anarchistischen Presse auch die national-soziale Bewegung zur Begründmig seiner Forderung von Ausnahmegesetzen gegen-- die Sozialdemokratie benutzt.— — Eine Freude für die Agrarier ist das Avaiicenient deS außerordentlichen Professors Sering zum ordeiillichen Proi.ssor der Berliner Universität. Sering ist iiun wohl der jüngste orbeiiüiche Professor an der diesigen Universität. Hervorragende ivissenschasilich« Begabung oder außerordentliche Leistungen sind ihm nicht nachzurnviue», dagegen zeichnet ihn neben großem Fleiß ein offensichtlicher Eiser, seine Wissenschaft zu„agraristren" ans. Daß er in seinem Eifer, „wissenschaftlich« für Ostelbien thätig zu sei», zu nicht gerade schicklichen Formen der Polemik greift, beweist die eben in der „Nation" nnd„Deutschen Lilerat.-Ztg." stallfindeiide Polemik zwischen L»jo Brentano nnd Max Sering. Herr Sering geht aus derselben nicht als Sieger hervor. Sering's Ernennmig zum ordentliche» Professor ist nicht dos Ende einer Laufbahn, sie ist für Sering nur eine Staffel zu iveiteren Erfolge». Und sie werden dem eifrig Strebenden nicht fehle», er wird noch Geheimer Rath, Geheimer Oberregiernngsrath, ja Wirklicher Geheimer Oberregicrungsraih werden und vielleicht erklimmt er»och die höchste Staffel und>vird Minister. An Ehre wird's nicht fehle».— — D i e Flottenpropaganda der Kolonial- gesellschaft, die kürzlich in Berlin eingeleitet wurde, soll das ganze Land durchziehen. Der Herr Geh. Rath v. K u s s e r o w ging zuerst nach Dresden, der spießbürgerlichste» und„patriotischsten" Stadt, wo man ans eine große Demonstratio» rechnete. Aber die Flottensache ist gründlich ins Wasser gefalle». Kaum ein- nndeinhalbhundert Flotlenschwürmer fanden sich ein»nd die Ver- sannnlung verlief, wie man uns aus Dresden schreibt, ungemein öd«; von Begeisterung keine Spur.— — Di« freisinnige Volkspartei möge, so rflth ihr die linksstehende„Breslauer Morgenztg." an, in der nächste» Session des Reichstages den ganzen Etat ablehnen, wenn die Militär-Strafprozeß-Reform nicht eingebracht oder nicht allen modernen Ansprüchen genügen würde. Das wäre ja gewiß ganz vernünftig von der freisinnigen Volks- Partei. Aber nach der Vergangenheit dieser Partei und in anbetrachl der gegenwärtigen politischen Lage sähe jener Schritt doch verteufelt nach bloßer Wahlmache aus.— — Die Versammlung des Deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege tagt gegenwärtig i» Karlsruhe. Aus den Verhandlunge» wollen wir ein sehr beachlenswerthes Thema:„Die Nahrungsmittel- Verfälschung und ihre Bekämpfung hervorhebe». Das Referat hierzu hatte Oberbürgermeister R ü m e l i»- Stuttgart übernommen. Redner wies in längerer ßicde darauf hin, daß die strafrechtlichen Be- ftimnmngen betr. der NahrungSmittel-Verfälschung sich nicht als aus- reichend erwiesen hätten. Die Bestrafungen wegen Rahrnngsinittcl-Ver- fälschung haben in den letzten Jahren allerdings abgenommen, man gehe aber fehl, weit» man glaube, daß die Nahrungsmittel< Versäl- schung sich vermindert habe. Es kommen lediglich deshalb jetzt weniger Bestrafungen vor, weil es mit Hilfe der Fortschritte der Technik und Wissenschaft den Lebensmittelversälschern timner mehr gelinge, sich den Maschen des Strafgesetzes zu entziehen. Man werde nur dann der überhand nehmenden Lebensmittel- Verfälschung mit einigem Erfolge steueril können, wenn man der Verfälschung durch vorherige Untersuchungen vorbeuge. In dieser Beziehung sei Deutschland bedauerlicherweise noch sehr zurück. Geradezu beschämend sei eS, daß selbst die Reichshauptstadt Berlin keine eigene Unter- suchuiigSstation für Lebensmittel habe. Seil einem Jahre habe die Deutsche Landwirthschafts-Gesellschaft in Berlin eine solche Untersuchnngsstation errichtet. In Frankfurt a. M. haben die Stadt- verordneten die Errichwng einer Untersuchnngsstation abgelehnt. Es gebe in ganz Deutschland im ganzen 19 Untersuchungsanstalten für Nahrungsmittel, während es in der kleinen Schweiz 16 gebe. In Preußen besitzen Untersuchui�sstatione» die Städte Breslau, Hannover, Elberfeld, Münster i. W., Altona, Köln und Wiesbaden. Diese Untersuchungsstationen müßten überall einen öffentlichen Charakter erhalten, ihre sämmtlichen Beamten müßte» vereidigt werde». Der ßiedner wies im weiteren Verlauf darauf hin, daß in Preußen die Fleischschau noch sehr im Argen liege. Der Abgeordnete Dr. von Mendel- SteinselS habe beantragt, daS auS dem Auslände komniende Fleisch an der Grenz« zu unter- suchen. Dieser Antrag habe, da er sich nur ans das Fletsch beziehe, einen aararischen Beigeschmack. Er halte es für erforderlich, die Untersuchung auf alle aus dem Auslande eingeführten Lebens- mittel auszudehnen. Der Redner wieS ferner auf die vorzüglich eingerichteten Kontrollstationen in Baden, Württemberg n»d Sachsen hin und stellt« schlteßttch folgende Leitsätze auf: 1.„Die deutschen Vartikularftaaten, sowie die größeren Gemeinden sollten von dem ihnen zustehenden Recht zur Erlassung landesrecht- sicher bezw. ortsstatutarischcr Vorschriften über den Verkehr mit NahrungS- und Genußmitteln, einen vielseitigeren und aus» gedehnteren Gebrauch machen. 2. Für die Untersuchung und Be- nrtheilnng vonRahrungs- und Eenußmitteln ist die Aufstellung ein- heitlicher Normen für daS ganze Deutsche Reich anzustrebenHivie es durch die Beschlüsse der auf Anregung des kaiserl. Gesundheils- amlcs einberufene» Kommission deutscher Nahrungsmittel-Cheiniker bereits angebahnt ist. 3. Schon bei der Probeentnahiue zur Untersuchung bestimmter Nahrungs- und Genußmittel sollten geprüfte und vereidigte Nahrungsmittelchemikcr mitwirke», soweit nicht ausschließ- lich hygienisch thätige Stadtärzte kontrollirend einzugreisen be- rufen sind. 4. Die Einführung einer methodischen und einheit- lichen Untersuchung und Benrtheilnng von Nahrungs- und Genuß- mittiln hat aber die Errichtung von öffentlichen Unter- suchungßstellen znr Voraussetzung. Dieselbe» sind für die Einzelstaaten und Provinzen in staatlicher und provinzieller Organisation, für die größeren Städte aber in kommunaler Organisation anzustreben. Bei solchen öffentlichen Unter- suchungS- Anstalten sollte die Untersuchung freiwillig gestellter NahrungS» und Genußmiltel nicht durch die Erhebung hoher Gebühren erschwert werden. S. Sämmtliche unter die Be- sttuunung deS Nahrungsmittelgesehes fallende und aus dem Ausland««ingehende Waaren sollten schon bei dem Eintritt in den freien Verkehr bei' den Zollämtern kontrollirt werden. Hierzu ist die Anstellung von geprüsten Nahrungsmittcl-Ehemikern, wenigstens bei den Hauptämtern im Innern und an der Grenze dringend nothwendig. Erscheinen diesen die Waaren verfälscht oder Minderwerlhta. so haben dieselben zweckentsprechende Proben zu ent» nehmen und der nächsten zuständigen Untersuchungsstelle zur Ver- anlaffung de? weiteren zu übergeben."— — Den Bankrott der heutigen WirthschaftS- ordnung charakteristrt nichts besser, als die Hilflosigkeit den Ueberschwemmungsschäden gegenüber. So wird aus Pirna in Sachse» geschrieben: Bei der hiesige» Amtshauptmannschaft sind bis jetzt— die Sammlung wird in de» nächsten Tagen geschlossen— für die durch das Hochwasser Geschädigten 27 162 M. eingegangen. Dazu kommen noch 10 000 M. von der Zentral-Sammelstelle in Berlin, 4313 M. durch die Expedition des„Pirnaer Anzeiger" lnid etliche andere kleinere Posten, so daß die Gesammlsuinme, welche für die Ge- schädigten deS hiesigen Bezirkes zur Verfügung steht, die bOOOO Mark kaum überschreiten wird. Demgegenüber sei hervor- gehoben, daß die Summe der festgestellte» Privatschäden im AmtShauptmannschaftS- Bezirk Pirna, einschließlich der Städte, rnud zwei Millionen Mark beirägt. Außerdem haben ja die Gemeinde» tt. noch gegen 600 000 M. Schaden. Läßt mau diese letztere Summe aber ganz außer betracht, so würde der durchschnitt- liche Unterstützungssatz, wenn nicht noch ander« Mittel zur Ver- fügnng gestellt werden, durchschnittlich LV« pCt. betrage». Das zeigt«reffend, wie nichtig private Wohlthätigkeit gegenüber solchen Ereignisse» ist. Wenn man nur bald erfahren könnte, wie die in Aussicht gestellte„Etaatshilfe" beschaffen sein wird. — Vom Klei»krieg gegen dieSozialdemokratie. Das„Volksblatt für Gotha" erzählt:„Einem Arbeiter in einem Nachbarorte der zugleich Kriegervereins- Mitglied. wurde kürzlich vom Vereinsdiener folgende Mittheilung:„Im Auftrage des Vereinsvorstandes lheilc ich Dir mit, daß Du nicht etiva mit nach Greußen(zum Kriegersest) gehst, dem Vorstand ist ei» Schreiben vom Gendarme» zugegangen, daß er«in Packet an Dich adressirter sozialdemokratischer Schriften abgefangen habe, die Du vermuthlich hättest verbreiten wollen, und daß sich der Vorstand besser um Dich bekümmern sollte." Das„Absangen" des Pncketes sozialdemokratischer Schriften durch «inen Gendarmen wäre eine ungesetzliche Handlung. Eine Unter- suchung der Angelegenheil von feiten der Polizeibehörde als auch der Postverivallung dars erwartet werden.— Oesterreich. Prag, 14. Sept.(Eig. Bericht.) Heute fand eine Episode der verflossenen Wahllampagne ein Nachspiet vor Gericht. Eine Wähler- verjaiinnlung in der Stadt W-inberge am 29. März d. I. ivar von dem Regierungsvertreter, einem eifrigen klerikalen Parteigänger auf- gelöst worden, woraus unser Kandidat Karl Dedic, der bekanntlich in der Stichivahl gegen einen airtisemitischen Jungczechen unterlegen ist, die Aufnahme eines Protokolls verlangte. Die energische Weise, in der er dies that, gab grund zu einer Anklage wegen öffentlicher Geivaltthättgkeit, auf deren Erfolg die jetzt sehr loyalen Jungczechen große Hoffnungen setzten. Sie sahen sich jedoch gründlich getäuscht. Die vorgerufenen Zeugen sagten mit Ausnahme des Regierungsvertreters dnrchaehends zu gunsten des Angeklagten aus, sodaß dieser nur der Beleidigung eines Beamten schuldig erkannt wurde. Die Strafe lautete auf fünf Tage Arrest. Von dem Vergehen der Beleidigung der Regierung und deS Parlamentes, dessen sich Genosse Dedie bei einer anderen Wählerversammlung laut Denunziation zweier„nationaler Arbeiter" schuldig gemacht haben sollte, erfolgte Freisprechung.— Schweiz. Bern, 16. September. Die hier zusammengetretene Eisenbahn- Rückkaufs-Kommission deS Nationalrathes hielt an den Kommissions- beschlüssen von Jnterlaken fest und lehnte den Antrag ans Ver- staatlichung gewisser Nebenbahnen ab. Die Verstaatlichung soll nur die fünf Hauptbahnen umfassen. Ein Antrag, wonach die Bundes- versammlnng unter Umgehung des Referendums kompetent sein sollte, für de» Rückkauf gewisser Nebenbahnen einzutreten, wurde mit zehn gegen fünf Stimmen abgelehnt. Die Klausel betreffend den Simplon- Durchstich wurde zu näherer Prüfung an eine Kommission von fünf Mitgliedern verwiesen. In der Kommisston macht sich eine starke Bewegung aus Beseitigung der Kreis-Eisenbahnräthe bemerkbar.— Frankreich. — Die großagrarische Regierung und die H u n g e r s n o t h. Nach eingebenden Berathungen gelangte das ganze Kabinet zur Ansicht Meline's, daß der Getreidezoll trotz d e r T h e n e r n n g nicht zu ermäßigen sei, da alle Landwirthe, zwei Drittel des französischen Voltes, sich in der gegen- wärtigen Lage angeblich Wohlbefinden; um jedoch auch der Stadt- bevölkern n g einigermaßen gerecht zu werden, ver- anlaßte die Regierung die großen E i s« n b a h»- G e s e l l- schaften, ihre Getreide-Frachtsätze für Ent- fer nungen über zweihundert Kilometer zu er- mäßigen. Mir wollen sehen, ob Herr Meline seine Rechnung bei dieser Aushungernngspolitik finde» wird.— Niederlande. Amsterdam, 14. Septeniber.(Eig. Ber.) Am 21. Septeinber wird die Sitzung der Generalstaaten geöffnet. Im Haag wird am Sonnlag eine Demonstration für die Peusionirung des alten Ar- beiters stattfinde». Unter den Rednern werden fich die Genossen Troellstra und Va» der GoeS befinde». AuS allen Theilen des Landes werden Depulationen von Arbeitervereinen zu dieser Deinoustratiou gesandt. Spanien. Madrid, 16. September. Infolge der wiederholten Nieder- lagen a»f Kuba ist die revolutionäre Agitation in de» nördlichen Provinzen aufs höchste gestiegen. Man befürchtet für die nächsten Tage bedenkliche Ruhestöruiige». Die Ntegiernng trat gestern zu- sammtn, um für alle Eveulualitälen Maßregeln zu treffe» und so- wohl der karlistischen als auch der revolutionären Bewegung die Spitzessbieten zu können.— — Die earlistlsch« Bewegung.„El Corres Espanol", da? Hauptorga» deS CarliSmus in Spanien, bringt folgende inter- essante Mittheilung:„Mir sind ermächtigt, zu erklären, daß die in ausländische» Blättern ausgetauchte Nachricht, der heilige Vater habe Carlos VII. aufgefordert, den Kamps gegen die gegenwärtige Herrschaft in Spanien einznstclle», vollständig falsch ist; der Papst hat weder dieses, noch etwas Aehnliches geschrieben. Carlos VIl. weiß selbst, waS er zu lhu» hat, er kennt feine Pflichte» sehr genau und ist entschlvffen, sie ohne Rücksichten und ohne Schwanken zu er- füllen; sei» Denken und Handeln ist daS eines Mannes, der stets der„spanischste" unter allen Spanier» war. Die Verbreiter jener dummen Nachrichten könne» sich also beruhigen; in keinem der Briefe, die Papst Leo XIII. seit seiner Thronbesteigung an de» Herrn Herzog von Madrid gerichtet hat, findet sich auch nur ei» Wort, das solchen Blödsin» rechtfertigen könnte." Bemerkenswertb ist. daß das karlistische Organ„La Cor- respondencia Cspanola", das nicht mehr erschienen ist. seit Don Carlos Spn„ien verließ, am 1. Oktober d. I. wieder- erscheinen wird, und zivar in spanischer, sranzösischcr, deutscher, englischer und italienischer Sprache. Es ist dies ein deutlicher Beweis dafür, daß Dan Carlos wieder den Kampf auf der ganzen Linie anfznnehmen gedenkt. Eine Bestätigung findet diese Annahme durch wichtige Meldungen, die aus Barcelona kommen: Man munkelt, daß die Carlisten heimlich agiliren und ihre„Heere" i» Catalonie» organisiren. An den Markt- und großen Festlagen, d. h. wen» die Agitation weniger auffällig ist, wandern hervorragende Mitglieder der carlistischen Partei von Ort z» Ort»nd halten Vor- träge, von welchen die Behörden immer erst zu spät Wind bekomme». Wenn der Augenblick kommen wird, in welchem der Prätendent den langersehnten Befehl ertheilt, die Feindseligkeilen zu eröffnen, werde»— wie man in unterrichteten Kreise» behauptet— die Carlisten nicht allein stehen, denn sie haben trelt« Bundesgenosse» in de» catalonische» Separatisten.— Rnftlnud. — Ein Deutscher wegen Maje st ätsbeleidtgnng v e r h a s t e t. Wie die„Königsb. Hartuug'sche Zeitung' berichtet, ist der preußische Schiffer Droczkowskt ans Nenburg in Warschau bei der Anwesenheit des Kaiser? Nikolaus wegen einer unbedachte» Aeußerung verhastet»nd bisher nicht freigegeben worden.— — G e m i ß h a n d e l t e Soldaten. Die„Volts-Ztg." gicbt nachstehenden Erlaß wieder: „Aus de» mir vorliegenden Berichten ersehe ich, daß in einige» Theilen der mir»nterstehenden Truppen Rekruten, die bei den W a f f e n ü b u» g e n b e g r i s f st u tz i g sind, von den Offizieren g e m i ß h a n d e l t werden. Solche bedauerliche Fälle hätte» nicht stattgefunden, wen» die Chefs der Truppenablheilunge» bei der Wahl der Jnstruktoren mehr Anfmerksamteit auf deren moralische Eigenschaften gelenkt hätten. Ich schreibe deshalb vor, den Jnstruktore»«iiizuschärsen, die Soldaten human und liebevoll zu behandeln und die schwierige Lage der ihrer Familie und ihrer engeren Hetmath ent- rifsenen Soldaten nicht noch durch eine ent- würdigend« Behandlung s n verschärfen. Nebenbei mache ich anfmerksam, daß ich nicht nur jene, die die Mißhandlungen begehen, sondern auch jene, die diese Mißhandlungen dulden, zur strengen Ver- a n t w o r t n n g ziehen werde." Der Erlaß ist. wie die„Volks- Zeitung" hinzufügt, nicht alS strengstes Amtsgeheimniß behütet und hinterher in irgend einem um- stürzlerischen Blatte veröffentlicht worden, sondern der Urheber hat ihn selbst in der amtlichen Zeitung z u r K e n n t n i ß des Publikums gebracht. ES ist der G e n e r a l- S t a t t- haller des russischen Turkestangebietes, Baron W r e w s k y. Leider pflegen Erlasse solcher Arl. wie die Nolh- wendigkeit ihrer häufigeren Wiederholung beweist, nicht viel zu nützen, schon deswegen nicht, weil das schwierige Beschwerderecht des Soldaten es verhindert, daß alle Mißhandlungen zur Kenntniß der höheren— russischen— Borgesetzten gelangen.— Afrika. AuS Transvaal. Nach einem Telegramm deS„Reuter'schen Bureaus" ans Kapstadt vom 18. d. M. sollen die Zolleimiahmeii Transvaals im August um 30 000 Pfd. Eterl. infolge des Darnieder- liegens des Handels adgeiiommen haben. In dem Telegramm heißt es ferner, Präsident Krüger bab« gegenüber Deputationen aus Johannesburg geäußert, die Regierung sei geneigt, im allgemeinen Interesse des Landes den PreiS des Dynamits, die Eisen da hu-Tarif« und die Zölle herabzusetzen.— Amerika._ New Hork, IS. September. Zwei der ausständigen Arbeiter, ans die von den HilsssherisS bei Hazleion geschaffen wurde, behaupten, deutsche Unterthanen zu sein. Ei» Agent des österreichisch-ungarischeii Konsulats ist damit beschastigt, Aussagen der Ausständigen über den Thatbestand auszunehmen. Die deutsche Regierung hat nun zu zeigen, daß sie für'den Schutz ihrer Staatsangehörigen unter allen Umständen energisch em- zutreten gewillt ist. , Wir freilich, die wir unser» Regierung alS eine Vertretung der kapitalistischen Interessen ansehen, bezweifeln, daß sie das Gewicht ihrer Macht und ihres Ansehens für ermordete streikende Arbeiter in die Waagschale legt. Sind ja auch bei u»S zu Lande schon Streikend« ermordet worden.—, Rew-Hork, 13. September. Di-„New- Jork World" erhält auS CarracaS die telegraphifche Nachricht, daß der General Andrade mit sehr großer Stimmenmehrheit zum Präsidenten von Venezuela gewählt worden sei.— Der„New> Jork Herald" erhält die Draht- Meldung aus Guatemala, daß 3000 Insurgenten Quezaltenango, die zweitgrößte Stadt des Landes. am 13. d. M. angegriffen haben. Es entspann sich ein blutiger Kampf, dessen Ausgang noch nicht bekannt ist. An der Spitze der Aufständischen soll General MoraleS stehen.