Einzelpreis 30 Pfg. 4. Jahrgang Die Freiheir erscheint morgens uno nachmittags, Sonntags und Montags einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zuftellung ins Haus für Groß- Berlin 16 M. im voraus zahlbar. Für Bostbezug nehmen sämtliche Bostanstalten Bestellungen ents gegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Defterreich, Ungarn, Danzig, bas Saaren. Memelgebiet sowie die früheren deutschen Gebiete Bolens u.Luxemburgs 20 m., ir bas übrige Ausland 27 M. per Brief bez. für Deutschland u. Defterreich- Ungarn 95 m. Wedaktion, Expedition und Berlag: Berlin€ 2, Breite Straße 8-9. Donnerstag, 2. Juni 1921 Nummer 251 Morgen- AusgabeDie achtgespaltene Nonpareillezetle ober deren Raum koftet 5,- M. einschließlich Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2, M., jedes weitere Bo 1,50 M. einschließlich Teuerungszufchlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,20 m. netto pro Zeile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: das fettgebrachte Wort 1,50 M., jedes weitere Wort 1.- m. Fernsprecher: Bentrum 15230-152 39 greiheit Berliner Organ ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Das Programm der Reichsregierung Die gestrige Programmrede des Reichstanzlers Dr. Mirth hat teine Ueberraschungen gebracht. Sorgsam aufgeschrieben, blieb sie deshalb auch hinter früheren rednerischen Leistun gen des Reichskanzlers zurüd und vermochte feinen größeren Widerhall im Hause zu wecken. Das Programm ist zwar recht umfangreich, aber nicht bestimmt und so flar, daß die Absichten der Regierung daraus zweifelsfrei hervorgehen. Es ist eben der deutliche Versuch einer schwachen Regie rung, die aus Bürgerlichen und Sozialisten besteht, die Unterſtügung mehrerer Seiten zu gewinnen, und spiegelte beshalb die im Kabinett herrschenden widerstrebenden AnFichten und Interessen deutlich wider. Durchaus unzulänglich waren die Erklärungen des Reichskanzlers über die politischen Absichten des Kabinetts. Von der Amnest te, diesem von dem größten Teil der Arbeiterklasse so stürmisch geforderten Beweis, daß bie Regierung gewillt ist, eine Politit der Gleichberechtigung der Arbeiterklasse und der Versöhnung zu ihr zu betreiben, war ebensowenig die Rede wie von der Aufhebung der Sondergerichte, dieser nur gegen die Arbeiter gerich teten Rachejustiz. Die Aufhebung des Belagerungs. zustandes für Groß- Hamburg wurde zwar angekündigt, für die übrigen Landesteile aber gar nur in fernere Aus= Licht gestellt. Das ist viel weniger, als nach den wieder holten Versicherungen des Reichskanzlers von der Frei heit", die er dem deutschen Volfe zu bringen gedente, erwartet werden mußte. Ebenso enttäuschte, daß der Reichs tanzler der bayrischen Regierung den Dant aussprach, obwohl diese doch einen erheblichen Teil der außen und innenpolitischen Schwierigkeiten hervorgerufen hatte und es durchaus noch nicht sicher ist, ob sie nicht durch neue Win felzüge sowohl die Entwaffnung als auch die Auflösung der Einwohnerwehren, für die die bayrische Regierung überhaupt teine Berpflichtung anerkennt, verhindern oder ver zögern wird. 3104 Klar und bestimmt waren die Erklärungen des Reichstanzlers über die auswärtige Politit. Unbeirrt will er den Weg der möglichsten Anspannung aller Kräfte zur Erfüllung der auferlegten Bedingungen weiterschreiten. Können wir uns in dieser Beziehung mit den Absichten des Reichskanzlers durchaus einverstanden erklären und können wir auch anerkennen, daß ihm persönlich sicherlich der gute Wille innewohnt, für die Lasten der Wiedergutmachung die Besitzenden heranzuziehen, so zeugte doch das gesamte Regierungsprogramm von der Unmöglichkeit einer wirklich konsequenten Koalitionspolitif. Eine Koalitionsregierung fann eben den Forderungen der Arbeitertiasse nicht entsprechen. Die Hauptlinie ihrer Politik wird immer auf die Erhaltung der Borrechte des Bürgertums gerichtet sein. So bleibt denn das Programm der Regierung, trotzdem es manches Richtige und Zutreffende enthält, weit hinter dem zurück, was wir als das Mindestprogramm formuliert haben, und zeigt so deutlich, wie ganz anders das Programm einer Regierung aussehen würde, in der nur die sozialisti schen Parteien vertreten wären. " Wie bei früheren Gelegenheiten, so haben auch gestern einige der Kommunisten in blödem Geschrei und Geschimpfe und der Störung der Verhandlungen ihre Hauptaufgabe erblidt. Ihr fortwährendes Gebrüll Amnestie" hat einen Eindruck absolut nicht machen fönnen, meil die Art und Weise, wie diese paar Schreier die Notwendigkeit dieser Forderung zu erkennen gaben, auf jeden abstoßend wirfen mußte. Man muß dieses ungebührliche Verhalten dieser der ganzen Arbeiterbewegung zur Last gelegt wird, die mit Kommunisten leider immer wieder erwähnen, weil es sonst solchen Radauelementen, insbesondere wenn sie erst die 3uchthausurteile Derursacht haben, nichts gemein hat. Das Hauptintereffe tonzentrierte fich natürlich auf den Die Rede des Reichskanzlers wirtschaftlichen Teil des Program ms. Daß die Annahme des Ultimatums Deutschland schmoreniten auferlegt, ist allgemeine Erkenntnis. Die entscheidende Frage ist ihre Berteilung auf die einzeinen ajjen der. Bevölkerung. Manches treffende Wort, daß die besitzenden Klassen endlich auch ihrer Leistungsfähigkeit entsprechend zu den Lasten beitragen müssen, hat der Reichskanzler ge sprochen. Er het die Notwendigkeit neuer Steuerlasten eingehend dargelegt. Aus seinem Programm der fünftigen direkten Besitzbesteuerung ist besonders wichtig die Ankünbigung des Gesehentwurjes, durch den die ernsthafte Durchführung der Besitzsteuern, denen sich die Befigenden bisher zu einem großen Teil entzogen haben, er reicht werden soll. Indirekte Steuern auf den Verbrauch hat Dr. Wirth schmadhaft zu machen versucht durch die Bemerfung, daß die Preissteigerung verhindert werden müßte. Er hat aber außerdem die Notwendigkeit einer stärkeren Heranziehung der wirklichen Sachgüter, der Goldwerte, ausdrücklich anerkannt. Daß in all diesen Punkten das Programm der Regierung trotzdem nicht an übermäßiger Deutlichkeit leidet, ist nicht nur die allgemeine Erscheinung solcher programmatischer Kundgebungen von Koalitionsregierungen, sondern weit mehr die Folge ihrer inneren Gegensätze. Jede Koalitionsregierung ist schwach, weil sie die verschiedenartigSten Elemente unter einen Hut zu bringen sucht. Am schwächsten aber ist eine Koalition mit bürgerlichen Barteien in Steuerfragen. Die nach außen betonte Einmütigfeit der Regierung fann deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, daß gerade wegen der Steuerfragen in den nächsten Wochen selbst mit jenen Parteien die heftigsten Kämpfe werden ausgefochten werden müssen, die in der Regierung vertreten sind. Nicht das Programm der Regierung, sondern ihre Taten werden entscheiden, wie die Lasten für die Wiedergutmachung aufgebracht werden. Eingehend äußerte sich auch das Programm über die Wirtschaftspolitit. Beseitigung der Zuschußwirt. schaft auf allen Gebieten, Beschränkung der Einfuhr, insbesondere der Luxuseinfuhr auf das denkbar niedrigste Maß, Anspannung aller produktiven Kräfte, Inangriffnahme neuer produktiver Aufgaben wurde in Aussicht gestellt. Die Stellen, an denen der Reichskanzler von den Pflichten der Landwirtschaft sprach, begegneten fühler Zurüdhaltung oder gar schroffer Ablehnung bei den beiden Rechtsparieien. Im Gegensatz zu allen früheren Regierungen fehlte diesmal der Hinweis auf die Notwendigkeit der Steigerung der Erzeugung der Landwirtschaft durch die Gewährung höherer Preise. Es wird in den nächsten Tagen Gelegenheit ein, die Ernsthaftigkeit dieser Saltung der Regierung auf die Brohe zu stellen, wie sich auch in den nächsten Tagen eiers Eerausstellen muß, wieweit es ihr ernst ist mit der Durchführung ihrer Ankündigung, daß die Steigerung der Preise auf einer Reihe von Gebieten ausgeglichen werden müsse durch ein entsprechendes Verhältnis zu den Löhnen, gierung ein Programm. Ich will dieses Programm in eine kurze Meine Damen und Herren! Man erwartet von der neuen ReForm zusammenfassen, in drei Worte. Diese drei Worte heißen: Berständigung, Wiederaufbau und Versöhnung. ( 3uruf von den V. K.: Und Amnestie? Lachen rechts.) Dies gilt für die äußere, aber auch für unsere innere Politit. In dieser Formel soll ausgedrückt sein, daß wir alle unsere Kräfte daranjezen wollen, das deutsche Staatsschiff herauszuretten aus den flippenreichen Wogen der Krisen und Katastrophen in ein ruhiges Fahrwasser friedlicher Entwidlung. Durch Werte des Friedens. durch Aufbau nach außen und nach innen wollen wir zeigen, daß es uns ernst ist mit dem Bes ginn der neuen Zeit, daß wir unseren Verpflichtungen bis zum Aeußersten nachkommen und durch Arbeit und Leistungen Freiheit und Vaterland uns erkämpfen wollen.( 3uruf von den B. K.: Und die Amnestie? Unruhe.) Jch beginne mit der äußeren Politit und ihrer Rückwirkung aufs Inland. Durch die Annahme des Ultimatums ist für manche bisherige Kämpfe ein Schlußstein gesetzt und unsere Politik in eine bestimmte Bahn gelenkt. Die Absicht der Reichsregierung ist eindeutig und flar: Sie will die übernommenen Verpflichtungen gewissenhaft und loyal erfüllen. Sie will den guten Mut haben und von dem ganzen deutschen Bolt verlangen, daß es fich anstrengt, Leistungen größter Art zu vollbringen; denn nur wenn man mit einem folchen Willen an die Leistungen herangeht, dann fann man Höchstleistungen ers zielen. Hierin erblidt bie Reichsregierung die einzige für Deutsch land mögliche Politit. Nicht akademische Erörterungen, sondern allein die praktische Anerkennung des Leistungsprinzips wird für Deutschland und seine schwere Lage in der Welt Verständnis er weden. Das Ultimatum stellt uns furze Fristen. Einige sind schon abgelaufen. Wir haben sie eingehalten. Auf finanziellem Gebiet ist die bis zum 30. Mai zu zahlende 1 Milliarde Goldmart rechtzeitig, tros der äußerst starten Inanspruchnahme durch laufende Bedürfnisse und die anderen Aufgaben des Friedensvertrages, geleistet. Davon 150 Millionen Goldmark in bar und der Rest durch Schatzwechsel, die nach dem Wunsch der Reparationstom mission das Indossement von vier deutschen Großbanten, nämlich der Darmstädter Bant, der Deutschen und Dresdner Bank und der Disconto- Gesellschaft tragen. Ich darf nicht unterlassen, zu erwähnen, daß die genannten Bantinstitute in äußerst dankenswerter Weise der Regierung ihre Unterschrift zur Verfügung gestellt has Reichsfinanzministerium hat die erforderlichen Borbereitungen und ben. Die Schahmedfel find bis zum 31. August einzulösen. Das Unordnungen getroffen, um die Einlösung innerhalb dieser Frist ficherzustellen. Am 81. Mai find der Reparationskommiffion weitere 50 Millionen Goldmart in Devisen angeboten worden. In der Abrüstungsfrage Haben wir uns durch die Annahme des Ultimatums den Entwaffnungsbestimmungen der Pariser Note vom 29. Januar auf dem militärischen Gebiete wie auf dem der Marine und des Luftwesens gefügt. Noten, die zur Ausführung des Ultimatums mit der von General Nollet geleiteten Militärkontrollkommission und den an beren Kommissionen gewechselt find, werden in der üblichen. Weise I dem Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten zugehen. Die bis her abgelaufenen Fristen sind auch auf diesem Gebiet innegehalten. ( Bravo! b. b. Soz.) Die Reichsregierung ist einmütig der Ansicht, dah die Frage der Entwaffnung zu feinen weiteren Reibungen führen, geschweige denn Anlaß zu Sanktionen geben darf. Was an uns ist, werden wir deshalb tun, um unser Versprechen in Doller Loyalität einzulösen.( Abg. Hoffmann- Berlin: Erst tönnen vor Lachen!) Für diesen 3wischenruf haben Sie die Amnestie.( Seiterkeit.) Bisher ist von der deutschen Regierung in Erfüllung der Entwaff nungsbedingungen unter anderem folgendes veranlaßt worden: Die von der Militärtontrollfommiffion festgesetzten Höchstbestände für die Bewaffnug und Ausrüstung des Hunderttausendmann heeres find unter Aufgabe des bisherigen deutschen Widerspruchs von uns anerkannt worden, die Befehle zur Ablieferung des dadurch überschüssig werdenden Materials sind erteilt, die Ablieferung ist im Gange. Die sofortige Abgabe der von der Kontrollkommission nicht zugestandenen Bestückung und sonsti gen Ausrüstung der Landfeftungen einschließlich Königsberg, Löten- Bonen und Küstrin ist angeordnet und wird unverzüg= lich durchgeführt.( hört! Sört! rechts.) Das gleiche gilt für die Küstenbefestigungen. Die von der Kommission aufgestellte Liste der zur Herstellung des Geräts für das Hunderttausendmann heer ermächtigten Fabriken ist anerkannt, die nicht zugelassenen Fabriken werden geschlossen. Ebenso find die in den Pariser Beschlüssen enthaltenen Forderungen, die sich auf die Marine und die Luftfahrt beziehen, zum Teil bereits erfüllt, zum Teil in schleuniger Durchführung begriffen. Das Gejet, durch das der Bau von Flugzeugen und Flugzeugmotoren jeder Art verboten wird, liegt im Entwurf vor und wird in den nächsten Tagen dem Reichsrat zugehen. Ein Verbot der Ausfuhr von Luftfahrtmaterial jeder Art ist erlassen. Dem Verbot der Verwendung von Flugzeugen bei deutschen Polizeiformationen ist stattgegeben. Der Kontrollkommission ist mitgeteilt, daß die deutsche Regicrung die ihr in Aussicht gestellte Definition zur Unterscheidung der zivilen Luftfahrt von der im Friedensvertrag untersagten militärischen Luftfahrt anerkennen wird. Die Ablieferung der überschüssigen Waffen der Polizei ist durchgeführt. Die ers forderlichen Anordnungen, daß die Gesamtstärke der deutschen Bo lizei die in der Boulogner Rote zugestandene Zahl von 150 000 Mann nicht überschreitet, sind erlassen. Die in den Pariser Be schlüssen geforderten geseglichen Maßnahmen zur Aenderung des Wehrgesezes und des Gesezes über die Ein- und Ausführ von Kriegsgerät find soweit gefördert, daß sie in den nächsten Tagen dem Reichsrat zugehen werden. Was die Entwaffnung der Einwohnerwehren angeht, so sind von den Landesregierungen die erforderlichen An ordnungen getroffen. Die bayerische Regierung stand nach ihrer früheren Stellungnahme vor einer außerordentlich schwierigen Situation. Ich habe es nicht für richtig gehalten, durch offizielle, in forderndem Tone gehaltene Schreibn seitens der Reichsregierung diese schwierige Lage der bayerischen Regierung noch zu ver schärfen. Aber Sie fönnen mit glauben, daß ich deshalb nicht un tätig gewesen bin. Die bayerische Regierung hat inzwischen in Erkenntnis der tatsächlichen Lage die Ihnen bekannte Erklärung über die Entwaffnung der Einwohnerwehren abgegeben.