Ar. AS Kbomuments- Bedingungen: SbonnemenlZ> Preis pränumerando: vierteljährl. SL0 Mk.. monall. 1,10 Mr.. wöchentlich LS Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags- Nummer mit tllustrirter Tonntags- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: S,Z0 Mark pro Quartal. Eingelragen in der Post-ZeilungS- Preisliste für 1897 unter Er. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für daS übrige Ausland Z Marl pro Monat. Erscheint täglich aufjer Welling». Devlinev Volksblskt. 14. Jahrg. Die Insertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel» zcile oder deren Raum so Pfg., für Vereins- und BerfammlungS-Anzetge», sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserats für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag» in der Erpedltlon abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis o Uhr vormittags geössnet. Zernsprecher: Sink I, Er. ISOS. Telegramm-Adresse: „Svlialdeuivkrak Vrrlin«. Dentralorgan der sozialdemokratisthen Partei Deutschlands. Wedaktiott: 8W. 19. Weuly-Straße 2. Spedition:«V. 19. Weuly-Slruße 3: Parteigenossen! Laut Beschluß des vorjährige» Parteitages findet der diesjährige in Hamburg statt. Auf Grund der Bestimmungen der ZZ 7, 8 und 9 der Partei- Organisation beruft die Parteileitung hiermit den diesjährigen Parteitag aus Sonntag, den 3. Oktober nach Hamburg in daS Etablissement„ T ü t g e Valentliiskamp, ein. Als provisorische Tagesordnung ist festgesetzt: Sonntag, den 3. Oktober, Slbends 7 Uhr, Vorversammluug. Festfetznng der Geschäfts- und Tages-Orduung Wahl einer Kommission zur Prüfung der Mandate. Montag, den 4. Oktober und die folgenden Tage: 1. Geschäftsbericht des geschästsführende» Ausschusses. Berichterstatter: A. G e r i s ch u. W. P s a u n k u ch. L. Bericht der Kontrolleure. Berichterstatter: H. Meister. 3. Bericht über die parlamentarische Thätigkeit. Berichterstatter: M. Schippet. 4. Die bevorstehenden Neichstagswahlen. Berichterstatter i A. Bebel. 5. Die Betheilignng an den preußischen LandtagStvahlcll, Berichterstatter: I. Auer. 6. Die Maifeier 1893. Berichterstatter: H. Förster. 7. Bericht über den Arbeiterschutz-Kongreß in Zürich. Bericht- erstatter H. Molkenbuhr. 8. Organisation. Berichterstatter I. Aller. 9. Anträge zum Programm und zur Organisation. 10. Sonstige Anträge. Parteigenossen! Wir forder» Euch nun auf, die erforderlichen Vorbereitungen zu treffen, insbesondere die Wahl der Delegirten und die Einreichung der Anträge rechtzeitig zu bemirke». Die Anträge müssen spätestens am 17. September in Händen des geschäftsführenden Ansschtlsses, Adresse: W. Pfannkuch, Hamburg-Eimsbüttel. Eichenstraße 4, I, sein, wenn sie entsprechend den Bestimmungen des Z 8 Absatz 2 der Parteiorganisation im„Vorwärts" veröffentlicht werden und in die gedruckte Vorlage für den Parteitag Aufnahme finde» sollen. Anträge von einzelnen Parteigenossen bedürfen der Gegen- Zeichnung des Vertrauensmannes, falls sie zur Veröffentlichung und Berathung gelange» sollen. Die Adresse des Lokalkomitee's ist: G. Blume, H a m b u r g- E i m s b ü t t e l, B i s m a r ck st r a ß e 10. II. Die Parteigenosse», die zum Parteilag kommen, werden ersucht, von ihrer Delegation dem geschäftssührenden Ausschuß und dem Lokalkomitee rechtzeitig Mitlheilung zu machen, damit dieses in bezug auf Quartiere:c. die nolhwendigen Vorbereitungen treffen kann. Mandatsformnlare, mit deren Versendung Mitte September begonnen wird, sind durch das Bureau des geschäftssührenden Ausschusses. Hanlburg-Eimsbüttel, Eichenstr. 4 I, zu beziehen. Die Genossen, welche Anträge einreichen, werden darauf aufmerksam gemacht, daß etwaige, den Anträgen beigcgebene Motive weder im„Vorwärts" noch in der dem Parteitag vorzulegenden gedruckten Vorlage Aufnahme finden können. Die Genossen haben das Recht, ihre Anträge auf dem Parteitage entweder persönlich zu vertreten oder durch befreundete Genossen vertrete» zu lassen; außerdem empfiehlt es sich, wichtige Anträge vor dem Zusammentritt deS Parteitages in der Parteipresse zu erörtern. Die Motive aber in die Parteitagsvorlage anfznnehnieli/ verbietet sich aus räumliche» Rücksichten und um der damit verknüpften un- vermeidlichen Wiederholungen willen. Hamburg, den 14. August 1397. Mit sozialdemokratischem Gruß: Der geschästsführende Ausschuß. Mievev mit dem Groß! Als Fürst Bismarck vor 20 Jahren dahinter kam, daß init der sogenannten Reichsherrlichkeit kein H>md niehr hinter dem Ofen hervorzulocken war, und daß das deutsche Volk in dem preußischen Junkerreich nicht die Verwirklichung des nationalen Ideals erblickte, verfiel er auf die?Rillio»är- znchterei und stellte sich, indem er das Banner seiner„Wirth- schaftsreform� entfaltete, an die Spitze der wolsshungrigen Landjilnker und ausbeutnngsivüthigen Schlotjunker. Die Wil'thschaftsreform, wie sie Bismarck und die Junker an- strebten, ivar die Proklamirling der rücksichtslosen Bcsitzhcrrschaft — der Brandschatznng der arbeitenden und mittleren Klassen durch privilegirte Kapitalistensippen. Es war ein förmlicher Pacto de Famine, ein A n s- hn ngernngs« Vertrag, wie die französischm Volks- ansbentcr ihn vor der großen Revolution abgeschlossen hatten. Um die Ausführung des neuen Hunger- Pakts zu ermöglichen, war es nöthig, daß das Volk durch Vorspiegelung fürchterlicher Gefahren in Angst und Schrecken gejagt und um seine Urtheilskraft gebracht ward. Wie das Schelmenstück ins Werk gesetzt ward, wie der Terzerolknall des halbidiotischen Stöcker- mann's Hödel und der Schrotbüchsenschuß des ganzverrückten Nationalliberalen N o b i l i n g in sozialdemokratische Attentate umgelogen und zur Heranfbeschwörilng des rothen Gespenstes „frnktifizirt" wurden, bis es nach obligater Reichstagsauflösung gelang, eine gefügige Majorität für den Reichstag zusammen zu raffen— das ist nnverlöschlich in der Geschichte des neuen preußisch-dentschen Reiches und im Gedächtniß des dentschen Proletariats eingegraben. Die Erinnerung an jene Zeit der Schmach kann aber nicht oft genug und nicht lebhaft genug zurückgerufen und aufgefrischt werden. Und jener Zeit der Schmach entstammt die Steuer auf das tägliche Brot und die nothwendigsten Lebensmittel— das würdige Zwillingsgeschwister des infamen S o z i a l i st e n g e s e tz e s. Damals, mit solch verwerflichen Mitteln, wurde» die Korn- z ö l l e und sonstigen Schutzzölle dem deutschen Volk auf- gelegt, dem in den letzten 19 Jahren durch sie mindestens 4000— viertausend!— Millionen Vi a r k ans der Tasche geholt worden sind, um in die bodenlosen Taschen der Junker und Junkergenossen zu wandern. In der guten alten Zeit des lieben Mittelalters, das unsere Junker von heute so gern wieder herstellen möchten, gingen die Groß- und Urgroßväter der„Edelsten" von heute als„Ritter vom Stegreis" auf die Landstraße, überfielen die bürgerlichen Kauflente und plebejischen Handwerker, die des Wegs daherkamen, und plünderten sie ans mit der Virtuosität Apenninischer Straßenräuber. Der offene ehrliche Straßenraub ist in unserem zivilisirten Jahrhundert bei strenger Strafe verboten— anstelle des Faust- rechts ist das Gesetz getreten. Die Kasten sind aber geblieben; in Gestalt von Zöllen und Abgaben wird heute eingehobcn, was früher mit dem Schwert und Morgenstern erzwungen wurde. Das ist ein Fortschritt, der auch sicherer und einträglicher kür die Interessenten ist. Di'! modernen Nachkommen verstehen das Geschäft besser. Jeder„Schlag auf den Magen des Volkes" bedeutet einen Goldregen für die Junker, jeder Druck ans die„Klinke der Gesetzgebung" wirst den Junkern Millionen in den Schooß. Anfangs waren sie noch etwas schüchtern; mit dem Essen ivnchs aber der Wolfshunger u> d bald waren sie soweit, daß ans jeden D oppcl zentner K o r n f ü n f M a rk an Zoll entfielen. Da nun in Teutschland ein jeder Bewohner durchschnittlich— das heißt Männer, Frauen und Kinder gleich gerechnet— ungefähr einen Doppelzentner Getreide zur Ernährung braucht, und da der 5 Mark-Zoll die Preissteigerung auch des nicht importirtcn Getreides um 5 Mark per Doppelzentner bedingt, so ergab dies für eine Familie mit durchschnittlich vier Kindern eine jährliche Steuer von 30 M.(b x 0). die eine Familie an die Nachkommen der alten Raubritter gesetzlich zu zahlen hatte. Natürlich erklärten die„Edelsten", daß sie mir im In- tcresse des„armen Mannes" und vor allem des geliebten „Bruders" Bauer handelten. Das ist indcß nur Seifenschaum, der den Dümmsten um den Bart geschmiert wird, denn von den bllt Millionen„ländlichen Grundbesitzern", welche die deutsche Statistik verzeichnet, sind drei Viertel nur Schein- eigcnthümer, nnd höchstens eine Viertel Million haben soviel Land, daß sie nenncnswcrlh Getreide verkaufen können. Es ist merkwürdig, zu was für windigen Aufschneidereien die modernen Ritter vom Stegreif ihre Zuflucht nehmen, um ihre„edelsten" Geschäftspraktiken zu patriotischen Handlungen im Dienste des Volkes zu stempeln. Sie reden vom Roth- stand der Landwirthschaft nnd meinen fette Reichspfründcn für sich. Sie sind besorgt um die Gesundheit des Volkes, nnd denken nur an die Aussperrung von Nahrnngsmitteln, damit sie ihre eigenen Waaren lhenrer verkaufen können. Sie Hetzen im Namen der nationalen Ehre zum Zollkrieg mit Amerika, und trachten in Wahrheit nur, dem deutschen Volk den Brot- nnd Fleisch- korb höher zu hängen. Füllung der Jnnkertaschen ans Kosten des arbeitenden Volkes— das ist der einzige Gedanke, das einzige Ziel dieser modernen Ritter, deren verfeinertes und ausschließliches Ehrgefühl sie nicht hindert, bei Ausübung ihres Geschäftes eine Aufdringlichkeit, ein Rcklametalent und ein Vcrdrehnngs- und Ueberredungslalent zu entwickeln, um welche der schacherjüdischste der von ihnen so arg geschmähten Schacheriuden sie beneiden könnte. Jahre lang hatte das deutsche Volk die Bürde de? Fünf- Mark-Zolls zn tragen. Günstige Ernten ließen die Last weniger schwer erscheinen; bis Anfang der 90er Jahre schlechte Ernten sich einstellten nnd der Zorn des Volkes gegen die Brot- verthcnerar eriveckt ward. Bismarck, das Hanpt der Volksaushnngercr nnd Volks- ausbeutcr war inzwischen gestürzt; nnd die Regierung, für einen Augenblick dem Einfluß der Junker etwas entrückt, gab dem Drängen bis zn einem gewissen Punkt nach, indem sie durch Handelsverträge den Kornzoll um P/s M.— ans 3,50 für den Doppelzentner—„ermäßigte". Das Volk ließ sich durch dieses Zngeständniß einlullen. Es kam eine Reihenfolge von guten Ernten, und die Korn- zölle wurden von den Volksmassen vergessen— vergessen, daß auch in dieser Aera der fetten Jahre von jedem Bissen Brot, den der„arme Mann" in den Mund steckt, ein Zehnter, eine B l n t st e n e r im schlimmsten, grausamsten Sinne des Wortes an die Nachkommen der mittelalterlichen Raubritter entrichtet werden muß. Heuer nun ist im Lauf der rollenden Jahre wieder ein Umschwung znm Schlimmen erfolgt— ein Erntejahr, das einen ungewöhnlichen Segen versprach, droht ein Jahr der Theuerung, ein Nothjahr zu werden: durch die Ungunst der Witterung, durch anhaltende Dürre in Osteuropa und durch eine fast beispiellose Fluth von Regengüssen in Mittel- und Westeuropa ist in Rußland, Ungarn, Frankreich, England- �rland nnd in Deutschland selbst die Getreide-Ernte znm eil zerstört, zum theil verdorben worden, und sind auch die Kartoffeln in vielen Landstrichen— auch Deutschlands— mißrathen, was den Brotverbrauch nnd damit den Brotpreis steigern muß. In Frankreich wurde die Gefahr einer Hungersnoth zuerst erkannt. Dort hat die herrschende Klasse einen noch höheren Getreidezoll, als uns geduldigen Deutschen zugemnthct ward, dem Volk aufgehalst— 7 Franks, d. h. 5 M. 60 Pf. für den Doppelzentner. Und vor etwa 8 Wochen, als plötzlich die Korn- und Brolpreise in ganz Frankreich emporschnellten, entstand eine Panik, die sehr schnell ihre Spitze gegen daS schntzzöllnerische Ministerium Nieline kehrte nnd zu einer von Tag zn Tag stärker werdenden Volksbewegung geführt hat. In Deutschland dauerte es länger, ehe die Gefahr erkannt wurde. Und zwar wesentlich dank einer Maßregel, ivelchc die Junker in ihrer unglaublichen Ignoranz zur Steige- rnng der Kornpreise erzwungen hatte», durch welche jedoch that- sächlich das Gegentheil bewirkt ward. Wir meinen das Verbot des T e r m i n h a n d e l s in Getreide, nnd die Stellung der Börse unter polizeiliche Ans- ficht. Dieser Geniestreich, der nur in einem ostelbischen Junker- Hirn entstehen konnte, hat sich empfindlich an den junkerlichen Nichtsivissern gerächt. Sie hatten geglaubt, die Börse mache, speziell um die Junker zn ärgern, billige Kornpreise. Und siehe da, nachdem sie die boshafte Getreidebörse hübsch sänber- lieh zum Streik getrieben hatten, ist Deutschland das Land, in welchem die Gelreidepreise bisher am l a n g s a m st e n nnd wenigsten gestiegen sind, weil es an einem Preismesser fehlte, der den Landwirthcn beim Verkauf einen Anhalt bot. Wie ivir der„Vossischen Zeitung" entnehmen, ist vom 4. Januar bis 10. September dieses Jahres die Tonne(d. i. zehn Doppelzentner) Weizen in Chicago um 32, in Paris um 541/2, in Budapest um 63, in Berlin um 4 M. gestiegen, nnd der Roggen gleichzeitig in Budapest um 29'/-, in Berlin blos um II Ältark. Die Junker haben sich also in das eigene Fleisch geschnitten, was niemand ihnen mißgönne» wird. Allein die Dummheit der Junker hat nur eine vorüber- gehende Störung des Eetreidcmarkts verursachen können. Auch in Deutschland fangen die Preise an, in raschem Tempo zn steigen und eine Theuerung st e h t sicher bevor. Die Dummheit der Junker ist kein dauernder Schutz gegen die Folgen ihrer Habgier. Die 3'/z Mark Kornzoll, die wir zn zahlen haben, sind ein abscheuliches Unrecht nnd eine schwer drückende Last.„Korn- zölle find die unmoralischste, unmenschlichste, unchristlichste Art der Vestcucrnng"— hat ein christlicher nnd konservativer Staatsmann schon vor einem halben Jahrhundert gesagt. Welche Verpflichtnng hat das deutsche Volk, den preußischen Junkern einen Kornzoll zu zahlen? Keine! Welchen Nutzen haben die Kornzölle? Keinen! Sie haben das Elend d e r K l e i n b a u e r n nur vermehrt, und einzig den Junkern d i e T a s ch e n gefüllt. Und was haben die Junker dem deutschen Volk Gutes gethan, daß es ihnen diese Blntstcner zahlen soll? Nielsts! Was sie ans politischem Gebiet thaten nnd thnn, war und ist dem Volke f e i n d l i ch. Die B r o t v e r t h e u e r e r nnd Großkorn wucherer sind es, die neulich erst das Attentat auf das Vereins- recht begingen, seit Jahren das Attentat ans das allgemeine Wahlrecht planen und jetzt zum Staats- st r e i ch Hetzen. Für diese Junker keine Schonung! Ihrem gemeinschäd- lichen Treiben muß ein Ende bereitet nnd ihnen, den Brot- verthcnerern, der Brotkorb höher gehängt werden. Darum fort mit den K o r n z ö l l e n! Sollen wir warten, bis die Theuerung zur Hungersnoth geworden ist? Bei Zeiten gilt's vorzubeugen. Doch ohne Kornzölle können die Junker nicht leben— so „schreien" sie uns alltäglich in die Ohren. Nun, wenn sie ohne Kornzölle nicht leben können, dann mögen sie zu gründe gehen. Als Junker haben sie kein Recht zu leben. Wirthschaft- lich und politisch ist das Jnnkerlhum ohne Existenzberechtigung. Eine Kaste, die blos ans Kosten anderer leben kann, ist gemeinschädlich nnd muß ihr, je eher je besser, das Handwert gelegt werden. Statt zn betteln nnd zn schmarotzen, sollen die Junker arbeiten. Dann können sie nützliche Glieder der menschliche» Gesellschaft werden, der sie jetzt nur zur Last und znm Schaden sind. Freilich, sie halten sich zur Herrschaft geboren und klam- mern sich fest an den Sattel, an die Kammerherrnschlüssel und an dieZKlinke der Gesetzgebung.) Aber fort mit ihnen! Und fort n> i t den K o r n z ö l l e n, ans denen sie ihre Kraft sangen! Das Jnnkerjoch abzuschütteln ist nicht leicht. Sie haben sich sestgenistet, diese„Edelsten"; sie umklammern uns wie der Meergreis den Seefahrer Smdad. Ader das deutsche Volk ist stärker, als die preußischen Junker. Es erhebe sich zum Protes gegen die Koruzölle! Kein Tag ist zu verlieren, sofort Hand anzulegen. Fort niit den Kornzülleu! Fort mit den I u u k e r n! politische Mrbreflchk. Berlin, 18. September. Herr Thielen nnd die Eisenbnhn-Uufälle. Der Munster der öffentlichen Arbeiten, Exzellenz Thielen, sieht ein, daß etwas geschehen muß, damit dem Ueberhandnehmen der Unglücksfälle in dem ihm unterstellten Betrieoe gesteuert und das erschreckte Publikum beruhigt ivcrde. Die Einsetzung einer Kommission konnte nicht befriedigen, das merkt Herr Thielen selbst, nnd er hat sich deshalb zur folgenden weiteren Ber sügung an die Direktionen der Staatsbahnen aufgeschwungen „Nach dem Ergebiiiß der angestellieu Untersuchungen sind die in letzter Zeit vorgekommenen, bellagenSwerthen Eisenbahn- Unfälle zn einem großen Theil durch die Nichtbeachtung klarer und einfacher vorschrtfle» über die Handhabung des Betriebes hervorgerufen worden. Ich bin daher genöihigt, den königlichen Eisenbahn Direktionen die genaue Beachtung des Erlasses vom 21. November 1884 je. zur ernsten Pflicht zu mache», nach welchem jede auf grobe Pflichlverletzniig znrtickznsührende Zuividerhandlnng gegen eine zur Sicherung de§ Betriebes erlassene Borschrist, auch wenn dadurch eine Störung des Betriebes oder ein Unfall nicht herbeigeführt worden ist, in der Regel mit D i e n st« n t.l a s s n» g, bei fest angestellten Beamte» mit Einleilnng des Disziplinar Verfahrens ans Dlenstentlassmig zu ahnde» ist.— Dies ist sämmb lichen Beamten und Hilfsbeamte» durch die Dienststellen-Borsteher z» eröffne».- Wer wollte nun noch dem Minister der öffentlichen Av beiten und seinem Geheimrathsstabe mit einem Worte des Vorwurfs entgegentreten? Kann er trefflicher nnd eifriger für Ordnung und Sicherheit im Eisenbahnwesen sorgen? Für« wahr, diese Verfügung des Bahnobcrsten setzt allen bisherigen hochobrigkeitlichen Erlassen und Maßnahmen in dieser Sache die Krone ans. Rückhaltloser denn je zuvor wird die Schuld von den traurigen Geschehnissen ans die Bediensteten ab- gewälzt. Die Vorschriften seien klar nnd einfach, aber die Beamten beachteil sie nicht, darum muß möglichst streng gegen jeden, der etwas versteht, vorgegangen werden. Dieser Erlaß kann nicht nur keinen Nutzen stiften, sondern w i r d d a s U e b e l nur weiter verschlimmern. Den Eisenbahnbeamten nnd-Arbeitern braucht wahrlich nicht noch besonders eingeschärft werden, daß überihnen in jcderDienststnnde die Gefahr der Dienstentlassnng schwebt. Das wissen sie nur zn gut und sie wissen auch, daß das geringste Versänmnifi, das sie begehen, anderen Menschen sowie ihnen selbst die gesunden Glieder nnd das Leben kosten kann. Wenn trotzdem die Oberbehörden immerfort ans die Bediensteten einreden nnd ihnen die Schuld an den früheren Vorkommnissen zuschieben, so tragen sie neue Vcrivirrmig nnd Bennrnhignng in deren Reihen. Der Lokoniotivführer oder der Weichensteller, dem fortwährend zngernsen wird: Dn bist der schuldige Theil, Du mußt besser anspassen, Du mußt die Vorschriften besser lesen, Du mußt dies beachten und das beachten— er wird durch das Uebermaß der ans ihn eindringenden Anordiinngen, Mahnungen nnd Drohungen der kühlen Ruhe beraubt, ver klare Blick wird getrübt, die sichere Hand wird nervös und nnsichcr. Die Gefahr des Versehens irgend einer der über zahlreichen Vorschriften wird größer und größer. Diese Art, wie Herr Thielen die Uebelstände im Eisenbahn� wesen bekämpfe» will, zeigt die preußische Bureankratie ans der Höhe ihrer Fähigkeiten. Eine Kommission wird eingesetzt, welche die bestehenden Vorschriften prüfen nnd den ganzen Betrieb rcvidiren soll, aber die Kommission besteht ans denselben Geheimräthcn, welche die Vorschriften gegeben nnd den Betrieb so eingerichtet haben, wie er ist nnd ivie er nicht sein soll. Dagegen denkt man nicht daran, die Unterbeainten«nd Arbeiter, die praktischen Bescheid wissen, zn befragen nnd an den Untersiichnngen theil- nehmen zn lasse». Anstatt sie zn veranlassen, daß sie sich frei und offen aussprechen, unterdrückt mau ihre Organisationen, jede selbständige Regung nnd Bewegung. Die Kommission ist die Hille in der Noih. Die Geheimkäthe sollen dt« Wunden heilen. Aber die Beamten und (Staudruck verbolen.) Gin Drofestov Vev Ethik nbev die sozisle NetvesnnA. In seiner zur Zeit in»««er»lnflag««scheinenden„Ethik- kommt der bekannt« dänisch« Professor Harald Höffding auch auf den soziale» Gegensatz zwischen nur arbeitenden und besitzenden Individuen zn sprechen und sagt darüber, daß derselbe eine Fortsetzung der primiliven Arbeitstheilnng zwischen Herr nnd Sklave sei. „Der Besitzende genießt oft nur die Frucht der Arbeit der Vor- zeit oder der Arbeit der Gegenwart; in solchem Fall besteht ei» vollständiger Gegensatz zwischen ihm und dem Arbeiler. Aber selbst wenn er arbeitet, ist der Gegensatz groß genug. Er verfügt nämlich sowohl über die Ardeilsmittel, kals ancb über das fertig« Produkt. Der besitzlose Arbeiter dagegen, der nur sein« beiden Hände hat, muß sie de» Vesltzendc» zur Verfügung stellen, um Stoff zur Arbeit zu bekommen nnd Rnlheil an dem Gcwinu, der erzielt wird. Ohne Stoff kann keine Arbeit ausgeführt weeden; aber selbst wenn man keine Arbeitskräfte bekomuie» kann, kann der Stoff doch vielleicht vom Besitzer verwerlhet und verbraucht werden. Ein so unentbehrliches Znnschenglied die Arbeit auch ist bei der Umwand- liing des Rohstoffes zn,» Prodnkt, muß st« doch vom Standpunkt der Produktion«nd des Umsatzes n»r alt ein Mittel betrachtet werden. Der Arbeitslohn wird in d« Hauptsache alS eine Ausgabe betrachtet, die ma» so sehr wie möglich rediizire» muß. Bon seinem Standpunkt muß der Arbeiter natürlich den Arbeitstohn als Zweck betrachten. Seine Höhe bezetchnet seine soziale Stellung und in gewisser Beziehung anch seine Elellung als Mensch. Aber es fehlt ihm an der Macht, diese AnschaniingSweise zur Geltung zu bringen, so lange er sich selbst überlassen ist. Gerade wie seine Arbeit i» dcr Haupsache als bloßes Mittel sür den Produktionsprozeß betrachtet wird, so wird sein« Person auch leicht als bloßes Mittel an- gesehen. Eine zahlreiche Arbelterbevölkerung ist nothwendig, um die Arbeit zu möglichst billigen Preisen z» bekommen. Damit aber einige sich mit dem möglichst niedrigsten Lohn genügen lassen, müsse» andere sein, die gar keine» Loh» bekommen. Die konsequente Durchführung d« Anschauung, daß der Arbeitslohn nur ein« A u s- gab« ist, führt also dahin, daß«in«-Meng« menschlicher Wesen auf die niedrigste Existenzstnfe herabgedrückt weiden.- Ans den Gegensätze», wie sie hier in ihren grellsten Formen ?«schildert sind, beruht, nach der Meinung d«S Professors, die ozial« Frag« und wen» dies« Frage erst in«nsere« Tagen aufzekomme» ist, liegt das» icht daran, daß Noih und Elend h«»te größer find alS früher; sondern im Gegenlhetl. eS denket auf einen Arbeiter sind die Bösewichte, welche die Wunden geschlagen haben. Nicht das Sparsamkeitssystem des Herrn Thielen be. darf der Abänderung. Auf die massenhaften Darlegungen der Presse über die allzu lange Arbeitszeit nnd die sonstigen Miß- verhältniffe der Bahnaiigcstcllte» wird kein Wort erwidert. Die Pflichtverletzungen derselben sind an allem Schuld-» sagt Herr Thielen. Glaubt die oberste Eisenbahn-Beh örde wirklich, auf diese mehr wie einfache Art ihre eigene Pflicht genügend erfüllt zu haben?— Tie internationalen Vereinbarungen gegen den AnarchiS- »ins, von denen eine gewisse Presse soviel zu reden wußte, können nicht weit gediehen sein, da an de» Bundesrath der Eidgenossen- schaft, nach einer Meldung aus der Schweiz, in keiner Forin irgend- welche Anfrage über eine Stellungnahme zu derartigen Verein- barungen gerichtet wurde. Wir haben von Anfang an derartig« Bereinbariingen als w«rth- nnd nutzlos s«lbst vom Standpunkte der Gewaltpolitiker de- zeichnet.