Einzelpreis 30 Pfg... 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint morgens und nachmittags, Sonntags und Montags nur einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus für Groß- Berlin 10 M. im voraus zahlbar. Für Postbezug nehmen sämtliche Boftanstalten Bestellungen ente Jegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Desterreich, Ungarn, Danzig, das baarsu. Memelgebiet sowie die früheren deutschen Gebiete Polens u.Lngemburgs 20 M., ir das übrige Ausland 27 M. per Brief bez. für Deutschland u. Defterreich- Ungarn 95 m. Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin C2, Breite Straße 8-9. Sonnabend, 21. Mai 1921 Nummer 231 Morgen- Ausgabe Die achtgespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum koftet 5,- M. einschließlich Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2,- M., jedes weitere Wort 1,50 M. einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,20 m. netto pro Belle. Stellen Gesuche in Wort- Anzeigen: das feitgedruckte Wort 1,50 M., jedes weitere Wort 1,- M. Fernsprecher: Zentrum 15230-152 39 greiheis Berliner Organ ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Entspannung in Oberschlesien Die Haltung der Regierung Nach Meldungen aus Paris verzeichnet, die dortige Presse mit großer Befriedigung die Antwort, die Reichskanzler Wirth an den französischen Botschafter in Berlin auf die Aufforderung der französischen Regierung erteilt hat, Deutschland möge den Transport von Kriegsmaterial und Freiwilligen nach Oberschlesien unterbinden. Der Reichskanzler hat dem französischen Botschafter geantwortet, die deutsche Regierung habe bereits dieselbe Aufforderung oon der Kontrollkommission erhalten und darauf habe schon am 14. Mai General v. Seedt die nötigen Anordnungen erlassen. Wirth gab erneut die Versicherung ab, Deutschland werde nicht in Oberschlesien intervenieren. An dem Willen des Reichskanzlers, dieses gegebene Versprechen zu halten und eine deutsche Intervention in Oberschlesien zu verhindern, fann faum gezweifelt werden. Aber die deutsche Regierung wird größere Energie aufwenden müssen, als bisher, um Quertreibereien Der Orgeschleute unmöglich zu machen, die, wie einige Meldungen zeigen, die wir nachfolgend veröffentlichen, tatjächlich im Gange find. Die Zustände im Aufruhrgebiet In einer ausführlichen Meldung aus Kattomizer deutschen Rreifen" wird bestritten, daß das Telegramm Korfantys, in dem er sich erbietet, seine Streitträfte zurückzuführen, ernsthafte Bedeutung habe. Korfanty habe keine Linie angegeben, bis zu Der ein Rückzug erfolgen soll. Korfantys angeblicher Rückzug perde in jenen Kattowizer deutschen Kreisen nur als ein neuer Versuch zur Schaffung einer Demartationslinie angesehen. Jede auch nur im geringsten günstige Bewer tung der Lage sei durchaus unangebracht. Auch andere Meldungen wollen wissen, daß die polnischen Banden nunmehr den Bandenkrieg auf eigene Faust führen. Es liege eine Fülle von Einzelheiten vor über schwere törperliche Mizhandlungen. Auch in der englischen Presse wird nunmehr behauptet, daß sie Franzosen in Oberschlesien deutlich zugunsten der Polen Par tei ergriffen hätten. Der Sonderberichterstatter der Times" in Rattowiz führt als Beweis für die Parteinahme der Franjosen zu Gunsten der Polen mehrere Fälle an, bei denen die Un= tätigteit und die Unwilligkeit der Franzosen gegen die polnischen Aufständischen vorzugehen, deutlich zum Ausbrud fommen. Der Berichterstatter erklärt, die polnische Grenze tehe immer noch offen. 3üge mit Vorräten und Munition für die Aufständischen liefen fast täglich ein. Der Mangel an Lebensmitteln macht sich in Oberdieser schwächlichen Haltung gegenüber den bayerischen OrgeschPolitikern erwachsen. Dresden, 20. Mai. Zu den Vorgängen auf dem Dresdener Hauptbahn. hof, wo nach Mitteilung der Presse der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei angeblich Partei angeblich bayerische Orgesch Leute, nach deren eigener Aussage Heimattreue Obers schlesier, einen Zusammenstaß mit dem Hauptbetriebs. rat hatten, weil sie Waffen mit sich führten, wird von der Nachrichtenstelle der Staatskanzlei folgendes mitgeteilt: Noch bevor die Presse darüber berichtete, haben sich Mitglieder des Deuts schen Eisenbahnerverbandes an den fächsischen Ministerpräsidenten mit dem Ersuchen gewandt, bei der zuständi gen Reichsbehörde eine Untersuchung über die Vors tommnisse zu veranlassen. Der Ministerpräsident hat dieser Bitte entsprochen. Immer noch Werbungen Ferner wird uns über die Werbungen für Oberschlesien ge= schrieben: Die gestrige Ausgabe des„ Dziennik Berlinski" bringt unter Berufung auf die„ Schlesische Zeitung" genaue Angaben über die Freiwilligenorganisationen und die Werbungen für die Freitorps in Oberschlesien. Nach der„ Dziennit Berlinsti" erklärt die Schlesische Zeitung" selbst, daß das Verbot der Werbungen durch die Interalliierte Kommission im Widerspruch stehe mit der ersten Erlaubnis, die die Interalliierte Kommission zur Bildung dieser Freiforps erteilt habe. Es spricht dann von dem deutschen Feldzug gegen die Polen in Oberschlesien und berichtet, daß durch Breslau täglich Hunderte von Bewaffneten fahren. Der Konzentrationspunkt dieser Transporte sei Brieg. Die ,, Dziennit Berlinsti" berichtet dann weiter aus eigener Quelle, daß die Freiwilligen täglich 50 Mart erhielten und außerdem 20 Mart Kampfzulage". Sie behauptet, daß in Berlin ein Werbebureau in der Gartenstraße 6 existiere, in der Wohnung eines Herrn Ledwocha, dessen Leiter ein gewisser Fuchs sei. In Breslau läge die Hauptleitung der Werbungsstellen beim Hauptmann v. Aulock, der nach Angabe der„ Dziennik Berlinski" schon 20 000 Leute angeworben haben soll. Die Haupttransportorte find in Glaz, Neiße, Charlottenbrunn. Die Füh rung im Kreise Rosenberg soll in den Händen des Generals von Arnim liegen. Ueber das Konzentrationslager Sielow bei Cottbus berichtet die„ Dziennik Berlinski" durch das Zitat weiterer Namen der dort verhafteten aus Oberschlesien abtransportierten Polen. Pflichten der Stunde Die politische Situation ist noch immer recht wenig ge flärt. Die als Notbehelf vor Annahme des Ultimatums ent standene Regierung ist weder endgültig konstituiert, noch in programmatischen Umrissen erkennbar. Gewiß sind die Schwierigkeiten, die einer solchen Klärung im Wege stehen ungeheuer groß. Aber der großen Masse des arbeitenden Volfes ist mit diesem Hinweise ebensowenig gedient, wie mit einer Politik des Hinhaltens, Verschleierns und Hin- und Herbalancierens, die das Kennzeichen jeder politischen Schöpfung ohne inneren Halt und ohne feste Grundlage ist Wie liegen die Dinge? Die Regierung Fehrenbach Simons, diese erste rein bürgerliche Regierung, die sich an gemaßt hatte, das Deutsche Reich über alle inneren und äußeren Krisen hinwegzuhelfen, verschärfte durch ihre Un fähigkeit und Schwäche die außenpolitische Krise von Monat zu Monat, um dann, unmittelbar vor Ablauf des Ultima tums, ihr völliges Unvermögen zu erklären und zurückzu treten. Die Deutschnationalen und die Deutsche Bolkspartei hatten nicht den Mut, das Ultimatum der Entente, das die Folge ihrer eigenen verbrecherischen Kriegspolitik ist, zu unterzeichnen. 3war ging aus den Aeußerungen Streses manns furz vorher deutlich hervor, daß die Deutsche Volkss partei nicht übel Lust hatte, das Ultimatum zu unterzeichnen und die Regierung zu übernehmen, wenn ein Kompromiß zwischen Stinnes und Loucheur, das heißt, zwischen dem deutschen und französischen Großkapital, zustande fäme Dieses Kompromiß zerschlug sich jedoch, weil die Deutsche Bolkspartei aus Furcht vor der Opposition der Deutschnatio nalen die Forderungen des Ultimatums über die Entwaff nung und die Aburteilung der Kriegsverbrecher nicht glaubten übernehmen zu können. Die drüdenden wirtschaft lichen Forderungen des Ultimatums hätte die Stinnespartet geschludt, in der Hoffnung, mit Hilfe der Entente die Lasten auf die Schultern der arbeitenden Klassen abzuwälzen. diskutabel" jedoch waren für sie, nach dem Geständnis des ,, Lokal- Anzeigers", die Forderungen über die Entwaffnung und die Aburteilung der Kriegsverbrecher und deshalb überließ diese Partei, mit geringen Ausnahmen, die Lösung der Krise, die hauptsächlich durch ihre Schuld entstanden war, den übrigen Parteien. In Die Desertion der Deutschen Volkspartei aus der Regierung wurde dadurch erleichtert, daß sich die Rechtssozia listen nach einigem Schwanken und Zögern bereit fanden, zusammen mit dem Zentrum und den Demokraten eine neue Regierungskoalition zu bilden. Das Anerbieten der Unab hängigen Sozialdemokratie, unter Sinzuziehung der Ges werkschaften eine sozialistische Regierung zu bilden, wurde von den Rechtssozialisten verworfen, angeb miffion behauptet alleret ernſter fühlbar. Die Interallierte Kom- Die heimlichen Rüstungen dauern fort! ich weil eine solche Regierung feine ale weit ichhaltig, oder die Kommission die Schuld daran tragen, sondern die Eisenbahnbeamten in Oppeln. Sie weigern sich angeblich, die Lebensmitteltransporte abfahren zu lassen. Von anderer Seite wird betritten, daß diese Erscheinung auf den bösen Willen jener Eisenbahnbeamten zurückzuführen sei. Die Beamten halten die Transporte in Oppeln auf, weil die Interalliierte Kommission nicht in der Lage sei, für einen ausreichenden Schutz der Bahnbeamten Sorge zu tragen. Bayerische Orgesch und Oberschlesien Drahtmeldung unseres Korrespondenten München, 20. Mai, Bon München gehen Extrazüge mit Freiwilligen nach Oberschlesien ab. So wurde, wie unser Münchener Organ, der Kampf“, berichtet, am Mittwoch, den 18. Mai, abends 8 Uhr, ein Extrazug nach Oberschlesien kurz vor dem Berliner Abendschnellzug als Vorläufer abgefertigt. Durch Offiziere in 3ivil wurden„ Zivilisten", die ahnungslos biesen Extrazug mit benugen wollten, in zwei besondere Wagen ganz nach vorn und in den Abendschnellzug verwiesen. Ein Werbeoffizier holte einige junge Bauernburschen, die vers jehentlich in den Berliner Schnellzug eingestiegen waren, heraus und brachte fie, wie er sich ausdrückte, in den„ Militärzug". Die Freiwilligen, meist junge Leute und Studenten, riefen bei der Abfahrt:„ Wir befreien Oberschlesien!" und brüllten nationalistische Lieder, wie in den August tagen 1914. Die bayeris sche Regierung, der das Verbot von Freiwilligenwerbungen burch die Reichsregierung bekannt sein muß, hat auch Kennts nis von dem Abfahren der Extrazüge und billigt bieses provokatorische Vorgehen stillschweis gend ohne Rücksicht auf die schwerwiegenden Folgen, die dadurch für Deutschland entstehen können. Die„ Süddeutsche Presse" bemerkt heute zur Einwohnerwehrfrage:" Wie wir hören, besteht in bayerischen Regierungsfreisen bie Absicht, eine Form zu finden, daß große Teile der bisherigen Einwohnerwehr in Gestalt eines Ortsschutzes beibehalten werden können. Die in dieser Hinsicht in Berlin gepflogenen Be sprechungen haben zu einem befriedigenden Ergebnis geführt." Man will also anscheinend die Einwohnerwehren auf diesem Umwege für Bayern erhalten. Das bisherige Vorgehen der Reichsregierung zeigt bisher nicht die erforderliche durchgreifende Energie. Wenn die Reichsregierung auch fernerhin, wie es bisher den Anschein hat, dem bayerischen Drud nachgibt, so fällt auf je die Berantwortung für alle meiteren Schwierigkeiten, die aus Trotz der entschiedenen Warnung der Regierung vor der An= von Freiwilligen für Oberschlesien wird der Unfug doch noch fortgesetzt. Einzelne Ortsgruppen der ,, Heimattreuen Oberschlesier" erlauben sich sogar zwangs= weise Einberufungen vorzunehmen. Vor uns liegt Vor uns liegt folgendes Schriftstück: Ortsgruppe der Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier. Berlin, den 20. Mai 1921. Laut Bekanntmachung der Zeitung ist jeder Oberschlesier verpflichtet, sein Vaterland zu verteidigen, und so fordern wir Sie auf, am 21. Mai, vormittags von 8-12 Uhr, mit Legitimationspapieren und Bescheinigung Ihres Arbeitgebers, daß Sie beschäftigt sind, sich zu melden. Sollten Sie nicht erscheinen, so werden wir weitere Maßnahmen treffen. Hochachtungsvoll Ortsgruppe der Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier. Große Frankfurter Str. 125. Wer hat die Heimattreuen Oberschlesier" ermächtigt, diese Einberufungen zu erlassen, wer gibt ihnen das Recht, weitere Maßnahmen" zu treffen? Wir erwarten von der Regierung, daß sie hier ebenso wie in allen ähnlichen Fällen mit Energie durchgreift und die verantwortlichen Personen zur Rechenschaft zieht! Antimilitaristische Kundgebungen in Frankreich Paris, 20. Mai. „ Petit Parisien" meldet aus Dijon: Jm Augenblick des Abganges von Infanterie und Jägern zu Fuß nach dem Rhein fanden einige Kundgebungen statt. Es sei notwendig gewesen, anderes Militär in Anspruch zu nehmen, um die Kundgebungen zu unterdrücken. Der Militärzug hätte trotzdem unter dem Gefang der