Einzelpreis 30 Pfg. 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint morgens uno nachmittags, Sonntags und Montags nur Einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Buftellung ins Haus für Groß- Berlin 10 M. im voraus zahlbar. Fir Boftbezug nehmen jämtliche Bostanstalten Bestellungen ents gegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Defterreich, Ungarn, Danzig, das Saaren. Memelgebiet sowie die früheren deutschen Gebiete Bolens u.Luremburgs 20 M., ür das übrige Ausland 27 M. per Brief bez. für Deutschland u. Defterreich- Ungarn 95 M. Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin C2, Breite Straße 89. Donnerstag, 16. Juni 1921 Nummer 275 Morgen- Ausgabe Die achtgespaltene Manpareilleseffe aber beren Raum koftet 5,-. einschließ Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2- M., jebes weitere Mort 1,50 M. einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien Anzeigen und Stellen Gesuche 3,20 m. netto pro Belle. Stellen Gefuche in Wort- Anzeigen: bas fettgebruchte Wort 1,50 M., jedes weitere Wort 1.Fernsprecher: Zentrum 15230-152 39 greiheit Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands M. Der Einspruch der Alliierten Patriotismus und Profit Der Wortlaut der Note Berlin, 15. Juni. Nach Paris, London und Rom ist heute folgende Note abgegangen: Seit 6 Wochen hat Korfantŋ die Macht nahezu im gesamten Oberschlesien an sich gerissen, und hat in dem von seinen Banden belegten Gebiete tatsächlich alle Befugnisse der Interalliierten Kommission übernommen. 6 Wochen erduldet die oberschlesische Bevölkerung die ungeheuren Leiden, welche dieser Rechtsbruch über alle Teile des Landes heraufbeschworen hat. Die Verluste an Menschenleben sind groß. Die Aufständischen häufen Greuel auf Greuel. Hunderte von friedlichen Bürgern sind verschleppt; über ihr Schicksal ist nichts bekannt. Historische Bauten, wie die Schlösser von Schinischow und Stubendorf, von Zembowitz und Kalinow und viele andere, sind dem Bandalismus der Insurgenten zum Opfer gefallen. Den Bauern und Gutsbesitzern find Pferde und Bich weggetrieben, Gebäude und Geräte zerstört. Die Einbringung der Ernte ist bereits jetzt in vielen Gegenden unmöglich. Nicht minder traurig liegen die Verhältnisse bei der Industrie. Auch der Verkehr steht nahezu überall still. Der Bolschewismus findet in diesem verwüsteten Lande einen günstigen Boden und breitet sich in erschreckender Weise aus. Blutenden Herzens, aber mit gefesselten Händen soll das deutsche Volf zusehen, wie unter den Augen der Interalliierten Kommission, der die Verwaltung des Landes zu treuen Händen übergeben war, seine Volksgenossen brutalster Gewalt ausgeliefert und die Früchte deutschen Fleißes und deutscher Wirtschaft der Ber nichtung preisgegeben werden. 6 Wochen polnischen Terrors d über unsere Voltsgenossen hingegangen, ohne daß die Interalliierie Kommission die geeigneten Mittel gefunden hätte, die allein eine Niederwerfung des Aufstandes ermöglichen. Seit Ende Mai sind erhebliche Truppenverstärkungen der Entente mit reichlichem Kriegsmaterial in Oberschlesien eingetroffen. Mit geringen Ausnahmen und abgesehen von den großen Städten, die noch in der Hand der Deutschen sind, ist jedoch das gesamte Aufstandsgebiet nach wie vor im Besitz der Insurgenten geblieben, welche dort unumschränkt herrschen. Die Grenze nach Polen ist offen, von dort tommt dauernder Zuzug an Kämpfern, darunter eine erhebliche Anzahl regulären polnischen Militärs, von dort werden Wassen und Munition aller Art herübergeschafft. Beweise für diese Tatsache werden den alliierten Regierungen besonders übergeben. Wenn aber alliierte Truppen bei ihrem Vorgehen Ortschaften besetzten, konnten die Insurgenten vorher, wie z. B. in Rosenberg, unbelästigt mit Waffen und Munition, sowie unter Mitnahme allen geraubten Gutes abziehen und ihrem fanatischen Haß auf dem Rückzuge an den unschuldigen Bewohnern freien Lauf lassen. Saben aber interalliierte Truppen ein Gebiet durchzogen, so tauchen in ihrem Rüden alsbald die polnischen Banden wieder auf und treiben in gleichem Maße ihr Unwesen wie vorher. Eine Befriedung ist nirgends zu verzeichnen. Längs der ganzen Front sind die Ortschaften, wie z. B. Kostellig, Wachowis, Frei- Pipal, Frei- Kadlub, Schenrowiz. Waldhäuser, Hohenbirten, Butau, Nartowitz, welche vorübergehend von den Polen geräumt waren, erneut von den Banden besetzt und schwer heimgesucht worden. Die oberschlesische Bevölkerung und mit ihr das gesamte deutsche Bolt haben mit einer Selbstherrschung, die von der gesamten Welt als bewundernswert anerkannt wird, bisher die Ruhe bes wahrt. Der oberschlesische Selbstschutz hat trotz zahlreicher Angriffe der Polen und trok dringender Hilferufe aus den von Korfanty besetzten Gebieten seine Stellungen nicht weiter vorgetragen in dem Vertrauen, daß endlich energische Maßnahmen seitens Der Interalliierten Kommission gegen Korfanty und seine Banden ergriffen werden. Die Deutsche Regierung muß gegen die gegenwärtigen Zustände in Oberschlesien schärfste Verwahrung einlegen. Sie sicht sich genötigt, den immer wiederholten Versuch, den oberschlesischen Selbstschutz auf gleiche Stufe mit den Insurgenten zu stellen, energisch zurüdzuweisen und zu betonen, daß der von dem Präfidenten der Interalliterten Kommission beabsichtigte Weg, die Insurgenten durch Verhandlungen zum Abzug mit allen Waffen zu bewegen, nicht geeignet ist, die Ruhe und Ordnung wieder herzustellen. Dieser Erfolg tann allein dadurch gezeitigt werden, daß mit ernstem Nachdrud durchgegriffen und OberSchlesien mit allen Kräften von den Insurgenten gesäubert wird. Geschieht dies nicht, so wird die volle und alleinige Verantwor tung für alle Vortommnisse und ihre Folgen der Interalliierten Kommission und deren Präsidenten zur Last fallen, der die Macht besitzt, durch energische Maßnahmen die Befreiung des Landes in furzer Zeit herbeizuführen. Nach dem Friedensvertrage( Art. 88) ist die Interalliierte Kommission verpflichtet, mit Truppen der alliierten Mächte die Ordnung aufrechtzuerhalten. Die deutsche Regierung hält es nicht mit dem Friedensvertrag für vereinbar, wenn die interalliierte Kommission ihre Machtmittel nicht gegen die Insurgenten zum Einsatz bringt. Sie muß daher erneut und mit allem Nachdrud fordern, daß die Bevölkerung Oberschlesiens, die nach dem Ergebnis der Abstimmung bei weitem überwiegend deutsch ist, endlich überall und restlos von der Insurgentenherrschaft befreit wird. Amtlich wird zu dem bereits angekündigten Schritt der Entente des deutschen Selbstschutzes in Oberschlesien mitgeteilt: Der französische Botschafter und der englische Geschäftsträger haben Mittwoch abend die bereits in der Presse aus Paris angekündigten Borstellungen bei dem Reichsminister des Auswärtigen gemacht. Im Laufe der Besprechungen versuchten sie, die Verantwortung für die tritische Lage, die durch das Scheitern der Verhandlungen zwischen der Interalliierten Kommission und dem Zwölfer- Ausschuß in Oberschlesien zeitweise geschaffen worden war, dem Selbstschutz zuzuschieben. Diesen Ausführungen trat der Reichsminister Rosen mit Nachdrud entgegen. Er teilte dem französischen Botschafter und dem englischen Geschäftsträger, die einzeln bei ihm vorsprachen, bei diesem Anlaß mit, daß eine Note an die alliierten Regierungen abgegangen sei, in der die unerträgliche Lage in Oberschlesien geschildert ist und erneut das Verlangen an diese Regierungen gerichtet wird, Oberschlesien von den Insurgenten zu fäubern. Inzwischen scheint sich eine Verständigung der interafliierten Truppenführer mit General Hoefer anzubahnen. zwischen General Höfer und der Interalliierten KomWir wollen hoffen, daß die angekündigte Berständigung mission tatsächlich erfolgen wird. Es ist ja auch ganz finnios, angesichts der bestehenden Machtverhältnisse vom Selbstschutz irgendein nüßliches Einwirken auf die Lösung der oberSchlesischen Frage zu erwarten. Diese muß endlich von den Ententeregierungen selbst enthieden werden. So begreiflich die Erregung in den Reihen des Selbstschutzes sein mag, so wird sich der General Höfer doch sagen müssen, daß ein längerer Widerstand nuglos und der Sache, der er dienen will, nur schädlich ist. Die deutsche Reichsregierung hat staatsrechtlich ja feine Entscheidung im Abstimmungsgebiet. Nichtsdestoweniger wird sie inoffiziell ihren ganzen Einfluß geltend machen müssen, um ihrerseits die Beilegung des Konflittes herbeizuführen. Der deutsche Bericht Oppeln, 15. Juni. Nach Verhandlungen, die heute nachmittag stattgefunden haben, stellte General Hoefer dem General Hennider die Ortschaften östlich der Linie 1,3 Kilometer nordwestlich Dollna- Annahof, Westrand Lichinia, Ostrand Kuschnitta zur Unterbringung englischer Truppen für die Säuberungsaktion zur Verfügung. Die Kampftätigteit der polnischen Insurgenten hat wesentlich nachgelassen. Im Kreise Rosenberg griffen polnische Banden eine Höhe bei Jastrzigomis ohne Erfolg an. Kleinere Vorstöße in der Gegend Bruztau- 3embowitz scheiterten ebenfalls. Der Bahnhof und die Eisenbahnhauptwerkstätten in Gleiwiz wurden gestern früh von Matthesdorf durch einen polnischen Panzerzug, der mit 200 Insurgenten besetzt war, ange= griffen. Der örtliche Selbstschutz in Gleiwis umzingelte die Insurgenten und nahm 69 Mann gefangen. Die Insurgenten wurden den italienischen Truppen übergeben. Im Kreise Ratibor schwache Kampftätigteit der Polen bei Zawada und Schimischow. Die Insurgenten haben ihre Rüdwärtsbewegung gegenüber der Stadt Ratibor weiter fortgesetzt. Deutsche Hetzfilme Wie die B. P. N. hören, bestätigt sich die Nachricht, daß der französische Botschafter in Berlin, Laurent, gegen zwei deutsche Filme, Die schwarze Schmach" und„ Die Flucht aus dem Heer der Heimatlosen", Einspruch erhoben hat. Der zweite Film, der das Thema des Fremdenlegionärs behandelt, läuft schon seit einem Jahr.„ Die schwarze Schmach" ist in München(!!!) herausgekommen, und der französische Gesandte in München, Dard, hat auch bereits vor einiger Zeit bei der bayrischen Regierung Einspruch erhoben, den diese an das Auswärtige Amt nach Berlin weitergegeben hat. Auch die Schritte des Botschafters Laurent in dieser Frage liegen bereits einige Wochen zurück. Zu einem abschließenden Ergebnis hat der Meinungsaustausch in dieser Frage noch nicht geführt. Das deutsche Auswärtige Amt steht auf dem Standpunkt, daß Filme, die geeignet sind, die internationalen Beziehungen zu verschlechtern, sowohl bei uns wie im Ausland nicht ausgeführt werden sollen. Wir hatten Gelegenheit, den Film ,, Die schwarze Schmach" in Augenschein zu nehmen und haben bereits die Feststellung getroffen, daß es sich um ein ganz übles Hezprodukt deutschnationaler Herkunft handelt. Schon die Tatsache, daß der Film in München entstanden ist, ist bezeichnend. Es han delt sich bei diesem Film nicht etwa um irgendeine Aufklärung, sondern die Absicht, den Völker- und Rassenhaß zu entfachen, ist deutlich zu erkennen. Wenn dieses üble Mach wert mit seinen vergiftenden Tendenzen vom Spielplan der deutschen Kinos verschwinden würde, fönnte dem Ansehen des deutschen Boltes tein Schaden erwachsen. Der Reichstag beendete gestern die allgemeine Aus sprache zur zweiten Lesung des Gefeßentwurfes über die Ges treidewirtschaft. Taten die bürgerlichen Parteien zuerst so, als ob ihnen an der schleunigen Erledigung des Gesetzes gele gen wäre, so entlarvten sie sich selbst, als nach der Rede des Kommunisten der nächste Redner, der bayrische Bauernführer Heim, weil er nicht auch vor leerem Hause sprechen wollte, einen Vertagungsantrag stellte. Die Mehrheit des Hauses aber ließ ihn im Stich und so blieb ihm und den anderen Rednern nichts anderes übrig, als mit etwas bitterer Miene auf das Wort zu verzichten, wodurch dem Hause heitere Minuten entgingen. Der heutige Tag wird nun mit der Einzelberatung des Gesezentwurfes auch die Entscheidung über die Frage: Freie Wirtschaft oder Umlageverfahren bringen. Zahlreiche Anträge der bürgerlichen Parteien deuten darauf hin, daß die ohnedies außerordentlich unzulängliche Regierungsvors lage noch weiter verschlechtert werden soll, so daß ein Unterschied zwischen dem Umlageverfahren und der völlig freien Wirtschaft dann taum noch zu entdecken sein wird. Ist das aber der Fall, und ist das Umlageverfahren nur eine vers schleierte freie Wirtschaft mit allen Vorteilen für die Erzeu ger, aber allen Nachteilen für die Verbraucher, so werden auch die bürgerlichen Parteien allein die Verantwortung übernehmen müssen für die daraus entstehenden Folgen. Daß die Verbraucher dann schlechtes und teures Brot ers halten werden, daß ihre Lebenshaltung weiter ungemein herabgedrückt wird, daß zahlreiche Lohntämpfe, gewaltige Ers schütterungen des Wirtschaftslebens die Folge dieser Entwick lung sein müssen, das hat Genosse Serg gestern ganz ein brücklich dargelegt. Er war in der glücklichen Lage, seine mit der Verlesung einer Reihe von außerordentlich ingereffanten Dokumenten einleiten zu fönnen, die einwand fret zeigen, daß die Erzeuger und die Händler nicht geleitet sind von dem Wunsch, die deutsche Bevölkerung gut und billig Au versorgen, sondern nur von dem Wunsch, hohe Preise für ihre Erzeugnisse zu bekommen, und dabei selbst vor der Ausfuhr der im Inland benötigten Nahrungsmittel nicht zurückschrecken. In dem ersten Dokument, einem Schreiben des Reichsministers für Ernährung und Land wirtschaft vom 6. April d. J., heißt es: Hinsichtlich der Ein- und Ausfuhr von Getreide oder Erzeug nissen aus Getreide bin ich damit einverstanden, daß der Herr Delegierte des Reichstommiffars für Aus- und Einfuhrbewilligung in Königsberg probeweise ermächtigt wird, Cins und Ausfuhrs bewilligungen für fleine Mengen zu erteilen und den Uebers nahmeverzicht der Reichsgetreidestelle auszusprechen. Ich bemerke jedoch, daß in Memel und Danzig große Mengen auslän dischen Mehles sehr billig angeboten werden, so daß zu befürchten ist, daß sie nach Ostpreußen hereinkommen. Da dies jede Kontrolle im Inlande ausschließen würde, mache ich zur Bedingung, daß der Herr Delegierte der Reichsgetreidestelle und mir wöchentlich jeweilig abschließend mit dem letzten Arbeitstage der Woche genau geführte Listen über Menge und Art der Ein- bzw. Ausfuhr zugelassenen Waren einsendet. Ich bes halte mir vor, die Ermächtigungen zurückzuziehen, sobald die Eins oder Ausfuhr einen zu großen Umfang annehmen sollte. Das zweite Schriftstüd ist ein Schreiben des Reichsa getreidebureaus in Königsberg in Pr. vom 10. Juni d. J. an das Oberpräsidium in Königsberg. Es lautet: Wir besitzen das bortseitige Schreiben vom 9. 