Einzelpreis 30 Pfg. . 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint morgens uno nachmittags, Sonntags und Montags mur einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus für Groß- Berlin 10 M. im voraus zahlbar. Für Poftbezug nehmen fämtliche Poftanstalten Bestellungen ent gegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Desterreich, Ungarn, Danzig, das Saarn. Memelgebiet sowie die früheren deutschen Gebiete Bolens u.Luremburgs 20 m., ür das übrige Ausland 27 M. per Brief bez. für Deutschland u. Defterreich- Ungarn 95 M. Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin C2, Breite Straße 89. Dienstag, 12. Juli 1921 Nummer 319 Morgen- Ausgabe Die achtgespaltene Nonpareillegeile oder deren Raum koftet 5,-. einschließlich Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2, M., jedes weitere Wort 1,50 m. einschließlich Teuerungszufching. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien Anzeigen und Stellen Gesuche 3,20 m. netto pro Zeile. Stellen Gesuche in Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 m., jedes meitere Wort 1. m. Fernsprecher: Zentrum 152.30-152 89 greiheit Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands 12 Milliarden Goldmark entrichtet Uebergabe einer Schuldverschreibung jedoch unmöglich ist eine Tatsache bleibt nichtsdestoweniger bes Berlin, 11. Juli. Gemäß Artikel IIa des Zahlungsplanes des Wiedergutmachungsausschusses vom 5. Mai d. J. ist Deutschland verpflichtet, dem Ausschuß bis zum 1. Juli Schuldverschreibungen für einen Betrag von 12 Milliarden Goldmart als Ersatz für die Schuldverschreibungen, welche auf Grund des§ 12e der Anlage II von Teil VIII( Reparation) des Vertrages von Versailles bereits übergeben sind oder noch übergeben werden müßten, auszuhändigen. In Erfüllung dieser Verpflichtung ist dem Wiedergutmachungsausschuß zum 1. Juli durch die Kriegslastentommission eine Schuldverschreibung übergeben worden, deren wichtigste Bestimmungen die folgenden find: Das Deutsche Reich schuldet dem Inhaber dieser Schuldverschreibung den Betrag von 12 Milliarden Goldmark von dem am 1. Januar 1914 gesetzlich bestimmt gewesenen Gewicht und Feingehalt. Diese Schuldverschreibung wird in Goldmart vom 1. Mai 1921 ab mit 5 v. H. ihres gesamten Nennbetrages verzinst und . vom 1. Mai 1921 ab jährlich mit 1 v. 5. unter Zuwachs der durch die Tilgung ersparten Zinsen durch Rückzahlung zum Nennwerte getilgt. Unbeschadet der Bestimmungen 248 und 251 des Vertrages von Versailles haften für die Schuldverschreibung der gesamte Besitz und alle Einnahmequellen des Deutschen Reiches und der deutschen Staaten an erster Stelle. Insbesondere ist der Zinsund Tilgungsdienst durch die jährlich von Deutschland gemäß Artikel IV des Zahlungsplanes zu bewirkenden Zahlungen fichergestellt. Als Sicherheit für diese Zahlungen bestimmt die Deutsche Regierung an erster Stelle a) die Erträgnisse aller deutschen Sees und Landzölle und ins besondere aller Aus- und Einfuhrabgaben, b) die Erträgnisse einer Abgabe von 25 v. H. auf den Wert aller deutschen Ausfuhr, die nicht bereits einer anderweit auferlegten gleichen oder höheren Abgabe unterworfen ist, c) die Erträgnisse derjenigen direkten oder indirekten Steuern oder irgendwelcher sonstigen Fonds, die von der Deutschen Regierung vorgeschlagen und von dem gemäß Artikel VI des 3ahlungsplanes gebildeten Garantiefomitee in Ergänzung oder als Ersatz für die oben unter a und b genannten Fonds angenommen werden. Die Schuldverschreibung ist jetzt und in Zukunft befreit von allen deutschen Steuern und Lasten aller Art. Das Deutsche Reich wird auf Verlangen des Inhabers oder des Reparations ausschusses in Umtausch gegen diese Schuldverschreibung kostenlos mit Zinsscheinen ausgestattete Teilschuldverschreibungen von glei= chem Gesaminennwert abzüglich etwa schon getilgter Beträge ausgegeben. Form, Inhalt, Betrag und Zahlungsort, sowie die Währung, in der die Zahlungen zu erfolgen haben, werden vom Reparationsausschuß bestimmt. Frankreichs Außenpolitik Briand über die politische Lage Paris, 11. Juli. Die Kammer hat heute die Zusakkredite besprochen. In Beantwortung verschiedener Anfragen sprach Briand sodann über die Syrische Frage. Er erinnerte daran, daß die Unterhandlungen über das Abkommen im Jahre 1916 den berechtigten AnSpruch Frankreichs befriedigt haben. Infolge neuer Abmachungen Dandelt es sich nun darum, die Politik Frankreichs schärfer festzulegen und die Fragen der Abänderung des Vertrages von Geores über den Abschluß des Friedens mit der Türkei, die für den gesamten Verband eine gemeinsame ist, zu lösen. Wir fönnen Cilicien nicht räumen, sagte Briand, ohne dort fichere Zustände hergestellt zu haben. Die Kämpfe sind aber eingestellt worden, und wir haben auf diese Weise kostbares französisches Blut gespart. Es wird nunmehr Sache der Nationalisten sein, Frankreich die nötigen Bürgschaften zu geben, und Frankreich wird dann nicht daran denten, irgendwelche Eingriffe in das Nationalitätenprinzip vorzunehmen oder sonstwie in die berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Türkei einzugreifen. Was Syrien anbelangt, so handelt es sich nicht darum, dieses Land zu kolonisieren oder dort irgendein Protektorat zu errichten. Die örtliche Verwaltung wird eine Versöhnung der verschiedenen Gruppen und Richtungen der Bevölkerung sichern müssen. Aber Frankreich wird seinen Ueberlieferungen nicht untreu werden. Es wird in Syrien bleiben und sein Werk nicht im Stich lassen. Wenn ich zu In Beantwortung verschiedener Anfragen über die Außenpolitit im allgemeinen erklärte Briand sodann: hoffnungsvolle Worte aussprechen wollte, so tönnte man sie viel leicht als übertrieben verdächtigen. Aber die Erklärung, daß die Lage Frankreichs feineswegs beunruhigend ist, hält sich weit von einem übertriebenen Optimismus entfernt. Frankreich besit zur Wahrung seiner Interessen und seiner Würde die nötige Kraft, wo es auch lei. Die öffentliche Meinung in Deutschland mag weiterhin von dem alten Geist der Altdeutschen vergiftet bleiben, fie mag ablehnen, aus den Ereignissen die richtige Lehre zu ziehen und den demokratischen Errungenschaften zum Siege zu vers helfen, sie mag selbst von einem Ra chefeldzug sprechen, der tehen: Frankreich steht am Rhein und tann nicht zugeben, daß Deutschland so umgestaltet werde, daß es eine Drohung für Frant reich darstellen fönnte. Bei der Erörterung der Ereignisse in Oberschlesien erflärte Briand, daß die französischen Truppen mitunter in eine äußerst schwierige Lage geraten waren, die zu ernstem Blutvergießen hätte führen können. Guggenheimers Mission Berlin, 11. Juli. Präsident Guggenheimer ist nach Paris gereift, um in Gemeinschaft mit Staatssekretär Bergmann die Verhandlun gen von Ende Juni 1921 mit Minister Loucheur fortzusehen. Als Verhandlungsgegenstand, sind nicht, wie von Paris gemeldet wurde, das Gebiet der Sanktionen, sondern die bekannten Fragen über Finanzierung und Preise der Reparations= leistungen in Aussicht genommen. Aus Oberschlesien laufen widersprechende Meldungen ein, die Die Lage in Oberschlesien alle mit der größten Vorsicht aufgenommen werden müssen. Aus Beuthen wird berichtet, daß dort die Lage unverändert ruhig sei. Die englischen Truppen haben die Franzosen abgelöst, sämtliche Funktionen der französischen Behörden sollen auf die Engländer übergehen. Der Belagerungszustand ist gemilbert worden, er soll in wenigen Tagen ganz aufgehoben werden.. In der Nähe von Beuthen sollen mehrere Angestellte der deutschen Abstimmungskommission von einer polnischen Bande überfallen worden sein. Ein Angestellter wurde bei dem Ueberfall getötet, ein anderer festgenommen, und, wie es heißt, nach Polen verschleppt. Die übrigen sind nach Beuthen zurückgekehrt. In Bogutschütz soll eine bewaffnete Bande in das Lager der Notstandspersorgung eingedrungen sein und es vollständig ausgeplündert haben. Es wurden in der Hauptsache Betleidungsstüde und Schuhe geraubt. Auf dem Bahnhof Myslowit sollen sich frühere Insurgenten eines Waggons bemächtigt und 5000 Liter Spiritus beschlagnahmt haben. Die Lage in Oppeln soll gespannt sein. Konflikte zwischen polnischen Apo- Beamten und deutschen Flüchtlingen sollen sich zugetragen haben. Bei einer Razzia auf Frauen, die sich, wie es heißt, in der Nacht herumtrieben, erhielten zwei Frauen und ein Franzose bei der Flucht Schußverlegungen. Die Franzosen ziehen Verstärkungen zusammen. Pöbelerzeffe in Geestemünde Demonstration gegen einen englischen Fischdampfer. TU. Geeftemünde, 11. Juli. Sonnabend nachmittag gegen 3 Uhr lief der englische Fischdampfer Ke11 by aus Grimsby von See in den Fischereihafen. Als man dort vernahm, daß das angekommene Schiff ein eng lisches war und löschen wollte, strömten sofort mehrere hundert Seeleute, Fischer und Arbeiter zur Anlegestelle und nahmen gegen den Führer des Dampfes eine drohende Haltung ein. Sie riefen ihm zu, er solle machen, daß er fortkomme, Grimsby wäre von den Geestemünder Seeleuten nicht so leicht vergessen worden. Der englische Kapitän erwiderte die Entrüstung der deutschen Seeleute mit höhnischem Lächeln und höhnischer Gebärde, was die Menge nur noch mehr reizte. Die drohende Haltung verstärkte sich so, daß der englische Dampfer sich genötigt sah, sofort mit Volldampf aus dem Hafen zu fahren. Die Polizei tat alles, um der Erregung Herr zu werden. Diese Meldung ist irreführend und verlogen. Der Vorfall hat sich, wie die Berliner Volkszeitung" berichtet, vielmehr folgendermaßen abgespielt: Das englische Schiff lief in Geestemünde an, weil seine Kohlenvorräte erschöpft waren. Eine aufgeregte Menge griff das Schiff an und bombardierte es mit Steinen. Der deutsche Lotse schwebte in Lebensgefahr und war gezwungen, das Schiff zu verlassen. Dieses lief nunmehr führerlos aus, geriet auf eine Untiefe, erhielt ein schweres Led und sant zehn Seemeilen südwestlich von Helgoland. Dae Mannschaft tonnte sich in einem Boote tetten. Sie landete nach achtstündiger Fahrt vollständig erschöpft auf Helgoland. Großfeuer in Hamburg Hamburg, 11. Juli. Seit 6 Uhr 50 Min. steht ein Teil der Schiffswerft Blohm und Boß in Flammen. Rauch und Feuersäulen find über der ganzen Stabt sichtbar. Die Lagerschuppen brennen. Einzelheiten feh len noch. Die Wiedergutmachung und die deutsche Politik 3. Die Ordnung der Finanzen R. H. Wir haben in den vorausgegangenen Artikeln die politische Situation zu kennzeichnen versucht, in der die deutsche Arbeiterklasse in den Kampf um die Verteilung der Lasten eintritt. Wir wollen nunmehr die wichtigsten ökonomischen Probleme, um die es sich handelt, furz sfizzieren. Der Reichshaushalt für das Jahr 1921 schließt im ordent lichen Etat mit einer Ausgabe von 48,5 milliarden Mark; die ordentlichen Einnahmen bleiben hinter den Ausgaben um 4,25 Milliarden zurück. Der außerordentliche Haushalt enthält an Ausgaben 59,7 Milliarden, davon sind ungedect 49,2 Milliarden. In diesen außerordentlichen Ausgaben sind die Fehlbeträge für die Post mit 4,5 und für die Eisenbahnen mit 14,4 Milliarden enthalten. Insgesamt weisen ordentlicher und außerordentlicher Haushalt zusammen 108 Milliarden Ausgaben auf. Dem stehen gegenüber ordentliche Einnahmen mit 44,2, außerordentliche mit 10,5 Milliars den, so daß ungedeckt blieben etwa 53,5 Milliarden. Der Reichsfinanzminister Wirth hat nun den an sich richtigen Grundsatz aufgestellt, daß der außerordentliche Etat möglichst rasch verschwinden muß. Es müsse neben dem ordentlichen Etat für die innneren Ausgaben ein eigener Reparations Etat aufgestellt werden, in dem jene Summen einzusehen sind, die von nun an jährlich an die Entente gezahlt werden müssen. Diese bestehen bekanntlich zunächst in der festen Jahreszahlung von zwei Milliars den Goldmark und der Abgabe von 26 Prozent der Ausfuhr. Diese Abgabe beträgt für 1920 etwa 1,3 Milliarden. Dazu Tommen 8,5 Milliarden Papiermark, die für die Be sagungsfoften in den außerordentlichen Haushalt von 1921 eingestellt sind, die Dr. Wirth aber auf 10 Milliarden schätzt. Wirth rechnet mit einer Gesamtsumme von 40-45 Milliarden für den Reparations- Etat, indem er annimmt, daß eine gewisseStabilisierung des Wertes derMark eintritt, so daß eine Papiermark gleich 1/10 Goldmark wäre. Diese Rechnung ist für den Augenblick jedenfalls zu optimistisch. Wir müssen gegenwärtig die Goldmark mindestens gleich 15 Papiermark sehen und erhalten dann mit den Besagungskosten mindestens 56,5 Milliarden Papiermark, die für die Reparationsleistung aufzubringen ist. Darin wären dann enthalten 21 Milliarden, die bisher in dem außerordentlichen Etat für Erfüllung des Friedensvertrages eingesetzt waren, während weitere 5 Milliarden für Entschädigungen als außerordentliche- einmalige Ausgaben im außerordentlichen Etat verbleiben würden. Dr. Wirth rechnet ferner damit, daß die fast 19 Milliarden an Zuschüssen für Post und Eisenbahn in verhältnismäßig furzer Zeit ebenfalls aus dem außerordentlichen