—> Dentfch-österrelchischer Ms-nliahnertag.. Der VII. Verbandstag der beut scheu und bster- reichischen Eisen bah nbeaniten-Vereine, der vom 9. bis 12. September in Straßburg i. Elf. versammelt war, ist besonders deshalb von Interesse, weil dort zum ersten Male in osfi- zieller Weise Stellung genommen wurde zu den Bestrebungen des „Verbandes der Eisenbahner Deutschlands", der seinen Sitz in Hamburg hat. Gleich in der ersten Sitzung am 10. Seplember erklärte beim Eintritt in die Tagesordnung der Abgeordnete des Bezirksvereins Berlin, Stations- asststent Scharr, daß er von seiner vorgesetzten Behörde, dem Eisenbahn-Ministeriiiin, beauftragt sei, besonders über die Stellung- nähme des Verbandes gegen die Bestrebungen des sozialdemokratischen Hamburger Verbandes der Eisenbahner zu berichten. Am verflossenen Sonnabend kam diese Angelegenheit, als Punkt 3 der Tagesordnnng, zu Besprechung. Der Vorsitzende de? Verbandes, Eisenbahn- Sekretär Fischer- Chemnitz. berichtete darüber in längeren Ausführungen. Di« Sozialdemokralie. meinte er, habe Versuch gemacht, Bresche in die Einigkeit des Verbandes zu legen und die Eisenbahn- Unterbeamten für ihre Zwecke zu gewinnen. Es sei ihr weniger darum zu thun, für die Hebung der Lage der Unterbeamten zu sorgen, als vielmehr durch Gewinnung der letzteren für ihre spezifischen Partei- zwecke die Existenz des Staates zu erschüttern. Die Bestrebungen der Sozialdemokratie wirkten zersetzend, was man am besten in Sachsen sehen könne, seit diese Partei dort in den Reihen der Eisenbahuarbeiter bezw.-Unterbeamten Wurzel gefaßt habe. Mit der Boimäßigkeit, der gebotenen Unterordnung und dem kollegialischen Leben sei es in Sachsen seither vorbei. Die Organisation sei das großartigste, was die Partei habe, und sie verstünde von derselben auch in der großartigsten Weise Gebrauch zu machen. Bei ihren Verspiechnngen komme es ihr nicht darauf an, alle mögliche» Mittel in Anwendung zu bringen; diese verlockenden Vir- sprechnngen brächten ihr aber massenhaft Anhänger, die nicht danach fragen, ob das, was versprochen, auch gehalten werde. Die Enttäuschung werde in der Zukunft zwar nicht ausbleiben; trotzdem aber sei es die heilige Pflicht der BerbaiidSleitmig. energisch gegen diese zersetzenden Bestrebuiigen Front zu macheu. Redner geht dann znr Schilderung des Kampfes über, den die öfter« reichische Kollegenschaft gegen die Sozialdemokratie führe. Den„Verband der Eisenbahner Deutschlands" in Hamburg hafte er trotz aller SlblengiiungSversuche für ein» sozialdemo« k r a t i s ch e Gründung, was u. a. daraus hervorgehe, daß alle Ver- sammlungen desselben nicht von Eisenbahnern, sondern säst ausschließlich von bekannten Sozialdemokraten besucht seien. Höchstens sei einmal ein Eisenbahnbeamier a. D. darin zu finden. Er halte es für bewiesen, daß die Sozialdemokralie bei ihrem Bestreben, in den Reihen der Eisenbahner Fuß zu fassen, nur von der Absicht geleitet sei, eine infolge ihrer besonders gearteten Berufsstelluug besonders wichtige Verstärkung ihrer Miikämpfer zu gewinnen. Bei ihrer Propaganda in Eisenbahnerkreise» sei es ein beliebtes Mittel, dem Verband Unterwürfigkeit und Unselbständigkeit vorzuwerfen, ein Vorwurf, den er mit Entrüstimg zurückweisen muffe. Durch das Bekenntniß zur Sozialdemokratie mache sich jeder Staatsbeamte einer Verletzung seines Diensteides schuldig; denn über die Gemeingefährlichkeit dieser Partei gegenüber dem Staate, dem allgemeinen Wohl und dem Beamtenstande könne kein Zweifel bestehen.„Wir wollen misern Stand, so schloß der Redner, vor solchen gefährlichen Eindringlingen schützen. Ein sozial- demokratischer Führer sagte einst: Wer bei uns nicht gehorcht, der fliegt hinaus. Der Verband der denisch-österreichischen Eisenbahner sagt nun auch: Wer die deutschen Eisenbahner zu verhetzen sucht, der fliegt hinaus!" lieber die sozialistische Bewegung unter den Eisenbahnern Oesterreichs berichtet E ch l ü s s e l b e r g e r- Wien. Er schildert die schweren Schädigungen, welche dieselbe unter den Eisenbahn- arbeitern»nd Unterbeamten zur Folge gehabt habe und durch welche die VerbandSleituiig sich veranlaßt gesehen habe, zum Ausschluß der Unterbeamten und Arbeiter zu schreiten. In ähnlicher Weise verbreitet sich Götze- Leipzig über die Versuche der Sozialisten, unter den sächsischen Eisenbahnbeamten für ihre Parteiziele Propaganda zu machen. Scharr» Berlin hält eS für die Pflicht deS deutsch-österreichischen Verbandes, jetzt, wo Vertreter an? allen Gauen Deutschlands und Oesterreichs hier versammelt seien, energisch Stellung gegen den Hamburger Verband zu nehmen. Er bittet um die Gntheißung vö» Maßnahmen, die es ermöglichten, vereint vorzugehen und zu schlagen. Corbeis-Käln weist den Dienstvorstehern die Aufgabe zu, das Eindringeii sozialdemokratischer Bestrebungen zu verhindern. Man solle sich dann auch an die höheren Behörden wenden um i!l ii f b e s s e r i>>i g d e r Löhne und Hebung des wirth- schaftlichen Wohle? der Arbe> ter im Eisenbahndienste. AIS sicherstes Mittel gegen den sozialistischen Bazillus betrachte er dl« Herbeiführung der Jntereffengemeinschäfl zwischen den Beamte» und Arbeitern der Etsenbahtt-Verwallnugen. Am Schlüsse dieser Debatte wird folgende Resolution an« genommen: „Die auf dem 7. VerbandStag deS Verbandes deutscher»nd österreichischer Eisenbahnbeamlen-Verein» vertretenen Beamten sind beseelt von dem Wunsche, in ihrem Berufe nicht bloS unteretn ander, sondern auch mit den Eisenbahn« A r b ei t« rn ebenso wie mit den Verwalliingen, wie seither, im guten Einvernehmen zu leben und zu wirken. Sie sind überzeugt, daß das Wohl und namentlich die wirthschaflliche und soziale Lage der Beamten nüd Arbeiter den Eisenbahnverwaltnngen nicht gleichgiltig ist, sondern warm am Herzen liegt, und sie haben zu denselben wie zu bei- Regierungen»nd B o l k s v e r t r e t n n g e n das Vertrauen, daß sie berechtigten Bitten und Wünschen des Personals jederzeit wohl- wollendes Gehör und im Rahmen von Recht und Billigkeit auch Berücksichtigung gewähren werden. Insbesondere vertraue» sie darauf, daß das Streben befähigter Personen aus dem Beamten- wie dem Arbeilerstanbe nach Besserung ihrer sozialen Verhältnisse Ermunterung finden, daß.also in höherem Maße als bisher tüchtigen A r d e i t« r n d a S Weiterkommen tu Beamttn stelle y, besonders mittleren Beamten die Beförderung in Oberbeamteiistellunge» ermöglicht werde. DieaufdemVerbandstage vertretenen Beamten weisen darum die Einmischung Unberufener in die Angelegenheiten des Eisenbahn-Personals mit aller Entschiedenheit zurück und fordern alle Amisgenossen auf, sich znr Abwehr besonders jener imlegitimirten Eingriffe, welche von dem„Verband der Eisenbahner Deutschlands" (Vorstand in Hamburg) ausgehen, in dem zum Verbände deutscher «nd österreichischer Sisenbahn-Beamtenvmine verbundenen Verein« zusammen zu schaaren." Damit war für die Herren Eisenbahner, die fich'S sonst in der »wunderschönen Stadt" sehr wohl sein ließen, die Sozialdemokratie »vernichtet". Von den übrigen Beschlüssen der Tagung ist besonders derjenige über die strafrechtliche Versolgnng von Beaintcn bei Eisenbahn« Unfällen auch für die weitere Oeffentlichkcit von Interesse. Es soll in dieser Hinsicht eine mildere Zlnslegung des Strafgesetzbuches angestrebt werde», vor allem aber eine Verminderung der Ztnklagen durch Beschränkung der Anzeigen seitens der Verwaltinigen. Bisher seien auch immer Oberbeamte desselben Jnspcktionsbezirkes, in dem der Unfall vorgekommen, zn S a ch v e r st ä n d i g e n ernannt worden. Das ist für die Angeklagten nachlheitig; denn in der Regel stelle es sich bei dem Unfall heraus, das; eine bestehende Einrichtung verbesserungsbedürftig und vielleicht die einzige Ursache des Unfalls gewesen sei. Ei» Beamter desselben Bezirkes habe natürlich ein Interesse daran, als Sachverständiger die Schuld auf den angeklagten Unter- b e a m t e n, statt auf die Einrichtung zu schiebe», die vielleicht von ihm selbst herrühre. Auch mittlere Betriebsbeamte solle man als Sachverständige heranziehen, weil die O b e r b e a m t e n den B e trieb oft nicht a u s e i g e» e r A» s ch a u n n g kennen Eine sachgerechte Untersuchung und Benrtheilung könne nur durch u n a b h ä n g i g e K o in m i s s i o n c n, etwa nach dem Muster der S e e- A e m t e r, bewirkt iverden. Der Verband, dessen Mitgliederzahl im verflossenen Geschäftsjahr von 19 411 ans 23 203 gestiegen ist, gliedert sich in den b a d i s ch c u Verein, den deutschen E i s e n b a h n b e a m t e n- Verein zn Hannover, den hessischen Landesverein, den Landes- verein der R e i ch s- E i s e n b a h n b e a m t e n, den sächsischen, w n r t t e m b e r g i s ch e n und ö st e r r e i ch i s ch e n Verein mit zusammen 44 Bezirksvereinen und 406 Ortsgruppen. Die Rede», die anf diesem* Kongreß gehalten worden sind, spiegeln getreu die Ueberhebung und die sozialpolitische Kurzsichtig keit wieder, durch die sich ein großer Theil der Eisenbahn bureaukratie leider auszeichnet. Wäre die Bnreankratie das Muster einer intelligenten und hnmauen Beamtenschaft, so könnte ihr das Bestehen einer selbständigen Organisation, der sogenaniiten niederen Eisenbahnangestcllteii, nur lieb fein, denn diese Organisation nützt unleugbar dadurch, daß sie Uebelstände ans Tageslicht bringt, von denen sonst kein Mensch etwas erfahrt, und wahrscheinlich am wenigsten die maßgebenden Personen der Eisenbahnverwaltuugen. Es versteht sich, daß der so verantwortungsvolle Betrieb des Eisenbahnwesens exemplarische Disziplin jedes Angestellten erfordert, aber diese hat nichts mit dein zu thu». was der Angestellte außerhalb des Dienstes thnt. Die höheren Beamten lassen sich über die Verwendung ihrer freien Zeit und über die Wahl ihrer Lektüre ja auch keine Vorschriften inachen. Am allerwenigsten haben die Herren jetzt, wo fast jeder Tag ei» Eisenbahnunglück zeitigt, einen stichhaltigen Grund, den Mund voll zu nehme», die Eisenbahn-Unfälle wäre» in ihrer Häufigkeit und Größe einfach nicht möglich, wenn die Eisenbahnbureankrati« ihren Funktionen durchweg i» dem Maße ge- wachsen wäre, als sie vermeint. Die selbständige Organisation der Eisenbahn-Angcstellten liegt, so lange der Staat für keine wirksame Vertretung derselben sorgt, auch im Interesse des Publikums das die Eisenbahnen benutzt und das bei den vielen Unglücks- fälleu, die in der letzten Zeit im Eisenbahnverkehr vorgekommen sind, mit Recht ängstlich geworden sind. Der Vorstand der sozialdcmokratischcit Arbeiterpartei Hollands hat sein Mitglied I. H. S ch a p e r, Stadtverordneter v.Groningen, beauftragt, die Partei anf dem Hambnrgischen Partei tage der deutschen Sozialdemokratie zu vertreten. Ueber die brandenbnrgische Provinzialkonferenz schreibt die„Brandenburger Zeit n n g": „In unserer Begrüßung der Konferenz haben wir betont, mit welcher Spannung das Reich aus diese Konferenz blicke, und von welcher Bedeutung es sei, daß die Frage der Landtagswahlen hier noch einmal behandelt werde. Wir haben uns aber in unserer Er- Wartung getäuscht. Die Art und Weise, wie in der Diskussion über diesenwichtigstenPuiiktderTagesordnnng verfahren wurde, spricht nicht dafür, daß sich die Berliner Delegirten und andere Berliner Partei- genoffen über die Bedeutung, die dieser Konferenz zukam, klar waren. Wir ivären schon der'Ansicht gewesen, daß man bei der Kürze der Zeit besser geihan hätte, die Landtagswahlcn an erste Stelle der Tagesordnung zu setzen. Blieb dann für die Diskussion über den Antrick'schen Bericht keine Zeit, so war durchaus nichts verloren, wenn anf diese Diskussion verzichtet worden wäre. Da aber nun einmal anders verfahren wurde, hätten die Berliner Genossen ein- sehen sollen, daß die Konserenz nicht den Zweck hatte, eine Diskussion der Berliner untereinander zu ermöglichen, sondern daß es von Wichtigkeit gewesen wäre, daß auch die Provinz hinreichend zn Worte gekommen wäre. Was Berlin an Versaiiinilttngsdauerrednerii auf Lager hat, war bei Eröffnung der Diskussion schon eingezeichnet, und so kam es, daß von einem Redner ans der Provinz abgesehen, diese von Berlin gnädigst dazn ver- nrtheilt wurde, fast unter Ausschluß der Oeffentlichkeit im liefe» Keller sich auszusprechen— vorausgesetzt, daß sie vor Berliner Rednern überhaupt zu Worte kamen. Die Sache stellt sich zahlen- mäßig so: zwei Berliner Referenten, dann in der Diskussion zunächst vier Berliner, ein Provinzler, zwei Berliner, «in Provinzler, fünf Berliner, Schluß der Diskussion, die beiden Berliner Referenten. Der Schluß der Diskussion ver- hinderte ein Dutzend Reden, unter denen etwa auch zehn ans Berlin gewesen wären. Viele Provinzialdelcgirle hallen anZgesprochenerniaßen erwartet, daß noch ihnen wichtig erscheinende Momente berührt werde» würden, nicht zum wenigsten gerade dem Genossen Schippe! gegenüber, der vielen mit seiner Empsehlnng des Aner'schen Vorschlages nicht weit genug ging. Der Standpunkt, warum wir auch Wahlmänner auf- stellen follen, wurde wohl vertreten, aber unseres Erachtens sind die wichtigsten Momente dafür nicht gegeben worden. Dagegen ließ man es hingehen, daß die nach vielen Hnnderlen zählenden Berliner Gäste(im Hanptsaale) durch Zwischenrufe und wnlhcndes Beifallsklatschen nach den ihnen genehmen Reden von Berlinern die Konferenz zn beeinflussen suchten und so das Niveau der- selben ans das der Berliner Volksversainmlniig herunterdrückten. Bei Parlamenten und Kongressen haben die Tribünen sich durch- ans ruhig zu verhalte»; dagegen hat man in Berlin sich in nnivürdigster Weise vergangen. Das verdient den strengsten Tadel. Diesen Tadel hätte allerdings schon das Bureau auS- sprechen sollen. Ebenso wenig erfreulich ist die Art der Abstimmung über die eingelaufenen Nesoltttionen. Die gefaßten Befchlüffe geben daher kein klares Bild der Ansfassnng der P r o v i n z i a l- Konferenz in Sachen der Landtngswahlen." Unser Brandenburger Brnderorgan schießt in seiner Entrüstung weit über das Ziel hinaus, wenn es behauptet, die mff der Konferenz als Gäste erschienenen Berliner Parteigenossen hätten durch ihren Beifall die Delegirten zu beeinflnfsen gesucht. So schlimm ist die Sache natürlich nicht. Gewiß wäre es richtiger gewesen, wenn sich die Gäste aller Zeichen des Beifalls oder des Mißfallens enthalten hätten, aber anderseits muß von jedem Delegirten vorausgesetzt werden, daß er so viel Rückgrat hat, um sich durch Knndgebnngen des Allditoriums nicht beeinflussen zn lassen. Tie Parteikonfcrcnz für den M. hannöverschc» Wahl- Ii'ci# FaNerSlcbeu-Gifhoru nahm einstimmig eine Resolution an, worin die Aufhebung des Kölner Beschlusses beantragt und es dem Parteitag anheimgestellt wird, die rechte Form für das Wie der Be- theilignng an den preußischen Landtagswahlen zn finden. Als Delegirter wurde Genosse S ch i l l i g aus Peine gewählt. Die Sozialdemokratie des 1«. haunövcrschen Wahlkreises Liincbnrq-Wiiiscn faßte anf ihrer Konferenz zu Lüneburg folgende Resolution:„Die Kreiskonferenz hält zwar die Aufhebung des Be- schlnsscs des Kölner Parteitages, der die Parteigenossen verpflichtet, an de» preußischen LandtagSwahlen nicht theilzunehinen, für angebracht, damit den preußischen Parteigenossen da, wo sie ohne Schädigung der Parteigrundsätze Einfluß auf die Wahl glauben ge- Winnen zu können, die Betheiligung an der Wahl ermöglicht wird, verspricht sich aber von einer Betheikigung der Sozialdemokratie au den preußischen Landtagswahlen keinen nennenswerthen Vortheil für die Partei, zumal ein selbständiges Austreten der Partei bei dem Dreiklassen-Wahlsystem aussichtslos, die Stärkung anderer Parteien im preußischen Abgeordnetenhause durch die Sozialdemokratie für diese jedoch vo» sehr zwcifelhastem Werth sein würde." Als Delegirter zum Parteitag in Hamburg wurde der Genoffe B e h n k e ans Winsen a. d. Lühe gewählt. Die Parteikonferenz für den Wahlkreis Herford-Halle in Westfalen stellte als Reichstags-Kandidaten einstimmig wieder den Genossen Hoffmann, Redakteur der Bielefelder„Bolkswacht", auf und wählte den Kreisvertrauensmann K l in g en h a g e n als Delegirten für den Hamburger Parteitag. Betreffs der Frage der Belheiligung an den preußischen Landtagswahlen schloß sich die Konferenz der Bielefelder Resolntion an, worin die Betheilignng in dem Sinne empfohlen wird, daß 1. überall wo es möglich ist, sozialdemokratische Wahlmänner aufgestellt werden, 2. dort, wo es nicht möglich ist, eigene Wahl- männer aufzustellen, diejenigen Wahlmänner linksstehender Parteien unterstützt werden, die sich verpflichten, ihre Stimme nur dem- jenigen Kandidaten zu geben, der die von der sozialdemokratischen Partei gestellte» Mindestforderungen unterschreibt. Weiler wird in der Resolution erklärt, daß im Prinzip nichts im Wege steht, durch ein Kompromiß mit der am weitesten links stehenden bürgerlichen Partei einen Sozialdemokraten als Abgeordneten in das preußische tZlbgeordnetenhaus zu senden. Die Parteikonferenz für den Wahlkreis Altena-Jserlohn- Lüdenscheid erklärte sich für Anfhebuiig des Kölner Beschlusses. Die Parteikonferenz für de» Wahlkreis Esse» lehnte einen Antrag auf strikte Enthaltung von der preußischen Land- t a g s w a h l gegen 2 Stimmen ab und erklärte sich— ohne Gegen- stimme— für bedingte Belheiligung. Als Delegirter für den Hamburger Parteitag wurde Genosse K o h n s gewählt. Betreffs der R e i ch s t a g s w a h l erklärte sich die Konserenz einstimmig dafür, daß unser im Znchthause weilender Genosse Schröder wieder kandidirt. Znin Parteitag nahm in Leipzig«ine von über 600 Per- sonen besuchte Parreiversammlung des 12. und 13. siieichstags- Wahlkreises Stellung. Genosse L i p i n s k i referirte und besprach nochmals die Aenßernngen für und wider den Vorschlag, den Kölner Beschluß aufzuheben. Gegen 20 Stimmen wurde dann folgende llicsolntion angenommen:„Die Parteigenossen des 12. und 13. sächsischen Sieichslags-Mahlkreises halten an ihrem Standpunkt in der Frage der Belheiligung an den Landtagswahlen unter der Herrschaft des Dreiklassen-Wahlrechls fest und erklären sich gegen eine Belheiligung." Von einer Reihe anderer Anträge, die zum größten Theil gedruckt vorlagen, wurden nur folgende angenommen: „Ter Hamburger Parteitag möge beschließen: Die„Nene Welt" betreffend, jedem Abonnenten Titel sowie Jnhalts-Verzeichniß als Gratisbeigabe resp. als letzte Nnnuner des betreffenden Jahrganges von jetzt ab znznstellen. In nnbelracht des guten Zweckes, den Kunstsinn des arbeilenden Volkes durch Darbietung wohlfeiler und gediegener Ronianliteratnr, sowie Veranschanlichung guter Illustrationen zn wecken, die Buchbandlnng Vorwärts in Berlin zn beauftragen, diesem ihrem eigensten Prinzip nunmehr Rechnung zn tragen, da die bisher gebotene Jllnflrirnng der Ronian-Wochenschrist„I n freien Stunden", in künstlerischcr wie auch in technischer Hinsicht sehr viel zu wünschen übrig ließ, was eine Verdrängung der Hinter- lreppenlilcratnr keineswegs zur Folge haben kann. Die Sozialdemokratifchc Fraktion des Denlschcn Reichstages wird beanstragt: gegen die ungleichmäßige und mißbräuchliche An- wendnng des s 1S3 der Gewerbe-Ordnung vor dein Reichstag B e s ch w e r d e z u führen und iiisbesondere darauf hinzuweisen, daß das, was dem Arbeiter anf grimd dieses Paragraphen verboten wird, dein Unternehmer ungehindert gestattet ist. Ferner wurde beschlossen. 