6. 21 nebst der uns damit übersandten Nachweisung des Delegierten des Reichstommissars für Aus- und Einfuhrbewilligung in OstpreuBen über im Mai 1921 erteilte Ausfuhrgenehmigungen für Saathülsenfrüchte, Getreide und Erzeugnisse daraus, reichen beide Schriftstüde anliegend zurüd und berichten dazu ergebenst, daß es nach unserem Dafürhalten im Widersinn steht, wenn auf der einen Seite das Reich bzw. die Reichsgetreidestelle sich bemüht, Auslandsweizen und Mais bei unserer niedrigen Währung zu hohen Preisen heranzuschaf fen, und auf der anderen Seite in einem Monate 835 210 Tonnen Erbsen, Peluschten, Saferfloden, Bohnen, Mais nebst den Pros dukten daraus nach dem Auslande, d. h. nach Schweden, Nors wegen, Dänemark, Litauen, dem Memelgebiet und Danzig auss geführt werden. Allein 678 510 Tonnen Hülsenfrüchte, in denen Ostpreußen zweifellos eine totale Mißernte bevorsteht, sind im Mlai egportiert. Fraglos gelangt ein großer Teil dieser Produkte in die Hände unserer zurzeit größten Feinde, der Polen, und wird von denselben zur Ernährung ihrer Armee benutzt. Deutschland stärkt also durch die Ausfuhrbewilligungen seine Feinde, besonders die Feinde Oberschlesiens, deren Winfür die Entrüstung der ganzen Welt hervorrust. -w Wir haben wiederholt Gelegenheit genommen, unsere Zentrale, die Reichsgetreidestelle Berlin, auf diese Zustände aufmerksam zu machen, und dieselbe hat sich auch bei dem Preußischen Staatstommissar dafür verwandt, soviel uns mitgeteilt wurde daß dem Delegierten des Reichskommissars für die Aus- und Einfuhrbewilligung in Ostpreußen die Befugnis zur Erteilung von Ausfuhrgenehmigungen für Getreide und Produkten daraus entzogen wird. Dieses Schreiben wurde gleichzeitig der Reichsgetreidestelle in Berlin übermittelt, und zwar mit einem Begleitschreibe a in dem gebeten wird ,,, die Angelegenheit ber Direktion wie derholt vortragen zu wollen und nicht früher zu ruhen, als bis endlich diesen unerhörten 3uständen ein Ende bereitet worden ist, da selbstverständlich, je mehr es beTannt wird, daß Ausfuhrgenehmigungen erteilt sind, um so mehr beantragt werden, da die hohen Auslandspreise, die Bisbee zur Untätigkeit verurteilte Kaufmannschaft in hohem Wage reizen." Daraufhin hat die Geschäftsabteilung der ReichsgetreideStelle der Verwaltungsabteilung am 14. Juni d. J. ein Schreiben gesandt, in dem es heißt: Wie aus dem Inhalt und aus der abschriftlich beigefügten AufStellung ersichtlich, werden aus Ostpreußen auf Grund der Ver= jügung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft IV/ I- 44 Schw. V 5754 vom 6. April 1921 an den Reichs Tommissar für Aus- und Einfuhrbewilligungen, Berlin, fort laufend landwirtschaftliche Produkte ins Ausland ausgeführt, welche anscheinend für die Ernährung der polni den Armee Verwendung finden. Hierzu fommt noch, daß die Provinz Ostpreußen laut Angabe des Königsberger Bureaus zweifellos eine totale Mizernte in Sülsenfrüchten zu erwarten hat, so daß die Provinz unter diesen 2mständen gerade in Hülsenfrüchten einen außerordentlichen Bes Darf haben dürfte. Unser Bureau Königsberg bittet uns, mit Schreiben vom 11. 6. dieses Jahres, alle Hebel in Bewegung zu sehen, damit diesen unerhörten Zuständen ein Ende bereitet wird." Der Reichsernährungsminister hat gestern zu diesen Dokumenten noch teine Stellung genommen. Aber selbst ohne diese Stellungnahme geht doch allein aus den Schriftstüden mit aller Deutlichkeit hervor, wie entscheidend der Profit und wie wenig Patriotismus und Vaterlandsliebe das Handeln der besitzenden Kreise bestimmen. Fahnenschießen im Chiemgau Die„ aufgelöste" Einwohnerwehr leistet den Kreuzschwur Drahtmeldung unseres Korrespondenten. München, 15 Juni. 募 Wie die bayrische Einwohnerwehr aufgelöst“ und„ entwaff net" wird, zeigt ein Bericht über die Fahnenweihe und Fahnenhießen in Prien am Chiemsee, der in der„ Chiemgau- Zeitung" vom 14. Juni veröffentlicht wird. In diesem Bericht heißt es: Am Donnerstag mittag Inatterten die Gewehre der Einwoh nezwehren luftig auf der Schießstätte in Brien. Es galt einen ernsten Wettbewerb für die besten Schießleistungen und die barauf gesetzten schönen Breise. In langen Zügen waren Ehrengäste erschienen, unter denen Exzellenz General der Artillerie Theodor von Bomhard, Landesschüßenmeister Lein deker, der Gauhauptmann Kanzler, der Fahnenhauptmann Keimling, und unter den liebreizenden Festjungfrauen die mutige Vorfämpferin für Deutschlands Wiederaufstieg, Miß Beveridge(!!). Besonders reizend war der jüngste Wehrmann, der 6jährige Heinz Braun, in flotter Gebirgstracht mit umgehängter, biumengeschmückter Flinte." Unter den Festrednern werden in dem Bericht genannt: Major Glasser, der Landesschüßenmeister Leindecker, welcher die Grüße des am Erscheinen verhinderten Landeshauptmannes Escherich überbrachte. Dann heißt es weiter: Herr Major Glasser brachte das Hoch auf Deutschland aus; vielhundertstimmig flang dasselbe durch den Waldestempel; Gewehre wurden wie zum Kreuzschwur erhoben, in Not und Tod dem Vaterland beizustehen. Es war gleich erhebend, wie vor fnapp einem halben Jahre in München, allerdings unter sehr geänderten Verhält nissen, die ängstliche Gemüter das Schlimmste befürchten lassen. Aber das Fest hat gezeigt, daß es gottlob auch noch Männer gibt, die allem kommenden entschlossen entgegenschauen. Es hat ge zeigt, welcher Geist innerhalb der Einwohnerwehren des Chiem gaues herrscht und daß alle jene auf Granit beißen werden, welche nunmehr ihre Zeit noch gekommen glauben sollten." Während des Einwohnerwehrschießens wurde auch ein Feld= altar aufgerichtet und dort eine Messe gelesen und eine Weih rede gehalten, die, wie es in dem Bericht heißt,„ von Vaterlandsliebe und Christentum durchbrungen war". Es zeigt sich auch hier wieder, daß die Mordwaffen in Bayern dicht neben dem Rosenkranz liegen. Die bayrische Einwohnerwehr soll aufgelöst und entwaffnet werden. Das Fahnenschießen im Chiemgau, die Reden, die dabei gehalten wurden und die geleisteten Schwüre zeigen mit aller Klarheit, daß die Auflösung und Entwaffnung nicht erfolgen wird, wenn die Reichsregierung der Kahrregierung gegenüber nicht endlich andere Seiten aufzieht. Es ist ein leerer Sput, wenn Kahr versichert, er habe den ehrlichen Willen zur Entwaffnung und dieser ehrliche Wille sei auch bei der Einwohnerwehr vorhanden. Das Ges genteil ist richtig. Kahr spielt mit den Interessen des deuts schen Volkes Schindluder. Er entpuppt sich immer mehr als ein gemeingefährlicher Schädling, dessen Macht unter allen Umständen gebrochen werden muß. Waffenlager in Schöneberg Das Rathaus mit der schwarz- weiß- roten Fahne Für das Verstedthalten von Waffen find schwere Strafen angedroht. Trotzdem werden noch immer Waffen verstedt gehalten, weil sich in Deutschland gewisse Kreise vor den Gesetzen nicht au fürchten brauchen. Wieweit die Waffenschiebungen gehen, dafür folgendes Beispiel: Der Betriebsrat der städtischen Arbeiter in Schöneberg hegte seit langem Berdacht, daß sich im neuen Schöneberger Rathaus ein Waffenlager befindet. Seine Nachforschungen führten jedoch lange Zeit zu feinem Ergebnis, da der Betriebsrat immer wieder auf Widerstände stieß. Nach langem Mühen ist es ihm schließlich doch gelungen, das Waffenlager ausfindig zu machen und dem Entwaffnungskommissar pflichtgemäß Anzeige zu erstatten. Es wurden beschlagnahmt: 9 schwere Maschinengewehrschlitten, eine große Anzahl Handfeuerwaffen, Gewehre, eine Menge vollständig abzugsfertiger Handgranaten, eine große Rifte mit Seitengewehren, etwa 1500 neue Stahlhelme, 500 neue Patronentaschen; anßerdem Stiefel, Denken, Bekleidungsstücke und jonstige Kriegsgeräte jowie 20 000 Suß scharfe Maschinengewehrmunition. In der Oeffentlichkeit wird man sich nun fragen, wieso ansgerechnet in einem Rathaus ein geheimes Waffenlager angelegt werden tann? Das Rathaus gehört einer Behörde, der genau bekannt sein muß, daß das Anlegen von geheimen Waffenlagern verboten ist. Und das fragliche Waffenlager tann doch nur angelegt worden sein mit Wissen höherer Rathausbeamter. Bielleicht ist es bei dieser Gelegenheit nicht unangebracht, darauf hinzuweisen, daß der Oberbürgermeister von Schöneberg, Herr Dr. Berndt, ein führendes Mitglied der Deutsch= nationalen Voltspartei ist, und es sogar für angebracht hielt, bei der Beerdigung der früheren Kaiserin auf dem Schöneberger Rathaus die schwarz- weiß- rote Flagge hissen zu laffen. Deutschnationale fümmern sich ja im allgemeinen, weder um das Entwaffnungsgesez, noch um die Verbote der Reichsregierung betreffend der Bildung bewaffneter Banden. So wurde erst am Sonnabend in Leipzig durch die Kriminalpolizei auf dem Parteibureau der Deutschnationalen Volkspartei ein ge= heimes Werbebureau für Oberschlesien ausgehoben und eine An zahl Offiziere verhaftet. Wir verlangen von der Entwaffnungsbehörde Auskunft, von welcher Seite das Waffenlager in Schöneberg angelegt worden ist und welche Schritte zur Bestrafung der Schuldigen unternommen werden sollen? Die Leipziger Urteile Thre Wirkung im Auslande Wie richtig wir die Wirkung der vom Reichsgericht geübten Schonung der Kriegsverbrecher, soweit sie zu den Trägern der Achselstücke oder zu den Anwärtern darauf gehörten, eingeschäzt haben, als wir im Anschluß an den Prozeß Ramdohr sagten, das Verhalten der Leipziger Richter werde eine Schädigung des deutschen Ansehens im Auslande bewirken, zeigt eine Meldung über folgenden Vorgang im englischen Unterhaus: Im Unterhaus fragte ein Abgeordneter an, wieviel Deutsche angetlagt feien, Lazarettschiffe verjenit zu haben. Fers ner, ob man in Anbetracht der Freisprechung des U- Boot- Kapitäns Neumann, der die„ Dover Castle" persentt habe, weil diese Tat auf höheren Befehl ausgeführt worden sei, die Liste der„ Kriegsverbrecher" abändern werde, um diejenigen Pers jonen anzuflagen, die derartige Befehle erlassen hätten. Der Generalstaatsanwalt antwortete, daß einige Anklagen wegen Versentung von Lazarettschiffen vorlägen. Die Entscheidungen des Leipziger Gerichtshofes zögen nicht den Verlust der Rechte der Alliierten nach sich, die ihnen der Friedensvertrag gäbe. Sobald die Prozesse vor dem Leipziger Gericht beendet seien, würden die Alliierten beschließen müssen, was zu tun sei." Ein Ausländer ist eben nicht imstande, sich vorzustellen, daß die Kasernenhofbestialitäten in Deutschland Duldung und Schuh erfahren fönnen. Die Folge der Leipziger Freisprüche wird sein, daß Deutschland neue schwere Sühne zu tragen bekommt, was das Bolt dann wiederum den Kriegsmachern und ihren richterlichen Beschütern verdankt. Aber abgesehen davon, daß das deutsche Bolt ein Interesse daran hat, daß der Friedensvertrag wirklich und ehrlich erfüllt wird, würde es außerdem bei allen Deutschen, die den Krieg nicht in gehobener Stellung mitgemacht haben, hohe Befrie digung hervorrufen, wenn unter dem Zwang des Friedensvertrages wenigstens einige von denen gerechter Strafe verfallen würden, die Angehörige des eigenen Voltes vier Jahre lang unter gemeinem, aber unter dem wundervollen deutschen Militärrecht unfaßbaren Mißbrauch der Dienstgewalt in der gleichen Weise geschuuden und geschabt haben. Die Produktionssabotage Stillegung der Zementindustrie in Rüdersdorf- Kalfberge Im Industriebezirk Rüdersdorf Kaltberge befinden sich seit dem 27. Mai die Handwerker der Firmen C. O. Wegener, Guthmann, Jeserich und Thyssen im Streit. Der vom Schlichtungsausschuß Groß- Berlin am 23. März gefällte Schiedsspruch, der die Lohnforderungen der Arbeiter mit Rücksicht auf die herrschende Notlage als berechtigt erkennt, wurde von den Firmen nicht anerkannt. Als die Arbeiter deshalb weiter im Streit beharrten, sperrten die Unternehmer die ganze Belegschaft aus und warfen über 2000 Arbeiter aufs Pflaster. Der Demobilmachungsausschuß hat die Verbindlich teitserklärung des Schiedsspruchs abgelehnt. Die Ausgleichs. verhandlungen im Reichsarbeitsministerium am 4. April wurden