Cinzelpreis 30 Pfg. 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint morgens und nachmittags, Sonntags und Montags nur einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Buftellung ins Haus für Groß- Berlin 10,-. im voraus zahlbar. Für Boftbezug nehmen fämtliche Boftanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschs land und Defterreich 18,- m., für das übrige Ausland 24,50 M. zuzüglich Baluta Aufschlag, per Brief für Deutschland und Desterreich 36,- Mark. Redaktion, Expedition und Verlag: Berlin C2, Breite Straße 8-9. Donnerstag, 28. April 1921 Nummer 194 • Morgen- Ausgabe Die achtgespaltene Nonpareillegeile oder deren Raum koftet 5,- M. einschließlich Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2,- M., jebes meitere Wort 1,50 M. einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif." Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 m., jedes weitere Wort 1.-M. Fernsprecher: 3entrum 15230-152 39 greiheit Berliner Organ Der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Amerika verhandelt mit den Alliierten England wartet ab- Der französische Widerstand ·- Die Die Rede Breitscheids im Reichstag London, 27. April. Wie Reuter aus Washington meldet, hat die amerikanische Regierung bis heute mittag teine von ermächtigter Seite hers rührende Benachrichtigung über die Haltung der Alliierten ers halten. Unzweifelhaft wird das Staatsdepartement den Empfang einiger Angaben über die Annehmbarkeit der deutschen Gegens vorschläge a b warten, che es nach Berlin eine Antwort erteilt. Ergänzungen? Paris, 27. April. Wie Chicago Tribune" aus Washington meldet, herrscht in wohlunterrichteten Kreisen volles Vertrauen, daß der gegenwärtige Notenaustausch über das ergänzende | Sicherheiten begeben. Die Note rechtfertige vollkommen die vor ihrer Bekanntgabe von Briand gemachten Erklärungen in der Rammer und stärke den Willen Frankreichs, die Leiter der deutschen Politit zur Vernunft zu bringen. Das Pariser Gewerkschaftsblatt Le Peuple" schreibt, das deutsche Angebot stelle nach seiner Ansicht eine nügliche Diss tussionsbasis dar; vielleicht würden die Pariser Chauvinisten vor der Bruttozahl von 50 Milliarden Goldmark augenblidlich zurüdschreden, eine einfache Berechnung zeige jedoch, daß das, was Deutschland übermittle, das, was Simons in London anbot, um vieles übersteige. Das Blatt fragt deshalb, ob man unter diesen Umständen sich weigern fönne, dieses Angebot zu disku tieren und zu prüfen. des linken Rheinufers(?), die doch im Friedensver trag von Versailles ausdrücklich vorgesehen ist. Zum Ausgleich für diese Vorschläge beansprucht Deutschland, aller seiner übrigen Verpflichtungen für Reparationszwede los und ledig zu werden. Mit der einen Sand bietet es weniger, als es uns schuldig ist, um mit der anderen Hand gleichzeitig mehr zu nehmen, als seine zukünftigen Zahhingen ausmachen würden. In dieser halbamtlichen Auslassung wird also in schroffster Form der deutsche Vorschlag als geeignete Unterlage für Verhandlungen abgelehnt. Dabei werden die deutschen Vorschläge, die durchaus elastisch sind und sich den Pariser Vorschlägen weitgehend nähern, einer völlig unzutreffenden Kritik unterzogen. Es ist offensichtlich, daß die französische Politik sich vorläufig in ihren eigenen Drohungen gefangen hat, und das erschwert außerordentlich. Deutsche Angebot zu einem Uebereinkommen führen Noch keinen Schritt weiter erorbentiert natürlich die Löſung der Kriſe ganz werde. New York, 27. April. Während New York Tribun" das deutsche Anerbieten lebiglich als Londoner Anerbieten in anderer Gestalt und als stümperhaften Versuch, den Vertrag zum Scheitern zu bringen, charakterisiert, meint„ New York World", das Anerbieten verdiene die gründlichste Prüfung. Abwartende Haltung in England London, 27. April.( Savas.) Nach Mitteilung aus zuständigen englischen Kreisen ist die Stellungnahme der englischen Regierung hinsichtlich der neuen deutschen Note durchaus abwartend. Bor allen Dingen ist der Wortlaut der Note noch nicht von dem amerikanischen Staatsdepartement übermittelt worden. Der einzige Text, ben man besitzt, ist die Uebersetzung der Berliner Beröffentlichung. Man hat tatsächlich aus Washington bisher noch feinerlei Nachricht in dieser Hinsicht erhalten. Die Borschläge, die biss her bekannt geworden sind, sind in bezug auf die Sicherheiten zu zweidentig, und diese Zweibeutigkeit macht weitere Erklärun gen unbedingt notwendig. Es wurden deshalb auch bereits Schritte unternommen, um diese Erklärungen jobald als möglich zu erhalten. Aufflärungen find vor allen Dingen in bezug auf den ersten Paragraphen notwendig, denn allem Anschein nach legt Deutschland feinerlei Zeit fest, innerhalb deren die Jahresraten bezahlt werden müssen. London, 27. April.( Reuter.) Das Kabinett hat die beutschen Reparationspot Jhläge heute vormittag beraten. Belgien im Gefolge Frankreichs London, 27. April.( Reuter.) Der belgische Minister des Aeußeren, Jaspar, wird bis nach bem Zusammentritt des Obersten Rates in London bleiben. Er erklärte, Belgien tönne den deutschen Vorschlag, der nicht auf bem Pariser Uebereinkommen basiert sei, nicht annehmen. Seiner Meinung nach ist die letzte deutsche Note fein wirt. licher Fortschritt. Jeber Borschlag aus Berlin müsse auf ben Pariser Bedingungen basiert sein. Loucheur wohnte heute einer Zusammenkunft der Reparationsfachverständigen bei, die den deutschen Vorschlag prüften und der Meinung sind, daß er den französischen Forderungen in seiner jegigen Form nicht zu entsprechen vermag. Loucheur sieht die beutsche Note nicht als ernsthaft an. Englisch- französische Pressestimmen Llond Georges Organ, der Daily Chronicle", bezeichnet bie neue deutsche Rote im Gegensatz zu den vorhergehenden er= wägenswert. Die Times" dagegen finden die Note in vielen Punkten untlar und meinen, sie schaffe absichtlich oder unabsichtlich eine neue Gelegenheit für die deutsche Verzögerungstaftit, die sich zwei Jahre lang erfolgreich bewährt habe. Die Vorschläge seien eine Art Kompromiß zwischen ben Pariser und Brüsseler Zahlen und den Londoner Vorschlägen von Simons. Sie leien aber nicht so lächerlich wie die Ichteren und nähern sich dem, was die Alliierten verschiedentlich als Minimum bezeichneten. Der Paragraph, in dem die deutsche Regierung sich bereiterkläre, eine Milliarde Goldmark zur Ber fügung der Reparationstommiffion zu stellen, fei ein deutliches Zeichen für den guten Willen, in der Wiederherstellungsfrage rasch zum Ziel zu fommen. Er sei ein erster Schritt in guter Richtung. Der Berliner Korrespondent der„ Times" meint die deutIchen Vorschläge mit der Lösung der oberschlesischen Frage in Zusammenhang bringen zu sollen und behauptet, die beutige Regierung würde nicht unterschreiben, bevor die oberSchlesische Frage nicht in ihrem Sinne gelöst fei. Die Pariser Bresse verhält sich zu den deutschen Vorschlägen, bie noch nicht offiziell veröffentlicht wurden, sehr ablehnend. Der Temps" sagt, die deutsche Note enthielte nur unbestimmte Borschläge und würfe den ganzen Friedensvertrag von Versailles um, die Alliierten würden, wenn sie darauf eingingen, sich aller Reichstagsdebatte über die auswärtige Politik Bis zur Stunde liegen feinerlei entscheidende beglaubigte Meldungen über die Stellungnahme der Vereinigten Staaten vor. Insbesondere ist bisher feine Rückfrage der amerikanischen Regierung bei der deutschen eingetroffen. Dagegen liegt folgende private Information aus Washington Dor: Wie der Vertreter des„ United Telegraph" erfährt, dürften die Bereinigten Staaten an Frankreich das Ersuchen um einen Aufschub der Besegung des Ruhrs gebietes richten, falls England und Italien einer französischen Ablehnung der neuen deutschen Vorschläge ihre Unterstügung verjagen sollten. Wenn das Staatsdepartement von den Regierungen Englands und Italiens eine Andeutung erhielte, daß diesen eine Ges Tegenheit zur Erörterung des neuen deutschen Angebotes erwünscht sei, so würden die Vereinigten Staaten wahrscheinlich bei Frankreich vorstellig werden, daß dieses seine Truppen jolange nicht marschieren laffe, bis ein neuer Versuch zur Erzielung einer Verständigung gemacht sei. Aber auf der anderen Seite müßten sich auch in Frankreich alle Kreise, die nicht die Befriedigung einer reinen Prestigepolitik oder die Erfüllung gewisser rein militaristischer und annexionistischer Ziele erstreben, doch sagen, daß die Gewaltpolitik immer ein sehr schlechtes Ge. schäft ist und daß die Befriedigung der dringenden finanziellen Bedürfnisse, die Wiederherstellung des zerstörten Gebietes durch eine Bereinbarung mit Deutschland ungleich schneller und sicherer zu erzielen ist, als durch den Vormarsch der Armeen. Es ist möglich, daß diesen Kreisen, die im Moment durch die unglückselige Entwicklung und durch die zögernde und falsche Politik der deutschen Regierung, vor allem in den letzten Monaten, immer mehr zurüdgedrängt wurden, eine englische und italienische Unterstützung der amerikanischen Vermittlung im Grunde genommen nicht ganz unerwünscht wäre. 會 Die Fehler der deutschen Regierungspolitik, die zur Zuspigung der internationalen Krise beigetragen haben, wurden gestern im Reichstag in der Rede Breitscheids einer scharfen und treffenden Kritik unterzogen. Darüber hinaus entwidelte Breitscheid in seiner wirkungsvollen Art unsere grundsägliche Stellung zu dem ganzen Wiederguts machungsproblem. Er wies auf die Notwendigkeit hin, daß, folange das tapitalistische Machtsystem noch nicht überwunden ist, es unsere Aufgabe ist, unseren Einfluß einzusetzen, damit die tapitalistische Lösung der Arbeiterschaft möglichst wenig Schaden zufügt, daß aber, wie immer die jetzige Krise auch ausgehen würde, die Heilung der Kriegsschäden erst durch die Erstarkung der sozialistischen Internationale und durch die Machtergreifung des Proletariats erfolgen könnte. scheinlichkeit. Sie zeigt zugleich, daß die Entscheidung außer Diese Nachricht entbehrt nicht einer gewissen inneren Wahrbei den Vereinigten Staaten vor allem bei England und Italien liegt. Da ist es nun wichtig, daß auch nach franzöfischen Berichten die Stellung der englischen Regies rung, in einem gewissen Gegensatz zu dem schroff ableh nenden französischen Verhalten, zumindest eine abwartende ist. In London scheint man vor allem eine genauere Präzis fierung der Vorschläge für erwünscht zu halten. Damit wäre die Möglichkeit für eine vermittelnde Tätigkeit Ameritas und für den Beginn von Erörterungen gegeben. Eine ähn liche Haltung darf man wohl bei der italienischen Regierung vermuten, obwohl diese durch die Tiroler Abftimmung gerade in dieser kritischen Zeit in einen schärferen Gegensatz zu Deutschland geraten ist. Jedenfalls hängt von der Stellungnahme dieser beiden Mächte zuletzt auch die Halflingende Phrasen zu gebrauchen. Allmählich scheint auch tung der Vereinigten Staaten ab. Denn die amerikanische Regierung mag unter Umständen der französischen Politif der Besetzung um jeden Preis entgegentreten wollen, wenn diese auch von England und Italien nicht restlos unterstützt wird. Aber sie wird sich wohl taum mit allen Ententemächten in Widerspruch sezen wollen. In Frankreich aber steht man sowohl der amerikanischen Vermittlung als auch jeder neuen Verhandlung völlig ablehnend gegenüber. Nach der Rede Briands verbreitet jetzt die Agence Havas, die offizielle Telegraphen agentur, folgende Mitteilung: Die zuständigen Kreise erklären die neuen deutschen Gegenvorschläge, wie sie durch ein Havastelegramm betannt gemacht worden sind, für vollkommen unannehm= bar. Das Außenministerium ist amtlich von diesen Vorschlägen noch nicht in Kenntnis gesetzt worden, die teine Unterlage für eine förderliche Wiederaufnahme der Unterhandlungen bieten. Die von der Reichsregierung zu Reparationszweden angege benen Zahlen sind durchaus ungenügend, da sie um mindestens 100 Milliarden hinter den Summen der Pariser Abmachungen. zurüdbleiben(?), die von den Verbandsregierungen als Mindest forderung betrachtet werden. Deutschland will sich wohl verzahlung von einer Milliarde Goldmart zu zahlen, es vergißt aber pflichten, innerhalb einer Frist von drei Monaten eine Abschlagsvollständig, daß noch ein Restbetrag von 12 Milliarden Goldmark aussteht auf die am 1. Mai fällige erste Rate von 20 Milliarden Goldmart. Andererseits schlägt Deutschland vor, sich an dem Wiederaufbau der zerstörten Kriegsgebiete zu beteiligen und unter gewissen Umständen an Stelle der Verbandsregierungen tie Schulden derselben den Bereinigten Staaten gegenüber zu bes zahlen. Aber alle diese Anerbietungen sind von einer Menge Borbedingungen abhängig gemacht, die ihren Wert ganz bebeutend herabmindern. Deutschland geht so weit, die Aufhebung aller Zwangsmaßnahmen zu fordern, also nicht nur der fürzlich verhängten, sondern sogar auch der Besesung Zu Beginn der Sigung hatten die Regierungsparteien gemeinsam eine Erklärung abgegeben, in der fie ihr Ein. verständnis mit der Regierungspolitit aussprechen. Die Erklärung ist sehr furz gefaßt und enthält sich diesmal der üblen Gewohnheit, hohe Töne anzuschlagen und diesen bürgerlichen Parteien die Erkenntnis zu dämmern, daß vor allem eins nottut: die drohende Katastrophe in letter Stunde abzuwenden. Hermann Müller, der für die Rechtssozialisten dann das Wort nahm, vermied jede eingehende Kritik der Res gierungspolitif. Die Stellung seiner Partei umschrieb er furz dahin, daß das deutsche Angebot hinter den Pariser Beschlüssen nur um 26 Milliarden Goldmart zurückbleibe. An dieser Prestigefrage, um die es sich jetzt nur mehr handelt, dürfe die Vereinbarung nicht scheitern. Im übrigen wandte sich Müller hauptsächlich gegen die Deutschnationalen. Dies führte zu einer Reihe scharfer Zusammenstöße, insbesondere, als Müller das gewissenlose monarchistische und militaristische Treiben geißelte, zu dem das Leichenbegängnis der Kaiserin diesen Kreisen Gelegen heit gegeben hatte. Dann mußte der Reichstag noch das widerliche Schauspiel eines Auftreten Selfferichs über sich ergehen lassen. Es war unerträglich, wie dieser Hauptschuldige an der Verlänge rung des Krieges auch jetzt wieder nur die gewissenloseste nationalistische Demagogie trieb.„ Ein Ende in Ehren" verlangte dieser Helfferich, der Träger eines Systems, das mit durch ihn in Schmach und Schande versunken ist. Freilich, er und feinesgleichen, Juntertum und Großtapital, haben dieses Ende sehr gut überlebt, und nicht sie, sondern die verelendeten Massen sind die Opfer geworden. Und wenn der selbe Helfferich, der der Führer des Feldzuges gegen die Bes figsteuern ist, es wagt, von der Opferbereitschaft seiner Kaste zu sprechen, so ist das wirklich der Gipfel der Schamlosigkeit. Mit Recht hat ihm Breitscheid erwidert, daß seine Freunde bisher die Opfer ausschließlich aus den Taschen anderer gebracht haben. Nach einer fommunistischen Rede, die diesmal einer von ben sechs oder sieben Anhängern, die die Stöcker- Zentrale ber Reichstagsfrattion besigt, halten durfte, wurde die Sigung vertagt. Heute geht die Debatte weiter. Die gestrige Reichstagssitzung Präsident LSb« eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 20 Minuten. Einziger Punkt der Tagesordnung ist Fortfetzung der Aussprache über die auswärtige Politik Abg. Dr. Riehe»(D. Vp.) gibt im Namen der Reichstags- iraktronen des Zentrums, der DeutschsnVolkspartei. der Deutschen Demokratischen Partei und der Bayerischen Volkspartei folgende Erklärung der Regierungsparteien ab: Schweren Herzens, aber im Vorgefühl unserer Verantwort- lichkeit � sprechen wir unser Elnverständnis dazu aus, datz die Regierung den Weg, der sich ihr bot, betreten hat, um die Vermittlung des Präsidenten der Vereiniatcn Staaten von Amerika� zu erlangen. Wenn der Präsident diese Aufgabe über- nimmt, so eröffnet sich damit die Aussicht, der Welt den Frieden zu geben, nach dem sie rust, und die freiheitlich« Entwicklung Deutschlands in ruhigen Bahnen zu sichern. Die Vorschläge, die dem Präsidenten der Vereinigten Staaten mitgeteilt worden sind, muten uns Ungeheures zu. Das deutsche Volk ist aber ge- «illt. rückhaltlos zu leisten, was es überhaupt leisten kann. Schlägt auch dieser Versuch fehl, so ist vor der Geschichte festge- stellt, das; Deutschland alles getan hat, was in seinen Krästen ' stand, um der erschöpften und zerstörten Welt den Frieden zu ver- schaffen. Abg. Milller-Franken fSoz.): Der Abg. Dihmann hob vor- gestern hervor, daß der Friede von Brcst-Litowsk dem �rreden von Versailles vorangegangen ist. Unzweifelhaft war letzterer viel schlimmer als der von Brest, aber der Friede von Brest hat Ihnen(nach rechts) ja nicht genügt. Sie haben am 21. März 1918 im Reichstage einen Antrag eingebracht, den Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, daß hei künftigen Friedensverhandlungen der Grundsatz des Verzichts auf Kriegsentschädigungen aufgegeben und je nach de» militärischen Lag» der ganze Ersatz für die Kriegs- schaden einschließlich Penstonen für die Kriegsinoaliden und -Hinterbliebenen den Gegnern auferlegt«erde. fEroßer Lärm rechls.) Unter diesem Antrag stehen EräfWe st ar p.Arnstadt, Dietrich Schiele und andere, die auch dem heutigen Reichs- tage angehören, dagegen fehlen heute u. a. Herr Kapp und Graf Oppersdorf, der jetzt mit Pan Korfanly Arm in Arm geht. §ür den Schritt der Anrufung des amerikanischen Präsidenten als chiedsrichtcr trägt die Regierung allein die Verantwortung. Hinsichtlich der Aeußerung des Außenministers über sein demo- tratisches System gebe ich zu. es ist auch unter dem demokratischen Regime nicht möglich, die parlamentarischen Körpprschafteti über jeden Schritt der Regierung zu unterrichten: aber wenn es sich um Fragen handelt, wo Lebeu und Sterben der Ratio» auf dem Spiele steht, ist es die Pflicht einer demokratischen Negierung, mit de» gewählten Volksvertretern sich rechtzeitig in Verbindung zu setzen. Schon nach der Verfassung dürfen in wichtigen Lebens- fragen der Nation die gesetzgebenden Körperschaften n t ch t so aus- geschaltet werden, wie es in letzter Zeit geschehen ist. Di« Re- parationsfrage kann nicht ohne Fühlungnahme, mit den führenden europäischen Mächten gelöst werden, und Fra?ilrciaj ist in diesem Augenblick die führende Mach:. Eine internationale Anleihe nach österreichischem Muster dürfte wohl möglich sein. Auch in Frankreich wächst die Zahl derjenigen, die eine direkt« deutsche Beteiligung am Wiederaufbau wollen. Meine Fraktion steht hinsichtlich der finanziellen Zahlung noch genau auf dem Boden der Erklärung vom 2. Februar, daß näm- lich die Pariser Forderungen in«2 Iahren von Deutschland nicht erfüllt werden können und, wenn Deutschland dazu gezwungen würde, die» zu einer Katastrophe für die ganz« Welt führen müßte. Die neuen Vorschläge sagen über die Der- teilung der Jahreszahlen nichts, sie weiden sich also wohl auf einen längeren Zeitraum als 42 Jahr« verteilen, also nicht nur eine, sondern zwei Generationen belasten. Aber das muß in Kauf genommen werden, um unsere Katastrophe zu vermeiden. Wenn die Annexionisten und U-Boot-Leute an das Weltgewissen appelliere», kann dieses nur mit Brechreiz darauf reagieren. Die- selben Leute sind schuld an dem Zusammenbruch Deutschlands. sStürmische Entrüstung auf der Richten, erregte Zwischenrufe.) Es ist unwidersprochen, daß tatsächlich trotz der Bemühungen der Regierung in Deutschland noch ungeheuer viel Wasffen versteckt sind.