Internationale abgehen fönnen. Es sei den Offizieren burch ihr entgegenkommendes Verhalten möglich gewesen, die Soldaten zur Ruhe zu veranlassen. Sumanite" stellt den Zwischenfall etwas ernster dar und erklärt, er hätte sich in einem Reservistenlager bei Dijon in der Nacht zum Mittwoch ereignet. Die Soldaten hätten den Gesang„ Krieg dem Krieg" angestimmt. Zugeinschränkungen auf den österreichischen Eisenbahnen, infolge bes Mangels eines ausreichenden Nachschubes oberschlesiFuchom Donnerstage treten weil auch die jetzige Regierung feine Mehrheit im Reichstage hat. Der wirkliche Grund dürfte wohl darin zu suchen sein, daß die Rechtssozialisten auch diesmal, ebenso wie nach dem Kapp- Putsch, nicht die Entschlossenheit aufzubringen vermochten, Hand in Hand mit den sozialistischen Parteien und Gewerkschaften, und gestützt auf das gesamte klassenbes wußte Proletariat, die Regierung in die Hand zu nehmen, durch eine Reihe rascher und wirksamer Maßnahmen im Sinne des Sozialismus die Sympathien der breiten arbei tenden Massen zu gewinnen und eine neue Etappe proletari scher Machterweiterung zu eröffnen. Was ist nun die Folge dieser zaghaften, ausweichenden Taktik? Die jetzt gebildete Regierung hat durch die Unterzeichnung des Ultimatums eine Reihe schwerwiegender und einschneidender Verpflichtungen übernommen, die nur durchzuführen sind, wenn sie mit aller Rücksichtslosigkeit und Energie die vielfachen Widerstände der besitzenden Klassen überwindet. Es ist schwer zu glauben, daß eine Regierung, in der der Demokrat Geßler für das Reichswehrministerium verantwortlich zeichnet, die Entwaffnungsforderungen durchführen, oder daß der Demokrat Schiffer, dessen zweideutige Haltung aus der Zeit des Kapp- Putsches unvergessen ist, in seiner Eigenschaft als Reichsjustizminister die Forderung der Aburteilung der Kriegsverbrecher verwirklichen wird. Und nicht minder illussionär ist die Erwartung, daß diese vorwiegend aus kapitalistischen Elementen zusammengesezte Regierung bei der Beschaffung der gewaltigen Summen für die Wiedergutmachung die kapitalfräftigen Schichten entSprechend heranziehen würde. Schon jetzt mehren sich in der bürgerlichen Presse die Angstrufe, daß die Regierung Wirth den besitzenden Klassen einen Teil der Wiedergutmachungslasten aufbürden wolle. Charakteristisch für diese Stimmung ist der Hilferuf, den die großkapitalistische Kölnische Zeitung" darüber ausstößt, daß im neuen Kabinett die Widerstände gefallen seien, die sich den Finanzplänen Dr. Wirths bislang entgegengestellt haben. „ Mit Wirth heißt es dann weiter fann sich nunmehr die Erzbergersche Politik ausdehnen. Es beginnt wieder das System des Heraufschraubens der direkten Steuern bis zum Weißbluten unseres Betriebskapitals. Es steht mit Sicherheit zu erwarten, daß der Rest von Vermögenssubstanz, in dem unsere Wirtschaft ihre schwachen Wurzeln hat, dem Verband ausgelie. fert wird, um das Kabinett von der Gunst der breiten Masse, denen das Steuerzahlen anderer eine populäre Beschäftigung ist, fallen and mit dem fazialistischen Seenhaus das Bite gertum herabzudrüden und einen gleichmäßigen Lebensstandard herbeizuführen, der für die Gesamtheit das Begetieren in einem Sumpf bedeutet." Die Angst des großfapitalistischen Organs, daß das Bürgertum durch stärkere Heranziehung zur Abtragung der Wiedergutmachungslaften auf dasselbe elende Niveau der Lebenshaltung herabgedrüdt werden könnte, auf dem sich die große Masse des arbeitenden Volkes befindet, ist ein wertvolles Eingeständnis dafür, daß die besitzenden Klassen Deutschlands nicht daran denken, die Lasten, die durch Unterzeichnung des Ultimatums, übernommen werden mußten, ent sprechend ihrer wirtschaftlichen Kraft abzutragen. Sie wissen sehr wohl, auch dafür ist das Eingeständnis der„ Kölnis schen Zeitung" ein wichtiges Dokument, daß das arbeitende Volt in einem„ Sumpf vegetiert", während große Teile des kapitalistischen Bürgertums sich an den ungeheuren Dividenden der Industrie, der Banten, des Handels, der Landwirtschaft usw. mästen. Aber weil in bürgerlichen Schichten das Klassenbewußtsein und das Solidaritätsgefühl stärker ausgeprägt ist als in breiten Kreisen der proletarifchen Massen in Stadt und Land, fönnen sie auch jetzt noch den Versuch unternehmen, ihre wirtschaftliche Vormachtstellung mit Zähnen und Klauen zu verteidigen und die arbeitenden Massen durch Aufbürdung der Reparationslasten noch tiefer in den„ Sumpf" hineinzustoßen, in dem sie jetzt ,, Degetieren". Es fann feinem Zweifel, unterliegen, daß der Kampf um die Verteilung der Wiedergutmachungs= Tasten den Hauptinhalt der innerpolitischen AuseinanderSegungen in Deutschland in den nächsten Monaten bilden wird. Die arbeitenden Massen, die nach unanfechtbaren Statistischen Feststellungen ungefähr auf ein Drittel ihrer Lebenshaltung vom Jahre 1913 herabgedrückt sind, sind physisch nicht in der Lage, eine weitere Herabdrückung ihres Lebensniveaus durch höhere Preise, niedrigere Löhne, längere Arbeitszeit und vermehrte. Steuern zu ertragen. Gie werden sich des halb mit aller Energie dagegen wehren, daß ihnen jegt noch der Milliardentribut aufgebürdet wird, den Deutschland an die Entente zu zahlen hat. Andererseits treffen die fapitalistischen Klassen, geführt von den Kapitänen der Großindustrie und der Banken, bereits alle Vorkehrungen, um ihre Kapitalien und Dividenden, um ihren beweglichen und unbeweglichen Besitz vor der Belastung zu schützen, die durch die Wiedergutmachung geboten ist, und die zweifellos Dom Großkapital und Großgrundbesitz getragen werden fönnte. Der bevorstehende Kampf ist also eine wichtige Etappe des Klassentampfes, ein Teil der Auseinandersetzung zwischen Bourgeoisie und Proletariat um unmittelbare reale Interessen, die das Kernproblem ber gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Lage Deutschlands berühren. Es ist unter diesen Umständen verständlich, daß die bürgerlichen Parteien bereits jetzt ihren Feldzug gegen den ihnen unsympathischen Minister Wirth begonnen haben und alles daran lezen, um das bisher noch nicht komplettierte Kabinett durch Heranziehung der Deutschen Volkspartei zu ergänzen. Es ist zwar ein himmelschreiender Unsinn und eine Gefähr dung der gesamten außenpolitischen Stellung Deutschlands, wenn eine Partei, die die Unterzeichnung des Ultimatums abgelehnt hat, in eine Regierung eintritt, die sich die restLose Ausführung des Ultimatums zur Pflicht gemacht hat. Weder fann eine solche Partei im Lande selbst ernst genommen werden, noch fann die Entente an den Willen Deutschlands glauben, die Verpflichtungen des Ultimatums auszuführen, wenn die Partei des Herrn Stinnes in der. Regierung sitt. Doch was ficht die Herren von der Schwerindustrie und der Bankokratie diese inner- und außenpolitische Gefahr an? Für sie handelt es sich in erster Linie darum, die realen Gefahren abzuwenden, die ihrem Geldbeutel drohen. Das deutsche Volk und das Reich mögen dabei zu Grunde gehen. Weil die Dinge so liegen, ist die Annahme, daß die innere Krise zum größten Teil überwunden sei, eine trügerische Jllusion. Die Krise muß vielmehr in dem Augenblid einen verschärften Charakter annehmen, wo das Kabinett aus seiner gegenwärtigen Zurückhaltung heraustritt und fein eigentliches Antlig zeigt. Es wäre vielleicht denkbar und manche fchlauen Tattiter mögen wahrscheinlich schon daran gedacht haben, daß das Kabinett, das gegenwärtig über feine Mehrheit im Reichstag verfügt, fich mit Hilfe wechselnder Mehrheiten an der Macht zu halten versucht: heute mit Hilfe der Unabhängigen gegen die Deutsche Volkspartei und die Deutschnationalen, morgen mit Hilfe der Deutschen Volkspartei gegen die Unabhängigen. Aber angesichts der ungeheuer zugespizten Klassengegensätze und der gewaltigen Bedeutung der auf der Tagesordnung ftehenden Auseinandersegungen ist ein solches Spiel unseinem demnächstigen Zusammentritt entsprechende Vorschläge zunächst unterbreiten. Diese Vorschläge sollen teine Doktordissertation darstellen, sondern wir wollen sofort versuchen, die bereits. vorliegenden Gesegesvorlagen mit neuen zu verknüpfen und sie in rascher Aufeinanderfolge im Parlament durchzubringen, damit wir größere Mittel für die Reparationssumme flüssig machen. Auf die Frage von Dr. Sarter, wie sich der Reichskanzler die von einer großen Mehrheit des Volkes gewünschte Verbreite= rung der Regierung dente, knüpfte Herr Dr. Wirth an seine legten Ausführungen an, indem er sagte: Bei der Vorlage der von mir erwähnten Gesezentwürfe wird es sich entscheiden, ob der Reichstag und die Parteien willens sind, die von dem Kabinett beschlossene Politik fortzusetzen. Ich nehme an, daß bei der großen Not, in der sich unser Bolt befindet, alle Parteien sachlich mitarbeiten werden, wenn diese Vorlagen kommen, und daß sich daraus die erforderlichen Umgruppierungen der politischen Kräfte ergeben. Sollten unsere Vorschläge aber eine Ablehnung erfahren, so nehme ich an, daß seitens der Parteien ergänzende oder abändernde Vorschläge gemacht werden, die sich als Verbesserung unserer Vorschläge kennzeichnen und auf Grund deren wir das Ziel, das wir ja schließlich alle wollen, erreichen. Der Reichskanzler bemerkte noch, daß auch den Fragen, die sich aus dem gewaltigen wirtschaftlichen Problem für die Organisa= fion der Wirtschaft selbst ergeben, größte Beachtung zu schenten sei, und daß über diese von der Deffentlichkeit viel erörterten Fragen Besprechungen eingeleitet worden seien. Die Ausführung des Ultimatums Berlin, 20. Mai. Die Maßnahmen, die sich aus der Annahme des Ultimatums als notwendig ergeben, werden zurzeit von der Reichsregierung vorbereitet. Bei den großen technischen Schwierigkeiten, die namentlich hinsichtlich der die Ausfuhr betreffenden Fragen zu überwinden find, ist es verständlich, daß endgültige Entschließungen noch nicht gefaßt werden konnten. Mit einer gewissen Unsicherheit wird deshalb der Außenhandel vorerst leider rechnen müssen. Als sicher kann jedoch gejagt werden, daß diejenigen Beträge, die in Zukunft von einzelnen Ententestaaten vom Ausfuhrgegenwert der deutschen Ausfuhr erhoben werden, den Erpor teuren durch das Reich in Papiermart erstattet werden. Die technische Durchführung der Auszahlung seht aber noch einige vorbereitende Verhandlungen voraus, nach deren Abschluß mit der Auszahlung begonnen werden wird. Der Beginn der Auszahlung wird seinerzeit öffentlich bekannt gemacht werden. Auch im übrigen besteht für die an der Ausfuhr beteiligten Wirtschaftskreise tein Anlaß, bei ihren geschäftlichen Maßnahmen Zurüdhaltung zu üben; denn soweit es in Ausführung des Ultimatums etwa erforderlich sein sollte, auch deutscherfeits einen Teil der Ausfuhrgegenwerte zu erfassen, werden diese Beträge in Papiermart zurüderstattet werden. Ob und inwieweit die Reichsregierung bei Aufstellung des Programms für die innere Finanzierung der dem Reich aus dem Ultimatum erwachfenden Lasten Ausfuhrabgaben in Vorschlag bringen muß, wird zurzeit eingehend geprüft. Es werden aber ähnlich, wie dies seiner 3eit bei der sogenannten sozialen Ausfuhrabgabe geschehen ist, für eine ben geschäftlichen Bedürfnissen entsprechende Uebergangszeit solche Ausfuhrgeschäfte von der etwaigen neuen Ausfuhrabgabe frei gelassen werden, die vor Intrafttreten der Abgabe in handelsüblicherweise und mit handelsüblichen Fristen abgeschlossen worden find. Bon zuständiger Stelle erfahren die P. P. N.: Am 20. Mai, mittags 12 Uhr, ist die erste Frist abgelaufen, die von der Interalliierten Militärtontrollkommisston in ihrer Note vom 12. Mai zur Ausführung der Entwaffnungsbestimmungen des Ultimatums gesetzt worden ist. Innerhalb dieser Frist hat die deutsche Regierung die von der Kommission festgesetzten Höchstzuweisungen von Material an das Heer und für die Seebefestigungen anzuerkennen. Sie hat sich der von der Kommission aufgestellten Liste der zur Herstellung von Heeresgerät zugelassenen Fabriten zu unterwerfen. Es waren ferner die Befehle über die Ablieferung der Geschüße, Waffen und des Gerätes der Landfestungen und über die Abgabe des Ausführungsmaterials für die Küstenbefestigungen zu erlassen, um der Kommission mitzuteilen. Die geforderten Erklärungen find sämtlich vor Ablauf der Frist vom Auswärtigen Amt im Namen der Reichsregierung vorbehaltlos abgegeben worden. Der Reichswehrminister hat bereits am 13. Mai die Befehle für seinen Bereich erlassen, die anderen Befehle sind am 19. Mai ergangen. Die nötigen Folgerungen dieser Befehle find gezogen, die Ausführungsanweisungen sind erteilt. Die Sehnsucht nach den Stresemännern TU. Oldenburg, 20. Mai. „ Märtyrer der politischen Justiz" In der Deutschen Zeitung" widmet der Reichsgerichtsrat a. D. 5. Wittmad den Märtyrern der politischen Justiz" einen langen Artikel. Dabei wiederholt er die von unserer Fraktion bei ihrem Antrag auf Aufhebung der Sondergerichte gemachte Feststellung.