Ur. 222. AboimemeMs-Zedingimgen: Obonnetnent«- Pietz pränumerando! Bierleljährl. ZPO Ml., monall. l.lv Ml., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S PIg. Sonntags. Nummer mit illuftrirter Sountagz- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement! 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- ZeilungS- Preisliste für 1897 unter Nr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. 14. Jahrg. Die Insertions- Gebühr beträgt für die fechsgefpaltene Kolonel. »eile oder deren Raum 40 Pfg., für Bereins- und BersammlungS-Anzeigen. sowie Arbettsmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag» in der Erpedition abgegeben werden. Die Erpedition ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abend». an Sonn- und Festtagen bi» a Uhr oormtttag« geöffnet. Erscheint täglich ausser Wonlag». Vevlinev VolksblAtt. Fernsprecher: Smt I, Nr. ISOS. Telegramm-Adresse: «Soiiatdemostrat Sellin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Vartei Deutschlands. Nedaktlsn: 8V. 19. Meuly-Straße 2. Donnerstag» den 23. September 189?. KFpedition; SW. 19, Meuty-Straße 3; Dev englifche Gewevkfrlznfkskongvetz» der vorige Woche in Birmiyghai» togle, war von Aiistmg bis zu Ende eine bittere Enttäuschung für alle diejenige», welche in de» Trades-Unious ein Bollwerk gegen die Sozialdemokratie erblickten. Auf dem internationalen A r b e i t e r ko n g re ß des vergangenen Jahres— in London— hatte es zwischen einigen Trades-Unionisten und Sozialisten gewisse Mißverständniße und Reibungen gegeben, die in den Feinden der Arbeitersachs die Hoff- im»« eweckten, es werde zu einein sörmlichen Bruch kommen, und der Trades-Unionismns eine der Sozialdemokratie feindliche Stellung einnehmen. Der nächste Trades-Unions-Kongreß, welcherdem internatio- nalen Kongreß folgte, entsprach diesen ausschweifenden Hoffnungel, zwar nicht, aber er zerstörte sie auch nicht vollständig, und zeigte jedenfalls, daß in gewissen gewerkschaftliche» Kreisen, wenigstens in Führerkreisen,»och eine gereizte Stimmung gegen die Sozialdemo- kratie vorhanden war. Auf dem letzten Kongreß war von einer solche» Stimmung nichts zu bemerken. Es war inzwischen ein Ereigniß eingetreten, das auch den verbohrtesten Trades-Unionisten die selbstmörderische Thorheit der Bekämpfung des Sozialismus klar machte und sie der sozialistischen Auffassung des Klassenkampfes zudrängen mußte: der Ausstand oder richtiger die Aussperrung der Vereinigte» Maschinenbauer. Dieses Ereigniß beherrschte den Birminghamer Gewerkschafts- kongreß. Alle Berichterstatter sind hierin einig und die Berichte der Verhandlungen lassen es deutlich erkennen. Die Engländer sind keine Theoretiker— sie sind„matter ok kact-men, d. h. sie rechnen nur mit nlateriellen Faktoren, mit That- fachen, und sie handeln, wie die Rechnung es mit sich bringt. Die Dclegirten sahen, wie die mächtigste, bestorganisirte Ge- werkschast Englands von dem verbündeten Kapitalistenthum zum Ziel eines, ihre Vernichtung bezweckenden Angriffs anserwählt worden war. Sie begriffe», daß der Angriff dem gesammten Trades-Unionismns galt, und ohne lange Debatten zogen sie die logische Konsequenz, die Solidarität sämintlicher Gewerkschaften zu erklären, und nicht blos die sämmtlichen Geiverkfchasten Englands zur Unterstützung der bedrohten Maschincubauer-Gewerkschast, sowie jeder andere» von der Unternehmerllasse bedrohten Gewerlschaft zu verpflichte», sondern auch sofort zur Ausführung Hand ans Werk z» legen. Der bürgerlich-demokratische Berichterstatter der„Frankfurter Zeitung", der sich„nebst etlichen Kollegen am Preßtisch umsonst auf eine große und hochinteressante Debatte gefreut" hatte, schreibt („Franks. Ztg." vom 16. Septbr., 2. Morgenblatt): „Das— dieser Mangel an Redseligkeit über allgemeine Dinge— ist charakteristisch für de» Kongreß und den ganzen Trade-Uniouismus überhaupt. Mau konnte täglich und stündlich auf dem Kongresse die Beobachtung machen, daß die Debatte ge- hallvoll, belebt und interessant war, so lange sie sich speziell auf das eine oder andere Handwerk und die Sirbeilsbedingungen des einen oder andere» Gewerbes bezog. Sobald die Siede aber auf die allgemeineren sozialen und Arbeiterfrage» kam, bei denen die Beredtsamkeit des deutsche» und englischen Sozialdemokraten erst recht anfängt, wurde das Debatliren schwach, und nebenbei wurde dann hin und wieder die eine oder andere extrem sozialistische Forderung ganz arglos und naiv v o m K o u g r e s s e a k z e p t i r t. Allerdings sind die Trades-Unions nicht in erster Linie dazu da, eine allgemeine Sozialpolitik zu treiben, sondern»m ganz direkt die Lage ihrer Mitglieder zu verbessern und ihre Interessen zu vertreten. � Dennoch wäre es namentlich auf diesem Kongresse unumgänglich nöthig gewesen, zu de» verschiedenen soziale» Fragen entschieden Stellung zu nehmen, nachdem derselbe so weilgehende Probleme, wie die Föderation der Geiverkvercine gegenüber der Föderation des Kapitals, Arbeitslosen-Versicherung. Kinderarbeit in den Fabriken, Verstaatlichung der großen Betriebe und des Grund- besitzes, in Behandlung genommen hatte." Man sieht, die bürgerliche Demokratie, die an die Harmonie von Kapital und Arbeit glaubt, oder doch diesen Glauben als Dogma für die Arbeiter hinstellt, ist mit den englischen TradeS-Unionisten, ihren ehemaligen Schooßkindern, nicht mehr zufrieden. Was aber sollte» die Gewerkfchaftsdelegirten über all diese Fragen, die schon tausendmal durchgesprochen sind, noch sagen? In rilhigen Zeiten wäre das allenfalls gegangen. Jedoch während der Schlacht diskutirt man nicht. Und ivas für eine Schlacht, dieser Maschinenbauer-Streik! Ein Kampf auf Lebe» und Tod— in des Wortes wörtlichster Bedeutung, denn wenn die �.piialAamabsä Enginsers erliegen, dann ist der Beiveis geliefert, daß der Trabes- Unionismus nicht im stände ist, die Arbeiterklasse gegen die Ueber- griffe des Kapitalismus erfolgreich zu vertheidigen— dann ist der N i ch t s- a l s- Trades-Unionismns, der alt« Trades-Unionismns, endgiltig überwunden und in die Rumpelkammer geworfen— es bleibt nur»och die sozialistische Taktik innerhalb wie außerhalb der Gewerkschaften. Und während dieser Kampf tobt, während die Waage der Ent- scheidnug hin- und herschwankt, sollen die Vertreter deS Trades- Unionismus sozialistische und sozialpolitische Theorien diSkuliren? Sonderbare Zumuthnng. Ter Herr Berichterstatter dachte wohl an die schönen Reden, welche die Girondisten bei Lamartine den Abend vor ihrer Hinrichtung gehalten haben. Nun— die Reden sind auch nur bei Lamartine gehalten worden, der selbst nie in der Gefahr ivar, den Kopf anders als figürlich zn verlieren, und sich keine Situation denken konnte, in welch er nicht eine schöne Milchnndwasserrede gehalten hätte. Die englischen Gewerkschaftsvertreter sind keine Sentiniental- Politiker— sie hatten die grimmige Schlacht vor Augen, die draußen auf und ab wogt, und über die Zukunft der Geiverkschafts- Organisationen, ihrer Organisationen entscheidet— und sie thaten, ivas allein sie im Moment thun konnten— sie gewährten ihren Vorkämpfern da draußen in der Schlacht die Hilfe, die zu gewähren in ihrer Macht ist. Neben dem Feind, der sich riesengroß vor ihnen erhoben hat, verschwand alles andere, und lösten die Vornrlheile gegen den Sozialismus sich in lächerliches Nichts auf. Wie war es möglich, den Sozialismus anzugreifen, wenn der Todfeind des Sozialismus: der Kapitalismus die Geiverkschafts- Organisation angriff und z» vernichten trachtet? Wie war es möglich, die Berechtigung, die Nothwendigkeit des Sozialismus noch zu bestreiten? Der Sozialismus wurde zum natürliche» Bundes- genossen, zum natürlichen Führer,«nd seine Forderungen erschienen auch dem, der sie früher noch nicht verstanden, jetzt selbst- verständlich. Das Einschwenken der englischen Trades-Unions in das sozial- demokratische Lager konnte sich naturgemäß nicht im Handumdrehen voll- ziehen. Dank dem Uebermuth eines Theils der englischen Kapitalisten- klaffe, der, ähnlich wie unser„König Stumm" jede Arbeiter-Organi- sation verabscheut und sie erdrücken will, um die Arbeiter in füg- saine Sklaven zu verivandeln— Dank dem Vorgehen des Bundes der englischen Muster- Maschinenbauer unter dem Kommando eines königlich preußischen Reservelieulenants ist in das Einschwenken ein rascheres Tempo gekommen, und, wie innner der Kampf der Maschinen- baner ausfalle» möge,— durch de» frivolen Angriff auf die englische Muflergcwerkschaft treibt der übermüthige Kapitalismus die englische Arbeiterschaft auf den Boden des politische» Klassenkampfes und besorgt besser als wir selbst es je vermocht hätten die Geschäfte des Sozialismus. Es leben unsere Freunde die Feindet Polikifchv Mobevllcht» Berlin, 22. September. Von Triumphen deutscher Politik faseln gewisse Zeitungen mit bczug auf den türkisch-griechischeu Kriegs- und Friedensrummel. Wir dächten, von„Triumphen" ivar da überhaupt nicht die Rede. Denn wenn die europäische Diplo- matie sich jemals lächerlich und verächtlich gemacht hat, so bei dieser Gelegenheit. Und das ist beiläufig das einzige Gute an diesem sonst so traurigen und schmachvollen Zivischenspiel. Doch auch von dem niedrigen Niveau der Diplomatie und Zunftstaatsmännelei aus betrachtet, kann nur ein Schmarotzer oder Spötter von einem Triumph der deutschen Politik sprechen. Damit eine deutsche Politik triumphiren kann, muß doch erst eine da sein. Wo hat sich aber in der Orientfrage oder sonstwo bisher jemals eine„deutsche Politik" gezeigt? Unter den Nachfolgern Bismarct's ebenso wenig wie unter diesem selbst, der es freilich verstanden hat, der sogenannten „öffentlichen Meinung" weiß zu machen, daß seine preußische Junkerpolitik deutsche Politik sei. Was insbesondere die Orientfrage betrifft, so hat während der letzten Phase, wie in den früheren, nur zwei Politiken gegeben: die russische und die englische— nur daß beide für den oberflächlichen Beobachter die Rollen diesmal vertauscht hatten. Zwischen diesen zwei Politiken war der Kampf, und die deutsche Regierung, die, mit der französischen um die Wette, die Stränge der russischen Regierung zog, hatte wohl eine russische Politik, aber keine deutsche. Außerhalb und entgegen der russischen und englischen Politik wäre wohl noch Raum gewesen für eine dritte Politik — namentlich für eine Politik, die das infame Spiel der Diplomatie niit den Völkern durchkreuzt, ernsthaft für Reformen in der Türkei gesorgt und den Kleinstaaten, die sich am Saume der Türkei gebildet haben, wirksamen Schutz gegen russische und englische Jntriguen verschafft, kurz im Geiste des Fortschritts und der Menschlichkeit gehandelt hätte. Allein so lange die Trauben nicht an Dornbüschen wachsen— wer kann eine solche Politik von dem Staate der Junker, Polizisten, Bureaukrate» und Unteroffiziere er- warten? Das wäre ja eine Majestätsbeleidignng gegen die gesunde Vernunft— und eine Majestätsbeleidigung ohne dolus eventualis.— Tas österreichische Abgeordnetenhaus tritt morgen zusammen. Für den österreichischen Parlamentarismus, für das Kabinet Badem und für den inneren Frieden Oester reichs wird diese parlamentarische Session vielleicht die folgenschwerste sein, die Oesterreich je erlebt hat. Gelingt es dem Grafen Badem nicht, eine gesicherte Majorität hinter sich zu sammeln und die Obstruktion zu bändigen, so wird er trotz aller Unterstützung der Krone weichen müssen. Badeni's Zuversicht auf einen glücklichen Ausgang des von ihm parlamentarischen Konflikts schwinden mehr. Die katholische Volkspartei, Theil seiner bisherigen Majorität, mit den slavischen KlnbS gelöst, die Polen sind auch nicht willens, den übertriebenen Forderungen der Jungczcchcn nachzugeben, und in den maß gebenden Kreisen der Jmigezechen ivird mit recht davor ge warnt, eines Augenblickserfolg? wegen die Geschäftsordnung deS Abgeordnetenhauses im reaktionären Sinne zu amendircn. Graf Badem wird vielleicht bald eine Minorität statt einer Majorität hinter sich haben. Er hofft deni Reichstag nur die allerdringlichsten Vorlagen, deren Erledigung ailch den Deutschen nncrläßlich erscheinen dürfte, zugehen zn lassen. Nach der Präsidenten- wähl, die ohne Obstruktion vor sich gehen soll, sollen nur Nothstandsvorlagen erledigt und die Wahl der Delegationen vorgenommen werden. Die Vornahme dieser Wahl wollen aber die Liberalen Ungarns unbedingt von den österreichischen Kollegen zugesichert erhalten. Jedenfalls werden stürmische Debatten und folgenschwere Handlungen aus dem österreichischen Abgeordnetenhause in den nächsten Tagen berichtet werden.— Der Präliminar- Friedensvertrag ist zwar geschloffen, aber neue Schwierigkeiten ergeben sich nun in Athen. Parlament und Bevölkerung scheinen erklären zu wollen, daß der Friedensvertrag und vor allem die Bestimmungen über die Finanzkontrolle abgelehnt werden nniffen.— gründlich verfahrenen von Tag zn Tag der einzige deutsche hat die Verbindung Zlnf dem indischen Kriegsschauplatz ist die Lage der Engländer nicht günstiger geworden. Offenbar haben sie de» sogenannten Slraf-Feldzug gegen die feindlichen Bergvölker mit unzureichenden Kräften begonnen. Nur so erklärt es sich, daß seit 8 Tagen sich fortivährend die Nachricht wiederholt, das eine englische„Brigade" oder„Division" die Feinde heroisch zerstreut hat, und dann plötzlich von einer Uebermacht umringt und in die Gefahr der Ver- »ichlung gebracht wird. Jetzt wird das zum dritten Mal gemeldet, und wären nicht die Namen der Befehlshaber und der Oertlichkeiten verschieden, so müßte man denken, es sei die nämliche Aktion. Das ist es aber zum Unglück für die Engländer nicht. Diesmal ist es General Blood, der nach„glänzenden Erfolgen" plötzlich in eine Falle ge- ralhen ist. Das„Reuter'sche Bureau" telegraphirt unterm 21. d. ans Simla: In der letzten Nacht griff der Mullah von Hadda mit einer große» Streitmacht das Lager des Generals Blood an. Der Angriff währte fünf Stunde». Die Verluste der Engländer be- trugen einen Todlen und vierzehn Verivundete; unter den letzteren befindet sich General Wodehouse. Die Generale Elles und Blood haben heute den Znsammenschluß der unter ihrem Befehl stehenden Truppe» ausgeführt. An diesem Telegramm ist verdächtig, daß die Verluste der e i» g e b o r n e n Truppe» nicht angegeben sind. Sie scheinen sehr hoch gewesen zu sein. Was die Vereinigung des Generals Blood mit dem General Elles betrifft, so will das nichts bedeuten, da General Elles eben- falls eine arge Schlappe erlitten hat, und auch beide Generale zu» sammen nicht über eine genügende Truppenmacht verfüge». Von Interesse ist nachstehendes Telegramm anS Konstantinopel, das Lord Salisbury nicht sehr angenehm berühren wird: Das Blatt„Sabah" veröffentlicht eine Unterredung mit dem Maharadja von Kapnrhala, in ivelcher dieser geäußert habe, daß der überiviegende Theil derBevölkernng Indiens aus Mohamedanern bestehe, welche bereit seien, sich für den Sultan, ihren Khalifen, zu opfern, und daß die gegenwärtigen Unruhen ihren Ursprung in einem geiviffe» Mangel an Achtung vor der Religion der Mohamedaner seitens der britischen Behörden hätte». Der Maharadja(Großherr) von Kapnrhala— wer immer er sein möge, denn der Name ist offenbar verdruckt— hat nur inso- fern recht, die Mohamedaner den„überwiegenden Theil" der Be- völkernng Indiens zu nennen, als sie die energischeren Elemente einschliesten. A» Zahl sind die Hindus und übrigen Nicht-Mohame- daner den indischen Mohamedanern, die über 70 Millionen zählen, um gut das Dreifache überlegen.— « «» Deutsches Reich. — Ueber die parlamentarischen Arbeiten schreiben die„Berl. pol. Nachr.": „Wie wir ans zuverlässiger Quelle erfahren, ist bisher über den Zeilpunkt der Wahlen sowohl zum Reichstage wie zum preußischen Landtage, wie das auch in der Natur der Sache liegt, eine B« stimmun g»ich t g e t r o ff e n. In bezug aus die parlamentarische Kampagne ist bis jetzt»ur in Aus- ficht genommen, daß, wie üblich, der Reichstag in der zweiten Hälfte Noveinber, wahrscheinlich erst gegen Ende, und der preußische Landtag in der ersten Hälfte d e S Januar znsanimentreten werden. Was das gesetzgebe rischeMaterial für den letzteren betrifft, so dürfte sich dasselbe, soweit man zur Zeit übersehe» kann, in der H a u p t s a ch e auf das Budget beschränken. Vorlagen von größerer Bedeutung >v e r d e n den Landtag diesmal>v o h l l a u in b e- s ch ä s t i g e»."— — Wieder ein Schiffs Unglück unserer Kriegs- m a r i n e. Heule Vorniiltag ist bei dem erste» Feuerschiff vor Kux- haue» daS Toipedoboot S 26 infolge Sturms gekentert und gesunken. Der Kommandant Lieutenant zur See, Herzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Schwerin, ein Bruder des Regenten von Mecklen- bnrg-Echwerin, und sieben Man»(Torpedo-Oberfeuermeisters-Maat Richert, Torpedo- Maschinistenmaat Hoffmann, die Torpedo- Ober» Heizer Griepentrog, Haffe und Hampel, die Torpedomatrosen Ehmke und Serbant) sind ertrunken.— — S t a a t s h i l f e für die U e b e r s ch iv e>n m t e n. Wie traurig es um die vom letzten Hochivasser in Schlesien Betroffene» ansfleht, darüber giebt die„Schlesische Zeitung" folgende Schilderung aus Liegnitz: „Am letzten Freitag fand hier unter dem Vorsitze deS Re- giernngspräsidentc» Dr. von Heyer eine Sitzung des Zentral- komltee's für die Vertheilung von Sammelgeldern an die von der Hochivasserkatastrophe betroffenen Kreise des Regiernngsbezirkes Liegiiiy statt. Die Feststellung des Entschädigungsbetrages für jede» Kreis ergab, daß erst gegen 9 pCt. der festgestellte» Schäden ge- deckt werden konnte». Angesichts dessen mußte» fünf Kreise des Regierungsbezirks, aus denen gleichfalls Hochivasserschäden in ge» ringerem Umfange angemeldet waren, für diesmal bei der Ver» theilnng unberücksichtigt bleiben. Das Bild, das sich ans Vor- stehendem ergiebt, ist nicht gerade erfreulich. Selbst wen» der Kreis der durch Liebesgaben zu Entschädigungen gegenüber de» erfolgten Anmeldungen erheblich einzuschränken fein wird, handelt es sich noch immer um Deckung von Millionen, während dem Regiernngsbezirk Liegnitz nach den bekannt gegebenen Beständen der verschiedene» größeren Sammelstelle» nur einige Hundert- lausend Mark zufließen� könnte». Jedenfalls liegt in dem vor- stehend gegebene» zahleißnäßigen Nachweise zugleich die Mahnung, in der Bethätigung warmer Theilnahm« für die durch die Kala-' strophe so schiver geschädigten Bewohner des RegieiungsbezirK Liegnitz und in den Spenden von Gaben an die bekannten Sainuiclstellen nicht nachznlassen. Daß der Staat größere Mittel flüssig machen wird,»m den ihm zugewiesenen Aufgaben gerecht zu werde», ist bereits von amtlicher Stelle in Aussicht gestellt worden." Die in Aussicht gestellte Hilfe, von der die„Schlesische Ztg." redet, ist sehr unsicher und läßt vor allen Dingen viel zn lange auf sich warte». Mit Vertröstungen auf fernere Zeit können sich die Bedrängten nicht zufrieden geben, hier thiit schnelle Hilfe noth!