(Abg. Wulle: Bei den Kommunisten!) Ich weiß nicht, ob die Kaserne in Ratzeburg, wo man 3690 Ge- wehre, 11 schwere und 21 leichte Maschinengewehre ausgrub, kom- munistisch war: ähnliche Beispiele haben wir aus Mölln und Wittenberg. Was Abg. Dißmann über die Vorgänge im Osten pesagt hat. ist im wesentlichen richtig. Ich glaube aber nicht, daß Lloyd George von allen politischen Geistern verlasien ist, um den polnischen Gendarm auf uns loszulassen und dadurch auf Jahr- zehnte neuen Haß und Verwicklungen zu schaffen. Aba. Dr. Helfferich(Dtn.): Was Sie(zum Abg. Müller. ranken) hier gesagt haben, ist da« Gegenteil der Wahr- h e i t. fStürmischer Widerspruch.) Sie haben Ihre Behauptun- gen nur aufgestellt,»m das größte verbreche» zu bemänteln, das kn de» Weltgeschichte je begangen morde» ist,»dmlich die Revolu- tio».(Stürmischer Wider, pruch. Zuruf: Sie find der größte Kriegsverbrecher!) Das kaiserliche Deutschland war die tried- lichste Macht der Welt.(Stürmische Heiterkeit links.) Solange der Feind nicht die äußerste Grenze unserer Leistungsfähigkeit steht, die nicht überschritten wird, komme, was da wolle, solange wir schachern, anstatt nicht einen Fuß breit mehr zu weichen, steht der Feind vor uns mit geballter Faust und saust damit nieder. Der Rcichsminister des Neueren mag aus dem Erfolg der Politik des Zurückweichens ersehen, daß wir immer tiefer hineinkommen. Wir müssen sagen: vis hierher and nicht weiter. E? ist ein ödes Märchen, daß Frankreich durch den Friedensschluß von Frankfurt veranlaßt sei. eine solche Katastrophe berauf, zube- ichworen. Es ist ein Irrtum, daß es den Franzosen jetzt lediglich auf das Bezahlen anlomme: die Pariser Politik wird vielmehr von de« Drang nach de« Rhein and llederrhei» drktrert. Da haben wir keinen anderen Ausweg, als durch das Wort, das Herr Simons am Schluß sagt«: Gewalt hat eine Grenze.(Zwischenruf links: Das haben Sie auch erfahren?) SBill Herr Ditt- mann dem Volk« raten, sich wehrlos allem und jedem zu unter- werfen? Damit laden Sie eine ungeheure Verantwortung und Schuld auf sich.(D i t t m a n n: Sie sind der Typ des Gewalt« Politikers!) Wenn 36 Millionen Engländer den 4 Millionen Iren gegenüber nicht fertig werden, so wird es auch den 49 Millionen �ranzosen gegenüber den 60 Millionen Deutschen nicht gelingen. unter der Voraussetzung, daß nicht Leute wie HerrDitt- mann beiuns das große Wort führen.(Sehr richtig! rechts.) Das ist nur möglich, wenn wir selbst die Hand dazu bieten. Die Lag«, in der wir sind, ist ungeheuerlich, ober nicht bei- , s p i« l l o s. Das deutsch« Volk hat in seiner Geschichte schon ahn- liche Lagen durchgemacht und hat sich immer wieder herausgerissen. aber es scheint in der Tat, als ob das deutsche Volk eine solche Züchtigung notwendig gehabt hätte. Wenn man heute durch Berlin gebt, sieht man nichts von der beispiellosen Not. Ein ge- wisser Teil des Volkes amüsiert stch genau wie früher(Zuruf links: IhreLeute! Gegenruf rechts: Die Juden!) Die»reist!, die zn uns gehöre«, traner» in Sack und Asche.(Stürmisches Ge- lächter links.) Treitschke weist in seiner„Deutschen Geschichte" auf den Frieden von Tilsit hin. Was er da sagt, trifft auch auf heute genau zu. Er sagt, nie und nirgends wurde ein gestttetes Volk grausamer behandelt. Das ist genau der jetzige Zustand. Aber die Weltgeschichte war mit dem Jahre 1897 nicht zu Ende, sie wird auch mit dem Jahre 1921 nicht zu Ende sein. Wg. Dr. Drettscheid(Ll. S. P.): Von v«rschiÄ>enen Rednern, namentlich von Dr. Helfferich. ist die Friedfertigkeit des deutschen Kaiser- reiches in den höchsten Tönen gepriesen worden, de besteht gber kein Zweifel darüber, daß der Friede, den Wilhelm ll., Ludendorff und Helfferich wollten, nur ein Siegs r r e d e sein konnte. Mir ist ein Aktenstück bekannt, dessen Verössent- lichung die Illusionen der Rechten dieses Hauses über die sried- lichen Absichten des früheren Kaisers gründlich zerstören würde. Durch eine Indiskretion ist aus diesen Akten bereits etwas in die ausländische Presse gelangt. So die Angabe, daß Wilhelm ll. einen Frieden erstrebte unter der De- dingung, daß die Vereinigten Staaten 39 Milliarden, Frank- reich 40 Milliarden zahlen sollten, daß Löngwy und Vriey an Deutschland fallen, die flandrisch« Küste in der Hand der Deutschen bleiben sollte. Der srühere Kaiser ging in seinem Wahnsinn so weit, den Engländer« Malta abnehmen zu wollen. Die Zerstörung in Nordfrankreich und Bel- gien ist vor allem aus Rücksicht auf gewisse kapitalistische Kreise vorgenommen worden. Uwere Schwerindustrie hatte das grüßte Interesse daran, die französische und belgiscke In- dustrie für möglichst lange Zeit konkurrenzunfähig zu macken. Diesen Wünschen der Schwerindustrie haben die mili- täriichen Führer Rechnung getragen.(Zuruf des Abg. Strnnes: Diese Annahme ist falsch!) Wenn nun Ihre(zur Rechten) Spekulation fehlgeschlagen ist, so dürfen Sie sich nicht wundern, daß jetzt dafür dem deutschen Volke die Rechnung prä- sentiert wird. Die Feststellungen der Sachverständigen über die deutsche Lei- stungsfähigkeit haben bei uns seit jeher Bedenken hervor- gerufen. Wir suchen natürlich eine Lösung, die die Arbeiter- klasse der ganzen Welt, die sich der Wiedergutmachung nicht völlig entziehen will, am wenigsten belastet, weil wir dey An» ficht sind, daß eine solche Lösung am besten den Interessen der Welt entspricht. Die Losung, die wir uns denken, ist formuliert in den bekannten Amsterdamer Beschlüssen. Die Arbeiter oerlangen, nachdem sie das Objekt des Krieges gewesen find, nun das Subjekt des Wiederaufbaues zu werden. Viel« leicht ist der Regierung jetzt das Verständnis dalür aufgefangen, daß ste besser gefahren wäre, statt der kapitalistischen Sachver- ständigen die Führer der Arbeiterschaft zu Rate zu ziehen. Allerdings die sozialistiiche Lösung des Wieder- gutmachu nasproblems, die einzige, die schnellstens aus allem Unheil herausführen kann, erfordert als Vorbedingung die politische und wirtschaftliche Umgestaltung der ganze» Welt, zu der es bisher noch nicht gekommen ist. Di« proletarische Lösung verlangt, daß die Arbeiterklasse maßgebenden Einfluß erhält, nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Entente- ftaaten, d. h. den Sieg des Sozialismus. Dieser Tag wird kommen, wenn er auch nicht durch leichtfertig und frivol durchgeführt« Putsche erreicht werden kann, nock dadurch, daß fortgesetzt die revolutionäre Phrase im Munde geführt wirb, sondern nur dadurch, daß man fortgesetzt, im Kleine» sowohl wie im Große« dahin wirkt, ans de« kapi- talistischen Heute das sozialistische Morgen zu schas- fen.(Sehr wahr! bei den U. S. P.) Es wäre eine mise- table Politik, wollte man mit Hoffen und Harren auf die Zu- kunft die notwendige Arbeit der Gegenwart vernachlässigen. Die Gewaltpolitik, die sich in die sogenannte rechtliche Hülle der Sanktionen kleidet, wird auf die Dauer nicht nur das deutsche Volk schädigen, sondern auf die Entente selbst zurückfallen, wie man schon setzt an dem englischen Kohlenarbeiterstreik und seinen Wirkungen erkennt. Ein wettverbreitetes Londoner Arbeiter« blatt, der„Daily Herald", hat vor wenigen Wochen In gleichem Sinne sich geäußert und von dieser Aufsasiung aus für die Auf- Hebung der Anschläge plädiert, die in Versailles ausgeheckt wor- den sind. Was kann gegenüber dem Appell des siegreichen Staates an die Gewalt der unterlegene Gegner, das Objekt dieser Maßnahmen tun? Er kann resignieren oder an die Waffen appellieren. Der«ine Weg ist so verfehlt wie der andere. Ebenso verfehlt wie die Resignation, in der sich die Regierung bisher gefallen hat. ist der Appell an den aktiven Widerstand des deutschen Volkes, wie ihn die deutsche Presse und die Rede der Rechten täglich predigen. Was wird darunter»erstanden, wenn, wie heute noch Herr Helfferich sagte, das Volk sich mit Zähnen und Klauen wehren soll? Wenn Sie uns dag nicht jagen, so sind Sie nichts als schlechte Komödianten, dann ist der Beweis geliefert, daß das ganz« stolze und starke Gerede keine außenpolitischen, sondern nur innenpolitische Interessen verfolgt. Man speku- liert darauf, daß dann, nachdem die Entente ins Ruhrrevier ein- Serückl ist. das Nationalgefühl derart aufilackern wird, aß die Deutschnationalen daraus ihr« Vorteile ziehen können. Das sind nicht hochpolitisch«, sondern parteiegoistische Erwägun- gen. Aber auch mit der Resignation ist es nichts. Die Regie- rnng muß wissen, was geschieht, wenn es zu keiner Verständigung kommt. Das Unerträgliche an dem Gedanken der Vesetzung des Ruhrreviers ist vom kapitalistischen Standpunkte aus doch wohl das. daß das Ausland dann dazu übergeht, die deutschen Ex« propriateur« für den französischen Kapitalismus zu expropriieren. Herr Helfserich hat die Schwurfinger erhoben und seine Opfer- Willigkeit erklärt. Wie weit geht dies«? Jedenfalls werden er und feine Freunde wie immer auch jetzt bereit sein, aus der Tasche anderer Leute Opfer zu bringen. Der Abg. Dr. Hoetzsch hat von der Regierung die systematische Aufrollung der Schuldfraar und die Führung des Unschuldbeweises für Deutschland verlangt. Wenn das so leicht wäre, hätte die Regierung diesen Vewet» längst er- bracht. Herr Dr. Simons hat gestern sehr vernünftig gemeint, im Moment sei es nicht zweckmäßig, der Entente gegenüber die deutsche Schuld abzulehnen, weil die Entente dann meinen könnt«, Deutschland wolle sich seiner Schuld entziehen. Es wäre sehr schön gewesen, wenn Dr. Simons sich das schon früher klar- gemacht hätte, dann hätte er sein« verhängnisvolle Red« in Stuttgart nicht so gehalten. Di« kapitalistische Lösung der Frag« ist für uns nicht nangdar. Wenn Herr Loucheur und Herr Stinnes sich zusammen- setzen, könnten sie ja auch eine'Lösung finden, die wir allerdings mit aller Energie abwehren werden. Aber es gibt auck, andere Möglichkeiten, bei denen die Rechnung nicht auf dem Rücken der Arbeiterschaft beglichen wird. Voraussetzung ist immer«ine Atmosphäre, die den Beweis des guten Willens und der Ehrlich- keit der deutschen Politik liesert. Daran hat es bisher leider sehr gefehlt. Ick muß in diesem Zusammenhang auf den Vorgang in der letzten Woche in Potsdam zurückkommen. Wir ver- stehen durchaus das Bedürfnis. Pietät durch Trauertundgebung auszudrücken. In Potsdam aber hat man nicht sowohl Pietät bewiesen, als«ine Leichenparade veranstaltet. Den Tausenden von Militärs, die dabei waren, war es mehr darum zu tun, zu zeigen: wir sind noch da. War es darum zu tun. stch wieder ein- mal im Glanz ihrer Uniformen und Orden zu sammeln.(Große Unruhe rechts.) Es war unzweifelhaft ein« monarchistische Demonstration, aus der große schädliche Wirkungen entspringen konnten. In Potsdam ist ein amerikanisches Ehepaar blutig geschlagen worden, nur weil es englisch gesprochen hat. Eine würdig« Einleitung zu der amerikanischen Vermittlung. (Unruhe rechts.) Daß die Regierung in der Entwaffnungsfraa« keines- wegs die Energie entfaltet hat von der Herr Hoetzsch sprach. beweist ein Angebot an einen Herrn in Stettin, dem eine große Menge von Waffen und Munition angeboten wurden. Und haben wir nicht auch gelesen, daß von einem bayerischen Regierungsver- treter am 39. April im baverisiben Landtag ausgeführt wurde. daß die bayerisch« Einwohnerweh? über einen Mannschaftsstand von 329 999 verfügt und diese 329 999 Mann über 249 999 Ge- wehre, 2987 Maschinengewehre. 44 leichte Geschütz« und 3 Mincnwerfer.(Zuruf: Das wissen wir fa!) Um so schlimmer. daß Sie sagen, es ist entwaffne» worden. Bei ihren Angeboten au die Entente bat die deutsche Riglerung immer erklärt, da» ist das Aeußerste. Diese Methode ist doch in etwas die Methode de» billigen Jakob: immer wird ein neues Angebot gemacht und iedes- mal wird versichert, es sei wirklich das letzte. Wie sollen da die Gegner überhaupt noch unseren Worten glauben? Minister Simons kundigt« an. daß man evtl� an die«uo- stanz des Vermögens des deutschen Volkes herangehen könnte. Diesen Gedanken hätte man schon früher habe» sollen. Die einzige aktive Tätigkeit unserer verschiedenen Regierungen bestand bisher in der Äbsassunq von mehr oder weniger singe» schickten Roten an die Entente. Nach dem Scheitern der Londoner Verhandlungen gab Minister Simons«ine Erklärung ab. aus der man zum mindesten herauslesen mußte, er sei überhaupt nicht mehr geneigt, die Initiative zu neuen Verhandlungen mit der Entente zu ergreisen. folange die Sanktionen andauern. Niemals hat die Regierung Veranlassung genommen, dieser Ausfassung zu wider« sprechen. Wir dagegen haben im Ausschuß wie im Plenum er« klärt, es gebe unter keinen Umständen an, sich den weiteren Weg zu Verhandlungen zu verbauen. Von einer Ohrfeige kann gar keine Rede sein.(Minister Simons: DieSanktionenwaren d i e O h r f e i g e!) Es war keine Ohrfeige, sondern eine nac.z unserer Meinung ungerechtfertigte Wirkung der Ablehnung des deutschen Vorschlags. Das Memorandum an Amerika, in dem gesagt wurde, Frankreich wolle überhaupt keinen Wiederaufbau, war ein schwerer politischer Fehler. Ich weiß nicht, ob es wahr ist. daß ein Beamter des Auswärtigen Amts-auf Anfrage erklärt hat: Ja. wenn wir gewußt hatten, dag die' Amerikaner dieses Memorandum veröffentlichen, hätten wir die Dummheit nicht gemacht. Durch solche Ausred? würde d'e Un» tlugh-it des ersten Schrittes nur noch verschärft werden. Dann hat Herr Simons feine Schweizer Reife angetreten. Wir gönnen ihm die körperlich« Erholung und freuen uns. daß die freie Bergluft leinen im Auswärtigen Amt ein wenig angemoder- ten Geist erfrischt hat.(Heiterkeit.) Nun aber befand stch der Minister des Auswärtigen Amts in Lugano, und der Reichs- kanzler in Freiburg, in einer Situation, wo jeder Tag neue Wendungen bringe» konnte und mußte, wo gerade das Auge der obersten Ehefs so dringend notwendig in ihren Aemtern gemescn wäre. Wenn Herr Simons von der Schweiz aus Politik macht, so hätte er das ganze Auswärtige Amt mitnehmen müssen, dem» dieses ist ein Museum wilhelminischer Altertümer. Im Auswärt'««» Amt wurde jedem, der es hören wollte, zu derselben Zeit, wo Herr Simons nach nenen Verbindungen suchte, oerstchert, Deutschland habe das nicht nötig. Herr Simons, es ist außerordentlich unklug, wenn der Herr das Haus verläßt und so unzuverlässigen Knechten seine Arbeit überläßt. Niemand wird das Kabinett von dem Vorwurf befreien, daß es in den letzten Monaten«in« Z'ckzackpolitik betrieben hat, der gegen» über sich die Politik Wilhelms N. sogar durch«ine gewisse Konsequenz auszeichnete. Wenn Minister Simons davon svrach. angesichts der Veröffentlichung in der..E e r m a n i a" einen Landesverratsprozeß einzulegen, so meine ich..man könnte nichts Lächerlicheres tun als dies. Alle Welt raunt« von allen möglichen Dingen, nur das deutsche Volk und seine berusen« Vertretung wurde nicht unterrichtet. Jetzt will man alles auf das Konto eines Journalisten oder eines Ministers schoben. Selbst der Au s w ä r t i g e Ausschuß ist nicht in das Geheim- nis gezogen worden. Von diesem Ausschuß besteht überhaupt eine ganz falsche Aufsasiung. er ist ein Messe« ohne Schneide, d«K der Stiel fehlt. Mir kommen in diesem Ausschuß lediglich zu« sammen, um uns die Scherben anzusehen, die die Regierung an» gerichtet hat. Wir wollen aber die Möglichkeit besitzen, vor ent» scheidenden Schritten die Kontroll« auszuüben und diese Schritt« zu beeinflussen. Es genügt nicht, daß wir«inen Minister entlassen, wenn' et Schaden angerichtet hat, den das deutsche Volk tragen muß. Iil dieser Hinsicht mag Minister Simons seine Ansicht von De» mokrati« etwas redigieren. Er hat sich„im Namen de» deutschen Volkes" an Amerika gewandt. Das deutsche Volk hat aber nicht seine Zustimmung gegebe». Wesentlich mehr als wir wußten amerikanische Staats« burger von dem. was sich abspielt«. Amerikanische Interessenten haben den weitesten Einfluß ausgeübt und am Zustandekommen der Not« mitgearbeitet. Wean da» Politik ist. dann ist Karlche» Micßnick der kommend« Staatsmann.