4 Telegirte, darunter eine Frau, nach Hamburg zn senden. Gewählt sind die Genossen Lange, Millich, I ä n i s ch und Frau Jäger. Tic katholische„Märkische VolkSzcitnna" in Berlin ver- öffenllicht unter der Bezeichnung„Flüchtige Genossen" eine Reihe von Eigenlhumsvergehe», die sich seit zivei Jahren Vorstands Personen von österreichischen und deutschen Arbeitervereinen an- geblich zu schulden haben köminen lassen, und bemerkt zum Schluß: So sehen die„Freunde" des arbeitenden Volkes, die„ehrlichen" Hüter seiner Interessen" ans!" Dem katholischen Blatte scheint unbekannt zn sein, daß, wenn man die Verbreche», die von k a t h o l i s ch e n G e i st l i ch e n und k alholische» Arbeiterverein s-Kassir er n wider das Eigenthum und wider die Sittlichkeit begangen wurden, auch nur für den Zeitraum eines Jahres notiren wollte, eine Liste herauskäme, die alle Konkurrenz aus dem Felde schlüge. I» Elbing wurden die Parteigenossen H a h n k e und Ficht man» ans der Partei ausgeschlossen, nachdem die betreffende Parlciversammlnng sowohl die Ankläger wie die Beschuldigten ge- hört hatte. Hahnke wurde schuld gegeben, seit seiner Anwesen- heil in Elbing die. Partei in moralischer und die Genossen in rnanziellcr Hinsicht geschädigt zu haben. Fichtmann, demnach- gesagt wird, daß er seit langer Zeil ein Hinderniß der Partei- bewegnng gewesen, hat bei der Zenlenarfeier illuminirt und im Allgemeinen Arbeiterverein gegen das Abonnement ans die„Königs- berger Volkslribnne" gesprochen, weil diese ein sozialdemokratisches Blatt sei; weiter wird ihm zum Vorwurf gemacht, daß er in seinem Berufe, der in der Vermlethnng von Gesinde und Kellnerinnen be- teht, die Stellesnchenden ansbcnte. Der Ausschluß Hahnke's erfolgt« mit 48 gegen 37 Stinimen, der Ausschluß Fichtmann's mit 31 gegen 37. Die Abstimmung geschah durch Stimmzettel. Nach Ficht- inann's Ausschluß erklärten drei Genossen ihren Ansiritt. Di« „Königsberger Volkslribüne" hofft, daß mit den Ausschlüssen den Zwistigkeiten in Elbing endlich der GaranS bereitet ist. In Tanzig ist als Delegirter zum Hamburger Parteitage der Genosse Aartel und als dessen Stellvertreter der Genosse Sellin gewählt. In Kassel wurde der Parteigenosse Hedderich als Delegirter zum Hamburger Parteilag gewählt. De» Wahlkreis Tarmstadt-Grosigerau wird anf dem Ham- burger Parteitage der Genosse Ph. Müller vertreten. I» Regenöbnrg ist e? den Parteigenosse» endlich gelungen. den Schwarzen zum Trotz ein B e r f a m in l u n g s l o k a l zn be- kommen. Mit dem Wirth ist aus ein Jahr Kontrakt ge- in a ch t. Ans Strastbnrg i. E. wird nnS geschrieben: Unsere AgitationS- kommission machte am Montag znni ersten Mal den Versuch, der Einbernfnng einer in größerem Maßstab gehaltenen sog.„reunion privöe"(einer privaten Zusammenkunft), deren Abhaltung nach den hier immer noch geltenden Bestimmungen der alten französische» Versammlungs- Gesetzgebung ohne vorhergegangene polizeiliche Anmeldung»nd Genehmigung, sowie unter Ausschluß obrig- keillicher Ueberwachung gestattet ist. Mittels schriftlicher Einladung ist dabei jeder einzelne Theilnehmer zum Er- 'cheinen aufzufordern, während der Polizei das Recht zusteht, sich bei jedem in die Versammlung Eintretenden von dem Besitz jener Privatlegitimation zu überzeugen und, sobald Nichtgeladene oder solche ohne Ausweis in der Versammlung be- troffen werden, die letztere„aufzuheben". Unser erster Versuch war von erfreulichem Erfolg begleitet, da mindestens ebenso viele Theil- nehiner zusammen gekommeu waren, als bei den uns zur Versügung stehenden, räumlich beschränkten Lokalitäten in den wenigen bisher gestattete» allgemeinen und öffentlichen Bersamnilnugen er- schienen. Die Röunion beschloß die Delegation B ö h l e' S zum Hamburger Parteitag und hieß dann den Plan deS AgitationSkomitceL gut. wonach sich die hiesigen Genossen zu der am Sonntag, den 26. September, im badischen O f f e n b u r g statt- findenden großen Volksversammlung, wo unser Reichstags- Abgeordneter Bebel über die parlamentarische Thätigkeit der Fraktion vor seinen hiesigen Wählern berichten soll, mittels eines von der Verwaltung der badischen Staats-Eisenbahnen zu stellenden Extrazuges begeben werden. Wir Straßburger sind nämlich mit der Abhaltung Bebel'scher Versammlungen neuerdings zum Rückzug auf die Offenbnrger Linie gezwungen, nachdem das benachbarte badische Bezirksamt Kehl uns auch aus dem bisherigen Zufluchtsort Neumühl hinausgeworfen hat. Wir rechnen auf ca. 600 Theilnehmer an der Exlrafahrt. Die Versammlung, die in einer bequem S000 Personen fassenden Halle abgehalten werde» wird, dürfte auch von der Be- völkerung Offenburgs und seiner ländlichen Umgebung massenhaft besucht werden, da Bebel dort zum ersten Male spricht. Die Offen- burger Genossen verbinden mit der Veranstaltung den für eine Anzahl der wirthfchaftlich sehr zurückgekommenen Rebbauern der Umgebung sehr angenehmen Nebenzweck, durch Ausschank eines billigen und guten direkt von den Produzenten gekauften Weines diesen eine will- kommene Einnahme zn verschaffen. Wenn das zuständige Bezirks- aint Offenburg die Versammlung nicht unter irgend welchen Vorwänden verbietet, so dürfte Offenbnrg am 26. September eine politische Demonstration erleben, wie sie seit den vierziger Jahren in seinen Mauern nicht mehr da war.— Was die Abhaltung der erwähnten„reunioas privees" anbelangt, so sind wir Straßbnrger entschlossen, von diesem nus zu Gebote stehenden Agitalionsmitlel in Zuknnst einen derart rücksichtslosen Gebrauch zu machen, daß der reichsländischcn Regierung der Geschmack an der veralteten sranzösischen Versammlungsgesetzgebung recht bald vergehen dürfte. Ter Jahres-Kongreff der sozialistischen Arbeiterpartei Italiens, der vom 18. bis znin 20. d. M. in Bologna tagen ivird, hat eine sehr reiche Tagesordnung vor sich. Mit dem Wachs- thnm der Partei, die innerhalb der letzten zwölf Monate einen anberordentlichen Aufschwung genommen hat, wachsen auch die Arbeilen. Und da die Prinzipien geklärt und theoretische Kämpfe nicht zu erwarten sind, so wird die Arbeit wesentlich praktischer Art sein und sich auf den A u s b a u d e r O r g a n i s a t i o n zu richten haben. Polizeiliches, Gerichtliches ,e. — Vom Schöffengericht in Dresden wurde der Parteigenosse N i tz s ch e als verantwortlicher Siedakleur der„Sächsischen Arbeiter- Zeitung" wegen Verletzung des§ 153 der Gewerbe- Ordnung zu einer Woche Gefängniß verurtheilt. Im Bericht über eine Hut- macher- Bersamnilung, die die Vorbereitungen zun, Streik traf und die Kündigung der Arbeit beschloß, war das Verhalten der Arbeiter einer Fabrik, die sich an der Bewegung nicht betheiligten. als traurig und feig bezeichnet. In diesen Ausdrücken erblickte das Gericht einen Verstoß gegen den bereits erwähnten Paragraphen, da bei der straffen Organisation der sozialdemokratischen Arbeiter- organisatiouen jene Arbeiter wohl durch solche Aeußeruugen in ihrem freien Willen beeinträchtigt werden könnten. — Der Parteigenosse G o l d st e i n in Zwickau, Redakteur des„Sächsischen V o l ks b.l a t ts", wurde wegen eines Feuilletons, überschrieben:„Vereinspolizeiliches aus Sachsen", vom Schöffengericht zu 50 M. Geldstrafe verurtheill. Durch das Feuilleton soll der Regierungsaffessor Dr. Böhme aus Glauchau beleidigt worden sein, dessen Verhalten als überwachender Beamter der Maifest-Ver« sammlung in Hohenstein-Ernftthal darin kritisirt war. GewevKMzÄftliffzes, Deutsches Reich. Der Tiamantarbciter-Strcik in Hanau, der jetzt zirka 9 Monate anhält, scheint noch zn keinem Abschluß zu gelangen. Vor 14 Tagen waren zwei Mitglieder der Amsterdamer Gewerkschaft in Hanau eingetroffen, um sich über den Stand des Streiks zu er- kundigen. Hierbei wurde mit den Arbeitern die Bereinbarung ge- troffen, daß die holländische Gewerkschaft sich den Fabrikanten gegen- über bereit erklären sollte, bei Einführung der besseren holländischen Schleismethode behilflich zn sein. Dieses Anerbieten wurde aber von de» Fabrikanten zurückgewiesen und gleichzeitig nnbedingte Auf- nähme der Arbeit verlangt, ebenso wurde die Einschränkung der Lehrlingszüchterei abgelehnt. Die Arbeiter sind nun gesonnen, den Ausstand fortzusetzen und ist ihnen von der holländischen Gewerkschaft auch serner die Unterstützung zugesagt. Der Streik der Harmonika-Arbeiter in Magdeburg ist be- endet. Die Firma Traugott Schneider u. Komp. hatte es ver- standen, an 70 Streikbrecher heranzuziehen. Wesentlich begünstigt ivurde sie in ihrem Vorhaben, weil bei der großen Theilarbeit in dieser Fabrikation gänzlich ungeübte Kräfte Verwendung finden können. Die weitere Fortsetzung des Streiks schien somit aussichtslos und sind die Arbeiter in tapferer Gegenwehr nach siebenwöchentlichem Kampf unterlegen. Der Ausstand der Leipziger Maurer dauert fort. Zn den neuen Bedingungen arbeiten 619 Maurer und sind in den letzten Wochen 37 abgereist. Von den Streikenden wird dahin gewirkt werden, daß in nächster Zeit eine größere Zahl der Streikenden abreist. AnS dcml Waldciibnrgcr Kohlenrevicr. In Fell- h a»i m e r und H e r m s d o r s fanden am Sonntag sehr zahlreich besuchte B e r g a r b e i t e r- V e r s a m m l n n g e n statt, welche sich »ach einem mit großem Beifall aufgenoinmenen Vortrage des Reichstags-Abgeordneten Möller für die Achtstunden- Schicht erklärten. Die Ve, sammelten versprachen, sich andauernd und energisch für die achtstündige Schicht zn bemühen, bis sie anf den niederschlesischen Gruben eingeführt ist. Ausland. Znin Kampf der englischen Maschinenbaner weiß die heute eiiigelrosfene„Daily Chroiucte" folgende recht interessante Geschichte von dem Herrn Siemens zn erzählen: Am Montag Morgen kamen in Liverpool 4 deutsche Maschinenbaner an. welche von der Firma Siemens u. Halske in Berlin engagirt worden waren für den Betrieb in London. Sie hatten einen Kontrakt unter- zeichnet, wonach sie sich für 6 Monate die Woche für 36 Schilling verpflichteten, bei der Firma zn arbeilen. 36 Schilling ist ein Lohn, der nm 2 Schilling unter dem Trade-Unions-Taris steht. Den Lenteil war versichert worden, daß der Streit zu Ende sei. Die Vier wurden von Freunden der Organisation der Arbeiter zu einem Rechtsanwalt geführt, der in ihren» Namen Fahrt und Unkosten in der Höhe von 20 Pf. St. von Herrn E i e in e n s verlangt«. Herr Siemens bot 10 Pfund an, was aber vom Rechtsanwall abgewiesen wurde. Gegen Herr» Siemens wird nun Klage erhoben werden anf Schadenersatz, weil die betreffenden Arbeiter nur durch Vorspiegelung falscher Thal- fachen zur Steife veranlaßt worden waren. Die Engagirte» haben mittlerweile die Heimreise bereits wieder angetreten. Tie Rlmelo'schen Weber(Holland) haben ohne Streik gesiegt. Die Fabrikanten sind der Lohnsordernng nachgekommen. Depefitzen und lvkzke MAchvichken. Wien, 16. September.(W. T. B.) Bei der Station der Südbahn Bruck a. d. Mar fuhr ein Schnellzug ans einen mit Ver- spätung in den Bahnhof einfahrenden anderen Schnellzug. Hierbei erlitten vier Reisende leichte Kontusionen; das Fahrmalerial wurde nicht beschädigt, nur einige Fensterscheiben wurden zerlrüminert. Bern, 16. September.(B. H.) Ans einer Unterredung Ton Carlos' mit einem Schiveizer wird gemeldet, daß Don Carlos den Zusammenbruch des jetzigen Regimes in Spanien für unmittelbar bevorstehend hält. Eine republikanische Regierung fei nnmöglich. Er werde die Königin nicht zur Flucht drängen, aber in Spanien eiuzichen, sobald dieselbe die Grenze überschritten haben wird. Verantwortlicher Nedaktcnr: SKiianst Jacoben in Berlin. Ftir den(Weratentheil verantwortlich: STl». Glocke in Verlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu L Beilagen u. Nnterhaltnngeblatl, Kr. 217. 14. mm. 1. Keillljt Dev fvergvspvocheno Mevolnovheld. Wie es neuerdings als ganz besonders staatserhaltend gilt, die »HBch'te Strafe" denjenigen fühlen zn lassen, der seinen„Neben. menschen an freiwilliger'Arbeit hindert", so ist es geradezu ans- fällig, dap die Justiz des Klafsenstaates für denjenigen besondere Nachsicht übt, der sich im Ordnungskampfe gegen klassenbewnstte Arbeiter zu weit vorwagt und die Schranken des geschriebenen Gesetzes niedertritt. Aber ein Fall wie der, von dem wir im gestrigen Depeschcniheil ans Hamburg berichtet habe», dürfte denn doch nicht allzu oft vorkommen, mag er auch als markantes Produkt gesellschaftsreltendcr Denkungsart und speziell»och als blendend helles Zeichen der Entwickelung der Klassengegensätze auf- zufassen sein. Wir halten den am Mittwoch in Hamburg gefällten Freispruch für wichtig genug, um eingebender als es gestern möglich war, dem Gange der Schvffengerichts-Verhandlnng zn folgen. Dem Freispruch liegt folgender Thatbestand zu gründe: Am 17. Juni d. I., also lange nach Beendigung des Streiks, hatten die Eiversührer W. und B. de» Kastenschnten- Schiffer Kurt Kraft � gefragt, ob er die Legitimation der organisirten Eiversührer bei sich führe. Es ist dieses eine kleine Blech- marke, die sich die Eiversührer gegenseitig abfordern und zeige», um durch eine regelmäßige Kontrolle ihre Organisation zu fördern. Kraft antwortete, er sei im Besitz der Legilimation; er zeigte auch eine Blechmarke vor. Den beiden Eiversührer» schien die Marke jedoch gefälscht zu sein und sie machten eine dahingehende Aenßernng, worauf Kraft erwiderte, sie sollten sich von der Echtheit der Marke überzeugen. W.». B. legten deshalb mit ihrer Schute längsseile der Kastenschute des Kraft und gingen an Bord derselben. Kraft gab dem B. die Blechmarke in die Hand und W. erkannte nun genau, daß sie gefälscht war, wie das von „Arbeitswilligen" mehrfach in der Absicht geschehen ist, das Odinin der„Arbeitswilligkeit" von sich abzuwenden. W. nahm die Marke an sich, um sie als Beweismalerial zu der von ihm be- absichtigten Anzeige wegen Urkundenfälschung der Staats- anwaltschaft zn überliefern. Dann kehrte W. in seine Schute, die abzutreiben drohte, zurück, und B. wollte ihm folge». Kraft faßte den B. aber beim Zeug, um ihn f e st z u h a l t e n. B. riß sich jedoch bald los und sprang ebenfalls in seine Schute. Kraft lief nun schnell in die Kajüte seiner Kastenschtite, holte sich von dort einen Revolver, zielte aus den schon ivieder an seine Arbeit gehenden B., schoß zweimal los und t r a f B. a u ch richtig in de» linken Arm, so daß der Verwundete im Seemanns-Krankenhaus aufgenommen werden mußte und vierzehn Tage krank lag. Kraft war deshalb wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Er erklärte in der Verhandlung, er sei in der Meinung gewesen, daß B. von seiner Schute nochmals einen „ A n griff" auf ihn machen wollte und habe deshalb B. durch einen Schuß ins Wasser e r s ch r e ck e n wollen. Auch erklärte er, er sei von B. auf seiner Kastenschnte gewürgt worden. Nicht nur die Zeugen W. und B., sondern zwei weitere einwandfreie Zeugen, die ganz zufällig in der Nähe waren, bestritten die An« gaben des Angeklagten unter Eid aus das ent- schiede nste. Auch ein vom Vertheidiger aufgegebener Ent- lastungszeuge konnte die Angaben des Augellagten in keinem Punkte bestätigen, so daß derselbe mit seinen Angaben völlig isolirt stand. Das Revolverattental erwies sich als ein ganz frivoler Exzeß gegen das Leben und die Gesundheit eines anderen. Trotz- d e m wollte der Amtsanwalt Dr. v. Lößl, der im übrigen die Anklage für völlig erwiesen hielt, dem Angeklagten mildernde U m st ä n d e im weitgehendsten Maße zugebilligt wissen, weil derselbe sich über die ihm seitens der Zeugen W. und B. zu theil gewordene Belästigung„in großer und berechtigter Erregung befunden habe". Der Antrag lautete aus 20 M. Geldstrafe oder 4 Tage Gefängniß. Das Gericht erkannte jedoch aus Freisprechung mit der Begründung, daß der Angeklagte geglaubt habe. B. wolle ihn angreifen, und daß er in seiner Erregung über die Grenzen der allerdings objektiv nicht vorhandenen Nolhwehr hinausgegangen sei. Eine solche im Affekt begangene Uebcrschreitung der Nothwehr sei aber nicht strafbar. Die Kosten wurden auf die Staalskasse übernommen. Wie das Gericht auf grund der Beweisaufnahme zu einem solchen Resultat kommen konnte, das an dieser Stelle zu unter. suchen, hüten wir uns ans weisen Gründen. Trotzdem wir es objektiv für durchaus verfehlt halten, können wir in gewisser Be- ziehung jedoch mit ihm zufrieden sei. Solche Urlheile klären selbst den Blödesten besser, als alle Leitartikel und Vorträge, über das wahre Wesen der modernen deutschen Gerechtigkeit auf. Während nnd seit dem Hafenarbeiterstreik haben die Hamburger Strafgerichte auf diesem Gebiete ganz außerordentliches geleistet. Welch einen kostbaren Schatz finden wir in Gerichtsnrtheilen, wie dem, mit welchem wir unS heute zu befassen hatten! Zu der GehaltSordunng für die Rektoren, Lehrer nnd Lehrcrllilien au de» Gemeindrschnlen, wie sie der Stadt« verordneten-Versammlung von dem Magistrat zur Genehmigung vorgelegt ist, hat der Stadtverordnete Dr. Preuß, Mitglied des zur Vorberathung der bezüglichen Vorlage von der Versammlung ein- gesetzten Ausschusses, folgende A b ä n d e r u n g s- A n t r ä g e ein- gebracht: I. Für endgiltig angestellte Lehrer: Grundgehalt 1200 M. (statt 1000 M). Miethsentschädigniig für verheirathele Lehrer 600 M., für uuverheirathete Lehrer ohne eigenen Hausstand 400 M.(statt 600 M. für jede der beiden Kategorien), Gesammteinkommen also 4000 M. bezw. 3800 M.(statt 3800 M). II. Einstweilig angestellte Lehrer erhalten: Grundgehalt S60 M.(statt 800 M.). sonst unverändert, also Gesammteinkommen 1360 M.(statt 1200 M). III. Rektoren: Grundgehalt 2400 M.(statt 2000 M.), sonst unverändert, Gesainmt- einkoiumen 5400 M(statt 5000 M). IV. Lehrerinnen: Grundgehalt 1000 M.(statt 900 M.), außerdem soll die Gehalisskala zu gunsten der Lehrerinnen geändert werden, Gesammteinkommen 2500 M. (statt 2400 M.). V. Fachlehrerinnen: Alterszulagen: nach 15 Jahren 500 M., nach 13 Jahren 600 M.(Nach der Magistratsvorlage hört die Zulage mit 400 M. nach 12 Jahren auf.) Gesammteinkommen 1300 M.