— — Auslieferungsvertrag mit den Nieder' landen. In dem am 21. Dezember v. I. zivischen dem Deutschen Reiche und den Niederlanden unterzeichneten Anslieferungsvertrage war vorbehalten, de» Gegenstand für die deutsche» Schutzgebiete besonders zu regeln. Deingemeiß ist gestern im Zl n S iv ä r t i g e n Ll in t e mit dem niederländischen Gesandten ein Aertrag zur Regelung d e r Sl u s l i e f e r u n g zwischen den deutschen Schutzgebieten und den Nieder- landen, sowie deren Kolonien unterzeichnet worden�— — Das S y st e m Thielen vor der Coburger Straf- kämm er. Die sich in letzter Zeil fortwährend mehrenden Eisen- bahuungliicke haben die Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung, mehr denn je auf die Lohn- und Arbeitszeilverhältnisse der An- gestellten unserer Bahnen gelenkt. Trotz des Hinweises auf die ganz unangebrachte Spartheorie der Eisenbahn-Verwaltuugen, wie sie in letzter Zeit durch die Presse der linkssteheuden Parteien fortwährend erfolgt ist, bemühen sich der Minister und alle ihm unterstehenden Berwaltnngen, statt die Dienstzeit der einzelnen im Betrieb thätigen Beamten zu verkiirzen und deren Ge- hälter zu erhöhen, durch Erlaß von neuen, schärferen Berorduungen den bösen Geist, welcher jetzt über unseren Eisenbahnen waltet, zu bannen. Ist es schon dem Arbeiter schwierig, nach oder während feiner Arbeitszeit, ganz gewöhnlicher Zeitnugs- lektüre obzuliegen und in seinem Hirn, bei abgespanntem und er- müdetem Körper etwas von dem Gelesenen zu behalten, wie viel schwerer muß es dem vierzehn biS sechzehn Stunden in steter Aufregung sich befindende» Lokomotivführern, Schaffnern u. f. w. fallen, den ganzen Rattenkönig von Verordnungen, Erlassen. Instruktionen, Reglements ,c., welche in echt burean« kralischem Sinne gehalten und deshalb noch schwerer zu verstehen sind, so daß sie am allerwenigsten in einen, kritischen Augen- blick zur Auwendung gebracht werden können. Daß aber auch Beamte, die über 25 Jahre im Dienste sich befinden und gewiß ihre Instruktionen unzählige Mal gehört und gelesen haben, trotz aller Kenntniß der Instruktionen auch etwas passiren kann, woran die Geheimräthe am grünen Tisch viel zu wenig Rücksicht nehmen, bewies die am IS. Septeuiber vor der Strafkammer in Coburg sich abspielende Verhandlung gegen den Hilsebahnwärler Etammberger von Unterlauter. Der Verhandlung lag folgender Vorfall zu gründe. In der Nacht vom S. zum 4. Juli um 12 Uhr 15 Min. früh wurde auf dem, an der Rodacherstraße in Coburg gelegeneu Uebergaug, von � dem Güterzug Nr. 771 ein Geschirr der Brotfabrik in Neuses überfahren. Nachdem seitens des Maschinenführers sofort das Nothsignal gegeben, und der Zug zum Halten gebracht war, stellte sich heraus, daß ein Pferd vollständig zermalmt und 40—50 Meter vor der Maschine bergefchleift war. Das andere Pferd lag nicht weit vom Bahn- Übergang mit zwei abgefahrenen Beinen. Das Gejammer des Pferdes war schrecklich anzuhören. Der Kutscher war von seinem Sitz heruntergeschleudert und wie durch ein Wuuder mit einer geringfügigen Verletzung des BeineS davongekommen. Die Schuld traf den diensthabenden Hilfsbahnwärler Etammberger. Letzterer war in seinem Wärterhause' eiugeschlasen und hatte das Schließe» der Barriöre unterlassen. Bei Herannahen des Zuges war er erwacht. herausgesprungen, konnte aber daS Unglück nicht mehr verhüten. Der nun unter Anklage gestellte, ein über 60 Jahre alter Manu, welcher vor längerer Zeit seit 25jnhrigcs Dienstjubiläum gefeiert, ivar für gewöhnlich als Streckenarbeiter beschäftigt und mußte von 6 Uhr abends am fraglichen Uebergaug noch bis>/el Uhr, bis der letzte Zug die Strecke passirt halte, den Dienst als Bahnwärter thun. Schon 14 Tage Hintereinauder hatte er täglich zirka 13 bis 19 Stundendienst gelhan. In de» ersten Tagen des Juli war diese Leistung bei der abnormen Hitze von«0 Grad mehr, als von einem Menschen verlangt werden kann, so daß es nur zu bewundern ist, daß der Mann so lange die Ueberanstrengnngeu hat aushalten können. Die Strafkammer-Verhandlung, in welcher sich veralte Mann nun wegen Gefährdung eines Eisenbahn-Transportes zu verantworten halte, ward so zu einer Anklage gegen das herrschende System. Der An- geklagte schilderte, wie er au dem Tage, durch die große Hitze ge- zwnngen, viel Wasser getrunken habe, des Abends habe er sich mit Gewalt wach halten wollen; um nicht eingeschlafen, habe er feine Instruktion gelesen. Er giebt an, vor Schwäche eingeschlafen zu sein. Auf Antrag der Vertheidigung wird der Dr. med. Frieß als Sachverständiger darüber vernommen, daß sich Slammberger in einem Zustand der Bewußtlosigkeit befunden habe. Das Urtheil des Sachverständigen geht dahin, daß der Angeklagte infolge des v i e r z e h n t ä g i g e» anstrengenden Nachtdienstes, in Verbindung mit der anstrengenden T a g e s a r b e i t, der damals herrschenden großen Hitze und des Wassergenusses in eine Art O h n macht gefallen gewesen sei. Die Bewußtlosigkeit habe ihn an der Verrichtung seiner Verpflichtungen gehindert. Der Betriebsinspektor Essen von Meiningen b e- stätigte die Aussagen des Angeklagten und deponirt, daß der Die u st desselben kein leichter sei. Das Urtheil lautet deshalb nach Antrag der Staats- an w a l t schaft und der Vertheidigung aus'Frcisprechnng. Die Etrafkanuuer hat hier, vielleicht ungewollt, das System des Sparens mit Arbeitskräften verurlheilt. — Die Gesinde-Ordnung n n d die„Freisinnige Zeitung". Die Thatsache, daß die Haltung der sreisinnigeu Volkspartei die Anfrechterhaliung der bestehenden partlknlarrecht- lichen Gefinde-Ordnnngen mit verschuldet hat, ist der„Freis. Ztg." sehr unangenehm. Sie versucht nun durch einen etwa 2 Spalten langen, von Unrichtigkeiten, Unflälhereien, Schimpfereien und Verdächtigungen strotzenden Artikel diese Thatsache aus der Welt zu schaffen. Schade, daß der Raum unserer Zeitung es nicht zuläßt, diese Leistung der „Freisinnigen Zeitung" wörtlich zum Abdruck zu bringen. Eine Probe genügt. Der„Agitationskünste der Sozialdeniokratie" überschriebene Artikel entblödet sich nicht, die Behauptung aufzustellen, die sozial- demokratische Parteileitung bereite für de» Wahlkampf„Entstellungen und Verdächtigungen" vor; der Abgeordnete Stadlhagen„soll auch sonst von der Partei beauftragt worden sein, solche Angriffsivaffe» für die Wahl zu schmiede»". Diese verleumderischen Anwürfe bilde» die Einleitung zu den Entstellungen, durch die das Eugen Richter'sche Organ die freifiiiiiige Partei iveiß zu brenne» hofft. Bedaucrusiverth ist dabei die Zumuthnng, die an die Vergeßlichkeit der freisiiniigen Leser gestellt wird— indeß Eugen muß seine Pappenheimer kenneu. Wie verhält es sich den» mit der Stellung der freisinnige» Volkspartei gegenüber den Gesinde-Ordnunge»? Der Entwurf des Bürgerlichen Gesetzbuchs wollte tu Art. Lö des Einführungsgesetzes die Gesinde- Ordnungen aufrecht erhallen. Hiergegen wendele» sich in der Koni- Mission unsere Genosse» Frohme und Stadlhagen und unter Führung des Abgeordneten Gröber die Ultramontanc». Beide Thetle ver- langte»— in den Einzelheiten von einander abweichend— eine vollständige Ltegelung des Gesindevertrags im Bürgerlichen Gesetzbuch u n d Aufhebung des Artikels 95 des Einführungsgesetzes. Bei der entscheidenden Abstimmung in der ersten Lesung der Nouimission im März 1396 waren 19 Mitglieder anwesend. Von diesen stimmten die K Ultramoutanen, 1 Pole und die beide» Sozialdemokraten, also 9, für Beseitigung der Gesinde- Ordnungen. Hätten die beiden Freisinnigen sich diese» 9 angeschlossen, so waren die Gesinde- Ortniunge» mit einem Schlage beseitigt. Das thaten sie aber bei dieser entscheidenden Abstimmung nicht. Vielmehr stimmte» sie hierbei gegen die Beseitigung der Gesinde-Ordiuinge». Bekanntlich wurde dann zwischen der ersten und zweite» Kommissious- Lesung zwischen Ultramontanen und Nationalliberalen das Kartell abgeschlossen, nachdem sich diese beide» Parteien verpflichtet hatten, keine grundlegenden Aenderungen niehr vorzunehmen. Bon diesem Augenblick an stimmten dann die Freisinnigen— zn theil auch im Plenum— für Aufhebung des Artikel 95 des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch. Die freisinnige Volkspartei hat also bei der Berathung des Bürgerlichen Gesetzbuchs in dem Augenblick, wo ihre Stimme» das Zünglein an der Waage bildeten, gegen die Beseitigung der Gesinde-Ordnungen gestimmt und erst dann, als sie sicher ivaren, daß ihre Stimmen die Entscheidung nicht mehr beeinflußen können, für Beseitigung der Gestude-Ordiiungen ihre Stimmen, ivenigstens zum theil, abgegeben. Diese Thatsache ist bereits bei I Gelegenheit der dritten Plenar-Berathung des Bürgerlichen Gesetz- buchs in der Reichstags-Sitzung vom 30. Juni 1396 öffentlich konstatirt worden. Damals versuchte bereits der Abg. Richter, die Schiild von seiner Partei auf die Regierungen abzuwälzen, die an- geblich keinerlei Vorarbeiten gemacht hätte», um die Frage reichs- gesetzlich zu regeln. Stadlhagen belehrte ihn in derselben Reichstags-Sitzung dahin, daß seine Behauptung in Widerspruch mit de» Thatsache» stünde, denn es hatte der Bundesrath bereits in, Jahre 1874 die Kominission beauftragt, ihr Augenmerk auch darauf zu richte», ob nicht die privatrechtliche Seite des Gefinde- Vertrages zur gemeinschaftliche» Regelung im Bürgerlichen Gesetzbuch sich eigne» möchte. Die Gesetzbuch- Kommission halte daraus Aeußerungen aller Bundesregieruiige» veranlaßt und das einschlägige Material sanimeln lassen. Das Material ist bereits im Jahre 1330 durch de» Oberlandesgerichlsrath Neubauer im AuSzug im Buch- Handel erschienen. Diese öffentlich de», Führer der freisinnigen Partei erlheilt« Belehrung hatte der Parlamentsbericht der„Freis. Zeitung" sorlgelaffen. Nunmehr unternimmt es der erwähnte Ar- tikel der„Freisinnigen Zeitung", die falsche Behauptung ihres Chess zu wiederholen. Männlicher, offener und ebrlicher als der Versuch, den Sachverhaltzu entstellen und durch schmutzige Verdächtigungen derEozial- demvkralcn sich zu vertheidigeu, wäre auch für die„Freis. Ztg." der Versuch gewesen, der Wahrheil die Ehre zu gebe» und demgemäß einzugesiehen. daß die alberne Hoffnung, durch Nachgiebigkeil „regierungsfähig" zu iverde», die sreisiuuige Fraktion zu der Haltung. die sie entgegen dem freisinnige» Prograinm in der Gesinde- OrdnungS-Frage bei der ersten Ko»i»iissioi>sberath»»g einnahm, veranlaßt hatte. Aber freilich— Männlichkeit. Offenheit und Ehrlich- keit verlangen wohl die Anhänger der„Freisinnigen Zeitung" nicht. — Das Recht auf Freizügigkeit in Ostelbien, tllustrirt durch drei Aktenstück«: Potsdam, de» 2. Mär, 1396. Max Emsel hat vom II. Oktober 1894 bis 2. März 1396 die Korbmacherei des Wilbel,»-Stiftes geleitet. Er hat sich während dieser ganzen Zeit in seinem Betragen gut gehalten, war geschickt und fleißig bei der Arbeit und verläßt den Dienst nur, weil er jetzt zugleich als Wärter Dienste in der Anstalt thun soll, was leider nicht möglich ist, da ihn» das Gehör fehlt. Großman», Inspektor des Wilhelui-SIistes, Proviuzialauftall für schwacheKinder * An den Korbmacher Max Emsel hier. ES wird Ihnen hlernilt kund und zu wissen gethan, daß Sie innerhalb 6 Wochen Caputh zu verlassen haben. Ihr körperlicher Zustand läßt die Bermuitzmig z». daß Sie nicht im stände sinb, sich hier danernd selbständig zn ernähre». Caputh, den 24. Juli 1897. Die Gtiueinde-Verivaltting. (Gemeinde-Siegel von Caputh, Kreis Zanch-Belzig.) Herr» Kaufmann Karl Hahn hier. Sie werde» hiermit aiigehalte», Ihrem Miether. den Korb- in acher Max Emsel, die Wohnung zu kitudige», da derselbe uuleri» heutige» Datum innerhalb sechs Wochen unseres OrleS ver- wiesen ist. Eaputh, de» 24. Juli 1307. Die Gemeiiide-Bcrwaltung. (Stempel.) — Sonntagsruhe und Jagd. Die„Kölnische Ztg.". die einen erbitterten Kampf gegen die westfälische Polizeiverordunng führt, wonach die Jagd am Eoiinlag gänzlich verboie» ist, schreibt: Eine ganz klein« Nachricht auS Ungar» bat uns indessen über de» Gedanke» beruhigt— wen» dies überhaupt uölhig war—, daß die»euest« westfälisch« Polizeiverordunng ihre Wurzel etwa in dc» höchsten Kreise» habe» und deshalb die Gefahr einer weiteren Ausdehnnug über die Monarchie drohen könnte. Es ist das gestern mitgelheilte Telegram», ans Ungar», wonach Kaiser Wilhelm am lctzieu Somitag soivohl vor als»ach bei» Goiles- dienst« dem edlen Waidimrk obgelegen hat. Wen» Se. Majestät sich nun bei de,» Oberpräsidente» von Westfale» zu einer Sonutags- jagd einlüde? — Für die Provinz Westfalen ist vor kurzem durch den Ovnpräsideiite» eine V e r f r o m in u n g s v e r o r d n u n g erlassen worden ähnlich derjenige», deren wir»ns in Berlin erfreue». Unter aiidere» lautet der§ II der Verordnung: „An Sonn- und Feierlage» sind wäbreud der Zeit des Haupt- Goltcsdieustes und des Nachmitlags-Gotlksdienfies, insoweit dieser nicht über Z'/, Uhr»achmiltags hiuansreichl, all« Musikaiifsührunge», Schaiistelliuigei, und thealralische Vorstellungen«luschließlich der Probe» dazu, scrner Weilrennen und alle mit Geräusch ver« buudenen gesellschaftlichen Vereinigunge» und Vergnügungen a» öffentliche» Orlen,»ainentlich das Kegelspiel, Scheiben- inid Vogel- schieße», desgleichen alle die Souutagsrnhc störende» Belusiigungeii i» P r i v a t r ä u m e n oder Privatgärte n verböte»." E etiler enthält die Berorbiinng das Verbot der Jagd o n» t a g e».— — Der konservative Parteitag soll am 29. und 30. Januar in Dresden siailfiiiden, Herr Mehnert leitet die lokale» Borarbeite», Herr v. Manteiifiel soll prästdireu. Bureauwahl, das giebt's nicht bei de» Konservativen.— — Bismarck u n d die„Hamburger Nachrichten". Der bekannte Herausgeber des Bisniarck-JahrbucheS, Professor Horst- Kohl, schreibt im Bonvort zi»» 4. Bande folgendes: „Ausdrücklich ivill ich wiederholen, wao ich schon früher er- klärt habe, daß es Artikel der„Hamburger Nachrichten", die der Fürst selbst verfaßt hat, nicht giebt. Dazu möchten ivir, schreibt das in dieser Frage sachkundige Organ des Herrn v. Plötz, denn doch bemerken, daß ui fers Wissens stete B e z i e h u» g e» zwischen Friedrichsruh und den„Hamburger Nachricht«»" staltsinden, die«i»« ge- wisse G e iv ä h r dafür biete», daß des Fürsten Bismarck A n s ch a n u n g e n in d e in Hamburger Blatte zur Geltung k o Iii in e n.— — Der Zwist unter de» Nation al-Sozialen. Göhre antworlet Sohl» mit folgendem Antrag zu»,»ational- sozialen Dclegirtentag: „Innerhalb unserer national-sozialen Bewegung»lachen sich immer deutlicher zwei einander entgegeiigesetzte Richlnnge» geltend. Die eine betont vorwiegend den nationalcn. die andere mehr den sozialen Gerichtspunkt. Erster« fühlt sich deshalb mehr den sogenanuten staatserhalleiiden Parteien, liisbesondere der konservativen, verwandt. Sie sieht deuleutsprechend die Hanplausgabe der National- Soziale» in der Gewiniiinig der diesen Parteien bisher angehörenden sogeiiaiiiitcii Gebildeten für dc» Gedanke» der soziale» Reform. Der Kanipf gegen die Sozialdeniokratie erscheint ihr in Konsequenz dessen als maßgebend für die ganze Bewegung. Die andere Richtnng sieht den Beruf der National-Soziale» dagegen vorwiegend in einer«igen- artige»»nd energischen Vertretung der Interesse» des arbeitenden Volkes. Dementsprechend nimmt sie auch zur Sozialdeinokratie eine andere Haltung ein. Sie ist sich allerdings auch der vielen und großen Unterschiede bewußt, die zwischen de» National-Sozialeii und der Sozialdemokralie vorhanden sind. Andererseits aber erkennt sie auch die große» Verdienste der Sozial- demokratie um die Emporenlwicklung der arbeitende» Bevölkerung llnuniwnnden ei». Insbesondere findet fie in ihr namentlich in der letzten Zeit in immer stärkerem Maße Ansätze zu einer Entwick- liiiig nach der nationale» ii»d praktisch reformerischen Seit« hin. Um nun alle Mißverständnisse zn vermeide». erklärt der Delegirtentag, daß die Taktik der letzteren Richtung, wie sie schon von den sogenanntc» jüngeren Evangelisch-Sozialen und im letzten Jahr vom nalional-sozialeu Verein mit Erfolg angewendet worden ist, auch in Zukunft allem maß- und richtunggebend für die Halliuig des Vereins sein kau»." So dürste die national-soziale Partei, nachdem sie ein Jahr gelebt hat, zerfallen. Dies war auch voranszusehen, wollie doch Krelhi u»v Plethi unter national-sozialer Flagge segeln.— Dresden, 22. Sept.(Eig. Bericht.) Zur Landtagswahk. Der koiiservaliv-agrarische Kandidat im 16. ländlichen Wahlkreise (Plauenscher Grund), Rittergutsbesitzer A» d r ä, hat dem anti« seuiilisch-koiiservaliveii Kandidaten, Geineindevorstand R n d e l l, das Feld räumen inüssen, indem er von der Kaiididatllr„zurück- gelrelen" ist. Jetzt werden sich die Antiseinltc» wohl zufrieden gebe», indem ihnen als auch„staalserhaltender" Partei dies« Kon- zession gemacht wurde.— — Landtags wählen in Sachsen- Weimar. In Apolda-Land haben vo» 37 Wahlmäimer» 23 für de» Bürgermeister Gröschner-Stadtsulza, 14 für unseren Kandidaten Bändelt gestimmt. Ersterer ist somit gewählt.— — I m G o t h a i s ch e ii kandidire» bei einer»»d derselben Wahl drei Angehörige des Blindes der Landwirthe gegen einander. Mit der viel gerühmten Einigkeit scheint es da nicht weit her zu sein.— Hambiirg, 22. September. In Hinblick auf die große» kom- m e r z i e l l e n Interessen D e n l s ch l a n d s in G» a t e- mala vereinigte» sich die a» dein Verkehr mit Gnatemala intcressirten Kaiiflente heute zn einer Eingabe an die Haiidclskaininer, in welcher diese Körperschaft ersucht wird, beim Reichskanzler dahin zu wirken, daß augesichls der ans Gnatemala ausgebrochencn Revo- l u t t o n ei» deutsches Kriegsschiff zum Schutze deutscher Siaalsangehöriger und deren Besitzlhums dorthin entsandt iverde. Die größten itnd reich st en der Plantagen Guate- mala's sind deutsches Eigen thu m.— — DaS amtliche Ergebniß der Reichstags- Ersatzwahl in Neustadt lautet: Dr. Heim(g.) 6506, B r e d e r(Soz) 809, Eisenberger(Bauernbnnd) 87, Wieland(Bauern- biuid) 62 Stimmen.— — LaudgerichtS-Präsident Anton B a ss e r- mann, der friihere»ationalliberale Landtags- Abgeordnete und Parteiführer und großer„Knllilrkämpser" ist am Sonnlag in Mannheim im 77. Lebensjahre gestorben.— Strasiburg i. Elf.. LI. September.(Eig. Ber) Die K o in»m s s i.o» für das reichsländische Handwerk ist auf Doiliierstag, de» 39. d. Mls� nachmillags 3 Uhr. i» das Laudezausschuß.Gebäude zur Beralhung der ihr ziigegaiigeiic» Vor- läge über die Errichtung der H a» d w e r k s k n ,n in e r eingeladen worden. Tie vom Vcusitzenden der Kommission. Beigeordiielen Bergmann-Slraßbnrg. jesigeslellle TageSorb, i»»g enihält solgende Beralhnngs-Gegenstände: 1. Soll nur eine Handwerkskanimer, evenl. mit Abiheilungcn für Oberelsaß. Unterelsaß und Lothriiige». er- richtet iverde», oder wird die Errichlnng vo»>» e h r e r e n Hand- werkskamineril für angezeigt erachtet? 