(Große Heiterkeit.) Nie« mand. besonders in der Entente, könnte es ander» auslegen, als daß Harding das deutsche Schicksal in die Hand gegeben ist. An den Erörterungen der letzten Tage über ein« Regie« runssskrise haben wir un« wenig oder gar nicht beteiligt. Ob die Regierung bleibt oder geht, ist zunächst ihre Sache. Wir sind der lleberzeugung, daß jrd« neu« Regierung von vornherein durch die verfehlten Maßnahmen de» Kabinetts Fehreubach ge« Hunden ist. Die Regierung hat in den letzten Wochen mit de» Interessen des deutschen Volkes ein Hasardspiel getrl-ben. Wenn die Rote an Washington dazu führt, daß es zu VerHand« lungen, insbesondere mit Frankreich, kommt, wenn wir vor dem 1. Mai mit einem blauen Aug« davonkommen, so ist das nicht ein Verdienst des Kabinetts Fehrenbach, sondern ein höchst unverdientes Glück. Aver Herr Polykrates Fehreinrrch, man kann nicht ungestraft eine derartige Fülle von Elückszufällen auf sich sammeln. Es wird der Augenblick kommen, wo Glück allein nicht mehr ausreicht, sondern wirkliche staatsmännische Fähigkeiten notwendig find. Es wird sich immer wieder heraus» stellen, daß die letzte Alternative die Amsterdamer Vorschläge der internationalen Sozialisten sind, die das wirtschaftliche Interesse aller Völker am besten wahren. Der kommend« 1. Mai ist der l. Mai der Staatsmänner, die hüben und drüben eine verhänz« nisvolle Politik getrieben haben. Es wird aber kommen der 1. Mai, an dem das Volk den Ausschlag gibt, ein erster Mai, von dem Richard Dehmel sagtet Es kommt wohl einst«in erster Mai, da steht das Volk in einer Reih'. (Lebhafter Beifall bei den U.S.) Abg. Fröhlich(Komm.): Was hat sich wohl die deutsche Re« gierung dabei gedacht, als sie der Entente setzt diese ungeheure Summe angeboten hat? Solche Politik ist in der Tat nicht» andere» als eine S asa r d p o l i t i k. Ein Politiker, der an die Gerechtigkeit appelliert, hat damit schon von vornherein seine» bankerott eingestanden. Frankreichs Politik geht dahin, über Deutschland hinweg dem russischen Bolschewismus an die Gurgel zu springen Die Sanktionen gehen auf eine vollkommene Z-r- ruttung, Schwächung und wirtschaftliche Zermürbung Deutschst lands aus. Das Wiederaufbauproqramm der Gewerkschaft� »uternatronale. auf dessen Boden sich die Sozialdemokraten u* Unabhängigen gestellt haben, bedeutet nur die Ausbeutung d» Arbeiter durch das internatiouale Kapital. Redner vervrcitet sich ausführlich über den Ausstand in Mitteldeutschland. Vizepräsident Dittmann schlägt dem Hause vor, stch zu ver« tagen.--- Abg. Vartz(Komm.) widerspricht.— Der Vertagung� anir(t$ wirb gegen die Kommunisten angenommen. Nach personlichen Bemerkungen de: Abga. Dr. Helfferich (Dnat.) und Müller-Franken(Soz.) vertagt sich das Haus auf Donnerstag 1 Uht Fortsetzung der Debatte von heute, Nach« tragsetat Ortsklassenverzeichnis, Sondergerichte, Behebung btt Erwerbslosigkeit. Der �/.kstknausschuß de« Reichstages beschloß, am Donners« tag dje politische Aussprache fortzusetzen. In Aussicht genomm-» ist. 6 o n n a b c n d und Montag sitzungsfrei 1* halten. Vor den Psingstferien hofft man noch, den Nachtrags etat für 1921 sowie die Beratung der Anträge über AushebnaZ der Ausnahmeverordnunaen zu erledigen. Die P fingst' ferien sollen vom 7. Mai bis zum 3>. Mai dauer». Der llnierfuchungsausschnß gegen de« Reichsernährung� minister Hennra»«Ichloß in seiner gestrigen Sit-ung. sie Ha kn Dr. Lavalle und Dr. Mejdenbaver als Zeugen darüber» vernehmen, ob sie seinerzeit bei der Anschaffunn den ersten Äui>� durch Herril Herme» au- Mitieln der St»«?'toffc"i oqleichskasse fleäußeT fci?*" Verwendung dieser©cid**[ Ein Fünfundsiebzigjähriger Von J. Simon- Nürnberg Wilhelm Bod begeht heute seinen fünfundsiebzigsten Geburtstag. Ueberbliden wir das Leben und Wirken dieses raftlofen, unerschrodenen Kämpfers, der trotz seiner 75 Jahre auch heute noch im Bordertreffen des Kampjes steht, so zieht die ganze Geschichte der gewerkschaftlichen und politischen Arbeiterbewegung, an deren Wiege er bereits gestanden, an uns vorüber. Als Sohn armer Eltern am 28. April 1846 zu Groß Breitenbach in Thüringen geboren. besuchte er die Dorf Schule und fam sodann zu einem Schuhmacher in Arnstadt in die Lehre. Nach 4jähriger Lehrzeit durchzog er als Handwerksbursche Norddeutschland, arbeitete in Magdeburg, tam nach Hamburg, wo er längere Zeit verblieb. Die Not, die er in frühester Jugend fennen gelernt, we te in ihm schon sehr früh die Erfenntnis, daß nur durch engsten Zusammens schluß der Arbeiter eine Verbesserung ihrer Lage herbei geführt werden kann. Mit eisernem Fleiß ging er baran, fich selbst zu bilben. Gelegenheit hierzu bot sich ihm in der Arbeiterbildungsschule und den öffentlichen Bibliotheken, die er eifrig besuchte. Durch seine Bekanntschaft mit Geib wurde er im Jahre 1868 Mitglied des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins( Lasallianer). Im Jahre 1869 fam Bock nach Gotha. Bon da ab beginnt seine eigentliche Täs tigteit als Organisator, als welcher er Großes, Niezu vergessendes geleistet hat. Der damalige Streit zwischen Lassalleanern und Eisenachern, die scharfe gegenseitige Bekämpfung wedte bei ihm das Empfinden, das nur durch die einheitliche Zusam menfassung in gewerkschaftliche und politische Organis sationen die Arbeiter eine Macht bilden. Diese Erkenntnis veranlaßte ihn, sich in den Dienst der Einigungshestrebungen zu stellen. Da die damalige Leitung der„ Lassalleaner" der freien Aussprache, die nach Bods Auffassung allein zur Klärung und Einigung der feindlichen Brüder führen tönne, abhold war, schloß er sich den Eisenachern" an, in deren Reihen er unablässig für die Verschmelzung beider Richtungen wirfte. Sein praktischer Sinn sagte ihm, daß diese Einigung wohl am besten zunächst auf gewerkschaftlichem Gebiet zu er Um die Parteipresse hat sich Bod ebenso groke Verdienste erworben, wie um die Gewerkschaftspresse. Schon im Jahre 1875 gründete er die Freie Presse", die sich leider nicht halten fonn Aber auch dieser Mißerfolg schreckte Bod nicht. Im Jahre 1876 rief er die Gothaer Zeitung" ins Leben, tie im Jahre 1878 auf Grund des Sozialistengesetzes verboten wurde. Nach dem Fall des Sozialistengefeges grünbete er das Gothaer Bolfsblatt". " Die Bewilligung der Kriegskredite durch die sozialdemofratische Fraktion bedrüdte ihn sehr start. In der Frattion selbst war er fortgesetzt bemüht, ihre Beschlüsse zu beeinflussen. Als das nicht gelang und immer offenkundiger wurde, daß der Krieg. annerionistischen Zwecken diente, ges hörte er zu jenen neunzehn Mitgliedern der Fraktion, die im Dezember 1916 im Reichstag die Erklärung abgaben, daß sie die Kriegskredite ablehnen. Als daraufhin von der Fraktion beschlossen wurde, daß diese Genossen feine parlamentarischen Rechte mehr ausüben dürfen, wodurch nicht nur die Meinungsfreiheit in Lebensfragen der Partei unterdrückt, sondern auch die Ausübung des von der Ges famtpartei übertragenen Mandats in den wichtigsten politis schen Fragen unmöglich wurde, mußte der unermüd= liche Kämpfer für die Einheit der Partei mit den übrigen Genossen zur Schaffung der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft" und schließlich zur Gründung der U. S. P. D. schreiten. Daß ihn dieser Schritt, wie allen anderen, nicht leicht geworden, bedarf bei der ganzen Tätigfeit Bofs feines weiteren Beweises. " In seinen alten Tagen sollte ihm ein herber Schmerz nicht erspart bleiben. Die stolze Parteiorganisation, die von ihm unter mühseliger Tätigkeit aufgebaut, wurde auch in Gotha von den Kommunisten zerschlagen. Die Kommu nisten, die jeden, der ihre Methoden verurteilt, in Schmuk und Kot ziehen, schredten auch vor der Verleumdung dieses alten revolutionären Rämpen nicht zurüd. Er wurde aus der geschäftlichen Leitung des von ihm gegründeten„ Gothaer Voltsblattes", für welches er so große Opfer gebracht, und das er der Partei als Eigentum übergab, herausgereichen fet. Da die Gewer! I aften infolge ihrer Zer: Rüftet zur Maidemonstration! riffenheit nur ein Scheindasein führten, trat er mit großer Energie für die Verschmelzung der beiden Richtungen ein. Er selbst war Mitglied der Internationalen Schuhmacher gewerkschaft"( Eisenacher Richtung), während die Schuh macher der Lassalleaner Richtung in dem Allgemeinen Deutschen Schuhmacherverein" organisiert waren. Am 1. Oftober 1872 veröffentlichte Bod im Boltsstaat" einen Aufruf, in welchem er die Schuhmacher aufforderte, auf dem im Jahre 1873 in Aussicht genommenen Allgemeinen Schuhmacherfongreß, allen eigensüchtigen und Sonderbe strebungen die Spize abzubrechen und dahin zu wirken, daß alle ein gemeinsames Band umschließe." Der Kongreß brachte die erfehnte Einigung leider noch nicht. Bock wurde im Jahre 1873 zum Präsidenten der In ternationalen Schuhmachergewerkschaft" gewählt. Auch als Präsident dieser Gewertschaft arbeitete er fortwährend auf eine Vereinigung der beiden Gewerkschaften hin. Im Jahre 1874 wurde der Allgemeine Deutsche Schuhmacherverein" auf Grund des preußischen Vereinsgesetzes durch den Staats. anwalt Tessendorff aufgelöst. Die Internationale Schuh, machergewerkschaft" entging der Auflösung nur dadurch, baß durch den Einfluß Bods auf die Gothaer Behörden die Auflösung abgelehnt wurde. Bom 16.- 18. Mai 1875 tagte, von Bod einberufen, in Koburg ein Schuhmacherkongreß, auf welchem beide Richtungen vertreten waren. Nach einem glänzenden Referat Bods wurde die Vereinigung unter dem Namen„ Gewerkschaft der Schuhmacher" vollzogen und Bod zum Präsidenten gewählt. Diese Gewerkschaft nahm unter Bods Leitung einen glänzenden Aufschwung, schon ein Jahr später musterte dieselbe über 4000 Mitglieder in 83 Filialen. Mit Hilfe des Sozialistengefeges, welches im Oftober 1878 in Kraft trat, wurde neben den übrigen Gewerkschaften auch die Schuhmachergewerkschaft" verboten. Auch der Weder", bas von Bod gegründete und geleitete Organ der Schuhmacher, fiel dem Schandgeseh zum Opfer. Unser Freund Bod ließ sich aber nicht entmutigen. Sofort nach diesem Verbot wandte er sich mit einem vertraulichen Zirfular an die Kollegen und forderte fie auf ,,, lofale Fachvereine" zu gründen. Und am 20. November 1878, nur we nige Tage nach dem Berbot des Weder", erschien ein neues, von Bod herausgegebenes Bindeglied," Der Schuhmacher" Durch diese Tat hat sich Bod ein gewaltiges Verdienst um die Gewerkschaftsbewegung erworben. Sein Beispiel wirkte. Sein Vorgehen verhalf der Gewerkschaftspresse zu der späteren großen Bedeutung im Gewerkschaftsleben und schuf zugleich die Voraussetzungen für die schließliche Ueberwinbung des Sozialistengesezes. Es verhalf der geschlagenen Gewerkschaftsbewegung zu einem Zusammenhalt der zer Sprengten Teile, der immer fester wurde, und aus dem dann nach einigen Jahren wieder Gewerkschaftsorganisationen entstanden. Im August 1883 fand in Gotha ein Kongres statt, der zur Gründung einer Wander- und Arbeitslosenunterstügungstaffe" führte, als bessen Nachfolger der heutige Zentralverband der Schuhmacher mit seinen rund 100 000 Mitgliedern festgefügt dasteht. Aus Zweckmäßigkeitsgründen lehnte Bod als Vorfikender ab. Er wurde aber als Vertrauens mann und als Redakteur gewählt. Welches Vertrauen Bod bei den Schuhmachern genoß, beweist die Tatsache, daß er den Redakteurposten bis zum Jahre 1920 befleidete. Und als er auf dem im Jahre 1920 abgehaltenen Verbandstag der Schuhmacher als Bierundfiebzigjähriger von seinem Posten, den er 45 Jahre befleidete, zurüdtrat, und ersuchte, dieses verantwortungsvolle Amt auf jüngere Schultern zu legen, und Abschied von seinen Kollegen nahm, ging eine große Bewegung durch die Reihen der Delegierten, die ihm für seine opferreiche Tätigkeit den einmütigen Dank ausSprachen. Ebenso wie auf gewerkschaftlichem, betrieb Boc auch die Einigung der Arbeiter auf politischem Gebiete. An dem Zustandekommen des Gothaer Einigungstongresses hatte Bod wesentlichen Anteil. Der Einigungstongreß wurde von ihm eröffnet und bis zur Verständigung geleitet. Durch das Vertrauen seiner Genossen wurde ihm im Jahre 1877 die Reichstagstandidatur für Gotha übertragen. Welches Vertrauen Bod bei den Arbeitern des Gothaer Länd chens besaß, beweist die Tatsache, daß bei der ersten Wahl bie Stimmenzahl von 1436 auf 6154 ftieg. Im Jahre 1884 wurde Bod in der Stichwahl mit 10-754 gegen 6938 bürgerliche Stimmen gewählt. Mit Ausnahme von 1887, 1890 und 1907 vertritt Bod Gotha im Reichstag bis auf ben heutigen Tag. Auch im Gothaer Landtag war Bod mit großem Ers folg tätig. Mit welcher Liebe die Arbeiter des Gothaer Ländchens an Bod hingen, und mit welcher Achtung auch die politischen Gegner ihm begegneten, weiß jeder, der Ges Tegenheit hatte, im Gothaer Ländchen tätig zu sein. Männer und Frauen des werftätigen Bolles! Am 1. Mai demonstriert die revolutionäre sozialistische Arbeiterschaft aller Länder gegen die Gewalttaten bes Entente- Imperialismus, gegen den kulturfeindlichen Militarismus, gegen die Rüftungen zu neuen Kriegen, gegen die Bergewaltigung und Versflabung des Proletariats durch den internationalen Kapitalismus, für Beseitigung der Gewalt- Friedensverträge, für das Selbstbestimmungsrecht der Völler, für den Bölferfrieden, für die Befreiung aller Ausgebeuteten und Gefnechteten durch ben Sozialismus. Die Berliner Arbeiterschaft der U. G. 3. D. demonstriert am 1. Mai, vormittags 11 Uhr im Lustgarten. Genossinnen und Genossen, trefft alle Borbereitungen, um die Kundgebung zu einer machtvollen Demonstration für den internationalen Kampf zur Durchführung des Sozialismus zu ges Italten. Bezirksverband Berlin- Brandenburg. brängt, sein Bild, welches im Volkshaus hing, wurde ents fernt. Um der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei wieder ein Organ zu schaffen, mußte der Fünfungsiebzigjährige von neuem anfangen und ein neues Blatt gründen, freund" in Gotha erscheint. welches seit Dezember 1920 unter dem Titel ,, Gothaer BoltsDen Verunglimpfungen der Kommunisten gegenüber wollen wir einige Stellen aus einem Artikel zitieren, die Franz Mehring zum 70. Geburtstag Wilhelm Bock widmete. Franz Mehring, der später selbst zur tommunistis Die Arbeitslosenunterstützung Die Winterfäße bewilligt Wie wir schon gestern mitteilten, hat der Reichsarbeitss minister der Fortzahlung der erhöhten Unterstügungssätze, die für die Wintermonate galten, zugestimmt. Einer ers neuten Verhandlung der Vertreter des. D. 6. B. und des Afa- Bundes ist es nun auch gelungen, die Zustimmung des Reichsfinanzministers zu erwirten, so daß die Fortzahlung der für den Winter geltenben Gäge über den 30. April hinaus infolge des geschlossenen Borgehens der Gewerkschaften und Parteien gesichert ist. Die Mietspreiserhöhung Jrreführende Meldungen der Hausbefizer Die Hausbesiger sind eifrig an der Arbeit, um durch irreführende Mitteilungen die Stimmung der Mies ter für eine wesentliche Heraufsetzung der Mietszuschläge zu Zu diesem Zwed haben sie auch Platate bruden Schaffen. laffen, die in den Häusern angeschlagen werden sollen. Alle Mitteilungen über bereits in Aussicht genommene Miets preiserhöhungen sind falsch. Insbesondere ist die Behauptung völlig aus der Luft gegriffen, daß ein Mietszuschlag von 60 Prozent beabsichtigt set. Tatsache an all den zahlreichen Meldungen ist nur, daß die Frage der Erhöhung der Zuschläge zu den Mieten geprüft werden soll. und daß der Magistrat dieserhalb der Stadtverordnetenversammlung den Vorschlag zur Bildung des gutachtlich zu hörenden Ausschusses, bestehend aus fünf Hausbefizern und fünf Mietern, unterbreitet hat. Dieser Auss schuß, von dessen Entscheidung die Höchstmiete zum allergrößten Teil abhängen wird, ist aber noch nicht einmal gewählt, geschweige denn, daß er bereits eine Entscheidung hätte treffen tönnen. Wir hoffen quch, daß dieser Ausschuß seine Entscheidung nach gründlicher sachlicher Prüfung fällen wird und nicht nach den Wünschen der Hausbesizer. Ferner ist die Mitteilung falsch, daß das Wohlfahrtsministe rium mit dieser erheblichen Herauffehung der Mieten einverstanden sei. Die P. P. N. verbreiten folgendes offiziöse Des menti: Bon einem Berliner Mittagsblatt wird die Nachricht verbreitet, daß in Groß- Berlin mit einem demnächstigen Mietszuschlag von 50-60 v. 5. zu rechnen sei und daß das Wohl fahrtsministerium dieser Erhöhung bereits zugestimmt habe. