Ur. SS3 AboimemMs-Kedingungen: vbonnementS-Preli pränumerando: Bierteljährl. ZL0 Ml., monatl.l.ioMk., rvöchentltch 2S Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. TonnlagS- Nummer mit tllustrtrter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zettimgs- Preisliste für 1897 unter Er. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für dag übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erschein! täglich auftec Montag«. Vevliner VolksblAkk. 14. Jahrg. Die Insertions-Weblllfr beträgt für die s-chSgespalten- Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und BersammlungS-Anzetgen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nuinmer muffen biS 4 Uhr nachmiltagS in der Expedition abgegeben iverde». Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr vorinttlagS geöffnet. Fernsprecher: Unit I, Er. 1508. Telegramm-Adresse: „Soiialdrinokrak Serliu". Dentralorgan der soziaidemokratisthen Uartei Deutschtands. Wedaktion: 8V. 19. Weuly-Straße 2. Freitag» dea 34. September 189�. Spedition: 8V. 19. Menty-Straße 3; Vorbevvikttngen füt? vinen neuen Jollkneif. Am Sonnabend werden im Reichsamt des Innern die Vertreter der hervorragendsten deutschen Unternehmer» Organisationen eine Konferenz mit dem Grafen Posadowsli abhalten. Als Berathnngsgegenstand ivird vor der Oeffentlichkeit die„Errichtung einer Stelle zur Vorberathnng des Abschlusses handelspolitischer Verträge mit dem Ausland" genannt. In Wahrheit handelt es sich um viel weiter gehende Pläne, nämlich um die allgemeine Revision unseres Zolltarifs, allerdings unter steter Rnck« sichtnahme auf spätere Wiederabbröckelnugen der künftigen autonomen Zollsätze, um mit solchen„Zugeständnissen Gegenleistungen des Auslandes für die nächste Handels- Vertragsperiode zu erzwingen. Die laufende Periode— bei dem gleichen Endtermine unserer wichtigsten Handelsverträge kann man wvhl davon sprechen— erlischt bekanntlich mit dem Jahre 1903. Sollen die Verträge nicht unverändert fortgelten, wozu weder Deutsch laiid noch das Ausland neigen wird, so hat 1902 die gegen seitige Kündigung zu erfolgen. Bis dahin müsseil sich in allen Ländern Parlament und Regierung verständigt haben über das Zollsystem, von dem aus sie in neue Unter- Handlungen mit dem Ausland eintreten müssen, wenn sie von 1904 ab nicht in völlig ungeordnete internationale Handelsbeziehungen hineintreiben wollen. Rußland hat c< allerdings einfacher, es braucht kein Parlament erst in An sprnch zu nehmen, wenn es seinen Zolltarif neugestaltet. Bei uns wird die Entscheidung dem im nächsten Jahre zu wählen den Reichstag zufallen. Es ist daher kein Wunder, daß alle am Zollschutz intcrcssirten Unternehmer, der Industrie wie der Landivirthschaft, jetzt schon eine Verständigung erstreben, für die sie bei den Wahlen eine Mehrheit durchzudrücken hoffen. Für das letzte handelspolitische Kometenjahr, im Ansang der 90er Jahre, hatten sich die meisten Staaten durch rasche vor- herige Erhöhung ihrer Zölle gerüstet; Deutschland allerdings unterhandelte von der Basis seiner alten Zollsätze aus. Jetzt scheint die deutsche Regierung die damalige Praxis des Auslandes befolgen zu wollen. Es ist weiter gar kein Geheimniß mehr, daß die Leiter der maßgebendsten Jndustrieorganisationcn in Teutschland bereit sind, die fernere Bnndesgcnossenschaft der Agrarier für Jndustriezölle zu erkaufen durch Erhöhung iln serer Getreide- und Fleischzölle. Nach links hin haben sie bei unseren deutschen Parteivcrhältniffen keine Unterstützung für ihre Jndnstrie-Schntzzollpolitik zu erwarten; um so mehr klammern sie sich an die rechtsstehenden agrarischen Parteien an. Wir haben heute nicht die Absicht, über die Zukunft der deutschen Gctreidczölle zn reden. Auch eine neue hochschntz- zöllncrische Kartellmehrheit hätte diese Entwicklung nicht ans Jahre hinaus in der Hand. Die feierlichsten Versprechen einer Brot-Zollerhöhnng werden in den Jahren 1901/2 vergessen sein, wenn andauernde Mißernten die Gctreidcpreise längere Zeit hochgehalten haben. Und umgekehrt, wenn die Wahlen keine sichere Mehrheit für neue Agrarzölle bringen, so wird diese Mehrheit wahrscheinlich, wenn es zum Treffen kommt, vor- Händen sein, falls der Preisdrnck der letzten Jahre wieder dauernd zurückkehren sollte. Man kann heute ruhig behaupten, daß wir ohne die Theuernng des Jahres 1891 keine Majorität für die letzte Herabsetzung der Gctreidezölle gehabt hätten. Umgekehrt kann eine neue Theuernng alle Pläne der Brot- nmcherer zn schänden machen. Diese Pläne bestehen zweifellos und die nächsteil Wahlen iverden sich ivcsentlich um sie drehen. Die Konferenz im Rcichsamt des Innern soll einem neuen agrarisch-indnstriellen Schutzzoll- Kompromiß die Wege ebnen. Die Organisationen, die man als Vertreter der verschiedenen Jnteressenströmnngen auf einer gemeinsameil Mittellinie zn- sammen zn bringen sucht, sind dieselben, die bisher schon bei jeder Zollfrage, bei jedem Handelsvertrag, bei jeder Maß- nähme unserer Wirthschastspolitik zu Rathe gezogen wurden und die auch unbefragt ihre Meiiinng zur Geltung zu bringen wußten: Der Zentralverband Deutscher Industrieller, der Haudelstag, der Landivirthschaftsrath. Der Z e n t r a l v e r b a n d Deutscher Industrieller „zur Beförderung und Wahrung nationaler Arbeit" besteht seit dem Jahre 1376. Herr von Kardorff, einer der ersten deutschen Schutzzöllner nach der liberalen Freihandelsära, hatte den Anstoß zu seiner Gründung gegeben; die Industriellen am Rhein und in Süddeutschland waren rasch ivieder um die Fahne des„Schutzes der nationalen Arbeit" gesammelt. Seit- dem ist der Verband stets die Grimdsäule des industriellen Schntzzöllnerthnms in Deutschland geblieben, was natürlich nicht ausschloß, daß er auch bei den späteren Handelsverträgen, besonders auch bei dem mit Rußland, eine inaßgebende Rolle spielte. Mit seinen 71 industriellen und wirthschastlichen Vereinen und Verbänden, Handelskammern, kanfmännischen Korporationen und Bernfsgenossen, die ihm trotz aller Vereins- gesetze eingegliedert sind, mit seinen mehreren hundert Einzel- Mitgliedern, meist Großfabrikanten, beansprucht er natürlich, die deutsche Gesammtindustrie zn verkörpern. Dasselbe will der deutsche Landivirthschaftsrath für die Landwirthschast darstellen. Er ist anfangs der siebziger Jahre gebildet worden und zwar so, daß man das Sti»»»- verhältniß der Einzelstaaten im Bundesrathe zur Grundlage seiner Zusammensetzung wählte; die Delegirten werden von den großen landivirthschastlichen Vereinen auf drei Jahre ge- wählt; in Preußen sind sie zugleich Mitglieder des Landes- Oekonomiekollegiums. Im Statut heißt es ausdrücklich in§ 1: „Der Deutsche Landwirthschaftsrath hat den Zweck, die Ia»d- wirthschastlichen Interessen im Gesaniintunifaiige des Deutschen Reichs lvahrzunehmen»nd überall, wo dieselben durch Reichs- Gesetzgebung oder durch Anordnungen und Maßregeln der Reichsverwaltung gefordert werden könne» oder geschädigt zn , verde» Gefahr laufen, nicht nur die etiva von ihm erforderten Gutachten abzugeben, sondern auch unaufgefordert lind bei Zeiten an den Reichskanzler motivirte Vorstellungen zu richten oder sich mit Anträgen an den Reichstag zu wenden." Ter Deutsche Hand eis tag hat viel von seinem chcmaligeu Ansehen eingebüßt. In den letzten Jahren, als die Angriffe auf die Börsen, unser Währungssystem, den Handel im allgemeinen sich häuften, hat er ivieder eine leb haftere Thätigkeit entfaltet. Die Handelskammern, die Aeltesten der Kaufmaiinschaften, die Seestädte geben in ihm den Ton an. Die Caprivi'sche Handelsvertragspolitik, der Widerstand Marschall's gegen abenteuerliche Zollkriege hat hier stets un- getheilten Beifall gefunden. Neuerdings verlaugt noch eine Z e n t r a l st e l l e für Vorbereitung von Handelsverträgen, daß ihr in Zollfragen„diejenige Mitwirkung zugeiviesen iverde, die sie vermöge ihrer Organisation und ihrer Ziele beanspruchen darf". Sie ist zn der Konferenz im Rcichsamt des Innern auch bereits eingeladen. Ganz klar sind ihre Absichten aus den bisherigen Veröffentlichungen nicht zn erkennen. Sie selber nennt sich„parteilos, von keiner ivirthschaftspolitischen Richtung beherrscht und neutral". Offenbar ist sie Fleisch von dem Fleisch, das seit Jahren bereits den Zentralverband als eine fast ausschließliche Vertretung der Eisen- und Textil- industrie bekämpft, das dann im„Bnnd der Industriellen" eine Gcgenorganisation zu schaffen versuchte, das bei der ersten prenßischen Handelskainmer-Vorlage für das Groß- und Klein- gewerbe nach Berufsarten gegliederte Vertretungskörperschaften verlangte. Diese Opposition ist stetig angewachsen, seitdem sich(1889) der Verein der cheiliischen Jiidnstriellen voiii Zentral- verband trennte. Auch jetzt steht die chemische Industrie mit Herrn Holtz an der Spitze der„Zentralstelle", Herr Rösicke ihm zur Seite nebst einer Reihe indnstrieller Verbände und Vereine. Der deutsche Haudelstag wird sich am Montag bereits schlüssig machen, wieweit er auf die Vorschläge des Zentral- Verbandes beziv. der Konferenz im Rcichsamt des Innern einzugehen gedenkt; der Ausschuß hatte sich bereits mit dem Zentralverband in Verbindung gesetzt. Das gleiche halte der Ausschuß des Dcntschcu Landivirthschaftsrathcs gethan; nach den letzten Mittheilungen jedoch haben„die angeknüpften Ver- handlnngen zu einem Abschluß noch nicht geführt. Es ist zn hoffen und zu erstreben, daß eine Vereinbarung über Gc- ivinnnng einer einzigen gemeinsamen Zcntralstelle stattfinden wird; ist das nicht der Fall, so wird die deutsche Land- wirthschaft sich derjenigen Stelle anzuschließen habe», welche ihr die sicherste Garantie für die»nein- geschränkte und nachdrückliche Wahrung der landivirthschastlichen Interessen giebt." Diese Drohung ist kaum ernst ge- meint, sie soll lediglich die industriellen Hochschiitzzöllner ei»- schüchlcrn und zn noch weiteren Zngeftändnisscn an die Agrar» zöllner geneigt machen. Graf Posadowsky ist als Freund der Agrarier bekannt. Wenn ihm diese Edelsten ihre Schmerzen klagen iverden, so wird er ihnen mehr als Httlle'sche Traktätlein und Mahnungen zur Goltcrgebenheit mit auf den Weg geben. Die„Sammlnug" soll einen Schritt weiter gefördert werden und die Arbeiter sollen abermals die Kosten tragen. DolLNsche MebeeZtchk» Berlin, 23. September. — Für den Magen des deutschen Volkes sind unsere Herren Junker, wie niänniglich weiß, von zärtlicher Fürsorge. Damit er nicht verdorben werde, haben sie uns z. B. i»it dein famosen Margarine- Gesetz beglückt, das verhindern soll, daß ihm hinterlistig verfälschie Natnrbulter statt echter Margarine zugeführt werde. Wir halten hier einen Vor- schlag zur Güte zn mache». Richt minder größer als der Verbrauch von Butter.und Margarine ist der Verbrauch von alkoholischen Getränke». Und schinählicherweise sucht man»»s um die patriotische Freude am vaterländischen itartoffelschnaps zu betrügen»nd mit fremdländischem Kognak, Rnm, Whisly, Arak»nd tausend anderen verführerischen Kimstprodulien auf un- nationale Abivege zu locken. Bor diesen Fallstricken gilt es de» reichStrenen Magen zn bewahren. Und das geschieht, wenn ähnlich ivie durch das Margarine-Gesetz auf spritistischem Gebiet die Böcke scharf von den Schafen geschieden werde»,»nd jedem Kognak, Arak, Rum w. sein Ursprungszengniß auf den Rücke» geschrieben wird. Kurz, ivir verlangen ein Gesetz, welches vorschreibt, daß der aus christlich-gcrmanischem Junkersnsel verfertigte Kognak, Rui», Arak u. f. w. seinen patriotischen Taufschein(„preußischer Kartoffel- schnaps", oder„Edelster-Fusel") deutlich gedruckt, als Etikette auf jedem Gefäß, das ihn beherbergt, zu trage» hat. damit kein deutscher Patrioten-Mage» in die Versuchung kommt, unversehens Vaterlands- losen Kognak, Rnm, Arak w. aus Frankreich, Jamaika oder Indien sich einzuverleiben, wodurch Mir zu leicht vaterlandslose Gesinnung erzeugt wird. Denn ,ven» das MoleschoU'sche Wort:„Was der Mensch ißt, das ist er, richtig ist, dann ist der Satz:„Was der Mensch trinkt, das ist er", zum mindesten ebenso richtig. Unser Vorschlag ist sehr ernst gemeiiit, und wir hoffen aus freudige Znstimmuiig unserer Schnapsjunker.— — Tiefer hänge»! Zu den gewissenlosestenOrganen desJnnker- kapitalismns gehört die„ S ch l e s i s ch e Zeitung". Dieses saubere Blatt, das vor zivei Jahren Liebknecht wegen der an- geblichen Majestälsbeleidigiing dem Staatsanwalt denunzirle, schleudert jetzt gegen den Züricher Arbeilerschutzkongreß die per- fidesten Verleumdungen— wofür es i» öffentlicher Volksoersamm- (iiiig zu Breslau verdientermaßen gebrandmarkt ward. Das saubere Blatt behauptet, der Kongreß sei von der deutsche» Sozialdemokratie zu demagogischen Zwecken in Szene gesetzt worden, während be- kanntlich die deutsche Sozialdemokratie sich nur»ach längerem Be« denken zur Theilnahme entschloß. Und es verkündet seine» Leser», die Schlechtigkeit der Sozialdemokratie komme hauptsächlich i» dem internationalen A r b e i t e r s ch u tz a m t zum'Ausdruck, das dazu bestimmt sei, die iiilernationale Zentralstätte der Streiks zu werden. Daß der Antrag zur Schaffung des be- treffende» Amts nicht von sozialdemokratischer Seite, sondern von dem bürgerlich demokratischen Staatsmann Curti auSging, kümmert das edle Blatt, das verdiente, zu den Schleifsteinen gerechnet zu iverden, nicht. Es kennt, gleich seinem sozialen Heiligen Stumm, keinen schlimmeren Feind, als den organisirleu Arbeiter, der von seinem durch Reichsgesetz verbürgten Koalitionsrecht Gebrauch macht. Diese Wulh gegen das Koalitionsrecht und die Streiks ist charakteristisch für die Nmstiirzlergesellschnst derer um Stumm. Ihr Gezeter von stievolution, Anarchismus u. s. w. ist eitel Heuchelei und Komödie. Die Sippe weiß so gut wie wir, daß die Arbeiter uiid Sozialdemokraten die letzten in Deutschland sind, die an einem gewaltsamen Umsturz denke». Was sie fürchtet, ist gerade die gesetzliche Thätigkeit der Arbeiter, und in dem Zorn darüber, daß die'Arbeiter ihr gesetzlich verbürgtes Recht, die'Arbeit einzu- stellen, auch ausüben, verrätb sich die wahre Statur und das eigenl- liche Strebeziel der kapitalistischen Herren Lieaktionäre. Hier handelt es sich nämlich nicht»im eine vereinzelte Aus- lassung, sondern um eine» Gedanken, der in allen Kundgebungen der Organe des Kapitalismus zu tage tritt»nd der auch wesentlich de» Grund der, zunächst gescheiterten aber noch lange nicht eudgiltig aufgegebenen lox Recke gebildet hat.— — Die lex Recke wird nach einer Meldung der„N. B. Corr.", wie wir stets vermuthet haben, dem Landlage vor den Neuwahlen nicht mehr zugehe». Was nach den Wahlen geschehen wird, wie die Wahlen nussalle» iverden, das wisse» doch nicht die heute im Amte besindlichen Minister.— — D i e„B e r l i n e r C o r r e s p o n d e» z", die von Herrn v. Köster gegründete Zeitungskorrespondeuz, die von den Ministerien ausschließlich benutzt iverden sollte, um die auloritälsunlergrabcnden Minislerkämpfe in der Presse unmöglich zu machen, hat niemals ihren Zweck erfüllt. Nun soll sie eingehen. Wir glaube», daß kaum in der kleinsten Zeitungsredaklion der„Berliner Correspondenz" eine Thräne nachgeweint werden wird.— — 11 c b e r d e n Z n s a ni in e n h a n g z iv i s ch e n der Frage d e r M i l i t ä r- S t r a s p r o z e ß-!1! e f o r ni u» d d e n M a r i u e f o r d e r u n g e n läßt sich die Münchener„Astg. Ztg." wie folgt aus: Es /herrscht in allen kompetenten politischen Kreisen völlige Klarheit darüber, daß an eine Bewilligung irgendwie u a in h a f l c r M a r i n e f o r d e r u» g e u s e i t e n s d e s R e i chs- t a g e s nicht z n denken ist. wenn nicht d i e M i l i t ä r- S t r n f p r o z e ß- R e f o r in vorgelegt wird. Von ziemlich eingeweihlcr Stelle wurde nns allerdings kürzlich versichert, wenn die Militär- Strafprozeß- Ordnung i» der nächsten parlamentarischen Kampagne nicht zur Verabschiedung gelangen sollte, iverde dies nicht sowohl daran liegen, daß sie den modernen Rechlsanschauungen, sondern daran, daß sie dem Verlangen nach Rechtseinheit nicht ent- spreche. Wir referire» cinstweilen blos, was uns mitgolheilt wurde und beschränken uns im übrigen darauf, nach dem augenblicklichen Stand der Dinge im Denlschen Reich die Annahme, es ließe sich für weitgehende Mnrineforderungen mit Leichtigkeit ein Appell von einem schlecht unterrtchtelen Reichstag an einen besser zu unterrichtenden in Szene setzen, als eine Illusion zu be- zeichnen. Bei der Zerfahrenheit der allen Kartellpartcicn und der bekaiiutc» Haltung des Zentrums ist a n einer st a r k e» Zunahme der radikalen Opposition kaum zu zweifeln. Wollte man die Marine- fragen in den W a h l k a in p s werfen, ohne zuvor den aufrichtigen und e n t s ch l o s s e n e n W i l l e n g e z e i g t zu haben, die M i l i t ä r- S l r a f p r o z e ß- O r d n u n g in dem Sinne zu r e f o r in i r e», der bis weil in die konservative» Kreise hinein für unerläßlich gehalten wird, so könnte und müßte man die verblüffendsten Ersahrnngeu machen.— — D i e Eisenbahn nn fälle geben selbst dem„Leipziger Tageblatt" Anlaß, der preußischen Eifenbahnverivallung Vcrhallungeu über die lange Dienstzeit der Beaiuten zn machen. Dabei ivird mit recht die Absicht der preußischen Regierung, den Uebelstände» dadurch abzuhelfen, daß mit rücksichtsloser Strenge gegen die Beamten ein» geschritten werden soll, abfällig kritistrt. Zum Schluß heißt es dann: „Hier würde sich die Schuld nicht nur an dem unglücklichen Beamten, sondern auch an dem Staate selbst rächen. Die Be- ämte» sollen nicht»nr selbst sich von der Sozialdemotrati» fernhallen, sie sollen auch die Vorkämpfer gegen diese Gefahr für de» bestehenden Staat sei», lind das ist an sich ein billiges Ver- laugen, denn sie stehen i» engster Beziehung zum Staate, sie er- hallen von ihm ihre Eristenz. Wenn sie aber Gefahr laufen, nach harter Lebensarbeit im Interesse des Staates für ein Unrecht büßen zu müssen, das äußerlich das ihre, thatsächlich daS des Staate« ist. so kann man nicht von ihnen verlangen, daß sie mit Freuden für den bestehenden Staat kämpfen, ja, man wird fürchten müssen, daß sie im Stillen gegen ihn kämpsen, den Lockungen derer folgend, die ihnen eine bessere Gerechtigkeit in einem anders organisirten Staate verspreche». Wir hallen eS darum für die Pflicht gerade derjenigen Parteien, die den Staat im Kampfe gegen die Sozialdemokratie »Nierstüllen wollen, wegen der Zustände im Eisenbahnwesen in der nächsten Session des preußischen Landtages der Regierung ernsthaft auf den Leib zn rücken. Es wäre ein Unrecht, hier ivieder einmal die Sozialdemokratie die Frucht pflücken zu lassen,»ach dcr sie, wie die Aiislnssungen der sozialdemokratischen Presse beweisen, bereits die Hände aus- streckt.— Es ist alizuerkenne», daß die Presse aller Parteien die Frage misthast behandelt; ste kann aber auf die Regierung nur «inen invrnlische» Druck ausüben, uuihrend ein faktischer Druck der Volksvertretung vorbehalten bleibt," Wenn das Organ der sächsischen Slationalliberalen glaubt, daß die preußische» Eisenbahnbeamten noch unberührt von der Sozial- demvkralie dastehen, so giebt es sich einer großen Täuschung hin; ihre Ermahnung an die preußische Regierung kounut zn spät. Seit Jahren hat die sozialdeinokratische Presse auf die Mißstände hin- geiviesen, die jetzt endlich auch von der bürgerlichen Presse besprochen iverdeu. Sicherlich hätten die Eisenbahnbeamten nie diese» tllnwalt bekonune». iveun nicht in letzter Zeit so häustg infolge der schon seit langem geübten AnZnühuieg der Arbeilskräfle Leben und Gesundheit des reisenden Publikums auft stärkst« gefährdet ivürde, Deshalb erheben sich nun plötzlich die Klagen und die Vomnirfe Segen die Eisenbahn-Verivaltnng. jetzt erst»veiß man, daß die Eisen- bahn-Verivaltung ihre Pflicht versäumt; vorher sind die Mahnungen der sozialdeinokratische» Presse iveiiig beachtet, nicht selten verhöhnt und bekämpft ivoroen. Nu» das System auf die Spitze getrieben, zusammenkracht, fühlt»>n» etwas von Schuld und möchte de» ungestümen Mahner nicht in der Gunst der Eisenbahn» Slngcstellten wachsen lasse». Die Nebelstnude im Eisenbahnivese» sind so tief eingefressen, der BureaukratiSums so üppig ins Kraut geschossen, daß eiserne Besen dazu gehöre», hier Kehraus zn machen. Bei der gegenwärtigen Strömung in iliegierungskreife» ist garuicht au ciue durchgreifende Reform zn denke», die erste» Mabuahmeil bestätigen schon, daß man an dem verkehrten Ende anfängt. Die Herren Landlags-Abgeordneten, die ja pflichtgemäß dem Herrn Eiscnbahuuiiuister einige Liebenswürdigkeiten sagen müssen — übrigens sind sie auch nicht von jeder Schuld frei zn sprechen— werden die Versicherung bekommen, daß etwas geschieht, hier und da ivird eine Besserung in Erwägung gezogen und schließlich auch zur Hälfte durchgeführt. Wir haben allen Anlaß zn befürchten, daß die preußische Regierung vor der drindendsten Reform im Eisenbahnwesen, die Ueberbürdung der Beamten durch eine Verkürzung der täglichen Dienstzeit und dnrch Mehranstellung von Beamten und angemessene Bezahlung derselben aufzuheben, halt machen wird. Wir werden uns also auch in Zukunft recht eifrig der Eisenbahnbcdienstete» annehme» müssen und damit werden diese uns und ivir ihnen näher trete». Die Frucht degiimt schou langsam zu reifen. Das„Leipziger Tageblatt" muß uns schon gestalte», daß wir auch hier ernte». — Die letzte GewerbeordnungS-Novelle, welche eine andere Haiidwerksorgauisation vorsieht, hat ciue Ausfülhrilngsanweifung wegen der in ihr vorkommende» Bc- zcichiillugeu„weiterer Kouiniunalverband",„höhere Berwallnngs- behörde",„untere BcrivalUliigsbehörde"»ud„Gemeindebehörde" »ölhig gemacht. Tie AuSsührungsanweisung ist von dem Minister des Innern sowie von dem für Handel und Gewerbe er- lassen. Danach sind unter die Bezeichnung„weiterer Kounnunal- verband" die Provinzialverbäude, die koiniiiuilalsländischcn Berbäudc der Regierungsbezirke Kassel und Wiesbaden, die Kreisverbände, der Landeskomuiuualverbnud und die Oberamlsbezirke in Hohcnzollern, die Landbürgermeistercien in der Rheiuprovinz und die Aemter in Westfalen zu verstehen; unter„höheren Verivaltniigsbchörden" die Bczirksaitsschüsse in den Fällen der Genehmigung der Statute» nnd Nebenstatutei» der Innungen, i» den in§ 97 bezeichneten Fällen der Schließung einer Innung oder in den Fällen der Schließung eines JnnllligSauSschilsseS und in den Fällen der Entscheidung von Streitigkeiten zwischen Genieiuden und Innungen infolge der Auflösung oder Schließung; in allen übrigen Fällen die Regierungspräsideuten, so- fern nicht für die Handelskamniern abweichende Bestimmungen getroffen 'Verden. Unter der Bezeichnung„untere Verivallungsbehörde" sind in Städten über 19 000 Einwohnern die Gemeindebehörde, im übrigen der Landralh, in den Hohenzolleruschen Landen der Ober- nlnturann und uuter der Bezeichuung„Geineindebehörd«" der Aorstand der Gemeinde, in Enlsbezirten der Gutsoorsteher zu ver- stehen. — Die Unternehmer und die Nnfallv ersichern ngS-Borlage. In Wiesbaden trat gestern die Kommission des Z e n t r a l v e r b a n d e s d e u l s ch e r Industrieller zwecks Bcrathnug der Uufallversichernngs-Novclle unter dem Vorsitz des ReichsratheS Haßler-Augsburg zusa»iineu. Die Berhaiidlunge» werden drei Tage dauern. In Regierungskreisen soll man noch schwanken, ob die Vorlage in der bald ablausenden Lcgislalniperiode dem Reichstage vorgelegt werde» soll.