. Einzelpreis 20 Pfg. 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint morgens und nachmittags, Sonntags und Montags nur immal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zuftellung ins Haus für Groß- Berlin 10 M. im voraus zahlbar. Für Poftbezug nehmen jämtliche Bostanstalten Bestellungen ents gegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Defterreich, Ungarn, Danzig, das Saar- u. Memelgebiet sowie die früheren deutschen Gebiete Polens u.Luxemburgs 20 M., ür das übrige Ausland 27 M. per Brief bez. für Deutschland u. Defterreich- Ungarn 95 M. Redaktion, Expedition und Verlag: Berlin C2, Breite Straße 8-9. Montag, 23. Mai 1921 Nummer 234 Abend- Ausgabe Die achtgespaltene Nonpareillezelle oder deren Raum kostet 5,- m. einschließlic Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2, M., jedes weiter Wort 1,50 M. einschließlich Teuerungszufchlag. Laufende Anzeigen lant Tarif Familien Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,20 m. netto pro Zeile. Stellen- Gesucht in Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 M., jedes weitere Wort 1,- M Fernsprecher: Zentrum 15230-152 39 greibeir Berliner Organ ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Notenwechsel über Oberschlesien Eine französische Note Berlin, 23. Mai. Der französische Botschafter hat am 19. Mat nachstehende Note dem Herrn Reichskanzler übersandt: Berlin, ben 19. Mat 1921. Herr Reichstanziert Enere Exzellenz haben mir gestern von den Maßnahmen Kennt nis gegeben, die das Reichswehrministerium getroffen hat, um die Bildung von Freikorps zu verhindern, und die das Reichsverkehrsministerium verfügt hat, um jegliche Beförderung von Freiwilligen und Waffen nach Oberschlesien zu untersagen. Nach den mir zugegangenen Informationen find diese Maßnah men zu spät getroffen worden, um das Eindringen bedeutender bewaffneter Kontingente von außerhalb nach Oberschlesien zu verhindern. Die in der Gegend von Kreuzburg, unter dem Befehl von Arnim vereinigten Freitorps, sollen mehr als 8000 Mann zählen. Gleichfalls wird die Anwesenheit der Freikorps von Aulod bei Oppeln und Schmidt bei Krappnig gemeldet. Die Gruppe Ratibor, die einen täglichen Bericht veröffentlicht, soll über 9000 Mann und mehrere Kanonen verfügen. Die erste Maßnahme, die diese Lage gebieterisch erheischt, ist die strenge Abschließung der Grenze zwischen dem deutschen Gebiet und dem Abstimmungsgebiet durch die deutschen Behörden. Die polnische Regierung hat bereits einer derartigen an sie gerichteten Aufforderung entsprochen. In zweiter Linie wäre ich Eurer Erzellens dankbar, wenn Sie die zuständigen Behörden anweisen wollten, der Interalliierten Kommission die Aufgabe der Lebensmittelversorgung zu erleichtern. Schließlich muß ich erneut darauf bestehen, daß die Reichsbant aufgefordert wird, unverzüglich die zur Bezahlung der Arbeiter notwendigen Fonds nach Oberschlesien zu entsenden. Nach den Angaben, welche die Legationsräte Richard Meyer und von Moltte gestern abend dieser Botschaft gemacht haben, soll diese Sendung an die zwiefache Bedingung geknüpft sein, daß die Kommission die petuniare Verantwortung für die Bewerkstelligung ihrerseits übernimmt, und daß die Zahlung auf gewisse Betriebe beschränkt werden, die nach Ansicht der deutschen Vertreter der Kontrolle der Insurgenten entzogen find. Dieser Anspruch ist mit dem Buchstaben und Geist des Vertrages unvereinbar, wonach die Regierungskommission als Vertreterin der alliierten Mächte die ausSchließliche Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Ordnung trägt. Unter diesen Umständen ist die deutsche Regierung gehal ten, sich auf die Kommission zu verlassen, die Beförderung und Die Berteilung der Fonds nach ihrem Ermessen sicherzustellen. Würden die verfallenen Löhne weiterhin zurüdgehalten werden, so würde sie fich schwerlich dem Vorwurf entziehen können, die allgemeine Wiederaufnahme der Arbeit unmöglich zu machen und die Anarchie zu verlängern, welche die Kommission zu unterdrüden bemüht ist. Indem ich im Auftrage meiner Regierung die Aufmerksamkeit Euerer Exzellenz auf diese verschiedenen Punkte lente, zweifle ich nicht, daß Sie diese in dem versöhnlichen Geiste prüfen werden, von dem Ihre Politit getragen ist, und mit dem Wunsche, dazu beizutragen, daß ein Herd von Unruhen ausgelöscht wird, der für den allgemeinen Frieden besonders gefährlich ist. Genehmigen Sie, Herr Reichskanzler den Ausdrud meiner ansgezeichneten Hochachtung gez: Charles Laurent. Die deutsche Antwort Hierauf ist dem französischen Botschafter hente folgende Antwortnote zugestellt worden: Herr Botschafter! Euerer Erzellenz haben mir mit der Note Nr. 143 vom 19. d. M. die Aufassung der französischen Regierung über gewisse Oberschlesien berührende Fragen übermittelt. Ich benutze gern jede Gelegenheit, um durch Erörterung mit den in Berlin beglaubigten Vertretern der beteiligten Regierungen die Möglichkeiten zu erschöpfen, den Brandherd in Oberschlesien zu beseitigen, dessen Fortbestehen, wie Euer Exzellenz mit Recht ausführen, den allgeminen Frieden aufs schwerste gefährden muß. Eure Exzellenz haben aus den Maßnahmen der deutschen Regierung ersehen, daß dieje die Bildung von Freikorps auf deutschem Gebiet und den Uebertritt vom nicht besetzten deutschen in das besetzte Gebiet nicht duldet. Etwas ganz anderes ist der Selbstschuh, den die an Leib, Leben und Eigentum aufs höchste gefährdete Bevölkerung Oberschlesiens in Ermangelung jeglichen Schutes durch die französischen Truppen und in berechtigter Notwehr gegen polnische Insurgenten von sich aus zu bilden genötigt war. Auf diesen aus dem ZusammenSchluß der Bevölkerung hervorgegangenen Selbstschuh in einem Gebiet, das der Verwaltung der Interalliierten Kommission untersteht, hat die Deutsche Regierung keinerlei Einfluß. Die Deutsche Regierung hat über die bisher getroffenen bekannten Anordnungen hinaus aber Anweisungen erteilt, daß die zur Ueberwachung der Grenzlinie des besegten Gebietes auf deutscher Seite vorhandenen Sicherheitsorgane, wesentlich verstärkt werden. Eure Exzellenz erwähnen, die polnische Regierung habe der Aufforderung zur Sperrung der Grenze entsprochen. Demgegenüber habe ich die Ehre, festzustellen, daß eine Berfügung der polnischen Regierung vielleicht ergangen sein mag, daß die Grenze aber tatsächlich völlig offen steht und tagtäglich der Uebertritt von polnischen Soldater, sowie der Nachschub von Munition und Materialien jeder Art für die Insurgenten erfolgt. Aus der Menge des hierüber vorliegenden Materials erwähne ich nur einen Vorfall, der sich in den letzten Tagen ereignet hat: In dem noch im Machtbereich der Interalliterten Kommission befindlichen Kreise Kreuzburg haben in der Nacht vom 19. auf den 20. Mai 250 bis 300 Polen die Grenze überschritten und den Ort Kostau angegriffen. Auch hier mußte der anwesende örtliche Selbstschutz eingreifen, um das Leben friedlicher oberschlefischer Bürger zu schüßen. Der Angriff fonnte nur unter blutigen Verlusten abgeschlagen werden, nachdem die eingedrungenen Polen im Dorfe Kostau ein Gehöft in Brand gesetzt hatten. In Uebereinstimmung mit Euerer Erzellenz stelle ich mit Be friedigung fest, daß die Interalliierte Kommission für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung in Oberschlesien allein vers antwortlich ist. Die Anarchie, von der in der Note die Rede ist, und die seit drei Wochen in Oberschlesien herrscht, steht allerdings zurzeit in schärfstem Widerspruch zu den Verhältnissen, unter denen der Präsident der Interalliierten Kommission die Verwal tung des blühenden Landes im Februar vorigen Jahres übernommen hat. Die Wiederherstellung der Ruhe ist auch nicht, wie es in der Note angedeutet ist, eine Frage der Wiederaufnahme der Arbeit: Denn es handelt sich gar nicht um einen Aufstand wirtschaftlicher, sondern einzig und allein um einen solchen politischen Charakters. Der polnische Aufstand bezweckt, unter Verlegung der Bestimmungen des Friedensvertrages und unter Verhöhnung jeden moralischen Rechtsempfinders die Vergewaltigung des oberschlesischen Boltes. Die Leiden, welche die unglüdlichen Bewohner von den mit grausamsten Raffinement vorgehenden Banden zu erdulden haben, find unbeschreiblich. An der großen Anzahl von unerhörten Vorfällen sei hier nur an die vor wenigen Tagen durch die Polen erfolgte Mißhandlung der beiden Ingenieure Winkler und Tebbe in Friedenshütte erinnert, die in der Turnhalle über ein Pferd gelegt und mit Peitschenhieben bis zur Bewußtlosigkeit ge schlagen, dann wiederholt durch Erfrischungen zum Bewußtsein gebracht und daraufhin weitergeschlagen worden sind, so daß sie fezt hoffnungslos darniederliegen. Keine Dummheiten machen! 