„ Man scheute sich dabei nicht, sich über die Bee stimmung des Artikels 105 der Reichsverfassung hinwegzusehen, wodurch Ausnahmegerichte für unstatthaft erklärt worden." Wie aber, so wird man sich fragen, kommt die Redaktion der nationalistischen„ Deutschen Zeitung" dazu, durch einen Reichsgerichtsrat a. D. die Verfassungswidrigkeit der Ausnahmegerichte nachweisen zu lassen, nachdem sie den Antrag unserer Fraktion aufs heftigste betämpft und die wahnsinnigsten Urteile der Sondergerichte gegen Arbeiter nicht nur begrüßt, sondern noch vielfach als zu milde bezeichnet hatte? Sollte der Chefredakteur Mar Maurenbrecher dem deutschnationalen Blatte durch Aufnahme des Artikels ein Kududsei ins Nest gelegt haben? Mit nichten! Die Märtyrer der politischen Justiz" find nicht die Tausende, oft zu Unrecht, in allen Fällen aber übermäßig hart bestraften Arbeiter, sondern wirkliche Verbrecher. Es find jene Räuber, Mörder, Frauenschänder und Gefangenenschinder, deren Bestrafung die Entente im Friedensvertrag verlangt hat und deren beschleunigte Aburteilung in dem Ultimatum jefor dert wird, weil die sogenannte deutsche Justiz es bis jetzt imr er noch nicht über ihr Herz bringen fonnte, diese Verbrecher in uni form für ihre Schandtaten zur Rechenschaft zu ziehen. Darun die Tränen des Artikelsschreibers der„ Deutschen Zeitung", der einstens sozusagen als Richter des obersten deutschen Gerichtshofes tätig war. Nun haben wir's ,, Alles in allem: Eine Seifenblase ist geplakt. Alles in allem:] In dem Prozeß gegen den Prinzen Eitel Friedrich wurden die ehrabschneiderischen Haberfeldtreiber gegen die Mitglieder des Hauses Hohenzollern schwer verurteilt." So zu lejen in einem Leitartikel der Berliner„ Post", der sich mit dem Kapitalvers schiebungsprozeß gegen den Hohenzollern Eitel Friedrich befaßt. Aber nicht der Kapitalschieber, der 5000 M. Geldstrafe berappen muß- allerdings eine Bagatelle ist ber Berurteilte, sondern als Schuldige gingen aus dem Prozeß hervor alle jene, die von bem entwidelten Geldinn der Hohenzollern und von den Kapitalverschiebungen dieser Familie mit Hilfe des verrufenen holländischen Bankiers Grußer sprachen. Und womit begründet die„ Post diesen Nachweis? Eitel Friedrich wollte nur etwas über 300 000. in Sicherheit bringen und nicht vielleicht 60 Millionen. Das erinnert denn doch zu sehr an jenes Mägdelein, das auf die Frage, ob es ein Kind bekommen habe, antwortete:„ Ja, aber nur ein ganz fleines". Ein Kuckuckset Dem Reichstage ist der Entwurf eines Geseges über die Rege lung des Verkehrs mit Getreide zugegangen, den er in seiner legten Sigung dem volkswirtschaftlichen Ausschuß überwiesen hat. Dieser wird sich am 30. Mai mit dem Entwurf beschäftigen. Die bürgerliche Presse tnüpft daran die Mitteilung, daß der Gesezentwurf das Plenum des Reichstages nicht mehr beschäftigen werde, da nach Ansicht des voltswirtschaftlichen Ausschusses zur Annahme des Gesetzentwurfs lediglich eine Abänderung des jezt gültigen Geseges notwendig sei. Diese Erwartungen werden nicht in Erfüllung gehen, denn, nachdem der volkswirtschaftliche Ausschuß die Befugnis zur vess einfachten Gesetzgebung nicht mehr besigt, muß er über seine Verhandlungen dem Plenum genau so gut Bericht erstatten, wie jeder andere Ausschuß. Die Agrarier werden also um die ihnen anscheinend sehr unangenehme Erörterung ihrer Absichten nicht herumfommen. Lügen der„ Roten Fahne" Der gestern von uns veröffentlichte Artikel des Genossen Ro senfeld über das deutsch- russische Abkommen hat es der Roten Fahne" angetan. Sie schwindelt das Blaue vom Himmel, um gegen diesen völlig zutreffenden Artikel irgendetwas sagen zu tönnen. Die Rote Fahne" behauptet, daß Genosse Rosenfeld die kapitalistische Stinnes- Regierung der Regierung der ruffi schen Arbeiter und Bauern gleichgesetzt habe, während jeder halbwegs deutsch verstehende Leser das gerade Gegenteil in dem Artikel findet. Das Blatt der Kommunisten rechnet offenbar mit Lesern, die nur die Rote Fahne", aber nicht die Freiheit" lesen. Die„ Rote Fahne" glaubt sogar, die unzweifelhafte Tatsache aus der Welt lügen zu können, daß unsere Partei seit Jahren die Herstellung der politischen und wirtschaftlichen Be ziehungen zu Rußland gefordert hat! Das Blatt der Kommu nisten rechnet mit Lesern, die nicht einmal die Verhandlungen als ob Genosse Rosenfeld die Herstellung engerer Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland als Wert deutscher Juristen betrachtet, während dies nach der„ Roten Fahne" nur das Werk der deutschen Arbeiterklasse sein fann. Wörtlich hatte Genosse Rosenfeld geschrieben:„ Das deutsche Proletariat und seine Vorfämpferin, die U. G. B. D., hat die Aufgabe, die deutsche Res gierung auf diesem Wege( zu einer Verständigung der deutschen Republik mit der russischen sozialistischen Sowjetregierung) weiterzutreiben zum Besten des deutschen und des russischen Voltes." Die ganze Bolemit der Roten Fahne" entbehrt alsa jeder fachlichen Begründung. denkbar. Will eine Regierung mehr fein als eine vorüber: Die Demokraten und das Ultimatum des Reichstages verfolgen! Schließlich tut die„ Rote Fahne“ so, gehende Erscheinung, will sie die übernommenen Verpflichtungen durchführen, so muß sie eine flare Entscheidung treffen: entweder fie regiert gegen die Arbeiterklasse, und das bedeutet die Einheitsfront des Proletariats gegen die Regierung, der sich auch die rechtssozialistischen Koalitionsdiplomaten wohl oder übel fügen müssen; oder aber sie regiert mit der Arbeiterklasse gegen die Parteien der politischen und wirtschaftitchen Reaktion, dann ist sie verpflichtet, ein larumrissenes Programm einzuhalten, das den Interessen der breiten Maffe des arbeitenden Volfes entspricht. Dieses Programm ist in dem Aufruf unserer Parteileitung stizziert und darüber soll noch in einem besonderen Artikel gesprochen werden. Der Reichskanzler zur Lage Eine Unterredung mit Dr. Wirth Der Reichskanzler Dr. Wirth empfing am 20. d. M., DoTmittags, den Chefredakteur der Tageszeitung„ Der Deutsche", Dr. Sarter, zu einer Besprechung, bei der die Gesamtlage erörtert wurde. Dabei wies der Reichskanzler u. a. auf folgendes hin: Was die Entwaffnungsfrage in Bayern angeht, bie von der Deffentlichkeit in legter 3eit mit großer Sorge betrachtet worden ist, so haben wir natürlich weder ein Ultimatum noch eine besondere Note nach Bayern gerichtet. Derartige Gerüchte sind unsinnig. Ich stehe aber mit den maßgebenden Männern in Bayern in fteter Fühlung, und habe bei den Besprechungen mit ihnen die Ueberzeugung gewonnen, daß uns die Lösung des Entwaffnungsproblems gelingt, und daß bie innere Bewegung in Bayern sich so vollzieht, wie es nötig ist, um das Reich aus der schwierigen Situation zu retten. Was die übrigen Forderungen der Entente angeht, so haben wir, nachdem wir einmal das Ultimatum angenommen haben, die Verpflichtung, die Forderungen nach Möglichkeit zu erfüllen, und das werden wir tun. Das Kabinett ist augenblicklich mit der Ausarbeitung der Vorschläge beschäftigt, die wir machen müssen, um den finanziellen und wirtschaftlichen Bedingungen des Ultimatums möglichst gerecht zu werden. Ich werde dem Reichstag bei Nach einer Rede des Reichsministers a. D. Koch in einer Verfammlung demokratischer Vertrauensmänner über die Annahme des Ultimatums wurde eine Entschließung angenommen, in der die Gründe anerkannt werden, die einen Teil der demokratischen Abgeordneten zur Annahme des Ultimatums bestimmt haben, nicht gebilligt, dagegen der Eintritt der Demokraten in das Kabinett Dr. Wirth, weil es in seiner jegigen Zusammenfegung für die Durchführung des Ultimatums zu schwach sei. Das Kabinett Dr. Wirth solle ehestens im Sinne einer Koalition Don Dr. Stresemann bis Scheidemann erweitert werden, damit es eine größere Attionsfähigkeit erhalte. Die Forderungen des Reichskanzlerkandidaten Wie wir berichteten, war auch dem Kölner Oberbürgermeister Adenauer beim jüngsten Regierungswechsel der Reichskanzlerposten angeboten worden. Er hat die Annahme dieses Angebots abhängig gemacht von bestimmten Bedingungen in bezug auf den Achtstundentag und die Sozialisierung. Die sozialistischen Stadtverordneten in Köln haben jetzt im Zusammenhang damit an den Oberbürgermeister folgende Anfrage gestellt: Der Herr Oberbürgermeister hat nach Bressemeldungen, denen er bisher nicht widersprochen hat, bei Verhandlungen über eine etwaige Berufung als Reichstanzler u. a. die Bedingung gestellt, daß bei Bedarf" der Achtstundentag abgeschafft werden müsse. Wie eine öffentliche Erklärung der Kölner Organisation des Staats- und Gemeindearbeiterverbandes und des Deutschen Ver tehrsbundes zeigt, hat die Stellungnahme des Herrn Oberbürgermeisters lebhafte Beunruhigung hervorgerufen. Ist der Herr Oberbürgermeister als Chef einer Verwaltung, die zu den größten Arbeitgebern im Reich gehört, bereit, über seine Stellung zum Achtstundentag Antwort zu geben?" Wir find begierig, was Herr Adenauer zu anmorten haben wird. Sinnfeinerüberfälle in London. In einer der letzten Nächte ist die englische Hauptstadt der Schauplatz zahlreicher Ueberfälle und Brandstiftungen gewesen, die nach Ansicht der Londoner Polizei Sämtlich den Sinnfeinern zur Last gelegt werden müssen. Man Schließt dies daraus, daß in zehn verschiedenen Stadtvierteln gleichzeitig nur Säuser überfallen worden sind, deren Insassen in Derwandtschaftlichen Beziehungen zu Angehörigen der frischen Polizei stehen. Die Terroratte der Sinnfeiner haben in London große Erregung hervorgerufen, da fünf der überfallenen Personen sehr schwere Verwundungen erlitten haben. An einigen Stellen, so in Battersen und North Woolwich, versuchten die Ginnfeiner mittels Petroleum und Paraffin Feuer an die Häuser zu legen, indessen konnten die entstandenen Brände leicht gelöscht werden. Wrangel und Frankreich. Die Konstantinopler Zeitung ,, Stam bul" veröffentlicht einen Brief Wrangels an die französische Regierung, in dem Wrangel Frantreich ein unehrliches Spiel mit der Krimarmee vorwirft und sagt, Frankreich habe die Krimarmee in eine verzweifelte Lage gebracht, um die russische Flotte in die Hand zu bekommen, und habe das Leben von Zehntausen den ruffischer Soldaten auf dem Gewissen, die auf Frankreichs Vers anlassung in den Kampf gezogen waren. Bestrafung von Eisenbahnbieben. In der Strafprozeßfache gegen 62 Eisenbahnzugführer, Schaffner, Rangierer und Eisenbahnarbeiter aus dem Eisenbahndirektionsbezirt Erfurt und einige Frauen wegen zahlreicher Eisenbahndiebstähle oder Hehleret wurden 35 ugetlagte zu Gefängnisstrafen von 6 Wochen bis zu 2 Jahren 6 Monaten verurteilt. Die übrigen wurden freis gefpromen Die französische Kammerdebatte In der französischen Kammer fand gestern die am Donnerstag begonnene große politische Debatte ihren Fortgang. Es liegen darüber folgende Meldungen vor: Paris, 20. Mai. In der heutigen Sigung der Kammer ergriff zunächst der tom munistische Abgeordnete Marcel Cachin das Wort. Er wurde in seiner Rede wiederholt unterbrochen, und es tam zu lebhaften Auseinandersegungen. Cachin erklärte, daß der Fries densvertrag von Versailles und die anderen Friedensverträge, sowie die später hinzugekommenen Abkommen ein Europa geschaffen haben, das sich in einer viel schwierigeren Lage befinde als das Europa vor 1914. Die Entente habe nach den Worten eines englischen Journalisten Europa baltanisiert. Aufteilungen hätten unter dem Einfluß der internationalen Großfinanz stattgefunden. Zwei Jahre nach der Unterzeichnung des Vertrages von Versailles set zur größten Ueberraschung wieder das Wort ,, casus belli"( Kriegsfall) ausgesprochen worden. Der Redner fragte, ob man etwa geglaubt habe, die Norm für einen internationalen Frieden aufstellen zu können, ohne Rußland zu fragen; ob man etwa geglaubt habe, den Frieden in Europa aufrichten zu können, indem man ein Land von 150 Millionen Einwohnern außerhalb ließ; habe man etwa die Frage der Meerengen und die im nahen Asien ohne Rußland lösen wollen? Seit 48 Stunden seien die Mißverständnisse zwischen dem englischen und dem französischen Ministerpräsidenten so, daß eine Krisis in der Allianz die Lage noch komplizierter gestaltet habe. Cachin ging alsdann dazu über, die Frage von Oberschlesien zu be=" Sprechen. Er drückte die Befürchtung aus, daß die Lösung, die man finden werde, keine Friedenslösung sei, weil nicht mir der Raffenhaß den Abschluß eines Friedens schwieriger gestalte, sondern weil große internationale Interessen der Schwerindustrie und der Kohlenerzeuger die Frage komplizierten. Cachin verlangte vom Ministerpräsidenten, daß er endgültig auf die Bes jegung des Ruhrgebietes verzichte, die die Mobilisierung der Jahrestlasse 1919 veranlaßt habe. England habe Frankreich gefragt, ob es allein in das Ruhrgebiet einziehen wolle.