Nr. 221. Aboimtmints-Zrdiitgungrn: Abonnements-Prei« pränumerando: vierteljährb Z/ZV MI., monalb 1.10 Ml., wöchentlich 28 PIg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. SonntagS» Nuinmer mit tllustrirter Sonntags« Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3.30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- ZeitungS- Preisliste sür 1SS7 unter Nr. 7437. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, sür daS übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Jnftrtions-Grliiilir beträgt sür die sechSgespaltene»olonel- seile oder deren Raum 40 Pfg., sür BcretnS« und BersammlungS-Anzeigen. sowie ArbeitSmarlt 20 Psg. Inserate sür die nächst« Nuinmer müssen bis l Uhr nachmittags in der Erpediiion abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis o Uhr vormittags geöfsnet. Erschein: täglich ansier Monkag». Vevltner Volktsölakl Fernsprecher: Nml I, Nr. 1508. Telegramm-Adresse: »Sviialdeuwkrat Berlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Martei Deutschtands. Wednktiott: 8V. 19, Weuty-Straße 2. Mittwoch, den 22. September 1897. ßFpeditiott: SW. 19, Wettth-Straße 3; Miniptev Thielen und die Hiiufiskeik de« EisenbÄhn-Mufälle. Der Zusammenhang zwischen der Sparsamkeitspolitik der preußischen Regierung und den häufigen Unfällen auf den preußischen Staatsbahnen ist hinlänglich nachgewiesen. Noch uucrörtert dagegen ist die �rage, welchen Grad von Ver- antwortnug für diese Politik den preußischen Eisenbahn- Minister Thielen persönlich trifft. Es wird in der Presse versucht, die volle Schuld am herrschenden System dem Finauzminister v. Miquel aufzubürden und seinen Kollegen als einen Mann zu beurtheilen, der gleichsam von Miquel hypnotisirt, nur der Handlanger des Finanzministers sei. Nichts irriger, als diese Vorstellung Der Eisenbahnminister ist vielmehr im Gegensatz zu seinem Vorgänger v. Maybach ein eingefleischter Ueberschußpolitiker, dessen höchster Ehrgeiz von Anbeginn seiner ministeriellen Laufbahn daraufhin abzielte, die Betriebs-Unter haltungskosten in seinem Ressort von Jahr zu Jahr systematisch herabzudrücken. Minister Thielen kann es nie übers Herz bringen, seinen Etat dem Landtage vorzulegen, ohne auf seine Erfolge, die Betriebansgaben von Jahr zu Jahr vermindert zu haben, hinzuweisen. Wenn die Gesammteinnahmen der preußischen Bahnverwaltung gleich 100 gesetzt werden, so bildet die ent sprechende Verhältnißzahl, die die Betriebsansgaben darstellt. den beliebten Thiclen'schen Betriebskoefficienten. Von vorn- herein ging Herr Thielen von dem Bestreben aus. diesen Be triebskoefficienten immer kleiner zu machen. Als er zum ersten Male im Landtage seinen Etat vertrat, da betonte der Minister ganz besonders nachdrücklich die Nothwendigkeit, sparsam zu wirthschaften. In beweglichen Worten bat er nm die Unterstützung der Volksvertretung. Kein Widerspruch regte sich gegen seine Absicht und nach fünf Jahren kann man schon deutlich die Erfolge der Thielen'scheu Wirthschastsweise fest stellen. Als Maybach ging, betrug der Bctriebskoefficicnt 66 pCt 100 M. Einnahmen standen 65 M. Ausgaben gegenüber. Das war im Jahre 1891/92. Nun vergeht kein Jahr, wo der Minister Thielen nicht auf sein erfolgreiches Kunststück hin weist, die Betriebsausgaben herabgeniindert zu haben. Ani 6. April 1894 konnte Herr Thielen dem Landtage die Mit theilung niachen, daß das Verhältniß der Ausgaben zu den Einnahmen von 65 pCt. im Jahre 1891/92 ans 60 pCt zurückgegangen ist. Und in diesem Jahre kennt der Minister vor Freude und Genngthunng keine Schranke, als er vor ver- sammelten! Landtag verkünden kann, daß der Betriebskoöfficient sich gegen die letzten Jahre abermals erheblich vermindert habe. Nachdem er aus die Erhöhung der Einnahnien hingewiesen hatte, sprach er davon, daß die Ausgaben nicht nur nicht gewachsen seien, sondern sich sogar noch vermindert haben, und fährt dann fort: �„Infolge dessen hat sich auch der Bctriebskosfficient günstiger gestellt, 1894/95 betrug er 59,60 pCt. und 1695/96 nur 55,47 pCt. Ein Rückblick auf die letzten fünf Jahre zeigt, daß die Ein- nahmen stetig g e iv a ch s e n, die Betriebs- ausgaben dagegen gefallen sind. Das überraschende Ergebniß des Rückgangs der Ausgaben ist wesentlich ans die Sparsamkeit und Wirthschaftlichkeit der Verwaltung zurückzuführen. Damit noch nicht genug, kündigte der Minister in der nämlichen Sitzung vom 9. März für das laufende Jahr 1896/97 eine weitere Herabminderung seines Betriebs koesficienten an. In der That— ein überraschendes finanzielles Resultat der Sparsamkeitspolitik des Ministers Thielen seit Beginn seiner Ministerthätigkeit. Um 10 pCt. hat er in fünf Jahren seinen Koöfficientcn herabgeschraubt: Ivo früher je 65 M. zum ordentlichen Betrieb der Eisenbahnen verausgabt werden mußten, da kommt er heute schon mit 55 M. ans! Die Eisen- bahn-Einnahmen betragen jährlich über 1000 Millionen Mark. Bei 1000 Millionen schon spart die jetzige Verwaltung an Be- triebsansgabcn jährlich nicht weniger als rund 100 Mill. Mark! Wenn's mit dem finanziellen Erfolge allein gcthan wäre, alle Welt wäre mit dem Selbstlobe des Ministers Thielen einig! Aber es giebt auch noch Menschen in dem Reiche des Ministers Thielen. An 275 000 Personen beschäftigt die preußische Eisenbahn- Verwaltung. Und wenn auch Herr Thielen seine Fürsorge für das Heer seiner Beamten rühmt, nichtsdestoweniger ist es unumstößliche Thatsache, daß seine Sparsamkeitspolitik in erster und fast alleiniger Linie nur da- durch ihre großen finanziellen Erfolge erzielt hat, daß an Löhnen und Gehältern ebenso wie an Personal in ganz er- schreckender Weise gespart ivird. Der Minister Thielen ließ in seiner Rede am 9. März so ganz von oben herab einige Worte über die übrigen Eisen- bahn-Verwaltnngen im Reiche fallen, bei denen der Betriebs- kväfsizient noch wesentlich höher stehe wie in Preußen. Er meinte vornehmlich Bayern, Sachsen und Württemberg, wo diese Zahl immer noch 65,9—66,93 pCt. beträgt. Wir wollen hier gewiß nicht das Lob anderer Bundesstaaten singen. Aber wir können an ihnen zeigen, welche Mißivirthschast in Preußen zur Zeit herrschte Die gesammten Betriebsausgaben betragen für das Jahr 1395 ans 1 Kilometer durchschnittliche Bctricbslänge in Sachsen 24694, in Preußen 21 268 M. Davon zahlt Sachsen für Beamte und Arbeiter 13 905, Preußen aber nur 10 169 M. Es ergiebt sich also, daß Preußen zwar an sächlichen Ausgaben noch etwas mehr als Sachsen aus 1 Kilometer leistet, nämlich 11 099 M. gegen 10 789 M., dagegen an Löhnen und Gehältern pro Kilometer Betriebsstrecke 3796 M. mehr erspart wie das gleichfalls nicht unsparsame Sachsen. Durch diese„Sparsamkeit" an Löhnen und Gehältern macht Preußen bei 29 197 Kilometer Betriebsstrecke einen Schnitt von 23 Millionen Mark, nm die die preußischen Eiselibahu Bediensteten gegenüber den sächsischen benachtheiligt werden. In letzter Zeit ist ja eine ganze Reihe von Details zu tage gefördert worden, das gezeigt hat, auf welche Weise im einzelnen das Personal„billig und leistungsfähig" gemacht wird. Am berühmtesten dürften wohl die allgemeinen Bestimmungen über die Höchstdauer der Dienstzeit sein, die überall eine Dicnstdaner bis zu 16 Stunden zulassen und neben denen noch eine be sondere amtliche Anweisung besteht, wonach Ueberstunden des Zugpersonals bis zu vier Stunden in die amtlichen Bücher nicht eingetragen und auch nicht vergütet iverden dürfen. Au diese Weise ward es dann möglich, daß nach den Mittheiliingeii über die Arbeitszeit des Eiscnbahn-Personals, die dem preußi- scheu Abgeordnctenhause zugingen, nur ein kleiner Prozentsatz Arbeiter zwölf und mehr Stunden beschäftigt waren. Diese ganze Statistik ist jedoch von A bis Z werthlos, denn es fehlen überall die geheimen Ueberstunden, die nicht verzeichnet und nicht bezahlt werden dürfen. Der Minister Thielen weiß, daß er die Herabminderung seines Bctriebskoeffizienten nur durch Ausnutzung und kärg liche Bezahlung seiner Angestellten erreicht hat, er kennt die Mittel, durch die seine finanziellen Erfolge erzielt werden, er kennt weiter die geheime Anweisung, die Uebev stunden betreffend; aber es fällt ihm nicht ein, von der Durch führukig seiner Theorie abzulassen. Ja, der Minister wird auch durch die Häufigkeit der Eisenbahn- Unfälle sich nicht bekehren lassen. Denn er hatte schon früher Gelegenheit gehabt, aus der Eisen- bahn- Statistik die Folgen seiner Sparsamkeitstheorie zu ersehen. Schon im Jahre 1894/95, als der Betriebs- koöfsizient für Preußen 58,79, für Sachsen aber 65,09 pCt. betrug, wurde ziffernmäßig festgestellt, daß ans 1 Million bc förderte Reisende in Preußen 0,39, in Sachsen nur 0,31 Ver unglückte kamen. Dieses Resultat hätte damals schon Anlaß gehen sollen, die Herabminderung des Betriebskoi-ffizienten nicht allzuweit zu treiben; denn es vermindert die Sicherheit des reisenden Publikums, indem es die Unfallgefahr erhöht. Aber man hat sich nm dieses Ergebniß nicht weiter gekümmert; noch strammer als bisher wurden die spartanischen Grundsätze dem Personal gegenüber ausgeübt und die Folgen dieser Wirthschast sind eben die Unglücksfälle der vergangenen Wochen. Es ist vergebliche Mühe, das jetzige System von der Ver- antwortung sür den Tod und das Sicchthnm so vieler Per- souen freisprechen zu wollen. Es ist aber ebenso sicher, daß der jetzige Eisenbahn- Minister Thielen dieses System mit größtem Eifer gefördert und mit selbstgefälligem Stolze als das seinige verfochten hat. Und trotz alledem wird der Minister auch angesichts der letzten, betrübenden Unglücksfälle nicht aufhören, eine weitere Verminderung des Bctriebskoesfizientcn anzustreben Zunahme der Unzufriedenheit unter den Bahnangestcllten und steigende Betriebsnnsichcrhcit ans den preußischen Bahnen iverden die unausbleiblichen Folgen sein. Aber der Herr Minister ist allen sachlichen Auseinandersetzungen gegenüber, die gegen sein System sprechen, taub, er wird das nächste Jahr mit gleicher Befriedigung wie im März dem Landtage seine klingenden Erfolge vorrechnen und alle Unglücksfälle und Entgleisungen ans die Unachtsamkeit und den Leichtsinn untec geordneter Beamten zurückführen, deren Arbeitszeit laut offizieller Statistik, wie sie dem Landtage vorgelegt wird, ans dem Papier wirklich so schön geregelt ist. Pol i lisch c Mebevstcht. Berlin, 21. September. Der deutsche und der österreichische Kaiser tauschten sehr warme Tischreden heute in Budapest aus, beide Monarchen betonten ihren großen Eifer, den Frieden zu erhalten. Der langen Rede des deutschen Kaisers lag der Gedanke zu gründe, die Leistungen der in Ungarn herrschenden magyarischen Nation anss höchste zu rühmen und seinen Sympathien für Ungarn überaus starken Aus- druck zu geben. So sehr das auch dem deutschen Kaiser in den Ländern der Stephanskrone hoch angerechnet werden wird, so wird in den dentsch-slavischcn Ländern diese Rede keine gleiche Wirkung hervorrnscn.— Andcrö als die Erlasse des Herr» Thielen klingt eine Verfügung der E i s e n b a h n- D i r e k t i o n zu Halle hinsichtlich der Dienstdauer des Lokomotiv- Personals: „Der zur Zeit lebhafte Verkehr macht oft die»nmiltelbare Ab- lassniig von Bedarfs-Sonderzügen erforderlich, für welche da? noth- wendige Lokomotivpersonal nicht im voraus bestellt iverden kann. Bei etiva eintretendem Mangel an Reservelokomoliven bereitet die Gestaltung des zur Befördernng solcher Züge erforderlichen Lokomotivpersonals, insbesondere der zur Führung von Lokomotiven berechtigten Beamten Schwierigkeiten. In solchen Fälle» muß oft ans das rnhehabcnde Persoiial noch vor Ablauf der dem- selben planmäsiig zustehenden Ruhezeit zurückgegriffen werden; oft muß auch Personal, welches den planmäßigen Dien st abgeleistet hat, zur Weilerfahrt verwendet werden. Wenn sich auch gegen 'olche Maßnahmen im Ausnahmefall nichts zu erinnern 'indet, sofern das betreffende Personal nicht überanstrengt wird, o kann bei nicht sorgfältiger Prüfung der den betreffende» Beamten »och aufzuerlegenden Dienste leicht eine U e b e r m ü d u n g des Personals eintreten, welche die Sicherheit de? Betriebes ern st lich in Frage stellt. Wir weisen die Dienststellen-Vorsteher daher an. in jedem derartigen Falle ans das sorgfältigste zu prüfen, ob und bis zu welchem Maße eine Inanspruchnahme des Personals außerhalb des planmäßigen Dienstes nach den Vorschriften sür die tägliche Dienstdaner des Lokomolivpersonals eintreten darf. Eine Ü e b e r s ch r e i t u n g der vorgeschriebenen Dienstdaner ist unter allen 11»i st ä ii d e ii unzulässig; in schwierigen Fällen wird sich solche auch durch rechtzeitige Ablösung vermeiden lassen, sei es durch Beamte der eigenen oder einer Nachbarstation. Die Maschinen-Jnspeklionen wollen die Befolgung der fraglichen Bor- schristen fortgesetzt überwachen und anßerdeni in eine Prüfling darüber eintreten, ob das zur Führmig der Lokomotive berechtigte Personal ans einzelnen Stationen einer V e r m e h r n n g bedarf." Die Eisenbahn-Direktion zu Halle erkennt verständigerweise an, daß eine Uebcranstrcngung des Personals vorkommt, und bemüht sich, diesem schweren Uebelstande entgegeii�uwirken. Auffallend ist es aber, daß auch diese Eisenbahn- Direktion eine Beschäftignng des Personals vor Ablauf der planmäßigen Ruhezeit oder sofort nach Beendigung des plan- mäßigen Dienstes sür gewisse Fälle für zulässig hält. Wir meinen, daß solche Fälle überhaupt in jedem Falle beseitigt werden müssen und beseitigt iverden können. Weiter aber kann es natürlich nicht genügen, daß nur die vorgeschriebene Dienstdauer möglichst inne gehalten wird. Viel- niehr ist an der Hand der amtlichen Statistik hin- reichend erwiesen worden, daß gerade die regelmäßige Dienstdaner selbst vielfach eine überlange ist. Nicht nur Jnnehaltiing der jetzt normal vorgeschriebenen Dienstzeit, sondern Verkürzung der Dienstzeit ist die Hauptaufgabe für eine Eisenbahn- Verwaltung, welche sozialpolitisch wirken tmd zugleich die Unfälle, soweit sie durch die Ueberanstrengung der Bahnangestellten verursacht werden, ans der Welt schaffen will.— Die sächsischen Konservativen sind zweifelsohne unter allen Konservativen dcS Reiches die traurigste Sorte. Nirgends ist Kriecherei und politische Heuchelei in höherem Grade zu finden als bei ihnen. Sie kriechen vor Jedermann, der. ihnen Vortheile giebt; sie haben die Kunst ver-� standen, vor der Regierung zu kriechen und zugleich vor Bismarck zu kriechen. Sie haben es in der Streberkunst noch weiter gebracht als ihre preußischen Gesinnungsverwandten— und das will gewiß viel sagen. Jetzt haben sie den Dank dafür erhalten vom Ha n s e B i s m a r ck. Herr Paul M e h n e r t, der famose Ex-Spaß-. machcr des Reichstages, der jetzt nur noch im sächsischen Land- tage seine Späße treiben darf und, um dies auch fernerhin zu dürfen, an der Einführung des Klassenwahlrechts in Sachsen fleißig mitarbeitete, hat angefragt, ob denn die Bismarck'schen Auslassnngen gegen die konservative Partei sich auch a u s die sächsischen Konservativen beziehen sollten. Prompt erhielt er die Antwort: das sei nicht der Fall, denn der Alte habe ja stets sehr viel auf die Dresdener und sächsischen Konservativen gehalten. Zum Unglück für die biederen Sachsen nm Mehnert stainnit dieses Zcugniß des braven Verhaltens nicht vom Alten selbst, sondern nur vom kleinen Herbert, von dem bekannt- lich kein Mensch reden würde, iväre er nicht der Sohn seines Vaters. Wie der Vater selbst denkt über die sächsischen Kon- scrvativen, erfährt man nicht. Schwer würde es ihm ivohl werden, anzugeben, wodurch sich die um Ackermann und Mehnert vortheilhaft von denen«in Limburg- Stiruin und Kardorff nnterscheidcn sollen. Oder doch, der Unterschied liegt auf der Hand, die Sachsen sind beim Sturz des Sachsen- wäldlers nicht dabeigewesen, sondern haben ihm fort und fort die lärmendstc» Ovationen dargebracht. Warum soll er ihnen nicht eine gute Zensur erthcilen?— AnS Athen wird gemeldet: Die Eliniuinng der hiesigen politischen Kreise ist eine ver» zweifelte. R a I l i nannte einem Diplomaten gegenüber die 2 und 6 des Friedensvertrages eine waobivs inkernals (Hölleninaschinc). Delyannis, nenerdingS über seine Ansicht befragt, erklärte, derartigen Bedingungen gegenüber habe er sich über die einziinchnicndc Stelliing noch nicht schlüssig machen könne». Die Zeitung„EphiineriS" iviederholi ihren Vorschlag, Thessalien de» Türken s o l a n g e z u ü b e r- lassen, bis Griechenland die Kriegsentschädignng, sei es auch unter den größten Entbehrungen, ausgebracht hätle, selbst wenn dies einige Jahre dauern sollte. Das Blatt hosst, daß einein olchen Entschluß gegenüber die Einigkeit Europas nicht Stand halten iverde. Ans Kreta treten die Türken sehr herausfordernd auf, wenn «ine Mitl Heilung der allerdings griechenfeindlichen„Internationalen Correspondenz" richtig ist. In dieser Millheilung heißt es: Bon innhaiiiedanischer Seile suchte man die Lage ans Kreta wieder zu verschärfen. Alle auf der Insel noch befindlichen türkischen Be- Hörden haben erklärt, sie würden die Urtheilssprüche und Rechts- erkcnntnisse des i n t e r n a t i o n a l e n G e r i ch t s h o f e s als rechtsgilt i g nicht anerkennen, und dein zweiten Vorschlag der Adniirale, die Zölle durch europäische Beamte ein- ziehen zu lassen, würden sich die türkischen Militärbehörden mit e w a l t widersetzen. Gleichzeitig hat D s ch e v a d Pascha den Sultan nm seine Abberufung ersucht, da er„angesichts der Eingriffe der Adniirale in die Herrschcrrechle des Sultans das Ansehen der türkischen Verivaltnng nicht zu schützen vermöge".— Vom Kriegsscha,«platze an der indischen Nordwest- Grenze fanden die Engländer«nieder Siegesnachrichten. De«« „Tiines" wird aus Simla gemeldet: „General Jeffreys strafte die Mohinands schiver, die jetzt un> Gnade bitten; weiterer Widerstand wurde nicht versucht. Andere Brigaden«verde» zusanniiengezoge» uud rüsten sich zun« Vormarsch gegen die Mohinands." Es«verde«« ferner energische Vorstöße der englischen Truppen gege«« den Mullah von Hadda, der«nit seiner Streitmacht in« Bednanipaß steht, angekündigt. Weit bedeutsamer als diese geringen Ereignisse auf den« Kriegsschauplatz erscheint die Haltung der russischen Presse gegenüber den Vorgängen in Nordivest- Jndie««. Schon seit langem sprechen sich russische Blätter««nverhohlen für ein Eingreifen Nußlaiids in die afghanisch-indischen An- gelegenheiten aus. Doch bisher waren es nur untergeordnete Organe, deren Ausführungen keine größere Bedeutung bei« geinessen«verde«« konnte. Jetzt jedoch bläst auch das offizielle Blatt des auswärtigen An« tes, die „ P e t e r s b u r g s k i j a W j e d o»« o st i in dasselbe Horn. Die wichtige Kuudgebmig lautet: „Was Rußland betrifft, so kau«« sich dieses der gegenivärtige«, Sachlage in« nordivestlichen Judien gegenüber unmöglich g l e t ch g i l t i g v e r h a l t e u. Darauf«veist schon die Thal- fache hin, daß England«vährend der letzte» Jahre n>«r darauf ausgegangen ist, u»s zu schaden..... Man muß stets ans das Schlimmste gefaßt sei»;«vir müsse» erivarte», daß es de» Engländer» hauptsächlich dank den« sreundschastlicheu Verhalten des Emirs von Afghanistau nach großen Anstrengungen gelingen wird, de» Ausstand »iederzuwerfe». Wird nun aber nicht durch ihre» Erfolg ihr Ansehe» bei de» Bergstäinmen, die an unserer afghanische» und indischen Grenze lebe», mächtig geHobe»«verde««? Die Engländer «verde» alsdann die u n» n« s ch r ä» k t e n Gebieter in jenen Gegenden sein, und selbst der Enlir von Afghanistan «vird sich ans seinen« Throne nicht sicher fühlen; die Besieger der Swat-, Orakzai- und Afridi-Stämme«verde» in Kabul ihre Gesetze diktiren,»veil sie an der Grenze Afghanistans keine sie zurückhaltende Macht vorfinden werden; die acht Millionen Afghanen«verde» das Schicksal de« dreihundert Millionen Hindus und aller unter der indischen Re- gierung stehenden Muhainedaner lheilei«. Denn die Engländer »verde» sich ivohl kann» mit der Riedenverfung des Ausstandes zufrieden geben. Sie werden ihre» Sieg i» ganzen« U u« f a n g e ausnutzen, und die schmachvollen Vorgänge in Tschitral, dessen Besetzung eigentlich eine Verletzung des Painirvertrages ist,«verde» sich anderweitig»viederhole». Der gegenivärtige Aufstand ist ja nur durch die aggressive englische Politik hervorgerufen«vorde»: indem die Engländer alle kleinen Stämme unteriverfen, u in z i n g e l» sie A f g h a n i st a«» wie mit einem Ringe, und wer weiß, welche Folgen für diese? Land ein künftiger Thron- »vechsel haben«vird, iven» Abdurrahma», dieser erfahrene Politiker und charakterstarke Mann, de» Schauplatz verläßt. Die Eng- länder haben ja solche Augenblicke stets dazu benutzt, um dynastische Wirren hervorzurufe». Die thatsächlichen Absichten der Engländer gehen aus der kürzlich erfolgte» schriftlichen Mit- theilung an den Emir hervor, daß die englischen Truppen ge- nöthigt sein«verde», afghanisches Gebiet zu belreten. Erstens liegt hierin eine ungeheure Frechheit, fast eincasue belli,«voraus hervorgeht,«vie sehr die Engländer geivohnt sind, de» Emir von oben herab zu behandeln; z, veitens hat daS Ver- spreche», daS eigentliche Territorium«vieder verlasse» zu«vollen, in« Munde der Engländer keinen Werth;— Bei- spiel: Egypten; Prinzip: bsatl possidentis..,. Rußland muß daher gegen die jetzigen englischen Bewegungen gegen dm Nord- «vesten Jndrens Maßregeln ergreife», da diese Bewegungen zu jeder Zeil«ine» agressiven Charalte� annehmen können. Gleich- viel, wie sich der Einir von Afghanistan zu der Sache verhält, «vir nirsererseits dürfen eine Ansammlung englischer Trnppen i» unserer nächsten Nachbarschaft nicht zn lassen, ohne Vorsichtsmaßregeln z n ergreifen; der Nebergang der englischen Truppen auf afghanisches Gebiet in»ß einen entsprechende» Vorstoß unsererseits gege» H erat und das Pamirplateau zur Folge habe«,." Das offiziöse Organ führt eine Sprache gegen England, wie sie verletzender kalt««« sein kann: Nichts ist geiviß komischer, als wenn«nan in Rußland sich über„aggressive Politik" seitens eines anderen Staates, über die Unter- wersung der kleinen Stänime in den asiatischen Zentral- gebirgen, über die Umzingelung Afghanistans u. s. f. entrüstet. Wenn England eine rücksichtslose Erobererpolitik Gin SMifc ungnvisrhev Fveihoik. Die Sozialdemokraten Budapests hatten zu ihrer großartige» Wahlrechts-Deinonstratioi«, über deren glänzende» Verlauf«vir schon kurz berichtete», die österreichische» Genosse» Dr. Adler, Perncrstorfer und Abgeordneten Daszynski eingeladen. Während der letztgenannte verlsindert war, zu erscheinen, nahine» die beiden Wiener Genossen die Einladung geri« a» und begaben sich Sonntag früh mit den, Schnellzuge nach Budapest, um den Parteigenoffen den Ausdruck der Sympathie und Solidarität z» übermittel», die österreichische nird ungarische Sozialdemokraten ganz besonders in« Kampf un« das Wahlrecht verknüpft. Aber sie hatten das Maß dessen über- schätzt, was die Festigkeit des uiigarische» Staates»ach dem Urtheil seiner Lenker verlrage» kau», und andererseits die Todesangst unter- schätzt, die besagte ungarische Staatsmänner vor de» verteufelten Sozialdemokraten haben. Das Ministerin»« des Innern und das Budapester Polizeipräsidium sorgten dafür, daß die entsetzliche Gefahr von ihrem so zart gebaulen Vaterlaude abgelvendet»verde. Natürlich hatten«veder die Budapester Sozialdemokraten noch die beiden Genossen aus der Absicht, an der Demonstration theil- zunehmen, ei» Hehl geniacht und erivarteteu auch keinesivegs eine Störung. Wir, so schildern Adler und Pernerstorfer ihre Erlebnisse in Ungarn in der Wiener„Arbeiter- Zeitung", sollten aber das Maß der Freiheit, dessen sich Ungarn gegenwärtig erfreut, besser würdig«, lernen. � An der Grenz« in Bruck an der Leitha«var kein Polizist zn sehen, und«vir konnte» zunächst ungehindert die Lust der ungari- scheu Freiheit in vollen Zügen alhniei». Als aber der Schnellzug in Kelenföld, der letzten Station vor Pest, hielt, drängte sich ei» schivarzgekleideter Herr mit den« Kondukteur durch die engen Gänge der Waggons und rief mit einem Eifer:„Herr Dr. Adler!" als hätte er ein Telegramm zu übergeben. Als sich Dr. Adler , neidete«nid auf Verlangen jenes Herrn auch Pernerstorfer vorgestellt hatte, flüsterte uns der Herr ins Ohr:„Im Name» des Gesetzes ersuche ich Sie, de» Zug zu verlasse» und mir zu folgen",««nd setzte noch etwas leiser hinzu:„Verzeihen Sie, aber es ist eine unangenehine Pflicht. Die Formel war richtig, denn es ist i» viele» Ländern gemeinsame Regel, daß alle Willkürakte und Gesetzesverletzungen„im Name» des Gesetzes" begangen«verde,«; da sich der Mann überdies als der Detektiv Bela Bottka legitiniirte. blieb nichts anderes übrig. als ihm zu folgen und, begleitet von den neugierigen Blicken der Passagiere, die sich darüber entsetzte», mit«velchen weiß der Himmel«vie gefährliche» Verbrechern sie bisher gereist wäre», an?