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, ist eine Stel. Iungnahme des Wohlfahrtsministeriums zu dieser Frage noch nicht erfolgt. Auch liegen bisher entsprechende Anträge des Magistrats noch nicht vor. Die wei tere Mitteilung, daß in fleineren Gemeinden bereits Mietszufchläge von 60 Broz und mehr eingeführt worden sind, ist irrig. Die bisherigen Zuschläge bewegen sich im allgemeinen zwischen 30 und 40 v. S., und hierzu treten die besonderen Zu schläge für Instandsetzungsarbeiten." Im übrigen hat auch das Wohlfahrtsministerium gar nicht die Entscheidung über die Festsetzung der Höchstmieten. Diese Entscheidung liegt bei dem Magistrat, und ein Einspruch des Wohlfahrtsmin'sters ist nur möglich, wenn der Zuschlag zu hoch, nicht aber, wenn er zu niedrig festgesetzt wird. Steuererklärung bis zum 15. Mai Jm Steuerausschuß geht die von den Agrariern proDozierte Debatte über die Veranlagung der Landwirte weiter. Die Deutschnationalen fordern Festlegung von Normalsätzen. Abg. Keil( Eoz.) und Ryllel( U.S.) wenden sich gegen den Antrag, der eine Aenderung des Gesetzes bedeute und die Agrarier entlasten werde. Ferner beschäftigte sich der Ausschuß mit einem Antrag Beder- Hessen( D. B.), den Termin für die Veranla gung bis zum 15. Mai hinauszuschieben. Nachdem Abgeordneter Hartleib( Eoz.) fich dagegen gewendet hat, erklärte Finanz minister Dr. Wirth im Hinblid auf mancherorts entstandene Schwierigkeiten eine Verlängerung des Termins für die Eins tommensteuererklärung um 14 Tage, also bis zum 15. Mai, elss bald anordnen zu wollen. Auf eine weitere Fristverlängerung soll aber dann niemand mehr Anspruch erheben tönnen. In der weiteren Debatte über den Antrag der Deutschnatio nalen erhebt Abgeordneter Dr. Sert( U.S.) gegen die Steuersabotage der Rechtsparteien entschiedenen Einspruch und beschwert fich über die höchst einseitige 3usammenlegung ber Steuerausschüsse bei den Berliner Finanzämtern, die alles Butrauen zu ihren Entscheidungen untergraben müsse. Die Debatte geht fort. schen Partei ging, schrieb am 28. April 1916 u. a. folgendes: Kommunistische Pleite in Desterreich Dem mit fo reichem Erfolg unermüdlich und un eigennügig für die einheitliche Organisierung wirkenden Mann, dem restlos für die Interessen seiner Berufskollegen und ber Arbeiter in ihrer Gesamtheit hervortretenden Agitator wurden die schwersten wirtschaftlichen Schädigungen von den Gegnern der Arbeiter zuteil. Oft geriet Bod mit seiner Familie in bitterste Not Das Vertrauen der fleinen Leute und der Arbeiter wog ihm reichlich die Verfolgungen seiner Gegner auf, brachte ihm aber auch Arbeit in Hülle und Fülle. . Außer wirtschaftlichen Schädigungen zog feine Tätigkeit dem Genossen Bod auch strafrechtliche Verfolgungen zu. sammen 5% Monate wegen seiner agitatorischen Tätigkeit im Biermal wurde er zu Gefängnisstrafen verurteilt und mußte zu Gefängnis verbringen. Hervorragende Kulturarbeit hat unser rüstiger Siebzigjähriger nahezu 50 Jahre hindurch im Interesse der Arbeiter opferwillig, unermüdlich, unerschroden und unab Tässig verrichtet. Gein Wirlen möge andere zur Nacheiferung anfpornen. Unserem Wilhelm Bod aber rufen wir zu feinem Geburtstag ein herzliches Glüdauf zu und wünschen ihm und den Arbeitern, daß er noch recht lange Zeit hindurch in ungebeugter Kraft erfolgreich als Vorkämpfer der Arbeiter wirken möge!" Die Anerkennung der Tätigkeit Bods durch Franz Mehring, der wie nicht viele die Geschichte der Partei und die Rolle, die die einzelnen Genossen in derselben spielten, tannte, sowie die Liebe und Verehrung, die ihm alle ehrlich überzeugten Sozialisten entgegenbringen, wiegen schwerer als die Verunglimpfungen wildgewordener Spießbürger. Unserem alten Kämpen, der heute in förperlicher und geistis ger Frische, von Jugendlichem Kampfesmut beseelt, sein 76. Lebensjahr beginnt, rufen wir ein herzliches Glückauf zu. Wir hoffen und wünschen, daß er noch viele Jahre in ber gleichen Frische, dem gleichen Feuereifer für die Sache ber Arbeiter fämpfen möge. Glüdauf, Wilhelm Bod! Lohnherabfehungen in der englischen Textilindustrie. Da die Kosten für den Lebensunterhalt herabgegangen find, hat der In duftrierat von Bradford beschlossen, in der Textilindustrie eine neue zehnprozentige Lohnherabjegung vorzunehmen. Es ist die vierte Lohnherablegung seit Beginn dieses Jahres. Landtagswahlen in Niederösterreich- Land Bei den Landtagswahlen in Niederösterreich- Land haben die Gie Kommunisten eine vollendete Pleite erlebt. Find mit außerordentlichen Hoffnungen in den Wahlkampf gezogen und fehren bitter enttäuscht daraus zurüd. In den vier Wahl treisen haben sie gegenüber den Nationalratswahlen im Oktobet vorigen Jahres ganze 200 Stimmen gewonnen. Im Kreise Krems hat sich fein Finger für die Kommunisten erhoben, während die Sozialdemokra en dort 23 535 immed aufgebracht haben, gegen 19 440 Stimmen bei den Nationalrats wahlen. Im Kreise Korneuburg betragen die Rablen: für die Kommunisten 387 gegen 653, für die Sozialdemokraten 37 143 gegen 26 933. Jm Wahlkreis Wiener Neustadt haben die Kommunisten 3813 Stimmen erhalten, die Sozialdemokraten 130 608, während die Zahlen bei der National ratswahl 3183 und 122131 betragen haben. Im Wahlkreis St. Sölten lauten die Zahlen: Kommunisten 1440 ( Nationalratswahl 1727), Sozialdemokraten 50 802( 45 978). Insgesamt haben die Kommunisten 5700 Stimmen auf gebracht, die Sozialdemokraten 240 277 S.immen. Der englische Bergarbeiterstreik EM. London, 27. April. Heute nachmittag wird Arbeitsminister Horne mit den Arbeitern die Möglichkeit einer nationalen Lohnrege lung mit gewissen Ausnahmebestimmungen für einige wenige Bezirke besprechen. Die Regierung schlug vor, daß die im Mai vorzunehmenden Lohnherabsehungen nicht mehr als 3,6 Shillings betragen dürften. Inzwischen macht sich der Kohlenmangel immer fühl barer. Am Freitag voriger Woche fonnte der Pftdemper Nars funda London nicht verlassen, well er nicht genügend Rohlen hatte. Die Straßenbeleuchtung Londons wird auf das„ Kriegsmaß" eingeschränkt. Am nächsten Montag werden neue Eina schränkungen im Eisenbahnverkehr vorgenommen, der bereits nur ein Drittel des normalen Verkehrs beträgt. Frisches Fleisch Suppenfleisch...... Pfund 850 Rinderbrust... Pfund 950 Schmorfleisch m. Knoch. Pid. 1200 Gehacktes... Pfund 1100 Kalbvorderfleisch Phund 950 Schmalz garantiert rein. Pfund 975 Pfund 975 Lebensmittel Weiße Bohnen Pid. 75Pt. Riesen- Erbsen Pfund 185 Grüne Erbsen Pfund 175 Vollreis....... Pfund 230 Corned Beef..... D... 5" Margarine......... Pfund 785 Speck geräuchert Pfund 230 Speckgeräuchert... Flund 9 Binder Wurst D Haferflocken Pfund 20 Pflaumen Pfund 425 Nudeln Pfund 5.90 Kunsthonig.. Pfund 425 mit Zucker Rotwurst... Pfund ... Pfund 1100 Leberwurst nach Hall. Art 1100 10 Pfund Landieberwurst Pfund 1300 Fleischwurst Pfund 1400 Jagdwurst Teewurst ..... Pfund 1800 Plund 2300 Tilsiter Käse. Pfund 620 Maismehl entbittert und 20 Marmelade Zucker.. Plund 3 Kond. Milch( Magermilch) 590 Kabeljau frisch, ohne Kopf, Land- Käse....... Pfund 740 Gouda- Käse........... Pfund 1050 .......... und 1050 entŏlt Maisgries entbittert und entölt Pfund 240 ( Vierfrucht) 50% Beine ... Dose Kaffee frisch gebrannt 1700 ..... Pfund groß Kartoffelmehl Pfund 295 Kaninchen und Pfund 40 Salzheringe Tack 30P Leberwurst 2- Ptund- Dose.. 30| Alpenmilch Blutwurst 2- Ptund- Dose.. Korbsessel 8" starke wuisilenne, geflochtener Sus 23 *** Pfund 30P2 im ganzen Pfund 230 Rhabarber....... Frischer Spinat... Pfund 55P 650 ( Schweizer) Kondens. Vollmilch unges. Dose leicht gesalzen co Schweinefleisch" Sahnen- Bonbons....... Pfund 390 Pfund 390 Stahl- Späne Plund .......... Paket 295 ( Salmiak) Schokolade garantiert rein, 100- Gr.- Tafel 400 Terpentin- Seifenpulver d 395 Blumen- Seife........ ............... Stück 195 Bohnerwachs ...... Pfund- Dose 975 JANDORF 50 Belle- Alliance- Str. Große Frankfurter Str. Brunnenstr. Kottbaser Damn Wilmersdorfer Str. Theater und Bergnügungen Volksbühne Leffing- Theater 7%, Uhr: Antigone Direkt. Bictor Barnowsky Neues Volkstheater Gin idealer Gatte Köpenicker Str. 68. 7 Uhr: Rose Bernd Staatstheater. Overnbaus 6%, Uhr: Carmen ecan pielhaus 7 Uhr: Taffe Direktion: Mar Reinhardt. Dentiches Theater 8 Uhr: Woyzeck Kammerspiele 7: Frühlings Erwachen Großes Schauspielhaus Rariftrage 71. Der Kaufmann von Venedig ( Außer Abonnement) Theater i. b. Königgräßer Str.: Freitag 7 Uhr Peer Gynt Sonnabd. 71, Uhr: Gespenster Loffen, Reigbert, Abel, Gog, Loos Sonntag 7: Ein idealer Ga te Montag 7 U.: Gespenster Deutsch. Künstl. Theater Allabendlich 71% Uhr: Die felige Grzellenz ( Adalbert Junkermann, Büller) Residenz Theater Täglich 7%, Uhr: Das Privileg ( Paul Wegener, Lucie Höflich, Sika Grüning, Ad. Edgar Licho) Kleines Theater 7%, Uhr: Tur ein Traum Luftfpiel von Lothar Schmidt. ( Oiga Limburg, Eugen Borg) Teglich 7.30 Ubr: Das Luftfpiel: Thalia- Theater kugby Komödienhaus: Allabendlich 7, Uhr: Die Sache mit Cola mit Mag Ballenberg Berliner Theater: Allabendlich 7.30 Uhr: Milliarder Silbe Wörner, Kaph ritur Roberts, Uschi Ellest, Gerb.Riper, Paul Reblopi Trianon Theater Täglich 8 Uhr: Rolen von Hermann Sudermann ( Olga Limburg, Carola Toelle, Käthe Haack. Falkenstein, Ballentin, Schroth, Bendow Komische Oper Allabendlich 7', Uhr: Luderchen 7%, br: Mascottchen 1,8 Folies Caprice 1,8 am Oranienburger Tor Am Badejirand mit Ferd. Grinecker Sheater 8 Casino Theaters Bollrich& Sohn Sommer- Theater Schweizergarten Stg. 31, Uhr: Höllenqualen Theater a. Kottb. To Tel. Moritzplatz 160 77 Tägl. 7, u. z. halb. PreisSonntag nachm. 3 Uhr: Elite- Sänger JubiläumsApril Programm Vorverk.: 11-14 u. 4-6 Uhr METROP VARIETE KABARET 7126 Benrenstraße 54 präz. 7, Uhr: 12 Schlager Residenz- Kasino Blumenstraße 10 Täglich: BALL Königstadt- Theater Alexanderstr. 21 Bhf. Jannowitzb. Saglid Gloria- Sänger 7.30 U.: Königstadt- Kasino Holzmarktstraße 72 2äglich: am Rollendoriplas Großer Ball! 7 Uhr: Der Better ous Dinasha Walhalla- Theater Fledermaus Roje- Theater Täglich 7, Uhr: 74, Uhr: 3m Café Noblesse 7 Apollotheater 71/2 Friedrichs raße 21s Gastspiel des Wiener Ronacher- Theaters mit Erich Kaiser- Titz sowie 8 weitere Sensationen für die ältere Jugend *. Antung! Arbeiterräte! Einige hundert Rm. trocknes Knappelund Astholz zu M.48,-p. Rm. ab Lagerplatz bietet an: Rohlenkontor Wedding G. n. b. H. N. 39, Fennstr. 22-26 Tel. Moabit 7058 Am Friedrichshain 29.32 Gonntag, den 1. Mai, Eröffnung des herrlichen Sommergartens Große Maifeier verbunden mit Konzert u. Spezialitäten, dazu das Lebensbilb " Arbeit schändet nicht" Entree auf allen Plägen 1.50 Mark Raffeneröffnung 2 Ubr Anfang der Borffeffung 4 thr Eröffnung der Baupifaifon Sonntag, 15. Mai Pfingsten) mit ber großen Ausstattungsoperette Die Fahrt ine Glidsland" Am 1. u. 2. Pfingfifeleriag: Großes Frühfonzert unb Borstellung 3m neuerbauten 500 Quadratmeter arofiem Scale Jeff Ball Alle Metalle Preiserhöhung! Lötzinn! Zinn! Weißmetal tet: Bahngebisse! Babn bis Dringend für Spezialgebrauch! Kupfer! Rotgus! effing! Michel! Platinabfälle! 100.Aluminium! Golba. Silberbruch! gob Bink! Staniolpapier!. filberbaftige Rildande! Duerfilber! Talpeterf. Silber! Glühstrumpfafchen on.160.kauft zu Tageskurfen: Edelmetall- Gialaufsbüro, Weberstraße 31 Wir empfehlen: G. E. G. Lichtenberg 4. Viertel, 15. Abtlg. Am 25. April verstarb nach schweremLeiden unser langjähriges Mitglied Fritz Sydow Wilhelmftr. 45, im Alter von 63 Jahren. Di. Be erdigung findet am 30. April, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle bes RummelsburgerFried hofes, Lückstraße, ftatt. Ehre seinem Andenken! Um rege Beteiligung er fucht Die Distriksleitung. Händler Seife, Lichte, Schuhcrem, Streichhölzer Korbsessel 59" In solder guter Ausführung Deutscher Metallarbeiter- Berband Berwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige Den Kollegen zur Nachricht, daß folgende Mitglieder gestorben find: Der Schloffer Franz Sauerbaum Jnvalidenstr. 118, am 22. b. m. Die Einäicherung findet am Freitag, den 29. April, nachm. 4, Uhr, im Krematorium Gerichtstraße ftatt. Der Dreher August Wieseler Seeftr. 62, am 25. b. m. Die Einäicherung findet am Freitag, den 29. April, nachm. 1%, Uhr, im Krematorium Gerichtstraße ftatt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung wird erwartet. Die Ortsverwaltung. iegt konkurrenzlos billig! Verband der Gemeinde- u. Staatsarbeiter Nur gut.Qualitätsware Dietz, Kl. Frankfurter Str. 13 Makkaroni ( Pfeifen) Pfund 8.- Mark Eine vorzügliche Ware, die aus feinstem amerikanischen Hartweizengrieß hergestellt ist. Vorrätig in allen Verkaufsstellen der Konsum- Genossenschaft Berlin u.Umgegend c. G. m. b. H. O tsverwaltung Berlin. Freitag, den 29. April 1921, abends 6 Uhr, im Großen Saal des Gewerkschaftshauses, Engelsfer 15 Ordentliche Generalversammlung Tagesordnung: 1. Duartals Bericht. 2. Antrag auf Ausschluß eines Mitgliebes. 3. Verbandsangelegenheiten. 4. Beratung des neuen Drisftatuts. Eintritt nur gegen Vorzeigung der Delegiertenkarte unb bes Mitgliedsausweises. Die Ortsverwaltung Zum 1. Mai Wir demonstrieren! 5 2ieder für Massengefang 50 Pfennig Organisationen u. Händlern hoher Rabatt Buchhandlung„ ,, Freiheit“ Berlin 2, Breite Straße 8-9 KON LINON auch RASSAR CLASS Massary 30.8 lasse rund dick! Mr. 194 Groß- Berlin Die schwarze und die weiße Schmach Da in Deutschland für alle Dinge Vereine gegründet werden müssen, hat man auch zur Bekämpfung der sogenannten schwarzen Schmach" eine Vereinigung gebildet, deren erstes Produkt ein aufklärender Film" ist. Dieser Film wurde gestern nachmittag vor Vertretern der Presse in der Schauburg vorgeführt und soll offenbar in allen Kinos gezeigt werden. Die Leute haben zweifellos richtig spekuliert. Zu feiner Art der Agitation braucht man so wenig tatsächliche Unterlagen, als zu einem Film; bei entsprechendem Szenenaufbau, handgreiflicher Dramatit und aufreizenden Zwischentexten läßt sich an nationaler Verhehung schon alles mögliche erreichen. Dieser Film ist denn auch mit einer solchen Verlogenheit, Uebertreibung tatsächlicher Borgänge und so plumper Tendenz hergestellt, daß die Besichtigung dieses Machwerks bei jedem anständigen Menschen Verachtung und Efel erweden muß, und daß man die deutschnationalen Herrschaften ob ihrer geistigen Armut bedauert, daß fie teine besseren Argumente haben. Trotzdem ist der Film aber auch sehr gut. Er zeigt nämlich jedem, der sie aus eigener Erfahrung nicht tennt, die hauptsäch lichsten Folgeerscheinungen des Militarismus, einerlei ob französischer oder deutscher Couleur. Ein französischer Offizier bemerkt in diesem Film einem deutschen Beschwerdeführer gegenüber: 40 000 traftstrogende Kerls, die seit langer Zeit von ihren Frauen entfernt find was wollen Sie?" Haben sich denn die Verfasser dieses Films nicht überlegt, daß dieje 40 000 Kerls von Gefühlen getrieben werden, die nicht etwa nur ben Negern eigentümlich, sondern allgemein menschlich find? Was glauben benn die Veranstalter des Films, wie es den mehr als 40 000 traftStrogenden Reichswehrsoldaten ergeht? Wer z. B. die Besetzung Leipzigs durch die Nostetruppen erlebt hat, und die zahlreichen Ueberfälle auf Mädchen in den Waldungen um Leipzig fennt, für den steht zunächst einmal fest, daß es den Regern der französischen Kolonialtruppen nicht anders geht, wie jebem Opfer, des Militarismus. Gerade weil die Arbeiterschaft den Militarismus jeben Landes, nicht nur den tolonialen Militarismus Frankreichs, auf das entschiedenste bekämpft, muß fie feststellen, daß derartige Ausschreitungen nicht nur von den fulturell tiefstehenden Regern, sondern noch viel raffinierter und perverser nicht zulegt von den deutschen Offizieren begangen worden find. Deshalb ist diese Spekulation auf die Ueberhebung der weißen über die schwarze Raffe ebenso plump als geistig tiefstehend. Dem entsprechen auch die Mittel des Films. Um alle Rasseninstinkte aufzupeitschen, zeigt man einige Sekunden lang das Bild zweier gewiß nicht sonderlich flug aussehender Negersoldaten. Man fann aber darüber im 3weifel sein, ob ein akademisch zerhadtes, deutschnationales Leutnantsgesicht, mit Monotel natürlich, unter einem Stahlhelm sehr viel intelligenter aussieht! Die, allerdümmfte Spekulation dieses Films ist aber die Aus dehnung dieser nationalen Einheitsfront" und Moralheuchelei auf die Arbeiterklasse. In dem Film tritt ein Arbeiter auf, der erklärt, einen Appell an das ganze Proletariat richten zu wollen zur Bekämpfung der schwarzen Schmach. Das Proletariat ver bittet es sich ganz entschieden, von denselben Nationalisten, die es während des Krieges gepeinigt haben und beren Handlungs. weise noch heute um feinen Deut besser ist als die der Neger, seinen sittlich hohen Gedanken der Internationale in eine Bewegung hineinzuziehen, die von dem Schmutz der Militaristen der verschiedenen Länder erzeugt worden ist. Da ble Arbeiterschaft leider einen großen Teil der Kinobesucher stellt, so muß an fie die Aufforderung gerichtet werden, bei solchen fpontanen Rundgebungen, wie sie gestern in der Schauburg erfolgten und die zweifellos noch häufiger vorkommen werden, den Nationalisten gegenüber die Würde zu wahren und von den unsauberen Herrschaften entschieden abzurücken. Hundert Prozent Die Geschichte eines Patrioten Roman von Upton Sinclair Aus dem Manuftript übertragen von Sermonia 3ur Mühlen Copyright by Der Malit- Verlag Berlin- Salenfee 1921 ( 39. Fortfegung) ( Rachorud verboten) ,, Sie glauben vielleicht, hier sei eine Gelegenheit, über uns hinwegzuspringen, an die Spitze zu gelangen, aber vergessen Sie nicht, Peter Gudge, wir besigen eine Maschine, und auf die Dauer siegt immer die Maschine. Wir haben mehr als einen, der uns Streiche spielen wollte, vernichtet. Der alte Nelse wird Ihnen einen hohen Preis anbieten, nach kurzer Zeit jedoch wird er Ihrer überbrüssig werden. Dann müssen Sie zu uns zurückkehren, und bei Gott, ich warne Sie, wenn Sie fich schlecht gegen uns benehmen, wird Guffey Sie in fürzester Zeit wieder sicher im Loch haben, und Sie werden auf einer Tragbahre herauskommen." Beter Schwor abermals Treue, benügte gleich die Gelegen heit und fügte hinzu: Finden Sie nicht, daß Herr Guffen etwas für mich tun sollte, weil ich die Verschwörung entdeckt habe?" Ja, das wäre bloß gerecht." Und dann begannen Sie zu handeln. Peter wies auf die Gefahren hin, denen er sich ausgesetzt habe, und die Ehren, die andere eingeheimst hatten. Guffey habe zwar in den Zeitungen feinen Ruhm errungen, doch habe er sich bei seinen Arbeitgebern beliebt gemacht, tönne dies in noch höherem Maße tun, wenn Peter beim König von American- City für ihn eintrete. Peter meinte, dies müsse tausend Dollars wert sein, er brauche aber das Geld sofort, noch bevor er mit dem König zusammenkomme. Me Gionen zunzelte zornig bie Stirne. Hören Sie, Gudge, haben Sie wirklich die Frech heit, für 3hr abgefartetes Spiel Gelb zu verlangen?" Mc Givney behandelte Peter meist als einen Feigling, einen schwächlichen Bluffer, doch hatte er bereits erkannt, es gebe Zeiten, da ber kleine Mann gleichsam seine Natur ändere; dies war meist der Fall, wenn es fich um Gelb handelte. Um dieses handelte es sich auch jetzt, und Beter gab Mc Givneys wütenden Blid unerschroden zurück: ,, Wenn Ihnen mein abgefartetes Spiel mißfällt, brauchen Sie es ja bloß in die Zeitung zu bringen." Beter war wieder ein Bulldogg, hatte sich in die Nase des anderen Bulldoggs verbissen. Er hatte schon häufig gefehen, wie der rattengejichtige Mann Geld aus der Tasche zog und wußte genau, auch diesmal sei Mc Gionen nicht unvorbereitet Beilage zur„ Freiheit" Wir hoffen, daß der Film der Aufklärung bienen wird; wenn auch nicht in dem Sinne, wie es die Veranstalter wünschen. Immerhin werden sich viele Kinobesucher, die den Krieg in dem glorreichen deutschen Heere mitgemacht haben, an Vorfälle erinnern, wo die Handlungsweise der Besagungstruppen, beson bers aber ber Offiziere der Ortstommandanturen gegenüber der Bevölkerung mit der jetzigen Handlungsweise der Franzosen recht verzweifelte Aehnlichkeit hatte. Und das ist schließlich das Wesentlichste: zu erkennen, dağ alle diese Auswüchse gemeinjame Folgen einer gemeinsamen Ursache sind, nämlich des Militarismus. Es ist eine Tragit der Geschichte, daß unter diesen Folgen des Militarismus jetzt vor allen Dingen bas Land zu leiden hat, das ihn hervorgebracht hat; Deutschland. In Deutschland selbst besteht die einzige Hoffnung auf Befeitigung des Militarismus und seiner unmenschlichen Folgen in einem starten Proletariat, das die Ursachen erkannt hat und alles daran sehen wird, sie zu beseitigen! Neue Anstalten der Ortskrankenkaffe Die bekannten Nervenheilanstalten der Herren Geheimzat Fräntel und Oliven in Berlin- Lantwik, find am 1. März d. J. zunächst pachtweise an den Berband der Krankenkassen im Be zirt des Oberversicherungsamtes Groß- Berlin übergegangen. Das große, weitausgedehnte Terrain ist außerordentlich günstig gelegen, vom Teltowtanal, von der Eisenbahn und von zwei Straßen begrenzt und zur Aufnahme von 500 Kranken, mit folgenden Stationen eingerichtet: 1. Innere Station: Leiter Professor Dr. Zülzer( 160 Betten). 