2. Zahl der Mitglieder der Haudiverkskauiiner. 3. Organisation der Handwerker behufs Bildnng von Wahlkörper» für die Handwerlekaiiimer; Erzielung einer den einzelne» HmidwerlSzweige» lhuillichst eiitsprecheuden Bertrelung der Handwerker in der Ka»u»er. 4. Anträge und Wünsche der Koni- Mission bezüglich der Errichtung von Haiidwerkska»»»er». � Die Bezirkstage sind durch landesherrlich« Verordnung ans den 15. Stoveniber eiiibenife». Im Bezirkstag für Oberelsaß sitzt, wie unsere» Leser» bekannt, diesmal auch einer der llnfrige», Genosse B u e b- Mülhausen, i» demjenigen sür Unterelfaß B ö h l e- Slraßbnrg. Der loihriiigifche Bezirkstag ist bisher»och frei von Sozialisten.— Die erste Sitzungsperiode der Kreistage beginnt am 11. Oktober, die zweit« am 13. Dezember.— — Chronik derMajestätsbeleidiguiigS-Prozefse- Wege» Beleidigung der Kaiserin war der Maurer Gustav Lausch ans Deutsch- Wilmersdorf angeklagt. Am 2S. Mai wurde in der geiiannle» Orischnft ein Krankcnstift eingeweiht. Die Kaiserin hatte ihr Erscheine» zugesagt. Die Siraße» standen daher voller Mensche», die auf das Erschein«» der Kaiserin warteten. Der Angeklagte kam in stark aiigetrunnuein Zustande mit mehreren Arbeitsgenossen vorüber. Letztere blieben stehe», der Angeklagt« rief denselben aber zu, sie möchten mit ihm weitergehen, da sich das Stehenbleibe» und Warle» nicht verlohne. Er gebrauchte dabei aber Worte, die nach Annahnie des Geüchtshofes in bezng ans die Person der Kaiserin ein« schwere Beleidigung enthielte». Ein Justizanwärter und er» Student sorgten für die Feststellung der Person des Angeklagten n»d sungirte» heute als Belastungszenge». Obwohl dieselbe» zugeben mußten, daß der Angeklagte stark betrunken war. so saiid der Gerichtshof darin doch keinen Milderniigsgruiid, weshalb das Urtheil ans ein Jahr Gefängnis! lautete. I» der vorgestern in P r e n z l a» abgehaltene» außerordentlichen Strafkamnier-Sitzurig wurde Kaufmann G. wegen Majostäts- beleidigniig zu vier Monaten Gesängniß verurlheilt. In Breslau ist der Artist Apfelkammer von der Anklage, de» Kaiser beleidigt zu habe», am 29. d. M. freigesprochen worden. Der Arbeiter Joseph Ebner aus Goersdorf wurde in Straß, bürg i. M. wegen MajeftälSbel«idigu»g zu fünf Monaten Ge- laugniß verurlheilt. Di« beleidigende Aeußernng, die sich gegen Kaiser Wilhelm II. richtete, war in eine», Wirthshaus gefalle». Oesterreich. Wien, 22. September. Wie das offiziöse„Fremdcnblalt" anS parlaiiientarischen Kreisen erfährt, soll der wegen Majestäts- beleidig ring verurtheilte Abgeordnete Szajer unter Erlaß sSnuntlicher Rechlesolgen der Verurlheilniig b e- g n a d i g l worden fein.— — Zeitungsbeschlagnahmen unter B a d e» i. Durch die gestrige Ausgabe der ainllicheu„Wiener Zeilung" werde» die gegeiiivärligen Preßverhällniffe Oesterreichs recht drastisch illustrirt. Der Kuiidiiiachiingslheil des amtlichen Organes enthält nicht weniger als vierundvierzig preß gerichtliche Erken n't- »isse, welche die Weiterverbreilung konsiscirler Zei- liingsiinminern:c. verbietet. Diese Preßiiiabregeliuigeii betreffen 25 deutsche, 13 czeckische, 6 polnische Blätter und 1 serbische Zeitung. — Stellen jag erei. In dem schwere» parlamenlarifche» Kriege Oesterreichs finden die einzelnen jmigczechischcn Abgeordneten noch Zeit, ihre Interesse» z» wahren. So schreibt ein Wiener Blatt: „Wie verlantet. wird der Abgeordnete EtranSky, falls die Ver- handlnngen der Jnngczechen. beziehnngsweise der Rechte» mit der Regierung zn eine»» halbwegs befriedigenden Resultat« führen, zum Hosrathe, und zwar beim Verwaltungs-Gerichishose,«rnannl werden." Herr EtranSky war früher fürchterlich radikal, biederte sich an unsere Genosse» a» und ist jetzt nicht nur wüthender Sozialisten- fresser, sondern auch Hofrathskandidat.— Lemberg, 21. September. Am letzlen Verhandlungstage deS r uthe n isch-radikalei, Parteitages referlrte Reichsral dk- Abgeordneier Dr. Jarosiewicz über die parlamentarische und Parteilaklik. Es wurde eine R e s o l n t i o» allgenolnme», wonach de» rnthenisch- radikalen Reichsraths- Abgeord- » e t e n empfohlen>v i r d, sich n» r mit den Sozialdemokrat e t«, sonst aber mit keiner anderen Partei in irgend welche Kompromisse einzulassen.— Ungarn. Budapest, 19. Sept.(Eig. Bericht.) Heute hat die ungarische sozialdemokraiische Partei«ine imposante Manisestation für da» allgemeiiie Wahlrecht veranstaltet. Vom Calvin- Platze. d.», Sammelpunkte der Manifestante», hat sich«in schier endloser Zug, au welchem ca. 35 999 Arbeiter Iheilgenomme» habe», durch das ganz« Weichbild der Stadt ergossen bis in das Stadtwäldchen, wo unter freiem Hinunel ans iveilei» Wiesenpla» eine Moiistre-Bersa»u»l»»g abgehalten wurde. A» dem Demonstrationszuge habe» sich fast alle Arbeits- Branchen betheiligt. Insbesondere habe» theilgenomnien die Eisc», und Metallarbeiter, die Möbeltischler, die Zimmerer, die Feilenhauer, feie Holzdrechsler, Fnßbinder, Schmiede, Schuh- und Tschismen- wacher, Handschuhmacher, die Bautischler, Druckerei-Arbeiler, Wage» bauer, Äleidermacher, Maurer, Steinmetze», Posamentirer, Buch biilder, Tapezirer, Bildhauer, Kupsergießer, Mnhlenarbeiter, Gerber, Bäcker, Friseure, Ziegelarbeiter, die kausmänuischen Angestellten, die sozialistischen Hochschüler, ferner die Arbeiter der Stnalsbabn Werkställen, endlich die sloivakischen, polnischen und böhmische» Arbeitervereine und zahlreiche Kleingewerbetreibende. Alle diese Branchen und Vereine sind unter ihren Fahnen oder Wert abzeiche» ausgerückt. Alle hatte» als Zeichen der Zusammengehörige keit die gleiche rothe Kokarde angelegt. Im Zuge wurden zahlreiche Tafeln mit markanten Aufschriften getragen, zum Beispiel„Rechte dein Volke";„Bisher zertrete», dulden wir nicht mehr die Rechts� verveigerung";„Wo keine Rechte, da giebl's kein Vaterland";„Ten Geldsack besiegt das Volksbewußtsein" u. s. w. Der Zug bewegte sich fort unter dem Gesang von Parteiliedern und de» ständigen Rufe»:„Heraus mit dem Wahlrecht!"„Nieder mit der Tyrannei! „Hoch die internationale Sozialdemokratie!" An der im Anschlug an den Deinonstrationszug abgehaltenen Arbeiterversammlung haben zahlreiche Banerndelegatione» aus der Provinz theilgenommen. Die Bauerndelegirten aus Czegled Kiskörös, Totis, Szccsö und Nagy- Käla haben in der Versammlung daS Wort ergriffen. Schliesslich wurde die folgende Resolution augenomuie»: „Mit Rücksicht darauf, daß daS geltende, engherzige Zensus Wahlsystem nolhwendigerweise die Versumpfung Und Korrmnpiruna des östentlichen Ledens nach sich z>eht,— mit Rücksicht darauf, daß die aus arund des bisherige» Wahlsystems Erwählten, sowohl im Parlamente als auch in den Kouuuuual Vertretungen, in ein seitiger Weise blos die Interesse» der Kapitallstenllasse vertreten und die breite» Volksschichte», die Arbeiterklasse, der politische» Bevormundung durch ihre Klassengegner ausgeliefert sind,— mit Rücksicht darauf, dab das Wahlrecht in sämmllichen Kulturstaalen bereiis der Ardetterschaft crtheilt wurde und blos Ungarn des schmachvollen ZustaudeS sich rühmen kann, daß auf jedes Hundert der Einwohnerzahl blos 5 das Wahlrecht besitze», das sie blos unter der Einwirkung von Bestechungen und andere» ökonomischen Machlbeeiuflusfungen anssiben können,— mit Rücksicht daraus daß eines der wirksamsten Mittel zur Emanzipation der Arbeiter klasse die Eroberung der politischen Rechte bildet—, spricht die am 19. September 1897 im Stadtwäldche» auf der Arena-Wiese tagende Monstre-Versammlung folgenden Beschluß aus: 1. Mit heutigem Tage beginnt der organisirte und rastlose Kampf um das allgemeine Wahlrecht; 2. Pflicht der Arbeiter ist in dlesem Kampfe um das allgemeine, geheime Wahlrecht alle dem Rechlsbewußtsein des Volkes entsprechende» Mittel zu be nutze»; 3. Zum Anschluß an diese Bewegung iverden alle die jenigen aufgefordert, die das allgemeine Wahlrecht als Postulat der Volkssreiheit ansehen; 4. behufs Jnflußhallung der Be wegung wird eine daS ganze Land umspannende Liga gegründet Unter de» Klängen der Älrbeiter-Marseillaise löste sich in größter Ordnung die Versammlung auf. Es ist erwünscht und wohl zu er warten, daß diese Massendemonstration thatsachlich der Beginn einer groß angelegten Propaganda für das allgemeine Wahlrecht sei. Mit Willen, Kraft und thatsächlich strammer Organisation würde auch in Ungarn das legislatorische Monopol der Bourgeoisie gebrochen werden. — OwelcheLustSoldat zusein! Aus Budapest wird unter dem 22. d. M. gemeldet: Ein Husar des 19. Honved-Husaren-Regiments in Szamo? Utvarhely hat wegen schlechter Behandlnng seme» Lienltznant, mit welchem er ans der Brücke zusammentraf, niedergeschossen, die Leiche dann über die Brück« in den Fluß geworfen und sich dann selbst er- schösse».- � Frankreich. — Meli»«'? Währungsexperiment« kommen den Eranzosen bald recht tdeuer zn stehe». Eine Zuschrift an die ondoner„Times" enthält die bestimmte Behauplnug, der französische Botschafter habe der englischen Regierung vorgeschlagen daß die französische Regierung ihre Münze» z u r freien Silberprägung i m V e r h ä l t n i s s» von 1b>/» wieder eröffnen wolle. Von dieser angeblichen Absicht bis zur Durchführung dürste«in recht weiter Schritt sein. Wir glauben, daß selbst Herr Meline nicht einen solchen Mangel an Verantivortlichkeitsgesühl haben wird. um allein zum Bimetallismus überzugehen.— Paris, 21. September. Der Kri eg s m i» i st e r hob ver schiedene einschränkende Bestimmungen betreffs der Urlaubs reisen von Offizieren nach Deutschland ans, um letzteren die Vervollkommnung in der deutschen Sprache und der KeiMtniß Deutschlands zu erleichtern.— lvayonne, 22. September. General B o n r b a k i ist gestorben Der Verstorbene ist als Sohn eines griechischen Odern«» im Jahre 1816 geboren. Er war Ordonnanzossizier Lome Philipp's. Flügeladjutant Napoleon III. In Algier, in der Krim, in den Schlachte» um Metz zeichnet« er sich ans. Er enlkani ans dem belagerten Metz, ini zweiten Theile des deutsch« französischen Krieges kommandirte er einen Flügel der Loire»Armee, organisirte nachher die Ostarmee, sollte Belfort einschließen, die dentsche Verbindung zwischen dem Rhein und Paris umerbrechc». Nach dem dreilägigen. überaus blutigen Ringen an der Lisaine mußte er sich ans Besangon znrnckziehen. Ende Januar 1871 wurde er mit seiner Arme« zum Uebertritt aus schiveizerisches Gebiet gezwungen. Im aktiven Dlenst der Republik stand er bis 1831 an hohe» Kommandostellcn.— Niederlande. Amsterdam, 29. Sept.(E!g Bericht.) Die D c m o» st r a- t i o n der Arbeiter Hollands für. die Alters-Ver- sicherung der Arbeiter. Die grobe Demonstration sär die Pensionirung<>er Arbeiter von Staats wegen, die gester» in der holländischen Residenzstadt, dem Haag, stattfand, bedeutet einen außergeivöhnlichen Erfolg. Die„vernünstige" Obrigkeit halte eine Manifestation mit Musik und entrollter Fahne verboten, trotzdem zogen tausende von Arbeitern und Delegirten aus allen Theilen des Landes nach dem großen und schönen Gebäude für Kunst und Wissenschaften. Taufende waren da schon versammelt, so daß viele keine» Einlaß fiiiden konnten. Im Saale, der niit de» Bannern und Fahnen der be- theiligten Organisationen geschiiiückl war. standen dichtgedrängt über 3999 Demonstranten, darnnter über 499 Telegirte von inehr als 399 politischen Vereinen, II ländlichen Geiverkschaftsverbände», Vertreter der sozialdemokratischen Arbeiterpartei»nd vieler Wahl- vereine. DaS Wort führte» die Vertreter der Gewerkschaften B o e r k o e l und E i ch e l Z h e i»>, beide Tabakarbeiler, und unsere Genossen van der Goes und der Abg. T r o e l st r a. Die Reden wurden mit vielem Beifall aufgenommen, vor allem die von E i ch e l S h e i m und T r o e l st r a. Eine Resolulio», die der Regierung und dem Parlament übttsendet wird, wurde angenomme». Sie lautet: Wir, die Arbeiter Hollands, die in öffentlicher Versaminlung im Haag am Sonntag, 19. September 1897, berufen vom länd- l i ch e n Komitee für A r b e i t e r p c n s i o n i r u n g von Staats wegen, zusamuiengelreteii sind, und in der vertreten waren II ländliche GewcrkschaflSverbänce, 326 lokale Organi- falionen, die sozialdemokratische Partei Hollands, 19 Wahlvcreine und einige Frauenorgaiusalione», haben in Erwägung, daß wir, die Produzenten des gesellschaftlichen Reichlbums, nicht einmal so viel erwerbe», um unsere geringste» vernunftgemäßen Bedürfnisse zu befriedigen, und auch seldstuelständlich weit davon entfernt sind. von unserem Lohn etwas zu erübrigen, um im Falle von Aller oder Invalidität einigermaßen gesichert zu sein, erjüllt von tiefer Ent- rüstung über die Art, wie die Interessen der alten und invaliden Arbeiter und Arbeiterinnen in öffe»tlichcn und privaten Wohl- thäligkeitsanstalten in dieser Gesellschaft vernachlässigt werden, beschlossen, einen Tbeil von dem zurückzufordern, von dem. waS wir selbst geschaffen haben zu unserem und unserer Familie Nutzen, um im Falle des AlterS und der Invalidität, wenn wir nicht mehr fähig find, durch Arbeit unser Brot zu gewinnen, nicht unversorgt dazustehen. Deshalb fordern wir energisch Regierung und Parlament auss dringendste auf. die nöthigen Maßregeln zu treffen, damit die alten und invaliden Arbeiter aus der Kaffe des Staates eine Pension erhalten, ohne daß die dafür benölhigten Kapitalien direkt oder indirekt vou der Arbeiterschaft ausgebracht werden.— England. — Der Besitz Egyptens scheint England von einer der wichtigsten Mitielmeermächte garantirt worden zn sein. Wenigstens meldet der„Standard" aus Rom, daß Ruhuii erklärte, Italien werde sich keiner Macht anschließen, welche die Räumung Egyptens durch die Engländer besürworten werde. Zwischen England und Italien scheinen weitgehende Abkommen anläßlich der Liquidirung des italienischen Besitzes in Afrika getroffen worden zu sein.— Norwegen. — Die Wahlen zum S torthing, die sich bekanntlich Monate laug hinziehen, sind bisher in der Mehrzahl für die Linke günstig ausgesallen.— Spanien. — Die Ministerkrise ist ausgebrochen. Das Ministerium wird heul« Abend zu einer Berathung zusammentrete», wie ver- lautet, auf Verlangen des F i n a u z m i n i st e r S, welcher feine Entlassung geben wolle infolge der Weifterung der erzbigolten Köniain-Rcgentiii. irgend eine Verfügung des Finanzministeriums zu unterzeichnen, so lange der exkommunizirte Navarro Reverler Minister sei.— Madrid, 18. September.(„Int. Eorr.") Da in den nordöst lichen Theilen des Landes die karlistische und die kalalanistische Bewegung eine immer drohendere Gestalt annimmt, so beabsichtigt die Regierung, über ganzKatalonieu den B e l a g er u n g s- zustand zn verhängen. Die Gegner erwidern jedoch, daß eS nur einer solchen Mnßregel bedürfe, um die gesammte kalalonische Be völkerniig zum Ausstund zu bewegen, dem die spanische Regiernng durchaus nicht genügend militärische Machtmittel entgegensetzen könne. In Guadalajara kam es am Sonntag zu argen Ruh«' störungen anläßlich einer Kundgebung der ärmere» Bevölkerung gegen die hohen Brotpreise.— Auch in anderen Städten fanden Massenkundgebungen gegen die neuen Lebensmittel- Steuern und gegen die Broltdenerung statt. In Valencia verhinderte die Volksmasse die Ausfuhr einer Schiffsladung Mehl mit Gewalt und eigne!« sich eine größere Menge desselben an.— Madrid, 22 September. Der oberste Kriegsgerichts Kos hat das Urtheil gegen S e m p a u wegen eines Fehler? im Prozeßverfahren ausgehoben. Die Verhandlung soll wieder auf- genommen werde». weil nicht erwiese» ist, daß Sempau ein A u a r ch i st sei.— Türker. — Die Pforte sandte an die Kabinette der Großmächte eine Note, welche sich gegen die Einsetzung der i n t e r nationalen militärischen Justizkommission au Kreta wendet.— Afrika. Pretoria, 21. September. In mehreren Versammlungen der Büren in de» ländlichen Bezirken wurdeu einstiininig Beschlnffe an- geiioniinen, dahin gehend, die Forderungen Chamberlains betreffend die Suzeränetät Englands über Transvaa energisch z n r ü ck z u w e i i e n. Das Gerücht, daß Ohm Krüger sich»m die Präsidenlschast nichi wieder zu bewerben gedenke, bestätigt sich zum Leldiveleu der Eng- läuder nicht.— Amerika. Hazlekon» 21. Eevtember. Der Sheriff Martin und 49 Sheriff beamle, welche des Mordes an 24 Ansständigen in Wilkesbarre beschuldigt waren, wurden in Lattimer gegen«ine Bürgschaft von 16 999 M. pro Kopf freigelassen. Beruhigend wird diese Entschließung kaum wirken. San Francisco, 22. Scpleinber. Wie aus Honolnln ge meldet wiro. hat der Senat von Hawaii am 10. d. M. den El n v e r l ei b ii n g s-V e r tr a g mit de» Bereinigten Staaten von Amerika e i n st i m m i g ralifizirt.— Tie Sozialdemokratie Pommerns hielt am Sonntag in Stet tili ihren 7. P r o v i n z i a l- P a rt e i t n g ab. Anwesend waren 19 Telegirte ans Slelliii, 12 ans dem Wahlkreis Randow Greifenhagen»nd 16 ans anderen Kreisen der Provinz. Nachdem der Provinzial-Vertranenöinann Knappe— der einstiininig wieder- gcwädlt winde— seinen Bericht gegeben hatte, wurde n. a. ein Antrag angenommen, wonach von der Landagiialionsschrist„Der Pommer" eine mehr volkstdümliche und den Landarbeitern leichter verständliche Schreidivoise verlaiigl wird. Im weitere» wurde, nach einem eingehende» llteferat des Genossen Dr. Matz,»ach langer und heftiger Debatte mit 29 gegen 19 Stimincn folgender Beschluß gefaßt: „Da da? Mißverhältniß der Anzahl der Abonnenten des ,,V o l l s b o t e n" zn de» sozialdemokratischen Stimme» in Pominern in ien letzte» Jahren»och größer geivord-n und die Hebung dieses Mißverhältnisses nur durch Uebernahme deS„Bolksboten" in Partei Eigenihuln infolge der dadurch intensiver werdenden Agitation für uiiscr Organ zn erivarlen ist, hat eine von den Wahlkreisen S>eitin »nd Randow-Greisen Hagen zu wählende Kvmmissioii von sechs Mit- gliedern bis zum l. Januar 1893 die Uebernahme des Verlags des „Volksbolen" in Parici- Eigeiilhm» durchzuführe». Unter den Bedingungen der Uederuahme muffen folgende e- ihalten sein: I. Die Nebergabe des Verlags seitens des jetzige» Verlegers erfolgt ohne Geldenlschäbigung. 2. Der jetzige Verleger erhält auf weiiigstens S Jahre die erste Redakteurslclle am„Volksbolen". 