(statt 1600 M.). Ferner sollen die Jahre, in welchen die Fachlehrerinnen an öffentlichen Schulen in Deutschland mit niindestenZ 16(statt 24) öffentlichen Schulen beschäftigt find, zur Anrechniiiig kommen. Der Genieindevorstaud von RummelSbnrg hat sich mit der dringenden Bitte an die hiesige städtische Verkehrsdeputation ge- wendet, schleunigst zwischen Berlin und dem 17 000 Einivohner zählenden Vorort Rummelsburg geeignete Verkehrsverbinduiigeii herzustellen. Schon in den 80er Jahren sei der Neuen Berliner Pferdebahn-Gesellschaft die Linie Berlin- Rnminelsbnrg konzesstouirt worden, sie kam jedoch nicht zur Aussührmig. da die bezügliche Konzession später zu gunsten der nach der städtischen Irrenanstalt Herzberge auszubauenden Straßenbahn-Linie annulirt worden ist. Nach eiuer im Jahre 1304 vorgenommenen Zählung haben an einem Tage die Borhagener Chaussee, die die neue Straßenbahn zu durch- laufen hätte, 53 733 Personen von und nach Berlin passirt. Die einzige Verbindung bilde der weit entlegene Stadtbahnhof Stralau-Nummelsburg. Der Gemeindevorstand ersucht zunächst die beiden Linien Berlin, Alexanderplatz-Ruiunielsburg-Biktoriaplatz und Numm-lsburg, �Station Stralau— Rummelsburg— Wuhlhaide durch die Große Berliner Pferdebahn-Gesellschaft oder durch die Eiseubahn-Baugesellschaft Bering u. Waechter ungesäumt zur Aus- führunfl bringen zu lassen. Die Stadt selbst habe an der Herstellung dieser Verkehrsverbindnngen»in großes Juteresse, da in dem dortigen iltt Dmück" Gemeindebezirk die Stadt ca. 400 Morgen bebmmngsfählges Terrain besitze, und da sich daselbst das städtische Arbeitshaus und das große Friedrichs-Waisenhaus befinden. Ltfsmles. Nrmenitachliisse. Das städtische Obdach in der Fröbelstraße bietet nicht nur Armen und Elenden eine kurz bemessene Zufluchts- stätte, sondern dient auch zur Unterbringung von tobten Gegen- ständen, denen allerdings ein längeres„Obdach" gewährt werden muß, als den Menschen. Ganze Säle finden sich hier vor, mit Wirthschaftsgegenständen vollgepfropft, gut und schlecht in wirrem Durcheinander, wenngleich bureaukratijch geordnet, so daß die Ver- ivaltung oft Mühe hat, sie unterzubringen und froh ist. wenn sie die Sachen wieder los wird. Es sind dies zum großen Theile die so- genannten„Armennachlässe". Jeder„Almosenempfänger" muß nämlich sein Hab und Gut der Armendirektion verschreiben, welche nach dem Ableben des Arinenniilerstützten dessen Erbschaft antritt und dessen Nachlaß gewissermaßen als Entschädigung für die zu Lebzeiten desselben gezahlte Armennuterstützung in Anspruch nimmt. Dazu gesellen sich die Slachlässe solcher in städtischen Krankenhäusern verstorbenen alleinstehenden Personen, welche irgendwelche Ver- pflichtungen der Armendirektion gegenüber haben. Daß diese „Armennachlässe" in den meisten' Fällen keinen großen Werth repräsentire», liegt in der Natur der Sache, denn daß die weitaus meisten der ans öffentlichen Mitteln Unterstützten keine luxuriöse Wohnungseinrichtung besitzen, kann wohl im allgemeine» au« genommen werden, wenngleich auch Ausnahmefälle zugestanden werden sollen. Dafür sprechen auch die ungemein niedrigen Taxpreise, zu denen die Sachen, Möbel, Kleidungsstücke, Wäsche, Uhren«.> verkauft werden. Bevor ein solcher Verkauf vor- genommen werde» kann, muß erst eine„Erbschaftsregulirung" statt- finden, d. h. die Angehörigen oder Verwandten des Verstorbenen müssen benachrichtigt und ihnen Gelegenheit zum eventnellen Rückkauf der Sachen gegeben werden, und darüber vergehen oft Monate, während welcher Zeit die Sachen im städtischen Obdach lagern. Nachdem erst werden die Sachen an Trödler verkauft und diejenigen, die nnverkäuslich bleiben, vernichtet; Möbel werden zu Brennholz zerschlagen u. s. w. Sind arme Verwandte vorhanden, so werden ihnen aus Nellamation auch wohl Nachlaßstücke unentgeltlich über- lassen, sofern sich nicht andere Verwandle finden, welche den Tax- preis für die Sachen bezahlen. Berechnet man die Kosten, welche der Armendircktion aus diesen Armennachlässen erwachsen durch Transport. Aufbewahrung, bureaukralische Arbeiten und die Arbeitskräfte, die dabei Verwendung finden müssen, welche früher die Strafanstalten bezw. Arbeitshäuser stellten, die aber auf eine Jnter- venlion des„Vorwärts" hin jetzt der freien Arbeiterschaft cntuommen werden, so gelangt man zu dem Facit, daß die Armennachlässe nicht im entferntesten die entstehenden Kosten zu decken vermöge», ja häufig genug nicht einmal die Transportkosten bezahlt machen. Wie schon vorher angedeutet, weiß die Verwaltung des städtischen Obdachs oft nicht, wo sie mit den Armennachlässen hin soll und ist meistens froh, wenn sie den Kram und das Gerümpel wieder los wird. Bei dieser Sachlage muß man sich eigentlich wundern, Ives- halb die Armendireklion sich erst die vielen Kosten und die Muhe macht, thatsächlich werlhlose Armennachlässe dem städtischen Obdach einzuverleiben und monatelang aufzubewahren. Es wäre doch das einfachste, solche Nachlässe von vornherein den Hinterbliebenen nnd Verwandten eines verstorbenen Armenunterstützten zu überlassen, denn einmal hat die Hinterlasseuschast für diese vielleicht einen familiären Werth, andererseits ist wohl anzunehme», daß die Hinter- bliebencn oder Verwandten des verstorbenen Arnieiiiinterslützten— wenigstens in zahlreichen Fällen— für diesen ihrerseits ebenfalls materielle Aufwendungen gemacht haben, denn eine Armen- Unter- stützung wird nicht in so reichein Maße gewährt, daß lediglich von dieser jemand zu leben vermöchte. Sollte sich aus diesen zunächst berechtigten Kreisen kein Liebhaber für die Nachlaßsachen finden, nun, so giebt es doch wahrlich genug Arme in Berlin, die an allem Mangel leiden und denen mit der Ueberlassung von Möbel- oder Kleidungsstücken, Wäsche, Betten w, die für die Armenverwaltung keine» Werth haben, immerhin gedient wäre. Warum müssen Sachen vernichtet werden, die arme Menschen noch brauchen können? Bei den vielen Uiigliicksfällen, die auf unseren so ruhigen und zahmen Gewässern um Berlin sich alljährlich im Sommer stets mit derselben Pünktlichkeit wiederhole», spielt eine vom Publikum aber auch von den Wasser-Aussichtsbehörden bisher viel zu wenig beachtete Thalsache eine ganz besondere Rolle, das ist die Bauart der gewöhnlichen Ruderkähne— die schmalen Ruderboote der Regattafahrten bleiben hier außer betracht. Aber jene kleinen Boote, die der Sonntagsrnderer für 60 Pf. die Stunde miethet, und die der Berliner mit richtigem Instinkt„Seelenverkäufer" nennt, bieten durch ihre nußschalenartige Form für das Umkippen die allerbeste Gelegenheit und sind eine höchst beklagenswerthe Eigenlhümlichkeit für Berlin und Um- gegend. Bekanntlich hat jedes Schiff auf dem Wasser einen veränderlichen Schwerpunkt; je nachdem die Ladung tief niiten am Boden liegt oder über Bord hoch sich anfthürmt(wie z. B. Heu), wird auch der Schwerpunkt von seiner tiefsten Stelle höher und höher steigen bis endlich bei zu hoher Ladung das Schiff eine zn leicht veränderliche Gewichtslage erhält und tippt. Diese Gefahr tritt auch bei leichten Dampfern ein, die nicht genug Ballast haben, aber auf dem Deck mit Passagieren überlastet werde», wie das bei dem großen Unglück auf der Elbe bei Dresden zur Zeil der Vogelwiese diesen Sommer der Fall gewesen ist. Die plötzliche Bewegung einer Anzahl Personen nach einer Seite brachte den Dampfer zum Kippen. Viel schlimmer auf grund derselben Theorie liegt die Sache bei der Fahrt auf einem kleinen Seelenverkäufer. Sitzen drei Personen ganz still im Kahn, so hat er einen gewissen Tiefgang; plötzlich steht aber einer auf, sofort ist die Schwerpunkt- Verlegung vollzogen, der Aufgestandene oder ein anderer neigt sich ein wenig zur Seite— verliert selbst in dem kippligen Boote das Gleichgeivicht— schwapp— liegt die ganze Gesellschaft im Wasser! Erwägt man nun noch, mit welcher Unerfahrenheit die Sonntags- rüderer sich überhaupt auf dem Wasser benehme», wie muthwilliges Schaukeln oder ähnliche Unvorsichtigkeiten mit Vorliebe in Gegen- wart von Damen geübt werden, so ist bei der auf den Kiel gebauten Nußschalenform und ihrer überaus leichten Beweglichkeit gegen geringfügige Dampferwellen die Häufigkeit der Unfälle durchaus erklärlich. Unbegreiflich ist eS, daß die Aufsichtsbehörden die naheliegende Abhilfe nicht längst geschaffen haben durch Verbot der Nußschalen- Konstruktion auf Kiel. Freilich ist heute ein solches Verbot eine schwere Härle gegen die Bootsvermielher, aber a l l m ä l i g könnte es sehr wohl durchgeführt werden. Fast gänzlich ausgeschlossen ist die Gefahr des Umkippens in Kähnen mit ebenem Boden, wie sie als Handkähne an den großen Frachtkähnen und Zillen hängen, die unsere Havel, Spree und den Kanal befahren. Etwas zierlicher ge- baut dienen sie vorzugsweise als Fischerkähne. Der ungewölbte Boden, die schrägen, stumpfwinklig zum Boden stehenden Seiten- wände geben den kleinen Schiffe» eine ausgezeichnete Stabilität, d. h. eine sichere Ruhelage gegen Seitenschwankungen, sie find natürlich ohne Kiel gebaut, sehen dem Schaukeln einen sicheren Widerstand entgegen nnd bringen die leichtsinnige Jugend nicht gleich in Gefahr. Solch ein Schiffchen bewegt sich etwaS schwerer fort, doch thut auch hier die geschickte Bauart sehr viel, jedenfalls genügt der ebene tiefe Kahn für die unerfahrenen Sonntagsruderer über alle Maßen und in all den Städten, wo er Sitte ist, find Unglücksfälle äußerst selten.— Jllnfionen. Ein Zentralverein selbständiger Gewerbe- treibender für den Halle'schen Thor- und die benachbarten Bezirke wurde gestern Abend in einer stark besuchten öffentliche» + Fttiiag, Ik.SlOmbtl 18S7. Versammlung bei Rothacker, Teltowerstr. 3, auf Anregung des Vereins der Bäckermeister Südwest und Friedrichstadt begründet. Dieser Zentralverein soll insbesondere das Ueberhandnehmen der große» Bazare durch Anstrebung einer Umsatzsteuer einzudammei! suchen und die Ramsch- und betrügerische» Massen- und K o n ku rs w a ar c n- Verkäufe durch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb bekämpfen. Zu diesem und anderen Zwecken soll ein Rechtsanwalt als Syndikus gewonnen werden, der durch unentgeltliche Rechts- belehrung dem bedrängte» Gewerbestande hilfreich zur Seite stehe» soll. I» dem einleitenden Referat, welches der Koiiftitnirnng des Zentralvereins voranging, wurde mitgetheilt, daß gegenwärtig wiederum nicht weniger als fünf R a b a t t- S p a r v e r e i n e und außerdem verschiedene große Bazare im Entstehen begriffen sind, welche sämmtlich die Existenz der Gewerbetreibenden vor dem Halle'schen Thore aufs cmpfiudlichste bedrohen. Und vor allem will hier auch der Görlitzer Maaren-Einkaufsverein festen Fuß fassen und durch Errichtung zahlreicher Filialen den Gewerbe- treibenden eine geradezu gefährliche Konkurrenz bereiten. Die Kämpen werden nicht mit allzureichlichen Lorbeeren ans der Schlacht heimkehren, vorausgesetzt, daß sie es überhaupt wagen, ernsthaft gegen die Entwicklung der Dinge ins Feld zn ziehen. Wie die Kunst nach Brot geht. Der Sohn des Hanseigen. thümers R. in der Neuen Königstraße wurde am vorgestrigen Tage «ingesegnet. Am Nachmittag gegen 4 Uhr erschien plötzlich eine aus sechs Musikanten bestehende Kapelle, nahm ans dem Treppenabsatz der ersten Etage Aufstellung und musizirte dort. Die Mitglieder der Kapelle wurden von dem Vater des Konfirmanden nach einem in demselben Hause befindlichen Restaurant geschickt und dort auf dessen Kosten bewirthet. Nachdem die Leute ihr Bier getrunken, verlangten sie von Herrn R. noch ein Trinkgeld und erklärten dem erstanntcn Hanswirth, daß sie von einem unbekannten Manne bestellt und ausgemacht worden sei, daß Herr R. ihnen ein Trinkgeld geben müsse. Als dieser nunmehr drohte, einen Schutzmann holen zn lassen, entfernten sich die Musikanten eiligst. Derartige Fäll« sollen mehr« fach vorgekommen sein. Die Pflastcrmillion, d. h. jene Million Mark, welche nach einem eingebrachten Antrage von der Stadtverwaltung an? de» Ueberschüssen des laufenden Jahres zur Verbesserung des Straßen» pflasters in bestimmten Straßen verwendet werden soll, hat Plötz- lich wieder dringende Pflaslcrungsbedürfnisse in allen Stadtgegeuden laut werden lassen, denen gegenüber die Stadt mit der einen Million Mark nicht weil kommen dürfte. Es scheint indcß, daß zunächst die« jenigen Slraßenzüge in Angriff genommen werden sollen, die wegen Mangels der erforderlichen Mittel beim Beginn des städtischen Ver« waltnngsjahres von der Liste der zu pflasternden Straßen gestrichen werden mußten. So hatten Bewohner des Ostens der Stadt um Pflasterung der Elbingerstraße sowie um endliche giegulirnng der Frankfurter Allee bis zur Sladtgrenze im Anschluß an die dort bereits beendeten Arbeiten der Gemeinde Friedrichs- berg pctitionirt; sie erhielten vor einigen Tagen einen abschlägigen Bescheid mit der Begriindung, daß die erforderlichen Mittel fehlen, die betreffenden Straßen aber im nächsten Jahre be« rücksichtigt werden sollten. Wenige Tage nach dem Eintreff«» dieses Bescheides begannen aber bereits die Pflastcrarbeiten in der Elbinger Straße, die jetzt im besten Gange sind. Bei den neuen Pflaster- arbeiten wird übrigens mit einer gewissen Zurückhaltung vor- gegangen, da man gern die Erfolge nnt dem neuen Versnchs-Pflaster keiinen lernen möchte, das gegenwärtig in der Andreasstraße, in der Nähe der Blumenstraße, gelegt wird, von dessen Haltbarkeit nach den an anderen Orten damit gemachten Ersahrnngen man viel Gutes zn erzählen weiß nnd das sich im Preise ganz bedeutend billiger stellt, als unsere besseren Pflasterarten. Bewährt sich dieses neue Versuchspflaster, so können künftig an Neu- und Umpflasternngen ganz erhebliche Summen gespart werden. Die Aktien-Gesollschaft Siemens«. Halöke hat jetzt dem Magistrat eine Ausfertigung des Entwurfs für die als Erweiterung der in Ausführung begriffenen elektrischen Hochbahn Stadtbahnlinie Potsdamer Platz— Spiltelmarkt—Jannoivitzbrücke—Köpnickerbrücke nebst Erlänterungsbericht mit der Bitte überreicht, nunmehr in die Verhandlung über den Entwurf mit der Gesellschaft einzutreten; letztere erklärt sich z» jeder etwa gewünschten Ergänzung des Ent« wurfs bereit. Zum Fall Ziethc» veröffentlicht jetzt die„Rorddeussche All« genieine Zeitung" die Protokolle des Barbiers A n d r o ck aus Potsdam, wodurch bewiesen werden soll, daß Androck schon früher, vor zehn Jahren, in der Ziethen-Sache vernommen worden sei. Die Muhe hätte die„Norddeutsche" sich sparen können. Daß ein! mit Androck's Namen unterschriebenes Protokoll ans dem Jahr 1387 existirt, ist eine alle Geschichte und niemals bestritten worden. Aber Androck bestreitet die Echtheit seiner Unter«� s ch r i f t. Warum setzt die Untersuchung nicht hier ein? Warum bemüht man sich nicht, die W a h r h e i t in bezng auf diesen Punkt fest- zustellen, was doch nicht schwer sein kann? Also nicht länger gefackelt! Nicht ob ein Protokoll auS dem Jahr 1887 besteht, ist die Frage, sondern ob die Unterschrift Androck'S unter diesem Protokoll echt i st o d e r g e f ä l s ch t. Ei» neuer vi ganistrter Geheimmittel-Schtviiidel wird in der „D. Med. Wochenschr." ausgedeckt. Er führt sich unter dem klangvollen Titel„Elektro-Homöopathie Sanier" ein. Bedauernswerther Weise haben sich fiirden Vertrieb einige deutsche, namentlich Berliner Apotheker hergegeben, welche sogar ihre Firmenschilder und Slraßentranspareiite mit dem Namen einer„Elektro-Homöopathie" schmücken. Mit der Hahiiiinann'schen Homöopathie hat die Sache absolut nicht? zu thun. Sie sucht sich vor dem Publikum mit einem geheimnißvoUen Nimbus zu umgeben, als ob sie mit bisher unbekannten Natur« kräften arbeite. Es ist ein Schwindel plumpster Art. Trotzdem ist' die„Elektro-Homöopathie Eauter" bereits organisirt nnd das Ge« schäft blüht; sie giebt„elektro-homöopathische Werke", Gratis» Broschüren und Zeitschristen in Unzahl heraus. Sie ernennt in der� ganzen Welt und auch bei uns in Deutschland um ihr Fortkommen und ihr Geschäft besonders verdienstvolle Herren und Damen zn „Eleklro-Hoi»öopalhen"i»idgründet„elektro-homöopathischeOffiztnen",! für deren Geschästsreklame sie mütterlich uud recht auskömmlich sorgt. Die Mittel selbst in Form von Streutablettche», Salben, Fluidors ec. sind in Reihen eingelheilt nnd mit Namen wie Angiotique, Caiiiöreux, Lymphatique. rothe, blaue, weiße Elektrizität ii. s. w. bedacht, welche mit der Zusammensetzung nichts zn thun haben, dafür aber geeignet sind, in dieser Hinsicht«inen mystischen falschen Glauben zu erwecken. Die Berechtigung für de» Einjährigen-Dienst hat der »Voss. Ztg." zufolge ein Schlossergeselle Namens Ernst Mewes auf grund des sogenannten Küustlerparagraphen der Wehr-Ordunng er- langt. Er hatte während seiner Lehrzeit das Modell einer Lokomotive aus Eisen so kunstvoll gearbeitet, daß es den Beifall und die Be- wundernng seines Meisters und seiner Genossen Hervorries. Dev Meister veranlaßte den Gesellen, die Arbeit der zuständigen Militär- Prüfungskomniission einzureichen und aiif grund dieser Leistung die Znlassiliig für de» Einjährigen-Dienst zu beantragen. Die Kom« Mission beauftragte einige Fachniänner mit der Prüfling des Modells, die ihre Zufriedenheit damit aussprachen. M. wurde hierauf auf, gefordert, sich einer mündlichen Prüfung zu nnlerziehen, die eben« falls genügend ausfiel. Der strebsame junge Mann hat infolgedessen die Berechtigung, nur ei» Jahr dienen zu müssen, erlangt. Hat e» auch das Geld dazu? Eine ganze Reihe von Prozesse» haben die Pächter der Ackergrundstücke, auf denen sich der voriährige Vergnügungspark be« fand, gegen den Arbeitsausschuß der Gewerbe-Ausstellung angestrengt. Gleich nach Beendigung der Ausstellung forderten die Pächter, die V)tt©n-rbpcfe üorr oerSnor«cum gepachtet haben, die Besitzer �er Schaubuden, Konzertlukalitäle»-c. auf, de» Platz zu räume» D» diese jedoch die Hoffnung hegle», daß der Vergnügungspark et halten bleiben würde, zögerten sie mit der Räumung und ließen schließlich zum theil ihre Baulichkeiten gänzlich im Stich, Aus Ber- anlaffung der Treptoiver Behörde wurden die den Vergnügungspark begrenzenden Zäune niedergelegt, doch ivar es für die meisten Acker- Pächter schon zu spät, den Bode» zu bestellen. Die Leute wandten sich nun an das Gericht, lim den Zirbeitsausschuß für den erlittenen Schaden hastbar zu mache». Die Leiche eines etiva 50 Jahre alten unbekannte» Mannes ist ans dem Pionir-Uebungsplatz bei Tabberl's Waldschlößchen ge sunden worden. Rebolverattcutat. In dem Geschäflslokal eines Schlächter? in der Jnvalidenstraße erschien vor einige» Tagen abends die unverehelichte M. und legte dem Schlächter eine» Zettel zur Unterschrift vor, durch welchen er sich zur Vaterschaft eines von der Schwester der M, im August dieses Jahres unehelich geborenen Kindes bekennen sollte. Der Schlächter verweigerte die Unterschrift, da er seine Vaterschaft nicht anerkennt. Als er hierauf dem Mädchen de» Rücken kehrte. feuerte letztere einen Revolverschnß ans ihn ab, verletzte ihn jedoch nur leicht am Oberschenkel, da das Geschoß in de» Beinkleider» stecken blieb. Die M. giebt an, daß sie ihre durch die Aufregung erkrankte Schwester habe beruhigen und für den Fall, daß der Schlächter die Anerkennung der Vaterschaft verweigern sollte, dem» selben einen Denkzettel habe geben wollen. Zu diesem Zweck habe sie einen ihrer Dienstherrschaft gehörende» Revolver»tilgenomme» Die M, ist verhaftet worden. Schwer Peruugliickt ist am Mittwoch Nachmittag der 30 Jahre alte Kutscher Jgnaz Mickolitszes aus Schildhor», der mit einer Fuhre von Steinen aus dem Neubau Lnisenstraße 35 herausfahren wollte, Die Durchfahrt durch den Flur war durch ein Gerüst versperrt, und als M. darunter durchzukommen suchte, gericth er zwischen Gerüst � und Wagen und erlitt eine derartige Quetschung der Brust, daß er nach einem Krankenhaus gebracht werden inußle. Tödtlichcr Absturz. Bei der Revision des Hanptgesimses am Hause Malplaquetstraße l3 stürzte gestern Nachmittag der Klempner Bruno Brüchner durch einen Fehltritt vom Dache herab, schlug a»' den Grenzzaun des Nachbargrnndstückes auf und erlitt schwere innere Verletzungen. Er verschied einige Stunde» später im Kranken hause des Paul Gerhardt-Stiftes. Eigeuthümliche Gcpflogenheiteu scheine» auf dem Polizeü revier in der Flemmingstraße zu herrschen. Wird da ein junger Mensch gestern Nachmittag auf die Postanstalt Lehrler Babnho geschickt, um eine Bestellung zu erledigen. Während er, auf dem Rückweg begriffen, an der Mollkebrücke ans den Omnibus wartet, tritt ein Schutzmann an ihn heran mit den Worten:„Na da haben wir Sie ja. kommen Sie mit." Auf die Frage des jungen Mensche». was er verbrochen habe, erhält er zur Antwort„nur kennen Sie schon", und fort geht's zur Wache. Ans seine Nnschuldsbelhenerungen erhält der junge Mensch die Antwort:„Wir kennen schon'Jhre Frech- heiten." Nach etwa anderthalbstündigem Warten wird dem Be- treffenden bedeutet, daß er wieder gehen kann; ivas eigentlich zu seiner Sistirung Veranlassung gegeben hat, darüber schwiegen sich die Sicherheitsorgane aus! Unter dem Verdacht der Brandstiftung ist der 22 Jahre alte Kaufmann Max Perler aus der Potsdamerstr. 