1 Die französische Kammer hat ihre Debatte über die aus wärtige Politit vertagt, und die englische Regierung scheint damit einverstanden zu sein, so daß die endgültige Lösung der oberschlesischen Frage dadurch eine neue Verzöge rung erfahren hat. Wann der Oberste Rat endlich zu In der eng sammentreten wird, ist danach völlig ungewiß. lischen Presse ist man ziemlich übereinstimmend der Meinung daß Lloyd George fest bleiben müsse und seine Stellungnahme gegenüber dem oberschlesischen Problem nicht verändern dürfe. Niemals habe der Premierminister, so schreibt der diplomatische Mitarbeiter des„ Observer", die britische öffentliche Meinung geschlossener hinter sich gehabt als in der oberschlesischen Frage. Wenn Paris und War Schau teine Achtung vor der britischen Ansicht und Ueberzeu gung zeigten, so werde die Entente ein toter Buchstabe sein Am Dienstag tritt das englische Parlament wieder zusam men. Ob es sich mit der oberschlesieschen Frage befasser wird, ist noch nicht bekannt. Inzwischen ist ein lebhafter Notenwechsel zwischen den Alliierten auf der einen, zwischen der Entente, der fran zösischen und der deutschen Regierung auf der anderen Seite im Gange. Dieser diplomatische Verkehr wird von einem privaten Meinungsaustausch zwischen französischen und eng lischen offiziellen Kreisen begleitet. Die Lösung der ober Schlesischen Frage wird aber durch diese Dinge in feiner Weise gefördert, es hat im Gegenteil den Anschein, als of die Aufständischen, die schon vor einer Woche ihren Rückzug angekündigt hatten, die Uneinigkeit zwischen de Alliierten dazu benutzen wollen, um ihre Stellung aufs neue zu befestigen. Korfanty hat nach eine Meldung aus Paris einem Bertreter der„ Chicago Tribune bereits erklärt, daß das oberschlesische Problem geeignet set ganz Europa in Brand zu sehen. Das läßt dan auf schließen, daß die Aufständischen sich wieder außerordent lich sicher fühlen und nicht damit rechnen, daß ihnen die Alliierten mit Gewaltmaßnahmen entgegentreten würden Sie finden darin Unterstützung bei der französischen Regie rung, die jetzt von den anderen Alliierten verlangt, daß ein engeres Zusammenarbeiten der Mitglieder der Interalliier ten Kommission in Oppeln herbeigeführt und bei der Aufständischen ein gemeinsamer Schritt un ternommen werden soll. Wenn dieser französischen Forde Die deutsche Regierung ist ständig bemüht, Mittel und Wege zu finden, um die unbeschreibliche Qual der oberschlesischen Bevölfes rung zu lindern. Sie ist in Uebereinstimmnug mit Euerer Exzellenz durch Lebensmittel und Geldsendungen, die Lage zu erleichtern. grundfäßlich bereit und gewillt, in jeder praktischen Weise, auch Es besteht jedoch nach der übereinstimmenden Ansicht aller beteiligten und sogar der unmittelbar betroffenen Kreise in Oberschles sien die objektive Unmöglichkeit für die Gewähr, daß Gelder oder Lebensmittel tatsächlich in die Hände der wirklich Empfangsberung gefolgt wird, so würde das nichts anderes bedeuten rechtigten gelangen und nicht dem Zugriff der Infurgenten unter liegen. Der Präfident der Interalliierten Kommission verfügt mehr und ist nicht in der Lage, seine etwa gegebenen Garantien wenige Kilometer hinter Oppeln über feinerlei Machtbefugnisse in die Tat umzusetzen. Auch die von ihm ausgestellten Bescheinigungen haben bet den polnischen Insurgenien, die teilweise beginnen, sich in unabe hängige wilde Banden aufzulösen, teinerlei Geltung mehr. Dies zeigte sich deutlich zum Beispiel bei der Reise der vom General Le Rond nach Oppeln gebetenen Deputation der Arbeitervertreter aus Kattowiz. Troß der Bemühungen des französischen Kreis fontrolleurs, Major Salerou, wurde ihr die Abreise von den Belen zunächst überhaupt nicht gestattet. Die daraufhin von Major Saleron vom polnischen Hauptquartier persönlich erbetenen schriftlichen Ausweise wurden auf der Fahrt von dem polnischen Posten ebenfalls nicht anerkannt, so daß die Deputation wieder umtehren mußte. Auch der schließlich von dem polnischen Kreisbeirat Gornid in Kattowitz in polnischer Sprache unterschriebene Ausweis genügte nur bis zu den ersten Postenketten von Mikultschüz. Von dort mußte sich die Deputation durch Verhandlungen von Ort zu Ort in polnischer Begleitung bis furz vor Oppeln durchhelfen. Ein ferneres Beispiel für die völlige Ohnmacht der Interalliier ten Kommission und ihrer Organe ist das am 14. d. M. durch die polnischen Insurgenten erfolgte Anhalten des Rybniker Transportzuges von etwa 700 Flüchtlingen, obgleich diesem Zuge freies Geleit seitens des polnischen Befehlshabers schriftlich zugesagt war, und obgleich der Zug unter militärischer Bedeckung von drei alliierten Offizieren und 50 französischen Soldaten fuhr. Bis auf die Frauen, Kinder und älteren Männer wurden alle Flüchtlinge verschleppt und vier Personen unterwegs im Walde bei Tarnowiz nach vorheriger schwerster Mißhandlung ohne irgendeine Veranlassung erschossen, darunter der 14jährige Gymnasiast Haase aus Rybnik. Den Ausführungen dieser Note werden Eure Exzellenz entnehmen, daß die Deutsche Regierung alles zur Besserung der Lage in Oberschlesien zu tun bereit ist, soweit die tatsächlichen Verhält nisse es nicht unmöglich machen. Die Deutsche Regierung will die Hoffnung nicht aufgeben, daß es den Bemühungen der Interalliierten Kommission gelingen wird, endlich Mittel und Wege zu finden, die ordnungsmäßige Gewalt in Oberschlesien wiederherzustellen und die Bevölkerung von dem Joche der polnischen Insurgenten zu befreien. Jch benutze auch diesen Anlaß, um Ihnen, Herr Botschafter, die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung zu erneuern. gez.: Dr. Wirth. ( Weitere Nachrichten Seite 2) Ernennung des Außenministers Berlin, den 23. Mai. Der Reichspräsident hat den bisherigen Gesandten im Saag, Dr. Rosen, zum Reichsminister des Aeußeren ernannt und den Reichskanzler von der Wahrnehmung der Geschäfte dieses Minifteriums entbunden. als daß der Aufstand durch die Alliierten doch noch legali fiert wird. Daß aber die englische Regierung darauf ein gehen wird, ist taum anzunehmen; es wird im Gegenteil berichtet, daß im Laufe des Sonntags vier Bataillone eng lischer Infanterie auf den Weg nach Oberschlesien gebracht worden seien. Die deutsche Regierung hat auf die Note der Interalliter ten Militärkommission geantwortet, daß sie alle Maß nahmen gegen das Freiwilligenwesen getroffen habe. Die bereits gebildeten Freiforps sollen aufgelöst, die Grenze des Abstimmungsgebietes soll für weiteren Zuzug von Freiwilligen gesperrt werden. Das ist der einzig mögliche Standpuntt, den jetzt die Regierung ein nehmen kann. Es hat aber den Anschein, als ob untergeord nete Behörden und Beamte den Anordnungen der Regie rung nicht Folge leisten, denn der Werbeunfug blüht weiter, und täglich muß von neuem über die Ansammlung und den Transport von Freiwilligenformationen berichtel werden. Besonders in Bayern scheint man auf die Reichs regierung pfeifen zu wollen. Wie unsere heutige Meldung aus Dresden besagt, hat der Durchzug von bayrischen Or geschleuten noch immer nicht aufgehört. Das läßt nicht dar auf schließen, daß die Entwaffnung und die Auflösung der Einwohnerwehren und ähnlicher militärischer Organisatio nen, die nach den Forderungen des Ultimatums durchgeführt werden müssen, in Bayern eine glatte Erledigung finden werden. 39 Selbst in der nächsten Nähe der Regierung stößt man noch auf heimliche Waffenlager. So teilt die Welt am Montag" mit, daß im vorigen Monat in dem Palais des Prinzen Albrecht in der Wilhelmstraße gut versteckt, folgende Borräte gefunden worden seien: 304 Gewehre, 9 schwere, 8 leichte Maschinengewehre, 8 Ersatzrohre, 31 Risten mit Munition, 50 Gurte, 184 Helme und 38 Handgranaten. Bisher hat man nicht erfahren, was gegen die Leute, die dieses Waffenlager unterhalten haben, unternommen worden ist. Unwidersprochen geblieben sind auch die Meldungen, wonach an mehreren Stellen des oberschlesi schen Grenzgebiets große Waffenvorräte aufgehäuft sein sollen. Die Bassivität der Regierung gegenüber diesen Tats sachen ist nicht nur gefährlich für unsere internationale Stellung, die Regierung selbst wird durch solche Treibereien der Orgeschleute aufs Höchste bedroht. Denn es kann feinem Zweifel unter liegen, daß unter dem Vorwand der„ Rettung Oberschlesiens" eine neue gegenrevolutionäre Aktion vorbereitet wird. Die Arbeiterorganisationen haben nunmehr dafür zu sorgen, daß den Anordnungen der Regierung fein Widerstand entgegengesetzt wird. Jeder Transport von Freis willigen und von Waffen nach Oberschlesien muß unterbunden werden. Die Betriebsräte und Funktionäre insa besondere der Eisenbahner müssen eine strenge Kon trolle über alle Bewegungen nach Schlesien ausüben. Es steht fest, daß falsche Reiseziele angegeben werden, daß man die Bewegungen der Freiwilligentruppen mit falschen Legitimationen zu decken sucht. Schärfste Aufmerksamkeit gegen über diesen Treibereien ist notwendig. Wenn die Regierung ihre Anordnungen nicht auf dem Papier stehen lassen will, so hat sie die Pflicht, die Arbeiterorganisationen zur Ausübung dieser Tätigkeit ausdrücklich zu autorisieren. Trotz des jetzt scheinbar ungünstigen Standes der oberschlesischen Frage, muß immer wieder betont