( Viele Abgeordnete riefen: ja! ja!) Cachin erklärte zum Schluß, die jungen Leute der Jahrestlasse 1919 seien schlecht in den Kasernen untergebracht und unzufriedenheit habe sich schon gezeigt. Kriegsminister Barthou erhob Widerspruch gegen diese Behauptung, sodann ergriff der Abgeordnete Forgeot das Wort. Er besprach an erster Stelle den Betrag der Reparations schuld Deutschlands. In seiner Umgebung habe man nach dem Abkommen von London den Eindruck der Erleichterung gehabt; nach Prüfung der Tatsachen habe er aber Enttäuschung empfunden. Die Reparationstommission habe den Betrag der Gesamtforderung der Alliierten auf 132 Milliarden festgesetzt. Dadurch werde die Forderung Frankreichs auf 68 Milliarden Goldmart beftimmt. Zwischen dem, was man früher als Bes trag der Schäden erklärt habe, und dieser Summe bestehe ein solcher Unterschied, daß man der Ursache dieser Differenz nach gehen müsse. Die Reparationstommiffion habe ohne Rüdsicht auf die Zahlungsfähigteit Deutschlands den Betrag zu bestimmen. Forgeot fuhr fort: Die Herabsetzung durch die Reparationstommission sei auf eine falsche Interpretation des Wechselkurses zurüdzuführen. Wenn man eine Schuld herabsetzen wolle, dann laffe man den Wechselkurs spielen; aber die Reparationstommiffion hätte Rüdsicht nehmen müssen auf alle Lasten Frankreichs, die durch den Wechselkurs veranlaßt worden seien. 715 Goldmart entsprechen heute einer Pension von 2000 Franken; aber wenn der Kurs herunterginge, so seien diese vielleicht nur 875 Franken wert, während Frankreich 2000 Franten bezahlen müsse. Sei das Gerechtigkeit? Nach seiner Ansicht habe die Reparations tommiffion bei ihrer Berechnungsmethode rouge et noir( rot und schwarz) gespielt. Das Ergebnis sei, daß Deutschland nicht nur nicht bezahle, was es schulde, sondern daß Frankreich nicht einmal scheinbar so dastehe, daß es Opfer gebracht habe. Ein früherer Ministerpräsident habe die französische Forderung auf 110 Milliarden Goldmark angegeben. Niemand in Frankreich habe einen Centime mehr verlangen wollen, als man gerechter weise fordern tönne; aber müssen. man hätte anders falfulieren Jegt stelle ich die Frage, ob das Abkommen von London gegen über dem Abkommen von Paris ein 3urüdweichen bebeute. Er antworte darauf mit Ja und wolle das beweisen. Nach seiner Ansicht müßte die deutsche Ausfuhr jährlich 30 Milliarden übersteigen, wenn die Annuitäten des Abkommens von London höher sein sollten als die des Abkommens von Paris. Ein Land tonne ohne Export leben; ein Land tönne seine Kapis talten exportieren, und es sei möglich, daß man eine Verpflan zung der deutschen Tätigkeit nach Desterreich und Rußland her vorgerufen habe. England habe eine Steuer von 30 Prozent auf die deutsche Ausfuhr gelegt. Dieser englische Brotettionismus sei nicht günstig für Frankreich.( Beifall.) Der Rebner führt die Emission der letzten Serie von Schuldverschreibungen im Betrage von 82 Milliarden an, die nur dann erfolge, wenn die Repazationstommission das für opportun halte. Er stellt sich deshalb die Frage, ob Frankreich durch das Abkommen von London genug erhalten habe, um seinen Verpflichtungen nachzukommen. Frantreich habe Schulden im Betrage von ungefähr 500 milliarben Mart, davon Kriegsschulden und Vorkriegsschulden im Betrage von 133 Milliarden, furzfristige Schulden im Be ( Beifall.) Die französische Demokratie habe das Recht, sich nicht durch das Abkommen von London zu binden, das in seinen Folgen zum Ruin des siegreichen Frankreichs gegenüber einem Deutschland führen müsse, das den Kopf wieder erhöbe. Selbst mit dem Abkommen von London würde Frankreich bluten und es würde die Hälfte seines Kapitals aufwenden, um die Penfionen und Kriegsschäden zu bezahlen. Das siegreiche Frankreich habe das Recht auf etwas anderes. Das Urteil seines Gewissen lautet deshalb: Haltet ein! Nein! Nach dieser Rede wurde die Sigung auf einige Zeit unterbrochen. Nach Wiederaufnahme der Sigung ergriff Minister Loucheur das Wort. Minister Loucheur erklärte, der Abgeordnete Forgeot habe mit einem beachtenswerten Talent die politischen und finanziellen Gründe auseinandergesezt, die ihn dazu führten, der Regierung sein Vertrauen zu verweigern. Er wolle, beweisen, daß eine große Anzahl von Tatsachen, die von Tardieu und Forgeot vorgebracht wurden, unbegründet seien. Forgeot habe tlar heraus gesagt, daß das Parlament das Recht hätte, die Entscheidung der Repa reißen. Das wäre ein ernster Att. Er habe auch einen Irrtum rationsfommission, die Deutschland übermittelt wurde, zu zerbegangen, als er der Reparationsfommission vorgeworfen habe, sie habe nicht den Aufbauwert in Franken berechnet. Die Penfionen feien auf einer mittleren Linie berechnet worden. Bedeutung habe nur, daß alle Schäden repariert und alle Pensionen bezahlt würden. Dubois habe eine Gesamtsumme von 126 Milliarden genannt. Forgeot habe gesagt, die Vertreter von Frankreich und Belgien hätten in der Reparationsfommission ihre Wünsche durchsetzen können. Das Unglüd aber sei, daß zwischen der Ziffer von Dubois und der Belgiens ein Unterschied bestanden habe; einen Augenblick habe Dubois ganz allein gestanden. Rönne man nun mit den 68 Milliarden Goldmark, die Frankreich erhalte, alles bezahlen? Loucheur gibt zu, daß durch den Wechselkurs eine Schwankung von 10-20 Milliarden möglich sei. Forgeot habe als einzig positives erklärt, die deutsche Tätigkeit müsse für den Wiederaufbau in Anspruch genommen werden. Salte er es für möglich, 300 000, 400 000, 500 000 Deutsche in Frankreich arbeiten zu lassen? Denn nur das allein habe einen Wert. Gewiß set die Zahlung in natura ein ausgezeichnetes Mittel, aber fönne denn Frankreich das Absatzgebiet für die gefamte industrielle Tätigkeit Deutschlands werden? Es sei nicht wahr, daß England dem deutschen Export die Grenzen verschlossen habe. England habe nur die gemeinsame Entscheidung zur Anwendung gebracht. Die Bedürfnisse Europas nach einem derartigen Kriege seien so, daß der deutsche Export die angesetzte Höhe erreichen könne, ohne daß die französische Tätigkeit beeinträchtigt werde. Aber schließlich, welche anderen Zahlungsmittel deutsche Export sei? wolle man denn für Deutschland vorschlagen, wenn es nicht ber deutsche Export sei? Er hätte gern gesehen, wenn Forgeot Kapital hätte nach den Berechnungen des englischen Finanz etwas praktischeres vorgebracht hätte. Die Abgabe vom deutschen ministers Theunis nur 5-6 Milliarden Goldmart, also taum macht habe, beruhe auf sehr ernsten Berechnungen, aber die Ereine Annuität ergeben. Die Abschägung, die die Regierung ge hebung vom Kapital sei ja ein Zahlungsmittel, an das stünden dieser Art feindlich gegenüber. Wenn Deutschland bereit man noch heute denken könne. Aber andere Länder, wie Belgien, sei, die vielen Milliarden Papiermart abzugeben, was solle man damit anfangen, solle man etwa nach Deutschland kaufen gehen? das Bolt, das bezahlen müsse, durch Arbeit bezahle. Frant Niemand hätte eine andere Lösung vorschlagen fönnen, als daß reich habe in London gesagt, es sei notwendig, daß die Welt ber Gläubiger Deutschlands werde. Zum ersten Mal habe man dieses Problem mit den Engländern und Belgiern besprochen und habe eine Lösung gefunden, die der franzöfifchen Forderung eine vergessen, das er mit ihm aufgesezt habe, um die Macht Sicherheit in der Welt gebe. Tardieu habe das Dokument befugnisse der Reparationstommission zu bestimmen, zum ersten mal habe man in London eine Lösung zustandegebracht, die die französische Schuld sicherstelle. Man habe leichtfertig von der Garantiekommission gesprochen, die die Zahlung der Schuld sicherstelle. Diese Kommission sei wirklich eine Garantietommission. Man habe auch gesagt, man wolle Deutschland wie die Türkei behandeln. Die Garantiekommission habe die Aufgabe, die deutsche Schuld zu internationalifieren. Die Reparationstommission habe nach dem Vertrag von Bersailles das Recht gehabt, die Zahlungen Deutschlands hinauszuschieben. Diese Gefahr habe man beseitigt. Frankreich habe jetzt Deutschland gezwungen, das Maximum zu bezahlen. Niemals sei ein anderes Zahlungsmittel, auch nicht in der Kammer, vorgeschlagen worden, als das, zu dem man jett gelangt sei. Deutschland müsse viel exportieren, damit es reparieren tönne, ohne der wirtschaftlichen Tätigkeit Frankreichs Schaden zuzufügen, und ohne daß das in Widerspruch stehe mit dem Wiederaufbau der befreiten Gebiete. Minister Loucheur überläßt dem Ministerpräsidenten Briand bie Sorge, in politischer Hinsicht den Kritikern zu antworten. Hierauf wurde nach einer furzen Geschäftsordnungsdebatte die Weiterberatung auf Dienstag nachmittag vertagt. irage von 67 Milliarden, Schulden bei der Bank von Frank Der französische Kommunistenkongreß reich im Betrage von 25 Milliarden, Kapitalisierung der Ben fionen im Betrage von 60 Milliarden und Kriegsschäden im Betrage von 140 Milliarden. Wenn der Kurs weiter falle, dann mürbe auch die äußere Schuld finten. Aber die Amputierung ber Forderungen an Deutschland sei beträchtlich; dann würden eben bie 68 Milliarden Goldmart später nur 86 Milliarden Goldfranfen betragen. Man müsse Deutschland fragen, was es besigt an Rohmaterialien für den Wiederaufbau und an Kohlen. Deutschland fönne aber auch für Frankreich eine Handelsflotte herstellen. Forgeot erkennt an, daß der Sozialistische Wiederaufbauplan mit Realitäten rechne. Forgeot fuhr fort: Aber aus Gefühlsgrünben sei er gegen die Verwendung der deutschen Arbeiter.( Beifall.) Im Augenblic, in dem man Deutsch= land sage: Arbeite, exportiere, Sperre England feinen Markt ab, jei es da nicht das Natürliche, daß man dem deutschen Markt den französischen öffne? Aus diesem Grunde behalte 3ahlung in natura im Auge. Man tönne auch das beutsche Papiergeld als Zahlung annehmen. Wenn Deutschland Jein gesamtes Papiergeld Frankreich übermittelt habe und Frankreich noch in natura bezahle, dann könne es nicht mehr sagen: tommt und holt euch, was wir schuldig sind! Wenn Briand der Kammer nicht das Recht zuerkenne, das Abkommen von Lonbon zurüdzuweisen, was sei dann aus seinem Versprechen ge worben, daß die Kammer ihre Verantwortlichkeit übernehmen müsse? Die Ablehnung des Abkommens von London durch das Barlament sei weniger ernst als die Weigerung des amerikaniichen Senats, den Friedensvertrag von Versailles zu ratifizieren, als die Annullierung des englisch- amerikanischen SchußvertraBes und als die legten Worte Lloyd Georges über Oberjchlesien, er eine Am Sonntag begann in Paris der erste Kongreß der franzö fischen Kommunisten.„ Er verlief," so vertündet die„ Sumanité" in breiter Schlagzeile ,,, in einer Atmosphäre vollkommener Herzlichkeit". Dasselbe tonnte man auch von dem Kongreß in Tours sagen. Auch bort herrschte volltommene Herzlichkeit". Weniger vollkommen war freilich die Einmütigkeit, und auch dies Schicks sal scheint der Kommunistische Kongreß mit dem Kongreß von Tours gemeinsam zu haben. Wenigstens tam es schon am ersten Tag zu einem Zwischenfall, der zu einer zeitweiligen Unterbrechung des Kongresses führte. Ueber den Verlauf des Kongresses gibt die fommunistische Sumanité" einen vorsichtig aufgemachten Bericht, der aber doch manche interessante Feststellung enthält. Den breitesten Raum des ersten Tages füllte eine Rede des Generalsekretärs L. O. Frossard. Er bemühte sich sichtlich, den denkbar größten Optimismus zur Schau zu tragen, um gar keinen Eindrud, als hätten jemals in der Parteileitung abweichende Auffassungen bestanden, aufkommen zu lassen. Die Mitgliederzahl bezifferte er auf 121 000. Die größte Föderation ist die bes Seine- Des partements mit 14 000 Mitgliedern. Das Oberelsaß stellt 1800, Das Unterellaß 4500 Mitglieder. Tageszeitungen besitzt die Kommunistische Partei in ganz Frankreich nur fünf. Das größte Blatt ist die Sumanité, deren Auflage 200 000 Exemplare bes tragen soll. Auf die Konflikte, welche sämtliche tommunistische Parteien zurzeit beherrschen, und die durch den Märzputsch der deutschen Kommunisten nur einen neuen Anstoß erhalten haben, ging Frossard mit feinem Worte ein. Es sei denn, man deutet folgenbe allgemeine Wendung als eine Stellungnahme hierzu: ,, Wir sind eine große revolutionäre, politische Macht. Wir sind eine Partei, die weiß, was sie will. Unsere Partei will bie Revolution, aber sie wird die Arbeiter masse nicht zu Abenteuern führen, weil sie die heftigen vereinzelten Kundgebun gen nicht mit methodischer Vorbereitung Ser Revolution verwechselt." Das wäre jedenfalls eine scharfe Verurteilung der von der Kommunistischen Internationale gutgeheißenen Putschmethode der deutschen Kommunisten, und da Frossard hierin unwidersprochen blieb, so gilt dies als eine Absage der gesamten fran zösischen Partei. Die vollkommene Uebereinstimmung", die nach Frossard zwis schen der französischen Parteileitung und Mostau besteht, scheint also zum mindesten