( zurufe von den B. K. und Ü. Soz.) Wenn darnach sich die beteiligten Kreise freiwillig zu ben Entschlüssen durchgerungen haben, bie unabwendbar geworden sind, so verdienen sie und alle Per fonen, die trog ihres grundsäglichen Standpunttes hierfür eingetreten find, Dant.( Bravo! bei den Mehrheitsparteien, zurufe bei den V. K. B.: Unerhört!) Jch spreche hier namens der Reichss regierung die Soffnung und die Erwartung aus, daß die Durch führung der Waffenabgabe pünktlich innerhalb der gesetzten Fristen erfolgt.( 3urufe von den V. K.) Die freiwillige Entwaffnung ist eine wichtige Tat auch für Deutschlands innere Einigkeit. Ein Spiel mit dem 3wang von innen oder außen hätte nur zur Ent3iveiung unter den deutschen Stämmen führen können.( Sehr richtig! bei den Dem.) Neben der Frage der Waffenabgabe slet die Frage der Auflösung der Organisationen. Die bayrische Regierung ist ber Ansicht, daß zum mindesten nach erfolgter Waffenabgabe die bayerischen Einwohnerwehren nicht mehr unter die Artikel 177 und 178 bes Friedensvertrages fallen,( Sört, hört! und Zurufe bei den Vereinigten Kommun. Sehr richtig! rechts), welche von der Auflösung gewisser näher bezeichneter militärischer Organisationen sprechen. Das bayerische oberste Landesgericht hat benselben Standpunkt ausführlich dargelegt.( Sört, hört! bei der bayer. Volksp.) Aber die Reichss regierung stand nicht mehr allein vor den Artikeln 177 and 178 des Friebensvertrages, sondern vor dem Ultimatum vom 5. Mai, bas in dieser Hinsicht auf die Pariser Note vom 29. Januar Bezug nimmt. Darin ist eine gewisse Interpretation des Friedensver trages gegeben, die es der Reichsregierung nicht ermöglichte, die Einwohnerwehren von der Liste der aufzulösenden Organisationen auszunehmen. Diese Liste, die wir überreicht haben, mußte offen und flar fein, fie mugte beshalb die Einwohnerwehren und bie Organisation Scherich enthalten. Sie fönnen Richer sein, dah dia Reichsregierung diesen Gingriff in ihr eigenes Vereinsrecht nur unter dem Drude bez Aniierten vorgenommen hat. Die Reichs regierung ist sich des Graftes ber grundläglichen Frage wohl bes mußt. Sie hat die Anschauungen der Hauptbeteiligten Landess regierungen und ihre Unterlagen ben Alliferten mitgeteilt, um eine Nachprüfung von der alliierten Seite vornehmen zu können. Ich tomme nunmehr zu den Aufgaben, die sich aus den wirts schaftlichen Teilen des Ultimatums für Deutschland ergeben. Das Programm, dessen Erfüllung unser barrt, ist weitauslabend und auf lange Sicht gestellt. Es gliebert sich in drei Teile Die Aufgabe, die unmittelbar por uns steht, ist das stunne Helle Brogramm. Jm engften Zusammenhang damit steht das Birtschafts programm und die sozialethische Ausgabe. Die finanziellen Leiffungen ind im Ultimatum genau umrissen durch den variablen Fattor on 26 Prozent der Ausfuhr und die Fix- Summe von zwei Mil iarden Jahresannuität. Dazu fommen dann noch die Besagungsoften. Wenn wir im Jahre 1921 dieselbe Ausfuhr haben wie im Jahre 1920, so würden wir insgesamt über 3% Milliarden Goldmark zu eisten haben. Diese Summe ist außerordentlich groß, besonders peil sie von einem Lande mit entwertetem Gelde gefordert wird. Jeht aber haben wir nicht mehr darum zu streiten, ob die Summe inserer Leistungsfähigkeit angepakt ist. Manche sagen, wir fönnen ie Summe nicht aufbringen. Dieser theoretische Streit führt aber nichts. Wir müssen zu Zaten schreiten und versuchen, durch ie Tat und durch Einsegung unseres besten Willens zu beweisen, nie groß unsere Leistungsfähigkeit ist.( Sehr richtig! b. d. Soz.) Jeder Weg, der sich bieten kann, und wenn er auch mit Opfern ür das ganze Bolt oder für einzelne Kreise verbunden fein mag, ft aufs eingehendste zu prüfen, denn die Sache der Freiheit ist elbst mit den schwersten finanziellen Opfern nicht zu teuer ertauft. ( Sehr richtig! im Zentrum und bei den D. D. Lachen und Zurufe ets.) Unjere nächste und bringendite Aufgabe wird es sein, für ie Abbedung der Verpflichtungen aus dem Ultimatum einen forgfältigen und genauen Zahlungsplan ufzustellen. Der Artikel 7 des Ultimatums, welcher diese Materie jehandelt, gibt nur eine allgemeine Richtschnur. Er läßt der deutschen Regierung ausdrüdlich die Möglichkeit offen, mit bes timmten Borschlägen an das Garantiefomitee heranzutreten und m Verein mit ihm einen endgültigen Zahlungsplan festzustellen. Dieser Plan wird einerseits den Gesamtbetrag und die Einzelheiten der Sachleistungen vorzusehen haben, welche wir den Alliierten voraussichtlich in Anrechnung auf die jährlichen Repa : ationsverpflichtungen machen werden. Soweit diese Verpflich ningen nicht durch Sachleistungen erfüllt werden, ist nachzuweisen, vie wir im Innern die Mittel aufbringen wollen, um den in jar, d. h. in Devisen zu zahlenden Restbetrag der Annuitäten zu becken. Es werden bestimmte namhafte Steuerquellen bezeichnet werden, welche wir als Dedung für die Reparationszahlungen zur Berfügung zu stellen und in dem Zahlungsplan dem Garantiefomitee gegenüber nachzuweisen haben. Der Gesamtbetrag dieser als Sicherheit gestellten Steuern muß hinreichend sein, um den voraussichtlich in Devisen aufzubringenden jährlichen Barbetrag in decken. Wir haben uns bereits an die Arbeit gemacht und werden binnen furzem bie nähere Fühlung darüber mit dem Garantiefomitee aufnehmen. Was zunächst Die 26prozentige Ausfuhrabgabe anlangt, fo muß darauf hingewiefen werden, daß ihre dauernbe und gänzliche Rüdvergütung an die deutschen Exporteure finanzpolitisch nicht in Frage tommen tann.( Sehr richtig! bei den Soz.) Wär die Angleichung an die Weltmartipreise nicht soweit fortgeschritten, so wäre die 26prozentige Abgabe vielleicht zu gewinnen aus der Spannung zwischen Inlandswert und Auslands wert der Mart. Sie würde dann eine reine Valutagewinnbes Steuerung sein. Auch heute besteht noch eine starte Spannung zwischen der Kauffraft des Geldes im Inland und im Ausland, wenn auch nicht auf allen Gebieten. Diese Spannung muß, fo weit es mirtschaftlich irgendmöglich ist, ausgenugt werden. Dann aber gilt es, die zwei Milliarden Gold figer Annuitäten aufzubringen. Die Aufbringung dieser Summe wird teilweise in Sachlieferungen und teilweise in Geld zahlungen zu erfolgen haben Aber auch für die Sachlieferungen muß Deutschland erst die nötigen Geldsummen aufbringen, denn es geht nicht an, daß wir auf die Dauer zu Anleihen greifen, um das Budget Der Kontributionen zu erfüllen. Die Erfahrungen, die wir nach tiefer Seite hin während des Krieges gemacht haben, shreden. ( Sehr richtig! bei den Soz.) Wir müssen sehen, wenigstens in möglichst naher Zeit die Reparationssumme tatsächlich als jähr. liche Auflagen aufzubringen.( Sehr richtig! bei den Soz.) Sält man Ausschau nach neuen Steuerquellen, b richtet sich das Augenmert des Steuerpolififers unwillfürlich tuf die Kohle. Der deutsche Kohlenpreis ist auch heute noch siel niedriger als der Weltmarktpreis. Das wäre nicht der Fall, wenn man in der Kohlenwirtschaft die Freiwirtschaft durchgeführt tätte und die Preisbildung sich hätte frei entwideln lassen. Dann müßte unsere Industrie auch bereits längst den Weltmarktpreis für Jalansohle bezahlen. Durch die nach nationalwirtschaftlichen Besid ften eingerichtete Kohlenwirtschaft haben wir bisher der de n Industrie eine erhebliche Vergünstigung in den Bro buftionstoften verschafft. Ster aber liegt zu gleicher Zeit auch eine Reserve vor, bei welcher, soweit notwendig, eingesetzt werden lann für die Aufbringung der Reparationslasten. Man wird die bestehende Preisspannung zwischen Inlandspreisen und Weltmarktpreis ausnügen müssen. Es muß ein Weg gefunden werden, der es gestattet, baß eine Differenzierung zwischen Hausbrandtohle und Industrielohle gemacht wird. Dieser Weg ist zu finden. Es gilt dann weiter, die übrigen Steuern jo auszubauen, baß sie hinreichend sind, um die etwa noch fehlenden Beträge in der Reparationsfrage und andererseits die Ausfälle, welche dutch das Reparationsbudget im eigentlichen Reichsbudget geschehen, zu deden. Das Bestreben der Reichsfinanzverwaltung muß dabei von folgenden Gefichtspunkten geleitet sein: Wo noch Besigtenern burchzuführen sind, die ohne Schädigung des Wirtschaftsprozesses burgeführt werden fönnen, müffen sie selbstverständlich eingeführt werden. Ich denke dabei an folgende Steuern, Es tommen in Frage: 1. Ein Ausbau der Körperschaftssteuer, die praktisch einer Besteuerung der hohen Dividenden gleichkommt; 2. ein starter Ausbau der Börsensteuer, um vor allem die Spefulation an der Börse auf diese Weise zu erfassen; 3. und darauf lege ich besonberen Rachorud: nicht allein das Schaffen neuer Steuern tann Gegenstand der Vorsorge sein( sehr richtig! im Zentrum), sondern die Durchführung der bereits verabschiedeten Steuern.( Lebhafte Zustimmung im Zentrum, bet den D.Dem. u. Soz.), die Schaffung von Einrichtungen innerhalb der Finanzverwaltung, welche ein möglichst nolllommenes Ausschöpfen der bisher verschlossenen Bethsteuerquellen ermöglichen. Ich glaube, daß gerade durch diese Organisation, die bald aufgebaut werden foll, mehrere Milliarden Mehrbeträge aus den bestehenden Befizsteuern gefördert werden.( Sört, hört! bei den Soj.) Gestatten Sie mir ein offenes Wort. Es hat ein grohes Maß von Geduld dazu gehört, um im Laufe eines Jahres bie Veranlagung der Besizsteuer und der Einkommensteuer zu überwachen. Wir sind vorwärts gefommen. Wenn Sie die Steuereingänge nachsehen, werden Sie mir zustimmen, daß gerade in den legten zwei Monaten erfreuliche Erfolge erzielt worden find.( Sehr richtig bei den D. D.) Ich darf, aber auch hinzulegen, meine Herren, daß der aus gewissen Gründen verständliche lang Jame Fortgang in der Beranlagung der Befitsteuern und Eins tommensteuern in den Kreisen, deren Steuern vom Lohn- und Gehaltsabing erhoben worden sind, eine lebhafte Beunruhigung hervorgerufen hat.( Sehr richtig bei den Goz. und im 3entrum.) Ich muß den Appell an alle Kreise unseres Boltes richten, daß die babei zu Tage getretene Erregung nicht zu politischen Unordnungen führen darf. Wir müssen alles tun, um in tascher Folge die Besity and Einkommensteuern auch bei denen zur Durch fahrung zu bringen, die über Produktionsmittel verfügen. ( Sehr richtig bei den Soz, Burufe von den Ber. Rom.) Daß wir auch um den Ausbau der inbirekten Besteuerung nicht herumtommen, ist ja auch für uns alle tlar. Seit längerer Zeit sind eine Reihe von Gelegentwürfen in Vorbereitung, die nunmehr abgeschlossen sind. Es handelt sich dabei um eine Erhöhung der Einnahmen aus dem Branntweinmonopol, aus der Biersteuer, um Beseitigung der bei der Tabat steuer noch bestehenden Ermäßigungen, um eine höhere Steuer für die Erfassung des 3uders einschl. des Süßftoffes, wobei auch die Frage eines Raffineriemonopols entschieden wird, BeSteuerung der Buchmacherwetten und um Erhöhung einiger kleiner bestehenden indirekten Steuern. Auch die Zölle auf Lugusgüter find zu erhöhen. | Endprodukt verteuern, müssen beseitigt werden. Sin und wieder hört man: Deutschland muß zum Agrarftaat zu rüdfehren. Das ist vollkommen unmöglich.( Sehr richtig! b. d. D. D.) Nicht Agrarstaat oder Industriestaat?" heißt die Problemstellung, sondern Agrarstaat und Industriestaat.( Sehr richtig! b. d. D. D.) Es muß eher eine Industrialisierung der Landwirtschaft erfolgen( Lachen und Zurufe rechts) im Sinne einer start gesteigerten Produktionstechnik; niemals aber darf ein Zurüdgleiten auf eine überwundene Wirtschaftsstufe in Frage tommen. Nur durch Fortschreiten zu einer höheren Wirtschaftsform, die durch selbständiges Wachsen und durch zielbewußte Förderung der naturgemäßen Entwicklung angestrebt werden muß, fönnen wir bie Not der Zeit überwinden. Landwirtschaft und Industrie dürfen sich nicht gegenüberstehen als Feinde,( 3ustiximung), sonbern als Brüder, die sich bewußt sind, daß jeder sein Teil beitragen muß für die Ueberwindung der wirtschaftlichen Not und die Schaffung eines neuen, wenn auch bescheidenen Wohlstandes der deutschen Boltsgemeinschaft. Bei der indirekten Besteuerung wird das Hauptgewicht darauf zu legen sein, daß die Steuern eine Gestalt erhalten, welche einen guten Steuerertrag unter möglichst geringer Steigerung der Verbraucherpreise garantiert.