— Slnö Indien kommt eine Hiobspost für die Eiigländer: Pandschkora, 17. September. Eine der englischen BrI- gaben unter General Jeffreys hat gestern einen ernste» Znsannnen- stoß mit dem Mohinand-Staim» gehabt. Nach einen, heflige» Gefecht zog sich die britische Streitmacht in ihr Lager zurück mit einem Verlust vo» neun englische» Osfiziere» i»id 129 M a n» an Tobten und Verwundeten. General Jeffreys ist leicht verwundet. Bei den Zahlenverhältnissen der englischen Truppen ist dies ein sehr schwerer Verlust. Schlimmer jedoch als der Verlust au Me»sche»lebe» und die taktische Bedeutung der Schlappe Ist die moralische Wirkung, die aus die streitbaren Bergvölker der Nordwest- are»« eine ungehenre sein wird, und die letzie Hoffnung auf den Erfolg von FrledenSunterhaiidlungen, die noch bis zuletzt gepflogen wurden, vollends zerstört. Sin koinbinirter Massenangriff auf die zerstrenten und verzettelten englischen Tr«pp«»abtheiln»ge» ist jetzt mit Bestimmtheit zu erwarten. Nach einer»cneie» Depesche ans Girnla(Indien) ist die Brigade des GeneralS Jeffrey'S mit knapper Nolh der Vernichliing entgange» und befindet sie sich noch immer in Gefahr, abgeschnilten zu werde».— » Deutsches Reich. — Die I stse i n u a h m e a» Zöllen und Ver- b r a u ch s st e u e r n i» de» ersten fünf Monaten des laufende» Finanzjahres hat 282 Millionen oder 2,3 Million«» mehr wie im gleichen Zetlraiime deS Vorjahres betragen. Die Zölle haben eln PlnS von 4,7 Millionen, Me Branntweimnaterial- nnd Vrausteuer vo» znsamiiien nahezu 1,S Millionen erbracht, die Zuckersteuer hat indessei» ei» Minn» vo»»ahezu 4 Millionen anzuweisen gehabt, so- daß ein großer Theil des Plus dadurch aufgezehrt wurde.— Bon den übrige» Einnahmezwcigen hat die Börsensteuer jetzt wieder zum erste» Male feit langer Zeit ei» lleines Plus gegen das Vorjahr zu verzeichne» gebabt.— --Zur Vorbereitung der Neichstags-Wahlen. In der letzte» Slaats-Ministerialsiynng sind, so meldet ei» Bericht- erstaller, die Vorbernlhniigen für die ReichStags-Arbcilen zur Sprache gekommen. Nach eingehender Darlegimg seile»? des Stnalösekrelnrs Nieberding hat man sich dafür«nlschieden, die Entwürfe über Abänderung der Z i v> l p r o z e ß- O r d»«» g n» d der Konkursorvnnng dem Reichstag in der bevorstehende» Session zugehen zn lassen. Ans den übrigen RessorlS soll nur daS absolut Noihwendige au den Reichstag gebracht werden. Bisher steht weder fest, wann der Bundesrat h,»och wann der Reichstag zusammen- lrete» wird. — Wann der M« i ch» ka nzle r, Fürst Hohenloh«, nach Berlin zurückkehrt, tst der„Nordd. Allge,». Ztg.-»ach ganz nn- bestimmt. Miqnel nnd Bülow drängen auch kailin zur Rückkehr, sie können die Geschäfte anch allein erledigen.— — Gegen eilte» Zollkrieg mit den vereinigten Staaten spricht man sich in den Kreisen der exporlirenden Industriellen ans. Eine Eingabe in diesem Sinn« richtete die Kölnisch« Handelskamnier an den Reichskanzler.— — Das Deutsche Reich nnd die Wittw« Dr. Stephan'?. Die Miilheilnng der P, esse, daß der Willwe des Slantslekreiär? Stephan ein« ansköwinliche Pension ansgesetzt sei, scheint sich nicht zu bewahrheite», sonst würde ma» nicht von neneni die Sanimlnngen des Slaalsselrelärs zni» Verknus ansbiele». Neuerdings solle», wie uns von sehr znveilnssiger Seile initgetheill ivird, die Handelskammern(per Zirkular) ersnchl worden sein, anS den r e t ch e n S a m in l N n g e Ii d e s Staats- s e k r e t ä r s A n k ä» s e zu machen, damit der Erlös der Willwe Stephan'? zngesührt werden kann. — Ans der Posiverwaltnng. Die Abäiivernng des durch Herrn v. Stephan tn den 70er Jahre» elngeführle» Personal- Fortschritt in den Berhällnissen der Arbeiler, daß die soziale Frage von ihnen selbst gestellt werden kann— die Ursache ist darin zn suchen, daß daS Bewußlsein und die Denksähigleit erweckt ist, daß mm, vergleiche anslelll und sich nicht i»ehr der vorhandenen Gesellschaftsordnung beugt,»nd endlich, daß das Milleid und RechtSgeilihl sich z» größerer Feinheit«nd weile«», Nu, sang« entwickelt haben. Die sozial« Frage ist«ine ethische Frag«. In de», Gedanke» von der ideale» Gesellschaft, dem Hnmanitälsreich, liegt die Forde- rung, daß jedeS menschliche Wesen mehr als Mittel sein soll, daß es seinen eigemhümlichen und selbständige» Platz in dem großen Menschenreich einnehmen soll. Es streitet gegen das Ideal einer »lenschliche» Gesellschaft, wenn ein« größere oder kleinere Zahl menschlicher Wesen als passive Masse dastehen, alS untergeordnete Mittel und deren Gerälhe, deren Genuß und Leid nicht mit in Betracht gezogen werden, wenn die Rechnung über sozialen Forischritt oder Rückschritt ganz aufgestellt werde» soll. „So lange der Begriff Masse-, schreibt er,„noch ans mensch- ltche Wesen angewandt werden kann, so lange lst daS Ziel nicht er- reicht nnd sind mehr oder minder bedenkliche Disharmonien vor- Händen. Masse ist innerhalb einer Gesellschaft da?, was»icht mit in die Organisation anfgenonimcn ist, nicht«in lebender und wirkender Bestandttzeil der Gesellschaft. In der Masse verschwiude» und verwischen sich die einzelne» Persönlichkeiten»nd stehen nicht als eigenartige Kraftpunkte da. Wo ein« Mass« ist, kommt die Persönlichkeit nicht zu ihrem Recht. Weder die Einheit»och die Mannigfaltigkeit, die eine vollkommene Gesellschaft voraussetzt, kann darin zugegen sein: die Einheit Nicht, wetl die Gesellschaft i» Thcile gespallen ist, die nicht organisch zusammenhängen, aber vielleicht doch einander feindlich gegenüberstehen;— die Mannigfaltigkeit nicht, weil die Selbständigkeit der einzelnen Personen verschwindet DaS Prinzip der freien Persönlichkeit, der wichtigste Satz, der vom WohlsahrtSprinzip abgeleitet werden kann, wird verletzt. sobald persönlich« Wesen zn Mitteln herabgesetzt werde», ohne zugleich als Zweck betrachtet zu werden." Professor Höffding untersucht dann die Entwickelnngsmöglich- leiten der heutig«» Gesellschaft und findet bereits eine» großen Fortschritt darin, daß die leidenden Klaffen mehr als jemals bei der Debatle mitreden köm,en. Denn die Geschichte beweist klar, daß keine Verbesserung znm Ziele fährt, wenn sie nicht in aktiver Weise von denen»nlerstützt wird, denen geholfen werden soll. Sie wissen am besten, wo ihnen der Schuh drückt,«nd ohne ihre Mitwirkung kann dem Druck nicht abgeholse» werde».„Weder theoretisch noch praktisch t»»n die sozial« Frage in fr»cht- barer Weis« behandelt werden, ohne daß die Arbeiter selbst an der Behandlung und Eni- cheidung theilnehmen. Und hierzu ist nur erst der Anfang gemach t.- Reglements scheint schon jetzt beschlossene Sache zn sein. Nach de» Mittheilungen, die durch die Presse gehen, solle» die Anwärter der höheren Lansbahn ganz aus de» bisher von ihnen besetzten slib- altern«» Stellen verdrängt und diese dafür der Postassistenlenklasse offen gehalten werden. Damit hätte» die im Postassistenten-Verbande organisirU» Postasststenten endlich erreicht, was sie seit langen Jahren erstreblen. Allerdings, für die soziale Schicht, ans der diese lotstere Klaffe bisher hervorging, bringt die Reform keinen Segen. Soll doch von jetzt an für Amvärler der subalternen Postassistenten-Laufbahn das B e r e ch t l g u n g s- z e u g» i ß zu», einjährig freiwilligen Dienst ge- fordert werde». Dadurch wird mit einem Schlage all den kleinen Handwerkern, untere» Beamten die Möglichkeit genommen, ihre Söhne im mittleren Staatsdienste unterzubringen. Den bisherigen Aufordernngen in schnlivissenschaftlicher Beziehung ließ sich durch Privatunterricht u. s. w. der Abschluß geben— die Kosten für mehrjährigen Besuch höherer Lehranstalten zu erschwinge», ist diese soziale Schicht außer stände.— — Mit der Auf stell»» g von Po st karten- Sluto- maten in den Schaltervorränme», die bereits vor Monate» in Aussicht gestellt war, ist bei verschiedenen Postämtern in Dresden der Anfang gemacht. Die Automaten geben sür 10 Pf. zwei sran- ktrte Postkarten.— — Ueber die Bekämpfung de? Bauschwindels bringt der„Hannov. Cour." folgende Nachricht: „Die Erwägungen über reictzSgesetzliche Maßnahmen gegen den Banschwindel dauern noch fort. I» erster Linie sieht eine Abänderung der Reichs-Gewerbe-Ordiinng dahin in Frage, daß Bau unter- n e h m e r n, die sich als»»zuverlässig erwiese» habe», die weitere Ausübung ihres GewerbeS verwehrt werde» kann. Nach einem weitergehende» Gedanken soll für Baum, ternehmnngen eine Kon- zesstonSpflicht eingeführt werden, derart, daß Unternehmern, die nach der finanziellen oder technischen Seile nicht ein« hinreichende Sicherheit z» bieten vermöge», die Bauerlanbniß von vornherein versagt werde» kann. Ferner steht in Frage, de» B a n h a n d>v e r k e rsn de, der Bebauung»»bebauter Grundstücke ein hypothekarisches Vorrecht sür den über de» Baiislellenwerth hinanSgehenden und erst durch die Bebauung geschaffene» Mehrwerth einzuräumen. Indessen sind die Vorberalhungei,»och zu keinen, Zibschluß gelangt. F», ReichSjustizaiiil herrscht die Meinung vor, daß man im Reiche derariige Maßregeln erst nach de», Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetz- bnches, also Nicht vor den, Jahre 1900, treffe» kvmie. Es wird mich gellend gemacht, daß sich ei» Bedürfniß sür eine derartige Sicherung des Banyandwerks gegen schwindelhaste Unternehmer nur für einzelne Theile des Reiches herausgestellt habe und sorgfältig zn prüfen sei, ob jene Beschränkungen überhaupt atlgunein einzuführen seien oder ob es nicht richtiger wäre, sie im Verordnnngsweg« nur sür be- stimmt namhaft zn machende Gemeinden einznsühre». Diese Vorfragen müssen zunächst entschiede» werden, ehe es möglich sein wird, den Bmidesrnlh und Reichstag mit einen, bezügliche» Gcsetzeiitwurf zu besassen. Daß dies bereics in der bevorstehenden Tagung ge- schehe» könnte, erscheint nach Lage der Sache nahezu ausgeschlossen, so wünschens merth auch eine baldige wirksame Bekämpfung des überhand nehmenden Baiischwindels sei» mag." Vor lauter Bedenken und Ucberlegungen»nd sorgfältigen Prüsunge» kommen die Herren Bureaukräte» zu keinen, Resulint. Inzwischen bleibt alles bei», alte». Der Schwindel blüht lustig weiter.— — Eine Radfahr-Ordniin g für ganz Bayern soll vom Minister des Innern dem Landtage vorgelegt werde».— — Eine Zech- Beleidigung. Vor der Siraskammer de? Landgerichts München I halte sich gestern ei» gewisser Alois Bielmeier vo» Hunderdorf wegen Beleidigung des ans der Sylvester- nacht 1895/96 her bekannten früheren Sergeanten und nunmehrigen Gefängnißwärler-Gehilfen Z e ch zn verantworte». Bielmeier, bereits zu 5'/2 Jahren Zuchthaus vernrtheilt, äußerte seiner Zeit als Untersnchiingsgefmigener de», ihn zur Rede stellenden Zech gegen- über mit Bezugnahme ans oben angedeutete» Vorgang, daß er— Bielmeier— sich noch wenlgstens in der ganzen Stadl sehe» lassen könne. Zech aber nicht. Diese mit noch einigen Schimpfnanien gespickte Beleidigung kommt im» Bielmeier auf 8 Monate Ge« f ä n g n i ß zu stehen.— Nnglaublich!— — Der Arbeiter Joseph Zollet, der zuletzt In Branre- gard bei Diedenhosen wohnte, wurde ans Elsaß-Lolhringe» ans- gewiesen. Ueber dt« Veranlassung der Ausweisung wird nichts be- richiet.— — Duell-Chronik. Ans Bad Nauheim wird der„Frkf. Zig." berichtet: Der in dem Gießener Pistolend, lell verwundete Einjährige Jacoby ist gestern gestorben. Sein Gegner, der Ein- jährige Schmitz, liegt gleichfalls hoffnungslos darnieder.— — Chronik der Maj e stä tS b el e id i g nn gs-Prozesse» In dem Majestälsbeleidignngs-Prozesse gegen Liebknecht ist der Revistonslermin vor de», Reichsgericht auf den 12. Oktober, vor- mittags 9, vierter Strafsenat, festgesetzt worden.— Die Enlwickelung besteht darin, die zersplttterten und streitenden Individuen zn einer organisirlen Gesellschast zu sammeln, in der die Einzelnen in dem gemeinsamen Ziel verschwunden sind. AlS die erste Möglichkeit für die Entwickelnng einer solchen sozialen Organi- salion nnd einer mit de», Wohlsahrlsprinzip tibereiiistiinmendcn Ver- iheilmig bezeichnet Prof. Höffding die Ordnung der Arbeit durch freie Assoziation: „Zuerst gilt es, die Jsollrnng und den Kampf In den eigenen Kreise» der Arbeiter aufzuheben. Die Abhängigkeit der Arbeiter gegenüber dein, der seine Arbeit kauft, hangt ja besonders mit der starken Konkurrenz zusammen zwischen de» Arbeiter» selbst. Der Arbeitslohn sinkt aus grimd des starken Arbeits- angcbotes. Dadurch, daß sie den Arbeitskäufern gemeinschasttich gegenübertrete», werden die Arbeiter in den Stand gesetzt, ihre Be- biiiglinaen sowohl hinsichtlich des Arbeitslohnes, als der Arbcilszeit und Arbeitsbedingungen zn stelle». Erst dadurch werden ste wirklich frei« Männer, indem sie dann die Möglichkeit haben, ihre Forde- rnngen zur Anerkennung zu bringe». So lange die Freiheit nicht mit d e r g e r i» g st e n M a ch t verbunden i st, i st sie nur ein leereS Wort»„nd Macht wird nur durch Zusammenschluß un v Organisation erzielt. Wie so oft in der Geschichte muß die Macht«ntsallel werde», damit das Recht zur Anerkennung kommen kann. Noch lange »achdem Sklaverei»nd Leibeigenschast aufgehört hatten, betrachteten die Arbeitgeber sich als absolute Herren und Autoritäten gegenüber ihren Arbeiter», und sahen die nnbedingte Autorität ihnen gegenüber für ein« Grimdbedingung industrieller Organisation a». Sie machten noch Anspruch auf die Rechte des alten Regimes. obgleich die entsprechenden Pflichten sorlgefalle» waren. Und nicht ,„,« dies: sie beriefen sich gleichzeilig ans das Freiheitsprinzip, daS die Revolution proklamirt hatte, und forderten, mir in«in freies Koutraktverhällniß zu de» einzelne» Arbeiter» zutrete»; sie benntzlm die Freiheit, sie zn isolire». Un, so viel mehr mnhlen dann die Arbeiter bedacht sein, sich zu vereinigen; das wurde eine Grund- beding, mg sür sie in, Kampf»ms Dasein." So enlsianden die Fachvereine. Erst durch sie ist dl« bürgerliche Selbständigkeit der Arbeiter anerkannt, und sür den Einzelnen ist die Erziehung durch die Organisalioi, von großer Bede, ilung dadnuy, daß sie sein Pflichtgefühl, seine Tüchtigkeit»nd seine Zn» sainmengehörigkeit mit Andern entwickelt. Es wird sozusagen«ine eihische Sphäre»in ihn gebildet, es entsteht eine große Familie, als deren Glied er sich fühlt: „Erlernt seine eigenen Interesse» den gen, ei„schaft- lichen unterordne». Er fühlt sich solidarisch mit seine» Jach- genosse» und— durch die Verbände verschiedener Fachvercinc— mit anderen Arbeitern, ja mit den Arbeitern anderer Länder. Sein Horizont erweitert sich; er bekommt die Fähigkeit, sich größere Ziele z« stellen, und er wächst durch das verhältniß — N n S unseren Kolonien. Der„ReichS.Aiizeiger' schreibt:»Am 5. Juli und 2. Slugust d. 5- habe» im f fl bin c ft• v f r i k a n i f ch e n Schutzgebiet in der Nähe des Ornngeflusses zwischen Theilen der Echutzlruppe und rciuberifchen Hottentotten Z u s n m in e n st ö ß e statlgesunden, bei denen die Truppe folgende Nerluste erlitten hat: l. mn 5. Juli tobt: Gefreiler Serafin, Reiler Reuter; 2. am 2. August tobt: Sekondlieutenant von Altrock, Reiler Eivest, schwer verwundet: Sekondlieutenant Helm, Retler Senfert, Reiler Annlitrsinu, sowie ei» Eingeborener." Oesterreich. — Die Exlommnnikalion de??. StojalowSli ist vom Papste wirklich aufgehoben worden. Der Kaufpreis ist de- kauullich die Bekämpfung der Sozialdemokratie in Galizieu. Unserer Partei wird die netteste Schwenkung des vielseitigen Pfaffen nicht schaden.— Schweiz. Venn, 16. September.(E!g. Ber.) DaZ Schwergewicht der NM 2p. d. wt. beginnenden Herbstsession der B u n d e s v e r s a m IN- l n» g liegt im N a t i o n a l r a t h. Er hat die Eisenbahn- Verstaallichungsvorlage sowie die Kranken- und Unfallversicherung zu beratheu und außerdem die bundesräthlichen Geschäftsberichte. Lctzure sollen zuerst behandelt werden, sodann die Eisenbahn- Verstaatlichung und schließlich die Versicherungsgesetze. Gegen ver- schiedene Anträge der n a l i o n a l r ä t H l i ch e n Eisenbahn- k o in m i s s i o n hat der Bundesrath Stellung genommen, so gegen die Ausdehnung der jetzigen Verstaatlichungsaktien ans die Neben- bahne», gegen die Subvenlionirung der Nebenbahnen und sodann gegen die Verpflichtung des Bundes, im gleichen Maße wie beim Simplon auch im Osten eine Alpenbahn zu unter- stütze», da diese Sache noch gar nicht spruchreis sei. Einverstanden ist dagegen der Bundesrath mit der Erweiterung der Kompetenz der Kreisvermaltungs-Rälhe zur Erledigung gewisser Reklamation«» aus dem Verkehr mit anderen Bahnen sonst« mit der genauen Um- schreibung der Kompetenzen der Kreisdirektionen und der regel- mäßig vierteljährigen Versammlung der Kreisverwaltungs-Räthe. Zur Uebernahme einer der berüchtigten kleinlichen Ausbeuter- Praktiken in das ikrankenversicherungs-Gesetz hat sich die uationalräthliche Kommission von ihrem Mitgliede Bürgin, der Baumeister in der Stadl Bern und„freisinnig" ist, verleiten lassen. Derselbe beantragte, dem Unternehmer das Recht zu geben, die ganze Prämie statt der halben dein Arbeiter abzuziehen, wenn der Arbeiter ohne rechtmäßige Begründung von der Arbeit wegbleibt; der Antrag fand mit 6 gegen 5 Stimmen Annahme. Oesters blauniachende Arbeiter werden sowieso von keinem Unternehmer auf die Daner be- ballen, und wenn es etwa einmal im Jahre vorkommt, daß der Arbeiter einen halben oder ganzen Tag von der Arbeit nnenlschnldigt wegbleibt, dann kann ihm der Unternehmer dafür 3 oder 4 Rappen mehr für die Krankenversicherung abziehen. Und eine solche Lappalie soll ein sozialistisches Gesetz entstellen und solche kleinliche, spieß- bürgerliche Krämerseelen sind in unserer herrlichen demokratische» Republik Gesetzgeberl Hoffentlich lehnt der Nalionalrath eine solche Znmuthung zur Beschämung seiner Komniissionsmehrheit mit Glanz ab. ES verlautet, der Ständerath werde die Versicherungsgesetze in der Dezembersefsion nicht behandeln, sondern in der nächste» Früh- jahrßsession. Bestätigt sich diese Nachricht, so erscheint der Termin für Erledigung der seit 12 Jahren anhängigen Versicherungs-Gesetz- gebung abermals hinausgeschoben. Gegen da» von uns früher besprochene Besoldungsgesetz, das auch den taufenden untern Postangestellten eine kleine Gehalts- erhöhung bringen würde, werden im g e h e i m e n die 30 000 Unter- schristen gesammelt, um es zur Volksabstimmung und zur Ber- werfung zu bringen. Man weiß noch nicht, wer die Buschklepper sind, die aus Neid den kleinen Angestellten einige Franken mehr pro Jahr mißgönnen.— Niederlande. »»Die persönliche Dienstpflicht soll nun auch hier- »uland« eingeführt werden. Wahrscheinlich wird die holländische Bourgeoisie derselben hartnäckigen und erfolgreichen Widerstand, wie die belgische diesem Gesetzentwurf, entgegenbringen.— England. London, 18. September. Die englische Regierung veröffeuilicht eine Slatisttk Über die starke Konkurrenz des fremden Handels in den englischen Kolonien. Daraus geht hervor, daß Englands Haupt- konkumnlen die Vereinigten Staalen von Nordamerika, Deutschland, Belgien und Japan sind. In Jndochina sind Dculschland und Belgien die ersten in der Metallindustrie, ebenso in Neu- Südwales für Eisen, Drähte und Nadel». Im Kongogebiet sind es besonders Belgien und Frankreich, welche England Konkurrenz machen. Dt« geographische Lage mancher Länder ist in einem ge- wissen Maß« verantwortlich für das Verdrängen der englischen Produkte zu gunste» der fremden Nationen.„Daily Telegraph" und ander« Blätter glauben, daß die Einfuhr fremder Produkte in einem bedeutend höheren Maße gestiegen ist, als dies die Statistik ergiebt, da verschiedene Artikel, welche von Deutschland, Belgien oder den Bereinigten Staaten kommen und über London eingeschifft werden, als englisch« Maaren aufgeführt werden.— »u diesen größeren Zielen. Und er bekommt durch die gemeinschafl- lichen Erfahrungen und den Ueberblick über die Handels-»nd Fabrik- veihällnisse, die die Politik der Fachvereine bestimme», eine klarere Auffassung von der Stellung der Arbeiter zu den anderen Gesell- schaslsklassen, lernt sowohl seine Rechte als seine Pflichte» als Glied des Geschlechtes besser kennen. Es ist, kurz gesagt, ein« Erziehung vom Egoismus zur Sympathie, von blinder Dtohheit zu klnr- sehender Kraft, vom Kampf zur friedlichen Verhandlung, die sich hier vollzieht. Und all' dies geschieht auf dem Wege der Freiheit. Es giebt keine bessere Antwort für diejenigen, welche unsere Zeit als die einer bloßen Auflösung betrachten, als sie ans die G e s e l l s ch as ts- b i l d u u g und die ethische E n t w i ck e l»» g hinzu- weisen, die hier vor sich geht. Das Gemeiiigefühl wird entwickelt durch Zusaiiiiiienlebeii und Zusaiiimeiiwirken, durch ge- meinsames Schicksal lind gemeinsame Arbeit." Darum schreibt Professor Höffdiiig auch über die„Streik- bre ch er „Für den einzelnen Arbeiter kann während der von einem Fach- verein beschlossenen Arbeitsniederlegung ein ernster ethischer Kon- flikt entstehen, indem er zwischen seine hungernde Familie und dem gestellt wird, was er als seine Standesehre und Wohlfahrt ansehen muß. Das Verhalten der Fachvereine gegenüber de» so- geiianiiteii„Sireikbrecheru" ist osl streng gewesen; aber man muß bedenken, daß hier ein ethischer Konflikt vorliegt. Wenn die Arbeitsniederlegung wirklich im Interesse des ganzen Standes ge- schieht, ist es unzweifelhaft die Pflicht des einzeliieu— eine Pflicht, die das Solidaritälsgesühl überall einschärft, wo es sich rührt— so lauge wie möglich aiiszichalten. Selbst weiin er nicht zum Fach- verein gehört, wird er Nutzen von einem Sieg haben nnd wird daher in der Zeit des Kampfes nicht seine Sache vor der des Vereins treniien können. Es ist eine große Verantwortung, welche diejenige» auf sich nehmen, die den Krieg erklären; ist aber der Krieg erklärt, muß der ciiizelue sich in das unvermeidliche Leid fügen. Und in diesen Kämpfen sind niiziveifelhaft in den enge» und verborgenen Verhältnissen, in denen sie sich abspielen, Eigenschaften an den Tag gelegt, die ans einem größeren Schauplatz historischen Ruhm verschafft haben würde n. Ein national- ökonomischer Verfasser. Stanley Jevons, der durchaus kein mibe- dingier Bewunderer der Fachvereine ist und sie sehr scharf kritistrt, sagt:„Ich zweifle nicht daran, daß, weuii die Geschichte der Streiks und Arbeiterstreitigkeiieii vollständig geschrieben würde, sie ebenso viel« Beispiele von Treue und Heldemnuth und furchtlose» Leidens im Elend, ja sogar im Tode darbieten würde, als mancher Krieg, der in der Geschichte beschrieben wird." Italien. Rom, 17. Sepkember. Der„Jialie" zufolge soll der UnkerrlchtS- »liiiisler Gianlurco das durch den Tod von Costa sreigewordene Portefeuille der Justiz übernehmen, während der Mmjfttr ohne Portefeuille und Zivilkommissar für Sizilien, Graf Codrouchi, Unlerrichtsmiiiister werden würde.— — Der Ministerpräsident Nudini versprach bei seinem Amtsantritte einschneidende Reformen für Sizilien. Um diese anzubahnen und die Verwaltung zu ordnen, sandte er als Zivilkommissar mit außerordentlichen Vollmachten seinen Freund, den Grafen Codronchi nach Sizilien. Die Thätigkeit dieses Mannes hat den gestellten Erwartungen in keiner Weise entsprochen. Es ist im wesentlichen nlleS beim alten geblieben, selbst an lokalen Bauernaufständen fehlt es nicht. Nun wird auch der Posten des ZivilkommissarS für Sizilien aufgehoben und Graf Codronchi wird abberufen. Da er aber mit Rudini intim befreundet ist, so erhält er eine fette Entschädigung, er wird Unlerrichtsmiiiister ,/ während der bisherige Portefeuille- Inhaber Giantureo an stelle des verstorbenen Justizministers Costa treten soll.•— Spanien. Madrid, 18. September. Im gestrigen Ministerralh haben«8 die Miniüer, unabhängig von der Note, die anläßlich der Ex- kouiiiininkation des Schatzministers Navarro Reverter durch den Bischof von Mallorea an den Vatikan abgehen soll, abgelehnt, das Verhalten des Schatziiiinisters im einzelnen gutzuheißeii. Dieser soll entschlossen sein, seine Entlassung zu nehmen; Immerhin wird seine Demission bis zur Rückkehr des Hofes nach Madrid vertagt werden.— Madrid, 13. September. Der Bischof von Mallorea, welcher die E x k o m m u n i k a t i 0 n gegen den Schatz- minister Navarro Reverter ausgesprochen hat, ist ein früherer K a r l i st, welcher wegen B e r s ch w ö r u n g verbannt worden ist. Der Erzbischof von Valeneia, Kardinal Taucha, hat den Bischof telegraphisch angewiesen, den Ex- kommunlkntions- Brief morgen nicht in den Kirchen verlesen zu lassen.