werden, daß die deutsche Regierung zu ihrer Entwirrung nichts anderes beitragen fann, als daß sie sich genau an den Wortlaut des Friedensvertrages hält und den Alliierten die Verantwortung für die Wiederherstellung der Ordnung selbst tragen läßt. Sie darf sich darin auch nicht durch das Geschrei der nationalistischen Presse beirren lassen. Wenn die deutsche Politif in der jüngsten Zeit im Ausland wieder mehr Verständnis gefunden, wenn man besonders in England das französische Säbelgeraffel zurückgewiesen hat, so ist das lediglich der bisherigen Haltung der Regierung Wirth zu danken. Sie würde unsere internationale Lage nur wieder verschlechtern, wenn sie irgend etwas unternähme, was gegen den Friedensvertrag verstößt und was den Anschein erwecken fönnte, als ob sie unter neuen Vorwänden die Ausführung der Forderungen des Ultimatums, verhindern wollte. Wir wären nicht in die jetzige Situation hineingeraten, wenn die Vorgängerin der heutigen Regierung rechtzeitig das einzig mögliche getan hätte, nämlich eine direkte Ber= ständigung mit den Polen über die Zukunft OberSchlesiens herbeizuführen. Was wir jetzt dort erleben, ist nur eine Folge dieser Unterlassung. Und die Leute, die jetzt am lautesten darüber schreien, tragen die größte Schuld daran, daß es soweit gekommen ist. Nun aber dürfen nicht neue Dummheiten gemacht werden! Eine französische Note an England Paris, 22. Mai. Nach einer Havasmeldung hat der französische Botschafter in London gestern abend im Auswärtigen Amt eine Note über OberSchlesien überreicht, in der furz darauf hingewiesen wird, daß die Lage in Oberschlesien sich verschlechtern fönne angesichts der Haltung der deutschen Korps, die forts gejezt Verstärkungen erhielten, und angesichts der Stimmung der Arbeiter, die in Bolschewismus umschlagen könne, und auch im Hinblick auf die Schwierigkeiten einer Intervention bei dem ausführenden Ausschuß der Polenbewegung und den Deutschen. Die Note schlägt deshalb vor, der englische Botschafter in Berlin, Lord d'Abernon, möge einen Schritt des französischen Botschafters unterstügen, um im Interesse der Alliierten bei der deutschen Regierung vorstellig zu werden, damit sie die ange fündigten Maßnahmen ausführe. Paris, 22, Mai. Einer Havasmeldung aus London zufolge hat der französische Botschafter gestern im Auswärtigen Amt nachdrücklich auf die Not wendigkeit hingewiesen, ein engeres Zusammenarbeis ten der Mitglieder der Interalliierten Roms mission in Oppeln herbeizuführen zweds Wiederherstellung der Ordnung, die durch einen gemeinsamen Schritt bei ben Aufrührern wesentlich erleichtert werben fönnte. Be fanntlich hat, heißt es in der Havasmeldung weiter, der britische Vertreter bei der Kommission, Oberst Percifal, bisher keinerlei Unterhandlungen mit den Aufrührern beginnen wollen, weil er der Auffassung ist, daß ein solcher Schritt schließlich zu einer An erkennung ihrer Autorität führen würde. Eine Untersuchungskommiffion des Internationalen Gewerkschaftsbundes Amsterdam, den 21. Mai 1921. Der Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes hat in seiner gestrigen Sigung auch zu dem polnischen Ausstand in Obers schlesien und zu den vorgekommenen feindseligen HandInngen zwischen polnischen und deutschen Arbeitern Stellung genommen. Wie der Sekretär Du begeest mitteilte, hatten sich die von den deutschen Gewerkschaften einges reichten Beschwerden über den polnischen Terror so sehr gehäuft, baj das Bureau sich entschloß, die Zentralfommission der pol nischen Gewerkschaftsverbände in Warschau und eine Kommission aus Oberschlesien zu der Vorstandssigung zuzuziehen. Die oberSchlesische Kommission founte jedoch nicht nach Amsterdam tommen, weil, wie Leipart namens des Allgemeinen Deutschen Gewert schaftsbundes in der Sigung mitteilte, infolge der polnischen Bes jegung teine Verbindung mit den Genossen in Oberschlesien herzustellen war. Leipart erhob lebhafte Beschwerden über die polnischen Ges walttätigkeiten und deren Begünstigung durch die französische Bes jagung, aber auch über die polnischen Gewerkschaften in OberSchlesien, die schon in einem Rundschreiben vom 22. März gegen alle deutschen und polnischen Arbeiter, die bei der Abstimmung am 20. März für Deutschland votiert hatten, die Drohung richteten, daß diese Renegaten damit ihr eigenes wirtschaftliches Todesurteil gesprochen hätten". Das sollte heißen, wie es weiter in dem Rundschreiben auch offen ausgesprochen war, daß man ihre weitere Beschäftigung im oberschlesischen Industriegebiet nicht zulassen werde. Der Vertreter der Gewerkschaften Polens, Zutawsky aus Warschau, bezeichnete die polnische Organisation, die dieses Rundschreiben erlassen hat, als eine gelbe und nationa listische Gewerkschaft. Er bebauerte die vorgekommenen Gewalttätigkeiten und hielt den ganzen Aufstand für überflüssig und daher zwerklos, lehnte es aber ab, die beteiligten Leute schon zu verdammen, weil man fie erst hören müsse. Weiter behauptete der Vertreter Polens, daß auch die deutschen Arbeiter nicht schuldlos seien, sondern daß auch ihnen Gewalts tätigkeiten gegen polnische Arbeiter nachgewiesen werden fönn ten. So war seine Rede, wie der Vertreter Deutschlands in seiner Erwiderung feststellte, im Grunde genommen doch nur eine Vers teidigung des polnischen Aufstandes. Auch Oudege est meinte deshalb am Schlusse der mehrständis gen Aussprache, er hätte gewünscht, daß Zutamsin weniger nationalistisch gesprochen hätte. Das Ergebnis der Beratung war, daß der Internationale Gewerkschaftsbund eine aus Jouhaur- Paris, Williams- Londen und Fimmen- Amsterdam bestehende Unters juchungskommission baldigit nach Oberschlesien entsendet, bie dort an Ort und Stelle in Gegenwart von deutschen und polnischen Gewerkschaftsvertretern die nötigen Feststellungen für eine objektive Beurteilung der Echuldfrage vornehmen soll. Gegen den Werbeunfug Das Auswärtige Amt hat auf die Note der Interalliierten Militärkontrollkommission vom 14. Mai über die Rekrutierungen für Oberschlesien folgende Antwort erteilt: Die deutsche Regierung teilt vollkommen die in Ihrer Note som 14. Mai ausgesprochene Auffassung, daß die Anwerbung von Freiwilligen für Schlesien und die Bildung von Freikorps" oder ihnlichen Formationen aus solchen unzulässig ist. Sie hat des= jalb bereits am 19. Mai den in Abschrift beigefügten Aufruf erlassen, in dem sie derartigen Bestrebungen ganz entschieden ent gegengetreten ist. Schon vorher hatte der Reichswehrminister die zuständigen militärischen Stellen nachdrücklichst angewiesen, daß die Bildung etwaiger Freiwilligenformationen mit allen Mitteln zu hindern sei, um das Wiederaufleben des Freikorpsunwesens im Keime zu unterdrücken. Den in diesen Kundgebungen ausgesprochenen Grundsägen entsprechend, werden die deutschen Behörden mit größter Strenge gegen solche Anwerbungen und Zusammenschließungen vorgehen. Die Handhabe dazu bieten einmal die §§ 127, 110 des deutschen Strafgesetzbuches, wonach die unbefugte Bildung bewaffneter Haufen und der Anschluß an solche sowie die öffentliche Aufforderung zu gesetzwidrigen Handlungen mit Ge fängnis bedroht ist, ferner das Gesetz vom 22. März 1921, das die Auflösung der Vereinigungen gestattet, die mit den Vorschriften der Artikel 177, 178 des Vertrages von Versailles im Widerspruch stehen. Die Polizei und die Gerichtsbehörden sind angewiesen, von den angezogenen Bestimmungen des Strafgesetzbuchs unnachsichtig Gebrauch zu machen, und zwar namentlich auch gegen Zeitungen, in denen Werbeinferate erscheinen. In Fällen, in denen sich unzulässigerweise angeworbene Freiwillige bereits zu Freikorps zusammengeschlossen haben sollten, wird beren Auflösung durch die Landesregierung erfolgen. Um den Zuzug von Freiwilligen zu solchen Zweden nach Oberschlesien zu verhindern, find Maßnahmen im Gange, durch die die Grenze des Abstimmungsgebietes für sie gesperrt werden soll. Keine Verbindung mit Oberschlesien Das Reichspoftministerium teilt mit: Der telegraphische Verfehr des Berliner Haupttelegraphenamtes mit Oberschlesien be schränkt sich auf die Verbindung mit Oppeln- Stadt, nachdem das Telegraphenamt in Breslau gestern abend nach Berlin mitgeteilt hat, daß es, von dieser Verbindung abgesehen, vollständig von Oberschlesien abgeschnitten sei und solche Telegramme von Berlin nicht mehr annehmen könne. Das Berliner Haupttelegraphenamt ist auch ohne Verbindung mit Budapest, Brünn und Krakau, weil seine dorthin führenden Leitungen in Oberschlesien gestört sind. Die Protestversammlung für Oberschlesien Die für Sonntag vormittag nach der Philharmonie einberufene Protestversammlung gegen eine Vergewaltigung Oberschlesiens wurde vom Reichstagspräsidenten Löbe geleitet. Ludwig Wüllner trug ein oberschlesisches Gedicht vor. Weiter Sprachen: der Präsident der preußischen Landesversammlung, Leinert, der 2. Borsigende des Algemeinen Deutschen Ge wertschaftsbundes, Graßmann, der Präsident der Handelsfammer zu Berlin, Franz von Mendelssohn, der