2. Chirurgische Station, die zur Hälfte vom Chefarzt der Anstalten, Dr. Silberstein, zur anderen Hälfte vom Oberarzt Dr. Wendriner versorgt wirb( 160 Betten). 3. Nervenabteilung, unter Ausschluß von Geistestrankheiten, leitender Arzt Dr. Lo wenstein( 70 Betten). 4. Abteilung für Hautkrankheiten, zunächst nur für männliche Krante, die in Vertretung des Herrn Brofeffor Dr. Blaschto vom Oberarzt Dr. Siebert geleitet wird ( 44 Betten). 5. Gynäkologische, geburtshilfliche Abteilung, die 66 Betten umfaßt und unter Leitung von Professor Dr. Sachs fteht. Außerdem ift eine Röntgenabteilung vorhanden, die Herrn Dr. Aberholdt unterftellt ist, ein pathologisches Institut, ein großes Laboratorium, eine Badeanstalt und ein medico- mechanischer Uebungssaal. Die Behandlungsräume find mit modernen elettro- medizinischen Apparaten ausgestattet. Die Krantenpflege sowie der Wirtschaftsbetrieb ist dem St. Hildegard- Haus( Schwestern vom Roten Kreuz des Hauptvor Standes des Baterländischen Frauenvereins) übertragen, und sind gegenwärtig 55 Schwestern, einschließlich Schülerinnen tätig, ba dem Krankenhaus auch eine Krantenpflege- Lehranstalt angeglie bert ist. Außer dem Chefarzt und den genannten leitenden Serren Aerzten find noch 10 Assistenzärzte beschäftigt. Das ganze Areal umfaßt 49 Morgen, auf dem sich weitaus gedehnte Garten- und Partanlagen befinden, außerdem auch noch Landwirtschaft betrieben wird. Die an den Verband angeschlossenen Krantentassen hegen die Hoffnung, daß durch die getroffene Neueinrichtung, der in Berlin herrschende Bettenmangel wesentlich verringert und die Kranten besser und zwedentsprechender untergebracht werden, wie dies in einer Reihe der Berliner Privatkliniken bisher der Fall war. Die Patienten werden auf diese Weise auch vor Nachzahlungen geschützt, die fortgesetzt Anlaß zu unliebsamen Differenzen gaben. Zur Linderung der Wohnungsnot trägt folgender interessanter Fall bei, den uns ein Leser unserer Zeitung mitteilt. Eigenartige Brattifen müssen bemnach bei ber 10. Wohnungs inspektion herrschen, läßt es boch diese zu, daß in dem Hause Gräfestraße 18, 2 Treppen, eine Sechszimmerwohnung feit geraumer Zeit leer steht, wiewohl ein Vertrag zwischen Vermieter und neuem Mieter schon geschlossen ist, beteht dennoch nicht die Möglichkeit, die Wohnung zu beziehen, weil ber bisherige alte Mieter, wohnhaft in der Großbeeren Straße 7/8, infolge Erbschaftsregulierung die Wohnung mit Unterstützung des Hauswirtes für sich reserviert hält. In welcher Weise die 10. Wohnungsinspektion verfährt, ist unverständlich und gefeglich in feiner Weise begründet. Die in der Gräfeftraße 18 II gelegene Wohnung wurde am 25. Februar d. J. bem jezigen Mieter von der 10. Wohnungsinspektion in der Hollmannstraße überwiesen. Am 26. Februar schloß dieser mit dem Hauswirt einen Mietsvertrag, welcher auch von ber 10. Woh hergekommen. Er beharrte daher auf seiner Forderung: tausend Dollars, oder nichts. Und wie das erste Mal trampfte fich ihm das Herz zufammen, da Mc. Givney das Geld hervorzog, und Peter sah, er habe weit mehr mitgebracht. Doch tröstete sich Peter mit dem Gedanken, daß tausend Dollars eine ganz hübsche Summe seien, und strebte fröhlichen Mutes Nelle Adermans Haus zu. Er beschloß, Nell nichts von diesem Extratausend mitzuteilen; wenn die Frauen entbeden, daß man Geld hat, so ruhen und raften sie nicht, ehe haben, das Ganze auszugeben. fie jeden Cent davon erhalten, oder einen zumindest veranlaßt 51. Nelse Adermans Haus befand sich außerhalb der Stadt auf einem walbigen Hügel. Die nächste Tramhaltestelle war etliche Meilen entfernt, und Peter mußte lange durch die Sonnenhize wandern. Anscheinend war dem großen Banfier, ba er das Haus erbauen ließ, niemals eingefallen, jemand, ber fein Automobil besigt, fönne ihn aufsuchen wollen. Beter dachte, während er so dahinschritt, auch er werde, wenn er viel in den höheren Kreisen verkehrte, fich der Gilde der Automobilisten anschließen müssen. Der Park wurde von einem gewaltigen Bronzezaun um= friedet, der zehn Fuß hoch war und in ungaftlich aussehende Spigen endete. Beter hatte in der„ Times" häufig von diesem Bronzezaun gelesen wie viele Darbs lang er Tei, wie viel Spigen er habe, wieviel tausend Dollar er gekostet habe. Große Bronzetore schlossen das Besitztum ab, eine Tafel verkündete: Bor dem Hunde wird gewarnt!" 3nnerhalb der Tore schritten drei flintenbewaffnete Wachen auf und ab; dies waren die Folgen der Dynamitverschwörung, abet Beter wußte das nicht, hielt die Wachen für eine ständige Einrichtung, für ein Symbol der ungeheueren Wichtigkeit des Mannes, den er besuchen wollte. Er drückte auf einen Knopf am Tor, ein Mann erschien, und Peter gab, den erhaltenen Befehlen gehorchend, seinen Namen an: Arthur G. Gillicuddy". Der Torhüter begab fich in seine Loge, telephonierte, kam dann zurück, öffnete bas Tor, und ließ Beter ein. Sie müssen durchsucht werden," sagte der Torhüter, und Peter, der schon so oft verhaftet worden war, fühlte sich keineswegs beleidigt, faßte auch dies als Beweis der ungeheueren Wichtigkeit Nelje Adermans auf. Die Wachen durchsuchten seine Tasche, tafteten ihn ab, einer von ihnen fchritt Peter Doran, führte ihn auf einen Kiesweg durch den Walb, über eine Marmortreppe ben Hügel hinan bis zum Palast und übergab ihn dann einem chinesischen Diener, der lautlos auf Filafohlen einherging. Donnerstag, 28. April 1921 nungsinspektion genehmigt wurde. Als der Mieter nun am 1. März die Schlüssel zu seiner Wohnung verlangte, wurden ihm diese vom Hauswirt verweigert. Trotz aller Beschwerden beim Wohnungsamt der Stadt Berlin, wie auch beim Wohlfahrts= minister Stegerwald, steht die Wohnung heute noch leer. Der frühere Mieter, welcher in der Großbeeren- Straße noch eine Wohnung inne hat, benugt die Wohnung nicht, sondern hält hie reserviert für eine Berwandte, zum Schein läßt er jegt in die völlig leerstehende Wohnung einige Möbel aufstellen. Selbst die 6. Revierinspektion der städtischen Gaswerke muß bestätigen, daß die Wohnung unbenutzt ist, weil sie einmal feine Standaufnahme bes Gasmessers machen tann, weiter aber feststellte, daß seit dem 22. Oftober v. J. fein Gas verbraucht ist, fie infolgedessen den Gasometer entfernen wollte, was unmöglich war, da die Wohnung immer verschlossen und niemals jemand anzutreffen ist. Einen Antrag auf zwangsweise Einsegung in die Wohnung lehnte bas Mietseinigungsamt 10 ab, weil jest nach fünf Monaten der Hauswirt gegen die Beschlagnahme der Wohnung protestierte. Auch ein Bureaugehilfe der 10. Wohnungsinspektion erklärte, die Beschlagnahme der Wohnung sei zu Unrecht geschehen, selbst die Prüferberichte feien nicht ausreichend, da die Wohnung zu früh zugewiesen sei. Es gewinnt den Anschein, als ob in den Wohnungsämtern Personen figen, die völlig ben 3wed ihres Daseins verkannt haben. Dringend nötig ist es doch, daß sich die Betreffenden einmal recht eingehend mit den Bestimmungen über die Maßnahmen zur Hebung des Wohnungsmangels vertraut machen. Im vorliegenden Falle sind die Angaben des erwähnten Bureaugehilfen von der 10. Wohnungsinspektion Jogar dem Mietseinigungsamt aufgefallen. Eine schlimme Gefahr besteht für die Wohnungsämter aber in ihrem Paftieren mit den Hauswirten. Würden die Wohnungsämter geleitet von Beamten, die sich ihrer so= zialen Aufgabe bewußt find, so wäre es unmöglich, baß auf der einen Seite große Doppelwohnungen geduldet würben, während auf der anderen Seite zwei, oft auch noch mehr Familien in eine fleine Wohnung zusammengepfercht leben, um so Not, Elend und vor allem Krankheiten zu vermehren. Hier einzuschreiten und schnelle Abhilfe zu schaffen, ist Sache der übergeordneten Behörde, aber auch solche rücksichtslose Beamte sind an diesen Plägen ungeeignet, fie müssen durch fähige Leute ersetzt werden, wollen sie nicht den Gedanken der Korruption auftauchen laffen. Anhaltende schlechte Lage auf dem Arbeitsmarkt Amtlich wird mitgeteilt: Während in anderen Jahren der Monat März eine erhebliche Berringerung der Erwerbslofenzahl gebracht hat- im Jahre 1920 um mehr als 40 000 ist diesmal eine nennenswerte Abnahme leider nicht zu verzeichnen. Die Zahl der Haupt- Unterstügungsempfänger beträgt im Reiche gegenüber 428 000 im Bormonat 417 000, darunter 337 000 männliche und mehr als 80 000 weibliche. Soweit eine Abnahme der Unterstügungsempfänger zu verzeichnen ist, beruht fie insbe sondere auf der Belebung des Bauwesens durch die verschiedenen in dieser Richtung wirkenden gesetzlichen Maßnahmen, sowie darauf, daß die mildere Witterung die Rotstandsarbeiten der produttiven Erwerbslosenfürsorge in größerem Umfange ermöglichte. Stellen die Ziffern der unterstüßten Erwerbslosen auch nur einen Ausschnitt aus der sehr viel größeren Zahl der Erwerbslosen überhaupt bar, so daß sie ein abschließendes Urteil über die Lage und Entwicklung unseres Arbeitsmarttes nicht gestatten, so ergeben sich aus den angeführten Teilziffern doch sehr günstige Rüdschlüsse auf die Gesamtarbeitslage. Dazu tommt, daß eine durchgreifende Besserung in ab fehbarer Zeit nicht zu erwarten ist. Frühlingsfeier am Wupatfee ㄓ ㄤ: diax Die reaktionäre Arbeiterschaft nimmt regen Anteil an allem, was zur Stärkung des Klaffenbewußtseins beiträgt. Sie legt großen Wert darauf, wie das Proletariat in den targen FeierStunden, die ihm die tapitalistische Wirtschaftsordnung läßt, feine Feierstunden" verlebt! Eine schrecklich eindringliche Sprache reben: bürgerliches Theater, Kino, Tanzboden, Klimbimvereine( Spar-, Lotterie-, Geselligkeits-, Stat vereine usw.) und schlimmer: bürgerliche oder gar neutrale" Sports, Wander- und ähnliche Vereine. Das Bedürfnis der flaffenbewußten Arbeiterschaft, seine Frei zeiten in gleichgesinnten Kreisen zu verleben, führte zur Grünbung von Arbeiter- Bereinigungen. Arbeiter= Sportvereine haben nur dann für den wirtschaftlichen und politischen Kampf der Arbeiterschaft ihren Wert, wenn durch fie ein Teil mehr Erkenntnis ihrer Lage, ihrer Kraft, ihrer Gemeinschaftlichkeit gebracht wird. Der Arbeiter Wanderbund Sätte Peter nicht gewußt, dies fei ein Privathaus, er würde es für eine Stunstgalerie gehalten haben. Ungeheuere Marmorsäulen ragten auf, Bilder, höher als Peter, hingen an den Wänden, Gobelins, auf denen sich lebensgroße Pferde tummelten. Es gab gepanzerte Ritter, Streitärte, tanzende japanische Teufel und andere feltfame Dinge. Sonit hätte es Peter interessiert, zu sehen, wie ein großer Millionär sein Heim fchmüdt, er hätte die Wonne, fich inmitten solchen Lurus zu befinden, gierig geschlürft. Jest jedoch nahm das gefährliche Borhaben alle feine Gebanten in Anspruch. Nell hatte ihm eingeschärft, worauf er achten müsse, und dies tat er. Da er die mit Sammetteppichen belegte Treppe emporstieg, sah er einen Vorhang, hinter dem sich ein Mensch verstecken konnte, und gerade gegenüber das Bild eines spanischen Kavaliers. Diese zwei Dinge merkte er sich. Sie durchschritten eine Salle, an deren Ende der Diener gegen eine Tür pochte. Dann betrat Peter einen großen halbdunklen Raum. Der Diener zog sich lautlos zurüd, und Beter verharrte verwirrt, suchte erschroden, sich zurechtzufinden. Auf der entgegengesezten Seite des Raumes wurde Susten laut, der an einen Kranten gemahnte. Peter erblickte ein dunkles Holzbett, über das sich ein Himmel wölbte und bas von Draperien umhüllt war. Im Bett befand sich ein Mann, von unzähligen Kissen gestützt. Er hustete abermals, fagte dann schwach: Hier her." Peter durchquerte bas Bimmer, blieb etwa zehn Fuß entfernt nom Bett stehen, hielt den Hut in der Hand. Er fonnte nicht viel von dem Injaljen des Bettes sehen, hielt es auch für respektlos, ihn allzu sehr anzuftarren. Sie find allo-( ein Süften)- Wie heißen Sie?" Gudge." Sie sind also der Mann( ein Husten), der alles über die Roten weiß?" „ Ja, Herr." Der Mann im Bett hustete nach jedem zweiten Wort, und Beter bemerkte, daß er dabei jedesmal die Hand vor den Mund hielt, als schäme er sich, einen solchen Lärm zu machen. Allmählich gewöhnten sich Peters Augen an das Dämmerlicht, und er vermochte zu unterscheiden, daß Neffe Aderman ein alter Mann war, mit aufgebunsenen Wangen und dunklen Schatten unter den Augen. Er war ganz fahl, trug ein geftiates schwarzes Seidentäppchen und über dem Nachthemd eine furze geftiate Jade. Neben dem Bett befand sich ein Tisch, auf dem unzählige Gläser und Flaschen, sowie ein Teles phon standen. Alle paar Minuten flingelte das Telephon, und Aderman unterbrach das Gespräch mit Peter, regelte irgendeine verwidelte Geschäftsangelegenheit. Ich habe be reits meine Bedingungen festgesetzt" sagte er gereizt und huftete Bortlegung folgt.) Naturfreunde hatte am lehten Sonntag zu einer Früh. lingsfeier am Bupagsee" eingeladen. Hunderte fanden fich beim herrlichsten Frühlingswetter an dem fleinen märkischen See, taum eine halbe Stunde von Ertner entfernt, zusammen. War es eine Feier? Ein Fest? Frühling ringsum in der Natur. Frühlingsjauchzend die Jugend! Frühlingssehnen, Frühlingsfeimen in jedem Herzen, einem schöneren Frühling entgegen, der ein Ende macht mit dem Winter der kapitalistischen Gesellschaft. Rann in einer Ansprache anderes gesagt werden, als alle Zuhörer fühlen? Unſer proletarisches Empfinden, gewedt und geschärft durch den unerbittlichen Werktagstampf, erlebt gemeinschaftlich reine Freude! Unser Gemeinschaftswille läßt uns be= geistert das Frühlingslied der revolutionären Arbeiterschaft fingen:„ Büder, zur Sonne, zur Freiheit! Brüder, zum Licht empor!" Gesang, Mufit, Vollstänze, allerlei findliche Spiele der Kleinsten, ein buntes Treiben. Würdig als Abschluß: gemeinsamer Abmarsch nach Ertner, wo mancher Spießer wohl seine Ohren spizte beim Klang der Internationale". Roheitsakt eines Polizeibeamten Bei einer äußerst rigoros durchgeführten Zwangsräumung des Schöneberger Wohnungsamts in einer tleinen Wohnung in der Neuen Winterfeldistr. 17, wo eine Wöchnerin mit ihrem Kinde und einer franten Amme wohnte, tam es zwischen den sehr rücksichtslos vorgehenden Beamten vom. Wohnungsamt und dem früheren Hausverwalter, dem bekannten ehemaligen Radsportsmann Otto Lüders, zu einem erregten Wortwechsel. Wie auf Verabredung stürzte plötzlich der mitanwesende Unterwachtmeister 3iervogel von der 3. Hundertschaft der PolizeiabteiTung Schöneberg auf 2. los, umflammerte ihn wie einen Ringtämpfer und versuchte, ihn nach der auszuräumenden Wohnung fortzudrängen. Obwohl noch einige andere Beamte vom Wohnungsamt nun auf L. einschlugen, hatte sich diese in wenigen Sefunden von seinen Angreifern befreit, um seiner Wege zu gehen, zumal er nicht die Absicht hatte, das Ausräumen der Wohnung zu hindern. In diesem Augenblid zog 3iervogel sein Seitengemehr, stürzte hinter Lüders her und schlug den ahnungslos fortgehenden Menschen hinterrüds auf den Kopf, so daß er eine schwere Verlegung am Sintertopf davontrug und blutüberströmt seine im selben Hause gelegene Wohnung aufsuchen mußte, wo er notdürftig verbunden wurde. Als er sich zum Arzt begeben wollte, wurde er beim Verlassen des Hauses von drei Polizeibeamten ver haftet und nach der Polizeiwache in der Vorbergstraße geführt, obmohl 2. fich als Bewohner des Hauses legitimieren fonnte und auch feinerlei Anlaß zur Flucht vorlag. Dieser widerrechtliche und dabei so erbärmlich feige Waffengebrauch und die daran anschließende gefezwidrige Verhaftung und Freiheitsberaubung zeigt offenfundig, wie sehr viel ungeeignete Elemente sich in die Polizeimannschaften eingeschlichen haben. Statt für das Publitum ein Schutz zu sein, bedrohen diese übereifrigen, unerfahrenen und oft von reattionären Führern verhetzten Beamten Leben und Gesundheit der Mitbürger und provozieren durch ihre gelezwidrigen Maßnahmen Unruhen und Ausschreitungen. Derartige Ziervögel sollten unverzüglich aus dem Polizeidienst entlassen werden; sie sind teine 3ierde für unser Polizeiwejen. Arbeiter- Bildungsschule USP Der Kursus des Genossen Dr. Löwenstein über Schuffragen fann nicht am Sonnabend, den 30., stattfinden. Der Kursus wird bestimmt fortgesezt am Sonntag, den 8. Mai. Am Montag, den 2. Mai, abends 7 Uhr, findet in der Aula des Königsstädtischen Realgymnafiums in der Inselstraße eine Bollversammlung sämtlicher U. S. P.