( Lachen auf der äußersten Linken.) Dabei werden die meisten Steuern relativ noch nicht so hoch sein, wie sie in der Friedenszeit an Gold gemessen gewesen waren. Man darf eben nicht vergessen, daß die indiretten Steuern, welche auf fige Sätze gestellt sind, durch die Geldentwertung herabgesetzt worden sind im Verhältnis zu ihrer Friedenshöhe. Diese Steuers reserven müssen natürlich mit herangezogen werden, damit eine Bilanzierung des Budgets der Kontributionen und des inneren Budgets möglich ist. Ich habe aber auch bereits Verbindung mit den Finanzministern der Länder gesucht, um die Frage zu erörtern, wie es möglich ist, in turzer Zeit die alten Ertragssteuern auf Erträge des Grund und Bodens und des Gewerbes in eine moderne Form zu gießen. Hier liegen tatsächlich noch manche nicht beachtete Steuerquellen vor. Ausschöpfung dieser Besitzsteuer quellen wird notwendig, damit die Gesamtfinanzen in Deutschland in Reich, Ländern und Gemeinden der Sanierung entgegengeführt werden fönnen. len Gegensäze wird besonders von denen Die Reichsregierung ist sich bewußt, daß die Arbeit der Notenpresse den Geldwert verschlechtert und so mit einseitig die breiten Massen der Lohns und Gehaltsempfänger and die Kleinrentner, d. h. alle diejenigen, die feine Produt tionsmittel in den Händen haben, trifft. Die Laft darf nicht vorzugsweise auf diese Schultern geladen werden. Die Regierung hat das ernste Bestreben, sobald wie möglich sich von diesem nngefunden Mittel der Notenpresse zu befreien. Neben der unvermeidlichen Belastung des Verbrauchers müssen weitere Einnahmequellen gesucht werden. Dabei denkt die Regierung in erster Linie an werten, nämlich die sogenannten Goldwerte, also solche Realden von der Geldentwertung minder betroffenen Befig an Sach werte oder andere Bermögenswerte, die von der Wertveränderung des Papierwertes nicht getroffen werden( Sehr richtig! bei den Regierungsparteien), vielmehr ihren Goldwert mehr oder weniger beibehalten haben.( Erneute Zustimmung b. d. Regierungspars denen Gewinne, sei es aus Konjunkturen, sei es aus der Angleis teien.) Es handelt sich somit vorwiegend um solche Werte, bei chung an die Weltmarktpreise, entstehen. Unter allen Umständen muh verhindert werden, daß zu den Kriegs- und Revolutionsges winnlern sich der Reparationsgewinnler gesellt( Sehr richtig!). Meine Damen und Herren! Durch diesen nur in seinen großen Grundlinien angedeuteten Finanzplan hoffen wir, die Finanzen des Reiches den Bedürfnissen entsprechend ausgestalten zu föns nen. Dann wäre, wenn der Reichstag dieses Gejegesmert mög lichst rasch vollbracht hat, der zweite Teil der Sanierung unserer Finanzen erledigt. Dabei sege ich natürlich voraus, daß die 3u chußwirtschaft, welche bisher vom Reich zur Stügung der Volkswirtschaft in den Berkehrsverwaltungen wie auf sonstigen Gebieten betrieben worden ist, möglichst zasch und energisch a b gebaut wird. Nur produttive Ausgaben zur Erhöhung unferer Voltswirtschaft fönnen ohne Bedenten auf Anleihen genom men werden, denn hinter ihnen steht der geschaffene wirtschaftliche Wert. Im engsten Zusammenhang mit dem finanziellen Programm steht das Wirtschaftsprogramm Es ist eine selbstverständliche Tatsache, daß die Summen, welche wir an das Ausland zahlen müssen, nur aus dem Ueberschuß der Wirtschaft auf die Dauer gewonnen werden können. Darum muß sich unsere Volkswirtschaft einrichten auf höhere Produktion und auf nationalwirtschaftliche Sparsamteit. Die Richtung, welche unsere Wirtschaftspolitik nehmen muß, ift durch die Kontributionsverpflichtung und ihre technische Ausgestaltung zum großen Teil bedingt. Wenn wir die Reparationsleistungen aufbringen wollen, so müssen wir nicht nur im Julande höhere Werte erzeugen, sondern auch unsere Einfuhreinidranten, foweit dies im Rahmen der wirtschaftlichen Rotwendigkeiten mög lich ist. Wir müssen alle attiven Posten der deutschen Zahlungs bilanz, die es neben der Warenausfuhr gibt, möglichst steigern und die paffiven Posten der Zahlungsbilanz, die sich außerhalb der Reparation ergeben, möglichst niedrig halten. Das ist die zwingende Logit der ganzen Lage, in welcher fich Deutschland infolge der Reparation, aber auch infolge der Berschlechterung feines Geldwertes befindet. Was wir im Irlande erzeugen tönnen, müssen wir nach aller wirtschaftlichen Möglichkeit auch im Inlande selbst herstellen.( Sehr richtig! im 3entr., bei den D. D. und den Soz.) Die Einfuhr von Luguswaren im weitesten Sinne muß soweit nur irgend möglich beschränkt werden durch zollpolitische ober tenerliche Maßnahmen.( Sehr richtig.) Das ist auch von der Gegenseite anerkannt worden. Man muß aber dann auch der deutschen Regierung wieder die Verfügungsgewalt über thre Zofgrenzen geben, damit sie dort Ordnung halten und auch auf diese Weise auf Erfüllung der übernommenen Pflichten hinwirken tann. Es darf fein neues Loch im Westen geschaffen werden. ( Sehr wahr.) Die Landwirtschaft muß auf höchstmögliche Produktion eingestellt werden. Infolge des Wegfalls wichtiger landwirtschaftlicher Gebiete ist dies doppelt schwer, aber auch doppelf notwendig. Das fann nur ge lingen, wenn die ganze Landwirtschaft sich mit all der zähen Energie, die ihr eigen ist, an die Aufgabe heranmacht. Es gilt zunächst, die in Kultur befindlichen Böden durch rationellte Bodenpflege, entsprechende Kulturarten und rationellites Düngungsverfahren in höchste Nuhung zu bringen. Die hierfür etwa aufgewendeten Ausgaben sind nicht Verschwendung, sondern bedeuten eine außerordentlich produktive Anlage.( Sehr wahr! bei den Regierungsparteien.) Ein weiteres Mittel ist eine möglichst weitgehende Nuhung von Motoren an Stelle der Zugtiere; auch dadurch wird viel Bodenfläche frei werden für die mensch liche Ernährung.( Lachen und Zurufe bei den D. N.) Die agrarische Bodenfläche muß aber auch noch vermehrt werden, indem alle geeigneten Dedländereien und Moore energisch, rasch und amedmäßig fultiviert werden. Die Beschäftigung von Arbeitslofen wird dadurch produktiv. Auch wird die Industrie Aufträge erhalten für entsprechende Maschinen und Gerätschaften. Das be deutet eine Stärkung der Jnlandsgrundlage unserer Wirtschaft. Auch sonst heißt es, aus dem heimischen Boden herauszuholen, was er unz herzugeben vermag. Wir müssen hinabsteigen in die Rohien, Salz- und Erzlammern, die in unserem Boden liegen. und müssen aus diesen Sparreserven in der heutigen Zeit besonders Starte Beträge herausholen. Wir müssen auch unsere Forstbestände heranziehen zu möglichst umfangreicher Aufbauarbeit. Das Bers tehrswesen im Innern des Landes muß ausgebaut werden unter dem Gesichtspunkt wirtschaftlicher und technischer Höchstleistung. Ich denke dabei sowohl an den Ausbau der Handelsflotte als auch an bie Ausführung von Kanalbauten. Wir haben ja die nötigen Vorlagen verabschiedet und die Zustimmung, wenn ich mich recht erinnere, des ganzen Sauses damals gefunden,( Buruf rechts: Woher denn das Geld nehmen?) Sie haben es ja Jelbft genehmigt, denn wir müssen unsere Erwerbslosen unter allen Umständen pros buttiv beschäftigen und müssen ihnen eine Beschäftigung suweisen, die für die ganze Bolfswirtschaft erhöhte Leistung bedeutet. Das Baus und Siedlungswesen muß troz der Opfer, die es erfordert, gefördert werden. Unsere gesamte Industrie muß eingestellt wer ben auf Höchstleistung sowohl hinsichtlich der Quantität als noch mehr die Qualität. Nicht mindere Bedeutung kommt der Gestaltung der Organisation unseres Wirtschaftslebens Ein gewaltiges Arbeitsfeld ist schon mit diesen furzen Sin weisen umrissen. Es ist ein Programm auf lange Sicht. Wir werden die großen Aufgaben nur mit Erfolg bewältigen können, wenn wir auch die richtige soziale und ethische Einstellung der deutschen Volksfeele gewinnen. Das ist ein Problem des sitt lichen Wiederaufbaues unserer Nation. Ueberbrüdung der soziagefordert werden müssen, die auf der Sonnenseite des Lebens stehen.( Anbauernde Zurufe von den B. K. Gegenrufe: Ruhe! Unruhe. Glode des Präsidenten.) -Die Lage in Oberschlesien Als die Abstimmung den Polen nicht den erhofften Sieg brachte, hat Korfanty den Verfuch unternommen, mit Waffengewalt fich in den Besiz des Landes zu setzen. Der Aufstand war bis ins einzelne vorbereitet und brach auf ein Lojungswort Korfantys aus.( Hört, hört!) Und was ist die Folge? Terror, Verwüftungen, Plünderungen der polnischen Insurgenten und Einbringlinge spotten jeder Beschreibung. Schon macht sich in den von Oberschlesien belieferten Gebieten der stärkste Kohlenmangel bemerkbar. Infurrettion fann nie Recht schaffen, fie tann nie zu polnischem Gebiet ein Land machen, daß seit 700 Jahren feinem polnischen Staatsgebilde angehört hat. Ich frage: war die Abstimmung so gemeint, daß sie nur dann die Entscheidung bringen sollte ,, wenn sie zugunsten Bolens ausSchlug? Schon aus der Abstimmung ergibt sich Deutschlands Recht auf Oberschlesien. Auch geographische und wirtschaftliche Gesichts punkte weifen nach derselben Richtung. Jebe Teilung Oberschlesiens wirbe bei der Kompliziertheit der wirtschaftlichen Organisations den Ruin der abgetrennten Teile nach fich ziehen. Bolen hat Oberschlesien gar nicht nötig; denn es verfügt selbst über reiche Kohlen und Erzvorräte, die es nur zu entwideln braucht. Zudem hat die deutsche Regierung sich bereits in ihrer Note vom 1. April 1921 bereit erklärt, an Bolen unter Borzugsbe dingungen die für seine Wirtschaft erforderliche Kohle und Sonstige Erzeugnisse aus Oberschlesien zu liefern,( hört, hört) fo fange das polnische Kohlengebiet noch nicht erschlossen ist, hört hört) und ferner weitgehende Hilfe bei der Erschliehung der pol nischen Bodenschätze angeboten. Etst als durch den Aufstand Leben und Eigentum der deutschgesinnten Bevölkerung unmittel bar bedroht war, hat sie zu dem unerläßlichen Mindeftmaß des Abwehr gegriffen. Die Regierung hat ihrerseits thre Saltung durch die Notwendigkeit bestimmen laffen müssen, alles hintangu halten, was unseren Gegnern Gelegenheit geboten hätte, unfere gerechte Sache zu verdunkeln und das eigene Unrecht zu beschönis gen. Die Regierung hat die Grenze nach Oberschlesien gesperr Sie polnische Grenze nach dem Abstimmungsgebiet it noch offen ( Sört, hört!) Das Plebiszit in Oberschlesien fann night umgangen werben besonders nicht von Mächten, deren Verfassung demokratischen Charakter hat. Der Herentesfet in Oberschlesien muß in Ordnung gebracht werden unter gerechter Würdigung und Wahrung des Plebisaits; sonst wird aus Oberschlesien ein neuer Brandherb erwachsen, ber Europa aufs neue in Flammen fehen fann. Wie bent mas fich in Frankreich die Lösung der von Briand angeregten Frages der demokratische Geift muß sich in Deutschland entwideln? Sieht man denn nicht ein, daß das ewige Drohen mit dem Schwert und neuen Sanktionen das Gegenteil von demokratischem Geist ist? Liegt es denn wirklich im Interesse der Welt, bem gefchlagenen und entwaffneten Deutschland ewig mit Drohung entgegenzus treten, die uns nicht zu ruhiger Arbeit und Leistung tommen laffen? Es ist das Ziel aller wahren Patrioten bei uns, endlich etne Regierung zu haben, die sich auf eine breite parlamenta tische Basis und Mehrheit fügt.( Sehr richtig! im Zentrum und bei den D. D.) Diese Regierung wird nicht geschaffen und nicht gefunden durch Erörterung von Berfonenfragen; fie witb nur entstehen durch sachliche Politit,( fehr richtig! bei den D. D.), die alle die, die guten Willens find, um ein fachliches Programm im Laufe der nächsten Wochen sammelt.( Sehr gut! bei den D. D.) Wenn ich im übrigen noch ein paar Worte zur inneren Polifit fage, fo muß ich voranfügen, daß die äußere und innere Politi für Deutschland in einer Weise verknüpft sind, wie das nie zuvor der Fall war.( Sehr gut! bei den D. D.) In einigen beutschen Gebieten bestehen zur Zeit noch Ausnahmevorschriften. Der Ausnahmezustand in Groß- Samburg wird im Einvernehmen mit den Hamburger Behörden sofort aufgehoben werden. Die Reichsregierung beabsichtigt aber, auch im übrigen den Ausnahmezultand möglichst schnell, wo er besteht, abzubauen, und ist hier über in Berhandlungen mit den Landesregierungen eins getreten. Die Ernährungslage der bentphen Bevölkerung, von der letzten Endes die Leistungsfähigkeit des deutschen Boltes abhängt, hat sich während des laufenden Wirtschaftsjahres, wie auch die Statistik der Sterblichkeit und der Krankenbewegung beweist, wieder etwas gebessert. Die der Bevölkerung zur Verfügung stehenben Nahrungsmittel haben fich infolge der freieren Gestaltung der Innenwirtschaft und Ichaffenheit nach wesentlich gehoben. Allerdings läßt sich nicht Ser Einfuhr aus dem Ausland, Jowohl der Menge als der Be verkennen, daß der schrittweise Abbau der Zwangswirtschaft viel fach zunächst eine Preisteigerung zur Folge hat, die eine vorübergehende stärkere Belastung für einen großen Teil unserer Bevölkerung bedeutet. Die Förderung unferer heimischen Nah rungsmittelerzeugung ist um jo bringender, als die Erfüllung des Ultimatums uns zwingen wird, den Abban der bisherigen Zu Schuhwirtschaft des Reiches in der Lebensmittelversorgung in die Wege zu leiten.( Sehr richtig! im 3ente, und bei den Dem. Sört, hört, bei den Verein. Komm.) Zweifellos wird diese Maß nahme in Verbindung mit allen weiteren Belastungen, die uns das Ultimatum bringt, dazu führen müssen, die Preise der Bes benshaltung auf der einen, bie Löhne und Gehälter auf der ande ren Seite im Rahmen der gesamten wollswirtschaftlichen Belange in das rechte Berhältnis zu bringen. Zum Schluß rufe ich Sie alle ohne Unterschied der Bartei auf ( Rufe von den V. K.: Amnestie!), uns bei dem Wiederaufbau der burch den Krieg zerstörten inneren und äußeren Werte zu unters fillgen.( Rufe von den V. K.: Amnestie!) Um diese Unterstügung auszubauen, ist das Reichskabinett er gänzt worden durch den Herrn Neichsminister Dr. Rathenau zu. In der Industrie haben sich schon vor dem Kriege, besonders Die Auswahl des Wiederaufbauministers in der Person bes Herm aber während des Krieges und nach dem Kriege Entwidlungsformen Dr. Rathenau erfolgte frei von jeder parteipolttischen Erwägung. Herausgebildet, die auf das nachdrücklichste geprüft werden müssen Der Gedanke, eine organisatorische Kraft zu gewinnen, die im hinsichtlich ihrer Rüdwirtung auf die gesamte Boltswirtschaft. Kriege in Organisationsformen fich bewährt hatte, war das Leit ( Burufe von Mas den V. K.) einen Fortschritt be motiv, biefen Mann für die Reichsregierung au gewinnen. Cz beutet, muß planmäßig Dom Reiche gefördert werden. wird Gelegenheit haben, im Laufe der Debatte Ziel und Richtung Ueberflüssige Wege in der Boltswirtschaft, in der Boltswirtschaft, melche basseiner Arbeit Ihnen vortragen zu fönnen, Ich darf Sie noch einmal Bitten: Selfen Sie uns, daß unterwehren Modell 98, 94 Sandgranaten, 9 Bateten Sprengtapfeln, Bolt nicht fittlich auf den Stand eines kleinen, von Schiebern und reichen Reisenden ausgebeuteten Ländchens in irgendeinem Winkel Europas herabfinft. Helfen Sie uns aber auch alle, die großen finanziellen Leistungen zu vollbringen, die wir übernom men haben. Diese Bitte richtet sich auch an diejenigen, die seinerzeit Gegner der Unterzeichnung des Ultimatums waren, die aber uns zuerkennen werden, daß wir, die wir anderer Meinung waren, ebenso wie sie aus ehrlicher Ueberzeugng über das Wohl unseres Vaterlandes entschieden haben.