3. Der Druck des„Volksbolen" erfolgt a»f weiiigstens ö Jahre in der Druckerei des jetzigen Verlegers." Beim Punkt Reichstags wähl beantragte der Referent. Abgeordneter Herbert, die Kaiididaluren für Wahlkreise, wo kein Parteilebe» existirt, durch ein zu wählende? Zentral-Wabikomilee zu bestimmen. Dieser Antrag wurde zwar abgelehnt, dagegen ein dem Sinne nach gleicher Antrag angenommen, der die Regelung der Kandidatenfrage der Agiialivns-Kommiisiou überläßt. Ferner wurde beschlösse», wegen Mangels an geeigneten Kräften Doppel-Kan- didatnren znzulasscii. Wegen vorgerückter Zeit wurde von dem Referat über die preußische» L a» d t a g s>v a h l e n Abstand ge- »oinmen. Der sür diese» Punkt bestellle Reseient, Genosse K u» tz«, empfahl eine Resolnlion, worin die Aufhebung des Kölner Be- schlnsses gefordert wird. Gegen nur»venige Slimmeu wurde diese Resolution angenommen. Eine Partrivcrsammlung für de« schlesischcn Wahlkreis Rcicheubach-Ncnrode, die am Gonulag in L a n g e n b i« l a n ab- geballen iviiide, sprach sich«instimmig für Ailfhebimg des Kölner Beschlusses ans; die Genossen in de» einzelnen Kreisen solle» selber enlscheiden, ob sie sich an den preußischen Landtagswahlen be- lheiligen wolle» oder nicht. Falls jedoch der Hamburger Parteitag Wahlvetheiligiing beschließt, soll es der Parteileitung überlaffe» bleibe», die Normen zu bestiinme», unter denen die Genosse» der einzelnen Kreise schon von vornherein für Kandidaten bürgerlicher Parteien ftimmen können; wo cinigerinaßen Aussicht ans Durch- dringung eigener Wahlmänner ist, sollen eigene Kandidaten auf- gestellt werde». Als DelegirUr zum Hamburger Parteitage wurde Genosse Feldmann ans Langenbielau gewählt. Für de» oberschlestsche» Judustriebczirt ist als Delegirter zum Hamburger Parteitage der Genosse Winter in KönigShütt« bestimmt worden. Tie Parteiversammlung für den 6. sächsischen ReichötagS- Wahlkreis TreSdcu-Land, die am Sonntag inPotschappel verhandeile, beauftragte einstimmig die Delegirten zum Hamburger Parteitage, für Aufhebung des Kölner Beschlusses zu stimme». Als Delegirte wurden die Genossen Schulze auS Cossebaude und Dreyer aus Löbtau gewählt, als Stellvertreter Robert Böhme aus Plauen. Anf der Parteiversammlnng für den 15. sächsische» ReichStags-Wahlkreis Mittweida-Limbach, die am Sonntag in Taura abgehalle» wurde und die von einer sehr großen Zahl von Parteigenoffe» aus allen Gegenden des KreiseS besucht war, sprach sich Genosse Schöpslin, der Redakteut der Burgstädter„Volks- stiuime", sehr scharf gegen die Betheiligmig an den preußi» schen Landtags wählen und sür die Aufrechterhaltung deS Kölner Beschlusses ans. Er brachte eine Resolution ein, worin erwartet wird, daß der Hamburger Parteitag die Be- theiligmig an den preußische» Landtagswahle» ablehnen»verde, und worin»veiter gesagt ist. die Parteiversammlung erkläre sich gegen jede» Kompromiß und sie sei der Ansicht, daß eine Aushelnrng deS Kölner Beschlusses in der Weise, daß es den einzelne» Kreisen über- laffen bleibt, ob sie sich an der Wahl betheiligen»vollen oder nicht, eine Durchbrechung des zentral! st ischen Ge- d a n k e n s bedeute, was der Entlvickelung der Partei nur hinderlich sein könne. Es wurde aber mit sehr großer Mehrheit eine Resolution des Genossen Semmler angenommen,»vori» die Erwartung aus- gesprochen ist, daß der Hamburger Parteitag den Kölner Beschluß aushebe»»verde; die Entscheidung Uber die Betheiliaung an der Laiidtagswahl soll den preußischen Parteigenossen überlaffen»verde». Als Parteitags-Delegirte» wählte die Versammlnng einstimmig den Genossen Semmler aus Limbach, al? dessen Stellvertreter Schmidt aus WiitgenSdorf. Ii, Apolda wurde Genosse B a u d e r t als Delegirter zum Hanibiirger Parteilage ge>vählt. Er erhielt den Austrag, sür die Anfhebuiig des Kölner Beschlusses zu stimmen. In einer Parteiverfanimlnng in Nürnberg, die sich mit dem Parleitag in Hamburg beschäftigte, führt« der Referent, Genosse O e r t e l. betreffs der preußische» LandtagSwahle» aus, daß der Kölner Beschluß aufgehoben werde» und eS den Genossen in Preußen überlassen bleiben müsse, sich da, wo eS geht, an der LandtagSwahI zu betheiligen. Vor Kompromisse» müsse aber gewarnt werde», da kein Verlaß auf die i» betracbt kommende freisinnige Volksparlei sei und weil Rompromlsse zur Verwirrung und auch zur Demoralisation führen könnten. De» Hanibnrger Antrag, wonach die Pflicht zur Arbeitsrnhe am 1. Mai wegfalle» soll, bezeichnete Oertel als einen theorelischen Rückschritt, aber praktisch gerecht- fertigt sei er, dem» mit der Arbeitsrnhe am 1. Mai steh« es in Deutschland thatsächlich schlecht. In den» selben Sinne äußerte sich über beide Frage» Genosse Grillen- beraer, der betreffs der Arbeltsruhe am 1. Mai noch ausführte: I» Nürnberg habe in s ä in n» t l i ch e n großen Etabliffements, bi« den Ausschlag gebe» müßteii, niemals auch nur ein Mann die Arbeitsrnhe eingehalten, obwohl man sich vielfach Mühe gegeben habe, den Beschlüssen der»nUrnatioiial«» Kongresse und der Parteitage Anhänger zu schaffen. Eine gemeinsame Demonstration a». Abend des 1. Mai oder an einem Sonntag, die imposant gestallet werden könne, Hab« größeren Werth alZ die Arbeitsrnhe einer verschivindend kleinen Zahl von Gesinnnngs- genossen. Die Genossen B red er und Eitz»» g er sprachen im Sinne der beide» Vorredner. Beschlossen wurde, dem Hamburger Antrag zujnstimme» und betreffs der preußischen Landtagswahlen die von Oertel und Grillenberger präzisute Stellung einznnehme». Als Delegirter zum Parteitage wurde E i tz i n g e r gewählt. I« Augsburg wurde von einer Partti-Verlammlung die ReichstaaSkanbidatur einstimmig de», Genossen Adolf Müller, Redakteur an der„Müuchener Post", übertragen. Weiter »ahm die Versammlnng eine Nesolntio» an,»vori» die Aufhebung des Kölner Beschlusses gefordert und ferner verlangt wird, daß der „Neue» Well" am Jahresschliiffe JnhaltSverzeichniß und Titel bei- zufügen ist. Bon der Absendung eineS eigenen Delegirten zum Hanibnrger Parteitage nahm man Abstand; die Delegirten MüncheuS solle» Augsburg mit vertreten. Mit der Frage der Brtheilignng an den preußischen Laudtagötvahle» b.schäsligu» sich auch, wie uns aus der Schwei» geschriebt» ivird, die deutschen Sozialisten in Zürich. I» einer geschlossene» Milgliederverfammlnng derselbe» wurde ein- stimmig folgende Nesolntioii angenommen:„Die»e. Versammlung erklärt, daß sie die Bestrebnnge» innerhalb der Partei, die eine Beiheiligung der preußischen Genosse» a» den Landtags- wählen fordern, lebhaft»nlerstützt, da sie in einer solchen Betheili- gimg einerseits ein vortreffliches Agilalionsmittel, andererseits eine durch die heutigen polilischeu Verhältnisse nothrvendige bedingte Widerstaudsaktion erblickt." I» derselben Versaminliuig wurde noch beschloffen, zur Unter- stntzung der Agitation sür die nächste» Reichs tag? wählen eine» W a h l f o» d s zu gründe,». Es follei» zu diesem Zweck Sammellisten in Umlauf gesetzt werde». Polizeiliches, Gerichtliches ,c. -»- I» de», Begünstiguirgs-Prozeß wider den ver« leger der Breslauer„Volks wacht", Geiiossen Schütz. kommt e« noch zn einer Verhandlung, da das freisprechende Er- kennliriß vom Reichsgericht am 29. d. M. aufgehoben und die Sache an die Vorinftanz zurückveriviese»»vorden ist. — Wegen Beleidigung der Geineindekollegien Nürnberg? wnrde vom dorliae» Schwurgericht der Purleigenoffe Gabriel Löweniietr,. Redakteur an der„Fränkische» Tagespost", gemäß dem Antrage des Staatsarnvalls zu 2 Monaten IS Tagen Gefängnis, verurtheilt. Di« Beleidigung soll ecsolgt sein durch eine Reihe Älrlikel kommunaler Natur, die vo» Löivei, stein alS Verfasser gezeichnet waren. — N.ichstagS-Aboeordneter Hofman» in Chemnitz wnrde ivege» Beleidigung des Gemeinde- Aellesten Forbrig in Hilders- doif vom CKenmitzer Landgericht zu 39 M. Geldstrafe und zu den üblichen Nebenstrafe» verurlheilt. — Lundtags-Abpeordneter B a u d e r t in A p o l d a soll 3 M. Strafe bezahle», weil er am Grabe eines Genossen die Grabrede ohne Genehmigung des Pfarramtes gehalten hat. Der amtirende Geistliche hatte in» letzte» Augenblick feine Mitwirkung an de»» Begräbniß verweigert, als er beinerkte, daß dem Todteil ein Kranz mit rolher Schleife gewidmet ivar. Gewerksthafttiches. Berlin und Umgebung. . Ter Former AuSstand. Die Meldung der bürgerliche» Presse, daS Gewerbegericht Hab« Beraiilaffnng genommen, mit den streitenden Parteien in Vei bindnng zu trete», nn, eine Verständigung berbeizuführen, ist versrüht. Dagegen ist an den Unternehiner- Verband von feiten der Vertreter der Arbeiter folgendes Schreibe» abgegangen: An de» Verband Berliner Eisen- und Metallindustrieller z» Händen deS Vorsitzende» Herrn Koinmerzienrath Kühnemai»». Sehr geehrter Herr! Im Auftrag« aller Belheiligten erlauben wir uns zu Ihrer Kennlniß zu bringe», daß»vir gewillt sind; zur Beilegung der Diffnenze» zwischen Ihne»»nd den Formern i» Verbindung zu treten und sehen Ihrer diesbezüglichen Rückänßernng entgegen. Mit Hochachtnna Der Bevollmächtigt« des Deutsche» Metallarbeiter-VerbandeS, Verwalluiigsstelle Berlin Paul L i t f i», An»«». Straß« 39. Der Bevollmächtigte des Zentralvereins der Former, VerivaltiNigsstelle Berlin August Plath, Adolf-Slraß« 9. Damit haben die Arbeiter von neue», den Beweis erbracht, daß le ihrerseits auch jetzt»och zum Friede» geneigt find, au den Unter- »ehmern ist«s nun, ihren engherzige» Siandpunkt auszugeben und Ich zu Verhandlungen bereit zu erklären. Trotz dieses neuesten Beweises der Friedensliebe der Arbeiter, ähre»„Die Post" und die„Deutsche volkswirthschasilich« Kor- respondenz" fort, ihre» Geifer gegen die.sozialdemokralischen Hetzer" ,» verspritzen. Die Sozialdemokrati« brauche frisches Lebe» für tie„stag»ir«»den Gewässer". Sie fordert die Ärbeitgeber, die ..Opfer über Opfer bringen und sich mit dem geringste» Gewinn degnügen"(!?) nnf, diese»„frivolen" Streiks und der„Willkür" der Arbeiter fest entgegen zn treten. Und die„Volkswirlhschoftliche Korrespondenz", die sich nicht »nit derselben Virtuosität, wie dns Slumm'sche Hetzblatt, über die Thatsache hinivegsetzen kann, daß die Führer der i» Frage kommenden Gewerkschaften, so lange als möglich, dringend von dem Streik abgerathen haben, stellt sich so, als ob sie wirklich glaube, das ZIbrathen geschehe nur offiziell. Gegen derartige nichtswürdige llnlcrstelluiigen und Verleumdungen anzukämpfen, ist selbstverständlich in anständigen Formen unmöglich und deshalb beschränken wir uns darauf, sie hier tiefer zu hängen. Der erste Artikel der„Vossische» Zeitung", die übrigens heute auf unsere gestrigen Ausführungen nichrs mehr antwortet, hat selbst den Bismarckischen„Hambnrgischen Nachrichten" so gut gefallen, daß sie ihn in ihre Spalten übernommen haben. Weiter wird uns gemeldet, daß gestern die Former bei der Firma Keiling«.Thomas, sowie bei Sentker gleichfalls in den Ausstand getrete» sind. Die Zahl der Ausständige» ist somit auf 300 Verheirathete und 120 Nnverheirathete angewachsen. Die Unverheirathelen sind bereits abgereist. Achtung, Metallarbeiter? Da über den Ausstand der Schlosser und Klenipner bei der Firma Georg Drechsler, Wrangelftr. 4, unter den Verbaiidsmitgliedcrn irrige Aussnssungen verbreitet sind, so bringen»vir den Sachverhalt hierdurch zur Kennlniß. Die Preissestsetzung in jeuer Fabrik erfolgte schon seit langem ziemlich willkürlich. Ei» Arbeiter erhielt 60 Pf. ein anderer 40 Pf. für ein und denselben Artikel. Auch wurden ans verschiedene Arbeilen Losnabzüge gemacht, ohne daß man sich mit den Arbeitern darüber verständigte. Aus Vorstellung der Arbeiter versprach Herr Drechsler Abhilfe und wurde vereinbart einen gemeiusameu Lohntarif aufzustellen. Wochen vergingen, der Lohntaris kam nicht— die Arbeiter luden die Meister zu einer Werkstattbesprechung ein, in der wiederum das Versprechen gegeben wurde, daß im Laufe von 14 Tage» der Lohntaris fertig sei» sollte. Diese 14 Tage waren am 14. September abgelaufen, ohne daß der Lohntaris erschien. Die Arbeiter stellten nunmehr das Verlangen, daß bis zutn Sonnabend der Lohntaris vorhanden sein müsse. Als diesem Wunsche wieder nicht nachgekommen wurde, legten sämmtliche Ar- beiler am Montag, den 20. September, die Arbeit nieder. Einer Kommission gegenüber erklärte Herr Drechsler, daß er ei» bestimmtes Versprechen, wann er dem Wunsch der Arbeiter nachkomme» werde, überhaupt nicht gebe, er lasse sich nicht„die Pistole aus die Brust setzen, lieber mache er die Bude zu". Viel Schuld gebe» die Arbeiter dein Meister Wodtke, denn vordem waren die Zustände erlräglich. Auf welchem Slandpnnkl der Meister steht, beweist, daß er einem Ar- beiter, der sich erheblich im Gesicht verletzt hatte, auf die Frage, ob kein Verbandszeug vorhanden wäre, antwortete:„Ach rvas, soivas muß jeder selber haben." Unter solchen Umständen war es nicht zn verivuuder», daß die Arbeiter sich nicht länger narre» ließen. Wir bitte» daher, den Znzng fernzuhalten. Die Orts- verivaltung des deutsche» Metallarbeiler-Verbandes. Au die HanSdicner, Packer und Kutscher richtet der Unterzeichnete die Aufforderung, ihm alle Mißstände des Berufes milzu- theilen, damit für Abstellung derselben gewirkt werden kann. Zu diesem Zwecke ersuche ich Euch, nur alle Uebertretunge» der Sonntags- ruhe, sowie genaue Mittheilungen über die eventuelle Beschäftigung von Feuerwehrleuten zugehen zu lassen. Ferner ist rs uolhwendig, die Pack- und Arbeitsräume auf ihre Beschaffenheit in sanitärer Beziehung zu prüfen, nnd mir über das Ergebniß Bericht zn erstatte». Der Vertrauensmann der loknlorganisirten H a» d e l s- H i l f s a r b e i t« r. H e r m a n n Kamp, C., Kleine Kurstr. 6/7, Hof r. 1 Tr. DcnischeS Reich. Wege» Vergehens gegen das VereinSgcsch verurtheilte das Hamburger Schöffengericht den Vorsitzenden des Zentralvereins der Bnreau-Zlugefiellteu zn 10 M. Geldstrafe. Der Angeklagte hatte eine Versammlung einberufen, ohne die übliche Anmeldung bei der Behörde zu erstatten. Die Versammlung beschäsligle sich mit der Beschickung des Züricher Kongresses und somit nach Annahme des Gerichts mit politischen Gegenständen. In der Begründung, die der Amtsrichter Görden gab, heißt es ». a.: Es ist gerichtsnotorisch, daß der Kongreß den Zweck hatte, die Verschmelzung der Christlich- Sozialen mit de» Sozialdemokraten herbeizuführen. Unter den Hamburger Richtern scheinen recht sozialpolitisch gebildete Leute zn sein! Das Gewcrkschaftskartcll in Halberstadt, welches sich in einer seiner letzten Sitzungen mit den Ausgaben der Kartelle be- schäftigte, hat die in Nr. 29 des„Korrespoudenzblall" von der Generalkonnnission ausgestellten Leitsähe angenommen. Demnach werden in Zukunft nur solche Sammellisten berücksichtigt, welche vom Hauptvorstande der sich im Streik>besi»denden Organisation ausgehen. Retournirt werde» Sammellisten nicht mehr, die Prüfung derselbe» erfolgt am Orte. Die Kartelle von M e e r a n e und Mannheim geben eben- falls bekannt, daß sie nur solche Sammellisten iin Umlauf setzen werden, welche vom Hauplvorstnnde der betreffenden Organisation bescheinigt resp. gestempelt sind. Zurückgesandt werde» Sammellisten nicht mehr. Das Kartell in Wiesbaden wird in Zukunft nur solche An- griffsstreiks unterstützen, welche vom Hanplvorslande des in Frage kommenden Verbandes gutgeheißen sind. Des ferneren giebt das Kartell in M ä n» h e i in bekannt, daß die bereits feit einige» Jahren bestehende Zeniralherbcrge der Gc- werkschnften bedeutend eriveitert und renovirt worden ist. Es wird gebeten, die auf der Reise sich befindenden organisirte» Arbeiter darauf aufmerksam zu machen und dieselbe» zn veranlassen, nur dort zu verkehren. Herberge: Mannheim T 6, 3. AuS dem schlesischen Bcrgrcbicr. Am Sonntag fanden, wie aus Waldenburg berichtet wird, zivei öffentliche Bergarbeiler-Ver> sammlungen statt. Die erste, vormittags 11 Uhr in Fellhammer, war von ca. 500 Personen, die ziveite, um 8 Uhr nachmittags in Ober-Hermsdorf,>var von 7S0 Personen besucht. Die Versa»»»- hingen nahmen nach einem Referat des Reichstags- Abgeordneten Möller einstimmig folgende Resolution an:„Die in einer von ca. 500 Personen versammelten Bergarbeiter sind willens, sich andauernd und energisch so lange um die achtstündige Schicht zu bemühen, bis sie auf den niederschlesischen Gruben eingeführt ist. Die Ver- sammlung spricht die Erklärung aus, daß die niederschlesischen Bergarbeiter im stände sind, in derselben Schichtzeit, wie sie in Westfalen besteht, auch auf den niederschlesischen Gruben die seit- herige Arbeit pro Schicht zu leisten und hält den Zeitpunkt für ge- komnien, daß durch entsprechende Einrichtungen aus den hiesige» Gruben das unnöthige Verweilen der Bergleute unter Tage endlich vermieden werde." Auf dem sürstl. v. Pleß'schen Tiefbau Hierselbst ereignete sich am Montag früh ein bedauernswerlher Unfall. Infolge scharfen Auf- setzens des Förderkorbes, auf welchem fünf Bergleute in die Tiefe fuhren, trugen die meisten derselben schwere Brüche der Beine, Rippen ec. und wahrscheinlich auch innere Verletzungen davon. Der die Maschine leitende Wärter wurde sofort abgelöst. Wie ans Tarnowitz gemeldet wird, ist der Streik auf den Bibiella-Grube» beendet. Die Arbeit ist, der„Oberschles. Volksst." zufolge, unter den früheren Bedingungen wieder aufgenommen worden. Eiiie Anzahl Arbeiter sind gemaßregelt. Auf Veraulassuttg des Arbeitgcbcr-BiindcS i» Wolgast ist der Vorsitzende des Verbandes der Hand- nnd Fabrikarbeiter ge- maßregelt worden. Der betreffende war ununterbrochen 12 Jahre in der chemischen Fabrik von Quisdorp thätig. Das ist die be- kannte Anerkennung für Arbeiter, wenn sie dem Unternehmer jähre- lang ihre besten Kräfte hingegeben haben; schließlich sind sie die Störenfriede, die man unter diesem Äorwande los werden will. Der Topfcrstrcik in Pirna scheint noch ein Opfer fordern zu wollen. Am letzten Sonnabend ist einer von denjenigen Gehilfen, welche wahrend des Ansstandes dem Streikkomitee angehörten, verhaftet worden. Der Betreffende soll angeblich einen anderen Kollegen, welcher sich nicht an das Vorgehen der übrigen kehrte, sondern weiter arbeitete,„bedroht" und„beschimpsl" haben. Der„Bedrohte" hat den Streik selbst mit beschlossen, und die Forderungen waren ihm noch nicht einmal weit- gehend genug. Hinterher lief der Deunnzianh. der übrigens als Trinker bekannt ist und deshalb schon wiederholt ans der Arbeit entlassen wurde, zu den Unternehmern und verrieth seine Kollegen. Als ihm bei einer Gelegenheit dies vorgehalten wurde, hatte er nichts Eiligeres zu thun, als bei der Polizei eine ganze Anzahl seiner Kollegen zn denunziren, was die Verhafinng eineS äußerst braven, ruhigen nnd besonnenen jungen Menschen zur Folge hatte, der als Mitglied des Streikkonulee's thätig war. Ter Leipziger Maurerstreik dauert fort. Die Unternehmer lassen alle Minen springen, um Arbeitswillige zu erlangen, einige ziehen auch ihre Bewilligungen der Forderungen der Maurer zurück. Sie hoffen, daß die harten Urlheile gegen die Streikenden seitens der Gerichte und die. wenn auch nur schwache Zunahme der Arbeits- willigen, die Streikenden schwankend machen werden. Die letzte Streikversammlnug beschloß trotzdem im Streik auszuharren. Lohndifferciizen sowie schlechte Behandlung der Arbeiter führten zum Ausstand in der Maschinenfabrik von Lieblich u. Söhne in Neustadt(Pfalz). Tie Brauer und Böttcher in Neichenhall sind im Ausstand. Zuzug ist fernzuhalten. Former- und Giesierstrcik in Mannheim. In der Nrma- turenfabrik von Gebrüder Reuling-Manuheim haben sämmtliche in der Gießerei beschäftigte Arbeiter gekündigt, und zwar wird die Arbeit vom nächsten Montag an ruhen. Es wurde einem Arbeiter längere Zeit Flaschenbier gestohlen und schließlich der Formermeister als Dieb entlarvt. Die Arbeiter ersuchten nun Herrn Reuling, den Dieb zu entlassen. Nun ist jedoch nicht der Dieb, sondern derjenige entlassen worden, dem das Bier gestohlen wurde, angeblich weil er die Cache an die Oeffenllichkeit gebracht hätte. Zuzug von Formern und Kernmachern ist fernzuhalten. Ju der Fahrradfabrik von Propfe auf dem Lindenhof bei Mannheim bereiten sich ernste Differeuze» vor. Der Besitzer der Fabrik, der als vielfacher Millionär geschätzt wird, hat seinen Arbeitern eine Lohnreduktion von IV-pCl. angekündigt. Gleichzeitig wurde in den 35 Häusern, die der Herr besitzt, zahlreichen Arbeiter- familien eine Miethssteigerung von ö— 6 M. pro Monat auferlegt. Die Arbeiter haben in einer Versammlung beschlossen, die Lohn- reduktion zurückzuweisen nnd beaustragten den Arbeiterausschuß, mit Herrn Propse zu unterhandeln. Ter Streik der Schuhmacher in München dauert fort. Die Meister versuchen ans der Provinz'Arbeitskräste heranzuziehen, bis jetzt ohne uennenswerthen Erfolg. Von den Streikenden ist wiederum eine größere Anzahl abgereist und ist die Zahl der zn Unterstützenden auf 35 gesunken. Die Errichtung eineö Gcwcrbcgerichtö wurde von einer zahlreich besuchten Volksversaiuiuluug in R o st o ck verlangt. Die Begründung dieser Forderung halte Rcchtsanivalt Dr. H e r z f e l d- Berlin überuonuuen, der in eingehender Meise die Nützlichkeit der Gewerbegerichle darlegte. RnSland. In Fünfkirche».