Generalsekretär des Gesamtverbandes der Christlichen Gewerkschaften, Baltrusch, der Generalsekretär des Zentralverbandes des deutschen Großhandels, Abg. Kein ath, der Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsringes( Sirsch- Dundersche Gewerkschaften), Hart= mann, und Walter Rathena u als Vertreter der Industrie. Sie alle erhoben von den verschiedensten Gesichtspunkten aus die oberschlesische Lage betrachtend im Namen der von ihnen vertretenen politischen Gruppen, Vereine, Verbände und Organi: sationen Protest gegen die Korfantysche Gewaltmethode und die französische Begünstigungspolitif. Sie verlangten einmütig, daß Oberschlesien, gemäß den Bestimmungen des Friedensvertrages und dem Ergebnis der Abstimmung, ungeteilt beim Deuta schen Reiche verbleibe. Sämtliche Redner erklärten übereinstimmend ihre Bereitwilligkeit, die durch die Annahme des Ultimatums eingegangenen Verpflichtungen restlos zu erfüllen; jedoch betonten sie, daß das deutsche Bolt auch Gerechtigkeit und Unparteilichkeit vom Obersten Rat für OberSchlesien erwarten müsse. Ein aus Oberschlesien geflüchteter Bertreter der Metallarbeiter, Hante, schilderte zum Schluß die Handlungen der Polen. Wir haben unsere Stellungnahme zu dieser Versammlung und zu den von ihr aufgestellten Barolen bereits eindeutig dargelegt. Nichtsdestoweniger müssen auch wir von den Alliierten verlangen, daß sie die ihnen durch den Friedensvertrag auferlegten Verpflich tungen erfüllen, in Oberschlesien für die Wiederherstellung der Ordnung Sorge tragen und endlich die Entscheidung über die fünftige staatliche Zugehörigkeit Oberschlesiens fällen. Orgeschleute unterwegs! Der Hauptbetriebsrat bei der Eisenbahnverwaltung Dresden teilt uns unterm 21. Mai mit: Wie schon am 19. Mai, passierte heute wiederum mit dem Schnellzuge 7.15 Uhr ein Transport 100 Mann angeworbene Drgeschleute den Bahnhof Dresden- A. Bei dem Transport befanden fich 17 Riften Handgranaten, die aber durch obere Eisenbahnbeamte, trotzdem sie von den Betriebsräten auf den unvorschriftsmäßigen Transport aufmerksam gemacht worden waren, doch weitergeleitet wurden, in der Richtung nach Breslau. Ein von den Hauptbetriebsräten verständigter Beamter der Generaldirektion erklärte, telegraphisch die Anhaltung des Zuges in Baugen angeordnet zu haben. Der Präsident der Verwaltung war nicht zu erlangen. Trotzdem ist dieser Zug ohne Untersuchung durch Baugen durchgeleitet worden. Ein am Gepädwagen postierter Orgeschmann, der vom Transportleiter beauftragt war, darüber zu wachen, daß die beim Padmeister befindliche Munition nicht entladen würde, blieb in Dresden- N. zurück. Seine Bernehmung durch Angestellte der sächsischen Landespolizei im Beisein der Betriebsräte und Parlamentsvertreter hat folgendes ergeben: Durch Aufrufe in den bayerischen Zeitungen werden ehemalige Angehörige von weißgardistischen Formationen aufgefordert, sich bei der Werbestelle des Vereins heimattreuer Oberschlesier zu melden. Die Leitung dieser Meldestelle liegt in den Händen eines Oberleutnants. Bei Meldung wird den Leuten ein Schein folgenden Inhalts ausgehändigt. Der Ausweis. ist gebürtiger Oberschlesier und zur freien Fahrt nach seiner Heimat berechtigt. Verein heimattreuer Oberschlester, Ortsgruppe München. Es wird ihnen in vorsichtiger Form zu verstehen gegeben, daß Nichtmeldung oder Entfernung von der Truppe friegsgerichtlich bestraft wird und sie gegen Polen fämpfen sollen. Als Entlohnung wird ihnen pro Tag 70 M. zugesichert, in der Gegend von Breslau sollen sie eingefleidet werden. Der Abtransport von München geschieht, indem sie immer zu zwei Mann, in größeren Abständen und verschiedene Bahnsteigsperren benuhend, mit dem angegebenen Ausweis passieren. Zu verpflegen haben sie sich selbständig auf fünf Tage. Waffen erhalten sie bei der Abfahrt nicht, doch werden diese wie auch Munition auf außerhalb München liegenden Stationen zugeladen. Während der Fahrt ist ihnen vom Transportführer bekanntgegeben worden, daß die Entlohnung bloß 40-50 M. beträgt und sie verpflichtet sind, gegenüber außenstehenden Personen sich über 3wed und Ziel der Reise nicht zu äußern. Jn Dresden haben sich noch Studenten zu dem Transport hinzugefellt. Soweit die Aussage des zurüdgebliebenen Dre geschmannes. Weiter ist bekanntgeworden, daß ehemalige Studenten der Chrhardtgruppe seit furzem von Dresden verschwunden sind in Richtung München. Ein weiterer Transport wurde in Dresden heute abend 7.35 Uhr erwartet; wir hoffen, mit Unterstützung der sächfischen Regierung die Transporte aufzulösen, Was man sonst nicht hörte Beginnende Einsicht Das Berliner Zentrumsorgan„ Germania" veröffentlicht, ohne sich mit allen Ausführungen des Verfassers einverstanden zu erflären, einen Aufsatz eines angesehenen deuts schen Universitätsprofessors, der die französische und deutsche Mentalität untersucht und scharfe Kritik sowohl an der einen wie an der anderen übt. Es heißt da u. a.: ,, Doch tehren wir nicht bloß vor der fremden, sondern offen und ehrlich auch vor der eigenen Tür! Wird nicht auch auf deuts cher Seite, wenn gleich nicht im selben Grade, manches entstellt oder verschwiegen, jedenfalls mit Vorliebe und Bedacht nur die eine Seite herausgefehrt, die für sich allein genommen ein ganz schiefes oder doch nur halbes Bild von der Wahrheit bietet? Um zunächst bei den negativen Manipulationen zu bleiben, wie wenig hört und liest man beispielsweise von der drückenden, ja fast erbrüdenden französischen Schuldenlast, die doch zur Erklärung des hartnädigen und ungestümen Drängens auf die Reparationen wesentlich ist, an der wir überdies indirekt nicht ganz unschuldig sind! Wie wenig ist die Rede von unserer Mitschuld am Kriege und an seinen 3erstörungen, von den das Urteil der Welt wie die reale Entschädigungspflicht unfraglich mitbestimmenden Erzessen und Fehltritten unter dem alten Regiment auf unserer Seife! Auch die korrup tionssymptome im neuen Reich, mögen sie das Maß der französischen immer noch nicht erreichen, wollen wir weder rüd haltlos genug gestehen noch energisch genug ausräumen, obgleich sie mitschuldig an unserer geringen Leistungsfähigkeit und daher in der Beurteilung des gegenwärtigen Kontroversstadiums nicht zu umgehen sind: um nur die wirtschaftlichen zu erwähnen, die gewaltige Herabdrückung unserer Währung durch die unerhörte Papierinflation noch nach dem Kriege und all die Verwirt schaftung unseres öffentlichen Vermögens in den letzten Jahren!" Noch interessanter ist das, was der Verfasser über das Unwesen des a l'Ideutschen Chauvinismus sagt, der ,, die alten absolutistisch- militaristischen Zeiten zurückzuführen und einen Revanchefrieg vorzubereiten droht": ,, Noch sind leider jene Kreise nicht tot, die uns durch ihre Extravaganzen in dieses nationale Unglück gestoßen haben, und noch leben die Jdeen, die uns vor dem Kriege in den Krieg und während desselben in immer schwierigere Verwicklungen hin eintrieben. Ja, als ob sie gleich den Emigranten nichts gelernt und nichts vergessen hätten, erheben sie lauter und dreister denn je ihr Haupt und würden jetzt noch alles vor sich zerschmettern, wenn es auf sie antäme, so daß wir daraus schließen tönnen, wie es uns und der Welt ergangen wäre, in welche Stlaverei die Völker einschließlich des deutschen nach innen wie nach außen geraten wären, wenn diese Leute in einem fiegreichen Deutschland das Heft in der Hand behalten hätten und am Ruder geblieben wären. Jezige, wie ehemalige Generale und Offiziere, unreife Studenten und ideologische Professoren, adlige Junker und reiche Großgrundbefizer oder Industrielle mit dem ganzen Troß ihrer Anhänger und Trabanten, vor allem die Pressetrabanten, sie alle gebärden fich so, als ob Krieg und Revolution spurlos an unjerem Bolte vorübergegangen wäre." Es ist erfreulich, derartige Wahrheiten, die wir selt Jahr und Tag predigen, in dem Organ einer Bartei zu fin den, die bisher dem Kampf gegen die Reaktion aus dem Wege ging, ja noch vor kurzem die Hilfe der Deutschnationalen in Anspruch nahm, um das jetzige Kabinett in Preu Ben zu etablieren. Was sagt übrigens Herr Steger wald zu der Charakteristit jener nationalistischen Kreise, um deren Vertrauen er mit so viel Erfolg geworben hat? Der Beginn der Prozesse gegen die Kriegsverbrecher Leipzig, 23. Mat. Die Prozesse gegen die deutschen Kriegsbeschuldigten haben heute vor dem Reichsgericht, 2. Straffenat, unter dem Borsitz des Senatspräsidenten Schmidt begonnen. Der erste Prozeß richtet sich gegen den früheren Unteroffizier und jetzigen Küfermeister Karl Heynen aus Barmen wegen Gefangenenmißhandlung im Lager Horne. Anwesend waren Vertreter des Auswärtigen Amtes, des Reichsjustizministeriums und der englischen Regie rung und Gerichtsbarkeit mit dem Solicitor General Str Ernest Bollod an der Spitze. Die Anflage wird vom Oberreichsanwalt Dr. Ebermeyer vertreten. Ein Staatsstreich in Portugal Paris, 23. Mai. Die Pariser Ausgabe der„ Daily Mail" meldet, es scheine