— An? Madrid erhält die„Int. Corr." unterm 14. September folgende Meldung: In mileuichteteii Kreisen wird versichert, daß zwischen den Regierungen Spaniens und Frank- r e i ch s eine Verein dar ring getroffen wurde, wonach a n der ganzen R i f f k ü st e zwischen Ceuta und Melilla ein staiidigerBewachnngsdienst von Schiffe» beider Staaten eingerichtet werden soll. Castello» de la Plana, 18. September. Eine Kompagnie Infanterie ist nach M or e ll a gesandt worden, wo karlist ische Unruhe n befürchtet werden. — Einige interessante Einzelheiten über die Lage ans Kuba werden dem„Mänchester Guardian" iiiitgelheilt. General Weyler, so heifit es dort, herrscht i» Wirklichkeit als Diktator, der„Berwalltingsrath" wird nur der Form halber um iveniger nnivichliger Dinge halber befragt. Ein Budget ist seit 1893—94 nicht mehr aufgestellt worden, die Zahlen jenes Budget- jahrcs werde» einfach nur wiederholt. Obwohl die zwanzig Millionen Papiergeld, die General Weyler in Umlauf gebracht hat, zum Noiiiinaliverlh angenommen werden müssen, sinken diese neuen Noten dach beständig ü» Werthe, und die Regiermig sieht keine neuen EiiiiiahmcqucUen vor sich. Die Z n ck e r p f l a n z e r der Insel sind beinah« alle bankerott. Bor drei Jahren betrug der Zuckerexport Kubas in runden Zahlen l 025 000 Tonnen; dieses Jahr hat er nur 225 000 Tonneii ausgemacht. Die Kubaner haben nicht n»r viele Pflanzungen und eine ganze Anzahl werthvoller Fabrikanlagen zerstört, sondern es werden auch die Zugochsen, die für den Plan tagen betrieb so un« entbehrlich sind, sehr schnell als Nahrung ver» braucht. Für die Liebhaber von Havana-Zijjamii sind die Aussichten sehr schlecht. Zwar bestreiten es die Zigarrenfabrikanten in Havana, daß die Ernte an feinsten Blättern so sehr abnehmeii werde, wie es die koiisumenlen befürchten. Thalsache ist jedoch, daß im Distrikt Vnelta Abajo in der Provinz Pinar del Rio, wo aller feine Tabak herkommt, die diesjährige Ernte nicht viel mehr als 30 000 Ballen betragen wird, während sie sonst zehnmal so groß zu fein pflegte. Die Folge davon wird wahrscheinlich sei», daß eine beträchtliche Menge geringwerthiger Blätter ans anderen Theilen der Insel mit den guten Blättern zusammen verarbeitet werden wird. Was die Zigamn-Jiidnstrie für Havana bedeutet, kann man daraus ersehen, daß 1390 185 914 Millionen Zigarren exportirt wurden, während der lokale Konsum zugleich enorm ist. Die kubanischen Insurgenten besitzen jetzt sieben gnnz respektable Fahrzeuge. Eines der- selben, ein Dampfer von belrächilichem Toinienmaaß, wurde von einer kanadifcheii Firma gelaust. Dies« Schiffe dienen zeitweilig zum Transport von Truppen von einem Theile der Küste zn»i anderen; meistens aber belördern sie Waffen, Munition und Pro- viant. Erst kürzlich sind 20 000 Martim-Henry-Gewehre mit einer großen Menge von Patronen erfolgreich„befördert" worden. Diele Schiffe zeigen die englische oder die sranzösische Flagge, wenn sie angerufen werden, nnd damit vermelden sie die Bistlirimg, denn die spanischen Behörden aus Kuba sind ganz besonders darauf bedacht, mit England oder Frankreich einen Konflikt zu vermeiden, der iniolge lingerechtfertigler Visiliriing eines Schiffes mit deren Flagge enlslchen könnte.— Nuftlaiid. — Die Einführung der Städte-Alitoiiomkein R ll s s i s ch- P o l e n im rnssischeii Weicbselgebiele ist von der Pelersbnrger Regierung eiidgillig beschlossen worden. Dos russische Mtnisterinm des Inner» hat sich bereits an die koinpetenteii Be- Hörden des Gebietes um Zustellung von Daten über die Steuer- fähigkeit und Organisation der Gemeinden gewendet. Was Sclbstverirallinig vor allem in politischer Beziehung in Rußland bedeutet, weiß jedermanii. Ueberschätzen darf man daher diese„Reform" nicht.— Tiirkei. — GroßiSlamitische Bestrebungen. Die Kon- stailtinopelcr Zeitung„ M a l n in i n a t" schreibt in ihrer Nummer vorn 13. September:„Die Gläubigen deS Propheten durchleben in diesen Tagen unter der nihmreiche» und unvergleichlichen Regierung Abdul Hamid II. ein seltenes, kaum erwarteles Glück. Durch die gesammte islamilische Welt, von dem Westen Marokko'S an durch ganz Afrika und Asien bis zu den australischen Inseln hin geht das eine Gefühl, daß jetzt die Zeit gekommen ist, in der das Reich deS Propheten in seiner allen Herrlichkeit wieder ausgerichtet werden soll. Rührend ist es, wenn unseren Herrscher» von Sniiiaira und Java her, ja sogar aus dein durch die Engländer so völlig ausgeplünderten Indien große Geldsiiminea übersandt werden, zu deren Sainiiiliing selbst der ärmste Gläubige beigetragen hat. Erhebend und ermiithigend ist tS, wenn die mitthigen und freiheitssiolze» Stämme des Hinduknsch, ehe sie in den heute noch aussichtslosen Kampf gegen den englischen Zwingherrn gehen, erst einen Hiildigiiiigsgrnb an den Kalifen des mnhamedaiiischen Weltreiches absenden. Nur verständlich für unser nnihamedaiiisches Eiiivfinden ist es, wenn auf die Knude von unseren Siegen in Thessalien hin, in Tripolis die Gläubigen zu Tausenden und Abertaiisenden, tief aus dem Innern der afrikanischen Wüste, in starker Waffenrüstniig in die Residenz des Wali ziehen und dort stürmisch die Erlaub» iß erbitte», um ebenfalls für den Großherrn zu kämpfen und ihr Leben zu opfern. Fürwahr Abdul Hamid erlebt eine RuhmeSzeit, wie sie großartiger nicht die berühmtesten feiner Vorfahren genießen durften." Im Zusammenhang hiermit ist die Mittheilung aus Konstantinopel interessant, daß der Schah von Persien 400 Pfund für den Bazar zu gunsten der Opfer deS griechisch-türkifchen Krieges übersandt hat.— Koustantiuopel, 18. Sept. Die von dem„Daily Meffenger' verbreitete, in verschiedene Pariser Blätter übergegangene Meldung von der Hlnrichtung von vier Armeniern im Gefängnlffe zu Stambuk wird von amtlicher türkischer Seite für unbegründet erklärt. Auch die Meldung, daß 78 Angehörige der junglürkischen Partei verbannt worden feien, wird amtlicherseils als jeder Begründung entbehrend bezeichnet. Nsten. — Zur EuropSifirnng China'?. Wie da?„Reuterffche Bureau" aus Shanghai von gestern meldet, find die Verhandliingen zwischen der chinesischen Regierung nnd dein Ho ol eh» Jameson-Syndikat betreffend die 5prozentige An« leih« im Beirage von 320 Millionen Mark abgeschlossen worden. Der ErnissionSkoiirS ist auf 94 festgefetzt. Der Vertreter des Syndikats begiebt sich am Montag nach Peking, um da» ersorder- lich« kaiserlich« Edikt zu erlangen.— Räch einer Depesche der „Times" aus Shanghai wurde gestern ein provisorischer B e r t r a g betreffend den Eisenbahn bau durch den Taotai Scheng unterzeichnet. DaS Syndikat schießt 40 Millionen Mark für die Linie Schanghai— Sutschau—Naicking vor nnd verpflichtet sich, 00 Millionen Reichsmark zu einem späteren Zeitpunkte für die Äeitersührung der Linie durch Honan vorzuschießen. Der„TimeS"- Korrespondenl fügt hinzu, Jnsormaiioiien aus Peking-bestätigen die Wahrscheinlichkeit d-sAbschlusses einer weiteren Anleihe, betonen jedoch, daß noch weitere Verhandlungen statt« finden müssen, ehe die Eisenbahn-Verträge ratifizirt werden. Demnach scheint England den Dreibund Deiitschland-Frankreich- Rußland geschlagen zu haben.-» Afrika. — A ii S Prätoria wird gemeldet, daß dort ein Meeting staUgefunden hat, in welchem die Revision der Konvention von London besprochen wurde. Die Versammlung nahm eine Resolution an, worin sie energisch die Zumuthima zurückweist, daß Transvaal England untergeordnet werden solle. Dr. Leyds bat den Präsidenten Krüger, Chamberlain's Politik genau zu überwachen. Amerika. — Mexikanische Lynchjustiz ist gegen den fast«n- � zweifelhast geisteskranken Attentäter geübt worden, der dem Präsidenten Diaz hinterrücks eine» Faustschlag versetzt hat. Die Zeitung „Evening Telegram" in New-Dork veröffentlicht eine Depesche auS Mexiko, wonach ein Volkshanse nachts in daS Gefäiigniß eindrang, in welchem Joaqnin Arroya, der das Attentat verübte, sich befand. Die Eindringlinge überwältigten die Wächter, schleppten den Atlen- tätcr heraus und lynchte» ihn. Zwanzig Personen wurden ver- haftet.__ In der Provinz Pommern sind in der letzten zweijährigen Verwaltungsperiode des Provinzial- Vertranensmaiineß Knappe 295 000 Exemplare der Zeilschrist„Der Pommer" verbreitet nnd außerdem 20 000 Broschüren versandt worden. Agilatioiistoiiren wurden, soweit ermittelt werde» komite, 47 unternommen; die Zahl der Versniiimliiiigen, zu denen die Mitwirkung deS Vertrauensmannes erbeten wurde, betrügt 17. Durch de» Bau zahlreicher Klein- bahnen— in den letzten beiden Jahren sind, soweit der Ver- tranensmaim zu ermitteln vermochte, 24 Bahnen thcils vollendet, theils in Angriff genommen worden— ist der Verkehr mit den einzelnen Kreisen und dadurch die Agitation beträchtlich erleichtert. Was die Erfolge der Agitation betrifft, so wird erwartet, daß bei der nächsten Reichstagswahl Vorpommern, mit Ausschluß von Anklam-Demmin, das noch nicht für uns gewonnen werden konnte, „an der Spitze marschiren werde", vor allem die Insel Rügen. lieber diese sagt der Vertrauensmann:„Wer Rügen nur kennt auS Reifebeschreibungen, welche gewöhnlich die herrlich gelegenen Oftfee- bäder loben, den schönen Strand, die anheimelnde Stille der Stubenitz und Granitz mit der murmelnde» See, der ahnt nicht, daß vorn herrlich gelegenen Eaßnitz« Krampaß, eine Stunde entfernt, das Elend ihm bei Mukran schon in so grausiger Gestalt begegnet. Leider ist da? nicht der einzige Ort. Hierin, und zugleich daß die Bewohner durch die Badegäste und Touristen auch auf die andere Seile des Lebens besonders auf- merksam gemacht werden, liegt wohl der Grund, weshalb gerade Rügen soviel Verbindiiugen mit uns angekuüpst hat." Die Einnahme des Provinzial-Vertrauensiuaiiiies betrug— einschließlich eines früheren Saldos von 281,47 M.— im ganzen 4718,00 M., daruuler 250 M. vom früheren Parteivorstand, 8122,90 M. vorn geschüslssührenden Ausschuß und 957,55 M. ans Sieliin. Die Ausgaben belrugen 4133,07 M., der Ueberschuß 579.93 M. In Snarbriickcn wurde Genosse Eminel als Delegirter zum Hamburger Parlcilage gewählt. Betreffs der preußischen Landtags- ivahlen stellten sich die Genossen auf den Standpunkt, daß die Be- lheiligniig unter allen Umständen geboten erschein«. Der Delegirte wurde beauftragt, in diesem Sinne zu wirken. Sächsische LandtagStvahlru. Bis jetzt sind in 11 städtischen und 14 ländlichen Kreisen Kandidaten iinferer Partei aufgestellt. In den städtischen Kreisen Leipzig I nnd IV(der bisher durch Genossen Pinkau vertreten war) und im 12. städtischen Kreise(Borau, Groitzsch, Zivickau je.) belheiligen sich die Parteigenossen leider nicht an der Wahl, so daß die Sozialdeuiokralie Sachsens diesmal der exemplarischen Geschloffeuheit ermangelt, durch die sie sich früher au-zeichiiele. Tie Parteigenossen Iii TrcSden Altstadt wählten als Delegirte zum PnNeilage die Genossen S l e l z n e r und S i n d e r- m a u n. Betreffs der Frage der preußischen Landtags-Wahlen wurde ein Autrag zu guustei! der Rufhebniig des Kölner Beschlusses angeiioinmeii, ferner betreffs der Presse auf Autrag S i n d e r- mann'S folgender Beschluß gefaßt:„Der Parteitag hat Maß- nahmen zu treffen, daß in Znkiiiift Polemiken in den Parteiblättern, welche persönlichen, beleidigenden und gehässigen Charakter tragen, unmöglich gemacht werden." In der Versammlung war schon mit recht darauf hingewiesen worden, daß es Sache der Genossen in den Orten selbst ist, dafür zu sorgen, daß die Polemik in den Parteiblättern die schicklichen Grenzen nicht überschreitet. Tie Leipziger Telegirte» zum Hamburger Parteitage sind: Lange, Manfred Wiltich, Konrad Haenisch (nicht Jänisch) und Frau Jäger. Tie Parteikonferenz für den Wahlkreis Wetzlar- Atteukircheu war einstimmig der Meiiinug, daß der Kölner Beschluß aufzuheben sei; ebenso«inmüthig stimmte man nder dem Genossen K r u m m mit Gießen zu, der dargelegt hatte, daß«in Kompromiß mit bürgerlichen Parteien nicht vortheilhaft wäre. Gerade im Kreise Wetzlar-Altenkirchen wetteiferten die Liberalen mit der Junkerpartei, um die Arbeiterschaft zu drangsalire», so daß der Liberalismus hier kaum das„kleinere Nebel" wäre. Als Kandidat für die Reichstagswahl wurde ein» stimmig Genosse Bebel, vorbehälllich seiner Zustininrnng, aufgestellt. Der alS Delegirter zum Hamburger Parteitage gewählte Genosse Krumm aus Gießen erhielt noch den besonderen Auftrag, über die Solinger Slreiligkeiten beim Parteitag Uebergang zur Tagesordnung zu beantragen. Zum Kreis- Veriraueiisinanu wurde mit allen gegen ein« Sliinme Genosse Al brecht Fanth in Wetzlar gewählt. Dem seitherigen VertraiienSmanit, Genossen® leben, der feinen Wohnsitz verlegt, wurde einstimmig Anerkennung für seine THStigkeit gezollt. Die Sozialdemokratie deS bayrischen KrciseS Schwaben und Renburg hält am 17. Oktober in M e m i» i u g e n ihren 5. schwäbischen Parteitag ab. Die Tagesorduinig lauiet: 1. Bericht des Kreisvertrauensnianiics und Bericht der Deleairleii; 2. Wahl des Kreisverlraueusmaiiiies; 3. Die bevorstehenden Reichs- tagSwahleu, Referent H. M a t t n t a t ans Augsburg; 4. Die Parteipreffe, Referent A. Müller aus München; 5. Anträge. AuS der Schweiz. Am letzten Mittwoch hielt Genosse Bebel in Luzern eine Volksversammlung ab, wo er über das Thema: „Bürgerliche Gesellschaft und Sozialdemokratie" sprach. Obgleich der Regen in Ströme» goß und die Versammlung erst am Vor- mittag öffentlich angezeigt worden mar, mar dieselbe von zirka 800 Personen besucht, darunter viele» vorübergehend in Luzern an- mesenden Fremde». Vierzehn Tage früher sprach Bebel in Zürich in einer überfüllten Versammlung irber das Thema:„Die mirlhschaft- liehen und politischen Zustände Deutschlands". Polizeiliches, Gerichtliches«. — In dem gegen das„Volksblatt für Halle" an- däugige» Prozeß wegen der B ö l l b e r g e r Mühle ist vom tlieichsgericht Revisionstermin auf den 30. September an- beraumt. Revision ist eingelegt von der Staatsanwaltschaft gegen die Freisprechung des Redakteurs Thiele, gegen den sie zwei Jahre Gefängniß beantragt hatte, und von der Vertheidigung gegen die Verurtheilung des Redakteurs M a n n i g e l zu einem Jahre GefSugniß. — In L a n d s b e r g a. W. haben der Vertrauensmann Zigarrensabrikaut Kayser und der Arbeiter K a k u s ch k e polizei- liehe Strafmandate über 5 und 2 M. erhalten, weil sie das Flug- blatt„Das Attentat auf das Vereins-»nd Versammlungsrecht" ohne polizeiliche Erlaubniß öffentlich verbreitet hatte». Kayser wird außerdeiil noch beschuldigt, Kakuschke dazu angestiftet zu habe». — Vom Landgericht in T h o r n wurde Reichstags-Abgeorducter Legten von der Anklage freigesprochen, den Gendarm Bartel als Ueberivachenden einer öfsentlichen Versammlung dadurch beleidigt zu haben, daß er ihm Gesetzesunkenntniß und gesetzwidriges Verhalten vorwarf. Das Landgericht erkannte dem Angeklagten den Schutz des Z 103 des Strafgesetzbuchs zu. Im» Kcnnpf dvv engliftszen AMAMinvnbAuev. London, den 17. September. Heute macht der Fabrikant William M a t h e r von Ealford, der vor fünf Jahren in seine» großen Maschinen- Werkstätten de» Achtstundentag eingeführt hat, in de» Morgen- blättern folgenden Kompromißvorschlag zur Beilegung des Kampfes im Maschinenbau-Geiverbe: Der Unternehnier-Verband und der Maschinenbauer-Verein solle» z» einer Konferenz zusammentreten, um auf grund der nachstehende» grundsätzlichen Bedingungen«inen Vertrag zu vereinbaren: 1. Die Unternehmer stimmen der Verkürzung der Arbeitszeit auf 48 Stunden die Woche bei, sobald über die einznführenoen Schichten und die Regelung der Ueberzeit-Arbeit und sonstige Spezialfragen Einigung erzielt ist. 2. Die Arbeiter, oder vielmehr hie Gewerkschaft, erklären sich bereit, in der Frage der Vertheilnng der Arbeiter an bestimmte» Maschinen ans keiner Forderung zu bestehen, welche die Unter- nehmer für unannehmbar erklären. 3. Die Unternehmer verpflichten sich, für die Daner des Ver- träges nichts gegen die Gewerkschaft der Vereinigte» Maschinen- bauer zu unternehmen und deren Mitglieder in keiner Weise gegen die Zeit vor dem Streik zurückzusetzen. Punkt 1 und Punkt 3 spreche» für sich selbst. Zu Punkt 2 ist zu bemerken, daß die Streitereien um die Verlheilung der Arbeiten an neuen Maschinen seit Jahren im Maschinenbaugewerbe chronisch sind und nach Behauptung der Unternehmer die Entwickelung der Industrie schwer beeinträchtigen. Es dreht sich dabei gewöhnlich um zwei Arten von Fragcn. Erstens, welcher Kategorie von gelernten Arbeitern bestimmte Arbeilen„gehören" sollen, und ziveitens, ob eine bestimmte Arbeit überhaupt den qnalifizirten Arbeiter» gehören soll oder bloße» Handlangern zusteht. Streiterei zweier Kategorien qualisizirter Arbeiter um eine bestimmte Arbeit hat schon wiederholt zu längcrem Ausstand der sich benachtheiligt fühlenden Gewerkschaft und damit zu großer Betriebsstörung geführt, ohne daß die Unternehmer irgend welche Schuld traf. Der Streit um Abgrenzung der Arbeiten zwischen gelernten Arbeitern und Handlangern aber hat eine tiefere wirthschastliche Bedeutung; es handelt sich da um eine entwickeltere Form des Kampfes zwischen Arbeiter und Maschine. Die gelerüten Arbeiter halten mit-Zähigkeit Arbeiten für sich und ihren Tarif fest, die durch neue Maschinen vereinfacht worden sind oder vereinfacht werden könne». Es liegt auf der Hand, daß wenn dies Bestreben über einen gewissen Punkt Hinansgetrieben wird, in der Thal die Forlenlwickelung der Technik aufgehalten wird, und es ist nur mcnschlick, daß die unmittelbar Betheiligten geneigt sind, in der einen oder ander» Weise bis zum äußersten zu gehen. Auf diesen Punkt vornehmlich beziehen sich die Erklärungen der verbündeten Fabrikanten, daß sie nicht länger einen Zustand ertragen konnten, der sie des Rechts der Leitung ihrer Fabriken beraubte, es ist aber auch klar, daß die Arbeiter sich nicht willenlos den Bestimmungen der Fabrikanten über die Qualifizirung der Arbeiter unterwerfe» werden und können. Das muthet ihnen Mather auch nicht zu; er empstehlt nur, daß sie in diesem Puukt den Unternehmern mehr als bisher entgegen- kommen. Er sagt, und hat darin vielleicht nicht ganz unrecht, daß ein unbedingter Sieg der Geiverkschast nur ein Scheiusicg sein würde, deni ein noch schlimmerer Rückschlag auf dem Fuße folgen würde, und daß ebenso ein völliger Sieg der Unternehmer über die Gewerk- schaft de» erstcren keinen dauernden Vorthcil bringen würde; er würde zum gesetzlichen Achtstundentag treiben, und den könne die englische Industrie uuter den bestehenden Konkurrenzverhältnissen nicht tragen. Würden dagegen die Unternehmer von den vor- erwähnten Hemmungen und Einschränkungen befreit, so könnten sie den Achtstundentag bewilligen. Er widerlegt gleichzeitig die Ve- Häuptling der Unlernehmerpresse, daß die Verkürzung der Arbeitszeit absolut unmöglich sei, wie die von übereifrigen, um nicht zu sagen, servilen Freunden der Arbeiter ausgegebene Parole, daß die ans- ländifche Konkurrenz nur ei» Phantom sei. Bis zur Stunde, wo ich das schreibe, ist noch nicht bekannt, wie sich die Betheiliglen über den Mather'schen Borschlag äußern. Rur von John Bnrns, der heute in Shessield sprach, wird gemeldet, daß er erklärt habe, die Mather'schen Vorschläge seien geeignet, die Grundlage für einen Kompromiß abzugeben. Soweit ich die Sach- läge übersehe, bin ich überzeugt, daß in beiden Lagern bereits ein starkes Bedürfniß nach Verstandigmia vorhanden ist.— GewevkMaMiözes» Berlin und ltnigcbnng. Achtung, Metallarbeiter! Sämmttiche noch im Umlnnf be- findlichen Samnielliften für die dänischen Metallarbeiter sind um- gehend mit dem Unterzeichneten resp. mit den zuständigen Vertrauens- leuten abzurechne». Zugleich werden die Kollegen daraus aufmerksam gemacht, daß am Montag, den 20. September, zwei Versammlungen stattfinden(stehe Inserat), um zn dem Ausstand der Eisenformer Stellung zu nehmen. In diesen Versammlungen wird den Kollegen der Antrag vorgelegt, pro Woche mindestens bOPf. zum Streikfonds zu zahlen. Listen und Marken sind bei den bekannten Vertrauens- leuten zu haben. Der Vertrauensmann der Berliner Metallarbeiter. Otto Rüther, X. Anklamerstr. 44. Der Bildhancrstrelt in der Möbelfabrik von Bartsch ist beendet; die Forderungen der Arbeiter sind bewilligt. Eämmtliche Arbeiter sind wieder eingestellt worden. Schneider und Näherinnen! Werkstatt-Sitzungen finden statt: Für die M a a ß- und K o st ü m- B r a n ch e am Dienstag, den 21. September, abends 3>/2 Uhr, bei Znbeil, Lindenstr. 100; für die K o n f e k t i o n s> B r a n ch e am Mittwoch, den 22. September, bei Streit, Naunynstraße 80,»nd bei Aug u st in, Kastanien- Allee 11. Um zahlreiches Erscheine» der Kollege» und Kolleginnen «sucht der Vertraueiismann: I. Timm. Deutsches Reich. Zum Leipziger Manrcrstreit wird uns geschrieben: Die Zahl der Arbeitswillige» hat sich um etwas vergrößert, mehrere Unter- nehmer haben auch ihre Forderungen zuiückgezogen, doch wird dies durch die Streikenden wieder dadurch nusgeglicheu, daß sie auswärts Arbeit nehmen. Das iuhaftirte Streikkomitee der Maurer hat sich am 27. September wegen der ihm zur Last gelegten versuchten Nöthigung und Beihilse zur Körperverletzung zn verantworten. Sie sind immer noch in Untersuchungshaft. Fast täglich finden vor den Gerichten Verhandlungen gegen Streikende wegen Postenstehens und Vergehens gegen Z 133 der Geiverbe-Ordnung statt. Gegen einen Transport Streikbrecher, die auf dem Bahnhof in Leipzig anlangten, soll sich der Maurer Keil beschimpfender Aeußernngen bedient haben. Das Schöffengericht erblickte hierin ein Vergehen gegen Z 133 der Gewerbe-Ordnuug und erkannte auf vier Wochen Gefängniß. Eine Beleidigung gegen einen Unternehmer ahndete das Gericht mit sechs Wochen Gefängniß. Der Maurer Heinrich wurde wegen Beleidigung eines solchen Transportes Streikbrecher zu 24 Mark Geldstrafe verurtheilt. Der Maurer Becker ließ sich verleiten, unbefugt einen Bauplatz zu betreten, wobei es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen ihm und den dort Arbeitenden kam. Das Gericht erkannte wegen Beleidigung, Hausfriedensbruchs und Körperverletzung auf vier Wochen Ge- fäugniß, und gegen den Maurer I ü li n i ch e n ans 14 Tage Ge- sängniß wegen Verstoßes gegen Z 133 der Geiverbe-Ordnung. Ter Ausstand der Böttcher in der Btauerei Reisewitz in Dresden ist zur Zufriedenheit der Betheiligten beendet. Am 17. d. M. tagte eine gut besuchte Versammlung der Böttcher, Brauer und Hilfsarbeiter, in der eine Kommission gewählt wurde, die in betreff der Maßregelung eines Arbeiters mit der Direktion Rücksprache nehmen sollte. Die gegenseitige Aussprache führte zu einer Verständigung. Nachklang zum Schichmacherstreik in Halle. Die Schuh- macher Z e b i s ch und H i l l n e r waren vom Schöffengericht wegen Vergehens gegen eine Polizeiverordnung(Stehenbleiben auf der Karlstraße) zu 20 M. Geldstrafe event. 4 Tagen Haft verurtheilt worden. Ihre Berufung hatte den Erfolg, daß die Strafe auf 10 M. oder 2 Tage Haft herabgesetzt wurde mit der Begründung, daß die Angeklagten schon längere Jahre in der Schuhfabrik be- schnftigt sind und nach dem Streik auch wieder Arbeit dort bekommen haben. Ter Streik der Seeleute in Stettin ist beendet. Die Rheder waren verständig genug, die Forderungen, die sich ja auch in be- scheidenem Nahmen bewegten, sofort zu bewilligen und keine Maß- regelungen vorzunehmen. In einer im Seemannsheim am Kraut- markt stattgehabten Zusammenkunft der Rheder und Seeleute wurde nach längerer Verhandlung, in welcher der Vertreter des Seeamts, Hanptinani! a. D. Schmiedseck, sehr nachdrücklich auf die Bestimmungen wegen Konlraktbruchs hingewiesen hatte, folgendes vereinbart: 1. Eine gegenseitige 24stündige Kündigung nach Ankunft im Heimathshafen. 2. Die Heuer der Matrosen und Heizer beträgt vom I. Oktober 1897 ab 30 M. monatlich. 3. Köche, Zimmerlente und Bootsleute, die bisher nicht mehr als 00 M. monatlich haben, erhallen eine Zulage von monatlich 3 M. 4. Ueberstnnden werden vom 1. September ab mit rückwirkender Kraft mit 30 Pf. bezahlt. 