Einzelpreis 20 Pig.• . 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint morgens und nachmittags, Sonntags und Montags we einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Buftellung ins Haus für Groß- Berlin 1 M. im voraus jablbar. Für Poftbezug nehmen jämtliche Boftanstalten Bestellungen ents gegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Defterreich, Ungarn, Danzig, das Saarsu. Memelgebiet sowie die früheren deutschen Gebiete Bolens u.Luremburgs 20 m., Er das übrige Ausland 27 M. per Brief bez. für Deutschland u. Defterreich- Ungarn 95 M. Tedaktion, Expedition und Berlag: Berlin€ 2, Breite Straße 88. 21. Juni 1921 Nummer 284 Abend- Ausgabe, Die achtgespaltene Monpareillezette oder beren Raum koftet 5,- M. einschließlich Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgebruckte Wort 2- M., jebes weitere Wort 1,50 m. einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,20 m. netto pro Zeile. Stellen- Gesuche Wort- Anzeigen: das fettgetruckte Wort 1,50 M., jebes weitere Wort 1, Fernsprecher: Bentrum 15230-152 39 greiheit Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Die Schlagwetter- Explosion bei Herne Bis jetzt 71 Tote geborgen/ Weitere Todesopfer wahrscheinlich Herne, 21. Juni. Die Zahl der Todesopfer auf der Zeche Mont Cenis wächst Bon Stunde zu Stunde. Bis heute, 3 Uhr morgens, waren 71 Tote aus der Grube geborgen, außerdem find von den schwerverletzten Bergleuten sieben im Bochumer Krankens haus gestorben. Die Zahl der Verwundeten beträgt über 70. Zur Zeit der Explosion befanden sich auf der Zeche 1200 Mann. Die Bergungsarbeiten werden fortgesetzt. Man fürchtet, mit einer Gesamtzahl von 130 Toten rechnen zu müssen. Das Unglüd, das sich gestern mittag in den Schächten I bis II der Zeche Mont Cenis in Golingen ereignete, war auf eine Kohlenstaubexplosion zurückzuführen, die einen großen Grubenbrand verursachte. Eine erdbebenartige Erschütterung erfolgte. Man vermutete sofort ein größeres Grubenunglück. Alles strömte zu dem Zecheneingang, der bald darauf von einem Aufgebot von Polizei und Gendarmerie, die durch Abteilungen der NachbarStädte verstärkt wurden, besetzt wurde. Vor den Zechentoren spielten sich erschütternde Szenen ab. Unaufhörlich förderte das Seil Verwundete und Tote zutage, die fast durchweg bis zur Untentlichkeit verstümmelt waren. Die Toten wurden in Schuppen der Nachbarschächte aufgebahrt, die Verwundeten nach Anlegung von Rotverbänden in die umliegenden Krankenhäuser gebracht. Die Explosion hatte sich auf der 5. Sohle ereignet, sie war aber so gewaltig, daß sie auch die 4. Sohle durchschlug und große Streden der unterirdischen Gänge in Brand sette. Zahlreiche Zahlreiche Bergleute befinden sich noch im Schacht, obwohl die Rettungs mannschaften der umliegenden Zechen alles daran segen, um an den eigentlichen Herd zu gelangen. Bis zum Hauptbrandherd hat man aber bisher noch nicht kommen fönnen. Es besteht auch die große Gefahr, daß noch eine zweite Explosion erfolgt. Viele Verwundete haben durch die giftigen Nachschwaden sehr gelitten. Von den 1800 Bergleuten, die auf der Zeche waren, fonnte ein sehr großer Teil durch die rechtzeitig benachrigten um liegenden Reviere noch über Tage gefördert werden. Die meisten Verlegten haben furchtbare Verbrennungen davongetragen. Auch Knochenbrüche und andere durch den Explosions schlag hervorgerufene Verlegungen sind festgestellt worden. Viele Verwundete haben durch die heftigen Nachschwaden sehr gelitten. Der durch die Explosion und den Brand in der Grube angerichtete Schaden ist sehr bedeutend und wird wahrscheinlich eine längere Betriebsstörung bedingen. Eröffnung der britischen Reichskonferenz glaube er jedoch zuversichtlich, daß sich die Welt langsam durch alle Eine Rede Lloyd Georges London, 20. Juni.( Reuter.) In der heutigen ersten Sigung der britischen Reichs tonferenz, auf der die Premierminister der Dominions anwesend waren, hielt Lloyd George eine Rede, in der er ausführte: Die Entwaffnung Deutschlands kann als gelöstes Problem bezeichnet werden. Die deutsche Flotte ist verschwunden, ebenso die österreichische. Die deutsche Armee, die eine gewaltige Macht darstellte, und nach Millionen zählte, besteht nicht mehr. Sie ist jetzt wenig mehr als hunderttausend Mann start. Sie hatte zehntausende von Geschützen, große und fleine, und hat jetzt wenige hunderte. Sie hatte eine außerordentliche Zahl von Maschinengewehren und Grabenmörfern. Auch diese sind dahin. Sie hatte Millionen von Gewehren. Sie wurden abgeliefert. Ferner ungefähr dreißig Millionen Schuß Artilleries munition. Auch diese sind ihr genommen. Freilich bestehen noch einige Arten von irregulären Formationen, die wir noch nicht völlig erfaßt haben. Es ist nicht so sehr Preußen, das zur Beunruhigung Anlaß gibt, als Bayern. Diese Schwierigkeit wird aber, wie ich annehme, in sehr turzer Zeit überwunden sein, so daß das Problem der Entwaffnung, ein sehr vitales, weil, solange Deutschland eine große Armee und starte Bewaffnung hatte, teine Garantie für den Frieden bestand, verschwinden wird. Diejenigen von uns, welche wissen, wie sehr Sieg und Nieders lage auf des Messers Schneide stand, tönnen ohne Zögern erklären, daß ohne die zwei Millionen Mann, die von außerhalb des Ver einigten Königreichs tamen, das Preußentum wahrscheinlich im Westen und Often triumphiert haben würde, bevor die ameritanischen Truppen an der Front eintrafen. In diesem Falle würde Lord Curzon, der zurzeit mit Briand die Ausführung des Bers trages ber Sieger erörtert, jetzt darüber beraten müssen, wie die demütigenden von den triumphierenden Kriegsherren Deutschlands auferlegten Bedingungen auszuführen seien. Die Herrschaft un gezügelter Gewalt würde am Ruder sein, und die jetzige Genetation würde ihre Tage damit verbringen müssen, diese verhäng- i nisvolle Tatsache auf allen Gebieten der menschlichen Tätigkeit zu erdulden. Die zwanglose Einheit des britischen Reiches hat Frankreich, England und die Zivilisation vor jener Katastrophe gerettet. 3war seien die Fragen der Entwaffnung Deutschlands und der Reparationen gelöst, aber der Weltfrieben werde erst wieder hergestellt sein, wenn die Grenzen Bolens festständen und der Friede mit der Türkei geschlossen sei. Das erste Erfordernis für einen dauerhaften Frieden sei, daß die Unterzeichner die Verträge einhalten müßten. Freundschaftliches Zusammenwirten mit den Vereinigten Staaten sei der Hauptgrundsay Englands, das bereit sei, mit den amerikanischen Staatsmännern jeden Vorschlag über eine Begrenzung der Rüstungen zu besprechen, denn England, dessen Existenz von der Seemacht abhänge, habe nur seine Sicherheit im Auge. Japan sei ein treuer Verbündeter Englands gewesen und die britische Politik tönne niemals irgendwelche Unterschiede zwischen Rasse und 3ivilisation, zwischen Often und Westen machen, denn dies tönnte für das Reich verhängnisvoll sein. Lloyd George erklärte zum Schluß, bas britische Reich gründe sich nicht auf die Gewalt, sondern auf den guten Willen und gemeinsames Verständnis. Nach einer späteren Meldung erklärte Lloyd George noch in feiner Rede, mit der er die britische Reichstonferenz eröffnete, es würden Jahre vergehen, bis die Folgen des Krieges überwunden seien. Es gäbe europäische Länder, wo die Armut und die Not furchtbar feien. Troß vieler entmutigender Dinge Schwierigkeiten hindurcharbeiten werde. Es sei eine überaus ers mutigende Tatsache in der internationalen Lage, daß eine wachsende Ungeduld gegen diejenigen bestehe, die aus irgends welchen Beweggründen versuchen, die Welt in einem Zustand der Unruhe und der Empörung zu erhalten. Es sei eine immer größer werdende Ueberzeugung vorhanden, daß die Welt Frieden haben müsse, wenn sie je wieder gesunden solle. Die britische Reichskonferenz ist ein Ereignis von größter weltpolitischer Bedeutung. Sie hat den Zweck, die künftige besondere für die Erneuerung des englisch- japa Politik des englischen Weltreiches festzulegen. Das gilt ins nisses zu den Vereinigten Staaten. Die Konferenz nischen Bündnisses und die Gestaltung des Verhält selbst ist zusammengesetzt aus den Mitgliedern der englischen Regierung und den Premierministern der Dominien. Die Dominions sind die Kolonien mit völliger Selbstverwaltung, wie Südafrika, Kanada, Neuseeland, Austra lien und teilweise auch In dien. Ebenso wichtig wie die Festlegung der äußeren Politik des britischen Imperiums nisses der Tochterländer zum Mutterlande. Da die Doist die Gestaltung des inner staatlichen Verhält minien teilweise selbständige Wirtschaftsgebiete darstellen, ist die Aufgabe außerordentlich schwierig, dem Mutterlande die unumschränkte Führung zu erhalten. Doch steht diese wichtigste Angelegenheit des englischen Weltreichs jetzt nicht auf der Tagesordnung, sondern soll erst auf der Reichskonferenz 1922 beraten werden. Es scheint aber ausgeschlossen, daß eine Berührung dieses Problems schon jetzt zu vermeiden ist. Denn mit der Bündnispolitik hängt eng zusammen die Frage der militärischen Verteidigung zu Wasser und zu