von den Unternehmern durch Nichterscheinen sabotiert. Sämtliche ausgesperrten Arbeiter sind inzwischen fristlos entlassen worden, die Betriebe wurden von den Unternehmern geschlossen und stillgelegt. Durch diese provokatorischen Maßnahmen der Unternehmer ist die gesamte Produktion der Rüdersdorfer 3ementindustrie lahmgelegt worden. Das geschieht zu einer Zeit, wo infolge der politischen Wirren in Oberschlesien Zementwerte stingelegt werden mußten, so daß die ausreichende Belieferung Ostdeutschlands mit 3ement in Frage gestellt wird. Die Unabhängige Frattion des Preußischen Landtages hat der preußischen Staatsregierung in einer Großen Anfrage diese Tatsachen mitgeteilt. Die Regierung wird um Austunft ersucht, was sie zu tun gedenkt, um der systematischen Sabotage der Produktion durch die Unternehmer entgegenzutreten. Neue Arbeitslosen- Aktionen Am Mittwoch gab es vor dem Gewerkschaftshause eine Wiederholung des Arbeitslosenauftritts der vergange nen Woche. Es zeigt sich mehr und mehr, daß es in dieser Weise einfach nicht mehr weiter gehen tann. Es ist aufs schlimmste zu verurteilen, daß sich diese Szenen häufen. Nach der Darstellung des„ Borwärts" und nach Informationen, die auch uns zuge gangen sind, wurde das Bureau des Bauarbeiterverbandes von den Arbeitslosen mit Gewalt und mit Hilfe von Dietrichen erbrochen. Der Genosse Hoppe, der von den Angestellten allein im Bureau anwesend war, wurde geprügelt. Die Arbeitslosen stellten die Forderung, der Bauarbeiterverband möge bis Donnerstag seinen Vertrag mit der Stadt Berlin zurückziehen. Wenn diese Forderung nicht erfüllt wird, soll am Donnerstag ein neuer Sturm auf das Bureau erfolgen. Mitglieder des Bauarbeiterverbandes waren an dem Vorgang nicht beteiligt. Die erschie nenen Arbeitslosen waren durchweg unorganisiert. Weiter wurde, nach der Darstellung des„ Vorwärts", aus dem Bureau der Berliner Gewerkschaftskommission der Vorsitzende Sabath, trotz seiner Weigerung, unter„ tatkräftiger" Ueberwindung seines Widerstandes über den Hof geschleppt, um ebenfalls in den Saal vor die versammelte Mannschaft gebracht zu werden. Gegen 3% Uhr erschienen Beamte der Sipo. Genosse Sabath wurde jetzt von einer Abordnung der Versammlung aus dem Saal hinausbegleitet, um auf ihren Beschluß den Führer der Sipo über die Harmlosigkeit der ganzen Geschichte zu unterrichten und für die Freilassung etwa Verhafteter einzutreten. Die Sipo entfernte sich, und die Versammlung tagte ungestört weiter. Es ist letzten Endes schon beinahe gleichgültig, um welchen Sachverhalt es sich handelte. Die Dinge werden an den Haaren herbeigezogen, um Konflikte zu konstruieren und der verhaßten Gewerkschaftsbureaukratie eins auszuwischen. Es lohnt, hierzu nachträglich zu bemerken, daß bei den ähnlichen Vorgängen, die sich am vorigen Freitag im Gewerkschaftshause abspielten, Schuhmacher, der ehemalige Bevollmächtigte des Schneiderverbandes, als Leiter des Unternehmens auftrat. Diesmal war er nicht beteiligt, und auch eine andere bekanntere Persönlichkeit war nicht sichtbar, aber an diesem Merkmal ist doch zu erkennen, von welcher Seite die Heye getrieben wird, bie zu solchen Egzessen führt. Bon anderer Seite wird uns noch dazu geschrieben: Der Höhe: puntt des Unternehmens" wurde durch die Abschleppung" bes Genossen Sabath erreicht. Haut doch den Ollen in die Fresse" und andere schöne Redeblüten feuerten die Träger" an, etwas unsanfter nachzuhelfen. Von vielen zufällig" anavesenden Zeugen dieser Attion wurde der Wunsch nach Selbsthilfe gegen solche empörende Handlung laut geäußert. Wohl alla Zeugen sind zu der Ueberzeugung gekommen, daß nur Gelbe, Pro vokatenre oder Gesindel sich so bewegen können. Einige alte Kol legen behaupteten: Ju diesem Haufen besindet sich nicht ein orgas nifierter Arbeiter. Nene drohende Lohntonslitte in England. Neue Lohnfürzungen stehen in mehreren englischen Industriezweigen bevor und drohen neue schwere Konflikte hervorzurufen, da die Arbeiter sich den Lohnreduktionen widersehen werden. Die Londoner Straßen bahngesellschaften, die über 50 000 Arbeiter beschäftigen, wollen die Löhne um fünf Schilling pro Woche türzen. Der Lohm der Gasarbeiter soll um sechs Schilling neun Pence gekürzt werden. Schließlich will der Verband der Großpächtet die Löhne der landwirtschaftlichen Arbeiter ebenfalls erheblich herabsetzen. Tschechoslowakisch- rumänisches Abkommen gegen Ungarn. 3wi schen der Tschechoslowakei und Rumänien ist ein Abkommen ab geschlossen worden, in dem die beiden Staaten sich gegensei fige Hilfe zusichern für den Fall eines unprovozierten Angriffs durch Ungarn. Deutscher Reichstag Abänderung des Wehrgesetzes Auf Verlangen der Interalliierten Kommission mußte im Wehr gesetz ausdrüalich ausgesprochen werden, daß die 4000 Offiziera des Heeres in den 100 000 Mann eingeschlossen sind, weiter, daß Mannschaften nicht auf Probe angenommen werden und jährlich von der Höchststärke nicht mehr als 5 Prozent entlassen werden dürfen. Der vorliegende Gesezentwurf regelt diese Forderungen. Das Gesetz wird in allen drei Lesungen ohne Debatte ange nommen. Regelung des Verkehrs mit Getreide Abg. Bornefeld( 3entr.): Nur die freie Wirtschaft tann uns Besserung sowohl in der Quantität als in der Qualität der Ers nährungsverhältnisse bringen. Abg. Dusche( DWp.): Ich glaube, daß die Geduld der Bauers auch vielleicht einmal ein Ende nehmen wird. Bei der Zwangs wirtschaft glaubte man vielleicht etwas erreicht zu haben, wenn man mit möglichst großen Zahlen, die man erfassen wollte, auf wartete. Nachher aber stellte sich regelmäßig etwas anderes her aus. Die Interessen zwischen Landwirtschaft und landwirtschaft lichen Arbeitern sind dieselben. Nur durch Ihre perhehende Tätigteit( nach lints) wird etwas anderes hineingetragen Sehr angebracht ist es, Ihnen, die Sie das Ultimatum angenom men haben, zu empfehlen, den Arbeitern einmal die Meinung beizubringen, daß sie entweder länger arbeiten müssen, ober aber, ihre bisherige Lebenshaltung herunterzuschrauben. Abg. Dr. Herk( U. S. P.): Redner gibt zunächst den Inhalt der im Leitartikel abgebrudten Dotumente bekannt, wobei seine tritischen Bemerkungen große Unruhe bei den Rechtsparteien hervorrufen. Der Redner führ sodann fort: Diese Tatsachen beweisen einerseits, was der Reichs ernährungsminister unter geringen Mengen" bei der Ausfuhr ver steht, sie beweisen andererseits, daß es bei der Landwirtschaft, leib dem sie aus dem Widerstand gegen die Geseze sich ein Recht ge macht hat, teine Gesetzesautorität mehr für sie gibt und daß der Appell an das vaterländische Pflichtgefühl der Landwirtschaft oder der Hinweis auf die Pflichten gegen den Rebenmenschen läng ihre Wirksamkeit verloren haben. Wenn die Ernte feit 1918 um mehr als 20 Prozent zurückgegangen ist, so steht dem doch gegenüber ein Ablieferungsrüdgang Don mehr als 75 Prozent. Das ist der Ausdruck des auch in der Land Bid wirtschaft herrschenden mammonistisch- egoistischen Geistes. anders war das Verhalten der Arbeiter. Man hat ihnen de Dant vor aller Welt aussprechen müssen. Eine ganze Reihe p Regierungsstellen find nacheinander in diesem Sinne aufgetret renbach, Simons und alle anderen haben immer wieder et flären müssen, daß in der Erfüllung des Spaa- Abkommens de Arbeitern Dant gebühre. In den Reden des Reichsministers Hermes tehrt immer wieder die Mahnung zur Pflichterfüllung an die Landwirtschaft. In der Landwirtschaft aber hat dieser Appell nur Sohn hervorgerufen. Der organisierte Widerstand der Landwirtschaft ist zu einem e heblichen Teil daran schuld, daß die Ernährungsmisere einen f fatastrophalen Umfang angenommen hat. Wenn wir die Staats gewalt zum Eingreifen aufgefordert haben, so nicht, um tapitali stische Gesetze aus der Welt zu schaffen, sondern um gleiches Recht für alle herzustellen. Von Ihnen wird behauptet, der Zwang set hemmend und unangenehm. Das gilt aber nicht nur fülz den 3wang, der bei der Bewirtschaftung für Getreide besteht. Das gilt auch für die Steuergesetzgebung. Ich habe mich deshalb feineswegs gewundert, als ich dieser Tage in einem Salzwedeles Blatt las, daß 19 Landwirte, fast sämtlich Angehörige der Deutschnationalen Partei, insgesamt mit 1331 000 Mart in Strafe genommen wurden. Es sind auch zwei deutschnationale Kreistagsabgeordnete dabei. Ich will teinen Namen nennen. Die Herren tun da auch nur, was in ihren Kreisen gang und gäbe ist. Weitere Strafverfahren sind eingeleitet. Es kann alfo noch für verschiedene Leute allerhand unangenehmes dabei her austommen. Der Abg. von Braun sprach von dem jüdischen Geist, der sich in der Reichsregierung breit mache. Es ist aber inter essant, daß auch die meisten dieser Steuerhinterzieher sehr gute Antisemiten sind, sich aber durchaus nicht scheuten, ihre Gelder bei einem jüdischen Bantier zu hinterlegen. Wenn Reichsminister Hermes aus dem Widerstand einzelner Kreise gegen Gesetze auf die Notwendigkeit der Aufhebung der Gesetze schließt, so heißt das doch, den Widerstand gegen Gesetze geradezu herausfordern. Die Regelung der Getreideversorgung ist keine Ernährungsfrage allein. Sie ist der erfte Schritt in der Wirtschaftspolitik nach Annahme des Ultimatums. Wir sind nicht mehr frei in der Gestaltung unserer Wirtschafts politit. Der Beschluß auf Erfüllung des Ultimatums legt Ber pflichtungen auf. Wir müssen diese Frage im Zusammenhang mit der Frage der Einfuhrmöglichkeit und mancher anderer Fras gen behandeln. Die Reichsregierung muß Rede und Antwort ſtehen. Das Umlageverfahren und die Wirkung, die es ausübt, hängt zu einem großen Teil von der Stellungnahme ab, die die Lands wirtschaft dazu einnimmt. Im Anfang dieses Jahres, als die Landwirtschaft dafür eintrat, war vielleicht noch die Zeit dafür Aber inzwischen haben sich die Dinge geändert. Als am 29. Jas nuar der jetzige Reichswirtschaftsminister Schmidt behauptete, daß die Landwirte die freie Wirtschaft herbeiführen wollen, hat der Abg. Dusche ganz energisch dazwischen gerufen, daß das nicht zutreffe. Gewiß betrachten Sie alle das Umlageverfahren nur als das Aushängeschild und erwarten binnen kurzem die freie Wirtschaft. Daß die Preisfrage für die Landwirtschaft die Hauptrolle spielt und nicht die Form der Ablieferung, ob freie Wirtschaft oder Um lageverfahren, liegt doch wohl offen zutage. Die Wirkung wie die Absicht ist die, nur für einen kleinen Teil der Erträgnisse die von der Behörde festgesetzten Preise sich gefallen zu lassen, fiz die anderen Erträgnisse aber möglichst hohe, unter Umständen über die Weltmarktpreise hinausgehende Breise zu erringen. Bot einem halben Jahr vertrat die Reichsregierung den Standpunkt es dürfe teine Aenderung eintreten, da eine vollständige Erfassung der Inlandsernte zu ermöglichen ist. Das Umlageverfahren ist aber ein sehr großer Schritt zur Beseitigung aller Zwangswirts schaft. Von hier bis zu deren vollständigen Aufhebung ist nut noch eine fleine Spanne. Glaubt irgendjemand, daß bei einer Bewirtschaftungsform, in der zweierlei Getreide nebeneinander besteht, der Schleichhande R tegendwie einfhränken laffen wird? Die Gefahren des Um lagesystems berechtigen zu der Behauptung, daß dies Verfahren gleichfommt einer neuen Hungerblodade. Die Umlage wird bei der Abficht der Landwirtschaft, fich der Ab lieferung nach Kräften zu entziehen, im wesentlichen nur auf dem Papier stehen, es ist deshalb völlig wertles. Der Antrag, das Ablieferungssoll von 3 Millionen auf 2,5 Millionen herabzumindern, ist höchst bezeichnend. Der Beschluß der Festsetzung eines Ablieferungssolls von 3 Millionen ist nur zustandegekommen mit Hilfe der zwei Zentrumsvertreter im Ausschuß, die aus den Kreisen der Arbeiter stammen. Wenn jetzt von dem Zentrum ein solcher Antrag auf Herabminderung eingeht, so zeigt das, daß die agrarische Richtung wieder die Oberhand hat. Ob freie Wirtschaft oder Zwangswirtschaft, ist für uns teine Frage des Prinzips, sondern lediglich eine Frage der Zweckmäßigkeit. Ich habe keinen Zweifel, daß es in der Absicht des Herrn Abgeord neten von Braum und seiner Freunde liegt, den sieben Jahren 3wangsjade" fieben fette Jahre folgen lassen zu wollen. wird nicht sehr lange dauern und an Stelle des Rufes nach der freien Wirtschaft wird Es der Ruf nach der Schließung der Grenzen treten. Der Herr v. Wangenheim hat am 7. Juni einen Artikel in der Deutschen Tageszeitung" damit geschlossen, rechtzeitig das für zu sorgen, daß der Landwirtschaft der Schutz gegen das Ausland zuteil werde. Wir werden also sehr bald erleben, daß aus den Anhängern der freien Wirtschaft Anhänger der Schließung der Grenzen werden. Und das ist nicht nur beim Getreide der Fall. Der Fleischhandel ist frei, aber da ist man bereits mit der Forderung aufgetreten, nicht freien Handel, sondern 3u lüsse vom Reich. Freier Handel also immer nur solange, als sich durch eine Alenderung des Systems nicht höhere Preise erzielen lassen. Wir sind nach reiflicher Prüfung zu der Entscheidung gekommen, daß im gegenwärtigen Augenblid an der Zwangswirtschaft fest gehalten werden muß. Wenn aber über die Umlage überhaupt gesprochen wird, muß man auch über den Preis des Umlagegetreides reden. Wir haben beantragt, den Preis in Höhe der Produktions. foften festzusetzen. Auch über die Höhe des Brotpreises muß Klars heit geschaffen werden. Immer mehr gleichen sich die Preise den Weltmarttspreisen an. Es muß Borforge getroffen werden, daß diese Ausgleichung nicht ausschließlich zu Lasten der Lohnund Gehaltsempfänger erfolgt. Den Ausweg zeigt unser Antrag. Er will gesetzlichen Schuh für die Lohn- und Gehaltsempfänger gegen die Minderung des Reallohnes. Außerdem Erfassung der Mehrgewinne, die aus der Ausgleichung an die Weltmarktpreise entstehen. Wer nicht will, daß sich immer weitere Kreise der Be nölkerung an der Not der Lohn- und Gehaltsempfänger bereichern, der muß unserem Antrage zustimmen.