(Ungarn) sind 1500 Maurer ausstäudig. Ter internationale Tiamaiitarbritcr- Kongreß trat am Sonntag in Antwerpen zusammen. Vertreten sind alle belgischen, holländischen nnd englischen Syndikate. Auch ein Ver- treter der Diamantschleiser i» Hanau ist erschienen. Es wird die Bildung einer internationalen Liga zu wirksamem Schutze der Diamantschleifer cinpfohlc». Die wichtigsten Bcrathungsgegcnstände sind der Ausschluß der Kinder von der Dianianlschleiserei, die Dauer der Arbeitsstunden, die Errichtung einer korporativen Produktions- genossenschast. Den Arbeitern in Hanau, die seit zehn Monaten einen Zlusstand unterhalten, wurde drahtlich Gruß und Zustimmung ausgesprochen. Ter dritte LandcSkoiigrcst der„Konföderation der Arbeit" bezw. der neunte allgemeine Gewerkschaftskongreß hat am 20. Sep- tember in Toulouse seine Verhandlungen begonnen. Die Tagung wird bis zum 25. September einschließlich dauern. Die Hauptpunkte der Tagesordnung sind: Abänderung der Statuten. Gründung eines täglichen Gewerkschastsblattes(bereits auf dem vorjährigen Kongreß von Tours crgebuißlos verhandelt), Vereinheitlichung der Aktion der zur Konföderalion gehörenden Gewcrlschaslen, der Generalstreik oder der Streik eines ganzen Jnduslrieziveiges(die alljährlich wieder- kehrende Frage), Kasernen- und Gefängnißarbeit, Achtstundentag, Boykott, Altersversorgung, Organisation eines internationalen Ge- iverkschastskongresses im Jahre 1900 zn Paris.-- Ueber die Verhandlungen werden wir nach Abschluß des Kongresses berichten. Zum Kampfe der englischen Maschinenbauer. Die Einignngs- Vorschläge des Fabrikanten M a t h e r sind, wie bereits mitgetheilt, von dem Unlernehmer- Verbände, und zwar»m mit Herrn Siemens zu reden, als„Stroh" abgelehnt worden. In der dies- bezüglichen Resolution wurden bckannllich auch diejenigen Londoner Firmen, die den?>chlstnndcntag bereits bewilligt hatten, aufgefordert, wieder z» dem Nennstundentage überzugehen. Dieser Aufforderung sind eine Reihe Londoner Fabrikanten nachgekommen. In den Werken der Gebr. Hörne wurde den Arbeitern angekündigt, daß von nächster Woche an wieder die alte Zlrbeitszeit eingeführt werden würde. Daraufhin verließen sämmtliche Arbeiter ihre Plätze. Ans der Provinz werden weitere Anssperrungc» gemeldet. Soziales. Ein staatlicher„Musterbetrieb". Wie im„Weckruf der Eisenbahner" mitgetheilt wurde, müssen in Bremen i» dem direkt unter staatlicher Verwaltung stehenden Eilgüterschnppen die Arbeiter monatlich 416 Stunden lang zu einenr Lohn von 25 Pf. die Stunde thätig sein, während die selbst im Erwerbsleben Bremens ani schlechtesten gestellten Fabrikarbeiter höchstens 260 Stunden im Monat arbeiten und 30 Pf. sür die Stunde bekommen. Wie unser bremisches Bruderorgan schreibt, haben die„Weser-Zeitung" nnd ein anderes bürgerliches Blatt Bremens von der Mittheilnng des„Weck- russ" Notiz genommen, ohne auch nur den Versuch zu machen, die Angaben zu widerlegen. Die Apotheker in Nachen haben den dortigen Orts- k r a n k e u k a s s e n eikiärt, daß sie ihnen die bisherige Preis- ermäßignng für Arzneien nicht mehr zugestehen, sondern einen Rabatt von nur 10 pCt. unter der Bedingung bewilligen wollen, wenn die Kassen säiumtliche Bedarfsartikel an Arzneien, Kognak, Wein, Mineralwassersalzen, Verbandstoffen lc. mit alleiniger Aus- nähme von Bandagen, von den vereinigten Apothekern beziehen. Die Kündigung des bisherigen Vertrages mit den Krankenkassen soll, wie die„Franks. Ztg." mitlheilt, ein Schlag gegen die Droguerten fein, sie ist aber auch eine Frage der Fortexistenz der zum theil mit Defizit arbeitenden Krankenkassen, zumal sich die Apotheker unter einer Konventionalstrafe verpflichtet haben, auf der Ausführung der Ankündigung zn bestehen. Die Drognisten licsern die Maaren bekanntlich bedeutend billiger als die Apotheker, deren Rechnungen zum Marktwerthe der ver- wendeten Materialien häufig in geradezu lächerlichem Mißverhältniß stehen. Die Krankenkassen der armen Arbeiterbevölkernng Aachens follen nun dazu dienen, den Apothekeubesitzern noch mehr Prosit zu- zuschanzen, als diese ohnehin schon haben. Ter Verein deutscher Eisengießereien hielt am 16. September in Goslar seine Jahresversammlung ab. Herr Schere nberg- Elberfeld wies in seinem Jahresbericht darauf hin, daß der ge- schäflliche Aufschwung, der im Jahre 1895 verspürt wurde, bis jetzt angehalten habe und weder die amerikanische Präsidentenwahl noch der Dingley-Tarif eine erhebliche ungünstige Beeinflussung des deutschen MarkleS hervorrufen konnte. Die Kündigung des englisch« deutschen Handelsvertrages gebe zu ernsten Besorgnissen keinen Anlaß, da Englands AuSfiihr zu Deu'schlands Einsuhr wie 3 zn 2 sich verhalte. Es würde sich aber die Aufstellung eines autonomen Zolltarifes empfehlen, da man auf dieser Grund- läge von England und den britischen Kolonien Zugeständnisse er- langen werde nnd Nordamerika zu einer rücksichtsvolleren Haltung zwingen könne. Ebenso müsse man sür die Erneuerung der 1903 ablanseuden Handelsveriräge besser vorbereitet dastehen. Die Beschaffung zu- verlässigen Materials sür eine zweckentsprechende Gestaltung des neuen deutschen Zolltarifs werde für die nächsten Jahre eine hervorragende Aufgabe der gewerblichen Kreise Deutschlands sein. Es könne daher nur mit Bcsriedigung begrüßt werden, daß der Zentralverband deutscher Industrieller schon jetzt bestrebt ist, gemeinschaftlich mit den orga- nisirlen Vertretungen der übrigen großen Erwerbsgrnppen, so dem Dentsckren Haudelslag und dem Deutschen Landwirthschaftsrath, und unter Fühlungnahme mit der Reichsrcgierung eine Zentralstelle ins Leben zu rufen. Der Redner ging sodann auf die Marktlage ein. Die Beschäftigung in den Eisengießereien war eine lebhafte, zu Zeiten augestrengte, so daß hier und da sogar ein Mangel an Arbeiiskrästen eintrat. Auch die Nachfrage nach Haudelsgußivaare blieb durchweg eine rege und stetige, so daß bescheidene Preis- aufschlüge von 1—2 M. sür IVO Kilogramm von den meisten Merke» bei ihrer Knudschaft durchgeführt werden konnten. Von einigen Stellen liefen jedoch Klagen darüber ein, daß trotz der günstigen Zeitverhältuisse durch Unlerbietunge» seitens des Wettbewerbes versucht werde, die Preise herunterzudrücken. Vielsnch wird die Schuld daran dem Zwischeuhandel beigemessen. Im ganzen vermochten die Eisen- gicßercicn in bezng aus die Preise ihrer Erzeugnisse nicht gleichen Schritt mit denjenigen der Rohstofferzeugnng zn halten. Der Verein erkennt aber gern an, daß den bestehenden Kohlen-, Kokes- und Roheisen-Syudikaten, sowie den verwandten Verkanssverbände» ein wesentliches Verdienst daran zukommt, wenn die Preise der Roh- Materialien und Halbfabrikate, entgegen den Erfahrungen in früheren Perioden großen industriellen Ausschwunges, bei maßvollen Steigerungen im allgemeinen in dankenswerther Stetigkeit erhalten blieben. Dagegen wurden im Lause des letzten Winters zum theil sehr lebhaste Beschwerden darüber erhoben, daß sich der früh- zeilig in den Äesitz der vorhandenen Vorräthe gelangte Zwischen- Handel insbesondere in Gießerei- Kokes nicht immer eine gleiche Zurückhaltung auferlege. Nachdem der Berichterstalter noch mit- getheill, daß die Mitgliederzahl des Vereins von 154 aus 163 ge- stiegen ist, machte Landtags- Abgeordneter Bueck-Berlin Mit- theilungen über die Schritte, die der Zentralverband deutscher Industrieller hinsichtlich der Vorbereitung künftiger Handels- vertrüge gelhan habe und welche bezwecken, in Verbindung mit dem Deutschen Landwirthschaftsrath und dem Deutschen Handels- tage dem Grundsatze eines angemessenen Schutzes der nationalen Arbeit zum Siege zu verhelfen. Die Versammlung nahm diese Mit- theilungen mit lebhaftem Beifall auf, und der Vorsitzende versicherte, daß der Verein in dieser Sache durchaus auf feiten des Zentral- Verbandes stehe und dessen Schritte in jeder Richtung billige. Der nachsolgeude Punkt der Tagesordnung„Geschäftliche Mittheilnngeu" (Verhandlungen niit dem Kokessyndikat». s. w.) wurden vertraulich behandelt. Generalsekretär Slumpf-Osnabrück berichtete darauf über die Uusallversicherungs-Novelle, indem er einen Ueberblick über die Novelle sowie über die Beschlüsse der Reichslags-Kommission gab, die in den meisten Punkten als eine Verschlechterung der Vorlage anzusehen seien und stellenweise eine geradezu beleidigende BeHand- lnng des Arbeitgeber-Standpinikles aufweisen. Er stellt schließlich den Antrag, sich bezüglich der weiteren Behandlung der Novelle de» Beschlüssen des Zentralverbandcs deutscher Industrieller anzuschließen, der auch in dieser Angelegenheit die Interessen der deutschen In- dustrie aufs beste wahrgenommen habe. Dem entsprechend wurde von der Versammlung Beschluß gefaßt. Depesrhen und lehZe Muchvirhken. Hamburg, 22. September.(W. T. B.) Der„Hamburgische Correspoudeut" meldet: Einer bei dem„Nordischen Bergungsvereiu" eingegangenen telegraphischen Nachricht aus Knxhaveu zufolge ist das Panzerschiff III. Klasse„Würtlemberg" vor der Elbe mit dem Dampfer„Angela"(Eigenthum der Nord-Ostsee-Rhederei) in Kollision geralhen und hat demselben schweren Schaden zugefügt, der sich bis unter die Wasserlinie erstreckt. Der Dampfer ist bei Cuxhaven vor Anker gegangen. Mehrere Schlepper sind nach dem„Angela" hinaus- gegangen und mit der Bergung desselben beschäftigt. BrunSbiittel, 22. Sept.(W. T. B.) Nach hier vorliegenden Meldmigen über den Zusammenstoß des Panzerschiffes„Würllem- berg" mit dem Dampfer„Angela" bei Cuxhaven sind beide Schiffe nur leicht beschädigt nnd zwar beide über Wasser. Cuxhaven, 22. September.(W. T. B.) Wie das„Cuxhavener Tageblatt" meldete, erfolgte die Kenterung des Torpedobootes L. 26 heute Vormittag 9 Uhr 48 Minuten durch achterliche See bei dem ersten Elblenchtschiff. Das Boot sank»ach einer Stunde. Von der Besatzung sind neun Mann gerettet. Wenn das Wetter sich be- ruhigt hat, wird die Bergung stattfinde». Schwerin in Mecklenburg, 22. September.(W. T. B.) Heute Abend 6 llhr traf die Nachricht von dem Tode des Herzogs Friedrich Wilhelm hier ein. Brake(Oldenburg). 22. September.(W. T. B.) Heute fand die Enthüllmig des dem ersten Admiral der deutsche» Flotte Brommy aus Anregung des alldeutschen Verbandes errichteten Denkmals stall. Königsberg i. Pr., 22. Sept.(W. T. B.) In eine», Heu- und Strohmagaziu der Garnisonverivaltung entstand heute früh ans bisher unbekannter Ursache ein Schadenfeuer, ivclches de» Dachstuhl des Gebäudes und de» ganze» Inhalt vernichtete, so daß nur. hie Uinsassnngsmauern stehen blieben. Frankfurt a. M., 22. Septeniber.(B. H) � Aus Koblenz Berichtet die„Franks. Ztg.", daß der amtliche Hochivasser-Nachrichten- Dienst heme wieder eingerichtet ivorden ist. Der gihei» steigt stark. Fraiikfnrt a. M.. 22. Septeniber.(B. H.) Die„Frankfurter Zeitung" meldet aus Ainsterdaiii: Der englische Dampfer„Obl" ist bei Nuiuiden gestrandet. Die Mannschaft wurde gerettet, jedoch der Dampfer, der 1950 Tonne» groß ist. scheint verloren. Wien, 22. September.(W. T. B.) Hiesigen Blättern wird aus Finine gemeldet, daß bei dem Untergang des Dampfers„Jka" auch der Wiener llnivcrsitälsprofessor der Theologie Prodeka» Kopallik ertrunken sei. Auch werde verinnthet, daß der peusionirte Feldmarschall-Lieulenant Nemecic sich auf dem untergegangene» Schiffe bcfunde» habe. Wie», 22. September.(W. T. B.) Wie die Blätter aus Finine melden, setzte der Kapitän der„Tyria" trotz des Einspruches des Hasenkapitäns die Fahrt nach Venedig fort und erklärte, daß er dort seine Angaben inachen werde. Wie«, 22. Sepiember.(B. H) Der Fiumer Vertreter der „Ungaro Croato" behauptet, daß sich auf der„Jka", die bekanntlich gestern bei Flunre gesunken ist, 70 Personen defanden, von denen nur 20 gerettet worden seien. Der allein Schilldige an chem Unglück sei der Kapitän des englischen Dampfers„Tyria". Die Ver» haftniig des Kapitäns sei bereits telegraphisch angeordnet worden. Agrai», 22. Septeniber.(B. H.) J», Slniner Bezirk»imint nenerdiiigs die Bnner»bcivegn»g einen aggresstve» Charakier a»; ans diesem Grunde wurden iveiter« zwei Kompagnien Jnfaiiieri« dorthin entsandt. Rom, 22. Septeniber.(B. H.) Der Papst hat den NnnlinS in Madrid angeiviese», dem Bischof von Mallorka dns tiefste Be- dauern über sei» aggressives Vorgehen gegeirüber dem Finanznrinrstcr auszudrücken. Brindisi, 22. Septeniber.(W. T. B.) Gestern Abend wnrden die Gemeindeii Sava, Oria und Latiano von einem schweren Wirbel- stürm heiiiiges»cht. 40 Personen wurden geiödtet, 70 verwiindet, etwa 20 Häuser sind zerstört, der Telegraphcnverkehr ist unter» brocheu. Bombay, 22. Septeniber.(Meldung des„Reuter'schen Bureaus".) In der Präsidentschaft Bombay nimmt die Pest zu; in Puna sind mehrere Enropäer an der Pest erkrankt. Max Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage u linterhaltiingsblatt. Berniiiivortlicher Siedalteur: Alignst Jaeobey i» Berlin. Für den Jiiferatcniheil veranlwortlich: Th. Glocke in Berlin. Dnici uiid Verlag voll Hr. 222. 14. KkilW Ks Jorwrts" Sttlinrr IMMM.,---«» sz.Se?!l«bttl8S7. VonttttunAles. Der Magistrat bat bei der Stadtverordneten-Versammlimg vic Genehmigung imchgesncht. daß auf Grundlage des von der Terraingesellschaft„Neues Hansaviertel" vorgelegten Entwurfes von dieser Gesellschaft eine fünf Meter breite, mit eisernem Oderbau zu versehende Fußgängerbrücke über die Spree im Zuge der Straße „Sicgcsnuindhof" errichtet und nach erfolgter Nbnahnie des bedingnngs- niäßig ansgefnhrten Bainvcrks in das Eigenthnm und in die dauernde Unterhaltung der Stadtgemeinde Berlin übernommen werde. Die Ver- sammlung hatte zur Vorberathnng dieser Frage nnter Vorsitz des Stndtv.Bauraihs Kyllinann einen Ausschuß eingesetzt, welcher gestern (Dienstag) nach erfolgler Besichtigung an Ort und Stelle folgenden Antrag einstimmig angenommen hat: Die Versammlung lehnt die Vorlage des Magistrats ab und ersucht denselben, init den Adjazenten in Verhandlung darüber zu treten, unter welchen Bedingungen sie bereit sind, eine eiserne Fahrbrücke im Zuge der Straße„Siegesmund- Hof" auszuführen._ Lokales. Achtnilg, 6. Wahlkreis, Moabit! Parteigenossen, welche gewillt sind, sich an der am Sonntag stattfindenden Flugblatt- Verbreitung zu betheilige», werden ersncht, sich Sonntag früh 7Vs Uhr entweder bei I. P f a r r, Pntlitzstr. 10, oder der R e n f e r, Beiisselstr. 23, einzufinden. Weitere Meldestelle»(morgens 8 Uhr) sind: W. Brinkmann, Prinzen-Allee 21, A. Barsch, Sandstr. 3, Paul Anders, Bnttmann- straße 16, Gustav Herrmann, Pnttbuserstr. 45, Otto Bachgänger, Swinemünderstr. 120, und Hoppe, Ackerstr. 145. Pünktliches Erscheinen ist»othwendig. Der Vertrauensmann. Der Fleischverbrauch vo» Berlin betrug im Belriebsjahr 1896/97 144 338 442 Kilogr., ICP/i Millionen mehr als im Borjahre. Hiernach entfallen(abgesehen von Wild, Geflügel und Fischen) aus den Kopf der Berliner Bevölkerung, welche durchschnittlich 1 707 603 Einwohner betrug, 84,4 Kilogr. und zwar, wie die„Allg. Fl.-Ztg." mitlheilt, in folgenden Fleischsorten: iHindfleisch 29,7 pCt.(im Vorjahr 31 pCt.), Schweinefleisch 45,6 pCt.(im Vorjahr 43 pCt.), Kalbfleisch 8,4 pCt., Hammelfleisch 5,9 pCt., Pferdefleisch 1,2 pCt.. „Kram" 3,7 pCt., eingeführtes Rauchfleisch 5,5 pCt. Ans jeden Berliner entfielen etwa 25 Kilogr. Rindfleisch, 33,5 Kilogr. Schiveiue- fleisch(im Borjahr nur 35 Kilogr.), ca. 7 Kilogr. Kalb- und 5 Kilogr. Hammelfleisch. Die erhebliche Steigerung des Fleischverbrauchs von 80,06 auf 34,4 Kilogr. ist nur scheinbar. Die vorjährige Gewerbe- Ausstellung hat viele fremde Besucher über die sonst übliche Zahl der Sommergäste nach Berlin geführt, und viele taufende von Berlinern, welche die Sonnnerfrische aufzusuchen pflegen, blieben daheim. Die Berechnung des Fleischkonsums an der Hand der Berliner Volksfiatisiil hat ohnehin etwas Mißliches und Unznverlässiges, da auch nicht annähernd zu beurtheilcn ist, wie viel Fleisch die Bewohner der Vor- und Villenorte Berlins, sowie die dortigen Schlächtermeister unseren Schlachthäuser» und Fleischmärkten entnehmen. Die 300 000 Vorortbewohner könne», je nach dem Ver- hällniß, in welche!» sie bei uns ihren Bedarf decke», jene 84,4 Kilo- gramm pro Kopf sehr wesentlich herabmindern. Auffallend wird für jeden, der die Berliner Verhältnisse nicht kennt, der alljährlich steigende und starke Verbrauch an Schweinefleisch sein, der natür- lich feinen Ausgleich im Rückgang der anderen Fleischgattunge» findet. Die Erklärung liegt zum großen Thcil in dem günstigen Preisverhältniß des Schweinefleisches zum Preise anderer Fleisch- gattnngen— in dem neuen Betriebsjahre sind freilich die Preise für Schiveinefleisch erheblich gestiegen—, zum anderen in dein Um- stände, daß das Fett des Schweinefleisches beliebter ist, daß das Fleisch sich— wie die Hausfrau sagt—„selbst abmacht"; zum dritten aber in der fortschreitenden Ausbildung der Wurst- niacherei. Ehedem»nd jetzt. Im Jahre deS Bierboykotts 1894 waren bekanntlich auch die Saalbesitzer dumm genug, durch Verweigerung der Säle für sozialdemokratische und gewerkschaftliche Versammlungen den Brauereikapitalisten Handlangerdienste zn leisten. Die Herren haben sich dabei böse in den Finger geschnitten, und daher ist es er- klärlich, daß eine patriotische Anfwallnug, die sich ein wahr- scheinlich außer Schußlinie stehender Wirth leistete, in diesen Tagen außerordentlich kühl aufgeuommen wurde. Ein hiesiges Blatt nieldet:_ Der Verein der Saalbesitzer Berlins und Uingegenv hielt bei Brochnow, Sebastianstr. 