8 in Chat loltenburg verhaftet worden. Er betrieb dort eine Kolonialwaarein Handlung; am Sonnabend voriger Woche brach in seinem Keller ein Feuer aus, das er angezündet haben soll. Arbeiterrifiko. Auf dem Neubau Friedrichstr. 12 verunglückte gestern Nachmittag 5 Uhr der verheirathete Arbeiter Ferdinand König aus Hardenberg, Fruchtstraße 79 i» Berlin wohnhaft Er stürzte etwa 10 Meter tief herab und kam so unglücklich zu Falle, daß er sich das Genick brach. Sterbend wurde er nach der Unfall- station I, Wilhelmstraße 10, gebracht. Die Treptower Sternwarte wird wegen der ungemein günstigen Mondbeobachwng am Freitag Sonnabend und Sonntag bis 1 Uhr nachts ' geöffnet sein. Der Mond geht an diesen Tagen erst spat auf, so daß er 1 am Freitag erst von 9 Uhr, am Sonnabend von 10 Uhr, am Sonntag von 11 Uhr ab beobachtet werden kann. Theater. Jni Schill er- Theater findet Sonntag nicht, wie an- gezeigt wurde, eine Aufsührnng von„Des Meeres und der Liebe Wellen", sondern von„Romeo und Julia" mit den Damen Pauly, Walter a. D.. Werner, Barth und de» Herren Bach, Pategg, Patry, Winterstein und Froböse in den Hauptrollen statt. Für Sonntag Abend bleibt die an- gekündigte Vorstellung von„Die Kinder der Exzellenz", Lustspiel von E. v. Wolzogen und W. Schumann. Grillparzer's„Des Meeres und der Liebe Wellen" kommt nächsten Sonntag, den 26. September, nachmittags zur Aufführung:— Sophie Burska tntt nach längerer Pause in der 3. und 4. Volksvorstellung des Luisen-Theaters am Sonntag Nachmittag und Montag Abend als„Clärchen" im„Egniont" tviedcr vor daö Publikum. Den„Egmont" spielt Herr Fritz Kiedaisch vom Stadttheater in Kiel. Die Volks- Vorstellungen im Luisen-Theater unter Regie des Herrn Julius Türk finden zu halben Kaflenprersen statt.— Der Komponist Cavaliere Paolo Giorza, welcher im Theater„Fcnice" in Venedig und an der Londoner„Olympia" jahrelang als Kapellmeister thätig war und die Musik zu dem Schaustück„Konstäntinopcl" geschrieben hat, ist von dem„Neuen Olympia Riesen-Theater"(Zirkus Renz) als erster Kapellmeister gewonnen worden.— In der heute im O st e n d- T h c a t e r zum ersten Male in Szene gehenden Novität„New-Rummelsburg" liegen die Hauptrollen in Händen der Damen Lid, Grigo, Weick, Schönberg, Berg- mann, Pauli, der Herren Dill, Felsch, Jürgas, Leitncr, Wachs Pauli, Alt- schüler und Karl Weiß. Die Musik hat Gnst. Steffens komponirt, Jos. Dill hat das Stück in Szene gesetzt. Der Anfang ist auf 8 Uhr festgesetzt. Klus den Nachbarorten. Der Franc»- und MädcheubilduustS-Verein für RIxdorf «ttd Umgegend veranstaltet am Sonnabend in den Biktoria-Sälen, Herinannstr. 49, ein Sommernachtsfest, auf das wir unsere Leser schaft aufmerksam machen. Bittets sind zu haben bei Frau Zeetze, Zieihenstraße 60, v. II, und Frau Harnisch, Steininetzstr. 27, Hof I. Tie Gemeinde Schlluebcrg hat vor drei Jahren den fakul- tativen F o r t b i l d u u g s u n I e r r i ch t eingeführt nud dazu eine» staatlichen Zuschuß von jährlich 1100 M. erhalten. Diesen Zuschuß will nun die Staalsregierung für den fakultativen Unterricht nicht mehr hergeben, und sie hat an die Geineiude die Anfrag« gerichtet, ob sie den obligatorischen Unterricht einführen wolle, da anderenfalls die staatliche Beihilfe in Zukunft wegfallen inttffe. Infolge dessen hat der Gemeindevorstand für die Einführung des obligatorischen Fortbildungs- Schulunterrichts ein Ortsstatnl ausgearbeitet und der Gemeinde- Vertretung vorgelegt. Diese hat jedoch in ihrer letzten Sitzung beschlossen, zunächst an die bctheiliglen Gewerbetreibende» des Ortes «ine Umfrage zu richten, u»l festzustelleu, ob diese ein Bedürfniß für die Einsührung des obligatorischen Fortbildungs-Schulunterrichts anerkennen. Es muß wohl bezweifelt werdeu, daß die„Gewerbetreibenden" im staube sind, diese Frage unparteiisch zu beurtheilen. Wird doch mancher Jnnungsbruder krank vor Aerger, wen» sein Lehrling vom Schraubstock oder auch vom Kinderwagen in die FortbildnugS- schule muß. Das Radwettfahren auf öffentliche» Straße» wird auf Weisung des Landraths Stubenranch jetzt im Kreise Teltow als ein Verstoß gegen 8 3 Absatz 2 der Polizeiverordunng über den Gebrauch von Fahrrädern auf öffentlichen Straße», Wegen und Plätzen vom 26. März 1893 augesehe» und dementsprechend mit Strafe belegt. Nachdem den Theil- «ehmern an der am 29. August stattgefundeuen Rundfahrt »m Berlin, soweit sie am Ziel von den dort postirten Gendarmen aufnotirt sind, bereits Strasbesehle in Höhe bis zu 30 M. zu- oegangen sind, ist nun auch gegen die an dem letzte» Wettfahren des Köpenicker Radfahrerklubs betheiligten Radfahrer Anzeige wegen Uebertretung obiger Verordnung erstattet. Der betreffende Paragraph lautet:„Uebermäßig schnelles Fahren, Wettfahren. Umkreisen von Fuhrwerken, Menschen und Thieren und ähnliche Handlungen, die geeignet sind, Menschen oder Eigenthnm zu gefährde», den Verkehr zu stören, oder Pferde und andere Thier« scheu zu machen, sind verboten." Ei» Stadtrath, der eS niit de» Nuternehuter» verdorben hat. Das Disziplinarverfahren gegen sich selbst hat Stadtrath S a m t e r in C h a r l o t t e n b u r g beantragt. Stabtrath Samter, besoldetes Mitglied des Magistrats, ist u. a. stell vertretender Vorsitzender des dortigen G e w e r b e g e r i ch t s Sein Amt als solcher läuft demnächst ab. Ein Anzahl von Arbeitgebern, die dem Gewerbegericht als Beisitzer an gehören, hatten eine Eingabe an den Magistrat gerichtet, in der sie um die Wahl eines anderen Stellverlreters im Vorsitz er suchten. Der Magistrat hat es abgelehnt, zu diesem Gesuche Stellung zu nehme». In der gestrigen Stadtverordnelen-Versaminlung stand nun die Besetzung dieses Amtes auf der Tagesordnung. Auf den Antrag des Stadtverordneten Meyer wurde die Wahl vertagt, nach dem Bürgermeister Matting mitgelheilt hatte, daß Stadlrath Samter das Disziplinarverfahren gegen sich selbst beim lliegierungs Präsidenten in Potsdam beantragt habe. In de» Kreisen der Arbeitgeber glaubt man. Stadtrath Samter eine B e g ü» st i g u n g der Arbeitnehmer vorwerfen zu können. Um die Grundlosig keit dieser Vorwürfe erweisen zu könne», hat sich Stadtrath Samter angesichts der Schwere derselben zu jenem Schritte entschlossen. Die zweite Abtheiluug der 3>/2prozentige>i Charlottenburger Stadtanleihe von 1895 im Betrage vo» 4 000 000 M. hat die Char- lotleuburger Stadtverordneten-Versaminlung gestern beschlossen, bei der von der Deutschen Baut mit der Nationalbank und Jakob Landau gebildeten Gruppe von Banken zum Kurse von 99,57 zu begeben. Zur Errichtnng eines KupferwcrkeS mit einem Betriebe von 600 Arbeitern hat ein Industrieller aus Frankfurt a. M. au der Spree in Spandan ein Gelände angekauft. Das Werk ist vor- nehmlich dazu bestimmt, den sehr bedeutenden Bedarf au Kupfer in den Mililärwerkstätten zu decken. Soziale Mechlspflege. Tic Firma„Typograph" engagirt häufig Schriftsetzer zur Ausbildung an der Setzmaschine. Beim Engagement theilt die Firma den Setzern mit, daß derjenige entlassen wird, der nach vier Wochen nicht ein gewisses Pensum leistet. Der Setzer H, der gleichfalls das Maschineusetzen erlernen wollte, wurde bereits nach einer Woche entlassen und klagte deshalb beim Gewerbegericht. Er verlaugte die Fortsetzung der Lehre oder eine Lohnentschädiguug für drei Wochen. Kläger nahm an, daß er auf vier Woche» fest engagirt sei; der Vertreter der Beklagten hielt ihm aber in der Verhandlung vor der Kammer VIII die Fabritordnuug entgegen, wonach die Arbeiter des großen Betriebes kein Aurecht ans eine Kündigniigssrist haben. Kläger erwiderte darauf, sein Lehrvertrag und nicht die Arbeitsordnung sei maßgebend. In ein bei der Ein- stellnng ihm vorgelegtes Buch habe er seinen Namen nur hineingeschriebeii, weil er nicht gewußt habe, daß er damit die Fabrikorduung anerkennen solle. Diese selbst habe er nicht gelesen und es sei ihm auch kein Exemplar ausgehändigt worden. Der Ge- richtshof unter dem Vorsitz des Assessors Meier wies indessen den Kläger ab. Das Schreiben.woriu ihm mitgelheilt wurde, es werde entlassen, wer nach vier Wochen das Pensum vo» 200 000 Buchstaben nicht erreicht habe, enthalte kein Engagement ans vier Wochen. Es sei viel- mehr nur eine Mitlheilnng der Vediugnngen, die die Beklagte be- lreffs der Arbeilsleistnng stellte. Nm Jrrtbümer zu vermeiden, empfehle sich allerdings eine Aenderung des Formulars. Was die Giltigkrit der Fabrikordnung angehe, so habe das Land- gericht eine Eulscheidnug der Kammer VIII des Gewerbegerichls b e st ä t i g t, wonach in Betrieben mit me h r als 20 Arbeiter» die Arbeitsordnung durch den bloßen Aushang für die dort Beschäftigten rechtsverbindlich werde, ganz u n- abhängig von der Unterschrift und auch ganz u n- abhängig davon, ob den betreffenden ein Exemplar der ÜIrbeits-Ordnung ausgehändigt wurde oder nicht. Die Bestimmung der Gewerbe-Ordnung, daß in solchen Be- trieben jedem Arbeiter beim Engagement ein Exemplar der Arbeits- ordnung einzuhändigen sei. sei nach jener Enischeidung nur eine Ordnungsvorschrift. Wie wäre es, wen» das Gewerbegericht in allen Fällen, wo gegen diese„Ordnuugsvorschrist" verstoßen wird, die Akten der Staatsanivallschast einreichte? Es wäre nur die einfache Konsequenz der obigen haarscharfen Auslegung des Wortlautes im§ i34a der Gewerbe-Ordnung. Dem Arbeiter„sein Recht", dem Fabrikanten die Strafe»ach Z 149 Nr. 7 der Gewerbe-Orduung! Vom Engageuikut im öffentliche» Fuhrwesen. Der Kutscher S. beanspruchte von Herrn Guise, dem Besitzer der Nachr omnibuffe, neben einigen Lohnbelrägeu eine Lohnentschädi- g n u g, indem er vor dem Gewerbegericht gellend machte, er sei nach der Lösung des Arbeiisverhältnisses neu engagirt und dann nicht beschäftigt worden. Er berief sich besonders darauf, daß ihni der Inspektor des Beklagte» eine» Schein zu dem Zwecke habe ausstellen lassen, sich voni Polizeipräsidium einen Fahrschein zu holen. In den: Schriftstück war vermerkt, daß man S. eine» Fahr- schein aushändigen möge, da er ein gesielt werde» solle. Hierzu sagte der Inspektor als Zeuge aus, er habe S. mit der Aus- sertigung und Anshändigniig des fraglichen Formulars noch lange nicht fest angestellt. Für eine» Betrieb, der zum öffentliche» Fuhr- wesen gehöre, könne ein Kutscher gar nicht engagirt werden, wenn er nicht im Besitze des Fahrscheins sei. Um diesen zu erlangen, brauche er aber wieder eine entsprechende Legitimation. Bor der eigentlichen Einstelluug des S. in den Betrieb habe Herr Guise angeordnet, daß Kläger nicht einzustellen sei.— Der Gerichtshof unter dem Vorsitz des Affessors Meier wies den Kläger ab. Unzweifelhast müsse ein jeder einen Fahrschein haben, der im öffentlichen Fuhrweseu beschäftigt werden wolle. Es sei deshalb auf grund der Zengenanssage anzunehmen, daß Kläger lhatsächlich noch nicht engagirt gewesen sei, als er den Schein mit dem Vermerk, er solle engagirt werden, erhalte» habe; vielmehr nahm das Gericht an, daß es sich nur um die nothwendige Vor- bcreitung eines Engagements handelte. Da jedoch die Worte: „soll engagirt werden", sehr leicht irrthiiinlich als«in vollendetes Engagement aufgefaßt werden könnten, so wäre dem Beklagten zu rathen, den Wortlaut jener Legitimationen zu ändern. Mit den Lohnforderungen wurde Kläger abgewiesen, weil er nach einem von ihm unterschriebenen ReverS an die Firma„keinerlei Forderungen mehr" hat. Ter Gastwirth Gebauer gab im Verlaufe eines Prozesses, den das Waschinädchen K. wegen einer L o h n e n t s ch ä d i g n n g an- zestrengt hatte, zu, dem Mädchen„einen Tritt aufs Hintertheil" ver- ctzt zu habe». Mehrere Zeuginnen bestätigten ihm, daß sich die Klägerin beharrlich geweigert habe, die Küche zu verlassen, worin sie nichts zu thun hatte. Von einer Entlassung sei nicht die Rede ge- weseu. Klägerin wurde von der Kammer VI, der Assessor Schinieder vorsaß, abgewiesen. Sie sei garuichl entlassen, wäre sie es aber, dann wegen ihrer Renitenz mit Recht. Und jeuer Fußtritt habe nicht entscheidendes Gewicht!! Gevidzks�eiknnjg. Ei» Fälscher, dem das Nachahme» von Schriftstücken zu ver- brecherischeu Zwecken zu einer Art Liebhaberei geworden war, wurde zestern der zweiten Straskanimer des Landgerichts I in der Person )es Mechanikers Friedrich B a n d e r m a n n vorgeführt. Der An- geklagte, welcher feit 13 Jahren bei der Firma Siemens u. Halste angestellt ist und ein geschickter Arbeiter sein soll, hat eine Meng« Betrügereien begangen. Im Februar vorigen Jahres ver- tarb der Schuhmacher Otto Treptow. Der Angeklagte besuchte änige Zeit darauf die Wittwe des Verstorbenen. Er legte ich einen fremden Namen bei und erzählte der Wittwe, daß hr Mann noch ein Guthaben von 900 M. bei seiner Firma habe. Ursprünglich seien es 1300 M. gewesen. Treptow habe aber etwa sechs Monate vor seinem Tod« 400 M. abgehoben. Wenn die Wittwe ihm eine klingende Belohnung und die Ausweispapiere des Verstorbenen geben könne, wolle er dafür sorgen, daß ihr das Guthaben bald ausbezahlt werde. Frau Treptow war so vorsichtig, beides abzulehnen, der Augeklagte erfuhr aber doch mehrere Daten über die Verhältnisse des Verstorbenen. Er fertigte dann einen Geburtsschein desselben mit dem ebenfalls nachgemachten Stempel seiner Heimathsbehörde an und ferner einen Kontrakt, wonach der Tischlermeister Otlo Treptow von der„Aktien- geseltschaft für Möbelfabrikation" als Werkfnhrer mit einem Monatsgehalt von 275 Mark angeiiouimen worden war. Mit diesem Kontrakt und der Geburtsurkunde begab er sich zu verschiedenen Schneidermeistern und bestellte sich Kleider, die ihm ans Kredit verabfolgt wurden. Bei einem Uhr- macher kaufte er eine goldene Kette für 85 M. und zahlie sie mit einem Wechsel, den er als Werkfnhrer Otto Treptow akzeplirte. Unter Aufwendung von großer Mühe fertigte der Angeklagte dann eine Anzahl Schlußscheine an, wonach er dem vereideten Makler Rudolf Epstein eine Anzahl Werthpapiere und Aktien zum Verkauf übergeben halte. Auch diese benutzte er, um sich Kredit zu verschaffen. Seine Ehefrau hatte ein nicht unbedeutendes Vermögen, bestehend in Werlhpapieren, eingebracht; der'Angeklagte hat es bis zum letzten Pfennig verspekulirt. Um sie zu täuscheu, versetzte er die Papiere durch gefälschte Schlußscheine. Bei dem Angeklagten wurde ferner eine ganze Anzahl gefälschter Sparkassenbücher gefunden, er wird sich dieserhalb demnächst vor dem Schwurgericht zu verantworten haben. Im gestrigen Termine war der Angeklagte im wesentlichen ge- ständig, er gab an, daß er sich für den Beruf eines Privatdetektivs vorbereiten und andererseits versuchen wolle, wie lange es wohl dauern würde, bis die Kriminalpolizei hinter seine Schliche käme. Der Vertheidiger regte die Frage an, ob es nicht geboten sei, den 'Angeklagten auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Ter Gerichtshof gewann aber die Ueberzengung. daß derselbe völlig ge- sund sei. Das Urtheil lautete auf ein Jahr Gefängniß und dreijährigen Ehrverlust. Die Heiligkeit de» Eigeuthnuts. Im vorgestrigen„Reichs- Anzeiger" wurde nachstehendes Urtheil des königlichen Amtsgerichts II zu Dillen bürg publizirt:„Auf Antrag der königlichen Amts- anivaltschast wird gegen die Ehefrau des Friedrich Brado von der Haigerhütte bei Haiger, jetzt mit unbekanntem Aufenthalt abwesend, wegen der Beschuldigung, am 22. Mai 1897, nachmittags 2 Uhr, im Distrikt 53 des Schutzbezirks Manderbach«ine halbe Welle trockenes Buchen- Leseholz entwendet zu haben, Uebertretung gegen § 1 Nr. 2 und§ 2 des Forstdiebstahls Gesetzes vom 15. April 1880, wofür als Beweismittel bezeichnet ist: Königlicher Förster Funke zu Manderbach als Zeuge, eine Geldstrafe von 1 M. subsidiär 1 Tag Gefängniß festgeselzt, auch ihre Verpflichtung zum Ersätze des Werthes des entwendeten Holzes mit fünf Pfennig an den Forstfiskus ausgesprochen. Zugleich werden ihr die Kosten mit 1,40 M. auf- erlegt. Der Ehemann der Verurtheilten, Friedrich Brado von der Haigerhütte, jetzt ebenfalls mit unbekanntem Aufenthalt abwesend, wird in Gemäßheit des Zille Forstdiebstahls-Gesetzes für denFall des Unver- mögeus der Verurtheilten für Geldstrafe. Werthersatz und Kosten für hastbar erklärt. Dieser Strafbefehl wird vollstreckbar, wenn die Beschuldigten nicht in dem ans den 28. Oktober cur., vormittags 9 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgerichte hierselbft in dessen Geschäftshause, Zimmer Nr. 3, anberaumten, eintretendenfalls zugleich zur Hauptverhaudliing bestimmten Termine erscheinen und Einspruch erheben. Diltenburg, den 25. August. Königliches Amtsgericht II." Eine Warnung- die für eine bestimmte Perso» gelöste» Wocheufahrkarteu der Stadtbahn nicht andern Personen zur Be- uutziiug zu überlassen, enthielt eine gestern vor dem Schöffengericht ver- handelte Betrngsanklage gegen den Kaufmann K. P. M ö s e r und dessen Lehrbnrschen Höflich. Letzterer wurde eines Tages von einem Kontrolleur der Stadtbahn niit einer auf den Namen des ersten Augeklagten lautenden und von diesem unterschriebenen Wochenkarle festgehalten und danach