Etat vers schwinden würden; das heißt, er rechnet mit einer weite= ren Steigerung der Eisenbahntarife und Postgebühren. Es bleiben dann noch immer 14,2 Milliarden im außerordentlichen Etat übrig, die in der Hauptsache für Lebensmittelzuschüsse, Erwerbslosenfürsorge und Wohnungsbau verwendet werden. Auch diese Zuschüsse sollen in Zukunft wegfallen, was insbesondere bedeutet, daß alle Lebensmittel auf die volle Höhe der Weltmarktpreise tommen und zu diesen Preisen verkauft würden. Das alles aber bedeutet an sich bereits eine starte Belastung der breiten Massen, bevor noch irgendeine neue Steuer in Wirksamkeit tritt. Auf alle Fälle ergibt sich, daß Dedung zu suchen ist für mindestens 56,5 Milliarden des Reparations- Etats, 4.25 Milliarden des ordentlichen Etats und einer noch unbestimmten Anzahl Milliarden des außerordentlichen Etats, da ja auf keinen Fall damit zu rechnen ist, daß das Defizit in den Betriebsverwaltungen sofort verschwindet und eine mählich abgebaut werden können. Das sind, wie wir im Reihe anderer außerordentlicher Ausgaben auch nur alleinzelnen noch nachweisen werden, erhebliche höhere Ziffern als die, die Dr. Wirth seiner Etatrede zugrunde gelegt hat und sie gehen auch erheblich über die Ergebnisse der Steuern hinaus, die Dr. Wirth vorgeschlagen hat. Nun muß an die Spitze aller Ausführungen zum Etat immer wieder die Forderung gestellt werden: Her= stellung des Gleichgewichts im Staatshaus. halt. Es ist die wichtigste Forderung der Sozialpolitit. Denn solange das Gleichgewicht im Staatshaushalt nicht erreicht ist, werden die Staatsausgaben immer wieder durch die Notenpresse gedeckt. Vermehrung der Notenmenge bedeutet aber Erhöhung der Preise und Sinken des Reallohnes. So führt das Defizit im Etat automatisch zu einer Verschlechterung der Lebenshaltung aller auf feste Bezüge Angewiesenen, der Arbeiter, Angestellten und Beamten. Es ist die denkbar schlechteste, die Arbeiter am meisten schädigende Besteuerungsart, in ihren Wirkungen schlimmer als jede indirekte Steuer. Herstellung des Gleichgewichts ist die wichtigste Forderung der Wirtschaftspolitit. Die Vermehrung der Notenmenge bedeutet Schaffung zufählicher Kauffraft, die vor allem den Besikern der Produktionsmittel zugute tommt, die mit den Preisen ihrer Produkte der Geltents Wertung rasch folgen können. Sie bedeutet eine Ein- kommensnerschiebung zugunsten dieser Schichten, der Besitzer der� Goldwerte auf Kosten aller anderen, insbesondere auf Kosten der Arbeiterklasse, da die Erhöhung der Löhne der Geldentwertung erst später und in grohem Abstand folgt. Diese Einkommensverschiebung bewirkt eine Steige- rungdesLuxus.des überflüssigen Konsums, der volks- wirtschaftlich auherordentlich schädlich ist. Luxusoerbote find leicht zu umgehen und wenig wirksam. Dem Uebel kann nur wirkungsvoll abgeholfen werden, indem durch aus- giebige Besitzbesteuerung das freie Einkommen eingeschränkt, das Gleichgewicht im Budget erzielt und die künstliche Kauf- kraftschaffung beseitigt wird. Die Notenvermchrung schädigt auch jede wirksame Pro- duktionspolitik. Durch die außerordentlichen Valuta- gewinne, namentlich der Exportindustrien werden die Unter- nehmer dazu verleitet, die Kalkulation zu vernachlässigen und die Verbesserung der Technik und der Betriebsorgani- sation hintanzustellen. In die ganze Wirtschaft wird ein spekulatives Moment getragen; parasitisches Händler- und Schiebertum breitet sich aus. Herstellung des Gleichgewichts ist schließlich wichtigste For- dcrung der Handelspolitik. Eine ständig sinkende Valuta bedeutet für die Industrie eine Exportprämie, eine Begünstigung der deutschen Ausfuhr auf Kosten der In- dustrien aller anderen Länder. Dies führt zu Gegenmaß- nahmen der anderen Staaten, die unter dem Einfluß ihrer Schutzzollparteien über die bloße Ausgleidfung der Valuta- differcnzen hinausgehen und den internationalen Handels- verkehr immer mehr erschweren. Wir müssen aber wieder zu Handelsverträgen gelangen, um unsere Produktionsfähig- keit ausnützen und weiter entwickeln zu können und damit die Vorbedingungen für die Erfüllung der uns auferlegten Leistung schaffen zu können. Ohne Handelsverträge ist die Ueberwindung der Wirtschaftskrise, die Wiederherstellung der Weltwirtschaft überhaupt, unmöglich. Es ist eine lltovie, mit einzelnen Einfuhroerboten, mit einer bureaukratischen Regelung des Außenhandels auf die Dauer wirtschaften zu können. Denn alle diese künstlichen Regelungen stören die internationale Arbeitsteilung, auf der die Weltwirtschaft beruht und schaden auf die Dauer mehr, als sie im Augen- blick nützen. Wir kommen aber nur zu Handelsverträgen. wenn unsere Valuta nicht mehr jenen heftigen Schwankun- gen unterworfen ist, die von der Willkür der Rotenvermeh- rung untrennbar sind. Herstellung des Gleichgewichts, Stillegung der Roten- presse ist schließlich die wichtigste Voraussetzung für eine g e- ordnete Zahlungsbila n z. Jetzt decken wir unsere internationalen Verpflichtungen, indem wir die Roten ins Ausland verkaufen und dadurch den Wert der Mark immer mehr drücken. Die zusätzliche Kaufkraft, die wir im Innern schaffen, wird zu einem Teil dazu benutzt, um Waren, die volkswirtschaftlich ohne Nutzen sind, für die wir im Innern keinen Gegenwert produziert haben, mit dem sie zu bezahlen wären, aus dem Auslande einzuführen. So wächst die über- flüssige Einfuhr in einer Zeit, wo wir diese Einfuhr mög- lichst einschränken müßten, um einen Ueberschuß der Ausfuhr über die Einfuhr zu erzielen, mit dem wir unsere Verpfnch- tungen abtragen könnten. Würde diese Schaffung zusätzlicher Kaufkraft aufhören, so würde sich unsere Handels- und Zahlungsbilanz von selbst bessern, eine Besserung, die wieder eine Vorbedingung der Erfüllung unserer Leistungen bildet. So wird die Herstellung des Gleichgewichts zum M 1 1 t e lpunkt unserer gesamten Wirtschaftspolitik und jedes Finanzprogramm ist daraufhin zu prüfen, ob es diese Erundsorderungen erfüllt und einer Wirtschaftspolitik entspricht, die schließlich dieses Ziel erreichbar macht. Die Kriegsverbrecher-Prozeffe Der Eindruck der franzosischen Vertreter E.E. Paris, 11. Juli. EugSne Leroux, eines der Mitglieder der französischen Ab- ordnung, die an den Verhandlungen des Reichsgerichtes in Leipzig teilnahm, äußerte sich einem Vertreter der Presse gegenüber fol- gendermaßen:„Wir sind sehr zufrieden, dag wir von der Regierung abberufen worden sind. Unsere Lag« war mehr als peinlich. Wir wohnten ohnmächtig einer wahren Iustizkomödie bei, einer Komödie, die übrigens mit allem An- schein der Unparteilichkeit gut inszeniert war. Der Prag- dent Schmidt machte auf mich den Eindruck eines intelligen- ten, kultivierten und höflichen, sehr geschickten Mannes. Er leitete die Debatten mit Meisterschaft. Er ließ einen Zeugen zu- nächst sprechen, sobald jedoch dieser auf interessante Einzelheiten einging, beeilte er sich, ihm Fragen zu stellen. Der S t a a t s- auwalt, weniger fem, fragt« dann seinerseits ebenfalls. Ich wiederhole, eine Komödie, wo jeder seine Rolle hatte, die er in vollendeter Weise spielte. General Stenger spielte die seine mit etwas mehr Auf- regung. In den ersten Tagen kam er, aus seine Krücken ge- stützt, in die Verhandlung. Um aber den Urteilsspruch anzu- hören, hatte er sich begnügt, mit einem künstlichen Bein zu er- scheinen, wobei er sich auf seinen Stock stützte. Es wäre vielleicht einfacher gewesen, damit zu beginnen. Aber wir hätten dann nicht die große Szene vor dem Urteilsspruch erlebt. Man darf sich nicht verhehlen, daß diese auf die Deutschen«inen starken Eindruck gemacht hat. Der General Stenger. bloß auf einem Bein stehend, versicherte auf Ehrenwort, daß er den ihm unterschobenen Befehl niemals gegeben habe, sondern daß er stets ein loyaler Diener seines Landes und seines Herrschers gewesen sei. Man muß gehört haben, mit welcher Riesenstimme diese Erklärung abgegeben wurde, als ob sie an sechs unter Waffen stehende Regimenter gerichtet wäre, und bei jedem Worte schlug General Stenger mit seinem Krückstück energisch auf den Boden. Das Urteil, das General Stenoer' freiiprach. ist skandalös. Man muß bemerken, daß der Staatsanwalt gegen ihn keine Anklagt erhoben hatte, sondern sich auf ein deut- sches Gesetz stützte, wonach ein von der Entente Angeklagter vor Gericht zitiert werden kann, ohne daß er Gegenstand einer An- klage seitens der deutschen Justiz wäre. Der General selbst ge- stand, daß ihm einige Worte entschlüpft sein mögen, die von seinen Offizieren schlecht ausgelegt wurden. Ein Artikel des deutschen Militärgesetzes von 1914. Artikel 147, sieht Verurtei- lung wegen Fahrlässigkeit oder Unklugheit im Dienst vor— die- ser hätte angewendet werden müssen. Statt dessen zog man es vor, sich auf Crusius zu stürzen. O! Der Blick von Stenger. als dieser Mann ihn anklagte!" Weiter erzählt Leroux:„Der General war. mit Blumen ge- schmückt abgezogen, als wir das Gebäude verließen. Sofort um- ringten uns Männer und Frauen, beschimpften uns und ver- suchten uns ins Gesicht zu speien. Glücklicherweis« hatten wir ein schnelles Auto, wodurch wir entkamen. Ich persönlich erhielt nur einige Spritzer auf den Aermel. Aber von den Deutschen belästigt zu werden, ist weniger unerträglich, als ihr Entschul. digen anzuhören. Ein Botschaftsrat kam. ebenso der Polizeidirektor. Es schien, als wolle es gar kein Ende nehmen. Bei unserer Ankunft hatte man uns Papier« übergeben wollen. wonach die Polizei uns schützen sollte. Ich erklarte diesen Herren:„Rehmen Sie Ihre Papiere zurück!" Die Erfahrungen dieses Nachmittags hatten uns deren Wert bewiesen. Man weiß. unter welchen Bedingungen wir Leipzig verließen. Wir folgten dem Prozeß K r u s k a. einem Deutschen mit langem Barte, als uns der französische Konsul das Telegramm überbrachte, das uns abberief. Wir haben den Gerichtssaal sofort verlassen, um ein Abschiedsschreiben an den Präsidenten zu richten, durch das der Konsul die Zeugen verständigte, daß sie nach Frankreich zurück- kehren sollten. Ich muß sagen, daß das brüske Verlassen des Ge- richtslaales die Richter in Aufregung gebracht hat. Sie waren zunächst erstaunt. Endlich �schienen sie verstanden zu haben, daß wir nicht länger einem lächerlichen und skandalösen Schauspiel beiwohnen konnten." Oer Llnsinn der Sankiionen Paris, 11. Juli. Der sozialistische Abgeordnete Leon Blum stellt im„Popu- laire" fest, daß auch die unabhängigen Sozialdemokraten im Reichstag die Sanktionen auf das schärfste verur- teilen. Inzwischen verstärkte sich in Frankreich der Wider- stand. Man spreche von der augenscheinlichen Schwäche des Ministeriums W i r t h. Man beharre bei de: unsinnigen Auffassung, daß man durch die Aufrechterhaltung der Sank- tionen dem Ministerium unmittelbar Unterstützung leihe, während man es im Gegenteil diskreditiere und vor der einmütigen öffcnt- lichen Meinung vernichte. Und nun versuche man auch noch aus dem beklagenswerten Ereignis von Reuthen Nutzen zu ziehen. Blum fragt, was die Angelegenheit mit den Sanktionen am Rhein zu tun habe, die man lediglich wegen Ablehnung des ersten Londoner Abkommens durchgeführt habe. Die Beuthener Angelegenheit habe weder etwas mit der Reparationsfrage noch mit der Bestrafung der Schuldigen, noch auch mit der Entwaffnung Deutschlands zu tun, denn Oberschlesien stehe nicht unter deutscher Kontrolle. Der Abgeordnete fordert alle Propa- gandisten und Führer der sozialistischen Partei Frankreichs auf, sich gegen ein Manöver zu wenden, durch das man den Ver- such machte, hier eine falsche Auffassung zu verbreiten. Die Bn'effpionage Am Sonnabend wurde durch die P. P. R. ein Dementi ver- breitet,'wonach nur die Sendungen an fremde Staatsoberhäupter von der Prüfung befreit seien und daß die Prüfung von Briefen an„Personen in hervorragender Stellung" untersagt sei, soweit sie nur aus Neugierde erfolge. Der„Vorwärts", der zuerst die Verordnung der Postüberwachungsstelle mitgeteilt hatte, hält seine Ausführungen in vollem Umfange aufrecht. Die Verfügung, wonach die Briefkontrolle für Mitglieder regierender und ehemals regierender Häuser und deren Angehörige verboten sei, sei vorhanden, ihre Existenz könne jeden Augenblick bewiesen werden, ein Widerrruf sei bisher nicht erfolgt. Der.Vorwärts" teilt nun weiter mit: �..BÄ>eutungsvoller als dieses mißglückte Dementi ist jedoch ein Borfall, der sich im Anschluß an unsere Veröffentlichung in der PUe. abspielte. Es wurde eine Betriebsversammlung der Angestellten einberufen, und der gegenwärtig« Leiter der PUe., ein Herr Görtz, erklärte denjenigen, der die Mitteilung an den„Vorwärts" habe ergehen lassen, für einen Schuft und Lumpen. Die verängstigten Angestellten nahmen eine Resolu- tion an, in der sie fordern, daß der„Urheber dieses Artikels" seine Tätigkeit möglichst rasch einstellen möge. So kann mit Angestellten in einem Betriebe verfahren werden, dessen Vetriebsausschuß rein bürgerlich ist und der es b i s h e r a b- gelehnt