— — Etwas von dem, ivas Herr Gäbel„ver- traulich",„einer Anregung des Staatssekretärs des Jiuiern fol- geiid", den Borftänden der Bernssgenossenschastcn und Jnvaliditäts- Versichernngsanstalten zur Verbreitung empfohlcn hat. Bekanntlich hat Herr Gäbel die Erzeugnisje der Prediger Hülle'fchen Schund- literatur zur Vertheiluug in Krankenhäusern und Sanatorien ein- pfohlen. Die Hülle'sche Schrifienleitnug versendet nebe» 139 mit allein Möglichen gcsülllen„Zeitungen" eine Reihe von Flugschriften, die zn 19 Pscunig pro Stück zn verkaufe» sind lind die von bezahlien Agenten der v. Stunnn-Manteufscl- Liebermann v. Sonncnbcrg- Richtung insbesondere ans dem Lande verbreitet werde». Ein Arbeiter sendet unS Nr. 1\ dieser Machwerke z». Diese Nr. 74 ist noch eins der am wenigste» schmutzigen Hülle- schc» Erzeugnisse. Auf seinen Inhalt gehen«vir nur ein, weil die Ansicht verbreitet ist, daß dnrch Empfehlung des Hülle'sche» Schundzenges die beiden Reichsbcainien Gäbel und v. Posadowsly seinen Inhalt billigle». Die Nr. 74 der Hullc'schcn Flngblatlfabrit ivendet sich gegen ein uns unbelanntes, augeblich verbreitetes und „Landvolk nnd Sozialismus" überschriebenes sozialdemokratisches Flugblatt. In demselben ist u. n. gegen de» Wucher Stellling ge- noillmeu. Hnllc's Machwerk Nr. 74 schreibt NU» hierüber: „Man traut seinen Auge» kaum, wenn man Sozialdemokraten, die gelrenen Schildknappen Singers, gegen Hypothekcngläubiger und Wucherer zn Felde ziehen sieht, wie es hier schlvarz aus weiß geschieht. Der Wucherer wird die„ividewärligste Gestalt unserer gesellschaftlichen nnd wirlhschastlichen Zustände" genannt. Brav gesprochen; solche Worte unterschreibt zeder Bauernsreund. Wer hat sich aber um de» Schutz des Wuchcrgewerbes stets nuss eifrigste bemüht gezeigt? Niemand anders als die Sozialdeinokrale». Die Sozialdemokraten haben gegen alle Wnchergesctz« gestimmt und sich stets als Freunde der Wucherer er iv lese».* Ob Herr„Prediger" Hülle diese Lüge» in die Welt setzt, ist für uni gleichgtltig. Anders steht cs mit dem Staatssekretär des Reichs- amts des Innern und Herr» Gäbel. Beide sind Retchsbeamte. Sie wisse» oder»lüssen wissen, daß die Sozialdemokratie von jeher gegen den Wucher in jeder Form eingetreten ist. Sie wisse» und müssen wissen, daß die Sozialdemokraten die Beseilignng jedes Wuchers (auch des Grund- und Bvdeinvnchers, des Zvllwnchers, des Getreide« Wuchers, des Wuchers, der durch gesetzliche V-rlheuerung der»olh. wendigen Lebensmittcl, des BranntivetnZ, des Zuckers zc. entsteht, des Miethswilchers, desLohnwncherS, des WncherS dllrch Ansbentnng der Nothlage eines einzelnen, sowie des in der Ausbeutung der Nothlage einer Klaffe bestehenden Wuchers) stets angestrebt Hab«. Herr v. Posadowsky und Herr Gäbel wiffen ferner oder inüffen als Beamte wiffe», daß die Sozialdemokraten das Wuchergesetz vom 19. Juni 1893 alS bei iveitem nicht weitgehend genug bezeichnet, f tt r dasselbe aber gestiinnit haben. Wie wolle» Herr v. Posadowsky nnd Herr Gäbel die„vertrauliche" Empfehlung einer Verbreitung der diese» Thatsach«» eutgegeustehenden Flugblalt-Lügen recht- fertigen? In dem Hülle-vlnll Nr. 74 ivird ferner eine Verlheuerung der noihlvendigen Lebensmittel durch hohe Zölle mit folgenden Worten verherrlicht: „Das sozialdemokcrltische Flilgblait bejammert die„graneii- vollen Verheerungen unseres ungeregelten Konknrrenzkampses" im Jnlereffe des Banernstandes. Nim ivissen wir dagegen ein trcff. liches Mittel, und dieses Mittel lautet: Schutz der nationalen Arbeit, Schutz vor allem auch der Laiidivirthschast dllrch wirksame Getreide- und Viehzölle und durch Ausschluß allen unlant««» Wetlbewerbes! Daraus, ihr Bauern, müßt ihr die Sozialdeino- lratrii seslmigeln, die euch bethören ivolien Ten Schluß des Hülle'sche» von Gäbel-Posadowsky empfohlenen Machwerks bildet folgende Anfhetzung: „Seid ans der Hut, Bauern! Ihr wißt nun, was Ihr von den schmeichlerische» Versprechungen der Sozialdemokraten zu halte» habt. Verlacht den Lockruf der„Schaar der Männer und railen, die, voll froher Hossiinng. dem siegreichen Banner des ozialisliuis folgen". Diese Schaar großflädtischer Proletarier will nichts als Euer Eigeiilhul». Euren Fleiß nnd Eure Arbeits- krast, damll sie dann mit vier oder gar zwei Stimden täglicher Arbeitszeit ihr„Siecht aus Freude" in vollste»» Maße genießen könncn." Wie sich der„Prediger" Hülle nilt der Wahrheit absindet, ist unS gleichgillig. Uns interessirl die Frag«: Wie wollen die Reichs- beainten von Pofadowsky-Gädel die vertrauliche Empfehlung dieser Lügen, Hetzereien nnd Beschinipfnngeu der Arbcilerllasse recht- ferligen? Antwort wird wohl im ReichSlag gefordert lverden. Für den Tiefgrad sozialpolitischer Erkenntniß und Fürsorge ist auch die„vertrauliche" Empfehlung der Hülle'fchen Schundsabrik bc- zeichnend. Diese„verlranliche" Empfehlung läßt auch einen Rückschluß darauf zu: inil welchen Milicln der Wahlkampf seitens der Jnnkersippe z» führen versucht werde» wird. Desto»othwendiger ist eine schleunige Orgailisation und Agiiaiio» z»i» Wahlkamps für die Sozialdeniokratie.— — I n de» Reihen der Nation al-Sozialen treten alle Diskussionsplinkte zurück hinler der Frage„für oder gegen de» Antrag Eohm." — lieber das abgelehnte„Gnadengesuch" des ZnchthäliSlers Lenß, welches kürzlich zn alierlei Kombi- natione» Anlaß gab, wird von der Sirafanslalls-Direklio» in Cell« i» einer BcnchUgiiug an de»„H. A." mitgeihcilt, daß nnr ein An- trag ans vorläufige Haftenllassnng(»ach s 23 des Slr.-G.-B.) ge- slellt geircsen sei. Dieser'Antrag sei jedoch von Lenß persönlich, nicht von der Anstaltsdireklion nnsgegimge». Letzlere habe de» Antrag»ur formiilirt, wie solches iinmer zn geschehen habe.— — Ein Garniso»- Offiziergarten soll auf dem Königsberger Forlisikationslerrain zwischen dem Tragheimer Thor nnd dem Wrangelthnri» geschaffen werden. Auf dem zirka acht Morgen uinfassenden hnlbinselnriig in den Obcrieich hineinragende» Platz soll ein Konzerlpark mit Orchester»nd Restanralionsgebände, ein Wagenplatz, mehrere Laivnlcnnis- und Crcqnclplätze. ein großer Rase» für Gesellschaftsspiele und eine große Festwiese enistehcn; außerdem lvird am Wallgraben ein Boolshans nebst Zlnlcgcsielle anfgesübrt, verde». Hierzu schreibt die„Königsbergcr Volkslribüne": „Da wäre» denn die Herren nun endlich mal unlcr sich»nd dürfen sich nicht, wie im B ö rs e» g a rt e«, mit dem gewöhnliche» Bürger- pack herumärgern. In diesem neuen Heim werben sie vor jeder ullliebsameu Berührung mit dein Zivilp'ck geschützt sei», den» es befindet sich dicht hinter dem Feiinngc wall von drei Scilen inil Wasser umgeben. Nun köuvle ivohl beiden Theilen wohl sein, doch ivir fürchte», daß es das unentwegte Bürgerlhnm schon von wegen dem Reservelieutenant nicht lange ohne Eporengeklirr nnd Säbel- gerassel aushalle» und bald sehnslichlig dnrch die Schießscharte» der Festnngsmnllern in der Wrangelslraße nach dem»eneil Garte» schiele» wird."— — Das Recht der Ortsvorsteher in O st« l b i e n. Zn den drei gestern verüsfentlichlen Alleustückc» geht uns heule»och das folgende zu: Ter Orlsvorsteher ist nicht ermächtigt, Sie anszuweise». Es bedarf dics erst eines Antrages bei der Polizeibehörde. Capulh, de» 3. September 1897. Amisbez. Caputh, Der AmISvorstcher. Kreis Zanch-Belzig. von Thüuncn. Der allgewaltige Orlsvorsteher erklärte hierauf, daß der p. p. Emscl innerhalb acht Tage» Caputh zu verlassen habe», fallS»r sich nicht in eine Kassa einkaufe. Besser wir�oadurch die Sache fürde.. Orlsvorsteher nicht. Knappeine» Monat vor Eriverb des UnierstiitzniiF-wohilsitzes lvird Emscl ivider- gesetzlich ansgcwiesen, lvird in übertrieb«»«»» Elser der Wirth ver- anlaßt, dein Manne die Wohnung zu kündigen. Wie viele derartige Fälle»lögen in ostclbischen Gnlsbezirke» vorkomliieii, ohne daß ma» je ein Slcrbciisivörtchcn davon hört!— Forst i. L.» 29. Seplcinber. Vom L a n d e s d i r e k t o r der Provinz Brandenburg ist einem hiesige» Einivohner ans die Auslage, inwieweit die»ach iiinlanfei'deii Gerüchten in Aussicht geslellleu Unterstützungen der d n r ch Hochwasser b e- schädigten Grundbesitzer in Stadl und Land z» erwarten feie», nach dein„Forst. Tagebl." die Millbeilung zn- gegangen,„daß n a ch d c n B e s ch l ü s s e n des P r o v i» z i a l- Ausschusses nnr eine U» t e r st ü tz n n g der K r e i s e und Gern ei» den zur Beseitigung des dnrcb die Hochivasser ein- getretenen Nothstandes ans Mittel» der Provinz in Aus- ficht g e n o»> Iii e» s e i."— Trcödcu, 23. Sept.(E!g. Ber.) Es ist jetzt nahezu ei» Monat verflossen, seit der skandalöse und allgemeines Ausfeilen erregende Vorfall sich ereignele, daß ein sozialdemokralücher Redaklenr am hellen Tage dnrch die lebhaftesten Straßen von Dresden, init Kellen gesessclt>vie ein gemeiner Verbrecher, lransportirt wurde. Die s ä ch s i s ch e Vi e g i e r ii n g hat bis heule a» ch n i ch t e i n einziges Wort der Erklärung über jene» Vor- gang gesunde», trotzdem die Presse, ohne Unterschied der Partei, genau so lvie im Fall Steiger, scharfen Protest gegen ein derartiges Versahren erhob. Warum dieses Schiveigc»? Damals, als man den Slcdaktenr Steiger so schimpflich behandelle, ivar nia» fix bei der Hand, zn erkläre«, daß nnr der Transporteur die Schuld trüge. Ich habe im jüiigste» Falle Schulze dein„Vorivärts" sofort nach dem Vorsalle berichlet, daß jene A»t- wort der Regiermig nicht z»treffe»d ist, sonder» daß die Unter- beamte» nur ihre g e n a u e I n st r n k t i o» besolgen, wen» sie die Gesangencn sesseln. Die Regierung hat durch ihre, wenn auch llnznlreffende Erklärung im Falle Steiger knndgetha», daß sie e>»« derariige Maßregel nicht billigt. Es ist ganz mwerständNch, warum»un jctzl, nachdem sich ein gleicher Fall i» kurzer Zeil daraus wiederholt hal, trotz der Mißbilligung seitens der Reg iern» g, letzlere nichts darüber hören läßt, ob denn»im etwas, und ivelin ja, iv a s geschehe» sei. um solche Dinge in Znknnst auf alle Fälle lUlMöglich zu mache». Oder glaubt ma» etwa, nach- dein sich die allgeineine Empörung gelegt, daß die Sache damit ab- gelhan sei? Die Oeffeniiichkeir hat biet ein Recht, eine un. zweideutige nnd bestimmt« Erklärung der vtegiernng zu verlangen! Mit derselben Geheimlhuerei wird die Frage der E»!- schädigitiig der vom Hochwasser Betroffeneir dnrch den Staat behandelt. Bereits acht Wochen ist es her, daß das schwere Unglück über einen sehr großen Theil der sächsische» Bevölkerung beieinbrach, niemand ivciß beute, wie denn nun eigentlich die Slaatshilfe, Ivclche erst»ach energischenl Drängen der sozialdemokratischen Kritik in der Presse und B e r s a in»> l u» g e», in Ansficht gestellt wurde, aussieht. Ab nnd zu bringt das amlliche„Dresdener Journal" eine Noliz, daß das Unlerstützungswerk im Gange sei. daß Sulmnen zur Verfügung ge- slellt seien». s.>v. Aus den nichtssagendeil und gewundenen An- driltungen des RegiernngsblaUes taiin kein Mensch klug werden. O b gegeben, iv a s gegeben und w i e gegeben würde, darüber schwelgt man sich eben auss gründlichste aus.— Hamburg, 22. September. Der„Hambnrgische Eorrespondeiit" veröffentlicht die N»me» der bei dem Untergänge des Torpedobootes ,8 26" Geretteten. Dieselben sind: Oberiuaschinist Worms und die Unlerosfiziere nud Mauuschasie» Jacobi, Hübncr, Brüder, Donimum, Gamradt, Witt. Boldt und Leckebusch.— — I» Hamburg, dem stttlichen, in dem eS nach der Mit- lbeillmg des Hambnrgischen Bevollinächligten zum Bundesralh im Reichstage belaiintlich„keine Bordelte giebt", tagen feit Montag dieser Woche die Sittlichkeilsapostel ans deutschen Landen, meistens Pastoren nnd Missionare, und unter ihiien als erhabene Leuchte der Freund des Hammerstein und der Flora Gaß. der„thenre Gottes- »lann" S t ö ck e r. Man hat weidlich geschimpst über di« Enl- sitUichuiig der Menschheit. Manch richtiges Wort ist gesprochen und»lancki blöder Vorschlag ist gemacht zur Hebung der Sill- lichleit. Der Grnndlon, der durch alle Rcdc» ging, ma» der: das Christenthl»», das Evailgelium, die Kirche nur allein köniieii der llniiioralilät stencrn. Herr Slöcker schiinpfle über die Großstädle, über die Freizügigkeit, die die Großstädte entstehen ließ und so der Unsilllichkcit Vorschub leisteie.«zchveckliche Dinge er- zählte er von Berlin, dem Sündenbabel, aber noch schrecklichere Dinge erzählte ein Hamburger Pastor von Hamburg. Merk- würdig»ur, daß alle die Herren ihre Beispiele säimut- lich aus dein Leben des arbeltenden Volkes holten und nicht ein Wort über die Gemeinheiten ihrer Klassen- genossen zu sagen wußte». Geivallig ging man den Variöles nnd Tiiigel-Tangeln zu Leibe, gegen die»lau in Nesvluliouen polizeiliche Hilfe forder u. Die einzige Oase in dem wüste» Phrasengedresch war eine Red« deL Konlrc-AdiniralZ a.D. Werner über die sill- liehe Hebung des Seemannsstaiidcs. Der Redner verlangte nämlich nnler Ziirückiveisnilg der Traklätchcii, mit denen die Schiffe überall überschlvemnit werden, eine gesunde Lektüre sür die Seelenle und vor allem ein Einschreile» gegen die habgierigen Landhaie, die eueibaase, die eine große siltliche Gefahr für die Seelcnle bildeten. nr Erheiterung der Leser wollen wir noch»littheilen, daß auch die ozialdcniokralie mit ihren„enisittlichendcn Theorien" schlecht bei den SiUlichkcüsapostelii wegkam. Besonders der Pfarrer Lic. Weber- München« Gladbach leistete i» der Beiirtzernng unserer Therorieu großes. Vor Bebel's„Frau" warnte er, als sei es vom oberste» der Hölleusürste» herausgegeben als Unlcrhaltnngsleklüre für Bordelle. Nachdem man drei Tage weidlich geschwätzt nnd sich bei kulinarischem Mahle amüsirt halte, wurde am Mittwoch Nachiiiillag der Kongreß geschlossen. Hoffentlich er- leidei keiner der„sitllichc»" Herren noch am letzten Abend Schiff« brnch in Hamburgs bekannten dunklen Straßen oder auf St. Liederlich, ivohi» er sich vielleicht ziveels Bereicherung seines Wissensschatzes in xuncto der UnsiUlicHkcit mit kühnem Wagemulh begeben haben könnte.— — Chronik dir Ma j e st ä t s b el e i d i g n ii g S- Prozesse. Unier der Anklage der Majeflätsbeleidigimg stand am 21. d. Mis. der 18jährige Knecht Hermann Ball ans Jungferndorf vor der Slraskamnier i» Königsberg i. Pr.. Es war am 21. Juni d. I., als mehrere 5liicchte in dem jirnge des genaviile» OrleS zusannnei.- saßen und bei Bier nnd Schnaps ein sehr lcbhasles Gespräch über Politik begannen. Im Laufe dieser Debalte soll»un der Angellogle eine nnchreibielige Aeußernng in Berbindnng mit dein Namen des Kaisers gelhan haben. Vor Gericht war der Angeklagle vollauf ge- ständig nnd betheuerte, daß ihm die Aeußernng geivifferiliaße» wider seinen Willen entfahren sei. Mit Rücksicht ans dieses Gesländniß beanlragte der Siaalsanwalt nnr eine Gcsängnißstrafe von vierzehn Tage»(??) nnd der Gerichtshof erkannte nach kurzer Berathnng dem Antrage des Slaatsauwalls entsprechend. Oesterreich. Wien, 23. September. Abgeordnetenhaus. Die neue Session wurde dnrch den Ministerpräsidenten Grasen B a d e» i eröffnet, ivelcher, von der Gruppe Schönerer l»it ironische» Hochrufe» empfangen, den Abgeordneten Tr. Zurkan, als das älteste Mitglied des Hauses, auffordert, das Alters- Präsidium zn übernehme». Abgeordneicr Dr. Zurkan richtet eine kurze Ansprache an die Abgeordneten, die stellen- iveise durch laute Z iv i s ch e» r n f e der Opposition unter- brochen wird; er bitlet jimi Einigkeit nnd das Fallenlassen des unfruchtbaren Streites nnd schließt mit einem Hoch ans den Kaiser. Abg. Schönerer ruft:„Hoch das deutsche Volk!" Die Linke ivieder- holt den Ruf stürmisch. Abg. Pergelt(denlsche Fortschrittspartei) fragt wegen der dnrch die G e s ch ä f l s o r d n u n g v o r g e s ch r i«» beuen feierlichen Eröffnung des Reichsraths durch den Kaiser aa Abg. Dr. Zurkan erwidert, seiner Meinung nach sei dies ein Aeckt, nicht eine Pflicht der Krone. Großen Lärm entfesselte eine'Anfrage Gregorigs, ob es wahr sei, daß sich sechzehn als Diener verkleidete Polizisten i»> H a u s e befände». Forlgesetzte leidenschaftliche, lbeilwcise gegen den Grafen Badeiii gerichtete Zwischen rufe der Opposition werden laut. Jnzwischc» läßt der Alterspräsident die Präsidentenwahl durch Namensailsrnf vornehuien; während des Wahlaktes herrscht n n n» l e r b r o ch e n e r L ä r m. Heftige Zwischenrufe links und scharfe persönliche Aus- « i n a n d e r s e tz n n g e n, namentlich zwischen den Dentsch-Böhmen und Jnng-Czechen.— Zliin Präsidenten wird der frühere� Präsident Kall) rein init 203 Stimmen wiedergewählt; 9 Stimmzettel sind unbeschrieben. Tie Opposition Hatte sich der A b st i m m u n g ganz enthalten. Kalhrein übernimmt de» Vorsitz mit einer Ansprache unter dem stürinischen Applaus der Rechte»; die Schönerer- Gruppe linterbricht die Ansprache durch sorlgesetzie leiden« s ch a f t l i ch e Zwischenrufe, Kathrein schließt mit einein Hochruf ans den Kaiser, den das Haus dreifach erwidert, den Lärm übertönend. Pergelt und Hof,»an» protestiren gegen die PrSsidenteilwahl lind beaiilragen Schlilß der Sitzung. Kalhrein er- klärt, er habe das Beiviißlsei», seine Pflicht als Denlscher jeder- zeit erfüllt z» haben, und werde sich in der übernomnienen schwere» Pflicht nicht irre uiache» lassen.(Beifall rechts.) Wenn ihm in l t g c t h e i l t iv e r d e, daß ein Diener des Hauses mit der Polizei in Verbindung stehe, so werde er d e n s e l b e n s o f o r t e n t l a s s e n.(Beifall rechts, Lärm links.) Ter Antrag ans Schluß der Sitzung wird in namentlicher Abstiiilimiilg mit 197 gegen 103 Stimmen abgelehnt.— Wir», 23. September. Herrenhaus. Der Präsident Fürst Windischgrätz lheill mit, daß die D e l e g a t i o n s iv a h l j» der nächsten Sitzung vorgenommen lverden solle. Das Hans beschließt, die nächste Sitzmig morgen abzuhalie».— Prag, 21. Septeinber.(Eig. Ber.) Seit der denkwürdigen Kundgebung der czechische» Sozialdemokraten im österreichischen Abgeorduelenhails gegen das historische Staatsrecht hat die jung- czechische Presse und ihre angeblich prolelarischei» Ableger, die „ualional- sozialistischen" Organe, eine zügellose Berleilmdungs- Kampagne gegen unsere Genossen eingeleilet. Wie sehr die Morl« (ihrer der czeehischen Bourgeoisie von jedem Anslands- nnd Scham- gesühl verlassen sind, zeigt nachstehendes Slückche», das die Brünner „Lidor6 Noriny", das Organ des Badciii'schen Preßhnsaren Dr. Stransly, eines eheinaligeii deulschen Jude» und jetzigen czcchischen Antisemilc», vor kurzer Zeil zur Allssübriing gebracht bnbe». SIm v. September, dem Tage der Prager Friedens- Deinonstration, veröffentlichte das genannte Zentral- organ der mährisch«» Jnngeziechen eine großmächlige Unter- rednng, die der Pariser Korrespondent des Alaltes mit einem Redakteur der„Pelile Slspnbliqne" gehabt haben sollte. Danach hätten die französischen Sozialisten die anli-staalsrechüiche Erklärung als»»sozialistisch nnd unwürdig vernrtheilt, die Sprachenverordining aber als einen Sieg»alürlicher Grnndrcchl« begrüßt. Außerdoni ollte sich der sozialistische Redaklenr sehr scharf über den Genossen Dr. Biktor Adler, der den Jnngezechen seil jeher als schwarzer Man» dienen lnuß, geäußert haben. Die ganze Publikation des jungezechisch«» Blaltes zielte auf ein« Schädigung der Friedensmaiilfestalion ab, jedoch>vie bekannt, obne Erfolg, denn die Manisestalion verlief über alles Erwarten glänz- voll. Trotzdem beschlossen die Präger Genofsen/über die Behanptlnige» des gegnerischen Blattes, die auch in andere nationale Organe ein- znstcker» begänne». Klarheit zu gewinne» und richteten eine Anfrage an die„Petite Rspubliqne". Die Rinnmer vom 17. September brachte die Antwort, die ge« radezn sensationell wirken»mfl. Danach ist das ganze Interview. das von dem jungezechischen Ofsiziosus mit so großem Trommel- 'chlag ins Felo geführt worden war, von A bis Z eine grob« Fäl- schung. Die„Pelite Ropnbliqne" erklärt, das Brünner Blalt habe die Leichtgläubigkeit feiner Leser in der ordinärsten Weise miß- braucht. Das böhmische Staatsrecht sei„nichts anderes, als die Wiederherstellung der feudalen Oligarchie des MiUelallers mit Modistkationen zu gilnsten der bürgerlichen Kapitgliftenllasse". Es fei absind, den französischen Genossen eine andere Meinung zu unter- schieben. Noch dcnllicher spricht ein von Gormift- Richard unterzeichneter Nrlikei über das gleiche Thema in der Nummer vom 13. d. M., der die schumtzige Jntrigne der Jnngczechen mit recht ans das siegreiche Vordringen des sozialislischen Gedankens in den ezechischc» Ländern znrnckgesuhrt und mit den Worle» schließt:„Ob»u» die czeeliischen Eigenlhümer mit denen der ungarischen und deutsche» Länder die politische Macht theile» werden, die czechischen Ar- beiter werden darum nicht minder unter ihrer erbarmnngsloseu Aus- beutnng leiden." So sieht das Gesindel aus, niit dem wir uns hier herumschlagen müssen und den, gegenüber wie oft machtlos waren. Die Enthüllung der„Pelite Nepnblique" ist nicht das erste Dokument von der Schmach unserer bürgerlichen Journalistik, aber diese hat ihr Monopol biSher immer zur Unterdrückung solcher Vorfälle zu be- nuhcu verstanden. Wir sind überzeugt, daß die Lügen der„Lid. Nor." jeht erst recht ihren Weg in der jungezechische» Parleipresse ver- folgen werden. Gerade an solchen Vorkommnisse» zeig! es sich, wie sehr unser vom I. Oktober an erscheinendes sozialdemokratisches Tageblatt eine Nolhwendigkeit ist— und dies nicht nur für die Arbeiterschaft, sondern für das gesaminte czechische Pnbliknin, dein an der Wahrheit und an dem gute» Linse der Nation etwas gelegen ist. Uugarit. — Viel Pöbel scheint sich zn den Feierlichkelien anläßlich der Anivesenhcil des denlsche» Kaisers in Budapest gedrängt zu haben. So berichtet die„Nene Freie Presse": „Um Vs IO Uhr war die Vorstellung(im Opernhause) zn Ende. Als die beide» Zkaiscr die Hosloge verließe», bcgleiteie sie das Publikum mit lauten Eljen-Nusen. Die Abfahrt vom Opern Hanse konnle für die beiden Kaiser und die Suite des denischen .Uaisers»och ordnnngsgeuiäß erfolge». Tann aber erwiesen sich alle g e l r 0 s f e» e n Vorsichtsmaßregeln d e r S i ch e r h e i t s w a eh e als unzulänglich. Tie a u. drängende M e n s ch t» in a s s e wurde so kolossal und widersetzlich, daß ein wahres Durcheinander enl- stand. Der A»prall der von allen Seiten heran- drängenden Menge war so heftig, daß die Eisen- st a n g e ii, durch welche die Kordons der Polizei verstärkt wurden, zerbrochen wurden. Es entstand ein Getümmel, in welchem es nur mit äußerster N r a f t a u f w e u d n n g gelang, die Wagen für die Erzherzoginnen herbeizuschaffen. Die Polizei war sogar genölhigl, mehrere Verhaftungen vorzunehmen. Etwa ein Dutzend dcr äigstcn O r d» u n g s st ö r e r wurde sofort abgeführt. Es danerle eine volle Stunde, ehe die Gäste der Galavoistellnng z n ihren Wagen gelangen koiiiilen. Infolge deS Gedränges wurden etwa dreißig Personen o h n in ä ch l i g und mnßlen zur Reltiingsgeseltschaft geschafft werden. Ein etwa zwanzigjähriges Mädchen wurde beim Z n r ü cl d r ä n g e n von einem berittenen K o n st a b l e r niedergeritten und lebensgesährlich verletzt."— Frankreich. Pari?, 20. September.(Eig. Ber.) Dcr Abschluß des t u n e- fisch- englisch bezw. französisch- englischen Handels- Vertrages bedeutet die vollständige Verwandlung von Tunis in eine französische Kolonie. LI» stelle des direkten„ewigen" Vertrages zwischen England und Tunis vom Jahre 1875 lritt der neue Acr- trag, welcher das Recht Englands ans die Meistbigiinstigmig auch gegenüber Frankreich aushebt n»d dafür den Maxiniaisatz des tunesischen Einfuhrzolles ans englische Baiimwoll> Fabrikate von 3 ans v pCt. des Werthes herabsetzt, aber nur bis 1913. Die alten tunesischen Handelsverträge anderer Staaten waren bereits seit Juli 1393 nach einander abgeschafft, aber die darin enthaltene Meist- begünstigiingstlanfel sollte außer Wirkung treten erst nach Ab» schaffiing des tnnesisch-englischeii Vertrages von 1375. Das neueste Abkommen ist noch nm so vorlheilhafler für Frankreich, als England der einzige Staat ist, der sich ans einen„ewigen" Verlrag benisen konnte. Nachdem im Januar 1896 das französisch-engiisch'e Abkommen die Greazsteitigreiten im Gebiete des oberen Merviigflnffes niid bezüglich Siams geschlichtet Halle, bleibt nur noch die Frage der Abgieiiziing der englischen nnd französischen Ge- biete am MiUellanf des Niger zu erledigen, was keine weiteren Schwierigkeiten bielen kann.