befragt, ob er der Eigenthünier der Karte sei. Er bejahte dies und nannte sich Möser, als dann aber eine Schriftprobe von ihm verlangt wurde, gestand er ein, daß die Karte seinem Chef gehöre, dieser sie ihm aber überlassen habe, nm eine Besorgung zu machen. Möser wollte glauben machen, daß er die Wochenkarte lhatsächlich für den Lehrbnrschen gekauft und nur irrthümlich nnt seinem Namen unterzeichnet habe, die Beweis- ausnähme entsprach aber dieser Behauptung nicht. Das Schöffen- gericht spwch beide Angeklagte des Betruges schuldig und ver- urtheilie Möser zu 30 M. Geldstrafe, H ö s l i ch zu einem Ver- weise. Ein etlvaS zu schuetdigcr Brief, den der jetzige Direktor des Münchener Volksiheaters Einil Drach au den Inhaber der Theater» Agentur Felix Bloch's Erben, Herrn C. Ritter, gerichtet, hat Anlaß zu einer Privalklage des letzleren gegeben. Herr Drach war mit dem Kläger in Differenzen gerathen und halte einen etwas deut- lichen Brief an ihn gerichtet. Er warf darin dem Adressaten vor, daß er sich„in unqualifizirbarer, tief unter seinen Lebensgewohn- heiten stehender Weise" betragen habe, er forderte ihn auf,„sich den Formen des normalen Umganges anzubequemen" und drohte ihm. daß sein Betragen in einer ersten Berliner Zeitung geschildert werden würde. Das Schöffengericht verurtheille den Briesschreiber zu 30 M. Geldstrafe. Aufgehobenes Urtheil. Ans Darmstadt wird berichtet: Im Wiederaufnahme-Versahren wurde der am 12. September 1896 wegen Sittlichkeitsverbrechens zu drei Jahren Gefängniß verurtheille Realgymnafial-Direktor Dr. I. Hahn zu Heppenheim für nicht schuldig befunden und freigesprochen. Zugleich wurde die Auf- Hebung des früheren Nrtheils angeordnet und die Kosten der Staatskasse zur Last gelegt. GetzverkMaftliches. Berlin und ttmgebnng. Bei der Firma Rösscman»». Knhncma»» haben gestern säinmtliche Former, auch die Maschinensormer, die Arbeit eingestellt. Die Firma verlangte die Anfertigung von Arbeit aus der Borsig'schen Fabrik, in der gegenwärtig die Former gleichfalls im Ausstand stehen. Nach dem Vorgehen des Verbandes der Eisen-Jndustriellen werden ini Laufe der nächsten Tage sänimtltche Former vor die Frage gestellt werden, ob sie die Borsig'sche Arbeit machen wollen. Laut Beschluß der letzten öffentlichen Versanunlung haben sich sämmt- liche Former verpflichtet, diese Arbeit zu verweiger», und da, wo solche angeboten wird, die Arbeit einzustellen. Zuzug nach Verliu ist streng fernzuhalten. Der Vertrauensmann. L. Müller. De» Gewerkschaft,!» dürfte zu ihren bisherigen Aufgaben halb noch eine weitere zufallen; sie werden Stellung zu nehmen haben zu den Z w a n g S i n n u n g e ii. Der kürzlich versammelt gewesene Ausschuß der Berliner Innungen hat sich bereits mit der Frage be- fchästigt; es wurde beschlossen, daß, sobald die gesetzlichen Vor- chriften in kraft treten, die Umwandlung in Zivangsiniiuiigeii von allen Innungen betrieben werden soll. Auch die Arbeiter werden 'ich wohl oder übel mit der Angelegenheit beschäftigen müssen. Den» o sehr sie auch die ganze Juiiungsbeivegung bekämpfe», so sehr sie überzeugt sein mögen, daß die„Organisation des Handwerks" dessen Niedergang nicht aufziihalten verniag, so wenig würde es im Interesse der Arbeiter liegen, wenn die klassenbewußte Arbeiterschaft sich den Bestrebiingen der Zünftler gegenüber gleichgiltig verhalten wollte. Die organisirten Arbeiter habe» im Gegentheil die Pflicht, in die Gesellenausschüsse hineinzugehen und zu suchen, ihreni Einfluß zu gniisteu der Bernfsgenofsen Geltung zu verschaffen. Verlöre» K i st e n m a Soztttles« Krankenkassen- Wesen. Der Allgemeinen Kranken- Unter- stütznngs- und Sterbekasse„Die treue Selbsthilfe"(E. H-) in Danzig. der Allgemeinen Arbeiter-Krankenkasse zu Diez(E. H). dein Allgemeinen Unterstützungsverein für Krankheits- und Slerbefälle zu Münster i. T.(E. H�). der Gegenseitigen Kranken-Unterstützungskasse in Rendsburg(E. der Handiverksgescllen- uud Lehrlings- Krankenkasse(E. H) zu Kettwig und der Allgemeinen Krankenkasse „Heimath" für den Polizeibezirk Siel(®. H) ist vom preußischen Handelsministerium die Bescheinigung crtheilt worden, daß sie, vor- behältlich der Höhe des Krankengeldes, den Anforderungen des§ 75 des Krankenversicherungs-Gesetzes genügen. Alters- und Invalide»- Versicherung. Der Minister des Innern und der Handelsminister in Preußen hatten durch Erlaß vom 24. April 1891 den Rcgiernngspräsidenten empfohlen, die unteren Verwaltungsbehörden zu veranlassen, von Zeit zu Zeit die für die Bewohner der einzelnen Kreise bewilligte» I n v a l i- d i t ü t s- und Altersrenten unter Anführung des Namens und Wohnortes der Empfänger an der Spitze des be- treffenden Krcisblattcs zu veröffentlichen. Dies Verfahren hatte in vielen Bezirken große Mißstimmung hervorgerufen. Die beiden Ministerien sahen sich daher veranlaßt, den Erlaß unterm 20. Juli 1893 dahin abzuändern, daß fortan von der Veröffent- lichung des Namens und Wohnortes der Rentenempsänger abzusehen und in den üblichen Zwischenräumen nur die Zahl der Renten- empfänger«nd die Beträge der ihnen gewährten Rente zu ver- öffentlichen seien. Jetzt haben nun beide Ministerien durch Erlaß von, 25. August d. I. verfügt, daß auch von dieser vereinfachten Veröffentlichung abzusehen ist, da die vom Reichs-Versicherungsamt in bestimmten Zeilabschnitten erfolgenden Veröffentlichungen genügend zweckentsprechend seien. Zu der VorbildnugS- und PriifungSorduung fiir die Gctvcrbe-AufsichtSbeamtc» Preußens bemerkt die„Soziale Praxis":„Einerseits wird nach den hergebrachte» Begriffen der preußischen Beamten-Hierarchie die Bedeutung eines Amtes dadurch gehoben, daß ein fester Prüfungsmechanismus fiir ihn hergestellt wird. Andererseits ist hiermit aber die ausschließliche Rekrntirung des Amtes aus dem Stande der Ingenieure, d. h. der Studien- und Slandesgenossen der Fabrikdirektoren, dauernd festgelegt und die verhängnißvolle Wendung, welche die preußische Gewerbe-Jnspektion durch die Berkoppelung mit der Kessel- revision erhalten hat, zum Abschluß gebracht. Die bisher ivenigstens ideell und rechtlich noch vorhandene Möglichkeit, geschickte Mitglieder freier Berussarten(z. B. A e r z t e) oder intelligente Ar- b e i t e r in maßgebende Stellungen der Gewerbe- Jnspektiou zu bringen, ist nunmehr in aller Form zur Unmöglichkeit gemacht." Die geprüften Heilgehilfe» beabsichtigen, eine Eingabe an die Reichsregierung zu richten, dahingehend, daß der Schutz des§ 147 der Reichs-Gewerbe-Ordnung auch auf die Heilgehilfen ansgedebnt und die Führung des Heilgchilfen-Tilels ohne vorhergehende staatliche Prüfung untersagt werde. Ei» Verbot an Komuiunalbeanttc, Lehrer zc., als Leiter von Konsumvereinen zu fungiren, hatte in Hannover der„Zeutralverband zum Schutze für Handel und Gewerbe" vom Magistrat verlangt, ist aber damit abgeblitzt. Der Magistrat er- widert«, daß er den Wünschen nicht entsprechen könne. Dresdens Schulwesen. Am 1. Juni d. I. gab es in Dresden 120 Schulen. Die Zahl fämmtlicher Schüler und Schiileriune» be- trug in Summe 54 205, und zwar wurden die städtische» höhereu Unterrichtsanstalten von 2926, die Bürgerschulen(10) von 7045, die Bezirksschnlen(25) von 28 231, das Ehrlich'sche Gestift von 253, die Staats-, Stiftungs- und Vereinsschule» von 2l60, die römisch- katholischen Schulen von 2585, sämmtliche Privatschulen von 2469. die Fortbildungsschulen von 3146 und die gewerblichen Schule» von 5390 Schülern besucht. Unterrichtet wurden die Schüler von 1963 Lehrern in 1843 Klaffen. Die Turnschülerzahl betrug 25 642. Durchschnittlich kamen auf einen Lehrer in den Bürgerschulen 33,55 Kinder, in den Bezirksschulen 47,13. Auf eine Klasse in den Bürgerschule» 32,62 Schüler, in den BezirkSschulen 40,97. SnbmissionSblüthc. Aus Bamberg wird berichtet: Die eisernen Geländer an den Quais sollen neue» Anstrich erhalte». Bei der erste» Submission stellten die größeren Meister Angebote von 30 bis 35 Pf. für den laufenden Meter; varausbin wurde eine zweite SubmisstonSverhandlnng anberaumt, bei welcher ein Kleinmeister sich erbot, den Anstrich um 5 Pf. auszuführen. Der Magistrat hat diesem den Zuschlag eriheilt. ihm jedoch auch das Recht des Verzichtes«in- geräumt, wenn er nicht aus seine Kosten komme. Verla unnlulsgen. Der Jnteresscnverei» der Bnchdruckerci-Hilfsarbciter hielt am Sonntag Nachmittag in Metzner's Saal eme Versammlung ab. in der vom Vorsitzende» Bleich beim Punkt„Geschäftliches" neben anderem die Arbeiiseinstellnng von 23 Mitgliedern der Mosse'schen Osfizin unterbreitet wurde. Zur Angelegen- heit Babing, die in letzter Versammlnng behandelt und im„Vorwärts" bereits erwähnt, erklärt er, daß der Vorstand bisher nicht bei der Geschäftsleitung vorstellig wurde, daß aber seitens der Kollege» von Bading eine Rcsohitio» beim Vorstände einlief, in welcher sich die in der Osfizin Bading beschäftigten Hilss- arbeiter verwahre» gegen die Ausführungen, welche einige Redner in der Generalversammlung vom 22. August gemacht haben bezng- lich der in genannter Osfizin angeblich bestehende» Mißstände. Sie verlangen daher, daß der Punkt nochmals auf die Tagesordnung gesetzt werde. Nachdem das Mitglied Franke eine» mit Beifall aufgenoinmenen Vortrag gehalten, zu dem eine Diskussion nicht beliebt ward, lrilt eine Pause zur Ausnahme von Mitgliedern ein. Unter Punkt Ver. schiedenes erklärt nun Jahns, daß er sich nicht wegen der Aushilfsarbeit im„Vorwärts" beschivert habe. Den damals ge- machte» Ausführungen eines anderen Redners habe er nicht ent- gegen treten können, wie das der„Vorwärts" wünsche, denn er hätte sich, wenn er zum Wort gekommen wäre, nur noch schärfer aus- sprechen müssen. Bald darauf sei er vom Arbeiter-Ausschuß zu einer Sitzung geladen worden und habe hier in Erfahrung gebracht, daß die Mißstände, belreffend Aushilfsarbeit, Waschgelcgenheit »nd Ventilation abgestellt seien. Immerhin sei»och ein großer Mißstand zu verzeichnen, dies sei die oft unwürdige Behandlung durch Herrn H« l l in a n», der in Grobheiten sich vieles leiste. Zu- treffend sei doch auch, daß Falzer als Maschinenarbeiter bei Bading Verwendung finden, dies dürfe man nicht beschönige», es stehen gc- nügend Arbeitslose zur Verfügung. Er habe ja das Vertrauen z»m Arbeiter-Ausschuß, daß alles geregelt»verde, eigentlich sei dies ja schon geschehen. Energisch müsse er sich dagegen wenden, daß man die Besprechung der Mißstände als eine» Akl der bewußten 6 Ent- lassenen hinzustellen versuche. Ein bedanerlichcrJrrllnnn liegeauchvor, indem eS heiße, Bading habe geäußert:„In seiner Osfizin könne jeder arbeiten— nur kein Sozialdemokrat." Diese Redewendung ist vielmehr Herrn Bading von einem s e i n e r A r b e i t e r entgegengehalten worden. I m g r o ß e n n» d g a n z e n m ü s s e e r erklären, daß ja alles geordnet sei; mit der Sache der Falzer und des Herrn Hellmann weide sich in nächsten Tagen eine öffentliche Buchdrnckereiarbeiter-Versammlnng beschästigen. S t e r n i tz k i: Uns wurde in letzter Versammlung das Wort abgeschnitten und waren»vir daruin außer stände, sofort zu demeuliren. Während Jahns bei Bading angestellt war, habe man von seiner rührigen Thntigkeit im Interesse der Kollege» behufs Ab- stellung von Uebelständen nichts empfunden, um so sondeibarer er- scheine es, daß er sich jetzt als berufen erachte, für seine Kollegen im„Vorwärts" eine Lanze brechen zu müssen. Jahns habe ja übrigens versucht, bei der Firma als Anleger wieder beschäftigt zu werden. K roh» betont, daß man bereits sich einig war, bei der Ge- schäftslcitung um Abstellung etlicher geringfügiger Uebclstände vorzusprechen, zu welchem Zivcck es jedoch einer Besprechung s ä m m t l i ch e r Betheiligten bednrfle, ivas während der Ferien aber unmöglich ging, da stets Arbeiter fehlten, denen seitens der Geschästsleitung eine Ferienpause bewilligt werde. Dies sei auch nunmehr bereits geschehen und iväre nicht unterblieben, ohne die Einmischung Jahns', der iveder einen Auftrag hatte, noch darum ersucht ist, vielmehr nur vom Hören- sagen etwas weiß; im übrige» schließt er sich den Aussührnngen des Vorredners an. Jahns bestreiiel energisch, daß er die-Schließung aller Fenster des Saales je verlangte, vielmehr bezog sich seine Forderung ans die eine Seite. Daß er sich bei Bading als Falzer anbot, treffe zu, ivas Man ihm jedoch nicht allzu hoch anrechnen möge, da für ihn schwer Arbeit zu finden; wenn er das that, geschah es im Interesse seiner Familie und in der Voraussicht, sich auch in Zukunft in gewerkschaftlicher und politischer Beziehung rege be- theiligen zn können. Im übrigen sei er der Meinung, durch sein Borgehen gleichfalls im Interesse des Arbeilsnachweises seiner Or- ganisatio» gehandelt zu haben. Ein weilerer Redner bemerkt kurz, daß die Verhältnisse bei Bading»vohl zur Kritik Veranlassung gäben, mancher wäre aus der Osfizin schon längst„raus", ivenn er Brot nicht so»olhweudig brauche. Franke: Eigenihümlich erscheine weiter, daß die Redaktion des„Vonvärls" von dem Bericht der„Solidarität" schon am Sonnabend, den 4. September, Kennlniß hatte, trotzdem das Organ der belheiligten Arbeiter erst am nächsten Sonntag erscheint. Hier nlüsse eine Durch- stecherei staltgefunden habe, die nicht energisch genug gerügt werden könne. Nachdem noch ein anderer Redner dem Jahns das Recht abgesprochen, im Namen seiner ehemaligen Kollegen zn handeln, wird Uebergang zur Tagesordnung beschlossen. Zur Slreikangelegenheit in der Osfizin Mosse beschließt man nach längerer, nnssührlicher Darstcllnng des Falles, die Ansgesperrlen mit 10,50 M. pro Woche zn unterstützen, zu welchem Zivcck jedes Mitglied eine wöchentliche Extrasiener von 50 Pf. zu leisten hat. Bon den arbeilenden Kollegen bei Mosse erwartet man, daß sie sich die Sammlung für ihre ausgesperrten Kollege» äußerst angelegen sei» lasse». Des iveiteren sollen Sammel- listen in Kreisen der graphischen Arbeiter zirknlire», welche Sammlung unter Leitung einer dreigliedrigen Kommission gestellt wurde. Anmerkung der R e d a k t i o». Das von dem Vor» sitzenden eingesandte Schreiben enthielt keine Berichtigung, sondern lediglich die Mitiheilimg, daß Jahns wegen Schluß der Redner« liste nicht habe zum Wort kommen könne». Was das�Schreiben von Jahns selbst anlangt, so hat derselbe in der Sitzung des Arbeiter-Ausschnsses der Bading'sche» Osfizin, zu der er eingeladen war, erklärt, er ziehe dasselbe zurück, da er die darin enthaltenen Ausführungen nicht mehr aufrecht erhalten könne. Ter vorstehende Bericht nun bestätigt lediglich unsere»euliche Erklärung, daß die gegen die Firma Max Bading mehr in allgemeinen Redeivendungen vorgebrachten Anschuldigungen über im Betriebe herrschende„Mißstände" unzutreffend seien. Auch die jetzt beliebte Umdrehung der Herrn B. in den Mund gelegten Aenßerung ist nebe» ihrer Sinnlosigkeit auch unwahr. Uns ist nur das Auf- treten des Herrn Jahns in dieser Versammlung»»verständlich. Seine Wichtigihnerei hat ihn zwischen zwei Stühle gebracht, und nun sucht er sich ans dieser fatalen Situation dadurch zu befreien, daß er den ohne jede Berechtigung inszenirten Krawall auf ein anderes Gebiet hinüberspielt, nämlich auf das Betragen des init der Leitung beaus- tragien Maschinenmeisters gegenüber de» Hilfsarbeitern. Die Ge- schäftsleitnng der Druckerei wird in der von Herrn Jahns für die nächste Zeit angekündigten allgemeinen Versammlung der Buch- drnckerei-Arbeiter Gelegenheit nehmen, dessen Koulissenarbeit und die Art, wie er die„Interessen" seincr Kollegen vertritt, näher zu be- leuchten.— Auf die Reußernng eines Redners wollen wir erkläre», daß uns und den bei der Firma Bading beschäftigte» Abonnenten der„Solidarität" diese regelmäßig am Abend des Tages vor ihrem Erscheinnngsdalum zugeht. Die genannte Zeitschrist wird jedenfalls am Sonnabend Mittag an die Abonnenten versandt. Nichtig ist die Behauptung, daß die Falzer an der Maschine verwandt würden. Das ist eine Vereinbarung zwischen Geschäfts- leitung nnd den Bclreffenden. Wollten die Falzer nicht an der Maschine abwechselnd arbeiten, nun so müßten eben von den Falzern 2 Mann mehr enllassen und dafür 2 Hilfsarbeiter neu angenommen werden. Es lag also weniger im Interesse der Firma, als der Arbeiter, wenn diese Vereinbarung getroffen ivurde. Sattler»nd Tapezirer. In der am 11. September im„Eng- lischeu Garten" stallgefuudenen Mitgliederversammlung des Ver- bandcs der Sattler und Tapezirer, Filiale Berlin I, hielt Herr Dr. S i l b e rst e i» einen sehr inieressanten Vortrag über:„Die Entwickeliing des Menschen". Eine sehr lebhafte Debatte entspann sich über den Antrag Rosenthal, dem Genossen Jahn die letzten Prozeßkosten auch noch zu bezahlen. Der Antrag wurde, wie schon einmal, abgelehnt. Des weiteren wurde getadelt, daß dem Vbrstand und Ausschußmitgliedern die Zeitung nicht mehr zugeschickt werde, trotzdem es doch beschlossen sei. Unter anderem wurde be- tannt gemacht, daß am 9. Oktober das Stiftungsfest stattfindet. Wrttrr-Proguose für Freitag, de» 17. September Ittv7. Nachts etwas wärmer, am Tage kühler, ziemlich trübe und regnerisch bei schwachen nordwestlichen Winden. Berliner W e t t e r b n r e a u. S. Wahlkreis. Mialdemokratischer Wahlvereln für den 2. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Soil,»tag, de» Ii». September: Familien-Attsflttg nach Schinargendorf Restaurcint Smissmici» Ruhlaerstr. 20. Zahlreicher Betheiligung sieht entgegen 236/18 Der Torstaml. KB. Für die Mitglieder gelangt für den Monat September die Broschüre über„Die materialistische Gefchichtsauifassmig" zur Ausgabe und ist dieselbe in allen Zahlstellen, sowie in der am Mittwoch, den 22. Sepiember, bei Znbeil, Lilidenstr. 106, stattfindenden Versammlnng zn haben. Achtmig! Maurer. Aliit'ttis! ISoniitaK, 19. September, vonnltt. lOVz Uhr, Im lern Palast, Bnrg- nnd Wolf&angstrassen-.Ecke: _ Anfterordentliche |S5P Mitglieder Uevsammlnng 5g der Filiale II. Berlin Zentral-Verband deutscher Maurer. Tages-Ordnuilg: 1. Die Bedeutung der Getverkschafts- Organisation. Referent Reichstags-Abgeordneter II. Flacher, 2. Diskussion. 137/14 3. Gewerktchastliches. 3111c Berliner Maurer sind hierzu eingeladen. veutsoker Holzarbeiter-Verband. Heute, Freitag, abends 8»/« Uhr, bei Cohn, Benthstr. 20,21: Ätzmig der Ortsverwaltung. TilÄzlev-Vevetn. Sonnabend, den 18. September, abends SV- Uhr, Melchiorstr. IS: IfplST' Versammlung."MW Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. Kadtkovi skl über: „Geschlechtskraillheiten." Vcrcinsangelegenheiten und Slusgabc der BiNets zum Stiftungsfest. DM- Sonntag, den 26. September: Hcrrenpartie. Abfahrt vom Görlitzer Bahnhof früh 7 Uhr 35 Minuten! vom Schlestichen Bahnhof 7 Uhr LI Minuten. Treffpunkt: Grünau. 