( Lebhafter Beifall bei den U. E. P.) Abg. Dr. Böhme( Dem.): Obwohl wir die Besorgnisse der Res gierung durchaus teilen, werden wir doch für die freie Wirts schaft stimmen. Die ungeheuren Lasten des Ultimatums machen dauernde Aufwendungen für die Getreideeinfuhr unmöglich. Diesen Import herabzudrücken, ist einfach eine Lebensfrage des deutschen Voltes. Eine Steigerung der Preise bei der freien Wirtschaft ist unbedenklich, weil die Steigerungen nicht ungesund find. Bizepräsident Dittmann( U. Soz.) schlägt vor, die Beratung abzubrechen und noch einige tleine Vorlagen zu erledigen. Nach längerer Geschäftsordnungsdebatte beschließt das Haus, zunächst die kleinen Vorlagen zu erledigen und dann die Aussprache über die Getreidewirtschaft fortzusehen. Der Gesetzentwurf über die Vergütung von Leistungen für die bewaffnete deutsche Macht geht an den Haushaltsausschuß. Das Haus vertagt sich auf Donnerstag, 2 Uhr: Strafverfahren gegen Abgeordnete. Rest von heute. Preußischer Landtag Die Klassenjustiz auf der Anklagebant 28. Sigung, Mittwoch, den 15. Juni Zunächst wird die Aufhebung des Strafverfahrens wegen Be lefdigung gegen die Abgg. Rabold( U. Soz.), Buchhorn ( D. Bp.) und Frau Ege( Soz.) beschlossen. Der Antrag des Abg. Siering( Soz.) auf Vorlegung der Ausführungsbestim mungen zum Boltsschullehrerdiensteinkommensgesetz wird eben falls ohne Aussprache angenommen. Danach folgt die 2. Beratung des Haushalt der Justizverwaltung Juftizminister Am Zehnhof: Der soziale Gedante muß in 3ufunft auch in der Justiz noch mehr zum Ausdrud tommen. Die Frage betr. die Angliederung der Kaufmanns- und Gewerbe gerichte an die Amtsgerichte ist noch unentschieden. Hinsichtlich des materiellen Strafrechtes liegt der Entwurf eines neuen Straf gesetzbuches vor. Algemein hält man das alte Strafgesehbuch für veraltet. Die Abänderung der Strafen für Forstdieb tähle war besonders dringlich, weil das alte Forstdiebstahlgefeh sehr dratonische Maßregeln enthielt. Durch die Abänderung und Milderung der Strafen kann der Richter auf die Verhältnisse der kleinen Leute und auf die Not der Zeit Rüdficht nehmen. Freiheitsstrafen sollen, wenn sie 1 Monat nicht übersteigen, durch Geldstrafen ersetzt werden. Zur Förderung des Ausbaues der Jugendgerichte soll die Strafmündigkeit bon 12 auf 14 Jahre heraufgesetzt werden. An Stelle von Straf maßregeln sollen Erziehungsmaßregeln angewandt werden. Die Angliederung der Jugendgerichte an das Vormund schaftsgericht ist unbedingt notwendig. Das Reichsgejek, dah Frauen zum Geschworenens und Schöffenamte herangezogen wers Den können, liegt dem Reiche vor und wird demnächst erledigt werden. Eine Erhöhung der Tagegelder für die Schöffen und Geschworenen ist erforderlich. Sinsichtlich der Verfahren in Gnadenfachen, ist eine Begnadigung nur dann ausgeschloffen, wenn Gnadenrichter und Staatsanwalt sich dagegen aussprechen. Bei einem einseitigen Antrage hat darüber das Juftizministerium zu entscheiden. Der Gnadenrichter soll die wirtschaftlichen und familiären Verhältnisse des Verurteilten berücksichtigen, nicht dagegen in eine Erörterung des Verfahrens eintreten, also eine Art obere Instanz bilden. In Fällen, in denen auf eine Freiheitsstrafe Don nur 6 Monaten erkannt worden ist, soll die Vollstreckung ers forderlichenfalls ausbleiben. Von der Untersuchungshaft soll nur dann Gebrauch gemacht werden, wenn auf sie nach Lage des Falls unter feinen Umständen verzichtet werden kann. Die Behaup tung, die Richter entsprächen in ihren Urteilen nicht den Anfor derungen der veränderten Verhältnisse, ist nicht stichhaltig. Die Schuld an Fehlsprüchen liegt in den meisten Fällen nur an dem engen Rahmen des Gesetzes für die Strafzumessung. Abg. Heilmann( Soz.): Die Beratung wurde leider so rasch angesetzt, daß viele Einzelfälle, die im Ausschuß zur Sprache tamen, nicht völlig klargestellt werden konnten. Für heute wollen wir es begrüßen, daß man überhaupt den Gedanten hat, in der Justiz zu reformieren. Nur sind wir etwas ungeduldig. Es sind bereits einige Jahre seit der Revolution ins Land gegangen, aber man verspürt noch nichts von dem neuen Geist in der Rechtspflege. Beim Strafrecht liegen die Dinge besonders im argen. Sonber gerichte und Ausnahmegerichte beschäftigen in einem fort die Ge müter. Aus dem Wirrwarr der Sondergerichte findet man sich liberhaupt nicht mehr heraus. Sie denn die gefährden die Rechtssicherheit; Gefährdung der öffentlichen Ordnung, auf die sie ihre Berechtigung gründen, ist längst vorüber. Ferner machen sich vor den Sondergerichten bezüglich ihrer Verfassungsmäßigkeit die schwer fen Mitteldeutschland mit ihrer Strafjustiz mehr Menschenleben zugrunde gerichtet, als der Aufland geloftet hat. Gewiß, es Find schwere Verbrechen begangen worden. Aber die 2500 Jahre Zuchthaus gehen weit über den Schaden hinaus, der angerichtet wurde. Man hat doch auch nicht bei dem Kapp Putsch jeden einzelnen Soldaten wegen Hochverrats bestraft. Bei der Roten Armee aber deduziert man so: du warst dabei, und deshalb bist du für alles verantwortlich. Wohl hast du persönlich kein Verbrechen begangen, aber du warst bei dem Haufen, und deswegen mußt du als Hoch Derräter bestraft werden. Wir verlangen von der Regierung Stegerwald, daß sie schleunigst auf die Nachprüfung der Urteile durch das Reichsjustizministerium bringt, damit der Wille zur Begnadigung unverzüglich in die Tat umgesetzt wird. Oder glaubt die Regierung Stegerwald, mit den 2500 Jahren Zuchthaus die nationale Einheit, die Stegerwald so sehr ersehnt, zu fördern? Der Wahnsinn der Klassenjustiz spaltet doch das Bolt erst recht in die zwei Nationen, zerstört die Einheit.( Große Unruhe.) Gegenüber den Kappisten haben die preußischen Straf verfolgungsbehörden ihre Schuldigkeit nicht getan, wie sie diese Schuldigkeit niemals tun gegenüber Leuten, die auf der äußersten Rechten zur Gewalt auffordern. Wie steht es im Fall Lebius und überall dort, wo Mitglieder des Bundes Neues Vaterland mit Ermordung bedroht wurden? Wie steht es bei dem Prozeß gegen die Angehörigen des Freitorps Aulock? Die Offiziere wurden geschont, die Mannschaften bestraft; jetzt hat das Reichsgericht auch die verurteilten Aulod Mannschaften amnestiert, obwohl sie sich eines ganz gewöhnlichen Roheits. deliftes schuldig gemacht haben. Ich erinnere weiter an die un. gleiche Behandlung der Zeitungen. Die„ Rote Fahne" wird fast täglich beschlagnahmt, die Rechtsblätter dagegen, die in der schamlosesten, ordinärsten Weise hehen, bleiben uns geschoren. " Und nun noch eine Reihe von kleinen Fällen. Da ist ein Landarbeiter, der wegen Beleidigung seines Arbeitgebers durch Auss brüde wie hungriger Hund" und Schweinehund" schwer verurs teilt wird, da ist auf der anderen Seite Herr v. Wansdorf, der seine Angestellten ebenso beschimpft und gegen den der Staatsanwalt nicht einjchreitet, sondern auf den Weg der Privatflage verweist. Man höre! Die Straftammer in Kreuzburg sagt in ihrem Urteil, der Ausdruck„ Stintiger Kert" jei feine Beleidi gung. Der Grundbesizer habe sich nur voltstümlich ausgedrückt, um die beabsichtigte Wirkung zu erzielen.( Stürmische Heiterkeit.) Auch der Ausdruck„ Heher" jei von Herrn v. Wanss dorf nur gebraucht worden, weil die Landbevölkerung das Fremds wort„ Agitator" nicht verstehe.( Schallendes Gelächter.) Ein an berer fleiner Fall! Das Amtsgericht Bentheim verkündet seine Urteile noch immer Im Namen des Königs". Das gleiche Gericht verurteilte wegen Schmuggelverdacht einen Arbeiter zu hoher Geldstrafe, dagegen der vornehme Graf, der einen Brillantenschmuc von Millionenwert der Grenzkontrolle entzog, wurde freigespro chen mit der famosen Begründung, er habe das Schmudstück nicht ins Ausland verschieben, sondern nur seiner Frau zu einer Hof festlichkeit nach Doorn bringen wollen. Abg. Oppenhoff( 3entr.): Das Urteil der Sozialdemokratie über unsere Rechtspflege und unsere Richter ist falsch und unbegründet. Die Kenntnisse der Arbeitersekretäre reichen für einen Bollrichter nicht aus. Abg. Dr. Deerberg( Dn.): Es ist doch ein seltsamer Widerspruch daß heute diejenigen sich als Hüter des Rechts aufspielen, die sich durch einen unerhörten Rechtsbruch in den Besiz der Macht gesetzt haben. Es ist ein Kampf um die Macht, nicht um das Recht. Der Richterstand hat sein Rüdgrat gerade am 9. November bewiesen. Er ging nicht sofort in das Lager der Sozialdemokratie. Wir find für die Mitwirkung der Frau in der Rechtspflege als Laienrichterinnen.( 3uruf von Frau Ege( Soz.): Auf einmal! Heiterkeit.) Wenn unserem Bolte die Religion erhalten wird, werden die Richter weniger Arbeit haben. Donnerstag 12 Uhr: Weiterberatung des Justiz- Haushalts; Kleine Vorlagen. Schluß 5% Uhr. Der Prozeß gegen Mar Hölz Nach Eröffnung der Sigung durch Landgerichtsrat Braun wird nach Aufruf der Zeugen in der Beweisaufnahme fortgefahren. In den beiden Antlagepunkten Gefangenenbefreiung und Sprengung des Amtsgerichtsgebäudes in Mansfeld, gibt Hölz zu, den Befehl zur Sprengung und Deffnung des Gefängnisses gegeben zu haben. Dagegen bestreite er bei der Sprengung selbst zugegen gewefen zu fein. Er habe lediglich den Wünschen der revolutionären Arbetter stattgegeben, welche die Befreiung der Sträflinge verlang ten. Wenn hier ein Zeuge behauptet so erklärt Sölz weiter daß er mich bei der Sprengung gesehen habe, so ist das Beweis dafür, wie leichtfertig die Zengen find, die Sie im gekauft haben. Borf:( energisch): Wir haben teine Zengen getauft. Ich verbiete mir solche Ausdrüde. Der Vorsitzende hält dem Angeklagten vor, daß er wiederholt von ihm verhaftete Personen geohrfeigt habe, u. a. den Pastor Neumeister. Hölz: Das ist richtig. Ich habe seinerzeit ben Befehl gegeben, daß, nachdem das proletarische Standrecht von mir verkündet worden war, jeder, der die Waffen nicht abgebe, sofort erschossen werden sollte. Ich habe natürlich nicht die Absicht gehabt, diesen Befehl auszuführen, ich habe aber fürchten müssen, daß Leute, die gegen den Befehl verstoßen hatten, von den revolu tionären Arbeitern mißhandelt würden, und deshalb habe ich den Leuten, wenn sie mir vorgeführt wurden, felbst ein paar Ohrfeigen gegeben. Hölz gibt auch zu, die Villa des Generalarztes Dr. Evers ge= Sprengt zu haben. Die Sprengung sollte das Signal zum allge meinen Angriff sein, da die Sipo sich auf 2 oder 3 Gebäude vers teilt hatte. Mir war mitgeteilt worden, daß Dr. Evers Führer ber Orgesch sei und in seiner Villa ein Waffen- und Muni tionslager verberge. Auf Grund dieser Angaben habe ich nicht gezaubert, den Befehl zur Sprengung zu geben. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er wiederholt Ber fonen als Geifeln festgenommen und verschleppt habe, erwidert Hölz: Jawohl, ich habe wiederholt den Befehl gegeben, alle er reichbaren Personen als Geiseln festzunehmen, hauptsächlich natürlich Angehörige der besitzenden Klassen, da von denen auch gleich zeitig Geld zu erlangen war. Bors.: Was haben Sie mit den Geiseln gemacht?- Hölz: Sie find sofort, nachdem ich sie verhört hatte, nach einem Lastauto gebracht worden. Bors: Sie sollen ihnen aber auch gedroht haben, sie erschießen zu lassen, wenn sie nicht in einer bestimmten Zeit eine bestimmte Summe Geld zur Stelle schaffen würden. Hölz: Jawohl, das habe ich gejagt.Bor: Sie haben auf diese Weise von dem Bostdirettor Wendel allein 117 000 Mart erpreẞt? Sölz: Jawohl. Ich brauchte das Geld zur Löhnung. Für uns Führer haben wir nichts zurüc behalten. Dann wird der gestern vernommene Zeuge Beyer noch einmal norgerufen, da die Verteidigung noch nähere Auskunft über dessen Bestreiten seiner Absicht, Hölz zu ermorden, wünscht. Der Zeuge bestreitet, eine solche Absicht geäußert zu haben. Er habe nur gebeten, ihm einige Sipo- Leute mitzugeben, dann würde er schon bald Ruhe und Ordnung schaffen. Angeklagter: Das ist ja Unsinn was der Mann sagt! Wie sollte der Mann mit 10 Leuten Ruhe und Ordnung schaffen? Wir waren hunderte von Leuten und daraus ergibt sich schon, daß er einen Meuchelmord im Auge hatte. Es kommt im Anschluß hieran zu einer furchtbar erregten Szene. Auf Einwürfe des Angeklagten ruft der Zeuge mit lauter, vor Zorn bebender Stimme: Der Lanseterl hätte nur allein in meinen Raum tommen sollen, ohne feine bewaffneten Leute, dann hätte ich ihm schon gezeigt, was er wert ist!( Mit verzweifeltem Händeringen und fast schluchzend): Der Kerl hat meine Familie_in Grund und Boden gerichtet! Vorstzender: Zeuge, Sie müssen Ihre Ruhe bewahren! 