hat, Berhandlungen mit den freien Gewerk- s ch a f t e n afizuknüpfem Die Angestellten aber sollten sich von der reaktionären Leitung nicht einschüchtern lassen und den Kampf für Meinungsfreiheit und Angestellten- recht mit aller Schärfe aufnehmen." Wir haben wiederholt festgestellt, daß die angeblich zur Der- Hinderung von Kapitalverfchiebungen immer noch bestehende, Dllrchschtzüffelung von Briefen zum Teil von denselben Offizieren ausgeübt wird, die sich schon in der Kriegs- zeit mit der Vriefzenfur befaßt haben. So ist es auch verstand- lich, daß diese Postüberwachung einen durchaus reaktionären Cha- rakter trägt und der Bespitzelung politisch„verdächtiger" Per- sonen dienen muß. Einen neuen Beitrag dazu können wir heut« mitteilen. Der Oberbürgermeister einer Großstadt gehört sicherlich zu den„Per- sonen in hervorragender Stellung", deren Briefe nicht geprüft werden sollen. Seit zwei Iahren werden aber sämtliche Briefe, die von hier aus an den Oberbürgermeister von Stock» Holm, Karl Lindhagen, gerichtet sind und ebenso all« Briefe, die der Stockholmer Oberbürgermeister nach Deutschland schreibt, von der Zensur geöffnet und gelesen. Glaubt etwa die Postüberwachungsstelle, daß auch der Ober- bürgermeister von Stockholm sich mit Kapitalverschiebungen be- faßt? Viel näher liegt die Annahme, daß die Bespitzelung seiner Postsachen lediglich den Zwecken reattionär-politischer Spionage dient. Es wird höchste Zeit, daß der Reichstag sich über die Zustände bei der Postüberwachung«ingehend unter- richtet und sich bei seinen Beschlüssen nicht lediglich auf die An- gaben der Geheimräte aus dem Postministerium verläßt. Moskau gegen den Märzputsch Die Verwirrrung in der Kommunistischen Partei wird immer größer. Darüber, ob die sogenannte Märzaktion richtig oder falsch war, gibt es heut« unter den Kommunisten beinahe schon so viel Meinungen wie die Partei Mitglieder hat. Nach einem Bericht der.Roten Fahne" über die Verhandlungen in Moskau find jetzt auch die russischen Parteipäpste dazu gekommen, die Märzaktion zu verurteilen. So führte Trotzki aus: .Di« Theorie der Offensivtaktik um jeden Preis ist nicht marxistisch. Wir müssen dafür sorgen, daß wir nicht nur ,ed- gegebene Lage voll ausnützen, nicht n u r k a m p I e n» sondern»nser« Siege sicherstellen können. Ww müssen unsere eigenen Kräfte und die Kräfte unserer Gegner kalten Blutes abwögen. Man muß die Lage in jedem«mzelnen Lande einer genauen Prüfung unterziehen und nur dort, mo es möglich und notwendig ist, mit aller Macht zum Angriff übergehen. In diesen Sätzen Trotzkis liegt eine scharfe Verurteilung der Märzaktion, die ihrem Wesen nach ja nichts weiter war als die ins Praktische übertragene„Theorie der Offensivtaktik u m jeden Preis". Und nicht nur Trotzky. auch Rad eck sieht sich gezwungen, die Märzaktion zu verurteilen. Er sagte auf dem Moskauer Kongreß:„Die junge deutsche kommunistische Partei geigt in ihrem Bestreben zu Aktionen eine ungenügende Kenntnis der Lage und bringt«ine Reihe von Fehlern zum V o r s che i n, die ihre Verbindung mit den breiten Massen ge- fahrden. Auch Sinowjew kommt dazu, den Fehler der Marzaktion einzusehen. Er sagte:„Eine Gefahr für die kommunistische Internationale liegt in der vorzeitigen K a m p f t ä t i g k« i t der jungen Parteien." Für die Stocckcr-Zcntrale ist das alles sicher nicht fchmeichel- Haft. Aber gerade Sinowjew ist nicht berufen, gegen die deut- schen Kommunisten Vorwürfe zu erheben, da gerade er die Kommunisten und darüber hinaus die gesamte deutsche Arbeiter- klasse zur Anwendung jener Taktik aufgeputscht hat. die jetzt von ihm und seinen Freunden verworfen wird. In zahlreichen Aufrufen, deren geistiger Urheber Herr Sinowjew war. wurden die Arbeiter nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt immer wieder zu bewaffnetem Aufstand auf- gerufen, wurde die Notwendigkeit betont, Revolution um jeden Preis zu machen und sofort mit Aktionen zu beginnen. Di� Einwände von unserer Seite, daß für eine Aktion erst die er« forderlichen Voraussetzungen gegeben sein müßten, wurden von Sinowjew und seinen Nachbetern als„menschiwiftische Schwächlichkeit",„Verrat" und„Feigheit" abgetan. Wenn also jetzt die Führer der Dritten Internationale Plötz» lich die Gefahr vorzeitiger Aktionen erkennen, so bleiben st« doch für alle Zeiten mit der Schuld belastet, derartig« vor« zeitige Aktionen propagiert und das westeuropäische Prole« tariat, das sich für diese Taktik hergab, ins Unglück gestürzt zu haben. Schließlich ist ja auch die Spaltung der U. S. P. letzten Endes nur deshalb erfolgt, weil hinter den Thesen und Richtlinien, die der Partei aufgezwungen werden sollten, das Gebot sofortiger Aktionen„um jeden Preis" stand. Wenn heute Radek, Siuowjew und Trotzky zu der Einsicht gekommen sind, daß die Offensivtaktik um jeden Preis schädlich wirken muß. so recht- fertigen sie damit zugleich die Haltung der Unahängigcn Partei! Das Verbrechen der Spaltung kann damit freilich nicht ge« sühnt werden! Kommunistische Fälschungen Genosse Vreitscheid schreibt uns:! In ihren Bemühungen, den„konterrevolutionären" Charakter der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei oder wenigstens eines Teiles von ihr nachzuweisen, scheut die„Rote Fahne" vor keiner Lüge zurück. So zitiert sie in ihrer letzten Sonntagsaus« gab« in Fettdruck angebliche Sätze aus meiner Reichstags« rede vom 1. Juli: „Der Redner der Deutschen Volkspartei meint, die Arbeiter« schaft wolle die Regierung stürzen.... Wir denken nicht daran, in der Regierung sehen wir die Verkörperung der Demokratie und des Republiranismus." Was habe ich in Wirklichkeit gesagt? Zum Verständnis des Zusammenhanges sei daran erinnert, daß der Redner de? Deutschen Bolkspartei. Dr. Z a p f, der Regierung mit gewaltsamen Sturz gedroht hatte, wenn sie es nicht verstände, die Zwangs- maßnahmen der Entente abzuwehren. Auf Zwischenrufe von un« strer Seite hatte Zapf bemerkt, wir wüßten ja am besten, von welcher Seite der gewaltsame Umsturz gesucht würde. Daran an- knüpfend, führte ich(ich zitiere nach dem unkorrigierten Steno« gramm) folgendes aus: Der Redner der Deutschen Bolkspartei... drohte der Regie» rung, daß, wenn das bedrückte Volk nirgends Recht finden könnte, es dann eine schlapve und minderwertige Regierung, von der das Blatt des Herrn Wulle sagt, daß sie an Arterienverkalkung und dergleichen leide, mit Gewalt stürzen werde. Wir waren einiger» maßen überrascht über das Bekenntnis der Deutschen Bolkspartei zur Berechtigung der Revolution (Heiterkeit links; Widerspruch bei der Deutschen Volkspartei), zur Berechtigung des gewaltsamen Sturzes der Regierung. Ja, es ist Ihnen unangenehm, Herr Kollege, und es war Herrn Dr. Zapf auch unangenehm, daß wir ihn darauf aufmerksammachten (Zuruf rechts: Rein), und dieser versuchte die Ausflucht und meinte, wir wüßten ja am besten, von wem in einem solchen Falle die Regierung gestürzt würde. Er meint« wohl, daß die Arbeiter- fchaft die Regierung gewaltsam stürzen würde, wenn ste nicht euer- gifche Mittel zur Beseitigung der Sanktionspolitik anwende. Ich möchte Ihnen darauf aber doch sagen, daß Sie, meine Herren von der Rechten, sich da ein wenig auf dem Holzwege befinden.(Sebr wahr). Wir denken nicht daran, und die gesamte Ar- beiterschaft denkt nicht daran, sich vor den Wagen ihrer nationalistischen Interessen spannen zu lassen. (Lebbafte Zustimmung links.) Wir find nicht bereit, die Kastanien für Sie aus dem Feuer zu holen. Wenn Sie mit dem gewaltsamen Sturz der Regierung drohen(Zuruf rechts: Ist ja nicht richtig), dann, meine Herren, dann oersuchen Sie es bitte doch selbst. Dann haben Sie auch den Mut dazu, die Revolution zu machen, die.Si« im Munde führen, solange die Sache ungefährlich ist. Die Ar- beiterschaft wird nickt zur Verteidigung der jetzigen Regierung, wohl aber zur Abwehr von Gelüsten. die auf eine weitere Stärkung und Befestigung des Nationalis- mus hinauslaufen, in Deutschland alles tun, was irgend in ihren Kräften steht." Man vergleich« dieses Stenogramm mit der Behauptung der „Roten Fahne", und man wird feststellen, daß das Zentralorgan der V. K. P. D. sich wieder einmal einer unerhörten Fäl» s ch u n g schuldig gemacht hat. Stinnes verhöhni die Verfassung Die rheinischen Reedereien haben auf ihrer letzten Tagüng den Beschluß gefaßt, die Führung der neuen deutschen Hau- delsflagge abzulehnen und geben bekannt, daß sie nach wie vor die schwarz-weiß-rote Handelsflagge am Mast hissen werden. Dieser Beschluß, den die Rechtspresse natürlich mit Genug- tuung verzeichnet, beweist, daß die rheinischen Reedereien, unter denen die Firma Stinnes eine sehr hervorragende Rolle spielt, auf die Verfassung und auf die Verordnungen des Reichsprästden- ten pfeifen. Möglicherweise wird der Mut dieser Herrschaften auch durch die Erwägung gehoben, daß sie sich am Rhein bis einem gewissen Grade unter dem Sckuy der Alliierten befinden. was auch wieder ein schönes Zeichen ihres stets so lebhaft betonte» Patriotismus wäre. Die Attleder-Verweriungsstelle Wie hatten in unserer Sonntagsausgabe mitgetilt, daß sechs kaufmännische Angestellte der AUledcr-Lerwertungsstelle ein« Strafanzeige eingereicht haben, die unter Angabe von Zeuge» und Beifügung von Beweismaterial schwere Beschuldigungen er- hebt. Wir erhalten dazu von zwei Herren aus dem Unternehme» folgende� Berichtigung: JD!« Altleder-Derwertungsstell« befindet sich in keiner lata« strophalen Lage. Der Kredit, den ihr das Reich gewährt hat und noch gewährt, ist keineswegs geopfert, sondern gedeckt. Ein« Schließung der Altleder-Berwertung-sstelle ist nicht erfolgt, ins- besondere nicht durch«ine Bersügung des Reickswirtschafts- Ministers. Die Altleder-Berwertungsstclle ist stark im Abba» begriffen, führt aber ihre Geschäfte fort." Wir können nur unsere Forderung wiederholen, daß di« Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen die Schuldige» sofort einleitet und es beschleunigt, daß die Oefsentlichkeit bald Rechenschaft darüber erhält. Oer Gebärzwang' Di« Fraktion der U.S. P.D. hat im preußischen Landtag folgenden Antrag eingebracht:„Der Landtag wolle beschließen: Das Etaatsminiikerium wird beauftragt, bei der Reichsregicrung auf die Beseitigung der SS 21» bis 220 de» Strafgesetzbuch«� (vorsätzliche Tötung einer Leidesfrucht) hinzuwirken." Große Trockenheit. Räch Pariser Zettungen sind vom 2Z. W«* bis Ii. Juli in Paris nur zwei Millimeter Wasser gefallen. D'« größte Trockenheit in Paris wies bisher die Periode vo� 15. März bis S. Mai 189? auf, wo nur 2 Millimeter Wasser g«' »allen waren.— In gewissen Gegenden Englands stieg das Thermometer bis zu SZ Grad, was seit 49 Jahren nicht mW festgestellt wurde. Aus Horthy- Ungarn Die Freisprechung Stephan Friedrichs In dem Mordprozeß Tisza ist, wie bereits gemeldet, die Anflage gegen den ehemaligen Ministerpräsidenten Stephan Fried= rich wegen Anstiftung zum Morde vom Staatsanwalt zurüdgezogen worden. Auch die Freisprechung der beiden anderen Angetlagten éri und Fényes dürfte in einigen Tagen erfolgen. Diese Wendung ist auf die Aussage des Zeugen Naphegyi zurückzuführen, der unter dem Kreuzperhör der Verteidiger seine ursprünglich belastenden Aussagen nicht aufrechterhalten fonnte, sondern sich zu einem vollen Eingeständnis feiner lügenhaften Darstellung bequemen mußte. Sein Geständnis eröffnet einen furchtbaren Einblick in das Labyrinth einer mit verbrecherischen Mitteln betriebenen Heze, deren 3wed es war, drei an dem Morde unbeteiligte Personen an den Galgen zu bringen. Die geistigen Leiter der verleumderischen Anklage_rekrutieren sich aus aristokratischen Kreisen, die aus politischen Gründen zunächst den Emporfömmling Friedrich unschädlich machen wollten und dann später, um die Sache glaubwürdiger erscheinen zu lassen, auch die linksstehenden Politiker Kéri und Fényes darin verwidelten. Sie eröffneten ein eigenes Bureau, in dem die belastenden„ Indizien" gegen die Angeklagten fabriziert wurden. Die übelsten Desperados, der Abschaum der Vorstadttaschemmen, zahlreiche Revolverjournalisten und Winkeladvokaten stellten sich gegen flingendes Entgelt in den Dienst dieser Sache. Meineide wurden zu Dugenden geleistet, gänzlich unschuldige Personen auf raffinierte Weise in den Abgrund dieser Hege mit hineingerissen und gezwungen, gegen die Angeklagten auszusagen. Wo die Bestechung nichts half, arbeitete in der Gefängniszelle der Gummifnüppel. Personen, die trotzdem standhaft blieben, famen auf geheimnisvolle Weise um. So fand man eines Tages den Angeklagten Dobo, der hartnädig an der einmal gemachten Ausfage festhielt, tot in seiner Zelle vor. Den Oberleutnant Gürt ler, der durch seine Kenntnis der Wahrheit gefährlich schien, schwemmten die Fluten des Plattensees als Leiche ans Ufer. Ein Untersuchungsrichter, dessen Ehrgefühl offenbar größer war, als sein Mut, die Oeffentlichkeit von diesen Vorgängen in Kenntnis zu sehen, beging Selbstmord. Ueberall hin reichten