Lande und der Anteil, den die Tochterstaaten daran zu leisten haben. Die Geduld der Engländer zu Ende London, 20. Juni. „ Manchester Guardian" meldet aus Oppeln, wenn die Franzosen ihre Politik der Begünstigung der polnischen Infurgenten auf Schritt und Tritt fortseßen und jede geringe Schwierigkeit ausbeuten, um den Aufstand zu verlängern, dann fönne es zu einem ernstliche Bruch innerhalb der Interalliierten Kommission tommen. Die Geduld der britischen Mitglieder sei zu Ende. Es sei nötig, daß England wieder einen größeren Einfluß in der Kommission gewinne, oder aber eine unabhängige Attion ergreife. Im Unterhause erklärte 2loyd George auf eine Anfrage, er glaube nicht, daß es wünschenswert sein würde, augen blidlich eine Erklärung über die oberschlesische Frage abzugeben. Auf eine weitere Anfrage, ob die Gebiete, aus welchen fich die regulären deutschen Truppen zurüdgezogen haben, in die Hände der polnischen Insurgenten gefallen feien, antwortete Lloyd George, er sei darauf hingewiesen worden. Er glaube, daß diese Hinweise vollkommen richtig seien. Harmsworth erwiderte im Unterhause auf eine Frage, in Oberschlesien befänden sich zur Zeit als Mitglieder der Interalliierten Kommission 520 Personen, davon seien 294 Franzosen, 85 Jtaliener, 141 Engländer. Reuter meldet aus Paris, bei den Beratungen zwischen Lord Curzon und Briand über Oberschlesien sei flar zum Ausdrud gebracht worden, daß der Oberste Rat auf jeden Fall die endgültige Entscheidung treffen wird. Die Arbeiterverfolgungen in Ungarn 3m Auftrage des Internationalen Gewerkschaftsbureaus Amsterdam versendet Edo Fimmen einen Bericht über bie Bedeutung und Berechtigung des internationale Bontoits gegen Blutungaza, dem wir folgenbes entnehmen. Als der Internationale Gewerkschaftsbund im Juni des vergangenen Jahres den Boykott über Ungarn verhängte, trat er als Beschüßer der Rechte und Freiheiten auf, die ber Friedensvertrag von Versailles den Arbeitern feierlich vers bürgt hatte. Ende 1919 wurden zum erstenmal glaubwürdige Berichte über den weißen Schreden in Ungarn bekannt. Während der ersten Monate 1920 häuften fich die Nachs richten über die Massenmorde und Masseninternierungen. Gegenüber dieser europäischen Schmach, die von allen ge duldet wurde, die sie hätten verhindern fönnen, empfand es der Weltbund der Arbeiter nun als seine sittliche Aufs gabe, als neuer Souverän den Mächten entgegenzutreten, die für Gewalt und Willtür eintraten oder sie zuließen. Wie wenig die mit gewissenloser Beschönigung verfochtene Phrase zutrifft, daß es sich nur um Ausschreitungen ein zelner handle, dafür ist jetzt ein neuer Zeuge entstanden. Das Internationale Arbeitsamt in Genf hat einen Bericht ihrer nach Ungarn entsendeten Kommission über die Freiheit der Gewerkschaften in Ün. garn herausgegeben. Das Bestreben, nichts als Tatsachen zu vermitteln oder, wo diese nicht objektiv festzustellen waren, durch Gegenüberstellung der verschiedenen Ansichten diejenige hervortreten zu lassen, die der Wirklichkeit am nächsten tommt, hat die parodore Wirkung, daß- ohne ein heftiges Wort diese nüchterne Schrift zu einer leiden schaftlichen Antlage der Regierung der Herren Te leti und Horthy wird, auf deren ausdrüdliche Bitte das Internationale Arbeitsamt die Kommission entsendete. Die ungarischen Behörden gingen mit dem Begriff bes Kommunismus verschwenderisch um. Tatsächlich war diese Parole nur ein Vorwand, um gegen den Sozialis mus und gegen die Arbeiterschaft überhaupt Sturm zu laufen und trotz der mächtigen europäischen Bewegung für die Befreiung der Arbeit die Rechte der ungarischen Ar beiter noch unter das erbärmliche Mindestmaß herabzubrücken, mit dem sie vor der Karolyi- Revolution zufrieden sein mußten. In feinem freiheitlichen Staate gibt es andere Grenzen des Vereinsrechtes als die Bestimmungen der Straf gesege. In Ungarn werden nur Vereine geduldet, beren Bildung im sogenannten öffentlichen Interesse" wünschens wert ist. Nur ihnen werden die Statuten bewilligt. Die Gewerkschaften gelten nicht als Vereine von öffent lichem Interesse. Ohne die Gewerkschaften, sagte der un garische Justizminister, hätte man den Kommunismus nicht organisieren fönnen. Diese Behauptung fann mit um fo mehr Recht als eine„ tattische Lüge" bezeichnet werden, als die sozialistische Opposition gegen den dottrinären Kommu nismus gerade in den Gewerkschaften verkörpert war, wie der Bericht ausdrücklich hervorhebt. Aber darauf tam es nicht an. Die Absicht war, die Rechte der Arbeiter dadurc zu treffen, daß man ihre Organisationen zerstörte Der Bericht bestätigt alle Nachrichten über die Unter drückung der Gewerkschaften. Vor allem in der Proving wurden die Gewerkschaftsbureaus suspendiert. Die Gelder wie die Bibliotheken wurden beschlagnahmt. Meistens wur den die Gewerkschaftslotale requiriert. In manchen Fällen wurden sie durch militärische Abteilungen belegt. Die Ortsgruppen wurden aufgelöst oder konnten wegen des offenen Terrors nicht in Funktion treten. Bis zu einer im August 1920 also nach dem Boykott erscheinenden Verordnung durften zum Beispiel die Bergarbeiter fast teine Versammlungen abhalten; diese wurden nahezu ausnahmslos von der Polizei verboten. Es tam vor, daß der Obers Stuhlrichter eine Gewerkschaftsversammlung erlaubte, aber die Erlaubnis zurückzog, weil die Offiziere die Versamm lung verboten. Die Gewerkschaftsführer, die Vertrauens leute wurden verhaftet und massenhaft inter. niert. Ungefähr 150 Mitglieder der Gewerkschaft der Handelsangestellten, nicht weniger als 1500 von den Holz arbeitern waren länger interniert. Eine Disziplinarkommission hat in einem geheimen Ver fahren ungefähr 3000 Beamte, die sich in der nach der Oftoberrevolution neu gegründeten Gewerkschaft der Be amten betätigt hatten, in 90 Prozent der Fälle mit Ents laffung, in 10 Prozent mit anderen Disziplinarstrafen be straft. Gegen dieses Urteil gab es feine Revision. Es tönnen nicht alle Gewerkschaften erwähnt wer ben, die kurzerhand aufgelöst oder in christlichsoziale umgewandelt wurden. Zu den„ fozialpolitischen Reformen" der Horthyregierung gehört die zunächst für ein Jahr geplante Prügelstrafe. Sie fann an Stelle der Gefängnisstrafen unter zwei Jahren treten. Sie tann aber auch als Disziplinarstrafe in den Ges fängnissen dienen. Tatsächlich ist sie in unzähligen Fällen von Offizieren und Polizisten brutal angewendet worden. Die herrschende Rechtsauffassung stempelte schon die tom munistische Ueberzeugung zu einem Verbrechen an der Ges sellschaft. Gegen Sie war der schlimmste Sabismus gerabe gut genug. Ueberdies verhindert die Prügelstrafe, daß die Ueberfüllung der Gefängnisse, die jetzt überreichlich belegt sind, noch schlimmer wird." Die Stellung der Bergwerke unter militärische Aufsicht wurde merkwürdigerweise gerade zu einer Zeit perhängt, als die Behörden fürchteten, daß die Bergarbeiter, ermutigt durch die Solidarität ihrer Kameraden in den an deren Ländern, die in dem Boytott zum Ausdruc tam, die Ketten dieses Regimes abschütteln würden. An zwei bis drei Tagen der Woche arbeiteten sie an ihren unterirdischen Galeeren zwölf Stunden, an den anderen acht. Die Regierung plante die Einführung des zehnstündis gen Arbeitstages." Wir haben Ueberstunden vor= geschrieben", sagte ein Unternehmer mit unerhörtem 3ynismus,„ wenn wir fanden, daß die Löhne nicht ausreichen. Die Christlichsozialen fanden diese Maßnahmen völlig gerechtfertigt." Den Bergarbeitern war es verboten, ihren Beruf zu wechseln; sie hatten nicht das Recht, das Bergwerk zu verfaffen; auf unerlaubte Entfernung stand eine Gefängnis strafe von zwei bis vier Monaten. Aber die Gesellschaft hatte das Recht, sie in jedem Augenblic, auch ohne Angabe von Gründen, vor die Tür zu setzen. Flohen sie und wurden gefaßt, so brachten Gendarmen sie wieder an die Arbeit. Ihre Versammlungen wurden verboten. Als man sie später gelegentlich erlaubte, waren selbst bei den fleinsten Versammlungen Polizeibeamte und Gendarmen zugegen. Kritik an den Bergwerksgesellschaften durfte nicht geübt werden, sonst fielen die Gendarmen dem Redner ins Wort. Diss fussionen über Lohnerhöhungen waren verboten. Ihre Vertrauensmänner wurden willkürlich verhaftet, von vertierten Offizieren geschlagen. Einen von ihnen, den sie halb tot prügelten, schrei ein Oberleutnant an: Wenn du verrecst, du Hund, würde ich höchstens vierzehn Tage Kasernenarrest friegen; ich werde dich in den Graben werfen und das Wasser wird dich davonschwemmen." Diese Aeußerung ist fennzeichnend für den Ton, in dem mit den Arbeitern ,, verhandelt" wurde, und zugleich eine Erklärung aus berufenem Munde für die regelmäßigen Leichenfunde in den ungarischen Flüssen. Man kann es nach diesen Tatsachen verstehen, daß die Horthy- Regierung jeden Ungarn mit schwerster Strafe bebroht, der daheim oder im Ausland Protest erhebt gegen biejes ruchlose System und die Schande seines Landes nicht aus falschem Nationalstolz verheimlicht. Aber feine noch so drafonische Maßnahme fann verhindern, daß sich die Wahrheit Bahn bricht. Es bedurfte