— Ob aber diese sreiiiidlichen Beziehungen zwischen Frankreich nnd England ans kolonialpolitischei» Gebiet zu einem„herzlichen Einvernehmen" ans dem Gebiet dcr europäischen Politik führe» werde», das hängt natürlich von— Ruß land ab. Die seinerzeit von Janrös in der Kaminer vernrtheilte Preßhetze gegen England wird in einem bedcntciidcn Theil dcr franjösischen Presse geräuschlos, aber systemalisch fortgesetzt. Dcr eivige Vorwand dazu ist die e g y p t i s ch e Frage. Ich sage: Vorwand, weil der Grnnd der Preßhetze i» russisch- diplomalischen Einflüssen zn suchen ist. Ilm die wirkliche Beseitigung der cnglischen Herrschaft in Egypleii küinmert sich die rnssische Diplomatie ebensowenig, wie um die Nevanchebestrebnngcn. In verschiedener Wcise zieht sie gleich großen Nutzen gerade a»S dem Offenbleiben der egyplischei» wie der Ncvanchc- frage. Daher erscheinen die Bestrebiiiigcu der übrigens dünn gc- säten btirgerlichen Politiker Frankreichs zur Herbeiführung eines „herzlichen Einvernehmens" mit England aussichtslos. Der eifrigste Versechter dieses Einvernehmens, der ehemalige Siallhalier von Jiido-China, de Lnueffa», verkennt die Silnaiio» so griindlich, daß er sogar von einer Art franko-rnssisch-engllschcn Dreibund lränmt... Soziaiistentödler Bart hon Halle vor einigen Wochen den Staat gerettet durch die Amlseiitsctzung des sozialistische» Bürger- meisters von Crozant(Crense), Berto», weil dieser als Mitglied des Bezirksralhes die nnitlichen Wahlsälschunge» bei den Gemeinde- wähle» von Narbonne gcbrandmarkt Halle. Der Geniciudernlh Hai nun dem Staaisreiler die richtige Antwort erlheilt: Berlon wurde gester» einstimmig zum Bürgermeister wiedergewählt.— PariS, 22. September. Wie der„Temps" ans Sansibar er- fährt, wurde ei» französisches Schiff vo» der englischen Behörde in Mombasa unter der unbegründete» Anschuldigung des Sklaven- Handels angehallen und der Kapitän, sowie ciu Theil der Mann- schasl eingesperrt.—- England. Loudo», 23. Sepiember. Lord S a l i s b u r y erhielt eiu Schreibe», worin seine Anfnierksamkeit ans das neue belgische Militärgesetz gelenkt wird, durch welches die F r c m d e n gezwungen werde», in d« r B ü r g e r iv e h r z n diene». trotzdem gegenseitige Vertiäge abgeschlossen sind. Die englische Ne- giernng versprach, dieser Zkngelegenheit näher zu treten.— — Gegen alle birnetallistische Experimente der Bank vo» England erklärte sich eine Versammlung der Groß- kanfleule der Londoner City.— — Wieder ein U n g l ü ck in der Marine. Aus Grimsby wird lelegraphirt: An Bord deS Kriegsschiffes„Galaiea" sprang ein Geschütz. Ein Matrose wurde g e t v d t e t; die Offizierskabine wurde zerstört.- Spanien. Madrid, 23. September. Das Gerücht, daß der Finanz- minister Navarro Reverler seine Entlassung geben wolle, wird siir u» b e g r»» d e t erklärt.— — Zur anarchistischen B e>v e g n n g wird der„Intern. Korr." ans Madrid»uteri» 19. September geschrieben: Die neueren drakonischen Maßnahme» der spanischen Regierung zur Unterdrückung der anarchisiische» Propaganda scheinen eher den e» t g e g e>i g e s e tz t e» E r f o l g zn haben. Denn während der Minister des Juiieril nuler ZuHilfe,«ahme eines bedeutende» Slaats- kredits sofort eine weitverzweigte politisch. Geheim» polizei schnf, lind alle Staatsanwälte eifrig bemüht sind jede Zeitung der bürgerliche» Opposilionsparleien wegen der geringsten „Begünstigung" des Anarchismus zur Rechenschast zu ziehe», haben die A n a r ch i st e Ii selbst eine bisher von der Polizei noch nicht entdeckte Druckerei eingerichtet, in welcher sie geradezu„erschreckende Preßcrzeiignisse" herstellen. Die neueste dieser Flngschriste» ist eine Broschüre mit dein Tilel„Blut und Tyramieiiherrschafi", worin die Kämpfe und Lcbensschicksale der bisher Hingerichteten spanische» Anarcbiste» einschließlich Angiolillos geschildert werde»; außerdem ist das Bild jedes derselbe» beigefügt, sowie gräßliche Bilder vo» den Hinrichtungen selbst»nd vo» den Folternngen der i» Monljitich eingekerkerten Gesiinningsgenosscn. Die Madrider Zeitungen erzähle», daß diese nnd ähnliche Schriften in vielen Taufenden von Exemplaren auch unter den, s o» st der anarchistischen Pro- paganda abgeneigten Bevölker nngsklassen ver- breitet würden, wo man sie der Neugier wegen w i e sogenannte Schauerromane kaufe n» d lese. Aber die Polizei hat bisher diese Echriflenverbrcitung noch in keiner Weise zu verhindern vermocht.— Tiirkci. Kanca, 22. September. Slnssiäiidische überfielen gestern bei Kandia Muselmanen ans dem Hinierhalt,' sie rannten über 206 Stück Vieh»nd tödtclen zwei Hirten, weiche sie verstümmelle». Der Brand der Olivcnpflanznngen in der Umgebung von Retimo dauert fort.— Griccheulaud. — Die Stimm u ii g der Bevölkerung über den Friedensprälimiuar-Berlrag ist eine überaus erregte. Die Negiernng betrachlet die Siluatiou als sehr schivierig.— — Beginn der Rückführung der t h e s f a l i s ch e n Flüchtlinge. Aus'Athen wird der„Internationale» Korr. nnlerm 16. September gemeldet: Bon den in Mitielgriechenland und ans Euböa besindlichen 96 666 thessaiischen Flnchllinge» sind während der vorige» Woche gegen 3666 i» kleineren Züge» nach ihrer Heimath znrückbefördert worden. Im Lause der gegenwärtige» Woche aber hofft man die Nücksühning der Flüchllinge in größerem Maßstäbe beginne» zn können. Leider sind die Bericliie der Konsul» über die Loge in Thessalien derart, daß sie laum die übrige» Flüchtlinge ev muihige» werden, ebenfalls zurückzukehren.— Asien. — Vom indischen Kriegsschauplatz nichts von Be- lang. Da n Ii» aber der Oberbefehlshaber dcr britischen Streit kräfie. Sir William Lockhart, dcr bei Ausbruch dcr Feindseligkeiten verreist war, im englischen Hanpiqnarticr eingelroffe» ist, ivird ivohl ild etivas mehr Leben und Einheiilichkeit in die Operationen der Engländer komme».— Afrika. — Ans S n d- A l g e r i e u wird gemeldet, daß in dem Dorfe Biidah blnlige Rnhestöriiiigen staitgesniide» haben. Tie Ein- geborenen plünderten die Läden nnd lödlete» zahlreiche Personen. Mililär ist dorthin abgegangen.— — D i e Prüsidenischaft von Transvaal. Nach einer Meldung des„Daily Chronicle" soll Präsident Krüger an einer Niercukrankheit leiden, die schon weit vorgeschritten sei. Nach Aussage der Aerzte könne Krüger im gniistigsten Falle noch 1'/- Jahre lebe». Trotzdem beabsichtigt er wieder zu kaudidire».— Amerika. New- Dork, 22. September.(„Daily Mail.") Obgleich die ninerikoniscbe Llcgienuig erklärte, Kuba nicht annektire» zn wolle», wird eine ninerikauische Flotte unter dem Vorivande, Manöver abzu- halten, nach den kubanischen Gewässer» abgehe».— — E i» T o d t e n s ch i f f. Ans H a b n n a kommend, ist dieser Tage der Dampfer„Isla de Pnnay" in La Cornna eingetroffen. Er brachte 1667 Passagiere, darnnter 324 Soldaten. In Pnerlo Rico innßleii 56 mit dem Tode ringende Soldaten zurückgelassen werde», weil die Zlerzie erklärten, da» die Schwevkranken die Uebcr fahrt nach der Heiniath nicht mehr ertrage» würde». Während der elf Tage dauernden Ueberfahrt starben an Bord 64 Soldaten. Die Presse ist entrüstet darüber, daß die veraniworlliche» Behörde» in Habana Sterbende und Schiverkranke gewissermaßen als Schiffs ballaii verpackten, und verlangt, daß eine strenge Untersuchung ein geleitet werde.— — Das Pse udo-Attentat i n Mexiko. Der Telegraph brachte dieser Tage die Nachricht von einer Tragödie, die sich in Mexiko abgcspiell habe» sollte. Es hieß, Porfirio Diaz, der Präsident dcr Li c p n b l i k, sei das Opfer eines Attentats geworden; die wülhende Volksmenge habe dann die Gcsäiignißthüren erbrochen, sich des AUenjAlers beinächtigt und ihn gelyncht; mehr als zwanzig Lyi chcr scicu vcrhaslet worden. Daun wurde gar behauptet, das Atlenlat iväre die Frucht einer anarchistischen Verschwörung gewesen; andere Nachrichie» fügien noch hinzu, daß der Aitenialer ein Italiener war. Das alles scheint nini nichts ivciter zn sein, als eine Phantasie- volle Aiifbanschuiig eines ganz unbedeutenden Zwischen sallcs. Ter mexikanische G e n e r a I k o u s n l in Genua erläßt nämlich folgende„Berichliginig":„Ein angelrnnkener, Waffe» loser Mann gab dein Präsidenten, als er gelegentlich des Un abhäiigigkeilsfcsicS ans dem Marktplätze erschien, einen leichte» Schlag ans die Schuller; der Manu wurde festgenommen, nnd da? Volk jubelte dcm General Diaz zu." Hier ist also weder von cinei» Anarchisten, noch vo» cincin Jlnliener, nocl, von einem Atlenlat, noch von einer Lyucherei,»och vo» zwanzig Bcrhaftnugen die Rede; die ganze Mordgcschichle rednziil sich ans einen harnilosen Vorfall aus der Lokalchronik, dcr wahrhaflig nicht lelegraphirt zu weiden verdiente.— Drr Kongreß der soziaidemolirntischen Partei Italiens. Bologna, den 26. September. In dcr dritten Sitzung wurde die Diskussion über die Stellung der Partei zu dcm Jndnstrieproletariat fortgesetzt. Nachdem eine 'Anzahl Liedner und die Licferentin dazu gesprochen, wurde die folgende Resolulion angenommen: Dcr Kongreß erklärt:„Die polilische Aklion kann nicht getrennt weiden von dcr ökonomischen; beide zusammen geben der Acivcgnng ihren revolutionären Charakter. Ter Klassenkampf muß auf beiden Gebielen einschen: I. Antheilnahme nnd Unlerstühniig des wirlhschafllichen Kampfes(Streiks, AoykoitS n. f. w.). Zn diesem Zivecke sind überall Gewerkschäftc» z» begründen und die bestehenden zu unter- stütze» und mit sozialisiischem Geiste zn erfüllen. 2. Agilation zu gnnsten einer weilgehenden Slrbetterschutz- Gesetzgebnng. Als das zunächst erstrebeiiswerlheste, wichtigste Gefetz auf diesem Gebiete erklärt der Kongreß daS zum Schutze der Francn- und Kinderarbcil bestimmlc." Die Debatte über das politische„ M i u i m u m- P r o- gram m" der Partei wird vo» T u r a l i eingeleitet. Er belont, daß das Prograinui Reformen in Aussicl>t stellt, die innerhalb der bürgerliche» Gescllschnfi zu verivirkliche» sind. T r e v e S ivendel sich gegen die Vorschläge Turati's. Stach ihm müsse» alle sozialistische» Fordcrnnge», auch des„Mininnim- Programms", sich charaklerifircii durch die Verfolgung des Endzieles: Vergesellschaflung aller Produktionsmittel. Nach einer lange» Diskussion iverden die Thesen Turati's angeuomme», aber an eine Nedakiioiiskoininisston, bestehend ans Turali, Sambncco nnd Treves, zur engiltigen Fest- stellnng übeiaviese». Ans Antrag N orlen gh i's wird beschlossen, ein« Konferenz sozialistischer Gemcinderäthe einznberufen, um sich über die Forde- rnnge» an die Koiinminalverwalttinge» zu einigen. lieber die..Presse" berichtet B e r t i n i, daß der Bestand des Avanti" volllommeii gesichert sei. Er schlägt vor, daß daS bisherige Zentralorgaii„la lotta di olasse"(Kinssenkamps) sei» Erscheinen einstelle und der täglich erscheinende„Avanti" die Fuiiktioiie» des Zentralvrgans mit übernehmen solle. Diese Vor- schlüge werden einstimmig angenoimne»- Die W a h l t a k t i k führt zn ebenso erregte wie interessante Debatten. Es sind drei Richiungen vertreten. Die eine verlangt die Betheilignng an alle» polilische» und administrativen Wahle», die Aufstellung eigener Kandidaten und die Ablehnung eines jeden KoinpromisscS. Die zweiie will unter Umständen die Unterstützung bürgerlicher Kandidaten zulassen, falls diese sich zn dem„Minimu»!"- Programm der Partei bekeinieir. Turati tritt für die selbständige Eiiischeidniig dieser Frage durch die einzelnen Kreise ein; diese sollen je nach den lokalen Verhält- iiissen ihre Enlschließiiiigeii fassen. Stach langer Debnlte, an der sich Turati. Ferri, Sambncco. Trcvcs, Rcssin und andere belheiiige», verwirst der Kongreß die vo» Turati gestellle Rcsolniion und nimmt die von Ferri einge- brachte Resolution a», die, gleich der vorn letzten Kongreß ange- rronnnenen, der Partei ihre» vollen unabhängigen und zieibeivrißlen Slandpuirkt sichert._ In einer Pariciversammlnna für den märkischen Wahl- keclö Etcruberg, die am Sonnlag ,» D r o s s e u abgehalten rvurde, sprach Genosse Iah» aus Berlin mrler lebhaflei» Beifall über das Thema„Die Grundlage» der politischen rrrrd bürgerlichen Freiheit". W i l d a rr berichtete über die Provinzialkonferenz, wobei sich in der Versnnnnlnng eine Stirnmiing gegen die Beiherlignng an den Landiagswahlerr bemerlbar rnachie. Im weiteren wurden die Genosse» aufgeforderi, schon von jetzt ab eine rege Agitation in dieser» Kreise z» entfalte», da die Zinssichten für die nächste vieichslagsivahl keineswegs urrgünftig seien. Die Verbreitung der Parleipresse hat erheblich zugenommen und die Inhaber vo» Versammlnngsiokale» zeigen sich«ntgegeukomurender als früher. Als Delegirter zum Hamburger Parteitag für den Sternberger Kreis wurde Genosse Iah» gewählt, der auch als Kandidat für die»ächste Li e i ch s t a g s w a h l von dcr Versammlung bestätigt wurde. Eine Parteibcrsamnilnng in Düsseldorf erklärte sich mit großer Mehrheit gegen de» zweiten Theil einer Resolution, worin die Aushebung des Kölner Beschlusses verlangt war. Der erste Thcil der Resolution, der nachstehend wiedergegeben ist, wurde fast einstimmig angenonnnen: „In Erwägung dessen, daß es der sozialdemokratische» Partei selbst i» den sozialdemokralisch stark organisirl»» Kreisen und Städte» nicht möglich sei» ivird, die zur Landlagsivahl »oihwendige Anzahl Wahlmänner auftreiben; l» weiterer Erwägung, daß Kompromisse mit der büigerliche» Opposition in den weitaus meiste» Fälle» dazu angethan sind, unsere Be« wegung auf die schiefe Ebene»»d damit auch der Versumpfnng entgegen zn führen, erklärt sich die Versammlung enlschiedc» gegen eine allgcineine Bclheilignng an den preußische» LandtngSwahlen." 'Als Delegirter zum Parieiiage wurde Genosse W i n d h o s f, als Slellverlreler Genosse Kunisch geivählt. In Frankfurt a. 9)1. wählte eine Parteiversammlnng die Ge- nossen Dejung»nd Gerhold als Dclegirie zum Parteitag, als Stellvertreter den Genossen K» o o p. Betreffs der preußischen Land- tagsivahlen wurde folgende Resolniivn gefaßl: „Die Versammlung hält es für dringend geboten, den Beschluß des Kölner Parteitages auszuhebc». Sie erklärt sich für Belheiiigung a» den preußischer« Landtags- rvahlen; weil angesichts der politischen Konstellation, angesichts der junkerliche» Lteaklions- und Slaaisstreichpolitik, die in erster Linie auf daß Reichstags-Wahlreeht abzielt, dieselbe er» wirksames Miilcl ist, diesen gemeingesähritche» Bestrebungen ein Gegengewicht im Landlage, dem parlikUlarisUsche» Znflnchlkvrt der Lieaklionäre, zu schaffe». Sie ersticht den Hamburger Parteitag, einen gleichen Beschluß zu soffen, aber die'Art der Beiheiligung � od durch selbständiges Anfsietten von Wahltnäinrer-Kandidaleu oder durch direktes Eintreten für die uns zunächst stehende» bürgerlichen Oppositionsparteien— den Parleigeiwff«» der einzelnen Wahlkreise zu überlassen. Auch iviiiischt die Bersammlnng, daß der Parteilag, wenn es geboten er- scheint, Norm«» festsetzt(Koalitionsfreiheit, freies Bersammlnngs- recht, Anshelnriig der Gesinde-Oiduung, allgemerncS, gleiches und direktes Wahlrecht sirr alle öffentliche Körperschaften, also Be- feiligting der Dreiklassen-Wahl), ans ivelche die in Frage konnnendc» bürgerliche» Kandidaten zn verpflichte» wären." Die Parteikonferenz siir den Wahlkreis Höchst-Usingcn- Homburg stellte als Kandidaten für den Reichstag einstimmig den jetzigen Abgeordnete» Genossen B r ü h» e ans nnd beschloß betreffs der preußischen Landiagswahlc», daß dcr Hamburger Partei- lag de» Kölner Beschluß ausheben nnd im übrige» de» einzelnen Wahlkreisen überlasse» soll, SieUung zur Landlagsivahl zn nehme». Die Parteikonfrreuz siir den Wahlkreis Hauan-Geln« hansen-Orb wnhtie als Delegirte» zum Hamburger Parteitag den Genoffe» Hoch an? Hanau und stellte denselben einstimmig als Kandidaten jür die Reichclagswahl ans. Der Kreisverlrauensman» M. D a ß b a ch, der bereits seil 1367, also seil 36 Jahre», zur volle» Znsriedenheit aintirt hat, trat nnlcr Berusung ans sein hohes Alter zurück; a» seiner Statt rvirrde Genosse Cr ah in Harran und als dessen Siellvertrcter B ü r ck l e(ebendaselbst) gervähll. Ein- ftinnnig rvurde beschlossen, an den G e in e i n d e>v a h l e n lheilzu- nehmen, da durch'Aendernng des Wahlversahrens die Belheiiigung in« Wahlkreise möglich geworden ist. Dir Sozialdcmokratie im Hrrzogthnm Tachsen-Altrnbnrg stellte ans dem Parteitage z» Ronnebnig den Genoffei« Buch- >v a l d als Kandidaten für den Reichstag aus und beschloß hinsichtlich der LandtagSwahl, daß t» allen sieben Wahlkreisen in der drillen Abiheilnug Kandidaten aufgestellt iverden, und zwar die vier soziaidemokralischen Landtags-'Abgeordneten i» den vo» ihnen bisher vertrelenen Kreisen, während>» dem städtischen Kreis Eisenberg-Kahla Genosse Horn- Kahla, im 6. ländliche» Kreis Genosse K r e t s ch m a r- Eisenberg, im 7. ländlichen Kreis Genoffe M e tz s ch k e- Alienbnrg als Kandidat anfgcstelll wird. Von dcr Ailsstellnng von Kandidaten für die 2. Klasse wird vorläufig Abstand genommen. Als Vertrauensmainl wurde Genosse V o g e» i tz ans Alienbnrg, als Delegirter zur» Hamburger Parteitage Genosse S ch ü l e r ans Ronneburg gewählt. Die„BolkSstimme" in Frankfurt a. M. schreibt:„Ans den Anträge» znrn Haindurger Parteilag. die der„Vorwärts" jetzt endlich bringt, und zwar in weit kleinerer Zahl als sonst"... Die'Anträge sind am 26. September in der Redaktion des „Vorwärts" cingeganae» und entsprechend den« Auftrage dcr Parteileitung in der Nnuriner vom 2l. September publizirt worden. Laut OrgairisationSstatnl hat die Parteilertirng die Anträge zum Parteitag spätestens 16 Tage vor dessen Abhaltnirg inis, Vorwärts" zu »er öffentlichen. Genau rvie im vorige» Jahre rvurden sie 12 Tage vorher bekannt gemacht nnd ungefähr derselbe Zeilrauur ist bei de» früheren Parteitagen eingehalte» rvorde». Die Ungeduld der Frankfurter„Bolksstimure" ist unS nicht ver- stäirdlich. Am Ende sind„Vorwärts" und Parteileitung aiich noch daran schuld, daß die Anträge diesmal„in rveit kleinerer Zahl als sonst" eingegangen sind. Ans Leipzig wird uns mitgethcllt: Gegen die Saal' Verweigerung»rachl die Partei hier enlschieden Fron!; eS ist jetzt beim Landgericht eine Klage ivegerr Saalveriveigernng beziehe»!- (ich Zahlung einer K o n v e n t i o» a l st r a f e anhängig ge- macht. Die Sache verhält sich wie folgt: An« 36. November 1896 schloß der stellverlretende Äertrauensmanir der sozialdemokratischen Partei des Bezirkes Nord, Genosse Eduard L a» g r o ck, mit dem Besitzer des Gailhöfes„Jur goldener« Krone" in Möckern, den» Brauereibe siher Roland, eine» schrifllicheu Verlrag ab, wonach Roland sich verpflichtete, so lange er Eigenlhümer de» Gasthauses sei, Langrock oder der sozialdemokratische» Partei seirien Saal zn Bersanunluugen und Vergnügungeir herzugeben oder eine Konveirtional- strafe von 1666 M. zu zahlen. Später ist dcr Verlrag dein neu ge- wählte» stellvertretende» VertrauenZnmi»! Genossen Müller eesstrt worden. Roland verweigerte aber, da er sich»>» die Bierlicfernng für daS in Möckern garrusonirende Mililär bemühte und weil sei» Sohn mittlerweile beim Militär als Einjähug-Freilvilliger eingetreten ist. am 13. März d. I. seinen Saal zur Märzfeier. Nun klagze der Genosse Müller gegen Roland ans Zahlung von 450 M' nebst � v;>Ct. Zlusen nls Theil jener Knnveulionnlflrafe Roland setzt durch seinen Verlrelcr iiatnrlich alle Hebel in Be- »veguiig.„m den Konsequenzen des Vertrages zu entgehe». Die Sache schivcbt zur Zeit noch. Neber den Ausgang des interessanten Prozesses werden wir berichten. Polizeiliches, Gerichtliches»c. .— Inder Sl e r a des S c v t e in b e r k u r s e s wurde gegen unseren Genosse» Reichstags- Abgeordneten Fischer Unter snchnng eingeleitet wegen angeblicher Verletzung des§ 131 Strafgesetzbuchs. Diese Strasverfolgnng ist jetzt e i n> ?° lt e ll t worden. Die sogar in jener Aera uns u» begreifliche Anklage fnsile darauf, daß Fischer in einer Ver- sannnlnng in Marten's Salon in Berlin gesagt habe» soll: an dem Krieg von 1870 trage nicht nur Napoleon, sondern auch Blsmarck, der damalige Leiter der deutschen Negierungspolitik, ei» gleich g e r ii t t e l t M a ß d e r S ch n l d. Diese Weiidniig scheint die Staatsanwaltschaft— trotz der Euthüllungen über die Einser Dcpeschcn-„3tedak>ion"— als die Bchanptniig„einer er dichteten oder entstelZten Thatsache, wissend, daß sie erdichtet oder entstellt ist", n,, gesehen zu haben, aber selbst B ra n sew e tt er lehnte damals, wenjge Tage vor seiner Ueberfnhrnng in �ne Heilanstalt, die Erhebung der Nnklage ab und nunmehr bat auch das Kanimergericht, an welches die Staatsan wallschaft mit ebenso viel Eifer wie ivenig Erfolg appellirtc, diesen ablehnende» Beschluß des Landgerichts bestätigt. Dafür wird sich Genosse Fischer am 29. d. M. in Moabit wegen des schrecklichen Ver- gehens der Vereingcseh-Uebcrtrelnng zu verantworte» haben— es handelt sich um den Mnfseiiprozeß Hintze und Genossen, hliisichtlich dessen die Verfolgung Fischer's seinerzeit für die Daner der Reichstags- sesston ausgesetzt werden mußte. — Das Reichsgericht hat in der Revisionssache des Ge- »offen Stadthagen gegen das Erkeuniniß des Berliner Land- gerichls. das ihn wegen Beleidigung Magdeburger Ilichter(angeblich geschehen durch einen an seinen Klienten Mallhies geschriebenen Brief) zu einem Monat Gesängniß veiurlhcille, Termin auf de» 8. Okiober anberaumt. Am 29. d. M. stehe» vor der Berliner Strafkammer vier Anklagefache» wegen angeblicher Beleidigung gegen Stadthagen an. Zu einer ist der Polizeipräsident v. Windheim als Zeuge geladen, der durch die Rede beleidigt sein soll, die Stadlhagen in der Stadtverordneten-Versammlung am 19. Dezember 1896 über die Nothwendigkeit der Beseitigung des Spitzelnnwesens durch Ucber nähme der Polizei in städtische Verwaltung gehalten hat. Am 13. Oktober soll sich Stadthagen in Helgoland wegen angeblich im Jahre 1896 dein damaligen Gendarmen gegenüber geleisteten Widerstandes verantworten. — Wegen„grober Beleidigung" des Amtsanwalls in Finster ivalde halle sich Genosse Jahn aus Berlin am Montag vor dem Landgericht in Kottbns zu verantworten. Wie wir im Januar d. I. mitlheillen. war dem genannten Parteigenossen wegen eines Hochs auf die internationale A r b e i t e r b e iv e g n n g, das er im Oktober v. I. am Schluß einer öffentlichen Textilarbciler-Bersanun Inng in Finsterwalde ausgebracht halte, ein Slrnsmandat zugeschickt worden, das ans 14 Tage Hast lautete. Er beantragte gegen das Strafmandat richterliche Entscheidung. Das belreffende Schreibe» Jahn's, worin der Strafbefehl als„geradezu unerhört" bezeichnet >var, bildete den Gegenstand der jetzigen'Anklage. Der Smats- anmalt beantragte gegen Jahn eine Gesängnißstrafe von 3 Monaten. Der Angeklagte machte bei seiner Verlhcidignng Wahrnehmung berechtigter Interessen gellend, da»ach seiner Auffassung der Straf» beseht für das Hoch auf die internationale Arbeilerbeivegnug ungerecht sei. Der i» der Erregung darüber geschriebene Brief sei doch auch nur zur Kenntniß von wenige» Personen gekommen. Das Urlheil des Landgerichts lautete auf 29 M. Geldstrafe oder 4 Tage Ge- sängniß. — Wogen Verbreitung von Flngblätter» an einem Sonntage, wodurch„grober Unfug" begangen sein soll, halte das Schöffen- gericht in Glauchan i. S. den Parteigenossen S ch m a l f n ß von dort zu 29 M. Geldstrafe vernrtheilt. Vom Landgericht in Zwickau ist jetzt dies Urlheil bestätigt worden. Dev Attsptand dev Ilovmrv bildete wieder die Tagesordnung einer außerordentlich stark besuchte» öffentlichen Metallarbeiter- Versammlung, die am Mittwoch de» großen Saal der Kroneu-Branerei in Moabit bis auf den letzten Platz füllte. Der Referent Otto Rüther schilderte eingangs in ausführlicher Weise die Ursachen des Formerstreiks bei Borsig, der jetzt gewaltige Dimensionen anzunehmen droht, und erinnerte an die verschiedenartigen Vorkommnisse in de» letzte» Jahren, welche die Metallarbeiter-Bewegnng zu verzeichnen hat. Vom Jahre 1899 ab hatten die Arbeiter in der Metallindustrie ganz besonders