( Beifall. Rufe von den B. K.: Amnestie! Amnestie! Erneuter Beifall.) Präsident Löbe schlägt vor, jetzt die Sigung abzubrechen und die nächste Sigung Donnerstag mittag 1 Uhr stattfinden zu lassen. Tagesordnung: 1. Interpellation des Abg. Dr. Petersen betr. die Borgänge in Oberschlesien. 2. Die Interpellation Gallwig. 3. Die Besprechung der Regierungserklärung. Abg. Ledebour( U. 6. P. D.): Wir beantragen, mit der Besprechung der heutigen Regierungserklärung die Besprechung der Anträge zu verbinden, die wir wes gen Erlaß einer Amnestie, wegen Aufhebung des Ausnahmezu standes und wegen Abschaffung der Sondergerichte gestellt haben. Ferner auch die Interpellation, die mit gleicher Tendenz von den Kommunisten gestellt worden ist. Wir halten es deshalb für not4 großen Kiften Munition, 7500 Schuß enthaltend, und 6 Fechtmasken, wurde aus der Grenadiertaserne am 19. März mit Hilfe des attiven Leutnants Jürgens und Hauptmanns 3rmler von der Reichswehr herausgeschafft, um diese Waffen nach Berlin und von dort per Bahn nach München zu transportieren. Hierfür sollte der Betrag von 11 300 M. gezahlt werden. Herr Raebel hat diese Waffenschiebungen der Stettiner Polizei mitges teilt und veranlaßt, daß sie beschlagnahmt werden konnten; jes doch scheint nichts getan zu sein, um die Schuldigen zur Berants wortung zu ziehen und die zurüdgebliebenen Waffen und Munis tion in Sicherheit zu bringen. Sind der Reichsregierung, insbesondere dem Reichswehr. ministerium, diese Vorgänge bekannt, und was gedenkt fie zu tun, um die noch vorhandenen Waffen sicherzustellen und die Schuldigen ihrer Bestrafung zuzuführen? U. S. P. D. nationale Abgeordnete Koch eine Rebe, die von Unwahrheiten und nichtswürdigen Verdächtigungen stroßzte. Die Tätigkeit dieses Mannes im Berliner Stadtparlament, insbesondere seine Wut barüber, daß die Arbeitslosen öffentlich unterstützt werden und somit nicht ganz verhungern können, ist so hinreichend bekannt, daß es sich nicht lohnt, sich mit der Rede eines solchen Mannes ernsthaft auseinanderzusetzen. Das Bürgertum, das einen solchen. Mann Glauben schenkt oder ihm gar politisch Achtung entgegen bringt, fennzeichnet sich damit selbst. Am Donnerstag wird der Finanzminister Sämisch eine Erkläs rung über den neuen preußischen Etat abgeben. Die Zeugengebühren Auf eine Anfrage im Reichstage über die Zeugengebühren hat der Justizminister erklärt:„ Die Gebühren für Zeugen und Sach verständige find erst durch die Verordnung vom 22. Mai 1920 ( Reichs- Gesezbl. S. 1068) auf das Zweieinhalbfache der durch das Gejezz vom 10. Juli 1914( Reichs- Gesetzbl. S. 214) eingeführten Säße, und zwar die Höchst beträge der Zeugengebühren auf 3,75 Mart und die der Sachverständigengebühren auf 7,50 Mart angefangene Stunde heraufgesetzt worden. Die Frage, ob und inwieweit diese Säge einer a bermaligen Erhöhung bedürfen, wird gegenwärtig von der Reichsregierung im Benehmen mit den Regierungen der Länder geprüft. Die Erörterungen find noch nicht abgeschlossen." wendig, daß diese Anträge mit der Besprechung der Regierungs- Bezirksverband Berlin Brandenburg und bei besonders hwierigen Leistungen auf 15,-Mart für jede erflärung verbunden werden, weil nach unserer Auffassung zur Ergänzung des Regierungsprogramms eine flare Stellungnahme der Regierung zu den hier angeregten Fragen absolut erforderlich ijt. Abg. Soffmann( Komm.): Jch bebaure, daß die Regierung nicht selber die Amnestie an die Spige ihres Programms gestellt hat. Eine Regierung, die durch die Revolution an die Spitze gefom men ist, hat die Pflicht, Amnestiefragen besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Der Antrag Ledebour wird angenommen. Abg. Simon( U. S. P. D.): Jch beantrage, daß als zweiter Punkt der Antrag des Boltswirtschaftlichen Ausschusses auf die Tagesordnung gesetzt wird, der bezweckt, daß denjenigen Erwerbslofen, die länger als 26 Wochen erwerbslos find, eine einmalige Beihilfe gewährt und auch die Unterstügung über 26 Wochen hinaus ausgedehnt wird. Da der Antrag im Volkswirtschaftlichen Ausschuß einstimmig Annahme gefunden hat, können wir diesen Antrag auch hier im Plenum ohne Debatte annehmen. Abg. Hoffmann( Komm.): Jch stimme dem Antrag Ledebour zu, obwohl die Freiheit" in einem Artikel unsern gestern gestellten gleichen Antrag als plumpe Demagogie bezeichnete. Abg. Ledebour( U. S. P. D.): Gestern lag dieser Antrag, der an demselben Tag hier zur Tagesordnung gestellt werden sollte, nach dem Verlangen der Kommunisten, noch gar nicht vor. Man fann nicht Anträge auf die Tagesordnung stellen, die noch gar nicht bekannt waren, ja noch nicht einmal dem Antragsteller bea fannt geworden waren. Der Ausdruck plumpe Demagogie" in der Freiheit war deshalb vollkommen berechtigt. Abg. Höllein( Komm.) polemifiert unter großer Unruhe des Hauses gegen Ledebour. Der Antrag Simon wird dann eben. falls angenommen. Schluß 5% Uhr. P Sie leben von der Lüge Würden die Kommunisten sich an die Wahrheit halten, so würden auch ihre eigenen Anhänger bald die Unzulänglichkeit und Sinnlosigkeit der Haltung ihrer Partei einsehen. Um das zu vers hindern, greifen die Kommunisten, gerechtfertigt durch Lenins be tanntes Wort, zur systematischen Anwendung der Lüge. Ein Musterbeispiel dafür ist die Berichterstattung der Roten Fahne" über die Behandlung der Arbeitslosenfrage im Voltswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstages. Obwohl wir bereits über diese Berhandlungen berichtet haben, wollen wir den wahren Sachverhalt noch einmal in aller Kürze darstellen: Das Verlangen der Arbeitslosen richtet sich in erster Linie nach Beschaffung von Arbeit. Belebung des Wirtschaftslebens ist deshalb ihre dringendste Forderung. Bon diesem Standpunkt ausgehend, hat der Genosse Dißmann im Volkswirtschaftlichen Ausschuß das Problem der Arbeitslosigkeit als das dringendfte Wirtschafts problem behandelt. Um den bürgerlichen Bars teien und der Regierung flarzumachen, daß ihre ablehnende Hal tung zu einer Erhöhung der Unterstügungssäge, die Arbeitslosen dem völligen Elend ausliefert, weil die Arbeitslosigkeit nicht vorübergehend, sondern dauernd ist, und daß in einer ganzen Reihe von Industrien die Arbeitslosigteit noch ständig zunimmt, ver langten die Unabhängigen von der Regierung die sofortige Bor lage eines Berichts über den Stand der einzelnen Wirtschaftszweige. Der Sinn dieses Antrages war die Absicht, den bürgerlichen Parteien die Ablehnung der Erhöhung der Unterstützungssäge gegenüber ihren eigenen Anhängern unmöglich zu machen. Als infolge der Zusage der Regierung, die gewünschten Angaben in fürzester Zeit zu erstatten, die Sicherheit bestand, daß feine Verschleppung der Anträge eintreten würde, dafür aber vielleicht eine Aenderung der Saltung der Regierung und eines Teiles der bürgerlichen Parteien erzwungen werben fönnte, bestand im Ausschuß teine Meinungsverschiedenheit barüber, daß am folgenden Tage nur die Anträge zur Abstimmung gebracht werden sollen, die die Silfe für die langfristig Erwerbslosen bes zweden. Das war auch die Meinung des kommunistischen Abg. Malhahn, der dieser Feststellung des Vorsitzenden des Aus schusses nicht widersprach. Wenn nun die Rote Fahne" behauptet, daß Dißmann er flärt habe, die Unabhängigen verzichteten auf die Abstimmung über die von ihnen selbst gestellten Anträge, so ist das eine be mußte unwahrheit. Ueber die Anträge wird in einigen Tagen erneut verhandelt und auch abgestimmt. Wie richtig diese Saltung der sozialistischen Parteien war, stellt ja, wenn auch un freiwillig, die Rote Fahne" in ihrer Dummheit selbst fest. Sie Schreibt: Die Ablehnung dieser Anträge durch die Regierung bei der Abstimmung hätte zweifellos zur Folge gehabt, daß auch die gesamten bürgerlichen Parteien im Reichstage die Erhöhung der Arbeitslosenunterstügung und die Entschädigung der Kurzarbeiter abgelehnt hätten." Wie ernst es der Unabhängigen Partei mit der Hilfe für die Erwerbslosen ist, das hat sie gestern im Plenum des Reichstags gezeigt, wo auf ihre Initiative hin beschlossen wurde, den Teilantrag des Ausschusses für die langfristig Erwerbslofen bes reits heute zu verhandeln. Der Antrag wird auch Annahme finden, wenn nicht die Kommunist en das durch die bei ihnen übliche Radaupolitit, die von einer wirklichen Hilfe für die Arbeitslosen ja nichts wissen will, verhindern. Immer noch Waffenschiebungen Der unabhängige Abgeordnete Horn hat im Reichstage fol gende kleine Anfrage eingebracht: Freitag, 3. Juni, abends 7 Uhr finden in der Stadtgemeinde Berlin 25 große öffentl. Bersammlungen statt in folgenden Lokalen: Residenz- Festsäle, Landsberger Str. 21. Brachtsäle des Oftens, Frankfurter Allee 49. Viehhofbörse, Eldenaer Straße. Büttners Festfäle, Schwedter Str. 23-24. Schulaula Manteuffelstr. 7. Schulaula Lyceum, Greifswalder Str. 25. Schulaula Gleimstr. 49. Boigt- Theater, Badstr. 58. Pharusfäle, Müllerstr. 142. Germania- Säle, Chausseestr. 110. Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstraße. Neukölln- Brit: Kliems Festfäle, Hasenheide. Pantow: Konzerthaus Linder, Breite Str. 34. Weißensee: Neues Voltstheater, Charlottenburger Straße 120. Reinidendorf- Oft: Bürgergarten, Hauptstr. 51. Lichtenberg: Schwarzer Adler, Frankfurter Allee 99. Cöpenid: Schweizergarten, Lindenstraße. Charlottenburg: Aula Königin- Luife- Schule, Dandel mannstraße 26. Spandan: Neues Stadttheater, Botsdamer Straße. Wilmersdorf: Oberrealschule, Am Seepark. Schöneberg: Aula Hohenzollernschule, Belziger- Ede Eisenacher Straße. Mariendorf: Aula des Gymnasiums, Kaiserstraße. Adlershof: Wöllsteins Luftgarten, Bismardstr. 73. Niederschöneweide: Schulaula, Berliner Str. 31. Treptow- Baumschulenweg: Brauns Gesellschaftshaus am Bahnhof Treptow. Tagesordnung: Regierungsbildung- Regierungsprogramm und die Arbeiterschaft! Wir erwarten, daß für diese äußerst wichtigen Versamm fungen überall rege Propaganda gemacht wird, da es wichtig und notwendig ist, volle Klarheit über die gegenwärtige politische Lage und die Stellung der U. S. P. zu schaffen. Darum, Genossen! Agitiert und sorgt für Massenbesuch! Aus dem Preußenparlament Eine unerwartete Welfendebatte Im Preußenparlament fam es am Mittwoch ganz unerwartet zu einer Welfen- Debatte. Bei der Besprechung der Interpellation über das Kommunalabgabengeseh hatte der kommunistische Abgeordnete Katz dem Präsidenten Leinert vorgeworfen, daß er in Hannover den Kapp Putsch begünstigt habe. Herr Leinert ergriff als Abgeordneter das Wort und verwahrte fich gegen diesen Vorwurf. Der welfische Abgeordnete Biester sprang dem Kommunisten bei und erklärte, Leinert habe sich bei dem Kapp- Butsch das Mandat eines Staatstommiflars geradezu von hinten herum erschlichen. Leinert habe damals auch eine Truppe nach Hannover gerufen. und zwar das sogenannte Hindenburg- Bataillon, von dem er hätte wissen müssen, daß es auf Kapps Seite stand. Das Blut, das dann in Hannover geflossen sei, tomme auf Leinerts Saupt. Das würde auch Leinerts Parteifreund, der Abgeordnete Müller- Hameln, bestätigen können. Leinert versuchte diese ihm recht unangenehme Behauptung abzuschwächen; man hat aber den Einbrud, daß ihm das nicht restlos gelungen ist. Er drehte dann den Spieß um, und machte den Welfen den Vorwurf, daß sie während des Kapp- Butsches die Absicht gehabt hätten, eine selbständige Republit SannoDer ins Leben zu rufen. Ihm selbst sei von den Welsen bas Anerbieten gemacht worden, Präsident der neuen Republik zu werden, da gerade er für diesen Posten der geeignete Mann sei. Später sei dann die Umwandlung der Republit Hannover in eine Monarchie vorgesehen gewesen. Die Welfen hätten sogar mit dem Auslande in Verbindung gestanden und sich dort nach Silfe umgefehen. Welfische Abgeordnete hätten in dieser Angelegenheit u. a. auch bei dem französis schen General in Mainz vorgesprochen. Durch die Amnestie sei eine strafrechtilche Verfolgung der Schuldigen leider unmög lich gemacht worden. In Stettin sind von dem Direttor der Zentral- Arbeitsgenoffen schaft, Herrn Colleg, an Serrn Mag Raebel, bafelbit, 1000 Die Mitteilungen Leinerts erregten großes Aufsehen, und es tam zu recht lebhaften Zwischenfällen. Der Abgeordnete Biefter Gewehre Modell 98, 500 Karabiner Modell 98, 100 Maschinen versuchte, den Einbrud abzuschwächen, ohne daß ihm dieses Vors gewehre( schwere und leichte), 3 Minenwerfer, 1000 Sandgrana haben gelungen wäre. Die Tatsache, daß sich die Welfen mit der ten, 1000 Pistolen, 400 000 Schuß S.