5. In anbetracht des gemeinsameil guten Einvernehmens zwischen den Rheder» und den Seeleuten werden von feiten der Rheder keine Repressalien gegen die Streikenden ausgeübt. Mit Ausnahme von Satz 3 wurde die Vereinbarung sofort in die Musterrolle eingetragen. Der Streik wurde darauf von den Seeleuten für beendet erklärt und die Arbeit sofort wieder aufgenommen. Die bisherige Moualsheuer betrug 45 M.; für Ueberstunden wurden 25 Pf. bezahlt. Sozwles. AuS den Bcrhandlniigeii des Vereins deutscher Irren- ärzte aus seiner Jahresversammlung in Hannover, die am 18. September geschlossen wurde, sei noch des Referats des Herrn Dr. Hoppe anS Allenberg erwähnt, der über den Puukt: Die Behandlung der Gei st estranken ohne Zellen und Narkotika sprach. Dr. Hoppe theilte mit, daß es ihm in den letzten Jahren gelungen sei, unruhige Kranke mit Erfolg ohne Zellen zu behandeln. Jüngst habe er als Beruhigungsmittel feuchte Ein- Packungen angewandt, die die Kranken so angenehm berührten, daß sie mehrfach selbst dieselben verlangten. Jetzt, nachdem in der Anstalt mehr Baderäume errichtet seien, werde das Baden als Veruhigungs- mittel mit großem Erfolge angewandt. Mit Zwang werde kein Kranker ins Bad geführt oder im Bade gehalten. Es sei dies auch in den meisten Fällen nicht nöthig, die Kranken gingen im Gegen- theil gern ins Bad und fühlten sich in demselben sehr behaglich. Die Bettbehandlung nnrnhiger Kranker sei so selbstverständlich, daß er(ßledner) der Meinung sei, derselben nicht besonders erwähnen zu brauchen. Wenn ein unruhiger Kranker nicht im Bett und auch nicht in seinem Zimmer bleiben wolle, fondern auf dem Korridor herumtanze, werde dies nicht als besonderes Unglück betrachtet. Erst wenn alle Bernhignngsmittel versagen und die Kranken in Tobsucht verfallen, würden die Kranken in Zellen gesperrt. Dies sei aber in seiner Anstalt in den letzten Jahren in nur sehr wenigen Fällen erforderlich gewesen. Selbstverständlich mache diese humane Be- Handlung unruhiger Kranker ein vermehrtes Wärlerpersonal nothivendig. Ter Umstand, daß in der Anstalt kein Schreie» und Lärmen der Geisteskranken ans den Jsolirzellen mehr gehört werde, sei von nicht zn unterschätzendem Werth sowohl für die Kranken selbst als auch für die Wärter. Daß die Jsolirbehandlung nnrnhiger Kranker auf die Wärter, die in solchen Fällen mehr Zellenschlieber und Zellenreiniger als Wärter seien, verrohend wirke, sei selbst- verständlich. Während bisher die Zellen der unruhigen Kraulen fast Schweineställen glichen, machte» jetzt diese Zellen einen menschen- freundlichen Eindruck. Dieser Umstand allein wirke sehr günstig auf die Kranken. Im allgemeinen müsse bei Behandlung unruhiger Geisteskranker der Grundsatz:„Oivkls et impera"(Theile und herrsche) gelten. Die Parole müsse lauten:„Separircn, aber nicht isoliren." Ruhige Kranke müßten von tob- süchligeu vollständig separirt werden. Auch gcmeingefähr- liche Verbrecher dürfe man, sobald sie ruhig seien, nicht neben Tobsüchtige legen. Ter Redner empfahl, bei Neubanlen von Irrenanstalten auf diese Behandlung Rücksicht zu nehmen und ver- schließbare Schiebethüren einzuführe». Er habe seit 2�/« Jahren weder Narkotika noch überhaupt Schlafmittel zur Beruhigung der Kranken angewandt und gesunden, daß jedenfalls die Beunruhigung nicht gestiegen sei. Bekanntlich sei man in den letzten Jahren auch von der Anwendung des Anlipyrin gegen Fieber zurückgekommcm Er habe auch wahrgeuommen, daß Narkotika nur so lange eine Be- ruhiguug hervorrufen, als die Narkose auhalle. Eine fortwährende Narkose sei aber einem langsamew Morden gleich zu achten. Es sei auch nicht nußer Acht zu lassen, daß die vielen narkotischen Mittel chädlich aus das Gehirn wirken. Die Nichtanwendung von Schlaf- Mitteln habe die nächtliche Unruhe des Kranken jedenfalls nicht gesteigert._ Gevr�ks��eikuntg» Die Justiz dcS Klnsseustaatcö und daS BereinSgesctz. Ein bezeichnendes Urtheil fällte gestern unter Vorsitz deS Landgerichts- raths Rcincke die achte Straskammer des Landgerichts I als Be- rufungsinstanz. Wegen Vergehens gegen daS Vcreiusgesetz war der Tabakarbeiter Ludwig Dechand vom hiesigen Schöffengericht zu 20 M. Geldstrafe verurtheilt worden, weil er als erster Vertreter der Zahlstelle Berlin des UuterstützungsvereinS deutscher Tabakarbeiter der Behörde weder ein Mitglieder- Verzeichniß noch die Statuten des Vereins u. s. w. eingereicht hatte; eine solche Verpflichtung war eitens der Behörde für vorliegend erachtet, weil sie annimmt, daß der Verein, welcher die Erreichung günstigerer Arbeilsbedingnugen bezweckt, statistische Ermittelungen unterstützt u. s. w. ein politischer Verein ist, welcher öffentliche Angelegenheiten behandelt. Das Schöffengericht machte diese Anschauung zu der seinigen»nd ver- urtheilte den Angeklagten. Er legte Berufung ein und bestritt gestern vor der 8. Strafkammer i» Gemeinschaft mit seinem Vertheidiger, lliechtsanwalt Freudenthal, daß die Voraiissctznng des Vorderrichters i»träfen. In jenem Verein wurden vielmehr nur Interna ver- handelt. Der Gerichtshof erkannte jedoch aus Verwerfung der Be- rnfniig unter folgender Begründnng seitens der Vorsitzenden: Es sei des Gerichtes Ueberzengung, daß ein Verstoß gegen das Vereins- gesetz vorliege. DaS Gericht nehme an, daß entgegen dem Wortlaute der Statuten des Vereins nach dem Willen der ganzen Organisation bezweckt wird. auf ö f f e ii t l i ch e D i u g e e i n z u w i r k e n, da beffere Arbeits- bedingniigen nicht nur für die Mitglieder, sondern für den ganzen Stand der Tabakarbeiter erstrebt würden. Es werden in dem Verein also auch öffentliche Angelegenheiten und nicht nur Privatinteressen besprochen. Gegen das Urtheil wird Revision eingelegt. Kunstansstellmig und Lustbarkeits-Stener. Die Buch« und Kunsthändler Frohmann und Bache in Frankfurt a. O. veranstalteten im vorigen Winter in ihren Geschäftsräumen eine Ausstellung von Werken der bildenden Kunst, insbesondere von Gemälden, Kupfer- stichen und plastischen Werken Hervorrageuder Künstler, sowie von Dilettantenarbeiten auf künstlerischem Gebiete. Hierfür zog sie der Frankfurter Magistrat mit einer Mark für den Tag zur Lustbarkeits- Steuer heran, im ganzen wurden 43 Mark berechnet. Nach erfolglose»! Einspruch erhoben Frohmann und Bache die Frei- siellungs-Klage. Der Bezirksausschuß erkannte dann auch zu ihren guusten, indem er ausführte: Eine Definition des Begriffes„Lustbarkeit" zu geben, sei sehr schwierig bei der unend- licheu Mannigfaltigkeit äußerlich scheinbar gleich liegender Fälle. Di« Entscheidung werde stets eine Thalsrage bleiben. Die Ver- anstaltimg der Kläger könne nicht als Lustbarkeit angesehen werden, da eine derartige Ausstellung von Werken der bildenden Kunst wohl einen Genuß, aber nicht eine Belustigung veranlassen könne. Der zweite. Senat des O b e r- V e r w a l t u n g s g c r i ch t s hob gestern diese Entscheidung auf und wies die Sache an den Bezirksausschuß zurück.„Uuter Lustbarkeit sei alles zu verstehen, was zum„Ver- gnüglsein" veranlasse. Vor allem komme die Absicht der Ver- anstalter in Frage, auch sei es wesentlich, ob ein Ge- winn erzielt worden sei. Der Bezirksausschuß müsse dies nachprüfen. DaS Ober-VcrwaltnugSgericht hatte sich am 17. Sepicmber mit einem Konflikt zu beschäftigen, den die Regierung in Erfurt zu guusten des Polizcisergeanten G e s k e in Mtthlhausen(Thüringen) erhoben hat. Geske war von der Strafkammer wegen Körper- Verletzung im Amte zu 30 M. Strafe event. 3 Tagen Haft verurtheilt worden. Gelegentlich seiner Revision machte nun die Regierung geltend, es sei nicht genügend dargethau, daß Geske seine Pflicht überschritten habe. Die Strafakten ergeben als Feststellung des Landgerichts folgenden Sachverhalt: Der Werkführer Hoffmann hatte sich als Mitglied eines Militärvereins an der Sedanfeier be- theiligt. Als er nachts mit seiner Frau zurückkehrte, rief er mehreren am Wege stehenden Pärchen zu:„Da kann man wohl ein Mädchen abkriegen?" Der Polizeisergeant hörte dies und forderte Hoffmann auf, ruhig zu sein. Hoffmann, der kurzsichtig ist. hielt den Beamten für einen ihm bekannten Flurschütze» und meinte scherzend:„Georg, Du könntest auch nach Hause gehen." Der vermeintliche Georg ging aber nicht nach Hause, sondern verhastete Hoffman«, obwohl sich dieser mit seiner Kurzsichtigkeit entschuldigte. Und als der Arrestant unter- wegs mal stehen blieb und verlangte, Geske möge ihn loslassen, da er freiwillig mitgehe, drückte der Ordnungshüter seinen Arm so kräftig, daß sich eine fchmerzhaste Geschwulst bildete, und zerrte Hoffmann mit den Worten weiter, er werde ihm zeigen, wie trans- portirt werde. Auch wurden Hoffmann die Aermel ausgerissen. Die Strafkammer nahm nun an, Geske habe auf keinen Fall den Arm des Werkführers so drücken dürfen, als dieser freiwillig mitgehen wollte. Darin sei eine dienstwidrige Körperverletzung zu sehen.— Ter Oberstaatsanwalt erklärte in seinem Gutachten den Konflikt für begründet. Geske habe annehiuen können, Hoffmann wolle sich nur befreien, und er sei sich einer Rechtswidrigkeit sicherlich nicht bewußt ge- wesen. Damit fehle aber die Voraussetzung seiner Strasbarkeit. Der erste Senat des Ober-Berwaltnngsgerichts unter dem Vorsitz des Herrn Persius erklärte jedoch den Konflikt für unbegründet und entschied, daß das Strafverfahren seinen Fortgang zu nehmen habe. � Depesvften und letzte Llarherrtzken. Freiburg(Baden), 18. September.(W. T. B.) Heute früh 2 Uhr brach laut„Breisgan-Zeituug" in einem Geschäftshause Feuer aus, welches so rasch um sich griff, daß die Bewohner in große Gefahr geriethen. Zwei weibliche Personen sprangen herab; die eine, eine Dieustmagd, war sofort todt, die andere wurde schwer verletzt. Eine Frau ist erstickt, eine schwer kranke Frau konnte nur mit Mühe gerettet werden. Das Haus ist vollständig nieder- gebrannt. Etraßbnrg L Elf., 18. Sept.(Frkf. Ztg.") Gestern wurden hier und in der Umgegend mehrere Erdstöße wahrgenommen, und zwar um 12 Uhr mittags, sowie um 3 und 5 Uhr nachmittags. Die Stöße waren so heftig, daß in zahlreichen Häusern die Thören anssprangen. Das in der Nähe der Universität gelegene' Gebäude der Landes-Versicherungsaustalt erhielt mehrere Risse. Miinchcn, 18. September.(W. T. B.) Die„Münch. Neuesten Nachrichten" melden aus Freising: Heute wurde bei dem Bahn- ü b e r g a n g e am Kirchdamme die Frau eines Stationstagelöhners sowie ihr dreijähriges Töchierchen und eine 57 Jahre alte Tagelöhnerin von dem von Landshut kommenden Schnellzuge Nr. 8t überfahren und sofort getödtet. Zürich, 13. Sept.(„Frkf. Ztg.") In ThnsiS(Graubünden) wurde heule vormittags 10>/s Uhr ein mehrere Sekunden andauern- des Erdbeben, welches von starkem Geräusch begleitet war, verspürt. Die Richtung des Stoßes ging vom Norden nach Süden. Zürich, 13. Sept.(Frkf. Ztg.) Infolge des anhaltenden Regen- ivetters sind neuerliche Bergstürze erfolgt, die Furkastraße ist ver- schüttet, der Verkehr ist gesperrt. London, 18. September.(W. T. B.) Nach einer bei Lloyds eingegangeucn Drahtmeldung aus Galvcston hat der Orkan am >2. d. Bt. bedeutenden Seeschaden verursacht; unter anderen dürste die deutsche Bark„Ceres" vollständiz wrack geworden sein. Dieselbe Agentur meldet, daß die Dampfer „Ebro" ans Shields und„Anuona" aus Hüll gestern früh 2>/s Uhr etwa 17 Meilen von Spur» H-ad zusammenstießen und daß die „Aiinona" darauf unterging, wobei der Koch, die Stewardeß und ein Malrose ertranken.— London, 18. September.(W. T. B.) Infolge der Differenzen zwischen den Zlrbeitgcbern und den Maschinen- Arbeitern ist heute die Werst Sir William Gray's in Hartlepool geschlossen worden, wodurch 1200 Arbeiter beschäftigungslos wurden. Andere Werften werden am nächsten Dienstag geschlossen werden, sodaß alsdami die Zahl der seieruden Arbeiter 3— 4000 betragen wird. Konstantinopcl, 13. September.(Meldung des Wiener Telegr. Corresp.- Bureaus.) Die Präliminarien des Friedens zwischen der Türkei uub Griechenland sind heute milerzeichnet worden. Der Vertrag enthält 10 Artikel. Art. 2, enthaltend die Verpflichtung Griechenlands zur Zahlung einer Kriegsentschädigung von vier Millionen türkische Pfund an die Türkei, die seitens Griecheulauds zu bietenden Garantieu und die Bestimmuugei! über die Finaiiz- Kontrolle in Griechenland, sowie Art. 0, enthaltend die Bestiuimungeii über die Räumung Thessaliens durch die türkischen Truppen und die Uebergabe des geräumten Territoriums au die hellenischen Zivilbehörden, liegen in der letzten Paragraphiruug noch nicht vor. (Wir werden selbstverständlich in der nächsten Nummer unscrcs Blattes auf den Friedensschluß, der nun endlich perfekt geworden ist, zurückkommen.) Simla, 17. September.(W. T. B.) Ein furchbares Feuer wüthete am 0. und 7. d. M. im Bazar von Kabul City. 130 Läden sind ausgebrannt. Vier Personen haben das Leben eingebüßt; der Schaden an Eigeuthum ist sehr groß. Nrw-York, 17. September.(W.T.B.) Die Zeitung„Eveniug Telegram" veröffentlicht eine Depesche aus Mexiko, wonach der Pöbel nachts in das Gefängniß eindrang, in welchem Joaquin Älrroya, der das Attentat auf den Präsidenten Diaz verübte, sich befand. Die Eindringlinge liberwälliglen die Wächter, schleppte» de» Attentäter heraus und lyuchten ihn. Zwanzig Personen wurden verhaftet. Berautwortlicher.Medakteiir: Slngnst Jarobey in Berlin. Für den Jnseratentheil vrroutwortlich: Th. Glocke in Berlin. Trink»nd Verlag von wiax Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilagen n llnterhalliiugöblati. Kr. W. fl. ZahrgliH. 1. Ktilage Ks.Awärls" Snlktt Mlilall Sliiiikz, tS.Sei>tt«kl l897. Für dir Gpkrr drr Hochivnfirr- Vntttstvoplzen sind IMS ferner die folgende» Beiträge zugegangen Z Vom Charlottenburger Bühnenklnb 4,—. Sechs Genossen der Dampfschleiferei Bergerbrnhl b. Gräfrath S,—. Lustige Gesellschaft. Derflingerstr. 2 1.SS. Milde, Ruppinerstr. 40 2.—. Ges. d. O. E. bei Raabe. Skalitzerstr. 22 1.60. Kranzüberschuß von Schreiber u. Ko., Sebastianstraße 2.30. Hilpert 4,—. Bogt. Gräfestr. 5 5,—. Amerik. Vuktion Ackerbürger Alt-Berliu, Elbingerstraße 3.50. Marie P. n»d Benno S. 3.—. Gesammelt bei Schulze u. Jost, Krausenstr. 03 8,so. Suuima 40,43. Bereits quittlrt 3163,09. G-sannntsnmme 3203,54. Weitere Beiträge nimmt unsere Expedition entgegen. Mmmmmcrlss. 3»»l Streit nm die Konsistorialordnung von 1Z7Z wird »us geschrieben: Der Antrag deI Magistrats, die Aufhebung der Bestimmungen über die Kirchcnbaupflicht der politische» Gemeinde auf gesetzlichem Wege herbeizuführen, ist vom Kulusminister dahin beschieden worden, daß eine Aushebung der alten Konsistorial- vrhnnng von 1573 eventuell nur gegen Ealschädignug, erforderlichen ffalls durch Erlaß eines das kirchliche Jnteresse wahrenden 9lb- lüsungsgeletzes erfolgen könne. Als Unterlage für ein solches Gesetz seien zunächst die Ansprüche der einzelnen Kirchcngemeinden sestzn- stellen und sei auch»och die Klärung der giechtslage nach solchen Richtungen abzuwarten, welche noch nicht zur gerichtlichen Entscheidung gekommen sind, namentlich auch darüber, ob die Verpflichtung der Stadt- gemeinde sich auch auf die Pfarrhausbaute» und Beschaffung von Bau- stelle» dazu erstreckt. Gleichzeitig»ahm das königliche Konsistorium Anlaß mitzutheile», daß für die Stadt Berlin überhaupt noch der Bau von etwa zwanzig evangelischen Kirchen mit Pfarrhäiisern er- forderlich sei, deren Kosten der Stadt Berlin fast ausschließlich zu- fallen würden. Kommissarische Besprechen dieser Angelegenheit haben bis jetzt keinen weiteren Einfluß ans diese Angelegenheit gehabt. Die nächsten Kirchenwahlen dürften zur Entscheidung wesentlich beitragen. Was die Rechtslage anbetrifft, so ist der Prozeß der JohanneS-Evangelist-Kirchengemeinde gegen die Stadtgemeinde in erster Instanz dahin entschieden worden, daß die Kirchen gemeinde mit der Forderung eines Bauplatzes abgeiviesen, die Stadt aber zur Zahlung der Baukosten verurlhcilt war. Eine gerichtliche Entscheidung der Frage, ob und eventuell in welchem Umfange die politische Gemeinde zu den Kosten eines Kirchenbanes verpflichtet sei, wird nunmehr der Markuskirche gegenüber herbei- geführt iverden. Für die von dieser abgeziveiglen'Samariterkirche ist der Bau einer Kirche erfolgt nnd dazu ein Beitrag von der Stadt- gemeinde verlangt. Nach einem Beschluß des Polizeipräsidenten rvurde der Kostenbeitrag vorbehaltlich des Mehrbetrages ans 78360 M. festgesetzt. Dieser Betrag ist auf die Ankündigung zwangsweiser Beilreibima an die MarknSkirche bezahlt, zugleich aber der Rechts- weg beschritte». Der Prozeß schwebt noch. Aehulich liegt die Angelegenheit beim Bau der St. Simeonskirche. An diese sind zunächst 100 000 M. von den geforderten 212 000 M. gezahlt worden. Sollten die Kirchengemeinden im Prozesse obsiegen, dann dürfte» 5 Millionen einmalige Kosten für die angekündigten 20 neue» Kirchen nicht ge nügen.,_ VoKslles» Die Areie Volksbühne bringt heute Nachmittag mn 3 Uhr im Friedrich Wilhelmslädtischen Theater für die II. Abtheilung(blaue Karten) Mönkeberg's Hamburgisches Drama„Illusionen" zur Auf sührung. Die Mitglieder der II. Abtheiluug werde» gebeten, pünttlich zur Vorstellung zu erscheinen. Die Verloosung der Plätze beginnt um 2 Uhr. Der Garten ist für die Mitglieder geöffnet. Die Monatsschrift„Freie Volksbühne" mit dem Theaterzettel ist ä 10 Pf. bei den Ordnern zu haben. Die Mitgliedskarte muß für die alten Mitglieder je eine Beitragsmarke in Rubrik 5 und 6, für neue Mitglieder 2 Marken k 60 Pf. in der Rubrik 6 ent halten. Die Vorstellung der III. Abtheilung findet am 26. September, nachmittags 3 Uhr statt. Mitglieder zur III. A b l h e i l n n g können bis Dienstag, den 21. September, in allen Zahlstellen aufgenommen werden.(Siehe gestriges Inserat.) Da der Vorstand nunmehr auch mit der Direktion deS Lessnig Theatcrö vertragsmäßig abgeschlossen hat, die Vorstellungen also wie früher zum theil im Lessing-Theater und zum theil im Friedeich-Wilhel m städtischen Theater stattfinden, da ferner nach Verständigung mit Herrn Dr. Oskar Blumenthal im Lesfing- Theater ein der Volksbühne würdiges Repertoire geboten werden wird, so machen wir die alten Mitglieder und Freunde des Verein?, sowie diejenigen, welche Mitglied des Vereins werde» wolle», ganz besonders auf diesen Umstand aufmerksam. Rechtzeitige Anmeldung in einer Zahlstelle ist in diesem Falle erforderlich, da die ersten Abtheilnngen in de» nächsten Tagen geschlossen werden. D e r V o r st a n d. J. 91.: G. Winkler. Tie«rbeiter-BIldnugSschule hält heute Abend 7 Uhr im Lokale deS Herrn Feuerstein, Alte Jakobstraßc 75(großer Saal), «ine Versammlung ab, in der Dr. Conrad Schmidt über Karl Marx sprechen wird. Die Parteigenossen werden um zahlreichen Besuch gebeten. Der Vorstand. Vor clner Person, welche die Parteigenossen deS vierten Wahlkreises in dreister Weise zu brandschätzen sucht, wird hiermit öffentlich gewarnt. Der betreffende, der sich unter Vorzeigung eines Mitgliedsbuches vom Wahlverein als Schleifer Otto Gläser zu legilimiren sucht und in der Cuvrystraße 33 wohnen soll, sucht unter allerhand Vorspiegelungen i» den Besitz von Parteibous zu gelangen, die er vertreibt und deren Erlös er für sich behält. Da der Mann verschiedene Parteigenossen auf diese Weise benachlheiligt hat, so er- scheint es erforderlich, hiennit auf ihn und sein Treibe» aufmerksam zu machen. Die Vertrauensperson. Die Vermehrung der städtische» VolkS-Badcaustalten ist eine Forderung, ivelche bei den Inhabern von Privat-Badeanstallen. soweit sie in der Freien Vereinigung Berliner Badeaustalls-Jnhaber organisirt sind, auf entschiedenen Widerspruch stößt. Sie erblicke» in den Betrieben der städtischen Volks-Badeanstalten eine»n- berechtigte Konkurrenz ihrer eigenen Betriebe, und sind demzufolge nicht nur Gegner einer weiteren Vermehrung der städtischen Volks- Badeanstalten im Prinzipe, sondern verlange» auch eine allgemeine „Reform" des Volks- Badeanstaltswesens. Die diesbezüglichen Wünsche hat die„Freie Vereinigung" i» einer öffentlichen Erklärung in folgender Weise zum Ausdruck gebracht: Bei Bewilligung der Mittel für den Bau der Volks-Bade- anstalten wurde ausdrücklich motivirt, daß diese Anstalten dem Badebedürfniß der Unbemittelte», der werkthätigen Bevölkerung, Rechnung tragen sollen, und daß dementsprechend in der Haupt- fache die Einführung vont Brausebädern zu berücksichtige» sei. Deshalb dürfen wir wohl von feiten der städtischen Behörden die Hoffnung hegen in bezug auf die weitere Gestaltung des Volks- BadeanstallsweseuS, daß man in den neu projektirten Anstalten von den Wannenbädern, medizinischen und sonstigen Heilbädern über- Haupt Abstand nimmt, deren Gebrauch in einer Volks-Badeanstalt nicht zu billige» ist nnd unseren Privatanstalten erhalten bleiben muß. und erbitten wir die Errichtung von nur Brausebädern (vielleicht System Professor Dr. Lassar), die anerkannt den hygienischen Bedürfnissen voll und ganz genügen; und sollten sie(die städtischen Behörde») von Schwimmbäder» nicht absehen, alsdann bitten wir, auch diese Einrichtung dem Charakter einer Volks-Badeanstalt durch einen volksthiimlichen Einheitspreis von 10 Pf. pro Bad anzupassen. Schließlich bitten wir, in den bereits bestehenden Anstalten die Bäder 1. Klasse zu beseitigen und einen niedrigen Einheits- preis für alle Bäder zu normiren unter Fortfall der Stammkarten, damit gerade der Aermste zu demselben billigen Preis sich der Wohlthat eines Reinigungsbades erfreue» kann, als der besser Bemittelte. Die Inhaber von Privat-Badeanstalten, soweit sie Mitglieder der„Freien Vereinigung" sind, befinden sich in einem gewaltige» Jrrlhuine. Für die hygienische Wohlfahrt der städtischen Bevölkerung zu sorge», ist in erster Linie Pflicht der kommunalen Be- Hörden. Wenn dieselben erst in neuerer Zeit dieser Verpflichtung auch auf dem Gebiete der Volks-Badeanstaiten nachgekommen sind und diese Bethätignng früher den privaten Unternehmern über- lassen habe», so folgt daraus keineswegs, daß diese nunmehr ein Monopol haben. Wenn neben den städtischen Volks-Badeanstalten nunmehr auch noch Private den Gewerbebetrieb von Bade- Anstalten betreiben, so ist das ihre Sache. Von einer unberech- tigleu Konkurrenz der Volks-Badeanstalten kann füglich nicht gesprochen werden. Ebenso gut könnte die städtische Verwaltung sich über die Konkurrenz der Privatunternehmer beklage». So wird z. B. in dem Verwaltungsbericht der städtischen Badeanstalten pro 1395/96 in bezug auf das„Bad Schillingsbrücke" gesagt:„Wenn hier die Steigerung der Frequenz deS Schwimmbades nicht in dem gleichen Maße wie bei den anderen Badeformen stattgefunden hat, so ist dies lediglich auf die Mitte September erfolgte Eröffnung des Bades der„Wasserfrennde" in der Kommnndantenstraße zuruckzu- führen", während es in bezng auf das„Bad Moabit" heißt:„Auch hier hat sich die Konkurrenz der Schwimmhalle des„Vereins der Wasserfreunde" bemerkbar gemacht."— Wie also die„Freie Ver- einignng Berliner Badeanstalts-Jnhaber" für sich eine Extrawurst gebraten zu haben verlangen kann, ist nicht recht einzusehen. Ter NcnucranSschuss zur Nuterstiiynng derttcbcrschwcmmten hat gestern unter Vorsitz des Siadlverordnelen-VorsteherS Dr. Langer- Hans beschlösse», dem nm Donnerstag zusammentretende» Zentral- komitee in Vorschlag zu bringen, für Liegnttz 200 000 M. zu bewilligen. A» den Regierungspräsidenten in Oppeln sind für de» dort, gen Kreis 25 000 M. nnd an den Regierungspräsidenten in Hannover für den Lüneburger Kreis l0 000 M. übermittelt worden. Es wurde der Antrag eingebracht, für etwa ähnlich vorkommende Fälle das gegenwärtige Komitee als ein ständiges Komitee zu bilden. Derselbe wird in der bevorstehende» Sitzung des Komitee's zur Eulscheidung gebracht werden. Ter Vorstand der Jnvaliditäts- nnd RltersversichcrnngS Anstalt Verl!» läßt gegenwärtig an diejenigen Berliner Arbeuer, welche mit bleihalligeu Stoffen zu Ibun haben, Verhaltnngs maßregeln zwecks Verhütung der Bleivergiftung ver- theilen. Die Verhaltungsmaßregeln sind kurz und allgemein verständlich gefaßt. Die Bleivergiftung, eine der gefährlichsten Gewerbekrankheiten, fordert viele Opfer unter der Arbeiterschaft und belastet die Versicherungsanstalt mit Invalidenrenten und Aus Wendungen für Krankenfürsorge. Die vorbeugende Fürsorge der Versicherungsanstalt ist mit Freuden zu begrüßen und wird sich hoffentlich noch weiter entwickeln. Der Winter-Fahrpla» für den Stadt- und VorortS-Verkehr, welcher mit dem 1. Oktober in kraft tritt, wird, wie wir erfahren, nur geringe Aenderungen mit sich bringen. Für den Stadlverkehr ist eine Einschränkung der Züge nicht vorgesehen. Dieselben werden, abgesehen von geringen Abweichungen in dem Fahrplan selbst, in den- selben Abständen folgen wie im Sommer. Die Vorortsstrecke Johannisthal— Grunewald wird gelheilt derartig, daß die Züge in zwei verschiedenen Strecken zwischen Charlottenburg und Johannis thal einerseits und Schlesischer Bahnhof— Grunewald andererseits verkehren. Tie Züge nach Johannisthal werden im Winter in Ab- ständen von einer Stunde sich folgen. Der Verkehr nach Friedrichs Hagen, Potsdam, Spandau, wie auch nach Strausberg und Nauen ist nur ganz geringen, den Perkehr nicht einschränkende» Aenderungen unterworfen. Wege» der bekanutc» Geschichte mit de» Bilder» des Herr» vo» PodbiclSki will der Oberpostdirektor de» betreffenden Berichterstalter und dieser den Oberpostdirektor verklagen. Er hat bereits, wie wir im„Volk" lesen, den zuständigen Schiedsmann des 1. Stadtbezirks ersucht, den gesetzlich vorgeschriebene» Sühnetermi» anzuberaumen. Die Beleidigung bezw. Verleumdung wird gefunden in der Behauptung der Oberpostdirektio», daß der betreffende Be- richterstatler leere, bezw. böswillige„Erfindungen" verbreitet habe. TaS Neueste vo» Nauck«. Hartmann. Die Firma Nauck u. Harlmann weigert sich, an den öffentlichen Anschlagsäulen die große» Reklnmebilder für das im Friedrich Wilhelmstädtische» Theater in Vorbereitung befindliche Schauspiel„Das Zeichen des Kreuzes"(tho sign of the cross) anzuschlagen. Diese Plakate sollen in England, Belgien, Holland und Amerika in hundert taufenden von Exemplaren zum Anschlag gelaugt sein. Direktor Samst will sich daher mit einer Beschwerde an die Behörde wenden. Die„Staatsbürger-Zeitung" hat der kreuzfeindlichen Firma Nanck u. Harlmann vor einiger Zeit einmal Verjudung vorgeworfen. Sollte das Antisemitenblatt wirklich recht haben? Die„Große Schnauze" tan»»«an nnn nicht mehr halten, den» das seit dem vorige» Jahre hier erschienene urkomische„Witz- blatt" die„Große Schnauze", die auf der Friedrichstraße mit furcht- barem Gebrüll angeboten wurde, ist den Weg alleS Irdischen ge- gange» und hat ihr Erscheine» eingestellt. Der Herausgeber hat es vorgezogen, de» Kohl zetzt auf andere Art und Weise»nterS Publikum zu bringen und hat— ein vegetarisches Speisehans eröffnet! Herr Dr. R. Löwcnfcld, Direktor des Schiller- Theaters, de- absichtigt im Verein mit einigen Freunden der Bolksunterhaltungs- Bestrebungen eine» Kongreß für Volksunterhallungs-Bestrebunge» in Berlin vorzubereiten. Der Kongreß für Volksnnterhaltungs-Be- ftredungcn soll Sonnabend, den 16. Oktober, abends, und Sonntag, den 17. Oktober, vormittags und abends in Berlin seine Berathungen hallen. Gegenstand der Berathuugen sollen alle ans das Gebiet der PolkSunterhaltung unmittelbar bezüglichen Bestrebungen fest«. Die Berathungen sollen sich in der Form von kurzen Referaten(Dauer 20 Minuten) und daranschließenoem Meinungsaustausch vollziehen. — Folgende drei Referate find bereits angemeldet: 1. Was ver- stehe» wir unter Volksunterhaltungen? 