feiner moralischen Be= gründung des Boykotts mehr, dennoch bekräftigt Sieser sachliche Kommentar zur Politit der ungarischen Regierung noch einmal ausdrüdlich sein sittliches Recht. Aber nicht nur das! Er zeigt auch, daß der Boykott wesents liche Wirkungen hervorgebracht hat, obwohl er nicht zu vollem Erfolge führte. Er hat in der ungarischen Arbeiterschaft einen freudigen Widerhall gefunden. Er hat ihr Selbstbewußtsein belebt, ihr Vertrauen gestärkt. Auch ist es tein Zufall, daß die wenigen Erleichterungen des Vereinsrechtes, zu denen sich die ungarische Regierung im August 1920 entschloß, dem Bontott folg= fen. Von den Ministern bis hinab in die Reihen der Provinzbeamten hinein ist der Bontott als Menetetel des Systems empfunden worden. Die Reaktion hat die Macht verspürt, die ihr schließlich das Ende bereiten wird. Verschärfung der Geschäftsordnung Daß die Vorgänge im Reichstage während der Sihungen am Freitag und am Sonnabend den Rechtsparteien Veranlassung geben würden, den Versuch zur Verschärfung der Geschäftsordnung zu machen, war zu erwarten. Ein darauf abzielender Antrag ist auch inzwischen eingebracht worden. Er stammt von dem deutsch volksparteilichen Abg. Prof. Dr. Kahl und fordert die Aende rung der Geschäftsordnung im folgenden Sinne: Wenn ein Abgeordneter den Anordnungen des Präsidenten oder eines Vizepräsidenten trok dreimaliger Verwarnung nicht Folge leistet, fann er für die Dauer von vier Wochen von den Sihungen des Reichstages ausgeschlossen werden. Für diese Zeit wird dem betreffenden Abgeordneten Theater Rundschau Weberfeier der Staatsoper. Bor 100 Jahren fand in dem früheren Königlichen Schauspielhaus die erste Aufführung von Webers Freischüt" statt, Dorgestern nach hundert Jahren, die 739. Wenn sich ein dramatisches Wert hundert Jahre auf der Bühne erhält, dann hat es wohl besondere Qualitäten. Wieviele tausende Werte find seitdem geschaffen und vergessen worden. Der Freischüß" lebt aber nicht allein auf der Bühne, er lebt tatsächlich im Bolt, tausendmal stärker als der ganze Wagner und vielleicht läßt sich nur Mozarts Don Juan" an Popularität mit ihm vergleichen. Der Freis Schüz" ist aber noch in einer anderen Beziehung bemerkenswert. Er gehört zu den wenigen Kunstwerken, die bie Spaltung in unserer Kultur zwischen Boltsmasse und Gebildeten überwunden haben. Allen singt dieses herrliche Wert aus dem Herzen, und nicht nur die Kinder, die jungen Mädchen und die Alten, auch dem Musiker bedeutet dieses Werk viel, auch er spürt eine wahr hafte Liebe für den prachtvollen Mann, der diese Musit geschaffen, für den Künstler, der sie wunderbar belebt und bis ins einzelne durchdacht und abgewogen hat. Die Die neue Inszenierung des Wertes stellte die Leitung vor folgendes Problem: sollte das, was die Musik malt, auch im Bilde gezeigt werden, und wenn ja, in welchem Umfang? Lösung war ohne fünstlerische Entschiedenheit. Die Romantit von Wald und Luft tam in den Kulissen von Emil Pirchau in einer schon etwas schal modernen Stilisierung heraus, und die Wolfsschlucht verzichtete nicht darauf, die Schreden der Mitternacht so wie die Musik zu zeigen, zeigte sie aber wieder nur halb und phantasielos. Hübsch waren dagegen Agathes Zimmer, und die Kostüme hatten historische Farbe, ohne daß eine bestimmte Zeit festgelegt worden wäre. Die Aufführung war musikalisch unter Dr. Frit Stiedry sauber und langvoll, doch hätte das Orchester oft weniger straffen Rhythmus nehmen tönnen. Weber ist leichter, romanzenhafter. Das beste auf der Bühne war der Chor, der mit schmetternder Fröhlichkeit sang, und Heinrich Schlusnus in der fleinen Rolle des Ottofar. War das schön und groß gesungen! Die Agathe war eine zarte, beseelte, etwas zurückgehaltene Leistung der auch darstellerisch sehr feinen Elfriede Marherr Wagner. Der Caspar von Otto Selgers ein guter, typischer Opern ,, dämon". Sutt als Mar, die Bespermann als Aennchen waren Mittelmaß; mit gediegener Kunst der Nebenrolle rundeten Zador und Braun die Aufführung ab. Mit dem Freischüig" hat die Staatsoper ein ungemein reiches und erfolgreiches Arbeitsjahr abgeschlossent, auf das der Intendant v. Schillings mit Stoly zurüdbliden fann. Niemals vorher ist die Kunst der Lebenden so nobel und liebevoll gefördert worden. Vier moderne Meister: Reznicet Schrefer, Strauß, Busoni famen zu Wort. Das neue Spieljahr soll eine würdige Neugestaltung tassischer Werte von Glud, Mozart, Weber, die Ausweiskarte entzogen und die Aufwandsentschädigung gesperrt. Anscheinend in Erwartung dieses Antrages, den wir für un= 3 medmäßig und schädlich halten, haben die Kommunisten ihre Tattit im Parlament geändert. Wie lange, das ist allerdings eine andere Frage. Genoffe Aderhold gestorben Hannover, 20. Juni. der vergangenen Nacht am Alter von 37 Jahren gestorben. Der Reichstagsabgeordnete Karl Aderhold( U. S. P. D.) ist in Aderhold war am 30. Juni 1884 zu Stolberg a. Harz geboren; Dissident. Besuchte von 1890 bis 1898 die Volksschule in Stolberg, nahm von 1898-1902 am Unterricht in der Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Hannover teil, erlernte in vierjähriger Lehrzeit das Tischlerhandwerk, war bis Ausbruch des Krieges als Tischlergeselle tätig, von da bis zum Ausbruch der Revolution Werkführer einer Tischlerei. Stadtverordneter in Hannover. 1919/20 Mitglied der Verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung. In Aderhold verliert die sozialistische Bewegung einen trotz Tischler. Bon Jugend an gewerkschaftlich und politisch organifeiner Jugend bewährten Kämpfer. Er war von Beruf Tischler. Von Jugend an gewerkschaftlich und politisch organi siert, stand er seit vielen Jahren mit an vorderster Stelle in der Arbeiterbewegung. In der revisionistischen Hochburg Hannover fämpfte A. schon vor dem Kriege gegen die Berwässerung der sozialistischen Grundsäge und Tattit, manchen harten Strauß hat er dieserhalb als Mitglied der Preßfommission des Volkswillen" ausgefochten. Im Kriege arbeitete der Verstorbene schon frühzeitig mit aller Kraft gehörte dann zu einer in Hannover gegründeten Liebknechtgegen die Kriegspolitik der Partei und Gewerkschaften. Er Gruppe. Bei Spaltung der Partei 1917 trat er sofort zur U. S. P. über. Der Kampf in Hannover um die Grundsätze der U. S. P. war äußerst schwierig; nur ein fleines Häuflein von etwa 25 Mann stand beim Ausbruch der Revolution zu unseren Fahnen. A. ließ sich im Kampf bei Wind und Wetter nichts verdrießen. Sein Körper war aber den Strapazen nicht gewachsen. Das Darben während des Krieges schuf in ihm den Keim seiner Krankheit: der Schwindsucht. Aber auch mit diesem Leiden behaftet, arbeitete A. ohne Echonung unermüdlich weiter. Beim Ausbruch der Revolution wurde er Beigeordneter im Polizeipräsidium. Nach Monaten wurde er dort mit Hilfe der Rechtssozialisten entfernt. Auch als Stadtverordneter wurde er gewählt. Bei der Wahl zur Nationalversammlung stand er an zweiter Stelle auf der Kandidatenliste. Nachdem Merges sein Mandat niedergelegt hatte, trat 2. an seine Stelle. Jm Parlament arbeitete er solange es seine Gesundheitsverhältnisse gestatteten, eifrig mit. Seit auszuüben, nachdem er vorher bereits einige Monate in April d. J. war er aber nicht mehr in der Lage, sein Mandat einer Lungenheilstätte zugebracht hatte. Sein Leiden warf ihn auf das Krankenbett, das auch sein Sterbelager wurde. Um ihn trauert neben seinen Genossen, die seine wertvolle Arbeit und seinen reinen, edlen Charakter stets hochschätzten, seine Frau und brei unmündige Kinder. An Stelle des Genossen Aderhold wird der Genosse Boß, Geschäftsführer des Metallarbeiterverbandes in Braunschweig, in den Reichstag einziehen. Bedingte Strafausseßung Durch Erlaß des Reichspräsidenten vom 24. April 1921 ist der Reichsjustizminister für befugt erklärt worden, die auf Grund der Verordnung vom 29. März 1921 gebildeten außerordentlichen Gerichte zu ermächtigen, die Vollstreckung gerichtlich festgesetter Freiheitsstrafen von nicht mehr als 6 Monaten unter Bestimmung einer Bewährungsfrist auszusetzen, eine bewilligte bedingte Strafausseßung zu widerrufen und Freiheitsstrafen von nicht mehr als 6 Monaten sowie Geldstrafen, zu deren Ersatz solche Freiheitsstrafen festgesezt sind, nach Ablauf ber bewilligten Bewährungsfrist zu erlassen. Der ReichsjustizWagner bringen. Zugleich wird die Staatsoper, wenn das zweite Saus der Boltsbühne am Königsplay fertig wird, die Aufgabe der doppelten Opernvorstellungen und der volkstüm lichen Kunstpflege zu lösen haben. Zahlreiche Probleme liegen also auf dem Wege. Um so mehr ist zu hoffen, daß alle mitwirkenden Kräfte unter Ueberwindung innerer Unstimmige teiten und persönlicher Differenzen gemeinsam und vorbehaltlos ihr Können in den Dienst des Staatsinstitutes stellen werden. Felig Stöffinger Die Lotalbahn Diese Komödie von Ludwig Thoma veräppelt in drei Atten die deutschen, besonders die süddeutschen, ganz besonders dié bayrischen, spezialiter die dorrsteiner Bürger, die feine Bürger, sondern Untertanen sind. Thoma macht sich luftig über die