- Munition, 50 000 Schuß Schaffung eines felbständigen Staates Sannover sehr ernsthaft Maschinengewehrmunition in Gurten, 200 Ferngläser, 50 3iel beschäftigt haben, kann jedenfalls nicht mehr abgeleugnet werden. fernrohre, diverse Batete Sprengtapfeln, die in der Stettiner Bei der Beratung des Antrages der Deutschnationalen, einen Grenadiertajerne lagerten, zum Preise von 400 000. verfanft Gelegentwurf vorzulegen, der bie Selbständigkeit ber worden. Dem Käufer wurde zur Pflicht gemacht, diese Waffen und Munition nur an die Rechtsparteien weiterzugeben. Cin neugeschaffenen Gemeinde Groß- Berlin wesentlich einschränken Lastauta, beladen mit niez leichten Majhinengemehren,& Gesund die Zentralgewalt bejeitigen jall, leistete der deute Verbandstag der Angestellten ( Drahtmeldung unseres Korrespondenten.) Weimar, 1. Junt. A Der Verbandstag der Angestellten beschloß am Mittwoch: Die verschiedenartige Auffassung über die Auslegung der Beirats beschliffe zur 3. Internationale hat eine Anzahl Delegierte vers anlaßt, bei der gestrigen Abstimmung über die Bestätigung der Beiratsbeschlüsse mit nein zu stimmen. Die Abstimmung hat ein falsches Bild der grundsäglichen Auffassungen des Verbandstages zur Gewerkschaftsinternationale ergeben. Um die in der grunds Täglichen Stellungnahme zur Moskauer Gewerkschafts- Internatios nale bestehende Einmütigkeit der großen Mehrheit des Verbandss tages zum Ausdrud zu bringen, beschließt der Verbandstag, den geftern bestätigten Beiratsbeschlüssen folgende Fassung zu geben: " Mitglieder, die einen Beamten- oder Funktionärposten betleis ben sollen, müssen sich ausdrücklich verpflichten, in unserem Berbande nur nach unseren Sagungen, den Beschlüssen des Beirats und Verbandstages, den Richtlinien des A. D. 6. B. and des Afa- Bundes, insbesondere nach dem Alfa- Beschluß vom 29. 9. 1920 zu arbeiten. Sie müssen ben Internationalen Gewerkschaftsbund zu Amsterdam als internationale Zusammenfassung der Gewerk fchaften anerkennen, biefen in jeder Weise fördern und die gewerk schaftlichen Leitfäße der Mostauer Gewerkschafts- Internationale, ebenso wie alle anderen, die freigewerkschaftliche Bewegung hädis genden Bestrebungen bekämpfen." Obstruktion in Braunschweig Die bürgerlichen Parteien des Freistaates Braunschweig, die fich im Landeswahlverband zu einem reaktionären Bloc zusam mengeschweißt haben, sind im braunschweigischen Landtag in Obs struktion getreten. Der Landtag war im vorigen Jahre für ein Jahr neu gewählt worden. Es ergab sich eine tnappe sozialistische Mehrheit, wobei die Kommunisten das Zünglein an der Wage bil deten. Die Regierung hatte mun beschlossen, den Landtag fos lange weiter tagen zu lassen, bis die Verfassung erledigt jet 1. S. B. D. und S. P. D. unterstützten diesen Vorschlag, die Kome munisten stimmten gemeinsam mit den Reaktionären dagegen. Ein Beweis, wie sehr es die Kommunisten verstehen, die politische Situation auszunügen. Um eine Auflösung des Landa tags zu erzwingen, bleiben die bürgerlichen Parteien den Bes ratungen fern, fie machten damit das Haus sowohl am Dienstag als auch am Mittwoch beschlußunfähig. Der Landtag ist daraufhin auf den 7. Juni vertagt worden. Regierungskrise in Desterreich DA. Wien, 1. Junt. Heute nachmittag fand ein Kabinettsrat statt, in dem Bundess fanzler Dr. Mayr die Demission der Regierung ankündigte. Die Demiffion wurde vom Kabinettsrat zur Kenntnis genommen. Der Bundeskanzler Dr. Mayr wird vom Bundespräsidenten Sainisch mit der Fortführung der Geschäfte betraut werden. Mittags sprachen im Wiener Außenamt die Vertreter der Entente Dor, um neuerdings einen Protest wegen der Anschlußabstimmun gen der österreichischen Regierung zu übermitteln. Es ist nach Mitteilungen aus Ententekreisen die Gefahr vors handen, daß die Entente Ungarn nicht auffordern wird, nach der Ratifizierung des Friedens von Trianon Westungarn zu räumen. Weiter verlautet, daß, falls die Abstimmung in der Steiermart durchgeführt wird, die Jugoslawen in Steiermart einmarschieren. Ueber die Pläne der Tschechoslowakei liegen lediglich Vermutun gen vor. %=* બેંક અને}} Kleine Nachrichten Der Arbeitsplan des Landtags. Der Aeltestenrat des Breußb schen Landtags besprach am Mittwoch vor Beginn der Vollſtzung die Geschäftslage. Finanzminister Sämisch wird am Donners tag den Haushalt einbringen. Er wird dazu lediglich finanztechnische Ausführungen ohne politischen Charakter machen. Das Saus will fich dann bis Montag vertagen. Am Montag und Dienstag foll die erste Beratung des Haushalts stattfinden. Es follen zwei Rednerreihen sprechen. Darauf soll der Etat dem Ausschuß überwiesen werden. Um diesem Zeit für kräftige För berung der Arbeiten zu geben, sollen für die weiteren Tage der Woche teine Plenarsizungen stattfinden. Man will auf alle Fälle den Haushalt vor Eintritt in die Sommerferien, die vorauss fichtlich Mitte Jult beginnen werden, verabschieden. 15 Jahre Zuchthaus für einen Kommunistenführer. Das außer ordentliche Gericht in Sagen( Westf.) verhandelte am Dienstag in dreistündiger Sihung gegen den Kommunisten Bowen siepen, der am Ofterdienstag die Leitung des Kommunistenaufftandes in den Händen gehabt haben sollte. Das Gericht vers urteilte Bowenfiepen an 15 Jahren Zuchthaus mit der Begrün bung, dah seine Taten lediglich gemeine Verbrechen seien und mit Politit nichts zu tun hätten. Bestrafte agrarische Steuerhinterzieher. Der Lefter des Fi nanzamtes Salzwebel, Regierungsrat Groth, veröffentlich die Bestrafung einer Reihe von Personen, vorwiegend Land witten, wegen falscher Steuerangaben. Es sind 19 Perso nen zu insgesamt 1% Million Strafe vom Finanzamt verurteilt worben. Es handelt fich um das gleiche Finanzamt, das neu fich den Juhaber eines Bantgeschäfts mit 332 000. bestraft hatte. Bor einem polnisch- litanischen Rompromis. Auf der fitaufsch polnischen Konferenz hat Huysmans nach der„ Dena" einen Plan vorgelegt, der als Grundlage für die weiteren Verhandlungen diente. Von den beiden Delegationen ist dieser Entwurf geprüft, worden, ein Kompromis zwischen Bolen und Litauen in der Ittauischen Frage auf der Basis des belgischen Projetts gilt als HERMANN.TIETZ Gefrierfleisch 00 ohne Knochen 50 Rinderkamm............ Plund 650 Schmorfleisch: Plund ........... Pfund ohne Knochen Querrippe Plund 750 Schabefleisch..... Pfund 12°° Rinderbrust und Fehlrippe 800 Gehacktes. Pfund Obst, Gemüse Wild, Geflügel Garten- Erdbeeren pld. 900 Kirschen.............. Pfund 550 Stachelbeeren unreff. Plund 225 Salat... .... Kopi 35 PL Spinat................. Plund 50 PL. Kohlrabi ...... Mandel 225 Jg. Schoten........... Phund 225 Jg. Mohrrüben....... Bund 175 Grüne Gurken..... Stück 350 Spargel... Blumenkohl Plund von 50 Pt. Kopi von 275 Weinbrand- Verschnitt F mil LIQ 2/ Fl. Rehrücken.......... Pland 1500 Rehrücken Rehkeulen.......... Plund 1600 .... Plund 1600 Rehblätter.......... Plund 1150 Reh- Kochfleisch.. Plund 550 Kaninchen ohne Kopf 400 Junge Gänsepd. 125° 1500 Suppenhühner la, Plund 1600 Tauben Stück 750 gefr., und Füsse, Plund Plund 900 Allerfeinste Naturbutter zum billigsten Tagespreis Frisches Fleisch Rinderkamm...... Pfund 1000 Hammelfleisch...... Pfund 12°° Rinderbrustu. Fehlrippe..Pfund 1100 Kalbskamm. Schmorfleisch: und 1150 Kalbskeulen.. Wurstwaren Rotwurst noch Thüringer Art..... Plund 100 Landleberwurst Landleberwurst........... Plund 1200 Grobe Mettwurst.......... Plund 1800 Mettwurst nach Braunschweiger Art Pfund 2100 Teewurst prima......... Plund 2500 Kulmb. Bierwurst.......... Plund 2450 Zervelatwurst..... Salami in verschiedenem Ge Haushalt- Pudding schmack Pakel 85 PlSultanaspeise....... Cumberlandspeise......... 1/2 Weinbrand- Verschnitt F 2000 3850 Fl. mit** Deutscher Weinbrand 70 520 Hate- Liköre sortiert... mit*** Theater und Vergnügungen Plund 2450 Pfund 2650 Pfund 2650 *** IO Fische, Räucherw. Lebende Schleie.. Pfund 1000 Leb. Aale mittel u. stark, Pid. 1950 Kabliau kopllos, im ganzen, Pfund 120 Schellfische Plund 120 Gr. Salzheringe 4 Stück 95P Räucherflundern Pond 350 Räucheraale Meklenburg 2300 Lachshering......... Stack 105 Vanille- Saucenpulver. Rote Grütze Schokoladenspeise .......... Paket 40 PL ....... Pakel 95pl. ... Paket 225 ....... Pfund 800 Pfund 950 Käse, Fette Harzer Käse...... Pfund 740 Tilsiter................. Plund 570 Camenbert la........ Stück 290 Emmenthaler..... Pfund 3000 Roquefort. Pfund 2800 Margarine........... Pjund 710 Rindertalg ausgelassen..Plund 750 Butterfett............. Plund 900 Schweineschmalz( gar.rein) 50 Pfund.. Gebr. Kaffeeglich 1950 Dänisch.Sahne Flasche 550 In eigener Rösterei geröstet.. Plund 10 Paket Paket 175 001918er Montagna Naturrotwein 50 20% Sieuerzuschlag 1150 5500 F FI Fl. FL Cherry- Brandy Quel. 2750 5250 Jam.Rum- Verschnitt 26% 5000 Tarragona vorzügl. Qualitat.... Fl. ₁Fl. FI. 25 00 2300 4500 23% 45% 1919er Oberhardt. Malkammer. 150 550 Rose- Theater 7% Uhr: Wo die Schwalben nisten 18 Casino Theater 8 $ 1,8 Nur noch einige Aufführungen 20% Steuerzuschlag Neue Welt Arnold Scholz Hasenheide 108/114 Heute Bolksbühne Leffing- Theater Bollrich& Sohn Donnerstag, den 2. Juni 1921 Uhr: Das Poftamt Die Romödie der Jrrungen Direkt.: Victor Barnowsky Neues Volkstheater Köpenicker Str. 68. 7 Uhr: Die St. Jakobsfahrt Staatstheater. Overnhaus ", Uhr: Bohème Schauspielhaus F/, Uhr: Peer Gynt Direktion: Max Reinhardt. Deutsches Theater # 2: Potasch u. Berlmutter Kammerspiele W Uhr: Der Strohhut Broßes Schauspielhaus 21.: Karlstraße Sommerspielzett: 7 Uhr: Bum 1. Male: Die Ballerina des Königs Lustspiel in 4 Akten von Rudolf Presber und Leo Walter Stein. ( Konftantin, Gög) Freitag bis Montag 71, Uhr: Die Ballerina des Königs Deutsch. Künstl. Theater Allabendlich 7% Uhr: Rosenmontag ( Haack, Loos) Trianon Theater Täglich 7, Uhr: Mar Adalbert in Ein Sommernachtstraum Ab dafür ( 4. Abteilung, 5. Abend) Theater i. D. Röniggräger Str.: Täglich 7.30 Uhr: Mit dem Feuer spielen Uhr: Satans Maske ( Orska, Riemann, Bildt) Berliner Theater: DAS Milliarder von Jmpekoven u. Mathern Residenz- Theater Täglich 7%, Uhr: Lady Windermeres Fächer von Oskar Wilde. Kleines Theater 18 Uhr: Nur ein Traum SOUPER Thalia- Theater 7% Uhr: Mascottchen 1.30 Uhr: Bilde Wörner, Uschi Ellest, Ralph Arthur Roberts, berb. Riper, Pani Rehtopf Theater Komödienhaus: am Nollendorfplatz Allabendlich 7.30 Uhr: Der blonde Engel von Robert Winterberg Baul Heidemann a. G., Josefine Dora v. Staatsth. a.B., Jnge van derStraaten, 3fa Narsen, Georg Baselt, Kurt Busch, Julius Rogg. Thea. a. noite.Tor Tel Moritzplatz 16077 Täglich 7%, Uhr: 7 Uhr: Der Vetter aus Dingsda Komische Oper 7. Die Oper 7% Alt- Heidelberg Elite Sängers. Folies Caprice su 10 Herren! Vorvk 11-1% 0,4-8 am Dranienburger Tor Der ledige Ehemann mit Ferd. Grünecker Walhalla- Theater 7 Uhr: Die Scheidungsreife Residenz- Kasino Blumenstraße 10 Täglich: Großer Witwenball 7 Apollotheater 7/2 Friedrichstraße 218 Täglich: Tip- Tip Hurrah! oder Der Sport- Schlemihl mit Wilhelm Hartstein Berliner Brater Rastanien- Allee 7-9 Täglich 4, Uhr: Die Schönste von Allen Operette von Jean Gilbert Varieté- Sensationen. ETRO VARIETE KABARET Behrenstraße 54. 74 Uhr: Int. Damen- Boxkämpfe Fritchie Heinrich Kohlbrandt Feemas Comp. Eugen Milardo 3 Hugos Gerda Gerdina Lola Thomas u. Partner Peter Pfeiffer C. O. Pillnay Vivian, Vanity 3 Bowerys Konzert und Spezialitäten Vorstellung Gr. Riesenfronten- Feuerwerk Schlußfront: Amor in Aktion ausgeführt vom Pyrotechniker E, Vielandt Einlaß 3 Uhr Anfang 5 Uhr Münzen: Briefmarten kauft Großmann, Johannisstr. 4. Bugang v.d. Friedrichst.( Nr.108) Norden 106 21 Neues Angebot Schokoladen- Blod 100 g von Mt. 3.20 am Shokoladen- Tafel 100 a von Mt. 3.30 an nur gute Qualitätsware. 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Der Deutsche Butter- Auktionsverband hat in der Mühlenstraße einen Butter- Auktionssaal eingerichtet. Die Versteigerungen finden von den höchsten abwärts zu den niedrigen Breisen statt, und zwar mittels eines holländischen automatischen Versteigerungsapparates in Form einer großen Uhr. Die einzelnen Bosten von Butter werden ausgeboten, ein riesiger Zeiger läuft über die hohen Preise zu den niedrigen Preisen. Will ein Käufer zur einem bestimmten Preis einen Posten Butter haben, dann drückt er auf einen an seinem Plaz befindlichen Knopf und der Zeiger bleibt stehen. Zu gleicher Zeit erscheint innerhalb des Ziffernblattes, elektrisch beleuchtet, die Nummer des Käufers. Eine ruhige Versteigerung, ohne Lärm, ohne Schreien, denn alles verfolgt aufmerksam den Weg des Preiszeigers. Wer denkt, daß teine Butter vorhanden ist, der irrt sich gewaltig. Sie ist im freien Handel für 26 Mart das Pfund er hältlich und war nur unter der Zwangswirtschaft nicht da, weil die notleidenden Landwirte auf höhere Preise spekulierten und die Butter lieber verschoben haben, als zur Ablieferung zu bringen. Jezt, durch Aufhebung der Zwangswirtschaft winten höhere Preise und schon ist Butter in großen Mengen auf dem Markt. Bei der Versteigerung wurden rund 1180 Faz à 50 Kilo angeboten. Nur rund 400 Faß fanden Abnehmer, weil der Preis den Käufern( nur Butterhändler haben Zutritt) wohl zu hoch erschien. Jm Durchschnitt wurden für das Pfund Butter etwas über 18 Mart bezahlt. Auch dieser Preis ist viel zu hoch. Die Arbeiter= schaft, wenigstens die breite Masse, tann sich den Lurus nicht erlauben und gute Butter faufen. Sie hat auch gar teine Beranlaffung dazu, denn solange solch unsinnige Preise für Molkerei butter gefordert werden, wird jede Hausfrau zu hochwertigen Fetten und guter Margarinebutter greifen. Die Schupo gegen Ausflügler Kürzlich teilten wir mit, daß von der Oberförsterei Potsdam völlig unbegründeterweise das Baden im Satromsee verboten jei. Wir fnüpften daran die Frage, wer wohl daran Anstoß genommen haben mag. Es scheint so, daß die Veranlassung zum Badeverbot von einer höheren Instanz ausgeht. Denn in den letzten Tagen hat die Schupo zweimal eine Razzia am Tegeler See nach Badenden ab gehalten und eine Anzahl Personen festgestellt, die gebadet und im Walde umhergetollt hab n". Einige davon sollen sogar völlig unbekleidet gewesen sein. Für die an der Razzia beteiligten Beamten soll sofort nach Beendigung ein dienstlicher Kirchgang stattgefunden haben. Bei der letzten Razzia am Sonntag begnügte man