3euge( immer lauter und erregter): Diefer feige Sund! Daß ein alter deutscher Soldat fich von einem solchen Kerl, solchem Lump beleidigen laffen muß, ist doch entsehlich. Der Zeuge macht Miene, sich auf Hölz zu liezen, ringt die Hände und kann nur durch zwei hinzueilende Sipo- Männer von einem Angriff auf Hölz zurückgehalten Söz: Dem werden, die ihn zur Zeugenbant zurüdführen, Manne ift gar nichts geschehen, auch hat er gar teinen Verlust en litten. Es ist merkwürdig, daß gerade die Leute, die am wenig ften zu leiden gehabt haben, Dinge hier zur Sprache bringen die gar nicht passiert sind. Das zeigt nur am besten, daß solche Leute gekauft find. Justizrat Broh: Das wollen wir von biefem Zeugen nicht fagen, aber er ist offenbar ein Psychopath und ich beantrage, seine Frau als Zeugin vorzuladen und ihn auf seinen Geifteszustand zu untersuchen. Rechtsanwalt 5 e ges Heges wisch schließt sich diesem Antrage an. Angeklagter: Dem Zeugen ist nichts weiter geschehen, als daß ich ihn geschlagen habe, aber nicht mit der Pistole, wie er behauptet, sondern ich habe ihn mit der Hand ein Paar Ohrfeigen gegeben. Ich hätte ihn nach dem mir zustehenden Recht erschießen lassen fönnen, weil er Maffen nicht abgeliefert hatte. Ich habe nicht geschossen, noch viel weniger auf seine unschuldigen Kinder. Wenn ich hätte schießen wollen, hätte ich auf ihn selbst geschossen. Höl wird hier elegisch und erklärt mit fast weinerlicher Stimme: Jch, der ich eine so schwere Kinderzeit durchgemacht habe, soll auf unschuldige Kinder schießen? Der Angeklagte zitiert einen auf die Kinder bezüglichen Bers und erlärt: Das ist ja ein eminenter Wahnsinn! Ich habe dem Zeugen gegenüber nur meine Pflicht getan! Rechtsanwalt Hegewisch( aum 3eugen): Haben Sie nicht gestern zu einem Manne geäußert:„ Wenn Hölz nicht zum Tode verurteilt wird, dann muß der Staatsanwalt Jaeger dran glauben?" Der Zeuge: Ach, das ist ja alles Unsinn! Verteidiger behält sich vor, darauf zurückzukommen. Justiz- Obersekretär Benede berichtet gleichfalls über die vors genommenen Sprengungen und die dadurch verursachten Material Schäden. Sehr ausführlich und anschaulich erzählt der Prediger Neumeister aus Wimmelburg, der als Geisel weggeschleppt word den ist, seine Erlebnisse. Der Zeuge, der mit Dr. Evers, dessen Grau und zahlreichen anderen Geiseln verhaftet war, sagt aus, daß Hölz den Befehl ausgegeben habe, der Sipo mitzuteilen, daß das Leben der Geiseln von dem Leben der in Eisleben verhaftes ten Rommunisten abhänge. Zu uns hatte Hölz gesagt: In Ets leben ist die Frau des Rebatteurs Schneider verhaftet. Wird Sie ermordet, dann werden auch alle Gefangenen erschossen." Au vielen Umwegen sind die Gefangenen auf einem Lastwagen, der einem Auto mit Munition angehängt war, meggebracht worden. Bet Lauchstedt tam die Schupo, und unser Wagen wurde befreit Bors: Dabei wurden Bastor Schneider und Pastor Müller von seiten der Schupo erschossen. Beuge: Baston Müller war in Lauchftedt in vollem Ornat auf dem Wege zuz Kirche verhaftet worden. Als die Schupo anrüdte, spranger die Kommunisten rom Wagen und warfen sich in den Graben. Unser Wagen diente ihnen zwischen sich und der Schupo als Deckung. Pastor Müller jant mit zwei Schüssen in Bruft und Kopf zusammen. Uns mar streng verboten, den Wagen zu verlassen. Angeklagter Hölz erklärt zu den Aussagen des Zeugen, daß damit nur eine Bedrohung beabsichtigt gewesen sei, damit Ernst zu machen, hätte niemand beabsichtigt. Er habe im Gegenteil Anweisung gegeben, den Wagen mit der Geiseln nach hinten zu bringen, als er von einem württembergi schen Banzerzug beschossen wurde. Zeuge Bergmann Mehroth befundet, daß er von den Hölzschen Leuten geschlagen und mit Fußtritten bearbeitet worden sei, als er sich weigerte, in die Rote Armee einzutreten. Generalarzt Dr. Evers- Eisleben schildert ebenfalls sehr aus führlich seine Erlebnisse am 25. März. Gleich nach dem Erscheinen von 551z in des Beugen Billa und seiner und seiner Familie Verhaftung erfolgte eine furchtbare Detonation, das Krantenhaus bebte, trog seiner festen Mauern in den Grundfesten, und sämt liche nach der gesprengten Billa gelegenen Fenster waren geplatzt. Geraume Zeit später bemerkte 3euge, daß in einem Borderzim mer seiner Villa ein fladerndes Feuer brannte, welches offenbar nachträglich angezündet war. Am späten Abend wurde Zeuge von einem Bewaffneten nach dem Krantenhause gebracht, wo ihm Max Hölz entgegentrat. Hier sah Zeuge, daß dieser nicht derfelbe war, wie der Mann, der sich zuerst als Max Hölz auss gegeben hatte. Auf meine Frage, so fährt Zeuge fort, wer nun eigentlich der richtige May Hölz sei, erklärte der zweite Manna „ Ich bin Max Hölz. Der andere ist mein Adjutant, Franz Schneider. Was der tut, ist so gut, als wenn ich es selbst tue. Er tann fi deshalb auch Mlag Hölz nennen." Ich mußte nun immer unter der Drohung, sofort erschossen zu werden, und angesichts der drohenden Bistolenmündungen, verse tedene Aufträge ausfüh ren, wobei ich stets barsch angeschnauzt wurde. Am nächsten Morgen tam ich zu dem Entschluß, mich unsichtbar zu machen, da ich damit rechnen mußte, von Hölz als Geifel verschleppt 3 werden. Ich setzte mich mit meiner Frau auf die Fahrrräder und fuhr los. Unterwegs hatte ich das Bech, wieber Hölz in die Arme zu laufen. Wir wurden beide für verhaftet erflärt und in ein Zimmer gesperrt, wo Hölz in barschem Tone mir zurief: Taschen auf!" Hölz durchsuchte alles und gab mir, da er nichts Berdächtiges fand, alles wieder zurüd. Später verlangte Hölz nun 500000 Mart von mir, anderenfalls ich erschossen würde. Als meine Frau Einwendungen machte, fuhr sie Hölz an: Maut halten! Mit Frauenzimmern haben wir nichts zu schaffen, die tönnen sich einen Strid fanfen oder ins Wasser wpringen!" Borsigender: Welchen Schaden haben Sie durch die Sprengung der Villa erlitten?-3enge: Meine gesamte Sabe is pollkommen vernichtet worden. Ich fand nur noch einen Schutt haufen verbrannten Gerümpels, nicht ein Stück ist gerettef worden. Der Gesamtschaden beläuft sich auf über 500000 M. Postdirektor Wendel aus Sangerhausen schildert, wie das dortige Postamt von den kommunistischen Räuberbanden aus geplündert worden war. Hier wurden ca. 70 000 Mart gea raubt. Der Zeuge, Bolizeiinspettor I approgge ichilbert ebenfalls seine Erlebnisse als Geisel und verneint eine Frage des Borsigenden, ob er persönlich von Hölz mißhandelt worden ist. Mit erhöhter Stimme erwähnt der Zeuge, daß ihm fein Portemonnaie und auch eine Schlipsnadel, die ein Ande en an seinen verstorbenen Jungen gewesen, abgenommen worden seien. Hölz: Mir ist ja bei meiner Festnahme auch alles weggenommen worden! Ich tage ja jeht auch keine Schlipsnadel! Mit demselben Recht habe ich Ihnen auch Ihre Schlipsnadel weg genommen. Die sechs Toten von Schraplau Bürgermeister Borchert( Schraplau), der über eine vorges tommene Bläntelei berichtet, weiß nichts von Sprengungen und auch nichts davon, daß, wie die Verteidigung behauptet, Arbeiter von Sipoleuten ermordet wurden. Die Verteidigung wünscht weitere Auskunft in dieser Beziehung, worauf der Zenge erwidert, daß die Sipo nur am Morgen durchgezogen sei, und gegen Mittag, nach Abzug der Sipo, sechs Arbeiter in einem vers laffenen Kallefen mit Echüssen in der Brust aufgefunden seien. Wie sie ums Leben gekommen sind, und ob sie ermordet sind, tann der Zeuge nicht befunden; das sei Gegenstand einer noch schwebenden Untersuchung. Weitere hierauf bezügliche Aeußerun gen des Hölz unterbricht der Vorsitzende mit der Bemerkung: Lassen Sie doch! Wir verhandeln hier nicht gegen die Sivo, jonbern gegen Sie!-5813 mit sehr lauter, schließlich ins BrülIen übergehender Stimme: Sie verhandeln nicht gegen mich, fondern gegen das repolutionäre Proletariat. Sie haben hier nur den Mut der Berhandlung, weil Sie sich auf die bewaffnete Macht stügen! Ihnen ist es natürlich gleich, wenn Arbeiter ers mordet werden, aber Sie regen fich cut, wenn Kapitalisten ers mordet merben. Bors: Mazigen Sie Ihre Sprache! Hölz( schreiend): Führen Sie doch mich und meine Verteidiger hinaus! Weitere Ausführungen der Verteidiger beziehen fich noch ein gehender auf die von ihnen behauptete Ermordung der 6 Arbeiter burch die Stpoleute und stellen den Antrag auf Ladung eines außerhalb wohnenden Arbeiters. Das Gericht bes schließt, diesen neuen Zeugen auf den 20. d. M. zu laden und vertagi die Sigung auf Freitag, 9% Uhr. HERMANN Billige TIETZ süsse role.. Kirschenre Kohlrabi mittlere Knollen..... Rehblätter Rehkochfleisch Landleberwurst Plund Pfund sehr gute Qualitat Plund Gebr. Kaffee 1175 500 1050 Pfund ....... Mandel Nur gute Qualitäten Lebensmittel 130 Neue Kartoffeln 125 Junge Möhren. Stück von .Pfund Bund grosses 175 225 00 Junge Brathühner 1500 Goudakäse........... 9°° Gefr. Kaninchen375 Edamer Käse. Käse.......... Plund 1700 Brüh- Mettwurst.... land 10°° Zervelatwurst .... 00 Red 1800| Ausgelassener Talg. aus eigener Rösterel, täglich frisch.... . Plund Allerfeinste Naturbutter zu billigsten Tagespreisen ... and 2500 Talg........ Allerfeinste Margarine 640 Pfund 660 PfundPakel 5ºº Fleisu Fehirippen. Brust Schmorfleisch Schabefleisch Gehacktes Kalbskamm Kalbskenlen Hammel fleisch gefroren Pland.. 8ºº 00 ohne Knochen gefroren, Pjund 10⁰⁰ 00 gefroren Plund.. 12°° 00 gefroren Plund.. 00 9°° 00 frisch Plund... 850 frisch Plund... 10⁰⁰ 12°° frisch Plund... Theater und Bergnügungen Bolksbühne Leffing- Theater 7 Uhr: Alla bendlich 7, Uhr: Der Baner als Millionär Direkt: Victor Barnowsky Neues Volkstheater Die Ballerina des Königs Röpenicker Str. 68. 7 Uhr: Die St. Jakobsfahrt Staatstheater. Opernhaus 7 Uhr: Der Barbier von Sevilla Schauspielbars ( Konstantin, Göt) Deutsch. Künstl- Theater 7: Geständnis ( Ralph, Korff, Otto). Thalia- Theater 7 Uhr: Stroh- Die Fliege, be: Mascottchen Direktion: Mag Reinhardt. Deutsches Theater 7: Potasch u. Perlmutter Kammerspiele 8 Uhr: Frühlings Erwachen Großes Schauspielhaus Karlstraße 7 1: Eln Sommernachtstraum ( 12. Abteilung, 5. Abend) Theater i. d. Röniggräger Str.: Täglich 7.30 Uhr: Mit dem Feuer spielen 9 Ahr: Satans Maske ( Orska, Riem nn, Bildt) Berliner Theater: Komische Oper 7% Die Oper 7. Alt- Heidelberg Theater am Nollendorfplat 3 Uhr: Der Strom 7½ Uhr: Neue Welt Arnold Scholz Hasenheide 108/114 Donnerstag, den 16. Juni 1921 Vollständig neues VarietéProgramm Großes Fronten- Feuerwerk mit riesigen Schluß- Dimensionen u. a. Villa Pomp od. Wohnungsnot ausgeführt vom Pyrotechniker E. Nielandt Anfang 5 Uhr- Anfang 5 Uhr EMILE ZOLA GESAMMELTE NOVELLEN Durchgesehen und herausg. von Hans Jacob Drei Bände Zum ersten Male wird hier eine Zusammenfassung von Zolas novellistischem Schaffen in deutscher Sprache geboten, in der wir neben den allbekannten Meisternovellen des grossen Romanschriftstellers auch Werke Der Vetter aus Dingsdanden, die bisher in Deutschland wenig zuRose- Theater 7 Uhr: den wo die Schwalben niſten Milliarder 7.30 Uhr: Silde Börner, fai Cfleet, Ralph Arthur Roberts, Serb. Kiper, Paul Rehtopf Komödienhaus: Alabendlich 7.30 Uhr: Der blonde Engel von Robert Winterberg Baul Heldemann a. G., Sofefine Dora v. Staatsth. a.6., Jnge van derStraaten, fa Narsen, Georg Baselt, Kurt Busch, Julins Rogg. Residenz- Theater 7 Uhr: Mag Adalbert in Wenn das Spiel gemacht ab dafür ift Trianon Theater B 7 Uhr: Alfred Abel in Am Teetisch Kleines Theater 74 Uhr: Olga Limburg in Nur ein Traum Walhalla- Theater 7 br: Die Scheidungsreife 8. Folies Caprice 8 u. Schlafzimmergeheimnis Liebe en gros mit Ferd. Granecker 7% Apoliatheater 72 Friedrichstraße 218 Täglich: Tip- Tip Murra! ober Der Sport- Schlemihl mit Wilhelm Hartstein Berliner Brater Raftanien- Allee 7-9 Täglich 4, Uhr: Die Schönste von Allen Operette von Jean Gilbert Varieté- Sensationen Theat, a. Keith, To Tel. Moritsplatz 16077 Täglich 7% Uhr: Elite- Sänger 10 Herren! York 11-1%. METROPO VARIETE KABARETT Behrenstrabe 54 7 Uhr: gänglich waren. 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Js. starb unsere Lehrerin, die Genossin Anna Fasching Wir verlieren in ihr eine eifrige und verständnisvolle Mitarbeiterin, deren Verlust uns sehr schmerzt. Betriebsräteschule der Freigewerkschaftlichen Betriebsräte zentrale für den Wirtschaftsbezirk Groß- Berlin. Damen braun echt Chevr. Schnür- u. Spangenschuhe Leder 12500 Bamen sdrwarz Somür- u.Spangenschuhe alles Leder von 8800 an Soeben erschienen! PROLETARISCHE JUGEND SAMMLUNG ZIALISTISCHER JUGENDHRIFTEN Deft 4 Jung und Alt in der proletarischen Jugendbewegung Bon Engelbert Grat Preis 2.50 Mart Zu beziehen durch die Buchhandlung„ Freiheit" Berlin 2, Breite Straße 8.9 Auch in den Filialen der Freiheit erhältlich Dentscher Metallarbeiter Verband Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeige Den Kollegen zur Nach richt, daß folgende Mits glieder gestorben find: Der Arbeiter Georg Philippi Fennftr. 30, am 13. d. M. Die Einäscherung findet am Freitag, den 17. 6., mittags 12 Uhr, im Kres matorium Gerichtstr. ftatt. Der Arbeiter Hermann Hoff Spandau, am 11. b. M. Die Beerdigung findet am Freitag, den 17. 6., nachmittags 23/4 Uhr, von der Leichenhalle des Spandauer Kirchhofes, in den Tischeln, aus ftatt Der Dreher Hans Bischoff Ebelingstraße 10, 12. D. M. απ Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 16. 6., nachmittags 1% Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes, Friedrichsfelde, aus statt. Der Arbeiter Franz Scholz Briß, Hannemannstr. 31, am 9. d. M. Die Beerdigung findet am Sonnerstag, d. 16. 6., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Ges in meinde Kirchhofes Briz, Chausseestr., aus ftatt. Ehre Ihrem Andenken! Rege Beteiligung er martet Die Ortsverwaltung. Schlafzimmer eichenes, echter Marmor, Auflege Matragen, 3850.meißes 2900-, Herrens simmer, schwere Ausfüh rung, Bibliothek, geschliff. Scheiben, 3650.-, Speiſe simmer, hübsches Muster, mit 6 Polsterstühl., 3750.-, Küchen 500.-, Klubgarnis turen 2500.-, Standuhren, nußbaum, eichen, 1200.Große Auswahl in schweren Herrens, Speise- u. 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Mai 1920 sieht Prüfungsstellen vor, deren Zusammensehung im§ 9 geregelt ist. Es heißt dort: Die Prüfungsstellen segen sich aus beamteten Vorsitzenden und Beisitzern zusammen. Von Ben Beifizern ist je ein Viertel aus den Kreisen des Lichtspielgewerbes und der auf den Gebieten der Kunst und Literatur bewanderten Personen, die Hälfte den auf den Gebieten der Boltsbildung oder der Jugendwohlfahrt besonders erfahrenen Bersonen zu entnehmen." Man sieht hier, daß bei den Prüfungstellen die Polizei ausgeschaltet ist, man war bestrebt, wirklich fundige Prüfer zu bestellen. Nun sind in dem Lichtspielgesetz eine Reihe Bestimmungen, die So§ 5 tatsächlich der Polizei wieder 3ensurrechte einräumen. Abs. 2, der von der Genehmigung der Reklame dusch Anschlag und durch Drudschriften handelt. Diese Genehmigung ist, soweit sie nicht von der Prüfungsstelle erteilt ist, der Ortspolizeibehörde übertragen. Die Polizei ist nach den reichlich gemachten Erfahtungen nicht nur in der Vorkriegszeit, sondern auch nach der HeDolution teine geeignete Instanz, der man Zensorrechte über Drudschriften übertragen fann. Dieses Tätigteitsgebiet gehört unseren Jugendvertretern. Das gleiche gilt Dom§ 6, der Bildstreifen über Tagesereignisse und Bildstreifen, die lediglich Landschaften darstellen", überhaupt nur von der Genehmigung der Ortspolizeibehörde abhängig macht. Diese soll entscheiden nach§ 1, ob ein solcher Bildstreifen geeignet ist ,,, die öffentliche Ordnung oder Sicherheit zu gefährden, das religiöse Empfinden zu verlegen, verrohend oder entsittlichend zu wirfen, das deutsche Ansehen oder die Beziehungen Deutschlands zu auswärtigen Staaten zu gefährden". Diese Bestimmung gibt der Polizei eine ziemlich große Macht in die Hand, die aber legten Endes in der Hand ungeeigneter Personen zu manchem Mißbrauch führen kann. Auch diese Rechte gehören in den Aufgabenkreis der Jugendämter. Das Entscheidende bei der ganzen Frage ist aber die Kontrolle der Kinotheater über die Durchführung des Lichtspielgesezes. Hier herrscht eine heillose Zerjplitterung. In einzelnen Gemeinden sind bereits die Kontrollbeamten des Jugendamtes, zumeist ehrenamtliche Helfer, mit polizeilichen Ausweisen versehen. In den meisten Gemeinden aber sträubt sich die Polizei mit Händen und Füßen dagegen, etwas von ihren Rechten aus der Hand zu geben. Es handelt sich nicht nur um Kontrolle, ob Jugendliche in den Abendvorstellungen anwesend sind; ebenjo wichtig ist die Kontrolle der sogenannten Jugendvorstellungen. In solchen Vorstellungen werden immer wieder Filme vorgeführt, die nicht für die Jugend freigegeben sind. Die Jugendämter. müssen die Möglichkeit haben, gegen die freigegebenen Filme Einspruch zu erheben, da sie oft genug alles andere als für die Jugend geeignet sind. Um nun alle diese Fragen im Sinne einer wirksamen Durch führung des Gesetzes zu regeln, hat die U. S. P.- Fraktion in der Berliner Stadtverordnetenversammlung einen Antrag gestellt, der bereits in der Freiheit" veröffentlicht wurde. Der 3wed dieses Antrages ist, alle an der Jugendwohlfahrt interessierten Kreise, . a. auch die Elternbeiräte, zur entscheidenden Mitarbeit heranauziehen. Lazarett Schloß Charlottenburg Bir berichteten über das rigorose Vorgehen der Lazarettnerwaltung sowie der Versorgungsbehörden gegenüber den LazarettInsassen, des Versorgungslazaretts Schloß Charlottenburg, das in ber borigen Woche dazu geführt hat, daß den Insassen die Verpflegung und die ärztliche Behandlung gesperrt wurde. Die Lazarettinsassen haben daraufhin das Lazarett in eigener Verwaltung weitergeführt. Man beabsichtigt scheinbar, die Insassen mit Gewalt aus dem Lazarett herauszubringen. Um diesen Schritt in der Deffentlichkeit vorzubereiten, wird eine Denkschrift über die Vorgänge im Lazarett vom bisherigen Chefarzt Dr. Beder verbreitet. Zu dieser erhalten wir von den Insassen nach tehende Zuschrift: Herr Dr. Hecker sucht durch eine neue Denkschrift abermals Schmug auf die Insassen des Schloßlazaretts" zu werfen, vergift aber wissentlich die Hauptgründe zu dem Chaos. Er erwähnt nicht, daß unannehmbare Verfügungen, wie VertrauensmännerOrdnung und auch jene über die Verlegung in das Uebergangs( 1. Fortsetzung) Nantas Erzählung von Emile Zola. ( Uebersetzt von Sans Jacob) Die Sonne sant hinter die großen Bäume um das Palais Danvilliers, eine herbstliche Sonne, deren Goldstrahlen die gelb als lode der Abschied des Gestirnst Er sollte sterben und sehnte sich doch nach Licht. Einen Augenblid lehnte er sich hinaus. Oft hatte er durch das dunkle Laub dort ein blondes hochgewachsenes Mädchen mit stolzem Gang gesehen. Er war nicht romantisch angelegt und hatte die Altersgrenze überschritten, davor die jungen Männer in den Dachstuben von jungen Damen der großen Welt träumen, die ihnen große Leidenschaften bringen und große Schätze. Dennoch dachte er plötzlich in dieser dunklen Stunde des Selbstmordes an dies stolze blonde Mädchen. Wie hieß sie wohl? Aber zugleich ballte er die Fäuste, denn er fühlte nichts als Haß für die Bewohner dieses Palais, dessen geöffnete Fenster ihm eine unerhörte Pracht zeigten, und er knirschte wütend: ,, Verkaufen würde ich mich, wenn mir einer die ersten hundert Sous meines fünftigen Vermögens gäbe!" Beilage zur„ Freiheit" heim in der Alexandrinenstraße( ein ehemaliger Pferdestall), an dauernd die Patienten beunruhigten. Er vergißt wissentlich alles, was in der Oeffentlichkeit nicht zu seinen Gunsten ausgelegt werden könnte. Er zieht Fälle heran, die sich im Leben täglich ereignen, wofür aber niemals die Gesamtheit verantwortlich gemacht werden fann; er erwähnt, daß ein Kranter sich hat hinreißen lassen, einen Arzt zu schlagen. Obwohl die Patienten selber diesen Fall bedauern und den Kameraden aus dem Lazarett wiesen, sei nur erwähnt, daß dem Kameraden wichtige 3 usa= Lebensmittel gestrichen wurden. Er hat aus Sorge um seine Familie, da das Versorgungsamt ihm während der Lazarettzeit zuviel empfangene Beträge einfach sperrte, sich vergessen. Das Gericht soll Klarheit bringen! Ferner fei mitgeteilt, daß die Kommission, die das letzte Mal mit Herrn Dr. Hecker verhandelte, gewillt war, für die Erhaltung des Lazaretts die größten Opfer zu bringen, und versuchte, den Anordnungen der Behörde gerecht zu werden. Keine Erhörung! Ein glattes ,, Nein"! Unschuldige Kameraden, deren Schuld nicht feststand resp. festgestellt wird, sollen verlegt werden! Warum gibt man fein Material! Warum läßt man es nicht non Unparteitschen prüfen? Wir alle sind entschlossen, den Kampf um die Erhaltung des Lazaretts durchzuführen. Wir wollen nichts anderes als unser Recht, Behandlung mit menschlicher Vernunft und Erhaltung des Lazaretts als orthopädische Anstalt! Neue deutsche Wissenschaft Im neuesten Geographiebuch von E. v. Geydlig, Ausgabe D, Seft 4, 1921, wird der wißbegierigen Jugend der alte Schmarren vorgesetzt, daß das Deutsche Reich aus jonndsoviel Königreichen, Großherzogtümern, Herzogtümern, Fürstentümern bestehe. An der Spize des unauflöslichen Bundesstaates steht nach neuester Forschung! der König von Preußen als Deutscher Kaiser( fettgedruckt natürlich!). Der überjeeische Handel bedarf zu seinem Schutze einer starten Kriegsflotie!... Um die über 88 Seiten verbreiteten Irrtümer und Blößen etwas zuzudecken, ist hinten ein schmächtiges Friedensergänzungsblatt"( vom Februar 1921!) angehängt. Darauf ist zu lesen, daß das Deutsche Reich in gefährlicher Weise im O. und W. von mißgünstigen oder feindlich gesinnten Nachbarstaaten begrenzt wird!! Nach unseren Begriffen ist das wissentliche und fünstliche Boltsverbildung. It dem Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Boltsbildung dieses Geistesprodukt, mit dem man die Jugend füttert, unbekannt tert, unbekannt oder regieren dieselben Geheimräte weiter, die vor„ Herrn Senblitz auf dem Falben" und seinen Schwadroneuren strammstehen? Unsere Stadtverordnetenfraktion hat der Berliner Stadtverordnetenversammlung nachstehende Anfrage zugestellt:„ Die Stadtverordnetenversammlung hat seinerzeit mit Mehrheit die Schaffung nur eines Stadtschulrat- Postens für die Stadtgemeinde Berlin beschlossen. Dieser Stadtschulrat sollte, um seiner zentralen Bedeutung für das Schulwesen der gesamten Stadtgemeinde gerecht zu werden, den Titel Oberstadtschalrat fühven, wie aus der Einführung durch die Herren Stadtverordnetenvorsteher und Oberbürgermeister eindeutig hervorging. Neuerdings scheint der Magistrat dem Herrn Oberstadtschulrat diesen Titel aberkannt zu haben. Dieses Vorgehen würde die Stellung des Oberstadtschulrates erheblich schwächen. Wir verlangen Austunft darüber, ob eine derartige Verfügung erfolgt ist und im bejahenden Falle, was den Magistrat veranlaßt hat, einseitig und ohne Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung eine derartige einschneidende Maßnahme vorzunehmen?" Das Hauptwohnungsamt, Neue Friedrichstraße 80, ist nicht mehr zuständig für Einzelfragen, z. B.: Anfragen und Gesuche betreffend: a) 3uweisung von Geschäfts- und Wohnräumen, b) Beschlagnahme von Geschäfts- und Wohnräumen, c) Tausch von Geschäfts- und Wohnräumen, d) Anzeigen und Vorlagen von Mietverträgen. Nur die Ueberweisung von Ortsfremden an die Berliner Wohnungsämter erfolgt in der Hauptverteilungsstelle, Neue Friedrichstraße 80, 3immer 37-38. Alle oben bezeichneten Anfragen und Anträge werden in den zuständigen Wohnungsämtern( früher Wohnungsinspektionen) erledigt. Sämtliche hier schon eingereichten und im Hauptwohnungsamte irrtümlich etwa jetzt noch eingehenden Schreiben vorgenannter Arten werden an die betreffenden Wohnungsämter direkt weitergegeben. Genügend Milch vorhanden. Von zahlreichen Seiten gehen dem Milchamt Klagen darüber zu, daß in den Milchkleinhandelsgeschäften nicht genügend Milch zu haben ist. Demgegenüber erflä ren die Milchfahrer, die die Milch von den Meiereien zu den Keinhandelsgeschäften bringen, daß ein weiterer Bedarf nicht vorhanden ist. Das Milchamt bittet nunmehr die Bevölkerung, ihm unter Milchamt, Berlin NW.21, Alt- Moabit 98-103, Telephon hatte, zu fennen und begegnete ihr freundlich und doch voller Hochachtung. " Go," ſagte fie, als sie sich zurüdzog ,,, Sie können ruhig plaubern, niemand wird Sie stören." Nantas, der aufgesprungen war, sah der Dame überrascht ins Gesicht. Sie hatte den Schleier zurückgeschlagen. Ein Fräulein von etwa fünfundvierzig Jahren, flein, sehr voll, mit dem puppenhaft weißen Gesicht einer alten Betschwester stand vor ihm. Er hatte sie noch nie gesehen. Als er ihr den einzigen Stuhl anbot und sie dabei fragend an sah, nannte sie ihren Namen: " Ich bin Fräulein Chouin..., ich fomme, um mit Ihnen etwas Wichtiges zu besprechen, Herr Nantas." Er hatte sich auf den Bettrand sehen müssen. Der Name Chouin sagte ihm nichts. Er wartete ihre weiteren Erflärungen ab. Sie aber beeilte sich nicht; sie musterte mit einem Rundblid das enge Zimmer und schien nicht recht zu wissen, wie sie beginnen sollte. Endlich sprach sie mit sehr sanfter Stimme, und jeden heiflen Satz stützte sie mit einem Lächeln: „ Herr Nantas, ich komme als Freundin... Man hat mir viel Rührendes von Ihnen erzählt. Aber denten Sie nicht an Spionage. Es war nur der lebhafte Wunsch, Ihnen zu helfen. Ich weiß, wie hart das Leben Sie angefaßt hat, mit welchem Mute Sie gefämpft haben und was das traurige Resultat so schwerer Bemühungen ist... Ich bitte noch einmal um Verzeihung, daß ich mich Ihnen aufdränge. Jch schwöre Ihnen, lediglich die Teilnahme. 