39, eine Versammlung ab, um n. a. Be- schluß über einen Antrag zu fassen:„ A n a r ch i st i s ch e Ver- s a m M l u n g e n nicht aufz»nehme u." Der Antrag ist von einem Saakbesitzer gestellt worden, der zur Zeit ver- reist ist und deshalb seinen Antrag schriftlich begründet hat. In der Begründung ist auf die letzten anarchistischen Attentate hingewiesen, die«in jeder Vaterlands- freund verabscheuen müsse; deshalb müsse es auch Pflicht eines jeden Saalbesitzers sein, den Anarchisten ihre Agitation möglichst zu erschweren. Der Antrag wurde durch 11 e b e r g a n g z u r Tagesordnung erledigt, weil der Verein seinen Mitgliedern keine Vorschriften in einer Angelegenheit machen könne, welche dem Taktgefühl jedes einzelne» Saalbesitzers überlassen bleiben müsse, zumal der Verein nicht sämmtliche Saalbesitzer umfasse. Das klingt anders als ehedem. Die eindringliche Lehre, welche die Berliner Arbeiterschaft vor drei Jahren de» Saalbefltzern gab, scheint ihre guten Früchte getragen zn haben, so daß selbst dem ganz mit unrecht arg verschrieenen Anarchistenhänflein gegenüber das „patriotische" Bewußtsein versagt. Ter„Christliche Zeitschriftenvercin", der nach Ansicht des Reichsversicherungsamtes so hervorragendes im„praktische» Christen- thum" leistet, hält es nicht für Christenpflicht, seinen Arbeiter» einen auskömmlichen Lohn zu zahlen. Es werden hier folgende Löhne gezahlt: in der Buchbinderei 15 bis 21 Mark; den letzteren hohen Lohnsatz, eigentlich der Minimalloh» für Berlin, erhalten hier nur verheirathete Arbeiter. Die Preß- vergolder erhalten 16,50 bis 24 M. In der Setzerei sind die Löhne keineswegs besser, sie schwanken zwischen 16 bis 22 M., Setzer in gewissem Gelde erhalten 18 M.; Hilfsarbeiter erhalten nicht über 13 M. An den Rotationsmaschinen, bei einer immerhin etwas lebensgefährlichen Arbeit, werden hier Burschen vo» 15 bis 18 Jahren beschäftigt, erhalten dafür 10 bis 12 M. wöchentlich. Hausdiener, darunter verheirathete, werden mit 12 bis 16 M. entlohnt. Wenn auch einzelne Arbeiter und Arbeiterinnen durch Akkord- arbeit einen höheren Verdienst erzielen, so wird man doch zugeben müssen, daß die Bezahlung im allgemeinen eine ganz miserable ist. Etwa nenn Monate im Jahre wird Ueberzeitarbeit geleistet; ob das wohl zur besonderen Beförderung des Familienlebens der Arbeiter dienen soll? Auch über die Behandlung wird geklagt; so soll ein Ober- Maschinenmeister mit Ausdrücken wie„Lausejungen, Schweinhunde und Freffeschlagen" herumwerfen. Es wäre zu wünsche», daß die Herren ihre Umsturzbekämpfnng auch einmal durch Verbefferung der Arbeitsbedingungen ihrer Arbeiter tn die Wege zu leiten suchten. In der Angelegenheit deS DeiekmalS für die Märzgefallenen schreibt die„Äolks-Zeitnng":„Mit dem Denkmal für die Märzgefallenen des Berliner Magistrats wird es also ernst. Die Friedhofsverwaltung wird diesen Denkstein beschaffen. Wie er aus- sehen, ob er seinem Zweck entsprechen wird, dariiber erfährt man bis dato nichts. Es fragt sich weiter, will der Magistrat die Mitarbeit derBürger- schaft an dem Werke gestatten und die Gelder, welche das Denkmals- somilee gesammelt hat, mit in Anspruch nehmen? Von dem Magi- strat ist eine Antwort in der Angelegenheit anscheinend nicht zn er- warten. Das Komitee wird sich daher direkt an den Oberbürgermeister wenden müssen, um darüber klar zu werden. Weist der Magistrat das Geld zurück, so muß eine andere Verwendung dafür gesunden werden, und zwar wird neuerdings der Gedanke einer Stiftung zur Ab- wehr der wirthschaftlichen Folgen der Neberzeugungstrene venlilirt der- artig, daß Kinder, die durch die politische Maßregelung ihrer Väter in Noih gerathen, hier unterstützt werden. Das wäre dann mit dem Namen Märzstiftnng zn verschen und würde auch als ein Denkmal für die Märzgefallenen dienen können. Uebrigens erwartet man in der Bürgerschaft, daß der Magistrat, nachdem er einmal seine Pflicht anerkannt hat, derselben auch in geziemender Weise genügen wird." Wie man die Anfrcgnngcn einer Wahlbcwegniig ver- meidet, lieber eine Begebenheit, die sich in den Kreisen der Jnter- essentcn unserer berühmten Kirch.- mit der weggemeißelten Kameels- inschrift zugetragen hat, meldet das„Berliner Tageblatt": Unter de» Wähler» der Kaiser Wilhclm-Gedächtnißkirchen-Gemeinde er- regt ein Beschluß, de» die vereinigten Körperschaften dieser Gemeinde soeben gefaßt haben, außerordentliches Aufsehen. Dieser Beschluß lautet wie folgt:„Da die Gemeindekörperschasicn Bedenken tragen, die junge Gemeinde schon jetzt wieder der Wahl- anfrcgnng auszusetzen, und da die gegenwärtig amtirendcn Aeltesten und Gcmeindevertreter sich bereit erklären, ihr Amt eventuell anf weitere sechs Jahre fortznsühre», so ist das königliche Konsistorium um Erlanbniß zn bitten, die für den Oktober dieses Jahres an- stehende Neuwahl zum Gemeindelirchenrath und zur Gemeindevertretung auszusetzen und die erste Ansloosnng der Aeltesten und Gemciudevertreter erst im Oktober 1900 eintreten zu lassen." Ließe sich dies probate Mittel nicht auch i» der Politik anwenden, vorausgesetzt natürlich, daß die Erhaltung gouverncmentaler Parlamentsmehrheiten in betracht kommt? Wie schön wäre es ge� wese», wenn z. B. der l387er Knrlell-Reichstag das Ansehen De»tsck> lands noch serner hätte zu gründe richten können. Politische Polizei»nd Theater. Etwas ganz Staalsgesähr liches scheint die Polizei doch in der meist recht harmlosen drania- tische» Produktion zn wittern. Wie das„Frcmdenblall" erfährt sollen fortan alle Stücke,»achdein sie von der ordentlichen Zensur genehmigt, erst noch der politischen Abtheilnng übergebe» werden, um dort noch einmal anf ihre politische Unverfäng lichkeit geprüft zu werden. Außerdem sollen den General proben noch zwei Beamte, je einer der politischen und der gewöhnlichen Zensur beiwohnen, um zu konstatircu, ob nicht das gesprochene Wort noch verfänglicher klingt, wie das geschriebene. Das Blatt nimmt an, daß diese Verfügung vielleicht anf einen Lapsus zurückzuführen ist, der der Zensur bei dem neuen Donnay'sche» Stück „Die Abrechnung" passirte; in diesem Stück soll trotz der Zensur eine„Gotteslästcrnng" ausgesprochen worden sein. Vielleicht geht es. daß man allen Autoren, die nicht, wie der große Artilleriedichter Lauff, aktive Offiziere sind, die Aufführung ihrer Stücke von vorn- herein verbietet. Dann hat die liebe Polizeiseele wohl Ruhe. Eine netto Nebcrraschnng. Aufsehen erregt in hiesigen Gast wirthskreisen die absonderlicbe Entdeckung, die der Orkonom eines im Süden belegenen großen Vergnügungsetablissements gemacht hat, dessen Inhaberin eine hiesige Aklienbrauerei ist. Die Brauerei lieferte ihm das Bier in geaichten Gesähen; das Bierquantum wurde ihm nach dem Inhalte der Fässer berechnet. Von dritter Seite wurde er nun darauf aufmerksam gemacht, daß es sehr zweckmäßig sei, den Rauminhalt der Fässer einmal»achprüfe» zu lassen. Der Oekonom kam auch diesem wohlgemeinten Sialhe nach, und nun wurde anf dem Aichnngsamte eine bemerkbare Differenz zivischen dem Rauminhalt und der Inhaltsangabe fest gestellt. Da der Bierabsatz sehr beträchtlich war, so berechnet der Oekonom seinen durch Mindermaß erlittenen Schaden anf 25 000 M. Das gerichtliche Verfahren ist in dieser Sache bereits eingeleitet worden. Die alt« Potsdamer Brücke ist jetzt für jeglichen Fuhrwerks verkehr gesperrt worden, ebenso der Theil der Ostseite der Potsdamer� straße, welcher zwischen den Hänsern 127 und 122 o zn beiden Seiten der Brücke liegt. Hier werden bereits die Vorbereitungsarbeiten für die Anrampnug zn dem zweiten Theile der neue» Brücke ausgeführt, dessen Bau sofort nach Abbruch der alten Brücke in Angriff ge- »ommen werden wird. Auf der bereits fertiggestellten neuen Brücke ist ferner jetzt auf der Westseite vor dem Bretterzaun, welcher den hier noch unvollendeten Fußweg vom Fahrdamme trennt, ein pro- visorischer Holzsteg angelegt worden. Südlich von der Brücke ist endlich auch mit der Verbreiterung des zivischen dieser und der Lntzowstraße liegende» Theiles der Potsdamcrstraße begonnen worden, und es ist bereits die Versetzung der an der Bordschwelle stehenden Laternenpsähle in Angriff genommen. I» der Angelegenheit deS Bellc-Allianec-Theaterö haben die Eigenthümer des Hauses gegen Herrn Direktor Federmann die Exmissionsklage angestrengt, zu der gestern Morgen Termin gewesen ist. Trotzdem finden noch immer täglich Probe» statt, und Herr Federmann versichert, daß er das Theater»och in diesem Monat eröffnen werde. Polizeilich geschlossen worden ist ei» Bierlokal in der Lortzing- straße, welches durch Verkauf den Besitzer gcivechselt hatte. Der neue Besitzer hatte dem nach außerhalb verzogenen alten Wirlhe die Kaufsumme in dem guten Glauben ausbezahlt. daß er zum Betriebe deS Geschäfts vorläufig die Stellvertreter- Konzession erhalten würde, welcher die persönliche Konzession bald nachfolgen würde. In dieser Erwartung sah sich aber der neue Wirth getäuscht, das Polizeipräsidium lehnte die Erlheilung der Bertreterkonzession ab und machte die Bude einfach zu, da die Konzession des alten Wirthes durch seinen Verzug nach außerhalb und die dadurch bedingte Abmeldung erloschen war. Der Käufer des Geschäfts kann nun sehe», wie er seinen Schaden ersetzt erhält Es mahnt dieser Fall iviederuni zur größten Vorsicht bei Kauf- geschäftcn, besonders von Schanklokalen, die sehr hänflg ihren Besitzer wechseln. Die Tachstnhlbrände in Moabit folgen Schlag anf Schlag. Noch sind die Aufräumungsarbeiten des gestrigen Brandes Ecke Wald- und Waldenserstraste nicht beendet und schon wieder wurde» die Bewohner Moabits gestern früh um 9'/� Uhr durch einen Dach- stnhlbrand in Ausregnng versetzt. Diesmal handelte eS sich wieder um ein großes Eckhaus Benssel- und Wittstockerstraße. Beim Eintreffe» des ersten Löschznges schlugen die Flammen bereits meterlang ans den Dachsenstern, so daß die Meldung„Mittel- feuer" gegebe» wurde. Obgleich binnen kurzer Zeit die Lösch- züge 13, 14, 15, 16 und 13 a» der Brandstelle erschienen, wurde doch, angesichts der großen Gefahr für die Nachbargebäude. Zug 12 »och uachbeordert. Die vollständig verqnalmten Treppen erschwerten ungemein ei» Vordringen zum Brandherde, so daß zwei mechanische Leitern zur Verwendung kommen mußten, lieber eine Stunde halten zwgi Dampf- und drei Druckspritzenrohre unausgesetzt Waffer zu geben, um das Feuer zum Stehen zu bringen. Auch diesmal bewährte sich die Verbindung der großen Dampsspritze vom Zug 13 mit zwei Druck- spritzen zur Erhöhung des Wasserdruckes vorzüglich. Die Löschnngs- arbeiten leitete Branddirektor Giersberg. Wiederum haben mehrere arme Miether den Verlust ihrer nur theilweise versicherten Habe zu beklage». Die zahlreichen Dachstuhlbrände, die von den Bewohnern ausnahmslos auf böswillige Brandstiftung zuriickgeführt werden, haben Herrn Branddirektor Giersberg Veranlassung gegeben, be- sondere Vorkehrungen zur Beruhigung jenes Stndttheiles zu treffe». Zunächst ist eine bedeutende Be»stärkl»ig der Zugwache 15 in der Thurmstraße angeordnet, und sind die Lagerstellen für die Ver- stärkungsmannschaften bereits nach der Thurmstraße über- führt. Gleichzeitig ist eine Dampsspritze ständig nach Moabit verlegt.— Seit Dienstag Mittag wurde außerdem die Feuerivehr ge- rufen nach Lübeckerstr. 25, wo in der Küche Preßkohlen in Brand gerathen waren, die jedoch ei» vorübergehender Feuerwehrmann noch rechtzeitig löschte. Ein Gardinenbrand rief die Wehr Dienstag Abend 3 Uhr nach Thnrmftr. 71. Zwei Stunden später brannte Spandaner Brücke 7 die Verschalung eines Schanfensterkastenk. Mittwoch Vormittag endlich war Ritterstr. 20 brennendes Stroh im Keller zn löschen. Der Mörder der Hedwig Nitsche ans der Holzmarktstraße soll nach einer hier eingelaufenen Meldung ans Kottbns dortselbst ermittelt ivorden sein. Ein in dem dortigen Gefängniß befindlicher Verbrecher, ein ehemaliger Berliner Zuhälter, der seinerzeit bei der Verfolgung des Mörders betheiligt gewesen, machte dem Anstalts- dircktor die Mittheilung, das er in einem femer Mitgefangenen de» Mörder der Nitsche bestimmt wieder erkenne. Die Angelegenheit wurde sofort der dortigen Polizeibehörde unterbreitet und haben bereits Vernehmungen des Beschuldigten stattgesunden. Dieser be« hanptet, daß er zur Zeit des Mordes im Gefängniß gesessen Hab«, »nd infolge dessen unschuldig sei. Ob diese Behauptung zutreffend ist, ist noch nicht festgestellt. Ter Znsainnienstofl einer Nangirmaschine mit einigen leeren Güterwagen anf dem Potsdamer Güterbahnhof ereignete sich gestern Vormittag; der Unfall lies glücklicherweise ohne Gefährdung von Menschenleben ab. Auch der Materialschaden ist nicht erheblich. Der Vorgang, welcher von einem Vorortzuge aus beobachtet worden war, hatte zu Gerüchten von einem erheblichen Eisenbahnunfall Anlaß gegeben. Ei»»cneS Unglück im Eisenbahnbetriebe.� Entsetzlich ver« »»glückt ist in der Nacht zum Mittwoch der 50 Jahre alte Maschinensührer Hollnagel-Vogler aus der Lehrterstr. 9. Er war seit Dienstag Nachmittag»in 4 Uhr im Dienst und sollt« den letzten Zug für diese» Tag nach Nauen fahren. Es handelt sich um den Vorortzug 226, der um 12 Uhr 7 Minuten vom Lehrter Bahnhof abgelassen wird. Hollnagel hatte vor der Abfahrt gemerkt, daß eine Verschlnßbnchse am Kessel undicht war und daran gearbeitet. Dabei hatte er zn einem nngeprüften Heizer, den er anf der Maschine bei sich hatte, geäußert, er würde wohl nicht bis zum Ziel kommen und fünfundzwanzig Minuten nach der Abfahrt mußte er die Haltestelle Jnngfernhaide durchlaufen. Dort scheint er sich hinaus« gebengt zu habe», um nach der Buchse zn sehe», ist mit dem Kopf an eine vor dem Bahnhof stehende Kilometertafel geschlagen und hinausgefallen. Der Heizer ist nun, anstatt zn halten und den Verunglückten zn suchen, einfach weitergefahren. Beamte der Station Jnngfernhaide fanden Hollnagel später auf den Schienen mit furcht« baren Verletzungen anf und sorgten dafür, daß er mit dem letzten Zug Nr. 9 m» l'/j Uhr in Berlin eintraf. Die Verwaltung ließ � ihn sofort in einem' Tragkorb nach dem Augnsta-Hospital bringen, wo Schädel-, Bein-»ud Armbrüche erkannt wurden. Abnehmen von zerschmetterten Gliedmaßen konnten den Verunglückte» nicht am Leben erhalten: er starb gestern Morgen um 3 Uhr. Fra» Banmeister Schmidt nannte sich die elegant gekleidete Dame, welche der Taxanieterkutscher K. mit seiner Droschke lange Zeit zn fahren hatte, sodaß schließlich ein Fahrgeld von 19 M. zu- sainmenkain. Sie gab an, in der Kolonie Hirschgarten bei Friedrichs- hage» wohnhaft zu sein und dort eine Villa zn besitzen. Trotz mehrfacher Aufforderungen ist die Bezahlung des Fahrgeldes bis heute noch nicht erfolgt. Es ist dieser Fall eine neue Illustrativ» zu den Gefahren, welchen die Droschkenkutscher in Ausübung ihres Be-- rufes ausgesetzt sind. Der einzige Schutz, der sich ihnen bietet, ist die polizeiliche Feststellung derartiger zahlungsunfähiger Personen, damit dieselben schlimmsten Falls anf dem Rechtswoge zur Zahlungs« leistiing gezwungen oder aber als bewußte Fahrgeldpreller belangt werden können. Zn ihrem eigenen Schaden machen die Kutscher von diesem Aushilssniittel viel zn wenig Gebrauch, wie auch der vor« stehende Fafl wieder beweist. Bei einem Kampf zivischen Kellner«nd Köchin hat das Beil eine blutige Rolle gespielt. I» der Gastwirchschaft der Markt« Halle Vl regiert in der Küche die Kochmanisell Bertha Kuck, während der Gastwirth Falkenberg zur Bedienung der Gäste den 25 Jahre alten Kellner Paul Kuhnert, der an der Tegeler Landstr. 34 wohnt, angeuomnien hatte. Als am gestrigen Mittwoch Vormittag gegen 11 Uhr das Geschäft flott ging, erschien der Kellner in der Küche. um bei der Köchin eine Taffe Fleischbrühe zu bestellen. Bertha Kuck hatte keine Tassen mehr zur Hand und beauftragte den Kellner, ihr eine solche zu bringen. AlsKuhnert sich deffen weigerte, wollte und konnte die Köchin ihm keine Brühe verabfolgen. Hierüber entstaud ein Wortgefecht, das von feiten des Kellners bald zur That führte, in- dem er seiner muudfertigen Gegnerin eine» Faufischlag in das linke Auge versetzte. Nun drang auch die Köchin auf den Kellner ei» und wurde bei der sich entspinnenden Balgerei derart hitzig und erregt. daß sie ein anf einem Block neben ihr liegendes scharfes Beil, das zum Zerhacken von Fleisch dient, ergriff und dem Angreifer damit eine» gut gezielten Hieb über den Schädel versetzte. Kuhnert trug eine 16 Zentimeter lange Wunde davon und mußte, nachdem ihm ein Nvlhverband angelegt war, einen: Krankeichause zugefichrt werde,». Die Köchin war durch den blutigen Vorfall ganz nußer sich gerathen. Das gerölhete Beil schwingend lies sie in die Markthalle und ver- kündete dort die Begebenheit, bis der Wirth dazwifchentrat und sie an ihren Platz zurückwies. Ein Buchhalter ist bei der Führung eines HundeivagenS schwer verunglückt. Der 43jährige Manu, namens Hugo Geffert aus der Kommandantenstr. 49, ist gegenwärtig ohne Stellung und führte einen mit Hausgeräth beladeuen Hunde, vagen durch die Branden- burgstraße. Vor Nr. 140 wurde ihn, sein Gefährt von einem Roll- wagen ilnigeworfen, er selbst gerieth unter das Fuhrwerk und erlitt einen Bruch beider lluterscheukel. Man mußte ihn nach einem Kraukenhaus bringen. AnS Eifersucht schoß gestern früh 7 Uhr der Seiler Otto Graffnuder in seiner Äohunug, Alte Jakobstr. 17, mit einem Revolver anf seine Ehefrau Ulricke, geb. Rogge, ohne sie jedoch z,» verletzen. Er wurde verhaftet. Theater. In, Schiller-Theater geht heute„Ein Tropfen Gift", Schauspiel in 4 Akten von Oskar Bluinenthal, zun, ersten Male in Szene, die Besetzung der Hauptrollen ist folgende: Lothar von Mettenbor»: Albert Patry. Prinz Karl: Emil Willy Frobösc, Erwin vo» Wcidegg: Eduard von Wintcrstein, Hertha: Hedwig Panly. Liddy: Trübe Lobe, Graf Walberg: Max Pategg, Geheimrath Fabricius: Max Lanrence, Oberst v. Wendlingen: Karl Schreiner, Lieutenant Bruno: Otto Pahlau, Baron Brendel: Julius Elchen, von Drewitz: Max Reimann, Präsident Lehnhardt: Ludwig Neuert. Baronin Brcitendach: Elise Walter.