sich nach bem Polizeibericht damit, alle Badenden und im Walde Lagernden auf eine Stelle zusammenzubringen und ihnen dann eine Berwarnung zu erteilen. Beteiligte der unfreiwilligen Bersammlung schildern uns diese Berwarnung" als eine Art von Nachäffung des militärischen Appells, bei dem der gestrenge Herr Hauptmann sich ein beson deres Vergnügen daraus machte, die angetretenen Mannschaften mie dumme Jungen herunterzuprotzen. Bei der Schupo sind eine ganze Anzahl von leitenden Beamten, die nur eine militärische Ausbildung genossen haben und daher für den Vertehr mit dem Publikum völlig ungeeignet sind. Aber auch die anderen Vorgänge bei dieser überflüssigen Streife, die man wohl mehr zum eigenen Sonntagsvergnügen unternommen hatte, veranlaßt uns, gegen Wiederholung energisch zu protestieren. Es wurde nerboten, ohne Jade herumzulaufen, ebensowenig duldete man das Barfußgehen. Kinder sollten nicht im Turnanzug spielen und noch mehr solcher lächerlicher Anordnungen wurden getroffen. Bei dem Vorgehen am Tegeler See beruft man sich darauf, daß Warnungstafeln vorhanden sind, nach denen das Baden untersagt ist. Statt nun einfach das Naheliegendste und Vernünftige zu tun, die Warnungstafeln zu beseitigen, belästigt man die Spaziergänger. Es muß gefordert werden, daß das Baden an allen Gewässern gestattet wird und nur dort Warnungstafeln errichtet werden, mo infolge besonderer Verhältnisse Lebensgefahr für die Badenden besteht. An allen anderen Stellen muß das Baden freigegeben werden. Die vorhandenen Freibäder, die ja eigentlich teine mehr sind, reichen für den Bedarf nicht aus. Besonders in diesem Jahre, da die Eröffnung der Flußbadeanstalten recht lange auf fich warten ließ. Es ist unerhört, daß die Vorbereitungen für die Eröffnung nicht so zeitig getroffen worden sind, daß diese am 15. Mai dem Verkehr übergeben werden konnten. Hundert Prozent Die Geschichte eines Patrioten Roman von Upton Sinclair Bus bem Manuskript übertragen von 5ermynia 3ur mahlen Copyright by Der Malif- Verlag Berlin- Halensee 1921 ( 07. Fortsetzung.) 80. ( Nachdruck verboten.) Die J. W. Ws. waren wieder in American- City aufgetaucht, hatten gewagt, ein neues Hauptquartier zu eröffnen. Beter wagte selbstverständlich nicht, sich dorthin zu begeben, boch lernte er etliche junge Burschen, die Mc Givney ihm brachte, an, lehrte sie die Sprache der Roten und wie man Fch unter die Genossen einschleicht. Bald darauf war einer der Burschen Sekretär der Lokalgruppe und überbrachte Beter zweimal die Woche Berichte über das Tun und Treiben und überbrachte ber Roten. Peter und Gladys arbeiteten eine neue Bombenrerschwörung aus, um die allgemeine Aufmerksamkeit auf diese gefährlichen Leute zu lenten, da erfuhr Peter eines Tages durch die Zeitung, eine gütige Vorsehung habe ihm die Feinde ausgeliefert. In einem Waldstaat des fernen Nordwestens, in einer Lleinen Stadt namens Centralia, war das Hauptquartier der J. W. Ws. gestürmt und zerstört worden, wie dies in American- City geschehen war. Sie hatten einen anderen Bersammlungsort bestimmt, und abermals hatten die Mitglieder der Handelskammer und der Kaufmanns- und Fabrikantenvereinigung in einer Geheimsitzung beschlossen, sie zu vernichten. Die J. W. Ws. hatten sich an die Autoritäten gewandt und Schuh verlangt, als ihnen dieser verweigert ward, druckten sie ein Flugblatt und appellierten an das Publikum. Trotzdem gaben die Geschäftsleute ihren Plan nicht auf. Am Jahrestag des Waffenstilstands wurde eine Soldatenparade arrangiert, die an dem Hauptquartier der J. W. Ws. vorbeimarschieren sollte. Etliche der begeisterteren Mitglieder trugen in den Händen Stride, als Symbol ihrer Wünsche, vor dem Hauptquartier machten sie halt, schidten fich an, zu stürmen. Sie erbrachen die Tür, waren schon halb in das Gebäude eingedrungen, als die J. W. Ws. zu schießen anfingen und etliche der Feinde töteten. Natürlich brachte dies den Mob zum Rasen. Die Männer im Hauptquartier wurden halbtot geprügelt, ins Gefängnis Beilage zur Freiheit" In der gleichen Angelegenheit schreibt uns ein Leser: Seit 6 Jahren hat am Baden im Müggelsee, am Strande zwischen den Wasserwerten und dem sogenannten Freibade, niemand Anstoß genommen. Der Strand wurde im Sommer von hunderten weniger Bemittelten besucht, zumal das Baden im Freibade bei der enormen Ueberfüllung schon nicht mehr zu einer Erholung zu rechnen war. Am 31. Mai, nachmittags um 4 Uhr, tauchten plötzlich 4 schwerbewaffnete Grüne auf, schwärmten am Strande aus und forderten im Kasernenhoftone die. Badenden auf, sofort das Wasser zu verlassen und sich anzuziehen. Auf unsere Anfrage, weshalb denn mit einem Male verboten würde, was man 6 Jahre geduldet, berief sich der eine auf eine Berordnung von 1914. Am 1. Juni werden zunächst die beiden Flußbadeanstalten an der Ebertsbrücke und an der Mühlenstraße eröffnet. Die Eröffnung der übrigen Anstalten erfolgt in den nächsten Tagen, sobald die polizeiliche Abnahme durch das zuständige Wasserbauamt bewirkt worden ist. Die Benuzungszeit ist bis zum Beginn der großen Schulferien einstweilen auf 12 Uhr mittags bis 7 Uhr abends feftgelegt. Die Badepreise betragen 40 Pfennig für Erwachsene und 20 Pfennig für Kinder. Der letzte, billige" Tag auf der Eisenbahn + Der 31. Mai, der letzte Tag, an dem die alten Fahrpreise noch Gültigkeit hatten, hat, wie zu erwarten war, auf den Berliner Bahnhöfen einen Riesenandrang gebracht. Wer es nur irgend ermöglichen fonnte, hatte seinen Urlaub noch in die letzten Tage des Mai gelegt, um jo die legten, sozusagen noch billigen, Fahrpreise ausnuten zu fönnen. Ramentlich auf dem Görlizer Bahnhof herrschte in den nach dem Riesengebirge führenden Zügen ein Gedränge, das an den großen Ansturm zu Beginn der Sommerferien erinnerte. Bei dieser Gelegenheit fonnte die Eisenbahnverwaltung aber auch Feststellungen über die Abwanderung der Fahrgäste in die unterste Wagentlasse machen. Bei den Personenzügen waren die Wagen 4. Klasse derart überfüllt, daß der Fahrdienstleiter lich gezwungen jah, noch einige Waggons nierter Güte" anzuhängen. Die in den Zügen mitlaufenden Wagen 3. Klasse wiesen taum eine normale Beanspruchung auf, dagegen herrschte in den Abteilen 2. Klasse eine geradezu gähnende Leere. Achnlich lagen die Ver= hältnisse auf dem Anhalter Bahnhof, wo in den nach Süddeutschland laufenden Zügen in der 4. und 3. Klasse eine beängstigende Fülle herrschte, die angesichts der marmen Witterung nicht ge= rade zur Erleichterung der Fahrt beitrug. Auch auf dem Stettiner und Potsdamer Bahnhof tonnte man die gleichen Beobachtungen machen. Da in den kommenden Wochen der Reiseverkehr bekannt lich sich noch sehr wesentlich verstärkt, wird es sich empfehlen, daß die Eisenbahndirektion Vorkehrungen trifft, um denjenigen Fahrgästen, die nicht in der Lage find, die unerschwinglichen Preise für die 1. und 2. Klasse anzulegen, wenigstens einigermaßen die Mög lichkeit zu bereiten, auf der zehn und mehr Stunden dauernden Fahrt nach dem Süden oder Westen des Reiches Siggelegenheit zu finden. Der Postverkehr nach Oberschleften Der Bostverkehr mit der Provinz Oberschleften ist seit sind große Mengen von Sendungen angesammelt, deren Bearbeidem 3. Mai nahezu völlig unterbrochen. In Breslau und Oppeln tung und Aufbewahrung ernste Schwierigkeiten verursacht. Ein Abfluß der seit Wochen angesammelten Brieffendungen kann nur allmählich herbeigeführt werden. Die Annahme von Einschreib fendungen jeder Art, von Poftaufträgen, Bostanweisungen und Nachnahmen sowie von Drucksachen, Warenproben, Geschäftspapieren und Mischsendungen nach Oberschlesien ist daher vorläufig gänzlich eingestellt worden. Zugelassen werden bis auf weiteres nur gewöhnliche Briefe, Postkarten und durch die Post bezogene Zeitungen auf Gefahr des Absenders. Die Beförderung dieser Sendungen in das Aufstandsgebiet läßt sich aber nur durchführen, wenn die Bevölkerung den Briefverkehr auf das allergeringste Maß einschränkt und nur Sendungen wirklich wichtigen und dringenden Inhalts aufliefert. Der Mord in der Malplaquetstraße Frau des Kraftdroschtenbesizers Meinhardt zum Opfer geDie Bluttat in der Malplaquetstraße, der die 32 Jahre alte fallen ist, tam Mittwoch vor dem Schwurgericht des Landgerichts III unter Vorsiz des Landgerichtsdirektors Lehmberg zur Verhandlung. Die von Staatsanwalt Dr. Schneidewin lebenslänglichem Zuchthaus bedrohte Berbrechen gegen den§ 214 vertretene Anflage lautete nicht auf Mord, sondern auf das mit St.G.B., nach welchem sich derjenige des erschwerten Totschlags schuldig macht, der bei Begehung einer strafbaren Handlung, um ein ihm entgegentretendes Hindernis zu beseitigen bzw. um fich seiner Festnahme zu entziehen, einen Menschen tötet. Als Vergeworfen, gefoltert. Einer wurde in einem Automobil verschleppt, fastriert und dann gehängt. Freilich wurde darauf geachtet, daß die Berichte, die an jenem Abend von Centralia ausgeschickt wurden, die richtigen waren. Am folgenden Morgen las ganz Amerika in den Zeitungen, eine Gruppe J. W. Ws. habe sich mit Flinten bewaffnet und falten Blutes auf einen friedlichen Paradezug unbewaffneter Beteranen geschossen. W Selbstverständlich wurde das ganze Land vor Empörung halb verrückt. Die Guffeys, Mc Givneys und Gves aller Staaten erkannten, ihre Zeit jei gekommen. Peter gebot Abend eine Versammlung einzuberufen, dort eine Resoludem Sekretär der J. W. W.- Lokalgruppe, für den gleichen tion zu unterbreiten des Inhalts, die Zeitungsberichte aus Centralia seien erlogen. Zur gleichen Zeit hielt einer von Guffeys Leuten, ein einstiger Offizier, der noch Uniform trug, eine Versammlung der„ Amerikanischen Legion" ab, stachelte die jungen Burschen mit Hegreden auf, so daß um neun Uhr etliche Vierzig mit Eisenstangen bewaffnet aus zogen, das Hauptquartier der J. W. Ws. stürmten, die Mitglieder mit den Eisenstangen auf den Kopf schlugen, etliche veranlaßten, aus dem Fenster zu springen, wobei sich einige die Füße brachen. Am folgenden Morgen brachte die„ Times" mit Freudengebrüll den Vorfall, und der Staatsanwalt nicht bestraft werden; die J. W. Ws. forderten ja stets Burchard erklärte offiziell, die waderen Soldaten würden direkte Aktion, nun würden sie wohl zufrieden sein. 99 offizier angeftachelt, stürmten die Mitglieder der„ AmeriDurch den allgemeinen Beifall ermutigt, von Guffeys Extanischen Legion" alle radikalen Zusammenkunftsorte der Stadt, die Redaktion der„ Trompete", das Hauptquartier der Sozialistischen Partei und beschlagnahmten zahllose Bücher und Schriften. Auch Buchhandlungen stürmten sie, durch suchten alle Zeitungstioste der Stadt; wo immer sie tote Zeitschriften, wie die Ration" oder die New Republic" fanden, zerrissen sie die Exemplare, bedrohten die Verkäufer mit Arrest. Sie drangen auch in den Saal einer literarischen Gesellschaft ein, des„ Rustin- Clubs", der meist von liebens würdigen, harmlosen alten Damen besucht wurde, und erschreckten die alten Damen derart, daß diese in hysterische Krämpfe verfielen. Dann entdeckten sie den Club der Russen", der bisher unbelästigt geblieben, weil er ein pädagogisches Institut war. Aber natürlich fonnte man in diesen Lagen feinem Ruljen trauen alle waren Bolschewifi oder 99 Donnerstag, 2. Juni 1921 teidiger des Angeklagten fungiert Rechtsanwalt Dr. Pra11.In dem Ermittlungsverfahren spielte ein auf einer Visiten fartenschale hinterlassener blutiger Fingerabdrud des Täters eine große Rolle. Da nach dem ganzen Befunde nur eine mit dem örtlichen Verhältnissen ziemlich genau vertraute Person in Frage tommen fonnte, richtete Kriminalkommissar Tegtmeyer, der die Ermittlungen leitete, sein Augenmerk auf die näheren Bes fannten des Ehemannes der Ermordeten und stieß dabei auf den jezigen Angeklagten Knappe. Ein von diesem unauffällig abgenom mener Fingerabdrud ergab abfolute Uebereinstimmung mit dem an der Visitenkartenschale befindlichen blutigen Abdrud. Als Tegts mener dem Angeklagten die Tat auf den Kopf zusagte, brach Knappe nach anfänglichem Leugnen zusammen und räumte die Tat ein. Ge rade an Knappe hatte man nicht gedacht, da er es war, der dem Ehemann der Ermordeten gegenüber sein tiefstes Beileid über die scheußliche Tat als einer der ersten ausgedrückt und den Wunsch geäußert hatte, die Polizei möge den Schuft von Mörder möglichst bald fassen. Der 19jährige Angeklagte hatte ferner mit einer beispielslosen Gefühlstoheit an der Beerdigung seines Opfers teilgenommen und von dem geraubten Geld einen Kranz getauft. Schließlich war er mit dem Mann der Ermordeten in einer Droschte vom Friedhof nach Hause gefahren. Das Urteil steht noch aus. Aus der Verhandlung find mesentlich neue Momente nicht her vorzuheben. Der Angeklagte ist zwar noch unbestraft, er hat aber schon verschiedenes auf dem Kerbholz, ist aber bis dahin immer noch mit einem blauen Auge davongekommen. Er erklärte, den Plan gefaßt zu haben, dort einzubrechen, menn Frau Meinhardt abwesend wäre. Diesen Plan führte er an dem tritischen Tage aus, da er wußte, daß Frau Meinhardt zum Geburtstage ihrer Schwester gegangen war. Blöglich sei er von der Frau Meinhardt überrascht worden. Er habe sich auf sie gestürzt und thr einen Knebel in den Mund gesteckt. Von dem gestohlenen Geld hat er mehr als 3000 m. verausgabt, wo der Restbetrag von zirka 3000 Mart geblieben ist, ist nicht recht aufzuklären. Nach dem Gutachten des Medizinalrats Prof. Dr. Strauch ist der Tod der Frau Meinhardt an Erstidung erfolgt. Die Fran befand sich in einem hochschwangeren Zustande und ist anscheinend, als sie am Boden lag, von dem Angeklagten noch in rohefter Weise mit Fußtritten bearbeitet worden. Was den Geisteszustand des Angeklagten zur Zeit der Tat betrifft, so hat Brof. Dr. Strauch feine förperlichen noch sonstigen Anhaltspunkte dafür