die Fäden der geheimen Clique und auch über der Boruntersuchung und dem Hauptverfahren schwebte zeitweise der blutige Schatten des berüchtigten Pronan- Detachements. Erst bei der jetzigen Berhandlung vor dem Zivilgericht gelang es der Verteidigung, diese Machinationen vor aller Welt aufzudeden. Es war ein überaus dramatischer Moment, als der Berteidiger Polonyi, ein Sohn des bekannten Politikers, dem schon in Widersprüchen verwidelten Zeugen Raphegyi zurief; Wenn Sie an einen Gott glauben, wenn Sie noch einen Funken Ehrgefühl besitzen, so geben Sie der Wahrheit die Ehre und belasten Sie Ihr Gewissen nicht damit, unschuldige Menschen dem Senter auszuliefern." Der Zeuge brach in des Wortes buchstäb lichster Bedeutung zusammen und fing an zu schluchzen. Erst nach einigen Minuten fonnte er fich faffen, widerrief nun seine bisherigen Aussagen und deckte die ganze hier geschilderte Ver schwörung auf. Die Freude Friedrichs über seine Freisprechung wird einiger maßen dadurch getrübt, daß in der verflossenen Verhandlung seine abenteuerliche Laufbahn und seine charakterlose Saltung als Politiker bewiesen wurde. An der Ermordung Tiszas freilich ist er unschuldig. Die Hochverratsaffäre Karolyi Der Abgeordnete Mesto wird im ungarischen Parlament den Antrag stellen, außer den Mitgliedern des Kabinetts Karolni auch sämtliche Mitglieder des ehemaligen Nationalrates unter Antlage zu stellen, ferner das gesamte Kabinett Weterle, weil diese Regierung es feinerzeit unterlassen habe, die Hilfe des Militärs in Anspruch zu nehmen, als die Revolution ausbrach. Abg. Abraham veröffentlicht in den Budapester 3eitungen eine Erklärung, in der er jede Schuld bestreitet und den Brinzen Windischgraet öffentlich als Verleumder bezeichnet. Es werden also zahlreiche Hochverrats- und Beleidigungsprozesse die Folgen der sogenannten Enthüllungen des Prinzen Windischgraet sein. Der wahre Berrat an den Massen Der ,, Avanti" über den Moskauer Kongreß Der„ Avanti", das Blatt der italienischen Sozialisten, beschäf tigt sich in einem längeren Artikel mit dem Mostauer Kon greß, auf dem der„ Opportunismus" Serratis und seiner An hänger im Mittelpunkt der Erörterungen steht. Zunächst geißelt er die Art, wie das sowjetamtliche Telegraphenbureau über den Rongreß berichtet und meint, daß Stefani( das italienische Wolffbureau) es auch nicht besser machen tönnte. Gegenüber dem in Mostau gegen die italienische sozialistische Partei erhobenen Borwurf, daß ihre verräterische Politit der Bourgeoisie erTaubt habe, zum Angriff überzugehen, stellt der„ Avanti" fest, daß diese Entwicklung nur die natürliche Folge eines beklagenswerten Mangels an ökonomischer, politischer und moralischer Bereitschaft sei. Dieser Mangel sei nur durch die augenblidliche Erregung der Nachkriegszeit verhüllt gewesen. Eine solche Unterstellung sei nur eine billige Verleumdung jener, die stets der unverzüglichen Attion ausgewichen seien und diese nur mit Worten wollten. Der„ Avanti" verweist darauf, daß die Kommunisten weder in Bulgarien, noch in Desterreich, noch in Deutschland das ges gebene Revolutionsversprechen eingelöst hätten. Gerade unter den deutschen Antlägern in Moskau seien viele, die wiederholt solche Bewegungen für vorreif und gefährlich erklärt hätten. Ferner erinnert der Avanti" daran, daß die französischen Kommunisten fogar in einem Aufruf vor einer Aftion des Proletariats ge= legentlich der Besetzung des Ruhrgebiets gewarnt haben. Von England und den Bereinigten Staaten", fährt der Avanti" fort, wollen wir gar nicht sprechen. Dort ist die ganze tommunistische Bewegung fast tot. Ebenso sprechen wir auch nicht von den nordischen Ländern Holland, Dänemart, Schweben und Norwegen, wo die ganze revolutionäre Aktivität rein Iite= rarischen Charakter hat." Der„ Avanti" erklärt sich be= reit, gewiß alle Opfer für die russische Revolution zu bringen, aber hierfür gäbe es eine Grenze in der materiellen Möglichkeit. Diese materielle Möglichkeit sei nicht in künstlichen Putschen gegeben, die sich, wie in Deutschland, nur in unnötige Blutbäder auflösen, auch nicht durch künst= liche Spaltung, die nur einen wahren Verrat an den revolutionären Massen bedeuten. Der Artikel schließt: Als vergangenes Jahr in Moskau von uns die Spaltung verlangt wurde, haben wir ohne Zögern geantwortet: Internationale Rundgebung in Frankfurt a.M. Durch Kampf zur Einheit Die Führer der Wiener Jnternationalen Ar beitsgemeinschaft hielten Ende der vorigen Woche in Frankfurt a. Main eine Besprechung ab. Aus Anlaß dieser Zusammenkunft fand Freitag abend im„ Sippodrom eine große öffentliche Kundgebung statt. Bon deutscher Seite sprachen die Genossen Dißmann und und Lede= bour, für die französische Sozialistische Partei Genosse Longuet, für die Schweiz Genosse Grimm und für Desterreich Genosse& riz Adler. Die Kundgebung nahm einen großartigen Verlauf; sie war von einem hohen idealistischen Geiste getragen, auch die bürgerliche Bresse nimmt zu den Reden Stellung. Wir geben nachstehend die Reden im Auszug wieder: Genosse Ledebour Die der Internationalen Arbeitsgemeinschaft angeschlossenen Parteien haben einen doppelten Kampf zu führen: den Kampf gegen den Kapitalismus des eigenen Landes und ben internationalen Kampf gegen das Kapital. Das große Ringen zwischen Kapital und Arbeit, der englische Bergarbeiterbeiterstreik ist beendet worden. Die Ursache des Mißerfolges war nicht die mangelnde Organisation, sondern der geringe Bedarf an Kohlen infolge der verheerenden Krise und die Ueberschwemmung des französischen Marktes mit deutscher Reparations tohle, so daß die englischen Kohlen, welche ehemals nach Frankreich geliefert wur den, im Lande blieben. Die tapitalistischen Bedingungen des Friedensvertrages wenden fich solchermaßen auch gegen die Arbeiterschaft der Siegerländer. Diese Tatsache muß die Arbeiterschaft aufrütteln. Ein Krieg, auch ein siegreicher Krieg, bedeu tet ganz allgemein die Verelendung aller Länder. Die Revolutionierung der Welt läßt sich nicht in einem Lande allein durchführen, sondern dazu bedarf es des Weltproletariats. Und die Einigkeit? Glauben Sie nicht, daß man die Einigkeit dadurch erzielen kann, daß man sich einfach an einen Tisch jetzt. Die notwendige, die unausbleibliche Einigkeit wird nur erzielt werden, in gemeinsamem Kampf auf allen Gebieten des öffents lichen Lebens, im Parlament, in der Gemeinde, in der Hauptsache aber in großen Massenattionen, in wirtschaftlichen und politischen Kämpfen und durch konsequente Durchführung des Sozialismus in fonfequentem Kampf gegen das Ausbeutertum. In gemeinsamem Kampf, Genossen, sollt Ihr Eure Einigkeit finden.( Stürmischer Beifall.) Genoffe Longuet Wir sind, fagte er, durch die Sprache getrennt, aber die Sprache des Herzens ist dieselbe. Glücklich und stolz bin ich, dieser ge waltigen Versammlung der U. 6. B. den Gruß der französischen Arbeiterschaft entbieten zu dürfen. Diese alte und glorreiche Stadt Goethes ist die zweite deutsche Stadt, in der ich nach den tragischen Ereignissen des Krieges zu der deutschen Arbeiterschaft spreche. Das erste Mal sprach ich in München, und damals lebte unser Eisner noch, der sein Leben für das Proletariat hingeben mußte. Ist es nicht furchtbar, daß sich in Deutschland heute die Gewalt gegen die Sozialisten erhebt? Liebknecht, Rosa Luxemburg, Saase, Eisner, Gareis-!- Frankreich gedenkt dieser ermordeten deutschen Führer mit tiefem Mitgefühl, mußten doch die französischen Sozialisten selbst den Kriegswahnfinn mit dem Leben ihres Besten, Jean Jaures, zahlen. Der revolutionäre Sozialismus führt zum Kampf. Der Weg ist hart. Aber wir haben die Hoffnung auf den Sieg, den wir sehen, weil Sozialdemokratische Partei Deutschlands ist diejenige Organisas die Entwicklung uns fortschreitend recht gibt. Die Unabhängige tion in Deutschland, die in der Internationale und besonders bei der französischen Partei die höchste Achtung genießt. Die U. S. P.D. ist der Fahne der Internationale treu geblieben. Ge nossen, die Einheit des Proletariats tann nur auf dem Boden des revolutionären Marrismus erreicht werden. Das System der Repressalien und der Sanktionen muß aufhören. 12 Milliarden Frants tostet die Oftupation des Rheins, die man besser im Norden Frankreichs für den Wiederaufbau ausgegeben hätte. Mit dem pofitiven, präzisen Programm von Amsterdam tönnte man den Wiederaufbau schon in 3-4 Jahren vollenden und da mit die Schäden dieses Krieges heilen, an dem das deutsche Bolt Nie wieder Krieg! In Deutschland weilt gegenwärtig eine Abordnung der eng lischen Kriegsdienst verweigerer. Sie wurde am Freitag in einer Versammlung im Berliner Rathaus, die von der Deutschen Friedensgesellschaft, dem Friedensbund der Kriegsteilnehmer und dem Bund der Kriegsdienstgegner einberufen war, eindrudsvoll empfangen. Pastor Bleier hielt eine furze Be grüßungsrede, dann sprach Heinrich Ströbel über den Pazifismus, den er als die Rettung aus dem furchtbaren Erlebnis des Weltkrieges und seiner Folgen bezeichnete. Die Pazifisten, durch Ueberwindung des Kapitalismus erreichen so führte Ströbel aus, müssen sich klar sein, daß sie ihr Ziel nur fönnten. Die sozialistische Bewegung hingegen würde erst fähig werden, der Parole der nationalen Verteidigung zu widerstehen, wenn sie sich mit pazifistischem Geiste erfülle. Die Frage, ob die pazifistische Bewegung ihren Mitgliedern die Dienstverweigerungspflicht auferlegen soll, beantwortete er dahin, daß die pazifistische Bewegung einem Sauerteig gleiche, der die Massen durchdringen und wandeln solle. Auch wer nicht die Stärke des raditalsten persönlichen Widerstandes besize, solle in die pazifistische Gemeinschaft auf genommen werden, damit diese nicht Gette werde, sondern Voltsbewegung. Runham Brown und der Quäter John P. Fleisher, beide Kriegsdienstverweigerer, erklärten, daß nicht nur Quäter zu jenen 6000 Männern und Frauen gehörten, die während des Krieges in England zu Gefängnisstrafen verurteilt wor den find( manche davon nach Ablauf ihrer Strafen fünf- bis nicht mehr schuld ist, als das französische Bolt.( 3uftimmung.) Schuld find nur die verbrecherischen Regierungen auf beiden Seiten, Wilhelm II. und Boincare. Ueberall ist das Bolt angelegen worden, nur die Sozialisten haben die Wahrheit gejagt. Friedrich Adler war es, der das wahre Wort sprach, daß, wenn es mehrere Internationalen gibt, es feine gibt. Wir haben daher Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Parteien soll ein Kristallisations in Wien feine neue Intenationale schaffen wollen, sondern unsere punkt aller revolutionären Sozialisten sein. Gegen den Butschiss mus und ebenso gegen die reformistische Vereinigung mit dem Bürgertum müssen wir die Proletarier aller Länder nach dem alten Margwort zum Rampfe aufrufen.( Stürmischer Beifall.) Genosse Grimm- Bern rung. Genossen, ich bringe euch den Gruß der Arbeiterschaft eines beScheidenen Landes, das nicht in den Krieg hineingezogen wurde. Meine Heimat, die Schweiz, wurde die Geburtsstätte der internationalen Wiedervereinigung. Zimmerwald und Kienthal find die Martsteine. Die Schweiz, meint ihr, sei ein glüdliches Land. Aber von unseren vier Millionen Ein wohnern ist bereits der siebente Teil von der Arbeitslosigkeit erfaßt. Wir haben die höchste Valuta, aber um so schlimmer geht es der Arbeiterschaft, um so höher ist das Maß der Teues Die Internationale Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Parteien ist nur ein Anfang, aber sie wird sich weiterbilden. Die zweite Internationale ist eine Internationale des Reformismus und des Bündnisses mit der Bourgeoisie. Die Internationale des Kommunismus beansprucht die Gedanken des Marxismus für sich, aber sie steht in Wirklichkeit nicht auf dem Boden des Marrismus( Vereinzelter Widerspruch). Der Redner fährt mit erhobener Stimme fort: Genossen, es tommt darauf an, der Arbeiterschaft die Wahrheit zu sagen( Sehr Starter Beifall). Gemeinsamkeit des Kampfgefühls und Gemeins famkeit der sozialistischen Ueberzeugung, das ist es, was wir erStreben. Der Wiederaufbau der Internationale fann nicht am grünen Tisch beschlossen werden. Das Ziel muß die Befreiung der Menschheit nicht nur aus materieller Not sein, sondern wir wollen auch, daß aus der Menschheit eine neue Menschheit hers vorgeht. Glüd, Wohlfahrt, Freiheit das ist unser Banner. ( Großer Beifall.) Genosse Adler- Wien Wir sind hier Parteien, deren Vertreter sich zu Anfang des Krieges der Majsenbegeisterung entgegenstemmten. Wir wurden nicht verstanden und verspottet. Aber daß wir da= mals die Wahrheit sagten, ist heute ein Glück für den Wiederaufbau der Internationale. 