— Das von der Direttion de» L u i s e n- T h e a t e r s bei der Zensurbehörde eingereichte drciakttge Lust- spiel von Jakob Lippman» in Mainz:„Ein verbotenes Schauspiel", ist gestern zur Aufführung genehinigt worden. Bis zu der anfangs Oktober staitniidenden Erstaiifführiing werden im Luisen- Theater, einem vielseitig geäußerten Wunsche zufolge, Bolksvorstellimgen zu kleinen Kassenpreisen, und zwar zunächst am Sonnabend, den 25.,„Preciosa", dann der„Meineid- bau«" Schiller's„Räuber",„Wilhelm Tell" und das Repertoire- Stück „Geschwister Fiedig" abwechselnd gegeben. RttS de»» Nachbarorte»». Einem nioderuen Dr. Eisenbart, der die Leute„nach feine« Art" knrirte, ist in Spandan das Handwerk gelegt worden. Er ließ in de» Zeitungen bekannt machen, daß der„Natnrarzt Schäfer August Baertel" i» dem Gasthof„Zur deutschen Eiche" Sprechstunden halte. Alsbald halte er großen Zuspruch vo» Kranke»; seine Behandlung der Patienten bestand darin, daß er ihnen den Puls befühlte, sie dreimal umkreiste und sie dabei wiederholt anhauchte. Dafür ließ er sich IM. geben; anf Wunsch verabfolgteerauch Medizin, die mehrere Mark kostete. Eines Tages sprach auch die Polizei bei ihm vor und erkamite in ihm eine» allen, trinkfesten Herbergsbrnder. Die Polizei hat ihn vorläuflg kalt gestellt. Eine Verzweifluugöthat. Nnch erfolgt»»nNassupa a»S dem Ziichchaiise hat gestern ln Spandau i>ie L2Iährige Anna Echlird» ans Berlin einen Selbstnwrdversnch unternommen. indem Tie sich in den Festnngsgrabcn stürzte. Sie wurde aber noch lebend vernnsgeholt und der Polizei zugcsnbrt. Die Schlieder halte meaeu schweren Diebstahls eben«ine IVsjährige Freiheitsstrafe verbüßt. «,«�5. sttfiirchtcie Geflügel- Cholera ist in Wilmersdorf im Gestngelbesiande des Biehhändlers Blisse ausgebrochen. Am WilhelniSplatz ln Charlottenbnrg ist gestern Mittag «in großer A k k n in u l a t o r e n>v a g e n der Straßenbahn in Brand gerathe». Eine Person ans der Meng« hatte die Feuerwehr alarmirt, die mit ein c», Löschzug herbeigeeilt war. wodurch der Unfall weit Über seine Gebühr aufgebauscht wurde. Der Unfall eiilstand nach der„Chart. Ztg." dadurch, daß bei dein Regenivetter die Isolatoren naß geworden waren, wodurch ei» Kurzschluß herbeigeführt wurde. Die ans Gninini bestehende Hülle des Kabels verbrannte in einer Länge von einem halben Meter. Nach einer halben Stunde konnte der Wagen wieder in Betrieb gesetzt werden. Go v ichks"Be if unfl« Um gefälschte Lnthcr-Handschrifte» handelte es sich kn einem Belriigsprozeß, welcher gestern vor der 3. Strafkammer des Land- gerichts I unter dein Vorsitz des Landgerichtsdirektor N ösler statt- fand. Die Thalsachen, welche der Ziiiklage zu gründe liegen, haben besonders in der Gclehrteinvelt Aufsehen erregt. Ans der Unter- slichniigShaft wurden der Händler Ernst Herman» Kyrie l eis und dessen Ehefrau Anna Kyrielcis geb. Lühr vorgeführt. Sie sollen gemeinschastlich Betrügereien eigener Art begange» haben, dem Ehemaiine werden 18 vollendele und 12 versiichte, der Ehefrau 16 vollendete und 8 versuchte Fälle z»r Last gelegt. Die Staats- anwaltschaft hat ninsomehr Mühe gehabt, das Belastungsmaterial zu- sauimenzntragen und z» sichte», da die Angeklagten sich ein weites Gebiet als Schanplatz ihrer schwindelhaft«» Thatigkech auserkoren hatten, die Betrngsfälle spielen in 16 großen Slädlen Denlschlands und Oester- reichs. Der Ehemann Kyrieleis soll«in besonderes Talent zur Nach- ahmung von Handschriften besitze» und sich durch fortgesetzte Uebung die Eigenschaft augecignet haben, die Handschrift Luther's in täuschend ähnlicher Weise nachzuahmen. Im Jahre 1393 soll er an- gesangen haben, diese Fähigkeit zu betrügerischen Zwecken zu ver- werthe». Er suchte sich alte Bibeln und Bücher ans der Reformationszeit zu verschaffen und trug in dieselbe» dann— ge- wohnlich auf die letzte Seite— Vibelstcllen oder auch von Luther selbst verfaßte Kirchenlieder ei», an welche er dann noch eine Widmung Luther's an einen Freund knüpfte und darnnier den Namen Luther's setzte. Diese gefälschte» Autoaramm» suchte er dann zu möglichst hohen Preisen an de» Mann zu bringe». Zunächst suchte er Absatz durch Annoncire» in ausivärtigeu Zeilmigen. Es meldete» sich auch Kauflustige, in den meiste» Fälle» schickten sie aber die Bibel zurück, weil sie an der Echtheit der Autogramm« zweifelten. In einem Falle mar es dem Anßcklagten sogar begegnet, daß er eine Bibel ans dem Jahre 1770»nt einem Autogramm Luther's versehen Halle. Kyrieleis pflegte seine Sendung mit einem Schreiben zu begleite», worin er erzählte, daß die Bibel 250 Jahre lang im Besitze seiner Familie sei. Sie habe ursprünglich Luther gehört, sei im dreißigjährigen Kriege an Gustav Adolf gelangt und von diesem habe einer seiner Vorfahren sie für tren geleistete Dienste als Geschenk erhalte». Jetzt gebiete ihm die Nolh, sich von diesem werthvolle» Erbstück zu trennen. Wie die Anklage an- nimmt, hat Kyrieleis die nächste» Jahre geopfert, um Luther- Autogramme in großer Anzahl anzufertigen. Dann ging er mit seiner Ehefrau ans Reisen und die letztere mußt« sodann den Ver- kauf der Bücher bewerkstelligen. Bevor das Ehepaar Berlin verließ, wurde hier folgender Betrug ausgeführt: Am 9. März 1396 brachte Frau Kyrieleis ei» mit einer Handschrift Luthers versehenes Exemplar von Spangenberg's„Auslegung von Episteln" zur Generalverwallung der königl. Bibliothek»nd bot es dem Direklor Rose zum Kauf für 50 M. an. Sie wußte dabei ihre angevkiche Nvthlage in so deiveg- licher Weise zn schildern, daß Professor Rose und sein Amts- genösse Professor Stern der Angeklagte» je fünf Mark schenkien Professor Rose ließ sich dann auch beivegen, das Buch ans eigene» Mitteln für 100 M. anzukaufe». Im April desselben Jahres be- fand das Ehepaar sich in Leipzig. Frau K. begab sich hier zum Pfarrer Dr. Georg Buchwald, der einen bedeutenden Ruf als Kenner von Luther-Handschrifle» besitzt. Sie überreichte ihm das mit einem Luther-Autogramm versehene Werk:„Nbetos Atticae" von Anlns GellücS und bat ihn, es für den Leipziger Professor von Gebhardt zu begutachte» und zu bewerthe». Dr. Buchwald schätzte den Werth des Buches ans 250 Mark. Darauf ging Frau K. zum Professor v. Gebhardt und bot ihm nnter Bortragung einer rührenden Gefchichle das Werk zum Kauf an. Ihre Bemühnnge» waren u», sonst und ebenio ein anderer Versuch bei einem Leipziger Buchhändler. Schließlich gelang es ihr, das Buch gegen 50 M. zn verpsände». Die Angeklagte ging nach Berlin zurück und machte von hier ans Abstecher»ach Halle, Götiinge», Rostock, Bremen, Hamburg und Lübeck, überall Werke mit gesälschten Lulher-Slulogramme» anbietend. Schließlich ging das Ehepaar»ach Wien. Hier gelang es den Augcklngten, Werke für etiva 1000 Gulden abzusetzen, stets nnter der Vorspiegelung, daß nur die Nolh sie dazu treibe, sich von den kostbaren Erbstücke» zu trennen. Von Wie» reiste» die Angeklagten nach München. Hier zeigte Frau K. dem Direktor der königliche» Hof-»nd Staats- bibliolhek von Laubuiann drei Bücher mit Lulher-Handschristeu, tischte wieder ihre alte Erzählung ans, und bat ihn, die Handschriften zn prüfen und ihre Echtheit zn bescheinigen. Direktor von Laubmann ließ sich täuschen und stellte die Bescheinigung aus. Darauf gingen die Angeklaalen zum Antiquar Halle in München und verkauften nicht nur diese drei Bücher, sonder»»och iveilere els Bücher mit gefälschten Luther-Handschriften für 1700 M. Einige Tage später tauchte daS reisende Ehepaar in Mailand auf. Hier gelang den Angeklagten ein Hauptstreich; der Buchhändler Uivico Xoeplc ließ sich von ihnen Falsifikale für 4000 Lire aufhängen. Bald darauf wurde das gefährliche Ehepaar verhaftet. Zu der gestrige» Verhandlung, in welcher Staatsanwalt F l i ck e l die Anklage vertritt und die lliechtsanwälte W r o n k e r»nd Dr. Schlesinger den Angeklagte» zur Seite stehen. sind als Sachverständige geladen: Medizinalraih Dr. Long, Direktor Dr. K o r t u m, Dr. P« r l, Professor Dr. K ö p p e n und Direktor Dr. Gerstenberg, sowie der Gerichtschemiker Dr. I e s e r i ch. Der Angeklagte K. ist früher schon einmal wegen Urkunden- sälschnng und Betruges zn 2 Jahren Zuchthaus vcrnrtheilt worden. Das Reichsgericht halte daS Urlheil aufgehoben und in der neuen Verhandlung wurden Zweifel an der Zurechiuingsfähigkeit des An- geklagten laut: KyrieleiS wnrd« der Irrenanstalt Hildesheim zur Beobachtung überwiesen und ans grnnd des Gutachtens des Direktors Dr. Gerstenberg als geisteskrank vorläufig außer Verfolgung gesetzt. Der Sachverständige Dr. Long, der bei seiner Begegnung mit dem Angeklagten K. Bedenken über die Z»rech»u»gSfähigkeit desselben hegte und seine Beobachtung in einer Irrenanstalt anordnete, bekundete, daß der Angeklagte sich ihm als„Jesus XIX" vorstellte. — Direktor Dr. Gerstenberg wiederholt heule sei» früheres Gutachten dahin, daß der Angeklagte, der zahlreiche körperliche Anomalien zeige, auch geistig nicht normal sei. Diese? Gutachten bezieht sich jedoch»nr ans die Jabre zurückliegende Zeil der Be- obachtnng durch diesen Sachverständige»..— Im Jahre 1894 war gegen den Angeklagten K. ein Verfahren wegen Verleilnng zum Metneide eingeleitet worden, und auch j» diesem Verfahren war die Untersuchung seines Geisteszustandes»othwendig. Oberarzt Prof. Dr. Koeppen. dem diese Unlersuchmig in der Charitee oblag. bekundet, daß man dort den Angeklagten zunächst für einen Einmlanten hielt; die sorgfältig gesammelten Daten über sein Vorleben und seine erbliche Belastung haben aber keinen Zweifel darüber gelasien, daß der Angeklagte ein im höchsten Maße pathologisch veranlagter Mensch ist, der zur Zeit der That geisteskrank war. Ueber den heutigen Zustand des Angeklagten kann der Sachverständige nicht« aussagen. Er hat seinerzeit de» Angeklagten als gemelngefährlich bezeichnet und bedauert eS, daß er au» der Anstakt wieder entlassen wurde.— In dem jetzigen Sirafverfahren ist der Angeklagte i» der Irren- anstalt H-rzberge beobachtet worden. Direklor Dr. Kor tum giebt sein Gutachten dahin ab, daß der Angeklagte zweifellos ein nicht normaler Mensch sei, daß er aber nicht seststellen könne, ob zur Zeil der That die freie Willensbestimmung bei ihm ausaeschlossen war. ES habe sich herausgestellt, daß ein Theil seiner an- gebliche» Wahnideen auf Simulation beruhten«nd daß er mit seiner Geisteskrankheit immer dann hervortrat, ivenn er strafbare Handlungen vorgenommen hatte. Geistesgefund sei er zweifellos nicht, doch erscheine es ungewiß, ob er bei seinen Strafikaten nicht die erforderliche Einsicht besessen.— Staatsanwalt Dr. F l t ck e l beantragt, bei dieser Sachlage über den Geisteszustand des Angeklagte» ein Obergutachten des Medizinnlkollegiums der Provinz Brandenburg einzuholen.— R.-A. W r o n k e r beantragt, diesen Antrag abzulehnen, da gegründete Zweifel an der Zurechnung?' fähigkeit des Angeklagten doch schon heule vorhanden seien.— Der Gerichtshof lehnt den Antrag des Staatsamvalts ab, da er schon jetzt begründete Zweifel an der Zurechnnngsfähigkeit des An- geklagte» für gegeben erachtet. Es wird daher nur gegen die Ehe- sra» verhandelt. Der Veriheidiger, Rechtsanwalt Ernst Schlesinger, bat um eine ganz milde Strafe. Der Gerichtshof sprach den Angeklagten Kyrieleis frei, die Ehefrau wurde zu 10 M o n a t e n G e f ä n g n i ß verurtheilt, diese Strafe indessendurchdie erlitleneUntersuchungshaft für verbüßt erachtet. Zwei Fälle wurden ausgesetzt und sollen später verhandelt werden. Die Ehefrau Kyrieleis wurde auf freien Fuß gesetzt. Der Ehemann Kyriele>s soll als gemeingefährlich einer Irrenanstalt überiviese» werden. Ei» dreister Strasienranb gelangte gestern vor dem Schivur- gericht des Landgerichts I zur Verhandlung. Der soeben erst 18 Jahre alt gewordene Arbeiter Karl Bremer{fing am Abend des 7. Juli mit einem nnermiltelt gebliebene» Manne im Friedrichshain spazieren. Sie begegneten einem Tischlergescllen an einer menschenleere» Stelle. Bremer ließ fich mit dem ihm unbekannten jungen Manne in ein Gespräch ei»»nd bat ihn dann, nachzusehen, was die Ubr sei. Harmlos zog der Gefragte die Uhr hervor. Da versetzte Bremer ihm einen Faustschlag ins Geficht»nd riß gleichzeitig die Uhr mit einem heftigen Griff an fich. Der Ränder entfloh mit seinem Genoffen, bevor der Ueberfallene zur Besinnung kam. Der Thäter wäre vielleicht »»entdeckt geblieben, ivenn Bremer nicht die Uhr seiner Braut geschenkt hätte. Dies führte ans seine Spur. Bei dem Geständniffe des Angeklagten konnte der Veriheidiger, Rechtsanwalt Dr. Mendel, nur bewirken, daß demselben mildernde Umstände zugebilligt wurde». Der Gerichtshof vernrtheilte den Angeklagte» zu dem zulässig niedrigsten Strafmaß— einem Jahre Gefängniß. Spandan. I» der letzten Schöffengerichts-Sitznng an, Freitag, den 16. d. M., wurde von dem eben von den Ferien zurückgekehrte» Amtsrichter Grodke ei» Ausspruch gelda», der verdient, der weitesten Oeffentlichkeit preisgegeben zn werden. Angeklagt war nämlich der Diciistknecht Johann Berndt, iveil er am 13. Juni er. ohne gesetzmäßige» Grund seinen Dienst beim Abdeckereibesitzer Bock verlaffen. Der Knecht behauptet imn, daß Bock ihn mit einem Brett schlagen wollte, und er a»S A erger und auch ans Furcht den Dienst verlassen. Der Amtsrichter Grodke gab nun dem Angeklagte» zunächst eine Belehrnng dahin, daß nur grobe körperliche Mißhand- lnng, Bedrohung mit einem Verbrechen oder gröbliche Beleidigung ein Grund zum Verlassen des Dienstes sei. Tarin, daß ihn sein Herr mit einem Breit schlage» wollte, sei ei» solcher Grnnd nicht zn sehen. Wohin soll denn das führen, so fuhr der Herr Amts- richler fort, wenn jeder tbnn wollte, ivas ihm beliebt, da würde ja die ganze fiaaUiche Ordnung ans den Kopf gestellt. Unser Staat zeichnet sich gerade vor anderen Gzaalen durch eine mnsterhaste Ordnung ans, er ist auch dadurch groß geworden. Wer wird denn auch so feinfühlig sei» und wegen einer solcher Sache aus dem Dienst laufe»; ans dem Lande sind im allgemeine» die Leute nicht so feinsühlig. Früher bekam der Dienstknechl von den, Gutsherrn gleich ein Paar rnnlee gehauen, das ist aber jetzt nicht mehr der Fall.— Nach einer solchen Ansicht und Beurtheilung einer Sache darf man sich denn auch nicht wundern, daß die Gutsbesitzer über Maugel an Arbeitskräften klage». Der Angeklagte wurde zu 6 M. Geldstrase verurtheilt. Ter Mordprozeß Griitter beginnt vor dem Schwurgericht zu Grandeuz am heuiigeu Tonnerstag. Tie Aullagebehörde Hai gegen die Maurer Josef Resmer, Anton.Lewandoivsli, Franz Lcivandoivsk. Josef Korczynski und Johann Grajewski und den Zimmermann Jgnaz Mallinski Anklage wegen Betdeilignng an einer Schlägerei, durch die der Tod eines Menschen verursacht worden ist,»nd ivegeiijLandkriedensbruches,»nd zwar gegen Resmer und Grajewski als Rädelsführer auf grnnd der ZZ 227 und 125 des Strafgesetzbuches Anklage erhoben. Tie Airgeklagle», die sich zumeist schon seit Anfang April i» Uutersuckungshast befinde», bestreiten sämmtlich ihre Schuld. Resmer und Anton Lewandowski sind 1371, Franz Lewandowski 1867, KorczynSki und Grajewski 1565 und Mntliriski 1862 geboren. Eämmlliche Angeklagte sind katholischer Konfession. Resmer ist wegen Mißhandlung mit zehn Mark, Grajewski wegen Sachbeschädigung mit drei Mark Geldstrafe be- straft, die anderen Angeklagten sind noch unbestraft. Grütier ist am 30..März 1865 in Thorn geboren. Er war verheirathet und Bater dreier»nerwuchsener Kinder. Es sind gegen 40 Zeuge» zu der auf zrvei Tage berechnete» Verhandlung gelade» worden. ES handelt sich bekannllich um die Ermordung des Lehrers Griiller, die mit der großpolnische» Agitation in Verbindung gebracht wird. VevsÄmmIttttgett. Im sozialdemokratischen Wahlverei» fiir den vierten Berliner RcichStagö> Wahlkreis(Südost), der am Dienstag«ine Versammlung im Lokal deS Herrn Granmann, Naunynstrnße, ab- hielt, referirte Genoffe Singer über:„Kommunalwahlen." Der ßtedner weist eingangs darauf hin, daß die vorgenommene Neueintheilnng der Kommunal-Wahlbezirke, wodurch für jede Abtheilimg 6 Stadtverordnete mehr zu wählen sind, bei de» diesjährige» Ergänzniigs« wählen nicht in betracht kommen werde, indem die Enlschließung des Oberpräsidenten noch ausstehe. Es werden infolge deffen für die dritte Ablheilung»nr 14 Wahibezirke in Frage komme», wovon iechs bisher durch die Sozialdemokratie vertreten waren. Der Referent giebt der Hoffnung Ansdriick, daß nicht mir die sechs Bezirke wiedergewonnen, sondern noch neue hinzu erobert werden und krilisirt sodann das Verhalten des„Freisinns" im„Rothe» Hause", daS wieder recht drastisch bei der Anfnellnng der Wähler- listen illustrirt wurde und deren Vertreter nur dort für daS gleiche, direkte»»d geheime Wahlrecht eintrete», wo sie sich in der Minorität befinden. Ter Redner giebt sodann«in überstchttiches Bild über die Thätigkeit der sozialdemokratischen Vertreter in der Kommunal- Verwaltung, durch die schon ein« ganze Reih« von vorlheilhaften Einrichlnngen auf dem Gebtete des Schulwesens»ach verschiedener Richtung, auf dem Gebiete der Arnienuiiterstntznng, in de- zng ans Krankenhäuser und so weiter geschaffen wurden und verweist im weiteren ans dir bekannten Forde- rnngen, welche die Sozialdemokralen für die in städtische» Diensten stehenden Personen forlgesetzt vertreten. Ebenso sei per- sucht worden, bezüglich de! GnbmissionswesenS«ine Aenderung herbei- zuführen, um zunächst wenigstens an die Vergebung der Arbeiten be- stimmte Bedingungen zn gunste» der Arbeiter in sbezug auf Löbne »nd Arbeitszeit zn knüpfen. Nachdem der Referent noch die Roth- wendigkeit eines städtische» Gesundheitsamts, das Resultat der Ver- Handlungen mit der Pserdebahngesellschaft und noch eine ganze Reihe von anderen Zweigen der Etadtverivaltung erörtert hatte, giebt er der Meinung Ausdruck, daß, so klein auch die Erfolge im Ver- hältniß zu den Ziele» der Sozialdemokratie erscheinen, dennoch Nütz- liches für die Allgemeinheit geschaffen worden ist. Mit einem Appell an die Versammelten, zu den nächsten Wahle» eine rege Agitation zu entfallen, um de» Einfluß der Sozialdemokratie»och um«in bedeutendes ,n erhöhen, schließt der Redner sein« mit leb- haftem Beifall aufgenommenen AuSsührungen. In de, hieraus sokgendt» Diskusflon forderte Genoffe Scholz, wie dies auch von dem Referenten geschehe» ist, die Parteigenossen zur Betheiligmig an den unbesoldeten städtischen Aemtern, Schul-, Armen-, Einschätzungs- Kommissionen n. s. w. auf, in denen sich Gelegenheit zur nützlichen Belhäiignng bietet. Auch dieser Redner tritt sür eine energische Agiiation zu den Sladtverordneten- Wahlen ein. In seinem Schlußwort beantwortet Genosse Singer einige Fragen »nd führt dann diejenigen Dinge an, bei welchen oie Pertreler der Sozialdemokratie nicht mitthuu, z. B- wenn es sich um Beivilljgnng von Mitteln handelt, wie zur Ausschmückung der Straßen gelegentlich sürstlicher Besuche,„Karpfenteich"-Projekle, kostspielige„Schlohfreiheits-Projekie", und ebenso könne» sich die Sozialdemokraten für die jetzt besonders im Schivange stehenden Neigungen zn den vielen Kirchenbanien nicht erwärmen, sondern vertrete» ihren protestlerischen Standpunkt und auch dies macht eine gröbere Zahl von sozialdemokratischen Vertretern nolh- wendig. Nuter Aereinsangelcaenheite» wurde aus die Echwindeleien des Metallschleifeis Otto Gläser. Cuvrystraße 33, der die Parteigenosse» ans jede Art zn brandschatzen versucht und den Erlös der ihm anvertrauten Bons sür sich verwendete, hingewiesen und die Zahlstcllenlnhaber auf denselben aufmerksam gemacht. Nachdem der Boisitzende bekannt gegeben, daß die Oktoberversamm- lnng eine Generalversammlung ist, und zur regen Betheiligung an der am nächste» Sonntag stattfindenden Flngvlatlvertheilung auf- gefordert worden war, erfolgte der Schluß der gut besuchten Ver« sammlung. Ter sozialdemokratische Wahlvercin im 6. Berliner Rcichötagö- Wahlkreis hielt am Dienstag bei Ulitz, Badstr. 