- Elternbeiräte statt. Vortrag des Genossen Dr. Löwenstein über: Die gegenwärtigen Schulfragen für die Elternbeiräte". Alle Elternbeiräte müssen erscheinen, auch die U. S. P.- Lehrer find hiermit vom Zentralausschuß der Elternbeiräte eingeladen. Am Freitag, den 6. Mai, abends 7 Uhr, in der Arbeiter- Bil dungsschule, Breitestr. 8-9, Vollversammlung der Bildungskommissionen. Tagesordnung: Berichte. Vortrag des Genossen Seibel über Parteibildungsarbeit, Prof. Restens berg über Künstlerische Bildungsarbeit. Die Mitglieder aller Diftrittsbildungstommiffionen müssen erscheinen. Nachstehende Bezirksämter haben die Verwaltungsgeschäfte am Tage nach der Einführung ihrer Mitglieder übernommen: Be zirksamt 7, Charlottenburg, seit dem 23. März; Bezirksamt 9, Wilmersdorf, seit dem 1. April; Bezirksamt 10, Zehlendorf, jeit bem 29. März; Bezirksamt 11, Schöneberg, seit dem 21. März; Bezirksamt 12, Steglig, seit dem 1. April; Bezirksamt 13, Tempel hof, seit dem 18. März; Bezirksamt 14, Neutöln, seit dem 4. April; Bezirksamt 15, Treptow, seit dem 6. April; Bezirksamt 16, Copenid, seit dem 9. April; Bezirksamt 17, Lichtenberg, seit dem 30. März: Bezirksamt 18, Weißensee, seit dem 1. April; Bezirks amt 19, Bantom, seit bem 18. März; Bezirksamt 20, Reiniden dorf, seit dem 6. April. Alle Mitteilungen und Ersuchen sind daher, sowie sie sich auf Angelegenheiten der früheren Vororts gemeinden in den Bezirken 7 und 9-20 beziehen, nur noch an das zuständige Bezirksamt zu richten. Lediglich die zum Verwaltungsbezirt 8( Spandau) gehörigen Gemeinden und Guts bezirke führen ihre Geschäfte im Rahmen der hierfür erlassenen Borschriften fort. Den Tag der Uebernahme der Verwaltungsgeschäfte durch das Bezirksamt 8 wird noch besonders festgesetzt. Die Alt- Berliner Bezirke 1-6 fönnen ihre Tätigkeit erst nach und nach aufnehmen. Die Uebergabe der Verwaltungsgeschäfte tann abgesehen von den Verwaltungen, in denen bereits eine dezentralisierte Amtsführung vorhanden ist erst dann geschehen, wenn die Zuständigkeit der Zentralverwaltung und der Bezirks ämter nach Anhörung der Bezirksbürgermeister gemäß§ 25 bes Gesetzes vom 27. April 1920 abgegrenzt sein wird. Solz gegen Kartoffelschalen. Am 1. März d. Js. ist auch in Spandau die Sammlung von Kartoffelschalen planmäßig organisiert worden. Im März fonnten bereits 600 3entner Schalen einem Teil der Spandauer Molkereibetriebe zugeführt werden, die hierdurch in der Lage waren, eine bessere Milchbe Tieferung zu gewährleisten. Da Kartoffelschalen eins der besten Kraftfutter find, ist es wünschenswert, daß weiteste Kreise der Bevölkerung von dieser gemeinnügigen Einrichtung Gebrauch machen, damit sämtliche Moltereibetriebe beliefert werden können, während dies bisher nur bei einem Drittel der Fall war. Die Hausfrau erhält für einen Eimer Schalen ein Bündel fleingespaltenes Holz. Außer den im März errichteten Sammel ftellen Schönwalder Str. 43/44, Jagowstr. 22 und Breite Str. 69 find jetzt für die Bewohner der anderen Bezirke noch zwei weitere Stellen, Pichelsdorfer Str. 7 und Faltenhagener Str. 56, eröffnet worden. Die rege Benutzung der Umtauschstellen fann nicht dringend genug empfohlen werden. Deffentliche Bersammlung für die Angehörigen der Kriegss gefangenen und für die Heimtehrer. Wie bereits mitgeteilt, findet morgen, den 29. April 1921, 8 Uhr, im Kaiser- FriedrichZelt, Charlottenburg, Berliner Str. 88, bie große öffentliche Bersammlung der Angehörigen von Kriegsgefangenen und der Heimtehrer, welche die Ortsgruppe Charlottenburg der Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener veranstaltet, statt. ErScheinen aller Beteiligten ist im eigenen Interesse unbedingt er forderlich. Ein tüchtiger Reisender. In Oberschöneweide wurde gestern ein 15jähriger Bursche wegen gewerbsmäßigen Diebstahls feftgenommen, der sich als Reisender Edmund Goldschmidt aus Berlin" ausgab. Dieser junge, hoffnungsvolle Mann besuchte die Geschäftsleute und bot ihnen Kaffee und Katao zum Kauf Während der Geschäftsinhaber noch mit der Abfertigung seiner Kundschaft oder mit anderen Dingen beschäftigt war, Stahl er tondensierte Milch, Zigaretten und andere Waren, um sie in anderen Kaufläden wieder weiterzuverlaufen. an. Milchbelieferung. Am Donnerstag, den 28. b. Mis., erhalten bie DI, DII und DIII Karten feine Milch. Die Liter Krantenfarten werden mit Frischmilch beliefert. Die übrine BeHeferung bleibt wie bisher. Gewerkschaftliches Warnung an Betriebss, Arbeiters und Angestelltenräte vor Zustimmungen zu Kündigungen von Arbeitnehmern! Besserstellung der Polizeibeamten durchzusehen. Bom ges betrachtet, wertschaftlichen Standpunkt aus tann nur von einer Einheitsorganisation am wirtjamten, raschesten und erfolreichsten etwas erreicht werden." Es wird deshalb verlangt, daß alle bestehenden Berufsorganisationen sich mit der Frage der Einheitsorganisation befassen und ihre Ortsgruppe anweisen, vorläufig sogenannte Arbeitsgemeinschaften für alle bestehenden Berufs gruppen am Orte zu bilden. Nur Einheit und Geschlossenheit führt zum Ziel!" Sehr richtig! Wenn diese Berufsgruppen nun noch ihren Standess büntel abstreifen, mit freigewerkschaftlichen Methoden sich vers traut machen und Anschluß suchen an den A. G. D. B. resp. ,, Afa", dann wird es diesen Leuten nicht schwer fallen, sich auf allen Gebieten durchzusehen. in Groß- Berlin In letzter Zeit mehren sich die Fälle, daß Arbeiter- oder Angestelltenräte 3ustimmungen zu kündigungen von Arbeitern oder Angestellten den Arbeitgebern gegenüber ab= geben. Die Arbeiter- oder Angestelltenräte handeln hierbei in vollständiger Verkennung der geseglichen Bestimmungen. Nach dem§ 84 des Betriebsrätegesetzes tonnen gefündigte Arbeit nehmer gegen die erfolgte Kündigung Einspruch beim Ar- Für das zentrale Kaufmanns- und Gewerbegericht beiter oder Angestelltenrat erheben. Der Arbeiter- oder Angestelltenrat soll dann nach dem§ 86 des B. R. G. Verständigungsverhandlungen mit dem Arbeitgeber führen. Wenn eine Berständigung nicht gelingt, fann der Arbeiter- oder Angestelltenrat oder der betroffene Arbeitnehmer den Schlichtungsausschuß anrufen. Das Gesez fordert nicht, daß sich der Arbeiter oder Angestelltenrat dem Arbeitgeber gegenüber erklärt, ob er mit der Kündigung des Arbeitnehmers einverstanden ist, sondern weist der Arbeitnehmervertretung nur die Aufgabe zu, Verstän bigungsverhandlungen zu führen und dem Arbeitnehmer Kennts nis von dem Ergebnis zu geben. Sind die Verständigungsvers handlungen für den Arbeitnehmer erfolglos, tann er selbst oder durch den Arbeiter- oder Angestelltenrat den Schlichtungsausschuß anrufen. Die Spruchpraris des Schlichtungsausschusses geht nun dahin, Einsprüche von Arbeitnehmern gegen Kündigungen sofort zurüdzuweisen, wenn der Arbeiter der Angestelltenrat seine Zustimmung zur Kündigung gegeben hat. Dem Arbeitnehmer ist dann jedes Verfolgen seiner Rechtsansprüche vor den gesetzlichen Arbeitnehmer Instanzen unmöglich gemacht. Um die Dor diesem Schaden zu bewahren, barf tein Arbeiter oder Angestelltenrat 3ustimmungserflärungen zu Kündigungen abgeben. Es ist auch gar nicht einzusehen, weshalb die Arbeitnehmervertretungen sich zu Zustimmungserklärungen gebrauchen lassen. Solange den Betriebsvertretungen tein Mitbestimmungsrecht bei Einstellungen und Entlassungen zugebilligt wird, haben sie auch feine Veranlassung dazu, eine ausdrüdliche Zustim mung zu einer Kündigung zu geben. In Zukunft ist im Sinne Freigewerkschaftder vorstehenden Ausführungen zu verfahren liche Betriebsrätezentrale. 3. A. Guiard. Holzarbeiter Berichtigung. Die Unterzeichneten ersuchen um Aufnahme folgender Berichtigung: In der Nr. 194, Dienstagabendausgabe des„ Vorwärts", ist ein Bericht der S. P. D.- Funktionäre der Holzarbeiter unter den gewerkschaftlichen Teil, der Unrichtig feiten enthält, die wir ersuchen zu berichtigen. Allerdings haben wir uns als Fraktion der U. S. P. D.- Holzarbeiter gegen die Beschidung des„ Roten Internationalen Gewerkschaftskongresses" gewandt, da wir Gegner jeder Zersplitterung in gewerkschaftlicher Beziehung sind. Eine Erklärung in diesem Sinne ist auch in der Nr. 16 der Mitteilungen der Verwaltung der Holzarbeiter Berlins" mit Begründung enthalten. Es entspricht aber nicht den Tatsachen, daß wir uns für die Nichtwiederwahl der angestellten Kollegen Meusch, Thielemann, Palm( nicht Balen) und Precht ( nicht Bracht), weil sie Kommunisten sind, ausgesprochen oder festgelegt haben. Im Gegenteil, uns als u. S. P. D- Mitglieder ist es völlig gleichgültig, welcher Parteirichtung die Angestellten angehören, wir verlangen nur, daß sich alle in einer freien gewertschaftlichen Organisation Angestellte streng auf den Boden freigewerkschaftlicher Grundsätze stellen. Um dieses festzustellen, soll in der Generalversammlung am 28. März allen zur Wahl Stehenden Kollegen eine diesbezügliche Erklärung vorgelegt merden. Wenn die wiederzuwählenden Kollegen im Sinne dieser Erklärung ihre Tätigkeit im Verbande ausüben wollen, werden wir als. S. P. D.- Mitglieder für die Wiederwahl der Kollegen eintreten, ohne zu fragen, welcher Parteirichtung fie angehören. Im übrigen möchten wir bemerken, daß diefer Bericht im Vorwärts" nicht als Ergebnis der Aussprache zwischen S. P. D.und U. S. P. D.- Kollegen zu bewerten ist, sondern lediglich als ein Bericht der Versammlung der S. B. D.- Holzarbeiter. Fraktionsvorstand der U. S. P.- Holzarbeiter. Wie uns eben mitgeteilt wird, haben die Rechtssozialisten bas gemeinsame Abkommen gebrochen. Demnach haben unsere Ges nossen nur für die 1. S. P- Kandidaten ihre Stimme abzugeben. Zur Erwerbslosenfürsorge Der Borstand des Deutschen Textilarbeiter- Verbandes hatte schon am 15. Januar 1921 in einer Eingabe dem Reichsarbeitsministerium Vorschläge und Anregungen unterbreitet, um den Zeitverhältnissen entsprechend, eine bessere und sozialere Ausgestaltung der Erwerbslosenfürsorge herbeizuführen. Die aufgestellten Forderungen gingen tonform mit den Anträgen der U.S. P. D. und der S. P. D.- Reichstagsfraktionen, die in der Freiheit" in der Mittwoch- Morgennummer ausführlich gebracht wurden. Gefordert wurde auch die Beseitigung jeber Wartezeit, so daß die Erwerbslosenfürsorge sofort mit dem Tage einfegt, an dem der Arbeiter außer Lohn und Brot tommt. Des gleichen wurde eine Aenderung vorgeschlagen in der Weise, daß ber Paragraph 6 der Verordnung durch das Wegstreichen der Worte infolge des Krieges" Unbilligkeiten aus der Welt schafft, die in der Praxis zu Unträglichkeiten geführt haben. Arbeiter, die infolge von Kohlenmangel arbeitslos wurden, find z. B. als nichtunterstügungsberechtigt anerkannt worden und zwar auf Grund des§ 6, Absatz 2. Der Textilarbeiter- Verband hat inzwischen eine Antwort be tommen, eine Antwort, die feine ist, die sich daher sehen lassen tann. „ Die vorgetragenen Wünsche werden bei der Neuregelung ber Erwerbslosenfürsorge nach Möglichkeit berüdsichtigt werden. Ich erachte es indessen, um feine falschen Hoffnungen zu erweden, für meine Pflicht, Ihnen mitzuteilen, daß ein Teil Ihrer Wünsche wenig Aussicht auf Erfolg hat." Es wird der Anregungen aller freien Verbände bedürfen, um auf diesem Gebiete wesentliche Verbesserungen durchzusehen, um die Opfer unserer heutigen Gesellschaftsordnung, vor unbilligen Härten zu bewahren und sie nicht die Sünden der besten aller Welten entgelten zu lassen. Dann wird ein Reichsarbeitsministerium es sich nicht ungestraft erlauben dürfen, eine solche nichtssagende Antwort in die Welt gehen zu lassen. Zur Einheitsorganisation. Der Gebante, daß die vielen kleinen Verbändchen irgendeines Berufes nichts Wesentliches schaffen tönnen, bricht sich immer mehr Bahn. Auch innerhalb der verschiedenen Angestellten- und Beamtenberufe macht sich der Ruf zur Einheitsorganisation be mertbar. Das Organ des Verbandes der Beamten der Erefutiv polizeien Deutschlands„ Der Polizeibeamte" bringt einen Auffah, der für die Einheitsorganisation eintritt. Wir erfahren daraus, daß die Polizeibeamten in Deutschland sich in„ annähernd 20 Organisationen oder Organisationchen" befinden, die aber nicht imitande find, die wirtschaftliche und berufliche Die Arbeitnehmerorganisationen, die auf freigewerkschaftlichem Boden stehen, wie der Zentralverband der Angestellten, der im Allgemeinen freien Angestelltenbund mit gleichgerichteten Orga nisationen zusammengeschlossen ist und auch die Berliner Ges wertschaftskommission, haben sich mit aller Entschiedenheit für oen zentralen Aufbau des Kaufmanns- und Gewerbegerichts ausgesprochen. Der Entwurf des Magistrats Berlin fommt dieser Forderung im Rahmen des vorgelegten Statuts entgegen, während von Arbeitgeberseite und von den interessierten Borsigenden der bisherigen Vorortsgerichte gegen diese Zentralisation Sturm gelaufen wird. Die Zahl der von den bisherigen Vorortgerichten erledigten Streitfälle fällt gegenüber derjenigen des Kaufmanns- und Gewerbegerichts der alten Stadtgemeinde Berlin verhältnismäßig wenig ins Gewicht. Hier wurde die größte Anzahl aller Fälle behandelt. Durch die Herausnahme der Einzeltlagen aus dem Schlichtungsverfahren hat die Tätig feit des Kaufmanns- und Gewerbegerichts eine erhebliche Erweiterung erfahren. Eine ersprießliche Behandlung dieser Fälle, die eine gewisse Kenntnis der innerhalb der einzelnen Berufszweige geltenden Arbeitsbedingungen zur Voraussetzung hat, macht die Schaffung von besonderen Kammern für die einzelnen Industriezweige innerhalb des Kaufmanns- und Gewerbegerichts notwendig. Die Durchführung dieser Maßnahme ist nur int Rahmen eines zentral aufgebauten Gerichts möglich und darum werden Arbeiter und Angestellte sich auf alle Fälle für die Zens tralisation des Kaufmanns- und Gewerbegerichts einsetzen. Der Hinweis auf entstehenden Zeitverlust ist hinfällig, denn auch die Erreichung eines Bezirksgerichts würde für bestimmte Arbeitgeber und Arbeitnehmergruppen je nach Lage der Woh nung bzw. des Geschäftslotals mit Zeitverlust verbunden sein. 3um 3wede der schnelleren Einreichung der Klage ist außer bem im Statut der Stadtgemeinde Berlin die Schaffung von Klageaufnahmestellen vorgesehen, die dem Bedürfnis der Arbeitgeber und Arbeitnehmer durchaus entsprechen. Die Bestrebungen auf Zerreißung des vorgesehenen einheitlichen Kaufmanns und Gewerbegerichts find nichts weiter als die Fortsegung der auch auf anderen Gebieten in die Erscheinung tretenden Los von Berlin"-Bewegung, die alle Arbeit nehmer aufs entschiedenste bekämpfen werden. Wenn in dem Be richt über die Tagung von Arbeitgebern des Handels und der Industrie die Bekämpfung des zentralen Kaufmanns- und Ge werbegerichts mit der Rücksicht auf die Arbeitnehmer begründet wird, so dürfte die Befundung einer derartigen Fürsorge seitens der Arbeitgeber den Arbeitnehmern an sich verdächtig erscheinen. Die Angestellten und Arbeiter werden aus diesen Gründen nach wie vor sich für die restlose Durchführung des zentralen Aufbaues des Kaufmanns- und Gewerbegerichts einsehen, weil Diese Form allein ihnen eine sachgemäße Rechtsprechung gewähr. leiftet. Reichswehrministerium und Deutscher Musikerverband hatten gemeinsam Richtlinien aufgestellt über die Regelung der gewerblichen Mujittätigkeit der Militärkapellen. In der Sigung des 25. Ausschusses im Reichstag über die Beratung des Wehr gesetzes hat der Reichswehrminister auf die Anfrage eines Ab geordneten nunmehr offiziell seine Zustimmung zu diesem Abfommen gegeben, wodurch es Geltung erhalten hat. Das Abs fommen bestimmt in der Hauptsache, daß 1. die gewerbliche außer dienstliche Musiktätigkeit der Militärmusiker grundsäglich erst in Frage tommen darf, wenn geeignete Berufsmufiter nicht zur Ver fügung stehen. 2. Das gewerbliche Kleinspiel der Militärmufiter nur über den für den Ort zuständigen städt. paritätischen bezw. gemeinnützigen Arbeitsnachweis des Deutschen Musiker- Verbandes zu erfolgen hat. Es fieht dann noch örtliche paritätisch zusammengesetzte Schlich tungstommissionen und eine in Berlin zu errichtende Haupt tommission vor, die etwa entstehende Streitigteiten zwischen Zivil- und Militärmusikern, insbesondere solche über Annahme und Ausführung von Musikveranstaltungen geschlossener Militärmusit forps, schlichten sollen. Die Oberpoftdirektion zur Steuerung der Arbeitslosigkeit. Um der zunehmenden Arbeitslosigkeit zu steuern, hat der Reichspost minister die Oberpostdirettoren beauftragt, die für das Rech nungsjahr 1921 geplanten größeren Veränderungen an den Telegraphenlinien mit größter Beschleunigung in Angriff zu nehmen. In erster Linie tommen hierfür 3ementtanäle und die Auslegung von Kabeln in Betracht, weil bei diesen Arbeiten auch ungelernte Arbeiter beschäftigt werden können. Die Ober postdirektionen sollen ferner auch solche Anlagen, die aus Mangel an Mitteln im Rechnungsjahre 1920 nicht mehr vollendet werden fonnten, obwohl Zementformstüde, Kabel usw. bereits beschafft waren, nunmehr ohne Verzögerung herstellen, sowie solche An lagen, die erst für einen späteren Teil des Rechnungsjahres 1921 in Aussicht genommen waren, soweit möglich, schon jetzt aus führen. Am U. S. P. Holzarbeiter- Generalversammlungsdelegierte. Donnerstag, den 28. 4. 21, abends 6 Uhr, Generalversammlung im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Gaal 4. Jeder U. S. P. D Delegierte muß anwesend sein und bis zum Schluß der General versammlung ausharren. Wir machen unsere Genossen erneut auf den Beschluß der Verwaltung aufmerksam, wonach feh lende Delegierte sich innerhalb 8 Tagen im Bureau, Zim mer 4, zu entschuldigen haben, andernfalls das Mandat als erloschen betrachtet wird. Fraktion der U. S. P. D.