gefunden, daß seine freie Willensbestimmung bei der Tat im Sinne des 851 ausgeschlossen gewesen wäre. Staatsanwalt Dr. Schneidewin führte den Geschworenen das Entjehliche und Grausige dieser unerhörten Tat vor Augen. Die Geschworenen haben nicht nach dem Gefühl, sondern nach dem Recht zu urteilen, und so könnten sie den Angeklagten nur wegen Toischlages bei Unternehmung eines schweren Diebstahls schuldig sprechen. Der Verdacht jei sehr groß, daß der Angeklagte mit talter Ueberlegung die arme Frau zu Tode gebracht habe, doch bestehe immer noch die Möglichkeit, daß er ohne die haarscharfe Ueberlegung vorsätzlich auf die Frau eingedrungen fet, um ihren Mund veritummen zu lassen und sich selbst zu retten. Rechtsanwalt Dr. Pröll: Die Verhandlung hat nicht den vollen Beweis erbracht, daß der Angeklagte, als er, von der Frau überrascht, auf fie losschlug, den Vorsatz der Tötung gehabt und die Folgen seiner Tat norausgesehen hat. Auf Grund des Spruches der Geschworenen wurde der Anges tlagte megen Körperverlegung mit Todeserfolg unter Versagung mildernder Umstände zu 10 Jahren Zuchthaus und 10jährigem Ehrnerlust perurteilt Die 19. Verwaltungsbezirt. Gleich zu Beginn der legten Bezirks verordnetensizung gab es bei Behandlung einer Anfrage unferes Genossen Buchweiz stürmische Auftritte. Die Anfrage behandelte den Versuch des früheren stellvertretenden Gemeindevorstehers Thormann, die Aufbauarbeiten im Bezirt zu sabotieren. Demokraten, die sich hinter Thormann stellten, erhielten von unserem Genossen Kubig, der als Bürgermeister das Wort nahm, eine starte Abfuhr. Bei Beratung des Punttes 5, Antrag der Brennstofffommission auf Anlage eines Kohlenplages in Niederschönhausen, tam es zu einer stürmischen Auseinandersetzung. Genosse Siège als Dezernent hatte die Vorlage zu vertreten. Gleich zu Beginn seiner Ausführungen fegte im Zuhörerraum ein ohrenbetäubender Lärm ein. Die Bürgerlichen hatten eigens zu diesem Zwed die Kohlenhändler auf die Beine gebracht, um den Gedanken der Kommunalisierung auf diese Weise zu bekämpfen. Besonders Herr Gebhardt von der Wirtsch. Vergg. versuchte mit allen Mitteln gegen die Vorlage anzufämpfen. Genosse Siege ging mit diesem Herrn besonders scharf ins Feld und hatte hierbei die Mehrheit der Versammlung auf seiner Seite. Infolge der langen Debatten fonnte ein großer Teil der Tagesordnung nicht erledigt werden, so daß Vertagung eintreten mußte. Der Magistrat beriet in seiner legben Sizung über die Sakun gen der Deputation für die Allgemeine Wohlfahrt, für die Jugendwohlfahrt und für Kunst und Bildungswesen. Entwürfe gelangten zur Annahme. Außerdem wurde über Auflösung der würden Bolschewifi werden, was auf das gleiche herausfam. Deshalb organisierte Guffey einen Sturm auf das Gebäude, etwa zweihundert Russen wurden halbtot geschlagen, die Treppen hinabgeworfen, aus den Fenstern geschleudert. Einem ältlichen Mathematiklehrer wurde der Schädel einge schlagen, einem Musiklehrer wurden die Zähne ausgeschlagen. Es gab etliche Millionen junger Amerifaner, die in Uniform staten, Gewehre besaßen, einegerziert waren und noch feinen Kampf miterlebt hatten. Diese Burschen sehnten sich nach Kampf, und nun ergab sich dazu eine günstige Gelegen heit. Dieser Kampf war ebenso aufregend. wie der im gefährlich zu sein. Wenn diese danu heimkehrten, fehlten Schüßengraben, hatte außerdem noch den Vorzug, weniger ihnen teine Glieder, verzweifelte Angehörige erhielten nicht die Nachricht vom Verlust ihrer Söhne. Etliche törichte Frauen taten sich zusammen, machten einen Umzug, um gegen die Blodade Rußlands zu protestieren. Die Krieger überfielen diese Frauen, zerrissen ihnen die Gewänder, die Fahnen, die Polizei schleppte fie ins Gefängnis. Einmal fam ein wohlbekannter Sportsmann daher, trug eine Krawatte; die Krieger hielten ihn für einen Bolschewit, stürzten sich auf ihn und erschlugen ihn fast. Nach diesem Vorfall wurden Proteste laut, es gab Leute, die behaupteten, es fei nicht flug, bei der Verteidigung von Ordnung und Ge fetz allzu viele Gesetze zu übertreten. Die Staatsanwaltschaft fand einen Ausweg, die jungen Soldaten wurden zu Gehilfent. des Sheriffs befördert, trugen nun Abzeichen, so daß alles in Ordnung war, wenn sie Seime stürmten oder Leute verprügelten. 81. rote Peter Gudge machte oft diese Streifzüge mit, fand zu seinem Erstaunen, er leibe an den gleichen„ Komplegen wie die jungen Soldaten. Seit fünf Jahren hatte Beter num schon Kriegsberichte gelesen und feinen Stampf miterlebt, nun fühlte er plöglich, daß er gerne fämpfen würde. Früher hatte ihn die Angst vor einer Verlekung vor dem Kampf zurückschreden lassen, nun jedoch, da diese Gefahr nicht vorlag, fand er die Sache äußerst beluftigend. In vergangenen Zeiten war er so oft ein Feigling genannt worden, daß er es schließlich selbst geglaubt hatte, jest erfannte er; dies sei nicht wahr, er sei ebenso tapfer wie irgendein anderer insa der Menge. Wortfehung folgt) Rrantenernährungsstelle zum 15. Auguff beraten. Es wurde be chlossen, die Ausgabe von Krankenmilch auf Grund ärztlicher Beugnisse noch bis zum 30. Juni, die Krankenbrotverorgung noch bis Mitte August fortbestehen zu lassen. Die Vertrauensärzte haben diese Maßnahme nicht nur gebilligt, sondern ie ausdrücklich befürwortet. Um eine ungestörte Weiterbewilligung der Milchgeldzuschüsse mu gewährleisten und Schädigungen der Gesundheit der Säug inge und Kleinkinder unbedingt zu vermeiden, hat der Magistrat beschlossen, die Milchverbilligung in der neuen Stadtgemeinde Berlin auch vom 1. April 1921 ab bis auf weiteres nach den bisherigen Grundsähen fortzuführen und zu diesem Zwede 100 000 M. aus Vorschußmitteln bewilligt und die Stadtverord= netenversammlung um Zustimmung ersucht. Milch gab es heute in Berlin zum ersten Male wieder frei, shne Karten in genügender Menge, d. h. ein jeder, der ! Mark zahlte, erhielt ein Quantum Milch nach Belieben der Händler. Es genügte aber bescheidenen Ansprüchen. Mit dem Sintenherum" und den hohen Wucherpreisen ist es nun vorbei, egt gibt es nur noch fleine Wucherpreise. Zahlreiche Familien önnen sich Milch zu 4 Mark pro Liter nicht kaufen. Das nächste Städt. Boltskonzert des Blüthner- Orchesters Opern- und Operettenabend) findet Donnerstag, 8 Uhr, in den Sermania- Prachtsälen, Chausseestr., statt. Der Mann mit der gequetschten Naje. Am 13. Mai wurde der 73 Jahre alte 3igarrenhändler Friedrich Kegel aus der Hobrechttraße 8 zu Neukölln in seinem Laden niedergeschlagen und be raubt. Der Greis erlitt so schwere Kopfverlegungen, daß er in fast hoffnungslosem Zustande nach dem Krankenhaus am Urban gebracht werden mußte. Es gelang den Aerzten, ihn am Leben zu erhalten, er liegt aber im Krankenhause immer noch schwer banieder. Die Ermittelungen der Kriminalpolizei führten bald zu dem Verdacht, daß Verwandte des Ueberfallenen wenigstens mittelbar an der Tat beteiligt seien. Er perdichtete sich im Laufe ber Untersuchung so start gegen den Schwiegersohn, den Produk tenhändler Alfred Hesse, daß dieser jetzt in Untersuchungshaft ge= nommen wurde. Eine Zeugin hat am Vorabend der Tat einen Mann aus dem Kegelschen Laden herausstürmen sehen. Der Mann warf unter drohenden Worten die Ladentür zu und ging nach der Kaiser- Friedrich- Straße. Er fehrte nochmals um, um wieder nach dem Geschäft zu gehen. Dieser Mann soll eine Art Gummimantel und eine Brille oder einen Kneifer getragen haben. Mit Bestimmtheit will die Zeugin in ihm einen Mann wieder ertennen, den sie bereits zweimal vorher in dem Laden des Kegel bemerkt hat. Ein charakteristisches Kennzeichen sei seine eigenartig geformte verquetschte Nase gewesen. Eine derartige Nase hat nun tatsächlich Hesse. Er ist auch von der Zeugin bestimmt als der Mann wiedererkannt worden, den sie gesehen hat. Sesse bestreitet jede Schuld und will nicht der von der Frau gesehene Mann sein. Die„ Wiener Marie". Die Kartenlegerin und Wahrsagerein spielte eine Diebin, die oft erhebliche Werte erbeutet hat. Dienstmädchen in herrschaftlichen Wohnungen erhielten in der letzten Zeit oft den Besuch einer Frau, die über die Hintertreppe tam und sich enbot, ihnen aus den Karten oder aus der Hand oder dem Kaffeesat die Zukunft zu offenbaren. Die Frau hielt sich stets solange auf, bis das Mädchen zu diesem oder jenem Zwecke von der Hausfrau aus der Küche herausgerufen wurde. Dann raffte sie zusammen, was ihr mitnehmenswert erschien und ver schwand. Wäschestücke oder was Mädchen sonst gebrauchen konnten, verkaufte fie aus ihrer Beute gleich in dem nächsten Hause, das fie aufsuchte, an das Mädchen einer anderen Herrschaft, die sie bann wieder bestahl. Silberzeug, das ihr in die Sände fiel, machte sie anderswo zu Geld. Endlich gelang es der Kriminalpolizei, die Spezialistin zu faffen. Sie entpuppte sich als eine 42 Jahre alte Schneiderin Marie Möbiz aus der Mustauer Straße, die unter dem Namen die Wiener Marie" im Süden der Stadt bekannt ist, weil sie sich meistens in der Wiener Straße umhertrieb. Gewerkschaftliches Zusammenbruch eines kommunistischen Verbandes Das Organ des Deutschen Landarbeiter- Verbandes berichtet in ihrer Nummer 11 von dem totalen 3usammenbruch des tommunistischen Freien Landarbeiter- Berbandes", der in Ostpreußen seinen Siz hatte. Der ehemalige Kreisleiter Bour gründete dieses Verbändle aus politisch- persönlicher Gehässigkeit und bestätigte sich gleich in üblicher kommunistischer Manier, die fich insbesondere gegen den Gauleiter des Verbandes E. Schnell richtete. Die Folge danon war eine umfangreiche Beleidigungsklage, die anfangs Mai in Allenstein ausgetragen wurde. Bour selbst, der vor furzem erst aus der Untersuchungshaft entTassen ist, bat anläßlich des Termins um friedliche Beilegung, und es tam dann folgender Vergleich zustande: „ Der Angeklagte Bour nimmt die Beleidigung mit dem Auss drud des Bedauerns als unrichtig zurüd und verpflichtet sich, die Kosten des Verfahrens, einschließlich des vereinbarten Honorars für den Rechtsanwalt des Privatklägers zu tragen und die Publikation des Vergleiches in der Verbandszeitung des Deutschen Landarbeiter- Berbandes für die Provinz Ostpreußen zu veranlaffen." Bour äußerte im Anschluß daran, wir sollten im Kreise Oste rode uns fleißig rühren, damit die Christen nicht ein Erbe bes tämen. Wie weiter mitgeteilt wird, geht diese verkrachte tommunistische Gründung ihrem Ende entgegen und das Organ„ Der Landarbeiter" schreibt zum Schluß: So findet eine Bewegung an der Stirn das Brandmal der Zerstörung der Einheit der Arbeiterschaft und der Schwächung thres Einflusses tragend, ihr selbstverdientes Ende. Dazu beizutragen, daß alle vom Jrrwahn geheilten Kollegen den Weg zur alten Organisation wieder zurüdfinden, das muß die heiligste Aufgabe aller Mitglieder der Organisation sein. Hoffentlich beherzigen dies alle Landarbeiter für alle Zukunft. Zum Straßenbahnerstreik in Potsdam Der Streit der Potsdamer Straßenbahner hat eine Verschärfung erfahren. Bekanntlich hatte der Magistrat der Orga nisation der Verkehrsarbeiter mitgeteilt, daß diejenigen Straßenbahner, die am Mittwoch morgen die Arbeit nicht wieder aufnehmen, fristlos entlassen werden sollen. Am Dienstag abend haben nun die Straßenbahnangestellten beschlossen, weiter im Streit zu verharren, und teilten der Stadt diesen Beschluß mit. Daraufhin hat der Magistrat sämtlichen Schaffnern und Fahrern die Kündigung wegen Vertragsbruches zugestellt. Um ein eventuelles Uebergreifen des Streits auf die Elektrizitätswerke zu verhindern, hat der Magistrat die üblichen Maß nahmen" getroffen. Die Bürgerlichen sind auch gewillt, falls die Elettriker doch streiten sollten, in den Bürgerstreit zu treten. Diese Kraftmeiereien sollten sich der Magistrat und die Herren Bürgerlichen schenken und lieber versuchen, auf dem Wege der Verhandlung die strittigen Fragen zu lösen. Der Waldenburger Streik gewerkschaftlich anerkannt Der Bergarbeiterstreit im Waldenburger Revier, der bisher als wild bezeichnet wurde, hat nunmehr die Billigung der in In Frage kommenden Gewerkschaftsorganisationen erhalten. einer am 29. Mai stattgefundenen Konferenz der Betriebsräte und Vertrauensleute erklärten die Organisationsvertreter, daß sie den Streik nunmehr anerkennen und er jetzt von seiten der Organisation geführt milthe. Diese Erklärung ist abgegeben war den durch die Freien Gewertschaften, den Chriftlichen Gewerfveretn und den Gewerkverein Hirsch- Dunder. ge= Zum Streik der Mineralwasserarbeiter Die in den Groß- Berliner Mineralwasserfabriken beschäftigten Arbeiter, Arbeiterinnen und Kutscher, welche dem Deutschen Transportarbeiterverband angehören, haben den Tarifvertrag, der vor zwei Jahren mit dem Verband der Mineralwasserfabrikanten vereinbart worden ist, zum 31. Mai 1921 fündigt. Gleichzeitig ist auch das Lohnabkommen vom 18. Februar 1921 gekündigt worden. Die Organisation hat nun den Unternehmern, die in den meisten Fällen nur wenige Arbeiter und hauptsächlich auch nur in den Sommermonaten beschäftigen, einen Tarifvertragsentwurf rechtzeitig eingesandt mit dem Ersuchen, Verhandlungen zweds gegenseitiger Verständigung an setzen zu lassen. Statt dessen teilen die Fabrikanten mit, daß der Ver= band zurzeit nicht in der Lage ist, eine Er höhung der Löhne für das Gewerbe eintreten zu lassen". In einer am 31. Mai cr. stattgehabten außerordentlich stark be suchten Versammlung der in Frage kommenden Arbeitnehmer ist nun zu der Antwort der Arbeitgeber Stellung genommen worden, und die Beteiligten beschlossen, auf die Provokation der Fabrikanten die sofortige Arbeitseinstellung vorzunehmen. Wir ersuchen die Kundschaft, das konsumierende Publikum und auch die Groß- Berliner Arbeiterschaft, die in ihrem berechtigten Kampfe stehenden Mineralwasserarbeiter zu unterstützen. Zum Verbandstag der Holzarbeiter. Um etwaigen irrigen Auslegungen der Besprechung zum Verbandstag zu begegnen, ersucht uns unser Mitarbeiter, mitzuteilen, daß die Frage des Reichstarifs bereits entschieden ist und feiner grundsäglichen Er örterung mehr bedarf. Zur Frage der Arbeitsgemeinschaft heißt es: Der Berliner Verbandstag hat die Arbeitsgemeinschaftspolitit gebilligt und der Vorstand hält auch heute noch an dieser fest." U. S. P. D.