trübe Zeiten durchzumachen. Lohnabzüge, unwürdige Behandlung waren an der Tagesordnung, die geringste Regung der Arbeiter wurde mit recht fühlbarer Maßregelung geahndet, jede Art von Be drücknng war den Unternehmern willkommen und die Arbeiter mußten alle?, wenn auch mit Murre»»nd tiefster Erbilternng im Herzen, über sich ergehen lassen. Erst später und als im Jahre 1894 die Geschästskonjunklnr eine recht günstige war, rafften sich die Arbeiter wieder auf, die Organisationsvcrhältnisse waren wieder bessere ge- worden und man fand wieder de» Muth, Front zu machen gegen die fortgesetzte Unterdrückung. Ter Arbeitsnachweis der Unter- nehmer mit seinen schwarzen Listen, durch den„»»botmäßige" Ar- bester ans den Fabriken ferngehalten werden sollen und je nach dem Grad der„Unbotmäßigkeit" ans Jahre hinaus steckbrieflich verfolgt wurde», hatte demnach nicht mehr den Schrecke» für die Arbeiter, wenn auch viele sehr schwer, und meistens die besten Arbeiter, darunter zu leiden halten. Bei alledem haben die Arbeiter bei jeder Gelegenheit, und das beweisen die verschiedene» Ausstände in der letzten Zeit, die beigelegt wurden, um einen größeren Kampf zn vermeiden, eine geradezu erstaunliche Nachgiebigkeit an de» Tag gelegt. Aber auch schon die geringsten Errungenschaften der Arbeiter waren den» Untcrnehmerlhnm ein Dorn in, Auge, besonders aber bau», wenn diese im Wege gütlicher Vereinbarung erlangt wurden. Das war in den Augen deS Großnnlernehiners und Kommerzienraths Kühnemann»nd dessen Genossen ein Verbrechen, das bestraft»verde» mußte und das gleichzeitig eine neue Handhabe bot, die anderen Unternehmer gegen die„begehrlichen" Ardeiter ans- zubringen»nid sie zu drangsaliren. Diese Herren dulden keine Ver- Handlung der Arbeiter»nit den Fabrikanten, sie betrachten den Arbeiter als ein Objekt, das sich allen von de» Unternehmern diktirlen Bedhigunge»»viderspruchslos linterwerfen muß. Und gerade in den letzte» Monate» haben es sich die Unternehmer an- gelegen sein lasse», und von eincin Theil»vnrde mit allen Chikanen dahin gearbeitet, die schivebenden Differenzen aus die Spitze zu treiben, um an den aufstrebeude» Arbeitern ein fühlbares Exempel z>» staluire». Das ist die Hanptursache des gegemvärtigen Kampfes, den die Arbeiter nicht habe»»vollten, obivohl sie alle Ursache hallen, endlich gegen die fortgesetzten Draugsalirungen, die sie mit lieber- druß seit langem erdulde» mußte», Front zn machen. Auch der Ausstand bei der Firma Borsig»vurde versucht, beizulegen und die Arbeiter strebten Verhandlungen an, die aber von der Finna briiSk abgelehnt wurden. ' Die bekannte Erklärung der Firma Borsig, in der der Streik der Former auf die Veriveigerung einer unbegründeten Lohnerhöhung vo» 25 pCt. zurückgeführt wird, ist vollständig unzutreffend. denn gerade umgekehrt sind die erhebliche» Lohnabzüge die Ursache der Differenzen. Von dem Preis, den die Kolonne für das Stück Arbeit erhielt, verlangte die Firma, daß die Arbeit der Kernmacher davon in Abzug gebracht»vird.»vas vordcin nicht der Fall»vnr und eine Differenz zn Ungunsten der Former von ca. 99 M. für die Kolonne bedeutet. Das ist eine Lohnrednzirung von ungefähr 25 pCt.. welche die Arbeiter durch die Erhöhung des Akkordpretses ersetzt haben wollten. In ähnlicher Weise»verde» anch die anderen Punkte dieser Erklärung vo» dem Redner richtig gestellt, der dann in,»veiteren die völlig nilstelllen, de» Thalsachen»vidersprechenden und vielfach recht uustnnigcn Notizen »Ud Berichte über den Formerstreik in der bürgerlichen Presse einer herben Kritik unterzieht. Bei dieser Gelegenheit»veist der Redner »vieder darauf hin, daß er soivohl,»vie alle diejenige», die in der Metallarbeiter-Beivegmig eine leitende Stellung einnehinen, in der beschließende» Versammlung, um den Kampf zn vermeiden, ans die Tragiveite jenes Beschlusses anfnierksam geinacht, ja sogar geivarnt haben, daß der Beschluß aber trotzdem»nit einer vs-Majorilät der überfüllten Versammlung gefaßt»vurde.— Ueber den Stand der Beivegnug führt der Redner an, daß bis zu der Versammlung ans 15, mit der Finna Borsig 16 Gießereien, insgesammt 492 Former ausständig sind. Bei mehreren Finnen,»vie Ludwig Löive, Härtung». s.>v.»vird der Ausstand in den nächsten Tagen erfolgen. Verschiedenen Unternehmern ist der Beschluß des Ver- bandcs der Metallindustrielle», die Former auszusperren,»venu sie sich iveigcrn, Borsig'sche Arbeiten anzufertigen, jetzt in der Zeit der Prosperität äußerst unangeuehin, zumal sie dadurch ihre eigenen Aus- träge nicht erledige» können, und sie»vürden ge>viß den Beschluß nicht zur Änssührnng bringen, wenn nicht die hohen Konventional- strafen sie hierzu zivinge»»vürden. Es kommt nun darauf an, ob in der nächsten Versanimluiig der Metalliiidnstriellen diese Richlnng oder die Richtung Kühnemann, Borsig u. s.»v. die Oberhand bekommt. Im letzteren Fall»vird der Kampf ein erbitterter »verde», dessen Ende nicht abzusehen ist und der»ngchenerc Dimensionen annehme» kann. Die in betracht kommenden Arbeiterorganisationen, die Vertreter der Former und der gesammten übrigen Metallarbeiter, haben sich mit einem Schreiben, in»velchen» sie ihre Bereilivilligkeil zn». Verhandeln zivecks Beilegung der Differenzen zu erkennen geben, an den Verband der Metallindnstriellen gemaiidt, um damit zn be- »veisen, daß die Arbeiter jederzeit zinn Frieden geneigt sind. Nach- dem der Redner»och darauf hingeiviese» hatte, daß die Situation für die Ansständige» eine sehr günstige und Math»nd Zuversicht bei denselben vorhanden ist, appellirle er an die Versammelten, sich solidarisch»nit de» Ausstäiidige» zn erklären und für die»oth »vendige moralische und finanzielle Unterstützung zn sorgen, nm den Kampf mit eincin Sieg, der darin bestehen soll: Anerkennnug der Arbeiterorganisation als gleichberechtigten Faktor, zu beenden. Brausender Beifall folgte den'Ausführungen. In der Diskussion sprachen sich sämmtliche Redner unter leb hafler Zustimmung der Bersannnlung im Sinne des Referenten ans. In scharfer Weise kritisirt»vurde das Vorgehen einiger Arbeiter unter Führung des Meisters B o r ch a r d t, nm Streikbrecher für die Firma Borsig von ansivärls nach Berlin zu lotsen. Ii» einen» Schreiben, das von einigen„Arbeilsivilligen" unterschrieben und von dem Meister B o r ch a r d t„beglanbigl"»vorden war,»vnrde de» Formern in Vetschau gerathen,»ach Berlin zi» kommen, sie könnte» bei Borsig Arbeit erhalte», der Streik sei beendet und die Strei- kcnden selbst hätten die Arbeit»vieder anfgenonnnen. Von einem Redner, der in dieses Schreiben Einsicht genommen hat,»vnrde» die betreffenden erst über die Ihatsächlichen Verhältnisse belehrt und die Versaninrlung, die daselbst fiattgeiundeii. erklärte sich ebenso»vie in den verschiedene» anderen Städten, »vo ähnliche Manöver versucht, vürden, einstimmig mit de» Ans ständigen solidarisch. I» der»veiteren Diskussion kam ei» Schreiben zur Verlesung, in welchem behauptet»vird, daß bei den Schlosser» im Nahmenbnn des Eisenwerks von Borsig ganz bedeutende Lohn- rcduzirungen vorgenommen»vurde». Danach soll für Arbeite», bei der zivei Kolonnen beschäftigt ivare», früher 594,59 M., jetzt, nachdem die neuen Preise festgesetzt sind, für dieselbe» Arbeiten nur 373,25 M. bezahlt»verde». Das bedeutet einen L o h n a b z u g vo» 131,25 M. Einer Kolonne Hänserbauer sind 65 resp. 57 M. ohne»veilcrcs in Abzug gebracht»vorden. Anßerdein»vird über erhebliche Abzüge bei den verschiedenste» Arbeite» und anch über schlechte Einrichlnngen berichtet und schließlich noch mitgelheilt, daß vier Vorarbeiter beauftragt sind,»vegen dieser Abzüge bei der Direktion vorstellig zu»verde»».— Nachdem noch zum Anschluß an die Organisalio» aufgeforderl»vorden»var, »vurde die Resolution, in der sich die Versammlung mit den Aus- händigen solidarisch erklärt und nach der die in Arbeit stehenden Eisenformer verpflichtet sind. 19 pCt. ihres Wochenverdienstes und alle sonstigen Metallarbeiter n» i n d e st e n S 59 P s. wöchentlich zun» Streikfonds abznliefer», einstimmig angenommen und da»» nach einigen Beknnnlmachnngcn die Versammlung mit einem be geisternden Hoch auf die Melallarbeiler-Beivegniig geschlossen. Die erwartcle Arbeitsniederlegung bei Lud»vi g Löive ist heute erfolgt.— Bürgerliche Blätter»vollen»vissen, daß die Mit glieder der H i r s ch. D n» ck e r' s ch e» Gewerkvereine sich mit den Ausständige»» solidarisch erklärt hätten; die Organi- ation habe beschlossen, diejenigen anszuschließe»,»velche B o r s i g'sche Arbeit verrichten. Die strcikendcn Former, welche Berlin vcrlaffe» haben, solle» nach densklbcn Blättern in den Gießereien von Magdeburg, Leipzig». s.»v. keine Bcschästigung gefunden haben, da die Metallindnstriellen in ganz Deutschland sich mit dem Berliner Verbände solidarisch erklärt haben und die Annahm« Berliner Former unter Berufung ans die Satzungen der Organisation veriveigern. Die Konjunktur ist. nebenbei bemerkt, überall eine sehr gute, die Gießereien sind kaum in der Lage, dem Bedarf zn genügen. Die z» Beginn des Streiks ausgesprochene Ansicht, daß der Berliner Guß theilwcise in der Provinz hergestellt »verde» könnte, lrifft,»vie wir von kompetenter Seite erfahren, nicht zu. Die hiesige Fabrikation ist von der i» der Provinz»vcsentlich verschieden und außerdem können die ausivärlige» Gießereien schon darum nichts übernehmen,»veil sie selber,»vie bemerkt, stark be- schäsligt sind._ Die GlaShiitte der Arbeiter in Albi in Frankreich scheint über die kritische Zeit glücklich himveggekommen zu sein. Nach den neuesten Berichten gehen die Geschäfte äußerst flott und hat die Glashütte der Arbeiter mehr zn thiu» und größere Aufträge, als die Glashütte des Herr» Reffäguier in Carmaux. Die französischen Arbeiter haben eine beffere Organisation bewiese», als Viele ihnen zugetraut hatten. Jedenfalls kann das Unternehme» jetzt als voll- ständig gesichert betrachtet»verde». Vorgestern»vnrde der Glashütte in Albi von den Mitgliedern des französischen Arbeiterkongresses, der bis dahin in den» benach- barte» Toulouse getagt hatte, ein Besuch abgestattet,, vas zu einer schönen Feier de» Anlaß gab.— Sozinleo. Der Ncnnnhr- Ladenschlnst ist in Elberfeld von zirka 259 Geschästen— darunter 149 der Textil- und verivandter Branchen— eingeführt. Ansgenoinmen sind die Eonnabende und die Tage vor hohe» Feiertagen. Tie t). allgemeine Konferenz der deutschen IittlichkcitS- Vereine, die gegenwärlig i» Hamb» r g tagt, bcanflragte de» Bor- stand, eine inlernationale Vereinbarung der Slaalen zur Unter- drücknng des Mädchenhandels zu befürivorte». Weiter »vurde beschlossen, eine Pelilion an die Reichsregierung zu richten, damit die deulschc» Konsuln eine Erinittelnng darüber anstelle»», »vie viele deiilsche Mädchen in Rotterdam, Ostende»c, soivie in den südamerikanische» Städten in Bordellen untergebracht sind. Eine Heilstätte für Lungenkranke,»vo solche Kranke»nter Umständen auch unentgeltlich Aufnahme finden, ist in Albertsberg bei Auerbach im sächsische» Vogllande am 29. September eröffnet»vorden. Die Anstalt ist von» Verein zur Begründung vo» Volks-Heilslätte» für Lungenkranke im Königreich Sachsen erbaut. Tic Harpener Bergbau-Aktiengesellschaft veröffentlicht den Geschäflsabschluß des Jahres 1896/97. Der Bruito-Ueberschuß be- läuft sich aus 8 959 599.56 M. Vo» dieser Snmme find». a. verivandt für Abschreibungen 2 832 412,74 M., Reservefonds 186 948,99 M., Gewinnanthcile des Aufsichlsralhs, Vorstandes und Beamten 184 395,93 M.»nd 8 pCt. Dividende=» 3 264 099 M. Im Geschäftsjahr 1895/96 betrug der Brultogelvini» 6 857 989 M. nnd«L wurde eine Dividende von 6 pCt. vcrtheilt. T>otz dieses glänzenden Ge- schäftsabschluffes»vnrde» die Arbeiter mit ihren geringe» Lohn- sorderungen a b g e>v i e s e>». Tr»» Allgcnicincn Verband der ans Tclbfthilfe beruhenden deutschen Erwerbs- nnd Wirthschafts- Genoffenschaftc», in Oesterreich gehöre», gegenivärlig 304 Vereine mit 136 971 Mit- gliedern an. Tic Vereine verfüge» über 8 868 999 fl. eigenes Ver- möge» und über 59 399 999 fl. fremdes Be» mögen. Die Vorschuß- vereine geivährien im Jahre 1896 Kredile im Betrage von 82 409 909 fl., die Konsumvereine hatte» einen Umsatz vo» II 899 999 fl. Die Zahl der Konsumvereins-Miiglieder beträgt ein halbes Prozent der Bevölkerung Oesterreichs.— Der Verband feierte am 19. September in Wien sein 25jähriges Vcstehe». Tic Stadtgemcindc Tctschc» in Böhmen beschloß, die dortige, der thüringische» Gasgcsellschaft gehörige Gasanstalt>»»» den Preis von 319 099 Gulden anzstkanfen. Ter amerikanische Cycletrnst ist durch die starke Konkurrenz der außerhalb dieses Ringes stehenden Fabriken gesprengt. Die „Columbia" nnd„Pope Manufacturing Co.", zivei der bedentendsten Fabriken dieses Trustes,»vürden gezivunge», ihre Preise um 35pCt. zn ermäßigen. Der Preis der Fahrräder erster Qualität»st infolge dessen ans 75 Doll. und schließlich ans 59 Doll. gesunken. Die gesteigerte Einfuhr amerikanischer Fahrräder hat auch in England eine Preisrednzirung herbeigeführt. Die Preislage vo» 39 Pfd. Sterling ist nicht mehr zu hallen und die Periode des Fahrrades zn 19 Pfd. Sterling hat ihren Anfang geiioinmen. Aber mich hier»vird der Tiesstand noch nicht erreicht sein, denn dieser üppig emporschießende Jndnstrieziveig»vird mit seine» Fabrikaten bald den Markt überfüllt haben und z>»»veiteren Preisherabsetzungen gezivunge»»verde». Depefilxen tmv letzte Ulktchvirhkett. Grandenz, 23. Seplember.(W. T. B.1 I» den» Prozesse ivege» Erinordluig des Lehrers Grütler»vnrde heute,»achden» gegen 29 Zeugen vernoinmen waren, die Verhandlung ans morge»» vertagt. Swliicmiinde, 23. September.(W. T. B.) Der Dampfer „Curonia", aus der Reise von Liban nach Stettin begriffen, brachte heute hier die aus drei Mann bestehende Besatzung der holländischen Tjalk„stieina Krämer" ein. Diese»var auf der Reise von Memel nach Bremen in der Nacht zum 2l. d. M. leck geivorden»»»d»vnrde von der„Cnronia" nördlich von Danzig sinkend angetroffen. Hamburg, 23. September.(Frkf. Ztg.) Der stiollkntscher Rtidolf Möller in der Sachsenstraße»vurde hente früh mit gespaltene»» Schädel ermordet im Bette aufgefunden. Seine Ehefrau nnd deren Eltern, mit denen Möller Slreit gehabt hatte, wurden, als der Thal verdächtig, verhastet. Köln, 23. September.(B. H.) Profeffor Schlnoller bezeichle ii» der heuligen Generalversammlimg des Vereins für Sozialpolitik es als eine Hauptaufgabe des Vereins, ans friedlichen» Wege die Gifte zu beseitigen, die dadurch cnvachfen, daß sich Arbeiter und Arbeitgeber nicht verstehe»» und sich gegeuseiiig als Feinde betrachten. Der Rückschlag in den Jahre»» 1694/95 liege vielleicht an der Regierung, die eine Schivenkung gemacht habe,»vodurch damals die Weiterentivickelung der sozialen Frage gehemmt»vorden sei. Redner sprach des »veiteren die Hoffnung ans. daß im»ächsten Jahrhundert der Bauin erstehe»»löge, dessen Blüthen»nd Früchte zur Verbreitung des Wohl- standes der Masse zu gute kommen. Wien, 23. September.(W. T. B.) Abgeordnetenhaus. Bei der Wahl der Vizepräsidenten»vnrde»» die bisherigen Vizepräsidenten Abrahaniovicz n»»t 132 gegen 5 und Kramar mit 179 gegen 6 Stimmen iviedergeivählt. Ans eine Anfrage des Abgeordneten Kittel ivege» Zurückziehnng der Sprachenverordnnngeu bemerkt der Präsident, er könne nnr solche Anfragen beantivorten, die in seine Kompetenz falle».(Stürmische Rufe bei der Schönerer- Gruppe.) Der Präsident ertheilt dem Abgeordneten Schönerer einen Ordimngsnif, doch fährt die Schönerer» Gruppe unausgesetzt iiiit heftigen schmähenden Zivischenrnfen fort. Es folgen zahlreiche Dringlichleilsanlräge, darunter ein solcher von dentschvolklicher Seile auf Versetzung des Miiiisterpräsidente», Baden» in den Anklagezusiand»vegen dessen Verordnung vo», 2. Juni betreffend das Verhalten von Vertretern der Regierung in Versa»,»»lnnge», soivie ein Antrag der Dentschfreisinnigen nnd der Schrönerer-Gruppe ans Anklage gegen den Ministerpräsidenten Bade»!»vegen der Vorgänge in Eger und gegen die Minister Graf Gleispach, Freiherr v. Glanz, Ritter v. Bilinski und Gras Ledebur»vegen der Sprachen- Verordnung. Weitere Anträge liegen vor vo» den Sozialdeinokraten, betreffend die Einführung des allgeineinen gleichen, direkten n»d geheime» Wahlrechts und betreffend ein Sprachgesetz auf der Grundlage der Gleichberechtigimg aller Rationen; Anträge der Dmtsch-Fortschrittler fordern, daß die an den Ausschreitungen in Pilsen Schuld tragenden Organe zur Veraniivortimg gezogen»verde»» und die Miiiisterialverordnniig von» 2. Juni sofort zurückgezogen»verde»» soll, soivie daß die Gemeindeverlretnng von Werschoivitz»vegen der an der deutschen Schule daselbst durch die Niederreißnng des Gebäudes verüblen Gesetzividrigkeit aufzulösen sei. Die von den Christlich- Sozialen vorliegenden Anträge betreffen die Aushebung der Sprachenmordimng für Böhmen und Mähren und die Sanktionirung des Gesetzes über die Siegelung der Vcamlengehälter, so daß letztere am I. Januar 1893 durchgeführt »verde»» könne. Außerdem sind zahlreiche Noihstandsanträge ein« gebrocht. Nächste Sitzung morgen. Prag, 23. September.(B. H.) Der Bürgermeister»nachte iin Stadtrathe Mülheilnng von einer Beschwerde ezechischer Arbeiter ans Dresden, laut»vetcher diese von de» deutsche» Arbeitgebern dort in große» Massen entlasie»»vürden. Odessa, 23. Seplember.(B. H.) Die Stahlgießerei Gloivikoiv(?), eine der größten in Rußland, ist vollständig niedergebrannt. Der Schaden»vird alif Über zivei Millionen Rubel geschätzt. Vardv, 23. September.(W. T. B.) Heute sind vier Schiffe der Jeniffei-Expeditio» ans dem Ob nach ausgezeichneter, eisfreier Reise hier eingetroffen. Die übrigen Schiffe ans de»» Jeniffei »verde» in kurzer Frist erivartet. PariS, 23. September.(W. T. B.) Das hiesige anarchistische Organ„Libertaire"»vnrde ivege» Aufreizung zu Aitentaie» gegen den Präsidenten Fanre, die Königin-Regentin Christine und de» König Hnmbert heule konsiszirt. Der verantivorlliche Redakteur des Blattes »st flüchtig. Rom, 22. September.(W. T. B) Nach weiteren Nachrichten über den Wirbelst»»»»,»vclcher gestern Zlbend in den» Arroudissenient Brindisi herrschte, sind ganze Landstriche verivnstet»vorden. In der Nähe vo» Sava»vnrde» 29 Häuser zerstört. 19 Personen gelödtet>i»d 59 verivnndet. In Oria»vurde der Bahnhof zerstört; der Bahnhofs- Vorsteher konnie»och nicht aufgefiiiide»»verde», seine Familie und daS ganze Bahnhofspersonal sind»mS Lebe» gekommen. DaS Seminar, das»nittelalterliche Schloß»nd das Hospital»viirde» beschädig». einige 39 Wohngebände arg mitgenommen. 29 Personen iviirden getödtet, 24 verivnndet, die Ländercie» venvüslet. In Laliano ivnrdcn 15 Todte, 5 Schiververivundete und mehrere Leichlverivundele gezählt. Palermo, 23. September.(W. T. B.) Der Brand in dein großen Holzlager»vurde heute Morgen beivälligl; der angerichtete Schade»,»vird ans 299 999 Lire geschäht. Tarent, 23. September.(W. T. B.) Bei den» jüngste» Wirbel« stllrn»»vurdeu in Torricella 3 Personen gelödtet und 9 verivnndet Der in dem Distrikt von Tarent durch den Slnrin angerichtete Schadc» »vird ans 499 999 Lire berechnet. Sofia, 22. Septeniker.(W. T. B.) Der Prozeß in Tatar- Bazardschik ivege» des Ailentals auf den Schriftsteller Eonslanlinvm »nd den Advokaten Takaw ist behnfs Konslatirung»er Zurechnnngs. sähigkeit des Haiiplschnldigen, des Bürger, neisters von Pcschler� vertagt»vorden. llZeranNvortlicher Nedakteur: Vngiist JaeoVcy ii» Berlin. ktiir den?»»se>.,Ie»»>eil veranlwortlich: ZI).«Murfe in Berlin. Drmk und Verlag van Max Babing in Berlin. Hierzu 2 Beilagen u UntrrhalNingSblatt» ilr.223. 14. IchMg. cilU Ks LmSrls" Dnliin NcksblR Acitsg, L�StilciiiberlSg?. An dir drutschrn Mrknlkardrilrr! Seit dem 9. Juli, also nunmehr in de» drillen Monat kämpfen die englischen Maschinenbauer für den Achtstundentag. Sie kämpsen nicht blos für sich selbst, sie kämpfen snr das gesammte internationale Proletariat, das, soiveit es klasscnbewnht ist, den Achlstnndentag als unerläßliche Forderung des A.rbei.t.er- s ch>l tz e I erstrebt. Die Sache der eiiglischen Maschinenbaner ist so gut und gerecht, basj der Internationale Arbeitirsch ntz-Kongreß in Zürich, der aus Mitgliedern aller Parteien zusammengesetzt>var, fast einstimmig— gegen blos zwei Stimmen— den englischen Maschinenbauern seine Sympathie erklärte, und den Wunsch ans- sprach, daß der Sieg ihre Anstrengungen krönen möge. Die englische Maschinenbaner-Gesellschaft— die Amalgamated Enpaeers— verfügen über sehr bedeutende Mittel— sie babcn über 7 Millionen Mark auf der Bank,»nd die laufenden Ausgaben für die Ausgesperrten werden zum großen Theil durch die außerordentlichen Mitgliederbeiträge gedeckt; an eine„ A n s h n n g e r n n g" ist hiernach nicht zu denken, obgleich die Unternehmer durch neue Aussperrnngen die Zahl der zu Untere stützenden stets vermehren. Die englischen Maschinenbauer verlangen deshalb auch von ihren Brüdern auf dem Festland keine Geldunterstützung, obgleich jede Unterstützung von Werth ist. Was sie von den Arbeitern deS Festlandes und namentlich von den deutschen erwarten, ist, daß der Znzng von Streik- brechern ferngehalten wird. Leider haben die Warnungen der Arbciterblälter es bisher nicht verhindern können, daß Metall arbeiler vom Festland und auch ans Deutschland, nach London gekominen sind, welche sich den englischen Arbeitgebern zur Verfügung gestellt haben. Jusbesondere ans Deutschland richten die Feinde der Arbeiter ihre Hoffnungen. Ter deutsche Reserve- Lieutenant Siemens der in London ein, nur juristisch getrenntes, Brudergeschäft des deutschen Geschäfts der Firma Siemens und H a l s k e leitet ist an die Spitze der englischen Meister-Maschinenbaner getreten denen er durch das Versprechen, ans Deutschland eine genügende Zahl von Arbeiter» an die Stelle der ausgesperrten englischen Arbeiter nach England zu schaffen, seine königlich preußische Reserve-Lientenaiits-Schneidig keit mitzutheilen sucht. An den deutschen Arbeitern ist es unter diesen Unständcn vor allen, die für sie beleidigende Prahlerei des Londoner Herrn Siemens z n S ch a n d e n zu machen, und den englischen Arbeitern durch die That zu zeigen, daß die deutsche Arbeiterschaft sich mit ihnen solidarisch fühlt. Wir wenden uns daher nicht blo? an die Mitglieder des Deutschen Melallarbciler-Verbandes, sondern an die deutschen Metallarbeiter in ihrer Gcsammlheit, und biiten sie zu beherzigen, was gegenwärtig in England ans dem Spiele steht Die englischen Maschinenarbeiter kämpfen für den Achtstunden- tag, das heißt: für eine Arbeitszeit, welche den Arbeiter vor übermäßiger Ausbeutung bewahrt und ihm die Möglichkeit giebt, Mensch zu sein, sich als Mensch zu fühlen und auszubilden. Welcher deutsche Arbeiter hat nicht daS gleiche Ziel? Der deutsche Metallarbeiter, der, so lange die Aussperrung der englischen Maschinenbauer nicht beendigt ist, nach England gehl, nimmt e i n e in englischen Arbeiter, der für das Menschenrecht auch der deutschen Arbeiter kämpft, das Brot vom Munde weg, und leistet den Feinden der Arbeit und seinen eigenen Feinden Knechts dienst«. Das kann kein deutscher Arbeiter thnn, der Klnffenbewnßtsein und Ehrgefühl hat. Drum deutsche Metallarbeiter, sorgt dafür, daß keiner der Euren jetzt nach England geht! Laßt Euch auch durch die glänzendsten Anerbietungen nicht blenden! Die Herren, die ihren ein- heimischen Arbeitern kein menschenwürdiges Dasein gönnen, sie gönnen es wahrhaftig nicht den fremden Arbeitern. Wer sich verletien läßt, wird sicher anfs Pflaster geworfen, sobald die englischen Arbeiter mit seiner Hils« zu Paaren getrieben sind. Doch das wird nicht sein. Die englischen Arbeiter sind e»t schloffen, bis anfs Aeiißerste zu kämpfen und sie haben keine Nieder läge zu fürchten. Und die deutschen Arbeiter werden um keinen Judaslohn sich den Unterdrückern ihrer englischen Brüder ver- kaufen. Kein deutscher Metallarbeiter, der werth ist, den Namen Deutscher