- zusteige». Vor dem Bahnhofe stand ein Fiaker, der uns zum Polizeipräsidenten bringen sollte zum Behuf«„einer kurzen Besprechung". Nachdem«vir dort i» einem Bureau etwa eine halbe Stunde geivartet, wurde,- anscheinend ans unsere Beinerlung, daß»vir nicht viel Zeit hätten, die Amtshandlung beschleunigt, und«vir wurden einzeln den« Stadlhauptniann Garlathy vorgeführt. DaS Bureau erinnert ein führt, so«st ihm Rußland in diesen Künsten mindestens gleich, ja noch bedeutend über. Aber die schöne Phrase«st nun ein- mal das Außenschild, hinter dem die Erobererstaaten die Gewaltthätigkeit ihrer Unternehmungen zu verbergen pflegen. Da spielt sich jeder Theil als der unschuldsvolle Engel auf und herüber und hinüber«verde«« die gleichen giftigen Jnvektionen geschaffen. Es wird sich frage», ob die russische Regierung die Zeit für gekoinmen erachtet, den Engländern ein Halt zu gebieten, aus die Gefahr hin, daß der glimmende Funke der Eifersucht zwischen den beide» Weltmächten zun« mächtigen Brand entfacht «verde und die große Auseinandersetzung in Mittelasien ihren Ansang nitnmt.— »* • Deutsches Reich. — Dem Reichstag, der nach einer Berliner Meldung des „Hamb. Corr." in der zweiten Hälfte des November zusammentreten soll, dürfte»ach der gleichen Quelle als eine der erste» Porlagen ein Entwurf betreffend die Eulschädiguug unschuldig Vernrtheilter zugehe».— — F n r die E r s a tz>v a h l in« nennten s ch l e s w i g- holsteinischen Wahllreise Piön-Olderbnrg an stelle des verstorbenen Grase» von Holstein ist von der konfervaliven Partei Gutsbesitzer«l»d Niltiiieisler a. D. Lassen ans Siggen bei Oldenburg, von der soziale» Nefonnparlei Graf von Reveutloiv auf Wnifo- hagen und von sozialdemokratischer Seite der Schmied Paul Wein- Heber aus Hamburg in Aussicht genommen.— — Die Vorivürfe gegen die StaatSregiernng «vege» mangelnder Fürsorge für die durch die Hochwasser Geschädigten suche». jedenfalls im höhere» Auftrage, die„Verl. Pol. Nachr" ans das Zenlralkoinitee zur Diitersiiitzmig der von den Ueberschivemmunge» heimgesuchten Landestheile abzuwälzen. Hoffentlich ohne Erfolg.— — Die Erörterungen in der konservativen Partei über de» nächste» Parteitag sind alles eher als ein Zeichen der Stärke. Der alte konservative Freiherr von Dnrant warnt die Partei, zn immer einseitigerer, lediglich ihre tnleressen vertretenden Junkerpartei herabzusinken, er warnt, das ivoli-Programin mit seinen, wenn auch winzige» soziale» Forde- rnngen als««ich« eristirend zu betrache», nud einpfiehll das Zn- sanunengehen mit dem Bund der Landwirthe. Zur Freude der Bündler halten die„Hamburger Nachrichten" ei» solches Zusaminen- gehen nicht unter allen Umständen für geralhen.— — Zur Frage d er Militär-Strafprozefß-Reform weist die„Nat.-Lib. Korresp." ganz richtig darauf hin, daß nicht die Abneigung Bayerns gegen die Berzichtleistung mif einen eigenen oberste» Miliiärgerichtshof die Ursache für das Nicht-Zlistaiidekomme» der Militär-Strafprozeß-Refori» sei, da Bayern»ach der Reichs- Verfassung gnrnicht in der Lage wäre, durch seinen Widerspruch die AnfrechUrhaltung der bestehenden Einrichtungen zn bewirke». Es muß deshalb a» der Auffassung festgehalten werden, die n?ir schon immer vertraten, daß vielmehr die Frage des Bestätig» nasrechtes Schuld sei an der ewigen Hinaus- schiebilng der Reform. Hierzu bemerkt»im die„Köln. Volksztg.": „Der Kaiser ist durch Artikel 5 der Verfassung berechtigt,. die Aufrechterhallung der bestellenden Einrichtungen durchzusetzen,„wenn iin Bundesrath eine Meinungsverschiedenheit"(bei Gesetzes- vorschlügen über das Militärwesen) stallfindet. Wie nun ver- laniet, kann der Kaiser namentlich die Bedenke» wegen Verzichts auf das Bestätigungsrecht noch immer nicht überwinden. Auf der anderen Seite ist klar, daß die Aufrechthaltung des konlingentsherrlichen Bestäligungsrechtes gegenüber miliiärgericht- liehen Urtheile» gegen das Grundprinzip des Reform- Entwurfes verstoßen würde. Ob außer hei» Kaiser auch a n d« r e B» n d e s f ü r st e n aus der Beibcbaltnng des Bestätigungs- rechtes bestehe» und demenisprechend ihre Vertreter im Bnndesrathe infiruirt haben, darüber ist etwas Sicheres nicht in die Oeffentlichteil gelangt, aber die Annahme ist nicht von der Hand zu weise», «venu man sich vergegcnivärtigt. daß außer in Preußen auch in Sachsen und Württemberg iioch ei» ebenso veraltetes „liebge>vordeiies"Mililär-Slrafverfahren besieht. Möglichenveise stehen aber im Bnndesrathe auch noch andere Stimmen auf Seile» des Kaisers. Aus der Erklärung des Reichskanzlers in der„Nord- deutschen Allgemeinen Zeitung" vom 2. Juli ist bekannt, daß das p r e u ß i s ch e S t a a t s»> i n« st e r i n m Stellung gegen gewisse Ver- änderungen des Entwurfes genommen hat, und diese Veränderungen werde» wohl hauptsächlich eine Wieder her st ellung des B e st ä t i g u u g s r e ch t s im Auge gehabt haben...." Die sogenannte„Bestätiguug" mililärgerichtlicher Urlheile durch die Genchlsherren steht natürlich im Widerspruch zn jeder«nodernm wenig an ei» llus wohlbekanntes i» Wien. Der Berliner„Vor- ,v ä r t s", die Wiener„Arbeiter-Zeitung" liegen i» große» Stöße» wohlgeordnet auf den Tische»; an der Wand sahen ivir eine schöne Kollektion von M a i- A b z e i ch e». Herr Garlathy, der eliva den Rang eines Polizei-Oberkounniffärs einnimmt, nahm nun ausführlich das Nalionale ans und erkundigte sich nach dem Zweck und der voraussichtlichen Dauer unseres Aufenthalts. Wir gaben selbstverständlich mahrheiisgetrene Auskunft, machten auch das „Geständniß", daß«vir beabsichtigten,«venn es die Umstände wünschenSiverth machen sollien, bei der Bersamnilnng zn spreche». Nachdem uns das ungarisch geführte Protokoll übersetzt«vorde» nnd «vir es unter Borbehalt der Richtigkeil dieser Uebersetznng unterfertigt hatte», erklärte der Sladthauptnian», er müsse uns eröffne«», das B u d a p e st e r P o l i z e i- P r ä s i d i n in unter- sage n i« s s o>v o h l die T h e i l» a h m e an der Demonstration als auch jeden weiteren Auf- enthalt in Budapest,«vir mußten vielmehr mit dem nächsten Zuge Ungarn verlassen. Als«vir ein- ivcndcte«», daß die Festigkeit des n» garische» Staates «oohl»och die Anwesenheit von zivei Leuten mehr aushalten würde. und daß uns kein ungarisches Gesetz bekannt sei. das «vir verletzt hätte», oder das unsere Abschiebung rechtfertigen«vürde, «vurde uns die Antivort:„Ja, Gesetz... freilich besteht da nicht, aber es i st e b e» bei uns..."„D e r N s u s nicht>v a h r?" fiel einer von uns ei». Aber da«var nichts zu mache», «vir«vußieii sehr gut, daß«vir als„ l ä st i g e Ausländer" vollständig«vehrlos seien und«ins füge» mußte». Aber die Aussicht schien nicht sehr verlockend, acht Stunde» in dem nichts neuiger als einladende» Polizeigebände zubringen zn müffe». Draußen war Heller Sonnenschein, die Stadt von großen Volksniassen durchfluthet, die sich drängten, um a» der Deinonftration theilzunehme», andere wieder,»M die Befiaggung uud Allsfchnlückung der Stadt zu sehen, die sich ans de» Empfang des dentschen Kaisers vorbereitete. Wir«vollten einen letzten Versuch machen und verlangten, dein Polizeipräsidenten selbst vorgeführt zu werde», was nach längerem Zöger» und Hin- und Herreden bewilligt wurde. Herr Ober- Stadlhauptniann Bela v. Ruduay ist ein junger, kaum vierzigjähriger Manu mit energischer Haltung. Er empfing uns mit derselben Höflichkeit wie sei» Unter- gebener, der ganz denilich die große Freude durchblicke» ließ, die beiden Verbrecher sicher«» der Hand zn habe». Die zwei Herren machten wirklich de» Eindruck, daß sie ei» stolzes Gefühl der Genugthuung empfänden, ihr geliebtes Vaterland vor unabsehbaren Schrecknissen beivahrt zu baden. Herr v. Rudnay theilte nnZ mit, daß seine Eiiischeidung unabänderlich sei, daß sie auf einen« Erlaß des Ministers des Innern beruhe, den« zu folge„ausländische sozia- listische Agitatoren" abzuschieben seien, und daß er absolut genölhigt sei, dieser Ordre zu folgen. Auf«nisere Frage, ob daS eine A u s>v e i s» n g bedeute, erklärt« er sehr lebhaft, daß daS k e i n e s«v e g S der Fall fei, daß«vir vielmehr zu jeder anderen Zeit nach Budapest konimen könnten. Rechtsprechung. Wie man eine Reforin geben«vill, ohne jene Ueber- lieserung des Söldnerheeres aufzuheben, ist»»verständlich.— — Wie«vichlig die Entschädig»««ig unschnldig Vernrtheilter ist, beweist der Fall Dylong, der bekanntlich eine Strafe durch Schuld von Gefängiiißbeamten zweimal absitzen mußte, und vom Justizininister mit— 50 M. abgespeist wurde. Die Beaiiilei« scheinen nicht zur Rechenschast gezogen zu werden.— — Chronik der deutschen Eisenbahn- Unfälle. Aus Köln«vird telegraphisch gemeldet: Unweit der Station Hagen in Westfalen ist in der letzien Nacht ein Güterzug einem Personenzug in die Flanke gefahren. Der Lokomotivführer»nd der Heizer des Gülerznges«vurdeil verletzt. Der Veikehr«var längere Zeil unierbrochen. Amtlicherseits wird über die Ursachen dieses Vorfalles folgendes bebanpiel: Ter Unfall«vuide dadurch herbeigeführt, daß der Lokomotivführer des Schnellzuges das für ihn auf„Hall" stehende Signal nicht beachtet hat. Ter Loiomotivfiihr�: ist abends 8 Uhr »ach vorheriger äSslündiger Ruhe in Dienst getreie». Die„Franks. Ztg." melde« ans Karlsruhe: In der vor- gestrigen Nacht ist bei der Ausfahrt des Orient-Expreßzuaes aus dem Bahnhofe i» Kehl der Schlnßpackelivagen, infolge vo'rzeliiger Weichenstcllung, enlgleist. Menschenverluste sind nicht zn beklagen, auch ist der verursachte Materialschade» nur»nbedenlend. Ter Zug konnte nach Verspätung von ungefähr St) Minute» seine Fahrt fortsetzen.— Die Ursache des Unglücks bei Eschede am 14. August d. I. scheint nunmehr ailch mit einiger Sicherheit festgestellt«vorde» zn sein. Der Güterzug,»velcher kurz vor dem V- Zuge das«vesiliche Geleis passirle, hat»ach Angabe des Schlnßbremsers einen sogen. Langbaum verloren, der über das östliche Geleis gefallen«st. Ter Bremser, der mit dem Zugführer des Güter- znges nicht i» Verbindung ist, hat letzterem keine Nachricht geben tönue».— — Die Beaufsichtigirng des Bahnhofs-Vnch- Handels ist durch einen Erlaß des Eisenbahnininisters den Eisen- bahn-Direktionen in Eriimerung gebracht, in dem es heißt:„Es ist streng und unansgesctzl darauf zn achten, daß Bücher und Zeit- fchriste» nnsiltlichc» nnd anstößigen Inhalts bei den Bahnhofs-Buch- Händler» nicht zum Verkaufe ausgelegt«verde». Zu den« Zivecke habe» letztere ein Verzeichniß der von ihnen vorräthig gehallenen Bücher und Zeitschriften zc. der Direktion einzureichen, die Bücher ver- dächiige» Inhalts zur Einsichtnahme fordert und deren Verlrieb cvent. verbielet, auch durch unvermuiheie Revisio»«» au Ort uud Stelle die Befolgung ihrer Anordnungen überivacht." Man sollte meinen, in« Eisenbahnministerium habe man gegen- wältig über andere ernstere Dinge zn berathen, als sich den Kopf zu zerbreche»,«vie am enischiedensten die unsittliche Literatur und einige unliebsame politische Organe, z. B. der„Vonväris", von kein reisende» Publikum ferngehalten«vird. Fast enveckt es den Anschein, als ob das Ministerium die sittlichen Gefahren, die den Reisenden drohen, höher einschätzt, als die Gefahren im Betriebe. Allerdings die sittlichen Gefahren können ohne Geld beseitigt«Verden» und das scheint ausschlaggebend zn sein. Das reisende Pnblikni»«vird aber für diese Fürsorge des Eisen- bahii-Miiiisteriiims höflichst danken uliisse».— — Die Ueberschnsse des Betriebes der dentschen Eisenbahnen steige» von eine»« Jahre zum andern. Die in« Reichs'Eisenbahiianii« ausgestellle Ucbersicht der Betricbscrgebnisse deutscher Eisenbahne» i»> Monat August 1837 ergiebt, wie die „Märk. Volksztg." miitheili, für 64 Bahnen, die schon in« August 1896 in» Belriebe waren, im Anglist 1837 ans dem Personenverkehr ein Mehr an Einnahmen gegen das Vorjahr»»» 1 463 408 Mark, ans dein Güterverkehr ei» entsprechendes Mehr von 2S74 6V6 M. In entsprechendei» Verhältniß steigen die Eiiniahuieziffern für die ganzen Belriebsjahre. Das ist an sich eine erfreuliche Thaisache. Aber desto unerfreulicher wirkt es,»ven» mau beobachten muß,«vie trotz dieser steigenden Belriebseinnahinen je länger desto mehr a»>«»- rechter Stelle gespart und dadurch die Sicherheit des Betriebes in fast unerhörter Weise gefährdet«vird.— — Nebenbeschäftig«««ig derEisenbahn- Beamten. Tie gen«ei»sai»e» Bcstiunnnnge» für alle Beamte in« Staats- Eisendahudienst sind durch den Minister der öffenllichen Arbeiten bezüglich der Siebenbeschästigungen«vie folgt ergänzt worden: Anderiveitige Nebenbeschäftigungen dürfen, auch wein« eine Ber- gülniig damit nicht verbunden ist, ohne besondere schriftliche Genehmigung der vorgesetzten Eisenbahn- Dircttion oder, so weit es sich um höhere Beamte handelt, des vorgesetzten Eisen- bahndirektions- Präsiden len nicht übcrnoinmen»verde». Sieben- beschäflignnge» höherer Beamte» bedürfe» jedoch auch hier der Gc- nehmignng des Miiiisters der öffentlichen Arbeite», wenn sie von längerer Daner oder erheblichen« Umfange sind oder die Aufstellung Nur die Tage, gerade wo der deutsche Kaiser komme, seien„schlecht gewählt". Es fei nicht ganz ansgeschlossen, daß Montag Demonstrationen versucht, vürde», und man würde, ineinte er, unsereAnwesenheit damit inVerbindung bringen. Wir versuchte»»»»« dem Herrn klarzumachen, daß Kaiser Wilhelm an das Vorhandensein von Sozialdemokraten«veit mehr gewöhnt sei als der Herr Präsident selber,»nd daß«vir unsererseits keinesivegs die Absicht hätten, Demonstrationen, die unseren Genossen gefährlich werde» könnten, zn empfehlen, daß«vir überdies abends abreisen könnte», nachdem«vir an der Bersamnilnng im Stadtiväldchen lheil- genommen, oder daß«vir, un« jede Gefahr auszuschlHßcn,«venigftens nach der Bersamnilnng inil unseren Freunde»« sprechen könnlen- alle Vorschläge zur Güte, alle Bernuuflgründe«vareu umsonst. Der Herr Präsident halle einen so heillosen Sckrcck vor uns, daß er uns so«venig mit ungarischen Sozialdemokraleii zusniiimeukoiumen lassen als eliva eine Lunte als Pulverfaß legen«vollle. Da nnn unser eigentlicher Reise» ziveck definitiv vereiielt war, so blieb uns nur übrig, uns«nindeftens den Aufenthalt im Polizeigeivahrsau« zu ersparen, der gar keinen Sieiz. nicht einmal den der Neuheit, für uns hatte. Ans unser Er- suchen«vurde uns»ach einigem Zögern gestatlet, in Begleitung eines Detektivs spaziere» zu gehen, aber möglichst— auf der Ofeuer Seite, weit«veg vom Schauplatz der Temonüralio««. Herr v. Ruduay kehrt« sofort, als nicht mehr von Politik die Rede war. den liebenswürdigen Weliman» heraus und entließ uns«nit de», Wunsch«, uns gut zn niilerhalle», in Begleitung eines„lokal- kundigen Begleiters". Was blieb übrig? Wir verbrachte» den Nachmittag so gut als möglich uud betrachielen das Menschengewühl»«»d die stolze nalionale Trikolore, die von allen Häusern«vehte, ,»U den gemischten Gefühlen von Leuten, die uuter Polizeiaufsicht lustwandeln nnd Gelegenheit haben, der»»garischen Freiheit ans den Grund z» sehen. Der Gegensatz zivischen der prunkende» Darstellung des nationalen Stolzes und Machtgesiihls, wovon der Prachtbau des neuen Parlaments das gewaltigste Zengniß giebi, und zwischen der kleinlichen, ziUernden Angst vor zwei harmlosen Menschen, die fürchterlich erscheinen, blos«veil sie Sozialdemokraten sind, war zu drastisch... Als»vir abends in unser Absteigequartier, das Polizei- gebände zurückkehrte»,«varlele unser»och eine kleine Ueber. raschung. Herr Garlathy lheilie»ins mit, daß«vir nicht auf dem Hanpibahnhof. sondern«vieder in Kelenföld den Zug besteigen müßten,„>»» etivaigen Demonstrationen auSzuiveicheu". Und so führte«ins wieder ein Fiaker, diesmal mit zwei Detektivs. hinaus, und einer der beide» Geheimagenten fuhr sogar mit bis Raab, der Gipfel der Vorsicht! Tie ungarische Regierung bat es sich also ein Erkleckliches kosten lassen, zu hindern, daß«vir Ungarn ans den Kopf siellen. So haben«vir zwar nicht die Demonstratio» mitinachen könne», aber die»»garischen Arbeiter können iibeizengt sei», daß unsere Reise nicht ganz ftnchllos war: daß die»»garische Re- gierung ihre lächerliche Angst demvustnrt uud sich blainiu hat, ist auch»vas werth. von SSmtpiau«! für Haupt- oder NebewEifenbahnen, sei eS auch in fremde» Staat-gebiete», betreffe». Nebenbeschäfiigunge» im Privat- ivtereffe von Kleinbahnen sind denjenigen höheren Beamten, die in den Bezirken der zur Mitwirkung bei der Genehmigung und zur effenbahnlechnischen Beaufsichiigung derselben Kleinbahnen be- rusenen Eiscnbabndirektionen amtlich ihälig sind, untersagt. Gegen diese Brftiimnnngen laßt sich im allgemeine» wenig»in- wenden, nur erfordern sie eine Ergänzung dahin, daß vor allen Dingen den unteren Beamte» auch ein angemessenes Gehalt gezahlt wird, dann werden die Beamte» leichter aus eine Nebcnbeschästiguug verzichten können. — Zur Frage der Aufhebung der Amtskautionen theile» die„Berl. pol. Nachr." folgendes mit: .In der letzte» Landtagssession ist bereits vom Finanzminister mitgeiheilt worden, daß die Abschaffung der Amtskantionen angeregt sei und daß innerhalb des Staatsministeriums dieserhalb Erörlerungen schwebten. Anlaß zu diesen Erörterungen hat dieWahnehmung gegebe», daß das Kantionswesen einen ganz nnverhältnißmäßigen Aufwand an Kraft und Geld erfordert. I» einer der g>öß>e» Berwaltuugen ist festgestellt worden, daß die B e r w a l t u n g s k o st e n den Be> trag der aus den Kautionen gedeckten Defizite nicht unerheblich überstiegen haben, und die darauf angestellten Ermittelungen haben ergeben, daß es sich dabei keineswegs um«ine vereinzelle Ansnahme-Erscheinnng. sondern mehr um die Regel Handell. Sprach dieseThatsache für die Aus- Hebung d e r K a n t i o» en, so fiel dagegen der Umstand ins Geivicht, daß in der Gefahr des Verlustes der Kaution ein erhebliches Mittel zurVerhutung vonDesiziten zu erkennen ist. Dem gegenüber ivar zu erwägen, daß die Defizite von geringerem Betrage der Zahl nach überwiegen, daß diese durch Gehallsabzüge gedeckt werde» können und daß die Be- fürchtung eines solchen Abzuges offenbar noch stärker wirkt, als die Gefahr eines entsprechenden Kaulionsverlustes, während gegenüber von Defizite» erheblicher Art die Gefahr des Verlustes der Stellung und des Diensteinkommens offenbar ungleich stärker wirkt, als die Gefahr des Verlustes der Kaution. Bei Abwögung der Grunde und Gegengründe ist nunmehr augenscheinlich innerhalb� der Regierung die Entscheidung zu g n n st e» der Aufhebung der A m t s k a u t i o n e n und zwar im Reiche wie in P r e u ß e» gefallen." — Das Zentrum au f der Suche nach Agitation s- st o f f. Aus Reichslagskreisen verlautet, daß in der nächsten Scsfion das Zentrum auf eine klare Siellungnahme der verbüudele» Regierungen zu dem bekannten Reichstags-Votum betr. die Aufhebung des tz 2 des Jesuiten- Gesetzes dringen werde.— Gtülkstadt, 18. September. Unser Bürgermeister und das Vereinsgesetz. An den Vorstand des hiesigen Gesang- Vereins„Eintracht" ivurde von der hiesigen Polizeibehörde durch einen Polizeibeamten die mündliche Aufforderung gerichtet, die Zahl der Mitglieder des Vereins und die F a r b e der Fahne(!! I) anzugeben, zugleich auch ein Statut einzureichen. Hierzu fühlte sich der genannte Vorstand, der mit den Bestimmungen des preußischen Bersammlungs- und Vereinsrechtes genau vertraut und mit recht der Meinung ist, daß in de», zitirten Gesetz trotz seiner vielen Schönheiten zu einem solche» Ansinnen nicht der ge- ringste Anlaß vorhanden ist, nicht verpflichlet. Unser Bürgermeister aber, nach der gesetzlichen Grundlage seines Verlangens befragt, gab dem Borsitzenden folgende Antwort: „Sie scheinen vom bestehenden Rechte eigenthümliche An- sichten zu haben. Sie scheinen nicht zu tvisseu, daß neben dem bestehenden gesetzlichen vi echt die Behörden ein sogenanntes Gewohnheitsrecht besitzen, welches ihnen erlaubt, sich in die intimste» und tnternsten Angelegenheiten eine? jeden Vereins zu mischen, über olle Angelegenheiten desselben Auskunft zn verlangen. Weitere Antwort bin ich Ihnen ntchl schuldig. Weigern Sie sich, meiner Aufforderung Folge zu leisten, werde ich Sie niit 60 M. G e l d st r a f e zwinge n." Dieser Bescheid des Bürgermeisters ist in dem schlichten Jmpe- ratorenstil seiner Worte geradezu klassisch. So lange»och der jetzt herrschende staatsrechtliche Zustand fortdauert, wird der Bürger- Meister von Glückstadt es sich leider gefallen lasse» müssen, daß Polizei- Verfügungen, welche den bestehenden Gesetzen zuwider laufen, das Papier nicht werth sind, ans dem sie erlaffe» werde». — Berbot österreichischer Redner. Die Dresdener Ortsgruppe des Allgemeinen deutschen Schulvereins zur Erhaltung des Deutschthltms im Auslände hatte für nächsten Dienstag einen deulsche» Abe»d angekündigt, an dem u. a. Herr Dr. med. Dilta, Obmann der„Germania" in Trebnitz(Böhme»), über den nationalen Kamps in Böhmen sprechen wollte. Der Vereins- vorstand hat aber auf die Abhaltung dieses Abends verzichten müssen, weil die P o l i z e i d i r e k t i o n das Auftreten ö st er reichischer Redner in Dresden zur Zeit grundsätzlich untersagt. Selbst der polizeibegeisterten„Deulsche» Tageszeitung" geht diese Einschränkung der Versaniinluugsfreiheit ein, venig zu weit. Die dentschthünielnden Oesterreich«! werde» übrigens einen netten Begriff von der Freiheit in dem Lande ihrer Sehnsucht erhalten.