- Eisenbahner. Heute, abends 6% Uhr, im Gemertschaftshaus, Saal 1, Engelufer 15, sehr wichtige Be sprechung aller U. S. P. D.- Genossen des D. E. V. gferte Sprachen sich für das Verbleiben bekw Amsterdamer Gewerkschaftsbund aus, sieben stimm ten für Moskau. Der dritte Leipziger Prozeß Am zweiten Verhandlungstage wird in der Zeugenvernehmung fortgefahren. 3euge George Taverner sagt aus, die Arbeit sei zu schwer gewesen, und die Engländer seien sich deshalb einig geworden, nicht weiter zu arbeiten. Der Unteroffizier habe dar aufhin einige von ihnen geschlagen. Neumann habe mit der Faust und dem Kolben zugeschlagen. Der Präsident hält dem Zeugen vor, daß eine ganze Reihe englischer Zeugen erklärt habe, die Arbeit sei nicht zu schwer gewesen. Zeuge Thomas Benson betundet, die Gefangenen hätten nicht die Arbeit verweigert, sondern sich lediglich bei dem Unteroffizier beschwert. Er wurde schließlich mit anderen eingeschlossen und sah vom offenen Fenster aus, daß Neumann dem Florence mit der Faust ins Gesicht schlug. Der Zeuge Clart ist einer der drei Flüchtlinge, die deshalb in Altdamm 14 Tage Arreft verbüßen mußten. Auf dem Rüdtransport nach Pommerensdorf habe Neumann fie Schweine genannt und mishandelt. Das wird vom Ans geklagten in Abrede gestellt. Am Tage nach der Rückkehr ins Lager hätten sie bei der großen Kälte auf dem Hofe stillstehen müssen. Hayes, der vollkommen erschöpft war, habe von Neu mann talten Katao bekommen. Zeuge Jone Stier war Dolmetscher in Pommerensdorf. Et schildert den Vorfall, bei dem die Gefangenen stillstehen mußten. Er sagt dann weiter, er habe gesehen, wie Neumann den Flos rence und Hayes geschlagen habe. Andere Mihhandlungen hat er nicht wahrgenommen. Ihn selbst habe Neumann einmal mit dem Gewehr bedroht. Zeuge Thomas Smiths will vom Anges flagten wegen Arbeitsverweigerung mit dem Kolben auf den Rüden und einen Tag später, weil er nicht schnell genug arbeitete, gegen die Schulter geschlagen worden sein. Neumann habe auch andere Gefangene geschlagen. Bezüglich eines solchen Falles macht ihn der Präsident darauf aufmerksam, daß er sich irrt. Die weitere Beweisaufnahme bringt nichts Wesentliches mehr. Der militärische Sachverständige v. Fransedi erklärt u. a.: Um die Gefangenen in ihrer Arbeit zu leiten und um ihnen das Leben so erträglich wie möglich zu gestalten, mußten ihnen Wachmanns schaften beigegeben werden. Die Gefangenen haben es nicht unter lassen, die deutschen Aufseher anzugreifen. Auf der anderen ihm zur Verfügung stehenden Kräfte auszunügen suchte. Einen Lichtblid bildet der Angeklagte, der sich streng an seine Vorschrif ten hielt und der wegen seines forrekten Verhaltens von seinen Borgesezten belobt wurde. Das empfindet man wie eine Er lösung. Wie er seine Pflicht tat, so verlangte der Angeflagte auch von den Gefangenen die Erfüllung ihrer Pflichten. Ein solcher Mann fikt nun hier als sogenannter Kriegsverbrecher. Er handelte nach seiner Instruktion, die ihm gestattete, die Gefangenen mit allen Mitteln zur Arbeit anzuhalten. Der Gebrauch des Kolbens war zugestanden und zwar mit Vorbedacht infolge der vors gekommenen Widerspenstigkeiten. Neumann hat danach seine Be fugnis in wesentlichen Buntten nicht überschritten. In einigen Fällen ist er vielleicht etwas zu weit gegangen. Wenn ich das Verhalten des Angeklagten zu beurteilen hätte, würde ich ihn zu beloben haben. Tagung der deutschen Bergarbeiter Seite fehen wir den erschütterndsten Beweis, wie Deutschland die k. Gießen, 31. Mai. 3. Verhandlungstag. Bor Eintritt in die eigentliche Tagesordnung fommt ein Be grüßungsschreiben der italienischen Bergarbeiter zur Verlesung. Die italienischen Kameraden senden brüderliche, solidarische Grüße und Wünsche und geben der Hoffnung Ausdruck, daß die VerhandJungen getragen sein möchten von dem Geiste internationaler Solidarität. Ein weiteres Glückwunschtelegramm ist eingetroffen von dem Internationalen Rat von Moskau, der gleichzeitig zum Kongreß der 3. Internationale einlädt. Sodann wird der Bericht der Mandatsprüfungskommission ent gegengenommen und ohne Debatte genehmigt. Die eigentliche Tagesordnung beginnt sodann mit dem Korreferat über die Tätig teitsberichte. W Korreferent Dresch Saarbrüden führt aus, daß sich auf diesem Kongreß zwei Weltanschauungen gegenüberstehen. Die eine glaube durch Demokratie zum Sozialismus zu tommen, während die Opposition den Glauben habe, durch Diktatur das Ziel zy erreichen. Die Frage müsse so gestellt werden: was ist durch die bürgerliche Demokratie für die Arbeiter Ichaft erreicht worden? Die Antwort müsse lauten: nichts. Dresch ist der Meinung, daß die gegenwärtige Wirtschaftstrise die Bankrotterflärung des Kapitalismus Ebermeyer bas Sierauf ergriff Oberreichsanwalt Wort zu seinem Plaidoyer: Die Pflichttreue des Angeklagten entschuldigt nicht die festgestellten Rohheiten. Die Anflage ist durch die Beweisaufnahme nicht entkräftet, sondern noch mehr verstärkt worden. Der Angeklagte hätte einen unzulässigen Be fehl nicht ausführen dürfen. Ein Fall äußerster Gefahr im Sinne des§ 124 Militär- Strafgesetzbuches lag nicht vor. Auch die Ar beitsverweigerung der Gefangenen berechtigte den Angeklagten nicht zum Waffengebrauch. Der Oberreichsanwalt läßt mehrere Punkte der Antlage fallen, so daß elf Fälle von Mihhandlungen und ein Fall von Beleidigung verbleiben. Festungsstrafe fönne ist und daß dabei die Kämpfe auf dem Rücken der Arbeiterschaft nicht in Frage kommen, da die Straftaten eine große Rohhei ausgefochten werden. Der Redner fritisiert weiter das Ueberschichtenablommen, durch das eine Ueberproduktion in Erscheinung trat, die die deutsche und ausländische Kollegenschaft Schädigte und die Unternehmer veranlaßte, die Betriebe zu schließen. Die Opposition verlange vor allem Austritt aus der Arbeitsgemeinschaft. Dresch manipuliert dann mit den üblichen tommunistischen Argumenten, erklärt, alle Nachrichten über Rußland seien Lügen und landet bei der Forderung, zu Informations zweden Bergarbeiter nach Rußland zu senden. Dann beginnt die eigentliche über die Geschäftsberichte. Generaldebatte Pieper Dortmund tritisiert das Vorgehen des Verbandsvor standes, das den Statuten widersprach. Der Kampf dürfe nicht nur geführt werden gegen Unionisten und Syndikalisten, sondern vor allem gegen den Totfeind der Arbeiterklasse, das Kapital: Bode Hildesheim bespricht die Lohnverhältnisse in der K alt.. industrie. In dieser Industrie würden zurzeit die schlechteften Löhne bezahlt. Er begründet eine Resolution, in der Protest erhoben wird gegen das empörende Verhalten der Unternehmer des Kalibergbaues, welche den vom Arbeitsministerium als verbindlich erklärten Schiedsspruch über die Lohnregelung ab 1. November 1920 nicht anerkennen, sondern noch das ordent liche Gericht anrufen, um ihn zu inhibieren. Kramer Saarbrüden gibt eine Schilderung der Bestrebungen im Saargebiet, die dortige Sozialversicherung von der deutschen zu trennen. Das tommende Reichsknappschaftsgesetz und Reichs berggeset bringe nur Vorteile für die übrige Kollegenschaft. Ein Delegierter aus Waldenburg weist daraufhin, daß man in Niederschlesien versuche, den 7- Stundentag durch den 8- Stun= dentag zu ersetzen. Büth- Köln führt Klage über die im Erzbergbau noch bestehende 7%-Stundenschicht. Weimeier Saushamm- München steht auf dem Standpunkt, daß an den Tarifverträgen festgehalten werden muß. Intensive Schulung der Betriebsräte sei dringend nötig. Es sprechen noch Engelhard- Suderwich über das Wohnungswesen, der weiter erklärt, daß das Gerede der kommunistischen Opposition von der Einigkeit nicht weit her sei, denn wer nicht für die Mostauer Richtung sei, der werde von den eigenen Klaſſengenossen terrorisiert. Kurze Halle spricht über den Lohnabbau im Mansfelder Gebiet. Mempel: Michlingshafen wünscht, daß die politischen Debatten auf der GeneralverSammlung ausgeschaltet werden, dafür soll praktische Ges wertschaftsarbeit geleistet werden. Die Diskussion über die Tätigkeitsberichte wird sodann auf Mittwoch vertagt. De Wet Holland überbringt ein herzliches Glückauf der holländischen Kameradschaft. Vorsitzender Husemann gibt noch Kenntnis von einem eingegangenen Glückwunschschreiben der Franzosen, die durch ihren eigenen Kongres verhindert sind, der deuts schen Tagung beizuwohnen. Weiter ist ein 18 Seiten langes Telegramm vom Altrussischen Bergwerksverband eingelaufen, daß die Grüße von 100 000 rujfischen Bergarbeitern überbringt. Das Telegramm enthält u. a. Ghimpfereien auf den angeblichen Berrat der deutschen Ge wertschaftsführer und lädt zum Schluß zum Internationalen roten Kongres nach Moskau ein. Sierauf werden die Verhandlungen auf Mittwoch vertagt. Die Bergarbeiter gegen Moskau Ein Telegramm übermittelt uns folgendes: Gießen, 1. Juni. Der Kongreß des Verbandes deutscher Bergarbeiter lehnte hente den kommunistischen Antrag auf Anschluß an die Moskauer Internationale mit überwältigender Mehrheit ab. 200 Deles geigten. Der Oberreichsanwalt beantragte zum Schluß eine Gelamb Strafe von 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis. Der Verteidiger, Rechtsanwalt 2urje jr., will die dem Angeklagten zur Laft gelegten Straftaten wesentlich milder be urteilt wissen. Es handle fich hier ebenso wie in den beiden vor hergegangenen Prozessen feineswegs um einen sogenannten Kriegsverbrecher. Der zweite Verteidiger, Justizrat 2urje sen., hebt hervor, daß das deutsche Volt stolz sein tönne auf einen Soldaten wie bett Angeklagten. Bei den Gefangenen habe nicht nur passive Resi Stenz, sondern direkter Widerstand geherrscht. Die dem Angeklag ten erteilte Instruktion gestattete den Waffengebrauch in der artigen Fällen. Der Verteidiger bittet schließlich um mildeste Beurteilung. wat, Der Angeklagte, der bisher zuversichtlich aufgetreten Schluchzt und bittet um Freisprechung oder Berurteilung zu einer Strafe, die durch die Untersuchungshaft verbüßt sei. Das Ur teil soll Donnerstag mittag 12 Uhr verkündet werden. Parteiveranstaltungen 3. Distrikt( Sallesches Tor). Arbeitslose Genossen, bie Anspruch auf frete Liefe rung der Freiheit haben, müssen sich bis spätestens 6. Juni beim Genossen Schäfer, Gneisenaustr. 70, melben. Kinderschuhkommission von Groß- Berlin. Die Vollversammlung findet nicht a Freitag, sondern erst am Montag statt. Donnerstag, 2. Juni 244 8. Diftrift. Bildungsausschuh vollzählig Biehhofbörse. Charlottenburg, 7. Abteilung. 8 Uhr Bezirksführer und Funktionäre bei Th nad, Wielandstr. 4, 3usammenkunft. Freitag, 3. Juni 12. Berwaltungsbezirt( Stegliz, Lichterfelde, Lantwit). 7 Uhr Distrikts- Funktio när- Konferenz in der Gemeindeschule 1, Steglig, Ringstr. 55, Klassenzimmer Außer dem Distriktsvorstand haben sämtliche Funktionäre aller brei Orte zu er Icheinen. 16. Berwaltungsbezirk( Copenid, Rahnsdorf, Friedrichshagen, Grünau, Bohns dorf). Abends 6 Uhr pünktlich, vor Stattfinden der öffentlichen Versammlung Sigung der Diftriftsleitung, Abteilungsleiter und Obleute der Kommissionen. 3. Diftrift( Salleshes Tor). Die Bersammlung am Freitag bei Kliems, Safe heide, tommt für die Genoffen des 8. Diftrifis in Frage. 17. Diftritt. 1. Abteilung. Die Abteilungsfigung faut aus. Diftrittskonferent am Montag. Die Bollversammlung der Kinderschuhkommission findet nicht heute, sondern am Montag statt. Sonnabend, 4. Juni 20. Verwaltungsbezirt, Reinidendorf. Abends 7 Uhr Generalversammlung Zeichensaal ber ersten Gemeindeschule Reinidendorf- Oft, Lindauerstraße, Hinter de Rathaus. Ausweise find von den Abteilungsleitern auszufüllen. 1. Diftrift. Die Abteilungsleiter und Bezirksführer des ehemaligen 1. Diftrift werden aufgefordert, am Sonnabend, den 4. Juni, abends 7 Uhr bei Müller, Reu Robftr. 14-15, zweds Austausch und Abrechnung des in ihrem Bests befindlichen Martenmaterials zufammenzukommen. 3. Diftritt( Sallesches Tor). 7 Uhr Vorstandssitzung bei Krüger, Grimmstr. 1. Diftrift Lichtenberg- Baub. Sämtliche Ortsabteilungen haben zu der am Sonn abend, 7 Uhr abends, in der Arbeiter- Bildungsschule tattfindenden Sigung de Verbandsbildungstommiffion je awet Vertreter zu entfenben. Vereinskalender Donnerstag, 2. Juni Zentralverband der Angestellten. Leder. Nachm. 514 hr Mitgliederverfam fung in den Prachtsälen Ali- Berlin, Blumenftr. 10. Solz. Abends 7% Uhr Mi gliederversammlung im Restaurant zum Bürgerheim, Alte Schönhauser Str. 23-2 Rechtsanwaltsbureau. Abends 74 Uhr Mitgliederversammlung im Englischer Sof, Alexanderftr. 27c. Chirurgie- Medjanit. Abends 7 Uhr Mitgliederve famminng in den Sophiensälen, Sophienstraße. Band ber technischen Angeketten anb Beamten. Ortsgruppe Nord- West, Sünktlich 7 Uhr Wonatsversammlung und Lichtbildervortrag in der Aula de Kirschner Oberreallhule, Zwingliftz. 2. Freitag, 3. Juni Filmarbeiter. Abends 7 uz große öffentliche Versammlung im„ Alten fanier", Anhaltftt. 11. Sozialistische Broletarierjugend Groß- Berlin. Generalversammlung in der beiter Bildungsschule, Breite Str. 8-9. Sämtliche Veranstaltungen der Gruppe fallen aus. Berantwortlich: für Politit u. Feuilleton: Les Liebschüs, Berlin- Friedenau für Kommunalpolitit, Lofales u. Gewerkschaftl.: Gerhart'Seger, Berlin für den Inseratenteil u. geschäftliche Mitteilungen: Ludwig Romerine Karlshork. Berlagsgenoffenschaft Freiheit", c. 65. m. b. 5., Berlin. der Berliner Dryderet. w. b. S., Berlin C2, Breite Str. 8-9, Dru 1.