zu tragen, wird nach London gehen, so lange die Aussperrung der englischen Maschinenarbeiter dauert. Kein deutscher Metallarbeiter wird durch die Nachricht, daß der englische Maschinenarbeiter-Streik zu Ende sei, sich tSuschen lassen. Was die Unternehmerblätter schreiben— prüft, ob es wahr ist! Erst wenn die Arbeiter- presse, der„Vorwärts" und die anderen Partei- oder Gcwerk« schaftS- Organe daS Ende des Streiks oder richtiger der Aus- sperrnng melden, können deutsche Metallarbeiter wieder mit gutem Gewissen sich Arbeit in England suchen. Vorher nicht! Bis dahin ist mit aller Kraft Zuzug fern zu halten. Dentsche Metallarbeiter! Ihr kennt Eure Pflicht! T h u t Eure Pflicht! Kein deutscher Metallarbeiter nach England! N urtnnnttmlesu Stadtverordneten Versammlung. Oeffentliche Sitzung vom Donnerstag, 23. Septbr., nachmittags S Uhr. Die Tagesordnung der heutigen Sitzung wird völlig beherrscht von den seitens der Arbeiterpartei eingebrachten Anträgen. Von denselben liegt der Antrag Dnpont, betr. die Herstellung der von der Stadl in Auftrag gegebenen Kunstwerke, bereits seit dem 9. d. Mls. vor; die übrigen»eiui sind unterm 18. September als Anträge Borgniaun«. Gen. eingebracht. Die sonstigen Verhandlnngs- gegenstände treten in ihrer Bedeutung gegen diese Anträge durchaus zurück. In den Ausschuß zur Vorbereitung der Neuwahl eines Stadtschulraths sind auch die Stadlvv. Singer und Tolksdorf, in denjenigen für die Angelegenheit des Schub Grundstiicks-Erwerbes in der Straßmannstraße ist u. a. Sladlv. Tolksdorf delegirt. Nach dem Antrage Dnpont soll die Versammlung den Magistrat ersuchen: dafür Sorge zu tragen, daß die von der Stadtgemeinde hiesigen Künstlern zur Anssiihriing übertragenen Kunst werke nicht, wie es jetzt vielfach geschieht, i m A Ii s- lande angeferligt werden. Anlragstellcr Stadlv. D n p o n t: Di« Preffe hat sich wieder'l Holl mit dieser Angelegenheit beschäftigt. Der„Lokal- Anzeiger" dessen Eigenschaft als nmlliches Organ des Magistrats hier offiziell in Abrede gestellt ist, hat die Miltheilnng gebracht, daß die betreffenden Künstler in Berlin ihre Skizzen anfertigen und sie zur Ausführung nach Italien schicken, auch daß die Künstler mit den Firmen in Carrara». s. w. kontraktlich gebunden seien. Tie Erklärung erfolgte, nachdem die hiesigen Steinbildhauer eine Vorstellung im Sinne unseres Antrages an den Magistrat gerichtet hatten. Ließe der Künstler z. V. die Gruppen zu der Marmorbank ans dem Aiidreasplatz hier in Berlin anfertigen, so würde er sie für 9000 M. habe», also, da der von der Stadt zu zahlende Preis 20 099 M. betragt, für die Skizze 11000 M. empfangen. Statt dessen ist die Anssührnng einer Tiroler Aktiengesellschaft übertragen, welche sie für 4—5000 M. herstellt; dem Künstler bleiben somit 15 000 M. Der Künstler soll ja seine künstlerische Freiheit auch in diesem Punkte haben, aber die Grenze für diese Freiheit wird doch durch die Verhältniffe gezogen, unter denen die Arbeiten hergestellt werden. Die sechs Hermen ä 6000 M. für den Viktoria park werden auch nicht in Berlin, sondern in Carrara gearbeitet. In Tirol wie in Carrara sind die Löhne viel niedriger als bei uns; dort erhält ein Arbeiter blos 1,50 M. täglich, während in Berlin ein Steinbildhaner nicht unter 5 M. verdient. Die feinere Anssührnng kann auch nicht gegen den Antrag ins Feld geführt werden. Das Goethe-, Schiller, Lessing Denkmal sind in Berlin gefertigt worden, dagegen haben z. B. die neuen Sarkophage im Mausoleum und die Marmorarbeiten z»r Ausschmückung des Rathhauses, die draußen gearbeitet worden sind, nicht den Beifall der kompetenten Beurtheiler. Die„Sprea" wird hier angeferligt, und mar. hat dem Bildhauer Christensen für die Aussnhrnng 3000 9>i. zugelegt. Kanu in diesem Falle der Stein nach Berlin geschaff» werden, dann wird es auch bei den Hermen und bei der Bank mögilch sein. Alles in allem wollen also blos die Künstler mehr für sich herausschlagen. Sie würden doch gewiß Zeter mordio schreien, wenn die Arbeiten etwa nach München vergeben würden. Was wir vertheidigcn, ist nicht Zünftlerei, nicht Lokalpatriotismus; es ist dasselbe, als wenn man uns hier auswärtige Arbeiter hertransportirt, die zu niedrigeren Löhnen arbeiten(Aha!), wie' es zum Beispiel die Herren Sleinmetzmeister getha» haben. Ein Künstler, xerecma grata bei Hofe, macht auch die einfachsten Holzarbeiten für die Schiffe der Marine, init denen er als Künstler garnichts zu thnn hat; er steckt nur den Unternehmergewinn in die Tasche. Jetzt, wo der Winter und die Arbeitslosigkeit vor der Thür stehen, wäre den Steinbild. dauern die Arbeit sehr erwünscht gewesen. Man soll doch die Arbeit hier machen lassen, weil sie hier gemacht werden kann. Stadlbanrath H o f s m a n n: Die Stadt vergiebt alle Aufträge an Berliner Künstler und hat ihnen auch den Wunsch ausgedrückt, als Hilfskräfte ebenfalls Berliner zu nehmen. Zwangsweise gegen die Künstler i» dieser Richtung vorzugehen. Würde ich nicht für richtig halten, weil die besseren Bildhauer sich das gar nicht gefallen lassen würden und weil sie damit einen Theil ihrer Verantwortung ans Schultern lege» müßten, die sie nicht tragen können. Gingen wir so vor, so möchte auch das Ausland»us gegenüber seine Haltung ändeni, es könnten von bcfreiindeleu Re giernngen die Berliner Künstler von den Bewerbungen ausgeschlossen werden, und das würde in Berlin der Kunst zum allergrößten Nachtheil gereichen. Stadlv. Kyll mann: Wir können über den Antrag zur Tagesordnung übergehen, da er für die nächste Zukunft gegenstandslos ist. Die Frage ist in erster Linie allerdings eine Geldsrage. Ließen sich die Löhne entsprechend erhöhen, dann ließen sich auch die Arbeiten ziemlich so gut, nicht ganz so gut, hier wie im Auslands herst-llen. Das Risiko aber, welches darin liegt, daß der Künstler die Arbeit, für die er die Verantwortung trägt, draußen anfertigen läßt, muß ihm mit ein paar tausend Mark vergolten werden. Stadlv. Singer(gegen die Tagesordnung): Nach dieser Dar legnng wäre doch eine molivirte Tagesordunng mehr am Platze gewesen. Di« Einwendungen des Vorredners gegen den Antrag sind nicht stichhaltig. Einer der wichtigsten Gründe für den Antrag ist noch gar nicht erwähnt worden. Wir haben die Kunstkommission seinerzeit ins Leben gerufen, weil mau der Berliner Kunst und dem Kunstgewerbe Gelegenheit geben wollte, sich bei den Arbeiten für die Stadt zu betheiligen und zu bethätigcn. Da kommen also auch die Kunsthandwerker sehr in belrnchl; nicht blos für die 10 oder 12 Künstler sind die jährlich für Kunst zwecke bewilligten 100 000 M. beftimnit gewesen. Gerade iveil ich auch in der Künstlerschaft den Idealismus erhalten wissen will, prolestire ich dagegen, daß die Frage zu einer rein materiellen gemacht wird. Deshalb ist auch der Hinweis des Stadtbanralhs Hoffmann ans die befreundeten Regierungen gänzlich haltlos. Daß Sinn und Geist des Antrages auch ihm unanfechtbar erscheint, ergiebt sich ja aus dem Anfang seiner Bemerkungen. Diese Anerkenniing reicht für uns hin; im übrigen mögen Sie lhu», was Sie wollen. Mit schwacher Mehrheit wird der Uebergang zur TageS« o r d n im g beschlossen. Ein Antrag der neuen Fraktion der Linken geht dahin, den Magistrat zu ersuchen, ihr baldigst eine Vorlage zu machen, wonach noch eine M i l l i o n Mark für P fl a st e r n n g von Straßen und Plätzen noch in diesem Etatsjahr zur Verivendnng kommen soll. Stadtv. V o r t m a n n befürwortet den Antrag und beantragt, ihn einem Ausschusse zu überweisen. Stadtv. I a c o b i will auch über diesen Antrag zur Tages- o r d n n n g übergehen. Der Antrag in seiner allgemeinen, nn- bestimmten Form, ans der man nicht entnehmen könne, wo denn eine Pflasterung noch außerordentlich dringend ist, sei unannehmbar. Nachdem Stadtv. Kreitling für den Antrag sich eingelegt hat, macht der Kämmerer M a a ß lebhafte Bedenken dagegen geltend. Der nächste Etat werde eine außergewöhnliche Menge von Anforderungc» für Bauten und dergleichen an den Stadtsäckel stellen. Allerdings 'ei aus dem Jahre 1896/97 ein Ueberschnß vorhanden, aber Ueber- schlisse seien doch nicht dazu da, daß man damit ast.(Stürmische Heiterkeit.) Stadlv. V o r t m a n n beantragt über den Aulrag auf Uebergang zur Tagesordnung namentliche Abstiimnnng. Er entwickelt in der Begründung dieses Antrages die eigenthümliche Auffassung, daß in der vorhergegangenen Debatte der Magistrats- Vertreter nicht hätte das Wort nehmen dürfen, da nach der Geschäfts- ordnnng nur je ei» Redner ans der Versammlung für oder gegen den Antrag ans Taaesordnng sprechen dürfe. Von dem Vorsteher Dr. L a n g e r h a n s und dem Stadtv. Singer wird er ans daS Unzutreffende dieser Auffassung ans- merksam gemacht. Die namentliche Abstimmung ergiebt die Annahme des Uebergangs zur Tagesordnung mtt S7 gegen 42 Stimmen. Von den 9 Anträgen Borg mann und Genossen betrifft der erste die Frage der kommunalen K r a n k e n f ü r s o r g e. Der Magistrat soll ersucht werden:. 1. zu den bestehenden Heimstätten für Brustkranke ut Malchow und Blankenfelde noch zwei weiter« städtische Rieselgiiler für die soforlige Aufnahme von L n n g- n l e i d e n- den beiderlei Geschlechts für den Sommer 1398 ein- zurichten; � 2. i» gemischter Deputation mit der Versammlung in Be- ralhuug über de» Neubau einer Heilanstalt für Tuberkulöse beiderlei Geschlechts zu treten. Sladlv. Rüge beantragt, den Antrag einem Ausschuß voll 15 Mitgliedern zu überweise». Stadtv. Dr. Zadel führt als Antragsteller aus, daß das Be- dürsniß für den Antrag nicht erst noch nachgewiesen zu werden brauche. Di« bestehenden Anstallen sind überfüllt und die jetzt herrschenden Zustände unerträglich. Zwei bis drei Monate haben die Kranken auf ihre Anfnahme warten müssen. Dadurch wurden die Kraukenkasse» ungebührlich belastet, viel schlimmer aber war die Wirkung auf die Kranken selbst, welche z. B. erst im Herbst aufgenommen werden konnten/ obwohl sie schon im Mai oder Juni gemeldet waren. Die Schaffung besserer Zustände für den Sommer 1398 ist dringendes Bedürfniß. Dieser Theil des Antrages sollte also eigcnt- lich einer Ausschußberathimg nicht bedürfen. Anders der zweite Theil. Die Errichtung eines solchen Sanatoriums ist von uns seit 4 oder 5 Jahren stets befürwortet worden. Auch hier ist das Äe- dürsniß thatsächlich ein dringendes geivorden, umsomehr, als unsere Heimstätten inimer mehr ihren ursprünglichen Charakter verloren haben und bloße Anhängsel der Krankenhäuser geworden sind, indem auch die schweren und schiversten Fälle von Tuberkulose dahin über- wiesen worden sind. Eine ganze Reihe von Todesfällen haben wir in den Heimstätten erlebt. Der Zwang des Znsanimenseins mit den Schwerkranken vereitelt auch für die leichter Kranken den Erfolg dieses Ausenthalls; es war für sie unter solchen Umständen von Erholung nicht mehr die Rede. Da unsere Krankenhäuser an chronischem Mangel an Betten leiden, so müssen wir radikal zu Werke gehen und für die Heimstätten etwas besseres schaffen, eine wirkliche Heilstätte für Lungenkranke, ein Sanatorium nach dem neuesten Stande der Wissenschaft und der praktischen Ersahrung. Die Stadt hat die Pflicht, auch den unbemittelten Kranken in diesem Punkte zu Hilfe zu koninieu. Der Heilstätten- Verein vom Siolhen Kreuz hat am Grabowsee bei Oranienburg allerdings schon eine derartige Anstalt errichtet, die aber nur wenig Betten hat; die Jnvalidiläts- Versiche« riingsanstalt will in Strausberg ein gleiches thnn; ähnliches plant die Provinz Brandenburg. Das Bedürfniß wird aber damit für Berlin lange nicht gedeckt. Von den jährlich 12 000 Schwindsuchts- kranken dürften sich>/« bis für die Anstaltsbehandlung eignen. Das Sanatorium würde natürlich mit den Heimstätten in Ver- bindung zu treten haben. Bezüglich der Einzelsragen schließe ich mich dem Antrage Rüge an. Stadtralh Marggraff theilt mit, daß ein ähnlicher Arilrag, wie der erste Theil des Antrages Borgmann schon in der nächsten Sitzung des Kuratoriums zur Verhandlung kommen wird. Die Ueberfüllnng ist erst in den letzten Jahren eingetreten, sowohl in Malchow als besonders in Blankenfelde, welches bisher an nicht genügender Füllung litt. Mit den Vorarbeiten zu einer Aendernng in diesem Sinne sind wir also bereits befaßt. Stadlv. Sachs I.: Der Antrag aä l wird von uns allen befürwortet, seine Zl n s f ü h r u n g i st a l s n o t h w e n d i g erwiesen. Auch ich kann nur wünschen, daß in dieser Hinsicht für die Unbemittelten mehr als bisher geschieht. Ueber die Nothwendigkeit des zweiten Antrages sind sich aber die Gelehrten doch wohl noch nicht einig. Was niiißte eine Anstalt für 4000 Schwindsüchtige kosten, und was möchten dann solche Kasernen auf die Schiviudsüchtigen selbst für einen Ein- druck machen, die hineinkommen mit dem Gedanken: Hier kommen wir nicht wieder heraus!? Und steht es denn schon fest, daß ein wirklich Schwindsüchtiger geheilt wird und geheilt werden kann? Man sollte doch erst die schon genannten Anstalten ins Leben treten lassen. Sladlv. Rnge empfiehlt seinen Antrag und regt außerdem an, ob nicht die Verschickung der schwerkranken Tuberkulosen nach Görbersdorf ins Auge zu fassen sei, wie es die Versicherungsanstalt thäte. Der Antrag Rnge wird a n g e n o m m e n. Der zweite Antrag Borgniaun lautet dahin: De» Magistrat zu ersuchen, baldigst die am 16. Januar 1896 von ihm erbetene Mittheilnng darüber zu machen: inwieweit für die Fälle von Krankheiten oder U n» fällen von Arbeitern, die für die verschiedenen Ver« waltnngszweige der Stadt Berlin beschäftigt sind, Fürsorge getroffen ist. Stadtv. Schwalbe bemerkt zur Geschäftsordnung, daß eS heute(es ist inzwischen 8 Uhr geworden) wohl nicht mehr möglich sein wird, die sämmtlichen Anträge, die doch eine eingehende und gründliche Behandlung erfahre» sollten, der Reihe nach zu erledigen, während auf der Tagesordnung der geheimen Sitzung sich eine Anzahl von AnsteUnngs- und Pensionirnngssachen befänden, die unbedingt vor dem 1. Oktober erledigt sein müßten. Er beantragt snr heute die noch ausstehenden Anträge abzusetzen. Stadtv. Singer bittet, heute noch den vorstehenden und den die Pensionsberechtigung der städtischen Arbeiter betreffenden Antrag zu bcralhen, und stimmt bezüglich der übrigen Anträge der Ab- setznng zu. Die Versammlung entscheidet nach dem Antrage Schwalbe. Die hierauf noch in der öffentlichen Sitzung verhandelten Gegen- stände sind ohne allgemeineres Interesse. Schluß 3>/4 Uhr. Uokases. Die Flngblattticrbreitnng, welche am Sonntag erfolgen soll, erfordert das Eintrete» eines jeden Parteigenossen, denn einzig von dem Pflichteifer und der Pünktlichkeit der Genosse» hängt es ab, ob die umfassende Aufgabe, die in kurzem Zeitraum auszuführen ist, in jeder Beziehung gelingt. Wir richten daher nochmals an jeden Anhänger der Partei die Anffordernng, nach Belieben präzise zur festgesetzlen Zeit sich an einer der nachstehend verzeichneten Stelle» einzufinden: Zweiter Wahlkreis(7>/z Uhr früh); Ewald, Schönleinstraße 6. S ch o n h e i ni, Gräfcstr. 8. Müller, Gräfestr. 31. Ran in an», Blücherstraße 42. I in h o f, Mittenivaldcrstraße 16. liitzing, Belle-Alliancestraße 74. Werner, Bülowstraße 59. Besonders ist es Pflicht der Wahlvereins-Mitglieder, sich zahlreich zu betheiligen. Vierter Wahlkreis Südost(acht Uhr früh): T o l k S, d o r f. Görlitzerstr. 53. T r i t t e l w i tz, Falckensteinstr. 7. Erbe, Cuvrystr. 25. B e i e r, Wrangelstr. 131. Bieberstein, Lausitzer- (atz 12a. Goltz, Grnnauerstr. 8. S e i d l e r, Ratiborstr. 16. r ö d e n f e l d, Mantenffelstr. 67. Streit, Naunynstr. 86. Fünfter Wahlkreis(acht Uhr früh): Z i in m ermann. Greifswalderstr. 5. Steuer, Weinslr. 22. K n ö t s ch, Hirten- straße 10. W i t t ch o w, Kl. Hamburgcrstr. 27. Sechster Wahlkreis(Moabit, früh 7>/e Uhr): I. Pfarr, Pntlitzstr. 10; Neuser, Bensselstr. 23. Weitere Meldestellen(morgens 8 Uhr) sind: W. Brinkmann, Prinzen. Allee 21; A. B ä r s ch, Sandslr. 3; P a n l A n d e r s, Buttmann- 'traße 16; G n st a v H er r m a n n, Pnltbuserstr. 45; Otto Bachgänger, Swinemünderstr. 120; Hoppe, Ackerfir. 145. Schöneberg(früh 7 Uhr): H a n s e r, Restaurateur, Sedan» straße 31; Klein, Restaurateur, Mersebnrgerstr. 7; Obst. Re- fiaurateur. Srimewaldstr. 110; Schilling. Restaurateur, Goltz- strnße 43; P i ch e l. Rcstaurntenr, Gutzkowstr. 9. Z e h l e» d o r f(früh 7V2 Uhr): Treffpunkt bei D o h r m a n n. Die Vertrauenspersonen. Ncbc».' die Bcthcilignng des Jndcnthnins nn den liberalen Bernsen»nd am koninninalen Leben der Stadt Berlin bringt die „Staatsb.-Ztg." einige statistische Mittheilungen, ans denen»vir folgendes entnehmen. Es giebt in der Reichshauptstadt unter 2363 Zivilärzten 344 Aiilitärärzten 600 Kassenärzten 1312 Richtern 347 Rechtsanivälten ferner unter 120 Zlpothekenbesitzern 126 Stadtverordneten 779 Juden= 33,0 pCl. 7„= 2,0 500„= 83,3 153= 11,6 460.--- 71,1 35„= 29,1„ 28„— 22,2„ wahrend der Prozentsatz der Juden an der Gesammtbevölkernng der Residenz nur 5,1 beträgt. Dabei nehmen sie, so schreibt das Antisemitenblatt»veiter, in allen diesen Positionen zum theil noch hervorragende Posten ein; so z. B. befinden sich unter den Aerzten 2 Geheime Medizinalrälhe, 12 Geheime Sanitätsräthe, 52 Sanilätsrälhe; unter den Rechts- anwällen 1 Geheimer Justizrath und 12 Justizrälhe. Dein juristischen Berufe gehören ferner an 9 Amts- und Landgerichtsräthe, 8 Amts- und Landrichter. Dazu treten noch 40 Professoren und 11 Privatdozenten, ferner im Staatsdienste 1 Legalionsrath, 4 Sie- gicrnngsräthe; zum Schlub erwähnen»vir noch 9 Geheime Kom- »nerzienräthe, 20 Kommerzienräthe, 7 Generalkonsuln, 4 Konsul». In der Stadtverordneten-Bersammlung an» 15. Slpril d. I. sprachen 10 judische Stadtverordnete 31 mal, dagegen in» ganzen mir 4 christ- liche 8 mal; ähnlich»var es am 10. Juni d. I.,»vo von 11 Redner» 7 jüdische 14 mal, dagegen nnr 4 nichtjüdische 5 mal sprachen. Uiid alle diese Lente mit Kind»ind Kindeskind»vill das A»ti- semitenblatl zum Frühstück vertilgen. Das heißt eine Verdauung! Vossischcr Byzantinismus. Aus zwei Berichten,»velche die „Bossische Zeitung" gester» über den Besuch der denlschen Kaiserin iin schlesischen Ueberfchivemmungsgebiete veröffentlichte, haben»vir zur Ergötznng»»serer Leser die folgenden Proben herausgeschält: „Und nun ist heute die Kaiserin gekommen und hat alle bis- herige Arbeit und Hilfe gekrönt! Gekrönt durch ihr E r- scheinen und das hohe Glück, das sie überall ver- breitet hat." „... Da schmolz jede Scheu in den Herze» und vor»nS stand die Landesmntter, Liebe in» Herzen, gekommen,»in zu heilen und zu helfe n. Das hat die hohe Frau auch redlich»nd reichlich ge- lhan. Aber sie hat noch mehr gethan: sie hat auch die Ursachen und die Wirkung der geivaltigen Katastrophe gründlich erspäht und ist nicht müde geivorden, auch den Wasserlauf von damals und jetzt kennen zu lernen." „Der heutige Tag ist für die Beivohner des Riesengebirges, dessen Thäler zur Zeit banges Weh und bittere Sorgen bergen, ei» großer Freudentag geivesen, der Tausende aufrichten hilft in ihren, Kummer und die Hände»nieder reger machen»vird zu neuer Arbeilskrast. Der Besuch der Kaiserin im Ueberschivenniiuugsgebiet. der dies hervorbringen»vird, hat sich der Kürze der Zeit»vegen ja nicht über das ganze»veite Gebiet, das vom Hochivasser betroffen »vorden ist, erstrecken könne», aber unsere Bewohnerschaft dankt es trotzdem der hohen Frau aus tiefstein Herze», daß sie, die Mühe n u» d U n a n n e h m l i ch k« i t e n der»veite» Reise bis an die Grenze des Reichs nicht achtend, hierher geeilt ist, um zu zeigen, daß ihr landesniütterlichcs Herz mitfühlt mit den Leide» und Schmerzen ihres Volkes." „In einem vierspännigen Wage» des Prinzen teinrich XXVIII Renß erfolgte sodan» die Einfahrt nach der tadt. Alle Glocken läuteten. Auf der Bahnhosstraße bildete» sämmtliche Schulen, geführt von den Lehrer», Spalier. Weiter nach dem Innern der Stadt zu hatten die hervorragendsten Vereine Auf- stellung genommen. In» Fond des Wagens, nebe» der Kaiserin, die eine grüne Robe init grauem Stahlperlen besah trng, hatte die Frau Prinzessin Reuß-Stonsdors und auf den» Rücksitze der Prinz Renß Platz genommen." „Es folgte»u» eine Vorstellung der Vorstandsdamen des Vater- ländischen Frauenvereins aus Hirschberg und den Nachbarkreisen und darauf eine Konferenz mir den Landräthen der vom Hochivasser betroffenen Kreise Niederschlesiens, die eine Daner von zehn Minute» hatte." Wir denken, daß diese Proben zur Kennzeichnung genügen. Wen» nun noch etiva Klagen und Forderungen ans dem Bereiche des schlesischen Elends kominen, so»vird die„Voss. Ztg." hoffentlich nicht verfehle», derartige Dreistigkeiten auf das Konto der überhand- nehmenden Begehrlichkeit zu setze»». Bei dem Vereinigten Spediteur-Berein sind bisher für das Ueberschivemmungsgebier eingeliefert»vorden 3300 Kollis und Kisten mit Kleidungsstücke», Gebrauchsgegenständen:c. In ein arges Tileniina bringt die antisemitische Zeitung „F r e i- D e n t s ch l a n d" den getreuen Theil ihrer Anhängerschaft. Während das Blättchen an der Spitze die Parole ausgiebt:„Kauft nicht bei Juden", bringt es aus der vierten Seiten der Nummern 213, 214 und 215 vor den Annonce» in fetter Schrift die folgende Rnfforderung: „Wir bitten unsere Gesinnnngsgenossen, den unten verzeichneten Geschäftsleuten ihre Kundschaft znznwende». da»vir grund- sätzlich nnr Anzeige»»»»«redlicher christlicher Geschäftsleute ver- öffentliche»; beim Einkauf»volle man sich auf die Anzeigen in unserer Zeitung berufe»." Ob und in»vieiveit der schivere Vorwurf der Unredlich- keit, den das Blatt seinen natürlicheriveisc»venig zahlreichen Inserenten macht, thalsächlich begründet ist,»vagen»vir natürlich nicht zu beurtheilen; iminerhin sollten„Schristleiter" und Verleger von„Frei-Deutschland" bedenke», daß sie beide sich der Vegiinstigmig von Eigeuthnmsvergehen schuldig machen,»venu sie grund- sätzlich nur Anzeigen unredlicher christlicher Geschäftsleute ver- öffentliche»». Auch kann dieser fatale Grundsatz dem Antisemitenblatt ebenso »venig zum Vortheil gereichen,»vie der Umstand, daß der Verleger die Zeitung fast ausschließlich von Lehrlingen herstellen läßt. Tie vom deutschen Volkshochschul-Vcreii« Ablheilung Berlin angekündigte» unentgeltlichen»visfenschaftlicheu Vorträge»nd Vortrags- kurse»eh»»«» Ende September ihren Anfang. Herr Professor Dr. Wolfstieg, Bibliothekar des Hauses der Abgeordnelen,»vird eine» Kursus von 24 Vorträgen über das Zeitalter der Revolution am Dienstag, den 21. September abends Oh/s Uhr pünktlich in der Aula der Gemeiudcschule, Hinter der Garnisonkirche 2, beginnen. Die Vorträge fi»iden jeden Dienstag und Donnerstag stall(also»licht»vie zuerst angekündigt au» Dienstag und Freitag, da am Freitag die bctreffe>»de Aula schon anderiveitig in Anspruch genommen ist). Während der Michaelisferien muß jedoch eine kleine Unterbrechung eintreten, so daß also der nächste Vortrag an» 12. Oktober stattfindet.— Herr Dr. Alexander Gleichen, Oberlehrer am Friedrich- Wilhelms- Gymnasium»vird einen Kursus von 10 Vor- trägen über Physik verbunden mit Experimenten beginnen und zivar an» Sonnabend, den 8. Oktober, abends 8'/« Uhr pünktlich i»> der Aula der Gemeindeschule, Gneisenanstr. 7.— Fran Sera Prölß, die Verfasserin des Buches„Die Frau in,»»eilen Bürgerlichen Gesehbuch" beginnt einen Kurslls von sechs Vorträgen »Iber Familienrecht am Montag, den 25. Oktober, abends 8'/, Uhr pünktlich in der Aula der Gemeindeschnle, Genthinerstr. 4. Der Inhalt der einzelnen Vorträge ist folgender: 1. Ueber die Ehe im allgemeinen, Verlöbniß, Eingehung der Ehe, Nichtigkeit und An- fechtbarkeit der Ehe. 2. Wirkungen der Ehe im allgemeinen: a) eheliche Lebensgemeinschaft, b) Pflichte» des Mannes, o) Pflichten der Frau, Scheidirng der Ehe. 3. Güterrecht: I. Gesetzliches Güter- recht. 4. Güterrecht: II. Vertragsmäßiges Güterrecht, ö. Elterliche Ge»valt. 6. Uneheliche Kinder.