2. lieber die Dichter- und Tondichter- Abende des Schiller- Theaters. 3. Wie ist der Gedanke eines Städtebund- Theaters zu verwirklichen? Mittheilungen über Betheiligung und Referate nimmt Herr Löwenfeld entgegen. Samaritcr-KursilS für Arbeiter und Arbeiterinnen. Der WinlerkursuS beginnt am Montag, den 4. Oktober, abends 3Vz Uhr bei Wernau, Schwedterstr. 23, mit einer öffentlichen Versammlung, resp. mit einem Vortrage über die erste Hilfe bei Unglücksfälle». Um vielen Wünschen der Arbeiterschaft des Nordens und Nord- ivestens gerecht zu werde», hat sich der Samariter-KursuS entschlossen, in diesem Jahre eine Filiale daselbst zu errichte», und zwar in dem Lokale des Herrn Neumauu, Brunnenstr. 150, ivoseloft ebenfalls 14 täglich Vorträge und Uebungsstunden abgehalten werde«. Die Zentrale bleibt wie bisher im Lokale des Herrn Cohn, Beuthstr. 20, bestehen. Der Zweck des Samariter-Kursus ist nach ß 1 des Statuts: „Die Arbeiter und Arbeiterinnen zu unterrichten durch Vorträge und praktische Uebnngen: a) in der ersten Hilfe bei Unglücksfällen, d) in der ersten Hilfeleistung bei plötzlichen und gefahrdrohenden Er- krankungsfällen, o) in den Grniidzügen der Krankenpflege. Das Eintrittsgeld beträgt 40 Pf., der monatliche Beitrag 25 Pf. Der Vorstqnd. Eine Masse»verletzu«g wtirde am Freitag Abend um 7«/« Uhr in dem Pferdebahn-Wagen Nr. 2 der Ringbahn am Schönhauser iv, Thor auf eigenartige Weise zu Wege gebracht. Auf dein Mittelsteig nahe ani Thor befindet sich ein Behälter für Sand, der zum bestreuen der Straßen benutzt wird. Dieser Behälter wurde neu gefüllt,«md ein Arbeitswagen hielt vor ihm. Von diesem Fuhrwerk ragte ein Brett hervor nach den Geleisen der Pferde- Eisenbaha zu. Der Kutscher Nr. 879«md der Schaffner Nr. 1803 von der Pferdebahn mochten in dem guten Glauben sein, daß ihr Wagen an dem vorstehenden Brett vorüberkäme und fuhren los. Sie hatte» eben falsch geschätzt: Das Brett zerschlug auf der einen Seite des Wagens die Fensterscheiben, sodaß die Glasscheiben und Splitter in« Inner» umherflogen. Von der um die Abendzeit ziemlich erheblichen Zahl der mitfahrenden Personen wurden viele im Gesicht uttd, dt» sie während des Vorganges unwillkürlich die Arme erhoben hatten, auch an den Händen verletzt. Die Polizei hat den Thatbestand fest« gestellt. Eine polizeiliche Tnrchsnchiiiig nach dem Manuskript eineS Artikels in der„Staatsbürger- Zeitung" unter der Ueberschrift Oberpoftdireklion kontra Poddiclski hat Freitag Abend in de» Re« 'daktionsrättinen des genannten Blattes stattgefunden. Der Haus- suchung lag ein Slrafantrag der Oberpostdirektio» zu gründe, die sich durch die Besprechung eines Augriffs gegen den Staatssekretär v. Podbielski ivegen der von ihm angeblich geübten„Harun- al- Raschid- Methode" beleidigt fühlte. Das Manuskript wurde nicht gefunden. Der preußische Staat würde gewiß auscinanderbersten, wenn seine Beamten vom Minister bis zum Nachtwächter herab sich nicht durch jedes scharfe Wort beleidigt fühlten. Thcatcrban-Polizci. Die„Berliner Korrespondenz" meldet: „Neuerliche Beobachtungen haben ergeben, daß die Bestimmungen der Polizei-Verordnungc» über die bauliche Anlage und die innere Einrichtung von Theatern, Zirkusge bänden und öffentlichen Versammlungsräumen nicht überall mit der erforderlichen Sorgfalt gehaudhabt»verde», und daß inS- besondere bezüglich der nur für vorübergehende Benutzung ein- gerichteten Baulichkeiten der angegebenen Art nicht immer gebührende Rücksicht auf möglichst vollständige Sicherung des Publikums ge- nommen»vird. Der Minister der öffentlichen Arbeiten und der Minister des Innern haben deshalb die Regierungspräsidenten veranlaßt, die unterstellten Polizeiverivaltungen anzuweisen, die Vorschriften der Verordnung»nit größter Geivissen- haftigkeit zur Anivendung zu bringen und für Baulichkeiten, welche nur zeitweilig zu theatralischen Schaustellunge», Zirkusvorstellungen oder als öffentliche Bersainmluugsräume benutzt werde», diejenigen Maßnahmen, ivelche größtmöglichen Schutz gegen Feuersgefahr und eine ausreichende Entlecrungssähigkeit geivährleisten, ohne Rücksicht auf die hierdurch für den Unternehmer etiva entstehenden Unbequem- lichkeiten unbedingt vorzuschreiben, endlich stets von neuen, durch örtliche gründliche Besichtigung festzustellen, ob die polizeilichen Sicherungsvorschrist«» genau befolgt»verden und ob nicht inzwischen Aenderungen, insbesondere baulicher Natur, vorgenommen sind, ivelche weitere Anordnungen erforderlich machen. Der Radfahrer-Unfall vom vorigen Sonntag bei Gelegenheit der Fernfahrt Hamburg- Berlin beschäftigt die Staatsanwaltschaft am Landgericht II Berlin; das Gericht hat die Obduktion der Leiche de? verunglückten Radfahrers, Eigenlhümers Lemke-Berlii», Admiral« straße 27, augeordnet, der bekanntlich wenige Stunden nach den« Unfall im Spandaner Krankenhause den davongetragenen Verletzungen erlegen ist. lieber die Schuldfrage lauten die Mittheilnngen wider- sprechend. Mehrfach wird behauptet, Lemke habe die gellenden Bor- schriften dadurch verletzt, daß er auf der falschen Seite der Land- straße fuhr nnd absichtlich dem ihm«utgegenkommenden Radfahrer nicht ansivich. Getvlssenöbisse haben anscheinend den 36 Jahre alte» Schlächter Albert Jagust veranlaßt, sich in der Wohnung seiner Geliebten, der unverehelichte» Marie Schreiber, daS Leben zu nehmen. Er war verheiralhet, hatte seine Familie in BreSlan, Neuer Markt 14, zurückgelassen und sich nach Berlin begeben. Hier hatte er Schleier- macherstr. 14 bei einer Frau Schulze ein« Schlafstelle bezogen und verdiente ab und zu durch Handel und durch Arbeit in der Markt- halle etwas zu seinem Unterhalt. Seit einiger Zeit ist er mit der Schreiber bekannt geworden, die keinen besonderen Beruf hat, ihren Bräutigam aber wohl unterstützt haben muß. Wie öfter, hielt er sich auch am Freiing Morgen bei feiner Braut auf nnd hatte sich schlafe» gelegt, während die Schreiber aus-. gegangen war, um zu frühstücken. Als sie später in ihre im Seiten- flügel des HauseS Hollmannstr. 11 belegene Wohnung zurückkehrte, wnrde ihr nicht geöffnet auf das verabredet« Zeichen, und es liefen bald Nachbarsleute zusammen. Mit Hilf« einer Leiter erhielt inan Einblick in die Wohnung und sah, daß Jagust an einem Haken in der Thür als Leiche hing. Die Polizei erschien, nachdem man be- reits ein Fenster eingeschlagen hatte und eingestiegen war. Die Schreiber versuchte vergeblich, ihren Geliebten i» das Leben zurück- zurufen. Als Grund zur That wird angenommen, daß Jag,»st Reue wegen des Verhaltens feiner Famili« gegenüber gefühlt habe. Die Rechcr'chcn nach dem Mörder der Marie Thiele sind, wie bekannt, bisher leider erfolglos geblieben. Nun schreibt ein hiesige» Blatt: NeuerdingS wurde man im Hause, wo die That verübt wurde, auf«ine Persönlichkeit aufmerksam, die anscheinend«wen Schlüssel zu der Wohnung der Ermordeten besitzt. Der detreffende hat sich Hausbewohnern gegenüber al» Beamter ausgegeben. Nach» dem feine Beobachtung in die Wege geleitet worden ist, hat er sich jedoch nicht mehr sehen lassen. DaS Trittbrett? Als gestern Vormittag der Schaffner Petersen der Dampfftraßenbahn auf der Linie Halensee—Nollendorffplatz vom Trittbrette des Wagens auS Billcts ausgab, ivurde er an der Ecke der Kursürftenstraße durch eine» Ruck plöblich vom Wagen geschleudert. Er blieb bewußtlos liegen und wurde von mitleidigen Passanten zu dem Arzte Dr. Kammmcyer in der Joachimsthaler- straße gebracht, der einen Schädelbruch seststellte und nach der ersten Hilfeleistung die Ueberslthrnng des Verunglückten i» ein Krankenhaus veranlaßt«. Rrbeiterristko. Gin Unfall durch den Absturz eines Arbeiters ereignete sich gestern Morgen auf dem kolossale» Neubau des Kanf» Hauses„Friedrichskron", Neue Friedrichstr. 9—10. Der 20 jährige Zimmermai»«« John war mit mehreren Kaineraden beschäftigt, III der ersten Etage des ersten Hofes abzurüsten, mid hatte das Nnglück.' mit einer großen Steife, deren Gewicht er unterschätzt hatte, aus- zugleiten. Da er seine Last nicht losließ, riß ihn diese mit sich hinab, so daß John auf dem Flur der Thorcinfahrt niederschlug, wo er besinnungslos liegen blieb. Ein rasch herbeigeholter Arzt leistete dem Verunglückten, der anscheinend innere Verletzungen er, litten hat, die erste Hilfe und ordnete dessen Uebersührnug nach de« Charitee an. Der«Sjährige«lmosenempfiinger Ferdinand Dommert ans der Naunynstr. 17. der in der Nacht zum 16. d. M. im BerfolgungS- wahn auS der im vierten Stock belegenen Wohnung feiner Tochter sprang und nach dem Nrankeuhanse am Urban gebracht wurde, ist dort inzwischen gestorben. Außer inneren Verletzungen hatte e« einen Bruch deS Halswirbels und schwere Brüche am rechte» Unter« und Oberarm erlitten. Ein Leichenfnnd in der Spree an der FrledrichSgracht hat der Polizei Veranlassung zur Vernehmung einer großen Anzahl von Personen gegeben. Der Leichenfnnd wird mit einem Vorfall in Ver- bindung gebracht, der sich vor einiger Zeit in der Nähe der Insel- brücke in später Nachtstunde zugetragen hat. Wie festgestellt worden ist, sind in jener Nacht zwei Personen beobachtet worden, als sie einen schweren, nicht erkennbaren Gegenstand ins Wasser geworfen haben. Eine Person, ei» Zuhälter, ist ergriffen worden, leugnet aber an dem Vorfall betheiligt zu sein. Vo» Zeugen«st angegeben worden, daß in jener Nacht in einer in der Nähe belegenen Kneipe «ine Schlägerei stattgefunden hat. bei der ein Mann schwer verletzt »nd dann fortgeschafft worden sein soll. Die Polizei sucht nunmehr den Vorfall aufzuklären. Jnimerfort Dachstnhlbrände. Es vergeht kein Tag. an dem die Feuerwehr nicht einen Dachstuhl- oder Bodeubrand zu löschen dat. Freitag brannte» in der Fürstenstr. 5 und in Moabit Bredow- strafte 6 die Dachstnhle. Gestern früh um 9 Uhr stand der Dach� stuhl des Hauses Beusselstr. 87 in Moabit in Flammen. Außerdem 18., 14. und 15. Löschzuge ans Verlin war auch die Charlotten burger Wehr zur Stelle. Erst nach angestrengter Thätigkeit konnte das Feuer, das wieder großen Schaden verursacht hat, gelöscht wer- de». Schwer betroffen ist eine Anzahl kleiner Leute, meist Arbeiter, die nicht versichert sind. Wie der Polizeibericht mittheilt, liegt dem Feuer in der Bredowstraße wahrscheinlich Brandstiftung zu gründe. Neberfahren wurde gestern Nachmittag eine Frau beim Ueber schreiten des Fahrdammcs in der Beuthftraße gerade vor dem Jndnstriegebände von einem Lastwagen. Sie verunglückte derartig, daß sie von zwei Schutzleuten mittelst Droschke zum Dr. Heidemann in der Kommandantenstraße gebracht werden mußte, welcher einen Beinbruch konstatirte. Das Berliner Aqnarium empfing dieser Tage werthvolle Sendungen vom Mittelmcer, von der Nord- und Ostsee her. Durch seine Tochter- Station Rovigno an der Adria erhielt es zunächst eine Art Qualle, welche zwar gleich der unlängst eingetroffenen Cotylorhiza zu der Abtheilung der Wurzelmnndquallen, indessen zu einer anderen Fannlie und zur Gattung Hutgualle(Pilema) gehört und somit eine erwünschte und ergänzende Be- reicherung dieser Gruppe bildet. Sie führt den Namen infolge des Hut- füruiigen Schirnics, der milch- oder bläulichweiß und am Rande niit 89 dunkelblauen oder violetten Randlappen versehen ist: und das ohnehin schon reizvolle Farbenkleid wird noch verschönt durch die orangegelben bis rotheu und rothvioletten Töne der Sanglrausen. Für die Seefischbecken trafen ans dem Mittelmcer außer 109 Stück der merkwürdigen Seepferdchen und anderen Gattungen verschiedene Spezies Schleimfische(Blemius) ein. Die Berliner Paeketfahrt- Aktiengesellschaft ersucht uns um Veröffentlichung der folgenden Mitlheiluug:„Trotz mehrfacher öffentlicher Bekanntmachungen, daß Briefschaften, mit Marken der verflossenen Privgtpost versehen, nach dem 15. September d. I. nicht mehr durch die Berliner Packetfahrt- Aktiengesellschaft befördert werden, werden solche doch noch nach wie vor in die rothen Briest kästen geworfen. Das Publikum sei daher darauf aufmerksam ge> inacht, daß solche Briefschaften nicht mehr bestellt, sonder», so weil dies angängig, den Absender» zurückgegeben werde». Die jetzt firmirende Berliner Spedition, Aktiengesellschaft, Wafferthorstr. 42, tauscht die Privatpost-Werthzeichen bis zun» 15. Dezember d. I. um. Berichtigung. Nicht auf dem Bau Schönhauser Allee 160, sondern ans dem Bau Schönhauser Allee 163 ist das Unglück passirt, von dem wir vorgestern berichteten. Ans de« Nachbarorte«. Charlottenbilrg. Laut Beschluß der außerordentlichen Generalversammlung vom 8. September d. I. wird den Mitgliedern des Wahlvereins hierdurch zur Kenntniß gebracht, daß ihre Qnittungsbncher bis zum 15. Oktober d. I. geregelt sein müssen, um von diesem Tage ab eine dem§ 19 unseres Statuts entsprechende Ordnung der Kaffenbücher sowie Regelung des Mitgliederbestandes vornehmen zu können. Jedes Mitglied, welches vom genannten Tage ab fünf Monate Beiträge schuldet, wird unnachsichtlich gestrichen. Besondere Fälle regelt der Z 4 des Statuts. Der Vorstand. Schmargendorf. Die Versammlung des Arbeiler-Bildungs- Vereins findet am Dienstag, de» 21. September, statt. Zun» Vortrag gelangt:„Die Presse und die Verfolgung derselben." Die Mitglieder und alle dem Verein noch fernstehenden Genossen werden ersucht, in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vorstand. Pankow. Dienstag, den 21. d. M.. hält der Arbeiterverein für Pankow und Umgegend seinen Lese-Abend ab. Auf der Tages ordnung fleht Vortrag des Genossen Kiesel über die Aufgabe der auf dem Boden der Sozialdemokratie stehenden Arbeitervereine. Um zahlreichen Besuch bittet der Vorstand. Die Polizcidirektion Charlottenbnrg hat, wegen der un- gewöhnlichen Zunahme der Zahl der Hallekinder in Charlotten bürg wie in allen Vororten, ihre Polizeireviere angeirnesen, von jeder ihnen zugehenden polizeilichen illnmeldung eines gegen Entgelt in Pflege gegebenen Kindes lluter sechs Jahre» schleunigst dem zu- ständigen Weisenrathe Abschrist zuzustellen, um ihm die Ueber- wachung zil ermöglichen. Da eine fortgesetzte eingehende Aufficht dringend geboten ist, so hat die Charlottenburger Armendirektion gleichzeitig die Waisenrälhe ersucht, zur Anfsichtssührung über diese Pflegestellen im iveitesten Maße die Waisenpflegerinnen hinzuzuziehen. Ihre Mitarbeit erscheint um so mehr angezeigt, als es sich in der Hauptsache um Kinder in den ersten Lebensjahren handelt. Mit einer Anzahl wenig crqnilklichcr Prozesse wurde unser Vorort Steglitz neuerdings geplagt. Es ist noch nicht lange her, als die Ober-Bibliothekare D. G. und Prof. D. H. in eine» Prozeß verwickelt wurden, weil ein Geineindeverordueter Trinkgelder genommen haben sollte. Diesem folgte ei» zweiter Rechtsstreit, weil ein vereideter Schöffe Trinkgelder eingesteckt habe» sollte. Dabei standen sich die eidlichen Aussagen des Prof. H. einerseits nnd des Baumeisters B. und der Kanflente R. und S. andererseits gegenüber. In neuerer Zeit ist wieder ein Prozeß entstanden, weil Prof. H. gegen die Steglitzer Zeitung loszog. In dieser letzten Sache ent- stand Klage nnd Gegenklage. In der ersten Instanz wurde der Redakteur L. von der Steglitzer-Zeitnng vom Prof. H. besiegt, indem er zu einer Geldstrafe von 100 M. vernrtheill wurde. Nu» schwebt tvieder ein Bernfungsverfahren. Der von de» Kinder» vielfach geübte Brauch, die Kastanien- bäume auf reife Früchte hin zu plündern, hat gestern wieder ein Opfer gefordert. Beim Schütteln eines Kaftanienbaumes wurde der neunjährige Knabe Krenski, wohnhaft in Charlottenbnrg, Pestalozzi- ftraße 91, getödtet. Der Knabe hatte einen Baum erklettert,»in Kastanien herabzuwerfen; der Ast brach jedoch unter ihm, und das Kind stürzte in die Tiefe. Es wurde noch lebend nach dem städtischen Krankenhause in Charloltenburg gebracht. Dort ist es bald darauf einer Gehirnerschütterung erlegen. Ei» genicinsamcs Gebäude für die Handwerkcr-Fach- und Forlbilduugsschnle sowie für die neuerrichtele städtische Volks- dibliothek nebst Turnhalle will der Magistrat von Charlotten- bnrg auf dem städtischen Grundstück Wilmcredorferstr. 166— 167 gegenüber der Flora mit einem Aufwände von 439 000 M. errichten. Dasselbe soll enthalte»: 25 Zeichen- oder Modellir-Säle, 17 Klassen- oder Lehrer-Zimmer. eine Turnhalle, einen Lesesaal von 182 Quadrat- Nietern und einen Bibliothekraum von 132 Quadratmetern. Gheakev. Wocheuspiclplan der hiesigen Theater. Die Freie Volks- b ü h n e, II. Abtheilung(blaue Karten), bringt heute Nachmittag 3 Uhr im Friedrich- Wilhelm städtischen Theater Mönckeberg's Drama„Illusionen" zur Aufführung. Die Hauptrollen liegen in den Händen von Herrn Mendt und Fräulein Milli Krause vom kgl. Schauspiel- haus zu Berlin als Gast. Beginn der Verloosung der Plätze um 2 Uhr.— Opernhaus. Sonntag, 19.:„Der Prophet". Anfang 7 Uhr. Montag, 29.:„Lohengrin". Lohcngrin: Herr Ernst Kraus als Gast. Anfang 7 Uhr. Dienstag, 21.:„Hänsel und Gretcl".„Die Puppenfce". Mittwoch, 22.: „Der Evangclimann".„Phantasien im Bremer Rathskeller". Anfang 7 Uhr. Donnerstag, 23.:„Margarethe". Faust: Herr Ernst Kraus als Gast. Anfang 7 Uhr. Freitag, 24.:„Wilhelm Tell". Anfang 7 Uhr. Sonnabend, 24:„Die verkaufte Braut". Kezal: Herr Schauer vom Stadt-Thcater m Karlsbad als Gast. Sonntag, 2«.:„Fidelio". Montag, 27.:„Der Ring der Nibelungen" I. Abend:„Das Nhetngold". Anfang 8 Uhr. Dienstag, 28:„Die Walküre". Anfang 7 Uhr.- Schauspielhans: Sonntag, den 19. September:„Die Einzige".„Die TanzsNmde". Montag, den 29.: .Halali".„Die Dienstboten". Dienstag, den 21.:„Coriolan"» Mittwoch, den 22.:„Die Einzige".„Die Tanzstunde". Donners- stag, den 23.:„Don CarloS". Anfang 7 Uhr. Freitag, den 24.: „König Lear". Sonnabend, den 25.:„Die Einzige".„Die Tanz- stunde". Sonntag, den 26.:„Rosenkranz und Güldenstern". Montag, den 27.:„Judith".- Neues königliches Operntheater. Sonntag, den 19.:„Graf Effex". Sonntag, den 26.:„Vafantasena".— Das Deutsche Theater giebt Sonntag Abend die erste Wiederholung von Max Halbes neuem Drama„Mutter Erde", welches außerdem in dieser Woche noch am Dienstag, Donnerstag und nächstfolgenden Sonnabend Abend in Szene geht; Montag, Mittwoch und Sonntag kommt„Die vcrsunlene Glocke" zur Aufführung; Freitag:„Nora" mit Agnes Sorma in der Titel- rolle. Als Nachmittagsvorstellungen bringt dieser Sonntag„Faust", der nächstfolgende„Moritnri", beide Borstellungen mit Josef Kainz.— Das Berliner Theater kündigt für die kommende Woche folgenden Spiel- plan an:„Tante Jette" wird an beiden Sonntagen, außerdem am Dienstag und Donnerstag gegeben.„Faust"(mit Otto Sommerstorff, Teresina Gcßner, Ludwig Stahl) erscheint einmal, am Montag,„Renaisiance" zweimal, am Mittwoch und Sonunbcud, und als 3. Abonnements- Bor- stcllung ist„Kaiser Heinrich" für Freitag angesetzt. Nachmittags-Borstellungen zu volksthümlichen Preisen finden statt: Sonntag, den 19. September:„Die Jungfrau von Orleans", und Sonntag, den 26.:„Die Maschinenbauer". Das Lessing-Theater kündigt für den Freitag dieser Woche die erste Aufführung von Hermann Bahr's Komödie„Das Tschapcrl" an, welche so- dann am nächsten Sonntag zum ersten Male wiederholt wird. Der weitere Wochen-Spielplan ist folgendermaßen festgesetzt: Am Sonntag gelangt nach- mittags„Komtesse Guckerl" mit Jenny Groß in der Titelrolle, am Abend „Abu Seid" und„Das zweite Gesicht" mit Adolf Klein zur Aufführung. Ernst v. Wolzogen's Komödie„Unjamwewe" wird am Montag und Donnerstag wiederholt, am Dienstag wird„Die goldene Eva" und ani Mitt- woch„Die Ehre" mit Adolf Klein als Graf Traft gegeben, während der Schwank„Zwei Wappen" von Oskar Blumenthal und Gustav Kadel- bürg am Sonnabend in den Abend- Spielplan des Lesfing- Theaters wieder aufgenommen wird. Als Nachmittags-Borstellung zu ermäßigten Preisen gelangt am nächsten Sonntag„Nathan der Weise" zur Aufführung. — Der Schwank„Die Einberufung" bleibt auch in der kommenden Woche auf dem Repertoire des Residenz-Theaters. Sonntag findet die erste Nachmittags-Vorstellung statt, zur Auffübrung gelangt dabei Sardou's „Odette" mit Marie Frauendorfer in der Titelrolle und Direktor Brandt als Clermont-Latour.— Spielplan des N e u e n T h e a t e r s. Sonntag Nachmittag 3 Uhr, zu halben Preisen:„Die Waise von Lowood"; abends 71/2 Uhr:„Die Abrechnung"(„La Doulonreuse"). Montag und folgende Tage:„Die Abrechnung". Sonnabend, den 25. d. Mts., zum ersten Male:„Aschermittwoch", Schwank in 3 Akten von Hans Fischer und Josef Jarno; vorher:„Lieb' im Spiel", Lustspiel in einem Akt von Norbert Falk. Sonntag 3 Uhr, zu halben Preisen:„Der Hütten- besitzer"; abends 8i/z Uhr:„Aschermittwoch", vorher:„Lieb' im Spiel".— Im Gocthe-Tbeater ist der Wochen-Spielplan folgendermaßen zu- sammengestellt:„Ein Sonmiernachtstraum" acht an: Sonntag, Dienstag und Donnerstag in Szene.„Im Dienst der Pflicht" ist ebenfalls dreimal angesetzt, und zwar als Abonnemcntsvorstellung für Montag, sowie für Freitag und als Nachmittagsvorstellung für Sonntag, den 19. September. „Der Meeres und der Liebe Wellen" wird Mittwoch gegeben, und am Sonn- abend findet die Erstaufführung deö Zlnzengruber'schcn BolkSstücks»Das vierte Gebot" statt. Endlich wird„Maria Stuart"(Maria Pospischil in der Titelrolle) am Sonntag, den 26. September als Nachmittags Vorstellung in Szene gehen.— Im Theater Unter den Linden, wo der große Offenbach-Zyklns unter der lebhaftesten Theilnahmc des Publilums bcgoniicii hat, bleibt diese ganze Woche hindurch die Operette„Perichole", die seit Jahrzehnten in Berlin nicht mehr gegeben wurde, auf dem Repertoire.— Im Thalta-Theater findet am Dienstag, den 21. d. Mts., die Erstauf- führung der Vaudeville- Operette„Das Krokodil" von Oskar Walther, Musik von Adolf Ferrou statt.— Im Schiller-Theater kommt Sonntag Nachmittag 3 Uhr Shakespcare's„Romeo und Julia" zur Aus führung. Abends 8 Uhr geht das vicraktige Lustspiel„Die Kinder der Exzellenz" von E. v. Wolzogcn nnd W. Schumann in Szene. Wieder- holungcn von Anzengrubcr's Bauernkomödie„Die Kreuzelfchreiber" finden Montag und Mittwoch statt. Dienstag wird„Madame Bonivard" gegeben. Donnerstag ist die erste Aufsührung von„Ein Tropfen Gist", Schauspiel in 4 Akten von Oskar Blumenthal, Freitag wird diese Borstellimg zum ersten Male wiederholt. Für Sonnabend ist Grillparzer's Lustspiel„Weh deni, der lügt" angesetzt, und vorbereitet wird die Posse„Kyritz- Pyritz".