politischen und nationalen Phrasen, über den Männerftolz vor Königsthronen, der alle fünf Minuten umfällt, über die Gechäftstüchtigkeit und Habgier, die sich hinter großen Worten ver birgt, über die gehorsamen Untertanen, die damit drohen, daß fie Sozialdemokraten werden" wollen, wenn sie unzufrieden" sind, über bürgerliche Eltern, die ihre Kinder verheiraten wollen, tofte es was es wolle, und noch über tausend andere menschliche und vor allem deutsche und ganz besonders spießbürgerliche Schwächen, oder sagen wir lieber: Laster. Aber er nimmt diese Laster, diese gemeine Gesinnung, diese hündische Feigheit und unwürdigen Schmugereien durchaus nicht tragisch. Er geißelt sie nicht; er macht sie nur ein bißchen lächerlich. Im ersten Att bringt die tapfere Bürgerschaft ihrem Bürgermeister ein Ständchen, weil er dem Minister, der die Lokalbahn nicht so bauen will, wie die fleine Stadt es will, gehörig die Meinung gesagt hat. Im zweiten Art erfährt der Zuschauer( aber, die Bürgerschaft erfährt es nicht), daß der Herr Bürgermeister dem Minister durchaus nicht die Meinung gesagt hat, sondern ganz bescheiden und höflich geblieben ist. Und im dritten Att bringt die Bürgerschaft ihrem Bürgermeister wieder ein Ständchen, weil er sich bereit erklärt hat, den Zorn des beleidigten Mi nisters, vor dem sie alle zittern und beben( und von dem sie nicht wissen, daß er gar nicht beleidigt ist) durch eine Entschuldigung wieder zu besänftigen. Also eine Verspottung des gehorsamen, feigen und großschnäuzigen deutschen Untertanen. Diese Komödie wurde im Neuen Boltstheater schlecht und recht gespielt. Aber mehr schlecht wie recht. Die Regie zog alles unerträglich in die Länge. Die Familie des Bürgermeisters sprach ein in der bayrischen Umgebung unerträgliches Berliner Sochdeutsch. Und nur die Herren Schweizer, Nürnberger, Rübler und Frl. Elburg in ganz tleinen Rollen brachten einen erträglichen bayrischen Dialett zustande. Abgesehen von diesem sehr störenden Dialettmangel, brachten die Herren Lion, Lastowski und Fürst und Edit Angold ganz nette Typen zustande, die bescheidenen Provinzansprüchen durchaus genügen werden. Und da am Schluß des ersten und legten Attes die Regie für einen tomischen Aufmarsch eines tomischen Gesangvereins( die Kapelle allerdings spielte längst nicht falsch genug!) gesorgt hatte, so thatsche das Publikum. minister soll nach dem gleichen Erlaß die ordentlichen Ge richte für den Fall, daß die Tätigkeit eines außerordentlichen Gerichts endet, mit Zustimmung der zuständigen Landesjustizverwaltung ermächtigen dürfen, die bedingte Strafausseyung zu bewilligen oder zu widerrufen und die Strafe nach Ablauf der Bewährungsfrist zu erlassen. Für die in Preußen eingerichteten außerordentlichen Gerichte sind nun für den Fall, daß ihre Tätigkeit endet, die vorstehenden Befugnisse durch Erlaß des Reichsjustizministers vom 10. und allgemeine Verfügung des preußischen Justizministers Dom 15. Juni 1921 den ordentlichen Gerichten zugewiesen worden. Ferner hat das preußische Staatsministerium für solche Fälle, in denen die Aussehung der ganzen Strafe als eine zu weitgehende Vergünstigung erscheint, die Gerichte auch zur teilweisen Auslegung ermächtigt. Diese ist dann auch bei Freiheitsstrafen von mehr als 6 Monaten zulässig, falls der auszusetzende Teil der Strafe nicht mehr als sechs Monate beträgt. Wenn auch durch diese Verordnungen manches verfehlte Urteil der Ausnahmegerichte gut gemacht werden fann, so bleibt doch die Notwendigkeit einer allgemeinen Amnestie unver mindert bestehen. Xylanders Diftaturgelüfte Der ,, Regensburger Anzeiger", der vor furzer Zeit den Oberften xylander beschuldigt hatte, daß er auf die Errichtung einer Dittatur Xylander- Escherisch hinarbeite, schreibt nun zu dem Des menti des Herrn Obersten Xylander: Serr Oberst Xylander leugnet. Wir betrachten diese Verleugnung seines eigenen Tuns und Redens als den Anfang einer besseren Einsicht. Sollte diese anhalten, und sollte Herr v. Xylander wenigstens drei Monate nichts mehr von sich hören lassen, dann werden auch wir uns weiter mit Oberst v. Eylander als Politiker nicht mehr beschäf= tigen. Sollte er aber in dieser Zeit wieder als Politiker auftreten, dann müßten wir deutlicher werden. stehen 3eugen genug zur Verfügung." Es Diese Aeußerung des flerikalen Blattes läßt darauf schließen, daß die Dementis des Herrn v. Xylander glatte Lügen sind, und daß die Behaptung des„ Regensburger Anzeigers", Xylander arbeite auf die Errichtung einer Dittatur hin, teineswegs aus der Luft gegriffen waren. Die Landtagsfraktion der U. S. P. brachte einen Antrag ein, in dem sie die Saftentlassung der noch in Festungshaft bes findlichen zwei unabhängigen und vier tommunistischen bayrischen Landtagsabgeordneten fordert. Wie in Bayern entwaffnet" wird Amtliche Stellen verkünden immer wieder, daß die Entwaffnung in Bayern in befriedigender Weise durchgeführt wird. Befriedigend sicher, es fragt sich nur, wer befriedigt ist von der Art der Durchführung. Nach unserer Meinung nur die Einwohnerwehr selbst, die nämlich die Waffen behält oder, soweit sie sie abgeliefert hat, wiederholt. So lesen wir im Freisinger Tageblatt" nach der„ befriedigenden Waffenablieferung" folgenden Aufruf: „ Nachdem auf verschiedene Waffenfammellager Ueberfälle versucht worden sind, ist mit dem Führer der Landfahne nachStehende Vereinbarung getroffen worden: Den Schutz des Depots Freising übernimmt die Landfahne Weihenstephan. Der hierzu benötigte Teil der Landfahne empfängt im Laufe des heutigen Tages die eingelieferten Waffen und Munition wieder zurück. Rüdeinlieferungstermin wird wieder bekanntgegeben. Die Einteilung des Wachtdienstes, der Bereitschaften usw. tegelt der Führer der Landfahne. Den Wachtmannschaften stehen Aufrufgelder zu. Zeiten des Waffenempfangs gibt der Führer der Landfahne bekannt. Einwohnerwehr- affendepot Freising: Weiß." Die bayerischen Einwohnerwehrleute spielen also Komödie, und das wird nicht eher anders, als bis die Einwohnerwehren nicht nur entwaffnet", sonder auch aufgelöst werden! Eine englische Streifftatistik. Gine amtliche Berechnung des Arbeitsministeriums teilt mit, daß in England im Mai 65 Lohnbifferenzen, die Arbeitseinstellungen zur Folge hatten, ausgebrochen sind und 160 weitere in diesem Monat noch in der Schwebe waren. Es wäre vielleicht besser gewesen, man hätte gepfiffen. Nicht der Regie oder der Schauspieler wegen( obwohl beide besseres hätten leisten können), sondern ganz einfach: weil dies Stück von Ludwig Thoma ist. Man tomme mir nicht mit dem schönen Wort, daß die Kunst doch über den Parteien und über der Politit stehe! Erstens ist das Stüd gar tein Kunstwert, sondern ein Unterhaltungsscherz mäßigen Kalibers. Und zweitens steht die Kunst zwar über den Parteien und über der Politif, aber nicht über der Gesinnung und über den elementarsten Gesezen der Anständig= teit. Eine Volts-, eine Arbeiter- Bühne dürfte ein Stück von Ludwig Thoma nicht aufführen! Nicht weil dieser Mensch politisch rechts steht( von mir aus fönnte die Volksbühne die gesammelten Dramen des Grafen Reventlow aufführen, wenn fie fie für dichterisch wertvoll hält), sondern weil dieser Mensch einer der unwürdigsten, tiefstehenden und verächtlichsten Literaten Europas ist. Solange mit der Opposition noch ein Geschäft zu machen war, führte er im„ Simplicissimus" einen papiernen und, wie man zu= geben muß, wigigen Kampf gegen bayrisches Pfaffenduntel und preußischen Militarismus. Als im Kriege diese Opposition ge= fährlich wurde, fiel er einfach um, tagbudelte vor jeder Uniform, wichste den Stiefel, den er vorher bespuckt hatte und betrieb vom sicheren Schreib- und Biertisch aus die amtlich gewünschte und bezahlte Kriegsheye in einer selbst für deutsche Berhältnisje besonders rohen Weije. Nach der Revolution gar hat er sich rechtzeitig mit den bayrischen Pfaffen, an denen er früher nicht ein gutes Haar ließ, versöhnt und zieht nunmehr Arm in Arm mit diesen Schwarzröden gegen alles das zu Felde, was er früher verherrlicht hat. So eine Gesinnung weiß man in Bayern zu würdigen: man hat ihn zum Mitarbeiter des„ Miesbacher Anzeiger" gemacht. Statt aller Charakterisierungsversuche, eine Probe von der Art und Weise dieses Thoma- Organs:„ Ochsenziemer gibt es bei uns genug, die Messer müssen gewegt werden, Die Säue müssen geschlachtet werden, bei der nächsten günstigen Gelegenheit müssen sie gestochen werden." Und zur Erläuterung sei gesagt, daß mit den„, Säuen", die abgestochen werden müssen, die Juden, die Sozialisten und die Demoiraten gemeint sind, was für Leute von Miesbacher Intelligenz allemal dasselbe ist. Nun, Ludwig Thomas Schicksal ist besiegelt. Frank Wedekind, der thn tannte und durchschaute, hat ihm schon vor Jahren, als er noch beim Simpliciffimus" war, in seiner Satire Daha" ein verdientes Denkmal gejekt. Seuchlerisch, gemein und zoh schildert thn Wedekind und so wird sein Bild dastehen, bis man ihn Dergift. Daß aber das Boltstheater, eine Arbetterbühne, acht Tage, nachdem die Sau" Gareis ermordet