— Diese Vorträge finden iiatürlich nach dem neuen Bürgerlichen Gesetzbuch statt, damit bei Jnkrast- treten desselben Männer und Frauen über ihre gegenseitige» Rechte und Pflichten genau unterrichtet sind.— Änßerdei» »verde»» vor Weihnachten noch stattfinden zivei juristische Kurse; zivei medizinische, die,»vo es nöthig ist, erläutert»verde»» durch Skelette und einzelne Knochen, Präparate in Spiritus, medizinische Instrumente, Abbildungen zc.�KNiei literaturgeschichtliche Kurse; ein nationalökonomischer; ein xc�losophischer; ein Kursus über die Ge- schichte der FrauenbeiveKckng, soivie eine größere Anzahl einzelner Vorträge. Näheres»Xd später bekannt gemacht. Nach Weihnachte» »verde»» etiva ebenso viel Kurse stattfinde», dann tritt in den Sominermonaten eine Pause ein,»vährend im nächsten Winter etiva 50—60 Kurse gehalten»verde». Sämmtliche Kurse sind natürlich unentgeltlich für Männer und Frauen, der Zutritt steht jedem ohne »veiteres frei ohne vorherige Anmeldung oder sonstige Formalitäle». Ferner»vird der Verein nnentgellliche Nnterrichtskurse veranstalten in Französisch, Englisch, Stenographie, Mathematik, Lateinisch und Griechisch. Während jedoch bei de» Vortragskursen die Zahl der Zuhörer unbegrenzt ist, können an diesen Unterrichtskursen nnr je 30—50 Personen theilnehmen,»veil sonst der Unterricht keinen rechte» Erfolg haben»vürde. Eine neue Niederlage der Jnnungsbrüder. Das Polizeipräsidium theilt mit: Die für den den Gemeindebezirk Berlin um- fassenden Bezirk der G a st»v i r t h e- I n n u n g zu Berlin erlassene Bestimmung vom 19. April 1893, nach»velcher Gast- und Schank- »virthe,»velche, obwohl sie ein i» der Innung vertretenes Geiverbe betreibe», derselben nicht angehören, und deren Gehilfen(Kellner) zu den Kosten der von der Innung für de» Nachiveis fiir Gehilfen- arbeit geiroffene» beziehnngsiveise unternommene» Einrichtung in derselben Weise und nach demselben Maßstabe beizutragen verpflichtet sind,»vie die Jniiungsmitglieder und deren Gehilfen(Kellner),»vird mit Ablauf dieses Jahres z u r ü ck g e n o in in e n. Eine antivcgctarische Pflanze. Zu den Schätzen unseres Botanischen Gartens gehört auch eine Pflanze,»velche dem Geruchs- sinn etivas ganz Apartes bietet. Es ist die südafrikanische �lsli- anthus cornosus(«-chopfiuger Honigbaum). Genau so appetitlich und kräftig»vie frischer Kalbsbraten riechen die Blätter dieses Bäumchens, wenn nian dieselben reibt, und noch deutlicher zieht einem der köstliche Bralenduft durch die Nase, sobald man ein Blatt abbricht und an seiiiem Stiel riecht.— Einen noch viel intensiveren Brateuduft strömt die Oostrum?argui ans, die daher ilichl mit Unrecht auch schlechtiveg die Kalbsbratenpflanze genannt»vird. Riecht man»ach langer Herumwanderung mit geschlossenen Augen daran, so zaubert sich einen» sofort eine Schüssel niit bräunlich knusperigem Braten vor das geistige Auge und man bekommt einen ordentliche» Appetit daraus. Könnte der Staat der Sozialreform sich nicht des Baumes annehmen und dafür sorgen, daß jeden» Proleten statt des Huhnes in» Topfe, mit dein es doch Essig ist, als Surrogat ei» Kalbsbratenbann» auf den Tisch gestellt»verde? Ei» imposanter Brückenbau,»vie ihn in seiner Art bisher Berlin»och nicht aufzuiveisen hat, ist»veit draußen in» Norden der Stadt in Angriff genommen»vorden, auf»velche»» sich das allgemeine Interesse der respektive» nordischen Bevölkerung kouzentrirt. Be> sagte Brücke soll die langersehnte Verbindung der Bellermann- mit der Sivinemnnderstraße herstellen und eine»ene Verkehrsader zivischen dem Gesundbrunne» und dem»ördlicheu Staditheile dies- seils der Brunnenstraße abgebe», Die neue Brücke,»velche in» Laufe des nächsten Jahres fertiggestellt werden soll, ist besonders»vichlig auch für den Straßenverkehr, inden» sie ganz neue Verbindungen mit den nördlichen Vororten ermöglicht. Die Brücke, die gänzlich aus Eisen konstruirt»verde» wird, muß auch die Geleise der Stettiner Eisenbahn,»vie auch die nachbarliche» Geleise der Nordbahn und Nordringbah» auf eine»veite Strecke überspannen,»vas das Bau- »verk besonders interessant macht, da ans dem Eisenbahuterrain keine Stützpfeiler errichtet»verde»» können. Angesichts der bittersten Roth hat sich die 25 Jahre alle Ehefrau Emma des Formers Adolf Heintze aus der Pappcl-Allee 22 das Leben genominen. Die Familie, ans den Elter» nnd 5 Kindern im Alter vo» sechs Jahre» bis zu fünf Monate» bestehend, beivohnt seit den» 1. d. M. Stube und Küche im Seitenflügel. Der Mann, der früher lungenkrank geivesen ist,»vill als Former nicht mehr ar- beiten könne» nnd halte andere Beschäftigung nicht gefunden. Seit seiner fast 2 Monate danernden Arbeitslosigkeit»var die Roth imnie» härter in der Häuslichkeit fühlbar geivorden. Der gesamnite Hausralh, selbst die Bettstellen»nit Bette»», Tisch, Stühle und Wäsche sind tdeils verkauft, theils verpfändet. Die Fainilie liegt in zer- lumpte Kleidungsstücke gehüllt ans den» Fußboden. Als Tisch dient ein Holzgestell nnd ein dreibeiniger Schemel stellt den einzig vor- handenen Stuhl dar. In der Küche sieht man nur Stücks einer Waschleine hängen und einigen Holz- und Bohlenabfall, der an- scheinend von der Straße zusannnengelesen ist. Zu stolz, um zu betteln, hat die Frau an Lebensmittel» von Bekannte» znsannnen- geholt,»vas sie nnr konnte. Im Hause selbst hatte niemand eine Ahnung von der furchtbaren Lage der zahlreichen Fainilie. Am Miltivoch»var das letzte aufgezehrt, und die hungrige» Kinder drangen in die Mutler nm Nahrung. Das konnte diese nicht mit anhören. Ohne ein Wort des Vorwurfs oder der Klage laut»verde» zu lasse», schlich sie sich ans der Stube,»vo der Vater mit de» Kindern aus dem Fußboden spielte, in die daneben befind- liche Küche und drehte ebenso lautlos den Schlüssel in dem Schloß der»ach der Stube führenden Thür um. Ohne sich»veiter zu be- sinne», legte sie sich ei» aus einem Stück Waschleine gefertigte Schlinge um den Hals und lhal alsbald den letzten Atheuizug,»vährend nebenan der Mann die Kleine» durch allerlei Knrziveil de» Hunger vergessen zu»nache» bestrebt»var. Etiva eine halbe Stunde später »vollte Heintze mit einem Kind die Küche betreten. Als er die Thür erbrochen hatte, stand er an der Leiche seiner Fran, die an der Koch- Maschine hing. Mit der Siino» Blad'schcn Erbschaft, durch die bekanntlich auch der Stadt Mainz über eine Viertel Million Mark zugefallen ist. beschäftigte sich der Rechtsansschnß dieser Stadt in seiner letzte» Sitzung. Neuerdings hat»änilich,»vie»vir schon mittheltle», ein Mädchen in Berlin niiter der Vorgabe, ein»»»eheliches Kind Blad's zu fei», Anspruch aus das Bermächlniß erhoben,»nd der Berliner Magistrat halle beschloffen, den» Mädchen eine SlbfindungSsumme zu zahle». Der juristische Ausschuß der Stadt Mainz hat nun- mehr sich in demselben Sinne entschieden. A»f die Ergreifung des Moabiter Brandstifters hat der Grundbesitzerverein Nordn'est eine Prämie vo» 300 M. ausgesetzt. Selbstmord eincS Lnnaeulcidenden. Zu der unter dieser Spitzmaike in Nr. 22 l des„Boriväris" enthaltenen Notiz»vird uns mitgetheilt, daß die Angabe des Berichterstatters, Herr Jrinler, Schönleinstr. 8, sei an einer Vergiflnng gestorben, vollständig unrichtig ist. Dlirch ärztliches Attest»vird bescheinigt, daß Herr Jrmler an der Lnngenschwindsucht gestorben ist. Selbstmord. Gestern Mittag brachte sich der 47 Jahre alte Kansmann Julius Kändler in seiner Wohnung in der Schönhauser Allee mit einen» Taschenmesser einen Schnitt i» das linke Handgelenk bei und verletzte sich so schiver, daß er bereits»vährend seiner lieber- führung in das Krankenhaus an» Friedrichshain seinen Geist aufgab. K. sollte»vegen Unterschlagung eines bedeutenden Betrages ver- Haftel»verde», zog sich aber beim Erscheinen des Beamten in sei» Schlafzimmer zurück, dessen Thür er verriegelte, und vollführte dort die That. Gesperrt»vird die Lessingstraße von der Flensbnrgerstraße bis zun» Hansaplatz behufs Asphallirung vom 27. d. Mts. ab bis auf »veiteres. Fcnerbericht. Siebenmal alarmirt»vurde die hiesige Feuer- wehr in der Zeit vo» Miltivoch Mittag zun» Donnerstag Abend. Einmal handelte es sich um blinden Lärm U r b a n st r a ß e 38. Ziveiinal»varen Gardinenbrände zu lösche» nnd zivar S ch»v e d t e r- st r a ß e 50 und vo» derHeydstraßell. Jufolge Explosion einer Aetherlampe war Claudiitsstraße 7 ein Kellerbrand zu löschen, der der Wehr viel zu schaffen machte. P a l l i s a d e n- st r a ß e 22»var eine Petrolenmlainpe explodirt, doch»vurde die Fenersgefahr leicht beseitigt. Mauerstraße 91 war ein Schorn- steinbrand zu lösche». Da die Meldung von verschiedenen Stellen aus erfolgte,»varen bald mehrere Züge zur Stelle, die indeß nicht alle in Aktion zu treten brauchten, da man bald Herr des Feuers »var. Endlich mußte» Reiche»berger st raße 120 brennende Lumpen in einem Stall abgelöscht werden. Die Urania eröffnet die Wintersaison in ihrem Institut in der Jnvalidenstraße am Sonnabend, den 2. Oktober, mit einem Experimentalvortrage des Herrn Dr. P. Spies„Telegraphie ohne Draht". Das Programm über die ferneren Vorträge und Lehr- kurse des Winters»vird in den nächsten Tagen er« scheinen und steht Interessenten kostenlos zur Verfügung. In» Institute Tanbenstr. 48/49 finde»»nit Rücksicht auf die Schul- serien ain Dienstag, den 23. d., Sonnabend, den 2., und Dienstag, den 5. Oktober, nachmittags 4 Uhr. zu ermäßigten Preisen Sonder- vorstelluiigen des Vortrags„Das Wunderland der neuen Well" statt. Herr Dr. M. Meyer, der langjährige Direktor der Gesell- schafl, der bei unseren Lesern gewiß in guter Erinnerung steht, ist auf seinen eigenen Wunsch von der Leitung des Instituts zurückgetreten. Wie die Direktion mittheilt, ist die Leitung des Instituts i» die Hände der langjährigen beivährten Oberbeamten gelegt und»vird der Betrieb keine Veränderung erleiden. DaS American- Theater i» der Dresdenerstraße ist vor einigen Tagen»vieder eröffnet»vorden. Zlnch im neue» Spieljahr sucht die Direktion den» Grundsatz, daß diese Hallen eine Pflege- stätle des Berliner Lokalhumors bleiben, mit lebhaftem Bemühen, ivenn auch nicht innner mit vollem Gelingen, Geltung zu verschaffen. Es find denn auch keine unbekannten Namen, die in» American- Theater im Sinne des Urberlinerthnms»virken. Herr Paul Bendix sorgt durch den Vortrag selbstverfaßter Kouplets mit Eifer für die Ausbreitung seines Dichterruhmes und der Komiker Hugo Schulz leistet in Wortspielen»vahrhaft unglaubliches. Der Vogel»vird natürlich nach wie vor von Marti» Bendix, de»n„Urkomischen", ab- geschossen, der nach einer»vohl nicht ganz aus eigener Schuld verursachten Verirrung an das Alexanderplatz-Theater nunmehr»vieder an die Stätte seines alten Wirkens zurück- gekehrt ist. In einem Ziveiakter von Leopold Ely,„Berlin, wie's näht nnd trennt", spielt er seine Glanzrolle von der Art des ver- bummelten Genies. Das Stück an sich ist mehr»vie harmlos; die alte rührende Geschichte von der Auffindung eines in die Jahre der Jungfräulichkeit gekommenen Kindes der Liebe muß»vieder einmal herhalten. Der zu Gott bekehrte Rabenvater tritt in der Gestalt eines unter den» Pantoffel stehenden Konfektionsmeisters auf, »vährend seine uneheliche Tochter von ihm unerkannt als Mäntel- näherin ausgebeutet»vird. Am Schluß natürlich große Rührszene. Beißender Witz,»vie er früher Oskar Wagner's Parodie» eigen»var, fehlt den» Stück; auch mangelt dem Opus jeglicher Bezug auf die sozialen Zustände im Konseklionsgeiverbe. Einige Bonmots sowie die drollige Darstellung Helsen aber glücklich über solche Mängei hiniveg. Zills de» Nachbarorte». Die Schönebergcr nnd Wilmersdorfer Parteigenossen »verde» nochmals darauf anfinerksau» gemacht, daß am kommenden Sonntag die Besichtigung der Sternwarte stattfindet. Treff- punkt: Schöneberger Bahnhof, nachmittags 5 Uhr oder Trepto>v, Slernivarte, punkt 6 Uhr. Billets sind noch beim Vorsitzenden H. Korster, Koburgstr. 5 und auf dem Bahnhof zuhaben. Reg« Belheiligung erwünscht. Der Vorstand des Arbeiter- Bildungs- Vereins. Achtung, Genosscn von Groß- Lichterfclde, Lankwitz und Umgegend. Der Agitationsverein für Groß-Lichtcrselde, Lankivitz und Umgegend hält am Sonntag, den 26. September, mittags 1 Uhr, in» Lokale des Herrn Holz i» Südende, Steglitzer st raße, seine statutengemäße Generalversammlung ab. Mit Rücksicht auf die»vichtige Tagesordnung»vird um zahlreiches Erscheine» ersucht. Der Vorstand. Ilm Rnlegnng einer neuen Haltestelle der Anhalter Bahn am Kreuzpunkt mit der T e l t o w- M cr h l o»v e r Vhanffec soll die Eisenbahnbehörde auf dem Petitionsivege ersucht werden. Die An- regung ist von dem Teltoiver Bürgervercin ausgegangen. Die neue AnHaltestelle würde auch für die Rieselselder der Stadt Berlin von Werth sei». Ter Vertrag der Berlin- Charlottenburger Straßenbahn mit der Stadtgenieinde Charlotlenburg»vegen Eriveiterung des Netzes der Gesellschaft und der Durchführung des elektrische» Betriebs niiter Verlängerung der Konzession der Gesellschaft bis zum 30. Sep- tember 1937 kommt vorläufig nicht zu stände. Die Direktion der Straßenbahn hat den» Magistrat mitgetheilt, daß sie zivar mit den geplanten ne>«en Linien einverstanden sei, sich aber nicht zu einer Annahme der Bedingungen für die alte Hanpllinie in der Berliner- straße verstehen könne, da bezüglich der Mitbenutzung der Geleise, des Ankaufsrechts, der Reinigung und der Höhe der Abgaben z» hohe Anforderniigen an die Gesellschaft gestellt würde». Eine Anfsichtsralhs-Sitzung habe noch nicht stattgefunden Der Magistrat hat zu dem Bescheide noch nicht Stellung genommen. Morvpvozetz Vosotvsks. Ein furchtbares Verbrechen fand gester» vor dem Schwur- gericht des Landgerichts II das gerichtliche Nachspiel. Das Publikum,»velches den Saal bis auf de» letzten Platz füllt, geräth in bedeutende Auslegung, als kurz vor Eröffnung der Verhandlung die Nngektagle in den Saal geführt»vird. Es ist ei» hübsches, junges Mädchen in sauberer und moderner Kleidung. Ans dem ovalen, von dunkelblondem Haar umrahmten Gesicht blicken blaue Nngen treuherzig in die Welt hinein. Das hübsche junge Mädchen ist eine Mörderin. Brandstifterin und Diebin. Der Sachverhalt,»velcher der zu verhandelnden Anklage zu gründe liegt: ist folgender: Im Hause Falkstraße 7 zu Nixdorf hatte der Eisenbahnarbeiter Hoppe eine im vierten Stock gelegene, aus Stube, Kammer und Küche bestehende Wohnung inne. Die Hnppe'schen Eheleute besaßen zivei Kinder, ein 4�/2 jähriges und ei» IVs jähriges Mädchen. An» Nachmittage des 14. Januar d. I. brach in der Hoppe'schcn Wohnung Feuer aus. Nachbarn bemerkten Brandgeruch und sahen den Rauch durch die Thür und Fensterritzen hervorströmeu. Man halte die Ehefrau Hoppe vor etiva einer Stunde niit einem junge» Mädchen,»velches»nit dein Hoppe'schen Ehepaar befreundet»var, fortgehen sehen, Frau Hoppe betrieb einen kleinen Handel. Ihr Ehemann»var unlängst in seinem Berufe ver- »»„glückt, er lag im Krankenhause. So konnte» sich nur die beiden Kinder i» der von außen verschlossenen Wohnung befinden. Man beeilte sich, die Thür einzuschlagen. Sämmtliche Räume»varen mit Ranch angefüllt. In der Küche lag das jüngste Kind, es»var todt, im Rauch erstickt. Im Wohnzimmer befand sich der Brand- Herd, der Wäscheschrank strömte einen tiefgelben erstickenden Qualm ans, vermischt mit den» durchdringende» Geruch des Petroleums. In der Wohnstube lag das älteste Kind, es»var beivußtlos, verrieth aber noch Lebenszeichen. Es»vurde»ach dem K»a>»kenhause ge- bracht und Wiederbelebungsversuchen»»terivorfen,»velche von Er- folg gekrönt»vurde». Leider nnr für kurze Zeit;»ach»veniaen Tagen»vurde das Kind, welches durch das Einalhme» des Rauches zu schiver gelitten hatte, von» Tode dahingerafft. Der Brand, der von der Fenerivehrleichtgelöschtivurde,»varziveifellos angelegt, es stellte sich bald heraus, daß die Angeklagte die Thäterin geivesen war. Sie ist die unverehelichte Rosalie Kosoivska, am 30. August 1375 zu Antons- Hof, Provinz Posen geboren. Im Januar lag sie bei den Nowotzky- fchen Eheleuten, Kottbuserstr. 3A in Schlafstelle. Als die Beamten dort erschienen, um sie zu verhaften,»var die Angeklagte nicht zu Hause. Ihre Sachen»vurde» durchsucht nnd dabei»vurde ein Spar- kassenbuch gefunden,»velches de» Hoppe'schen Eheleuten gestohlen »vorden»var. Von dem über 200 M. lautenden Be- trage»var noch nichts abgehoben. Als die Angeklagte nach Hause kam,»vnrde ihr das Sparkassenbnch vorgehalten und angesichts dieses erdrückenden Belastuiigsgegenstandes legte sie sofort ein Geständniß ab. Sie gab an, daß sie an dem frag- liiijcn Nachmittage ihrer Freundin, der Frau Hoppe,«inen Besuch gemacht habe. Schon seit Jahren habe zivischeu ihnen das freund- schaftliche Verhältniß bestauben. Sie habe auch bei der ältesten Tochter als Pathin gestanden und derselbe» bei dieser Gelegenheit ein Paar Ohrringe geschenkt. Sie habe geivusil, daß Frau Hoppe im Wäscheschrank das Sparkassenbuch, baares Geld und kleine Werth- gegenstände aufbeivahrte und dies alles habe sie sich aneignen ivolle». In der letzten Zeit habe sie keine Arbeit gehabt und sei dadurch arg znrückgekouuneu, die Schneiderin habe sie gedrängt und auch andere kleine Schulden seien drückend geworden. Da sei in ihr der Plan zu dem furchtbare» Verbrechen gereift, welches sie begange». Gegen drei Uhr habe sie sich mit Frau Hoppe, die ihrem Handel nachgehe» wollte, entfernt. Die Kinder wurde» in der Wohnstube eingeschlossen »nd bliebe» sich selbst überlassen. An der Ecke der Sleinmctzslraße in Rixdorf habe die Angeklagte sich von der Frau Hoppe getrennt nut dem Bemerken, daß sie nach Berlin zurückkehren wolle. Frau Hoppe habe die entgcgeugesetzie Richtung eingeschlagen. Kaum sei die letztere außer Sichtweile geivesen. da habe die Angeklagte sich ge- ivandt und sich nach der Hoppe'schen Wohnung zurückbegeben. Es gelaug ihr leicht, die Korridorlhür mittels eines Nachschlüssels zu öffnen. In der Wohnstube saßen die Kinder anf dem Fußboden und spielten. Sie freuten sich, als sie„die Taute" sahen»ud streckten ihr die Händchen entgegen... Die Augeklagte sei sofort ans Werk ge- gangen. Der unverschlossene Wäscheschrank wurde durchsucht, sie fand das Sparkassenbuch, 22,50 M. baares Geld und mehrere kleine Schinucksachen, darunter auch die Ohrringe der Kleinen, ihr Palhen- geschenk. Sie nahm alles an sich. Sie mußte sich sagen, daß das älteste Kind verstandesreis genug war, um zu erzählen, was es ge- sehen; es mußte aus der LLell geschafft werden. Das Leben des kleinsten Kindes wollte die Angeklagte aber schone», sie trug es deshalb nach der Küche. Von dort brachte sie eine Flasche Petroleum nach der Wohnstube zurück. Sie goß den Inhalt der Flasche über die Wäschestücke im Schrank aus, zündete sie dann an und verließ die Wohnstube, die Thür zu der« selben schließend und die Korridorthür zuwerfend. So ivar die grause That geschehen. Niemand im Hanse halte sie gesehen und wer würde wohl auch gedacht haben, daß das freundliche hübsche Mädchen mit den unschuldig blickenden blaue» Auge» eine derartige Last anf dein Gewissen hatte? Nach der verübten That traf sie wieder mit der Frau Hoppe zusammen, sie suchte die verzweifelte Mutter dadurch zu trösten, daß sie ihren Abscheu über das Ver- brechen in krassester und unverblümtester Weise zum Ausdruck brachte. Es sind mehrere medizinische Sachverständige geladen. Den Vorsitz führt Landgerichts-Direktor H e l l w i g, die Anklagebehörde vertritt Staatsanwalt M e y e r, die Vertheidiguug liegt in den Händen des Rechtsauwalts T a l l e r t. Es sind über 30 Zeugen geladen, für die Verhandlung sind zwei Tage in Aussicht genommen. Die Augeklagte scheint»nter der Wucht der schweren Verbrechen zu stehen, die ihr zur Last gelegt werden, sie blickt starr vor sich nieder und vermag kanni zu antworten. Nach Fest« stelluug ihrer Personalien richtet der Präsident an sie die Frage. ob sie sich schuldig bekenne. Angekl.: Ja, theilweise.— Anf weiteres Befragen giebt sie die Thatsachen, wie oben geschildert, mit einigen Einschränkungen zu. Sie bestreitet nur, daß sie auch die Ohrringe und zwei Trauringe, ivelche sich ebenfalls in dem Wäsche« schrank befunden haben sollen, an sich genommen habe.— Präs.: Wie Sie nun zuni zweiten Btale die Hoppe'sche Wohnung betraten, wo befanden sich da die beiden Kinder?— Angekl.: Sie spielten in der Wohnstube.— Präs.: Was thale» Sie zuerst?— Angekl.: Ich suchte den Schrank durch. Dann brachte ich die Kinder»ach der Küche und dann steckte ich de» Schrank an.— Präsident: Sie sollen dabei eine ganze Menge Zündhölzer in der Stube verstreut haben, warm» thaten Sie das?— Angekl.: Es sollte den Ein- druck erwecken, als hätten die Kinder mit Zündhölzern gespielt und dadurch de» Brand verursacht.— Präs.: Sie sagen, daß Sie beide Kinder nach der Küche brachte», bevor Sie das Feuer an- legten?— Slngekl.: Ja wohl.— Präs.: Nun ist aber zweifel- los, daß das älteste Kind, die Wilhelmine, sich in der verschlossenen Wohnstube befand, als der Brand entdeckt wurde, der Schlosser hat die Thür mittels Dietrich geöffnet. Wie sollte das� Kind dazu komme», von der Küche in die brennende Wohnstube zu laufen und sich dort einzuschließen?— Angekl.: Ja, ich kann es doch nicht anders sagen.— Präs.: Sie wisse» doch, daß die 4>/zjäbrige Wilhelmine, als sie für kurze Zeit zum Bewußtsein gelangt war, gesagt hat:„Taute ist gekommen, hat Frida hinaus- geschleppt und Feuer angemacht." Daun hat man Sie bei Ihrer polizeilichen Vernehmung gefragt, ob Ihnen die kleine Frida, deren Palhe sie doch waren, denn gar nicht leid thäle. Da haben Sie ge- sagt:„Die Frida habe ich auch gar nicht lödlen wollen." Das läßt doch darauf schließe», daß Sie das ältere Kind, welches Ihren Be- such verratheu konnle, bei Seile schaffen wollten.—?l» g e k l.: Nein, ich muß dabei bleibe», daß ich beide Kinder vorher»ach der Küchegebracht habe.— Präs.: Das ist kaum möglich. DasKiudist auch jedesmal, wenn die Thür des Zimmers, in welchem es lag, zugemacht wurde, erschreckt in seinem Betlchen in die Höhe gefahren, äugen- scheinlich durch die Erinnerung an den Augenblick, als Sie das Kind in der brennenden Stube einschlössen. Aber, wenn Sie nicht gestehen wollen, zivingen kann ich Sie ja nicht. Was begannen Sie in Berlin, als Sie von Ihrer Heimath hierherkäme»?— Angekl.: Ich nahm eine» Dienst an.— Präs.: Wie lange bliebe» Sie im Dienst?— Angekl.: Nicht lauge, einige Monate.— Präs.: Und wovon ernährten Sie sich dann?— II n g e k l.: Ich ging als Fabrikarbeiterin.— Präs.: Hatten Sie zuletzt nicht auch ei» Liebesverhältniß?— Angekl.: Jawohl.— Präs.: Sie sollen zu anderen Personen geäußert haben, jetzt habe ich einen Bräutigam, der für mich sorgt, da brauche ich nicht mehr zu arbeiten."— Angekl.: DaS mag ich gesagt haben, ich habe auch Unlersttttzunge» von ihm erhalten.— Präs.: Nachdem Sie die That begangen, wo ginge» Sie dann hin?— Älugekl.: Nach meiner Schlassielle in der Kottbuserstraße.— Präs.: Wie lauge blieben Sie dort?— Angekl.: Fast eine halbe Stunde.— Präs.: Und dann?— Angekl.: Dann ging ich zu meiner Schneiderin.— Präs.: Bei der halten Sie wohl Schulden und wurden von ihr um Zahlung gedrängt?— Angekl.: Ja.— Präs.: Wieviel schuldete» Sie ihr?— Angekl: 19 M. 50 Pf.— Präs.: Nun hatte» Sie bei Hoppe ja 22 M. 50 Pf. baares Geld gefunden, weshalb »ahmen Sie den» auch noch das Sparkassenbuch?— Angekl.: Ich wollte es mir nur einmal ansehe», abheben wollte ich darauf nichts.— Präs.: Wenn Sie nun einen Bräutigam halte», würde der Ihne» die lg.so M. nicht auch gegeben haben?— A n g e l l. schweigt.— Präs.: Ist es richtig, daß Sie sich bei der Schneiderin ein Kleid für 60 M. bestellt hallen und darauf noch den Restbetrag schuldig waren?— Angekl.: Ja.— Präs.: Wann haben Sie zuerst den Entschluß gefaßt, die Frau Hoppe zu bestehlen?— Angekl.: Am Dienstag-Nachmittag.— Präs.: Wie sind Sie in den Besitz des Korridorschlüssels zu der Hoppe'schen Wohnung gelangt?