sich in Lissabon ein Staatsstreich vollzogen zu haben. Den Monarchisten sei es durch Ueberraschung gelungen, alle Kabinetts mitglieder festzunehmen. Ein zweites Telegramm der„ Daily Mail" aus Vigo besagt, Reisende, die diese Nacht aus Oporto an gekommen find, erklärten, am Samstag sei mit Unterstügung mili tärischer Elemente, unter dem Kommando von Machado do Santos, ein Aufruhr ausgebrochen. Der Premierminister Bernardino Machado und alle Minister seien verhaftet worden. Die Bewegung werde von den monarchistischen Elementen unterstützt. London, 23. Mai. Wie die Blätter melben, ist der Sturz des portugiesischen Kabinetts durch eine Militärrevolte herbeigeführt worden. Die französischen Gewerkschaften und der Wiederaufbau Paris, 22. Mat. Das Komitee für den Wiederaufbau, das die C. G. T. eingesetzt hat, um eine Organisation zu schaffen, die den Wiederaufbau fördert, wird nunmehr in den östlichen und nördlichen Departe ments 30 öffentliche Versammlungen veranstalten, um die Be völkerung aufzufordern, das den Delegierten übertragene Mandat zu bestätigen. Ministerpräsident Briand wird am Mittwoch die Leitung des Komitees empfangen, die ihm die Wiederaufbaupläne unterbreiten soll. Landtagswahlen in Tirol Innsbrud, 22. Mat. Bei den Wahlen für den Landtag wurden in Nord- Tirol für die Tiroler Boltspartei 57 958, für die Großdeutsche Volkspartei 12 698, Sozialdemokraten 24 739, Nationalsozialisten 12727 und für die Gruppe der Kriegsopfer 475 Etimmen abgegeben. 14 Ge meinden stehen noch aus. Kein Konflitt in Braunschweig. Das Presseamt des Braun schweigischen Staatsministeriums verbreitet eine Mitteilung, daß irgend ein Konflitt zwischen dem Landtag und der Regierung nicht bestehe. Eine Meinungsverschiedenheit bestehe nut zwischen der Mehrheit der Landesversammlung und der Opposition. Die Anrufung des Staatsgerichts hofes durch die Minderheit des Parlaments entbehre jeder juristis schen Grundlage. Bezirksgeneralversammlung Berlin- Brandenburg In der ordentlichen Generalversammlung des Bezirksverbandes Berlin- Brandenburg am Sonntag, gab zuerst Gen. Brühl den Geschäftsbericht. Rach Erörterung der Wichtigkeit der neuen Stadtgemeinde Berlin ind der Berliner Parteiorganisation tam er zur Feststellung, daß sach der nunmehr überwundenen Krise die Mitgliederzahl ständig ind erfreulich zunehme. Unsere vornehmste Aufgabe muß es sein, ansere Organisation so auszubauen, daß im gegebenen Augenblid nicht, wie schon einmal, nur die Spigen der Verwaltung beegt werden können, sondern daß der ganze Verwaltungsapparat ibernommen werden kann. In jeder politischen Situation haben pir uns zu fragen, was haben wir als Sozialisten zu tun, ohne Rücksicht auf die Haltung der Kommunisten und Rechtssozialisten ju nehmen.( Lebhafter Beifall.) Wir müssen uns flar darüber werden, daß wir in entscheidenden Augenblicken unsere Organiation einzusehen haben. Aus den letzten Bewegungen in der Rommunistischen Partei haben wir die Lehre zu ziehen, daß, wenn wir unsere Organisation einsehen, dies mit allen Konsequenzen zu geschehen hat, ohne Rücksicht darauf, was folgt, selbst wenn die Partei in Trümmer gehen sollte. In furzer Zeit würde fie sich wieder erheben, weil, wenn sie für eine gute Sache eingesetzt, sie das Vertrauen der Masse haben würde. Die Waffe der Drganisation fann man aber nicht, wie die Kommunisten, ledig lich nach dem Willen der Führer einstellen. Die historische Schuld Der Rechtssozialisten ist, daß sie es nicht gewagt haben, zu Beginn des Weltkrieges ihre Organisation aufs Spiel zu sehen.( Lebhafter Beifall.) Der Märzputsch hat erneut bewiesen, daß wir bert Moskauer Thesen gegenüber die richtige Haltung eingenommen haben. Freuen wollen wir uns nicht darüber, denn letzten Endes haben alle Arbeiter darunter zu leiden. Durch sozialistische und revolutionäre Politit müssen wir die mutlos ge= wordenen Arbeiter, die der B. K. P. D. den Rüden kehren, unter unjerer Fahne sammeln. Bei der Forderung der sozialistischen Regierung, die sich auf die freien Gewerkschaften, die freien Angestellten- und Beamtenorganisationen stüßt, müssen wir feststellen, daß wir eigentlich im Kreise herumgegangen sind. Als während der Kapptage ein Teil unserer Genossen diese Forderung vertraten, wurden ste beinahe gesteinigt. Wir haben bei dieser Forderung unser Mindestprogramm in den Vordergrund zu stellen, das einer solchen Regierung als Richtschnur zu dienen hat. Wir haben uns daran zu gewöhnen, daß Vertreter angeblicher teherischer Meinungen ruhig angehört werden. Mehr Gedankenfreiheit, worunter nicht Handlungsfreiheit zu verstehen ist, muß gewährt werden. Nach Besprechung der Magistratsbildung und der Forderung nach einer stetigen, zielbewußt- sozialistischen Politik durch die Stadtverordnetenfraktion, erwähnt Gen. Brühl die Tatsache, daß frühere, zu den Kommunisten übergewechselte Parteigenossen Fühlung mit uns genommen hätten. Es sei ihnen jedoch unange= nehm, als einfache Soldaten bei uns in Reih und Glied zu treten. Ueber die Rückkehr dieser Genossen tönnten wir uns freuen. In einer gewissen Karrenzzeit müßten sie aber den Beweis erbringen, daß sie auch als einfache Soldaten für die Partei tätig jein wollen und können.( Lebhafter Beifall.) Der Referent berichtet weiter über die Versammlungen, Kundgebungen und Protestaktionen der Partei im Berichtsjahre und verlangt, daß Maßnahmen getroffen werden, daß sich die Partei unter allen Umständen in ihren Berfammlungen behauptet. Den Stoßtrupps muß unter Anwendung der gleichen Methoden gezeigt werden, daß wir uns feinesfalls unsere Versammlungen durch irregeleitete Klassengenossen stören lassen.( Lebhafter Beifall.) Dem Bildungswesen ist mehr Achtung als bisher zu schenken. Die Vermittlung von Allgemeinbildung gehört nicht in das Programm unserer Bestrebungen. Das ist die vornehmste Aufgabe der sogenannten sozialistischen Mehrheit im Stadtparlament. Die Partei hat in erster Linie für Heranbildung tüchtiger Parteigenossen Sorge zu tragen. Der Institution der Elternbeiräte ist mehr Interesse zu zuwenden, denn auch die unscheinbare Kleinarbeit ist notwendig und muß entsprechend gewürdigt werden. An die Arbeit für Berwirklichung des Sozialismus muß nicht nur fühl und nüchtern herangetreten werden, sondern auch mit einem idealen Schwung. Wir dürfen nicht verzweifeln, wenn der Sozialismus bis heute noch nicht zur Wirklichkeit geworden ist. Was für die Erde die Sonne ist, das ist für uns Arbeiter der Sozialismus!( Lebhafter Beifall.) Den gebrudt vorliegenden Kassenbericht erläuterte der Kassierer, Genosse Herbst. Er wandte sich dagegen, daß in den Distrikten größere Geldmittel angesammelt werden. Er verlangte ihre Abführung an die Zentraltasse, damit fruchtbringende Arbeit ge= leistet werden könne. Genosse Boormann erstattete den Bericht der Revisoren. Allmonatlich wurden Kasse und Belege geprüft und in bester Ord nung befunden. Er beantragte für die Kassierer Herbst und Zachow Entlastung. Den Bericht der Brekkommission gab Genosse Maaß. Er gibt die Beschlüsse der Kommission befannt. Die geringe Zahl der eingegangenen Beschwerden beweise, daß dem Parteiblatt eine freundliche Gesinnung entgegengebracht werde. Bei Erörterung der Personalveränderungen im Redattionsstabe spricht er dem ausgeschiedenen Genossen Leid unter lebhaftem Beifall der Versammlung den Dank der Parteigenossen für seine hingebungsvolle und unermüdliche Arbeit im Dienste der Parteipreffe aus. Durch zähes Arbeiten für eine dauernde Steigerung der Abonnentenziffer tönnten die Wünsche über Ausstattung des Zentralorgans berücksichtigt werden. Bei der bevorstehenden Agitation für bie müsse jeder Genoffe " Freiheit" mindestens einen werben. neuen Leser Die bürgerliche Presse müsse systematisch aus den Arbeiterfamilien verdrängt werden. Die Preßtommiffion betrachte fich als Helfer und Berater der Redaktion und sehe in den Redattionsmitgliedern Barteigenossen, die auf einen verantwortungsvollen Posten gestellt sind, um die Parteigrundsäge journalistisch zu vertreten. Der Obmann der Schiedskommission, Genosse Lautant, berichtet über die manchmal unerquidliche Tätigkeit dieser Körperschaft. Vor der Parteispaltung sei in einzelnen Anträgen die Tendenz zutage getreten, daß eine Richtung die andere zu schädigen versuchte. Anträge solcher Art seien bis nach der Spaltung zurückgestellt worden. Genosse Lautant forderte zum Schlusse, daß die Kommission nicht zu sehr mit Kleinigkeiten beschäftigt werde. Man solle versuchen, die Streitfälle möglichst innerhalb der Distrikte zu schlichten. In der nunmehr einsehenden Diskussion tritifiert Genoffe Ritter, daß die Partei solche Augenblicke ver paßt habe, in denen sie Gelegenheit gehabt hätte, auf die noch Fernstehenden zu wirten. Bei der Frage der Unterzeichnung des Hitimatums wurde tostbare Zeit vertrödelt. 