1915, 16, 17 hat es Leute gegeben, die nur ein Achselzuden für die Internationale hatten und sie als überlebtes Ding betrachteten. Wenn diese selben Leute, die uns bamals verspotteten, jetzt von Liebe überfließen, sagen wir ihnen, daß die Internationale eine zu heilige Sache ist, als daß wir nicht momentanen Stimmungen zuliebe die Parteien zu einer verschwommenen Masse zusammenführen können, die bes reit wäre, für Ziele einzutreten, die nicht die unsern sind. Wir wollen und müssen die Kräfte zusammenschweißen und vereinigen, aber nur zur Errichtung des sozialistischen Ziels. Die Aufgabe ist groß und schwer. Wir fordern von Ihnen, daß Sie Ihre Arbeit, die Arbeit Ihres Gehirns, in den Dienst der Sache stellen. Wir dürfen nicht wieder ein Gebilde schaffen, wie das war, das durch das Kriegsgefchrei der Hurrapatioten im entscheidenden Moment zusammenbrash. Wir in Desterreich haben alle Schwierigkeiten durchlebt, in diesem Lande, in welchem der Krieg planmäßig vor bereitet wurde. Aber bei uns ist trotz aller Schwierigkeiten die Arbeiterschaft tampfträftiger geblieben, als es leider die Arbeiterschaft anderer Länder heute ist. Unsere Bewegung ist rein geblieben, 96 Prozent der Arbeiterschaft stehen hinter uns, und nur vier Prozent, die sich tommunistisch nennen, find abgesplittert. Die österreichische sozialistische Partei steht einig auf dem Boden des Klassentampfs. Nicht Einigkeit um jeden Preis tut not, Jondern Einigkeit für das gefegte Ziel. Unsere Aufgabe ist, das Proletariat zu einer Klassenorganisation zusammenzufügen, die den Ehrennamen einer Internationale wirtlich verdient. Von links und rechts stellen sich dieser Aufgabe noch Schwierigkeiten entgegen. Die einen fagen, es tönne nur Brüssel oder Moskau sein, da es nur die Wahl zwischen den beiden Ertremen gäbe. Wir aber sagen: Weder Brüssel noch Mostau, sondern Zus fammenballung des gesamten internationalen Proletariats zum klassenkampf.( Stürmischer Beifall.) Schlesien" und soll wig das eiserne Kreuz an einem gelb- weiß- gels ben Bande getragen werden. Der erste Orden der Republik!" Es wird leider nicht mitgeteilt, wer diesen neuesten Orden auss teilt und ob er vorn oder hinten getragen werden soll. Man sieht aber wieder einmal, daß die deutsche Republik" unter Friz Eberts Leitung in feiner Weise hinter dem monarchistischen Deutschland zurückstehen will! Der Augenzeuge Wie hatten in unserer Sonnabendabend- Ausgabe mitgeteilt, daß die bürgerliche Presse den Bericht eines Augenzeugen wieders gegeben habe, der den Ereignissen in Beuthen persönlich beis gewohnt hatte. An diese Mitteilung hatten wir die Annahme getnüpft, daß teiner Redaktion der Augenzeuge auch nur dem Ramen nach bekannt sei. Wie uns jetzt glaubwürdig versichert wird, ist die bürgerliche Presse tatsächlich von einem Herrn unters richtet worden, der die Ereignisse in Beuthen aus nächster Nähe verfolgt hat. Wenn wir also bei dieser Gelegenheit den Vorwurf einer syste matischen Fälschung, der sich die bürgerliche Presse schuldig ges macht hat, nicht aufrechterhalten tönnen, so steht doch fest, daß gerade über die Vorgänge in Oberschlesien so viele falsche Mits feilungen verbreitet worden sind, daß bei ihrer Aufnahme in die Bresse die größte Borsicht geboten ist. fechsmal.) Nicht aus Liebe zu Deutschland oder weil sie diejen Rongreß der amerikanischen Sozialisten Krieg für unrecht hielten, sondern nur in Befolgung des fittlichen Gebotes: Du sollst nicht töten, widerstanden fast alle von ihnen den immer wiederholten Anerbietungen der Regierung und der bitteren Not, die oft über sie und ihre Fas milien durch ihre Weigerung hereinbrach. Die Kriegsdienstver weigerer haben sich nach dem Kriege in der Rie- mehr- Krieg"= Bewegung zusammengeschlossen, die als grundsägliche Forderung das Verbot des Tötens aufstellt und die alle Kriege, auch den Bürgerkrieg ablehnt und auch den Arbeitern von Gewaltanwendung abrät. Um die angeblich prinzipienschwachen Handlungen der anderen solle fich der Pazifist nicht fümmern, sondern überall ganz seine Pflicht tun und den Kriegsdienst verweigern, dann würde an dem Widerstand dieser pazifistisch- sozialistischen Internationale der Versuch einer neuen Kriegsüberrumpelung zerSchellen. Gestattet uns, daß wir die Spaltung vornehmen, wenn der Moment hierzu günstig ist. Aber wenn die Spaltung von den Regierungen gewünscht wird, die Reattion in voller Rüstung auf uns brüdt und wir nicht einmal in der Lage find, uns zum Widerstand zu erheben, dann wäre eine Spaltung verhängnisvoll, und fönnte nicht unsere erste Aufgabe als So Bialisten sein. Sie besteht darin, daß wir die Tradition unserer Partei, die im Glauben und in der Ueberzeugung unitarisch ist, verteidigen. Diese Auffassung besteht auch heute, und wir fönnten sie nur revidieren, wenn unsere von Rußland zurückgekehrten Genossen uns neue wesentliche Momente zur Beurteilung brächten." Was uns noch gefehlt hat Eine Korrespondenz berichtet:„ Ein neues Ehrenzeichen ist dieser Tage aus Anlaß der Abstimmung in Oberschlesien an die Bes teiligten zur Verteilung gelangt. Alle Personen, die hervor ragend an der Abstimmung und deren Vorarbeiten beteiligt waren, haben vor einigen Wochen ein„ Besigzeugnis" erhalten. dem nunmehr auch ber Orden gefolgt ist. Es ist dies ein neuer Reichsabler, der im Bolfsmunde als Pleitegeter" bezeichnet wird, in Eisen. Er trägt auf filbernem Schild die Aufschrift für Die sozialistische Partei der Vereinigten Staaten hält zur Zeit in Detroit ihren Rongreß ab. Diese Partei bejaß zu Anfang 1919 über 100 000 Mitglieder, ist aber infolge der tommus nistischen Spaltungsarbeit jeht auf 30 000 zurüdgesunken, ohne daß etwa die tommunistische Partei diesen Abfluß hätte aufs saugen können. Die Frage der Internationale ist für die amerikanische Partei dennoch nicht gelöst. Auf dem Barteitage von Chicago ist der bedingungsweise Anschluß an die Moss tauer Internationale beschlossen, aber von Moskau abgewiesen worden. Run bringt die extreme Linte der Partei den Antrag auf Anschluß unter Annahme der 21 Puntte ein, dem drei andere Anträge gegenüberstehen, von denen einer den Anschluß an die Wiener Arbeitsgemeinschaft verlangt. In der sozialistischen Bresse der Vereinigten Staaten find heftige Auseinandersehungen erfolgt, die insbesondere einen Antrag des Sekretärs der Partei zum Ausgangspunkt haben, der den Ausschluß jedes Mitglies des verlangt. das sich mit der kommunistischen Internationale solidarisch erklärt. 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Juli 1921, nachmittags 1,5 Uhr, im Märkischen Hof", Admiralstraße 18 c, Außerordentliche Vertrauensmännerfonferenz der Graveure und Ziseleure. Wichtige Tagesordnung. Donnerstag, den 14. Juli 1921, abends 5 Uhr, im Dresdener Gesellschaftshaus", Dresdener Straße 116, Versammlung aller in den Eisenmöbelbetrieben Beschäftigten Tagesordnung: 1. Bericht von den Verhandlungen m. den Unternehmer 2. Berschiedenes. Die Ortsverwaltung. Barzellen in Heiligensee Kupfer bei Tegel. Jn jeder Größe. Sehr guter Boden. Anzahlung von M. 800 an. Günftige Abzahlung Auskunft: Terraingesellschaft Heiligensee, Berlin NW 6, Schiffbauerdamm 28. Tel.: Morden 716/ Jn Heiligensee im Bureau oder bei Lamprecht, Restaurant Rotkäppchen, Heiligensee, Kirschallee. Teilftr. d. Tegel- Heiligens. Straßenb. Spezial- Arzt Haut, Harp, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Syphilis- Kuren, Blutuntersuchungen, spez. chron. Harnleiden u. Ausflüsse. Licht- u. Finsen- Behandlg. der Dir. O. Löser, Münzstr.9 Anst. 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Handlung andbuch für Betriebsräte Dritte Auflage Preis 15.- Mart // Gebunden 20.- Mark Betriebsräte, Organisationen bedeutende Preisermäßigung BUCHHANDLUNG ,, FREIHEIT" BERLIN C2 /// BREITE STRASSE 8-9 Demnächst erscheint: RUSSISCHE KORRESPONDENZ Nr. 6 Inhalt: E.Preobraschenski: Ein neuer Zeitabschnitt. Gesetze über Naturalsteuer/ N. Lenin: Zur Frage der Naturalsteuer J. Larin: Zurückbiegen oder Ausrichten der Front( leber den neuen Wirtschaftsfurs)/ W. P. Miljutin: Die gegenwärtigen Fragen der russischen Volkswirtschaft. 2. Chintschuk: Die neuen Aufg ben der Genossenschaften/ A. Ewiderski:/ Die praktische Durchführung der Naturalsteuer/ Die gegenwärtige Wirtschaftspolitik Sowjet- Rußlands. ( Resolution, angenommen von der Allrussischen Konferenz der Kommunistischen Partei Rußlands. Moskau, Mai 1921)/ W. P. Miljutin: Die Wirtschaftspolitik des Obersten Volkswirtschaftsrates. A. Rykow: Die Lage der russischen Volkswirtschaft. A. Kaktyn: Vom alten Obersten Vollswirtschaftsrat zum neuen Vollewirtschaftsrat A. Kaktyn: Naturalsteuer und Kleinindustrie. N. Lenin: Instruktion des Arbeits- und Verteidigungsrats an die lokalen Sowjeteinrichtungen( Entwurf)/ J. Larin, A. Holzmann, N. Aismont: Austauschfonds und Arbeitslohn/ E. Varga: Die Organisierung der bäuerlichen Landwirtschaft/ E. Preobrajchenski: Bapiergeld und Zwangswirtschaft/ Leschawa: Die Einfuhr und Ausfuhr Sowjet- Rußlands M. Piolunkowski: Das Problem der Arbeitsorganisation in der Produktion/ Ueber die Naturalprämien.( Bericht an den Rat der Volkskommissare) M. Offinski: Die Ergebnisse einer Studienreise/ Von der Tätigkeit des Alrussischen Zentral- Exekutivkomitees/ J. Brandenburgsky: Die Kommunisten und die Genossenschaften N. Offinsky: Die" alte" und die„ neue" Politik der, russischen Kommunisten. Der IV. Alrussische Kongreß der Gewerkschaftsverbände. A. Bubnow: Die Hauptmomente in der Entwicklung der Kommunistischen Partei Rußlands. M. Tuchatschewsky: Die Rote Armee und die Miliz A. Winokurow: Die soziale Fürforge in Sowjet- Rußland./ Mich. Pawlowitsch: Die ökonomische Entwicklung und die Agrarfrage in Persien im XX. Jahrhundert/ W. Kerschenzew: Die Erfolge des neuen Theaters G. Krshishanowski: Gründung eines wärmetechnischen und elektrotechnischen Instituts für wissenschaftliche Forschung/ F. Sjenjufchkin: Bericht über die Arbeit des Allrussischen Bureaus der Produktionspropaganda/ n. Ossinski: Die Aussichten der kommenden Ernte/ A. Jemschanow: Der Zustand des Transportes in Sowjet- Rußland. Preis M. 6.Zu beziehen durch: FRANKES VERLAG G. m. b. H., Leipzig, Kreuzstrasse 3 b, Berlin, Blücherplatz 2 Zeißfeldstecher 6 und 8 fach, kauft ständig M. Steckelmann, Berlin W9, Potsdamerstr.135 ( Lagom 9289). Maschinenfabrik kauft auch kleine Boften Altmetalle und Eisen Thurau& Co., Dresdener Str.11. Moritzpl.11548 in jeder Menge Spezial- Arzt Dr.Scotti, Rosenthalerstr.69-70 für alle Geschlechts-, Haut-, Harn-, Frauenleiden. 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Erscheinen cm mit und ohne Rahmen erforderlich. tauft man in der Buchhandlung Freiheit, Breite Straße 8/9. aller Genoffe Der Vorstand Erich Engewicht Veröffentlichungen Paul Richter des Berlages der Kommunistischen Internationale Schriften von Karl Radek: Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Leo Jogiches( mit 6 Reproduktionen)... M. 2.geb. M. 5.Theorie u. Praris der 2, Internationale M. 1.50 Die Masten sind gefallen( Eine Antwort an Crispien, Dittmann, Hilferding) M. 1.50 Soll die Vereinigte Kommunistische Partei Deutschlands eine Massenpartei der revolutionären Aftion oder eine zentristische Partei des War ens sein? M. 1.50 Die auswärtigeẞolitit Sowjet- Rußlands M. 2.50 geb. M. 5.Das Programm des sozialistischen Wirtschaftsaufbaues .M. 0.50 M. 0.50 Das dritte Jahr des Kampfes der SowjetRepublik gegen das Weltkapital... M. 1.An der Schwelle der großen Aufbauarbeit in Sowjet- Rußland Die innere und äußere Lage SowjetRußlands und die Aufgaben der Kommunistischen Partei Rußlands M. 1.Der 10. Rongreß der Kommunistischen Partei Rußlands, .. M. 0.50 Bu beziehen durch die Berlagsbuchhandlung Carl Hoym Nachf. Louis Cahnbley Hamburg 11 Der Preis 4 Mart ieterschuß Beste gemeinverständl. Darstellung des Mieterschutzes und der Höchstmietenverordnung/ Bon Dr. Paul Herh und Rechtsanwait Dr. Kurt Boenheim Mit Nachtrag: Die Alenderungen des Mieterschutzes Beftellen Gie fofort bei ber Buchhandlung Freiheit Berlin C2 Nr. 319 Groß- Berlin Drohungen des Zehlendorfer Selbstschutzes Ein Raubmörder als Transportführer. In der Bezirksversammlung in Zehlendorf- Mitte hat der Bezirtsverordnete, Genosse Dr. Köliz Ausführungen über die Beschaffenheit der Abteilung Zehlendorf des oberschsesischen SelbstSchuges gemacht und hat dabei die Aeußerung getan, daß sich in der Truppe der Abschaum der Menschheit befände. Darauf hat Dr. Kölig einen unverschämten Drohbrief des Kompagnieführers dieser Selbstschuttruppe bekommen, der uns im Original vorliegt und folgenden Wortlaut hat: Herrn Dr. Köliz, hier. 99 Bei meiner Rüdfehr aus dem Kampfgebiet OberThlesien(!) finde ich den Zehlendorfer Anzeiger" vom 24. Juni vor. In dem Bericht der Bezirksversammlung haben Sie abfällige Aeußerungen über die Freiwilligen, die fich zum Selbstschuh gemeldet haben, gemacht, u. a. auch, es befinde sich meist der Abschaum der Menschheit darunter. Als Kompagnie führer fordere ich Sie im Auftrage meiner Kameraden auf, anliegende Erklärung im Zehlendorfer Anzeiger" zu veröffentlichen, und zwar in der Nummer vom 4. 7. 