— — A erz t l i ch e Standesordnung. Ein Arzt, der kürz- lich in einem Naturheilvereine einen Vortrag über die Frage hielt: „Welches ist die beste Heilmethode: Medizin oder Naturheilkunde?", wurde vom ärztlichen Bezirksvereine Dresden-Land im Disziplinarverfahren mit einein Verweise belegt und zur Zahlung der Kosten des Verfahrens verurlhcilt. Diese Unduldsamkeit der Aerzte wird ihrem„Stande" im Ausehen der Bevölkerung recht wenig nützen.— — Ein Beamtengesetz mit einein Gesetz über die Be- soldungen der Staatsbeamte» ist dem Landtage von Hessen- D a r m st a d t vorgelegt worden. Der durch die Erhöhung der Besoldungen verursachte Staatsauswnnd wird z» 600 000 Mark veranschlagt. Die Minister solle» je 12 000 M. erhalten(bis- heriges Ministergehalt 10 350 M.), ein Kreisrath(ungefähr soviel als Landrath) soll 5300— 7000 M. erhalten(seither 4825— 5850), Direk- toren von Gymnasien, Real-Gyninafien und Ober-Realschul-Direktoreu von Schnllehrer-Semiuaren 5800— 6600(5140— 5700, bezw. 4720 bis 5140), akademisch gebildete Lehrer an diesen Anstalten 2800 bis 5300(2500- 5000), Obcrlandesgerichts-Räthe 5400- 7200(6350 bis 6350), Landrichter und Amtsrichter 2300-6200(2725—5800), Ober- förster, Reutamtmänner 2300—5800, Kreisärzte 2800—5300.— Di« Gehälter der katholischen Geistlichen betragen auf den sog. Minimal- Pfarreien 1700 M. mit freier Wohnung, weniger, als für eine ganze Anzahl von Eubaltern-Beamten vorgeschlagen wird. — Fort mit Schaden! Wir sind nun den PeterS end- gillig los und können uns dessen freuen, wen» die Nach- richt der„Münchener Neuesten Nachrichleu" sich bestätigt, daß der disziplinirte Reichskommissar Dr. Peters an der Spitze einer englischen Gesellschaft demnächst eine Expedition nach Afrika unter- nehmen werde. Sein fixes Jahresgehali soll 64 000 M. betragen. Uns erscheint dies etwas viel, selbst mit Rücksicht auf das Risiko für sein Leben, das der in Afrika zu trauriger Berühmtheit gelangle Peters im schwarzen Erdtbeile läuft. Wären wir nur alle anderen nationalen Heroen von den Leistungen und der Anlage eines Peters gründlich los.— Oesterreich. — Vom Nationalität«»kämpfe. Wie verschiedene Blätter aus Spalato(Dalmatien) melden, ist der Redakteur Slrazicic von einem kroatischen Blatte, welches für das Zusammengehen mit den Serben sowie sür die Solidarität aller österreichischen Slaven eintritt, in einer Seitengasse von Spalato von zwei italienischen Schützen überfallen worden. Die Untersuchung ist eingeleitet.— Prag, 20. Septbr. Der jungczechische Führer Gregr nannte in einer Volksversammlung zu Chotzen die Sprach-Ver- ordnungen rücksichllich ihrer Durchführung eine Blamage des ozechifchen Volles. Dieselben hätten der czechischen Nation nur den Hohn der ganzen Welt, insbesondere der bureaukratischen Kreise ge- bracht. Gregr meinte, die Czechen sollten die deutsche Obstruktion nicht hemmen; es war unklug, Waffen zu zer- t r ü m m e r n, welche die C z e ch e n vielleicht e i n st s e l b st gebrauchen werden. Das beste wäre, die Deutschnationalen weiter stürmen und das Parlament erschüttern zu lassen und im Geiste zu beten:„Gebe Gott, daß es den Deutschnationalen gelinge, die ganze zeutralistische Verfassung zu zertrümmern für ewige Zeiten!" Schläge, welche aus den Kopf des Grafen Badem fallen, brauchen die Czecheu nicht zu schmerzen.— Frankreich. Paris, 21. September. Mehrere Blätter glauben, die Schlappe der französischen Tr Uppen im Lobt- gebiete, welche die Folge eines regelrechle» Hinterhaltes sei, iverde eine neue Expedition nolhiveudig machen, da sonst der Besitz der Elsenbeinküste bedroht sei.— Belgien. — Die Nachwahl in Ware in me beschäftigt die in- und ausländische Presse mehr als je früher eine Nachwahl. Das belgische Regierungsblatt„Courier de Bruxelles" befürwortet den Abschluß eines liberal- katho- lischen Bündnisses zur Abwehr Ltgen das Steigen der sozialistischeil Gefahr. Der„Frankf. Ztg." wird ans Brüssel geschrieben: Der»n- geheure Zuivachs der sozialistische» Partei im Bezirk Waremme ist nur dadurch zu erklären, daß alle wirklich freigesinnle» Männer jeden Glauben au die Zukunft der liberalen Partei verloren haben und lieber für die Sozialisten mit ihren bestimmten, wenn auch zu iveitgehenden Forderungen, als für das zweideutige und unbestimmte Programm der Liberalen zu stimmen gewillt sind. De» gemäßigte» Liberalen bliebe somit weiter nichts übrig, als sich in die gemäßigt- klerikale Partei einreihen zu lassen.— Das wäre das Ende des belgische» Liberalisinus.— Niederlande. — Die Generalstaaten wurden heute mit einer Thron- rede eröffnet; dieselbe bezeichnet die Lage des Landes n»d der Kvlo- nie» als ziemlich zusriedeustellend; Handel, Schifffahrt und Jndunrie seien in günstiger Eutivicklung begriffe», allerdings wirke die Viehseuche hemmend auf die Ausfuhr und verursache viele Verluste. In Java ringe die Zuckerindustrie mit beträchtlichen Schwierigkeiten. Die Beziehungen zum Auslände seien die freund- s ch a f t l i ch st e n. Der Dienst des Heeres und der Flotle in Indien erfordere leider grobe Opfer zur Befestigung der Herrschaft in Atschin. Ferner werde» angekündigt, Gesetzentwürfe betreffend die A b s ch a s f u u g des Stell- v e r t r e t u n g s- S y st e in s in d e r M i l i z, den besseren Schutz von lindlichen und jugendliche» Arbeitern, den obligatorischen Schulbesuch, die Unfall- Versicherung der Arbeiter sowie für Indien ein Berg werksgesetz und ein Gesetz betreffend den Zlusfnhrzoll auf Zucker. Schließlich giebt die Thronrede bekannt, daß sich noch verschiedene Gesetzentwürfe betreffend die Arbeits- und Wohnungsverhältnisse der Bevölker uiig und ein fiskalischer Abänderungsentwurf des Zolltarifs, jedoch ohne System- ivechsel, i» Vorbereitung befinden. Bekanntlich ist das holländische Parlament zum ersten Male auf grund eüies neuen, die Wahlberechlignng freilich lange nicht genügend ausdehnende» Wahlgesetzes gewählt ivordc». Der Kammer gehören zwei Sozialdemokraten I. P. Troelstra und Van Kol au. Sie werden einen recht schwere» Stand in der Kaminer haben, mau darf aber in ihre Talente, ihre große Erfahrung, ihre Kenntnisse und ihre Ausdauer das volle Vertraue» setzen, daß sie die Sache der Sozialdemokratie im holländische» Parlamente in würdigster Weife vertreten werden.— Norwegen. Berge», 21. Sept. Bei den bisherigen Wahl männer- wähle» zun, S t o r i h i» g siegte die Partei der Linken mit etwa 1000 Stimmen Majorität. Italien. — I in b r i a n i, der Führer der italienischen Jrredentisten, die die Einverleibung aller italienischen Landestheil« in das italienische Königreich anstreben, ist in Sie na wählend seiner gestrige» Fest- rede vor dem Garibaldi- Denkmale von einer voUftäudigen liuls- seitigeu Lähmung betroffen worden.— Spanien. — Die Fusion der R e p u b l i k a» e r. Man schreibt aus Madrid:„Feinde ringsum!" dürfen die Männer, die gcgenivärtig i» Spauie» am Rnder sind, mit größerem Rechte ausruseu als irgend eine andere spanische Regierungspartei vor ihnen. Es kann kein Zweifel mehr darüber obwalten, daß die Monarchie in allen Fugen kracht und daß der junge König einer düsteren Zukunft entgegengeht. Die Feinde der Monarchie erhallen von Tag zu Tag neuen Zuwachs. Zu de» Jnsurgente» in den Kolonie» und zu den keck auftretenden Carlisten geselle» sich jetzt noch die Republi- kaner, die man bisher als nicht gefährlich betrachten zu dürfe» glaubte, weil sie in Parteichen und Grüppchen auseinander fielen, die sich gegenseitig heftiger bekriegten, als den geineiusaine» Feind. Die Republikaner mögen aber wohl endlich eingesehen haben, daß die Zersplitterung der Kräfte den Forlbestand der Partei in Frage stellt; der Gedanke einer Einigllng und Verschmelzung der vrrschiedeueii Gruppe», der von den Führern angeregt wurde, siel daher auf srnchtbaren Bode» und auf drei Volksversalnmlnngen, die dieser Tage in Rens, i» Orense und in Jnsiesto stattfanden, wurde die Fusion in die Wege geleitet. Die republikanischen Führer Salmerou, Prof. Odo» de Auen, Labra, Perez CoslalcS, Azcärate u. a. belonleu die Nothwendigkeit eines engeren Zusainmenschlnsses der republikanische» Gruppen und sälllen vernichtende Urtheilc über die gegenwärtige Regierung, deren Politik sie als Farce und Lüge bezeichnelen; das einzige Heilmiliel sür das unglückliche Vaterland sei die republikanische Siaalssorm, deren Verwirklichung nicht lange auf sich werde ivarle» lasse». Die Regierung sei sür die Kolonialkriege und sür das Anwachsen der carlfflische» Partei verantwortlich zu machen; Kuba müsse eine voll- ständige Autonomie erhalten, es wäre geradezu ein Verbrechen, wen» man»och mehr Truppen nach den Kolonien senden würde. Während die regierungsfeindlichen Parteien nach größlmöglicher Konzenlratio» streben, geht im Regieriingslager alles drunter und drüber. Von der sür durchaus nolhiveudig erachtete» Eiiiigung der dissidirende» konservativen Gruppen ist man jetzt iveiter entfernt denn je. Die konservative Regierung mit dem politisch gänzlich»n- fähigen General Azcärraga an der Spitze ivird bald gründlich ab- geivirlhschastet haben,.sie dürste kaum noch dazu koinmen, die Cortes eiiizuberufe». Dann wird Herr Sagasla, der bereits ans der Ver- senkung emporgctaucht ist und sich täglich durch lange Rede» in Er- innerung bringt, die verwahrloste Erbschaft antrete»; man darf mit Sicherheit annehmen, daß es ihm ebenso wenig wie den Konservaliven gelinge» wird, das stenerlose Elaalsschisf in de» richtigen Konrs zu bringe», und dann habe»— die sogeuannte» extreme» Parteien das Wort.— — lieber d aS letzte Attentat in Barcelona wird aus Madrid geschrieben: Es ist jetzt in bestimuitester Weise»ach- gewiesen, daß das Attentat Eeinpau Barril's nickt ein anarchistisches gewesen ist, und daß somit eine durchaus un- gerechtfertigte Anwendung des Anarchistengesetzes bei der Ver- urtheilung Scmpau's vorliegt. Den Bemühungen des Vaters des Vernrlheillen ist es gelungen, eine Anzahl von Advokaten Barcelona'S zu einer gemeinsame» Prolesteingabe an die Königin-Regenlin zu veranlassen. Dieselbe stellt in der Hauptsache folgendes fest: Sempau Barril hatte sich vor zwei Jahren in Barcelona der„ k a t a l a n i st i f ch e» Bewegung" angeschlossen, welche die Selbständigkeit der Provinz Katalonien innerhalb eines spanischen Föderalivstaates anstrebt. Vor Jahres- frtst ging er nach Paris, wo er ebenfalls einem katalaniftischen Klub als rühriges Mitglied beitrat. Die Polizei Barcelona's fürchtete nun die Thätigkeil dieses Pariser Klubs, welcher nach ihrer Meinung eine aufständische Bewegung in Katalonien vorbereiten wolle. DeS- halb denunzirte der Polizeichef Portas die Mitglieder des Klubs der der französischen Regierung als Anarchisten und verlangle besonders die Ausweisung Seinpau's, die auch erfolgte. Sempau ging darauf nach Belgien, wo er jedoch keine Beschäftigung fand. So reifte in ihm der Plan, an Portas Rache zu nehmen, worauf er»ach Barcelona zurückkehrte und zwei Woche» später das Attentat aus- führte. Da nun die beiden verwundeten Beamten Portas und sein Sekretär Fexeidio außer aller Gefahr sind und biniien»venigen Wochen wieder vollständig hergestellt sein dürften, so liegt hier nur ein leichter Mordversuch vor, welcher»ach dem spanischen Gesetz- buche mit einer Höchststrafe von 2 Jahren Gefängniß und 250 Peseten Geldstrafe bedroht wird.— In Barcelona und ganz Katalonien legt man auf die Revision des Prozesses um so größeren Werth, weil sonst alle Anhänger der weit verbreiteten föderalistischen Beiveaung des Landes befürchten müßten, unter das Anarchistengesetz gestellt zu werden. — Das Verhältniß zu den Vereinigten Staaten. Der„Temps" meldet aus Sa» Sebastian, der amerikanische Ge- sandle Woodford habe dem Minister des Auswärtigen, Herzog von Tetuaii, in einer drei Stunden währenden Znsanimenkunft dargelegt, daß die Vereinigten Staaten von Amerika infolge der langen Dauer des kubanischen Krieges in ihren k o>» m e r z i e l l e n und industriellen I n t e r- essen große Verluste erleiden. Es sei Spanien offenbar unmöglich, den Aufstand innerhalb einer absehbaren Frist niederzuwerfen, und selbst, wenn dies gelänge, iväre Kuba infolge der Kriegsmethode des Generals Weyler vollständig v e r w ü st e t und so- wohl für die Spanier wie für die Kubaner nutzlos. Woodford erklärte schließlich, wenn der Krieg nicht vor Ende Oktober beendet wäre, würden die Vereinigte!» Staaten sich für be- rechtigt halten, die ihnen entsprechend er- scheinenden Maßnahmen zur Sicherung des voll» ständigen dauernden Friedens auf Kuba zu treffen. Der Herzog von Tetuan habe die Mittheilungen Woobford's zur Keuntniß genommen und gleichzeitig gegen die amerikanische» Prätentionen Verwahrung eingelegt. Eine offizielle Antwort werde der Herzog von Tetuan erst in Madrid nach der Rückkehr des Hofes forinuliren.— Madrid, 21. September. Ein Telegramm au? Havana meldet, daß eine neue Expedition der a m e r i k a n i f ch e n F r e i b e u t e r mit Waffen und Munition ausgerüstet,"in der Provinz Havana ge» landet sei. Dies ist die 43. Freibeuter-Expedition auS den Bereinigten Staate» nach Kuba. Von diesen schlugen 21 gänzlich und 6 theil- weile fehl. 16 Erpeditione» waren erfolgreich. Die Gerichte der Vereinigte» Siaaten gingen in 11 von de» 16 erfolgreiche» Fällen gegen die Anstifter bezw. gegen die Vermittler der Expeditionen vor. Obwohl die Regierung der Bereinigten Siaate» die Befugniß hat, verdächtige Fahrzenge Init Waffe»»nd Munition niit Beschlag zu belege», ist i» keinem Falle ein Schiff wirklich beschlagnahmt worden. Von den angeklagten Personen wurden die nieisten freigesprochen und manche eingeleileten Prozesse»iebergeschlage». Wirkliche Ber- nrlheilnnge» erfolgte» blos in drei Fällen und auch da noch nicht überall in letzter Instanz.— Afrika. — Ueber die Lage im Sudan meldet der„Figaro", zivischen England und dem Mahdi sei ein Verlrag abgeschlossen, ivonach der Mahdi sich dem Vormärsche der Engländer bis Khartnm und darüber hinaus nichl entgegenstellen werde. Unter diesen Le» dingungen bleibe der Mahdi König von Khartum und Zobeir- Pascha Gouverneur von Darfiir unter dem Protektorate England«. Die Truppen Osiiian Digmas bleiben bis auf»veilereS am Atbara konzeulrirt.—__ Der Kongreß der sozialdemokratischen Partei Italiens. Bologna, den 19. September. Die heutige VormIltagS-Sitzung beschäftigte sich mit der Orga- nisationcfrnge der Partei. Dell'Avalle legte im Namen des Exekuiivkoinitees ein Projekt vor, nach dem alle Sektionen die Hälfte ihrer Einkünfte der Zentralkasse zu übenveiseii habe». Andere Borschläge zielen dahin, de» Distriktsverivaltunge», in deren Wirkungskreis der Sozinlisiniis schon eine größere Verbreitiing erlangt hat. eine größere Unabhängigkeit von der Zentralleitnug z» sichern. Die ganze Frage wird schließlich bis zum nächsten Kongreß vertagt. I» der Nachinitiags-Sitzung kam die Agrarfrage zur Ver- Handlung. Dr. G e r o l a»i i G a t t i gab als Berichterstatter eine erschöpfende Darstellung der Lage der landivirthschaftlichen Arbeiter. De», ländlichen Kleinbesitz könnten keinerlei Versprechungen gemacht iverden, die Eihaltung der Kleinbauern sei auf die Dauer nicht möglich. Zn iliilerstützen seien die Bestrebiliigen nach Assoziationen des kleine» Gniiidbesitzes mit kollektivistischer Bewirthschastung desselben.— Cr o ce spricht sich gegen dies« Anschanung a»S. weil diese der Auffaffung des Bauern widerspräche.— Serrantoni plädirt für Einführung von Gerichten für die Landalbeiter, ähnlich den Geiverbegerichten. Nach Schluß der sehr ausgedehnten DiZknsfion wird eine Re- solutio» angenommen, welche der Partei die Art ihrer Agitation auf dem Lande vorzeichnet. Nach derselbci» hat die Partei danach zu strebell, daß auf dem Lnnde Reformen zu gnnsten der Arbeiter (Tagelöhner, Dieustbote» tt.) herbeigeführt werden. Zur Erreichung dieses Zweckes wird die Einführung von landwirthschaftlichen Arbeitskanimer» verlangt. Auf Festsetzung eines gewissen Lohn- »liiiinulms und Verkürzung der Arbeitszeit soll hingearbeitet iverden.— Bezüglich des Kleingrundbesitzes erklärt die Resolution, daß dieser der fortschreitenden Konzentration des Kapitals zum Opfer fallen müsse. Die sozialistische Partei habe sich aus die Beionung dieser Thaisache zu beschränke» und de» Bauern die öko- uomischett Gesetze, die ihren Untergang bewirke», ausei»a»der zu setze». Ueber de» nächste» Punkt der Tagesordniing: Die Stellung der Partei zui» industriellen Proletariat, berichtet Dr. Anna K u l i s ch o f f. Sie bedauert, daß die Partei die Agi» tatio» unter dem Industrie-Proletariat bisher vernachlässigt habe; die ökonomische» Vereinigungen/ Gewerkschaften, Arbeilskaiinliern seien i»ehr zu berücksichtigen; die Partei sei bisher eine„parla» mentarische" gewesen. Sie tritt in ivarnier Weise ein für Arbeiter« schütz-Gesetze; eine energische Agitation sei zn entfalten, uiii die Arbeiterinnen zn organisiren. Redner!» schildert in ausführlicher Weise die über alles Maß elende Lage der ilalienischen Jndiistrie-Arbeilerinne», die lauge Arbeitszeit, die schlechten Löhne, die große Sierblichkeit der Frauen und Kinder. Sie verlangt die Einsührung eines besonderen Gesetzes zum Schutze der Frauen- arbeit. Dem Jahreskongreß der italienischen Sozialisten wurde am Sonnabend, wo er seine Sitzungen begann, vo» den Genosse» Auer, Liebknecht und Singer, als den>» Berlin derzeit anwesenden Mitgliedern der Parteileitung, ei» Glück- ivuiisch-Telegramni, die inleriiationale Solidarität betonend und die Syinpalhien der dentschen Partei ausdrückend, zugesandt. Auf dieses Telegrannn, das mit Jnbel aufgenommen wurde, er» widerte ini Auftrage des Kongresses dessen Vorsitzender Costa: Genossen! Eure brüderlichen Worte, in denen Ihr Eure Solidarität iinS beklnidet, sind uns eine Erniuthiguiig. auf der gemelusame» Bah» der internatioiiale» Emanzipalio» der Arbeit voranznschreiten. Gruß und Solidarität! Hoch der Soziallsmus! Costa, Vorsttzender. Bologna, den 19. Seplember.— „Einen Antrag auf Abschaffung der Maifeier" sollen die Hamburger Genosse» gestellt haben, behaupten hartnäckig verschiedene Blätter z. B. auch die„Bossssche Zeitung". Aber der Hamburger Antrag richtet sich nur gegen die obligatorische Arbettsruhe am l. TOat. Wir können fmtm glauben, daß eS bloße Naivetät ist, was dieses Wortspiel mit dem Ausdruck Mai f e i e r veranlaßt hat.— Ruf dem 6. Parteitage für das westliche Westfalen, der am Souutag in Hörde abgehalten wurde, empfahl der Genosse Land« in seinein Iieferat über die Betheiliguug an den Landtagsivahlen ei» Kartell mit den Freisinnigen zum Zwecke der Aertheilung der Mandate unter Freisinnige und Sozial- demokraten in solchen Kreisen, wo ihre Wahlmänner die Mehrheit haben. Der Korreferent Lehmann verwarf jeden Kompromiß und bezeichnete die Beiheiligung an der Landtagsivahl als aussichlslos, stellte aber dem Parteitage anHeim, sich für die Aufhebung des Kölner Beschlusses auszusprechen. Unter Ablehnung verschiedener Resolutionen, die jede Betheiligung verwarfen, wurde beschlossen, dem Hamburger Parteitag die Aufhebung des Kölner Beschlusses zu empfehlen: die Entscheidung über das Ob und Wie der Betheiligung soll jedem Wahlkreise überlassen werden Tie Parteikonferenz für de» S. hanuöt'crschcn Wahlkreis Haittelu-Tpringe, die am Sonntag in Springe tagte und von dv Delegirten ans 25 Ortschaften sowie zirka'lOO Güsten besucht war, wählte den Genossen Stein aus Limmer wieder zum Ber- traneuSlnann. Derselbe hatte, einschließlich des vorhandenen Kassen- hestandes, eine Jahreseinnahme von 1227,31 M. Nach Abzug der Ausgaben im Betrage von 710,70 M. blieb ein Ueberschuß von 516,61 M. Als Delegirter zum Hamburger Parteitage wurde ein- stimmig der Neichstagsknndidat des Kreises, Genosse A. Brey aus Hannover, gewählt; hinsichtlich der preußischen Landtagswahlen beschloß die Konferenz, daß der Kölner Beschluß aufgehoben, jedem Kreise aber überlassen bleibe» soll, ob er sich betheilige» will. Zum Schluß hielt Genosse Brey einen zweistündigen Vortrag über die gegenwärtige Lage, der den ungetheilten Beifall der Parteigenossen fand. Die Parteigenossen i» Biebrich in Hessen-Nassan beriethen über ihre Stellung zu der L a n d t a g s iv a h l, die im Laufe des nächsten Monats dort vorzunehmen ist. Auf Antrag des Genossen M ü l l e r entschied man sich für Stimmenthaltung, da der Beschluß des Kölner Parteitages unbedingt so lauge befolgt werden müsse, als er bestehe. Vom Parteitag zu Hamburg wird die Auf- Hebung jenes Beschlusses verlangt; über die Betheiliguug an der Lnndtags>vahl selbst solle» die Parteigenossen der einzelne» Wahl- kreise entscheiden. RlS RcichStagS-Kandidat für Mainz wurde von der Parteikonferenz zu Kostheim einstimmig wieder der Parteigenosse Dr. David aufgestellt. Derselbe hat die Kandidatur angenommen. Als Dclegirte zum Hainburger Parteitage sind gewählt: für den Reichstags- Wahlkreis Altona die Genossen L e sch e- Altona, Frau Kühler und R o s b i tz k i- Wandsbcck; für de» Wahlkreis L a u e n b n r g die Genossen S ch u m a ch e r- Lauciibilrg, Runge- Sande und Krüger- Schiffbeck. Von der Agitation. Unsere m e i n i n g i s ch e n Parteigenossen vertheilten am Sonntag im ganzen Herzogthnin trotz des schlechten Wetters ein Flugblatt zur L a n d t a g s w a h l. Fußtouren von 4—6 Stunden mußten unter stetem Rege» gemacht 'Verden und doch unterzogen sich die Genossen diese» Strapazen mit der größten Bereitwilligkeit. In Breslau sprach Liebknecht am Sonntag in einer Versammlung, die schon stundenlang vor ihrem Beginn stark besetzt war, über die Stellung der Sozialdemokratie zur Fraueiifrage. Eim stimmig wurde folgende Resolution angenommen:„Die Volksversammlung spricht dem ilieferenten, Reichstags< itlbgeorduetcn Wilhelm Liebknecht, ihre begeisterte Uebereinstinunung aus mit seinen lehrreichen und überzeugende» Ausführungen, die trefflich ge- eignet waren, die hohe Genngthuung in den versammelten Frauen und Männern zu nähren, als Mitstreiter den Millioiienheeren der internationalen Sozialdemokratie anzugehören in dem Klassen- kämpfe, der da führe» wird und muß zu dem erhabenen Ziele der Beseitigung der herrschende» inenschemniivürdigcu wirthschaftliche» und politische» Zustände und verwirklichen wird das Ideal der Freiheit, der Gleichheit und des Wohlergehens für alles, was Menschenantlitz trägt." Nachdem Genosse Lang» er ans die Wichtigkeit der Arbeiterpresse hingewiesen hatte und eine dement- sprechende Resolution einstimmig angenommen worden mar, erörterte FrauGeiser,dieVorsitze»dederVersamml»ng,dasNrlheildesVreslauer Landgerichts gegen die dortige Frauenbewegung, das belannllich die Auflösung des„Vereins der weiblichen Bertrauenspcrsonen" aus- sprach und die Bestätigung durch das Kanimergericht fand. Die Rednerin wies die Behauptung des Gerichts zurück, daß die Vreslauer Frauenbewegung künstlich geschaffen und von männlicher Leitung abhängig sei, und betonte unter lebhaftem Beifall, daß diese Beweginig hervorgegangen sei aus dem zwingenden Vedürfniß der betheiligten, völlig unabhängig wirkende» Proletarierinnen. Diese Bewegung werde daher auch allen Hindernissen und An- seindungen zum Trotz weiter blühen und gedeihen. Eine eut- sprechende Resolution wurde einstimmig angenommen. Nach einem