— „Geschwister Fiebig", das gegenwärtige Repertoirestück des Luisen- Theaters, erfährt in der Sonntags- Vorstellung eine Neubesetzung. Frl. Gertha Senden wird die„Jule" und Frl. Margarethe Vorköpper die „Adele" spielen. In der nachmittags 3 Uhr begimieiiden dritten Volks- Vorstellung von„Egmont" tritt statt Frl. Reimann Frl. Marie Holgers als „Clärchcn" auf, dieselbe gastirt auch am Montag in der gleichen Partie.— Im O st e ii d- T h e a t e r gelangt heute zu kleinen Preisen als Nachmittags- Vorstellung„Berlin, wie es weint und lacht" zur Aussührung. Abends geht das Zeitgemälde„Jungbronnen" um 7i/z Uhr in Szene.— Die Kräfte des Zlpollo-Theaters treten heute Sonntag wiederum zu einem aus- erlesenen Programm zusammen. Prinzessin Pocahuntas und Chretienni, der internationale Humorist, der Affe am Trapez und die Phoites mit ihrer Mephisto-Pantoiiiime, die 9 Heiiizelinännchen und das Schmidt-Trio und die anderen alle biete» ihre Glaiizmimmem. Ter Staatsanwalt und der Kampf gegen Nngesetzlich- leite» der Nnternetzmer. Ein neuer Versuch der k ö n i g- liche» Staats« 11 iv altschaft, den ZZ 152 und 153 der Geiverbe-Ordnung eine weitere Anwendung zu geben, als wie dies nach dem klare» Buchstaben des Gesetzes zulässig ist, scheiterte gestern an der nblehiiendeii Haltung der vierten Straskamnier am Land- gericht II. Der Schlosser Hermann B n r 0 w s k i war wegen Vergehens gegen die genaiiiilen beiden Paragraphen angekiagt, vom Schöffengericht aber freigesprochen worden. Dagegen legte die Staats- anwalischast Berufung ein und stützte dieselbe ans eine ihrer Mciniing nach unrichtige Ansleguiig des Wortlaules der an- gezogenen gesetzlichen Bestimminigeii. Der Angellagte arbeilele in der Fahrradfabrik„Sumuvogcl" zu Halensee. dein Herrn G r ü t l n e r gehörig. Im Frühjahr drohte in der Fabrik ein Streik auszubrechen. Ein Arveilerausschuß hatte mit dein Chef wegen Absiellniig gewisser Mängel, nanieiitlich sanitärer Art iinlerkaiidelt. Bald darauf wurde der Führer des Ausschusses ohne Sliigave von Gründen entlassen. Die Arbeiter erblickte» hierin eine Maßregelung, sie erklärten sich mit dem Enllasseiie» solidarisch und wollten sämnitlich die Arbeit einstellen, wenn die Entlaffiing ihres Kollegen perfekt werden sollte. Es kam aber nicht dazu, denn der Emlnssene, der sofort bessere Stellung gefunden halte, lehnte eine Wiedminstellniig ab. Nun ergab dieBcweisanfnahme nicht allein diesen Thalbestand, sondern auch noch folgende Momente: Es handelte sich nicht nm„Vereiiiignnge» n»v Berabiedniigen", sondern erst um eine vorläufige Erörlerung einer möglicherweise eintrelenden Eventualität. Es handelte sich ferner nicht um„Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen", sondern nm Wieder- eiiistellniig eines Kollegen, und endlich hatte es sich bei der ganzen Angelegenheit nur nm B e s e i t i g n n g ungesetzlicher sanitärer Miß st än de und Herbei- führung gesetzlich vorgeschriebener Schutz- Vorrichtungen im Interesse des Lebens und der Gesundheit der Arbeiter gehandelt. Trotzdem NUN in der ersten Instanz„Drohungen" nicht nachgewiesen norden sind, die sich der Angeklagte seinen Mitarbeilern gegenüber angeblich halle zn schulden kommen lassen, beantragte der SlaatsanivaU neue Beweiserhebung nach dieser Richtung hin. Der Gerichtshof hielt diese Beweiserhebung für überflüssig, sobald eine „Verabredung zum Zweck der Erlaiiginig günstiger Lohn- nnd Arbeilsbediiigiiiigen" nicht vorliege, der Slaatsanwalt erklärte aber, daß er jede Verabredung der Ar- beiter in bezug auf das Arbeitsverhältnih unter die angezogenen Paragraphen bringe, da man den Begriff„günstige Lohn- und Rrbeitsbedingungen" nicht z u e ii g n 11 d nicht z ii w ö r t l i ch auffaffen dürfe, als könne es sich nur um momentane Besserungen handeln. Solche Verbesserniigen lassen sich durch„Verabredungen und Vereiiiigniigen" auch für die Ziikunst anbahnen und ein solches Ziel habe hier vorgelegen, als man den Chef an der Entlassmig eines Arbeiters verhindern wollte. Der Gerichtshof bedeutete in Gemeinschaft mit dem Verlheidiger Rechtsanwall Heinemann dem Staalsanwalt, daß seine Ausfassung eine irrige sei. Die Berufung wurde verworfen und dem Angeklagten sollen auch feine baaren Auslagen der zweiten Instanz einschließlich der Gebühre» des Vertheidigers aus der Staalskaffe ersetzt werden. VevNumnlnngen. Der Verband aller in der Kiirschnerbranchc beschäftigten Arbeite?»nd Arbeiterinnen hielt am 13. d. M. seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab, in der Dr. Joel einen Vortrag hielt, welcher mit Beifall aufgenommen wurde. Alsdann wurden die vom Vorstand vorgeschlagenen Bücher zur Vergrößerung der Bibliothek von der Versammlung genehmigt. Betreffs eines gemeinschaftlichen Besuchs der Sternwarte(Urania) wird der Vorstand damit betraut, um weitere Schritte zu thun. Ans Anregung mehrerer Kollegen wird das Mitglied Glaser aus dem Verband ausgeschlossen. Spandau. In einer öffentlichen Volksversamm- lung, die am Donnerstag in der Pichelsdorfer Brauerei ver- austallet wurde, referirte Genosse M e tz n e r- Berlin über die Roth- wendigkeit der gewerkschaftlichen und politischen Organisation. G B aner-Berlin entrollte hieran anknüpfend ein trübes Bild über das ivirlbschaflliche Elend der Spandauer Bnreau-Angestelllcn(der giechisanwälte und schilderte insbesondere einige ganz besonders krasse Fälle von Ausbeiitniig menschlicher, hauptsächlich jugendlicher Arbeitskräfte. R i e g e r- Spandau ergänzte diese Schilderung durch eine Menge Thatsachenmaterial ans den Bureaus der Rechts- anwälle Dr. Baumert nnd Dr. P e t 0 n g und appellirte schließlich an die Arbeiterschaft, die Bestrebungen der organisirlen Schreiber thatkräftig zu unterstützen. Einstimmig wurde hierauf eine Resolution angenommen, in welcher die Versammelten die wahr- Haft menschenuiiivürdigen Lohn- nnd Arbeilsverhältnisse,»anient- lich in den Bureaus der beiden geiiamilen Anwälte, auf das ent- schiedenste verurlheilen, den organisirten Bnrean-Angestellten ihre volle Sympathie erklären und eine schleunige Abhilfe auf gesetzlichem Wege fordern.— Nachdem noch Genosse T r 0 m p l e r den Verivaltnngs- und Genosse N a tz k e den Kassenbericht des Kartells erstaltet hatten, wurde die imposante Versammlung geschlossen. Adlershof. In der am 16. d. M. stattgefnndeiien General- Versammliing des„Sozialdemokratischen Arbeiier-Bildungsvereins" gedachie Genosse W a d e p n h l des verstorbenen Genoffen Eschen- Hagen in anerkeiinenden Worten und ehrten die Versammelten das Andenken desselben in üblicher Weise. Ans dem Vorstandsbericht ist hervorzuheben, daß im letzten Halbjahr fünf Versammlungen statt- fanden und daß trotz Saalueriveigernng u. f. iv. die höchste Mit- gliedcrzahl seit Bestehen des Vereins erreicht wurde. Ebenso erfreu- lich ist der Kassenstand, der bei einer Einnahme von 172,29 M. und einer Ausgabe von 66,40 M. jetzt einen Bestand von 105,80 M. aufweist. Die Vorstandswahl ergab folgendes Resultat: Hanne- m a n n, 1. Vorsitzender; Büttner, 2. Vorsitzender; Besser» in ö n ch, Schriftführer; Neu 111 an», Kassirer; Bau« 111 a n n, Beisitzer. Außerdem Genosse Eulitz als zweiter Kassirer und die Genossen Karl Weber nnd Lehmann als Revisoren, Zufelde nnd Kusinsky als Bibliothekare. Unterm zweiten Punkt der Tagesordnung ivurde dem tz 3 des Statuts der Satz: „Die inonatlicheii Beiträge werden, sobald dieselben nicht in der beireffenden Moiiatsversannnlung entrichtet wurden, vom Vorstande persönlich einkassirt" hinzugcsügt. Bom Genossen Hanne 111 a n n wurde dann beantragt, dem Vertranensmaiin 30 M. zn überweisen, was auch einstininiig Annahme fand. Ferner beschloß die Ver- sammliing, in den nächsten Wochen einen Ausflug zn machen und überließ dem Vorstand, Zeit nnd Ort desselben bekannt zu geben. Ein Antrag, die Treptower Sternwarte zn besuchen, wnrde dem Vorstand zur Berücksichtigung überiviesen. Vom Genossen Görke-Charlottenbnrg geht uns ein Schreiben zu, in welchem er sich gegen den in einer Stuckateur-Ber« s a m in lung gegen ihn gerichteten Vorivurf wendet. In jener Ver- saminliiiia war behauptet worden, daß Görke versprochen habe, am betreffenden Abende zu referiren. Dazu schreibt Görke:„Der Stnckaleur Daschütt ersucht« mich anfangs v. W., das Liescrat in oben- erwähnter Versaniiiilnng zu nbernehiiicn. Ich sagte nur bedingungs- weise zu. und zwar mit der Einschränkung, daß ich nur dann mein Versprechen würde einlösen können, wenn eine andere Körperschaft, der gegenüber mich früher eingegangene Verpflichtniigen banden, meiner am gleichen Abende nicht bedürfen würden. Am Donnerstag Mittag, also 2 Tage später und 5 Tage vor der Versammlung theilte ich dem Genossen D. mit, daß ich das Referat nicht übernehmen könne, erklärte mich aber gleichzeitig bereit, einen Referenten zu be- stellen. Da dies(niiter Zeugen) abgelehnt wurde, hielt ich die Sache für erledigt, indem ich noch versprach, falls es gewünscht würde, in einer der nächsten Versammlungen zu sprechen." Die in der Versammlung gefallene Aenßerung:„Parteigenossen, welche es früher nicht verschniähten, in den kleinsten Arbeiler» Versammlungen zu reden, wären jetzt nicht mehr zu haben, seitdem sie einen gesicherten Boden in der Partei gefunden haben", weist G. für seine Person entschieden zurück. Er habe niemals„einen ge- sicherten Boden" in der Partei gesucht, füglich auch nicht ge- sunde». Zchlendorf. Am 17. September sollte hier eine öffentliche Parleiversammlung im Lokale von Dohrmann staltfinden, zu der Genosse Wagner- Berlin das Referat übernommen hatte. Im Gegensatz zu früher halte auch der Amlsvorfteher Milinowski die Bescheinigung ertheilt. Aber das Volk denkt und der Herr Amtsvorsteher lenkt! Als die Bureauwahl vor- genommen werden sollte, erklärte der anwesende Gendarm die Versammlung für aufgelöst. Darüber befragt, gab er als Grund an, daß das Lokal den polizeilichen Anforderungen nicht entspreche. Wohl oder übel mußten die Anweseiiden das Lokal räumeii. Selbst- verständlich wird auch in diesem Falle der Beschwerdeweg beschritten werden, um in Erfahrung zu bringe», auf gruiid welcher Ver- ordnung die Auflösung der Versammlung erfolgt ist. Die Arbeiter- schnft in Zehlendorf hat bekanntlich wiederholt gegen die eigen- thümlichen Gewohnheiten des Amtsvorstehers Milinowski mit Erfolg prozessirt. zuI>-lt»e-KIIi»n,(i«>'>Ii>!l». Der NnterrUht beginnt in Natlonalötonomie. «elchickte mid fflefefrStmibe am 13. Ollober, abends W Uhr. JnseMr. 10, v. üTr. ctlm■"''.--._-------- Th »ebiner weiden schon jetzi ausgenoiniiien In folgende» SteNen: Gollsr. Schulz, «lewert, Admiialslr. 40«; Bleut, Barnimsir. 42; Schiller, RofeiNhalerflr. 67; wlüllerfir. 7a; Paul Mücke, Manteuffelslr. Ii«; H. König«, Tiefsenbachstr. go. BUK' Züschrtslen fyib a» de» Vo fipnidcn Paul Mücke jr., 80. Man- tensselftr. I»8, iSeldsenbungen an den Kassirer H. Köntg«, S. DIessenbachstr. e», zu lende». Sonnlag, de» is. September, abend« 7 Uhr, in Feuerstein'« Festsälen, Alle Jälobslr. 75■ Vortrag de» Senossen Dr. Conrad Echmidl über: Karl Marx. Elnlrltt 10 Pf. Ucrrl» deutscher Schnhinacher. Montag, den 20. September: Zahlstille l bel Feind, Weinsir. II. 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Die Finna Roscnfeld Ar Cle. zahlt auf dem Bau Werthclm, Leipzigerftraste, den Tarif nicht. Zuzug nach obigen Werkftellen ist fernzuhalten. 293/6 Die OrtSverwaltung. Die Former«nh Kernmollier der Finna SV Borsig"VS, haben Montag, den 23. August wegen Lohildifferenzeu die Arbeit eingestellt. Zuzug»ach betreffender Finna ist streng fernzuhalten k L.Müller, Gerichtsstr. 31, Vertrauensmann.[63/4* Achtung, Korbmacher Die Werkstätten von Aneion n I Die Werkstätten von Aneion«. Co. (Jnh. Starke), Wilhelmstr. 123, sowie Schmidt u. Co., Krautstr. 6, sind gesperrt. Zuzug ist steng fernzuhalten. 283/10 Der Borstand. Ges. per sof. tüchtiger Ballschuh- Arbeiter. K. Michaelis u. Ko., Ballschuhfabrik, Hamburg, Schönstr.1. Well- l-angnettererlnnen verlangt S ch w e d t e r!st r. 1, 2 Tr. r. Arbeiterinnen ans Jackets außenn Hause verl. M. Deutschbein, Wrangel- sttafie 86, v. 3 Tr., früher 91. sOOlb Wir suchen tücht. Schloffergesellen. Otto Grund u. Ko., Gertrandtenstr. 1. Miitimi dem Haus« sucht M. 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Nur erfährt man davon so gut wie nichts, da das dortige Unternehmerthuin die Oeffenilichkeit scheut, wie der Dieb den Tag. Wir wissen blos, daß nirgends jedes Aus- keimen einer selbständigen Zlrbeiterbeivegung brutaler niedergehalten wird, als in der Hochburg des industriellen Grundadels. Die ganze unwürdige Situation, in der die Arbeiterbevölkerung Oberschlesiens seufzt, wird mit einem Schlage grell beleuchtet durch die Nachricht, daß die gesammte Belegschaft der Jenny> Otto- Grube, gegen 700 Mann, die seit Ende voriger Woche die Arbeit eingestellt haben, ans grund der Gewerbe- Ordnung wegen Ungehorsams entlassen worden ist. Auf eine durchaus berechtigte Lohnforderung wird mit einer brutalen Gewaltmaßregel geantivortet. Der Streik der'Arbeiter auf der Grube Jenny- Otto i st be- rechtigt. Darüber kann kein Zweifel sein. Wer die Löhne Ober- schlesiens kennt, der wird den dortige» Arbeitern ohne weiteres die Berechtigung zu Lohnforderungen zugestehen. Er wird dies uin so eher thnn, wenn er weiß, daß gerade die Arbeiter der Zinkerz- gruben die fordernden sind. Diese Kategorie der Bergarbeiter müssen unter den allerungünstigsten Verhältnissen arbeiten. Es ist «ine unumstößliche Thatsnche, daß diese Arbeiter schon in verhältniß- mäßig jungen Jahren„bergserlig", invalide werden. Schon nach Verlauf von 1—2 Jahren verliert der Mann sein frisches Aussehen, die Haut wird blaß und welk, die Körperkräfte gehen zurück und bald ist er nicht mehr im stände, in der Grube»och seinen Ver- dienst zu finde». Dabei verdienen diese Leute auf der Grube, wo der Streik ausgebrochen ist, nicht mehr als im Durchschnitt 700 M. pro Jahr. Trotz alledem haben die Arbeiter bisher ihre Gesundheit zu Markte getragen, sie haben gehungert und gedarbt, ohne daß ste in eine Lohnbewegung eintraten, bis dieses Jahr der Bund der Land- ivirthe und die weise preußische Regierung die künstliche Ver- theuernng des Schweinefleisches in Oberschlesien herbeigeführt haben. Der Hungertyphus klopft zwar schon hörbar an die Pforten der Benthcner Gegend, aber was kümmert dieses Symptom der Roth den Bund der Landwirthe? Niederer Lohn und steigende Lebensmittelpreise zwangen endlich auch den oberschlesischen Zlrbeiter den Lohnkampf auf. Selbst die Verlretimg des oberschlesischen Nnternehinerthums, der Oberschlesische Berg- und Hültenverein, muß offiziell zugestehe», daß die Berlheuernng der Lebensmittel von der oberschlesischen Arbeiterbevölkerung ohne Beeinträchtigung ihrer Arbeitskraft und Gesundheit unmöglich getragen werden könne. Freilich, an eine Lohnaufbesserung denken die Unternehmer nicht, obgleich ihre Werke brillante Geschäfte gemacht haben. Greifen wir gerade jenes Werk zur Illustration heraus, das die 700 Arbeiter wegen Ungehorsams auf die Straße geworfen hat. Es ist die Schlesifche Allicngefellschaft für Bergbau und Zinkhütten- betrieb, die mit einem Kapitale von 23 Ve Millionen Mark arbeitet. Noch vor zehn Jahren waren die Aktionäre mit einer Dividende von 6 pCt. zufrieden. Im Jahre 1837 aber ging eine Dividendeujagd los, die nur auf Kosten des Arbeiterverdienstes Erfolg haben konnte. Es sind ganz exzeptionelle Dividende» vor- theilt ivorden, ganz abgesehen von den ans dem Gewinne erfolgte» Vergrößerungen der Anlagen, von den gemachten Abschreibungen und Reserven. Es wird in Deutschland nicht leicht eine zweite Gesellschaft ähnlichen Charakters zu finde» sein, die gleich hohe Dividende» im Laufe des letzte» Jahrzehnts vertbeilt hat. Es betrugen nämlich die Dividenden dieser Gesellschaft: In weniger als neun Jahren also haben die Aktionäre ihr Kapital in Form der Dividende wieder zurückerhalten. Das ist ein so horrender Gewinn, daß eine Aufbesserung der Arbeiterlöhne eigentlich zu den Selbstverständlichkeiten der Gesellschaft gehören müßte. Hätte das Kapital sich nur halb so gut verzinst, die Aktionäre wären noch innner in einer beneidensmerthen Lage gewesen. Und die Direktion dieser Gesellschaft, die in der geschilderten Weise Dividenden verlheilt hat, deren Höhe an Wucherzinsen erinnern, hat den Muth, ihre erbärmlich entlohnten Arbeiter auf die Straße zu werfen, weil diese sich„angemaßt" haben sollen, höheren Lohn zu erzwingen. Was müssen das für Aktionäre sein, die auf diese Weise zu einer hohe» Dividende kommen wollen? Wir kennen sie nicht, aber sie wäre» werth, an den Pranger gestellt zu werden, weil sie solche Brutalitätsakte als berechtigt zulassen. Doch halt, verantwortlicher als die Aktionäre bürste wohl der Aufsichtsrath der Gesellschaft sein. Und dessen Mitglieder kennen wir. Es gehören ihm unter anderen an: Guido Graf Henckel von Donnersmarck, Kamnierherr von Helldorff, Herzog von Grnmont in Paris, Generalkonsul Russell in Berlin, Präfekl Salles in Paris, Marquis de Beauvoir in Paris, Abgeordneter Heinrich Prinz Schönaich- Carolath, Arntitz bei Guben, Abgeordneter Landralh v. Kardorff, Wabnitz bei Oels. Es genügt, die Namen zu nennen, um sofort erkennen zu laffen, wie nationale und politische Unterschiede gegenüber der gemeinsamen Profilsucht hinfällig werden, wie das internationale Unternehmer- thinu, Großgrundbesitzer und Industrielle, Bankdirektoren und Beamte einig sind in dem Bestreben, jede Verbesserung der Lage des arbeitenden Volkes selbst in den aNerdringendsten Fällen hintanzuhalten, um sich auf Kosten der Arbeiter zu bereichern. Es wäre höchste Zeit, wenn die oberschlesische Arbeiterschaft endlich aus ihrem dumpfen Schlafe erwachen und sich der modernen Arbeitsrbeivegnng anschließen würde. Die Vrotlosmachung der 700 Streiker wird ohne Zweifel viel böses Blut machen, um so mehr, als noch in anderen Orten die Roth und die Unzufriedenheit groß sind. Es ist möglich, daß die Direktion der Schlesischen Aktiengesell- schaff für Bergbau und Zinkhiittenbetrieb ohne Wissen des Aussichls- ralhes und ohne von ihn» beauftragt zu sein, bei der Aussperrnng der Siebenhundert gehandelt hat. In diesem Falle träfe die Herren vom Aussichtsrath, was den jetzigen Fall betrifft, zunächst ein Vor- wnrf nicht. Nachdem sie aber nunmehr ans de» Zeitungen den Thatbestaud erfahren haben, wird man mit Spannung darauf warte», ob die Herren Kardorff, Henckel von Donnersmarck, Schönaich- Karolath sich bewogen fühlen werden. Schritte zu ergreifen, um die brutale Maßregel der Geschäflsdirektoren rückgängig zu machen und die geforderte und berechtigte Lohnerhöhung bewilligen werde. Unterlassen sie es. in diesem Sinne zu wirke», so machen sie sich zu Mitschuldigen eines in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung glücklicherweise immerhin noch seltenen Brutalitätsaktes. Nachdem»vir diesen Artikel erhalte» habe», geht durch die Presse die Mitlheilnng, daß von der Jenny-Otto-Grube zivei B-triebsführer versetzt sind. Ob diese Versetz, mgen ein Entgegeukommen gegen die Arbeiter ivar, ist nicht recht ersichtlich, wohl aber anzunehmen, da die Arbeiter über schlechte Behandlung itts Jmiirls" Klage sührlen. Die Belegschaft hat darauf um Annahme ersucht. Bis auf 40 Mann find auch alle»vicder angenommen worden. Wäre» die Bergiverke nicht überaus beschiänkt im Heranziehen neuer Arbeitskräfte, da gegeiuvartig ein starker Mangel an Arbeitskrästen vorhanden isi, sie hätten gewiß auch diese kleinen Zugeständnisse der unorgauisirten Arbeiterschaft nicht gewährt. Hier isi von der Ge- iverkschasl noch ein gutes Stück'Arbeit zu beu'ältige»! Nicht eher können die Arheiter von diesem Druck mächtiger Unternehmer befreit werden, bis sie in ihrer Berufsorganisation den Rückhalt gefunden habe». Der Ausstand scheint sich auch über die russische Grenze aus- gedehnt zu haben. Der„Köln. Ztg." wird nämlich geineldet: „Der Ausstand auf der G e o r g- G r u b e zu N i w k a schien beendet, da die Verwaltung den Bergleute» die Zusicherung gemacht hatte, daß eine Invaliden-, Pensions- und Wittlven-Unterstütznngs- lasse gegründet werden solle. Die Ausständigen verlangen aber Bürgschaften für die Getvährung dieser Kasse». Es wurden Ver- Handlungen gepflogen, denen der Landralh zu Bendzin und ein Gouvernemeulsvcrtreter aus Petrikan beiivohuten, und bei denen der Bevollmächtigte der Ausständigen erklärte, daß die Bergleute keine Lohnerhöhung verlangten; sie wäre» auch bereit, höhere Bei- träge als bisher zu den geforderten Kassen zu zahlen, wenn die Subventionen aus jenen Kassen entsprechend erhöht, verde». Die Forderungen der Arbeiter sollen schnell geprüft und beivilligt werden. — Von, 16. d. M. wird dann weiter gemeldet: Auf der Georg-Grube verhinderte der zur Weiterführung des Ansstandcs entschlossene Theil der Belegschaft die arbeitende» Bergleute geivaltsan» an der Einfahrt in die Grube. Eine Kosakenabtheilung verhinderte„tveitere Ausschreitungen"!!