1921. Da ich am Dienstag zur Truppe zurückkehre, muß ich auf den Termin für Montag bestehen. Sollten Sie die geforderte Erklärung verweigern, so werde ich die betr. Nummer des„ Zehlendorfer Anzeigers" mit dem Sigungsbericht in meiner Kompagnie ver teilen und bekanntgeben. Ich selbst werde die Beleidigungstlage in diesem Falle gegen Sie anstrengen, die Kamera= ben werden sich wahrscheinlich nach ihrer Rückkehr per= [ önlich mit Ihnen auseinandersehen. Daß dies jenigen, die zum Teil Haus, Hof und Familie im Stich gelassen haben, derartig von Leuten, denen die Begriffe von VaterTand" und„ Heimattreue" unbekannte Charaktereigenschaften find, mit Schmutz beworfen werden, läßt sich ein deutscher Solbat nicht gefallen. Falls Sie ein Mann von Ehre und Gewissen sind, werden Sie sich beeilen, ausreichende Genugtuung zu geben. Ergebenst Klüer. ( Die Erklärung besagt, daß Dr. Kölig die Beleidigungen zurüdnimmt!) Dazu ist einmal zu bemerken, daß der Transportführer des Zehlendorfer Selbstschutes der bekannte Leutnant Tannhöfer, der Mörder des Juweliers Gutschke ist. Der Leutnant hatte das Löhnungsgeld ber Truppe im Befih und hat es unterschlagen. Ferner erinnern wir daran, daß von Truppenangehöri gen noch bei ihrer Einquartierung in Zehlendorf einige Die b= # tähle vorgekommen sind. Der Transportführer Tannhöfer hat den Leuten, die behaupten, aus Not gestohlen zu haben, bas Löhnungsgeld vorenthalten, bis er unterwegs in Neiße aus dem Zug heraus verhaftet wurde. Es ist für den Charakter dieses Selbst ,, schutzes" bezeichnend, in welcher Weise der Kompagnieführer einem Parlamentarier zu brohen sich herausnimmt. Die Sache wird zweifellos auch in der Zehlendorfer Bezirksversammlung noch ein Nachspiel haben, da ber Vertreter des Bürgermeisters, Dr. Schuhmacher, den Werbungen für diese famose Truppe Borschub geleistet hat. primi Eine berechtigte Klage Uns wird geschrieben: Die Bewohner der Häuser Planufer 59 bis 62 haben schon alles mögliche versucht und sind schon einzeln und in Petitionen bei der Polizei vorstellig geworden, um die furchtbaren Zustände am Urbanhafen zu ändern. Dort wird nämlich von einer Firma Hoffmann, Wrangelstraße, in Kähnen Dung verladen, hauptsächlich Schweinedung. Die Polizei stellt sich auf den Standpunkt, daß zwar ein der artiges Berladen unstatthaft sei, daß jedoch die Stadt Berlin dem Hoffmann diese Stelle zum Verladen angewiesen habe und sie infolgedessen machtlos sei. Selbst Kreisärzte haben Zeugnisse ausges händigt, daß diese Dungverladung ungesund fei, aber nichts hat geholfen, diesen Uebelstand zu beseitigen. Es ist jetzt in der warmen Jahreszeit nicht möglich, die Fenster zu öffnen, da es vor Gestant nicht auszuhalten ist. Wir sind der Meinung, daß dieser Zustand durch das Städtische Sesundheitsamt geprüft werden sollte, und daß dieses, wenn sich Felfenbrunner Hof Bon Anna Croissant- Rust ( Nachdrud verboten.) 14. Fortsetzung.) Dabei warf sie ihre feurigsten Blide aus, und Rolf Thonann quittierte galant lächelnd mit einer gewissen blaierten und aufreizenden Ruhe. Seine Schwestern sahen Helene ein bißchen erstaunt an. Shnen fehlte der ostentativ zur Schau getragene Ueberthwang, den zwar ihre Mutter gern an ihnen gesehen jätte. Wir sind Frühaufsteher", sagte Eugenie ,,, Das heißt, wenn bir heraußen wohnen, und ich freue mich schon immer in Der Stadt darauf, den Morgen zu genießen." Weißt du," meinte Mila Thomann, es ist eigentlich infere einzige freie Zeit, die Mutter schläft sehr lange, und intertags müssen wir nach ihrem Programm leben!" „ Es ist so lieb, ach, so lieb, daß ihr mich geholt habt!" Selene blidte die jungen Mädchen strahlend und zärtlich an! Sätte ihr Vater ste so sehen fönnen, er würde sie ohne beiteres aus dem Wagen gerissen, und Alwine in ihrer rodenen Art würde gesagt haben: " Sie probiert wühlende Augen, sie will Eindruc nachen." Im Grund fand Eugenie Thomann Helene reichlich überrieben, doch wußte sie, daß Mila fie gut leiden mochte, nehr noch freilich ihren Bruder Heinrich, in den sie seit en letzten Wochen in echter Badfischart verschossen war. Findest du nicht, Eugenie, daß Lenchen"- Mila sagte mmer noch Lenchen von der Schule her ,, eben ganz ihrem Bruber Heinrich glich?" damit in recht naiver Art Gelegenjeit suchend, von dem Angeschwärmten zu reden. Was fagst du?" fragte ihr Bruder.„ Heinrich das ist joch der ältere? Dieser blonde, wortlos schmachtende, brreft angezogene Jüngling, der auf der Schule in Speyer st? Berzeihung, Fräulein Helene, aber Ihr Bruder scheint Ingeheuren Wert auf seine Person zu legen und sehr siegestewiß zu sein. Aehnlichkeit? Nicht die Spur! Der Kleine iel eher, in dem figt Temperament und Rasse!" 31 Was weißt du von Heinrichs Temperament?" Sochmütig und pitiert drüdte Mila das Kinn gegen die Brust, genau wie ihre Mutter zu tun pflegte. Beilage zur Freiheit" die Polizei machlos glaubt, die entsprechende Dienststelle anweist, der Firma einen anderen Platz zu geben, wo sie ihre Tätigkeit weniger gesundheitsschädigend entfalten kann. Arbeiter Ruderregatta Bei dem wundervollen Wetter, das gestern alle Seen in der Umgebung Berlins in geradezu lebensgefährlicher Weise belebte, hielt der Freie Ruberbund", eine Vereinigung aller auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Rudervereine, seine 9. Bundesregatta auf dem Langen See ab. Die Tribünen des Berliner Regattavereins in Grünau, vor denen das Ziel lag, waren von einer großen Menge der sportlich interessierten Arbeiterschaft besetzt. Auch für den Laien bot die Beobachtung der Wettkämpfe einen rein ästhetischen Genuß; welch ein Unterschied zwischen dem so durchaus gesunden Wassersport und dem widerwärtigen Kraftmeiertum, das sich in den Ringkämpfen oder gar der tierischen Verrohung, die sich in den Borkämpfen zeigt, denen leider auch Angehörige der Arbeiterbewegung huldigen. Auch auf dem Gebiete des Sportes sollte sich die Arbeiterschaft bewußt sein, daß sie in der gesellschaftlichen Entwidlung eine Kulturaufgabe zu erfüllen hat. Im Rahmen dieser Aufgabe liegt es durchaus, wenn die Arbeiter sich in ihren wenigen Freistunden gemeinsam bemühen, den Körper zu stählen, und wenn sie auf solche Weise wenigstens ihr Teil dazu beitragen, so weit das möglich ist, eine förperlich gesunde Nachkommenschaft zu erzeugen. Dagegen muß man auch der Arbeitersportbewegung fritisch genug gegenüberstehen, um ihr zu sagen, daß das Besondere des Arbeitersportes nicht darin liegen darf, alle bürgerlichen Sportarten nur in Arbeiterorganisationen nachzuahmen, sondern auch in der Auswahl und der Art des Sporttreibens muß sich die fulturelle Auffassung der Arbeiterklasse spiegeln. Schattenfeiten des Berliner Verkehrs Unbeschreibliche Zustände entwickelten sich am Sonntag abend auf der Görliger Eisenbahn infolge einer Eisenbahnbetriebs. Störung, derursacht durch die Entgleisung eines Leerzuges auf dem Bahnhof Grünau gegen 8 Uhr abends, als bertausende, die nachmittags in Grünau, Zeuthen, Schmödwig, Eichwalde, Wildau usw. weilten, wieder nach Berlin zurückfahren wollten. Auf den Bahnhöfen sammelten sich nachts Tausende Don Berliner Familien, die vergeblich stundenlang auf Beförderung warteten. Da die Bahnhöfe zu klein waren, um die Riefenmenge zu be herbergen, die meisten sehr ermüdet waren, nicht mehr wandern fonnten, schlugen die meisten Familien mit Kind und Kegel tur zerhand im Walde oder wo es sonst möglich war, in Schuppen usw. ihr Nachtlager auf. Tausende, besonders Männer, wander ten erst nach Grünau und dann, wenn es die Kräfte noch gestatte ten, weiter nach Oberschöneweide. In Oberschöneweide gelang es vielen, mit den Zügen, die dort verkehrten, mitzukommen. Von den Zuständen in Oberschöneweide tann niemand sich einen annähernden Begriff machen. Jede Ordnung war auf gelöst. Die Vorortzüge waren nicht nur vollgepfropft, sondern behangen von Fahrgästen. Selbst Mädchen hingen außen an den Wagen, saßen auf den Trittbrettern, flebten auf den Buffern oder saßen auf den Dächern und Stiegen zu den Bremserhäuschen. Solche Szenen, wie sie sich in der letzten Nacht ereigneten, hat die Görliger Eisenbahn selbst bei Fliegervorführungen in Johannis. thal nicht gesehen. Auch in Königswusterhausen, wo viele Berliner hinpilgerten, um die Fernzüge zu erreichen, herrschte ein Riesen, perfehr. Sämtliche Fernzüge waren bis heute überfüllt. Nicht besser ging es in Friedrichshagen zu. Dort tamen Abertausende von Grünau zusammen, um dann trübe Erfahrungen zu machen. Alle Züge aus Ertner tamen schon voll an. Nach stundenIangem Warten begann ein Sturm auf die 3üge. Dasselbe Schauspiel erlebten Tausende in Köpenid, die dort von der Dahme und den Müggelbergen tamen, als sie hörten, daß ein 3ug auf der Görliger Bahn entgleist war. Natürlich hat es wurden so viele gemeldet, daß sie gar nicht nachgeprüft werden bei diesen Störungen an Unfällen aller Art nicht gefehlt. Es tonnten. Es fehlte dazu jede Möglichkeit.„ Wir waren froh, als wir heute früh mit heiler Haut in Berlin antamen und etwas Ruhe hatten", erzählte uns ein Mitarbeiter. Nachmittags sind mehrere Personen ertrunken, darunter ein 35jähriger Familien. vater aus Berlin S., der, des Schwimmens untundig, im Krüpelsee bei Bernsdorf an der Dahme in eine Untiefe, ein jog. Pferdeloch geriet, vor den Augen seiner anwesenden Eltern nicht zu retten war. Als seine Frau aus Berlin antam, fand sie unterging und trok schneller Hilfe von Samaritern aus Berlin eine Leiche vor. Die Dampfer der Stern- Gesellschaft waren Riesenandrang. natürlich ebenfalls abends total überlastet. Es herrschte ein Zum Glüd gelang es vielen Fahrgästen, die Belustigt sah Rolf sie an:„ Gud ämol do!" sagte er auf gut pfälzisch. ,, Der Lord fann beinahe noch pfälzisch!" suchte Mila seinen Spott zu erwidern. ,, Laß gut sein, Kleine, dein Heinrich muß ja leider wieder in die Schule gehen, er tritt somit außer Konkurrenz, du mußt dich also nach einem andern Minnesänger umsehen." ,, Das ist nicht mein Heinrich! Ich verbitte mir solche Bemerkungen! Er ist mir ganz gleichgültig, er ist nur Helenens Bruder, ich kann ihn nicht leiden, gelt Lenchen?" Wahrhaftig, sie hatte Tränen in den Augen! In wütendem Protest lehnte sie sich in den Wagen zurück und hielt den Sonnenschirm vor ihr Gesicht. Rolf freute sich allzusehr darüber, die fleine rundliche verliebte Schwester in Harnisch zu bringen, darum versuchte er, sich vorbeugend, unter ihren Schirm zu sehen. Da begegnete er Helenens Augen. Die waren groß, hingebend und fieberisch auf ihn gerichtet, daß er den 3orn der kleinen Schwester, der ihn amüsiert hatte, sofort vergaß und diesen Blid zurüdgab, die Rose an die Lippen brüdend. Hatte Eugenie etwas gefragt? War es nicht wegen Peter gewesen? ,, Peter meinst du? Er ist ein Gauner, Alwine hält ihn zu allem fähig." ,, Alwine!"-machte Eugenie gedehnt.„ Sie hält, glaube ich, alle Menschen zu allem fähig. Ich habe gehört, Peter ist, aber nimm mir's nicht übel: Ihr fümmert euch auch sei begabt, so sieht er auch aus; möglich, daß er eigenwillig nicht weiter um ihn. Der fährt ja da und dort herum. Wenn der unserer Mutter gehörte, nicht Rolf? Morgen wäre er das erste Genie!" ,, Ach, das würde ihr auch bald vergehen. Du kennst ihn eben nicht," wehrte Helene ab. Warum sich nur Eugenie immer nach Peter erfundigte und sich stets einmischte? Das war nicht das erstemal. Der fleine schwarze, scheue Kerl, der so trogige Augen machte, interessierte fie. Die Vorliebe teilte sie mit ihrem Vater, der sagte„ Paßt auf, das ist Einer." Er wird euch schon noch zu schaffen machen, wenn ihr ihn nicht anders behandelt," mischte sich Mila altflug ein. ,, Möglich," erwiderte Helene abweisend, sie sah in diesem Augenblick ihrem Vater sehr ähnlich. Rolf, der des schmalen Weges halber hinter ihnen drein trabte, wunderte sich, daß sie so still waren. Dienstag, 12. Juli 1921 Stadtbahnzüge zu erreichen und mit diesen nach Berlin zu fommen, aber in welchem Zustande? Die Kleider von Männern und Frauen, besonders die der jungen Mädchen sahen„ duftig" aus. Es waren feine Fahnen mehr, sondern nur noch Fähn chen", viele zerrissen und zerfetzt. Und dazu die körperliche Verfassung. Unbeschreiblich! Die Eisenbahnverwaltung sollte lieber etwas weniger oft Vor träge vor Prefevertretern veranstalten und dafür ihre ganze Energie auf die Beseitigung der Zustände richten. Ebenso dürfte für verschiedene Beamte eine Belehrnug darüber am Blaze sein, daß der Bahnsteig tein Kasernenhof. der Fahrgast tein Rekrut und der Bahnbeamte tein Feldwebel ist. Der Borfport fordert Zodesopfer! Beim Bogen vom Tode überrascht wurde der 23 Jahre alte Unterwachtmeister der Schutzpolizei Johann Schmidt in der Kaserne in der Prinz- Friedrich- Karl- Straße 2. Er brach plötzlich zusammen, und ein sofort hinzugerufener Arzt stellte fest, daß er infolge eines beim Bogen erlittenen Herzschlages verstorben war. Die juristische Sprechstunde fällt in der Zeit vom 15. Juli bis 30. Juli aus. Auf eine 25jährige Parteimitgliedschaft blidt Genosse Karl Deredder, Faltensteinstr. 