188/7 Der Vorstand. Achtung, Zimmerer! Bereitt der Zimmerer Berlins nnd Umg. Sonntag, den 10. September, vormittags 10 tthr, In, Fokale des Herrn Cohn, Ileuthstrntiiüe Xo. 80/31: Mlitglirder-V-erfammlunig. Tages-Ordnung: 275/5 1. Bereinsangelegcnheiten. 2. Bortrag über die Ursachen der Arbeits- losigkeit im Baugewerbe in Berlin. 3. Diskussion. Zutritt zu dieser Versaminlung hat jeder Zimmerer, daher werden die Mitglieder ersucht, Kameraden, welche nicht organistrt sind, mit einzuladen. Die Kameraden, welche noch Billets vom Stiftungsfest in Händen haben, werden dringend ersucht, bis spätestens Sonntag, den 18. d. M., beim Komitee abzurechnen._ I» o r Vor h t a n d. Uerband d.Uergolder. Mouats-Versammlmtg am Montag, den 30. September 1807, abends gi/, Uhr, in den„Arminhallen--, Kommandantenstr. 30. Tagesordnung: 1. Bortrag über:„Die Arbeitslosen-Unterstützung." Referenten: Kollege p. HOpfncr und Fr. Ewald. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Vertrauensmänner werden ersucht, die Billets zu der am 10. Ottober siattfindenden BlatinCe in der Versammlung entgegeiizunehmen. azs/7 Der Vorstand. Facltverein d. Musikinstrumenten-Arbeiter Sonnabend, den 18. September, abends S1,, Uhr, tut Lokal des.Herr» Helfer, Orauieustraße 51: Vereins-Versammlung. T a g e s- O r d n u» g: 1. Vortrag des Genossen Wasncr über:„Der internationale Arbeiterschutz-Kvngreß in Zürich". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 143/6 Der Vorstand. Mbem- iniii AMttnr-Arbeittt M ArbeiteriNen! Am Sonntag, den 10. September 1807, nachmittags 3 Uhr. im Lokale des Herrn F. Wilke, AndreaSstr. 36; Oeffentliche Uersammwng. TageS-Ordilung: 1. Vortrag. Neserent: Kollege HUhaeh. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht 187/13 Der Elnhernrer� Or.Siminel.lrSlS. Spczialarzt f. Haut».Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonniagö 10-12, 2-4. Nollon Rcisekofscr, Regulatoren, VliUU, Kleidungsstücke, Operngläser, Wäsche, Gardinen spottbillig fpfandleihc Reanderstr. 6. 83/7 Verkin der KlUlstktions-Arbkitrr fämmtlichcr Branchen Berlins«nd Umgegend. Sonnabend, den 18. September, abends S'/a tthr, bei Ewald, Schönlcinstrasje 6: 557b Versammlung mt gemllth licht»! BWlllMtllsti«. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Wehrlc. 2. Diskussion. 3. Austiahine neuer Mitglieder. 4. Vereinssachen. 5. Verschiedenes. Männer als Gäste haben Zutritt. Um zahlreiches Erscheinen bittet er Vorstand. Freie Vereinigung der Bauanschläger Iterlin* und Fniffegcnd.- Sonntag, den 19. September, vormittags 10»/, Uhr. bei Dnake, Grcnadierstrasje 33:__ 34/6 VovsÄltttttlung. Tages-Ordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Verschiedenes und Fragekastcn. Die Mitglieder werden auf§ 8 aufmerksam gemacht. Der Borstand. Sonntag, de« 19. September, vormittags 11 tthr, im Lokale des Herrn Hllkrodt, Mnllerstraße 7: Große öffentliche Versammlung. Tagis-Orbiluug: 1. Die wirthschaftlichen Kämpfe der Gcgcnwart und was lernen wir daraus? Referent: Kollege Frleke(Dresden). 2, Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünltlichcs Erscheinen ersucht 126/6 Der Bertranensmann: N.»arh. WWgedeütscheli.Mrit. WchMrZ ohne Preiserhöhung auf Theilzahlung zu d. konlantest. Zahlungsbedingungen. Reparatur- Aeeftalt aller Systeme. s30S4ü* Kostenlose Abholung und Ziiscndnng. Aiiulneit& Landau, Kothrittg-r-Stratze 48, dicht am Zlosenthaler Thor. . Eck- Destillation verk. 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Dvbcritz, sage ich hiermit allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie dem Gesangverein Lhrania nnd meinen Kollegen von der Firma Ed. Büttner u. Co. meinen herz« lichstcn Dank. 568b Rudolf Kühnelt nebst Kinder». !»«»MM Kleine Wohnungen, freundlich und bequem, Fnrsteustraste 0, nahe Moritzplatz, sehr vrciswerth, zum 1. Oktober zu vermiethen. 367b Schläfst, v. Strauß, Ziminerstr. 88, H. 1 Tr. böob Auktion. Heute Freitag, nachm. 4l/z— 8 Uhr, versteigere Grase st r. 78 wegen voll- ständiger Ausgabe des Geschäfts der seit 8 Jahren bestehenden Firma Otto Weiß: Kolonialwaaren, Kaffee, Kakao, sämmtl. Weine, Liköre, Punsch u. s. w. sehr gtinstig für Private. H. Brandt, Auktionator, 566b Alilienstr. 14. Suche sofort einen Dirigenten sür Gesangv.„Weiße Rose 1"»Mitgl. d. Arb..S.-B.) zu Dienstag Abend. 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Blonsen aus Barchend, schöne Muster, Stück 85 Pf. Kleiderstoffe. CheTlot, reine Wolle, doppeltbreit, Meter..... 45 u. 60 Pf. CrOpe-Cbeviot, reine Wolle, doppeltbreit, Meter.... 75» Cheviot, reine Wolle, doppeltbreit, extra schwere Qualität, Meter 95„ Diagonal-Cheviot, 115 Gentimeter breit, reine Wolle, Meter. 1,85 Mk. Damen-Wäsche. Damen-Hemden aus Hemdentuch mit Spitze, Stück 55 Pf. nom An Uam<1 an iws Hemdentuch, mit reicher Damen-Hemden �ickerei, stück..... 98„ Damen-Jacken aus weissem Piqud-Barehend, Stek. 100„ Damen-Hosen aus Barchend, stock.... 70 ,, Leinen- und Banmwollwaaren. Tlsclifftclter, Orell-Gewebe, Stück..... 40 u. 70 Pf, Servietten, Hausmacher, schwere Qualität, Stück.. 18„ Elsasser Hemdentneh, stark u. feinfädig, Met. 18 u. 26 Plque-Barcheud, Meter....... 35.. ezüge und Bettlaken, fertig genäht. Bunte Bettgarnituren, bestehend aus 1 Deckbett und 2 Kopfkissen« M. zum Schnüren, Stück 3, IVIK. Weisse Bettgarnituren, bestehend aus 1 Deckbett und 2 Kissen,» rft vollkommene llvcltc 0,uU ,, Bettlaken aus schwerem Halbleinen, fertig genäht, Stück.. 1,25„ Inlett, vollständige Bettbreite, rosa und rosa gestreift, Meter. 68 Pf. Inlett, vollständige Kissenbreite, rosa und rosa gestreift, Meter 45„ Steppdecken an. rein tvolloncm Atlas Slltck 8,75 Mk. Portiären-Ketten|Cliinesisch.Ziegenfelle| flxminster Vorlagen Sttck 18 Pf.| Slück 1,80 Mk.| Stock 82 PL Veranlivortlicher ilicdaklcur: Zlngnst Jarobr», i» Berlin. Für de» JnseralentHeil verantwortlich: Tl>. Glocke in Berlin. Druck mid Berlag von Max»vading in Berlin. Dr. 217. 14. InljMg. 2. ftihjt iw Dmiirls" IttitilJ, IT.S�tdlilitt 1897. »»Gehvrmbitttdlcv". Benlhe». Obcrschlcs.. de» 14. Scplcniber 18S7. Gegen nicht weniger den» 108 Personen bcgmi» vor ctivn einein Jahre ein Vcrfnhre» wegen Verstoßes gegen dos Vereinsgesch. Gcheim- diindelei nnd zum lheil nnch wegen Betrug. Die Zahl Ivg schwolz schließlich nnf 14 zusammen nnd diese Hollen sich heule wegen der genannten Vergehen vor der Straskninnier des hiesige» Landgerichts zu verantworten. Heiler war es, daß der Staotsonivall einen der im Ziischaiierranm befindlichen zahlreichen Geheiinpolizisie», der ver sehenllich mit hinansgewiesen war. wieder hineinrnfen ließ, da er ans de» Verhandlungen lernen könne. Tie Verhandlung, die lim 9 Uhr vormittags begann, wird vom Lindlichicr Mieter geleitet, die Slaatsanwaltschast ist durch Staalsanivalt H e I b i g vertreten, während die Veriheidignng von Nechtsanivalt Freund hierselbst geführt ivird. Da viele der?ln- geklagten und Zeugen des Tentschen nicht i»äÄ)Iig sind, so ist auch ein Dolinelscher anwesend. Die Vorgeschichte des Prozesses dürste unfern Lesern geniigeiid bekannt sei». Die Vernehmung der Angeklagten ergiebt, daß Wahlamel nnd Tusker— die Hanplangeklaglen— nicht am Verein in Zaborze detheiligt waren. Beide Angeklagte betonen, daß sie keinesivegs Mitglieder für de» Verband der Berg- und Hütten arbciler geworben hätte», sie hätten vielmehr nur Aboiinenle» für die„Berg- nnd Hüttenarbeiter-Zig." geworben nnd den Abonnenten dieser Zeitung sei dann freier NechtSschntz versprochen worden, ähu lieh, wie bei den Zeitungen, die ihre Abonnenten gegen Unfall versichern. Voll dem»louatlich 40 Pf. betragenden Abönnements- gcld habe Tusker 10 Pf. für seine Beniühnngen erhalten, während das übrige an de» Verleger der Zeitnng gesandt worden sei. Bis jcht habe allerdings nicinand Rechtsschutz erhalten, weil noch niemand danach verlangt habe. Wer Mitglied des Verbandes werden wolle. sei darauf aufmerksam gemacht worden, daß das nicht ginge, da die Namen dann ans der Polizei angemeldet werden müßten nnd die Mitglieder dann blos Scherereien davon hätten; die Arbeitgeber erhielten dann Nachricht und die Entlassniig ans der Arbeit sei die Folge. Ueber die Bezahlung des Aboiniemenlsgeldes sei in Mitglieds büchern des Verbandes quittirt worden, damit die Abonnenteil einen Ailsweis gehabt hätte», wenn sie Rechtsschutz beanspruchten. Die Bücher seien benutzt worden, da vorläufig nichts anderes zum Quitliren zur Verfügung gestanden hätte. Es folgt die Vcrlesnng des Statuts des Berg- und Hütten arbeitcr-Verdandes, woraus sich ergiebt, daß bei demselben jede politische Thätigkeit ansgeschlossen ist. Ans zwei bei den Akte» befindlichen Briefen, die Watzlawek an den Vorstand des Verbandes gerichtet hat, ergiebt sich, daß er (Watzlawek) selber im Zweifel war, ob er Milgiied des Verbandes sei; außerdem ist von ihm den» Vorstande gegenüber der Wunsch der hiesigen Bergleute nach einer Unterftntznngskasse gellend gemacht worden. Der Vorstand des Verbandes hat darauf ansdrnchlich erklärt, daß die Leser der Zeitnng in Oberschlcsien keine Verbandsmitglieder sind. Auf weiteres Besragen erklärt der Angeklagte Tusker, daß in Benthe» von dein llieichslags-Abgcordneten Legicn ein Zimmer ge »liethet sei, wo einzelne Mitglieder verschiedener Verbände ihre Bei träge entrichteten. D i e V e r n e h in u» g der übrigen A n g e k l a g t e n er- giebt im wesentliche» das vorstehende Nesnllat. Einige der Angeklagten wußten aiigenscheinlich überhaupt nicht, um ivas c? sich gehandelt hat. So weint einer, daß er einen Prozeß mit einem Polizisten gehabt und da er gehört, daß Tusker eine Kasse habe, die freien Rechtsanwalt gewähre, so sei er der„Kasse" beigetreten. Ein anderer Angeklagter ist bald wieder ausgetreten, als er gemerkt habe, daß er durch das Lesen der„Berg« und Hüttenarbeiter« Ztg.' Mitglied einer sozialdemokratischen Kasse geworden sei. Die Zeugenaussagen gestalteten sich wie folgt: Polizei Inspektor Bender bekundete, daß er seinerzeit erfahren habe, daß bei Watzlawek Gelder abgeliefert würden. Er habe Hanssiichnng vor- genommen und unter einem Schrank Mitgliedsbücher des Berg- und Hüttenarbeiter- Verbandes gefunden, die er beschlagnahmt habe. Von Versammlungen weiß er nichts» außer von Holzarbeiter- Versammlungen. Der Vorsitzende erklärt ihm» daß letzlere gesetzlich zulässig und hier nicht in betracht kämen. Der kgl. Grenzkominissar M ä d l e r giebt eine Darstellung der Auflösungsgeschichte des Vereins in Zaborze und führt dann weiter aus, daß ihm verschiedene Mittheilunge» gemacht worden feie» darüber, daß im Kreise Beuthen eine Zahlstelle des„Berg- nnd Hüttenarbeiter-Verbandes" noch weiter bestände. Aus Zeche„Hohen- zollern" sollten sogar 200 Mitglieder sein. Zllsamnieukünste seien öfter gewesen in dem von LegieN gemiethete» Zimmer; was aber dort besprochen sei, wisse er nicht. Jedenfalls seien das aber Partei- Angelegenheiten gewesen. Mädler bekundet weiter, daß nach seiner Auffassung in Beuthen eine Zweigstelle des verbotenen Verbandes vorhanden ge- Wesen sei, da er noch einen Vereinsstempel vorgefunden habe. Tusker bemerkt, daß der Stempel nur zum quittireu benutzt worden sei. Der Maurer Sklarek sagt auS, daß bei Watzlawek mehr- mal? etwa 8 Personen geivesen seien, die Schnaps getrunken und Karten gespielt hätten. Tusker hätte stets Zeitungen und Bücher unter seinem Rock verborgen, mitgebracht und gesagt: Sie sollten auf Befragen sagen, daß sie keinem Verein angehörten, sondern Abonnenten der Zeitung seien. Tusker soll ferner gesagt habe», wenn jemand reinfallen würde, so würde er von Marknse-Dresden vertheidigt werden. Tusker habe auch vo» Unterstützungen gesprochen. Auf die Frage des Vorsitzenden erklärt der Zeuge, daß wohl gegen ihn ein Versahren wegen Meineids eingeleitet» aber eingestellt worden sei. Der Maschinenwärter Pyrochkalla sagt aus, daß bei Watzlawek auf Arbeitgeber und Polizei geschimpft worden sei. Auch sei davon gesprochen, daß viele Mitglieder dem Verein zugeführt werden müßten, damit ein sozialdemokratischer Abgeordneter gewählt werde. Der Zeuge meint weiter, daß er nur Abonnent der Zeitnng geivesen sei, später meint er jedoch, daß er dem Verband angehört habe. Auch sonst wiedersprach sich dieser Zeuge hänsig. Zeuge Invalide K l y ck hat zweimal bezahlt, weil er Rechtsschutz zur Erlangung einer höheren Rente haben ivollte. Die übrigen Zeugen geben nichts ivesentliches an: einige scheinen der Meinung gewesen zu sein, durch Zahlung des Aboiinements- betrages Mitglied eines Vereins zu werde». Daß die Angeklagten ihnen dies gesagt oder sie in dieser Meinung bestärkt hätte», dafür können sie Beweise nicht beibringen. Der Staatsanwalt beantragt znnächst gegen zwei auS- gebliebene Zeugen je 15 M. Geldstrafe und gegen den weiter ans- gebliebenen Zeugen Landrichter Below 50 M. Geldstrafe, da diesen bei seinen besseren Vermögensverhältnissen und seiner größeren Bildung noch eine höhere Strafe treffen müsse. Dann beginnt der Staatsanwalt sein Plaidoyer: Die Thatsache emer geheimen Verbindung sei gewiß kein leichter Fall, wenn auch der vorliegende keine„oauso o-lödrs" sei. Der Staat müsse jeden einzelne» Verein kennen, namentlich Ziveck und Ziele desselben. Wenn auch die Angeklagleu gegen das Gesetz verstoßen haben, der friedliche Bürger hätte deshalb ruhig schlaseu könne». Er sage dies, weil die sozialdemokratische Presse jedenfalls den Fall aufbauschen werde. Die Angeklagleu haben sämnillich einer Verbindung angehört, deren Ziveck vor der Staatsregiernng geheim gehalten werden sollte. Daß der Verein vor der Staatsregiernng geheim gehalten werden sollte gehe schon ans der nackten Thatsache hervor, daß der Verein der Polizei nicht angemeldet worden sei. Die Statuten hätten bei Watzlawek versteckt gelegen. Der Stempel sei schon von der aufgelösten Zahlstelle Zaborze, gebraucht worden, ebenfalls einige Mit- gl'edsl'äche'', was ans eine Forlsetzung des geschlossenen Vereins deute. Und nehme man das an, so sei auch ein politischer Verein vorhanden, da der geschlossene ein solcher geweseii sei. Die beiden ersten Angeklagte» hätten sich noch des Betruges schuldig gemacht, iiidcm sie unter Vorspiegelung falscher Thatsache» Milgtieder für den Berg- nnd Hüttenarbeiter- Verband geworben. Viele» sei vor- geschwindelt worden, daß sie Unterstützung erhielten in klingender Münze, und deshalb seien sie Mitglieder geworden. Er beantrage deshalb gegen die ersten beiden Angeklagten je 3 Monate 14 Tage Gcfäiigniß und gegen den dritten Angeklagten einen Monat Gefängniß. Gegen B r z o z a, der sich mit einem verbrecherischen Eiser der Sache angenonimcn, beantrage er 3 Wochen Gefängniß. Gegen die übrigen Zliigeklagten je 3 Tage, mit Aus- nähme von dreien, für die er Freisprechung beantrage. Der Rechtsanwalt führte in seiner Vertheidignngsrede ans, daß er init dem Staatsanwalt einig darin sei, daß der ganzen Sache nicht viel Bedeutung beizuincssen bei. Die ganze Anklage sei hinfällig mit dem Beweise, daß>» Beuthen keine geheime Fortsetzung des aufgelösten Zaborzcr Vereins sei. Was das eigentlich für ein Verein sein soll>e, dafür habe die Verhandlung nichts ergeben. Schon in der Anklageschrist steht, daß vo» dem Verein keine Lebens- regnng bemerkt sei. Dasselbe habe auch die Verhandlung ergeben. Daß der Stempel dein Verein in Zaborze gehört habe, bestreite er. Aber mich die Thalsache, daß er der gleiche ist, nnd die Qniltnngsbüchcr würde» nickt beweise», daß i» Beuthen eine Forlsctznng des ausgelösten Zaborzer Vereins bestanden habe. Es handelt sich'überhaupt um keiuen Verein; im schlimmste» Falle kalte man annehmen können, daß es sich»m Ansnalimen i» den Bochnmer Verein— am Sitz des Verbandes— gehandelt habe. Dies sei aber doch nicht strafbar.?tlles spreche dafür, daß hier kein Verein bestanden habe. Koimnt man zu der Annahme, daß kein Verein bestanden, so fällt von selbst die Anklage ivegcn Geheimbündelei und Versloh gegen das Vereinsgesetz. Auch von einem Betrüge könne keine Rede sein, da Zeugen doch bekundet hätten, daß sie auch beigetreten wäre», wenn sie leine Uuterstütznng erhallen hätten. Der Gerichtshof zieht sich zur Berathung zurück und fällt dann folgendes Urlheil: Die heutige Verhandlung hat sdaS Bestehen eines Vereins nicht feststelle» lönnen. Die zwei Haupt- Angeklagten hätte» eine Anzahl Leute geworben, denen eine Zeitung gegeben worden sei. Nicht erwiesen sei, daß ein Verein exislirt habe. Einige Personen haben einem Verein beitreten wollen, aber höchstens käme der Bochumer in Frage. Das Beitreten zudem- selben sei aber nicht strafbar. Fällt die Annahme einer Verbindung, so sei auch keine Fortsetzung und keine Geheimbündelei dabei; wcs- halb von diesen Anklagen alle Beschuldigten freizusprechen seien. Tusker nnd Watzlawek hälten aber auch den Leuten erzählt, daß der Bochnmer Verein außer Rechtshilfe noch Unleistühung gewähre, und das sei Betrug gewesen, weshalb gegen sie ans je einen Monat Gefängniß erkannt worden sei. Die ansgebliebeiien Zeugen erhielten je 10 M. Geldstrafe zu- diktirt, gegen den Landrichter Below wurde jedoch auf 30 M. Geld- strafe erkannt. Damit endet wieder ein Prozeß, i» welchem sich die politische Polizei sehr wenig Lorbeeren erworben hat. Die Verhandlunge» dauerte» mit geringen Unterbrechungen von morgens 9 Uhr bis nachmittags 4 Uhr. Vrvlnttttnlttttgen. In clucr öffciitlichc» verkainmlnng bor Ban-, Erd- und grwci blichen Hilfsarbeiter, die Sonntag Nachmittag in Hoff- inailn's Lokal in der Stlcxanderstraße tagte, wurden die schon so oft in Versammlungen, in der Fach- und Tagespresse gerügten Miß- stände auf Bauten scharf kritisirt. Hauptsächlich erfuhren die Zu- stände, in denen sich vielfach die Rüstnnge» bcsinde», eingehende Beleuchtung durch die einleitenden Darlegunge» G u t s ch's, welcher betonte, daß Bauarbeiter, die laut Z4 der Gew-Orb. mit verpflichtet sind, darauf zu sehen, daß Rüstzeug n. s. w. sich i» bester Ordnung befindet nnd de» betreffenden Polier ans Mängel anfmerkfani machten, einfach entlassen wurden. Erleiden Arbeiter jedoch Unfälle infolge schlechter und mangelhafter Rüstiingeu, so sind dieselben, ehe sie im Besitz der Unfallrente gelangen können, allen möglichen Chikane» ans- gesetzt, deren nicht geringste die Beschuldigung eigener Fahrlässigkeit ist. Die Kontrolle der Bauten und Rüstungen durch die Polizeibehörde genüge keineswegs. In einem Falle flog ein Bauarbeiter hinaus, der sich gestaltete, ans die Gefahr aufmerksam z» machen, die eut- stehen mußte durch die Verwendung von reiner Muttererde. Zu de» Gefahre», denen die Bauarbeiter stündlich ausgesetzt seien, soivie zu den kolossalen Ansprüchen, die an ihre Leistungssähigkeit gestellt ivürden, stehe der Lohn i» gar keinem Verhältniß. Es sei daher Ausgabe der Versammlung, eine Kommission einznsetze», die das Material über die Lohnverhältniss« und sonstige Mißstände ans de» Bauten zu sammeln haben. Das so geivonnciie Material soll statistisch verarbeitet werde» nnd, gestützt hierauf, sollen zu ge- eigneter Zeit Verhandlungen mit den Unternehmern angeknüpft iverden, betreffs Neuregelung der Löhne der Bauarbeiter. Sollte hier kein Erfolg zu erzielen fein, wolle man sich an Parlament und Kommune wenden, ivegen Ab- stellnng der Mißverhältnisse. Die Diskussion bewegte sich ein- müthig auf demselben Bode»; von seilen der Maurer wurde dieser Schritt der Bauarbeiter willkommen geheißen und der Vorschlag ge- macht, der zu wählenden Kommission auch die Beschäsligung mit der Submisfionssrage zu übertragen. Nachdem die Kommission a»S Gut seh, Karl Krüger und Brase zusammengesetzt worden war, beschloß die Versammlung der Anregung der Maurer gemäß. Ter Verband der Korbmacher hielt am 13. d. M. eine außer- ordentliche Mitgliederversammlung ab. Zum I. Punkt erstatteten einige Kollegen Bericht über die Situation in den Werlställen von Ancion u. Co.