— Angeklagte: Ich hatte ih» früher einmal mitgenommen, als ich dort aus- und einging.— Präs.:'Also wollen Sie sich nicht zu einem vollen Ge- sländniß bequeine»?— Augen.: Ich muß dabei bleiben, daß ich beide Kinder nach der Küche gebracht habe. Ich wollte die Wilhelmine nicht tödlen. Damit ist die kurze Vernehmung der Angeklagten beendet. Die Beweisaufnahme beginnt mit der Vernehmung des Schlossers, der hinzngernfe» wurde, um die Thür zu öffnen, die zur Wohnstube führte. Er bekundet mit aller Bestimmtheit, daß die Thür verschlossen war und daß iveder von der Außenseite»och von der Innenseite ein Schlüssel im Schloß steckte. Der enge hat die Thür mittels Dietrichs öffnen müssen. aranf seien mehrere Hausbewohner in die Stube gedrungen, die von einem dichten Qualm angefüllt gewesen sei. Ans dem Wäsche- schranke seien Flammen emporgeschlagen, die schon das darunter be- sindliche Gebälk in Brand gesetzt halten. Dicht neben der Thüre habe das älteste Kind gelegen, es ivurde bewnßtlos an den Beine» anf de» Korridor hinausgezogen. Die Küchenlhüre sei nicht ver- schloffen gewesen, auch dieser Raum war voll Qualm, das jüngste Kind lag erstickt anf dem Fußboden. Die Zeugin Hoppe, welche durch die Angeklagte um ihr ganzes Lebensglück gebracht worden ist, gab eine rührende Beschreibung von ihrem früher so glücklichen Familienleben und von der gegenseitigen Anhänglichkeit ihrer beiden Kinder. Sie hat der Angeklagten vom 7. bis 13. Januar Unterknnst und Beköstigung für 50 Ps. täglich gegebe». Als sie am Tage des Brandes gegen 5 Uhr nachmittags anf dem Heimwege begriffe» war, sei ihr eine Frau begegnet, die ihr zugerufen habe:„Bei Ihnen hat es gebrannt und Ihre beiden Kinder sind todt." Sie habe aber ruhig erwidert, daß dies nicht sein könnte, ihre Kinder spielten nicht mit Sireichhölzer». Dann hätten andere Personen ihr dieselbe Unglücksbotschaft mitgetheilr, bis sie zuletzt das Entsetzliche habe glauben müsse». Es sei zweifel« los, daß die 4'/sjährig« Wilhelmine die„Tante Rosa" erkannt habe. Die Angeklagte habe sich deshalb auch bei Ausübung der That ihren Kopf mit einem großen Tuch eingehüllt gehabt. Die Angeklagte giebt dies anf Befragen zu, sie habe sich das Tuch ge- kauft, als sie ans dem Wege zur Hoppe'sche» Wohnung geivesen sei. Die Zeugin bekundet, daß sie niemals die Stubenthür ver- schloffen habe, wenn sie fortgegangen sei, der Schlüssel, welcher nicht gefunden worden ist, habe von außen im Schlosse gesteckt. Es sei sonach ganz unmöglich, daß das Kind sich selbst eingeschlossen haben könnte.— Die'Angeklagte blieb dabei, daß beide Kinder sich in der Küche befunden hätten, als sie die Wohnung verließ. Um 1 Uhr erleidet die Verhandlung eine Unterbrechung, damit die Angeklagte das Kind, welches sie im Gesängnisse geboren, nähreu kann. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung wird die Zeugin Hoppe noch über einen anderen Punkt vernommen. Zunächst habe man wirklich geglaubt, daß die Kinder de» Brand durch unvorsichtiges Umgehen mit Zündhölzern verursacht hätten. Aber schon am folgen- den Tage sei man zu einer andere» Ansicht gekomme». Der Verdacht hatte sich damals nicht gegen die An- geklagte gelenkt. Diese habe täglich völlig unbefangen mit der Zeugin Hoppe verkehrt und sie getröstet. Bei einen, gemein- samen Ausgange hatten sie eine ihnen bekannte Frau getroffen und die Angeklagte hatte die Erzählung von dem Vorgefallenen mit de» Worten begonnen:„Denken Sie bloS, was die arme Frau hat durch- mache» müssen!" Als die Zeugin Hoppe dann gesagt habe, daß man jetzt zu der Ansicht gelaugl sei, daß Brandstiftung vorliege, habe die 'Angeklagte leichthin gesagt:„Ach. dann werde ich wohl auch»och in den Verdacht kommen!"„Reden Sie doch nicht so etwas", habe die Zeugin erwidert, weil sie damals»och keinen Verdacht gegen die Angeklagte gehabt. Die letztere habe gleich darauf mit anscheinend größter Gemütbsruhe einen Apfel verzehrt. Besondere Schwierigkeiten bot die Feststellung, anf welche Weise der Slnbenschliissel z» der Hoppe'schen Wohnung wieder zum Vor- schein gekommen ist. Wie erwähnt, nnißte die Thür durch einen Schlosser geöffnet werden. Als dann einige Zeit daraus die Feuer- wehr erschien, steckte der Schlüssel im äußere» Schlüsselloch. Keiner der Zeugen wußte anzugeben, wo der Schlüssel hergekommen war, einige von ihnen wollten nur gehört haben, daß derselbe aus dem Korridor gefunden ivorden sei. Näheres war hierüber nicht fest- zustellen. Tie übrige Zeugenvernehmung bezieht sich auf de» Leumund der Angeklagten. Aus einem Dienst ist sie entlasse» worden, weil sie ein Verhältniß mit einem verheirathete» Mau» »nterbielt, in der Fabrik hat sie dann auch nicht lange ausgehallen, wovon sie i» der letzte» Zeil vor dem Diebstahl gelebt hat, läßt sich nicht ausklären. Die medizinischen Sachverständigen, welche das erkrankte Kind behandelt, bezw. das gestorbene seeirt haben, begutachten überein- stimmend, daß die Kinder infolge Kohleuoxtzdvergiflnng gestorben sind.— Gerichtsckemiker Dr. B i s ch o f f hat Blutprobe» von den verstorbene» Kindern untersucht und ebenfalls festgestellt, daß das Blut mit Kohlenoxgdgas gesättigt war. Damit ist die Beweis- aufnähme geschlossen. Die Plaidoyers drehten sich hauptsächlich um die Frage, ob Mord oder Todtschlag vorliege. Nach kurzer Berathnng verkündeten die Geschworenen ihr Verdikt, wonach die Angeklagte des Diebstahls und der qnalifizirteu Brandstiftung schuldig befunden wurde. Die Fragen aus Mord und Todtschlag wurden verneint. Der Staats- anwalt beantragt« lobenslängliche Zuchthausstrafe. Das Urlheil des Gerichtshofs lanteie aus snnszehu Jahre Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust. Geviffiks-'Äeikunlgs. Die liickerwähnte Privatklagc deS Herausgebers dcS ,, Antisemitische,> GrneralauzcigerS Scdlatzck gegen den Ober- Hofmeister der Kaiserin Freiherr» v. Mirbach gelangte gestern vor dem hiesige» Schöffengericht unter Vorsitz des. Amlsgenchtsraths v. Krosigk zur Verhandlung. Frhr. v. Mirbach, der durch Rechts- nnwalt Dr. S e l l o vertreten wird, ist nicht persönlich erschienen, dem anwesende» Kläger Sedlatzck steht Rechtsanwalt Ulrich znr Seite. A», 6. Januar stand bekanntlich der damalige Redakteur des „Generalanzeigers", Schriftsteller Schwe, inHage» und der jetzige Privatkläger wegen Beleidigung des Frhr». v. Mirbach vor der 3.Slrnska»»»er des Landgerichts I. Die Beleidigungen waren in einem Artikel„Der Judeugeldsammlcr für die Kirchenbaute»" enthalten. Schwenuhage» wnrde zu 1 Jahr, Sedlatzek zu vier Monate» Ae säug» iß verurtheilt. Bekanntlich nah», der damals als Zeuge veriiommeiie Frhr. von Mirbach Beraiilassuug, gegen de» Artikelschreiber und die ganze Haltung des„Generalanzeigers" mit sehr scharfe» Worte» vorzugehen. Diese bilden jetzt de» Gegenstand der Privatklage. R.e bestimmte Absicht, de» Schuldigen der Bestrafung zn entziehen festgestellt sein muß. Praktischen Erfolg wird eine derartige Nechlsprechnngskunst knum haben. Anständige Verleger werde» nach wie vor die moralische Verpflichtung in sich fühlen, die Geldstrafen, ivelche gegen ihre Redakteure anSgefpiochen sind, ans ihrer Tasche zu zahlen Der Weg, wie dies zu niache», wird sich auch finden Z» der Frage,»uns eine öffentliche Tanzl»stbar?cit sei, liefert ein Strafverfahren einen wichtigen Beitrag, das gegen den Gastwirth Droz in Magdeburg eingeleitet war. Droz hatte zum 28. November I89S, einem Sonnabend, annähernd hundert Personen »ach seinem Lokal eingeladen, zumeist Stammgäste und ihm bekannte Unteroffiziere mit ihren Familien. Die Gesellschaft fand sich in fernem Gartensaal zusammen, aß und trank und vergnügte sich beim Tanze. Die Kosten für Musik und Beleuchtung trug der Gastwirth, während jeder Gast bezahlte, was er oder seine Familienmitglieder verzehrten. Erschienen waren nur geladene Leute, zn deren Begrüßung Droz sich am Saaleingange aufgestellt hatte. Er kontrollirte so gleichzeitig die Erschienenen. Ein be- fonderes Tanzgeld wurde nicht erhoben. Polizei und Staatsanwalt fchaft sahen hierin die Veranstaltung einer öffentlichen Tanzlustbar keit und ginge» gegen Droz vor, weil er um eine polizeiliche Er laubniß dazu nicht eingekomnien war. Vom Schöffengericht ivnrde der Angeschuldigte auch vernrtheilt; das Landgericht sprach ihn fr e j. Er führte n. a. zur Begründung ans: Eine öffentliche Lustbarkeit wäre dann anzunehmen, wenn sie jedermann, wenn auch nur aus einer bestinnuten Gesellschaftsklasse, zugänglich sei. Das Erforderniß fehle aber hier. Droz möge ja in seinem Interesse gehandelt haben, als er das Fest veranstaltete, indem er beabsichtigte, sich für die Zukunft eine dauernde Eimiahmeqnelle zu sicher». Jedoch sei ent scheidend, daß er die Form einer Gesellschaft privaten Charakters dabei gewählt habe. Die Gesellschaft habe lediglieh ans privaten Gästen des Wirthes bestanden, nnd die Lustbarkeit sei deshalb noch nicht eine öffentliche, weil ihre einzelnen Mitglieder selber be- zahlten, was sie verzehrten.— Die Staatsanwaltschaft legte Reviflon ein und machte geltend, be» Einladnugen sei keine Bedenrnug beizulege». Die Gesellschaft sei lediglich zur Abhaltung der Tauzlnstbarkeit zufammengetrelen. Der Ober- Staatsanwalt am Kauunergencht schloß sieh der Revision seines Kollegen an nnd betonte, die Fefttheilnehiner hätte» keinen bestimmt abgeschlossenen Personenkreis dargestellt, sondern es seien Personen gewesen, die zu einander in absolut keiner Beziehung standen. Darum handele eS sich nicht um eine private Lustbarkeit. Der Strafsenat des Kannnergerichts verwarf jedoch gestern die Revision nnd de- ließ es bei der Freisprechung. Da nicht jedermann, sondern nur eingeladene Gäste Zutritt hatten, habe die Gesellschaft eine» privaten Charakter gehabt, und es sei die Lustbarkeit als private anzusehen, Sind Beleidigungen»»sittliche Handlnilgc»? Die hannöversche Stadl Gronau besitzt ein Orlsstatut, wonach das Stimmrecht nnd die Qualifikation zum Bürgervorsteher(Stadt- verordnete») den Personen abgesprochen werden kann, die sich im- sittlicher Handlungen schuldig mache», die ihn in der öffentlichen Achtung herabsetzen.— Mit dieser Strafe bedachte der Magistrat der Stadt de» antisemitischen Stadtverordneten Meyeuberg, weil er im Verlans mehrerer Jahre sechsmal wegen Beleidigung Geldstrafen erhalten hatte. Meyenberg, ei» kampflnstiger Mann, beruhigte sich nicht dabei, sonder» beschritt den Weg deS Verwaltnugs-Streitverfahrens. Ter Bezirksausschuß als zweite Instanz gab ihm den» auch sei» Bürgerrecht wieder, und das O b e r- B e r>v a l t u n g s g e r i ch t erkannte eben- falls zu seine» gunsten. Das Revisionsgericht erklärte die fragliche Bestimmung des Ortsstatuts nnsdriicklich für rechtsgiltig nnd sprach auch ans, daß unsittliche Handlungen in ihrem Sinne nicht nur folche feie», die sich ans geschlechtliche Dinge bezögen. Indessen wäre nicht anznnebmen, daß hier unsittliche Handlungen vorlägen, die geeignet seien, M. der Achtung seiner Mitbürger völlig zu beranbe». Dazu wäre ein besonders häßliches und heimtückisches Verhalten, oder eine gewinnsüchtige Absicht bei dem Aussprechen der Beleidigungen erforderlich. GemevKf-chnfkliifzvs. Berlin und ttmgebnng. Der Vorstand des Verbandes der deutschen Buchdrucker theilt uns init, daß er an die»in den Achlftniideutag kämpfenden englischen Arbeiter 10 000 M., also das doppelte der kürz- lich gemeldeten Summe, abgesandt hat. Tie Mechaniker und Uhrmacher werden darauf aufmerksam gemacht, daß heute die Listen für die streikende» Former a» die Vertranenslente zur Ausgabe gelangen. Deutsches Reich. In Disliugc» droht in der Aktienbranerei ein Ausstand der Brauer. Fortgesetzt sind die der Organisation angehörenden Arbeiter entlassen, so daß sich der Arbeiteransschuß veranlaßt sah, bei dem Braumeister vorstellig zu werde». Die schroffe Absage, die dem Arbeiteransschuß zu theit wurde, wird von den Arbeiter» nicht ruhig hingenommen iverden. Buchdrnckcrstreik iu Bingen. Die überans schlechten Arbeits- Verhältnisse bei der Finna P e t a r e k veranlaßteu die dort be- schäftigten Buchdrucker, dein Prinzipal folgende Forderungen zn »mterbreiten: I.Kost und Logis außer dem Hause bei einem Minimallöhn von 21 M. pro Woche. L. Verkürzung der Arbeitszeit ans 9'/i Stunden inkl.'/* Stunde Frühstück nnd Vi Stunde Vesper. 3, Bezahlung der gesetzlichen Feiertage. 4. Für Ueberstimben und Sonntagsarbeit laut Buchdruckertarif. Die strikte Ablehnung dieser Forderungen führte zum Ausstand der Buchdrucker und ist der Znzng fernzuhalten. Zum Leipziger Manrerstreik. In der jüngst abgehaltenen Versammlung der Streikenden wurde mitgetheilt, daß außer dem Unternehmer 311 b r e ch t auch der Unternehmer Lehmann die Forderungen bewilligt hat. Es arbeiten nach den neuen Bedingungen 630 Mann, im Streik stehen noch 632 Mann, abgereist sind llOO Mann nnd an Arbeitswillige» wurden 1367 Mann gezählt. Es wurde bedauert, daß einige Hitzköpfe sich zn Thätlichkeiten gegen Arbeitswillige haben verleiten lassen, denn damit werde der Sache nur geschadet, aber anderseits lassen auch die 3lnsschre>Iuiigen ein- zelner nicht den Schluß zn, daß die große Zahl der Streikenden. wie bürgerliche Blätter melden, zn Gewaltthätigkeiten hinneige». I» der Zigarrcufabrik von Paul Raue in Markranstädt sind Lohndifferenze» und Mahregelungen eingetreten. Es wird gebeten, den Znzng fernzuhalten. Eine Versammlung der Posamcuten-Arbeitcr in Leipzig Schlenderpreise, die gegenwärtig für die Produkte unserer Branche verlangt werden, unser Gewerbe ganz herunterkommt, sehen sich die Kollegen nnd Kolleginnen genöihigt, diesem einen Damm entgegen- zusetzen und von jetzt ab nicht unter 13 M. Wochenlohn zu arbeiten und für Ueberstnnden eine» Zuschlag vo» 25 pCt. des Wochenlohnes zn fordern/ ZluSland. In Laneashire nnd Cheshire arbeiten die meisten Webereien nnd Spinnereien nur halbe Zeit; man befürchtet einer allgemeinen Krise entgegenzugehen. Durch de» Ausstand der Maschinenbauer wird die allgemeine Lage natürlich noch verschlechtert. In Bristol sind 500 Schneider in de» Zlnsstand getreten wegen Lohndifferenzen. Der ZlnSstand der Kohlengräber in der Umgebung von H a zjl e t o n soll einem Rcuter-Telegrainm zufolge beendet sein. Dem Jahresbericht der Deutsch- Amerikanischen Thpo- graphia entnehme» wir folgendes: Die Typographia zählte Ende Juni 1897 in 22 Zweigvereinen 1033 Mitglieder. Der Mitglieder- bestand hat sich im letzten Jahre um 32 verringert. Uebcr die Ur- fache» des Rückganges des Mitgliederbestandes sagt der Jahre? bcricht: Die Geschäftskrisis hält»och innner an, die Setzmaschinen rücke», wenn auch nicht i» so erschreckender Schnelle und Stärke, wie in den letzten Jahren, so doch innner noch Schritt für Schritt vor nnd verdrängen die � Handsetzer. Nene deutsche Zeitungen erstehen nicht; im Gegcnlheil verschwinden noch verschiedene alte von der Biidfläche.„Die Arbeitsgelegenheit hat sich seit dem letzten Jahre noch verschlechtert, statt verbeffcrt; während das Vorjahr eine durchschnittliche Zahl von 93 eingeschriebene»'Arbeitslosen a»s weist, stellt sich diese Zahl im eben beendeten Jahre ans 104." In alle» iienncnswcrthe» deutschen Zeitnnge» gehöre» die Setzet der Organisation an. Nur in fünf Geschäften, die ohne wesentliche Bedeutung sind, werden Nieblverdnsniitglicder be schnftigt. Größere Streiks sind in dem verflossenen Geschäftsjahre nicht geführt worden. Die Einnahmen betrugen ii» letzten Jahre. abzüglich eines Kassenbestandes von 8596 Doll., 26 5l4 Doli., die Ausgaben 25 262 Doli, der Kassenbestand stieg a»f 9748 Doll. oder 9 Doll.(37.30 M.) pro Kopf der Mitglieder. 31» Beiträgen wurde» im letzten Jahre pro Kopf der Mitglieder 23.30 Doll.(99,96 M.) bezahlt, ohne die Lokalbeiträge, die in alle» Orten verschieden sind. Für Unterstützungszwecke wurden insgesaunnt 18 401 Doll. vermis- gabt, nnd zwar für Arbeitslose 8485 Doli., für Kranke 4631 Doll., für Reisende 279 Doll., für Streiks 364 Doll. nnd an Sterbegeldern 4572 Doll._ Vevsninittlunsrtt. Der sozialdeuiokratischc Wahlverein fiir den 2. Berliner Reichstags Wahlkreis hielt feine letzte Vereinsversaiinnlnng am 22. September im Lokal des Genossen Zn b c il ab. 3luf der Tagesordnung stand ei» llieferat des Schriftstellers Schütte Über„Staats- Verfassungen im?llterlhii»>." Seine geschichtlichen Ansführnnge» fanden lebhaften Beifall. Nachdem Redner einige Ein- würfe des Genosse» Mücke beantwortet hatte, schritt man zum zweiten Punkt der Tagesordnung: Verschiedene?. Der Vorsitzende lheille mit, daß am nächsten Sonntag i» Berlin Flugblätter ver- breitet werden sollen, nnd forderte die Genossen ans, fich zahlreich an den bekannten Orten einzufinden. Im Wahlverein für den dritten Reichötagö-Wahlkreiö dielt Genosse M i l l a r g am Mittwoch einen Vortrag über das Unfallversichernngs- Gesetz. Er besprach unter Heranziehnng vo» Beispielen die Fälle, i» denen das Gesetz zuständig ist, erläuterte die Rechte, welche dasselbe den verunglückte» 3lrbeitern gewährt, nnd gab beachtenswerthe Hinweise, wie man vorkommenden Falles seine Rentenansprüche geltend zn innchen hat. Dem Vortrage folgte eine rege Diskussion, an der sieh die Genossen S t i e g e l m e i e r, Thieme, Putzer, Hertel nnd Paul Jahn betheiligten. Unter anderem ivnrde bemerkt, daß sich die Arbeiter im all- gemeinen viel zu wenig um die Versichernngsgesetze kümmern und daher, wenn sie von einem Unfall betroffen werden, meist nicht wissen, ans welchem Wege ste ihre Rechte geltend zn machen haben. Tie in der Kiirschnerbranchc beschäftigten Arbeiter»»d Arbeiterinnen hielten am Montag eine öffentliche Protestversami»- lnng bei Cohn, Benlhstraße, ab,»m gegen die Petition des Unter- nehmer-Verbandes an den Bnndesrath Stellung zn nehmen. Wie der Referent Regge anführte, hat der„Verein Deutscher Kürschner" (Meister) i» der letzte» Generalversammlung eine Petition an den Bundesraih um Freigabe der vollen Sonntage von Mille Oktober bis Weihnächte» beschlösse», wozu durchaus keine Veranlassung vorliege. Der Redner verwies auf die wirthschaftlichcn Verhältnisse im allgemeinen und erörterte sodan» die in der betreffende» Petition enthaltenen 3lngaben, die seines Erachtens den Thalsachen nicht entsprechen. Die für das Kürschnergewerbe bisher freigegebenen vier Sonntage bis 12 Uhr mittags genügen vollauf den Bedürfnisse» und an einen Ruin, wie das allen Unternehmern geläufige Schlag- wort heißt, sei bei den Knrschnenneister», die in den ineisten Fällen recht gut sttnirt sind, nicht zn denke», zumal dieselben es recht gut verstehen, eine» hohen Profit in der Saison für sich herauszuschlagen. Im Gegensatz hierzu aber stehe» die Löhne der'Arbeiter, die in der Saison wohl oft bis 12 und 1 Uhr nachts arbeiten»infsen»nd chließlich dann einen Verdienst von höchstens 25 bis 27 M. zu verzeichne» haben. Die 3lrbeiter haben durchaus keine Vor- lheile vo» dieser eng begrenzte» Saison, sondern vielmehr ein Interesse daran, auch in diesersZeit die 3Irbeitszeit möglichst zu verkürze», um die überaus lange Arbeitszeit einzuschränken und die Saison ans eine längere Daner auszudehnen. Der Redner, der in längeren Ausführungen die mannigfachen Schäden der Saisonarbeit für die 3lrbeiter nnd'Aibeiterinnen dieser Branche beleuchtete und die verschiedenen Mißstände, die sich besonders in der stille» Zeit, in der sich die Unternehmer obenauf sühle», geilend mache», kritisirte, empfiehlt schließlich der Versammlung eine eingehend begründete Re- olutio» zur Annahme, die sich gegen die Petiiio» der Unternehmer wendet nnd dem Bundesrath eingesandt werden soll. In der hierauf folgenden Diskussion, an der sich auch ein Meister de- theiligle und die Versammelten aufforderte, mit aller Energie gegen die Petition der Meister zn protesliren und im Fall der Bnndesrath die geforderten Sonntage dennoch frei gäbe, die 3lrbeit an diesen Tagen zn verweigern, sprachen sich sämmtliche Redner im Sinne des Reffrciitc» ans. Die Protestresolution, die auch in andercn Städten zur Diskussion gestellt ist, gelaugte hierauf einstimmig zur 3lmiahl»e. In der Resolution, die an den Bnndesrath gerichtet ist und sich gegen die Petition des„Vereins deutscher Kürschner" um anderweitige Aenderung der Verordnung des Reichskanzlers vom 5. Februar 1895 betreffend die Sonntagsruhe für das Kürsehnergeiverbe wendet, heißt es». a.:„Den 3lussührnnge» der Petition gegenüber müssen wir lonstatiren, daß es wohl möglich ist. die 3Irbeit zn bewältigen und zwar durch Einstellung von genügende» 3lrbeitskräjlen, sowie zeitiges Beginnen solcher 3lrbeite», die früher begonnen werden könne». 3lls Beweis, daß es a» 3Irbeilskräften nicht mangelt, genügt wohl der Hinweis, daß eine große Zahl von K>irschnerei-3lrbeiter» alljährlich im Spätsommer Denlschlaiid verläßt,»»> im 3lnslande Arbeit anzn- »ehmen, weil, wenn die Pelz-»»d Mäntelkonfektio» zu Ende ist, nicht genügend Stellungen in Teutschland vorhanden sind. Gegen- über der ost monatelange» Arbeitslosigkeit(die der Verein deutscher Kürschner i» seiner Petition auch anerkennt) nnd der»»bestrittenen Thatsaehe, daß der Arbeitgeber i» den drei Monaten so viel ver- dient, um das ganze Jahr davon leben zn könne», sind die Löhne, welche den'Arbeitern gezahlt werden, geradezu miserable zu nenne». Würden für die kurze Zeit, während dessen der 3lrbeitgeber sich eines sehr guien Verdienstes erfreut, entsprechende Löhne gezahlt, so wäre ein Mangel an 3lrbeitskräften nicht vorhanden.— Wir möchten ganz entschieden dagegen protestiren, daß der Verein deutscher Kürschner sich im Sinne der Petition der Fürsorge der 3lrbeiter an- nimmt und auf Kosten der letzteren seine Existenz fristen will. Wir finden es unmenschlich zn verlangen, daß 3lrbeitern, die ost drei bis vier Monate arbeitslos waren und sich während dieser Zeit nicht erHoll,' sondern deren Körper oft genug durch Ent- behrung genügender Nahrung geradezu erschlafft ist, zu- gemuthet wird, nach einer wöchentlichen Arbeit von 78 bis 90 Stunden noch de» ganzen Sonntag zu arbeiten und dieses von Milte Oktober bis Weihriachten durchzusetzen." 3Ils nächster Punkt der Tagesordnung wurden die 3lrbeitsverhältinsse bei dem Haf- Knrschnermeister Karl Salbach und die bei dieser Firma am 24. Juli erlassene Arbeitsordnung, in der die lOstündige'Arbeitszeit festgesetzt ist, kritisirt. 3Illßerdein behält die Firma von dem ans- bedungenen Arbeitslohn wöchentlich 2 M.znr angebliche» Sicherung für irgendwelche Vorkommnisse zurück. Ein Schreiben der hierzu be- auftragten Kommission an die Firma, in welchem ersucht wurde, Verhandlungen zwecks Aenderung der3lrbeitsordnilng anzubahnen, blieb unbeantwortet und auch derEinladnng zu derVersammlung wurde keine Folge geleistet. Nach einer längeren Diskussion gelangte ein 3lntrag zur einstimmige» Annahme, über die Werkstatt der Firma S a l b a ch d i e Sperre zn verhängen. Im weiteren vernrtheilt die Versammlung die Einführung dieser 3lrbeitsordnnng aus das ent- schiedenste und fordert alle Kollegen auf, diese Werkstatt so lange zu meiden, bis die 3lrbeitsordnniig aufgehoben resp. die 9>/z stündige 3lrbeilszeit wieder hergestellt ist. Nachdem noch einige Werkstätten- 3lngeligenheiten erledigt»nd wiederholt zum 3lnschluß an die Organi- satio» aufgefordert worden war, wurde bekannt gegeben, daß die nächste Vereinsversnmmlung an, 11, Oktober bei Feind, Weinstraße, stattstndel. Iu dem Bericht über die letzte Schö neberger Volksvet» sammlnng ist insofern ein Jrrlhmn nnterlaufe», als es heißen muß: Zurückgewiesen wurden die Schmähartikel des Schö neberger 3l in t s b I a t t e s(Wochenblatt) anstatt des„Tageblatts". Ter Spandaner sozialdemokratische Arbeitcr-Wahlvereiu hielt am 21. d. M. seine ordentliche Monalsversaininlung ab. Genosse S ch r ö e r referirle in fesselnder Weise über„Die Entwickelnng des Militarismus". Von einer Diskussion wurde 3lbstand genommen. Bei Pmikl 4 der Tagesordnung gab Genoffe D n ck s ch bekannt, daß das Wahlkomiiee die Genoffen Schröer, Müller, Feuer* ljeerb und Laukant als Stadtverordneten-Kandidate» wieder bezw. neu aufgestellt habe. Die Versammlung akzeptirte die Vorgeschlagenen einstimmig. Genosse Schröer wies alsdann noch aus die Heftig- keit der uns im November dieses Jahres bevorstehenden Stadt- verordneteu-Wahlen hin und theilte mit, daß der hiesige Magistrat angeblieh beabsichtige» solle, de» Wahlakt bei den zukünftigen Wahlen schön um tt Uhr statt wie bisher um 8 Uhr abends zu beenden, so- daß es hierdurch Hunderten von Parteigenossen unmöglich ge- macht werde» würde, sich a» der Wahl zu betheiligen. Gegen eine solche Beschneidung des Wahlrechts könne nicht energisch genug proteftirt werde». A> t>k>Ur-K>lt»>>>«»rch»Ie. Ter NiUerrtcht begtwn In Nattonntökoiiomle, Kcschichle und G«sk«-skniide am 13. Cllobcr, abends U Mir. Znselllr. 