30, zurüd. Er erfreut sich noch einer törperlichen Frische. Die Genossen der 12. Abteilung hoffen, daß er noch recht lange in ihrer Mitte weilen möge und sagen ihrem Jubilar die besten Glückwünsche. Mögen sich die jüngeren Genossen an ihm ein Beispiel nehmen! Lehrlingshaltung im Bädereibetrieb. Zu dieser in Nr. 316 der Freiheit" veröffentlichten Rotiz wird uns mitgeteilt, daß die Konsum- Genossenschaft Berlin und Umgegend in ihren drei Bädereien sowohl als auch in ihrer Konditorei teinen Lehrling beschäftigt, obwohl insgesamt in diesen Betrieben rund 200 Personen tätig sind. Wer also den Zentralverband der Bäcker and Konditoren in seinem Kampf gegen Lehrlingsausbeutung und Uebervölkerung des Berufes unterstützen will, handelt am zweckmäßigsten, wenn er seinen Bedarf an Brot, Kuchen und Konditoreiwaren ausschließlich in den über Groß- Berlin verteilten 150 Verkaufsstellen der Konsum- Genossenschaft eindeckt. Eine glänzende Abfuhr erlitt die Wirtschaftliche Vereinigung des Deutschen Mittelstandes in Charlottenburg in einer VerSammlung am Freitag, den 8. d. Mits., in welcher der ehemalige Gutsbesizer Müller Franken über den Straßen- und Markt handel referieren sollte. Der zu Anfang eingebrachte geschäftsordnungsmäßige Antrag, eine Bureauwahl aus der Mitte der Versammlung vorzunehmen, wurde von den Herren Einberufern hintertrieben. Es tam schließlich ein Kompromiß zustande, daß Müller- Franten erst seine Ausführungen machen sollte, wäh rend als Korreferent der Stadtverordnete Zimmermann van der Mehrheit der Anwesenden unbeschränkt zu Worte zu kommen hat. Müller- Franten versuchte mit abgedroschenen Phrasen, ohne auf den Kern der Sache einzugehen, sich die Gunst der Erschienenin zu erringen. Er sah jedoch bald das Vergebliche seiner Bemü hungen ein. Stadtverordneter 3immermann rechnete nin mit den Herren, die inzwischen eine Hundertschaft der Schuo mobil, gemacht hatten, welche in und um den Saal untergebracht war, ab. Schonungslos geißelte er das wetterwendische Verhalten der Wirtschaftlichen Vereinigung, welche unter der Parole Kampf gegen den wilden Handel, den ehrlichen legitimen Berufshändler vernichten will, um so eine gefürchtete Konkurrenz ais der Welt zu schaffen. 3immermann führte einige Beispiele ven Uebergriffen und Mißhandlungen legitimer Berufshändler durch die Polizeibeamten an, welche von den wenigen Anwesenden ber W. B. nicht einmal verurteilt wurden. Als nun Müller- Franken das Wort nehmen wollte, protestierten die Versammelten mit Recht, da die Distussion anscheinend unmöglich gemacht werden sollte; aber ein Wink des Bädermeisters Drewiz und die seit zwei Stunden auf der Lauer liegenden Polizisten stürmten in den Saal. Wohlverstanden: Erhält die Wirtschaftliche Vereinigurg mehr als 20 Beamte über zwei Stunden zur Ueberwachung ihrer Versammlungen, und dann wundert sich der treue Bürger, wen Spitzbuben und Einbrecher ungestört ihrem Gewerbe nachgefin fönnen. Was sagt der Herr Polizeipräsident dazu? Eröffnungsfeier des Jugendheims in Brig. Am Sonnabe, den 9. Juli, wurde das Jugendheim im Rathaus Brih, das sed te im 14. Verwaltungsbezirt, der Deffentlichkeit übergeben. Der Magistrat Neukölln hatte die Briger Jugend zu einer Eröffnungs feier in das festlich geschmückte Heim geladen. Nach einen Musikvortrag und Rezitationen, gesprochen von Jugendgenosi n 3achow der Soz. Proletarierjugend, begrüßte Stadtrat Schneider( U. S. P.) die Erschienenen. Der 14. Verwaltungs bezirk habe von jeher der Jugendpflege die größte Unterstützung Nun begann der Wald. Der Sandboden wurde rötlid), und der Wagen sant tief ein. Es ging scharf bergan, die Pferde liefen im langsamen Tempo, schwerfällig die Köpfe, hebend und senkend. Von den regenschweren Zweigen fielen Tropfen, und tie Waldstraße schien sich im Dunkel zu verlieren. Rolf trakte nun neben dem Wagen her, und Helene sah fortwährend nach ihm, wie er sich lachend unter den nassen Zweigen büdte. Seine Hand ruhte auf dem Wagenschlag, die ihre tam näher, und plötzlich fühlte sie sich heftig gepadt, fühlte ihre Finger so leidenschaftlich gepreßt, daß fie fast einen stern mit einem falten und undurchdringlichen Gesichte, ob Schrei ausgestoßen hätte. Dabei fragte Rolf seine Schwes man bis zum Andreaskreuz fahren solle oder nicht, gab dem seinem Händedrud am ganzen Körper zitterte. Kutscher Unterweisungen, während Helene hilflos unter Dieser Händedrud war ihr wie Feuer durch den Körper gegangen, sie fühlte sich wie aufgelöst, traftlos, matt, und eine Sehnsucht war in ihr, diese Hand ganz festzuhalten, mit Küssen zu bededen, sich von ihr aus dem Wagen hin= tiefer in den Wald hinein zu fliehen. überziehen zu lassen aufs Pferd, und dann immer tiefer und Nach und nach wurde sie ruhiger, als sich der Druck dieser Hand löste, die sie so herrisch gefaßt hatte, und sie fühlte nach ihrem leidenschaftlichen Wunsche fast etwas wie Scham und blidte verstohlen zu den Schwestern hin. Schirm verborgen, und Eugenie interessierte sich für den Aber Mila hielt sich noch immer trotzig hinter ihrem Weg, der sich teilte und auf eine Waldblöße führte, von wo aus man in ein grünes lustiges Tal sah. Helene nahm ihren großen Strohhut ab und legte ihn neben sich zwischen Siz und Kutschenschlag. Im selben Augenblid hielt Rolf ihre Hand fest ihr Herz stand fast still, fie fühlte sich wie in einen Trichter hinabgezogen es begann unter dem Hut nun ein leidenschaftliches Spiel der Finger, ein Suchen und Finden, ein sich Verflechten und Pressen, ein Streicheln und Loden- Helene hielt die Blife gefenft, fie fonnte jenen nicht ansehen, der auf einmal ihr ganzes Wesen an sich riz. Es war eine fremde Macht, der sie sich überlassen mußte, die etwas in ihr entfachte, vor dem sie sich fürchtete, und das sie mit allen Fibern ersehnte. Lag die Hand ruhig neben der ihren, schlüpfte sie bittend und schmeichelnd unter fie und überließ sich zitternd ihrer Leidenschaft. ( Fortsetzung folgt) zuteil werden lassen und habe darum, dem Drängen der Jugend vollstes Verständnis entgegenbringend, dieses neue Heim im Sigungssaal des Rathauses eingerichtet. An der Brizer Jugend liegt es nun, dies Heim zu einer Stätte des Geselligkeit, aber auch der Aufklärung und Erziehung eines neuen Geschlechtes zu machen. Gen. Rosenkranz sprach im Namen der Briger Bevölkerung seine Freude aus über die Schaffung des Jugendheims. Die Soz. Proletarierjugend tagt bis auf weiteres Montags und Donnerstags ab 7 Uhr. An alle Jugendlichen und alle Partei genossen ergeht der Ruf, die neue Gruppe nach besten Kräften zu unterstützen und für die Zusammenfassung und Erziehung der Jugend zum Sozialismus Sorge zu tragen. Die Milch billiger. Der Magistrat Berlin teilt mit: Die ständigen Bemühungen aller Interessenten, Konsumenten und Produzenten, insbesondere auch des Milchamis Berlin, um eine Serabsehung der Milchfrachten haben endlich zu einen Erfolg, geführt. Die Milchfrachten sind um durchschnittlich rund 40 Prozent ermäßigt worden. Es ist deshalb möglich, den Preis für das Liter Vollmilch von 3,60 m. ab Dienstag, den 12. Juli, auf 3,50 M. herabzusehen. Für das Viertelliter darf der Kleinhändler 90 Pf. nehmen. Kleiderfchliger an der Arbeit. Nachdem man jahrelang nichts mehr von den Kleiderschlitzern, Tintensprigern und Zopfabschnei dern gehört hatte, die sich meist als Menschen anormaler Gefühls. richtung erwiesen, sind der Polizei jezt wieder an einem einzigen Tage nicht weniger als zehn Fälle gemeldef worden, in denen ein Unbekannter Mädchen und Frauen die Kleider mit einer Schere aufschlitte, ohne daß die Betreffenden etwas davon bemerkten. Der Tatort ist die Treptower Spielwiese, wo am Sonntage ein beängstigendes Gewühl herrschte und dem Täter die Ausführung seines schändlichen Gewerbes eben infolge der dichten Menschenmassen erleichtert wurde. Ein angeschossener Polizeibeamter. Sonntag abend bemerkten Bassanten, daß Einbrecher in dem Geschäft der Friseuse Edith Willmann, Oranienstraße 191, tätig waren und benachrichtig ten die nächste Polizeiwache. Als von dieser zwei Beamte an den Tatort eilten, tamen die beiden Burschen heraus und riefen den Beamten zu: Sände hoch!" Gleichzeitig feuerte einer der Einbrecher einen Schuß auf den Oberwachtmeister uner ab, wodurch dieser am rechten Fuße erheblich verlegt wurde. Die im Augenblid eintretende Verwirrung benutzten die Burschen, um zu verschwinden. Kuhner wurde nach der Rettungsstelle des Bethanien- Krantenhauses geschafft, wo man ihm den ersten Verband anlegte. Auf ihrer Flucht haben die Einbrecher, wie man später erfuhr, noch etwa fünf Schüsse auf ihre Verfolger abgegeben, durch die aber niemand verlegt worden ist. Gewerkschaftliches Sicherung der Arbeitsbedingungen Der Tarifgebante, der sich als Folgeerscheinung einer bestimmten Entwidlung auf sozialem und wirtschaftlichem Ge biete durchsetzte, ist heute in Gewerkschaftstreifen allgemein anerkannt, und seine Gegner, deren es einftmals recht viele gab, haben sich fast verflüchtigt. Der Tarifvertrag, der beileibe nicht die Arbeiterschaft erlösen" tann, bedeutet nur die Durchsehung eines Prinzips, bas soziale und moralische Motive in sich birgt. An Stelle der individualistischen Einschätzung des Arbeitenden seitens des Unternehmers, trat bie follettivistische Abmachung zwischen der Organisation der Arbeiter und Angestellten und der der betreffenden Industriegruppe. Das tollektivistische Abtommen bringt den wirtschaftlich Schwachen eine gewisse Siche rung der Arbeitsbedingungen, ein Moment, das wesentlich beitrug, werbend für den Gedanten des Tarifvertrages zu wirken. Insbesondere die Periode nach dem berühmten 9. Rovember 1918 entschied sich vollends für den Tarifgedanken. Die Entstehung gesetzlicher Grundlagen für die Verbreitung des tollettiven Arbeitsvertrages bespricht Genosse R. Seibel in seiner hier schon besprochenen Schrift„ Der tollettive Arbeitsvertrag in Deutschland" folgendermaßen: ,, Einst teils Kampfobjekt und Ziel, teils Mittel im Kampf der Arbeiterklasse, ist der kollektive Arbeitsvertrag durch eine Reihe von Ereignissen, die mit der Novemberrevolution mehr oder weniger unmittelbar zusammenhängen, zur allgemein an erkannten Rechtsnorm des Arbeitsvertrages geworden. Jener innerhalb der Gewerkschaftsbewegung viel umstrittene Betttag zwischen Gewerkschaften und Unternehmerverbänden vom 15. November 1918, die Geburtsurkunde der ,, Arbeitsgemeinschaft", vetpflichtet die Unternehmerorganisationen dazu, die Arbeitsbedingungen für alle Arbeiter und Angestellten.. burch Kollektivvereinbarungen mit den Berufsvereinigungen der Arbeitnehmer festzusehen" und ,, die Verhandlungen hierüber ohne Verzug aufzunehmen und schleunigst zum Abschluß zu bringen". ,, Nur dieser Teil des Abkommens interessiert uns hier. Durch ihn wird die lange und erbittert verweigerte Anettennung der Gewerkschaften als gleichgeachtete Vertragspartner durch die Unternehmerverbände zugestanden. Durch die Veröffentlichung im Reichsanzeiger" und durch eine angefügte Empfehlung des Vertrages an die Reichs-, Landes- und Kommunalbehörden, gezeichnet von den Boltsbeauftragten Ebert und Haase, erhielt der Vertrag halbamtlichen Charakter. Die Verordnung C Spittelmarkt, Ecke Wallstraße Alexanderplatz, nahe Afchinger S Rottbuser Damm 10 nahe Warenhaus Jandorf W Friedrichstr. 193a, Ecke Leipziger Straße Leipziger Str. 113, Ecke Mauerstraße Linkstraße 1, Ecke Potsdamer Straße N SchönhauserAllee 81 am Bhf. Nordring Friedrichfir. 106, Ecke Ziegelstraße 3nvalidenstr. 164, Ecke Brunnenstraße Invalidenstr. 117 am Stettiner Bhf. Chauffeeftr. 