66 Diese Jdee, sich zu verkaufen, beschäftigte ihn einen Augenblid. Hätte es irgendwo ein Leihaus gegeben, wo man Kraft und Willen belehnte, er wäre hingegangen, um sich dort zu verpfänden. Er dachte sich Kaufverträge aus, ein Boli titer wolle ihn kaufen, um ihn zu seinem Werkzeug zu machen, ein Bankier, um seinen Scharfsinn Stunde für Stunde auszunügen, und er ging darauf ein, was war ihm die Ehre. Er sagte sich, es genüge, wenn man start wäre und endlich siegte. Dann lächelte er, fände man denn einen Räufer? Die armen Teufel, die auf Gelegenheit lauern, sterben vor Elend, ohne je einen Käufer zu sehen! Er fürchtete feig Ihre Versuche zu verfolgen und war von Ihrer lobenswerten zu sein, er gestand sich ein, daß er sich zu zerstreuen suchte. Er setzte sich wieder und schwur, sich aus dem Fenster zu stürzen, sobald es völlig dunkel wäre. Müdigkeit war so groß, daß er auf seinem Aber seine Stuhle einschlief. Plötzlich wedte ihn der Lärm von Stim men. Es war die Hausmeisterin, die eine Dame hereinführte. Herr laubt, diese Dame hereinzuführen..." Nantas," Jagte seine Portierfrau,„ ich habe mir erUnd da sie fah, daß kein Licht im Zimmer war, holte fie schnell eine Kerze. Sie schien die Dame, die sie heraufgeführt Nantas unterbrach sie nicht, alle diese Einzelheiten hatte fie wohl von der Portierfrau erfahren. Fraulein Chouin fontte fortfahren, und doch suchte sie nach schmeichelhaften Ausbrüden, nach liebenswürdigen Wendungen, um die Dinge richtig zu benennen. Sie haben eine große Zukunft. Ich habe mir erlaubt, Festigkeit im Unglüd betroffen. Kurz, ich glaube, daß Sie es weit bringen, wenn Ihnen jemand helfende Hand bietet." Sie schwieg wieder. Sie wartete auf ein Wort. Der junge Mann glaubte, sie sei gekommen, um ihm eine Stelle anzubieten. Er antwortete, daß er alles annehmen würde. Sie aber fragte ihn jetzt, da das Eis gebrochen war, gerade heraus: Sätten Sie etwas dagegen, sich zu verheiraten?" Mich zu verheiraten?" rief Rantas. Lieber Gott, wer würde mich nehmen?... Irgend ein armes Mädchen, das ich aber nicht ernähren tönnte 99 Donnerstag, 16. Juni 1921 Moabit 8522, unmittelbar Mitteilung darüber zu machen, mens in den Milchkleinhandelsgeschäften nicht genügend Milch vorhanden ist. Das Milchamt wird dann in den in Betracht tommen den Bezirken einzelnen Geschäften in besonders großem Umfange Milch zuführen und diese Geschäfte der Bevölkerung bekanntgeben. Die Geschäftsstellen des Bezirksamtes( Tiergarten) einschl. der Beschwerdekommission über das zuständige Wohnungsamt pp. wer den am Freitag, den 17. b. Mts., von Genthiner Str. 36 nach dem Grundstück Klopstockstraße 24 verlegt. Die Sigungen der Bezirksversammlung finden auch weiterhin in der Aula des Friedrich Werderschen Gymnasiums, Bochumer Str. 8a, statt. Ehemalige Kriegsgefangene Groß- Berlins! Die Einstreichungs frist für ehemalige Kriegsgefangene, die bisher feine Ansprüche auf Nachzahlung der militärischen Löhnung für die Zeit der Kriegss gefangenschaft oder auf Entschädigung für die bei der Gefangennahme geraubten Gegenstände geltend gemacht haben, oder die megen Fristüberschreitung abgelehnt wurden. ist bis zum 20. Junt verlängert worden. Es wird dringend gebeten, die Frist innezu= halten. Kriegsgefangene aus dem früheren Stadtkreis Berlin wenden sich schriftlich an den Zentral- Hilfsausschus. Moltenmarit Nr. 9-10 II; ehemalige Kriegsgefangene der neuen Berwaltungsbezirke richten ihre Anträge nur schriftlich an die am Size der Vers waltung der ehemaligen Vororte noch bestehenden Hilfsausschüsse. Betriebsänderungen bei der Berliner Straßenbahn. Ab 18. Junt treten folgende Veränderungen in Kraft: Bertürzung der Linie 26 bis zur Kleinen Frankfurter Straße.( Schleife: Alexander-, Kaiser, Kl. Frankfurter, Landsberger Straße.) Weiterführung der Linie 22 bis Tegel; Linie 31 fommt in Fortfall. Weiterführung der Linie 46 bis Bantom, Breite Straße; Linie 45 tommt in Fortfall. Auf den Linien 62 und 162 wird der Schleifenbetrieb aufgehoben. Linie 62 fährt in beiden Richtungen über Olivaer Play bis Stuttgarter Plak und Linie 162 über Savignyplatz bis Sophie- Charlotte- Play. Linie 70 fährt nur bis Lichtenberg, Gudrunstraße, statt bis Friedrichsfelde und Linie 73 bis Weißensee, Schloß, tett bis Rennbahnstraße. Die Linie T wird eingezogen. Die Linien 17, 25, 97 und I erhalten vers änderte Fahrpläne. Näheres ergeben die Fahrplanaushänge in den Wagen. Cine nachdrückliche Strafe verhängte das Schwurgericht I über zwei aus dem Often eingewanderte fragwürdige Mitbürger", die des Münzverbrechens angeklagt waren. Die Kaufleute David Rachmanomicz und Mendel Federkohl waren aus Lodz nach Berlin gekommen, um hier Geschäfte zu betreiben, die das Licht der Sonne zu scheuen hatten. Ihr Geschäftsfeld bildete die Grenadierstraße und Umgegend. Sie widmeten sich vorzugsweise der Unterbringung falscher Fünfzigmartscheine. In wel chem Umfange dies geschehen ist, ist leider nicht festgestellt worden, doch wurden, als sie festgenommen wurden, bei ihnen noch zehn solcher Falschscheine vorgefunden. Obgleich ihnen eine Vorbestrafung nicht nachzuweisen war, sie also als unbestraft zu gelten hatten, verurteilte der Gerichtshof die Angeklagten zu je 2½ Jahren 3uchthaus. Der Potsdamer Raubmord vor Gericht. Der Raubmord an der 57jährigen Inhaberin eines Potsdamer Schönheits- Instituts, Fräulein Auguste Beet, tam Mitwoch vor den Potsdamer Ges schworenen zur Verhandlung. Angeflagt wegen Mordes ist der 24 Jahre alte Schlosser und Schmied Hermann Grahl aus Pots tam. Fräulein Beet wurde am 2. Februar dieses Jahres ers drosselt in ihrem Behandlungszimmer in der Schwertfegerstraße aufgefunden. Durch ein zurüdgelassenes Taschentuch fonnte Grahl bald darauf ermittelt werden. Der Angeflagte gestand, die Tat in sadistischer Leidenschaft begangen zu haben. Die Ermordung des Gutsbesitzers Otto auf dem sogenannten Schneckenberg im Tiergarten, die das Schwurgericht des Landgerichts I an zwei Tagen beschäftigte, hat nun gestern durch den Epruch der Geschworenen ihre teilmeise Sühne, wenigstens gegen den einen der am Verbrechen Beteiligten, gefunden. Der zweite der Beteiligten, Gadow, befindet sich, wie mitgeteilt, in Dalldorf zur Untersuchung feines Geisteszustandes. Gegen den Angeklag ten Martin Rajdhte gaben die Geschworenen ihren Spruch auf Schuldig des einfachen Diebstahls, des schweren Diebstahls und des schweren Raubes. Der Staatsanwalt beantragte 9 Jahre Zuchthaus, das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 7% Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust. Unfall oder Selbstmord? Aus einem von Oranienburg toms menden Vorortzuge stürzte gestern abend zwischen den Stationen Gesundbrunnen- Stettiner Bahnhof, in der Nähe der über die Aderstraße führenden Eisenbahnbrücke, ein Mann aus seinem Abteil heraus, den man später zwischen den Schienen mit abges fahrenem linden Unterarm und schweren Kopfverlegungen auffand. Er wurde von Bahnbeamten nach dem Lazarus- Kranten hause gebracht, wo er aber bald seinen Verlegungen erlag. Der Unbekannte ist etwa 60 bis 65 Jahre alt, 1,58 Meter groß, hat grauen Schnurrbart und graues Kopfhaar und war u. a. befleidet Nein, ein sehr schönes, sehr reiches Mädchen aus vors nehmer Familie, das ihnen die Mittel in die Hand gäbe, die höchste Stellung zu erringen." Nantas lachte nicht mehr. ,, Also was ist der Preis?" fragte er instinktiv, die Stimme sentend. „ Das junge Mädchen ist in anderen Umständen, das salbungsvolle Phrasen geradezu heraus, um das Geschäft in Kind muß anerkannt werden", sagte Fräulein Chouin ohne Gang zu bringen. Nantas erste Regung war, die Kupplerin hinauszuwerfen. " Ihr Anerbieten brächte mir Schande", sagte er mit ge dämpfter Stimme. „ Oh, Schande," rief Fräulein Chouin und fand ihren honigsüßen Ton wieder, ich protestiere gegen dieses häß liche Wort... die Wahrheit, mein Herr, ist, daß Sie das durch eine Familie vor der Verzweiflung retten. Der Vater weiß nichts davon, die Schwangerschaft hat kaum begonnen, und ich bin auf den Gedanken gekommen, das arme Mädchen so rasch wie möglich zu verheiraten, damit der Ehemann die Rolle des Vaters des Kindes spielen fann. Jch fenne den Vater, er würde daran sterben. Mein Plan würde der Schlag abschwächen, er wird an eine Wiedergutmachung glauben; zum Unglück ist der wirkliche Verführer vers heiratet. Ach, mein Herr, es gibt wirklich ehrlose Männer." Lange hätte sie so fortschwagen fönnen. Nantas hörte nicht auf sie. Warum nur sollte er ablehnen? Hatte er fich nicht eben noch verkaufen wollen? Gut, nun wollte man ihn faufen. Leistung und Gegenleistung. Er gab seinen Namen, man gab ihm eine Stellung dafür. Es war ein Kontraft, wie ein anderer auch. Er blidte auf seine, vom Pariser Schmug übel zugerichtete Hose, er fühlte, daß er seit vierundzwanzig Stunden nichts gegessen hatte, der ganze Grimm über sein zweimonatelanges vergebliches Suchen, alle die Demütigungen, die er erduldet hatte, quollen in seinem Herzen empor! Endlich! Endlich setzte er den Fuß auf diese Welt, die ihn zurüdgestoßen und bis zum Selbstmord ges trieben hatte. Ich willige ein", sagte er trocken. Dann forderte er von Fräulein Chouin deutliche Er flärungen. Was sie für ihre Vermittlung haben wolle? Sie wolle nichts. Dennoch verlangte sie schließlich 20 000 Franken von dem Vermögen, das das junge Mädchen ihn mitbringen werde. Und, da er nicht herunterhandelte, wurde sie unternehmend. ( Fortsetzung folgt.) mit einem granbraunem Hut der Firma Edard- Berlin, etnem Jadettanzug, grauem Wollhemd mit blaurotem Brusteinsatz, grauen Strümpfen und schwarzen Schnallenschuhen. Der Distrikt Charlottenburg hat durch den Tod seines langjährigen Mitkämpfers, Genoffen Seidel einen schweren Verlust erlitten. Seit seinem 20. Lebensjahre steht er ununterbrochen in ben Bordersten Reihen der Arbeiterbewegung. Zur Zeit des Sozia Tiftengeseges hatte er unter den Verfolgungen der Aera PuttYammer zu leiden; sehr oft mußte er deshalb seinen Wohnsiz wechseln. Bei Ausbruch des Krieges stellte er sich sofort auf Seiten der Gegner der Kreditbewilligungen, bei Gründung der LS. P.D. trat er dieser sofort bei und hat bis in seine letzten Tage für ihre Interessen gewirkt. Die Einäscherung findet am Freitag, nachmittags 3 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, statt. Die Parteigenossen werden um rege Beteiligung ersucht. Treffpunkt 1 Uhr Bahnhof 300. Gewerkschaftliches Deffentliche Wirksamkeit der Verbände Biele Gewerkschaften schließen den Jahresbericht für 1920 erst jekt ab, bzw. die Verbandsberichte, zum Teil in starten Broschüren, erschienen türzlich oder erst jetzt. Vor uns liegt der Besicht des Zentralverbandes der Maschinisten und Heizer, sowie Berufsgenossen Deutschlands, der mit dem 31. Dezember 1920 abSchloß. Einleitend wird bemerkt, daß in der abgelaufenen Berichtszeit der Verband eine Erstattung nach innen und außen erfuhr und in die Reihe der gewerkschaftlichen Großmächte aufrüdte. Die Zahl der Mitglieder stieg nämlich auf über 100 000. Bon besonderem Interesse für die weitere Oeffentlichkeit ist, daß der Verband nicht nur rein gewertschaftliche Aufgaben für seine Mitglieder vollbringt, sondern auch eingreift, um die öffentliche Sicherheit in Dampfbetrieben usw. zu fördern. Die Bestrebungen des Verbandes gingen dahin, die Errichtung von Heizers schulen und die Einführung des Befähigungsnachmeises durchzuführen. Diese Maßnahmen waren von Erfolg getrönt, nur will es uns nit recht einleuchten, daß es dazu erst der Silfe der Arbeitsgemeinschaften" bedurfte, um das Reichswirtschaftsministerium von der Notwendigkeit dieser, die öffentliche Sicherheit fördernden Maßnahmen zu überzeugen. In den Richtlinien für die Errichtung von Heizerschulen finden mir den Lehrplan für den Unterricht, der theoretischer und praktis scher Natur ist. Die Brennstoffe, der Verbrennungsprozeß, das Speisewasser, die Dampftessel und ihre Einmauerung usw., die Bedienung der Kessel und der Feuerung, die Dienstvorschriften für Kesselwärter und auch für Landtessetheizer erfahren eine ein gehende Beachtung. All diese Maßnahmen sind von öffentlichem Wert und ein Beweis dafür, daß die Gewerkschaften neben ihrer Sonstigen Tätigkeit auch willens und imftande sind, Kulturarbeit, in diesem Fall auf sozialpolitischem Gebiet, zu leisten. Verschie bene Tabellen zeigen den Aufstieg des Verbandes. Im Jahre 1920 wurden an Lohnerhöhungen 263 Millionen Mart erfämpft. Während die verkürzte Arbeitszeit im Jahre 1919 3944 350 Stunden betrug, sind im Jahre 1920 87 256 Stunden Arbeitsverfürzung erzielt worden. Die Zahl der abgeschlossenen Tarifverträge betrug im vergangenen Jahre 550, während die Gesamteinnahmen 7 308 256 M. ergaben. Die Gesamtausgabe sieht die Summe von 6 119 291 M. vor, so daß eine Mehreinnahme von 1188 964 m. verblieb. Der Verband hat verschiedene Reichsfettionen, so in den Großschiffswerften, in der Hüttenindustrie, im Steinfohlenbergbau, Kaliindustrie usw., und erlitt einen Verlust an Toten von 773 Kollegen, von denen 84 infolge Unfalls im Beruf den Tod fanden. In einem Schlußwort wird aur Einigkeit aufgerufen, um die Reihen zu schließen. „ Akute Standesfragen" Einer Zuschrift des Vereins preußischer Staatsförster aus Ebers malde entnehmen wir, daß Ende Mai im Lehrervereinshaus in Berlin der diesjährige Delegiertentag des Vereins preußischer Staatsförster stattfand. Wie es in dem Bericht heißt, beschäftigte fich die stark besuchte Versammlung, mit den derzeit atuten Standesfragen" der mittleren Forstbeamten Preußens und ins Besondere mit den überaus miglichen Besoldungsverhältnissen der Förster- Anwärter. Berlangt wurde auch eine Neuregelung des Ausbildungsganges für die einzustellenden Anwärter. Was besonders allgemein interessieren dürfte, ist die Tatsache, baß die preußische Zentralforstverwaltung mit Hartnädigkeit an er Abforderung einer neunjährigen Vorbereitungszeit, der ihr anterstellten Anwärter festhält und damit die frühere Verquidung Der Försterlaufbahn mit dem Militärdienst im Jägertorps auch weiterhin zu fanttionieren sucht, obwohl die Jägerbataillone bes reits im Jahre 1918 aufgelöst wurden und eine militärische Verpflichtung eigentlich nicht mehr in Frage tommen tann. Die Förster verlangten deshalb die Beseitigung dieses Zustandes, desgleichen wollen fie nur eine 5jährige Vorbereitungszeit vorgesehen haben. Ebenso wünschen sie eine angemessene Befoldung. Die Förster erklären sich bereit, an dem Wiederaufbau Deutschlands mitzuarbeiten, so daß die Fehlmenge des zu ver brauchenden Holzes durch eine