- Holzarbeiter. Steinjeger! Wir machen darauf aufmerksam, daß von jetzt ab unsere Verbandsversammlungen jeden Dienstag nach dem Ersten im Monat im Central- Casino, Brunnenstr. 154, abends 7 U stattfinden. Zur nächsten Versammlung am 3. Mai, muß jeder Verbandskollege erscheinen, da eine Urabstimmung über eine 50 prozentige Erhöhung der Streitunterstügung, die Wahl von Delegierten zur Bezirkstonferenz, die evtl. Ergänzungswahl eines Borstandsmitgliedes. u. a. m. zu erledigen ist. Verbandsbuch legitimiert. Berbindlich erklärter Tarifvertrag für den Pug- Einzelhandel. Das Reichsarbeitsministerium hat den am 15. Januar 1921 abs geschlossenen Mantel- und Lohntarifvertrag der kaufmännischen Arbeitnehmer des Puzeinzelhandels für das Gebiet der Einheits gemeinde Berlin mit Wirkung vom 1. Januar 1921 für allgemein verbindlich erklärt. Gedruckte Tarifverträge sind im Bureau des Zentralverbandes der Angestellten zu haben. Siemenstonzern! Die in der USPD. organisierten Genossen aller freigewertschaftlichen Organisationen treffen sich am Frei tag, 4 Uhr, im Lotal von Mejchte, Siemensstadt, Siemens: Ede Waldstraße. Pünktliches Erscheinen, ist Pflicht. Partei- und Gewerkschaftsbuch legitimieren. Der Dynamitanschlag auf das Elektrizitätswerk„ Unterspree" In der gestrigen Schlußverhandlung in dem Prozeß wegen des Attentates auf das Elettrizitätswert unter= [ pree" wurde zuerst die Beweisaufnahme zu Ende ge= führt. Arbeiter aus dem Elektrizitätswert schilderten eingehend die Vorgänge an dem fraglichen Tage. Wingerning jei der Anführer gewesen und habe die Sprengung der Schalt= tafel angeordnet. Die anwesenden Arbeiter seien wie eine Sammelherde mit vorgehaltenem Revolver zusammengetrieben worden. Einer der flüchtigen Attentäter habe erklärt, daß man zum Abschied noch ein paar Sandgranaten in das Wohnhaus werfen solle. Der Verteidiger, Justizrat Broh, stellte am Schluß der Zeugenvernehmung den Antrag, den früheren Minister Severing und Hugo Stinnes als Zeugen darüber zu pernehmen, daß die sozialdemokratischen Mitglieder der prenjischen Regierung den Plan gefaßt hatten, einen kommunistischen Aufstand zu provozieren. Nach Beratung lehnte das Gericht diesen Antrag ab. Nach eingehendem Plädoyer beantragt der Anklagevertreter, Staatsanwaltschaftsrat Steiner, gegen Wingering 14 Jahre Zuchthaus, Polizeiaufsicht und Ehrverlust, gegen Schwalbe und Seger je 10 Jahre 3uchthaus, gegen Biestorsch 8 Jahre Zuchthaus, gegen Herzberg 2 Jahre Ge= fängnis. Die Plädoyers der Verteidiger Justizrat Broh: Bei den letzten Vorgängen in Deutschland handelt es sich um ein Einzelgefecht des Proletariats, das vorzeitig, da provoziert, von dem Proletariat aufgenommen wurde. Der Strafantrag des Staatsanwalts ist unerhört. Glauben Sie denn, daß Sie durch solche Zuchthausstrafen das revolutionäre Proletariat niederhalten werden? Das gesamte Proletariat wird erkennen, daß hier Ausnahmeurteile gefällt werden gegen die Klasse der Ausgebeuteten. Sie schaffen nur Märtyrer. Die Ausnahmegerichte werden das gesamte Proletariat wieder zusammenschweißen. Gegen die Kappisten wurden feine Ausnahmegerichte eingesetzt. Die Angeflagten begingen nur eine politische Tat. Zur Urteilsfällung ist es notwendig, daß das Gericht sich in die Ideologie und die Geele der Angeklagten hineinverlegt. Dr. Weinberg beantragt für seinen Mandanten Biesforsch Freisprechung von der Anklage wegen Verbrechens gegen das Sprengstoffgeset und wegen Vorbereitung zum Hochverrat. P. habe lediglich Posten gestanden vor einem Bersammlungslokal der Kommunisten. Solche drakonischen Strafen, wie sie der Staarsanwalt beantrage, würden im Bolke nicht verstanden. Der Krieg habe diesen Attentaten erst den Weg bereitet. Auch bie Arbeitslosigkeit und das Elend der Arbeiterschaft ebnet folchen Taten den Boden. Bei Beurteilung der Bergeben ber Angeklagten müße dies alles berüdsichtigt werden. Die Verhandlung habe erwiesen, daß auch in dem zur Verhandlung tehenden Falle Spigel ihre unsauberen Finger dazwischen hatten. Diese Elemente haben erst das Blut der einzelnen Angeklagten in Siedehige gebracht und diese aufgehegt. Als alles so weit war, haben sie die Angeklagten bei der Polizei denunziert und sich Später ihr Blutgelb bei der Polizei abgeholt, denn Polizei tommissar Scherler hat die Aussagen über die Berteilung der Be Ichnung verweigert. Justizrat Fräntl: Dem Angeklagten Wingerning fenn man die Achtung nicht versagen, und wenn man dies nicht Fann, dann darf man ihn nicht 14 Jahre ins Zuchthans sperren. Uebersehen Sie nicht, daß wir einen Krieg hinter uns haben, einen Krieg, der die scheußlichste und sinnloseste Gewalt vertörpert, der die gesamte Menschheit demoralisiert hat. Das Ge richt muß überlegen, daß die Strafe für den Angeklagten Wingerning nicht einem Todesurteil gleichkommt. Schlußworte der Angeklagten. Nach den Verteidigern ergriff der Hauptangeklagte Wingerning das Wort zu längeren Ausführungen. Er schilderte sein Leben und seine politische Entwidtung. Er sei Terrorist in bem Sinne, das die Intelligenz über die Beschränktheit herrschen müfje. Am Schlusse seiner Ausführungen bekannte sich W. als Urheber des Attentates. Piestorsch sei nicht orientiert gewesen, ber Angeklagte Heger habe mit dem Unternehmen nichts zu kun. Der Angeklagte Echwalbe führte aus, daß 10 Jahre Zuchthaus. ben Abschluß seines Lebens bedeuten würden. In ruhigen, eindrudsvollen Worten, bar jeder Phrasen, schildert auch biejer Angeklagte seine entsagungsvolle Entwidlung. Er be treitet entfaicden, an der Vorbereitung und Ausführung der Tat beteiligt gewelen zu sein. Später habe er die Tat erfahren, und wenn er deswegen bestraft werden solle, bann gehe er ins Buchthaus, weil er nicht zum Verräter an seinen Genossen werden wollte. Er schließt mit den Worten: Ich werde ins Zuchthans gehen mit derfelben Ruhe, wie Sie zum Mittagessen. Glauben Eie nicht, daß Sie durch Zuchthausurteile die Revolution eritiden Lönnen. Genau so gut fönnten sie mit ihren Roben die Sonne perdunkeln. Ihr Urteil wird nichts anderes sein als ein Fezen Bapier und vor der Geschichte ein Verbrechen an der Menschheit. Die anderen Angeklagten bestritten nochmals die Beteiligung an dem Anschlag. Nach 24tündiger Beratung fällte das Gericht folgendes Urteil: Wingerning 10 Jahre 6 Monate Zuchthaus, Bolizeiaus Ficht; Schwalbe 7 Jahre Zuchthaus, Vollzeiausight; Bies Yorsch 5 Jahre 5 Monate Zuchthaus, Polizeiaufsicht; Serz berg 1 Jahr 1 Monat Gefängnis; von Felden 1 Monat Gefängnis. Das Verfahren gegen den Angeflagten Heger wird abgetrennt und ausgesetzt. Aus der Urteilsbegründung ist von Intereffe, daß auf Ber * rteilung zu Ehtverlust nicht erkannt wurde, weil die Tat der Angeklagten nicht ehrenrührigen Motiven entSprungen sei. 3u einem fleinen Zwischenfall tam es, als zum Schluß der Verhandlung der Angeklagte Wingerning ein Hoch auf die Weltrevolution ausbrachte, in das einzelne Zuhörer einftimmten. Der Vorsitzende fand es unerhört, daß Zuschauer in has Hoch mit cinstimmten. Wer noch einmal den Mund auftue, werde eingesperrt. Der Wahnsinnder Betriebsbesetzungen Vor dem Ausnahme gericht des Landgerichtes I hatten sich am gestrigen Mittwoch wegen Landfriedensbruch zu verantworten der Zeitungsspebiteur Otto Tornseifer, der Arbeiter Arthur Kanthat, der Kutscher Otto Wendt, der Dreher Friz Schwarze und der Arbeiter Paul Bollmann, Als Verteidiger fungierten Rechtsanwalt Genosse Dr. Boenheim und Justizzat Fränzl. Die Angeklagten haben zusammen mit einem größeren Trupp von Arbeitslosen am 29. März die Fabrit von Löwe bejekt, um die dortigen Arbeiter zum Streit zu veranlassen. Einzelne Arheiter in dem Löweschen Betrieb sollen tätlich bedroht 10orden sein, außerdem sollen die Feuer im Maschinenhaus ge löscht worden sein. Mit Ausnahme des Angeklagten Boltmann bestreiten sämtliche Angeklagte, in dem Maschinenhaus gewesen zu sein. Bei Kanthat und Wendt wurde jc eine Handgranate gefunden. Ein Zeuge Ziegler gibt an, die Angeklagten im Maschinenhaus gesehen zu haben. Der Staatsanwalt erhob Antlage wegen Landfriedens= bruchs bei sämtlichen Angeklagten, außerdem forderte er für Kanthat und Wendt Bestrafung wegen Bergehens gegen das Entwaffnungsgesez. Er forderte für Zornseifer 1 Jahr Gefängnis, für Kanthat und Wendt je 1 Jahr 6 Monate Gefängnis, für Schwarze 9 Monate Gefängnis und für Volkmann 1 Jahr 9 Monate Gefängnis. Nachdem die Verteidiger Freisprechung ber Angeklagten gefordert hatten, verfünbete der Gerichtsvor Fitzende folgendes Urteil: Iornjeifer 1 Jahr Gefängnis, Ranthaf 8 Monate Gefängnis, Wendt 1 Jahr Gefängnis, Schwarze und Volkmann je 9 Monate Gefängnis. Giesberts hebt das Betriebsrätegesetz auf Der Reichspoftminister hat am 18. Januar 1921 an die Oberpostdirektionen nachstehende Verfügung erlassen: Die Reichs- Poft- und Teglegraphen- Berwaltung ist fein Betrieb mit wirtschaftlichen Zweden im Sinne des Betriebsrätegesetzes, sondern eine dem Gemeinwohl dienende öffentliche Verkehrsanstalt. Damit wird die auf Grund des§ 71 BRG. erhobene Forderung des bortigen Bezirksbeirates hinfällig. Der rechtssozialistische Reichstagsabgeordnete Bender hat die Verfügung zum Anlaß für eine fleine Anfrage genommen, worin er mit Recht daran erinnert, daß bei der Beratung des Betriebsrätegesetzes im 6. Ausschuß der Nas tionalversammlung fein Zweifel darüber bestanden hat, daß die großen Staatsbetriebe, wie Eisenbahn und Post, ohne Rücksicht auf ihre gegenwärtige Wirtschaftlichkeit oder Unwirtschaftlichkeit als Betriebe mit wirtschaftlichen Zweden gelten sollten. Bender erinnert weiter daran, daß das Reichsarbeitsministerium den Begriff des Betriebes mit wirtschaftlichen Zweden ebenso auffaßt. Auch alle namhaften Kommentatoren erklären das Betriebsrätegesez ebenso. Der Herr Reichspostminister scheint also der Auffassung zu sein, daß Betriebe, die dem Gemeinwohl dienen, nicht unter die Betriebe mit wirtschaftlichen Zweden zu rechnen find. Wenn man boshaft sein wollte, tönnte man fragen, ob denn die Post- und Telegraphenverwaltung in ihrer gegenwärtigen Verfassung wirklich dem Gemeinwohl dient? Die Auffassung des Postministers fordert zu dieser Frage sogar heraus, denn je mehr der Post- und Telegraphenbetrieb dem Gemeinwohl dient, um so mehr ist er ein Betrieb mit wirtschaftlichen Zweden, vorausgesezt, daß man nicht dem Irrtum verfällt, daß sich der Begriff des wirtschaft lichen Zwedes mit dem Begriff des Geldverdienens deckt. Weiter: Gerade weil die Post- und Telegraphenverwaltung ein Betrieb ist, der dem Gemeinwohl dienen soll, ist die Kontrolle durch Betriebs- und Beamtenräte be= sonders notwendig. Denn die Betriebsräte sind feineswegs einseitige Vertretungen der Lohninteressen der Arbeitnehmerschaft, sondern sie sind vielmehr als Vertretungskörperschaften der großen Masse der Bevölkerung Organe, die darüber zu machen haben, daß das Gemeinwohl in allen Betrieben und Produktionszweigen, ganz gleich, ob sie öffentlicher oder privater Bewirtschaftung unterworfen find, gewahrt bleibt. Das muß doch endlich einmal begriffen werden. Es muß daher auf das dringendste gefordert werden, daß die von dem Herrn Reichspoftminister, ausgeübte Verdrehung des Sinnes des Betriebsrätegesetzes und des Arfofort rüdgängig gemacht wird durch die Aufhebung titels 165 der Reichsverfassung, auf dem das Gesetz beruht, feiner Verfügung. Reichsgetreidestelle gegen Hermes Wie uns mitgeteilt wird, hat der langjährige Leiter der Reichsgetreidestelle, der Geheimrat Kleiner, den Rüdtritt vont seinem Boften erklärt. Als Grund für diese im gegenwärtigen Augenblick höchst auffällige Erscheinung wird angegeben, daß Kleiner es mit seiner Ueberzeugung für unver einbar halte, den Plan des Reichsernährungsministeriums für die fünftige Ordnung der Getreidewirtschaft zu vertreten. Auf demselben Standpunkt wie Kleiner steht aber auch das Kuratorium der Reichsgetreideftelle, das sich nur aus Angehörigen der bürgerlichen Barteien zusammensetzt. Ein stimmig hat diese Körperschaft fürzlich beschlossen, an der gegenwärtigen Bewirtschaftung festzuhalten und die Pläne des Reichsernährungsministeriums abzulehnen. Es ist begreiflich, daß die Deffentlichkeit bisher von diesen Tatsachen nicht unterrichtet worden ist, obwohl sonft gerade des Ernährungsministerium sich der Presse für seine 3wede sehr gut. zu bedienen weiß. Linderung der Arbeitslosigkeit Ausbau von Telegraphenlinien Die Dena" meldet: Um der zunehmenden Arbeitslofig= feit zu steuern, hat der Reichspoftminister die Oberpostdirektionen beauftragt, die für das Rechnungsjahr 1921 geplanten größeren Veränderungen an den Telegraphenlinien mit größter Beschleunis menttanäle und die Auslegung von Kabeln in Betracht, weil bei gung in Angriff zu nehmen. In erster Linie tommen hierfür 3ediesen Arbeiten auch ungelernte Arbeiter beschäftigt wer den können. Die Oberpostdirektionen sollen ferner auch solche Anlagen, die aus Mangel an Mitteln im Rechnungsjahr 1920 nicht mehr vollendet werden konnten, obwohl Zementformstüde, Kabel usw. bereits beschafft waren, nunmehr ohne Berzöge rung herstellen, sowie solche Anlagen, die erst für einen Späteren Teil des Rechnungsjahres 1921 in Aussicht genommen waren, soweit möglich, schon jetzt ausführen. Soweit die Verordnung des Reichspostministers, die zum mindesten von gutem Willen zeugt. Jest kommt es darauf an, daß der Anweisung Folge gegebne wird. Es muß gesorgt werden, daß die Herren Oberpostdirektoren die Jnangriffnahme der Arbeiten nicht hinausziehen, um mit guten fönnen, ein engherzig bureaukratisches Bestreben, das für Jahresabschlüssen in ihren Direktionsbezirken prunten zu ihre Handlungen meist entscheidend ist. Die Betriebs und Beamtenräte sowie die beteiligten Gemertschaften der Arbeiter und Beamten erfüllen eine bankbare Aufgabe, wenn sie sorgfältig auf die sofortige Durchführung der Anweisung des Ministers achten. Streikkrifis im Einzelhandel Am Dienstag nahmen die Angestellten des Berliner Einzelhandels in mehreren Massenversammlungen Stei= lung zu dem Bericht über die Tarifverhandlungen mit den Unters nehmern. Die ablehnende Haltung der Arbeitgeber gegenüber den Forderungen der Angestellten löste bei den Versammelten starte Entrüstung aus. Unter lebhaftem Beifall forderten sämtliche Diskussionsredner die Erfüllung der erhobenen Forde rungen. In allen Versammlungen wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Wider alles Erwarten der Angestellten zeigten die Arbeits geber der Einzelhandelsgemeinschaft durch ihr Berhalten sowohl in den vorausgegangenen Verhandlungen zwischen den Parteien als auch vor dem Schlichtungsausschus. daß ihnen an der Erhaltung des Wirtschaftsfriebens innerhalb der Einzelhandelsbetriebe von Groß- Berlin right soviel ge legen ist, als sie der Deffentlichkeit gegenüber zu verantworten in der Lage sein müßten. Die Verständnisloligfeit gegenüber der Notlage der Angestellten im Einzelhandel einer seits und andererseits aber auch gegenüber der Tatsache, daß die Rüdsicht auf das gesamte Wirtschaftsleben heute über den Eigennuz Einzelner zu stellen ist. zwingt die Angestellten, Maßnahmen in den Kreis ihrer Erwägungen zu ziehen, deren Berantwortung fie den Arbeitgebern der Berliner Einzelhandelsgemeinschaft überlassen müssen. Die Angestellten erklären, daß die ihnen so aufgedrungenen Kampfmaßnahmen zur restlosen Anwendung gelangen werden, wenn nicht bessere Einsicht die Gegenseite in letter Stunde zum Entgegenkommen, veranlaßt. Die Arbeitgeber im Berliner Einzelhandel stehen nunmehr vor der Entscheidung, entweder den Forderungen der Angestellien Rechnung zu tragen oder die Verantwortung für eine Erschütterung des Wirtschaftslebens zu tragen, dessen Folgen unabsehbar sind, da etwa 30 000 Angestellte der Waren, Kaufhäuser und Spezialgeschäfte in den Streif ges zogen werben. Die Versammlungen ließen feinen 3weifel, daß die Angestellten den ihnen aufgezwungenen Kampf mit aller Energie und Geschlossenheit führen werden. Agrarischer Steuerstreik! Dem agrarischen Lieferstreit folgt jetzt der agrarische Steuerstreit. Der Vorwärts" veröffentlicht folgendes vertrauliche Rundschreiben, dessen Richtigkeit ihm von abfolut glaubwürdiger Seite bestätigt wird, und das pom „ Kreiswirtschaftsverband Niederbarnim" unter der Tagebuchnummer 883 am 22. April versandt wurde: An die Vertrauensmänner! Wie wir festgestellt haben, find Beamte des Finanzamtes unters wegs, um die Landwirte für die Umsatzsteuer zu be arbeiten( 1) und durch Unterschrift zur Anerkennung zu hoher Säge zu überreden. Leider haben wir auch erfahren, daß tatsächlich viele Landwirte unterschrieben haben. unterschrieben haben. Es ist uns wirklich unverständlich, daß unfere Mitglieder sich hierzu haben bereit finden können. Die Landwirte schädigen sich auf diese Weise selbst und begeben sich jeder Möglichkeit, ühte berechtigten Interessen au vertreten. Sie merden zu hoch und ganz ungerecht besteuert werden. Landwirte! Wozu seid Ihr organisiert? Niemals barf sich ein Landwirt darauf eine lasjen, Finanzämtern oder Behörden Auskünfte zu ers teilen, die von grundsählicher Bedeutung sind. Landwirte! Bers weist immer auf Eure Organisation, lehnt jebe Bera handlung ab und verlangt, daß die Behörden mit Eurer Or ganisation in Verbindung treten. Wir werden dann die geeigneten Landwirte heranziehen und mit den Bes hörden verhandeln. daß solche Fälle, wie oben geschildert, fich nicht wieder ereignen, Wir bitten unsere Vertrauensmänner dringend, dafür zu sorgen, und daß alle Mitglieder schleunigst gewarnt werden. Der Verbandsdirektor. gez. F. Eners. Dieses Dokument ist nach