ist, wie der Miesbacher Anzeiger" es gewünscht hat, das Stüd eines Menschen aufführt, dessen gemeine Sege mitschuldig ist an diesem Mord wie an allen Verbrechen der Kahr- Regierung, das ist ganz einfach ein Standal. Der Spielplan dieses Theaters ist schon seit längerer Zeit einer Arbeiterbühne durchaus unwürdig, aber daß nach Ludwig Fulda und nach einem katholischen Propaganda- und Kinderstüd nun ouch noch Ludwig Thoma an die Reihe tommt, das ist die Höhe. Oder die Tiefe wie man will. Hans Giemsen Der Bruderkampf der Kommunisten gegen die Arbeiter Die Haltung der„ Roten Fahne" zu ben verabscheuungswürdigen Vorgängen, die sich gestern im Gewerkschaftshaus zugetragen haben, ist der beste Beweis dafür, daß die Kommunisten als die Veranstalter und Organisatoren der De monstration planmäßig die Atmosphäre ge= Ichaffen haben, in der es zu den Gewalttaten gegen Gewerkschaftsbeamte tommen mußte. Kein Wortdes Be dauerns, tein Wort der Verurteilung über die Mißhandlung eines alten wehrlosen Menschen, der seit vielen Jahrzehnten seine volle Pflicht in der Arbeiterbewegung erfüllt hat, findet sich in ihr, dafür aber eine so ge= wissenlose Entstellung des Sachverhalts, daß daraus ohne weiteres die Absicht hervorgeht, die Erregung fünstlich weiter zu steigern, damit es nicht bei diesem einem Gewaltakt bleibt. Die Rote Fahne" schreibt: Türen verschlossen. ,, Sabath, von der Berliner Gewerkschaftskommission, erflärte, „ er lehne es ab, vor Unorganisierten zu sprechen". Er läßt die Kommission stehen und fümmert sich um nichts! Die Kommis ston geht zum A. D. G. B. Dort sind die Türen verschlossen. Nach längerem Klopfen wird geöffnet, und Wissel, der ehemalige Reichsplanwirtschaftsminister, erklärt ebenfalls, nicht vor den Arbeitslosen sprechen zu wollen. Diese Erklärungen erfahren die Arbeitslosen. In ungeheurer Erregung setzen fich die Menschenmassen in Bewegung, tros des Eispruchs der Ordner, und marschierten zum Gewerkschaftshaus. Wie wurden sie da empfangen? Gewerkschaftsangestellte schingen blindlings mit Totschlägern, Bleis und Gummifnüppeln auf die Unbewaffneten ein. Sabath wurde eine 50 Zentimeter lange Eisenstange, mit der er zuschlug, abgenommen. Auf Ant ruf des A. D. 6. B. rüdten zwei Hundertschaften Sipo an, die in Schüzenlinien die auf dem Engelufer Stehenden abdrängten mit schußfertigen Gewehren. Auch dazu bestand teine Not wendigkeit, denn besonnene Führer hatten die Ruhe bereits selbst hergestellt. Allein die Gewerkschaftsbureaukratie wollte die Arbeitslosen bewußt provozieren." Die Darstellung der„ Roten Fahne" trägt den Stempel ber gemeinen Lüge auf der Stirn. Es ist einwandfrei festgestellt worden, daß die sechs auf dem Hofe anwesenden Gewerkschaftsangestellten ohne jede Waffe waren. Auf den Genossen Sabath wurden bei dem ersten Versuch, zu der Masse zu reden, sofort mit allerlei gefährlichen Instrumenten eingeschlagen. Ebenso erlogen ist, daß die„ Gewerkschaftsbureaukratie" die Arbeitslosen bewußt provozieren wollte. Gerade das Gegenteil ist geschehen. Obwohl man wußte, daß die Kommunisten die Arbeitslosen zum Sturmbod gegen die Gewerkschaften und ihre Angestellten benutzen wollen, obwohl man wußte, daß daraus eine Gefahr für das Heim der Arbeiter und das Leben ihrer Angestellten entsteht, sind -wir sagen leider keine Sicherheitsmaßnahmen ge= troffen worden, die die Durchführung dieser Absichten von vornherein unmöglich gemacht hätten. Die Berliner Arbeiterschaft darf aber nun nicht mehr ruhig zusehen, daß Leute, die mit ihnen nichts mehr gemein haben und durch ihr Auftreten nicht nur einzelne Personen und Gegenstände, sondern, was noch viel schlimmer ist, das Ansehen der Arbeiterbewegung gefährden und ihre moralische Kraft erschüttern, ungehindert Unheil anrichten tönnen. Der Bruderkampf der Arbeiter gegen die Arbeiter, der tätliche Kampf gegen die Gewerkschaften, ihre Einrichtungen und ihre Personen, den die Kommu= nisten proflamiert haben, der muß auf einen so eisernen Wall stoßen, daß selbst diesen engstirnigen Menschen die Erkenntnis aufdämmert, daß ein anständiger, flassenbewußter Arbeiter feine Gemeinschaft mit ihnen haben fann. Von der Masse der Erwerbslosen aber erwarten wir, daß fie ebenfalls einsehen, daß der 3wed des Treibens der Kommunisten ja nicht die Wirkung hat, den Arbeitslosen zu helfen, sondern nur geeignet ist, ihr Elend noch weiter zu vergrößern, da es die Macht und das Ansehen der Arbeiterklasse schwer schädigt. Das Glüd im Winkel Der Leiter des Staatlichen Schauspielhauses, Serr Jeffner, ist Don Gerichts wegen dazu verurteilt, dies Stück von Sudermann zu spielen, das nicht von ihm, sondern noch von seinem wilhel minischen Vorgänger angenommen war. Und wir sind dazu verurteilt, all die falschen Drehorgeltöne aus dem Sudermannschen Peterkasten wieder einmal über uns ergehen zu lassen. Die Geschichte ist eigentlich ganz einfach: Ein Mädchen aus der Baronin) höheren Sphäre"( ihre Freundin, man bente, ist heiratet, arm und verlassen, wie sie trotz der feudalen Umgebung ist, einen braven, guten, verwitweten Rettor mit drei hilf- und mutterlosen Kindern. Sie tut das, hohen Ebelmutes voll, obwohl He diesen guten Rektor durchaus nicht, vielmehr den Mann ihrer Freundin, den herrlichen Baron v. Rödnih, liebt. Ausgerechnet drei Jahre später hält dieser Baron, der seinerseits auch feineswegs seine Frau, sondern sie, die Freundin liebt, drei Jahre später hält er es nicht mehr aus: er tommt und will sie aus ihren tillen Winkel fortholen. Und ist sie nicht willig, so braucht er Gewalt. Sie, da fie ihn ja noch immer liebt, widersteht seinen Angriffen nicht, füßt ihn und will ins Wasser. Der gute Rettor aber schlägt den Liebes- und Raubritterangriff fiegreich ab, indem er ihr, ohne ein Wort des Vorwurfs, die Wahl freistellt ( frei nach Ibsen) und ihr von vornherein alle, aber alle Sünden vergibt. Da fintt sie ihm an die Brust, sagt:„ Mir ist, als ob ich dich zum erstenmal jähe!"( was sollte fie auch sonst wohl jagen?) und bleibt. Die Güte also hat gestegt; nicht nur über die Gewalt, sondern auch über die Leidenschaft. " Das ist an und für sich eine ganz harmlose und einfache GeSchichte, die unter der Hand eines Dichters wohl Leben gewinnen und Wirkung tun tönnte. Aber man muß sehen, wie falsch und verlogen Sudermann jeden einzelnen dieser drei Menschen, jede Situation, jedes Gefühl und jedes Wort herausbringt. Wenn man es nicht selbst sieht und hört, glaubt man's einfach nicht. Was jagt die kleine Rettorsfrau zu ihrem Mann, als er fie Dom Selbstmord zurückhält? Wie kann ich( fie hat nämlich den geliebten, herrlichen Baron getüßt, und deswegen will sie ins Wasser), wie fann ich unter Euch leben mit diesem Matel auf der Seele!" Kurz: ste spricht wie ein fleines Mädchen, das nichts als Sudermann gelesen hat. Und so sprechen, denken, fühlen und handeln sie alle. Das find feine Menschen, sondern laute Abonnenten einer Lethbibliothet, in der es nichts wie Sudermann und Marlitt und Nataly von Eschstruth und Courths Mahler zu lesen gibt, nichts wie falsche, verlogen- fentimentale Gefühle, und unter bem Mantel bürgerlicher Wohlanständigkeit und Bleichsucht liebliche Salon- Eroitt Die Regie Albert Batrys war zurückhaltend, milderte nur die falsche Sentimentalität nach Möglichkeit. Bon den Schauspielern war Herr Legal bei weitem der beste. Er gab dem Reftor eine Mischung von Güte und Schulmeisterlicher Steifheit, eine Art sympathischer Lächerlichkeit, die über die unerträglich fentimentalen Stellen hinweghalf. Dagny Servaes war so ziem lich, Serr& or ster war vollkommen eine Subermann- Figur: unecht und gefünftelt in jebem Wort und jeder Bewegung. Ich will aber nicht sagen, daß diese Schauspieler in guten Stüden Die Elbinger Aussperrung Aus Elbing wird uns geschrieben: Die Elbinger Schichanaussperrung dauert nun bereits die fünfte Woche, ohne daß überhaupt ein Ende abzusehen wäre. Ausgesperrt wurden 6400 Mann, von denen 5100 organisiert sind. Rund 100 find Schwertriegsbeschädigte und 1200 unorganisierte Arbeiter. Den Aufforderungen Carlsons, unter Verzicht auf die Zugehörigkeit zu einer gewerkschaftlichen Organisation in die Fabrit zurückzukehren, sind bisher nur diese Kriegsbeschädigten und vielleicht 30 un auf offener Straße zu den Streifenden:„ Wir friegen euch schon noch bahin, wo wir euch haben wollen!" Die Not in der Stadt, auch bei dem Kleinbürgertum, das ge schäftlich auf die Kundschaft der Schichauarbeiter angewiesen ist, ist furchtbar. Machen doch die Schichauarbeiter 40. Prozent der Elbinger Arbeiterschaft aus und Elbing hat sowieso schon reichlich Arbeitslose. Bon einer Vermittlungsaktion des Ministe riums, die bereits wiederholt zugesagt ist, ist nichts zu spüren. Werden die deutschen Arbeiter, werden die Gewerkschaften dulden, daß Carlson den Elbinger Arbeitern das Koalitionsrecht raubt? Hochkonjunktur der Gewinne Aus der Fülle der Nachrichten über die gewaltige Kurssteige rung industrieller Unternehmungen seien heute nur die zwei fol Arbeiter, Angestellte, Beamte! senden herausgegriffen: Die Attien der Maschinenbau- AttenErscheint alle in Erscheint alle in den öffentl. Versammlungen Heute, heute, Dienstag, den 21. Juni abends 7 Uhr, in folgenden Lofalen: Boigt- Theater, Badstraße 58 Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstraße 24 Gewerkschaftshaus, Engelufer 15 Prachtfäle des Oftens, Frankfurter Allee 48 Comenius- Säle, Memeler Straße 67 Kliems Festfäle, Hafenheide 13-15 Referenten sind die Reichstagsabgeordneten: Dr.Herb, Karsten, Duchta, Simon, Goldmann, Geidel Bom 17. Distrift des 5. Verwaltungsbezirks wird uns mitge teilt, daß die V. K. P. D. die Mitglieder der U. S. P. und der G. P. D. für die heute abend von der Zentrale der V. K. P. D. einberufenen Versammlung nach der Viehhofbörse einlädt. Da die Anschrift ,, An die U. S. P.