72, nabe Müllerstraße 0 Frankfurter Allee 14, nahe Ties | über Tarifverträge und Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten vom 23. Dezember 1918 wagt sodann den ersten Schritt zur Einführung eines Tarifrechts, indem sie vor allem die Unabdingbarkeit der follettiven Abkommen über das Arbeitsverhältnis aussprach und die Möglichkeit schuf, Tarifverträge für allgemein verbindlich zu erklären." ,, Seitdem besteht in Deutschland ein wenn auch ad hoc ge schaffenes und daher unvollkommenes, als Grundlage für einen weiteren Ausbau aber immerhin tragfähiges Tarifrecht. Durch das Betriebsrätegesetz hat die follettive Arbeitsvertragsform von neuem gesetzliche Anerkennung gefunden. Das Gesetz erblickt in der Durchführung der Tarifverträge eine der wichtigsten Aufgaben der Betriebsräte. Es verpflichtet sie, die Anbahnung von Tarifen zu veranlassen, wo sie noch fehlen. Tarifverträge werden im§ 78 schlechthin als„ maßgebend" bezeichnet. Diese hiermit gegebene gesegliche Anerkennung des Tarifes als allgemein gültige Norm des Arbeitsvertrages ist die Konsequenz der Bestimmungen der Reichsverfassung, auf denen das Betriebsrätegesetz selbst beruht," und dessen Artikel 165 die beiderseitigen Organisationen, der Arbeiter und Angestellten einerseits, die Unternehmer andererseits, und ihre Verein barungen anerkennt. Damit ist, wenigstens für unsere Epoche, für den Gedanken des Tarifvertrages entschieden worden. Der Geltungsbereich der Arbeitsverträge, nimmt täglich zu und eine immer größere Anzahl von Arbeitenden unterstehen diesen kollektivistischen Verträgen, die von den Gewertschaften, als wirtschaftliche Vertreter der Hand- und Kopfarbeiter, getätigt werden. Mehr denn je erweist es sich daher als notwendig, sich mit diesen Fragen vertraut zu machen, um allen Anforderungen, die stündlich an unsere Organisationen und ihre Funktionäre herantreten, gewachsen zu sein. Wer sich nun nicht durch die ganze Literatur des Gewerkschaftsund Tarifvertragswesens durcharbeiten will, dem kann diese Seidelsche Broschüre nur gelegen und von außerordentlichen Nutzen sein, auf die nicht oft genug hingewiesen und zur Lektüre empfoh len werden kann; enthält sie doch den ganzen Fragenkomplex des Tarifvertragswesens, das jetzt für uns als von außerordentlicher deutung ist. Gfreit in der Geschäftsbuchbranche Der Verband der Buchbinder feilt mit: Seit dem 27. Juni befinden sich die Kontobucharbeiters und-arbeiterinnen im Rampf. Die Forderungen, die gestellt sind, find mehr als gerecht zu bezeichnen. Weitergehende Forderungen als Löhne bereits in den Buchdruckereien unseren Kolleginnen und Kollegen bezahlt werden, sind nicht gestellt. Die Geschäftsbuchfabrikanten glauben durch ihre Zugehörigkeit zu der Doppelorganisation des Api einerseits, sowie des Vereins der Berliner Buchdruckereibefizer andererseits das Recht herleiten zu können, die Buchbinder und Buchbindereiarbeiterinnen ihrer Betriebe als Arbeiter 2. Klaffe zu betrachten. Wir sagen: Sind die Buchbinder und Buchbindereiarbeiterinnen in den Geschäfts buchfabriten nicht genau von demselben wirtschaftlichen Elend bes troffen wie ihre Kollegenschaft in den Buchdrudereien? Was lagen die Herren Geschäftsbuchfabrikanten dazu, daß ein Teil der dem Api angehörigen Unternehmer bereits am 29. 6. ihren Arbeitnehmern die Entlassung zugestellt haben, troydem Ver handlungen über die Aufnahme der Arbeit zwischen Arbeit. geber und Arbeitnehmer stattfanden? Mutet man den Kolleginnen und Kollegen aus der Geschäftsbuchbranche zu, unter solchen Berhältnissen bedingungslos die Arbeit wieder aufzunehmen? Die Unternehmer versuchen mit allen Mitteln, Herren der Lage zu werden. Man scheut nicht, durch Annancen aller Art auf die Buchbinderei und Hilfsarbeiterschaft einzuwirken. Es wird weiter versucht, durch Vergeben von Haus- und Heimarbeiten, sowie durch Kleinbetriebe der streitenden Kollegenschaft in den Rüden zu fallen. Wir erwatient die Solidarität der gesamten Buchbinderei- und Hilfsarbeiterschaft. Die von den Unternehmern versandten Schreiben, welche die Unterschrift des Verbandsvorstandes und die der Ortsverwaltung tragen, find ein demagogisches Mittel, die Kollegen schaft zu bluffen und als solche zu werten. Kolleginnen und Kollegen! Unser Kampf steht gut! Alle Bemühungen des Unternehmertums, unsere Reihen zu spalten, sind nicht gelungen! Tragt Sorge dafür, daß teine Kollegin und tein Kollege zum Streitbrechet wird! Uebt Solidarität! Die Streiffeltung Arbeitslose Metallarbeiter! Am 15. Juli findet die Abfertigung der Arbeitslosen, die Geld erhalten, ohne vorherige Abgabe der Bücher statt. Die Kollegen, deren Woche am 15. Juli endet, erhalten am 16. Juli an ihrem Berufsschalter Geldquittung, ohne vorher ihr Mitgliedsbuch abzugeben. Das Mitgliedsbuch, Stempeltarte und Bet bandstarte sind vorzulegen. Am 15. Juli werden teine Bücher abgenommen. Die Dris verwaltung. Eine Verschmelzung Am Sonntag, den 10. Juli 1921, tagte in Berlin der Bundestag des Eisenbahn- Handwerter Bundes. Der wichtigste Bunft der Tagesordnung war die Verschmelzung des Ber bandes mit dem Deutschen Metallarbeiter Bets band. Nach Referat und Korreferat wurde von den anwesenden Delegierien mit übergroßer Mehrheit beschlossen, daß 9 der Uebertritt zum Deutschen Metallarbeiter Verband am 15. August erfolgen soll. Durch diesen Beschluß ist eine der vielen fleinen Organis fationen wieder zu dem großen Industrieverband der Metallarbeiter gestogen. Wir wünschen und hoffen, daß auch die übrigen Organisationen, deren Mitglieder in der Metallindustrie noch beschäftigt sind, sich in nicht allzu langer Zeit dem Industries verband der Metallarbeiter anschließen werden. Generalversammlung der Maschinisen und Heizer In einer sehr schwach besuchten Bersammlung am Sonntag, den 10. Juli, gab Reinefeld den Bericht vom Verbandstag in Karlsruhe. In ausführlicher Weise sprach er über die stattgefundenen Verhandlunden und gefaßten Beschlüsse. Da von einer Diskussion wegen des schlechten Besuchs und wegen der Abwesenheit der übrigen Delegierten Abstand ge= nommen und beschlossen wurde, in einer demnächst stattfindenden Generalversammlung nochmals dasselbe Thema zu behandeln, so werden wir dann darüber berichten. Solzarbeiter. Der Streif bei der Firma Gebr. Krause, Wilhelmstraße 124, ist nach 22 Wochen abgebrochen worden. Wir weisen ausdrüdlich darauf hin, daß für organisierte Arbeitet obiger Betrieb unter allen Umständen ju meiden ist, da die Firma es ablehnt, die tarifvertrag lichen Verpflichtungen zu erfüllen. Arbeiterfreundliche Blätter bitten wir um Abdrud obiger Rotiz. Die Ortsverwaltung. Jugendbewegung Sozialistische Broletarlerjugend, Ortsgruppe Baumschulenweg. Sonntag, den 17. Juli, vorm. 11% Uhr, findet eine Besichtigung des Krematoriums in Baum Schulenweg, Kiefholzstraße, tatt. Wir laden hierzu die Gruppen der Sozialistis fchen Arbeiterjugend Groß- Berlins zu zahlreicher Beteiligung ein. Besichtigung tostenlos. Treffpunkt 11 Uhr vor dem Krematorium. Arbeitersport Arbeiter Turner- Bunb. Kreis 1. Provinz Brandenburg. Achtung! Lehrturjus r den Norden der M.-S.-B. Interessenten notieren! Am Dienstag, den 12., Freitag, den 15., und Dienstag, den 19. Juli 1921, wird auf dem Fightesportplas in Reinidendorf- Oft, Thuner Straße, abends 6 Uhr, der Lehrkursus für die Fuß baller des Nordens abgehalten. Lehrplan: Dienstag, den 12., 6-7 Theorie( in ber Barade); 7-8 Borübungen( auf dem Plag); 8-9 Baltbehandlung. Freitag, Sen 15., 6-7 furze Wiederholung; 7-8 Vorübungen; 8-9 Balbehandlung. Dienstag, den 19., 6-148 Steffungsspiel; 8-9 Theorie, Schlußbetrachtung, Nach 9 Uhr wird eine Aussprache über den behandelten Stoff abgehalten. Bet reger Beteiligung der lehrenden und lernenden Teilnehmer tann der Kursus eventl. verlängert werden. Die Orte und Platzbefizer des Oftens, Südens, Westens usw., an denen weitere Kurse gewünscht werden, wenden sich umgehend mit Angabe der gewünschten Tage an Walter Sabjit, Berlin- Pantow, Binzftr. 57. Der Lichtbildvortrag über den Oberspreewald für die Teilnehmer an der Ge fellschaftsfahrt des Arbeiter- Wanderbundes Naturfreunde am 16. und 17. Juli findet am Donnerstag, 14. Juli, abends 7 Uhr bei Fenfara, Melchiorftr. 15, tatt. Für diese Spreewaldfahrt, die zu den schönsten Punkten des Obersprees waldes, wie Burg,& h. Giche, Kannomühle, Schügenhaus und Lehde führt, ind noch bis Donnerstag einige Zeitnehmertarten zu haben bel Kruse, Mariannen traße 11; Soria, Engelufer 15; Jahnte, Schöneberg, Barbarosaftr. 45; Maspfuhl, Brüsseler Str. 14; 3intet, Neuton, Bergstr. 112. Der Lichtbildervortrag ist für die Teilnehmer feet. Parteiveranstaltungen Dienstag, 12. Juli 10. Distrikt( früher 18.). Abends 28 Uhr Frauenarbeits- und Kinderschutztom mission bei Bierbaum, Bastianfit. 2. Wichtige Sigung. Mittwoch, 13. Juli 2. Berwaltungsbezirt. 4. Diftritt( Westen). Abends 7% Uhr großer Zahlabend mit Bortrag in der Schulanta Pallasstr. 15. Die Eltern, welche ihre Kinder zu Ferienwanderung mitschiden, werden zweds Aussprache besonders dazu ein geladen. 5. Berwaltungsbezirt, 17. Diftriff, 7. Abteilung. Gemeinsamer Zahlabend be Busch, Tilsiter Str. 27. 2. Distrilt. 4. Abteilung. 7 Uhr Zahlabend bei Börschte, Georgenfirftr. 14 13. Diftritt. Abends 7 Uhr gemeinschaftlicher Zahlabend der 1. Dt. in de Schulaula, Driesener Str. 22. 1. Bericht. 2. Borttag. Dazu einladen. 16. Diftritt( früher 7.). 6. Abteilung. 7 Uhr gemeinsamer Zahlabend in bek Schulaula Tilfiter Straße 4. 18. Diftritt( Kreuzberg). Die Abteilungen halten den 3ahlabend in folgendes Lotalen ab: 1. Abt. bei Keller, Wasserforstr. 71. 2. Abt. bei Schweifarbt, Ale Jafobstr. 24. 3. Abt. bei Kohn, Brandenburgstr. 22. 4. Abt. bet Schtem, Cha Toffenftr 8. 5. Abt. bei Lehmann, Hallesches Ufer 14. 19. Diftritt( Kreuzberg), 1. Abteilung. Abends 7 hr gemeinsamer Zahlabend bet Rothgang, Teltower Str. 16. 4. Abteilung. Abends 7 Uhr gemeinsamer Zahlabend in der Schulaula, Dieffenbachstr. 51. Lichtenberg Stadt. 5. Viertel. Abends 7% Uhr. 1. Viertel. Zahlabend 1 der Schule Friedrichstr. 70. Weißensee. Abends 7 Uhr Zahlabend. 1. Abt. bet Nagel, Lothringer, de Straßburger Straße. 4. Abt. im Zeichenfaat, Realgymnasium Wöldpromenade. 5. Abt. im„ Grünen Baum", Berliner Allee. Erscheinen aller Genossen und Ge noffinnen ist Pflicht. Marienbors. Abends 7% Uhr getrennte 3ahlabende in ben bekannten Lotalen. Thema: Organisationsstatut und die Einigungsbestrebungen. Berlin- Karlshorit. Pünktlich 8 Uhr Mitgliederversammlung im Restaurant Fürstenbad", am Ende der Bring- Adalbert- Straße. Ref.: Gen. Ludwig- Hagen Revolution oder Evolution". Gäste willfommen. Copenid. Abends 7% Uhr Zahlabend für die Kiek and Altvorstadt im Lotal Rettig, Müggelheimer Str. 36. Die anderen 3ahlabende fallen aus. Funktio näre, Genoffen und Genosfinnen der beiden Borstädte müssen unbedingt en scheinen. Auch find alle Funktionäre von Cöpente eingeladen." Bereinsfalender Dienstag, 12. Juli Broletarischer Gesundheitsdienst, Abt. Norden. Bezirksversammlung im Lot Baul Leite, Bernauer Str. 31. Ausgabe von Material und Armbinden. A. S. B Ausweise und Binden mitbringen. Erscheinen ist Pflicht. Mieterverband Schöneberg. Deffentliche Mieterversammlungen am Dienstag ben 12. Juli, abends 48 Uhr, 1. in der Hohenzollernschule, Belziger Str. 2. in der Uhlandschule, Kolonnenstr. 21; 3. im Helmholy- Realgomnatum, bensstraße( Friedenauer Ortsteil). Thema: Mieternot und Mieterrecht gegenwärtige Höchstmiete). Proteft gegen die Spruchprazis des Schöneberg Mietseinigungsamtes. Berantwortlich: für Bolifit u. Feuilleton: Les Liebly, Berlin- Friedena für Kommunalpolitif, Lotales und Gewerkschaftliches: Gerhart Seger Mahlsdorf- Süd bei Berlin; für den Inferatenteil u. geschäftliche Mittelfunger i. B. Gustav Natasch, Berlin NW. Verlagsgenossenschaft Frethei Drud der Berliner Druderei G. m. b. H., Berlin C2 e. 6. m. b. 5., Berlin. Augen find der Seele Spiegel, barum bewahre man fie davor, daß sie trübe werben, daß rot entzündete Lider sie verunzieren, daß fie infolge lleberanstrengung matt, glanzlos in die Welt schauen, beim geringften rauhen Lüftchen tränen und daß sich schon im Jugendlichen Alter in der Augengegend jene Fältchen bilden, die eine Folge des unwillkürlichen ZusammenIneifens ber Augen bei angestrengtem Sehen sind. Ueberanstrengte Augen verursachen Kopfschmerz, vorzeitige Ermüdung und Nervosität und geben dem Gesicht einen matten, nervösen Bug, machen es vorzeitig alt. Kommen Sie zu uns, wenn Ihre Augen überanstrengt find, wenn Sie beispielsweise bei ihrer gewöhnlichen Beleuchtung nicht mehr scharf sehen fönnen. Die Untersuchung burd geschulte Fachleute ist kostenlos. Wenn Sie etwa bereits über 40 Jahre alt find und noch keine Augengläser haben, so sollten Sie uns unbedingt Besuchen, denn in diesem Alter brauchen, mit ganz wenigen Ausnahmen, selbst sehr gesunde Augen eine Unterstützung burch Augengläser, wenn es mit deren Leistung nicht bergab gehen soll. 1 Breite Straße 8-9. Gute Augengläser, bie man ja durchaus nicht dauernd zu tragen braucht, erhöhen bie Leiftung Ihrer Augen, fteigern Ihre Arbeitstraft unter Umständen bis aufs Doppelte und halten Ihre Augen flar und blant. Wir legen besonderen Wert auf gutes Aufpassen ber Faffungen, alfo auf orthozentrisch richtiges und ficheres Sigen, weil auch das beste Glas nicht das Beste leisten fann, wenn es schlecht figt. Dabei garantieren wir für die Haltbarkeit unserer Aneifer- und Brillenfassungen aus Gold- Doublé und echtem Gold 1-4 Jahre lang, je nach dem Preis der Fassung. In dieser Beit machen wir Ihnen alle Reparaturen an diefen Faffungen umsonst, selbst wenn diefelben Surch Ihre eigene Schuld entzwei gegangen find. Das ift fein leeres Bersprechen; wir halten es getreulich. Wer einntal bei angenehmer Ersparnis erheblicher Gelb ausgaben die Ruhnke- Garantie fennengelernt hat, schägt ihren echten Wert und tommt immer wieder nur zu uns. Sind's die Augen, geh' zu Ruhnke! 30 Gefchäfte in Groß- Berlin, Hamburg, Bafel, Düffeldorf; Fabriken in Rathenow- Neue Schleufe und Berlin. NW Friedrichstraße 150 Ecke Dorotheenfirahe SW Belle Alliance- Str. 4 naye Jandorf SO Oranienstraße 44, zwischen Mortg Oranienplay Spandau: Breite Straße 18 und nahe Markt Charlottenburg: Zauenhienstraße 15 Ecke Marburger Strakt Joachimsthaler Str.2 nahe Bhf. Zo Neukölln: Bergstraße 4, Ecke Biethenstraß Friedenau: Rheinstraße 18, Ecke Kirchstraße Schöneberg: Hauptstraße 21, Ecke Akazienfteaf Wilmersdorf: Berliner Str. 1323 nabe Uhlandstraf