mehreren Richtungen hin sehr interessant. Es zeigt zunächst ganz unverblümt die in allen besigenden Kreisen herrschende Auffassung, daß sie dem Staate eine Gnade erweisen, wenn sie überhaupt Steuern zahlen. Die Verpflichtung der Landwirte zur Zahlung der Umfassteuer wird deshalb als eine widerrechtliche„ Bes arbeitung" der Landwirte darzustellen versucht. Roch bezeichnender aber ist die Unverschämtheit, mit der diese Organisation der Landwirte ihre Mitglieder zum Steuerstreit und zum Widerstand gegen die Anordnungen der Staatsgewalt auffordert. Nach dem Beispiel aber, das die agrarischen Vertreter im Reichs= tage den Landwirten dauernd geben, ist diese Aufforderung vollkommen verständlich. Denn sie ist die unausbleibliche Folge der dauernden Sabotageverfuche der deutschnationalen Herren Helfferich, Schiele ufm., die dabei von den Führern des Zentrums, der Deutschen Boltspartei und zum Teil auch von den Demokraten lebhaft unterstützt werden. Daß die Steuerleistungen der Agrarier als zu hoch und ungerecht bezeichnet werden, ist ja ebenfalls dem Sprachschak der bürgerlichen Vertreter entlehnt. Die Veröffentlichung dieses Dokuments aber tommt gerade recht, in dem Augenblid, in dem die bürgerlichen Parteien erneut den Versuch unternehmen, für die Landwirte eine weitere Erleichterung von der Einkommensteuer durchzusehen. Wir möchten uns aber auch die Frage gestatten, was der Herr Reichsfinanzminister zu tun gedenkt, um diesem Steuerstreit der Landwirte entgegenzuwirken. Oder Sollte er etwa die Absicht haben, auch für die Lohna empfänger lediglich die Berufsorganisationen als Ver handlungskontrahenten mit den Finanzämtern zuzugestehen? Die„ Entwurzelten" der VKPD Auf dem rheinisch- westfälischen Bezirksparteitag der B. K. P. D. in Düsseldorf machten die von der Zentrale faltgestellten Führer Otto Braß und Kuri Gener den Bersuch, eine Rebellion gegen die allgewaltige Berliner Zentrale zu ent fachen. Aber dieser Versuch ist fläglich gescheitert. Trotzdem Kurt Geyer und Braß nichts unversucht ließen, um, unter schmerzlichen Windungen und halben Zugeständnissen, die Delegierten für sich einzufangen, wurde gemäß dem Gebot des aus Berlin herbeigeeilten Walter Stöder eine längere Resolution der Brasschen Gefolgschaft mit großer Mehrheit abe gelehnt. Ein Bassus der abgelehnten Refolution lautet: ,, Der Bezirksparteitag verurteilt aufs schärffte die jetzige Tattit der Zentrale, alle ihr unbequemen Kritiker mundtot 31 machen. Er protestiert gegen die Methode des Entwurzelns führender und bewährter Parteigenassen aus ihrem bisherigen Wirtungstreife, einer Methode, die die Berwirrung in der Partei mitgliedschaft noch vergrößert. Der Bezirksparteitag fordert Freiheit der Kritik innerhalb der Partei, damit die Fehler und Schwächen her legten Aktion aufgezeigt und gebessert werden tönnen, damit die Partei wieber wird die vom Vertrauen der Massen gestützte Führerin des deutschen Proletariats." Da dieser abgelehnte Beschluß und eine alsdann zur Annahme gelommene Resolution, die das Einverständnis mit der politischen Saltung der Parteizen. trale erflärt, von dem tommunistischen Organ in Remscheid mit der Bemerkung tommentiert wird: Daß dieser Beschluß der notwendigen Klärung in der Partei besonders förderlich ist, vermögen wir nicht anzuerkennen", dürfte die Zahl der ,, Entwurzelten" bald burch die Redakteure der Remscheider Bergischen Voltsstimme" vermehrt werden. Deffentliche Versammlung in Charlottenburg. Am Freitag, im Lotal von Schulz, Kaiser- Friedrich- Straße 24, Borirag des Landtagsabgeordneten Genossen Rabolb:„ Die Lehren des Butsches in Mitteldeutschland". Kein Geld für die Jugend Das Jugendwohlfahrtsgefeß im Ausschuß Die schwierige und ernste Situation, in die die deutsche Reichs regierung durch ihre eigene Schulb geraten ist, diente in der Aus Schußfizung vom 26. b. Mts. bazu, bie für die Durchführung des Jugendwohlfahrtsgeleges nötigen Mittel zu verlagen. Es traten der Reihe nach auf: Reichsfinanzminister Wirth, ein Vertreter bes Außenministers, ein Bertreter des Reichsrats und ein Vertreter der Reichsregierung, um zu beweisen, daß die Reichsregierung Ihon bas alleräußerste getan habe, indem sie die ursprünglich für die Jugendfürsorge vorgesehene Summe von 10 auf 50 millionen jährlich erhöht habe. Mehr zu leisten fei fie auferstande, denn Entente tontrolliere das deutsche Budget sehr genau, darauf sei Rüdicht zu nehmen und nur eine verhältnismäßig geringe Summe für die Arbeit an der Jugend zu bewilligen. Jeber dieser Redner gab unumwunden zu, daß 50 Millionen zur Durchführung des Ge Jeges viel zu wenig lei, trotzdem müsse endlich mit der Durch führung der Jugendfürsorge von Reichs wegen begonnen werden. die 3entrum und Deutschnatisuale hofften aus dem Finanzelend für ihre freie Liebestätigkeit Gewinn herauszus Schlagen und vertraten die Auffassung, daß durchaus nicht überall die Errichtung von Landes, Bezirks- oder Provinzial- Jugendämtern nötig jei, sondern nur dort, wo die freie Liebes tätigteit( b. h. firchliche und nationale Jugendpflege und Jugendfürsorge) nicht ausreiche oder hingelange. Allo tönne man mit 50 Millionen sehr wohl anfangen. Dem widersprachen die Demotraten anfangs ziemlich Ihwächlich. Ja, fie gingen sogar hinter ihre ursprüngliche Anregung, die 50 Millionen auf 200 zu erhöhen zurüd und meinten, 100 Millionen seien doch das mindeste, was verlangt werden müsse. Für unsere Partei wurde von der Genoffin Wurm nachdrüdlich betont, daß diese Reichsregierung für Kulturaufgaben niemals Mittel übrig habe. An die Bezahlung der Reparationsforderung wäre zu benfen Gelegenheit gemefen, als für Reichswehr, Sipo, Reeder usw. Millionen und Milliarden bewilligt worden seien. Wenn das Jugendwohlfahrtsgesetz nicht nur zur Schau, sondern zur Verwirklichung dem Reichstag vorgelegt worden sei, bann Lönne das, was hier sämtliche Regierungsvertreter gesagt, nur als ein Sohn betrachtet werden auf die Durchführung der Aufgaben, die fich die Reichsregierung selbst gestellt: umfassende Jugendpflege und Jugendfürsorge, begiunend mit dem Schutz der werdenden Mutter bis zur wirtschaftlichen Selbständigkeit der Jugendlichen. Diese Sparjamteitsmethode, wie sie gerade bei der Wohlfahrt der Jugend geübt werden foll, sei eine völlig verfehrte. Wolle die Reichsregierung ernstlich wiederauf bauen, dann müsse sie bei der Jugend anfangen, und die 500 Mil lionen, die die Unabhängigen hierfür verlangten, feien eher noch zu wenig als zuviel.Schließlich waren die Bertreter aller Frattionen der Meinung, daß eine Weiterberatung des Gejeges erst einen 3wed habe, wenn Die Fraktionen zu der 50- Millionen- Frage Stellung genommen, ent. erilbrige fidh jebe Weiterberatung, wenn die Regierung bei ihrem Standpuntte beharre, der eine ernsthafte Durchführung des Gejezentwurfs unmöglich mache. Aus der Arbeiterbewegung Die wirtschaftlichen Forderungen bes Internationalen Metallarbeiterverbandes. Das Zentralfomitee bes Internatio nalen Metallarbeiterverbandes beschäftigte sich in seiner legten Sigung in Bern mit der wirtschaftlichen Lage der Metallarbeiter, besonders mit Hinsicht auf die überall vorgenommenen oder ver suchten Lohnreduktionen, gegen welche es energisch protestiert. In einem besonders scharfen Protest wendet es sich gegen Bestrebungen, die große Errungenschaft des Acht: tunbentages zu vernichten und unter verschiedenen Vor wänden die Arbeitszeit wieder zu verlängern. ,, Das Ergebnis ber jahrzehntelangen Kämpfe der Arbeiterschaft darf nicht verloren gehen." Ein Borschlag zur Verweigerung der Herstellung von Kriegsstoffen ist zur näheren Prüfung an die einzelnen Lanbesverbände überwiesen morden. Die Debatte über die Reparationstosten zeigte, trog Einmütigkeit in den Auffassungen über die Mißbräuche der internationalen Bourgeoisie und den Weltimperialismus, manche Zeichen der Kriegsnachwirkungen und daß bie nationalen Gegensätze in der internationalen Arbeiter bewegung noch nicht ganz verschwunden sind. Die zum Schluß angenommene Resolution enthält wertvolle Vorschläge zur wirte schaftlichen Wiederherstellung Europas und verlangt, daß die Bezahlung der Kriegsschulden zu einer internationalen Pflicht gemacht werden soll, wozu besonders die vom Krieg verschonten Nationen beitragen müssen. Ententemaßnahmen gegen Wrangel. Die Entente hat nicht nur mit General Wrangel völlig gebrochen, fie hat nunmehr auch nach einer„ Dena"-Meldung aus Konstantinopel bie Auflösung aller russischen Behörden in Konstantinopel bis zum 15. Mai b. 3., mit Ausnahme des Flüchtlingsfomitees, verfügt. Aus den Organisationen Zeitungstommiffion Groß- Berlin. 3u der heute abend 7 Uhr in der Arbeiterbildungsschule, Breite Str. 8/9, stattfindenden Bollversammlung, der Zeitungstommission Groß- Berlin werden die Spediteure ersucht zu erscheinen. Diftriftsführer und Ortsgruppenleiter. Zur gemeinsamen Be fannigabe find Treffpunkte für den 1. Mai und Lotale der Abendveranstaltungen bis Freitag mittag 12 Uhr dem Bartei bureau, Telephon 3tr. 152 30-39, mitzuteilen. Besondere Bekanntmachungen erfolgen nicht. Weißenfee. Die Vorarbeiten zur Maifeier finb beenbet unb es Tiegt jest an ben Genofinnen und Genossen, ben Weltfeiertag zu einer imposanten, machtsellen Kunbgebung zu gestalten. Das Tagesprogramm lautet: Bormittags 8 Uhr öffentliche Bersammlung in. Weißenfee im Schloßgarten. Rach fuzzem Referat Demonstrations und festzug unter Mufitbegleitung nach dem Luftgarten. Die marschfähigen Schultinder und die Jugendabteilung bilben die Zugspige. Abends 6 Uhr in ber großen Gemeindeturns und Festhalle, Bistoriusfit., großer Bolts funftabend, verbunden mit Instrumentalfonzert, Bestrebe, Männerhöre, Rest tation, Solo und Duettlieberverträge unter Mitwirkung namhafter Künstler. Eintrittspreis trot erheblicher Untoften influftve Stuez nur 3 Mart. Einlaß farten find schon jest bei allen Funktionären zu haben. Die Gruppenführer müsiek umgehend bas benötigte Quantum beim Obmann der Bildungstommission, Genoffen Seini, Gäblerstr. 7, 1 Treppe( Nähe Röldeftr.), abholen. 10. Diftrift. Arbeitslose Genossen, welche Anspruch erheben auf Freilieferung ber Freiheit haben sich bei dem Genossen Rud, Schönholzer Str. 15, v. It., reizeitig zu melden. 23ilmersbort. Sonntag, 1. Mai, 7 Uhr, Aula ber Oberreafichule am Sinber burgpart Maifeter unter Mitwirtung von Feliz Stoflinger( eft rede) und zahlreichen Kunstkräften( Chor, Cello, Klavier, Rezitation). Karten 2 Mart bei ben Funktionären. Donnerstag, 28. April 3. Berwaltungsbezirt. Große öffentliche Frauenversammlung abends 7 Uhr, Großer Bharusfaal", Millerstr. 142. Tagesordnung: Gegen ben Gebärgmang". Referent: Dr. Julius Mojes.. 12. un 13. Dirift. 6 Uhr Ronftoffeinteilung zur Matfeter im Prater bet Soffmann, Lychener Sit. 8. 14., 15. Diftritt. U. S. P.- Elternbeiräte sämtlicher Schulen verjammeln fich abenbs 7 Uhr bei Schulz, Oldenburger Str. 19. Borstand Stunde früher. Lihtenberg. 4. Biertel. 7% Uhr Funtionätigung bei Krüger, Türrschmidte traße 33/34. Freitag, 29. April 6. Berwaltungsbezirt( Hallesches Ier). bends 6 Uhr Bezirksverordnetenver fammlung Mittenwalder Str. 7. Diftritt. a. bteilung. Abends 7 Uhr Abteilungsversammlung Littauers fraße 18( Sulaula). 8. Diftrift. 7 Uhr Bertandsfhung bei Dreffe, Sgreinerftr. 18. Pünktliches Erfheinen notmenbig. 10. and 11. Diftritt. Die Abteilungstaffierer müßen die Maibilletts bis Freid tag, ben 29. b. M., Bei ihrem zuständigen Diftrittstaffiezer abgerechnet haben. bie Bezirksführer bemzufolge rechtzeitig. 12. Skrift. 7 Uhr übteilungssetjammlung. 1. Abteilung Klug, Danziger Straße 71. Referent: Genosse Soffmann. 2. Abteilung Aula, Greifenhagener Strake 58-59, 1ste Seule. Referent: Genosse Herbst. 3. Abteilung Aula, Genes felberstraße 6. Referent: Gensile John. 4. Abteilung Aula, Sherenbergstr.& Referent: Genee Boyer. 17. Dißrift. 1. und 2. Abteilung. Abends 7 Uhr tommunale Sigung bei Rroll Utreter Str. 21. le ehrenamtlich tätigen Genoffen, sowie Bezirks- Stadinezi srbnete und Bezirksführer finb eingelaben. 20. Berwaltungsbegiet. Reinidenber- CR. Abends 7 Uhr in der Mule det 4. Gemeindeshule, Reinidenbarf, Sausotterplay, s111igung allet 1ter beirate. Tegesetonung: Aussprche über den Stand bez welt lisher Shale und das Bauffene Schulprogramm. Gltern, beren Kinder von Religionsunterricht befteft, sowie intereffierte Lehrer find hierzu eingeladen. Sabrettfelbe. Abends 7 Uhr im Lofal son Deutschmann( Gemeinichaftshaus) Affentlige Berlammlung. 1. Bortrag des Genoffer Stadtverordneten Sexx. 2. Bershiebenes. 3ahlreicher Befu bringend notwendig. Banesers Friebenez. Des effeierfomitee trifft fish abends 8 Uhr bei Balm, Resbatz., Ede Cherusteritz. Treptow- Baumulenweg. Bei Rather, Riefholztr. 35, abends 7 Uhr, Set sprechung aller Selfer, Belferinnen und Ordner zur Demonstration und zur Nacht mittagsfeier. Jeber Bezirt with vertreten sein. Gleichzeitig Ausgabe der freien Eintrittstarten für Arbeitsloje. Sonnabend, 30. April 14., 15., 2. Diftrift. Krbeitsgemeinschaft fog. Elternbeiräte jämtlicher Schufes Wichtige Sigung abends 7 Uhr bei Berger, Jagowftz., Este Levegomftr. Bereinskalender Turnverein Fichte. Sierburgh werben alle arbeitsfreudigen Turngenoe erfucht, jeben Sonnabend zahmittags und Sonntag vormittags auf allen Turnplägen des Vereins einzufinden, um die fehr notwendige lagrenovierung Borzunehmen. Donnerstag, 28. April Begint& Arbeiterfänger- Band. Webbing, Gesundbrunnen trifft fich am 1. Mai, sormittags pünktligz, Rofenthaler Log- Lothringer Str. Internationaler Bunb bez Kriegsopfer, bends 7 Uhr Berjammlung, Freie Shih, Frutsiz. 30 a. Rechisenweltsbureaus: Abends 7 Uhr Zentralserband ber Angestellten. Glas und öffentliche Berjammlung, Brechtsäle Alt- Berlin, Blumenfie, 10. Keramit- Großhandel: bends 7 hr öffentliche Bersammlung, Neue Phil harmonie, Ropenider Str. 96-97. Rommaneler Bellsbilburgsausschuh Reinidenberf. Bortellung bes Marionete tentheaters Rachmittags 4 Uhr in Realgymnaftum Berner Straße. Gespielt wird: Mug'1, ber geftiefelte Rater". Märchen in brei Aufzügen von Bocci. Für Rinber 75 1., Erwachsene 1,50 R. Berbend Boltsgefundheit. Abends 7% Uhr, Oberrealfhule, Niederwenstr. 12, Borirag bes Genossen 31 Sber Ungengruber. Freitag, 29. April Internationaler Bund der Kriegsopfer. Often 2. Generalversammlung abends 7 Uar, Fruchtstr. 36. Mieterverband Treptow. Funktionärverjammlung abends 7% Uhr bei Banje, Krüllstr. 1. Turnscreinigte". Abends 7 Uhr Sigung ber Sportler in der Geschäftsstelle. Sozialistische Proletarierjugenb Diten". Der Gruppenabend fällt aus. Sonnabend, 30. April Frete Lehrergewertheft. Rathaus, Zimmer 100, abends 7 2hr, Bolligung. Tagesordnung: 1. Beamtenzätegeles, 2. Steuerfragen. Berantwortlich für Politif und Feuilleton: Leo Liebig, Berlin- riebenan. Berantwortlich für Kommunalpolitit, Lotales und Gewerkschaftliches: Gezhait Seger, Berlin. Berantwortlich für den Inferatenteil: 2 udwig Rome riner, Rarlshort. Berlagsgenoteniajt freiheit", e, G. m. b. 5., Berlin. Drud ber Berliner Druderei 6. m. b. 5., Berlin C2. Breite Str. 8-9. HERMANN TIETZ. Fische Plund Plund Leb. Karpfen....... Phd 1200 Leb. Hechte..... ........ Plund 1050 Kabliau koplis, im ganzen 220 Seelachs kopies, ganzen 220 Bratschollen........ Plund 95 PL. Makrelen geräuchert, Phund 480 Schleibücklingend 580 Salzheringe grosse. Stock 35PL Gemüse Rhabarber. Plond 40P Spinat................. Pland 45P Wurstwaren Rotwurst.......... Plum 1100 Landleberwurst..Pfund 1200 Sülzwurst............ Plund 1400 Fleischwurst....... Phund 1900 Grobe Mettwursi Pd 1850 Hausm.- Leberwurst Pid. 1950 Mettwurst selger Art. Pld. 2050 Teewurst............ Pund 2500 nach BraunObst Radieschen.......... Bund 25 Pl. Zitronen........... 3 Stück 110 Salat Kept 120 Apfelsinen.... Slick von 50PL on ****** Leberwurst 2 Pandem 380 4 Pond Dem 725 Donnerstag und Plund- Dese Leipziger Str. Alexanderplatz 25096S Frisches Fleisch Kalbskamm.......... Plund 850 Kalbskeulen. Plund 1000 Suppenfleisch.. Plund 950 Schmorfleisch 1150 Fr.Schweinecken Pid. schinken und 1500 Schweinebauch. Plund Blatt 400 Gehacktes Rindfleisch. Pjd. 1100 m. Knock, Amerikan. Heereskost 350 Rindlelsch mil Bohnen, 2 engl. Plund- Dose Gefrorene Kaninchen ohne Kop! und Füsse... Piund Fredag Reste- Gage Gänsefedern fillfertige, auch ungerissen, ana erster Hand. Paul Paegelow Wriezen 130drbr. plet Brande Kupfer Metalle und fämtliche Reichel's Besonders preiswert. Keksmischung225 Albert- Keks.. Plund 250 Kolonialwaren Gebrannter Kaffee Pd. 1900 Tafelreis................ Plund 240 Vollreis................. Plund 380 Rangoon- Bohnen Pid. 80P. Nudeln............. Plund 590 Haferflocken......... Plund 235 Hafergrütze... Plund 250 Graupen. Pfund 280 Kartoffelmehl Plund 300 Maisgriess. Plund 230 ****** Käse- Fette ***** Edamer Käse Plund 1900 Dän.Goudakäse Pfund 1050 Ausl.- Käse n. Harzer Art, Pid. 900 Tilsiter Käse......... Plund 575 Landkäse........... Plund 740 Margarine........... Plund 79° Margarine allerleinste Que 525 Butterfett............. Plund 1000 Talg ausgelassen........ Pjund 725 Kokosfett in Tafeln... Pland 995 litat, Pld.- Pok Puddingpulver elner Schokoladenspeise...... Paket 200 Holl. Pudding Pakel von 90% Puddingpulver z. Bereffung Griesspuddingpulver m. Mandel. Zira 95 PL Valle 20 Puderpudding mil Kakao Paket Paket Paket 130 u.a. Wollstoffe, Seidenfloffe, Waschftoffe, Spitzen, Bänder, Gardinen usw. zu sehr vorteilhaften Preisen Magentropfen um 1. Mai Zum Seit über 25 Jahren erfolgreich Schmelze Chriftionat erprobt und berühmt burch ihre Reichenberger Straße 22, große Wirkung bei Magenleid. Berbauungsbeschwerden. ( Rottbuser Tor.) Wanderkarten für alle Gegenben erhält man in ber Buchhandlung Freiheit", Breite Straße 8-9. 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