nicht sehr feft gefügt zu sein. Darüber täuscht sich auch der schlaue Frossard nicht, und darum hat die Parteileitung den am 1. Juni in Mostau beginnenden Inters nationalen Kongreß erst garnicht auf die Tagesordnung gesjekt, sondern einfach von sich heraus zwei Parteigenossen nach Moskau Delegiert. Borfeuil hat nach Frossard dieses Vorgehen der Parteileitung einer scharfen Kritik unterzogen, auf die Frossard nur mit einem verlegenen Vorwand zu antworten vermochte, daß die Partei die Regierung nicht auf den Moskauer Kongreß aufmertsam machen wollte, um sich nicht der Möglichkeit der Beschickung dieses Kongresses zu begeben. Auf die Frage, mit welchem Mandat die beiden Delegierten nach Mostau gereist seien, antwortete Frossard: Was die Beziehungen der Eretutive zu den nationalen Parteien angeht, so wurde gefordert: Weder Unterordnung noch absolute Unabhängigkeit! Außerdem werde die Notwen digkeit betont, daß die Unabhängigkeit der französischen Ge werkschaften unbedingt gewahrt werden müsse. Was die Kons flifte innerhalb der Kommunistischen Internationale angehe, so seien die Delegierten angewiesen, sich über die Einzelheiten zu erkundigen, da diese in Frankreich nicht hinreichend befannt feten. Ausdrücklich werde die Unzweckmäßigkeit vereinzelter revolutionärer Bewegungen betont. Solche Versuche würden in Frankreich von vornherein zum Mißerfolg verurteilt sein. Die Kritit von Verfeuil löste auf dem Kongreß einen großen Lärm aus. Die Delegierten versuchten, den Redner am Sprechen zu verhindern, und erst auf ausdrücklichen Wunsch Frossards hin fonnte Verfeuil seine Kritit fortsetzen. Der Sturm brach von neuem los, als Berfeuil die von Frossard aufgestellte Behaup tung, die Parteileitung sei immer und in allen Fragen eins mütig gewesen, widerlegte und daran erinnerte, daß insbe sondere über die Stellungnahme zu dem Mobili sierungsbefehl die Auffassungen sehr entgegengesetzt ge wesen wären. Wie auf dem Kongreß von einem andern Redner festgestellt worden ist, soll dieser Mobilmachungsbefehl von meh reren fommunistischen Bürgermeistern und kommunistischen Ge meindeverwaltungen sogar gegengezeichnet worden sein. zwei kommunistische Bürgermeister hatten die Gegenzeichnung verweigert. Bringt man dies in Verbindung mit der gesamten politischen Haltung der französischen Kommunisten, so tann man Verfeuil faum widersprechen, wenn er erklärte:„ Die Politit der Partei nach Tours unterscheidet sich nicht von der Bolitit vor Tours." Nur Ueber den weiteren Verlauf des Kongresses wird noch zu bes richten sein. Aus der Wirtschaft Die Schieber beim Wiederaufbau In einer großen bürgerlichen Tageszeitung war fürzlich fola gende Anzeige zu lesen: „ Wiederaufbau- Aufträge! Groß- Berliner eingetr. Firma, die mit den maßgebenden Reichsbehörden enge Fühlung hat, übernimmt die Interessenvertretung leistungsfähiger Firmen und Fabriken aller Bran chen, welche sich an Lieferungen jegl. Art bzw. Wiederaufbauarbeiten beteiligen wollen. Laufende persönliche, erfolgvers sprechende Bearbeitung zugesichert. Interessenten. Die Schieber, die sich an den Kriegslieferungen bereicherten, wollen an den Wiederaufbauarbeiten die gleichen Profite machen. Die den Unternehmern des Baugewerbes dienende Bauwelt" warnt unterm 19. Mai davor, daß Aufträge von Reichsbehörden erst durch Mittelsmänner an die einzelnen Unternehmer und Fabriten gelangen. Jedem leistungsfähigen und fachkundigen Handwerker sollte es freistehen, sich an Arbeiten zu beteiligen. Fassen aber erst derartige Firmen wie die anzeigende bei Tür und Tor geöffnet." dem Reichskommissariat festen Fuß, dann wird der Korruption Man wird dieser Warnung vor den Schiebern zustimmen, aber im Allgemeininteresse noch darüber hinausgehen und verlangen müssen, daß bei den Wiederaufbauarbeiten die kapitalistischen Profitmacher nach Möglichkeit überhaupt ausgeschaltet werden. Warum die Reichsschulden anwachsen. Die am 19. Mai in Berlin abgehaltene außerordentliche Aftionärversammlung des Lothringer Sütten- und Bergwerts Vereins hat die Erhöhung des Aftientapis tals beschlossen; die neuen Attien werden den bisherigen Altionären zum Vorzugspreise angeboten, außerdem werden sie rüdwirkend ab 1. Juli 1920 dividendenberechtigt, In der Bersammlung wurde mitgeteilt: Wegen der endgültigen Abgeltung unserer Entschädigungsansprüche für unser in Elsaß- Lothringen befindliches, durch Liquidation an Frankreich verlorenes Eigentum ist in den letzten Tagen mit der Regierung des Deutschen Reiches ein Bergleich zustande gekommen, bei welchem wir die Verpflichtung übernommen haben, die EntSchädigungssumme, deren Auszahlung zum Teil bereits stattges funden hat, zum Teil in fünfjährigen Raten geschehen wird, zum Ausbau der im deutschen Reichsgebiet gelegenen Werte und zur Neuanlage derartiger Werte sowie zur Herstellung von Wohnungen, und zwar ausschließlich nur für unsere Arbeiter und Angestellten zu verwenden." Die Leute, die hier aus Reichsmitteln entschädigt" werden, gehören zu den reichsten, die Deutschland überhaupt hat. Die deutschen Angestellten und Arbeiter aber, die infolge der Abtretung Elsah Lothringens arbeitslos geworden sind, erhalten keine entsprechende Bergütung. Die Deffentlichkeit hat ein Interesse daran, zu erfahren, wie viele Milliarden auf diese Weise aus Reichsmitteln an Unternehmer zu Lasten der Steuerzahler verausgabt worden, und wer die„ Entschädigten" sind. Aus der Parteipreffe Die soeben erschienene Nummer 19 des Sozialist" enthält folgende Beiträge: Das Kabinett Wirth und sein Programm von Rud. Breitscheid; Wie tommen wir zu einem Agrarprogramm? von Wilhelm Grumach; Die foziale Gleichheit im tommunistischen Rußland Don D. Dalin; Mostau und Wien von Otto Jensen; So 3ialismus und Familie von Paul Krische. Die Open- Shop"-Frage in Amerita. Der Sozialist" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle fcheib, Berlin W. 15, zum Preise von vierteljährlich 15 M., Einzel Buchhandlungen, durch die Post oder durch den Verlag T. Breit Summer 1,50 M. zu beziehen Verkauf in unseren Líchthöfen Sorveit Vorrat: HEUTE ONNABEND Handschuhe Kostüm- Stoffe für Damen, farbig, 2 Druckknöple Paar 550 grau, etwa 110 cm breif, für Röcke und Sportkostüme Meter 14.50 Bedruckter Strickbinder Seidenkrepp neue, moderne Muster Stück waschbar, ca. 90 cm breit Meter 3750 9.50 Herren- Hüte weich Wollfilz, moderne Formen und Farben 3450 Herren- Socken Baumwolle, gewebt, schwarz und farbig 590 Bluse Voile, entzückende Lichtfarben und Waschstoffe, hell gemustert 1550 Etamine für Gardinen, ca. 120 cm breit, Meter 1275 Schalkragen Stuhlkissen 275 elegant, feiner Balist mil breiter Filet- Spitze 2150 Einz. Korsette Damenmatelot 1650 Weisse Tee- und WienerSchürzen Batist u.Punktmull, m.Träger, reich garn. 1850 sdrwarz und farbig, verschiedene Formen 1425 vorgezeichnet. Quadrate 275 Madeira- Zeichnung Nähgarn schwarz und weiss 200 Meter 175 Stück Bierbecher 95 PL. 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H Berlín W50, Tauentzienstr. 21-24 Nr. 231 Groß- Berlin Die städtischen Werke Keine Umwandlung zu einer Aktiengesellschaft. Die B. 3. am Mittag" brachte gestern die Mitteilung, daß der Berliner Magistrat sich in seiner letzten Sigung im Grundsag für die Umwandlung der städtischen Werke in eine Attiengesellschaft ausgesprochen hätte. Wie wir dazu erfahren, ist diese Mitteilung vollkommen unrichtig. Der Magistrat hat sich lediglich mit den Richtlinien für die Tätigkeit der Deputationen der städtischen Werke und für die Organisation der etwa 75 Einzelunternehmungen der Einheitsgemeinde Berlin beschäftigt. Diese Richtlinien, die bereits in der Deputation der Werte eingehend beraten worden sind, und die eine leichtere Beweglichkeit der städtischen Werke, aber im Rahmen der städtischen Verwaltung, zum Ziele haben, find vom Magiftrat nur unwesentlich abgeändert worden. Von diesen Abänderungen bestimmt die wesentlichste, daß der Stadtbaurat für das Maschinenwesen stets zugleich Borsigen= der der Verwaltung der Werte sein soll. Ueber diesen Bunft waren in der Deputation Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Oberbürgermeister Bocß und einem erheblichen Teil der Deputation entstanden. Die Richtlinien in der vom Magistrat beschlossenen Form, werden jetzt die Konferenz der Bezirksbürgermeister beschäftigen und dann nochmals Gegenstand der Beratungen im Magistrat sein. Die irreführende Mitteilung der B. 3. hat aber ihre tiefer'e Ursache. Wie in anderen Orten Deutschlands, so sind auch in Berlin gegenwärtig lebhafte Bestrebungen im Gange, die Werke aus der städtischen Verwaltung herauszunehmen und für sie die Form der Attiengesellschaft zu begründen. Die Unabhängige Fraktion der Stadtverordnetenversammlung steht diesen Plänen ablehnend gegenüber. Für die Umwandlung der Werte in eine Jolche privatfapitalistische Form liegt in Berlin feinerlei Veran laffung vor. Die städtischen Werte sind in durchaus gutem Zustande. Ihre Rentabilität hängt vor allem von der Festsetzung der Gebühren und von der Gestaltung der Lohn- und Arbeitsbedingungen der Angestellten und Arbeiter ab. Es ist stets Grundsay sozialistischer Kommunalpolitit gewesen, die Verfügung über diese beiden Dinge in den Händen der von der Bevölkerung gewählten Vertreter zu lassen. An diesem Grundsatz muß auch durchaus festgehalten werden, um den Bestrebungen, die darauf hinauslaufen, die Gebühren forts dauernd zu erhöhen, und damit gleichsam eine indirette Stener von unsozialster Wirkung hemmungslos auszunuzen, zu be gegnen. Neben diesen Ursachen scheinen aber noch eine ganze Reihe von anderen wirksam zu sein, auf die näher einzu= gehen wir uns vorbehalten. Aus dem Artikel der B. 3. ist aber noch die folgende Stelle bemerkenswert: Auf der anderen Seite wird auch von den bürgerlichen Parteien anerkannt, daß eine ganze Anzahl von besol= deten Stadträten, die die Linke gestellt hat, und die ausnahmslos langjährige Kommunalpolitiker der GroßBerliner Gemeinden sind, sich durchaus bewährt haben." Bisher freilich schlug die bürgerliche Presse ganz andere Töne an. Beilage zur„ Freiheit" Das beschäftigt gewesene Personal ist, soweit als möglich, schon| zum Teil nach Beeliz versezt worden. Für diejenigen, die man in Beelig nicht unterbringen kann, wird eine Abfindung als Entschädigung gezahlt. Wir fordern nochmals im Interesse der unterernährten Kinder und Tuberkulosen, daß die Heilstätte auch nach dem 31. Mai der Allgemeinheit erhalten bleibt, und daß sofort Schritte unternommen werden, damit die Kinderstation wieder voll belegt wird. Der Fleisch- Großhandel in Berlin Der Bedarf an Fleisch für Berlin wird nur zu einem Teile lebend eingeliefert. Große Mengen Fleisch kommen geschlachtet hier an und werden in den Handel gebracht. Dieser Fleischgroßhandel spielt sich an verschiedenen Stellen ab, meist auf den Güterbahnhöfen, wo die Eisenbahnwaggons gleich als Verkaufsstände benutzt werden. Ein Tierarzt oder Fleischbeschauer ist anwesend, der sich darum fümmert, ob das Fleisch untersucht, gestempelt oder sonst einwandfrei ist. An der alten Zentralhalle in der Dircksenstraße tann man das besonders beobachten. Hier vollzieht sich der Fleischhandel unter Bedingungen, die völlig unhaltbar sind. Dunkle Keller, Durchfahrten, ehemalige Pferdeställe, Höfe und dergleichen sind zu Fleischräumen eingerichtet, die Reinigung läßt viel zu wünschen übrig. Alles mögliche Fleisch von Schlachttieren und andere Teile, wie Kaldaunen, Därme usw. hängt und liegt durcheinander, die Eingeweide, nicht gereinigt, entwickeln einen lieblichen Geruch. Vom Schlachthof sollen ungereinigte Därme nicht entfernt werden. Von außerhalb werden sie mitgebracht. Marktpolizei, Fleischbeschauer und Stempler, ja sogar ein Tierarzt ist da, und keiner will sehen, daß hier die gesundheitspolizeilichen Vorschriften von den Händlern außer Kraft gesetzt werden. Alles Fleisch, daß von auswärts eingeführt wird, und nicht tierärztlich untersucht ist, soll einer Nachkontrolle und Stempelung unterzogen werden, dazu ist eigens eine Untersuchungsstation eingerichtet. Und wie sieht es dort aus? Ein großes Schild hängt da:„ Jeder Handel ist in diesem Raum streng untersagt!" Es ist eine Jronie, denn nirgends wird soviel gehandelt, wie gerade in diesem Raum. Derartig viel Fleisch wird in diesen Raum gebracht, daß es ein Ding der Unmöglichkeit für den Tierarzt ist, das eingehängte Fleisch zu besichtigen. Polizeiliche Hilfe ist hier schon angerufen worden. Ohne Erfolg. Das interessanteste ist, daß der Handel bereits vor 5 Uhr beginnt, die Untersuchung aber erst um 7 Uhr. Wieviel Fleisch ist in dieser Zeit schon verkauft und nicht nachbeschaut worden? Man sagt, sogar Fleisch, das überhaupt nicht untersucht wurde. Welche gesundheitlichen Schädigungen entstehen aus dieser Gewissenlosigkeit der Händler? Aber noch eins! Der städtische Schlachthof und die Markthallen erfordern jährlich Zuschüsse über Zuschüsse. Fleischer und Händler benutzen diese städtischen Einrichtungen nicht. Angeblich wegen der hohen Gebühren. Man sollte nun meinen, daß Fleisch, welches in allen möglichen Winkelschlachthäusern ges schlachtet wurde, im Preise billiger sei, als auf dem Schlachthof geschlachtetes. Aber weit gefehlt. Einen Vorteil von der Umgehung des Schlachthofes hat nicht das taufende Publikum, sondern der Händler. Es sind auch noch andere Anreize vorhanden, die zur Meidung des Schlachthofes führen. 