3u spät wurde unsere Stellungnahme erörtert. In Versammlungen hätte der breiten Masse unsere Ansicht übermittelt werden müssen. Die bisherige Inzucht müsse aufhören. fache bei uns auf dem Lande ist die Presse. Sie wird leider zu Genosse Gebhard: Die Hauptwenig verbreitet. Nach furzer Erörterung der Ansicht der Landbewohner über die Agrarfrage, fordert der Redner ausfühliche Berichte über die Verhandlungen gegen die Kriegsverbrecher. Genosse Winter: Es muß endlich eine Bafis zur Einigung der Arbeiterschaft gefunden werden. Als Redner einer Annäherung an die Rechtssozialisten das Wort redet, stößt er auf heftigen und anhaltenden Widerspruch der Versammlung. Er fordert dann, daß der Parteivorstand mit dem Vorstand der S. P. D. den Einigungsmeg suche. Genosse Thielemann: Bei unseren Handlungen haben wir nur die sozialistischen Grundsätze zu beachten. Diesem Um Stande ift es zuzuschreiben, daß in Potsdam bie Arbeiterschaft der U. S. 3. D. folgt. Durch Brechen con Abmachungen haben die Kommunisten jede Rücksichtnahme verscheizt. Aus der Passivität müssen wie heraus und zur Attivität übergehen. Für Agitation und Propaganda auf dem Lande muß mehr getan werden. Genosse Vollmerhaus: Bei der Einschäzung der politischen Situation haben wir uns von der Nachprüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse leiten zu lassen. Notwendig ist es, daß der Sozialgesetzgebung und den Wahlen zu den Krantenfassen, Schlichtungsausschüssen usw. mehr Beachtung geschenkt wird. Bedauerlich ist es, daß die Arbeiterschaft den Rennbahnen usw. mehr Interesse entgegenbringt als den Bildungsbestrebungen. Genosse Freudenberger kritisiert einzelne Posten des Kassenberichts, während Genosse Schachtinger seinem Befremden darüber Ausdruck gibt, daß bei der Abstimmung über Annahme des Ultimatums 15' unserer Reichstagsabgeordneten fehlten. Die Abgeordneten müßten sich auch in den Dienst der Agitation auf dem Lande stellen. Einige Artikel in der Freiheit" hätten bei vielen Parteigenossen Mißfallen erregt. Der Kassenbericht sei in Zukunft detaillierter in Drud zu legen. Genosse Binow ist für eine Beteiligung der Partei an der Regierungsbildung. Genosse Ledebour: Von den 15 bei der Abstimmung über das Ultimatum fehlenden Reichstagsabgeordneten hat keiner böswillig gefehlt. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, daß in dieser Versammlung ein Genosse für ein Aufgehen der Partei in der 6. B. D. eintreten würde.( Sehr richtig.) Mit solchen Selbstmordgedanken werden wohl wenig Genossen spielen.( Lebhafter Beifall.) Der Erfolg würde nur sein, daß die Rechtssozialisten einige tausend Mitglieder erhielten, die K. P. D. aber würde tünstlich ins Leben zurückgerufen werden.( Sehr richtig.) Wir müssen wieder zu einer großen sozialistischen Partei mit revolutionären Zielen tommen, nicht durch eine schwammige, rechtssozialistische Politit, sondern durch eine konsequente Politit auf Grund des Leipziger Aktionsprogramms. Genosse Sieloff schildert die Stimmung auf dem Lande und tritt ebenfalls für eine Beteiligung der Partei an der Regierungsbildung ein. Ein Schlußantrag beendet die Aussprache. Dem Kassierer wurde einstimmig Entlastung erteilt. Dic Neuwahlen zeitigten folgende Ergebnisse: Besoldeter Borsigender: Genosse Krille; unbesoldeter Borsigender: Genosse Koch; Setres täre für Berlin: die Genossen Herbst, Müller, Schent und Holz; Getretäre für die Provinz: die Genossen John, Zeuner, Sieloff und Homa. Der Posten einer Setretärin soll ausgeschrieben werden. Die bisherigen Revisoren Boormann, Berger, Tischte, Rooch und Linde wurden wiedergewählt. Die Schiedskommission fezt sich aus folgenden Genossen zusammen: Lautant, Felz, Desterreicher, Flesch, JIIgen, Steinig, Hube, Grumach und Kypte. Unter Rüdstellung der noch vorliegenden Anträge wurde die Generalversammlung hierauf vertagt. Groß- Berlin Ein Jdyll Zu der unter obiger Ueberschrift gebrachten Notiz geht uns jett folgende Mitteilung zu, welche so recht zu dem ganzen geschilderten Vorgang paßt: Wie sehr der Artikel„ Ein Jdyll" das Richtige getroffen, geht daraus hervor, daß am Freitag gleich nach Erscheinen der Zeitun gen einige Rollwagen vor dem Geschäft des Herrn Roßschlächters Klez, Reinidendorfer Straße 34, erschienen und den dort lagern den Morast wegbrachten. Es setzte sogleich eine Reinigungsaktion ein, und mittags fonnte die Geschäftsführerin schon sagen: Zu uns fann jeder tommen, bei uns ist alles in Ordnung! Aber weiter. Abends um 9 Uhr tam zu unserem Gewährsmann ein Angestellter des Herrn Kleß und wollte denselben aus seiner Wohnung locken. Auf dem Hausflur lagen noch vier Mann auf der Lauer. Der Plan wurde verraten, die ganze Bande verhaftet und auf der Wache festgestellt als: Roßschlächter Kleß, Drontheimer Str. 40, E. Schiemann, Beusselstr. 38, M. Lange, Emdener Str. 43, H. Siebert, Chausseestr. 57, und P. Buchwald, Blankenburger Straße 70. Alle waren bewaffnet. Nach Feststellung der Personalien wurden sie wieder entlassen. Unser Gewährsmann wurde von zwei Beamten nach seiner Wohnung geleitet unter ständiger Bedrohung durch die Vorgenannten. Geschehen ist unserem Ges währsmann nichts, obgleich Kleß aufforderte: 5000 M., wer den B. heute oder in den nächsten Tagen totschlägt. Die Sache hat noch ein gerichtliches Nachspiel. Dies zur Information der Arbeiterschaft, die etwa noch bei einem solchen Individuum, wie es Herr Kleß ist, etwas kaufen sollte. Ergebnis der Elternbeiratswahl in Neukölln Die am gestrigen Tage vollzogenen Wahlen litten unter ungemein schlechter Beteiligung. An unseren sechs weltlichen Schulen betrug dieselbe im Durchschnitt taum 40 Proz. Das herrliche Sommerwetter ließ leider unsere Eltern zum großen Teil ihre Wahlpflicht vergessen, während die Kommunisten durch raffinierte Reklame und unschöne Mittel, das letzte Ehepaar auf die Beine brachten, und durch demagogische Kniffe Unaufgeklärte einfingen. Abgegeben wurden an den sechs weltlichen Schulen insgesamt 4485 gültige Stimmen; davon entfielen auf die Listen der U. S. B. D. 1660, R. P. D. 1848, S. P. D. 977. An Mandaten entfielen auf U. S. P. D. 47, K. P. D. 51, G. P D. 26. Parteigenossen und genossinnen, macht diesen Zufallserfolg der Kommunisten illusorisch durch angestrengte zielflare Tätigkeit in unseren Schulen. Frisch an die Arbeit, und sehr bald wird sich zeigen, daß verworrene Phantasterei unserm entschlossenen Willen zur Höherentwidlung unserer Schulen weichen muß. Am Dienstag, den 24. Mai, abends 7 Uhr, findet eine Vollversammlung der gewählten Elternräte und sämtlichen Kandis daten in der Jdealpassage statt. Tagesordnung:„ Unsere nächsten Aufgaben". Sittliche Verfehlungen mit Minderjährigen ** Eine aufsehenerregende Berhaftung, die an den Fall des Millionärehepaares Franz aus der Mozstraße gemahnt, wurde in der Badenschen Straße zu Schöneberg vorgenommen. Schon seit geraumer Zeit gingen Gerüchte um, daß dort in der Wohnung Des bekannten Fliegers und Flugzeugfabrikanten Emil. Jeannien sich Dinge zuträgen, die das Licht zu scheuen hätten. Man vernahm wiederholt heftige Auftrite und erfuhr, daß es sich um Auseinandersetzungen zwischen Eltern von Schülerinnen aus den im Westen gelegenen Lyzeen und dem Flieger handelte. Es wird hierüber folgendes berichtet: Die Dienststelle EII, 4 der Kriminalpolizei, die von diesen Ges rüchten ebenfalls hörte, veranlaßte Beobachtungen, und es ergab sich, daß Jeannin, ein Mann von 45 Jahren, der aus Mülheim im Elsaß stammt, früher einer der ersten Berufsflieger war, dann Flugzeuge baute, und zuletzt die Argo- Werte in Reinickendorf vers waltete, einen regen Verkehr mit zum Teil noch nicht 13 Jahre alten Mädchen unterhielt. Diese, meist Schülerinnen von Lyzeen, besuchten ihn oft in seiner Wohnung in der Badenschen Straße, die er luxuriös ausgestatet hatte. Aber auch ältere Mädchen und Frauen gingen ein und aus. Eine Vermittlerin war die Tochtereines Großindustriellen, die er vor vier Jahren in feine Netze gelockt und an sich gefesselt hatte. Sie wird beschuldigt, sich in der Lauenzien- und anderen Straßen an die jungen Mädchen herangemacht und sie dem Flieger zugeführt zu haben. Jeannin und seine Helfershelferin wurden verhaftet. Bei seiner Bernehmung bestritt Jeannin die ihm zur Last gelegten Ver fehlungen. Sprechstunde für Elternbeiräte. Donnerstag nachm., 6-7 Uhr, in der Freiheit"-Bibliothet, Breite Str. 8-9. Eine Sigung der Stadtverordneten- Versammlung findet am tommenden Donnerstag statt. Die Tagesordnung ist eine sehr umfangreiche; fie umfaßt nicht weniger als 47 Punkte. Aus den vorliegenden Anträgen sind besonders hervorzuheben der Antrag Dr. Weyl und Genossen betr. Entlassung städtischer Ar beiter und Angestellten, ein ähnlicher Antrag ist auch von den Kommunisten gestellt. Ferner ist von der U. S. P. D. ein weiterer Antrag gestellt, der die Einstellung von Mitteln im Haushaltplan 1921 für die Ver schi dung von Kindern aufs Land vorsicht. Zur Beschlußfassung liegen Vorlagen vor: Schaffung der Stelle eines Generalsteuerdirektors sowie von zwei Abteilungsdirek toren, ferner die 3 u wahl von Bürger deputierten und schüsse