Schlußwort des Referenten, der zu»»ausgesetzter Thätigkcit sür unsere Sache anfeuerte und mit scharfe» Worten die vcrwerslichen Praktiken der Gegner annagelte, die uns Umsturz- und Revolutions- gelüste vorwerfen, selbst aber die Grundlage» des Reiches, die Ber- fassung und das allgemeine Wahlrecht in frecher Weise antasten, schloß die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf die Sozialdemokratie, dein sich brausende Hochrufe aus Liebknecht au- schloffen. Die„Magdeburger VolkSstiminc" erscheint vom 27. September an täglich mindestens sechsseitig, ausgenommen Montags, wo dasür der Romanbogen beigelegt wird. Der„Landbote" und die „Franenpost", die bisher der„Volksstimme" beigelegt wurden, fallen weg, da sür die Besprechung der Landarbeiter«Verhältnisse und der Frauenbewegung in der„Vokksstimme" selbst Ran», geschaffen ist. Von dem bereits genannten Zeitpunkt a» führt die „Volksstimme" das Datum des folgenden Tages. Die Parteikonferenz für den v. württembcrgische» Reichs- tags- Wahlkreis, der die Oberämter Balingen, Rotlweil, Spaichingen und Tuttlingen umfaßt, wählte den bisherigen Kreis- Vertrauensmann Robert Maurer in Ebingen wieder und bestimmte als Delegirten zum Hainburger Parteitage den Genossen G. Ulrich in Stuttgart. In, Hinblick auf die bevorstehende Wahl- kampngne wurden die Ortschaften des Kreises in 5 Agitationsgruppen eingetheilt. Zur Regelung der Agitation ist für jede dieser Gruppen in der in betracht kommende» Mitgliedschaft ei» Vertrauensman» zu wählen. Die von dem Kandidaten des Kreises, dem Genossen Hilde»brand ans Stuttgart, in betreff der Agitation gemachten Vorschläge wurden angenommen und man beschloß, noch diese» Herbst mit Versammlungen zu beginnen. Die Konferenz tagte in S ch ö m- b e rg und war von 13 Delegirten besucht. Polizeiliches, Gerichtliches ,e. — Ueber die Verhandlung des Reichsgerichts gegen unser» Parteigenossen Reichstags-Abgeordnete» Horn in Dresden wegen Beleidigung dreier Glashütteudirektoren, worüber in der Dienstagnummer des„Vorwärts" kurz berichtet wurde, schreibt die Reichsgerichtskorrespondenz: Das Landgericht hat festgestellt, daß Horn die Direktoren beleidigt und nicht i» der Wahrnehmung berech- tigter Interesse» gehandelt habe. Gegen die Nicht-Anwendung des § 193(Wahrnehmung berechtigter Interesse») richtete sich im wescnt- lichen die Stevision des Angeklagten, der seine Ausführungen per- sönlich vor dem Reichsgerichte machte. Von allgemeinem Jnterefse war seine Angabe, daß er in dem einen Falle dupirt worden sei. Es ist ja eine bekannte Thatsache, daß ein Redakteur nur selten in der Lage ist, die Richtigkeit einer ihm zugehende» Nachricht sofort zu prüfen, und er wird, namentlich wenn die Nachricht ihm von vertrauenswürdiger Seite zugeht, sich nicht bewußt sein, durch Veröffentlichung derselben eine strafbare Handlung zu begehen, aber dennoch wird er verurrheilt. Der Oberreichsanwalt bezeichnete sämmtliche Rügen als unbegründet und das Reichsgericht erkannte sodann auf Verwerfung der Revision. — Der Parteigenosse Wilhelm Leven, Redakteur der„Nenßl- schen Tribüne" in Gera, verläßt am Heuligen Mittwoch das Gesäng- „iß nach Verbüßung der neunmonatigen Strafe, die ihm wegen Preßvergehen auferlegt war. Der Sozialdemokratische Verein in Gera hat zur Begrüßung des kampserprobten Parteigenossen eine» Gesellschastsabend arrangirt. — Bor zwei Jahren wurden in I s e r l o h n drei Parteigenosse» vom Schöffengericht von der Anklage fr e i g e s p r o ch e n, in den Gemeinden Westig, Sundwig und Hemer sozialistische Flugschristen ohne polizeiliche Erlaubniß öffentlich verbreitet zu habe». Der Vor- sitzende des Gerichts, Amtsrichter Sasse, vertrat � wie die „Rheinisch-Westfäl. Ztg."'»ittheilt— die Ansicht, daß Wohngebäude und Restaurationen nicht als öffentliche Orte zu betrachten seien. Da nun die Angeklagleu die Flugschriften von Hans zu Haus gebracht hätte», müsse deren Freisprechung erfolge». Das Gesetz fchreibc polizeiliche Erlaubniß nur bei öffentlicher Verbreitung vor, und diese habe nicht stattgefunden. Derselbe Richter hat jetzt vier Parteigenossen, die in denfelben Orte»»nd in derselben Weife wie die drei Parteigenosse» vor zwei Jahre» ein Flugblatt verbreitet haben, wegen öffentlicher Verbreitung verurtheilt, weil das Verbreiten von Haus z u Haus eine öffentliche Verbreitung sei »nd deshalb der polizeilichen Erlaubniß unterliege. Der Richter irrt: seine frühere Ansicht war zutreffend. Er übersieht, daß durch § 43 der Gewerbe-Orduung Absatz 5 bestimmt ist:„in geschlossene» Räumen ist zur nichtgewerbsmäßigen Verlheilung von Druckschriften oder anderen Schriften oder Bildwerken eine Erlaubniß nicht er- forderlich." Selbst das Kammergericht hat zugegeben, daß durch diese Bestimmung die alipreußische Preßgesetzbcstimmung, soweit sie nichtgewerbsmäßiges Vertheilen i» Restauratione» von HeNttandadS Gnaden abhängig macht, zweifellos aufgehoben ist. GewevkMÄftliches. Berlin»nd llmgcbmig. Achtung, Drechsler! I» der Tischlerei der Herren Mark- gras u. T h a u, Cuvrystr. 16, habe» am Sonnabend die Kollege» die Arbeit niedergelegt, da ihnen zugemuthet wurde, 33'/3 pCt. billiger zu arbeiten. Es ist außerordentlich nothwcndig, die Kollege» durch Fernhaltung des Zuzuges zu unterstützen. Als äußerst bedauerlich muß es bezeichnet werden, daß sich am Sonntag bereits Arbeitswillige gesunde» hatten. Dieselben haben jedoch, ans den Stand der Dinge aufmerksam gemacht, die Werkstelle wieder verlassen. Da die Firma den Versuch macht, anderweitig die Arbeit anfertigen zu lasse», ist es dringend geboten, überall in de» Drechsler-Werk- stätlen hierauf zu achten, um den Kollegen den Kampf nicht illusorisch zu machen. Hauptsächlich kommen Stuhl- und Tischsüße in betracht, die zur Spezialität Sitzmöbel»nd Lokaleinnchtungen gehören. Im weiteren werden die Kollegen noch darauf aufmerksam ge- macht, daß die Sperre i» der Werkstatt des Herrn Engel, Deinminerstr. 5, vom letzten Baudrechsler-Slreik unverändert fort- dauert. In der Baudrechslerei der Herren Schmidt n. Ko., Schönhauser Allee 107s., besteht»och die ölstündige Arbeitszeit, da die dortige» Kollegen nicht in die Bewegung für die Verkürzung der Arbeitszeit eingetreten sind.' Die Kontrollkommission der Drechsler. Achtung, Stockarbeitcr! In der Stocksabrik von I. H. Gembicki, Atexandrinenstr. 22, habe» sämmtliche Kollegen wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Die Agitations- k o m m i s s i o n. Utttcrlichmcr-TcrroriSinnS. Auf fein Gesuch um Arbeit bei der Berliner Maschinenbau-Aktiengesellschaft vorm. Schwartzkopf erhielt der Metallarbeiter F. folgende Antwort: „Auf Ihr werlheS Schreibe» vom gestrigen Tage ersuchen wir zunächst, uns schriftlich die Erklärung abgebe» zu wollen, daß Sie sich bei Wicdereinftellung in eine zu dem Verband der Berliner Maschinenfabriken gehörige» Werkslätte zukünftig aller sozialdemo- lrnlischen Agitationen, Sammlungen für Streikzwccke, oder Aus- hetzunge» zu Streiks und Beunruhigung der Arbeiter enthalten wollen, wie daß Sie sozialdemokratischen Verbänden, welche diese Ziele verfolge», nicht angehöre».— Wie Ihnen erinnerlich sein wird, erfolgte Ihre Entlassung aus unserer Fabrik im Jahre 1392 aus dem Gninde, weil Sie sich derartiger Umtriebe in reichem Maße schuldig gemach» haben und dies auch unter der Erklärung, daß Sie dem sozialdemokratische» Verbände angehöre», zugaben. Ter Verband der Berliner Metallinduslriellen und die Einrichtung des Arbeitsnachweis-Vureaus desselben hat es sich aber insbesondere zur Aufgabe gestellt, für die Unterkunft aller arbeitsuchenden, ordent- lichen, friedlich denkende» und ohne ihre eigene Schuld arbeitslos gewordene» Arbeiter zu sorgen resp. dieselbe» einander zu empfehle», hingegen zum stets gern gewährte» Schutz und Schirm der eigenen Arbeiter, welche in Friede»»nd Eintracht ihre Arbeit verrichten wollen, die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, wodurch hetzende und Unfrieden stistende Elemente ans deren Werkstätten fern ge- halten»»erden.— Ohne daß Sie eine derartige Erklärung, wie sie eingangs dieses Schreibens Ihnen anbei", gestellt ist, abgebe», sind wir nicht in der Lage, Sie»nsereu Herr» Kollege» zur Einstellung zu empfehlen, was wir im anderen Falle gern thu» wollen. Eine Verfagnng derselben schließt jedoch andererseits natürlich nicht ans, daß sie in alle» übrige» Werkstätle", die nicht zu»nserm Verbände gehören, sich"in Arbeit bemühen und solche nach ihrem Belieben annehme» oder ablehne», dennunsere Vereinigung beschränkt sich nur auf die Mitglieder, welche das Arbeitsuachweis-Burean zur Hilfe und zum Schutz und Schirm gut bewährter Arbeiter errichtet haben." Was würden wohl die Unternehmer»nd die auf deren Seite stehende bürgerliche Presse dazu sagen, iven» die Arbeiter oder deren Organisation von de» Fabrikanten verlangen wurden, daß sie sich aller nationalliberale" oder freikonservativen Agitation enthalte», oder Verbände» nicht angehören sollen, welche die Interessen der Unternehmer vertreten»Nd jede» Arbeiter, der zur Erreichung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen sich zusammenschließt, auszu- hungern bemüht sind. Und doch wäre ein solches Verlangen, von den Arbeitern an die Fabrikanten gestellt, nichts anderes, als was die Unternehmer sich den Arbeitern gegenüber herattsnehmen. Der Vorstand dcS Verbandes der Tcntschcn Bilchdrucker hat, wie uns initgetheill wird, zur Unterstützung der um de» Acht- st u n d e» t a g kämpfenden englischen Arbeiter vor- läufig 5060 M. bewilligt. TeiitscheS Reich. Eine Protestkundgebung veranstalteten die Bergarbeiter in einer gut besuchten Versammlung, die am Sonntag in Dort- m u» d tagte. Die Zeche» habe» in letzter Zeit wiederholt Arbeiter anwerben lassen, die nachher bitter enttäuscht waren, als sie sahen, daß die Versprechungen der Agenten in bezug ans die Lohnzahlungen ausbliebe». Vor kurzem hat die Zeche Kaiserstuhl mehrere hundert Arbeiter aus Fünskircheu in Ungarn komme» lasse», die mit Weib und Kind i» Dortmund anlangten. Bergarbeiter Bunte bestritt in der Versammlung aus daS entschiedenste, daß es diesen armen verführten Leuten möglich sei» wird, 3—6 M. täglich zu verdiene», wie es die Agenten de» Arbeitern vorredeten, um sie mit ihren Fainilie" aus der Heimath zu locken. Selbst geübte, tüchtige Bergarbeiter erreichen diese» Lohn nicht. Auch machte der Redner darauf aiifmerksaui, welche Gefahren für den Betrieb entstehe", wen» so viel ungeübte ZIrbeiter aus einmal in die Belegschaft einrücke", die ohne jede Kennlniß der Gefahren in Schlagwetter- Grube» sind und die be- triebstechnische" Einrichtungen garnicht kennen. I" einer Resolution protestirte die Versammlung gegen dieses masscnhaste Anwerbe» fremder Arbeiter. Der„Frankfurter Zeitung" wird aus Gelseukirchen gemeldet, daß in den letzten Monaten über 20 00<) fremde Arbeiter dort ein- gewandert sind. Wie dabei mitunter zu Werke gegangen wird, zeigt eine Verhandlung, die vor dem dortigen Berg-Gewerbegericht unter Vorsitz des Bergraths Utheinann stattfand. Acht Bergleute ans Ober- Waldenburg in Schlesien waren von einem Beauftragten der Zeche „Königsgrube" für diese Zeche angeworben worden nnler dein Verspreche», sie würde» 4 M. bis 4,50 M. pro Schicht verdienen»nd nach Antritt der Arbeit«inen Vorschuß erhallen, damit sie ihre Angehörigen herüberholen könnten. Als die Berg- Hausfriedensbruch. Vergehens gegen§ 153 alte Maurer Zitier Abeuds in den in der lenke hierherkamen, wurden sie als Schlepper angestellt und ver- dienten pro Schicht 2,30 bis 3 M. Nur einer verdiente als Hauer nicht ganz 4 M. Die Bergleute klagten nun auf den versprochene» Lohn und eine» Vorschuß von 90 M., dannt sie ihr« Miethe be- zahlen könnte» und nicht exmittirt würde». Auch verlangte» sie Be- schästiguug als Hauer, zumal sie schon 5—8 Jahre Bergarbeit ver- richtet hätten. Das Berg-Gewerbegericht verurtheiUe die Zeche „Königsgrube", den klägerischen Bergleuten vom Tage der Aukehr bis zur Abkehr einen Schichtlohn von 4 M. zu zahlen und ihnen außerdem je 20 M. sür Reisekoste» zu vergüte». Das Gericht»ahm an, daß der Beauftragte der Zeche seine Versprechungen auch im Austrage der Zeche gemacht habe. Die Verhandlung kennzeichnet so recht die ganze Gewissenlosig- keit profitgieriger Unternehmer. Ihren Zweck zu erreichen, sind sie in der Wahl ihrer Mittel nie wählerisch. Tausende von Arbeitern werden unter falschen Vorspiegelungen angelockt, ohne daß die Ver- waltungen der Zechen auch nur die geringste Verpflichtung sühlen, die Versprechungen ihrer Agenten zu erfüllen. Die Sperre über die Faßfabrik von Techau n. Fischer in Bergedorf, welche bekanntlich wegen Differenzen der Nüper ver- hängt wurde, ist aufgehoben. Tic Lohnkoininission der Holzarbeiter in Lübeck weist darauf hin. daß über folgende Werkstätten die Sperre verhängt ist: Gebr. Wafferstradt, W. Seuff, H. M. Th. Bahrdt, I. P. H. Pamperi», F. Schramm, sowie Tcinuth u. Ko. Ter Leipziger Manrcrstreik hat wiederum mehrere Ver- urlheilungen wege» Vergehens gegen§ 153 der Gewerbe< Ordnung zuwege gebracht. Der 54 Jahre alle streikende Maurer Friedrich Gottlieb Taberna aus Zschortau sah am Nachmittage des 19. Juli, daß die Bauunternehmer Regel und Z i m m e r n> a» n zwei italienische Maurer aus der Schletlerstraße der elektrischen Straßenbahn in der Zeitzerstraße zuführten. Taberna trat auf die Maurer zu und sagte:„Was, Ihr wollt hier arbeiten? Wißt Ihr denn nicht, daß wir streiken? Untersteht Euch das nicht, sonst sollt Ihr sehe», was pafsirt!" Obgleich die Italiener diese Aenßerung nicht verstanden, ließen die Unlernchmer de» Maurer Taberna doch verhafte».„Bei der Geiueingefährlichkeit seiner Hand- lungsweise" verurlheilte ihn das Schöffengericht zu einer Woche Ge- fäiigniß. ...... Widerstand gegen die Staatsgewalt und der Geiverbc-Ordnung soll der 40 Jahre dadurch begangen haben, daß er eines dritte» Etage der„Herberge zur Heinialh" gelegenen Schlafsaal init zwei anderen streikenden Maurer» ging und zu dort anshältlichen italienischen Maurern sagte: „Kollege»/ seid vernünftig, reist doch ab, Ihr macht uns doch den Streik nur schwer. Wir gebe» Euch auch das Reisegeld! Wenn Ihr nicht wollt, dann laßt Euch aber nicht auf der Straße sehen!" 'Auf Anweisung des Wirthschnflsgehilfe" Franz Kutsche und des in Zivil anwesende» Schutzmanns Zanmseil soll sich dann Ziller nicht entserut»nd seiner gewaltsamen Fortführung durch Festhalten an» Treppengeländer und Einstemmen mit den Füßen in» Hausflur widersetzt habe». Ziller bestritt, die Drohung gebraucht zu haben. Das Schöffengericht verurtheilte Z. zu drei Wochen süns Tagen Ge» fängniß. �. Der Maurer Karl August Silber hat von dem Polizmint ein Strafmandat über 3 M. erhalte», weil er am 23. Juli vormittags gegen 8 Uhr auf der Promenade gegenüber dem Magdeburger und Dresdener Bahnhof hin und her gegangen ist und sich auf einige Minuten anf eine Promenadenbank geseht hat. Ein Antrag auf richterliche Entscheidung brachte die Sache vor das Schöffengericht zur Entscheidung»nd erfolgte hier die Freisprechung, da dem An- geklagten nicht nachgewiesen werden konnte, daß er die ankommenden Maurer belästigt habe. Das Landgericht verurtheilte den streikenden Maurer W e s ch e, der in Gemeinschaft mit anderen Maurern zwei arbeitswillige Maurer, die von dem Polier B.»ach Leipzig geholt worden waren» in der Stacht z»»l 12. Juli i» der Nähe von Leipzig verhauen hatte, auch der Polier Halle seine» Theil wegbekomme", unter Rnrechnuug von einem Monat der Untersuchungshast zu einem Jahr drei Monaten Ge fängniß. Der Staatsanwalt hatte vier Jahre Gesäng»iß beantragt. Das Gericht begründet« das Urtheil damit. daß es dasür zu sorge» habe, daß jedem Arbeiter das Recht bleibt, sich eine» Unterhalt zu verschaffen und die Arbeitswilligen gegen Gewaltlhätigkeiten zn schützen. Von dem gleiche» Gericht wurde der Maurer Karl Knoof>vrgc» versuchter Nöthigung zu einem Monat Ge- fängniß verurtheilt, weil er am 24. Juli bei Einhäudignng eines Flugblattes zu zwei arbeitswilligen Maurern erklärt hat:„Lest Euch das gut durch, wenn Ihr das nicht befolgt und weiter arbeitet, dann kommt Ihr nicht ganzbeinig aus Leipzig heraus." Das Ge- richt erkannte deshalb aus eine so hohe Strafe, weil K. die Zeugen nur von der Arbeil abhalten wollte und seiner Aenßerung, als von einem alten Manne getha», mehr Gewicht beigelegt würde. AnSlaud. Znin Kampfe der englische» Maschinenbauer. Die falschen Gerüchte von den vom Handelsamle eingeleiteten Berniiltelnngs- versttchen, die gestern auch von de»„Berliner Pol. Nachr." kolporlirt wurden, sind dadurch entstanden, daß das Handelsamt die Vertreter beider Parteien empfange» hat, um sich Bericht erstatten zu lassen. Irgend ivclche Schritte hat das Handelsamt noch nicht eingeleitet.— I» Sheffield, Edinburg, Greenock, Dundce und Bristol solle» weitere Aussperrnnge» angekündigt sein.— Die Zahl der am Kampfe be- theiligte» Arbeiter beträgt jetzt zirka 50 000 Mann, die am Sonn» abend zusammen 33000 Pfund Sterling Streikuuterstützung erhalten haben._ Depefilszen«iifc letzke MKchvichten. Dresden, 21. September.(W. T. B.) Amtlich wird bekannt gegeben:'Auf der letzten durch Hochwasser zur Zeit»och gestörten sächsische» Linie Mügeln— Geising— Attenberg wird am 22, d. M. der Gesaiumtverkehr anf der Theilstrecke von Mügeln— Burkhardls- waldc— Maxen bis Glashüllc wieder eröffnet. Resistrecke Glas- Hütte— Geising— Altenberg bleibt»och ungesähr 6 Tage gesperrt. Kaiserslanter», 21. September.(W. T. B.) Heute Abend fuhr der„Pfälzischen Presse" zufolge aus den» hiesige» Rangier- bahnhof ein rangierender Güterzug einem von Landstuhl kommende" in den Hauptbahnhos einfahrenden Güterzug in die Flanke. Di« Lokomotive und 16 Wage» wurden beschädigt, 5 Wagen voll- ständig zertrümmert. Personen ivurden nicht verletzt. Ueber die Ursache des Unfalles ist noch nichts Genaues bekannt. London, 21. September.(B. H.) Ei» deutscher Offizier des Kongostaatcs veröffentlicht i» einem hiesigen Blalt Einzelheiten über im Kongostaat verübte Gransamkeiten. I» der Publikation heißt es, mehr als 20 Dörfer seien niedergebrannt worden, weil die Ein- geborene» nicht genug Elsenbein liesern konnten. Der Offizier wurde seines Postens eulhobe», weil er sich dem Hände-Adhanen widersetzte. Petersburg, 20. September.(W. T. B) Wie jetzt amtlich auS Krassiiojarsk gemeldet wird, wurde am 14. September 11 Uhr abends im Dorfe Rntziserowskoje der Ballon, welcher für denjenigen Andröz'S gehalten wird, von eincm im adittinistraliven Wege Verschickten »amcns Hcmpel am nordwestliche» Himmel bemerkt. Nach dessen Angaben soll der Nerostat in der Größe eines große» Apfels er- schienen sein und in dem Lichte geglänzt haben. Er blieb fünf Minnlen sichtbar und verschwand sodann hinter Wolken zum Horizont herabsinkend. Rew-Nork» 20. Sept.(W. T. B.) In Cairo(Illinois) sind zwei milde Fälle von gelbem Fieber vorgekommen. Lima(Peru), 20. Sept.(W.TB.) Ein heftiges Erdbeben hat hier zahlreiche Gebäude beschädigt, indeß sind keine Unglücksfälle vorgekommen. Mehrere Frauen ivurden aus den von der erregten Bevölkerung gefüllten Straßen ohnmächtig. Leiailtwvttlicher Redakteur: Angus» Jacobcy in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck»nd Verlag vo» Max Babing in Berlin. Hierzu S Beilage» u.«utcrhalinugsblatt. �.221. u. ZchMg. i. Keilllße des„Nllwijrts" Kerlmer MIKsdlM. Von dvn sächstschrn Unndkogswohlon. Dresden, 20. September 1897. 7lm 27., 28., 29. d. M. finden die Wnhlnwnner.Wahlen in «qchsen statt. Die dritte Wählerklasse wählt am 27., die zweite am 28., die erste am 29. Es ist die erstmalige Wahl unter dein Drei- klasscu-Wahlsystem. Die sächsischen Parteigenossen wollen versuche», was fie auch unter einem so schlechten Wahlsystem auszurichten vermöge». So viel läßt sich schon jetzt sagen: Würde unsere Partei sich nicht aktiv an diesen Wahlen betheiligen, so würde die ganze Wahl überhaupt fast ohne jede Erregung in der Oeffentlichkeit vorübergehen. Durch das Eingreifen unserer Partei ist Leben in die Bevölkerung gebracht, ist eine große politische Bewegung erzeugt worden. Zunächst galt eS für unsere Genossen, den Wählern das neue Wuhlgesetz vor Augen zu führen. Schon das war bei der Komplizirt- heil des ganzen Verfahrens keine Kleinigkeit. In einem über das ganze Land verbreiteten Flugblatt wurden schon vor Monaten die Wähler in anssührlicher Weise auf die Einzelheiten des nenen Wahl- gesetzes aufmerksam gemacht. Den agitatorisch thäligen Genossen ist außerdem eine kleine Broschüre zur Verfügung gestellt worden, aus welcher sie nach jeder Richtung hin Aufklärung'über die Beschaffen- heit des nenen Wahlsystems erhalten konnten. Jetzt, da die Wahltage nahe bevorstehen, ist man nun daran, Flugblätter zu verbreiten und Versammlungen abzuhalte», in denen die Stellungnahme der sächsische» Sozialdemokraten unter den veränderten Verhältnisse» genau gekennzeichnet wird. Als erste Wahlparole gilt selbstverständlich die Wahlrechtsfrage! Und sie leistet vortreffliche Dienst« in der Agitation, vor alle» den Gegnern gegenüber. Letztere schweigen sich darüber vollständig aus, und sind immer in der fatalsten Lage, wenn sie von unseren Ge- »offen herausgefordert werde». Eine wahrhaft traurige Rolle spielen auch wieder die Antisemiten. Im Landtage hatten die wenigen antisemitischen Vertreter gegen die Verschlechterung des Wahlrechts gestimult. Diese Opposition ist aber sehr matt geworden. I» rhren Versammlungen suchen die Herren um diese Frage herumzugehen, wie die Katze um den heißen Brei. Das Verfahren der Gegner in ihren Versammlungen gegen unsere Redner, die mit ihnen diskutiren wollen, ist das herkömmliche. Entweder man läßt uns garnicht reden oder man gewährt uns, wenn die Stimmung der Versamuiellen es garnicht anders erlaubt, 10 Minute». Alle sonstige» Praktiken von seilen der gegnerische» Parteien wie seitens der Behörden, uns die Agitation möglichst zu erschweren, werden natürlich auch in überreichem Maße an- gewendet; die hiesige Presse hat täglich zahlreiche solcher Fälle zu registriren. Man sieht aus diesem Verhalten der Gegner, daß sie sich trotz deS für sie so günstigen Wahlsystems doch vor nus und unserer Agitation gehörig fürchten. Noch erlaubt ihnen das Wahlsystem nicht, sich ganz getrost aufs Ohr zu legen. I» allen Tonarten empfiehlt die bürgerliche Presse„den gemeinsamen Kampf gegen den Umsturz". DaS„Journal", Regierungsorgan, er- klarte offen, daß diese Landtagswahlen in Sachsen mehr denn je den Kanipf der revolutionären Sozialdemokratie gegen die Gesammtheit der Ordnungsparteien be- deuten. Und das hat seine volle Nichtigkeit. Die Anlisemilen sind über diese Auffassung des Regierungsblatles recht böse. Sie können gar- nicht klug daraus werden, ob sie auch mit zu de» Kämpfer» für„Ordnung und Sitte" gerechnet werden, oder ob sie von de» „maßgebenden Kreisen" überhaupt als bedeutungslos angesehen werde». Letzteres wird wohl zutreffen, denn der Antisemitismus, der 1893 hier mächtig ins Kraut schoß, hat seitdem stark abgewirth- schaflet und mehr denn je muß in Sachsen das Wort von der„einen reaktionären Masse" als richtig gelten. Denn auch der Freisinn hat aus der ReaktionSwirthschaft, wie sie hier üblich ist, keine neue Kraft zu ziehen vernwcht; er ist hier todt und bleibt todt. Bei der Bedeutung, die diese Wahlen haben, wird es außer- sächsische Kreise interessiren, die Liste der Wahlkreise und der Kandi- daliiren einzusehen. Zur Wahl stehen im ganzen 31 Kreise Wahlkreis Dresden I Dresden IV Leipzig I Leipzig II Chemnitz l 2. städtischer . 