_ M ttkevnrtzutrr-Me vbii nd e. Die amerikauischc» Glukose-Fabrikc» sind in der Trust- bildnng begriffen. Die Fabriken beschäftigen sich damit, aus Mais Mucker herzustellen. Ueber die Kartellbildung giebt die„Neiv-Iorker Vandels-Ztg." folgende Darstellung: Die neue Korporation ist mit einem Kapital von 40 000 000 Doll. gegründet, welches sich in 7 pCt. Prioritätsaktien für 14 000 000 Doll. und gleich hoch verzinsliche Stammaktie» für 26 000 000 Doll. theilt. Man darf ailnehme», daß erster« alles lhatsächlich investirte Kapital decken, während letztere zur Profit- vertheilung bestimmt sind. Um irgend welchen gesetzlichen Schivierig- keiten zu entgehen, hat ein Ankauf der sechs Hauptfabriken des Landes stattgefunden. Die Gesannntkonsnmfähigkeit dieser sechs Fabriken stellt sich somit per Tag auf 101 000 Büschel Mais. Zur Ersparung der Unkosten werden sämmtliche Fabriken einer Leitung unterstellt, verde», und obgleich die Jnkorporirnng unter den Gesetzen des Staates Neiv-Jersey stattgefunden, wird die Geschäslslcitung von Chicago aus erfolge». Da nur zwei kleine Fabriken nicht absorbirt worden sind, die sich voraussichtlich jedoch dein von der Kvmbinatio» bestimmten Marktpreise anbequemen »verde», so»vird der neue Trust die gesammte Glnkose-Produktio» des Landes kontrollire». Bei den großen Kosten und der langen �eit,»velche die Errichtung, bei der Erfahrung,»velche der Betrieb einer Glukose-Fabrik erfordert, soivie bei dem durch Patente ge- schützte»» Verfahren, glaubt der Trust Konkurreuz nicht befürchten zu brauche». Der Plan schließt den jährliche» Konsum von 31 000 000 Bushel Mais ein. Innerhalb 24 Stunden, nachdcin öffentliche Aufforderung zur Konsortialbetheiligung ergangen»var,»var Neiv-Aorks Aulheil au dem Aktienkapital bedeutend überzeichnet und»veist die neue Anlage heute schon eine Avance von 23 pCt. auf, was eine»» leicht und schnell erzielte» Profit von 10 000 000 Dollar entspricht. Allerdings ist atlch der Preis des Artikels seil Anfang Juni von 78 Cts. aus 1,60 Dollar per 100 Pfd. gestiegen, und sollte der Trust im stände sei», diesen Preis anfrecht zu erhalten, so»vürde derselbe bei einen» Jahres- Produkt von 1 240 000 000 Pfd. einen Reingeivinn von 9 000 000 Dollar liesern. gegenüber einem Reinverlust von 1 240 000 Dollar nnter dein frühere» Preise, indem die HersteNnngskoste» per lOOPsd. sich nachweislich auf 63 Cts. stellen. Vor»och»venigen Jahre»»var der Preis von Glukose 7 Cts. pro Pfund; vor sechs Monate» notirte der Artikel dagegen iiilr �Cts.,»nährend die gegenwärtige Notiruug 1,6 Cts. lautet. Beinerkensiverlh ist eine neue Erfindung,»velche der Glukose-Fabrikation eine»veitere reiche Einnahniequelle erschließt. nämlich die von Professor Maaß in New-Iork entdeckte erfolgreiche Methode zuin Rasfinire» des bisher nur in rohen» Zustande ge- handelten Nebenproduktes, des Mais-Oels. Die neue Erfindung ist durch die Ainerikan Glukose Co. in Peoria, Jll., erfolgreich ein- geführt»vordeu, und erzielte dieselbe»nit ihren» Produkt einen Preis von 3,63 Doll. per 100 Pfund, gegenüber dein Marktpreise von 2,38 Doll. für rohes Mais-Ocl. Da»im die sechs vom Trust an- gekauften Fabriken täglich 600 Tonne» oder 240 000 Pfund Mais- Ocl liefer», könnten sie bei einen» Profit von 93 Cents per 100 Pfd., mit rasfinerireil dieses Nebenproduktes ihren Neingelvinn täglich um 2232 Doll. oder per Jahr um 800 000 Doli, erhöhen." A» das Walzdraht- Syndikat haben sich die niddeutsche» Werke und die Oberschlesische Eiseiiiiidnstrie-Gesellschaft augeschloffen. Die Bedingungen lauten bis zun» I. Oktober 1893. Ein Antrag auf Erhöhung der Preise wurde abgelehnt, und-zivar auch in Rücksicht auf die Bildung des Drahtstift- Syndikats. Für das erste Viertel- jähr 1693 soll die Tonne mit 3 M. Aufschlag verkauft werden. Der Anschluß au die französischen und belgischen Werke scheint vor- läufig aussichtslos. Soziale VeiljtsMege. Ei»„anfgehetzter" Lehrling. Der Formerlehrling W. ist ein Böse>vicht sondergleichen,»ven»»na» Herrn Dr. K»i h u e in an», dem berufenen Vertreter der Firma Roessemann u. Kühnenian», glauben»vill. Der Lehrling hatte die Firma beim G e- »verbegericht verklagt. Er verlangte 36 M. Spargeld und eine Lohnentschädiguug»vege» unberechtigter Entlassung. Natürlich war die Entlassung nicht nur auf grund des Lehrvertrages zu recht erfolgt, sondern die Firma konnte auch daraus einen sehr berech- tigten Anspruch aus das Spargeld herleiten. Bei der— Akkuratesse im Ausarbeiten von Verträgen, die unsere MetallindustrieUen nun einmal i» genialer Vorausahnnng aller Möglichkeiten aniveuden, ist es ja einem junge» Menschen rein unmöglich,»vährend einer mehrjährige» Lehrzeit an den 8 T. U. Z ohne Anstoß vorheizukoillinen. So konnte sich denn auch Herr Dr. Kühnemani» für jede seiiwr BehanpUingen auf so und so viel Paragraphen berufe». Und an Behauptungen fehlte es nicht. Zum Beispiet: Kläger habe sich»viederholl ungebührlich benommen,»vährend er doch nach den» Vertrage ein ordentliches und gesittetes Benehmen an den Tag legen sollte. Und gerade»vährend des Formerstreiks,>vo es schon so schiver geivesen sei, mit de» Lehr- linge» die Ordnung in der Gießerei einigermaßen ausrecht zu er- halten. Wahrscheinlich sei er von de» streikenden Former» beeinflußt ivorden. Kläger habe die Ordnung i» der Gießerei damals arg gestört. Er habe sich mit den andere» Lehrlinge» geprügelt— fünf- zehn»varen da—. habe sie in jeder Weise von der Arbeit ah- gehalten und ihnen ihre Arbeit»nnthivillig verdorben. Die Zeugen- aussage des Formerineffters Echoppa» fiel zu Ungunsten des junge» Mannes auS, der seinerseits behauptete, er sei von Schoppan sogar »nal niit einer E i f e» st a n g e geschlagen worden. Wenn auch das Zeugniß des Meisters nur ergab, daß Kläger die„Dummheiten" der»leisten seiner Altersgen offen begange» hat,»var doch gegen den fein detaillirten Vertrag nicht mehr mit Aussicht auf Er- folg anzukämpfen. Der Vertreter des Klägers verzichtete, so schiver es ihm fiel, auch auf das aus Kostgeld-Beiträgen zusaminengesetzte Spnrgeld und nahm die Klage zurück. Die verschiedene» Bestinnnungen über den Verlust des Spargeldes, erklärte Dr. Kühne- mann, feien das einzig durchgreifende Mittel,„die Jnngens" in Raison zu halten. Ssmltllg, 19.Stptmber 1897. Tie Zuständigkeit des Gewcrbegcrichts betrifft eine Eni" scheidung, die die Kammer III dieses Gerichts gefällt hat. Die Bild' Hauer M. und W- hatten bei ihren»'Arbeitgeber Gill! nicht fortdauernd Beschäftigung, sie übernahmen deshalb eine» Akkord für den Unter- nehmer Drößer. Infolge eines Streites»vegen der Bezahlung riefen sie gegen Drößer das Geiverbegericht an. Beklagter»vandte ein, das Gericht sei nicht zuständig, da die Kläger„selbständig" gearbeitet hätten. Sie seien nicht an bestimmte Stunden gebunden geivesen und er habe»veder' für sie Beiträge zur Alters» und Invalidenversicherung bezahlt,»och sie bei der Krankenkasse gemeldet. Beklagter giebt zu, das Material geliefert zu haben. Es»vurde dann von» Gericht festgestellt, daß Herr Gilli in der frag- lichen Zeit für die Kläger Versicherungsmarken geklebt hat. Der Gerichtshof»vies hieraus die Klage wegen Unzuständigkeit des Geiverbegerichts ab. Es fei anzunehme», daß M. und W.»ach wie vor zu Gilli in einen» Arbeitsverhällniß gestanden und für den Beklagten Dröße»in- aushilfsweise und selbständig eine Arbeit ausgeführt hätten, wie das bei Bildhauern üblich sei. In der Stellung ge- »verblicher Arbeiter befänden sie sich nur gegenüber Gilli, nicht aber gegenüber Dröße, da es»»»möglich sei, zugleich bei zwei Baute» in Arbeit zu steh». Nun sei aber das Geiverbegericht nur zuständig für geiverbliche Streitigkeiten zivische» Arbeitnehmern und ihren Arbeitgeber», für die vorliege Klage sei es also un- zuständig.— Die Berliner Bildhauer dürften mit diesem, voin Assessor Schmieder pnblizirten Urtheil schiverlich einverstanden sein. Wichtige NcchtSgrundsätze hat das NcichS-Versicherungsamt in der Unfallsache der Hinterbliebenen eines Kngelsuchers aus» gesprochen. Der Arbeiter Esch»var beim Kngelsnchen auf einein Militär-Schießplatz durch ein nicht krepirtes Geschoß tödtlich verletzt ivorden. Der Reichs-Militärfiskus lehnte es ab, seinen Hinler» bliebene» eine Unsallrente zu gcivähren, das Schiedsgericht und das Reichs-Versicherungsaml verurtheilten ihn jedoch dazu. Das Rekurs- gericht führte n. a. aus: Der Betrieb der Schießplatz-Verivaltlnig gehöre zu den Betriebe» der Heeresverivaltung, die der gesetzlichen Unfallversicherung unterlägen; die entgegengesetzte Auffassung des Fiskus sei rechtsirrthümlich. Entgegen der Meinung des Fiskiis sei auch in» vorliegenden Falle der Verunglückte als ein im Betriebe der Reichs- Militärverivaltung beschäftigter Arbeiter anzusehe». Es sei die Annahme des Fiskus falsch, daß es eineS förmlichen Lohnvertrages bedürfe, ein Dienstverhältniß zivische» de» Kugelsnchern und der Schießplatz-Verwallung herzu» stellen. Für das Zustandekominen eines solchen genüge es schon, daß die Beschäfligung eines Arbeiters für die Zivccke des Betriebes in einen» geivisse» persönlichen Abhängigkeitsverhält- nisse zu dem Betriebsunternehmer erfolge, durch»velchcs der Begriff des Arbeiters gekennzeichnet»verde. Diese Voraussetzung treffe hier zu. Zivcifellos liege daS Kugelsuchen in» Interesse des „Betriebes" der Schießplnh-Verivallitug. Nu» dürfe aber nicht jeder Kugeln suchen, der cs»volle. Die Vcrivallung suche sich vielmehr die Leute a»S, die sie zun» Suchen der Sprengstücke zulasse»»volle, und verleihe ihnen als Legitimalion eine Blechmarke. Außerdem stelle sie eine Reihe von Bedingungen für das Geschoßsltchen auf und behalte sich darin vor. den zugelassenen Personen bei lieber» tretungen geivisser j Vorschriften die Erlanbniß»vieder zu entziehe». Dazu komme»och, daß die Verivaltung genau bestinunt habe,>v i e das Kugelsuchcn vorzunehmen sei. Das alles lasse er» kennen, daß sie sich die Regelung und Ueberivachung der Thätigkeit des Kugelsuchens im»veitcsten Umfange vorbehalten»vollte. Hier- nach seien die Kugelsucher i» so hohem Maße von der Verivaltung persönlich abhängig geivesen, daß ihre Eigenschaft als Arbeiter der Vcrivallung den» Reknrsgericht nicht ziveifelhnst sei. Nun solle E. das Verbot, nicht zerplatzte Geschosse zu berühren, verletzt Hahe». Der Einivand sei hinfällig, weil das Verbot nicht wirksam durchgeführt sei. Dan» habe sich der Fiskus auf diejenige der„Bedingungen" der Schießplatz-Verivaltnng berufen, »vonach d i e K u g e l s u ch e r s e l b e r v e r a» t>v o r t l i ch sind für Beschädigungen infolge der Nichtbeachtung ihrer Vorschristen. Solchen zun, Nachtheil der Versicherten getroffenen Abiuachunge» oder Rcglemenis fehle jedoch jede rechtliche Wirkung, der Militärfiskus könne sich also ans jene Bedingung nicht berufen._ Briefkasten der Redaktion. Wir Mtle», bei jeder«tnfrage eine Chlgre fziuel Buchstaben oder etile gahl) anzugeben, unter der die»lnlwori erthetlt werde» soll. Tic juristische Tprechstundc findet am Montag- D i e n st a g und Sonnabend von k bis 7Vz ll h r statt!!! Litfin. Wir bestätigen Ihnen gern, daß die Veröffentlichung betr. die Metalldrücker nicht durch Ihre Schuld unterblieben ist. G. Niederaner. Das Wort hat natürlich gar keinen Sinn, war nur ein Nlk. I. N. 303. Saarbrücken war von 1381—1801 Hanhtstadt der Graf- schast Saarbrücken, von 1801—1813»var es französisch, von da an preußisch. Vom 2. bis 6. August 1870 war die Stadt von de» Franzosen besetzt. S. in D. Die Strafverfolgung ist seit dem 7. September verjährt. Beantragen Sie also gegen ctivaige Strnfbesehle richterliche Entscheidung. — Mehrere. Die Witiwe des Staatssekretärs Stephan bezieht eine Pension von 3000 M.— 00. 1. Nein. 2. Der Betreffende steht nicht in der Liste der Ansgeiviescnen.— W. 42a. Hat der Vater nicht lediglich für den erste» Dienst, svndc»-»» allgemein die Erlanbniß, sich zu vcrmiethen, crtheilt, so ist leider ein ohne Wissen der Eltern ztmschci» einem minder» jährige» Mädchen mid einem Agrarier geschlossener Gcsindevcrtrag giltig, Sprechen Sic gelegentlich in der juristischen Sprechstnndc vor: vielleicht findet sich ein Haken gegen den Betreffenden.— F. K. 81. An das Kriegs- ministeriuin oder a» den Landrath.— C. D. 100. Am 13. bis 12 Uhr nachts ist Zeit.— Charl. S. E. 1. Lehrlinge sind auch dam» kranken- versicheriiugspflichtig,»venn ste keinen Baarlohn, sondern nur freie Wohnung oder Kost erhalten. 2. Der Lehrling.— W. 100. Leider sind Sie an den Vertrag gebunden.— Müller. Verjährung ist nicht eingetreten. Des Wahlrechts sind Sie aber nicht verlustig gegangen.— H. E. Ja. — H. St.— e. So viel wir wiffcn, sind die beiden Gedichte verboten. Sie sind deshalb aber nicht selten anzutreffen. Sie dürften anfangs der siebziger Jahre zuerst veröffentlicht sein. Der Dichter»vor Arzt in Siebenbürgen. — G. K. Wüster. Sic müssen Ihre Absicht, aus der Kirche auszutreten, schriftlich dem Amtsgericht, in dessen Bezirk Sie»vohncn, mitthetlen uud Anberaumung eines Termins zur Eutgegennahine Ihrer Erklärimg be- antragen. Dann wird Termin anberaumt. In diesem»nassen Sic z» gerichtlichem Protokoll Ihren Austritt erklären. Kircheiistcucrn»lüsseii Sie bis Ablauf des auf Ihren Austritt folgenden Kalenderjahres»vciter zahlen. — Kühlig. 1. Gegen die Verfügungen vom 2. uild vom 3. September müsscn Sie Bcschlvcrdc einlegen. 2. Eine Weiterverfolgung wäre ausstchts- los.— Lolaroff. Sie köimteii auf Lieferung beim Aintsgericht klagen.— Scedorf. Sic werden, da Sie bestellt haben, zur Zahlung verurtheilt. Ihr Erscheine» im Termin ist daher zwecklos.— M. H. 1803. 1. und 2.: Ja.— Dossvw Mantel. Briefliche Antwort ertheilen»vir nicht. Sie sind zur' Zahlung verpflichtet, können aber auf Befreiung po» den nicht übernommenen Belastungen klagen.— Vergestlicher. In Breslau. — W. M. 2. Die Micthshöhe ist für die Besteuerung einflußlos.— Bergstr. 74. Die Zahlungen erfolgen monatlich. Ste müssen einen An- trag auf Rentenzahlung stellen(Fonnulare verkaust die Buchhandlung Vorwärts) und erhalten dann Bescheid.— A. B. In beiden Fällen bat der Boruiund das von ihnen beanspruchte Recht. Ihr Bruder kann sich aber an das Vormundschaftsgericht»venden.— N. S. Die Frist zur Ein- legung der Berufung in Schüffenstrafsachen beträgt nicht zehn Tage, sonder» eine Woche. Sie können unter Darlegung des Sachverhalts und Angabe der Zeugen Berichtigung des Protokolls und Zustellung des Urtheils be» antragen. Die Berufung muß aber innerhalb sieben Tagen nach Zustellung des Urtheils bei dein Gericht eingegangen sein.— L. 1v. Der Erzenger eines Kindes muß auch dann Entbindungskostcn und Alimente zahlen,»venu das Mädchen eine Heirath»nit ihm ablehnt. 91. Z. 100. 1. Nein. 2. Ja. 3. Nein. Der einfachste Weg ist der, daß der Vormund ans grund des gerichtlichen Vergleichs einen Gerichtsvollzieher mit Beitreibung der Summe beaustragt.— 1001. 1. Ja. 2. Sie finden in der Nummer des„Vorwärts" von» 3. September unter Ant. eine genaue Darlegung, wie Sie au» besten und wohlfeilsten solch Testament errichten. Kür de» Inhalt der Inserate »berniinmt die Redaktion dem Pnbliknm gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Sonntag, den IS. September. Kreie Volksbühne(Fried.-Wilhelm- städtisches Theater). Illusionen. Anfang 3 Uhr. OdernhanS. Der Prophet. Anfang 7 Uhr. Montag: Lohengrin. Echanspielhans. Die Einzig«. Tanz- stunde. Ansang 7»/, Uhr. Montag: Halali. Die Dienstboten. Tentschco. Mutter Erde. Anfang Jll* UZr. Nachni. 21/2 Uhr: Faust. Montag: Die versunkene Glocke. Berliner. Tante Jett«. Anfang 7i/z Uhr. Nachm. 2>/z Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Faust. «oethe(früher Theater des WestenS). Ein SoinincrnachtStraum. An- fang 71/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Im Dienst der Pflicht. Montag: Im Dienst der Pflicht. Lesfing. Abu Seid. Das zweite Gesicht. Anfang 71/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Komtesse Guckerl. Montag: Unjamwcwe. Thalia. Der Mann im Monde. An- fang 7i/, Uhr. Montag: Keine Borstellung. Friedrich< WilhclinstädtischeS. Der Beilchenfcsser. Anfang 8 Uhr. f Montag: Dieselbe Vorstellung. Rrncs. Abrechnung. A>lfana7i/zUhr. Nachm. 3 Uhr: Die Waise von Lowood. Montag: Die Abrechnung. Lnisen. Geschwister Fiebig. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Egmont. Moutag: Egmont. Reftdenz. Die Einberufung. An- fang 7i/z Uhr. Nachm. 3 Uhr: Odette. Montag: Die Einberuftmg. Ostend. Jilgendbronnen. Ansang 71/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Berlin, wie es • weint und lacht. Montag: Jugendbronnen. Eentral. Berliner Fahrten. Anfang 7V- Uhr. Montag: Dieselbe Borstellung. Schiller. Die Kinder der Exzellenz. Anfang 3 Uhr. Nachm.: Romeo und Julia. X Montag: Die Krenzelichrciber. Unter den Linden. Perichole, die Straßensängerin. Anfang 71/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Bcttelstudent. Montag: Perichole, die Straßen- sängenn. Mlexanderplah. Das Liebesdraina einer Sängerin. Ansang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Borstellung. Belle-Rlliance. Spezialitäten. Ans. 6 Uhr. Reichshalle«. Herkules mit seinem Riesenspielzeug. Anfang 71/, Uhr. Apollo. Spezialitäten. Auf. 1/28 Uhr. Fccn-Palast. Spezialitäten. Passage> Panoptiknui. Indisches Dorf. SrililleiMEHcnter (Wallner-Theater). Sonntag, nachm. 3 Uhr: Romeo und Julia. Abends 8 Uhr: Die Kinder der Excellenz. Montag, abends 8 Uhr: Die Kreuzel- schrei ber. Dienstag, abends 8 Uhr: Bonivard. Madame Iillisell'Vdellter 34. Reichenbergerstrafie 31. Novität! Abends 8 Uhr: Novität! Geschwister Fiebig. Sonntag Nachmittag 3 Uhr: S. Volk«-Vorstellung «Itter Regie von �iiIIuk TUrk zu halben Kassenpretsen. Egmonk. Bon I. W. von Goethe. Marie HolgerS vom K. K. priv. Karl-Theater in Wien, Wtlvelm Rnff vom Karl Schultz«- Theater in Hamburg, Frist Kicdaisch vom Theater in Kiel als Gäste. Montag, de» 2l>. September, abends 7i/zUhr: l.Bolksvorstellung: Egmont. BiNets in den bekannten Geschäften. Osteitd-Theawr. Gr. Frankfurterstr.l32 Dir. E. Weist. Nachmittags 3 Uhr, kleine Preise: Berlin, wie es weint««d lacht. AbcndS 71/2 Uhr: Novität! Zum 3. Male: Novität! Jttgendbrontten oder: New-RnmmelSburg. Burleskes charaktettstifcheS Zeitgemälde mit Gesang und Tanz in i Akten von oder: lurlesl mit Gesanl � E. Tschirch und C. Berg. Musik von Gustav Stessens. Im Tunnel von k Uhr an: Frei- Konzert. Montag: Dieselbe Vorstellung.— Anfang 8 Uhr._ Volks- Tlieater im Welt-ICcstanrnnt 97. Dresden er-Ptraste 97. mr Täglich: Gr. Elite-Vorstellung. Anfang: SonntagS 8 Uhr, Wochen- tagS 71/, Uhr.— Entree: SonntagS 30 Pfg., Wochentags 20 Pfg. Ilnsms Tnubcnstrasse 48—40. Natui-kundl. Ausstellung tag). geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50Pf.— Wissenschaft!. Theater abends 8 Uhr. Berliner Aqaarinm Unter den I-lnden 08a, Eingang Stehadowstr. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis W 50 Pf. 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We 9 Dtinztlmätmchen Joseph Phoites Pantomimen- Troupe Kasseiierdffiiiing 6 Uhr. Ans. 71/2 Uhr. Maedr's Var!vtö-?ns ster Oraiiienstr. 24. Täglich: ThenttmrWlng. Auftreten der Tpecialitätcnkü, istler 1. Rangrs. V 0»! Veu! öär Die Möbelholonaife-WG stutd Nene Heringe. Gcschw. Böhrer, Vcrw. Dnettisten. Alles Nähere die Tageszeitel. Kmerlean-Idealer. Dresdenerstr. 66. UnUflnnngs-VoivstoIInng. Neu! Neu! Neu! Der Traum von Bayreuth. Parod. Traumbild in 1 Akt v. R.Grave. Novität! Berlin Novität! wie'S näht n»d trennt. Bolksstsickm. Gesangin 2Abth. v. L. Ely. Auftreten des urkomischen Bendix. Jnstrumentalkomikcr Hugo Schulz. Excentriqnesoubrctte Wall» Smollm, Gesangsduett. Geschw. Rebentisch x. Ansang der Vorstellung 8 Uhr. LS Ilnrg�t»'. LS. iGrSstt. Vergnügungslokal BerlinS.I Direktion: R. Winkler und W. FrSbel. KM- Beinahe ganz Berlin-ML spricht über das sensationelle AR I«» e n-Pr o gi-a in m.l 20 Rnininern. 50 Künstler. Sehen I Staunen! 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Die Borstände derjenigen Bereine, welche mit meinem Vorgänger Festlichkeiten abgeschlossen haben, ersuche ich, nochmals mit mir Rücksprache zu nehmen, da mir keine Geschäftsbücher ausgeliefert wurde». Onntaw Oranmann. Vereinabrauerei-Aussehank Rixriorf Säle: tiVa- Herrlicher Garten it. g roste Mittwochs und Sonntag Gr. krsi-Koiizsrt.____ Vorzüglich« Küche, Wnrstpavillon, '.........— Schießstand, Kegelbahnen u tänstig« diverse Belustigungen. " AM- Kaffeeküche von 2 Uhr ab geöffnet.-MB Pferdebahn vom Moritzplatz für 10 Pf. bis zur Brauerei. Einen Haupttreffer von unschätzbarem Werth hat das I. Originai-Budapester Possen- u. Operetten- Theater (Direktion Gebr. Homfeld) in Kaufmann's Variäte mit den unnachahmlichen, geradezu zwerchfell- erschüttemden Novitäten Ein Abend im Wintergarten und Im Atelier gemacht. Humoristen-Wettstreit von Theodor T.lnnardt, Dr. t.nido Stclnitz, Original-Kaponet. Vorverkaufsbillets sind von 11 bis 5 Uhr ohne Aufgeld im Theatorhureau zu haben. Anfang des Konzerts 7 Uhr. Vorstellung'/z� Uhr. Concerthaus lieipislger(itr.No.48. DM- Täglich:-MQ Hoffmann's Quartett und Humoristen. Heute Anfang 7 Uhr. Logen, Balkon und I. Rang»nmerirt 1,25 M., annum. 76 Ps., Saal 60 Pf., 2. Rang 40 Ps. Viktoria-Brauerei TiUtzotv- Strasse 111/11S nahe Potsdamer Platz. Vorletzte Benntags-Boirbe der Stettiner Sänger (Meysel, Pictro, Viiiton, Stcidl. Krone» Röhl. Schneider und Schräder.) Birossartlges Sonntags- Programm. Nach der Soiräe: Tanx-Krilnzchen. Morgen, Montag: SoirSe t.d.Viktoria-Braucrei. Anfang der Soirse 8 Uhr. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag: Keine Soiree. (Gastspiel in Magdeburg.) Freitag: Viktoria-Brauerei. Dienstag, den 28. September: l. Soirse im Böhmischen Brau- haus«, Landsberger Alice. Donnerstag, den 30. September: 1. Soiree im„Deutschen Hof-, Lucknuerstraße. AiRlialllsvh« Ressource, Möckernstr. 114, empfiehlt ihre schönen 8iUe"TPH zu Bällen» Kränzchen, Hochzeiten, Versammlungen?c. zu lonlante» Bedingungen. b92b Verelnsslrnmer u. 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Mit Rücksicht ans die Wichligleit und Reichhaltigkeit der Tagesordnung rrsttlht die-Gettossinnen und Äeuossen um möglichst pünktliches und zahl- rcichcS�Erlchcinen__ Her Vertrauensmann. SoWdeMmliWsWßMjn� für dnl 2. Vtkl. RkichsAs-MaMr. Mittwoch, de» 22. September, abends 8>,'2 Uhr: Oeifentliche Versammlung sjgvi�' bei ILnibkII, Llttdcustrasie Nr. 1VK. Tages-Ordnung: 1. Bortrag deS Herrn M. Schütte über:„Staatsverfassungen im Ulterthume". 2. DiSlussion. 3. Verschiedenes. 238/20 Um zahlreichen Besuch ersucht Dei» Vorstaml. NB, Heute Sonntag: M a»> i l i e»- Zl n s f l» g nach Schmargendorf, Restaurant Sanssouci, Rnhlacrstr. 20. SoziÄemoKrMcher Mahlverein für den 3. Zerttner Reichstags- Wahlkreis. Mittwoch, den 22. September, abends 8 Uhr, In Penerstcln'»(obere») Saal, Alte Jakobstr.7S(nahe Neue Roßstr.) Versammlung. e*' rt �« s. rw. ,„ Tages-Ordnnng: 1. Bortrag des Gen. Rudolf Millarg über:„Das UnfallversicherungS- gefeh". 2. Diskussion. 3. Vcreinsangclegenheitcn. Gaste sehr willkommen Nene Mitglicoer 2416 werden in der Versammlung autgenommen. Sozialdemokratischer Mahlverein für den L Kerliim Reichstags-Wahlkreis Dienstag, den 21. September, abends 8� Uhr, Versammlttttg im Lokale des Hrn. Granman», Nannynftr. 27. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Genosien?. über Kommnnalwahlen. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiteu. Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. 243/13 I»vr Yoratand. Sozialdemokratischer Mahlverein für den 6. Ueriiner Reichstags- Mahlkreis. Dienstag, den 21. Sept., ab. 8>/z Nhr, im Lokale von I/Iit-, Badstr. IS: VvnssnHmSung. Tages-Ordnung: 1. Bortrag deS Genossen Papel über:„Vergehen und Verbrechen". 2. Diskusston. 3. Bereinsangelegenheiten. 248/17« Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. NB. Die Civnei-alverBiuninliins findet Dienstag, den IS. Okt., statt. Eventuelle Anträge sind dm Vorstande vorher einzureichen. __ Der Borstand. Carl I,c1 M. IS,-.-M« fein fein Mp- M. 2«.-.-M» Mäntel, Joppen, Winterhosen, vorjährige, nach Maass ' bestellt, nicht abgeholt, verkaufe Hälfte Kosteupreis. i Tügllch von 7 Uhr morgens bis 6 Uhr abends: Verkauf von frisch gek. Fleisch. Rindfletsch.... pro Pfd. von 30 Pf an, Schweinefleisch...„40 Pf.[29051,» Verwaltung der Kochanstalt Stadt, Schlachthof Verband der Graveure, Ciselenre:e., Filiale Berlin. Der öffentlichen Versammlung wegen findet am Dienstag. den i 21. September, keine Verbandsverfammlung statt. Dienstag, den 28. September. Werkstatt-Bertrauensmänuer-Sitzung. <1. Ostrowski Jr. Ho. I Grosse Frankfurter-Strasse Ho. I. Etage liefert nur neue, solide ll«! m ,249/7 Ber Vorstand. zu sehr leichten Zahlungsbedingungen und weitgebendster Berücksichtigung _ bei Krankheit und Arbeitslosigkeit._ 6826 Möbel. M�bel. i In den neu ervauten b''°ben Siilen Nene TchönhHiistrl» r. L (friiherRose»thnlerstrnsselZ»> Seitenflügel u.Qnergebnude, cestc ».zweite Etage, dicht a. 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KtÜllgt Bttt; VvfctzrknknnZ des V ersammlungsvechks in Vrvntzen. Dns vielbesprochene Erkcnntniß des KoinmergerichtZ in Sachen wider Seitz, welches der Polizei die Befugniß zuspricht, die Vereins» und Bersamnilungsfreiheit an Sonn» und Festtagen aufzuheben oder zu beschränken. liegt seht in seinem Wortlaut vor. Die Gründe des Urlheils laute» wörtlich folgendermaßen: „Die Revision des Angeklagten, welche Verletzung der Art. 2g und 30 der preußischen Verfassung vom 31. Januar IKäv, der aller- döchste» Kabinetsordre vom 7. Februar 1837 und der Oberpräsidial- Verordnung vom S. Oktober 1896 rügt, ist unbegründet. Die Oberpräsidial-Verordnung vom 5. Oktober 1836 ist auf grnnd allerhöchster Kabinetsordre vom 7. Februar 1837 erlassen, welche den Regierungen die Befugniß ertheill, die zwecks äußerer Heilighaltung der Sonn- und Festtage erforderlichen Anordnungen zu treffen. Dieselbe steht nicht, ivie die Revision behauptet,»>it dem Vereinsgesetz vom 11. März 1850 und den Artikeln 2g und 30 der preußischen Verfassung in Widerspruch. Allerdings ist durch die gedachten Artikel der Verfassung die Versammlungs- und Bereinsfreiheit als ei» Grundrecht aller Preußen gewährleistet, jedoch ist dadurch die Regelung der Ausübung dieses Rechts durch Gesetz nicht ausgeschlossen. Das in Ausführung dieser Bestimmung erlassene Vereiusgesetz regelt diese Ausübung jedoch nicht in erschöpfender Weise. Es regelt das Vereins- und Versammlungsrecht nur hinsichtlich des im Art. 80 besonders hervorgehobenen Zwecks der„Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit"; daß dieser Zweck indessen nicht der einzige ist, der in betreff der zu regelnden Ausübung der in Rede stehenden Rechte erreicht werden soll, daß vielmehr die Regelung auch für andere Fälle, z. B. im Interesse der öffentlichen Sittlichkeit eintrete» muß, ist bei der Berathung des Gesetzes von den gesetzgebenden Faktoreu ausdrücklich anerkannt worden.(Vgl. Sten.