- und S. P. D.- Mitglieder irreführend wirten fönnte, soll nochmals besonders darauf hingewiesen wer den, daß die Versammlung der U. S. P. nur in den Prachtsälen bes Oftens stattfindet. Nochmals sei darauf hingewiesen, daß unsere Anhänger rechtzeitig in den Versammlungen erscheinen müssen und die Pflicht haben, jedem tommunistischen Störungsversuch sofort mit aller Energie zu begegnen. organisterte Arbeiter gefolgt. Alle anderen Kollegen find braußen. Einmütig stehen die Arbeiter mit Einschluß der Christlichen Ges werkschaften und der Hirsch- Dunderschen auch diese Organisationen will Carlson nicht in seinem Betrieb leiden zusammen. Auch die Unorganisierten wollen nicht ohne Verhandeln in den Betrieb hinein. Carlson lehnt aber jedes Verhandeln ab und verlangt unbedingte Unterwerfung. Der Versuch, eine gelbe Organisation zu gründen, war nichts als ein dreifter Bluff, der vollständig fehlgeschlagen ist. Die Sicherheitspolizei geht seit einer Woche in ausgesprochen provokatorischer Weise vor. Täglich erfolgen Verhaftungen. Am 18. Juni wurde sogar der Stadtrat Genoffe Ernst Vogel, Geschäftsführer des Metallarbeiterverbandes, ohne jeden Grund verhaftet. Er unterhielt sich in einer menschenleeren Straße mit einem Stadtverordneten und einem anderen Stadtrat und kam angeblich der Aufforderung, auseinanderzugehen, nicht schnell genug nach. So behandelt man ein Mitglied des Magistrats. Verhaftet wurde am 18. Juni auch noch der Stadtverordnete Grunwald. Die alten Sipomannschaften galten nicht mehr als zuverlässig und sind durch andere abgelöst worden. Einer von diesen Leuten äußerte sich nicht auch gutes leifteten. Es muß für einen intelligenten Schauspieler eine Qual sein, Sudermann zu spielen. Die alten und jungen Mädchen beiderlei Geschlechts im Publifum waren anderer Meinung; sie lieben Subermann und flatschten Beifall. H. S. Geständnis Eine amerikanische Geschichte in sieben Bildern von Sidney Gar rid.( Künstler- Theater. Gastspiel der Direktion Dr. E. Robert.) 1. Bild: die vor Gericht des Mordes angeklagte Milliardärsgattin öffnet endlich ihren Mund zum„ Geständnis". Nach we nigen einleitenden Sägen beginnt dieses Geständnis sich vor uns wie ein Film, abzurollen. Ein„ Gesellschaftsfilm". Eine von einem raffinierten Schurken für Geld verführte Frau erschießt zus letzt den Verführer, den der eifersüchtige Gatte gedungen. Das Gericht ist tiefgerührt und spricht( letztes Bild) die Angeklagte frei. Audies: amerikanisch turz und geschickt aufgebaut, ohne 3wischengebanten, daß der Zuschauerraum aus den Ueber raschungen nicht herauskommt. Mit Wut und Etel zu bedenken ist folgendes: es stehen auf der Bühne, mit Ausnahme der engelreinen Seldin" nur ausgemachte Lumpen einander gegen über und alle Lösung und Lodung geht vom oft und gern ange brachten Stichwort Geschäft ist Geschäft" aus. Die Luft des Stüdes, das ein regelrechtes Salonspiel und fein Verbrecherstück sein will, ist durch und durch verpestet. Hanna Ralph " bot die rundeste Leistung. Arnold Korff mit dem düstern Dreied um die Mundpartte war nur in der Szene mit dem Bicompte" gut. Diesen spielte sehr mäßig Paul Otto, obwohl bie Rolle originell ist und von einer tüchtigen Kraft garnicht zu verfehlen. Ausstattung: billige Sommerspielbühne, Regie( Gottom): gut, hie und da mit zu start aufgetragener Sentimentali tät.( Nebenbei: warum werden dem Besucher, der ein Programm haben will, ganze Sefte zu 2 Mart aufgedrängt?) A N. Der Kuhreigen Jm- Wallnertheater hat die Sommerspielzeit unter Heinrich Neft wieder eine Operngesellschaft vereinigt, von der man sich manches versprechen kann, um so mehr da Maximilian Moris bie tünstlerische Leitung übernommen hat. Begonnen wurde Sonn abend mit dem Kuhreigen" von Wilhelm Kienzl, der schon seit zwei Jahren das Sommerpublikum mit Molodie und Sentimen talität erfreut. Hoffentlich begnügt sich die Direktion nicht mit diesem Wert allein. Die Aufführung mit Adolf Lußmann und Margarete Schlemüller ist recht verständig. Tages- Notizen wyz. Boltsbühne. Spielplanan berung: Mittwoch statt„ Die lange Jule": ,, Der Bauer als Millionär". Thabdäns Mittner, ein feelife feiner Dramatiter und Novellist, ist gestern in Bad Gastein an Bauchfellentzündung geftorben. Die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit veranstaltet vom 1.- 15. Auguft b. 3. in Salzburg eine Internationale Sommerchule mit dem Thema„ Erziehung und Biferperandigung. Viele befannte internationale Persönlichkeiten werben[ prechen, aus Deutschlanb u. a. Professor G.& Ricolai.( Programme und Mitteilungen vom Gelretariat in London, 5. C. 14 Bredford Row, bei Miß Ronds.) gesellschaft Bed und Henkel in Cassel haben eine ganz ge waltige Kurssteigerung zu verzeichnen. In nur etwa% Jahren hat sich der Börjenkurs vervierfacht; er ist von 240 auf 960 Pro zent vor turzem stand er sogar zeitweise über 1000 Prozent gestiegen. Neben einer Dividende von 25 Prozent reicht die Prämie aus, um( bei dem Börsenkurs von 960 Prozent) den tionären den Bezug von einer neuen Attie auf jede alle Artike zu ermöglichen, d. h., jedem Besitzer einer Attie von 1000 Mark 10 000 Mart zu schenten. Ein anderes Beispiel: Die Attie nder Zuderfabrit Fraustadt haben in den letzten Tagen ganz ungewöhnliche Kurssteigerungen erfahren. Sie stiegen näm lich am Donnerstag um 130, am Freitag um 150 Prozent und haben nunmehr einen Kursstand von 1450 Prozent erreicht. Außer einer fetten Dividende erhalten die Besizer von zwei alten Attien drei neue, und zwar zu dem Kurse von 120, so daß fie an je 1000 Mart 13 330 Mart verdienen. Diese Fälle sind aber durchaus teine Einzelerscheinungen, sondern mit ihnen läuft parallel ein startes Steigen der Kusse und Rentenempfänger, um so mehr füllt sich der Geldbeutel dea aller Aktien. Je größer also das Elend der Lohn-, Gehalts Besitzenden. Zum Konflift im englischen Bergbau London, 20. Juni. Im Unterhause jagt Lloyd George in Erwiderung auf eine Anfrage, die Bergleute, die die Arbeit wieder aufnehmen würden, würden geschügt werden. Ste tönnten indessen nichts von dem seinerzeit durch die Regierung angebotenen Zuschuß erhalten, da sie die angebotenen Bedingungen nicht in der vorgeschriebenen Frist angenommen hätten. Der Vollzugsausschuß der Arbeiter der Baumwollindustrie hat einstimmig die Annahme der letzten Vorschläge der Ar beitgeber empfohlen. Entdeckung eines Waffenlagers. Bei Altenburg wurde aber mals ein geheimes Waffenlager in einem Feld entdeckt. Man holte nach amtlicher Feststellung zwei schwere Maschinengewehre sowie 698 Infanteriegewehre aus dem Versted hervor. Der Geschäftsführer des Gesamtverbandes der christlichen Ges werkschaften Deutschlands, Friedrich Baltrusch, ist als Berater und Mitarbeiter in Arbeiterangelegenheiten in das Reichs tommissariat zur Ausführung von Aufbau arbeiten in den zerstörten Gebieten berufen worden. Groß- Berlin Bur Lage im Schloßlazarett Bom Attionsausschuß der Lazarettinfaffen wird uns mitgeteilty Die Lage der fämpfenden Insassen des Schloßlazaretts hat eine große Verschärfung dadurch erfahren, daß der Reichsausschuß mit 15 gegen 6 Stimmen( der Linksparteien) für die Ansicht des Hauptversorgungsamts eingetreten ist. Danach ist nunmehr ganz offen und ohne Scheu nur noch von einer Lazarettauflösung die Rede. Der Reichsausschuß hat unbegreiflicherweise auf eine per sönliche Information seitens der Kriegsbeschädigtenorganisationen verzichtet, ihm genügte eine Führung unter dem Vertreter des Reichsarbeitsministeriums. Der Internationale Bund, der Reichsbund und die Wirtschaft liche Vereinigung Kriegsbeschädigter haben ein Recht in Lazarett auflösungsfragen mindestens gehört, nicht aber einfach übergangen zu werden. Die Schuldfrage der Unruhestifter", wofür des Reichs versorgungsamt Dr. Heder Telder den Beweis troy Be mühungen der Organisationen nicht antreten fonnte, wurde jett in den Hintergrund gedrängt wurde durchaus nicht geprüft obwohl dieselbe für den Oberregierungsmedizinalrat Dr. Seder erst den Grund zur Auflösungsverfügung gab. Auch für die Mil lionen, die einmal zur Einrichtung des Lazaretts von den Stadt vätern gegeben wurden, spielen frog ber schlechten finanziellen Lage des Reiches teine Rolle mehr. Auch der Reichsausschuß teilt den Standpunkt, das Prestige und die Autorität