12.„ IS.„ IS. Sozialdemokrat Buchdruckereibes. Schönfeld Zigarre» fabrikant 'Kaden Zeißig Kartell Bürgermeister Leupold Koinmerzieiirath Grninbt Kaufmann Gontärd Fabrlkücsitzer Muller Antisemit Rechtsanivalt Häckel Privatus Göhr« Ingenieur 'Theuerkorn 19. 2l. 23. 24. 7. 9. 10. II. 16. 18. 19. 20. 21. 24, 27. 28. 29. 30. 33. 35. 40. ländlicher Buchdruckereibes. Uhrmacher Kliige-Dresde»'Neißu>a»»-Kn»>enz Wallhcr Bürgermeister— 'Mnller-Colditz — Bürgermeister—• 'Ahnerl-Zweukau Fabrikant~ Bößacck-Glauchau Bürgermeister Kaufmann Schöne Michael Kaufmann'Crüwell— "Georgi-Mylnu— Fabrikant'Kellner— Fabrikant Paulus— Geoineter Neutsch— Gemcindevorstaud— Trüber Gemeindevorstand Fabrikant Greßmanu Allmaun Privatus'May— Riltergulspächler GemeinVevorst. Audrä Rudell Rittergutspächter— 'Steiger Rittergutsbesitzer— 'Richter Gutsbesitzer Haufe— Gutsbesitzer'Däbritz— Fabrikant Dielerich Gemeindevorst. Findeise» Hofrath'Mehnert— Gutsbesitzer Herter— Gemeindevorstand— 'Fritzsching ?— Gutsbesitzer— 'Heymann Amtsrichter— 'Dr. Kühlmorgen Kohleuwerksbesitzer— Klötzer bezeichneten Kandidaten vertraten den Kreis zuletzt Otto Jrmscher-Chemnitz Ludewig Ernst Berger Kaden-Dresden Ernst Müller Karl Günther Planitz 'Ernst Schulze Kansmann Brenne 'Otto Horn Mahnert Restaurateur Nitzschke 2 2 'Postelt Lorenz-Chemnitz Landgraf- Burgstädt 'Geyer Langer-Chemuitz Hausschild 'Stolle Die mit* im Landtage. Welchen Ausgang nun die Wahl absehen. Auf Maudalserfolge rechnet sie vielleicht nicht ausgeschlossen sind. hoffen dürfe», das ist einmal eine große Aufrüttelung des 8 und die Erweckung des Bewußtseins, � wie schnöde herrschenden Parteien durch an ihm gehandelt haben, haben wird, läßt sich nicht unsere Partei kaum, obschon Was wir aber zu erreichen des Volkes die alten Wahlrechts die Verdrängung Zerstörung des das ist serner der ordnungsparteilichen Wahlinänner ans der dritten Wähler- Klasse, so daß die konservative» und nationalliberalen Abgeordneten, welche in das Parlament einziehen, von vornherein, für zedes Auge sichtbar, als Vertreter nur der besitzenden Klaffe gebrandmarkl sein werden. Diese Erfolge scheinen uns die aufgewendete Mühe über- genug zu lohnen. Die sächsische Arbeiterschaft wird am Wahltage Protest erheben gegen die Vernichtung seines Wahlrechts, gegen die politische und ivirthschasiliche Bedrückung, der sie in besonders starkem Maße über antwortet ist. Wir stehen mitten im Kampfe. Alles ist klar zum Gefecht» Nommunnles. Der Ausschuß der Stadtverordnete»-Versammlung be- treffend Aeuderuugen für die Lehrerpeusionen an den Gemeinde- schulen beschäftigte sich heule unter Vorsitz des Stadtverordneten- Vorstehers Dr. Langerhans und in Anwesenheit der Magistrats- kommiffare, Bürgermeister Kirschner, Stadtschulrath Dr. Bertram und Kämmerer Maaß, mit der Generaldebatte, die aber nicht zu Ende geführt wurde._ UokAles. Tie gester» veröffentlichten Anträge zum Parteitage be treffend erhalten wir vom Genossen Sasftnbach die folgende Zw schrist:„Es ist iu bezug auf den Antrag des V. Berliner Wahl- kreises ein Fehler unterlaufe». Die Parteigenoffe» haben sich ans- drücklich dagegen erklärt, daß di« Regelung der Betheiligung an den Landtagswahlen einer preußischen Souderkonfereuz übertragen wird, sie vorlangen vielmehr, daß der allgemeine Parteitag die Sache selb st erledigt. Ich habe den An trag in der Urschrift nach Hamburg gesandt und kann mir daher den Fehler nicht erklären. Jedenfalls bitte ich die Sache zu be- richtigen.(Siehe Bericht der Berliner Versammlung.)" Ter Wahlverein deS dritte» Berliner Reichstags Wahl kreiseö tagt heute, Mittwoch, Abend in Feuerstein's obere» Saal, Alte Jakobstr. 75. Genoffe Rudolf Rt i l l a r g hält einen Vor trag über„Das Unfallversich er nngs-Gesetz". Bei der »och vielfach herrschende» Unkenntniß der einschlägigen Bestimmungen, sowie über das Verhalten bei Geltendmachung von Ansprüchen nach erlittenen Verletzungen ist die eingehende Behandlung dieser Materie von höchster Wichtigkeit für Angehörige aller Berufe. Rege Be- theiliguug wird erwartet. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. Achtung» sechster Wahlkreis! Genossen, welche gewillt sind, sich an der am Sonntag stattfindende» Flugblatt- Bertheilung im sechsten Wahlkreis zu betheiligen, mögen sich bei Franz G l e i n e r t, Restaurateur, Müllerstr. 7 a und bei Eugen Er n st, Restaurateur, Schwartzkopsstc. 11, am Sonntag früh>/s8 Uhr einfinden. Die Vertrauenspersone» deS Wahlkreises Teltow-BeeS kow- Storkow werde» ebenfalls ersucht, die Flugblait-Verlheiliing zu Sonntag, den 26. September, zu arrangiren, und dies in geeigneter Weise rechtzeitig bekannt zu geben. Die Vertrauensperson in Charlotten bürg. Die Freie Volksbühne bringt Sonntag, den 26. Sep- t ein b er, Nachmittag um 3 Uhr im Friedrich Wilhelmstädtischen Theater für die III. Ülbtheilnng(graue Karten) Mönkeberg's Hain- burgisches Drama„Illusionen" zur Aufführung. Die Mitglieder der III. Abtheilung werden gebeten, pünktlich zur Vorstellung zu er- scheine». Die Verloosnng der Plätze beginnt»in 2 Uhr. Der Garten ist für die Mitglieder geöffnet. Die Monatsschrift„Freie Volksbühne" mit dem Theaterzettel ist k 10 Pf. bei den Ordner» zu haben. Die Mitgliedskarte muß für die alten Mitglieder je eine Beitragsmarke in Rubrik 5 und 6 für neue Mitglieder 2 Marke» ä 60 Pf. in der Rubrik 6, enthalten. Mitglieder zur III. Abtheilung können bis Donnerstag, den 23. September, in allen Zahlstellen aufgenommen werden.(Siehe heutiges Inserat.) Da der Vorstand nunmehr auch mit der Direktion des Lcssiug- ThcatcrS vertragsmäßig abgeschlossen hat, die Vorstellungen also wie früher zum theil im L e s s i» g- T h e a t e r und zum theil im Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater stattfinde», da serner nach Verständigung mit Herrn Dr. Oskar Bluineuthal im Lessing-Theater ein der Volksbühne würdiges 3iepertoirc geboten iverden wird, so machen wir die alten Mitglieder und Freunde des Vereins, sowie diejenigen. welche Mitglied des Vereins werden wollen, ganz besonders aus diesen Umstand aufmerksam. Sofortige Anmeldung in einer Zahlstelle ist in diesem Falle erforderlich, da die erste» Ablheilnngen in den nächsten Tagen geschlossen werden. D e r B o r st a n d. I. A.: G. Winkler. Deutscher Post-»nd Telegraphen-Zopf. Eigentlich sollte man denken, daß dem Post- und Telegrapheinvescn ein Zopf garnicht augehängt werden könne, allein der preußische Bnreankratismus hat das Unmögliche ermöglicht. Man höre nur. Schreiber dieses kam nach einer kurze» öieise gestern Abend gegen»/slO Uhr auf einer Eisenbahnstation hier an, und empfing beim Aussteigen eine sehr dringende Depesche mit bezahlter tliückantwort. Zeit war nicht zu verlieren. Was natürlicher, als daß wir auf das Telegraphenburea» des Bahnhofs eilten,»M die Antwvrt-Dcpcsche abzugeben. Da hatten wir aber die Rechnung ohne den Wirth gemacht.„Die bezahlte lllückantivort gilt blos für die P o st. Sie mußten also aus die Post gehen." Allein das nächste Poslburea» war 20 Minuten entfernt und es regnete in Ströme». Was thun? „Ja. wen» Sie die Depesche hier ausgeben, müssen Sie sie bezahlen." Und das mußten wir denn auch alS das kleinere Uebel er- wähle» und der Nieichs- Post- und Telegraphen- Verwaltung das vorausbezahlte Geld schenken. Der Beamte war sehr höflich und sah wohl auch die Absurdität ein, doch er konnte nichts mache». Wie dick und lang aber muß der Zopf sein, der die deutsche Reichsregierung hindert, die Eisenbahn-Telegraphen in die Gemein- schast der Reichslelegrapüen auszunehmen? Die Leistungen des Riesenzopses erscheinen um so imposanter und stauiiensiverlher, ivenn man bedenkt, daß auch unsere Eisen- bahnen uiuer Staatsverwaltung stehe», meist sogar Staat?- e i g e» t h u i» sind. Auch eine Charakteristik i>eö Berliner HauSbefftzerthnuiS. Aus dem Rathhause wird berichtet:„Die durch Erlaß des Ober- Präsidenten genehmigle Hauskollekte i» Berlin für die durch Unwetter Geschädigieu Deutschlands ist soeben beendet und hat»ach kalkula- torischer Prüfung 190 783,61 M. ergebe». Das Resultat ist als ein sehr günstiges zu bezeichnen, zumal sich der Betrag»eben vielen größereu Beträge» hauptsächlich aus ganz kleine» Spende» zusammensetzt. Alle Stände und alle Berufsklassen sind vertreten. Freudig ist die lebhafte Betheilignng unserer A r b e i t e r b e v ö I k e r u» g zu begrüße», welche nicht uuwesentlich zum Gelinge» des Unternehmens beigetrageu hat. Das Ergebniß dieser Kollekte ist ein sicherer Beweis, daß das Herz des Berliners in alle» seinen Volksschichten wahrem Elende gegenüber stets hilss- bereit ist und gern sein Scherflein opfert Zu bedauern ist es nur, daß sich viele Hausbesitzer— etwa 3 pCt.— der Kollekte gegenüber ablehnend verhalten und sogar das Zirkuliren der Listen in ihren Häusern verboten haben. Vollen Dank verdienen aber diejenigen, welche Mühe und Zeit nicht gespart haben, persönlich ihre Miether aufzusuchen und Beiträge einzusammeln." Tie Ilnzuläuglichkeit der städtische» Bcdürfnißaustnlten für Frauen, auf die mehrfach von uns hingewiesen worden ist, ist nunmehr auch vom Polizeipräsidium anerkannt worden. Das kgl. Polizeipräsidium hat nämlich in einem Schreiben an den Magistrat auf die Unzulänglichkeit der hiesigen Bedürfnißan stalten, namentlich solcher mit Kloset- Einrich- tnugen(für Frauen) hingewiesen, vorzugsweise mache sich dieser Mangel gellend in den Außenbezirken der Stadt, wie Moabit, Chanffeestraße zc., aber auch in der Friedrichfiraße. Bei der Auswahl der Standorte der Anstalten sei im all- gemeinen wohl die Rücksicht auf die Rentabilität derselben für die Unternehmer vorherrschend gewesen, wäh- rend das öffentliche Bedürfniß einigermaßen be« einträchtig! worden sei. Das Polizeipräsidium stellt zur Erwägung auheim, ob nicht in Zukunft die letztere Rücksicht als einzig maßgebend anzuerkennen sei. Die hierin liegende prinzipielle Aenderung der Stellungnahme zur vorliegende» Frage habe im« zweifelhaft eine nicht unerhebliche pekuniäre Tragweit« für die Stadtgemeinve, da entiveder die Unternehmer bei»iireutablen An- lagen zu subventioniren, oder die Anstalten ganz auf st ä d t i s ch e Kosten zu errichten wäre». Das Polizeipräsidium ersucht zunächst um Mittheilung, ob der Magistrat den vorhandenen Mißstand an- erkennt und bereit sei, als Prinzip für eine Abhilfe ausschließlich das vorhandene Bedürfniß gelten zu lassen, und verspricht dagegen, event.»ach Veranstaltnng einer allgemeine» Enquete diejenigen Stadtgegenden zu bezeichnen, in welchen nach seinem Ermessen dem vorhandenen Bedürfniß»och nicht genügt ist. Bei eintretender Vermehrung der Bedttrfmßaustalten für Frauen müsse die Nähe von Markthalle», von Kinderspielplätzen und dergleichen besonders i» betracht kommen. Ferner sei bei Neuanlagen Vorsorge zn treffen, daß die ärmere Bevölkerung(Männer und Frauen) namentlich in den von ihr hauptsächlich bewohnten Stadtgegeuden die Möglichkeit erhalten, unentgeltlich die natürlichen Bedürfnisse zu be- friedigen. Was die Wahl der Standorte betreffe, werde unter anderem in der Press« der Vorschlag gemacht, da bei der Ve- bauungSart der Berliner Etraßenzüge sich nicht leicht geeianele Winkel und klein- freie Plätze finde». zu uuterirdischen Anlagen wie in anderen Großstädten, z. B. in Rom, Zuflucht zu »ehme». Ob dieser Ausweg für Berlin ein geeigneter sei, dürste »och erst zu prüfen sein. Daneben dürfte sich aber wohl die Möglichkeit bielen, iu größerem Maße als bisher in öffentlichen, event. auch in Privatgebäuden geeignete Räume zu finden bezw. herzurichten. Wir sügen diesen Millheilnngen den Wunsch hinzu, daß endlich der Magistrat es für seine Pflicht erachte, de» unwürdigen Znstand. daß die Anstalte» zum wesentlichsten Theil zum Geldeiuheimsen diene», binnen kurzem aufzuheben. Ten„sozialen" Standpunkt deS„Berliner Lokal- Anzeiger" kennzeichnet treffend eine redaktionelle Bemerkung, die daS „Zentralblatt der Reichshauptstadt" am Sonntag bracht«. Eine „Verkaufsdame", die Aurora F. unterzeichnete, führte in der Rubrik „Oeffentliche Meinung" bittere Klage über die lauge Ladenzeit— von früh 7 Uhr bis abends 10 Uhr—. die die Damen stehend zubringe» müßten. Es ist dies ein Uebelstand, der von Aerzten »nd Eozialreformern lange in seiner ganzen Schädlichkeit dar- gestellt worden ist. Was sagt aber die Rcdaklion des„Berliner Lokal-Anzeiger" dazu? In„geistreicher" Weise fertigt sie jenen Nothrnf wie folgt ab: „Seien Sie doch nicht böse, liebeS Anrorachen! Wenn Sie Ihrem Vorname» Ehre machen, dann wird's Ihnen nicht viel thun, wenn Sie frühmorgens aufstehen, um so weniger, als Sie vermuthlich nicht nur in der Morgenstunde Gold im Munde haben, und sei es auch nur von plombirten Zähnen. Wenn Ihr Chef bis nach zehn Uhr anshält, dann sollten Sie, die Sie wohl viel jünger sind, es auch können. Und mit dem Stehen wird es auch nicht so schlimm sein. Denn im allgemeine» wollen die jungen Damen nicht sitzen bleiben. Kurz: Wir mißtrauen derartigen Klagen, wenn sie nicht gründlicher inolivirt werde», als Sie es thmi. Manche Chefs möge» etwas viel verlangen, aber„Bampyre" finden sich in der Naturgeschichte der Prinzipale gottlob recht selten." Frivoler können die Blätter der Stumm und Konsorten auch nicht über die Bestrebungen der Ausgebeutelen zur Besserung ihres Elends witzeln. Zur Beschämung eines großen Theils der Berliner Bevölkerung muß leider immer wieder kouftatirt werden, daß das Blatt, das in dieser Weise kapitalistische Unparteilichkeit übt, zu einem bcirnchtliche» Theile von Arbeitern gehalten wird. Die Parteigenossen können daher nie eindringlich genug darauf hinweisen, daß die Proletarier, die den„Lokal-Anzeiger" halten, ihren Gegner» Handlangerdienste leisten. Ein neues Institut fiir öffentliche Hilfeleistung bei Unglücksfälle» zc. ist in der Berliner Rettungsgesellschaft entstanden. Ueber das neue Unternehmen wird berichtet: Die Berliner Reltnngsgesellschaft will die Umgestaltung des Unfalls- und Rettnngswesens i» großem Umfange vornehmen. Nicht weniger als füiifundfünsjig Krankenkassen sind zu diesem Zweck mit der Gesell- schast zilsammeiigetrete», welche ihrerseits enge» Anschluß an sännnt- lrche Berliner Krankenhäuser erhält. Dieselbe» gelten als Hanpt- wachen. Soda»» sollen in verschiedenen Stadttheilen Nebenwacheu errichtet werde», a» deren ständigem Tag- und Nachtdienst theil- zunehme» jedem Arzte freisteht. Haupt- und Nebenwachen find in telephonischcr Verbindung mit einer Zentrale(Oberwasserftraße 10), in welcher die Zahl der i» de» Krankenhäusern freistehenden Betten täglich gemeldet wird, so daß beim Eintritt von Unglücksfällen auf telephonische Anfrage sofort sichere Unterkunft zugesagt werden kann. Was das Transportwesen betrifft, so ist mit sämmtlichen Besitzern von kkrankenivagen ei» Vertrag dahin geschlossen, daß auf Anruf der Relinngsgesellschaft sofort ein Krankenwagen zur Verfügung steht. Eine vorherige Bezahlung— ei» Pmikt, der bisher vielfach Aergerniß erregt hat— darf vom Kranke» nicht gefordert werden; ist der Kranke außer stände, de» Wagen zu bezahlen, so tritt die Rettungs- gesellschast dafür ein. Aerztlicher Direktor ist Dr. W. Levy, Ver« wallnngs- Direktor Geh. Ober- Regiernngsrath Naumann aus dein Knltnsininisterium. Man will außerdem den bereit? bestehenden Einrichtungen, zumal den Sanitätsivachen, nahelegen, sich dem Rahmen der Berliner Rettungsgesellschaft einzufügen.— Wird ge- halte», was hier versprochen ist, so hätte man es mit anerkennens- werlhen Nenerunge» z» thun, die auch der Arbeiterschaft zu gute kämen.< Ter Berliner Milch-Hansirhandcl. welcher bisher fast nur von„Klingel-Vvlle" belrieben wurde, soll vom 1. Oktober d. I. an durch«in dem Bolle'schen gleiches, ebenso großes Unternehmen noch ivieder eine weitere Ausdehnung annehmen, und zwar zunächst im Westen von Berlin und den angrenzenden Vororten. Das neue Unternehmen wird von zwei früheren Beamten der Firma Bolle mit einem Geldmanne, dem Berliner Finanzier T a r l a n, begründet, und dieselbe» habe» in Wilmersdorf bereits eine größere Meierei ganz nach Bolle'schem Muster angelegt, zu welcher die erforderlichen Milchmaschinen von einer großen hiesigen Maschinenfabrik geliefert worden sind. Auch der zum Ausfahren der Milch erforderliche Wagenpark ist bereits vorhanden. Diese neue Konkurren» hat die kleinen Milchhändler lebhaft erregt; in Rixdorf sollen sie durchgesetzt haben, daß den Bolle'schen Angestellten das Ansklingel» der Milch verboten wurde. Die armen Teufel werden trotz kommunaler Beihilfe gegen den Großbetrieb wenig ausrichten. Im Berdachte deS HermaphroditiSmnS soll, einem Berichte des Herr» Direktor Samst zufolge, jenes Reklamebild stehen, welches die Firma Nauck». Hartmann nicht an die Anschlagsäulen kleben will, weil das Polizeipräsidium es ihr verboten habe. Es handelt sich bekanntlich um das Plakat, ans welchem eine weibliche Figur das„Zeichen des Kreuzes" in die Höhe hält, um auf ein Theater- stück gleichen Namens, welches am Freitag im Friedrich- Wilhelm- städtischen Theater a»fgesührt wird, aufmerksam zn machen.„Das PiZlizeipvcisidinm", so fdjveibt unS Herr Direktor Eai»st.„erblickt in dem Bilde des Plnkals die Jnngfra» Maria, es könne aber ebenso gnt Christus vorstelle»." Auf die Erwiderung des Direktors Samst,„daß schon a»S der Gewandung der Figur des Bildes leichl erkennbar sei, daß diese ein Weib vorstelle, umsomchr, als unter jedem Plakat der Name der weib- lichen Hauptrolle des Stückes„Mercia" stände", entgegnete das Präsidium:„Das Bild ist nn religiös, das rothe Kreuz sei a n st ö ß i g." Auf die Bemerkung des Direktors,„daß dann ja sämintliche rothe» Kreuze der Bandageugeschäfte Berlins polizeilicherseits entfernt werden müßten", wurde der Bescheid zu theil,„daß die Direktion des Theaters ja leicht andere Bilder anfertigen lassen könne". Ob diese Mittheilung des Herrn Direktors Samst den That- fachen entspricht, könne» wir natürlich nicht feststelle»; aus eigener Anschauung des Plakates will uns aber scheinen, daß selbst ein unschuldiges Kind die auf dem. Bilde gezeichnete Person für ein Wesen weiblichen Geschlechtes halten wird. Noch ci» Nanck nud Hartmanu'scheS Zcnsnrstiickchcn. In der vorgestrigen Versammlung des dentsch-freisiunigen Arbeitervereins, so berichtet die„V.-Ztg.", sprach Dr. Moses über„Unsere Junker- sippe". Im Eingang seines Bortrages theilte der Referent mit, daß die Firma Nauck und Hartmann sich geweigert habe. das Thema „Jnsere Junkersippe" nn den Auschlagsnule» zu veröffentlichen, da das Wort„Sippe" sür die Junker eine Beleidigung enthalte. Der Verein mußte sich dazu verstehen, das Thema dem Verlangen der Firma gemäß abzuändern. Die Große Berliner Pferdeeisenbahn- Gesellschaft hat neuerdings die städtische Verkehrsdeputation zu einer Probefahrt mit denr neuen, für den gemischten elektrischen Betrieb bestimmten vier« achsige» Motorwagen, welcher mit Gülcher'schen?lkkumulatore» aus- gerüstet ist, über dessen erste Probefahrt bereits berichtet worden ist, eingeladen. Diese Probefahrt soll auf der Linie Nollendorfplatz— Schlestsches Thor— Treptow erfolgen. Eine Verhöhnung dcS Publikums. Am Montag strömte es bekanntlich vom Morgen bis zum Abend kalt und naß hernieder, rauhe Herbstwinde ließen die Menschen erschauern, es war mit einem Worte ein Hnndewetter. Und an diesem Tage ließ die„Große" Berkner Pferde-Eisenbahn-Gesellschaft auf einer ganzen Anzahl von Strecken offene Sommerwagen verkehren. Die Sitzbretter waren naß, der Wind zog querdurch,— es war ein abscheulicher Aufent- halt, der so manche Erkrankung zur Folge gehabt haben muß. Wenn man frühmorgens nicht die richtigen Anordnungen getroffen hatte, fo konnte dies doch vormittags oder mittags geschehe». Weit ge- fehlt,— es war Mittag, es war Abend, das Welter ivurde immer schlimmer, aber die offenen Zug-Wageu blieben. Das, so schreibt die„Abendpost" nnt recht, nennt sich ein weltftädtisches Verkehrs- Jnstitnt, und das findet Fürsprecher in der Stadtverwaltung!