notwendig. verschiedene andere. Außerdem ist die Wahl einer Anzahl AusGeneralversammlung des Spandauer Konsumvereins. Die am 20. Mai 1921 tagende außerordentliche Generalversammlung des Konsumvereins Mercur" für Spandau und Umgegend, wies leider nicht den in Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung notwendigen Besuch auf. Es sollte nämlich der endgültige Beschluß über die Verschmelzung mit der Konsumgenossenschaft Berlin gefaßt werden. Nach einem furzgefaßten Vortrag des Geschäftsführers Hornig, setzte eine rege Diskussion ein. Der größte Teil der Redner war gegen den Anschluß an Berlin. Einesteils hielten sie die jetzige Zeit, vom wirtschaftlichen Standpunkt aus betrach tet, nicht für geeignet, andernteils befürchteten sie nicht Vorteile, sondern Nachteile von einem Anschluß zu haben. Die Abstimmung ergab folgendes Bild: es wurden 143 gültige Stimmen abgegeben, davon waren 49 für, und 94 gegen den Anschluß. Mit diesem Ergebnis war die Verschmelzung mit der Genossenschaft Berlin abgelehnt. Zu der Aushebung des Instituts für„ Körperpflege"( Mutabor) in der Steglitzer Straße 43 bittet uns der geprüfte Masseur und Heilgehilfe Georg Gottlieb aus der Gr. Hamburger Straße 15/16 mitzuteilen, daß er mit dem zusammen mit dem Apotheker Heiser und einem gewissen Boldt verhafteten Professor" Gottlieb aus der Genthiner Straße weder verwandtschaftlich noch geschäftlich etwas zu tun hat. ** Bon einem Frachtdampfer gerammt. Gestern vormittag t es einigen Ausflüglern, die sich in einem Gegelboot auf der Dahme befanden, recht übel ergangen. Gegenüber dem Sports. haus des„ Borussia"-Klubs wurde das Boot von einem Frachtdampfer gerammt, wodurch es fenterte. Die fünf Infassen stürzten ins Wasser. Zu ihrem Glück war schnell ein Motorboot zu Hilfe geeilt, dessen Mannschaft es gelang, alle fünf Personen zu retten und an Land zu bringen. ** Wenn man ein brennendes Streichholz fortwirft! Durch eine oft gerügte Unvorsichtigkeit hätte gestern leicht wieder ein großes Unheil passieren können. Im Hause Kurfürstendamm 124 wurde aus dem Fenster eines oberen Stockwertes ein brennendes Streichholz geworfen; das fiel durch das offene Fenster einer Wohnung auf die Markise, die Feuer fing und in ein paar Minuten lichterloh brannte. Infolge der Sitze platten die Scheiben des dar unter befindlichen Ladens. Es bestand nun die Gefahr, das die brennenden Fezen der Markise in den Laden geweht werden würden. Die Feuerwehr erschien noch rechtzeitig und verhinderte, daß das Feuer weiter um sich griff. ** Eine blutige Liebestragödie spielte sich am Sonnabend im Sause Elisabethstraße 61 ab. Die dort wohnende Schneiderin Gertrud Beßler geriet mit ihrem Bräutigam, dem in der Büschingstr. 4 wohnhaften Arbeiter Leopold Buz, in einen heftigen Streit, der auf dem Hofe des Grundstüds seine Fortsetzung fand. Plöglich zog Butz ein Rasiermesser aus der Tasche und verletzte seine Geliebte durch mehrere Schnitte am Hals und an der linken Schläfe erheblich. Die Schwerverletzte wurde nach dem Krantenhaus geschafft. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Diens tag. Frisch und überwiegend heiter, nachts fühl, in den Mittags stunden ziemlich warm, bei mäßigen östlichen Winden. Gewerkschaftliches Junkermethoden Wir haben wiederholt festgestellt, daß der Pommersche Land bund mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln versucht, die Landarbeiter von ihrer Organisation, dem Deutschen Landa arbeiter Verband, fernzuhalten. Zahlreiche Kündigungen wegen Zugehörigkeit zur Organisation sind deshalb in den pom merschen Landkreisen zu verzeichnen. Der Einfluß des Pommerschen Landbundes macht sich in neuester Zeit auch in den einzelnen Kreisen des Regierungsbezirtes Schneidemüht bemerkbar. So sind allein im Kreise Dt.- Krone 200 Kündigungen von seiten des Deutschen LandarbeiterVerbandes festgestellt worden. Wie weit der Terror der Arbeitgeber in der legten Zeit geht, zeigt uns folgender Fall. In dem Kreise Deutsch- Krone haben es die Arbeitgeber wohl fertig ges bracht, die ihnen unliebsamen Arbeiter zu entlassen, aber, was sie nicht fertig brachten, war, die Arbeiter aus ihren Gutswoh nungen zu entfernen. Um diese Wohnungen freizubekommen, entzieht man den Arbeitern das Futter, welches sie für ihre Kuh oder sonstiges Vieh benötigen. Der Regierungspräsident, der die schwierige Lage dieser Arbeiter anerkennt, gab Anfang April eine Verfügung heraus, nach welcher die Gemeinde- und Guts vorsteher angewiesen wurden, für die Erhaltung des Biehs dieser Arbeiter Sorge zu tragen, indem den Betreffenden das Futter zu den gesetzlichen Höchstpreisen geliefert wird. Diese Verfügung Wenn man heute in wird von den Arbeitgebern nicht befolgt. manchem Kreise sich so sehr für die Ansiedlung von Landarbeitern oder fleinen Befizern ins Zeug legt, so zeigt dieser Vorgang, in welche mißliche Lage diese kleinen Leute unter Umständen toms men fönnen, Sier wäre es Pflicht der Regierung, einzugreifen. Von seiten des Vorstandes des Deutschen Landarbeiter- Verbandes find die maßgebenden Ministerien und Instanzen angerufen wors den. Um aber die äußerste Not von diesen kleinen Besizern abzuwenden, hat der Verbandsvorstand der dortigen Gauleitung Geldmittel zur Verfügung gestellt, um für die Gemaßregelten, soweit diese Verbandsmitglieder sind, Futtermittel aufzukaufen. Für die Landarbeiter aber mnß dieser Fall eine Lehre sein, und zwar dahingehend, daß sie noch mehr als wie bisher für den Ausbau ihrer Organisation Sorge tragen, um diesem Herrens menschentum in der Landwirtschaft wirkjam und erfolgreich ents gegentreten zu fönnen. Betriebsräteschule. Dienstag, den 24. Mai 1921, beginnen fols gende Kurse: Sophien- Lyzeum, Weinmeister str. 16-17: Das Eristenzminimum und seine Errechnung", abends 7 Uhr, Zimmer 25. Leibniz- Gymnasium, Mariannen= play: Die rechtlichen und wirtschaftlichen Aufgaben der Betriebsräte", nachm. 5 Uhr. Zeichenjaal; Voltskrankheiten und ihre Befämpfung", abends 7 Uhr, Zeichensaal. Friedrich Werder sches Gymnasium, Bochumer Straße 8b:„ Tarifwesen", nachm. 5 Uhr, Zeichensaal;„ Das Existenzminimum und feine Errechnung", abends 7 Uhr, Zeichensaal. Freigewerk schaftliche Betriebsrätezentrale, Engelufer Nr. 14-15, 2. Sof 1 Tr.: Wie liest der Betriebsrat eine Bilanz?" abends 7 Uhr, Sigungssaal. Anmeldungen aller gewerkschaftlich organisierten Arbeiter, Angestellten und Betriebsräte bei Beginn des Kurses in der Schule. Karten tönnen nachträglich bis zum zweiten Kursabend gelöst werden im Bureau der Betriebsrätes zentrale, Engelufer 14-15, 2. Sof, 1 Tr. Freigewerkschaftliche Be triebsrätezentrale. Die Lohnbewegung der Schwer und Leichtfuhrwerksfutscher beendet. Wie bereits mitgeteilt, fonnte über die eingereichte Forderung, da die Unternehmer jedes 3ugeständnis ablehnten, eine Einigung zwischen den Parteien, dem Deutschen Transport arbeiter- Berband und der Fuhrherren- Innung nicht erzielt wer ben. Der zur Entscheidung angerufene Schlichtungsausschus fällte, da der Versuch des unparlettschen Borfihenben, die Parteten zu einem Vergleich zu bewegen, an der Unnachgiebigkeit der Unternehmer mißlang, nachstehenden Schiedsspruch, der Löhne Don 180-290 Mart für die verschiedenen Gruppen vorsteht. Ueberstunden sollen von 4 Mart für Jugendliche bis 7 Mart und für fonntägliche Pferdepflege 6,50-10 Mart bezahlt werden. Urlaub wird gewährt nach sechs Monaten Beschäftigungsdauer fünf Werktage, nach einem Jahre acht und dann jedes Jahr einen Tag mehr bis zu 12 Werktagen. Die Lohnfestlegungen gelten bis zum 31. Juli, der Manteltarif bis 31. Oktober 1921. Ale übrigen Bestimmungen des alten Tarifvertrages vom 24. April 1920 nebst Nachtrag vom 15. November 1920 bleiben unverändert bestehen. Mit diesem Schiedsspruch beschäftigte sich eine am 19. d. M. stattgefundene start besuchte Versammlung der Arbeitnehmer, der gegen eine starte Minorität angenommen wurde. Da auch die Arbeitgeber diesem Schiedsspruch zugestimmt haben, fann die Lohnbewegung als abgeschlossen gelten. Die Nachzahlung der erhöhten Löhne ab 1. Mai soll, wie die Unternehmer zugestanden haben, bei der nächsten Lohnzahlung erTheater und Bergnügungen Bolksbühne 7 Uhr: Antigone Neues Bolkstheater Köpenicker Str. 68. 7: Jugendfreunde Staatstheater. Opernhaus 7 Uhr: Cosi fan tutte Schauspielhaus 7 Uhr: Kronpring Direktion: Mar Reinhardt. Deutsches Theater 8: Botasch u. Perlmutter Kammerspiele 8 Uhr: Mesallianz Großes Schauspielhaus 71.: Karlstraße Ein Sommernachtstraum ( 33. Abteilung, 5. Abend) Theater i. d. Königgräger Str.: Uhr: Salome Dienstag: Satans Maske Mit dem Fener spielen Berliner Theater: Milliarder Leffing- Theater Direkt.: Bictor Barnowsky Allabendlich 7%, Uhr: Rosenmontag Deutsch. Künstl.