stehen höher als das Wohl und Wehe dieser 200 Kriegsbeschädigten. Der Aktionsausschuß, gebildet aus dem Internationalen Bund, bem Reichsbund und der Wirtschaftlichen Vereinigung der Kriegs opfer, führen den gerechten Kampf weiter, der bereits im ganzen Reich beachtet wird. Es gilt ganz prosaisch, den Kameraden die Wäsche zu reinigen, welche feit acht Wochen in Gebrauch ist, es gilt vor allem, ben notleidenden Angehörigen zu helfen, Frauen und Kinder der Lazarettinsassen, welchen der Leiter des Haupt versorgungsamts Dr. Hecker, vielleicht um einen Drud auszuüben, bie Unterstützung unbilligerweise entzogen hat. Im Kampf stehen den Lazarettinfassen die Sympathien aller menschlich denkenden Männer und Frauen zur Seite, vor allem die gesunde Arbetterschaft. Anfang der Woche tritt der Aktionsausschuß zusammen mit den Vertretern der S. P. D., U. S. P., V. K. P. D., sowie der Berliner Gewerkschaftstommission und des Pazififtenbundes, um über weitere Hilfe zu einem fonkreten Beschluß zu fommen. Recht muß Recht bleiben! Die Verringerung des Straßenbahnpersonals Der Magistrat Berlin hatte, nachdem vorschriftsmäßig die Ar beitszeit zunächst vom 1. Juni ab verkürzt worden war, zur weiteren Einschränkung des Personals beschlossen, den freiwillig aus den Diensten der Straßenbahn scheidenden Arbeitnehmern bis zum 15. Juni ein Abkehrgeld von 2000 m. zu zahlen, falls fie ihren Wohnfig nachweislich auf das Land außerhalb GroßBerlins verlegen. Diese Beschräntung ist fallen gelassen worden; infolgedessen haben überraschend viele Personen freiwillig ihre Entlassung genommen. Wie wir erfahren, beträgt deren Zahl 1101. In den Ruhestand getreten sind 60, als Doppeleristenz weitere 60 und ferner 50 Frauen ausgeschieden, so daß insgesamt das Angestelltenpersonal der Straßenbahn um 1271 Köpfe vermindert worden ist. Infolge Einschränkung der Erneuerung des Wagenparts und des Oberbaus find noch 669 Arbeitnehmer verfügbar, bie der Gleisbauabteilung überwiesen wurden. Der Betriebsrat Z ähne 4 u. 7 mk. mit Friedenskautschuk 5 Jahre schriftliche Garantie. Zahnziehen mit Betäubung bel Bestellung von Gebissen gratis. Kronen v. 30 mk. an. Spez.: Zähne ohne Gaumen. Keine Luxuspreise Zahn- Praxis Hatvani, Danziger Straße 1. ber Straßenbahn hat sich mit dieser Regelung einverstanden erflärt. Der Schiedsspruch und der Weinfeller Die Firma Feliz Lande, Martusstraße 12, schreibt uns: Ich bitte davon Kenntnis zu nehmen, daß der in Ihrem Artikel „ Der Schiedsspruch und der Weinkeller" veröffentlichte Brief mit ber Unterschrift Lande" nicht von meiner Firma stammt, ich biesem Schreiben also vollständig fernstehe. Ich wäre Ihnen verbunden, wenn Sie in Ihrem Blatte eine bahingehende Richtigstellung veröffentlichen mollten. Eine Richtigstellung ist das zwar nicht. Aber wir bringen den Sinweis gern, weil er zeigt, daß es noch Firmen gibt, die auf Anstandhalten und nicht identisch sein möchten mit Leuten, die mit Geldsammlungen und Weinlieferungen schmieren. Schlagsahne oder Kunstsahne? In der bürgerlichen Presse werden täglich Angriffe gegen das Milchamt erhoben. Sie sind zum allergrößten Teil völlig unbegründet und entstehen nur aus der Sehnsucht der Händler, die nicht mehr an die behördliche Ueberwachung und Preisfestsetzung gebunden sein wollen. Würde man ihren Wünschen nachgeben, so würde natürlich die Milch noch mehr Wasser als jetzt enthalten und auch noch viel teurer sein. Nun wird behauptet, das Milchamt stelle Schlagsahne her, was boch verboten sei. Das ist natürlich Unsinn. Die Schlagsahne, die man in zahlreichen Konditoreien und vornehmen Restaurants zu faufen bekommt, die stammt vom Milchhandel und wird aus frischer Milch hergestellt, obwohl das verboten ist. Das Milchamt stellt Kunstsahne her, das heißt eine Masse, zu der nicht frische Milch, sondern ausländisches Trodenpulver verwendet worden ist. Aber warum geschieht das, so wird manche Hausfrau fragen. Diese Frage ist sehr berechtigt, besonders da es wahrscheilich zutrifft, daß das Milchamt an dieser Kunstsahne Geld verdient". Den Händlern paßt das natürlich nicht, für die Konsumenten aber ist das sehr gut. Denn dadurch erst erhält das Milch amt die Möglichkeit, die Gelder zu beschaffen, die zur Verbilligung der Milch auf Karten notwendig ist, die mit Hilfe der Sändler und der Agrarier von 20 Pfennig im Frieden auf jett 4 Mart verteuert worden ist. Schwere Arbeit" hatten Geldschrankeinbrecher, die in der Nacht zum Sonntag auf dem großen Grundstüd Dirdjenstraße 43-44, bie Hausschuh- Industrie- Gesellschaft heimsuchten. Sie tnabberten" mit ihren Wertzeugen an einem Hintereingang die schwere Eisentür auf und verschafften sich so Zutritt zu den Räumen der Gesellschaft. Hier öffneten fie auf die gleiche Art das Geldspind, fanben darin jedoch zu ihrem Merger erheblich weniger als fie wohl erwartet hatten. Dafür hielten sie sich nun an Waren schad Ios, besonders besseren Hausschuhen, auch an Juchtenleder und Seide. Die Täter sind noch unbekannt und auch der Verbleib ihrer Beute von hohem Werte ist noch nicht ermittelt. Für ihre Wiederbeschaffung ist eine hohe Belohnung ausgesetzt. Mit teilungen nimmt Kriminalfommissar von Heinrichs im Zimmer 33 des Polizeipräsidiums, Hausanruf 501, entgegen. Sie werden vertraulich behandelt. Die Berliner Geldschranktnader be schränken aber ihre Tätigkeit nicht auf die Hauptstadt. Nach den Ermittelungen der Kriminalpolizei sind drei bis vier Kolonnen auch in der Provinz tätig. Ueber ihre Einbrüche in Rummelsburg in Pommern, Goslar usw., haben wir schon berichtet. Beim Konsumverein in Goslar wurde die Kolonne gestört. Was sie dort zurücklassen mußte, tann vielleicht zur Ermittelung und UnSchädlichmachung der Bande dienen. Es gehörte dazu ein Marengo- Ueberzieher und eine Dede, die fich mit vorzüglichem Einbruchswertzeug neuester Art und Berliner Zeitungen und Straßenbahnfahrscheinen in einer Segeltuchhandtasche befand. Wer über diese Sachen Auskunft geben tann, wird ersucht, sich ebenfalls bei Rommissar von Heinrichs zu melden. Auch für diese Angaben wird Verschwiegenheit zugesichert. Tobessprung aus Furcht vor der Polizei? Heute morgen statteten Kriminalbeamte einem Hotel in der Oranienburger Straße einen überraschenden Besuch ab. Während sie die einzelnen Bimmergäfte nach ihren Papieren prüften, stürzte sich die angeb liche 27jährige Else Nehring aus dem Fenster eines im zweiten Stodwerk gelegenen Zimmers auf die Straße hinab und blieb besinnungslos liegen. Ein herbeigerufener Arzt stellte einen schweren Schädelbruch fest und sorgte für die Ueberführung der Bewußtlosen nach dem Hedwigs- Krantenhause, mo aber nur noch der inzwischen eingetretene Tod tonstatiert werden konnte. angebliche N. hatte in der Nacht vorher mit einem Herrn das Hotel aufgesucht. Bis jest konnten weder ihr Geburtsort, noch ihre Wohnung festgestellt werden. Die Das nächste städtische Boltskonzert des Philharmonischen Or. Hefters unter Leitung von Richard Hagel findet am Dienstag, Den 21. Juni 1921, in der Philharmonie, Bernburger Str. 22-23, statt. Beginn des Konzerts 8 Uhr. Das Programm lautet: Duvertüre zu Donna Diana" von C. N. v. Reznicet, Ballizene nach einer Violin- Etude von Manseder- Helmesberger, Suite Nr. 4 von J. Massenot, Akademische Festouvertüre von J. Brahms, Fauftfantasie für Violine von 5. Mieniawsty( Konzertmeister M. v. d. Berg), Slavische Rhapsodie Nr. 3 von A. Dvorat, Ouver türe zu Die Abreise" von E. d'Albert, Air von J. S. Bach, Brozesse, Rat, Beistand, mäß. Breife, Teilzahlung Ehes, Aliments, Straffachen. Gnadengesuche Landgerichtsrat Dr. von Kirchbachs ,, Vibrationen", Walzer von J. Strauß. Der Vorverkauf zu den Volkskonzerten findet statt bei A. Wertheim, Leipziger Straße, in der Berliner Gewerkschaftskommission, Engelufer 15, im Zigarren geschäft von Horsch und in dem betreffenden Konzertsaal. Die im Vorverkauf nicht untergebrachten Karten werden abends an der Kasse verkauft. Der Eintrittspreis beträgt 1,50 M. Raßen. eröffnung 7 Uhr. Niederbarnim- Nord. Am Sonnabend, den 18. b. M., fand die Diftriftskonferenz statt. Die neugewählte Geschäftsleitung setzt sich folgendermaßen zusammen: 1. Bors.: Gen. Uebeler, Röntgental, 2. Bors.: Gen. Kühne, Bernau; Schriftführer: Gen. Will, Bernau; Kassierer: Gen. With. Hessel, Glienice a. d. Nordbahn. Die vorhandenen Ortsgruppen müssen ausgebaut, wo feine bestehen, neue gebildet werden. Es muß in jedem Dorf oder Gutsbezirt ein Stamm von Bertrauensleuten gebildet werden. Die Gemeindevertreter der Partei müssen in engere Fühlung zueinander gebracht werden. Der Kreis Niederbarnim- Nord ist jetzt in vier Arbeitsgebiete eingeteilt. In Velten, Oranienburg, Bernau und die Ortschaften an der Liebenwalder Bahn. Die Ortschaften, die zu jedem Arbeitsgebiet gehören, werden in der nächsten Konferenz bekanntgegeben. Es ist wünschenswert, daß jede einzelne Ortsgruppe in den Konferenzen vertreten ist, damit der Kreis organisatorisch auf die Höhe gebracht wird, wie andere Kreise um Berlin es schon längst sind. Preßtommissionsmitglied ist der Genosse