intensivere Ausnügung der Forsten herbeigeführt werden fann. Dies bedingt aber wieder eine Steigerung des Wissens der den deutschen Wald betreuenden Forstbeamten. Es wird notwendig sein, an geeigneter Stelle die preußische Staatsforstverwaltung darauf aufmerksam zu machen, daß ihre Bedingungen, nämlich die Berquidung des Berufes mit militärischen Pflichten in Widerspruch zur Verfassung steht, und daß sie in erster Linie die Aufgabe hätte, dem Verlangen der Anwärter nach vermehrter Ausbildung stattzugeben. Den An wärtern selber würden wir aber den Rat geben, sich weniger mit atuten Standesfragen zu beschäftigen, fondern die Zeichen der Zeit zu begreifen und sich in Reih und Glied zu stellen mit der übrigen Arbeitnehmerschaft, die in starten, einflußreichen Verbänden ihre Rechte in ganz anderer Weise wahrnehmen könnten. Streik bei Sarotti Seit Jahren bemühen fich die berufsfremden Handwerter und Transportarbeiter der Firma Sarotti, ein geregeltes Lohn- und Arbeitsverhältnis zu erringen. Ein Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses, welcher eine geringfügige Erhöhung der Löhne vorsah, wurde von der Firma nicht anerkannt und vom Demobilmachungskommissar nicht für verbindlich erklärt. Im März gewährte die Firma Sarotti eine Teuerungszulage in Höhe eines Wochenlohnes, welche in 12 Wochenraten ausgezahlt wurde. Nach Ablauf dieser Frist wurde die Zulage furzer Hand wieder in Abzug gebracht. In einer erneuten Verhandlung wurde von der Betriebsleitung erklärt, daß sie als äußerstes Zugeständnis die bisherigen Zulagen weiterzahlen wolle. Ueber die von den Gewerkschaften gestellten Forderungen zu verhandeln, weigerte sich die Firma. Von den Vertretern der Gewerkschaften wurden auf die hohen Gewinne der Firma hingewiesen, ebenso auf die in den letzten Tagen erschienenen Pressenotizen über die außer ordentlich günstige Lage der Firma. Die Betriebsleitung lehnte jedes weitere Entgegenkommen ab. Eine Versammlung der Handwerker und Transportarbeiter beschloß darauf fast einmütig die Arbeit sofort niederzulegen. Der Betrieb ist bis auf weiteres für alle Handwerker und Transs portarbeiter gesperrt. Deutscher Transportarbeiter- Verband Deutscher Metallarbeiter- Verband Deutscher Buchbinder- Berband Deutscher Holzarbeiter- Verband Zentralverband der Maschinisten und Heizer. U.S. P.- Zimmerer. Freitag, den 17. Juni, abends 7 Uhr, michtige Besprechung im Lofal Balenthin, Krautstraße 35. Aue Bezirke müssen vertreten sein. Gewerkschafts- und Parteiausweis legitimiert. Walzwerksarbeiter. Heute abend 6 Uhr findet in Schulz Feftsälen, Am Königsgraben 2( Nähe Alexanderplay), die Vertrauensmännerfonferenz der Walzwerk-, Blei, Draht- und Bapierrohrarbeiter und-arbeiterinen statt. Die D. M. V. Ortsverwaltung. Berbandstag der Maler k. Frankfurt a. M., den 14. Juni 1921. Der zweite Verhandlungstag wurde ausgefüllt mit der Diskussion über die Geschäftsberichte und den Schlußworten der Berichterstatter. Die Debatte verlief sehr sachlich. Die Redner erklärten sich mit der allgemeinen Tätigkeit des Verbandsvorstandes einverstanden. An dem abgeschlossenen Tarif: vertrag wurde jedoch mancherlei ausgesetzt; besonders kritisiert wurde, daß er feine Regelung der Ferienfrage brachte und auch die Lehrlingsfrage nicht mehr berücksichtigt. Jm allgemeinen wurde jedoch die Taftit des Vorstandes bei Lohnbewegungen als richtig bezeichnet. Gleich die ersten Redner übten Kritit an dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund. Dieser habe nichts. getan für die Durchführung der beim Kapp- Butsch aufgestellten 10 Punkte. Auch in der Sozialisierungsfrage hätte der Bund mehr tun müssen. Notwendig sei eine Umstellung der Gewerkschaf ten, ihre Schwerfälligkeit müsse beseitigt werden. Jm Bunde müßte auch eine andere Auffassung über die wirtschaftlichen und politischen Fragen Play greifen. Die kommunistischen Redner mandten sich besonders gegen den Beschluß des Verbandsbeirates, in dem den Mitgliedern, die sich hinter die Dritte tote Inter nationale ftellen, mit einem evtl. Ausschluß gedroht wird. Die ser Beschluß würde die Kommunisten nicht abhalten, auch weiter. hin nach ihrer Ueberzeugung zu handeln. Gegen die Ausführungen der Oppositionsredner sprach besonders wirtungsvoll der Delegierte Beringer Köln. Es fönne nicht bestritten werden, daß bei den Kommunisten Zersplitterungsbestrebungen vorhanden seien. Wer diese mitmache und zur Dritten Inter nationale gehöre, ftelle fich außerhalb des Rahmens des Verbandes. In dieser Frage müsse Klarheit geschaffen werden. Parteipolitik dürfe innerhalb der Gewerkschaften nicht getrieben werden, das soll aber nicht heißen, daß die Gewertschaftsmitglieder politisch neutral sein sollten. Von einem anderen Delegierten wurde die Einberufung des Gewerkschaftstongresses verlangt, das mit dieser Stellung nehme zu den Gesetzentwürfen auf jozialpolitischem Gebiet. Nach Annahme eines Schlußantrages erhielt noch der Vertreter des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Wissel- Ber lin, das Wort, der die Vorwürfe gegen den Bund als unberech tigt zurüdwies. Die Arbeiterschaft müßte sich mehr als bisher mit Wirtschaftsfragen beschäftigen. Notwendig sei eine zielflare Wirts schaftspolitit. Es folgten nun die Schlußworte der Berichterstatter, die auf die Ausführungen der Diskussionsredner ausführlich erwiderten. Zur Dem Vorstand wurde hierauf Entlastung erteilt. Arbeitsnachweisfrage, die in der Debatte berührt wor den ist, nahm der Verbandstag eine Entschließung an, die aus. spricht, daß der vorliegende Entwurf eines Arbeitsnach. meisgeleges den berechtigten Erwartungen der Arbeiter schaft nicht entspricht. Verbandsvorstand und Allgemeiner Deutscher Gewertschaftsbund werden ersucht, ihren Einfluß bei den gesetzgebenden Körperschaften dahin geltend zu machen, daß der weitgehendste Meldes und Benugungszwang im Gesez Aufnahme findet. Dieses foll ferner das uneingeschränkte SelbstverwaltungsLebensmittel Kopf 15PT. .... Pfund 80PL 34 Mandel 125 Pfund 190 Salat.... Wirsingkohl Junger Kohlrabi Neue Kartoffeln Tafelreis............... Pfund 230 Maisgries enfbittert u.entolt Pfund 240 Kartoffelmehl....... Pfund 295 Teewurst Kunsthonig.... Wurst **** Leberwurst Hall Art. Pfund 1100 Rotwurst............ Pfund 1100 Pfund 1100 Pfund 1300 Landleberwurst Fleischwurst........ Pfund 1400 Jagdwurst...... Pfund 1800 Pfund 1800 Pfund 425 Mettwurst Braunschw.Art Pfund 1800 975 allerfeinste Butter Pid- Paket gebrannt Kaffee- Did- Paket 17.00 ..... Pfund 620 Margarine Pfund 750 Rindertalg ausgelassen Pfund 750 Marmelade Vierfrucht. Pfund 375 Tilsiter- Käse Stangen- Käse....... Pfund 680 Gouda- Käse Pfund 980 Lachshering geräuchert Stück 125 Salzheringe gros..... Stück 25P recht vorsehen. In einem weiteren angenommenen Antrag with der Vorstand beauftragt, mit aller Entschiedenheit dahin zu mir ken, daß bei Abschlüssen von Tarifverträgen die Forderung auf Gewährung von Ferien verwirklicht wird. Eine Reihe weiterer, zu den Geschäftsberichten vorliegender Anträge wurden dem Vorstand zur Berüdsichtigung überwiesen. 18. ordentlicher Genossenschaftstag k. Baden- Baden, 13. Juni 1921. Die Tagung begann heute im hiesigen Kurhause. Sie ist von 900 Delegierten aus allen Teilen des Reiches besucht. Sehr zahl reich sind auch die ausländischen Gäste erschienen. Verwandte Organisationen haben Bertreter entsandt. Reichs-, Staats- und städtische Behörden sind ebenfalls vertreten, so das Reichswirtschaftsministerium, das Ministerium für Handel und Gewerbe, das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft, vorläufiger Reichswirtschaftsrat. Vertreter des Allgemeinen deutschen Ge werkschaftsbundes, der Verbände der Bäder, Transportarbeiter, Angestellte und Fabritarbeiter sind ebenfalls erschienen. Lorenz- Hamburg eröffnete mit einem Hinweis auf die groß Bedeutung der Tagung den 18. Genossenschaftstag. Berth München gab einen Rüdblid auf die Entwicklung des deutschen Konsumgenossenschaftswesens. Er hofft, daß durch den Aufstieg des deutschen Genossenschaftswesens eine glüdlichere Zu funft Deutschlands garantiert sein wird. Minister Remmele überbringt Grüße und Wünsche der badis schen Regierung. Beine- Berlin wünscht im Auftrage des Reichsernährungs ministers Hermes den Verhandlungen des Genossenschaftstages besten Erfolg. Cohen- Berlin. Borjizender des Reichswirtschaftsrats, weist auf die großen Verdienste der Konsumgenossenschaften hin. Bürgermeister Elfner begrüßt den Genossenschaftstag im Auf trage der Stadt Baden- Baden. Henny May- London, P. Auröe vom Norges Kooperative Landsforening, Bettoni- Jialien, M. Kautchichvilli- Georgien, D Stenzel- Lensfn vom Allrussischen Genossenschaftsbunde überbringen Grüße ihrer Genossenschaften und wünschen der Tagung guten Erfolg. Cohen- Berlin als Vertreter des A. D. G. B. befräftigt die alte historische Freundschaft zwischen Genossenschafts- und Gewerb schaftsbewegung und wünscht der Tagung besten Erfolg im In teresse der deutschen Arbeiterschaft. Es werden noch eine ganze Reihe Begrüßungsreden verwandter Organisationen entgegengenommen, darunter auch vom Verband deutscher Hausfrauen. Bom Reichswirtschaftsminister Robert Schmidt ist ein Glüdwunschtelegramm eingegangen. Vorsitzender Lorenz- Hamburg dankt allen Rednern für die große Anerkennung, die zum weiteren Auf- und Ausbau der deutschen Genossenschaftsbewegung anfeure. Die deutsche Ge nossenschaftsbeweguna wolle daran mitarbeiten, daß das frei demokratische, republikanische Deutschland wirtschaftlich und ful turell erstarte. Die Verhandlungen beginnen am Donnerstag Parteiveranstaltungen Donnerstag, 16. Juni 12. Diftritt. Lanbagitationstommiffion abends 7 Uhr Dundertr. 83 bet Ritmpel Sigung ber Lanbagitationsfommission. Freitag, 17. Juni 2. Berwaltungsbezirk Webbing. Abends 7 Uhr Bollversammlung der Romm nalen Kommission des gesamten Verwaltungsbezirks Wedding im Bezirksamt Sigungsfaal, Lebigenheim, Brunnenplag. 5. Berwaltungsbezirt. Kommunale Kommission. Obmännerfgung bei Ro Gubener Str. 19. Beginn 7 Uhr. Die Genossen der Wohnungsbeschwerde Lommission find hierzu eingeladen. Berwaltungsbezirf 13, Tempelhof niw. Abends 7 Uhr Sitzung der gesamte Rommunalen Kommission aller Orte in Mariendorf b. Pieper, Bergstraße 35. 11. Distrikt( früher 9. Distrikt). 7 Uhr Borstandsfgung mit Abteilungsleiter bei Matsche, Marienburger Straße 31. Sonntag Teilnahme des Distritts an Feier in Botsdam. Treffpunkt 11 Uhr Berolina. Kinder, die teilnehmen, me bis Donnerstag abend der Genoffin Sydow, Immanuelkirchstraße 12, Sift., melbet werden, um die Fahrpreisermäßigung zu erlangen. Bea Diftritt Spandan. Die Mitglieder merden ersucht, an dem 30. Stiftungsfest be Ortsgruppe Botsdam, am Sonntag, den 19. Juni, zahlreich teilzunehmen. Ize punft 10.30 Uhr Bahnhof West. Diftritt Spandau. Abends 7 Uhr Abteilungsversammlungen. Abt. Mithelm Radt bei Wind, Bichelsdorfer Str. 5; Abt. Altstadt bei Werther, Bismardftr. 5% Weißensee. Der Kursus über die Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus fält aus. Fortsetzung in acht Tagen. Zentralausschus der Elternbeiräte U. 6. P. Abends 7 Uhr findet in bet Arbeiter- Bildungsfoule, Breite Str. 8-9, eine Sigung statt. Jeder Berwaltungs besirt mug durch zwei Mitglieder vertreten sein. Referent: Herz Bruno Zietle Städt. Bernfsamt. Sonnabend, 18. Juni Berwaltungsbezirt Köpenid. Distriftssigung der Landagitationstommiffio abends 7 Uhr im Köpenider Rathans, Zimmer 19. 3. Diftrift, jest 19. Dijtrift. Kinderwanderung nach Teupit am 18. an 19. Juni. Treffpunkt: Görliger Bahnhof abends 6 Uhr. Gahrgeld 3,20 Gefochten Reis, 2 mal gemahlenen Kaffee, Trinkbecher, Eklöffel mitbringen! Kinderspiele fallen am Sonnabend aus. Vereinskalender Donnerstag, 16. Juni Deutscher Transporterbeiter- Berband. Betriebsräte, Betriebsobleute ber Glas and Teppichreiniger nachmittags 4 Uhr Neue Jakobstraße 1: Bersammlung. Freitag, 17. Juni Deutscher Transportarbeiter Berband. Sandelshilfsarbeiter und arbeiterinne aus den Betrieben der Schuhfabrikation und Schuhgroßhandels. Abends 5 h im Lotal von Karl Witte, Boststraße 29, wichtige Gruppenversammlung. Sandelshilfsarbeiter und arbeiterinnen aus den Betrieben bes Bodenleberhandels Abends 7 Uhr im Lotal von Karl Witte, Boftstraße 29, wichtige Gruppenves fammlung. Branche Einzelhandel. Abends 7% Uhr im Gewerkschaftshaus Engelufer 14-15( großer Saal), Branchenversammlung.. Berantwortlich: für Politik u. Feuilleton: Les Liebschy, Berlin- Friedenan für Kommunalpolitit, Lotales und Gewerkschaftl.: Robert Sensel, Berlin; für den Injeratenteil u. geschäftliche Mitteilungen: Ludwig Komerines Karlshort. Verlagsgenossenschaft Freiheit", e. G. m. 5. v., Berlin.- Deud ber Berliner Druderei 6. nt. b. 5., Berlin C2, Breite Str. 8-9. Frisches Fleisch Kalbskamm Kalbsbrust mit Knochen.. Pfund 850 .Pfund .Pfund 9.⁰⁰ 1100 .... Pfund 10% Pfund 1150 Pfund 1200 .Pfund 888 22 8 8 8 1050 Kalbskeule....... Hammel- Vorderfleisch Hammel- Keule........... Schmorfleisch Suppenfleisch. Gehacktes....... ...... Pfund 1080 Geräucherter Speck Junge Tauben..... Kaninchen gefroren, ohne Kopf und Füße Pfund Dänische Sahne..... Große Flasche 525 .Pfund 1100 Stück 7⁰⁰ 00 JANDORF Belle- Alliance- Str. Gr. Frankfurter Str. Brunnenstr. Kottbuser Damm Wilmersdorfer Str.