-- Daö Ergcbniß der Miillverbrennnngsvcrsnche, für welche die Stadt Berlin nahezu 130 600 M. aufgewendet hat, faßt der soeben im Druck erschienene Bericht deS Stadlraths Böhm dahin zusammen, daß eine Verbrennung nach englischem Muster, d. h. des Mülls, wie es aus den Hänsern konunt, event. unter Anwendung eines Dampfgebläses, für unsere Berhältuiffe nicht durchführbar ist. In, Sommer ist das Müll in unbehandeltem Zustande wohl brennbar, im Winter läßt sich dagegen eine Verbrennung nur mit Hilfe von Kohlenzusätzen erreichen; eine Berwerthuug der Rückstände(wie in der Budapester Anstalt) hat sich nicht gefunden. Wenn man die Müllverbrenuung in Berlin einführen ivollte, so könnt« nur eine Verbrenwuig des aschefreien bezw. gesiebten Mülls unter Anwendung von trockenem Unterwind in Frage keuune». Es wäre dann er- forderlich, entweder das Müll aus den Höfen von der Asche getrennt zu saminel», oder i» der Anstalt das mit Asche gemischte Mull einer Siebrntzj zu unterziehen. Uirter diesen Umständen ist von der Ver- brenimng des Mülls Abstand genommen worden. Auf Einlademg des Polizeipräsidenten v Windheim werden die Mitglieder des Zentralkomitees für die durch U n- weiter Geschädigte» Deutschlands Donnerstag de» 23. d. M, vormittags 11 Uhr, im Stadtverordneten-Sitzungssaale des Rathhanses zusammentreten. Die Tagesordnung enthält anßer einem Berichte des geschäflsführenden Ansschusses einige Anträge desselben ans seiner letzten Sitzung, die bereits mitgetheilt worden sind. Hinter verschlossenen Thören hat am Dienstag die branden- burgische LandwirthschaftSkanuner im Ständehause in Gegenwart des Oberpräsidenten v. Achendach und des Regiernngs-Asseffors Gras Pilati unter Vorsitz des Herrn v. Arnim(Güterberg) über die Börseuangelegenheit berathen. Die Vollsitzungen der branden- burgischen Kammer waren bisher wie die der übrigen Laudwirth- schastskammern. öffentlich. Wie wir dem Landwirthschaftskammer- Gesetz in Z 17 entnehmen, entspricht die Oefsentlichkeit auch den allgemeinen gesetzlick»«» Bistimmungen. Der Paragraph besagt aber weiter, daß Gegenstände,„welche sich nach Bestimnumg der Land- wirchschaftskammer zur öffentlichen Berathnng nicht eignen", in nicht öffentlicher Sitzung berathen werden können Man scheint der Börse auf öffentlichem Weg« nicht mehr recht beikommen zu können. Die Errichtung eiueS„einfachen Gedenksteins" ans dem Friedhofe der Märzgefallenen von 1848 wird jetzt auch im Magistratsbericht über die Gemeinde-Friedhöf« erwähnt; sie soll 1693 zur SOjährigen Erinnerung erfolgen. Eine Ucbervortheilnng recht unschöner Art übt die Große Berliner Pferdebahn- Gesellschaft an de» Inhabern von Arbeiter- Wochenkarte» in einem bestimmten Falle. Die Wochenkarte» berechtigen den Inhaber nn de» Werktagen zu zwei einfache», morgens vor 7 Uhr und abends nach ö Uhr anzutretenden Fahrten mit einem beliebigen fahrplanmäßige» Wage». Seit Montag ivird der Grüne Weg neu gepflastert. Aus diesem Grunde halten die Wagen der Linie Küstriner Platz— Lützowplatz nicht an der gewöhnlichen End- station, sondern schon am Andreasplatz. und ans gleichem Grunde fährt der bisher um 7 Uhr fällige Wagen, für de» Arbeiter- Wochenkarten noch gillig waren. drei Minuten später von der provisorischen Endstation Andreasplatz ab. Diese Umstände bewogen nun die Pserdebahn-Gesellschaft plötzlich, den Inhaber» von Wochenkarten das Mitfahren ans grnnd ihrer Karte zu verweigern und so mußte ein Arbeiter, welcher gewohnt war, den in belracht kommenden Wagen zu benutze», am Montag seine baare» zwanzig Pfennige für die längere Fahrt, die er zu mache» hatte, blechen. Eine Beschiverde bei der Direktion hat bisher uocli keinerlei Erfolg gehabt. Ganz besonders befremdlich fand der Geschädigte es, daß ihm gestern Morgen die Wochenkarte auch für de» Montag konpirt wurde, sür welche» Tag ihm doch ein besonderes Fahrgeld abverlangt worden ist. Mißhandlnng einer Geisteskranken? Ei» Berichterstatter meldet: Die Geisteskranke Gertrud Friese, welche amDonnerstagvoriger Woche aus der mütterlichen Wohnung zu S ch ö n e b e r g entwichen war, ist jetzt von einem Beamten der Polizeiwache in der Linienstraße aufgefnnden worden, nachdem sie bis zur Erschöpfnng umhergeslreift war. Die Geisteskranke ist früher längere Zeit in der Irrenanstalt zu Dalldorf internirt gewesen; doch wurde sie von ihrer Mutter aus der Anstalt wieder herausgenommen, da sie i» derselben— ge- schlagen worden sein soll! Der Körper der Kranken sei häufig mit dicken blauen Striemen bedeckt gewesen. Durch Beschwerde bei dem dirigirende» Arzte konnte ein Erfolg nicht erzielt werden und wurde de» Verwandten geantwortet, wenn ihnen die Behandlung, der die G-isteskranken in der Anstalt unterworfen seien, nicht gefalle, stände es ihnen ja frei, ihre Angehörige z» ent- fernen!! Wie von der Fannlie versichert wird, sollen die in der genannten Anstalt Jnternirten solchen körperlichen Züchtigmige» sehr häufig ausgesetzt sein. Wir stehen diesen Mitiheilungen mit sehr großen Zwelfeln gegenüber. Alles was wir bisher über die Behandlung der Kranken in Dalldorf gehört haben. klang dahin zusammen, daß sie in jeder Beziehung schonend und human sei. Es wäre am Platze, wenn von authentischer Stelle aus baldigst Aufklärung über obige Mittheilung gebracht und da§ Publikum beruhigt wurde. Die verfchärfte» Vorschriften über die Feuerficherheit der Konzertlokale sind auch auf die„Philharmonie" zur Anwendung gekommen. Die„Philharmonie" muß einen neuen breiten Ausgang nach der Köthenerftraße herstellen, der durch das Grundstück Köthener- straße 32 geführt werden soll; das Haus muß zu diesem Zweck voll- ständig umgebaut werden. Eine nene Komposition Wilhelms ll. ist in Sicht. Wie nämlich dem„B. Tgbl." aus Mohacs, wo der Kaiser weilts, ge- meldet wird, unterhielt sich der Kaiser während des Diners denn Erzherzog Friedrich viel über Musik und Literatur und bemerkte, daß er„nächstens etwas komponiren" werde. Weibliche Acrzte sind bekanntlich dem medizinischen Zünftler- thum ein Gräuel, und i» geschmacklosen Spähe» wird zuweilen die Forderung, daß Aerztinnen zur Praxis zugelassen werde», bewitzelt. Leider hat sich bekanntlich auch die Regierung in dieser Frage auf durchaus reaktionären Bode» gestellt. Bor einiger Zeit wurde der Vorschlag gemacht, städtischerseits eine Aerztin nnznstelle», und zwar in erster Linie für die 1249 städtischen Lehrerinnen. Oberbürgermeister Zelle stellte in einer Magistrats- Sitzung einen diesbezügliche» Antrag, der aber leider mit großer Mehrheit und Entschiedenheit abgelednt wurde. Eine Mittheilung aus Lehrerinnenkreisen veranlaßt uns heute, ans die Angelegenheit nochmals zurückzukommen. Bekanntlich habe» die städtische» Lehrerinnen sich vor ihrer definitiven Anstellung einer gründlichen ärztlichen Unter- snchung zu unterziehen, die im Interesse deS Magistrats so gründlich sei» muß, daß sie, da der Untersuchende natürlich ein Arzt ist, für ein junges Mädchen mehr als peinlich sein muß. So hat sich jüngst ein Fall ereignet, der in den Lehrerinnen den Wunsch wieder besonders rege werden ließ, an stelle des Arztes doch endlich eine Aerztin zu erhalten, welche die Unlersuchnngen an ihnen vornimmt. Ein junges Mädchen hatte sich zur'Vornahme der für-ihre Anstellung als städtische Lehrerin»othwendigen Unter- suchung zu dem ihr angewiesenen Physikus begebe». Das Mädchen »inße sich für die Untersuchung fast vollständig entkleiden; als die Untersuchung zu Ende war und das Mädchen hastig seine Kleider zusammenraffte, um sich anzukleiden, ivies ihr der Zlrzt an, sich doch im Nebenzimmer anzuziehen. Das Mädchen öffnete die Ahüre, prallte aber mit einem Ausschrei zurück; in dem Zimmer, das ihr der Arzt zum Ankleiden angewiesen hatte, saß zufällig ei» Herr. Es folgte eine erregte Szene, das Mädchen verfiel in Weiulrämpse und konnte nur schwer beruhigt werde». Wir wollen es untcrlassen, auf diesen uns verbürgten Fall näher einzugehen, derselbe spricht für sich selbst. Aber wir glauben, daß der Magistrat den Lehrerinnen doch endlich soviel Entgegen- kommen beweisen könnte, sich ernstlich mit der Frage zu beschäftigen. Neber die Wirksainkcit des WöchnerinnenheimS geht der Preffe folgende Mitlheirung zu: In der Heimstätte am Urban sind in den ersten drei Monaten 62 bedürftige Frauen entbunden und verpflegt worden; gleichzeitig wurde für den Haushalt der Wöchnerinnen in ihrer Abwesenheit durch Hanspflegcrrnnen gesorgt, die der Verein entsendete, so daß die elfteren bei ihrer Heimkehr den Hanshalt in bester Ordnung finden konnte». Anderen Frauen, die ihr Wochenbett in der eigenen Wohnnng abhalte» konnte», sandte der Verein ausgebildete Wochenpflegerinnen. Alle diese Unterstützunge», in besonderen Nothfällen auch durch Geld-»nd Nalnralgabcn ver- vollständigt, leistet der Verein nnentgeltlich. Demnächst ist eine Verständigung»itt dem hier bestehenden Wöchnerinnen- verein und dem Hanspflegeverein in Aussicht genommen, damit die Vereine in rechter Weise zusammenarbeiten und sich wechselseilig er- gänzen. Die Anmeldung zur Aufnahme bedürftiger Wöchnerinnen findet in der Pflegestätte„Am Urban"(früher Erziehungsanstalt) täglich in de» Nachmittagsstnnden von 3 bis 4 Uhr statt. Störungen im Fernsprechverkehr hat der anhaltende mit Sturm gepaarte Regen mit sich gebracht. Nicht blos innerhalb der Stadt ivaren verschiedene Leitungen so mit einander verbunden, daß durch Kreuzgespräche die drolligsten Verwechselnngen entstanden, sondern auch im Fernverkehr hörte man derartige Zwischcngespräche, daß man sich nur sehr schwer verständigen konnte. Bon der Bildfläche vcrschwnuden- ist ein Berliner„Musik- direktor", der als Original in weilen Kreisen bekannt ist, nämlich der 40 Jahre alte frühere Handschuhniachcr Gustav Ebeling ans dem Südosten Berlins. Seinem eigentlichen Berufe entsagte er schon lange aus Liebe zur Kunst. Nachdem seine Absicht, sich den Bretter» zu widme», fehlgeschlagen, griff er zur Ziehharmonika. Diese de- herrschte er, obgleich ohne jede Notenkenntniß, bis zu einer derartigen Vollkoirnnenheit, daß er ganze Theile ans den neuesten Opern darauf vortrug. Außer der musikalischen Veranlagung besab er großes Geschickt in der Besorgung von Rechtsgeschäften und er soll manchem Anwalt große Verlegenheiten bereitet haben. Aber auch damit ivar seine Arbeilskrast noch nicht erschöpft: er leistete auch noch Hervorragendes ans dem Gebiete der Jonrnalistik. Ihm. dem Allerwelts- Original, wurden von alle» Seiten die Neuigkeiten zugetragen. Da er sich seit fast einer Woche an seinen Lieblingsplätzen nicht hat sehen lasten, so ist anzunehmen, daß ihm irgend ein Unfall zugestoßen ist. Er hat eine untersetzte, etivas nach vorn gebengte Gestalt, hat ein etwas geröthetes Gesicht init hoher Stirn; spärliches blondes, etivas ergrautes Haar. eine» struppigen, rölhlich blonden Schnurrbart und einen schlotternden Gang. Ans seine äußere Erscheinung pflegt er sehr wenig zu gebe». Selbstmord eines Lungenleidenden. An seiner Medizin hat sich der 46 Jahre alte Arbeiter Joinler aus der Schönleinstr. 8 ver- giftet. Er war seit etwa sechs Jahren lungenleidend und zuletzt bettlägerig. Ein Arzt hatte ihm zur Linderung Morphiumtropie» verschrieben, von denen er dreimal je 15 nehmen sollte. Seine Ehefrau, die ihn pflegte, überwachte auch die Ausführung der ärztlichen Borschrift. Um die Mittagszeit war die Frau fortgegangen. nni eine Besorgung zu machen. Der Kranke, der allein in der Wohnung geblieben war und dem die Schwere des Leidens vor Auge» getreten sei»»nag, benutzte die Zeit, um den ganzen Inhalt der Medizinflasche auf einmal auszutrinken. Als die Frau von ihrem Gange zurückkehrte, glaubte sie zunächst, daß ihr Man» schlafe. Da er aber nicht erwachte und auch kein Lebens- zeiche» von sich gab, merkte sie bei näherem Nachsehen de» Vorgang und rief de» Arzt. Die Hilfe kam aber zu spät, das Gist hatte seine Wirkung bereits gethan. Ter seit dein IS. d. M. a»S Stettin flüchtige Kanfniann K n r t Mai, welcher wegen LottcrievergehenS und Unterschlagung von 3060 Mark zum Nachtheil der Firma Oskar Bräncr in Stettin verfolgt ivurde, ist gestern hier festgenommen. Geld ist bei ihm nicht vorgefnnden. Im Mariannenpark wurde gestern Abend der Dachdecker Georg Mecke von dem Dachdecker Adam Weißenborn ans noch nicht ermittelter Ursach« durch einen M e s s e r st i ch in die Brust schwer verletzt. Er wurde in das Krankenhaus Bethanien übergeführt und der Thäter verhaftet. Zwei Nnglücksfälle werden dem am Montag niedergegangenen Unwetter zugeschrieben. Der 58 Jahre alte Arbeiter Karl Schorsch aus der Charlottenstraße 1 zu Spandau glitt Montag bei der Admiralbrücke auf dem glatten Boden aus und kam zu Fall Er zog sich einen gefährlichen Bruch einer Kniescheibe zu. Gegen 8Vz Uhr abends fiel der 24 Jahre alte Postgehilfe Oskar Manthey ans der Weißenburgerstr. 50 bei dem Bahnhof Friedrichstraße auf der durch den Regen schlüpfrig gewordenen Straße zu Boden und gerielh dabei unter die Räder einer Droschke. Er erlitt einen schweren Unterschenkelbruch. Feuerbericht. Auf dem Boden des Hauses Stromstraße 47 brach Montag Nachmittag Feuer ans, das den Dachstuhl völlig zerstörte. Es liegt vermuthlTch Brandstiftung vor.— Abends fand im Lager der Gummiwaaren-Fabrik von M. Anton, Elisabeth- Ufer 19, ein Brand statt, bei dem beträchtliche Borräthe vernichtet wurden. Aus de» Nnchbarorte». Die Schlostkaserne in Tpaubau, das frühere Zuchthaus, aus dem Gottfried Kinkel, mit Hilfe von Karl Schurz und einigen Spa, idaner Bürgern einst imter demZJubel aller gesitteten Menschen gerettet wurde, ist an den Kausmaun Snnmel in Spandau sür 375 000 M. verkauft worden. Das alte, mitte» in der Allstadt an vier Straßenfronten belegene Bauwerk wird abgerissen, um Neubauten erstehen zu lassen. Für die Tchwartzkopff'schc Maschinenfabrik ist zwischen Königsivnsterhanfe»»nd Hohenlöhme ein 200 Morgen großes Terrain zum Preise von 350 000 M. erworben worden, um dort große Fabrikanlagen zu errichten. Die Verkäufer des Terrains hatten dasselbe erst vor einigen Jahren für 50 000 M. erworben. Ten Verlust des rechten Auges hat der Schlosser Kairich zu beklage», welcher in eigenartiger'Weise vernnglttckte. K. befand sich am Sonntag mit mehreren Freunden in der benachbarten Kolonie Hohen-Schönhausen. Beim Anbrennen einer Zigarre brach das von ihm benutzte Streichholz beim Anstreichen ab und die brennende Kuppe flog dem Schlosser in das rechte Auge. Dasselbe ist so schwer verletzt, daß die Wiederherstellung der Sehkraft aus- geschlossen erscheint._ Nttnfl und ZVissenPchAft. Wilhelm Wattcnbach, einer der angesehensten Historiker Deutschlands, ist am Montag Nachmittag auf der Heimreise nach Berlin in Frankfurt am Main gestorben. Er war 13t9 geboren und schon vor seiner Habilitation an der Berliner Universität im Jahre l851 war er Mitarbeiter an dem großen Pertz'schen Sammelwerk der deutschen Geschichtsdenkmale. Später war er Provinzialarchivar in Breslau, dann Professor der Geschichte in Heidelbergs und seit 1873 ivieder in Berlin. Er hat zahlreiche Arbeilen zur Schriftkunde der griechischeiijmd römischen Literatur verfaßt, außerdem Geschichtswerke über Stoffe ans ver- schiedeuen Zeitaltern, so eine„Geschichte des römischen Papstthnms". Besonders bekannt in weiteren Kreisen ist sein Buch„Deutschlands Geschichtsqnellen im Mittelalter" geworden.'Als Universitätslehrer erfreute er sich bei seinen Hörern großer Beliebtheit. Soziale Mvchtspflege. Dem RnhmeSkranz, den neulich die Berliner Metall- arbeiter der Allgemeinen Etektrizitäls-Gesellschast wanden, können wir noch ein Blatt hinzufügen. Es vergeht fast kein Berhandlnngs- termin der Kammer V. des Gewerbegerichts, wo sich nicht diese Gesellschaft als Beklagte vertreten lassen muß. Der Metall- arbeiter R. halte ebenfalls geklagt. Er verlangte eine Ent- schädignng für mehrere Tage und machte zur Begründung geltend: Drei Jahre sei er im Betriebe thätig gewesen, dann habe er barin einen Unfall erlitten, und nach seiner Gesundung sei er nicht wiedereingestellt worden, obwohl er sich mehrmals zur Verfügung gestellt habe. Der Vertreter der Gesellschaft erklärte diese für nicht verpflichtet, R. auch nur einen Pfennig für die Tage zu zahlen, an welchen Kläger darauf gewartet hat. wieder beschäftigt zu werden. So geht man mit Arbeitern NM, deren Gesundheit bei ihrer im Betriebsinteresse liegenden Thätigkeit geschädigt wurde. Das veranlaßte einen der Arbeiter- deifitzer, zu sagen, daß es doch nicht recht sei, jemanden ans diese Weise fortzuschicken, wenn er drei Jahre in der Fabrik gearbeitet habe und infolge eines Unfalles krank gewesen sei. Der Vertreter der Beklagten hielt sich aber an seinen Schein, der den Kündigniigs a n s s ch l u ß beurkundet. Nach erfolgter Berathnng zog der Kläger anf Anralhen des Vorsitzenden die Klage zurück. Gerichks--Jeikung. Der Streik der Berliner Zinimcrer brachte dem Zimmer» mann Lange eine Anklage wegen Körperverletzung ein, welche gestern. vor der 134. Ablheilung des Amtsgerichts I verhandelt wurde. Am 7. Juli er. waren auch die Zimmerer ans einem Neubau in der Tresckow« straße, aus welchem der Angeklagle und Zimmermann Lochmann be- schäftigt waren, in den Anssiand eingetreten. Der Angeklagte schloß sich den Streikenden an und ebenso erklärte sich Lochmann mit ihnen solidarisch, legte die Arbeit nieder und versprach freiwillig, nicht eher die Arbeit wieder aufzunehmen, als bis der Streik beendet war. Trotz dieses Versprechens begab sich Lochmann an demselben Tage zu dem bisherigen.Ardeitgeber und erbot sich zur sofortigen Wiederausnahme der Arbeit(welche dann auch thatsäch- lich am nächsten Tage erfolgte). Als der Angeklagte ihn darüber zur Rede stellte, bestritt Lochmann, daß er sein Versprechen brechen wolle. Doch noch an demselben Tage wurde den/ Au- geklagten durch einen Bekannten der Worlbruch Lochmann's bestäligt. Als dieser den Angeklagten kurz darauf� in der Mnrienburgerstraße traf, sprach er ihn wieder an, erhielt jedoch— wie er wenigstens behauptet— keine Antwort. Darüber er- grimmte er, so daß er dem Lochmann eine Ohrfeige gab. Lochmann fiel hin und schlug sich etwas blutrünstig. Staatsanwalt Ztanzow beantragte 20 Ni. Geldstrafe, während Rechts- anwalt Dr. H e rz f e l d um eine geringere Strafe bat, weil den Angeklagten der Wortbruch Lochmann's aufgeregt habe. Ter Ge- richlshof war aber der Meinung, daß die„Arbeiter, welche ar- betten wollen," gegen Ausschreitungen Streikender geschützt werden müssen; er ging über das vom Staatsanwalt beantragte Strafmaß hinaus und erkannte auf 30 M. Geldstrafe. Eine schwere Schädignng ist der OrtS-Kraukenkasse der Maschinenbauer durch ihren früheren Kassirer, den 3!esta»rateur Ernst Brauer, zugefügt worden, welcher gestern unter der Au- klage der llnlerschlagnng vor der zweiten Strafkammer des Land- gerichls I stand. Brauer hatte die Beiträge von den Mitgliedern einzuziehen und darüber durch Einkleben von Marken in die Quiltungs- bncher der Mitglieder zu qnittiren. Tie Marken hat der An- geklagte ordnungsmäßig verwendet, aber von den eingezogenen Beträgen hat er einen erheblichen Theil für sich verwendet. Als er endlich zu der lange hinausgeschobenen Abrechnung gezwungen wurde, stellte sich ein Fehlbetrag von annähernd 4000 M. heraus. Der An- geklagte wollte einen Theil des Geldes verloren haben; außerdem entschuldigte er sich damit, daß er der umfangreichen Buchführung nicht gewachsen sei und seine Vorgänger ebenfalls Fehlbeträge hätten decke» müssen. Der Staatsanwalt beantragte 9 Monate Gefängniß und 2 Jahre Ehrverlust; der Vertheidiger, R.- A. Dr. Schirnndt, erreichte zwar, daß dem Angeklagten die Ehrenrechie belassen wurden, dagegen wurde die Strafe ans ein Jahr Gefängniß festgesetzt und hiervon ein Monat durch die erlittene UntersnchimgShast in Abrcch- nung gebracht. Der Polizeiverwalter alS Inquisitor. Die„Staatsbürger- Zeitung", ein der Reichsfeindschasl gewiß nicht verdächtiges Blatt, bringt in Nr. 439 folgende Mittheilung: Elberfeld. Im Jahre 1890 war ein Handlnngs-Lebrling von seinem Geschäfte beauftragt worden, einen versiegelten Brief, der Geld enthielt, zu einem Geschäftssrennde zu bringen. Sein Weg hatte ihn an der Wohnung seiner Eltern vorbeigeführt; er war hinein- gegangen und halle bei seiner Mutter Kaffee getrunken. Als er dann ans seinem weiteren Wege zu der Wohnnng des Empfängers des Briefes gekommen, war der Brief verschwunden. Der Junge lief darauf zum Gcschäflslokale zurück und machte von dem geschehenen Mittheilung. Man glaubte ihm nicht recht. Ein Geschäftsangestellter, ein ehemaliger Hauptmann, stellte ihn energisch zur Rede und ließ ihn dem Polizeiver walter vorführen. Diesem. der gleichfalls Hauptmann gewesen, gestand der Junge ein, daß er den Brief seiner Mutier gegeben. und daß jene ihn geöffnet und den Inhalt sich angeeignet habe. Auf grund dieses Geständnisses wurde vom Schöffen- gerichte, und von der Strafkammer Elberfeld als dem Bernfungs- gerichte, der Lehrling wegen Unterschlagung zu vier und seine Mutter wegen Hehlerei zu sechs Wochen Gefängniß verurtheilt. Zwar hatte der«rstere das Geständniß widerrufen, weil es unrichtig und ihm unter Drohungen sowie mit Schlägen abgepreßt worden sei, und die Mutler hatte die Angaben ihres Sohnes si« imnMljt erklärt; das Gericht hatte aber diesem Widerrufe den Glaube» versagt, obwohl sich i» der Verhandlung er« gebe». da» jener Geschäftsange st ellte dem Jungen »ut Schlägen gedroht und daß der P o l i z e i v e r w a l t e r ihm einen leichten Schlag gegeben hatte. Mutter und Sohn verbüßten darauf die erkannten Strafen. Nach sechs Jahren stellte sich die Nu schuld beider heraus. Ein Fuhrmann brnstete sich im Gespräch damit, daß er vor Jahren einmal einen guten Fund ge- macht habe. Das kam zufällig zur Kenntniß der Berurthcillen. Sie veraulaßten die Wiederanfnahine des Verfahrens. Die Untersuchung ergab, daß in dcr Thal jener Brief an dem Tage, an dem der Junge ihn befördern sollte, und auf dem Wege, den er damals gegangen sein ivollte, von Fuhrleuten gefunden ivorden ivar und daß diese den Geldiuhalt sich angeeignet hatten. Im Wiederaufnahme- Verfahren wurden Mutter und Sohn freigesprochen, weil ihre Unschuld nachgewiesen war. Die Mutter wandte sich darauf an den Justizminifter, um eine Entschädigung zn erlangen. Diese ist ihr vor kurzem auch, wie die„Fr. Ztg." berichtet, in einem größere» Betrage ausgezahlt worden. Der Fall ist nach niaucher Nichtnng hin lehrreich. Hat sich hier auch nichis von dem so viel besaselten„Segen der Berufungsinstanz gezeigt, so wirft die Affäre ein um so schärferes Licht auf die deutsche Strafrechtspflege und was mit ihr zusammenhängt. Den» muß es nicht Wunder nehme», daß zwei Gerichtsinstanzen dem auf solche Weise erzielte» Geständnisfe eines gequälten Kindes Gewicht beilegten? Spürten die- Nichter, die hier in Frage kommen, nichts von dem Mißtrauen in sich, das aus nur zu berechtigten Gründen zuiveilen polizeilichen Proto- kollen entgegengebracht werden muß und das selbst vom Reichs gencht in einem Erkeuutuiß vom 27. März IS93(Preuß. Justiz Ministerialblatt S. 285, Jahrgang 1894) mit folgende» Worten empfohlen wurde: „Die Norm des§ 253(Erklärungen des Angeklagten, welche in einem richterlichen Protokolle enthalten sind, können zum Zivecke der Beiveisausnahuie über ein Geständniß verlesen werden)„ruht unbestritten auf dem M i ß t r a» e n, welches die G e s e tz- g ebnn g allen unter unkontr ollirbare» Einflüssen"(hier waren dieselben noch dazu sehr„koutrollirbar" und mit Zuchthaus bedroht. D. Red.)„von polizeiliche» und anderen admniiftra- tiven Organen den Beschuldigten abgerungene» Geständnissen und den hierüber niedergeschriebenen Vermerken entgegensetzt." So der Gesetzgeber, so das Neichsgericht! Wie sehr haben beide recht! Gegen den Polizeiverwalter und ehemaligen Hauptmann wird der Staatsanwalt, gestützt auf tz 343 des Strafgesetz buches, einschreiten müssen. Dieser Paragraph lautet: „Ein Beamter, welcher in einer Untersuchung Z w a n g s> mittel anwendet oder anwenden läßt, um Geständnisse oder Aussagen zn erpressen, wird mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren bestraft." Der Geschäftsangestellte und ehemalige Hauptmann mag seine Schuld von seinem Gewissen richten lassen. Der Fall aber ist eine dringende Mahnung auch an unsere Richter, das gesetzlich vorgeschriebene Mißtrauen gegen polizeiliche Protokolle sich stärker angelegen sein zu lasten. Ein uucrwartetes Wiedersehen fand dieser Tage im Moabiter Untersuchungsgefängnisse statt. Wegen eines Einbruchs war ein Mann eingeliefert worden, der sich„Krüger" nannte und unter diesem Namen auch in den Akte» geführt wurde. Der Ein- brecher sollte gerichtlich vernonnnen werden, um aber die Borfuhrung zu vernwiden, begab sich der betreffende Staatsanwall in das Unter suchungsgefängniß, um hier die Vernehmung vorzunehmen. AlS er aber den Gefangenen erblkkte, da rief er im vollen Erstaune» aus: „Was, Sie wollen Krüger heißen? Sie sind ja Müller!" Der Gefangene bestritt hoch und theuer, ei» anderer als Krüger zu sein, die Bernehnmng fand zwar statt, aber es wurden mm eingehende Ermittelungen über den ivirklichen Namen des Verbrechers angestellt. Der Staatsanwalt glaubte seiner Sache sicher zu sein, da er sich erinnerte, bei der letzten Borstrafe des Gefangenen die Anklagebehörde vertreten zu haben. Er hatte recht, denn die angestellten Ermittelungen haben ergeben, daß sich hinter dem Pseudonym„Krüger" der Brillante ndieb Maler Ferdinand Paul Rudolph Müller versteckte, welcher in Gemeinschaft mit dem Gürtler Karl Friedrich Wilhelm Schäfer am 9. August v. I. bei dem Kapitän zur See a. D. Fr eih errn v. Rössing in der Billa Jägerstr. 