3. B. wurde auf dem Berliner Schlachthof ein Schlachttier verworfen, weil es schon vor der Schlachtung gestorben war. Der Eigentümer brauchte darauf den eigentümlichen Ausdruc:„ Das passiert mir nicht wieder." In Weißensee hätte ich das Tier glatt freibekommen. Hier liegt der wahre Grund für das Verhalten der FleischerZur Schließung der Kinderheilstätte Lichtenberg meister, die nicht auf den Schlachthof wollen. In den Vororten Der Betriebsrat der Kinderstation Lichtenberg meldet wiederum folgendes: Es ist die höchste Zeit, daß nun endlich zugepackt wird, um die Schließung der Kinderstation Lichtenberg zu verhindern. Von 75 hier untergebracht gewesenen Kindern sind nur noch 25 hier, diese werden auch am 26. Mai entlassen. Neuaufnahmen finden nicht mehr statt. Somit steht schon ein großer Teil der Heilstätte leer. Man geht bereits daran, die Villa zu Wohnungszweden herzurichten. Für einen aus einem der Güter der Landesversicherungsanftalt Berlin fommenden Beamten wird eine Wohnung eingerichtet aus drei Krantenzimmern, wo bisher 12 Kinder untergebracht waren, weiter ein Untersuchungszimmer und der für biefe 12 Kinder vorgesehene Speisesaal. Am 22. Mai sollen die Räume bezogen werden. Hundert Prozent Die Geschichte eines Patrioten Roman von Upton Sinclair Aus dem Manuskript übertragen von Hermynia 3ur Mühlen Copyright by Der Malit- Berlag Berlin- Halensee 1921 ( 57. Fortlegung) 70. ( Nachdrud verboten) Natürlich waren Peters Beteuerungen Mc Givnen gegenüber nicht buchstäblich zu nehmen; er hatte mehr als eine Frau angeschaut, doch hatte leider feine den Blid erwidert, Zuerst hatte sich Peter um Miriam Jankowitsch bemüht, die rundlich und hübsch war, doch hatte Miriam bloß für den im Gefängnis schmachtenden Mc Cormid Gedanken, außer bem mußte fie sich nach ihrem Abenteuer mit Bob Ogden ins Spital begeben, und Peter wollte natürlich mit einer Kranten nichts zu tun haben. Er tat auch noch anderen roten Mädchen schön, war auch bei ihnen nicht unbeliebt, doch behandelten sie ihn als guten Kameraden, schienen feineswegs die Theorie der freien Liebe befolgen zu wollen. Peter beschloß daher, nach einem Mädchen zu suchen, das feine Rote war. Dies würde ihm gestatten, fich zu erholen und zu unterhalten. Die Roten verstanden sich schlecht auf Unterhaltung, fie deuchte es eine 3erstreuung, sich in einem Zimmer zu versammeln und halblaut, um von der Polizei nicht gehört zu werden, die Internationale oder die Rote Fahne zu singen. An einem Samstagnachmittag begab sich Peter in ein Konfektionsgeschäft, das einem Sozialisten gehörte, faufte auf Kredit einen neuen Hut und Anzug. Dann verfügte er fich auf die Straße, sah ein nettes fleines Mädchen in ein Kino eintreten und folgte ihr. Sie wurden bekannt und soupierten miteinander. Sie war vornehm gekleidet und erzählte Peter, daß sie Maniküre sei. Ihre Ideen über Unterhaltung stimmten mit denen, Peters überein, er gab an diesem Samstagabend fein ganzes Geld aus und beSchloß, sobald er etwas Neues über die Roten zu berichten habe, von Mc Givney vierzig Dollars die Woche zu verlangen. Der folgende Tag war Ostersonntag. Peter traf seine Maniküre, und sie schlenderten die Bart- Avenue, die vornehme Straße von American- City entlang. Viele der Häus ser waren beflaggt, man sah eine Menge Männer in Uniform, alle Predigten beschäftigten sich mit triegerischen Dine wird es nicht so genau genommen. Es fann dem Tierarzt und Beschauer in den fleinen, einzelnen Schlachthäusern leichter etwas verborgen werden, als in Berlin, wo in den großen, hellen Hallen zuviel Augen sind. Die Bevölkerung Groß- Berlins hat einen Anspruch darauf, daß das wichtigste Nahrungsmittel, das Fleisch, unter absolut einwandfreien Verhältnissen hergerichtet und in den Handel ge= bracht wird. Die Möglichkeit hierzu besteht. Der Berliner Schlachthof hatte im legten Jahre ein Defizit von 18 Millionen Mart. Das Vieh wird vom Vichhof in allen möglichen Vororten geschleppt, der Schlachthof steht zur Hälfte leer. Bequemen sich die Herren nicht aus freien Stüden, dann muß mit 3wangsmitteln die Benutzung des Schlachthofes gen. Anscheinend war Christus auferstanden, um der Welt bie Demokratie zu sichern und das Selbstbestimmungsrecht der Nationen einzuführen. Peter und Fräulein Frisbie waren sonntäglich gefleidet, beobachteten die festliche Menge, Fräulein Frisbie studierte die Kleider der Damen, erlauschte etliche Broden aus ihren Reden, die sie flüsternd Peter mitteilte, und Peter fühlte, er sei auf den Olymp zurüdgefehrt. Sie betraten eine der aristokratischen Kirchen, die ,, Kirche des göttlichen Mitleids". Es war eine hohe" Kirche, mit Kerzen und Weihrauch, letzteren fonnte man freilich faum riechen, weil ihn die Lilien und der Parfüm der andächtigen Damen überdufteten. Peter und seine Freundin sezten sich in einen der ledergepolsterten Kirchenstühle und hörten eine der patriotischen Predigten des ehrwürdigen de Willoughby Stotterbridge, der stets in der Montagsausgabe der „ Times" lobend erwähnt wurde. Der ehrwürdige de Willoughby Stotterbridge zitierte etwas aus dem alten Testament, das sich mit der Ausrottung der Feinde des Herrn befaßte, lobpries den Triumph der amerikanischen Waffen und die herrliche Ueberlegenheit der amerikanischen Munition. Er verdammte die Bolschewiki und die anderen Verräter, forderte ihre sofortige Vernichtung. 3war berichtete er nicht, daß er sich unter der Menge befunden hatte, die die J. W. Ws. durchgepeitscht und die Redaktion der Trompete" gestürzt hatte, doch war aus seinen Worten ersichtlich, daß er ein derartiges Vorgehen verlange und gutheiße. Peters Brust schwoll vor stolzem Glüd. Es ist etwas wert, zu wissen, daß man seinem Vaterland dient, und die alte Fahne schützt, noch mehr jedoch ist es wert, versichert zu werden, man befände sich im Dienste des Allerhöchsten, der Himmel und seine Heerscharen stünden auf der gleichen Seite. Freudig erfuhr Peter, daß alles, was er getan habe, die Billigung des Gottesdieners hatte, der im heiligen Tempel des Allmächtigen, zwischen bunten Glasfenstern, hellbrennenden Kerzen, Weihrauch, Liliendust und dem Parfüm der vornehmen, entzückend gekleideten Damen des Olymps im Namen seines Gottes sprach. Freilich verwechselte Peter ein wenig die verschiedenen Mythologien, doch war seine Bildung recht vernachlässigt worden, und man durfte es ihm nicht verargen, wenn er die Großen der Erde so wie sie waren bewunderte, und alles glaubte, was sie lehrten. Der weißgewandete Chor durchschritt die Kirche, die Melodie des Liedes:„ Vorwärts, christliche Soldaten" era starb, Peter und seine Freundin verließen die Kirche des Sonnabend, 21. Mai 1921 herbeigeführt werden. Dasselbe gilt für die Händler. Wir ers heben die Forderung nach zentraler Schlachtung und zentralen Großfleischhandel für Groß- Berlin. Nur dadurch wird dem Konsumenten die Gewähr gegeben, daß der Handel mit Fleisch eina wandfrei vor sich geht. Wer bezahlts? Bei der Sipo find seit geraumer Zeit Unterrichtsturse in Englisch, Französisch, Mathematik u. s. f. bis zur Abiturienten prüfung eingerichtet. Herr Rettor Rehbaum ist der Geist, der über dem Ganzen stellenverteilend seinen Dirigentenstab schwingt. Jm Bezirk Treptow ist es Rettor Maedel, der die Pfründen verteilt. Viele Schulleute drängeln nur so an die Futterkrippe, denn pro Stunde gibt's 10 Mart. Es ist doch schön, Sipomann zu sein, sich vom Staate befleiden, belohnen, beköstigen und für höhere Examina vorbereiten zu lassen! Aehnliche Einrichtungen bestehen auch bei der Reichswehr. Gegen den Bildungsdrang der Jugend haben wir gar nichts, im Gegenteil! Wenn es sich aber um freie staatliche oder städtische Ausbildung von Proletarierfindern handelt dann ist natürlich fein Geld da! Wir fragen die zuständige Behörde hiermit: Wer bestreitet diese erwähnten Unkosten bei der Sipo und der Reichswehr? | Nebenbei sind wir der unmaßgeblichen Meinung, daß sehr viele Polizeibeamte vor Mathematit erst einmal Knigges Ums gang mit Menschen durchzunehmen hätten; in der Behandlung der Verhafteten sind noch sehr viele Bildungslücken auszufüllen! Die Finanzen der Provinz Brandenburg Der Finanzausschuß des Brandenburgischen Provinziallandtags hat den Hauptvoranschlag der Provinz für 1921 vorberaten und unterbreitet ihn dem Provinziallandtag mit mehreren Anträgen. Der Voranschlag soll in Einnahmen und Ausgaben mit 134 404 400 Mart festgesetzt werden. Folgende Entschließung an die Staatsregierung wird vorgeschlagen: Der Provinziallandtag ers hebt den Anspruch, daß die Staatsregierung durch eine der Gelde entwertung und der Lastensteigerung entsprechende Erhöhung der Staatsdotation und Neuordnung der Steuerverhältnisse die Weiterführung der Provinzialaufgaben sicherstellen wird. Wie für alle Provinzen gilt dies ganz besonders für die Provinz Bran denburg, die durch die Grenzverschiebungen zur Grenzmart ge worden ist und deshalb die weitestgehende Unterstügung ihrer Sozialen, fulturellen und wirtschaftlichen Aufgaben feitens des Staates fordern muß. Ferner beantragt der Finanzausschuß, den Provinzialausschuß um Prüfung zu ersuchen, ob sich die Wiederaufnahme des Betriebes der Borter Wassermühle bei Kyriz und die Erweiterung des Mütter und Säug lingsheims in Lübben empfiehlt. Der Finanzausschuß bes fürwortet weiter die Erhöhung der Pauschalfestsegungen für die Erstattungen der Provinzialaufwendungen für Arme, Geistess frante, Taubstumme usw., die Verstärkung des Landesmeliorations fonds zur Förderung weiterer landeskultureller Unternehmungen durch eine Anleihe bis zu 12 Millionen und die Bereitstellung eines Betrages bis zu 1 210 000 M. als Beihilfe an die Stadt Guben zum Neubau des Gubener Wehrs und der Reißebrücke. Ebenso sollen eine Anleihe bis zu 150 Millionen für die Zwede des Märkischen Elektrizitätsmer'ts aufgenommen und weitere 1 500 000 m. als Bautosten für die Hebammens lehranstalt in Neukölln nachbewilligt werden. Arbeiter- Radfahrer- Jubiläum Zu einer impofanten Kundgebung für die Arbeiter Radfahrer fache gestaltete fich die vom Gau 9 anläßlich des 25 jährigen Be Solidarität" verans stehens des Arbeiter- Radfahrerbundes Solidarität" staltete Sternfahrt nach Rathenow. Im Laufe des Sonnabend Nachmittag trafen die ersten Radler in Rathenow ein, und der Zustrom wurde mit jeder Stunde größer. Die Unterbringung der pielen Sportler hatte angesichts der augenblicklichen Wirtschaftslage einige Schwierigkeiten bereitet, aber dennoch eine glüdliche Lösung erfahren. Am Sonnabendabend vereinigten sich die bereits eingetroffenen Radler mit den Rathenower Genossen im Boltsgarten zu einem Kommers. Der Arbeiter- Turnverein Freiheit verschönte den Abend durch turnerische Vorführungen, während der ArbeiterMandolinentlub Fidelitas" für musikalische Unterhaltung sorgte. Die Ortsgruppe Berlin führte mit großem Beifall aufge= nommene Massenpyramiden aus, während die Ortsgruppe Rathenow mit einem 14er- Reigen aufwartete. Der Vorabend nahm einen harmonischen Verlauf. اوو göttlichen Mitleids", schlenderten abermals die Avenue ent lang. Dann begaben sie sich in den Park, wo es lauschige, einsame Eden für junge Leute gab, die sich füreinander intereffieren. Aber ach, das Schicksal, das Peter verfolgte, wollte ihm auch an diesem Morgen einen bösen Streich spies len. Am Eingang des Parkes begegnete Beter dem Genossen Schnitzelman, einem fetten fleinen Metzger, der der bolschewistischen Lokalgruppe angehörte. Peter versuchte auf die andere Seite zu schauen und vorüberzueilen, do paßte dies dem Genossen Schnitzelman nicht. Er stürzte sich auf Peter, die fleischige Hand ausgestredt, ein strahlendes Lächeln auf dem runden teutonischen Gesicht.„ Ach, Genosse Gudge, wie gehts heute morgen?" Sehr gut, dante", erwiderte Peter falt und wollte weiter haften. Doch hielt Genosse Schnitzelman seine Hand fest.„ So, Sie haben sich die Osterparade angeschaut? Was meinen Sie, tönnten wir allen Lohnstlaven diese paradierenden Leute zeigen, wir würden aus ihnen rasch genug Bolschewikt machen! Nicht wahr, Genosse Gudge?" 