- Ber. der II. Kammer 1349/S0, Bd. II, S. 632 und der I. Kammer Bd. II, S. 833— 894.) Das Gemeinwohl erfordert die gedachte Regelung zweifellos auch zum Zwecke der Aufrechterhaltnng der öffentlichen Ordnung, so daß z. B. die die Einhaltung der Polizeistunde gebietenden Vor- schriften auch bei Versammlungen in geschlossenen Räumen beobachtet werden müssen, ferner im sanitätspolizeilichc», baupolizeilichen Interesse und zu sonstigen, der allgemeinen Wohlfahrt dienende» Zwecken, welche nicht selten daS Verbot öffentlicher Versammlungen auch in geschlossenen Räumen oder zu bestimmte» Zeilen oder an bestimmten Orten rechtfertigen. Eine solche daS Versammlungsrecht regelnde Vorschrift ist auch der � 10 der Oberpräsidial-Verordnung vom 3. Oktober 1836. Der Oberprästdent ist der Meinung, daß durch öffentliche Versamm» lunge» an den in der Verordnung genannten Fest- und Feiertagen die äußere Heilighaltung dieser Tage gestört werde. Wenn er daher im Interesse dtcser äußeren Heilighaltung eine Polizeivcrordnung erläßt, wozu er auf grund der als Gesetz zu be- trachtenden Kabinetsordre vom 7. Februar 1837 und des Gesetzes vom 30. Juli 1833 ZZ 137, 139 mit der erfolgten Zustimmung des Provinzialraths unzweifelhaft befugt ist, durch welche er öffentliche Versammlunge» an diesen Tagen gänzlich oder wenigstens während des Gottesdienstes verbietet, so ist dies eine ihm zustehende Regelung des Versammlungsrechtes, nicht aber eine der Verfassung zuwider- ' laufende Beschränkung der Versammlungsfreiheit. Daß öffentliche Versammlungen, auch wenn sie in geschlossenen und abgelegenen Räumen stattfinden, geeignet sind, die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feiertage zu stören, ist vom Vorder- richier zutreffend ausgeführt worden; und daß nach der Absicht des Gesetzgebers(des Oberpräfldeuten) die Obcrpräsidial- Verordnung auch ans Versammlungen in geschlossene» Räumen anzuwenden ist, ergiebt der Wortlaut, da andernfalls ausdrücklich hervorgehoben sein würde, daß die Verordnung nur auf Versamm- lud gen u»ter freiem Himmel bezug haben solle. Es rechtfertigt sich daher die Zurückweisung der Revision. Die Entscheidung über die Kosten ist aus grund des§ 505 der Strafprozeß-Ordnung erfolgt." Gefällt ist dies Urtheil von folgenden Richtern: dem Kammer- gerichts- Senalspräsidentc» Groschuff, de» KamniergenchtSräthc» Brocde, von Wolf und Ebbecke, sowie dem Amtsrichter Joh». Den Widerspruch dieses Urtheils mit der Verfassung haben wir und ander» ber»its betont und erläutert. Die irrige Auffassung des Urlheils führt dahin, daß alle Gesetze, die bis zur Zeit des Erlasses der Artikel 23 und 30 der Verfassung das Vereinsrecht regelten, durch Art. 29 und 30 der Verfassung auf- recht erhalten seien, daß also'Art. 23 und 30 überhaupt kein Vereins- und Vcrsaininluugsrccht gewährleisten. Im Gegensatz hierzu wird die Auffafsuug, daß die in Art. 30 der Verfassung vorgesehene gesetzliche Einschränkung des Vereins- und Versammlungsrechts ein künftiges, nach der Verfassung zu erlassendes Gesetz im Auge hat und daß dies Gesetz das bekannte Vereins- gesetz vom 11. März 1850, nicht aber eine Kabinetsordre von 1837 ist, allseitig, selbst von den reaktionärsten Gesetzes- auslegern, bislang anerkannt. Wir zitiren auS dem sog. Koiumentnr zu den preußische» strasrechtlichen Nebeugesctzen von Groschuff — es ist das derselbe, der als Senatspräsident dies Urtheil jetzt «uterschriebeu hat— folgende Worte:„Tie durch Artikel 30 Abs. 2 der Verfassungsurkunde v o r b e h a l t e» e n gesetzlichen Be- ftimuinngen zur Regelung der Ausübung des Versammlungs- und VereinigungSrechts, insbesondere einer Ausrechterhattung der öfient- lichen Sicherheit sind in der Verordnung vom 11. März 1850"— dem sog. Vereinsgesctze—„enthalten". Das E r k e n n t n i ß begnügt sich zur Rechtfertigung der Ansicht, daß unter dem Gesetz- gcber der Oberpräfident gemeint sei, ein„unzweifelhaft" zu sehen und ohne St»führ»n g des Inhalts der betreffenden Be- pinnnuuyni sich auf eine Kabinetsordre vom 7. Februar 1837 und auf ZZ 137 und 139 des Orgauisationsgesetzcs vom 30. Jnli 1883 zu berufen. Bei der Wichtigkeit der Sachlage halte» wir es für zweckmäßig, die vom Kammergericht angeführte Kabinetsordre vom 7. Februar 1837 wörtlich anzuführen. Die Kabinetsordre lautet ihrem ganzen Inhalt nach wie folgt: „Zur Beseitigung der Zweifel, welche nach dem Bericht des Etaatsministeriums vom 15. v. Pi. über die Befugniß der Behörden, durch polizeiliche Bestimmungen die äußere Heilighaltung der Sonn- und Festtags zu beivachen, in einigen Landestheilen bisher obgewaltet haben, setze ich für den ganzen Umfang der Monarchie hierdurch fest, daß die lliegierungcn die nach den Verhältnissen der einzelnen Orte oder Gegenden ihres Bezirks zu diesem Zivecke erforderlichen Anordnungen zu erlassen und deren Befolgung durch Strasverbote, welche jedoch die im§ 10 ihrer Dienstinstruktion vom 23. Oktober 1817 vorgeschriebene Grenze nicht überschreiten dürfen zu sicher», be- fugt sein solle». Dieser Befehl ist durch die Gesetzsammlung bekannt zu mache». Berlin, den 7. Februar 1837. Friedrich Wilhek in." Demnach waren im absolute» Staat die Regierunge» in den Grenzen des ß 10 d e r D i e n st i n st r u k t i o» vom 23. Oktober 1617 zu Verboten befugt. Und wie laulet der angezogene Z 10? Er lautet wie folgt: „8 10. In allen Fällen, wo die Regierungen berichte» müssen, die Sache mag einen Gegenstand der iuuere» Verwaltung oder ei» Berbältniß mit auswärtige» Behörde» betreffen, haben sie gleichwohl soweit die»öthigen provisorische» Maßnahme» zu»ehuie» und zu versüaen, daß bis zu Eingang des Bescheides kein Nachtheil entstehe." Man sieht, daß§ 10 in der Kabinetsordre, von 1337 offenbarer Schreib- oder Druckfehler ist. Es foll nicht„Z 10", sonder»„§ 11" lauten. Und tvit lautet z 11? Ks Jmilrts" § 11 der Instruktion vom 23. Oktober 1817 bestimmt in Absatz 1:„Die Regierungen sind befugt, ihren Verfügungen nöthigenfalls durch gesetzliche Zwangs- und Strafmittcl Nach- druck zu geben und sie zur Ausführung zu bringen." Ab- sah 2 deffelben Paragraphen fährt jedoch fort:„Allgemeine Verbote u»d Strafbestimmungen dürfen aber sämmlliche Regierungen nicht ohne höhere Genehmigung erlassen, es sei de»», daß das Verbot an sich schon durch ein Gesetz fest- steht, in letzterein aber die Strafe nicht ausdrücklich bestimmt ist." Mit anderen Worten: selbst im absoluten Staate verbot die vom Kammergcricht angezogene Kabinetsordre„allgemeine Verbote und Strafandrohungen" seitens der llicgiernngen, falls nicht das Verbot an sich schon durch ein Gesetz feststand. Selbst wenn man also die preußische Verfassung als nicht vorhanden erachtet, enthält die vom Kaminergericht angezogene, längst veraltete Kabinetsordre keine Rechtfertigung her Oberpräsidial- Verordnung, sondern ein Verbot derselben. Wahrlich, das Kammergerlchtsnrtheil vom 12. August stellt sich würdig d e m an die Seite, das den Eingang eines preußischen Jagd- gesetzes, das für alle Theile der Monarchien, mit Ausnahme der Provinz Hauno.ver, ergangen war» übersah und dem- gemäß das Gesctz auch für Hannover t» Anwendung brachte. Das kammergerichtliche Erkenntniß ist also, man mag es drehen und wenden wie man will, mit den zur Zeit noch geltenden Gesetzen und der durch diese geschaffenen Staatsordnung platterdings»nvereinbar. Ter Jnhalt der tzZ 187 und 139 des Gesetzes vom 30. Juli 1883, auf welche endlich noch diese einzig dastehende Begründung eines Urtheils eines höheren Gerichts bezng nimmt, giebt gleichfalls'keines- wegs dem Oberprästdenten die ini Erkenntniß ihm oktroyirto Befugniß. § 137 des Gesetzes vom 30. Juli 1883 über die allgemeine Landes- Verwaltung bestimmt nämlich:„Der Oberpräsident ist befugt, gemäß ZZ 6, 12 u. 15 des Gesetzes über die Polizeivcrwal- tnng vom 11. März 1850"— also nicht auf grund anderer Ge- setze—„für mehr als eine» Regierungsbezirk oder sür den Umfang der ganzen Provinz giltige Polizeivorschrifleu zu erlassen und gegen die Nichtbefolgung derselben Geldstrafen bis zum Betrage von 60 M. anzudrohen." Z 189 ordnet die Nothweudigkeit der Zustiin- mung des Provinzialraths für solche Verordnungen a». Es wäre bei dieser Sachlage erwünscht, daß der Schrift- st e l l e r Groschuff nachträglich sich darüber ausläßt, weshalb„un- zweifelhaft" ein Vcrordnungsrecht des Oberpräsideute» in dem vom Gericht angenommenen Umfang ans denjenigen gesetzlichen Be- stimmungen folge, kwelche ein solche? verbiet es». Boraussichtlich wird sich im Reichstage Gelegenheit zur Besprechung dieser jurisli- schen Beschränkung des BerfaunnluugSrechtS und der Verfassung bieten, Sojtales« SlnS Dresden wird uns geschrieben: Recht eigenthnmlichc Verhältnisse scheinen in dem hiesigen k ö n i g l. E n t b i n d u» g s- Institut zu herrschen. Dieses Institut ist zugleich Lehransialt sür Ausbildung von Hebamme». Die Lehrzeit beträgt 6 Monate. Das Wissen zur Ausübung ihres spätere» Berufes wird den Schülerinnen in folgender Weise beigebracht oder vielmehr beizubringen ver- sucht: Früh um halb 5 Uhr heißt es ausstehe», damit um 5 Uhr die Wachthabende abgelöst werden kann. Bis halb 6 Uhr muß dns Umkleiden und Kaffeetriukeu besorgt sein. Diejenige, die abgelöst wird, muß nachts 2 Uhr bei der Arbeit sein, sie hat 8 bis 10 Wöchnerinnen und deren Kinder zu versorgen, und muß mit dem Wäscheivechseln, Abivaschen, Kiuderbaden ec. pnnkt 5 Uhr fertig sein. Bis zu der Zeit muß außerdem noch der Schlassaai gewischt und aufgeräumt fein. Jede zweite Nacht müssen die Schülerinnen eine Nachtwache besorgen; sie müssen dann von morgens Vii Uhr bis den anderen Tag abends '/-9 Uhr— also 40 Stunde» thätig resp. munter sein. Milt- wochs und Sonnabends ist je eine Stunde praktischer und an den übrigen Tagen je eine Stunde theoretischer Unterricht. Widmet eine Schülerin dem Unterricht nicht die nöthige Aufmerksamkeit— was infolge der Müdigkeit öfter vorkommt— so wird sie von de» Vorgesetzte» damit bestraft, daß sie beliebige Sätze 20 bis 30 mal abschreiben muß. Die Arbeit der Schülerinnen wird i» der tauplsache für nebensächliche Dinge getha», während die eigentliche ehrthätigkeit gaiize 6 Stunden pro Woche i» Anspruch nimmt. Auch in Beziehung auf die verabreichte Kost wird geklagt. Kaffee, Brot und Kartoffeln spielen dabei die Hauptrolle. Dabei muß jede Schülerin beim Antritt in das LehrvcrhäUniß 182 Mark für Kost und Wohnung zahlen, das macht pro Woche 7 Mark. Wo soll unter solchen Umständen Lust und Lieb« zum Lernen herkomme», wenn nicht einmal die nöthige Zeit dazu gegeben wird? Darf inan sich bann wunder», wenn die Ausbildung der Hebammen mangelhaft bleibt, was später bei der praktischen Ausübung des Berufs zu den veihäugnißvollsten Konscqucnze» führt? Eingelaufene Druckschriften. von der e?I»IchI>«I», LcUschllfl silr die Interessen der NrbeUertnnen sSIullgarl, I i c d' R'cvlofl) ist uns soeben die Nr. is de» 7. yahrgang«»ugsuanaeu. SlnS t>in Juhall dieser Nunnner heben wir hervor: Der Internationale Konaresi für Slrbclicrschich zu Zürich.— Der acsctzliche Arbeiicrtnnenschutz. Reserat vor dcu, Jnlornaiionaien lionstretz sür ArbccierschuV von Maraarcihe Wreulich in Zürich.— Au« der Brweauug.— Entmetine Panlhurst.— Notizen Iheil von Lily Braun und Klara Zellitt: Ter Jiueriialloiiale Kongreß sür geiehltchen Ardeiterschuh zu Zürich.— Keweilschastlichc ArbeUertmiiN-Organtsatlon.— iddciISsch«dUchc Zvlgen industrieller Frauenarbeit.— Frauenarbeit auf dru> Scbiete der Industrie, de» Haudet» und BettchrSweseuZ.— Frauen- beivegung. Tie„StelchheU" erscheint alle t« Tage einmal. Prei» der Nummer 10 Pf., dUich die Post bezogen selugeiragen in der NeichSpvst- Zciliingöliste sür 1607 unter Nr. sooa) beträgt der AbomumeiitSpret» vlerletjährtich ohne Bestellgeld »5 Pf.: unter Kreuzband S5 Pf. Tie„So,«nie zira»i«. Zenlralblatt sllr««zlalporulr", enthält In threr neuesten Nr. 5t folgende» leitenden Aufsah: Eisen bahn-ttnsälle und GozialpolUIl. Bon l>r. für. M. Quarck. Außerdem folgende Notizen: FeuerverstcherungSzwang in der Echivctz.— Preußische Erhebung über die Lage der Bureau-Augeliellten.— Enquelc über Nachtashie in Pars«.— ÄaSprodultion und SlaSprelse in Deutsch- laud. Bon Juaenleur Dr. H. Lux. Kommunale und private Elecirizität«- Versorgung englischer Städte.— ttnierstühung gewerlschastlicher Arbeitslosen- Versicherung durch die Gemeinde. Kommunale ArbeNSloscntasfe sür Acut.— Bcläuipsung der ArdeilSlosigleil in Zürich.— Foribezahluug des Arbeitslohnes während der Mtlltärdienstzeii in Bern.— Enquete über ArbeiterverhSllnlsse in der schweizerischen Maschtneniiidustrle. Kanitneuwesen aus sächstscheu Eleinmehplähen.— Vermögensverlheilung in Preußen.— Berschuldung der oldenburgtschcn Landwirthe. � Tai Kesinderrcht nach dem Bürgerlichen Eeseh- buch. Von AmISgcrichlSralh H. Jastrrw.— isoser RevistonSbericht der Beruf«- genossenschasl sür chemisch« Industrie.— OrlS-Kiaiikenrasse sür Leipzig und Umgegend>«64—160«. EcivShrung von WohnungSmielhe als Art der Armen: unieistllhung.— Englisches«eseh über Ersatz niedergerissener Arbeiter- Wohnhäuser. Geffcuklilsze Gnittuttg über die bei der städtische» Haupt-Stiftnngskasse für die durch Unwetter Geschädigten Teutschlands ein- gegangenen Beträge. (Fortsetzung.) Dr. Mcßouk, Barinbeck 800,—. Sammlung der Stadtgemeinde Grimmen 300,—. Magistrat Mücheln(Halle), Restsendmig 12,60. Sammlung de? „Hallet Kreioblatt", Halle, Wests. S9,—. Beitrag der Stadtgemeinde Goars- hausen(Rhein) 100,—. Ans einer Skatpartie im Westen 5,00. Edler, Theodor 20,—. Rate des„Alühlhäuser Anzeiger", Mühlhaufen, Thür. 72,70. Sammlung in der Stadt Ltrucburg 837,80. Samuiiung des Arcndt'i-I.cn Stenogravhenvcrems zu Calbe a. Saale 22,30. Geselliger Hussiten- Klub Berlin 17,60. ZtrctSverein vom Rothen Kreuz, Höchst n. Mai» 800,—. Sammlung des„Anzeiger" in Bergen auf Rügen 74,56. Baterländischer Frauenverein zu Grittz, Posen 211,00. Sammlung der„Rheinisch- West- sälischen Zeitung" in Essen für Sachsen und Schlesien 130,—. L. H. 6,—. Lcplatoni 5,—. Meinberg, Pfarrer in Werdohl 343,60. Durch den„Berliner Börsen-Courir": Thtcm, Adolf, z. Z. Starnberg 300,—. Stadtgemeinde Stettin 30 000,—. Haupt- und'Residenzstadt Darmstadt 5000,—. Durch die Bank für Handel und Industrie(321,80 M.): Schneider, Marie, Berlin 20,-. Snatich, I.. 5. L- königstein 4V,-. Zmiilg, 19. Stpltinte 1897. Münsterische Bank, Filiale der OSnabrüiker Bank, und durch die Zeitung „Der Westfale" gesammelt, zusammen 261,80. Stadt-Hauptknfse zu Greils- wald, gesammelte Beiträge, alS 3. Rate 750,—. Htlßausschuh zu Lübbe» i. Lausitz 500,—. Stadtgemeinde Spandau 3000,-. Stadt-Hauptkaffe tn Spandau, gesammelte freiwillige Beiträge 690,-, Magistrat zu Pritzivalk, Ertrag einer Sammlung inkl. 75 M. Beitrag des dortigen FraueuverewS 793,-. Friedländer, Julius 50,—. Expedition der„Berliner Börsen-Ztg.", eingeg. fteiw. Bcttr. 37,30. Richter, Alfred 100,—. Niesten in Großemriehe 6,30. Durch die städtische Sparkaste und deren Annahmestellen 369,—. W. B., Adalbertstraße 3,-. I. G., Schmidstraße 200,-.„Zech's Varistö zum Nassen Viereck, Kommandanteustr. 10/11 55,—. Sammlung im Hause Lcipzigerstr. 73 35,80.„Hessische LandeS-Zeitung", 3. Rate 300,-. Musik- verein Emden, Ertrag eines Konzerts 68,73. Freimaurerloge„Broich zur verklärten Louise", Mühlheim a. d. Ruhr 65,—. Klub„Humor", in Bens- heim, Ertrag emer Abeiidunterhaltung 79,—. Ertrag einer Theater- Vorstellung des Vereins„Bürgerharmonie" in Beetzendorf 153,65. Samm- lang in Güntersberge i. Harz 53,—. Ertrag einer Woylthätigkeits-Vorstellung in Calbe(Milde) i. d. Altmar! 166,10. Gesangverein„Orpheus" in Lucka» N.-L. 230,—. Bürgermeisteramt Odenkirchen 25,20. Gabe der Stadt Wetlburg a. L. in Hessen-Nastau 300,—. Rate deS„Tageblatt" in Burg bei Magdeburg 353,65. Beitrag der Stadt- gemeinde Kobylin, Posen, für Schlesien 50,—. Frau Oberst Haack 5,—. Durch die Reichsbank- Hauptkafse: Eisner, Georg 75,—. Durch die Deutsche Bank, Depositenkaste B.(59,50 M.): Dr. Soetbeer 30,—, Just, Hermann 5,—, Frau Müller 24,50. Jahnke, A., Restaurateur, Spandauerstr. 24 3,—. Dircltion des Savoy-Hotel 100,—. Wtnkclmann, C. 800,—. Rosenspende des Vereins gegen Verannimg, Lokal- komitcc 183, Partie Friedrichshagen 10,—. Stavtgemeinde Neuhaldens- leben 500,—. Stadtgemcinde LauenVurg(Pomm.) 600,—. Frl. Wiebe, Laura 3,—. Wiebe, Wilhelm 10,—. Wiebe, Adolf 20,—. Frau Jacnsch 10,—. Ungenannt 10,—. Klasse VI �l. der 5. Realschule 7,50. Expedition der„Berliner Neueste Nachrichten" als 2. Rate 726,62. Nenmaim, Henn. ?0,—. Stockhauscn, Einanuel 200,—. Gemeinde-Borstand zu Lichtenberg 665,20. Durch die Sparlasscn-Annahmestelle Nr. 86(120,— M.): Meyer, RcgierungS-Vaumeister 20,—. Frau Biermann, Marie 25,—. Fräulein Biermann, Gcrtrnde 40,—. Schimrniug, Fritz, Rektor 20,—. Krmnm- macher, Pfarrer 10,—. C. H. T. 3,—. E. I., Potsdamerstr. 35 11 2,—. Ertrag einer WohlthätigkeitS-Vorstellung tm EdeN-Thenter zu Aachen 90,—. Expedition der„Wildeshaufener Zeitung" 123,50.„Gencral-Anzeiger" tn Wesel sür Schlesien und Sachsen 62,02. Spende der Gemeinde Insel Poel, Meckl.-Schwerin 275,—. Bürgermeister Will in Rüssel 142,05. Oppert, Landgcrichtsrath, Berlin 50,—. Sammlung des Magistrats Jarotschin lPosen) sllr Schlesien und Sachsen 202,90. Expedition des„Oberbilker Geschäftö-Anzeigers" in Düifeldorf-Oberbilk 33—, Rate der„Lippischcn Landes-Zeitung" in Detmold, für Schlesien 400,—. Beitrag der Stadt Ibbenbüren 500,—. Beitrag der Gemeinde Donndorf(Halle) 101,50. Bei- trag der Stadt Hettstedt, für Schlesien und Sachse» 100,—. 4. Rate der „Bibricker Tagespost" 27,20. 2. Rate der„Kösliner Zetwng" 376 22. Gabe der Gemeinde Haisieben 300,—. 2. Rate des„Angermünder Anzeigers" 100,—. Mücke, Mathilde und Selma 5,—. Skat der Gesell- schaft„Harmonta" 5,—. Skat Prenzlauerstraße 20 4,50. Ge- sammelt im Restaurant Stühler, Neue Grünstraße 38 62,—. Von der Deutschen Bank, Deposttcn-Kasse A., gesammelte Betträge 1147,—. Durch die Mitteldeutsche Kreditbank 178,50. Samm- lung der Redaktion des„Reporter" 114,15. Durch die Nieder- sächsische Bank in Vllckevurg: Theilbctrag der Sammlung des Geh. Ober- Hoskammerraths Heuser zu Bückeburg 900,—. Administration der„Frank- surter Zeitung" in Frankfurt a. M., Sammlung 1925,50. Beitrag der Stadt Unna sür Schlesien 500,—. Sammlung des Gesangvereins„Quartett" zu Unna 42,—. Lokalkonntee in Detmold, fernere Sammlung 2000,—. Kreis- auSschuß deS Kreises Wanzleben, Beitrag 2000,—. Sammlung der Kreiö- Koinmunalkaste zn Wittenberg, 1. Rate 1500'—. Beitrag der Stadt Münster t. W. 10000,—. Expedition deS„General-Anzeiger für Oldenburg und OstfneSlaiid" zu Oldenburg i. Gr., als 2. Rate 1000,—. Samniliiiig des Stadtraths zu Waltershausen i. Th. 445,—. Expedition der„Märkischen Zettling" zu Nni-Nuppin, als 3. Rate 1000,—. Sammlung der Stadt Minden, als 2. Rate 2105,45. Beitrag der Stadtgemeinde Wernigerode 500,—. Durch das Bankhaus P. B. Bonnet in Augs- bürg(9000 Mark): Maschinenfabrik AngSbura, Atttengesellschast in Augsburg, davon 2000 Mark sür Bayern, 5000,—. Buz, Hch., Kommerzieurath, Direktor ber Maschinenfabrik Augsburg 3000,, davon 1200,— für Bayern. Ritter von Hertel, Albert, Kommerzieurath in Augsburg 1000,—, davon 400,— für Bayem. Durch das königliche Polizei- Präsidium als 7. Rate 7464,05. Beamte des Sekretariats des Polizei- Präsidiums 6,50. Kliem, Max, Restaurateur, Hasenhatde 15 59,—. Bor- läufiger Ertrag des Gartenfestes im Sportpark Friedenau am 2. September 1897 7000,—. Wolst, Oberheizer 1,—. Lettmeyer, R., Frtedrtchstr. 125, Ertrag eines Wohlthätigkeits-Konzerts 83,—. Riebe, Krim.-Schutzmann 0,75. Nicbol, Kreis-Thierarzt 6,—. Waßmann, Krcis-Thterarzt 6,—. offmann, Gesammtertrag der Wohltbätigkeitsvorstellung am 30. August im onzerthause 310,80. Postamt Frtedeberg N.-M. 33,—. Gesellschaft„Er- bolung" in Saalscld a. S. 35,50. Gemewdekasse Nieder-FIörSheim, K'rctS WarmS 150,15. B. V., OrtelSbura, für Schlesien 10,05. Verlag deS„All- gcmetncn Anzeigers für die Grafschaft Stolberg-Roßla", sür Sachsen 178,80. .Schltnck, Knnzlctrath 10,—. Bürgermeisteramt Rötnen, aus der Gemeinde Rott 18,15. Bürgermeisteramt Zwetfall 84,97. Bürgermeisteramt Rötgen 103,60, Expedition des„Wochenblatt" tn Cloppenburg 48,—. Borstanv deS Kreisvereins vom Rothen Kreuz zu Höchst am Main 166,05. Vertag deS„Westsältscheu Anzeigers", E. Griebich, 4. Rate 200,-. Verein der Berliner Gastwirthe, 1. Rate 100,—.„Lnckenwalder Morgenpost" 8,-. e.'D. 1,—. Sammlung der Stadtgemclnde Demmtn, stir Sachsen 616,69. in Skatabend in Königs- Wusterhausen, für Schlesien 1,59. Dr. G. W. Schulze, Prediger, Ertrag eines Konzerts in der Jesuskirche, ver- austaltct vom Hermann'schen Männerchor unter Mitwirkung von Fräulein Mar«, Heinrich, Frl. Frieda Veit, Organisten Braun und Prediger Reichard 425,88. Kriegerverei», Bohnsdorf 10,—. Skattisch im Restaurant Nolttng 2,—. Von mehreren Skatpartten am 4. September ans Birkbusch bei Steglitz 154,19. Durch Direktor Sauden, Sammlung des Komitees tn Potsdam, als 5. Rate 2099,—. Von Schülerinnen und dem Kollegium der 193. Gcmciudeschule 65,94. Karl Raspe, chemische Fabrik in Wetßcnsee 29,—. Expedition der„Verl. Abeudpost" und„Berl, Zeitung", Sammlung 192,79. Darunter 18 M. sür Schlesien. Sammlung im„Beretn der Post- Mustk- freunde", Restaurant Wernau, Schwcdterstraße 5,19. Durch das Bankhaus Stegmund PincuS 729,—. Pincus, Stegmund 300,—. Pincus, Theodor 300,-. Gebr. Friedhcim 10,-. M. S. 5,-. Frau Cramer 5,-, Levin, Willy 100,—. Ziesemer, Magistrats-Sekretär 3,—. Wagner, Landrath zu Rüdesheim, als Sammlung im Rhetugaukretse, 2. Rate 1360,—. Hilfs- Komitce zn Kastel, 4. Rate 2500,—. Sammlung in einer VorstandSsitzung des„Deutschen Bürgcrveretns im Stralauer Stadtviertel" 8,—. Saniinlung der Deutschen Bank, Depositenkasse I. 149,10. Postamt Rostock, Meckl, 558,30. Redaktion des„WilhelmShavcner Tagebl.", 1. Rate 300,-.. I. Jäger u. Sohn, Vcrt.d.„Goslar'schen Ztg.", als I.Rate 150,—. Stadtgemeinde Gardelegen 200,—. Magistrat Templin, f. d. Ntederlaufltz 150,—. Magistrat Strausberg 375,—. Stndtgemcinde Gardelegen 300,—. Landrath von Bardeleben, Celle, für Schlesien und Sachse» 1200,-. Expedition der„Allgemeinen Zetwng" in Coesfeld i. W. 41,-, davon 25 M. sür Schlesien. Lange, ifclder Manuor- sägewerk„DeuS u. Co., Langenfeld", Rheinland 29,50. Schlester- Klub, (siießeu 21,70. Geschwister Knopf 19,80. Loge Allen stein, Ostpreußen 33,—. Bürgermeister- Amt Lebnch, Reg.- Bez. Trier, als 2. Rate 74,50. Bürger- meister-Amt Stolbcrg, Rhnnl. 787,60 M. Känimerctknste Rinteln a. W. 200,—. Bürgermeister- Amt Lechenich 1,—. Bode in Langsiihr 10,—. Ertrag des WohlthätigleitS- Konzerts im Restaurant Haffke, Ritterstraße Nr. 71 40,—. Staiilmtisch-Sammlung im Restaurant Haffke, Ritterstr. 71, 4,50. N. N. 7,50. Kreis-Ausschuß des Landkreises Halbcrstadt, Beitrag 1000,-. Sammlung des Lolal-Komitecs zu Ripdorf als 7. Rate 700,-. Kämmereikafse zu Wilhelmshaven auf Anweisung des dortigen Magistrats 2762,40. Durch die Deutsche Bank, Depositenkaste G.(15,—). Dr. Lewin 5,—. Rvsenseld, Rechtsanwalt IV—. Beitrag der Stadtgemcinde Rathenow 1000,—. Durch das Bankhaus S. Bleichrlider(754,50). Continental Telegraphen-Compaanie Aktien-Gesellschaft 500,—. Von verschiedenen Gebern zusammen 254,59. Schiedsmann Cohn, in Sachen Przybyl kontra Baude 5,—. Durch die Brcölauer Diskonto- Bank in Berlin 947,59. Durch die Deutsche Bank, Depositenkaste C(364,— M.) Fräulein Eichhorn, Sebastianstr. 12 6,—. Samuielstelle der„Neuesten Nachrichten", Falkenberg 30,47. Rcdaktton des„KreisblatteS" in Phritz 080,—. Redaktion deS „Egelner Tageblattes", Egeln 139,32. Nedaltion der„Pädagogischen Ztg.", van Lehrer» gesammelt 776,47. Expedition des„Mecklenburger Tageblatts", Weimar 409,—. Wildberg-Odcnspteler Kriegerverein 12,—. Expedition des „Anzeigers" in Artcrn 31,—. Sammlung deö Magistrats in Möckern 146,30. Stauimtisch Ilmpfenbach, Brieg 3,—. 4 Skatbrüder in Puber» bach 15,24. Roedeltus, Oberstabsarzt, Weißenburg E. 30,—., Schiedsmanns- Bezirk 66, aus einem Vergleiche 9,80, Th. Schulz, Osicrburg, 3. Rate 400,—. Profestor L., Berlin 7,—. Kauf» lcute und Schtfferbrüdcrschaft In Stade 100,—. Expedition des„KretS- blattes" in Schievelbei», 5. Rate 250,—. Expedition deö„Mecklenburger Tageblatts" in Wismar 103,80. Gemeinde Schloßvorstadt Calbe 50,—, Scheiding, August, Stadtverordneter 80,—. Beitrag der>wtadt Herne 500,—. Magistrai zu Neustadt, Hcrzogthum Koburg, Sammlung sllr Schlesien 101,99. Hilfskomitee zu Vegeiack 1520,59. Lokalkomitee zu Frankfurt a. O, als 6. Rate 203,-. Durch HauSsammlungen in Berlin 199 649,72 M., außerdem Beiträge durch zahlreiche Reichs-Postanstalten. Sclmlrwaaren imr bei Herren- und Knaben-Konfektion nur bei Cigarren und Cigaretten nur bei Kjeiderstoffe fnr Damen nur bei Düte, Schirme, Kandschnhe nur bei Teppiche und Gardinen bei IdMsli «nd�l�Kmlfhaus: Ander Spandauer Brücke A. II. Kanfhaus: Potsdamerstrafie 106 a. Ecke Steglitzerstrafte. III. K-iufhauS: Grüner Weg 31, Ai,drc�s-Pla IV. Kaufhaus: Jerusalemerstratze 30M, Ecke Zimmerstrasjc. Wrin.iium.IiWeurtu.koguacett.i»»'»»«! ksdnl! im»mme von Sciiniimsi-en. üei'l'en-ksl'llei'ilie. lügilsfL«. I-iPenm nni! ffllelikMen mit Ililmiillieti'Ieli. 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