10, v. 2Tr. Theilnehmer weiden schon jetzt anfaciiommen in foljiende» Stellen: fflotifv. Schul,, Adinnalslr. 40a; Rcul, Barnlmslr. 42; Schiller, NofenItzaterNr. 67; Mewert, MiiNerslr. 7a: Pant Miieie, Manteuff-tftr, 123! H. KSnIns. Dieffenbackiftr. 30. Alle giischrtslen sind an den Borsitzende» Paul Mittle jr., SO, Man- truftelfir. Ii«,«eldsenditiigeii a» den Kasjlrer H. K 0 n t a s, L. Diestendachstr. so, j» senden, $iihtf-Shib Frol,f>ni>. Dirigent Wilh. Eonrad, abends s Uhr, bei Zimmermann, Grüner Weg 2». 3«>e>n»>irein Äerli» des Perbandes deutscher Kunstgeuierbeseichnev abends g Uhr, im Englischen Hos. Rene Roßstraße 3. Landsniauuschaft der Kchlesimg- Aolsieiner. Mittwoch, 22. September, abends«!» Uhr, in Feuerslein's Feftsäle», Stile Jakobstr. 76: Sitzung. Tonnlag, den iS. September, abends«Js Uhr, ebendaselbst: Anatomischer Vortrag. Eiiigelaufene Druckschriften. Von der Zeit" sStuttgart, I. H. W. Dietz' vertag) Ist soeben da» 62 Heft des 16. Jahrgangs erschienen. Ans dem Inhalt heben wir hervor: Bürgerliche Wahlvorspiele.— Tie Thätigtelr be« preusiischen Landlags in der ietzlcn Session. Van Max Schippe!.(Schluß.)— Hobbes ais Politiker. Eine Replik von Heinrich Ennow.— Kielnc Briese.— Ans Holland. Von W. H. Vnegen.— Unfälle lm Bergbau. Von Otto Hub.— Notizen: Neber die Ver- schacherung Neiner Italiener, ttiinstliche Beeinstufsiing des Melters. Tie Papier- inonstrie in Rublanb. Tic„S»>i»le Prari», Zentralblatt für SojlalpolMk", enthält in ihrer nenesten Nr. 62 solgenden leitenden Anfiatz: Die Entwickelung der Amienpstege irt England. Von Ed. Bernstein, sserner: Das deutsche Genossenschastswesen im Jahre ifWl. Vo» Dr. Hans Eruger.— Müllerei- nnd Bäckerei-Genossenschaften in Teutschland. Von Zoh. Corvetz.— Vcrdanbstag der Baugcnossenschasten Deutschlands.— Katholische Genossenschasten ln Belgien.— Konsninuereine tn Jialicn.— Beschviinlitnn SJtecliissi'W' i» Preuden. u-lh-tl vr»«nminer- gerichts.— Lohn- und Nrdcüsbtdsngangen englischer SemcindeardeNer.— Kommunale Slraßenretnigung in Wien.— Äoinuiunalprogramm sozialistischer «emeiiidcoevticter dcs Wahltretses Lssendach-Diedurg.— Streit schulpstichtiger Knaben.— Bauarbeiler-Gewerkschasien tn England.— Verdandslage der deutschen Baugewertmeisier.— Schutzverordnung für Solinger Tlahischleisereien. — Vcurlaubung von Eisenbahn-Bediensteien tn Oesterreich.— Industrieschule für jugeudlichc Heruintreiber tn London. Briefkasten der Redakkivn. Die juristische Sprechstniibe findet am Montag, Dienstag und Sonnabend von 6 bis 7V, II h r statt!! I Krause. DaS war ein Dnnksehler. Es imiß 12 000 Mark heißen. Lesum. Zu Nr. 2 Ja. Zu Nr. I: Geben Sie Ihre Adresse der Buch- handliiiig Vorwärts an. Adalbert 42. Das hängt von verschiedenen Umständen ab, die in jedem Etiizelsali zu iintersucheil sind. Friedrichshagen. Wegen Raminnangel morgen. M. N. 22. Die betreffende Bant wird Ihnen wohl auch den Empfang der Papiere bestätigt haben. Zu Ihrer Beruhkgimg empfehlen wir Ihnen, die Papiere bei der Reichsbant zu hinterlegen. Vieiarbeitcr. Die? Recht steht der Orts-5kranken?asse zu.— A. M. 26. 1. Ja. 2. Die Verthcidtgungsgebühren eines Rcchtsanwalis betragen, falls nichts anderes schriftlich vereinbart ist(diese Vereinbarung bildet die Regel), fiir Verthcidigung vor dem Schöffengerichte 12, vor der-Straftammer 20, vor dem Schwurgericht oder Reichsgericht 40 M. Fiir jeden weiteren Tag der Verhandlung erhöht stch die Gebühr um die Hälfte. In PrivatNage- fachen erhöht sich die Gebühr bei Beweisaufnahmen ans 18 M.— 42 N. Solche Extra-Unterstützung ist sozialdemokratischcrfclts beantragt, um die Faniilie» vor Empfang von Ärmen-Unterstütziing zu bewahren, ist aber noch nicht bewilligt. Richten Sie trotzdem direkt an den Magistrat ein Gefnch »ni solche Unterstützung.— Krause. Ist fein bestimmter Tag als Ktindigungs- tag vereinbart, so kann an jedem Tage— keineswegs mir an dem Lohn- anSzahlungstage— gefündigt werden.— 91. W. 16. Da ist guter Rath schwer. Vielleicht hilft eine Eingabe an daS Vormmidschnstsgericht. Sprechen Sic gelegentlich in der juristischen Sprechstunde vor.— F. L. Nein. Si« können nur ans Abstellung des NebelstandeS klagen oder die Aenderung auf Koste» des WirthS vornehmen.— B. in Ag. Den Versuch können Sie machen; aber helfen wird eS nichts. Besten Gniff.— 9<. L. 166. 285 M. — B. Sch. Charl. I.'Nach richtiger Anficht»ein. 2. Die Sache hätts schon längst zu Ihren Gunsten entschieden sein müssen, wenn Sie angeführt hätten, daß die Pfändung ohne Ihre Einwilligung in Ihren Räumen vor- genommen ist.— W. H. Nein. Es ist aber besser, wenn bnS Mädchen den Lohn fordert nnd eventuell schon jetzt einklngl.— 91. T. II. Ohne Einsicht in die Statuten ist eine ans den Inhalt derselben bezügliche Frage nicht zu bcant» Worten. Sprechen Sie mit den Statuten in der juristischen Sprechstunde vor. — K. iu T. Das Verlangen kann gestellt werden. Ist gegen das Verlangen selbst nicht innerhalb 14 Tagen Beschwerde erhoben so ist nichts zu machen. WiikernugSiiberstcht vom 2Z. September>867. pahiii folgende Resolution an;„In Erwägung, daß durch die__ Verantwortlicher Redakteur: August Jacobcy in Berlin. Für den Jnseratenlheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin Wettcr-Prognos« fiir Freitag, den 24. September 1897. Ein wenig wärmer, zeitweise heiter, vielfach wolkig, mit leichten Regensällen nnd ziemlich frischen südwestlichen Winden. Berliner W e t t e r b n r e a n. Druck und Verlag von Max Babing i» Berlin. |lr. 223. Ii 2. ks.Immörts" fittlintt McksdlR Juv KzilfSoktion fjiv die Weber- frszwemmungs- Geb icke. Das Zeiitralkoinitee für die durch Uinvcltcr Gcsckzädigten Druischlnuds tngle gesicrn Vornnltnq 1l Uhr»uler Vorsitz deS Polizeipväsidcntc» v. Windheim im Stadtverordneten- Sitzungssaal. Der Bürgermeister K i r s ch n e r erstattete»anicns des ge- fchästc-sühreiiden Ausschusses Bericht und theiltc mit, daß Daiitschrcibcn aus verschiedenen Geaenden, u. a. aus Württemberg, Schlesien, aus der Lausitz eingegangen sind, in denen unter besonderem Tank für die Natnralseudungcn— Kleidung, Bette» und Wäsche—(über 3800 Kiste» und Koltis sind von hier aus in die Ncberschivemmuugsgebictc gesandt»norde») anerkannt»vird, daß es dank der diesseits ge- spendeten Hilfe gelungen sei, die drückendste Roth erheblich zu milder». Die Würtlemberger haben von den ihnen überiviesene» 300 000 M. erst über 30 000 M. verfügt, so daß noch 270 000 M. zur Ver- fügung de? dortigen Koniitces stehen. Der Ausschuß hat beschlossen, die für bestimmte Gegenden eingehenden Gelder ihrer Vestiinmung gemäß— ohne Zlnrechuung ans die allgemein gesaminclleu Gelder— zu verivenden. In» Negierungsbezirk Frankfurt n. O. hat sich jetzt unter den» Vorsitz des Negierungspräsideulen ein Zentralkomitee ge- bildet. Die zur Disposition für diesen Bezirk zurückgcsteltten 200 000 Mark sind jedoch nicht dem Zentralkomitee, dessen Vor- sitzender nieinte, daß alle sür seinen Bezirk bestimmte» Gelder an die Stcgierungshanptkasse eingezahlt»verde» müßten, gesandt worden, sondern es ivnrden die Kreise Forst, Guben, Sora« und Kollbus mit je 20 000 Mark und die Stadt Crossen soivie die Ortschast Driesoiv mit je 3000 Mark ans diesem Fonds bedacht und der Nest mit 305 000 Mark den» Zentralkomitee übermittelt. Dein Regierungsbezirk Lieguitz, in den» bereits für 15 Land- und Stadtkreise 440 000 M. vcrthcilt sind,»vnrden gestern aufs neue 200 000 M. b e>v i l l i g t. Dort ist augenscheinlich die Noih an Privatschäde» am g>vßtcn. Tie Provinz Hannover ist mit 20 000 M., die jetzt von» Regierungspräsidenten eingefordert sind, bedacht. Nach d>m Regierungsbezirk Tppeln sind 25 000 M. gesandt. Ter Berichterstatter theilt noch mit, daß der Ans- schust, angeregt durch Aeichmiiign» der Presse, trotz der Mitiheilnngcn tcr Zcntralkoinitce's. daß im Moment der dringendsten Roth abgeholse» sc», an die einzelnen Orte die Anfrage gerichtet habe, ob sofortiges Einschreiten mit Geld-c. geboten sei. Hierauf hatte» nur zivci Orte Geld verlanat und kolort erhalten. Am Schlüsse des Geschäftsberichts stellt der Referent fest, daß biShcr im ganzcn rtwa 1 640 OCO M. bortheilt sind und daß ungefähr»och 1 Million Mark disponibel ist. Hierbei müsse jedoch berücksichtigt imdc». daß noch von Cpvingen(Baden), vom Kgr. Sachsen, von, Reg.-Bez. Potsdam und der Provinz Sachsen, soivie ans Hissen und Poinmern Ansprüche ans Unterstützung gestellt»verde». Bon den zur Verfügung des geschäfts- führenden Ausschusses gestellten 85 000 M. sind 38 000 M. aus« gegeben,»vährend noch 47 000 M. disponibel sind. In der Diskussion über den Bericht»ahn» Sladtv. Singer daö Wort, um darzuthn», daß gegenüber der ungeheuren Roth und den» entsetzlichen Elend die Privativohlthätigkeit nicht entfernt ausreiche, um einigermaßen»virksame Hilfe zu schaffen. Redner bemängelt das Ausbleiben der Staalshilfe, die »na» sofort energisch hätte bciveise» müssen, und meint. daß der bureankratische Schneckengnng hier ganz und gar nicht an» Platze sei. Die Privativohlthätigkeit könne auch nur die ciste Hilfe leisten und dafür sorgen, daß die Nothleidenden durch Nahrung, Wohnniig, Möbel, Kleidung, Arbeilsgeräth u. f. ,v.»vieder enverbs. «ähig gemacht»verde». Das»veitere: Bau-, Land-, Vieh-, Ernte- und ähnlich« Schade» gut zu mache», sei Sache des Staates bcziv. des Reiches, ginge auch»veit über die Möglichkeit der Privathilfe hinaus. Li«du er beantragte, der Ausschuß solle beauftragt»verden, eine Denkschrift über feine T h ä t i g k e i t und W a h r n e h in u n g e n auszuarbeiten und diese dem Reichskanzler n ,» d den» Staats- >» i n i st e r i« m mit der An f f o r d e r u n g z»» über- reichen, nnnrnehr ungesäumt Reichs- bezieh» ngs- »veise Staatshilfe für die Nolhstandsgebiete ein- treten zu lassen. Bürgermeister K i r s ch n e r ist mit den» Antrage insoiveit einverstanden, als er der Anregung folgend in einen» von dem Oberpräsidenten erforderten Bericht die Roth- »vendigkeit der Staatshilfe als dringend erforderlich betonen»vill. Dr. Lang er Hans»viinscht, den» Singer'schcn Antrage zu- ftiinmend, daß der Ausschuß außerdem die Abschätzungen durch Delegirte nachprüfen lassen soll, um festzustellen, ob nicht Schäden, »velche nicht in das Bereick, der Privathilse fallen, aufgesübrl sind. Ebenso müsse festgestellt»verde», ob nicht in die Schadenliste Verluste anfgenomnicn sind, deren Ersatz um deswegen nicht in Aussicht zu nehmen ist,»veil die Betroffenen ihrer Vermögenslage nach keinen Anspruch aus Hilfe mache» brauchen. Geh. K o in in e r z i e»- rath Goldberger spricht seine Zustimmung zu dein Singer'schen Antrage aus,»vill denselben aber besonders und nicht gelegeuilich eines Berichts an den Oberpräsidente» ausgeführt»vissen. M i» i st e r i a l d i r e k t o r S ch ü ck e r t(Württemberg) bemängelt die Anssührungeu,»velche Singer und Langerhans ge- macht habe». Zu Forderungen auf Reichs- und Staatshilsc fchlicn dem lkomitce die Unterlagen; auch sei die Sachkunde des Ausschusses hierzu nicht ausreichend. Redner meint, die Benrlheilnng der Presse über die Tbäligkeit des Ausschusses sei nngercchlfcrligt. man müsse Summen sür die Zuknnst verfügbar hallen, sür den Augenblick sei so viel als möglich und nöthig geschehen. S t a d t v. Kyll man» spricht sich in demselben Sinne aus und berichtet über die sorgsame Prüfung,»velche die Dclegirtcn des Ausschusses vorgenommen habein Nach Ansicht des Redners handle es sich jetzt darum, die Beschädigte»»— soivcil es Landivirlhe sind— bis zur nächsten Ernte durch Saatgut, Futter, Vieh». s.»v. zu unterstützen. Sladtv. Spin o la hat Vertrauen zu der Regierimg, die gewiß schon alles zur Hilfe vorbereitet, stiniint jedoch dem Singer'schen An- trage zu. Geh. R e g i e r u n g s r a t h v. G l a s e» a p p spricht sich in demselben Sinne aus. Nachdem Singer kurz die Ein- , vände gegen seinen Vorschlag widerlegt und Dr. Langerhans noch den Antrag gestellt hat, die Restbeträge seivie die noch ei»- gehenden Gelder den» geschäftssührenden Ausschuß zur sofortigen Vertheilung zur Verfügung zu stellin,»vird die Diskussion geschlossen. Geheiinrath Goldberger zieht seinen Antrag zurück und das Komitee beschließt gemäß dem Antrage Singer, der Regierung durch de» Oberpräsidente» eine» Bericht über Thäligkeit und Wahrnehmung des geschästssührcndcn Ausschusses zugehen zu lassen und auf die dringende Nolhivcndigkeit schleuniger Staatshilfe hinzuiveiscu. Der Antrag L a n g e r h a n s, die noch verfügbaren Gelder sofort zur Vertheilung zu bringe»,»vird ebenfalls a>» g e n o in>» e n. Die Diskussion»vendet sieh dem Antrage des Kommerziell- r a t h s Jacob zu, der das jetzige Komitee sür künftige N o t h st ä n d e b e st e h e n I a s s e n»v i l l. In einer längeren Begründung, in der der Antragsteller eine Art Eittsiehnngsgeschichte des jetzigen Komitees gicbt, und in Rück- sicht auf die Nolhivendigkeit sosorligen Eingreisens das Bestehen eines aklionsberciten Komitees fordert, empfiehlt der Redner seine» Antrag namentlich auch im Hinblick darauf, daß nicht zu jeder Zeil bestimmte Persönlichkeiten, deren Mitgliedschaft i» solchen» Komitee von Nutzen»väre, in Berlin anivesend seien. Nachdem Stadt- verordneter Singer den Antrag mit dem Hiniveis darauf, daß es sich sür Berlin nicht zieme, bei Ausübung der Privativohl- thäligkeit in solchen Fällen für alle Zeit ein Monopol zu bean- spruchen,»md daß das Vorhandensein eines solche» Komitees nur die Initiative frenvilliger Bethätigung lähmen würde, soivie daß das Komitee seiner Thäligkeit doch nicht ei» so ruhmvolles Zengniß ausstellen könne, daß eS sich selbst in Pcrmaiienz erklärte, wurde, da sonst niemand das Wort nah»», die Diskussion geschlossen und der Antrag mit allen gegen die Stimme des Antragstellers abgelehnt. Schluß der Sitzung IVs Uhr. Gerichts-Wertung» Wegen wiederholte» Meineides stand der Schntzinann Frank vom 12. Polizeirevier an» Donnerstag vor den» Schivurgcricht des Landgerichts I. Frank hat im April d. I. den Schankivirth Müller, welcher in» Hause Linienstr. 71 sein Geiverbe betreibt,»vegen Uebertrelung der Polizeistunde denunzirt und seine Angaben soivohl vor dein Schöffengericht wie vor der Bernfungskainnier beeidet; Müller ist auch in beiden Instanzen»vege» Schankkoutravention ver- urtheilt»vorden. Frank hat damals als Zeuge beeidet, daß er in der Nacht zum 1. April gesehen habe,»vie Gäste ans den» Miiller'schen Lokal, dessen Haupteingang an der Straße liegt, durch eine Seilenthür ans den Hausfllir und von da auf die Straße gelassen»vnrden. Es sollen einige Frauens- personell durch die Hausthür den Flur verlassen habe»,»vährend einige Männer nach den» Hofe ginge». Diese Aussage soll»ach der Behauptung der Zlnklagebchörde eine»vissentlich falsche sein. Vor den» Schivurgcricht bekundete» mehrere Zeuge», daß die Personen, »velche an dem fragliche» Abend das Haus verließen und von dem Schutzmann Frank gesehen»vnrden, die Kellnerinnen des in demselben Hanse belegenen Pfuhl'schen Restaurants geivese» sind, die von dem„Bräu- tlgam" der Lokalinhaberin herausgelassen»vnrden. Diese Berivechselung soll dem Frank schon vor Abgabe seiner Zeugenaussage beivußt ge- »vesen sein. Als er einige Tage nach den» Vorfall i» dienstlicher ?lngelegenheil im Pfuhl'schen Lokal anivesend mar, machte ihn Frl. Pfuhl darauf aufmerksain, daß sie selbst, als die Kellnerinnen das Haus verließen, den Schntzmaun Frank gesehen und mit ihm ge- sprochen habe, und daß die Personen nicht Gäste des Müllcr'schcn Lokals geivese» sind. Als charakteristisch für die Glanbwürdigkeit Franl's' stellte der Präsident aus den Akten fest, daß Frank schon in e h r s a ch d e s>v e g e n gerügt»vorden sei,»veil er leichtfertiger»veise Anzeigen erstattete, die sich hinterher alz» n b e g r ü u d e t e r»v i e s e» haben. Einmal ist er auch disziplinarisch mit drei Tagen Arrest bestraft »vorden,»veil er vor Gericht als Z c n g e leichtfertiger- »veise>n, wahre Aussagen gemacht hat. Sein nächster Vorgesetzter, Polizeilieutenant Henschkv, stellt bei alledem dem Frank das Zengniß eines pflichltrenc» Beamten" aus, der bei den Beivohnern des Reviers gerade»vegen seiner Pflichttreue und»veil er keinerlei Beziehungen mit dem Publikum unterhielt, sich einer großen Un- beliebtheil erfreute. Der Staatsanivalt hielt den Angeklagten in vollem Unifange sür schuldig und erklärt den Meineid des Frank dadurch, daß derselbe, nachdem er feine Anzeige erstattet, nun auch die einmal geinachten Angabe» vor Gericht ausrecht erhalten»vollte, obgleich er zu der Zeit von seinen» Jrrthum Kenntniß hatte. Der Verthcidiger bcziveifelte die Glaubivürdigkeit der Belastungszeugen und plädirte für Freisprechung. Die Geschworene» verneinte» sänuntliche Schuldfragen,»vorauf die Freisprechung des Angeklagte» erfolgte. Die Unpcrschämtheit und der milde Richter. Au? Köln meldet man dem„Bolksblail für Halle":„Wer raucht denn da, »vas ist das sür eine Unverschämtheit? Schutzmann, stellen Sie ein- mal fest,»ver da geraucht hat", sagte in der Schöffengerichtssitzung der Vorsitzende, der im Zuschauerraum dichte Rauchwolken aussteigen sah. Ein Schutzuiann geht in den Zuschauerraum und der Raucher ergreift, verfolgt von den» Schutzmann, die Flucht. Nach einer Weile tritt der betreffende Schutzmann»vieder in de» Sitzungssaal und mit ihm der Rancher in Person des Kriminalschntzmanns Arndt, der sofort zun» Staatsanivalt geht und sich entschuldigt. Derselbe giebt ihm mit der Hand ein Zeichen der Beruhigung. Nach Beendigung der Sache, die zur Verhandlung anstand, gab auch der Präsident den» Krilninalbcamten eine» Wink und derselbe entfernte sich.— Würde die Sache auch»vohl so geendet habe».»venu der betreffende«in„geivöhnlicher" Bürger oder gar ein Arbeiter geivese»»väre?— ftiir de» Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber kcincrlci BeraiiOvortu»« Tlzetttce. Freitag, den 24. September. Opernhaus. Wilhelm Tell. An- fang 7V, Uhr. Schauspielhans. König Lear. An- saug 7»/- Uhr. Deutsches. Nora. Aufang 7»/, Uhr. Berliner. Kaiser Heinrich. Aufang 7", Uhr. Goethe. Im Dienst der Pflicht. An- fang 7»/, Uhr. Lessiug. Das Tschapcrl. Anfang 7'/- Uhr. Neues. Die Abrechnung. Anfang 7'/, Uhr. Residenz. Die Einbcrnsting. An- fang?-/- Uhr. Luisen. Geschwister Fiebig. Anfang 8 Uhr. Schiller. Ein Tropfen Gift. An- fang 7»/, Uhr. Nnter den Linden. Pcrichole, die Straßensängerin. Anfang 7»/, Uhr. «halia. Das Krokodil. Anfang 7'/, Uhr. Ostend. Jugendbronnen. Anfang 8 Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang 7»/, Uhr. Friedrich- Wilhclnistädtischcs. Das Zeichen des Kreuzes. Alexanderplah. Das Liebesdrama einer Sängerin. Anfang 8 Uhr. Reichshalleu. Herkules mit seinem Riefenlpielzeug. Anfang 7»/, Uhr. Apollo. Spezialitäten. Ans. V-bUhr. Fecn-Palast. Spezialitäten. Passage. Paiioptitiirn. Indisches Dorf._ S�zMee�henter (Wallner-Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Ein Tropfe» Gift. Sonnabend, abends 8 Uhr: Weh' dein, der lügt. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Des Meeres und der Liebe Welten. Abends 8 Uhr: Madame Boilivard. Imisen- Theater 34. Reicheiibergcrstrastc 34. Abends 8 Uhr: Geschwister Fiebig. Modernes Bolksstück in 3 Alten von Oskar Wagner u. Hugo Haßkerl. Mnflk von Fritz Krause. Sonpabend, den 25. September er.: ö. Volk»-Vorstellnng zu kleinen Preisen: ? r v v! o 8 a. DM- Billei- Vorverkauf iin Jn- vaudciidank, Unter den Linden 24, und an der Kasse von 11—1 Uhr. Sonntag Nachmittag 3 Uhr: «. Volks-Vor stellnng: Die Räuber unter Regie von.IiiIIos Türk. Billets a 60 Pf. in den bekamiteu LZerlaufsstcllcn. Ostettd-Thenter. Gr. F>anks»rtc>slr.lZ2 Dir. E. Weist. Novität! Zum 8. Male: Gr. Schlager! Jngendbrontten oder: Nc>v-R»in»iclsb»rg. Burleskes charakteristtschcö Zeitgemälde mit Gesang»md Tanz in 4 Akten von E. Tschirch und C.Berg. Ans. 8 Uhr. Im Tunnel von 7 Uhr an: Frei- Konzert. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, nachnilttags 3 Uhr, kleine Preise: Die Lieder d. Musikanten. Velotte EitpsctiMn muss ein Theateruntemehmerbesitzen| um in der Jetztzeit zu ?? REUSSIREN?? 1. Den Geschmack des Publikums zu erfassen. 2. Die richtigen Kräfte zur richtigen Zeit am richtigen Orte vorwerthen zu wissen. 3. 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Morgen und die svlgenden Tage: Berliner Fahrten. Urania Tanbcnstrasse 48—40. Natmkundl. Ausstellung tägl. geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50 Pf.— Wissenschaftl. Theater abends 8 Uhr. Yikloria-Rrauerei I.lllxoiv- Slraasio III IIS nahe Potsdamer Platz. Heute, Freitag, 24. September: Lleltiner Sänger (Mchscl, Pieir», Britto», Stcidl, Krone, Röhl, Schncidcr uiid Schräder.) Anfang 8 Uhr. Entree l>0 Pf. Vorverkauf 40 Pf.(Siehe Plakate.) Zum Schluß: Strampelbriider« Eufeiilble von Mcyscl. Sonntag, den 26. September er.: Leijte Zonntags-Toiree in der Viktoria-ltrnnerei. Montag, den 27. September, sowie von da an jcdcnMoutag u. Freitag: Viktoria-llraiiercl. Dienstag, den 28. September: 1. Soiree tut Böhmischen Bran- hause, Landsberger Allee. Passage-Ranoplieum. Imli8eltes Dorf mit dem bedeutendsten Fussball- Künstler der Welt Monng Toon. Vorst. 12, 5, 7 und 9 Uhr. saa Casian's■■ Panopticnm. 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A.: Adolph Hossmaim, Blmncnstr. 14. Holzarbeiter! öffentliche Versammlungen der Bautischler Molltag, 27. Septeulber, abends 8 Nhr: �tkiill» Eugltschcr Garten, Zllexandcrstrasie 27«. 2'» Lokal dcS Herrn HiUIns, LanahanSstr. 10». ZrikdrichshM«. Adierohos und Köptnilii: Schvncrlinderstr. S bei SvlinI«. RiLdlirs! Bergstraste 147 bei«»»plor. ChlU'illiitNbNl'g!«ismarikstraste 74 bei Qedor. Gr.-lichttrftlde und Steglitz: Schölltberg: Gruncwaldstraste bei 01>»t. Die Lohn- und Arbtilöverhältniise in her Blintislsiserei. Neserentctt: vi'«»«. Ulcck. Glocke. ICUiigcr. Knsclikc. ülnass. ZM- Jeder Bautischler ist im eigenen Interesse verpflichtet, in einer dieser Bcrsaimnlungcn zu erscheinen. 203/10 Der Uliikerilket'. llölitseber Holzarbsiter-Verdagl!. (Zahlstelle Berlin.) Henlc, Freitag, abends 8'/. lthr, bei vokn, Benthstr. SO/LI: Sitzulig der Ortsverwaitlillg.'HLU Montag, den ft7. Septeinbcr. abends 8'/« Nhr, int Borstädtifchcn Kasino, Slrkerstrnhc Nr. 144: Briinihtn-Versainiillnnn her Modell- nnh FilbriktiMr. TageS-Ordunng: 1. Vortrag des Herrn Ingenieur Gcenipe. 2, DiSkufston. 3. Wahl von KommtsflonSmitglicdern. 4. Verbandsaiigelegeiiheticiu Ni» Dienstag, den L8. September, abends 8'/« Nhr. im E iglischcu Garte», Alexanderstr. il7c(flr. Saal): Branche für Ladellei,»richtung. T a g c s- O r d n u n g: Die gegenwärtige Lage in der Branche und wie verbessern wir dieselbe? Neferent Kollege bit-r«cI,o. Zu dieser Versammlung sind die Kollegen von Kriiger». Homann, Benthstraße 4, eingeladen._ 203/11 FS" Einsetze,.."MZ Sonntag, Üv. September, vormittags 11 Nhr, Zllte Jakobstr. 8S: Venssmmlung� Bitte nm zahlreichen Besuch. Die Kommission wird ersucht, vollzählig zu erscheinen. Der Obmann. HM- Zur llcaclitnng! Die Zahlstelle Lothringerstr. 67 ist nach der Linieitstr. Li) verlegt. Itchtnllg! Ztchtnllg! 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Druck und Verlag von Max Tading in Berlin.