4 zn Groß- Lichterfeld« einenEinbruch verübte und bei dieserGelegenheit öOOM.baares Geld und für etwa 10 990 M. Brillanten gestohlen hat. Am 24. November v. I. ist Müller wegen dieses Diebstahls zu drei Jahren Zuchthaus verurtheilt worden, sei» Komplize erhielt 2>/s Jahre Zuchthaus. Müller wurde zur Verbüßnng seiner Strafe im Zuchthause zu Brieg in Schlesien untergebracht, ist aber vor mehreren Monaten von dort entwichen und bisher nicht eingefangeu worden. Er ging wieder»ach Berlin, um hier vom Ertrage seiner Diebstähle zu leben, bis er schließlich der Polizei in die Hände fiel. Nun hat er von neuem Zuchthaus zu gewärtigen und dann die alte Strafe noch abzusitzen. Erneute Fluchtversuche wird man ihm nun wohl zu vereiteln ivissen. Ei» Liebesdienst. Wer in der Kneipe mit seinen„Helden thaten" prahlt, gerälh leicht in die Gefahr, die Zeche bezahlen zu müssen. Dem früheren Restauratenr und jetzigen Kassirer Karl Friedrich Schultz aus Berlin ist es so gegangen. Derselbe hatte im Jahre 1893 kurz hintereinander zwei Vorstrafen mit je 150 M. Geldstrafe erlitten. Da er nicht zahlen konnte, sollte er die substi tuirte Gefängnißftrafe von zwei Monaten im Filialgesängniß zn Nnmmelsburg verbüßen. Um nicht ans seinem Geschäft geriffen zn werden, bewog er den Arbeiter Friedrich Müller statt seiner die Strafe zu verbüßen. Er sicherte dafür 100 M. zu und Frau Müller konnte sich jede Woche bei Schulz 12 Mark holen. Die Sache glückte über alles Erwarten. Müller hieß im Gefängniß „Schulz", unterschrieb init diesem Namen die Aufnahme- und Ent- lassungs-Protokolle; schon waren mehr als 3 Jahre darüber ver- gangen und bereits schien Gras über die Sache gewachsen zn sein, da fiel es eines Tages dem Schnlz ein, sich au, Biertisch des„Kunst- stückes" zu rühmen. Vom Biertisch bis zur Polizei ist nur ein kleiner Schritt, die Sache kam zur Kenntniß der Behörde und die Folge war, daß Müller und Schulz wegen Fälschung öffentlicher Urkunden bezw. Anstiftung dazu vor dem Schwurgericht am Landgericht II standen. Die Geschworenen bewilligten mildernde Umstände. Das Urlheil lautete für Müller auf 2, für Schulz auf 3 Monate Ge- sängniß. Ein ungeheuerlicher Fast unlauteren Wettbewerbes, der bei seiner ersten Verhandlung vor der Strafkammer begreifliches Aufsehen gemacht hatte, beschäftigte gester» abermals die IV. Straf- kannner des Landgerichts I. Der Bankier Emil Klein war über- führt worden, daß er mit Hilfe des Kassenboten des Bankiers Alfred M ä r ck e r wiederholt nach Schluß der Geschäftsstunde» Einlaß in das Märckcr'sche Komptoir gefunden, dort Skripturen, die sich anf den Linden-Banverein bezogen, durchstöbert und anf diese Weise Geschäftsgeheimnisse des Märcker ansgeknudschaslet habe. Der Gerichtshof machte ihn auch für Briefe beleidigenden Inhalts verantivortlich, die ein Anonymus an die Kunde» des Bankiers Märcker gerichtet hatte. Der Angeklagte wurde wegen Vergehens gegen das Gesetz zur'Bekämpfung des unlautere» Wettbewerbes z» 5 Monaten Gefängniß und wegen Beleidigung zu 6 Wochen, im ganzen zu sechs Monaten Gefängniß verurtheilt. Auf die vom Vertheidiger R.-A. Dr. S ch w i n d t eingelegte Revision erkannte das Reichsgericht, welches an dem Urtheil bezüglich des unlauteren Wettbewerbes nicht rüttelte, daß der auf die Beleidigung bezüg- liehe Theil der Anklage zu erneuter Verhandlung an die Straf- kannner zurück zu geben fei. Im gestrigen Termin zur Haupt- Verhandlung erklärte sich der Zeuge Märker bereit, den Strafantrag wegen Beleidigung zurück zu nehmen, was aber nach dem Stande des Prozeßversahrens sich als unzulässig erwies. Der Gerichtshof erkannte mangels ausreichenden Beweises für die Thäterschaft des Angeklagten auf Freisprechung von der Anklage der Beleidigung, es verblieb aber bei der Strafe von fünf Monaten wegen des un- lauteren Wettbeiverbes. Hiusichtkich der VerficherungSpsticht der Bautechuiker gegen Alter mW Invalidität hat der Magistrat in einer durch Kreis- gerichtsrath Dr. Hilfe geführten Rechtsstreitsache dahin entschieden, daß der betr. Kläger nicht verpflichtet sei, für die von ihm beschäftigte» Techniker Beitragsmarken zu verwenden. In de» Gründen wird, nach der„Bangew.-Ztg.", ausgeführt, daß Techniker nnt höherer wissen- schaftlicher Vorbildung und ausschließlich höheren, mehr geistigen Arbeiten der Versicherungspsticht auf gruud Ziffer 4 der Anleitung vom 31. Oktober 1890 überhaupt nicht, mit anderen Verrichtungen betraut jedoch nur so lange unterliege», als ihr Jahreseinkommen 2000 M. nicht übersteigt. Hiernach können also die Inhaber Berliner Baugeschäfte mit Erfolg die Befreiung ihrer technische» Hilfsarbeiter von der Bersicherungspflicht geltend machen. Vo» der Köuigsbcrgcr Börscuhallen- Affäre. Aus Königsberg wird derichtet: In der Privatklagesache des Assessors Volckmann gegen die Mitglieder der Börsenballen-Direktio» und den Chefredakteur der„Königsberger Hartnng'sche» Zeitung" Walter wurde vom Obcrlandesgericht die Revision des Privatklägers gegen das Bernfungsurtheil des Landgerichts bezüglich der Direktionsmitglieder Alexander, Cohn, Fuhrmann und Lange ver- worfeu. Bezüglich Walter's und der Widerklage des Amtsgerichts- raths Alexander wurde die Sache wieder a» das Landgericht zurück- verwiesen. In der Berufungsinstauz waren alle Angeklagten frei- gesprochen worden. Ter Mörder dcS Bankiers Kohu zum Tode verurtheilt. Aus Wie» meldet der Telegraph: Hiesige Blätter melden aus Wadowice, daß die Mörder des Bankiers Kohn in Pleß, Wlodarski und Slacho, nach Ivtägiger Verhandlung einstimmig deS Raub- mordes an Kohn, des Mordes des Gutsbesitzers Hoina, sowie der Religionsstörung und der Beleidigung der Mitglieder des Kaiser- Hauses schuldig erkannt und zum Tode verurtheilt worden seien. 3unt MusPkÄnv dev Fovmvv. Die„Vossische Zeitung" ist mit der von uns gester» gegebene» Darstellung der Ursachen des Formerstreiks immer»och nicht zu- friedengeslellt. Sie findet unsere Ausführungen„widerspruchsvoll" und bemängelt auch, daß wir dem Herrn B o r s i g keinen„Gewährs- mann" gegenüber zu stellen vermögen. Wir bemerke» schon vorweg, daß wir auch heute davon Abstand nehmen müssen, Gewährsmänner zu nennen, wenn aber die„Vossin" unsere Darstellung«» mit denen von den Arbeiter» selbst in den Versammlunge» gegebene» ver- gleicht, so wird sie die vollste Uebereinstimmnng Heraussinden. Unsere Informationen gehen uns— das dürfte die„Voss. Ztg." ebenso gut, wie alle anderen Berliner Blätter wissen— von den Leitern der Organisationen zn, die mit den Streikende» in steter und engster Fühlung sich befinden und die Ursache» des Streiks mindestens ebenso gut kennen als Herr Borsig, der sich um die Differenzen gar nicht gekümmert, sondern alles nntergeordneteu Organen überlassen hat. Falsch ist auch die Darstellung der„Vossischen Zeitung", als ob es sich nur um die Weggab« des Kernmachens gehandelt hälte. Jeder auch nur einigermaßen mit den Einrichtungen einer Gießerei Ver- traute weiß, daß diese Arbeit gar nicht vo» einander zu trennen ist. Für die in Frage kommende Arbeil wurde früher ein Preis von 161,80 M. gezahlt. Diese Arbeit sollte nur noch mit 150'M. belohnt werde». Zudem wurde den Arbeitern von dem»enen Kalkulator gesagt, daß der Kernmacher in Zukunft nicht mehr ge- stellt würde. Dieser Kernmacher ist ein Hilfsarbeiter, der in allen Gießereien de» Formern beigegebe» wird. Wenn die Former diese Hilfskraft nicht zur Verfügung haben, verliere» sie ganz natürlich Zeit, die doch vo» ihrem Gesanunt-Rkkord in Ab rechnung gebracht werden muß. Danach ist es doch ganz erklärlich, daß die Arbeiter dicS als eine» Lohnabzug ansehen mußte». Auch sonst haben die Borsig'schen Arbeiter genug Grund zur Unzufrieden- heit und der Streit ist gewiß nicht vom Zaune gebrochen. So ge- hören die sanitären Einrichtungen dcr Gießerei der Firma Borsig zn den schlechtesten in Berlin. Die Arbeiter mußten erst die Forde- rung stellen, daß die Firma die gesetzlich vorgeschriebenen Schutz- Vorrichtungen an de» Krähnen anbringen lassen soll. Wenn der Passus in der Fabrikordnung— wonach die Festsetzung der Akkord- preise durch de» Meister in Gemeinschaft»>il den Former» erfolgen soll— gehalten worden wäre und dcr Kalkulator seine Hände ans dem Spiel gelaffen hälte, wäre der Streik nicht entstanden, dies wollen wir»och einmal ausdrücklich wiederholen. Wie schlecht übrigens die bürgerliche Presse bedient wird, beweist zum Beispiel der Bersammlungsbericht der„Volks-Zeitung", i» dem es heißt,„die erste Werkstälte, in der die Metallarbeiter anderer Kategorien durch de» Formerstreik in Mitleidenschaft gezogen wurden, ist die Eisen- gußwaarenfabrik von Georg Drechsler in der Wrangelstraße, wo die Schlosser und Klempner gestern die Arbeit niederlegten". Daran ist kein wahres Wort. Die Arbeitsniederlegung in dieser Werkstclle erfolgte aus ganz anderen Gründen, wie ausdrücklich in den Ver- sammlunge» erklärt wurde. Die„Tante Voß" macht uns schließlich noch den Vorwurf, daß wir, anstatt„zum Friede» zu mahnen",„alle Schuld" auf die Unter nehmer schieben. Daß die Metallindustrielle», indem sie stets alle Verhandlungen rundweg ablehnen, Schuld tragen an den häufigen Zerwürfnissen, ist vo» vornhinein klar. Auch in diesem speziellen Falle ist der mehrmalige Versuch der Arbeiter, mit Herrn Borsig vezw. der Direktion in direkte Verhandlung zu treten, jedesmal schroff abgelehnt worden. Wir habe» bisher uns darauf beschränkt, rein referirend über den Stand des Streiks zu berichten, ohne de» selben irgendwie zu beeinflussen; aber so gern wir dazu beitragen möchten, Streiks von solch riesiger Ausdehnung, wie sie dieser anzunehmen droht, zn vermeiden bezw. zu Ende zu bringen, so hieße doch in diesem Falle„zum Frieden mahnen" i» Wahrheit nichts anderes, als de» Arbeitern anzuempfehlen, bedingungslos zu Kreuze zu kriechen. Von seilen der Arbeiter ist kein Versuch, eine Verständigung herbeizuführen, unter- lassen worden, und sie sind auch jetzt noch nach wie vor zu Unter- Handlunge» bereit. Zu berichten ist noch, daß bis zum heutigen Abend in 13 Gießereien die Borsig'sche Arbeit verweigert wurde; in diese» Betrieben stehen iusgesammt 282 Former aus. VevTmmitfuttigen. In» Steglitzer Arbeiter- BildungSvereiu hielt Genosse F l e m in i n g- Charlottenburg einen beifällig aufgenommenen Vor- trag. Dem Kassenbericht zufolge war im letzten Quartal eine Ausgabe von 39,40 M. und eine Einnahme von 60,20 M. zu verzeichnen. Ter Arbeitcr-BildnngSverdn für Friedrichsfelde hielt am 16. September seine regelmäßige Versammlung ab. Genosse Krause hielt einen Vortrag über„Physik unter besonderer Berücksichtigung der Elektrizilät." In der Diskussion beantwortete der Referent die an ihn gerichteten Fragen bereitwilligst und eingehend. Nachdem der Vorsitzende bekannt geniacht, daß die Generalversammlung am 17. Oktober stattfindet, erfolgte der Schluß der Versanmilung. Der Unterricht beginnt t» Rattonalötonomie, «elchichte und Sesetz-Stunde am 18. Ollober, abend» M Uhr. Jnfetilr. 10, v. 2Tr. Dhetlnehiner werden schon jetzt ausgenommen tn solgenden Stellen t»ottfr. Schulz, Admtralstr. ion; Meul, Barntmstr. 48; Schiller, Rosenthalerstr. 67; Gleinert, Müllerslr. 7a: Paul Mücke, Manleuffelstr. 188: H.»önig«, Dtessenbachstr. so. Alle Zuschrtste» sind an de» Borfttzendcn Paul Mücke jr., so. Man- teusselfir. 188,»eldfendungen an de» ktasslrer H.«öntg», L. Dteffenbachstr. oo, zu senden._ Briefkasten der Redaktion. wir bitten, bei jeder Antrage eine Dhissre lzwet Buchstaben oder«Ine Zahl) I anzugeben, unter der die Antwort erthetlt werde» soll. Tie juristische Sprechstunde findet am Montag. Dienstag und Tonnadeud vo» 6 bis 7V- Uhr statt!!! Wohlgemuth. Wir sind Ihnen dankbar, daß Sie auf diese Un- annehallichkeit aufmerksam mache». Warum halten Sie aber mit der Preis- gäbe des AbHilfsmittels zurück? WtttoritiigSiiberstchi t»»«» 21. September 1807. Wetter-Prognose für Mittwoch, den SS. September 1807. Zunächst etwas wärmer, zeitweise heiter, jedoch sehr nnbeständig mit Regenschauern und frischen westlichen Winden, nachher etwas kühler. Beim bevorstehendeil GuslvkSllsniechlfvl empfehlen sich folgende Partei-Speditionen: verlli» vierter WnIiUerel« O.: Robert Wengeis, Frncht- straße 30, Hof II.— 8«.: Fritz Thiel, Skalitzerstr, 35 v. Part.— Sechster Wahlkreis(Moabit): Karl Anders, Salzwedeler- straße 8, pari, im Laden.— WecUllas und Oranienburger Vorstadt: Emil Stolz enburg, Wiesenstraße 14.—«esnnd. brnnnen: Wilhelm©aß mann,©rünthalerstr. 64,— Mosen thaler Vorstadt und Schönhanscr Vorstadt: Karl Mars, Kastanien- Allee 95/96.— Charlottcnbiirg: Gustav Schar nberg, Pestalozzistr. 34, Quergeb. pari.- Dentsch-Wilnicra- dorf: Fiau Küblet, Sigmaringenstr. 34 und Frau H eine mann, Sigmaringenslr. 35.(Hier ist auch die„Braudenbiirgischc Volks-Zelttmg" zu erhalten.)— Mlxdork: Oft ermann, Jägerstr. 70, II.— Sch«ne- herg: Wilhelm Bäumt er, Bclzigerstr. 69, Seitenflügel pari.— Johannisthal-Sieder- nml Ober-Schöncwcide: Otto John, Ober-Schöneweide, Sieinensstraße 7, Zigarrengeschäft. Annahme- stellen: Nieder-Schöneweide: Karl Weber, Zigarrengeschäft. Johannis- thal: Senftleven, Restauratenr.— Frlcdcnan-Steglitp: H. B ernsec, Kirchstraße 15 in Friedenau. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppelstraße 8, und Fr. Schellhase, Ahorn- straße 15a.- Baumschnlcnweg: 31 ich. Ulbricht, Marienthaler- straße 18, I. Anherdenl ist sämmtliche Parteilitcrattir, sowie alle wisienschaftlichen Werke dort zu haben. Ruch werden Inserate für den„Vorwärts" entgegen genommeii. Um üg e n« u e Angabe der Adresse wird dringend gebeten. SWldrmokmlischkr Walsloerrm für den 2. Verl. Reilhsms-MliMr. Mittwoch, den 22. September, abends 8V2 Uhr: vellelltliede Versammlnng imy bei Znbcil, Linde, istratze Nr. 106."PQ Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn M. Schütte über:„Staatsverfassungen im Alterthmne". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 238/20 Um zahlreichen Besuch ersucht Der Vorstand. NE. Heute Sonntag: F a»> i l i c n- R n s f l u« nach Schmargendorf. Restaurant Sanssouci, Rnhlacrstr. 2ä__ Sozialdemokratischer Mahlvemn für de» 3. Berliner Relchstags- Wahlkreis. Mittwoch, de» 22. September, nbends 8 Uhr. in Venersteln's loderet») Saal. AlteJakobstr.7S(nahe Neue Robstr.) Bersammlulta."TR Gäste sehr willeommen. [241/4] Oer Vorstand. Deutsch. Metallarbeiter-Verband (Verwaltungsstelle Berlin). Donnerstag, de» 2S. September 1897, abetids 8V2 tthr: BtMchenvttslmmlW l>. BlUlklenpcr, Röhrlegerl im Lokale vo» �enersteln. Alte Jakobstrafte 75. Tages-Ordnung: 1. Dortrag des Genossen Waldctc Mannsse über:„Wie der Mensch, so sei» Gott". 2. Diskussion. 3. Verbands- Angelegeiiheiteil und Verschiedenes,— Nichttnitglieder haben Zutritt.— Die Kollegen werden dringend ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. 160/20___ Die Ortsverwaltnng. Achtung!_ Armer Ii. VmllsgrMm Vkrlnis. Grotze öffentliche Verfannnlung am Donnerstag, den 23. September er., abends 8(Ihr, im„Kolberger Salon", Kolbergcrstrasse Vo. 23. Tages-Ordnung: I. Der Streik bei Dorslg und die Folgen desselben. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Ftaktung! Achtung! Brauerei- und Bierverlags-Hilfsarbeiter. Donnerstag, 23. September, abds. 8 Uhr, im Englischen©arten, Alexanderstr.27o Oeffentliche Verfanrmlnng aller in Kranereien beschäftigten Hilfsarbeiter 46/4 Tagesordnung: 1. Bericht der Vergleichs-Kommission und des Gewcrkschafts-Deleglrtcn. 2. Neuwahl der Koiiimission und des Delegirtcn. 3. Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Branerei-Arbeiters, tn dieser Versammlung Pünktlich zu erscheinen. Die Verglelchs-Kommlsslon der Brauerei-»nd Bierverlags-Hilfsarbeiter Berlins und Nmgeg. Charlottenburg. Mittwoch,»». September, abends 8Va I hr, im Lokale „Bismarckshohe", Wllmersdorfcrstrasse 80: Grosse Volksversammlung Tages-Ordnung: 1. Die bevorstehenden Stadtverordneten- Wahlen. Referent: Genosse Wagner. 2. Bericht der Stadtverordneten. 3. Dislttssion. 4. Aufstellung der Kandidaten. 5. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch der Versammlung ersucht Der Yertranensmaan, Ocffentliche Holzarveiter- Versammlnng am Donnerstag, den SS. Tcplcmbcr. im Lokale des Herrn Möhring, Admiralstr. 18«-- Tjig e S- O r d» u n g: C. Rormanii, Admiral- Die Zustände in der Werkstattc von_________ strahe 18b, und das Berhalten der Kollegen daselbst 233/9 Idv»' Küinberrirei». lleutsetikl' Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Hente, Mittwoch, 22. September, abends 81/, Uhr, bot Cohn, Bcuthstrasse 20 21: siir sSmmtlilhe Bezirke iilld Vrilche». Tages- Ordnung: »er Disehler-laniinsstas In Bremen. Antrag Tost, de- treffend Unterstützung bei AngriffsstreilS. Werlstattstrciks und Differenzen VerbandsangelegenHciten. Die Kollegen werden ersucht, ans jeder Werkstatt einen Ber- trauensinann zu entsenden. UM- Xnr Beachtung! Die Zahlstelle Lothringerstr, S7 ist nach Linie,'" J der Linienstr. 39 verlegt. 293/8 A»> Sonnabend, den 3. Oktober, bei«oller, Koppenstrafte 39: 3. Stiftungsfest. Mes znstrmeiltlll-Köilzert null ktsllG-AtljsührWe«. Billets a 25 Pf. sind aus allen Zahlstellen des Verbandes zu haben. Großer Ball. Herren, die daran theilnchmen»vollen, zahlen 50 Pfg. nach. Programn, au» Eingang des Saales. _____ l>le OrtsverwaUnng. Unserin Dickhäuter- Wilhelm zu seinem heutigen Wiegenfeste die besten Wünsche von seinen[731b Fichtenbriidern. Banksagung. Hiermit sagen allen Genoffen, Ber- wandten, Freunden und Bekannten sür die Thcilnahmc bei der Beerdigung meines lieben Mannes, deS Stein- druckers Robert vttssfeldt, insbesondere dem Gesangverein Senc- selber für den schönen Gesang, ferner allen Kollegen den besten Dank. Ww. Gttssfcldt nebst Kindern. Danksagung. Für die zahlreiche Betheiligung und Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes Adolf Itostowsky sagen wir hiermit allen Freunden, Bekannten, dem Personal der Firma Oskar Falbe, sowie den: Gesangverein Hoffnung unser» herzlichsten Dank. 723b] Die Hinterbliebenen. Die Beleidigungen, welche ich am 22. August gegen Frl. Klara und Allvine Stahl geäußert habe, nehme ich zurück und erkläre dieselben als ehrenhafte Personen.[737b Karl Krenzlin, Pankow, Neue Kirchstr. 4. NaclilasM-Anktlon. Am Donnerstag, den 23. September, vormittags 9 Uhr, kommen Pankflr. 53, 4 Tr., die Hauswirthfchafts- Gegen- stände: Betten, Möbel und Küchen- geräth ze. des beim Bau verunglückten Maurers Wilh. Lange öffentlich meist- bietend zur Versteigerung.[725b Alb. Misch. Auktionator. Künstl. Zählte in tadelloser Aus- sühning v. 3 M., Plomben v. 2 M. an. Schmerzlos. Zahnziehen initt. Cocain, ClorSthgl, Chloroform nnd Lachgas nnter Leitung eines prakt. Arztes. Bei Bestellung v. künstl. Zähne» Zahn- ziehen, Zaynrcinigen nmsonst: Naten- zahliing gestattet, Woche 1 M.» Gnckel, Lansitzcr Platz 2, Elsafferstraße 12, Steglitzerstraßc 71. ür.SlnunelÄÄ Spczialarzt f. Haut».Harnleiden. 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2—4. Aluminium-Gebisse, Preis per Zahn inkl. Platte 4 Mark «antschnk-Gebisse Preis per Zahn inkl. Platte 3 Mark. Plomben 1,50 M., Zahnziehen 1 M. SchmerzlosesZiehen eines od. mehrerer Zähne(Lachgas- od.Chloroformnarkose) im Beisein eines Arztes 0 Mark. Waldemar und Reinhold Haupt, Brunnenstrasie 18 II. Frankfnrtcrstrasie 113 II. Ähltt«. 2 Wirt"SÄ"- Olga Jacobson, gjliBalidcnft. 145. Graefe's Fleckwasser beseitigt jeden Fleck, ohne bei» Stoff anzugreifen, ö Flasche 25 Pf.Drogucric Stettinerstr. 03, Sit. tsrnefc. 31258* Allen Freunden und Bekannten die Mittheilung, daß ich mein Weist- und Bairisch-Bicrlokal am 27. d. M. von der Goltzstr. 43 nach der Kysshänserstr. 1« verlege und bitte, das mir bisher geschenkte Wohlwollen auch fernerhin bewahren zu wollen.— Gleichzeitig lade zum Sonnabend, den 25. d. M. zum t u r st« s f e n em. 730b Otto Schilling, SchankwirtH, Golüstraste IS. (S.Xin 200—1000 Personen, mit Wlltlfy Bühne, Sonnabends und Sonntags zu vergeben. Näheres Fritz Schräder, Wiesen- straße 33. Tel. II«23. Bereinszimnier m. Piano, paff, für Gesangvereine� ist einige Tage frei' 540b Reichenbergerstr. 31. IKundt's Saal. Jnh.: Ernst Gründer. MM- Köpnickerftraste 100."Mfi Fernsprecher Amt VII 39. Täglich: Grosser Ball. MM- Saal und Vereinsziminer stehen deir Vereinen unentgeldlich zur Verfiigung.-ME 2255L» Orts- Krattkenkasse der llantlsGhuliinaclier ii. verw. kmerbe Berlins. Bekaiintmochnng. Der Beschluß der Generalversamm- lung voin 27. Juni d. I. betreffs Abänderung des§ 2 Ziffer 3 unseres Statuts ist seitens des hiesigen Bezirks- Ausschusses unterm 21. Juli d. I. ge- nehmigt worden und tritt derselbe mit dem Tage der Schließung der Orts- Krankenkasse der Handlungsgehilfen nnd-Lehrlinge in traft. 733b Berlin, den 22. September 1897. Der Vorstand. Berthold Hollubarfch, Borsitzender. Mslljtrr AsiWmii „zMMllsi" sucht noch Herren als Mitglieder. Uebungsstnnde jeden Donnerstag, abends 9—11, Alex and erstr. 27e, Englischer Garten, Part.[722b 33. Oktober(Sonnabend) ar Saal frei Engl. Garten, Alexanderstr. 37c. Ein schönes Vereinsziminer mit Klavier zu vergeben Landwehrslr. 38. Sieppdecken-fFabrik) Borziigl. Handarbeit; staunend billig. Alte Decken werden aufgearbeitet. Berlin G., Wallstrassc 73. Glirdinen- Rester-Ausverkauf älterer Muster in weiß nnd creme, zn 1—4 Fensternpaffcnd, spottbillig in dem Gardincnfabrik-Lager von kk Berti» O., Grüner Weg Nr. 80 pari, Eing. vom Flur(kein Laden). Neuheiten treffen täglich ein. Proben nach außerhalb portofrei. Fertig« Betten gr. Stand , Obcrbctt,, Unterbett,! zwei Kopfkissen mit gereinigten neuen Federn, von 13 M. an, fertige JnlctiS, Bettwäsche, Matratzen jeder Art, Stepp-, Schlaf-, Bettdecken und Polster- Bettstellen cmpf. billigst das als streng reell bekannte, 1870 gegr. Spezial-Gesch. S. Pollack, Orautenstr. 01,am Morttzplatz. flföbel in jedem Stil und jeder Holzart äußerst billig, auch ans Tbeilzahlnng. Gr. Lager gcbranchter uno verliehen geivcscner Möbel 2950L» Oraniensfp. 73. Möbel, Spiegel n. 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Da die Tagesordnung eine sehr wichtige ist, ersuchen wir die Kollegen jedes BaueS, obige Fragen reiflich zu erwägen, auf jedem Bau einen Baudeputirten zu ernennen und denselben zu beauftragen, die Meinung der Kollegen in der Versanimlung kund zu thun. Jeder Bau muß durch einen Depntirten vertreten sein. 236/6 Die J,ohnkomimssion. Freie Volksbühne. Sonntag, den 26. SeptemLcr, naclim. 3 Uhr: Vorstellung der III. Abtheilung im Frledrlch-Wllhelmstttdtlschen Theater. Zur Aufführung gelangt Mönokeberg's fünfaktiges Drama: Illusionen. Die Hauptrollen befinden sich in den Händen von Herrn ÜVcndt und Frl. Mllly Krause vom Königlichen Sohauspielhause als Gast. Wir machen die Mitglieder besonders darauf aufmerksam, dass die Vorstellungen abwechselnd im Friedrich- WilhelnistUdtischcn Theater und im Lessing-Theater stattfinden werden. Da jedoch für eine neue Abtheilung erst dann eine Vorstellung arrangirt werden kann, wenn die Abtheilung gefüllt ist, liegt es im Interesse des Vereins und der einzelnen Mitglieder, dafür zu sorgen, das* alle Freunde der Volksbühne, welche Mitglied werden wollen, dies nngesttnmt thnn, das heisst, sich noch In diesen Tagen zur Aufnahme In einer Zahlstelle melden. Mitglieder znr III. Ab thellung können noch in allen Zahlstellen aufgenommen werden, müssen jedoch ihre Anmeldung bis zum Donnerstag in den Zahlstellen erklären. Eintrittsgeld 60 Pf. 231/20 Der Vorstand. I.A.: Gustav Winkler. Luisen �-Theater. 