(Inhaber Starke) soivie von Schmidt u. Co., Kraut- straße, aus dem zu entnehmen war, daß dort trotz der Sperre fast alle Plätze besetzt sind und zwar arbeiten bei Starke 80 und bei Schmidt 37 Mm,m Es wurde beschlossen, die Sperre ausrecht zu erhalten und dies im„Vorwärts" 14 Tage unter Arbeilsmarkt zu annonciren. In Schöncbcrg fand am 13. September in der Schloßbranerei eine öffentliche Voiksveifaininliing statt, die sich mit den im Herbst stattfindenden ersten Wahlen zur Stadtverordneten-Ber- sanimlung beschäftigte. Das einleitende Referat hatte der Reichstags-Abgeordnele Z u b e i l übernommen. Der Referent er- örterte in längerer Rede das kominunal-politische Programm der Sozialdemokratie. In trefflicher Weise widerlegte er die Schmäh- artikel, die das„Schöneberger Tageblatt" gegen die Sozialdemo- kratie verbrochen hatte. Redner berührte sodann die Waisen« und Armenpflege und wies darauf hin» daß Schöneberg wohl unbedingt daran gehen müsse, ein eigenes Krankenhaus zu bauen. Wenn es auch nur gelinge, wenige Vertreter der Arbciler- schast ins Stadtparlament zu entsenden, so könnten diese doch manches Schlimme verhindern und Uebelstände, unter denen das Proletariat zu leiden habe, zur Sprache bringen.— Schubert bringt, nachdem er gegen das„Tageblatt" gesprochen, folgende Reso« lution ein:„Die heute, am 13. September, in der„Schloßbranerei" tagende öffentliche Volksversamnilung erklärt sich mit den Anschau» ungen des sozialdemokratischen Wahlkoniilees in betreff der Wahl- bezirke einverstanden; weist die Ansführnngen des„Schöneberger Tageblatts" in der Nr. 210 vom 8. September als den Thatsache» und der Wahrheit nicht entsprechend, energisch zurück und doku« mentirt auss neue ihren prinzipiellen Klassenstandpunkt, indem sie jedes Zusammengehen oder Paktiren mit irgend welcher Partei ablehnt." Obst« Schöneberg: Die Jugenderziehung ist eine Frage von größter Wichtigkeit für uns. Je dümmer der Mensch, ei» desto größeres nnd willigeres Ansbeutungsobjekt ist er für das Kapital. Zeige die Arbeiterschaft Echönebergs am Tage der Wahl, daß in den sozialdemokratischen Forderungen ihr Wunsch nnd ihr Wille zum Ausdruck kommt. Köster polemisirt gegen das Programm der „ilnabhängigen", die sich hinstellen und sagen:„Wir sind alle Ar- bester", ihn aber in einer Versammlung mit Knütteln bedrohten. K l e i» s ch m i e d berichtet näheres über die Versammlung der „Unabhängigen", in der Köster nnd er beschimpft worden seien. In seinem Schlußwort erwähnt Genosse Z u b e i l, man solle in gegnerischen Versammlungen beim Sprechen sehr vorsichtig sein, benii es könne leichl etwas ausgebeutet und falsch ausgelegt werden. Nachdem Genosse Meiling noch aufgefordert hatte, daß sich die Anwesenden an den Verbreitungen der Flugblätter eifrigst betheiligeu mögen, gelangt die Resolution zur Annahme und wird hierauf die Versammlung geschlossen. zc> I>»!I«r.K>id»»o«Mi>>l». Ter Unterricht beglnnt In Natlonatörononite, Veich»!»? und©efeij. Jfmitic am 13. Otioder, abends M Uhr, Hnsellir. 10, v. 2Tr. Thelluehmer werde» schon setz! mifnenommen I» sollende» Stelle»:(Dottfr. Schul«, Adniliailir. loa; Sie»!, Barulnislr.«3; Schiller, Nosenlhalerilr. 67; Meinert, Müllerslr. 7a: Paul Mücke, Mattleufselsir. 123: H. Nöilifts, Tlefsenbachftr. 30. Hille gttschrisien si»d an de» Toesitzeiide» Paul Mücke sr.. 80. Man- teiifselfir. 128, Eeldjendunge» a» de» Nassirer H. Könige, L. Diegeiibachstr. 30, zu sende». Ith- und viabutirlllnb«. Freitag. Nustlärung, abeudZ t Uhr, Sebastiansir. 72 bei Ferger.— z> i e tzg en. Wtesenstr. 83 bei Fritz Schröder.— Kart Marx, Mariendorfersir. 6 bei Grube. Arbeiter-Hänger b»nd Aeriin» nnd der Zlingegend. Vorsitzender Adolf Nrninan», Brunnenslrabe 160.— Alle Aendernngen im Bereinölalender sind zu rtchien an Fried. Korliim, Manlenfielstr. 60, v. 2 Tr. Freitag. Nebungsslunde abends 9—11 Nhr. Ausnahme von Milgltedern. C o l l e g t a, Adalberlllr. 21 bei Roll.— Kaiser'scher Männerchor, Schwedlerslr. 23'2t bei Werna».— Nord. Brnnnenstr. wo d. Ad. Neumann.— U n v er» a g l I, Melchiorstr. 16 bot Siehmann.— Treu und Sinigteit, vlixdorf. Bergstr. 2t bei Wutzler.— B n ch d t n d e r- M ä n n e r ch o r, Köpnickerslr. 68 bei Schöning.— Vereinte Sangesbrüder MoabtlS, Putiiitzsir. io bei I. Ptarr.— Weltenrul, Rosenthalerstrabe 67 bei Schiller.— Maiglöckchen, Lindowerstrab« 28 bei Sachs.— Li ein ü t b I i ch teit lPnher), Seydelsir. 80 bei Krüger.— Froh- H o s s n u n g sWest>, Pallasslrähe Nr. 16 bei A. Faller.— Morgenroih II, llharlonenburg, BISmarckstrahe 7« bei Krause.— Tnpographta, Veulhflrah« 20 bei Cohn.—(Eeorgina, Göriitzer- flrahe 62 bei Vogel.— Freundschafl, Brunnenstr. 160, Schnlz's Bierdaus.— A o r w ä r i S III, Friedrichsfelde, Lichlenberger Prtnjen-Ailee 6.— Niheingold, Meinsir. n bei Feindl.— St ose» thaler Vorstadt, Usedomstr. 88 tri Olböter.— M e Io d i a, mixdorf, Bergsir. 182 bei Thomas. — Iris, NaunlNistrahe 88 bei Streit.— Brandenburger Männer- Seia n g v e r e t», Biandenbnrg a. H., Bergsir. 6, Mengerl's VoilSgarien.— 8 t ber lö, Wrangelsir. 8« bei Ncdanz.— Vrüderschasi sHanidlener), Alte Fakodnr. 6«/65 bei(£. Lamprechl.— Freie Liederlasel. Sirauhberger- slrahe 3 bei Wwe. Röll.— Nordwacht, Chausseestrasie 72 bei Meißner.— Sä» gertreis s?!eu-We>ßensee). LanghanSNr. 88 bei Nendenberger.—<Ä e s e I l t g- teil Hennägsdvrs, Böhmerl's Gasthaus.— Eintracht III, Eberswalde. Eise»- bahnstraße 68 bei Hagewald.— Syrene, Nosenihalerslr. ö7 bei Schiller.— B ö l t e i s r ü h l ing sSinckateure), Oranienstr 10» bei Greiser.— Neue Feit, Romiiilerstr. 28(Ecke Sminemündersir» bei Schmidt.— Liederlranz, Brandenburg->. H, Bergsir. 8 lMeugert's Boltsgarlen).— Fr e th e t l s g Io ck en, Mörlherflr. 89 bei.Buchholz.— K Ii n g Nl ü l I er' s ch er M ä n n e r ch o r, Weibensce, Friedrichs!.«> bei Leuchienberger.— Treher'scher Gelang- v et etn, Weidenweg 22 bei Fialtowsl».—Echo III, Zehiendors, Machnower- iiraße 6 bei Tohrmann.— Karlhaus'scherKesangveret», Landsberger Allee 15« b-i Göbei.— Eichentran, II, Buttmannslr. 17 bei Paul Anders. Arbeiter- Di», icherbiind Derlino»,id der Il>»g»s»»d. Aenderungen im verein staiender find j» richte» an Hermann Braunschweig, DreSdenerstr. 80, 2. Hof. Freitag. Südost, Wienerstr.«8 bei Feiste. der geleüigen Arbeitervereine ArrtinO und Zimgegend. Vorsitzender P.(Sem, Dresdenersir. 107/108. Aenderungen den Vereinstalender b-lrefsend sind zu richlen an H. Bendlx, Alexandrtnenstr. wo. Freiing: Slai- Ilüb Einigtet«, Wolllnerstr. 46 bei Zugowsli. Oefang-, pur»-»nd geleliige Fitceine. Freitag. Athlelenoerein tetfensefi, Kranistr. 8 bei Böucher.— Tanziehrerverein S 0 i i d a r i t a i, Innenstr. 16.— Musilverei» Tusch, Uebungssiuude jeden Freilag, Bereinssitznng jeden Dienstag nach dem l. Langestr. 108 bei Nebelin.— Nanchtlub O h n e 8 wa na, SSctnUr 26 bei Spät.— T n r n v e r e t» Gesundbrunne». Abends von 8ji— loK Uhr: l. Männerabiheilnng Pantslr. 9-10.— Turnverein Osten, Blnmen- '"�elt�Ä Ficht., Ber, in. Abends von k— 10 Uhr: 2. Männer- Abstellung Stalitzerstraße 66—66.«. Männer- ablheilung Stcphonstraße 3. 6. Männerablheiiiing Ackerstraße 07. 6. Männer- ablbeilung Slalllchicibetfiraße 84. J. LehrUngsabthestung Friedenstraße 87. 8. Lchrlingsabiheiluiig Boeckhsiraße 21. 1. Tamenabtheilung Marwnnen- Ufer in.— Arbeite-Turn verein r d ort- Britz, 8. Schüler-Absti. von 6!(-8K. 8. Männer- und LehrltngS-Adlh. von 8X— 10* Uhr abends bei Hostmann, Bergsir. 161/152. � � � Arbeiter-Kteiiograplienvereii,..Stdlie", Lindenstr. 108 im Reflaurant Fritz Zubeil. Uebungsslunde 8-il Uhr abend«. Unierrichlsstund. jederzeit. Gäste erwünscht..„,.„„ Freie Bereinigung der Nändler>>nd Händlerinnen Her Ins und Um» geaend. Heute Abend 8 Uhr bei Scheere, Blumenstr. 88: Mllglieder-Bersammlnna. AUgenieine Kranlie»-»»d Kterbeliasse der Metallarbeiter,(E. H. 20. Hamburg). Filiale Berlins. Sonnabend, den 18. Sepldr., abends 8jj Uhr, bei Dlete, Ackerstr. 128: Mitglieder. Versammlung. Serliner Kra»Iie»-»lntcrstiitiN»g»- und Begräbnihvereln fiir Frauen und Zziädchen. Heute, abends 7-9 Uhr, bei Mehrwald, Alte Jatobstr. 54—66, -Zahladiiid. Daselbst werden auch jederzeit neue Miiglieder ausgenonimeu, Kerliner Arbeiierrertreter- Flereln lagt jeden Dienstag nach dem ersten im Monal bei B u s l e, Srenadicrsir. 88, abend« 8� Nhr. Unentgeltlicher Maitz ' Im Wiarden Kerlin«: Für Unfall-, Jnvalidiläis-»nd Aster«> verstcht- NIN«. abend« von 7-0 Uhr: W. B>1 ch h 0 l,, Husstlenstraße 36, v. 8 Tr. A. Taehne, Temininersir. 88, v. 8 Tr. K. Gutheil, Wiesenstr. 2Sa, von 8-3 Nhr abends. F. Pieichel, Gnrienstr. 56, v. 2 Tr. E. StmanowStt. Gartenstr. 78, Portal 2, 2 Tr. M. Stuhl»> a u n, Oderbergerstr. 37, 4 Dr., von 8-3 Nhr odcnds. R. Tamm, Huifstenstrasie 8, vo» 8-3 Nhr abend» A. B 0 i g t, Wiesenstraße 41-42. E. W a r» n. Koldergerslraße 7, von 8- 7 Uhr abends.— Nur für Jnvalidiläis- und Allersverslcherung: F. Blume, Sireiitzerstr. 68. P. N e i»> a n n, Bellermannsir. 88. F. Trapp, Schuistr. 68, pon 7—8 Uhr abends... Im ZIard-«sten! Nur für Jnvalidiläis- und AllerSverstcheruno' W. M 0 h s, Schönhauser Allee 82._ m. 3m«sten: Nur für JnvalldllälS- und«llersverstcherung! S. Bad» Gr. Fraulfnilerpr. 34. v. 4 Tr. Im Siid-Vsten- Für Unfall-, Jnvalldllül»- und Allersverslcherung Schailhoss, Mlchaelkli chslr.!8. Im Stideii: Für Unfall-, Jnvastdslät«- und Asteriverstcherung: F. Stügel IN a I e r, Grimmslrabe 39.— Nur für Jnvalidiläis- und AllerSverslchernng P. Keiler, Nlxdors, Paniersir. 63, Hof pari. Im Siid-Kiesteii: Nur für Unsallversichening: S. Hänel, Eolmistr.«4 Zm ziord-Weile»: Nur lür unfallverstcherung: I Krause, WilSnacker straße 19. M. Slephan, Lessingstr. 34. Im Zentrum: N»r für Uiisalsversicherung: E. Löfsler, Klostersir. 31, Bei sammtlichen vorgenannten Personen, bei denen hier leine Sprechzeit an» gegeben, ist dieselbe Wochentags von 7—0 Uhr. Briefkasten der Redakkion. Wir disten, bei jeder Ansrage eine Chiffre(zwei Buchstaben oder«in« gatzl) anzugeb««, unier ber die Anlworl eriheili werden soll. Tie juristische Sprechstunde findet am Montag, Dienstag und T(i n 11 a(1 e u d von 6 bis T1/« II h r statt!!! B. Gotthelf. Ihre„Baichiigimg" ist keine solche, sondern eine Polemik gegen A., mit der wir Sic ans Ihre Versammlungen veriveisen müssen. 2 Einsetzer. 1. Das JnmingS-Schiedsgericht ist zuständig. 2. Sie müssen sich an die bctrefseiide Jniimig wenden. 3. Ja. 4. Nein: spätestens innerhalb zwei Jahren.— Schulz. Leider steht wahrscheinlich eine der- artige Bestimmnug im Statut. Sie ist dann giltig.— E. S. it. Beant- worlcn muß', ein Zeuge die vom Richter an ihn wegen Bestrafung gestellte Frage. Will er solche Frage verhiudem, so ist es gut, vor dem Termin zu den Akten von der Strafe Mittheilmig zu macheu und zu beantrage», ihn dicscchalb nicht zu besragen.- Plori». 1. Die Bestimmuiiaen finden Sie S. lös des Arbeiterrechtö. 2. Die Berufsgenossenschast. 3. Der Fiuderlohn beträgt im laudrechtlichen Gebiet Preußens ein Zehntel des Werths der Sache nach Abzug der Ausgebotslosten. Nebersteigt der Werth 1500 M., so beträgt er löO Ü)i. und 1 pCt. des Ucbcrschusscs über 1ö00 M.— Zl. Nein. Die Nacht ist keines Menschen Freund. Sie haben Beide Unrecht. Richtig ist, daß der Hosprediger Frommel den Spruch als aus der Bibel staimnend in einer Predigt bezeichnete und daß ihn ein Zuhörer(in Karls- ruh) aus srincn Jrrthum hinwies und meinte, der Satz stainme aus Seume's Syrakuscr Spaziergang. Der Satz findet sich auch thatsächlich dort, ebenso bei Gellert. Er ist aber weder van Seuine noch von Geliert zuerst gebraucht, ist vielmehr ein Jahrhunderte altes Sprlichwort. Als Sprtlchwort wird der Satz bereits im lö. Jahrhundert erwähnt, z. B. in Fischari's Gcschichts- klitterung, in Shrach Matthesy, im Rollwagenbüchlein, dann im 17. Jahr- hundert von Giutcr(1612), Lchinaiui's Blumengarten(163»), Herberger (1612). Gryphius(1692), in Schmoltes Gesangbuch 171») u. a. m. Ein ähnliches Sprüchwort kennt die böhmische, die dänische, die holländische, die sxaiizöslsche(ln.nuib ir'n Point ä'-rimis), die englische(the night is a cloat for sinners) Sprache. Irrig ist die Annahme, daß diese pessimistische Anschauimg über die Nacht die alleinige sei. Reichliche Sprüchwörter besagen das Gegenlheil. Beispielsweise seien erwähnt„Die Nacht stärkt Fuß und Hand und schärft den Verstand",„Die Nacht hat soviel ihr' Freud' als der Tag",„Die Nacht ist die Mutter der Gedanken"„Die Nacht ist den Kranken zu lang und den Liebenden zu kurz",„Die Nacht ist eine Freundin der Diebe und der Liebenden" und zum Schluß Frischbicr'ö Zitat:„Gute Nacht schlaf wohl und nicht allein."— John, Charlottcuburg. Sie sind ver- pflichtet, Ihre Tochter noch länger in der Schule zu lasten.— O. Tl. In. fiftte bcu Inhalt der Inserate «berniinmt die Redaktion dem Pnbliknin genenüber keinerlei Acrnntwortung. tmaamamammmmm Thr�tev. Freitag, den 17. September. Opernhans. Der Evangelimann. Phantasien im Bremer Raths- kcller. Anfang 7 Uhr. Ochanspielhans. Die Einzige. Tanz- stunde. Allsaug 7Va Uhr. Deutsches. Die versunkene Glocke. Anfang 7Vj Uhr. Berliner. Tante Jette. Anfang 7V- Uhr. Goethe(früher Theater deS WestenS). DcS Meeres und der Liebe Wellen. Anfang TV, Uhr. Lcssing. Die goldne Eva. Thalia. Der Mann im Monde. An- Friedrich-'sÄ, Helm städtisches. Das Käthchen von Heilbronn. Luise». Geschwister Fiebig. Anfang 8 Uhr. Neues. Abrechnung. Anfang 7r/, Uhr. Residenz. Die Einberufung. An- fang 7iA Uhr. Ostend. Jngendvronnen. Anfang 8 Uhr. Ecntral. Berliner Fahrten. Anfang 7V- Uhr. Schilter. Die Kreuzclschrciber. An- fang 8 Uhr. Unter den Linden. Urlaub nach dem Zapfenstreich. Fritzchen und Lieschen. Die Insel Tulipatan. Anfang 7r/2 Uhr. Mlexanderplah. Das LiebeSdrama einer Sängerin. Anfang 8 Uhr. Belle-Zllliance. Spezialitäten. Auf. 6 Uhr. «Polio. Spezialitäten. Ans. V-8 Uhr. Passage> Panoptikuni. Indisches Dorf. (Wallner-Thcater). Freitag, abends 8 Uhr: Die Kreuzel- schrciber. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Ge- fchivister. Hierauf: Clavigo. Sonntag, nachm. 8 Uhr: Romeo »nd Julia. Abends 3 Uhr: «inder der Excellcnz. Die Iriusen-TIlöirter 34. Rcichcnbcrgerftraste 34. Novität! Abends 8 Uhr: Novität! Geschwister Fiebig. Sonntag Nachmittag 3 Uhr: 3, Volks-Vopstcllnijg: «nter Regie von Jnlins Tttrk. Egn,onk. Bon I. W. von Goethe. Sophie Bnrska vom Kgl. Schau- spielhause als Gast. Montag, den 20. September, abends 7Vz Uhr: 2. Gastspiel von Sophie Bnrska. s.Volkövorstellung: Egmont. Billets in den bekannten Geschäften. Osteitd-Theater. Gr. Franksurterstr.lZL Dir. G.BScisi. Freitag, den 17. September: Novität! Zum 1. Male: Novität! Jttgendbrottnen oder: Nctv-Rummelsbnrg. Burleskes charakteristisches Zeitgemälde mit Gesang und Tanz in 4 Attcn von E. Tschirch und O. Berg. Musik von Gustav Steffens. Anfang 8 Uhr. Im Tunnel von 7 Uhr an: Grobes Frct-Konzert. Morgen: Dieselbe Borstellung. Sonntag: Nachmittags-Vorstellung zu halben Preisen: Berlin, wie e< weint und lacht. Anfang 8 Uhr.— Abends 7Vj Uhr: Jngendbronnen. Viktoria-Brauerei liiUzow- Strasse 111/112 nah« Potsdamer Platz. - Letzte Woche' er täglichen Soiree» Heate: Steißner Säuger lMctzsel. Pietro. Britto». Steidl. Krone. Röhl, Schneider und Schräder.) Grosiartiges Programm. Unter anderem: voltlene lHoelizelt. S t r a»u p e 1 1» r ii«1 e r. Ensemble von Meysel. Anfang 8 Uhr. Entrce SV Pf. Borverkauf 40 Pf.(Siehe Plakate.) Alcazar VariÄtfi-Theater I. Ean/res. Dresdenerstrabe 52/58(City-Pastage) Annenstrabe 42/43. Direktion Richard Winkler. Vornehmster Familien- Aufenthalt. Novität! Novität! Die Rosen ans dem Süden. Grobe Ausstattnngsposte mit Gesang und Tanz in l Akt von W. Gertcke. > Borher: Neu! B e r m i s ch t e s. Neu! Posse mit Gesang in 1 Akt v. R. Jonas. Anftr. eines durchweg neuen glänzenden Knnstler-Spezialitäten-PersonalS. Achez: sÄS*? 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Karten zur Extra- VorBtellnns am 26. September: Nathan der Weis© sind nur in folgenden Zahlstellen zu haben: Ass.: W. Klietmann, Brimnenstr. 102; Krech, Rest., Chausteestr. 04; «B. Knapp, Grünthalerstr. 5; E. Schmidt, Tresckow- und Diedenhosener-, strabe-Ecke; E. Dicke, Ackerstr. 123. KO.: W. Schrotte, Landwchrstr. 3. X4V.: Zl. Schiefcl, Gotzkowskystr. 4; t». Eckcrlein. Lünebnrgerstr. 0. Hof linkS 2 Tr. SW.: H. Landgraf, Neuenvnrgcrstr. 15;(?. Werling, Zostenerftrabe 32. 8.: H. Bobfien, Kommandantenstr. 02; Arbeiter- Konsnmgen.„Befreiung-, Kottbuserstr. 11, Hof pari. 8D.: H. Kans- hold, Mclchiorstr. 3. 1 Tr.; Xh. Stampchl. Mariannenstr. 20; H. Köhn, Nauiiynstr. 83; L. Rau. Mariannen-User 2. D.: C. Onarder, Wallncr- Theaterstr. 17, IV; A. Wendisch, Fruchtstr. 54. Zll hieser Extra-Vorstellnilg hubtil auch Gäste Zutritt. 152/4 I. A.: Ad. E tfhr, Kasstrer, Ackerstr. 40 II. Louisen-Theater. Sonntag, den 19. September, nachmittags 3 Uhr; Volks-Vorstellung unter Regie von Julius Türk. von Goethe, Musik von BeethOTen. Unter Hitwirkung der gesammten Kapelle des Louisen-Theaters. Clttrchen: Sophie Bnrska._ Oscar Amolfi, Hut-Engroslager Oresdsnerstr. 116. I»m Or&mcnplatx(kein Laden) Hänzelverkaaf reeller Waai-en zu ---l'.—— fngrospreieen(PMlhio�aKen fuhr» nicht). Herrcnhät«, weich a 1,2b 1,50 2,- 2,50 3.— 3,60 n. 4,— do.»teif.......» 2— 2.50 3,— n. 3,50 do. lt. Haarlil*...» 4,50 5,— 6,— u. 7,— Cylinderhüte...... t 4,— G,— 7,50 9,— n. 11,— Herren-Mützen.. t 0,85 0,40 0,50 0,60 0,75 bis 2.50 Kinder-Mützen.......» 0,50 0,60 0.75 bis 2,50 Kindern. Conflrmandeuh.»0,75 1,— 1,25, 1,50 2,— n. 2,50 I Welche Damenhüte, leichte Eeisehüte, Lodenhüte, — Chapeanx claqnes. 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