19, eine— nur schwach besuchte— Mitgliederversammlung ab. Genoffe P ä tz e l sprach über„Vergehen und Verbrechen". An der Hand eines äußerst reichhaltigen statistischen Materials führt derselbe den Nach- iveis, daß es vorwiegend die wirlhschafllicheu Verhältnisse sind, welche Verbrecher züchten. Unter Vereinsangelegenheile» theilt der Borsitzende mit, daß die Generalversammlung schon am 14. Oktober statifindet. Geladelt wird, außer dem schwachen Besuch, daß kein ZahlsteUeninhaber anwesend ist, um etwaig« neue Mitglieder ansnehmen zu könne». Hierauf Schluß. In einer öffentlichen V«rsami»l»»g der Bäcker, die am Dienstag Nachmitlag bei Niest, Weberstraße, tagte und von etwa 500 Personen besucht war, referirte der Reichslags-Abgeordnete W. Liebknecht über den internationalen Arbeiterschutz-Kmigreß in Zürich. Die Ausführungen des Redners, der in eingehender Weise die Verhandlungen»nd das Resultat des Kongresses, das er als ei» günstiges bezeichnete, schilderte und im iveitere» auf die Nolhweudigkeit der Organisation hinwies, um mit derselben die Durch« führbarkeit dieser Art Gesetze zu sichern, wurde» mit stürmischem Beifall aufgenommen. In der hierauf folgenden Diskussion wurden die verschiedenartige» Mißstände angeführt, die die Agitation und auch die Organisation sehr ungünstig beeinflussen. So wurde ausgeführt, daß der Besuch der Versammlungen äußerst erschwert wird durch die überaus lange und anftreiigeude Arbeitszeit, die auch die Bäckerei- Arbeiter in ihrer geistige» Ausbildung hindert und deinznfolge auch die Orgamsalioiisverhäüniffe zu wünsche» übrig lassen. Aber auch diejenige», welch« die Müdigkeit zu überivindeu versuche» und ihre Schlaszeit opfern würde», können oft an den Versammlungen nicht theil- nehme», weil sie von dem Stattfinden derselben in ihren Arbeilslöchern nichts erfahren haben, da die Flugblatlverlheiler in vielen Fällen keine» Zutritt bei ihren Kollegen erlangen können: oder aber, was eben- falls sehr häufig vorkomme» soll, die Versammlnngsanzeige ist in die Hände des Meislers gelangt, der sie den Arbeitern vorenthält. Ans der weitere» Diskussion war zu entnehmen, daß bezüglich der Sonnlagsarbeit im Verhällniß zn früher, wo dieselbe nicht selten ans /20 Stunden ausgedehnt ivorde» war, eine kleine Besserung ein« getrete» ist, daß aber die sonstigen Bestimmungen der Verordnung von den Uniernehmern nur sehr wenig berücksichtigt werden. Ins- besondere müssen die Lehrlinge fast ausnahmslos so lange wie die Gesellen, und entgegen den gesetzlichen Vorschriften, viel« fach noch länger arbeiten. Diejenigen Arbeiter, welche die Bestimmung«» der Verordnung angewandt wissen wollen. habe» in de» meisten Fällen die Enllaffnng zn gewärtigen. Zur besseren Kontrolle der Bäckereien wurde gewünscht, daß den Anfsichtsbeamte» auch Bäckerei-Arbeiter zngetheilt werden, welche durch die eigene Erfahrung einen Einblick in den Betrieb haben. Der Agitation der Meister für die Aufhebung der Bäckereiverordnung, soll in nächster Zeit eine energische Agitation sür die weitere Aus- bannng der Verordnung im Interesse der Arbeiter, entgegengesetzt werde». Nachdem noch der Fall Witte, worüber im„Vorwärts" anSsührlich berichtet morden ist, besprochen, wnrde von mehreren Rednern z»»i Anschluß au die Organisaiion, zur regen Betheiligung i» finanzieller Beziehung und zur Betheilignng an der Verbreitung der Flugblätter und überbanpt an der Agitation, aufgefordert. Zum Schluß wurde über die Thätigkeit der GewerffchaflSkommission be- richtet und sodann Schneider als Delegirter und Hetzschold als deffen Stellvertreter i» die Kommisston gewählt. In einer Versammlung von Konfcktioiiö- Arbeitern und -Rrbeitcrinueu, die am Dienstag statifand, behauptete Frau G nbe la, daß bei W. Holz, Inhaber einer Betriebswerlstatt snr Konfeltions- artikel, mancherlei Mißstände herrsche». Die Arbeiterinnen erhielten nicht am Sonnabeud, sondern am Dienstag den Wochenlohn auS- bezahlt. Sehr häufig werde die vorgeschriebene Arbeitszeit über- schritten. Es werde des Abends oft bis 10 Uhr, auch des Sonn- lags gearbeitet. Die Behandlung lasse auch viel zu wünschen. Die bei Holz beschäftigte» Arbeiterinnen, sowie auch die Bügler wären so indifferent, daß sie nicht die Hand biete» zu einer Besserung ihrer Verhältnisse. In einem Briefe, de» die Refereuti» verlas, schreibt Herr Holz. daß seine Arbeiterinnen mit de» Lohn- und Arbeilsvcrdältnisse» sehr zufrieden seien und überhaupt in seiner Werkstatt alles in bester Ordnung sei, sodaß es niemandem gelingen werde. Unfrieden zwischen ihm und seinen Arbeitern zu stifte». Die Bügler de? Herrn Hoiz schreiben gleichfalls, daß sie keinen Grund zur Unzufriedenheit haben. Auch eine Arbeiterin ans der Holz'schen Werkstatt, die in der Diskussion sprach, erklärte die Verhältnisse sür durchaus gute. Andere Redner bezweifelten dagegen diese günstigen Darstellnnge», sprachen aber die Meinung anS, daß es nicht angebracht sei, ein einzelnes Geschäft heraus zu greisen und öffentlich anzunageln. Mißstände herrschen Überall und solle man dieselbe» allgemein bekämpie». Hierauf beschäftigte sich Frau Gnbela mit der Konfeklionsfirma D. Levi» und bcincrkte. daß diese Firma erst am Montag ihre Zwischenmeister auszahle, und diese daher ihre Arbeiterinnen erst am Tienstag entlohnen können. Die betreffenden Arbeiterinnen sollten enischieden darauf dringen, daß sie an, Sonnabend ihren Loh» bekonimen und dadurch die Meister zwingen, a»ch ihrerseits am Sonnabend beeahlt zu werden. Dazu bemerkle Schneidermeister Goligetre», daß sich die Vereinigung der Schneidermeister bereits bemüht habe, betreffs der Lohnzahlung bei Lewin Wandel zn schaffen, jedoch ohne Erfolg. Die Vereinigung würde, wenn sie von den Arbeitern unterstützt werde, nochmals nachdrücklich von der Firma Lewin die Auszahlung am Sonnabend verlangen. Die Versammlung nahm eine gtesolntion an, worin die Arbeiterinne» ansgeforderl werde», von ihren Meislern am Sonn- abend Lohnzahlung zu fordern. Dan» wurde ein Antrag der Frau Gnbela, AgitalionSmarke» für die KonfeklionSarbeiter einzuführen, für angenommen erklärt. ES hatten sich 3 Hände dafür und kein« dagegen erhoben. Zu der Erklärung deS Genossen Gocrkc- Charlottcnbin g in Nnmmer 219 unseres Blatte! schreibt nnS der Leiter der Stnckateur- Versammlung vom 13. d. Mls. Karl Das chütt folgendes; „Es ist keinem der Redner eingefallen, das Nichterscheinen des Genoffen Goerke zu rüge», da dies bei Eröffnung der Versammlung von mir erklärt und entschuldigt wnrde. Es wurde»ur im all- gemeinen von de» einzelnen Redner» die Schwierigkeit hervorgehoben, welche eS verursacht, tüchtige Referenten für Gewerkschafls-Versamm- lungen zu erlangen. Der Fehler ist dem Berichterstatter in dem Bericht jedenfalls dadurch unterlaufen, daß derselbe erst nach Er« öffnung der Versammlung erschien." D a s ch ü t t sügt noch Hinz«» mir S Tage vor dem Tage der daß Boerk« nicht V Tage, sondern Berfainmlung abgesagt habe. Atb-iter-SIIioinasechnI». Ter Nnterrlcht iiglnnt In 9!atlenaT5tonemle. Gclchichl« und«esetz-skunds am IS. Oliober, abend« W Uhr, Jnselnr. 10, 2 Tr. Teilnehmer werden schon jetzl aufftenoninien in folgenden SleUen: Gottfr. Schulz, Admiratlir. eoa; Ne»l. Barnimflr.«i: Schiller, Nosenlhalerilr. e?; Gleinerl, Sliiinerftr. 7a; Paul Miicle, aünnteutfelftr. las; Königs, Dtesfenbachstr.«o. Alle Knschrtsle» n»d an de» Voiflyende» Paul Mild«|t., t>0. Man, lensfelstr. Ii», Seldsendungen an den Kassirer H. Könige, L. Tlessendachslr.»0, tu senden. Zentral-Kranken»»nd K Die Zahlst eilen befinden sich für Serwallung l SO. bei Herrn®. Heclel. Oranieustr. 180, a Tr; für Verwaltung 2 aW. bei Frau B. Lutz, Pullfamerstr. 7; für Verwaltung 3 dl. bei Herrn F. Dolz, Sergstr. 7»; für Verwaltung 4 IlO. bei Frau 8l. Virrlorn, Frieden str. 78, 4 Tr. Bezahlung der Sciträge sowie Aufnahme neuer Mitglieder findet täglich abends von s— a Uhr statt. Kerliner Natnrkellvrreln II. Heilte Abend 8X Uhr, Im Saale de» verein» junger ilaufiente, BcuthftraKe 20: Vonrag de« Herrn Dr. Weyl über:„Eeleut- rheumatitinu», feine Entstehung und Heilung." Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Sprcchftnud« findet«»« Montag» Dienstag lind Sonnabend von Ii bis Tl/i Uhr statt 2!! Otto M. und G. G. G. Sprechen Sie in der juristischen Sprech- stunde mit der etwa erhaltenen Anklage vor.— R. D. Wenn er gegen Lohn beschästigt ist ja, sonst nein.— W. Sch. 1. Wen» die JahreSmiethe unter 150 M. beträgt ja. 2. Das hängt von der Abrede über den Inhalt des Miethovertrages ab. S. Ja.— Zh. T. Sie müfitcn beim Amtsgericht eine Todeöerllänmg erwirken. Den Antrag können Sie zu Protokoll oder durch einen Rechtsanwalt stellen.— Brachwitz. Nein; doch herrscht darüber Streit.— A. P. SO. 1. Das hängt von der Art der Schuld(Darlehn, Beruf, Miethe u. s. w.) ab. 2. Es muh die ganze Summe bezahlt werden. 3. Der Termin ist wahrzunehmen, sonst kann nochmals Verurthcilung er- folgen.— W. G.«Z. Ohne genaue Kenntnis! der Sachlage läht sich ein Rath nicht ertheilen. Ist der betreffende noch minderjährig, so wäre es richtig, zunächst sich an das Voruiundschastsgericht zu wenden.—, 30 New. Wetter-Prognose fiir Donnerstag» den 23. September ltfv?. Vielfach heiter, zeitweise wolkig, mit etwas Aegen>uid mäßigen westliche» Winden; Temperatur wenig verändert. Hfür den Inhalt der Inserate «bernimnit die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei _ Bcrantwortung._ Cljrafov. Donnerstag, den 23. September. Opernhans. Der Troubadour. An- fang-7-/2 Uhr. Schauspielhanö. Don Carlos. An- fang 7 Uhr. Deutsches. Mutter Erde. Anfang 7'/, Uhr. Berliner. Tante Jette. Anfang 7 t/z Uhr. Goethe(früher Theater deS Westens). Ein Sommernachtstraum. An- fang 7V2 Uhr. Lessing. Unjamwewe. Anfang 7 t/z Uhr. Ren«». Abrechnung. Anfang 7t/, Uhr. Residenz. Die Einberufung. An- fang 7t/, Uhr. Luisen. Geschwister Fiebig. Anfang 8 Uhr. Schiller. Ein Tropfen Gift. An- fang 8 Uhr. Unter den Linden. Perichole, die Strahensängerin. Anfang 7t/zUhr. Thalia. Das Krokodil. Anfaiiz 7t/, Uhr. Osten». Jngendbronnen. Anfang 8 Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang 7t/, Uhr. Friedrich. Wilhelms, adiHches. Das Zeichen des Kreuzes. >H«xa»derPlatz. Das Ltebcsdrama einer Sängerin. Anfang 8 Uhr. Reichshalleu. Herkules mit seinem Riescnspielzeug. Anfang 7»/, Uhr. Apollo. Spezialitäten. Ans. V, 8 Uhr. FeeN'Palast. Spezialitäten. Passage> Panoptiknm. Indisches Dorf. Silz Ul hesiter (Wallner-Thcater). Donnerstag, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Gin Tropfe» Gift. Freitag, �abends 3 Uhr: EinTroPfen Sonnabend, abends 8 Uhr: Weh' dem, der lügt._ Luisen-Theater 34. Reichendergerftrastc 34. Abends 8 uhr- Geschwister Fiebig. Modernes Botksstütt in 3 Akten von Oskar Wagner u. Hugo Haßkerl. Mustk von Fritz Krause. Sonnabend, den 25. September ct.; 6. Volk«- Vorstellung zu Neinen Preisen: VrvvK««». MT" Billet- Vorverkauf im In- validendani, Unter den Linden 24, und au der Kaste von 11—1 Uhr. Sonntag Nachmittag 3 Uhr: 0. Volus-Vorstellung: Die Räuber unter Regie von Julius Türk. Billets tz 60 Pf. in den bekannten Berkaussstellen. Ostettd-Theater. Gr. Sranksnrterstr.lS2 Dir.«.Weist. Novität! Zum 7. Male: Gr. Schlager! Jngendbronnen oder: Retv-Rummelsburg. Burleskes charakteristisches Zeitgemälde mit Gesang und Tanz in 4 Akten von E. Tschirch und E. Berg. Auf. 3 Uhr. Im Tunnel von 7 Uhr an- Frei- Konzert. Morgen: Dieselbe Borstellung. Sonntag, nachmittags 3 Uhr, kleine Preise: Die Lieder d. Musikanten. Centrai-Theater Alte Jakobstr. 30. Direktion Richard Schultz. Donnerstag, den 23. September 1897: Emil Thomas a. G. Zum 20. Male: BvHinvn Fahrten. >S_»lt» 4 w 4«. V�4IL'|t44llltttJ)- T � 1!"-•- v.» und Tanz in 6 Bildern von Julius Freund und Wilhelm Mannstädt. Musik von Jul. Etnödshofer. Anfang l/,8 Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Berliner Fahrten._____ W. Noack's Theater Brunnen-Strasse 16. Täglich- Thenter- n. Bpezlalltüten- Vorstellnng. Die Einladungskarte. Schwank iil 1 Aufzüge von Kotzebue. Die kleine Schlange. Posse in einem Att von Jacobson. Berltner in Italien. Original-Bnrleöke-Posse mit Gesang von E. Linderer. Jeden Sonntag. Montag. Dienstag U. Donnerstag nach der Borstellung: Tauzkrüuzeheu. Ui rama Tnubcnstrasse 48—40. Naturkundl. Ausstellung tagl. geöflhet von 10 Uhr vormittags nb, Eintritt 50 Pf.— Wissensohaftl. Theater abends 8 Uhr, Passage-Panopticum. Indisches Dorf mit dem bedeutendsten Fussball- Künstler der Welt Hoang Toon. Vorst. 12, 5, 7 und 9 Uhr. Castan's Panopticnm Priediichstr. 165. Bären well> die grösste Sehenswürdigkeit dos ablaufenden Jahrhunderts ist wieder da!!! 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September 1897, abend« 6l/2 in den Arniinhallen, Komniandantenstr, ÄO: Gr. Versammlung. Vortrag des Genossen Dr. Gusta? Heymann über; Die Ernährung des Menschen. e/e Nach dem Vortrag: Gemnthiiches Beisammensein nnd Tanz. DM- Eintritt 10 Pf."MQ Garderobe 10 Pf, Die Mitglieder und Gäste sind hierdurch höflichst eingeladen und erwartet zahlreichen Besuch_ lief Voretand. Achtung! Korbmacher. Achtung! Allhiinger des Hölzarbeiter-Verbnudts! Heute» Donnerstag, abends 8 Uhr» in Eohn's Feftsälcn. Beuthstr. 20: QofisRvU. Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Berichterstattung der Siebener-Kommission. 2. Dislussion. 3. Ver- schiedenes. Kollegen! Da in dieser Versammlung unsere Stellungnahme gegenüber dem Lokalverband endgillig geregelt werden soll, so ist es Psticht eines jeden Kollegen, zu erscheinen.— Neue Mitglieder werden in der Versanmilung aufgenommen; desgleichen sind Billets zu dem am 2. Oktober bei Keller's stattfindenden Stiftungsfeste zu haben. MD- Die Versammlung wird im Interesse der auswärtigen Kollegen pünktlich eröffnet. Oeffcntliche Holzarveiter- Versammlung am Donnerstag, den 23. September» abends 8 Uhr, tut Lokale des Herrn Möhriug, Admiralstr. K8o- Tages-Ordnung: Die Zustände in der Wcrkstätte von t). Bormann, Admiral- straste 18 b, nnd das Verhalten der Kollegen daselbst. " I)er Einbernfer. 293/9 Berbaud der Miivelpolirer. Sonnabend, 25. September» in Keller's Festsälen» Koppenstr. Ä9: Stiftungs-Fest anter Mitwirkung den Gesangverein» der Mttbelpollrer -- kroße humoriWe Soiree der Norddeutschen Quartett- und Kouplet-Sänger. i'eslrede. gehalten vom Kollegen G. Keuter. Bor und während der Vorstellung im kleüien Saale,»nd nach derselben in beiden Sälen TANK. TPU Anfang 8 Uhr. Billet: Hetten 50 Pfennig, Damen 30 Psennia. Billets sind in den Zahlstelleu und bei den bekannten Kollegen zu haben. 148/10_ Der Vorstand. Achtttug!! Weddiug!! Grosser Frauen-Vortrag im Heilverein V u b v in Milbrodt'S Festsälen. Berlin-Wcdding. Mnllerstr.«7. Hof pt. Freitag» den S4. September, abcndS 8Vz Uhr, spricht Frl. 1». Kube, Nlltlirhtiikudigt, über 6706 PSF" Heirath und Ehe! Welches find die Grundbedingungen einer glnfflicheu Ehe? Wen darf ich heirathen? Nur für grauen utid Mädchc« reiferen AlterS. V- Tlieater im Welt-Kestanrnnt V7. D r e s d c n e r» S t r a h e 07. PJSS- Täglich: im Gr. Elile-Yorstellung. Anfang; Sonntags 6 Uhr, Wochentags 7'/, Uhr.— Enttce: Sonntags 30 Pfg., Wochentags 20 Pfg. Feuerstein* Festsäle Alte Jakolistrasse 75. Gro»»e und kleine 8ille zu Versammlungen unentgeltlich, sowie zu Sommer- u.Winterfestlich- keiten b. kulanten Bedingungen. Kelcliiiaitigc Abendkarte zu solid. Freisen. Fllsenor nnd BUtzow-BIcr.* Jacob Xteiiz, Alte Jakobstr. 69» (vis-ä-vis Feuerstein s Fcstsälen) eiiivfichlt sein Weih««. Bairisch- Bier-Lokal nebst Vereinszimmer. 0f.SImineI.?.SS. Spezlalarzt f. Haut».Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Künstliche Zähne. F. 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Die Arbettsausgabe findet daselbst an den Wochentagen vor- mittags von 8—10 Uhr unentgeldlich statt. Die Kommission. Achtung. Stockarbeiter! Der Streik b. d. Firma Gemblekt ist beendet. 743b Die Agitations-Kommisfion der Stockarbeiter. Tüchtige Tisch UrgrselUit auf Bauarbeit finden dauemde und lohnende Arbeit in Brandenburg a.H., bei E. A O. Itorchnrdt, Alt- städtisch- Ftschers». 31/32. Einen Lehrling sucht die Silberwaaren- Fabrik Sebaftianftr. 84._ Einen Marmorschleifer verlangt Memelerstr. 4._ 7636 Schleifer für Hornknöpfe gesucht Haides». 48._ 766& 1 Kartograph u. 1 Zeichner finden sofort Stellung in der»c- deutendsten Kunstdruck-Anstalt i» Turin(Italien). Erste Kräfte bedungen bei hohem Salatr und Reisevergütung.- Zeichner soll hauptsächlich bewandert sein in Skizzen und feinster Merkantil« und Asphaltätzung. Offerten mit Muster an Haasensteln A Vogler, ChllTro 4460, Mailand. Aarton-ArbtittriM» sucht Lust»? Fränkel, Ä"™: 25 Korbmacher auf Munitionskörbe ä�4 Mk. Verl. 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(Ohne Bewahr.) 112 51 64 21« 365 420 644 844 48»004 35 123 30 35 42 96 385 408 lSvvtts 610 23 958 77 12001 83 »344 637 718 62 8032 142 304 568[200] 616 734 907 81 98 4041 49 490 740 937 5050 222 23 92 503 656 757 «166 200 306 417 951[1500J 7099 1)1 51 206 333 443 641 799 809 19 30 14097 100 29 44 239 314 632 843»101 247 64 416 618 81 707 58 81 807 976 10026 106 22 246 354 401 36 879 922 11145 218 664 78 94 611 768 1500) 1»)84 208 71 416 594 724 827 926 85 13045 823 820 73 14010 33 35 76 155 If.OOO] 838 441 579 618 924 15088 117 93 330 405 734 830 57 902 83(300) 16099 234 377 414 69 551 097 910 17211 17 485 87 668 667 18026 40 156 86 293 338 57 59 475 644 730 69 66[3001 86 822 65 10063 143 467 aooos 18(200) 66 177 246 365 458 652 901«1035 43 121 295 490 504 638 70 756 85 869 941 28009 67 621 616 722 892 83229 300 74 764 805 81 95 24044 131 56 98 206 78 325 601 637 90 91 719 55 922«5003 115 242 78 348 402 83 96 568 978««128 60 81 1500) 207 26 75 324 28 486 595 754 947 2 7066 415 572 92 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Ziehung d. 3. Müsse 197. Kgl. Preith. Lotterie. Ziehung vom 22. Seplcinber 1897, Nnihiniitag«. 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