2 Minuten vom Kottbuser Thor. Sonntag, den 36. September 1807, nachmittags 3 lThr folks-Vorslellunp unter Regie von Julius Türk. IM" Pa-eciosa."WU Unter Mitwirkung der Kapelle des Unisen- Theaters. Eintrittskarten ä 66 Pf. sind in den bekannten Geschäften zn haben. EinseWMgs-Anzüge -*ä "*3 in bläu u. schwarz Kammgarn u. Cheviot zn sehr billigen, aber festen Preisen Julius Liiuleiibaum, Gr. Frankfurterstr. 189. Feste Preise. Spezialität: Anfertigung nach NIaast. Spiegel und Polslerwaaren. (jon,pi. Wohnungs- Finrichtnngen. Franz Tulzauer,..„m Täglich von 7 Uhr morgens bis 6 Uhr abends:_ Verkauf von frisch gek. Fleisch. � Rindfleisch.... pro Pfd. von 30 Ps an, Schweinefleisch..„„40 Pf.(290oL* Verwaltmig der Koclianstalt Städt. Scliladitliof �»fallsache», Klagen, Eingaben Pntrger, Stcglisterstr. 65 Rcisckofser, Regnlatoren, , Kleidungsstücke, Opern- gläser, Wäsche, Gardinen spottbillig Pfandleihe 9i ea» d erste. Maatz werde» zu sehr billigen Preisen angefertigt. 254b Aiuüge uch Maß sür "Knabe» Gröstte Auswahl in in- und ans- ländifchen Stoffen für Paletots, Anzüge, Beintteider zc. werden unter Garantie des guten Sitzes zu überaus billigen Preisen schnellstens angefertigt im Tuchgeschäft b°t A. Karle, Waldemarstr. 66. 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Znzng»ach obigen Werkstelle» ist fernzuhalten. 233/0_ Die' Ortsverwaltiing. Die gönnet iniö Kerniiillilier der Firma Bccslg haben Montag, den 23. August wegen Lohndifferenzen die Arbeit eingestellt. Zuzug nach betreffender Firma ist streng fernzuhalten! L. Müller, Gerichtsstr. 31, _ Vertrauensmann.[63/4* AchtW, Korbinlchr! Die Werkstätten von Aneio»«. Co. (Jnh. Starke), Wilhelmstr. 123, sowie Schmidt u. Co., Krautstr. 6, stnd gesperrt. Zuzlig ist steng fernzuhalten. 283/10 Der Borstand. Einen Arbeitsburschen a. d. Karton- brauche verl. sof. Th. Vathnn, Stallschreiberstr. 23. 707b Jacket- Arbeiterin außer dem Hause verl. Krause Bergmannstr. 18. Lehrling zur Schildennalerei verl. 729bJ Niesch, Orautenstr. 120. Woll-I Arbeiterinnen mit Probe beschäftigt dauernd bei guten Preisen[728b Arthur Sainnlo», Nene Friedrichstraße 79a. -Languelten- t mit Probe beschff In der Fabrikation von Wagen, Svstem Bcranger, tüchtige, fleißige Arbeiter, militärfrei, mit guten Zeug- nissen, der sranzösischeu Sprache mächtig, werden bei einem Anfangs» gehalt von M. 100,— bis M. 200,— monatlich für eine Wagenfabrik in der Nähe von Paris als Werkmeister bezw. Unterwerkmeister gesucht. Off. sub L. 3 an d. Exp. d. Bl. Drechslerlehrling vl. Ansbacher- straße 8, E. R e i n k e._ 7346 Drechsler auf Schirmsachen verll Chausseestr. 102, H. p. l. 738b BeranNvortlicher Redakteur: August Jgcobrv in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Berlag von Max»vgdiug in Berlin. nr. 221. u. mm. 2. Keilllge des Jonirtf KMer WIKsdlM. Mmch.s�-Mdtti8N. Verfnurutlnttgcn. In einer effentlichcn Tcxtilarbciter-Vcrsninmlnng, die am 20. September i» der Andreasitr. 2t tagte, erfolgte die Bericht- erstattung vom internationalen Textilarbeiter-Kongreß in Frankreich durch den dorthin deleairt gewesenen Kollege» H ü b s ch. Es er- übrigt sich, auf die näheren sehr interessanten Details an dieser Stelle einzugehen, indem znr Zeil der Tagung des Kongresses der „Vorwärts" bereits ausführlich darüber berichtete. Erwähnt sei hier noch, daß neben der thalsächlichen Vertretung der Textilarbeiter Englands, Frankreichs, Belgiens, Oesterreichs, Hollands und Teulsch- lands auch eine Vertretung Rußlands anerkannt wurde, die in einer Zuschrift an den Kongreß erblickt wurde, welche unter genauer Dar- legung der russischen Zustände die totale Unmöglichkeit einer persön- liehen Delegation verwies. Von den 200 400 auf dem Kongreß ver- treten gewesenen organisirten Textilarbeitern entfallen aus England allein 133000. Im allgemeinen habe die Zahl der organisirten Textilarbeiter seil deminternationaleuKongreßinManchester über 10000 zugenommen. Die Neuregelung der Beitragsleislung zum internationalen Selrc- tariat, welches vor vier Jahren in Manchester eingesetzt wurde, hatte das Ergebniß, daß von den hiesige» Textilarbeitern 100 Mark mehr geleistet werden müssen. Zum Schluß wendete sich der Berichterstatter gegen eine zur Kougreßzeit in die Presse lancirte Notiz, laut welcher zwischen Deutschen und Franzosen kein gutes Einvernehmen bestanden haben sollte; er konstalirte dagegen, daß das Vcrhältniß zwischen Beiden ein außerordentlich herzliches ge- wcsen sei, welches noch durch die Freude der französischen Kollegen besonders zum Slusdruck kam bei dem Beschluß, den nächsten inter- nationalen Textilarbeiter-Kongreß, wenn nicht plötzliche Ereignisse hindernd dazwischen trete», in Deutschland stattsindeu zn lassen. In der recht regen Diskussion wurde bemängelt, daß das Genossenschaftswesen auf dem Kongreß nicht znr Sprache kam. Gutgeheißen wurde der ablehnende Standpunkt des hiesigen Delegirte» zur Frage der Verkürzung der Arbeitszeit für Frauen ohne Lohnerhöhnng. Im übrigen wurde der Bericht gutgeheißen. Die Versammlung ging nun zu Mißstände» im Gc- werbe über. Es wurde festgestellt, daß in der Prignitz für einen Wochenlohn von 3—12 M. von früh S bis abends 7 auch 8 Uhr gearbeitet werde; aber auch in Berlins nächster Nähe, in Nieder- Echöncwcide, würde in der Saison von früh 6 Uhr bis 3 Uhr nachts gearbeitet. Viele Arbeiter legen sich an Ort und Stelle kurze Zeit schlafen, um am anderen Morgen wieder weiter arbeiten z» können.— Den Geschästsbericht der Agitationskommissio» der Provinz Brandenburg gab Lehman n. Dem Bestand von 8,49 M. und der Einnahme von 81,39 M. steht eine Ausgabe von 80.75 M. gegenüber. Eine Neuwahl der Agitationskommission für die Pro- vinz Brandenburg kam nicht zu stände, weil sämmlliche dazu vor- geschlagenen Personen ablehnten. Wegen vorgerückter Zeit und merklicher Leerung des Saales vertagte man die Wahl der Agitations- kommission für Brandenburg und die Wahl eines Delegirten znr Gewerkschaftskommission bis zur nächsten Versammlung. Zum Streik der Foruicr nahine» die Metallarbeiter Berlins am Montag Stellung i» zwei sehr gut besuchten Versammlungen. I m K ö s l i n e r Hof hatten sich die Kollegen des Nordens i» so großer Zahl eingefunden, daß der Saal durch die Polizei ab- gesperrt wurde und eine beträchtliche Zahl der Angekommene» keinen Einlaß mehr sanden. Der Referent Rät her beleuchtete eingehend die Ursachen und den Verlauf des Formerstreiks. Er wies darauf hin, daß die Arbeiter der Metallindustrie sich jahrelang mancherlei Bedrückungen der Unternehmer gefallen lassen mußte». Als seit dem Jahre 1890 der Geschäftsgang ei» besserer wurde, habe auch die Organisation der Metallarbeiter einen Aufschwung genommen und die Kollege» für eine Verbesserung ihrer Lage zu interessircn gesucht, und eine solche auch hier und da erreicht. So sei in Berlin im vorigen Jahre eine Verkürzung der Arbeitszeit durchgesetzt worden. Daß die Arbeiter bei Festsetzung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse mitreden wollten und hierin auch theilweise Erfolg hatten, das habe natürlich die Erbitterung der Unternehmer, vor allem des durch Herrn Kühnemann geleiteten Verbandes der Metallindustriellen hervorgerufen. Seit dem Streik der Metall- arbeiter bei Härtung habe der Unternehmer-Verband die Taktik befolgt, durch seinen Arbeitsnachweis keinem Arbeiter Beschäftigung nachzuweisen, der nicht bereit war, solche in einer vom Streik be- troffenen Werkstatt anzunehmen. Dadurch sei zwar mancher Arbeits- willige von den Unternehmern an freiwilliger Arbeit gehindert worden, aber es sei nicht gelungen, Streikbrecher in nennenswerther Zahl zu finden. Diese Taktik habe der Unternehmer-Verband neuer- dings aufgegeben, weil infolge derselben manchem Fabrikanten die Arbeitskräfte knapp wurden. Besonders erbittert sei Herr Kühne- mann und sein Anhang darüber, daß es den Formern und Gießerei- Arbeitern in letzter Zeit gelungen sei, in verschiedenen Betrieben eine Ausbesserung ihrer Lage im Wege gütlicher Vereinbarung zu erlangen. Diese Verhandlungen zwischen Arbeitern und Unter- nehmern seien den Kühnemännern ganz besonders zuwider. Mußte doch die Firma Grünauer, die sich mit ihren streikenden Arbeitern einigte, deshalb eine Strafe von 1000 M. an den Verband zahlen. Die Herren Kühneniann und Genossen wollen keine Vereinbarungen mit de» Arbeitern. Sie wollen, daß der Ar- beiter sich den von ihnen diktirten Bedingungen ohne Widerspruch füge. Bei Gelegenheit des Formerstreiks der Firma Rössemann u. Kühnemann hätte es leicht zu einem allgemeinen Ausstand kommen können, die Arbeiter hätten jedoch, wie seit Jahren, so auch bei dieser Gelegenheit alles gelhan, um den Kampf zu vermeiden. Der Redner bespricht die in der bürgerlichen Presse veröffentlichte Er- klärung, welche die Firma Borsig zu dem bei ihr ausgebrochenen Formerstreik giebt, und widerlegt die darin enthaltenen unzutreffenden Darstellungen. Er krilisirt einen Artikel der„Voss. Ztg.", der den Führern der Zlrbeiter den Rath erthcilt, den drohenden allgemeinen Ausstand der Metallarbeiter im Keime zu ersticken. Ich bin der erste— sagt der Redner—, der die Hand zu einem friedlichen Aus- gleich bieten würde. Wir Arbeiter sind stets bereit gewesen, mit de» Unternehmern zu unterhandeln. Der Streik bei Borsig wäre längst beigelegt, wenn sich die Firma zu Unterhandlungen bereit ge- fundc» hätte. Wenn also die Ursache» des Ausstandes nicht im „Keime erstickt" werden konnten, so ist das nicht unsere Schuld, sondern allein Schuld der Unternehmer, die stets jede Unterhandlung mit den'Arbeitern ablehnten, um— wie sie sagen— Herr im eigenen Hause zu bleiben. Als in der Versammlung am 12. d. M. beschlossen wurde, entgegen unserer früheren Taktik, die Borsig'sche Arbeit in allen Werkställe» zurückzuweisen, haben alle Kollegen, welche in der Gewerkschaft eine Stellung einnehmen, auf die Trag- weite dieses Beschlusses hingewiesen und darauf aufmerksam gemacht, daß infolge desselben tausende von Metallarbeitern in den Kampf gezogen werden könnte». Möge man diesen Beschluß auch für ver- srüht oder für taklisch unrichtig halten, jetzt inüssc er ausgeführt werden, ein„Zurück" gebe es nicht mehr. Der Kampf, den zu verhindern die Arbeiter seit Jahre» bemüht waren, sei nun aus- gebrochen und müsse durchgefochten werden. Es handle sich jetzt darum, die Unternehmer- Organisation zu zwingen, daß sie die Organisation der Arbeiter als gleichberechtigte» Faktor anerkenne und sich zu Verhandlungen mit der- selben bereit erkläre. Ein Unsinn sei es, wenn bürgerliche Blätter schreiben, Redner habe gesagt, der Ring der Kühncmänner müsse gesprengt werden. Wir wolle» den Unternehmern das Recht, sich zu organisireu, nicht streitig machen, aber wir müssen verlangen. daß man auch uns dieses Recht nicht abspreche, lieber die Lage des Streiks thcill der Redner mit, daß es in einer Reihe von Gießereien wegen Verweigerung Borsig'scher Arbeit schon zum Ausstand ge- kommen sei, und daß in allernächster Zeit die Former und Gießerei- Zlrbeiter fännntlicher Betriebe auf die Straße gesetzt werden würde». Augenblicklich seien 324 Arbeiter ausständig, von denen 120 Berlin verlassen haben. Da die Situation sür die Streikenden günstig sei, so könnten dieselbe» mit Zuversicht dem weiteren Verlaus des Kampfes entgegensehen und auf einen Sieg ihrer Sache rechnen. Die Versammlung bekundete durch lebhaften Beifall ihre Zu- stimmung mit den Ausführungen des Referenten. Nachdem sich eine Anzahl von Rednern in gleichem Sinne geäußert, wurde folgende Resolution angenommen: Die Versammlung erklärt, entsprechend frühere» Beschlüssen, den Streik der Former der Firma Borsig für gerechtfertigt, und verpflichtet sich, mit allen zur Ver- fügnng stehenden Mitteln sür diejenige» Kollegen einzutreten, die infolge der Verweigerung jedweder Arbeit für Borsig durch die organisirten Unternehmer in den Ausstand getrieben werde». Jeder Eisenformer hat, laut früherem Beschluß, 10 pCt. seines Wochen- Verdienstes und jeder sonstige Metallarbeiter mindestens 50 Pf. wöchentlich zum Streikfonds zu zahlen. Alle Listen und Marken sind wöchentlich abzurechnen.— Die imposante Versammlung wurde mit einem brausenden Hoch auf die Metallarbeiter-Organisation ge- schloffen. In C oh»'s großem Saal in der Beuthstraße tagte die zweite Versammlung, die sich ebenfalls eines sehr guten Besuches erfreute und de» gleichen Verlauf nahm, wie die obige. Der Referent L i t f i n legte die Ursachen und den bisherigen Verlauf des Former- streiks dar, wandte sich gegen die in de» bürgerlichen Blättern ver- öffentlichte Borsig'sche Erklärung und plädirte für eine kräftige Unterstützung des Formerstreiks durch alle Metallarbeiter. In der längere» Diskussion traten eine Anzahl von Rednern gleichfalls für weitgehendste Unterstützung der Ausständigen ein»nd forderten zum festen Zusammenhalten in dem bevorstehenden Kampfe auf. Auch hier wurde die oben abgedruckte Resolution angenommen, nachdem Schlosser Quast gegen Festsetzung eines bestinunten Beitrages zum Slpeiksonds gesprochen halte und die Höh« des Beitrages in das Belieben jedes einzelnen gestellt wissen wollte. Im übrigen waren alle Redner mit dem Referenten einverstanden»nd die Stimmung der Versammelten, die mit einem dreifachen Hoch auf die Einigkeit der Metallarbeiter auseinandergingen, war eine sehr zuversichtlichc. I» einer öffentlichen Musiker- Vcrsaniinlnng gab die Ngilationskommission ihren Bericht. Danach wurden 112,75 M.! vereinnahmt und 110,60 M. verausgabt. In die Konnnission neu-l gewählt wurden Meyer, Gart mann, Prap ermann und' Wernsdorf. Als Vertreter in die Gewerkschastskommission wird! Hoch, als Vertreter Loppe gewählt.' Die Holz- und Brettcrtriiger hielten ihre letzte Versammlung am 12. d. M. bei Wille ab. Nach einem Vortrage Wagner'? legte; der Kassirer Abrechnung vom Stiftungsfest; dasselbe hat einen ileber- fchuß von 15,75 M. ergeben., Die Komniission znr Dnrchfiihrnng der gesetzliche» Sonntagsruhe in de» Gärtnereien hatte vor kurzem eine öffenK liche Gärtnerversaninilung nach Weißensee einberufen, die von Ge- Hilfen und auch von Handelsgärtuern zahlreich besucht war.i Günther behandelte das Sonntagsruhe-Gesctz und seine Wirkungen i» eingehender Weise. In der folgenden regen Debatte wurde die Nothivendigkeit der Sonntagsruhe im Prinzip allseitig anerkannt,! doch wurde auch nicht verkannt, daß die Bestiinniungen über die äußere Heilighaltung der Sonn- iiudiKeiertage sür die Gärtnereien besonders schwierig seien. Die Versaimnluiig beschloß daher, daß bei elwaigcu Uebertretungen der Sonntagsruhe-Bestimmungen seitens der Prinzipale fernerhin nicht ohne weiteres bei der Behörde An- zeige erstattet werde» solle, sondern daß dies erst nach eingehender Prüfung der Sachlage erforderlichenfalles zu geschehe» habe. Die Versammlung schloß mit einer Besprechung der rechtlichen Stellung des Gärtners in bezug ans die Gewerbe-Ordnung, und wurde hierbei hervorgehoben, daß die Handelsgärtner besser daran getha» hätte», wen» st« dahin gestrebt hätten, der Gewerbe- Ordnung statt dem allgemeinen Laudrecht unterstellt zu werden, was von solchen zum theil anerkannt wurde. ftoben ii. Preislisten portofrei. Mittwoch, Donnerstag, Freitag Versand-Abteilung Berlin W. Leipzigerstr. III. (M-Haidsrhikr flir Damen, �,. fl OPC mit mit 4 Knöpfen, �? seidenen Raupen Tapisserie� Artikel Tablette-Decken F™len i«, ao, 30 w. 51 mit ransen Hohlsaum 18,«5,»«« prau weiss Küchenhandlüclier, eo, pt Stubenhandlücher 85 pf»»d 1,80 m. 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Anfang 7V- Uhr. Friedrich. WilhelmstiidtischeS. Geschlossen. Nlexanderplah. Das LieVeSdrama einer Sängerin. Anfang 8 Uhr. Reichshalle». Herkules mit feinem Riesenfpielzeug. Anfang 7»/, Uhr. Apollo. Spezialitäten. Ans.'/-» Uhr. FeeN'Palaft. Spezialitäten. Passage< Pauoptikum. Indisches Dorf. (Wallner-Theater). Mittwoch, ab. 8 Uhr: Die Kreuzel- schreibe». Donnerstag, abend? 8 Uhr: Zum ersten Male: Gin Tropfen Gift. Freitag abendö 8 Uhr: Gin Tropfen Luisen-Theater 34. Reichenbergerstrahe 34. Abends 8 Uhr: Geschwister Fiebig. Modernes Bolksstück in 3 Akten von Oskar Wagner u. Hugo Haßkerl. Mustk von Fritz Krause. �ulie: Gcrtha Senden. Adele: Margarethe Borkillzper. Sägf Bittet- Vorverkauf tMJn- validendank, Unter den Linden 24, und an der Kasse von 11—1 Uhr. Sonntag Nachmittag 3 Uhr: 8. Volk»-Vorstellnng unter Regie von Jnlln» Türk Billets a 60 Pf. in den bekannten Berkanfsstellen. Urania Tnukcnslrnssc 48—49. Naturkundl, Ausstellung tägl. geöfTnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 60 Pf.— Wissensohaltl. Theater abends 8 Uhr. Passage-Panopticum. Indisches Dorf mit dem bedeutendsten Fussball- Künstler der Welt Koang Tooa. Vorst. 12, 5, 7 und 9 Uhr. Casian's Fanopticum. Friedrichstr. 165. Büren weib die grösste Sehenswürdigkeit des ablaufenden Jahrhunderts ist wieder da! 1! NOII? Italienische Kapelle nvU 1 desMaestro Liberti, 5 Herren, 2 Damen. Ostend-Theater. Gr. Franksnrterstr.1S2 Dir. G.Weisi. Novität! Zum 6. Male: Gr. Schlager! Jngendbrontten oder: Netv-Rulumelsbnrg. Burleskes charakteristischesZeitgeinälde mit Gesang und Tanz in 4 Akten von E. Tschirch und C.Berg. Auf. 8 Uhr. Im Tunnel von 7 Uhr an: Frei- Konzert. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, nachmittags 3 Ubr. kleine Preise: Tie Lieder d. Mnfikantrn. Moaxar Varistd-Theater X. Banges. Dresden erstrahc 62/53(Cith-Passage) Annenstraße 42/43. Direktion Richard W t» k l e r. Vornehmster Familien- Aufenthalt. Novität! Novität! 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September, sowie von da an jedem Montag u. Freitag: Viktoria-Brauerei. Dienstag, den 28. September: 1. Soiree im Böhmischen Bran- Hause, Landsberger Allee. IdeatenlerReieiisitanen lieipxigerstrasse 77. Vom Beflen dag Beste! 21 ttäVn Rmlmr, _ bestende Programm.___ M Herkules se�to � Kiesenspielzeug! Die borzngl. Kankantänzerinneu Die Wunderkinder HOVClla! Bin Brama am Beer. Ansang des Konzertes 7r/, Ubr, der Vorstellung 8 Uhr.- Entree 50 Pf. KMftntum's Yartetö. Der grösste Erfolg, den jemals bisher noch Anton und Donat Hermfeld im I. Original-Budapester Poaaen> u. Operetten. Theater errungen, spricht sieh in der grandiosen Zugkraft der jetzigen beiden Novitäten Ein Abend im Wintergarten und Im Atelier aus. In der verflossenen Woche waren wieder nicht weniger als 10 05% Personen in dem stets von nicht enden wollendem Beifall durchbrausten Raufmann's Yariftl. Apollo-Theater. Friedrichstr. SIS. Dir. J. Glück. Die Z? 9 WlzelminidM. Dagmar Hansen. Broth. 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Ely. Austreten des urkomischen Bendix. Jnstrumentalkomtker Hugo Schulz. Excentriauesoubrette Wall» Smollm, GcsangSduett. Geschw. Rebeutischic. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. •I.Wenisirz Festsäle Schivcltcrstr. SS L4. Mittwoch, den 22. September 1897: Gr.Extra-TheattmrsttllW. Zur Aufführung gelangt: Eiu toller Eil, fall. Schwank in 4 Aufzügen v. E. Laufs. Regie: K a r l F r t t s ch e. Anfang des Konzerts H/, Uhr, der Vorstellung 3i/, Uhr. W. Noack's Theater Brnunen-Straose 10. Täglich: Theater- u. Spoxlalltfttcn- Vors}.- Illing. Die Eiiiladttngskarte» Schwank in 1 Aufzuge von Kotzebue. Die kleine Schlange. Posse in eineni Akt von Jacobson. Veriiner in Italien. Original-Burleske-Posse mit Gesang von E. Linderer. Jeden Sonntag. Montag. Dienstag u. Donnerstag nach der Vorstellung: Taunkrtiiizchcu. Concerthaus l.elpv.IgerHtr.Vo.lS. DM- Täglich:-W« Hoffmann's Quartett und Humoristen. Heute Anfang 7 Uhr. l. Raug u. Loge 1 M., Sperrsitz 50 Pf., Entree und H. Rang 30 Pf. 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Gekaufte Möbel können 3 Monat koftenfret lagern, werden durch eigen« Gespanne tranSportirt, auch nach außerhalb. Bitte genau auf Haut- nummer zu achten 2. Ziehiink l>. 3. Müsse 197. Rftl. Prenss. Lotteri». Ziehliug vom 2t. Scptemier>897, vormittag?. Hut die Gewinne itb.-r 100 Mark find den dlttlsfendca Nummern in Parenthese beigesngt. (Ohne Bewähr.> S 19 81 169 290 686 946 51 89 95 1037 244 57 64 436 83 632 974 90 2119 260 836 477 549 632 716 72 8887 427 527 736 48 4002 410 150(0 81 89 681 5147 61 95 236 466 Sit 973«OCG 122 50 70 451 527 70 8i'3 67 7161 282 381 400 60 78 83 621 747 98 963 8011 133 218 73 393 436 750 828 9045 628 721 91 930 73 ,(»188 219 317 498 527 35 45 690 709 874 950 82 ,1056 97 264 308 526 803 93 ,2052 193 213 80 31? 487 93 516 56 98 718 901 13I3S 70 7i 242 96 392 510 66 299 302 564 718 6:10 74 ,0225 93 871 200 415 30 48 703 84 624 825 47 951 14074 80 196 960 64, 5182 508 7 2 683 8C 401 788 ,7804 55 71 ,«016 19 ,»152 316 568 883 20124 91 861 84 718 28 859 981 98»10881 293 473 570 90 640 758 812 951 81»2-149 59 290 664 754 866 968 97 23010 149 66 231 413 37 553 60 853 919 28«4216 329 31 526 608 11 20 725 25076 186 331 42 478 665 658 720 62 952 1200] 26175 550 699 860 27006 87 257 341 509 603 43 76 719 928 88 28>86 870 90 455 61 593 99 690 767 58 20115 251 93 184 87 703 63 824 911 B0U13 25 180[300] 529 751 85 861 909 31045 119 880 528 33 615 12001 88 726 47 860 923 31[200] 36 94 82090 224 35 69 300 480 665 612 19 749 76 803 36 952 33180 244[200] 50 303 440 600 34016 25 470 767 99 35058 253 462 79 555 614 95 815 57 36026 96 102 56 309 32 463 82 627 28 95 626 36 54 703 82 860 37083 124 203 330 677 754»«000 314 77 482[200] 828 87 »»161[200] 410 539 625 743 84[2001 934 40065 171 219 387 487 516 692 759 859 980 41356 64 91 409 93 780 955 81 42547 635 737 61 898 965 48005 126 342 502 43 711 18[3001 97 929 44082 104 234 433 501 48 87 668 731 6« 45299 315 18 70 511 647 76 809 33 967 40031 163 512 727 47085 894 418 629 704 8 11 013 48382 608 21 7 SS 812 982 49079 117 320 412 45 65 60129 205 28 317 667 6,150 322 380 92 686 744 844 945 52093 94 100 70 345 90 400 44 654 774 88 868 62 53155; 239 862 417 597 727 963 54094 241 800 445 691 920 55137 38 555 677 787 870 50166 504 761 73 851 67 935 61 57214 56 550 093 96 787 807 943 5.S013 119 33 404 26 31 96[200] 525 26 39 54 78 713 859 69004 899 323 446 511 17 35 822 88 39 ««170 77 97 238 318 54 432 68 583 732 856 0,228 (500) 307 90 534 69 042 55 CO 711 90 859 972«3220 74 414 66 79 817 43 929 64«»014 100 62 415 515 884 90«4221 80 313 26 491 05010 75 243 97 328 76 77 400 80[200] 520 62 783 968««042 120 84 278 84 922 639 818 915 27 07022 309 531 lllch] 43 081 838 67 «H085 125 294 591 870 952«9092 118 269 580 90 620 ?17 7 0004 167 24« 443 56 883 932 56 7,057 64 116 202 75 352 504 056 723 853 909 66 72142.45 283 34a 47 759 75 836 7»090 92 193 318 482 685 604 75 74380 695 721 43 67 78 832 938 75059 68 106 237 951«f 444 564 719 48 855 7 0000 35 138 7 7060 61 248 599 970 7»i00 21 161 818 580 683 92 712 800 41 971 79046 175 232 417 603 82 668 767 826 997 HO103 311 597(200) 660 904«1381 401 53 508 37 «05 767 867 74 938«»-54 156 349 621 39 7� 36 912 6G 83053[200] 114 67 207 470 92 519 850 677 771 821 98 9*�88 105 68 268 361 49?»38 62 89273 830 77 437 94 508 33 614 616 M 69,. 90008 118 28 220 59 401 96() 01116 257 493 SIS fi94«4049 12001 178 206 571 80 727 4f 07 960 98169 341 93 67 489 526 632 79? 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