37 Ja, das glaube auch ich", entgegnete Peter noch fälter. Wir würden ihnen zeigen, wohin das Geld tommt, wie Genosse Gudge?" Genosse Schnitelman ficherte, und Peter sagte hastig:" Adieu", nahm seine Freundin beim Arm und zog sie eilends fort. Aber ach, es war schon zu spät. Etliche Minuten schritten fie in unheilverkündendem Schweigen dahin. Dann stand bie Maniküre jählings still, wandte sich Peter zu:„ Serr Gudge", fragte sie, was bedeutet das?" Natürlich vermochte Peter nicht zu antworten. Er wagte es nicht, ihren funkelnden Augen zu begegnen, schwieg, bohrte seinen Schuh in den Sand. Jch will wissen, was das bedeutet", beharrte das Mädchen. Sind Sie ein Roter?" Was fonnte der arme Peter sagen? Wie sollte er ihr feine Bekanntschaft mit dem deutschen Akzent, dem deutschen Gesicht erklären? 19 Das Mädchen stampfte zornig mit dem Fuß. ,, Sie find also ein Roter! Sind einer jener prodeutschen Verräter! Sie sind ein Schwindler, ein Spion!" Peter war vor Verlegenheit und Bestürzung völlig hilfs Ios. Fräulein Frisbie. Ich fann es Ihnen nicht ers flären Weshalb fönnen Sie es nicht erklären? Weshalb fann ein ehrlicher Mann es nicht erklären?" Wortegung folgt.) Bis zum Mittag des erften Feiertages waren alle Radler eingetroffen und es bürften annähernd 30 Orte mit über 1000 Radfahrern vertreten gewesen sein. Wenn man Rathenows ungünstige geographische Lage innerhalb des Gaus berücksichtigt, so ist dies immerhin eine respettable 3ahl. Nachmittags 2 Uhr fand vom Stadthof aus ein Korsofahren durch die Stadt statt und die große Zahl der Teilnehmer lockte auch den bürgerlichen Kreisen Bewunderung ab. Die Korsofahrt endete wieder auf dem Stadthof, und im Boltsgarten wickelte sich dann der Hauptteil des Festes ab. Eine schier unzählige Menschenmenge füllte.den großen schattigen Garten und auch jeder Sigplah war ausgenutt. Für die sportlichen Veranstaltungen hatte man im Freien ein Bodium mit einer Fahrfläche von 16 X 16 Meter geschaffen, auf dem die Rathenower Ortsgruppe als erste den Begrüßungsreigen fuhr. Der Gauleiter Deinert Berlin hielt darauf die Festrede, wies auf das 25jährige Bestehen des Arbeiter- Radfahrerbundes„ Solidarität" hin und gab einen Bericht über die Entwicklung des Bundes und der Ortsgruppen; der Gau 9 allein hat in den letzten zwei Jahren einen Aufschwung von 11 000 auf 20 000 Mitglieder erfahren. Redner richtete an die Anwesenden den Appell, weiter tatkräftig für den Arbeiter- Radfahrerbund zu wirken, um die noch Fernstehenden dem Arbeiterstande angehörenden Sportler für den Arbeiter- Radfahrerbund zu gewinnen. Der sportliche Teil nahm dann seinen Anfang. An dem Reigenfahren beteiligten sich Zentralriege Berlin, die Ortsgruppen Brandenburg, Wilmersdorf, Neufriedrichsdorf, Neue Schleuse, Kunstfahrer der Ortsgruppe Köpenid und Caputh. Die Vorführungen wurden mit viel Interesse bewundert, und die Radler zeigten, daß sie auch im Kunstfahren etwas gutes leisten können und den bürgerlichen Vereinen in feiner Weise nachstehen. Eine besondere Glanznummer bildete der 32er- Massenreigen, ausgeführt von einer kombinierten Mannschaft. Ohne jegliche Vorübung wurde der Reigen sehr gut gefahren und fand infolge der eratten Vorführung allgemeinen Beifall. Als sich die Schatten der Nacht über den Garten ausbreiteten, fand der sportliche Teil erst seinen Abschluß. Ein gemütliches Beisammensein hielt die Radler am Abend zusammen und auf allgemeinen Wunsch zeigten die Berliner nochmals ihre Massenpyramiden. Um 11 Uhr erreichte das Fest sein Ende. Am zweiten Feiertag früh 6 Uhr war wieder alles auf den Beinen, und, soweit man nicht im Laufe des Vormittags abfahren wollte, beteiligte man sich an dem von den Rathenower Genossen arrangierten Spaziergang. In der Nähe der Waldschente wurde Raft gemacht. Durch den Stadtwald ging es dann zurück zur Stadt, wo am Eingang bereits eine Musikkapelle ihrer wartete und mit flingendem Spiel ging es dann zum Voltsgarten. Der Rachmittag war denn auch ausschließlich der Gefelligkeit gewidmet, und abends vereinigte man sich zu einem Ball. So hat denn die Sternfahrt des Gaus 9 einen würdigen und harmonischen Verlauf genommen und hoffentlich dazu beigetragen, die Reihen des Arbeiter- Radfahrerbundes zu stärken. ** Milchlieferung. Die Belieferung der D- Kinderfarten für Sonnabend, den 21., Sonntag, den 22., und Montag, den 23. d. Mts ,, ändert sich wie folgt: Die D I- und D II- Kindertarten werden mit je ½ Liter, die DIII- Karten mit Liter Frischmilch beliefert. Wie bekannt, wird die Emulfionsmilch frei ausgegeben. Die Emulsionsmilch ist nach dem Gutachten des städtischen Gesundheitsamtes der Frischmilch völlig gleichwertig. Der Fettgehalt ist sogar ein höherer als der Durchschnittsfettzusatz der nach Berlin gelangenden Frischmilch. Jeder Milchhändler erhält auf Verlangen Emulsionsmilch geliefert. Sollte bei einzelnen Milchhändlern Emulsionsmilch nicht vorhanden sein, so ist diese jederzeit bei den weißen Bollewagen und in den Bolleläden zu haben. ** Zuderlieferung. Auf die Abschnitte 83 und 84 der Berliner Zuckerkarte sind in der Zeit vom 1.- 15. und vom 16.- 30. Juni 1921 je ein Pfund Zucker als Sonderzuweisung für Einmachezwede und Pfund Verbrauchszuder, zusammen auf jeden Abschnitt also 1% Pfund Zuder zum Inlandszuderpreise abzugeben. ** Oberlehrerinnen als Reftoren. Der von der Deputation für die äußeren Angelegenheiten des höheren Schulwesens eingesezte Ausschuß, bestehend aus dem Vorsitzenden Oberschulrat Paulsen, Schulrat Sparrid und den Stadtverordneten Dr. Weyl, Koch, Goß, Dr. Witte und Studienrat Dr. Ferber, Stadtrat im Verwaltungsbezirk III, hat die eingegangenen 155 Bewerbungen für die 14 vafanten leitenden Stellen an höheren städtischen Lehranstalten zum größten Teil bereits geprüft und bei dieser Gelegenheit beschlossen, die vakanten Direktorstellen an den drei städtischen Lyzeen, Charlotten-, Dorotheenstädt. und Studienanstalt in der Fürbringerstraße, diesmal mit Damen zu besetzen, und zwar mit hervorragend tüchtigen Oberlehrerinnen, die sich nicht nur auf pädagogischem Gebiet, sondern auch in verwaltungstechnischer und organisatorischer Hinficht schon bewährt haben. Es wurde in Vorschlag gebracht, die beiben Schulreformerinnen Berta Gerhard und Margarethe Behrends, beide vom Sophien- Lyzeum, sowie Frl. Ulrike Scheidel, die durch ihre Tätigkeit als Vorsitzende des Berliner LehrerinnenVereins befannt geworden ist. Man nimmt an, daß der Magistrat diese Vorschläge, annehmen wird. worden war. Beim Nahen der Beamten sprangen plöhlich fünf Männer hervor und suchten ihr Heil in der Flucht. Die Beamten nahmen sofort die Verfolgung der Burschen auf, und es gelang ihnen, zwei derselben zu ergreifen. Sie wurden nach der nächsten Wache geführt und hier als der 19jährige Schlosser Erich Knapp und der 25 Jahre alte Zimmermann Otto Scheuzel festgestellt. ** Beim Baden ertrunken. Im Freibad Tegel ertrant der Arbeiter Franz Traheizti aus Bankow. Seine Leiche konnte vom Reichswasserschutz geborgen werden. Beim Baden in der Unterspree nahe den Albatroswerten zwischen Hirschgarten und Friedrichshagen ging der 12jährige Schüler Hans Richter aus der Adalbertstraße unter und tam nicht wieder zum Vorschein. Beim Baden im Plögensee verunglückte der 31jährige Artist Paul Dobrzinski aus der Schivelbeiner Straße. Gewerkschaftliches Reichskonferenz der Forstarbeiter Am 15. und 16. Mai fanden sich zum ersten Male seit dem Bestehen des Deutschen Landarbeiterverbandes Delegierte der Forstarbeiter aus allen Gauen des Reiches in dem feſt= lich geschmückten Saal des Jenaer Gewerkschaftshauses zusammen, um teilzunehmen an der ersten Reichstonferenz der im Deutschen Landarbeiterverband organisierten Forstarbeiter. Die weittragende Bedeutung, die dieser Konferenz beizumessen ist, dokumentiert die Tatsache der Anwesenheit von Vertretern zahlreicher Regierungsbehörden u. a. des preußischen Landwirtschaftsministeriums und der thüringischen Staatsregierung. Im Vordergrund der erfolgreich verlaufenen Tagung stand ein an interessanten Gefichtspunkten reichhaltiges Referat des Vorstandsmitgliedes Wilhelm Bernier über die im gegenwärtigen Zeitpunkt einer besonderen Bedeutung beizumessenden Frage„ Der deutsche Wald als Gemeingut des Volkes und seine Bewirtschaftung durch den Staat." Ausgehend von der Feststellung der Bedeutung der Forstwirtschaft für unser gesamtes Wirtschaftsleben und insbesondere für die Durchführung der unsererseits durch Unterzeichnung des Friedensvertrages anerkannten Verpflichtung der Wiedergutmachung, entrollte der Referent ein Bild von dem Umfang der Benachteiligungen, die der Volksgesamtheit durch die in privater Hand liegende Bewirtschaftung der Forsten erwächst und erbrachte den Nachweis der Notwendigkeit der Ueberführung dieses wichtigen Fattors in das Allgemeingut des Voltes. Ohne Rücksicht auf das Allgemeinwohl des Volkes wird heute von mancher Seite in frivoler, von nadter Gewinnsucht getragener Weise ein Raubbau an unseren Waldbeständen ge= trieben, der die Grenzen auch der weitestgehenden Rücksichtnahme übersteigt. Die Forderung der Verstaatlichung aller Wälder Deutschlands ist mithin vollauf berechtigt und sollte, wenn man sich allseitig auf das für die Allgemeinheit überaus Notwendige einigen würde, von allen einfichtigen Menschen befürwortet werden. Die Ueberschüsse der Statsforsten fließen in die Staatskasse und nehmen der Gesamtbevölkerung einen ansehnlichen Teil der Steuerlasten ab. So hat z. B. der Freistaat Sachsen im Jahre 1919 einen Reinertrag von 36 205 638 M. Der Freistaat Baden hat unter seinen Gesamteinnahmen im Jahre 1912 einen Betrag von 76,6 Millionen Mart, die als Reinertrag der Forsten gebucht werden konnten. Bayern schließt mit einem Reingewinn von 574 Millionen Mark aus den Staatsforsten im Etatjahre 1920 ab. Die Staatsforsten in Anhalt hatten im Etatjahr 1918/1919 einen Reinertrag von 3 322 742 m., im Jahre 1917/1918 einen solchen von 2 838 363 M. Dies bedeutet in einem Jahre eine Steigerung des Reingewinns von über% Millionen Mart. Die Arbeiter haben an der Uebernahme der Forsten durch den Staat ein ganz besonderes Interesse. In allen Staatswaldungen find die Lohn- und Arbeitsverhältnisse nach einem Tarif geregelt, der zwischen der Organisation und den Staatsforstverwaltungen abgeschlossen wurde. In den Privatbetrieben fehlen die Tarife zum allergrößten Teil. Zusammenfassend würde die Nebernahme sämtlicher Waldungen durch den Staat für die Gesamtbevölkerung folgende Vorteile bringen: 1. Eine bessere pflegliche nachhaltige Bewirtschaftung und Behandlung des Waldes und somit die Erzielung eines größeren Holzertrages. 2. Eine Steigerung der Einnahmen des Staates, wodurch die Steuerzahler gewaltig entlastet würden. 3. Einwirtung auf die Regulierung der Holzpreise. 4. Würde der Verkauf von Waldgrundstücken zu Wucherpreisen und die Verschiebung von Holz in das Ausland beseitigt werden. Ueber die Frage der„ Betriebsräte und ihre Bedeutung in der Forstwirtschaft" referierte der Gauleiter Böden, Hildesheim und über das Problem der Entwidlung und tariflichen Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse der deutschen Forstarbeiter" sprach der Gauleiter Keiditsch, München. Die Diskussion ergab weitestgehende Uebereinstimmung der Auffassung der Delegierten mit den seitens des Referenten propagierten Gedankengängen. Die deutsche Forstarbeiterschaft hat somit durch die Reichskonfe renz ihren einmütigen Willen und ihre Bereitwilligkeit zur opferfreudigen Mitarbeit an dem Wiederaufbau unseres danieder ** Großfener in der Ueberlandzentrale Nanen. Ein Großfeuer entstand in der Zentrale, die Spandau, das Ost- und Westhavelland und die Briegniz mit Elektrizität versorgt, auß noch unbekannte Weise, das einen großen Lagerschuppen mit seinem wertvollen Inhalt vernichtete. Hier lagerten 100 000 Transforma- liegenden Wirtschaftslebens dokumentiert, verlangt aber die torenanlagen, fertige Transformatoren, andere Apparate, Kupfer, Würdigung und Schäzung ihres Willens und die Schaffung eines Borzellan, Eisentonstruktionen, Masten und große Behälter mit Arbeitsverhältnisses, das sie zu frei jhaffenden Menschen im Del, die zusammen einen Wert von drei Millionen Mart dar- freien Staat erheht. stellten. Die Löschtätigkeit war außerordentlich schwierig, da das Del durch die Flammen explodierte, die ganze Umgegend mit brennendem Det überschüttete und eine ungeheute Glut entfaltete. Die Hitze, die das Feuer verursachte, war so groß, daß sich die Schienenstränge her dortigen Kleinbahn glührot färbten und verbogen. Von der brennenden Anlage fonnte nichts mehr gerettet werden. Taubstumme Berlins" Die Gewerkschaftstommission fendek uns folgende Berichtigung: = Die„ Rote Fahne" bringt in ihrer Abenbausgabe vom 19. b. M. unter der Ueberschrift„ Taubstumme Berlins" ein Zuschrift aus ** Ein aufregender Vorgang fptelte sich gestern vormittag an dem Taubst ummen Partei- Bund, wonach die Gewertder Weidendammbrüde ab. Dort sprang ein älterer, anscheinend schaftskommission die Aufnahme eines Inserats der Gewerkschaftsdem Arbeiterstande angehörender Mann in selbstmörderischer Ab- abteilung der V. K. P. D. inhibiert habe. Hieran knüpft die ficht ins Wasser und ertrant, trotz der sofort angestellten Rettungs- Gewerkschaftsabteilung der B. K. P. D. die Bemerkung, daß die versuche. Die Leiche fonnte bisher noch nicht geborgen werden. Berliner Gewerkschaftskommission mit der Unterstützung des Der Vorfall hatte eine nach vielen Hunderten zählende Menschen: Taubstummen- Partei- Bundes auch die anders gerichtete Denkungsart in der Taubstummenzeitung abwürgen" wolle. Sierzu menge angelodt, so daß einige Zeit der Verkehr völlig stodte. erklären wir folgendes: ** Ein Bostscheckschwindler treibt seit einiger Zeit in Groß Berlin sein Unwesen. Er sucht besonders größere Geschäfte heim. Ihnen spiegelt er durch den Fernsprecher vor, daß er Mitinhaber der Firma Sendl, Hobrecht u. Co. sei und bestellt nach seiner Wohnung, die er jedesmal wechselt, einen Sad Kaffee, einen größeren Posten Zigarren oder andere Ware, die er leicht wieder zu Geld machen kann. Die Sendung, die der Hausdiener überbringt, bezahlt er mit einem Postscheck auf den Namen Seydl. Die Scheds werden jedoch nicht eingelöst, weil sie, wie die Ere mittelungen ergeben haben, einem Buch entstammen, das einem Schantwirt Seybl in Charlottenburg bei einem Einbruch gestohlen wurde und auf Veranlassung des Bestohlenen gelöscht worden ist. Die Kriminal- Postdienststelle in der Friedrichstr. 