Berthold Morig aus Schönow. * Saisonausverkäufe. Nachdem schon seit einigen Tagen ver schiedene Kaufhäuser ihre Saisonausverkäufe begonnen haben, hat der Ausverkauf im großen gestern morgen eingesetzt. Auch im Straßenbild machen fich die Ausverkäufe bemerkbar. An der Straßenfront der Geschäfte preisen große Blafate und weiße Leinenfahnen in riesigen, bunten Lettern die bedeutend im Preise herabgesetzten" Waren an. Auch die Preistafeln verkünden dies. Da heißt es zum Beispiel: früher 1200 M., jetzt 950 M. usw. Das lodt, und groß ist trotz der Regenschauer der Andrang des taufluftigen Publikums; vor zahlreichen Geschäftshäusern muß die Sicherheitspolizei den Verkehr ordnen, um Störungen zu vermeiden. Die Jugendweihen. Für Berlin und die Orte, die feine eigenen Feiern veranstalten, finden diese an den drei letzten Sonntagen im September im Großen Schauspielhause, in der Karlstraße, statt. Anmeldungen müssen sofort im Bureau der Arbeiter- Bildungsschule, Breite Straße 8-9, geöffnet von 10 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags, erfolgen. Viele Orte veranstalten selbständig Jugendweihen. Anmeldungen für diese werden durch die Parteifunktionäre und die Freiheit"-Speditionen weitergeleitet. Boraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Mitt woch: Kühl und veränderlich, überwiegend bewölkt, mit wiederholten Regen- und Graupenschauern und frischen nordwestlichen Winden. Gewerkschaftliches Strafe für Betriebsräte Folgender Borfall wird uns mitgeteilt: Ein beim Arbeitsnachweis Linienstraße eingetragener Arbeitsloser wurde nach der Firma Tobler Borsigwalde vermittelt. Dort angekommen, zeigte er seine Papiere vor und wurde eingestellt. Der Arbeitslose, der seit längerer Zeit schon außer Arbeit war, freute fich natürlich, endlich wieder Beschäftigung und Brot zu haben. Der betreffende Herr, der den Arbeitslosen als Schirrmeister einstellte, übertrug dem Betreffenden schon die Arbeiten, die er zu leisten hätte. Auf einmal sagte der einstellende Herr, er müsse erst noch wegen der Entlohnung mit dem Chef sprechen. Zurüd tommend wurde dem eingestellten Schirrmeister eröffnet, er tönnte nicht eingestellt werden! Dieser plögliche Gesinnungsumschwung dürfte wohl darauf zurückzuführen sein, daß man bei der Firma, bei der der Arbeitslose zulegt beschäftigt war, Ertundigungen einzog, und erfuhr, daß der Betreffende als Betriebs. tat tätig war und sich mißliebig gemacht hatte. 3ur Rede gestellt, warum nun auf einmal von der Einstellung Abstand ge nommen wird, drückte sich der betreffende Herr um eine Antwort und verweigerte auch dem Arbeitslosen die Fahrgeldentschädigung. Es dürfte zunächst die Ausgabe des Arbeitsnachweises sein, diesen Borfall gebührend zur Kenntnis zu nehmen und mit der betreffenben Firma ein ernstes Wort zu sprechen. Die Firma Tobler in Borsigwalde selbst aber verstößt gegen die Bestimmungen des Betriebsrätegeseges, und wir erwarten von den Instanzen, die die Heiligkeit der Geseze zu überwachen haben, daß die Firma darüber belehrt wird, daß sie sich ungestraft solche Mägchen nicht erlauben darf. Außerdem müssen die Angestellten der Firma Tobler in Borsigwalde zu diesem Vorfall Stellung nehmen und dafür sorgen, daß Betriebsräte, die im Sinne des Gesezes wirten, von ihrer Firma nicht mit Hunger und Elend bestraft werden. Dieser Verstoß zeigt weiter, was sich das Unternehmertum herauszunehmen beliebt, und es muß Aufgabe aller Einsichtigen sein, geschloffen solchen Tendenzen entgegenzutreten. Drohende Streitgefahr in den Nordseebädern Die Hotelbesitzer der Nordseebäder haben beschlossen, das Trint. geld grundsäglich wieder einzuführen und Tarifverträge nicht mehr abzuschließen. Damit soll die Entlohnung der gastwirtschaftlichen Angestellten auf die Badegäste und das reisende Publikum abgewälzt werden, wodurch die ersteren nur mit ganz unsicheren Alexanderstr. 45 Geſellſch.( geg. Tiet) 8-7. Gläng. Erfolge Bur Justizreform! Beobacht. Mitw. nahm. Jurist. Sonnt. 10-12 Bertrauensjach. Stoffe für Herren- Anzüge, Ufter, Paletots, DamensRoftime, Meter 50.-, 100.-, 150.-, 200.- Mark. 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M. stattfand, wurden all die Dinge erörtert. Seit Mitte April bemüht sich der Verband, einen Tarif vertrag zum Abschluß zu bringen, ohne bisher Erfolg zu haben. Das Kuratorium sagte allerdings zu, daß eine entsprechende Aen derung der beanstandeten Verhältnisse herbeigeführt werde. Wit hoffen, im Interesse des Verbandes der Krantentassen, der Ange stellten und der Kranten, daß eine einträchtliche Regelung er zielt wird, die allen Anforderungen entspricht. Zum Streif der Angestellten bei der Einkaufs- Genossenschaft der Bäder. Der am 17. b. M. bei obiger Firma ausgebrochene Streit ber Angestellten ist durch glänzende Solidarität der gesamten Ar beiter gleichen Betriebes in ein anderes Stadium getreten. Die Arbeiter haben am Sonntag den Solidaritätsstreit beschlossen und am heutigen Tage ihrem Beschlusse einmütig die Tat folgen lassen. Die Arbeitnehmerschaft läßt sich ihre wenigen Rechte nicht noch mehr beschneiden und sieht den Dingen zuver fichtlich entgegen. Nochmals richten wir an die Angestellten GroßBerlins das Ersuchen, diesem Kampfe die größte Aufmerksamkeit zu schenken, vor allen Dingen bei dieser Firma unter teinen Umständen Stellung anzunehmen. Zentralverband der Angestellten. Metallarbeiter! Diejenigen Wahlkörperversammlungen, die noch nicht Stellung genommen haben zur ordentlichen General versammlung, werden ersucht, sich zwecks Aushändigung weiterer Anträge, die noch nachträglich zur Diskussion gestellt werden müssen, nach dem Bureau, Linienstraße 83-85, 3immer 3, zum Kollegen Rudolf Behrend zu bemühen; die Abteilung des Bureaus bleibt zu diesem Zwed am Mittwoch, den 22. Juni, bis abends 6 Uhr geöffnet. Ortsverwaltung des Metallarbeiterverbandes. Die Gewerkschaftskommission ersucht uns, mitzuteilen, daß die Beleidigungen gegen unseren Genossen Klodt, die der Kommu nist Brag in einer Arbeitslosenversammlung im Januar machte, von ihm mit Bedauern zurückgenommen wurden. Braz erklärte weiter, daß er nur aus ungenügender Kenntnis der Sachlage" die Beleidigungen äußerte. Parteiveranstaltungen Dienstag, 21. Juni Charlottenburg. Während der Sommermonate fällt ber Leses and Diskuties abend aus. Mittwoch, 22. Juni 6. Berwaltungsbezirt( Sallesches Tor). Abends 8 Uhr Vollversammlung ber fommunalen Kommission, Schulaula Dieffenbachstr. 52. Bortrag des Bürger meisters Dr. Kahle. 12. Berwaltungsbezirt( Steglth, Lichterfelde, Lantwik, Südende). Anmeldungen zur Jugendweihe für die im Ottober zur Entlassung tommenden Proletariertinber werden bei folgenden Genossen entgegengenommen: Steglig: Karl Bohne, Treitschkestraße 17; Robert Marquardt, Holsteinische Straße 31; Willi Kretschmer, Düppelstraße 12; Baul Müller, Berlinidestraße 5; Lichtenfelde: Max Frach, Lorenzstraße 11; Lantwig: Genoffe Rönsch, Kaiser- Wilhelm- Straße 122a; Güb ende: Geosse Zachow, Stephanstraße 8. 12. Berwaltungsbezir!( Steglit, Lichterfelbe, Lankwiz). Frauen und Kinder ausflug nach dem Grunewald. Treffpunkt Bahnhof Steglitz nachm. 3 Uhr. 12. Berwaltungsbezirt( Steglig, Lichterfelde, Lankwig). Der Kinder und Frauenausflug wird des schlechten Wetters wegen auf später verschoben. Näheres wird noch bekanntgegeben, 3. Diftritt( alte Bezeichnung). Kommunale Rommission. Abends 7 Uhr wolle versammlung im Klassenzimmer, Dieffenbachstr. 52. 4. Diftritt( alte Bezeichnung). Kommunale Kommiffion. Abends 7 Uhr Voll versammlung in der Schulaula, Dieffenbachstr. 52. U. S. B. D. 6. Bezirt. Abends 8 Uhr Bezirksversammlung, Gr.- Beerenstr. 50. 15.( früher 6.) Distritt. Versammlung der fommunalen Kommission bet Pilzedet, Blumenstr. 34. Alle Stadtbezirte müssen vertreten sein, auch find die Eltern beiräte, Bezirks und Stadtverordneten, des Distrikts geladen. Steglig. Abends 8 Uhr Mitgliederversammlung, Aula ber Realschule am Stubenrauchplan. Zehlendorf. Die nächste Sigung der Bezirksversammlung findet um 6 Uhr im Lyzeum ftatt. Friedenan. Abends 7 Uhr Mitgliederversammlung bei Klabe, Sandjer Straße 60-61. Vortrag der Landtagsabgeordneten Genoffin Kristmann. Donnerstag, 23. Juni Abteilung Treptow. Nachmittags 3 Uhr treffen sich bei schönem Wetter bie Genoffinnen mit Kindern zum Kaffetochen bet Mügel, Neue Krugallee 59. Freitag, 24. Juni 5. Berwaltungsbezirt, 17. Diftritt. Uebungsstunde bes Sängerhors abends 7 Uhr bei Drelse, Schreinerstraße 18. Sangestundige Genossen willtommen. Vereinskalender Mittwoch, 22. Juni Soz. Prol. Jugend Groß- Berlin. Abends pünktlich 7 Uhr Probe der Rättszene. Genossen müssen unbedingt noch erscheinen. Berantwortlich: für Politik u. Feuilleton: 2 eo Liebsü. Berlin- Friebenau; für Kommunalpolitit, Lokales und Gewerkschaftl.: Robert Sensei, Berlin; für den Inseratenteil u. geschäftliche Mitteilungen: Ludwig Romeriner, Karlshorst. Berlagsgenossenschaft Fretheit", e. G. m. b. S., Berlin. ber Berliner Druderei 6. m. b. 5., Berlin C 2. Breite Str. 8-9. 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