- Theater Allabendlich 7 Uhr: Die felige Grzellenz ( Adalbert, Junkermann, Büller) Theater am Nollendorfplat 7 Uhr: Der Vetter aus Dingsda Rose- Theater 7 Uhr: folgen. Aufgabe der Kollegen i es nun, für die Durchführung der neuen Bestimmungen in allen Betrieben einzutreten. Verbandstag der Friseure. Der 14. Verbandstag des Arbeitnehmerverbandes des Friseur- und Haargewerbes findet dieses Jahr am 24. Mai im Breslauer Gewerkschaftshaus statt. Die Tagesordnung weist 10 Puntte auf. Wir werden zusammenfassend über das Ergebnis des Verbandstages berichten. Parteiveranstaltungen Montag, 23. Mai Gruppenführer und Zettungstommiffionen. Abends 7 hr bei Jmberg. Dienstag, 24. Mai 7. Diftrift, 3. Berw. Bez. Wedding( alte 1. bis 3. Abt., 11. Diftrift, 3 Abt., 13. Distrikt). Abends 7 Uhr bei Döhling, Brunnenstr. 79, wichtige Sigung der fommunalen Kommission. Erscheinen aller Kommissionsmitglieder unbedingt er forderlich. 13. Berwaltungsbezirk( Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde, Lichtenrade). Abends 7 Uhr im Rathaus Mariendorf, Zimmer 26, Zusammenkunft der vier Allgemeine Ortskrankenkasse für Berlin- Tempelhof. Bekanntmachung. Auf Grund des§ 91 der Sagung find für die Wahlperiode Dom 1. Januar 1922 bis 31. Dezember 1925 in getrennter Wahl handlung zu wählen: 15 Arbeitgebervertreter und 30 Erfagmanner, 30 Versichertenvertreter und 60 Ersaymänner. Die Arbeitgeber wählen am Montag, den 1. August 1921, von nachmittags 1 bis 7 Uhr, im Sigungszimmer der Augemeinen Ortskrankenkasse für Berlin- Tempelhof, Theodorstraße 5 a. Die Versicherten wählen am Dienstag, den 2. August 1921, Don vormittags 10 Uhr bis nachmittags 7 Uhr, im Restaurant Hermann Schulz, Berlin- Tempelhof, Berliner Straße 125. Die Wahlberechtigten werden hiermit aufgefordert, Wahlvor fchläge, gesondert für Arbeitgeber und Versicherte, bis spätetens 3. Juli 1921, dem Kaffenvorstand einzureichen. Die Wahlvors läge der Arbeitgeber müssen von mindestens 10 Wahlberech tigten mit zusammen 30 Stimmen, die Wahlvorschläge der Bersicherten von mindestens 30 Wahlberechtigten unterzeichnet fein. Die Stimmabgabe ist an diese Wahlvorschläge gebunden. Die aus den eingereichten Wahlvorschlägen sich ergebenden Anstände müssen bis zum 17. Juli 1921 beseitigt sein. Die Arbeitgeber- und Mitglieder- Verzeichnisse können werk täglich von 8 bis 1 Uhr im Kaffenlokal eingesehen werden. Einsprüche gegen die Richtigkeit sind bis spätestens 3. Juli 1921 beim Kaffenvorstand einzulegen. Die Wahlvorschläge liegen vom gleichen Tage ab von 8 bis 1 Uhr im Kaffenlokal zur Einsicht aus. Auf die einschlägigen Beftimmungen der Sagung und Wahlordnung wird besonders hingewiesen. Der Wahlausschuß ist befugt, die Wahl und Stimmberechtigung jebes Wählers zu prüfen und wird daher die rechtzeitige Beschaffung eines Ausweises empfohlen. Wo die Schwalben nisten Berlin- Tempelhof, den 20. Mai 1921. Walhalla- Theater 7 Uhr: Die Scheidungsreise 8 Cafino Theater 8 Nur noch einige Aufführungen: Bollrich& Sohn SOUPER 8. Folies Caprice 8. 1.30 Uhr: Dilbe Börner, Ufchi Ellest, Ralph Arthur Roberts, Herb. Riper, Paul Rebkopf am Oranienburger Tor Der ledige Ehemann mit Ferd. Grünecker Komödienhaus: Berliner Brater Allabendlich 7.30 Uhr: www.coo Der blonde Engel Don Robert Winterberg Baul Heidemann a. G., Josefine Dora v. Staatsth. G., Jnge van derStraaten, Sfa Narfen, Georg Baselt, Kurt Busch, Julius Rogg, Alfred Walters Residenz Theater Täglich 7, Uhr: Lady Windermeres Fächer von Oskar Wilde. Trianon Theater Täglich 7 Uhr: Am Teetisch hiftspiel von Karl Swoboda. Thalia- Theater Malye: Mascottchen Kleines Theater 48 Uhr: Nur ein Traum Komische Oper % Die Oper 7% Ult- Heidelberg Btg. nadm. Barbler v. Sevilla Raftanien- Allee 7-9 Täglich 4, Uhr: Die Schönste von Allen Operette von Jean Gilbert Varieté- Sensationen. Theater a Kottbus.Tor Tel Moritzplatz 14814. Täglich 7, Uhr: Elite Sänger Blüthgen Konzert Vorvk. 11-1% n. 4-6. 7%, Apollotheater 7 Friedrichstraße 218 Naturalistische Neuhelt Im Reiche der Venus und weitere 10 Sensationen. Residenz- Kasino Blumenstraße 10 Täglich: Großer Witwenball ETROP VARIETE KABARETT Behrenstraße 54 präc. 7 Uhr: 79 12 Mai- Attrattionen Der Vorstand der Allgemeinen Ortskrankenkaffe fär Berlin Tempelhof. Paul Röllmer, Carl Schmiting, Schriftführer. 1. Borfigender. Stoffe für Herren- Anzüge, Ulfter, Baletots, Damen- Kostüme, Meter 50.-, 100.-, 150.- 200.- Mark. Nur langjährige Berbindungen mit altbewährten Fabrikanten bürgen für preiswerte, gute Qualitäten. Koch& Seeland Gegr. 1893. Gertraudtenstr. 20-21. 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Um pünktliches Erscheinen wird gebeten. Wilmersdorf, Schmargendorf, Grunewald. Abends pünktlich 7 Uhr Funktionärs hung bei Schilling, Lauenburgische Straße. Pünktliches Erscheinen Bedingung. Berantwortlich: für Politik u. Feuilleton: Leo Liebschütz, Berlin- Friedenau; für Kommunalpolitit, Lotales u. Gewerkschaftl.: Gerhart Seger, Berlin; für den Inseratenteil u. geschäftliche Mitteilungen: Ludwig Romeriner Karlshorst. Verlagsgenossenschaft Freiheit", e. G. m. b. S., Berlin.- Drud der Berliner Druderei G. m. b. S., Berlin C 2, Breite Str. 8-9. Soeben erschien! Soeben erschien! KARL RADEK Die auswärtige Politik Sowjet- Russlands Aus dem Inhalte: BrestAuf dem Wege zur Oktoberrevolution Litowsk Zwischen dem englischen, französischen, amerikanischen und deutschen Imperialismus• Vor einem neuen Brest- Litowsk Der Arbeiterstaat und das kapitalistische Staatensystem- Der Weg der russischen proletarischen Revolution Die Niederlage Koltschaks, Judenitschs und Denikins- Die Verhandlungen mit England Die Bilanz der Entente- PolitikDie Aussichten der Revolution in Mitteleuropa und im nahen Osten 83 Seiten Preis Mark 2.50( geb. Mark 5.-) Gemeinnügige Siedlungsgenossenschaft Deutscher Metallarbeiter- Berband „ Lichtenberger Gartenheim" e.G.m.b.H. Aktiva Bilanz per 31. Dezember 1920 An Kaffen Konto Mk. Pfl Paffiva . Mk. Pf 2901 60 Per Genossenschaftsant. 114 200) 22 054 59 Darlehns- Konto 5000 Lieferantenschulden Gewinn- Konto. Gewinns und Berlustrechnung Bank- Konto Guth. b. Lieferanten Waren- Konto 1268 60 " 3 098 " 29 322 79 Debet mk. 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Verwaltungsstelle Berlin N. 54, Linienftr. 83-85 Geschäftszeit von vorm. 9 Uhr bis nachm. 4 Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Mittwoch, den 25. Mai 1921, nachmittags 5 Whe Branchen- Versammlung der Graveure und Ziseleure im Märkischen Hof, Admiralftraße 18 c. Tagesordnung: 1. Anssprache über das Ergebnis der Berhandlungen belm De mobilmachungskommissar am 18. Mai 1921 über den Schieds spruch vom 4. April 1921( Reichstarif). 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Es ist unbedingte Pflicht eines jeden Kollegen, zu erscheine Die Mitgliedsbücher find zwecks Kontrolle mitzubringen Mittwoch, den 25. Mai 1921, nachmittags 4 2hr Branchen- Versammlung aller in der Geldschrank- Industrie beschäftigten Kollegen in der Schulaula des Schiller- Lyzeums, Pankftraße, Ecke Böttgerstraße. Tagesordnung: 1. Bericht über die Berhandlungen betr. des Rahmenvertrages 2. Stellungnahme zur Tarifkündigung. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Am Mittwoch, den 25. Mai 1921, abends 7 20 in Boekers Feftfälen, Weberstraße 17, Branchen- Versammlung der Schmiede. Tagesordnung: 1. Bericht der Branchenleitung. 2. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert! Die Ortsverwaltung Demnächst erscheint! Demnächst erscheint! Band 13 der Bibliothek der Kommunistischen Internationale: N. BUCHARIN und E. PREOBRASCHENSKY Das ABC des Kommunismus Aus dem Inhalte: Entwicklung und Untergang des Kapitalismus: 1. Unser Programm 2. Die kapitalistische Gesellschaftsordnung/ 3. Die Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung/ 4. Kommunismus und Diktatur des Proletariats/ 5. Wie die Entwicklung des Kapitalismus zur kommunistischen Revolution führte/ 6. Die Zweite und die Dritte Internationale. Die Diktatur des Proletariats und der Aufbau des Kommunismus: 1. Bedingungen der kommu nistischen Aufbautätigkeit in Rußland/ 2. Die Sowjetmacht/ 3. Die nationale Frage und der Kommunismus 4. Das Wehrprogramm der Kommunisten/ 5. Proletarische Gerichtsbarkeit 6. Schule und Kommunismus/ 7. Religion und Kommunismus/ 8. Die Organisation der Industrie 9. Organisation der Landwirtschaft/ 10. Organisation der Verteilung/ 11. Organisation der Banken und die Geldzirkulation/ 12. Die Finanzen im proletarischen Staate/ 13. Programm der Kommunisten in der Wohnungsfrage 14. Arbeiterschutz und soziale Fürsorge 15. Schutz der Volksgesundheit 376 Selten Preis Mk. 8.-( geb. Mk. 15.-). Organisationsprets Mk. 5.Bestellungen sind zu richten an die Verlagsbuchhandlung Carl Hoym Nachf. Louis Cahnbley, Hamburg 11 Kleine Anzeigen Verkäufe Abessinier, Robre, Filter, Fahrräder Fahrradankauf Erfaßteile. Köchlin& Co. Berlin, ftrage 19. Alte Jakobftraße 20/22. Kaufgesuche Schellack, Leim, Malers artikel kauft jeden Bosten. Linien Wertzenge und Maschinen Spiralbohrer kauft, erhöhte Farbenkeller, Linienstraße 199 a Breife, Pasche, Neukölln, Emfer ( Rofenthaler Play). Norden 5053 Straße 74, vorn. 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