229 hat bereits ein Duhend dieser Schwindeleien und Betrügereien festgestellt, des Betrügers aber noch nicht habhaft werden können. Sie ersucht, ihr sofort Mitteilung zu machen, wenn er wieder irgendwo auftritt. Der Schwindler ist 1,75 Meter groß, etwa 35 Jahre alt, hat dunkelblondes Haar und einen Anflug von Schnurrbart und ein verbranntes Gesicht und trägt einen Regenmantel, einen fleinen Schlapphut mit schwarzem Bande und braune Schuhe. In seiner Begleitung befindet sich gewöhnlich ein zweiter Mann, der jedoch an den Verhandlungen mit den Boten nicht teilnimmt. Er ist etwa 1,70 Meter groß und ungefähr 38 Jahre alt, hat furzgeschnittenes Haar und trägt einen graugemusterten Sommerpaletot. Dem Boten geben die Gauner den Sched in einem Umschlage mit, in dem sich auch noch ein Schreiben der Firma" mit vorgedrudtem Kopf befindet. ** Eine fünfföpfige Einbrecherbande überrascht. Als gestern früh gegen 5 Uhr eine Streife der Schuhpolizei die Albrechtstraße in Steglit passierte, bemerkte sie, daß in die Geschäftsräume der Kleider- Berwertungs- Gesellschaft im Hause Nr. 82 eingebrochen Wenn wir tommunistische Ansichten vertrefen würden, wären wir gezwungen, das, wofür wir Geld ausgeben, auch geistig zu beeinflussen. Dieses ist aber bei uns nicht der Fall. Um so weniger, als von den im Parteibund organisierten Taubstummen faum ein Bäderdugend der V. K. P. D. angehören. Als die Taubstummen uns um unsere Meinung über die Aufnahme des Inserats befragten, wozu sie von uns bisher noch nie angehalten worden sind, erklärten wir, daß es zunächst ihre Sache sei, darüber zu entscheiden, was auch besonders aus der ersten Ablehnung flar und deutlich aus dem ersten Abfaz des Artikels hervorgeht, in dem es heißt:„ Die Zentralleitung unseres Bundes hat es in ihrer letzten Sizung abgelehnt, Euer Versammlungsinserat in der Wochenschrift aufzunehmen" usw. Auf Grund dieser Infor mation erklärten wir, daß sie auf ihrem Standpunkt stehen bleiben sollten. Wir sind allerdings der Ansicht, daß es zu den kommu mistischen Methoden gehört, auf jeden Fall zu spalten. u. S. P. D.- Betriebsräte der Berliner Straßenbahn. Montag, den 23. Mai, nachmittags 4 Uhr, in der Arbeiter- Bildungsschule, Breite Straße 8-9, wichtige Besprechung. Gewerkschaftsversammlungen Da Zentralverband der Maschinisten und Seizer. Am Sonntag, den 22. Mai, sor mittags 9 Uhr, Mitgliederversammlung in Böders Festjälen, Weberstraße 17. Tagesordnung: 1. Stigwahl zwischen den Kollegen Koslowsky, Reinefeld, Blücher Brandenburg, Karbinsky- Ludenwalde; 2. Kaffenbericht; 3. Verschiedenes. noch drei Kollegen zu wählen sind, die als Delegierte zum Verbandstag gehen, ist es Pflicht eines jeden dienstfreien Kollegen, unbedingt diese Mitgliederver sammlung zu besuchen, wenn wir gegen die Außenzahlstellen nicht zurüditeben und wir die beiden Berliner Kollegen zum Verbandstag delegieren wollen. Jeder Kollege ist verpflichtet, von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Die Orts vermaltung „ Revolutionäre Aktionen" Die Besetzung der Bergmann- Elektrizitätswerke vor dem Ausnahmegericht Die Einleitung der März- ,, Aftion" der Kommunisten bildete die Ausfertigung von Kriegserklärungen an die nichtkommunisti schen Arbeiter. Bei den Kriegserklärungen blieb es leider nicht. Der Kampf von Arbeitern gegen Arbeiter wurde durchgeführt durch die Ausgabe der Parole der Betriebsbesehungen. Als Stoßtrupps wurden die Arbeitslosen angesetzt, zum Teil durch Abgabe der unsinnigsten Versprechungen. In aller Er innerung sind noch die traurigen Vorgänge aus den Märztagen, wo Arbeitslose in größeren und kleineren Trupps in einzelne Werkstätten und Fabriken eindrangen und die in Arbeit stehenden Klassengenossen zur Niederlegung der Arbeit veranlassen wollten In verschiedenen Betrieben tam es zu häßlichen Prügelszenen zwischen Proletariern, in anderen Betrieben tamen sofort die Grünen an und verhafteten die Betriebsfremden. Die Herr schaften, die die Arbeitslosen in die Betriebe geführt hatten, verstanden es in allen Fällen glänzend, sich möglichst rasch aus dem Staube zu machen, die wirklich Schuldigen konnten nie ge faßt werden. Es ist auch viel angenehmer, die in begreiflicher Erregung befindlichen und Einflüsterungen zugänglichen Arbeits losen die Suppe in Gestalt von Prügeln und Berhaftungen auslöffeln zu lassen. Mit einer solchen Betriebsbefehung beschäftigte sich die vers gangenen Tage das Ausnahmegericht beim Landge richt III Berlin. Am 29. März drangen Trupps von Ar beitslosen in die Bergmann Elettrizitätswerte ein, um durch eine Betriebsversammlung eine Stillegung des Be triebes durchzusetzen. Von den Arbeitern des Betriebes wurde perlangt, daß sie die Maschinen ausschalten und die Feuer löschen sollten. Der Betriebsrat berief auf dem Hofe eine Belegschaftsversammlung ein, die zu der Forderung der mißbrauchten Ar beitslojen Stellung nehmen sollte. Inzwischen war vom Wert die Schutzpolizei benachrichtigt worden, die die Ausgänge besetzte und sämtliche betriebsfremden Personen festnahm. Das war ber Verlauf der„ revolutionären" Aftion; eine halbe Stunde später liefen wieder sämtliche Maschinen, und das Ende war, daß sich 22 Arbeiter, fast alle arbeitslos, vor den Schranken des Aus nahmegerichts wegen Landfriedensbruchs zu verant worten hatten. Durch Zeugenaussagen wurde festgestellt, daß die Veranstalter der Attion sich vor Ankunft der Grünen entfernt hatten. Das alte Lied. Die Angeklagten sagten zum größten Teil aus, daß sie aus Neugierde in das Wert gegangen seien, angelockt durch einen Auflauf vor der Fabrit. Einige Angeklagte geben an, daß ihnen auf den Stempelstellen für Arbeitslosen unterstützung mitgeteilt worden sei, daß sich eine Betriebsvers Jammlung der Bergmannschen Belegschaft mit der Einreihung von Arbeitslosen in den Produktionsprozeß befassen würde. Da Sie sich für diese Frage außerordentlich interessiert hätten, feien fie hingegangen, um so mehr, als ihnen gesagt worden sei, der Betriebsrat habe die Arbeitslosen zur Versammlung eingeladen Der Staatsanwalt glaubte den Tatbestand des Land friedensbruches feststellen zu müssen. In einem Falle beantragte der Anklagevertreter Freisprechung, bei allen andern Angeklagten Strafen von einem bis sechs Monate Gefängnis. Der Verteidiger, Genosse Dr. Kurt Rosenfeld wies nach, daß Landfriedens bruch unter feinen Umständen vorläge, da fein Zusammenhang zwischen den ersten Eindringlingen und den Angeklagten festge stellt werden könne. Aber auch Hausfriedensbruch fäme nicht in Frage, wegen mangelndem Bewußtsein der Rechtswidrigkeit durch Betreten des Fabritgrundstückes. Er forderte die Freisprechung sämtlicher Angeklagten. Nach über zweistündiger Beratung fam das Gericht zu folgen dem Urteilsspruch: Für vier Angeklagte Freisprechung. Ein An geflagter erhält wegen einfachen Landfriedensbruch 6 Monate Gefängnis. Alle anderen Angeklagten wurden wegen ein fachem oder gemeinschaftlichem Hausfriedensbruch bestraft. U zwar zwei zu je 2 Monaten Gefängnis, vierzehn andere zu einem Monat Gefängnis, die zwei legten zu je 14 Tagen G fängnis. Bei acht der Angeklagten beschloß das Gericht die be dingte Strafausseßung bei dreijähriger Bewährungsfrist, Arbeitersport Arbeiter- Radfahrerbund Solidarität" Freitag, den 27. Mai, 7 Uhr, Zentralfahrwartsfigung, Rungestraße 7. scheinen der Fahrwarte ist Pflicht. Touren für Sonntag, den 22. Mai Ed 1. Ast. Rüdersdorf( Heinze). Start 7 Uhr. Mittags nach Schöneiche( Mann) Start 1 Uhr, Bülowstraße 56.- 3. Abt. Sonnabend, 21. Mai, nach Körbistrug Start 6 Uhr abends. Sonntag ebenda, Start 5 Uhr, Laufiger Platz( Kirche). 5. Abt. Kloster Chorin, Eberswalde. Start 4 Uhr. Mittags Bernau( Wald fater). Start 12 Uhr, Romtureiplag. denburgstraße 22. Mahlsdorf( Rathausbären). Start 1 Uhr. 12% Uhr, Kopenhagener Straße 26. 6. Abt. Hohenschöpping. Start 6 und 7. Abt. Päter, Bordersee, Badetour Start 4 Uhr, Schulstraße. Mittags nach Waltersdorf. Start 12 Uhr, Hochplay 8. Abt. Werlsee, Grünheide. Start 6 Uhr. Rachmittags Rahnsdorfer Mühle Start 1 Uhr, Waldstraße 8.- 9. Abt. Freibad Müggeljee. Start 7 Uhr, Bran 18. bt. nach Liebenberger Mühle. Start 5 Uhr. Mittags 11. Abt. nach Rauen( Boltshaus) Start 6 Uhr. Mittags nach Fintenkrug. Start 1 Uhr, Seestraße 101. Motorfahrer. Ueber Bernau, Lante. Start 8 Uhr, Weißensee, Heinersdorfe Straße, Ede Prenzlauer Anfee. Ortsgr. Lichtenberg. Badetour nach be Seddinsee. Start 6 und 1 Uhr Traveplay, Ede Weichselstraße. tölln nach Erfner, Störigsee. Start 6 Uhr, Richardplay. Gründungsfest bei Grohmann. Nachmittags 3' Uhr Korfofahrt. Die Ortsgruppe werden um Unterstügung gebeten. Ortsgr. Johannisthal nach Müncheberg Start 6 Uhr( Luftverkehr). Straße, Ede Heinestraße. 12. Ortsgr. Nen Ortsgr. Senzig Ortsgr. Pantom nach Zoffen. Start 6 Uhr, Flora Ortsgruppe Reinidendorf. Badetour nach dem Chorig fee. Start 7 Uhr bei Muster. Achtung! Jugendliche Radfahrer treffen fich Sonntag früh 7 Uhr am Meganber platz zu einer Badetour nach Körbistrug- Bäyer- Bordersee. Arbeiter- Angler- Berein Berlin und Umgegend. Es haben sich mehrere Vereine zusammengeschlossen zu einem Arbeiter- Angler- Bund. Delegierte von Angler Bereinen find eingeladen zur Achterfommissionsfigung, Montag, 2 7 Uhr, Kaiserstraße 40/41, bei Stullat, Parteiveranstaltungen Mat, abends Ausbildung im Gesang. Pflege des vierstimmigen Chorgefanges. Uebungsftunde jeben Montag, 3%-5% Uhr nachmittags, im Gesangssaal der Knabenmittelschule Arbeiter Kinderchor Neuföln. Dirigent Herr Kapellmeister Friedrich Caro Donaustraße 120. Eintrittsgeld 1 Mart, Monatsbeitrag 50 Pi Aufnahme P folgen in jeder Uebungsstunde. Sonnabend, 21. Mai 15. Berwaltungsbezirk( Treptow, Baumschulenweg, Ober. 1. Niederschöneweibe Johannisthal, Adlershof und Alt- Glienide). Abrechnung der Abteilungstaffieret nachmittags 5-7 Uhr beim Genossen Beffen, Oberschöneweide, Deulstr. 6, vorn 2 15. Verwaltungsbezirk( Oberschöneweide). 6 Uhr Zusammenkunft der Zeitungs 18. Distrilt. Die Delegierten treffen fich 7 Uhr bei Schurzmann, Stettines tommission und sämtlicher Gruppenführer. Straße 11, $ 1 3. Diftrift, 1. Abteilung( Hallesches Tor). Gemütliches Belsammenfe Restaurant Hirtenwäldchen, Tempelhof, Manteuffelstraße. Treffpunkt 2 Steuerhäuschen. Helferinnen werden ersucht, 4 Stunde früher zu erscheinen. 4. Diftritt. Kinderschukkommission: Kinderwanderung. Treffpunkt um 7 1 findet umständehalber nicht statt. an der Schule, Forster, Ede Reichenberger Straße. Fahrgeld 1 Mart Die 14., 15. Diftritt. Die für Sonntag, den 22. Mai, angefette Demonstration Neukölln. Die Wahlhelfer zur Elternratswahl treffen sich vormittags 148 in folgenden Lotalen: 1.- 8. Bezirk Schulhaus, Rütliftraße; 9.- 16. Bezirt Schul haus der 5. Gemeindeschule, Knejebedstraße, 17.- 24. Bezitt bei Fehft, Steinmey Straße 98. Vereinskalender Sonnabend, 21. Mai Deutscher Transporarbeiter- Berband. Agitationsbezirk Copenid und Umgegend Abends 7 Uhr findet bei Stippekohl, Cöpenid, Schönerlinder Straße 5, bie Fortsetzung der allgemeinen Versammlung statt. Tagesordnung: Amsterdam ber Mostau. Kein Kollege darf fehlen. Verantwortlich: für Politit u. Feuilleton: Leo Liebfü, Berlin- Friedenau für Kommunalpolitit, Lokales u. Gewerkschaftl.: Gerhart Seger, Berlin für den Inseratenteil u. geschäftliche Mitteilungen: Ludwig Romeriget Karlshorit. per Berliner Pruderei Gb 5.Berlin C2, Breite Str89.7 Verlagsgenossenschaft Freiheit", e. 6, m. b. S., Berlin.